BERLIN Sonnabend, 24. März Der Abend Erfcheint täglich außer Sonntags. Sugleich Abendausgabe des„ Vorwärts". Bezugspreis für beide Ausgaben 70 Pf. pro Woche, 3 M. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW68, Lindenstr. 3 Spalausgabe des„ Vorwärts 10 Pf. Nr. 144 B 22 45. Jahrgang. 66 Anzeigenpreis: Die einsvaltige Nonpareillezeile 80 Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Poftfcheckkonto: Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Ein neuer Waffenschmuggel! Wieder aus Italien. Und wieder aus Horthy- Ungarn. im Graz, 23. März. Vor zwei Tagen wurden auf der Station Maria Theresiopel 22 Waggons, die aus Italien kamen und für Rumänien bestimmt sind, angehalten. Schon einige Tage vorher haben 12 Waggons aus Italien, die ebenfalls für Rumänien bestimmt waren, Maria Thereñispel passiert. Es wurde jest festgestellt, daß diese Wagen Explosivstoffe enthalten. Die Wagen wurden auf ein totes Gleis gebracht und werden von Militär bewacht. Eine besondere Militärtommission führt die Untersuchung in dieser Angelegenheit. Diese zwei Riefentransporte von Sprengstoffen gánzen 34 Waggons! fönnten einen legalen Waffenund Munitionshandel darstellen: denn im allgemeinen fann ja jeder Staat soviel Geschüße und Munition produzieren und exportieren, wie er will. So brauchte der Transport völkerrechtlich feinen Anstoß erregen. Diese Waggons aber sind mit politischem Sprengstoff gefüllt: Stellen sie doch eine Munitionsdurchfuhr durch Südslawien dar; sie kommen von seinem feindlichen Nachbar im Westen, Don Italien, und sollten, angeblich, nach Rumänien seinem Nachbarstaat im Osten, der mit ihm zwar in der Kleinen Entente verbunden ist, dessen Außenminister jedoch fürzlich mit Mussolini in Rom angebändelt hat. Das gäbe aber der südslawischen Regierung an sich keinen Grund, den Munitionstransport anzuhalten, durch Militär bewachen und durch eine besondere Militärfommission Untersuchungen vornehmen zu lassen. Der Grund hierfür liegt offenbar darin, dak Maria Theresiopel dicht an der ungarischen Grenze liegt. Von dieser südslawischen Grenzstadt führen zwar drei Bahnlinien nach Ungarn, aber feine Bahnverbindung führt direkt nach Rumänien. Die einzige Berbindung von Maria Therefiopel nach Rumänien führt über die Theißbrücke bei Szegedin, über ungarisches Gebiet. Daher lag für die südslawische Regierung der Ber dacht wirklich nicht fern, daß der Transport von Sprengstoffen nicht für Rumänien, sondern für Horthy- Ungarn bestimmt ist. Und für Ungarn ist die Einfuhr von Waffen und Munition bekanntlich verboten. Die 34 Waggons Sprengstoffe auf dem toten Gleis an der südslawisch- ungarischen Grenze erinnern allzusehr an den St. Gotthard- Zwischenfall an der österreichisch- ungarischen Grenze, am Neujahrstage. Dort rollten 10 Waggons Maschinengewehre, ebenfalls aus Italien, hinein nach Ungarn. Auf den Begleitpapieren stand damals Bolen als Ziel diesmal ist es Rumänien, das als Empfänger herhalten muß. In beiden Fällen ist zugestandenermaßen Italien der Absender; in beiden Fällen ist Horthy- Ungarn der Empfänger. Noch nicht vier Monate sind seit der Aufdeckung des Waffenschmuggels in St. Gotthard vergangen. Der Faschismus befizt die Frechheit, trotzdem von neuem Munition nach Ungarn zu liefern. Aber er riskiert dabei ja nichts: Für Italien ist die Waffenausfuhr ja nicht verboten; schlimmstenfalls muß Ungarn eine neue Bölkerbundsuntersuchung über sich ergehen lassen. Und daß die nicht schlimm ausfällt, dafür zu sorgen, traut fich Italien zu; die stille Beihilfe all der Mächte, die mit Munitionsausfuhr Geschäfte machen, ist ihnen dabei sicher. Der Völkerbund ist zwar zuständig: daß er aber möglichst nicht in Aktion tritt, dafür werden die Regierungen schon sorgen! Brasilien scheidet aus dem Bölferbunde endgültig aus- das ist der Sinn der Antwort der brasilianischen Regierung auf die Einladung des Bölkerbundsrates:„ Brasilien werde trotz seiner Abwesenheit in Genf fortfahren, wirksam am Bölferbund mitzuarbeiten. Berständigung im Einzelhandel Weber Gehälter und Arbeitszeit. Wie uns vom Zentralverband der Angestellten mitgeteilt wird, haben die Verhandlungen, die gestern zwischen den Tariforganisationen über den Neuabschluß des Gehaltstarifs sowie des Manteltarifs im Berliner Einzelhandel flattfanden, schließlich zu einer Einigung geführt. Die Mitglieder des Zentralverbandes der Angestellten nehmen zu dem Berhandlungsergebnis am tommenden Montag um 19.45 Uhr in den Musikerjälen Stellung. 26 Millionen Mark kostet Phöbus! Oberingenieur Goldstein berichtet. 190 ned Berichte auf der zweiten Seite. Zentrum DNY Deutsche Volks- Partei Die Blockbrüder:„ Stresemann hat recht. Je fürzer der Wahlkampf, desto besser!" Die Großfeuer der letzten Nacht. Der Riefenbrand in der Holzmarktstraße.- Ungeheurer Sachschaden. In den gestrigen Nachtsfunden wurde Berlin, wie wir bereits in der Morgenausgabe berichteten, von zwei Riefenbränden heimgesucht. Die Feuerwehr mußte fast jäm fliche zur Verfügung stehenden Löschzüge aufbieten, um in stundenlanger, mühevoller Arbeit des Feuers Herr zu werden. Das erste Großfeuer brach in den Räumen der Stick- und Nähfeidenfabrik der Salomon A- G. in der Niederwallstraße 31 Das Feuer am Spittelmarkt. Dachstuhl und 3. Stock sind vollständig ausgebrannt. aus. Das dritte und vierte Stockwerk mit den Lagerräumen, der Betriebsbruckerei und der Kantine wurden ein Raub der Flammen. Der Feuer- und Wasserschaden ist sehr groß und geht, da wertvolle Stidereien vernichtet wurden, in die Hunderttausende. Die Behren waren bis in die Morgen funden on der Brandstätte tätig. Während die Löscharbeiten in der Niederwallstraße noch im Gange waren, traf ein neuer, zuerst unbedeutend scheinender Feueralarm aus der Holzmarktstraße 53 ein, wo in der Tischlerei der Pianofabrit von Drohmer, die ihre Fabrikationsräume im dritten, vierten und fünften Stockwerf des linken Seitenflügels auf dem zweiten Hof hat, Feuer entstanden war. Dieses anfänglich harmlos aussehende Feuer sollte fich in furzer Zeit zu einem Großfeuer entwickeln. Die Löscharbeiten. Troß starten Wassergebens gelang es nicht, den Brandherd einzudämmen. Um 0.11 Uhr mußte der 3. Alarm, Großfeuer, um 1.12 Uhr 7., und wenige Minuten darauf 10. Alarm, das ist die höchste Alarmstufe, gegeben werden. Die Flammen hatten an den Holzmaterialien so reiche Nahrung gefunden, daß alle Löscharbeiten zunächst aussichtslos erschienen. Das Feuer griff über das Treppenhaus und durch die Exhaustorenschächte auf das vierte und fünfte Stod mert über, die beide ebenfalls in furzer Zeit in Flammen standen. Alles Augenmerk der Behren war jetzt darauf gerichtet, die angrenzenden Gebäude zu schützen. Sämtliche Dächer murden mit Feuerwehrkolonnen besetzt. Vom Hof und den Nachbargrundstüden wurden fünf mechanische Leitern in die Höhe gewunden und insgesamt 22 Schlauchleitungen in Tätigkeit gefeßt. Bon der Spreefeite aus beteiligte sich das zu Hilfe gerufene Feuerlöschboot II gleichfalls an den Löscharbeiten. Der heftige Oberwind trieb haushohe Flammengarben nach allen Seiten und ein heftiger Funfenregen praffelte von Zeit zu Zeit auf die Umgebung nieder. Dichte Rauchwolken hüllten die Brandstätte und anliegenden Straßen ein. Inmitten der Löschaftion stürzten die Deden des fünften und vierten Stockwertes ein. Durch die Hize bildeten sich auch im Mauermert starte Risse, so daß jeden Augenblic weitere Einstürze befürchtet werden mußten. Mehrmals mußten die Feuerwehrbeamten, da die Brandleitung das Leben der unter übermenschlichen Anstrengungen arbeitenden Feuerwehrleute nicht aufs Spiel setzen wollte, an den besonders gefährdeten Stellen zurückgezogen werden. Erst gegen 4 Uhr morgens wurde die Gewalt des Feuers gebrochen. Den erneuten Anstrengungen der Wehren war es gelungen, die angrenzenden Gebäude zu schützen; von der Pianofabrik war nichts weiter als ein brennender Trümmerhaufen übrig geblieben. Nun kam das Schwierigste: Die Ablöschungs- und Aufräumungsarbeiten! An einzelnen Stellen standen nur die Umfassungsmauern, alles andere, Decken, Maschinenanlagen usw., war in die Tiefe gestürzt. Auch die im zweiten und ersten Stockwerk gelegenen Betriebe haben überaus stark gelitten, so daß wahrscheinlich eine Betriebsunterbrechung eintritt. Heute vormittag waren noch immer drei Löschzüge auf der Brandstätte beschäftigt. Die Aufräumungsarbeiten Die Ent. werden noch den ganzen Tag über andauern. stehungsursa che fonnte bisher noch nicht ermittelt werden. Die Brände, die in der letzten Zeit die Feuerwehr start in An spruch nehmen, haben wieder Gerüchte von mutmaßlichen Brandftiftungen gezeitigt. Deshalb hat die Kriminalpolizei mit verstärkten Kräften überall sofort in die Untersuchung eingegriffen. Mit dem Branddezernat unter Leitung des Kriminalfommissars Bunge erschien in der vergangenen Nacht auch der Vizepräsident des Polizeipräst diums, Dr. Weiß, auf den Brandstätten in der Niederwallstraße 31 und in der Holzmarktstraße 53. An diesen beiden Stellen konnte die Ursache des Feuers noch nicht festgestellt werden, an feiner wurde aber irgendein Anhalt gefunden, der für eine Brandlegung spräche. Die Nachforschungen der Feuerwehr und des Branddezernats nach der Entstehungsursache der Brände find an beiden Stellen noch nicht abgeschlossen, haben aber bisher ein durchaus negatives Ergebnis gehabt. Die häufung der Brände hängt allem Anscheine nach mit der seit Wochen herrschenden ungewöhnlichen Trockenheit zusammen. Konflikt im Buchdruckgewerbe. Der Umfang der Bewilligungen. Bom Verein Berliner Buchdrucker und Schriftgießer wird uns zu der vom Verein Berliner Buchdruckereibesitzer veröffentlichten Erklärung mitgeteilt, daß die Anzahl der Firmen, die die Forderungen der Gehilfen unterschriftlich bewilligt haben, gegenwärtig 23 beträgt mit über 2100 unter den Tarifvertrag fallenden Beschäftigten. Dabei find nicht eingerechnet die Firmen, die sich wohl mündlich bereit erklärt haben die Forderung anzuerkennen, aber bisher noch nicht unterschrieben haben. Es befindet fich auch nicht darunter ein Zeitungsbetrieb( Rote Fahne"), von dem man ohne weiteres annehmen kann, daß er die Forderung gleichfalls bewilligt, über deffen Stellungnahme aber noch feine Mitteilung vorliegt. Zweifellos infolge der Ueberlastung des Telephons, die die Betriebsvertretung verhindert haben dürfte, die Mitteilung von der unterschriftlichen Anerkennung der Forderung ihrer gewerkschaftlichen Organisation rechtzeitig mitzuteilen. Falls es der Berein der Berliner Buchdruckereibesiher wünschen follte, find wir selbstverständlich bereit, die Namen der Firmen zu veröffentlichen, die die Forderungen bereits bewilligt haben, außer dem die Namen der Firmen, die sich mündlich dazu bereit erklärt haben, ferner die Namen der Firmen, die, fich bereit erflärt haben, über den Schiedsspruch hinaus wesentlich höhere Zuschläge zu bewilligen. Die Erklärung des Vereins Berliner Buchdruckereibefizer beweist nur, daß er über die Stellungnahme feiner Mitglieder entweder sehr schlecht unterrichtet ist oder aber den Versuch macht, die Deffentlichkeit und das Reichsarbeitsministerium zu täuschen. Die Gehilfen haben in allen Betrieben, wo die Forderung nicht unterschriftlich anerkannt worden ist, gekündigt und find entschlossen, den Kampf durchzuführen. Die Organisation ist aber auch jederzeit bereit, in neue Verhandlungen einzutreten, vorausgeseht natürlich, die Prinzipale veranlassen ihre Organisation, endlich den halsstarrigen Standpunkt aufzugeben. * Wie uns dazu vom Hauptvorstand des Buchdruckerverbandes mitgeteilt wird, liegen auch aus dem Reiche bereits Nachrichten über die Bewilligungen der Forderung vor. Nicht nur in den größeren Drudorten, in Leipzig, Chemnik usw., sondern auch in fleineren Provinzorten sind die Forderungen von einer erheblichen Anzahl von Firmen bewilligt wor den. Man kann annehmen, daß der Umfang der Bewilligungen in der Provinz etwa im selben Verhältnis steht wie in Berlin. Auch im Reiche sind die Kündigungen überall entsprechend den Be schlüssen der Organisationen durchgeführt worden. Die Unternehmer haben noch einige Tage 3eit, Einkehr zu halten. Nach Ablauf der Kündigungsfrist wird es zweifellos in ganz Deutsch land zur Stillegung der Buchdruckereibetriebe fommen, die die Forde rung der Gehilfen nicht bewilligt haben, wenn die Unternehmer sich nicht rechtzeitig an den Berhandlungstisch sehen. Landtagspräsident Bartels erkrankt. Der Präsident des Breußischen Landtags, Friedrich Bartels, ist an einer Grippe ertranft, zu ber fich eine Lungenentzündung gefellt hat. Wie wir hören, gibt das Befinden des Erkrankten, trotzdem er nicht fieberfrei ist, zu unmittelbaren Befürchtungen feinen Anlaß. Wir hoffen, daß Präsident Bartels die Krankheit bald übersteht, damit er seine Geschäfte wieder übernehmen kann. Flugzeugabsturz in Staafen. Ein Flugschüler getötet. 26 Millionen Reichsgeld verpulvert bruter Die Verantwortlichen sollen Ersatz leisten! Im Haushaltsausschuß des Reichstages wurde heute ein ge, find etatsmäßig angewiesene Mittel; fie der Kontrolle der druckter Bericht des Unterausschusses verteilt, der zur Nachprüfung Haushaltsabteilung des Reichswehrministeriums zu entziehen und damit eine geordnete Rechnungslegung und Rechnungsder Lohmann Affären eingefeßt war. prüfung unmöglich zu machen, war unzulässig, wenn auch für die Beit der Ruhrbesehung erklärlich. Aus diesem Bericht ergibt sich, daß dem sogenannten Lohmann Fonds ursprünglich rund 10 Millionen Mark aus dem Ruhrfonds, rund 1 Million aus dem Kriegsgefangenentransportfonds und 152 000 M. aus dem Erlös für drei Prisenschiffe zur Verfügung standen. Dazu sind ihm aus den Mitteln des Marineetats 1 145 000 Mark überwiesen worden, ferner hat er an Krediten rund 7 Millionen aufgenommen, so daß seine Gesamteinnahme auf 19,7 Millionen beziffert wird. In Staaten ereignete sich heute mittag um 21 Uhr ein schweres Flugzeugunglüd. Ein Schüler der Staatener Fliegerschule war gegen 12 Uhr mit einem Schulflugzeug zu einem ebungsflug aufgestiegen. Der Pilot befand sich etwa eine halbe Stunde in der Luft, als sich der Apparaf plöhlich vornüber neigte und aus beträchtlicher Höhe in der Nähe des Flugplazes in die Tiefe faufte. Der Apparat zerschellte beim Unprall auf den Boden völlig. Der Flugschüler, der heute seinen driften Alleinflug ausführte, tonnte nur noch als Celche aus den Trümmern des abgestürzten Apparates geborgen werden. Zur Verteidigung des Panamafanals bauen die Vereinigten Staaten neue Geschütze an den Kanalenden ein. Sie haben eine Schußweite von 37 Rilometern; ihre Granaten miegen 1 Tonnen. Seine Verpflichtungen hingegen beziffern sich auf rund 35 Millionen Mart. Nach den Aufstellungen des Ausschusses bleiben zu Caften des Reiches genau 25 871 000 Mart, die so gut wie ganz verloren sind. Die Verstärkung des Ruhrfonds mit Mitteln, die ihrer Herfunft nach den eigenen Einnahmen des Reiches hätten zugeführt werden müssen, die Abspaltung von Mitteln aus einer Reihe von Titeln des Marineetats und deren Uebergang an den LohmannFonds, und damit der Herausnahme aus der Rechnungslegung ist eine schwere Berlehung entscheidender Bestimmungen der Reichs haushaltsordnung. Die ursprüngliche Generalermächtigung für Rapitän Lohmann bezog sich auf die Verwaltung etats mäßig bewilligter Mittel. Die Herausnahme des Ruhrfonds aus der Haushaltsabteilung des Reichswehrministeriums, die Ausdehnung des Aufgabentreifes des Kapitäns Lohmann weit über die ihm ursprünglich gegebenen bestimmten Anweisungen und Richtlinien hinaus sowie die in Mitteln und Zweden unkontrollierbare Finanzgebarung des Kapitäns Lohmann sind mit Haushaltsordnung und Etatsrecht unBei den Beratungen des Unterausschusses hat der Borgefeßte Lohmanns, Admiral 3enter als Chef der Marineleitung, zuge geben, daß sowohl er als sein Borgänger, Admiral Behnte, fich stets bewußt waren, daß sie für die Maßnahmen Lohmanns die Berantwortung zu tragen hätten. Sie haben aber nichts getan, um Lohmann rechtzeitig zu einer ordentlichen Rechnungsvereinbar. legung und Rechnungsprüfung zu veranlassen. Ein Teil der Mittel, nämlich der aus dem Kriegsgefangenen fonds und der aus dem Verkauf von Prisenschiffen, ist Lohmann mit Genehmigung des damaligen Reichsfinanzministers Dr. Luther außeretatlich zur Verfügung gestellt worden. In diesem Falle liegt die Berantwortung für die mißbräuchliche Verwendung der Gelder beim Finanzministerium. Der Unterausschuß schlägt dem Haushaltsausschuß, vor, zu beschließen: Die Lohmann- Mittel, soweit sie aus dem Ruhrfonds stammen, Es hat die völlige Liquidation aller Lohmann- Unternehmungen zu erfolgen. Dabei sind alle Möglichkeiten der Regreßansprüche gegen Treuhänder usw., alle Möglichkeiten der Ersparnisse durch Ablehnung von Verpflichtungen aus Bürgschaftsversprechungen des Kapitän Lohmann, alle Möglichkeiten der Abwehr aller übermäßigen 3ins- und sonstigen Forderungen wahrzunehmen, im befonderen ift zu untersuchen, ob die kreditgebenden Stellen bei der Ueberprüfung der vorgelegten Bollmacht des Kapitän Cohmann thre Ordnungsmäßigkeit sich durch seine vorgesetzte Dienststelle haben beftätigen laffen. Sprengpulver i Landbund. Die Großagrarier fürchten die chriftlich- nationale Bauernpartei. Die christlich- nationale Bauernpartei, die sich unter Führung einiger Großlandwirte zur Unterstügung der reaftionären großagrarischen Wahlpropaganda gebildet hat, und der eine ganze Anzahl von Landbundführern angehört, nimmt eine eigenartige Entwicklung. Nachdem der Landbund die berufsständischen Gefühle" seiner Anhänger zum Ausgangspunkt seiner Agitation gemacht hat und mit besonderer Schärfe gegen die sogenannte Parteipolitit hebt, ist allmählich ein gewisser Gegensatz zwischen den reaktionären Gruppen entstanden. Ursprünglich verfolgten diese die Absicht, getrennt in den Bhliampf zu gehen, um sich dann im neuen Reichstag unter der deutschnationalen Flagge wieder zu vereinigen. Daher nahm man eine Aufteilung. der Interessenbereich vor, derart, daß in einzelnen Landesteilen nur Deutschnationale( mit Landbundhilfe), Das Gefrierfleisch. hqz z z NOT PROGRAMM GEFRIERFLEISCH Einen Wahlspec hat man dem Deutschen hingehangen und sein Fleisch fortgenommen! anderwärts wieder die Christlich- Nationalen und in einzelnen Gebieten der Landbund selbst vor die Bauernwähler hintreten sollten. So hofft man, die Landwirte für die Reaktion einzufangen. Die Rechnung hat sich aber als falsch herausgestellt. Die hemmungslose Landagitation hat den Appetit mancher Bauernagitatoren nach Reichstagsmandaten gewedt. Die Deutschnationale Partei, die mit Rücksicht auf ihre städtischen Wähler im Reichs- und Landtag nur ein Viertel bis ein Drittel ihrer Mandate an Landwirte vergibt, fann den entfesselten Mandatshunger ihrer Bauernagitatoren nicht mehr befriedigen. Daher beschloß, im Widerspruch zu den bisher getroffenen Abreden, die neue chriftlich- nationale Bauernpartei auf ihrem Vertretertag in Weimar, in allen Wahlkreisen eigene Wahllisten aufzustellen und auch für den Preußischen Landtag eigene Kandidaten zu benennen. Die Chriftlich- Nationalen erflären dazu; Die Gemäß ihrem Ziele der Sammlung der bürgerlichen Seite ist bie Kampffront der neuen Partei ausschließlich gegen links gerichtet, und die neue Partei hofft ehrlich, daß ihr teine andere Abwehrfront aufgezwungen wird. Das ist eine nicht mißzuverstehende Drohung. Deutsche Tageszeitung", das Organ des Reichslandbuntes und der deutschnationalen Agrarier, gebärdet sich ob der neuen Beschlüsse der christlich- nationalen Konkurrenz, ganz aufgeregt. Sie erinnert an die Beschlüsse mehrere Provinziallandbundorganisationen, die den früheren Abreden entsprechen und schreibt weiter: Wenn gleichwohl die neue Partei, ungeachtet der abweichenden Stellungnahme der übrigen Provinzial- Landbünde, darangeht, in deren Wahltreisen eigene Kandidaten aufzustellen, so bedeutet das cinen Borstoß gegen die innere organisatorische Disziplin des ReichsLandbundes und damit eine Gefährdung des Organisationsgedankens felber, namentlich, wenn dieses selbständige Vorgehen sich auch noch auf die preußischen Landtagswahlen erstreckt. Für die ProvinzialLandbünde, die sich für die alten Barteien entschieden haben, entsteht dadurch eine einigermaßen mertwürdige Situation. Auf ber einen Seite müssen sie das Vorgehen der neuen Partei als einen Bruch der Organisationsdisziplin empfinden, die auch in der Pragis zu höchst unerwünschten Spannungen und zur Gefahr persönlicher Auseinanderseßungen im Wahltampf führen muß, auf der anderen Seite sehen sie, daß führende Mitglieder des Reichs- Landbundes der neuen Partei angehören, und diese gegen sie selbst und ihre eigene Stellungnahme gerichteten Beschlüsse der Christlich- nationalen Bauernpartei decken. Hier scheinen uns Entwicklungen zu entstehen, die zu den größten Unflarheiten und zu einer höchst bedenklichen Verwirrung innerhalb der ländlichen Wählerschaft führen können. Das Agrarierorgan hofft, daß man diese Gefchren noch in legter Stunde beseitigen tann. Jedenfalls muß sich die Lage bereits sehr zugespitzt haben, wenn das Landbundblatt selbst ziemlich unverblümt das Vorgehen der ChristlichNationalen als Spengpulver für die Organisa tion bezeichnet. Wir glauben nicht, daß der Landbund deswegen auffliegen wird. Jedenfalls ist er es, der die Mandatspsychose seiner Agitatoren gemedt hat Auch hier zeigt sich die grenzenlose Unfähigkeit dieser Engenannten Führer, die zwar zum Butsch hetzen und Fensterscheiben der Finanzämter einwerfen fönnen, aber nicht einmal imftande find, ihre Leute im politischen Kampfe zusammenzuhalten. In russischer Haft. Was Oberingenieur Goldstein berichtet. Der aus Rußland zurückgekehrte Oberingenieur Goldstein hat über seine Verhaftung folgendes berichtet: Berhaftet wurde er in der Nacht zum 6. März. Er wurde am folgenden Tage ins Gefängnis in Stalin, am nächsten Tage nach Chartow und dann nach Rostow am Don gebracht. Ein Berhör fand erst am 14. März statt. Bis dahin war die Unterbringung im Gefängnis völlig unzulänglich, enge, schmutzige Räume poller Unge ziefer, ungenügende Verpflegung. In Rostow saß Goldstein mit fünf anderen Verhafteten in einer Zelle von 4 Meter Länge und 1,70 meter Breite. Bei dem Berhör am 14. März stellte sich heraus, daß ein an sich harmloser, rein fachlicher Bericht eines seiner Monteure in die Hand der GPU. gefallen und dort jo entstellt überseht worden war, daß aus der falschen Uebersetzung Sabotageabsichten herausgelesen werden konnten. Goldstein konnte die Unrichtigkeit der Uebersetzung nachweisen. Daraufhin wurde er beffer untergebracht, am 17. März freigelaffen und nunmehr aufera ordentlich liebenswürdig behandelt. Während seiner Verhaftung war es Goldstein nicht möglich, fich mit den deutschen Vertretungen oder seiner Firma in Verbindung zu fezen. Goldstein weiß auch nichts über die einzelnen Beschuldi gungen gegen die übrigen Berhafteten und über deren Schicksal, F Der Konflikt im Ruhrbergbau. Leber Löhne und Arbeitszeit. Bodhum, 24. März( Eigenbericht). Aus der Filmwelt. Pola Negri und Mauritz Stiller. ,, Qualen der Che" im Gloria- Palast. In dem Arbeitszeitstreit im Ruhrbergbau waren ursprünglich die Schlichtungsverhandlungen für den 28. und 29. März vorgesehen. Nachdem aber die Gewerkschaften offiziell mitgeteilt haben, daß sie das Lohnabkommen ebenfalls zu fündigen beabsichtigen und die Parteien bereits Berhandlungen über die Lohnfrage vereinbart haben, Morland", den Joe May inszeniert hatte. Denselben Stoff überVor einigen Jahren lief ein Film ,, Die Schuld der Lavinia war es notwendig geworden, die beiden Schlichtungsverfahren zu verbinden und neue Verhandlungstermine anzusehen. Der Schlichter nimmt nun in Amerika der schwedische Regisseur Mauriz Stiller. für Westfalen, Regierungsrat Brisch, hat deshalb die Berhand. Ein lungenkranker Maler muß zur Gesundung nach dem Süden. lungen über das Arbeitszeit- und das Lohnabkommen für den Ruhr- Um das Geld zu beschaffen, heiratet die Geliebte einen reichen Mann. bergbau auf den 11. April und auf die nächstfolgenden Tage im Die Ehe wird unglücklich, und endet mit der Trennung, aber um sich ins Recht zu setzen, kauft der Gatte einen Liebhaber. Ueberraschung Rathaus in Essen anberaumt. beim erzwungenen Rendezvous. Im May- Film erschießt die Frau den Ehemann, hier in der neuen Fassung wird der erfaufte Geliebte ermordet. Selbstverständlich erfolgt Freispruch, und der Maler er scheint am Schluß als völlig Geheilter. Endlich winkt das richtige Chebett. Alfons Buse Vorstandsmitglied im Deutschen Metallarbeiterverband ist in Stuttgart im Alter von 53 Jahren gestorben. Buse, ein geborener Berliner, war Gauführer des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold. In den Kämpfen der Sozialdemokratischen Partei hat er stets an vorderster Stelle gestanden. Theater der Woche. Bom 25. März bis 2. April. Boltsbühne. Theater am Bülowplatz: 25., 28., 29. Die Entkleidung des Antonio Caroffa. 26., 27. Hintemann. 30., 31. 1., 2. Rote Robe. Theater am Schiffbauerdamm: Der Zigarettenfasten. Thalia- Theater: Das Ramel geht durch das Nadelöhr. Staatstheater. Oper am Platz der Republik: 25. Boheme. 26. Der Arzt wider Willen. 27. Madame Butterfly. 28.( zum 1. Mal), 2. Buccini Abend: Der Mantel, Schwester Angelica, Gianni Schichi. 29. Carmen. 30. Fidelio. 31. Don Giovanni. 1. Die Walküre. Städtische Oper: 25., 27., 29., 2. Die Hochzeit des Figaro. 26. Ein Maskenball. 28. Carmen. 30. Aida. 31. Rigoletto( 23 Uhr: Nachtvorstellung und Ball). 1. Jonny spielt auf. Staatliches Schauspielhaus: 25., 26., 29. Die Weber. 27., 28., 30., 31., 1., 2. Louis Ferdinand, Prinz von Preußen. Schiller- Theater: 25. Die Journalisten. 26, 29. Amphytrion. 27., 28., 30., 31., 1., 2. Duell am Lido. Beide Filme find Bearbeitungen eines amerikanischen Senfationsschauspiels, das hier im Theater in der Königgräßer Straße gespielt wurde. Nur das Milieu ist geändert worden. May bevorzugt die englische Gesellschaft. Stiller verlegt die Handlung nach Paris, auf den Montmartre. Der Auftakt ist derselbe. In beiden Fällen beginnt man mit der Gerichtsverhandlung, in der die Angeflagte die Vorgeschichte erzählt. Und schon in dieser ersten Szene zeigt sich der Unterschied zwischen Mays und Stillers Auffassung. May macht große Oper, zeigt einen dekorativen Gerichtssaal und einzelne Zuschauertypen in Großaufnahme, Stiller tonzentriert das Interesse allein auf die Angeklagte. Er braucht feinen großen Rahmen, er macht fein Theater, er vereinfacht, tonzentriert die Handlung. Alles Abenteuerliche, alles Mondäne ist verschwunden, Nebenpersonen und Intrigen sind gestrichen. Stiller gibt allein den Extrakt der Handlung, es fommt ihm nur auf die seelische Ausdeutung an. Bola Negri, die Darstellerin der Hauptrolle, ist nun frei von jeder Pseudodämonie. Reine Spur mehr von Koketterie mit der Großaufnahme, fie ist jetzt vollkommen gelöst, natürlich und von stärkster Ausdrudstraft, sie ist eine ganz große Gestalterin geworden. Ausgezeichnet auch die männlichen Darsteller. „ Sensations- Prozeß." Zitania- Palast. F. S. Dieser Film wurde dreimal von der Zenfur verboten, was ihn aus der Alltäglichkeit hebt und zugleich der Anlaß zu äußerst ge= schickter Reklame ist. Die Zensurkammer war der Ansicht, daß es für den Zuschauer nicht far wird, ob die des Gattenmordes angeflagte Frau die Täterin war oder nicht. Das Filmmanuskript ist auch, offenbar mit Absicht und um der Sensation willen, völlig unflar gehalten. So werden wir mit einer Frau bekannt, die einen Kunst maler aus Mitleid heiratet, einen Colonel aber liebt. Als der Als der Mann, nachdem er die Briefe feiner Frau an deren Geliebten gelejen hat, ermordet aufgefunden wird, gerät die Gattin in den Berdacht des Mordes. Der Staatsanwalt meist Mar den Mord nach, der Berteidiger den Selbstmord des Gatten. Die Frau wird frei gesprochen. Ihr Rechtsanwalt ist zu ihr in Liebe entflammt und ein als Geschmorener tätig gewesener Graf desgleichen. Sie heiratet den letzteren und die Zuschauer machen verdußte Gesichter. Die aparte Magda Sonja spielt die Hauptrolle, mitreißend dant ihrer gefühlsmäßigen Einstellung und mit einem Lächeln, das unvergeßlich bleibt. Carl Goet, diefer famose Charakterspieler, ist der Kunstmaler und Gustav Dieß weiß aus seiner Ver" Zu Befehl, schöne Frau." Operette mit Leutnantsromantif. | teidigerrolle sehr viel zu machen. Der Regiffeur Friedrich Feher wartet mit Neuheiten auf und das sind die Visionen im Gerichtssaal, durch die alle Ereignisse und Vermutungen erzählt werden. Alles in allem handelt es sich um eine raffinierte Arbeit. Norma Talmadge. ( Capitol). -g. Eben soll der Herzensfreund der schönen Dolores( Norma Talmadge) von den Söldlingen des Diktators Sandoval erschossen werden, weil Dolores treu zu ihrem Geliebten hält und allen Angeboten und Nachstellungen des Mächtigen gegenüber standhaft geblieben ist. Da appelliert Dolores im legten Moment unter Zustimmung des herumstehenden Volkes an die Ehre des Diktators. Nun muß er den Nebenbuhler freigeben, und das glückliche Ende ist erreicht. Zuvor aber werden umständlich und weitschweifig Milieu und Personen gezeichnet. ,, Sonne, Süden und Leidenschaft" heißt der Film, der irgendwo in Mittelamerita spielt und die( gemachte) Empörung des Ontel Sam über die dortigen wilden Zustände widerspiegelt. Hätte der Regisseur Roland West das Ganze im ausgesprochenen Sinn einer Parodie angelegt und noch mehr auf fomische Pointen hingezielt, so wäre die Sache schmackhafter geworden. So aber ist das Ganze eine aber auch fil= misch wenig intereffante Sache. Als einziges Plus bleibt Norma Talmadge, die wieder einmal Gelegenheit hat, ihr feines Profil und die fast überfüße Lieblichkeit ihres Köpfchens zu zeigen und mit den Schmachtäugelchen zu jonglieren. Noah Beery spielt den wilden Mann, der immer furchtbar unsympathisch dreinschauen muß und im Grunde ein gutmütiger Polterer ist. Den Liebling des Publikums und der Dolores, der natürlich ein Amerikaner ist, spielt ein neuer schöner Mann: Gilbert Roland. Wieder die edle Dirne. Der neue Sascha Film im ,, Emelka- Palast". I. Der Titel Wenn ein Weib den Weg verliert" prophezeit allerlei Schlines, aber es fommt im Grunde doch noch schlimmer, als man geahnt hat. Schon das Drama ,, Café Electric" von Felix Fischer, nach dem Jacques Ba ch ra ch das Filmmanuskript* verfaßte, ist nicht viel mehr als Kitsch Aber immerhin sind hier die Menschen glaubwürdiger und nicht mit moralischem Firnis über30gen. Die fleine Dirne Hansi entwickelt sich in dem Theaterstück feinesfalls zur Madonna, sie bleibt das Nuttchen, auch wenn sie eine Zeitlang sich nur mit einem einzigen jungen Mann begnügt. Hier im Film erfährt nun Hansi die Wandlung zum reinen Engel, und auch ihr Liebhaber ist nur wohlanständiger Edelmut. Dagegen soll nichts gejagt sein, doch der Stoff wird fitschig behandelt, überall blinken Tränen verlogenen Mitgefühls, dazu Terte von atembeklemmender Rührseligkeit. Da der Film den Mut findet, tragisch zu enden Hansi wird von ihrem früheren Geliebten und Zuhälter ermordet hätten Berfasser und Regisseur auch so tonse quent sein müssen, den Stoff unsentimental zu behandeln. Gerade bann mirtt er am stärksten, wie die Dirnentragödie" mit Asta. Nielsen es bewiesen hat. Außerdem wimmelt der Film von Unlogit und Unwahrscheinlichkeit. Die Regie bleibt durchaus mittelmäßig, die Schauspieler sind sich völlig selbst überlaffen. Aus dem Durch schnittsniveau ragt allein Willi Forst hervor, der einen Gentleman3uhälter unaufdringlich und ohne Uebertreibung gestaltet. t. Komponist in der Einführung des Programmheites. Wie ist er mit diesen 22 Gedichten verfahren, die in kraftvoll- eindringlicher Sprache, nur hie und da ein wenig belastet, durch allegorisches Beimert, die Welt des rheinischen Industrieproletariats erstehen lassen mit all seinem Erleben, Fühlen, Hoffen? Er läßt sie in bunter Folge auffagen und fingen, Chorgesang wird von der Solostimme des Bassisten abgelöst, der Sängerchor, bald a capella, bald vom Orchester geftüßt, wandelt sich in Sprechchor, der Solist ist Sprecher und Sänger in einer Berson, Melodram wechselt mit unbegleiteter Rezitation. Die Anlage ist geschickt und zweckmäßig; für den Komponisten aber war das Neue der Aufgabe, fie in einem musikalischen Stil zu lösen, der dem Ton und dem Geist der Dichtung wahrhaftgemäß wäre. Diesen Stil, es muß ausgesprochen werden, hat Wilhelm Knöchel noch nicht gefunden. Der Ton, den er anschlägt im Orchester und im Chor-, iſt unfräftig, unproletarisch, es fehlt an Einfachheit, Bestimmtheit, Klarheit, Bolkstümlichkeit des Ausdrucks, es fehlt auch, technisch gefrpochen, an rhythmischer Energie, die Tonsprache bewegt sich allzu sehr in der Sphäre herkömmlicher Opernpathetit. Aber der Sinn für starte Wirkung ist bei all dem unverkennbar, er zeigt sich gelegentlich auch in der Behandlung des Orchesters, und die Wirkung des Ganzen befundete sich auf unzweifelhafteste Art in dem stürmischen Beifall, den die Aufführung des Werkes auslöfte. Das Erstaunlichste an dem gestrigen Operettenabend im Neu en Theater am 300 ist die unbestreitbare Tatsache, daß sich das Publikum weiß der Kudud, was das für ein Publikum ist töftlich über die Borgänge der Bühne unterhält. Es schmalzt und drommetet eine dreiaftige Operette von Curt Krauß und Richard Reßler Bu Befehl, schöne Frau" über die Bretter. Was die Kompofition von Paul Ottberg anbetrifft, so erinnert fie freundlich an die schmetternde Schlachtenmufit, wie fie unsere Zeitgenossen in Sommerlotalen lieben. Dschingbumfaffa, Theater mit feftem Spielplan. Trompete, Keffelpaute. Eine moderne Note bringen einige frant und frei aus bewährten Liedern übernommenen Melodien hinein. Deutsches Theater: Zwölftausend. 25., vorm. 11% Uhr, Bühne der Jugend: ,, Mörder für uns". Kammerspiele: Finden Sie, daß Kammerspiele: Finden Sie, daß Die Handlung ist über die Maßen edel. Gräfliche Familie. Schulden. Constance sich richtig verhält? Die Komödie: Marcel Fradelin. Reiche Amerikanerin, namens Mabel. Rangierung. Liebe auf den Theater am Nollendorfplatz: Die Abenteuer des braven Soldaten ersten Blick. Alles in Butter. Aber da intrigiert ein smarter Better Schwejt.- Theater in der Königgräher Straße: Flucht.- Komö- aus Amerita, Businesman. Berlobung taputt. Alle- Mann auf dienhaus: Broadway.-Großes Schauspielhaus: Pompadour der Bühne tief unglücklich. Mufit tremoliert melodramatisch. Ende Maffary. Theater des Westens: Der Zigeunerbaron. Somische des zweiten Attes. Das Publikum geht zerfnirscht in die Bause. Im Oper: Zieh' dich aus! Deutsches Künstler- Theater: Die gold'ne dritten Att trieft auf die beglückten Zuschauer ein Regen von RechtMeisterin. Lustspielhaus: Unter Geschäftsaufsicht. LeffingTheater: Hoppla, wir leben! Residenz- Theater Schule der Liebe. fchaffenheit, Edelmut und Glück nieder, so daß fie, um eine Moral Metropol- Theater: Der Graf von Luremburg. Berliner aus der Kinderfibel des Jahres 1910 reicher, befriedigt das Theater Theater: Die Bollé Sifters. Die Tribüne: Spiel im Schloß.verlaffen. Man ist um fo glücklicher, als die Mehrzahl der männa so Sajino- Theater: Doktor Klaus.- Theater in der Lühowstraße: lichen Darsteller fraft ihrer bunten Jädchen den Eindruck von Huber auch als Sprecher Ausgezeichnetes bot; und dank vor allem dem Bennet contra Aschenbrödel. Wintergarten: Barieté. Scala: farenoffizieren hervorzurufen sucht. Auch ein forsch im Stechschritt Internationales Varieté. Reichshallen- Theater: Stettiner Sänger. erefufierter Blues findet begeisterte Aufnahme. So was gibt's noch. -Theater am Kottbusser Tor: Elite- Sänger. Renaiffance- Theater: Bei den männlichen Darstellern ist bemerkenswert, daß fie fast ohne Coeur- Bube. 1., mittags 12 Uhr, Gastspiel: Die Mutter( Erstauf Ausnahme mit Hilfe des Monotels Eleganz markieren. Von den führung). Kleines Theater: Lissy, die Rofotte.- Walhallaweiblichen sticht Alice Hechy durch prächtige Kostüme, Schmiß Theater: Die Erben von Groß- Quirlig. im Tanz und Routine von ihren Kolleginnen ab. Dgr. Theater mit wechselndem Spielplan. Theater am Kurfürstendamm: Bis 31. Revue der HolländerRevuen.. Rose- Theater: Bis 30. Der Flieger. Ab 31. Sterne, die wieder leuchten. Theater in der Klosterstraße: 25. Mora. 26., 28. Wildente. 27. Rosmersholm. 29., 30., 31., 1. Der fröhliche Weinberg. Theater im Admiralspalaft: 25. Wann und wo! Nachmittagsvorstellungen. Staatliches Schauspielhaus: 25. Die Weber. Theater am Schiffbauerdamm: 25., 1. Schieber des Ruhms. Thalia- Theater: 25., 1. Das Ramel geht durch das Nadelöhr. Deutsches Theater: 25. Zinjen. Großes Schauspielhaus: 25., 1. Pompadour Maffarn. Residenz- Theater: 25., 1. Schule der Liebe. Berliner Theater: Kleines Theater: 25. Gespenster. 25., 1. Müllers. Walhalla Theater: 25. Aschenbrödel. Die lustigen Matrofen. Rose- Theater: 31., 1. Mar und Moriz. Theater in der Klofterstraße: 25. Nora. Theater im Admiralspalast: 25. Wann und wol Scala: 25., 31., Reichshallen- Theater: 25., 1. Stet 1. Internationales Barieté. Reichshallen- Theater: 25., 1. Stet tiner Sänger. Theater am Kottbuffer Tor: 25., 1. Elite- Sänger. Erstaufführungen der Woche. Mittwoch: Staatsoper: Puccini- Abend". Freitag: Boltsbühne:„ Die rote Robe". Sonnabend: Rose Theater: Sterne, die wieder leuchten", Eiserne Welt. 15 Männerchor, Fichte- Georginia". Ein Ein Abend der Uraufführungen im Saalbau Friedrichshain. Hauptteil des Programms: Eiserne Welt." melodramatisches Wert für Männerchor, Baß- Solo, Rezitation und Orchester" nennt es der Komponist Wilhelm Knöchel. Treffen der wäre vielleicht: proletarische Kantate". Denn darum handelt es sich: um das Vorhaben, profetarischer Lebensstimmung, proletarischem Lebensgefühl in einem großangelegten dichterisch- musikalischen Kunstwerf repräsentativen Ausdruck zu verleihen. Ein hohes Ziel, ein notwendiges, wichtiges, doch auch ein durchaus noch neuartiges Beginnen. Der Versuch mußte unternommen werden. Doch es wäre unbillig, schon von diesem ersten Versuch volles Gelingen zu erwarten. Joseph Windlers Eiserne Sonette", deren Erscheinen furz vor dem Krieg berechtigtes Aufsehen erregt hat, liegt zugrunde; als die erste geschlossene Industriedichtung Deutschlands", als Hochgesang der deutschen Industrie", kennzeichnete fie der Diese Aufführung ließ gewiß feinen Wunsch des Komponisten, der selbst dirgierte, unbefriedigt, sie stand in der Tat auf erfreulicher Höhe: dank dem unfehlbar folgenden Berliner Sinfonieorchester; dank dem Darmstädter Kammerfänger Ernst Alfons, Männerchor Fichte.Georginia, der feinem altbewährten Namen und der erzieherischen Arbeit seines Chormeisters Wilhelm Knöchel alle Ehre machte. Noch mehr Gelegenheit, zu zeigen, was dieser Chor fann, bot die erste Hälfte des Programms, aus der insbesondere Gerh. F. Wehles Hammerlied" für Männerchor mit Orchester als wertvolle Neuheit hervorzuheben ist. Der intereffante, anregende Abend wurde durch Heinz Tieffens Bor spiel zu einem Revolutionsdrama" eröffnet; hier ist, von einem Meister freilich, im Bereich der absoluten Musik auf durchaus beispielhafte Weise gelöst, was in der„ Eisernen Welt" Wilhelm Knöchels auf dem weiteren Gebiet der Chor- Kantate einstweilen Bersuch und Hoffnung geblieben ist. Klaus Pring sheim. -W Eine Sänger- Morgenfeier veranstaltet der Deutsche Arbeiter- Sänger bund, Gau Berlin, Bezirk 10, am 25., 10 Uhr, im Saalbau Friedrichshain. Der Bund Deutscher Gebrauchsgraphifer, Landesaruppe Berlin- Branden burg e B., zeigt in seiner Ausstellung erbe Grabbit" im Kunstgewerbe- Museum, Bring- Albrecht- Str. 7, qualitative Arbeitsproben aus dem aesamten Gebiete der Berbegrapbit. Die Ausstellung findet ſtatt vom 25. März bis 15. April. Geöffnet täglich von 9-18 Uhr. Eintritt frei. Das Frühjahrstonzert der Typographia, Gefangverein Berliner Buchbruder, findet unter Leitung von Alexander Weinbaum am Freitag. dem 30., 20 Uhr, im Stonzertsaal der Hochschule für Musik statt Mitwirkender: Prof. Josef Bolfsthal. Boonne Georgi und Harald Krenzberg veranstalten am 25., 16 Uhr, einen Tangabend im Theater am Kurfürstendamm. Die Boltsbühne, Theater am Bülowplay, bereitet als nächste Premiere, Die rote Robe von Brieur vor. Regie: Leo Reuß. Ein eigenartiger Kronzeuge. tan schreibt uns: Zur Wahl bei den Freidenfern am Sonntag. Alle bisherigen Berleumdungen der Kommunisten im Frei denfermahlkampf werden überboten durch ein Flugblatt, das jetzt als„ Offener Brief" des Mitgliedes des Verbandsvor standes, Siegfried Böhm, herausgegeben wird. Mit einer unglaublichen Strupellosigkeit wird von einer fommenden Beitragserhöhung gesprochen, von der Aufhebung der Beitragsfreiheit für Altersmitglieder usw., obwohl niemals derartiges im Vorftande besprochen worden ist, und obwohl gerade die jeßige Opposition für die Altersmitglieder im Jahre 1924 die Zahlungsverpflichtung einführen wollte. Nach den Angaben diefes Siegfried Böhm würde der Verband ein größeres Defizit zu tragen haben, als er überhaupt bisher an Beiträgen eingenommen hat. Er arbeitet auch mit Zitaten aus angeblichen Sachverständigengutachten, obwohl die ihm. Ich habe mich äußerlich von ihm losgesagt, jetzt will ich es auch innerlich tun. Das Leben mit den Verbrechern habe ich satt." Dann wird der Angeklagte wieder hereingebracht, und als der Vorsitzende ihm vorhält, was die Zeugin ausgesagt hat, ruft er:„ Das ist nicht wahr. Das Mädel ist von der Polizei kaputt gemacht worden." Die Zeugin antwortet: Heute habe ich nicht mehr gelogen. Ich will wieder ein anständiger Mensch werden. Herr Vorsitzender, er par dabei." Der Vorsitzende sagt:„ Die mensch= Weg noch heute geebnet wird." Urteil: Unter Zubilligung mildernder Umstände 1 Jahr 6 Monate Gefängnis für den Angefaigten. Schiuchzend wird die Zeugin von einer Gefängnisfürsorgerin wieder in die 3elle geführt. größeren Bruder. Den fand er denn auch in dem„ Deutschen Arbeitnehmerverband". Beide Vereine verschmolzen sich und Krügerliche Gesellschaft wird dafür sorgen, daß Ihnen dieser schwere wurde als Angestellter übernommen. Aber Krüger hatte sich bald bei den Oberbonzen des Deutschen Arbeitnehmerverbandes" so unbeliebt gemacht, daß man ihn, während er im Krankenhause lag, ohne Umstände abschob. Er wurde fr: ftlos entlassen. Nun klagte Krüger beim Arbeitsgericht. Er behauptet, er habe zahlung der Kündigungszeit. Der Vertreter des Deutschen Arbeit eine vierteljährliche Kündigung zu beanspruchen und verlangte Benehmerverbandes", ein Herr Sorge, machte den Einwand, dieser Berband bestche gar nicht mehr, er sei aufgegangen in dem ,, Reichsbund vaterländischer Arbeitervereine". ,, Schiebung", erklärte Krüger, jo mird das immer gemacht. Noch heute soll dem bedauernswerten Mädchen der schwere Weg geebnet werden, so sagte der Vorsitzende Landgerichtsdirektor Dr. Warmuth in Potsdam. 5offentlich hält er Wort, Fall nur um eine Phrase gehandelt hätte. denn es wäre traurig, wenn es sich gerade in diesem traurigen Opposition auf der Beiratstagung in Köln und in Rundschreiben Wenn einer dieser Bereine zahlen soll, dann existiert er nicht mehr." Bärenpaviane und Langarmpaviane im Zoo erflären mußte, daß diese Sachverständigen gar nicht gewußt hätten, für welche Organisation sie sich äußern. Sieht man genauer hin, so gewahrt man, daß nur allgemeine Prinzipien für die Anlage von Kapitalien gegeben werden. Ohne Zusammenhang mit den Berhältnissen dieses Verbandes. Wie dumm müssen doch die Kommunisten ihre Anhänger einschäßen. Die KPD. hat sich mit diesem Siegfried Böhm überhaupt einen recht eigenartigen Kronzeugen ausgesucht, der bei jeder Gelegenheit zeigt, daß ihm auch die elementarsten Kenntnisse der Arbeiterbewegung fehlen. Böhm hat als Borstandsmitglied an den finanziellen Verhältnissen des Verbandes noch niemals Kritif geübt. Er hat auch noch niemals Stellung genommen zu den Geschäftsberichten und Statistiken, die in den zwei Jahren seiner Tätigkeit im Borstande durch seine Hände gegangen sind. Bon diesen Unterlagen zieht er nicht eine zur Beweis: führung an. Nach seiner Auffassung hat jezt der Verband zu wenig Rücklagen. Als aber vor 1% Jahren der Rücklagenfonds errichtet wurde, hat der gleiche Böhm auf der Berliner Bezirkskonferenz erklärt, daß dies eine kapitalistische Maßnahme set und daß ein echter Revolutionär sich nicht darum fümmern dürfe, was nach 20 Jahren werde! In den Borstandssigungen erklärt Böhm immer wieder, daß er von den Methoden der Opposition abrücke. Erst in der letzten Borstandssigung gab er folgende Erklärung ab: ,, Weyn gegen die Geschäfts- und Kaffenleitung der Vorwurf der unredlichen Finanzmethoden erhoben werde, jo billige er dies nicht. Er würde dies auch in einer Erflärung formulieren, doch dürfe diese Erklärung nicht veröffentlicht werden, weil er sonst in einen Gegensatz zu seiner Partei fäme!!!" Auch das neue Mahireglement fritifiert. Böhm. Dabei hat er aber als Mitglied der Zentralmahlfommission selbst dieses Wahlreglement mit beschlossen. Als es dann bereits veröffentlicht war, molite er auf Anordnung feiner Partei die Zustimmung zurückziehen und zwar mit der Begründung, daß er am Lage der Zustimmung nicht im Bollbefit feiner geiffigen Aufnahmefähigkeit gewesen sei! Möglich. Vielleicht fann er auch vor Gericht, wenn er sich jeẞt wegen seines Flugblattes verantworten muß, sich auf seinen schwachen Geisteszustand berufen. Dann aber werden wir uns an Herrn Wilhelm Bied halten, der als herausgeber des Flugblaties zeichnet. Mit der Berufung auf die Immunität nach berühmtem Muster wird ja jegt vor der Auflösung des Landtages nicht viel zu machen sein. Einer von Beiden wird sich jedenfalls dazu bequemen müssen, in aller Form Rechenschaft abzulegen. Rücksichtnahme haben diese Herrschaften nicht mehr zu erwarten. Max Sievers. Schmutzige Wäsche der Gelben. Sie werfen sich Schiebung und Fälschung vor. Mehrere Bertreter gelber Vereine standen einander als erbitterte Gegner vor dem Arbeitsgericht gegenüber. Das tam so. Ein Kellner Krüger hatte einen Berufsverein nationaler Kellner gegrütbet. 3wed: Arbeitsvermittelung von Kellnern, die auf den Tarif pfeifen und Schaffung einer bezahlten Anstellung für den Gründer. " Doch die gelbe Gründung war nicht lebensfähig. Um ihr und sich selbst auf die Beine zu helfen, suchte Krüger Anschluß bei einem Theater, Lichtspiele usw. Sonnab. 24.3.28 Sonnab., 24.3. 28 Staats- Oper Am Pl.d.Republ. 7 Uhr Städtische Oper Bismarckstr Geschl. Vorstellung. 71 Uhr Lohengrin Tosca Staatl. Schauspielb. Staatl. Schillerth. Im Gendarmenmark 8 Uhr Charlottenburg 8 Uhr Prinz Louis Das Duell Ferdinand am Lido Volksbühne Theater am Blowplatz Th. am Schiffbaverdamm 8 Uhr 8 Uhr Die Entkleidung Der Zigarettendes Antonio Carossa kasten 8. SCALA Nollendor 7360 Enrico Rastelli und weitere internationale Varieté- Attraktionen. Sonnabends u. Sonntags Je 2 Vorstellungen: 330. 8 Uhr 3 zu ermäßigter Preisen das ganze Programm. Grosses Schauspielhaus Anfang Ende 8 Uhr REGIE 11 Ukr CHARELL DOMPADOUR Der Einwand Sorges war belanglos, denn da sein Verband nicht rechtsfähig ist, war der Vorstand persönlich verklagt. Die feindlichen Gelben konnten also ihren Streit vor Gericht unbehindert fortsetzen. Sorge erklärte, es könne gar keine Rede davon sein, daß der Kläger Geschäftsführer gewesen sei. Arbeitsvermittler sei er gewesen, weiter nichts und auf eine vierteljährliche Kündigung habe er keinen Anspruch. Nun legte Krüger ein Schriftstück vor. Den Vertrag über die Verschmelzung des nationalen Kellnervereins mit dem Arbeitnehmerverband. Der Vertrag ist mit der Maschine geschrieben. Am Schluß aber ist handschriftlich ein Passus angehängt, der besagt, daß Krüger als Geschäftsführer mit vierteljährlicher Kündigung angestellt ist. Der Amtsnachfolger Krügers, Kellner allenberg, versichert als Zeuge: Dieser Passus ist erst nach der Unterzeichnung des Vertrages, ohne daß ich etwas davon weiß, eingefügt worden. Das zweite Exemplar des Bertrages müßte sich in meinen Händen befinden, es ist aber spurlos verschwunden." Hiernach hätte also der Kläger, um seine Stellung zu sichern, eine Urkundenfälschung begangen. Eine dahingehende Anscige hat auch der Vorstand des Deutschen Arbeitnehmerverbandes" schon vor Monaten bei der Staatsanwaltschaft erstattet, aber über den Erfoig der Anzeige ist noch nichts bekannt. Nach diesen Offenbarungen schöner Seelen vertagte das Gericht die weitere Untersuchung der schmutzigen Wäsche bis nach Erledigung der Strafanzeige. Marterweg einer Jugendlichen. In den Händen eines Entgleisten. Das, was der Angelingte vor dem Potsdamer erweiterten Schöffengericht, der 36jährige Schuhmacher Karl P., heute ist, nämlich ein vielfach vorbestrafter Dieb, hat er seiner troſtlojen Jugend zu verdanken. Unehelich in irgendeinem Winkel geboren, der Vater Trinker, er selbst ein frantes Kind, wenig Schulbesuch, mit 16 Jahren ein Jahr Gefängnis! Em Gefängnis erst lernt er sein Schuhmacherhandwerk. Dann fam das Rauschgift, Kokain, Morphium er stabi, tum fid) on Giff auf berauschen. Struje auf Strafe folgte, 3 uchthaus, der§ 51 und Irrenhaus Eines Tages faß der Angeklagte, der sich jetzt wegen schweren Rückfalldiebstahl es zu verantworten hatte, in einer Berliner Kaschemwe, und dort traf er ein Mädel, das kaum 20 Jahre alt war: Stoniorijtin aus gutem Hause, aber entgleist! Die 3wanzigjährige geriet in hörigkeit zu ihm, dem gewohnheitsmäßigen Dieb. Eines Tages jagte sie ihm, im Sanatorium Stein stüden bei Potsdam ist Silber zu holen. In einer Nacht stieg das Mädel mit dem Angeklagten und einem anderen Kaschemmenbesucher durch ein Fenster in das Sanatorium ein. Für 7000 m. Sachen stahlen die Diebe. Der Kaschemmenbruder und das Mädel wurden gefaßt. P. entfam. Man hat ihn später festgenommen. und nun sollte das Mädel gegen ihn aussagen. Es wurde aus der Strafhaft vorgeführt. Gefundenlang liegen die Blicke der beiden ineinander: Wirst du mich belasten? Das kleine Mädel zieht denn die Augen des Angeklagten ruhen auf ihr. Jetzt erklärt der die Schultern hoch, würgt und weint und schweigt auf alle Fragen, Borfigende: Der Ungeflagte ist abzuführen. Das Mädchen hebt das Gesicht zu dem Vorsitzenden, und dann kommt es wie ein Befreiungsschrei aus ihrem Munde: Ich will frei sein von MORGEN wird die MASSARY ReichsgastSonntag om 3 Uhr halbe Preise Komische 8% Uhr Oper 8%, Uhr James Klein's gewaltiges neues Revue- Stück: Zich' dich aus! 200 Mitwirkende. Sonntag 2 Vorstellungen, nachmittags 3 Uhr bedeut. ermäß. Preise Vorverkau ab 10 Uhi ununterbrochen Theater am Kottbusser Tor Kottbusser Straße 6. Tel. Mpl. 1607 Täglich 8 Uhr Sonntag, nachmittags 3 Uhr Elite- Sänger wirtsmesse die größte Schau des gastronomischen Gewerbes eröffnet ( 25. bis 30. März äglich von 10 bis 20 Uhr) Alte Ausstellungshalle am Kaiserdamm Eingang Königin- Elisabeth- Str. Tad Neumann Karlsbus 2 Im Affenpalmenhause des Zoologischen Gartens sind jetzt zwei Pavjanarten nebeneinander zu sehen, die innerhalb des hundeschnäuzigen und mantellosen Paviantyps. interessante Gegensäge bilden. Der dunkle schwärzliche Bärenpavian aus Südafrika trägt seinen Namen mit vollem Recht; denn er ist schwer und unterſetzt gebaut. Eebenso bezeichnend ist aber der Name Langarmpavian für den gelben ostafrikanischen Typ, der eine ganz auffallend leichte und langgliedrige Gestalt hat. Bei beiden hat sich die rationelle Befezung, die in dem neuen Hause eingeführt ist:„ in jedem Einzeltäfig nur eine Affenart im natürlichen Familienverbande" ausge zeichnet bewährt. Die Affen gedeihen prächtig, und überall sieht man Junge. Wetterbericht der, öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgebung.( Nachdr. verb.) Trocken und im ganzen heiter, nachts tühl, am Tage wieder mäßig warm. Für Deutschland: Im Westen wolkig ohne nennenswerte Niederschläge, im Osten heiter und trocken, am Tage überall mäßig warm. Berantwortlich für die Redaktion: Engen Prager, Berlin; Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Verlag: Borwärts Verlag G. m. 6. S., Berlin. Drud: Borwärts Buch druckerei und Berlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin GW 68, Lindenstraße 3. Sierzu 1 Beilage. Reichshallen- Theater 8 Uhr, Sonntg. nachm. 3 Uhr. Das wundervolle Progr. der Stettiner Sänger nachm. ermäß. Preise. Dönhoff- Brett'l: Glänzendes, Varieté- Programm Tanz! Anfang 8 Uhr, stgs. 51/ Deutsches Theater Norden 12 310 Piscatorbühne Theater am Abonnementsbüro: Nollendorfplatz Norden 10338-39, Kurfürst 2091/93 14 Uhr, Ende 10 U Anf. 8, Ende geg. 11 Zwölftausend Die Abenteuer des Sonntag, den 25. vorm. 11% Uhr Bühne der Jugend Mörder für uns" Sonntag, den 25. nachm. 4 Uhr Zinsen Preise 1-7 M. Jarnowsky- Bühner Th. Königgrätz. St. Bergm. 2110. 8 Uhr: Flucht von John Galsworthy tegie Victor Barnowsky Komödienhaus Norden 6304. Tägl. 8 Uhr Broadway Th. im Admiralspalast Nur noch 3 Vorstellungen Tägi.8%, Uhr Renaissance- Theater Steinplatz 901. 8.10 Uhr Coeur Bube. Winter Arten Otto Reutter und das große Programm! Sonntag 2 Vorstellungen 2 330 u. NUhr. 330 kleine Preise braven Soldaten HALLER- Rose- Theater Schwefk mit Max Pallenberg nsc. Erwin Piscator Gastspiel im Lessing- Theater Norden 12798 Täglich 8 Uhr 99 REVUE Wann und wo Sonntag 3 Unr: Letzte Nchm. Vorstellung Die ganze Vorstellung zu Hoppla, wir leben! alben Preisen Die Komödie von Ernst Toller Bismarck 2414/7516 Insc. Erwin Piscator 3 U., Ende 102 U. chluss der Spielzeit 25. März Marcel Fradelin Walhaila- Th. Residenz- Theater ( Der Eunuch Weinbergsweg 19/20 Kammerspiele raglich 9, Uhr Norden 12 310 , U., Ende nach 1 Finden Sie, daß onstance sich richtig verhält? Tägl. 8, Uhr: Kein Polizeiverbot Die Erben von Oskar Ebelsbacher Groß- Quirlitz in v. Fedor v. Zobeltitz Schule der Liebe Vorzeiger dieses zahlen für Parkett Franz Schwank in 3 Akten, auch Sonntags statt Für Jugendl. verb. 4- Mk nur 60 P. Für fankfreunde talbe Preise Sonntag nchm. 4 U. Aschenbrödel Berliner Theater Parkett v. 30 P. an. Theater i.d. Lutzowstr. Direktion Kuhnert. Tel. Kurf. 9209-10. arlottenstr.90 91.00nh.17 Kleines Theater Täglich 814 Uhr 814 Uhr Täglich 8 Uhr m März- Spielplan d. gr. Schlage CASINO- THEATER Uh Thalla- Theater Die Bollé Sisters" Erika Glässner Oh diese Schwiegersöhne Volksstück in 1 Akt Lothringer Str. 37. Doktor Klaus. Fauteuil nur 1,10 M., Sessel 1,60 M, Ferner Schorsch Ruselll, der Meister Ausschneiden Gutschein 1-4 Pers. der Komik in Frühlingszauber" Dresdner Str. 72/73" in Ein Berliner Volks8 U.: Das Kamel geht stück von Lissy die Kokotte Friedmann- Frederich. Max Für Jugendliche durch das Nadelobt Adalbert, Lea Seidl, Lori Leen nicht geeignet Bennet contra Saltenburg- Bühnen Gr. Frankf. Str. 132. Dis. Künstler Th 4 Uhr Max u. Moritz 8% Uhr Der Flieger 8 Uhr: Die goldne Meisterin Metropol- Th. Planetarium am Zoo Zentrum 128 24 81 Uhr: Der Graf von Luxemburg Hechy, Matzner, Verläng. Joachimsthaler Straße Noll, 1578 162, 18, 19, 21 Uhr Sternb mmel und Kalender Eintritt 1 M. Ralph Artur Roberts, Kellner Kinder unt. 15 Jahren 3,50 Hofen, Hell, Hoffmann Lustspielhaus 81 Uhr iuido Thielscher „ Unter Geschäftsaufsicht" Theater des Westens Täglich 8 Uhr Zigeunerbaron Kiurina a. G. Wiener taatsop Lichtenstein, Hofbauer, Fleischer Berl. taatsop Wieser, Bradsky. Brandt Trabrennen Mariendor Aschenbrödel Sonntag, den 25. März Sonntag nachm. 4U. Das lustige Osterprinzeßchen nachm. 3( 15) Uhr , SivMmd Sonnabend, 24. Marz t928 Die Monarchie braucht IV) Es besteht ein interessanter Zusammenhang zwischen der n: anarchischen Idee und der Einrichtung der Todesstrafe. Ihre gemeinschaftliche Wurzel ist der Autoritätsgedanke. Nach der Meinung der Mon- archisten ist die große Masse nicht in der Lage, aus eigener Äraft zu erkennen, was zu ihrem Besten dient, sie ist unfähig, ihre Angelegenheiten selbst zu ordnen und zu leiten. Zur Ordnung und Leitung ihrer Angelegenheiten hat Gott einzelne Individuen auserlesen und mit besonderer Einsicht, Klugheit und Geschicklichkeit begnadet— das sind die Priester und die Könige! Jede Auflehnung gegen ihre Autorität ist demzufolge eine Auflehnung gegen die„göttliche Welt- ordnung". Wer sie nicht anerkennt, ist ein Schädling und muß ausgemerzt werden. Diese Autoritätstheorie ist es, die allen Kcßerbränden des Mittelalters zugrunde liegt. Und ob auch Päpste und Kaiser sich in die Haare geraten mochten, ob auch ein ununterbrochener Kampf zwischen päpsllicher und inonarchischer Gewalt- die Jahrhunderte erfüllt hat: das Prinzip der Autorität, die Lehre, daß das dumme Volk sich unter allen Umständen unterzuordnen habe, wurde von beiden Seiten aufrechterhalten. Im Hinkergrund steht der Henker als die Verkörperung des Autoritätsgedankens... Wie er lange Jahrhunderte hindurch auch in Person gleich hinter der Person des Königs bei offiziellen Anlässen sich zeigte... .Als nach der französischen Revolution und dem Sturz Napoleons I. die Reaktionsperiode der Heiligen Allianz ein- setzte, war es besonders der französische Schriftsteller Joseph de M a i st r e, der in einer Reihe gesellschafts- tiieoretischer Schriften das Autoritätsdogma in einer Weife begründete, die ihn heute noch allen monarchistischen Kreisen als klassischen Vertreter der Theorie erscheinen läßt. Von diesem Maistre rührt denn auch folgerichtig die begeistertste Lobpreisung des Henkers und der Todesstrafe her. „Alle Größe, alle Macht, aste Ordnung beruht auf dem Schars- richler," heißt es an einer Stelle seiner„Abendunterhaltungen", „er ist der Schrecken und das zusammenhaltende Band der mensch- kichen Gesellschast. Nimm diese unfaßbare Wirkungskraft von der Erde fort, und im selben Augenblick ist die Ordnung vom Chao» abgelöst, die Throne versinken in den Abgrund und der Staat verschwindet. Gott, der der Urheber der Souveränität ist, ist daher auch der Urheber der Züchtigung: er hat unsere Erde auf diesen zwei Polen erbaut, denn der Herr ist der Herr der Pole und läßt die Welt sich um dieselben drehen... Der Henker ist ein erhabenes Wesen, er ist der Eckstein der Gesellschaft! Da das Per- brechen sich nun einmal auf der Erde häuslich niedergelassen hat. vnd da es mir durch Strafen in Zucht gehalten werden kann, so Der Alkohol. Nach einem Stich de* tleusischen englieehen Sitten- »c/ulderers und Karrihaturulen fVüUam Hogarth. ist es klar, daß beim verschwinden des Scharfrichter» jede Ordnung mit ihm oerschwinden würde. Und welche Seelengröße, welche edle Selbstlosigkeit muß mon nicht notwendig bei einem Manne voraus» setzen, der ein Werk übernimmt, das gewiß sehr ehrenvoll ist, aber doch so quälend und der menschlichen Natur zuwider." Maistre hat seine Gehirnverrenkuygen nicht etwa nur im Interesse der Bourbonen und der ihr ergebenen Mels- T•) Suche aich M. uod �_.'"7 die Todesstrafe. Von Friedrich Wendel. sippschaft vorgenommen. Dem Mann war es durchaus ernst mit der theologischen Basis seiner Autoritätsvorstellung. Er glaubte an Gott und die Dummheit der Menschen— was scherten ihn da die Tatfachen des Lebens, was scherte ihn da das Wissen? Der uralte Gegensatz zwischen Glauben und Wissen ist es, der hier klafft. Im Mittelpunkt solcher Ueberlegungen steht nicht der Gemordete und sein Schicksal, auch nicht der Schutz der Gesellschaft vor Mord- verbrechen. Für die Monarchisten kommt es nur darauf an, in welcher Weife man den Autorstätsgedanken im„2Zolk" wach und lebendig erhalten könne. Der Autoritätsfimmel aber steht noch in einer anderen, sehr interessanten Beziehung mit der Todesstrafe in Verbindung. So unglaublich es klingt, so gibt es doch orthodoxe Ver» treter des reinen Straf- und Abschreckungscharakters der Justiz, die da fordern, das jedes Urteil eines Gerichtshofes endgültig und nichtrevidierbar sein soll. Aus welchem Grund fordert man das? Um der Auwrität des Gesetzes und der Autorität des Gerichts jene«erhabene Größe" zu geben, die von angeblich so hohem erzieherischen Wert sein soll! Diese groteske Einstellung lehnt denn auch— immer auf Grund des Autoritätsgedankens I— den oft erhobenen Einwand egen die Todesstrafe ab, daß eine Hinrichtung, falls sie auf jJrund eines Fehlurteils erfolgt sein sollte/nicht mehr gut- zumachen ist. Ueber solche Fehlurteile und den gewaltigen Schaden, den sie anrichten, wollen wir uns im nächsten Artikel unterhalten. Eine öffentliche Hinrichtang. Nach einem Stich von William Hogarth. Der„ wachsende Mensch". 18 Monate als Clown in Sowjetrußland. „Clowns, ach Clowns, gibt's d>« überhaupt noch?" Die Frage wird getan, sobald man nur das Wott Clown ausspricht. Die einen sagen:„Wir haben keine Manegeclowns mehr, darum sagen uns die Exzentriks im Variete und die Groteskdarsteller im Film so zu." Die anderen meinen:„2Zie Clownsarbett hat sich überholt." Wie dein nun auch sei: die paar internationalen Clowns, die wir gegenwärtig haben, kann man an den Fingern herzählen, wobei man auf keine» Fall die B a r r a c e t a s vergißt. Sie sind Artisten durch und durchs zurzeit steht die sechste Generation im Ma>iegensand oder auf der Varietebühne. Der Nationalität nach sind sie Spanier, haben auch rein spanisches Blut in ihren Adein, sprechen aber die Worte, die z» ihrer Nummer erforderlich sind, in der gerade gewünschten Sprache richtig und ohne Akzent aus. Im Rahmen des Märzprogromms arbeiten sie im Wintergarten. Sie kamen aus Sowjetrußland, wo sie 18 Monate weilten. Da Rußland früher ein großes, weites Arbeitsseld für deutsche Artisten war und die dortigen Zirtusunternehincn jetzt Staatsbesitz sind, ist es immerhin interessant, Nochrichten über das jetzige ruffische Zirkusleben zu vernehmen. In Rußland ist die Arbeit für den Cionw teils leicht, teils sehr schiver, weil das Publikum außerordentlich verschieden zusammengesetzt ist. Eine jede Nummer, auch die von Welt» rus, muß immer erst tasten nach dem, was gefällt. Und die Barra- «las spielten in den 18 Monaten fünf verschieden« Nummern, am meisten gefiel ihr„w a ch s e n d e r M e n s ch", der immer und immer wieder verlangt wurde. In Moskau weilten sie 41-2 Monate, und dort hatten sie im Staatszirkus I mit derben Spähen den aller- größten Lacherfolg und im Staatszirkus II mit ganz feinen, geistig durchgearbeiteten Scherzen. In Leningrad waren sie drei Monate tätig, hier und in Moskau herrscht oft starke Kälte, und die Süd- länder lernten 3S Grad unter Null kennen. Da war es kein Wunder, daß einer der Barracetas erkrankte und 114 Monate zu Bett Legen mußte. Während dieser Zett wurde der Rummer, die nun bloß zwei Mann stark arbeitete, die voll« Gage bezahlt. In Rußland hat der Artist einen freien Tag in der Woche, und zwar den Montag, der aber bezahlt wird. Das schätzt natürlich mancher berühmte Artist, der lieber in Rußland arbeitet, wo er nicht reich werden kann, als in Amerika, wo er Vermögen verdient, jedoch drei Darstellungen an einem Tage geben muß und als Mensch zermürbt wird. In Sowjet- rußland löste man die schwierige Wohnungsfrage, indem man im Zirkus selbst den Attisten Unterkunftsmöglichkeit schaffte. Das Engagement führte die drei nach Odessa, Nifhny Nowgorod, Kasan usw. Die Zirkusse sind überall gut besucht. Die Eintrittspreise liegen zwischen 6l) Kopeken bis 3 Rubel SD Kopeken für den Platz. In den Sowjetzirkussen hat kein Direktor— der artistische Direktor ist fast immer ein gewesener Artist— Blankovollmacht, denn der Zirkus naterjttcht einer.KtvnniissitUr In Deutschland steht der Zirkus nahezu auf dem Aussterbeetat, mid der berühmte Artist arbeitet nach Möglichkeit im Beriete, weil das weit höhere Gagen zahlt, als der Zirkus zahlen kann. Doch ist es für einen Clown nicht leicht, auf der Bühne zu stehen. Oft hat er nicht den richtigen Kontakt mit dem Publikum, das ist still, feier- lich gesttnnnt, und der Clown hat dos für ihn beklemmende Gefühl, er stände in einer Kirch«. Was will das Publikum vom typischen Manegeclown? Ach, es will den Spaßmacher, der Freude spenden möchte, of so„dumm" haben, daß diesem Menschen der Beruf zur Qual wird. Und so reisen die Clowns von Stadt zu Stadt, von Land zu Land und sind nur zufrieden, wenn die Menschen über sie lachen. Das tveißgepuderte Clownsgesicht bleibt stets ernst, die Maske verrät nicht, ob unter ihr ein Grübler, ein ernster oder ein lustiger Mensch steckt. Eins ist aber giuntß: der Mensch ist teia Rarr. der do» Rarre» jpiel«£raa Büsiag. CH VON B. TRAVEN Nadidrudc verboten ttlt by BOthergllde Girten t>»rg, Berlin� Die drei Arbeiier Dobbs, Curfin und Howard haben beim Goldgraben im mexikanischen Hochland der Sierra Madre eine ansehnliche Menge Goldsand gefunden. Sie rüsten sich zur Helmreise, da erscheint ein Fremdling, der behauptet, dab in der Nähe eine ungeheuer reiche Goldader zu finden sei. Bevor sie sich noch enfschliefien, ob sie an der Aufsuchung des Schatzes feilnehmen wollen, erscheinen Banditen auf der Bildfl&che. Der Neuankömmling berichtet über einen räuberischen Ueberfall auf einen Personenzug und von der Verfolgung der Banditen durch mexikanisches Militär. Jetzt aber werden die Goldgräber selbst von den Banditen bedroht, die sich In die Berge zurückgezogen haben. Sie sehen, wie die Bande sich an Ihr Lager heranschleicht. Erst versuchen die Banditen durch List die vier Mann in ihre Gewalt zu bekommen. Dann gehen sie zum Angriff über. 23. Fortsetzung. Aber die Posten Holten nichts gemeldet, und als einer von ihnen heraufkam, schüttelte er mit dem Kopse und ließ erkennen, daß da unten keine Soldaten seien, daß die Straße frei wäre. Es schien dann einer den Vorschlag zu machen, daß man die Leute hier in der Rinne, ob sie nun Soldaten oder Jäger seien, rege!- recht belagern solle, denn nun lohne es sich erst recht. Seien da mehrere Leute, dann hätten sie auch mehrere Waffen, Lebensmittel und auch sonst noch Dinge, die man gebrauchen könne, in der Mehr- zahl können sie nicht sein, weil sie sonst ihren Vorteil zur rechten �it wahrgenommen und einen direkten Angriff gemacht haben würden in dem Augenblick, als die Schüsse die Leute in Verwirrung gesetzt hatten. Die vier Mann in der Rinne fanden jetzt«in wenig Zeit, um sich u besprechen, denn sie sahen, daß die Banditen vorläufig nichts unternehmen würden. Sie krochen alle zu jener Ecke, wo Howard saß, und berieten, was man tun könne. Sie aßen etwas, tranken einen Becher Wasser und leisteten sich dieselbe Freude, die die Banditen nun schon viele Stunden lang gehabt hatten, und rauchten. „Wenn man nur wüßte, was sie jetzt vorhaben?" sagte Curtin. „Ob wir das wissen oder nicht, kommt auf dasselbe heraus," sagte Howard„Wir können immer nur handeln, wenn die be- ginnen." „Wir können doch raus und drauflosgehen," rief Dobbs. „Dann hätten sie uns." Howard schüttelte den Kopf und stopfte seine Pfeife..Letzt wissen sie nicht, wieviel wir sind. Aber dann tonnen sie sich verteilen. Den Platz können wir halten, aber auf den Weg kommen wir nicht, da liegen sie im Hinterhalt. Und den Platz können wir besser halten, wenn wir ruhig in der Rinne bleiben. Wir wissen ja auch nicht einmal, ob nicht noch ein anderer Trupp unterwegs ist." „Ich denke auch, es ist besser, wenn wir ruhig in der Rinne bleiben," sagte Loeaud.„Für immer werden sie dort nicht sitzen- bleiben." „Wie reichen wir denn mit dem Wasser und mit dem Speck und den Crackers?" fragte Eurtin. „Sparsam müssen wir damit sein, dann geht es für drei Tage." Nun begannen die Esel zu schreien. Die Männer horchten auf, kümmerten sich aber weiter nicht darum. Vielleicht gab ihnen das auch die Sicherheit, daß doch kein« Soldaten hier seien, denn die würden nicht auf Eseln kommen. Zu den Eseln, wenn sie überhaupt daran dachten, sie mitzunehmen, konnten sie nicht gelangen, ehe sie nicht den Platz beherrschten. Howard sagte nun:„Wir müssen uns auf die Nacht einrichten. Da können sie«inen Schleichanfall machen." „Nicht in dieser Nacht und nicht in der nächsten," sagte Lacaud. „Es ist Vollmond, und der Platz ist beleuchtet, als ob es am Tage wäre, ich weiß es von der vergangenen Nacht." „Das ist wahr," bestätigte Howard.„Da haben wir Glück. Für die Nacht gehen wir besser zwei und zwei Mann zusammen und halten beide Ecken. Einer kann dann immer schlafen, und der andere hält die Sicht. Freilich, das brauche ich ja nicht zu sagen, wenn beide schlafen, wachen wir alle nicht mehr auf." Von den Banditen ließ sich keiner mehr auf dem Platze sehen. Sie blieben im Busch, wo man sie reden hörte und zwischen dem Gestrüpp zuweilen hin und her laufen sah. „Das wäre jetzt gute Zeit, daß zwei einen Vorschlaf halten," sagte Honwrd eine halbe Stund« später.„Die kommen uns während des Tages nicht mehr, da können wir ganz sicher sein. Ich glaub« ober bestimmt, die kommen kurz vor Morgengrauen. Darauf wette ich mit euch." Sie teilten sich nun den Schlaf«in, und die Nacht ging ganz ruhig vorüber, bis auf«ine behutsame Annäherung, die bei An- bruch der Dunkelheit erfolgte. Als aber ein Schuß krachte, während erst zwei aus dem Busch heraus waren, gaben sie es auf. Ein wenig später war auch der Mond so hell, daß man ein« Katze hätte über den Platz hufchen sehen. Aber um drei Uhr morgens stieß Lacaud Eurtin an, und Howard gab Dobbs einen Puff. „Bist du wach?" fragte Howard. „Ja, vollständig." „Drüben rührt fich's. Die kommen. Bon vier Seiten krabbeln sie raus." „Das scheinen alle zehn Mann zu sein," sagte Dobbs, nachdem er«ine Weil« hinübergesehen hatte. „Ja, die gehen jetzt aufs Ganze. Hoffentlich sind die beiden drüben in der Ecke auf dem Posten. Ich will dir etwas sagen, Dobbs, sobald sie in der Mitte sind, feuern wir. Nimm sie gut aufs Korn, damit sie gleich einen guten Empfang haben. Wenn die in der Eck«, Eurtin ist ja eine verschlafene Ratte, dösen sollten, dann werden sie durch unser Schießen munter werden. Sie haben dann noch immer Zeit." Aber ehe die Angreiser die Mitte des Platzes erreicht hatten, k-achten schon aus der Eck«, wo Eurtin und Lacaud saßen, zwei Schüsse. Denn auch sie hatten gedacht, es sei vielleicht notwendig, Dobbs und den Alten aufzuwecken, ehe die Banditen zu nah« waren. t Die Angreifer ließen sich aber nicht abschrecken. Sic krochen weiter. Es schien keiner von ihnen getroffen zu sein, jedenfalls nicht erheblich. Weder ein Fluch noch ein Schrei war zu hören gewesen. Nun schössen auch Dobbs und der Alte, und einer der Banditen fluchte, hatte also offenbar einen zu sitzen. Wahrscheinlich glaubten die Männer, jetzt sei alles verschollen, und es sei nur ein Trick mit angebundenen Gewehren gewesen, oder wer weiß, was sie sonst glauben mochten, jedenfalls wollten sie nun der Sachs ein rasches Ende bereiten. Ein« kleine Strecke krochen sie noch, dann sprangen sie auf und liefen halbgebückt auf die Rinne zu, breit über ihre ganze Länge verteilt. Dadurch boten sie natürlich ein viel besseres Ziel. Drei wurden sofort getroffen. Zwei von ihnen hielten sich den Arm, der ver» wundet max, und der Dritte schleppte sich schwer hinkend fuüi zum Busch, weil er einen Treffer ins Bein erhalten hatte. Bon der Rinne wurde unausgesetzt weitergeschossen, während die An- greiser von ihren Waffen keinen Gebrauch machen konnten, denn sie sahen niemand, auf den sie hätten holten können. Sie wußten ja auch nicht, wie es in der Rinne aussehe, wo sie vielleicht in Fallen gehen konnten. Sie ließen sich wieder auf den Boden fallen, riefen sich etwas zu und begannen, zum Busch zurückzukriechen. Dann kam der Morgen rasch herauf, und während des Tages war an einen Angriff, wie sie nun endgültig wußten, viel weniger zu denken als in der Nacht. Als die vier sich wieder in der Ecke trafen, um zu frühstücken, sagte Howard:„In der nächsten Nacht kommen sie wieder. Da werden sie wohl mit einem anderen Plan kommen. Aufgeben tun sie nicht, jetzt nicht mehr. Sie haben inzwischen gelernt, ein wie Die Banditen waren sehr tätig. guter Berte! digungsposten diese Rinne ist. Ein besseres Haupt- quartier können sie gar nicht finden. Dann noch unsere Schieheisen. und was wir sonst noch haben. Wir müssen gut nachdenken, was wir tun können." Aber vier gegen zehn, die«inen Rückweg hoben, vier, deren Trinkwasser in Bechern obgezähst werden muß, gegen zehn, die sich über den offenen Rückweg mit Wasser und Lebensmitteln und sogar mit Hilfskrästen versehen können, da gibt es nicht viel Pläne zu machen. Und weil auch immer der Angreifer bestimmt, wann geschlafen werden darf, und wann gewacht werden muß, so hat er noch einen weiteren Borteil. Eurttn, der, während die übrigen frühstückten, auf Wache stand, rief plötzlich aus:„Mal her. Was machen die da? Das wird nun ernst." Di« drei kamen sofort zu den Schußlächern und erkannten alle gleichzeittg, daß es nunmehr um Kopf und Kragen gehe. Die Banditen waren sehr tätig. Sie hieben Aeste und Stämmchen ab und begannen Schiebeschanzen zu bauen nach der Art der Indianer. Dahinter verborgen konnten sie in aller Ruhe bis an die Rinne rutschen und die Belagerten bequem aushebe». Ein paar Schüsse würden ja in der Rinne gewechselt werden, aber das Endresultat war entschieden. Gegenüber diesem Plan wußte auch Howard keinen Rat mehr. Es konnte sich nur noch darum handeln, im letzten Nahkawpfe sich so kostspielig wie möglich zu machen. Wer lebend in deren Hönde fiel, der hatte gewiß keine Freudentränen zu vergießen. „Mich wundert es ja eigentlich nur, warum sie nicht schon vorher darauf gekommen sind," sagte Eurtin.«Es ist doch ein alter Indianertrick." „Es macht zuviel Arbeit," erwiderte Howard. Sie berieten hin und her, kamen ober auf keinen Gedanken, der sie aus der verteufelten Lage, in der sie sich jetzt befanden, hätte befreien können. Es war vielleicht doch mvglich. sich durch das Dickicht einen Weg zu hauen. Aber das hätten die Männer drüben sofort gesehen. Sie dachten auch an die M�n«. Jedoch dos war nur ein unbedeutender Zeitgewinn. Schließlich kamen sie doch wieder daraus, daß es mit einem Angrifs versucht werden sollte, trotzdem es hoffnungslos war, denn dann stauben� sie auf dem freien Platze, während die anderen im Dickichb saßen und den Weg hielten. Und endlich kamen sie auch davon wieder ab, weil zuletzt selbst Dobbs, der diesen Plan am eisrigstev verfochten hatte, einsah, daß es eine bodenlos« Dummheit sei. Hätte sich nur die Felswand erklettern lassen! Aber die war zu steil, und wenn sie es auch versuchten, in der Hoffnung, vielleicht weiter oben, über der vorspringenden Ecke, einen Halt �u finden, es war dennoch aussichtslos. In der Nacht ging es nicht, und am Tage konnten sie ohne Mühe abgeschossen werden, ohne sich auch nur wehren zu können. Sie konitten nichts weiter tun, als denen da drüben ruhig zu- zusehen, wie sie arbeiteten. Um vier Uhr nachmittags konnte alles fertig sein, und dann würde wohl der Angriff zu erwarten sein. wenn sie nicht den Einbruch der Dunkelheit als den besseren Zeit- punkt ansahen. Es war gegen elf Uhr. Die Männer saßen am Eingang zu dem Platz und hielten ihr Mittagsmahl. Sie waren guter Dinge und lachten. Die vier in der Rinne waren offensichtlich der Haupt- gegenständ ihrer Scherze, denn immer, wenn sie«inen guten Witz gemacht zu haben glaubten, den sie belachten, dann sahen sie hin- über zu der Rinne. Da hörte man ganz plötzlich einen Ruf:„R»mirez, Ramirez, pronto muy pronto, nun aber rasch." Einer der Posten kam den Weg heraufgelaufen und stürzte auf den Führer los. Di« Männer sprangen alle auf und gingen in den Weg hinein. Man hörte sie reden und reden, aber das Reden entfernte sich immer wetter. Dann wurde es still, und die Belagerten wußten nicht, was sie daraus machen sollten. „Das ist ein Trick," sagte Dobbs.„Sie tun jetzt so, als ob sie fortgegangen seien, damit wir herauskommen sollen auf den Weg. Dort liegen sie im Hinterhalt und warten auf uns." (Fortsetzung folgt.) RätseI=Ecke des„Abend". uiuuiHiuuiiuiiiiiiiHiiiiiiiuuiiiiiiiiiiiiiiiiiininiiiiiniiiiiiiiiniimiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiniiiiniiiniinHittiimiiimniiinnniiininiiimiiiniMiiiiraniiiiiiimnniiiiimiuiiiiiiimHiniiinnHm Quadraträtsel. stehen lese r« « IV d beeeegbiirr rrsz Diese Buchstoben sollen so in die punktierten Felder der Figur len werden, daß acht Wörter folgender Bedeutung ent- uadrai l(In jedem Quadrat beginne man oben links und ese rechts herum): Speise, Quadrat II: Eine der ältesten und ver- breitetsten Nährpflanzen, Quadrat III: Schauspiel von Sudermonn, Quadrat IV: Stadt in Oesterreich. 1—2 Deutscher Bühnendichter, A— 4 Papiermaß, S— 6 Stadt an der Ostsee, 7— 8 Organ. Silbenrätsel. au boot bos brai del en er fer gärt gel ho häu he Helm la mer ------.---------—•— iß(ann mit.— Aus diesen edeutung: 1. Rumänisch« na ne ner ni ö päd preu re sel ßen ser Ii iann mit.— Aus diesen aender Bi' 3. Wasserfahrzeug. 4. Silben bilde man 13 Wörter folgender Donaustadt. 2. Oper. . M � Bauswffgemenge. S. Freistaat, b. Beruf._7. Getreideart. 8. Ostseeinsel. 9. Nebenfluß des Rheins. 10. Männlicher Vorname. 11. Bekannter So- zialift. 12. Signalgeber für die Schiffahrt. 13. Südslawische Land- schafb— Die dritten und vierten Buchstaben dieser Wörter, nach- «inander von oben nach unten gelesen, nennen ein merkenswertes Sprichwort. Magische Kigur. Di« Buchstaben dieser Figur sind so zu ordnen, daß die ein- ander entsprechenden senkrechlen und wagerechten Reihen gleich- lautende Wörter folgender Bedeutung ergeben: l. Teil eines Musikinstruments, 2. Schweizer Held, 3. Wagnersche Opernaestatt, 4. Lllchimist des Mittelatters, ö. Verwandtschaftsgrad, S. Person de- ollen Testaments, 7, Zufluß der Aare. Magisches Kreuzrätsel. in. ii. IV. aaeghilmorut Dies« Buchstaben schreibe man so in die punktierten Felder der obenstehenden fünf Kreuze, daß fünf vierlautige Wörter folgender Bedeutung entstehen: I. Stadt in Holland, II. französischer Schrift- steller, III. asiatischer Fluß, IV. Bindemittel, V. weiblicher Vorname. — In jedem Kreuz beginne man an der Spitze und lese rechts herum. Sprichworträtsel. 1. Wer Unrecht sieht, der soll es wenden. 2 Eine Schwiele an der Hand hat mehr Ehre, denn ein gol- dener Ring am Finger. hat auch fünf Finger an der Hand. Fischen werden die Hechte groß. Kot wohnen oft beieinander. 3. Ein anderer 4. Bon kleinen S. Mühe und Not wohnen oft 6. Das Hirn sieht man nicht an der Stirn. 7. Wer sich auf andere verläßt, ist oerlassen. 8. Je hohler die Lhre, desto höher die Nase. 9. Ohne Mühe keine Brühe. Diesen Sprichwörtern ist je ein Wort zu entnehmen. Richtig gesunden und nacheinander gelesen, ergeben diese eine alte Spruch- weisheit._ Auflösungen der Rätsel aus voriger Nummer. a g« r e ch t: 1. Amsel, 4. Alpen, '~----- 17. �to, Kreuzworträtsel: 8. Radau. 19. Eden, 12. Peru, 14. Revah IS. Besen. 18. Eros. 19. Zero, 20. See, 21. Vesta, 24. Nadel, 28. Otto, 30. Lena. 31. Piano, 32 Stier, 33. Pensa. Senkrecht: 1. Auer, 2. Made, 3. Erna, 4. Aa, 5. Lupe, 6. Ehre, 7. neun, 9. du. 11. Eoereft, 13. Estrade. 15. Lissa, 16. Bozen, 6. Ehre. 7. Neun, 9. Du, 11. Evercsi. 13. Estrade, 15. Lissa. 1«. Bo.zen, 21. Boß, 22. Etat, 23. Tope, 25. Aloe, 26. Enns, 27. Lava. 29. Ja. Silbenrätsel: viaboio, Eimer, Baabe. Alecheln England, Rase, Spaten. Eypern, handstand, llsolde. Silber. Tana, Einbaum, Hülsenfrucht. Edam, Genoveva, Eichhörnchen, Becken— Der Mensch ist ehe geboren denn der Amtmann. Kammrätsel: LIEBKNECHT E B B H N B E A IEEE N L X B Zahlenrätseli 1. Hameln, 2. Birne, 3. Spanien, 4. Runen' 5. Quaderstein, 6. Genie, 7. Tunnel, 8. Schubert, 9. Willis, 10. Kinn- 11. Auch, 12. Scheveningen, 13. Werder, 14. Tower, 15. Ihn- 16. Weichsel, 17. Oger, 18. D.—„Eine schlechte Handlung quätt uns nicht in dem Augenblick, wo wir sie begehen, sondern viel später, wenn wir uns ihrer erinnern." Nr. 144 45. Jahrgang mu maturalno Technik Männer der Technik. Robert Fulton. Bor 125 Jahren hat der achtunddreißigjährige Amerikaner Robert Fulton die Pläne für ein wirtschaftlich arbeitendes DampfSchiff fertiggestellt. Dampfschiffe waren in jenen Zeiten noch etwas fehr Seltenes. Ane früheren Konstruktionen hatten mehr oder minder start versagt. Die Folge der fehlgeschlagenen Bersuche waren allgemeine Ablehnung und starkes Mißtrauen gegenüber jedem, der sich anheischig machte, die gleiche Kraft, die zum Antreiben von Eisenbahnen, non Tertilmaschinen und in Bergwerken Hervoragendes leistete, auch für den Antrieb eines Schiffes, auszunügen. Robert Fulton, der 1765 in Little Britain in Penn fylvanien geboren war, hatte sich schon von Jugend auf mit technischen Problemen aller Art beschäftigt. Besonders hatte er immer und immer wieder darüber nachgedacht, wie es möglich wäre, ein Schiff anders als durch Wind oder Ruder fortzubewegen. Schon der dreizehnjährige Junge baute ein Schiff, bei dem die Riemen durch seitlich angebrachte Paddelräder ersetzt wurden. Eine Ironie des Schicksals war es, daß dieser hochbegabte Mechaniker Maler werden mußte. Seine nicht unbedeutende Begabung auf diesem Gebiete aber verschaffte ihm die Bekanntschaft eines amerikanischen Künstlers in Philadelphia, mit dem er gemeinsam im Jahre 1786 nach London fuhr. Hier, im alten Europa, im Zentrum der modernen Technit, wandte er sich nun völlig der Mechanit zu. Er wurde der Erbauer eines der ersten brauchbaren Untersee. boote, des ,, Nautilus", das er in den Jahren 1797 bis 1800 fertigstellte. Zu dieser Zeit war er schon in Paris. Er glaubte, daß Napoleon für derartige Schiffe bei der Uebermacht der englischen Flotte Verwendung haben fönnte. Darin sah er sich getäuscht, trotzdem Bersuche die Richtigkeit seiner Erfindung bewiesen. Es gelang ihm, in Le Havre am 31. Ottober 1800 ein Floß und im nächsten Jahre eine Schaluppe in die Luft zu sprengen. 1805 vernichtete er mit seinem Unterseeboot eine dänische Brigg im Auftrage der Engländer. Man darf bei allen diesen Versuchen nicht vergessen, daß Fulton sich vor allem als Techniker fühlte, und daß es ihm darauf anfam, seine technischen Ideen zu fördern. Er paßte sich einfach den Zeitumständen an und stellte seine Ideen in den Dienst der Zerstörung. Im allgemeinen ist es ja auch immer so gewesen, daß die Regierungen erst dann technische Neuerungen förderten, wenn sie fie für die Zwede des Krieges mißbrauchen fonnten. Trozdem der Erfinder seine Berheißungen wahr machte, lehnten sowohl Napoleon als auch England ein weiteres Eingehen auf die Idee des Unterseebootes ab. Auch ein weiterer Gedanfe, ein wirt. lich brauchbares Dampfschiff herzustellen, fand bei den maßgebenden Stellen in Paris und London teine Billigung. Dafür aber hatte Fulton in Paris den amerikanischen Gesandten Robert Living. stone tennen gelernt, der von den Fähigkeiten des Erfinders so überzeugt war, daß er ihm die notwendigen Mittel zur Schaffung eines Dampfschiffes zur Verfügung stellte. Fulton kehrte nach Amerika zurüd. Mit den Geldern, die Livingstone gegeben hatte, baute er den hölzernen Rumpf feines ersten Dampfschiffes Cler mont". Die Dampfmaschine hatte er von der weltberühmten Fabrit Bulton und Watt in Soho bezogen. Die Amerikaner glaubten damals noch nicht, daß ihr Land jemals das der unbegrenzten Möglichkeiten werden würde. Sie tauften das Schiff, bevor es seine erste Fahrt gemacht hatte, Fully", d. h. Narrheit. Und dann kam der 3. September 1807 heran, an dem die Fully" von New York den Hudsonstrom aufwärts nach Albany fuhr. Sie legte den 225 Kilometer langen Weg mit einer Stundengeschwindig teit von 7,5 Kilometer, also insgesamt in 32 Stunden zurüd. Fulton hatte eine Geschwindigkeit von 6 Kilometer garantiert und damit sein Bersprechen erheblich übertoffen. Bei dieser Fahrtgeschwindigkeit ließ sich ein wirtschaftlicher Betrieb einrichten. Fulton wurde mit Glückwünschen und auch Aufträgen überhäuft. Sein nimmer raften der Geist verstand sich aber nicht auf Geldmachen, er hatte neue Pläne, die seine Einnahmen verschlangen, und als er am 24. Februar 1815 starb, hatte er zahlreiche Gläubiger, die seinen Schulden nach trauerten. Fultons Dampfschiff machte den Weg frei für die Anwendung des Dampfes in der Schiffahrt. Bereits 1819 fuhr die ,, Savannah" über den Ozean, und von nun an nimmt der Dampfschiffbau einen ungeheuren Aufschwung, der durch die Anwendung der Schiffsschraube noch wesentlich beschleunigt wurde. Die Ameri taner begriffen die Bedeutung Fultons, dessen Wert erst nach seinem Tode zur restlosen Anerkennung gelangte, sie ehrten ihn, indem sie feinen Erben eine vom Staat gestiftete Belohnung von 75 000 Dollar vermachten und seinem Geburtsort feinen Namen gaben. 208000 Kilowatt! Der moderne Mensch gewöhnt sich langsam daran, von der heutigen Technik Spigenleistungen zu erwarten. Riesige Schiffe, ungeheure Brückenanlagen, und nicht zuletzt Straftanlagen von immer größeren Ausmaßen sind ein Kennzeichen unserer Zeit. Noch vor furzem wurde es als ein Ereignis empfunden, daß die Schweizer Turbinenfabrik von Brown Boeri u. Co. für ein amerikanisches Großfraftwert einen Turbodynamo von 160 000 Rilowatt in Auftrag betam. Jetzt hat die State Line Generating Co. einen Auftrag gegeben, der als der Titan unter den Dampfturbinen gelten fann. Es soll eine dreistufige Dampfturbine gebaut werden, die in der Hochdruckstufe 76 000 Kilowatt und in zwei Niederdruckstufen je 66 000 Kilowatt leisten soll. Das ist eine Ge= jamtleistung von 208 000 Kilowatt oder 280 000 Pferdestärfen. Das mathematische Zentrum der Welt. Der durch die Beihilfe der Rockefeller- Stiftung jegt zur Aus. führung gelangende Ausbau des Mathematischen Insti. tuts an der Landesuniversität Göttingen ist von außerordentlicher Bedeutung nicht nur für Deutschland, Europa, sondern für die ge famte Stulturmelt. Der Umfang des Bauplans, der Hörsäle, die bis 200 Personen faffen, Arbeitszimmer aller Art, Räume für Büche, reien und Sammlungen vorsieht, berechtigt, von einem Zentrum der mathematischen Welt in Göttingen zu sprechen. Nach Fertigstellung der gesamten Baulichkeit 1929 wird das Mathematische Institut in Göttingen nirgends feinesgleichen finden, Sonnabend 24. März 1928 Aus der Gefchichte des Autos Daimler Wagen von 1887 دا Benzin Automobil von Marcus 1875 Die ungeheuren Fortschritte der Technik werden am flarsten, wenn man auf diesem oder jenem Gebiet um einige Jahrzehnte Rüdschau hält. Die selbstverständliche Weiterentwidlung aller technischen Dinge macht vor nichts halt. Bleibt auch das reine Arbeitsprinzip in seiner Wirkung das gleiche, so erstreckt sich die Umgestaltung gleichsam aber auf die äußeren Formen. Sehr augen scheinlich tritt diese Tatsache beim Kraftfahrzeug zutage. Betrachten wir heute ein modernes Automobil, so sehen wir deutlich, welche Bandlungen es im Laufe der Jahrzehnte durchgemacht hat und fchließlich in feiner Hinsicht mehr an die ersten Schöpfungen auf diesem Gebiet erinnert, obgleich das Prinzip dasselbe blieb. Aber die stetig fortschreitende Technit brachte immer neue Verbefferungen, so daß doch etwas völlig Neues entstand. Benz Wagen von 1886 Kraftrad von 1885 Automobils, und inner neue Industriefirmen gingen zu seiner Herstellung und weiteren Verbesserung über. Mit der Zeit war der Kraftwagen aus dem Versuchsstadium herausgekommen. Seine praktische Verwendung im Verkehr stellte immer größere Anforde rungen an die Konstrukteure, die aber zur Zufriedenheit gelöst werden konnten. Sportliche Veranstaltungen, wie Automovilrennen, trugen in hohem Maße zur Vervollkommnung bei. Heute ist das Automobil vor allem Gebrauchsfahrzeug. In allen Ländern, besonders in Amerika, ist eine ungeheure 3unahme des Automobilverkehrs eingetreten. Technische Vollendung und modernste Fabritationsmethoden gehen nebeneinander her, um brauchbare Erzeugnisse herauszubringen, die auch weitesten Kreisen dienen sollen. Immer mehr muß es das Bestreben der Fabriken Wagen mit eigener Antriebskraft zu schaffen, die nicht an fein, die fabrikatorischen Einrichtungen zu verbessern. Nur durch Schienenwege oder dergleichen gebunden sind, ist ein altes Problem; fie fönnen wir zum billigen Gebrauchswagen kommen. Biel ist in doch seine praktisch brauchbare Berwirklichung ist erst in der letzten dieser Hinsicht schon getan worden, aber noch viel mehr bleibt zu Hälfte des vergangenen Jahrhunderts gelungen. Als allererste tun, foll das Automobil die Popularität auch in Deutschland er= Vorläufer des Automobils kann man einen Wagen betrachten, derringen, deren es sich bereits in anderen Ländern in hohem Maße durch den Rückstoß des in die Luft entweichenden Dampfes fort erfreut. bewegt wurde. Die Abbildung dieses Wagens findet sich auf einem altägyptischen Relief. Weitere Arbeiten auf diesem Gebiete führten Heron von Alexandrien, Roger Bacon, Isaac New= ton und Joseph Cugnot aus. Cugnot vollendete im Jahre 1769 den ersten wirklich fahrbaren Dampfwagen. Wandte man auch von dieser Zeit an ganz die Aufmerksamkeit dem Dampfwagen zu, so fonnten mit den damaligen Mitteln doch keine nennenswerte Er folge erzielt werden. Seit 1864 beschäftigte sich der Defterreicher Siegfried Martus mit der Konstruktion eines durch Berbrennungsmotor betriebenen Wagens. Nach elfjähriger Arbeit gelang es ihm, feinen Wagen fertigzustellen. Grundlegend für den späteren Kraftwagen waren jedoch erst die Arbeiten von Gustav Otto und Gottlieb Daimler. Im Dezember 1883 wurde Daimler unter Nr. 28 022 ein Patent erteilt, das„ das Verfahren, eine Ladung brennbaren Gemisches ( Luft mit Gas oder Del gemischt) in einem geschlossenen heißen Raum rasch zu komprimieren, damit es sich erst im Augenblick der höchsten Spannung entzündet und Explosion oder rasche Berbrennung durch die ganze Masse erfolgt, und die durch die Ber brennung erhöhte Spannung auf dem Rückweg des Koltens als Triebtraft zu verwenden" schüßte. Auch Maybach beschäftigte sich bereits damals mit diesem Problem und arbeitete dann mit Daimler eng zusammen. Er trug wesentlich zur Vervollkommnung des Motors bei. 1886 war das erite pierräbrige Daimler Automobil fertiggestellt. Gleich großen Anteil an der Entwicklung des Automobils hatten Paul und Carl Benz, deren Arbeiten ungefähr in die gleiche Zeit fielen. Diese ersten benzinmotorbetriebenen Wagen waren normale Kutschwagen, in die ein Benzinmotor eingebaut war. Der erste Motor leistete etwa 3% PS. Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts haben sich weitere Konstrukteure mit der Bervollkommnung des Automobils befaßt. Unter ihnen feien nur einige Namen genannt, wie leger ( Adler), Opel, Renault, Darracq. In der Mitte der neun siger Jahre ging man zum erstenmal dazu über, den Motor por den Führersiz zu lagern, und zwar ungefähr über der Borderachse, jedoch behielten die Fahrzeuge noch thren tutschenähnlichen Aufbau bei. Erst um die Jahrhundertwende erhielt das Auto die ihm eigentümliche Form. Die Pionierarbeit war geleistet. Es mußte nunmehr die Verbesserung und Bervollkommnung der einzelnen Organe eintreten, Man erkannte die zufünftige Bedeutung des Einen ährlichen Entwicklungsgang wie das Automobil hat auch Das Motorrad durchgemacht. Die ersten Versuche wurden wieder mit der Dampfmaschine gemacht; fo 1784 von Murdoc. Aber erst Daimlers Arbeiten förderten die Schaffung eines Motorrades. 1885 war das erste Rad fertiggestellt. Sein Rahmen bestand aus Holz. Der luftgekühlte Einzylindermotor leistete 0,5 PS. Die Bezeichnung Motorrad" tam im Jahre 1893 auf. Hildebrand und Wolfmüller in München prägten für die von ihnen geschaffenen Waschinen diese Bezeichnung und ließen sich das Wort Motorrad gefeßlich schüßen. Dieses Motorrad wurde zum ersten Male erfolgreich mit Pneumatitbereifung ausgerüstet. Später nahmen vor allem die Fahrradfabriken den Bau von Motorrädern in ihre Arbeitsprogramme auf. Die Entwicklung ging allerdings zuerst nur sehr langsam vorwärts, da die Motorradfeindlichkeit der Behörden hier hemmend wirkte. Die Vervollkommnung der Motoren aber ließen das Motorrad zu einem ausgezeichneten Verkehrsmittel werden Frig Wittekind. Das Auto in Amerika. Die leßte Automobilausstellung in New York gab einen guten Ueberblick über die Autofabrikation in den Bereinigten Staaten. Nicht weniger als 43 Fabriten hatten ausgestellt. Von den 217 ausgestellten Wagen hatten 72 Acht3ylindermotoren. Die Steigerung der Motorengröße ift eines der Zeichen, unter denen sich die Fortentwicklung des ameritanifchen Autobaus vollzieht. Gewichtsverminderung wird durch Verwendung von Leichtmetallkolben angestrebt. Fast alle Fahrzeuge waren mit Bierradbremse ausgestattet. Sehr bemerkenswert erscheint auch die Tatsache der vermehrten Anwenbung von Rollentetten zur Betätigung der Steuerwellen. Die Zahl der in den Vereinigten Staaten laufenden Kraftomnibusse mit Benzin- elettrischem Antrieb ist in ständigem Steigen begriffen. Sie hat sich im letzten Jahre von 1000 auf 1400 erhöht. Zur Erhöhung der Verkehrssicher= heit will die Stadt Baltimore Verfuche mit einem an den Straßentreuzungen aufzustellenden Sichtfignal machen, das durch die Supe der sidy nähernben Kraftwagen betätigt wird. Die Berkehrsziffern der nordamerikasischen Eisen. bahnen haben infolge des gesteigerten Kraftomnibusverkehrs eine erhebliche Berminderung erlitten. Diese beträgt in den letzten fünf Jahren im Often 22 Broz., im Westen 48 Proz. und im Süden 42 Proz Straßenlaufen und Gehen. Ausschreibungen für Arbeitersportvereine. # Der Sportnerein Sparta Berlin bringt am 29. April ein bundesoffenes Straßenlaufen und gehen zum Austrag. Die Strecke führt über 12 Kilometer, Start und Ziel auf dem Sportplatz im Friedrichshain. Die Ausschreibung sieht vor eine Wertung der Einzelläufer in den Klassen: offen für alle, für Anfänger, für Turner und andere Sparten, sowie für ältere Sportler. Die Wertung der Geher erfolgt in den Klassen: offen für alle, sowie für Anfänger. Im Laufen sowie im Gehen erfolgt gleichzeitig eine Mannschaftswertung nach Bunften; jede Mannschaft besteht aus drei Mann. Für die Aschenbahn ist gleichzeitig eine freisoffene 3X1000- meter- Staffel für Jugendliche ausgeschrieben. Sparta ist der langjährige Veranstalter der später von der Leichtathletiksparte übernommenen Straßenstaffel Rund um den Friedrichshain" und ,, Quer durch den Osten", die ihm auch in diesem Jahre wieder zur Austragung übergeben wurde, ist also in der Durchführung von Straßenveranstaltungen erfahren, um Gewähr für eine für den Arbeitersport werbende Beranstaltung zu bieten. Meldungen sind bis 21. April zu richten an Erwin Janey ti, Brelin D. 34, Gubener Str. 23. Quer durch Moabit" Eine Werbeveranstaltung für den Arbeitersport bringt am 15. April nachmittags der Sportverein Moabit mit dem Straßenlaufen und Gehen Quer durch Moabit" zur Durchführung. Die Ausschreibung sieht geschlossenes Mannschaftslaufen für Männer über 3000 Meter und Jugend über 2000 Meter, Einzellaufen mit Mannschaftswertung für Männer über 5000 Meter, Jugend über 3000 Meter, Frauen und Schüler über 1000 Meter, Einzelgehen mit Mannschaftswertung für Männer und Jugend über 5000 Meter, sowie einen Werbelauf für geschlossene Bereinsgruppen vor. Die Einladung zur Teilnahme richtet sich an alle Sparten des Arbeitersports. Turner, Spieler, Wassersportler, Kraftsportler usw. werden in allen Wettbewerben neben der Leichtathletiksparte gesondert gewertet. Start und Ziel der Veranstaltung ist Wiclef. Ecke Waldstraße. Den Abschluß der Beranstaltung bildet ein Sportabend mit Film- und Bühnenvorführungen im Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclefstr. 24. Meldeschluß am 5. April bei Wilh. Schuler, NW 21, Alt- Moabit 93. Die Turnhallennot. Klagen aus Neukölln. Aus Neuköllns Arbeiter Turnertreifen geht uns folgende Klage über die Turnhallennot zu: Die Freie Turnerschaft Neukölln, die sich hervorragend in den Dienst der Jugendpflege gestellt hat, erachtet einen wöchentlich zweistündigen Uebungsbetrieb für viel zu wenig und strebt ein zweimal zweistündiges Turnen, wie es alle anderen Groß- Berliner Vereine haben, an. Dem Verein sind durch die Schulbehörde die ihm zustehenden wenigen Abende schon oft genommen worden, um Versammlungen in der Riefenhalle am Herzbergplag tagen zu lassen, die mit ihrem schwachen Besuch ebenso gut in leerstehenden anderen Schulräumen tagen konnten. Dieselbe Halle wird auch als Schultino benutzt, da das Städtische Kino in der Bergstraße scheinbar den Schulbedürfnissen nicht entspricht. Dazu müssen auch wieder die Uebungsabende der Freien Turnerschaft herhalten. Am Mittwoch, dem 14. März, wurde zwei Abteilungen mit etwa 140 Turnerinnen die Halle entzogen, weil dort der Verband der Versicherungsträger Brandenburgs eine Kinoporstellung abhielt. Der Schreiber dieser Zeilen sagt am Schluß, daß er dieses System für eine talte Drosselung der Arbeiterturnvereine hält. Abhilfe wäre hier sehr nötig. Meidet Mussolinien! Zwei Mitglieder der Naturfreunde unternahmen eine Tour ins Gebiet der Röthlspitze. Da sich ihr Marsch verzögerte und der Abstieg zu der auf österreichischem Boden liegenden Klarahütte wegen einbrechender Nacht nicht ratsam war, stiegen sie zur Lentjöchhütte ab, die schon auf italienischem Gebiet steht. Der Wirt, ein Faschist, ließ fie fofort festnehmen, und schließlich wurden sie nach Kasern und weiter nach Bruned verschleppt. Ueberall behandelte man sie als Verbrecher, warf sie in feuchte Kellerlöcher, stellte hochnotpeinliche Untersuchungen an und gab ihnen nichts zu effen. Es wurde über sie zu Gericht gesessen und 30 Tage haft verhängt. Es war zweifellos ein Vergehen, ahne Paß die Grenze zu überschreiten, noch dazu die italienische. Die Brutalität der italienischen Behörden liegt aber in der Art und Beise, wie sie Naturfreunde behandelten, deren Absichten offensichtlich nach der Besteigung von Berggipfeln zielten, und nicht nach Besuchen in den Niederungen Maffoliniens. Kulturfraktion der SPD. Alle Sozialdemokraten, die Mitglied einer Arbeitertulturorganisation find( Schach, Radio, Theater, Mandolinen, Stenographen, Efporanto, Ido, Photographen, Abstinenten, Naturheilkundige), werden aufgefordert, fofort ihre Adresse an den Unterzeichner mitzuteilen. Insbesondere erwarten wir die Anschriften der Sänger. Da auf der legten Ausschußfizung einige Spartenfraktionsobleute fehlten, wird schriftlicher Bericht erwartet. Kulturfraktion der SPD. Berlin- Lichtenberg, August a= Straße 8. Arbeitersport- und Jugendorganisationen Lichtenbergs. Am 28. März findet in der Schule Siegfriedstraße die General versammlung Des hiesigen Ortsausschusses für Jugendpflege statt. Alle Vereine und Abteilungen, die Mit glied sind, oder ihre Aufnahme beantragt haben, müsse diese Versammlung besuchen. Auf je 50 Mitglieder ein Delegierter. Dieselben müssen bis zum 26. März der Geschäftsstelle des Ortsausschusses für Jugendpflege, D. 112, Müggelstraße 19, gemeldet sein. Arbeits gemeinschaft der sozialistischen Jugendorganisationen Lichtenberg, Augustastraße 8. Freie Schwimmer Neukölln haben folgende Uebungsstunden: Gruppe Neukölln: Dienstags 20-21 Uhr Männer, Frauen und Jugendliche, Montags 20-21 Uhr Kinder im Stadtbad Neutölln, Ganghoferstraße. Gruppe Lichtenberg: Montags 20-21% Uhr Stadtbad Friedrichshain, Donnerstags 20-214 Uhr Stadtbad Lichtenberg. Sonnabend, 24. März, 20 Uhr, Altersriegenfizung des Gesamtvereins im„ Alligator, Kuftriner Blag 10. Sonn tag, 25. März, Besichtigung des Freibades Müggelfee. Treffpunkt 2 Uhr Bahnhof Stralau- Rummelsburg. Lichtbildervortrag„ Unser Wald". Mittwoch, 28. März, 20 Uhr, spricht Mar Gottschaar in der neugegründeten Abteilung Mitte des Touristenvereins Die Naturfreunde" über oben genanntes Thema in der Geschäftsstelle, N. 24, Johannisstraße 14/15. Gäfte herzlich willkommen. Arbeiter- Radfahrerbund Solidarität“. Rennfahrer- und Wettfahrausschuß Dienstag, 27. März, 19% Uhr, Vereinshaus Südost, Michaelfirchstraße 29a, Sigung aller Rennfahrer. Die nächsten Rennen und das neue Rennreglement wird behandelt. Rennfahrer tönnen in diejer Sigung noch aufgenommen werden, Volksflugtag zu Ostern. Nach der Winterruhe geben sich die Sportflieger am Oster. montag auf dem Zeppelin- Luftschiffhafen Berlin- Staaten ein Stelldichein. Zur Eröffnung der Flugsportsaison 1928 veranstaltet die Fliegerschule Berlin- Staaten G. m, b. H. ihr traditionelles Osterschaufliegen. Aus der Fülle der fliegerischen Darbietungen seien besonders hervorgehoben: die Flüge eines ausländischen historischen Eindeckers, sowie die Vorführung des fliegenden Doppelschleppzuges ( Motorflugzeug mit zwei Anhängern) und das Debüt eines neuen Leichtflugzeuges. An den einzelnen friedlichen Wettkämpfen beteiligen fich mehrere Maschinen der Raab- Kazenstein Flugzeugwerf B. m. b. S., Kaffel, unter der Führung namhafter Sportflieger. Es jei ferner bemerkt, daß den Zuschauern Gelegenheit gegeben wird, die verschiedenen Typen auf der Erde aus nächster Nähe in Augenschein zu nehmen und zu ermäßigtem Preis Bassagierflüge auszuführen. Die Veranstaltung beginnt 15% Uhr. Eintrittspreise: Autozuschauerplaz 3 M., 1. Platz 2 M.( Kinder auf beiden Blägen 1 M.), 2. Platz 1 M.( Kinder 50 Pf.) und Autoparkplay 2 m. Es ist jetzt noch gelungen, Meister Udet, München, und Deutschlands einzige Kunstfliegerin Thea Rasche, Hamburg, als Deutschlands einzige Kunstfliegerin Thea Rasche, Hamburg, als Gäste für die Osterflugschau zu gewinnen. Das Publikum hat also Gelegenheit, dieses Kunstfliegerpaar bei ihren fabelhaften Borführun gen auf ihren schynittigen Flamingo"-Doppeldedern zu bewundern. So sehen sie aus!" Im Abend vom 9. März berichteten wir mit der Ueberschrift So sehen sie aus", wie auf einem Festessen des Berliner Schlitt schuhflubs die schwarzrotgoldene Reichstischflagge unter einem Tische liegen gesehen worden wäre. Der Klub schreibt uns dazu, daß bei dem Schlußbankett die Flaggen aller vertretenen Nationen ( selbstverständlich auch die deutschen) auf den Tischen verteilt waren. Da das französische Weltmeisterpaar Join- Brunet wegen Erkrankung von Fräulein Joly diesmal leider nicht erschienen war und auch die belgische Bertretung fehlte, wurden die französischen und belgischen Flaggen entfernt. Unser Berichterstatter hätte irrtümlich die belgische schwarzrotgelbe Flagge der gleichen Farben wegen für die deutsche gehalten. Unser Gewährsmann bleibt auf seiner Angabe bestehen, daß auf den Tischen keine schwarzrotgoldenen Flaggen gestanden hätten. Auch Noack im Ring. Der deutsche Federgewichtsmeister Paul No ad ist für den Schmeling- Diener- Rampftag am 4. April im Sportpalast verpflichtet worden. Zuerst war als sein Gegner der Franzose Masa cart in Aussicht genommen, der sich aber im Training die Hand gebrochen hat, so daß er mehrere Monate pausieren muß. Nunmehr hat sich der Veranstalter entschlossen, dem Wunsche von Noacks Her ausforderer Gohres nachgebend, der bekanntlich Road in Dortmund zweimal vor dem f. o. hatte, und den Kampf nur wegen einer Handverlegung verlor, die deutsche Federgewichtsmeisterschaft zwischen Road und Gohres austragen zu laffen. Gohres erhielt außerhalb steht also neben der deutschen Schwergewichtsmeisterschaft am der Ausscheidungen die Berechtigung, nochmals Road zu fordern. Es 4. April noch eine zweite Meisterschaft auf dem Programm. Ein Schwimmfest der Schulen Berlins findet Sonnabend, 24. März, nachmittags 4½ Uhr, im Wellenbad Lunapark statt. Die Veranstaltung soll eine Uebersicht über den Stand und die Ergebniffe des Schulschwimmens vermitteln. Etwa 60 Berliner Schulen find daran beteiligt. 2. Gestüt Falkenhagen Borausfagen für Mariendorf: 1. Hasdrubal Lindow- Peter; Balencia I; 3. Ilona W. Jsarwelle; Abdullah 4. Fahrt Jauß jr. Gestüt Damsbrück; 5. Marie Luise. Silver; 6. Frankenstein- Dennewig; 7. Karl Heinz- Fahrt Jauß ir.; 8. Louisiana- Armenier; 9. Fahrt Jauß jr.- Harfenmädchen. Turnt in den Arbeitervereinen! Der organisatorische Zusammenschluß der einzelnen Arbeiter sportvereine schreitet in Berlin rüftig vorwärts. So haben sich jetzt der Turnverein Eiche" und der Schwimmverein Delphin", beide in Tegel anfäffig, unter dem Namen Freie Sportvereini gung Tegel E. V." zusammengeschlossen. Der Verein inrnt in seiner Männer- und Jugendabteilung Dienstag und Freitag von 19 bis 21 Uhr, Turnhalle Graf- Rödern- Korso; in der Frauen- und Jungmädchenabteilung an denselben Tagen in der Turnhalle des Lyzeums am Sportplatz am Graf- Rödern- Korso; mit der Schülerabteilung an den gleichen Tagen von 18 bis 19 Uhr in der gleichen Turnhalle wie die Männer, während die Schülerinnen Dienstag und Freitag von 18 bis 19 Uhr in derselben Turnhalle ihren Sport | | betreiben. Die Schüler und Schülerinnen der Abteilung Borsigwalde turnen Montag und Freitag von 18 bis 20 Uhr in der Mittelschule Borsigwalde. Jeden Freitagabend um 22 Uhr Handballersizung, Tegel, Schlieper Str. 64. Bereinigt haben sich auch die Freie Turnerschaft LichtenbergFriedrichsfelde und der Schwimmverein„ Neptun 1894" unter dem Namen„ Arbeitersportverein Lichtenberg". Der Verein unterhält Abteilungen in allen im Arbeiter- Turn- und Sportbund betriebenen Sportarten, ihm find außerdem eine Tennis-, eine Boots- und eine Tambourabteilung angeschlossen. Anfragen erledigt die Geschäftsstelle, Friz Krumm, Berlin D. 112, Scharnweberstraße 52. Werktag und Arbeitergesang Zum 1. Bundesfest in Hannover. Die Seele fintt in sich selbst susammen, wenn nicht edle ( Germaine von Staël- Holstein.) Kunft, große Monumente, erhabene Gefänge unseren dichterischex Geist beleben. Woche an Woche reiht sich, Jahr an Jahr, unaufhörlich wieder holt sich der eintönig- gleichverlaufende Arbeitstag des Werftätigen, der wohl den Einsatz seiner Kräfte fordert, aber ihm niemals die Freude des alten Handwerks, die Freude am Gelingen, am Aufbau des eigenen Werkes erleben läßt. Entpersönlicht unsere Arbeit, in der wir uns selbst nicht mehr finden und ausdrücken können; denn mechanisch sind die Griffe geworden, die wir am„ laufenden Band zu verrichten haben. Aber je einförmiger unser Tagewerk verläuft, um so größer und ungestümer wird unsere Sehnsucht nach Erlebnissen, die uns über den Alltag tragen, unser Empfinden steigern, unseren inneren Menschen erfassen und beschwingen und mit dem Willen zu eigenem Gestalten neue Kraft und Lebensfreude in uns ermeden. Benn der Arbeitstag zu Ende geht, dürfen wir uns endlich wieder selbst gehören. Je nach Veranlagung werben wir unsere Freizeit nüzen. Taufende huldigen dem Sport oder suchen Unterhaltung. Die Arbeiterschaft, die für künstlerische Bestrebungen In tereffe zeigt, findet sich in den Volksbühnen, und will sie sich fünft. ferisch ausübend betätigen, in den Sprechchören der Arbeiter schaft und, nichtzulegt, in den Arbeiter Gesangschören vereinigt. Die Liebe zur Musit ergreift weite Kreise des werftätigen Boltes. Die Pflege der Hausmufit, soweit sie fünstlerische Ziele verfolgt, wurde abgelöst durch Singen und Mufizieren in unseren Arbeiterchören. Es wird in Deutschland nicht allzu viele Orte geben, die noch keinen Arbeiterchor befizen. Erfreulicherweise finden wir gerade in Kleinstadt und Industriedorf Boltschöre, die künstlerisch durchaus beachtliche Arbeit leisten, die, pon einem vorbildlichen Geist beseelt, über die politischen Gegenfäge der Arbeiterschaft his eg Kind, Jungvoll, Mann und Frau zur proletarischen Erziehungs arbeit hinführen. In den Chören der Arbeiterschaft wird der einzelne als vollwertiges Glied eines größeren Ganzen gewertet. Wohl ist er auch hier nur ein Teil des Ganzen, das sich einzureihen hat, doch nimmt er nachschaffend am Gesamtaufbau eines Liedes, eines größeren Chorwerkes, das in den Konzerten seiner Sängergemeinschaft aufgeführt werden soll, teil. Aus dem innersten Kern heraus sieht er das Werf erſtehen; ihm ist er verbunden, mit ihm verwachsen; ein Teil des Schöpferglückes, das der künstlerisch Schaffende empfinden mag, wird auch ihm gegeben. Bor der breitesten Deffentlichkeit wollen die deutschen Arbeiterhöre Zeugnis ablegen dafür, daß sie ihre Arbeit ernst nehmen und ihre gefangliche Betätigung ernst genommen wissen wollen. Die Arbeiterfängerschaft wird ein Fest begehen, dem heute bereits vou weitesten Kreisen mit Intereffe und Spannung entgegengesehen wird. Arbeitergesanges! Wir erwarten, daß ihr in den Junitagen dieses Arbeiterfängerinnen und Arbeiterfänger, Freunde des deutschen Arbeitergefanges! Wir erwarten, daß ihr in den Junitagen dieses Jahres euch zu uns geſellt! Es ist nun an der Zeit, daß ihr uns Jahres euch zu uns gefellt! Es ist nun an der Zeit, daß ihr uns fagt und schreibt: wir fommen mit, wir fühlen uns dem Deutschen Arbeiter- Sängerbund so start verbunden, daß wir auch einmal größere Opfer aufzubringen uns nicht scheuen. An jeden ist der Ruf gerichtet: Auf nach Hannover, zum ersten Bundesfest der deutschen Arbeiter. länger! Der 16., 17. und 18. Juni foll uns zu Zehntausenden in Hannover zusammenführen! Einer Woche Hammerschlag, einer Woche Häuferquadern ittern noch in unsern Adern; aber feiner magt zu hadern: Herrlich lacht der Sonnentag