Morgenausgabe Er. 137 A 69 45. Iahrgang WSchemlich 70 Pfg� monatlich Z.— 5t im voraus zahlbar. Postbezug S.7Z N. «mschl. Bestellgeld. Vuslandsadonüe» meut öLO M. pro Moaat. che Der.BonvStts� erscheint wochentäg- lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlu» und im Dandel mit dem Titel.De? Lbeud� Illustrierte Beilagen.Boll und Zelt- und.Äinderfreund' Ferner .Unterhaltung und Wissen-..Frauen- stimme-.Technik- Blick in die Bücherwelt- und.Iugend-Dorwärt»- p> Berliner Volksblatt Millwoch 21. März>928 Groß'ÄerlinlF pf. Auswärts 15 j>f. Die etntualitg, StonpaNekkkezeßla SO Pfennig Reklamezeile o- Rcichs» trtarf.Stlrtnc Anzeigen" das lettge- druckt» Won 2b Pfennig(zuläffig zwe« lettgedruckte Wone). iedes weitere Wort t2 Pfennig Stellengesuche da» erst» Wott lb Plenmg. iedes weiter»©ort 10 Pfennig WoN» übe» 15 Buchstaben zählen lü» zwei Won« Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig Familianzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig Anzeigen« annahm»»w kzauptgeschäft Linden« Araße 2.«vchemägl von 8�, dt» 17 Übt Jentvawvsan de« Sozialdemokratischen Kartei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin TW 68, Lindenstraße 3 ßernsprechrr: Tönhosl 293—£97 Zelegtantm-JIbt.: Scztalbcmofrai Berlin Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Bostslbeckkonto: Berlin 97 bS6— Bankkonto: Bank der Arbeiter,«ngeftellie» nnb Beamte» Wallftr. SS, Diikonto-Gelelllchatt. Deposilentasie Lindenstr Z Der Aufruhr von Langenöls. Das Landbund-Organ hetzt weiter. Breslau. 20. März.(WTB.) Nach amllicher Feststellung sind die Meldungen über Der» letzungen von Teilnehmern bei den Vorgängen in Langenöls, Kreis Nimptsch, nicht richtig. Die Schutzpolizei hat zwar von Gummiknüppeln Gebrauch machen müsien. aber Verletzte hat es nicht gegeben. Es ist femer unrichtig, daß Maschinen- gewehr« aufgefahren wurden. Die Schutzpolizei hat überhaupt kein« Maschinengewehre mit sich geführt. sondern es sind lediglich die Karabiner und die Maschinenpistolen geladen worden. Regierungspräsident I a e n i ck e hat sich gleich nach Bekanntwerden der Creignisie an Ort und Stelle begeben, um mit den maßgebenden Persönlichkeiten des Londbundes die Lage zu besprechen und dafür Sorge zu tragen, daß es morgen bei einem in Langenöls anberaumten Versteigerungstermin nicht abermal» zu Unruhen kommt. Der Regierungspräsident hat den Landrat de» Kreises Nimptsch, S e y b o l d, der zurzeit an den Veratungen de« Staatsrate» in Berlin teilnimmt, telephonisch zu- rückberusen. Morgen früh wird der Landrat an Ort und Stelle sein. Vreslau. 20. März. sEigenbericht.) Nach den bisherigen Feststellungen ist es in Langenöls auf fol- gende Weise zu dem bekannten Zusammenstoß gekommen: Während der Versteigerung gab ein Erwerbsloser ein Angebot auf ein Schwein unter der Taxe ab und erhielt den Zuschlag. Der den Kreislandbund Nimptsch führende Rittergutsbesitzer Schimpf wies daraufhin die Umstehenden auf den Erwerb des Schweines durch den Erwerbslosen hin und fordert« aus, E r- werbslosen in Zukunft keine Arbeit mehr zu geben..Die Schutzpolizei nahm den Rittergutsbesitzer daraufhin in Schutzhaft., well er die Menge durch fein Venehmen aufhetzte. Run drängte die Meng» gegen dl« Polizeibeamten und da» Grund st üit vor; sie mußte schließlich unter Bs» Nutzung de» Gummiknüppels von der Polizei zurückgetrieben werden. Bei diesem Zurückdrängen wurden einige Beainie von der Menge abgedrängt, so daß der Führer de» Polizeikommondos den Befehl gab. die auf tzem Wagen bereitgehaltenen Karabiner und Mo- fchinenpistolen schußfertig zu machen. Es kam jedoch nicht zur An- Wendung der Waffen. Di« Versteigerung konnte in-» dessen nicht fortgefetzt werden. » Aus den vorliegenden Nachrichten geht klar hervor, daß die Polizei auf die Einsetzung ihrer Machtmittel verzichtete und daß die Aufrührer ihren Willen durchsetzten: Die Versteige- rung tonnte nicht durchgeführt werden. Dieses Verhalten der Polizei entspricht den modernen, humanen Grundsätzen, den Schutz des Menschenlebens über die Wahrung der Auto- rität zu stellen. In der Kaiserzeit wäre ein solches Verhalten freilich nie möglich gewesen, da hätte man„zur Wahrung der Staatsautorität" oyne weiteres die schärfsten Maßnahmen ergriffen. ' Für das besonnene und humane Verhalten der Polizei findet aber die„Deutsche'Tageszeitung" lein Wort der An- ertennung. Im Gegenteil, sie schreibt dazu folgenden Hetze- rischen Kommentar: Nim ist es dank de« b r ii s t en und tokpatsck>ig«n Eingreifen» der zuständigen Regierungsorgane wirklich so weit gekommen, daß e r n st e Konflikte drohen! Wir haben immer und immer wieder dringend davor gewarnt, Verzwei- felnd? mit Gewalt zur Ruhe bringen zu wollen. Es ist jetzt die allerletzte Minute für die Regierung, maß- losesUnglück zu verhindern! Die Vorgänge in Nimptsch werden wie«in Alarmruf wirken, wenn man nicht fchleunigst den Bauern die Gewißheit zu verschaffen weiß, daß er nich: zwangg- weis« um Hab und Gut gebracht werden soll. Gleich zeUig aber muß verlangt werden, daß der Landrat. der durch sein brutales vor- gehen die Dauern bis auf» Dlut gereizt hat. zur Rechenschast gezogen wird. Oeffnet man nicht jetzt endlich der Panikstimmung ein Ventil, dann erfolgt die Explosion. Die Verantwortung aber dann über die, die die Zeichen der Zeit verkannt oder mißachtet haben. Wer die Wahrheit so bewußt und absichtlich entstellt, der will neue Zusammenstöße hervorrufen. Der Landbund— der in der R e i ch s r e g i e r u n g immer noch entscheidenden Einfluß besitzt— spricht die Sprache des Aufruhrs und orga- nisiert den Aufstand gegen die Staatsgewalt. Er macht damit mindestens genau dasselbe, was die K o m m u- n i st e n vor fünf Iahren in Sachsen gemacht haben. Wird nun die Reichswehr anmarschieren und den deutschnationalen Reichsminister und Landbundführer Schiele für abgesetzt erklären? Ach nein! Wenn zwei dasselbe tun, ist es nicht dasselbe...! Die Millionen sür die Landwirtschast. Agrarisches Hilfsprogramm im Haoshaltausschuß angenommen. Der Hauptausschuß de» Reichstages verabschiedete gestern das Hilfsprogvamm für die Landwirtschaft. Die Verteilung der aus- geworfenen Mittel soll auf Grund von Richtlinien erfolgen, die mit Zustimmimg des Reichsrats und eines 28gliedrigen Aus- fchufles des Reichstags festgelegt werden sollen. Bewilligt wurden: 500 000 Mark zur Verbilligung des Zinsfußes für Darlehen für landwirtschaftliche Badenverbesserungen. 8 Millionen zur Organisierung des Absatzes von Schlachtvieh und Fleisch. Die Mittel sollen ebenfalls zur Organisation und Für- d«rung des direkten Absatzes zwischen Verbraucher, und Erzeuger- genossenschasten zur Verfügung stehen. 30 Millionen als einmaliger Beitrag zur Behebung der gegen- wältigen außerordentlichen Notstände in der Landwirtschaft. 1 Million zur Förderung der Geflügelzucht und des Absatzes. Ferner wurde die folgende Entschließung angenommen: „die Reichsregierung zu ersuchen, sofort die notwendigen Maß- nahmen zu ergreisen, um weitere Pfändungen und Zwangsvollstreckungen bei mit Roggenhypotheken belasteten bäuerlichen Klein- und Mittelbetrieben aus- zuhalten und die Vermittlungsstellen anzuweisen, sofort die not- wendigen Mittel aus dem der Reichsregierung zur Verfügung g«> stellleo Fonds zwecks Umschuldung der hochbelasteten bäuerlichen Betriebe anzufordern." Der Rest de» landwirtschaftlichen Notprogramms wurde ge- nehmigt. die Beratung de» Sozialprogramms auf heute vertagt. Nsichsbetriebe als Unternehmer. Lohnverhandlungen am Widerstand der Reichsbahn und Reichspost gescheitert. Die gestrigen Eioiguagsverhandlungen vor dem Schlichter sind gescheitert. Die Vertreter der Reichsbahnverwoltuag brachten die alten Argumente gegen eine Lohnerhöhung vor. Ersten, sei kein Geld dazu da. übrigen» seien die Forderungen de» Personals auch nicht sachlich berechtigt. Dr. homburger suchte mit vielen Zahlen die finanziellen Röte der Reichsbahn zu beweisen, mußt« jedoch zu- geben, daß ganz bedeutende Summen zu baulichen Anlagen ver- wendet worden, so daß sich über die Rentabilität de» Reichsbahn- betriebe» kein klare» vild gewinnen läßt. Do keine Einigung herbeigeführt werden konnte, machten die Parteien ihre Vorschläge sür die Zusammensetzung einer Schllch- lungskaminer. die heute um iOVb Uhr verhandeln wird. Es dürfte «lso heute zu einem Schiedsspruch kommen. Die Lohnverhandlungen bei der Reichspost. die bereits am Montag begannen, sind bis setzt nicht vom Fleck ge- kommen. Durchgreijende Erhöhung der Grundlöhne und Sicherung des Achtstundentags— dos find die beiden Hauptforderungen der Facharbeiter, um die es bei diesen Ver- Handlungen geht. Die Organisationsvertreter verlangten Anpasiung der Löhne an den Friedensreallohn. Stundenlang wurde darüber gestritten, was bei dieser Anpassung als Berechnungsgrundlage zu titntn habe. Die Organisationen wollen, daß dl« Höchst löhn« zugrunde gelegt werden: die R« i ch e p o st dagegen will n u r e i n e n Reichsdurchschnittslohn als Berechnun-gsbasis gelten lassen, obwohl auf der Hand liegt, daß mit einem derartigen Durchschnitt nicht viel anzufangen ist, sondern davon ausgegangen werden muß, wieviel der Reichspostarbeiter am Ende der Woche tatsächlich in die Hand bekommt. Am Dienstag wurde in erster Linie die Verkürzung der Arbeitszeit beraten. Auch in dieser Frage zeigte die Reichspost keinerlei Entgegenkommen. Die Taktik der Reichspost geht allem Anschein nach da- hin, die Verhandlungen indieLöngezu ziehen. Sic will a b- warten, bi» im Lohnstrelt der Reichsbahn, der bereits bei dem amtlichen Schlichter anhängig ist, ein Schiedsspruch gefällt Ist, um danach ein Angebot zu wachen. Auch bei den Lohnverhandlungen der Reichspost also dasselbe Bild wie vor kurzem bei den Parteiverhandlungen der Reichsbahn: die Unternehmerseite führt keine ernsthasten Parteiverhandlungen, svn- dern macht von vornherein alles von der Entscheidung des amtlichen Schlichters abhangig. Die Reichsbahn hat so schnell wie möglich die amtlichen Schlichtungsinstanzen in Bewegung gesetzt, und der Spruch im Reichsbahnlohnkonflikt soll nun nicht>•-r sür die Reichsbahn- arbeiter. sondern auch für die Neichspostarbeiter. wie für die Reichs- und Etaatsarbeiter richtungweisend und entscheidend sein. Für die Amnestie. Kommunistische Kompromißpolitik im Rechtsausschuß. So« Kurt Rosenfeld. Der Kampf um die Amnestie hat in» ersten Anlauf nicht zum Erfolg geführt. Am Schluß der ersten Lesung der Amnestievorlage ergab sich im Rechtsausschuß des Reichs- tages, daß von den 28 Mitgliedern des Ausschusses nur dix 10 Sozialdemokraten und Kommunisten in der Gesamtab- slimmung für die Amnestie eintraten, sämtliche bürgerliche Parteien aber mit ihren 18 Stimmen dagegen stimmten. Die Amnestie war damit vorbehaltlich einer anderen Entschei- dung in der zweiten Lesung des Rechtsausschusses— g e» scheitert. Den Beratungen lagen sozialdemokratische, kommu- nistische und deutschnationale Anträge zugrunde. Die Kommunisten wechselten ihre Formulierungen anda'.�rnd und erhöhten damit gewiß nicht die Aussichten ihres An- träges. Der ursprüngliche kommunistische Antrag war un- zureichend. Er forderte Straferlaß lediglich für Strafen, die vom Gericht des Reiches verhängt waren, und auch nur bei Hochoerrat, Teilnahme an ungesetzlichen Verbänden und Zuwiderhandlungen gegen das Republikschutzgesetz oder damit in Zusammenhang stehender Straftaten. Später erweiterten die Kommunisten ihren Antrag auf die Urteile der Gerichte der L ä n d er und auf alle hpegen politischer Verbrechen oder Vergehen abgeurteilten Personen, begrenzten ihre Vorschläge aber bezüglich der Zusammenhangshandlungen so, daß die sozialdemokratische Fraktion erst wieder die Streichung dieser Begrenzung beantragen mußte. Schließlich zogen die Kom- munisten sogar, als die Deutschnationalen mit einem eigenen Amnestieantrag kamen, ihren Antrag ganz und gar zurück, noch dazu ausdrücklich zugunstendes deutsch natio- nalen Antrages. Das war das erste, was die Kommu- nisten für die Deutschnationalen taten. Der deutschnaticinale Antrag wollte natürlich vor allem die Fememörder sichern. Er lautete:„Es wird Straferlaß gewährt für die zur Zeit des Inkrafttretens dieses Gesetzes noch nickt verbüßten Strafen, die von Gerichten des Reichs und der Länder verhängt würden wegen Straftaten, die aus politischen Beweggründen begangen war- den sind." Der sozialdemokratische Antrag ging dahin: „Es wird Straferlaß gewährt für die zur Zeit des Inkraft- kretens dieses Gesetzes noch nicht verbüßten Strafen, die von Gerichten des Reichs und der Länder verhängt worden sind wegen Straftaten, die in unmittelbarem oder mittel- barem Zusammenhang mit dem politischen, sozialen oder wirtschaftlichen Kampfe stehen, ohne Rücksicht darauf, unter welchen rechtlichen Gesichtspunkten die Strafe verhängt ist." Die Deutschnationalen kritisierten an der sozicldemokra- tischen Formulierung, daß zweifelhaft sei, ob auch die „Nationalhelden" der schwarzen Reichswehr unter eine solche Amnestie fallen würden, und daß der sozialdemokratische Vor- schlag auch zur Amnestierung der in wirtschaftlichen Kämpfen mit dem Gesetz und Gericht in Konflikt Geratenen führen würde. Diese deutschnationale Kritik zeigte aber gerade die Vorzüge des sozialdemokratischen Antrages. Die meisten noch der Freiheit beraubten politischen Ge- fangenen sind durch Urteile von Gerichten des Reichs ver« urteilt: 124 wegen Hochoerrats oder Vergehens gegen das Republikschutzgesetz und 104 wegen Landesverrats und Ver- rats militärischer Geheimnisse. Zu der ersteren Gruppe ge- hören auch die beiden' wegen Beteiligung am Rathenau- Morde Verurteilten und fünf Fememörder(Parchimer Mord). Unter die zweite Kategorie fallen nur drei Personen, die nicht aus Gewinnsucht gehandelt haben. Diese Amnestie würde also 127 politischen Gefangenen die Tore der Straf- anstalten öffnen und außerdem, da auch die Niederschlagung von noch schwebenden Strafverfahren durch das Amnestie- gesetz angeordnet werden sott, zur E i n st e l l u n g von etwa 70 noch schwebenden Strafverfahren führen, i n s b e s o n- dere auch des Verfahrens gegen eine Anzahl kommunistischer Abgeordneter. Die außerdem im sozialdemokratischen Amnesiieantrage vorgeschlagene Einbeziehung der Urteile der Länder- e r l ch t e in die Amnestie würde serner mehr als 400 Per- onen befreien, die allermeistens nur zu kleineren Strafen verurteilt sind. Freilich befinden sich unter den durch Ländergerichte Verurteilten auch die preußischen und meck- lenburgischen Fememörder. Die Länderamnestie würde, wenn sie auch die noch schwebenden Verfahren betreffen würde, auch den zahlreichen Verfolgungen gegen geflüchtete und noch nicht entdeckte Fememörder ein Ende machen und ferner die Erzberger-Mörder endgültig vor Strafe schützen. Gegen die Ausdehnung der Amnestie auf die Urteile der Ländergerichte erhoben fast alle Land i�-r e g i e r u n- gen schärfsten Widerspruch, weil eine solch? Dm- nestie einen„verfassungswidrigen Einbruch in die Justiz- Hoheit d?r Länder" bedeute. Infolge dieser nahezu einmilti- qen Erklärung der' Landesregierungen hätte der jetzige Reichstag eine solche Amnestie nicht mehr durchsetzen können, da der Reichsrat nur Einspruch zu erheben brauchte und der äoplUta Walter tohmam» schriet am U. Nor, 1»» tm bau T»ariuebienft atu� ieichsiag vor seiner SluflLsung keine Möglichkeit mehr ge» >abt hätte, den Einspruch zurückzuweisen. Außerdem war auch im Reichstag selbst der Widerstand gegen eine Länder- amnestie sehr stark und deshalb bot schon die Frage der ver» fassungsmäßigen Zuständigkeit große Schwierigkeit. Der krttischste Punkt war die Entscheidung darüber, ob die Amnestie auch die Fememörder umfaflen sollt«. Die Deutschnationalen priesen diese Gesellen als Vaterlands- Helden. Dabei ergab sich das traurige Schauspiel, daß die Kommunisten sich von vornherein bereit zeigten, den Deutsch- nationalen die Freiheit der Fememörder zu schenken, wenn die Deutschnationalen den Kommunisten die Freilassung der proletarischen Gefangenen bewilligten. Ei» übles Tauschgeschäft, zu dem sich die Kommunisten noch dazu in unwürdigster Weise herandrängten! Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion durste und konnte nicht vergesien, daß es sich bei den Fememördern um ganz besonders gefährliche Elemente handelt, um Leute, die in der hinterhältigsten Weise wehrlose Menschen ums Leben gebracht, in den meisten Fällen sogar Unschuldige heimtückisch „gekillt" haben, und die mithin eine dauernde Gefahr dar- stellen. Die Sozialdemokratie wünschte nicht, die proleta- rischen Gefangenen mit den rechtsradikalen Gefangenen auf eine Stufe zu stellen. Es kam hinzu, daß diese Gefangenen meistens schon viele Jahre in den Zuchthäusern schmachten. während die Fememörder, selbst die schon verurteilten, ernsten Folgen ihrer Untaten bisher entgingen, die meisten von ihnen und auch die Erzberaer-Mörder sogar erst noch abzuurteilen sind. Seit Iahren fordern die Sozialdemokraten und auch die Kommunisten die rücksichtsloseAufdeckungder Fememorde und die energische Verfolgung der Morder. Jetzt, wo endlich die Justiz anfängt, gegen die Rechtsradikalen vorzugehen, kann der Gesetzgeber unmöglich der Justiz in die Arme fallen. Uebrigens heißt es sogar im kommunistischen Antrag wörtlich:„Ausgeschlossen von der Straffreiheit sind nur Personen, die sich an Mordtaten oder Mordverschwö- rungen der schwarzen Reichswehr, der Organisation Consul oder der Bayerischen Einwohnerwehr als Täter. Anstifter, Geldgeber oder Gehilfen beteiligt haben." Die Kommunisten hatten also ursprünglich Vernunft genug, um zu erkennen, daß die Fememörder nicht amnestiert werden dürfen. Diese Einsicht ging ihnen nur leider später wieder verloren, als der Wunsch, der Sozialdemokratischen Partei etwas anzuhängen, übermächtig wurde. Die Kommunisten hatten von vornherein bei den Ausschußberatungen ihre Hoffnungen auf die Deutschnationalen gesetzt. Keine der bürgerlichen Mittelparteien war, wie die Kommunisten genau wußten, für eine Amnestie zu haben, die auch die Mordtaten umfaßte. Die Kommunisten beachteten dies aber nicht, weil es ihnen weniger auf die Freilassung der proletarischen Gefangenen, als vielmehr darauf ankam, wieder einmal„die Sozialdemo- kratie zu entlarven". Niemand konnte ernstlich glauben, daß Sozialdemokraten. Kommunisten und Deutschnationale zu- sammen gegen alle anderen bürgerlichen Parteien und auch gegen die Landesregierungen eine Amnestie würden durch- ietzsn wollen. Statt die bürgerlichen Mittekparteien und die Landesregierungen durch Herauslafsung der Fememörder für die Amnestie zu gewinnen, stärkten die Kommunisten nur die Oppositidn dieser Parteien gegen die Amnestie und auch den Widerspruch der Länder. So verhinderten d i e Kom- munisten geradezu das Zustandekommen e i n s r Amnestie. Früher sagten die Kommunisten, es sei Ehrenfache,«ine Amnestie zu erkämpfen und sie nicht zu erbetteln oder zu erkaufen. Jetzt aber wollten sie mit Hilfe des übelsten Kompromisses, das jemals geschloffen wurde. durch Zugeständnisse an die Deutschnationalen zugunsten der Fememörder die Amnestie erschleichen. öo sind nicht die Sozialdemokraten, sondern die Kom- munisten schuld an dem Mißerfolg der bisherigen Bemühun- gen um die Amnestie. Kall Küster- Salomon. Einige Kragen, die das Reichsgericht bei der schriftlichen Ne- gründung des ftrtekls wird beantworten möffea. Bon juristischer Seite wird un» geschrieben: L Das Reichsgericht hat im Fall« Küfter.Salomon auf Festungshaft erkannt. Weil die Angeklagten au» Ueberzeugung gehandelt haben. Also doch wohl aus Ueberzeugung, mit ihrer ver- offentlichung dem wahren Wohle des Ruches zu dienen. Wird nicht durch dle Annahme, dem Wohl des Reiche, zu dienen, der vorsah de» taudcsverrats ausgeschlossen? 2. Di« Angeklagten, wird das Reichsgericht erwidern, waren sich bewußt, dem Wohl des Reiches, wie R«ich»auh«nministe- rium und Reichswehrministerium es auffaßten, zuwider- zuHandeln, wo stehi geschrieben, daß da» Wohl de» Reiche» ln de» Sinne, in dem dle Landesverratsbestlmmnngen es schühen. sich m- wlderlegllch nach der Auffassung dieser Regierungsstellen bestimmt? 3. Würde die Ansicht dieser Stellen nicht maßgeblich sei«, so würde, möchte das Reichsgericht erwidern, es überhaupt an einem objektiven Maßstab für das Wohl de» Reiche» fehlen. O nein, e» gibt einen objektiven Maßstab: die feierlichen Kundgebungen de« Reich«, selbst in Gestalt seiner Gesetze und Sta»t»»erträge. wo» der Gesetzlichkell oder der Vertragskreue widerspricht, wider- spricht auch dem Wohle de» Reiche», wie da» Reich selbst a in setaen Gesehgebungsaklen gekennzeichnet hat. So muß umgekehrt alle», was zur Abstellung solcher Mißstände dient, dem Wohl de» Reiche» entsprechen— also oar ollem ihre Offenbarung und gerade nicht ihre Geheimhaltung. 4. Aber, wendet das Reichsgericht ein, die Offenbarungen waren ja überhaupt nicht wahr, die Mißstände gar nicht vorhanden. Nach dem eigenen Standpunkt des Reichsgericht» läßt aber gerade dieser Umstand den Fall milder erscheinen: bei Wahrheit der Mitteilungen Bollendung, bei nur vermeintlicher Wahrheit nur Versuch de» Landes- verrats.„Aus begreiflichen Gründen", heißt e» w der mündlichen Urteilsbegründung,„hat die Verteidigung«» unterlassen,«inen Wahrheitsbeweis zu führen, damit nicht ein vollendeter Land«»- verrat herauskäme." ver morallsche Enllastungsbewei» wird zun» furistischeu De- lastungs beweist Kanu ein normale» Recht»gefühl sich in dieser umgekehrten well überhaupt«och zurechlflude»? Briiischer Spott in Genf. Oer Russenvorschlag in Lord Lushenduns Beleuchtung. Gens. 20. März.(Eigenbericht.) Die Antworten der Mächt« auf den russischen Total- abrüstung»Vorschlag in der Dienstagsitzung zeigen, daß kein Staat es wagt, rundweg«inen solchen Lorichlag abzulehnen, andererseits aber so viel« Einwände gegen jeden Weg der Ab- rüstung vorgebracht werden, daß«» schwer sein dürfte, in abseh- barer Zeit wirtliche Abrüstungsmaßnahmen durchzuführen. Der Italiener wie» darauf hin, daß die Staaten verschieden reich an Rohstoffen, Industrien und Bevölkerung seien und fragt«. wie nach einer Totalabrüstung die freie Entwilvung jeder Nation gewährle'�et werden könnt«. Der Franzose bedauert«, daß der russische? lan«in selbständiges Ganze« fei und auf die bisherigen Arbeiten der Abrüstungskonferzenz keine Rücksicht nehm«: man könne nur nach gründlicher Prüfung über den Plan entscheiden. Der Engländer Cushendon prüfte in zweistündiger Rede den russischen Borschlag vom national englischen Standpunkt aus. Noch mehr als dies. Er tat das, was der deutsche Vertreter leider versäumt hat, er wies aus die unleugbar propagandistischen und oölkerbundseindlichen Bestandteile des russischen Entwurfs hin. Der russische Entwurf wolle nicht nur die Heere der Welt abschaffen, sondern auch den Völkerbund, denn die Rati- sizierung soll ja in fünf Hauptstädten der Welt hinterlegt werden, aber nicht in Genf. Bölkerbund oder Völkerbundsorgan« werden mit keinem Wort erwähnt, desto häufiger sind Bestimmungen, die auf Voykoil des Völkerbunde» und Durchlöcherung de» Völkerbund- paktes hinauslaufen. Der Engländer zitiert« aus einem Artikel der Moskauer„Iswestija" Abschnitte, die bestätigen, daß Rußland in der Abrüstungskommisston nicht Bölkerbundspolitik treiben wolle, sondern„die kapitalistischen Staaten entlarven". England wolle nicht mit gleicher Münze heimzahlen, wolle den russischen Entwurf nicht sabotieren, sondern ernsthast und sachlich prüfen. Der Eng- länder stellte dann die peinliche Frage, ob Rußland den Frieden für beide Arten von Krieg wolle oder ob es nur gegen den inter- nationalen Kriea fei, dagegen wie bisher für den Vürtzer- krieg? Di« Moskauer Politik in den Kolonien bei den exotischen Völkern zeige, daß man zwar die Heere abschaffen wolle, aber nicht die A u f st a n d s m a ch«. Es sei auch merkwürdig, daß nach dem Plan die private Bewaffnung, das Tragen von Revolvern und Jagdgewehren fernerhin erlaubt sein soll. In bezug aus das verlangte verbot de» Drückens von Mllilä�lchristen und llriegeaeschichten und die geforderte Zerstörung aller vorhandenen militärischen und kriegsgeschlchflichen Bücher. bemerkte der Engländer, daß das wohl in Rußland möglich, aber mit den westeuropäischen Anschauungen über Drucks reih eit und Pressefreiheit nicht vereinbar sei. Die Bolschew'sten würden auch wohl kaum zugeben, daß man Bücher über ihre eigen« Entwicklungsgeschichte, die äußerst k r! e g e r is ch sei, verbiete! Sehr bedeutsam waren die englischen Bemerkungen zum russischen Flottenabrüstungsplon Ob es richtig ist. daß die im russischen Plan vorgesehenen Wachtschiss«, wie der Eng- länder behauptet«, nur bei gutem Wetter aus hoher See fahren dürfen, mag dahingestellt bleiben. Sehr wichtig aber war, die nochmalige Erklärung, England sei bereit, aus neuen Flollenkoaserenzen über eine wesentliche Herabsetzung der Seerüstunqea zu verhandeln. Di« Frage sei, sagte E»shendon, ob der russische Vorschlag mit dem eigenen Entwurf der Kommission harmoniere und die andere� ob er mit der Wölkerbundssotzung übereinstimme. Da» müsse gründ- lich geprüft werden. Vor endgültiger Entscheidung sei der russi'che Plan den Regierungen zu übermitteln. England würde glücklich sein, wnn vollständig« Entwaffmmg und vollständige Abschasfung des Kriege« durchgeführt werden könne aber nur sorgfältige Arbeit und lange Entwicklung könne zu diesem Ziel führen. Der Japaner wie» eisig hö f lich dacaus hin, daß Ruß- land nicht Mitglied des Völkerbundes und infolgedessen die Frag« vollauf berechtigt sei, wie weit sein Plan in der Abrüstungs- kommission geprüft werden könne. Er hoffe, daß Rußland durch fein« Mitarbeit in der Abrüstungskommission dem Völkerbund ge- nähert werde...,, Moskaus phantastische Anklage. Oie geheimnisvolle Familie Kolodub. Ao»«o, 20. vtärz.(HI.) Aus Moskau wird gemeldet, daß dl- Ansthuldlgungea der GPU. gegen dle deutsche» Ingenieure hauptsächlich auf folgenden drei puokleu beruhen: l. Verbindung mll gegeoreooluilo- nären Elemeule» in der Sowjetunion. 2. Anaahme van Gelder« der ehemaligen Besitzer zweck» ZerstSruag der Vonez- Unternehmungen und Z. D l sk r e d i tieru n g der Sowfek- g e w a l» in den Augen der Arbelter. Dl« gestern vorgesehene Unterredung zwischen Tschilscherln uud Vrockdorss-Rantzau hat nicht statt- gesunden, da von deu russischen amtlichen Stellen keine neue« Angaben über den verlaus da llulcrfuchnnge« elngelaufeu waren. Di« ersten konkreten Einzelheiten, die die Moskauer Press« über die Anklagen enthält, besagen, daß im Mittelpunkt der„Der- schwörung" eine Familie Kolodub gestanden Hab«. Da» Haupt dieser Familie, Emilian Kolodub, sei früher Direktor, später Be- sitzer von Gruben im Donez-Revier gewesen, sodann habe er sich al»„Spezialist" mit seinem Anhang der Sowsetverwaltung zur Verfügung gestellt. Diese Stellung habe er mißbraucht, um Explosionen in den Schächten herbeizuführen, um den Aus» bau von gewinnbringenden Schächten zu hintertreiben, um oerlust- bringend« Schächte auszubeuten, um die Arbeiter gegen die Sowjet- Herrschaft aufzupeitschen u. dgl. mehr. » In Rußland, wo jede freie Erörterung unmSglich ist, wird man diesen Angaben der Sowjetpresse zweifellos Glauben schenken. In Deutschland gäbe dies« Dar- stellung bestenfalls ein Szenarium ab für et» gruselig- revolutionäres Stück auf der Piscatvr-Bühne. Aber selbst angenommen, die GPU. würde den Beweis für die Schuld der Familie Kolodub erbringen, so wäre damit noch lange nicht die Mitschuld der d e u t s ch e n Techniker be- wiesen. Man bleibt asso weller auf Vermutungen angewiesen, sowie auf das Urteil solcher Persönlichkeiten, die als Kenner der Verhältnisse gelten dürfen. Von besonderer Wichtigkeit sind daher die Berichte de» jahrelangen Korrespondenten des „Berliner Tageblatts" in Moskau, Paul Scheffer. Dieser deutsche Journalist, der seit Rapallo ein geradezu be- geisterter Befürworter der deutsch-russischen. Zusammenarbeit gewesen ist und der als Verteidiger des russischen Stand- punkte» oft sehr bedenklich weit ging, hat in den letzen Tagen über die Donez-Verhaftungen mehrere Telegramme und Ar- titel seinem Blatt geschickt, die trotz aller gebotener Vorsicht an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lassen. Bereits in seinem ersten umfassenden Bericht ließ er zwischen den Zeilen durchblicken, daß er an die„Verschwörungs-Anklagen nicht glaubt. Sein neuester Artikel geht in diese? Richtung noch viel weitet Er äußert nicht nur schwere Besorgnisse um das Schicksal der Verhafteten, denen ein endloser Prozeß in Aus- ficht steht, in dem Tür und Tor seder sowjet-richterlichen Will- kür geöffnet wäre, er gibt auch zu verstehen, daß die Ber- hafteten nur Opfer der wirtschaftlichen Un- sShiakeit der Sowjetbureaukratie seien. Diese Bermu- tung ist hier vom ersten Augenblick an geäußert worden und sie wird in uns bestärkt durch Scheffers Darlegungen, Der ganze Ton seiner Ausführungen sst außerordentlich ernst und pessimistisch. Er sieht Rückwirkungen auf das ganze deutsch» russische Berhältnis voraus und tadelt die Reichsreqierunq. daß sie nicht früher die Grenzen aezogen hat, die Sowjetrußland Deutschland gegenüber nicht überschreiten durste. Scheffer ist in den vergangenen Jahren unzählige Male von der„Roten Fahne" als bürgerlicher Kronzeuge gegen die Sozialdemokratie ausgespielt worden. Deshalb ist sein Urteil in der Donez-Angelegenheit von besonderer Bedeutung, Frellich hat im Sommer 1927 die fast unbegrenzte Be- wunderung des„B.-T"»Vertreters für Moskau nach den willkürlichen Massenerschießungen von Geiseln«inen ersten Knacks erlitten. Als er gar in der Lage war, über die«ev- folguna der Trotzkisten genaue Einzelheiten zu berichten zu einer Zeit, wo die Sowjetregierung noch beharrlich schwieg und die„Rote Fahne" jede derartige Meldung noch wacker dementierte, hat die Borlieb« des Berliner Bolschewisten» blatte s für Paul Scheffer in einen wilden Haß gegen ihn um» zeschlagen. Seitdom ist er nur noch der„Lakai eine» Börsen- obberblattes". MU welchen Kosenamen die„Rote Fahne" hn j e tz t bescheren wird, läßt sich gar nicht ausdenken. Seine Stellungnahme zu dem Irrsinn der Massenverhaftungen tm Donezgebiet beweist uns nur, daß die Sowjetregierung e» sogar ihren erprobtesten journalistischen Verteidigen» und Freunden unmöglich macht, für sie«inzutreten. Auch tschechoslowakische Sürger vechaffet. Die tschechoflowatisch« Gesandtschast in Moskau hat wage» der Verhaftung tschechischer Staatsangehöriger in der Sowjetunion Schritte unternommen, um die Zahl der Verhastete« und die Gründe ihrer Berhastung zu erfahren. Nach inoffiziellen An- gaben sind 2a Personen verhaftet, welch« in der Sowjet- unwn die Ablieferung von landwirtschaftlichen Moschinen de. sorgen sollten. Der Gesandtschaft ist zugesagt ward««, dt« Name» der Verhafteten bekanntzugeben. Gelehrige Schüler. Oonez-Derhastungen im kommunistischen Michstmgskampf. Die Motive der Verhaftungen im Donez-Gebiet sind noch nicht völlig geklärt, nur soviel ist klar, daß es russisch- innerpolitische Motive sind. Die linken Kommunisten haben sich auf den Fall gestürzt, um ein deutsch-innerpolitisches Geschäft zu machen. Jeden Tag schrie der Suhler„Volkswille": Rettet Rußland, deutsche Arbeiter, eilt dem von Saboteuren be- drohten Rußland zu Hilfe! Seht, wie wir schreien, wir linken Kommunisten sind tie einzig wahren Freunde Rußlands! Heute schreien sie noch lauter: „Eine gefährliche Wendung! Freilassung zweier deutscher Der- schwörer.— Den Drohungen der internationalen Bourgeoisie nach- gegeben.— Teilkonzessiouen gegenüber der deutschen und inter- nationalen Bourgeoisie.— Verdächtige Sprach« der.Iswestisa", da» Sprachrohr Tschitscherins. Die Freilassung und der Kommentar der„Iswestija' fordern zum schärssten Protest herau». Die K P D.. deren Z e n t r a l e und Parteiarbeiter Ende voriger Woche tagte lTagesordnung: Mandatsoerteilung) hat nicht einmal einen Aufruf zu den aufgedeckten Komplott» Plänen in Rußland erlassen, ganz zu schweigen von der Einleitung von Protestdemonstrationen. Und diese.Kommunisten' versuchen unsere Verteidigungsbereitschaft Sowjetrußland, zu verdächtigen! Oppositionsgenossen, sragt die KPD.-Angestellten. warum da» ZK. vor Stresemann kuscht." Die Sowjetregierung benutzt die Verhaftungen im Kampf gegen die Opposition in Rußland— die Ooposttion in Deutsch. land benutzt sie im Kampfe gegen die Sowjetregieruna und die KPD. � a Die Sowjetregierung hat gelshrige Schülers Pro�ß Müller- Skresemann. Da» Reichsgericht hat da« vrt?N gegen den Plauener Rechtsanwalt Müller, der wegen Strefe- monn-Deleidigung zu 10 000 M. Geldstrafe verurteilt worden war, zur anderweitigen Feststellung des Strafmaßes an die Borinstanz Aurfi cfv� nvi efen. Der Landtag von Mecklenburg- Schwerin nahm am Dienstag in zweiter I.esung mit den Stimmen der Reglerungeparte«n ein Aufhebung der Landdrösteien zum 1. Mai dieses Jahres bestimmt. Die bisherigen Aufgaben der Land- droste en sollen selbstoerwaltenden Körperschaften übertragen werden, den Drosteien verschwindet ein altes Bollwerk des mecklen- burgischen Großadel». „Wir sind alle zahlungsunfähig!� (Zwischenruf de« deuffchnationaten Ztetchsiagsabgeordaete« w»d ZLittergutSbefitzers Vietze.) �Verschwinden Sie, Herr Steuereinnehmer. Sehen Sie nicht, wie zahlungsunfähig wir sind 7!' Gchüht die Bauern! OaS Schielesche Rentenbankprojekt muß fallen. Heute soll im Reichsrat über die Borlage des Rcichsernährungs» Ministeriums entschieden werden, die der Rentenbonktredit» o n st a l t erweiterte Befugnisse gibt. Nach dieser Gefetzesoorlogi sollen die gesetzlichen Bestimmungen des Ial?res 1925 dahin abge» ändert werden, daß die Rentenbankkreditanstalt grundsätzlich und aus die Dauer Darlehnsgeschäst» machen soll, was sie bisher nur ausnahmsweise und vorübergehend durfte. Sie soll sich ferner an Instituten betelligen können, die die landwirtschaftliche Produktion und den landwirtschostlichen Absatz fördern, sie soll endlich aufhören, ein landwirtschost- liches Realkreditinstitut zu sein, urch soll sich auf dem Geldmarkt Mittel beschaffen dürfen, um die Darlehnsgeschäst« durch- zuführen. Leider weiß die Oessentlichkeit bisher viel zu wenig, welche Konsequenzen sich aus dieser Ermächti» gung der lltentenbankkreditanstalt für die Zukunft des landwirtfchast- lichen Kreditwesens ergeben. Vom Reichsernghrungsministenmn wird erklärt, daß zur Durch- fiihrung des landwirtschaftlichen Notprogramms bei allen Maß- nahmen der genossenschaftliche Unterbau unentbehrlich sei. Die seit Jahrzehnten erprobt« uiü» mit genügenden Ersahrungen ausgestattete einzige Stelle, die die londwirtschafllichen Genossen- schasten zu praktischer Wirksamkeit ohne überflüssig« Der» teuerung und Reibungsverluste zusammenfaflen kann, ist die Preußisch« Zentralgenossenschaftskass«. Den Aufgaben des Notprogramms ist die Prnihenkasie um so mehr gewachsen, als der preußisch« Staat das Kapital der Preußenkoss« um 130 Millionen Mark erhöhen will, wobei dem Reich und alle« Ländern die Beteiligung offen steht. Das Reichserrvhrung»- Ministerium erklärt es als eine Notwendigkeit, daß da» landwirt- schaftliche Genosienschaftswesen vereinheitlicht und rati«» n a l i s i e r t werden soll. Die neuen Ermächtigungen der Renten» bankkreditanstall zersplittern aber nicht nur das Genosfenschafts- wcsen, sie fördern die Politisierung und verhindern die Rationalisierung der Genossenschaften an der Wurzel. Was zu Markte getragen wird, ist auch hier die Haut der Landwirte, denn die Bauernmassen sind es, die im ganzen Reich« durchdasHaft» summenfystem für jeden Pfennig büßen müssen, der in unrationeller Doppel- und Reibungsarbnt verloren geht. Wenn das landwirtschaftliche Notprogramm nur dann Erfolg haben soll, wie behauptet wird, wenn die Renten bankkreditanstaU ein- geschaltet wird, dann kann die Folg« nur fem, daß der Bauer nur noch weniger und nur noch teurere Kredite erhält als bisher und daß die beabsichtigte Absatzförderung und Preis- stabilisicrung für landwirtschaftliche Produkte von vornherein so teuer wird, daß die Landwirtschast besser auf Schiele» Notprogramm verzichtet. Die Durchführung de, Nokprogramm» über die Rentenbank. kreditanstall hat aber noch weit gefährlichere Folgen Mit knapper Not ist durch das dankenswerte Eingreifen de» preußischen Finanz minister» die rechtsograrisch« Politisierung der Preutzenkasse oerhindert worden. Das Rentenbankprojekt de» Herrn Schiele dehnt dies« rechtsograrisch« Politisierung grund- iätzlich aus da» gesamte genossenschaftliche Kreditwesen au» und muß die mit welser Voraussscht allein im Interesse der Landwirte begonnen« staatsgesetzllch« Reorganisation der Preutzenkasse gefährden. In der Rentenbankkredttanstakt hängt heute da» vertrauen des In- und Ausland«, für die Sicherheit de» landwirt- schaftlichen Reakkredlt». Mit diesem vertrauen ist in der gegenwärtigen Agrarkrise die Rentenbankkreditanstalt belastet genug. Ihr PersonalkreditgeschSft müßte abgebaut, nicht auf- gebaut werden. Sie hat für die neuen Aufgaden keinen aus» reichenden Apparat, sse ist ohne all« Erfahrung und ist den Aufgaben nicht gewachsen. Die Ausdehnung ihrer Befugnisse Ist über- flüssig, unwirtschaftlich und in den Konsequenzen für die ganze Landwirtschaft zerstörend. Die Durch- sührung des Notprogromm« bedarf dieser Ausdehnung in keinem Punkte. Di« Pläne des ReichsernShrungsministerium» zur Umgestaltung der Rentenbankkreditanstalt müssen deshalb fallen. Vayern-�oaNiion in der Klemme. Eine sozialdemokratische Erklärung. München. 20. März(Eigenbericht.) Die am Dienstag im Bayerischen Landtag aufgmom- mene Beratung der Regierungsvorlage über die Beamtenbesoldung wurde mit einer sensationell wirkenden Erklärung der sozialdemokratischen Fraktion eingeleitet. In dieser Erklärung heißt es: „Die In die Lcbensinteressen des gesamten Volke» derart tief einschneidende Lorlage kann nur von einer Regierung vertreten werden, die mit den fie stützenden Partelen«ine grundsätzlich ein- heiilich« Auffassung besstzt. Es würde allen parlamentarischen Gepflogenheiten und dem Grundprinzip unserer Verfassung sowie den einfachsten Grundsätzen der Redlichkett im öffentlichen Leben ins G:stcht schlagen, wenn ein« Partei der Regierunaskoalition sich der Verantwortung entzieht und wenn trotzdem der Minister dieser Partei die Regierungsvorlage durch sein» Unierfchrift mit deck« Die sozialdemokratische Fraktion lehnt e» mit Rück. ficht auf die gebotene Selbstacbtung ob, einer Regierung in diesem Zustande Helserdienste zu leisten. Di- Regierung hat e» in der Hand, durch vetreten der in der Verfassung vorgesehenen Wege die notwendige politische Klärung herbeizuführen und damit die Voraussetzung für eine sachliche Erledigung der Vorlage zu schaffen." Durch diesen Standpunkt der Sozialdemokraten ist dl» An- nahm« der Besoldungsordnung in Frag« gestellt. Es bleibt abzuwarten, was die Regierung und der Bauernbund. die sich zunächst um eine Antwort drückten, darauf zu erwidern haben._ Oeuischnaiional! Oeuifchnailonale Selbe verprügeln dentschnationale i Gewerkschafler. Der Seschäftsvrdnungsausschuß de» Preußischen Landtag» hatte sich am Dienstag u. a. mit einem Antrag des Vorsitzenden de» Deutschnational en Handlvngigehilfen-Derban- d e s in Stettin. B r e t t> n g e r. auf Aufhebung der Immunität der deutschnationalen Abgeordneten Schmidt und Wiedemann zu beschäftigen. Brettinger war in eine versamm- lung des Reichsbund«» Vaterländischer Arbeiter, und Wertvereine geräten: er saß kaum zwei Minuten still im Saal, als der Abgeordnet« S ch m i d t ihn bemerkte. Dieser veranlaßt« sofort«ine Unterbrechung des Vortrag» von Wiedemann und rief in den Saal hinein: .Ist es zutrefsend. daß Herr Brettinger vom VHP. hier anwesend ist? Wenn sa, so soll er sofort aus dem Saal getrieben werden. Schmeißt ihn raus, schmeißt ihn raus!" Wiedemann schrie dann:„Raus, haut ihn mit der Peitsch« rauai* Diese Ausforderung hatte den Erfolg, daß Lrettinger den Saal verließ und draußen von einem halben Dutzend deutschnattonaler Rohling« eingeholt und verprügell wurde. Lrettin- ger hatte deshalb Etrafantrag gestellt. Die deutschnationalen Mitglieder des Geschöstsordnungsau� schusse», denen diese Manieren ihrer Partei anscheinend nicht ganz geläufig gewesen sind, enthielten sich der Stimme. Die übrigen Por- teien retteten diese beiden deutschnationalen Musterknaben jedoch vor der sofortigen Strafverfolgung, die eines ihrer Parteimitglieder ' beantragt hatte. Die polnische Grenzschuhverordnung. Offiziöse Zurückhaltung in Derlin. WIB. meldet: Der Wortlaut der polnischen Abänderungsverordnung zu der Grenzzonenverordnung vom 23. Dezember 1927 ist in Berlin eingetroffen. Di« zuständigen Stellen prüfen die Frage, wie stch jetzt die Rechtslage der Ausländer in den Gren� bezirken dorftellt. In einem Punkt bringt die neue polnische Derordnung gegenüber der Verordnung vom Dezember«in« B e r- bessernng. Die frühere Bestimmung, wonach alle Ausländer, die gegenwärtig in den Goenzbezirten Grundbesitz innehaben oder eine gewerbliche Tätigkeit ausüben, innerhalb von drei Monaten um Genehmigung zur Aufrechterhaltung des Eigentums oder zur Fortsetzung ihrer Tätigkeit nachzusuchen hatten, ist in Wegsall g«- kommen. Dagegen ist es auch nach der neuen Verordnung dabei geblieben, daß in anderer Beziehung die Rechtslage der Aus- lander in den Grenzbezirten erheblich ungünstiger ist als oer der Dezemberverordnung. Insbesondere bestehen hinsichtlich der Riederlossung und der Ausübung von Handel und Gewerbe in den Grenzbezirten groß« Unsicherheiten, die der Klärung bedürfe». Lalouder gegen Hehe. de.Aota" den Schulen Ostoberschlesiens verboten. verschiedenen Ländern gibt es Lehrkräfte, die ihr hohes Amt mlßbravchen, um in die Kinderseelen Haß gegen andere Dölker zu säen. Solch« Subjekte treiben auch in Polen ihr elende» Handwert und. bedienen stch dazu u. a. jenes antideutschen Jst o t a'-Liede». das entstanden ist, als die gewaltsame Verbeut- schungsaktion der damaligen königlich preußischen Iunkervegierung zum Schulstreit in Wreschen und anderen Ostmarkorten sührte. Für die Hakatistenpolitik hat Polen geradezu maßlose Roch« ge- nommen. da» deutsch« Dolt bat für diese Bismarck-Lülow-Betd- mann-Politit schwer büßen müssen—, die Rechnung könnte ausge- glichen sein. Aber nein, wieder lassen Lehrkräfte das„Rota'-Lied singen. Nur in einem Teil des polnischen Staatsgebiets, in Oberschlesien, ist eine ständige international« Ueberwachungsbehörde vorhanden, um die Ausführung de» feierlich garantierten Minderheitenschutzes zu sichern und einer neuen Verhetzung«ntzegenzutreten. Es sst kümmerlich genug, was Präsident Eolonder in dieser Richtung tun kann, zumal e» bis zu seiner Entscheidung aus Beschwerden schon lang«, bis zu Ihrer Ausführung durch die polnischen Le- Hörden aber gewöhnlich noch ungleich länger dauert. Vor kurzem hat Ealonder dos„Rota'-Lied für die Schulen verboten. Darob wird er von polnischen Hetzblättern so heftig an- gegrisfen, daß sie zum TeU deshalb von den polnischen Behörden be- schlognahmt werden mußten; man fordert wieder einmal Ealonder» Rücktritt. Er ist aber bereit, die Gründe für sein Verbot dem Dölkerbundsrat vorzulegen, und der wird ihn in dieser Sache höchstwahrscheinlich nicht im Stich lassen. Wenn die Regierung Pilsudski nicht von allen Göttern verlassen ist, wird sie wohl auch unterlassen, wa» manch« Meldungen ihr bereit» crnsimnen, tu Genf die Berechtigung der Maßnahmen Calonders zu bekämpfen! pilsudski-Feier und Presseverfolgung. Warschau, 20. März. Anläßlich de» Namenstage» Joseph Pilsudskis sind im ganzen Land« zurzeit zweitägige Feiern. Ganz besonders feierlich wurde der Namenstag in W i l n a begangen, das Pilsudskis Geburtsort ist. Der sozialistische„Roboinik* wurde wegen einer Kritik an den ü b« r- trieben pomphaften Veranstaltungen beschlagnahmt. In Ailna haben unberechtigte Konfiskationen das Presse- fyndikat ga dem Beschluß oeranlaßt, am 17. März in einen dreitägigen Streik einzutreten. Di« Verleger haben stch damit eilwerstanden erklärt, daß die Blätter drei Taze lang nicht erscheinen. E» sind nur«Inseitig bedruckt« Blätter erschienen, worin da» Pressesyndikai erklärt, daß da» Vorgehen der Behörden «tu« normale Arbeit der Press« nn möglich mach« pavan verhastei. Unter dem Verdacht des pariser Aaschistenmordes. Basel, 20. März. Ja Vir» selben bei Basel wurde heute morgen der vnker dem ? erdacht der Beteiligung au der Ermordung de» Aoschisteu Sana- relli tu Pari» stehend« Zoornalist P o van verhaftet. Pavan. welcher zugab, der von Pari» au» gesuchte junge einarmige Ztaliener zu sein, b c st r i l» mit oller Enischiedenheik. den Mord an Saoorelli begangeu zu habe«. Der verhaftete Halle durch nicht ordnungsgemäße Ausfüllung seines holelzetlel» die Aufmerksamkeit der Polizei aus sich geleukt.— Den Verlust de» einen Arm, hat pavaa dem Pistolenschuß eine» Faschisten bei einem früheren Zusammenfloß zu verdanken. Tanger-Kouferenz zusammengeireien. Wird Italien Kampeusationeu verlangen? Part», 20. März.(Eigenbericht.) Di« Delegierten der vier Großmächte zur Tangerkonfe» renz traten am Dienstag zur ersten Arbcitssitzung am Quai d'Orsay zusammen. Es ist bisher noch nichts Amtliches darüber bekannt geworden, ob Italien über die ihm bisher gemochten Zugeständnisse hinaus neu« Forderungen für eine größere Beteiligung an der Tangerverwaltung oder gar für eine gewisse Einflußnahme im französischen Protektorotsgebtet von Marokko erheben wird. Immerhin muß ober die Tatsache, daß die französischen Blätter aller Richtungen stärkste Befürchtungen hinsichtlich der Haltung Italien» äußern, zu Bedenken Anlaß geben. März-Gebenkiafeln in Wien. Slm Zlevolutionstag enthüllt. Di« Fei« des SO Jahrestage» der Märzrevolution ist im rote» Wien auch zur Enthüllung dreier städtischer Gedenktafeln be» nutzt worden. Zu den Feiern waren viel« Gemeinderäie, aste sozial- demokratischen Mitglieder der Bezirksvertretung Inner« Stadt Ab- teilungen der Gomeindewach« und viele Zuschauer erschienen. Auf dem Michoelerplatz, vor der ehemaligen Kaiserburg, nahm Vizebürgermeister Genosse Emmerling die Enthüllung vor. Di« Tafel erinnert an die mutig« Toi de» Oberseuerwerkers Johann* Pollet, der sich dem Befehl, Kartätschen aus das Volk zu schießen, widersetzt und sich selbst vor die feuerbereit« Kanon« gestellt hat. An der Feier nahm auch Professor Stockert, ein Enkel Pollets, teil. Di« Gemeinde Wien, sagte Emmerling, ehrt diese Tat der Selbstaufopferung, indem sie zur immerwährenden Erinnerung diese Gedonktofel widmet. Di« zweite Erinnerungstafel ist am Gebäude der Feuer« wehrzentral« Am Hof angebracht. Stadtrat Genosse Linder hielt die Gedenkredet Da» republikanische Wien wird die Ideal« der Kämpfer des Jahre» IMS immer hochhalten! An der Feierlichkeit nahm auch die gesamt« Berufsfeuerwehr der Zentsal« unter dem Kommando de» Branddirektors mit allen Geräten teil. Di« Gedenktafel, die am alten Rathaus angebracht ist, wurde vom Stadtrat Genossen Richter enthüllt. Er verwies darauf, daß in diesem Hause der in den Reoolutionstagen 1848 vom Volke gewählt« Sich«rh«it»au»schuß zusammengetreten ist. Zu Ehren Henri? Ibsens. vie Feier iu seiner Heimat. Oslo, 20. März. Di« Ibsen-Gedächtnisseier fand heute mit der Begehung von Ibsen» 100 Geburtstag ihren Höhepunkt. Die ganze Stadt hott« geflaggt. Um 11 Uhr mar auf dem Erlöser-Friedhof, wo Ibsen und ander« große Norweger beigesetzt sind,«in««indrucks» volle Feier, die der Ewdentenchor eröffnet«. Viele Kränze sind a» Ibsens Grob von Vertretern des Auslandes niedergelegt worden. Um 12 Uhr schössen alle norwegischen Festungen zum Ge» dächtnis des Dichter» 21 Salutschüsse. Di« Schulen veranstaltete» Gedenkfeiern. Beim Festakt in der Universität sprach u. a. Storthsng» Präsident Hambro. Die Reden waren eingerahmt von musi- kalischen Darbietungen de. Philharmonischen Orchesters und Bor. trägen aus Werken de» Dichter». Di« Feier schloß mit der Rational. hymn». Professor Roman D oer n er- Würzburg. Professor Vase- niu»-Helstngfor», Sir Edmund Gofle-Londo», Pierre La Ehesnais. Pari» wurden zu Ehrendoktoren promoviert. Die erst« Befucherin des Grabe» war die goeif« Witwe Björnft» jern« B I ö r n s o n«. Den Kranz veutschlands legte M a x H a l b« nieder. Am Vorabend war Jie Wildente" ausgeführt worden. Ausschußsitzung des AOGB. Der Bundesausschuh trat am 2V. März im Gcwerkschaftshaus zu- seiner 11. Sitzung zusammen. L e I p a r t eröffnete die Sitzung, Indem er der führenden Per- sönlichteiten gedachte, die seit der letzten lagung des Bundcsaus- fchusfes der Gewerkschaftsbewegung entrissen worden sind. Er bc- richtete dann über die Tätigkeit des Bundesvorstandes in den ab- gelaufenen Monaten. Die Reihe großer Bewegungen im letzten Vierteljahr hat weite Kreise in Deutschland tn Unruhe versetzt. Der Bundesvorstand hat sich eingehend mit ihnen be- schästigt. Er hat anerkannt, daß die Oefsentlichkeit bei der weit- greifenden Bedeutung dieser Kämpfe von den Gewerkschaften über die Ziele und Beweggründe informiert werden müsie. Anlaß zur Besorgnis geben diese Bewegungen nicht Sie sind keine Gefahr für die Wirtschaft: ihre Häufung auch nicht bedenklich für die Gewerk- schaftsbewegung. Aktiv eingreifen kann der Bundesvorstand nicht. Es soll jedoch eine engere Fühlung zwischen den Derhänden wie mit dem Bundesvorstand bei Lohnkämpfen herbeigeführt werden. L e i p a r t wandte sich dann der Berichterstattung der Presse über die Verbands- und Gcwerkschaslskongresse zu. Darüber sei mit Recht vielfach Klage geführt worden. Leipart mochte eine Reihe' von Vorschlägen, um diesem Ucbelstande abzu- helfen. Der Vorsitzende ging aus eine Reihe von Eingaben des Bundesvorstandes ein. Am 6. Februar bat der Bundesvorstand an die Reichsregicrung die Forderung gerichtet, die Gewerk- schaftcn zu den Ausschüssen hinzuzuziehen, die sich, wie die Konferenz der Länder im Januar beschlossen hat, mit den Fragen der Vcrwoltnngesreformen bes-böstigen sollen. Gegen die Denkschrift des Reichsarbeitsministeriums über den Woh- nungsbau hat der Bundesvorstand eine Gegendenkschrift ein- gercickt. Während die an d'e Länderporlamente und Rcgierupgen gerich- tete Eingabe des Bundesvorstandes über die Errichtung von Lehrstühlen für Sozialhygiene an den Unlversiläteu vom preußischen und bayerischen Landtag« den Staatsregierungen zur Berücksichtigung und Würdiqung durch Beschluß übergeben ist, haben die Universitäten sich meist ablehnend geäußert. Die Verhandlungen über Mißstände bei, der Durchfüh- rung der Verordnung vom 12. Mai 192S über ve- rufskrankheiten mit dem Reichsvcrsicherungsaiyt sind noch im Gange. Der Bundesvorstand hat für den Rcichsverdingungs- ousschuß zwei Vertreter ernannt. Dem Kuratorium der Aus- ftellung„Die Ernährung" gebärt ebenfalls«in Vertreter des Bundesvorstandes an. Das Institut für Arbeits-I Physiologie, an dem der Bundesvorstand finanziell beteiligt ist, wird nach Dortmund übersiedeln. In der letzten Sitzung des Bundesausschusies wurde der lohn- polltische Ausschuß beauftragt, die Kompetenzen der Einzelverbände beim Abschluß von Tarisoerträgen zu klären, da sich eine Reihe sehr unerfreulicher Streitigkeiten entwickelt hatten. Der lohnpolitisch« Ausschuß empfahl dem Bundesausschuh, folgendes zu beschließen: „Die Einzclverbände sind verpflichtet, beim Abschluß von Tarifverträgen deren Geltungsbereich auf die Bcrufszweige zu beschränken, für die ihre organisatorische Zuständigkeit vom Bund anerkannt ist." Dieser Antrag fand einstimmige Annahme. Der zweite Vorsitzende, Graßmann, berichtete über die Reorganisation des tznternalionalen Gewerkschaslsbunde». Die Aufgaben, die vom Kongreß dem Ausschuß überwiesen wurden, die Wahl des Präsidenten und des Hauptsckretärs des JGB. und die Bestimmung des Sitzes des Bundes, find immer noch ungelöst. Bei der Neugestaltimg der inneren Ordnung des JGB. müsie auch Bedacht daraus genommen werden, daß die wirtschaftliche Eni- wicklung des letzten Jahrzehntes, insbesondere die internationale Konzentration des Kapitals, das Wachstum internatio- naler Kartelle dem JGB. besondere und wichtige Auf- gaben stelle. � Leipart teilt hierzu mit, daß die Landeszentralen inzwischen vom Gorstond des JGB. aufgefordert worden sind, positive Vorschläge über den Sitz und für den Posten de? Präsidenten und des Generalsekretärs einzureiben. Es bestehe kein Grund, dem britischen Gewertschaftcbund den Posten des Präsidenten streitig zu machen. Somit bliebe für den Ausschuß des ADGB. die Aufgabe, Vorschläge zu machen für den Sitz des JGB. und die Person des Generalsekretärs. Die Frage, wer General- sekretär wird, erscheine wichtiger als die Frage des Sitzes. Die Vorichläge der Landeszentrolen werden der nächsten Sitzung des Ausschusses des JGB. vorgelegt werden. Im Zusammenbang hier- mit teilte Leipart mit. daß der Bundesvorstand des ADGB. 10000 Reichemark zur Unterstützung der von der politischen Reaktion hart bedrängten Gewerkschaften der Balkanlönder be- willigt hat. In der Debatte ergab sich als einmütige Meinung aller Ver- bandsvorstände, daß die deutschen Gewerkschaften nach dem Verlauf der Januartagung des JGB. keine eigenen Vors�läge hinsichtlich der Sitzverlegung mehr machen werde». Dieser Beschluß bedeutet sedoch nicht, daß die deutschen Gewerkschaften darauf verzichten, tn den kommenden Verhandlungen zu den Vorfckstögen der anderen Lendeszcntralen Stellung zu nehmen. Die Ausschußsitzung des JGB., die endgültige Befchlüsie fassen soll, wird erst in der zweiten Hälfte des September abgehalten. Oer Lohnkampf im Buchdruckgewerbe. Die Hilfsarbeiter lehnen den Schiedsspruch ob. In der gestrigen stark besuchten Funktionärocrsammlung der Perliner graphischen Hilfsarbeiter in den Eity-Festsälen berichtete der Verbandsoorsitzcnde P u ch e r über die Situation im Buchdruck- gewerbe. Er verurteille das Verhallen der Unternehmer, die trotz guter Konjunktur bei den Lohnverhondlungen nur von ihrer„Not" zu berichten wußten. Durch die ablehnende Hallung der Unter- nehmer seien die Organisationen zu Kampfmaßnahmen gezwungen. Heute wird im Reichsarbeitsministerium über die von den Unternehmern beantragte Verbindllchkcitserklärung des Schieds- spruches verhandelt. Die Arbeiterschaft setzt sich gegen die Der- bindlichkeltserklärung dieses Schiedsspruches energisch zur Wehr. Werden die Lohnforderungen, die in der Spitze 10 M. betragen, tn den Betrieben nicht erfüllt, so haben auch die Hilf»- arbeite? das Arbeitsverhältnis am Freitag, dem Ä. März, zu kün- digen. Die Versammelten beschlossen einstimmig folgend« Eni- schließung: „Die Funktionäre der graphischen Hilfsarbeiter lehnen den vom Zentralschlichtungsamt gefällten Schiedsspruch ab. Si« erwarten, daß sich die Berliner Kollegenschaft mit allen gewerkschaftlich zu Gebote stehenden Mitteln für die Durchführung der von den Organi- sationen gestellten Forderungen einsetzt." Am Donnerstag nimmt die gesamte Berllner Mitgliedschaft der graphischen Hilfsarbeiter an einer Versammlung in den Kammer- sälen, Teltower Straße, teil, um weitere Beschlüsse zu fassen. Bäckermeister und Arbeitszeit. Sie möchten neunzig Stunden lang arbeiten— lassen! Die Ausnutzung der Arbeitskraft war vor dem Kriege im Bäcker- und Konditorcngewerbe unbeschränkt. Abgesehen davon, daß sieben Nächte hindurch in der Woche gearbeitet wurde, war auch die Stundenzahl stark ausgedehnt. Erst die Verordnung der Volks- beauftragten vom 23. November 1918 brachte«in« geregelt« Arbeits- zeit von täglich acht Stunden, und schon während de» Krieges war durch besondere Verordnung dteNachtarbeit ver» boten. Diese Maßnahmen des Gesetzgebers waren den Meistern ein Dorn im Auge, und durch olle möglichen Eingaben an die deutschnationale Regierung und an sonstige Behörden oersuchten sie von diesen.Fesseln" loszukommen. Schließlich gelang es einigen Meistern, die der Z e n t r u m s p a r t e i angehören, es dahin zu bringen, daß im Jahre 1927 im Reichstag ein Gesetz mit Hilfe der Deutschnationalen und anderen reaktionären Gruppen an- genommen wurde, das eine Verlängerung der Arbeits- zeit bis S4 Stunden wöchentlich vorsieht. Da jedoch der Nahrung»- und Genußmittelorbeiterverband einen verfahren, dafür ein Beispiel. Der Bäckermeister Otto G ö r k e im Berliner Westen. F ü r t h e r Straße 11, beschäftigt drei Gesellen, einen Konditor und zwei Hausdiener. Di« Arbeitszeit beginnt bei ihm um 4 Vi Uhr frühundwährtblsIVuhr und länger, also 12 bis 13 Stun- den lang täglich. Damit aber die Gesellen am Freitag oder Sonn- abend, wenn Lohnzahlung ist, nicht übermütig werden, geht Frei- tags die Arbeitszeit von früh 4V4 Uhr bis 24 Uhr. als» 19 bis 20 Stunden an« in« m Tage. Einen Gesellen,� dem diese Arbeitszeit denn doch etwas lang schien, zumal er dafür keine Bezahlung erhielt, hat dieser Menschenfreund sofort entlassen. Görke ist zweifellos das Ideal der Zünfller vom Backtrog. Er schimpft gehörig auf die Behörden, schimpft, daß er Steuern und Abgaben zahlen muß, während chm niemand etwas geb«; und des- halb müssen seine Leute so lange arbeiten. Die Bäckerinnung schreit nach längerer Arbeitszeit und tut nichts dazu, um solchen Schindern das Handwerk zu legen. Es gibt noch viele solcher Bäckereibesitzer, die in einem elegant aufgemachten Laden ihre Ware dem Publikum feilbieten, ihr« Arbeitsräume gegen Fremde oersteckt und gut verschlossen halten und mit der Arbeitskraft und der Gesundheit ihrer Arbeiter Schlndluder treiben. Es fehlt nur noch, daß diese Praktiken legalisiert werden, der Achtstundentag im Bäckergewerbe„gelockert" wird. Di« Gesellen werden sich mit allen Kräften dagegen wehren. de». I 19 16 F M A M 0 1 9 A 1 n d Alfons ÄuseS letzte Agitationstour. Das Borstandsmitglied des Deutschen Metall- arbeiterverbandes, Alfons Buse, ist in der Rocht vom 19. zum 20. März in Wittenberge a. d. Elb« gestor- b e n. Bus« befand sich aus einer Agitationstour, wurde von einer Krankheit befallen und ist dann im Krankenhause nach einer Ope- ration im 54. Lebensjahre verschieden. Seine Leiche wurde am Dienstag von Wittenberge nach Stuttgart übergeführt. Lohnbewegung öer Maßschuhmacher. Die Berliner Maßschuhmacher haben Mantel- und Lohntarif ge- kündigt und neben. einer Verbesserung der Ferienbestimmung und agt. Die bisherigen Verhandlung« alten einiger Unternehmer gegen die Derhandlungskommission der lrbetter gescheitert, noch bevor die eigentliche Lohnfrage behandelt werden konnte. Eine Funktionäroersammlung der Maßschuhmacher am 19. März hat mit Entrüstung den Bericht über die Verhandlungen entgegengenommen und beschlossen, am 27. März eine Bronchen- verjammlung in den Residenzfestsälen einzuberufen, die weitere Maß- > Forderungen beschließen soll. um Ausdruck gebracht, daß sie sich«in« derarttge Behandlung Ihrer Förderungen und Vertreter nicht gefallen lassen und Mittel und Wege für die Geltendmachung ihrer Rechte finden werden. Oer Hüttenschlebsspruch für gültig erklärt. Sas Reichsarbeitsgericht hat jetzt zv entscheiden! Am Dienstag verkündete das Landesarbeitegericht Dresden als Berusungsinstanz im Rechtsstreit des Metallarbeiterverbandes gegen den Verband der Metall- industriellen über die Gültigreit des Schiedsspruches für die sächsische Hüttenindustrie folgende Sntschef, d u n g: Auf die Berufung des Beklagten wird das Urteil dahin ge- ändert, daß die Klag« abgewiesen wird. Damit hat das Lanüesarbcitsgericht das Urteil des Arbeitsgerichts, das den Schiedsspruch für ungültig erklärt, ausgehoben. Den Mittelpunkt der Verhandlungen bildete die wonntagsar beit in den Schmelzbetrieben der Hüttenwerke, die nach Ansicht des Metallarbeiterverbondcs gesetzwidrig ist. Das Arbeitsgericht hatte auch aus diesem Grunde den Schiedsspruch für ungültig erklärt. Das Landcsarbeitsgericht sagt in seiner Begründung, daß die Möglichkeit eines Verstoßes gegen die Gewerbeord» nung nochnicht dazu berechtigt,«inen Vertrag für ungültig zu erklären Die Vertreter des Metallarbeiter- Verbandes stützten sich nämlich in der Hauptsach« darauf, daß durch den Schiedsspruch den Unternehmern Mittel und Wege in die Hand gegeben werden, um ein« vollständig« Durchbrechung der Sonntagsruhe durchzuführen. Das Reichsarbeitsgericht hat jetzt darüber zu enffkhei- den, ob die Bestimmungen der Reichsgcwerbeordnung über die Sonntagsruhe durch einen Schiedssvruch außer Ä'rafl gesetzt wer» den können. B s zur Erledigung dieses Rechtsstreits bleibt es bei der Bereinbarung des Metallarbeiterverbandes mit dem Verband der Mctollindustriellen, die jetzt in den Schmelzbetricben in Gel» ding ist._ Aussperrung der fchlesischen Steinarbeiier. Bekanntlich stehen rund 4800 Granitsteinarbeiter in den Kreisen Striegau, Strehlen, Schweidnitz und Neiße im Streik. Der Unter- nehmerverband hat beschlossen, den 2600 noch in Arbeit stehenden Steinarbeitern ab 19. März zu kündigen und sie ab 2 4. M ä r z Damtt steh istrie mit ri nngungen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Steinorbetter der 800 Manr Löhn- und Arbeitsbedingungen. ' ossen, daß die Steinorbetter der fcklesischen Oberlausitz mit rund'800 Mann noch hinzukommen. Dort schweben zurzeit noch Bcrhandlungen, deren Abschluß heute, Mittwoch, zu er» warten ist. Bei dieser Gelegenheit sei daran erinnert, daß beim letzten großen Steinarbeiterstrcik im Jahre 1909 die Arbeitgeber sämtliche Ar- betterfamilien ausden Werkswohnungen werfen ließen, so daß viele von ihnen tage- und wochenlang i m Straßengraben kampieren mußten, wovon noch heute Lichtbilder vorhanden sind. Es bleibt abzuwarten, ob die Unternehmer auch heute noch der» artige Auireizungen riskieren. Wir möchten ihnen nicht dazu roten. Die berechtigte Erregung der Steinarbeiterschaft über die unersätt- liche Prositgier der Unternehmer ist ohnedies groß genug. Oer Steinseherkampf in Mitteldeutschland. Der für das Steinsetzer gewerb« Mitteldeutsch» lands gefällte L o h n I chi e ds s p r u ch ist vom Reichsarbeit»- minister nicht für verbindlich erklärt worden. Die Unter» nehmeroerbände hatten Berbindlichkeitserklärung des völlig untrag- barm Spruchs des mitteldeutschen Schlichters beantragt. Der Kampf wird nunmehr in verschärfter Form weitergeführt werden. Schiedsspruch im oberfchlesischen Bergbau. Die Arbeiterforderungen nicht berücksichtigt. Gleiwitz. 20. März.' Im oberschlesischm Bergbau wurde nach Scheitern der Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Arbettnehmern von der Schlichterkommer unter Vorsitz des Schlichters für Obers chlesirn, Professor Dr. Brahn, ein Schiedsspruch gefällt, der hin- sichtlich der Mehrarbeit bestimmt, daß die Arbeitszeit unter Tage wie bisher acht Stunden betragen soll: über Tag« bleibt sie in den durchgehenden Betrieben zehn Stun» den(!), für die übrigen Tagesarbeiter ermäßigt st« sich auf 9% Stunden bei llftündizer Schichtzeit. Die bisher über Tag« gezahl- ten Stundenlöhne sollen in Schichtlöhn« umgewandelt werden. Ferner wurden verschiedene Fragen de» ManteUaris» neu geregelt, u. a. die Einführung von Urlaub für jugendlich« Ardetter. Di« Er» klärungssrist läuft bis zum 26. März. .»pr nimmt«brnfolls daran teil. Dr. .Urdeitertlall» und Deamtent»«.' «» Sanntag, SS. StSTj, 1t Uhr, ' i, Scrmnnaftr. 2)4. Un losten. W» W b« tonnten Stele»«» haben.-- Keilte, Mittwoch, lSiz Uhr, tagen die Srunpcni Süden, Südmesten: Gruppen» heim Gtiidttschro Jugendheim fjoritftr U lssabrilgebSude). Vortrag:»War»« Weltliche Cchule?"— Rewlolln: Gruppcnheim Jugendheim Vergftr. A CHol». Vortrag:.Eo�Ialverlicherung und Gewerkschaften.— Slordring: Sruppenheim Zugcndhrim Gberswalder Etr. 10, Zimmer 12. Vortrag:„Unternchmerpolitik und Gewerkschaften."— Weihense«: Gruppenhelm Weißensee, Parkstr ZS. Vor- trag:„Aus der Geschichte der russischen Gewerkschaften.»— Zentrum: Gruppen. 'cun Jugendheim Zrhdcn Icker Etr. 34/20. Etegreifspirl«. Unser» Epiellriteu den das Wort.— Vaumschulenwea MMS'Mi mm~ rtn Gruppenheim Jun-ndheim Ernstsir. IS. Iugendgrnppe be« ZdA. Heute. Mittwach, IWH Uhr, finden folgende Ver. anstattungc» statt: Osten: Jugendheim der Echule Litauer Etr. 18 Vortrag: �Lehrlingsausbildung-wesen.» Veferent Erwin Vunzel.— Lichtenberg II: Jugendheim der Schule Eoblerstr.»I /Näh» Nudolfplah). Vortrna:„Vor 80 Jahren— MärUage von 1848.» Referent Dr. Mai Schütte.— Nculclln: Jugendheim VSdmisch« Etr. I/t. Lichtbisderportrag:„Unser Veichslugenh. tag— ssrantturt a. M und fein» Umgegend.» Referent Erich Bredow.— Nordwest: Realgvmnastum Sel'Ieswiger Ufer 14. Diakusf-onaadend.— Spandan: Jugendheim Lindenuser l. Vortrag:. Ser»alfrogen der Jugend.» Res: Dr. Nnrbert (Ledigenheim eaigvmnanum ipwieswiger Uter t«.-uieruil onaaven».— mpanoan: Lindenuscr>. Vortrag:.Serualfrogen der Jugend." Referent Marx.— Veddlna.Gesnrdbrnnne«: Jugendheim SchSnstcdtstr. l : 5 TrJ. Ausspracheabend. Verantwortlich Yir Volltik: Dr. Snrt Seqrr: Wirtschaft: E. SlingelhSsert Gewcrlschaftsbcwcaimg: Z. Steiner: Feuilleton:#. H. Dilcher-, Lotale» und Sonstiges: Keift storstädt: An, eigen: Ch Glocke, lämtlich in Berlin Verlag: Vorwärts-Veriag G m d H.. Verlin Druck: Vorwärts-Buchdruckeret und VerlaasanNalt Vau! Singer u Eo. Berlin SW 68 Lindenftrah» S. vier,» 2 Beilagen und.Unterhalt,»a»«>> visten» A'tbewShrt bei eflAAfy iHiBrtKha, Htoeäms* Blasen-,- Harn!elden Fachinger Tersand$telle, Berlin Sf II sctiBnebarger Sir. 16a Tel. tDlzow 260 61 MUS oft nachgeahml-- nie errcichM MUS oft nachgcahmh- nie erreichH Tit. 137» 45. Jahrgang -1. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 21. März 192S Postdiebstahl im Blihtempo. Beraubung eines mehrfach gesicherten Postwagens. Ariedeberg(Mark). 20. März. In dem nahe der Ostgrenze gelegenen Städtchen Friede- k> e r g- N e u m a r k ist in der Nacht zum Dienstag ein raffinierter Postdiebstahl verübt worden, um dessen Ausklärung sich außer der Friedeberger Polizei auch Beamte der Kriminalpostdienststelle Ber- lin bemühen. Bon Friedeberg führt ein« Kleinbahn durch den Netze- b r u ch nach Londsberg und auf dem Bahnhos Friedeberg war kurz vor Abgang des Zuges, der um 11,45 Uhr die Stadt verläßt, von dem Postamt in Friedeberg eine Kiste mit 14 800 Mark Bargeld in den Postwagen eingeladen worden. Das Geld sollte nach Lands- berg an das dortige Postamt gehen. Beamte der Friedeberger Post hatten die Kiste in den Postwagen gestellt, der sich unmittelbar hinter der Maschine befindet und waren bis 11,43 Uhr, also bis 2 Minuten vor Abgang des Zuges dort geblieben. Zur Sicherheit hatte man nicht nur den Postwagen verschloffen, sondern außerdem auf jeder Seite ein großes Borhängeschloß angebrocht. Als der Station?- Vorsteher das Abfahrtsignal geben wollte, bemerkte ein Postbeamter, der noch einmal zurückgekehrt war, daß au» dem doppelt oer- schlosienen Magen die Geldkiste verschwunden war. Die Diebe hatten auf der entgegengesetzten Seite von den Gleisen her sich an den Waggon herangeschlichen, das BorhSngeschloß vermutlich mit einer Brechstange gesprengt, danu die Tür geöffnet in 1>- Minuten und die Kiste herausgeholt. Die sofort aufgenommenen Nachforschungen brachten zwar die Geldkiste wieder zum Borschein, die die Räuber in einen leeren Güterwagen gestellt hatten, doch war das Postgeld selbst ver- schwunden. Die Friedeberger Polizei vernahm sofort alle in Frage kom- Menden Beamten, wobei es sich herausstellte, daß weder P o st-, noch Eisenbahnbeamte als T-äter in Frage kommen konnten. Die Diebe hatten zum Sprengen der Schlösser den Augen- blick benutzt,. in dem der Heizer auf der Lokomotive Kohlen schippte, so daß dieses Geräusch die Arbeit der Einbrecher übertönte. Sechzehnjähriger Don Juan. Eine junge Witwe wurde sein Verhängnis. Ein Kavalier von 16 Jahren tnurt* in einem Möbelgeschäft als Hausdied entlarvt. Ein Lehrling Alfred H. war von der Firma beaustragt worden, auf die Post zu gehen und einig« Sachen zu erledigen. Als er wegging, sah der Hausdiener unter seinem Arbeitskittel eines der wertvollen Felle, die das Geschäft verarbeitet. Er stellt« ihn zur Red« und jetzt kam heraus, daß das Bürfchchen im Laufe der Zeit nach seinem eigenen Ge- ständnis schon 400 Felle weggeschafft und zu Geld gemacht hatte. Ein Hehler, der sie ihm ständig abnahm, hatte ihm im ganzen 3000 Mark gezahlt, während sie 2 5 00 0 bis 30 000 Mark wert waren. Auch dieser Hehler ivurd« festgenommen. Dem Jungen waren Beziebungen, die er zu einer BlumenhäntSerin in Moabit, einer jungen Witwe, angeknüpft hatte, zum Verhängnis geworden. Um seiner Freundin die von ihr wohl erwarteten Aufmerksamkeiten erweisen zu können, hatte er die Felle verkaust, weil sein Taschengeld nicht reichte. Bei dem ver- hafteten Hehler fand man nur noch VA Felle. Die Helden von Lichierfelde. Hinkelmann, der Kronzeuge der Hakenkreuzler. Die gestrige Gerichtsverhandlung gegen die Rationolsoziolisien bot im Vergleich zum oerhergegangenen Tage ein verändertes Bild. Der Angeklagte Schäfer erschien, wie bereits berichtet, ohne Bfrt, einige andere Angeklagten in ihren nationalsozialistischen Unisormen, um die Wiedererkennung zu erleichtern. Ein großer Teil der Sitzung wird durch die Aussage des Reben- kläaers Hinkelmann erfüllt. Eine eigenartige Persönlichkeit, dieser Hinkelmann. Ehe- moliger Rotfrontkämpfer, hat er der Kommunistischen Partei im 5>'lni den Rücken gekehrt, nabm, wiewobl noch Mit- glied der Kommunisten, von dem nationalsozialisvischen Koni- pagnieführer Gey e r Fahrgeld zu einer nationalsozialistischen Ta- gung nech Mrnberg an und gab seinem neuen Schutzpatron als Gegenleistung Gelegenheit, an einer Feier der Roten Frontkämpfer teilzunabmen. Geyer besorgte ihm dann eine Stellung in Essen. Dieser H'nkclmonn ist nun Kronzeuge der Hakenkreuzler. Durch ihn soll der N a ch w e i s geführt werden, daß die Roten Frontkämpfer, bestürmt von den nationalsozialistischen Ban- den, als erste geschossen hätten. Hinkelmann sagt folgendes aus: Der Abgeordnete Hoff- mann hätte unterwegs die Roten Frontkämpfer auf- gefordert, Ihre Waffen verschwinden zu lassen, da man sich auf einer Untersuchung durch die Abteilung Is gefaßt machen müsse. Daraus hätten zwei Bote Frontkämpfer ihre Pistolen in den Abort geworfen. Zwei andere. Demut und Walter. hätten jedoch ihre Schußwaffen behalten. Er könne nicht sagen, ob von innen öder von draußen zuerst geschossen worden sei. Doch wisse er, daß von draußen gerufen worden sei:„Die schießen ja.� Und dann habe erst von draußen ein Kugelhagel eingesetzt. Später haben er und Lehmann von Demut die Weisung erhalten, auszu- sagen, daß sie gesehen hätten, wie der Nationalsozialist Schröder geschossen habe. Der Zwang, diese Aussage zu machen, obgleich er den Schröder überhaupt nicht gesehen habe, wie auch gewiss« lla. regelmäßlgkeiten. die mit den Bote- Hilfe. Geldern vorgekommen seien und persönliche Gründe hätten ihn veranlaßt, aus der Kom- munistischen Partei auszutreten. Der Zeuge will die persönlichen Gründe nicht nennen. Als der Borsitzende in ihn dringt, erklärt er. er befürchte, sich durch seine Aussagen selbst strafbar zu machen: er wolle sich zuerst mit seinem Rechtsbeistand beraten. Diese Mcg> lichkeit wird ihm gewährt, die Fragen werden zurückgestellt. Die Vertreter der Nebenkläger Dr. Samter und Dr. Obuch versuchen, die Glaubwürdigkeit des Zeugen zu erschüttern. Sie halten ihm vor, daß er 15 TN. unterschlagen haben soll, die er für seinen Käme- raden erhalten hatte. Hintelmann bestreitet dies. Eine neue Sensation gibt es bei der Zeugenaussage des Rohr- lcgers Weger, der von dem Nebenkläger Pohl gehört haben will. daß auch der Abg. Hofsmann selbst geschossen habe. Rechtsanwalt Dr. Samter beantragt, den Zeugen auf seinen Geisteszustand unter suchen zu lassen. Die nächste Sitzung findet am Donnerstag statt. »Kaust Sonnabend ein!" Wir berichteten kürzlich unter dieser Ueberschrift über den Wider stand der F l e i s ch e r m e i st e r gegen die vom Polizeipräsidenten angeordnete Sonntagsruhe. Wir forderten die Frauen der Arbeiter, Angestellten und Beamten auf, am Sonnabend ein- zukaufen, was sie am Sonntag gebrauchen, so daß die Fleischer- meister nicht mit Sonderwünschen behelligt werden. Hierzu erhalten �pir die Zuschrift der Frau eines Angestellten, die unserer Anregung vollkommen zu st i m m t, aber diese beacht- liche Bemerkung hinzufügt:„Das ginge auch sehr gut, wenn alle Arbeitgeber am Freitag den Lohn zahlen würden. Aber leider gibt es viele Arbeitgeber, die erst am Sonnabend zahlen. Ost geht der Mann nach Geschäftsschluß nicht gleich nach Hause, sondern trinkt erst noch mit den Kollegen eine Molle. Zudem, wie dies auch bei meinem Mann der Fall ist, wohnen viele Arbeitnehmer nicht tn Berlin, sondern außerhalb und kommen deshalb später nach Hause. Wie soll eine Frau es dann einrichten, ihre Lebensmittel am Sonnabend noch einzukaufen, wenn bei der Heim- kehr des Mannes die Geschäfte schon geschlossen sind und sie vorher kein Geld hatte? Deshalb sollten die Arbeitnehmer in ihren Verbänden dahin arbeiten, daß alle Arbeitgeber am Freitag zahlen, dann wird die Sache klappen." Man kann diese Zluregnng nur begrüßen. Sirafgerichi zum Sechstagerennen. van Kempen von deuffchen Rennbahnen verwiesen. Ueberraschend schnell hat der Sportausschuß des B u n- des Deutscher Radfahrer sein Urteil über zahlreiche Fahrer und Manager gefällt, die in die Untersuchung des Falles„Berliner Sechstagerennen" verwickelt sind. Mit erfreulicher Strenge ist dies- mal gegen alle die vorgegangen' worden, die den Ausgong des Rennens zu beeinflussen versuchten. Dem � Holländer Plet vaa Kempen wird die Lizenz aus drei TNonale entzogen, außcxdem witt» er aus die Dauer eines Jahres von allen deutschen Rennbahne» verwiesen. Die gleiche Strafe erhiell sein Manager B l e k e m o l e n, der die Roll« eines Dermittlers zwischen van Kempen und den anderen Fahrern spiell«. Der Schweizer R i ch l i kam mit drei Monaten Lizenzentziehung davon, Ehmer und kroschel. die Sieger des Sechstagerennens, erhielten zwei Monate Start- verbot und außerdem je 1000 Mark Geldstrafe. Oskar Tietz und sein Partner Willi R leg er sind auf die Dauer von zwei Mo- n a t« n von der Teilnahme an allen Wettbewerben ausgeschlosien worden. Paul M ü n z n e r, der Manager und Pfleger der Mann- schaft Ehmer— Kroschel wurde mit zwei Monaten Lizenz- entziehung bestrast, der Manager Bllla, der bei Tietz— Rieger und Tönani tätig war, ist auf die Dauer eines Jahres von allen deutschen Rennbahnen verwiesen worden. Wald- und Heidebrände. Lleber dreißig Alarme bei der Feuerwehr. Die Berliner Feuerwehr, und die freiwilligen Wehren der Außenbezirke und Dorotte, mußten im-Laufe des Dienstages nicht weniger als dreißigmal ausrücken, um Gras- und Heidebrände, die in mehreren Fällen einen sehr bedrohlichen Um- fang annahmen, zu bekämpfen. So entstand in den Rachmittagsstunden aus dem Wiesen- und Heidegelände an der Rummelsburger Chaussee bei Karlshorst Feuer, das sich infolge des heftigen Windes mit un- geheurer Schnelligkeit ausdehnte. Als die zu Hilfe gerufenen Wehren von Oberfchöneweid«, Karlshorst, Lichtenberg und Johannis- thal an der Brandstätte eintrafen, stand ein� Fläche von 60 000 Luadratmelern in hellen Flammen. Das Feuer fand an dem dürperp. Gras und Unterholz überaus reiche Nahrung. Durch Auswerfen von Gräben konnte der Brandherd eingekreist und nach zwei-- stündiger Tätigkeit niedergekämpft werden.— Ein weiterer größerer Waldbrand entstand gegen 19 Uhr im Jagen 326 im Köpenicker Forst nördlich der Stadtbahn. Ueber 4000 Ouadratmeier Waldbode» gingen in Flammen auf. Der Köpenicker Feuerwehr gelang es im' Verein mit dortigen Bewohnern, das Feuer nach cinstündiger Tätigkeit zu löschen. Die übttgen Alarme kamen aus Frohnau. Tegel, Hermsdorf, Spandau usw. In allen Fällen konnten die Brände nach kurzer Zeit lokalisiert werden, so daß größerer Sach- schaden nirgends entfü-nden ist. Aus West- und Ostdeutschland kommen gleichfalls alarmierende Meldungen über umfangreiche Heide- und Rtoor- brande. Der dadurch verursachte Schaden ist dort zum Teil sehr erheblich. Wie uns mitgeleilt wird, sind die Brände zum größten Teil auf die Unachtsamkeit von Ausflüglern und Fuß- gängern zurückzuführen, die glimmend«.Zigarren- und Zigaretten- reste achtlos beiseite werfen. Ein Teck der Brände wird aber auch durch Funkenflug der Lokomotiven hervorgerufen worden sein.. Menschen, Göttern gleich... 4SI Roman von yerbert George wells. Fast ostentativ wandte Mr. Barnstaple dem neuen Kom- mando den Rücken. Er sah. t>aß Lady Stella ganz unten an der Tafel' sitzen blieb und besorgt die kleine Volksver- sammlung am anderen Ende betrachtete. Dann schweiften ihre Blicke zum gegenüberliegenden kahlen Gebirgskamm. Sie zitterte heftig und stand auf.„Es beginnt hier nach Sonenuntergang sehr kalt zu werden." sagte sie. ohne daß sie jemand betrachtete,„ich will mein Tuch auspacken gehen. Sie schritt langsam ihrem Quartier zu und kam nicht wieder zum Vorschein. k. Mr. Barnstaple wünschte nicht den Anschein zu erwecken, als ob er diesem Kriegsrat lauschen wolle. Er ging zur Mauer der alten Festung, stieg eine Treppe aus Steinhaufen hinauf und schritt dann entlang der Brustwehr nach der Spitze des Borgebirges. Hier ertönte sehr laut das Tosen und Donnern der Gewässer in den beiden zusammenstoßenden Canons. Es war noch ein Schehi von Sonnenglanz auf dem obersten Rand des Gebirgspanoramas im Hintergrund zu sehen, aber die ganze übrige Welt war nun in einen immer dunkler werdenden blauen Schatten gehüllt, und ein wogen- der, weißer Nebel sammelte sich in den Canons an und ver- barg die lärmenden Bergströme: der Nebel stieg fast bi» zur Höhe der kleinen Brücke, die den engeren Canon übersvannte und in einen vom jenseitigen Gebirgskamm herunterführen- den ei-gefaßten Fußweg mündete. Zum erstenmal, seit Mr. Barnstaple in Utopien angekommen war. fühlte er ein Frösteln in der Luft und die Einsamkeit peinigte ihn. Ueber dem breiteren der beiden zusammenlaufenden Canons waren irgendwelche Bauarbeiten im Gang und periodische Blitze erleuchteten den treibenden Nebel. Weit entfernt und hoch über den Bergen kreuzte ein einzelnes Flugzeug immer wieder die Sonnenstrahlen, sandte zuckende Blitz- von blendendem goldenem Licht hinab und verschwand dann. Kreise ziehend, wieder im dunklen Blau. Barnstaple blickte in den großen Hof der alten Burg hinunter. Die modernen Gebäude schienen im Zwielicht wie geisterhafte Pavillons zwischen dem altertümlichen Mauer- werk..Jemand hatte ein Licht gebracht und Hauptmann Rupert Catskill, der neue Cortez, schrieb Defehle aus, während sein Stab ihn umstand. Das Lickt beschien Gesicht, Schultern und Arme von Miß Greeta Grey, sie lugte über den Arm des Hauptmanns, um zu sehen, was er schrieb. Und als Mr. Barnstaple hin- sah. bemerkte er. daß sie plötzlich die Hand hob, um ein unbe- absichtigtes Gähnen zu verbergen. Mr. Barnstaple alt ein Berräier der ZUenschheit. 1. Mr. Barnstaple verbrachte einen großen Teil der Nacht auf seinem Bette sitzend und grübelte über die unberechen- baren Möglichkeifen seiner gegenwärtigen Lage nach. Was konnte er tun? Was sollte er tun? Welcher Seite war er zur Treue verpflichtet? Die bösen Traditionen und Infektionen der Erde hatten diese wundervolle Begegnung in eine häßliche und gefährliche Gegnerschaft verwandelt, viel zu schnell für ihn, als daß er sich der neuen Situation hätte anpassen können. Es schienen ihm jetzt nur zwei Mög- lichkeiten offen zu stehen. Entweder würden sich die Utopen als kräftiger und klüger erweisen und er mitsamt seinen Räubergenossen würden zermalmt und getötet werden wie Ungeziefer, oder der wahnwitzige Ehrgeiz Mr. Catskills würde sich durchsetzen und sie würden im reinen Körper dieser edlen Zivilisation zu einem sich ausbreitenden Geschwür wer- den, eine Bande von Räubern und Zerstörern, die Utopien von Jahr zu Jahr und von Generation zu Generation wieder zu irdisch'n Lebensbedingungen herunterzögen. Es scksien nur eine Rettung aus diesem Zwiespalt zu geben: aus dieser Festu-'g zu den Utopen zu entweichen, ihnen den ganzen Plan der Erdlinge zu enthüllen und sich und seine Gefährten ihrer Gnade.zu unterwerfen. Aber das mußte bald getan werden, ehe die Geiseln ergriffen und Blut vergossen würde. Aber erstens würde es jetzt sehr schwer sein, sich von der Erdlingsschar zu entfernen. Mr. Catskill dürfte bereits einen Wachtdienst mit Posten eingerichtet haben und infolge der besonderen Loge des Felsens konnten alle Ausgänge, die für eine Flucht in Frage kämen, leicht überblickt werden. Und zweitens hatte Barnstaple fein Lebe» lang eine Ab- Neigung gegen Angeberei und Verräterei gehabt. Die Schule hatte ihn dazp erzogen, joder Gruppe oder Vereinigung, der er angehörte, seine Dienste zu widmen: seiner Klasse, seinem Bezirk, seinem Haus, seiner Schule, seinem Klub, seiner Partei usw. Doch sein Verstand und seine unbegrenzte Wiß- begierde standen seit jeh«r im Kampf mit den engherzigen Verschwörungen gegen die Welt als Ganzes. Sein Geist hatte ihn während seines ganzen Erdendaseins zu einem un- bequemen Rebellen gemacht. Er verabscheute politische Par- teien und Führer, er verachtete und oerwarf Nationalismus und Imperialismus und die ganze flatterhafte Gesinnung in ihrem Gefolge. Den streitsüchtigen Eroberer, den raffenden Geldmann, den schieberischen Geschäftsmann, er haßte sie wie Wespen, Ratten, Hyänen, Haifisch?» Fliegen, Nesseln und ähnliches: sein ganzes Leben hindurch war er ein auf die Erde verbannter Bürger Utopiens gewesen. Er hatte auf seine Weise gesucht, Utopien zu dienen. Warum sollte er nicht auch jetzt Utopien dienen? Weil die Schar seiner Genossen klein und verzweifelt war, so war dies noch kein Grund, einer Sache zu dienen, die er haßte. Und war es auch eine verzweifelte Rott«, so blieb doch die Tatsache bestehen, daß sie im Grunde genommen auch schlechtgesinnt war. Es ist kein Grund vorhanden, weshalb Liberalismus in eine krank- hafte Zuneigung für Minorttäten ausarten sollte... Nur für zwei Personen unter den Erdlingen. für Lady Stella und Mr. Burleigh, hatte er Sympathie übrig. Und in Bezug auf Mr. Burleigh hatte er seine Bedenken. Mr. Burleigh gehörte zu jenen merkwürdigen Leuten, die an- söbemend olles verstehen und nichts fühlen. Er machte auf Mr. Barnstaple den Eindruck, als wäre er bewußt verant- wortungslos. War dies nicht in Wirklichkeit schlimmer als unbewußt abenteuerlustig zu sein wie Hunker oder Barra- longa? Von einem langen Abstecher ins ethische Gebiet kehrte Barnstaple zu der ihn umgebenden Wirklichkeit zurück. Morgen würde er die Lage überblicken, seinen Plan machen und vielleicht in der Dämmerung entschlüpfen. Es lag ganz in seinem Charakter, Handlungen in dieser Weise auf eine günstigere Tageszeit zu verschieben. Fast von ansang an hatte sein Leben aus verschobenen Hand- lungen bestanden. .(Fortsetzung folgt.) Oer gefesselte �adiohörer. Ein eigenartiger Unfall. lieber einen merkwürdigen Unfall, der aber glückNcherwekf« noch gut abgelaufen ist. berichtet un» ein Lefer, der Radiohörer ist und dem als solchen der Unfall selber zugeftoben ist: Eines Abends wollte ich nach getaner Arbeit mir einmal di« Tanzmusik des Rundfunks anhören. Da ich nur einen Detek- torapparat besitze, bin ich gezwungen, die Programme der Funkstunde mit dem Kopfhörer abzuhören. So auch an dem frag- lichen Abend. Ich baue mir meinen Apparat auf und fetze mich an den Tisch, um der Musik zu lauschen. Nach einer Haiben Stunde denk« ich: lege dich doch dabei ein bißchen in» Bett. Ju diesem Zweck wollte ich meine elektrische Tischlampe, die vollkommen aus Metall besteht, neben das Bett auf einen Stuhl stellen. Den Kopfhörer auf dem Kops«, fasse ich mit der rechten Hand die Lampe und nehm«, da sie mir etwas schwer vor- kommt, auch noch die linke Hand hinzu. Im selben Augenblick, wo auch di« zweite Hand das Metall berührt, geht ein Zucken durch meinen Körper. Ich will die Hände loslassen. Es geht nicht. Ich oersuche die Lampe fallen zu lasten, doch es stt unmöglich, wie- wohl ich den besten Willen hatte. Durch den Strom l2M Bolt), der durch meinen Körper jagte, waren meine Arme wie gelähmt und gefestelt zugleich. So saß ich wohl über eine Minute und wartete der Dinge, die da kmnmen sollten. Es war eine fürchterliche Situation, denn ich.war allein in der Wohmcng und niemand konnte mjr helfen. Doch aus einmal gab es im K o r r i- d o r einen fürchterlichen Knall und zu gleicher Zeit schoß ein� Stichflamme aus der Fastung der Lampe heraus. Ich war in ein tiefes Dunkel gehüllt. Die Lampe entglitt jetzt meinen Händen. Als ich mich von dem Schreck erholt hatte, besichtigte ich den Schaden und muhte feststellen, daß der Stein und die Nadel des Detektors zusammengeschmolzen waren. Wie es scheint, hatte der Kopfhörer den Strom weiter durch den Apparat zur Erde geleitet, wodurch dann Kurzschluß entstand. Wahrscheinlich war, was Ich aber nicht festslellen konnte, die Leitung der Lichtzufuhr an der Lampe nicht in Ordnung. Oer Kuhstall als Geheimlager. Zum Bankrott einer alten Berliner Firma. In der Berliner Handelswelt erregt die Verhaftung der beiden Inhaber der altbekannten Lederengrosfirma M. Ascher in der Klosterstraße beträchtliches Aufsehen. Di« nicht sehr solide Firma, die im Jahr 1921 ihre Inhaber wechselte, wurde von den Nach- folgern, einem Polen L. und einem Kaufmaim Sch., derart herunter- gewirtschaftet, daß, wie jetzt festgestellt wund«, Aktiven von nur 89 999 M. Schulden in Höhe von 379999 gegenüberstehen. Da, festgestellte Fehlen großer Warenmengen oersuch- ten die Inhaber darauf zurückzuführen, daß in den Geschäftsräumen Zentralheizung lieg«. Durch die trockene Luft fei im Laufe der zwei letzten Jahr« ein starker«Gewichtsschwund" bei den Lederwaren festgestellt worden. Diese Erklärung erschien so unglaubwürdig, daß die Krimiyalpollzei nach dem Berbeib der ver- schmundenen Waren forschte. Da machte man eine seltsame Ent- deckung. Einer der Inhaber hatte größere Warenmengen zur privaten Sicherung bei einem Spediteur in Schönsließ in der Mark untergebracht. Der Spediteur verwahrte das Leder in einem Kuhstoll. Hier wurde es gefunden und beschlagnahmt. Gs besteht nun der Verdacht, daß auch an anderen Stellen Warenposten beiseite geschafft worden sind. Der un- gcheuerliche Fehlbetrag der Firma dürfte zum Teil wohl auch den großen persönlichen Auswendungen der In h a b e r zu« zuschreiben sein. Leide sind jetzt oerhaftel und nach Moabit ge- bracht worden. Kriminatkommistar Dr. Bartsch, Dienststell« F. 1 im Polizeidienstgebäud« in der Georgenkirchstraße 30 A bearbeitet die Angelegenheit. Das Schnelwahnnetz wächst. Beim Vau der Schnellbahn Gesundbrunnen— Neukölln sirch auf der Strecke vom Kottbusser Tor bi, zur Neanderstraße die Arbeiten so rasch gefördert worden, daß die In b e t r!« b n a h m e dieser Strecke in nicht serner Zeit erwartet werden darf. Die Züge werden dann aus der ganzen Strecke von Boddinftrvße bis Neanderstraße laufen, so daß man von Neukölln schon bis in die Nähe der Jonnowitzdrücke gelangen kann. Inzwischen hat der Magistrat beschlosten, auch nachSüden hin die geplante Verlängerung in Angriff zu nehmen. Im Zuge der Hermannstraße soll die Schnellbahn über Boddinstraße hinaus zunächst bis zum Grünen Weg gebaut ryerden, und zwar oiergleisiz, weil hier auch Abstellmöglichkeiten für di« betriebsschwachen Stunden geschaffen werden müssen. Di« Neubaustreck« ist nur «99 Meter lang, ist aber für den Betrieb wichtig. Auf i'A Millio- nen Mark sind die Kosten dieser Verlängerung berechnet. Die Bauausführung wird auch Arbeitsgelegenheit bringen, so daß Entlastungen von Arbeitern aus dem Regiebetrieb der Nord- Südbahn-Gesellschaft vermieden werden können. Die Deutsch- Versuchsanstalt will nach Jüterbog. �"Pj u'X*? e®trlu4)6onf»an für Cuftfahrf, die zurzetj auf dem F l u gp la tz A d l e r» h o s sitzt, überrascht von Zeit $ n Nlclbungen, daß sie da oder dort hinziehen möchte. Erst wollte sie nach Britz, dann erklärte sie feierlich, daß sie kein Inter- eile an-örig h�be, um einige Tage später den Stadtverordneten Vor- würfe zu machen, daß die Vorlage über Britz noch nicht verhandelt worden sei. Am Dienstag haben die Leiter der Bersuchsanstali mit Beamten aller zustandigen Aerkehrsbehörden unter Leitung von Ministerialdirigenten Brandenburg vom Rejlbsoerkehrsministe- riiim den aus Kriegszeiten bekannten Flugplatz I ü t e r b o a be- fichfigt. Die Versuchsanstalt bat den Wn, dort hinzuziehen. Illach Rudow wollten die Herren nicht, weil Rudow 4 Kilometer weiter von Tempelhos entfernt liegt als Britz. Aber nach Jüterbog würden sie gehen. Als Hauptgrund sur eine Verlegung von Adlershos wurde seinerzeit angegeben, daß die Besitzerin des Flugplatze» das Gelände anderweitig verwenden wolle Dieser Grund ist inzwischen auch hin- lallig geworden. Die..Taoaf.a" der das Gelände gehört, hat dem 55 f.V e p boe wugplatzgelände übereignet. Die Versuchs- anstatt wird zwei ellos trotzdem versuchen, die Stadtverordneten zu bewegen, der Vortage über e.nen Dntzer Flugplatz zuzustimmen, ob- wohl in Adlershof erst vor kurzer Zeit eine Reihe Neubauten kür die Versuchsanstalt ausgeführt wurden. Cine Arbeitertheaterausstellung. Bor 85 Jahren schloffen sich einige proketarische Theateraruppen zum„Deutschen Arbeiter. Theaterbund" zusammen. Damals waren es kaum 59. heute zählt der Bund weit über 699 9 Mitglieder mit mehreren hundert Ortsgruppen. Ostern aersammeln sich die Delegierten aus ganz Deutschland zum Lohnsteuererffattung. Anträge bis 31. März. wer bis fehl keinen Antrag auf Erstattung der Lohnsteuer gestellt hat, muh die nächsten Tage unbedingt nützen, sonst verliert er seinen Rechtsanspruch. Die Anträge müssen bis zum 31. März eingereicht sein: die Finanz- ämter dürfen nur in ganz besonderen Fällen später ein- lausende Anträge noch annehmen. Ein Erstattungsantrag kann gestellt werden: 1. wegen Verdien st ausfall, z. B. infolge Erwerbslosigkeit, Krankheit, Streik, Aussperrung usw.! 2. wegen besonderer wirt- schostljcher Verhältnisse, z. B. wegen Unterhaltung mittelloser Angehöriger usw. 3. wenn jemand nicht mehr verdient hat, als ihm jährlich an Freibeträgen zu- standen, also z. B. ein Lediger nicht mehr als 1209 M.. ein Ver- hecrateter mit 1 Kind nicht mehr als 1499 M. usw.: 4. wenn der Lohnabzug unrichtig erfolgt ist, ohne daß dies der Steuerpflichtige selbst oerschuldet hat. Ein Erstattungsantrag kann nicht gestellt werden: 1. wenn überhaupt keine Lohnsteuer gezahlt worden ist, 2. wenn trog Verdienstausfall die Freibeträge voll berücksich- t i g t worden sind, so z. B. meist bei Kurzarbeitern, 3. wenn weniger als 4 M. zu erstatten wären, 4. wenn höhere Werbungskosten und Sonderleistungen vorliegen, die nur durch Erhöhung der steuerfreien Pauschsätze berücksichtigt werden können, 5. wenn der Steuerpflichtige zur Einkommen- st euer oeranlagt wird, insbesondere wenn er und seine Ehe- frau mehr als 590 M. sonstige Einnahmen gehabt haben. Die Zlnträge müssen bei dem Finanzamt eingereicht wer- den, in dessen Bezirk der Antragsteller am 31. Dezember l92? gewohnt hat. Bei Derdienstaussall ist ein Formular auszufüllen. das auf den Finanzämtern kostenlos erhältlich ist. Als Unter- lagen sind beizufügen: 1. stets die Steuer karte für 1927, gegebenenfalls die geklebten Steuermarken, 2. eine B e s ch e i n!» gung des Arbeitgebers über die Höhe des Lohnes, die abgezogene Lohnsteuer, Dauer der Krankheit usw.. 8. bei Ver- dien st aussall wegen Krankheit eine Bescheinigung der Kran- kenkasse, wegen Erwerbslosigkeit, Streik oder Aussperrung die Er- werbslosenkontrollkarte oder eine Bescheinigung des Berujsver- bandes, 4. bei besonderen wirtschaftlichen Ber- h ä l t n i s s e n Rechnungen oder andere geeignete Belege. Da für die rechtzeitige Beschaffung der Unterlagen nicht mehr genügend Zell zur Verfügung steht, wird dringend geraten, zur Wahrung der Frist zunächst erst die Anträge einzureichen und die Unterlagen später nachzusenden. Steuererstattung für KnegsbeschZdigte. Am 31. März 192« läuft die Frist ab für Anträge aus Erstattung von Lohnsteuer aus dem Jahre 1927. Kriegs- beschädigten und Zivilbeschädigten mit einer Erwerbsbeschränkung von mindestens 25 Proz. sind nach§ 193 AO. bei Verdienstauskall wie für 1925 und 1926 um den Hunderlsatz der Erwsrbsbeschrän- kung erhöhte Pauschbeträge zu gewähren, und zwar auch dann, wenn ein Antrag auf Erhöhung der steuerfreien Lohnbetrages nicht gestellt worden war, im Erstyttungsantrag aber die Beschädigung geltend gemacht wird. Wie der Reichsbund der Kriegsbe s ch ä d i g t e n mitteilt. ist ferner Kriegsbeschädigten und Zivilbeschädigten, bei denen ein Berdienstausfall nicht vorgelegen hat und die einen Antrag auf Erhöhung der steuerfreien Lohnbeträge mit Rücksicht anf� die Be- Ichädiaung und Maßgabe eines Runderlasses(R.-Fin.-Min., IIIc 9509, vom 9. Dezember 1926) nicht gestellt hatten, nach Z 10« AO. aus Antrag für 192? der Unterschied zwisben der ein- behaltenen Steuer und der Steuer zu erstatten, die sich ergibt, wenn die Steuer unter Berücksichtigung der erhöhten Freibeträge berechnet wird. Dies gilt auch dann, wenn ein höherer Grad der Erwerbsbelchränkung rückwirkend anerkannt wird, und zwar in diesem Falle für die ganze Zeit der Rückwirkung, gegebenenfalls also auch für die Zeit vor dem 1. Januar 1927, Beträge unter 4 M. sollen auch hier im allgemeinen nicht erstattet werden. VezirlSausschvß für sozialistische VildungSarbelt Verlan 5. Kreis Friedrichshain Freitag, 23. Mär,. 191/, Uhr, im Lokal Königsbank, Sr. FranFurier ©trabe 117: Auffübrung der neuen Revue„W enn ihr wollt" durch dieWanderratten. Karten bei den Kunklionären und Abendkaste. 1. Kreis Mitte Freitag, den 23. März, 20 Uhr, in der Kutturabteilung des Metall- akbecker-Berbanbes, Linienstr. 197, Film- und Vortragsabend. 1.„Kreuzzug des Weibes." 2. Ansprache des Senosten Or. Julius Moses, M. d. JL Kart, zu 30 pf. b. d. FunktionSrinn. d. 1. Kreises. 10. Bundestag in B e r t i n. Aus diesem Anlaß veranstaltet der 1. Bezirk des.«DSlThB." in den Unionsfestsäien. Greisswalder Straße 222(nahe Königstor— Alexanderplatz), im Arbeiterviertel Berlins, eine Arbellertheaterausstellung. Durch die Ausstellung soll in der Oesfentlichkeit geyorben und gezeigt werden, was geleistet ist. Die Ausstellung wird am 1.'April eröffnet: man� rechnet mit einer Dauer von 14 Tagen. Durch Theateroorsührungen und Vorträge will man jedem Arbeiter den Besuch wertvoll machen. Auf der kleinen Bühne im Ausstellungssaal wird dem Be- sucher vorgeführt, was er in der Ausstellung als Bühnenmodell, im Bild und im Buch sah. Eine Bücherverlosung bietet die Möglichkeit, Arbeiterliteratur zu gewinnen. Schweres Autounglück in Köpenick. Ein Toter, ein schwerverletzter. Ein schweres Autounglück ereignete sich gestern abend kurz nach 21 Uhr aar dem Grundstück Wendenschloßstroße 89 zu Köpenick. Der Zljqhrige Krastwagensührer Erich Sassenhagen aus der Lestingstraße 51 i» Köpenick, übersah in der Dunkelheit ein vor ihm fahrendes Fuhrwerk, das mit Langholz beladen war und raste in vollem Tempo von hinten In das Fuhrwerk hinein. Durch die Wucht des Zusammenpralles wurde das Auto völlig zertrümmert. Sastenhagen sowie sein 27sähriger Vruder Paul, der in der Falk- straße 16 in Neukölln wohnt, mußten schwer verletzt aus den Trümmern des Lastwagens geborgen werden. Die Verunglückten wurden in das Köpenicker Kreiskronkenhaus übergeführt. Paul Sastenhagen hatte einen doppelten Schädelbruch und schwere innere Verlegungen erlitten: er starb kurz nach seiner Einlieserung. Auch die Verlegungen de« Erich S, stnd so schwerer Natur, daß an seinem Auskommen gezweifelt werden muß. Der Kutscher des Fuhrwerks wurde von seinem Bock ge- schleudert, kam jedoch glücklicherweise mit nur geringfügigen Haut- abschürfungen davon. Die Schuldsrage ist bisher noch völlig un- geklärt. Lawinenunglück in Schlesien. Ein Gtiläufer verschüttet. krumwhübel. 20. März. Im Südwest hang des kleinen Teiches ging heute um 3 Uhr eine groß« Lawine nieder. Zwei Skiläufer, die sich aus einer Tour befanden, und zwar ein etwa 35 Jahre alter Günther und sein ILjähriger Nesse gleichen Namens aus Erdmannsdorj im Riefen- gebirge. fuhren ahnungslos auf der Schneefläche, die plötzlich abbrach und in den kleinen Teich stürzte. Während der ältere Günther auf der Lawine bergab rutschte, wurde der jüngere Günther von den Schneemassen verschüttet. Bis heut� abend 8 Uhr haben sich 199 Mann an dem Rettungswerk beteiligt, tonnten den Verschütteten jedoch bisher nicht retten. Zu der Bluttat in der TUflker Straße erfahren wir. daß das Ehepaar Seeland noch immer vernehmungsunsählg im Krankenhause daniederliegt. Di« Aerzt« hoffen, beide am Leben erhalten zu können. Im Lause des Nachmittags wurde der Alten- täter. der Klempner WillyForihuher. van Krimlnolkommlfsar Lissigkeit eingehend oerhört. Er zeigt auch jetzt noch kein« Spur von Reue, sondern bezeichnet seine Untat al»«inen..Akt ber Gerechtigkeit", Forthuber ist ohne Zweisei geistig nich, normal. Er war längere Zeit in Herzbergp, wurde aber als„nicht gemein. gefährlich" entlasten. Die Stadtverordneten haben ihre nächste Sitzung am Donnerstag um 16?i Uhr. Auf der Tagesordnung stehen unter anderem Erörterungen des Wohnungsbau«, in 1928. Die Sozialdemokratie auf dem Vormarsch. Eine Riesenkundaebung in Treptow. Gestern abend hotte die SPD. Treptow-Baumschulen- weg zu einer Kundgebung geladen, die im Spreegarten stattfinden sollte und da» Thema„Die Sozialdemokratie im Reichstagswahlkampf" behandelte. Aber der Spreegarten reichte nicht aus, um die Masten aufzunehmen. Es mußte eine Parallelversamitzlung im Paradiesgarten ver- anstallet werden. f Als erster sprach Genoste Paul Löbe. Er führte aus: Niemals hak die SPD. vor einem Mahlkamps gestanden, der einen günstigeren und ersolgrelcheren Ausgang versprach. Alle Landtags- und Ge- meindewahlen zeigen das stürmische Anwachsen der Sozialdemokratie. Der Lürgerblock muß besiegt werden, weil er alle seine Versprechun- gen brach. Wenn man jetzt da» Landvolk aufhetzt gegen die Stadt, dann sollten die Bauern vor die Schlösser der Großagrarier, vor die Luxusvillen der Trustkönige und die Hochhäuser der landwirt- schaftlichen Großbanken ziehen. Dort finden sie aber nur deutsch- nationale Parteifreunde. Damit die Arbeiterschaft siege, müste der Geist der gegenseitigen Zersetzung bezwungen werden. Das Symbol des Staates nach den Wahlen dürfe nicht der Stahlhelm mit dem Hakenkreuz sein, sondern der Pflug des Landwirles, der hmnmct des Arbelters. Reichstagsabgeordneter Genoste Dr. Moses wies auf das internationale Wahljahr hin. das uns bevorsteht. Sow- setrußland will sich nur stützen auf seine Bajonette. Diese Jdeo- logie ist falsch. Aber trotzdem werden wir uns nie- mals an einem gewaltsamen Sturze der Sowjets beteiligen. Reichstagsabgeordneter Genoste Künstler nahm als letzter Redner das Wort. Jetzt, wo die Bürgerblockparlamente in den letztes Zügen liegen, müssen wir hinausziehen! ns Land. um das Volk aufzuklären: Nie wieder in der Republik eine Regierung mit der Oeutschnationalen Volkspartei! Der Sozial- demokralie gehört die Macht! Musikulisch« Borträge unserer Treptower Arbeiterlänger rahmten die Kundgebung ein. Mit einem Hoch aus di« Sozial- demokratie schloß die Kundgebung, die allen Treptowern gezeigt haben wird, daß di« Sozialdemokratie auf unaufhaltsamem Bor- marsch ist. Selbftmori» wegen Wosinungskilndsgnnq. Die 37jährig« Elli Mischt« und deren 17jährige Tochter Erna wurden gestern Nacht 11 Uhr in ihrer im Vorderhaus in der Prinz-Eugen-Str. 24 gelegenen Wohnküche tot auf- gefunden. Sie hatten sich aus Verzweiflung darüber, daß ihnen die Wohnung gekündigt worden war, durch Einatmen von Gas das Leben genommen. Areispruch im Prozeß weqen eines BerqnnMcks. Nach dem Unglück auf der Wenzeslousgrube bei Neurod« am 7. März, bei dem sieben Personen tödlich verunglückten, war gegen den Direktor Höflich und vier weitere Grudenbeamte wegen Verletzung der bergpolizeilichen Bestimmungen und wegen fahrlässiger Tötung Srrafanirag gestellt wanden. Das Glatzer Schöffengericht sprach nunmehr nach zwei- tägiger Verhandlung die Angeklagten frei, da nach dem Verlauf der Beweisaufnahme ein strafbare» Verschulden der Angeklagten nicht vorliegt. In der Begründung heißt es unter anderem daß ein Kausalzusammenhang der Verletzung bergpolizeilicher Vorschriften mit dem Unglück nicht erwiesen sei. wetterberlchl der»steoMchen wetterdlrnMelke VerNn and»mgeaea» ttSachdr oerd) Foitbeuand de-Z trockenen Ui d beulen SetleiZ. i>n»I» w'.der wo». Iriicke SlUiche Winde.~ Für ocutzchlan»! 11. de. all-lort. de'land»s« 0«n 14 enden Wilterimzscharalter». wetlerhiu perdieitele, im Clttn und Süden strenge Nachtsröii«. undJhrbleibtgesund! Deirachiungen zur Kreidenker-Ltrwahl. Aus der Praxis einer entschiedenen Opposition. Am kommenden Sonntag, dem 25. März, findet bekanntlich im Berliner Bezirk des Verbandes für Freidenkertum und Feuerbe- stattung E. V. Urwahl statt. Angesichts der Tatsache, daß es sich um den stärksten Bezirk(225 000 Mitglieder) der sührenden Frei- denkerorganisativn handelt, dars die Bedeutung dieser Wahl nicht unterschätzt werden. Aber diese Urwahl hat auch über den Rahmen der Freidenkerbewegung hinaus insofern grundsätzliche Bedeutung, als es sich auch hierbei um einen Abwehr- kamps gegen die unbedenklichen Methoden der Kommunisten handelt. Wie diese Oppositionellen ihren„Kulturkamps" sühren, dafür heute zunächst einige Beispiele. Im Juni o. I. behauptete ein führender Oppositioneller, der Syndikalist W i n k l e r, Vorstandsmitglieder des Freidenker- Verbandes hätten von feiner Organisation Geld verlangt. Er erhält eine Beleidigungsklage von sämtlichen Vorstandsmitgliedern m I t Ausnahme der im Vorstande befindlichen Kommu- nisten, zieht im Lause des Prozesses seine Bemerkung zurück und etflärt, nur noch den Hauptkassierer des Verbandes gemeint ZU haben,„weil dieser betrügerische Finanzmethoden be- treibe und aus Anlaß einer Jugendweihe eine gefälschte Abrechnung vorgelegt habe". Die„Rote Fahne" greift mit Wonne diese Vor- würfe Wintlers auf, unterstellt sie einfach als wahr und zieht sich deswegen eine Beleidigungsklage zu. Sie nimmt ihre Behauptungen rni-h dann nicht zurück, als im Prozeh gegen Winkler alle von diesem selbst benannten Zeugen versagen und im Prozeh einwandfrei fest- gestellt wird, daß Winkler mit Unterstützung kommunistischer Funktionäre völlig haltlose Behauptungen ausgestreut hat und daß nichts von den Vorwürfen gegen den Hauptkassierer des Verbandes aufrechterhalten werden konnte. W i n k l e r ist also als V e r- l e u m d e r g e b r a n d m a r k t. Die„Rote Fahne" als feine Helfershelferin hat das Urteil, das die Niederlage W i n k l e r s und die Widerlegung ihrer eigenen Behauptungen enthält, bereits zweimal zugesandt bekommen. Sie schweigt noch immer. » Ein zweiter Fall: Im September v. I. erschienen in der„Roten Fahne" fortgesetzt Schmähungen gegen die Leitung des Freidenkeroerbandes. Auf mehrfache Aufforderung durch die Bcrbandsleitung und deren Rechtsbeiftand, Berichtigungen zu bringen, erfolgt gar keine Antwort- Daraufhin Anzeige des Der- bandes bei der Staatsanwallschaft. Gemäß Schreiben des General- staatsanwalts vom 8. Dezember 1927 wird das Verfahren gegen die Redaktion der„Roten Fahne" wegen Pressevergehen eingeleitet. Am 2 0. Dezember erscheinen dann auch prompt sämtliche vom F r e i d e n k e r v e rb a n d verlangten Bericht!- g u n g e n. Als der„Roten Fahne" aber diese Sünden öffentlich vorgeworfen wurden, schreibt das merkwürdige Blatt am g. März diese» Jahre»:„Wir haben, und das muß ausdrücklich hsrvorge- hoben werden, gegenüber der unwahrem Behauptung der Leitung, am 20. Dezember die uns zugestellten Berichtigungen ganz freiwillig abgedruckt, weil wir etwa» mehr„journalistischen Anstand" besitzen als diese Leitung, die zum bürgerlichen Kadi läuft, die revolutionäre Preffe denunziert, ihre Klagen aber zurückzieht oder am Schlüsse reinfällt wie in diesem Falle.(???) Für die Rundschreiben der Opposition zeichnet verantwortlich ein au» g e s ch l o f s e n e, Mitglied de» F r e i d e n k e r v e r- bände« namen» K ö h n. Dieser hat seine Eignung als revolutto- närer Kommunist dadurch erworben, daß er als Betriebsrat vor einigen Joyren der einzige Funktionär innerhalb des Holz- orbeiteroerbandes war, der für die Durchbrechung des Achtstundentages eingetreten ist. Jetzt tritt er für den reoo- KttionSren Kulturkampf ein. Das sind so einige Proben ans dem täglichen Kampf, den feit Jahresfrist die verbondsleittmg gegen dies« bkindwsttig« Opposttio« zu führen hat E» muß jetzt aber endgültig Schluß mtt dem kommu- msttfchen Unfug gemacht werden. Deswegen lenken wir die Auf- merkjamkeit aller Genofjen der Freidenkerbewegung auf die bevorstehende Urwahl und fordern sie auf, ihre Stimme der„Liste Verbandsaufbau" zu geben. Wltsi« in Ms SsNaUfttschs NevsttsskAseRd! Die Sozialistische Arbeiterjugend ist die Organisation der ar- bettenden Jugend von 14 bis 20 Jahren. Du darfst nicht abseits stehen, jeder muß mithelfen. Für Jugendschuh und Jugendrecht! Für den sechsstündigen Arbeitstag für Jugendliche! Für ausreichende Ferien und Freizeit! Für Völkerfrieden und Sozialismus! führen wir den Kampf. Kommt olle zu uns! Wandert an den Sonntagen mit hinaus, um neue Kräfte zu fainmeln für die Woche der Arbeit. In allen Stadtteilen findet ihr unlsre Gruppen. Meldet euch dort. Schulentlassene, oder sendet euren Beitritt an die Soziaiisiische Arbeiterjugend Groß-Berlin Jugendfekretariat, Berlin SW. 68, Lindeystr. 3. Oeffeniliche Werbeveransiattungen der SAZ. Beginn(soweit nichts anderes angegeben) 19� Uhr. Dcnu-rstag.!2. März. Svaud-m- Feierstunde in der Aula der Ob-rrealschule Molikestraßc. Evnnaoend, 14. Miirz. Werbe bezirt Steutistn: Werbckundaebung mit Fackelzug. Triff funkt 1» Uhp Reuterplotz. Schluhkundgcdung SlichardplaZ.— Belle». Platz! Äsrbcfc.er. steatze l-, BrNndenburazimmir. Dienstag, ck?. Merz. Ttr-l-uc-«lertel: Werbefeier!» der Schulaula Hohen. lohrstr. 10/11.— eljailottcnbsrg! Marzfeier in der Aula her Bismarck- schüfe, Sribclstreße. Freitag, 80. März. Werbe bezlrk«cnkölln: Bcgrststungefeier fllr Schulentlassene, Saalbau Bergstr. U?.- Faliplatz u, Frühllng-seier, Aula des Suni- Hassums Klelmstr 49. Sonnabend, 81. März. Halenl-e: Feierstunde in der Aula der Goelhe.Schule, Wtlmcredorf, Eisenbahnstrob«, 20 Uhr.— Worthcr Platz: W-rbcabend, Schulaula Tanzigcr Str. 28.— Fraatfurtcr«icrtcl! Werbcabend, Aula Frankfurter All-- 87.— Neu-Lichtenberg: Frilhlingsfeier, Aula des Jahn- Realgnmnastum», Narktstr. 2. Sonntag, I. Anril. W-rfchaue, Viertel und Siote FaNcn: Werdefeler, Schul- anla Frankfurter Allee 8?. i, v--j, >ntag. 18. April. Lohen ick ön heulen i Werbefeier bei stlubke.«erllner Strasse, 19 Uhr.— Rosenthalci Vorstadt: Einfsthrungsfeier, Leim Fehde- nicker Str. LZ. Dienstag, 17. April. Sklederfchönhaufen: Werbcabend, Aufa Bi-morckstr. 11 Donnerstag, 19. April. V-nkow: Werbcabend, Schulaula Sörlchftr. 41/42. Freitag, 20. Aprif, Lanfa lMoabit):-Ingcnd.Derbefcler. Aula Waldenfer- strotze 19.— ttottbnsscr Tor: Iugendfeicr, Schulaula Sleichrnberger Strasse 131/182.- Lanlwitz: Wrrbeadcnd, Lehmanns Festfälc, Kaller. Dilhelm-Str. 29/81. Sonnabend, ZI. April. Lal-nbeide: Jugentfeier in Nabes Feftfälen, Fichte- strasse.— Lichterfclde: Oeffentlicher Werbe, und Elternabend in Lichter. feldc-Wlst. Kattuns Feftlale, Dekestr. 7, 20 Uhr. Sonntag. 22. April. Werbebezirt Osten: Werbcabend:„Unser Zugendtag." A iontag, 28. April. Sstdricsten: Iugendfeicr in der Eck)uloula Tcmpelhofer User 20. Freitag. 27. April. Werbe bezirk Neukölln: Filmabend, Saalbau Bergstr. 147. Sonntag, 29. April, ikaulsdors: Jugentfcst, Schule Kaulsdors-Slib, Ulmen- strasse, lstlj Uhr. Oer Reparaiionsskandal. Voruntersuchung gegen die Para-Gesellschast eröffnet. VI« wir erfahren, ist von der Staatsanwaltschaft II die Voruntersuchung gegen die Leiter der Para-Gesellschast in Berlin, die Direktoren Roth. G o l d- sch m i d l und Konsul Lerchen sowie gegen eine Anzahl Viehhändler in Berlin und im Rheinland eröffnet worden. Die Untersuchungen werden wegen Betruges und Urkunden- fälfchung bei den Direktoren sowie wegen Mithilfe bei den Bieh- Händlern geführt. Der große Separationsskandal befchäf- tigt die Instanzen sn Frankreich ebenso wie in Deulschland seit über einem halben Jahre. Bekanntlich hatte Deutschland für den Wieder- aufbau der zerstörten Gebiete in Frankreich Sachlieferungen vorzunehmen, die im Rahmen des Dawes-Plancs liegen. Die von Frankreich angeforderten Leistungen werden Deutschland auf Repa- rationskonto gutgeschrieben, und die deutschen an die Liese- rungen beteiligten Firmen erhalten die Entschädigungen von der Reichsregierung. Hierbei haben sich nun deutsche und fran- zäsische Firmen schwere Durchstechereien zuschulden kommen lassen. Sie haben den Behörden Rechnungen über Waren vorge- legt, die dann anstandslos bezahst wurden, obwohl die Waren niemal» geliefert sind. Außerdem gaben sie bei gelieferten Waren Preise an, die zu dem wirklichen Werte in keinem Verhältnis standen. Das Cnnittlungsverfahren gegen die Leiter der Parn-Gesell- schaft stößt auf Schwierigkeiten, weil es der französischen Polizei nicht gelungen ist, die Inhaber der schuldigen Pariser Firma G o u d b e r g u. Levy in Gewahrsam zu hasten, Goudberg war rechtzeilig im Flugzeug nach Holland entflöhe», Levy wurde vom Untersuchungsrichter gegen Kaution entlassen und 12 Stunden später hatte der Pariser Kaufmann ebenfalls die holländische Grenze Überschritten. Bei der Zlusdehnung der Geschäfte und den Nachforschungen in sehr vielen Städten des Reiches dürste die Untersuchung gegen dke Para-Gesellschast sich monatelang hinziehen, zumal die Er- inittlungen in Paris»ur auf dem Wege über das Auswärtige Amt in Berlin und in Paris möglich sind. Sprechchor für proletarische Feiersiunden. Uebungsstundc heute, Mittwoch abend, T/{ Uhr, im Gesangssqql der Sophicnschuie, Wein- meisterstraße 10/17. lieber das„Krankengeld" und die Voraussetzungen zu seinem Bezug" sind in der neuesten Nummer der Gesundheit. Zeit- schrist für gesundheitliche Lebensführung des werktätigen Volkes (Verlag Verlin-Eharlottenburg, Berliner Straße>87) zwei brach- tsnswerte Beiträge aus der Feder von W. Goettfch und B. Geist- Hardt enthalten, die alle Versicherten interessterey dürsten. Stadt- oberschularzt Dx. Kollwitz schreibt über„S ch u l a v s ä» g e r", und Berufsberater Bruno Ziesler Über„Gesundheitliche Frage n der B e r u s s a n s ä n g e r". Der Beiirag von Dr. med. Rink und Sekretär Earl Litkc: Fühlst du dich Mutter? dürste allen Frauen wichtig sein. »Rechisblock- Regierung und Autzei pv ilil", io faulet daZ Zbrwa des Ausilnoltc- istbliids tcr LitSciurpe Belli» des Deiilt&cn Repiiblikaniichen Retchsbundes,»er Mittwoch, 28. Mä z. obciids Punkt 8 Ubr, im Saale des Dirnofi aü'd en KIu! liauseS, Ptttoiia- strasse 24, stattfindet. D« Ncieral bni Neichölagsabgeoidnetei Dr. Rndoif Breitich cid übernomm-n. Anschiiekeiiy �iell gee Beilaw.meiisem. Güsse wisskommen. EeschüjlssseLe: Potsdamer Sir. ISSJI 7(Telephon: Lülzow denn Sie haben sd/on einig? tftfjcutftelyL OVERSTOLTy fymaiäjl und cUe WITirkunQ unseney Kur verspürt. tfieJ finden s8m. selbst heraus, dass das ein anderes Raa tfen ist. wissen aber vielleicht noß) nidfjt, woran es ließt. ' Gfrwi wollen wir cJfjnen genau saßen, womuß es hei einer ostmacedonisäjen Zißarette ankommt, und woran der TaäFj mann sie erkennt. Cftf/r Oesdfjmadk ist ieiCtfi und würziß wie fns'tß ßebat/kenes Brot. Das Aroma entwickelt sidfj erst wahrend des RavuChens und erreicht seinen Höhspunkt mit dem letzten S-ugs. Es ist also ßerade? umQekefpl, wie bei einer unedlen£,ißarette,welffje nuyßlitfjerwmse beim ersten Zuße besticht, die man aber nidfji zu Ende raufijt- Ind das Aüerwu�Lißste bä OVERS TÖLZ: Qkts Rjuicßen ftinlerldsst keinerlei Naffißesfl/nuh auf der Skmße. Gas ist das beste Zeityen für einen edlendabak,' Qktfjalb wird Offnen das Raiichen. einer ostma.ce- donistyen Zvfyarette viel mehr dreude bereiten, und es wird VAnen. auty viel hesser bekommen- Qi » O"H• Das Knegsschädenschlußgeseh. Die Gozialdeinokraiie lehnt es ab. Der Antrag Dr. M o st(D. Vp.) auf Verlängerung des Gesetzes über den Verkehr mil unedlen Metallen bis zum lN. Dezember 1S28 wird dein volkswirtschaftlichen Ausschuß überwiesen. In der dann sortgesetzten zweiten Beratung des Etats wird der Oaushalt des Reichstags ohne Aussprache bewilligt. Ein kommu- nistischer Antrag, wonach den Kellner» des Reichstagsrestauranls auch in den Parlamentsferien das Gehalt fortgezahlt werden soll, kommt im Hammelsprung zur Abstimmung. Es waren nur 234 Stinimen abgegeben. Das flaus ist also beschlußunfähig. Die Verhandlungen werden aus 10 Minuten unterbrochen. Nach Eröffnung der neuen Sitzung wird der kommunistisltze Antrag dem Vorstand des Reichstags zur Dorberotung über- wiese». Es folgt die zweite Beratung des Kriegsschädenschlußgefetzes. 2ll>g. Buchwitz(Soz.) weift darauf hin. daß 4 00 0 00 Geschädigte auf die Ver- abschiedung dieses Gesetzes warten. Die meisten würden allerdings durch die Ausschußbefchlllsse enttäuscht sein. Die Erregung in den Kreisen der Geschädigten habe sich bei dem Fall des Farmers Langkopp, der das Attentat auf das Ncichsentschädigungsamt ver- suchte, gezeigt. Die Regierung habe bei diesem Gesetz an der tatkräftigen Führung fehlen lassen. In der Presse habe der erste Entwurf keine gute Beurteilung gesunden. Auch die Presse der Rechten habe geschrieben, es sei sehr wohl möglich, aus anderen Etatstiteln die ersorderlichen Mittel bereitzustellen. Auf dem deutsch- nationalen Parteitag in Königsberg sei das unterstrichen worden. Man dürfe die Frage nicht allein vom wirtschaftlichen und finanz- politischen, sondern auch von, sozialen Gesichtspunkt beurteilen. Die von der Regierung zur Verfügung gestellten Mittel niüßten unter die vierhunderttausend Geschädigten so verteilt werden, daß einem möglichst großen Teil der Geschädigten, deren Existenz zu ja in mcngebrochen war, wirksam geholfen werden könne. Einer überwiegeirden An, zahl Klein- und Mittelgcschädigter stehe nur ein ganz kleiner Teil Groß- geschädigter gegenüber, denen es auch heute noch nicht schlecht gehe. Der Redner verteidigt den Charakter des Gesetzes als Scblußgssetz: es müsse aber gerecht sein. Den Renten der Kriegsbelchädigten und Kriegerwitwen sowie der Arbeitsinvaliden gegenüber könne inan von einem Rechtsempfinden nicht sprechen, man habe sich aber seit dem Kriege immer in einem beschränkten Raum bewege» müssen. Es sei freilich anzuerkennen, daß man auch auf der Rechten ehrlich bemüht war. dem Entwurf«inen sozialeren Charakter zu verleihen. Die Herren hätten aber ihr soziales Empfinden inzwischen zugunsten der Großgeschädigten sehr rationalisiert. Der Redner fordert Kürzung der Beträge für die Großqeschädiglen, damit die Barentschädigung auf 10000 Mark erhöht werden könne. Der Höchstsatz der Entschädigung muß auf 1 Millioik Mark begrenzt werden. Der sogenannte Wieder- ausbauzuschlag, der den Gcschadigtengruppen über 200 000 Mark gewährt werden solle, beeinträchtige auch eine bessere Entschädigung der Klein- und Mittelgeschädigten. Die Bestimmungen über die Frist Versäumnis seien hart. Wenn diejenigen, die vielleicht aus llnbeholfenhcit oder Unwissenheit die letzte Frist versäumt hätten, auf den Härtefonds verwiesen worden seien, so müsse dieser entsprechend erhöht werden, nämlich von 37 auf 30 Millionen. Auch � seien gewisse Richtlinien ansgesiellt worden. Der Redner erklärt ! schließlich, die Sozialdemokraten könnten dem Gesetz i nicht zustimmen. Tie aus de» Ruhrfonds entschädigten Groß , geschädigten, die wieder mit neuen Ansprüchen Heroorträten, obwohl � sie schon wieder vor einer gesicherten Eristenz stehen und große l Gewinne erzielen, müßten zugunsten der Liquidations- und Gewalt- , geschädigten verzichten. Abg. Dr. Schnelder-Thüringen iDnat.): Das Reichsentlastungs- gesetz hat den Geschädigten einen Rechtsanspruch auf angemessene Entstchädigung bei wiederhergestellter finanzieller Leistungsfähigkeit des Reiches gegeben. Dos vorlioosnde Gesetz erfüllt diesen Anspruch nicht. Wenn trotz aller dieser Bedenke» die Deutschnntionalen der Vorlage z u st i in m e n, so sind sie dazu veranlaßt durch die Zwangs- lag«, in die die Regierungstrise den Reichstag gebracht hat. Abg. Dr. Schelter CZ.): Die drückend« Schuldenlast des Reiches inacht ein Schlußgesetz notwendig. Das Bestreben, den nun schon jahrelang wartenden Geschädigten end-ich Hilfe zu bringen, hat die Mehrheit des Ausschusses bewogen, die erheblich oerbesserte, wenn auch immer noch unbefriedigende neue Vorlage a n z u- nehme n. Abg. vauch(D. Vp.): Angesichts der durch die Regierungskrise entstandenen Zwangslage kann den Geschädigten die notwendige schnelle Hilf« nur gebracht werden durch die Annahme des jetzt vorliegenden Ausschußentwurfs. Abg. Dr. 5ieuß fDeni.) bezeichnet die Verhandlungen über dieses Gesetz als eine Folge von Grabreden vor eingesargten Hoff- nungen. Rechten und Zusagen. Wenn die demokratische Fraktion m der Schlußabsrimniung dem Gesetze zustimmen werde, dann nicht, um es sachlich zu sanktionieren, sondern um auch ihrerseits die Notwendigkeit zu bestätigen, daß den armen und oft eitttäuschten Geschädigten wenigstens einigermaßen und rasch geholfen werde. Zlbg. Zadasch(Komm.): Im Ausschuß sind die kommunistischen VerbcsiemngsantrSge abgelehnt worden. Die Kommunisten werden diesem unsozialen Gesetz nicht zustimmen. Um 1914 Uhr wird die Weiterberatung auf Mittwoch, 14 Uhr, vertagt. Außerdem steht auf der Tagesordnung die zweite Beratung der Gefrierfleischvorlage und die erst« Bc- ratung einer Novelle zum Tabak st euergesetz. Obstruktion im Landtag. Die Rechtsparteien gegen die Landeskultur. Im Preußischen Landtag sind am Dienstag die Rechtsparteiert wieder einmal zur Methode der Obstruktion übergegangen: sie beantragen namentliche Abstimmung und machen das Haus b e � schlußunfähig, indem sie selbst keine Stimmtarten abgeben. Der Anlaß zu dieser Obstruktion ist merkwürdig genug. Es handelt sich um eine Regierungsvorlage zur Kultivierung der west- e ni s i s ch c n Moore, die 9 Millionen Mark anfordert, um 20 000 Hektar Land neu zu entwässern und 40 000 Hektar bereits ent- wässerte»'Landes in der Landeskultur weiter zu fördern. Von den neuen 20 000 Hektar sind 3000 Hektar Stootsland, 13 000 Hektar bäuerlicher Besitz, für den die Kultivierungsgenossenschaften bereits gebildet sind. Wie kommen die Rechtsparteien dazu, gegen ein solches Landeskulturgesetz die schärfste Form der Opposition zu wählen? Der nicht leicht verständliche Gedankengang des Landbundes ist der, daß sämtliche derzeit versüglichen staatlichen Gelder dem bereits me- livrierten Boden zugute kommen sollen und daß neue Bohen- verbesserungsorbeite» nicht in Angriff genommen werden dürfest, Dabei haben sich über die Vorlage zur Kultivierung der rechtsemsi-' schen Moore Reich, Staat, Provinz und Kreise seit langem in einem gemeinsamen Programm geeinigt. Man darf wirklich gespannt darauf sein, wie weit die Rechtsparteien ihre frivole Obstruktion gegen die Landeskultur treiben werden! Nach Annahme der Groß-Frankfurter Eingemeindungsvorlagen »ahm der Landtag die Abstimmungen zum K u l t u s e t a t vor. Hierbei wurde der Mißtrauensantrog gegen den General- intendanten des Staatlichen Schauspielhauses I e ß n e r gegen die beiden Rechtsparteien abgelehnt. Die Schaffung einer neuen Pro- fessur für Staatsrecht an der Universität Breslau— Straf- Professur für Professor Helsritz— wurde in namentlicher Abstimmung mit 193 gegen 163 Stimmen der Rechtsparteien beschlossen. Die Vorlage über die Erhöhung der Psarrergehäl- t e r wurde in zweiter Lesung gegen Sozialdemokraten und Kommu- nisten angenommen. Endlich erledigte das Haus diczweiteLesung desEtots des Finanzmini st eriums. Die Rechtsparteien hielten dabei noch einige ziemlich klägliche Beamtenag'lationsreden über den bereits halb vcrgesienen Beamlenabbau des Jahres 1924, mußten sich aber vom Genossen M a r ck w a l d und dem Demokraten Ba r t e l d(Hannooer) sagen lassen, daß sie durch diese Manöver weder die Unterdrückung der Beamten im alten Staat, noch die jüngsten Heldentaten der Rechtsparteien bei der Rcichsbesoldungs- ordnung in Vergessenheit würden bringen können. In vorgerückter Stunde begann das Haus noch mit der zweiten Lesung der Allgemeinen Finanz Verwaltung, die am Mittwoch zu Ende geführt werden wird. Damit wird programmäßig am 21. März die zweite Lesung des Etats erledigt sein. In der Zwischenzeit bis zur dritten Lesung sollen einige Abänderun- gen an der Geschäftsordnung durchberaten werden. v-VV 1 V» reinigt VIM Jhre Töpfe} ICodigeräte Jisclt und Herd ist bewährt Mittwoch 2i.i2 Staats-Opsi Am Pl.d.Repub; 7Vt Uhr Der ferne Xlann -Iis«. StMutpielh. Jiüdannanmark 8 ühr Priitylonis Ferdinand Mittwoch�lJ.2S| Städt'scbe Pper Bismarckstr II Igt. 7-, 1 DieHodizelt I des Figaro Staatl. Sdiiilerth. Ciarlottenh'urc 8 L'hr Dos Duell am Lide Juspieihaus mmmm Sonntag um 3 Uhr halbe Prelga Mollendon 7360 Enrico Rastelli und weitere'nternatlonale VarietE-Atlraktioren. Renaissance- Theater Steinoiaiz boi 8.10 t-hr Coeur Bube. Theater am Kottbusser Tor Kottbunser StraBc 0. Tel. MpL. 16077 Täglich 8 Uhr 9 Sonntag, nachmlttaga 3 Ohr 4? Elite-Sänger tgiiVm März-Spielplan d. gr. Schlage' W.ZMMiWMe" — 1* VolksstQck in 1 Akt Ferner Sctiarach RuselH. der Meister der Komik in �rjminäsiaiwer� MM IHM Morden 12 310 Xhonnememsbüro Norden 10338—39. 1, Uhr. Ende 70 U. Zwdlftauaend Sonntag, den 23. nachm. 4 Uhr Zinsen Preise 1—7 M Katnmerspiele Norden 12310 ■', LV Ende nach 10 FiniiBn Sie, da11 "onstance jith riditir vertiält? Die Komödie Bismarck 24I4'73l6 S", U_ Ende N"'. U. Marcel Fradelin 'Der Eunuch> BerliDer Ttieafir Direktion Kuhnert. turkttejlr.« tt.MuUr Hi,4 Uhr Ein Berliner Volks stock von Fririguni-Fmlr ck.— ia (Jilbnt. Kijitldl, Uh Inn Pisoatcrbühne Theater am Nollendorfplatz Kurfürst 2091.93 Anf.8, Ende geg. n Die Abcnlcoer de» hreren Soldaten Scfawefk eil Hu Nlenüer ose. Ertio Pisatot Gastspiel im Lessing- Theatei Norden 12798 Täglich 8 Uhr äoppla, wir lew! von Ernst Toller in-c. Erwin Piscator Lustspielhaus 8>,, Uhr tiuido Thlelscbei .Unter Gesdstftsaufsidir Odo Bender und das «r. Programm Reichshallen»theater 8 Uhr. Sonnig, nachm 3 Uhr. Das wundervolle Progr. der Stettiner Sänger nachm. ermäß. Preise. uonnotf- Brett* 1 1 üläiiieiiites Viiicte-Prazrainiii: Tai»! Anlong 8 Oir, tzi. 51. Resideoz-Theater TZgi.«>. Uhr kein Polizeirerbot Oskar Ebelsbacher in Sdmle der Liebe Ftnt. Sdwsak in 3 Uta,'- Für Jugendl. verh. FZ- FCTtFnrn4) Fribt Pnlra Theater des Vesteu Täglich 3'. Uhr W«!» I Kiurinaa. G-Olict» >'jrtn Lichtenstein, Hofbauer, Fleischer I am. Wieser, Bradsky. Brandt Walhaila-Tii. Weinbeigsweg 19/20 Täglick 8>i. Uhr AiHieigeüDariipr Schwank in 3 Aktes lowidiidu kr ni ijlntfl Vorzeiger dieses zahlen für Parkett auch Sonntags statt ».- Mk nur fift Pt. Sa]lenbor]-Eebiien Dts. Künstler- Th 8 Uhr Die goldne Meisterin mmui-.ötiit f«. Koni« TÄlt.. Bergro. nia SV Uhr Flucht /. Uhr Broadway Rose-Theater Gr Frankt Str. 132. 8'/, Uhr Der Flieger Thalia- fbeater Dresdner Str. 72-73 3 0.: Cas Kamel seil dud] das Hadsldhr Ih. im IMralsoalas Nur noch 6 Vorstellungen Tägl.8'., Uhr mm RFVUF JaDaapowo.' chlust der Spie! zeit 23, Miri Volksbühne ldtziei au lülDwpiati Tu. am 3diiffliiueriiäT.it 8 Uhr 8 Uhr DieEplkleiilPPP Der Zigaretten- üeiflolQPiPürpua kästen Kieiaes Taeaiet Täglich Uhr EribaOiassner in Grefeben Für Jugendliche nicht geeignet IhBaterLd.LatiDwstr. Tel. Kurt 9209-ia Täglich S1/, Uhr Bennel «mir« AsdiendrOdel CAS1NO-THEATER° uh. Lothringer Sir. 37 Doktor Klaus. \aMdmeldcn Gutschein 1—4 Fers Fa uteuü nur i.inM. Sessel i.AOM Fola NegrP Leben wird teilweise gesdiUdert in dem neuen großen Paramuunt- Film der Farufamet„Qualen der Ehe" Er enthält wahrhaft ergreifende Offenbarungen aus dem Seelenleben einet Frau, es ist ein Film modernet Ehewirren und Konflikte. Uraufführung am Freitag, dem 23. März, int Gloria-Palast am der GcdAdtfBiakircbe PlanetariDm am loa Jerüoq. ifladuRutha:* urab Noll I57V |6 und 191', Uhr Oer Sternbimmel der Heimai 18 u. 21 Uhr im Reicbe der XiUernaetiissocoe tioirit. I.. vndCT nnl. � la�rr.SOS Metropoi-ilL Zentrum 128 24 «V« Uhr Der Grai tos Luxemburg ilcd», dizza. iztph trtar totrm trh» titln. Ml. liittnan Kredit Liefere elecante OerrenainsSöe Ilster Päielou Preise: 60.6.-.7«bis 100M, nach Maß liu. I to, 1 3u bis 18t. Mark. Anzahlung'» Rest 4 bis 6 Monats, aten. TomporowskJ Schne'dermstr� Drcioundstralie 47, Laden und I. Etage «.U-Bhf.Kreuzberg) Blutneüspendea ebet Ar: teien oc»»tnett l'aol Golletz, ootm.«ho-».im Marianneasiraüe 3, Eck» SJountinltrabe Zstt ÜXszispUÜS OS » X 31t. 137• 45. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Mitttvoch. 21. März 192S Großunternehmen ohne Dividende Nur Ausnahmen von der Regel.— Wer Gewinne auch noch hier. Im Schlechtmachen guter Konjunkturen und im Verheimlichen ihrer Gewinn« sind die deutschen Unternehmer unüdertrofsene Meister. Ader das bewahrt sie nicht vor der Feststellung, dah die deutsche Industrie im vergangenen Jahre bisher unerhörte Gewinne gemacht hat und Dividenden in aller Regel nur dort nicht oerteilt worden sind, wo ganz besondere Umstände, besonders schweres Der- schulden der Verwaltungen oder auch schwere Bedingungen der Umstellung vorlagen. Mit solchen Unternehmungen, die typisch sind, beschäftigt sich unsere heutige Uebersicht. Aufbau im oberschlesischen Moniankruft. Die Vereinigt« Oberschlesische Hüttenwerke A. T. in Gleiwitz, der Stahltrust Ostdeutschlands, veröffentlicht den Abschluß seines ersten vollen Geschästsjahrcs. Es dürfte noch un- vergessen sein, unter welchen Schwierigkeiten sich der Zusammenschluß der drei führenden Montantonzern« in Dentsch-Oberschlesien, der O b e r s ch l e s. Eisenindustrie A.- G., der O b e r s ch l e s. Eisenbahnbedarf A.-G. und derHenckelDonnersmarck Werte vollzog und wie kräftig Preußen und das Reich durch Kreditsubventionen diese für Oberschlesien notwendige Vertrustung unterstützen mußten. Der erste Jahresabschluß läßt bereits erkennen, daß die durch die Grenzziehung auseinander gerissenen oberschlesischen Eisenbetriebe in dem Trust eine neue Grundlage gefunden haben, auf der eine rentable Tätigkeit möglich ist. Allerdings ist das Ergebnis von 1926/2? durch die kräftige Konjunktur in der Montanindustrie be- sonders günstig beeinflußt, doch wirkt sich andrerseits auch die R a- tionalisierung und Zusammenfassung der Betriebe und der Verwaltungen in dem Ergebnis deutlich aus. Abgesehen von der Kohlenförderung, die sich nur um 8,6 Proz. erhöhte, st i e g die Produktion von Roheisen, Rohstahl, Walzwerkzerzeugnissen im Durchschnitt um mehr als 36 Proz., während die Arbeitstraft nur um 8 Proz. zunahm. Die Leistungen der Belegschaften. die jetzt fast 17 SOll Mann betragen, sind also ganz bedeutend g e» stiegen. Der Rohgewinn der Gesellschaft hat sich nach Vorabzug sämtlicher Unkosten, Steuern und Sozialabgaben von 3,5 aus 5,7 Mill. Mark erhöht. Da die Abschreibungen auf die Werksanlagen von 2,5 aus 3,4 Mill. Mark bedeutend heraufgesetzt wurden, außer- dem noch eine Million für den langfristigen Kredit der Preußischen Seehandlung abgesetzt wurden, verbleibt nur ein Reingewinn von 222 ODO M. In der Bilanz finden sich über 4,2 Mill. Mark Zu- gänge für den Ausbau der Wertsanlogen, so daß diese jetzt mit 43,7 Mill. Mark bewertet sind. Durch die starke Belebung des Geschäfts yat sich der Stand der Betriebsmittel sehr verändert. Zwar gingen die Bankschulden um 6,2 auf 3,9 Mill. Mark zurück, dagegen stiegen durch große Rohmaterialkäuje Wechsel- und Waren- schulden von 12,4 aus 17,6 Mill. Mark. Diesen Verpflichtungen stehen 11.7 Mill. Mark Forderungen— sämtliche zweifelhaften Forderungen wurden abgeschrieben, so daß in diesen Posten große Re- serven stecken— und fast 22,6 Mill. Mark Vorräte und Fabrikate gegenüber. Der Umsatz betrug im letzten Jahr fast 98 Mill. Mark, so daß das 36 Mill. Mark betrogende Kapital mehr als dreimal umgeschlagen werden konnte. Die Verwaltung vergißt natürlich nicht, im Ge- schästsbericht gegen das Inkrafttreten der Arbeitszeitverordnung am 1. April zu polemisieren, durch die eine Durchführung des notwen- digen Bauprogramms in Frage gestellt sei. Gefundung auch im Scheidemandel- Konzern. Der Scheidemandel- Konzern hatte schon in der Vor- krisgszeit zu kämpfen. 1914/15 mußte er sein Kapital von 11 auf 2,75 Millionen Mark zusammenlegen. Der Verlust von 75 Proz. des Aktienkapitals rief damals um so größeres Aufsehen hervor, als derartige Induftrieverluste in dieser Zeit überhaupt eine Selten- heit waren. Scheidemandel außerdem aber noch in dem Ruf stand, als vielseitiger Verarbeite? von Leim und Fetten in Deutschland konkurrenzlos arbeiten zu können. Der falsche Aufbau der Mutiergesellschaft und die ungesunde Ileberlastung mit vielfach unrentablen Tochtergesellschaften stürzten das Unternehmen nach der Inflation in eine Dauer- k r i s e. Schon die Umstellung auf ein Goldmarkkapital von 36 Mil- lionen war ein verhängnisvoller Fehler. Das neue Goldkapital war viel zu hoch. In den Krisenjahren 1925 und 1926 blieben dann auch die Folgen nicht aus. Millionenverluste zwangen die Gesell- schaft zu dreimaliger Sanienmg. Bon den 19 angeschlossenen Gesell- schaften blieben nur sieben Werke in Betrieb bzw. in den Händen von Scheidemandel: die Betriebe wurd-n zusammengelegt und mechanisiert und das Kapital in mehrfachen scharfen Einschnitten von dreißig bis auf zehn Millionen zusammengelegt. Diese schmerzhaften Operationen kamen spät, scheinen aber doch Erfolg gehabt zu haben. Roch drei Iahren schließt das Unternehmen zum erstenmal wieder ohne Verlust ab. Während sich die Betriebs- gewinne gegen die letzten Jahre mit 2,18 Millionen Morl nahezu verdoppelten, konnten durch die Ilmstellung die Unkosten und Steuern ermäßigt und durch Verringerung der Bankschulden insbesondere die drückenden Zinsen aus 246 666 Mark, also aus ein Drittel, gc- senkt werden. So wird ein Reingewinn von einer halben Million ausgewiesen, aus dem jedoch keine Dividende verteilt wird. In der Bilanz fällt besonders die'Verringerung der Beteiligungen auf, von denen aus den Buchgswinnen der KapitalzusamineNlegung fast zehn Millionen abgeschrieben wurden. Ihr Wert ist von 18,1 auf 8,6 Millionen Mark zurückgegangen. Trotz der Zurückzahlung von über zwei Millionen Bankschulden Ist die finanzielle Lage doch noch ziemlich gespannt, denn den 4,7 Millionen Mark kurzfristigen Lerpfiichtungcn, zu denen noch Ich Millionen Mark laiigkristige Schulden kommen, stehen an Forderungen insgesamt nur 3,6 Millio- ncn Mark gegenüber. Ueber das laufend« Gcschästsjahr äußert sich die Verwaltung sehr zuversichtlich. So konnte bei steigendem Lcimabse.tz die Senkung der ttukosten und die Abzahlung der D a n k s ch u l d e n fort- gesetzt werden, so daß bei günstiger Entwicklung der Rohstosfmärkte für 1928-ine weitere Gesundung zu erwarten ist. Daimler-Venz. Das größte Sorgenkind der Deutschen Lank war neben der Ufa lange Zeit die Daimler-Benz A..G. in Stuttgart. In- mitten einer fchwcren Absa�nfe und moßer Umstellunzsaftionen im deutschen Automobilbau waren die Schulden von Daimler-Venz bei der Deutschen Bank im Sepiember 1926 aus über 19 Millionen angewachsen. Dieser enorme Betrag konnte also selbst den Leitern der größten deutschen Kreditbank schlaflose Nächte bereiten. Aver der jetzt veröffentlichte Jahresabschluß von Daimler-Benz zeigt doch, daß dieses größte Unternehmen in der deutschen Aulomobilindustrie im Laufe des Jahres 192? einen finanziellen, technischen und organi- satorischen Wiederaufbau mit beachtenswerten Ersolgen durch- führen konnte. 'Die Beschaffung flüssiger Mittel wurde im Frühfahr 1927 durch Ausnahme einer 29-Millionen- A n l e i h«, sowie Erhöhung des Aktienkapitals um 14 auf 56 Millionen Mark durch- geführt. Hierdurch erlangte die Gesellschaft ihre finanzielle Bewe- gungssreiheit wieder und konnte neben der Zurückzahlung der ins- gesamt 28 Millionen Mark Bankschulden auch an einen großzügigen Ausbau der Betriebe herangehen. So wurden allein im letzten Jahr zur Beschaffung von Maschinen, Einführung der Fließarbeit und für anderweitige Nationalisierungsmaßnahmen nicht weniger als 7,6 Mil- lionen Mark neu investiert. Bon der kräftigen Konjunktur im Autoba« begünstigt, konnte die Geselllchaft einen Gesamtumsatz von 126 Millionen. also eine Steigerung von 86 Proz., erzielen. Da sich die Beleg- schaften in dem gleichen Zeitraum nur von 16666 auf 14 666 Mann erhöhten, hat sich also durch die Rationalisierung ihre Leistungsfähigkeit fast verdoppelt. Di« Bilanz ist leider so summarssch aufgemacht, daß sich Der- gleich« mit den letzten Jahren nicht anstellen lassen. Die von 3,1 aus 4,7 Millionen Mark erhöhten Bruttogewinne werden bis auf 386 666 Mark für Abschreibungen auf die Anlagen verwandt und der Reingewinn, der einschließlich des Gewinnvortrags des letzten Jahres 861 666 M. ausmacht, wird auf neu« Jahresrechnung vorgetragen. Mit Hilfe der im Frühjahr zugeflossenen neuen Kapi- talien wurden die gesamten Schulden von 46 auf 25,5 Millionen Mark zurückgezahlt, unter denen sich offensichtlich hohe An- zahlungsbeträge der Kundschaft befinden. Dagegen hat sich das Bankguthaben von 6,3 auf 1,8 Millionen Mark erhöht. Auch die Forderungen weisen einen Zuwachs von 13,6 auf 15,3 Millionen Mark auf, der auf die erhöhten Umsätze entfällt. Auffallend hoch ist der Bestand an Waren, Halb- und Fertigfabrikaten, der nach dem Denvaltungsbericht sehr vorsichtig bewertet sein soll, also auf deutsch noch beträcktliche Reserven enthält. Der Wert dieses Postens wird mit fast 53 Millionen ausgewiesen, übertrifft also das Aktienkapital noch um 3' Millionen. Obwohl das Ausland, besonders Amerika, mit allen Mitteln ver- suchte, seine Ucberproduklion an den Mann zu bringen, gelang es Daimler-Benz, auf dem Weltmarkt sein« hochwertigen Typen in steigendem Maße abzusetzen, so sagt der Gefchästsbericht. Aus der Waggonindustrie. Ein recht optimistisches Bild entwirft der Iahresbericht der Waggon- und Maschinenfabrik A.- G. Busch in Bautzen für die Waggonindustrie. Die Gründung der Deutschen Wagenbauvereinigung und die Reichsbahnausträge haben sich im Geschästejehr 1926/2? zwar noch nicht voll auswirken können, da die Einführung des Austauschbauverfahrens die Inangriffnahme der Reichsbahnausträge bis zum Sommer 1927 o e r z ö- g e r t«, doch seien die Aussichten für 1928 um so günstiger. Wie die Verwaltung erklärt, wird die Durchführung der bedeutenden Per- sonen- und Güterwagenaufträge für die Reichsbahn den Waggonbetrieben volle Beschäftigung bis zum Herbst 1928 gewährleisten. Die Maschinen- und Spezialbetriebe der Gesellschaft waren auch im vergangenen Jahr durchweg gut beschäftigt, was auch von sämtlichen Beteiligungen gilt. Der Reingewinn ist von 69 666 Mark auf 93 866 Mark er- höht. Die über anderthalb Millionen Bankschulden sind aber gleichzeitig bis auf 166 666 Mark zurückgezahlt, so daß die vorjährige Zinslast von fast 266 600 Mark bis auf 33 866 Mark gesenkt werden konnte. Die Beteiligungen haben sich mit 6.76 Millionen Mark mehr als verdoppelt, hauptsächlich durch stärkere Einflußnahme bei der Waggonfabrik i» R i g a. Ein drittes Derlustjahr verzeichnet dagegen die Waggvn- fabrik Rastatt in Baden. Sie schließt ihr Geschäfts- fahr 1926/27 wiederum mit einem Verlust von rund 274 666 M. ab, Nachdem auch in den beiden vorhergehenden Jahren Berluste von insgesamt 375 666 M eingetreten waren. Nach Auflösung des ge- samten Reservefonds von 185 666 M. bleibt immer noch ein Verlust von 481666 M., der mehr als 25 Proz. des Kapitals aus- niacht. Trotzdem scheint die Verwaltung eine Sanierung des Unter- Nehmens durch Kapitalzusammenlegung und die Beschaffung neuer Mittel durch Wiedererhöhung auch jetzt noch nicht ins Auge zu fassen, denn sie trägt den gesamten Verlust auf neue Jahresrechnung vor. Zluch die feit 1924 nicht annähernd ausgenutzten Betriebe werden nicht zu anderweitiger Produktion umgestellt, sondern die Direktion begnügt sich, im Geschäftsbericht dieselben Klagen wie in den letzten Jahre» vorzubringen, ohne auch nur mit einem positiven Vorschlag zur Behebung der Notlage zu kommen.' So ist das Bild selbst bei diesen bisher notleidende» Groß- Unternehmungen bzw. Industrien günstig, soweit nicht offenbares Verschulden der Verwaltung die Besserung verhindert hat. Die dioi- dendenlosen Grof-werke sind weiße Raben der Industrie im Glanz- jähr 1927. Aber selbst diese weißen Raben haben wieder ihre Flügel gebrauchen gelernt.' B— e. Verschwender Schacht. llnertraglich teure Anleihen der Gemeinpen. Herr Relchsbankpräsident Dr. Schacht hat den deutschen Städten die Aufnahme von Auslandsanleihen unmöglich gemacht. Er hat es getan niit dem Vorwurf, daß die deutschen Gemeinden Verschwender seien. Es ist Herrn Schachts Aufgabe, dafür zu sorgen, daß die Kapital- und Kredilbefchiassung in Deutschland so wirtschaftlich und so billig als möglich erfolgt. Das gilt auch sür den Kapital- und Kreditbedarf der Geinelnden. In allen Vankhäuscin Deutschlands ist es notorisch, daß durch die Anlcihesperre selbst die legitimsten Geldbcdürfnissc der Gemeinden mit den teuersten Zinssätzen bezahlt werden müssen, die es in Deutschland gibt. Das ist bisher die einzige greif- bare Folge der durchgeführtea Anlechesperr«, Jetzt wird die Auflegung zweier kommunaler Inlandsanleihen genleldet, die den Städten Königsberg und Breslau auf Jahrzehnte hinaus unerträgliche Zinsbelastung bringt. In beiden Fällen handelt es sich um 8prozentige Inlandsanleihen: Königsberg nimmt 9 Millionen Mark auf für 21 Jahre bei einem Zeichnungskurs von 93 Proz., Breslau 6 Millionen Mark bei einem Zeichnungskurs von DiVi Proz. Selbstverständlich ist der den beiden Städten zufließende Erlös noch ganz erheblich niedriger als der Zeichnungs- kurs, denn die vermittelnden Bankkonsorlien lassen sich bei der Rot- läge der Gemeinden ihre Vermittlung noch ganz besonders teuer bezahlen. So wird man damit rechnen müssen, dah die Anleihe für die beiden Städte jährlich nicht viel weniger als 16 Proz. des Nominalbetrages kosten wird. Und das zu einem Zeitpunkt, wo man dasselbe Geld für höchstens 7 Proz. im Auslande haben könnte. Wir prüfen die Zwecke nicht, denen die Anleihen dienen sollen. In diesem Zusammenhang sind die Zwecke gleichgültig. Entschei- dend ist allein die unerhötte Verteuerung des Kredits, die der Reichs- bankpräsident Dr. Schacht moralisch und amtlich zu verantworten hat. Wir fragen die Ocffentlichkeit, ob eine derartige, durch die Politik des Reichsbankpräsidenten verschuldete Ver- schwendung nicht unvergleichlich schädlicher ist als jene nur in der Vorstellung der Reichebank bestehende VerschWendung, die den Städten vorgeworfen wird. Vorsicht— Genilsmen! Ein Nachspiel zur Aufhebung der Eisen-Kariellverordnung. Am 27. Februar hat das Reichswirtschaftsministerium die Kartellverordnung gegenüber der Eisenindustrie wieder ausgehoben. In der bei dieser Gelegenheit veranstalteten Pi�ssebesprechung hat Ministerialdirektor Dr. Schäfstr vom Reichswirffchaftsministerium auch einen sehr ausfälligen Artikel der„Kölnischen Zeitung�, der von Herrn Abraham F r o w e i n, dem Präsidialmitglied des Reichsverbandes der deutschen Industrie, stanunte, beschwichtigend mit der Erklärung abgetan, daß dieser Artikel, wie ihm ans Jndlistrickreisen erklärt worden sei, bereits 14 Tage vor dem 24. Februar geschrieben worden sei und so lange in der Redaktion der„Kölnischen Zeitung" gelagert habe. Herr Dr. Schäffer mutz sich jetzt berichtigen. Di«„Kölnische Zeitung" teilt nämlich mit, daß der betreffende Artikel am 22. Februar eingegangen und am über- nächsten Tage veröffentlicht worden sei. Was hier eine Kleinigkeit scheint, ist in Wahrheit ein für die Herren des Reichsverbandes der deutschen Industrie höchst charakte- ristsscher Vorgang. Nach der von der„Kölnischen Zett'.mg" gegebenen Aufllärung ist der mit schärfsten Ausfällen gegen die Kartellpoliük des Ministeriums geladene Artikel nämlich nach jener Ver- einbarung zwischen der Eisenindustrie und dein Reichswirt- schasstsministerium geschrieben worden, die zur Aufhebung der Ver- ordnung führte. Wider besseres Wissen wurden also die neue» Vereinbarungen verschwiegen� und wie wir seinerzeit sofort unter- strichen haben, ist in diesem Artikel ein grundsätzlicher Angriff-de» Rcichsverbandcs der deutschen Industrie gegen jede Beeinflussung�her pripaten Kartellpolitik durch den Staat zu erblicken. Zu dem Bruch nngeschriebencr Verträge durch die Cisenherren, gelegentlich der übcrfallmäßigcil Erhöhung der Eisenpreise, konimt also noch ein illoyales und bestehenden Rechlsviihällnissen widersprechendes Bcr- halten eines emscheidenden Mannes im Reichsverband der Industrie Wir fragen den Herrn Rcichswirtschaftsminister, was er gegen- mal wagen wollen, mit den Gentlemen der schweren Industrie ledig- lich aus eine mündliche Zusage der Herrschaften hin Vereinbarungen zu treffen? In wclckzer Weise gedenkt er Herrn Frowein vom Reichsverband in seine Schranken zu weisen? Preußischer Millionenkredit für ZNelioraiionen. Das preußische Staatsministcrium hat einen Gesetzentwurf über die Bereitstellung von Staatsmitteln zur Gewährung von Meliorationstrediten an den Staatsrat gesandt und diesen ersucht, wegen der Dringlichkeit der Kreditgewährung sein Gutachten so schnell' wie möglich einzusenden. In dem Entwurf sind 16,5 Mil- lionen für Beihilfen bei Meliorationsarbeiten vorgesehen, die auf dem Kreditweg beschafft werden sollen. Grundsätzlich ist festgelegt, daß die als Beihilfen angeforderten Beträge nur dann bereitgestellt werden, wenn sich die Provinzen an den Beihilfen in gleicher Höhe wie der Siaat beteiligen. Für die Förderung landwirtschaftlicher Meliorationen. Umlegungcn und den Bau von Wasserleitungen sind zunächst 2,77 Millionen vorgesehen. Textilindustrie hat gut verdient. Die Kammgarn- s pinnerei zu Leipzig schließt ihr Geschäftsjahr 1927 mit einem Reingewinn von 312 696 M. ob. Da nur 8 Proz. Divi« dende auf das Kapital von 2,5 Millionen M. gezahlt werden, hat die Gesellschaft also über 116666 M. Rückstellungen vom Gewinn vorgenommen. Räch dem Iahresbericht war der Geschäftsgang das ganze Jahr über äußerst rege. Die im neuen Jahr eingegangenen Auftröge sichern den Beirieben»och auf Monate hinaus volle Beschäftigung. Zur Auffüllung der stark beanspruchicn Be- triebsmittel wird das 5iapflal von 2,5 auf 3,0 Millionen M. erhöht.— Die B a!> in w o l l w e b e r e i M it t w eida A.-G. konnte ihren Reingeminn im leiste» Jahr mit 163 666 M. sogar verdoppeln und schiittcl statt 4 Proz. Dividende 9 Prnz. an die Aktionäre aus. Auch diese Gesellschaft ist zurzeit noch so gut mit Aufträgen versehen, daß die Betriebe bis zum Soinnier beschäftigt sind. Die Elektrisierung der Deutschen Reichsbahn. Im Hamluirger Uebcrsceklub bat Generaldirektor Dr. Dorpmüller über die Möglich- keit der Elektrisierung der Reichsbahn sich wegen der heute noch zu teuren Kapitalbeschafh'ng sehr pessimistisch ausgesprochen. obwohl nach seiner Meinung die Bortene des elektrischen Bahn- betriebes sehr hoch einzuschätzen seien. Abgesehen von den Ver- einigten Staaten, wo nur 6,71 Proz. der Strecken elektrisch betrieben seien, falle unter den wichtigeren Staaten auf Deutschland bis End« 1926 mit l,88 Proz. der geringste Anteil. England lxide 2,66, Frankreich 2.29, Italien 6.6. Oesterreich 8.66, Schweden 7,52. die Schweiz fbis Ende 1927) sogar 66 Proz. aller Strecken elektrisiert. Bis Ende 1927 habe sich auch der Anteil Deutschlands allerdings aus 2,2 Proz. erhöht. Ersolarctche Siedlung in— Mexiko. Durch die teilweise per- sönlichen Bemühungen des Präsidenten Calles ist es möglich ge- wesen, in Mexiko bereits 86 606 Familien von Kleinbauern anzu« siedeln und ihnen das notwendige kulturfähige Zlckerlayd zuzuweisen; die Ansiedlung von weiteren 46 606 Familien ist vorgesehen. Durch die ausgedehnten Bewässerungsanlagen mch Talsverren werden bis zum nächsten Jahre rund 366 666 Hektar neu für den Allbau go- 2hn hundertsten Geburtstage Ibsen? sendet der Aerliner Rundfunk dns Versdrama„B r a n d". Eine glückliche. und auch glcichzeuch eine unglückliche Wahl. In Berlin wenig ge- ipielt, eine beschränkte Perscncnzahl und dazu ein Gedgnkendrqma, in dem die Menschen restlos ihre Gedanken durch das Won enthüllen, in dem die Geste und der mimische Ausdruck nicht zur Er- klänmg der Personen dienen. Auch die Szene ist ini Grunde bs- Isnglos. Andererseits aber erscheint heute die Figur Brands konstruiert sie ist nicht lebendig wie die Peer Gynts, sie bedeutet allein die konseguentc Durchsührunz einer Idee, und um der. nardi- lchen Zeloten Brand, um diesen stahlharicn Förderer von„Alles odsr nichts" webt i-cht bereits eine Ahnung von R.j,r?ntum. Dazu liegen auch die Probleme, um die es geht, der modernen Menschheit zu fern. Diez die Rächte ilc. Der Regisseur Alfred Braun enlkleidet dos Drama des letzten Restes von zeitlichen und örtlichen Andeu- mngen, er lästt es im Frcskostile tpielen, vermeeuel die Annäherung >n WirklichkcitsdarsteUung. Die tzzenen verbindet er manchmal durch Musik, aber ker Komponist Theo Makebcn ist zu weich, zu lyrisch, und dies? Musik zerstört dann wiederum die Einheitlichkeit und die Monumentalität des dramatischen Ausbaues. Sonst jedoch bewahrt Braun b'e große Forin. Ausgezeichnci die Nebenrollen, von Maihilde Suüm, Schn anecke mrd Braun mit scharfen Strichen hin- gesetzt. Die Agnes Johanna Hosers ist nie weichlich, versügt über zarte und verinnerlichte Töne. Paul Bildt ist Brand. Er entgeht der Gefahr des Deklamierens und des Pathos durch Lelchieunizung .des Sprechens. Er spricht scharf, schneidend, und hat auch den über- 'rüstenden To» des Gequältseins, den wilden Schrei der Angst Absr man glaul! ihn nicht immer, den stahlharten, unbeugsamen Fanatiker: denn er überschreit sich manchmal an entscheidenden Stellen, wo Ruhe und Kaltblütigkeit angebracht wären. Trotzdem eine der besten Sendungen des Berliner Rundfunks, da hier tatsächlich alles auf das Wort.gestellt und dabei das Drama nicht vergewaltigt wird. 1". S. Partemachrichten für Groß»Berlin ««le»d»iy»n ff.t West«uchit sind Vi lycSl(t«t» od»m«egtCstcftetarir.« »et Ii ii«'law.«tiivcud.üit 2. Hol. 2 Tie», rechts, ju richten. Achtung. Genossiiinen! Heute, Mittwoch, Zl. März, lgst- Uhr, Ksnferenz der Kreisleiierinnen für Agitation 'm Zimmer 53 des Berliner Nalhaufes, Eingang Spandaucr 5 trotze. dveg n der wichtigen Tagerordnunz müsjzn alle«reife vertreten sein. t. eirels®it;c. Zlchlnngl Tir fUr beut?. MUtwoch, av.acfcliie Bezirks. ncrorbactenDrtfommaiiis! findet r'k! au: Zuebez. 20. Miir», IS Udr,«tritt, — Nerbeserk»»!r>lu::a für d'r BelÜiche«chipe a a SCiitiiooJp, 21. SSitz, le'j Uhr, bei SCü'lnct,(äirfircbtce Str. 3.1. ikertraq de, Srnzsse» Lehrer ......._------ J\i W ��»W»»WWWWWMWMWWWW..|_______ Wff fcli.nch SKiirfs. SLHcma: Die Eer!3,tai:g elucr TZcülichcn Schule/ bitten um reü i rege veteilstjuiig. d.t.'ea.crten, Gildiingskommitk'chne» der Äateitiinq?» und'Zldteilungsieiter »lhinen derega teil, aricheine't I"'brd'!'.gl er'nrkerlich. Ib. Z rees Weif.r»!ee. Achtung. Ke�rlrstihrrr! Bam Tonnrtsieg, 2?. ältätA, flfcoMdj o-3"tuaölatlc: von Eqllris»hhsun, dir am Laanabeild»erteilt dm müssen. _.•♦. Äwf« S-einirlei d-rs.?>»»»».«!•>»«*•<•*, 8t. WHtj, 2» Uhr, tri„ J-'»"erp RcftidlT, lieivlcken darf West» iftari iaeb-rstr. 11, S-ei«. S J>» wl'edo-ver'artinlttpz.?,»«».'», ,Wie steht die S'N». znr M s/l mlittt der dr»t!-«-rn«fahl.'?"«eseem-t De. R'-Hats»»eits>« allen kZ D Äbleilungcn«rmLuscht. Ter Kreisvarstand. sZ heule. ZNillwoch, 2t. ZNürz: 12. �bt. Vt Uhr on zur FU'ahlaltverbreitl'pg bei(?chmtöt. Wielefst/. �7. 17. S'on ist Uhr ab FluMkattverhreituna und Material abholen von S�ordbafen K. 37.?'bt. Flt'pbl-atlverbrci�uns vom Lolal Pfeiffer. L'ausburastr. L, aus. Um Uhr S-tzl'na. WWt'ae �aqe-ordnuna. Erscheinen eller ist Vfli6)t. 43. Vb Z8 l'br treffen sirti d'-e l�enpffen iu ben?ah'ab2nt)tolaI',n zur eslnablaltverbr, ituna. Di» Be�rrkefNhccr holen die Flugblätter um 18.Uhr bes Her'og. leinst'' 2g. ab. 49. Vfct. 20 Vht M tilieberversammlung im Iugen-dbe'M 5'.il'd'"'str. 4, vom l �r. Vortrag des Ubr Fs,»ab»attverbre!tung im Lokal Schröder� (-»einmebsir. LZ. Erscheinen ist Pflicht. Rovawcs. 20 Uhr Mitgllcdeevsrsarnmluna im Cis<'nbahnhotel. ZNorgen. Donnersiao, ZZ. März: 7. 13*4 Uhr Wdung der Kommunalen Kommission bei'Arndt, Etbräder, s�ßk 2. KVma.*„Arbeitrsosen Versicherung." Pefcr�nt Stadtrat Tchmnbk. stntkressserfe Genossin in?n nnd lp-M'ostcu find einnelad'U. � außerordentliche Funkt onLrsktzung bei Kroll, Utrechtev �i�aße 2l. 191�. Ki/ßler. t�reifswasder i�tr. Funktfonärs?t?una. 23. T'M. 20 Uhr irt 23ccncuchi'nec öWofl. E-bmoer Str. 87, wichen»"Funk. 1 o�tndnnn mit den Bezirkotagsdelegierten und den Freidenker? »"nktkonftren. 2«. Pf*, fppn i8—t8 Uhr bei VeinN.b. We-ßenb'-rger Str. 1. K-sugblatt? ««'nhreftvna Am Sonnabe»'d, 24. MßW? ebenfalls ron 18—18 Uhr. 27, K'M. 18 Uhr FTi'g-t'nttrf�brcHvna von dm pablabend'oka�en ans. Die Ae,'rk-'sllbr''r holen die Flugblätter um 17� Uhr von Mehlderg, Gaudy» Itraße 6. ab 41. P*i. Genossen, die im F?esden?''vner''and sind, versammeln sich um Ubr bi'i Lanfert. Mar�ndorker Sir. 6 47. 9»r»4. 18 Uhr FTua��tt�rrbtfftrnn bei S'�dentopf, Muskauer Etr« 3b. Mir cm�crtrir rmp Beteiligung aller cheno�,, 52,«cb(ir»«*ttet'br*rt. D'e f�ero�n t'-ffk-' sich zur Flugblattverbreitung nm 191.� Uhr'Kfi Bad-. Kaiserin. �sugusta'�'Pee 52. 78. fM, 79 Üb? br' K'�-o, �curigstt. 51. Sißuna dog 9(k»t??l>Mias» no�fta-des i'trd fömtr'chpr �unktto""??.— 79. Bbt. 20 Uhr bei Fettlitz, 91. Fu''kt'0"är�bl"'t1. �chtiy� fonfeorttjivnq. 81, BM 7"rtfb— o«. Achtung! D»c für �o�neretaa. 22 Mö-I, in A"»sicht ge� uommeu" Ki'�d�e'l'nng muß Ve-''"n m�hrsacher.�'ud"rn'sse ausfallen. 131. pi*h**Trii~f**ttrtH, ig ifhr d"r �re�d'-l"''i""ossen bei Kfipht Bm s�ird'"'s-*'»d. 9\J'r b'tten um msUreiches Erscheinen. Iiszx Nft Bgkener �gb�g�e�d. Bcryriu Vi Ubr �esw"rii"t V-Oxy,.»..Die sexuelle Frage unserer Jugend/ Referent Genaue Igdoschinski, Berlin. fltfei'afl, 23. ZNörz: 43. WH. 9fi?ihinn! D'e B»>!rl-Wl,ree rechnen äi. garwthellarten sind mitzubringen. Jeder BeBei muh vertreten fein. .�rauenveroinsialfttnoen: 2.?t>'ddiua. Freitag, 29. Mär?, 19 Ittu». an befannttr stelle tto��rinu—-koufork'nz. K>ot'�o''dnung: 1. Uuler«» �N'to�'on fllr-d'e kam» tu-" dm Mahlen." 2. Bersch'cd.'ncs. Alle Funktionürinnen müssen an? vWgd s-ln. 5. Donner�an. 22 Mär» 19�- V*r. in bnn chom-nius« fäfen, Mi'meler Ct? 67 �"''♦:artHrinn,»,',,onfer',nz. l�art-�ordul'rta: 1.. Unsere 2. Be?sch'«'d"'ps Wegen de? mi��'a-- �'ns'f-o-dnung mslkk-u«zif? ver��l't'en sein. 7. D"-'- Don,.-�-»sa. 22. März, 20 Ubr, im IuqenHhekm 0"nnn«-fH' 4 13. cnrvfrp... M iw'o�. 21 März. 10 Ubr. treffen s�ch hie che. noss'nuen»ur df»,- im Botanischen Garten. Treff? Punkt Ka-ser.Fr'edrick. Ecke Eaalefttasie. N-"irks<",?»>cht-m,nq de« S> »leb'-ngk», nre«»nd her Jrrenanfl«,» W-tt-n«,,. chreffminkt m R'nuten »erber i-a. h»r t>r»slalt vfle chenolst»»-» urb c�nstf-n Und.'""»««b-n «. f�'s M't�ach. 21 Rä«, 19'* W"-, In h-n fforn-nlwil fäf'n, sr.-meTer ftr 07. bra encercB A'-«ch..M, der Slrbe'ter. inass»aHr, mit H'N O�'ei'ten her Abteilungen. Bell,ijdriaes Erscheinen i?t»nb-hinn« er'oeberl'ch. 2H.»H. chf, 9'f«— a"«Miirrfi Nnd-» renetmiidig M'ttm.ch, n»n l7>�.zi, llbr b-i her che-oMn?rilger, AboTfftt. 7, stati. Siege Beteiligung der Seife- rinnen wlrd erwartet, �nnosaekaNsi-m? Gnielae-eleichakt! �»nnereta», 22. Riir,. 19'/. NHe. fin 9MI,»elle.«Mane» Ste-ß« 7,10,»itglEd-rqersam-chmß. SagewitMumg euhetft wichtig.&. Jugendweihen der Arbeiterschaft Groß-Berlins. Sonntag, 25. März: Großes Schauspielhaus, Karlstr., vorm. 9 Uhr. Eharlottenburg, vorm. 11 Uhr, im Schiller-Theater. Sonntag, 1. April: Großes Schauspielhaus, Karlstr., von». 9 und 11 M Uhr. Pankow, vorm. ZI Uhr, in den Tivoli-Lichtspielen, Pankow, Berliner Straße 27. Vroaromm: Chorclcsänqe, Musik, Rezitation, Festspiele, Weihe- reden: Anna Nemitz, M. d. N.; Arthur Crispien, W. d. R.; Erich Ollenhauer, Stadtverordneter Dr. Lohmann. VorirSge, Vereine und Versammlungen. G fchelnen aller Mitglieder dringend erfarderlich. Zntrreffierte Senppenmitglie. der. dir Mitgliedr der Spielgelneiaschast werden wallen, find derzlichft ei». geladen. Seiivpe äleulclln I: Heute, Mittwoch. 20 llbr, im Kaiser-fsriedrich-Real- gymnnfium, Saisee-Jriedrich-Etraße, iZortfehung der Arbeitsgemeinschaft! „Ltaolsauffasiungen des 10. und 20. Jahrbunderts und ihre Anwendung in der PciÜik." g.eferent �tudienrat Erwin Marquardt.— Srunpe Neulrlln li: Heute, Mittwoch, piluktlich 20 Uhr, im Heim Bergftr. 2g, fiimmer lv. Bvrtrag: „Unser« faztalratitischen Aufgaben auf dem Lande." Referent Otto Engci. iSiiste»infoniBien. Sozialistische Arbeiterjngend Groß-Verlin Siosenbunaen für diese Tiubrif nur an da< Zuzendselretartat, ?er!tn C3B M,£lnben!tro6e 3 Die Wanderletterianferenz fällt in diesem Monat wegen der Werbe» grbeit aus. Anmeldungen zum Osterkursus: Letzter Termin Lannabend, 24. März, im Sekretariat. Heuie, ZNiilwoch, 21. Aiärz. 13� Uhr: Weddugi Helm See. Ecke Turiner Ctratze.„Bub und Möbel."— War- i'ckauer Viertel ig oie FaltenZ: Heim Litauer Str. 18.„Erste Hilfe." fddurrrr v»»»«».»(zutviti'. Vl l"1 w-tv. 4.0. ,-\�v|4v>— Reichenderger viertel: Heim Vrttzer Str. 2!?'Z0.„Lebensrefarm und Sazia. lismus." Spandau: Heim Lindenufer 1, Lichtbildervortrag!„Wilhelm vufch."— Tewpelhof: Heiin Eermaniastr. 4 6. ,.?ic Satire des 19. Jahr» hundert»."— Wannier: Schule Eharlottenstraße. ,-SÄJ. und Kirche,"— Fallen» b««g! Heim Zlichterliratze.„Kno:lr"°Atend.— Frledrichsfelde: Helm Echlotz- Ecke Berliner Eiratze,„1818."— fianledarf: Schule Abolfft ratze. Lichtbilder- vorlrag:„Hermann Lbns."— Lichtenberg. Mitte: Heim Scharnweberstr. 29. „Die Revolution von l>:18."— Zicii-Lichtenderq: Seim Sanfiftratze.„Unsere Stellung zum WahlkiiMvs." � Lichtenbera-Siord: Se�m Dossestr. 22.„März. revolutlon."— Lichtenberg. West: Heim Scharnweberstr. 29.„ftampfiage im März." Werbrtezirt Westen: Abt. SpardaU! Morgen, Tonnerstag. 20 Uhr, Feier. stunde in der Aula der Oderreasschule Spandau, Moltkestratze Pragramm: Mustk, Mezitaiion, Sesgng, Festspiel:„Tantauo Tod", Ansprache. Reichsbanner„Schwarz-Roi-Gold-. Sefchäftaftelle: Berlin S. 14, Sedastianftr Z7lZS, Hof 2 Zr» Mittwoch. 21, Mär,. Prenzlauer Berg:» Ubr Seneealverfamm. lung des Ortsvereins im Bezirksverfammlungslotal Danziger Etr. 64. NSpenicki Bnlreten 18-91 Uhr Thf. Köpenick zur Beteiligung an der Versamm» lniig der LP?, kharloiteuburg! 20 Uhr im Schillcriaal, vismarctstrake. Saalschutz zur Versammlung der DDP.— Donnerstag, 22. März. Mitter 6, Kameradschaft 20 Uhr Persammlung bei Dodrohlaw, Swinemllnder Str. li. Ziergarte»! Kameralzsäsaft Hansa: Oesfentliche Versammlung in der Menzel» Realschule, Cchlesw'ger Ufer 13. Aktive Kameraden Saalschutz in Banner» kleidung.— Freitag, 23. Mörz. Schöneberg-Kriedenau: Kameradichatt Rat- haus 20 Uhr Kameradlchastsversammlung bei Dehr, Mllhlenstr. 9. Referent Kamerad Kurt Zleimann. Sieukrlla.Bri»! 20 Uhr Turnabenh Mariendorrev Seg 6970. Kanlsdorf: 20 Uhr Versammlung de! Hilbner, Bahnhafitratze. — Scheneberg,?rledenau! Sonntag, d. A., Agltationsfahrt. Fahrgeld 1 M. Absqhrt per Lastauto m Uhr. Meldungen mllssen bis Donnerstag am Turn. abend erfolgt fein.- Feiedrichsdain: Meldungen für die Autofahrt am Sonntag, d. 26., werden noch bis Do., b. 22„ 11 Uhr, bei Kam. Lowenberg, Plumenstr. 61, angenommen.__ «erbard der Lungen, und T-beriulofeerkrankten D«utl»lands«. v. fsitz Berlin), Geschäftsstelle: 2)20. Schönstedts, r, 1, vorn 1 Tr. Srtsqruppe Berlin: Mittwoch, 21. März, IS Udr, findet Pasewalker Str. 3 die Bezirk-Versammlung! der Bezirke 16, 17. 17» und 18 statt. Den Mitgliedern wir» zur Pflicht ge» rnaebt. unbedingt zu erscheinen. «eichsbn'd der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer»nd Keieaeehlntre. bliebenen. Ortsgruppe R-'den 44! Mittwoch, 21. Marz, 20 Uhr. Mitglieder. veriamnilung in den Eastno.Festsälen, Pappelallee 1». Bortrag:„Schwer. besrt'äd-glen.gesetz und Arbeitsveenilttlung der Echwerdefchadiat.'nstelle. Sirfe. reu: Kamerad Bader von der Schwerbcschäd'gtenvermcktelungsstelle. «und Freier Lichtkämvser.„Deine Freizeit in Luft und«onne ist das Thema eines öffentlichen Lichtbildervortrages, den der Bund am Freitag, 23. März, IStzi Uhr, in t-r Aula der Weltlichen Schule Eharlott-ndurg. Pestalozziftr. 4«, veranstaltet. Der Portrag wird umrahmt von muflkallschen Darb'etnngen, Rezitationen, Boiksianz- und Gqmnastikvorftlhruugea. Geringen Unkoftendeitrag._ Jrühjahcstafakcg 1928 Peet u. Cloppenburg. Das Haus für Herren-, Dmnen- und Kinderkleidung Peel u. Cloppenburg. Berlin Sertraudtensir. 25/27, ließ zur Frühjahrs- und SommerUiion 19a« eine neue Preisliste erscheinen, welche eine genaue Uebersicht seine» ebenso reichhaltigen wie preiswerten Warenlagers darstellt. Für olle Lebensstadien und alle darin vorkommenden Gelegenheiten findet stier der Mensch die Kleidung, die er braucht. Zlngefangen vom Kinderkittelchcn, über den Kieleranzug und den Konsirmandenrock zur verschiedenartigsten Berufskleidung; daneben eine relche Äus- wähl van Sportanzügen aller Art. Ebenso bietet die Abteilung sur Mädchen» und Frauenkleidunq hübsche, preiswerte Artikel in Kinder-, Straßen- und Sportkleidung. Dazu ist dann auch immer das passende Sckmhwerk und die Behütung vorhanden. Ein großes Stoff- und Wäschelager vervollständigt das Bild«ines viclverzweigten Ge- schäftsbelriebes, dessen alter, solider Firmenname die Gewähr der reellen und preiswerten Bedienung gibt. m yi. Ülf JB wfi Tu if g »» er!-. 7-» m TWMMS ge? j'.'v-'-*?' .c Q. r, W ''6»pj >"> Sechs Tage rennen nach efnep ppeiswerien und guten Ci~ gare/fe aus pe/fen und edlen Tabaken? würzig aber doch leicht p ha t niemand nötig P denn übepa/J erhält man s S&smiHSmmm Berlins m eisfgera uchie du Clga rette �»Unterhaltung unö ÄVissen Der Sieg übei Eine der großen Errungenschaften der modernen Heilkunde ist die Ueberroindung des Schmerzes, den wir heute durch Betäubung»- mittel, durch Morphium- und Kokaineiuspritzungen und anderes, wenn auch nicht immer ganz beseitigen, so doch stets lindern können. Ein Gnadengeschenk ist damit der leidenden Menschheit gespendet. Aber die Narkose, die seit etwa einem Jahrhundert allmählich aus- gebildet wurde, gestattet auch, Operationen vorzunehmen, wie sie früher nicht möglich waren, und hat der Chirurgie neue Bahnen gewiesen. In seiner vortresslichen„Kurzen Geschichte der Chirurgie*, die der Rostocker Historiker der Medizin,'Prof. W. von Brunn, bei Julius Springer in Berlin veröffentlicht, widmet der Gelehrte daher der Narkose eine eingehende Darstellung. Wir wissen von den alten Asgyptern und Chinesen, daß sie bei operativen Eingriffen den Schmerz dadurch zu verhüten suchten, daß sie dem Kranken be« rauschende Getränke, die Opium und Hanf enthielten, eingaben. Auch die geheimnisvolle Alraunwurzel hat in der Antike diesem Zweck gedient, und auch schon im Altertum wurden die berühmten „Schlasschwämme* beuugt, die mit dem Saft narkotischer Pflanzen getränkt, dann getrocknet waren und beim Gebrauch mit Wasser an- gefeuchtet wurden. Diese Schlafschwämme, die noch im ganzen Mittelalter verwendet waren, wurden aber nicht etwa dem zu Ope- rierendcn aufs Gesicht gelegt, sondern von ihm in den Mund ge- nommen, damit er den Saft verschlucken konnte. Von chirurgischen Operationen, die in einem künstlichen Schlaf ausgeführt wurden, wird vielfach in der zuittelalterlichen Literatur berichtet, aber es finden sich auch Warnungen, daß man dgvon„schnellig und unsin- mg" werden könne. Sicherlich ist durch die klnsähigkeit der richtigen Dosierung mancher Todesfall veranlaßt worden. Ein beliebtes Be, täubuugsmittel ist seit Jahrhunderten auch der Alkohol gewesen. Die eigentliche wissenschaftliche Narkose konnte aber erst ge- schaffen werden, nachdem gegen Ende des 18. Jahrhunderts die Erforfchung der gasförmigen Stoffe die Möglichkeit einer Ein- atmung gestattete. Paracelfus hatte schon die schmerzstillende Wirkung des Schwefeläthcrs gekannt, und man empfahl jetzt Sauer- stofs» und Aethcrinhalationen. Aber erst als der damals zwanzig- jährige Humphry Davy in dem Stickstoffarydul, das er nach seiner Wirkung„Lachgas" nannte, ein sicheres Mittel der Schmer-betäubung gefunden hatte, wäre eine Anwendung auch in der Chirurgie möglich gewesen. Man zögerte aber damit noch lange, und als sich 18W der englisct»« Arzt Hickman mit der Bitte an den König wandte, an Menschen nachzuprSfen, was ihm bei Hunden gelungen sei, nämlich Operationen ganz schmerzfrei cmszu- führen, da erklärte man diesen Borschkag für lächerlich und un- sinnig. Einer der Ersten, der mit Hill« betäubender Dämpf« ein« Allgemelnnarkose beim Menschen herstellte, war der Bostoner Zahn- arzt Home Well«: er ließ stch 1844 selbst in Lachgasnarkos« einen Zahn ziehen und erprobt« das Berkahren bei einem Dutzend Patienten. Als er aber 184Z das neue Berfahren einem größeren ' den Schmerz. Aerztekreise in Boston vorführt«, erlebte er einen Mißerfolg, und als bald darauf andere damit mehr Glück hatten, nahm er sich aus Verzweiflung das Leben. Die glücklicheren Vorkämpfer der Narkose, die aber auch beide keinen Vorteil von dieser Erfindung hatten und später elend zu- gründe gingen, waren der amerikanische Chemiker Charles T. Jackson und der Zahnarzt William Mortorn Ms Morton 1846 Jackson bat, im ein Mittel anzugeben, mit dem er eine be- sonders empfindliche Patientin beruhigen könne, um ihr den Eni- schluß zum Ziehen eines Zahnes abzuringen, gab er ihm eine Flasche mit Aether, und als dies erfolgreich war, wandte Prof. Warren das Mittel min auch in seiner chirurgischen Klinik an. So wurde am 16. Oktober 1846 die erste A e th c r n a r k o s e zu chirurgischen Zwecken vorgenommen, bei der ein Halstumor tadel- los herausgenommen wurde. Nun reihten sich Crfolge an Ersolge. Morton berichtete davon nach London, wo am 19. Dezember 1346 das Berfahren bei einer Amputaiion angewendet wurde. Fünf Tage später machte man in Paris die erste Operation in Narkose, und in Deutschland war der Erlanger Professor Hcyselder der erste, der am 24. Januar 1847 einen Kranken in Aethernarkosc operierte. Die Allcinherrschast des Aethers dauerte kaum ein Jahr: dann trat das Chlorofonn daneben, das I8Z1 von Soubeiran entdeckt und 1882 von Liebig dargestellt war. Der berühmte englische Geburtshelfer James Poung Simpson, der zunächst begeistert für den Aether eingetreten war, sainmelte in aller Stille 86 Beob- achtungen über die Chlorosormnarkose und legte am 19. November 1847 das Ergebnis der medizinischen Gesellschaft in Edinburg vor mit dem Erfolg! daß man fast allgemein zum Chlorosorm überging. Aber in dem Wettkampf zwischen Chlorosorm und Aether, der nun begann, hat doch schließlich der Lecher gesiegt, und man verwendet ihn hellte wieder als das ungefährlichere Mittel. Dazu trägt die Anwendungssorm wesentlich bei. Ursprünglich wurde der Aether auf ein zusammengefaltetes und vor das Gesicht gelegtes Taschentuch geträufelt, dann aber ging man zu b.r „geschlossenen" Methode über, bei der eine Maske ans das Gesicht gelegt wurde. Das gleiche geschah bei der Verwendung des Chloro- forms. Auch hier aber ist die zuerst von Simpson angewendete Methode, ununterbrochen tropfenweise davon zu geben, die beste geblieben, und beim Aether hat die Rückkehr zur„Taschentuch- Methode" viel zu seiner Bevorzugung beigetrage». Heutzutage geht man immer mehr dazu über, Schmerze» durch örtliche Betäubung zu beheben oder zu vermindern. Schon Plinius empfahl dafür den geheimnisvollen„Stein von Memphis". Im Mittelalter empfahl man die Umschnürung der Gliedniaßen vor Zlusführung der Amputation. Auch der Kälte hat man stch seit dem 16. Jahrhundert bewußt hierfür bedient. Karl Ludwig Schleich trat dann seit 1391 besonders für die örtliche Betäubung »in, und seine Gedanken haben sich mehr und mchr durchgesetzt. Mitchell. Aus dem Leben eines australischen Saisonarbeiters. Don Henry Lawson, Sydney. Der Wcstzug war gerade in der australischen Station Redfern mit einer Menge gewöhnlicher Passagiere und einem sogenamrten Swazman, wie der Ausdruck für einen australischen Gelegenhcits- orheiter lautet, der von Ort zu On zieht, angekommen. Er mar von kleiner Statur, stämmig, krummbeinig, mit Sommer- sprossen bedeckt und mit Sand beschmutzt. Er hatte rotes Haar und kleine, zwinkernde, graue Augen— wie es oft zusammen der Fall zu sein pflegt—, überhaupt machte er ganz und gar den Eindruck eines geborenen Komödianten. Er trug ein zerfetztes, oft gewaschenes, bedrucktes Baumwollhemd, eine alte schwarze Weste mil einem Kalikorücken, ein Paar dunkle, geflickte Moleskinhoscn mil Flecken auf den Knien, die durch einen geflochtenen Gürtel aus grünem Leder, der los« uni seine Hüften lief, gehalten wurden, ein Pagr abgetragene, struppige, hohe Stiefel und einen weichen Filzhut, der durch das Alter und seine Schäbigkeit grün geworden war und eine Krempe hatte, die nicht einmal der Rede wert war. Der Mann warf seinen Rucksack auf dem Bahnsteig zur Erde nieder, dann schultert« er ihn, zog ein Kochgeschirr und einen Wosserschlauch heraus und begab sich zum Lremswagen des angekommenen Zuges Fünf Minuten später tauchte er knapp vor der Stelle aus, wo die Lohndroschken draußen vor der Station stehen. In seiner Be- gleitimg befand sich ein ängstlich herumbkickender Schäferhund, der sich zu seinen Füßen herumwälzte, und den er an einer Kette führte. Er stemmte jetzt seinen Rucksack gegen eine» Pfosten, wandte sein Gesicht gegen die Stadt zu, drückte seinen Hut ein wenig nach vor- wärts und kratzte sich dann seinen wohlentwickelten Hinterkops mit dem kleinen Finger. Scheinbar war er unentschlossen, wohin er seinen Wog einschlagen fällte. ADroschke gefällig, Herr?" Der Swagman wandte sich langsam nach dem Rufer um rnid blickte den Droschkenkutscher mit einem ruhigen Grinsen an. ,Da. sagen Sie mal, sehe ich wirtlich so aus, als ob ich mir eine Droschke mieten wollte?" „Ja, warum denn nicht? Nichts für ungut— ich für mein Teil dachte immerhin, daß Sie eine Droschke wünschen." D-r Swaglnan kratzt« sich wieder am Kopfe und schien nach- denklich zu sein. „Sie sind," meinte er dann.„Sie find feit den letzten zehn Jahren der erste Mensch, der aus so einen Gedanken vorfallen ist. W„z sollte ich mit einer Droschke anfangen?" „Run dorthin fahren, wohin Sie zu reisen d!« Absicht haben." „Sehe ich so erschöpft aus?" „Das habe ich doch nicht gesagt!" „Hab ich vielleicht gesagt, daß Sie eg gesagt haben?.. Nein, mein Lieber, seit fünf Jahren bin ich auf der Walz. Seit den letzten Weihnachten bin ich 2099 Meilen straßauf, straßab gewandert, ich sehe daher durchaus nicht ein, weshalb ich die letzte Meile nicht auch noch auf Schusters Rappen marschieren könnte. Oder dentm Sie, daß mein alter Köter eine Droschke wünscht?" Der Hund wimmert« und heulte: es schien, als ob er den Wunsch hätte, vcei dem Menschenhaufen wegzukommen. „Aber Sie werden doch nicht, hören Sie mal, Ihren Rucksack durch die Straßen schleppen,»der doch?" fragte der Droschkenkutscher. „Na. warum denn nicht? Wer wird mir's den» verbieten? Da gibts wohl kein Gesetz dagagen, das so was nicht gestattet, glaube Ich?" „Aber hören Sie mal, es steht nicht besonders gut aus, ver- stehen Sie?" „Ach so! Jetzt weiß ich also endlich, warum Sie mir darüber einen Vortrag halten!" Der Reisende hob seinen Hund gegen sein Knie empor, streichelte ihn mit ein paar Paischhänöchen, dann richtete er sich selber empor und sah den Droschkenkutscher scharf an. „Nanu, da schonen Sie mal her!" sprach er ernst und eindringlich, „können Sie irgendwo etwas Unrechtes an meinem alten Ruckjack herausfinden?" Es war ein dicker, vollgepfropfter, schlecht gepackter Rucksack, mit einer roten Decke aus der Außenseite, die mit blauen Flecken geflickt war. am Rande sah man, daß die Innenseite der Decke blau war. Der Rucksack hätte schon ein bißchen neuer sein können: er hätte auch ein bißchen reiner sein dürfen: er hätte auch mit ein bißchen besseren Riemen gebmilten sein können als mit diesen paar Stücken Kleider- schnüren und von grünem Leder— aber sonst war wirklich nichts Besonderes an ihm zu entdecken, es war ei» Rucksack, wie c? eben schon solch« Rucksäcke zu geben pflegt. „Ich habe diesen Rucksack so manches Jahr hennngeschleppi," meinte der Buschmann jetzt,„ich habe diesen alten Rucksack Tausende und Tausende von Meilen weit herumgetragen— dieser alte Köter ist mein Zeuge— und bieher hat sich noch niemand über seinen Anblick beschwert, auch nicht über meinen eigenen, noch über den meines alten Hundes: und glauben Sie. daß ich mich daher deswegen vor einem Droschkenkutscher schämen werde oder überhaupt vor jemanden? Glauben Sie vielleicht, daß ich die Gefühl«, die mein Rucksack in jemandem hervorruft, vielleicht gar studieren werde? Niemand aus der Welt ist es eingefallen, die meinigen zu studieren! Es ist geradezu eine Frechheit von Ihnen, sv eine anmaßende Sprache mir gegenüber zu gebrauchen!" Jetzt hob er seinen Rucksack vermittels.de, zusammengerollten Hzandlnchs das ihm als Schulterriemen für den Rucksack dieiu«. in die Höhe, warf ihn ins Innere der Droschke, stieg selbst hinein und zog dann noch seinen Hund nach. „Und jetzt können Sie mich xbeliebig wohin fahren, wo ich meinen Rucksack und meinen Hund inzwischen lassen kann, bis ich mir ein paar anständise Kleider bei einem Schneider ausgesucht habe." sagte er nun zu dem Droschkenkutscher.„Mein alter Köter ist wie Sie wahrnehmen können, nicht gewähnt, per Droschke zu sahren." Dann setzt««r nachdenklich hinzu:„Ich setder bin einmal, fünf Jahre l?ng, selber Drcschkentulscher gewesen, in Sydney, ver- stehen Sie?" tBerechtigle U»b«rfetzu»g von Z. Reis!»««».) Barbarel am Reml-See. Jeder Besucher Pom« kennt ihn, d«n aeheinlnisoollen, von uralten Baumgruppen bestandenen Spiegel de, Nemi-Sees, ojen bei Genzano im Bereich der Castelll Im«e« lieaen bekanntlich die Pruukjchisfe der alten römischen Kaiser, und Musfo'ini hat befohlen, diese Schiffe zu heben. Dazu muh nun da, Wo'"« des Sees umgeleitet werden. Zu diesem Zweck tverden Kanäle und Stauwerke errichtet. Die Betonwüste drhnt sich mit jedem Tag mehr aus. die Bäume werden gefällt, das Buschwerk zerstampft der ehrwürdige Boden von Hunderten von Arbeitern ausqerisien Maschinen kreischen durch die sahrtausendqlte Stille, die ganze Barbarei der Respektlosigkeit tobt stch an der Stätte aus. die erlklsnsten«eisten» du lesttm Jahrhunderte kostbar war. Deuische und amsn'kanische Museen. Prof. Dr. Hermann Boß, Bodes Mitarbeiter als Kustos in dar Gemäldegalerie des Berliner Kaiser-Friedrich-Museums, ist zur- zeit auf einer Studienreise in den Dereinigten Staaten. Er wird u. o. im Museum in Detroit eine Vorlesung über italienische Kunst halten. Auf Grund seiner Eindrücke in den Kunstsammlungen der Bereinigten Staaten veröffentlicht er in der amerikanischen Kunst- Zeitschrift„Art News" eine interessante Vcrgleichnng der jetzigen Lage unserer Lunstsainmlungcn mit derjenigen der Mujeen drüben. Die Organisation der amerikanischen Sammlungen findet er der unsrigen weit überlegen. Das Metropolitan-Museum In New Park z. B. erscheint als eine ganz in sich abgeschlossene Einrichtung mit allen den mechanischen Hilfsmitteln, deren ein solches Riesenmusemn nur bedarf. Und die Leistung, die aufgewandt wird, um mit dem Publikum Kontakt zu halten, in Vorträgen, Veröffentlichungm, Dienst von Lehrern für Schulllasscn usw. ist erstaunlich groß. Boß erwartet sich davon wertvolle Anregungen für unsere Kunstsamm- lungen. In anderer Weise scheinen Ihm dies« besser gestellt. In Amerika sind die Museen überlastet mit Verwaltungsstellen und dergleichen, und die Direktoren erscheinen in der Gestaltung der Sammlungen beschränkt. Die Kuratoren und Verwaltungsbehörden können Kunstwerke selbst gegen den Willen der Direktoren hinein- bringen.. So etwas erscheint dem deutschen Kunftgelehrten für unsere Begriffe undenkbar. Der Direktor, ein Mann von erprobter wissenschaftlicher Bildung, muß allein entscheiden, welche Kunstwerke die Soinmlung nötig hat. Die steigend« Wertschätzung der Kum't und des Kunstftudiums in Amerika wird diesen Mißstand gewiß bald beseitigen. Ebenso wird die Zeit in manchen der großen össentlichen amerikanischen Kunstsammlungen für Revision sorgen. Nach dein Urteil von Daß gibt es wohl große Meisterwerke m den dortigen Museen, aber auch sehr viel minder Gutes. Das kämmt wahrscheinlich auch daher, das; die Museen die kunsterziehe- rische und die mehr kenuerhafte Art der Museumsleitung so sehr verbinden. Das Kunstmuseum, wie es der deutsche Gelehrte charakterisiert, soll eine Uebersicht der Geschichte der wirklich großen Kunst bieten, aber nicht all der vielen Zwischenstusen, die es da gibt. Das Metropolitan-Museum z. B. könnte seiner Ausgabe vielleicht besser dienen, wenn es die schönsten Dinge für stch allein zeigt und die geringeren Werk» im Anschluß an Nachbildungen von Meisterschöp- fungen einzig für Unterrichtszwccke verwendet. Ebenso groß ist der Unterschied in dem prinzipiellen Standpunkt europäischer und amen- konischer Kunstsammler. Bei uns begnügt sich derjenige, der die größten Meisterwerke nicht erschwingen kann, mit Schöpfungen von Leuten geringeren Ruhmes. Denn manchmal ist das beste Werk eines geringeren Malers den minderen Schöpfungen eines Meister» durchaus überlegen. In Amerika muß osfendor jedes Bild einen großen Namen tragen. Gewiß hat man dort glänzende und echte Schöpfungen der Großen in reicher Zahl, aber hoch auch viel», hie unter der Last ihrer„Zuschreibungen" seufzen müßten. In dem Cxpertenwesen stellen sich dieselbe» Mißstände heraus wie bei uns, la ysfenbgr nach schwerer«. Schon befürchtet myn, daß die Fülle der Expertisen die ganze„Kennerschast" in Mißkredit bringt. Prof. Dvh steht also viel« große Mißstände auch drüben, nennt es aber fraglos, daß die amerikanischen Sammlungen in einem Zustande des Fortschritts stch befinden und viele der größten Kunstwerke der Welt einhalten. Die übertriebene Wertschätzung, die man der Expertise beilegt, werde ja vorübergehen, und dann erst recht«erde MS» die bedeutenden Bilder der amerikanischen Kunstsammlunsen als giaev der wichtigsten SssHchmer der Nstion«kennen. Grosz und Hascheck. Der Zeichner George Grosz gibt die„Hintergründe", die er zu Piscators„Schwejk"-Aufsührung gezeichnet hat, als Mappe heraus.") Die zusammenfassende Schau bestätigt den weltweiten Unterschied zwischen dem Dichter des„Schwejk" und dem Maler. George Grosz' verbissener Kampfnatur fehlt gänzlich, was die Unsterblichkeit des Haschekschen Schwejk ausmacht: das Menschliche und das Gütige. In Grosz wirkt ausgesprochener Intellektualismus, während Schwejk, diese unnachahmliche Mischung aus Blödheit und Raffinement, das System nicht mit prahlendem Verstand, sondern mit witziger Ein-' sali überwindet. Die Gegensätzlichkeit der Naturen prägt sich ain deutlichsten aus in dem mißlungenen Versuch des ersten Blattes, Schwejk porträtmäßlg zu erfassen. Der Schwesk, den Grosz zeichnet, ist nicht der humorvolle Schwejk Haschet». Der Unterschied läßt sich vielleicht so formulieren: Von Hascheks Schwesk wissen wir be- stimmtest, daß er stch auch im Dienst einer Sowjetmacht zu den un- menschlichen Verrichtungen eines Kriegers oder Henkers nicht her- geben würde, während die leidenschaftlichen Anklagen des Zeichners Grosz gegen das Morden, Hüngen und' Erschießen nie den Ver- dacht ausräumen, daß. Grosz an diesen Dingen nichts auszusetzen hat, wenn sie von der Gegenseite init den gleichen barbarischen Mitteln, nur aus anderer Gesinnung, vorgenommen werden. Wcs- wegen Schwejk seiner Umgebung menschlich stets überlegen ist, während Grosz bei allem kämpferischen Elan letzten Endes auf der gleichen Ebene mit denen bleibt, die er angreist. Seine satirische Meisterschaft soll damit keineswegs in Abrede gestellt werden, wenn man auch eine Weiterentwicklung über die Glanzstücke der Mappe „Ecae homo* hinaus vergeblich sucht. Grosz ist in seinen satirischen Ausdrucksmitteln ziemlich der gleiche geblieben, de? er in den Iahren der Revolution war. Ist dies Stillstand oder Rückschritt? Man wird das Gefühl nicht los, daß manche haßerfüllte Ucdertreibung, die unter dem unmittelbaren Eindruck blutiger Kämpfe und grau- samer Siegerexzess« im Bürgerkrieg verständlich erschien, nach acht Jahren verbraucht und gekünstelt wirkt. Haß ist so wenig wie Begeisterung eine Heringsware, die sich einpökeln läßt. Ein paar Prachtleistungen bleiben von dieser Kritik unberührt. Der vom Paragraphen umwickelte und verwickelte Proletarier, der vergeblich der tödlichen Umstrickung des seelenlosen Ungeheuers zu »ntsliehen sucht, ist eines der besten Symbole für die Klassenjustiz. Ebenso stellen iijL vier Porträts des Stabsarztes und die Reihe der„Simulanten" Höchstleistungen der Charaktcrisierungsktinst dar. Für einen Schwejk-Jllustrator aber fehlt Grosz das Hauptsächliche, was uns den brayen Schwejk ja wert macht: man kann bei Erasz nicht lachen. Daß man es so ausgiebig bei Schwejk kann, vermindert nicht, sondern permehrt den propagan- distischen Wert dieses unsterblichen Buches. E. K— r. Sieben Kinder in zwei Zahren. Mussolini laßt es sich, wie man weiß, mit unermüdlichem Eifer angelegen sein, durch Geldprämien und Steuererlasse an kinderreiche Familien die Bevölkerungszahl zu heben. Ms Schulbeispiel einer guten Italienerin in seinem Sinne darf eine arm» Housiererin au» Sora in der Provinz Caserta gelten. Die brave Frau namens De Muecio, die im vorigen Jahr bereits Drillinge gebaren hatte, hat jetzt vier lebeitde Kinder zur Welt gebracht, die sich, wie die Mutter, besten Wohlseins erfreuen. Auf den Bericht des Präfckten über das freudige Ereignis hat Mussolini 499 Lire überweisen lassen und die Aufnahme der Wach- nerin und der vier Kinder in dio Frauenklinik angeordnet. *) Georgs Grosz:„Hintergrund", Preis 1,79 M., Malik-Aerlag A�S., Berlin W. öS. »MM- i ■■■-' das— Porzelian TtkOO AR Goldrand, laSdcH r Purzeilan. 28 Pf. SiielselcHerÄÄ 28pi SuolseleüerÄÄ�SSpr. Aliendliro(le!!firÄF0eu;20pf o.fiacli, glatt, A O -KI Go Idr,, P o rze 1 lan Pf. Ä'aenflörolleüer�orÄ�Spf. SpaiselelleraoÄÄißSpt Al3eriäarol{ellcr�e?i0«r45p/. Bomsolleüer&�32pt Kaüeesenice Ä. Go.Id: l90 üsSleeservIce ÄÄt 490 SalleeserfiEe 530 TülßiSSITiCfi Steinen 28 telUgß98 Taä8iserfiC0�ugpe'™"",2450 TalelserUce ÄS'Äo«;«> mit Vollgoldhenkei........... 9� TalelsenlceSÄS� Mattgo Idhenkei............. 1�«? WasE�amllüTsteffi,,. � 450 SW« 28. 38,48" lÄMAMS.. ,» i»> 40«5■) m ÖSpiI25!40!83403 Ft StScV V Schwarz wälder Bauerngeschirrl | Kaffeekaoneii, Tema. 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OP I a/ ISV av I is" «-»sssss W Unfcrcm liehen(Scnoffeu § OÜo Stein nad I ran* JK jur Sllverhoch,«», J;, die beften®!ö.ir.n>üu;d)e*1 Die(Senan-R Jn iji her 113 Abiclluuz Lichlcnhrrg u «sssssss» s eesemse* /in;. iiGi.Gitü-erh.. xmaarJUi ü. iSRrnopt Ucrlin. 2. Abteilung. Hnfc. lannfähtiget Bundesa eirnssc] unb Mitbegründer der Ab/eilung Paul Schmidt ist nur IB. Marz plöhlich verstorben. Wir werden sein Andenken stets! in Ebb u»ölten. Einäscherung Mittwoch, den 21, 1 IS'li U!)t. kkreinaloriurn Gerichtstraste. gahiteiche Beteiligung erwartet via Mbteünngeleilnng.| ÜEiÜtzZl küs;z!!Ss�!!SI-i?ML!!. VorvsimnRsslelie verlin. Todesanzeige Den Mitgliedern zur Nachricht, I hast unser Kollege, der Schlosser Gustav Zahnkc am 10. März verstorben ist. Ehre seinem Anbenken! Die Einiischerung findet Areiiag- 23, März, 16'/, Uhr. int Äccmatoimnt Baumsdiulenwrg. Aiefdoizslraste, statt Rege Betetitzung erwartet Di- Ortovcrwalttuiz. I Am Montag, dem 10. Mär.z, schlief samt noch kurzem, schwerem| SÄöcit unser guter Later. Schwiege:- und Grostooter. der Tischler ImSf 8ÄAMLZ1R im Alter von T> Fahren 3u tiefet Trauer: Richard Sdiarnann Arna Forgbex. geb. Schamann McrtkaZlcjenhurn.geb.ichiKnann< Emäschetung: Freitag. 17';, Uhr, j Im ftrtuchtorium Gerichts! raste Knucn Sie nur eile Quatit5tämarke 15 Pf. EapitSn-Kopenliagener2?�;- In den meisten Oescfihften erhaltlich E5sfi-$i'. Bellen, kä: 1 Stahlniatietzen.glirsH� an Prlt. Kat. ir. Sisenraaboiiai.n/i Eaiai(Tnan. >1 Om von 60 Pf. an ca. 600 Parzellen neu erschlossen t-m Bahnhof anfangend. Verkätticr i.ie'. n. iMn.-Res.auraai»Sflitricr', vn/utuai A'nrentlclde-Fricdhal. Ca 20 Min. vom Bhl. Fredarsdori t.eu erschlossen □ m von 50 P,. an. Verkauf Sonntags L Restaurant ,Zu den drei Linden". Rieger, Berlin C.25, PrcnilaaexSir. 32,1. BerwfsbcrsU'Rgl Die Scrolur.Qsftellen den f früheren) 34 ligr, Freitags 14—18 Uhr. Doibliche Abteilung: Dirnslazs und Freitags 14-18 Übe. 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