BERLIN Mittwoch, 28. Marz 10 Pf. 3lr. 150 B 75 45. Jahrgang. Crfdjtint täglich««(er G»«»t«g«. Zugleich Abendausgabe des.Vorwärts'. Bezugspreis für beide Ausgaben 70 Pf. pro Woche, 3 M. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW68, LindeuKr.3 „Ibwasfa Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeike «o Pf., Reklamezeile b M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: VorwürtS-Verlag G. m. b.H., Berlin Nr. 37536. Femsprecher: Dönhoff 292 bi« 297 400 Millionen für Kriegsschiffe Kein Geld für Bedürftige.— Die Zölle follen weiter erhöht werden! Was derZiechtsblock hinterläßt. Sozialdemokratische Haushaltskritik im Reichstag. Dar Reichstag begann heute vormittag die zweite Beratung des Daushalts der ollgemeinen Finanzoerwaltun g. Dazu«in» gebracht« Entschließungen des Haushaltsausschusses forden*, daß Re. gierungeu, die nur mit der Weiterführung der Geschäfte beauftragt sind. Reichsanleihen nicht auflegen dürfen, und daß die Verzinsung einer Reichsanleihe nur durch Gesetz erhöht werden soll. Femer werden von der Regierung Richtlinien gefordert, die «ine sährliche Dermögensaufstellung des Reiches regeln und Bor- schriften für den Fall einer Veräußerung von Reichsvermögen, beson- ders Aktienpaketen geben. Gefordert wird dann auch eine Reform der Haushaltsordnung und klare Scheidung zwischen ordentlichen und außerordentlichen Etatsposten. Schließlich n>ertKn Aufstellungen über den Zuschußbedarf seit 1925 und über die Entstehung des Lnleihebedarfs feit 1926 verlangt.— Nach dem Berichterstatter er- greift da» Wort Abg. Or. Hilferding(S>oz.): ' Im Jahr« 1924 waren 1,10 Milliarden Mark Ueber- fchuß in der Reichskasfe; die Steuersenkung durch den damaligen Finanzminister Reinhold war berechtigt. Aber die folgenden Etats sind nur noch mit Hilfe des Ueberfchustes von 1924 in Ordnung gebracht worden. Im außerordentlichen Etat von 1927 war ein Defizit von 1% Milliarden enthalten, jetzt sind noch 853 Millionen Defizit vorhanden und keine Deckung dafür. Dabei sind die Ein- nahmen um rund 2 Milliarden gestiegen. Freilich sind diese Mehreinnahmen im wesentlichen von den breiten Massen aufgebracht worden, die zwei Drittel der Reichslasten trogen, während auf dem Besitz nur ein Drittel ruht.(Hört, hört! links.) Di« ia der Lex Brüning enthaltene Zusage einer Herabsetznng der Lohnsteuer ist nicht eingelöst worden, die Zusage einer Erhöhung der Vermögenssteuer auch nicht— beides zusammen ist ein klarer Beweis der antisoziale« Richtnvg der Finanzpolitik des Bürgerblocks. Die Au»s chu ß entschlt eß un g en sind teilweise aus unseren AMrägen hervorgegangen, durch die wir die Stellung des Finanzministers stärken wollten. Eine weitere Beschränkung des Elatsrechls wollen wir nicht zulassen, auch nicht die Bewilligung neuer Ausgaben von einer Zweidrittetmchrheit abhängig machen, denn dann würde«ine Minderheit die positive TÄigkeit der Mehrheit hindern können, und das wäre nichts weniger als die A u f h e b u n g des gleiche» Wahlrechts von hinten hemm.(Lebhafte Zu» stimmung.) Der vorliegend« Etat ist zwar in mancher Hinsicht klarer als feine Borgänger, aber der Ausgleich des ordentlichen Etats ist nur scheinbar und nur dann möglich, wenn ein« günstige Wirtschafts» konjunkwr anhält. Unsere Sparanregungen sind auf Widerstand gestoßen. Unbekümmert um die schlechte Finanz- lagt fordert man«norme Ausgaben für Reichswehr und Marine. wir wisieu. daß die Blarineverwolwng dem nächsten Reichstag ein Schiffbauprogramm vorlegen will, dessen Ausführung nicht weniger als 400 Millionen Mark kosten soll.(Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Wie sehr man auf die Fortdauer einer günstigen Wirtschafts- konjunktur rechnet, das beweist die Herabsetzung der Aus- gaben für die Erwerbslosenfürsorge von 450 auf 100 Millionen, für die produktive Erwerbslosensürsorge von 100 auf 25 Millionen. Die Zölle fiind bereits mit 1200 Millionen ein- geseht, und da will man sie noch steigern! Welche Erbschaft überläßt dieser Reichstag feinem Nach- folger? Wir haben einmal eine solche Erbschaft nach dem Minister Hermes übernehmen müffen: ein zweites Mal wird das keiner tun. ohne die Verantwortung festzustellen.(Sehr richtig! links.) Der neue Reichstag wird zunächst«in Defizit von einer halben bi» dreiviertel Milliarden decken müsien! Wenn man den Etat ganz auf das Fortdauern der günstigen Konjunktur gründet, so hätte man jede Störung der Konjunktur vermeiden müssen. Statt dessen hat der Reichsbankpräsident durch seine Bochumer Rede die Konjunktur schwer erschüttert. Es muß endlich etwas geschehen, um die Stagnation in der Frag« der Auslands- a n l« i h e n zu überwinden. Man hat nichts getan, um die Arbeit her Beratungsstelle zu beschleumgeu. Es ist unmöglich, bei einer Hinter den Kulissen des Zentrums. Bericht auf der 2. Seite. Ein Opfer des Mietwuchers. Ein fliegender Schuster am Bannhof(Gesundbrunnen, der die Ladennuele nicht bezahlen kann und auf diese fV eise seinem Beruf nach gehl. Arbeitslosigkeit von mehr als einer Million die Dinge so weiterlaufen zu lassen. Wir müssen ausländische Anleihen zu produktiven Zwecken hereinlassen, besonders auch für die Gemeinden. Auf irgendeine Einschränkung der Selbstverwallung, sei es durch ein Einspruchsrecht des Oberbürgermeisters oder sonstwie. lassen wir uns nicht ein.(Lebhafte Zustimmung links.) Dieser Etat zeigt keinerlei Fortschritt in der Finanzwirtschost, er läßt Ihre Versprechungen aus Verringerung der Steuerlasten un- erfüllt, er hinterläßt dem kommenden Reichstag ein Defizit von drei Viertelmilliarden. Sie werden verstehen, daß wir als O p p o- s i t i o n, die wir seit 1923 von der Mitwirkung ausgeschlossen worden sind, unserem Protest gegen diese ganze Finanzwirtschaft durch Ablehnung des Etats Ausdruck geben werden.(Lebhafte Zu- stimmung bei den Sozialdemokraten.) In der Demokratie lernt man nur durch Erfahrung, und wir hoffen, daß die Erfahrung mit diesem Reichstag, für deren Verbreitung wir in den nächsten Wochen sorgen werden, einen neuen Reichstag mit einer besseren Finanzpolitik schaffen wird.(Lebhafter anhaltender Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Ouaatz(Dnat.) sucht die Kritik des Vorredners zu er» schüttern, gibt aber dabei die bevorstehend« Wahlniederlage der Deutschnationalen bereits zu, indem er Dr. Hilferding als den Finanzpolitiker der kommenden Regierung?- k o a l i t i o n bezeichnet. Abg. Reubauer(Komm.) macht für die Finanzpolitik des Bürgerblocks die Sozialdemokratische Partei mitverantwortlich: die sozial- demokratischen preußischen Minister hätten im Reichsrat für alle Steuer, und Finanzvorlagen der Reichsregierung gestimmt. Abg. Dielrich-Baden(Dem.) verliest eine oppositionelle Cr- klärung seiner Fraktion. Abg. Eremer(D. Vp.) verteidigt die Finanzpolitik der Bürger- blockregierung. Reichsfinanzminister Dr. Köhler bemüht sich, die Kritik Dr. Hilferdings zu entkräften und erklärt zur Frage der Auslands- anleihen in allgemeinen Wendungen, man sei daran, jetzt eine ein- vc ständliche Regelung zu finden, die die Beteiligten befriedigen solle. Bei Schluß des Blattes ist die Abstimmung über die zahlreich vorliegenden Anträge und Entschließungen im Gange. Start zum Ozeanflug verschoben. Wetterlage nicht günstig. London. 28. März. lieber den Start der deutschen Ozeanflieger besteht heute noch keine Gewißheit. Die Wetterberichte lauten nicht sehr günstig, so daß wahrscheinlich der Start nicht vor den nächsten 48 Stunden erfolgen kann. Es wird aber erklärt, daß jede günstigere Wendung in den Wetlerverhöltnissen für den sofortigen Start aus- genutzt werden wird. Hauptmann Köhl erklärte, daß er und seine Begleiter in etwa drei Tagen auszusteigen hoffen. Der Start soll möglichst gegen 5.30 Uhr früh erfolgen, um, wenn möglich. Rem Jork bei Tageslicht zu erreichen. Der Brennstoffvorrat der„Bremen" ist für etwa 40 Stunden Ilugdauer berechnet. Als Flugroute soll die etwas nach Süden abgebogene Trausatlantik- Schiffahrt». r o u t e benutzt werden. Die„Bremen" ist gestern aus dem Flugplatz in Baldonel eingehend überprüft worden. Die Brennstoftbehälter sind mit einem völlig neuen Brennstoft gefüllt worden, der eigens für den Tronsatlantikflug nach Dublin gebracht worden ist. Vor dem Start wird die ganze Maschine mit einer Paraffinschicht über- zogen werden, um Eisbildung zu verhindern, die Hauptmann Köhl als eine der schlimmsten Gefahren betrachtet. Räch seiner Ansicht sind die früheren Unternehmungen gescheitert, weil die Piloten entweder keine Erfahrungen in Rachtflllgen hatten oder daß sich an deren Maschinen so große Mengen von Eis bildeten, daß diese nicht mehr manövrierfähig waren. Hauptmann Köhl hofft zuversichtlich, daß, einigermaßen günstige Wetterbedingungen vorausgesetzt, die „Bremen" ihren Flug ohne Schwierigkeiten zurücklegen kann. ch Die da» Reichsverkehrsministerium erklärt, steht es mit dem Ozeanflugversuch Köhl-hünefeld dienstlich in keiner Verbindung. Es handelt sich um ein private» Unternehmen der beiden Flieger. Bin erdichteter Raubüberfall. Bericht 2. Seite, Die Krankheit des Landtagspräsidenten Der Zustand sehr ernst, heute leichte Besserung. Ueber das Befinden des Präsidenten des Preußischen Landtags, Friedrich Bartels, wird uns von den behandelnden Aerzten, Prof. Dr. Hermann 3onded und Prof. Dr. S. 3ondeck, folgender Bericht übermittelt: Der Landtagspräfident ist an einer Entzündung des rechten Lungenflügels erkrankt. Während sich der Prozeß im Anfang auf den Oberlappen beschränkte, hat er sich im Ber lauf der Erkrankung auf den Unterlappen ausgedehnt. Kompliziert ist der Zustand durch erhebliche Herzschwäche. Er muß deshalb im ganzen als sehr ernst bezeichnet werden. Heute morgen ist eine leichte Besserung im Befinden des Kranten zu verzeichnen. Wilhelm II. als Odysseus. Halle, 28. März.( Eigenbericht.) Im Halleschen Stadttheater fand gestern die Erst aufführung einer der zeitgemäß übertragenen Komödien des dänischen Dichters Ludwig Holberg Odysseus von Jthat a" statt. Die Bearbeitung hatte der Dramaturg des Halleschen Stadttheaters Dr. Edgar Groß in der Form vorgenommen, daß die auf die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts passenden Zeitgrößen durch aktuelle politische Satiren erfetzt wurden. Amanullah, Phoebus- Aktien, Banzerfreuzermillionen und ähnliches mehr spielen vor und bei der Belagerung Trojas eine große Rolle. Odysseus ist als Wilhelm II. herausstaffiert und darf vor Beginn der Schlacht bereits auf einem Feldstuhl im Auslande von seinen Heldentaten ausruhen. Ein ergögliches Konsortium der verschiedenen Feiglinge von Odysseus bis Baris passiert Revue. Der einzige Held des Stückes zeichnet sich dadurch aus, daß er den Mut zur Feigheit hat. So wird der Militarismus bis ins Mart getroffen. Seine Vertreter saßen Kuliffenpolitik im Zentrum. Geheimabkommen mit Wirth.- Kampf um die Arbeitermandate. Hinter den Kulissen des Zentrums spielen sich erbauliche Dinge| die sich in Beamtenftellungen befinden und als linksftehende Poliab. Zunächst ist Dr. Birth in Baden abgefägt worden, jetzt aber titer bekannt sind, sollen bei den Kandidatenaufstellungen unberüdspielen die befannten„ Taftifer", um den Abmarsch der Republifaner, fichtigt bleiben. Als Hauptfreiber gegen die republikanischen Zenbesonders der Arbeiter, aus dem Zentrum zu verhindern. trumsabgeordneten fungiert Stegerwald. Das Berliner Kommunistenblatt veröffentlicht heute eine Ber= einbarung, nach der Wirth auf die Reichsliste des Zentrums übernommen werden soll. In einer Sigung, an der neben Stegerwald und Wirth Dr. Marr als Parteivorsitzender, Arbeitsminister Dr. Brauns und die Zentrumsabgeordneten Joos, Dr. Per litius, Esser und Frau Weber teilnahmen, wurde eine Art Protokoll aufgefeßt, in dem es heißt: " In dieser ergab sich völlige Uebereinstimmung über die politischen und sozialen Fragen der Gegenwart und der nächsten Zukunft und fam allseitig der Wille zum Ausdrud, zu ihrer Lösung einmütig und geschlossen den Wahlkampf und die Politit im nächsten Reichstag zu führen... Dr. Wirth erklärte ferner, daß eine weitere politische Tätigkeit feinerseits fich in Zukunft in Gemeinschaft mit den Führern der Partei und in Gemeinschaft mit der Fraktion nach den Grundsätzen christlicher Staatsauffaffung vollziehen werde. Das einmütige Ergebnis der Besprechung war, dem Reichsparteivorstand die Aufstellung Dr. Wirths auf der Reichsliste zu empfehlen. Der Borfihende der Badischen Zentrumspartei, Prälat Dr. Schofer, erklärt fein Einverständnis, daß Dr. Wirth auf die Reichslifte übernommen werde." Die Richtigkeit dieser Niederschrift wird aus Zentrums freisen bestätigt. Doch wird von dieser Seite darauf hingewiesen, daß es sich nur um einen Entwurf handle, und daß der endgültige Wortlaut noch nicht feststehe. während der gestrigen Aufführung mäuschenstill da, nur am Schluß Zentrumsarbeiter gegen Beamte. der Aufführung gab es ein furzes Schlüsselkonzert und eine kurze Schimpfkanonade zur Bühne hin. Die zahlreichen Freunde des Dichters wie des Dramaturgen machten dem Radau sehr schnell ein Ende, indem sie mit langanhaltendem brausendem Beifall Darsteller und Bearbeiter bedachten. Bochum, 28. März.( Eigenbericht.) Der Kampf um das Reichstagsmandat Dr. Wirths der Zentrumspartei erhellt eine recht treffende Illustration durch einen geradezu fenfationellen Briefwechsel zwischen dem Generalpräses des Katholischen Arbeitervereins Dr. Müller, Stegerwald und dem Oberpräsidenten Gronowski, den die sozialdemokratische „ Bolkswacht" veröffentlicht. Diejenigen Abgeordneten des Zentrums, Unter dem 26. Februar schrieb der Generalpräses Dr. Müller en Stegerwald einen Brief, in dem er Kenntnis gibt von den Ver= handlungen mit dem Oberpräsidenten Gronowski, die den Zweck hatten, den Oberpräsidenten zur Niederlegung seines Landtagsmandats zu veranlassen. Gronowsti soll in jener Unterredung sich bereit erklärt haben, sein Mandat zugunsten eines anderen Arbeitervertreters zur Verfügung zu stellen und soll auch bereit gewesen sein, auf die übrigen Landtagsabgeordneten im gleichen Sinne einzuwirken. Gegen diese Darstellung des Generalpräſes wandte sich Gronowfti in einem Schreiben vom 3. März. Er stellte zunächst fest, daß er wohl bereit gewesen sei, fein Mandat niederzulegen, aber nur unter der Bedingung, daß fämtliche übrigen Kollegen in Beamtenstellungen das gleiche fun. Er hätte wiederholt betont, daß es nicht angehe, daß er als ältester Abgeordneter allein auf der Strecke bleibe und die übrigen sich wieder aufstellen ließen. In einer Unterredung, die er mit Sirtfiefer, loft, Springer, Stieler, Hagemann, Rürop und Steger hatte, murde nach längerer Aussprache beschlossen, einmütig zum Ausdruck zu bringen, daß es nicht das Ziel der christlichen Arbeiterbewegung und ihrer Führer sein könne, jeden Beamten, der aus der Arbeiterbewegung hervorgegangen sei und die meiste Fühlung mit dieser Bewegung habe, bei den kommenden Wahlen an erster Stelle abzubauen, Die Konferenzteilnehmer glauben, daß die in Beamtenstellungen befindlichen ehemaligen Arbeiter und Gewerkschaftssekretäre es nicht verdient haben, von dieser Bewegung zuerst abgefägt zu werden; es sei auch nicht einzusehen, daß ihre gesamte Arbeit von neuen und jungen Kollegen besser gemacht werden könnte. Zu diesem Briefwechsel, der der SPD. aus Zentrumsfreisen zur Verfügung gestellt wurde, wird in Zuschriften aus Zentrumsfreisen bemerkt, daß diese Art der zentrümlichen Mandatspolitik gerade zu Selbstmordpolitik sei. Es ist zu erwarten, daß der Briefwechsel in der kommenden Wahlbewegung sicherlich innerhalb der Arbeiterschaft des Zentrums die gleiche Wirtung auslösen wird wie der Widerstand gegen die Randidatur des linksstehenden ehemaligen Reichsfanzlers Birth. Der Unfehlbare. Muffolini verbot die Verbreitung der Papstnote gegen die faschistische Jugendbewegung. 000000 Mussolini:„ Heiliger Bater, deine Worte sind zwar unfehlbar, aber mein Mittel dagegen ist auch unfehlbar!" Der Raubüberfall in Brik erdichtet. Der angebliche Raubüberfall, über den wir aus der Friz- Reuter- Allee 47 zu Brizz berichteten, fand eine rasche Aufklärung. Der Laufbursche war erst seit zehn Tagen bei der Zigarettenfabrik von Simonjohn angestellt und hatte Inkassovollmacht. Er markierte den Ueberfallenen gestern so gut, daß alle Leute, die zu Hilfe eilten, und auch der Arzt getäuscht wurden. Die Beamten des Raubdezernats jedoch, die sich den Tatort ansahen und die Vorgänge darstellen ließen, hegten bald Zweifel. Ernstlich ins Gebet genommen gab der Bursche dann weinend zu, daß er, von einem Freunde verführt, den Ueberfall erfunden habe. Dieser Freund, ein 20 Jahre alter Herbert Stiller aus Neukölln, fegte ihm mit anderen zu, Geld zu verschaffen. Als er gestern wieder 750 M. in der Tasche hatte, bearbeitete ihn Stiller so lange, bis er sich endlich breitschlagen ließ. Stiller ging nun in einen Laden, faufte einen fleinen Trommelrevolver und lud ihn mit Plakpatronen. Dann teilten sie sich das Geld und begaben sich auf den Flur des Hauses in der Frig- Reuter- Allee, in der die Zigarettenfabrif liegt. Stiller nahm hier gleich das Rad und fuhr davon. Der Laufbursche ging ein Stück die Treppe hinauf und gab mehrere Schüsse ab und rief um Hilfe. Die Täuschung gelang, wie gesagt, bis die Beamten des Raubdezernats eingriffen. Abschluß des Barmat- Prozesses. Julius Barmats letztes Wort.- Urteilsverkündung am Freitag. Die heutige Verhandlung im Barmat- Prozeß war verhältnis mäßig von turzer Dauer, da nur Julius Barmat das letzte Wort eingeräumt wurde. Das Urteil wird Freitag um 9 Uhr vormittags vefündet werden. Julius Barmat mies einleitend auf die hohen Anforderungen hin, die der Prozeß an seine an und für sich schon geschwächte Gesundheit gestellt habe. Db es sich wirklich um sein letztes Wort handeln werde, hänge von dem Urteilsspruch ab, denn er werde und fönne sich nie und nimmer beruhigen, wenn eine Verurteilung in auch nur einem Punkt der Anklage erfolge. Wnen es auch nicht gestattet sei, auf die politische Seite des Prozesses einzugehen, so müsse er doch sagen, daß es sich um feinen gewöhnlichen Prozeß, sondern um eine Wahlpropaganda gehandelt habe. Für ihn selbst sei das Berfahren ein Rätsel gewesen, über das er sich erst nach der Be= fprechung mit Assessor Rußmann tlar geworden sei, der von ihm die Korrespondenz mit Ebert und Scheide mann verlangt habe. Da ich kein Provokateur bin, ist der Prozeß Barmat entstanden. Deshalb habe ich 39 Monate unter dem Druc eines Haftbefehls gestanden, 5 Monate in Haft gefeffen, 2 Jahre Grenzsperre und 1 Jahr täglich polizeiliche Meldung erdulden müffen, hauptsächlich, weil ich Jude bin." habe, was er als reicher Ausländer überhaupt gar nicht nötig gehabt habe. Er mies dann auf seine Hilfe für die deutsche Sache hin und erinnerte daran, daß er die deutsche Margarinefabrik finanziert und 1½ Millionen Dollar in Amerita für Lebensmittellieferungen hinterlegt habe, während er selbst von Deutschland nur in Papiermarkafzepten bezahlt worden sei. Dadurch sei auch die Verbindung mit der Staatsbant entstanden. Er habe sich nie gedrängt, die Industrien aufzukaufen, dazu fei er durch Ministerialrat Kauz veranlaßt worden. Als Julius Barmat sich dann noch einmal mit der politi. fchen Seite des Prozesses beschäftigen wollte, unterbrach ihn der Vorsitzende mit dem Bemerken, daß dies nicht aped mäßig sei, da man bisher alle politischen Momente aus der Verhandlung herausgelassen habe. Julius Barmat wies dann kurz darauf hin, daß er am 31. Dezember bei seiner Berhaftung Assessor Kußmann gegenüber erklärt habe, daß seine Inhaftnahme für die deutsche Wirtschaft sehr schwere Folgen haben könne, da dann alles zusammenbrechen werde. Assessor Kußmann habe erwidert:„ Wir in Preußen können uns das leisten." in Preußen können uns das leisten." Als er, Barmat, dann noch gesagt habe, daß der preußische Finanzminister darüber anderer Meinung sei, habe Kußmann erklärt:„ Der Minister ist mir piepe, ich tue, was ich will." Mit der nochmaligen Versicherung, nichts Unehrliches getan und ebenso wie Höfle nur aus volkswirtschaftlichen Gründen und im Interesse der deutschen Arbeiterschaft gehandelt zu haben, appellierte Julius Barmat an die Objektivität der Richter. Eine Berurteilung würde der Gerechtigkeit Gewalt antun. Auch als Ausländer und Mensch habe er das Vertrauen, Julius Barmat führte dann weiter aus, daß er sich mit dem bisherigen Material des Prozesses an Universitätsprofessor Goldschmidt, den Strafrechtslehrer der Berliner Universität gewandt habe, der nach 14tägigem Studium der Aften ihm gegenüber erklärt habe, daß schon aus rein juristischen Gründen eine Freifprechung erfolgen müsse. Des weiteren erklärte Julius Barmat mit aller Entschiedenheit, daß er nie betrogen und nie bestochen| daß das Gericht ihn völlig freisprechen und rehabilitieren werde. Das Erdbeben in Italien. Die genaue Zahl der Opfer noch nicht feststellbar. Rom, 28. März. Nach dem„ Messaggero", der ergänzende Einzelheiten über das Erdbeben in der Provinz Udine veröffentlicht, find bis gestern zehn Tote und vierzig verwundete festgestellt. Das Blatt meint aber, daß sich die Zahl der Opfer vermehren könnte, weil mit mehreren Orten jede telephonische Verbindung unterbrochen fei. Das Hauptzentrum des Erdbebens lag in den Gemeinden Berzegnis und Cacazzo. In Tolmezzo, das ebenfalls start geliffen hat, mußte u. a. das Krankenhaus geräumt nach den Lebensunterhalf forgen. Eines Tages hatte die Angeklagte ein Filmstüd in Cudenwalde gesehen, das ihrer Ehe ähnlich war. Der Mann hatte Haus und Hof vertrunken und zum Schluß wurde er von seiner Frau durch Gas vergiftet. Am 14. November vorigen Jahres drehte die Angeklagte in der Nacht im Schlafzimmer den Gas hahn auf, sie selbst setzte sich in die Küche und fuhr am nächsten Morgen nach Berlin. Abends traf sie wieder in Lucenwalde ein, und als man ihren Mann tot auffand, meinte die Angetlagte zur Polizei: Was einen im Leben auch alles treffen tut!" Am nächsten Tage legte fie ein Geständnis ab und wurde verhaftet. Zur Verhandlung find 36 Seugen und 5 Sachverständige geladen. werden, da es Riffe bekommen hatte. Die Kranken wurden Weltkriegsteilnehmerfonferenz in Paris Udine gebracht. Der Turm des Domes von Tolmezzo ist in Gefahr, zusammenzubrechen. Auch die anderen Kirchen haben Schaden gelitten, ebenso das Gericht und die Alpinikaserne. Die Bevölkerung fampiert in 3elten. Martyrium der sieben Jahre. Ein Film ließ die Frau zur Gattenmörderin werden. Das Martyrium einer Ehe wird heute vor den Potsdamer Geschworenen aufgerollt. In der Anklagebant steht die 42 Jahre alte Hutgarniererin Frieda Schmidt, geborene Müller, aus Cudenwalde. Sie ist beschuldigt, in der Nacht zum 14. november vorigen Jahres ihren Mann, den Gießereiarbeiter Emil Schmidt, vorfählich und mit Ueberlegung getötet zu haben. Die Angeklagte war mit ihrem Ehemann, der ein notorischer Trinker war und Verdienst sowie Möbel verpraßte, fieben Jahre verheiratet. Bon Jugend an eine in sich verschloffene Natur, trug die Angeflagte ihr Martyrium diefe fieben Jahre lang geduldig. Der Mann schlug fie, und fie mußte für 15 Millionen Kriegsteilnehmer sollen vertreten fein. Paris, 27. März.( Eigenbericht.) Am 30. März wird in Paris eine Rommission der Kriegsteilnehmerverbände aus allen am Kriege beteilig ten Ländern zusammentreten, um einen internationalen Rongreß der ehemaligen Fronttämpfer vorzubereiten. Im vorigen Jahre wurde zum ersten Male eine solche Tagung in Lugemburg abgehalten. Sie führte jedoch wegen ungenügender Borberei tung nur zu einem oberflächlichen Kontakt zwischen den Kriegsteilnehmerverbänden der alliierten Bölker und der ehemaligen Zentralmächte. Auf der Tagung der diesjährigen Konferenz, die zu einer großen Kundgebung für den Frieben ausgestaltet werden solle, stehen folgende Fragen: 1. Die Lage der ehemaligen Kriegsteil nehmer in den einzelnen Ländern; 2. Vergleichung der Gesetzgebung über die Kriegsopfer; 3. Mittel zur Stärtung der Welt. friedensbewegung. Bisher haben ihre Teilnahme an dem Rongreß 60 Verbände aus 10 alliierten Ländern somie aus Deutschland, Desterreich, Ungarn und Bulgarien angemeldet, die insgesamt 15 Millionen Kriegsteilnehmer vertreten. pilsudskis Niederlage im Sejm. Scharfmacher und Parlament. warschall. 28. März.(Eigenbericht.) Die überrascheade Niederlage de» pilsadski- Blocks bei der gestrigell Wahl de» Sozialdemokralen DaszynsN zum Sejmmarschall hat die politische Spannung in Polen wesentlich verschärft. Entgegen dem ausdrücklicheu Wunsch de» polnischen Diktators wurde Daszynski in das hohe Amt de» Sachwalters der parlamentsrechle berufen, wenn auch pilsudski die militärische Gewalt weiterhin be- sitzt, so hat die gestrige Sitzung doch gezeigt, daß das neue Parlament unter Leitung seine» sozialistischen Marschalls Autorität genug ausbringen wird, um den diktatorische» Gelüsten pilsudskis die Spitze zu bieten. Man ist gespannt, was die Regierung nunmehr tun wird. Die Scharfmacher um Pilsudski reden sogar von einer S e j m a u f- l ö s u n g, weil der Landtag es gewagt hat, sich dem Willen des Marschalls zu widersetzen. Die Sturmszenen im Sejm wurden hauptsächlich durch Pilsudski selbst veranlaßt, der bei dieser Gelegenheit wieder einmal ganz als Diktator auftrat. Aus seinen Wunsch führte der Minister des Innern persönlich die Polizei in den Sejmsaal und bezeichnete selbst diejenigen Abgeordneten, welche entfernt werden sollten. Diese» Austreten des Ministers steigerte die ohnehin schon vorhandene Er- regung aufs äußerste. Die abgeführten Abgeordneten mußten etwa eine halbe Stunde i m Z e n t r a l b u r e a u der politischen Polizei oerbringen, bis sie auf Intervention des Alterspräsidenten Abgeordnete, die wiederkehren Beitrag zum„geistigen Locarno". Deutscher Giudenienbesuch in Krankreich. Ms die vier V-Zug-Wagen mit 200 Münchener Studenten die Marne passieren, unter einem schmutzig grauen Himmel, weiß man noch nicht, mit welchem Gesicht uns Frankreich empfangen wird. Zum erstenmal seit dem Krieg findet eine Studienreise derartigen Ausmaßes statt; nicht sehr ermutigend waren die Warnungen der deutschen Kolonie in Paris, die die Reise als verfrüht und provozierend hinstellten. Es wurde uns gesagt, daß selbst die Gefahr irgendwelcher Zusammenstöße nicht unerheblich sei und sogar in den einzelnen Stadtteilen verschieden. Das Rektorat der Universität glaubte die Verantwortung nicht mehr übernehmen zu können und verweigerte feine Zustimmung, wenn nicht Professor Kutscher, der mutige Leiter der Exkursion, für jeden einzelnen der Zweihundert einstehe. Obwohl die Exkursion rein wissenschaftlichen Charakter hatte(sie sollt« das französische Theater studieren), mußte sie entweder politische Komplikationen oder politische Erfolge nach sich ziehen. Drei Faktoren waren es, die überhaupt die Reise ermöglichten: Das Weltstudentenwerk, die deutsche Botschaft in Paris und das französische Kultusministerium. Mit unserer Ankunft auf dem sare de l est waren auch alle unsere Bedenken zerstreut. Die herzliche Gastfreundschaft, mit der uns dort französische Studenten empfingen, verließ uns die ganze Zeit(S Tag«) nicht. Sie führten uns durch alle Sehenswürdigkeiten von Paris, mit unermüdlicher Gefälligkeit, erklärten uns Museen und Kirchen, Schlösser und Gale» rien. In der Universität unterrichtete uns ein Dortrag über französische Baudenkmäler, dem ein Lob auf München vorausging. In der Mensa des Weltstudentenwerkes speisten wir täglich für weniges Geld. Herzlich war auch hier die Begrüßung, überall der Wunsch, sich kennen und verstehen zu lernen, einen freundschaftlichen und brüderlichen Zusammenhang zwischen deutschen und französischen Kommilitonen zu schaffen. Immer stärker erscheint die Notwendig- keit des Studentenaustausches, da gerade diese Schicht.intellektueller" Jugend jeder Völkerannäherung verbohrt und feindlich gegenübersteht. l927 waren einige französische Studenten in München freundlich aufgenommen worden, aber die Franzosen haben uns in der Gast- freundschaft übertroffen: allein zwei Monate harter Vorarbeit hat es gekostet, um unseren Ausenthalt so zu gestalten, wie es geplant und erwünscht war.» Bei dem offiziellen Empfang in der Sorbonne sprach sich der Dekan der philosophischen Fakultät ebenfalls für die deuffch-franzö- sifche Verständigung aus, zu der Kunst und Wissenschaft schneller führten, als die Politik. Durch Vermitllung des Kultusministeriums bekamen wir die technischen Einrichtungen der Opera zu Gesicht, die fast nie gezeigt werden. Die Direktoren der Oper und vieler Privat- theater gaben uns zu verbilligten Preisen Vorstellungen, u. a. der auch in Deutschland bekannt« Firmin Gemier. Sogar der Besitzer des deutschfeindlichen„Matin", der zugleich Alleinbesitzer der größten Kinogesellschaft Frankreichs ist, der»Sodete des Cineromans-Films de France", stellte uns Freikarten zu Prefseoorführungen zweier neuer Filme zur Verfügung und ließ es sich nicht nehmen, uns zur Besichtigung der großen Filmateliers in Joinville einzuladen, ein Borzug, der feit dem Bestehen der Eineromans erst vier Gesellschaften zuteil geworden ist. Bei Champagner wurden wir durch seinen Pressechef begrüßt, der ausführte, daß gerade der Film berufen wäre, zwischen den beiden benachbarten Völkern ausgleichend und ver- sühnend zu wirken, und daß Cineromans durch Austausch der Regisseure schon immer in dieser Richtung gearbeitet hätten und arbeiten würden. Die Besichtigung selbst, von den Fachleuten ge> führt, war eine selten eingehende und sorgfällige. Das tat der Be- sitzer des deutschfeindlichen„Matin" deutschen Studenten gegenüber. Einmal, als wir die„Rotre Dame" verließen, warteten am Aus- gang französische Verbindungsstudenten und machten höhnische Be- merken:.Bocbe, cochon, va a Berlin." Das sind die Früchte des Geistes, der auch bei uns in den Korps herrscht. Wer nicht die Konsequenz derartiger Zwischenfälle zieht, nämlich energisch Schluß zu machen mit diesem chauvinistischen Treiben, dem ist mit logischer Denkweise nicht beizukommen. 200 Studenten aus dem viel geschmähten München standen in dem Spiegelsaol von Versailles, in dem der Friedensvertrag unter- zeichnet wurde: Es ist keine spitze Bemerkung gefallen, es hat nie- mand vor Wut die Faust geballt. Am Grabmal des unbekannten Soldaten, auf dem immer frische Blumen liegen und eine ewige Flamme brennt, standen 200 Studenten aus dem vielgeschmähten München, entblößten Hauptes, vielleicht haben da alle eingesehen, daß hier wie da dieselben unbekannten Soldaten sterben mußten, einge- sehen, daß man Friedensverträge nicht mit Waffengcklirr aus der Welt schafft, eingesehen, daß alles Unrecht nur aus Mißverständnissen entsteht. Solche Mißverständnisse können nur durch gegenseitiges Sich- kennenlernen vermieden werden und dazu hat diese Exkursion ihr Teil beigesteuert. Auch die Pariser hotten von uns einen guten Ein- druck, wie die deutsche Botschaft versicherte und wie es von privaten französischen und deutschen Kreisen bestätigt wurde. Als Erinnerung wurde uns von französischer Seite eine Radierung der Rotre Dame dediziert. Lorbsrt I'rioss n(dlünohsn). Otto Wels Sotialdemokratücher Spitzenkandidat für den HeichUagewahlkrei» Frankfurt a. O. Wilhelm bierin g Sozialdemokratischer Spitzenkandidat für den Landtagewahhkreu Potsdam /. des Sejm. Lojko, freigelassen wurden, ver Sejm begrüßte sie bei ihrer Rückkehr mit demonstrativem Beifall, wobei der sozialdemo- kratische Abgeordnete Diamond den Regierungsvertretern zurief: .So habt ihr sie selbst zu Helden gemacht!" Kundgebung« geg« Kommunistenverhastungen. Warschau. 28. März.(Eigenbericht.) Als gester« abend in Warschau die Verhaftung von zahlreichen kominumstische« Abgeordneten vom Sitzungssaal heraus bekannt wurde, formierte sich in den Arbeitervierteln der Stadt ein tom- munistischer Demonstrationszug. Die Kommunisten zogen vor da» Warschauer Untersuchungsgefängnis und verlangten die Herausgabe der Abgeordneten, die ober inzwischen schon be- freit und wieder ins Parlament zurückgekehrt waren. Mehrere Abteilungen berittener Polizei wurden herangezogen und zerstreuten die Demonstanteu. wobei es zu mehreren Verhaftungen kam. Schiedsspruch für das Baugewerbe. Für den Bezirk Sachsen, Anhalt und Magdeburg. Zu hen bisher gellenden Lohnsätzen tritt ein Zuschlag von g Pf. pro Stund« für alle Lohnklassen und alle Berufsgruppen. Die Vereinbarung gilt vom Ablauf des allen Lohnabkommens ab bis zum 26. September 1928. Der Antrag auf Aenderung des Ortsklassenverzeichmsses wird abgelehnt. Die Parteien haben sich über die Annahme oder Ablehnung des Schiedsspruches bis zum 5. April 1928 zu erklären. Ob mit diesem Schiedsspruch die Bewegung abgeschlossen ist, oder das am 12. April zusammentretend« Haupttarifamt eine endgüllig« Regelung treffen muß, hängt von der Stellungnahme der Tarifparteien ab. Unter Berücksichiigung der bereits ab- geschlossenen Lohnbewegungen anderer Industriezweige darf aus- gesprochen werden, daß der Schiedsspruch sich im gleichen Rahmen hält, seine Annahme daher wahrscheinlich ist. Durch Draht und Funk. Die Vereinigung der deutschen Bauernvereine hat den Zen- trumsabgeordneten und früheren Ernährungsminister Dr. Hermes zu ihrem Präsidenten gewählt. « Die dänische Regierung hat das llebereinkommen zur Voll- streckung ausländischer Schiedsgerichtsentscheide, das am 26. Sep- tember 1927 in Genf abgeschlossen wurde, unterzeichnet. e> Albanien erhall ein neues bürgerliches Gesetzbuch, das unter anderem die Zivilehe einführt. Es beseitigt nach dem Urteil ded amtlichen Albanischen Pressebureaus das letzte Hindernis für eine Einigung, der mohammedanischen, katholischen und orthodoxen Staatsangehörigen. Das Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten hat gestern das Marinebudget angenommen, das Ausgaben in Höhe von 359190 000 Dollar vorsieht. 48 Millionen Dollar sind für den Bau von 8 Kreuzern zu 10 000 Tonnen und für 2 Unterseeboote bestimmt._____.\i..... Musik am laufenden Band. Streichinstrumente ohne Bogen. Schon zu Beginn des 17. Jahrhunderts haben erfinderisch« Köpfe zur Erleichterung des Geigenspiels die Bogenführung durch«in« über die Saite geführte, mit Kolophonium bestrichene Scheibe zu ersetzen versucht. Der Nürnberger Organist Hans H�ydc"',Rn0 fein auf diesem Prinzip beruhendes„Gambenwert". 1757 brachte der Berliner Mechaniker Hohlfeld ein„Bogenklaoier" heraus, Carl Greiner in Wetzlar ein„Bogcnhammerklavier". All« diese Versuch« führten aber zu keinem brauchbaren Ergebnis. In unserer Zeit hat der Musiker und Konstrukteur Müller- Braunau in Sachsenhausen bei Oranienburg Streichbandgeigen hergestellt, die er„Sonduren"(Dauertöner) nennt. Die Biolin-, Bratschen- oder Violoncellobesaitung wird durch ein mittels Pedals zum Umlauf gebrachtes endloses Streichband zum Tönen gebracht. Durch vier der rechten Hand zugewiesene Tosten wird das Streich- band nach Bedarf gegen eine oder mehrere der vier Sondurensallen geführt, während die Finger der linken Hand sich auf dem in deutlich erkennbare Tonplätze(Bünde) geteilten Griffbrett betätigen. Die Schwierigkeiten der bisherigen Bogenführung und d«g genauen Ab- Messens des Fingeraufsatzes auf dem keinen Anhall bietenden Geigengriffbrett sind bei der Sondure beseitigt. Damll ist auch die Erlenibarkeit des Sondurenspiels in auffallend kurzer Zeit möglich. Was dem Geiger oersagt ist, bietet di« Sondure: zeillich unbeschränkt« Dauer der Töne, Zwei-, Drei- und Viertlänge, crescendo und dimi. tuende in beliebiger Ausdehnung. Alle Spiclweisen und Ausdrucks- mittel der Violinen, Bratschen und Violoncelli sind auf Sonduren möglich. Es gibt bereits Sondurenkomposllionen, die für den Geiger zumeist unausführbar sind. Schon di« well zurückliegenden Vor. inftrument« Müller-Braunaus(Pedalgeige 1895, Pentaphon 190?) wurden von mehreren Mustkgrößen, wie Arthur Rikisch, Joseph Joachim, Paul de Mit. begutachtet. In der Sondure glaubt der Er- finder das ihm vorschwebende Id«al verwirklicht zu haben. In der Tat überrascht die außerordenlliche Tonsülle der Sonduren beim Zu- sammenspiel. Daneben aber offenbart sich doch«in Manko: das Seelenvolle des Bogenstrichs fehll. Das.laufende Band" erzeugt eine stellenweise sehr aufs Gehör fallende Mechanisierung des Tons, die sich durch noch so große Fingerfertigkeit oder Tonfülle kaum ver- bergen läßt.___ Ein Denkmal gegen den Krieg soll in Genf errichtet werden. Der Ausschuß, der die Durchführung des Planes in die Hand ge- nommen hat, erbittet bi» zum 1. Juli Borschläge für die Aus- gestaltung des Denkmals nach Genf(Chene-Bourg) zu senden. Thielscher und kein Ende. So hreß das Programm des Dienstags im„L ustsp ie l h a u s", der jetzigen Wirkungsstätte des Jubilars Thielscher, der gestern auf »olle fünfzig Jahre Bühnentätigkeit(fast ausschließlich) in Berlin zurückblicken konnte.. In allen Berliner Theatern hat er seit 1877 g«fpiett. in denen Schwank und Posse heimisch war. Im Belle- Alliance-, im Wollner-, im Metropol-, im Thalia-Theater hat das Genre zum Siege geführt, das jetzt im Aussterben ist: das vielfach an französische Muster anknüpfende bürgerliche Unterhaltungsstück, dem er Gehalt und Würze durch seine Berliner Note, sein quickes Wesen in der kugeligen Erscheinung, seinen Humor und seine Ulkigkeit gab. Daß er fünfzig Jahr« Freudenspender war, ist ihm selber gut bekommen. Er hat nicht nur die Ehrungen, die gestern um Mittag mit einem Festakt im Lustspielhaus begannen und lang« nach Mitternacht mit einem Nachtkabarett endeten, gut überstanden. In der hundertsten Aufführung des Schwankes „Unter Geschäftsaufsicht" hat er gestern den Buchhalter Haselhuhn aus Merseburg mit einer Frische und Lebendigkeit(auch in den immer noch quecksilbernen Extremitäten) gespielt, daß man den Komikerberuf mit der obligaten Gymnastik für eine der ge- sündesten Tätigkeiten halten muß. Und eine Popularität erzielt man jedenfalls damit, die beispiellos ist. Noch nie sah man so viel alt« Leute im Theater, di« seit— zig Iahren ihrem Guido tteugeblieben sind, und noch nie haben sich soviel Gratulanten aus der Konkurrenz eingestellt als bei dieser denkwürdigen Nachtfeier. r. Ein Blinder besteigt den Montblanc. Vor einigen Tagen starb infolge eines Unglücksfalles beim Ueberschreiten der Brooklyner Brücke in New Port Thomas Camp- bell, der vor wenigen Tagen trotz seiner vollkommenen Blindheit den Gipfel des Montblanc bestiegen hatte. Er selbst hatte den Plan zu dieser für alle Tellnehmer außerordentlich schwierigen und ge- fahrvollen Bergbesteigung entworfen und seine Begleiter ausgesucht, und ließ sich trotz aller Gegenvorstellungen nicht abhalten, di« von ihm sorgfältig vorbereitete Expedition zu unternehmen, die über alles Erwarten gut gelang. Der Aufstieg auf den Gipfel war lang und mühsam. Man führte ihn, wie einer der Teilnehmer erzählt, vorsichtig und langsam in die Höhe, indem man den Bergstock und den gewohnten Spazierstock des Blinden dorthin stellte, wo er den Fuß hinsetzen sollte. Auf diese Weise gelang es, die Spitze des Berges zu erreichen, wenn es auch mehr als das Doppelte der sonst nötigen Zeit erforderte, ehe man oben angelangt war. Der Abstieg gestattete sich mühsamer und gefährlicher, als der Aufstieg. Die Hand auf die Schuller eines der Führer gestützt, ging der Blinde unmittelbar hinter diesem, so daß seine Fußspitze den Absatz des Führers berührte, und ohne Unfall gelangt« er auf dies« Weise ins Tal. Durch dieses Erlebnis sicher gemacht, gründete er nach seiner Rückkehr in New Port einen Berein blinder Radfahrer, mit dem«r manche Fahrten in die Umgebung New Parks unternahm, ohne je zu Falle zu kommen. Nun wurde er, der ungefährdet den Montblanc bestiegen hatte, beim Ueberschreiten der Brooklyner Brücke von einem Fuhrwert niedergestoßen und starb an den er- littenen Verletzungen._ tuustchrvnik. Die fflolerie Ferdinand Möller. Schöneberqer llser 38. eröffne! Freitag«ine Ausstellung von Aquarellen und Pailellen Emil N o l d e«.— Eine Nenjzel-AuSstellung wird in der Galerie Thannbanier, Belleoneitraße>3, Sonntag eröffne!. Svstav Alyneken ipricht Freitag 8'/, Mr im KünMerhaus. Bellevue- stratze 3. über da« Thema„Die tullurelle Bedeutung der Freien Schulen.' Sa- l krau» wird am 30. März, 7>), Ubr. im Schwechteniaal au» eigenen Derlen vortragen und am 31. März eine Wedelind-Feier veranstalten. vi« erst« lagung tür Lnadfunt-llluflt wird vom 7. bis 9. Mai vom HentrolinNitut für Erziehung und Unterrich! in Köttingen oeranilaltet. Die verichiedenen Probleme der musilalischen Uebertragung durch den Rund- sunt sollen bebandeü werden. Referate haben u. a. zugelag! Pias. Wagner, Pros. Leiidäuier, Harbig, Pros. Michel, Pros. Hau» Mersmann, Dr, Honig«- hcimer-Köln u. a. Am Slerbehause Velnrich Hein« will der Pariser Gemeinderat eine Gedeuttasel anbringen lassen. Berstummte fingende Galgenvögel Sie fürchten Terror und Maßregelung. Nach dem zweiten arbeitsgerichtlichen Termin gegen die Bis cator- Bühne haben weitere 23 Kläger sich mit der Direktion geeinigt und die Klagen zurüdgezogen. Es waren also im dritten Termin nur noch vier Kläger übriggeblie ben, entschlossen, den gerichtlichen Stampf um ihren Lohn bis zum äußersten durchzuführen. Bewiesen sollte werden, ob die Kläger nach der beim Engagement getroffenen Bereinbarung für eine Nachtprobe von sechsstündiger Dauer statt der erhaltenen 7 M. 10,50 M. und wegen angeblich nicht rechtzeitig erfolgter Kündigung das Honorar für sieben Borstellungen zu fordern haben. Einer von benen, die ihre Klage zurückgenommen haben, machte in diefer Syin ficht eine den Klägern günstige Aussage. Gefragt, warum er die Klage zurückgenommen habe, da er seiner Aussage nach sich doch im Recht fühlen müßte, antwortete der Zeuge, der Prozeß fönnte doch schief gehen, weil von den Beteiligten teiner bie Wahr heit sagen würde aus Furcht, nicht mehr beschäftigt zu werden. Eine solche Befürchtung sei grundlos, erklärte Direttor Rag, und sein Bertrauensmann fügte hinzu, nicht vor der Direktion, sondern vor der Macht ihres Kollegen B., der sie in den Broez hineingehegt habe, hätten die Kläger Angst.. habe nämlich auf der Filmbörse einen großen Einfluß, den er gegen jeden anwende, der ihm nicht Folge leiste.. W., der in den beiden ersten Ter minen als Wortführer der Kläger auftrat, dann aber feine Rlage zurüdzog, soll dies, wie Rat behauptet, mur deshalb getan haben, um jetzt als 3euge gegen die Direktion auftreten zu können. Bernommen wurde W. aber in diesem Ter min noch nicht. 7 Das Gericht hielt für erwiesen, daß die Kläger, laut threr Bereinbarung mit der Direttio für die fechsstündige Rachtprobe nicht mehr als die erhaltenen 7 M. zu fordern haben. Die Ber Bereinbarung mit der Direktion, für die sechsstündige Nachtprobe dieser Frage sollen im nächsten Termin noch einige Zeugen gehört werden. | Arbeiter und Beamte in einer Front. Bei den organisierten Poftbeamten. Bor furzem wurde im Landtagsgebäude der Bezirkstag der Beamten der Allgemeinen Deutschen Postgewerf. schaft im Deutschen Verkehrsbund abgehalten, der von 100 Delegierten besucht war. Den Geschäftsbericht erstattete Will, Rindes im Baffer. Er benachrichtigte die Spandauer Kriminal wobei er insbesondere an die Aktionen zur Verabschiedung des Bepolizei, die die kleine Leiche landete und nach der Halle in der foldungsgesetzes erinnerte. Die Bewegungen wurden einGatower Straße brachte. An der Kleidung erkannte man den viel- heitlich durchgeführt, im Gegensatz zum Reichsverband, der durch die gesuchten fleinen Fredy. Der Knabe ist, wie von vornherein wohl Widersprüche in seiner Spigenorganisation, dem DBB., gehemmt, anzunehmen war, gleich nach seinem Verschwinden bei Tegelort nicht aktiv in den Gang der Dinge eingreifen konnte. Wenn das ins Wasser gefallen und ertrunken. Aus dem Landwehrkanal wurde gestern nachmittag vor dem Hause Schöneberger Ufer 13 die Leiche eines unbekannten Mannes von etwa 25-30 Jahren gelandet. Der Tote hat spärliches Haar, das anscheinend rotblond ist. Er ist 1,65 Meter groß und trug eine dunkle Weste, schwarzgrau gestreifte Hose, Normalhemd, weißes Vorhemd mit weißgrün gestreiftem Umlege tragen und braunbuntem Selbstbinder, schwarze wollene Strümpfe und schwarze hohe Schnürschuhe. Die Leiche, die nach dem Schauhause gebracht wurde, hat wohl schon einige Monate im Wasser gelegen. Am Schluß der Sigung einigte fich noch einer der Kläger aufg die Hälfte seiner Forderung mit der Direktion, so daß im folgenden Termin mur noch drei Kläger vor die Schranken treten. Kindertod in der Havel. Der langgesuchte 2½jährige Fredy Kurze als Leiche gelandet Das spurlose Verschwinden des 2½ Jahre alten Frebn Kurze, des jüngsten Sohnes des Ingenieurs Kurze aus der Birkenstraße 19 zu Jörsfelde bei Tegelort beschäftigte seit dem 18. Januar d. J. die Kriminalpolizei. Der Kleine er wartete jeden mittag vor dem Hause seine ältere Schwester, wenn fie aus der Schule fam. Am 18. Januar verspätete sich die Schwester eine Biertelstunde und als sie nach Hause tam, war Fredy nirgends mehr zu finden. Kriminal- und Revierpolizei fuchten, mit Spürhunden die ganze Umgegend forgfältig ab, fanden aber feine Spur. Auch die Nachforschungen des Reichswasserschutzes blieben erfolglos. Einmal follte der Kleine auf dem Arme eines fremben Mannes in der Müllerstraße gesehen worden sein. Diese Spur erwies sich als unrichtig. Es handelte sich, wie feſt= gestellt wurde, um einen anderen Knaben, den der eigene Bater trug. Gestern in der achten Abendstunde nun sah ein Fischer, der mit seinem Kahn an der Nordspige von Eiswerder, gegenüber der Spandauer Neustadt auf der Havel lag, die Leiche eines Theater, Lichtspiele usw. 8SCALA Mittw., 28. 3. 20 Staats- Oper Am Pl.d.Republ. 71 Uhr Triptychon Der Mantel Schwester Angelica Gianni Schicchi Mittw., 28. 3. 28 Städtische Oper Bismarckstr. Ab.- Turn. III. Auf.71/ 2 Carmen Staatl. Schauspielh. Staatl. Schillerth. Am Gendarmenmark 8 Uhr Charlottenburg 8 Uhr. Prinz Louis Das Duell Ferdinand am Lido Volksbühne Theater am Bülowplatz| Tb. am Schiffbauerdamm 8 Uhr 8 Uhr Die Entkleidung Der Zigarettendes Antonio Carossa kasten Grosses Schauspielhaus Aniang Ende & Uhr REGIE: 11 Uhr CHARELL DOMPADOUR MASSARY Komische 81% Uhr Oper 8%, Uhr James Klein's gewaltiges neues Revue- Stück: Zich' dich aus! 200 Mitwirkende. Vorverkau ab 10 Uhr ununterbrochen. Nollendorf 7360 Enrico Rastelli und weitere internationale Varieté- Attraktionen. 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M., erhielten je RM. 50.als Prämie: 1. Frau Elsbeth Elsasser, Lichterfelde, Ringstr. 34( M. 100.-) Metropol- Th. Zentrum 128 24 1984 Uhr: Der Graf von Luxemburg Hechy, Matzner, Die Komödie Ralph Artur Roberts, Kettner Bismarck 2414/7516 2. Fri. Lotte Liedtke, W., Ansbacher 8, U., Ende 10% U. Straße 29 3. Herr Bruno Bresicke, Zapfer im Rathaus Steglitz Marcel Fradelin Der Eunuch Besoldungsgesez für die Beamten der unteren Gruppen nur geringe, teilweise sogar feine finanziellen Vorteile gebracht hat, so trifft diese Schuld die Bürgerblodregierung und ihre Parteien. Alle Verbesserungsanträge unserer Organisations= vertreter im Reichstage wurden von den Regierungsparteien abgelehnt, zu denen die Abgeordneten des DBB. gehören. Ueber die Zusammenhänge der freigemertschaftlichen Beamtenorganisation mit der gesamten freigewerkschaftlichen Arbeiterbewegung gab Ihr einen lleberblid. Der Redner schilderte die Entstehung der freien Gewerkschaften und ihre Entwicklung sowie die Gründung der freigewerkschaftlichen Beamtenorganisation, deren Zugehörigkeit zur gesamten freigewerkschaftlichen Bewegung er besonders betonte. In der Aussprache wurde die geleistete Arbeit allseitig an erkannt. Mehr als bisher gehörten Arbeiter, Angestellte und Beamte in eine Front. Eine Entschließung in diesem Sinne fand einstimmige Annahme. Nach Erledigung einer großen Zahl von Anträgen, die Besoldungs, Rechts- und Berufsfragen betrafen, endete die Tagung mit einem Hoch auf den Verkehrsbund. nel Die„ Einigkeit". Benn hier die Einigteit" in Gänsefüßchen gesetzt wird, so beshalb, weil es sich um den Titel des bisherigen Organs des Deutschen Nahrungs- und Genußmittelarbeiterverbandes handelt, das ab 1. April 1928 als das Organ der neuen Nahrungsmittel industrieorganisation, des Verbandes der Nahrungsmittel und Geträntearbeiter erscheint. Damit scheiden drei Verbandsorgane aus der Liste der Gemertschaftspreffe aus, das heißt, sie werden mit dem vierten, der bisherigen Einigkeit", zu einer einheitlichen Gewerkschaftszeitung, der neuen Einigkeit" zusammengefaßt. Das älteste der in einer größeren Einheit aufgehenden Organe ift die im 41. Jahrgang erschienene Deutsche Böttcher- 3eitung". Ihr folgt die im 38. Jahrgang erscheinende Verbandszeitung". Publitations organ des Verbandes der Lebensmittel- und Getränkearbeiter Deutschlands( vormals: Verband der Brauerei und Mühlenarbeiter u. v. B.) und als brittes Blatt Der Fleischer", der in feinem 29. Jahrgang steht. Die bisherige Einigteit" fteht im 34. Jahrgang. Sie erschien bisher in Hamburg, dem Sitz des ehemaligen Berbandes der Bäder und Ronditoren, während die Deutsche Böttcher- Zeitung" in Bremen erschien. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgebung.( Nachdrud verboten.) Ziemlich fühl und größtenteils bewölkt mit fortdauernder Neigung zu leichten Niederschlägen. Für Deutschland: Im Nordosten troden, sonst vielfach leichte Niederschläge; überall ziemlich fühl. Bienenhonig ist die Quintesseng aller heilsamen Kräfte, welche die Natur uns durch Blüten und Pflanzen gibt. Darum zum Frühstüld ftets Bienenhonig. Man Laufe jedoch keinen Honig von unreellen Saufierhändlern, sondern den bekannten Roots Bienenhonig", der in Geschäften erhältlich ift. Berantwortlich für die Redaktion: Engen Brager, Berlin; Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag: Borwärts Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts Buch bruderei unb Berlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin 628 68, Lindenstraße 3. Sierzu 1 Bellage. Eisschränke auch bis zu 18 Monats- Raten Radatz Berlin W 66, Leipziger Straße 122/123 arnowsky- Bühne Th. Königgrätz. St. Bergm. 2110 81 Uhr: Flucht von John Galsworthy egie Victor Barnowsky Komödienhaus Norden 6304. Tägl. 1, Uhr Broadway Residenz- Theater Tägl. 8 Uhr: Kein Polizeiverbot Oskar Ebelsbacher in Hofen, Hell, Hoffmann Piscatorbühne Theater am Schule der Liebe Nollendorfplatz Franz. Schwank in 3 Akten, Für Jugendl. verb. Kurfürst 2091/93 Täglich 6.30, 9 Uhr, Sonn Berliner Theater Letzte Vorstellungen Für Funkfreunde halbe Preise tags 4, 6.30 und 9 Uhr. Direktion Kuhnert. Anf. 8, Ende geg. 11 100 M. Prämie in jed. Vorstell.harlottenstr.90-91. Dah.176 Die Abenteuer des Theater des Westens Reichshallen- Theater 81 Uhr braven Soldaten Schwefk Täglich 8 Uhr 8 Uhr, Sonntg. nachm:& Uhr. Die Bollé Sisters" mit Max Pallenberg Zigeunerbaron 3 Das wundervolle Progr. der Ein Berliner VolksStettiner Sänger nachm. ermä B. Prelse. Dönhoff- Brett'l: Glänzendes Varieté- Programm! Tanz! Anfang 8 Uhr, stgs. 51% stück von Friedmann- Frederich. Max Adalbert, Lea Seidl, Lori Leax Th. 1. Admiralspalast Erwin Piscator Gastspiel im Lessing- Theater Norden 12798 Täglich 8 Uhr Kiurina a. G.( Wiener Staatsop. Lichtenstein, Hofbauer, Fleischer ( Berl. Staatsop. Richter, Bradsky. Brandt Spezialehand!, ar für Ischias Hüft., Gesäß und Bein, wenn ärzti. festgestellt. In 15 Tagen sind schwere Fälle beseitigt werden. Unantastbare Heilerfolge. Bestätigung and Referenzen, ärztl. empfohlen. Invalidenstraße 106. 9-11, 1-4. Sonntag 10-12. Jacoby Planetarium am Zoo Verläng. Joachimsthaler Straß Noll. 1578 CIRCUS 18 und 19 Uhr BVSCH Der Stern himmel e der Heimat 18 u. 21 Uhr: Im Reiche der Mitternachtssonne Eintritt 1 M. Kinder unt. 15 Jahren 0.50 Tägl. 7, U.: Neue Circus- Attraktionen Zum Schluß: Die Hosen des Herrn v Bredow Höchste Beleihung jeder Wertsache sowie Garderobe im Leihhaus Für den Wert unserer Angebote burgi unser seit 1800 bestehendes Unternehmen! Wir bitten, unsere Fabrikate nicht mit minderwertigen, aufdringlich. Reklameankündigungen vergleichen Mäntel aus guien Herrenstoffen, allererste Verarbeitung wie Abbildung zu 29.Kleider in cen allerneuesten Kasha- u. 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Str. 132. 8% Uhr Der Flieger 8 Uhr: Die goldne Meisterin „ Unter Geschäftsaufsicht" anschließend Nachtkabarett Theater i. d. Lützowstr. Tel. Kurf. 9209-10. Täglich 8 Uhr Bennet contra Aschenbrödel Alle Eigenmuster ohne Zwischenhandel Sächsische Tapeten- Industrie, Berlin w., Wilhelmstr. 44, zwischen Leipziger u. Zimmerstr ETABLISSEMENT BERGSCHLOSSHÖHE Inh.: Max Kürsten TeL: Neukölln 792 Karlsgartenstr. 6-11, a. d. Wissmannstr. Größter und schönster Naturgarten Neuköllns 5 000 Sitzplätze Vereinszimmer und Säle 50 bis 600 Personen fassend zu kulant. Bedingungen, 3 vorzügl. heizbare Verbands- Parkett- Kegelbahnen mit elektr. Beleuchtung. Central- Wettannahme 123] Berlin SO. 36, Wiener Straße 1/6 [ 61 Beilage Mittwoch, 28. März 1928 1312.930 KTA HO Der Abend Spalausgabe des Vorwärts Der Tod Susanne Hausers. 510 Selbstmord oder Verbrechen?- Ein sensationeller Kriminalfall. Der Oberste Gerichtshof in Wien hat auf eine Eingabe der Frau Babette Reinhold. Devrient, die seit langem eine der bedeutendsten Schauspielerinnen des staatlichen Burgtheaters ist, die Untersuchung des Todes ihrer Tochter Susanne Hauser dem Landesgericht Wien abgenommen und dem Landesgericht Graz übertragen. Ein äußerst selten vorkommendes Greig nis, das gewaltiges Aufsehen erregt und den Fall wieder in den Bordergrund rüdt. Er sei hier dargestellt. In der Nacht vom 16. auf den 17. Dezember 1920 ist die damals 22jährige Frau Susanne Hauser, die Tochter der Burgschauspielerin Reinhold- Devrient und Gattin des Chemikers Dr. Ernst Hauser, unvermutet und plötzlich gestorben. Der Mutter wurde, angeblich um ihr einen größeren Schmerz zu ersparen, als Todes ursache eine herzlähmung mitgeteilt; die Aerzte aber, die die Tote besichtigten, haben als Ursache des Todes angegeben: die Frau habe sich durch eine Lösung von 3ŋankali vergiftet. Drei Aerzte waren an diesem Totenlager, feiner von ihnen erstatteie, obwohl das bei einer Bergiftung angeordnet ist, die Anzeige. Selbst Der Totenbeschauarzt begnügte sich mit der Entgegennahme der Mitteilung von dem Selbstmord, die ihm von den Familienangehörigen gemacht wurde, und ließ die einfache Beerdigung zu, ohne auf einer Deffnung der Leiche, wie sie das Gesez anordnet, zu bestehen. Man forschte auch nicht nach der Herkunft des Giftes, die Tote wurde begraben, der Gatte ging eine zweite Ehe ein und zog ins Ausland. Zwei Jahre später erfuhr die Mutter durch 3u= fall, daß ihre Tochter nicht an Herzlähmung, daß sie an Gift gestorben ist. Da die Mutter für einen Selbstmord nicht den geringsten Anlaß sah, regte sich in ihr der Berdacht, daß auch die Angabe von dem Selbstmord falsch sei, daß vielleicht ein Verbrechen geschehen ist. Sie erstattete am 17. Dezember 1922 bei der Polizei die Anzeige. Die Polizeidirek tion verständigte von ihr die Staatsanwaltschaft; diese lehnte jedoch jedes Einschreiten ab. Fünfzehn Monate später wiederholte die Polizeidirektion die Anzeige an die Staatsanwalt schaft; diese lehnte wieder ab. Im Sommer 1925 richtete bie Muiter an die Staatsanwaltschaft unmittelbar eine ausführliche Eingabe, und jo mußte Sie Staatsanwaltschaft Borerhebungen einleiten. Beim Untersuchungsrichter wurden Zeugen vernommen, die Leiche der Toten wurde enterdigt und gerichtsärztlich unterfucht. Gutachten von Sachverständigen im Schreibfach wurden ein gehoff; das Ende aber war, daß die Staatsanwaltschaft( am 18. Mai 1927) erklärte, feinen Grund zur Verfolgung des Dr. Ernst Hauser wegen Verschuldens an dem Tode der Susanne Hauser zu finden". Die Mutter hatte sich rechtzeitig dem Strafverfahren angeschlossen und konnte gemäß§ 48 St.-P.-O. nun den Antrag auf Einleitung der Vor untersuchung einbringen. In diesem Antrag mird Dr. Ernst Haufer ganz offen beschuldigt, seine Frau vergiftet zu haben. Diese Beschuldigung in dem Antrag ist mit einer Fülle von Tatfachen belegt. Es handelt sich für das Gericht zunächst lediglich darum, ob ein Verdacht vorliegt, der zu einer Boruntersuchung berechtigt, und daran fann nicht gezweifelt werden. Diefe Scheu, gegen einen des Giftmordes Verdächtigen auch mir die Voruntersuchung zu beginnen, erklärt sich nur, wenn man die politischen Beziehungen zwischen der Familie Haufer und der Bundesregierung ins Auge faßt. Der„ Att" befand sich schier ununterbrochen im Justizministerium; ein Aft wegen eines Mordverdachtes, der doch das Justizministerium nichts zu befümmern hat, ein Att überdies, der sich nur erst auf Borerhebungen bezog! Daß es sich um einen schweren Berdacht handelt, kann schon an einem einzigen Unistand dargetan merden. Die junge Frau hat einen Abschiedsbrief an ihren Mann hinterlassen, worin fie ihn wegen ihres Selbstmordes um Verzeihung bittet.(„ Ver zeihe mir diesen Schritt. Ich konnte nicht anders, ich habe dich so lieb") Es ist nun flar: Ist dieser Brief echt, so besteht fein Zweifel, daß sich die Frau selbst das Leben genommen hat; ist er aber un echt, ist er eine Fälschung, so besteht natürlich der stärkste Verdacht, daß man ihn fabriziert hat, um den Selbstmord vorzutäuschen, und wenn es nötig gewesen ist, einen Selbstmord vorzutäuschen, so scheint es nötig gewesen zu sein, einen Mord wegzutäuschen. Ueber diesen Abschiedsbrief sind fünf Gutachten erstattet worden. Zwei davon sind Gutachten von Ausländern, eines Franzosen und eines Engländers, die der Beschuldigte beige= bracht hat; diesen beiden ist das Original des Briefes nicht vorgelegen, fie haben ihr Gutachten nur auf Grund von Photographien erstattet. Denn daß man, um über eine Schrift urteilen zu können, auch in der Sprache dieser Schrift zu Hause sein muß, wird nicht bestritten werden können. Diese beiden Gutachten haben natürlich die Echtheit des Briefes bekräftigt. Dann liegen zwei Gutachten heimischer Sachverständiger vor, diese haben nun den Originalbrief vor Augen gehabt. Das eine Gutachten( Müller) schließt, daß sich ein wahrscheinlicher Grad von 92,4 Proz. für die Annahme ergibt, daß die Verstorbene den Abschiedsbrief geschrieben hat. Das andere Gutachten( Gott lieb) lautet:„ Der fragliche Abschiedsbrief ist mit Bestimmt heit nicht von jener Hand geschrieben, von der die erste Gruppe der Vergleichsschriften stammt( Schrift von Sufi Hauser), sondern er rührt mit voller Sicherheit vom Schreiber der Schriftstüde des Dr. Hauser her." Um über diesen Gegenfeß der Gutachten ins flare zu kommen, wurde auf Antrag des Staatsanwalts ein Gutachten des Univer fitätsinstituts für die gesamte Strafrechts wissenschaft und Kriminalistit eingeholt, und dieses hat folgendes Gutachten abgegeben: 1. Der Abschiedsbrief mit der Ueberschrift„ Mein lieber, guter Ernfil!" stellt eine Fälschung dar, bei der die Handschrift der Frau Sufi Haufer nachgeahmt werden sollte. 2. Die vergleichende Untersuchung der Schriff des Abschieds briefes mit der Schrift in den Bergleichsstücken der Frau Sufi Hauser ergibt, daß der Brief nicht von Frau Sufi Sauser herrührt 3. Die vergleichende Untersuchung der Schrift des Abschiedsbriefes mit der Schrift Dr. Ernst Hausers ergibt, daß der inkriminierte Brief von Dr. Ernst Hauser geschrieben wurde. Privatdozent Dr. Streicher. Profeffor Dr. W. Gleispach. Nach diesem, von ihr selbst verlangten Gutachten hat die Staatsanwaltschaft das Verfahren eingestellt. Das Wiener Bandesgericht hat nach dreiviertel Jahren über den Antrag der Mutter noch nicht entschieden. Deshalb hat nun die Mutter wähnten Antrag an den Obersten Gerichtshof gestellt. Der Überste aus Mißtrauen gegen das Wiener Gericht den eingangs er. Gerichtshof hat zur Entscheidung des Antrages auf Einleitung der Boruntersuchung wider Ernst Hauser das Landesgericht Graz delegiert. In der Eingabe des Rechtsanwalts Dr. Walter Rode an den Obersten Gerichtshof, die diesen Erfolg gehabt hat, heißt es nach Darstellung der Sache: Ich und mein Bertreter hegen das tiefste Mißtrauen gegen die Haltung des Gerichts, und sind davon überzeugt, daß man an die Sache nicht heran will Die Gründe, aus denen es trot schweren, zur Haftnahme und Einleitung der Untersuchung sonst automatisch führenden Verdachtsmomenten in dieser Straffache nicht vorwärts geht, find teils allgemeiner, teils besonderer Natur. Algemeiner Natur, weil die Straffache alt, verfahren und durch Vorentscheidungen abgetan ist. Es besteht eine tiefe Abneigung der Menschen überhaupt, daher auch der Gerichte, in überlebte Dinge hineinzusteigen. Die Ermordung der Sufi Hauser liegt sieben Jahre zurück. Alle Leute in der Behördenwelt hegen die Anschauung, daß über die Sache gea nug geschrieben und geffritten wurde, daß man sie endlich auf sich beruhen lassen könne. Ich, der ich in der Sache teine Ruhe gebe, errege Er bitterung und Widerwillen. Meine Aktion wird als Ruhe störung empfunden. Ich habe mir dadurch die unverhohlene Abneigung der Wiener Gerichtskreise Staatsanwaltschaft und Gerichte sind eine Garnitur zuges 30gen. Die Herren wollen sich nicht zwingen lassen. Abweisungsgründe sind bald gefunden und namentlich, wenn es fein Forum mehr gibt, vor dem man gegen fie polemisieren könnte. Nebst dieser allgemeinen und besonderen Abneigung des Wiener Gerichtshofes gegen die Aufrollung der Ermordung meiner Tochter machen sich gegen den Prozeß überhaupt auch mächtige Einflüsse anderer Fatforen geltend. Es wäre Blindheit, dies nicht zu sehen, und Feigheit, nicht darüber zu reden. Unter den Tausenden von Menschen, die meinen Subsidiarantrag gelesen haben, wenngleich er nur in zwei hundert Exemplaren gedruckt wurde und nur in hundertfünfzig Exemplaren zur Berbreitung gefommen ist ein Eremplar ist in einem Ministerium allein durch fünfundachtzig Hände gegangen herrscht die Ueberzeugung, daß der Fall unverfolgt bleibt, weil der Vater des Verdächtigten hinter den Kulissen der österreichischen Bolitif eine bedeutende Rolle spielt, und weil durch ihn in seiner Eigenschaft als Präsident des Verbandes der Industriellen Milliardenbeträge für Wahlzwede geflossen find. Die Regierungsfreise wollen die Verfolgung des jungen Hauser nicht. Da die Richter nicht unter einem Glassturz leben, so müssen derartige mächtige Einflüsse an sie herankommen. Unter den Drahtziehern der Politit, mit denen mein Vertreter über die Sache sprach, hat er nichts als Betretenheit und schlechtes Gewissen angetroffen. Wenn man anfängt, mit folchen Drahtziehern über den Fall Hauser zu sprechen, werden sie tläglich und verlegen. Alle Großbürger, alle Freimaurer, alle nationalen und bürgerlichen Polititer perhorreszieren die Verfolgung des jungen Hauser. Aber auch andere einflußreiche Kreise der Wiener Gesellschaft haben ein Interesse an der Bertuschung dieser Strafsache. Wie sich aus dem Att ergibt, ist durch den Fall eine Reihe von angesehenen Aerzten schwer fompromittiert. Fast jeder dieser Mediziner hat mindestens einmal im Borverfahren das Gegenteil von dem ausgesagt, was er später angesichts objeftiver Befunde einräumen mußte. Diefe Herren Professoren nun haben die Möglichkeit, durch die Kabilarien der Couleura brüderschaft und sonstiger pöltischer Bertlettungen von hinten herum auf die Funktionäre des Gerichts bedeutenden Einfluß zu nehmen. Schließlich wird das Mißtrauen gegen den Untersuchungsrichter und den Bizepräsidenten des Gerichts noch mit bestimmten Aeußerungen dieser Richter begründet. Nun tommt es zuWerden nächst auf die Entscheidung des Landesgerichts Graz an. auch dort die Wahlfondsspenden der Familie Hauser für den Bürgerblod entscheiden? Wohnungsnot und Wohnungskrawalle. Eine zeitgemäße Erinnerung. Alliance- Blay 6: Vor dem Sozialistengesey; Rrijenjahre des Obrigkeitsstaates." Das Buch ist sehr belebt, sehr klar ge= schrieben und überhaupt eins jener ganz seltenen geschichtlichen Quellenwerte, die wahrhaft„ arbeiterverständlich" sind. Ein durchaus objektines, fachlich fundiertes, aber vernichtendes Dokument für das Treiben des Obrigkeitsstaates, des Junkerstaates, des Staates, dessen Atem Klaffenhaß und Klaffenjuftig ist. Die siebziger Jahre des 19. Jahrhunderts sind in Deutschland all.| neuesten Wert der Bücherkreis G. m. b..", Berlin SW 68, Bellegemein bekannt als Gründerjahre. In sprunghafter Schnelligfeit steuerte das neugegründete Reich befruchtet vom französischen Milliardenregen der Kriegskosten auf das moderne Fabrik- und Mietfasernentum zu. Die„ Gründer" warfen sich in rasender Profitgier vor allem auch auf die Wohnungsfrage". Immer neue Baugesellschaften wurden begründet; sie tausten Häuser über Häuser, Grundstücke, Landschollen in Massen auf. Natürlich nahm der Baustellenwucher und der Häuserschacher überhand, und zahllose Woh- da nungen entstanden, aber nur Wohnungen für die Reichen. Die allein versprechen reichen Gewinn. Für die Arbeiter war in Berlin oft feine Unterkunft mehr finden. Dazu kamen gewaltsame Erefutio. In Palästen MILLS und in Hütten. Fleisch 25 Mit dem Gründer hat man Erbarmen und pfändet dafür die Armen. nen gekündigter und zahlungsunfähiger Mieter, und die Hauptstadt fah grausamste Elendsszenen, ganz wie heute. Da verfiel das Proletariat auf einen Ausweg. Es zog vor die Stadt und errichtete selbst Baraden; wer das nicht einmal konnte, nistete sich in Höhlen in den Wäldern ein. Diese grauenpolle ohnungsnot führte schließlich in Berlin zu schweren Wohmungsfrawallen. Gelegentlich der Ermittierung eines armen Schufters begannen die Arbeiter zu demonstrieren und gerieten mit der Polizei des hohenzollernschen Obrigkeitsstaates ins Handgemenge. 102 Polizei beamte wurden verwundet, 159 Arbeiter durch Säbelhiebe verletzt. Die Baraden wurden zerstört; aber am nächsten Tag waren sie wieder aufgebaut, nochmals zerstört und nochmals aufgebaut. Beim letzten Baradensturm, am 26. August 1873, setzte sich ein Arbeiter mit dem Beil zur Wehr. Er wurde gepackt und so lange festgehalten, bis feine Barade zertrümmert war. Als man ihn endlich loslie, brach er in ein irres Bachen aus und pflanzte eine rote Fahne auf. Das bittere Nachspiel dieser notgeborenen Krawalle waren 47 Jahre Zuchthaus für 12 und 30 Jahre Gefängnis für weitere 21 Angeklagte. Das war ein Stüd der " herrlichen Zeiten", denen die Hohenzollern nebst Bismard das Bolt entgegenführten. Man findet diesen Bericht und eine überaus reiche Fülle hoch interessanten und zum Teil ganz unbekannten urkundlichen Materials in dem von Kampffmeyer und Altmann herausgegebenen Ein ungesunder Beruf: etwa Nach einer soeben veröffentlichten englischen Statistik ist die Berufssterblichkeit der Brauer, Kellermeister, Birte und Barangestellten eine besonders hohe. Die Zahl der Todesfälle war uni 60 Proz. größer als in anderen Berufen mit normaler Sterblichkeit. Die Angehörirgen der Alkoholgewerbe starben besonders häufig an Krankheiten des Herzens, der Schlagadern, der Verdauungsorgane, an Selbstmord und Krebs. Zmeifellos besteht zwischen dieser Uebersterblichkeit und dem reichlichen Alkoholgenuß ein ursächlicher Zufammenhang. Der furchtlose Hotelier. In einem voltischen Blatt findet sich die folgende Annonce: 卍 Christian Bruns Hotel, Bad Harzburg 卍 Der einzige Gastwirt, der sich offen zum Antisemitismus bekennt. Antisemiten! Kennt ihr diesen furchtlosen, echt deutschen Mann? Bergeßt ihn nicht..." Ens Der wackere Hotelier, furchtlos und echt deutsch, dürfte zur nächsten Saison wohl mit einer Invasion zu allem entschlossener Antifemiten zu rechnen haben. Seine Geschäftstüchtigkeit hat einen fast orientalischen Anstrich. Heiraten oder Soldat werden. In Persien herrscht seit einigen Monaten eine wahre Heirats. wut. Alt und jung legt sich die goldenen Ehefesseln an und selbst die ärmsten und häßlichsten Mädchen finden einen Gatten. Und dies hat eine ganz eigenartige Ursache In Persien wurde die allge= meine Wehrpflicht eingeführt und das Parlament in Teheran hatte folgendes Gesetz angenommen:„ Ein jeder Mann bis zu seinem 50. Jahre ist wehrpflichtig, wenn er nicht verheiratet ist." Und diefes wenn" verursacht es, daß die Männer in Persien plötzlich heiratstoll wurden. Dieses Gesez bezieht sich allerdings nur auf die Männer zwischen 24 und 50 Jahren. Zwischen 19 und 24 Jahren müssen sie unbedingt Soldaten sein. Die Kohlenschaufel als Lautsprecher. Auf der Feuerwache in Kalmar( Schweden) machte man eine merkwürdige Beobachtung. Eine an der Wand hängende FeuerSchaufel gab fauber das Sendeprogramm der Funkstation Ralmar wieder. Man ist mrnmehr bemüht, hinter diese seltsame Erscheinung zu kommen. Die Kohlenschaufel aus Metall hing an einem Hake der eine Wasserleitung berührte. HAITZ DER VON B.TRAVEN Nadidrudc verboten O Copyr ighf int by Büdiorgjlde Cutenberg, Bariin Dobbs, Curtin und Howard, drei tnexlkanlscbe Arbeiter, haben Im Hochlande der Sierra Madre nach Gold geiuchL Es Ut ihnen nach harter Arbeil gelungen, eine ansehnildie Menge Goldstaubs zusammenzuscharren. Oa erscheinen Banditen auf der Blldflfiche, die vorher einen Eisenbahnzug ausgeplündert und die Fahrgfiste getötet hatten. Die Goldgröber werden angegriffen, bevor es aber zu einem Zusammenstof» kommt, erhallen sie Hilfe von Mililör. das sich auf der Verfolgung der RSuber befindet. Die Goldgräber suchen wieder ihr Lager auf, das sie während des Angriffes verlassen muhten und rüsten sich zur Helmkehr. Kurz vorlyr war aber ein anderer Goldsucher zu ihnen gestoben, der Ihnen von einer ungeheuer reichen Mine erzählt und sie zu weiterem Bleiben überreden will. 20. Fortsetzimg. Spät am Nachmittag schichteten sie die zusammengeschlagenen Gerüste übereinander und steckten sie in Brand, damit sie oer- schwänden. Am nächsten Tage sollte dann die Brandstelle mit Erde überwarfen werden. Dann sollten noch einige Sträucher, junge Bäumchen und Grasfladen, die an anderen Stellen ausgerupft waren. Hier oerstreut eingepflanzt werden. Der Alte Hatte so nebenbei Hingeworfen:„Cs kann ja sein, daß einer von uns sein Zeug nicht durchkriegt, oder er verjubelt es in ein paar Wochen, oder er hat sonst Pech. Der kann dann hier zurückkommen und nochmal durchbuddeln, er findet schon immer noch einen anständigen Tagelohn. Das ist mit ein Grund, warum wir das so unverdächtig zurücklassen wie nur möglich. Dann kommt so leicht niemand auf die Idee, sich hier umzusehen." Spät am Nachmittag uchichteten sie... Das war etwas, das Dobbs und Curtin bester verstanden, als was der Alte gesagt hatte über Dankbarkeit gegen den Barg, und daß man die Natur nicht geschändet hinter sich lasten solle. Dobbs war der Meinung, daß die Natur für sich selber sorgen könne, ste habe mehr Zeit und mehr Geduld als er, er seit nicht der Nacht. wächter einer einsamen Berglandschast. Aber man hatte das dem Alten versprochen, und so tat man es nun auch; er war eben alt und hatte seine Grillen, wenn er auch sonst ein Partner war, mit dem sich schon auskommen ließ. Als sie dann Feierabend machten, sah der Platz wahrhaftig so aus, daß keiner, der oorüberkam und nur gerade so oberflächlich hinsah, vermutet hätte, daß hier einmal eine Mine gewesen wäre. Nur der Haufen der zusammengeschlagenen Gerüste kohlte und rauchte noch. Morgen würde auch die Erinnerung an ihn verschwunden sein. Lacaud war um die Mittagszeit nicht am Feuer gewesen, ob er vorher oder später auf dem Campplatze gewesen war, wußten die drei nicht. Sie hotten ihn überhäupt ganz vergessen. Sie waren viel zu sehr mit ihren eigenen Sorgen beschäftigt, als daß ste stch seiner erinnert hätten. Erst jetzt, als sie auf ihrem Umwege zum Platz gekrochen kamen und ihn dort hocken und das Feuer in Orb» nung bringen sahen, fiel ihnen ein, daß der Mann noch immer da sei. Jytft du deine Goldmine inzwischen gefunden?" fragte Dobb», während er mit dem Wasserkessel zum Feuer trat. »Noch nicht," erwiderte Lacaud,»aber ich denke, ich bin nie so dicht dabei gewesen wie heute." „Dann viel Glück," lachte Curtin, der mit seiner Pfanne kam. Lacaud hatte einen Kessel mit seinem eigenen Reis am Feuer stehen. »Kaffee brauchst du nicht zu kochen." sagte Howard gutmütig, »den kannst du mit uns trinken. Mehr Kaffee schütten wir nicht auf, nur mehr Wasser, und das Wasser brauchen wie ja jetzt nicht mehr zu sparen." „Danke!" sagte Lacaud kurz. Sie wuschen sich, dann aßen sie, und dann hockten sie am Feuer. Howard, Dobb» und Curtin fühlen sich wie Fabrikarbeiter am Samstagabend. Sie wußten, daß sie morgen früh nur eine gute Stunde die angenehme Arbeit des Bepflanzens des Platzes zu machen haben würden, dann folgte die viel angenehmere Arbeit des Packens, und dann hatten sie nur noch die leichte Aufgabe zu erfüllen, die Tragkarawane vorzubereiten. Alles schöne, leichte Arbeit, bei der man rauchen, singen und schwatzen konnte. Deshalb saßen sie auch, zum ersten Mole seit Monaten, ge. mütlich und gutgelaunt zusammen am Feuer. Der Gedanke, daß sie sich bald zu trennen haben würden, nachdem sie beinahe ein volles?abr Mühe und Arbeit und unglaubliche Entbehrungen gemeinschaftlich getragen hatten, ließ sie so verträglich zueinander werden, wie sie es nie vermocht hatten. Zum ersten Male fühlten sie, dab ein festes Band sie umftbftiffe, das Freundschaft, Kameradschaft. Bruderschaft bedeute. Sie fühlten, daß der eine dem anderen beistehen könne, auch wenn es das Leben kosten solle. Sie fühlten sich mehr verwandt als leibliche Brüder. Ohne es laut zu sagen, baten sie sich im stillen gegenseitig alles ab, was sie einander in d-n letzten Monaten, an kleinen, oft ober auch an sehr nichtswürdigen Bosheiten zugefügt hatten. Lacaud war ausgeschlossen von dieser Bruderschaft, weil er die Empfindungen der anderen nicht so lesen und verstehen konnte, wie die es kannten, die sich gegenseitig ausgelernt hatten. Sie konnten nichts voreinander verbergen, was in ihnen vorging und wa« sie dachten: eher Laraud konnten sie alles vei-bergen, was sie ihn nicht wisien lasten wnstten, ibn vermochten sie sogar irrezuführen und zu täuschen. w-n>i f!-> wellten. Das wäre den dreien untereinander nicht geglückt. Jeder von ihnen hatte in den verflossenen Monaten kein andere» Studium gehabt als das feiner beiden anderen Ge- nossen. Weder Bücher, noch Zeitungen, noch andere Gesichter, noch unerwartet« Landschaftsbitder tonnten sie ablenken von ihrem Studium. Es kam oft vor, daß der eine nur einen Satz anfing, und die beiden anderen wußten sofort den ganzen InHast des Satze» und sogar die genauen Worte und die genaue Worffolge, die der Sprecher gebrauchen würde. Es hatte sich dadurch auch die merkwürdige Gewohnheit bei ihnen herausgebildet, daß keiner von ihnen je seinen Satz vollendete, weil er es nicht nötig hatte und der andere schon antwortet«, wenn nur drei oder vier Worte des Satzes gesprochen waren. Das war ja mit einer der Gründe ge- wesen, warum sie sich so sehr auf die Nerven fielen, daß sie stch gegenfestig hätten ermorden können, nur um nicht immer schon vorher die Wort« und Gedanken de» anderen wissen zu müssen und sich über sie tödlich zu langweilen oder zu Tod« zu ärgern. Aber auf welche Weis« hätten sie ihren Worffchatz und ihren Ideenreich- tum vermehren können? Es handell« sich immer um dieselben An- gelegenheiten, immer um dieselben Vegriffe, immer um dieselben Aufgaben. Es hatte sich auch, ohne daß es ihnen selbst zum Be- wußtsein gekommen wäre, zwischen ihnen eine ganz eigenartige Form der Unterhaltung entwickelt, der«In Fremder hilflos gegen- Überstehen mußte. Da hatten sie ein Schaufelrad gebaut. Mit Hilse eines primi- tiven Göpels, den ein Esel ziehen mußt«, wurde das Schaufelrad in Bewegung gesetzt, um das Wasser auf die Rinne zu schöpfen, von wo es herabfiel in die Waschpfannen, in denen der Sand ausge- waschen wurde. Weil es die leichtere Arbest war, den Göpel zu bedienen, so hatte diese Arbeit Howard zu verrichten. Ursprünglich wurde gerufen: Howard, schütte das Wasser auf, wir sind so weit." Dieser ganze lange Ruf hatte sich verdichtet zu dem einen Wort: „Schitt." Und diese» Wort„Schitt" hatte schließlich die Bezeichnung für Wasser überhaupt zu übernehmen, weil es kürzer und einfacher zu sagen war als«woter". Selbst wenn von Wasser zum Kaffee- kochen oder zum Trinken die Rede war. hieß es einfach:„Schitt a' feu?" was bedeuten sollte:„Steht das Wasser am Feuer?" Der Spaten wurde aus Gründen, die später keiner von ihnen erklären konnte, der»Kat", die Pickhocke wurde zum»Schelk", die Dynamit- patrone wurde genannt die.Mary". Wenn die»Mary" gezündet werden sollt«, so gebrauchten sie hierfür zwei Worte, das«ine hieß .Mary", das andere kann aus Höflichkeitsgründen und auch au» anderen Gründen hier nicht genannt werden, wenngleich es unter gewissen Voraussetzungen und unter aewissen Bedingungen mit einer Mary schon in Verbindung gebraH werden kann. Und dieses Dort wurde dann auch gebraucht, wenn es sich um die Pfeife oder das Feuer anzuzünden handelle.»Essen", also die Mahlzeit, bekam ein« Bezeichnung, di« eigentlich mehr das Gegenteil bezeich- nen würde, wenn man das Wort unter gesitteten Menschen über- Haupt anwendet, wo man es aber vermeidet und sogar sehr vor- sichtig ist, wenn man es zu umschreiben hat. Howard wurde nie bei seinem Namen gerufen, sondern nur »Olb". Das hatte sich entwickell aus»Old boy", alter Knabe oder aller Bursche. Curtin war»Kuh", und Dobbs wurde gerufen »Pamp". Warum, wußte er selbst nicht, keiner hätte es erklären können. So ging das mit allen Watten und Bezeichnungen. Sie tonnten msteinander zehn Minuten sprechen, ohne daß Lacaud etwas ver- standen hätte. Sie selbst natürlich wußten nicht, daß Lacaud das nicht oerstehen konnte; es kam ihnen gar nicht in den Sinn, darüber nachzudenken, daß er zuweilen glauben müßt«, er sei unter Leuten, die aus irgendeinem unbekannten und fremden Land« seien. Sie hatten stch so daran gewöhnt, daß sie sich lächerlich vorgekommen wären, wenn sie anders gesprochen hätten. 15. „Ja, mit dem Fortkommen."— Howard nahm den Gedanken da wieder aus, wo er ihn bei dem kurzen Gespräch am Nachmittag verlassen hatte. Statt Fottkommen, sagte er»Kippen", aber man muß die Reden schon in eine Form bringen, daß auch diejenigen sie verstehen, die nicht zur Bruderschaft gehören. „Ja. mit dem Fortkommen, das ist so eine vetteufelle Sache. Fottkommen und weiterkommen werden wir schon. Warum nicht. Aber wenn man auch alle» schön in Sicherheit zu glauben hat. so hat man es noch lange nicht auf sein Bankguthaben eingeschrieben. Habt ihr jemals die Geschichte der Donsa Catalina Maria de Rodriquez gehött? Sicher nicht. Bei ihr Handelle es sich auch nicht um das Gold und das Silber, sondern um da, Fottkommen und um das Abliefern an die sichere Stelle. In Guadalupe ist dos Gnadenbild unserer lieben Frau von Guadalupe. der Schutzpatronin von Mexiko. Kannst von Mexiko City mit der Straßenbahn Hinsahren. Zu diesem Gnadenbilde pilgern alle Mexikaner und Indianer, die etwas auf dem Herzen haben, in der sicheren Hoffnung, daß das Gnadenbild ihr B-rlangen erfüllen werde, sei es nun, daß sie ihrem Nachbar einen Acker abnehmen wollen, sei«s, daß dem Mädel der Liebhaber fottgeloufen fft. oder sei es. daß die Frau in Aengsten ist. es könne herauskommen, daß sie ihren Mann mit einem Kräutchen unter die Erde und sich dadurch zu einem anderen Mann geholfen hat." »So was ist doch alles Schwindel und Aberglaube," warf Dobbs ein. »Durchaus nicht," erwidetts der Alte.»Dn mußt nur daran glauben, dann ist es kein Schwindel. Wer an einen Gott glaubt, für den gibt es einen, und wer nicht an einen obersten Lenker und Verwalter der Gestirne glaubt, für den gibt«s keinen. Aber darum wollen wir uns nicht lange streiten. Ich frage ja nicht einmal, was ich selbst davon halle. Ich bettchte eben nur die ungeschminkte und nüchtern« Taffache." fF ottfetzung folgt.) Rätsel-Ecke des„Abend". mnHinniiiiiiiinmuiimnmnnimiwnniiiiimimnimiimiimiiiniiiimiHiitiiniiiiiiiiiiiiiiiiiimmiiiiiiiiiiiiiiiiiiinmuiiiiniiiminniiiiiiiiimuiiiiiiiniimmmiunimiiiiinniMMM Kreuzworträtsel. Senkrecht: 1. Nagetier, 2. Stadt in der Tschechoslowakei. 3. Maß, ö. Nebenfluß des Rheins. 6. Wild. 7. Befestigungsmittel. S. Getränt, 13. nordischer Dichter t, 15. biblische Gestalt, 16. Molch, 17. Bodengestolwng, 20. Staatsmann des 20. Jahrhunderts+, 22. Sozialisterfführer t, 23. Stadt in der Schweiz, 25. deutscher Fluß, 2fi. Sinnesorgan, 27. Gedanke, 28. Getränt. W a g e r e cht: 1. Sozialistenführer f, 4. südamerikanisches Gebirge. 8.'Stacheltier, 10. Dramcngeftalt von Goethe. 11. Froscheier, 12. See in Nordamerika, 14. Drama von Sudermann, Ifi. Ansied- lung, 18. Haustier, 19. Wasserpflanze, 21. Zeichen, 24. Stadt in der Rheinprovinz, 27. weiblicher Vorname, 29. Tageszeit, 30. Nahrungs- mittel, 81. Bogel, 32. Stadt in der Rheinprovinz, 33. Vorott bei Bettln. Zahlenrätsel. 123 2 4567678 verstorbener Führer der Sozialdemokratie 2 4 4 5 1 8 6 8 7 4 1 7 4 12 6 7 15 7 7 8 6 1 8 7 3 15 Brauä Gebärde Abkürzung für einen Staatenbund Heilmittel Berliner Stadtteil Gestein biblisch« Person weiblicher Vorname Insel Vermächtnis Silbenrätsel. Aus den Silben a o a au bach bad bürg bel cg car chen da dal dam de di di di di dorff drid e e c ei cl ex ez fa feu fisch frank furt aan gen ges ao po aol gro hib i Ich in jo jus ke, ke kra tun fa la fand fe len fi lis lo fith fith mo m« meck na na nan nan ne nin no nor o pe, rau rent ris ran so schell schen sen sind sit sor su fuf te tes thio tittttmnuntmv»«««alt wirf wolf z« sind 39 Wörter zu bilden, deren Anfang?« und Endbuchstaben, abwechselnd von oben nach unten gelesen, ein Sprichwort von Goethe ergeben. Die Wötter bedeuten: 1. Göttin der Jagd, 2. afrikanische Hafenstadt. 3. russischer Dichter, 4. Oper von Lortzing, 5. amerikanischer Tanz, 6. Gestein. 7. deutscher Freistaat. 8. kleines Gewicht, 9. französische Stadt. 10. Stadtteil von Rom. 11. indischer Fluß, 12. Kalendevsonntag, 13. germanische Weis- sagerin, 14. Fisch, 15. Erstlingsdruck, 16. deutsche Stadt, 17. berühmter Seefahrer, 18. Stadt in Holland, 19. Stadt in Italien, 20. Harem-dienerin, 21. Fabelwesen, 22. Schuhputzmittel. 23. Du«- linie, 24. Nordpolfahrer. 25. Bezeichnung für Rundgang. 26. holländisch« Provinz, 27. Sprengmittel, 28. indische Anrede. 29. Pflanze, 30 arabischer Männername, 31. Minnesänger, 32. Beruf, 33. Fischversteinerung, 34. Stadt in Spanien, 35. griechischer Hell»(Troja), 36. Stadt in der Schweiz. 37. deutscher Dichter, 38. türkischer Frauen- name, 39. römische Landschaft.(Der letzte Buchstab« ist übttg.) Magisches Quadrat. Die Buchstaben ergeben, richtig eingesetzt, wagerecht und senk« recht die gleichen Wörter folgender Bedeutung: 1. Laubbaum. 2. Borbild. 3. Stadt in Italien. 4. Kurort in der Schweiz. 5. Mädchennamen. Die fehlende Mittelsilbe. a den bri bund d« din en gof len lu meist tust no or pe per ro sung jus t« t« tha va ver.— Aus vorstehenden 24 Silben sollen 12 dreisilbige Wötter gebildet werden unter Hinzusüguug einer zu ergänzenden gleichlautenden Mittelsilbe. Wie heißt di« Silbe und wie heißen die Wärter? Auflösungen der Rätsel aus voriger Rümmer. Ouadraträtsel: l. Brei.». Reis. 1». Ehre, IV. Graz, 1—2 Beer. 3—4 Ries, 5—6 Riga, 7—8 Her,. Silbenrätsel: Broila, Tonnhäuser. Paddalboot, Mergel. Preußen, Gärtner, Hafer, ös-l. Nahe. Wilhelm. Auer. Sirene, Bosnien— Andrer Fehler sind gute Lehren. Magische Figur: Steg. Tell, Elsa. Glauber. Las«. Esau, Reuh. Magisches Kreuzrätsel: I. Haag. U. Zola> M. Amur. IV. Leim, V. Alma. Sprichworträtsel: Der eine hat die Mühe, der andere die Brüh«. Arbeiter Sport Rund um den Gorinsee. Eröffnungsrennen der Arbeiterradfahrer. Am kommenden Sonntag werden die Tourenfahrer der Drts| der Start in Gruppen, da der Wettfahrausschuß die Rennfahrer in gruppe Berlin des Arbeiter Radfahrerbundes Soli Leistungsgruppen eingeteilt hat. darität ihre Anfahrt nach Schönwalde bei Buch machen, wo im Restaurant Münchehofe die Abteilungen sich sammeln. Auch die Rennfahrer sind dabei; sie werden ihr erstes Straßen. rennen„ Rund um den Gorinfee" fahren. Die Strede geht von Schönwalde bei Stein 10,2 über Schönow, Bernau, Bandlig, Basdorf, Schönwalde, wo am Stein 20,5 vor dem Forst. haus das Ziel ist. Belches Intereffe die Rennfahrer des ARB. Solidarität dieſem Belches Interesse die Rennfahrer des ARB. Solidarität diesem ersten Straßenrennen in dieser Saison entgegenbringen, beweist schon die Tatsache, daß sich etwa 120 Fahrer in die Meldeliſte eingetragen haben, darunter viele, die auf Grund ihrer bisher ge zeigten Leistungen die Aufmerksamkeit aller Rennsportfreunde auf fich lentten. Christoph, Sogel, Ihme, Pazak, Dombrowsky, Wegener, Marien, Eichler, Annen, Pinici und andere mehr sind am Start zu finden, und da auch die hier nicht Genannten über gutes Rönnen nerfügen, außerdem aber viel neue Mitglieder ihr Debüt bei den Arbeiterrennfahrern ablegen, fo find vom Start an lebhafte Kämpfe zu erwarten. In der Jugendklasse sind 21 Fahrer zu finden und in der Altersklasse zwölf. In der Haupttlaffe erfolgt Arbeiter- Fußballsport. Das Fußballspiel darf nach wie vor international gesehen als der populärste Sport bezeichnet werden. Welche Sportart brächte es wohl fertig, Tausende, ja Zehntausende von zu schauern bei grimmer Kälte, Sturm und Regen zwei Stunden lang on den Sportplatz zu feffeln, um der Spieltunft von 22 Mann nicht nur zuzusehen, fondern Spieler und Zuschauer mit feuriger Be geisterung zu erfüllen? Das hat sich auch beim Arbeiterfußball gezeigt. 1911/12 erblickten die ersten Fußballabteilungen von Turnern das Licht der Welt. Anfang 1921 waren 58 450, Anfang 1922 64 432, Anfang 1923 100 893 Fußballspieler beim Arbeiter- Turn. und Sportbund gemeldet. Die Inflation brachte einen einen Rückgang: Ende 1924 auf 91 449, Ende 1925 auf 98 627, dagegen waren Ende 1926 bereits wieder 103 915 Fußballspieler vorhanden, und Ende 1927 wird ein weiterer 3ugang non 17 000 gemeldet. Die Fußballspieler bilden etwa ein Sechstel der Gesamt- Bundesmitgliedschaft. Zahlenmäßig war Ende 1926 ber 4. Kreis( Sachsen) mit 20 000 Spielern an der Spige, bann folgten der 6. Streis( Rheinland- West. falen) mit 11 000, 5. Kreis( Thüringen) mit 8500, 2. Kreis( Provinz Sachfen) mit 7500 und an fünfter Stelle der 1. Kreis( Provinz Brandenburg) mit 6500 Spielern. 1927 bat ber 1. Kreis feine Mit glieberzahl( in ber Hauptsache durch Einführung der Klaffeneinteilung) auf 8500 gesteigert, fo baß er mun wohl an die pierte Stelle gerüdt fein wird. Der 2., 4. und 5. Kreis( Mitteldeutscher Berband) standen bisher nicht nur zahlenmäßia, sondern auch spieltechnisch an der Spize. Inzwischen haven die anderen Kreise ihre Spielstärke start verbessert, so daß es auch fraglich ist, ob der 4. Kreis diesmal wieder den Bundesmeister stellen wird. | Friedliche und ernste, aber vor allem ehrliche Wett rämpfe find das Biel aller Arbeiterrennfahrer; fie fämpfen um den Sieg, nicht der Preise wegen, denn Rennpreise gibt es in Solidarität nicht. Ihnen steht die Ehre, im Rennen einen Sieg oder guten Plag erobert zu haben, höher als Orden und Ehrengewinne. Auch das Martenfahren, das ist das Be mugen einer bestimmten Fahrrabmarte( man bente an das legte Berliner 20. Sechstagerennen), gefährdet den Rennsport erheblich. mit all diesen Sachen haben die Arbeiterrennfahrer nichts gemein. Es sei dies gleichzeitig eine Mahnung an alle dem Arbeiterftande angehörenden Rennfahrer, sich dem Arbeiter- Radfahrerbund Soli barität anzuschließen, und dort ihren Rennsport zu betreiben. Die Sicherung der Rennstrecke um den Gorinsee haben die Mitglieder und Arbeiterfamariter übernommen, der Start erfolgt früh 7 Uhr. Der Sammelstart für alle Rennfahrer ist in Schönwalde, Restaurant Mehlhose, früh 6 Uhr, der Tourenfahrer um 12 Uhr. Auch ein Wettbewerb der Arbeitermotorfahrer gelangt zum Austrag. Die Naturfreunde- Fahrt in die Sächsische Schweiz. Zu der vom Touristenverein ,, Die Naturfreunde" zu Ostern veranstalteten Gefellschaftsfahrt in die Sächsische Schweiz haben sich außer gewöhnlich viel Zeilnehmer gemeldet. Es findet deshalb ebenfalls vom 6. bis 9. April eine Parallelfahrt statt. Einige Teil nehmer können sich noch melden. Kosten 35 M. Lekter Anmeldetermin 2. April. Alles weitere durch das Reisebureau, Ber lin N, Johannisstraße 14/15. Sprechstunde 18-20 Uhr. linn, Lichtbildervortrag Unser Wald". Heute, Mittwoch, 20 Uhr, Lichtbildervortrag über genanntes Thema in der neugegründeten Abteilung Mitte des Touristenvereins Die Naturfreunde", 24, Johannisstr. 14/15. Gäste herzlich willkommen. Adler 08 oder Forst- Süden? Zum Spiel der beiden Meister am 1. April. Zum erstemmal nach drei Jahren nimmt auch Berlins Meister wieder an den Bundesmeisterschaftsspielen teil. Abler 08, Berliner Fußballmeister, trifft auf Forst Süben, dem Meister des 16. Kreises, im Entscheidungsspiel um die Ostdeutsche Meister haft Die Forster zeigten in Stettin große Leistungen. In der Haupt. fache war es der Tormart, der durch seine hervorragenden Leistun gen seiner Mannschaft zum Sieg verhalf. Blizschmelles Erfaffen der Situation, sowie energisches Eingreifen selbst in den schwierigsten Fällen zeichnen ihn besonders aus. Hier wird der Adler- Sturm ein Bollwert vorfinden, das er nicht so leicht nehmen kann. Der Sturm der Forster verfügt über äußerst flinke Außenspieler, während der Innensturm hauptsächlich das flache Kombinationsspiel bevorzugt. Das Lichtenberger Stadion, in dem das Spiel stattfindet, ist hierzu besonders gut geeignet. Die Läuferreihe ist außerordent lich ausdauernd. Sie wird dem Adler- Sturm viel Arbeit machen. SC. Berolina, Neukölln, ringt gegen SC. Roter Stern, Charloffenburg. lottenburg. In der Turnhalle Thomasstraße in Neukölln treffen fich im Mannschaftsringen Freitag, 30. März, genannte Ber eine. Dies ist der letzte Kampf in dieser Serie, der noch von beiden Bereinen auszutragen ist. Anfang 20 Uhr. Einen starten Zuwachs hat der internationale Arbeiter- Fußball. fport durch den Hebertritt der österreichischen Bereine erhalten. Die Defterreicher sind spieltechnisch auf der Höhe. Beim Länderspiel Desterreich Deutschland am 18. April in Wien siegten die Defter reicher mit 3: 1, ebenso beim Treffen mit der ruffischen Mannschaft ( 3: 1), jedoch mußten die Defterreicher einige Tage später von den Ruffen eine Niederlage von 1: 6 einsteden. Internationale Spiele fanden ferner statt Belgien- Deutschland in Antwerpen( 3: 2), 15. Berwaltungsbezirk. Sigung aller SPD.- Arbeitersportler Broving Brabant- Deutschland in Brüffel( 4: 2), Tschechoslowakei- Donnerstag, 29. März, 19% Uhr, Borwärts" Expedition, Graeß Deutschland in München( 3: 2), Schweiz- Deutschland in Basel straße 50. ( 0:10) und in Zürich( 0: 1). Die Spiele mit den Russen wurden von diesen mit insgesamt 42: 7 Toren gewonnen. Zurzeit fon zentriert sich das Hauptintereffe auf die Austragung der Bundesmeisterschaft. Die Anwärter darauf( Berbandsmeister) werden wir voraussichtlich Anfang April melden können. Schenkendorf- Eichwalde. Der Werbelauf der Arbeitersportler. atuabila Vereinskalender. Freie Faltbootfahrer Berlin. Zusammenkunft Donnerstag, 29. März, Schule Weinmeisterftr. 16/17, um 20 Uhr. Tagesordnung:„ Unfere Osterfahrten." Conntag, 1. April, auf der alten Spree Bereinsanpadbeln. Abfahrt 7,33 Uhr Schlesischer Bahnhof bis Bangelsberg, in Erfner umsteigen. Schachwerbeveranstaltung der Abteilung, Often des Berliner ArbeiterSchachtlubs am Donnerstag, 29. März, bei Desterreich, Große Frankfurter Straße 14. Der diesjährige Berliner RKlubmeister Paul Often wird eine Gimultanvorstellung geben. Gäste herzlich willkommen, Achtung, Fahrwarte! Die Fahrwarißigung am Donnerstag, 29. März, fällt aus. Waffersportverein Helios E. B. Mitgliederversammlung 29. März, 19½ Uhr, bei C. Reimer, Wilmersdorfer Ede Rattalftrage. Gäste wiütomme Bootsstände noch frei. Arbeiter- Radfahrerverein Groß- Berlin. Sonntag, 1. April, 6 Uhr, Radund Motorfahrer nach Thyrow, Restaurant am Bahnhof, Lokal Geride. Uhr Lichtenrade, Dorfftr. 10. Start Waldemarstraße de Mariannenplay. Gäste willkommen. dak Der bekannte Werbestraßenlauf Schenkendorf- 13 Eichwalde findet in diesem Jahre seine 8. Wiederholung. Am 1. April werden 500 Läufer in der Provinz für die Idee des Arbeitersports werben. Das Melbeergebnis in diesem Jahre übertrifft das der Borjahre erheblich. Bei der ersten Austragung dieses Laufes beteiligten sich sieben Mannschaften, von Lauf zu Lauf wurde die Beteiligung stärfer. 1927 jah 28 Mannschaften am Start. Am Sonntag wollen 48 Mannschaften die lange Strede bewältigen. Der Startschuß. fällt in Sch entendorf um 14% Uhr. Die zu durchlaufende Strede ift 12 400 Meter lang. Die erften Läufer werden um 15% Uhr in Eichwalde erwartet. Die stärkste Beteiligung weist Fichte mit fünf Mannschaften auf. Auch Schöneberg mit vier, Bichtenberg mit brei, Moabit mit drei und Königswusterhausen- Wilbau mit drei Mannschaften sind gut vertreten. In der A- Klaffe dürfte die Entscheidung zwischen Fichte, Berolina und Lichtenberg liegen. In der B- Klasse wird Moabit sor Adlershof und Neutölln erwartet. Bei den C- Bereinen muß fich Jahn, Treptow, gegen Weißenfee und Bildau streden, um wieder erfolgreich zu sein. Mit acht Bereinen ist die Leistungsklasse F ( Turnvereine) gut vertreten. Hier dürfte Schenkendorf vor Halbe und Löpchin eintreffen. Interessant wird auch das Ende bei den Fußballvereinen sein, die sich anerkennenswerterweise erstmalig an diesem Lauf beteiligen. Der Ausgang ist bei den beteiligten sieben Landvereinen ungewiß. Neben den Mannschaften wollen 20 Cingel läufer die 12 Kilometer durchlaufen. Bei den Gehern, die auch das erstemal an diesem Lauf teilnehmen, werden die Brüder Dames mohl als erste eintreffen. Da die vom Lauf berührten Ortschaften gute Ausflugsorte sind und der Verlauf des Rennens in allen Orten gut zu übersehen ist, tann der werftätigen Bevölkerung der Besuch dieser Veranstaltung mur empfohlen werden. 97 Eine Sommer- Eisbahn. In der Neuen Welt. XOIMMIO Die fünftlichen Eisbahnen hatten stets den großen Nachteil, daß die hierzu notwendigen großen Maschinenanlagen große Rapital inveftierung verlangten und auch der Unterhalt faum erschwingliche Betriebsuntosten verursachte. Sie waren alle Energieverschwender" im wahrsten Sinne des Wortes. Zahlreiche Bersuche, ohne Be nugung von Kältemaschinen, also auf chemischen Bege, fünft liche Eislaufbahnen herzustellen, hatten bis jetzt nur wenig Erfolg. Erst die Arbeiten des deutschen Ingenieurs Gurth brachten eine Lösung dieses Problems, indem Kristallitmasien gebildet wurden, die eine gute Schnittfähigkeit, Gleitfähigkeit und Gleich mäßigkeit bei Natureis gleicher Härte und zugleich hohen Schmelz punti haben. Auch ist diese chemische Masse in feiner Weise gefund heitsschädlich und greift Schlittschuhe und Kleidung in feiner Beziehung an. Diese neue Eisbahn hat ihre Probe glänzend bestanden, wie aus ben Gutachten vieler prominenter Bäufer, sowie auch der Hochschule für Beibesübungen, die die neue Fläche eingehend studierte, her vorgeht. Am Sonntag vor Ostern findet in der neuen Welt( Hasen heide) die Eröffnung der ersten derartigen neuen Bahn statt. Die Lauffläche ist 600 Quadratmeter groß. Allabendlich treten inter nationale Eislauffünstler, auch die vom Sportpalast her bestens be tannie Charlotte, auf. Eisballettaufführungen und andere Schaustellungen vervollständigen das Programm. Reit- und Fahrturnier. Der Montag wurbe der Iag ber Mode benannt. Sm Bordergrunde des Interesses stand der historische Zug„ Die Reiterei im Babel der Jahrhunderte" und die moderne Schau„ Die Mode im Sattel". Man hatte weder Mühe noch Kosten bei der Ausftattung gescheut, und da die Mitwirkenden in überwiegender Anzahl Filmstars waren, die ihre reichen Erfahrungen im Zurechtmachen gründlichst ausmußten, wurden diese Züge zu einer großen Augenweide. Ueber die eleganteste Reiterin hatte das Publikum fein Urteil abzugeben, und es bewies mirtlicher Geschmad, indem es Fri. van Lungen den Preis zuerkannte. Die Pferdefreunde tamen u. a. im Breis von Tratehnen, der für nachgewiesen inländische Pferde ausgeschrieben war, voll auf ihre Roften. In dieser Ronkurrenz fiegten( leichte Pferde) 0492 ИВН Der 15jährige Trettin. M. 2. v. Prollins Jrofese", der von Frau Frante großartig vor gestellt wurde,( schwere Pferde) Oberleutnant Maempels Deffauer", den Frl. Koch ritt. In der Bahn ist eine böse Stelle, an der allein bet dieser Konkurrenz zwei Reiterinnen zu Fall tamen, während sie am Abend einem Springreiter gefährlich wurde. Der Abend sah in der 6. Abteilung des Jagdspringens den jugendlichen K. H. Trettin als Sieger. Er reitet mit der Schülermüße auf bem Stopf, fit fehr gut und fest im Sattel, hat viel Herz, eine unerschütterliche Ruhe und muß als eine der fommenden Turniergrößen angesehen werden. Der Lag der Rotröde brachte am Dienstag u. a. die große Eignungsprüfung für Jagdpferde, die für nachgewiesen inEs ver= ländische Pferde, 4-8 Jahre alt, ausgeschrieben war. sammelte sich ein bestechend schönes Material. Die Pferde hatten mährend der Brüfung einen Jagdgalopp über 1500 Meter zu abfolvieren. 3ubem waren vier jagdmäßige Hindernisse, einzeln und in Gruppen hinter einem Mafter su springen. Sieger blieben ( leichte Pferde): Deutsches Olympiade- Romitee für Reiterei: Breußenprinz",( mittlere Pferde): Frau Glahns Thomas", పొంగ ( schwere Pferde): Oberleutnant v. Ragels Botan". " Ein farbenprächtiges Bild war der Eintritt und die Jagd des Berliner Parforce- Jagd Klubs hinter Hunden, unter Führung eines Masters. Mit der so schnell hergestellten„ Natur" des Sportpalastes fand sich ein jeder auf seine Weise ab. So spielte die Mufit beim Aufbau Wer hat bidh, bu schöner Bald": ein Pferd, das etwas vom Grün naschen wollte, brachte sogleich einen ganzen Forstabschnitt ins Wanten. Bei der Abendveranstaltung, dem Kanonenspringen, mußten die Pferde aller Abteilungen, die 0 Fehler gemacht hatten, um den Sieg stechen. Dabei blieb Stall Schelles Marquart" Sieger. Auftakt in der Hasenheide. Die Rütt. Arena in der Hasenheide eröffnet am 1, April ihre Saison mit einem Dauerrennen hinter Motoren in mehreren Läufen, das von 4 erftflaffigen Stehern bestritten wird. Am meiften interessiert hier das diesjährige Debut des deutschen Meisters Sawall, der hinter seinem bewährten Schrittmacher Pas= quier fr. an den Start geht. Natürlich ist auch den Fliegern, Berufsfahrern und Amateuren ein großer Raum im Programm reserviert. Sehr zu begrüßen ist die Idee Rütts, in diesem Sommer an jedem Renntag einen Herausforderungstampf um die Armbinde" im Berfolgungsrennen ausfahren zu lassen. Der jeweilige Inhaber dieser Armbinde hat die Trophäe gegen einen Herausforderer zu verteidigen. Der erste Kampf um die Armbinde findet am Eröffnungstag statt. Für das Dauerrennen sind ferner verpflichtet: Emil ewanow, der ausgezeichnete Kölner Dederichs, einer der besten Spezialisten auf Holzbahnen, und der mehrfache französische Wintermeister Jules Miquel, also ein Feld, das an Qualität nichts zu wünschen übrig läßt. Alle 4 Fahrer haben Gelegenheit, während der ganzen Woche auf der Rütt- Arena zu trainieren und werden daher bei den Eröffnungsrennen in bester Berfassung am Start erscheinen, zumal da sie durchweg hinter ihren ständigen Schrittmachern fahren. Die Schweren Schrittmachermotore mußten nach dem Reglement der UCI. derart umgebaut werden, daß, wie man zu beobachten bereits Gelegenheit hatte, die Fahrt der Sieher überaus erschwert und das Renntempo start verlangsamt wird. Dieser Uebelstand fällt bei den Motoren der Rütt- Arena weg, und so ist damit zu rechnen, daß sich in den Dauerrennen auf der Rütt- Arena interessante Kämpfe abspielen werden und auch eine größere Geschwindigfeit erzielt wird. Doch noch Domgörgen- Molina. Die Absicht der Beranstalter des Schmeling- Diener- Kampfes am 4. April im Sportpalast, neben den beiden deutschen Meisterfchaften, im Schwer- und Federgewicht noch als besondere Attrattion den Titelkampf um die Mittelgewichtsmeisterschaft ppn Europa zu bringen, ist trotz aller Schwierigkeiten durch das sportliche Empfinden des französischen Titelhalters Molina nun doch nod) ermöglicht worden. Molinas Manager Descamps hat sich bereit erklärt, seinen Schüßling, der am 1. April in Mailand im Kampf gegen Bofifio feinen Titel aufs Spiel fest, bereits pier Tage später erneut antreten zu lassen, und zwar gegen Deutschlands anerkannten Meister Hein Domgörgen. Meister Hein Domgörgen. 94 000 Mark Ablösegeld. Der englische Fußball- Mittelstürmer Farting vom brittklassigen Ligaverein Trammere Rovers ist von Aston Villa, bem Klub der ersten Liga, für ein Ablösegelb von 4700 Pfund Sterling, rund 94 000 Mart, übernommen worden. + Geschäfts- Anzeiger o Volksfürsorge Gewerkschaftlich- Genossenschaftl Versicherungs- Aktiengesellschaft Die Versicherung aller Arbeiter und Angestellten[ 8 Auskunft erteilen alle Vertrauensleute, sowie die Rechnungsstelle Berlin S 42, Ritterstraße 126, 1. Kassenstunden täglich von 8-1, Dienstags von 8-6,30 Uhr. 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