BERLIN Donnerstag, 22. März 10 Pf. Nr. 149 B 20 45. Zahrgang. Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeile 80 Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: VorwärtS-Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37 S36. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Erscheint täglich außer Sonntag«. Zugleich Abendausgabe des.Vorwärts". Bezugspreis für beide Ausgaben 70 Pf. pro Woche. 3 M. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW68, Lindcnfir.Z Kinder als Versuchsobjekte. Die i5 Opfer vom Sonnblick. Der Berg des Unglücks. Hoher Sonnenblich 3106 Meier. ZiÜelhaus im Nebehreiben. Die Gedanken aller Arbcilcrsportter weilen heute an der Unglücks statte vom S o n n b l i ck in den hohen Tauern. Dreizehn junge, erholungfuchcnde Arbeiter sind durch einen überraschenden Schneest'zrz begraben worden, und leider scheinen alle Rettungsversuche vergeblich zu sein. An dem Unglück sind nach dem Bericht unseres Wiener Btit- arbcilers nur Mitglieder des Arbeilerbundes der Naturfreunde beteiligt. Es waren l? Touristen, die aus einem Abstieg vom Zittelhaus zwischen dem sogenannten Reubau und fiotni Saigurn auf ein Schneebrett traten und etwa 4«Z0 Meter in die Tiefe gerissen wurden. 13 Personen sind vollständig verschüttet, nur vier konnten sich retten und sind unversehrt, dock) sind sie derart erschöpft, daß sie keine Auskunst geben konnten. Es herrschte starker Sturm, so daß die ersten Retlungs- expeditionen nicht viel ausrichten konnten. Zu Hilfe eilten alle Rettungsabteilungen aus der Umgegend. Zufällig hielt Zur gleichen Zeit die Gendarmerie einen Skikursus am Rahfcld nahe Gasiein ab. An diesem Skikursus haben Zh Gendarmen unter Leitung des Obersten T h i l g e r k teilgenommen. die gleichfalls sofort zur Hilfeleistung herangezogen wurden. Sie mußten aber einen schwierigen Weg über einen schweren hochpaß im Gebirge nehmen und hatten selbst sehr gefährliche Lawinen- gebiete zu überschreiten. Außerdem wurden aus Gastein weitere 36 Gendarmen zur Hilfeleistung herangezogen, auch aus Wien sind Rctlungsexpeditionen des Vereins„Ralursreunde" abgegangen. Die 17 verunglückten waren untereinander wohl persönlich bekannt, dürsten sich aber beim Abstieg vom Zittelhaus am Sonnblick nur zufällig vereinigt haben. Sie waren über die hohe Riffel gegangen und haben in östlicher Richtung Rolm Saigurn erreicht. Die Opfer konnten leider noch nicht geborgen werden. Durch den herrschenden Sturm sind die Rettungsarbeilen sehr erschwert. * Wie uns kurz vor Redaktionsschluß gemeldet wird, ist die alpine Gendarmerieabteilung um>-6 Uhr früh nach Rcberwindung ungeheurer Schwierigkeiten an de? Stc'te angelangt, wo gestern die 13 Wiener Arbeiterskier von einer Lawine ver- schüttet worden find. Eine Turnerabteilung aus Taxenbach traf ungefähr 2 Stunden später ein. Den vereinten Bemühungen ist es bis 10 Uhr gelungen, zwölf von den Verschütteten als Leichen zu bergen. Ein Verunglückter wird noch vermißt. $ Di« hohen Teuer n, uoii deren hochoipfeln der Sonn- blick einer ist, gehören der Z e n t r a l k e t t e der Ostalpen an, die in der Hauptsache aus kristallinen Schiefern ausgebaut sind. Sie reichen von den Zillertaler Alpen im Westen bis zu den Niederen Tauern im Osten und sind im forden durch den Pinzgou(das obere Sal�zachtal), im Süden durch das Drautal begrenzt. Die nördlich und südlich vorgelagerten Alpcnketten sind im wesentlichen Kalk und Dolomit. Das kristalline Gestein der Lzohen Tauern neigt zur Ausbildung weniger steiler, weit gedehnter hänge: Wandbildungen, wie sie für die Kalkalpen charakteristisch sind, treten nur in den höchsten Regionen aus. Diesem Umstände verdanken die hohen Tauern ihre Eignung als Skigebiet, und von Jahr zu Jahr werden sie auch im Winter stärker besucht. Diele Arbeiter touristen legen heute schon ihre kneippen Urlaubs- tage in den Winter, weil auch dann die Alpenwelt schön ist. Die Lzauptgipfel der hohen Tauern sind der Großglockner (3798 Meter) und der Großoenediger(3660 Meter).® e- wältige Gletscher fließen von ihren Schulten:, von denen die P a st e r z e om Glockner der größte Eisstrom der Ostalpen ist. hart östlich des Grohglockners, durch das Mölltal getrennt, erhebt sich die G o ld be r g g r u p pe mit mehreren Gipfeln über 3000 Meter: hochirarr 3258, S o n n b l i ck 3106, Schareck 3131 Meter. Der Sonnölick ist vom Zittelhaus gekrönt, welches die höchste meteorologische Leobachlungsstation der Ostalpen trägt. Der hier Sommer und Winter waäzende Wetterkundige siizt noch über 100 Meter höher als der auf dem höchsten reichsdeuischen Berg, aus der Zugspitze mit ihren 2964 Meter. Die ganze Gruppe führt ihren Namen nach dem uralten G o! d b e r g b a u, der allerdings zum Erliegen gekommen ist. In früheren Zeiten hatte er immerhin Bedeutung. Der Hauptabbau war auf dcni gut gestusten, von steinernen Absätzen durchzogenen Nordosthang des Sonnblicks, und in diesem Gebiet ereignete sich das furchtbare llnglück, dem 13 Wiener Naturfreunde zum Opfer fielen. Alte Stollen und Hüttenanlagen sind noch im obersten Boden des hüttenwinkestals vorhanden. Der sonder- bar klingende Ortsname kolm- Saigurn ist l a d i n i s ch e n Ursprungs, an die alten Knappen und Gold- borgleute erinnernd. Wenig östlich des Sonnblick durchquert die Tauernba hu mit dem großen Böcksteiner Tunnel oberhalb Ga° st e i ii die Kette der Zentrnlalpen nackz Könuen hinunter. Gastcin ist auch der Stützpunkt für die Bergungsarbeiten, doch müssen die RcUunosmannschastcn zum Naßseld her eist noch die 2505 Meter hohe Risselscharte überschreiten, um ou die Unglücksstolle zu gelangen. Dos erfordert bei dem zurzeit herrschenden Föhn (warmem Südwind) die größte Borsicht, so daß die Arbeiten nur langsam fortschreiten können. Bestechungen bei der Reichsbahn. Beriebt 2. Seite. Gegen die Experimentierwut! Im„2lbend" vom 8. März hatte ich mich, im Anschluß an Ausführungen im haiiptausschuß des Reichstages, mit einigen besonders krassen Fällen ärztlicher Expcri- mentierwut beschästigt, die zur öffentlichen Kritik um so mehr herausfordern, als"die„Objekte" dieser Versuche kränke Kinder rvaren, die man zur Gesundung in öffentlichen 5)eil- anstalten untergebracht hatte. Ich gebe zunächst aus dem großen Material, das mir zur Verfügung steht, einige weitere Proben: „Es wurden rachitische und nichtrachitische vecsuchskinder mit anorganischen und organischen Phosphaten gespritzt. Rachitische im Winter, und nichtrachitische Säuglinge im Sommer, wurden durch Gürtel- und Beinschlingen angebunden(!!!)) und der Urin durch Vorlage eines Erlenmeyer-Kälbchens 24stündig gesammelt. Neben den rachitischen Kindern wurden auch zwei gesunde konlrollkinder mit Phosphat gespritzt." Aus dem Kaiser- und Kaiserin-Friedrich-Kinder- krankenhaus der Stadt Berlin. Dir.: Prof. Dr. h. Finkelstein. „Zeitschrift für Kinderheilkunde." l3. Februar 1928. „Es wurden zur Behandlung sechs jugendliche sonst gesunde weibliche Individuen mit reiner Epilepsie ohne seelische Störungen ausgewählt. Alle erklärten sich mit echt epileptischer Untoriichmungslüst(?!) zu der Kur bereit und feierten sie noch, als sie die Wirkung der Fäulniserreger in ihrem Körper wiederholt zu fpürdn bekommen hakten, mit einem gemeinsam ver- faßten langatmigen poetischen Erguß."„Die Fieberreak- tionen stiegen mit der Stärke der Dosierungen an(40,9, 41, l, 42.2)(!!!)." Schüttelfrost war bei jedem Krauten zu ver- zeichnen."„Pulszahl auffallend niedrig."„Das Körpergewicht sank bei unseren sämtlichen Kranken."„Der größte Gewichtsverlust betrug sieben Kilogranim."(!!!) Die epileptischen Anfälle hatten sich zum Teil vermehrt anstatt vermindert. „Sonach ist es nickst gelungen, eine dauernde llmsiimmung des Organismus Epileptischer zu erzielen."„Die Saprovitaninjektion in der Sprechstunde vorzunehmen, muß dringend gewarnt werden. Am besten wäre es überhaupt, mit der weiteren Anwendung eines so differenten Mittels abzuwarten," Saprivitan gegen Epilepsie.(Aus der städtischen Anstalt für Epilepsie in Berlin, von Oberarzt Dr. Kurtz.) „Wir haben nur völlig gesunde Säuglinge unter- sucht. Diese wurden entweger eigens zu diesem Zwecke von Ellern. die aus sozialer Rot gerne ihre Kinde? für einige Zeit in die Klinik geben wollten, aufgenommen, oder es handelte sich um Säuglinge, die in der Klinik eine leichte Erkrankung durchgemacht hatten und völlig genesen waren. Zur Vermeidung von Infektionen erfolgte möglichste Isolierung, traten trotzdem Temperaturerhöhungen ein, so wurde der Bersuch sofort abgebrochen. „Ueber den Einfluß der Nahrung auf die Aus- scheidung organischer Säuren im Säuglingsharn." Bon __ Friedrich Kruse und Artur Stern. „Zeitschrift für Kinderheilkunde", 45. Bd., 3. hest. Versuche an sterbenden Kindern. „Versuche an Kindern": a) An moribunden Kindern.„Nach- dem so die Verhältnisse im Tierversuch getlärt waren, war es von Interesse, die Einwirkung des Rußes auf den tuberkulösen Men- schen zu beobachten. Zu diesem Zwecke haben wir moribunden Kindern Ruhölsuspension injiziert(eingespritzt. Red.), und zwar jedesmal 1 Kubikzentimeter bis zu einer Gesamtdosis von 12 Kubikzentimetern in einigen Fällen." b) Versuche zu kurativen Zwecken: „Nachdem wir so an g r ö ß e re m Material den Sitz der Ruß- ablagerung und ihre Verteilung in der Lunge festgestellt hatten, gingen wir dazu über, zu kurativen Zwecken bei tuberkulösen kin- dern Ruß zu injizieren. Es waren 20 Kinder mit einer Tuberkulose in verschiedenen Stadien. Immerhin können wir an Hand unserer wenigen Fälle und in einem so relativ kurzen Zeitraum noch keine endgültigen Schlüsse über den Wert unserer Therapie abgeben." Experimentelle Anthrokosis und Tuberkulose. Von Arno Noblen. Ans der Zlkademischen Kinderklinik Düsseldorf. Dir.: Geh. Prof. Dr. Schloßmann. „Zeitschrift für Kinderheilkunde", 45. Bd. Heft 1 u. 2. »Alle mit dieser Methode behandelten zwölf Fälle starben an galoppierender Kachexie. Rur vier Palientinnen, die sich diese Massivbehandlung nicht gefallen ließen, kamen zwar lebend aus der Klinik, um bald darauf daheim zu sterben."„Wenn man in dos Bestrahlzimmer trat, wurde man förmlich zurückgeworfen durch den Gestank, den die Zauchehöhlen, aus denen Stuhl, Urin und nekroti- sches, verjauchondes Karzinamsekret abflössen, vcrbreitcken. Tie Frauen waren zu Skeletten abgemagert, japunerten lmcmsgejetzt mh wanden sich« fechrneiyn, Und wir ta»»taz kein Mittel gegen die nekrotisierende Zystitis und Kolitis, konnten lediglich durch Morphium das subjektive Befinden etwas bessern und die ewig peinigenden Schmerzen etwas lindern. Das war die Hölle, und der Arzt wurde von dem Gedanken gepeinigt, daß er nmd um sich Opfer der Forschung habe." Radiumbehandlung des inoperablen Kollum carcinoms. Privatdozcnt Dr. Amreich. W. med. Wochenschrift, 1928/3. „Es gelang bei einigen freiwilligen Bersuchsper- fönen durch Bepinseln der Tonsillen mit aus Scharlach gezüchteten Streptokokken Scharlach zu erzeugen." Das gewebsbiologische Verhalten der Scharlach- Streptokokken. Prof. Dold. „Wir haben durch Berkefeld-W-Kerzen filtriertes Bachenwasch- wasser frisch an Scharlach erkrankter Personen scharlachempsängllchen Kindern aus die Tonsillen aufgepinselt, ohne daß auch nur die geringsten Erscheinungen auftraten. Wir konnten diesen Versuch wagen, da wir fest davon überzeugt sind, daß in den Bachenwasch- wassorfiltraten kein filtriorbares Birus enthalten ist." Klinische Wochenschrift vom 10. Dezember 1927 von Oberarzt Dr. Deicher, Berlin, Jnfektions- abteilung des Städtischen Rudolf-Birchow-Kranken- Hauses in Berlin. „Bor der Impfung wurden die Patienten genau darüber unterrichtet, was mit ihnen vorgenommen werden sollte, daß sie zu Versuchszwecken geimpft werden sollten."„Die beschriebenen Impfungen wurden von mir vorgenommen in erster Linie z u V e r- suchszwecken(!!!) nicht so sehr um therapeutische Wirkungen zu erzielen."„Das Ergebnis der weiteren Beobachtungen meiner Impfungen ist: vier von ihnen starben frühestens ein halbes Jahr nach der Impfung(eine an Haemoptoe und drei an ihren progredienten exudativen Phthisen)." Ueber perkutante Einverleibung virulenter Tuberkel» bazillen. Aus der Lungenfürsorgestelle S, Hamburg, von Dr. Hans Kobmann,„Deutsche medizinische Wochenschrift". Nr. 21(1927). Auch das ist nur ein ganz kleiner Teilausschnitt aus meinem Material. Es regnete Zuschriften und Erwiderungen von allen Seiten, ein Beweis, daß hier ein Thema an- geschnitten wurde, das für die Oeffentlichkeit von allergrößter Bedeutung ist. Proteste aus Aerztekreisen zeigen wieder ein- inal mit erschreckender Deutlichkeit, daß sich gerade unter Aerzten noch immer die durch nichts begründete Ansicht breit macht, daß der Arzt über jede Kritik erhaben ist. Der Reichs- kanzler, die Minister, die Abgeordneten, die Beamten, die Richter, die Lehrer die Künstler, kur� jeder der vor der Oeffentlichkeit eine Verantwortung trägt, muß sich Kritik gefallen lassen. Niemand wird es einfallen, eine sachliche Kritik etwa als einen Eingriff in seine persönlichen Rechte oder gar als eine Beleidigung anzusehen. Im Gegenteil: Die Kritik soll diesen Personen zeigen, wie die Oeffentlichkeit auf ihre Funktionen reagiert, sie soll das höchst subjektive Urteil durch die Wertung der öffentlichen Meinung ergänzen und korrigieren. Auch der Fachmann wird jede Gelegenheit wahrnehmen, um aus dem Urteil der Oeffentlichkeit zu lernen. Nur gewisse Aerzte wollen da eine Ausnahme machen. Sie sehen jeden Versuch einer kritischen Stellungnahme von zweiter Seite als eine V e r- m e s s? n h e i t an. Dieser unberechtigte Autoritätswahn muß mit aller Entschiedenheit zurückgewiesen werden. Wenn sich auf anderen Gebieten selbst spezialisierte Fachleute im öffentlichen Interesse der Macht der Kritik beugen, so darf auch der Arzt nicht den Unfehlbaren spielen. Daß gerade in der Frage der ärztlichen Experimente die Oeffentlichkeit besonders laut mitzusprechen hat, wird ernsthast niemand in Abrede stellen wollen. Der Patient ist eben kein „M a t e r i a l", über das nur„Fachkreise" zu verfügen haben, sondern ein Mensch mit eigenem Willen und eigenem Ver- fügungsrecht. Was an ihm geschieht, hat der Arzt nicht etwa bloß Fachkreisen, sondern der Oeffentlichkeit gegenüber zu verantworten. Die Krankenanstalten sind Institutionen, die aus öffentlichen Mitteln erhalten werden, sie unterstehen daher auch der öffentlichen Kritik und der öffentlichen Kon- trolle. Die Tätigkeit der Aerzte an diesen Anstalten ist nicht ihre Privatangelegenheit, sie wurden vielmehr aus Gründen des öffentlichen Interesses dort angestellt, haben sich daher der öffentlichen Kritik zu fügen. Und wenn man sich sogar nicht einmal scheut, die Not der Eltern auszunützen, Eltern,„die aus sozialer Not gerne(II) ihre Kinder für einige Zeit in die Klinik zu Versuchszwecken geben", dann ist es Aufgabe einer ihrer sozialen Pflichten bewußten Tagespresse, solche Vorgänge an den Pranger zu stellen, nicht zuletzt im Interesse der ärztlichen Wissenschaft selbst. Dr. I u l i u s M o s e s. Der elfte Toie von Lievenwerda. Die Ursachen der Katastrophe. halle. 22. März. Die Zahl der Todesopfer bei der Einsturzkalastrophe auf der Friedländer Grube hat sich, nachdem ein Schwerverlehler in der vergangenen Rachi im Srankenhanse in Lauchhammer ge- starben ist. aus elf erhöht. Als Ergebnis der vorläufigen Untersuchung der Ursachen des Unglücks wird mitgeteilt, daß ungewöhnlich starte böige Wind« mit Wirbelwirkung die Katastrophe verursacht haben. Die amtlichen Gebäude und zahlreiche Privatwohnungen haben aus Anlaß des Unglücks Halbmast geflaggt. Wie uns aus Miickenberg weiter mitgeteilt wird, brach gestern abend in der Unglücksgrube„Friedländer", etwa vier- hundert Meier von der Einsturzstelle entfernt, aus noch unbekannter Ursache Feuer ans. Die Wehren der Umgebung waren die ganze Nacht hindurch mit der Bekämpfung des-Feuers bc- schäftigt. Heute früh gelang es, den Brandherd zu lokalisieren. Brandkaiastrophe in Mecklenburg. "13 Häuser eingeäschert.- Ein Todesopfer. S ch w e r i n. 22. März. Das mecklenburgische vors klein» Krams bei Ludwlgslust wurde heule früh von einer furchtbaren Brandkalo» st r o p h e heimgesucht, der dreizehn Gebäude, eln Men» s ch e n l e b e n und viel v I e h zum Opfer sielen. Das Feuer war in weichbedachken Mohn» und Mlrlschaftsgebäuden ausgebrochen und infolge des Sturmes auf die Nachbargrundstücke übergesprungen. Aus einem der brennenden Häuser konnte sich die bö llahrc alle Frau Langseid nicht mehr rellea. Ein Skandal bei der Reichsbahn. Schwere Beschuldigungen gegen einen Oberbaurai. Beim Eisenbahnzenlralamk ln Berlin ist fehl ein großer B e- stechungsstandal aufgedeckt worden, der augenblicklich die Slaalsanwallschafl I Berlin beschäsligl. Wie wir hören, ist ein Oberbaurat des Eisenbahuzealralamles beschul» dlgl worden, für die Erteilung von Aufträgen allein von einem Unternehmen rund 100 000 Mark erhallen zu haben. Eine Berliner Korrespondenz erfährt dazu folgende Einzelheiten: Das Eisenbahnzentralamt in Berlin hat für die gesamte Deutsche Reichsbahn das notwendige Material, wie Loko- motivcn, Wagen, Schienen, Schwellen usw. zu beschaffen. Durch Ausschreibungen werden die in Frage kommenden Firmen auf- gefordert, sich um Lieferungen zu bewerben und der Zuschlag wird in der Regel demjenigen erteilt, der die günstigsten Angebote abzu- geben vermag. Die Bestellungen, die durch das Eisenbahnzentral- omt bei der deutschen Industrie jährlich gegeben werden, betragen Hunderle von Millionen Mark. Wiederholt Ist behauptet worden, daß im Zentralamt der eine oder der andere Beamte nicht mit der erforderlichen Korrektheit arbeite, und namentlich aus industriellen Kreisen ist der Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahn wieder- holt die Mitteilung gemacht worden, daß bei den Auftragserteilungen nicht alles mit rechten Dingen zugehe. Die Hauptverwaltung hat darauf bereits mehnnals die ihr bekanntgewordenen Tatsachen der Staatsanwaltschaft zur weiteren Verfolgung übergeben, doch ließ sich bisher nichts Positives nachweisen. Bor einigen Wochen tauchte nun wiederum«in Gerücht auf, daß bei der Vergebung von Eisen für Waggon bauten eine Kölner Firma in anssälliger Weise bevorzugt worden sei und daß sie, obwohl angeblich billigere Angebote vor- Händen gewesen seien, doch den Auftrag erhalten habe, da nach außen hin tatsächlich der Eindruck erweckt worden war, als ob das Kölner Unternehmen billiger sei als seine Konkurrenten, während in Wirklichkeit in den Verträgen eine Anzahl Klauseln vorhanden waren, auf Grund deren die liefernde Firma andere Borteile zu be- anspruchen hatte, die ihr erheblichen Gewinn zusicherten. Als diese Gerüchte sich immer mehr verdichteten, veranlaßt« Generaldirektor Dorpmüller, daß in diesem Fall rücksichtslos durchgegriffen wurde, und man unterbreitete der Staatsanwaltschaft das gesamt« Material, soweit es der Reichsbahn bekannt geworden war Zudem ist vor wenigen Wochen durch die Hauptverwaltung für das Eisen- bahnzentralamt ein Organisationsausschuß eingesetzt worden in dem neben Vertretern der Wirtschaft auch bekannt« Industriell«, wie Geheimrat Schmatenbach aus Köln, sitzen, dessen Aufgabe es ist, das Zentralamt im kaufmännischen Sinne gründlich zu reformieren. Di« geschäftlichen Beziehungen zwischen Oberbaurat Schultz« und der Firma R. in Köln datieren aus dem Jahre 1924. Oberbaurat Schultze war beim Eisenbahnzentraiamt in erster Linie als Kon- strukteur tätig. Er befaßte sich besonders mit dem Unterbau von Eisenbahnwagzons, mit der Lagerung der Achsen, und hatte hier eine Erstuduag gemacht, die eine wesentliche Verbesserung der sogenannten Achslagerschalen brachte. Als Beamter häkle er diese Erfindung seiner Behörde zur Ber» sügung stellen müssen. Das tat Oberbaurat Schultze jedoch nicht, sondern er nahm, ohne seinen Titel anzugeben, ein Patent auf die Erfindung. Bei einer Unterhaltung mit deip Vertreter der Firma Hans Reifert u. Co., Kommanditgesellschaft, in Köln, erwähnte Ober- baurat Schultze diese Erfindung und das Kölner Unternehmen machte Schultze den Vorschlag, das Patent zu verkaufen. Darauf ging der Oberbaurat jedoch nicht ein, sondern schloß im November 1324 mit Reifert einen Pertrag, in dem ihm sür alle Ankäufe der Schultzeschen Lagerschalen durch das Eisenbahnzentralamt eine Pro» vision vou 5 Proz. zugesichert wurde. Als Konstrukteur von Waggons hatte Schultze aber selber mit zu entscheiden, welche Einzelteile beim Bau Verwendung finden sollten. Schultze entschied sich in der Folge- zeit bei den Bestellungen in sehr wesentlichem Maße für die Kölner Firma Reiser», da sein finanzielles Interesse hiermit auf das engste oerknüpft war Er verstand es auch, auf die Bestellungsabteilung insoweit Einfluß zu nehmen, daß von dort aus tatsächlich die Firma Reisert in sehr starker weise herangezogen wurde. Wie groß die Bestellungen des Eisenbohnzentralamtes bei dem Kölner Unter- nehmen gewesen sind, geht aus der Tatsache hervor, daß im Lause der Jahre der Oberbaurat weil über 100 000 Mark Lizenzgebühren erhallen hat. Im vorigen Herbst ging die Firma Reisert zwar in Konkurs, wurde jedoch im Januar dieses Jahres wieder saniert und arbeitete seitdem mit dem Zentralamt weiter. * Die Reichsbahngesellschaft teilt hierzu mit, daß schon im Herbst v. I. ein« Kommission zur Vereinfachung des Eisenbahn- zentralamts eingesetzt worden sei, da dieses Amt mit 800 bis 1000 Mann Personal zu groß geworden war. Die Kommission, zu deren Leitern auch Sparkommissar S ä m i s ch gehörte, war auch beauj- tragt, den Gerüchten über Unregelmäßigkeiten in diesem Amt nachzugehen. Dos Ergebnis dieser Untersuchung war, daß gegen einen Oberbaurat in Berlin schwerer D e r d a ch t entstand. Darauf ersucht« die Reichsbahn die Generalstaatsanwalischaft, die Angelegenheit rückhaltlos zu untersuchen, da der Reichsbahn olles an vollständiger Klärung liege. Die Nachforschung der General- staatsanwaltschaft hat den Verkocht so b e st ä t i g t. daß wahrschein- lich noch heute nachmittag gegen den Beamten das Erforder- liche verfügt werden wird. Die Eisenbahner lehnen ab. Mroiest der Organisationen gegen den Schiedsspruch. Die drei vertragschließenden Organisationen der Reichsbahnlohnempfängcr haben heute in einer gemein- famcn Sitzung zu der durch den Schiedsspruch geschaffenen Lage Stellung genommen. Sie kamen einmütig zu dem Ergebnis, daß der Schiedsspruch unhaltbar ist. und daß er eine unerträg» liche Knebelung der Gewerkschaften bedeutet. Die Gewerkschaften verkennen nicht, daß der Schieds- sprach eine gute Seite besitzt, indem die untersten Wirt- schaftsgebiete etwas besser bedacht werden. Hingegen wird festgestellt, daß die Lohnzulage viel zu gering ist. Höchst ungerecht ist. daß durch die vor» genommene prozentuale Lohnregelung für eine Anzahl von Lohngruppen und Ortsklassen in den Wirtschafts- gebieten 2 und 3 der Lohn nur nm 2 oder 3 Pf. pro Stunde erhöht wird. Ferner ist eine weitere Spannung zwischen den Lohngruppen eingetreten, die schon heute über vernünftige Grenzen hinausgeht. Vor allem wenden sich die Gewerkschaften mit der größten Entschiedenheit gegen die unerhört lange Bindung. In keinem Falle und auf keinem Gebiet wurde den berechtigten Forderungen der Eisenbahner Rechnung getragen. Aus diesem Grunde erheben die Gewerkschaften gemeinsam gegen den Schiedsspruch den schärf» sten Protest. Sie lehnen jedwede Verantwortung für alle schädlichen Folgen ab. die sich aus dem Schiedsspruch ergeben können. Einheitsverband der Eisenbahner Deutschlands. Gewerkschaft Deutscher Eisenbahner. Allgemeiner Eisenbahnerverband. Sechshundert gegen Zwanzig. Wieder der Kronzeuge Hinkelmann. Vor dem Richtertisch steht wieder der Zeuge Hinkelmann. Er. der ehemalige Kommunist, der jetzt den Nationalsozialisten angehört, ist heute in Begleitung eines völkischen Anwalts Richter erschienen. Seine Absicht ist, einen Rechtstitel gegen die Eisenbahnverwal- tung zu erhalten, die ihm beim Transport nicht die Sicherheit gewährt hatte, die er beanspruchen durfte. Und darin muß man ihm recht geben. Wenn man bedenkt, daß die Eisenbahnbeamlen ln Jüterbog es geduldet haben, daß die Kommunisten die Wagen bestieqen, die für die Nalionalsozialisten bestimmt waren, und daß die Eisenbahnbeamlen in Trebbin es nicht für nötig befunden haben, ihren Kollegen nach Lichterssld« mitzuteilen, daß die Kam- munisten sich in Gefahr befinden, so wird man die Eisenbahnver» roallung nicht von jeder Schuld an den Ereignissen auf dem Bahn» hos Ltchlerfelde freisprechen können. Und nun gor das Berhallcn der tandjägerci. Ter Landjäger in Trebbin fordert die Kommu- nisten auf, den Wagen zu verlassen, ohne imstond« zu sein, ihnen den erforderlichen Schutz zu leihen. Der Landjägerleulnani denkt aber gar nicht daran, dem Berliner Polizeipräsidium über die Ge- fahr Mitteilung zu machen, die den Kommunisten von den National- sozialistcn droht. Auf dem Bahnhof Lichtecfclde zwingen die Schupo- beamten die Kommunisten, das Wagenabteil zu verlassen, anstatt zuerst den Bahnhof von den Rationalsozictisten zu säubern. Die Vernehmung Hinkelmanns beginnt mit seiner Bitte, ihm noch 20 Minuten zur Rücksprache mit seinem Anwalt zu gewähren. Er wisse immer noch nicht, ob er sich durch die von ihm geforderten Bekundungen strafbar machen würde. Der Bor- sitzende gewährt ihm diese Pause nicht mehr. Er soll Nipp und Nor sagen, was lhn zum Austrilt aus der kommunistischen Partei bewogen habe. Hinkelmann erzählt darauf eine lange Geschichte, deren kurzer Sinn ist, daß gelegentllch einer Fahrt der Rot'rontkämpser vom Span- dauer Bock nach Berlin der Straßenbahnwagen, in dem die Ratio- nalsozialisten saßen, überfallen worden sei, wobei sich auch der Nebenkläger Demut ausgezeicknet haben soll. Aus Angst, daß er bestraft werden könne, habe Demut daraus die drei vi» vier weib- lichen Mitglieder der Konrmunistischcn Partei dazu bewogen, sein Alibi zu beschwören. Der Vorsitzende stellt aber fest, daß eine Ge- richteverhandlung in dieser Sache überhaupt nicht stattgefunden habe. Ueber weitere Gründe zum Austritt aus der Kommunistischen Partei will sich Hinkelmann nicht auslassen. Rechtsanwalt Dr. Sam- ter stellt darauf den Antrag, den Armcnbczirksvorsteher Rahm zu laden, der bekunden würde, daß der Zeuge Hinkelmann feine Frau mißhandelt und für feine Familie nicht gesorgt habe, sondern das Geld, dos er von der Roten Hilfe erhielt, vertrunken habe, daß er ferner das gleiche auch mit dem Gelds getan habe, das er als Erwerbslosenunter st ützung und für angebliche Umnms- zwecke erhalten habe. Das Gericht behält sich eine Entscheidung über diese Anträge noch vor._ Das Großfeuer in Oberschöneweide. Erheblicher Sachschaden. Das nächtliche Großfeuer.im Kabelwerk Oberspree dcr Allgemeinen Eleklrizitäls» Gesellschaf». Wilvel» minenhosskrahe 71/72 in Oberschönewelde, hat erheblichen Schaden angerichtet, da den Flammen nicht nur die werkst ischlerei und ein M a s ch i n e n h a u s, sondern auch einriesigesLager mit Packmaterialien und Oelvorrölen zum Opfer gefallen sind. Wir uns von der Pressestelle der AEG. noch mitgeteilt wird, war es bis zur Stunde noch nicht möglich, die E n t st e h u n g s- Ursache zu ermitteln, da der ganze Komplex, der von dem Feuer betroffen wurde, schon beim Eintreffen der Wehren ein einziges Feuermeer bildete. Die eigentlichen Fabrikationsgebäude sind dank dem tatkräftigen Eingreisen der Wehren, die unter Leitung des Oberbranddirektors Gempp standen, nicht in Mitleidenschaft ge- zogen worden, so daß der Beirieb n i ch t g e st ö r t ist. Der Schaden ist im übrigen durch Versicherung vollkommen oedeckt. Ueber die Löscharbeiten ist nachzutragen: Um Mitternacht war die Gewalt des Feuers gebrochen. Mehrere Löschzüge wurden nachbeordert, um die erschöpften Mannschaften abzulösen. Gegen 4 Uhr morgens rückte das Feuerlöschboot und das Gros der Wehren unter Zurücklassung einer starken Brandwache ab. Die Brandstelle bietet einen Anblick vollkommener Verwüstimg. Der Schuppenkomplex ist dem Erdboden gleichgemacht, von den massiven Gebäuden stehen nur noch bis" rauchgeschwärzten Umfassungsmauern. Der weit nach Berlin hinein sichtbare Feuerschein hatte eine unübersehbare Schar Neugieriger angelockt, die standhaft bis in die Morgenstunden in deu Zufahrtstraßen ausharrten. Wer zahlt, bekommt das Mandat. Skresemann Nagt über die Korruption der bürgerlichen Parteien durch das Kapital. Auf dem jährlichen Empfangsabend der in Berlin vertretenen deutschen Provinzpresse hielt der Reichsaußenminister Dr. S t r e s e- mann einen Vortrag über„Politik und Presse", der in zweierlei Hinsicht interessant war. Er betonte einmal, daß das g e s e l l s ch a f t- liehe Treiben in Berlin derartige Ausdehnung angenommen habe, daß Staatsmänner und Politiker überhaupt kaum noch Zeit und Ruhe fänden, über alle Politik nachzudenken und mit dem geistigen Leben der Gegenwart, mit Literatur und Theater, in Berührung zu bleiben; deshalb habe er im Reichskabinett den Pe- schluß durchgesetzt, daß nach Aschermittwoch die Minister sich über- Haupt nicht mehr an festlichen Veranstaltungen amtlich beteiligen sollten, weshalb er auch nur unter Borbehalt an dem heutigen Fest teilnehme. Zum anderen aber ging Stresemann auf das Verhältnis von Staat, Parteien und Kapitalismus ein. Er trat für einen kurzen Wahlkamps ein; vierzehn Tage bis drei Wochen würden wie in anderen Ländern auch in Deutschland genügen, um die per- schiedenen politischen Ziele der Parteien der Bevölkerung klar zu machen. Die kapitalistischen Mdf tc hätten heutzutage einen größeren Einfluß als je. Diesem Einfluß drohten die Parteien zu erliegen. Käme es doch heutzutage vor, daß ein hochangesehner Politiker zur Seite weichen müsse, um einem Manne Plah zu machen, der für das Mandat bares Geld zahle. Deshalb halte er für richtig, daß das Reich den Parteien nicht nur die Stimmzettel liefere, sondern auch die Wahltosten ersetze. Badisches Zentrum. „Die Hochzeit des Figaro." Reuinszenierung in der Gtädiischen Oper. »Den Erzberger haben die andern um die Ecke gebracht, mit dem Wirth werden wir alleine fertig!* Nur so könne die Republik den Parteien die Unabhängigkeit von Kapitalsmächten gewährleisten, die im Interesse des Staats- wohle» nötig sei. Diese Anregung des Führer» der Volkspartei ist außerordentlich aufschlußreich. Er, der die Verhältnisse in seiner und den anderen bürgerlichen Parteien natürlich genau kennt, gibt damit zu, daß in ihnen Mandate für bares Geld feil sind. Man wird sich dies Geständnis merken. Eine neue völkische Maskerade. Das Geraufe der„nationalen" Parteien um die Mandate für Reichstag unid Landtag nimmt immer ergötzlichere Formen an. Letzt hat man in den drei hannoverschen Wahlkreisen eine„Landvolk- und Mittel st andsli st c" aufgestellt, die mir den Listen, des Völkisch-Nationalen Blocks verbunden werden soll. Als Spitzen- kandidaten sind für die Reichstagswahlen d«r bisherige national- sozialistische Reichstagsabgeordnete W e i d e n h ö f e r, für die LandtagswM der Hofbesitzer Frieling aufgestellt wortlen. In der Mitteilung über dieses Ereignis heißt es, daß die beiden Spitzenkandidaten führende Mitglieder des Reichslandbundes in Hannover sind. Die Völkischen wollen mit dieser Bemerkung an- zeigen, daß sie in die Weidegebiet« des Landbundes einzubrechen gedenken. Ob ihnen das viel nützen wird, kann man bezweifeln. Denn schließlich werden auch die trcuesten nationalgestnnten Wähler nicht mehr wissen, für wen sie sich bei den Wahlen entscheiden sollen: ob für die von den Deutschnationalen aufgemacht« Christlich-Nattonale Bauernpartei, ob für die norddeutsche Filiale des Bayerischen Bauern- bundes oder für die neuest« Maskerade der Völkischen. Oer Jaschistenmord in Paris. Selbststellung des angeblichen Anstiflers. Paris. 22. März.(Eigenbericht.) Am Mittwoch hat sich im Zusammenhang mit der Ermordung des Faschisten Savorellt der Professor B e r n e r t der Polizei selbst gestellt. Berneri wurde beschuldigt, den Mord zwar nicht selbst aus- geführt, aber veranlaßt zu haben. Im Verhör gab Berneri zu, daß er beauftragt sei, Spione zu überwachen und zu e n t- I a r v e n. Er bestritt jedoch, mit deni Mord irgend etwas zu tun zu haben. Den in Basel verhasteten Pa o a n und auch einige ander« in die Affäre verwickelte Personen kennt er. Berneri wurde vorläufig auf freiem Fuß belassen, dürft« aber ausgewiesen werden. Paoan, der in der Schweiz im Arlsheimer Gefängnis sitzt, erhob gegen seine Ausliefe- rung Einspruch, die von den französischen Gerichten oerlangt wurde.__ Wetterbericht der öffentlichen wetlcrdievststelle Verlin vnd Amgebung.(Nachdr. verb.) Zeitweise wolkig, ohne erhebliche Nieder- scklöge. auch nachts milder. Am Tage rasche weitere Erwärmung, südliche Winde. Aür Deulschland: Im Westen strichweise etwus Regen, überall sottschreilende Milderung und im äußersten Osten »och leicht« Nachtfröste. Figaros Hochzeit— der Graf als Verfechter eines unhaltbar gewordenen Herrenstandpunktes; die Gräfin, die mit der Dienerschaft gegen den Gatten konspiriert: der Kammerdiener, der von unten her das Kräftespiel dirigiert, bei dem es ihm um Glück und Ehre, bei dem es aber, grundsätzlich, um viel mehr, um Menschenfreiheit und -würde geht; Menschenoerstand, Menschenrecht im siegreichen Kampf gegen Macht und Erbrecht—: das Lustspiel des Franzosen Bau- marchais, Jahrzehnte vor der großen Französischen Revolution ist eine wahrhaft revolutionäre Sache gewesen. Das ist lange her, doch es sind sozusagen nur die Details, die sich seither geändert haben. Das„alte Herrenrecht", das der Graf Almaviva in einer Anwand- lung von Fortschrittlichkeit abgeschafft hat, aber nun, im Spezialfall des Kammermädchens Susanne, wieder einführen möchte, das Recht auf die Brautnacht der weiblichen Untertanen, hat als Kampfobjekt und Kampfziel seine Aktualität verloren. Aber die Kritik, die der Franzose an der Gesellschaft seines Jahrhunderts geübt hat, bleibt gültig, bleibt von unfehlbarer Wirkung, wann und wo der Gegensatz von oben und unten besteht.— Und wann und wo gab und gibt es ihn nicht? Der Kaiser Joseph, Phantast des Fortschritts und der Auf- klärung, war entsetzt, als er von Mozarts Borhaben erfuhr, aus diesem Figara eine Oper zu machen. Aber diese Oper, für die La- rcnzo la Conte den Text geschrieben hat, ist weiß Gott nicht ge- worden, was man eine„Revolutionsoper" nennen könnte. Mozart hat ohne Vorsatz, ohne tendenziöse Betonung, traft seines„gött- lichen", nämlich wahrhaft menschlichen Genies die Gefühlswerte mit dem unfehlbaren Instinkt für Menschenwert und Menschenrrcht ver- teilt; um den Sieg der revolutionären Idee braucht nicht gekämpft zu werden, er wird hier zur Selbstverständlichkeit, gegen die es kein Widerstreben gibt, durch das Mittel einer Musik, die man denn „göttlich" nennen mag, geht sie dem Hörer ein: darin nicht zuletzt beruht die Unsterblichkeit dieses einmaligen Werkes der musikalischen Weltliteratur. Wir wußten, daß wir von Bruno Walters„Figaro" das Höchste erwarten durften. Das hat sich erfüllt, soweit nicht un- vorhersehbares Mißgeschick als höhere Gewalt dazwischengetreten ist: erst die Erkrankung einer Hauptdarstellerin, die am Tage nach der Generalprobe eine Verschiebung um acht Tage notwendig machte; und gestern, wegen eines Trauerfalls, ihre Absage, die zu einer Um- besetzung in letzter Stunde zwang. Maria R a j d l, die als Su- sonne„eingesprungen" ist, hat nicht nur die Premiere, sondern das Nieveau der Premiere gerettet. Kaum nötig im übrigen, aus dem Gesamtbild der Darstellung einzelne rühmend hervorzuheben— die weiblichen Rollen sind, alles in allem, um einen Grad glücklicher besetzt, als die männlichen—; das Spiel vollzieht sich in jenem voll- kommenen Gleichmaß des Musikalischen und des Szenischen, in jener beglückenden Harmonie, die, seit„Falstafs", die Zusammenarbeit Bruno Walters und Karl-Heinz-Martins kennzeichnet. Und das ist angesichts der höchsten, anspruchsvollsten Ausgabe unserer Opernbühne— der Aufgabe, Mozarts„Figaro" bühnlebendig zu machen— dos Höchste, was zu ihrer Lösung zu sagen ist. Klaus Fringsheim. „Oer geheimnisvolle Spiegel." (Mozart-Saal) Zu einem höchst eigenartigen Film wurde„Der geheimnisvolle Spiegel". Laut Manuskript kann er in Vollmondnächten den Men- j scheu ihr Schicksal voraussagen. Als ein reicher, moralisch defetter Industrieller als neuer Schloßherr einzieht, will er einer blutjungen Bauernmagd Gewalt antun, jagt das Mädel auf das Turmzimmer und dort verkündet ihm der Spiegel ein Ende durch Mord. Nuei mißtraut er seiner Umgebung; jagt seine Geliebte, seine ausgelassenen Freunde davon, beseitigt seinen Rivalen, ist nahezu wahnsinnig vor Furcht, ist unleidlich und— wird ermordet. Ein solches Manuskript gibt den Regisseuren Carl Hoff- mann und Professor Teschner und den Photographen Carl Hoff mann und Carl Böhm viele Möglichkeiten zum Experimentieren und der Film wird für sie eine rein phantastisch« und optische Angelegenheit. Dabei versteifen sie sich auf zu viele kleine Liebhabereien und schaffen darum kein Werk von großer Bedeutung. Ddr Spiegel erzählt viel zu unruhig. Um phantastische Stimmung zu erzeugen, steht man im Spiegelbild statt der Darsteller ihnen ähnliche Puppen, bei denen die stocksteifen Bewegungen er- heblich stören. Zudem leidet der Film unter Längen und Wieder- holungen. Dennoch muß man in heutiger Zeit, wo die Schablone direkt gehirnverkleistemd wirkt, jeden Weg zu neuen Ideen, selbst wenn er im Versuch stecken bleibt, begrüßen. Felicitas Malten spielt die Hauptrolle, für die sie nicht reif genug ist. F? i tz R a s p ist der reiche Mann. Er Ist Mischung, halb Werner Krauh(Dr. Ealigarl) und halb Lon Ehancy(Phantom der Oper), Eduard v. Winterstein ist ein sehr guter Schloß- Verwalter. Bei der Uraufführung gab's Beifall und Krach und lebhafte Auseinandersetzungen im Publikum selbst. e. h. Theater von Gestern und Morgen. Ein Vortrag von Or. Restriepke. Das Theater der Gegenwart hat, wenigstens rein äußerlich be- trachtet, stark gegen die Konkurrenz des Films zu kämpfen. Es muß klar seine eigenen künstlerischen Möglichkeiten erkennen und sie per- folgen, wenn es sich behaupten will. Die Doseinsberechtigung des Theaters, selbst wenn der sorbige, sprechende Film die Regel wird. liegt in dem einmaligen, persönlichen, das jeder Theoteraufsührung anhaftet. Das Wort wird immer neu, immer wieder besonders nüan- eiert gesprochen, dos Werk immer wieder in anderer Auffassung vor den Zuschauer gebracht. Die Illusionskraft, die von der dreidimen- sionalen Bühne und ihrer„Wirklichkeit" ausgeht, ist stärker als die des Films. Die Freude am Thcaterspiel, fast so alt wie die Mensch- heit, lebt auch heute noch. Das llnterhaltungsstück, die fröhlich- menschliche, durchaus unproblematische Komödie kann sie befriedigen. Doch darüber hinaus ist das Theater eine ernste, geistige Kunst. Sie will Klarstellungen bringen des sozialen Geschehens, Probleme lösen oder wenigstens ihrer Lösung zuführen. Das Massenstück von heute tut das in der handgreiflichsten, aber nicht immer in der künst- lerisch stärksten Form. Im Einzelmenschen, im Einzels hicksal kann oft viel tiefer der gesellschaftliche Aufbau einer Schicht, einer Epoche erfaßt und kritisiert werden. Ein Theater der Gegenwart läßt stch nicht nach plötzlich willkürlich aufgestellten Gesetzen umformen. Wenn das Theater von Morgen lebensfähige Kunst sein will, so muß es sich langsam herausentwickeln aus dem Theater von Gestern. Dies« Gedankengänge entwickelte Dr. S. N e st r i e p k e in einem Ausspracheabend der Sonderabteilung der Volksbühne. Die Diskussion führte leider diese fruchtbaren Anregungen kaum weiter. Nur Leo L a n i a brachte klare, das Thema sachlich ergänzende Aussührungen über proletarische Kunst. t. z. Prof. Max Pohl gestorben. Als Oberstudiendirektor in Guben ist soeben ein Mann ge- storben, der für die deutsche Volkskultur von großer Bedeutung gewesen ist. Max Pohl, einst als junger Lehrer in Steglitz tätig, hat als einer der ganz wenigen Schulmänner die Bedeutung der neuen Jugendbewegung erkannt und mit allen Kräften ge- fördert. Bon seiner Schule, und angeregt durch ihn, ist die Jung« Songerbewegung des Wandervogels, vor ollem unter dem Namen seiner Schüler Blüher und Hans Breuer, über ganz Deutsch- land gegangen. In seinen Lebenserinnerungen, die unter dem Titel:„Des Lebens Stückwerk" und„Stirb und werde" im Verlag Georg Kallnicyer in Wolsenbüttel erschienen sind, hat er ein wahr- hast dichterisches und weltanschaulich-bedeutsamcs Bild unserer Volks- kultur gegeben. Dies Bild ist um so wirksamer, als hier ein Mann in hohen Würden und einflußreich in allen wichtigen Kammissionen über die Volksliedforschung in Wort und Ton, denen unsere eigene Kulturarbeit dient, in bekenntnismäßiger Weise sür die gleichen Ideale eingetreten ist.„Welch eine Schmach für die deutsch« Sprache, daß die Chr«nbezeichnung«Arbeiter" mm einem großen Teil des Volkes als eine Art Schimpfwort gebraucht wurde," sagt er in seinem Buch; und er fährt fort:„Wie bitter hat sich das gerächt, indem der„Arbeiter"»un umgekehrt mit gleichem Hochmut die Ansicht ver- trat, daß die anderen überhaupt nicht arbeiteten, sondern nur die Drohnen seien im Klassenstaat. Diese Anschauungen haben nicht Marx, Lassallc und Bebel in die Köpfe gepfropft, sondern das Bürgertum mit seiner verbohrten Eitelkeit auf gepflegte Hände, guten Anzug und gewichste Stiefel." Der Volksmusik hat Pohl, seit er vor einigen Iahren mit unserer Bewegung tn Berührung kam, als Dichter wie als Musiker große Dienste geleistet. Um seine Bahre stehen trauernd alle, die die Volkslunst lieben._ A. G. Tanzabend«. Edith v. S ch r e n ck(B a ch- S a a l). Wir haben nicht viele Tänzerinnen von dieser künstlerischen Vornehmheit, diesem reinen und strengen Streben, und diesem technischen Können, das einem persönlichen Gestaltungewillen adäquate Form gibt, ohne durchaus vollendet zu sein. Zu Armbewegungen von einzigartiger Ausdruckskrost und hoher formaler Schönheit kontrastiert«ine spröde, nicht immer zuverlässige Veinaktion, die sich leichtem Hüpfen und Laufen versagt. Drei Höhepunkte: die linienstarke, schmissige und doch weiche Polonäse, der Tempeltanz, voll innerlichen, keusch- verhaltenen Gluten und— die Glanzleistung des Abends— eine Chaconne, in deren monumentalem Aufbau mächtiges Pathos mit zartester, leise anklingender Lyrik sich mischt. In der Vorsührung meisterhaft, als Komposition eine der größten Schöpfungen der mo- deinen Tanzbühne. Charlotte Bora(Schwechten-Saal). Sie war einst eine Hoffnung. Jetzt— ich sah sie einige Jahre nicht— erscheint sie oerflacht, verzuckert, verkitscht. Reiht Pose an Pose. Schlechte Pamomimik mit gotischer Linienverbrämung. Kultische Gymnastik. Und doch: Mitten in unempfundenen„sakralen" Litaneien plötzlich eine Bewegung, die aus tiefsten seeliscken Tiefen flutet und hinreißt. Ein seltsamer Fall. Endgültiger Absturz oder Atempause in der Aufwärtsentwicklung? I. S. Reue Körperbildung. Die meisten Menschen bedienen stch ihres Körpers und ihrer Gliedmaßen falsch, führen jede Bewegung mit unnötigem Kraftaufwand aus, weil sie nur gewohnt sind, den Körper als Ganzes, nicht aber jedes einzelne Glied als lebendig und arbeits- fähig anzusehen. Wird die Leistungsfähigkeit jedes Körperteiles voll entwickelt und seine Arbeitsbereitschaft hergestellt, so entsteht ganz natürlich die„richtige" Bewegung. Jede Verkrampfung fällt bei ihr fort; da» Körpergewicht wird richtig verteilt. Der Körper bewegt sich„schön". Wie sich aus dieser natürlichen, befreiten Be- wegung die tänzerisch« Ausdruckssorm entwickelt, zeigten die Vor- führungcn eines von Martin Gleisner geleiteten Labanschen Laien-Bewegungschors in der Aula des Sophien- Lyzeums. Eine Schar berufstüligcr Menschen brachte diese prak- tischen Demonstrationen. Infolge geringer liebungszeit hastete den Darbietungen manche Unvollkommenheit an. Trotzdem wirkten sie in ihrer spielerischen Bewegtheit so erfreulich, daß die Zuschauer ihnen mit größtem Interesse folgten. Ehm Wclks„Kreuzabnahme" ist vom Landestheater Braunschweig in einer geschlossenen Aussührung wirtsan, herausgebracht worden. Die beiden Teile des Werkes„I o l st o i" und„Lenin" sind geschickt miteinander verbunden. Die Handlung steigert sich besonders ini 5. Akt zu dramatischer Wucht. Der Erfolg war durchschlagend..Der Dichter wurde mehrfach gerufen. Die Jeier des 100. Geburtstages Ibsen» in Oslo. Der IM. Ge- burtstag Ibsens wurde in Oslo unter großen Feierlichkeiten be- ganzen. Die ganze Stadt hatte geflaggt, und von allen Festungen Norwegens wurden 21 Salutschüsse abgegeben. Kurz nach Mitter- nach hielt Prof. Bull im Rokckosaol des Grand Hotel die erste Ge- dächtnisrede des Tages in norwegischer und deutscher Sprache. Um 11 Uhr vormittags begann die Feier am Grabe des Dichters. Der erste Kranz wurde im Namen Björn Björnjons und seiner greisen Mutter niedergelegt; bald darauf war der Hügel mit Kränzen vollkommen bedeckt. Vertreter aller Nationen hielten kurze Gedächtnis- reden, so Max Halbe für Deutschland. Am Nochmittag fand eine Feier in der Universität statt, am Abend vereinigte eine Fest- aussührung von„Rosmersholm" die Gäste im Nationaltheater. Nach der Vorstellung wurde auf der Bühne eine kleine Feier veranstaltet. Der Tag endete mit einem gewaltigen Fackelzug der norwegischen Studentenschaft. Gleichzeitig fand ein Souper statt, das die norwe- gische Regierung den auswärtigen Gästen gab. vr. Haas Z. Rehfisch, vr. wolsgang k?ofsmaun-haruilch und Dr. Manfred «eorg lallen die einleitenden Referate bei dem 2. ösientlichen DiSlussionSabend der B o l t S b ü h n e E. B. der dem Thema .Dichter und Regisseur- gewidmet ist. Die Aussprache findet am Freilag, dem 23., 20 Uhr, im Bürgersaal deS NalhauieS, Eingang Königstrajze, statt. Einlatzkarten 0,S0 Mark. lloseph Plaut gibt am 24. und 25. im Schillersaal, 20 Uhr, zwei Abende, die auZichlletzlich heiteren Charaller haben sollen. Pariser Bilder von Leiser Ary wird die Kunst Kammer Marlin Wasser« vogel, Leipziger Stratzc 20, in einer Ausstellung zeigen, die am 25. vor geladenem Publikum mit einem Bortrag von Lothar Briezer.Per Raier «ld tzt» Weltstadl- eröjjoet wird. Llm die Wertzuwachssteuer. Die Sozialdemokratie gegen jede Senkung. Dj-r Kampf um die Wertzuwachssteuer der Gemeinden ist so «lt. wie die Steuer selbst. Der Gegensatz zwischen Anhängern und Gegnern dieser Steuer in Berlin hat jetzt eine besondere Ver- s ch ä r f u n g erfahren, da die Steuerdeputation der Stadt einen vom Magistrat vorgelegten Geineindebeschluß abgelehnt hat. der für eine kurze Uebergangszeit statt der Wertzuwachssteuer eine nach anderen Grundsätzen berechnete Er- satzsteuer vorsah. Die Ablehnung dieses Gemeindebeschlusses durch die Steuerdeputation hat die Industrie- und Handels- kämm er als Vertreter der Wirtschaft veranlaßt, gestern vor oller Oesfcntlichkeit gegen die Ablehnung des Gemeindebeschlusses zu protestieren. Der Syndikus der Handelskammer, Rechtsanwalt Meyer- stein, versuchte in seinem Referat den Nachweis zu erbringen, daß die Höhe der jetzigen Wertzuwachs st euer den Grundstück markt drossele und es soweit gekommen sei, daß der kleine Mann gänzlich vom Grundstücks- markt ve r s ch w u n d e n sei. Eine besonders unbillige Härte sei die sofortige Barveranlagung einer ZOprozentigen Steuer, die unabhängig davon erhoben wird, wieviel der Käufer auch wirklich bar zahlt. Der Redner erklärte weiterhin, daß im Interesse der Ver- deutschnng des Berliner Grundbesitzes, also des Rückerwerbs der etwa zu 15 Proz. in Händen von Ausländern befindlichen Ber- liner Grundstücke eine Steuersenkung unbedingt erforderlich sei, ganz abgesehen davon, daß die Stadt aus der Umfatzfteigerung, die eine ermäßigte Steuer mit sich brächte, den Steuerausfall leicht ausgleichen könne. In der Diskussion erklärte der Stadtkämmerer Lange, daß der neue Steuercntwurf auch bei der Ablehnung des Gemeinde- beschlusses erhebliche Erleichterungen mit sich brächte. Die Angriffe des Vorredners gegen die Besteuerung von Terrainaktien und G. m. b. H.-A»teilen wies er treffend mit der Begründung zurück, daß gerade auf diesem Gebiet einer Steuerhinter- Ziehung durch Aktienverkauf Tür und Tor ge- öffnet seien. Mehrere Grundstücksnotare erklärten als Fach- leute, daß der Markt seit etwa einem Jahr wegen der Steuerbelastung gänzlich verödet sei. Soweit die Gegner der jetzigen Wertzuwachs- steuer. Die sozialdemokratische Fraktion ist nach ein- gehender Kalkulation zu dein Entschluß gekommen, gegen jede Senkung der Wertzuwachs st euer zu stimmen, da der Aussoll an Steuern nur durch einen dreifachen Umsatz wieder ein- gebracht werden könnte. Mit einer derartigen Steigerung sei jedoch keineswegs zu rechnen, so daß der Etat ein Loch erhielte, das nicht gestopft werden könne. In der Frage des durch die Steuersenkung erleichterten Rückerwerbs Berliner Grund stück« aus den Händen von Ausländern, der von der Gegenseite immer wieder als nationale Notwendigkeit betont wird, hat unsere Fraktion allen Grund zum Verdacht, daß diese Frage von einflußreichen Interessenten in den Vordergrund geschoben wurde, um umfangreiche Grundstückskäufe schon bei einer ermäßigten Steuer durchführen zu können. Im übrigen sind unsere Vertreter überzeugt, daß die äugen- blickliche Stille am Grundstücksmarkt nur darauf zurückzuführen ist, daß die Interessenten die Beschlüsse des Stadtparlaments abwarten und daß der Grundstücksmarkt nach der Entscheidung sich automatisch wieder beleben werde. Zur Wohnungstragödie am Wedding. • Das Haus Prinz-E ugenstr. 24. Die Lehrlingsfrage im Töpfergewerbe. Die Fachgruppe der Töpfer hatte vor kurzem die in Groß- Berlin beschäftigten Lehrlinge mit ihren Eltern zu einer öffenllichen Versammlung geladen. Dos Referat hielt der Fachgruppenleiter Dreher. Er schilderte die Loge im Beruf, der 640 selbständige Töpfermeister mit etwa 000 im Berus tätigen Gesellen zählt und zeigte, daß die Kleinmeister vielfach gar nicht in der Lage sind, die Lehrlinge gehörig auszubilden, sondern sie lediglich als Arbeits- burschen ausbeuten. Die Beweise dafür hat die Organisation in der Hand. Es sei Pflicht der Eltern und Erzieher, dafür zu sorgen, daß der Junge, wenn er als Geselle sein Brot verdienen soll, als voll ausgebildet in den Beruf tritt. Die Gleichgstltigteit der Eltern müsse aufhören. Ihre Pflicht sei es, dafür zu sorgen, daß die Lehrlinge sich der Organisation anschließen, daß sie dann in den gemeinsamen Zusammenkünften die Schäden aufdecken, damit me Organisation helfend eingreifen kann. Die Ansicht der meisten Eltern, daß ein Lehrling mit der Organisation nichts zu tun haben dürje. ist grundfalsch. Die Eltern müßte» vielmehr mit dafür sorgen, daß dem Lehrling Gelegenheit gegeben wird, durch die Organisation sein Geschick selbst in die Hand zu nehmen. Nur dann könne den Lehrlingsausdeutern das Handwerk gelegt werden. Leider war die Versammlung schlecht besucht! es sieht bald so aus, als ob die Eltern sich sagteni Na, wenn unser Junge schon einmal vier Jahre lang nur Handwagen schieben lernt, dann können wir es nicht ändern, und was nachher aus ihm wird, soll uns heute noch keine Kopfschmerzen machen. Die Eltern müssen sich ihrer Verantwortung bewußt sein! Die Hungerlöhne in der Heimarbeit. Die wirtschaftliche Lage der Arbeiter in der Bekleidungsindustrie ist gegenwärtig außerordentlich schlecht. Aber auch die sog.„Zwischenmeister" sind zurzeit wenig günstig gestellt. In einer Versammlung, die von den im„Zentralvcrband der Lohn- gewerbetreibenden der Bekleidungsindustrie" organisierten Werk- stätteninhabcr für Damen- und Herrenwäsche, Trikotagen und Schürzen einberufen war, wurde diese Tatsache eingehend an Hand von Zahlenmaterial behandelt. Firmen von Ruf— leider wurden sie nicht näher bezeichnet— zählen für die Anfertigung von einem Dutzend Kragen l8 Pf., für ein Dutzend Ober- Hemden, die zwölfstündige Arbeit erfordert, 3,50 M. bis 4 M., für das Nähen von Trikot Unterröcken 20 Pf. Diese Be- träge werden an die Zwischenmeister— oder, wie sie gesetzlich heißen: Lohngewerbetreibenden— entrichtet. Diese schneiden aber die Ware nur zu und geben sie dann an Arbeiterinnen zur Anfcr- tigung weiter. Die Bezahlung der Firma ist also die Arbeitsent- schädigung für zwei Personen. Wieviel davon auf die Arbeiterin entfällt, kann man sich ungefähr denken. Die gesetzlichen Tariflöhne betragen für die Arbeite- rinnen durchschnittlich 50 Ps. pro Stunde. Natürlich erhalten sie in vielen Fällen nur einen geringen Bruchteil. Viele Frauen, die diese Näherei als Heimarbeit machen, während ihre Männer voll beschäftigt sind, geben sich mit diesem Entgelt zusrieden. Diese unorganisierten Näherinnen werden zu Lohndrückern für die übrigen, die sich schließlich vor die Wahl gestellt sehen: entweder gar nicht oder für Hungcrlöhnc zu arbeiten. Die Zwischenmeister tragen sehr häufig hieran keine Schuld. Die im Zentraloerband der Lohngewerbetreibenden Zusammenge- schlossenen werben für Einigkeit aller Zwischcnmeister, um diesen üblen Zustand zu beseitigen. Sie wissen, daß sie selber nichts anderes sind als Arbeiter und wollen auch klar durch das Gesetz als solche anerkannt sein. Durch Tarife zu dritt— zwischen Unternehmern. Lohngewerbetreibenden und Arbeitern— sollen feste Sätze für alle Löhne geschaffen werden. Auch in Fällen von Not und Krankheit brauchen die Lohngewerbetreibenden den Schutz. Sie fordern daher, daß die Versicherungspflicht für Krankheit, Invalidität und Erwerbs- losigkeit auch auf sie voll ausgedehnt werde. Verantwortlich für die Redaktion: Sagen Präger, Berlin: Anzeigen: Th. SloSe. Perlin. Verlag: Vorwärts Verlag s. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts Buäi- druckerei und Lcrlagsanslalt Paul Eiliger& Co.. Berlin ES 68. fiindcnftraftc 3. Licrzu 1 Beilage AmeilcrseKrclär für Köln Durch Ucbertritt unseres bisherigen Arbeitersekretärs in den Ruhestand ist dessen Stelle möglichst bald neu zu besetzen. Es kommt nur eine durchaus erfahrene und zuverlässige Kraft in Frage. Bewerber, die eine solche Stelle bekleiden oder bekleidet haben, werden bevorzugt Dem Bewerbungsschreiben sind auBer einem Aufsatz über die Aufgaben eines Arbeitersekretärs ein kurzer Lebenslauf und Angaben über die bisherige Tätigkeit in der Arbeiterbewegung sowie über den frühesten Eintrittstermin beizufügen. Die Anstellungsbedingungen richten sich nach den Bestimmungen der in der modernen Arbeiterbewegung tätigen Angestellten. Meldungen sind bis zum 8. April 1928 an den Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund, Ortsausschuß Köln, Severinstraße 199, mit der Aufschrift„Bewerbung" einzureichen. „Zum alten Ballen" Groß-Destillation Inh.: Friedrich Neubauer [167 �ThaerstraBe 50, am BaltenplatXy Gebrüder Grob Gegründet 1S82 55 eigene Verkaufsstellen In allen Stadtteilen Gro�-Berlins[6 10 eigene Dampfmolkereien Nook's Bienenhonig ist der beste I Gold. Medaille 1925.— Ueberau erhältlich. Krohodil-Resfanralionsbelrieb� Brunnenstraße 17 �.F.«» Bidene MUBduerei- erofter MUiafi- and utenddsdi zu Ufeiiien Preisen- SUminniidsmnsUi mit droften Deber- �rasömnden. Ökonom Barl Basse. Fenster- u.Gebäude-Reiniyungs-u: früher Fensterputzer- Genossenschaft Jannowitz 4514 Engelufer 29 Billigste und zuverlässigste Ausführung aller Reinigungsarbeiten _ Vertreterbesuch jederzeit unverbindlich_[93 Gro# KondUorei W. 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Der gesamte Arbeitsprozeß — nicht nur in der Industrie— ist soweit mechanisiert, daß für den „Sorgfaltprüf er." lebendigen Menschen kaum noch Verwendung ist. Nur diese oder jene seiner Fähigkeiten werden gebraucht: da man sie nicht gut von der zugehörigen Person völlig loslösen kann, so wird diese Person während der Arbeitsdauer wenigstens ausgeschaltet. Sie ist zwar da. aber sie muß durchaus so tun, als fei sie nicht vorhanden. Ein wirklicher„Beruf", also Arbeit in der von der geistigen r-nd körperlichen Veranlagung vorgeschriebenen Richtung, kann— wenigstens in vernünftigen Grenzen— beinahe ohne jede Er- wkidungserfcheinung ausgeübt werden. Wie aufreibend dagegen der moderne Arbeitsprozeß ist, braucht man keinem zu sagen, der selber drin steht und seine Auswirkungen am eigenen Leibe erlebt. Der Arbeiter ist noch achtstündiger Tätigkeit leer, ausgepumpt, von der Arbeit ebensosehr ermüdet wie von der fortgesetzten Willens- anstrengung. nichts anderes als die vorgeschriebene Arbeitsfunktion zu fein. Jetzt aber soll ihm Hilfe werden. Die Industrie fängt an. sich für seine Berufsneigungen zu interessieren und den schönen Satz zu propagieren:„Den richtigen Menschen an die richtige Stelle." Vor einiger Zeit teilte also eine Berliner Mewllgroßsirma ihren Ange- stellten mit, daß sie das lebhafte Bestreben habe, jeden seinen Fähig- leiten und Neigungen entsprechend zu beschästigen. Um die beson- dcre Eignung des einzelnen seststellen zu können, setzte sie eine psychologische Prüfung" an. Die„Gesellschaft der Förderer für angewandte Psychologie" entsandte dazu eine Assistentin ihres Leiters Professor William Stern. Aber als die Prüfung stattfinden sollte, beteiligten sich trotz einer recht dringlichen Aufforderung der Firma von den KSt) Angestellten nur etwa 30 daran. Offensichtlich verkannten also 620 Angestellte ihr eigenes Bestes und wurden darin noch von den Ge- werkschaften unterstützt. Zum näheren Verständnis muß man sich vor allem das Rund- Prüfung für d tu Chauffeurberuf. schreiben ansehen, durch das die Firma ihren Angestellte» die Teil- »ahme an der Prüfung nahelegte. Da heißt es: „Jedem unserer Angestellten soll nunmehr die Gelegenheit a'geben werde,', sich einer Prüfung zu unterziehen, die der Ee- schäftsleitung Klarheit darüber verschafft, ob und in welchen, Grad« der einzelne für den Posten, den er zurzeit bekleidet, geeignet ist. Wer sich durch die Prüfung als für einen besseren Posten geeignet erweist, soll als Anwärter zur Verfügung stehen, wenn ein solcher besserer Posten durch Aufrücken oder Abgang frei wird." Das klingt sehr schön und verheißungsvoll. Aber liest man weiter, so stößt man auf den Pferdefuß:„Eine Entlohnungsältde« rüng nach oben oder nach unten tritt erst ein, wenn der be- treffende Angestellte einen besseren oder geringeren Posten erhält." Daß es nicht schwer ist, zu erkennen, worin der wahr« Sinn .Z»r Prüfung lag, btwi�cn die 020 Angestellten, He«cht o» ihr teilnahmen. Besserung der Arbeitsverhältnisse für den einzelnen I sollte sicherlich die geringste Bedeutung der Prüfung sein. Der Buch- Halter, der Neigung und Fähigkeit für einen Direktorposten in der Prüfung erweist, dürfte ewiger Anwärter dafür bleiben. Dagegen fände man sicherlich ziemlich rasch für ihn eine Stelle, die weit mehr, als das bisher der Fall war, fein« Fähigkeiten beansprucht, ohne daß dabei allerdings eine Umgruppierung in den Gehaltsklassen not- wendig wäre. Die Prüfung würde also im besten Fall eine größere Nutz- leistung für die Firma bei gleichbleibender Bezahlung ergeben. Ein Zurückgleiten in eine niedrigere Gehaltsklasse wäre weniger aus- sichtslos. Daß die Unternehmer diese Möglichkeit,„Ersparnisse" zu machen, in weitestgehendem Maße ausnutzen würden, versteht sich von selber. Wie weit das Ergebnio solcher Prüfungen dazu dienen müßte, Entlassungen mißliebiger Angestellter zu motivieren, kann man sich ebenfalls ausmalen. Hätte sich die Prüfung durchgesetzt, so wäre sie sicher in vielen Betrieben die Regel geworden— schon als bequemes Mittel, Gleich- gewichtsänderungen in der Angestclltenschaft vorzunehmen, einen gegen den anderen auszuspielen und so die einheitliche Masse auf- zulockern. Diese unsoziale Experimeiüierwut unter dem Mantel der Wissen- fchaft kann nicht genug verurteilt werden. Wenn die Vertreter der Hamburger Gesellschaft erklärt haben, cs könne nicht verlangt wer- den, daß sich die Wissenschaft um die praktische Verwertung und die sozialen Begleiterscheinuirgen ihrer Experimente kümmere, so haben sie sich und ihrer Arbeit damit selbst das Urteil gesprochen. Zudem ist ihre Prüfungsmethode, die gegenwärtig noch viel zu wenig wissen- jlhaftlich fundiert, kaum mehr als eine eitle psychologische Spielerei. Durch solche ungenügend erprobten und praktisch werllosen Experimente wird aber bei den Berufstätigen leider eine andere wichtige Art von Prüfungen in Mißkredit gebracht. Die psycho- technischen Berufseignungsprüfungen, die also vor dem Ergreifen eines neuen Berufs vorgenommen werden, haben unbestreitbar große Bedeutung. Der zukünftige Chauffeur wird an sinnreich konstniiertsn Apparaten geprüft, ob er die ge- nügende Sicherheit und Schnelligkeit für die notwendigen Handgriffe mitbringt, ob er imstande ist, plötzlich auftretende Zeichen rasch wahr- zunehmen und die dabei vorgeschriebene Hand- oder Fußbewegung zu machen— die dos richtige Auto zum Hallen oder zur Richtung?- änderung bringen würde. Aehnliche Untersuchungen können zeigen, ob jemand für den Beruf eines Straßenbahn- oder L o k o- motivführers geeignet ist. Auch auf Handgeschicklichkeit, Augenmaß, ausdauernde Regelmäßigkeit in den Handlungen werden Anwärter für die verschiedensten Berufe mit Nutzen geprüft. Durch Prüfungen solcher Art wird— natürlich nur im Rahmen der bestehenden Arbeitsformen— tatsächlich einigermaßen dafür gesorgt, daß der richtige Mensch an den richtigen Plag kommt. Berufsberatungsämter und andere Stellen, die bei er- Prüfung bei der Straßenbahn, wünschtem Berufswechsel solche Prüfungen vornehmen, verdienen also durchaus Vertrauen. Wissenschaft aber, die sich von vornherein einseitig zum Unternehmertum bekennt und es gar nicht versucht, irgendwelche Fühlung mit der Arbeiterschaft zu nehmen, weil sie sich für die sozialen Auswirkungen ihrer unfertigen Experimente nicht interessiert, darf sich mchl wundern, wenn sie angezweifelt und ein- stimmig abgelehnt wird. Truds E. Schulz. „Mächte vt Die Krise des Katholizismus, Im„Abendland", einer katholischen Monatsschrift für europäische Kultur. Politik und Wirtschaft(Gilde-Verlag, Köln), bringt der Kölner Kaplan Josef E m o n d s einen Aufsatz über„Proletariat und katholische Par- t e i", der in mehr als einer Beziehung beiträgt zur Erkennt- nis der gegenwärtigen Krise im deutschen Katholizismus. Der Verfasser geht aus von dem Ruf nach Einigkeit der deutschen Katholiken, der mit seiner Aengstlichkeit nicht zu überhören sei. Ob diesem Rufe noch eine sachliche Be- rechtigung zukomme, will er nicht untersuchen, denn das könne in Bezirke führen, die zu betreten nicht ratsam sei. Nur das eine solle gesogt sein: die Rufe verrieten die nervöse Ratlosigkeit zu deutlich und das Wort Einigkeit an Stelle der gewohnten Einheit bezeichne scharf den kümmerlichen Ersatz einer gewachsenen, elementaren Einheit des katholischen Volkes durch eine moralisch- gemachte Einigkeit. Weiter heißt es: Von einer politischen Einheit der deutschen Katholiken als einem realisierbaren Ziel zu sprechen, ist in einer Ausgeding- st übe der politisch geschäftigen und politisch interessierten Menschen möglich. Das besagt: die Zahl dieser politisch Tätigen ist gering und geistig nicht von weit- bewegender Bedeutung Die Lockerung der politischen Einheit des katholischen Volkes sei begründet in der geistigen Umschichtung, die Emonds als den Sinn für Sachlichkeit und Wirklichkeit er- läutert. Er erkennt auch die tiefere, wirtschaftlich technische Grundlage dieser geistigen Umschichtung an: der In- dustrialismus räume auf mit den"organischen Rück- ständen und zwinge zu einer Auseinandersetzung mit der technischen Form des Daseins; die Lebenskräfte würden regsam in den kraftvoll in der Zeit stehenden Gebilden, und langsam aber sicher setzten sich die Autoritäten auf geistigem und politischem Leben durch. Das ist, wenn auch unbeholfen ausgedrückt und unbewußt zu- stände gekommen, das Bekenntnis zur m a r x i st i s ch e n Geschichtsauffassung, die die weltlichen und geist- lichen Führer des Katholizismus als„materialistisch" im Gegensatz zur chrisllichen Weltanschauung herabzusetzen pflegen. Die Scheidung der Gei st e r, wie er sie eben geschildert hat, siebt Emonds, wie durch den anderen Teil des Volkes so auch durch das kacholische Kirchenoolk hindurch- gehen. Dadurch werde„die Politisierung des Kirchenvolkes im Dienste der Mächte von gestern unmöglich". In den politischen Fragen gehe das Kirchen- volk aus einander: das solle allmählich klar sein, denn der Schnitt werde umso lieser sein, je reiner das Politische gewollt und gesehen werde. Emonds ist der Ansicht, daß eine politische Einheit des katholische» Pol- m gestern." - Klassenkampf im Zentrum. ke s nur für eine besonders gelagerte Zeit und Aufgabe und nur auf Grund besonderer Verhält- nisse überhaupt möglich und notwendig sei: Der Kathalizi-smns war einmal die schneidige Waffe in der Haich des angegriffenen und in seiner Existenz bedrohten katholischen Glaubens: in dem Augenblicke der schwindenden Gefahr verlor die Waffe ihre Berechtigung und da? Führen der Waffe seine religiöse Begründung... Zilit dem Aufhören des Zuchlmeisierstaale» cnlfiel die politische Jormnolwendigkcit des tatholifchen Kirchen» volkes. Das wird mehr empfunden, als die Führer es sich«in- gestehen wollen. Die Verlängerung der Methoden über den Zeit- punkt der Notwendigkeit stößt offene Türen cin. Diese Auffassung bestimmt auch Emonds' Stellung zur S ch u l f r a g e. Als öffentliche Macht stehe die Kirche un- oecsehrt und unerschüttert da, und die Schule erscheine den Menschen durchaus nicht bedroht, vielmehr sähen sie, wie die Schule durch das christliche Schulgesetz der R e ch t s k o a l i t i o n die Kette der Beherrfchungsmächts stütze und stärke. Darum sei der Schulkampf"für die Zentrumspartei eine zweischneidige Waffe, die sich im Augenblicke gegen sie selber kehre und für die Zukunft die Schärfe verliere. Emonds erörtert auch die Wahlaussichten des Zentrums in der proletarisierten Arbeiterschaft und kommt zu dem Ergebnis, daß„die politische Werbesähig- k e i t schwach ist, und daß nach Elementen gesucht wird, die die Fehlstelle ausfüllen sollen: wo die Gedanken fehlen, tritt Begriff, Programm, Gesinnung ein". Im übrigen: Es kann nicht verborgen bleiben, daß die große Entscheidung?- linie im gesellschaftlichen Kampfe, die man annähernd richtig mit Klassenkampf bezeichnet, trotz aller Beschwörung mitten durch das christliche Volk hindurchgeht und daß die Menschen, die ihrem Lebensgefühl nach zu den Sozialisten hivüberneigen. die offene oder verschleierte Bürger- b l o ck p v l i t i k» i cht mitmachen. Die sozialgosellschafrlichen Motive sind elementar und einfach, während die anderen nur aus- nahmsweife auf dem Wege langer Ueberlegung zugkräftig werden. Hier kann die kirchliche B e e i n f l u f f u n g z u n ä ch st nicht viel erreichen: sie ist ja selbst verdächtig, im Solde der Besitzbürger zu stehen, und ihr Auftreten, ihre Sicherung, ihre Methoden scheinen nicht genug von denen der bürgerlichen Welt unterschieden. Emonds erinnert an die Haltung des Zentrums in der Frage der Todesstrafe; nehme man hinzu die Verteuerung der Lebenshaltung, den Zustand der Vorkriegszeit, daß die unteren Klassen Objekt der Regierung werden, dann„wundert es nicht, wenn die st i l l e Abwanderung nach links i» ovllem Gange ijt". Augast Erdmens. SIERRA VON B. TRAVEN Nachdruck»erboten> Copyrigh> 1918 by BOehergilda Gutenberg, Berlün Die drei Arbeiter Dobbs, Curtin und Howard haben beim Coldgraben im mexikanischen Hochland der Sierra Madre eine ansehnliche Menge Goldsand gefunden. Sie rüsten sich zur Heimreise, da erscheint ein Fremdling, der behauptet, dab in der Nähe eine ungeheuer reiche Goldader zu finden sei. Bevor sie sich noch enfschlieben, ob sie an der Aufsuchung des Schatzes teilnehmen wollen, erscheinen Banditen auf der BildüSche. Der Neuankömmling berichtet über einen rÄuberischen Ueberfall auf einen Personenzug und von der Verfolgung der Banditen durch mexikanisches Militär. Jetzt aber werden die Goldgräber selbst von den Banditen bedroht, die sich in die Berge zurückgezogen haben. Sie sehen, wie die Bande sich an ihr Lager heranschleich 21. Fortsetzung.* Alle aber trugen einen oder gar mehrere PatronengürteL Einige trugen Decken über die Schultern geworfen. Wahrscheinlich waren die Decken der anderen sowie die Tasdien mit den Lebensmitteln bei den Pferden. Als sie den Platz, der an der Hinteren Seite von dem steilen Fels und an den übrigen Steinen von dichtem, undurchdringlich erscheinendem Buschwerk und dornigem Gesträuch, untermischt mit Bäumen, eingezäuM war, betreten hatten, sahen sie sich neugierig um. Sie erweckten den Eindruck, als hätten sie etwas anderes erwartet, als sie nun sahen. Daß hier ein Lagerplatz war, der noä) vor kurzer Zeit als Camp gedient hatte, mußten sie ja erkennen. Da log noch das Holz herum, die Feuerstellen sahen noch frisch und unoerweht aus, leere Konservenbüchsen» Scherben zerbrochenen Ton- geschirrs, Papier- und Zeitungsfetzen lagen verstreut, und dann war noch da die lichte Stelle, wo das Zelt gestanden hatte, ganz scharf abgegrenzt. Der Platz war ein unregelmäßiges Viereck von etwa sechzig Schritt Seitenlänge, der dadurch immer größer geworden war, weil von den Seiten täglich das Holz fortgenommen wurde, das für das Feuer gebraucht wurde. Auch an den frisch geschlagenen Bäumen ließ sich erkennen, daß der Platz noch ganz kürzlich bewohnt gewesen sein mußte Die Männer standen in einer Gruppe und begannen zu rauchen. Einige hockten sick) nieder, und die übrigen redeten. Der Mann mit dem goldbronzierten Strohhut schien der Führer zu sein, denn alle sahen sie auf ihn, wenn er etwas sagte. Sie kamen einige Schritte näher in den Platz. Dort standen sie wieder und besprachen sich. Es war deutlich zu sehen, daß sie nicht wußten, was sie tun oder was sie unternehmen sollten. Einzelne schienen zu der Ueberzeugung zu kommen, daß der Gringo, der Amerikaner, ausgezogen war, und daß man zu spät komme. Das schien endlich aud) der Führer, den sie Ramirez nannten, anzu- nehmen. Das Gespräch wurde lauter, well die Leute anfingen, sich weiter zu zerstreuen und sich in größerer Entfernung voneinander zu unter- holten. So tonnten die Männer in der Erdrinne beinahe alles ver- stehen, was dort geplant war, und sich danach richten. Vielleicht zogen die Banditen nach einer längeren Rast wieder ab, und sie bekamen hier endgültig Ruhe. Obgleich einzelne Banditen bei ihrem Herumstreifen bis an die seillichen Grenzen des Platzes kamen, so war doch kaum zu be- fürchten, daß sie so leicht den Weg zur Mine finden würden; denn Dobbs und Curtin hatten ihn in der letzten Stunde noä) besonders gut verkleidet, und solange das eingesteckte Dornengestrllpp nicht dürr und welk wurde, war der Weg zur Mine durchaus sicher. Endlich, nad) langem Hin- und Herreden, schienen die Banditen zu einem Entschluß gekommen zu fein. Sie sprachen so laut und gestikulierten dabei so heftig, daß die Belagerten nun schnell lernten, was die Banditen zu tun gedachten. Sie halten beschlossen, hier für einige Zeit ihr Hauptquartier aufzuschlagen. bcS die Sache mit dem Zugraub etwas verblaßt war und die Soldaten in weiter abliegenden . Distrikten auf der Verfolgung waren. Der Platz schien ihnen außer- ordenllid) günstig zu sein. Etwas tiefer unten fanden sie Wasser, Gras für die Pferde würde auch wohl in der Nähe fein, und die Lebensmittel konnte man irgendwo von den Feldern unten im Tale stehlen, wenn man Wild nicht mehr essen könne. Weiter unten auf dem Wege hatten sie«ine offene Stelle gefunden, von wo aus man die Wege im Tal beobachten könne, und wenn man die Soldaten wirtlich kommen sähe, so könne man rechtzellig noch entwischen, wenn man in der Zwischenzeit einen andeten Rückweg ausfindig inache; denn herunter von diesem Platze müßten sie, wenn Soldaten auf den Wog kämen, weil man hier in einer Falle sitze. In der kurzen Zeit hatten sie wirklich gut die Gegend beobachtet. Sie brauchten nur einen anderen Rückweg zu finden, und das würde ihnen schon glücken, wenn nicht gerade von hier oben, dann weiter unten auf dem Wege, vielleicht in der Nähe der Quelle. „Gerade hatte ich gedacht/ sagte Howard leise zu Curtin,»daß wir doch rechte Esel gewesen seien, daß wir nicht zur Mine gekrochen sind. Aber jetzt sehe ich, daß dies das Dümmste gewesen wäre, was wir hätten tun können. Denn wenn die sick) hier einnisten, würden sie uns an der Mine doch sehr bald aufspüren. Es ist schon das beste, was wir getan haben." „Was wir aber nun machen sollen, wenn die hier ihr 5)aupt- quartier aufschlagen, das weiß ich wirklid) nicht," flüsterte Dobbs. „Daran hat keiner von uns gedacht. Id) wenigstens habe angenommen, daß sie kommen und wieder gehen." „Warten wir einmal eine Weile," jagte nun Laeaud,„vielleicht ändern sie ihren Plan wieder und gehen." „Ich schlage vor," riet Howard,„wir verteilen uns auf die Länge der Rinne. Wenn sie hier herumstreifen sollten, brauchen sie uns nicht alle auf einem Kluinpen zu finden und uns abzuschießen wie die Kanindien. Die glauben ja, daß nur einer hier oben ist, und wenn wir sie dann von mehreren Seiten packen, bringen wir sie viel- leicht so in Verwirrung, daß sie losziehen." Howard und Laeaud nahmen nun die beiden fernen Ecken der Rinne Jeder der beiden hatte eine gute Jagdbüchse. Curtin und Dobbs verteilten sich so in der Mitte der Rinne, daß beide nickst gleichzeitig von einer Person gesehen werden konnten, die etwa in der Nähe der Rinne herumstreifen sollte. Die Banditen hockten im Haufen auf dem Platze, nicht well von dem schmalen Eingang. Sie rauchten, redeten und lachten; zwei lagen lang ausgestreckt und schliefen oder dösten. Einer war zu den Pferden gegangen, um den Posten dort zu erzählen, daß man hier- bleiben würde und daß sie dort weiter unten nach einem Futterplatz für die Pferde suchen sollten. Ein anderer war zu dem Beobachtungs- posten geschickt worden, um mit ihm gemeinsam das Tal zu über- blicken. Allen, die in der Rinn« sahen, kam jetzt der Gedanke, daß es die beste Gelegenheit für sie wäre, die fünf Kerle, die noch auf dem Platze waren, gut aufs Korn zu setze» und abzuknallen. Wenn dann die übrigen fünf zur Hilfe kämen, könnte man sie aus der sicheren Deckung heraus erfolgreich empfangen, und man wäre dann die ganze Sippschaft los. Und jeder ärgerte sich, daß man einen solchen Plan nicht rechtzeitig beraten habe. Mord war es ja kaum zu nennen, dachten sie, denn das waren ja keine Menschen, das waren Bestien. Dobbs dachte sich immer mehr in diesen Plan hinein, und dann konnte er ihn nicht mehr für sich behalten. Er kroch zu Howard, der ihm am nächsten war. „Dasselbe habe ich gerade auch gedacht," erwiderte der Alte. „Älber dann haben wir die toten Kerle alle hier herumliegen." „Die graben wir doch ein," flüsterte Dobbs. Halt, ihr Banditen, ich schieße. „Natürlich. Aber ich will hier keinen Kirchhof haben, wo wir Sielleicht noch ein paar Wochen hausen müssen. Kirchhos ist ia not- wendig, aber man muß ihn doch nicht gerade Tag und Nacht vor dem Fenster haben. Sonst wäre ich ganz damit einverstanden; einer, der mll dem blatternarbigen Gesicht, steht so niederträchtig aus, daß man sich als ausgewachsener Mann vor ihm fürchten muß, wenn man mit ihm zusammen in der Kirchs sitzt." „Dem wirst du in der Kirche nicht begegnen." „Aber gerade. Gerade dem und gerade dieser Mörderband e. Ich schwöre dir, gerade diese sind es, die der heiligen Jungfrau von Guadalupe oder dem San Antonio die meisten silbernen BÄnche» und Aennchen unter die Füße hängen. Die rutschen auf den Knien von der Kirchtür bis zum Altar und dreimal um die vier Wände herum. Geh mal hin und untersuche sie mal, die haben alle ihr Bildchen oder ihre Münze um den Hals hängen. Hier die Regierung in Mexiko, die weiß schon recht gut, warum sie mit der Kirche so handfest umspringt. Die Leute sind ja zehnmal abergläubischer als die schwärzesten Heiden in Zentralafrika. Die sind— aber Mensch. was will denn der da? Der kommt ja geradeswegs hier herüber. Rasch auf deinen Posten." Geschwind wie eine Katze kroch Dobbs davon. Da kam in der Tat einer der Männer auf die Rinne zuge- schlendert, gerade auf die Stelle zu, wo Curtin saß. Er sah nicht vor sich hin oder in Richtung der Rinne, er hielt vielmehr den Kopf hoch und betrachtete sich die Felsenwand in ihrer ganzen Länge. Es sthien, daß er dort nach einem Rückwege suche. Vielleicht war ihm die Idee gekommen, daß der gesuchte Gringo dort irgendwo stecken könne, oder daß er dort seinen Weg ins Tal habe, weil man ihn ja nicht auf dem anderen Wege getroffen habe. Er sah aber, daß dort kein gangbarer Weg sei, es war alles wie vermauert. Er pfiff vor sich hin und drehte sich, um wieder zurück- zugehen. Dabei sah er nach unten und bemerkte die Erdrinne. Sicher dachte er. das sei der Weg, den sie gebrauchen könnten. Er kam näher, beinahe bis zum Rand der Rinne, und da erblickte er Curtin. Curtin hatte ihn den ganzen Weg lang beobachtet; er war des- halb nicht überrascht, als er ihn dicht über sich sah. „Caramba!" rief der Bandit, drehte sich zurück und rief laut hinüber zu seinen Genossen t„Kommt hierher. Hier sitzt das Dögelchen in seinem Nest und brütet sein« Eier aus." Er lachte laut auf. Die übrigen Männer waren sofort aufgesprungen und kamen überrascht näher. Als sie aber auf halbem Wege waren, schrie Curtin: �zalt, ihr Banditen, ich schieße." Die Bandllen blieben sofort stehen. Sie wagten nicht, nach ihren Revolvern zu greifen. Sie wußten ja nickst recht, was los fei. Der Mann, der Curtin entdeckt hatte, hielt sofort beide Hände hoch und ging, immer die Hände hoch hallend, zurück zu der Mitte des Platzes, wo die übrigen standen. Eine Weile war alles ruhig, und dann begannen die Männer ellig und aufgeregt miteinander zu reden. Endlich trat der Führer etwas in den Vordergrund und sagtet „Wir sind keine Banditen. Wir sind von der Polizei. Wir suchen die Banditen" Curtin steckte den Kopf ein wenig hoch.„Wo habt ihr denn die Schilder? Wenn ihr von der Polizei setd, so müssen Sie doch wenigstens«in Schild haben. Zeigen Sie es einmal offen her." „Ein Schild?" erwiderte der Mann.„Ich habe kein Schild. Ich brauche auch keins. Brauche auch gar teins zu zeigen. Kommen Sie da mal heraus. Wir wollen mll Ihnen sprechen."(Forts, folgt.) WAS DER TAG BRINGT. iiiiiiiiiiiiiiiimiiuniMiiiiiiiiiiiiiiiiitnnniiiininumiiniiRniniiiiiinniiiiiiuinmiiiiiniiiinmiuunnnninmiimniiiiiimnmimmiiiniiniDiiiiiinimiMiimniiiniiiiiiinimiimminmmmii Bei anderen Leuten... Eine merkwürdige Verkehrsstockung größten Ausmaßes passierte kürzlich in Brooklyn. Während der Stunde des stärksten Verkehrs wurden endlos« Reihen von Zügen ausgehalten, Tausende verspäteten sich zur geheiligten Dinerstunde, wetl dreihundert Passagiere eines falsch dirigerten Zuges sick) weigerten, ihre Plätze zu verlassen und gegen die Zumutung rebellierten, sich zur Rück- beförderung auf einen anderen Bahnsteig zu begeben. Di« beiden Linien, um die es sich handalt, hallen einige Zeit- lang die gleiche Richtung inns, dann biegt die eine rechts, die andere links ab. Durch falsche Weichenstellung geriet nun ein vollbesetzter Zug auf die verkehrte Streck«. Das Fahrpersonal forderte die Passagiere auf, vom Nebenbahnsteig aus«ine Station zurückzufahren, hin dann wieder einen Zug der richtigen Richtung zu erreichen. Ein empörtes Geschrei war die Antwort Einmütig forderten die Passagiere, daß der Zug bis zur Weick)« zurück- gesd)oben werden sollte. Hintor dem Zug« war bereits die ganze Strecke verstoppt, es war unmöglich, die ganze kilometerlang« Reihe der Züge zurückzndirigieren; aber alle dies« Argumente des Bahnpersonals fanden taube Ohren. Die Passagier« blieben un- gerührt. Ihr Zug habe nach Flotbufh zu fahren, er sei so be- zeichnet gewesen, und sie hätten Anspruch darauf, daß ihr Zug sie nach ihrem Ziel befördere. Nach eiliger Konferenz wollte das Zugpersonal den Zug nun bis zur nächsten Station fahren, weil sich da eine Rückweiche befand. Zlber die Passagiere pflanzten sich in die offenen Türen des Zuges und verteidigten diese Position mit Wut und Ausdauer. (Offene Türen bremsen automattsch die Züge der amerikanischen Untergrundbahnen.) Schließlich wurde die Polizei zu Hilfe gerufen. Der Polizeileutnant nahm sich drei der größten Diplomaten unter seinen Leuten mit. Das Erscheinen der Polizei war das Signal zu einem neuen Wutausbruck). „Nein, wir verlassen den Zug nicht! Wir wollen unser Recht! Wir werden an den Bürgermeister und an die Verkehrskommission schreiben!". Die polizeiliche Diplomatie konnte keine Erfolge erzielen. Schließlich kam der Leiter der nächsten Station. Er stieg auf eine Bank und bat um Rücksicht darauf, daß nun Tausende von Mittagbroten kall würden— und alles durch diesen unglücklichen Fehler. Er bat die Passagiere, sich zur Rückbeförderung auf den anderen Bahnsteig zu begeben; wenn sie das nicht wallten, so bot «r ihnen an, den Zug bis zur näckstten Station zu fahren und von da auf die rickstige Strecke zurückzuleiten Außerdem wollte er sie aber auch, wenn sie einverstanden seien, perjönlid) die Treppe herauf beoleiten und zu der zehn Minuten entfernten Statton der richtigen Linie bringen und dafür sorgen, daß sie von dort aus ihren Heimweg fortsetzen könnten, ohne noch einmal Fahrgeld zu zahlen. Endlich, zennürbt vom Redenschwinaen und Erschöpfung, kapi- tullerten die Rebellen. Nach vierzig Minuten Aufenthall folgten sie dem Stationsvorsteher die Treppe herauf zur knapp zehn Minuten entfernten Station der richtigen Linie... So etwas könnte natürlich bei uns nicht vorkommen. Die Polizei hätte, sich sicher nicht auf„inplomo tische Msttel" beschränkt, außerdem wäre ihr Eingreifen aber sowieso nicht nöttg gewesen, denn beim Erscheinen der ersten Unisormmützen hätte sofort alles kapituliert. Der Selbstmord eines Arztes. In der französischen Stadt Jsygny hat sich vor kurzer Zell der Bürgermeister und Arzt Bourtrois das Leben ge- nommen. Er war angeklagt, einige Abtreibungen vorgenommen zu haben. Obgleich niemand an seine Schuld glaubte— er war allerdings durch die Aussagen einer Frau schwer belastet—, hat er vor der Fahrt zum Untersuchungsrichter Selbstmord begangen. In einem Schreiben an die Stadtverordneten beteuert er seine Unschuld und erklärt, daß er sich das Leben nehme, da er keine Hoffnung habe, seinen Namen vollkommen zu reinigen. Der Selbstmord des Bürgermeisters erregte in der Stadt un- geheures Aufsehen. Große Gruppen demonstrierten in den Straßen unter dem Rufe:„Es lebe Bourtrois!",— trotzdem er bereits tot war. Vor den Häusern seiner Feinde stießen sie Drohungen aus. Die Beerdigung des Bürgermeisters hatte eine mehrtausendköpfige Menge herbeigelockt. Ueberall das gleiche. Der Abtreibungsparagraph will seine Opfer haben. Vom Parlamentshumor. Dreiklassenhaus-Besprechung einer Vorlage über Aufhebung von Vaubeschränkungen im Kölner Festungsrayon. Es spridst der Kölner Zentrumsführer Dr. Trimborn, dem rheinischer Humor eigen war. Aus den Zuhörern vor der Rednertribüne ragt um mehrere Haupteslängen der Lolksparteiler Hasencleoer hervor. Da sagt Trimborn:„Es handelt sich um t u r m a r t i g e Gebäude, wie id) eins in dem Herrn Kollegen Hasencleoer vor mir sehe." Lang« Jahre war ein Baron Manteuffel Präsident des Preußischen Herrenhauses, das aus lauter Hochadligen, Kirdstnsürsten, Hofschranzen, Geldgewaltigen und einigen Ober- bürgermeistern und berühmten Gelehrten bestand Ohne Ansehen der Person aber näselte der alte Manteuffel immer wieder: „Ich eröffne die Besprechung— k« i n Mens ch wünscht das Wort— ich schließe die Besprechung." Die„Menschen" schwiegen... Gute Nachbarschaft. In einem amerikanischen Gefängnis. Ein des Mordes ver- dächtiger Mann hat von seiner Frau Besuch erhalten und klagt ihr sein Leid.„Wenn mich der Gouverneur nickst begnadigt, bin ich verloren."— Angstvoll fragt die Frau:„Wie kannst du denn die Begnadigung von ihm erhalten?"—„Wollen gleich mal sehen!" meint der Gefangene und schreit:„He, Gouverneur, wie ist es mit meiner Begnadigung?" Und aus der Nachbarzclle kommt knurrend die Stimme des Gouverneurs:„Meinetwegen...!" Einfache Begründung. Unser« liebe Hausgenossin Katharina K. war ein fröhliches Mädd)en aus Niederöfterreid). Kamen wir nach Haus und fragten: „Kathi, is jemand da g'wesn?"— so antwortete sie freundlich:„Ah, wer sollt' denn kommen, es hat ja niemand a Zeit!" Berlin— Koiibus— Berlin. Rekord-Meldcschluij für dos Straßenrennen. Die deutsche Radrennsaison auf der Landstraß« wird in üblicher Weise durch die Fernfahrt V e r l i n— K o t t b u s— B e r l i n «ingeleitet. Das am 23. M ä r z stattfindende Rennen über 26» Kilo- rneter hat das Rekordmeldeergebnis von rund ö Unter- fchristen gesunden. Alle Fahrer von Rang sind vertreten. In der Klasse der Berufsfahrer starten: M. Bulla. Friedemann, Max und Paul Kohl. Klaß, Korge, M. Meyer, Nebe, Reim, Seiferth, Bruno und Rudolf Wolke, Bergcr. Dahms, Feder, Gicse, Gräfe. Langardt, Kroll, Manthey, Miethe, Panke, Schütze, Oskar Tietz, Weyer, Buse, Brandes, Walter und Otto Capp, Dumm, Geisdorf, Gugau, Geyer, R. Huschte, W. Meyer-Leip�ig, Nickel, Remold, Weck, Zind und Jbron. Riesige Felder lveisen die verschiedenen Klassen der Herren- f a h r e r auf. Die Liste der /c-Fahrer umsaht 96 Namen, die lt-Fahrcr rücken in einer Stärke von 79 Mann an, bei den Alters- fahrern find 49 Kämpen genannt, die Gruppe der L-Fahrer ist 239 Mann stark. Unter den.-X-Fahrern ist alles vertreten, was zur Elite gehört. Es sei nur hingewiesen auf: Schliep, Schnialfutz» Amling, Stöpel, Ussat, Rosineck, Genschmer, Litschi(Berlin), Gunther, Weber, Rösch» R. Hahn(Leipzig), Siegel. H. Seiferth (Chemnitz), Witzack, Rosenbusch(Hannover), Elpel(Breslau), Lex (Guben), O. Ritze, Willi Müller. O. Michael, Keßmeier(Rüssels- heim) und die Westdeutschen Rösen, Franken, Mandelartz, Wallen- born. Der Start zu der klassischen Fahrt erfolgt ab'5,39 Uhr in Treptow, das Ziel befindet sich diesinal auf der Radrennbahn in Wannsee, wo gelegentlich der Ankunft der Teilnehmer ver- schiedene Amateurbahnrennen vor sich gehen. Sechsiagebeimg. Ist er strafrechtlich zu fassen? Unser juristischer Mitarbeiter schreibt uns zu der Frage der Sechstageschiebungen: Die Strafen, die eine Sportbehörde gegen die schiebenden Sechstagefahrer verhängt hat, legen die Frage nahe, ob eine derartige Betrügerei nicht auch vom Standpunkt des all- gemeinen Strafgesetzes gefaßt werden kann. Nun ist der Betrug(Z 263 St. G. B.) ein sehr kompliziertes Bergehen: er verlangt Bereicherungsabsicht, Täuschung und Ver- mögensschädigung. Was die Bereicherungsabsicht anbelangt, so braucht nicht die Absicht des Betrügenden zu bestehen, sich persönlich einen Vermögensvorteil zu verschaffen. Auch der einem Dritten verschaffte Vermögensvorteil erfüllt den Tatbestand des Betruges. Freilich muß der Vorteil in jedem Falle ein Vermögens vorteil sein, die bloße sportliche Siegerehre genügt als Vorteil im Sinne des Gesetzes nicht. Sobald aber mit dem Sieg Geld- oder Sach- preise verbunden sind, bildet die Zuschiebung dieser Preise an einen Rennteilnehmer, der im ehrlichen Kampf nicht Sieger geblieben wäre, ein Tatbestandsmerkmal des Betruges. Erst recht liegt dieses Merkmal vor, wenn ein Rennteilnehmer einem anderen eine Geld- belohnung dafür verspricht, daß er nicht den ernschoften Kampf ausnimmt. Auch das zweite Tatbcstandsmerkmal des Betruges ist bei der Sechstageschiebung gegeben: die Täuschung. Zweifellos be- deutet es eine Vorspiegelung falscher Tatsachen, wenn das Pu- blikum einen ernsthaften Wettkampf zu sehen glaubt, dieser aber von den Fahrern nur markiert wird. Durch dieses Gebaren wird in den Zuschauern ein Irrtum erweckt, nämlich ein Irrtum über den Charakter des gesamten Vorganges. Am schwierigsten ist die Frage der Vermöge nsschädigung zu beurteilen. Aber auch sie liegt vor. Denn zweifellos zahlt der größere Teil des Publikums die hohen Eintrittspreise nur in der Absicht und Ansicht, ehrlichen Sport und wirklichen Wetttampf mit dem Sieg des Besten zu sehen. Würde ein bloßer Scheinkamps angekündigt werden, so würden zweifellos viele Plätze frei bleiben. Zum positiven Nachweis dieses Tatbestandmerkmals ist allerdings notwendig, daß bestimmte Zuschauer als Zeugen erklären: sie fühlten sich dadurch geschädigt, daß sie statt eines ehrlichen Weit kompies nur einen Scheinkampf zu sehen bekommen hoben. Otcw'ß liegt die Sache reichlich kompliziert, aber für eine Beschäftigung der Staatsanwaltschaft mit sol chen Dingen sind doch Anhaltspunkte aller Art gegeben. Man erinnert sich, daß vor einiger Zeit eine Verur- teilung erfolgte, als bei der Veranftallung einer Vereinstombola Vorstandsmitglieder sich einige Gewinnlose reservierten.„Schie- bung" wird eben sehr leicht zur strafbaren Handlung! Die Rütl-Arena wird am 1. April geöffnci. Das vielseitige Programm umfaßt drei Renne» für Verufsflieger, zwei Daucrrenncn über 69 Kilometer und zwei Weitbewerbe für Amateure. Das Aicner Schachturnier ist beendet. Den Sieg errang Ret! mit 10K: Punkten, den zweiten bis fünften Platz teilten Spielmann, Dr. Tartakowcr, Becker und Lichtenstein bei je 8',i Zählern. cftttoiZer�Sport' Auch die Schachspieler? Der Arbeiter-Schachbund hält feine diesjährig« Bundestagung vom 6. bis 9. April in Stuttgart ab. Alle Ver- eine sind fleißig dabei, die Anträge und Satzungsänderungen, vom Bundesvorstand vorgeschlagen, zu besprechen. So auch der B« r- t i n o r Arbeiter-Schachklub in seiner von ungefähr 199 Mitgliedern besuchten Vereinsversammlung. In langen Debatten wurde das „Für und Wider" zu den Bundessatzungen festgelegt. Dann folgte die Wahl v»n drei Delegierten zur Bundestogung. Hierbei spielte sich nun für unbeteiligte Zuschauer ein ergötzlicher Zwischenfall ab. Bor ungefähr zwei Monaten nämlich wurde vom engeren Vorstand die Frage der Beschickung des Bundestages behandelt. Da- bei einigte man sich auf drei Delegierte, aus Oehlfchläger, Schwenke und Viehweger bestehend. Dieser Vorschlag des engeren Dorstandes wurde dann vom erweiterten Vorstand einstimmig angenommen. Wer aber nun glaubte, daß die Ver- einsleitung diesem Beschluß auch nachkommen würde, hatte sich jeden- falls gründlich geirrt. Der zweite Vorfitzende des Vereins, Erich Schwenke, erklärte zum allgemeinen Erstaunen der nicht zur KPD. schwörenden Versammlungsteilnehmer auf der Vereinsversammlung, daß der Vor st and von sich aus keine Vorschläge zu niachen beabsichtige, sondern solche aus der Versammlung selbst erwarte! Weshalb brachte man die Vorschläge nicht? Nun, Oehlschläger, der Begründer des Berliner Arbeiter-Schachklubs, war doch in- zwischen aus der KPD. zur Sozialdemokratie zu- r ü ck g e k e h r t. Da nun ober der von der Münzstraße oder jetzt wohl von der Kleinen Alexanderstraße befohlene Kampf für die„un- bedingte Einheit in der Arbeitersportbewegung" nicht soweit gehen darf, daß kommunistische Vorstandsiniialiedcr eines Arbeiter-Schach- klubs sozialdemokratische Delegierte vorschlagen, mußte natürlich mit einem solchen Trick operiert werden. Eingespielt aus solche schon dutzendmal angewandte Taktik, klappte denn auch diesmal de: Apparat— bis auf die Wahl. Der einzige Leidtragende war hier der„Halbkommunist"(sympathisierende) Viehweger, der laut Fraktionsbeschluß ja den„Konzessionsschulzen" machen sollte. Der fiel durch. Er hat nun Gelegenheit, anstatt auf dem Bundestage mitzuarbeiten, hier in Berlin über die KPD.-Tnktik eingehend und tiefschürfend nachzudenken. Gewählt wurden Schwenke mit 89, der erste Bereinsvorsitzende Rabaschuß mit 88 und Oehlschläger mit 69 Stimmen. Cr erhielt nur die Stimmen derjenigen, die den Arbeiter-Schachklub noch nicht als Domäne der Kommunisten und ihrer Nachläufer betrachten. So hat denn die offensichtliche Sabo- tierung eines einstimmig gefaßton Vorstandsbeschlusses doch nicht den gewünschten Erfolg gehabt. Ein anderes nettes Stückchen leisteten sich die kommunistischen Drahtzieher dann noch bei der Bestätigung der Abteilung s- o b l e u te. Die Rickstlinien des Vereins besagen, daß die Obleute ge- werkschaftlich oder politisch organisiert sein müssön. Die Abteilung Britz hatte nun in der Person eines Rudolf Schütz einen Obmann gesunden, der aus dem Zentralverband der Angestellten wegen feiner politischen Treibereien ausgeschlossen wurde. Als feine Bestätigung an der Reihe war, beantwortete er die Frage nach feiner politischen Organisation mit einem kräftigen„I awohl, imRotenFront- kämpferbund"! Obwobl für jeden vernünftigen Menschen ein- wandfrei feststeht, daß der Rote Frontkämpferbund, dieses Sammel- decken von organisationsfeindlichen„Nafferkämpfcrn", nicht als politische Organisation im Sinne der Vcreinsrichtlinien anzusehen ist, wurde der famose Obmann Schütz trotzdem bestätigt. Ein Kommentar darüber erübrigt sich wohl. Nur sollten die Arbciter-Schachfpieler, die noch nicht den Berliner Arbeiter-Schachklub als ein Tummelfeld für organisierte und unorganisierte Kommunisten anzusehen gewillt sind, daraus die Schlußfolgerungen ziehen. blürnberg 1919. Die Jugend auf dem Bundesfest. Um auf dem 2. Bundesfest des Arbeiter-Turn- und Sportbundes 1929 in Nürnberg den vorgesehenen großzügigen 5kundgcbungcn der Sportler- und Turner j u g e n d notigen organisatorischen Aufbau und Schwungkraft zu geben, ist «in besonderer Ausschuh eingesetzt worden. Er wird gebildet vom Bundesjugendausschuß, dem nordbayerischen Kreis- und Nürn- berger Bezirtsjugendausschuß. Seine Aufgaben beziehen sich im allgemeinen auf rege und wirksame Propaganda und Werbung für stärksten Besuch des Festes durch die Bundesjugend. Auf enge und verständnisvolle Zusammenarbeit mit den anderen zuständigen Festausschüssen, um der am Fest« teilnehmen Jugend vollen und gemißreichen Anteil an allen sie berührenden Veranstaltungen zu gewährleisten, ist größter Wert gelegt. Hierzu gehört unter anderem Teilnahme der Jugend an den allgemeinen sportlichen Wettiämpfcn, am Festzug, beim Festspiel, an den festlichen Veranstaltungen an den Wanderfahrten, Preisermäßigung, Unterkunft und Verpflegung. Besonders angelegen ist dem Bundesfeftjugendausschuß die Beran- stalwng einer gesonderten Iugendkundgebung im Rahmen des Vundesfcstes. Diese soll einen überzeugenden und überwältigen- den Beweis erbringen von dem Umfang, der Stärke, der Leiftungs- fähigkeit und Begeisterung des sportlichen Nachwuchses im Bunde. Oeutschösterreichischer Abend. Bei den Naturfreunden. Der Toui istenvercin„Die Naturfreunde" veronftallet am Sonn- abend, 31. März, 19� Uhr, in der Aula des Luifenftädtischen Gymnasiums, Gleimstraße 49, einen deutsch österreichischen Abend zu Ehren seiner Wiener Ortsgruppe. Florian Kienzl hält kulturhistorische Betrachtungen und bringt deutschösterreichisch« Dialsktdichtungen zum Bortrag. Der Trachtenvereln«Die E g e r- l ä ii d e r- G e m« i n d e" wirkt mit durch Darbietungen in Männer» gesang, Lieder zur Laute, Reigen und Läiidlertänze in Trachten. Tiroler Lieder und Zitherspiei, sowie Schuhplatter tragen zur Be- lebung einer typischen österveichischen gebirgsländlichen Veranstaltung bei. Alte Wiener Weisen werden durch die Mitwirkung des Mandolinenvereins„Die Musikfreunde" zu Gehör gebracht. Karten a 39 Ps. sind zu haben: im Lokal Blessin, Stargardter Straß« 3, Lokal Eoldschmidt, Stolpische Straße 26, in der Ziaarrenhandlnng Sauer, Schivelbeiner Straße 26, und bei allen Mitgliedern der Abteilung Norden des Touristenvereins„Die Naturfreunde". Hockeyspiele am Sonntag. Die Freie Turnerschaft Groß-Berlin-Nordring 1 muß gegen die Freie Turnerschast Charlottenburg 1 antreten. Beide Mannschaften sind sich vollkommen ebenbürtig und dürfte hier nur die größere Aus- dauer sowie der Siegeswille ausschlaggebend sein. Das Herbstspiel ge- wann Groß-Berlin knapp mit 4: 3. Findet sich Groß-Berlin mit den fremden Platzverhältnissen und der Charlottenburger Verteidi- gung gut ab, müßten sie sicherer Sieger sein. Das Spiel findet um 16% Uhr auf dem Platz in Westend statt. Der Athletik-Sportklub empfängt in Baumschulenweg aus dem B-Platz um 19% Uhr die Freie Turnersckvst Schönholz 1. Schönholz spielt auf fremdem Boden stets sehr unglücklich und dürste gegen die sehr in Schwung ge- kommenen ASCer einen sehr schweren Kampf haben. Technisch sind die Scbönholzer zweifellos besser und müßte es zu einem knappe» Siege langen, wenn ihnen der ZlSC. nicht einen Strich durch die Rechnung macht. In der Schönhauser Allee treffen sich die Sportliche Vercimgnng Nord-Ost und der ASV. Fichte-West um 16% Uhr. Die Wester dürften hier den sicheren Sieger stellen, falls ihnen der Boden nichi zu fckiwer wird. Weitere Spiele: Charlottenburg II— Lichtenberg-Sportler I um 14 Uhr in Westend. Schmargendorf— Fichte I um 10 Uhr Seepark Charlottenburg. Nordost 96 II— Fichte I 2 um 15 Uhr Schönhauser Allee. ASC. II— Schönholz II um 9 Uhr in Baumschulenmeg, B-Plstz. Nordring III— Lichtenberg 2 II 9 Uhr Schönhauser Allee. Fichte 19 II— ASC. III 10% Uhr Schönhauser Alle«. Frauen: Fichte I— Schönholz 13 Uhr Scböichauscr Allee. Charlottenburg— Lichtenberg-Sportlerinnen 15% Uhr in Westend. Jugend: Nordost— Lichtenberg-Sportler um 14 Uhr Schönhauser Allee. Schmargendorf— Charlottenburg 9 Uhr Secpark. Fichte I— Schönholz um 12 Uhr Schönhauser Allee. V er einskalender. Touristcn-Vrnia„Dir Stahitftcunbe'. Abt. Prenzlauer Bcrq: Conntog, 2Z. März, Befichtigima der Eaimusstellling in irr Iohannissi>r. U— 13. Treffpunkt Kfli Ilhr Hochbahn Tanziaer Straße. Ilbr Bunter Abend in der Baracke Danziger Str. iL.— Photonemeinschast.- Montag, 26. März, 30 Uhr, Sdertnstr. 12. Die Wanbcrmappe wird fcrtia. Sportnerri» Sparta. Treffpunlt zum Waldlauf in Pctershagcn Sonntag 12 Uhr Koppen-, Ecke Madaistraßc. Berliner Ruderverei»„Freiheit", c. P. ffrritag- 22. März, 20 Uhr, im Bootshaus, Stralau, Tunnrlftr. 2K— 20. llahrteuaufetzuug zum Äurudern. Puderaerei»„Coliegia", Charlottenburg. ffreiiag, 22. März- 20 Uhr, Wie. landstr. i, bei Thnnak, Erscheinen der Ost für grauer, zurzei I und Jugendliche. 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Uhr: Neue Clrcu*- Aitraktionen I Zum SchluB; Die Hosen des Herrn v. Bredow SÄüaltißPf. Gr. Circnsprogr. Turnier akt aus Die Hosen des Herrn ron Bredow u. Ballettpantom.: dltildilljlid! Elddddl. mit Kinderbelustj n. Ceschenkvert Residenz-Theater TägL»>/, Uhr; Kein Polizelverbof Oskar Ebelsbacher in Sdiule der Liehe Frau. Sdittaik in 3 Utn, Pflr Jugendl. verb. Für Funbfiusih balh Ptsise Walhalla-Tli. Weinbergsweg 19/20 Täglich 8*1, Uhr Schwank in 3 Akten Jimnilliiba leinen Iciritt! Vorzeiger dieses zahlen für Parkett auch Sonntags statt 4,— Mk nur 60 PI. PlaBetariuni am Zoo IsrlSn;. Indiiiulbiln Slrjl Noll. 1578 16 und Wj Uhr Der Sternhimmel der Heimat 18 u. 21 Uhr im Reiebe der Mitternacblssonne Eintritt I M. 'iiniit ont. 11 Mn» d.9d Thalia-Theater Dresdner Str. 72/73 3 IL; Das Kamel seht dsidi das Hadeiihr, Reichshallen>T}iealer 8 Ulir, Sonnig, nachm. 3 Uhr. Das wundervolle Progr. der Steüiner Sänger nnchin. ermaß. Preise. 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Uthmann— Ludwig Lessen) Anütuu(Wilhelm Knöchel— Friedrich Muche) Gesangverein ,Typographiak-Berlin Dirmgu HÄVd�cÄ — 2522 StDiTn(O. Ad. Uthmann— Ludwig Lessen) Vogel lüleg' WO»er. Volkslied(A. V. Othegraven) ;-"523 wann Wir schreiten fAlfr. Outhmann— Hermann Claudius) Sonnlag am Bhein, Volkslied(R. Schumann) «bsuueb:: BeziigsgüM weist nadi Homophon-Company K. m.b.H..)u«L«r'.nenttr.?G8 \ H4 .......----- HO.MOCORD ELECTRO f f'. övHrjscl;" aufgwibm.nten�'.',: Bevor Sie MÖbol kaufen G.F.2 besichtigen Sie meine Ausstellung Zahiungserleichterung ohne Aufschlag, bei Kassa 50/o Etil SEJC EfltMi Tischlermeister ij v# WM« Sspiin K, Cbeu55eL5ir. CS