BERLIN Dienstag, 27. März 10 Pf. Der Abend™ Erscheint täglich außer Sonntags. Zugleich Abendausgabe des Vorwärts". Bezugspreis für beide Ausgaben 70 Pf. pro Woche, 3 M. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW68, Lindenstr. 3 Spätausgabe des„ Vorwärts 45. Jahrgang. Anzeigenpreis: Die einfpaltige Nonpareillezeile 80 Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheck konto: Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Donhoff 292 bis 297 Das Geschäft mit einer Toten. Am Grabe der Miß Cavell. Der tägliche Film der Brüffeler Fremdenindustrie.- Vom Grabe zum Spitzengeschäft. Strahlender Tag in Brüssel. Durch die mondäne Avenue Anspach, die pfeilgerade vom Nordbahnhof zum anderen Stadtteil hinunterläuft, spaziert Brüssels bürgerliche Welt, honette Herren, geputzte Damen. Es schwirrt um die Cafés, deren Tische beinahe bis zum Straßenrand heranreichen. Autoreihen sausen vorbei, geordnet vom verkehrsbetreuenden belgischen Schupomann. Was erinnert noch an den Krieg? Denken diese fröhlichen Menschen noch an das Augustende des Jahres 1914, als hier les Gris", die grauen deutschen Soldaten, Regiment nach Regiment, einmarschierten und fich die Brüffeler ducten vor der llebermacht, im brütend- dumpfen Aufbegehren, in der Sorge um ihr Land? Nichts, gar nichts mehr gemahnt an die Zeit, da Brüssel ,, Etappe" war. Da fällt, von den Hotels und den Aushängen der Reisebureaus, der Blick auf schwarze Tafeln. Hier sind die Preise für eine Autorundfahrt durch Brüssel angemerkt, und die großen, bequemen Wagen laden die Fremden ein. Hingeschrieben mit handgroßen Kreidebuchstaben oder in fettestem Drud, springt eine Aufforderung immer wieder in die Augen: " Zum Grabe der Miß Cavell!" Dort wollen wir hin! Im Auto beinahe nur Amerikaner und Engländer, Ladies mit Stöckelschuhen und Hornbrillen, die bei Fahrtbeginn alles ,, lovely", in jeder Hinsicht reizend, finden. Denn Brüssel zeigt seine schönsten Seiten: Den. Grand' Place, den riesigen Justizpalast mit dem unvergeßlichen Blick auf die untere Stadt, die breiten, gepflegten Boulevards. Der Führer gibt Erklärungen-, dann aber faust das Auto weit hinaus durch die Vorstädte, an die Peripherie der Stadt. Wir halten jäh vor einem großen Gebäude, seltsam in seinem aufgepußt neumodischen Stil, mit dem sich der militärische Sachzweck vermischt. Wir lefen an der Front: ,, Tir national." Wir sind an dem Nationalen Schießplatz. Der Führer ruft mit Tauter Stimme: ,, Wir kommen jetzt zu dem Ort, wo Miß Cavell von den Deutschen erschossen und begraben wurde!" Es ist die große Sensation! Die Ladies und Gentlemen sprechen erregt miteinander, sie sehen ihre Photoapparate in Bofitur, fie drängen zum Eingang. Ehe man noch irgendetwas gesehen hat: schon ist eine Atmosphäre der Leidenschaften und des Hasses da, und man empfindet, daß die Erinnerung an das Schicksal der Miß Cavell geschickt ausgebeutete Gewohnheit und Methode geworden ist. Denn täglich fahren Duzende von Fremden autos hierher, täglich tommen Hunderte zu Miß Cavells Todesort... Wir stehen in einem fahlen Raum mit zahlreichen Schießständen. Die Scharten gehen auf einen umzäunten Plaz hinaus. Das Gras leuchtet im festlichen Grün. Der Führer zeigt die Stelle, auf der Miß Cavell angeblich gesessen hat, che sie die Kugeln der deutschen Soldaten trafen. Sie ist heldin, nichts als Heldin, umgebracht von der germanischen Soldateska. Damen weinen und ziehen spizzenumrandete Taschentücher aus ihrem Handtäschchen. Sie blicken unverwandt auf den grünen Rasenfleck, falten die Hände vor einer großen marmornen Tafel, auf der, neben den Namen vieler erschossener Männer, auch der Miß Cavells verzeichnet steht.... Und was für Geschichten erzählen die Führer! Keine Blume vom Kriegslegendenkranz entgleitet ihnen, wenn sie vor diesen Besuchern sprechen. Wahres wird mit Falschem gemischt. Wir hören, daß zugleich mit Miß Cavell der Architekt Boucq, der Apothefer Severin, Fräulein Thulieg und die Gräfin Belleville verurteilt wurden. Das vom amerikanischen und spanischen Gesandten für die Cavell eingereichte Gnadengefuch wurde von General Sauberzweig abgelehnt, der es auch unterließ, die letzte Entscheidung des Kaisers anzurufen.. So erfolgte die Hinrichtung der beiden zum Tode Berurteilten, der Miß Cavell und des Boucq, am 12. Oftober 1915. Seltsame Geschichten weiß der Führer von den legten Etunden der Miß Cavell. Die deutschen Soldaten sollen sich geweigert haben, zu schießen, worauf der Offizier seinen Revolver gezogen und Miß Cavell felbst niedergeknallt habe. Oder: Miß Cavell sei in Ohnmacht gefallen, und in bewußtlofem Zustand sei sie den Kugeln erlegen. Im vielerörterten englischen Film wird, nebenbei bemerkt, eine andere Mär wiedergegeben. Danach soll einer der Soldaten den Gehorsam ver weigert haben, worauf ein Offizier erst ihn und dann die Berurteilte niederfnallte. An alledem ist nichts wahr! Es ging ganz ordnungsgemäß zu, ohne die geringste Subordination. Die. deutschen Soldaten schossen -fertig! Die Helferin der Miß Carell, Borsteherin eines medizini schen Instituts in Brüssel", die mit ihr in Berbindung mehrpflichtige Franzosen und Belgier über die holländische Grenze schmuggelten, Kappisten in der Reichsmarine. Bericht über die heutige Reichstagssitzung 2 Seite. Der neue Ozeanflug. 1167 BREMEN Das Flugzeug ,, Bremen", das auf der ersten Etappe des Ozeanfluges in Dublin' gelandet ist. Die deutschen Flieger wurden nach ihrem Eintreffen in Baldonel von Offizieren der irischen Luftstreitkräfte begrüßt, deren Gäste sie bis zum Start zum Atlantik- Flug sein werden. Die Flieger beabsichtigen bei günstigen Wetterbedingungen am Mitt woch zu ihrem Atlantik- Flug zu starten, jedoch werden sie die end gültige Entscheidung erst auf Grund der heutigen Wetterberichte treffen. New Yort, 27. März. Der Flug des Hauptmann a. D. Köhl erregt hier größtes Interesse. Dr. Kimball von der Amtlichen Wetterwarte erklärte, die Deutschen würden, falls sie den Transozeanflug in der jezigen Jahreszeit unternehmen sollten, auf dieselben niedrigen Wolfen und niedriDie letzte photographische Aufnahme der Miß Cavell. damit sie den Refrutendepots der Alliierten zustreben fonnten, sie erhielten mit Ausnahme des gleichfalls zum Tode verurteilten Boucq mehrjährige Zuchthausstrafen. Die Gräfin Jeanne de Belleville ist zwei Jahre später in einem deutschen Gefängnis gestorben. Zimmermann und das andere Geschlecht". Etwas merkwürdiges erfährt man noch. Einige Tage nach dem Lode der Miß Cavell, der die ganze alliierte Welt in Aufruhr brachte, empfing Herr 3immermann, Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt, einen amerikanischen Journalisten. Mit der eisernen Festigkeit des Heimtriegers, der bald zu höherem berufen werden sollte, erklärte er dem Ausfrager: ,, Das Urteil ist ausgeführt worden, um diejenigen abzuschrecken, die sich auf ihr Geschlecht berufen wollen, un an Unternehmungen teilzunehmen, auf die die Todesstrafe gesetzt ist." gen Temperaturen, die teilweise unter dem Gefrierpunkt liegen, treffen wie Hinchcliffe. Obwohl zurzeit Meldungen über starte Stürme im Antlantik nicht vorliegen, würden die Deutschen, falls sie morgen abfliegen sollten, wahrscheinlich zwischen New York und Neufundland auf die jetzt im Mississippitale befindliche, sich in nordöstlicher Richtung bewegende Störung stoßen. Selbst wenn die Deutschen ihren Kurs 300 Meilen südlich der großen Verkehrsroute nehmen sollten, so würden sie sich doch nördlich der meisten Dampferstraßen befinden. Von Grandbanks wurde gestern abend eine Temperatur von minus 1 Grad Celsius, von St. Johns minus 4 Grad und von Cape Race minus 2 Grad gemeldet. Kimball erklärte ferner, er sei um Wetterberichte bisher nicht ersucht worden. Auf beiden Seiten hat man Frauen getötet. Am 20. August 1914 wurde in Antwerpen die Belgierin Julie van Wanterghem wegen angeblicher Spionage erschossen. Die Franzosen töteten die befannte Tänzerin Mata Hari, die die idealisierte Heldin eines deutschen Films geworden ist. Auf dem marmornen Monument der Miz Cavell liest man noch den Namen der Marie Depaŋe. „ Kauft Cavell Andenken!" Unser Rundgang durch ,, Tir National" ist zu Ende. Und nun entzündet sich das Bedürfnis, handgreifliche Andenken mitzunehmen. Da gibt es Miß- Cavell Andenken, Plaketten, Albums mit Photographien, in verschiedenen Serien, zu allen Preislagen. Keiner, der nicht fauft! So geht es Tag um Tag. Tir National ist eine Kriegserinnerungsstätte geworden, ausgewertet von der Frem= denindustrie, die hier wie auf den belgischen Schlachtfeldern Sterbendes, Abklingendes wach und lebendig erhält. Autos nutzen sich ab, Benzin ist teuer! Das Gedenken an eine Frau, die den Mit: fämpfern ihres Vaterlandes dem Kriegsrecht zuwider Soldaten zuführte und dafür, formgerecht nach dem Kriegsrecht und beklagenswert nach dem Menschenrecht, den Lcd erlitt Es muß sich verzinsen. Das ist die Grimasse, die der Kapitalismus täglich über dem Grabe der Miß Cavell verübt. Diese Schau" der Brüffeler Fremdenautes mit ihren Hunderten von Besuchern, die programmmäßig ihre Rundfahrt vor einem großen Brüsseler Spigengeschäft beenden, sind unendlich Tehr reicher, aber auch unendlich aufreizender als jeder Film. Ist die Stunde, mit der man mit der Anfachung ,, patriotischer" Gefühle innen- wie außenpolitische Erfolge erzielen fonnte, in Belgien, in England und anderswo nicht allmählich zu Ende? Jene portrefflichen Engländer, die mit Chamberlain gegen den Miß- CavellFilm ,, Down" Stellung nahmen, sollten bei der belgischen Regierung interpellieren, damit diese täglichen Programmfahrten mit firen In der Tat: Man hat vor dem Geschlecht nicht Halt gemacht. Frankenpreisen zu Miß Cavells Ladesort ein Ende nehmen. gb. Die letzten Tage des Reichstags. Kappisten bei der Marine.- Oer überstüssige Panzerkreuzer. Der N e ich s t a g ist heute schon um 10 Uhr vormittags zu» sammengetreten und hat zunächst den Bericht des Abgeordneten Hünlich(Soz.) über die Ausschuhberatung des Marinehaushalts entgegengenommen. Erster Debatteredncr ist Mg. Kuhnt(Goz.): Wieder wie in der kaiserlichen Zeit versucht man das Volk durch Redensarten von der Notwendigkeit der Flotte zum Schutz unseres Ueberseehandels zu überzeugen. Die Sozialdemo- kratische Partei wünscht, dah unser Export sich ungestört entwickle, aber selbst die große kaiserliche Flotte hat Deutschland die furchtbare Hungerblockade nicht ersparen, um wieviel weniger erst den deutschen lleberseehandel aufrechterhalten können. Den Bau des Panzer- schiffes A begründet man mit ähnlichen Argumenten. Minister Groener hat allerdings erklärt, daß er die kaiserliche Flottenpolitik immer verurteilt habe, und daß unsere jetzigen kleinen Schiffe für größere Seegefechte gar nicht in Frage kommen könnten. Nur schade, daß Herr Groener und andere Generäle und Admiräle, die ähnlich dachten, nicht schon vor fünfzehn Jahren mit ihren Bedenken hervorgetreten sind: sie hätten vielleicht dem beut- schen Volk viel Feindschaft erspart, die durch die Redensarten vom „Admiral des Atlantischen und des Stillen Ozeans", vom„Dreizack in der deutschen Faust" usw. nur gesteigert worden ist. Nach den Versailler Bestimmungen dürfen unsere Linienschiffe h ö ch st e n s 10000 Tonnen, unsere Kreuzer höchstens 0000 Tonnen groß sein, während die Engländer Schiffe von 40 000 und 45 000 Tonnen, so- gar die Russen Schiffe von 26 000 Tonnen, alles mit entsprechend starker Artillerie, bauen. Wir dürfen weder U-Boote noch Kriegs- flugzeuge haben, und dadurch sind unsere Schiffe im Fall eines Seekrieges von vorn» herein zu schwimmenden Särgen gestempelt. Der Schutz unserer Küsten kann nicht durch Kriegsschiffe gesichert werden. Nach sachverständigem Urteil schützen sich unsere Küsten selbst, da bei ihrer Gestaltung, den Strömungen usw. feindliche Truppenlandungen nur in kleinen Booten möglich wären. Der beste Schuh für Ostpreußen liegt im Wirtschastsausbau und in der Förderung der Siedlung, was Ministerpräsident Braun in dankenswerter Weise überzeugend dargelegt hat. Mit den 400 Millionen, die für Panzerschiffe ausgegeben werden sollen, könnte man 150 000 bis 200 000 Menschen in Ostpreußen ansiedeln. (Hört, hört! links.) Für den Kriegsschiffbau glaubt man auch soziale Momente anführen zu können. Nun, die Arbeiter in Kiel und Rüstringen wollen nicht Kriegsschiffe, sondern Auf- träge für gesellschaftlich notwendige Arbeiten.— Wir haben bei der Marine einen gewaltigen Ueberschuß an Offizieren. An Bord müssen ja die vielen Offiziere einander geradezu im Wege stehen. Die Bürgcrblockparteicn wollen die Besitzsteuern abbauen, aber an der Marine darf nicht gespart werden. Herr Brüninghaus findet 200 Mark monatlich zu gering für den jüngsten Offizier, ober er, der den Verbandsindustriellen so nahe steht, hat nichts dagegen, daß.Tabakarbeiterinnen mit zwölf bis dreizehn Mark wöchentlich entlohnt und, wenn sie sich dagegen wehren, ausgesperrt werden.(Sehr wahr! links.) Eine Herausforderung aller Republikaner ist es, daß der Kapitänleutnant Kolbe zum Kapitän befördert wurde, nachdem er dem Privatmann Prinz Heinrich ein Kriegsschiff der Republik zur Verfügung gestellt hatte. Wenn Prinz Heinrich das Bedürfnis hat, sich zu unterhalten, dann mag er das mit seinem famosen Schwager S u b k 0 s f tun (Heiterkeit), aber nicht Unsere Matrosen belästigen.(Sehr gut! links.) Ebenso provozierend wie die Beförderung des Herrn Kolbe ist die Beförderung des Kappiften v. Löwenfeld zum Konter- admiral: dabei haben die Löwenfeld-horden ISIS und 1320 nicht nur in der wüstesten Weise gehaust, sondern die Republik und ihr Oberhaupt gemein verhöhnt und Löwenfeld selbst hat in Kiel sich zum Oberbefehlshaber aufgeworfen und zahlreiche Repu- blikaner verhaftet, darunter sogar Professor Radbruch. Man kann sich denken, wie die kostspielige Auslandspropaganda aussieht, die unsere Schiffe unter solchen Kommandanten betreiben. Wir haben Berichte, daß auf mehreren Schiffen nicht nur solche Bilder ange- bracht, sondern sogar die Heizkörper, ja der Klöppel der Schiffsglocke schwarzweißrol angestrichen sind. (Hört, hört! links. Ironische Zurufe rechts.) Als das Treiben faschistischer Elemente in der Marine und ihre Verbindungen mit aktiven Marineoffizieren vor wenigen Monaten aufgedeckt wurden, ist nicht gegen diese Ofiziere vorgegangen, wohl aber hat man die- j e n i g e n in Untersuchung gezogen, die diese Borgänge zur Kenntnis der Polizei gebracht haben. Wenn der Minister gegen die Mon- archisten in der Flotte vorgehen will, wird er.unsere Unterstützung finden. Die Kosten für den Panzerschiffbau und ähn- liches lehnenwir ab.(Lebhafter Beifall bei den Soz.) Mg. Treviranus(Dnat.) setzt sich natürlich mit Begeisterung für den Panzerschifsbau ein. Abg. wegmana(Z.) spxicht für den Panzerschiffbau und richtet ziemlich scharfe Angriffe auf die preußische Regierung, weil sie im Reichsrat gegen diesen Bau gestimmt hat. Abg. Brünlnghaus(Dnat.) setzt sich gleich seinem Vorredner aus derselben Fraktion für den Panzerbau ein und sucht die Amtsführung des kaiserlichen Staatssekretärs für die Marine v. Tirpitz zu recht- fertigen. Abg. v. Richthofen(Dem.) ergeht sich in längeren historischen Ausführungen über die Kolonial- und Weltpolitik des kaiserlichen Deutschland. Die Panzerschiffdebatte geht bei Schluß des Blattes noch weiter, so daß die Phoebus-Angclcgenheit erst am späteren Nachmittag zur Beratung kommen kann. Der Totschlag an der Ehefrau. Das Verbrechen des Kriseurs Oiiimer. Am Abend des 2. August v. 3. erschien der Friseur D. aus der Zionskirchsiraße im Polizeipräsidium und erklärte, er habe in der Nacht zuvor seine Frau getötet, heute Hot er sich vor dem Land- gericht l wegen Totschlags zu verantworten. Als der Friseurlehrling G am 2. 2Iugust v. 3. zur gewohnten Zeit seine Arbeit antreten wollte, fand er den Friseurladen in der Zionskirchstmßc verschlossen. Auf sein wiederholtes Klopfen öffnete »iemand.«chlimmes ahnend, ließ er von einem Schlosser die Ladentür öffnen. Der herbeigeholte Polizeiwachtmeister entdeckte im Keller des Ladens, im Schlafzimmer der Eheleute D., die L e i ch e d e r F r a u D. auf dem Rücken liegend, mit auf der Brust zusammengefalteten Händen. Am Halse wies sie«inen langen Schnitt und Verletzungen von Fingernägeln auf. Auch ihre Hände zeigten Verletzungen. Das Todeswerkzeug war nicht zu finden. Lluf der Marmoruhr lag ein Zettel des Inhalts: „Frau V. hat uns Anrecht getan, sie ist an allem schuld. Dittmer.* Am Abend des gmeyen Tages steSte sich der Friseur D. der Polizei. Ein blondhaariger Mensch, Ende der dreißiger Jahre, mit rötlichem Schnurrbart und Hornbrille auf der Nase, erzählt Dittmer vor Ge° richt mit ruhiger Stimme sein Vorleben und sein Zusammenleben mit der Frau, das schließlich zu dem blutige» Ereignis geführt hat. Als ihm der Eröffnungsbericht vorgelesen wird, schluchzt er laut auf. Glaubt man seiner Erzählung, so ist er stets ein makelloser Ehemann gewesen. Er war in der dritten Eh« oerheiratet Dittmer bestreitet, daß seine erste Frau an Unterernährung ge- starben sei, weil er ihr nicht genug zu essen gegeben habe, sie sei vielmehr an Tuberkulose zugrunde gegangen. Jedenfalls hat sie aber in zahlreichen Briefen an ihre Mutter sich darüber beklagt, daß der llKann ihr kein Haushaltsgeld gebe und mit Selbstmord gedroht. Im Jahre 1914 hatte sie D. geheiratet, im Jahre 1915 war sie tot. Im Jahre 1924 lernt er sein« zukünftige dritte Frau kennen, und zwar auf eigenartigem Wege. Sein Chef, bei dem er als Friseur arbeitete, hatte ein Heiratsmserat in di« Zeitung ge- geben. Eine von den Heiratsofferten überließ er D. Einem Brief- wcchfel mit seiner zukünftigen Frau folgte«ine VA Jahre währe.ide wilde Ehe. Mit den 2200 M., die das Mädchen befaß, eröffnete er einen Friseurladen. Obgleich das Zusammenleben der beiden nicht besonders harmonisch war, heirateten sie trotzdem im Februar 1927 und verlegten ihren Laden dach der Zionsklrchstraße. Hier kam es in der Nacht vorn 1. zum 2. August zur blutige» Katastrophe.— D. behauptet, daß ferne Frau ohne Grund eisersüchtig gewesen sei. Sie habe ihm auch nachgetragen, daß das Geschäft auf seinem Namen gehe. Das Zusammenleben habe sich immer schlechter gestaltet. Eines Abends wurde es ganz schlimm. Die Frau verlangte das Kassengeld. das D. an sich genommen hatte. Sie schimpfte ihn Strolch, Hurenbock, erinnert« ihn an seine Ge- fängnisstrafe, drohte, ihn ins Zuchthaus zu bringen, ergriff«in Beil, mit dem sie auf ihn losgehen wollte, er nahm es ihr weg, sie erbrach die Kasse und raffte ihre Papiere zusammen: alle seine Ber- suche, sie zu beruhigen, blieben erfolglos: als er dann schlafen gehen wollte und sie bat. sie soll zur Seite rücken— die Eheleute hatten nur ein Bett— ergriff sie ein Rasiermesser, das er ihr aus der Hand schlug. Dann faßte er selbst das Rasiermesier und drohte ihr, er würde es gegen sie verwenden, wenn sie sich nicht endlich be- ruhigen wollte. Dabei wird er wohl mit dem Messer ihrer Kehle zunahe gekommen sein, jedenfalls blutet« sie plätzlich. Während der Auseinandersetzung packte er sie am Halse und würgte sie, bi» sie tot war. Nachdem er sah, was er getan hatte, wollte er sich zuerst ertränken. dann irrte er planlos den Tag über im Grunewald und in Wann- see umher, fuhr wieder zum Kanal, immer wieder mit der Msicht, sich das Leben zu nehmen, konnte sich aber nicht dazu entschließen, und stellte sich schließlich der Polizei.— lieber die Beziehungen der Eheleute untereinander und über den Charakter des Angeklagten werden etwa 20 Zeugen vernommen werden. Die Antwort der Arbeiterschaft. Die christsich-unpolitische(deulschnakionale) Elternschaft soll sich nun tatsächlich, wenn man der nationalen Presse glauben will, im Zustand äußerster Siedehitze befinden. Die evangelischen Verbände sind draus und dran, ihrer Angriffslust gegen die unauf- halkfame Bewegung der welllichen Schule, die sich zunächst um die Schule im Bezirk Prenzlauer Berg und um den Bürger. meisler des Bezirks, den Sozialdemokraten Dr. Ostrowski, be- wegle, auf Groß-Bexlin zu übertragen. Sie hoffen dabei, wie die„Deutsche Z e i t u n g" zu berichten weiß, auf die Unterstützung der von ihnen sonst so häßlich be- kämpften Katholiken. Die Schulaufsichtsbehörde hat sich natürlich durch das Gebaren gewisser evangelischer Einpeitscher in ihrer rechtlichen Auffassung zur Frage der weltlichen Schule nicht beirren lassen. In begrüßenswerter Einmütigkeit ist ein Beschluß des Provinzialschulkollegiums ergangen, der die Stellungnahme der Berliner Schuldeputation in allen Einzel- heiten deckt. Das ist gewiß eine recht deutliche Antwort auf die anmaßende Haltung der Christlich-Unpolitischen. Aber ein« noch bessere Antwon hat die proletarische Bevölkerung des Bezirks Prmzlauer Berg gestern abend gegeben. Sie läßt an Eindeutigkeit nichts zu wünschen übrig und dürfte den angriffslustigen Kirchenchristen arg in die Glieder fahren. Man war ja doch gerade in der Oeffcntlichkeit immer mit der Behauptung hervorgetveten, daß Abmeldungen vom Religions- Unterricht und von der Kirche nur in bescheidenem Um- fange vorlägen. Nun stand in der„Vorwärts'-Ausgabe vom letzten Sonntag eine kleine bescheidene Ankündigung, daß am Montag, dem 26., von 16 bis 19 Uhr, im Lokal der Freidenker- bewegung, Kastnofäle, Vappelallee, ein Notar anwesend sein würde, um gegen Entrichtung von 2 M. Kirchenaustritts- erklärungen entgegenzunehmen. Ungeheurer Andrang war die Folge. Weit über tausend Menschen waren anwesend. Schupo- b e a m t e mußten den Verkehr regeln. Bis nach Mitternacht zog sich die Abwicklung der mündlich vorgebrachten Anträge hin. Deutlicher kann den Christlich-Unpolitischen in aller Ocffentlich- keit nicht bewiesen werden, daß ihre Hetze gegen die be- rechtigten bescheidenen Wünsche der weltlichen Elternschaft jeder Grundlage entbehrt. // Kein gerechter Entscheid!" Abschluß der Bewegung der Buchdrucker. Die vorstände der an der Lohnbewegung im Buchdruckgewerbe beteiligten Organisationen richten an die Arbeiterschaft des Luch- druckgewerbes folgende Erklärung: „Vom Reichsarbeitsminister ist der vom Zentralschlichtungsamt am 9. März gefällt« Schiedsspruch für verbindlich erklärt worden. Damit wird die Bewegung zur Verbesserung dieses Schiedsspruchs durch staatlichen Eingriff lahmgelegt. Die Organisationen sind in- folgedessen gesetzlich gezwungen, die empfohlenen und von der ge- samten Arbeiterschaft des Buchdruckgewerbes durchgeführten Maß- nahmen aufzuheben. Die Organisationsleitungen haben alles getan, um die Verbind- lichkeitserklärung zu verhindern und eine Verbesserung des Schieds- spruchs herbeizuführen. Sie konnten sich dabei auf den seit Jahren guten Geschäftsgang im Buchdruckgewerbe sowie aus di« Notwendig- teil der weiteren Erhöhung der Löhne berufen. Sie glaubten den Nachweis gejährt zu haben, daß das Gewerbe eine dem Antrage mehr entsprechende Lohnerhöhung auch tragen könne, aber die Dar- leaungen der Unternehmer fanden wieder mehr Gehör beim Arbeits- Ministerium, und die Hoffnungen taufender mit kärglichem Lohn bedachter Arbeiter auf erheblichere Verbesserung ihres Lebensunter- Salts wurden zunichte gemacht, während man anderseits ohne genaue enntnis der Verhältnisse Rücksicht genommen hat auf die anglblich nicht leistungsfähigen mittleren und kleineren Betriebe. Das Unter- nehmerwort wog wieder schwerer als das Wort der Arbeitnehmer! Mit gutem' Gewissen sagen daher die Unterzeichneten: Herr Minister,'das war kein gerechter Entscheid! Trotzalledem müssen sie nun an die Arbeiterschaft im Buchdruck- gewerbe die Aufforderung richten, die durch den Machtspruch des Arbeitsminsteriums geschaffene Lage zu beachten." Mik der VerbindlichkeitserNSrung des unzulänglichen Schied». fpruches ist also nach dieser Erklärung die Lohnbewegung im Buch- druckgewerbe beendet. Der„Korrespondent" kommt bei der Betrachtung dieses Ab- fchlusses zu dem Schluß: „INan muß diese unglückselige Wendung der Dinge von poli- tischen Gesichtspunkten aus als weiteren Beweis einseitiger Ge- Keudells Personalpolitik. Minister v. Keudell:„Meine Herren, ich forsche nicht nach Ihrer Parteizugehörigkeit, Ihr Aeußeres garantiert mir sachliche Tüchtigkeit!" bundenheit der jetzigen Reichsregierung an Unternehmerinteressen bewerten und die entsprechenden Schlußfolgerungen in kommenden Zeiten als Staatsbürger daraus ziehen!" Drohender Druckerstreik in München? Wünchen, 27. März. In einer hier abgehaltenen Versammlung der Ortsgruppe München des Buchdruckeroerbandes wurde gegen die Verbindlich- keitserklärung des im Tarisstreit der Buchdrucker gefällten Schieds- fpruches Protest eingelegt und beschlossen, dem Verbandsvorstand mitzuteilen, daß di« Ortsgruppe auch gegen den rechtsverbindlich erklärten Schiedsspruch den Kampf aufnehmen und zur Durchsetzung der Forderungen der Gehilfenschaft am kommenden Freitag die Be- triebe verlassen will. Di« Verwirklichung dieser Absicht würde zur Folge haben, daß vom 31. März ab keine Zeitung in München er- scheinen könnte.__ Oer Wahlsieg von Salzburg. Die Sozialdemokratie gewinnt 44 Gemeinderatssihe. Salzburg. 27. März. In den 77 Gemeinden, in denett bei den Gemeinderatswahlen am Somrtog neben d?n verschiedenen bürgerlichen Parteien die So- zialdemokraten Kandidaten aufgestellt hatten, ergeben sich folgende abschließende Zahlen: Bürgerlich« Parteien 42131 Stimmen mit 910 Mandaten, Sozialdemokraten 25 970 Stimmen mit 375 Mandaten. Bei den Wahlen im Jahre 1925 erhielten die bürgerlichen Par- teien 38 387 Stimmen mit 891 Mandaten, die Sozialdemokraten 21 494 Stimmen mit 331 Mandaten. Von diesen 77 Gemeinden haben also die Bürgerlichen 3744 Stimmen mit 19 Mandaten mehr und die Sozialdemokraten 4476 Stimmen mit 44 Wandalen gegen- über dem 3ahre 1925 mehr erhallen. Die Sozialdemokraten hatten in sieben Gemeinden des Landes die absolute Mehrheit. Bei den neuen Wahlen wurden diese sieben Gemeinden behauptet und zwei Gemeinden(Maxglan und Mühlbach) neu gewonnen. Aus dem Anlisemitenlager. Auf dem gestern in Berlin ab- gehaltenen Parteitag der im Verborgenen blühenden sogenannten „Deutsch-sozialen Partei" wurden die bisherigen Rcichssührer und Antisemiten Kunz«. Berlin und Blumentritt-Dresden aus der Partei ausgeschlossen. Großwerbeiag des Reichsbanners. Ausgezeichnete Erfolge der Landwerbung. Nicht weniger als 17 Berliner Kreisoereine des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold waren am Sonn- tag auf Lastkraftwagen aufs flache Land hinausgeeilt, um den Wahlkampf mit eindrucksvollen Werbekundgebungen für die republikanischen Parteien zu eröffnen. Zu den Berliner Kreisvereinen gesellte sich noch«ine große Anzahl Brandenburger Ortsvereine. Kurzum: Die Mark stand am Sonntag im Zeichen von Schwarzrotgold. Ausnahmslos wurden die Kameraden überall herzlich empfangen. Jedes Haus wurde mit aufklärenden Flugblättern belegt und die„Illustrierte Reichsbannerzeitung" in Tausenden von Exemplaren an die Landarbeiterschaft oerteilt. Nach dieser Arbeit gab es dann einen Umzug durch das Dorf, der seinen imposanten Abschluß in einer Kundgebung fand. Es würde zu weit führen, alle Einzel- heiten aufzuführen. Mitgeteilt fei, daß zum Beispiel der Kreis- verein Köpenick sich mit den Kameraden aus Eichwalde, Wik- dau und Königswusterhausen in Friedersdors traf und hier das schwarzrotgoldene Tuch zeigte. Nach einem Umzug forderte Klatt (Köpenick) in einer packenden Ansprache die Dorfbewohner auf, bei den kommenden Wahlen nur den republikanischen Parteien ihre Stimme zu geben. Die Sozialdemokratische Partei insbesondere bemüh« sich immer wieder darum, die elende eLage des Landprole- tariats zu verbessern. Recht schönen Erfolg konzrte der Kreis- verein Friedrichshain für sich buchen. Er befuhr die Ortschaften Sternebeck, Harnekop, Haselberg, Lüdersdorf. Schulzen- darf, Möglin, Ringenwald« und Reichenow. 68 Landarbeiter erklärten hier ihren Beitritt zum Reichsbanner. Aber auch die anderen Kreisvereine konnten mehr oder minder zahlreiche Oer Wahlkamps beginni! Rudolf Wissell Rudolf Breitsdieid Spitzenkandidaten der Sozialdemokratischen Partei im Reichstagswahlkreis Potsdam /. Neuaufnahmen mit nach Berlin nehmen. Alles in allem genommen war der Sonntag ein Großwerbetag von ungeheurer Wucht. Er hat den Stahlhelmern und Landbündlern deutlich gezeigt, daß ihre unumschränkte Vorherrschaft auf dem flachen Lande im Schwinden begriffen ist. Auch die nächsten Sonntage werden die Kameraden dazu benutzen, die Landcrrbeiterschaft im republikanischen Sinne aufzuklären._ Märchen von den„Stempelbrüdern." Ein Kapitel von neudeutscher Verlogenheit. „Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht sorgen." Die Richtigkeit dieses Satzes hat sich besonders an den Arbeits- losen erprobt. Für den„guten Bürger" war der Arbeitslose lange Zeit nur«in„Arbeitsscheuer", ein Mensch, der nicht arbeiten will. Zumal der Arbeitslose, der nicht noch außer seiner Arbeits- kraft auch noch feine Notlage ausbeuten lassen mag, d. h. nicht zu un- gewöhnlich schoflen Arbeitsbedingungen Arbeit annehmen wollte, war Zielscheibe jeder gutbllrgerlichen Verdächtigung. Die Arbeits- losen aber blieben ihrem Schicksal überlasten, sie erhielten von keiner Seite her Unterstützung. Allmählich mußten die erstarkenden Ge- werkschaften dazu übergehen, ihre Mitglieder vor den schlimmsten Schäden der Arbeitslosigkeit zu schützen. Als aber nach dem Kriegs- Zusammenbruch die große Arbeitslosen not einsetzte und die Arbeitslosenfürsorg« geschaffen werden muhte, da setzte die Hetze gegen diese Fürsorge auch schon mit aller Wucht ein, und die„Stempel- brüder" wurden in gleichem Maße verdächtigt, wie die randalieren- den Agrarier verhätschelt. Alles, was der Galgenhumor unter den Arbeitslosen selber hervorgebracht liatte, wurde von der kapita- listischen Presse in vergröberter und gehässigster Form gegen die Unterstützungsbezicher gebraucht. Jetzt, nachdem die„Fürsorge" in eine auf Beiträge beruhende Versicherung umgewandelt ist, nimmt diese Hetze noch weit üblere Formen an. Ein Beispiel für viele: In dem kleinen ost- preußischen Städtchen Angerburg erscheint der„Bote am Mauer- see". Dieses Blättchen veröffentlicht unter der Uebcrschrist„U n- glaublich— aber wahr?" folgende Schauergeschichte: Im hiesigen Kreise sollte in einem Betrieb« wieder die Arbeit aufgenommen werden. Von den Arbeitnehmern, die in sogenannten Werkwohnungen untergebracht waren, sagt« der eine zu dem Arbeitgeber, daß er ihm doch n�cht zumuten- könne, jetzt die Arbeit auszunehmen und sich für 2 M. die Woche mehr, als er Stempelgeld erhält, die Sachen zu verderben. Ein anderer trat an den Arbeitgeber heran mit der Erklärung, er erhalte beim Stempeln 14M. dieWochemehr, und er b i t t e, ihn doch nicht einzustellen, er will sehr gern dafür dem Arbeitgeber 7 M. wöchentlich Abstandssumme zahlen. Der Gesetzgeber hat es sicher nicht geahnt, daß ini einzelnen Falle die soziale Erwerbslosenfürsorge sich so auswirken könnte! Der öffentliche Arbeitsnachweis des Kreises Anger- bürg hat nun die in dieser Schauermär gemachten Angaben näher nachgeprüft. Dabei hat sich ergeben, daß die Behauptung, ein Arbeitsloser wollte einem Arbeitgeber 7 M. Abstand dafür zahlen, wenn er nicht eingestellt wird, vollständig erfunden ist. Der in Frage kommende Arbeitgeber hat bei der Lerneh- m u n g durch den zuständigen Landjägermeister angegeben, daß ihm dieses Angebot nicht gemacht worden fei, er könne auch nicht angeben, von wem er den Vorgang gehört hat. Die Redaktion des„Bote am Mauersce" wurde ersucht, eine entsprechende Berichtigung zu veröffentlichen. Es liegt augenscheinlich System in der Mache, und des- halb ist es notwendig, jeder derartigen Schwindelnotiz auf den Grund zu gehen, um die Hintermänner zu entlarve».> �...._, Ein halbes Jahrhundert Komiker. Tielschers Bühnenjubiläum. Heute abend wird Guido Thielscher wiederum zur Theaterarbelt rasen, wie er es seit fünfzig Iahren tut. Er wird wiederum früher als alle anderen Schauspieler im Hause sein und ängstlich, als wenn es zur Hinrichtung ginge, abwarten, daß sein erstes Stichwort fällt. An diesem Berliner Komiker, der aus Görlitz stammt und der aus Dankbarkeit für den seinem Unterteil in Oberschlesien applizierten Rohrstock mit dem Stimmzettel ausfuhr, um ein Stück schlesisches Land mitzureiten, an diesem dicken, lebendigen, so gelenkigen Spaß- wacher fällt vor allem der Ernst auf. Er hat seit Jahrzehnten unge- heuer gearbeitet, damit er anständig spielen kann. Man stellt sich schwer vor, wieviel Mühe, Gewissenhaftigkeit und erworbene Technik notwendig sind, damit ein Komödiant die Blödheit der Well durch sein leuchtendes Beispiel demonstriert. Thielscher hatte es besonders schwierig, denn er ging frühzeitig in die Breite und in die Runde. Di« Vorsehung hatte ihm ein statt- liches Uebergewicht auf den Bauch gelegt, während sie den Beinen einen ziemlich normalen Umfang beließ. Dafür war Thielscher wiederum nicht sehr groß geraten, gerade einen Spann über das Zwergmah hinaus, und der kuriose Schädel, der ein wenig nach vorn geschoben ist, aus dem Halse heraus, ein sehr geräumiges und trotz- dem unproportioniertes Möbel, kein Advnis-Haupt, fondem eine Weltkugel mit allerhand geographischen Abweichungen, berechtigte den Anfänger zu keinerlei überschwenglichen Erwartungen. Ein so unnormaler Schauspieler muß mühselig entdecken, wo seine Be- gabung liegt, und er machte es den Liebhabern auch nicht leicht, daß sie ihn entdeckten. Es dauerte immerhin einige Jahre, bis es soweit kam. Zunächst spielt« Thielscher im alten Belle-Alliance-Theater. Wer kennt das noch? Wer erinnert sich noch an die feenhafte Gas- beleuchtung des Sommergartens, wenn Berlins Lebemänner um hochbusige Damen mit gepolstertem Eue herumschwärmten? Es war das eleganteste Gartenlokal, in dem die Militärkapellen feudal dem Iuxoerkehr dienten, während im Inneren des Theaterhauses die finsteren Tragöden den Faust agierten. Damals spielte der be- rühmte Lehfeld den Faust, er war ein berühmter Zungenroller. Sollte er am Abend einen König spielen, dann aß er am Tage kein Gulasch.„Das ist kein Fressen für eine Majestät." Und in diesem herrlichen Musenstall debütierte Thielscher, um neben Lehfeld-Faust die Blocksbergshexe zu jaulen. Er tat es so vortrefflich, daß Lehfeld noch während der Vorstellung schnauzte:„Schmeißt mir den Kurendebengel aus der Bude!" Kurendejungen waren die Hof- länger, nein, die Hoffsänyer, denn Hof sagte man nur für das Kasernenpalais Unter den Linden, wo sich die Lakaien vom vielen Bücken und dem Rotspon bei Habel den Gelenkrheumatismus holten. Hoff war dagegen alles übrige, wo der Müll der Bürger abgeladen wurde und wo Kater Murr auf Liebesjagd auszog. Vor einem halben Jahrhundert flog Thielscher aus dem Theater heraus. Er ist trotzdem noch immer mitten darinnen. Er spielt z. B. hundertmal und einige hundertmal hintereinander irgendeinea unfreiwilligen Schwerenöter, der die Anständigkeit selber und zum Unglück noch aus Meseritz ist. Und ihm gerade muß es passieren, ihm, dem Pfahlbürger, daß er für einen Höllenpfuhlehrenbürger angesehen wird. Man fleddert ihn und seine Keuschheit bis auf die Unterhofen. Der Spießer, der seinen Obulus bezahlt oder auch sein Freibillett hintenherum crschiebt, tobt sich in Vergnllgtheit aus und nimmt sich auch heimlich ein Beispiel an dem, was Thielscher dort demonstriert. Ja. dieser Thiclscher ist populär— mindestens bei der Hälfte oller deutschen Steuerzahler, angefangen beim Außenminister bis hinunter zur Blumenfrau am Kottbusser Tor. angefangen vom Klub bis zur Kaschemme. Er hat sämtliche verstorbenen Reichstage, Putsche, � Nobelpreisträger, Fememordagenten und Rollkommando- matadoren überlebt. Eharleys Tante— das ist seine berühmteste Rolle. Als er sie vor ungefähr 30 Jahren einstudierte, hielt ihn der alte Adolf Ernst für viel zu dick. Adolf Ernst hatte sich den Londoner Komiker, der die Sache machte, an Ort und Stelle angesehen, und der Mann war spindeldürr. Was tun, damit Thiclscher dem Engländer ebenbürtig werde? Adolf Ernst gab Thielscher einen Hausen Geld, damit er noch Marienbad reise'und sich 20 Kilo fortkurier«. Thielscher nahm dos Geld und reiste nach Marienbad und nährte sich redlich von fettester böhmischer Küche und nahrhaftesten Mehlspeisen, und als er aus- kuriert war, hatte er 10 Kilo zugenommen. Er behielt seine Rolle trotzdem und wurde ein weitberühmter Mann. Sämtlich- Berliner Kom'-�cr werden heute abend zu Ehren Thielschers ein Kabarett aufführen. Sämtliche Berliner Soubretten haben sich zu r i.-r Iubiläumstruap? reu Tbielscher-G:rls zuiainmcn- geioit. All die braven Künstler wollen l'is 3 Uhr niorgen? den Jubilar feiern, und hernach wird Thielscher vielleicht vor lauter Freude nicht zum Schlafen kommen. An das Nichtfchlafen ist er übrigens gewöhnt. �Vn i er brauchte viele Nächte zum Studieren, daniit üm., Volk nicht merkte, wie ausdauernd der Komiker Gedächtnis und G>. statt irrinieren muß. damit er zum beliebtesten Spaßmacher von Groß-Berlin.n:d auch weit über die Grenzen hinaus wird. MaxHochdorf. Vom Podium zum Tanziheater. Wohin die Entwicklung geht. Aurel von Milloß.(Sturm.) Ein« Neuerwerbung unserer Staatsoper. Ungar. Kommt vom Ballett und ist mit Erfolg durch die Schule Hertha Feist gegangen. Starkes» männliches Tem- perament. Wirkt mehr durch die Kraft, als durch die Leichtigkett der Bewegung. Eigenartige, sehr ausdrucksvolle, abstrakte Hand- und Armaktion, zuweilen, in der Fingcrführung, an javanische Stil- formen anklingend. Die Kompositionen oft schleppend, der Gliede- rung und Steigerung entbehrend. Die ganze Persönlichkeit mehr fürs Tanztheater als fürs Podium geschaffen. Pvonne Eeorgi und Harald Kreutzberg.(Theater am Kurfürstendamm.) Zum Ruhm dieser beiden ist nichts mehr zu sagen. Seit sie zusammen in Hannover wirken, ist dort nicht nur ein Mittelpunkt der modernen Tanzkultur» sondern auch ein mächtiger Anziehungspunkt für aufstrebende Talente ent- standen. Der sterile Boden Berlins wird verlassen, man wandert tatendurstig und hoffnungsfroh zur Bdonn«. Die hochbegabte Ruth Marcus, die an unserer Staatsoper keine rechte Beschäftigung fand, ist das jüngste Kleinod, dos Hannover uns entführte. In den Tänzen Kreutzbergs und der Georg! aber erkennt man immer deutlicher den Einfluß der Bühne und die klare Richtung auf szenische Gestaltung. Und das ist es. was uns jetzt am meisten not tut. Die Eroberung des Theaters ist dos nächste Ziel im Entwicklungsgang des modernen Tanzes. Die zwingende wirtschaftliche Notwendigkeit zieht die künst- lerische nach sich. Alle Einzelkünstler, alle Schulen, alle Gruppen, ob künstlerische oder Laienorganisationen, sollten dem Ziel dienen. Leider scheint es, als ob Berlin sich die Führung auf diesem Weg hat entringen lassen. Neben Essen geht jetzt Hannover voran. Klug, zielklar und temperamentvoll geleitet von Pvonne Georg!, der Harald Kreutzberg als unbestritten größter deutscher Tänzer zur Seite steht._ 3-®. Das Museum der Lebenden. Die Berliner Nationalgalerie eröffnet am Sonnabend das Ober- geschah ihrer neueren Abteilung im früheren Kronprinzenpalais mit einer Ausstellung von Werken neuerer deutscher Künstler aus Berliner Privatbesitz. In dem oberen Stockwerk sind einig« bau- liche Veränderungen ausgeführt und dabei ist ein Rundgang durch das ganze Stockwerk geschaffen. Dort wird, wie früher, die jüngste Malerei und Plastik gezeigt werden. Um nun einmal worzusühren, was der Berliner Privatbesitz von dem Schaffen der Künstler etwa von Rohlfs und Paula Modersohn an aus der sogenannten nach- impressionistischen Zell ausgenommen hat» von den Künstlern der „Brücke" und der„Neuen Sachlichkeit", hat der Kustos der Galerie, Dr. Thormaehlen, von etwa 150 Berliner Sammlern Werke aus- gewählt. Im mittleren Stockwerk ist jetzt ein neuer Raum für die Galerie hinzugenommen worden: der Saal, der über dem Schwibbogen über der Oberwallstraße liegt und zu dem man von den Corinth-Räumen gelangt. Er gehört schon zum Prinzessinnenpalais und ist jetzt als Zlusstellungsraum für ni o d e r n c Plastik in Gebrauch genom- nie». Aufgestellt wurden dort wenige, hier, nun um so wirkungs- vollere Werke neuer deutscher Bildhauerkunst: im Uebergang das kniende Mädchen von Hermann Haller und sein Kopf der Marie Laurencin, dann die Schlieffen-Büste von Klimsch. Fioris Bildnis des Boxers Schmeling, der Nurmi von Renee Sintenis, dann eine Anzahl von Plastiken von Kolbe mrd Wilhelm Lehmbruck. Den Ab- schluß bilden zwei Werke von Rudolf Belling: die Mahagoniplastik „Dreiklang" aus dem Jahre 1919 und der Messingkopf, das Bildnis seiner Gattin aus dem Jahre 192S. Äonzerl in vdlershol. Der Männerchor Adlershof veranstaltet Soiiiiabcnd. 8 Uhr, im Üokal von Wöllstein(Biömarckstr.) ein Konzert. Der Chor bringt unter Leitung von Ludwig Belitzcr gut auSgewäblte Chöre zum Vortrag. Die Herrcu HanS Präger(l. Violine), Wilhelm Grass(2. Violine). Kurt Durchard(Viola), Dr. Kurt Prager(Violon- eello) spielen zwei Streichquartette. „Ehekeiien." (Tauenhien-palast.) Man ist verwundert, diesen Amerikaner im Tauentzien-Palast vorgeführt zu bekommen, wo man doch sonst für gewöhnlich auf Niveau Hütt. Der Film ist nach einem Bühnenwerk gearbeitet. Er hätte ein hohes Lied der Mutterliebe und ebenso gut eine aufrüt- telnde Anklage gegen die Justiz Dollarikas werden können, ober er wurde urechter amerikanischer Kitsch. Um Logik bemühte man sich nicht einen Augenblick, sondern ließ, um der Sentimentalität und der Sensation wegen, eine glückliche Ehe auseinandergehen, den Mann einen Meineid leisten, die Frau unschuldig ins Gefängnis komm» und nach der Flucht aus der Strafanstalt hochbeglückt ihr krankes Kind in die Arme schließen. Ende gut, alles gut. Charles B r a b i n führte die R«v»e in gänzlich überholter Ma- nier: er bat eine direkt naive Freude an Sensationen, Revue- Mädchen. säMerzverzogenen Gesichtern der Stars und Großauf. nahmen. Die letzteren werden Doris K e n y o n sehr gefährlich, da bei ihr weder Zahnstellung nach Mundparti« ideal find. Den männ- lichen Darstellern tut man den größten Gefallen, wenn man ihre Namen verschweigt. Recht interessant waren die Aufnahmen aus dem Zyklus „Schaffende Hände", die diesmal in wirklich sehenswerter Weife die Arbeitsmethode des Bildhauers Joseph Therak veran- schaulichten._.x. Guter Geschmack. Ueber den Geschmack soll man nicht streiten. Einmal, weil meistens doch keine gemeinsame Anschauung dabei herauskommt und zum anderen, weil er bestimmt von Zeit, Ort und Umständen ab- hängig ist. Nichtsdestoweniger hat der Rektor der Universität Wis- konsin(USA.) eine Definition geliefert, die bestimmt den Reiz der Neuheit für sich hat. Er teilte kürzlich in der„New Port World" mit, daß er der bekannten Propagandistin der Ehen auf Probe, Frau Bertrand Russell, Verlesungen über ihr Thema vor dem Au- ditorium seiner Universität verboten habe. Er halte Erörterungen der Sexualbeziehungen vor und nach der Ehe vor Studenten beider. lei Geschlechts, die gemeinsam die Anstalt besuchten und ihre Der- anstaltungen gemeinsam belegten, für einen Verstoß wider den guten Geschmack. Daß Sexualbeziehungen zwischen den Hörern der Universität Wiskonsin bestehen, bestreitet der 5)err Rektor nicht. Rur über die menschlich wie sozial zweckmäßigste Art ihrer Regelung darf in seiner Anstalt nicht gesprochen werden. Das ist der Ausdruck der typischen Bürgermoral, die alles erlaubt, aber nur das notiert, was ihre Kreise nicht stört. Wir wissen nun ganz genau, was gutem Geschmack entspricht im wohlgesitteten und ebenso sitniertcn Bürger- tum: man muß das Zweckmäßige unierlassen, wenn es mit Kritik verwandt ist! Der nächste Zola-Film. Nach dem große» Erfolg, den der deutsch-französische Gemeinschaftsfilm„Therese Raquin" soeben in Berlin davongetragen hat, wird demnächst auch Zolas Börsenroman „Das Geld" auf der Leinwand erscheinen. Der Bersasscr des Manu- stripts, Marcel L'Herbicr, hat, um ein möglichst lebensechtes Bild des Milieus zu»ermitteln, die Börse und den Betrieb in den Banken eingehend studiert, um sich die nötigen technischen Kenntnisse zu ocr- schaffen.'_ Ernst w Frcihler svricht beute über Zosepb Eonrot». Der Vortrag findet m Mommjen-Ayiimasium, Wormser Strohe 11, abend» 8'/, Uhr, statt. Tolstoi und Gorki werden von der Volksbühne E. V. durch eine schlichte Veranstaltung geebrt, in der Nora Zepter au» ihren Werken vortragen wird. Die Ehrung findet statt am Freitag. 3 Uhr, im Bürgersaal de» Rathauses. Karlen O.SOMk. Ein historische» INonumenl e ogeltürzl. Ter oii-Z dem rennten Vahr- dündert stammend« Turin Kall» de» Große« in Tour»(Frankreich) ist Hestern eingestürzt. Der Turm war einer der letzten Ueberreste der frühe. gen MarlinS-Basilika. in der die Königin Hildegard, die Gemahlin Karl» res Groll««, beigesetzt war. Der Dammbruch in Kalifornien. Von den großen Wasserkatastrophen in Kalifornien liegen jetzt die ersten Aufnahmen vor. Volksgesundheitswoche. Eine Ausstellung für naturgemäße Lebensweise. Der Landes perband Brandenburg für Homöo pathie und Gesundheitspflege, der in sich eine Reihe bedeutsamer Organisationen auf den verschiedensten Gebieten der Lebensreform, 11. Abstinenzier, Begetarier, Impfgegner, den Volksfeuerbestattungsverein u. a. erfaßt, veranstaltet zum ersten Male in breitester Deffentlichkeit in Berlin eine Aufklärungswoche. Insbesondere zeigt eine gut beschickte Ausstellung von dem Werbefleiß und der Rührigkeit seiner Mitglieder, die sich ja vornehmlich cus Arbeiterständen zusammensetzen und ihren wenn auch ein feitigen Kampf aus großem Idealismus heraus nach ihrer beruflichen Tagesarbeit zu führen gezwungen sind. In diesem Kampf der Geister, der sich speziell gegen Schulmedizin richtet, ist es schwer, Stellung zu nehmen, da die Ueberzeugung für das eine aber andere eine rein persönliche Auffassungsfache ist; jedoch soll gesagt werden, daß alle diese Borkommnisse, die aus Kliniken usw. gemeldet wurden und von dem Reichstagsabgeordneten Dr. Moses zu einer Interpellation im Reichstag führten, den Freunden der Volksheilkunde in ihrem Kampf gegen das heutige Klinikwesen recht geben. So ist auch ihre Forderung zu unterstützen: Wir bekämpfen jedes Kurpfuschertum, ob von Aerzten oder in unseren Reihen. Kurpfuscher ist derjenige, der die Kur verpfuscht! Ebenfalls darf nicht verkannt werden, daß die ganze moderne Einstellung heutiger medizinischer Reformen, wie der Ruf nach Luft, Licht, Sport, Gymnaftit, vernunftgemäße Ernährungsweise, insbesondere bei letzterem die Entdeckung der Bitamine in Rohkost, eigentlich nichts anderes darstellt, als die Uebernahme der Forderungen der Volksreformer, die diese Erkenntnisse in die Massen gehämmert haben, solange die Bewegung bereits besteht. Die Ausstellung bietet eine große Ueber ficht der pharmazeutischen Präparate, der Homöopathie und Biochemie, Brunnen, Nahrungsmittel, Bekleidung u. a. m. Die Anwendung der Elektrizität im Heilverfahren wird an Apparaten geFür den Garten und Möbel HerrenkleiderGeräte Fabrik auch gegen 12 Monats Raden Raddatz& Co. Stine Berlin Leipziger Str. 122-123. NEUE KONIG STR nin Schritt! vom Plak, 1. der gibt bis auf weiteres Anzüge, Ulster. Baletots zu Fabritpretien ab. Bitte überzeugen Sie sich. Kaiser- Wilhelm- Str. 24, I Tr. 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Dieses Suchen der Massen nach der Wahrheit beweist wieder, wie sich selbst die ärztliche Medizin gerade in den unteren Bolksfreisen durch eigenes Verschulden in Mißtredit gebracht hat, und man fann einem Redner nur Beifall geben, der feststellte, daß trotz aller sozialen Gesundheitsmaßnahmen des Staates jede neue Generation geschwächter und lebensunfähiger ist als die vorausgegangene und darum die Bestrebungen im Volk wachsen, durch eine naturgemäße Lebens- und Reformbewegung den Ausgleich wieder herzustellen. N. Lehrlingszüchterei bei den Schornsteinfegern. Das Gewerbe der Schornsteinfeger ist wohl das einzige, das noch privilegiert ist. Die Meister sind vor der Konkurrenz der Gesellen geschüßt und können so ohne jegliche Rücksicht auf den Bedarf an beruflichem Nachwuchs so viel Lehrlinge halten, wie sie wollen. Wo diese Lehrlinge dann später bleiben, ob und nach wie vielen Gesellenjahren sie einmal einen Kehrbezirk bekommen, d. h. sich selbständig machen können, fümmert die Meister wenig. Die Hauptsache für sie ist, in den Lehrlingen billige Arbeitskräfte zu bekommen. Dabei hat das preußische Handelsministerium bereits eine einschränkende Verfügung für das Lehrlingshalten im Schornsteinfegergewerbe erlassen. Trotzdem ist die Zahl der Anwärter auf Kehrbezirke infolge der Lehrlingswirtschaft größer denn je, womit die Aussicht für die meist im reifen Alter stehenden Anwärter sich wesentlich verschlechtert. Nun, wer nicht warten kann, der möge umfatteln, was fümmert es die im sicheren Besitz eines Kehrbezirks stehenden Meister. Der Zentralverband der Schornsteinfegergesellen, die gewerkschaftliche Organisation, hat sich nunmehr QUALITATSETE ENGELHARDT Der Kenner trinkt das vorzüglich nach Pilsner Art gebraute EngelhardtSpezial Hell Auch in Flaschen überall erhältlich Haut- u.Beinleiden Rind- u. Schweine- Schlächterei Pankow, Schloßstr. 6. Jeden Sonntag und Donnerstag der beliebte Ballbetrieb, gute stimmungsvolle Hauskapelle und Krampfadern, Tanzleitung.gemütlich.Familien- eingeschwäre. aufenthalt bei freiem Eintritt. Säle für Vereine noch frei. TRAURINGE Preisliste gratis! Mk. 18.Ring Dukatengold( 900 gest.) zum Reklamepreis von Gediegen und modern Schwere Ausführung 1 Ring( 585 gest.) Gediegen und modern Schwere Ausführung Mk. 22. Mk. 28. Mk. 12.Mk. 15. 8 karat. Ringe v. Mk. 4.- bis 7.-p. Stück. Gravieren gratis zum Mitnehmen. Ges. geschützt Hermann Wiese, Berlin W, Passauer Str. 12 Ständig ca. 3000 fugenlose Trauringe am Lager. Flechten, Venenentzündung, Geschwulst, Gelenkerkrankungen, Ischias, Rheuma, Gicht, Plattfaß usw. werden seit 30 Jahren geheilt in R Berlin Mauerstr. 91 Sprechz. 9-12 und 3-5 Max Jobski Mittw.Sonnt. Putbusser Straße 6 nur vormitt Neue Königstr. 60 Qualitätsware/ Billigste Preise Sprechz. 10-5 auß.Donnerst. und Sonntags. Prospekt gratis. Or. 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Die Sektion V des Verkehrsbundes( Metalltransportarbeiter) feierte fürzlich im Gewerkschaftshaus ihr 25jähriges Bestehen. Bon den 150 Jubilaren, die der Sektion seit ihrem Gründungstage oder sogar schon verdem dem Transportarbeiterverband an gehörten, nahmen fast alle an der Feier teil. Biele waren unter ihnen, die, wie der Sektionsleiter Genosse Fromte in einer Begrüßungsrede ausführte, ihre unerschütterliche Treue zur Organisation mit Maßregelungen und langer Arbeitslosigkeit„ büßen" mußten. Genosse Fromte stellte diese alten Kämpfer, die trog aller Behörden und Unternehmerschikanen der Organisation die Treue hielten, der jüngeren Generation als ein leuchtendes Vorbild hin. Auch der Genosse Klose sprach sich in seiner Festrede sehr anerkennend aus über den Opfermut der alten Gewerkschaftspioniere, die gerade im Verband Berliner Metallindustrieller einen rücksichtslojen Gegner der aufstrebenden Gewerkschaften fanden, sich aber dennoch durchzusehen verstanden. Er sprach die Erwartung aus, daß auch der Rückschlag, den die Sektion durch den Krieg erlitten hat, bald wieder wettgemacht und darüber hinaus auch der Zeitpunft nicht mehr fern sein möge, an tem es überhaupt feinen unorganisierten Metalltransportarbeiter mehr gibt. Der Sekretär des Bundesvorstandes, Genosse Reißner, weihte dann mit einer zündenden Rede, das prächtige Banner ein, das aus Mitteln der Seftion und. freiwilligen Beiträgen angeschafft worden war. Die äußerst wirkungsvolle Feier, die von musikalischen Darbietungen und Rezitationen würdig umrahmt wurde, dürfte allen Teilnehmern noch lange in bester Erinnerung bleiben. Der englische Luftmarschall in Berlin. Zur Teilnahme an der internationalen Konferenz in Berlin, die sich mit technischen Fragen des internationalen Luftverkehrs beschäftigt, ist gestern abend der Chef der englischen Zivilluftfahrt Sir Sefton Brander in Begleitung eines englischen Dezernenten, des Direktors Bertram, in Berlin eingetroffen. Staatlich, vormals königlich. schreibt uns ein Leser, im Ausstellungsraum der Pors Bei dem vorgeftrigen Sonntagsspaziergang bemerkte ich, so 3ellanfabrik in der Wegely straße am Bahnhof Tiergarten, auf einem weißen Teller mit blauer Farbe eingebrannt die Aufschrift: ,, Staatl. Porzellan- Manufaktur" vorm. fönigl. Berlin. Der Einsender bemerkt dazu ironisch, daß nach diesem Borbild unsere Postämter in Zukunft die Aufschrift tragen mögen: „ Reichspost vorm. faiserl.", damit Berlin mur nicht seinen Wilhelm vergißt. Täglich 1000 nene Sparbücher in Berlin. Die Einzahlungen bei der Sparkasse der Stadt Berlin haben sich im Februar auf der Höhe des Januar gehalten. Die Zahl der Sparer ist bis Ende Februar 1928 auf 476 000, der Betrag der Spareinlagen auf 218,3 millionen Reichsmart gestiegen. Es find an jedem Geschäftstage durchschnittlich 1000 neue Spar= bücher bei der Spartasse der Stadt Berlin ausgestellt worden, und die Spareinlagen haben an jedem Geschäftstage um 440 000 m. zugenommen. Bei den Girofassen der Berliner Stadtbank sind die Einlagen Ende Februar auf 90,5 Millionen Mark angewachsen; die Zahl der Girokonten betrug 36 300 Stück. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend.( Nachdrud verboten.) Ziemlich fühl und größtenteils bewölkt mit etwas Regen, schwache Luftbewegung. Für Deutschund Osten vielfach Regen. land: Westostwärts fortschreitende weitere Abkühlung, im Süden Berantwortlich für die Redaktion: Eugen Brager, Berlin; Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag: Borwärts Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts Buch bruderei und Berlagsanstalt Paul Ginger& Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Hierzu 1 Beilage. Die richtigen Knaben Mäntel Kieler Pyjacks marineblauer Cheviot f. 5 Jahre Mk.29,23,17 1250 O Ulster moderne karierte Cheviots f. 6 Jahre Mk.37,25, 20 14.25 Leineweber Berlin C, Köllnifcher Fifchmarkt 4-6 Beilage Dienstag, 27. März 1928 MA99312910 STAH C 9 77 Zukunftsland Südafrika Der Abend Spalausgabe des Vorwärts SK BANK PRÄT ment. Es ist das erstemal, daß bei den Wahlen der Union die Labour- Party sich durchsetzte. Die Arbeiterfrage ist in diesem Lande nämlich erst recht jungen Datums. Das Interesse der Welt für den Südzipfel des afrikani-| auch zwei Mitglieder der Arbeiterpartei ins Parla-| Weiße Einwanderer, die von der Regierung recht erwünscht schen Kontinents beginnt sich neuerdings zu beleben. Das Land ist so dünn bevölkert, daß es noch vielen Menschen Arbeit und Brot geben kann. Auf einer Fläche, die etwa zweidreiviertelmal so groß ist wie Deutschland, lebt eine Bevölkerung, deren Zahl nur ungefähr ein Neuntel der Deutschen beträgt. Auf einen Quadratkilometer Boden kommen also etwa 5,5 Einwohner; Dänemark, das fast ausschließlich Hauptstraße in Kapstadt. 79097 Agrarland ist, hat pro Quadratkilometer zirka 79 Bewohner. Selbst wenn man berücksichtigt, daß Südafrika ziemlich aus gedehnte Wüstengebiete hat, so bleibt die Tatsache bestehen, Denn dieses Gebiet ist eines der ergiebigsten der Welt. In einem Vortrag, über den wir bereits furz berichteten, gab Dipl.- Ing. Werner Sell eine ausführliche und sehr anschauliche Schilderung des Landes und seines gegenwärtigen wirtschaftlichen Entwicklungsstandes. Die sozialen Tatsachen freilich blieben wenig berücksichtigt. Südafrikas reiche Schätze an Diamanten und Edelmetallen liegen besonders in der Gegend um Pretoria, der Hauptstadt Transvaals. Hier ist ein ausgedehntes Industriegebiet entstanden. Rauchende Fabrikschlote sind das Wahrzeichen der Stadt Johannisburg, die mit ihrem bunten Straßenleben und ihren vielstöckigen Gebäuden durchaus dem bekannten GroßStadttyp entspricht. Doch die Union, die ungefähr die Hälfte des Goldbedarfs der Welt deckt und zirka 70 bis 80 Broz. aller Diamanten liefert, über Platinlager sowie umfangreiche, noch taum auf gedeckte Kohle- und Eisenschäße verfügt, ist in erster Linie ein Agrarstaat. Auf weiten Weideflächen gedeihen Pferde, Rinder, vor allem aber Schafe, die eine außerordentlich feine Wolle liefern. Mais, Korn, Zuderrohr, Baumwolle und Obst wird in von Jahr zu Jahr ansteigendem Maße fultiviert. Eine lebhafte Woll- und Baumwollindustrie scheint im Lande heimisch zu werden. Die Landschaft ist abgesehen von den Gegenden der Steinwüste wundervoll romantisch und erinnert stellen weise starf an den südlichen Teil der Alpen. Das Klima ist für den Europäer gesund und recht gut erträglich; die Tem peraturen schwanken ungefähr zwischen+ 10 und+ 28 Grad Celsius. Afrikanas ist seit einigen Jahren neben dem Englischen zur Regierungssprache Südafrikas erhoben. Es hat sich aus dem Einwandererholländisch entwickelt, das die ersten Buren vor Hunderten von Jahren mit nach Afrika brachten. Im Laufe der Zeit änderten sie ihre Muttersprache grundlegend in Grammatik und Orthographie und ergänzten sie mit Ausdrücken aus dem Englischen und den Negersprachen. Dem Holländischen steht das Afrikanas heute faum näher als etwa dem Deutschen. Nicht nur durch Hervorstellen seiner eigenen Sprache, fondern auch durch andere äußere Zeichen betont Südafrika in der letzten Zeit seine Selbständigkeit. Die Regierung Herzog schuf in Anlehnung an die alten Burenfarben eine neue Landesfahne, die heute an Stelle der englischen Flagge über der Union flattert. Auch neue Briefmarken gab sie heraus, auf denen nicht mehr das Brustbild des englischen Königs, fondern der Orangenbaum der alten Burenmarken zu sehen ist. Politische Kämpfe sind dadurch natürlich nicht ausgeSchaltet. Zwei Parteien stehen sich scharf gegenüber, die Herzog Partei der Nationalisten und die Südafrikanische| Partei, die bis vor den letzten Wahlen durch General Smuts und sein Kabinett die Führung hatte. Afrikanisch interessiert find im Grunde beide Parteien, die Landwirt schaftspartei der Herzog- Leute allerdings wesentlich mehr als Die durch Wirtschaftsinteressen starf mit England verbundene Industriepartei ihrer Gegner. Die legten Wahlen brachten Der wichtigste Arbeiter ist hier der Neger. Doch fängt gerade neuerdings das Negerproblem an, dem Lande Schwierigkeiten zu bereiten. Der Neger wie der Farbige ist ein außerordentlich billiger und anspruchsloser Arbeiter, solange er auf entsprechend niedrigem Kulturniveau gehalten wird. Die weißen Bewohner der Union, nur etwa ein Viertel so zahlreich wie die Farbigen, deren Zahl zirka 6 Millionen beträgt, sind in der Hauptsache Landbefizer und Kopfarbeiter. " Diese grundsätzliche Benachteiligung der Schwarzen ist grausam und eines Kulturstaates unwürdig. Schwarz" und ,, weiß" sind in dem Lande seit Jahrhunderten streng getrennt. Der Schwarze bedeutete für den weißen Kolonisten das willen- und gefühlslose Arbeitsgeschöpf, mit dem er nach feinem Belieben schalten fonnte und das er häufig viel bru= taler als seine Tiere behandelte. Diese Einschätzung des Schwarzen hat sich auch seit Aufhebung der Sklaverei faum geändert. Obgleich Arbeitskräfte durchaus unterzubringen wären, hat das Land gegenwärtig zirta 140 000,, arme Weißen", die zum Teil der Staatskasse zur Last fallen, weil sie infolge der " Farbenschranke" nicht ausreichende Arbeit finden. Natürlich würden mit der größeren Bewegungsfreiheit der Schwarzen auch die Löhne steigen. Doch davon würden auch die mittellosen arbeitswilligen Weißen profitieren. Der bildungsfähige Bantuneger, der Hauptvertreter der schwarzen afrikanischen Bevölkerung, würde eine Kulturgefahr für das Land sicher nicht darstellen. Gegenwärtig besteht die dringende Gefahr, daß die Farbenschranke für die kulturelle und wirtschaftliche Entwick lung der Union eine chinesische Mauer wird. Die Entfaltungsmöglichkeiten des Landes werden durch sie außer ordentlich begrenzt. Bodenschäze können nicht voll verwertet, Land nicht hinreichend fultiviert werden weil ein künstlich erzeugter Mangel an hochwertigen Handarbeitern besteht. find, haben in dem Lande zurzeit eigentlich nur Aussicht auf wirtschaftlichen Erfolg, wenn sie gelernte Landwirte sind und ein größeres Kapital besigen. Die Zahl der Zuwanderer ist dadurch naturgemäß recht begrenzt. Gerade wenn man aber an die Möglichkeit einer schwarzen Gefahr" glaubt, also be= fürchtet, daß die überwiegende Farbigenbevölkerung eines Tages die Weißen unterdrücken oder zum Lande hinausSüdafrikas Alpen. drängen könnte, so müßte man für einen stärkeren Zustrom des weißen Elements forgen. Ob die Proletarisierung des Landes fich langsam von innen her entwickelt, wie das gegenwärtig der Fall ist, oder ob sie rasch dadurch eintritt, daß junges, unternehmungsmutiges Arbeiterelement von außen zuströmt, bedeutet schließlich nur einen Unterschied von verhältnismäßig wenigen Jahren., Aufzuhalten ist sie, wie die Erfahrung gezeigt hat, jedenfalls nicht. Warum fehlen Wohnungen? Von Stadtbaurat Dr.- Ing. Martin Wagner. Wenn die Städte nicht in die Lage versetzt werden zu bauen, dann werden alle Pläne und Hoffnungen, die darauf eingestellt sind, die Wohnungsnot in zehn Jahren zu beseitigen, in sich zusammen brechen. Die Stadt Berlin 3. B. hat im Jahre 1927 20 000 Bohnungen gebaut und damit die bisher höchste Produktionsziffer erreicht. Sie hätte aber jährlich 45 000 Wohnungen, aljo mehr als die doppelte Zahl erreichen müffen, wenn sie in zehn Jahren die Wohnungsnot beseitigen wollte. Warum werden nicht mehr Wohnungen gebaut? Weil die inländische Kapitaldecke zu fnapp ist. Und warum verwenden wir nicht Auslandskapital? Weil der Reichsbankpräsident und feine Beratungsstelle das Schlagwort der„ produktiven" Anleihe geprägt haben und den Wohnungsbau nicht als eine produktive Kapitals anlage betrachten. Auch wir wünschen, daß die deutsche Währung unter allen Umständen stabil bleibt. Aber wir sehen für die deutsche Währung im Augenblid teine Gefahr, wenn zu den mehreren Milliarden Mark innerer Kapitalneubildung eine Milliarde Mark ausländifchen Rapitals für den Wohnungsbau verwandt wird. Bor allem aber müssen wir uns mit aller Entschiedenheit gegen den Begriff der„ produktiven" Anleihe wenden, wie ihn der Herr Reichsbankpräsident geprägt hat. Was ist eine produffive Anleihe? Wenn die Firma Krupp Kanonen produziert, die dazu bestimmt find, Menschen und Güter zu vernichten, und diese Firma für die Erweiterung ihrer Fabrikanlagen ausländisches Kapital hereinnimmt, dann braucht fie teine Reichsbank und feine Beratungsstelle zu befragen. Eine solche Anleihe ist frei, weil sie probuftio" ist! Der Wohnungsbau aber foll unproduffio fein, weil er dem Menschen ein Heim verschaffen will, in dem der Körper und der Geist in dem täg lichen Rhythmus von Arbeit und Ruhe erneuert und für die deutsche Boltswirtschaft brauchbar erhalten wird? Man fann für die Erleuchtung" einer Weltstadt durch Abend und Nachtreflame eintreten und dennoch die Frage aufwerfen, ob das Auslandskapital, das in die Lichtretlame geſtedt wird, volkswirt schaftlich gesehen um so viel produttiver" ist als der Bau einer neuen Wohnung Man könnte Herrn Dr. Schacht noch fragen, was wichtiger sei für die deutsche Volkswirtschaft und die deutsche Währung: der Import von Seide, Parfüms und Wein oder der Smport von Stapital für Wohnungen, die die Hunderttausende von tuberfulofen Menschen von der Raum- und Beitennot befreit. Das eine dürfte doch aber auch Herrn Dr. Schacht einleuchten, daß der Arbeitsertrag von einer Million wohnungsloser Familienich schähe ihn auf 3 milliarden Mark- durch den Wohnungsmangel nicht erhöht, fondern herabgerüft wird. Welchen Vorteil hätte die deutsche Wirtschaft, wenn dieser Arbeitsertrag auf eine normale Höhe gebracht werden würde? Der durch neue Wohnungen gesteigerte Arbeitsertrag fönnte als Kapitalzins ohne Bedenken ins Ausland wandern, ohne die deutsche Währung auch nur im geringsten zu erschüttern. Ist es nötig, Herrn Dr. Schacht darauf hinzuweisen, daß auch Neubauprojekte von Industrie, Handel und Gewerbe können nicht zur die ganze Wirtschaft unter dem Wohnungsmangel leidet? Wieviel Ausführung kommen, weil die Bauherren für die abzubrechenden Wohnhäuser den mit Recht von ihnen verlangten Erfaz in der Form Don neuen Wohnungen nicht beschaffen können! Welche Zeit und welche Kosten müssen Arbeiter, Angestellte und Beamte aufwenden, um von ihrer entlegenen Wohnstätte zur Arbeitsstätte zu gelangen, weil der Wohnungsbau in der Nähe der Arbeitsstätten nicht hinreichend genug gefördert werden kann, und weil der Wohnungs mangel den Umzug verhindert! Man kann es gewiß nicht als die höchste Stufe der„ Produktivität“ bezeichnen, wenn die 50 000 Arbeiter von Siemensstadt täglich 2-3 Stunden Berufswege zurüdzulegen haben und die Ber. fehrsmittel höchft unproduktiv belasten. Aber nun ein Hinweis auf das geradezu Unsinnige der Schachtschen Produktivität". Der Mangel an Bautapital ist die Hauptursache dafür, daß in Deutschland mit dem vorhandenen Kapital mindestens 25-30 Pro3. meniger Wohnungen gebaut werden, als mit ihm gebaut werden könnten. Wie das? Die Kapitalfnappheit hat den Zinssatz für erste Hypotheken auf 10-11 Proz. getrieben. 3wischenkredite und Baugelder sind oft noch teurer. Sind diese Zinsfäße schon hoch genug, so erreichen fie eine geradezu phantastische Höhe, wenn man die Nebenbedingungen dazurechnet, die mit der Hergabe von Baugeld verbunden sind. Die Knappheit des Baukapitals schafft Monopole. Aber dieses Spiel sehen die Spezialisten der Finanzwirtschaft nicht. Sie sehen auch nicht, wie die Beratungsstelle umgangen wird, wie das Auslandskapital auf direktem und indirektem Wege über die Industrie doch dem Baumarkt zufließt, dann aber mit den Breifen einer Schleich handelsware angebeten und tonsumiert wird. Das deuse Bolf ist sehr geduldig, aber nidt geduldig genug, um fich die Beratung der Beratungsstelle noch ein weiteres Jahr von Wohnungsnot und Wohnungselend anzusehen! VON B. TRAVEN RA Aia Nadtdnidc verboten« Copyrighr 1928 by BOdiergilde Gutenberg, Berlin Dobbs, Curfin und Howard, drei mexikanische Arbeiter, haben im Hochlande der Sierra Madre nach Gold gesucht. Es ist ihnen nach harter Arbeit gelungen, eine ansehnliche Menge Goldstaubs rusammenruscharren. Do erscheinen Bandifen auf der BildflSche, d e vorher einen Eisenbahnrug ausgeplündert und die Fahrgäste gelötet hatten.'Die Goldgräber werden angegriffen, bevor es aber zu einem Zusammensiob kommt, erhalten sie Hilfe von Militär, das sich auf der Verfolgung der Räuber befindet. Die Goldgräber suchen wieder ihr Lager auf. das sie während des Angriffes verlassen muhten und rüsten sich zur Helmkehr. Kurz vorher war aber ein anderer Goldsucher zu Ihnen gestoben, der ihnen von einer ungeheuer reichen Mine erzählt und sie zu weiterem Bleiben überreden wj I. 25. Fortsetzung. Cacaub Holte seine Packen Herbei und legte sich am Feuer nieder. Curtin sah es und kam zum Feuer. „Kannst doch auch ins Zell kommen, Meirsch. Soviel Platz für deine Ecke ist schon noch vochanden." Aber Laueaud erwiderte:„Ich schlaf« ganz gut hier. Ich schlafe überhaupt lieber am Feuer als in einem Zelt. Aber höre, willst du denn nicht mitmachen? Es ist ordentlich etwas drin, kannst du mir glauben." „Was mitmachen? Ach ja, dein Plan. Nein, ich bin froh, wenn id) hier weg bin. Ich holte es nicht mehr aus. Es bleibt keiner von uns hier. Was hier zu finden war, das haben wir herausgeholt, und ich rühre keine Hand mehr." Eurtin ging hinüber zum Zelt und kroch hinein. „Was wollte denn der Knabe von dir?" fragte Dobbs. „Sein Plan, ich habe aber abgewinkt." „Ich weiß wahrhaftig nicht, was ich aus dem Burschen machen soll," sagte Howaid.„Beinahe glaube ich, er hat seine Schrauben nicht all« richtig eingedreht, da sind ein paar locker. Ich brauchte nur zu wissen, was er in den letzten sechs Monaten gemacht hat, und wo er gewesen ist, dann könnt« ich euch ganz genau sagen, od er der ewig« Goldsucher ist oder ob er buschverrückt ist. Vielleicht ist er beides." „Ewiger Goldsucher?" fragte Eurtin neugietig. „Ja, einer, der ewig sucht und sucht, ein Dutzend märchenhafte Geschichten von verschütteten und verlorengegangenen Goldminen weist, ein Dutzend Pläne und Zeichnungen in der Tasche oder im Kopfe hat, die ihm den sicheren Weg zu«iner verschollenen Min« zeioen,«in Dutzend alberne Schwätzereien von Indianern und Mestizen in seinem Hirn herumwälzt über Plätze, wo Gold oder Diamanten zu finden seien Er sucht und sucht, je unwegsamer und wilder das Gebirge, je größer die Gefahren, desto mehr ist er überzeugt, da� er dicht an den armdicken Adern sitzt. Aber er findet nie eine Linse Gold, obgleich er bestimmt weist, daß er un» mittelbar davorsteht und morgen die Ader klopft. Es ist auch ein Verrücktsein, das genau so gefährlich für seine Mitmenschen werden kann wie jedes andere Verrückissin. Und die Besessenen sind wehr zu bemitleiden als andere Wahnsinnige, weil sie immer wandern,' ruhelos und ziellos. Bald sterben sie beinahe an Hunger, bald an Durst: bald haben sie ihr Leben geaen Beralöwen, gegen Klapper- schlangen und sonstiges giftiges Tier- und Kriechzeug zu ver- teidlgen, bald gegen misttrauische Indianer: dann wieder stürzen sie wo ab, brechen sich die Knochen und liegen da, bis sie von einem Indianer oder Banditen gesunden werden, der sich die Mühe macht, sie wieder aufzupäppeln. Aber kuriert können sie nicht werden. Sie wissen immer, daß sie morgen die Mine bestimmt finden werden." „Den Eindruck macht er aber auf mich nicht," sagte Dobbs. „Da ist noch etwas anderes hinter ihm versteckt." „Möglich." aab choward zu.„Ich habe jetzt kein« Lust, darüber nachzudenken. Meinetwegen mag er sein, was er will. Ich weiß nur noch nicht, was wir mit ihm tun, falls er etwa den Versuch macken sollte, mit uns abzuwandern. Das können wir nicht ge- brauchen." „Mareen wird er natürlich die Mine selten," sagte Eurtin. „Schadet jetzt nichts mehr." erwiderte Howard.„Wir bauen sie zu. und wenn er zurückbleibt und sie wieder ausmacht, so ist das seine Sache." Am nächsten Morgen, nachdem sie ein kurzes Frühstück aehabt hatten, gingen Howard, Dobbs und Eurtin kräftia an die Arbeit. Zu ihrer Verwunderung, zeigte Locaud keine Absicht, mit ihnen zu ihrer Mine zu kriechen. Sie hatien ihn zwar nicht dazu auf- gefordert, aber sie hatten erwartet, daß er doch wohl in einer so bedeutenden Sache wie eine Ggldmine interessiert sein würde. Er fragte nicht einmal dauadr. Nachdem er seinen Kaffee ausgetrunken hatte, stand er auf und begann den Weg hinunterzugehen. Eurtin folgte ihm, weil er glaubte, Lacaud würde hinunter ins Dorf gehen, um dort zu sagen, daß es nun Zeit sei, hier das Nest durchzusuchen, weil es morgen zu spät sein würde. Lacaud wußte nicht, daß Eurtin Hinte.' ihm her sei. Er ging sarglos seiner Wege, sah sich nur aufmerksam jeden größeren Baum, jeden Stein genau an. als ob er nach irgendwelchen Merkmalen suche. Zu- weilen blieb er stehen und bückt« sich, um den Boden zu unter- suchen. Endlich kam er zu der Grassläche, wo die Tiere waren. Er ging hinüber und kam auch an die Wasserpfütze. Als er die aufmerksam betrachtet hatt«, sah er hock) und ging auf hie Fels- wand zu. Dort begann er nun herumzukriechen und zu suchen. Nun überzeugt, daß Lacaud andere Absichten habe, als den Männern Schwierigkeiten zu bereiten, kehrte Eurtin wieder zurück zu den beiden und erzählt«, was«r gesehen habe. „Es ist schon so." sagte Howard,„wie ich euch gest«rn abend gesagt habe, der ewige Goldsucher. Wir wollen uns nicht mit ihm aufhalten." Sie waren am Abbrechen der Gerüste, und Dobbs hatte sich die Hand ausgerissen. Er wurde ärgerlich und sagte:„Wozu bauen wir denn überhaupt ab? Lassen wir es stehen, und gehen wir unserer Wege." „Wir haben das doch vorher, als wir anfingen, untereinander vereinbart, daß, wenn wir etwas machen, abbauen u;id zuwerfen wollen." „Es hält uns nur auf, und ich weih auch nicht, wozu es gut ist," brummte Dobbs. „Na, Jung«, erst einmal denke ich, daß man gegen den Berg, der sich so freigebig erwiesen hat, wenigstens die eine Dankbarkeit zeigt, daß man ihn nicht schimpfiert zurückläßt, daß man die Wund«, die man ihm geschlagen hat, auch wieder schließt.' Und dem Berg die Gerüste vor der Nase stehenzulassen und ihm seinen Garten wie einen dreckigen Bauplatz zurückzulassen, das ist un- anständig. Der Berg hat e» doch wahrlich verdient, daß man sein« Schönheit respektiert. Ich will auch lieber an diesen Platz so zurück- denken, wie ick) ihn fand, als wir kamen, denn daß ich immer diesen Schuttplatz vor Augen habe, wenn ich an diese Monate denke. Schlimm genug, daß wir nur gerade den guten Willen zeigen können, und daß der Platz noch unerträglich genug aus» sehen wird, wenn wir gegangen sind." .Dor/ begann er nun herumzuhriechen... „Merkwürdig ist deine Ansicht von der Persönlichkeit des Berges," sagte Eurtin.„aber ich denke auch, man soll die Stube, die man sauber fand, ausfegen, wenn man sie verläßt, auch wenn niemaird dabeisteht, der einen dafür lobt." „Einen anderen Grund hat es auch noch," setzte der Alte fort, „es könnte ja sein, daß hier jemand heraufkommt, während wir noch auf dem Wege sind. Da hat er denn gleich heraus, was wir gemacht haben, und er kommt uns mit einem halben Dutzend Kerlen hinterher. Wenn das hier wieder schlicht gemocht ist, soweit wie wir es schaffen, dann sieht es aus, als ob es nur eben ein langes Camp war, wo wir alles mögliche getan haben mögen, nur nicht gerade gelbes Schwergewicht gewaschen. Na, Dobbs, pack nur kräftig mit zu: wir haben so manchen Tag umsonst ge- arbeitet, ehe der Berg seine Hand aufmachte, und dieser Tag hier sieht«ine gute und noble Arbeit, auch wenn sie nichts an bar einbringt. Wenn du dir einen Blumengarten vor deiner Haustür einrichtest, so denkst du auch nicht daran, daß er dir bares Geld einbringen soll." Das Mittagessen, wie es die drei in den verflossenen Monaiest zu ihrer Gewohnheit gemacht hatten, war kurz und einfach. Sio kochten einen Kessel Tee und aßen dazu ein ledernes Stück Mehl- Pfannkuchen, das in der Frühe mitgcbacken wurde. Sobald der Tee getrunken war und jeder eine Pfeife zu Ende geraucht hatte, wurde wieder frisch weitergearbeitet. Das Licht des Tages mußte bis zur Minute voll ausgenutzt werden; wenn die Sonne des Morgens aufging, mußte das Frühstück beendet sein, und das Abendessen wurde begonnen, wenn die Sonne untergegangen war. Nur so war es ja möglich gewesen, daß die drei Männer soviel schaffen konnten. Die Länge des Tages war das ganze Jahr hin- durch so gut wie immer die gleiche, der gering« Unterschied wurde von ihnen kaum bemerkt. Die Regenzeit hatte ihre Arbeit auch nicht wesentlich beeinflussen können. Es kam vor, daß einige Stunden lang wahre Wolkenbrüche Heruntergossen: aber dann gab es immer genügend anderes zu tun. Außerdem hatte der Regen auch wieder seine Vorteile, weil er ihren Erdtank, den sie sich gegraben hatten, um immer genügend Wasser für das Waschen des Sandes zu haben, auffüllte und ihnen so das Heraufschleppen des Wassers erspart wurde. „Es ist doch eine elende Schufterei gewesen," meinte CurtiiL als er sich einen Augenblick hinsetzte, um zu rasten. „Schon richtig," bestätigte der Alte.„Aber wenn wir das ausrechnen, dann hat wohl noch keiner von uns einen so guten und so hohen Tagelohn gehabt, als wir ihn hier verdient haben." Auch Dobbs hatte den Spaten hingestellt, sich niedergesetzt und begann eine Pfeife zu stopfen.„Es kommt mir jetzt so in den Sinn," sagt« er langiam,„als ob wir noch gar nicht so recht zu» frieden sein können. Nicht, was unfern Verdienst anbelangt, sondern ich meine, ehe wir nicht den ganzen Zauber sicher und geborgen in einer Stadt haben und unauffällig in unsenn Hotelzimmer schön zusammen aufgeschichtet vor uns sehen, können wir nicht gut sagen. daß er uns gehört." „Das ist mir die letzten Wochen auch im Kopf herumgegangen," sagte der Alte.„Das wird eine schwierige Reise. Das wird die schwierigste Sache. Da sind Banditen, da sind Unglücksfälle auf dem Wege, da ist die Landpolizei, die neugierig ist und wissen möchte, was wir transportieren. Und findet sie den gelben Kies. so haben wir ihn entweder gestohlen od«r jemand umgebracht und es geraubt, oder wir haben es' gegraben ohne Lizenz und ohne die Taxen zu bezahlen. Das wird noch manches zu bedenken geben. Ja, denkt mal auch«in wenio darüber nach, wie wir den Psesser am. besten und sichersten verschiffen." Die beiden jüngeren Teilhaber schwiegen, dann zogen si« die Stirnen in Falten, als ob sie onaestrengt nachdähten dann stöhnten ste. weil ibnen das Denken Müh« machte, mehr Mühe»ls die schwerste Minenarbeit, und endlich taten sie einen Uesen Atemzug. standen auf und warfen die Haufen auseinander. (Forffetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. Wie lang eine Rede sein darf. Die Parlamentsreform spickt schon lang« in den Köpfen mancher führender Reichstagsabgeordneten. Ein«, Tages unterhält man sich in den Wandelgängen wieder einmal über dies wichtige Problem. Dabei spielt die Frage eine große Rolle, wie man die langen Reden im Reichstag überflüssig machen könnte, um di« Debatten inter» essanter und lebendiger zu gestalten. Ein Abgeordneter wendet sich an den Reichstagspräsidenten Paul Löbe, er möchte sich doch einmal dazu äußern. Löbe antwortet in der ihm eigenen verbindlichen Art: „Herr Kollege, ich meine, eine gute Rede müßte sein, wie das Kleid einer Dame; lang genug, um alles erschöpfend zu decken, aber auch kurz genug, üm noch interessant zu sein." Ein schwerer Schlag. Der ehemalige deutsche Kronprinz hatte stets eine Leidenschaft für Telegraphieren. Als 1908 das erste Zeppelinsch« Luftschiff bei Echterdingen durä) ein Sturmwetter zerstört wurde, sandte er dem Grafen Zeppelin folgendes Telegramm:„Bedaure tief das schwer« Unglück, das Sie betroffen. Werde Si« morgen besuchen und hoffe, Sie werden auch diesen Schlag erhobenen Hauptes überstehen." Ein fröhlicher Chorsänger. Die katholische Kirche legt besonderen Wert auf gute Chorsänger. Besonders berühmt ist der Chor der Knaben in der Sixtinifchen Ka- pelle in Rom. Aber mich in Prag ist Vorsorge getroffen, daß das Gemüt der Frommen durch schöne Musik und weiheoollen Gesang der Kirche geneigt bleibe. Gottesdienst in der K a t h a r i n e n k i r ä) e. Es war am zweitem Weihnachtsieiertag. Alle Frommen waren in der Kirche. Der Chor war vollständig beisammen, erst brauste die Orgel durch den Raum, dann lauschte alles in Demut und Andacht der Predigt. Auf einmal, es herrschte gerade Schweigen im Hause, ertönte vom Chor eine Stimme, die dem Klange nach mehr an den bierfeuchten Baß eines Quartalssäufers als an die Stimm« eines Kastraten aus der Sixtinifchen Kapelle erinnerte. Der Sänger stimmte das Lied cm, das mit den Worten beginnt:„Ich Hab'«ine Dirne gesehen, an der Ecke sie stand." Ungefähr eine halbe Minute lang erfreu!« der Sänger die Andächtigen mit seinem Liede, so steht es in der Anklage, dann wurde er aus der Kirche verwiesen... Später hatte sich der eigenartige Sänger, der Fleischergesell« Joses Borechovsky wegen Religion s st örung zu verantworten. Der Angeklagte erklärt«, daß er so betrunken war, daß«r sich aus nichts mehr besinnen könne. Und weil ein paar Zeugen, die in der Kirche waren, das bestätigten, wurde der„Chorsänger" freigesprochen. Und da jage noch einer, daß guter Gesang nicht belohnt wird. Er kennt sie. S i n o w j e w kam 1920 vom Kongreß der Ostvölk«r nach Moskau zurück und erzählte begeistert von dem gewaltigen Ein- druck, den d«r Kongreß auf ihn gemacht. Vertreter van allen Völkern seien dagewesen: Chinesen, Inder, Türken, Afghanen, Perser irstv.......________; Radek, der ein Skeptiker fft und das bolfchewfftffche TheatzL kennt, auf dem er selbst ein vorzüglicher Regisseur ist. hön jchmm». zelnd zu und fragt plötzlich Sinowjew: „Na, und Papuas waren keine da----?" „Papuas? Papuas?____ NÄn, Papuas waren keine da," Darauf Radek boshaft: „Na, ihr werdet halt keinen Genossen gefunden haben, der?0 dumm war und sich von euch einen Ring durch die Nase hat zieh«q lassen......* 80. Geburtstag des armlosen Künstlers C. H. Unthan. Am 5. April wird der in der ganzen Welt bekannt« Artist C. H. Unthan 80 Jahre alt. In einem kleinen ostpreußischen Dorfe ohne Arme geboren, setzte er es sthon als kleiner Junge durä), daß ihm sein Vater eine Geig« schenkte, die er mit den Füßen zu spielen lernte. Mit beispielloser Willenskraft bildete er sich zum Geigen» künstler aus. Die großen Varietes rissen sich natürlich um dieses erstaunliche Phänomen: 50 Jahre hindurch trat Unthan m vier Welt- teilen aus. Während seiner Varietelausbahn entwickelte er sich auch zum Kunfffchützen, Kunstschwimmer, Taucher und Pistonblösct. Durch Krieg und Inflation verlor Unthan sein so mühsam erworbenes Vermögen, so daß er heute mittellos dasteht. Er ist nicht mehr im- stände, sich und seine treue Gattin durch schriftstellerische Arbeit über Wasser zu halten. Ein Aussd)uß, an dessen Spitze Oberbürger- meiste? Büß steht, wendet sich nun mit der Bitte an die Oeffenttich- keit, dem alten Willenshelden seinen Lebensabend sorgloser zu ge- stalten.— Spenden sind zu richten an:„Unthanspende", p. A. Bank» Haus Bernheim, Blum u. Co., Mtttelftt. 2— 4, Berlin NW. 7(Post, jchecktoato: Belli» 52 852)._____________ j Schwimmfest der Schulen. Die weltlichen Schulen in Front. Im Wellenbad Lunapart veranstaltete das Berliner Stadtamt für Leibesübungen als Abschluß der Winterarbeit in den Hallenbädern der verschiedenen Bezirke Schülerwetttämpfe, mie fie feit 1925 regelmäßig stattfinden. Seit Wochen waren in den einzelnen Bezirken die Ausscheidungskämpfe durchgeführt worden. Doch blieben für die Schlußfämpfe noch nahezu 1000 Schüler übrig, ein Beweis für das Anwachsen der Berliner Schulschwimmbewegung. ~ Sportund Spiel~ Kulturfragen im Reichstag. Die Forderungen der Sozialdemokratie. Bei der Beratung des Haushalts des Reichsinnenministeriums fegte sich gestern im Reichstag der sozialdemokratische Abgeordnete Schred Bielefeld ganz besonders für die Hilfe an der Jugend und die damit zusammen hängenden Kulturforderungen ein. Die Organisation der Veranstaltung fonnte anscheinend mit dem Ausmaß nicht Schritt halten und ließ daher zu wünschen übrig. Das Stadtamt schreibt für diese Veranstaltungen nur Mannschaftskämpfe aus und wertet für Boltsschüler mit Recht als Hauptprüfung das Stilschwimmen. Die weltlichen Schulen, die ja be herrschend und führend auf dem Gebiete des Berliner Schulschwimmens wirken, waren auch diesmal überlegene Sieger. Frei von Rekordjägerei wird hier der Schwimmunterricht in erster Linie unter Beachtung der erzieherischen Troß vieler Bemühungen, führte Schred aus, sträubt sich die Gesichtspunkte und der Gewöhnung an regelmäßiges Baden getrieben. Deutsche Reichsbahngesellschaft immer noch, für Jugendfahrten Daß dabei aber auch zugleich hervorragende Massenleistungen erzielt eine Preisermäßigung bis auf 1 Pfennig pro Kilometer werden, wurde wieder bewiesen. Alle Wettkämpfe für Volksschulen eintreten zu lassen; sie sträubt sich immer noch, die Zahl der an einer zeigten die weltlichen Schulen in Front. Zum vierten Fahrtgruppe Beteiligten herunterzusetzen, und sie hält immer noch Male gewann die 208. Schule( weltliche Schule Gotenburger fest an dem erschwerenden Fahrtenausweis. Abgeordneter Straße) den Wanderpreis für das Stilschwimmen für Knaben- Schred erklärte, daß der Reichstagsausschuß zur Förderung der volksschulen mit 54 Bunften. Leibesübungen ihn beauftragt habe, bei den zuständigen Ministerien dahin zu wirken, daß sich endlich einmal die Vertreter der Reichsbahngesellschaft und die der Jugendpflegeverbände zu Beratungen zusammensetzen. Im Stilschwimmen für Mädchen voltsschulen fonnte die 262. Schule, weltliche Schule Lütticher Straße, den Wanderpreis zum zweiten Male erringen. Auch die Schulbruststaffel für Mädchenvoltsschulen 8X25 Meter gewann die 262. Bolksschule. Ebenso er= folgreich waren die weltlichen Schulen in den Staffelkämpfen für Knabenvolksschulen. Sie belegten die ersten Bläge. 10 × 50Meter- Bruststaffel I. 15. Volksschule, Neukölln; 11. 35. Volksschule, Neukölln; III 208. Bolksschule. 4 × 25- Meter- Freistilstaffel: 1. 35. Schule, Neukölln. Bei den Kämpfen der höheren Schulen waren die Vollanstalten infolge des Altersunterschiedes den Realschulen gegenüber start im Vorteil, so daß es nicht verwunderlich war, daß der vorjährige Sieger in der 10X50 Meter- Bruststaffel für höhere Schulen, die Werner- Siemens- Realschule, den hierfür ausgesetzten Wanderpreis an das Helmholtz- Realgymnafium abtreten mußte. Straßenlauf des Sportklub 1912. Am Sonntag veranstaltete der Sport! lub 1912, hervor gegangen aus ehemaligen Schülern der 30. Boltsschule, seinen 3. Straßenlauf des Ostens. Der 6 Kilometer lange Lauf führte durch die Rüdersdorfer, Memeler und Königsberger Straße. Er wurde durch eine Gedenkstaffel, einem 600- Meter- Schülerlaufen und 3000- Meter- Jugendlaufen eingeleitet. Bon gutem Wetter begünstigt fonnten die Ronkurrenzen bei einem Meldeergebnis von 236 Läufern glatt abgemidelt merden. Im Hauptlaufen siegte der Matador Hahn vom S.-K. 1912 in überlegener Manier von der Spize aus, 100 Meter zurüd folgte H. Fischer vom Union- Sportflub. Den Mannschaftspreis um den Wanderpofal errang ebenfalls der Veranstalter S.-C. 1912 vor dem Union- Sportflub.- Die Ergebnisse sind: Mag- Selchow- Gedenkstaffel( offen für alle): 1. Humboldt 1. Mannschaft; 2. Sumboldt 2. Mannschaft; 3. Sportklub 1912. 600- Meter- Schülerlaufen: 1. Lafarg( Sportklub 1912) 1:46; 2. Warmt( Sportklub 1912) 1:49; 3. 2ofch ( Sportklub 1912). 3000- Meter- Jugenblaufen, Jahrgang 1912/13, BJB.- Vereine: 1. Klopsch( Neuköllner Jugendvereinigung) 9: 39,2; 2. Börner( JB. 48) 9: 46,2; 3. Schulz( JB. 48). Mannschaftslaufen: JB. 48. 3000- Meter- Jugenblaufen, Jahrgang 1912/13, nicht BJB.- Vereine: 1. Streit( Dallwig- Hoppegarten); 2. Wienice( Trebbin). 3000- Meter- Jugenblaufen, Jahrgang 1910/11, B3B.. Bereine: 1. Siegel( Schwarz- Weiß) 9: 26,1; 2. Arndt( JB. 48) 9: 31,3; 3. Ristardt( Bf2.) Mannschaftslaufen: 1. Sportklub 1912. 3000- MeterJugenblaufen, Jahrgang 1910/11, nicht BJB.- Bereine: 1. Schulze( Dallwig. Hoppegarten); 2. Steinide( Humboldt). 6000- Meter- Hauptlauf( offen fülr BJB.- Vereine): 1. Sahn( Sportklub 1912) 19: 15,3; 2. Fischer( Unionsportklub) 19:34; 3. Echula( Sportflub 1912). Mannschaftslaufen: 1. Sportklub 1912; 2. Unionsportklub. 6000- Meter- Hauptlauf, nicht BJB.- Bereine: 1. Weide ( Trebbin) 19: 38,4; 7. Gchulze( Humboldt). Boraussagen für Mariendorf: 1. Fahrt Jauß jr. Esparsette; 2. Tizian Natator; 3. Holofernes Hasdrubal; 4. Fahrt Jauß ir. -Ehrenberg; 5. Marie Luise Leffing; 6. Gest. Galfenhagen Britton; 7. Flatterroje Heroftrat; 8. Geft. Damsbrüd- Meister B.; 9. Fahrt Jauß jr. Flaggenlied. Arbeiterboxer in Neukölln. Einen gelungenen Kampfabend im Bogen veranstaltete fürzlich der SC. Berolina zusammen mit dem Sportklub A11 zeit bereit" im städtischen Saalbau Neukölln. Als Gegner waren Bertreter der Borabteilungen der Arbeitersportvereine Zurich 02, Nordost und Ludenwalde verpflichtet. Im Leichtgewicht errang Hopp( A) über Kloß( Lucenwalde) schon in der ersten Runde einen entscheidenden Sieg. Die Beltergewichtler Türk( Luckenwalde) und Kosa( B) trennten sich nach einem harten Kampf unentschieden. Im Mittel= gewicht erledigte Bollmar( A) Genz( Luckenwalde) schon in der ersten Runde durch Niederschlag. Der zweite Kampf im Mittelgewicht zwischen Ehnert( Luckenwalde) und Haase( A) endete unentschieden. Haase bogte äußerst unrein( schlug ständig mit der Innenhand, so daß er zweimal verwarnt werden mußte). Einen flotten Kampf lieferten sich Obst( B) und Neumann( UO) im Fliegen gewicht, den letzterer fnapp für sich entschied. Unentschieden trennten sich im Bantam Konieczny II( B) und Ritter( A). Im Federgewicht siegte der agreffive 3immer mann I( L) über Bahl( B) verdient nach Punkten. Rhode( UO) schlug im Fliegengewicht Weiß( B) hodh nach Buntten. Zimmer mann II( L), der über eine ausgezeichnete Linke verfügt, fiegte über Teste( B) wie er wollte. Schließlich triumphierte noch Konieczfy I ( L) über Ahrens( B) nach Bunften. Vereinskalender. Touristenverein Die Naturfreunde". Abt. Friedrichshain: Dienstag, 27. März, 20 Uhr, Ebertnste, 12. Geschäftliches. Abt. Friebenan: Dienstag, 27. März, 20 Uhr, Offenbacher Str. 5a. Unsere Osterfahrt." Abt. Lichten. berg: Dienstag, 27. März, 20 Uhr, Jugendheim Hauffftraße. Liederabend. Abt. Norben: Dienstag, 27. März, 20 Uhr, Sonnenburger Str. 20. Osterfahrt und Spiele. Sonnabend, 31. März, 20 Uhr, Aula Gleimstr. 49. Deutsch Desterreichischer Abend. Cinlaßtarten 50 Pf., an der Abenblasse. Abt. Webbing: Dienstag, 27. März 20 Uhr, Turiner Ece Geestraße. Vortrag. Abt. Treptow: Dienstag, 27. März, 20 Uhr, Elfenste. 3. Heimabend. Abt. Pantow: Dienstag, 27. März, 20 Uhr, Görfchftr. 14. Vortrag. Mitglieder, welche Interesse am Bewegungscher haben, treffen sich Mittwoch, 28. März 20 Uhr, Elfaffer Str. 26. Berliner Arbeiter- Schacklub. Dienstag, 27. März, 20 Uhr: Frauenabteilung Moabit: Wilhelmshavener Str. 24. Abt. Norden: Tegeler Ede Sprengelstraße. Abt. Humboldthain: Boltaftr. 19. Abt. Nordwest: Wilhelmshavener Str. 24. Abt. Charlottenburg: Bismarckstr. 56. Abt. Brig: Rudower Str. 35. Abt. Reinidendorf- West: Scharnmeberstr. 115. Abt. Weißenfee: Lehderstr. 122. Mittwoch, 28. März, 20 Uhr: Abt. Alt- Berlin: jest Raiserstr. 46. Abt. Gartenplaz: Pflugftr. 8. Gäste willkommen. Ruberbezirt der Freien Turnerschaft Groß- Berlin. Bersammlung Donners fag, 29. Mära, 20 Uhr, Bootshaus und Bereinslokal Niederschöneweide, BerTiner Str. 97/98. Gäfte willkommen. Mitglieder werden noch aufgenommen. Für Privatbootbefiger find Stände frei, auch werben solche an Sichtmitglieder Billig permietet, Anschriften an. Road, Reutöln, Rogatr. 46. Die Bekämpfung des Alkohols tann am besten dadurch geschehen, daß der Jugend Gelegenheit gegeben wird, sich in den freien Stunden in schönen Heimen zu Spiel und ernster Unterhaltung zusammenzufinden. Daß die Studentenhilfe weiter gefördert sei, werde begrüßt, besonders aber sollten alle öffentlichen Körperschaften dazu beitragen, daß die Nöte der Werkstudenten gelindert werden. Hier handelt es sich um eine aufstrebende Schicht, die unter größten persönlichen Opfern, unter Aufbringung eines hohen Maßes von Energie sich bemüht, in der wissenschaftlich- technischen Betätigung der gesamten Entwidlung zu dienen. Die Leibesübungen, führte Abg. Schred weiter aus, haben er freulicherweise eine immer höhere Beachtung und Wertung erfahren. Die Mißstände, die sich noch im Sport zeigen, wollen wir gerade benutzen, um darauf aufmertfam zu machen, daß Die Spielergebnisse. Bei den Fuß- und Handballern. Auf den Fußballfeldern gab es wieder einige Ueberraschungen. Die Stralauer, die in letzter Zeit durch ihre Niederlagen von sich reden machten, fonnten gegen Oberspree wieder einmal einen 2: 1Sieg landen. Ablershof, der Spizenkandidat, schlug Brandenburg 02 mit 3: 1. Damit haben die Adlershofer ihren stärksten Gegner bezwungen. Johannisthal gab dem Verein für Bewegungsspiele mit 4: 2 das Nachsehen. Lichtenberg III hatte gegen Bildau menig Mühe, ein 9: 0- Resultat zu erzielen. Weißensee gegen Neuen hagen 3: 3, Hertha 22 gegen Baumschulenweg 3: 2, Lichtenberg II gegen Ketschendorf 1: 3, Fichte- Südost gegen Merfur- Grünau 4: 0, Alt- Glienicke gegen Berliner Sportverein 22 4: 3. Aeußerst tnappe Resultate gab es im Südwesten. Neukölln fand in Wannsee einen ebenbürtigen Gegner. Nur der größeren Spielerfahrung haben es die Neuköllner zu verdanken, daß sie durch einen 2: 1- Sieg die Punkte behalten fonnten. Luckenwalde I und Woltersdorf trennten sich trog dauernder Ueberlegenheit der Woltersdorfer mit 2: 0 für Luckenwalde. Eintracht 25 konnte gegen Luckenwalbe V einen 3: 0- Sieg buchen. Das gleiche Resultat errang Brandenburg( Havel) über Charlottenburg. Lankwiz schlug Luckenwalde III 2: 0. Zehlendorf gegen Lindenhof 2: 1. Teltow gegen Hertha- Luckenwalde 2: 2. Kreuzberg gegen Fortuna 1: 0. Minerva gegen Nordiska war die Parole im Norden. Minerva, die technisch bessere Elf, führte bis zur Pause bereits 4: 0. Nach Wiederbeginn tam der„ Egermeister" dann etwas auf, um zum Schluß wieder das Kommando an Minerva abzutreten. Mit 7: 3 blieben die Borsigwalder verdiente Sieger. Bernau gegen Teutonia 09 2: 3. Adler 12 gegen Sparta- Wedding 3: 0. Fichte- Nordoft gegen Vorwärts- Hennigsdorf 2: 4. Wader 20 gegen Beltener Ballspielflub 2: 0. Sparta 11 gegen Treptower Ballspielflub 3: 1. Bei den meisten Handballspielen fielen die Resultate wieder etwas reichlich hoch aus. Adlershof gewann gegen Frisch- Frei Niederschöneweide mit 8: 1( 6: 1). Die Zusammenarbeit des Frischy Frei- Sturms fonnte nicht gefallen. Fichte 8. Abt. mußte ihre zweite Niederlage in der Serie von Neukölln 1. Abt. mit 7: 2( 2: 0) hinnehmen. Groß- Berlin Norden 1 hatte Bohnsdorf als Gast und die Refordraferei alles andere ist als Sport und wirkliche Leibesübung. In den Organisationen muß darauf hingewirkt werden, daß im Sport jenes gesunde Prinzip erblickt wird, das es ermöglicht, im Körper eine stärkere seelische Schwungfraft auszulösen und Kräfte wachzurufen, mit denen die eigentlichen menschlichen Aufgaben erfüllt werden können. bemotraten stehen deshalb zu ihrem Antrage, den Die Sozial= Reichssportfonds auf zwei Millionen Mark zu erhöhen. Der Rebner wandte sich dann gegen die Ansicht des Reichsbankpräsidenten Dr. Sch a cht, der die Ausgaben der Gemeinden für Sport- und Leibesübungszwecke für unnötig erklärt hat, und er sprach den Gemeinden für ihre verdienstvolle Tätigkeit bei der Hebung der Volksgesundheit Dank aus. Im Nachtragsetat ist die Tatsache bestätigt worden, daß man für das Deutsche Sängerfest in Wien ohne viel Aufhebens 100 000 Mart eingesetzt hat. Hoffentlich hat das zur Folge, daß der fogialdemokratische Antrag, für das Deutsche Sängerfest des Arbeiterfängerbundes 50 000 Mart zu bewilligen, angenommen wird. Es darf wohl ohne Ueberheblichfeit behauptet werden, daß die Arbeitersängerbewegung nicht nur als Massenerscheinung stark in den Vordergrund getreten ist. Gerade die Kritiker im bürgerlichen Lager haben anerkannt, daß die Arbeiterfängerbewegung hohe künstlerische Leistungen ermöglicht. Deshalb haben die Arbeiterfänger Anspruch darauf, gleichberechtigt behandelt zu werden. Nach der Auffassung der Sozialdemokraten tommt es bei der Besprechung der Aufgaben des Reichsministeriums des Innern immer wieder darauf an, dahin zu wirken, daß Gesundheit und Kultur des deutschen Volkes zu einem neuen Aufstieg gebracht werden! mußte fich mit 8: 2( 3: 1) beugen. Bohnsdorf war sehr angriffs= lustig, während Norden durch viel Ueberfombination so manchen Vorteil verdarb. Schach dem König! Werbetag der Arbeiterschachspieler. Am Sonntag veranstalteten die Arbeiterschachspieler in ihrem Schachheim, Landsberger Straße 82, einen abwechslungsreichen Werbeta g. Die Werbebezirke Osten und Norden hatten ihre Mitglieder zu einem Mannschaftswettkampf aufgerufen. Der Kampf felbst war hart und sah den Osten und Norden abwechselnd in Führung. Erst turz vor Schluß fonnte der Osten das Spiel für sich entscheiden mit dem Resultat 17%: 11% Punkten. Der Berliner Klubmeister Paul Dsten spielte anschließend an 20 Brettern simultan mit dem Resultat: 12 gewonnen, 3 verloren und 5 remis. Als Abschluß wurde ein Blizturnier ausgetragen, das Völker( Lichtenberg) vor Jrael( Nordwest) gewann. Das Meisterturnier ist beendet. Die Kämpfe waren bis zum Schluß spannend. Paul Often, der während des ganzen Turniers führte, gewann den ersten Platz mit 2½ Punkten Vorsprung. Der vorjährige Klubmeister Czach fonnte nur den fünften Platz belegen. Die Resultate liegen sehr fnapp auseinander. Teilweise waren sie nur durch das Sonneborner System zu errechnen. Schlußstand: Osten 11% Punkte, Rauch 9( 129), Eyber 9 (( 128%), Bogt 8, Czady 7%( 99%), Grammatifoff 7%( 96), Falfenbagen 7( 90%), Rubiczek 7( 81%), Schwabe 6( 67), Gädide 6( 65%), Spengler 6( 63), Bölter 4%, Arendt und Junge je 1 Punkt. Bei den Mannschaftstämpfen führt in der A- Gruppe Often I. Lichtenberg I wird voraussichtlich zweiter, während Wedding I erst den dritten Platz belegen wird. In der B- Gruppe steht Nordwest an erster Stelle. Um den zweiten Plaz ringen Humboldthain I und Süden I. Der Kampf in der C- Gruppe ist noch offen. Neukölln- Nord I scheint hier den ersten Platz zu belegen. Während in der D- Gruppe Reinidendorf- Oft I an der Spize steht, führt in der E- Gruppe Memel I furz vor Reinickendorf- Ost II. Die Kämpfe werden erst nach Ostern zum Abschluß kommen. Waldläufe im Arbeitersport. Groß- Berlin" hat in den legten Die Freie Turnerschaft Wochen begonnen, LeichtathletikSparten in den einzelnen Bezirken einzurichten. Zum großen Teil haben die Borarbeiten einen starken Erfolg gebracht. In einigen Bezirken, so in Wedding, bestehen schon derartige Gruppen. Am Sonntag trat die Leichtathletiksparte zum erstenmal mit einer eigenen Beranstaltung hervor. Ein Waldlauf in Form einer Schnigeljagd wurde im Waldgebiet bei Schulzendorf veranstaltet. Die Sportler trafen sich im Restaurant Hühner! in Schulzendorf; mit Spiel und Sport Dertrieben sich die Sportler die Zeit bis zum Start. Ueber 100 Sportler traten dann an, davon waren 80 die Berfolger. In wilder Haz wurde Burden den Füchsen nachgejagt. Schnißel gefunden, zeigte ein lautes Freudengeheul die Richtung an, in der die ersten verschwunden waren. Es war eine originelle Idee, feinen Waldlauf mit Dorgeschriebener Strede auszutragen, sondern eine Schnitzeljagd. Es gab zwar feinen ersten Sieger, aber alle Sportler haben bei der hat ihren Körper gut burchgearbeitet. Ein Waldlauf bei Adlershof, Zehn Versteigerer melden sich. Der Auktionshandel muß fonzessioniert werden. Unsere jüngsten Mitteilungen über die Durchstechereien im Berliner Auktionshandel haben begreiflicherweise in gewissen Kreisen böses Blut gemacht. So ist es als ein erfreuliches Zeichen zu betrachten, daß der Verband vereidigter Ver steigerer und Sachverständiger der Provinz Brandenburg sich meldet, der durch seinen Vorstand uns bitten läßt, die vereidigten Versteigerer mit den gekennzeichneten Schwindeleien nicht zu verquicken, was wir hiermit auch gern tun. Nach seiner Versicherung fämpft | aber ein starker Regen störte ihn in seinen letzten Vorbereitungen. mit einem Regenschirm bewaffnet suchte sich der Selbst mörder einen passenden Baum in einem öffentlichen Park aus. Zunächst befestigte er den Regenschirm in dessen Geäft und dann hängte er sich unter dem Schirm auf, besorgt, selbst im Tode nicht naß zu werden. Wieder entwichen! Der Geiffesfranfe als Fassadenfletterer. Der Fassadent letterer, der gestern nachmittag an Wittenbergplatz durch seinen halsbrecherischen Aufstieg zum 4. Stockwerk so großes Aufsehen erregte und schließlich vom Ueberfallfommando festgenommen wurde, ist schon wieder entwichen! Er wurde noch gestern abend als ein 20 Jahre alter Gärtner Joachim Richter aus der Eisenbahnstr. 48 in Werder an der Havel festgestellt. Der junge Mann ist nach freisärztlichem Gutachten gemeingefährlich geistestranf und war bereits in den Landesirrenanstalten zu Neu- Ruppin und Brandenburg untergebracht. Aus beiden Anstalten ist er entwichen, er schon seit Jahren einen vergeblichen Kampf gegen die hier ge- Der schmalste Wolkenkratzer wann dies das letztemal geschah, ist hier noch nicht bekannt. schilderten Mißstände, übt persönliche Kontrolle bei den sogenannten ,, wilden" Versteigerern, ohne daß er je bei der Behörde oder der Bresse Unterstützung gefunden hätte. Man erfährt bei dieser Gelegenheit die interessante Tatsache, daß es für Groß- Berlin nur zehn vereidigte Bersteigerer gibt, die vom Gericht bestellt sind, nachlaßregulierungen usw. vorzunehmen. Die sehr strengen Bestimmungen, in denen sich ihr Amt bewegt, umfassen ein dickes Buch von 144 Seiten mit 79 Paragraphen: es scheint da wirklich kein Mittel unversucht, das Publikum zu schüßen. Nach den Angaben der hier genannten Herren würden aber auch die polizeilichen Bestimmungen bei den freien Auktionen ausreichen, das Publikum sowie die Eigentümer der Auktionssachen zu schützen, wenn diese Verfügungen nur befolgt würden und eine schärfere Kontrolle der Auktionen stattfände. Die vereidigten Versteigerer sind durch Gesez gebunden, die Versteigerungssachen nur einmal zu inserieren, sie können und dürfen nicht das Publikum durch große Scheininferate anloden. Ein amtliche Gebührenvorschrift schreibt genau in verschiedenster Staffelung vor, was sie vom Bruttoerlös an Gebühren berechnen dürfen. Diese sind so gering, daß man wirklich nicht versteht, warum das Publikum sich von unkrollierbaren Geschäftsleuten übers Ohr hauen läßt und nicht die amtlichen Stellen bevorzugt. Das ganze Neppsystem wird sicher erst dann einmal ein Ende finden, wenn die Behörden sich entschließen, den ganzen Auktionshandel wie in anderen Ländern zu tonzessionieren. Aufgehängt unter dem Regenschirm. Paris, 27. März.( Eigenbericht.) 135 Nach einer Untersuchung durch den Kreisarzt von Charlottenburg wurde er noch gestern abend spät nach der Irrenanstalt Dalldorf in Wittenau gebracht. Schon bei der Aufnahme zeigte es sich, daß es ihm sehr wenig gefiel, wieder in einer Irrenanstalt zu sein. Man redete ihm aber gut zu, und er schien sich auch zu beruhigen. Ein Wärter sollte ihn dann nach Erledigung der Formalitäten nach der Station bringen. Auf dem Wege dorthin versetzte er in der Nähe der Umfassungsmauer plöglich dem Begleiter einen Stoß, daß er taumelte. Gleich darauf saß der Kranke bereits oben auf der Mauer und winkte dem Wärter ein paarmal zu. Dieser schlug Lärm, und man suchte sofort die Umgebung der Anstalt ab, Richter aber hatte die Mauer bereits verlassen und war spurlos verschwunden. Es ist anzunehmen, daß der ganz schmächtige und dünne Kletterer, dessen affenartige Gelenfigkeit erstaunlich ist, bald irgendwo wieder auftauchen wird. Mitteilun gen über seinen Berbleib nehmen alle Polizeireviere ent gegen. Der Entwichene hat seinen Hut und seinen Mantel am Wittenbergplatz an die Wand gehängt und dort zurückgelassen. Er trägt einen hellgrauen Tennisanzug mit feinen Streifen. Die Wefte mit zwei Knopfreihen ist etwas mit Blut befleckt, weil er sich beim Klettern geringe Verlegungen zugezogen hatte. Seine Fußbekleidung find Segeltuchschuhe mit Chromfohlen. Richter ich etwa 1,77 bis 1,78 Meter groß; hat ein frisches, offenes Gesicht und zeigt ein freundliches Wesen. Geständnis eines Muttermörders. In der letzten Woche wurde in Niederzeuzheim bef Limburg die Ehefrau des Landwirts Horn im Stalle tot aufge= funden. Ihr 19jähriger Sohn, der unter dem Verdacht verhaftet wurde, die eigene Mutter getötet zu haben, hat in der vergangenen Nacht dem Untersuchungsrichter das Gest än dnis abgelegt, die Mutter mit einem Beil nach einem voraufges In Rizza hat gestern ein russischer Arzt seinem originellen Leben auf originelle Weise ein Ende gemacht. Des Russen einziges Besitztum war ein Auto, darin wohnte er, tochte und schlief. Seine fahrende Behausung ließ er, wo er sich gerade befand, am Straßenrand stehen. Des unsteten Lebens müde, verübte er Selbstmord, Das Gebäude der Corn Exchange Bank in New York. gangenen Streit erschlagen zu haben. Theater, Lichtspiele usw. Dienstg., 27.3. 28 Staats- Oper Am Pl.d.Republ. 8 Uhr Madame Butterfly Dienstg., 27. 3. 28 Städtische Oper Bismarckstr. Ab.- Turn. III. Anf.72 Die Hochzeit des Figaro Staatl. Schauspielh. Staatl. Schillerth. Am Gendarmenmarkt 8 Uhr Prinz Louis Ferdinand Charlottenburg 8 Uhr: Das Duell am Lido Volksbühne Theater am Billowplafz| Th. am Schiffbauerdamm 8 Uhr 8 Uhr: Hinkemann Der Zigarettenkasten Reichshallen-Theater 8 Uhr, Sonntg. nachm. 3 Uhr. Das wundervolle Progr. der Stettiner Sänger nachm. ermäß. Preise. Dönhoff- Brett'l: Glänzendes Varieté- Programm! Tanz! Anfang 8 Uhr, Stgs. 51/2 PROGRAMM für die Zeit vom 27. bis 29. März 1928 BTL Potsdamer Straße 38 Nur noch bis Donnerstag! Charlie Chaplin in: Zirkus Jugendliche haben Zutritt Rheinstraße 14 Alraune m. Brigitte Helm, Paul Wegener Komische 81, Uhr Oper 8%, Uhr James Klein's gewaltiges neues Revue- Stück: Zich' Deutsches Theater Kleines Theater Norden 12 310 Täglich 8 Uhr: Abonnementsbliro: Erika Glässner 10338-39, 81, Uhr, Ende 10 U Lissy die Kokotte Zwölftausend Für Jugendliche nicht geeignet Kammerspiele Norden 12310 84 U., Ende nach 10 Finden Sie, daß Th.i. Admiralspalast Dir. Herm. Haller Arthur Hammerstein Gastspiel dich aus! Constance sich richtig Rose Marie 200 Mitwirkende. Vorverkauf ab 10 Uhr ununterbrochen. 8 Winter Uhr Garten Letzte Woche Otto Reutter verhält? Die Komödie Bismarck 2414/7516 31%, U., Ende 1012 U. Marcel Fradelin ( Der Eunuch) 3 Jahre ununterbr. auf d. Spielplan der Vereinigten Staaten 2 Jahre ununterbrochen in England , 400 Aufführungen in Paris Uraufführung Berliner Theater Freitag, 80.März Direktion Kuhnert. Charlottenstr.90/ 91.05nh.170 8 Uhr: präzise 7 Uhr. Piscatorbühne Theater am Die Bollé Sisters" Nollendorfplatz Ein Berliner Volksstück von Friedmann- Frederich. Max Adalbert, Lea Seidl, Lori Leux Kurfürst 2091/93 Anf. 8, Ende geg. 11 Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk Renaissance- Theater Residenz- Theater mit Max Pallenberg Steinplatz 901. 8.10 Uhr: Coeur Bube. CASINO- THEATER 8 Uhr Lothringer Str. 37. Doktor Klaus. Ausschneiden! Gutschein 1-4 Pers. Fauteuil nur 1,10 M., Sessel 1,60 M. Tägl. 81% Uhr: Kein Polizeiverbot Insc. Erwin Piscator Gastspiel im Oskar Ebelsbacher Lessing- Theater in Schule der Liebe Franz. Schwank in 3 Akten. Norden 12798 Täglich 8 Uhr: Hoppla, wir leben! Für Jugendl. verb. von Ernst Toller Für Funkfreunde halbe Preise Insc. Erwin Piscator Theater des Westens Walhalla- Th.| Planetarium am 200 Täglich 84 Uhr Zigeunerbaron Kiurina a. G.( Wiener Staatsop.) Lichtenstein, Hofbauer, Fleischer ( Berl. Staatsop.) Wieser. Bradsky. Brandt Saltenburg- Bühnen Dis. Künstler- Th 8 Uhr: Die goldne Meisterin Weinbergsweg 19/20 Verläng. Joachimsthaler Straß Noll. 1578 16, 18, 1912 21 Uhr Die Erben von Sternhimmel und Groß- Quirlitz Täglich sy, Uhr Kalender Eintritt 1 M. v. Fedor v. Zobeltitz Vorzeiger dieses Kinder unt, 15 Jahren 0.50 zahlen für Parkett auch Sonntags statt Thalia- Theater 4.- Mk. nur 60 Pf. Rose- Theater Gr. Frankf, Str. 132. 8 Uhr Der Flieger Theater am Kottbusser Tor Dresdner Str. 72/73 Täglich 8 Uhr: Das Kamel geht durch das Nadelöhr Metropol- Th. Zentrum 128 24 8 Uhr: Kottbusser Straße 6. Tel. Mpl. 16077 Der Graf von Täglich 8 Uhr Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Elite- Sänger Im März- Spielplan d. gr. Schlager 99 66 Luxemburg Hechy, Matzner, Ralph Artur Roberts, Kettner Hofen, Hell, Hoffmann Oh diese Schwiegersöhne Theater i.d. Lutzowstr. Volksstück in 1 Akt. Ferner: Schorsch Ruselli, der Meister der Komik in ,, Frühlingszauber" Grosses Schauspielhaus Anfang Ende 8 Uhr REGIE: 11 Uhr CHARELL DOMPADOUR MASSARY Tel. Kurf. 9209-10Täglich 8 Uhr Bennet Lustspielhaus Lustspielhaus TANIA 8 U.: Zum 100.Male Guido Thielscher „ Unter Geschäftsaufsicht" anschließend Nachtkabarett Barnowsky- Bühnen Th. Königgrätz. St. Bergm. 2110 81 Uhr: Flucht von John Galsworthy Regie: Victor Barnowsky Komödienhaus Norden 6304. Tägl. 81, Uhr: Broadway Philharmonie 8 Uhr: Liszt- Wagner- Abend des Philharm. Orch. Dirig. Prof. J. Prüwer anter gefl. Mitwirkung von Käthe Heinemann Aschenbrödel Klav.- Konzert Es- dur- Liszt. contra 8 SCALA Nollendort 7360 Enrico Rastelli und weitere internationale Varieté- Attraktionen. KINO TAFEL Kolibri- Lichtspiele Kammerlichtspiele Pharus- Lichtspiele Marienbad- Palast Belle- Alliance- Platz 2 Der Katzensteg Schwere Jungen, lelchte Mädchen Süden Th. am Moritzplatz Beginn: W. 5, 7, 9,15. S. ab 3 Uhr Der alte Fritz II. Teil( Ausklang) Jugendliche haben Zutritt Odeon, Potsdamer Str. 75 Luisen- Theater Mr. Wu mit Lon Chaney Das Fräulein von Kasse 12 6 lust. Akte m. Werner Fuetterer Turmstraße 12 Nur noch bis Donnerstag! Charlie Chaplin in: Zirkus Jugendliche haben Zutritt Alexanderstraße 39-40 ( Passage) Der Piccolo v. Goldenen Löwen 8 lustige Akte m. Gusti GstettenReichenberger Straße 34 Frau Sorge n. Herm. Sudermann Bühne: Cavalleria rusticana Passage- Lichtspiele Neukölln, Bergstraße 151-152 Friedrichsfelde, Berliner Straße 18 Sturmflut So küßt nur eine Wienerin Schwarzer Adler Frankfurter Allee 99 Die große Parade Eine Weltfriedenshymne in 10 Akten Bühnenschau Jugendliche haben Zutritt Norden Skala- Lichtspiele Schönhauser Allee 80. Der brave Soldat Schwejk Eddie Polo in seinem neuesten Sensationsfilm Müllerstr. 142 Der Welterfolg! Onkel Toms Hütte Wochenend wider Willen Alhambra Müllerstr. Die Tragödie im Zirkus Royal Revue: Oogen, Fleesch u. Beene Nordwesten Welt- Kino Alt- Moabit 99. W. 5,05. Stg. 3 Uhr Das große Sehlagerprogramm Gesundbrunnen Pat und Patachon in Pelikanien Mila- Lichtspielpalast ,, Alhambra" Die gestohlene Braut Bühnenschau Osten bauer, Dina Gralla, F. Kampers Concordia- Palast Um Recht u. Freiheit der Prärie Andreasstraße 64 Südwesten Pat und Patachon auf dem Wege zu Kraft und Schönheit Die wilden Pferde i. Chinon- Tal Schönhauser Allee 130 Das Ende von St. Petersburg Mädel von heute Bühnenschau LSP Lichtspiele am Senefelderplatz Alraune( Brigitte Helm und P. Wegner) Großes neues Belprogramm Film- Palast Kammersåle Viktoria- Lichtbild- Th. Metro- Palast Teltower Straße 1-4 Der größte Gauner der Welt ( Luciano Albertini) Das instige Belprogramm Frankfurter Allee 48 Das große russische Meisterwerk Das Ende von St. Petersburg Bühnenschau Chausseestraße 30 Charlie Chaplin in: Zirkus Bühne: Kammersäng. Schwarz als Bajazzo Badstraße 58 Marla Stuart( I. und II. Teil) Bühnenschau Jugendliche haben Zutritt Humboldt- Theater Badstraße 19 Badstraße 35-36 Ledige Mütter Der Todesreiter von Arizona Bühnenschau Kristall- Palast Prinzenallee 1-6 Charlie Chaplin in: Zirkus Bühnenschau Prinzen- Palast Prinzenallee 42-43 Der Sprung ins Glück( C. Boni) Die Frau mit dem Weltrekord Bühenschan Reinickendorf- Ost Bürgergarten- Lichtsp. Hauptstr. 51 und Lindauer Straße Schinderhannes Das gute Beiprogramm Pankow Palast- Theater Laura La Plante in Seidene Breite Straße 21 a Strümpfe Zirkuszauber Bühnenschau Ein rheinisches Mädchen beim Die Pflicht zu schweigen rheinischen Wein PALAST Steglitz Schloßst. 5 Sensations prozer mit Magda Sonja Ein Film der National- Film- A.- G. Für die besten Beantwortungen der Preisfrage: War sie die Täterin? in den Vorstellungen am Sonnabend, dem 24., und Sonntag, dem 25. d. M., erhielten je RM. 50.- als Prämie: 1. Frau Käthe Laubisch, Steglitz, Kuhlikshoferstr. 5 2. Frl.Clara Fischer, Steglitz, Schützenstraße 7 3. Herr Hermann Tuchen, Steglitz, Wredestr. 35 4. Frl. Hanny Böttger, Wilmersdorf, Badensche Str. 14 5. Frl. Bodin, W 15, Lietzenburger Straße 2 6. Frl. Irmgard Grüner, W 15, Meierottostraße 9 7. Frl. Friedel Kubatz, Friedenau, Kaiserallee 102 8. Frl. Hildegard Kwasnick, Steglitz, Schildhornstr. 8 9. Herr Herbert Krause, Friedenau, Rubensstr. 29. Täglich 6.30, 9 Uhr, Sonntags 4, 6.30 und 9 Uhr. 100 M. Prämie in jed. Vorstell. Trabrennen Mariendorf Mittwoch, den 28. März nachm. 3( 15) Uhr PROGRAMM für die Zeit vom 27. bis 29. März 1928 Charlottenburg Schlüter- Theater Schlüterstr. 17 Anfang W. 7. 9,15. Sonnt. ab 4 Uhr Frau Sorge nach Herm. Sudermana Fräulein, bitte Anschluß Faun- Lichtspiele Krumme Straße 37 Der alte Fritz, II. Teil. Verstärktes Orchester Jugendliche haben Zutritt Emelka- Palast Kurfürstendamm 68 Uraufführung: Wenn ein Welb den Weg ver liert( Café Elektric) Schöneberg früher Titania( uta Schöneberg) Hauptstraße 49 6.30, 9 Unr Die Gellebte des Gouverneurs ( Magda Sonja) Kampf um Liebe Steglitz Titania- Palast Ballschmieder- Lichtsp. Tivoli- Lichtspiel- Th. Schloßstr. 5, Ecke Gutsmuthsstr. Badstraße 16 Ossi auf Abwegen Achtung, Sprengstoil Bühnenscha Berliner Straße 27 Charlie Chaplin in: Zirkus" Die anerkannt gate Bühnensch Sensationsprozeß 100 M. Belohnung in jed. Vorstellung Bühne: Harry Allister