Morgenausgabe Rr. 143 45. Jahrgang A 72 Böchentlich 70 Bfg.. monatfid) 3, im voraus zahlbar, Boftbezug 3,72 2. einscht Bestellgeld, Auslandsabonne ment 5,50 m pro Monat * Der Borwärts" erscheint wochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Der Abend", Illuftrierte Beilagen Bolk und Zeit“ und„ Kinderfreund" Ferner Unterhaltung und Biffen", Frauen Stimme". Technif". Blid in die Bücherwelt" und Jugend- Borwärts" Vorwärts Berliner Boltsblatt Sonnabend 24. März 1928 Groß- Berlin 10 Pt. Auswärts 15 Pf. Die etnis altige Ronpareillezetle 80 Pfennig Reflamezeile 5.- Reichs mart Kleine Anzeigen" das fettge brudte Wort 25 Pfennig( zulässig zwer fettgedruckte Worte), jedes weitere Bort 12 Pfennig Stellengefuche das erste Bort 15 Brennig, jedes weitere Bort 10 Pfennig Worte über 15 Buchstaben Arbeitsmarkt gählen für wet Worte Reile 60 Bfennig Familianzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig Anzeigen. annahme im Hauptgeschäft Linden. Straße 3. wochentägl von 81%, bis 17 Uhr. Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Berlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Donhofi 292-297 Telegramm- Adr: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts- Verlag G. m. b. H. Bostscheckkonto: Berlin 37 536- Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten Wallstr. 65 Diskonto- Gesellschaft, Depofitentasse Lindenstr. 3 Und wieder Fiasko in Genf! Die Abrüstungsdebatte wird abgewürgt. Genf, 23. März.( Eigenbericht.) Der Tang um den russischen brüstungsoor fchlag ging am Freitag in Genf zu Ende. Desto heftiger aber wurde das Ringen zwischen Deutschland und Rußland einerfeits, zum mindesten eine technische Weiter beratung durchzusetzen, und der Mehrheit der Rommiffion, die die Verhandlungen auf unbestimmte Zeit vertagen wollte. Im Austlang der Diskussion über den russischen Plan fanden fich General de Marinis( Italien) und Lunatscharsti ( Sowjet- Rußland auf einer Linie mit der Forderung, daß die endgültige Befriedung der Welt den nationalen Lebensbedürfnissen und der nationalen Entwicklung freien Spielraum laffen müsse. Politis verstieg sich zu der Behauptung, daß es ebenso friminelle Bölfer gäbe wie friminelle Individuen, und daß der Bölkerbund vorbeugende und strafende Maßnahmen zu treffen habe. Am Ende der Vormittagssigung erschien plötzlich eine Reso= lution, die schleunigst zur Annahme gebracht werden follte. Bernstorff bemerkte, daß sie nicht nur den russischen Vorschlag, sondern auch den eigenen Entwurf der Kommission den Regie rungen zur Aeußerung zu übersenden und damit die zweite Lesung Des Kommissionsentwurfes, die als dritter Bunit der Tagesordnung erst stattfinden sollte, ohne weiteres vertagen wollte. Bernstorffs heftiger Protest gegen diesen Abwürgungsversuch erreichte, daß man am Nachmittag wieder zusammentrat. des Rommiffionsentwurfs in diesem März vorzunehmen. Ber. gebens erinnerte er daran, daß Clemenceau schon 1919 auf die Einwände Deutschlands gegen den Friedensvertrag die Sonder entwaffnung Deutschlands als eine Einleitung zur allgemeinen Entwaffnung bezeichnet und diese die erste Pflicht des Bölkerbundes genannt habe. Bergebens bat er um einen Grund für die Nichtvornahme der zweiten Lesung. Er erinnerte daran, daß Politis erst am Donnerstag mit seiner juristischen Autorität festgestellt habe, daß eine vollständige Entwaffnung, also auch Deutschlands vollständige Entwaffnung, gegen den Bölkerbundspaftver stoße. Desto größer sei die moralische Verpflichtung der Mächte, endlich ihrerseits den ersten Schritt zur Abrüstung zu tun. Frankreich und England beeilten sich zu behaupten, daß sie den ersten Schritt längst get an und ihre Rüstungen erheblich herab. gefeßt hätten. Der Franzose fügte hinzu, daß der Brief Clemenceaus teine juristische Verpflichtung(!) enthalte und im Versailler Vertrag die deutsche Entwaffnung nur zur Ermöglichung der Vorbereitung einer allgemeinen Begrenzung der Rüstungen vorgenommen sei. Litwinow griff in sehr geschickter Weise ein. Er stellte fest, daß auch die Russen diese merkwürdige Resolution nicht annehmen fönnten. Da die Mehrheit den russischen Abrüstungsplan den Regierungen übersenden wolle, sich aber für einen ersten Schritt, für eine teilweise Abrüftung, sehr intereffiere, fo fei er bereit, bis nachts 2 Uhr einen Borschlag für eine teilweise Abrüstung vor. zulegen. Der Franzose wandte sich sehr wütend gegen diese Aussicht Bernstorff begann die Sigung mit einem neuen Borstoß und der Borsigende erklärte, daß dieser russische Antrag dann aber Da man die zweite Befung nicht vornehmen wolle, jolle man zuerst bei der nächsten Tagung behandelt werden fönne. mindest den deutschen Antrag auf vollständig, detaillierte Litwinow wußte ihm zu erwidern, daß man in früheren Tagungen jährliche Abrüstungsveröffentlichungen annehmen. französische und englische Entwürfe in derselben Sigung behandelt Schon 1920 habe der Bölkerbundsrat einen dementsprechenden Beschluß hätte, in der sie eingereicht waren. Doch das half ihm nichts. gefaßt, der aber nicht ausgeführt worden sei. Die nationale Sicher. Der Borsitzende versuchte wiederum, die sofortige Bertagung herbei heit sei aber unmöglich, so lange die Staaten nicht über die Rüstungen zuführen, als der anderen Länder, die sie eventuell bedrohen könnten, auf dem Bernstorff zu neuem Angriff vorging laufenden feien. Dhne eine Mare Angabe der gegenwärtigen Rüstungen hätte man feinen Ausgangspunkt für den allgemeinen Abrüstungsplan. Die einzige Antwort auf Bernstorffs Ausführungen mar eine Resolution, auch diesen deutschen Antrag den Regierungen zu überweisen. Bergebens kämpften Bernstorff und Litwinom mit allen Kräften dafür, daß die Rommission praftische Arbeit leiste. Mit England, Frankreich und dem holländischen Borfizenden als Wortführer blieb die Mehrheit bei ihrer Absicht, Schluß zu machen und nach Hause zu fahren. Bergebens pochte Bernstorff darauf, daß bei der letzten Tagung ein einstimmiger Beschluß gefaßt worden sei, die zweite Lesung und verlangte, daß man vor dem Auseinandergehen den Rat er fuche, in seiner Junitagung die Abrüstungstonferenz auf einen baldigen Zeitpunkt nach der Völkerbundsversammlung in diesem Jahre einzuberufen. Der Argentinier versuchte, das Mandat der Kommission zu einem Beschluß zu bezweifeln, und endlich machte gegen 8 Uhr der Kanadier der erregten Debatte, in der Bernstorff nicht weniger als fiebenmal das Wort genommen hatte, damit ein Ende, daß er vorschlug, erst einmal auszuschlafen. Sichtlich verärgert berief der Borsigende eine neue Sigung auf Sonnabend früh ein. Deutschland und Rußland haben ihre Stellung also noch 24 Stunden gehalten, es kann aber nicht daran gezweifelt werden, daß die Mehrheit ihren Bertagungswunsch durchsetzt! Hitler droht mit Enthüllungen! Spott über den bayerischen Untersuchungsausschuß. München, 23. März.( Eigenbericht.) Adolf Hitler hielt hier eine Rede, durch die das Ergebnis des Untersuchungsausschusses für den Hitler- Putsch in ein eigenartiges Licht gerückt wird. Hitler sagte u. a.: Man sieht dort( im Untersuchungsausschuß) Ceute als Richter, mit denen ich oft über das Problem des Staatsffreichs gesprochen habe; fie haben die und die Meinung gehabt. Und jetzt fißen sie alle als Richter da und kennen einen nicht mehr, fragen einen und wiffen es zum Teil beffer, als man es felbft weiß... Ich habe die Herren gebeten, sie möchten mich vorladen... Ich warte andauernd auf telephonischen Anruf, in den Ich warte andauernd auf telephonischen Anruf, in den Untersuchungsausschuß zu kommen. Nach meiner zweiten Berfammlung hat der Ausschuß auf einmal fein Interesse mehr gehabt. Sie wollten mich nicht belästigen. Sie werden Gründe gehabt haben. Ich glaube, ich kenne fie fogar. Es war die Ang ft, daß ich da drinnen fagen könnte, was sie damals selbst gedacht haben." Keine Hilfe für Deutsch- Südtirol. Eine Antlage des Papstes gegen den Faschismus. Wien, 23. März. Der Papst sagte dem römischen Bertreter der„ Amtlichen Nach richtenstelle" über Südtirol, es ihmerze ihn aufrichtig, daß deutschen und österreichische Katholiken ihm den Vorwurf machten, as ob er nicht für die Erteilung des Religionsunterrichts in der Muttersprache eingetreten sei. Was er tun fonnte, habe er getan, er denke als Bater an alle feine Kinder und an die Bedrängten zunächst. Aber fagen Sie, fo fuhr er fort, Ihren Kotholifen, daß wir nicht frei find, daß das Verhältnis zwischen Kirche Staat in Italien genau dasselbe ist wie am 21. September 1870. Wir werden auch in Zukunft fun, was möglich ist, und auch beten, aber wir müssen befürchten, daß weitere Bemühungen von uns die Situation eher verschlimmern als verbessern. So wenig der Bapst inhaltlich den fromm- katholischen Deutschfüdtirolern bringen fann der Ton, in dem er spricht, ist eine sehr schwere Antlage gegen Mussoini. Nicht die verhüllte Wiederholung der alten Rechts verwahrung des Papsttums dagegen, daß ihm seine weltliche Macht genommen ist; das ist eine entschiedene Sache, für die felbft gläubige Katholiken nichts mehr fühlen. Wenn aber das Haupt der geistigen Weltmacht, die die Romfirche noch ist, für die Oeffentlichkeit im Ausland betonen muß, daß er fich vergebens bemüht hat, etwas so Selbstverständliches zu erreichen wie den Schulunterricht in der Muttersprache des Kindes, wenn er hinzufügt, durch weitere Bemühungen würde er die Lage der Bedrängten noch verschlimmern, so ist hier der fulturfeindliche Faschismus vor aller Welt gegeißelt, und das von einer Stelle, der die Terroristen Dom Schwarzen Hemd weder Feindschaft gegen Italien und bas italienische Bolt, noch Agitationsbedürfnis nachlügen fönnen Diese Worte des Oberhauptes der Romfirche merden über die ganze tatholische Welt dringen, und fein Schimpf, der ja nicht fehlen dürfte, wird sie auslöschen. Hungerrenten für Angestellte. Aber 733 Mill. Mart Vermögen der Reichsversicherungs anstalt für Angestellte. 9 Bei der Beratung des Gesetzes über Leistungen in Der Invaliden und Angestelltenversiche= rung im Rahmen des Notprogramms hat der Sprecher der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion mit größtem Nachdruck auf die Unzulänglichkeit der geplanten Maßnahmen hingewiesen. Der Bürgerblock blieb taub. Nur geringfügige Erhöhungen der Leistungen in der Invaliden- und Angeftelltenversicherung sind das Ergebnis eines langwierigen Rampfes der Sozialdemokratie. Es wird zu den großen Aufgaben des tommenden Reichstages gehören, die immer wieder vertagte grundlegende Reform unserer gesamten Sozialversicherung in Angriff zu nehmen und dafür zu sorgen, daß die Rentenempfänger ein menschenwürdiges Dafein führen können. Die vom Reichstage beschlossenen Berbesserungen in der Angestelltenversicherung beschränken sich auf eine Erhöhung des Kinderzuschusses und eine Aufwertung für Beiträge aus der Zeit vom 1. Januar 1913 bis zum 31. Juli 1921 in Form von Steigerungsbeträgen für sämtliche Gehaltsklassen. Bisher waren die unteren Gehaltsklassen davon ausgeschlossen. Die dadurch entstehende Mehrbelastung schätzt die Regierung auf 10 Millionen Mark im Jahre. Die Beschlüsse des Reichstages finden eine vernichtende Kritik durch den jetzt vorliegenden Bericht des Direktoriums der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte über das Geschäftsjahr 1927. Eindringlicher fann der Nachweis für die Durchführbarkeit der von der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion immer wieder geltend gemachten Forderungen für den Ausbau der Leistungen der Angestelltenverficherung nicht geführt werden. In den Anträgen der Sozialdemokratie wurde eine Erhöhung der Renten durch Steigerung des Grundbetrages von monatlich 40 m. auf monatlich 60 M. und die Erhöhung des Steigerungsbetrages von 15 Broz. auf 20 Broz. für die geleisteten Beiträge gefordert. Die Anträge sahen außerdem eine Herabsetzung der Wartezeit von 10 auf 5 Jahre, eine Herabsehung der Altersgrenze für den Bezug des Ruhegeldes von 65 auf 60 Jahre und die Aufwertung der früheren Beiträge in allen Gehaltsklassen vor. Der Reichstag hat sich bei der Verabschiedung des eingangs erwähnten Gesetzes mit der Annahme einer Entschließung begnügt, in der die Reichsregierung aufgefordert wird, in einer Denkschrift dem Reichstage mitzuteilen, unter welchen Voraussetzungen die Herabjegung der Altersgrenze von 65 auf 60 Jahre und die Verkürzung der Wartezeit auf 60 Pflichtbeitragsmonate durchführbar ist. So notwendig diese Aenderungen des Angestelltenversicherungsgesetzes find, den Rentenempfängern fann nur durch Steigerung des Grundbetrages und des Steigerungssages wirksam geholfen werden. Die Denkschrift über die Durchführ barteit all dieser sozialdemokratischen Forderungen braucht nicht mehr angefertigt zu werden, sie liegt bereits in Form des Geschäftsberichts des Direttoriums der Reichsversicherungsanstalt vor. In den wenigen Jahren der Nachinflationszeit hat die Reichsversicherungsanstalt ein Vermögen von 733 Milionen Mart angesammelt; sie wird sehr wahrscheinlich bis Ende dieses Jahres die erste Milliarde erreicht haben. Im umgekehrten Verhältnis dazu stehen die Rentenleistungen. Wenn man sich die Gewinn- und Verlustrechnung ansieht, stößt man auf einen Betrag von 108 451 440 Mart. Im Jahre 1926 wurden 53 224 958 m. ausgegeben. Das sieht also nach einer Verdoppelung der Rentenleistungen aus. In Wahrheit ist diele Steigerung auf 108 Millionen ein Buchungstrid. Zunächst sind darin 33 Millionen als einmalige 3ahlung an die Invalidenversicherung zur endgültigen Abgeltung für Rentenaufwendungen an Angestellte aus der Invalidenversicherung enthalten. Dieser Betrag hat also mit der Rentenlast der Angestelltenversicherung nichts zu tun. Aber auch die dann noch verbleibenden 75% Millionen Mark Ausgaben für Rentenleistungen sind immer noch zu hoch, weil der Angestelltenversicherung rund 9% Millionen Mark von anderen Versiche rungsträgern zurückerstattet wurden. Die tatsäch liche Rentenlast im Jahre 1927 war also nicht 108% Millionen, sondern nur 66 Millionen Mart. Die durchschnittliche Monatsrente betrug 64 M. Vergleicht man die Gesamtbelastung des Jahres 1926 mit dem Jahre 1927, dann ergibt sich nur eine Steigerung von Demgegenüber steht 13 millionen Mart. Beitragsmehreinnahme von 35 millionen Mart. Allein an Zinsen wurde eine Einnahme von 48 Millionen Mark erzielt, über 70 Proz. der gesamten laufenden Rentenlast konnten also aus den 3inseinnahmen gedeckt werden. eine Diese günstige Finanzentwicklung der Reichsversicherungsanstalt ist jedoch nicht nur bedingt durch die unzu reichenden Rentenleistungen, sie ist auch eine Folge des Anwachsens der Versicherten und der Bermehrung der Beitrags zahler in den höheren Gehaltstlaffen. In der Zeit vom 1. April 1926 bis einschließlich 31. März 1927 gingen monat Reichsgericht versorgt KapK-putschisten. Auf Kosten des preußischen Staates.— Traugott von Lagow erhält Wartegeld. Leipzig. 23. März.(Eigenbericht.) Der dritte ZtvUfennt des Reichsgerichts hat der klage des Kapp-Putschisten Traugott von Jagow auf Wartegeld stattgegeben und den preußischen Staat verurteilt, dem Kläger vom 1. Januar 1V22 au die ihm als Regierungspräsident im einstweiligen Ruhestand „gesetzlich zustehenden Gebühren" weiter zu gewähren. Außerdem hat der preußische Staat die Kosten zu zahlen. Jagow wurde vom 4. Strafsenat des Reichsgerichts am 21. De- zember 1921 wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu 5 Iahren Festungshaft verurteilt. Seine Ansprüche auf Wartegeld wurden damit hinfällig und von der preußischen Regie- rung abgelehnt. Preußen stützte sich dabei auf den§ 7 des Disziplinargesetzes vom 21. Juli 18S2. Danach hat ein Beamter, der eine Freiheitsstrafe von mehr als ein cm Jahre zu verbüßen hat, keinen Anspruch auf Wartegeld oder Pension. Jagow klagte daraufhin, wurde aber von der 9. Zivilkammer des Land- g e r i ch t s in Berlin und später vom K a m m e r g e r i ch t in Berlin abgewiesen. Jetzt wandte er sich an das Reichsgericht und klagte auf Armenattest. Das hoch st e deutsche Gericht entschied sich für den Putschi st en. In der Begründung dieses Urteils heißt es: Zu entscheiden war, ob der Kläger, der durch Strofurteil wegen Beihilfe zum Hochverrat zu mehrjähriger Festungshaft, aber nicht zum Berlust seines Amt es verurteilt worden ist, gleichwohl nach§ 7 des preußischen Disziplinargesetzes vom 21. Juli 1852 mit der Rechtskraft des Strafurteils ohne weiteres fein Amt als Regierungspräsident verloren hat. Die Frage ist z u v e r n e in e n. Es kann dahingestellt bleiben, ob jene Bc- stimmung des preußischen Rechts allgemein im Widerspruch mit dem Strafgesetzbuch steht. Es bedarf auch nicht der Prüfung, welchen Einfluß etwa die Grundsätze des Artikels 129 der Reichsverfassung auf ihren Bestand haben. Hier scheitert die Anwendung des Z 7 des preußischen Disziplinargesetzes in jedem Fall an dem Wider- spruch, in dem sie zu der Regelung des§ 81 des Strafgesetzbuches, also derjenigen Bestimmung stehen würde, auf Grund deren der Kläger seinerzeit verurteilt worden ist. Nach§ 81 Abs. 3 kann neben der Festungshaft der Verlust der Bekleidung öffentlicher Aemter er- kannt werden. Der Verlust des Amtes soll also nur dann ein- treten, wenn das Gericht besonder s darauf erkennt. Diese Borschrift des Reichsrechts würde chrer praktischen Bedeutung entkleidet, wenn durch Landesrecht, gleichviel aus welchem Grund und Zweck bestimmt werden kann, daß der Berlust des Amtes als Folge der Bestrafung eintritt. Aus§ 7 läßt sich daher der Zlmts- verlust in diesem Falle nicht herleiten. Da auch ein anderer Grund für die Annahme eines solchen Verlustes nicht vorliegt, sind dem Kläger die gesetzlichen Bezüge für Beamte zuzusprechen. Die Mög- lichkeit eines Borgehens im Wege des Disziplinarverfahrens wird dadurch selbstverständlich nicht berührt. * Katastrophale Justiz: nach dem Salomon-Küster-Urteil das Jagow-Urtcil! Die Forderung Iagows ist im tiefsten Grund unsittlich. Das Reichsgericht hat mit juristischen Konstruktionen eine unsittliche Forderung für juristisch berechtigt er- klärt. Dieser Widerspruch besteht, er haftet der Recht- sprechung des Reichsgerichts an. Das Reichsgerickt hält es für möglich, daß ein Regie- rungspräsident putscht und nach dem Putsch trotz Verurtei- lung wegen Hochverrats noch Regierungspräsident bleibt! Von Rechts wegen. Sein Urteil versorgt einen Staatsver- brecher mit einer Pension auf Kosten des Staates, gegen den fein Verbrechen sich richtete. Solche Urteile sind es, die offene Feindseligkeit gegen diese Art von Rechtsprechung hervorrufen und das Vertrauen in die Justiz immer mehr erschüttern. Denn für Recht hält dieses Urteil kein Mensch— Herr v. Jagow wahrscheinlich auch nicht. Der schwere Existenzkampf der„DAZ." Lind das Geheimnis um Abg. v. Freytagh- Loringhoven. Die„Deutsche Allgemeine Zeitung" war von Herrn S t r e s c- mann aus der Konkursmasse Stinnes für die Reichsregierung erworben worden. Als dieser Kauf ruchbar wurde, erfolgte Weiter- oerkauf an„eine aus Industrie, Handel und Schiffahrt zusammen- gesetzt« Gruppe". Die„Deutsche Zeitung" behauptet aber, daß das Blatt noch immer in engster Beziehung zum Zluswärtigen Amt stehe und aus dessen geheimen Dispositionsfonds unterstützt werde. Di«„DAZ." ivendet sich nun gegen die„Deutsche Zeitung" mit einer Entgegnung, in der sie bchzuptet, daß der gegen sie ge- richtete Artikel des alldeutschen Blattes von Unwahrheiten strotze. t)b zu diesen Unwahrheiten auch die Behauptung gehört, daß sie vom Auswärtigen Amt Zuwendungen finanzieller Art erholte, geht aus der Entgegnung nicht ganz klar hervor. Ob diese Un- klacheit gewollt oder nur ein Versehen der Stilisierung ist, entzieht sich unserer Kenntnis. Wenn die„DAZ." von der Rechten ein„gewisses Verständnis für den schweren E x i st e n z k a m p s" fordert, den sie nach ihrem eigenen Geständnis seit Jahren führt, so kann man dos verstehen: sie ist ja ein ausgesprochenes Rechtsblott. Sehr«igen- tümlich müssen aber folgende Schlußsätze ihrer Entgegnung berühren: „Wir können nicht wissen, wer der Verfasser der Zuschrift ist. Ueberroschcnd scheint uns nur zu sein, daß sie sich in Gc- sinnung und Tenor in ausfallender Weise mit einigen Demer- kungen deckt, die in einem Ausfall des Reichsiagsabgeordneten Fr'eiherrn von Freytagh-Loringhoven in der nämlichen„Deutschen Zeitung" vom Dienstag, dem 29. März, zir finden waren. Es ist uns auch bekannt, daß dieser Reichstags- abgeordnete im Parlament notorische Unwahrheiten über die Besitzverhältnisse und die Redaktionsmitgliedec der„Deutschen Allgemeinen Zeitung" verbreitet. Sollte der Genannte das Bedürfnis haben, seine Hetze weiter fortzusetzen, so können wir ihm vor Gerich« und In der Ieitungs- polcmlk mit für i h n wenig erfreulichem Ma teriok dienen." Wenn Worte noch einen Sinn hoben, heißt das:„Fährst du fort, uns zu enthüllen, dann werden wir dich enthüll«». Schweigst du. dann werden auch wir schweigen." Wenn die„DAZ" glaubt, den Abg. v. Freytagh-Loringhoven durch solche Drohungen zum Schweigen bringen zu können, dann muß sie das Material gegen ihn, über dos sie verfügt, für sehr schwerwiegend halten. Ist es das wirklich, dann kann sie die Veröffentlichung oder Richtoeröffentlichung anstandigerweise nicht von seinem Verhalten i h r gegenüber abhängig machen, sondern muß damit herausrücken. Dieses Arbeiten mit geheimnisvollen Andeutungen und offenen Drohungen ist Revolvermanier und mit den Grundsätzen einer auf Sauberkeit haltenden Journalistik nicht vereinbar. lich durchschnittlich 2 569 760 Beiträge ein. in der Zeit vom 1. April 1927 bis 30. September 1927 monatlich durchschnitt- lich 2 969 700. Berücksichtigt man, daß nicht jeder Versicherte in jedem Monat einen Beitrag entrichtet, so ist die tatsächliche Bersichertenzahl noch höher. Das Direktorium schätzt sie für Ende 1927 auf 3,12 Millionen. Aus den hier angeführten Zahlen ergibt sich, daß sich in einem halben Jahr die Zahl de? Versicherten um über eine halbe Million erhöht hat. Ebenso aufschlußreich sind die Angaben über die Zahl der Versicherten in den einzelnen Gehaltsklassen, lleoer eine halbe Million Versicherte hatte nur einen Ntonatsverdienst bis 50 M., eine weitere halbe Million ein Monatsoerdienst von 50 bis 100 M., eine weiters Million Versicherte einen Monatsverdienst von 100 bis 200 M. Ueber zwei Drittel oller Versicherten hatten also einen Monatsverdienst von unter 200 M. Diese Zahlen beweisen nicht nur die schlechte Lebenslage der Angestellten, sie zeigen auch, wie notwendig die Durchführung der sozialdemokratischen Forderungen ist, weil bei solchen schlechten Einkommensverhältnissen keine er- gänzende Vorsorge durch die einzelnen Angestellten mög- lich ist. Von Jahr zu Jahr steigen die Beftragseinnahmen und die Ueberschüsse der Angestelltenversicherung. In weitem Abstände dazu stehen die Rentenleistungen. Die Angestellten werden dafür sorgen müssen, daß der neue Reichstag nicht nur Entschließungen annimmt, sondern den Angestellten- rentnern wirkliche Hilfe bringt! Beharrlich im Ltnrecht! Oer Wahlspruch des Herrn von Kendels. Herr v. K c u d e l l hat vor Monaten unter Aufstellung falscher Behauptungen die schweren Vorwürfe des Der- trauensbruchs und der Irreführung der Oeffentlichkeit gegen den preußischen Vertreter im Reichsrat Ministerialdirektor B a d t erhoben. Es wurde sofort festgestellt, daß seine Be- hauptungen falsch, seine Vorwürfe unbegründet waren. Herr o. K e u d e l l hat daraus keine Folgerungen gezogen. Der preußische Ministerpräsident hat Herrn v. K e u- d e l l aufgefordert, eine Erklärung gegenüber dem angegriffe- ncn Beamten abzugeben. Herr ö. K e u d e l l schwieg. Der Reichsrat hat. nachdem alle Vermittlungsversuche fehlgeschlagen waren, einen Beschluß gefaßt, der das Unrecht des Herrn v. K e u d e l l feststellte. Herr v. K e u d e l l hat irotzd�m keine Erklärung gegenüber dem angegriffenen Be- amten abgegeben. Am Donnerstag hat Genosse S o l l m a n n Herrn v. K e u d e l l in offener Reichstagssitzung an den Fall Badt gemahnt: „Ich richte an Sie, Herr Minister, im Interesse der gesamten Beamtenschast die dringend« Frage:„Wollen Sie nicht end- lich dieses Unrecht wieder gut mache n?" Herr v. K e u d e l l hat daraufhin endlich die Sprache gefunden. Er hat gestern im Reichstage geantwortet: „Dem Wunsche des Abg. Sollmann, daß ich ein« Erklärung gegenüber dem Ministerialdirektor Badt abgeben niöge, kann ich zu meinem Bedauern nicht entsprechen. Es wird dabei bleiben müssen, daß bei Beurteilung der damaligen Vorfälle zwischen Herrn Sollmann einerseits und mir und meinen Freunden andererseits tiefgehend« Meinungsverschiedenheiten bestehen." Es wird dabei bleiben müssen, daß Herr v. K e u d e l l einen Beamten öffentlich falsch beschuldigt hat und sich wei- ort. es einzugestehen, weil der Beamte Sozialdemo- r a t ist. Herr v. K e u d e l l will dieses Unrecht in fein künstiges nicht-ministerielles Dasein mitnehmen. Vereinigung Waldecks mit Preußen. Der Amtliche preußische Pressedienst testt mit: Der Slaaisvertrag über die Vereinigung Woldecks mit Preußen ist im preußischen Slaalsministeriom am 23. ZNärz d. 3. unierzeichnel worden. Die Vorlage an die beiderseistgeu Landlage wird unverzüglich erfolgen. Der Sloolsverkrag wird in der nächsten Woche den preußischen Landtag beschäftigen. Koalitionskrise in Sachsen? ($in Ultimatum der Wirtfchastspartei. Dresden, 23. Mäyz.(Eigenbericht.) In einer interfraktionellen Sitzung der sächsischen Regierungs- Parteien verlangte die Wirtfchastspartei ultimtaiv, daß den Forderungen der Hausbesitzer endlich Rechnung getragen wird. Falls das bis Montag nicht geschehen sei, würde die Wirtschastspartei aus der Regierungskoalition ausscheiden. Die anderen Kva- libonspartcien haben bisher die Forderung der Honsagrarier abgelehnt. Der von der Sozialdemokratie gestellte Antrag auf Auf- lösung des Landtages gewinnt unter diesen Umständen er- höhte Bedeutung. Schwarzweißrot im Bergrevier. Provokation der Bergarbeiter und eine amtliche Verfügung. Bei dem letzten großen Grubenunglück im Regierungsbezirk Münster hat eine Zeche zum Zeichen der Trauer schwarzweiß- rote Fahnen aufgezogen. Diese Beslaggung wurde in einem Teil der Presse als eine beabsichtigt« Provokation der Arbeiterschaft bezeichnet. Die von dem Regierungspräsidenten in Münster. Dr. Amelunxen eingeleitete Untersuchung hat er- geben, daß dieser Vorwurf unberechtigt ist. Die schwarzweißrote Be- slaggung ist durch dieörtlicheBetriebsleitung erfolgt und von der Hauptverwaltung der Zeche sogleich beseitigt wor- den, als sie von diesem Mißgriff Kenntnis erhielt. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat dieser Sondersall, der mit Recht in Bergorbeitertreisen unliebsam empfunden wurde, dem Regie- rungspräsidenten in Münster Beranlassung gegeben, in einer Rund- Verfügung sämtliche Landräte und Oberbürgermeister seines Re- gierungsbezirkes zu ersuchen, ollen Zechenverwaltungen in geeigneter Weis« nahezulegen, bei Flaggenanlässen ordnungsmäßig in den ?lationalfarben zu flaggen. Schmutz und Schund in veulschösterreich. Im Bundesrat ( irrt f rem Reichsrot entsprechend) bot die Biirgermehrheit gegen scharfen sozialistischen Widerspruch die Regierimg um Nachahmung der reichsd-utschen Külzerei ersucht. Der preußische 3»sti, minister Hot— wie amtlich mitgeteilt wird— die Einrichtung von Iustizpressestellen für jeden Oberlandes- gerich>sbezirk angeordnet. Reichstagsauflösung am 31. März. Ooversistungen in der nächsten Woche. In der gestrigen Sitzung des A e l t e st e n r a t s des Reichstages einigten sich sämtliche Parteien darüber, daß am 31. Mörz die letzte Sitzung des gegenwärtigen Reichstags abgehalten werden soll. Der Arbeitsplan für die nächste Woche ist folgender- maßen festgesetzt worden: Montag Fortsetzung der Beratung des Haushalts des Innen- Ministeriums und Rachtragsetot für 1927: Dienstag Marineetat und Phoebus-Angelegeichoit, Ergänzungsetat für 1928; Mittwoch Haushalt der Reichsfinonzverwaltung und Etatsgesetz: Donners- tag zweite und dritte Lesung des Gesetzes über die Kreditrenten- dank, kleiner« Vorlagen, Schlußabstninnung über das Ueberleitungs- gsfetz: Freitag und Sonnabend dritte Lesung des Etats. Außerdem wenden noch einige kleinere Dorlagen an den einzelnen Tagen eingeschoben werden. Ob auch noch die Reform des Ehe- fcheidungsrechts, das Gesetz über den Schutz der Jugend bei Lustbarkeiten imd die Novelle zum Tabaksteuergesetz zur Beratung kommen werden, darüber ist noch keine Einigung erzielt worden, es wird vielmehr das weitere noch in einer Aelteftenratssitzung im Laufe der nächsten Woche besprochen werden. Die Sitzung am Montag wird um 12 Uhr beginnen, vom Diens- tag ab sollen die Sitzungen um 19 Uhr anfangen. Vertuschtes Elsaß-Panama. Ttiäff Verfolgung wie gegen Autonomisten! Paris, 23. Marz.(Eigenb:, ichl.) Die Regierung scheint während der Parlamentsferien die großen Liquidationsstandale in E l s a h> L ot h r i n g e n ver- tusche« zu wollen. So versucht« der Justizminister Barthou am Freitag, die außerordentlich dunkle Affäre der Uebernahme ehemals deutscher Kaligruben im Elsaß, die bereits seit Iahren die v-ffent. lichkeft beschäftigt, durch einen höchst willkürlichen Schiedsspruch zu begroben. Der elsäffisch« Senator H e l m e r hatte gegen den General. staatsanwalt Fachst in Kolmar wegen gewisser Rechtswidrigteiten bei der Uebernahme des deutschen Kalibesitzes im Effaß öffentlich Angriffe erhoben. Heinum, der von der Regierung zum General- scquestor ernannt worden war, wurde von Fachst, der damals Generolstaatsamvalt in Mülhausen war, seiner Stellung e n t- hoben, offenbar, well er sich mit den Schiedssprüchen Fachats nicht einverstanden erklären wollte. Unter der Wucht der gegen ihn erhobenen Beschuldigungen beantragte Fachst vor einiger Zeit die Einleitung einer Disziplinaruntersuchung gegen sich. Der Justiz- minister gab diesem Ersuchen statt und hat am Freitag das Ergebnis der Untersuchung mitgeteilt: die vom Senator Helmcr erhobenen Anschuldigungen seien unbegründet. Diese Eirffcheidung, für die Borthou die voll« Verantwortung tragen will, berührt um so peinlicher, als in dom erst in der vorigen Woche oeröffenttichtcn Bericht der Kammerkommis- s i o n zur Prüfung der Stoatsoerträge gleichfalls scharfe Kritik an der Amtsführung Fachots hinsichllich der Entscheidungen über die Liquidation in Lothringen geübt worden ist. Großfeuer am Spitielmarki. Eine Rähscidenfabnk in Klammen. In der Näh- und Stickscideufabrik der Salomon-Ak- tiengesellschaft. Riederwallstraße 31, brach gester« nacht im ersten Stockwerk des Vordcrgebändes kurz nach Xll Uhr Feuer aus. das aber erst bemerkt wurde, als aus de« Fenstern meterhohe Flammen hcrvorschlugen. Beim Eintreffen der Wehren hatte das Feuer bereits die vierte Etage iu ihrer ganzen Ausdehnung ergriffe« und wat auf den Dach stuhl übergesprungen, kurz nach Mitternacht wor die Gewalt des Feuers gebrochen. Der Schaden ist sehr erheblich, da grostc Lagervorräte und wertvolle Druckereimaschine» der Be- triebsdruckerei vernichtet wurde». Inmitten der Löscharbeite» kam abermals ein Feueralarm aus der Holzmarktstraste 53. Tort war in einer Tischlerei Feuer entstanden. Zwei Löschzüge kämpften daS Feuer nach dreistündiger Tätig- keit nieder. Bei beide« Bränden ist die Entstehungs- Ursache noch ungeklärt. Eisenbahnskandal. Wieder mal die ganze Montur mit Schmieröl versaut! „An den Galgen mit Curtius!" Bauernverhehung auch in Bayern. München. 23. März.(Eigenbericht). „tta den Galgen mit dem Reichstoirlschaflsmintster!"— war die stürmische Forderung einer 4000köpfigen Baucrnversamm- lung in Augsburg. Sic wurde provoziert durch eine auf- peitschende Rede eines christlichen Bauernoereinssekrctärs, der die Bauern in maßloser Weise gegen die Handelspolitik der Reichs- rcgierung aushetzte. In dieselbe Kerbe hieben dann auch die beiden anderen Redner, ein Bauernbündler und ein deutschnatio- n a l c r Landbündler, so daß in der Versammlung schließlich nur noch stürmische Zwischenrufe laut wurden.„Drosselt dem Curtius den hals ob!"„Einen Strick her für drei Pfennige!"„Her mit einem wirtfchastsdiktalor. her mit Mussolini!"„Aus zur Tat! Es wird werden wie im Mellkrieg!"— das sind einige Proben der aufge- peitschten- Stimmung, an der die drei Referenten, darunter zwei bayerische Landtagsabgeordnete, ihre helle Freude hatten. In dieser Stimmung ließen die Bauern nicht mit einer der üblichen Versammlungsresolutionen abspeisen. Als die drei Re- screnten sich dünne machen wollten, sprang ein Bauernbündler aus den Tisch und verlangte unter tosendem Beifall eine Erklärung zur Frage der Bauerneinigung. Die Redner hätten nur auf ihre eigene Regierung geschimpft, sie würden jetzt abreise» wie immer und alles bleibe beim Alten. Wenn sie jetzt nicht sofort Farbe bekennen, würden sie als Führer abgesetzt, denn sie seien Versührer. In dieser kritischen Stimmung gaben die drei Hetzer die gemeinsame Erklärung, daß sie unter sich sofort einen Ausschuß bilden wollen zur Vorbereitung der Bauerneinigung noch vor den Wahlen. Mit diesem Trick retteten sich die drei Referenten aus der bedrohlichen Situation. Reform der Landarbeitersiedlung. Oer SiedlungSausschuß stimmt dem sozialdemokratischen Antrag zu. Der Siedlungsausschuß des Reichstages führte am Freitag die Besprechung der Landarbeitersiedlung zu Ende. Aas Mitteln der produktiven Erwerbelosenfürsorg« sind von 10 21 bis 19 2 7 rund 41 000 Landarbeiterwohnungen geschaffen worden, darunter 22 000 Wertwohnungen und 19 000 Ctgenwohnungen. Eine immerhin beachtliche Leistung. Man halte daneben, daß das alte Preußen nach amtlichen Mitteilungen non 1909 bis 1918 in seinen östlichen Provinzen noch nicht ein- m a l sage und schreibe 200 Arbeiterwohnungen erbaut hat. Die Seßhaftmachung der Landarbeiter soll jetzt sowohl auf Reichs- wie aus Staatsmitteln noch stärker als bisher gefördert werden. Gedacht ist dabei vor allem an tandarbeilersiedlungen mit rund S Morgen Land, die etwa je 10 000 M. aus öffentlichen Mitteln erfordern würden. Die Belastung würde sich wie folgt ergeben: 5 400 M..Hauszinssteuer mit 1% verzinslich.. Sch— M. 3 600„ Rachweisungskredit zu 4V«Ö/n...- 148,—„ 800. Einrichtungskredit zur Ergänzung des fehlenden Eigenkapitals, zinslos, vom 6. Jahr« ab mit 2(>'f, tilgbar.......... 16,—, 9 800 M. Beihilfen mit einer Zahresbelaftung.. 218,— M. Daneben wird der Landarbeiterwohnungsbau wie bisher ge- fördert werden. Der deutfchnationolc Abgeordnete und christliche Land- arbeiterführer Hülser wandte sich gegen die Ausstattung der Siedlung mit 8 Morgen Land: 1 bis 2 Morgen seien aus- reichend!-Herr Vehreus, sein Fraktions- und Derbandskollege, glänzte durch Abwesenheit. Für die Nöte der Landarbeiter setzte sich Genosse Zäcker«in, der verdienstvolle Leiter der ostpreußischen Landarbeüerorgani- ialion. Er verlangt« die verstärkte Ansetzung der Landarbeiter aus sozialen und nationalen Gründen gerode für den Osten, lehnte aber jede gesetzliche Unterbindung der Freizügigkeit ab. Er beantragte, nicht nur reinen Landarbeilern. sondern auch anderen ' Arbeitern, die bereit und geeignet seien, in der Landwirtschaft ' tätig zu sein, die Mittel in gleicher höhe zur Verfügung zu stellen. Genosse Tempel erbat besondere Berücksichtigung auch der dichtbevölkerten Gebiete im Westen, besonders in Hannover. Gegen die Stimmen eines Teiles der D« u t f chn a t i o- n a l e n und des Zentrums nahm dann die Ausschußmehrheit folgenden Antrag Iäcker-Tempel an: „Der Reichstag ist damit einverstanden, daß für die Ansetzung non Landarbeitern und solchen?lrb«itern, die zur Landarbeit be- sähigt und bereit sind, in den dünnbevölkerten Gebieten durch die Landkreise vdcr die von ihnen errichteten Kreissiedlungsgesellschosten unter Vermittlung der Landeskulturbehörden die gleichen Kredite, und zwar Ankauss-, Rachweisungs- und Einrichtung?- kredite gewahrt werden dürfen, wie für die bäuerlichen Kolonicsiedlungen der gemeinnützigen Siedlungsuntcr- nehmungen." preußische Arbeiislosensürsorge. Dos preußische Staatswinisterium hat dem Staatsrat einen- Gesetzentwurf über die Bereitstellung von Staatsmitteln zür. ver- stärkten Förderung von Maßnahmen der wertschaifenden Arbeits- lrsensürsorg« mit der Bitte um beschleunigt« gutachtlich« Aeußerunz überreicht, hiernach soll dem Staatsministerium ein Betrag von 7S'Million«n RM. für den genannten Zweck zur Verfügung gestellt werden, die durch den Finanzminister im Wege des K r e- d i t s zu beschaffen sind. Oie Arbeitszeit der Kohlengräber. (Scharfe Auscinanderfehung im Unterhaus. London. 23. März.(Eigenbericht.) Das Unterhans beriet den von der Arbeiterpartei eilige- brachten Gefetzenrwurf auf Wiederherstellung des Siebenstundentages im Bergbau. Abg. Gen. G r« n n- wall betont«, daß die Beseitigung der Krise im Bergbau unmöglich sei, solange die britischen Bergarbeiter länger unter Tage zu arbeiten hätten als ihre Kollegen in der Welt mit Ausnahme der chinesischen Arbeiter! Der Minister für Bergbau suchte zu beweisen, daß die Aerhältnisse im Bergbau noch schlimmer wären, falls man die Arbeitszeit nicht verlängert hätte: die Regierung denke nicht daran, das Achtstundengssetz abzuschaffen. Ms Lloyd George(lib.) versucht«, die Arbeiterpartei für die gegenwärtige Log« der Bergarbeiter verantwortlich zu machen, stieß er aus außer- ordentlich scharfen Protest der Arbeiterpartei. Llyod George stellte daraufhin fest, daß er trotz der Unterstützung der Bergarbeiter von deren Abgeordneten am Reden verhindert werde und verzichtete aus weitere Ausführungen. Der Gesetzentwurf wurde schließlich mit nur 27 Stimmenonihrheit abgelehnt, nämlich mit 154 gegen 127 Stimmen. Balkanterror. In(Südflawien, Rumänien, Bulgarien und Griechenland. Di« fürchterlichen Zustände im Belgrader Polizeigefängniz, der„Glaoniatscha". sind letzthin in der Skupschtina enthüllt worden und hoben Entsetzen erregt; der slowenisch.klerikale Innenminister Dr. K o r o s ch e z aber, ein christlicher Priester, lehnte sogar die Ein- leitung einer Untersuchung ab. Auch in dem.Kommunistenprozeß gegen den Studenten Rajo W u j o w i t s ch und seine Genossen wurden diese Greuel aufgedeckt: dem verdankt Wujowitsih es vielleicht, daß sein« Strafe aus Berufung der Staatsanwaltschaft von tz Monaten auf fünf Jahre schweren Kerkers erhöht worden ist. Seit acht Iahren liegt in dem rumänischen Schreckens- kerter Dortana der sozialistische Vorkämpfer B u j o r:«ine neu« Protestwelle gegen die weitere Einkerkerung dieses bereits ganz ge- brochenen Mannes ist im Steigen. BorisStefanoff und seine Mitangeklagten, bessarabische Kommunisten, haben, da chre Der- urteilung infolge Berufung noch nicht rechtskräftig ist. die ihnen be- fohlan« Zwangsarbeit zu leisten abgelehnt. Dafür hat man sie in die berüchtigten Karzer, die stehenden Zernentsärg« von Iiüuva gesteckt, in denen sie sich nicht rühren können... Eine Reihe britischer Arbeiterabgeordneter haben den bulgarischen Ministerpräsidenten Liaptschess brieflich aufge- fordert, den grauenhasten Terror in Bulgarien abzustellen. In Athen und anderen Städten sind Arbeüerdemonst roti onen blutig niedergebogen worden. Oer Selbfirum Polens. Die Verfolgung der flawischen Minderheitsvölker. In seinen weiten Ostgebieten Hot Polen etwa sieben Millionen Weißrussen und Ukrainer, die es zu Polonifierungszwecken unter kaltem Druck hält, während jenseits der Grenze die Bolksgenosien dieser Unterdrückten eigene Selbstregierungsstoaten haben, mit ihrer Sprache als Staatssprache. Ueberdies haben die Bauern jenseits der Grenze dos Herrenland bekommen, während ihnen in Palen die Bodenreform nur versprochen ist. Was Wunder, daß dies« Ostslowcn zur Vereinigung mit ihren Volksgenossen streben und, unter dem Antrieb der Landarmut oder gar Londlosigkeit und der sremdnatio- nalen Beherrschung, natürlich zur Vereinigung unter dem fünszackigen Stern! Statt nun diese starken Minderheiten möglichst mit dem polnischen Fremdstaat zu versöhnen, hat ihnen soeben erst der Rc- gierungstorror bei der Porlamentswahl einen großen Teil ihrer Mandate geraubt. Seit Wochen wird in Wilna gegen hun- dcrte Weißrussen der h r o m o d a p r o z e ß wegen Hochverrats ge- führt und als letzthin der Kronzeuge des Staatsanwalts, der Lock- spitzet huryn ermordet wurde, folgten neue Massenoerhaftungen und eine wild« Presseverfolgung. Damit aber die Wahlwunden der Ukrainer sich nur ja nicht schließen, streut Warschau Salz hinein: Alle Starosten(Landräte) in W o l h y n i e n-haben die Aus- l ö s u n g der Organisationen des ukrainischen Kulturbundes „Profwtta" in Angriff genommen. Die Satzungen der„Proswito" waren vor längerer Zeit von den polnischen Behörden bestätigt worden. Begründet wird die Auflösung mit Befürchtungen vor dem Einfluß der Kommunisten, die sich in die„Proswita" in großer Zahl eingeschlichen haben sollen. So treibt man die Mindcrheitsvölker in immer schärfere Oppo- sition. in der schon sehr große Teile selbst des polnischen Volkes stehen. Wie es scheint, will man in Warschau die Lehren der e i g e- nen Vergangenheit durchaus vergessen! Wer wird Sejmmarschall? Warschau. 23. März.(Eigenbericht) Die sozialistische Sejmfraktion Hot beschlossen, den Abg. D a s z y n s t i als Sejmmorschall vorzuschlagen. Der Barstand wurde ermächtigt, mit den anderen Linksparteien darum Fühlung zu nehmen. Gen. D a s z y n s k i war bisher Vizepräsident des Sejm. P i l s u d s t i hat, wie bekannt, seinen Stellvertreter, den Vizeprcmier Bartcl als Sejmmarschall cmp- oder richtiger befohlen. Gowjetrichter vor Gericht. Amerika wird auch im Lefiechungssystem nachgemacht. Di« Moskauer„Prawda" berichtet von einem Prozeß in R j a s a n. Eine Anzahl Iiistizbeamte, darunter zwei stellvertretende Gerichtsvorsitzende, einige Mitglieder des Verteidigerkollegiums.«in Staatsanwaltsgehilse, mehrere Gerichtsmitglieder, der Sekretär des Stadtvollzugsrat» sowie einig« Kaufleut« wurden zu Strafen van zehn Iahren bis sechs Monaten Gefängnis verurteilt: andere kamen mit einem bloßen Verweis davon. Die Gerichtsverhandlung leuchtete in die korrupten Verhältnisse hinein, die in einem Teil der Sowjetrechtsprechung herrschen. Alz die GPU. von den Mißbrauchen Kenntnis erhielt, vernahm sie den Volksrichter P r o st o w. Er ver- sprach aussührtiche Bekundungen zu machen, nahm sich aber das Leben. Doch soll es der GPU. gelungen sein, das Korruptionsnest auszuheben. Seine Seele war der Sekretär de» Stadtvollzugsrats Soschkin, der freundschaftliche Beziehungen W dem stellner. tretenden Vorsitzenden des Strafgerichts unterhielt. Mit«inigen Verteidigern und zmei übelbeleumundeten Persönlichkeiten entwickelte er nun eine äußerst reg« Tätigkeit. Bald hieß es: Soschkin könne alles machen. Er nahm von Angeschuldigten B«- stechungsgelder, die er zwischen sich und den in Frage kommen. den Richtern teilte. Ganz besonders ausgezeichnet hatte sich auch «in hoher Verwaltungsbeomter und Leiter der Gouvernementspolizei namens F« r n o b o k. Er hatte en, raffiniertes Bestechungssystem ausgearbeitet: die Kausleute zahlten ihm bestimmte Abgaben. Das Gericht verurteilte ihn zu fünf Jahren Gefängnis. Bauern überfallen den Dorfsowjet. Die Moskauer„Iswestia" berichtet von einem Prozeß gegen 15 Bauern, die angeklagt waren,«einen Dorfoollzugsrat überfallen zu haben. Der Oberste Gerichtsyof der Krim verurteilte wegen Massenterror gegen Behörden einen Bauern zu sechs I a h r e n Gefängnis, zwei M drei Jahren, fünf zu zweieinhalb und sechs zu einem Monat Gefängnis. Llttikehnmg in Ltngarn. Arbeiter verprügeln Rodaureaktionäre. Nach Wiener Vorbild regten sich auch in Budapest idiotische Rosiesanatiker darüber auf, daß die Oper„Ionny spielt aus" gegeben wurde. Bis zum Vorstellungsbeginn stänkerten sie die Opernbesucher an, dann veranloßte sie die Polizei, sich ein anderes Tätigkeitsfeld zu suchen. Sie fanden es vor dem Gebäude des sozialdemokratischen Zentralorgans„Nepszooa", dem sie unter obligatem Gebrüll«ine Anzahl Fenster einschlugen. Da die Polizei nicht dagegen einschritt. nahmen«ine Anzahl Arbeiter �»ie Wiederherstellung der Ordnung nebst dazu geeigneten Instrumenten in die Hand und verprügelten die Radaubrüder so gründlich, daß ihr Bedarf bald gedeckt war und st« das Weite suchten. Zum erstenmal seit der horthy-Gegen- reoolution von 1919 hoben ungarische Arbeiter, die so schwer leiden mußten, zur S e l b st h i l s e gegriffen. Erzengel Gabriel d'Annunzio. Was heutzutage italienmöglich ist. Aus Trient wird gemeldet: In Mezzolaga im Ladrotal wurde die Sprengung einer Reihe von Minen vorgenommen, wodurch sich das Wasser des Ledrosees in den Gordasee ergießen wird. Dadurch wurde eine der mächtigsten Elektrizitätszentralen in Betrieb gesetzt. Die Minen sind 26 Meter unter dem Wasserspiegel des Sees gelegt und(natürlich!) von Gabriele d'Annunzio zur Explosion gebracht worden. Einige Tage zuvor hotte Gabriel« d'Annunzio an den Bürgermeister von Rovereto telegraphiert: Am nächste» Sonntag wird Erzengel Gabriel auf den Ledrose« msderfteigen und die groß« Mine entzünden mit dem Lächeln jenes Damiano Ehiesa(eine« Roveretaners, der we�en ..Hochnerrots" hingerichtet wurde), der sein Opfer in mächtige Energien der Zukunft umgewandelt sah. Ich umarm« Sie. Gabriele d'Annunzio. Der Erzengel Gabriel— da wird sich ja Mussolini, sein Kon- turrent im Schwadronieren, rasch zum Herrgott ernennen müssen! Die Arbeitslosigkeit im Februar. gegangen. Allmählicher Rückgang. Nach der vom Allgemeinen Deutschen Gemert zeichnen. Doch ist dieser Prozentsatz als günstig zu bezeichnen. schaftsbund veranstalteten Erhebung über die Arbeitslosigkeit Auch im graphischen Gewerbe ist, abgesehen von den und die Kurzarbeit in den ihm angeschlossenen Gewerkschaften ist Buchbindern, wo noch andere Berufe( Kartonnagenherstel die Arbeitslosigkeit auch im Monat Februar weiter zurüdlung usw.) den Prozentsatz der Arbeitslosigkeit beeinflussen, der Im Durchschnitt waren arbeitslos Ende Beschäftigungsgrad im allgeminen ein guter. Bei den BuchFebruar 1928 10,5 Proz. gegenüber 11,4 Proz. Ende Januar, bindern waren arbeitslos 6.7 Proz.( 6,8 Proz.), bei den Buchwährend die Anzahl der in Kurzarbeit Beschäftigten sich nicht druckern 2,7 Proz.( 3,2 Proz.), bei den graphischen Hilfsarbeitern geändert hat. Obwohl der Prozentsaz der Arbeitslosen noch 4.2 Proz( 4,5 Proz.), bei den Lithographen 5,2 Proz( 5,5 Proz.), immer ein sehr hoher ist. muß bemerkt werden, daß dieser hohe schließlich in der Papierherstellung 3,3 Proz.( 3,4 Proz.). Brozentsaz der Arbeitslosigkeit in der Hauptsache zurückzuführen ift auf Saifoneinwirkungen und im Februar 1927 noch erheblich größer war. Damals waren noch 15,9 Proz. arbeitslos. Im Bergbau, wo der Prozentsatz der Arbeitslosen auch im Januar nur 2,3 Proz. betrug, ist er im Februar auf 2 Broz. zurückgegangen. Im Baugewerbe geht die Arbeitslosigkeit nur sehr langsam zurüd. Sie betrug im Baugewerksbund 32,8 Proz.( Ende Januar 36 8 Proz.), bei den Dachdeckern 56,9 Proz. ( 568 Proz.), bei den Malern 27 Broz( 31,3 Proz.), bei den Bimmerern 35 9 Proz( 40 Proz.). Auch bei der Steinarbeitern ist die Arbeitslofiofeit noch immer sehr hoch sie beträgt 16,9 Proz. ( 205 Proz.) Bei den Holzarbeitern ist sie mit 12,1 Proz. faft unverändert. Etwas stärker zurüdnegangen ist die Arbeitslosigkeit bei den Gärtnern, wo sie immerhin noch 19,9 Proz. ( 28,5 Proz.) beträgt. In der Metallindustrie ist die Arbeitslosigkeit faft unverändert. Sie betrua im Metallarbeiterverband im letzten Monat wie im Januar 5,4 Proz., bei den Kupferschmieden ist sie auf 6,5 Proz. gestiegen. Auch bei den Tertilarbeitern ist eine unwesentliche Steigerung der Arbeitslosigkeit von 3,6 auf 4,2 Proz. zu ver Die Buchdrucker haben gekündigt! Berhandlungen bis jetzt fruchtlos. WIB. berichtet: Die am Freitag im Reichsarbeitsministerium geführten weiteren Berhandlungen über die Verbind. tichfeitserklärung des Schiedsspruchs im Buchdrudgewerbe haben noch fein Ergebnis gezeitigt. Auch in der Lederindustrie ist die Arbeitslosigkeit etwas zurückgegangen, wenn sie auch dort noch, ganz besonders bei den Sattlern, Tapezierern und Portefeuillern( 16,4 Proz.), außer gewöhnlich hoch ist In der Nahrungs- und Genußmittel. industrie ist, mit Ausnahme der Tabatindustrie, die Arbeitslosigkeit im Abflauen. an. Auch in der Bekleidungsindustrie hält die Befferung Bei den Bekleidungsarbeitern betrug die Arbeitslofiofeit im Februar 11.9 Proz.( 15,9 Proz.), bei den Hutarbeitern 22,8 Proz. ( 23,3 Broz.). Als charakteristisch für den Beschäftigungsgrad tam man im allgemeinen die Bewegung im Verkehrsbund ansehen, wo die Arbeitslofi feit von 56 auf 5.1 Broz. zurückging. Bezeichnend ist auch für die große Masse der Ungelernten die Arbeitslosigkeit im abritarbeiterverband, wo fie zurüdging von 99 Proz. auf 8,7 Proz. Das langsame Tempo in der Wiederaufnahme der Arbeit in den Saisongewerben. das sich auch auf die anderen Industrien natürlich auswirkt, ist in der Hauptsache zurückzuführen auf den außerordentlich strengen und anhaltenden Winter. 28. März vor sich gehen noch verbleibende Frist muß von den verantwortlichen Stellen genutzt werden. Kann das Reichswürde wieder ein Anziehen der Breffe zur Folge haben und somit eine Steigerung des Reallohnes der Arbeiter verhindern, die Wäh rung gefährden und auf die Dauer jede Exportmöglichkeit abschneiden, Die Schiedssprüche in der Feinferamit. Die Arbeiter gegen eine Verbindlichkeitserklärung. Im Tarifftreit der seinteramischen Industrie, bei dem 65 000 Arbetter in Frage tommen haben die Unternehmer die für den Reichsmanteltarif sowie für das Lohn- und Ueberzeit abkommen gefällten Schiedssprüche angenommen und Die Ar Verbindlichkeitserklärung beantragt Reichsmanteltarifvertrag an, dagegen lehnten sie die Schiedsbeiterorganisationen nahmen nur den Schiedsspruch zum prüche zum Lohn- und Ueberzeitabtommen ab. Die Arbeiterschaft der feinkeramischen Industrie hat bereits in einer ganzen Reihe von Orten scharf gegen eine Verbindlich. teitserklärung der Schiedssprüche Stellung genommen und erneut freie Berhandlungen gefordert. Der Lohnschiedsspruch hat ob der geringen Lohnverbesse 13 Mo und der langen Laufdauer rung- 5 bis 10 Pro3z. Der Schiedsspruch über die Arbeitszeit bringt Erweite nate unter der Arbeiterschaft große Empörung hervorgerufen. rung der Ueberstunden und für die ersten drei Ueberstunden nur einen Zuschlag von 15 Proz. Die feinkeramische Industrie hat fich im vergangenen Jahr gut entwickelt und bietet den Unternehmern auch für die Zukunft recht günstige Gewinnchancen, zu denen die Lohn- und Arbeitszeitverhältnisse in scharfem Kontrast stehen. Unter diesen Umständen rechnen die keramischen Arbeiter fest damit, daß der Reichsarbeitsminister dem Antrag auf Berbindlich feitserklärung der Schiedssprüche nicht entgegenkommt. Metallarbeiteraussperrung in Bayern. München, 23. März. Die im Sozialministerium geführten Berhandlungen zwischen Unternehmer und Arbeitervertretern der bayerischen Metallindustrie außerhalb Münchens find ergebnislos verlaufen. Die angefündigten Kampfmaßnahmen treten nun in Kraft. Bisher sind rund 2000 Arbeiter in verschiedenen Orten Bayerns in den Ausstand getreten. Die Unternehmer drohen, Ende März insgesamt 20 000 bis 25 000 metallarbeiter auszufperren. arbeitsministerium ruhig zusehen, wenn weit über eine halbe Berhandlungen in der sächsischen Metallindustrie. Million Arbeiter bei einer Lohnerhöhung von einigen Bettelpfennigen mit Groll und Verbitterung im Herzen zur Arbeit gehen müssen? Die Mante! tarifperhandlungen in der sächsischen Metallindustrie tommen nicht vom Fleck, do die Unternehmer jeden Berbesserungsantrag hartnädig bekämpfen und in wichtigen Punkten sogar wesentliche Verschlechterungen fordern. Obwohl Schlich stunden verhandelte, konnte das Verfahren noch nicht zum Abschluß gebracht werden. Zu den Blättermeldungen, daß bereits ungefähr 15 Unter. Der Streif bei den Jolatorenwerfen Pankow tertammer bereits brei Tage bis in die Machtnehmer die Forderung auf eine Lohnerhöhung von zehn Mark in der Woche ab 1. April d. 3. bewilligt haben, erklärt uns der Berein Berliner Buchdruckereibefizer e. B., daß nach seinen Informationen diefe Nachricht ebenso unrichtig ist, wie die Mitteilung, daß andere Großdrudereien Berlins versucht häffen, durch Sonderangebote die Kündigung abzuwehren, was aber mikglädt jei Der Verein Berliner Buchdruckereibefizer scheint nicht genau informiert zu sein. Die Tatsache, daß eine ganze Reihe von Firmen bereit ist, die Lohnforderung zu bewilligen, ist ihm begreiflicherweise auch nicht gerade angenehm. Bildet sie doch mit einen Beweis dafür, daß die Unternehmer sehr wohl zulagen machen können, die wesentlich über den Schiedsspruch hinausgehen, so daß es ein blantes Unrecht gegen die Buchdruckergehilfen wäre, wenn Dieser Schiedsspruch für verbindlich erflärt würde. Der Reichsarbeitsminister dürfte sich darüber klar sein, daß eine Verbindlichkeitserklärung im gegenwärtigen Augenblic wie ein Delguß ins Feuer wirfen würde. Den Prinzipalen darf vom Ministerium nicht die Verantwortung abgenommen werden. Die Entwicklung des Lohnkonflikts gibt dem Reichsarbeitsminister eine gute Gelegenheit, jetzt einmal praktisch zu zeigen, daß es ihm mit seinem Bersprechen, Berbindlichkeitserklärungen nur sehr sparsam vorzunehmen, Ernst ist. Wie die Dinge im Augenblid liegen, ist es das beste, wenn der Reichsarbeitsminister dafür sorgt, daß sich bie Parteien von neuem an den Verhandlungstisch bemühen. Die Kündigungen des Arbeitsverhältnisses find am Frei tag im ganzen Reich vorgenommen worden. In Leipzig haben die Buchdrucker in einer Massenversammlung zur Situation Stellung genommen. Die Maßnahmen der Organisationsleitung wurden voll und ganz gebilligt. Zum Reichsbahnschiedsspruch. Das wird aus dem Schiedsspruch zur Beilegung des Bohnkonflikts bei der Reichsbahn? Diese Frage geht nicht nur die unmittelbar beteiligten Eisenbahnarbeiter, sondern die gesamte Soll der Schiedsspruch für ver Deffentlichkeit etwas an. bindlich erklärt werden? Unmöglich! Die Arbeiterorganisationen haben am Freitag in einer besonberen Aussprache mit dem Reichsarbeitsminister nochmals mit allem Nachdruck darauf hingewiesen, daß der Schiedsspruch für die Eisenbahnarbeiter ein unerträgliches Ding ist. Arbeiter mit 3 oder 2 Pfennig Lohnerhöhung für die Dauer eines Jahres zu binden das ist Herausforderung und Aufreizung, aber feine Lösung eines Lohnkonflikts. Das Reichsarbeitsministerium muß deshalb, fofte es, was es wolle, alle nur denkbaren Mittel benutzen, um eine Lösung des Ronflitts herbeizuführen, die wenigstens einigermaßen sozial erträglich ist. Vielleicht kann der Schiedsspruch wenigstens für die schlecht bezahlten Arbeiter abgeändert werden. Am besten wäre es, wenn ein neues Verfahren eingeleitet würde. Jedenfalls darf der Schiedsspruch, fo, wie er zurzeit aussieht, nicht für verbind lich erklärt werden; denn von dem Schiedsspruch hängt ja nicht allein die Lohngestaltung der 400 000 Eisenbahn. arbeiter, fondern im Grunde genommen auch die Lohnregelung für die Postarbeiter( rund 80 000), für die Staatsar beiter( etwa 40 000 bis 50 000) und für einen großen Teil von Arbeitergruppen der Privatindustrie ab. Der Lohn für weit über eine halbe Million Arbeiter ist mit dem Eisenbahnerschiedsspruch aufs engste verknüpft. Schon dieser Hinweis beleuchtet den Ernst der Situation. Die bis zum Beginn der Schlußverhandlungen sie sollen am Berhandlungen mit dem BBMI. am Mittwoch sind ergebnislos verlaufen. Die Firma Vereinigte Isolatorenwerte Berlin- Pankow beharrte auf ihrem Standpunkt: Beseitigung der Baschzeit und keine Lohnerhöhung irgendwelcher Art. Eine Streitversammlung am nahm das Verhalten der Firma zur Kenntnis und beschloß gegen Donnerstag, in der Krüger vom Fabrikarbeiterverband berichtete, vier Stimmen, den Streit weiter zu führen. Die Firma versucht jetzt, ihre Werkzeuge( Pre formen) in anderen Betrieben machen zu lassen, um mit eventuellen Streitbrechern die Arbeit aufzunehmen. Werkzeugmacher, denen solche Arbeit angeboten wird, haben sie als Streifarbeit abzulehnen und dem Deutschen metallarbeiterverband Mitteilung zu machen. Die Firma bleibt für abritarbeiter, Reparaturfchloffer und Bert. zeugmacher gesperrt. ist Arbeiterfreundliche Blätter werden um Abdrud gebeten. Achtung, Buchbinder in Buchdruckereien! Durch die Kündigungen der Buchdruckereipersonale veranlaßt, in einer Anzahl Buchdruckereien das Buchbinder per fonal gefündigt. Wir weisen deshalb unsere Mitglieder an, form- und fristgerecht bei der gesetzlichen Betriebsvertretung Ein. fpruch gegen diese Maßnahmen einzulegen. Es wird ferner darauf aufmerksam gemacht, daß mit so. fortiger Wirkung alle Ueberstunden auch bei Terminsarbeiten abzulehnen sind. Weitere Beschlüsse werden in der Funktionärversammlung am Mittwoch, dem 28. März, im Alexandriner" gefaßt. Berband der Buchbinder. Die Ortsverwaltung. " Zarifftreit im Fuhrgewerbe. Schiedsspruch in der Textilindustrie Nordbayerns. Nürnberg, 23. März. Im Tarifftreit in der Arbeitsgemeinschaft der nordbayerischen Textilindustrie wurde ein Schiedsspruch gefällt, der für die gesamte Arbeiterschaft eine Erhöhung des seitherigen Spizenlohnes Löhne sollen im gleichen Ausmaß erhöht werden. von 56 Pfennig auf 61 Pfennig vorfieht. Die übrigen Die Reaktion in England. Siebenstundenschicht für Bergarbeiter abgelehnt. London, 23. März. In der heutigen Sigung des Unterhauses wurde der Antrag der Arbeiterpartei auf Verkürzung der Arbeitszeit in den Bergwerken auf sieben Stunden täglich mit 154 gegen 127 Stimmen abgelehnt. tend, daß der Achtstunden tag in den Gruben zu einem In der Debatte machten die Mitglieder der Arbeiterpartei gelnamenlosen Elend, Leiden und Chaos führe. In vielen Fällen müßten die Bergleute zehn Stunden arbeiten. Auch Lloyd George erflärte, die Lage des Bergbaues habe sich seit Wiedereinführung des Achtſtundentages sehr ver barauf hin, daß die Berlängerung der Arbeitszeit den schlechtert. Ein Regierungsvertreter wies demgegenüber darauf Rohlenpreis um dreißig Pence pro Tonne ver. billigt und die Stillegung mehrerer Gruben verhindert habe. Auch habe sie England die Möglichkeit gegeben, mit dem Ausland, wo es seine frühere Stellung noch nicht wiedererlangt habe, in Konturrenz zu ireten. stehende Mantel, und Lohntarij iſt zum 31. März 1928 gekündigt verwaltungen der Berbände, in den durch Aushang tennilich gemachten RahlFreie Gewerkschaftsjugend Groß- Berlin. Am Sonntag, 25. März, 11 Uhr, veranstaltet bie Freie Gewerkschaftsjugend im Mercedespalaft, Berlin- Neukölln, Hermannftr. 214, ihre Jahrfünftfeier. Eintrittstarten zu 50 Pf. find noch bei allen freigewertschaftlichen Jugendfunktionären, in den 8ahlstellen und Oris stellen der Volksbühne, in ben Jugendgruppen und in der Freigewerkschaftlichen abend, 19% Uhr, folgende Beranstaltungen: Baumschulenweg: Gruppenheim Jugendzentrale, Engelufer 24/25, I Fr., Zimmer 7a, au haben. Heute, Conne Jugendheim Ernststr. 16. Lichtbildervortrag: Der Harz." Jugendkursus wertschaftliche Jugendbewegung." Süben: Jm Jugendheim Vordstr. 11.„ Gewerkschaftliche Jugendarbeit Ge Der für das Schwer und Leichtfuhrwertsgewerbe zwischen der Fuhrherreninnung zu Berlin und dem Deutschen Verkehrsbund be worden. Die Arbeiter fordern eine Erhöhung der Löhne um 15 Broz. und geringe Verbesserungen der Manteltarifbestimmungen. In den Verhandlungen lehnte der Vorstand der Innung rundweg jede Erhöhung der Lohnfäße wie auch irgendwelche Verbesserungen der Manteltarifbestimmungen ab. Damit nicht genug, verlangen die Manteltarifes. Der Anspruch auf Weiterzahlung des Lohnes für einem Sportplas in Spandau, nachmittags bet gutem Wetter Wanderung in Unternehmer sogar einen Abbau der sozialen Bestimmungen des zwei Wochen foll fortfallen. Jugendgruppe bes 8b. Morgen, Sonntag, 25. März, veranstalten wir ein Spieltreffen aller Bezirke der Jugendgruppe in Spandau. Treffpunkt für alle Teilnehmer 9 Uhr am Bahnhof Spandau- West. Vormittags Spielen auf den Spandauer Stadtforst, bei schlechtem Wetter gefelliges Beifammensein im Spandauer Jugendheim, Lindenufer 1. erantwortlich für Politik: Dr. Curt Gener: Wirtschaft: 6. Klingelhöfer; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: R. H. Döicher; Lokales und Sonstiges: Friz Karstadt: Anzeigen: Th. Glode. fämtlich in Berlin. Drud: Vorwärts- Budbruderet Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. und Verlaasanstalt Paul Ginger u Co., Berlin SW 68. Lindenstraße 3. Hierzu 2 Beilagen unb.Unterhaltung und Wiffen" Außerdem wollen die Fuhrherren für Fabrik und mörtelfutscher eine besondere Lohngruppe mit niedrigeren Löhnen schaffen. Für die Arbeiter des Leichtfuhrwerksgewerbes fall ein besonderes Lohnabkommen getroffen werden, um die Löhne abzubauen. Die Herren wollen auch Bestimmungen in den Vertrag mit aufnehmen, die einen Verzicht auf Nachzahlung von Ueberstunden und tariflicher Entlohnung bedeuten. Dieses Anfinnen würde einer Aufhebung der in der Verordnung über Tarifverträge vom Pfarrer Heumanns Heilmittel 23. Dezember 1918 verankerten Unabdingbarkeit der Tarifbestimmungen gleichkommen. Da eine Verständigung in direkten Verhandlungen nicht zu erzielen ist, ist zunächst der Schlichtungsaussuß angerufen worden. Lohnbewegung in der chemischen Industrie. Berhandlungen für Baden und die Rheinpfalz abgelehnt. Mannheim, hat Berhandlungen abgelehnt mit der Begründung, Der Arbeitgeberverband der chemischen Industrie, Seftion VI, daß eine derartige Teuerung nicht eingetreten fei, noch die Lage der Wirtschaft eine Forderung und noch dazu eine in dieser nicht zu vertretenden Höhe rechtfertige.( Die Gewerkschaften haben eine Lohnerhöhung von 20 Proz. gefordert.) Jede Lohnerhöhung stets auch vorrätig in den Niederlagen: Zions- Apotheke Berlin N 81, Anklamer Straße 39. a. d. Ecke Brunnenstr. 5 Min. v. Rosenthaler PL. Adler- Apotheke • Berlin Friedenau, Rheinstraße 16. Friedrich Wilhelm- Apotheke Charlottenburg 2, Leibnizstraße 106, Heeges Apotheke Berlin O, Gubener Straße 33 Rosen- Apotheke Eldhwalde- Berlin Das Pfarrer Heumann- Buch ( 272 Seiten, 150 Abbildungen) erhält jeder Leser umsonst und portofrei von Ludwig Heumann& Co., Nürnberg M. 84, Fahrt DUNLOP Reifen Nr. 143» 45. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 24. März 1928 Die Dertehrseniwicklung hat sich bekanntlich derart vollzogen, daß zuerst di« großen Städte durch Bahnen verbunden wurden. Die von den Slädtcn ausgehenden oder in ihnen mündenden Bahnlinien ergeben das Muster eines Sternes. Man kann das fest- stellen, wenn man große Bahnrnotenpunkte wie Berlin, Leipzig, Breslau auf der Kam betrachtet. Die Folge dieser Entwicklung war, daß zwar die kleineren Städte, die von diesen chauptlinien erfaßt wurden, von und zu den Großstädten Verbindungen bekamen, aber nicht untereinander. Es fehlte an Querverbindungen, di«, um im Bilde zu bleiben, die ein- zelnen Strahlen des Sternes miteinander oerbanden, so daß sich bei organischer Entwicklung schließlich ein Bild ergeben mutz, daß einem Spinnennetz ähnlich sieht. Die erste Berliner Querverbindung. Die Entwicklung aus Berlin heraus in Form eines Sterns ist unverkennbar. Noch allen Richtungen der Windrose fliehen die Bahnlinien in die Weite. Aber auch über eine an sich m u st e r- gültig« Querverbindung verfügt Berlin seit Jahrzehnten. Das ist die Ringbahn der ehemaligen Staats- und heutigen Reichs- bahn, die einmal alle Eifenbahn-Borort- und-Fernlinien miteinander verbindet und zum andern auch den einzelnen ehemaligen Dororten die notwendig« Verbindung schafft. Weiße nfee. Lichten- b erg, Stralau, Treptow und Neukölln haben auch heute noch keine bessere direkt« Verbindung als durch die Ringbahn. Viel später kam dann ei�e moderne Querverbindung in der Innenstadt durch die Hochbahn Warschauer Brücke— Potsdamer Platz hinzu. Durch Elektrisierung der Stadt- und Ringbahnen und durch Ausbau der Straßenbahnen und Autobusse versucht man, die fehlenden Querverbindungen zu schaffen, die. wie di« Ringbahn zeigt, einen Kreisverkehr darstellt. Noch trauriger aber sieht es mit diesen notwendige« Verbindungen dort aus, wo Berlin sein Ende hat. Ein zweiter Kreis von Querverbindungen müßt« die Endpunkte der Dororilinien der Reichsbahn erfassen. Während ober im Westen der Anfang dadurch gemacht ist, daß z. B. Kremmen, Nauen und Potsdam miteinander verbunden sind, sieht es im Osten und Norden noch sehr schlecht aus. Oranienburg kann nach Bernau nur über Berlin gelangen. Bernau, Alt-Landsberg, Werneuchen. Kolk- berge haben untereinander keine Eisenbahnoerbindung'. Trebbin, Lossen, Mittenwalde und Königswusterhausen auch nicht. Nur die Brandenburgische Städtebahn verbindet im Westen di« Städte Rathenow, Brandenburg, Belzig. T r e uen b r i e tz cn und Jäter b og miteinander. Die Jndu st riebahn Tegel— Fri edrichsfeld«, ein« Querverbindung, steht nicht für den Personenverkehr zur Verfügung und die südliche Umgehung s- bahn, auch eine Querverbindung, wird und wird nicht fertig. Krastposten in der Mark. Da ist es denn zu begrüßen, daß sich die von der Oberpofi- direktlou Potsdam betriebenen krastposten in der Mark angelegen sein lassen, die fehlenden Querverbindungen zu ergänzen. Innerhalb weniger Jahr« hat die Krastpost 87 Linien einrichten können, von Potsdam ausgehend kann man hier wieder als erstes di« stern- förmige Entwicklung feststellen. Aus Potsdam gehen zurzeit nickst weniger als 12 krafiposkUmeu und zwar noch 1. Bornim. 2. Alt- Töplitz, 3. Redlitz-Fahrland, 4. Caputh, 5. Geltow-Glindow, 6. Eiche- Golm, 7. Neubabelsberg, 8. Langer wifch-Michendorf-Wildenbruch, 9. Rehbrücke-Saarmund, 10. Meierei, 11. Drewitz- Trebbin und 12. Langerwisch- Michendorf-Seddin-Beelitz- Luckenwalde. Man sieht, die Linien 11 und 12 stellen wichtig« Querverbindungen des westlichen Potsdam mit dem südlichen Trebbin und Luckenwalde her. Von der Blütenstadt Werder fährt ein Postauto nach Lehnin und weiter nach Brandenburg, das wieder durch ein« andere Linie mit Wiesenburg verbunden ist. di« An- schluß mit der Reichsbahn nach Dessau hat. Im Süden ist Baruth mit Jüterbog verbunden, und dadurch die H a l l« s ch e mit der Dresdener Bahn. Fürstenwalde ist mit Storkow, Äönigswusterhausen, Mittenwalde und Rangsdorf verbunden. Zwei großartige Querverbindungen sind im Nordosten gefchaffen worden. Di« ein« verbindet Kalt- berge, Alt-Landsberg, Strausberg, Freienwalde, Oderberg, Eberswalde, Zerpenfchleuse, Liebenwald«, Zehdenick, Grause« und Fürstenberg i. Mecklenburg miteinander. Außerdem befindet sich in Granfee ein« Abzweigung nach Lindow, Alt- und Reu-Ruppin. Hier oben fchlt nur ei« kurzes Verbindungsstück, um ein« andere Postaurolinie über Rheinsberg und Wittstock in die Priegnitz zu treffen. Die zweite große Rordosi-Querverbindung geht von Königsberg(Neumark) über Schwedt, Merraden, Pastow(Stettiner Bahn), Prenz- l a u und Boitzenburg bis nach T e m p l i n. Die wirtschaftliche Bedeutung aller dieser Verbindungen steht außer Frage. Außerdem aber haben sie auch einen sehr wertvollen touristischen Wert. Der Wanderer, der in seinem Urlaub die Mark kennenlernen will, kann jetzt endlich von den Hauptlinien der Bahn abweichen und sich in Gebiete begeben, die ihm sonst verschlossen bleiben. Die Post nimmt für den Fahrtkilorneter zwar 10 Pf., er- mäßigt diesen Preis aber auf großen Strecken bis auuf nahezu 7 Pf., nimmt also für einen Polsterplatz nicht mehr als die Reichsbahn. Wenn diese Preise natürlich für die nimderbemittelten Kreise, besonders für Jugendwanderer ziemlich hoch sind, so bietet die Ein- richtung der Posten an sich doch Gelegenheit, auch mal mit dem Auto eine Strecke von 6— 12 Kilometern für 50 Pf. bis zu 1 M. zu über- springen, und das ist auch was wert. Hoffentlich gelingt es der Post, im Laufe der Jahre billige Touristen- und Zeriensahrten einzurichten. Und eine Rundfahrt durch die� Mark Brandenburg mit guten An. schlüssen sollte auch nicht außer' dem Bereich der Möglichkeil liegen. Je mehr Wanderer, Touristen und Heimatfreunde die Kraftposten be« nutzen, desto mehr werden sie sich ausbauen können. Sonntags-Querverbindunge« auf der Reichsbahn. Aus den vorstehenden Ausführungen geht hervor, daß infolge des Fehlens vieler Bahnlimen die Reichsbahn die notwendigen Quer- Verbindungen nicht herstellen kann. Es ist aber zu begrüßen daß sie sich bemüht, im Rahimen des möglichen den Wanderern und Wochen- endfahrern entgegenzukommen. Das neue Verzeichnis der Sonntag- rückfahrlkarten. das übrigens an allen Schaltern kostenlos zu haben ist, weist nicht nur eine Erweiterung der aufgelegten Sonntagskarten auf(bedauerlicherweise ober noch immer nicht nach *- den schönen altmärtische« Wauderzielen Stendal, Tangermünd«, Satzwedel, Gardelegen und Arend- s e e), sondern gestattet auch die Rückfahrt von einer ganz anderen Station als der. an der man die hinfahrt beendet hat. So kann man mit Karte nach Fürstenberg i. Mecklenburg von Templln zurückfahren oder umgekehrt. Karten nach Strausberg berechtigen zur Rückfahrt von Tiefensee oder L e u e n b e r g. Ebensolche Verbindungen bestehen zwischen Rieberfinow und Chorin, Oderberg und Angermünde, Zehdenick und Granfee, Rheinsberg und Reu- ruppm, Friefack und Rathenow, Schönefcld und Baruth, Teupitz und Storkow. Hoffmtlich wird diese Art von Sonntagskarten, die es dem Wanderer ermöglichen, die Querverbindung von einer Bahn- strecke zur anderen zu Fuß zurückzulegm. noch vermehrt. Einen be-' sonderen Wunsch haben ferner die Wanderer noch: Daß man die Sountagskarten für den ganzen Sonnabend oder aber zur Rückfahrt bis Montag nachmittag(nicht wie jetzt bis Montag früh 9 Uhr) gelten läßt. Am besten wäre es, wenn man die Sonnlagsrücksahrt. karten von Sonnabend früh bis Montag mittag gellen ließe. Dieses Entgegenkommen an die Wanderer und Wochenendfahrer mutz an- gesichts des ungewöhnlich weitgehenden Entgegen- Bommens, das die Reichsbahn dem Luxusreiseverkehr erweist, sehr wohl möglich sein und sollt« schnellstens erfolgen. Die Sonntagsfahrt ist leider für sehr viele die einzige Möglichkeit,«in- mal wegzukommm, da man eine Sommer- und Erholungsreise nicht bezahlen kann. Di« Reichsbahn würde sich um die Erhaltung und Mehrung der Volksgesundheil und Volkskraft ein großes Derdienft erwerben, wenn sie die Sonntogskartm mehr und mehr ausbaut« und ihr« Gültigkeit erweiterte. Wobei nicht vergessm werden darf zu erwähnm, daß die Rückfahrt am Sonnlag abend in den Wer- füllten Zügen so lange eine Plage and eine Qual ist. als es nicht möglich ist, zu diesen fahrplanmähigm Zügen Bor- und Nach- züge gehen zn lassen. Oer Kall des Baurats Gchulhe. �Beschuldigungen gegen zwei Reichsbahndirektoren. In der Bestechunysaffäre bei der Reichsbahn ist Oberbaurat Schnitze auch gestern ebenso wie der Vertreter der Kölner Firma Reifert u. Co., G lützner. bis in die Nachmittagsstunden hinein von der Staatsanwaltschaft und in der Hauptverwaltung der Reichsbahn vernommen worden. Da die Beziehungm Schultze« zu Reifert ziemlich klar liege», ist man bemüht, jetzt festzustellen, ob und welche Beamte noch in die Affäre verwickelt sind. Wie verlautet, sind Beschuldigungen gegen zwei Reichsbahndirektoreu und Beamte der Be- schassungsabteitung erhoben worden. Namentlich die Reichs- bahnverwaltung war gestern bemüht, von Schultze zu er- fahren, ob er. Mithelfer gehabt Hab«. Entgegen den Be- hauptungen der Finna Reifert ergibt sich nämlich, daß die Vesta- lungen, di« diese Finna erhalten hat, mindestens über den übliche» Rahmen hinausgegangen sind. Der Beschaffungsabteilung hätte immerhin die Bevorzugung des Kölner Unternehmen» auffallen müssen. So erstreckt sich die Untersuchung darauf, ob auch hier straf- bare Verfehlungen vorgekommen sind oder ob lediglich«ine mangelnd« Kontrolle geherrscht hat. Großstadtkiuder aufs Laud! Der Verein Landaufenthalt für Stadtkinder, der im Jahre 1917 unter dem Druck der durch den Krieg hervor- gerufenen Ernährungsschwierigkeiten gegründet wurde und seine Arbeit nach dem Kriege fortsetzte, hat über seine ersten zehn Jahre eine Denkschrift herausgegeben. Sie ist dem preu- ßischcn Wirtschaftsminister Hirtsiefer als dem Förderer des Vereins gewidmet und wurde ihm am Freitag bei einem im Wohl- fahrtsministeriuni veranstalteten Rachmittagstee vom Bereinsvor- stand überreicht. In den zehn Jahren sind im Deutschen Reich nahezu vier Millionen Kinder zu ihrer Erholung oder Menfchen.Göttern gleich... özj Roman von tzerbcrt George Wells. Sollte er die Türen, die er geöffnet hatte, schließen? Nein! Alle offen lassen. Er hörte ein Getrappel die Stiege von der Zitadelle hin- unterkommen. Leise und schnell rannte er die Stufen hin- unter und hielt eine Sekunde lang an der Ecke des Treppen- absatzes. Er war genötigt, stehen zu bleiben und auf die Bewegungen seiner Verfolger zu lauschen.„Dies ist die Tür zur Brücke, Herr." hörte er Ridley rufen, und dann vernahm er, wie Catskill sagte:„Der Tarpeifche Felsen!" Und Barra- longa:„Ganz recht! Warum sollten wir eine Patrone ver- schwenden? Sind Sie sicher. Ridley, daß es hier zur Brücke geht?" Die Schritte trappelten quer durch das Wachtzimmer und vorbei— eine der anderen Treppen hinunter. „Ein Aufschub!" wisperte Barnstaple. Dann hielt er entsetzt inne. Er war in der Falle! Die Treppe, auf der sie sich befanden, führte zur Brücke. Sie würden bis zur Brücke hinuntergehen und, sobald sie sie erreicht hätten, würden sie sehen, daß er weder auf ihr. noch auf den Stufen der gegenüberliegeirden Seite der Schlucht war, und daß er also wahrscheinlich nicht entflohen sein konnte. Sie würden sicherlich diesen Weg versperren, indem sie entweder eine etwa vorhandene Tür verschließen oder verrammeln würden: oder mangels einer solchen Sperre würden sie euren Wachtposten aufstellen und würden dann zurückkehren, um ihn mit Muße zu jagen. Was hatte Catskill gesagt? Der Tarpetsche Felsen?... Entsetzlich! Sie durften ihn nicht lebend fassen. Er mußte in einem Winkel wie eine Ratte kämpfen und sie zwingen, ihn zu erschießen. Er stieg weiter die Treppe hinunter, es wurde sehr dunkel und dann wieder lichter. Sie endete in einem ge- möhnlichen Keller, der einstmals ein Gefchützunterstand oder ein Mvnitionsmaaazin gewesen sein mochte. Er war durch zwei unverglaste Fensteröffnuiigen. die in den Felsen einge- ineißelt waren, halbwegs erhellt. Jetzt enthielt er ein Lager von Vorräten. Sln der einen Seite stand eine Reihe von flaschenähnlichen Gefäßen, wie sie in Mopien zum Aysbe- wahren von Wein benützt wurden. An der anderen Seite standen verschiedene Kisten und in Goldpapier eingepackte Würfel. Er hob eine der Glasflaschen am Halse hoch. Sie würde eine wirkungsvolle Keule abgeben. Wie wäre es, wenn er aus den Kisten eine Art Barrikade quer vor dem Eingang erbaute, sich dahinter stellte und die Verfolger mit der Keule erschlüge, wenn sie hereinkämen? Er würde das Glas mit dem Wein auf ihren Schädeln zertrümmern... Es würde einiger Zeit bedürfen, um die Barritade zu bauen... Er wählte drei der größeren Flaschen und schleppte sie zum Eingang, wo sie für ihn gut erreichbar waren. Dann fiel ihm etwas ein, und er sah nach dem Fenster. Er horchte eine Zeitlang nach der Tür, die zur Treppe führte. Kein Laut kam von oben. Er ging zum Fenster, legte sich in den tiefen Fensterausschnitt und schlängelte sich vorwärts, bis er nach oben und unten hinaussehen konnte. Die Felsklippen unten fielen glatt ab: er hätte etwa fünfzehn- hundert Fuß tief in den brausenden Strom hinunterspucken können. Der Felsen war hier aus fast vertikalen Schichten aufgebaut, die vorsprangen und zurücktraten: ein großer Pfeiler verbarg fast die ganze Brücke mit Ausnahme des jen- feitigcn Endes, das etwa zwanzig bis dreißig Yards tiefer als die Oeffnunq, aus der Mr. Barnstaple hinaussah, zu liegen schien. Mr. Catskill erschien auf dieser Brücke, sehr klein und entfernt, und betrachtete prüfend den steinigen Stufenweg jenseits der Brücke. Mr. Barnstaple zog hastig den Kopf zurück. Dann guckte er wieder sehr vorsichtig� hin- aus. Mr. Catskill war mcht mehr zu sehen, er kam zurück. An die Arbeit! Es war nicht viel Zeit! In früheren Tagen, bevor der große Krieg das Reisen teuer und unbequem gemacht hatte, hatte Mr. Barnstaple manche Kletterpartie in der Schweiz unternommen, auch in Cumberland und Wales hatte er einige Erfahrungen erwor- den. Er betrachtete nun die unmittelbq.r anschließenden Felsen mit kluger Sachtundigkeit. Sie waren von fast hori- zontal gefügten Platten unterbrochen, die in der Hauptsache von kristallinischen Adern durchzogen waren. Dieses Gestein, das er für Kalzit hielt, war viel schneller verwittert, als das Grundmaterial des Felsens und hatte eine Reihe unregel- mäßiger horizontaler Furchen zurückgelassen. Wenn man Glück hatte, konnte es möglich sein, an der Felswand entlang, um den Pfeiler herum zur Brücke zu klettern. Danp hatte er einen noch hoffnungsreicheren Gedanken. Er könnte leicht entlang der Felswand bis zur ersten Nische kommen, sich dort decken und dort bleiben, bis die Erdlinge den Keller durchsucht hätten. Danach würde er wieder in den Keller zurücktriechen. Sogar wenn sie aus dem Fenster schauten, würden sie ihn nicht sehen, und falls er Finger- spuren hinterließe, würden sie wahrscheinlich daraus schließen, daß er entweder hinausgesprungen oder über den Felsen in die Schlucht hinabgefallen sei. Aber erstens würde es lange dauern, die Felswand zu überwinden... Und es würde ihn von seinen Waffen, den Flaschen, abschneiden... Aber der Gedanke, sich in der Felsfurche zu verstecken, hatte sich in seinem Kopfe bereits fest eingenistet. Sehr vor- sichtig stieg er aus dem Fenster, fand einen Griff, gelangte mit den Füßen auf den Felssims und begann sich zur Nische hin entlangzuarbeiten. Aber es gab unerwartete Schwierigkeiten, auf nahezu fünf Yards fehlten die Handgriffe— nichts. Er mußte sich flach anpressen und auf seine Füße vertrauen: einige Zeit ver- harrte er gang reglos in dieser Lage. Etwas weiter weg war ein verwittertes Stück des ein- gebetteten Gesteins, das in sehr beunruhigender Weise unter ihm abbrach, aber zum Glück hatten seine Finger einen Griff und der andere Fuß stand fest. Die abgebröckelten Kristalle klirrten einen Augenblick die Felswand hinunter und gaben dann keinen weiteren Ton von sich: sie waren in die Leere gefallen. Einige Zeit war er gelähmt. „Ich bin nicht in guter Form," flüsterte Barnstaple.„Ich bin nicht in guter Form." Er hing bewegungslos und betete. Mit einiger Ueber- windung nahm er die Kletterei wieder auf. Er war gerade an der Ecke des Stützpunktes, als ein undeutlicher Lärm seine Augen zu dem Fenster, aus dem er gekrochen war. hinlenkte. Das Gesicht Ridleys kam lang und vorsichtig heraus, das Auge zwischen den weißen Binden rot und geschwollen. 3. Zuerst sah er Mr. Barnstaple nicht.„Verflucht!" sagte er, als er ihn sah. und zog hastig den Kopf zurück. Nun erscholl der Klang von Stimmen, die Unoerständ- liches sagten. Irgendein unbestimmter Instinkt hielt Mr. Barnstaple fest, obwohl er ganz leicht in der Felsfurche hätte Deckung finden können, ehe Mr. Catskill mit dem Re- volver in der Hand hinausschaute. Einige Augenblicke starrten sie einander schweigend an. .„Kommen Sie sofort zurück oder ich schieße," sagte Mr. Catskill wenig überzeugend. „Schießen Sie!" sagte Mr. Barnstaple nach einem Augen- blick UeberlegunA.(Fortsetzung folgt.) zum Landaufenthalt verschickt worden, zum Teil auch ins Ausland, besonders nach Desterreich und nach der Schweiz. Im Jahre 1927 tonnten rund 334 000 Kinder verschickt werden, 53 000 in Einzelpflegestellen und 281 000 in Heime oder Kolonien. Aus 281000 01000 Berlin wurden 1927. rund 61 000 Kinder verschickt, 20 000 in Einzelpflegestellen, 41 000 in Heime oder Kolonien Die Zusammengebrochenen. Eine flägliche Gläubigerversammlung. In der Tragikomödie der Lombardhäuser folgt vorschrifts: mäßig auf den ersten Akt der zweite. Die verschiedenen Konkurse verursachen die Gläubigerversammlungen der Geprellten. So fand gestern die erste Gläubigerversammlung im Konkurs verfahren Mag Schlewinsky statt, dessen Waren-, Lombardund Lagerspeicherei G. m. b. 5." in der Spandauer Straße als Nummer drei in der Folge der von uns gewissenhaft registrierten Lombardskandale zusammenbrach. Die Versammlung verlief grotest. Fünfzig Gläubiger etwa, darunter vor allem auch Kapitalgläubiger, hatten sich versammelt. Aber schon bei Beginn der Sigung beantragte der Konkursverwalter zur Fortführung des Verfahrens, daß die Gläubiger einen Vorschuß aufbringen müßten. Sonst müßte das Verfahren wegen Mangels an Masse eingestellt werden. Nach langem Hin und Her wurden tatsächlich 18000 M. Vorschuß bemilligt, aber es gab Radau wegen einer Gruppe von Gläubigern, die bereits einen Arrest von 50 000 Mt. auf die Masse ausgebracht haben. Zum Schluß beraumte man einen neuen Verfündungstermin auf den 18. April an. Die Forderungen der Gläubiger belaufen sich auf 1,6 Millionen, die Aussichten sind äußerst gering. Es war eine trostlose Gläubigerversammlung. Zum letzten Lombard und Leihhausskandal Adolf Israelski, Friedrichstraße, wird mitgeteilt, daß der Konkursverwalter Dienstags und Donnerstags im Geschäft weilt, um Pfänder gegen Erstattung des Leihbetrages auszuhändigen. Ifraelsti hat sich bis zu 96 Proz. Jahreszinsen verstiegen. Sein Bevollmächtigter meint, daß die Firma nur deshalb zusammenbrach, weil die Gläubiger nach den Zusammenbrüchen ähnlicher Unternehmungen es mit der Angst bekommen haben und in einem Massenansturm ihre Einlagen zurückverlangten. Da war natürlich die Pleite eines Unternehmens unvermeidlich, das auf so unsolider Grundlage aufgebaut war. Bei Israelski sind die Passiven zehnmal so hoch als die Aktiven. Aber man hofft, die Passiven durch Anfechtungen und durch Einziehung von Außenffänden zu verringern. Rosig sind die Aussichten aber auch hier nicht. * Der Tag der Entscheidung. Sonntag, den 25. März: Urwahl im Freidenfer Verband. Der kommunistische Klassentampf" in Halle ist einer der lautesten Rufer im Streite gegen die, wie man sagt,„ vera räterische weil sozialdemokratische" Leitung des Freidenkerverbandes. Jetzt ist nach einer Mitteilung der Leipziger Volksd zeitung" vom 14. d. M. Unmittelbar vor der wichtigen Entscheidung, die die Ber- einer kulturfördernden Betätigung in dieser Bewegung? Sie find liner Urmahl am Sonntag im Verbande für Frei hier wie allerwärts Schrittmacher der Reaktion und darum musi denfertum und Feuerbestattung E. V. bringen soll, diese Sorte Kulturkämpfer überwunden werden. Nur ein Beispiel Derlohnt es sich, noch einen Blick auf den„ Kulturkampf" zu werfen, dafür, mit was für Leuten man es zu tun hat: den die Kommunisten hierbei führen. Wäre es nicht für die Arbeiterbewegung ein so unendlich beschämendes Bild, das diese kommunistischen Kulturbringer bieten, man fönnte über die Mäßchen, die sie hierbei zum besten geben, herzlich lachen. Biel Siegeszuversicht scheint bei ihnen allerdings nicht vorhanden zu sein. Mit großem Tamtam hatte die Opposition für Mittwoch abend eine Reihe Don Wahlversammlungen einberufen. In den Blücherfälen waren aber trok Reflame an den Litfaß= säulen und sonstiger großmäuliger großmäuliger Propa= ganda nur 27, in Worten: Siebenundzwanzig Personen erschienen. Vom Kulturkampf oder einer Schilderung, wie die Freidenfer arbeiten sollen, war allerdings nichts zu hören. Man glaubte eher in eine Aktionärversammlung geraten zu sein. Es war von Bilanzen die Rede, vom Rücklagenkonto und davon, wie man heute am besten zinstragend Kapitalien anlegt. Man operierte mit unsinnigen phantastischen Zahlen. Nicht nur alle tatsächlichen Unterlagen, die im Verbande seit Jahren vorliegen, wurden übergangen, sondern auch die Tatsache, daß noch immer, wenn die Berbreiter falscher Nachrichten über die Finanzlage des Verbandes bisher zur Rechenschaft gezogen werden follten, fie tläglich ihre Behaupfungen zurüdgenommen haben. Und darum haben sie auch in der letzten Zeit versucht, Ange= hörige der KPD. und des Rotfrontkämpferbundes zu Verbandsmitgliedern zu schicken, um unter der Vorspiegelung, es seien Kontrolleure vom Verbande; Mitgliedsbücher an sich zu reißen und damit den Mitgliedern die Unterlage für das Wahlrecht zu nehmen. Eine öffentliche Warnung der Verbandsleitung hat diesen Manövern ein Ende bereitet und einige gerichtliche Nachspiele werden folgen. Diese hemmungs- und gewissenlose Propaganda hat dann auch selbst im oppositionellen Lager zu tiefen 3 erwürfnissen geführt. Anhänger der USP. und der Syndikalisten haben sich im Rahmen dieser vereinigten" Opposition in stürmischen Auseinandersetzungen gegen die KPD. gewandt. Diese hat damit geantwortet, daß sie nur stubenreine Kommunisten als Kandidaten aufstellte und die anderen abfallen ließ. Jeht wenden sich diese betrogenen Mitglieder, die bisher auf der Seite der Opposition gestanden haben, wegen der Verletzung ihrer Rechte mit einem erbitterten Protest an die Berbandsleitung. Es ist wirklich ein flägliches Schauspiel, das hier geboten wird. Daß sich diese Dinge so abspielen, ist gar kein Wunder, denn was wissen die Leute, die jetzt noch hinter der KPD. herlaufen, von den ethischen Gesichtspuntten, von denen heute eine proletarische Freidenkerbewegung getragen sein muß und von In dem Ermittlungsverfahren gegen den Automobilhändler Wilhelm Haute und 15 andere Per= sonen, denen Automobilschiebungen größten Umfangs vorgeworfen werden, ist gestern die von der Staatsanwaltschaft beantragte Boruntersuchung beantragt worden. Unter den Beschuldigten, die mit ungedeckten Schecks die Schiebungen verübt haben sollen, befindet sich, wie wir meldeten, auch der Berliner Rechtsanwalt Alfred von Strang. Gegen ihn schweben mehrere weitere Strafverfahren wegen Betrugs und Ur. fundenfälschung. Eine neue Anzeige wegen Betrugs ist inzwischen vo von einer Hamburger Bank gegen Strang erstattet wor den. Ein weiteres Strafverfahren gegen von Strang läuft wegen 3ech prefferei im Hotel Vier Jahreszeiten" in Hamburg und der Arbeiterschaft Groß- Berlins. tommt bereits im nächsten Monat zur Verhandlung. Rechtsanwalt von Strang ist der Adoptivjohn der Schwester seiner Mutter, die mit einem Gerichtsassessor a. D. Kohen verheiratet war. Der Lichterfelder Landfriedensprozeß. Forffehung der Zeugenvernehmung. Die Zeugenaussagen in dem Lichterfelder Landfriedensbruchprozeß brachten im allgemeinen bei der am Freitag fortgesetzten Bernehmung der an der Fahrt beteiligt gewesenen Kommunisten mur eine Wiederholung der allgemeinen Schilde rung über die Vorgänge auf der Fahrt. Aus diesen Aussagen ist hervorzuheben die Bernehmung des Nebenflägers Walther, von dem Hinkelmann auch behauptet hatte, daß er einen Revolver besessen und möglicherweise damit in Lichterfelde zusammen mit Demuth zuerst auf die Nationalsozialisten geschossen habe. Walther erklärte, daß er teinen Revolver besessen habe. Als weiterer Zeuge wurde der Nebenkläger Landtagsabgeordneter Paul Hoffmann vernommen, der befundete, er habe, da er Böses ahnte, vor Trebbin angeordnet, die Fenster zu schließen und wegzutreten. Auf dem Bahnhof Trebbin sei gleich nach der Einfahrt mit einer Fahnenstange ein Fenster eingeschlagen worden, und es sei von beiden Seiten des Zuges auf die Abteile, in denen die Mitglieder des Roten Frontkämpferbundes waren, ein Steinhagel eröffnet worden. Auch während der Fahrt und auf den Zwischenstationen gingen die Steinwürfe in den Wagen fort. Troß dem hätten seine Leute vollkommen die Ruhe gewahrt. Er selbst habe in Lichterfelde mehrere Steine an den Kopf bekommen und spüre noch heute die Folgen davon. Seiner Aufforderung, auf der Fahrt die Waffen abzuliefern, hätten die Genossen Folge geleistet. Wenn er aber gewußt hätte, daß die Nationalsozialisten wie Barbaren vorgehen würden, und daß ihr Leben in Gefahr war, hätte er sich gehütet, zur Waffenbeseitigung aufzufordern. Der Zeuge beklagle fich dann noch über den mangelhaften Schutz der Polizei. Als er selbst aus dem Wagen herauskam, und zwar auf Aufforderung der Polizeibeamten, sei er gleich mit den Worten:„ Rotes Frontschwein" begrüßt worden und habe einen Steinwurf befommen. Die Polizei habe keinen Finger zu ihrem Schutze gerührt. Der Zeuge erkennt Schäfer und zwei andere Angeklagte wieder und behauptet von ihnen, daß sie bei den Angriffen dabergewesen seien. Ein Antrag des Rechtsanwalts Dr. Samter, den Nebenfläger Hinkelmann unter dem Verdacht des Meineids in Haft zu nehmen, wurde zurückgewiesen. Der erschossene Geisteskrante. Jugendweihen Morgen, Sonntag, 25. März: Großes Schauspielhaus, Karlstr., vorm. 9 Uhr. Charlottenburg, vorm. 11 Uhr, im Schiller- Theater. Sonntag, 1. April: Großes Schauspielhaus, Karlstr., vorm. 9 und 11% Uhr. Pantow, vorm. 11 Uhr, in den Tivoli- Lichtspielen, Pankow, Berliner Straße 27. Programm: Chorgefänge, Musit, Rezitationen, Festspiele, Sprechchor, Weihereden: Arthur Crispien, M. d. R.; Erich Ollenhauer, Stadtverordneter Dr. Lohmann. Keils System wertlos. Urteilsverfündung heute nachmittag. In dem Betrugsprozeß gegen Arthur Keil wurde Freitag die ständigen ein Endgutachten über das„ totfichere Tip- System" ab. Beweisaufnahme geschlossen, nachdem vorher nochmals die Sachverständigen ein Endgutachten über das„ totsichere Tip- System" abgegeben hatten. Kriminaloberinspektor v. Manteuffel und Notar Dr. Reinshagen famen auch jetzt zu dem Ergebnis, daß dieses System wertlos sei und daß es bei den Staffelwetten Keils unmöglich sein würde, die notwendigen riesenhaften Beträge für die einzelnen Wetten bei Berliner Buchmachern unterzubringen. Nach Schluß der Beweisaufnahme erhielt Staatsanwalt Messerschmidt für überführt. Da Keil bereits mehrfach mit schweren das Wort zur Begründung der Anklage. Er hielt Keil des Betruges 3uchthaus strafen wegen derselben Verbrechen verurteilt worden sei, liege Rückfallbetrug vor, so daß nur Zuchthausstrafe in Frage fomme. Die Betrugsverhandlungen zerfallen in vier Gruppen und bilden in sich abgeschloffene fortgefetzte Bergehen. Er beantragte gegen Arthur Keil wegen fortge fegten Betruges unter Versagung mildernder Umstände 3 Jahre 9 Monate Zuchthaus, 2000 Mark Geldstrafe und 5 Jahre Ehrverluft. Nach den Plädoyers der Rechtsanwälte Dr. Herbert Fuchs und Arthur Schulz setzte Amtsgerichtsrat Burkert die Urteilsverfündung auf Sonnabend na chmittag um 4 1hr fest. Kein ausländisches Warenhaus in Berlin. der Kanada- Landkompagnie über die Grundstücke BelleDer Kaufvertrag zwischen der Stadt Berlin und Duestraße 2am Potsdamer Platz ist nunmehr von den beider seitigen Vertretern unterzeichnet und damit perfeft geworden. Nach diesem Vertrag ist die Galerie Lafayette Baris und jedes andere ausländische Warenhaus auf den Grundfücken Bellevuestraße 1 und 2 ausgeschaltet. Die Kanada- Landfompagnie verpflichtet sich, in diesem Vertrag unter der Garantie des Bankhauses Schlesinger, Trier- Berlin, bei einer Konventionalstrafe von einer Million Mark innerhalb der nächsten 30 Jahre auf den genannten Grundstücken fein ausländisches Waren. haus zu errichten bzw. an ausländische Firmen zu verpachten. Noch gestern ist es gelungen, die Person des Toten fest. zustellen, der, wie wir im Abendblatt ausführlich berichteten, in der Universitätsklinik erschossen wurde. Es ist ein 26 Jahre alter Kohlenträger Gerhard Neutamm, der bei seiner Mutter in der Griebenomst r. 14 wohnte. Neufamm war von einem nervösen Magenleiden befallen, das allmählich seine geistigen Kräfte angriff. Ein Bruder von ihm, der als Chauffeearbeiter bei Neuruppin tätig ist, erhielt Donnerstag ein Telegramm, in dem Gerhard Neutamm mitteilte, er, der Bruder, möge sofort nach Die Pläne für einen großen Neubau sind bereits in Vorbereitung. Berlin fommen, weil er tot sei. Bestürzt eilte er nach Berlin, traf aber seinen Bruder nicht mehr an und erfuhr aus einer Zeitung von dem Vorfall in der Klinit. Im Leichen= chauhaufe, mohin. der Erschoffene gebracht worden war, kommenden Sonntag( 25. März) zur Jugendmeihe im Großen Schau erfannte er in dem Toten seinen Bruder wieder, Die Ordner der Proletarischen Feierstunde treffen sich am 1 Spielhaus 28 Uhr vormittags Bühneneingang Schiffbauerbamm, einwandfrei festgestellt worden, daß ein Redakteur des fommunistischen Klaffenkampfes als Soldat unter dem berüchtigten weißgardistischen General Maerder dessen Einmarsch in Mitteldeutschland gegen das Proletariat mitgemacht hat. Dieser weißgardistisch- kommunistische Redakteur wirkt geradezu symbolisch für die Taktik der heutigen KPD. Erst attiv mit Maschinengewehren gegen das Prole tariat und dann als Angestellter der KPD. wiederum Zerstörs ungsarbeit, diesmal nur mit anderen Waffen, aber immer wieder zum Schaden des Proletariats. Und das will nun die Freidenkers bewegung revolutionieren. Genossen, macht Euch nicht dadurch zum Mitschuldigen, daß Ihr passiv und gleichgültig diesem Ringen gegen die Verbands zerstörer zuseht. Wehrt Euch gegen diefes arbeiter4 feindliche Wüten und wählt am Sonntag die ,, Liste Verbandsaufbau". Wie wird gewählt? Achtet auf den Gruppenstempel! Die Urwahl des Verbandes für Freidenfertum und Feuerbestattung findet am Sonntag, dem 25. März, in den durch Säulenanschlag und in der letzten Nummer des Vereinsorgans„ Der Freidenfer" bekannt gemachten. Wahllokalen statt. Die Wahlzeit ist von 9-4 Uhr festgesetzt. Jeder Freidenter, der wählen will, muß mit den Beiträgen auf dem laufenden sein und auf der Personalseite seines Mitgliedbuches einen Grup penstempel aufweisen können. Der Gruppenstempel wird von dem zuständigen Haustassierer bescheinigt Noch am Tage der Wahl kann sich jeder Freidenler diesen Gruppenstempel besorgen; im Wahllofal kann er während der ganzen Wahlzeit die Adresse seines zuständigen Hauskassierers erfahren. Die Wahllokale der Freidenferurwahl werden noch besonders bekannt gegeben durch Handzettel, die jedem Freidenker zu= gestellt werden. Die Wahl ist geheim; für die Wahl werden Stimmzettel ausgegeben, die in der Mitte durchzutrennen sind. Es darf nur ein Stimmzettel abgegeben werden, selbstvers ständlich wählt jeder Freidenker die Liste„ Verbandsaufbau“. Die Beisehung der Opfer. Heute werden die Lauchhammer Toten beerdigt. Wie uns aus Müdenberg gemeldet wird, werden heute um 18 Uhr die Toten der Katastrophe auf der Friedländer Grube zur letzten Ruhe bestattet werden. Die Unglücksstelle auf der Friedländer Grube wurde von Ver tretern verschiedener Behörden besucht, u. a. auch von dem Re= gierungspräsidenten in Frankfurt a. d. D. und dem Landa rat des Kreises Luckau. Die Toten werden auf Kosten des Lauchhammerwerkes auf ihren Heimatfriedhöfen bestattet. Das Werk Lauchhammer hat auch die Ueberführung der aus Ham burg und Brunsbütteltoog ftammenden beiden Toten übernommen. Bei der Betriebsleitung laufen ständig Beileids tundgebungen ein. 65 jähriges Arbeitsjubiläum. Der preußische Ministerpräsident Braun hat dem Maurer August Fehner in heiligenloh, Kreis Syfe, anläßlich seines 65jährigen Arbeitsjubiläums ein Glüdwunschschreiben und ein Ehrengeschenk überreichen lassen. Das Caminenunglüd am Sonnblid. Wie aus Rauris gemeldet wird, mußten wegen Lawinengefahr die Arbeiten zur Bergung der drei noch nicht aufgefundenen Opfer des Unglüds am Sonnblid aufgegeben werden. Die Rettungsmannschaften wurden zurüdgezogen. Die Leichen der zehn bisher geborgenen Opfer des Lawinenunglücks werden von der Gemeinde Wien wahrscheinlich in einem gemeinsamen Grabe beia gesetzt, werden. Jugendweihe Neukölln. Die Jugendweihe findet morgen, Sonntag, 25. März, vorm. 10%, Uhr, im großen geftiaal der Neuen Belt, Hasen heide, itatt. Mitwirkende u. a.: Das Hopf- Trio, die A- capella- Bereinigung des Berliner Boltschors unter Leitung von Dr. Ernst Zander. Eintrittstarten Garderobe und Programm find an der Kaffe zu haben. zum Preise von 75 f. für Erwachsene und 50 Pf. für Kinder einschließlich Porge für des Mundes Wohl! Nimm zur Pflege Opol! Generalversammlung der Arbeiterwohlfahrt. Der förtner des Hauses turze Zeit vor Entbedung des Feuers Sozialdemokratische Fürsorgetätigteit. In der letzten Woche fand in Haverlands Festsälen die sehr gut besuchte Generalversammlung des Bezirtsausschusses für Arbeitermohlfahrt statt. Nachdem Genosse Künstler die Anwesenden begrüßt hatte, gab Genoffin Morgenstern den Jahresbericht. Sie schilderte die Tätigkeit des Gefretariats, Art und Umfang der Sprechstundenberatung, die Organisation und Arbeit in den Kreisen und die Zujammenarbeit mit den befreundeten Organisationen und den Wohlfahrts und Jugendämtern. Der Umfang der von den Parteimitgliedern geleisteten ehrenamtlichen Fürsorgearbeit, der in den proletarischen Bezirken gemaltig ist, wurde durch Zahlenmaterial peranschaulicht. Außer der sehr beträchtlichen Mitarbeit der Arbeiter wohlfahrt in der allgemeinen Fürsorge und in der Jugendwohlfahrt ist das Interesse der Kreise auch an der Bekämpfung von Kinderarbeit und Kinderbettel, an der sozialen Gerichtshilfe, Gefangenen und Strafentlassenenfürsorge und an einer guten Zusammenarbeit mit dem neuen Pflegeamt erheblich gestiegen. Die Mehrzahl der Kreise ist in den Bezirksarbeitsgemeinschaften der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege vertreten.. Nach einer Würdigung der übrigen Aufgabengebiete der Kreise murde über das Ergebnis der Lotterie und über die Entwicklung der Kaffenverhältnisse Aufschluß gegeben. Die Notwendig: teit intensiver Schulungsarbeit wurde begründet, Veranstaltungen von Vorträgen, Kursen, Arbeitsgemeinschaften und Besichtigungen aufgezählt. Eingehend wurden die Maßnahmen der Arbeiterwohl fahrt zur Erleichterung und Durchführung der Ausbildung begabter Kräfte aus der Arbeiterschaft für die sozialen Berufe( z. B. Kindergärtnerin, Hortnerin, Krankenpflegerin, Fürsorgerin) besprochen. Kindergarten und Hort der Arbeiterwohlfahrt sind sehr start beTegt, ihre Leistungen in pflegerischer und pädagogischer Hinsicht verdienen Beachtung. Erholungsfürsorge wurde im Friedrich- EbertHeim in Zannich und während des ganzen Jahres im eigenen Heim der Arbeiterwohlfahrt in Gohrisch( Sächsische Schweiz) durchgeführt. Die ausgezeichneten Kurerfolge in Gohrisch wurden ausführlich geschildert. In der Aussprache wurden verschiedene Organisations- und Finanzfragen, einzelne Aufgaben der Arbeiterwohlfahrt wie Erholungsfürsorge, Hauspflege usw. lebhaft erörtert. Ein Antrag auf Erhebung eines vierteljährlichen Sonderbeitrages von 10 Pf. für die Arbeiterwohlfahrt wurde nach kurzer Aussprache abgelehnt. Genosse Stein erstattete den Bericht der Revisoren, deren Antrag auf Entlaftungserteilung einstimmig angenommen wurde. Dann folgte die Diskussion über die Vorstandswahl. Die Abstimmung ergab, daß Genofie Franz Künstler und Genoffin Minna Todenhagen zu Borfikenden, Genosse Walter Fried= länder zum Schriftführer, Genosse Aller Bagels zum Rallierer, die Genoffinnen Emma Doel, Dr. Käte Frankenthal, Helene Schmi, Hedwig Wachenheim, Genosse Stadtrat 3 a chow als Beifizer gewählt wurden. Die bisherigen Renijoren, Genosse Stein und die Genoffinnen Haß und Jermann wurden wiedergewählt. Der Pförtner als Brandstifter? Wie wir berichteten entstand vorgestern furz nach 20 Uhr im Dachstuhl des Borderhauses Lindenstraße 112 Feuer. Als die Wehren an der Brandstätte eintrafen, war der Dachstuhl in feiner ganzen Ausdehnung bereits in Flammen. Bei den Aufräumungsarbeiten, die bis gegen 2 Uhr nachts dauerten, lichent verschiedene Umstände den Berdacht auftauchen, daß Brandstiftung vorliege. Beamte der Kriminalpolizei erschienen daraufhin an der Brandstätte und nahmen die Ermittlungen auf. Hausbewohner wollten gesehen haben, daß| Luftdroschkenverkehr eine verfrühte Anregung. auf dem Boden des Vorderhauses gemeilt hatte. Daraufhin wurde der Mann unter der Beschuldigung, das Feuer verursacht zu haben ob mit Vorsatz oder durch Fahrlässigkeit, ist noch nicht ermittelt verhaftet und dem Polizeipräsidium zugeführt. Der Verhaftete bestreitet jede Schuld. Heute vormittag wird er nochmals einem eingehenden Berhör unterzogen werden. Brände über Brände! Auf Einladung des früheren Reichsverkehrsminifters Dr. Krohne, Präsidenten des Bundes deutscher Berkehrse vereine fand am Donnerstag eine Sigung des Luftverkehrs= ausschusses des Bundes statt. Von dem Vorsitzenden des Ausschusses, Herrn Sommer, wurde die Frage des Luftdroschten verfehrs zur Diskussion gestellt. Die Mehrzahl der Diskussionsredner betrachtete die dankenswerte Anregung als verfrüht, vor allem mit Rücksicht auf die damit unvermeidlich verbundene Aufbringung großer öffentlicher Mittel. Neue Meldungen aus dem Reich. Die Brandepidemie, über die wir seit Tagen berichten, Verkehrsstriche aus Aluminiumbronze. scheint fein Ende nehmen zu wollen. Buddenhagen und hohendorf entstand durch Funfenflug So wird uns aus Wolgast berichtet: In der Forst zwischen einer Lokomotive ein Brand, der in furzer Zeit bei dem herrschenden Sturm achtzig Morgen Schonung vernichtete. Als in Gleimi, Kreis Grimmen, in einer Scheune des Rittergutsbesitzers Friedrichs Arbeiter mit der Kreissäge Holz zerschnitten, zersprang plöglich der Isolator am Leitungsmast, die Drähte fchlugen zufammen, und durch Kurzschlußfunken wurde die strohgedeckte Scheune jomie infolge des herrschenden Orfans der danebenliegende Pferdestall und auch ein SchweineMit verbrannt find außer stall ein Raub der Flammen. Futtervorräten und landwirtschaftlichen Maschinen großen 27 Stüd Jungvieh und zwanzig Schweine. Die Pferde konnten gerettet werden. Funkwinkel, Margarete Beinberg fündigt an, daß sie über die Ber linerin im modernen Roman zu sprechen beabsichtigt. Es fehlt nur der moderne Roman. Beim besten Willen kann man faum Aleris oder Fontane als moderne Romanziers ansprechen. Georg Herrmann, Walter von Hollander und Wolfgang Götz aber werden in einem Nebensaz scheu untergebracht. Andere Schriftsteller fehlen gänzlich. Erste Boraussetzung für einen Rundfunkvortrag ist es, baß die Referentin auch das Thema einhält, und daß sie weiß, was sie jagen will. Das scheint aber bei Margarete Weinberg nicht der Fall zu sein. Eine lückenhafte Aufzählung ist noch fein Referat. Eine neue Form des Vortrags findet der Rundfunk in der Dialogform. Auf dem Arbeitsgericht", eine Schilderung über die Arbeitsmethoden, stellt sich als eine zwanglose Unterhaltung dar. Dadurch erhält der etwas trockene Stoff Leben und zieht weitere Kreise des Interesses als eine noch so tiefsinnige, wissenschaftlich fundierte Abhandlung. Nun die Abendveranstaltung. Zuerst fingt willy Brager Chansons. Dann folgt die Stunde der Leben den" mit moderner französischer Musik. Es ist hier schon oft betont worden, daß man sich eher von Ernstem auf Seiteres umzustellen vermag als umgekehrt. Also müßten die Chansons später fommen. Dann aber erscheint der Abend für die Stunde der Lebenden" nicht geeignet. Der Sonntagmittag mar beffer gewählt. Der Abend müßte für Konzerte oder andere Veranstaltungen reser viert bleiben, die sich an die Masse wenden. Die wenigsten Menschen haben nach der Tagesarbeit Lust und ruhige Nerven, um musikalische oder literarische Probleme zu lösen. Allerdings stellt diese liedhafte französische Musik feine schwierige Aufgabe an die Aufmerksamkeit. Vorbildlich flar, allgemeinverständlich und start tonzentriert ist die Einführung Analyse Adolf Weißmanns. F. S. Als vor einigen Jahren die Polizei in Berlin den Berkehr zu legung von weißen Strichen, die den Fußgängern regeln begann, gehörte zu den ersten Maßnahmen die Anden Weg bei Ueberquerung der Fahrdämme in den verkehrsreichen Straßen bezeichnen. Diese Striche wurden bisher mit weißer Farbe hergestellt, die sich nicht überall als praktisch erwiesen hat. So verschwanden sie vor allem da, wo sie quer zum Fahrzeugverkehr liefen, so daß sie hier häufig erneuert merden mußten, während sie sich in der Barallelrichtung zum Verkehr beffer hielten. Jetzt wird an verschiedenen Punkten Berlins, wie 3. B. am Knie in Charlottenburg, ein neuartiger Ana strich mit Aluminiumbronze nach englischem Muster ausgeprobt werden. Durch diese Versuche soll der zweckmäßigste Anstrich ermittelt werden. Ein gräßlicher Luftmord in Gladbeck. Wie uns aus Gladbed gemeldet wird, wurde, dort gestern früh vor der elterlichen Wohnung der 19jährige Abiturient Hellmut Daube, einziger Sohn eines Rettors, der von der Feier der bestandenen Prüfung heimfehrte, ermordet aufgefunden. Die Leiche mies schwere Stichverlegungen auf. Da die Geschlechtsteile fehlten und von dem Täter mitgenommen worden sind, nimmt man an, daß der Täter abnorm ver anlagt gewesen ist und der junge Mensch einem Lustmord zum Opfer fiel. Banfier Kunert aus der Haft entlassen. Der Bankier Clemens fuchungshaft entlassen, nachdem die Rechtsanwälte Dr. Sereni und Mar Kunert wurde Freitagnachmittag um 1 Uhr aus der Unter Dr. Herbert Fuchs für ihn eine Raution von 160 000 Mart hinterlegt hatten. Die Haftentlassung erfolgte im Einverständnis mit dem Ermittlungsrichter und dem Sonderdezernenten der Staatsanwaltschaft, da nach Erledigung des Ermittlungsverfahrens eine Verdunkelungsgefahr nicht mehr für vorliegend erachtet wurde. Sechs Personen bei einem Autounglüd verbrannt. Ein ungewöhnliches Autounglüd, bei dem fünf Kinder zwischen 7 und 14 Jahren und der Chauffeur getötet wurden, ist in Leaf ( Mississippi) durch einen der häufigen Waldbrände verursacht worden. Eine riesige brennende Tanne brach gerade in dem Augenblick in sich zusammen, als das Auto passierte, und begrub den Wagen unter sich. Zwei Kinder sind mit schweren Brandwunden davongekommen. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend ( Nachdr. verb.). Heiter bis wollig und troden, am Tage mäßig warm feine Nachtfrößte, südliche Winde. Für Deutschland: Sm Südwesten ver einzelt Regen, sonst keine Niederschläge. shet N ww KISSNER OVER ST OVER Ania H Eine Haus Neuerburg Sur. für Bigaretten Raucher 4 tes Bild GAUS NEUERBURG ORD Run die Gegenprobe! Versuchen Sie bitte einmal, jetzt wieder eine andere Marke zu mauchen Sie werden den Unterschied erkennen und sicherlich zur OVER STOLZ zurückkehren Denn unsere HAUS- NEUERBURG- Kur hat Thre Lunge an die Feinheit der ostmacedonischen Tabake gewöhnt und fie mit dem Genuss einer wirklich edlen Zigarette bekannt ge macht Zudem ist der Macedonen Tabak auch viel bekömmlicher Se finden ihn sonst nur in teueren Ligaretten, weil es bisher unmöglich schien, für 5 Pg eine echte Macedonen- Mischung zu bieten. 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April( Sandball, fauftball, Stafetten usw.). Heute, Sonnabend, 24. März: Sichterfelde: Treffpunkt zur Fahrt Neu- Behlefans- Hennigsdorf 19 Uhr Mat haus Steglig. Tempelhof: Heim Germaniastraße. Erreddorprobe 19 Uhr. Rentän III: Treffpunkt zur Demonstration 18% Uhr Steinmestraße Ede Schillerpromenade. Morgen, Sonntag, 25. März: Falfplak 1: Treffpunkt zur Flugblattverbreitung für die Partei 8% Uhr Sonnenburger Ede Gaudnftraße. Frankfurter Biettel: Treffpunkt zur Fahrt 6 Uhr Baltenplag. Spandau: Seim Lindenufer 1. Seimabend. Steglig: Abflugabend der Werbemode. Wannsee: Die Fahrt mit der SAS. Soffett findet nicht statt. Röpenid: Bormittags Generalprobe. Friedrichshagen: Seim Friedrichstr. 87. Seimabend. Ren- Lichtenberg: Fahrt mit Wahlagitation auf den Dörfern. Treffpunkt 7% Uhr Bahnhof Neu- Lichtenberg. Reinidendorf- Beft: Seim Seidelftr. 1. Seimabend. Reukölln IV: Treffpunkt 13 Uhr Sergbergplag, Beitungstiost. Spaziergang. Gesundbrunnen: Treff mintt 18 Uhr Prinzenallee Ede Gotenburger Straße zum Filmabend in der Grünthaler Straße. Tempelhof: Fahrt Rahnsdorf. Treffpunkt 7 Uhr Bahnhof Tempelhof. Werbebegirl Reutöln: 19 Uhr Heimabend Kanner Straße. Berbebezirk Tiergarten: Treffpunkt zur Flugblattverbreitung und zur Bropagandafahrt der Fadfahrer 16 Uhr Kleiner Tiergarten, Berbebezirt Kreuzberg: Am Montag, 26. März, findet die Sauptversamm Tung des Jugendherbergsverbandes Kreuzberg im Bezirksamt Nordstr. 11 statt. Bezahlt die Beiträge und erscheint. Oeffentliche Werbeveranstaltungen heute, Sonnabend, 19% Uhr. Programm: Musik, Festansprache, Gesang, Rezitationen, Jeffspiel. Serbebezirk Reutöln: Werbefundgebung mit Fadelaug. Treffpunkt 19 Uhr Reuterplat. Schlußkundgebung Richardplas. Fadfahrer treffen sich 16 Uhr Reuterplay. Zehlendorf: Jugendfeier in der Aufe der Oberrealschule Burggrafenfrage. Berbebezirk Arenzberg: 18 Uhr Treffen Fontanepromenade zum Berbeumzug in Neuköln. Seber muß erscheinen. Werbebezirk Lichtenberg: Treffpunkt eller Radfahrer zur Bropagandafahrt 17 Uhr, Sachgligler 18 Uhr, Bahnhof Lichtenberg- Friedrichsfelde. Sonntag, Uhr, Bahnhof Stralau- Rummelsburg Treffpunkt aller Radfahrer zur Bro pagandofahrt. 9 Pflicht der Mitglieder des Verbandes für Frei denkertum und Feuerbestattung E. V. ist es, bei der Urwahl am Sonntag, dem 25. März, die Liste " Verbandsaufbau" zu wählen. Morgen, Sonntag, 25. März: Berbebezirk Prenzlauer Berg: Demonftrationszug. Treffpunkt 16 Uhr vor beat Begiztsamt Brenzlauer Berg. Danziger St. 64. 171 Uhr Schlußkund gebung auf dem Helmholzplag. 19 Uhr Werbefeier in der Schuleula Gleim. ftraße 49. Werbebezirk Wedding: Werbefeier in der Aula der 8. Berufsschule, Grünthalez Sir. 5. Beginn 19 Uhr. Werbebezirk Schöneberg: Treffpunkt 8 Uhr bei Sürgens, Barbaraffaftr. 5, zur Berbeumfahrt mit Nädern.( Dies gilt auch für die Gruppen Westen I und II.) 19 Uhr Werbefeier im Seim Sauptstr. 15, Brandenburgzimmer. Sämtliche Gruppen des Werbebezirks müssen sich beteiligen. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin G. 14. Sebaftianfte 37/38, Sof 2 St. Friedrichshain: Tambourforps Co., d. 24., 20 Uhr, in der Alten Taverne", Alt- Stralau, Böser- Buben- Ball. Eintritt 1. Be Rameraden find herzlich willkommen. Sonntag, 25. März. Friedrichshain: Pünktlich 9½ Uhr Abfahrt zur Propagandafahrt vom Rüftriner Blaz. Sempel hof: 10 Uhr Safen Tempelhof Antreten zur Autofahrt. Untoftenbeitrag 1 M. Neullin- Brig: 8 Uhr Antreten Rarlsgarten zur Autopropagandafahrt. Frei denfermähler fahren 10% Uhr vom Sarisgarten. Fahrpreis 1,50 M. Fahnen mitbringen Pflichtveranstaltung. Zehlendorf: Antreten aller aktiven Kame. raden und Spielleute um 11% Uhr bei Schnorre, Potsdamer Str. 8. Freie Autofahrt. Beißensee: Antreten 9% Uhr Grüner Baum" zur Autofahrt. SCHLAFZIMMER SPEZIALVERKAUF federleicht und one Anzablung kaufen Sie jetzt Schlafzimmer bei uns! 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Sug bei Grommed, Sanderstr. 10. 3. 8ug bei Ratgeber, Raiser- Friedrich- Str. 212 Ablershof( Sameradschaft): Sportgruppe 19 Uhr zufauumenkunft im Jugendheim Rooustraße. # Das Goubureau ist am Sonntag, 25. März, in der Zeit von 9 bis 21 Uhr geöffnet. Fernsprecher: Jaunowig 0395. Arbeiter Rabiobund. B. Gruppe Gruppe Gildoft, Lübbener Str. 18. In beiden Gruppenlofalen am 24. und Sichtenberg, Kronprinzen ftr. 47. 25. März Bastelschau des Arbeiter- Rundfunkhörers." Radiofreunde willtommen. Sangesfreubige Genoffen fomic Jugendliche in Tegel, helft mit am Aufbau eines großen Männerchors. Berdet Mitglied im Freien Bollschor" Tegel, Mitglied bes DAGB. Uebungsstunde jeden Freitag 20-22 Uhr Schulaula Trestomftraße. Bunb ber religiösen Sozialisten. Am Montag, 26. März, 20 Uhr, in NeuEblin, im Gemeindefaal Berthastr. 9, Albrecht Dürer- Lichtbildervortrag. Bfarrer Lic. Dr. Biechowski wird dazu über Leben und Schaffen des Künstlers sprechen. Der Eintritt ist frei. 100 Mark für einen Ainobesuch. Der Magda- Conja- Film Gensations= prozeß", der ab Freitag im Titania Palast in Efeglig in Uraufführung läuft, war von der Senfur dreimal verboten, bevor die Filmoberprüfftelle ihn auf Beschwerde endlich freigegeben hat. Die Zensuttammer war der Anficht, daß es aus dem Film nicht flar hervorgehe, ob die des Gattenmordes angeklagte Rlariffa Bunterbart wirklich die Täferin war oder nicht. Um die Ansicht der Besucher über diese intereffante Frage fennenzulernen, jezt das Theater für jebe Borstellung eine Prämie von 100 M. aus, die demjenigen Besucher ausbezahlt wird, ber die schlagendste Antwort auf die Frage: War sie die Täterin?" abgibt. Jeder Befucher erhält zu diesem Zwecke bei Lösung seiner Cintrittstarte eine Antwortlarte, mit der er fich an der Preisfrage beteiligen fann. Die Namen der Preisträger werden täglich durch die Tageszeitungen belannigegeben. Die Betterausfichten zu Ostern find heute noch nicht vorauszusagen! Doa ob fchön, ob Regen, in guter Rleibung will nun einmal jeder die Feiertage verleben. Das seit Jahrzehnten bestehende Kredithaus B. Feder hat es wieder verstanden, eine solche Fülle von gediegenen, schmuden Damen, Herren- und Rinderbekleidungsstüden zum Verkauf zu stellen, daß jeder Runde das für ihn Richtige finden bürfte. Eine große Auswahl an neuesten Frühjahrsmodellen in Kinderwagen finden Sie ungweifelhaft in dem Rinderwagen- Welthaus Megner, Andreasftr. 23, amr Andreasplag, das außerdem noch an folgenden Stellen Filialen unterhält: Brunnenstr. 95, Beusselstr. 67, Leipziger Str. 54/55, Neuköln, Bergstr. 133, Spandau, Charlottenstr. 24a, und Niederschöneweide, Brüdenstr. 9. 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Ausschüttung ausgegebenen Anteilscheinen in der Weise, daß gegen die eingelieferten Ratenscheine 80% des ihnen aufge druckten Goldmarknennwertes in 4% Liquidations- Goldpfandbriefen( Stücke zu 5000, 2000, 1000, 500, 200, 100 und 50 GM.) bzw. Certifikaten( Stücke zu 30 und 10 GM) ausgehändigt werden. Die sich dabei für die einzelnen Posten ergebenden Nennwertspitzen von weniger als 10 GM. werden bar in Reichsmark( 1 GM.- 1 RM.) ausgezahlt. Die Einreichung der Ratenscheine hat unter Beifügung eines lediglich nach den Nennwerten geordneten Stücke- Verzeichnisses bei unserer Kasse in Berlin NW 7, Unter den Linden 48-49 zu erfolgen, kann außerdem auch durch das Bankhaus S. Bleichröder in Berlin, die Direction der Disconto-Gesellschaft und deren Zweiganstalten und an anderen Orten durch unsere sonst bekannten Zahlstellen und andere Bankfirmen stattfinden. Die dazu erforderlichen Formulare werden auf Verlangen kostenlos zugesandt; sie sind auch bei den Bankfirmen erhältlich. Die Versendung der Goldpfandbriefe an die Einreicher erfolgt von uns kostenfrei. Bei Aushändigung sind wir zur Prüfung der Legitimation des Einreichers berechtigt, aber nicht verpflichtet. Berlin, im März 1928. Preußische Central- Bodenkredit- Aktiengesellschaft Die Direktion Schwartz Lindemann Oesterlink Wrede Colibrisäle, Martin- Luther- Straße 69. Mittwochs, Donnerstags, Sonnabends und Kaufgesuche Sonntags Eliteball ber zeiferen Bahngebiffe. Silberfachen. Binn, Blei Sugend. Fabelhafte neue Gaaldekoration. Zeilzahlung. Riesenauswahl! Dig Quedilber. Goldschmelze, Chriftionat. manträder, Görideräber, Triumphräder, Rävenideritz 39( nabe Adalbertstraße) Multiplegräber, Wittlerräder, Monopol Münzen, Briefmarken fauft Groß Bekleidungsstücke, Wäsche usw Pärlopp- Nähmaschinen gegen 8- Mart räder, bildschöne Rennmaschinen, ent Bochenraten. Blofit, Brunnenstraße 185, sildende, schnellaufende Straßenrenner, mann. Johannisstraße 4. 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Mörz 1926 Märchenerzähler von der Ruhr. Einige Kragen an die Harpener Bergbau A.-G. zu ihrem Lahresabschluß. Die Harpener Bergbau A.-O.. bekanntlich das schwerste rein« Zechenunternehmen an der Ruhr, hat zur sehr giusjen Ueberraschung der Börse, nicht minder aber auch der übrigen Oeffentlichkeit, ihre Dividende für das Jahr 1927 von 8 auf 6 Proz. herabgefetzl. Inzwischen ist ein vorläufiger Bericht über das vergangene Geschäftsjahr erschienen, dem schon die bürgerliche Presse im allge- meinen das Zeugnis ausgestellt hat, daß plausible Gründe für die Herabsetzung der Dividende aus ihm nicht zu ersehen sind. Man hat ja inzwischen gehört, daß der neue Aussichisratsmann der Harpener Bergbau A.-G., Herr Silverberg, der Meinung ist. daß die Abschreibungen im Bergbau nicht hoch gentlh seien. Wir glauben nun nicht, daß diese Meinung des Herrn Silverberg allein«nt- scheidend gewesen ist für die Herabsetzung der Dividende: im übrigen werden ja auch größere Abschreibungen an der Höhe der t a t s ä ch- lich erzielten Gewinne nichts ändern. Wir glauben viel- mehr, daß die Harpener Bergbau A.-G. den Alarmschuß von der sinkenden Rentabilität im Bergbau aus anderen Gründen abgefeuert und das grobe Geschütz vcm unrentablen Berzbaü für den Reichswirtschafts- oder Roichsarbeitsministcr geladen hat, die ja demnächst zur Frage der Rentabilität im Bergbau bei eventuellen Kohlepreis- und Lohnerhöhungen wieder Stellung zu nehmen haben. Harpen will folgendes Märchen glaubhaft machen: Die Kohlenförderung ist von 7,94 auf 8,02 Millionen Tonnen g« st i e g e n. Tie Kokserzeugung erhöhte sich gegenüber dem Vorjahre von 1,33 aus 1,59 Millionen Tonnen. Sehr groß sind die neuen Rationalisierungserfolge. Während 1928 nur 85,6 Proz. der Förderung maschinell gewonnen wurden, waren es 1927 80 Proz Im Zusammenhang damit ist, obwohl die Förderung erhöht wurde, die Gesamtzahl der Arbeiter und Angestelllen während des Jahres 1927 von 28 498 auf 25 584 Mann zurück gegangen. Was die Harpener Bergbau A.-G. in Wertpapieren angelegt oder bei den Banken als Guthaben stehen hat, muß sehr beträchtlich ge- wachsen sein: denn nach der Gcwinnrechnung sind die Ein- nahmen aus Zinsen und Wertpapieren gegenüber dem Bor- jähre von 2,16 auf 3,14 Millionen, um über 50 Proz. g« st i eg e n. Demgegenüber aber soll die Oeffentlichkeit glauben, daß der Roherirag aus den zugleich erweiterten und verbilligten Berg- werksgeschäft von 31,85 aus 25.53 Millionen zurückgegangen ist, daß der Gesamlüberschuß von 38,77 auf 33,49, der Reingewinn (mit Bortrag) von 8,23 auf 6,34 Millionen gesunken sind und des- halb die Dividende von 8 auf 6 Proz. herabgesetzt werden mutzte. Wir möchten uns demgegenüber doch einige Fragen an die Harpener Bergbau A.-G. erlauben, die sie vielleicht noch in ihrem endgültigen Geschäftsbericht beantworten kann. Es wurde 1327 über folgende Reubauten und Erweiterungen berichtet: Zentral koterei für die Zechen Gneisenau. Preußen. Scharnhorst mit rund 140 Oesen, die die Leistungsfähigkeit in diesem Zechenkomplex verdoppelt hat. Erweiterungsbauten bei den Zechen Gneisenau und Preußen II. Einneue�Sch acht für Preußen II. Zwei neue Schach tonlaqen im Revier von Langendreer. Eine neu« Hasenanlage am Rhein-Herne-Kanal. Erne neue Zentraikokerei im Werner Zechenkomplex Heinrich Gustav, für die eine.zweieinhalbmal so große Quote ver- langt wurde, als bei der Zentraltokeret Gneisenau Wir finden, daß das allerlei ist und müssen auf der anderen Seite feststellen, daß die Harpener Bergbau A.-G. n i ch l eine einzig« Mark neues Kapital dazu gebraucht hat, daß bestenfalls einige Reserven au» dem Jahre 1926 herangezogen wurden und daß infolgedessen die gesamten Reoanlagen, deren Wert auf Dutzende von Millionen anzuschlagen ist, aus laufenden Ge- w i n n e n des Jahres 1927 bezahlt wurden, von denen in der Bilanz natürlich nichts zu merken ist. Es wäre auch angenehm, wenn die Harpener Bergbau A.-G. mitteilen würde, wieviel stille Reserven sich im Jahre 1927 unter den Gläubigern der Bilanz befinden: im Jahre 1926 waren ee nämlich von 18 Millicknen Mark laufenden Schulden nichi weniger als 8 Millionen. Dann möchten wir wissen, wieviel Rückstellungen v o r der Feststellung des Rohertrages aus dem Kohlengeschäft vor- genommen worden sind: denn kein Kind wird der Harpener Gesell- schaft Glauben schenken, wenn die Erzeugung vermehrt wurde, die Maschinenverwendung um 20 Proz. zunahm, der Förderanteil pro Kopf wieder gewachsen ist und gleichzeitig die Zinse innahmen um 50 Proz. anwuchsen, daß dann der Rohertrag aus dem Kohlengeschäft noch um 6,32 Millionen Mark gesunken sein soll. Weiter möchten wir gerne wisien, wieviel Forderungen die Harpener Bergbau A.-G beim Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikat hat, nachdem es 1926 rund 3 Millionen waren und wieviel Ge- winnzuschläge in Verpflichtungen liegen, die in Natura abzuwickeln sind, wie beispielsweise im Jahr« 1926 bei den Buderus-Werken. Es wäre ferner interessant, zu erfahren, ob man die 1,29 Millionen. die für die erst am 1. Januar 1929(!) fällige periodische Grundevwerbsüsteuer zurückgestellt sind, auch zu den Gewinnen rechnen darf oder nicht und endlich, ob es nicht einfach ein recht bescheidenes Tafchenspielerstück ist, den Anlagenzuwachs gerade nur um soviel höher auszuweisen, als die Abschreibungen ausmachen. Wenn diese Frag« beantwortet werden, kann der gedruckte Ge- schäftsbericht der Harpener Bergbau A.-G. für die Oeffentlichkeit interessant werden. Aber wir haben noch einen besonderen Wunsch für diesen Bericht. Und der befaßt sich mit den von der Harpener Gesellschaft angegebenen Gründen für den Rückgang der Renlabililäl. Einmal habe man bei den Erlösen eine scharfe Senkung in Kauf nehmen müssen, wobei ganz bescheiden, aber doch, die Er- höhung der Syndikatsumlage von 55 auf 138 Pfennig im Jahre 1927 genannt wird, und zum anderen seien die Kohlenselbsttosten um mindestens 10 Prozent gestiegen. Jni Geschäftsbericht für 1926 haben wir nun folgende Entwicklung der Selbstkosten wiedergegeben gefunden: Selbstkosten je absatzfähige Tonne: 1913 1924 1925 1926 Löhne und Gehälter 6,55 M. 8,99 M. 8,91 M. 7,95 M. Materialkosten. 2,07„ 4,51, 3,69„ 3,01, Allgem. u. H.-Kosten 1,51, 3,15, 2,40. 2 42. 10,13 M. 16,65 M. 15.— M. 13,38 M. Diese Tabelle ist sehr interessant. Di« zeigt einmal, daß von 1924 bis 1926 die Selbstkosten je Tonne im ganzen sehr stark gesunken sind, sie zeigt serner, daß der Lohnanlerl be- tröchtsich zurückgegangen ist. Dasselbe, gist für die Maierial- kosten in einem noch stärkeren Ausmaß und nur die Berwaltungs- kosten sind gestiegen. Wir möchten nun eine recht genaue Aus- führung darüber haben, wrshakb im Jahre 1927, dem glänzendsten Konjunkturjahr der Steinkohl« auch im Vergleich zur Borkriegszeit, sich die Selbstkosten um'lO Proz. erhöht haben. Hoftentlich wird der kommende Geschäftsbericht obig« interessante Statistik mit jener ausführlichen Begründung ergänzen, die schon im Interesse der Harpener Bergbau A.-G. selbst bei der von ihr behaupteten wirklich sehr auffälligen Selbstkostensteigerung erforderlich ist. Hoffentlich wird dabei auch ein sorgfältiger Nachweis der Ge- samterlöse aufgemacht einschließlich aller Nebenproduttenerlöse und mit Vergleichsziffern für frühere Jahre. Solange das nicht geschehen sein wird, hat die Harpener Bergbau A.-G. keinen Anspruch darauf, daß ihr die Oeffentlichkeit die Behauptung von der im Jahre 1927 gesunkenen Rentabilität glaubt, und weder der Reichswirtschafts- noch der Reichsarbeitsminister dürfen sich von den Erklärungen der Harpener Gefellschaft beeindrucken lassen. „Segnungen der Kultur." Die„Deutsche Bergwerks-Zeiwng" hat neulich einen außer- ordentlich geistreichen Artikel über die gewerkschaftlich« Forderung, daß die Arbeiter an den Segnungen der Kultur teilnehmen sollen, veröffentlicht.(Wie wir zuverlässig erfahren, erschien der Artikel nur aus Versehen vor dem 1. April.) Es wird in diesem Artikel sehr klar und überzeugend gezeigt, daß die Gewerkschaften infolge ihrer geringen Bildung nicht einmal zwischen Kultur und Zivilisation unterscheiden können. Kultur ist etwa» ganz Feines, „etwas Innerliches", sie Ist wunderschön und sehr billig.„Was die Gewerkschaften wirklich meinen, indem sie Kultur und Löhne anein- anderb'inden wollen, ist gar nicht Kultur Es ,st nichts wie Zioili- fation. Um wieviel ärmer aber ist Zivilisation als Kultur! Um sich in stillem Dersenken in die Bank einer Kirche zu setzen, dazu bedarf es keiner besonderen Mittel, und ein Buch in bescheidenem Gewände, aber mit um so köstlicherem Inhalt ist auch dem einfachen Mann erschwinglich". Der Artikel schließt mit einer erhabenen Strophe von Paul Heys«: Höhe und Tiefe hat Lust und hat Leid. Wirf ihn ab, den törichten Neid, Anderer Gram bringt andere Wonne! Dulde, gedulde dich sein, Ueber ein Stündelein Ist deine Kammer voll Sonne! „Im Sinne dieser Verse leben und wirken, das heißt Kultur haben. Möchten unserm armen verführten Bolk Männer erstehen, die ihm den Weg zu wahrhafter Kultur wieder zeigen." Die deutsche Wirtschast h a t solche Männer. Wie wir hören, hat der Artikel des schwerindustriellen Blattes in den industriellen Kreisen und besonders in den den Vereinigten Stahlwerken nahe- stehenden einen gewaltigen Eindruck gemacht. Um nicht bei den schönen Worten zu oerbleiben, werden schon jetzt verschiedene Bor- schläge in Erwägung gezogen, die sich ungefähr folgendermaßen zusammenfassen lassen: 1. Jede Sitzung des Vorstande« und Aufsichtsrates soll mit jein«n Geber eröffnet und geschlossen werden. 2. Di» Dividenden werden nicht mehr verteilt, sondern jeder Aktionär bekommt ein Gebetbuch mit reichhaltigem, der Höh« de» Gewinns entsprechendem Inhalt, 3. An Stell« der Tantiemen und der Spesen für Aufsichtsrats- Mitglieder werden schöne Bücher verteilt. Der Vorstand der Werke wird beauftragt, zu diesem Zweck eine Novelle„Das'Glück des ehr- baren Kaufmanns" mit dem Motto:„Entbehren sollst du, sollst ent- behren!" zu schreiben. 4. Das auf diese Weise gesparte Geld soll für die Erhöhung der Löhne verwendet werden. Die neue Preußenkasse. Zu den kommenden Landtagsverhandlungen. Am Montag wird sich auch der Preußische Landtag mit dem Gesetz über die Umgestaltung der Preußenkasse beschäftigen, nachdem der preußische Staatsrat sich vorgestern gutachtlich dazu geäußert hat. Bei der Aeußerung des preußischen Staatsrates berührte es merkwürdig, daß offenbar unter dem Einfluß der söge- nannten Arbeitsgemeinschaft Forderungen der Genossenschaftsver- bände Berücksichtigung gesunden haben, wenn auch in abgeschwächter Form, die nicht ohne Kritik hingenommen werden können. Die Zurückweisung dieser Forderungen ist um so wichtiger, als sich manche Kreise nicht klar darüber zu sein scheinen, daß die Forde- rungen sowohl mit den bestehenden Tatsachen als auch piit der von den Genossenschaftsverbänden und dem Staatsrat grundsätzlich gutgeheißenen Reform nicht zu vereinbaren sind. Die Kapitalerhöhung ist eine unbedingt« Notwendigkeit, und zwar ausschließlich im Interesse der Genossenschaften, wenn diese durch die auch von den Verbänden unumwunden zugegebene Illiquidität nicht in ihrem Bestände ge s ä h r d e t werden sollen. Es. ist deshalb ein gefährliches Spiel, von kurzfristiger Kredit- beschaffung statt von sosorttger Kapitalerhöhung zu sprechen, bloß weil die Folgen der Kapitalerhöhung bei der Stimmenverteiwng den heutigen Führern der Verbände unangenehm ist. Eine stärkere Berücksichtigung der Genossenschaften bei der Leitung und Derwal- tung der Preußenkosse, als sie sich au« der Kapitalbeteiligung ergibt, würde nicht nur jede sachlich vernünftige Einslußregelimg über den Haufen werden. Sie wäre einfach nicht zu begreisen angesichts der Tatsache, daß die Genossenschaften und ihre verbände heut« au»- schließlich Schuldner sind, während si« früher die Geld» g« b e r der Preußenkosse waren. Da» würde dazu führen, daß der Dille des Kunden bestimmt, wie der Geldgeber jeine Geschäst» durch- führt. Ebenso unmöglich ist es, daß der Borsitz im Derwaltungsrat und in der Hauptoersammlung nicht vom Präsidenten der Kasse, sondern von einer vom Verwaltungsrat zu wählenden Per- sönlichkeit geführt wird. Diese Aenderung widerspräche nicht nur der bisherigen Uebung, sie wäre auch unoerträglich mit der Not- wendigkeit, daß die Einheitlichkeit der Leitung bei einer öffentlichen Unternehmung gesichert bleiben muß. Wenn man es auch verstehen kann, daß den Genossenschaftsoerbänden die Prüfung der Ober- rechnungskammer angenehmer ist als eine in die sachlichen Einzelheiten eindringende Prüfung, so kann keine Rede davon sein, daß nach der gesetzlichen Reform der Preußenkosse die Ersetzung der Oberrechnungskammer verfassungsändernd wäre. Worauf es den Genossenschaftsverbänden in der Tat ankommt, ist keineswegs die sachliche Mitarbeit zur Erhöhung des Er» f o l g e s der Preußenkosse. Das kam deutlich zum Ausdruck in den Ausführungen des Freiherrn v. Gayl, der nur die früher von den Genossenschaftsverbänden auf 85 Proz. bemessene qualifizierte Ma- jorttät auf 75 Proz. ermäßigte, im übrigen aber die nur politisch zu verstehenden Forderungen der Genossenschaftsverbände resttos aufrechterhielt. Wie sich die Majoritätsoerhältnisse gestatten werden, ist noch vollständig offen, da über die Beteiligungen des Reiches und der Länder noch nichts feststeht. Es ist auch gar nicht anders mög- lich, als daß über die Stimmenverteilung erst dann entschieden werden kann, wenn die Beteiligungen bekannt sind, und daß nicht die Schuldner, sondern nur die Kapitalgeber der neuen Preußen» lasse über den Abstimmungsmodus zu entscheiden haben werden. Die Genossenschastsoerbönde haben ihre Opposition gegen die Preußenkosse so deutlich werden lassen, daß sie mtt dem Austritt drohten. Man weiß wirklich nicht, was bei den gegenwärtigen Derhättnissen solche fast kindlich anmutenden Drohun» gen sollen. Um so bedauerlicher aber wäre es, wenn eine preußische Koalitionspartei durch falsche Rücksichtnahme Kräfte stärken würde, die so wenig klaren Blick für unabweisbare Notwendigkeiten be- wiesen haben. Der Landwirtschaft wäre am wenigsten damit gedient! Neue Nede von Or. Schacht angekündigt. Es wird gemeldet, daß der Reichsbankprästdent Dr. Schacht am 27. März auf einem Festbankett der Industrie und Handels- kammer in Königsberg gelegentlich der Einweihung des neuen Reichsbankgebäudes eine Rede halten wird. Seit Bochum darf Deutschland begründete Furcht vor solchen Reden haben. Hoffent- lich denkt auch der Herr Reichsbankpräsident daran. Gchwerverdiener Julius Verger 20 Prozent Dividende.— Fast verdreifachte Aufsichtsratstantiemen.— Beschäftigung auf mehrere Jahre. Da» Berliner Tiefbauunternehmen Julius verger war zwar immer ein Schwerverdiener, trotzdem ist der Gewinn- abschlutz von 1927 überraschend. Der Rohgewinn ist von 2,0 auf 3,3 Millionen, also um 65 Proz., gestiegen und trotz betröcht- licher Abschreibungen von 660000 Mark, die übrigens bei Bauunter- nehmen größtenteils als reine Reserven anzusehen sind, wird ein Reingewinn von 2 Millionen ausgewiesen. Dos ist mehr als das Doppelte gegenüber 1926. Dabei sind die Unkosten nur um ein Drittel gestiegen, ein neuer Deweis, welche Möglichkeiten die Rationalisierung auch in der Bauindustrie bietet. Während das Borjahr 15 Proz. Dividende brachte, sind es 1927 20 Proz., und das noch auf ein um 2,5 auf 7,5 Millionen erhöhtes Kapital. Der ganz« neue Reingewinn kommt also den Aktionären zugute, denen damit anderthalb Millionen Mark zufließen. Noch besser schneiden die zwölf Herren vom Aufsicht»» rat ab, deren Tantiemen von 160 000 auf 436 000 Mark heraufgeschraubt werden. Allerdings, es wird auch für einen„gerechten sozialen Ausgleich" gesorgt, denn der Beanttenwohlfahrtssonds für arbeitsunfähige alte Beamte hat im vergangenen Jahre einen Zu- gang von ganzen 5000 M.(!) und in diesem Jahre von 7000 M(!) erhallen. Abgewirtsihaftete Arbeitnehmer haben ja auch größere Summen nicht so nötig wie die überlasteten Aufsichtsräte, die in eincm Dutzend anderer derartiger Posten sich gleichfalls noch ihre Tantiemen„verdienen" müssen. Ucbrigens scheint die Kapttalerhöhung als echte Kapttaloerwässe- rung durchgeführt, um die Dividende nicht zu auffällig in die Höhe springen zu lassen. Die 5,5 Millionen aus der Kapitalerhöhung waren kaum als neues Kapital unbedingt nötig, denn die Gesellschaft hat ohnehin riesige frei« Gelder. Während die gesamten Schulden nur 650 000 Mark betragen, werden allein 8,4 Millionen Mark Bankguthaben und noch über 2,0 Millionen Mark weitere For- derungen ausgewiesen. Wenn auch der Bahnbau in der Türkei, dessen Ausführung Julius Borger im vorigen Frühjahre erhielt, erhebliche Mittel beanspruchen wird, so genügen zu diesen Finanzreserven schon verhältnismäßig geringe Kredite. Die Gesellschaft hat außer dem 65-Millionen-Mark.Bahnbau in der Türkei noch eine Anzahl anderer großer Auslandsaufträge in Arbeit, ist auch am Bau der Berliner Untergrundbahn beteiligt und so für mehrere Jahre voll beschäftigt. Die Zahl der im In- und Ausland tätigen Arbeiter und Angestellten beträgt annähernd 4500 Mann. Reue Pfandbriefanlelhen. Die Preußische Landes- pfandbricsanstalt legt noch der Veröffentlichung im An- zeigentett vom 26. März bis 14. April 1928 3 Millionen 8proz. Gotd- mark-Kommunalobligationen zum Vorzugskurse von 95*4 Proz., 3 Millionen 8proz. Goldmark-Pfandbriese zum Voyzugskurs« von 97?� Proz. und 2 Millionen 7proz. Goldmart-Pfandb riefe zum Vor- zugskurse von 92?� Proz. zur ö fs e n t l t ch e n Zeichnung auf. Die 8proz. Goldmark-Pfandb riefe werden an der Berliner Börse bereits mit 98M Proz., die 7 proz. Goldin ark-Pfandbricfe mit 93*4 Prozent notiert, während die Notierung der Kommunalobligationen demnächst erfolgen soll. Zeichnung« schluß 14. April. Die Preußische Eentral-vodenkredil-Akttengesellschasl gtbt be- kannt, daß sie eine zweite Teilausschüttung aus der Hypotheken-Teilungsmasse in Höhe von 8 Proz. des Nemi- wertes der Pfandbriefe aller Währung in 4)4proz. Goldpfandbriefen vom Jahre 1926 Ausgabe 2 vornehmen wird. Zum Zwecke der Erhebung sind lediglich die Ratenscheine Nr. 1 einzuliesern, welche s. Zt. bei der ersten Ausschüttung mtt den Anteilscheinen ausgegeben wanden sind. Di« Einreichung der Ratenfcheine hat bei der Kasse der Gesellschaf« in Berlin zu erfolgen, kann auch bei den sonst bekannte» Zahlsteven und anderen Bamkfirmen stattfinden. Näheres an An- zri genteil. Eine lbO-Milllonen-Jnlandsanlelhe der Relchsposi soll Im April ausgelegt werden. Der Zinssatz steht noch nicht sest, soll aber ent- sprechend der Reich» dahnanleih« 7 Prozent betragen. Reudell nimmt nichts zurück! Geine Antwort auf die Sozialdemokratische Anfrage- Innenpolitische Debatte im Reichstag. Der Reistag fegte gestern die zweite Beratung des Haus-, Die parteipolitisch unverdächtige Ministerpräsidenten. halts des Reichsinnenministeriums fort. tonferenz hat sich einmütig für eine Revision der Weimarer Verfassung, aber nicht für den Einheitsstaat ausgesprochen. Bisher hat noch fein Rechentünstler nachweisen fönnen, daß der Einheitsstaat billiger arbeiten würde als der jezige Staat. Mit den Ausschußbeschlüffen in unitarischer Richtung würde der Reichstag der fünftigen Berfassungsrevision vorgreifen. Diese Beschlüsse würden sich auch ohne innere Erschütterungen faum durchführen lassen. Wir könnten dabei zu schematischen Lösun gen fommen, die die Großstädte zum Schaden des flachen Landes bevorzugen und auf einen neuen Beamtenabbau hinauslaufen. Die Pressekritik an der Annahme der afghanischen Orden hat sicherlich dem deutschen Ansehen im Ausland nicht gedient. Abg. Sollmann hat von mir eine Erklärung zu der Angelegenheit gewünscht, die mit dem Namen des preußischen Ministerialrats Dr. Badt zusammenhängt. Ich bedaure, diese Erklärung nicht abgeben zu können. Abg. Dr. Schreiber( 3.) nennt es die große Aufgabe des Innenministeriums, über die pielen Spaltungen in unserem Bolfe hinweg am Aufbau des deutschen Gemeinsamteitsgefühls zu arbeiten, an der innerdeutschen Berständigung mit dem Hochziel der Zusammenfassung aller Volfsteile zur deutschen Nation. Die Aus einandersegung zwischen Reich und Ländern sei eine Schicksalsfrage des deutschen Boltes, die mit feinem psychologischen Verständnis behandelt werden müsse. Deutschland fönne nur als lebensvoller Föderatiostaat gedeihen. Die notwendige Reform des parlamenta rischen Systems darf nicht angefaßt werden aus einer Feindschaft gegen den Parlamentarismus heraus. Eine Reform des Wahl rechts mird die nächste Aufgabe sein. Wir wünschen weiter eine baldige Reform der Pensionsgefezgebung. Bei der Armut des deutschen Boltes ist es nicht erträglich, daß Bersönlichkeiten des politischen Lebens, die furze Zeit eine hohe Stellung einnahmen, mun dauernd sehr hohe Pensionen beziehen.( Beifall.) Der Redner nerurteilt unter dem lebhaften Beifall des Zentrums die katholiken feindliche Politik der merikanischen Regierung und fährt fort: Mit Sorge und Mitgefühl verfolgen wir das Schicksal der deutschen Minderheiten, vor allem das der deutschen Süd tiroler. Wir verlangen für sie feine Privilegien, sondern die Menschenrechte, die zuerst ein romanisches Bolf in seine Berfaffung aufgenommen hat. Der Geist des Bölferbundes verlangt die fuiturelle Autonomie der Minderheiten. Das ist eine gesamteuropäische Frage.( Beifall.) Andererseits stimme das Zentrum durchaus dem Ausschußantrag zu, der die kulturelle Autonomie der in Deutschland lebenden nationalen Minderheiten sichern will. Beim Schulgejeg habe sich leider gezeigt, wie von manchen Parteien der Begriff der Staatsmacht gegenüber der Kirche übersteigert werde. Das entspreche nicht dem Geist der Weimarer Verfassung. Die Deutsche Bolkspartei sei darin noch weitergegangen als die Demokratische Partei Der Bertreter der Bolkspartei, Abg. Frhr. v. Kardorff( D. Vp.) geht zunächst auf die Frage einer Wahlte form ein. Mit einer solchen Reform fönnte no ch gemartet werden. Wenn das Wahlrecht Schattenseiten hat, dann fönnten die Parteien selbst viel zur Besserung beitragen. Für ein Gesez zur Bet ämpfung der Splitterparteien ist die Deutsche Volkspartei nicht zu haben. Diese Dinge werden sich Don selbst totlaufen. Daß das Reichsinnenministerium neben dem Schulgesetz nicht noch viele andere Gesetze vorlegen fonnte, ist fein Fehler. Wir sollten überhaupt die gesetzgeberische Probuftion etwas einschränken. Die Ausführungen des deutschnationalen Abg. Berndt über die Personalpolitik sind nicht zu billigen. Die Auswahl der in die Ministerien einzustellenden Beamten muß unabhängig von der Parteizugehörigkeit erfolgen. In der Flaggenfrage mußten wir eine gewisse Toleranz walten lassen. Es ist doch schon in der Stabilisierung der Republik weit vorwärts gekommen. Man braucht nur die jeßigen Richtlinien der Deutsch nationalen mit ihren früheren zu vergleichen; das ist ein Unterschied mie Tag und Nacht. Wir sind noch kein einheitliches deutsches Bolt. Das ist zum Teil verschuldet durch den Mangel an einer lesbaren historischen deutschen Literatur. In der Frage der Einheitsbestrebungen warne ich davor, das Ziel zu weit zu stecken. Wir müssen kommen zu einer Beseitigung der Entlaven und der lebensunfähigen fleinen Länder. Dann muß das Verhält nis Preußens zum Reich bereinigt werden. Man tann vielleicht auch die hemmungslose Macht des Reichstags durch VerStärkung der Macht des Reichsfinanzministers etwas beschränken. Eine Stärkung der Macht des Reichspräsidenten im deutschnafio nalen Sinne ift taum erforderlich, denn der Reichspräsident ernennt nach unserer Verfassung den Reichskanzler und auf Borschlag des Reichskanzlers die Minister. Die Macht des Reichspräsidenten wird allerdings geschmächt, wenn die Auswahl der Minister von Fraktions abstimmungen abhängig gemacht wird. lleber das Scheitern des Schulgeleges foll nach der Erklärung des Abg. Berndt die ganze chriftliche Elternschaft empört sein. Tatsächlich war auch in der alten preußischen Verfassung ein Schulgesetz angekündigt; aber es ist niemals zustande gekommen. Demokratische Zukunftshoffnungen. Abg. Koch- Weser( Dem.) begrüßt die Ausschußanträge, die eine einheitliche Städteordnung, Gemeindeordnung und Bermaltungsgerichtsbarkeit und die Einführung der Reichsangehörigkeit an Stelle der verschiedenen Staatsangehörigkeiten fordern. Leider habe sich die Boltspartei gegen die Aufhebung der Ländergefandtschaften ausgesprochen, wohl unter dem Einfluß ihres bayerischen Landesgruppenvorfihenden, des Generals v. Schoch, der auch verlangt hat, daß das Novemberverbrechen an den Fürften wieder gutgemacht wird".( hört, hört! lints.) Die Souveränität der einzelnen Länder führe zu einer unerträglichen Zersplitterung der Kulturverwaltungen. Der nächste Reichstag werde ein Programm für die Einrichtung des Einheitsstaates aufzustellen haben. Die Hoffnung auf eine Verständigung mit der Zentrumspartei in dieser Frage brauche noch nicht aufgegeben zu merden. Freiherr v. Kardorff habe zwar nur eine unitarisch beseelte Untätigkeit vertreten, aber mit der Volkspartei werde man doch in der Einheitsfrage zusammengehen fönnen. Bis mard habe die Schaffung des Deutschen Reiches nicht von dem einheitlichen Willen des Bolles abhängig gemacht. Der Einheitsstaat werde sich auch noch so durchseßen lassen, daß man notfalls über rüd ständige Minderheiten im Wege der Gesetzgebung hinweggeht. Wenn die Gegner der Republit mit ihren Beschimpfungen der jetzigen Reichsfarben aufhören, dann werden sie sich auch nicht mehr über mangelnde Achtung vor den früheren Farben zu beflagen haben. Ganz unverantwortlich sei es, wenn Abg. Berndt fich für die Berufung deutschnationaler Beamten durch deutschnationale Minister einfeßt. Die bedenklichste und gefährlichste Erscheinung sei die Abberufung des tüchtigen Staatssekretärs Brecht gewesen. Die Folge sei, daß in den vorher von Brecht bearbeiteten Fragen, vor allem in der Aus= gestaltung des Beamtenrechts, nicht der geringste Fortschritt gemacht morden sei. Die Wahlrechtsreform fei notwendig, und die Splitterparteien feien eine Gefahr für die parlamentarische Entwid lung. Die Ausführungen des Ministers Dr. Stresemann über die 34 starte Gesellschaftlich teit seien ganz berechtigt. Bom Reichstag aus müsse einmal gegen den Unfug Stellung genommen merden, daß jede Bereinigung, die von Reichstag oder Regierung etmas will. dies in Form eines Bierabends fun zu müssen glaubt. Zu verurteilen sei das unerhörte Borgehen der Mussolini- Regierung gegen die deutschen Südtiroler.( Beifall.) Keudell spricht.. ., er will sich nicht entschuldigen! Reichsinnenminister v. Kendell erinnert an die Bestrebungen, die Reichseinhat unter freudiger Mitarbeit der Länder zu fördern. Die Reichsregierung lehnt in dieser Frage jede Lösung ab, die eine Bergemaltigung einzelner Teile unseres Baterlandes bedeutet. 2 uch gefegliche Lösungen fönnen eine solche Bergewalti gung bedeuten. Wenn ich von Souveränität" der Länder sprach, so muß mir wohl die Freiheit gelaffen werden, dieses Wort für die Gigenstaatlichkeit anzuwenden, die wohl die Mehrheit des Hauses den Bändern loffen will. Die Reichsregierung mußte bei der Erörterung dieser Frage eine gewisse Zurückhaltung beobachten. Durch Judiskretion steht ja alles, was im Reichsfabinett befchloffen worden ist, am nächsten Tag ohnehin in der Zeitung. ( Hört, hört!) Es wird wohl babei bleiben, daß in der Beurteilung dieser Borgänge zwischen dem Abg. Sollmann und mir tiefgehende Meinungs verschiedenheiten bestehen.( hört, hört!) Daß Staatsjefretär Brecht wegen seiner republikanischen Gesinnung aus dem Amt entfernt worden sei, ist eine absolut unzutreffende Behauptung, die dadurch nicht wahr wird, daß sie von prominenter Stelle außerhalb dieses Hauses von Zeit zu Zeit wiederholt wird.( Beifall rechts.) Angriffe der oppositionellen Bresse nötigen mich, einige Ausführun gen über den angeblich von mir beabsichtigten deutschnationalen Beamtenjchub " zu machen. Ich bin schon seit dem vergangenen Sommer bemüht gewesen, auf die Besegung wichtiger Referate den Grundjag der Borriegszeit anzuwenden, daß fie nämlich nicht von Regierungsräten, sondern von Ministerialräten oder Oberregierungsräten geleitet werden. Darum habe ich mich bemüht, solche Aufrüdungsmöglichkeiten zu schaffen. Das Berliner Tageblatt" hat daraus den Schluß gezogen, ich hätte die Absicht, noch kurz vor Toresschluß einen deutschnationalen Beamtenschub vorzunehmen. Es hat unter Nennung der Namen und der Partei= zugehörigkeit der einzelnen Beamten diese Sache erörtert. Eine derartige Methode versündigt sich am Geist des Berufsbeamtentums.( Beifall rechts.) Da wird behauptet, ich hätte einem verdienten Ministerialdirigenten nahegelegt, fich pensionieren zu lassen. Tatsächlich habe ich ihn bitten laffen, fein Pensionierungsgesuch noch hinauszuschieben".( Hört, hört!) Dann soll ich mit einem deutschnationalen Landtagsabgeordneten wegen der Uebernahme eines Ministerialdirektorpostens verhandelt haben. Kein Wort davon ist wahr!( Hört, hört! rechts.) Die Stelle für die Vertretung der ostpreußischen Belange ist nicht von mir, sondern an höherer Stelle von den Selbstverwaltungsförpern Ostpreußens angeregt worden. Daß dafür ein aktiver deutschnationaler Landrat vorgeschlagen wurde, habe ich selbst erst aus der Zeitung erfahren. Für mich ist die Parteistellung nebenfächlich.( Lachen und Zurufe bei den Sozialdemokraten.) Daß Ihnen das komisch erscheint, ist mir verständlich.( Beifall rechts.) Ich sehe es als verfaffungswidrig an, wenn etwa einzelne Minister nach der Parteizugehörigkeit ihrer Beamten forschen. Bei der Beurteilung der Eignung für höhere Bosten ist für mich auch entscheidend, inwieweit der Beamte es verfteht, Bindungen seiner eigenen Welt und Parteianschauung im Intereffe höherer Gesichtspunkte auch einmal zu verleugnen. Das Scheitern des Schulgeleges fei von der Vertrening der evangelischen Kirche tief bedauert worden. Den Freunden dieser Borlage merbe es eine Genugtung sein, die weitere Arbeit für dieses Gesez ohne Rüc fichtnahme auf Regierungstoalitionen fortzuführen. fünftig die Regierungsverantwortung trage, er werde nie vorbeigehen können an den lebendigen fulturellen Kräften des christlichen Bolkes.( Lebhafter Beifall rechts.) Wer auch Nach einer einstündigen Rede des Abg. Rofenbaum( Romm.), bei der sich 6 Kommunisten und 9 Abgeordnete der anderen Parteien im Saale befinden, wird die Weiterberatung auf Sonnabend 13 Uhr vertagt. Auf der Tagesordnung steht weiter das Notprogramm zur Rentenbank- Kreditanstalt. Landbund Geschäfte. Zum Zusammenbruch der Genossenschaft Oberbarnim. Die sozialdemokratische Fraktion des Landtags hat folgende Große Anfrage eingebracht: Die Landbund Genossenschaft des Kreises Oberbarnim ist zusammengebrochen. Große Verluste der Genossen sind die Folgen. Hiervon werden besonders die kleinen und mittleren Landwirte betroffen, die sich nach einem Generalversammlungsbeschluß der Genossenschaft verpflichtet fühlten, ihre Anteile von 2,50 M. auf 5 M. pro Morgen zu erhöhen. Zahlreiche größere Grundbesizer und Landbundgrößen, darunter einige Borstands- und Aufsichtsratsmitglieder der Genossenschaft, sollen nur einige wenige Anteile erworben haben. Sie haften daher auch nur mit einem geringen Anteil. Die kleineren, minderbemittelten Genossen müssen nunmehr die Haftung übernehmen, während die größeren Landwirte in erster Linie den Borteil der Genossenschaft einheimsen. Es wird weiter behauptet, daß die Genossenschaft ihren Genoffen Bucherzinsen berechnet haben soll. So sollen z. B. für die Zeit von April bis Mitte September 1924 60 Proz., für die zweite Hälfte 1924 48 Proz. Zinsen berechnet worden sein. Im Jahre 1927 sollen 12 Broz. und eine monatliche Provision von ¼ Broz, also insgesamt 15 Broz, berechnet worden sein. Ferner sollen einzelne Mitglieder des Borstandes Privatgeschäfte zum Schaden der Genossenschaft gemacht haben. Es ist wohl mit Bestimmtheit anzunehmen, daß der LandbundGenossenschaft Oberbarnim durch die Preußische 3entral genossenschaftstasse erhebliche staatliche Kredite zugeflossen find. Wir fragen daher: Ist die Staatsregierung bereit, eine Nachprüfung der Geschäftsführung der Bandbund- Genossenschaft Oberbarnim vorzunehmen und, soweit es möglich ist, die kleineren und mittleren Landwirte als Genossenschaftsmitglieder vor der zweifellos bestehen. den schweren Schädigung durch die Landbundgrößen zu schüßen? Nürnberg ruft zum Dürerjahr! ( 11. April bis Ende September1928) Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik find Berlin SB 68, Eindeustraße 3, für Groß- Berlin ftets au bas Bezirksjefretariat 2. Sot, 2 Trep. rechts, zu richten. Freidenfer, Parteigenossen! Wir machen es allen Parteimitgliedern, soweit fie Mitglieder des Verbandes für Freidenfertum und Feuerbestattung find, zur Pflicht, am Sonntag, dem 25. März, 9 bis 16 Uhr, bei den ihr Wahlrecht auszuüben. Urwahlen Achtung! Die Genoffinnen und Genoffen des Bezirks Kreuzberg treffen sich zu einer Filmaufnahme für den Pressefilm der Partei vollzählig am Sonntag, dem 25. März, vormittags pünktlich 11 Uhr vor dem Gewerkschaftshaus, Engelufer 24/25. Alltagskleidung. Frauen und Kinder erwünscht. ** wwww 5. Kreis Friedrichshain. Heute, Sonnabend, 24. März, 20 Uhr, veranstaltet das Tambourtorps des Reichsbanners Friedrichshain einen Bösen- Buben Ball in der Alten Taverne", Stralau. Eintrittspreis 1 M. Die Ge- 1 nofsinnen und Genossen werden hiermit bazu herzlichst eingeladen. Für einen gemütlichen Abend ist Borsorge getroffen. 7. Kreis Charlottenburg und Spanbau. Juristische Sprechstunde heute, Conn. abenb, von 17-18 Uhr, im Jugendheim Rosinenstr. 4. Gelegenheit zum Kirchenaustritt. 7. Kreis Charlottenburg. Alle Genossen beteiligen fidh Sonntag, 24. März, ab 8% Uhr ,. in den Abteilungen an den Wahlarbeiten. 19. Kreis Pantom. Montag, 26. März, 19% Uhr, im Türkischen Zelt, Bankow, Breite Str. 14, Kreisbelegiertenversammlung. Die Dele gierten zum Bezirksparteitag müssen ebenfalls erscheinen. Heute Sonnabend, 24. März: 13. Abt. Die Bezirksführer, welche bie Flugblätter noch nicht abgeholt haben, müssen diese unbedingt heute von Joseph, Spedition Wilhelmshavener Straße, bestimmt abholen. 31. Abt. Freibenterwahlen. Seute 17 Uhr Zusammenkunft der Funktionäre bei Goldschmidt, Stolpische Str. 36. Beteiligung fämtlicher Parteimitglie der an den Wahlarbeiten morgen, Sonntag, von 9 bis 16 Uhr, dringend erwünscht. 40. Abt. Soweit es noch nicht geschehen, werden die Bezirksführer ersucht, die Flugblätter für die Freibenterwahl umgehend von Reufner abzuholen und zu verbreiten. 42. Abt. Die Genossen treffen sich heute ab 16 Uhr zur Flugblattverbreitung bei Biersdorff, Urbanstr. 6. 79. Abt. Schöneberg. Alle Genossinnen und Genossen treffen fich bei Groß, Gedanstr. 17, ab 18 Uhr zur Flugblattverbreitung. Ebenfalls tommen am Gonntag, 25. März, von 9 Uhr ab alle Mitglieder zur Wahlarbeit für die Freidenter bei Groß, Sedanstr. 17, zusammen. Erscheinen aller ist Pflicht. 83. Abt. Lichterfelbe. Alle Bezirksführer rechnen von 18 Uhr ab mit dem Abteilungstaffierer bei dem Genossen Quandt, Hindenburgdamm Ede Moltkestraße, bestimmt ab. 97. Abt. Reutölln. Die Bezirkskaffierer werden dringend gebeten, bestimmt bis Dienstag, 27. März, beim Abteilungstaffierer abzurechnen. Morgen, Sonntag, 25. März: 8. Abt. Alle Bezirksführer treffen sich zur Wahlhilfe bestimmt um 13 Uhr bei Scheffler, Bülowstr. 57. 9. Abt. Alle Mitglieder beteiligen sich von 9-15 Uhr an den Wahlen für die Freidenter. Wahllokale für Gruppe III: Hübner, Wilsnader Str. 34. Gruppe IV: Lindner, Lehrter Str. 44. Es beteiligen fich alle Genoffinnen und Genossen als Wahlhilfe in obigen Lokalen. 14. Abt. Sämtliche Genoffen treffen sich zur Wahlhilfe um 84 Uhr bei Gottschalt, Butbuffer Str. 24. Erscheinen unbedingt erforderlich. 15. Abt. 17 Uhr in Büttners Festfälen, Schwedter Str. 23, Früh lingsfeft, verbunden mit Unterhaltung und Tanz. Gäfte willlommen. Anfang 17 Uhr. 16. Abt. Alle Genossen treffen sich um 8% Uhr bei Garus, Boltastraße, zur Wahlarbeit. 24. Abt. Treffpunkt fämtlicher Mitglieder zur Wahlarbeit für die Freidenker: 1. Gruppe: Rösner, Smmanueltirchstr. 25. Gruppe la und 2. Gruppe: Ulmer, Bins Ede Christburger Straße. 3. Gruppe: Schula, Carmen Sylva- Str. 51. Es ist Pflicht aller Mitglieder, fich restlos zu beteiligen. 35. Abt. Ab 9 Uhr beteiligen fich alle Mitglieder an der Wahlarbeit in folgenden Lokalen: Bortowi, Schreinerstr. 32; Otto, Rigaer Str. 85. 43. Abt. Alle Mitglieder beteiligen sich an der Wahlarbeit ab 8% Uhr in ihren Zahlabendlokalen. Die Bezirksführer treffen sich um 8 Uhr bei Schüttler, Graefeftr. 3. Die Sammellisten find mitzubringen. 45. Abt. Ab 9 Uhr beteiligen fich an der Wahlarbeit alle Mitglieder bei Bienziers, Reichenberger Str. 104, 53. Abt. Charlottenburg. Ab 9 Uhr bei Lup, Suttenftr. 26, treffen fich alle Genossen uzr wichtigen Wahlarbeit. Einige Radfahrer find erwünscht. Bünktlich 10 Uhr treffen sich alle Beamtengenoffen im gleichen Lokal 1 einer Beamten propaganda. Zahlreiche Beteilgung erwartet die Ab. teilungsleitung. 68. Abt. Halensee. Ab 9 Uhr treffen sich die Genoffen bei Sandmann, West fälische Str. 42, zur Wahlarbeit für die Freidenker. 73. Abt. Schmargendorf. Die Genoffen treffen sich zur Hausagitation um 10 Uhr bei Rummler, Davofer Str. 13a. 77. Abt. Schöneberg. Alle Mitglieder, die Freidenkermitglieder find, gehen rechtzeitig zur Wahl und beteiligen fich restlos an der Bahlarbeit. 85. Abt. Tempelhof. 8% Uhr treffen sich alle Mitglieder zur Wahlarbeit für die Freidenter bei Niendorf, Mariendorf, Chauffeestr. 19. 93. und 96. Abt. Reukölln. 28. Gruppe: Das Bentralwahlbureau zu den Freidenkerwahlen befindet sich bei Burbs, Ranner Str. 1. 103. Abt. Oberschöneweibe. 19% Uhr Gründung einer Kinderfreundegruppe. Anschließend Lichtbilder. Bortrag: Was wollen die Rinderfreunde?" " portrag: Beter Stoll." Alle Genoffinnen und Genossen find herzlich ein gelaben. Jm Jugendheim Laufener Str. 2. 106. Abt. Johannisthal. Die Mitglieder beteiligen fich restlos an den Freibenterwahlen bei Schreiner, Friedrichstr. 6. Außerdem beteiligen fich die Genoffinnen und Genossen an der Wahlarbeit. 119. Abt. Lichtenberg. Alle Genoffen treffen sich um 9 Uhr bei Bark( früher Mene), Möllendorf Ede Rittergutstraße, zur Wahlarbeit für die Freidenker. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt: 9. Kreis Bilmersdorf. Montag, 26. März, 20 Uhr pünktlich, bei Aroig, Holsteinische Str. 60, Ede Gasteiner Straße), Vortrags und Aussprache abend über: Aufgaben der Erholungsfürforge." Referent Genoffe Dr. med. Norbert Marg. Alle Genoffinnen und Genossen find herzlich eingeladen. Jungjozialisten: Die Anträge zur Generalversammlung finb bis zum 2. April einzusenden. Die Berichtsbogen sind noch nicht von allen Gruppen eingesandt. Die Gruppenleiter sorgen für fofortige Erledigung. Die Schriftenreihe muß bis 31. März mit dem Genoffen Curt Bath, R, Antwerpener Str. 46, abgerechnet werben. Arbeitsgemeinschaft Bottliger: Sonnabend, 24. März, 17 Uhr, Fortsegung der Arbeitsgemeinschaft im Lebigenheim Schönstedtstr. 1. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde: Rreis Mitte. Am Montag, 26. März, fällt die Selferßigung aus, dafür Sigung der Gruppenletter 20 Uhr im Seim Behbenider Str. 25. Gruppe Craft Soller: Sonntag, 25. März, 15 Uhr, Luftiger Rachmittag im Heim Tied ftraße 18. Die Jungen und Mädel der 5. Abt,( SPD.) find herzlichst ein geladen. Gruppe Pappelplag: Sonntag, 25. März, Fahrt nach Heiligenfee. Treffen 8 Uhr Tappelplas. Trinkbecher, Berpflegung, Liederbücher und 40 Pf. mitbringen. Teilnehmer über 14 Sahre 80 Bf. mitbringen. Kreis Tiergarten. Gruppe August Bebel: Dienstag, 27. März, 15-19 Uhr, im Seim Waldenserstraße Mitgliederversammlung. Anschließend Entlassungs feier. Rülengruppe: Mittwoch, 28. März, 17-19 Uhr, im Heim Waldenser. ftraße Singeabend. Donnerstag, 29. Mära, 20% Uhr, Selfersigung im Kreis Kreuzberg. Jugendheim Nordstr. 11. Kreis Webbing. Donnerstag, 29. März, 20 Uhr, im Lebigenheim Brunnen. plak Arbeitsgemeinschaft aller Helfer über Hohnstein. Gruppe Leopoldplat Lichtbildern. betting, 29. März, 18 Uhr, im Lebigenheim Brunnenplaz Bunter Sordenführern im Seim Rosinenfit. 4. Kreis Charlottenburg. Montag, 26. März, 18 Uhr, Selfersigung mit den Areis Bankow. Gruppe Rieberschönhausen: Abt. Lachende Jugend" Montag, 26. März, Spielen und Gingen. Abt.„ Glud auf" Montag, 28. März, Gefellschaftsspiele. Donnerstag, 29. März, gemeinfames Basteln. anstaltungen finden in der Gemeinfchaftsschule in der Bismardir. 11 statt. Die Ber Gruppe Pankow: Montag, 26. März, Holzarbeitsabend im Jugendheim. Dienstag, 27. März, Gruppe der Behn bis Elfjährigen Bollstänge. Donners tag, 29. März, gemeinsames Basteln aller Gruppen. Gonnabenb, 31. März, Gruppe der Sechs bis Neunfährigen Spiele in Heim, Gruppe der Swölf bis Bierzehnjährigen: Luftiges Monatsende, Einzigartige Ausstellung der Originalwerke Dürers ( 1471-1528), eines der größten Künstler aller Zelten, deutsche Kunstausstellungen, historische AusstelJungen, Theaterfestspiele, Hans- Sachs- Splele, volkstümliche Veranstaltungen aus dem Mittelalter, Burgbeleuchtung, Serenaden usw. Auskunft durch den Fremdenverkehrsverein, Hauptbahnhof, Mittelhalle. Gonnabend 24. März 492S Unterhaltung unö ÄNissen Beilage des Vorwärts Muffel auf dem Schlick. Don HanS£eip. An der Dithmarschener Küste lebten zwei Detter», die von Jugend auf einander ähnlich sahen und auch an Wildheit und(Sc- bürde und der Lebensauffassung keiner dem anderen nachstanden. Sie hießen beide Qeweko: Hann, der eine, als Erbe eines großen Hofse» wurde Landwirt, der andere, ohne Aussicht auf Grundbesitz, rni/chte zur Not das Abitur und begann in Kiel dies und das zu Edieren, als der Krieg ausbrach und er sich als Matrose meldete. In den langen Iahren zwischen U-Boot und Hafendienst gelangte er, bei allem Wagemut durch mancherlei Zügellosigkeiten den Bor- gesetzten unbequem, nicht weiter als bis zum Obermaaten, spielt« alsbald bei den llmswrzgeschichten eine Rolle, wurde fast, ob zur Gebühr oder nicht, von den eigenen Kameraden standrechtlich er» schössen und kam, abgekühlt und noch Ruh« verlangend, in seinem Heimatort wieder an. Dort hatte er, wie es menschlich ist, ein Mädchen sehr gern gehabt, die Tochter des Schulmeisters, sich aber n*>nig während des Feldzuges um sie bekümmert. Sein Vetter hin- gegen, fein Rivale auch in dieser Sache wie in manchen sonstigen Wettbewerben der einstigen Jugend, war schon länger wieder da- beim: sein Draufgängertum hatte ihn bei der Linie bis zum Osfizierspatent verholfen, so daß er mit Glück die einst Umstrittene für sich gewann, zumal über den anderen, der unzweifelhaft vor Iahren die besseren Aussichten hatte, allerhand der dunklen Kieler Gerücht« selbst bis an diesen weltverlorenen Strand drangen. Was Wirnder, daß keiner von dem„roten Kieler" recht etwas wisien > zollte. Selbst seine Eltern und Geschwister empfingen ihn voller Angst, daß nun bald dos Dorf von seinen Untaten erschüttert rnerden würde. Nur der alte Strandvogt vermeinte, den guten Kern unter der zerlumpten Marinebluse zu erkennen, indem er eine Ahnung verspürte von dem Heimweh und der enttäuschten Liebe dieses Menschen, welcher Empfindungen ein Vieh und Blut- schänder, schloß er, nicht sähig sein könne. Der Heimgekehrte, besten Neckname vordem Mustel gewesen war, weil er als ein vorzüg- ilcher Muschelfischer gegolten hott«, besann sich auf die See hinterm Deich, lieh sich ein Boot und eine Möwcnslinte bei eben diesem Bogt, und fuhr auf eine als unrentabel von der Domäne längst aufgegebene Schlickinsel, weit draußen im Watt, wo die Tiden seit Urzeit Land wcgschlürfen und Land anspeien, wie am zweiten Schöpsungstage. Dort hauste er in der während des Krieges ver- lassencn Schäferhütte, die auch kurz als Beobachtungsstation ge- dient hatte. Er schoß Seehunde und Wattoögel und begann mit den Fellen und Bälgen einen Tauschhandel nach Helgoland, das er fast alle vierzehn Tag«, Sommer und Winter, in seinem unmög- lichen und viegeflickten Boote aussuchte. Niemond störte ihn da- bei. Eine Anzahl Legenden bildeten sich über den anwachsenden Luxus seiner Haushaltung, jedoch auch über die lebensgfährlichen Maßnahmen, die er zur Verteidigung seiner Schlickfcstung ersonnen, indem er angetrieben« oder ausgefischte Minen in die Priel. zugänge rund um die Insel verankert haben sollte. Inzwischen fand die Hochzeit des Betters statt, der das Hoferbe angetreten hatte. Di« jung« Frau fand am Hochzeitsmorgen ein ausgesucht schönes Seehundsfell vor der Hausschwelle liegen. Ihr Mann, der dazukam, wie sie es in einer Truhe verbergen wollt«, meinte, Lunte wittern zu müssen und ließ nicht nach, in der Folgezeit auf Schritt und Tritt zu sticheln und zu argwöhnen, zumal die junge Frau angab, erst am Trautage selbst durch den Bogt erfahren zu haben, daß Mussel Leweko noch in der Gegend sei, sie es aber weder damals noch jetzt glauben könne. Die mißtrauischen Redens- arten ihres Gatten, die schließlich, obwohl gänzlich grundlos, und »oohl gerade deswegen in Grobheiten und sogar Handgreiflichkeiten ausarteten, weckten notgedrungen immer stärker die Erinnerung früherer, längst vergestener Zärtlichkeiten, die auf dem trüben Grunde dieser Ehe allmählich übergroß und oerlockend aufzublühen begannen. Inzwischen war der Behörde vielerlei Unliebsames zu Ohren gekommen über einen Schmuggel mit unverzolltem Rum zwischen Helgoland und der Dithmarschen Küste. Der alte Strandvogt, der hie Aufmerksamkeit der Amtsstellen nach der dänischen Grenze zu abzulenken gewußt hatte, starb um diese Zeit. Seinen Posten übernahm Hann Lewenko, und eine seiner ersten Dogthandlungen war, sich mit einer Anzahl Gendarmen, die ihm aus Schleswig zur Verfügung gestellt wurden— mit den ortszuständigen hatte er sich längst überwarfen und bezichtigte sie alle der Unfähigkeit— nach jener Schlickinsel einzuschiffen, die er als Schmugzlernest lange und laut schon in Verdacht gehabt hatte. Sie kamen auch unter Beobachtung aller Vorsicht durch den Ortspriel. Von einer Minen- sperre zeigte sich nicht die Spur, und der neue Strandvogt lachte verächtlich übsr das Gefalel der albernen Koogbauern, die über Nacht einen Seeteufel und Störtcbeckcr aus dem dummerhasten, weggelaufenen Mariner und Muschelschlucker gemacht hätten. Er prahlte, er werde den Käskerl sanft wie ein Milchlamm und ganz allein aus seiner Schlommbude Halen. Somit ließ er die Land- jäger, die sich in der grauen, naßkalten Nordsee-Einsamkest sowieso nicht zu Haus« fühlten, an der Vorsandgrenze im Boot zurück und stieg unbeglcitet, allerdings die Flinte hinterm Knast, in seinen Schaftstiefeln den mehrere Kilometer breiten, öden Quellengürtel hinan, der ungestaltet, seltsam und häßlich wie etwas eben Ge- boren« die flache Kupp« Sandes umgab, die hinter einem knie» hohen Dünensaum den Unterschlupf für den Gesuchten bot. Es war noch früh im Jahr, Vogelschwärme zogen sich wie schmale, eng. gestrickte Reusennetze durch die Diesigkeit des Tages. Er soll mir nicht entgehen! Denn er sah Rauch über der Bude auffteigen, sagte sich der Neuvogt. Aber er erstaunte, als er statt der morschen Schäferhütt«, oder vielmehr hinter den Resten dieser ein wenn auch niedriges, so doch sehr kräftig anmutendes Haus aus frischem Holze sah. Einer der GenJ>orme, der ihn durch das Glas vom Boote aus zu verfolgen vermocht«, bemerkt«, wie er die Flinte noch vorn schob und in dem Bauwerk verschwand. Nach einer Weile hörten sie von dort«inen Knall, der nichts anderes als«in Gewehrschuß sein tonnte, und dem bald ein zweit« folgte. In Elle machten sie sich nun auf. um üb« dos Vorland an die Hütte zu gelangen, ihre Fuße sanken ein, und es dou«t« ein« halbe Stund«, ehe sie den niedrigen Dünensand erreichten. Dort trat ihnen der Strandvogt entgegen und führte sie in das Haus, wo er im Vorraum auf ein Dutzend voller Rumfäst« wies. In der Stube, die mit oll« Be- haglichkeit eingerichtet war, log ein Mann erschossen auf dem Boden. Er war in Seehundsfell gekleidet, in der getrampsten Rechten ein noch neues Jagdgewehr, so. wie ihn Bauern und Fisch« auszu- Malen Pflegten..,...... s»_______. Wenn wir Holz verdauen könnten. Zellulosefressende Tiere.— Holzalkohol. Wie uns die Tiere in so vielen Dingen über sind, so auch manche von ihnen in der Fähigkeit, Stoffe zu verdauen, die unse- rem Organismus unzugänglich bleiben. Einer der in der organi- schen Natur häufigsten und damit auch billigsten Stoff«, das Holz, oder genauer ausgedrückt, dessen chemischer Hauptbestandtell, die Zellulose, ist nun für unseren Magen und Dann restlos un- verdaulich, schaltet also aus der Reihe der Nahrungsmittel völlig aus. Ganz anders liegt das bei gewisten Gruppen von Tieren, die mehr oder weniger imstande sind, erhebliche Bestandteile zum Aus- bau ihres Körpers lediglich aus der gründlichen Ausnutzung von Zellstoff(Zellulose) zu verwenden. Besonders die Wiederkäuer, aber auch die Pferde und andere reine Pflanzenfrester leben bekannllich zum großen Teil von Gras, Blättern und Stroh. Da diese Futtermittel vorwiegend aus Zellulose bestehen, da andererseits aber im Kot dieser Tiere Tier« sich weit weniger Zellswsf findet, als beim Fresten aufge- nommen wurde, so muß notwendigerweise dies« Differenz verdaut. d. h. dem Körper nutzbar gemocht worden sein. Das merkwürdige ist nun, daß trotzdem auch hier eigentlich keine Körpersäft« vor» Händen sind, die imstande wären, den reinen Zellstoff chemisch auf- zuschließen. Die betreffenden Tierarten haben sich vielmehr im Darm und Magen Hilfstruppen angesiedelt, die diese so schwierige Arbeit sreudig übernehmen. Es sind das bestimmte Bakterien(Spaltpilze), die im Unter- schied von ihren krankheitserregenden Gattungsgenosten, jetzt sehr willkommene Gäste im Körper sind. Der Biologe nennt das eine „Symbiose", ein freundschaftliches Zusammenleben, aus dem beide Teile besten Nutzen ziehen. Auch wir Menschen haben übrigens in unserem Darm eine artenreiche Bakterienflora, die uns zum Teil verdauen hilft: nur eben leider nicht auch Zellulose. Und ohne solche Darmflora könnte kein Tier leben! Man hat z. B. Küken im sterilisierten Brutofen erbrütet, in keim- frei gemachter Luft und mit sterilisiertem Futter auszuziehen ver- sucht, sie sind restlos verkümmert und eingegangen, eben. weil ihnen die zur Berdauung nötigen Spaltpilze im Körper fehlten. Neben den Wiederkäuern und ähnlichen Pflanzenfrestern gibt es aber auch noch Tiere, die nun gar überhaupt nur noch von reiner Zellulose leben, denen Holz der einzige und größte Lecker. bissen ist, und die dadurch dem Menschen unendlichen Schaden ver- Ursachen: Di« Termiten! Wir dürfen froh sein, daß sie in unserem allzu kalten Klima nur eine kümmerliche und Verhältnis» mäßig harmlose, entfernte Verwandte hinterlassen haben: die klein« rote Küchenschabe(„Schwabe", Blatts germanica), der sogar Gatt sei Dank die Fähigkeit abgegangen ist, Holz zu verdauen. Denn sonst könnt« es ja auch uns passieren, daß urplötzlich dos Haus über uns zusammenstürzt, nur, weil diese Bestien dessen Balken und Holzstützen hohlgefressen haben, wie so etwas in den Tropen alle Augenblick« geschieht. Sieht man sich aber die Termiten genauer an. so merkt man auch dort, daß sie selbst ebenfalls gar kein Holz verdauen können! Daß auch bei ihnen Bakterien und Pilze als Köche und Chemiker die Vorarbeit leisten müssen. Bei einem Teil der Termitenarten leben diese Hilfskräfte gleichfalls im D a r m. Bei einem anderen Teil jedoch werden die so lebensnotwendigen Pilz« in regelrechten gärtnerischen Kulturen gezüchtet. Bei der Oessnung eines eisenhonen Ter- miten-Betonbaues—- der übrigens oft 3 bis 4 Meter über und fast ebenso tief unter der Erde reicht— findet man in sauber ge- glätteten Höhlen kleine weißliche„Kehlköpschen", die nichts anderes sind, als Pllzkolonien auf zerkautem feuchten Holz. Gefressen wird dann nicht mehr das Holz direkt, sondern der„Zellulvsskohl", der auf diesem Dung gewachsen ist und der zu seiner Pflege genau soviel Arbeit in Wässerung und Bodenbestellung braucht, wie unsere Nutzpflanzen! Sehr ähnliche„Pilzgärten" haben u. a. auch die brasilianischen Blattschneider-Ameisen. Bei ihnen wächst der Pilzvasen aus eingesammelten, ausgeschnittenen Vaumblati- stücken, die ja gleichfalls zum größten Teil aus Holzstoff bestehen. Sollten wir nicht von diesen Tieren lernen können? Gewiß, wir können uns wahrscheinlich kaum auch ein« Darmflora von Batterien ansiedeln, die die Arbeit der Holz- Verdauung verrichteten. Obwohl auch dieser Weg nicht ganz aus- geschlossen erscheint, da wir ja etwas Aehnliches mit den I o g h u r t- pilzen vornehmen, die eine gesundheitlich wichtige Rolle im Darm spielen. Dennoch: Aussichtsreicher erscheint die systematische Zucht von Bakterienreinkulturen, ähnlich wie wir es ja seit langem mit einer anderen Spaltpilzart, der H e s e, im großen machen. Warum sollte es unmöglich sein, diese kleinen Pilzgärten der Termiten unter günstigsten Temperatur- und Feuchtigkeits- bedingungen genau so in Riesenbottichcn weiter zu züchten, wie es die dummen, armen, blinden Termiten tun? Man stelle sich nur einmal vor, welcher unendliche volkswirtschaftliche Nutzen entstände, wenn wir aus Sägespänen mittels einer derartigen „Gärung" nährfähigen Zucker erzeugen könnten! Denn Zucker wird das derart umgewandelt« Holz. Wenn vielleicht auch nicht gleich Zucker von der Süße und Reinheit unseres Rohr- und Rübenzuckers, ja selbst vielleicht«in Zucker, der als eigentliches Nahrungsmittel wegen irgmdeines üblen Beigeschmacks nicht ohne weiteres verwendet werden kann. Es wäre aber schon ein erheblicher Gewinn, wenn die Millionen von Zentnern Getreide und Kartoffeln für die mensch- liche Ernährung frei würden, die heute noch das Gärungsgewerb« zur Darstellung von Alkohol verbraucht. Wobei man nicht sagen soll, daß die ganze Alkoholgewinnung überflüssig wäre, wen» man die Erde„trockenlegte". Denn abgesehen davon, daß sich vor- läusig damit kaum alle Welt einverstanden erklären würde: Spiritus ist ja auch ein wichtiges Produkt für all« möglichen industriel- l« n und wissenschojtlichen Zwecke. Nun hat man allerdings auch jetzt schon Spiritus auf rein chemischem Wege aus Holz darzustellen gewußt, lind zwar nicht nur den giftigen Methylalkohol, dessen Ursprungs- Produkt(über den Holzteer) der Holzessig ist, sondern auch den echten Zlethylalkohol, aus dem unser Trintbranntwein besteht. Man verwandelt da durch Kochen mit verdünnter Schwefel- säur« unter Druck(und nachträgliches Neutralisieren) auch Holz in einen gärfähigen Zucker, der sonst übrigens ungenießbar ist. Aus diesem Zucker gewinnt man durch Vergärung und Destillation Alkohol. Aber, ee scheint denn doch, daß die Ausbeute oder der Geschmack soviel zu wünschen übrig lassen, daß sich diese Fobrikotions- art nur In ganz wenigen Gegenden und Betrieben einbürgern konnte. Sonst sind noch heute Getreide und Kartoffeln neben ein wenig Melasse die einzigen Grundstoffe für die Spiritussobrikation. Schon wenn es gelänge, dafür die auf dem oben vor- geschlagenen„biologischen Wege" erzeugten Gärzuckermengen als vollen Ersatz zur Verfügung zu stellen, wäre der Menschheit ein gewaltiger Dienst getan. Lernen wir also auch einmal von de» verachteten Termiten! Dr. Gg. Victor Mendel. Es ging nicht anders, er od« ich! sagte der Bogt: hier ging sein Schuh und Gott sei Dank vorbei in die Wand. Die Beamten gaben zu, daß die Sache unglimpflicher hätte ablaufen können. Der Bogt gab an, ein Protokoll schon aufgenommen zu haben. Im übrigen müsse man sich sputen, da die Witterung unbeständig sei. Man bedachte, was zu machen sei, vermied an der Lage des Toten Wesentliches.zu ändern, nahm ein Faß Rum als erstmaliges Zeug- nis mit und nachdem noch ein Wachtmeister flüchtig zu einem seiner Kameraden bemerkt hatte, der Erschossene und der Strandvogt sähen einander merkwürdig ähnlich und der Angeredet« ihn taktvoll daraufhin anstieß, es seien ja auch Vettern gewesen die beiden, fuhr man wieder von dannen. Der Strandvogt zeigte von da ab ein sonderbar verändertes Wesen, obschon die gerichtliche Untersuchung seinem energischen Vorgehen durchaus Billigung angedeihen ließ. Er war sanfter, namentlich gegen seine Frau, und beide machten oft einen seltsam heiteren Eindruck. Manche wollten allerdings seit der unseligen Tat eigentümliche Gedächniestörungen und eine veeänderte Rede- weise bei dem Strandvogt bemerkt haben. Dielleicht war ihm die Cache näher gegangen als man vorher hätte vermuten können. Immerhin schien ihm und namentlich auch der Frau, die ein Kind zu envarton begann, die Gegend nicht mehr zu gefallen. Sie v«- kauften den Hof und wanderten nach Kanada aus. Miek« Teer- sticken, als sie davon hört«, meint« einmal, die Bettern hätten im Tode ihre Personen ausgetauscht, od« vielmehr wohl nur ihre Kleiduhg, und den man dort auf der Insel begraben habe, dos sei Harm Leweko gewesen, und der„rote Kieler" habe Amt und Frau des Toten kraft seiner Aehnlichkeit einfach übernommen. Nun, sie redet oftmals solchen Unsin», den keiner für Ernst nimmt. Das allerdings fei wohl keine Lüge, daß Vogtens Gewehr erst an zweiter Stelle geschossen habe. Aber der es gegen die Wand ab- drückte, da» fei wohl Mussel selber gewesen. Tropfsteinhöhlen. Zu der Auffindung einer großen Tropfsteinhöhle bei Plauen wird uns geschrieben: Die Natur ist die großartigste Baumeisterin, denn sie hat Dome geschaffen, wie sie Menschenhände nicht erbauen können. Diese natürlichen Dome zeichnen sich durch eine Pracht d« Romantik ebenso aus, wie durch die ungeheure Masse, durch die sie all« Bauwerke von Menschenhand bei weitem übertreffen. Wissenschaftlich betrachtet bestehen die Tropfsteinhöhlen aus Kalkspat, Höhlenstein, ja sogar aus Halbedelsteinen, wie Malachit. Sie sind in vorgeschichtlicher Zeit im Laufe von Iahrhunderttausenden entstanden und bilden gewaltig« Bauten, die in wildromantischen Formen spitz» bogenartig wie gotisch« Riesengewölbe in die Höh« ragen, von riefen- hosten Tropfen verziert sind, die ein Gigant geschasfen zu haben scheint, oder von stolzen Säulen und orgclförmigcn Gebilden, daß der Eindruck einer Kirche übermächtig ist. Die Natur arbeitst mit verschwenderischen Größenverhältnissen und schafft eine Schönheit, gegen die alle menschlichen Bestrebungen klein und mochtlos sind. Gibt es doch derartig« natürliche Dome, die, wie z. B. die Dechen- höhle, ein« Höhe von 270 Meter haben, oder wie die berühmte Mammuthöhle in Kenwcki die ungeheure Länge von 2-40 Kilometer. Auch der deutsche Harz weist derartige Gebilde aus, die olle mehr als 200 Meter hoch sind. Zu den prächtigsten Tropfsteinhöhlen gehören die Baumannshöhlc. die Hermannshöhle und die Bielshöhle im Harzgebirgo, die schon genannte Dechenhöhle in Westfalen, die Sophienhöhle in der Frankischen Schwei; und vor allen Dingen die Adelsberger Höhle, die einen der berühmtesten Ausflugsorte der Welt bildet. Sie zerfallen meist in mehrere große Säle oder Kammern, von denen viele völlig di!» gotischen Baustil ausweisen. Man er- kennt daraus, wie organisch gewachsen diese Bauweise des Mittel- alters ist, da sie in der Natur bereits die großartigsten Vorbilder besitzt. Es ist verständlich, daß die vorgeschichtlichen Menschen, die noch kein« Häuser kannten, hier des österen Zuslucht gesucht und gesunden haben. Auf diese Weise bilden die Höhlen eine Fundgrube für di« Erforschung des frühesten Menschenlebens sowie des Tierlebens. Aus den hier aufgefundenen Knochcnresten kann man erkennen, wie die Menschen ausgesehen haben, die zu jener Zeit die Höhlengebiet« bevölkerten, und welche Tier« hier gehaust haben. So wurden in vielen Höhlen sogar noch Mammutknochen gefunden, forner Ucber- reste vom Rhinozeros und von richtigen Polortieren, wie z. B. den» Polarhasen. Auch der Höhlenbär und der Höhlenlöwe haben hier schon gehaust, gleicherweise wie das Renntier, und die Wissenschaft glaubt sogar aus der Lagerung der tierischen Knochen verschieden« Epochen unserer Erdgeschichte feststellen zu können, wie z. D. die Mammutzeit, die Renntierzcit u. a. Besonders belgische und fran- zösische Höhlen, wie die von Engis, La Madelalne, Eombarelles und le Mvustier sind überreich an Fundstücken aller Art gewesen, denn hier wurden sehr viele Werkzeuge aus der allen Steinzeit entdeckt. In den Höhlen der Dordogne, von Eombarelles und in einigen skandinavischen Grotten wurden sogar Bilder aufgefunden, die in Reimtierhorn od« Mammutelfenbein gezeichnet waren und Tiere darstellten. Das größte Auflehen«regten große Wandgemälde und Felsenskulpwren, die sich auf Wänden d« Höhlenwohnungen fanden und durch ihr« Darftellungen d« Ack«bau- und Iagdszencn sowie in Schiffstämpfen, Tierfiguren und Familienszenen einen Einblick in das Leben jener Zeit gewähren. In der Höhle beim Schwcizerblld im schweizerischen Kanton Schafshausen wurden sogar Ueberreste eine« Zw«g«noolres entdeckt, das in vorgeschichtlicher Zeit hier ge- lebt haben muß. Dies« Fund gehört zu den interessantesten wissen- schastlichen Forschungsergebnissen. Preußische Landespfandbriefanstalt Rörperschaft des öffentlichen Rechts Berlin B8, Mohrenstraße 7-8/ Fernsprecher: Zentrum 8033-37 Zeichnungs- Einladung Wir legen hiermit in der Zeit vom 26. März bis 14. April 1928 zur Zeichnung auf: reichsmündelsichere GM 300 000.- 8%% Goldmt.- Kommunal- Oblicat., Reihe XII 3um Borzugskurse von 95% Die Lombarbfähigkeit bei der Reichsbant in Alaffe A und die Einführung an der Berliner Börse ist beantragt. GM 3000 100.- 8% Goldmi.- Blandbriefe, Reihe XI zum Borzugsturie von 97% Die 8% Pfandbriefe werden an der Berliner Börse bereits notiert( legter Börsenkurs 98%) und find reichsbanklombardiähig. GM 2000000.- 7% Goldmt.- Pfandbriefe, Reihe X zum Borzugsfurie von 9234% Die 7% Pfandbriefe werden an der Berliner Börse bereits notiert( logter Börsenkurs 932%), bie 8ulaffung zum Lombardverkehr bei der Reichsbank wird alsbald beantragt. Reihe XI und XII mit am 2 Januar und 1. Juli fälligen 8insscheinen. Reihe X mit am 1. April und 1 Otober fälligen Rinsscheinen. Gesamtkündigung sämtlicher Reihen bis 1933 ausgeschlossen. Stücke zu GM 100.-, 200.-, 500.-, 1000.- und 5000.Beichnungen nehmen alle Banten. Bantiers, Spar- und Girofaffen und die Anstalt direkt entgegen. Ausführliche Prospekte und Zeichnungsscheine sind bei diesen Stellen erhä tlich. Höhe der Zuteilung und früherer Zeichnungsschluß bleibt vorbehalten. Aussergewöhnlich billig! Mantel aus Shetland, ganz gefüttert auf kunstseiden.Schotten, m. gross. Bubischleife, aparte Rückenpartie 3750 Damen- Hut 790 aus exotischem Strohgeflecht, grosse Formenauswahl.. 100 EnsembleKleid Veloutine, lose Weste, mit reicher Stickerei 69⁰⁰ Theater, Lichtspiele usw. Sonnab.. 24.3.25 Staats- Oper Am Pl.d.Republ. 7 Uhr Sonnab., 24.3.28 Städtische Oper Bismarckstr. Geschl. Vorstellang. 71 Uhr Lohengrin Tosca Staatl. Schauspielh. Staatl. Schillerth. 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Deutscher Metallarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß uniere Kollegin Marie Schulz geb, Münster am 21. März gestorben ist. Die Einä cherung findet Montag. den 26. März, 122 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg, Riefholzstraße, statt. Am 18. März starb unser Kollege, der Schlosser Alfred Fischer Die Beerdigung findet am Montag, dem 26. März, 15 Uhr, von der Leichenhalle des 2. Schöneberger Städtischen Kirchhofes in Schöneberg, An der Enthite, aus statt Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Heute früh entschlief fanft im 67 Lebensjahre mein lieber Mann, unser guter Bater, Großvater, Bruder, Fees Schwager und Ontel Danksagung. Für die zahlreichen Beweise der Anteilnahme beim Hin cheiden meines lieben, guten Mannes, desLagerhalters Paul Schmidt sage ich allen Kollegen und Freunden sowie dem Vorstand der Kon umGenossenschaft Berlin und den Verretern der anwesenden Vereine und August Pohl Bln Charlottenburg, 22. März 1928 Potsdamer Str. 3. Die trauernden Hinterbliebenen. De Einä cherung findet Montag, 26. März, 1 Uhr, im Krematorium Wilmersdorf statt. Me der Partei me nen tieige ühlten Dat Eisu-- Beifen, Beren. Frau Marie Schmidt, geb Steuer, Mi tenwalder Straße 43 Jude Fran müß ng wiffen! Jndn dass ein Doppelpaket Persil 5 billiger ist als 2 Einzelpakete. Persill Henkel Fersi Henke bersen, Stahlmatratzen, gusti an Priv. Kat. fr. disenmöbelaar. Sun( Taur). Der Inhalt des Doppelpaketes reicht für 5-6 Eimer 50-60 Lifer Wasser 10 PE SPARKASSE Handkreises OSNABRUCK 100 MARK Quittangs-, Rabattu. Reklamemarken gegen Nachahmung gesetzl. gesch. fertigt seit 45 Jahr, als Spezialität Conrad Müller Leipzig- Scakeuditz KLEINE ANZEIGEN in der Gesamtauflage des Vorworts sind besonders wirksas und trotzdem schr billig!