Morgenausgabe Rr. 141 A71 45. Jahrgang Böchentlich 70 Bfg., monatlid 3,-. Im poraus zahlbar. Boftbezug 3,72 m. einscht Bestellgeld, Auslandsabonne ment 5,50 m pro Monat. * Der Borwärts" erscheint wochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Der Abend", Illuftrierte Beilagen Bolt und Belt" und Kinderfreund" Ferner Interhaltung und Wissen", Frauen ftimme". Technit" Blid in die Bücherwelt" und Jugend- Vorwärts" Vorwärts Berliner Boltsblatt Freitag 23. März 1928 Groß- Berlin 10 Pt. Auswärts 15 Pf. Die et RIB Girige Ronparethezelle 80 Blennig Reflamezeile 5.- Reichs mart Kleine Anzeigen" das fettge brudte Bort 25 Bfennig( zuläffig gwel fettgedruckte Worte). jedes wettere Bort 12 Brennig Stellengesuche das erfte ort 15 Blennig. jedes weitere Work 10 Brennig Borte über 15 Buchstaben gablen für wei Worte Arbeitsmarkt Beile 60 Bfennig Familianzeigen füz Abonnenten Seite 40 Biennig Anzeigen annahme im Hauptgeschäft Linden fraße 3. wochentägi von 8 bis 17 Uhr. Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Tönhoff 292-297 Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts- Verlag G. m. b. H. Bostichedkonto: Berlin 37 536 Banffonto: Banf der Arbeiter, Angestellten und Beamten Wallstr. 65. Diskonto- Gesellschaft. Depofitentafle Lindenstr 8 Kein Platz für Wirth! Aber für Unternehmer.- Forderungen der Zentrumsindustriellen. Die Handels- und Industriebeiräte der von Wirth seinen Lesern auf der dritten Seite mit. Auf der Deutschen Zentrum spartei haben auf ihrer dritten Generalversammlung am Mittwoch beschlossen: ,, Die im Ingenieurhaus Berlin zu der diesjährigen Generalversammlung zusammengetretenen Handels- und Industriebeiräte der Deutschen Zentrumspartei erwarten mit aller Bestimmt. heit von der Partei, daß bei den jetzt stattfindenden Kandidatenaufstellungen zum Reichstag und zu den Landtagen mindestens ebensoviele Kandidaten aus Industrie- und Handelskreisen an ficherer Stelle aufgestellt werden, wie das in den letzten Parlamenten der Fall war. Im Interesse der Partei würden sie es für richtig haften, wenn es fich darüber hinaus ermöglichen ließe, weitere Persönlichkeiten aus diesen Kreisen in die Parlamente zu bringen, da die wirtschaftlichen Fragen in immer größerem Umfange in der Politik eine Rolle fpielen Der Zentrumsindustrielle ten Hompel hat diesen Beschluß erläutert: die Politik des Reichsarbeitsministeriums und der christlichen Gewerkschaften sei verfrüht, es sei nicht an der Zeit, die Arbeitszeit weiter zu verkürzen. Herr Lammers vom Reichsverband der Deutschen Industrie sprach das große Wort: es dürfe im Zentrum nicht die Zahl der hinter den Abgeordneten stehenden Wähler, sondern nur Die Stärke und Verantwortlichkeit jedes einzelnen für das Vaterland gelten. Ist die Stärke und Verantwortlichkeit des Mannes Wirth für das Baterland geringer als Stärke und Berantwortlich feit eines Industrielle n, dessen Stärte nach Mart und Pfennigen bemessen wird? Aus Birth spricht der leidenschaftliche Protest gegen die Wiederbelebung des Stände staates auf plutokratischer Ebene. Aus Lammers spricht die Ueberheblichkeit des auf die Millionen pochenden Unternehmers, der Bildungshochmut gegenüber dem Kulturwillen der Massen: ,, Wenn Stände und Berufe auf die Zahl der von ihnen vertretenen Wähler und der damit gegebenen Mandate pochen, dann werde auf die Dauer das geistig hochstehende Unternehmertum nicht mehr in den Reihen der Partel zu finden sein." Sehr schlechte Regie, daß die Zentrumsarbeiter zur gleichen Zeit die Abfägung Wirths und die Machtansprüche Der Zentrumsunternehmer erfahren! * Aber wie erfahren es die Zentrumsarbeiter? Gestern morgen las man in der Germania" die offizielle Nachricht ohne ein Wort weiter. Gestern abend entdeckte man in der Germania" eine Notiz 3ur Kandidaten frage". Sie enthielt den Beschluß der Zentrumsunter nehmer, ohne ein Wort weiter. Ohne ein Wort über Wirth. Der Deutsch e" von gestern abend teilt die Abfägung " ersten Seite lieft man, daß Herr Lammers eine bes grüßenswerte Rede gehalten habe, daß die Arbeiter fchaft gleichberechtigt und mit gleicher Berant wortung in die politische Front einzurücken habe. Nur dürfe sie nicht auf ihre Sahl pochen... Aber von der Entschließung der Zentrumsunternehmer erfahren die Leser des Deutschen", des Blatts der chriftlichen Gewerkschaften, fein Wort! Bedenken im Zentrum. Frankfurt a. M., 22. März.( Eigenbericht.) Die Rhein- Mainische Volkszeitung", das von dem Reichstagsabgeordneten Prof. Dessauer geleitete Frant furter Zentrumsblatt, schreibt: Was ist Pazifismus? Das Ziel die Verhütung des Krieges. Bon Rudolf Breitscheid. im Reichstag zu einem ,, pernünftigen Bazifismus" Der Reichswehrminister Groener hat sich vor kurzem bekannt. Das ist ihm von der Rechten, die ihn ohnehin nicht fonderlich liebt, sehr übelgenommen worden. Ein Wehrs minister, und noch dazu ein ehemaliger General, der nicht gegen den Pazifismus vom Leder zieht und ihm gar noch 3ugeständnisse macht, ist in ihren Augen eine Unmöglichkeit. Das Wort Pazifismus bleibt, wie das Organ des deutschnationalen Grafen Weft arp fagt, im Munde eines Wehrminifters eine sehr gefährliche Aeußerung wegen ihrer Rüc wirkung auf die Wehrmacht selbst. Groener habe, wenn auch unbeabsichtigt, eine Bewegung gefördert, die sogar für die Zukunft ein gerichtliches Einschreiten wegen Landesverrats verhindern wolle. Andere Blätter sind bereit, dem Angeschuldigten mildernde Umstände zuzubilligen, da er doch wenigstens für den Bau des Panzerfreuzers eingetreten sei. Aber auch ihnen ist der Mann verdächtig, der sich eines so bedenklichen Abweichens von der Dent- und Redeweise hochgestellter Offiziere schuldig gemacht hat. „ Das Badiste Zentrum hat mit der Aufstellung dieser Kandi datenliste eine schwere Verantwortung auf sich geladen. Man wird gewiß allerorts dafür Verständnis haben, daß die Wiederaufstellung der Kandidatur Dr. Wirths nach allem, was oorgegangen ist, dieses Mal auf besondere Schwierigkeiten stoßen Auch daß Herr Groener nur von einem gefunden und mürde. In Baden hat man ein ausgeprägtes Gefühl für stramme Bartelzucht, und ein so eigenwilliger Charafter wie Dr. Birth muß vernünftigen" Pazifismus gesprochen hat, vermag ihn nicht in Baden naturgemäß stärker anstoßen als anderswo. Trotzdem vollständig zu entlasten, obwohl doch diese Einschränkung hätte man erwarten dürfen, daß der Landesausschuß des badischen schließlich alle Auslegungen zuläßt und sich am Ende auch die Zentrums den Fall Wirth nicht nur nach den Regeln der Partei, Nationalisten und Militaristen auf den Standpunkt stellen, disziplin behandelt und entschieden hätte. Wir wollen auf daß Kriegsvorbereitungen nur den 3wed haben, den Frieden de fachlichen Hintergründe, die in der Frage des Reichsschulgesetzes den Konflikt Dr. Wirths mit der Partei bestimmten, an dieser Stelle nicht näher eingehen. Es sei nur festgestellt, daß er sich, von Einzelaftionen abgefehen, im ganzen von einem polttischen Weitblid leiten ließ, der durch den ergebnislofen Ausgang des Kampfes um das Schulgefez slagend bestätigt wurde. Was an Verstimmung und Verärgerung übrig geblieben war, hätte mit einem Blick auf das Ganze sicher ausgeräumt werden tönnen. Aber gerade der Blid auf das Ganze scheint dies Eine Persönlichkeit wie mal in Freiburg gefehlt zu haben. Dr. Birth ist sicherlich in ängftlich behüteten Parteigrenzen schwer zu halten, aber man sollte doch in Baden wiffen, daß der Ueberfluß an politischen Führerfiguren im Zentrum nicht so groß ist, daß man sich den Lurus erlauben fonnte, an sich wohl berechtigte, im Rahmen des Ganzen aber untergeordnete Erwägungen in den Bortergrund zu stellen. au sichern. Militärische Rüstungen und diplomatische Bündnisse sind doch immer mit der Behauptung gerechtfertigt wor den, daß sie die Aufrechterhaltung des Friedens gewährleisten follen, und wer das vielzitierte Wort gebraucht: Wenn du den Frieden willst, bereite den Krieg vor!, macht immerhin ehrlich oder unehrlich eine Verbeugung vor dem Friedens. gedanken, und kann sich, wenn es ihm gefällt, als einen„ vernünftigen" und gesunden" Pazifisten bezeichnen. Was aber ist, wenn wir von allen schmückenden und ent schuldigenden Beimorten absehen, der Sinn des Pazifismus überhaupt? Was Wort will doch nur eine Bolitik tennzeichnen, die grundsätzlich darauf abhebt, die Meinungsverschiedenheiten und Konflikte zwischen den Nationen auf friedlichem Wege zu bereinigen, und die gleichzeitig die Urfachen des Krieges, zu denen nicht zuletzt die militärischen Rüstungen gehören, aus der Welt zu schaffen. Der Pazifis mus hat ein ethisches Fundament. Er verurteilt die bluti. Hat sich das badische Zentrum überlegt, was es am Bor abend eines lo feweren Wahlganges bebeuten Tann, wenn man im ganzen Meich vor die Tatsache gestellt mird, dok für einen Mann wie Dr. Wirth auf der Kandidatenliste des badischen Pentrums fein Platz mehr ift? Urh will man ten Gernern biegen Auseinandersetzungen, die sich nach seiner Meinung Waffe in die Hand geben, daß möglicherweise in die neue Rentrums: fraftion tes Reichstages Fürst Löwenstein eingehen wird, während wirth vielleicht ausfcheiden muß? wahrhaftig, das bodische Pentrum war diesmal nicht gut beraten. Es bleibt zu hoffen, daß im Reich wieder gutgemacht werden kann, was in Baden verfäumt wurde." Madrid versöhnt sich mit Genf. Spaniens Bölferbundsrückkehr offiziell angefündigt. Genf, 22. März. Die Rüdfehr Spaniens in den Böllerbund hat nunmehr im Dölkerbund ihre erste offizielle Bestätigung gefunden. In der Kommission für Kinders huh teilte der Delegierte Spaniens, Don Pedro, aus Anlaß seiner Wahl zum Mitgliede des neuen Bölkerbundsinstituts für finematographische Erziehung mit, daß er' oeben ein Telegramm erhalten habe, daß die Madrider Regierung den Beschluß gefaßt habe, ihre Mitarbeit am Bölkerbund weiter fortzusehen. Wahlvorspiel im Saargebiet. Sonntag Neuwahl des Landesrats. Saarbrüden, 22. März.( Eigenbericht.) Am Sonntag wird der Landesrat des Saargebiets zum britten Male neugewählt. Er ist lediglich eine begutachtende Inflanz für die Regierungsfommission. Die Neuwahl war bereits im vorigen Jahre fällig, wurde vor der Regierungsfominuifion aber peri hoben, weil angeblich über das Saatrüd gliederungs problem verhandelt wurde. In Wirklichkeit versteckte sich hinter diesem Aufschub die Wahl angst der bürgerlichen Bar. telen, die einen Linferud, schärfer noch als bei den Wahlen von 1924, befürchten. Dieses Versteckspiel hat die Sozialdemokratische Partei vor Monaten durch einen Antrag en die Regierungskom mission, nun endlich die Landesratswahlen auszuschreiben, durch freuzt. Das Dasein des Landesrats als Scheinparlament ift nicht geeignet gewefen, eine große Wahlbegeisterung zu wecken. In folgedessen macht sich namentlich beim Bürgertum neben der Wahl angst auch starke Wahlmüdigkeit und Wahllauheit bemerkbar. Dagegen darf die Sozialdemokratie, die unter der Barole 3urüd zum Reich und wirtschaftlicher Wiederaufstieg der Saar!" fämpft, sowohl gute Versammlungen wie auch zuversicht liche Stimmung ihrer Wählermassen buchen. Sowjetbureaukratie. Bei einer Revision, die das Bolfstemmissariat der Arbeiter und Bauerninspektion in der Kreislandschaftskommission von Witebst vornahm, wurde festgestellt, daß eine von 500 Bauern bereits 1918 eingereichte Beldaverde bisher immer noch nicht erledigt worden ist. In der Somjetpreffe wird jetzt gegen die bureau. fratische Erstarrung des Sowjetappurats ge schrieben. nicht aus der Natur der Menschen ergeben und die nicht sozusagen als gottgewollt anzuerkennen sind. Aber er hat weder etwas mit persönlicher Feigheit und Heulmeierei, noch mit einer mangelhaft ausgebildeten Baterlandsliebe zu tun. Er sieht nur in dem Mut der Waffen nicht das Menschheitsideal, und er ist überzeugt, der eigenen Nation am besten zu bienen, wenn er ihr mit Hilfe internationaler Abmachungen die Not und die Grausamkeit des Krieges erspart. In diesem Sinne ist die auswärtige Politik der deutschen Republik, im Großen gesehen, pazifistisch. Wir mögen ihr im einzelnen Unflarheiten und Unschlüssigkeiten zum Vorwurf machen, wir mögen ihr nachsagen, daß ihre Worte und ihre Handlungen sich nicht immer decken, aber sie hat sich doch auf eine Bahn begeben, an deren Ziel die Verhütung des Krieges steht. Deutschland ist in den Böllerbund eingetreten, dessen Mitglieder, wie es im Statut heißt, bestimmte Verpflichtungen übernehmen, nicht zum Kriege zu schreiten. Es hat die Lücken der Völkerbundsfagung wenigstens zum Teil durch Schiedsverträge mit einer ganzen Reihe von Staaten ausgefüllt. Es hat den LocarnoPart unterzeichnet, in dem sich Deutschland, Belgien und Frankreich gegenseitig verpflichten, in feinem Fall zu einem Angriff oder zu einem Einfall oder zum Kriege gegeneinander zu schreiten. Es bemüht sich zusammen mit den anderen Mächten, die allgemeine Sicherheit durch Berbesse. rung des Systems und der Methoden der Kriegsverhütung zu erhöhen. Gewiß fann man einwenden, das alles fei nicht oder nicht nur aus moralischen, fondern aus sehr praktischen Rücksichten geschehen, und die Tugend sei aus der Not geboren. Aber die Motive können beiseite bleiben: in Wirklichkeit ist Pazifismus getrieben wor den, und zu ihm haben auch die Deutschnattonalen, als sie in die Bürgerblodregierung eintraten, zum mindesten ein Lippenbekenntnis abgelegt. Mehr als das: die Deutschnationalen begrüßen die amerifanische Anregung zu einem internationalen Abkommen, Deutschnationale Methoden. Hetze gege« Preußen, aber Versagen, wen« es ernst wird. fct ds« sich dle Mächte verpfNchlen sollen, den Kneg ako Mittel der auswärtigen Politik auszuschalten. Der Krieg soll dadurch verfemt und geächtet werden. Sie sitzen ferner in einer Regierung, deren Vertreter in der Ab- rüstungskommisswn zu Genf die radikalen Ab» rüftungsoorfchläge Sowjetrußlands unter- stützt. Kann man den Krieg verfemen und die Möglichkeiten zur Kriegführung beseitigen wallen und sich zur gleichen Zeit gegen diejenigen wenden, die dem Pazifismus das Wort reden? Hier liegt ein Widerspruch vor, der sich auch durch den Hinweis auf die Notwendigkeit der Verteidigung nicht auf- klären läßt. Ganz abgesehen davon, daß sich noch bei jedem Kriegsausbruch jeder der Beteiligten als der Angegriffene gefühlt oder wenigstens ausgegeben hat, laufen die Desire- Hungen des Pazifismus doch darauf hinaus, es nicht zur An- wendung von Waffengewalt kommen zu lassen und Ga- rantien aller Art gegen einen Kriegsausbruch zu schaffen. Wenn trotzdem die Flut in irgendeinem Fall den Damm zer- reißen sollte, so wird die Wirksamkeit der Verteidigung in erster Linie nicht mehr von den Kräften des einzelnen Staates abhängen, sondern von der Haltung der übrigen Mächte, deren Schicksal durch jeden Krieg mit auf das Spiel gefetzt wird. Rüstungen bedeuten daher wenig, noch weniger aber bramarbasierende Redensarten, daß das Heer, so klein es auch fei, sich zum Kriege vorbereite und in dieser Vordem- tung seinen Daseinszweck erblicke. Das olles sollte den Deutschnationalen bewußt sein und ist ihnen vielleicht auch bewußt. Aber es entspricht ihrer Doppelzüngigkeit und Zwiespältigkeit, daß sie auf der einen Seite die pazistftische Politik mitmachen und auf der anderen doch die Schlagworte nicht entbehren wollen, die sie für ihre Agitation im Land« gebrauchen. Welche verhängnisvollen Folgsu daraus für die außenpolitische Stellung Deutschlands erwachsen, ist zur Genüge bekannt. Freilich, das eine muß in diesem Ausammenhange auch noch gesagt werden. Jeder militärische Apparat wird, in welchem Lande es auch sei, immer in einem gewissen Gegen- satz zu einer auf die Erhaltung des Friedens gerichteten Politik stehen. Für ihn ist in der Tat Kriegführung letzte und höchste Aufgabe. Deshalb ist die allgemeine Ab- r ü st u n g eine der wesentlichsten Voraussetzungen für das reibungslose Funktionieren einer Maschinerie, die den Krieg durch eine friedliche Erledigung des Streits ersetzen will. So- lange aber dieses Ziel nicht erreicht ist, muß alles geschehen, nm die Beeinflussung der Führung der Staatsgeschäfte durch die Wehrmacht zu verhindern und jeden Versuch selbständiger in die Politik hinübergreifender Unternehmungen zu unter- drücken. Um diese Notwendigkeit kommt auch der nicht Kerum, der dem Pazifismus nur in setner durch die„Der- mmst" gemilderten Form huldigen will. Folgen des Bürgerölock-Giats. Wie wird der Etat für-tWS aussehen? Per HruptauvschvK d»s Reich»tag» beriet«m Satuucatag m Morgen- und Abendsitzung den Hausholl der all- gemellw« YinanzoerVoluwg. Der Cpfbnlsntu» des Finonzminist«» Dr. Köhler ilber die Aussichten des Etats für lS?S wurde von Gozlaldemokrat«» und .Demokwtsn stark kritisiert. Genosse Hilkerding führte aus. �aß die Schätzung des Reichsrots, doh für den nächsten Stat 700 Millionen Mehrausgaben entstehen würden, ihm noch zu günstig erschein«, deshalb sei unbedingte Klarheit in der Etats- Aufstellung geboten. Finanzminister Köhler antwortete, es werde am nächsten Reichstag liegen, ob die von ihm angenommenen Mehrein- nahmen imaginär bleiben würden. Di« weitere Beratung wurde auf Freitag vertagt. Oie Schlußarbeit des Reichstags. D« Zleltestenrat des Reichstages ist zu einer Sitzung auf Freitag vormittag einberufen wordsn. In der der im-K vorliegend« Arbattsstoff» ert« ilt«erden soll. Insbesondere soll darüber entschieden werden, welche Dorlagen außer dem Rotprogramm noch bis zum Schluß der Tagung am Zt. März erledigt werden sollen. In dieser Sitzung wird auch darüber entschieden werden, ob n«h die Möglichkeit besteht,»inen Gesetzentwurf gegen die Splitterparteien zu oerabschieden. Wie wir au» pari«. mentarischen Kreisen hören, besteht bei mehreren große» Parteien kein« Neigung mehr, eine solch« Vorlag« noch in Angriff zu nehmen. Schulz und Genossen. Lleberführung ins Zuchthaus. Wie»«. erfährt, werden in der nächsten Woche die im Falle Milms Verurteilten, nämlich Oberleutnant Schulz, Oberleutnant Fuhrmann, die von der preußischen Regierung zu lebenslöng- üchem Zuchthau» begnadigt worden sind, sowie Klapproth und Um hofer in» Zuchthaus übergeführt werden. Oberleutnant Schulz wird im Zuchthaus zu Vrandenburg untergebracht werben, während Oberleutnant Fuhrmann vermutlich nach Sonnonburg kommen wird. Ueber den Bestimmungsort der beiden anderen Be» gnadigten liegen nach keine näheren Dispositionen vor. Di« li ier- bringung im Zuchthaus erfolgt jetzt, nachdem die Begnadigung rechts- kräftig geworden und von der preußischen Regierung dem Präsi- denten des Strofovllzugsamtes schriftlich mitgeteilt worden ist. Gegen die Landflucht. Anaahme einer sozialdemokratischen Entschließung. D« Reichstagsallsschuß für verkehrsangÄegenhelten nahm folgende sozialdemokratische Entschließung m« 1. Di« Reicher egierung wird ersucht, unverzüglich Maßnahmen zu«greif»», um der katastrophalen Landflucht der deutschen Land- erbiller und ihrer Verdrängung durch a uslä»difch« W a n d e r. arbeit er mittels Verbesserung d«r Lohn-, Wohnungs. und Ar. beitsoerhältnisse für di« emhvlmifch« Laadarbeiterfchasi entgegen, zuwkrke». S. Außerdem wird die Reick) sregierung ersucht, mwerzüglich mit d« Reichseisenbahngesellschasi in Verbindung zu treten, um eine Frachtverbilligung für die für Siedlerbauten be- stimmt«, Baumaterialien harbeizuführ«« Im Landtag gab es am Donnerstag eine Wiederholung der Zlgrardebatte vom Vortage. Die Deutschnationalen versuchten noch einmal, gestern durch den Abg. M i l b e r g ihre Aufhetzung de» Landvolkes gegen die Stadt und den Staat parla- mentarisch zu vertreten. Aber die deutschnationale Lügenhetze ist bereits am Zusammenbrechen. Vertreter aller Parteien, von dem Volksparteiker Heidt über den Zentrumsmann I a t o b i- Roff- auf und den Demokraten H o f f bis zu unserem Genossen Peters- Hochdonn wiescn den Deutschnationalen nach, daß jede einzelne ihrer taksächlichen Angaben unwahr ist, nur dazu bestimmt, den Van- krvtt der Deutschnationaleu in der Reichsregierung, ins. besondere das völlige Versagen des Reichsernkihrungsministers Schiele zu verdecken. Uebercinstimmend stellten alle Redner fest, daß die Deutschnationaleu auch nicht den geringsten Dorschlag ge> macht haben, wie man vau Preußen aus der l�nd Wirtschaft besser Helsen könne als bisher, und daß die verbrecherische Aufhetzung der Landbevölkerung durch den Landbund lediglich deutsch, nationale Dahlmache ist. Es folgte die zweite Lesung der neuen Geschäft sord» » u n g. Der Gefchüftsordnungsausschuß hat in sehr langor und sorgfältiger Arbeit alle Streitfragen nochgeprüft, die sich während der jetzigen Legislaturperiode des Landtages ergeben haben und in allen diesen Fragen klar« Entscheidungen gesucht. Es handelt sich dabei um eine sehr fleißige Detailarbeit, um die sich besonders der Berichterstoller Genosse Leinert sehr verdient gemacht hat, aber nicht um Entschejdungen von groß« politischer Tragweite. Nur die Deutsche Volkspartei versucht«, auch noch aus den Ge- fchästsortmungsfragen Wohlmaterial und Rschrfeatigung für ihre „Arm in Arm mii der Klassenjustiz." Kommunisten gsgeu Komumnisieu. Man liest im Suhler„Vo l k s w i l l e� bewegliche Klagen darüber, daß die Zentrale der KPD.«mit Hilfe der bürgerlichen Klassenjustiz dazu übergegangen ist, den Suhler „Volkswille" zu vernichten". „Ohne erst mit der G«schästsl«ituug des„DoSswllle" zu ver- handeln. Hagelten nur so dt« Zahlungsbefehl«. Mit der Gefchästsleitung ließ man sich auf nichts ein. Di« Reben- inftanzand« kommunistischen Zentral«. wiePeuvag.St«rn. druckerei. Prasse- und Bilderdienst, Rot« Hilfe- Organisation, ließen sich auf nichts ein und wurden die Gegenforderungen, die die Derlagsgenossenschast„Volks- will«" an die Zentrale hatte,, von keiner Instanz aner- taunt. Mit Recht sagte der Verteidiger der Derlagszenossenschast „volkswille", daß es den Instanzen der kommunistischen Zentral« ja auch gar nicht auf das Geld ankomme, sondern vielmehr auf den völligen Ruin des Geschäftes. Der Zweck der Zentral« ist ja nur zu durchsichtig. In einem Termin fiel daher mit Recht der Ausdruck, daß man es hier mit einer Wuchergesellschaft ersten Ranges zu tun habe." Kommunistische Einheitsfront i „Landesverrat." Der technische Betriebsleiter für de« Inhalt der Zeitung Hastbarl Dresden. 22. März. fEigenbericht.) Im August 1S2ö hatte die„Dresdener Dollszeitung" unter der Uebsrschrist„Deutschland und dar Völkerbund" einen Ar- tik«l v«röst«ntlrcht, der sich im allgemeinen mit der Frag« der Eni- w a f f n u n g befaßte und Ausführungen enthielt, die sich vor allem auch auf Fo rti f i ka ti o« en der Festung Königsberg bezogen. Durch jenen Artikel sollte noch Auffassung der Staats- anwaltschajt der Tatbestand des Landesverrats erfüllt fein. 5m Verlauf des eingeleiteten Verfahrens ergab sich, ix ß der als ver» antwortlich zeichnende Redakteur H e i l b u t zur Zeit der Veröffent- lichung des Artikels in Urlaub war und infolgedessen nicht be- langt werden konnte. Die Slaatsonwaltfchast hielt sich nunmehr an den Verlag, und da auch dessen Gcschäftssührer damals verreist war. erhob man schließlich Anklage gegen den technischen Betrieb»- leiterSchalle.derals Vertreter des Geschäftsführers galt, aber keinerlei Kenntnis von der Veröffentlichung, von dem Inhal» des Jmpressmns und von der Abwesenheit des Redakteurs gehab» hat. Schalle stand am 5. Januar d. 5. wegen vergehen, gegen Z 21 des Pressegesetze» vor dem Dresden« Gemeinsamen Schöffeagericht. Di« Verhandlung, zu der als Dachverständiger der jetzig« Major Ott vom Reich Rvehrministerüun zugezogen war. wurde geheim geführt. 5m Sinne der Anklage, und zwar unter Annahme«ine» fahrlässigen Verschuldens, wurde der Angeklagre schlreßlich zu der hohen Strafe von 2000 Mark verurteil». Gegen das Urteil legte Schall« Berufung«in, über die am Donnerstag das Landgericht Dseadan zu»erhandeln hatte. Schall» Politik zu schlagen. Sie vertraten in allem Ernst die Forderung, da der vom Parlament gewählle Ministerpräsident noch eines aus- drückllchen Vertrauensvotums bedürfe, um amtieren zu können. Und sie blieben dabei, daß bei der Zusammensetzung dar Ausschüsse durch die Fraktionen auch die überschießenden Bruchteile vertneten sein müßten, glücklicherweise nicht durch Zerstückelung einzeln« Ad- geordneter, sondern durch Verschiebung der Bruchteile von einem Ausschuß in den nächste.., bis ein voller Abgeordneter zusammen- käme. Sie redeten stundenlang über die großen Brüche, aber es war nur großer Bruch. Immerhin erreichten sie, daß die Gc- schästsordrnmg heute nicht mehr DOllstandig erledigt wurde. Der Landtag vertagte sich auf Montag, damit mzmischen der Hauptrmsschuß noch die restlichen Besokdungogesetzc(Boltsschul- lehrer, Millelschullehrer. Gewerbe, und Handelsschullehrer) er- ledigen kann. Am Montag beginnt die drille Lesung des Etats. ?lußerd«n stehen landwirtschaftliche M eli o ra t i o n s> k redit« und die Sapitalerhöhung der Preußen- kasse auf der Tagesordnung. Dies» Dorlagen sind gegenwärtiq noch im Staatsrat und werden erst am Frellag an den Landtag ge- langer». Die Rechtsparteien erhoben deshalb gegen ihre Bc- ratung Einspruch, ab« die Mehrheit der Regierungsparteien wies ihn zurück. Immerhin nierden es sich die Regicrungsparleieo über. legen müssen, ob sie die rund ISO Millionen hilsskccdlte für die Landwirkschaff, um die es sich handelt,«irklich mit Gewalt gegen die Rechtsparteien durchsehen müssen od« ob sie nicht viel Hess« den Deuksthuakionalcn die Verantwortung dafür überlassen, daß diese Hisse für die Landwirtschaft erst vom neuen Landtag beschlossen werden kann. bezeichnete stch abermals als schuldlos und stellte auch die Fahrlässigkeit in Abrede. Wie oi erster Instanz fungiert« Ott als Vach- vtfständiger. Er vertrat wiederum die Meinung, daß der fraglich« Artikel, der Übrigen» falsch« Angaben ertthaSen haben soll, geeignet gewesen sei, dem Reich Nachteil« zuzufügen. Konkret« Nachweis« der Wirkung des Artikels hatte er allerdingo nicht, doch führte er gewisse Schwierigkeiten im Verlauf von Verhandlungen mll der Interalliierten Mllitärlommlfsion mit auf die Beroffentlichimg zurück. Dom Verteidiger des Angeklagten wurde de? Dorwuri auch eines versuchten Landesverrat» zurückgrmiesen, ebenso der eines fahr. lässigen B«»haltens durch den Beschuldigten. Da» Gericht hielt je- doch für erwiesen, daß der Artikel den Tatbestand des versuchten Landesverrats erfüllt. Schalle hinsichtlich des Impressums fahrlässiz gehandelt und sich damit«me« Vergehens gegen den§ 21 des Pressegesetzes schuldig gemacht hat. Die Berufung des Angeklagten wurde infolgedessen verwaisen! politische Bilduug. Internstwnale Koasereuz politischer DUdvngsanstalten. Dl« erst« internationale Konferenz politisckier Vildungeanstalten trat in Berlin zusammen. Profsssor Dr. Jä ckh von der Deutschen Hochschule für Politik stellte fest. daß die politische»! Bildungsanstalten von neun Ländern vertreten sind, von Deutschland, England. Frankreich, Holland, Italien, Oesterreich, Polen. Schweiz, Vereinigt« Staaten. Mll dieser Kon- ferenz beginne die pädagogisch« Auswertung der Politik oss an- gewandt« Wissenschaft. Professar Dr. Lichoir« vom Pariser Löllerbundsiirstitut der geistig«« Zusammenarbeit betonte, In der Politkk gäbe es gegen internatioiwl« Zusammenarbell vielsach die Opposition des bösen Willen»; auf wisienschafllvchen G.-bieien wenigsten» fall« dieses Hemmnis intenurtümaler Gemeinfchastsarbell fort. Er arbellet für ein« Zukunft, in der die heranwachsenden Politiker, Dsrwaltungsbeamten, Journalisten der verschiedensten Länder«uen Teil Ihrer Ausbildungszell bei anderen Notionen ver- bringsn. Staateminister Prvkessor Dr. Becker begrüßte die Kon* serenz im Namen der preußischen und der Retchsregierung. Die Konferenz wird«lloa drei Tag« dauern. Waffenfunöe beim Wiking. Das Ergebais der Mimchener Llntersuchung. Vlünch-n, 22. März.(Eigenbericht.) Infolge der in den letzten zehn lagen in Bayern vorgenom- menen Haussuchungen bei Mitgliedern des Bunde» Wiking sind die»Vaterländischen Verbände" aller Schattierungen gegen di« bayerisch« Regierung Sturm gelausen. Jetzt wird von der Staatsanwaltschaft München der Sachverhalt dieser Haussuchungen bekanntgegeben und mllgeteilt. daß sie wegen des dringenden Zier- dachte, daß de? Bund Wiking in Bayern über geheime Waffenlager verfüge, durchgeführt wurden und in der Tat an verschiedenen Plätzen auch Waffen beschlagnahmt wurden. Insgesamt wurden bei 8t in Bayern wohnhaften Wikingleut» Durchsuchungen oorgtiumunen. Regierungswimvarr in Bayern. Die Koalition völlig zerfallen. München. 22 März.(Eigenbericht.) Di« Beratung der bayerischen Bemntenbesoldungevvrlage, di« wegen der unmittelbar bevorstehenden Wahlen zum Landtag inner- halb der Regierungokoalition eine heitlos« Verwirrung verursacht hat, steht vor einem überraschenden Abschluß. Unter Führung der Bayerischen Volkspartei und ihrer Regierung wurde am Donners- tag dem zur Beratung versammelten Besoldungsaueschuß«in Antrag vorgelegt, der die sofortige unoernnndert« En-bloc.2ln« nahm« der Regierungsvorlage verlangt. Der Bauernbund lehnte trotz seiner Zugehörigkell zur Regierung die Unterschrift ob, während sänllliche bürgerlichen Oppositionsparteien einschließlich der Hitler-Lente den Antrag mitunterzeichneten. Der Zerfall der immer noch bestehenden Reglerungskoalition ist bannt ougen- schetnlkch geworden. Sachlich steht der Anttotz im Widerspruch zu d»r Der. s c f s u« ff und d« Seschäftsordmmg de» Landtages, ds»r die Bs- rutungs Pflicht»an Gefetzervorlagen und Mb Mügsichkell einer An- tvagstellung verhindert. Trotzdem wurde der Antrag von einer buntscheckigen Mehrhell des Aurschusses gegen Sozialdemokraten, Kommunisten und Bauernbvnd angenommen, so daß in der Frei- togsitzung die En.bloc-Annahme der Regierungsvorlage gesichert er« scheint. Ob sich unter diesen Umständen der Minister des Bauern- bundes, F e h r, noch lange im Kabinett Held wird halten können. ist jetzt sehr zweifclhast geworden. Da Fehr sich im Auftrage seiner Partei weigert, aus dem Zerfall der Koalllion die parlamentarischen Konsequenzen zu ziehen und selbst zurückzutreten, kann er formal nach der Verfassung nur durch ein angenommenes Mißtrauens- vvtum im Landtag von seinem Platz entfernt werden. Dieses Mißtrauensvotum einzubringen, scheut sich aber die Bayerische Bollspartet, da von den Deutschnattonalen auf eine sofortige Er- Weiterung der Regierung nach Rechts unter Hereinnahme der BöKischen gedrängt wird. Zu einer solchen Belastungsprobe hat aber Me Bayerische SoHepartet angesichts der Wahlen und der Ltimmung auf dem Land» keinen Mut. Joseph Wirih und seine Zenirumsbrüder. -4 Und sie warfen Joseph in eine Grube... Litwinows Antwort an Cushendun Oer russische Plan als Vorwand für neue Verschleppungsversuche. Gms. 23. März.(Eigenbericht.) L i t w i n o w S Antwort aus die Debatte über den russischen Abrüstungsvorschlog grisf die drei Hauptargumente gegen sich heraus und zerpflückte sie in geschickter, um nicht zu sagen gcrisiener Weise. Aus die Anzweiflungen der Ehrlichkeit des russischen Vorschlages er» widerte er. den Einfall der Bolschewisten in Georgien prompt ver- gesiond, daß Sowjetruhland sich seit seinem Bestehen in keinen Angriffskrieg und auch an keiner bewaffneten Intervention wie z. B. die britische Flotte in China beteiligt habe. Es wünsche nichts ehrsicher, als daß die Menschen nicht mehr dem Moloch Krieg geopfert würden. Sowjetrußland habe als erstes Land im Weltkrieg Frieden geschlosien. Es habe den sich gegen Rußland wendenden Alliierten, zu denen England gehörte, den Frieden angeboten. Schon 1922 habe es in Genua die allgemeine End. waffnung vorgeschlagen. Daß Rußland erst setzt an der Abrüstungs» kommtssion teilnehme, sei Schuld des Völkerbundes, der es nicht eher eingeladen Habs. Die Frage, ob England aus schierer Frieden» Nebe hier sei, wolle er höflicherweis» nicht erörtern. Au dem Argu- ment, daß die Dotalabrüstung außerhalb des Rahmens d« Arbeit der Kommisston sieg« und sogar dem Völkerbundspakt wider» spreche, meinte Litwinow, es gab« keine größere Entwertung der Sabotage des Völkerbundes. als dies zu behaupten, und die Dölkerbundsverpflichtungen als Hindernis für die Abrüstung auszulegen, wie es Positi» und andere getan hätten. Sowjetrußlond stünde nicht allein mit der Ansicht, daß es sich den Verpflichtungen und den Entscheidungen de? Völkerbundes nicht unbedingt unterwerfen tönne. Auch die Vereinigten Staaten beteiligten sich an der Zlbrüstungs» arbeit, ohne sich damit dem Völkerbund zu unterwerfen. Sehr aggressiv äußerte sich Litwiiww zu der Frage des Bürgerkrieges bzw. den Befürchtungen, daß die vollstäudige Entwaffnung zu Revolutionen führen würde. Er zitierte Mac» donald, um damit zu beweisen, daß ein früherer englischer Premierminister nunmehr den Sinojewbrief für falsch erkannt habe und damit anerkannte, daß die russische Regierung zu Unrecht beschuldigt worden sei. Im übrigen sei Rußland nicht eingeladen worden, um«in« Konvention gegen den Bürgerkeieg auszuarbeiten, sondern um die Abrüstung der Heere vorzunehmen. Er wüßte nicht, was der Italiener damit meine, wenn er erst die soziale und wirtschaftliche Lebenssähigkest der Nationen sichergestellt haben wolle, ehe man zur Abrüstung schreiten könne. Vielleicht aber meine er dannt, daß die letzten Friedensverträge ungerecht seien und revidiert werden müßten. Wenn der holländische und der pol- Nische Delegierte behaupten, nach Abschaffung der Heer« würden die Völker mit Messern und Revolvern aufeinander losgehen, so bedauere er, daß sie von ihren Bevölkerungen eine so schlechte Meinung hätten. Bei der Zurückweisung einzelner Einwände der verschiedenen Redner wies Litwinow darauf hin, daß man Deutschland trotz seiner großen Kriegsindustrie in drei Iahren vollständig entwaffnet habe. Es müßt« also möglich sein, eine allgemeine Entwaffnung in vier Iahren zu vollziehen. Dem Engländer«nt- gegnet« er auf dessen Vemertunz, daß die englische Polizei nur mit Knüppeln bewaffnet sei, daß in Irland und bei dem Generalstreik dre Polizei mit Karabinern und Maschinen- gewehren, aber nicht mit Verstand bewaffnet gewesen sei. Im übrigen erklärt» er sich bereit, alle technischen Einzelheiten durchzuberaton und eventuell zu ändern, wenn sie sich als fach' sich schlecht erwiesen. Aber Rußland beflehe auf einer Entscheidung darüber, ob da» Vrtnzlp der allgewelnea vollständigen Entwaffnung den Arbeiten zugrundegrlegt werden solle oder nicht. Wenn den Regierungen die vollständige Entwaffnung ein ferne» unerreichbares Ideal und also unannehmbar erschem«, dann sei alle weitere Diskussion überflüssig. Nachdem Litwinow gesprocheni hatte, versucht» der sranzöstsch« Delegierte T l a u z e l den schon von Politis am Mittwach gemochten Vorschlag schmackhaft zu machen, den russischen Abrüstungsplon und den eigenen Entwurf der Kommisston den Regierungen zur Aeußerung zu übersenden. Die Kommission solle sich sofort vertagen(!), aber die französisch« Delegation würde es für wünschenswert halten, wenn sie noch vor der nächsten Völker- bundsoersammlung Stellung zu dem Entwurf der Regierungen nähme. Graf Bernstor ff trat den Bestrebungen sofort, nicht nur den russischen Entwurf, sondern auch den Entwurf der Kam- Mission bis auf weiteres verschwinden zu lassen, entgegen, Indem er betonte, daß der eigene Entwurf der Kommission noch gar nicht zur Debatte gestellt sei und daß man zu ihm noch in dieser Tagung sehr viel zu sagen habe. Der Vorsitzend« will am Freitag früh eine Resolution über den russischen Vorschlag fassen lassen. Dabei sind scharfe Kämpf« zwischen Anhängern und Gegnern zu erwarten. Die Russen dürften auf ein« prinzipielle Abstimmung über ihren Vorschlag bestehen. Preußenkassengesetz im Giaatsrat.' Zdegierungsvorschläge angenommen. In der gestrigen Sitzung des preußischen Staatsrates kmn ein Gutachten zur Annahme, dos die Reorganisation der Preußenkosie entsprechend den Dorschlägen der preußischen Regierung emp- fiehlt. Es wurde Ttnr offengelassen, ab die vorgesehene Kapital- erhöhung um 139 Millionen Mark nicht teilweise und vorläufig durch Inanspruchnahme billiger Kredit« ersetzt werden soll. Auch der Staatsrat ist der Meinung, daß von der Preußenkosie ein starker Druck auf die Genosienschoftsverbänd« dahin auszuüben ist. daß die Revtfions- und Kontrollmoßnahmen ausgebaut werden. Landeshauptmann der Grenzmark Posen— Ostpreußen, Genosse Gafpari, fand es angesichts der Milliardenverschuldung der Ge- nosienschaften bei der Preußenkasse und der vielfach unfachlichen Kredüge wohruu.g an Großagrarier begreiflich, daß die Rechts» Parteien an einer intensiven Nachprüfung von zentraler Sei» kein Interesse haben, denn der Nimbus würde sicher zerstört, der heute noch um gewisse Gcnosienschaften schwebe. Daß Preußen mit diesem Gesetz und der Kopitalerhöhung um 139 Millionen die Interessen der Landwirtschaft nachdrücklich fördere, sei ein Beweis fitt die Verlogenheit der Agitation gegen die preußische Staatsregierung, die angeblich landwirtschoftefeindlich sei. De? gegenwärtige Leiter der Preußenkasi«, Rechtsanwalt Klepper, unterstrich als Vertreter der Staatsregierung dre Notwendigkeit, daß sich die neugebildet« land- und betriebswirt» schaftlich« Zlbteilung der Preußenkosie über die Kreditunterlagen der bei der Preußenkosie verschuldeten Kreditnehmer orientjert. Wo in den Genosienschosten sich ein grundsätzlicher Widerstand gegen die Durchführung der Kontrvllmaßnahmen zeigen sollte, könne die preußische Regierung nicht daran denken, auf diese Mahnohmen zu verzichten. Die Widerstände gegen dlese Kon- trolle seien übertrieben; mit den ostpreußischen Genossenschaften sei eine allgemeine Verständigung bereits herbeigeführt, und mit den vommerschen Genossenschaften werde mit Erfolg verhandelt. Wenn die in der Vergangenheit gemachten Fehler vermieden werden sollen, so müsse die Preußenkasi« selbst beim letzten Kreditnehmer die Möz- lichkeit haben, die Verwendung der Kredit« selbst nachzuprüfen. Oie polnische Grenzschuhverorduung. Von den Sozialisten stark bekämpft. Warschau. 22. März.(Eigenbericht.) Der Protest des sozialistischen.M o b o t n i k" gegen die Grenz- schutzverordnung hat ihm bereits von mehreren der Regierung nahe- stehenden Blättern den Vorwurf eingebracht, die polnischen Sozia- listen seien handlanger Verlins geworden; erst hätten sie mit den deutschen Sozialisten Polens«in Wohlbündnis geschlosien. jetzt wür- den sie Strefemann zu der Darstellung verhelfen, Polen hätte An- laß zum Abbruch der Verhandlungen über einen Handelsvertrag gegeben. Am Donnerstag stellte der.Ltobotuit' trotzdem nachmals sest, daß die Lage der Ausländer im Grenzgebiet durch die neue Verordnung unerträglich geworden sei. Sie könnten jetzt wegen geringer vergehen ausgewiesen und enteignet werden. Diese Rechtsunsicherheit werde durch die bestehenden Voll- machten der Wojwoden noch erhöht.„Es unterliegt keinem Zweifel", fg erklärt das Blatt wörtlich,„daß diese Beschränkungen den w i r t- „ i chaftlichen Austausch zwischen Deutschland und Palen be- deutend beeinträchtigen. Jedenfalls find wir der Ansicht. daß die polnisch« Regierung die deutsch« durch die neue Verord» nung unnötig gereizt hat und daß Polen ohne don ge- ringsten Schaden für die Sicherheit seiner Grenz« den deutschen Forderungen hinsichtlich de« Grenzschutzgefetzes durchaus»nt- gegenkommen kann, zumal Vertreter der polnischen Regierung sich dazu bereit erklärt haben sollen. Wir haben den Gindruck, daß die neue Verordnung als Rache für die Verzögerung der Vorhand- lungeu durch die deutsch« Regierung gedacht war." <Ä»wnders Entscheidung gegen das Hehlied. Salto wiß, 23. März. Die hiesige» Zeitungen veröffentlichen heute die Stellungnahme des Präsidenten Calonder von der Gemischten Kommission für Ober- schlesien in der Beschwerdesache des DeutschenVolksbundes. Es handelt sich darum, daß deutsch« Schuflinder zum Mitsingen des antideutschen Liedes„Rata" gezwungen worden waren. In den rechtlichen Erwägungen wird ausgeführt, daß es mit dem Geist der Genfer Konvention unvereinbar fei, in den Schulen Oderschlesiens Gesänge anzuordnen oder zu dulden, die gegen das Volkstum des einen Teiles der Bevölkerung Feindschaft. Haß oder Verachtung zum Ausdruck bringen. Dies er- gebe sich aus den Bestimmungen der Artikel 78 und 133 der Genfer Konvention; deshalb wird!>:« Beschwerde des Deutschen Volksbundes für begründet erachtet und die zuständige Behörde ersucht, an die Schufleitung die Weisung zu ortetlett, das Singen der.Ftota" in den Schulen Polnisch-Oberschlestens zu untersagen. Diese Entscheidung geht über den Antrag des Deutschen Volksbundes hinaus, der nur ein Verbot für die Minderheftenschulen bean- tragt hatte._ Oie Kestung Lüiiich. !i watkiz. mild, leichie llldlich- Winde.— Rach�öj��eine Rb»«sch�e.��' un Osten»och kühl und vereinjell Seltsame Experimente in Arenanstallen. Sur Denkschrift des Verbandes der Gemeinde- und Siaatsarbeiter. Di« Reichsfektion Gesundheitswesen im Verband« der Gemeinde- und Staatsarbeiter hat zum Studium der Frage„Arbeitstherapie in Anstalten" eine Untersuchungskommilsion beruse» und auf Grund deren Feststellungen eine sehr instruktive und dankenswert« Denk- schrift veröffentlicht, die die Aufmerksamkeit weitester Kreise verdient. Unter Arbeitstherapie versteh: man die Behandlung der in An-- stalten untergebrachten Kranken mittels Zuweisung von Atbeit mit dein Ziel«, die Kranken dadurch körperlich und seelisch z� beeinflussen, das heißt ihren Gesundheitszustand zu fördern. Inwieweit «in« solche Behandlungsmethode gesundheitlichen Forderungen überhaupt onlspricht, soll später erörtert werden, vorerst ist zu zeigen, wie nach den Angaben der Denkschrift die Arbeitstherapie in einigen Heil- und Pslegeanstalten(nur Irrenanstalten sind erwähnt) in der Praxis aussieht. »Arbeitstherapie''. Die Kranken werden nicht allein zu Arbeiten iür die Bedürf- nisse der Anstalt selbst angehalten, sondern in«inigen Anstalien wird auch für Privatfabriken gearbeitet. Entlohnung gibt es nicht dafür. Die Arbeitszeit ist in einigen An- stalten un begrenzt, der Arb«itsraum in vielen Fällen durchaus unhygienisch(muffige, dumpfe Keller, enge Bodenkammern), vielfach wird an komplizierten, auch elektrisch betriebenen Maschinen gearbeitet, Kranke werden bei der Zubereitung der Speisen in der Küche beschäftigt, obwohl Geistes- kranke häufig genug recht unsauber sind, Arbeitsschutz, Unfallschutz gibt«s nicht, weil Kranke ohne Entlohnung gesetzlich nicht als Arbeiter gelten. In einer Anstalt werden 93 Proz. der Geisteskranken, wie der ärztliche Direktor angibt, mit Arbeit beschäftigt, anscheinend ein Ansporn für die anderen, rühm- lichst nachzufolgen. Wer arbeitet, erhält eine Pflegezulage, wer sich weiflert, einen Abzug von der üblichen Kost. Die durch einen solchen Arbeitsbetrieb bedingte Mehrarbeit des Pflegepersonals wird nicht durch Vermehrung desselben ausgeglichen, im Gegenteil, einige Anstallen haben herausgefunden, datz die Geisteskranken sich zum Ersätze des Pflegepersonals gut eignen und z. B. auch die ärztlichen Verordnungen, wie Verabreichungen von Medikamenten, gut und exakt ausführen können und rühmen die hierdurch herbei. geführte bessere Rentabilität des Betriebes. Eine Anstalt hat infolgedessen auf 15 Abteilungen mit etwa 3 Kranken nicht eine einzige Pflegeperson. Soweit die Angaben der Denk- schrift, die in ihrer ruhigen Schilderung, zumal unter Namens- nennung der betr. Anstalten, einen durchaus glaubwürdigen Ein- druck macht- Sicherlich mögen nicht alle Anstalten alle aus- gezählten Mißstände zeigen, es muh auch zur Steuer der Wahrheit gesagt werden, daß es Anstaltsleiter gibt, die in den wisfenfchäst- lichen psychiatrischen Zeitschristen dringend vor llebertreibungen warnen. Aber wenn auch nur einiges, was die Denkschrift be- Häupter, vorkommt, so ist schleunige Abhilfe geboten. Wo bleibt der Gozialarzt? Soeben beginnt erst das Mißtrauen der Bevölkerung gegen lue Irrenanstalten in der Frage der zwangsweisen Internierung einer ruhigeren Beurteilung Platz.zu mache» und nun kommen diese Enthüllungen, die geignet sind, das größte Aussehen zu er- regen. Ein altes Wort jagt, daß jeder Arzt mit einem Tropsen sozialen Oels gesalbt sein solle. Der Sozialhygienitcr kann sich damit nicht zufrieden geben, er muß die volle Umwandlung der rein klinischen Medizin in eine soziale, des nur biologisch«ingestellten Arztes in einen reinen Sozial- arzt verlangen. W-erm es aber Anstalten gibt, die unbezahlte Arbeit für Privatbetriebe leisten lassen in Branchen, in denen draußen Arbeitslosigkeit herrscht, so hat den beteiligten Aerzten auch der Tropfen sozialen Oels gefehlt. Ein guter ärztlicher Grundsatz lautet: Nil nocere(niemals dem Kranken schaden). Wenn aber Kranke in engen Bodenkammern bei schlechter Entlüftung lang« Zeit eine so ungesunde Arbeit, wie Tabakentrippen ausüben müssen, so ist dem genannten Grundsatze nicht Rechnung getragen. es dürste wohl keinen Arzt geben, der sich bei solche» Arbeits- bedingungen eine Förderung der Gesundheit versprechen könnte. Deshalb ist ein« amtliche Untersuchung und Klarstellung durch den überwachenden Kreisarft, die vorgeietzte Provinzialbehörde, eventuell eine Untersuchungskommission des Landtages dringend zu verlangen. Unabhängig von den angeführten Einzeisällen ist nunmehr das Problem„Arbeitstherapie" allgemein zu untersuchen. Es ist das um so notwendiger, als die Anstaltsbehandlung zur Heilung von Krankheften innerhalb der modernen Gesamtbehandlung nnt Recht ff- ein« Immer größere Bedeutung gewinnt: es sei nur hingewiesen auf die steigende Anzahl Lungenheilstätten, Nervensanatorien, Er- holungsheimen, Unfallkrankenhäusern usw. Wie soll es allgemein mit der Arbeitstherapie in Anstalten gehalten werden? Schonung und Ltebung. Alle Krankende Handlung kamt letzten Endes auf zwei wichtige Prinzipien, Sch onung und Uebung des Körpers und des Geistes,.zurückgeführt werden. Die Schonungsbehandlung hat bisher in den Anstallen einen bevorzugten Platz eingenommen, man denke an die stundenlangen täglichen Liegekuren der Tuber- kulösen, Erholungsbedürftigen. Blutarmen. In letzter Zell sind jedoch gegen die alleinig« Herrschaft der Schonungsbehandlung nnt Recht schwere Bedenken geltsnd gemacht worden. Tatsächlich müssen Muskeln, Her.z, wie alle inneren Organe erschlasfen, wenn in der Anstaltszeit immer nur mit Schenungsbehandlung vor- gegangen wird, nach einer gewissen Zeit der Ruhe ist für die Mehrzahl der Kranken Uebung als Heiltaktor am Platze. Die Gesamssunttivnen wie auch die Stimmung des Kranken werden daraus Nutzen ziehen, der Uebertritt in die kommende Periode der Arbeitsleistung wird erleichtert. Diese Uebungsb« Handlung hat nur das gesundheitliche Interesse des Kranken, die Besserung seines Leidens im Aug«, irgendwelche Nebenabsichten liegen ihr fern. Die Praxis der llebungsbehandlung. Di« Uebungsbehandlung kann in verschiedenen Formen vor sich gehen: Freiübungen, Gymnastik, Spielen, Wandern, Lausen, sie kann auch in Beschäftigung bestehen, soweit die Eigen- bedürs nisse der Anstalt in Frage kommen. Niemals aber darf sie in wirklicher Arbeit bestehen, wenn unter Arbeit ein« Hantierung oerstehen ist, deren Absicht auf mehr geht, wie ollein auf örderung der Gesundheit des Kranken. Krankheft und Arbeit haben sich innerhalb der Anstalt völlig auszuschließen, der Be- griff der Arbeitstherapie ist daher aus der An- staltskrankenbehandlung vollkommen zu streichen, ganz gleichgüllig, um welche Krankheft es sich handell. Wenn der Arzt aber eine Beschäftigungsbehandiung oerordnet, so be- deutet das dasselbe wie die Verordnung eines Medikamentes, er hat sich jederzeit bewußt zu sein, daß sein« Verordnung nur au» gesundheitlichen Gesichtspunkten erfolgen darf, dem Krankheftsfalle angepaßt sein muß und vom Arzt dauernd ,zu kontrollieren ist. damit jeder Schaden rechtzeitig vermieden wird, der Anstaltskrank« soll an der ganzen Art der Verordnungsweise das Bewußtsein gewinnen, daß er mit der Beschäffigumgsbehand- lung zu keinem Ausbeutungsobjekt wird, sondern daß alles nur zu seinem Besten geschieht. Wird so die Zeit der Ruhe, die Zeit des Spieles und der Beschäftigung und ihre Form vorgeschrieben, werden diese Verordnungen sowie ander« im Krankenjournal« vermerkt, dann werden Mißgriffe so leicht nicht vorkommen können. Dann wird auch das Haschen nach Erreichung großer Zahlen be- schästigter Kranken verschwinden, da diese Zahl sich in den ver- schiedenen Anstalten nach dem Krankenmateriale richten, also not- wendig verschieden sein, selbst in derselben Anstalt zu verschiedenen Zeiten verschieden sein wird. Die Studienkommission hat in der Denkschrift einig« Forde- rungen vom gewerkschaftlichen Standpunkte aufgestellt, wie Verbot der Arbeft für Privatbetrieb«, llnfallfchutz, Unterlassung von Strafen, Beseitigung der pslegerlosen Abteilungen u. a. m., Forde- rtmyen, denen durchaus beigepflichtet werden muß. Insbesondere ist die letzte Forde rtmg zu unterstützen: man sollte es kaum für möglich halten, daß Anstaltsärft« auf Grund von Beobachtungen und Berichten Geisteskranker ihre ärztlichen Anordnungen treffen und diese wiedenim von Geisteskranken ausführen und deren Aus- führung von ihnen überwachen lassen. Die Studienkommission, die aus Laien besteht, Hot sich mit Absicht davon ferngehalten,«In medizinisches Urteil über Arbeitstherapie überhaupt geben zu wollen. Das muß nunmehr nachgeholt werden, und die auf- gestellten Forderungen sind zu erweitern. Der Sozialhygieniker hat zu verlangen: Jede Arbeitstherapie iimerhalb der Anstalt ist zu verbieten, gestattet ist nur eine Beschäftigungsbehandlung als Teil einer allgemeinen Uebungsbehandlung, die, wie jede Medikation, der Art der Krankheit und dem Zustande des Kranken Rechnung trägt, in dosierter Form zu verordnen, vom Anstaltsarzt zu kontrollieren und in das Krankenjournal einzutragen ist. S t a d t a r z t Dr. R o e d e r. Kurerfolge bei der Kinderverschickung. Wohltuender Einfluß von Mittelgebirge und See. Die Verschickung von Kindern zum Kur- und Crholunzsauseni- Haft hat sich immer mehr eingebürgert. Die meisten Kinder, die eine Kur gebrauchen, fahren für einige Wochen an die Nordsee, die Ostsee oder ins Mittelgebirge. Die Auswahl der Kinder und ihre Verteilung auf die Kurorte erfolgt auf Vorschlag der Schulärzte, die sehr sorgfältig vorgehen müssen. da der Kurerfolg bei vielen Kindern von dem K l i in a und der Höhenlag« der Kurort« abhängt. Man muß also bei jeder einzelnen Verschickung unter Berücksichftgung des Gsfundheitszu- standes des Kindes das Reiseziel bestimmen. Die Erfahtitng lehrt freilich, daß zahlreich« Kinder sich gut erholen, gleichviel, ob man ihnen einen Kuraufenthalt au der Nordsee, an der Ostsee oder im Mittelgebirge zuteil werden läßt. Wo erholen sich aber die meisten Kinder am allerbesten? In welchem Klima? Zu welcher Jahreszeit? Welche Altersklassen der Kinder eignen sich für eine Kur an der Nordsee, an der Osssee oder aber im Mittelgebirge? Der leitend« Arft der Kinderfürsorge der Berliner Landes- Versicherungsanstalt, Dr. P e i s e r, gab in einem sehr interessanten Vortrag, den er vor dem„Berliner Verein für Schul- gesundheitspslegc" im Hygienischen Universilätsinstftut hielt, auf diese Fragen sehr beachtenswerte Antwotten, die um so mehr gewürdigt werden müssen, als Dr. Peiser bei feinen Schulkinder-Untersuchungen und statistischen Berechnungen äußerst sorgfältig vorgegangen ist. Es wurden viele Hunderte von Kindern untersucht. Di« Beurteilung des Kurerfolges gc- schah jeweils drei Monate nach Rückkehr vom Kuraufenthaft. Bei jedem Kind wurde festgestellt, ob und wieviel sich das Körpergewicht gesteigert hatte, und es wurde der dynamische Effekt" berechnet, indem mit Hilfe besonderer Meßapparate die Stei- gerung der Muskelkräfte nachgewiesen wurde. Bei den statistischen Rachweisungen wurden Knaben und Mädchen und dann wiederum die sechs- bis zehnjährigen bzw. elf- bis vierzchnjährigcn Kinder gruppenweise zusammengefaßt. Weitere Eiitteilunge» erfolgten entsprechend der Lage der Verschickungsort«(Nordsee, Ost- se«, Mittelgebirge) und unter Berücksichtigung der Verschickungs- termine(Frühling, Sommer, Herbst und Winter). Di« Ergebnisse, die Dr. Pesser mitteilte, lauteten folgendermaßen: Man kann zu jeder Jahreszeit auf dem Gebiet der Kinderverschickung befriedigende Resultate erzielen. Di« besten Kurerfolge wurden an Knaben und Mädchen aller Altersgruppen nach Winterkuren im Mittelgebirge fest- gestellt. Im Frühling und im Sommer erholen sich die sechs- bis zehnjährigen Kinder gewöhnlich besser an der See, die älteren Kinder, im Mittelgebirge. Dr. Peiser glaubt, daß diese Verschiedenheiten des Kurerfolges bei den kleineren bzw. den größeren Kindern zum großen Teil auf psychische Einflüsse zurückzuführen sind. Der Seeausenthalt, der den Sechs- bis Zehnjährigen so bekömmlich ist, bietet ihnen Ge° legenheit, am Strande ihrem Spieltriebe frönen und sich dabei gut erholen zu können. Kindern höherer Altersklassen ist der Aufenthalt Im Gebirge ein besonderes Erleb- n i s, das ihre Phantasie stark anregt. Neben den psychischen Fak- toren sind es aber sichettich klimatische Einflüsse, die sich gerade auch bei den Winterkuren als heilsam erweisen. Jedenfalls hat die steigende Wertschätzung des winterlichen Kur- aufentholts voll und ganz ihre Berechtigung. Die Wettersäule auf dem Schloßplatz. Die Wettersäule aus dem Schloßplatz die im Jahre 1889 nach einem Entwurf des Architekten Bruno Schmitz er- richtet wurde, und jahrzehntelang eine Sehenswürdigkeit Berlins bildete, ist in der Inflation auf Beschluß des Magistrats zusammen mit einer Reihe anderer Uhrensäulen an eine Firma zum Abbruch verkauft worden. Diese hat die Wettersäule bisher im Betrieb erhalten, beabsichtigt sie aber jetzt abzubrechen. Nun- mehr hat das Bezirksamt Mitte beschlossen, der Stadt die Säule mft Rücksicht auf den künstlerischen und historischen Wert des Gebäudes zu erhalten und sie für 1509 Mark wieder in ihren Besitz zu bringen. Das Gehäuse hatte seinerzeit allein 5499 M. gekostet und der Neuwert der eingebauten Instrumente beträgt ebenfalls 259 M., so daß der Kaufpreis als niedrig bezeichnet werden muß. ZUM FRÜHJAHR. BRINGEN WIR WIE IMMER. DAS RICHTIGE HERVO RRACcE N D IN E L E GANZ PASS FORM U. VERARBEITUNG Gesundheitspflege für Berufsschüler. Seit Wochen bewf man über di« Gestaltung des Berliner städti- schsn Haushaltsplans für das neue Haushaltssahr. das am l. April 1928 beginnt. Den nun einmal notwendigen Ausgleich zwischen Ein- nahm« und Ausgabe hat man bisher noch nicht finden rönnen. Die Gründe hierfür find bekannt Di« städtefeindliche Politik des Reichs- bankpräfidenten Dr. Schacht verhindert die Aufnahme kommunaler Ausländsanleihen. Die Verteilung der Erträge aus der Mietzins- steuer schädigt Verlin außerordentlich stark, und man kann nur hoffen und wünschen, daß endlich der Preußische Landtag einen der Reichs- Hauptstadt günstigeren, einen— gerechten Verteilungsschlüssel festlegt. Es ist nur allzu leicht erklärlich, daß unter diesen Verhältnissen die Finanzgebarung bei der Schaffung des Berliner Haushaltsplans sich äußerst schwierig gestaltet«. Aus den gleichen Gründen mußie auch die Beurteilung der Rangfolge der einzelnen kommunalen Leistungen auf den verschiedenen Haushaltcgebleten ins Hinter- treffen geraten. Angssichts dieser Finanzlage mögen viele Kommunal- Politiker den Vorschlag, eine neue kommunale Aufgabe zu über- nehmen, recht befremdend finden Und dennoch sollte man daran gehen, dem Beispiele vieler anderen Städte folgend, endlich auch in ganz Berlin die so dringend notwendige Schulgesundheits- pflege an den Fach- und Fortbildungsschulen ein- zuführen. Sie ist nicht minder wichtig, wie die schutärztliche Der- sorgung der Gmieindcfchulen, deren hohe Bedeutung jetzt von nie- mandem ernsthaft mehr angezweifelt wird. Viel« Sozialhygieniker. Pädagogm und Wohlsahrtspraklikcr find sogar der Ansicht, daß die Schulgesundheltspslege an den Fach- und Foribiidungsschiilen noch dringlicher ist als an den Gemeindeschulen. Di« ersten Jahre des Berufslebens haben starke Einwirkungen auf die körperlich« Verfass ung der Jugendlichen. Gerade die 13— 16jährigen Iugendlichcn sind besonders oft tuberkulofcgefährdct. Bei diesen Altersklassen finden sich auch gehäuft verschiedenartig« sexuelle Störungen; di« soziaihygienisch« Aufklärungsarbeit der Schulärzte wird am zwcltmäßigsten an den Fach» und Fortbil- dungsschulen ausgeübt. Di« Kosten, die bei der Einführung der Schulgesundheitspflege an den Fach- und Fortbildungsschulen entstehen würden, sind deträchlich: man soll sie aber nicht über- schätzen. Sie verbilligen sich dadurch, daß es technisch nicht möglich ist, schon zu Ostern 1928 die schulärztlich« Versorgung der Fach, und Fortbildungsschulen sicher zu stellen. Erst nach den Herbstferien könnte dies geschehen, da in der Zwischenzeit die Einstellung der Schulärzte und Schulsürsorgerintven und die Einrichtung der schul- ärzilichen Diensträume vor sich gehen müßten. Wenn man die Schulgesundheitspflege an den Fach- und Fort- bildungsfchulen in gleichartiger Weif« organisiert, wie dies jetzt be- züglich der Gemeindeschulen und der höheren Lehranstalten geschieht, so benötigt man rund 25 hauptamtliche Schulärzte und 50 Schulfür- sorgerinven. Für ihre Besoldung im zweiten Haushaltshalbjahr wären rund 250 000 M, erforderlich. Die Beschaffung des Inventar» für die schulärztlichen Dienstzimmcr würde di« Bereitstellung einer Summe von 50 000 M. beanspruchen. Man sollte unter allen Um- ständen sich bemühen, die Gesamtsumme von 300 000 M. bereitzu- stellen, womöglich unter Verzicht auf andere in Aussicht genommen« wichtige, aber eben nicht so außerordentlich dringliche kommunale Auswendungen, wie dies für die Ausgaben zugunsten der Schul- gefundheitspfleg« an den Fach- und Fortbildungsschulen zutrifft Auf die Frage, was notwendiger sei, die Einführung der Schul- gesundheitspflege in dem oorg«schlagenen Umfang« an den Fall)- und Fortbildungsschulen cder aber dl«— ebenso teure!— Schaffung von 25 neuen städtischen Krankenliausbetten. kann es selbst in den heutigen Zeiten der Bettennot nur die eine einhellige Antwort geben: man betreibe unter allen Umständen vorweg die Einführung der für die Vorbeugung und die gesundheitliche Ueber- w a ch u n g so wichtigen Schulgesundheitspflege on den Fach- und Fortbildungsschulen. Eile tut not! Dr. AlfredKorach. Die Kiefhslzstraße. Jukunstsarbsit im Bezirk Treptow. Das Bezirksamt Treptow hat jetzt gemeinschaftlich mit den städtischen Körperschajten von Niederschöneweide einen neuen Fluchtlinienplan für die Kiefholzstraß«,«me der Hauptverkehrsstraßen der beiden Bezirke, auegearbeitet, der auf eine zukünftige Straßeiiverbreilening Rücksicht nimmt und d'e»wischen Karpfenteich st raße und Rixdorser Straße liegende Sirecke in städtebaulicher Hinsicht neu aufteill. Die Kiefhvlzstraße findet ihr« Fortsetzung in der Kaiserstraße. dem Groh-Berliner Damm und der Straße am Faltenberg und schließt durch die P l e s s e r. und G r a e tz st r a ß e an die Wiener Straße im Bezirk Kieuzberg ab. Eine gleich breite Westcrsührung der Wiener Straße durch die erheblich schinalere Graetz- und Plesserstraße ist heute wegen der oorixiudenen Bebau. ung nicht mehr möglich?!ach dem projektierten Bau einer Brücke über den Landwehrkanal im Zuge der Reichenberger und Heidel. berger Straße wird sich der Verkehr aus der Innenstadt auf die Wiener und Reichenberger Straße verteilen und erst an der Ring- bahn in die Kicfholzstraße zusammengeführt werden. Ocstlich der Ringbahn ist die Straße bereits in einer Breit« von 4 5 Me- tern miteiner Mittelpromenade und mit einem F a K r- dämm für den Richtungsverkehr ausgebaut. Im weite- rcn Verlans der Straße, von der Karpfenteich- bis zur Mosischstraße, ist eine Breite van 40 Metern vorgesehen, mit einem b e s o n d e- ren Körper für die Straßenbahn bei Richtungsfahr- dämmen und Radfahrerweg. In dem Abschnitt nördlich der Anschlußbahn, die die Kiesholzstraße unweit der Eichbuschallee kreuzt, soll die Straße ein wenig aus der geraden Richtung abgeschwenkt werden, um bei einer vozunehmenden Aerbreitsrung der Eisenbahn- Überführung das jetzt vorhanden« Brückenbauwerk noch Möglichkeit erbattcn zu können. Bei der weiteren Strecke der Straße soll mit Rücksicht auf die bereits erfolgt« Bebauung eine Straßenbreite von 35 40 Metern in Vorschlag gebracht werden, während bei dem un- bebauten AbschmU zwischen Teltowkanal und Rixdorser Straße wiederum«ine Breite von 41 Metern geplant wird. Das angren»ende Gelände gehört der Stadt,»nd auf ihm befinden sich die Frlsdbofsanlagen, die durch einen 4 Meter breiten Grün- oder Heckenstreifcn gegen die vielfachen Unzuträglichkeiten des Straßen- Verkehrs abgedeckt werde-i sollen. holten und ans Hunderte von Kindern sich erstreckenden Bestrahlung»« kuren eine Verbesserung der Gesundheitsverhältnisie unserer«chüler und wird später über d'e Erfolge berichten. Die Kur ist unentgeltlich, zugelassen werden 44« Besucher der Volksschulen und die Freischüler der höheren Schulen. Bestrahlungsanlage für Schüler. Die Bestrahlung mit Höhensonne hat sich bei Entwicklungs- störungcn der Säugling« und ganz besonders für die Bekämpfung der englischen Krankheit als ausgezeichnetes Heilmittel erwiesen und wesentlich dazu beigetragen, die Gcsundheitsoerhältnisse in diesem Alter zu verbessern. Diese Behandlungsmethode ist von großem Entwicklungsstörungen zeigen— und das ist, wie der Iahresberichi des Bezirksgestindhcitsamtes Treptow vermerkt, bei sehr vielen A ndern der Fall—, ist eine Kur mit Höhensonne als nützlich zu bezeichnen. Deswegen hat das Bezirksgesundheitsamt Treptow dl« erste Destrahlungsanlage für Schüler in Nieder- s ck> ö n e w e i d e geschaffen und beginnt setzt mit se 30 Knaben und Mädcken im Alter von 8 bis 12 Iahren, die von den Schulärzten zewählt worden sind, die erste Kur, die 10 b's 12 Wochen dauern oll. Das Gesundheitsamt verspricht sich neben den sonstigen sozialen Maßnahmen an der Schuljugend auch von diesen regelmäßig wieder- Ein BlinSenhelm am Gchannützelsee. Ein neues Erhslun�stzeim für Blind« ist durch den .Llllgemeinen Blindsnv ere i n�, gegründet 1874, geschaffen worden. Das Heim liegt am Ufer des ronmnlischen Scharmützel.- fees, im herrlichen, märkischen Walds. Es ist solid« eingerichtet und bietet 30 Gästen Raum. Fast alle Zimmer stnd mit fließendem Wasser und Zentralheizung versehen. Ein Warmbad, sowie Garten. Spielwiesen, Wald und etwa 250 Meter steinfreier Badestrand nebst Ruderaelegenheit stehen den Aasten zur Verfügung. Da» Heim ist bereits geöffnet. Die Pensionspreise sind di« gleichen wie in den Heimen de? Reichsdeutschen Blindenverbandes. In der Zeit vom 1. Juli bis 10. August darf der Aufenthalt 20 Tag« und die Be- gloitung eine erwachsen« Person nicht übersteigen.— Fahroerbindung von Verlin, Görlitzer Bahnhof, über Königswusterhausen bis Bahn- Hof Scharmützelse«. Fahrdauer etwa 1>s Stunden. Im Sommer- fahr plan vier bis sechs Züge täglich. Der Fahrpreis beträgt ILO M Vom Bahnhos Scharmützelsee noch 20 Minuten mit eigenem Fuhr- werk. Fahrpreisermäßigungsscheine können vom Heim noch nicht ausgestellt werden. Di« Heimanfchrist lautet: Villa„Charlotte", Erholungsheim des Allgemeinen Blindenvereins in Glienicke(Bees- kow), Provinz Brandenburg. Alle Anflogen und Anmeldungen für den Besuch des Heimes sind zu richten an: Geschäftsstelle des Allgemeinen Blindenvereins, S. 42, Wasiertorstrah« 19(Fernruf Mvritzplatz 1036), geöffnet Montags. Dienstags. Donnerstags von 9 bis 17 Uhr, Mittwochs und Freitags von 9 bis 19 Uhr und Sonnabends von 9 bis 13 Uhr.— Ueber die Fahroerbindung innerhalb Berlins noch dem Görlitzer Bahnhof geht Interessenten auf Wunsch Nachricht zu, auch werden alleinreisende Blinde aus Wunsch vom Einreisebahnihos abgeholt.— Es wird ausdrücklich bemerkt, daß dieses Heim ollen Mitgliedern des Reichsdeutschen Blindenverbandes aus dem ganzen Reich offensteht. Aus den Bezirken. -lS. Bezirk- Pankow. Am 16. d. M. fand in der außerordentlichen Bezirksversamm» lung die Fortsetzung der Beratung über die Straßenumbenennungen statt. Auch diesmal konnte die Vorlage nicht zum Abschluß gebracht werden. Der Verlaus der Sitzung w.ir interessant: Die bevor- stehende Reichstagswahl bringt es mit sich, die Differenzen inner» halb der bürgerlichen Parteien aufzuzeigen, jede Partei will der anderen in mittclständlerischer ReUungspolitik den Rang ablaufen. Die Haus, und Grundbesitzerverein« sind alarmiert und reichen Protestresolutionen gegen die Umbenennung ein. Den Vogel bei diesem Treiben schießt die Deutschnationole Partei ab; ihr Oberdemagoge Faust versuchte die Aeußerung, daß eine Badeanstalt in Pankow Luxus sei, die sein Fraktionskollege Schaumann getan hatte, in das Gegenteil umzubiegen. Di« Vorlage selbst be, zeichnete er als politischen Mumpitz und gab all« Schuld über die Neuerungen der dreimal verfluchten Demokratie, bei der eine Stimme den Ausschlag gäbe; aber in orakelhafter Weise erklärte er, es würde nicht mehr lange dauern, dann käme es anders. Bon unserem Redner wurde de» bürgerlichen Parteien«ni- unserer Seite kommt und stichhaltig« Gründe dagegen nicht vor gebracht werden können, die angebliche Sparsamkeit herhalten muß. die man aber bei der Bewilligung von Millionen vollständig nutz- loser Ausgaben, wie Panzerkreuzer, vollständig vermisse. Nach einem für die Kommunistische Partei beschämenden Auftritt, den der linke Kommunist herbeiführte, wurde die Sitzung um 10 Uhr oertagt, Kreisverireterversammlungen. Mitte. Der außerordentlich« Kreisvertretertag am 20. März 1S28 war der Aufstellung von Kandidaien gewidmet. Genosse Riese gab erst das Wort dem Genossen Dr. Siegfried Weinberg zu einem Vortrage„Das neue Strasrecht". Dieser Entwurf hat soviel Kautschukbestimmungen, dag ihn die Sozialdemokratie ablehnen muß. So ein Entwurf kann nur von einer bürgerlich-kapitatisti- scheu Regierung vorgeiegt werden. Entgegen dem§ 107 der Weimarer Verfassung— Schutz der Arbeitskraft— sind di« Schulz- bestimmungen vollkommen ungenügend. 36 Abschnitt« dehande'n Schutz der Tier«, der Kirche usw., aber«chutz der menschliche»» Arbeitskraft ist nicht enthalten. Niedrigste Strafen: z. B. bei Dieb- stahl, sind erhöht, früher einen Tag, nach dem Entwurf eine Woche. Das K'oalitionsrecht ist gefährdet: wer einen Streikbrecher scheel ansieht, soll schwer bestraft werden, wenn das Gericht die Voraus- setzung des Nötigungsverfuches als gegeben ansieht. Während das Siveikpostenstehen jegt zeitweise als„grober Unfug" bestraft wird, soll es in Zukunft als Belästigung des Publikums geahndet werden. In beiden Fällen sind die Strafen besonders erhöht. Ein besonders tolles Stück ist es, daß durch 8 238 Huuderttausenden von Arbeitern der sogenannten lebenswichtigen Betriebe(Gas, Walser, Elektrizi- tät, Post, Verkehr usw.) mit einem Schlage das Streikrecht geraubt werden soll. Die arbeitende Klasse bekennt sich mit Stolz zu den Grundsätzen der Kultur und der Humanität. Der Staat hat kein Recht, Menschenblut zu vergießen; die Todesstrafe, ja, selbst die Zuchthausstrafe, sollte im Gesetzentwurf nicht enthalten sein, des- halb kami es nur ein Ablehnen geben. Genosse Ries« gab dann Bericht vom engeren und erweiterten Bestand zur Kandidatenfrage. Danach soll Genosse Adolf Hoff- mann sen. als alleiniger Kandidat sür den 1. Kreis gelten. Und zwar muß es gelingen, den Genossen Adolf Hossmami sen. an sicherer Stelle auf die Landeslist« für den Landtag zu setzen, um ein früheres Unrecht gulzumaä?en. Ein Rundschreiben vom Ein- Heftsverband der Cisenbahner-SPD.-Genosien, den Genossen Lorenz B r e u n i g als Kandidaten für den Reichstag vorzuschlagen, wurde einstimmig vom erweiterten Vorstand abgelehnt. Zielnickendorf. Auf einer gut besuchten Kreismitgliederversamm- lung des 20. Kreises sprach am Miftmochabend in Reinicken- d o r f Reichstagsabgeordneter Genosse Dr. Rudolf B r e i t s ch e i d über das Thema„Wie steht die SPD. zur Außenpolitik der deutschen Republik?". Die polltische Geschichte bis 1914 wurde in allen Ländern von dem Grundsatz geleitet, daß die Politik die Borbereitung zum Krieg und derKrieg die Fortsetzung der Politik sei. Selbst» verständlich schoben die Diplomaten vor dies« ihre wahre Meinung eine falsche Kulisse. Der Ausgang des Weltkriegs schuf hierin einen Wandel: Die Versuch«, die Konflikte der Völker mft friedlichen Mitteln zu lösen, haben sich vermehrt, die außenpolitischen Aus- einandersetzungen haben«ins neu« Form erhalten. In der ganzen Well ist der Kapitalistenklasse die Erkenntnis gedämmert, daß der Krieg in jedem Falle ein„schlechtes Geschäft" ist. So ist auch die Stellung der deutschen Nationalisten erschüttert worden. Sie machen den Versuch, durch ein« zwiespältig« Hallung gegenüber der Friedenspolitik sich vor ihren Anhängern zu behaupten. Deshalb glaubt das Ausland nicht an die Ehrlichkeit der deutschen Regierung, und das ist die Ursache dafür, daß, solange di« D« u t s ch n a t io n a l« n in der Regierung sitzen, Frankreich sich nicht zu einer Räumung de r Rheinlande bewegen läßt. Die Sozialdemokratie ist ein grundsätzlicher Gegner des Krieges. Wir fordern internationale Abrüstung und Schaffung eines Internationalen Schiedsgerichtshofes. falC iM.«»vu* _________ Jlvbvifyti/jL'a kalteft heute. tmkfiam. hauclmt � * A wie kt« weil Sie die richtige Marke noch nicht gefuncen hab2n. Probieren Sie einmal die Enver Bey Gold uid Sie werden ersta int feststellen, welch' köstlichen Genuß die Zigarette für Sie bedeutet ENVER BEY GOLD Si Nr. �44» 45. Jahrgang 2» � Freiiag 23. März 4928 9/& t*** Die Wirtschastslage- Do« besonderer Seit« geht uns folgende Schilderung der italienisch«, Wirtschaftsverhältnisse nach der Lira- stabilisierung zu: den letzten anderthalb Iahren ist aufgefallen, daß sich die Kapitolgeber von New Fork in wachsendem Umfange an der italieni- schen Wirtschaft beteiligt haben. Mit Faschistenfreundschaft hat das nichts zu tun: nachdem Deutschland die ausländische Kapitaleinfuhr bewußt einschränkte, folgte das amerikanische Kapital der nächst- stärksten Nachfrage: die kam aus Italien. Aber Amerika beginnt allmählich unruhig zu werde«. Die Frage, ob man im Vertrauen zum faschistischen Italien nicht zu weit gegangen ist. taucht innner öfter aus. Aus diesem Grunde wird die finanzielle Lage Italiens besonders scharf beobachtet. Das amerikanische Bureau ol Foreign and Domestic Commerce veröffentlicht regelmäßig Bericht«, von denen der letzte, herausge- geben vom chandelsattochä Amerikas in Italien, von oußergewöhn- Uder Bedeutung ist, um so mehr, als die Beröffentlichungen der offi- ziellen Presse Italiens ausschließlich der Verherrlichung der saschisti- schen Berhältnisse dienen. Der amerikanisch« Sachverständige hingegen stellt im Bericht vom 2. Februar 1928 fest, daß die seinerzeit so geräuschvoll der Welt verkündete Stobilisation der Lira, abgesehen von einer gewissen psychologischen Beruhigung, noch keinen posi» tioen Erfolg gezeitigt hat. In manchen Kreisen ist man der Meinung, daß die Stobilisation zu einem zu hohen Kurse statige- funden hat. Wir glauben hingegen, daß es sich um die Tendenz handelt, die Banken, die großen Versicherungsgesellschaften und im allgemeinen die Besitzer von großen Kapitalien zu begünstigen. Da» Ergebnis dieser Politik ist die chemmung des Ex- ports und die Erleich de-r ung des Imports von Waren, die der heimischen Produktion Konkurrenz machen. Dies bezieht sich vor allem auf die amerikanischen Automobile, die in Italien großen Absatz finden. Auch die mechanische Industrie ist von einer tiefen Krise de- troffen, deren Ausgang nicht leicht vorauszusehen ist. Derselbe Zu- stand trifft auf die Textilindustrie— mit Ausnahme der Wall- brauche— zu. Das bedeutende Dachskmn der Arbelkslosigkcit ist auf die erwähnte Krise zurückzuführen. Am 30. November 1927 gab es in Italien 375674 Arbeitslose und 133 920 Kurzarbeiter. Am 31. Dezember ist die Zahl der Arbeitslosen auf 414 283, die der Kurzarbeiter auf 140 124 gestiegen. Zu bemerken ist, daß diese statistischen Angaben auf Grund der Arbeitslosenunterstützung ge- macht worden sind und ausschließlich die Unterstützungsberechtigten zählt. Die Zahl sämtlicher Arbeitslosen ist vielleicht doppelt so groß. Sehr wichtig ist der Umstand, daß die Detailpreise, die einzigen, die die Arbeitermassen interessieren, nicht gesunken sind, sondern sich im steten Wachsen befinden. Der amerikanisch« Sachverständige stellt diese Tendenz besonders bei Getreide, Eisen- und Stahlwaren sowie Pflanzenöl, Holz und Fellen fest. Der Index des bürgerlich-faschistischen Genossenschaftsverbandes Mailands war in der 3. Woche des Januar gleich 490,20. im Dezember des ver- gangenen Jahres war er noch gleich 480,78. x Frewdenindustrw geht zurück__ wanderarbeiier schicken weniger Helm. Im oorfoschistischen Italien wurde der Unterschied zwischen Ein- fahr und Ausfuhr durch zwei Einnahmequellen wettgemacht, einer- feits durch die Fremdenindustrie, andererseits durch die Ersparnisse der Auswanderer. Heute hingegen, bemerkt der amerikanische Be- richterstatter, hat der Fremdenverkehr bedeutend nochgelassen. Im Vergleiche zum vorigen Jahre, das auch meinen guten Fremdenverkehr aufzuweisen hatte, ist er In diesem Jahr« noch um 30 bis SO Proz. gesunken. Die Ursachen dieses Rückgangs er- blickt der amerikanisch« Gewährsmann in den hohen Hotel- und plah für Auslandskrediie. Ein Protest der Aratmschweigischen Staatsbank. In Ihrem Geschäftsbericht für 1927 macht die Braunschwelgische Staatsbank sehr beachtlich« Ausführungen über die Bedeutung der Auslandskredit«. Nach der Schilderung der zerstörenden Folgen der vorjährig« Neichsanleih« auf dem inneren Kapitalmarkt fährt sie fort: .Um s» mehr wäre es dringendes Bedürfnis gewesen, dem langfristigen Auslandskredit« den Weg zu ebnen. Statt dessen war »l» zum Juni 1927 die Ausnahme von Ausländsanleihen praktisch ungefähr gesperrt und damit die einzige verbleibend« Kapitolquelle, deren Inanspruchnahme wirtschaftlich gesund und notwendig ge- wesen wäre und die unmittelbar wiederum den inländischen Geld- und Kapitalmarkt speist, zum versiegen gebracht. Der günstigste Zeitraum an den ausländischen Kapitalmärkten wurde verpaßt. Bei der unzureichenden inländischen Kapitalbildung weiden aber die Geidsätz« weiterhin auf längere Sicht anormal hoch dlewen, wenn nicht der Zufuhr billigeren Auslandskapitals für gesunde Zwecke noch Mögtichkett die Wege geebnet werden. Die Interna- tionalität des Geld- und Kapitalmarktes bietet wirtschaftlich vor- wärtsstreb enden armen Ländern den Vorteil des Zustroms von Kapital au» den retchen Staaten. Dieser natürliche Kapitalau». gleich wird tn Deutschland heute zum Teil gehemmt und erschwert. Nach geschichtlicher Erfahrung wird vor allem durch lonzfristiges Auslandsgetd die Valuta de» geldnehmenden Landes keineswegs ge- sährdet, wenn da» Auslandsgeld gesunden Zwecken dient. Die Geldgeber sind nach anerkannten Grundsätzen regelmäßig für vi« Gewndheit des Verwendungszweckes der Kredite die natür- liche Prütunzsinstanz. Das Wiedeverftorken des Inlandes durch den befruchtenden Strom de» Auslondsgelde, bietet die best« Gewähr für die hemnsch« Währung, für die Förderung der in- ländischen Kapitalbikdung. durch die die Nückzohlung de, Aueland». ride, ermöglicht wird, und für die Senkung der Inlandszlnssötz». ost in dem Umfange, in dem der natürliche Zustrom von Auslandsgeld gehindert wird, wird die wiMschastliche Gesundung de» Inland»» erschwert und di« Anniherunz der hohen tnWchtschen Sekdkekhsätz« an da« niedrigere Niveau de» Zinssatz«« dar geldreich«» Länder gehindert. E» ist ein Zeiche» für m Zensurmauern Amerikanische Kritiker. Detailwarenpreisen.— Wir glauben, noch eine Ursache anführen zu müssen: Man reist nicht gern in Ländern, wo man auf Schritt und Tritt von Schwarzhemden kontrolliert wird, und stets von unangenehmen Erlebnissen bedroht werden kann. Nicht anders verhält es sich— einem anderen Bericht aus der- selben amerikanischen Quelle zufolge— mit den Ersparnissen der Auswanderer. Seitdem der Faschismus sich zum„Staat" gemacht und alle politischen Parteien aufgelöst hat, wollen die Auswanderer, die nicht Faschisten sind, ihre Ersparnisie nicht nach Italien schicken, um den faschistischen Staat, den sie �berechtigter- weise) als ihren Feind betrachten, nicht zu stärken. Sie haben den grausamen, hartnäckigen Krieg, den der Faschismus gegen die Ar- beiterklasie führt, nicht vergessen. Außerdem hatten die Auswan- derer, vor allem die Aermsten, die aus Süditalien Ausgewanderten die Gepflogenheit, alle ihre finanziellen und Familienangelegenheiten durch ihre Gemeinde regeln zu lassen; die Gemeinden standen ihnen näher als der Staat, der für sie ein abstrakter Begriff war. Heute existieren die Gemeinden nicht mehr. Nach Niederwerfung des demokratischen Regimes, nach Abschaffung des Wahlsystems hat der Faschismus auch das Gemeindewesen abgeschafft und hat die Verwaltung der Gemeinden den P o d e st ä anvertraut. Diese wurden von der Regierung und den Präfekten unter den Feinden der Arbeiterklasse gewählt, unter den Anführern der Strafexpcdt- tionen, die die Genossenschaften, Arbeiterheime und Gewerkschaften zerstört und in Brand gesteckt, durch Anwendung von Gewalt die Arbeitervcrtreter aus der Gemeinde entfernt haben. Im gleichen Bericht vom 2. Februar stellt der amerikanische Hon- dclsattache fest, daß der Handel infolge der hohen Detailpreise ebenfalls von einer bedeutenden Krise betroffen ist: der Warenabsatz ist um 40 Pro;, gesunken. Wie bereits erwähnt, hat sich die Krise am meisten in der Auto- mobilindustri« fühlbar gmacht. Kritisch ist ebenfalls die Lage der Schiffahrtsgesellschaften. Man erwartete eine Besserung in der Baumwollindustrie, sie ist jedoch nicht eingetreten. Auch die Ein- fuhr des Rohmaterials ist gesunken in der Boumwollindustrie im vergangenen Jahre um 33 Proz. Mit der Seiden- und Kunst- seidenindustrie steht es kaum besser. Am Wollworenexport wird eher verloren, als verdient. Somit sind die Aussichten auf dem inneren Markt nichts weniger als glänzend, während die Lira- sanierung dem Export unübcrwindbare Hindernisse schafft. Die Lage Italien« ist sehr ernst. Dos Arbeitslosenproblem taucht in seiner ganzen Schärfe auf. Trotz der strengen Zensur erfährt man von bedeutende» Arbeitslosendemon- st r a t i o n e n. Sie haben wiederholt in der Lombardei, in Pie- mont und nach einer Prioatmeldung sogar in Rom stattgefunden. In Pordemme— der bedeutendsten Textilindustriestadt der Provinz Friaul— war«in Streik ausgebrochen; das Borgehen der Polizei gegen die Streikenden soll unerhört brutal gewesen sei«. Ueber die ganze Provinz ist der Ausnahmezustand verhängt worden. Eine Nede des italienischen Wirtfchafisministers. Aus Rom werden Auszüge aus der Etat rede des faschistischen Wirtschaftsministers Belluzzo gemeldet, in denen die Italien be- herrschende schwere Wirtschaftskrise voll bestätigt wird. Belluzzo wendete sich kennzeichn niderweise gegen den Achtstundentag, mit der Begründung, daß er den Rückgang der italienischen Produktion um 15 bis 20 Proz. veranlaßt habe. Die Großbetriebe de? Schwerindustrie seien zu 50 Proz. unbeschäftigt. Die Förderung der für Italien wichtigen Schwefelindustrie sei im letzten Jahre von 500 000 auf 200 000 Tonnen gesunken, die Maschinen-, besonders die Automobilindustri«, feien von der ame- rikanischen Konkurrenz auf den Auslandsmärkte« westgehend ver- drängt. Noch mehr als die Industrie habe der Ackerbau unter der Stabilisierung gelitten, mck> die Herabsetzung der Großhandelspreise habe zu einer Verminderung der Anbaufläche geführt. den Umfang der wirtschaftlichen Gefundung Deutschlands, daß durch die Unterbindung der ausländischen Kapitalzusuhr die günstige industrielle Konjunktur nicht aisbaw zerstört wurde." Ebenso bedeutsam erscheinen uns die Ausführungen zur Agrorkris« und zu den Gefahren de» Notpro- Gramms. „Demjenigen, der die wirtschaftlichen Dinge nicht vom Gesichts- punkte der politischen Zweckmäßigkeit des Augenblicks, sondern auf weite Sicht hin zu prüfen in der Lage ist, drängen sich Bedenken auf, ob die neue, vom Reiche beabsichtigte Kreditaktion nicht das Uebel vermehren muß, statt es an der Wurzel zu fassen. Der zweitstellige Realkredst, um den es sich hierbei handelt, wird fast regelmäßig über die dingliche Sichecheitsgrenze hinausgehen. Die fehlend« Slcherhest soll durch öffentliche Garantien ersetzt werden. Damit wird der öffentlichen Hand, die ihrerseits vielfach am Ende ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit ist, ein« neue Last großen Umfange? aufgebürdet. Da materielle Folgen dieser Risikollbernahme bei der zugespitzten Loge der Landwirtschaft bis auf weiteres in größerem Ausmaße unvermeidbar sind, so müssen m der Folgswirkung die heute schon fast untragbaren Lasten, die'aus den Schultern der Volksgesamtheit und letzten Endes auf den Konsumenten ruhen, noch vermehn werden tn einem Zeitraum«, in dem die Vertreter der Produktion und des Handels den Abbau der öffentlichen Lasten fordern." Die Konjunktur noch stabil. Große Oüngemittelkäufe der Landwirtschaft. Mindestens bis Ende Februar lassen sich nach dem letzten Wochenbericht de« Instituts für Konjunkturforschung und nach dem Februarbericht der Relchsbahngesevschoft noch keine Anzeichen für einen Konjunkturrückgang feststellen, wenn man vom Rückgang der Beschäftigung au. Saisongründen absieht. Da» Institut sür Kon- sunktursorschung stellt fest, daß die Wechselziehungen lür Wnrenvertäufer vorläufig statt Zahlung ousgeslellle Wechsel— lm Februar zwar nur 4,0 gegen 4,5 Milliarden im Januar betragen hat, daß der Wechsel u m l a u s sedvch sich nur geringfügig unter dem Stande von Ende Ianu« bewege. Der Wechsel umlauf sei nach vorsichtigen Schätzungen gegenwärtig um« Pro» größer als Ende Oktober. Da der Wechselumlauf seit Jahresende gestiegen sei. so deute die Gesamtlag« noch nickst darauf hin, daß eine— einem Konjunkturrückgan g entsprechend«— Entspannung eingetreten sei. Daß man von krisenhaften Zuständen auf alle Fälle noch nicht sprechen darf, wird auch durch die Tatsache bestätigt, daß zu Protest gelangene— also nicht eingelöste Wechsel— und Konkurse sich nach wie vor in mäßigen Grenzen halten und die Wechsel Proteste insbesondere in den letzten Monaten erheblich langsamer ge- stiegen sind als die Wechsel z i e h n n g e n. Der Güteroerkeh-r der Reichsbahn hat sich im Februar arbeitstöglich um etwa 5 Proz. gegenüber dem Januar erhöht. Charakteristisch für die starke Kauffähigkeit der Landwirtschaft ist die im Februar 1928 gegenüber dem Vorjahr um 9 Proz. größere Wagengestellung zur Beförderung künstlicher Düngermittel. Für die Verladung von Zement wurden sogar 45 Proz mehr Wagen benötigt als in dem entsprechenden Monat des Vorsahres. Die Iannareinnahmen der Reichsbahn betrugen insge- samt 381,99 Millionen Mark, denen Ausgaben im Betrag« von 398,82 Millionen gegenüberstanden. Die Iannareinnahmen werden zufriedenstellend genannt. Die Mehrausgaben seien auf die Er- höhung der Gehälter und Ruhegehälter und auf einmalige Ab- sindungen von Beamten des besetzten Gebiets zurückzuführen. Der Personalbestand hat sich gegenüber dem Dezember vorigen Jahres im Januar von 098 857 auf 058 049 Mann verringert. Hüttenwerk Aiederfchöneweide AG. S Prozent Dividende! Der im Herbsi vorigen Jahres veröffentlichte Börsenprospekt der Hütten w« r k Niederschöneweide A.-G. lieh bereits er- kennen, daß es seit 1920 mit dem Unternehmen wieder kräftig aus- wärts geht. Diese Ausfassung wird von dem Jahresabschluß für 1927 in vollem Umfange bestätigt. Die U m f S tz c, die nach den Angaben der Gesellfchatt von 2,5 Millionen Mark im Jahre 1924 auf 7,7 Millionen Mark im Jahre 1926 gestiegen waren, haben sich in den Haupt Produktionszweigen(Blockmessing und Ama- turenrvtguß) im letzten Jahre weiterhin verdoppelt. Bei vor- sichtiger Schätzunq wird also der Gesamtumsatz für 1927 mindestens 11 Millionen betragen, also mehr als das Vierfache vwr 1924. Für 1926 hatte die Gesellschaft nach den Verlustabschlüssen von lS24/23 und der daraufhin erfolgten Sanierung bereits eine Dioi- dende von 6 Proz. verteilt. Jetzt wird aus einem Reingewinn von 112 000 M. sogar eine achtprozentige Dividende gezahlt. Ob diese Dioidendenerhöhung bei der angespannten Bilanz sehr klug ist, ist allerdings zweifelhaft. So günstig sich nämlich die Vroduk- tion entwickelt hat, so u n g ü n st> g ist die Finanzlage. Die eine Million Schulden sind auf über anderthalb Millionen g« st i e g e n und werden durch die Forderungen nur zu einem Drittel gedecki. Zwar sind noch 1,2 Millionen Mark Vorräte vorhanden, die nach dem Geschäftsbericht leicht flüssig zu machen sind; große Vorräte sind aber kein sehr sicherer Aktivposten. In den Betrieben sind zurzeit fast 300 Mann beschäftigt. Internationake Nachrichientrusts. Amerikanischer Angriff nach englischer Abwehr. Vor wenige» Tagen haben wir die Bildung eines englischen, da» ganz« Imperium umfassenden Radio- und Kabeltrusts unter Führung der Marconi-Gesellschaft gemeldet. Now-Dorker Kabelmeldurrgen berichten, daß durch die Vereinigung zwischen der International Telephone, und Telegraph-Eompany und den Mackay-Eom�anies jetzt die Gründung eines USA.-Nachrichtentrusts bevorsteht rmt einem Kapital von über einer Milliarde Mark, der den größten Teil des Nachrichtenwesens aus dem iwrd» und südamerikanischen Festtand beherrscht und erhebliche Kcrbestnter« essen im Atlantischen und Stillen Ozean hat. _ Nach diesen Meldungen ist mit einer Verschärfung des inter, nationalen Konkurrenzkampfes besonders zwischen den Vereinigten Staaten und England auch rm internationalen Nachrichtenwesen zu rechnen, nachdem sich der Konkurrenzkampf zwischen den englischen und amerikanischen großen Clektrogcsellschaften in den letzten Monaten schon sehr verschärft hatte. Steigender Güterverkehr der Reichsbahn. In der Woche zur» 10. März hat die arbeitstägstche Wagengestellung der Reichsbahn gegenüber der Vorwoche wieder zugenommen. Sie ist van 149 600 auf 151 000 Wagen gestiegen. Die Gewinne im Bergbau. Die Herabsetzung der Dividend« von 8 auf 6 Prag, bei der Harpener Bergbau A.-G. hat die Frage, ob das vergangene Jahr für den Bergbau ungünstig gewesen sei, be- sonders interessant gemacht. Jedenfalls spricht die Tntsache, daß die Essener Steinkohlenbergwerke A.- G. dieselbe achtprozentige Dividende wie im Jahre 1927 verteilen wird, außerdem aber noch die Abschreibungen um fast 20 Proz. gegenüber dem Vorjahre erhöht hat, gegen die von den Zechenherren behauptete Unrentabilität. Die chrisNichgewerkschaflNchc Bayerische Elsenbahner-vank A..G. In München, die sich die Zusammensetzung aller v«' fügbaren Gelder der Eisenbahner zu einem wirtschaftlichen Machtmittel zum Ziel« gesetzt hat, hgt auch für das Jahr 1927 trotz ciniaer Mißerfolge bei verschiedenen Gründunae» wieder eine Dividende von 12 Prozent erzielt. Im Mär, 1927 mar das Aktien- kapital von 232 000 auf 500 000 erhöbt morden: oeacnüber 1926 hat sich der Gesamtumsatz von 15 auf 55 Millionen'Mark gesteigert. Sin Opfer der masch'n.'llen Glaesabrikattmi wurde die Deutsche Fensterglas A.-G.. Verl in. Nachdem sich für das Jahr 1927 bei einem Aktienkapital von 1 Million Mark der Verlust auf rund 979 000 Mark erhöht hat, wurde In der letzte» Generalversammlrmq die Aus'ösuna und Liquidation"der Gesellschaft bescWosten. die sür ihre Anlogen noch Käufer sucht und Ihre Att'onäre wohl nicht allzu viel vom eingezahlten Aktienkapital wieder sehen lassen wird. Nnc österreichische«nfsordening. Di, österreichische Gesandt- schalt in Berlin läßt mitteilen, daß die bei dem Brande des Wiener I u st i z p a l o st« s vernichteten Grundbücher zu rund einem Drittel wiederhergestellt sind. Ein Verzeichnis der Liegenschaften, für dl« das neue Grundbuch eröffnet wurde fei bei den österreichischen Konsularbehörden im Deutschen Reich einzusehen. Das Ober�landesgericht Wien fordert dazu auf. diese Liste zu prüfen und all« dinglichen Rechte, die in den neuen Grund- bucheinlagen nicht ausgenommen sind, bis zum 30. April 1928 beim Zivillandesqericht in Wien anzumelden. Desgleichen sollen zur selben Fr st all« Personen ihren Widerspruch anmelden, die sich durch den Bestand oder dt« Rangordniinq der Mntragunqen in ibren Rechten o-rlety rrochim. Eine Verlängerung der Frist üb» den 50 April 1928 hinan, ist gesetzlich ausgeschlossen. Mi« dem 80. April erhalten dl« Eintragungen Rechtskraft, weshalb eine ge- naue Beachtung der Frist für all« Beteiligten von größter Be- deutung ist. Tariffampf im Bankgewerbe. Das Ausbeutungsprogramm der Banfleitungen. Mit dem 31. März 1928 läuft der Reichstarifvertrag für das Deutsche Bankgewerbe ab. Der Berjuch der Angestelltenorgani fationen, auf dem Wege freier Verhandlungen das Reichstarif Bankleitingen hat nicht nur freie Berhandlungen mit dem freigemerffchaftlichen Allgemeinen Berband der deutschen Banfangestellten abgelehnt; er hat auch die Forde rungen der übrigen am Tarifvertrag beteiligten Angestelltenparteien hohnlächelnd abgewiefen. Trotzdem das Bankgewerbe jeit dem Ende der Inflation Jahr für Jahr gemaltig gestiegene Ge minne ausweisen kann und die Bantleitungen selbst ihre eigenen Bezüge so gesteigert haben, daß sie geradezu märchenhafte Ein lommen einſtreichen( der Allgemeine Verband rechnet in ber neuesten Nummer feines Verbandsorgans mittleren Bankdirektoren ein Jahreseinfommen von 600 000 bis 800 000 Mart sor), haben die Banfleitungen für die Angestellten teinen Bfennig übrig. Sie lehnen nicht nur jedwede Erhöhung der nöllig ungulänglichen Gehälter der Banfangestellten fategorisch ab, sondern sie mollen in Zukunft hinsichtlich der Bezahlung der Angeftellten ihrer Willfür Tür und Tor öffnen. Der Bericht wurde ohne Debatte mit Befriedigung aufgenommen. Die engere Settionsleitung mun de miedergewählt. Bei der Wahl der unbesoldeten Mitglieder der engeren Ver. waltung blieben die der KPD. angehörenden Kandidaten mit einem Drittel der abgegebenen Stimmen in der Minderheit. Für die Delegation zu der am 13. und 14. April tagenden Handelsarbeiterfonferenz wurden ebenfalls nur SPD.Mitglieder gewählt: Ninnig, Wille, Kuske, Franke, Pollmeier, Beich und Rohlschmidt. Für die Konferenz wurde ein Antrag angenommen, bei dem ADGB. und den Arbeiterparteien einzuwirken, daß auch für ältere gewerbliche Arbeiter ein gleicher Kündigungsschutz wie im Gesetz vom 9. April 1926 für Ange. stellte festgesetzt wird. Ein weitergehender Antrag verlangt entsprechend dem Gesez für Schwerbeschädigte einen gleichen prozentualen Einstellungszwang für ältere Arbeitnehmer gefeßlich ein zuführen. Auch dieser Antrag fand einstimmige Annahme, wobei zum Ausdrud gebracht wurde, dafür einzutreten, die Altersftaffel für den Rentenbezug von 65 Jahren auf mindestens 60 Jahre herunterzusetzen. Die Berliner Haus- und Wachangestellten. Gute Fortschritte ihrer Organisation. Während der jegt geltende Tarifvertrag eine Gehaltsstaffel im Ausmaße von 15 Berufsjahren vorsteht, wollen die Bant leitungen in Bufunft nur noch für das erste und das achte Berufsjahr feste Bezüge festlegen, Die zwischen dem ersten und achten liegenden und die über das achte Berufsjahr hinaus gehenden Jahre follen der freien Gehaltsbemessung durch die Bant. feitungen unterliegen. Sonderzuschläge und Besazungszulagen follen megfallen und die Banffeiertage abgeschafft werden. Die Lehrhältniffen der Berufskollegen aus Desterreich. Iinge und die Angestellten über 40 Jahre follen aus dem Tarif herausgenommen, der Urlaub erheb fich getürzt werden. Der Sonnabendfrühschluß soll in das Belieben der Bantleitungen gestellt, weiterhin sollen möchentlich drei unbezahlte leberstunden geleistet werden. Diefer furze Auszug aus der Forderungsliste der Unternehmer beweist, daß fie den Reichstarifvertrag über alle Maßen verschlechtern und praktisch wertlos machen wollen. Angesichts dieses Unternehmerprogramms ist der Kampf der Banfleitungen gegen den freigemertschaftlichen Algemeinen Verband der deutschen Banfangestellten, dessen Verbandsorgan bekanntlich seit Monatsfrist in den Betrieben verboten ist, verständlich und durchsichtig. Sache ber in ihrer Eristenz bedrohten Banfangestellten wirb es fein, durch Eintritt in die Reihen des Allgemeinen Berbandes der deutschen Banfangestellten dafür zu jorgen, daß die schwarzen Pläne des Bankenkapitals zum Scheitern gebracht werden, dafür aber den berechtigten Forderungen der Bant angestellten Geltung verfchafft wird. Die Handelsarbeiter waren erfolgreich. Kommunistische Parolen fanden taube Ohren. Die Delegierten der im Deutschen Verkehrsbund organisierten Handelsarbeiter Berlins waren kürzlich zur Generalversammlung zusammen. Aus dem von Wolter gegebenen Jahresbericht ist zu entnehmen, daß im verflossenen Jahr 51 Tarife für die verschiebenen Fachgruppen im Handelsgewerbe neu vereinbart murben, und ins gefamt 4629 Beranstaltungen getroffen wurden. Mett 5403 Neuaufnahmen hat sich die Mitgliedsgiffer ber Berliner organisierten Han belsarbeiter abzüglich der durch Beitragsrückstand und Tod ausge schiedenen um annähernd 2000 auf 17 045 Mitglieber erhöht. Die Freie Gewerkschaftsjugend. Zur Feier ihres fünfjährigen Bestehens. Der erweiterte Aufgabenfreis der Gewerkschaften in der Nach friegszeit, ihre Forderungen nach maßgebenden Einfluß auf die Regelung der Wirtschaftsverhältnisse in Staat und Gemeinde, auf die Sozialgesetzgebung, die gewerbliche Rechtsprechung und die Unfallverhütung, wie auch auf die Umgestaltung der Kultur-, Wirtschaftsund Handelsbeziehungen der Völker"( Gewerkschaftstongreß 1919) gaben die Grundlage zur Heranziehung der Jugend für die Gewerkfchaftsarbeit. Aus den Erfahrungen des im November 1919 gegründeten gemertschaftlichen Jugendkartells und den im Jahre 1922 ent standenen ersten Jugendgruppen der Freien Gewerkschaftsjugend" fommiffion Berlin am 23. Februar 1923 die Errichtung der heraus, beschloß die Plenarversammlung der Gewerkschaftsfommiffion Berlin am 28. Februar 1923 die Errichtung der " Freigewerkschaftlichen Jugendzentrale". Diefelbe begann am 1. April 1923 mit ihrer Tätigkeit. Die Arbeit der Jugendzentrale ist Arbeit mit ber Jugend und ,, Arbeit für die Jugend". Durch Bildung des Beirats für gewerkschaftliche Jugendarbeit", in dem die wichtigsten Industrie gruppen vertreten sind, ist eine engere Berbindung mit den Jugendabteilungen der Verbände gegeben. In 22 Bezirts.Jugendgruppen fommen die Jugendfichen aller Verbände zu gemeinsamen Veranstaltungen zusammen. Allgemein bildende Borträge, Borträge über Entstehung, Entwid lung und Aufgaben der Gemertschaften, Besichtigungen industrieller Anlagen und öffentlichen Einrichtungen dienen zur Heranbildung eines felbstbewußten, mit der Bewertschaftsbewegung und ihrem Mirfen vertrauten Nachwuches. Körperfultur, Wanderungen helfen die Schäden der Erwerbstätigelt mindern, zu überwinden. Sm großen Saal der Sophien- Sale wurde fürzlich die Jahresmitgliederversammlung der im Deutfchen Berkehrsbund mga nifierten Hause und Wachangestellten abgehalten. Glafer. Wien, D5mannstellvertreter des Verbandes der Portiers und Hausbeforger Defterreichs, gab in längeren Ausführungen ein Bild von den Ver. Den Tätigkeitsbericht der Seftionsleitung für das Jahr 1927 gab Leube. Die äußerst intenfin betriebene agitatorische Tätig feit in über 2000 Beranstaltungen führte dazu. daß 2547 iteffen der organisierten Jugend durch die Verbände hinaus, mar die glieder neu gewonnen wurden, resp. von anderen Orga: nisationen übergetreten sind. Von den Neuaufnahmen entfallen auf die hausangestellten in Privathaushaltungen 224, Reine machefrauen 279. Hausreinigerinnen 818, ohn hausportiers 860, Industrie- und Geschäftshausangestellte 214, Privatmächter 30, Wach und Schließangestellte 122. Lohnbewegun gen wurden 15 geführt, an denen 43 812 Berufstätige beteiligt Insgesamt wurde ein Mehrwochenlohn 208 062 Mart erzielt. Das bedeutet für den einzelnen an den Lohnbewegungen Beteiligten ein Mehreinkommen von 4,75 Mart für die Woche. waren. DON In dem Kampf um den Tarifvertrag den der Bund Berliner Haus- und Grundbefizer mit zäher Ausdauer 3% Jahr geführt hat, ist die Organisation als Sieger hervorgegangen Durch Urteil des Reichsgerichts vom 6. Juli 1927 wurde der Bund Berliner Haus und Grundbefizer für tarif fähig erflärt. Klagen wurden insgesamt 502 geführt, von denen allein 191 Räumungsflagen und 188 Klagen auf Zahlung von rüdständigem und widerrechtlich einbehaltenem Lohn und Kostgeld waren. Bon diesen 502 Klagen endeten 189= 37,7 Proz. mit einem vollen Erfolg, 185= 36,9 Broz, mit einem Bergleich refp. Teilerfolg, 64 lagen 12,7 Broz ohne Erfolg, vier Klagen wurden zurüdgezogen und 60 Klagen 11,9 Proz. waren am Schluß des Jahres noch unerledigt. Bon den 502 Klagenden waren 246 49 Proz. erst im Jahre 1927 Mitglied der Organisation geworden. Stellungfuchende waren auf dem Facharbeitsnachweis im legten Geschäftsjahr 5649. Bon den 3809 gemeldeten Stellen fonnten 3616 besetzt werden. Am Jahresschluß waren 697 männliche und 66 weibliche Arbeitslofe zu verzeichnen. Für das neue Geschäftsjahr wurbe Beube als Seftionsleiter wiedergewählt und die Wahl der übrigen Funktionäre vorgenommen. Ueber den Rahmen der Bertretung der wirtschaftlichen Inter Jugendzentrale bestrebt, allgemeine fozialpolitische Forderungen zu vertreten. Durch engste Zusammenarbeit mit den Mitgliedern der Gefellenausschüsse gelang es, die Handwerkskammer zu Sugeständnissen in der Roftgeld und Urlaubsfrage zu veranlassen. Die Fürsorge für bie erwerbslose Jugend- Errichtung von Tagesheimen ist auf die Initiative der Jugendzentrale auriidzuführen. Besonderes Augenmert wurde der Gestaltung der Berufsberatung, bes Berufsschulmefens gewidmet, und fann auch hier von erfolgreicher Arbeit berichtet werden. B Einblick im einzelnen geben die Berichte der Freigemertschaftlichen Jugendzentrale fowie das monatlich erscheinende Mitteilungsblatt. Fünf Jahre erfolgreicher Tätigkeit für bie erwerbstätige Jugend Berlins sollen ihren Ausflang finden in einer großen Rundgebung für gewerkschaftliche Jugendarbeit am Sonntag, dem 25. März, vormittags 11 Uhr, im Mercedes- Palast, Neukölln, Hermannstraße. In der proletarischen Bewegung, in der Gewerkschaftsbewegung gibt es feinen Gegenjah zwischen jung und alt mie im Bürgertum. inter gleichem wirtschaftlichen Druck stehend, streiten sie Schulter an Schulter für die Verbesserung ihrer Lebenslage. Das soll auch die Rundgebung zum Ausdrud bringen, an der sich alle Freunde der gewerkschaftlichen Jugendarbeit, ab jung ob alt, zahlreich beteiligen follten Muſifaufträge übergibt man nur dem Rachwets bes Deutschen Mufiterverbandes, Berlin, Rom manbantenitz 63,64 Dönhoff 8277-78 Befchäftszeit 9-5, Sonntags 10-2 he Auf Bunich: Bertreterbefuc Sämtliche Schul- Artikel Hefte, Tafeln, Griffel Bleistifte, Federn usw. Schulanfang Loden- Mäntel und Mädchen für Knaben K B G in allen Größen Schul- Kleider und Preislagen schwarz Knaben- Schnürstiefel, 9.25, 8.25 Mädchen- Spangenschuh braun 10.50, 8.90 Hallen- Turnschuh, schwarz... 1.35, 1.15 Turnschuhe, grau zum schnüren... grau zum schnüren... 2.60, 2.25 . ..1.45 3.50, 3.25 Kinder- Taschentücher... 20, 12, 10 PL Knaben- Schulanzug Größe 5( 6 Jahre) Sportform... 12.Kinder- Sportmützen Knaben- Schulanzug Größe 5( 6 Jahre) Sportform. Hose ganz gefüttert 18.50 Schülermützen 9 Knaben- Schulanzug Größe 5( 6 Jahre) 20.Besonders strapazierfähig Knaben- Schulanzug Größe 5( 6 Jahre) Flott gemusterter Cheviot 22.Kinder Hüte moderne Farben u. Formen 2.45, 1.75 Kinder- Strickwesten u. Pullover in sehr großer Auswahl Knaben- und Mädchen- Strümpfe in allen Größen und Preislagen Knaben- Hosenträger...... 95, 75 PL. Konsum- Warenhäuser Charlottenburg: Rosinenstr. 4 Süden: Oranienstr. 164-65 Norden: Reinickendorfer Str. 21 Parteinachrichten Etusendungen für diese Nubril find Berlin 623 68, Sinbeuftraße 3. für Groß- Berlin Jugendweihen ftets an das Bestetssetretartet der Arbeiterschaft Groß- Berlins. Die Saltung der Partei während des Strieges.- Bohasbarf: Heim Bate Sonntag, 25. März: 2. Sof. 2 Trep. rechts. zu richten. 2. Arels Tiergarten. Sonnabend, 24. März, 20 Uhr, Sigung ber Bilbungs tommiffion mit dem Maitomitee bei Krüger, Putligftr. 10. Kreis Prenzlauer Berg. Der Rurfus ber Arbeiterbildungsfähule Bienstock findet heute, Freitag, bei Burg, Prenzlauer Allee Ede Raumerstraße, ftati. 7. Kreis Charlottenburg. Conntag, 25. März, 11 Uhr, im Schiller- Theater, Grolman Ede Bismardstraße, Jugendweihe. Sur Aufführung gelangt das Beihefpiel:„ Ins Leben hinein. Von Mag Barthel Portschor Harmonie, Charlottenburg. Weiherebe: Erich Ollenhauer. Eintrittstarten für Er. madlene 75 Pf., für Kinder 40 P., an der Theatertaffe erhältlich. Rege Beteiligung erwünscht. 17. Areis Bid lenberg. Alle Genoffinnen und Genoffen, die Mitglieber bes Freidenferverbandes find, beteiligen fich heute, Freitag, an der Flugblatt berbreitung um 18 Uhr von den bekannten Lobalen aus. Wichtige Partele arbeit. Bollzähliges Erscheinen ist Bflicht. Bildungsansschuß der EPD. Groß- Berlin, 1. Streis mitte. Heute, Freitag, 23. März, 20 Uhr, in der Rulturabteilung des Metallarbeiter. verbandes, Linienftr. 197, Film- und Vortragsabend. 1. Kreuzzug bes Beibes." 2. Ansprache des Genossen Dr. Jul. Dofes, M. D. R. Um rege Beteiligung wird gebeten. Heute, Freitag, 23. März: 17. 6. Die Bezirksführer und Betriebeobleute werden gebeten, bie Mai. marlen pom Genoffen Karl Söhne abzuholen. 77, bt, Gineberg. Sur Flugblattverbreitung treffen fich bie Genossen ab 18 Uhr bei Jürgens, Barbarosaftr. 5a. 83. bt. Biterfelbe. 20 Uhr im Lotal Quandt, Moltteste. B1, wichtige Fun tionärligung. Alle Funktionäre milffen bestimmt arfcheinen, Die Bezirks führer werden hiermit aufgefordert, b'e in ihrem Befiz befindlichen Ein. trittstarten aur Jugendweihe am 25. März beim Genossen Schönwetter ab zurechnen. Nicht zurüdgegebene Karten milffen bezahlt werben. 128./10. Abt. Fantom. 18% Uhr Flugblattverbreitung von den Zahlabend. Iofalen aus. Wir erwarten rege Beteiligung. Morgen, Sonnabend, 24. März: 8. Abt. Jin großen Gaal bes Gewerkschaftshanfes, Engelufer 24/25, Frühlings und Jubilarfeier. Mitwirkende: Das Aünstlerensemble Die Banberraiten". Beginn der Feier 19 Uhr. Eintrittskarten zu 1,50 M. firb bei ben Bezirtsführern zu haben. Rege Beteiligung erwartet ber Abteilungsvorstand. 29. A. Bannerweihe in ben Brachtfalen am Märchenbrunnen, Friedrichsbain Mitwirtenbe: Eypographisches Drchester( Dirigent Erich Gutzeit); Qreenfänger Arns Schellenberg: Rezitationen: Heinz Barthel; Feftrebe: Bürgermeister Dr. Dittowsti. Eintritt 1 M., Crwerbslose frei. Wir erwarten sege Beteiligung. 87. bt. Chalottenburg. Großes Frühlingsfest im großen Gaaf bes Schiller Theater- Restaurants, Bismardite. 110, Ede Grolmanstraße. Eintritt einfal. Tans 1 M. Rarten find bei allen Funktionären au haben. Ebenfalls in ben Speditionen Rantstraße und Gefenheimer Straße. Bir erwarten rege Beteiligung. 54. Abt. Charlottenburg. 17 Uhr wichtige Flugblattverbreitung im Jugendheim Toinenfte. 4. 74. Abt. Rehlendorf. Die Mitglieber beteiligen fich um 20 Uhr in der Aufa der Oberrealfoule Burggrafenstraße an der Werbefeier der SAJ. Mufil, Regitationen, Ansprachen, Boltstänge, Theateraufführung. Eintritt 20 Pf. Wir bitten um rege Beteiligung, 88. st. Mazien borf. Punktlich 10 Uhr wichtige Funktionärßigung bei Stien. borf, Chauffeeftr. 19. Achtung! Die Bezirksführer rechnen spätestens am Conntag, 25. März, beim Raffierer, Genoffen Gruhn, bestimmt ab. Aus gabe ber Maimarten. 101. Abt. Ereptom. Connabend, 24. März, treffen fich bie Genoffen und Ge. noffinnen aur Flugblattverbreitung in ber Vorwärts"-Epedition Grack fraße 50. Am Conntag, 25. März, treffen fich bie Genoffen zur Wahl. arbeit um 8% Uhr ebenfalls in der Epedition. Frauenveranstaltungen: 2. The tung, Gensinnen! Montag, 26 Märs, 1914 Uhr, met. puchener Schloß", Elbinger Str. 87, Frauenabend. Portrag der Genosin Alle Genoffinnen und Lohbal über: Ronsumgenoffenfchaft und Partei." Genoffen müffen unbedingt erscheinen. Ronfummitglieder und Gympathi fierenbe find mitzubringen. Großes Schauspielhaus, Karlstr., vorm. 9 Uhr. Charlottenburg, vorm. 11 Uhr, im Schiller- Theater. Sonntag, 1. April: Großes Schauspielhaus, Karlstr., vorm. 9 und 11% Uhr. Pankow, vorm. 11 Uhr, in den Tivoli- Lichtspielen, Bantow, Berliner Straße 27. Programm: Chorgefänge, Mufit, Rezitationen, Festspiele, Sprechchor, Weihereben: Arthur Crispien, M. d. R.; Erich Öllenhauer, Stadtverordneter Dr. Lohmann. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt: 7. Areis Charlottenburg. Seute, Freitag, 28. März, 19 Uhr, int Rathaus, Bimmer 141, Aftenbesprechung. 12. Areis Steglig. Heute, Freitag, 28. März, 20 Uhr pünktlich, im Rathaus Stegfig Schulungsturfus. Thema:" Tas Gefes über Arbeitsvermittlung und r beitslosenversicherung." Referent Genoffe Rudolf Carsten. Alle Genossinnen und Genoffen find herzlich eingeladen. 17. Rreis Lichtenberg. Heute, Freitag, 23. März, 19% Uhr, im Nathans Thema: Jugendgerichtsgefeß und Jugend" berg: Seim Soupiste. 15. Rund um ben Chunb."- Belten: Seim Seme ftraße 10. Lehrling unb Gemertidaft Charlottenburg: Heim Sofinen ſtr Sohn und Arbeitszeit." Salensee: Schule Joachim- Friedrich- Str. 35. Cosial politische Fragen. Reuteln, Melterengruppe II: Heim Ranner Straße ftraße L Glaßbrenner- Abend. Köpenid: Heim Grünauer Str. 5. Licht bilbervortrag: Riefengebirge." Niederschöneweide: Heim Berliner Str. Jugend rechts und links von uns. Treptow: Seim Grfenstr. 3. Bast fismus. Rauleborf: Heim Abolfftr. 25. Arbeiterjugend und Rauschgifte." Sichtenberg- Rorb: Heim Possestr. 22. 8ehn- Minuten- Referate. Reiniden borf- West: Heim Seibelstr. 1. Demokratie ober Diktatur?" Pankow: Heim Riffingen ftr. 48. Oftern, Pfingsten, Dortmund." Niederschönhansen: Schule Blanterburger Str. 70. Werbeabend. Werbebezirk Arensberg: Besucht die Buchausstellung Jugendbewegung und Bolfslied" 20 Uhr. Am Montag, 26. März, findet die Hauptversammlung bes Jugendherbergsverbandes Kreuzberg im Bezirksamt Dordfir. 11 ftatt. Ben sahlt die Beiträge und erscheint. ww Oeffentliche Werbeveranstaltungen morgen, Sonnabend, 19% Uhr. Programm: Mufit, Festansprache. Gesang, Rezitationen, Festspiel. Berbebeşir! Renton: Berbelunbgebung mit Fadelaug. Treffpunti 19 Whe Reuterpias. Echlußfundgebung Richardplas. Baltenplay: Berbefeier. Rehlendorf: Jugendfeier in der Aula der Oberrealschule Burggrafenstraße. Werbebegirl Kreuzberg: 18 Uhr Treffen Fontanepromenade gum Werbeumzue in Neukölln. Seher muß erfcheinen. gerichtshilfe. Referent Genolle Theet( Briebrichshein), alle Genoffinmez Borträge, Vereine und Bersammlungen. und Genoffen eingeladen. 18. Kreis Pantow. Freitag, 28. März, 20 Uhr pünktlich, im Lokal Menet, Türkisches Belt, Tantow, Breite Str, 14, Lichtbilberabenb:„ Aufgaben und Einrichtungen der Arbeiterwohlfahrt." Referentin Genoffin Morgenstern. Um rege Beteiligung wird gebeten, Jungfozialisten: Gruppe Webbing- Gesundbrunen: Sente, Freitag, pünktlich 20 Uhr, im Jugendheim Drthstr. 10, Schweit.Abend. Biz Lesen aus bem Buch: Die Aben. tener bes braven Golbaten Schweit." Zeitung Franz Lepinfti. Barteigenossen, 603- Mitglieder, Cympathifierenbe find herzlid ft eingeladen. Gruppe Cüben: Heute, Freitag, pünktlich 20 Uhr, im Jugendheim Vord. traße 11, 8immer 3. Arbeitsgemeinschaft: Die philofophifchen Grundgebanten bes Margismus." Referent Genoffe Jakubowicz. Conntag, 25. März, Fahrt nach Wannsee Potsdam. Treffpunkt 8% Uhr Wannseebahnhof. Gruppe Söneberg: Beute, Freitag, im Jugendheim Sauptstr. 15 Bertragsabend. Bom utopischen zum wissenschaftlichen Eosialismus." SEJ Sozialistische Arbeiterjugend Groß Berlin Einfendungen für diefe Rubrif nur an bas Jugenbfefretariat Berlin GB 68, Linbenfiraße 3 Achtung, Fahrpreisermäßigung zur Osterfahrt. Die Anmeldung muß( pätestens bis 8. April auf den Fernbahnhöfen par. genommen werden. Bei Fahrien aber die Stadtbahn nach Dften Schleicher Bahnhof, nach dem Westen Charlottenburg. Anmeldungen zum Osterkursus: 2egter Termin Connabenb, 24. Mäta, im Sekretariat. Für die Ingenbweihe am Conntag, 25. März, im Großen Schauspielhaus werden Genoffinnen und Genossen als Helfer benötigt. Treffpunkt pünktlich 8 Uhr morgens Eingang Schiffbauerdamm. Heute, Freitag, 23. März, 19% Uhr: Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefäftstelle: Berlin G. 14. Sebaftianfte 87/88. 6of 2 2 Schönewelbe- Johannisthal: Co., b. 24., 20 Uhr, Bersammlung bet Schöps, Grünauer Straße. Bortrag Ram. Dr. Grelling: Pazifisuus und Reichsbanner." Gruppenführer 1 Stunde früher. Fahrgelb( 1.30) für die Beeskow- Fahrt mitbringen. Sonntag, 25. März. Mitte: Werbefahrt nad Löwenberg, Abfahrt bez Rraftwagen 10 Uhr Binnowiger Straße( Stettiner Bororibhf.). Nachrichtenzug 8 Uhr Pappelplag. Bad mit Wimpel und Laurpe Bflichtveranstaltung. Steglig( Ortsverein): Antreten 10% Uhr Partrestaurant Gubende. Demokratische Rundgebung. 12 Uhr Abfahrt zur Lanbagitation( ohne Mäber). Trepiom( Ortsverein): Autofahrt nach Beeskow. Abfahrt: 9.20 Uhr Treptow, Riefholz Ede Eisenstraße: Rieberschöneweibe 9,40 Uhr Gelinquee Straße 8; Ablershof 10 Uhr Ehf. Adlershof; Alt- Glienice 10,20 Uhr Bahnhof Grünau; Baumafculenweg 10% Uhr bei Borgmann. Fahrpreis 1.50 M. Rapenid: Abfahrt bes Autos zur Landagitation 10 Uhr Friebrich Wilhelm- Blag. Fahrpreis 1 M. Lichtenberg, nebst Kamerabschaften: Landagitationsfahrt per Auto nach Bernerchen. Abfahrt 10 Uhr bei Werner, Wilhelmste. 3. Ще Rameraben haben ab 8 Uhr erst ihrer Wahlpflicht bei den Freidenfermahlen nachzukommen. Sambourkorps und fämtliche Fahnen sind zur Stelle. Reinident borf( Ortsverein): 10 Uhr Antreten ber Rameradschaften an ben belannion Eammelplägen zur Ausfahrt nach Schönerlinde, Schönwalde und Pasdorf. Bernan: Werbetag in Echönerlinde, Schönwalbe und Basdorf. Abfahrt fir Bernau, Bornede, Ladeburg und Blumberg 114 Uhr von Modisch, Raiserstraße. Möntgental teigt au. Wanblis 14% Uhr in Schönwalbe. Hennigsdorfe Antreten 12 Uhr Bahnfteig Sennigsdorf. Werbebemonstration und Gefallenen ehrung. Eeltow: 10% Uhr Antreten bei Linke. Agitationstag. Sportplag Fricbridefelbe: Ab 9 Uhr Uebung aller freien Rameraben. Waffersportabt.: Uhr Mitgliederversammlung im Tootshaus. Rug Oberfpree Arbeit d'enft. Ridtenberg nebft Ramerabschaften: r., b. 23., 20 Uhr, haben fämtliche Rameraden die fälligen Kamerabfchaftsverfammlungen au besuchen.. Kamerab Ichaft Gustav Tempel: Die Rüge 3 und 6 tagen diesmal getrennt in theen Berkehrslokalen. Rentelln- Brig: Conntag. b. 25., 8 Uhr. Antreten Ratis. garten zur Autopropagandafahrt. Freibenterwähler fahren 10% Uhr vom Rarlsgarten. Fahrpreis 1,50 M. Fahnen mitbringen. Pflichtveranstaltung. Der Junge Choe." Eonntag, 25. März, 91 Uhr, Treffpunkt zur Mit wirkung Jugerdweihe Germaniapalaft, Frankfurter Allee 314. Typographisches Derefter. Direktion Erich Gutzeit. Uebungsstunden faben Freitag 20 Uhr in Neukölln, Sermannfte. 199( Nähe Steinmeßstraße). Güfte tets mililommen. Connabenb, 24. März, 20 Uhr, Ronzertmitwirkung bei der Bannerweihe der 29. Abt. der SPD. im Saal Märchenbrunnen"( Friedrichs hain). Sanfe: Heim Bochumer Etr. 8b. Rechte und Pflichten eines Staats Birgers." Moabit 1: Echule Walbenferstr. 21. Die Bauerntriege." Moabit: Seim Lehrter 6ft. 18/19. Unser Bald." Faltplay 11: Heim Gleimste. 85. Razi Marg und fein Wert." Rorboft: Heim Danziger Str. 62. Bürgerliche und proletarische Jugendbewegung." Rofenthaler Borstadt: Seim Behbenider Str. 25. Die fosialistische Familie." Weißenfee: Heim Barkfit. 86. Werboabend. Lichtbildervortrag. Wörther Blag: Seim Rastanienallee 81.„ Die alte GPD." Sentrum: Seim Sandsberger Str. 50. Einführung in ben Enzialismus. Anbreasplay: Heim Brommnftr. 1. Wanberabenb. mirifchaft. Etralauer Biertel: Seim Coßlerstr. 61. Rörperpflege und Rörperkultur, etne bringende Notwendigkeit. Rottbuffer Tor: Heim Reichen berger Etr. 181, Gde Crinauer Etraße. Ferdinand Laffalle, fein 2aben und fein Wirten." Süden: Heim Vordstr. 11. Was ift Cozialismus?" Schöne Dentfrez Juternationaler Anwaltverband E. B. Drt: Deutsche Gesellschaft 1914, Cabowftr, 6/7. Beginn 20% Uhr. Vortrag. Freitag. 23. März. Rechts. anwalt und Setar Dr. Bruno Well, Berlin: Die beutsch- französischen Redis beziehungen vom Friedensbeginn bis zum Handelsvertrag. Gäste haben Zutritt. Architekten. and Sngenieurverein zu Berlin. Montag, 26. März, 20 Uhr, Grüner Saal Röthener Str. 38. Snpotheken- und Finanzwefen in ber BauBortragender: Regierungsbaumeister a. D. Sunge. Anfchießend Ausforache Etwa um 21 Uhr: Ueber das baupeligeinche Genehm gungs perfahren. Vortragenber: Oberbaurat a. D. Reblich. Anfregend Ausfprache. Rarten in der Geschäftsstelle bes Bereins, Wilhelmftr. 92/93. 10.90 12.50 10 3000 Aussergewöhnlich reizvoll.... sind unsere neuen Frühjahrs- Modelle und bieten in jeder Preislage das für Ihren Fuß Passende Für die Dame: Charleston- Sandalette weib gedoppelt, in blau, rot oder beige, 1090 der Modeschlager Spangenschuhe in den neuesten Modefarben, beigerosé, sekt, mauve, haselnub mit echtem LXV- und Trotteur- 1250 Absatz. Spangenschuhe braun echt Boxkalf. Für den Herrn: Halbschuhe braun Rindbox, gefällige Form. 13.90 Derselbe beste Rahmenarbeit Halbschuhe br. Boxkalf, rassige spitze Form, feinste Rahmenarbeit, rings 1190 1650 herum w. gedoppelt, 2100 wie Abbildung. 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Prima Gehackles Prima Rinderbacken. Prima Ochsenschwänze Prina Rinderleber..... Kalbskamm ohne Beilage......... Pfand 70Pt. Kalbsnierenbraten.............. Pfund 80PL Kalbskeulen bis& Pid. schw.,&. Blatt, Pid. 90Pt. Prima Kalbsschnitzel.. Pfand 2,20 Prima Rindertale selbst ausgelass, Pt. 48Pt. Gefrierfleisch Prima Schmorfleisch Koule, o. Ka., Ptd. 96Pt. Prima Gulasch ohne Knochen..... Pfand 70Pt. Prima Suppenfleisch. Pfund von 50Pt.an Prima Rinderlangen frisch...... Prand 28PL Prima Rinderherzen trisch...... Ptand 50Pt. Prima Kubeuter frisch............ Pfund 24Pt. Prima Schweineküpfe mit Backo, Pfund 42PL Feinste Säm scn- Fensterleder Back 95 PL 145 190 Danksagung. Für Wie berghe Teilnahme Bet der Beftattung meinez lieben Frau und Mutter sprechen wir allen Berpandten und Betannten sowie ber 94 unb 97. bteilung der SBD., ben Mietern des Hauses Allerstr. 88 and dem Redner Herrn Sus unseren besten Dant aus. 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Pfand 1,60 Mandeln süss a.bitt., Pfd. 2,10 Holsteiner JungeErbsenmittelfein 92Pt. Jagdwurst....... Ptand 1,20 Gemüseerbsen..... 64P. Knoblauchwurst Pa 1,20 Zervel.u. Salami P. 1,65 Sultaninen rta. 48, 58, 68Pt. Karollen geschnitten... 36pt. Fleischwurst.... Pland 1,20 Nußschinken.. Pland 1,75 Rosinen........ Pfand 55Pt. Sellerle in Scheiben..... 95. Plefferlinge........... 95PI. Mirabellen............ 1,18 1,18 Apfelmus............ 58Pt. Birnen ganze Frucht.... 98Pt. Kürbis 78Pt. 0000000 10 Suppenhühner frisch Pfand von 98% Suppenhühner gefroren Pfund von Tan Hasen gestreift und ausgeworfen Pland 90. Korinthen....... Pfund 70PL Kokosnuss gerasp., Ptd. 55Pt. Zitronat.......... Pfund 1,50 Vanillezuck. 10 Packch. 40PL Hartgriess...... Pfand 26PL. Vanille Dbft und Gemüse in Gläsera.. Glas 25, 40, 55Pt. Stachelbeeren........ 98P. Holl.Reinetten 2 PM. 45PL. Smyrna- Feigen Pfand 35r. Kalif. Pfirsiche Pfund 78Pt. Preiselbeeren.... 1,10 Amerik. Aepfel Pland 48Pt Ananas......... Ptand 85P. 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Der Reichstag nahm gestern zunächst ohne Aussprache in| allen brei Lesungen das Gesetz über den Gebietsaustausch zwischen Sachsen und Thüringen und das deutsch- spanische Luftvertehrsabtommen an. Es folgt die zweite Beratung der deutsch- französischen Bereinbarung über den Warenaustausch zwischen dem Saarbedengebiet und dem deutschen Zollgebiet. Abg. Dr. Reichert( Dnat.) führt aus, diese Borlage gebe neuen Anlaß zum Protest gegen die ungerechte und widernatürliche Abtrennung des deutschen Saargebiets vom deutschen Zollgebiet. Abg. Sollmann( Soz.): Auch wir stimmen dem Abkommen zu. Die Bevölkerung der Saar wünsche die Rückkehr zum Deutschen Reich; sie besißt nicht ein mal ein Parlament, um ihren Willen zum Ausdrud zu bringen. ( Hört, hört!) Sie lebt schlimmer als in einer Rolonie. Nicht an die deutschen Volksgenossen allein, sondern zugleich an unsere französischen Freunde ergeht unser Ruf, bei den kommen= den Wahlen die Bahn freizumachen für die Bevölkerung an der Saar.( Beifall bei den Soz.) Abg. Hofmann- Ludwigshafen( 3.): mir als geborenen Pfälzer ift es nicht einmal möglich gewesen, das Saargebiet zu betrachten. Wir Deutschen aber müffen immer daran denken, daß hier deutsches Gebiet gewaltsam von uns gerissen ist. Der Reichstag hat sein Interesse bei der Saargängerhilfe, bei der Stundung der Zölle und auch in der Frage der Saartohle zum Ausdruck gebracht. Vom Reichstag aus werde der Gruß diefer Bevölkerung erwidert mit dem Ruf: Deutsche an der Saar auf immerdar!( Beifall.) Die Bereinbarung wird hierauf in zweiter und britter Beratung angenommen. Es wird dann eine vom Auswärtigen Ausschuß vorgelegte Entschließung angenommen, die von der Regierung Maßnahmen verlangt, um die Rechte der deutschen Gläubiger gegenüber dem tschechoslowakischen Abwertungsgeset betr. die alten Silber und Goldmart- Brioritäten und Spartaffenguthaben zu wahren. Der deutsch- polnische Bertrag über polnische landwirtschaftliche Arbeiter wird in zweiter und dritter Beratung angenommen, ebenso das Zusazabkommen zum deutsch- lilaulfchen Handelsvertrag. Es folgt der mündliche Bericht des Parlamentarischen Untersuchungsausichulfes über die Ursachen des inneren Zusammenbruchs im Weltfriege. Der Ausschuß hat die Ergebnisse der Untersuchung in einer Gesamtentschließung zufammen gefaßt. Abg. Dr. Philipp( Dnat.) berichtete über die Verhandlungen des pierten Unterausschusses, der sich in 94 Sigungen mit der Frage des inneren Zusammenbruchs eingehend beschäftigt habe. Abschließend hat der Ausschuß festgestellt, daß die Schuld am Zusammenbruch nur im wechselseitigen Zusammenwirten zahlreicher Ursachen gefunden werden fann. Der Berichterstatter bat im Namen des Ausschusses, die Beröffentlichung des Unterausschusses zur Kenntnis zu nehmen. Ohne weitere Aussprache stimmt das Haus der Ausschuß entschließung zu Reudells Etat. Es folgt die zweite Beratung des Haushalts des Reichsminifteriums bes Innern. Der Ausschuß legt bazu eine ganze Reihe von Entschließungen Bor. Eine Entschließung fordert, daß die Vertreter der Reichs-, Staats- und Kommunalbehörden an Veranstaltungen, bei denen Flaggenschmud verwendet wird, nur dann in ihrer amtlichen Eigenfchaft teilnehmen, wenn die Reichsfarben an hervorragender Stelle gezeigt werden Eine weitere Entschließung verlangt einen Gefeßentwurf, der für alle Deutschen an Stelle der Staatsangehörigkeiten die deutsche Reichsangehörigteit fett. Abg. Dr. Schreiber( 3.) berichtet über die Ausschußverhand. Lungen. Abg. Gollmann( Soz.): Wenn wir die jahrelange Miniftertätigkeit der beiden deutschnationalen Herren, die das Reichsministerium des Innern ver waltet haben, nach Erfolgen durchforschen, reicht das schärfste parlamentarische Mitroftop nicht aus, um auch nur einen winzigen Fortschritt zu entdecken.( Sehr richtig! bei den Soz.) Die ganze deutschnationale innerpolitische Regiererei ist eine Rette von Miserfolgen. Im Haushaltsausschuß hat der deutschnationale Abg. Dr. Berndt auf unsere Frage nach Erfolgen geantwortet, Ichon die Vorlage des Reichsichulgeleges sei eine Großtat gewesen. Demnach scheinen die Deutschnationalen zu glauben, in den Rapierkörben des Parlaments ruhien die Großtaten der deutschen Geschichte.( Sehr gut! bei den Goz.) Bei dieser Art Großtaten, bel bem Schifal des Reichsschufgefehes wird man an den armen Peter in der Fremde erinnert, der zu Großtaten auszog, fich aber bald ängstlich in sein Dorf zurückschlich und dort renommierte: Und wär' der Kreusweg nicht gekommen, Und hätte es nur nicht geschneit so wär ich jeht, wer weiß wie weit." Deutschnationale imb Bentrum baben angefündigt, daß die Schulfragen auch im Wahlkampf hervortreten würden. Wir haben nichts dagegen. Unser Schultampf ift ein Stüd des fozialen Befreiungsfampfes Der Streit zwischen evangelischer Orthodorie, Klerifalismus und Liberalismus mag sich in dem Ringen um Konfessionsschule, Kirchenaufsicht und Simultan schule erschöpfen. Wir wollen bie Bildungsvorrechte brechen, bie nur ein Teil der Besikoorrechte find. ( Lebhafte Ruftimmung bei den Soz.) Das müffen die fotholischen und evangelischen Arbeiter mit uns wollen. Den tatholischen Arbeitern ginge es beffer, wenn die Zentrumspartei einmal in sozi alen Forderungen diefelbe rücklichtlofe festigkeit zeigen würde, die thr bei Kulturfragen immer zur Verfügung steht Die westanffau. liche Verfälschung des Klaffentampfes wird merkwürdigerweiſe von beiden Kirchen mur dem Proletariat, nicht den Besitzenden gepredigt. Unfere Cofung ft, im Schulfampfe wie im gesamten sozialen Befreiungskampfe: Profetarier aller Weltanschauungen ver. einigt euch, um gemeinsam die Befihvorrechte zu brechen! So sehr wir dem Herrn Minifter staatspcfitische Erfolge bestreiten, so sehr gestehen wir ihm parteipolitische Erfolge zu. Das Reichs. ministerium des Innern ähnelt jekt einer deutsch= nationalen Parteifiliale.( Sehr wahr! links.) Natürlich fiken nun die vielen deutschnationalen Parteigänger, die in hohe Memter berufen worden sind, nicht, wie die Deutschnationalen den Republikanern gegenüber sich auszudrüden belieben, an der Futter.| trippe, sondern erheben ihre Gehälter nur, weil sie ein Opfer bringen ihrem geliebten deutschen Vaterlande. Herr v. Keudell als Verfassungsminister wird durch eine Tatsache charakterisiert: er hat den Direktor der Verfassungsabteilung Dr. Brecht gemaßregelt, mur weil dieser Republikaner ist. Des Herrn v. Keudell Art, fich immer wieder als Partei- und Fraktionsminister zu geben, hat ihn in einen dauernden Kriegszustand mit Breußen geführt. Die Autorität des Reichsministers des Innern ist ohnehin nicht beI deutend. Außerhalb seines großen Amtsgebäudes fehlt ihm jedes Organ, jede Befugnis.( Buruf bei der D. p.: Leider!) Jeber Länderminister fann den Reichsminister des Innern mit der Frage verhöhnen, die Bismard in die Politik eingeführt hat: Was willst du armer Teufel geben?" Um so bedauerlicher ist es, daß Herr v. Keudell das geringe Maß von Autorität seines Amtes noch mehr geschädigt hat. Da er zugleich Beamtenminister ist, follte er wenigftens die Vorwürfe des Vertrauensbruches und einer Jrreführung der Oeffentlichkeit zurücknehmen, die er gegen einen hohen preußischen Beamten, gegen den Ministerialdirektor Dr. Badt, als dem preußischen Reichsratsbevollmächtigten geschleudert hat. Der Reichsrat hat sie einstimmig für unbegründet erflärt. Dreimal hat Breußen, Sie, Herr Minister, in öffentlicher Sigung zur Ehrenerklärung aufgefordert. Das letzte Mal am 16. Dezember 1927, als der preußische Minister. präsident im Landtag ausführte, es fei sonst doch unter gelitteten Leuten üblich, baß, wenn sich ein berart fchwerwiegender Borwurf als unbegründet heraus. gestellt hat, dieser Vorwurf zurückgenommen wird." Ich richte an Sie, Here Minister, im Jntereffe der gesamten blejes Unrecht wieder gut machen?" Beamtenfchaft die dringende Frage: Wollen Sie nicht endlich Rein nennenswertes gefeggeberisches Bert ist im vergangenen Jabre geförbert worden. Die Reform des Beamten rechts wurde nicht weiter geführt. Nicht einmal die Laufbahnbestimmungen für Beamte wurden vorgelegt. Die Rückkehr zum Achtstundentag, der für Beamten in Preußen besteht, ist nicht erfolgt. Die Wahlreform, die Reichsregierung und Bürgerblod großfpurig angekündigt haben, ist nicht herausgekommen. Gegn ein Gefeß das die unverschämten Ansprüche des Standesherrn zurückweift, hat die Reichs. regierung Widerstand geleistet. Nicht einmal ein Ministerpensionsgefeß hat sie zustande gebracht. Lediglich die Denkschrift über die Lüftung des Reichstags wurde vorgelegt. Es iſt aber immer noch muffig genug. Der Reichshaushaltsausschuß hat sich geschämt, die niedrige Dotierung der Kulturpofitionen im Etat dem Reichstag vorzulegen. Unter unserer Mitwirkung sind ein Duhend Kulturetatstitel um millionen Marf erhöht worden. Wir haben uns insbesondere auch für die studentische Wirtschaftshilfe und die Studentenhäuser eingesetzt. 3mmer noch find nicht einmal 2 Broz. der deutschen Studenten aus Arbeiterhäufern. Alles, was für Wissenschaft und Kunst im Haushalt angefordert ist, hat unsere bolle Unterstügung gefunden. Unseren Antrag auf 26 Millionen Mart für die gefährdeten Grenzlande erneuern mir. Für die Jugenderziehung, für Erziehungsbeihilfen, für Jugendwandern und Jugendherbergen wünschen wir noch wesentlich mehr zu tun. mehr zu tun als bisher, Hinsichtlich der Beamtenschaft hat der Minister naturgemäß nichts getan, um die republitanische Staatsgefinnung zu vertiefen. Beamte, die dem geflohenen Ertaiser Geburtstagswünsche nach Holland senden, sollten veranlaßt werden, auf Gehalt von der Republik zu verzichten, und als Balaien bei Geiner Ma je st ät Dienst zu nehmen. Es ist unwürdig, daß sich hohe Würdenträger der Republik von einem asiatischen Operettenkönig mit Herzogsmänteln schmüden laffen.( Sehr wahr! bei den Goz.) Zeigt diefen Republikanern einen Orden und der Untertan kommt zum Vorschein!( Sehr wahr! bei den Soz. und Natfoz.) Wir wollen feinen Gewissensterror, aber starte Autorität und horsam seiner Beamten ist das Lebenselement jebes Staates. Reichs reform, aber sie wollen ganz etwas anderes als wir. Die Deutschnationalen reden wie wir von einer Die Deutschnationalen wollen die dynastische 3erstüdelung des Reiches verewigen; fie wollen die Demokratie zugunsten einer bittatorischen Stärkung der Reichspräfibialgewalt zurückbringen. insbesondere wollen sie den Artikel 54 der Reichsverfassung auf heben, der Reichskanzler und Reichsregierung vom Vertrauen des Reichstags abhängig macht. Preußische Deutschnationale und bayerische Partikularisten sind einig in dem Haß gegen die demokratische Reichsverfassung. Die Herren schwärmen von der Bismarcfchen Bundesverfassung.( Buruf von den Soz.- Abg. Leicht( Bayer Bp.): Ich schwärme überhaupt nicht! Heiterkeit.) Tatsache aber ist, daß Bismards Berfassung in der ersten großen Krise des Reichs, im Weltkriege, zusammengebrochen ist. Das neue Reich hat sich mit Hilfe der Verfaffung von Weimar aus dem tiefsten Sturz der deutschen Geschichte wieder aufgerichtet. In diesem Aufstieg erweist sich die iezige Reichsgliederung, die seit der Abdantung der Dynastien finnlos geworden ist, als schweres Hindernis. Wie in jo pielem, so hat sich Bismarck auch in seiner Boraussage geirrt, daß die deutsche Nation zu ihrem Busammenhalt der Fürsten bedürfe. Auf dem Boden der Demokratie haben nach dem schmählichen Bersagen der Fürsten die Volksmaffen und sie allein das Reich zusammengehalten. Durch die Demokratie wollen wir nun das Reich vereinheitlichen, die deutsche Landkarte bereinigen, die deutsche Verwaltung reformieren. Auf biefem Gebiete fann natürlich niemand etwas leisten, der, wie der jeßige Reichsminister, von einer Souveränität der deutschen Länder pricht. ratingebante ist gut für die Einigung Europas, unbrauchbar für Deutschland. Wir sind als Baneuropäer Föderalisten, als Deutsche jedoch Unitarier. Unbegreiflich ist, daß die Bayern Bismards Berfassung mit ihrer dittatorischen preußischen Hegemonie nachträglich anschwärmen. Die Bayern scheinen immer nur in der Erinnerung lieben zu können. Der neuerliche Aufruf des Zentrums für den echten Föderativstaat" beweist nur die wachsende Unsicherheit der Föderalisten. Im Zentrum steigt die unitarische Strömung. Auch das Zentrum wagt sich im Ernst an Breußen nicht mehr heran. Wer jedoch Preußen nicht zerschlagen mill, rebet theoretisch von einem scheinbaren Föderalismus, steuert aber praktisch auf den Einheitsstaat mit dezentralisierter Verwaltung los. Die Föderalisten sind ein Heer ohne einheitliche Führung und ohne 3iel. Wir fozialdemokratischen Unitarier erstreben feine fchematische Zentralisation. Wir wünschen nicht, daß etwa Berlin die Provinzstädte fulturell so veröden läßt, wie es München mit seinen bayerischen Provinzstädten getan hat.( Sehr gut! bei den Soz.) Der Einheitsstaat ist uns fein Schlagwort. Wir missen, wie schwer er zu verwirklichen ist, aber mir wollen die Entwidlung zum Ziele fördern. Wir denken uns die Entwicklung etma fo: feine Wenderung des jehlgen Zustandes zuungunsten des Reichs; feine Schwächung der Reichsgewalt, feine Stärkung des Reichsrats; fein 2bbau der Reichssteuerrechte, Bereinigung der Enklaven Ver handlungen müffen baldigft in Fluß tommen, damit dem Wolfe gezeigt wird daß die jetzigen Bandesgrenzen nicht unantastbar find. Reine einzelnen Reichsländer. Anschluß lebens unfähiger Länder an benachbarte größere lebensfähige Länder. Bolles Ausschöpfen der dem Reiche gegebenen Gesetzes und Berwaltungsfompetenzen. Kein Nebeneinander von Reichs, und Staatsverwaltungen, Bereinheitlichung der Rechtsprechung mit dem Biele der Reichsjustiz. Bereinheitlichung des Bodenrechtes, Wohnungsrechtes, Wegerechtes. Bereinheitlichung des Bolizeiwefens ( Reichstriminalpolizei, Reichsverkehrspolizei unter dem Reichsministerium des Innern), Reichsstädteordnung, Reichslandgemeinde ordnung, Reichsbürgerrecht. So wird sich ein engerer staatsrechtlicher Zusammenschluß ber Reichsglieder entwickeln und zugleich eine größere Selbstverwaltung ber tommunalen Körperschaften. Preußen aber hat einen besonderen Beruf, den Einheitsstaat mit dezentralisierter Selbstverwaltung vorzubereiten. Es muß seine Provinzen zu or bilbern tommender Reichsprovinzen Reichsländer machen, sowohl nach der geographischen Abgrenzung wie nach der inneren Gliederung und der Lebenstraft ihrer Selbstverwaltung. oder Die Konferenz der Ministerpräsidenten wird theoretisches Gerede bleiben. Das Bolt felbft muß fprechen.( Sehr richtig! b. d. Soz.) mir rufen die deutsche Jugend auf. über die Reſte der Monarchien zur Einheitsrepublit vorzubringen. Wir vertrauen auf die deutsche Arbeitertlaffe. Alle ihre Organisationen spannen sich über das ganze Reich. Die Ideen der Arbeiterklasse greifen selbst über die Nationen weit hinaus. Diese Ideen sind viel zu groß, um sich in Länderfetzen einsperren zu lassen. Die deutsche Zerrissenheit wollen wir denen ins Grab legen, die sie verschuldet haben, den deutschen Monarchisten. Wir wollen vorwärts zur sozialen Republit. So wollen und werden wir das fchaffen, was die Monarchisten nie erreichen konnten: den Staat der deutschen Nation.( Lebh. Beifall bei den Soz.) Keudells Großtat". Abg. Berndt( Dnat.) erwidert dem sozialdemokratischen Redner, schon die Borlage des Reichsschulgeleges allein fei eine Großtat der letzten Regierungstoalition gewesen, für die dem Minister D. Reubell Dant gebühre.(!!) Das Scheitern des Schulgesetzes errege Empörung bei der ganzen christlichen Elternschaft. Der Kampf um das Schulgeset werde fortgeführt werden, bis die tonfessionelle Bolfsschule und die Sou veränität des Elternrechts gefeßlich gesichert sei. Das gesunde Gefühl des Volfes lehne sich auf gegen die vorzeitigen Reichstagsneuwahlen.(!) Die unter dem Schlagwort Einheitsstaat" geführte Agitation sei aus parteipolitifchen Gründen fünstlich entGe- heitliche Boltswillen ihn verlangt. Durch 3wang oder Mehrheitsfacht worden. Der Einheitsstaat fet nur möglich, wenn der einbeschlüsse sei er nicht zu erreichen.( Fortgesetzte Zwischenrufe links.) unitarischen Charakter haben. Die Ursache aller Mißstände fei Sie Die Deutschnationalen würden alle Ausschußanträge ablehnen, die demokratisch- parlamentarische Weimarer Berfassung, die für Deutschland nicht paffe. Eine Reform der Verfassung fet notwendig im Sinne der Beschlüsse der Länderkonferenz. Der Redner verlangt die Vereinigung der Aemter des Reichskanslers und des preußischen Ministerpräsidenten in einer Person. Die Re gierung müsse unabhängig vom Vertrauen des Bare la ments sein. Der Reichspräsident mülle das Recht haben, bie Minister zu ernennen und gegen Parlamentsbeschlüsse Cinspruch zu erheben." Bon den Parteien der Linten werde ein wüten der Haß gegen die alten Traditionen, vor allem gegen die schwarzweißrote Fahne gepflegt, während die Deutschnationalen ihre volle Loyalität der schwarzrotgoldenen Fahne gegenüber bewiesen hätte. ( Unruhe links.) Zu verurteilen fei der Gesinnungsterror, der in der Flaggenfrage geübt werde( Große Unruhe links.) Statt eires Volksstaates haben wir einen unfreien Barteistaat. Ich erinnere mur an die russischen Sowjetmetho den, die der preußische Kultusminister Dr. Beder gegen die Studenter anwendet.( Erregte Burufe links.) Der Barteifanatismus wendet sich sogar gegen den Gedanken der Landesperteidigung.( Abg. Hildenbrand( Soz.):„ Wer hat das Land" perteidigt? Sie doch nicht, sondern die Arbeiter schaft!") Wollen Sie mir das abstreiten? Nur bei uns find solche Reben möglich, wie sie Brofeffor Quidde hält.( Große Unruhe bei den Soz. Burufe: Schämen Sie sich. Abg. Sollmann wird wegen eines Burufs zur Ordnung gerufen.) Wenn unsere Minifter deutsch nationale Beamten in die Verwaltung bringen, dann handelt es sich um tüchtige Leute.( Gelächter links.) Der preußische fozialbemokratische Innenminister betrachtet aber den Staat als den ersten Diener der Sozialdemokratie. ( Erregte Burufe bei den Sox.) Die Treue monarchistischer Beamten zu ihren alten Idealen sollte auch in der Republit geschätzt werden. ( Burufe bet den Soz.) Ihnen ist der Begriff der Treue fremd, Herr Löwenstein! Wir forgen uns um die Souveränität des deutschen Volkes, gegen die Herrengelüfte der Großkapitalisten und ihrer Parteien, auch gegen die militärische und finanzielle Diffatur der Sieger im Weltfriege. Aber die romantische Souveränität der ,, Nafionen" Schaumburg- Lippe, Walded, Oldenburg, Birkenfeld, Anhalt, Schwerin, Strelih und anderer Völker" ist für uns eine Karikatur auf modernes Staatsleben.( Sehr wahr! b. d. Soz.) Die föderalistischen Lösungen werben scheitern, schon an der nicht zu brechenden lleberlegenheit Breußens. Der deutsche Lebensraum fcheint uns für einen Föderativftaat zu flein zu fein. Der Föbel pertogt. Abg. Dr. Löwenffein( Soz.) wendet sich mit erregten Worten gegen den Redner. Unter großem Lärm schließt Abg. Berndt feine Rebe. Um 17% Uhr wird die Weiterberatung auf Freitag, 14 Uhr, SUMA 28 SUMA Theater, Lichtspiele usw. Freitag. 23. 3. 26 Freitag, 23. 3. 28 Staats- Oper Am Pl.d.Republ. 12 Uhr: SinfonieMittagskonzert 80: V. Sinfoniek. Städtische Oper Bismarckstr. Ab.- Tura. II. Ant. 7/ Turandot Staat. Schauspielh. Staatl. Schillerth. 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Matsudo Jodzoo war in einer Zementfabrit mit dem Deffnen Er brach ein Faß auf und ließ den Zement in Risten laufen. Die Maschine erfaßte die Kisten und leitete den Zement auf einem Laufband fort. Die Maschine wartete auf den Mann, und Tag für Tag stand Matsudo mit seiner Schaufel inmitten der Fäffer, Riften und des Laufbandes der Maschine. Während elf Stunden stand et in einer Wolfe von Zementstaub. Matsudo Yodzoo war ein einfacher Arbeiter. Und während der elfstündigen Arbeitszeit hatte er nur den einen Bunsch: seine Nase von dem Staub zu schneuzen. Kopf, Schultern, Hände, Schnurrbart und Augenbrauen von Matsudo Yodzoo waren mit Zementstaub bedeckt. In seiner Mase wurde der Staub hart wie Eisenbeton. Er hätte sich immerzu schneuzen müffen, aber die Maschine speite zehnmal in der Minute, schnappte unaufhörlich Fäffer und Kiften die Maschine fonnte nicht warten. Es fehlte dem Arbeiter an Zeit, die Hände an die Nase zu führen. Die elfstündige Arbeitszeit wurde durch eine Pause von einer halben Stunde unterbrochen, um eine Handvoll Reis zu verschlingen, und von zehn Minuten Bause alle drei Stunden; aber diese Zeit reichte gerade, um den Reis hinunterzumürgen und die Maschine zu puzen. Es blieb mur ein turzer Augenblick zum Ausruhen, aber nicht zum Schlafen, der sich des erStarrten Körpers des Arbeiters bemächtigt hatte, auslangte. Seine Hände waren angeschwollen, so daß er die Nase nicht anfassen fonnte. So drang der Zement durch die Nase in die Lunge und dadurch in das Blut seines Körpers. Und so war es jeden Tag. So war es auch heute.. .. Der Tod Puschkins. Der Dramatifer@tfegole, Mitautor des Dramas Rajputin, bringt in feinem neuen Wert Duell und Tob Buschlins" die nachstehenden interessanten Eingelheiten, die wir aum ersten Male in deutscher Ueberfegung veröffentlichen. Statafia Rifolajemna Gontscarowa war noch taum achtzehn Jahre alt, als im März 1830 Nitolaus I. gelegentlich eines Aufenthaltes in Moskau auf ihre blendende Schönheit aufmerksam wurde. Den Sommer 1831 verbrachte Buschfin mit seiner Gattin in Barstoje Seine Schwester schrieb Selo, wo auch der Hof anwesend war. ihrem Gatten im Laufe des Monats September, daß die Schwägerin schon der Kaiserin vorgestellt wurde, die von ihr entzückt sei. Das Entzüden fag selbstverständlich mehr auf seiten des Kaisers, der, wie bekannt, stets ein Verehrer schöner Frauen war. Buschkin schrieb damals an feinen Freund Nastschokin, der Kaiser mache feiner Frau den Hof, als wäre er ein junger Offizier, fahre abficht lich morgens ein paarmal vor ihren Fenstern auf und ab, um sie dann abends, während des Balls, zu fragen, warum ihre Stores stets herabgelassen seien. Dezember 1833 bekam der Dichter den Titel eines Kommer. junters. Buschkin schreibt hierzu in sein Tagebuch: Borgestern wurde ich zum Kammerjunker ernannt, nicht gerade passend für meine Jahre, aber der Hof wollte, daß Natalia Rifolajemna im Anitschkoff- Balais tanzt. Diese Bälle im Anitschkoff- Balais waren der übliche Schauplas von Nikolaus I. verschiedenen Flirts. " März 1834 betam Buschkin auf kaiserlichen Befehl die Summe pon, 20 000 Rubel, um seinen Aufstand Bugatschews" in Druck legen zu lassen. Gegen den Willen des Dichters aber auf Wunsch Natalia Nikolajewnas wurde ihre Schwester Hofdame. Dantes, der Pufchfins Schwägerin geheiratet hatte, um den Berdacht zu entfräften, daß er selbst sich um die Dichtersgattin bewerbe, wurde von Nikolaus I. beauftragt, Natalia Nikolajemma Geld für das Hochzeitsgeschenk zu überbringen. Bendendorff schrieb in dem Begleitbrief: Bon dem Wunsche beseelt, Ihnen und Ihrem Herrn Matsudo Dodzoo war ein ganz einfacher Arbeiter. Als er heute den Zement in die Kiste und von da auf das Lauf, Gemahl eine angenehme Ueberraschung zu berreiten, wurde ich band schüttete, entdeckte er in dem Faß eine Kassette. beauftragt, Ihnen die beiliegende Summe einhändigen zu laffen, damit Sie Ihrer Schwester aus Anlaß ihrer Hochzeit ein würdiges Aber es blieb ihm teine Zeit, darüber nachzudenken. Die Ma- Gefchent bieten tönnen. Dieses Geldgeschent offenkundig ein schine wartete nicht. ,, Sonderbar!" dachte Vodzoo. Er hob die Kassette auf. Sie war leicht. Er steckte sie vorn in die Tasche seines Schurzes und setzte seine Arbeit fort. Die Maschine lief unaufhörlich. Der Arbeitstag ging weiter. Dodzoo vermutete nicht, daß die Kaffette Geld enthielt. Er vergaß fie, während er die Fässer, die zu ihm hinabrollten, öffnete. Bei Anbruch der Nacht endete die Arbeit. Der Beton war fertig, die Maschine lief leer. Matsudo musch sich Gesicht und Hände unter dem Schlauch, der die Maschine mit Wasser versorgte. Um den Hals knotete er sich das Taschentuch, mit dem er sein Frühstück eingewidelt hatte. Dann ging er mit ganz anderen Gedanten im Kopf nach Hause. Es waren nicht mehr die Alltagssorgen um gutes Effen, Trinken und Schlafen. Nein. Er mußte jetzt eine neue Beschäftigung finden. Die elektrische Anlage, an der er arbeitete, ging der Bollendung entgegen. Hoch am Himmel thronte der Berg Denaŋama mit seiner Schneehaube im Nebel. Zu seinen Füßen schäumte und tobte der Kisfogava- Fluß. Die Natur hatte sich seit tausend Jahren nicht verändert. Die Kälte drang durch Matsubos müden Körper. Von der Erhabenheit der Natur wurde er auf nüchterne Alltagsgedanken zurüdgeführt: feiner Frau stand die Entbindung des fiebenten Kindes bevor. Sie würde das Kind ohne Pflege während der strengsten Kälte zur Welt bringen; sein mageres Einfommen von zwei Yens würde für den Reis nicht reichen, und es würde ihnen noch schlechter ergehen... und... und Matsudos Gedanken waren nicht die angenehmsten. Er verfor allen Mut. ... Da erinnerte er sich der Kaffette, die sich in seiner Tasche befand. Er zog sie hervor und putte sie an seiner Hose ab. Die Kaffette mar fest verschlossen. Sie trug teine Inschrift, sie hatte ein arm jeliges Aussehen. Matsudo schlug fie gegen einen Stein, aber sie ging nicht auf. Matsudo fluchte. Als wenn er die ganze Welt hätte zerschmettern wollen, trat er mit fräftigen Tritten mit dem Absatz auf ihr herum. Die Rassette flog in Stücke. Der aufgebrochenen Kaffette entnahm Matsudo ein in Lumpen gehülltes Stüd Papier. Darauf stand folgendes: Ich bin Arbeiterin in der Zementfabrit, ich Lähe Zementfade. Mein geliebter Mann war bei der Steinmühle beschäftigt. Am 7. November, in der Frühe, als er einen schweren Stein herunterwälzte, fiel er damit in die Maschine. Man hat die Maschine nicht abgeftellt. Die Steine haben meinen Mann verschüttet. Die Ma schine hat seinen Rörper mit den Steinen zermahlen und hat ihn bann mit fleinen blutigen Steinchen wieder ausgespien. Man hat die Maschine nicht abgestellt und die Maschine hat die Stückchen Jeines Körpers in eine andere Maschine transportiert. Und dann wurde fein Körper in Stahlmühlen unter fürchterlichem Lärm in Staub verwandelt. Und sein Körper und seine Knochen und seine Seele find zu Zementftaub geworden, er, mein Geliebter, ist zu Zement geworden. Nur noch die Lumpen seiner Arbeitskleidung, nur diefe find geblieben. Ich habe die Ueberbleibsel aufgehoben, habe diesen Brief geschrieben und habe alles zusammen in das Faß, Das Sie heute aufgebrochen haben, hineingetan. Sie find Arbeiter! Wenn Sie Arbeiter sind, haben Sie Erbarmen mit mir. Lassen Sie mir eine Antwort zukommen. Ich will wissen, wo der Zement aus den Knochen meines Mannes hintommen wird. Sind Sie Maurer oder Zimmermann? Ist mein Geliebter eine Zimmerwand in einem Hause oder die Mauer eines Gefängnisses geworden? Sie sind Arbeiter! Verwenden Sie den 3ement nicht zu folchen Bauten? Schreiben Sie mir, wo mein Mann ist. Wie werde ich ihn finden? Ist er im Orient oder im Dezident? Ift er fern oder nah? Wo in dem Zement ist er und wie wird er wieder auferstehen? Ich schenke Ihnen ein Stüd von seiner Arbeitskleidung. Diese Lumpen sind von seinem Schweiß durchtränkt, von demselben Schweiß wie der Ihre und von demselben Staub, in dem Sie arbeiten." Matsudo verließ das Baugelände des Elektrizitätswerks. Der Himmel verfinsterte sich. Der Riffogava- Fluß tobie dura bas Bormand spricht fehr deutlich für die Sympathien, die Niko laus I. für Mme. Puschkin hegte. Wie weit diese Beziehungen noch zu Lebzeiten des Dichters gebieben, bleibt unbekannt, doch ist anzunehmen, daß es sich nicht um mehr als einen Flirt gehandelt haben dürfte, doch ist es zweifel. los, baß fie eine überaus tragische Rolle in dem Drama spielten, das dem Leben des großen Dichters ein so jähes Ende bereiten sollte. Die Zeitgenossen versuchten, die Wahrheit zu verbergen, doch ift der wirkliche Sachverhalt auf Grund dokumentarischer Belege einwandfrei festgestellt worden. Dunkel und nur der Benonama- Berg ragte schweigend zum Sternenhimmel empor. Matsudo las den Namen und die Adresse am Ende des Briefes, als er plöglich das Geschrei seiner Kinder, die ihm entgegensprangen, hörte. | Beilage des Vorwärts Die Neigung Nikolaus I. für Frau Buschftn wurde bald all gemeines Hofgespräch. Um den„ rasend Eifersüchtigen" zu necken, wurde diese Neigung von feinen Feinden weiblich ausgenügt. Der Hauptstab seiner Feinde war im Salon der Gräfin Nesselrode, der Gemahlin des Bizefanzlers und Freundin bes holländischen Gefandten Geckeren und deffen Adoptiofohn Dantes. Dantes verkehrte nebenbei viel in homosexuellen Kreisen, was ihn aber nicht hinderte, auch in Frau Puschkin verliebt zu sein. Das„ Diplom des Gehörnten" wurde von einem Mitglied dieses Streifes verfaßt, nämlich von dem Fürsten Piotr Wladimirowitsch Dolgorufoff( eine graphologische Expertise Salfoffs läßt teinen 8meifel mehr offen). Dieses Diplom, das man Buschfin einschickte, benachrichtigte ihn davon, daß seine Gattin die Geliebte des Kaisers sei. Auf solche Art wurden Puschkin quafi die Hände gebunden. An dieser Ohnmacht wollten sich mun seine Feinde weiden. Die Andeutungen, die in dem Diplom gemacht wurden, waren so unverblümt, daß Buschkin verstehen mußte. Dies beweist auch ein Brief Buschkins am Tage nach Erhalt des Diploms, in welchem er den Finanzminister bittet, seine Schulden zu tilgen( Buschkin mar damals in sehr bebrângter materieller Lage, tat diefen Schritt aber trotzdem). Bur Tilgung seiner Schulden übergab er dem Finanzminister sein Gut Boldino". Bemerkenswert ist der Schluß des Briefes: Ich gestatte mir, Euer Durchlaucht noch mit einer Bitte zu belästigen: Da es sich hier um eine mehr oder weniger unbe= deutende Sache handelt, bitte ich Euer Durchlaucht, Seiner Majestät diese meine Verfügung nicht zu melden, da der Kaiser mir in seiner bekannten Großzügigkeit wahrscheinlich diese Schuld streichen lassen würde, was mich in eine sehr peinliche Lage verjetzt hätte, denn gerade in diesem Falle hätte ich einen solchen faiserlichen Gnadenaft ablehnen müssen, was man vielleicht als Undankbarkeit oder Arroganz ausgelegt hätte." Es war flar, daß das Geld, das er vom Kaiser bekommen hatte, in seiner Tasche brannte. Den Autor des Diploms" tonnte Buschfin selbstverständlich nicht ungestraft laffen. Er hielt( vielleicht mit Unrecht) Beckeren für den Urheber. Eine Zeitlang überlegte er, ob er nicht dem Kaiser den Inhalt des Diploms" befanntgeben und auf diese Weise Gederen mit in den Schmuh ziehen sollte. Aber da gerade um diese Zeit wieder Dantes auf den Schauplatz erschien( es war ihm gelungen, Natalia Nikolajewna zu bewegen, ihn in der Gardes favalleriefaserne aufzusuchen), kam es bald zu dem verhängnisvollen Duell. Zweifellos ist die ganze Tragit des unglücklichen Buschfin, auch unter Berücksichtigung der Schischegolewschen Forschung, noch nicht einwandfrei flargestellt, sicher aber haben die Intrigen Nikolaus I. feine geringe Rolle dabei gespielt.( Deutsch von Arnold Wafferbauer.) bisher, auf dem Boden ihren Rausch ausschlafen, sondern sie werden sofort einem geübten Personal fiberantwortet, die eine recht rückfichtslose Behandlung mit ihnen vornimmt. Die von der füßen Läh= mung des Rausches Umfangenen werden unter eiskalte Duschen geEr hob den Kopf. Da fah er den gewölbten Leib seiner Frau bracht, und darauf folgen falte Badungen. Sind sie auf diese Weise und darin sein siebentes Kind von sieben Monaten... ( Uebersetzt von Helene Masson.) Der Deutsche Sprachatlas. Ein großes Wert deutscher Wissenschaft wird jetzt der Allgemein heit durch den Deutschen Sprachatlas zugänglich gemacht, dessen erste Lieferung erschienen ist. Eine langjährige und grundlegende Arbeit, die von Georg Wenter in dem Sprachatlas des deutschen Reiches geschaffen worden war, hatte bisher ein Dasein halb im Verborgenen geführt; dieser fundamentale Sprachenatlas, der in anschaulichster Weise die Bertellung der deutschen Mundarten darstellt, war nämlich nur in zwei handschriftlichen Exemplaren in Berlin und Marburg erhalten und konnte deshalb nur von wenigen eingesehen werden. Runmehr wird dieser Wissensschatz in einer vereinfachten Form der Allgemeinheit dargeboten, und die ersten acht Karten liegen jet, unter der Leitung von Ferdinand Wrede bearbeitet. vor. Auf den einzelnen Karten ist vieles besser und richtiger angegeben, als auf den entsprechenden der Vorlage. Außer den beiden Grundfarten, die die Berteilung der Mundarten im großen festhalten, zeigen die bisherigen Karten des neuen Atlas die Entwicklung der Lautverschiebung und die mannigfachen Bezeichnungen einzelner Worte wie ich"," dir", beißen", der Endung„ en" und die Synonyma zu Pferd und Füße". Die Ich- Karte bietet mit ihren 70 Form bezeichnungen einen besonders schlagenden Einblick in die Buntheit der Sprachformen in den Dialetten. Das Werf wendet sich mit Bewußtsein en einen wetteren Benutzerfreis: alle höheren Lehranstalten und Mittelschulen Deutschlands erhaften ein Eremplar zu gewiefen. Man darf hoffen daß damit eine Bertiefung der allgemeinen Sprachkenntnisse Hand in Hand geht, und zugleich wird auch der Wissenschaft neue Anregung geboten, die besonders für, das Studium der Mortgeographie viel daraus lernen wird. Ernüchterungsturen in Rußland. Der Wubti, das ruffische Nationalgetränt, herrscht jeẞt, nachdem er während des Krieges und einige Zeit nachher verboten war, auch im Sowjetreich wie in den alten zaristischen Tagen. Nach den Bolizeiberichten in den Moskauer Blättern müssen die Hüter der öffentlichen Ordnung immer mehr Zeit darauf verwenden, die hilflofen Gestalten, die dem Alkohol zu eifrig zugesprochen haben und nun auf der Straße liegen, aufzulesen und nach den Bolizeistationen zu bringen. Die Behörden haben nun beschlossen, strenge Maßnahmen anzuwenden, um diese unheimlich zunehmende Rückkehr zum Budli zu verhindern. Man hat daher einen Feldzug" ins Leben gerufen, der die wissenschaftliche Behandlung der Gewohnheitstrinfer überall in bem weiten Reich verbreiten soll. In Moskau werden schon jetzt folche wissenschaftliche" Ernüchterungsturen vorgenommen. Asyle, in denen die Betrunkenen untergebracht wurden, erwiefen sich für diese Maßnahmen nicht ausreichend; sie sind daher bedeutend er. weitert und mit besonderen Apparaten ausgerüstet worden. trunkene, die von der Bolizei eingebracht werden, dürfen nicht, wie Die unfanft wieder zum Bewußtsein erweckt, dann müssen sie Sauerstoff einatmen, und wenn sie auch dann noch nicht nüchtern geworden find, bekommen sie Brechmittel. Kurz, die Behandlung ist wohl geeignet, dem Trinfer das Erwachen in unangenehmer Erinnerung zu laffen, und da er außerdem für diese Behandlung noch 4 bis 10 Mart bezahlen muß, fo wird er es fich erst dreimal überlegen, bevor er fich noch einmal von der Polizei in trunkenem Zustand erwischen läßt. Der Ruhen der Mandelenffernung. In der Stadt Rochester Im Staate New York hat man im großen Versuche mit der Ent fernung der Rachenmandeln bei Kindern vorgenommen. Rund 15 000 Schulkindern wurden die Mandeln in einer Spezialffinif ent fernt, weiteren 5000 Kindern durch den Hausarzt. Diese 20 000 mandellosen Kinder blieben dann unter ständiger ärztlicher Beobachtung, und ihr Gesundheitszustand wurde mit dem von 28 000 Rindern verglichen, bei denen die Mandeln nicht entfernt worden waren. leber die Ergebnisse dieser Untersuchungen, die von Dr. Albert D. Kaiser zusammengestellt wurden, wird in der„ Umschau" berichtet. Bei den operierten Kindern fam Scharlach bei 7,6 Proz. vor, bei den nichtoperierten bei 16 Bros. Die mandellosen Kinder erwiesen fich als widerstandsfähiger gegen rheumatische Ertranfungen, natürlich nur dann, wenn diese Erkrankungen nicht schon vor der Ope ration hervorgetreten waren. Bei den operierten Kindern zeigten fich Herzfrankheiten auf rheumatischer Grundlage in 450 Fällen, bei den Nichtoperierten in 817 Fällen. Von den 450 mandellofen Kindern hatten aber 83 Broz, das Leiden schon vor der Operation, und nur 17 Broz haben es erst nachher erworben. Man schließt daraus, daß durch die Rachenmandeln die Erkrankung an Schar lach, an rheumatischen Beiden und den daraus entstehenden Herzfrankheiten fehr begünstigt wird. Die Sumerer das älteste kulturvolf. Die diesjährigen Ausgrabungen an der Stätte des alten Ur der Chaldäer haben überraschende Aufschlüsse über die Kultur der Sumerer gebracht und damit die Anwartschaft der Aegypter, das älteste Kulturvolk der Geschichte zu sein, start erschüttert. Der Leiter der Grabungen, Leonard Woollen, der in der Times" über die letzten Funde berichtet, hebt hervor, daß die vier entdeckten Königsgräber eine Kunsthöhe offenbaren, die über der gleichzeitigen ägyptischen steht Das letzte Grab, das ausgegraben wurde, ist das älteste, denn es liegt unter dem ersten. Es ist zwar von Räubern schon in alter Zeit ausgeplündert worden, aber die Architettur läßt erkennen, daß die Sumerer um das Jahr 4000 v. Chr. bereits imftande waren, großartige Gewölbe zu errichten, und die verschiedenen Schmucksachen, die zurückgelassen maren, laffen auf eine reiche Entwicklung des Kunstgewerbes fchließen, deffen fostbare Infrustationstechnik auf eine lange leberlieferung zurückblidt. Ueberhaupt sprechen alle Anzeichen dafür, daß diese Kultur der Cumerer nicht etwa einen Anfang, sondern ein Ende darstellt. Die vielen Leichen von Frauen, Leibwächtern, Wagenlentern und Bugtieren, die in den Gräbern gefunden wurden, enthüllen die barbarische Sitte der Opferung von Personen, deren Seelen den Herrscher auf seiner Reise ins Jenseits begleiten sollten. Dieser Brauch ist sicherlich ein Ueberreft aus fernen Zeiten und steht in einem schroffen Gegensatz zu dem Reichtum der fumerischen Kultur uni. den Leistungen ihrer Kunst. Es muß daher bereits Stadium entwickelte, das fic aus den neuen Funden offenbart. eine lange Epoche vorangegangen sein, in der sich allmählich jenes Damit aber werden die Anfänge der Kultur im allen Babylon in eine frühere Zeit zurückverlegt, als sie uns sonst irgendwo entgegen. treten. Hallo, Frühlingswetter.Berli 774 Kleid mit Weste in rein. Wolle ap rteNeuheit и.30.Kasha- Mantel wie Abbildung ganz gefütt rt 42.Jhre Frühjahrs- Kleidung finden Sie bei uns Teilzahlung ohne Preis. auffchlag Unsere großen Lager bieten Ihnen eine Riesenauswahl! Hier nur einige Beispiele: Aus unserer Abt. Herrenkonfektion| Aus unserer Abt. 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