BERLIN Donnerstag, 29. Marz 10 Pf. Nr. 152 B 26 45. Jahrgang. (Erfdieint täglich außer Sonntag«. Augletch Abendausgabe des.Vorwärts'. Bezugspreis für beide Ausgaben 70 Pf. pro Woche, 3 M. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SWKS, Lindenstr.Z Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillejeile SO Pf., Rcklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts-Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37ö3S. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 29? Generalmarsch zum Wahlkampf! Otto Wels zieht im Reichstag die Bilanz des Bürgerblocks. Der Schacher um den Scherl=VerIag. Wo blieb die Netiung? Die Arbeiter müssen ihre Interessen selbst wahren! Bei Beginn der heutigen dritten Lesung des Etats hielt der Abgeordnete Wels(Soz.) folgende Rede: Nicht nur das abgelaufen« Etatsfahr steht im Bereich unserer Betrachtung, sondern die ganze Legislaturperiode seit den Wahlen des Jahres' 1924, deren Ausfall sich in der Bildung des Besitzbürgerblocks des verflossenen Jahres erst zur vollen Reife auswi�en konnte, nachdem die dcutschnatdonal« Frak- tion sich mit den ihnen geistesverwandten Kräften der deutschen Volkspartei und denen im Zentrum zusammengefunden hotten. Mit ihrer Hilfe gelang es den Deutfchnotionalen endlich die politische Mach: an sich zu reißen und mit ihrer Hilf« hofften sie den Sturm aus das festeste Bollwerk dcr� Republik, auf Preußen, erfolgreich zu entfalten. Rücksichtslos Irak der Machtwive d?r grohkapUollsiischen kreise hervor, durch Herabminderung der Widerstandskraft der Arbeiter und An- gestellten und Vernichtung des geistigen und wirtschaftlichen Mittel» standcs zur Beherrschung des Tages zu gelangen. Im Kampfe gegen die Entwicklung zur Plutokratie fand das deutsche Volk seine zuver- lässige Stütze in der Sozialdemokraten Partei, aber auch in der republikanischen Regierung Preußens, die unbeirrt für die Stärkung der Demokratie und der Republik im Gegensatz zu zahlreichen Landesregierungen, besonders von Bayern und Württemberg, und der gesamten reichsdeutschen Reaktion tätig war. Wir denken auch an das Jahr 1923, des Todesjahres des ersten Reichspräsidenten E b e r t, der unter der giftigen Wirkung des ihm von der Reaktion angelegten Rcsselhemdes der Verleumdung sein Leben lassen mußte. Die Millionen Plakate mit dem Bilde des „Retters" tauchen vor uns auf. Der Iubelruf der Rechtspresse: „Hindenburg kommt! Jetzt wird alles gut!" erklingt in unser Ohr. Dem Siegesrausch ist die Ernüchterung gefolgt. Wie nahmen sie doch den Mund so voll:„Die großen Fragen wirtschastitcher Natur sind mir einer sozialistisch-bürgerlichen Koalition nicht zu lösen!" schrieb 5ierr Slresemann im Dezember 1924. Er ist vor einer solchen Koalition bewahrt geblieben. Aber haben die bürgerlichen Koalitionen der lehien Legislaturperiode diese großen Mrtschaflsstogen gelöst? Die Antwort lautet: Reint „Das Ziel der Befreiung rückt in unerreichbare Ferne, wenn der Radikalismus und Sozialismus zur Herrschaft kommen," ries�di« Volkspartei in ihrem Wahlaufruf emphatisch aus. Ich frage Sie: haben Sie in der Bundesgenossenschast mit den Deutschnationalen das Ziel der Befreiung erreicht? Herr Stresemann kann Ihnen die Antwort geben. Di« Welt kennt sie im voraus. Sie lautet: Rein! „Es bleibt das erste und taflächliche Ziel: Die volle Be- schäftigung, die ausreichende Versorgung des ganzen Volkes sicherzustellen, seine Kaufkraft, seine L e b« n s h a-l t u n g zu heben." Wer erklärte das im Januar 1923? Graf W e st a r p von dieser Tribüne. Ich frage Sic: Was haben Sie zur Erreichung dieses Zieles getan? Nichts! Sie haben durch Ihre Politik Kaustrast und Lebenshaltung der breiten Blossen dauernd herabgedrückt, so daß das Volk in noch tieferes Elend versank. Für den Wähler, für das belogene und betrogene Volk erheben wir die Frage:„wo blieb die Rettung? Wo blieb die Erfüllung der Aufgaben, die der Reichspräsident in seinem Briese vom Januar 1927 dem Reichskanzler Marx zuwies— der nach der Verfassung ja die Richtlinien seiner Politik selbst bestimmen soll." Diese neue Regierung soll die besondere Pflicht haben, die berechtigten Interessen der breiten Dolksmassen zu wahren? Die Arbeitermassen, hob«n mehr denn je erkannt, daß sie ihre Interessen selber wahren müssen, und sie wissen, daß man nicht Feigen ernte vom Vistelstrauch. Im freien Doltsstaat aber ist die hier empfohlene.Fürsorge" für die breiten Arbeitermassen«in Hohn auf dos Wort:„Die Staats- gewoU geht vom Volte aus!" und als Beleidigung wird das vom arbeitenden Volk« empfunden. Roch niemals ist eine Koalillonsregierung so schmachvoll zu- sammengebrochen. wie die der Herren Blarx. hergt. Schiele und v. keudell! (Sortsetzung 2. Seite.) Bericht auf der 2. Seite. Ein beendeter Unfug. Der skandalöse Zustand des S ch u l st r e i t s ist vorläufig be- endet. Eine Elternversammlung der sogenannten„C h r i st l i ch- Unpolitischen" bei der Schule in der Sonnenburger Straße beschloh gestern, den Schulstreit abzubrechen, und eine Reso- lution spricht davon, daß man„auf eine gerechte Entschei» d u n g des Ministeriums für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung hoffe". Auch wir vertrauen auf eine gerechte Entscheidung, und wir wissen, daß in diesem Falle das Recht auf feiten der Anhänger der weltlichen Schule ist. Die Schuld an dem Schulstreik, bei dem, wie unser Bild zeigt, uninündigeKinderals Streikposten verwendet wurden. fällt einzig und allein den„E h r i st l i ch- U n p o l i t i s ch e n" zur Last. Sie haben ohne Gnind, aus Haß gegen die weltliche Schule, für die in dem fraglichen Bezirk die Mehrheit der Elternschaft ist, den verbrecherischen Schulstreit herbeigeführt. Den Schaden haben die Kinder, die verhetzt und am Schulbesuch verhindert wurden. Das Ganze nannte sich unpolitisch und geschah im Namen der Christlichkeit. Die Sockenhalter des Landrats. In der gestrigen Sitzung des Preußischen Landtages ver- las der sozialdemokratische Abgeordnete Heilmann einen sehr eigenartigen Briefwechsel, der zwischen einem preußischen Landrat und einem Berliner Rechtsanwalt geführt worden ist. Der L a n d r a t g e- hört der„alten Schule" an, er ist Berwaltungsjurist und hat es bis zum Assessor gebracht. Folgendes schreibt er dem Rechtsanwalt: „Landratsamt......, den 11. Februar 1928. Sehr geehrter Herr Doktor! Ich komme, ohne mich auf ein« persönliche Beziehung zu Ihnen berufen zu können, Ihnen mik einem höchst eigenartigen Ansinnen. Ich bitte Sie, zu meinen Gunsten dem bei Ihnen beschästigten Fräu- lein L. vom 3. bis 11. März UAaub zu geben. Fräulein L. sagte mir gestern, auf meinen telephonischen Anruf, daß sie Ihnen, sehr verehrter Herr Doktor, den Sachverhalt bereits mitgeteilt hat. Ick) kann mich also über die etwas verwickelten Dinge kurz fassen. Ich will, was meinem buroaukratischen Beruf ja ziemlich obgelegen ist, einen selbstkonstruierlen Sockenhalter auf der Leipziger Blesse vorführen und lanzleren. Jede loyale Hilfe muß mir dazu recht sein. Dazu rechne ich es, wenn ich mir beim Berkauf von Frauen sym- pathischcr Erscheinung helfen lasse. Von hier jemand mitzunehmen. oerbietet sich durch meine Stellung als Landrat. Jedenfalls kann «s sich nicht glücklicher fügen, als daß ich durch Zufall die richtige Helferin selber gesunden habe.",____,______ Der Berliner Rechtsanwalt schrieb zurück: „An den Herrn Londmt in....... Euer Hochwohlgeboren übersend« ich anliegend Abschrift eines bei mir eingegangenen Schreibens vom 11. Februar, das ich für eine Blystisikaticrn halte. Ich bitte uni aufklärende Beantwortung." Der Landrat antwortet: „Euer Hochwohlgeboren bestätige ich den Eingang des Schrei- bens vom 16. d. M. Es handelt sich um keine ZNystisikation. Viel- mehr wiederhole ich das Ersuchen, das ich Ihnen vorgetragen hcV, und bitte um baldige freundliche Entscheidung." Der Rechtsanwalt hat sich darauf über den Landrat be- schwert und das preußische Ministerium des Innern hat dem Landrat einen Berweis erteilt. Der Abgeordnete Heilmann hat wegen dieses so zweideutigen Vorfalles keinen daß er ärm schlagen wolle, trotzdem der Landrat reichlich taktlos gehandelt habe. Gewiß braucht man es nicht tragisch zu nehmen, daß der Landrat der„alten Schule" bei seinem Geschäft mit Socken- Haltern verunglückt ist. Aber welches Geschrei hätte sich wohl in der Rechtspresse erhoben, wenn ein republikanischer Be- amter, wenn gar ein Sozialdemokrat es unternommen hätte, sich beim Berkauf der Sockenhalter„von Frauen sympashtscher Erscheinung" helfen zu lassen?____________...... Schacher um bei Schwerindustrielle Korruption mit aus guter Die Rechtsparteien halten sich bei ihren Lobreden aus die gute alte Zeit für besonders berufen, die U n p a r t e i l i ch k e i t der früheren monarchistischen Regierungen zu preisen. Um so betretener ist ihre Presse über die Enthüllungen, die der sozialdemo- kratische Abgeordnete Heilmann gestern im Landtag gemacht hat. Heilmann fragte die preußische Staatsregierung, ob es wahr sei, daß der preußische Innenminister v. Dallwitz dem Deutschen Derlags- verein zum Ankauf des Scherl-Scmzerns Gelder aus der Preußenkasse zugeschanzt hat. Die Frage erregte berechtigtes Aufsehen. Hat man doch bis in die letzten Tage hinein die schärfste Kritik daran geübt, daß die Preußische Staatsbank später unter anderen Verhältnissen Geld an Jndustrickonzerne ausgeliehen hat. Die Preußische Staatsbank war dazu immerhin berechtigt, wenn sie auch mit ihren Darlehen an Konzerne nicht immer glücklich verfahren ist. Die Preußenkassc jedoch ist die vom Staate ein- gerichtete Zentralbank der Genossenschaften und darf nach ihren Satzungen mit Privaten keine Geschäfte ab- schließen. Wenn also in der Vorkriegszeit dieses Unternehmen sogar private Zeitungskäufe mit ministerieller Hilfe finanziert hat, so stellt das schon geschäftlich eine höchst anfechtbare Handlung dar. Aber die Sache liegt in Wirklichkeit ja noch schlimmer. Die Hugen- berg-Presse gibt sich vergeblich Mühe zu bestreiten, daß tatsächlich mit diesem Verlag und seinen Mitarbeitern in den Jahren 1313 und 1314— also nicht erst in der späteren Hugenberg-Aeral— politische Geschäfte gemacht worden sind. Es ist ein Korruptionsskandal größten Ausmaßes, der sich hinter den ängstlich geheimgehaltenen Vorgängen verbirgt. Wir erfahren dazu noch solgende Einzelheiten: Im April 1314 teilte Geheimrat vonKrüger dem damaligen preußischen Innenminister mit, daß der Deutsche Verlags- verein gegründet worden sei. Die Mitglieder des Vereins hofften — so hieß es in dem Brief— auf weitgehende Unterstützung der Staatsregierung, und diese ist ihnen auch zugesagt worden. Die Form des Vereins wurde gewählt, um die Namen der Beteiligten geheimhalten zu können, was ihnen auch mit Rück- sicht auf ihre persönliche Stellung zugesagt wurde. In der Tat wurde der Briefwechsel zwischen ihnen und dem Ministerium als „streng geheim" geführt. Was hatte es nun mit dem Verlagsverein auf sich? Es war eine Gruppe von Schwerindustriellen, ehemaligen Staats- ministern und anderen.Hochgestellten" Persönlichkeiten, die sich, wie » Scherl-Perlag. Giaaksmiiiew.— Dunkle Geschäfte alter Zeit. später Hugenberg, aus durchsichtigen Gründen politischen Einfluß anmaßten und dazu die Zeitungen des Scherl-Konzerns gebrauchen tonnten. Die preußische Staatsregierung, die mit der Rllstungs- industrie damals auf das engste liiert war, sah in der Tätigkeit der Geldmagnaten eine willkommene Hilfe. Jedenfalls schrieb der preußische Innenminister v. Dallwitz an den preußischen Justizminister einen Brief, in dem er erklärte: Die Gründung des Deutschen Verlagövereius liege im dringende« staatlichen Interesse. Ohne die Opfer- Willigkeit seiner Mitglieder wäre der Scherlsche Verlag unter demokratische Leitung gelaugt. Damit wären diejenigen Berliner Zeitungen, die infolge ihrer großen Verbreitung für die Anschauungen der breiten Massen des Volkes von besonders großer Bedeutung sind, aus- nahmslos in staatsfeindlicher Richtung geleitet worden. Die Angst vor der Demokratie war es, die die preußischen Machthaber veranloßte, sich so einer privaten Gruppe zu bedienen und Staatsgelder widerrechtlich auszuleihen: man wählte als Geldinstitut die Zentralgenosienschasts- kasse. Man erleichterte die satzungswidrigen Geschäfte, indem man man sagen: durch Schiebung— dem Verein die Rechts- f ä h i g t e i t durch ministerielle Verfügung verlieh. In der Preußischen Zentralgenossenschaftskasie hat man das an- rüchige Geschäft so diskret behandelt, daß heute die Dokumente über das Konto nicht aufzufinden sind. Man wußte, warum diese Geheimhaltung geboten war.— Heute schreien die Landbündler über eine angebliche„Politisie- rung" der Preußenkasie, weil die preußische Regierung die Bevor- zugung unfähiger Großagrarier bei der Kreditverteilung aus- schließen will. Tatsächlich ist die Preußenkasie früher in schlimm- ster Weise für politische Geschäfte der Deutschnationalen miß- braucht worden. Man versteht ihren Schmerz darüber, daß ihnen das für fernere Zelten unmöglich gemacht werden soll. Der Kassierer hat sich gemeldet! Wie der Abgeordnete Heilmann heute im Landtag mitteilte, hat sich inzwischen der k a s s i e r e r, der im Auftrage des Innenministers v. Dallwitz seinerzeit die preußenkassengclder zum Erwerb des Scherl-Verlages an den Düsseldorfer verein der zwölf Industriellen ausgezahlt hat, gemeldet und sich zu dieser Auszahlung bekannt. Die Generalabrechnung. (Fortsetzung von der 1. Seite.) Kaum ein Jahr vermochte sie sich am Leben zu erhalten. Die Ne- gierung, für die Herr Marx am 3. Februar 1927 die programma- tische Erklärung abgab:„An zielbewußter Führung und Einsetzung ihrer ganzen Kraft wird es die Regierung nicht sehlen lassein" Nun: Zielbcwußtsein und der Einsatz aller Kräfte haben nicht einmal zu einem anständigen Begräbnis gereicht. Tag für Tag ist diese Koalition gestorben, nicht in Schönheit, nicht im offenen Kampf» sondern an ihrer eigenen Unzulänglich- keit, an ihrem eigenen Gebrechen! Und wie sollte es anders sein! Will jemand von der Volks- oder Zentrumspartei behaupten, daß er bei der Bildung der Rechts- regierung noch einen Funken von Vertrauen in die Aufrichtigkekt der deutschnationalen Partner besaß? Allein die Tatsache der Richt- linien beweist das Gegenteil. Auf dem Gebiete der Wirtschafts- und Finanzpolitik sehen wir statt der versprochenen Preissenkung eine unausgesetzt steigende Teuerung, keine Senkung der Lebensmittelzölle, sondern eine Er- höhung des Mehl-, Brot-, Fleisch- und Zuckerzolls zum Wohle des Großgrundbesitzes. Das feierlich gegebene versprechen der Lohn- ftcuerfenkung ist trotz steigender Einnahmen nicht eingehalten worden. Der Steuerdruck auf die Schultern des werktätigen Volkes ist immer schwerer geworden. Trotz vier deutschnationaler Minister, trotz ungeheuerlicher Erhöhung der Agrarzölle, trotz vierjähriger deulschnalioniiler Politik haben Sie der großen INasse der Kleinbaucru keine Hilfe gebrächt. Die Bauerndemonstra- t i o n e n im Lande sind nur ein Beweis für das Versagen der Deutschnationalen auf der ganzen Linie. Es ist Ihr Glück allein, daß die Bauern die Geschichte ihres eigenen Standes in Deutschland nicht kennen. Deshalb darbt und rackert der verbitterte Kleinbauer sich für hohe Pachten an dem Großgrundbesitz zuschanden. Seine Hoffnung auf die Land- bundgenossenschaften haben infolge der skandalösen Betriebsführung getrogen. Von ihm fordert man die Haftsumme für di« einge- gangenen Verpflichtungen ein. Demagogisch aber ruft man den Kleinbauern zu:„Die Republik ist schuld an dem Elend." Iede Lohnerhöhung der Arbeiterschaft wurde von der unaufhaltsamen Teuerung aller Lebensmittel aufgefressen, und wie zum Hohn a u f d e n H u ng e r des Volkes wagten Sie es noch, die Menge des zollfrei eingeführten Gefrierfleisches einzuschränken. Schwer lasten die unaufhörlichen Mietsteigerungen und die Durchlöcherung de£ Mieterschutzes auf dem Volke. Unter der Herrschaft des Bürgerblocks stiegen die Mieten von 75 auf 123 Proz. der Friedensmiete. Die Anträge der Sozialdemokratie, den betrogenen Spa- rern und Gläubigern wenigstens in den schlimmsten Fällen Schutz vor ihren großkapitalistischen Schuldnern zu gewähren, hat der Vürgerblock unter der Führung der Deutschnationalen niedergestimmt. Mit der Hilfe für Liquidationsgeschädigte und Sozialrent- n e r. die Sie in letzter Minute aus Angst vor den Wahlen beschlossen haben, werden Sie niemand täuschen. Auch diese un- genügenden Maßnahmen werden nur dazu dienen, den wahren Elzarakter des Bürgerblocks zu erkennen. Wels schloß seine mit innerer Begeisterung vorgelrageue Bede mit den Worten: Wir wissen, wir werden die Vollendung unserer Ideale nicht mehr erleben, aber wir kämpfen für sie und uuser Wahlsieg soll eine neue Etappe auf dem Weg zuihneusein. Wir sehen unser Vertrauen vor allem auch in die heranwachsende I u g e n d. die am 20. Mai zum ersten- mal an der Enkscheidung teilnehmen wird. Wir schreiten voran unter dem rotenBanner, umdassichoonZahr zu Iahr neue Millionen scharen im festen Vertrauen auf die deutsche, die internationale Sozialdemokratie. Mit uns das Volk, mit uns der Siegt Friedrich Barkels Befinden. Leichte Vesserung, aber noch nicht außer Lebensgefahr. Ueber das Befinden des Landtagsprästdenten Bartels am heutjgen Vormittag wird oon den behandelnden Aerzten mitgeteilt, daß die seit gestern eingetretene Besserung im Befinden des Landtagsprästdenten Bartels auch heute anhält. Die Herztätigkeit hat sich gebesiert. Jedoch muß gesagt werden, daß sich der Patient noch nicht außer Lebensgefahr befindet. Durch Draht und Funk. In München oeranstaltete der Volksverein für das katholische Deutschland zwei Protestkundgebungen gegen die Republik Mexiko. Vom Reichskanzler Marx wurde verlangt, daß„die Reichsrsgierung kein Mittel unversucht lasie, damit der brutalen Unterdrückung der Gewissensfreiheit durch den gemeinsamen Einspruch aller Kulturmächte«in Ende bereitet werde". Ministerpräsident Heidt, Innenminister Stützet, der Nuntius und ein amerikanischer Erzbischof nahmen an der Kundgebung teil. * Im Bremer Senat stellt die Sozialdemokratie fünf. Demo- traten und Volkspartei je drei Mitglieder. Gegen Deutschnationole und Kommunisten beschloß eine verfassungsändernde Mchrheil in Hamburg, die Mitgliederzahl des Senates von 15 auf IS zu erhöhen. • Die„Traditionskompagnie" ehemaliger Sclbstschutzkämpfer Beuthen-Nord wurde wegen des Ueberfalls auf einen polnischen Schuwerein ausgelöst. Bei dem Ueberfall wurden drei Personen leicht oerletzt. * In Scharlcy in Oberschlesien wurden zwei Führer des Deutsch- tuws von polnischen Banditen überfallen und schwer verletzt. Der polnische Westmorkenoerein hetzt jetzt gegen den Schweizer Ealonder, den Präsidenten der gemischten Kommission in Ober- schlesien, um seinen Rücktritt zu erzwingen. -» Di« Soweietregierung ist mit den Vorbereitungen für den Empfang des Königs von Afghanistan Amanullah beschäftigt. Wie die deutsche Bürgerblockregienmg, so werden auch die Volsche- wisten dem Emir aus dem Abendlande ein Palais zur Verfügung stellen. Die Gesellschaft für proletarische Kultur, die zurzeit m diesem Palais wohnt, wird für die Dauer der Anwesenheit Amanullahs ausquartiert werden. Reichsbahn verlangt Tariferhöhungen. Sie kommt mit ihren Einnahmen nicht mehr aus. Der verwallnngsrak der Reichsbahn- Gesell- schast hat gestern beschlossen, eine Tariferhöhung'"r die Reichsbahn-Gesellschaft zu beantragen. Die Tariferhöhung soll eine jährliche Iiiehreinnahme von 250 vlillionen Vlark bringen, demnach würde eine Erhöhung der Gesamteinnahmen der Reichsbahn um jährlich 5 proz. erfolgen. Zwei Drittel der Tariferhöhungen sollen vom Güterverkehr, ein Drittel vom Personenverkehr ausgebrachk werden. Der Finanzdirektor der Reichsbahn-Gesellschaft gab in einer Pressekonferenz einige der Gründe bekannt, weshalb die Tarifer- höhung erforderlich sei. Eine technisch einwandfreie Leistung dex Reichsbahn-Gesellschaft sei mit den bisherigen Mitteln nicht «ehr zu gewährleisten. Statt der jährlich erforderlichen 3133 Kilo- meter neuer Gleise seien mit den heutigen Mitteln nur knapp 1433 Kilometer zu beschaffen. Außerdem seien aus früheren Jahren rund 7333 Kilometer erneuerungsbedürftige Gleise umzubauen, Brücken seien vielfach notdürftig gestützt worden an Stelle des er- forderlichen Umbaues. Die elektrische Zugbeeinflussung aus Sicher- heitsgründen habe ebenfalls gelitten. Die an sich günstige Entwick- lung des Berliner Stadtbahnverkehrs verhindere jedoch, im gegen- wärtigen Augenblick notwendige Neuauswendungen für den Aus- bau des Elektrifizierungsprogramms zu machen. Der Termin für die Durchführung der Tariferhöhung wird in besonderen Verhandlungen mit dem Reichsverkehrsministerium festgesetzt werden. Die Reichsbahn erklärt, daß die bewilligte Lohnerhöhung, die lediglich eine Belastung von 63 Millionen Mark herbeiführt, nicht die Ursache zu der Steigerung der Tarife sei. Der Kampf der Buchdrucker. Streik in München, Königsberg und Stettin. München. 23. März.(Eigenbericht.) Die Gehilfenschaft des Münchener Luchdruckgewerbes hielt am Mitlwochabcud eine von über 1S00 Teilnehmern besuchte Versammlung ab. in der die Entscheidung über die Aufrcchlerhaltung der Tarifkündigungen fallen sollte. Gegen 2 Uhr morgens erfolgte die geheime Abstimmung. Ueber 1533 Teilnehmer sprachen sich für den Streik aus und der kleinere Teil für die Annahme des Schiedsspruches. * Königsberg. 23. März.(Eigenbericht.) Die Königsberger Buchdrucker nahmen in zwei überfüllten Der- sammlungen zu der Verbindlichteitserkläning des Schiedsspruches des Zentralschlichtungsaueschusses durch den Reichsarbettsminister Stellung. Mit 413 gegen 3 Stimmen wurde beschlossen, trotz der Verbindlichkeitserklärung auf den von den Buchdruckern in diesem Lohnkampf gestellten Forderungen von 13 Mark Zulage in der Spitze zu beharren. In denjenigen Königsbevger Betrieben, die bis zum Streiktag die Forderung nicht bewilligt haben, soll am Sonnabend in den Streik getreten werden. Es wurde sofort ein Streikkomitee gewählt, das die Bewegung in der Hand hat. Bon allen Rednern kam der Wunsch zum Ausdruck, daß es zentral ge. lingen möchte, eine für die Buchdrucker annehmbare Lohnzulagc durch erneute Bcrhandlungen zu erveichen. Sketlln. 23. März.(Eigenbericht.) In einer gestern abend abgehaltenen stark besuchten Buch- druckerversammlung wurde mit etwa 333 gegen 12 Stimmen be- schlössen, am Sonnabend früh in den Streik zu treten. » Wie in Berlin wurde auch in Leipzig und Siuligart der Streik abgelehnt und beschlossen, dle Kündigungen zurückzunehmen. Ozeanflug abermals verschoben. Angeblich besseres Flugwetter in Aussicht. Die deutschen Ozeanstieger in B a l d o n e l mußleu auch heute früh von ihrer Absichk, zum Ozccmfluge zu slarien, wegen des schlechten Weilers Abstand nehmen. Das Iunkers-Ilugzeug war bereits auf die Slarkbahn des irischen INilitärflugplahes geschasft und für den für 5,33 Uhr früh seslgesehlen Start vollkommen ferlig gemacht worden. Dle ungünstigen Wettermeldungen heule früh veranlaßlen jedoch die Flieger, den Ausstieg aber- mal» zu verschieben, doch bleibt die Maschine aus der Startbahn, da sofort nach Eintritt besseren Wetters der Start erfolgen soll. Im allgemeinen hat sich die Wetterlage über dem A-lantik heute insofern gebessert, als die Westwiudzone sich etwas uach Süden verzogen hat und der Luftdruck über Island in ständigem Steigen begrisfen ist. Andererseits herrscht fast über dem ganzen Ozean mehr oder weniger starker Regen. Räch Ansicht der Meteorologen entwickelt sich ober über Island ein hochdruckgebiei, so daß in Kürze, vielleicht noch vor Sonntag, mit dem Eintritt günstigen Flugwetters zu rechnen wäre. Kolanos wieder ergriffen! Die Polizei kannte seinen pfiff. Der Ein- und Ausbrecher Paul Kolanos, der Führer einer Bande, di« seit einiger Zeit den Westen Graß-Berlins unsicher machte, wußte sich, wie wir mitteilten, nach seiner Festnahme auf einem Transport auf dem Alexanderplatz wieder zu befreien, indem er die beiden Begleitbeamten plötzlich beiseite stieß und in der Menge verschwand. Er erfreute sich nicht lange der Freiheit. In der vergangenen Rocht unternahm Kommissar Kanthack mit seinen Beamten und der Sonderstreife, unterstutzt von Schupobeamten des 47. Reviers, eine umfassende Aktion auf dem Weddmg. Die Gegend wurde abgesucht und nach und nach so eingekreist, daß nur noch die Reinickendorfel, die Plantagen- und die Wiesen- st r a ß e übrig blieben. Hier setzten nun aus Verstecken heraus di« genauesten Beobachtungen ein. Man kannte den Pfiff, mit dem sich Kolanos seinen Komplizen bemerkbar zu machen pflegt. Die Beamten in der Wiesenftraße horten ihn gegen 2 Uhr, sahen aber, daß er nicht von Kolanos selbst, sondern von einem Helfers- Helfer abgegeben worden war, den er vorgeschickt hatte, um iest- zustellen, ob die Luft rein sei. Sie verhielten sick in ihren Ver- stecken ganz ruhig, und so ließ der Flücht'oe sich täuschen. Nachdem er sich durch den Pfiff wieder mit seinem Vorposten verständigt hatte, kam er endlich selbst heran und ging in ein Haus in der Wiesen st ratz« hinein. Hier wurde er sofort ergriffen. Er hatte sich auf Grund der getroffenen Lorsichtzmahregeln so sicher gefühlt, daß er ganz überrascht war und sich nicht einmal zur Wehr setzte. Unter Tränen entschuldigte er sich vielmehr bei dem Kriminalsekretär Krage, daß er der Kriminalpolizei soviel Arbeit gemacht habe. Heute vier Gasvergiftungen. Drei Gelbstmorde— ein Ltnglücksfall. Der Polizelberichl wies heute vormittag einen traurigen Rekord auf. Er verzeichnete nicht weniger als vier Gas. Vergiftungen mit tödlichem Ausgang. Die Hilfe der Feuerwehr kam in allen Fallen bereits zu spät, während drei der Gasvergiftelen freiwillig den Tod gesucht hoben, isk der vierte das Opfer eines Unglücksfalles geworden. Der erste Alarm„Gasvergistung" kam aus der W a l d e r f e e- straße 5 3. Dort wurde im gaserfüllten Schlafzimmer seiner Wohnung der 4ljährige Kutscher Richard Hansch bewußtlos aufgefunden. Di« Feuerwehr nahm Wiederbelebungsversuche vor, die jedoch ohne Erfolg waren. Nach den Ermittlungen ist H. d a s Opfer eines Unglücksfalles geworden. Die B e r- schraubung am Gasometer war fehlerhaft, und die ausströmenden Gase führten den Tod Hanschs herbei.— In seinem Bureau, Alt-Moabit 19, wurde heute früh der 36jährigc schwedisch« Staatsangehörige W. Sylander von einem Angestellten durch Gas oergiftet leblos ausgesunden. Ein hinzugerufener Arzt stellte, nachdem die Feuerwehr länger« Zet Wiederbelebungsversuche vorgenommen hatte, den Tod fest. Die Gründe, die Sylander, der erst kürzlich nach Deutschland gekommen ist, zu dem Verzweiflungs- schritt bewogen haben, sind noch unbekannt.— In der Küche ihrer Wohnung, im Hause Steinmetz st r. 39, vergiftete sich die 33jährige Helene Moder durch Gas. Die Leiche wurde ins Schauhaus gebracht. Auch in diesem Falle ist das Motiv noch ungeklärt. Wegen Geschäftssorgen sucht« der 32jährig« Schuhmacher Arthur H e b e r e r den Freitod. Auch er wurde gegen 8 Uhr in seiner Wohnung, Pichelsdorfer Str. 29 in Spandau, in seinem mit Gas erfüllten Zimmer bewußtlos aufgefunden. Di« Feuerwehr schaffte die Leiche ins Schauhaus. Grausiger Kund auf dem Kriedhof. Zusammenhang mit dem Gladbecker Schülermord? Gelsenkirchen. 29. März. Heute wurde von einem Postbetriebsassistenten auf dem evangelischen Friedhof ein grausiger Fund gemacht. Der Beamte fand in Zeilungspapier eingehüllt abgeschnitienc GenilaNcn. Wie die Leichenteile an diesen Ort gelangt sind und ob man diesen Fund mit dem Gladbecker Mord in Zusammenhang bringen kann, muh die sofort eingeleitete Untersuchung ergeben. Der Fund ist zur Untersuchung dem Anatomischen Institut in Münster zugestellt worden. Zur weitere» Vernehmung des verhasteten H u ß m a n n ist noch mitzuteilen, daß der Schüler nicht überführt werden konnte. Er hat ganz bestimmte Angaben gemacht und sich nicht in Widersprüche verwickelt. Zudem ist durch die Blutuntersuchung auch noch nicht seslgeslellk, ob es sich bei dem an den Kleidern des hußmann gefundenen Bluls um das Blut des ermordeten Daube handelt. Ebensowenig steht fest, daß das an den Händen Daubes vorgefundene Haar mit dem Haar des Hußmann übereinstimmt. Es muß nochmals festgestellt werden, daß die Festnahme Hußmanns auf Grund des an seinen Kleidern gefundenen Menschenblutes zu- nächst nur als Vorbeugungsmaßnahme erfolgt ist. Eisenbahnunglück bei Offenbach. Zwei Züge zusammengestoßen.- 22 Verletzte. Ein Eisenbahnzusammenstoß, der schwere Folgen nach sich zog, ereignete sich heute morgen 4.51 Uhr im Bahnhof Epperts- hausen, an der Strecke Osfcnbach— Dieburg, infolge falscher Weichen st ellung. Der von Ofsenboch kommende Personenzug Rr. 3600 fuhr aus den im Bahnhof Eppertshausen flehenden Per- sonenzug Rr. 3905, der von Dieburg nach Offenbach fährt, auf. E s wurden 2t Personen verletzt, darunter drei schwer. Anter den Schwerverletzten ist der Lokomotivführer. Ein Personenwagen entgleiste. Der verkehr wird durch Umsteigen aufrechterhalten. Alles Nähere muß die sofort eingeleitete Unter- suchung ergeben. In Moskau weigert« man sich von neuem, den deutschen Konsul in Charkow die oerhafteten Deutschen besuchen zu lassen. Kommunisten und Fememörder. Sie KpO. verbrennt, was sie angebetet hafte. In den Parlamenten und in Ihrer Presse mimen heute die Kom- inunisten Tobsuchtsanfälle, weil die Sozialdemokratie nicht für die Amnestierung der rechtsradikalen Meuchel- und Fememörder eintreten will. Die KPD., angeblich stolze Gegnerin aller Kompromisse, ist auf einmal so kompromißbegeistert, daß sie jeden Nichtkompromißler als„Verräter" anschreit. Im Preußischen Landtag vollführte am Mittwoch die kommu- nistische Fraktion minutenlanges Geschrei, als der sozialistische Ab- geordnete Heitmann die Unmöglichkeit begründete, eine B e st i e, wie den Fememörder K l a p p r o t h, mit ein paar Jahren Ehrenhaft davonkommen zu lassen. Jedoch hätte gerade die kom- munrstische Preußenfraktion allen Grund zum Schwei- g e n. Sie hat am 11. November 1926 und am 1. Oktober 1927 fast wörtlich übereinstimmende Amnestieanträge in Form v»n Gesetz- entwürfen eingebracht. Diese Anträge, die die Unterschriften von Pieck, Obuch, Menzel, Grylewicz und die Drucksachen- nummern 4520 bzw. 7087 tragen, enthalten in§ 1 folgenden Absatz 3: Ausgeschlossen von dieser Slrafsreihelt sind Personen, die sich an Mordtaten oder Mordversuchen der Schwarzen Reichswehr, der Organisation Eonsul, des Wikingbundes, des Werwolfs, der Olympia und der mit ihnen In Beziehung stehenden gleichartigen Verbände als Täler. Anstifter. Geldgeber oder Gehilfen beteiligt haben. Die sozialdemokratische Reichstagssraktion hat also nur in die T a t umgesetzt, was die Kommunisten zu wiederholten Malen selber verlangt haben. Die jetzige Entrüstung der Stalinisten ist der Gipfel der Heuchelei, nachdem ihr entwürdigendes Schachergeschäft mit den deutschnationalen Schutzpatronen der Fememörder miß- glückt ist. China in Aufruhr. Vier chinesische Lokale in der Kantstraße. Kurz nach dem Krieg, als Berlin wieder international zu wer- den begann, tat sich in der K a n t st r a ß e ein chinesisches Nestau- rant auf, welches Chinesen und auch Japaner von den barbarischen Eßsitten und Speisenfolgen Europas unabhängig machen sollte. Das ging auch eine Zeitlang ganz gut. Einträchtig saßen die gelben Männer bei Reis, Rattenkotelett und gebackenen Mehlwürmern und warteten auf die Befreiung der Kolonialoölker. Aber 1927, nach dem Zwischenfall von Schanghai, bei dem japanische Industrielle und Werkmeister keine sehr rühmliche Rolle gespielt hatten, wurden die Angehörigen dieser Nation in ihrem Stammlokal so schlecht behandelt, daß sie beschlossen, sich selbständig Oeutschnaftonaler Notschrei. „Hermann! Irideritus! Bismarck! Steht mir bei zur Beichstagswahl, sonst muß ich in meiner Not als letzten Bettungsanker— zu poincarö greifen!" zu machen. Das geschah, sie zogen aus und machten einige Häuser weiter ihren eigenen Laden auf. Freilich sollten sich die Zurückbleibenden nicht lange der poli» tisch gereinigten Atmosphäre freuen können: denn als bei dem nun einsetzenden Befreiungskampfe Chinas die Kommunisten in die Kuo Min-Tang einzogen, wollte den wohlhabenden Industriellen- und Grundbesitzersöhnen das Mittagessen in der Gesellschaft ihrer roten Landsleute nicht mehr schmecken. Auch sie wanderten also aus und ließen dicht bei den beiden vorhandenen ein drittes Speise- haus erstehen, in dem sie die Gewähr hatten, daß ihre National- gerichte auch von national gesinnten Köchen gekocht, von national gesinnten Kellnern serviert und von national gesinnten Hungrigen verzehrt werden würden. ?tun waren auch di« Revolutionäre endlich unter sich, aber nur, bis dem sozusagen revolutionären Tschang Kai-Schek in seinem Generalsgehirn die Einsicht dämmerte, daß nicht di« Imperialisten. sondern die Sozialisten Chinas schlimmste Feinde seien, gegen welche er denn auch fortan, unter hörbarem Aufatmen aller Eng- länder, zu Felde zog. Infolgedessen setzte auch in der Kantstraße eine erbitterte Parteinahme für und wider Tschang Kai-Scheck ein. Jede Gruppe berief sich auf Sun Fat-Sen und schimpfte die andere verräterisch und abtrünnig, bis auch hier die reinliche Scheidung durchgeführt wurde, so. daß man jetzt dicht nebeneinander vier chinesische Gaststätten hat, in denen nicht nur jedem Ge- fchmack, sondern auch jeder politischen Weltanschauung Rechnung getragen wird. W. Ein puccim'-Abend in der Giaaisoper. Triptychon. Drei Einakter:„D e r M a n t e l"—„S ch w e st e r A n g« l i k a" —„G i a n n i Sch icch i". Warum„Triptychon"? Der Name, der bildenden Kunst entlehick, bezeichnet ein dreiteiliges Altargemälde: ein Mittelstück, zwei Seitenflügel. Keine Mitte ohne Seiten: keine Seiten ohne Mitte. Das Mittelstück müßte Hauptstück sein: aber die mittlere dieser drei einaktigen Opern ist die schwächste. Schwester Angelika büßt als Nonne für die Folgen ihres so- genannten Fehltritts. Die Sehnsucht nach dem Kinde, das sie nie wieder sehen durfte— so war es im siebzehnten Jahrhundert—, bleibt der heimliche Inhalt ihres Lebens, sieben Jahre long. Aus dem Mund ihrer fürstlichen Frau Tante empfängt sie die vernichtende Nachricht seines Todes: um von ihr, durch dieses vornehme Mittel, den Verzicht auf ihr Erbteil zu erpressen, hat die gütige alte Dame sich persönlich ins Kloster bemüht. So nimmt sie sozusagen der Un- glücklichen, nachdem sie ihr den Rest gegeben, auch noch den Rest ihres irdischen Lebensgutcs. Das Leben, das Angelika, völlig ge- brachen, sich nimmt, verlischt in einer versöhnenden Vision: die .Königin des Himmels, von Engeln umgeben; ein blonder Knabe zu ihren Füßen: die Leiden der jungfräulichen Mutterschaft in sym- bolisch-milder Verklärung. Giacomo Puccini, schon ein wenig ausgeschrieben, als er an die Komposition dieses Operntextes ging, war nicht der schöpferische Künsller, viel mehr als äußerliche Bühnenwirkung daraus zu holen. Askese und Ekstase der klösterlichen Abgeschiedenheit: beides liegt ihm. dem Musiker der temperierten Erotik, gleich fern. Große und starke Töne sind mit seinen Mitteln nicht zu erzielen. Was er kann, und von je gekonnt hat, zeigt er auf beispielhafte Weise im „M a n t e l": die Kreuzung aus italienischem Verismus und franzö- sischem Impressionismus ist seine Spezialität, darin ist er Meister. Doch was früher seine Sache zu sein nicht schien, ist es im„Gianni Schicchi" geworden, dieser musikalischen Komödie, derengleichen wir nicht viele besitzen. „Der Mantel" ist durch die Aufführung in Charlottenburg(noch im Deutschen Opernhaus damals),„Gianni Schicchi" durch die Auf- führung Unter den Linden(damals unter Stiedry) in Berlin be- kannt geworden: das Ganze der drei Werte erscheint jetzt zum ersten- mal in der Staatsoper. Die Wiedergabe— unter Zemlynskys musikalischer, Schulz-Dornburgs szenischer Leitung— könnte wohl nicht besser sein; nur in der Komödie stört noch ein Zuviel an Regie. Das Klemperer-Ensemble, vor eine so vielseitige Aufgabe gestellt, hält sich ausgezeichnet und entwickelt sich überraschend. Ein paar Leistungen müssen hervorgehoben werden: Fritz K r e n n s, schauspielerisch überlegen, als Schicchi: Käte Heidersbach als Schwester Angelika gesanglich und darstellerisch durchaus den außerordentlichen Anforderungen ihrer Rolle gewachsen; im„Mantel" Rose P a u l y und Iosä R i a v e z(Ist er Mitglied der Staats- also Klemperer-Oper?) mit Krenn als Träger der Handlung, die sie ver- eint zu sehr starker Wirkung bringen. Einer klswen Episode verleiht Caspar Kochs Tenor Bedeutung. Klaus Pringsheim. Die kleinste Lokomotive. Das Modell einer Lokomotive, dj« in der flachen Hand eines Mannes bequem Platz findet, est von einem Londoner Ingenieur A. R. Waltey erbaut worden. Diese Lokomotive, di« die kleinst« der Welt ist. mißt nur zwei Zoll in der Läng«: sie kann mit Hilfe einer elektrischen Batterie einen Zug von Wagen befördern, der zwei Pfund wiegt. Das kleinste Modell eines Walfischfängerschiffes ist kürzlich zum Zweck einer Kinoaufnahm« erbaut worden: es ist nur 5 Zoll lang. Ein Walfisch, der in demselben Verhältnis nach- gebildet wurde, vervollständigt dieses Requisit, mit dem ein ausregende» Walfisch-Abenteuer gedreht wurde. Cm Schüler hat in seiner freien Zeit, wie eine englisch« Wochenschrist mitteilt,«inen Kraftwagen hergestellt, der nur 5H Zoll hoch ist und nur 4 Pfund wiegt. Dieses Miniaturauto ist mit elektrisch«» Licht ausgestattet: die Sitze sind aus Leder und gepolstert und alle Einzelheiten eines richtigen Autos sind nachgebildet. vi« Staatlich««mistblbliothek, Prinz-AIvrecht-Straß« 7 a. eröffnet am Sonntag. 12 Udr, eine Autstellung.Nürnberger Buchkunst bis zur Zeit Dürers." Ein Güdsee-Mm aus Hollywood. (Mozart-Saal.) Wir haben einen herrlichen Film von der Süds««, der ganz einfach das tägliche Leben und Treiben in einem Eingeborenen- darf« vorführt. Man hat das absolute Gefühl der Echtheit, es fehlen alle europäischen Zugaben. Die Südsee ist nun' auch vom regulären Spielfilm entdeckt worden, wie sie schon lange in der Literatur Mode ist. Aber das erste Erzeugnis, das wir davon zu sehen bekommen, kann den Vergleich mit jenem Natursilm nicht aufnehmen.„A l o m a". die Blume der Südsee, die im Mittel- punkt des ebenso betitelten Filmes steht, ist eine amerikanische Tänzerin(Gilda Gray), und so gut sie tanzt und das eingeborene Mädchen nachahmt, so werden wir den Eindruck doch nicht los, daß alles Maskerade ist. Um so mehr, da die Handlung auf den Gegensatz zwischen weiß und farbig angelegt ist. Die Südseetochter verliebt sich in den Amerikancr Bob Holden, der einmal mannhaft für sie«ingetreten ist: aber als seine frühere Braut, di« ihm ein Nebenbuhler während des Krieges weggenommen hat, ihn wieder- findet, kehrt er zu ihr zurück. Aloma wird Ersatz bei ihrem treuen Südseesohn finden, der inzwischen seinen weißen Nebenbuhler den Haifischen zuführt. Das Vcste am Film find die prächtigen Land- schaftsbilder. Die Palmen rauschen im Winde am Meeresstrande, und die Brandungswogen lassen weißen Gischt aufwallen. Voran ging«in amüsantes amerikanisches Lustspielchen„Unter Aufsicht des Papas", und ein leider allzu technisch geratener Film von der Hefe. r. „Oer Geliebte semer Frau." (Marmorhaus) Die Wiener haben verführerischen Liebreiz, die Wiener sind bezaubernd fesch—, was darf man nicht alles von einem Wiener Film erwarten, der sich selbst Lustspiel nennt! Und wie schwer wird man enttäuscht, wenn keine der so selbstverständlichen Vor- aussetzungen erfüllt wird und der Regisseur keine Leichtigkeit auf- bringt und zudem noch derartig naiv ist, daß man ihm ein über das andere Mal mitleidsvoll die Hand schütteln möchte. Das Manuskript ist das übliche. Di« reiche Bankierstochter ertrotzt sich «inen Grafen, der gehorsam« Papa reguliert die Schulden und möchte das Verhältnis seines angehenden Schwiegersohnes ganz gern selbst übernehmen, doch wird das Quartalsliebchen ihm von einem Polizeirat weggeschnappt. Nach diversen Zwischenfällen poussieren dann Braut und Bräutigam miteinander, beide unter einem angenommenen Namen und beide in einem Absteigequartier wohnend. Zum Schluß steht dann dem Dauertuß und dem Seiten- sprung ins Ehebett nichts mehr im Weg«. Bei dieser silmalltäg- lichen Erzählung möchte Max Neu selb offenbar gern Zensur- schwierigkeiten heraufbeschwören. Er macht ein wenig in Nackt- kuttur, man sieht vom Verhältnis in voller Natürlichkeit die ganze Kehrseite der Medaille. Doch all« Ausgezogenheit und Halbaus- gezogenheit ist heute weder neu noch wirksam: im Gegenteil, sie ist das Ueberlebteste, was man sich denken kann. Ist es schon schlimm, wenn ein Regisseur keine filmischen Einfälle hat, so ist es natürlich noch schlimmer, wenn er aus den Schauspielern nichts herausholen kann. Neufeld läßt die Darsteller oft hilflos in der Szene stehen und auf Anweisung warten. Trotzdem gefällt Dina Gralla ungemein, aber sie kann auch nicht da« ganze Stück retten. Alfons F r y l a n d ist ein schöner, eleganter Mann, jedoch ein bedenklich weicher Typ. Das Beiprogramm— die Opel-Wochenschau und Aufnahmen aus Kamerun— stand auf der Höhe. e. b. ver flaaMche Beethovevprei» für 1923 ist auf Vorschlag de« Kuratorium« von der Preichifchen Akademie der Künste zn gleichen Teilen mit je SOOO®t. den Kompontnen Professor Mendelssohn, Darmstadt, und Heinrich K a m t n S k i, RieS(Oberbayern), zugesprochen worden. Malier Ntlhack-Stohn» Schauspiel.Die Mutter" kommt Sonntag, mittag» t2 Ubr. im R e n a i s i a n c e. T b c a t c r als cinmaliges Gesamtgailspiet de« Mecklenburg. StaatStheaterS Schwerin unter der Leitung von Fritz Felsing zur Aussührung. General Nobile wird am 13. April mit keinem Lullschiff.Jtalia" von Rom nach Stolp in Pommern starten. Wenige Tag« daraus dürft« er von hier aus seinen Nordpotffug antreten. Vorwärts zum Wahlfieg! Die Sozialdemokratie bei der Werbearbeit. = In einer großen öffentlichen Bersammlung im Realgym nasium in Tempelhof sprach Reichstagspräsident Paul Lö be. Zuvor veranstaltete die Sozialdemokratische Partei, Ortsgruppe Tempelhof, eine Straßenfundgebung. In der Dorfstraße formierte sich der Zug. Unter Vorantritt des Tempelhofer Musit forps des Reichsbanners marschierte der Zug durch Tempelhof. Auf großen Plataten wurde zum Besuch der Verfammlung eingeladen. In der Kundgebung nahm, nachdem der Boltschor Tempelhof Mariendorf die Kundgebung mit Gesangsvorträgen eingeleitet hatte, Paul Löbe das Wort zu seiner einstündigen Rede. Außenpolitis hat das letzte Jahr feine Erfolge bringen fönnen, weil in allen Ländern die Rechtsparteien in der Regierung saßen. Eine Herabminderung der Reparationslasten und die Befreiung des Rheinlandes von der Bejagung werden nur möglich, wenn die Wähler in allen Ländern Linksregierungen ermöglichen. Die Sozialdemokratie hat immer ihren Friedenswillen bekundet und ihr Friedensbekenntnis nicht davon abhängig gemacht, ob sie dafür Ministerfige ein. tauschen kann. Die Bauernrevolten in den letzten Wochen find fünstlich gefördert von eben den Kreisen, gegen die sich die Bauern zuerst menden sollten. Wenn der Bauer nicht genügend Land hat, soll er sich an die Agrarier wenden, wenn er über zu teure Industriepreise flagt, an die Industriellen, und wenn ihm die Zinsen zu hoch sind, an die Finanzdiktatoren, die auch in der Partei sißen, die er gewählt hat. Die Sozialdemokratie will nicht nur den Staat erobern, sondern ihn ausbauen zu einem sozialistischen Staat, in dem nicht Ausbeutungswillfür herr schen kann, sondern gegenseitige Hilfe. Wenn das deutsche Volk richtig wählt, fann schon im nächsten Reichstag wirksame Bionierarbeit für den neuen Staat geleistet werden. #: Ein voller Erfolg war der öffentlichen Kundgebung beschieden, die von der 33. Abteilung der SPD. des Bezirks Friedrichshain in der Schulaula der Gemeindeschule in der Hohenlohestraße veranstaltet wurde. Nach Erläuterungen zu einer Lichtbilderreihe, die in ausgezeichneter Weise den Aufstieg der Sozialdemokratie zeigte, nahm Reichstagsabgeordneter Kurt Heinig das Wort zu seinem Referat. Der Redner zeichnete den Weg der Sozialdemokratie, die sich im Berlauf weniger Jahrzehnte aus fleinen Anfängen zu der größten politischen Partei entwidelt hat. Die junge Republit mußte einen langen Leidensweg gehen, auf dem auch Theater, Lichtspiele usw. Donnst., 29. 3. 28 Staats- Oper Am Pl.d.Republ. 71 Uhr Carmen Donnst., 29.3. 28 Städtische Oper Bismarckstr. Ab- Turn. 1i. Anf.7/ 2 TANIA PALAST Steglitz Schloßst S SensationB prozek mit Magda Sonja Ein Film der National- Film- A.- G. Die Hochzeit Far die besten Beantwortungen der des Figaro Staatl. Schauspielh. Staatl. Schillerth. Am Gendarmenmarkt Charlottenburg 8 Uhr 8 Uhr Die Weber Ampbytrion Für Preisfrage: War sie die Täterin? In den Vorstellungen am Dienstag, dem 27. d. M., erhielten je RM. 50.als Prämie: 1. Frl. Grete Pieper, Steglitz, Birkbuschstr. 11 b 2. Herr Eduard Gärtner, Lichterfelde, Ringstr. 101 die Partei schwersten Angriffen ausgesetzt war. Unbeirrbar hat sie die Interessen des arbeitenden Volkes in den schwersten Krisen wahrgenommen. Auch der wahrscheinliche Wahl sieg, der eine erneute Beteiligung der Partei an der Reichsregierung notwendig machen wird, stellt uns vor schwere Aufgaben, denn wir müssen das Erbe des Bürgerblods übernehmen. Die vornehmste Aufgabe der Sozialdemokratie wird es sein, für eine gerechte Verteilung des Arbeitsertrages zu forgen. Die gelungene Veranstaltung wurde durch musikalische Darbietungen der Sozialistischen Arbeiterjugend wirkungsvoll umrahmt. Hermine und das„ Leven". Die Gorgen der Majestäten. Das niederländische Wochenblatt ,, Het Leven" sieht sich in seiner Nummer vom 24. d. M. genötigt, im Hinblick auf einen Brief wechsel mit dem Hause Doorn" die Flucht in die Deffentlichkeit anzutreten. Königin ermine" zu, daß man die Lichtbilder nicht überlassen fönne, weil man im Hause Doorn" an einer Beröffentlichung der Lebensgeschichte in der von ,, Het Leven" gewählten Form fein Interesse habe. Auch dieser Privatsekretär, Herr Wunderlich, behauptete, daß ,, Het Leven" das Original verändert habe, um es sensationell zu gestalten. Ein Teil der niederländischen rechtsstehenden Presse hat diese Auslaffungen des Hofmarschalls" und des Brivatsekretärs, die den betreffenden Blättern vom Hause Doorn" aus zugingen, aufgegriffen, um sie zu Angriffen gegen„ Het Leven" zu benutzen. Het Leven" erklärt dazu mit allem Nachdruck, daß die zweite Frau des Erkaisers niemals Anspruch auf den Titel einer Kaiserin oder Königin erheben könne und die Herren dieses sogenannten Kaiserlichen Sofes" gut täten, von ihren Berleumdungen in der niederländischen Presse endlich Abstand zu nehmen! Der Roman wird Birklichkeit. Der Kampf der megifanischen Regierung gegen die Banditen. Bei einem Kampf in dem Goldgräbergebiet von Villa Pando wurden zwanzig Banditen getötet. Die Räuberbande hatte eine Polizeiabteilung überfalien, die so lange Widerstand leistete, bis reguläre Truppen ihr zu Hilfe eilten. Auf der Seite der Bundestruppen wurden sechs Soldaten verwundet. * ,, Het Leven" hatte die Memoiren der zweiten Frau des In dem Goldgräberroman Der Schah der Sierra Erkaisers, Prinzessin Hermine, für eine große Summe dem journa- Mapre" von B. Traven, der jetzt in unserem Blatte abgedruckt wird, ist die Schilderung eines lleberfalls auf einen Eisenliftischen Bureau, das im Auftrage der geschäftstüchtigen Dame den Vertrieb regelt, abgefauft und veröffentlicht. Das Haus Doorn" bahnzug durch merikanische Banditen und ihre Verfolgung durch scheint in dieser Veröffentlichung nachträglich ein Haar in der Suppe Militär enthalten. In außerordentlich packender Weise hat der Vergefunden zu haben, denn die Memoiren waren von der Prinzessin fasser des Romans dieses Ereignis gestaltet. An der heutigen MelHermine dem amerikanischen Journalisten Viereck zu propagandung aus Meriko sehen wir, wie aus dem Erzeugnis dichterischer distischen Zwecken in die Feder diktiert worden. Nach der Veröffent- Phantasie die lebendige Wirklichkeit werden kann! lichung schickte der Hofmarschall" des Hauses Doorn der Redaktion von Het Leven" ein Schreiben, in dem er gegen die angeblich nicht genaue Uebersetzung Einspruch erhob und sich namentlich dagegen wandte, daß in der Ueberschrift nicht von der Kaiserin Hermine, sondern von der Prinzessin Hermine gesprochen werde. Gleichzeitig erklärte er, daß die Frau des Ertaisers von der Veröffentlichung in ,, Het Leven" absolut nichts gewußt habe. Um mit den Worten von Het Leven" zu sprechen, ergibt sich die Lügenhaftigkeit dieser Behauptung" schon daraus, ,, Lügenhaftigkeit dieser Behauptung" schon daraus, daß das Blatt im verfloffenen Herbst sogar eine Korrespondenz wegen dieser Beröffentlichung mit dem Hause Doorn" führte, um einige Lichtbilder zu dem amerikanischen Tert übernehmen zu dürfen. Darauf ging het Leven" ein Schreiben des Privat= fetretärs Jhrer Majestät der Kaiserin und Deutsches Theater Thalla- Theater JOHANNES BUCHWEITZ Norden 12310 Dresdner Str. 72/73 Kunst- und Bauschlosserei mit elektr. Abonnementsbüro: Täglich 8 Uhr: Betrieb/ Ausführung sämtl. BeschlagsNorden 10 338-39, Das Kamel geht 101] arbelten/ Autogen. Schweißerei durch das Hadelöhr NIEDERSCHÖNHAUSEN, 8 Uhr, Ende 10 U Zwölftausend Stg. 1.4. nachm. 4 U.: Zinsen( 1-7 Mark) Kammerspiele Norden 12 310 8, U., Ende nach 10 Finden Sie, daß Saltenburg- Bühnen Dts. Künstler- Th 8 Uhr: Die goldne Meisterin Constance sich richtig Theater i. d. Lutzowstr. verhält? Tel. Kurf. 9209-10. Täglich 8 Uhr: 3. Fri. Margarete Becker, Steglitz, Die Komödie Bennet Lindenstr. 22 Bismarck 2414/7516 4. Herr Ernst Bogda, Steglitz, Wrede- 81, U., Ende 10% U. straße 34 Täglich 6.30, 9 Uhr, Sonntags 4, 6.30 und 9 Uhr. Marcel Fradelin contra Aschenbrödel Treskowsir. 23. Tel. Pankow 28 40. Vors. d. Einheitsverb. soz. 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Vorverkauf ab 10 Uhr ununterbrochen. 8 Winter Uhr Garten Letzte Woche Otto Reutter Konzertsaal d. staatl. Hochschule f. Musik Hardenbergstraße, Ecke Fasanenstraße Freitag, den 30. März, abends 8 Uhr Konzert der Typographia Gesangverein Berlin. Buchdrucker u. Schriftgießer Gegr. 1879. Mitgl. des DASB. Chormeister: Alexander Weinbaum Mitwirkender: Direktion Kühnert. 8 Uhr ten u. Modernisieren sämtl. Polstermöbel Charletfenstr.90-91. Dönh.170 Der Flieger J. Hojda[ G. F. 72 8 Uhr. Barnowsky- Bühnen Schönhauser Allee 176 u. Swinemünder Die Bollé Sisters" Th. Königgrätz. St. Str. 117( a. Senefelderpl.) Humboldt 5933 Ein Berliner Volks- Bergm. 2110 Max stück von Friedmann- Frederich. Adalbert, Lea Seidl, Lori Leux Th.i. Admiralspalast Dir. Herm. Haller Arthur Hammerstein Gastspiel Rose Marie 3 Jahre ununterbr. auf d. Spielplan der Vereinigten Staaten 2 Jahre ununterbrochen in England 400 Aufführungen in Paris Uraufführung Freitag, 30.März präzise 7 Uhr. Metropol- Th. 8 Uhr: Flucht von John Galsworthy Regie: Victor Barnowsky Komödienhaus Norden 6304. Tägl. 8 Uhr: Broadway Planetarium am Zoo Verläng. Joachimsthaler Straß Noll. 1578 18 und 192 Uhr: Der Sternhimmel der Heimat 18 u. 21 Uhr: Im Reiche der Mitternachtssonne Eintritt I M. Kinder unt. 15 Jahren 0.50% Zentrum 128 24 Kleines Theater 8 Uhr: Der Graf von Luxemburg Hechy, Matzner, Ralph Artur Roberts, Kettner Hofen, Hell, Hoffmann Täglich 8 Uhr: Erika Glässner in Lissy die Kokotte Für Jugendliche nicht geeignet Residenz- Theater Walhalla- Th. Tägl. 8 Uhr: Kein Polizeiverbot Weinbergsweg 19/20 Täglich 8 Uhr. Oskar Ebelsbacher Die Erben von in Groß- Quirlitz Schule der Liebe v. Fedor v. Zobeltitz Deutsche[ G. F. 43 Dampffischereigesellschaft Nordsee" 99 Brunnenstraße 62 Reinickendorfer Str. 47 Humb. 9927/28 Moabit 8764. 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Und selbst wenn dos Gericht schon verzogen ist, können sich die dazugehörigen Lokole nicht von der Tradition trennen und heißen dann noch lange Jahre hin- durch„Zur letzten Instanz" oder„G e r i ch t s l o u b«", trotzdem das eigentlich eine Vorspiegelung falscher Tatsachen ist und sie längst nicht mehr den Reiz einer wirklichen Gerichtskneipe haben. Denn die echten, wirNichen Gerichtskneipen haben schon ihre Reize und ihre eigene Not«. Bei den Zivilen. Vor ollem hat jede Kneipe ihr Publikum, und das ist genau unterschieden je nach dem Gericht, zu dem die Kneipe gehört, anders bei einem Zivilgericht, anders bei dem Kriminalgericht. Das Publikum der Zioilkneipen ist in seiner Mehrzahl g ut b ü r» g e r l i ch, aber darum durch seinen Zusammenstoß mit der Dame Justitia um so aufgeregter und trostbedürftiger, einerlei, ob man nun die verlierend« oder die obsiegende Partei war. Darum sitzen dann die Parteien mit„ihren" Zeugen im„Sitzungszimmer* der Kneipe noch stundenlang beisammen und erörtern nun mit neu» gewonnenem Wissen nochmals den ganzen Fall. Von den Tischen rechts und links hört man Gesprächsbruchfetzen:„Wie komm ick denn dazu. Eltern für det Kind zu spielen, wo sich det Mensch mit jedem Schäsfehr..„Das muß der Richter doch einsehen, daß ich als besser« Dame nicht nötig habe..„Und an det janze Malheer is ja bloß der Rechtsanwalt schuld, wo ick ihm doch jenau jesacht habe, wat von die Oll« mit ihre Arokodilstränen zu hallen is... Stellt sich det Mensch hin un schweert!" 3a,„und schweert!" Das ist immer der große Zorn, dieses Zeugnis eines Zeugen, über das nicht hinwegzukommen ist, und tröstend wird hier hinter dem Glase Bier alles hervorgeholt, was die Aussag« dieses Zeugen hätte entkräften können,„wenn man auf so'ne Frechheit iebahaupt jefaßt gewesen wäre". Immer aber bleibt hier noch ein Trost: Man kann ja noch zur nächsten Instanz gehen, und vielleicht kann man bis dahin dem verdächtigen Zeuge» den Meineid nach- weisen. Auf jeden Fall aber stellt man sich mit„seinen" Zeugen gut, und darum sind hier gewinnend« wie verlierende Parteien bei ScJwznjtrühbscci der Begleichung der Zeche gleich generös, um so mehr, als der Verkündungstermin ja noch aussteht und man nicht weiß, wie man noch die guten Freund« brauchen kann. Bei den Kriminalen. Anders sieht es in den Kneipen am Kriminalgericht manchmal aus. Hier spricht das Publikum, wenn der diskret be- dienende Wirt verschwunden ist und es sich unbeobachtet glaubt, Manchmal eine viel deutlichere Sprache: feierlich wird der Freispruch begossen, hoch klingt das Lied vom braven Mann, der dichtgehalten hat und keinen seiner Freund« mit hereinriß.„Mensch, Albat war immer«en Schentelmen, uff den kann man sich verlassen, der schwört, wat er auf die Jabel ruff> kricht!"..3ani kleen und häßlich is der Staatsanwalt jewordn, wie Lalle det Alibi bloß so hiujelechl hat!" lind es fehlt nicht viel, daß man dos schone Lied anstimmt: „Mensch, komm mit mir uff't Amtsjericht, Do schwörn wir alle beide Dem Richter treu ins Anjeficht Die allerfchwersten Eide!" Schließlich hebt man sich diesen Schlachtgesang aber doch lieber für die Stantmkaschemme auf, in der man der Diskretion und Vorsicht des Boostes doch sicherer sein kann. Eine andere Kund- schaft sind die„versöhnten" Parteien, die die neugeflickte Freund- schaft gleich mit einer Lage Kognak taufen. Die Frauen halten sich bei diesen Dersöhnungsfeiern messt sehr zurück, sie sind nun mal von Natur„nachträgscher" als die Männer, die sich viel leichter gerührt in den Arme« liege«:»Mensch, Otto. ollet schwärzet Riebenschwcin, wenn ick ooch mal Rindvieh zu dir jesacht habe, mußte det nich jlcich so wertlich nehm! Un kiek dir bloß unsre Ollen mal unparteiisch an: Lohnt et sich denn, det wir uns da dru.m zanken?". Die Damen aber im „B e r s ö h n u n g s st ü b ch e n" sehen sich an, hundert Rachcschwüre und zehn zukünftige Beleidigungsprozesse in den Augen und im Herzen. Weisheit an der Wand. Alle diese Kneipen suchen ihren besonderen Charakter durch Wandschmuck möglichst zu betonen, und es ist ein gutes Stück volkstümlicher Iustizkritik, das da die Wände predigen. Da steht in einer kleinen Kneipe der resignierte tröstende Wandspruch:„Bei Gott und in Moabit ist alles möglich!"— Das WC. heißt überall mit schöner Uebereinstimmung„A k t« n k a m m e r", liebevoll wird auf die Berufungsfrist aufmerksam gemacht.„Ist drüben Unrecht dir geschehn, laß dich in einer Woche wiedersehn!" Der alte Satz:„Wer Sorgen hat, hat auch Likör" aber ist hier passend varitert worden:„haste'aen Freispruch, trink een Likör, biste ver- urleilt, saufsle noch mehr!" Die einzelnen Räume werden als „S ch w u r g e r i ch t s s a a l", als„B e r a t u n g s z i m m e r", „Sitzungszimmer" oder„V e r s ö h n u n g s st ü b ch e n" auf» gezogen, und am Kriminalgericht heißt in fast allen Kneipen die „Damenabtellung":„Zum Barni in." Der malerische Wand» schmuck läßt meist sehr zu wünschen übrig, die Idee ist meist viel besser als die Ausführung, nur eine der Gerichtskneipen macht hier eine rühmliche Ausnahm«. Beim Amtsgericht Berlin-Mitte liegt unter dem Stadtbahnbogen ein kleines„G e r i ch t s st ü b ch e n", in dessen malerischem Wandschmuck sich Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung mit einem guten zeichnerischen Können vereint. Da sprengt feurig der paragraphenfressende Amtsschimmel daher, von St. Bureaukratius geritten und den Rechtsanwalt auf der ZPO., der Zivilprozeßordnung, hinter sich herschleifend. Unter- irdisch zernagen die Ratten die Gesetzesbücher, ein drillen- bewehrter Gcfetzesbaudwurm ohne Augen kriecht hinter seiner Beute her, die sich gewandt durch, die Paragraphen windet, der Advokat melkt die Kuh, um die sich Metzger und Bauer streiten. Rings um die Wände des Schankraumes führen die Para- graphen einen lustigen Tanz auf. Flügelgeschmückt fahren sie schließ- lich gen Himmel, aus den Wolken schaut S a l o m o in Talar und Barett des deutschen Richters. Das noch in Friedensuniform blau- gekleidete„Auge des Gesetzes" sieht argwöhnisch auf den Unglücksraben, der sich im Paragraphengestrüpp verwickelte und strauchelt, während hinter dem Schutzmann der sprunggewandte Langsinger mit kühnem Satz die Paragraphen überspringt. Und alle diese Typen find nicht nur gut erdacht, sondern auch gut gezeichnet. Es scheint fast, als habe hier der Zeichner bei den Phantasien über das Gesetz und seine Hüter mit grimmigem Humor sich eigenen Kummer vom Herzen gezeichnet. Belebt und interessant sind aber alle diese Kneipen nur bis in die ersten Nachmittags st unden, dann verlieren sich ihr« Kunden: hier und da trinkt noch ein einsamer Gerichtsdiener einen Schoppen, um sich den Staub ans der Kehle zu spülen, dann liegt die Kneipe verlassen. Die Freigesprochenen setzen ihren Triumphzug in bekannteren Gefilden fort, die anderen ober denken vielleicht im stillen Kämmerlein mit Groll im Herzen an die Weisheit aus der Kneipe:„Bei Gott und in Moabit ist alles m ö g l i ch." Morgen aber wird dieselbe Mühle von neuem mahlen! R. E. Was soll mein Kind werden? Der Fischzug nach billigen A rbeitshänden. Alljährlich um die Zeit der Schulentlassungen beginnt der groß« Fischzug nach den billigsten Arbeitshänden. Sind schon die Ungelernten billig, die Lernenden sind noch weit billiger und werden durch sogenannte Lehrverträge auf drei oder vier Jahre gebunden. Sogenannte Lehrverträge, weil sie nicht etwa in freier Ueberein- kunft zwischen den Vertragspartnern abgeschlossen, sondern den Eltern und Vormündern von den einzelnen Interessentengruppen der Lehrlingsholter diktiert werden. Die aus der Zunstzeit übernommene Tradition des Lehrlings- wesens wurde in die Gewerbefreiheit übernommen und trotz aller technischen Umwälzungen blieb sie von ollen. Gewerbeordnungs- Novellen nicht nur unberührt, sie wurde vielmehr durch die Zwangs- innungsnovelle wieder aufgefrischt. Nach der Revolution machten sich ernsthafte Bestrebungen geltend, um das Lehrlingswesen zu reformieren, allein sie wurden in der Gesetzgebungsmaschineri« um- gebogen zu' Entwürfen für ein allgemeines Iugendschutzgesetz, das an sich wohl zu begrüßen ist, die L« h rl i n g s w i r t s ch a f t aber unangetastet läßt. Sie Ausnühung als Gewohnheitsrecht. Das Unternehmtertum im Kleingewerbe wie im Handel be- trachtet die Ausnützung jugendlicher Arbeitskräfte als G e w o h n- Heitsr echt, dos di« Eltern verpflichtet, ihnen ihre Söhne und Töchter jahrelang zu einem sogenannten Kostgeld zu überlassen. Die Lehrlingshalter können weder rechtlich für die Folgen einer mangelhaften Ausbildung verantwortlich gemacht werden, noch über- nehmen sie oder ihre Interessenverbände irgendeine Garantie dafür. daß die Ausgelernten in dem erlernten Beruf« bleiben und dauernd ihre Eyistenz darin finden können. Die Rollen sind sehr ungleich verteilt. Sehen wir uns unter der Masse der„Ungelernten" in den Industriebetrieben um, dann finden wir hier einen großen Teil all der.Llusgelernten" Im Kleingewerbe wieder und begegnen den ausgelernten Kauflcuten auf der Straße als Provisionsreifenden oder in den Schreibstuben als Schreiber. Soll das immer so bleiben? � Die Gewerkschaften erlassen alljährlich der Reihe nach ihre Warmingen vor der Ergreifung gerade ihres Berufes, der schon stark übersetzt oder gar im Absterben begriffen s«i. Vergeblich suche« die Eltern nach dem Beruf, der ihnen als Lehrberuf emp- fohle« würde. In guten Berufen wird hie Lehrllngshaltung eingeschränkt. Die meisten Lehrstellen sind in solchen Berufen zu finden, in denen zwar die Auenützung von Lehrkräften geschätzt wird, für Ausgelernt« aber kein Platz mehr ist. In den verhältnismäßig wenigen Berufen, deren Erlernung sich lohnt, wo der g e- lernte Arbeiter noch unentbehrlich und daher ver» hältnismäßig gut bezahlt wird, ist di- Le h r li n g s h al t u n g eingeschränkt und die Anzahl der Lehrstellen gering. Di« Lehrwerkstätten der Großbetrieb«, die selbst in Berlin bald auf- gezählt sind, stehen außer den Söhnen der Werkmeister nur solchen Lehrlingen offen, deren Ellern sich einer gewissen Protektion er- freuen. Das„Erziehungsverhältnis" wird hier neuerdings mehr und mehr in werksgemeinschaftlichem Sinne ausgedehnt. Grundsätzlich ist zu fordern, daß jedem Jungen wie jedem Mädchen Gelegenheit gegeben wird, sich einer Berusstätigkeit zu- zuwenden, zu der sie sich In gesuirbheitlicher und psychotechnischer Hinsicht am besten eignen. Dazu bedarf es in vielen Fällen lediglich einer kurzen Anleitungszeit, die durch Berussunter- r i ch t zu ergänzen ist. Wo«ine längere Lehrzeit erforderlich ist. darf deren Dauer nicht rein scheinatisch festgelegt werden, wie es den Profitinteressen der Lehrherre» am dienlichsten ist oder der tastenmäßigen Abschließung einer Berufsgruppe, sondern so, wie es dem Zweck der Anlernung je nach der Art des Berufes und seiner wirtschaftlichen Bedeutung entspricht, d. h. der Zahl der b«- schäftigten Gehilfen und ihrer Bezahlung. Werden die Lehrzeiten auf das unbedingt notwendige Maß herabgeschraubt, dann scheidet das rein profitliche Moment der Lehrlingsausbeutung aus und es ist dann einer weit größeren Zahl von Schulentlassenen möglich, eine berufliche Tätigkeit zu erlernen. Oas Schicksal des„Ungelernten". Auf die Dauer ist der Zustand unhaltbar, daß der„Hilfs- arbeite?", der er wurde, weil ihn seine Eltern in keine Lehr« geben konnten, sein ganzes Leben lang als Ungelernter mit schlechtester Bezahlung abgestempelt bleibt. Selbst wenn er sich dank einer gewissen Intelligenz über das Niveau des Ungelernten aufschwingen könnte, versperren ihm die Zunftschranten den Weg, auch wenn er ein Jahrzehnt und länger in einem bestimmten Berufe als Hilfsarbeiter tätig ist. Er kann jederzeit und in jedem Benife Unternehmer werden, falls er das nötige Kapital besitzt, aber„Gelernter" werden kann«r nicht. Kann auch die heutige Lehrlingsmißwirtschaft nicht mit einem Schlage beseitigt oder auch nur wesentlich gebessert werden, so muß doch die Frage des Lehrlingswesens einmal gründlich aufge- rollt werden. Gerade jetzt wäre der geeignet« Zeitpunkt dazu, well in den nächsten vier Iahren sich der Geburtenausfall in d«r Krieaezell auswirkt. Den Lehrlingshaltern der aussichtslos«» Berufe, in denen nur Lehrlinge und kein« alleren Gehilfen beschäftigt werden, dürfte kein Lehrling mehr zugeführt werden, während in allen übrigen Berufen die Zuweisung von Lehrlingen von einer gründlichen Besserung der L«hrbedlngungen durch eine Berkürzung der Lehrzeit und der Erhöhung d«s „Kostgelds" abhängig zu machen ist. Das Ziel aber muß fein: die Ueberwindung der ganzen zünftlerischen L«hrlingewirsschaft. Friedrich Eikern. VON B.TRAVEN_ tUchdruck»erboten SCopyrlghMW» by Büdiergild« Gutenberg, Berlin 27. Fortsetzung. „Das sind nun mehr als hundertfünfzig Jahre her, jo ungefähr in der Zeit der amerikanischen Revolution. Da lebte in der Nähe von Huacal ein wvhlsttuierter Indianer, der zu den Häuptlingen der Chiricahuas gehört«. Er hatte«ine schöne Farm und beteiligte sich nicht an den Mord- und Raubzügen der benachbarten Sippen. Die Sippe seines Stammes war hier jehhaft geworden und fand in der Landwirtschaft mehr Freuden und Wohlstand als in den Streifzügen und in den ewigen Kämpfen mit den Spaniern. Der Häuptling hatte nur ein L«id auf der Welt: sein einziger Sohn, Erbe und Erhalter seines Adelsranges, war blind. In früheren Zeiten wäre der Sohn ja getötet worden; seitdem der Stamm ober seßhaft geworden war und die Sippen sich zum Christentum bekannt hatten, war man weitherziger geworden. In diesem Falle sprach auch noch die Tatsache mit, daß der Junge sonst wohlgebaut und kräftig war, und daß er ein selten schöner Knabe genannt werden durfte. Ein Mönch, der herumzog und die Freigebigkeit des Häuptlings bis zur letzten Nagelprobe auszunützen verstand, riet dem Bater, er möge mit seiner Frau und dem Jungen eine Pilgerreise zur gnadenreichen Gottesmutter von Guadolupe unternehmen und mit der Opferung ja nicht sparen, denn dafür sei die Gottesmutter sehr empfänglich, und sie wisse den Wert der Gabe wohl zu schätzen. Der Häuptling ließ sein Gut unter der Aufsicht seines Onkels zurück und machte sich auf die Pilgerfahrt. Er durfte weder Pferd noch Esel, noch Wagen gebrauchen und muhte diese gewaltig« Strecke von beinahe zweitausend Kilometer mit Frau und Kind zu Fuß machen, mußte in jeder Kirche, an der er vorüberkam, drei- biindcrt Are Marias beten und eine Anzahl Kerzen und silberne Augen opfern. Endlich erreichte er Mexiko, und nachdem er viele Stunden in der Kothetü'ale gebetet und gefleht hatte, begann der letzte Teil seiner harten Aufgabe. Dan der Kathedrale bis zum Gnadenbild« in Guadalupe sind fünf Kilometer. Diese fünf Kilometer hotten er, seine Frau und der kleine Junge auf den Knien zu rutschen, und jeder batte dabei eine brennende Kerze in den Händen zu tragen, die trotz Wind und Regen nicht ausgehen durfte. Wenn eine Kerze zu End« ging, dann mußte rechtzeitig ein« neue, die geweiht war und darum mehr Geld kostete als ander«, gewöhnliche Kerzen, an der ausbrennenden angezündet werden. Die ganze Nacht hindurch ging die mühselige Reis«. Der Junge schlief ein, und noch im Schlaf wimmerte er um ein Stückchen Maistuchen und um Wosier. Aber sie dursten weder essen noch trinken. Sie warteten, bis der Jung« sich wieder ein wenig erholt hatte, und dann ging die Prozession weiter. Alle Leute, Spanier und Indianer, die ihnen b«gegn«ten. wichen ihn«n scheu aus und bekreuzigten sich: denn was für eine unerhörte, nichtswürdige Sünde mußte diese Familie begangen hoben, daß sie eine so furchtbare Pilgerfahrt abzu- büßen hatte. völlig erschöpft kamen sie an den Fuß des Cerrüo de Tepeyacac, des Hügels, auf dem die Gottesmutter im Jahre 1SS1 dem Quauhtlatohua-Indianer Juan Diego persönlich dreimal erschienen war und ihr Bild in seinem Ayat«, seinem Ueberwurf zurückgelassen hatte. Hier lagen sie drei Tag« und drei Nächte auf den Knien, betend und flehend. Der Häuptling hatte sein Dieh und seine ganze Ernte der Kirche versprochen, wenn ihm die Gottesmutter in seiner Not hülfe. Doch kein Wunder ereignet« sich. Da versprach er end- lich, dem Rate des Mönches folgend, seine ganze Farm und alles, Diese fünf Kilometer hatten er, seine Frau und der kleine Junge auf den Knien zu rutschen... was er habe, zu opfern, wenn die Gottesmutter feinem Kinde das Augenlicht gäbe. Aber das erwartet« und ihm fo sicher versprochene Wunder vollzog sich auch jetzt nicht. Der Knabe wurde so«rschöpft von dem langen Fasten und der anstrengenden Reise, daß sich �eine Mutter endlich ganz seiner Pflege widmen muhte, um ihn am Leben zu erhalten. Der Häuptling, nicht mehr wissend, was er noch mehr tun könnt«, begann an der Macht der Gottesmutter im besonderen und an der Macht der christlichen Religion im allge» meinen zu zweifeln, und et sagte» daß er nun zu den Medizin- männern seines Stammes gehen wolle, die seinen Vätern oft genug Beweise von der Macht und der Wunderkvaft der alten indianischen Götter gegeben hätten. Die Mönch« verboten ihm, so gottesläster- lich« Reden zu führen, und drohten ihm an, daß seine Familie noch böser« Gebrechen zu erwarten habe, wenn er nicht aufhöre, seine Zweifel zu äußern. Uni» sie sagten ihm, daß er allein die Schuld trüg«, die Gnadenmutter wisie wohl, was sonst kein Mensch wisse, daß er aus der Reis« Fehler gemocht hob«,«in« Kirch« über- schlagen habe, sich bei dem Beten dar Ave Marias absichtlich vsr» bl«ch dem Absdilub unseres GoMgr&berronMiu bringen vir Aid Nr. 513. Aus den Papieren eines Rc chisan walis. Hier wird ein Stück aus dem Alltag wiedergegeben. Aber dieser Alllag Ist reicher an Konflikten und Verwicklungen, als sie der phanlasferoUsie Dichter xu erfinden rermfidite. Ein einfacher Mensch gerat in das Dickicht, das falsche Erxiehung, veraltete Anschauungen Ober die Ehe und die loten Paragraphen der Gesetze um unser Gefflh'sleben errichtet haben. Er weifi sich nicht anders zu helfen, als dafi er das Leben der Frau,«He er Hebt, und damit sein eigenes leben vernichtet. zählt habe, um schneller fertig zu sein, boß er gegessen habe, wenn er nicht sollt«, und daß er verschiedene Male des Morgens Wasser getruttken habe, ohne vorher niederzuknien und zu beten. Der Häuptling mußte schließlich zugeben, daß er wohl einmal nicht drei- hundert, sondern nur zweihundertundachtzig Aves gebetet habe» weil es ihm schwer falle, so hohe Zahlen zu behalten. Und gewiß, sagte ein anderer Mönch, habe er verschiedene Sünden anzugeben unter- lassen, als er in der Kathedrale gebeichtet habe, denn noch jedem, Don Manuel war ein berühmter argentinischer Arzt... der es verdient habe, hat die Gnadsnmutter aus der Bedrängnis geholfen. Darum möge er die Pilgerfahrt nach sechs Monaten wiederholen. Vielleicht ging dem Häuptling das doch zu weit, oder aber— und das ist wohl das, was am wahrscheinlichsten sein mag— er hatte den Glauben an die Wundermacht des Bildes verloren. Jedenfalls ging er zurück noch Mexiko, aß tüchtig und gut und nahm auch seine junge Frau wieder in seine Arme, was er, getreu der Aufgabe folgend, während der ganzen Reise nicht getan hatte. Dann hörte er herum in der Stadt, und man nannte ihm das Haus eines Don Manuel Rodriquez. Don Manuel war ein berühmter spanischer Arzt, aber er war sehr habgierig und mochthungrig. Er untersucht« den Jung«» und erklärte dem Häuptling, daß er wohrschein- lich sähig sein würde, dem Kinde das Augenlicht zu geben. Was denn der Indianer zahlen könne? Der Häuplling sagte, daß er«ine Farm habe und viel Weh. Das ist ober kein Geld, antwortete ihm Don Manuel, ich brauche Geld, viel Geld. Darauf sagte ihm der Häuptling, daß er den Arzt zum reichsten Manne in ganz Neu»Span!«n machen wolle, wenn er seinem Sohne dos Augenlicht gäbe. Wie er denn das machen wolle mit seiner Farm, fragt« Don Manuel. Ich weiß eine reiche Gold- und Silbermine, sagt« der Häuptling, und die will ich Ihnen zeigen, wenn mein Sohn sehen kann. Und sie mochten den grausamen Kontrakt, daß Don Manuel dos Recht haben soll«, dem Kind das Licht der Augen wieder auszulöschen, wenn die Mine nicht existiere oder schon jemand anders gehöre. Don Manuel arbeitete und operiert« mit dem Jungen zwei volle Monate und vernachlässigt« alle sein« anderen Patienten, dar- unter sogar den Geheimsekretär des Vizekönigs. Und nach zwei Monaten komtte der Knabe sehen wie ein Adler, und Don Manuel erklärte dem Häuptling, daß nun das Augenlicht dauernd sei. Und das war richtig. Di« Freud« des Häuptlings war grenzenlos, und feine Dank- barkeit kam aus treuem Herzen.„Nun will ich dir sagen, Don Manuel, daß ich dich nicht belogen habe,' war seine Antwort, als der Arzt wegen der Bezahlung fragte.„Die Mine gehört meiner Familie. Als die Spanier kamen, wurde sie von meinem Urvater verschüttet, weil wir kein« Spanier in unserem Distrikte haben wollten, weil wir die Spanier haßten, und weil wir wußten, daß die Weißen das Gold und das Silber mehr liebten als ihren Gottes- söhn. Di« Mine war verraten worden, und die Spanier kamen und rissen meinem Urvater und seinem Weibe lebendig die Zungen aus, um zu erfahren, wo die Mine sei. Aber obgleich sein Mund voll Blut war und die Schmerzen ihn wahnsinnig machen wollten, lachte mein Vater ihnen ins Gesicht, und sie bekamen die Mine nicht. Und mein Urvater zeichnet« die Worte nieder, und nach seinem Tode gingen sie von dem Mund des Sohnes zu dessen Sohn« und so fort bis.zu meinem Munde: Wenn dir oder deiner Familie oder deirrem Stamme von einem Menschen ein großer Dienst erwiesen wird, den dir weder der federgekrönte Gott unseres Volkes noch der blutgekrönte Gott des weihen Volkes erweisen wollte oder nicht erweisen konnte, so gib den Schatz jenem Menschen, und ihm soll er gehören. Du. Don Manuel, host in meinem Sohne mir, meiner Familie und meinem Stamme jenen Dienst erwiesen, den zu erweisen trotz oller m«in«r Mühen und Gebete und Opfer der Gott de» weißen Volkes zu schwach war, und dir gehört darum die Min«. Folg« auf meinem Wege, den ich dir sagen will, nach drei Monaten und sprich zu niemand, was du weißt, und ich will dich zum reichsten Manne machen in ganz Neu�vponien." lFortsetzung folgt.) N74S DER TAG BRINGT. Idiotenführer durch den Anzeigenteil. Folgend« appetitliche Ernte stammt aus einer Nummer einer „strengnationalen" Zeitung: „Der biblische Moses! Pulver-, Bomben- und Dynamitfabrikant.(!!) Nie dagewesene Enthüllungen! Preis geheftet nur 0.60 M." Der völkisch-hebräische Moses scheint ja eine originelle Nummer gewesen zu sein. Vor der Erfindung des Puloer» Dynamit in en gros zu fabrizieren— das bringt eben nur so ein„Weiser von Zion" fertig! „Einheiratmöglichteit in mittelgroße Landwirtschaft für Deutschen nicht unter 30 Jahre aus altem Adels- oder gutbürgerlichem Haufe, frei von femiti- schen Beziehungen mit garantiert nordischem Typ.(!)* Patemen Germanen, wenn möglich direkten Nachfolgern des Friedrich Barbarossa, die über einen Garantieschein verfügen, ist hier eine vorzügliche Sanierungschance geboten. Doch weiter: „Wir haben uns verlobt! Erika v. Weyhe-Eimke— Kurt Grienienz. Hermannsburg. Celle. Im Hornung im 10. Jahre der Schmach!" Gut gebrüllt, kleiner Wodan...! „Jeden Montag Geld erhalten vertrauenswürdige Herren von nationaler Veranlagung f!) durch Vertrieb des größten konkurrenzlosen Schlagers, das Kupfertiefdruck- bild Friedrichs des Großen. Wöchentlich bis 200 RM.! Unser großer König gehört in jedes deutsche Haus! Deutscher Heldenverlag, Königsberg." Den so veranlagten vertrauenswürdigen Herren ein kräftiges Horridoh mit auf den dornigen Weg! Und zum Schluß: „Gesucht zum IS. März junges Kleinmädchen. National- charakter Bedingung.(!!) Gartenarbeit er- wünscht!" Soviel unfreiwilliger Humor schon im Anzeigenteil! Die rechts- radikale Idee hat eine Zukunft: im Kabarett! Ein jüdischer Manager gesucht! K u k a. Die Rache im Gerichissaal. Ein damatischer Zwischenfall ereignet« sich in Eolumbi» (Bereinigte Staaten Amerikas). Das Gericht hatte eben erst den Letter der Polizei der Stadt Kalera, Blike, von der Anklag«,«in junge» Mädchen namens Louise Montibaro getötet zu hoben, frei- gesprochen. 2m Augenblick, als feine Freunde und Verwandten ihn zum Ausgang des Prozesses beglückwünschten, drückte die Mutter der Getöteten auf ihn einen Revolver ab, traf ihn jedoch nicht. Run stach die Tante der Getöteten aus Blike mit einem Dolch«in und vsr- wundete ihn tödlich am Halse. Bon ähnlichen blutigen Ausschreitungen im Gerichtssaal wurde vor kurzem au» Hindenburg(Obersckil.) berichtet. Der Schau- platz war diesmal das Amtsgericht. Die Frau des Grubenschlägers C i s l o k forderte von ihrem Mann einen Schadenersatz wegen tätlicher Mißhandlung. Plötzlich warf sich Cislok auf seine Frau und schlug auf sie mtt einem dicken Knüppel ein. Die Beschlagene fiel zu Boden. Das hinderte den Wüterich aber nicht, die Blutüber» strömte noch weiter mit dem Knüppel zu bearbeiten. Die Frau wurde in bewußtlosem Zustand in dos Knoppschaftslazorett über- geführt. Das mörderische Auto. Die Zahl der in den Bereinigten Staaten im Jahre 1S27 durch Automobile getöteten Personen hat gegenüber dem Jahr« 1925 um 1316 zugenommen und betrug insgesamt 26 618. Außerdem erlitten 799 000 Personen durch Kraftwagen ernst« Verletzungen. Der volks- wirtschaftlich« Verlust an Menschenleben, Arbeitskraft und Material. schaden wird auf 672 000 000 Dollar geschätzt. Di« Zahl der Kraft- wagenunfäll« an Bahnübergängen hat ein« leichte Verminderung er- fahren. Dort betrug die Zcchl der getöteten Personen 2120 gegenüber 2414 im Jahre vorher. Pfälzischer Humor, Ein Knabe und ein Mädchen hatten ein Brüderchen bekommen. Das Mädchen sagt« altklug:„Ich Hab' bi« Kist' g'sehne, in der's ankumm« sich, sie steht im Keller,'s steht drusf: Sähnlein trocken" (Schaumweinsirma). Aber der kritische Bruder versetzte:„Do sinn mer ang'schmeert,'s Brüderls sich jo immer naß." Wer weiß das? Das Taschentuch kam zuerst in Venedig auf. Und zwar zu Anfang des 16. Iahrhundens. Erst in der Mitte des 17. Jahr- Hunderts wurde es in Deutschland eingeführt. Damals diente es als Luxusartikel. Mit der Verfeinerung der Sitten wurde es glück- licherweife Gebrauchsartikel. * Ein Eisberg, der 100 Meter über dem Meeresspiegel emporragt, taucht um das Siebenfach« seiner oberen Läng« in das Meer hinab. * In Süddeutsc�and hat man für„schlafen" die hübsche Umschrei- bung ,chie Augendeckel von innen anschauen". n Hans Sachs, der„Schuhmacher und Poet dazu" soll ein großer Katzenfreund gewesen sein. Er wurde auch von einem Zeitgenossen mit einer Katze auf dem Pult gemalt. * In einem Bienenkorb« befinden sich im Somm-r zwischen 40000 und 50 000 Bienen. * Der best« Tee tostet in China nur rund 25 Pf. da» Pfund. * Onkel Sam(englisch: Unele Samt sit eine scherzhafte Bezsich» nung der Amerikaner, deren Ursprung mit Sicherheit nicht noch- weisbar ist. Bielfach wird behauptet, daß Uncle Sam au» einer witzigen Deutung von U. S. Am. gekürzt für United State« os America entstand« ist. Das Museum des Sportes. Der Borstand des Museums für Leibesübungen hatte vor einigen Tagen Bertreter der Reichs- und Staatsbehörden, der Stadt Berlin, der Parlamente, der Sportorganisationen und der Preffe zu einer Berichterstattung über das Museumswert versammelt. Nach einer kurzen Begrüßung durch den ersten Vorsitzenden, Oberregierungsrat Dr. Mallwig, überbrachte der Vertreter des preußischen Wohlfahrtsministers, Staatssekretär Dr. Scheidt, die Grüße des Wohlfahrtsministeriums. Er betonte im weiteren Verlauf feiner Ausführungen den hohen Wert der Leibesübungen und ihre Förderung durch Staatsstellen. Im Museum für Leibesübungen find wertvolle Sammlungen zum Quellenftudium gesammelt worden. Geld- und Raummangel laffen jedoch vorerst eine größere Ausbreitung nicht zu. Wohl versucht Preußen, dieses großzügige Wert tatkräftig zu unterstützen. Da jedoch auch hier nur bescheidene Mittel zur Verfügung stehen, müssen die in Frage tommenden Organisationen selbst mit Hand zur Hilfe anlegen. Oberbürgermeister Bö bemerkte als zweiter Redner, daß Reich und Preußen in erster Linie sich um das Museum zu bemühen haben. Aber auch Berlin, die Stadt, in der so intensiv gearbeitet wird, hat ein großes Interesse für diese Bewegung. Ober: bürgermeister Böß stellte im Namen der Stadt Berlin dem Museum 1000 Mart zur Verfügung. Dann teilte noch der Vorsitzende des Reichstagsausfchuffes zur Förderung der Leibesübungen, Abgeord. Shred, mit, daß auch die Parlamente immer mehr den Wert der Beibesübungen erkennen. Im neuen Haushaltsplan find für diese 3wede die Mittel von 1 Million auf 1½ Million Marf erhöht worden. Wenn auch diese Gelder noch lange nicht ausreichen, so wird doch damit der Beweis geliefert, daß es hier vorwärts geht. Schred stiftete aus eigenen Mitteln 100 Mar?. Dberregierungsrat Dr. Mallwis sprach darauf über die tulturelle Bedeutung des Museums. Er hob hervor, daß die Leibesübungen produttive Leistungen allerersten Ranges darstellen. Es werde gewissermaßen eine Befreiungsmission fultureller Art durch sie erfüllt, die den Staat und dem Vaterlande in erster Linie zugute tomme. Der Staat habe deshalb auch die Aufgabe, größere Mittel als bisher zu Verfügung zu stellen. Für Beibesübungen, die der heutigen Jugd so bitter notwendig feien, habe man aber immer noch verhältnismäßig wenig übrig. Es wurde darauf ein Rundgang durch die Sammlungen des Museums im Berliner Schloß angetreten, wo ein reiches Material aus allen Gebieten der Leibesübungen zur Schau gestellt ist. Schupo beim Reitturnier. Der Tag der berittenen Schutzpolizei. Den Mittwochnachmittag bestritt die Sch u po mit einem ausgezeichneten Programm, aber leider vor leerem Hause. Der Ein tritt ber Schupo in den Turniersport bedeutet für ein Turnier teine Baufenausfüllung, sondern er ist ein großer Gewinn. Dant ihrer vorzüglichen reiterlichen Leistungen hat die Schupo fich schon jetzt Achtung und Anerkennung errungen und das gerade in Kreisen, die ausgerechnet der Berliner Polizei der Gegenwart recht fern standen. Das Pferdematerial war ausgezeichnet gepflegt und eingeritten, im Typ einheitlich und gut zusammengestellt. An den einzelnen Konkurrenzen nahmen teil das wäre im taifer. lichen Deutschland glatt unmöglich gewesen sowohl der Oberst der Berliner Schußpolizei Heimannsberg, der Führer der berittenen Bereitschaft Oberstleutnant Bertram, der vielversprechende Springreiter der Schupp, Oberleutnant Weitinn wie auch Bachtmeister, die bislang in der breiten Deffentlichkeit noch nicht hervortreten fonnten. Das allein ist echter Sportsgeist. Bei der Bielseitigteitsprüfung, die unter anderem auch bemies, daß die Schuhmannspferde eiserne Nerven haben, blieb die zur. 3. berittenen Bereitschaft gehörige Sjährige braune Stute Lydia unter Bolizeihauptmann Dorff Sieger. Prächtig war das Streifenspringen, das von sieben Gruppen bestritten wurde. Ein starkes Fliegerprogramm bei Rütt. Sport und Spiel Sport und Selbstbewußtsein. Man spricht soviel von der förperlichen Ertüchtigung, die durch| puntt muß man die Bereinsliebhaberei betrachten, sie ist ein Bentit intensive sportliche Arbeit erzielt wird. In einem Nebensatz streift für die Menschen, die beruflicherweise sich nicht ausleben können, die man wohl auch die Tatsache, daß ein gesunder, geschmeidiger und für ihr Leben lang auf eine beruflich schematisierte Arbeit festgelegt gestählter Körper das Selbstbewußtsein hebt, aber ein find. Mehr noch aber als die Vereinsarbeit erlöst der Sport den anderes Moment erscheint oft übersehen zu werden. Menschen aus seiner Isolierung, aus seiner Mechanisierung. Nicht nur aus der Erkenntnis heraus, die sportliche Betätigung lasse den. Körper gesunden, hat der Sport sich die Welt in kurzer Zeit erobert. Erkenntnisse dieser Art brauchen längere Frist, um sich radikal durch zusetzen, sondern das Wissen um die seelische Heilkraft des Sports hat mit den schnellen Siegeszug veranlaßt. Es soll hier von den professionellen Sportlern, von den bezahlten Virtuosen des Sports, abgesehen werden. Bei ihnen ist die sports liche Betätigung zur Lebensaufgabe geworden, sie sind gezwungen, Höchstleistungen zu vollbringen, wenn sie weiterhin intereffieren follen. Ihre Namen find bekannt und in der großen Masse intereffanter als die eines großen Sängers oder Schriftstellers. Sie scheiden bereits aus dem gewöhnlichen bürgerlichen Leben aus. Ihr Selbstbewußtsein braucht keine Krücken mehr. Nebenberuf den Sport betreiben, die ihren Lebensunterhalt Anders jedoch liegt der Fall bei den Sportlern, die nur im im Bureau oder in der Fabrik verdienen. Man macht sich so oft über die Vereinsmeierei oder über den Klubfanatismus lustig und pergißt, daß Menschen, die ihr Leben lang zur Anonymität verurteilt sind, die ihre Existenz immer in denselben Bahnen führen müssen, einen Ausgleich brauchen, einen Geltungsbezirk. Nur sehr wenig Menschen sind so glücklich, durch besondere Veranlagung oder durch besondere Glücksumstände in einem Beruf zu leben, in hervortreten und auch einem größeren Kreis bekannt werden. Die dem sie ihre ganzen Fähigkeiten entfalten tönnen, und in dem sie anderen müssen mechanisierte Berufe ausüben, in denen sie sich nicht ausleben, in denen sie ihre Persönlichkeit nicht zur Geltung bringen, auch wenn sie noch so angestrengt arbeiten. Im modernen Betrieb ist der Mensch gewissermaßen eine Zahl. Aber wenn ein kleiner Angestellter eine hübsche Stimme hat, bann gilt er in seinem Gesangverein etwas, er ist, wenn auch in einem beschränkten Bezirt, ein Name geworden. Er hat ein durchaus persönliches Betätigungsfeld gefunden, er schafft eine Leistung, die er nur in dieser Art volbringen fann. Aus diesem GesichtsOesterreichische Festkultur. Sitten und Gebräuche der Bewohner Desterreichs sind ganz anders geartet als bei uns in Norddeutschland. Die Bewohner des norddeutschen Flachlandes find in ihren Ausdrudsformen und ihrer Festkultur nüchtern, fühl und begrenzt. In jedem Menschen steckt der Bunsch nach förperlicher Betäti gung, lebt die Sehnsucht, rein persönliche, individuelle Leistungen zustande zu bringen, und jeder Mensch, auch wenn er sich selbst sportlich nicht betätigt, fann einen sportlichen Kampf nachempfinden. verlangt das Einsetzen der ganzen Persönlichkeit und ist doch eine Und für den Proletarier fommt noch ein Moment hinzu: der Sport Sache der Masse. Hier auf dem Sportplak zeigt es sich, daß der Buchhalter oder der Eisendreher, der sicher in seinem Beruf tüchtige Arbeit leistet, Betrieb die leiseste Aenderung erfährt, tatsächlich einen besonderen aber trotzdem von einem anderen ersetzt werden kann, ohne daß der Bert verkörpert. Er ist vielleicht als Stürmer oder Torwächter eine unersetzliche Bersönlichkeit geworden, man fennt ihn und jubelt ihm zu. Der Anonyme bekommt einen Namen. Doch darüber hinaus lern zu feinem Individualismus, zu feinem Größenverführt dieses Bekanntsein gerade bei den Arbeitersport= wahn, denn der Unersehbare steht trotzdem im Dienste einer Gemeinschaft: im Dienste seines Vereins und damit im Dienste der proletarischen Sportbewegung. Hier kann sich der Mensch aus wirken, hier ist er etwas. Und dieses Gefühl, dieses Wissen steigert das Selbstbewußtsein, überzeugt den Menschen von seinem Bert, und dieses Wissen um den eigenen Wert und damit um den Wert der Masse ist notwendig, um den anderen die Stirn bieten zu fönnen. A. A. Als Sondervorführung wird ein Flachturnen gezeigt, das die Zuschauer sicher vollauf befriedigen wird. Im sportlichen Teil fommen Stafettenläufe zum Austrag, die bei den zahlreich eingegangenen Meldungen scharfe Endkämpfe erwarten laffen. Den Schluß bildet ein besonderer Lauf", bei dem jeder Teilnehmer und Zuschauer zu seinem Recht fommt. Alles in allem eine Veranstaltung, die besonders von den Schulentlassenen und Lehrlingen besucht werden sollte. Auch die Eltern haben hier Gelegenheit, den Turnbetrieb ihres Jungen tennenzulernen. Dieses lezte große Hallenfest vor Beginn des Sommerbetriebes im Freien beginnt pünktlich um 15 Uhr mit dem Einmarsch aller Jugendturner. Hallenöffnung um 14.30, Unfosten: beitrag 30 Pf. Ganz anders die Bewohner Süddeutschlands und Desterreichs. Im Gebirgslande mit feinen abwechslungsreichen Formen, mit feinen wundervollen, ausdrucksreichen Naturschönheiten mit der Er. habenheit der Bergriesen, von deren schneebedeckten Gipfeln weitschauender Blick ins umherliegende Land führt, mit den herrlichen grünen Almen und den wildbrausenden, zu Tal stürzenden Bächen wohnen impulsive, lebendigere, im natürlichen Trieb ungehemmte Menschen. Nur im Hochgebirge fonnten die herrlichen Jodler entstehen. Kein Gebirgsfest ohne Schuplattler, den charakteristischen Tanz des Hochgebirges, den der Berliner nur zum Bockbierfest zu nehmenden Sportgenossen, Einzelläufer sowohl als auch Staffelfehen bekommt. Wer aber ohne Bockbierfest echte österreichi- läufer, werden hiermit aufgefordert, ihre Wettkämpferpäffe bereit= sche Festkultur betrachten will, der gehe am Sonnabend, zuhalten, da am Sonntag erstmalig eine Baßkontrolle stattfindet. 31. März, zu den Naturfreunden. Die Pässe sind dem Veranstalter vor dem Lauf zu überreichen. Zu Ehren seiner Biener Genossen und des Geburtslandes des Touristenvereins ,, Die Naturfreunde" veranstaltet die Berliner Abteilung Norden des Touristenvereins unter besonderer Betonung des Anschlußgebankens am Sonnabend 19% Uhr in der Aula des Luisenstädtischen Gymnasiums, Gleimstraße 49, einen deutschösterreichischen Abend. Zum Straßenlauf Eichwalde- Schenkendorf! Alle daran teil. Bei den Eröffnungsrennen der Rütt- Arena am fommenden Sonntag spielen natürlich die Dauerrennen hinter Motoren die Hauptrolle. Aber dabei kommen auch, wie es ja auf der Rütt Arena selbstverständlich ist, die Fliegerrennen, nicht zu furz. Zu dem Hauptfahren haben über 20 Berufsfahrer gemeldet, darunter touristik." Kießlich Breslau, Schuler Stuttgart, Dstar Rütt, Rießlich Breslau, Steinbach= Dresden, Baumgärtel. Plauen, Dorn, Maczynski. Sehr interessant verspricht auch das erste Arm fahrer Nörenberg gegen den Meister der Zeitungsfahrer, Kebziersti in die Schranken fritt, sowie das allgemein so beliebte Aus. scheidungsrennen. Florian Kimal bringt österreichische Dialektdichtungen zum Gehör. Alte Wiener Weisen und gebirgsländliche Art wird durch Wort, Mufit, Gefang und Lieder zur Laute zum Ausdrud gebracht. Ländlertänze und Reigen, von öfterreichischen Trachtengruppen ausgeführt, vervollständigen das Programm. Karten zu 0,50 M. find Vereinskalender. HochZorriftenverein Die Naturfreunde". Abt. 30. März, 20 Uhr, Spreeftr. 30. Charlottenburg: Freitag, Lichtbildervortrag: Eächsisch- Böhmische Schweiz. Gäste willkommen. Tellersammlung. Abt. Eüdost: Freitag, Freitag, 30. März, 20 Uhr, Lorgingstr. 19. Die Festkultur im Wandel der 30. März, 20 Uhr, Reichenberger Str. 68. Vortrag. Abt. Gesundbrunnen: Abt. Treptow: Freitag, 30. März, 20 Uhr. Elfenste. 3. Ede Ranner Straße. Lichtbilbervortrag:" Der Schwarzwald" Abt. Reukölln: Freitag, 30, März, 20 Uhr, Jugendheim Böhmische Sportl. Ver, Nord- Ost 06". Leichtathletikabteilung: Berichtigung: Bu unserem Tanzabend am 31. März muß es nicht heißen„ Großes Elerhaus", fondern Ites Eierhaus". Arbeiter Rabfahrerbund Colibarität“. Touren für Sonntag, 1. April. Bez. 21, binde- Verfolgungsrennen zu werden, in dem der bekannte Straßen zu haben: Lofal Goldschmidt, Stolpische Straße 26, Lokal Blessin, Bea. 2, Ortsgr. Röpenid: Saltberge, Start 1 Uhr Schloßplak. Stargarder Straße 3, Zigarrenhandlung Sauer, Schivelbeiner Drisgr. Rieberschönhausen: Jagdschloß Stern, Totsbam. Start 9 Uhr F. Straße 26 und bei den Mitgliedern der Abteilung Norden, holmer Straße Ede Schönhauser Allee, Detsgr. Stralau- Rummelsburg: Wandlig. Start Uhr Türrschmidt. Ecke Leffingstraße. Detsgr. Weikensee: Werneuchen- Tiefenfee. Start 9 Uhr Kaiser- Wilhelm- Str. 12. Ortsgr. Reinidendorf: Beide Abteilungen am Start Residenzite. 109. Ortsgr. Lichtenberg: Müggelberge- Teufelsfee. Start 12% Uhr Jung- Ecke Oberstraße. Arbeiter- Wintersport- Intereffengemeinschaft. Montag, 2. April, 19% Uhr, Jugendheim Neukölln, Steinmenftr. 114. Lichtbildervortrag( Kartenkunde). 5. bis 9. April Kletterfahrt nach Sachfen. Anmeldung bis Montag, 2. April, bei Richard Dunkel, ED 86, Kritüftr. 1. Osterfahrt Freienwalde- Sternebed Tiefensee 2-4 Tage. Anmeldung bei Otto Fiedle am Montag, 2. April, im Jugendheim. Zu den vier Dauerfahrern Sawall, Lewanow, Deberichs und Miquel ist als fünfter noch der Belgier Thollembeef verpflichtet worden. Anerkannte Schwimmreforde. Einige in der letzten Seit auf gestellte deutsche Höchftleistungen im Schwimmen haben jetzt offizielle Anerkennung gefunden, so die Leiſtung von Hilde Schrader Magdeburg, im 400- meter Brustschwimmen mit 7: 01,8, aufgestellt am 5. februar in Berlin, die 100- meter- Freistil- Refordleistung von Reni Ertens, Oberhausen, mit 1:14, aufgestellt am 8. März in Duisburg und der 500- Meter- Freistilreford von Werner Neigel, Magdeburg, den dieser am 11. März in München auf 6: 44,1 per befferte. Kinderturnwarte des 1. Bezirks. Sonntag, 1. April, 9 Uhr, Bezirkslehrstunde für Kinderturnen in Neukölln, Weisestr. 23( Turnhalle). FOX Hinaus in Jugend heraus! Unter dieser Devise veranstaltet die Freie Turnerschaft Groß- Berlin am Sonntag, dem 1. April, ein groß angelegtes Jugend Werbefest aller Jugendabteilungen. Im Rahmen mustergültiger Vorführungen gewinnt der Besucher Einblick in den neuzeitlichen Turn- und Sportbetrieb. Besonders zufammengestellte Sprungriegen sowie das Geräteturnen zeigen, welch hohes Maß von Körperbeherrschung durch systematische Pflege Don Leibesübungen erreicht werden kann. Allgemeine gymnastische Freiübungen werden beweisen, daß es jedem jungen Menschen möglich ist, daran teilzunehmen und in welch gründlicher Art und Weise auf die Durchbildung des gesamten Körpers Bert gelegt wird. Wald und Wiesen von Max Giesen. mit Kleidung Moderne Frauengymnaftit. Eonntag, 1. April, 16 Uhr, tritt die Mädchenund Frauenabteilung des Sportklubs Lurich erstmalig felbständig vor die Deffentlichkeit. Aus ihren neuen Schöpfungen seien besonders erwähnt: Die Internationale", eine Tangftubie; Cine verdrehte, komische Grmnastikstunde", Chinesische Hochzeit", eine Tanzgroteske. Den Abschluß bildet die Negerrevne. Die Beranstaltung findet in den Andreasfestfälen, Andreasstr. 21, statt. Ein tritt 80 f. fchäftsstelle: Willn Forper, Berlin N 58, Stargarder Str. 33. 1. April: An Freie Ranu- Union", Gruppe Ertner. Vereinigung ber Kanufreunde, Gepabbeln nach dem Zeuthener See. Dort leichtathletische Wettkämpfe, Faustball, Laufen usw. Ab 20 Uhr gemütliches Beifammensein im Restaurant Wilhelms hof, Köpenid, Sirschgartenstr. 1( am Bahnhof Sirschgarten). Abfahrt von Ertner um 7 bis 84 Uhr. Nächste Sigung Donnerstag, 5. April, im Reſta rant Bur Ciche", Kaiser- Friedrich. Ecke Saalestraße( Bahnhof Kaifer- Friedrich Straße). Gäfte herzlichst willtommen. Kaufhaus Moabit Turmstr. 42 Max Giesen Eh' Du einkaufst anderswo Frag' stets bei Spar- Radio" Nur Hof rechts Invalidenstr. 116 nicht Keller Anlagen und Teile auf Raten! Farben und Ladie für alle Zwecke, wie Möbel-, Fußböden, Ruder- u.Segelboote. streichfertig und schnell trocknend, kauft man vorteilhaft im größten Farbengeschäft des Ostens Ernst Schöbel Lack- und Oeliarben- Fabrik Boxhagener Straße 109 Tel. E 8 Andr. 4024. Geöffnet 8-7. Alle Musikinstrumente Pianos, Platten Geschäfts- Anzeiger Fleisch billig Bezirk Norden- Often. Wurst Willy Hankar Brunnenstraße 121-122 [ G. 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