BERLIN Freitag, 30. März NO Der Abend Erfcheint täglich außer Sonntags. " 7 Bugleich Abendausgabe des Vorwärts". Bezugspreis für beide Ausgaben 70 Pf. pro Woche, 3 M. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW68, Lindenftr.3 Spätausgabe des„ Vorwärts 66 10 Pf. Nr. 154 B77 45. Jahrgang. Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeile 80 Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Pofticheck konto: Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Dinhoff 292 bis 297 Das Ende des Riefenprozesses. Barmat wegen Bestechung verurteilt, wegen Betruges freigesprochen. Zusammenbruch einer Hehe. Barmat in den Hauptpunkten freigesprochen. Im Barmat Prozeß wurde heute früh 9 Uhr folgendes e p Urteil verfündet: Der Angeklagte Julius Barmat wird wegen aftiver Bestechung in zwei Fällen zu einer Gesamttrafe von 11 Monaten Gefängnis verurteilt, wovon 115 Tage durch die Untersuchungshaft verbüßt und. Im übrigen wurde ce freigesprochen. Der Angeklagte Henri Barmat wird wegen aftiver Bestechung in einem Falle zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt, wovon 157 Tage durch die Unterjuchungshaft verbüßt sind. Im übrigen wird, er freigesprochen. Der Angeklagte Hellwig wird wegen fortgesetzter einfacher passiver. Beste chung zu 6 Wochen Gefängnis verur. teitt, die durch die Untersuchungshaft: verbüßt find. Im übrigen wird er freigesprochen. Der Angeklagte Walther von der Allgemeinen Garantiebant wird wegen Bergehens gegen§ 108 des Gesetzes über die privaten Versicherungsunternehmungen von 1901 zu einer Geldstrafe Don 200 Mart verurteilt. An deren Stelle im Falle der Nichtbeitreibung 5 Tage Haft treten. Im übrigen wird er freigesprochen. Der Angeklagte Stachel wird wegen eines Falles der fortgesetzten schweren passiven Beste chung und wegen eines Falles der einfachen passiven Bestechung zu einer Gesamtstrafe von bret Monaten und drei Tagen Gefängnis verurteilt. Im übrigen wird er freigesprochen. Dem Angeklagten Stachel wird die Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter auf die Dauer von drei Jahren aberkannt. Die Angeklagten Rienste, Lange hegermann, Alfred Staub, Rabinowitsch, Hugo Staub und Hahlo werden freigesprochen. Der alte Reichstag. Das schwankende Gebilde der Die Fraktion der 32Demokraten Der roankende Firm der 69 Zentrumsleute Die 15, linken led Kommunisten Die 30 Stalin Kommunisten lis Bank dec Ländervertreter. & Die 131 Sozialdemokraten 21 Dietschaftsparteiler Stresemanns 51 Dolksparteiler Die Feinde des Yoasserkopfes Berlin: 19 Mann Bayerische Dolkspartei Die 14 völkischen Splitter Der reaktionäre Block der 111 Deutschnationalen Regierungsbank So sieht der alte Reichstag aus, dessen Tagungsperiode jetzt zu Ende geht. Der neue Reichstag muß ein anderes Gesicht haben! Folgende Geldbeträge und Gegenstände sind dem Staate ver Bartels auf dem Wege zur Genesung. auf der Startbahn steht, auch heute nicht zum Fluge über fallen: Gegenüber dem Angeklagten Julius Barmat 41 347 Reichsmart, gegenüber dem Angeklagten Hellwig mehrere Attien, gegen. über dem Angeklagten Stachel ebenfalls einige Aftien, eine Uhr, ein Schranktoffer und anderes. Die Kosten des Verfahren fallen, soweit Verurteilung erfolgt ist, den verurteilten Angeklagten, soweit Freisprechung erfolgt ist, der Staatskasse zur Last. Der Antrag der Staatsanwaltschaft, den Haftbefehl gegen Die Krise überstanden. Das Befinden des Präsidenten des Preußischen Landtags, Bartels, hat sich weiterhin gebeffert, so daß die Aerzte mit ernsten Komplitationen nicht mehr rechnen und auf eine baldige Genesung hoffen.. den Ozean aufsteigen, da das Wetter, namentlich in Irland und auf dem östlichen Teil des Atlantischen Ozeans sehr ungünstig ist. Ueber Jrland lag gestern abend der Kern eines Sturmwirbels mit Windstärken acht bis neun. Auf dem Ozean herrscht überall Westwind, der in der Nähe der irischen Küfte auf der Rückseite des Sturmwirbels sehr start ist, nach Neufundland zu aber schwächer wird. Als günstig für einen eventuellen Ozeanflug ist die Tatsache zu verzeichnen, daß dieser Westwind wärmere Luftmaffen mit sich führt, so daß bis zum 45. Grad nördlicher Breite TempeUnter diefenUmständen wäre die Gefahr einer Bereifung für die Ozeanmaschine nur noch sehr gering. Julius und Henri Barmat zu vollstrecken, wurde vom Gericht Unglück auf der Hamburger Hochbahn. raturen bis zu 10 Grad Celsius Wärme auf dem Ozean herrschen. zurückgewiesen. SEAVAD Zwei Züge aufeinandergefahren. Mehrere Berletzte. Klägliches Ende eines Riefenprozesses! Hamburg, 30. März.( Eigenbericht.) Kläglicher Zusammenbruch einer noch nicht dagewesenen Heze! Troßlose Blamage einer anflagegierigen Staatsanwaltschaft! Das war der Gesamteindruck, als Landgerichts direktor Neumann mit flarer, wohltemperierter Stimme in drei Minuten die Urteilsformel des Barmat- Prozesses verlefen hatte. Auf der Rotenburgsorter Strede der Hamburger Hochbahu stießen heute vormittag furz nach 10 Uhr zwei Züge im Bahnhof Brüdenstraße aufeinander. Das Unglüd ist entstanden, weil für den einfahrenden Zug das Signal Freie Strede" gegeben wurde, obgleich noch ein Zug im Bahnhof ftand. Durch den Zusammenstoß wurden vier Personen, die ins Krankenhaus geschafft werden mußten, schwer und eine größere Anzahl leicht verlegt. Durch eine technische Neueinrichtung, die ein Jneinanderschachteln der Wagen verhindert und sich hier zum erstenmal bewährte, wurde ein größeres Unglüd verhindert. Quinteffenz: In allen Hauptpunkten der Anklage: Betrug, Untreue, Konkursvergehen sind die Brüder Barmat freigesprochen. llebrig geblieben sind ein paar Fälle von Bestechung, die wir gewiß nicht beschönigen, geschweige denn entschuldigen wollen, die aber zu dem Riesenmaß der Anklage in io lächerlichem Mißverhältnis stehen, daß ein allgemeines Kopfschütteln das Ergebnis ist. Die Berge haben gefreißt, und zwei, drei winzige Mäuslein find herausgekommen. Mit welchen Gefühlen hört man am Schluß Nach den bisher aus Baldonell vorliegenden Nachrichten können der Urteilsformel, daß als Objekte der Bestechung im Falle die deutschen Ozeanflieger, deren Flugzeug noch immer starfbereit Stachel ein Schranktoffer, eine Grammophon, eine Uhr und 700 Reichsmart für eingezogen und der Staatsfasse für verd Auch heute fein Ozeanflug. Reichstagsauflösung erst morgen? Schwierigkeiten in letter Stunde. Nach den ursprünglichen Dispositionen des Reichstags sollte die leßte Sigung heute schon stattfinden. Es war geplant, nach der Erledigung des Etats im Reichstag eine Sigung des Reichsrats abzuhalten, in der der Etat endgültig verabschiedet werden sollte. Die aus formalen Gründen notwendige Schlußsigung des Reichstags, in der auch die Auflösung verkündet werden sollte, war für heute abend vorgesehen. Nun sind in letzter Stunde Schwierigkeiten eingetreten. Der Reichsrat ist nicht zu heute, sondern zu morgen einberufen. Läßt sich das nicht mehr ändern, dann muß der Reichstag seine formelle Schlußfizung erst morgen abhalten. Es wird aber darüber verhandelt, eine Reichsratsfizung und damit auch den Schluß des Reichstags schon für heute herbeizuführen. fallen erlärt merden! Begen diefer meltbewegenben Dinge Lärmender Ausklang im Reichstag. ein Brozeß von 15 Berhandlungstagen. mar gemiß nicht schön von Barmat gehandelt, daß er, um ( Fortjegzung auf der 2. Seite.) Berichte über die heutigen Verhandlungen 2. Seite. Das Arteil im Barmat-Prozeß. (Forts ebimg von lxr L Seite.) beim Passieren der Grenze im Zuo dem Zollbeamten Stachel diese � ze weiter schlafen zu können, Zuwendungen gemacht hat. Aber wieviel Reisende von Deutschland nach Holland(insbe- sondere nach Doorn) mögen sich des gleichen Vergehens schul- dig gemacht haben? Wenn man bedenkt, daß dieser er- schütternde Tatbestand einer der beiden bei Julius Barmat zur Verurteilung gelangten Bestechungsfälle ist, also sozusagen 5» Proz. der erwiesenen Schuld umgreift, so faßt man sich an den Kopf und fragt: deswegen Räuber und Mörder?! Wir haben keinerlei Grund, das Geschäftsgebaren Julius Barmats, insbesondere die Ueberspannung des Staatskredits gutzuheißen oder zu verteidigen. Aber mit Recht führt das Gericht in seiner Begründung aus, daß man sich zur Beur- teilung der Vorgänge geistig in die Zeit von 1924 hineinver- setzen muß, als die Anfänge einer stabilen Währung voll- zogen waren, aber die meisten Menschen noch in den Ziffern und Gewohnheiten der Inflationszeit dachten und handelten. Julius Barmat mag sich selbst und andere über seine wirt- schaftliche Kraft getäuscht haben, er mag Irrtümern erlegen sein, die uns jetzt, fünf Jahre nach der Inflation, schier unbegreiflich dünken: ein kriminellerBetrüger — dies steht nach dem Urteil fest— mit dem Vorsatz und der Absicht des Betruges ist Barmat nicht gewesen. Wegen des Barmat zur Last gelegten Betruges an der Preußischen Staatsbank ist Freisprechung erfolgt. Und nun muß man sich erinnern, daß dieser angebliche Betrug die Ursache der berühmten staatsanwaltschaftlichen Verhaftungs- aktion zu Wasser und zu Lande war! Man muß sich erinnern, daß die auf einen Schlag erfolgte Verhaftung sämtlicher Di- rektoren des Barmat-Konzerns— deren große Mehrheit heute freigesprochen wurde, soweit sie nicht vorher schon außer Ver- folgung gesetzt waren— naturgemäß zu einem katastrophalen Zusammenbruch des Konzerns, zu einer völligen E n t- wertung der noch vorhandenen Werte und damit zu einer Riesen schädigung der Staatsgläubiger Bar- mats geführt hat. Zu diesen Verlustsummcn, die auf das Konto der Staatsanwälte Linde, Peltzer, Caspary, Kuß- mann gehen, rechne man die in die Hunderttausende laufen- den Kosten des Riesenprozesses, und man darf sagen: selten ist eine staatsanwaltschaftliche Aktion mit so geringen positiven Ergebnissen einem Lande derart teuer gekommen. Vielleicht darf auch heute einmal daran erinnert werden, daß auf dem Wege dieses staatsanwaltschaftlichen„Sieges- zuges" drei Leichen liegen: die Leiche Höfles und die Leichen der Eltern eines völlig unschuldig verhafteten Di- rektors, die aus Scham und Schande Selbstmord verübten. Und all dieses, damit am Ende einer hochnotpeinlichen Unter- suchung, bei der jedes Geschäftsblatt, jeder Privatbrief umge- wendet und durchschnüffelt wurde, sich ergibt, daß der Post- minister H ö f l e, daß der Zollbeamte Stachel Zuwendungen angenommen haben, die sie aus Beamtentakt sicherlich hätten zurückweisen sollen— eine Angelegenheit, die man gemeinhin in einer zwei stündigen Verhandlung vor Gericht zu erledigen pflegt! Wer all das tritt zurück hinter der ungeheuerlichen und nach diesem Urteil geradezu unfaßbaren Hetze, die jahraus, jahrein gegen die Republik, gegen die Linke und namentlich gegen die Sozialdemokratie mit dem Fall Barmat getrieben worden ist. Broschüren und Flug- blätter, Schimpfworte der gemeinsten Art sind auf uns nieder- geregnet. Von dem verstorbenen Reichspräsidenten E b e r t angefangen, ist kaum ein führender Sozialdemokrat von Be- schimpfungen und Verdächtigungen schmieriger Skribenten und bezahlten Lmnueiigssindels frei geblieben. Ganze Spionagebureaus, wimmelnd von dunklen Existenzen, hat die Dcutschnationalc Partei aufgezogen, um Verdächtigung über Verdächtigung in die Oeffentlichkeit zu schleudern. In de» Untersuchungsausschüssen des Reichstags und Landtags tobte die Hetze, gespeist von gestohlenen Prioatbriefen und Material- lieferanten bis herab zu dem internationalen Spion Breit- Haupt und dem Zuchthäusler Zeuner. Beamte der Staatsanwaltschaft, wie Peltzer und Kußmann, bemühten sich, dieser Gesellschaft Material zuzutragen.' Wer sich damals der wüsten Hetze entgegenzustellen wagte, der galt mindestens als von Barmat gekauft, wenn nicht mitbeteiligt an den an- geblichen Riesenverbrechen. So hat die Hetze Jahr für Jahr sich ausgetobt. Mit ihrer Hilfe wurde derWahlkampffürHindenburg durch- gefochten. Bei jeder Wahl, ob klein oder groß, tauchte immer wieder im Munde der Nationalen— und selbstverständlich auch der Kommunisten— der Name Barmat als Schlachtruf gegen die Sozialdemokratie auf. Immer wieder wurde be- hauptet, die Partei habe zu einem Riesenbetruge, be- gangen am Staatsvermögen, hilfreiche Hand geleistet. Und jetzt?— Nicht einmal der Name irgendeines sozial- demokratischen Führers taucht in der gesamten Urteilsbegrün- dung auf. Dieses Urteil ist das Ende und der Zusammenbruch der Barmat-Hetze. In Voraussicht dieses Zusammen- braches haben sich viele, die ursprünglich kräftig dabei waren, in letzter Zeit zu drücken gesucht. Der Barmat-Ausschuß des Reichstages hat dem toten Präsidenten Ebert eine verspätete Ehrenerklärung ausgestellt. Das ändert aber nichts an der Tatsache, daß auch die damalige ekelhafte Hetze wegen Barmat seinerzeit zu dem frühzeitigen Tode des ersten Reichspräsi- denten beigetragen hat. Und gleich ihm haben sich eine ganze Reihe makelloser Politiker, haben sich die besten und ehren- haftesten Vorkämpfer der Sozialdemokratie grundlos monate- und jahrelang mit dem übelsten Dreck be- werfen lassen müssen. Werden sich die politischen Nutznießer dieser Hetze jetzt entschuldigen? Wir fürchten, daß diese Annahme das politische Anstandsniveau unserer Gegner überschätzt. Aber die Sozialdemokratie braucht diese Entschuldigung nicht. Denn die heutig« Urteilsverkündung hat der Schlange der Verleumdung den Kopf zertreten. Ein Zwischenfall. Bei der Verlesung der langwierigen Urteilsbegründung diese soll 7—8 Stunden in Anspruch nehmen, ereignet sich ein Z w i s ch« n- satt. Einer der SchSffen, Max Schiffer, erlitt wShrend de» Vortrages des Vorsitzenden ein« Herzschwäche, so daß er in der Zwischenzeit im Beratungozimmer sich niederlegen mußt«. Ein rasch hinzugerufener Arzt bchandelte den Erkrankten, der dann gegen W,i Uhr sich wieder bereit erklärte, der Urteilsverkündung weiter beizuwohnen. Die letzten Arbeiten des Reichstags Abrechnung des Abgeordneten Landsberg mit den Raufbolden.- Amnestievorlage abgelehnt. Der Reichstag hat heute vormittag um 10 Uhr ln voller Ruhe seine Arbeit fortgesetzt. Der ausgeschlossene Kommunist I a d a s ch war nicht wieder erschienen, Präsident Löb« würdigte das schmähliche Verhallen der Kommunisten am gestrigen Abend auch nicht eines Worte», sondern trat sofort in die Tagesordnung ein. nachdem zunächst ein Einspruch der Hakenkreuzler gegen Ordnung»- rufe von gestern abend abgelehnt worden war.— Es folgte der deutsch-griechifche Handelsvertrag Ministerialdirektor Dr. Ritler bat dringend um sofortige Ver- abschiedung. Die Deutschnationalen aber, die seit gestern nachmittag Opposition gegen die Außenpolitik machen, die nun jahrelang unter ihrer Mitverantwortung getrieben wird, beantragten Ausschuß- beratung. Abg. hilserding(Soz.) hiell ihnen und den Kommunist«», die sich als treue Verbündete der Deutschnationalen deren Antrag anschlössen, die Tatsache entgegen, daß alle Einzelheilen dieses Ver- träges längst aus der Presse bekannt sind und daß er auch den Auswärtigen Ausschuß durhlaufen hat. wo Gelegenhell war, sich alle Auskünfte zu holen. Danach wurde der Antrag aus Ausschuß- beratung abgelehnt und der Vertrag angenommen: die Deutschnationalen widersprachen aber der sofortigen Vornahme der dritten Lesung, so daß diese möglicherweise erst morgen vorgenommen wird.— Der nächste Punkt war die neue Regierungsvorlage über ein Verbot des Waffenhandels mit China. Auch hier bat Ministerialdirektor Ritter um sofortig« Per- abschiedung, wogegen die verbündeten Deutschnationalen und Kam- munisten murrten. Abg. Breitscheld(Soz.) wandte sich gegen eine durchaus unnötige Verzögerung. Nachdem auch Präsident Lö'.e b nont hatte, daß»ine Ausschußberawng an dem Gesetzentwurf tamn etwas ändern dürfte. wurde die Vorlage auch in dritter Lesung verabschiedet.» Beim nächsten Punkt, einer Abänderung des Renlenbankgefehes, wurde ein landbllndlerischer Antrag, die am 1 April fälligen Renten- bankzinsen von den Landwirten nicht zu erheben, abgelehnt, noch- dem ein Regierungsvertreter dagegen gesprochen Halle. Auch diese Vorlage wurde erledigt. Es folgte nun die Fonsetznng der dritten Beratung des Haus- Halls. Die meisten Kapitel wurden ohne Debatte angenommen. Beim Reichslustizministerluui wurde die Amnestiedcbatt? fortgesetzt, die gestern abend abgebrochen werden mußte. Abg. Landsberg(Soz.): Ich will auf die bedauerlichen Vorfälle des gestrigen Abends nicht zurückkommen, es dürfte aber interefsicren, wie sich diese Er- eignisse in der„Roten Fahne" widerspiegeln. Sie berichtet darüber unter der Ueberschrift„Die an jeprangcrten Amnestie- verräterüberfallenkommunistischeAbgeordnete". (Entrüstungsrufe und Lachen bei den Republikanern. Zuftimmungs- rufe der Stalinisten, die durch tosende Zwischenrufe und Geschimpfe den Redner am Weitersprechen zu hindern suchen. wogegen sich die Sozialdemokraten entschieden wehren.— Vräsident Löbe bittet dringend, die Plätze einzunehmen und Zimschenrufe zu unterlassen.) Die„Rote Fahne" sagt weiter: „Als den sozialdemokratischen Amnestieverrätern alle politi- scheu Argumente aus der Hand geschlagen waren, griffen sie in ihrer sinnlosen Wut zur Anwendung Nr brutalsten Tan- ditenmethoden gegen die kommunistischen Abgeordneten. Mit Wasserflaschen hieben � sie auf die kommunistischen Abge- ordneten ein. Heimtückisch, von höher liegenden Plätzen aus fielen sie über die kommunistischen Fürsprecher der proletarischen politi- scheu Gefangenen her."(Lebhafte Entrüstungsruse der Sozialdemokraten und anderer Parteien, Zustimmungsgegröhle der Stalin-Leute.) Ich glaube, man muß den Historiker des gestrigen Tages davor warnen, diesen Artikel als Geschichtsquelle zu benutzen.(Sehr wahr!) was die politlfche Amnestie anlangt, so sind wir der Ansicht, daß durch die Vorgänge von 1321 bis 1323 ein dicker Strich gezogen werden muß. Wir sind dazu bereit, unser Antrag liegt vor. Diese Vorgänge stehen in einem so unverkennbaren Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Katastrophe, die damals unser Land zu vernichten drohte, daß wir der Freude, diese Zeit über- wunden zu haben, nicht bester Ausdruck geben können, als durch eine solche Amnestie. Wenn die Kapp- Rebellen sehr bald nach ihrem Putsch, für den auch eine gewisse Rechtfertigung in den Zeitverhältnissen lag/ amnestiert wurden, so ist die logische Folge. daß man auch mit den Vorgängen von 1321/23 Schluß macht. Das ist besonders zu wünschen für einen Mann wie Max hölz. besten Schuld mindestens im stärksten Maße zweifelhaft geworden ist. Wir wollen nur eine Ausnahme machen: Die allerfchwersten Verbrechen, bei denen frevent- lich und in vorsatzlicher Weise Menschenleben vernichtet worden sind, dürfen nicht als Bagatelle behandelt werde«, wenn nicht besondere Umstünde Milde rechtfertigen. Wir denken nicht im mindesten daran, Urteile von zehn, fünft zahn Jahren oder gar lebenslänglichem Zuchthaus bis zur letzten Minute vollstrecken zu lasten. Wir wollen uns nicht an den Qualen unserer politischen Gegner weiden. Auch hier soll Gnade wallen. Die Amnestieonträge der Kommunistischen Partei haben nach 1S2e/S7 die rechtsradikalen Mörder, Mordanstister und Geldgeber solcher Mörder von der Begnadigung ausnehmen wollen. Wir wollen Mordtaten überhaupt von der Amnestie aus- schließen, während die Kommunisten den Mord oder Totschlag. wenn er von ihren Parteigenosten begangen war. amnestieren wollten. Als im März 192? der Prozeß Schulz und Genossen vom Berliner Schwurgericht entschieden wurde, da schrieb die..Rote Fahne": „Wenn die verurteilten Fememörder erst einmal ihr« Köpfe gerettet haben, dann werden ste nach wenigen Jahren auch die Dazu �vollen ober jetzt die kommunistischen Abgeordneten bei- ttogen.(Sehr richtig! d.d. Soz. Geschrei b. d. Komm.) Das deutschnationale Doppelspiel. Wir sind von der deutschnationalen Fraktion, was die Behandlung ihrer Grundsätze anbelangt, manche» gewöhnt. ober was wir jetzt von ihr fthen. das ist di« Höhe! Immer und immer wieder haben die Deutschnationalen im Rechisausschuh dem Reich die Befugnis abgesprochen, Länderamnestien zu «tasstm: Zeht wollen die Deulschnottoaalen die Länderregierungeu zur Amnestie zwingen. Immer wieder haben die Deutschnationalen über den Amnestiefanatrsmu» gehöhnt, jetzt treiben sie ihn selbst und erheben gegen uns gehäufte Vorwürfe, während sie noch vor kurzem alle unsere AmnestieaMräge bekämpften. � Seit Jahrzehnten haben di« Konservativen dl« Autorität des Staates aufs äußerste vertreten, jetzt aber will der R e i ch s j u st i z m i n i st e r. der doch ein alter Konservativer ist,(Sehr gutl links), sich auf eine Amnestie selb st für Mord«inlassen. Der deutschnational-kommunistische Amnestieantrag will ja sogar die Verfolgung und Untersuchung des Mordes, ganz abgesehen von seiner Bestrafung verbieten. Danach würde es möglich sein, daß die Erzberger-Mörder aus Ungarn zurückkommen und sich ungeschoren wieder in Deutschland nieder. lasten und betätigen können. Die Strafmilderungsbestimmung in dem deutschnational- kommunistischen Antrag würde z. B. dazu führen, daß die Arensdorser Mörder Schmelzer statt fünf und «in Jahr Zuchthaus nur fünf Jahre und sechs Monat« Festung abzumachen brauchten, um dann das Handwerk der Abschießung politischer Widersacher wieder aufzunehmen. Den Fememördern soll die Ehrenhaft der Festung zuteil werden. Das Urteil des Schwurgerichts Berlin sagt ausdrücklich, daß ihnen die bürgerlicben Ehrenrechte hätten aberkannt werden müsten, weil bei chrer Tat politisch« Erwägungen eine ganze geringe Rolle gespielt, vorherrschend aber die unmenschliche Roheit gewesen wäre.(Stürmisches Hört! hört! bei den Soz.) Schickt man solche Leute auf die Festung, mit welchem Recht will man dann einen armen Teufel, der sich an fremdem Eigentum vergriffen hat, ins Gefängnis schicken?(Stürmische Zustimmung bei den Soz.) Sind die Kommunisten damit einverstanden, daß man gestern hier die Fememörder verherrlicht und sie als Leute bezeichnet hat, di« den Dank des Vaterlandes verdienen?(G e s ch re i der Kommunisten.) Wir denken bei unserer Haltung an die Proletarier, die solchen Banditen zum Opfer fallen würden, wenn in Dutschland politischer Mord straflos gemacht würde: diese Proletarier wollen wir schützen.(Sehr wahr! bei den Soz.) Wir werden unseren Wählern sagen, warum wir diesen Antrag ablehnen:„Weil wir euch nicht herabwürdigen wollen durch Gleichstellung mit den Fememördern (Gebrüll der Kommunisten, stürmisches Händeklatschen der Soz.) und weil wir uns nicht herabwürdigen wollten durch den Abschluß «ine» Paktes von hoch st zweifelhaftem Charoktc r." (Andauernder Lärm der Kommunistin, Beifall und Hände- klatschen der Soz.) Das Volk wird unsere Hallung begreifen und billigen, wir treten deshalb auch für den Antrag ein. über dig Amnestiefrage namentlich abzustimmen.(Stürmischer Beifall und Händeklatschen der Soz.— Pfeifen, Heulen und Schimpfen der Kommunisten.) Abg. Soch-Weser(Dem.) wirst dem Iustizminister Hergt vor. in der Regierung eine Partei zu vertreten, die durch ihren Amnestie- antrag die Staatsautorität untergrabe. Reichsjustizminister Hergt antwortet, er sei nicht eine Puppe seiner Partei.(Zuruf der- Demokraten: Aber ihr Hampelmann! Große Heiterkeit links.) Mg. Koch-Weser(Dem.): Der Iustizminister hat mich falsch verstanden. Ich verlange nicht von ihm. daß er sich von seiner Partei führen laste, sondern daß er im Gegenteil als Führer die Stellung derartiger Anträge verhindert. Abg höllein(Komm.) erklärt persönlich unter fortwährenden groben Schimpfereien gegen die Sozialdemokraten, er lehne den Vor- wurf Landsberg, ihn und andere Abgeordnete umschmeichelt zu haben, ab. Er, Höllein, betrachte es als vereinbar mit der prole- tarischen Ehr«, diejenigen Abgeordneten aller Parteien zu bearbellen, die unter Umständen bereit seien, dem kommunistischen Amnestieontrag zuzustimmen. Abg. Landsberg(Soz.): Ich vertrete proletarische Interessen. Ich lehne es jedoch ab. Leute wie die Deutschnationalen. die schärfsten Gegner des prolelarlals, um Gnade anzuwinseln und anzubetteln. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen bei den Sozialdemokraten. Wütendes Gebrüll der Kommunisten, das im Beifall der Sozialdemokraten untergeht.) Abg. Bernt(Dnat.) wehrt sich in persönlicher Bemerkung gegen den Vorwurf Dr. Wirths, früher Demokrat gewesen zu sein und seine frühere Gesinnung verleugnet zu haben. Er, Bernt, habe früher allen Parteien gleichmäßig ferngestanden und gehöre seit der Revolution der Deutschnationalen Partei an. Abg. Dr. wirlh(Z.) stellt demgegenüber fest, daß Bernt sich von Demokraten und Sozialdemokraten aus seiner früheren Wirkungsstätte Mainz nach Berlin habe empfehlen lasten. Abg. Dr. David(Soz.): Bernt hat sich in Gesellschaft stets zu demokratischen Anschauungen bekannt und ist als Mann von demokratischer Gesinnung nach Berlin-Schöneberg empfohlen worden. Er hat das gewußt und es sich gefallen lasten und sich somit als Meister in der Kunst erwiesen, seine wahre Gesinnung zu seinem Borteil weis« zu verschweigen.(Sehr gut! link».) Abg. Bert(Dnat.) erklärt verlegen, es sei— unter seiner Würde, darauf zu antworten. Damit war dieses Zwischenspiel erledigt und es folgte die lange und verwickelte Abstimmung über dieAmnestieanträge. Die Bürgerlichen lehnen die Amnestie ab. lleher he« ß 4 des kommunistisch«, Antrags, der die Be- gnadlgung auch der Fememörder vo sieht, wird namentlich abgestimmt. Er wird mit den 122 Ja Stimmen der Deutsch. nationalen, der Völkst l.en und der Kommnn'slen gegen 243 St'mmen aller übrige« Parteien abgelehnt. Die Kommunisten brechen in losende Pfuirufe aus. Dann wird ein sozia'demokralische? Antrag, den Landes- verrat au» Eigennutz, sowie o r d und Totschlag aus der Amnestie auszunehmen, angenommen. Schließlich komm! es nach langen Sefchäflsordnungsdebatte« zur Schlußabstlmmong in driller Lesung über den sozloldemokralischcn Amnestieonl'ag. Für diesen Anlrag stimmen in namenll'cher Abstimmung ni:b< nur die So-ialdemok-alen. sondern auch hie Komwunssten. Alle andere« Barleien stimmen aber dagegen, und so wird dieser Anlrag mit 228 gegen 140 Stimmen bei n«nll Snkhallun-'en abgelehnt. Einige kommunistische Abgeordnete beginnen wieder pfui z« rufen. Sozialdemokrakisch« Zurufe weisen sie darauf hin. daß dies« Pfuirufe nunmehr nur den deulschnatlonalea Bunde», genossen gellen köunen, von denen sich die Kommunisten im Stich gelassen sehen. / Oer Kampf der Buchdrucker. Kein Streik in München. Die Kreisleitung des Deutjchen Buchdruckeroereins der Unter- nehmer hat die Gehilfenschaft am Donnerstgg aufgefordert, ent- sprechend der R e ch t s l a g e. die durch die Verbindlichteitsertlärung des Schiedsspruches geschaffen wurde, die Kündigungen bis Freitag mittag zurückzunehmen. Die Vertrauens. männer der Gehilfenschaft und die Betriebsräte der Münchener Druckereibetriebe traten darauf gestern abend erneut zusammen und beschlossen, die Zurücknahme der Kündigungen zu empfehlen. Eine gleichzeitig tagende Versammlung der Buchdruckerei- Hilfsarbeiter hatte bereits vorher beschlossen, den Streit der Buchdruckereigehilfen nicht zu unterstützen. Kündigungen in Hannover zurückgenommen. Hannover, 30. März. In einer Versammlung der hannoverschen Buchdrucker wurde folgende Entschließung gefaßt: Die Versammlung der han- nouerschen Buchdrucker hat sich auf den Boden des Schieds- s p r u ch e s gestellt und ein örtliches Vorgehen abgelehnt. Die Kündigungen werden zurückgenommen. r Streikbeschluß in Karlsruhe. Karlsrohe. 30. März. Der Bezirk Karlsruhe des Deutschen Buchdruckerverbandes hielt gestern abend eine Versammlung ab, in der beschlossen wurde, vom Sonnabend ab in den Streit zu treten, falls bis dahin die Hauptforderungen der Gehilfenschaft nicht erfüllt seien. Auch dieser Streikbeschluß ändert nichts an der Tatsache, daß die GehUsenschaft sich mit der Verbindlichkeitserklärung des Schieds- ipruches abgefunden hat. Die einzelnen Streitbeschlüsse sind immer- hin als beachtenswerte Zeichen der starken Erregung der Gehilfen- schast im Buchdruckgewerbe zu werten über die willkürlich« Verbind- chkeit des unzulänglichen Schiedsspruches. Berliner Gemeindearbeiter-Löhne. Oie Lohnbewegung beendet. Die drei Toriftommisstonen der im Verband« d«r Senwinde. und Staatsarbeiter organisierten Arbeiter der Kämmereibetriebe, der Gas- und Wasserwerke sowie der Elektrizitätswerk« haben der Lohn- bewegung zugestimmt, wie sie der Magistrat beschlossen hat.(Siehe »Vorwärts' Nr. 151.) In der nächsten Funktionärverjanrmlung wird üb«r das Ergeb- ms berichtet werden. Lohnerhöhung in der bayerischen Metallindustrie. Der Lohnkampf in der bayerischen Prooinzmetalk- industri«—«, waren bereits 2000 Metallarbeiter in den Streik getreten— ist durch Eingreifen des Sozialminister, beigelegt worden. Die beiden Vertragsparteien haben die Entscheidung des Minister, als rechtsverbindlich anerkannt. Dadurch wird der Stundenlohn mit Wirkung vom 1. März 1328 um 5 Pf. und ab 1. Oktober 1328 um weiter« 2 Pf. erhöht. Di« Kampf» maßnahmen sind«ingestellt worden: Maßregelungen finden nicht siatt. Durch die Neuregelung erhält die ungelernte Arbeiterin 33,5 Pf.» die angelernte Arbeiterin 43 Pf., der ungelernt« Arbeiter 62 Pf., der angelernte Arbeiter 67,5 Pf., der Facharbeiter 74 Pf. und der Oualitäteorbeiter 85 Pf. pro Stunde. Die vermi/dle Schülerin Erika Krause, {Siehe auch 8. Seite.) Durch Draht und Funk. Sechs Mitglieder des aufgelösten wilden Selbstschutzoerbandes in Beuthen wurden wegen de, Angriffs auf den polnischen Schul- verein in Untersuchungshaft genommen. * In Königsberg trafen Woldemaras und Aaleski ein, um die polnifch-litauifchen Verhandlungen über die Wiederaufnahme der seit acht Iahren unterbrochenen Beziehungen zu beginnen. * Ein« Massenpetition zugunsten der Abrüstung überreicht« Rennt Smith, als Selretär des Notionalrates für Kriegsverhinderung, dem englischen Außenminister. Die Petition trägt 100 000 Unterschriften: die Hälfte davon stammt von grauen. * Tschitschertn Hai endlich dem deutschen Konsul in Charkow erlaubt, die verhafteten Deutschen zu besuchen. * Den Vorstoß des Grasen Westarp gegen die AußenpoNti» seiner eigenen Koalition kritisiert die»Germania" aus das schärfste. Sie nennt sein« Ausführungen»Kar. aber unglaublich'. « Zwischen Alexlko und USA. wurde ein Vertrag über den yetroleumbesth der Amerikaner unterzeichnet. Er geh» dahin, daß die Vesikrecht« von Amerikanern, die vor Zntrofckreten der versossung von 1317 erworben wurden, unangetastet bleibe» solle». »Geistliche" und»weltliche" Musik. Konzeri-Rundschau/ Von Klaus pringsheim. Vom echten Künstler sagt man ein bißchen feierlich, seine Kunst ist ihm herlig. Man meint ein Gefühl von Gehobenheit, mit dem er sie umgibt. Das gilt, wie von anderen Künstlern, auch vom Musiker. Läßt sich auch umgekehrt behaupten, daß gemeinhin Heiliges ihm Kunst fei, Gegenstand, Inhalt seiner Kunst? Behaupten läßt sich zumindest, Musik ist Kunst des gehobenen Gefühls. Alle Kunstmusik, um dre wir wissen, wurzelt im religiösen Kult. Aber das heißt gewiß nicht, daß bis gum heutigen Tage unsere Musik— Musik als Kunst— greifbare Beziehungen zum Kultischen, zur Kirche also unterhält. Es bedeutet ganz im Gegenteil, daß sie solcher Be- Ziehungen durchaus nicht bedarf: um ihrem Wesen, ihrer Bestimmung nach'in den Gefühlsbezirken des Religiösen heimisch zu sein. Damit sind sozusagen die Grenzen des Geistliehen und des Weltlichen auf- gehoben, die Begriffe außer Kraft gefetzt im Bereich der Musik: in ihren höchsten Regionen oersteht sich das»Geistliche" von selbst. Nicht das Konfessionelle: doch Frommheit als Erlebnis. Alle Kunstmusik wurzelt im religiösen Kult. Aber Ursprung unserer Musik ist, in irgendwelcher Gestalt, allemal das Volkslied. Dolksliedhaftes, emporgetragen in die Sphäre gläubiger Gehoben- Oeneralmusikdirektor Walter. heil: man könnt« so. in wenigen Worten, das Besondere. Einmalige definieren, da? durch Schubert in die Musikwelt gekommen ist. E hat, um solcher Einmaligkeit willen, keinen besonderen Anlaß nötig, um gefeiert zu werden. Ohne also den äußeren Anlaß des hundertjährigen Todestages abzuwarten, feiert Bruno Walter ihn in der Philharmonie mit einem, in jedem Smn, außerordentlichen Konzert. So vielsättig da« Lebenswerk: für den Sinfoniedirigenten ist die Auswahl nicht groß. Kein Wunder, daß Walter im wefent- lichen dasselbe Programm bringt wie Klemperer oor ein paar Wochen: die Unvollendete und die große E-Dur. Walter, dem Melodie Religion ist. gibt sein Bestes: damit fit alle, gesagt. Und Artur Schnabel beendet, gemeinsam mit seiner Gattin, im Beethovensaal den Schubertzyklus, der beinahe die gesamte Klavier- Produktion und dos Bleibendste des unerschöpflichen Liedwerts um- Hatzte- Was beide Künstler geleistet haben, ist hier mehr als einmal gewürdigt worden. Und das Publikum, das den Dirigenten, das den Pianisten und die Sängerin herzlich feiert, bekundet, daß Schubert über alle Widerstände dieser unschubertischeu Zeit triumphiert. Nicht nur zwischen weltlicher und geistlicher Musik, auch im Bezirk der geistlichen verwischen sich die Grenzen: die Grenzen der Bekenntnisse. Vachs Lebensaufgabe, ein übermenschliches Stück künstlerischer Arbeit, war: die Resormierung der evangelischen Kirchenmusik: doch das vielleicht größte Werk, das er geschaffen hat: die ll-Moll-Meffe. Vom gläubigen Protestanten in den Formen des katholischen Gottesdienstes. Wo aber ist sie heimisch geworden? Im weltlichen Konzertsaal. Im heutigen Berlin wurde sie es dank Siegfried Ochs. Run hat der fast Siebzigjährige uns wieder(mit dem Hochschulchor) diese Aufführung gebracht, die längst zu den Jahressesten des Berliner Konzertwinters zählt. Aber Kunst kennt keine„Altersgrenze": wir hoffen, daß es nicht zum letztenmal gewesen. Stärker als in anderen Zeiten, stand hier neulich zu lesen, drängt heut« religiöses Gefühl danach, künstlerisch erfaßt zu werden. Auch beim Schaffenden. Vor einem Monat hörten wir von der Sing- akademie. als Neuheit geboten, ein Requiem von Richard Wetz: nicht im schöpferischen Sinn ein bedeutendes Werk gewiß: doch ohne Zweifel ein Werk echten Bekenntnisses. Und gestern: Groß« Messe mtt Tedeum von Julius B i t t n e r. Man kennt ihn bisher fast nur als Opernkvmpomsten, bei dem kräftige Volkstümlichkeit und Instinkt für Kulisienwirtung überraschend gemischt sind. Und nun cm Werk der tiefsten Innerlichkeit? Rein,«in« Messe der prunkhaft- theatralischen Aeußerlichkeit. doch wie sie dem Geist der kacholischen Kirche nicht widerstrebt, und urwüchsig in wörtlicher Bedeutung: M-ustk, die naturhast gewachsen ist: sehr stark in den Einfällen, ehr- liches, naives, doch zwingendes Gloubenstheater, effekwoll ohne allzu viel Raffiniertheit: aber in allem Wesentlichen durchaus getonm und überlegen gestaltet. Ein ungewöhnliches, in keinem Sinn alltägliches Werk: auch nicht in den Anforderungen, die es an die Wiedergabe stellt. Ein imposanter Apparat ist ausgeboten: namhafte und namen- lose Chöre: die Phill>armomker: ein ausgezeichnetes Solistenquartett (mit dem unfehlbar führenden Sopran von Rose Fuchs, Fayer). Dies« Wesse gebracht zu haben, sei es auch in einer Aufführung. die von Vollkommenheit weit entfernt ist: das muß der„Bruckner- SZereinigung" und ihrem Dirigenten. Felix M. Gatz. als Verdienst angerechnet werden. Max Reger, der Orgelkomponist, kommt von Bach: ober sein« tieffte Liebe gilt Bruckner. Wi«d«rum: Kreuzung des Katholischen mit dem Evangelischen. Und seine Orgelmusik, oft von schlechthin frevelhafter Unkirchlichkeit, wie jene symphonische Phantasse und Fuge(op. 57)— Traut« Wagner, Professor Fischers begabt« Schülerin, weiß das grandiose Werk gegen die feindlich« Akustik des Doms durchzusetzen— läßt sich immer auf die Situation seines frommen Berufs zurückführen: man spürt den Organisten im Dienst der Kirche, auch wo er ihre Grenzen sprengt. Den weltlichen Bach präsentiert, als würdigster Repräsentant, der Geiger Henri M a r t e a u: dl« große Sonate in L-Dur: und das Berliner Publikum nimmt die Gelegenheit seines ersten Konzertes wahr, den einstigen Nachfolger Joachims nun als Heimgekehrten freudig zu begrüßen. Volksliedhaftes in ungewohnter, um so anregenderer Fassung bringt Otto Müller, der Borstand des Philharmonischen Orchesters, als Solist im Bechsteinsaal: Schottische Muflk für Harfe, die er als Mrtuvse meistert. Das geschieht im Rahmen eines schottischen Lieder- und Balladenabends, mit dem Rachel Reill Fräser, eine kunstlos«, doch künstlerisch fühlend« Ratursängerin ihren Hörern Freude bereitet. Paul Wegener, der Oämon. Kitsch im Ufa Kurfürstendamm. Paus W e g e n c r variiert in dem amerikanischen Film„D e r D ä m o n" sein beliebtes Thema von dem Herrenmenschen mit dem hypnolisterenden Willen, aber leider fällt ihm hier bei den Ameri- kanern überhaupt nichts Neues ein. Er gibt einen ganz schwachen Aufguß des Svcngali. Selbst den Wahnsinn hat er bereits besser hingelegt. Schließlich gehört aber Wegen«! zu den ganz Großen des Films und schadet sich nur durch solche Belanglosigkeiten. Vielleicht trifft jedoch die Hauptschuld das Manuskript, das von einer kaum erreichten llnbeholfenheit und Unlogik ist. Die Ameri- taner dürsen nicht mit Grausen Geschäfte machen, das gelingt ihnen nicht oder nur dann, wen» der Stoff parodiert wird. Hier gerät die Assär« ms Lächerliche. Ein Wahnsinniger sucht eine reine Jungfrau. um aus ihrem Herzblut das Lebenselixier zu fabrizieren. Dabei stößt er endlich auf eine junge Bildhauerin, die mit einem berühmten Arzt verlobt ist. Entführung und beinahe Ermordung, dann aber unentwegt glückliches Ende, trotz Laboratoriumsexplosion und ver- sehentlichcm Verbrennen des Wahnsinnigen. Merkwürdig: die Amerikaner verstehen es nicht, diesen Stoff zu sonnen. Es fehlen Tempo, Steigerung und Spannung. Es fehlt die Glaubhaftmachung des Wahnsinns. Der Ansang ist gut. bestrn- ders in seinem Wechsel von tragischen und grotesken Situationen, dann wird es entschieden langweilig. Es ist möglich, daß man eine Parodie schaffen wollte, aber die Situationen und Menschen werden nicht genügend überspitzt. Mit alten Mitteln sucht man Stimmung zu erzeugen, etwa mit schaurigen Türmen, mit Unwetter und ähnlichen verbrauchten Requisiten. Dazwischen tummeln sich nun die Menschen. Keiner ist eingehender durchgearbeitet, es bleibt beim flüchtigen Umriß. So ist der Film Im höchsten Grade unerfreulich, besonders da noch die Photographie zu wünschen übrig läßt. Regisseur und Manuskriptvcrfasser werden sch«u vorschwiegen. Nur eine kurze Andeutung, daß der Film nach einem Roman Somerflt Maughams gearbeitet worden ist. Das Best« des Pro- qramms der kleine Beifilm„Winkel unter der Sonne", der Bilder aus dem Leben der Kleingärtner gibt. F. S. „Oer Kaschingskönig." Aeba-palast Atrium. »Der Faschingskönig" ist bestimmt kein Filmtitel, um Anspruchs- volle anzulocken, aber da Nordisk-Film der Hersteller ist, verliert man trotzdem die Hoffnung nicht. Aber es ist leider ein für ameri- kanischen Geschmack zugeschnittenes Machwerk, das versehentlich in Berlin seine Uraussührung erlebte. Darüber war das Publikum gerade nicht erbaut, und wäre vorher nicht eine wahrhaft vorzüglich« Bühnenschau gewesen, die Klagen über den verlorenen Abend wären etwas unwilliger erklungen. Der Filminhalt ist genau so unmöglich wie seine Ilebertragung ins Filmische. Mitten im Karnevalstreiben verunglückt ein junger Bildhauer infolge eines Automobilunfalls. Der Sterbende verlangt nach einem Notar, dem er Bild und Briefe seiner ehemaligen Ge- liebten, einer jetzigen Dame der Gesellschaft, zur Vernichtung über- gibt. Der Notar beimtzt diese Briefe zu Erpressungen allerschlimmster Art. Zum Schluß sieht mau dann ein glücklich liebend Paar und den verhafteten Notar. Das alles ist nicht nur kindlich, nein, direkt kindisch erzählt. Man schwankt zwischen Verdruß und bedauerndem Lächeln. Georg I a e o b y kann als Regisseur gewiß etwas: das sah man an mancher Kleinigkeit, dennoch ist seine Blamage restlos. Henry Edwards ist ein guter Schauspieler und endlich mal ein anderer Typ, er müßte nur eine bessere Rolle haben. Gabriel G a b ri o spielt keinen Generalkonsul, sondern eine Bulldogge. Die weiblichen Darsteller, Rcnee H ä r I b e l und Elga Brink, sind sehr schön. Elga Brink war mal eine Filmhossnung, doch wurde ihr Können in letzter Zeit durch schlechte Filmmanuskripte direkt vergewaltigt. e. b, Zm Sup'ee"lckUaI>lnett wird am Sonntag e'ne«»»ii-Sung von Radte. rungen. Kleindrücken und Z-icknungen w o y a< eiösfnet, zur Erinnerung an die IM. Wieder lehr leine« Todeslagc«. vi««»eistslliliing wählte in ihrer �ab>'»oeriammlung Dr. Weltmann in den Doistand. Der Vrrlrauens> ann sib da« i�abr 1928 ist Han« Hennh Ja dnn, Hamburg 37, Rothe' bauinchanssee>87. An diese» allein sind-»- bi« ipSIksten» 3t. August»- Beweibungen um den Ktnstprei««inzurrichen. Iva» der Ilordpol braucht Im Austrage de« Papste« wird Nobile tlber dem Nordpol auster der Ualteuilchen Tritotor»»in VI» Meter grade» Eichenlreuz abwerseo. Hanns von Gumppenberg ist im Alter von 62 Jahren in München gestorben. Er ist dank seiner vielseitigen Begabung auf mannigfachen Gebieten literarisch tätig gewesen. In den neunziger Iahren schrieb er außer wenig bühnengerechten Dramen okkultistische Roman». Zur 11-Scharsrichter-Zeit steuerte er für deren Kabarett bewußt verrückte Ueberdramen, graziöse Chansons und die besten Parodien bei, die überhaupt in deutscher Sprache erreicht sind(„Da» teutsche Dichterroh"). Dank seinem starten formalen und Ejn- fühlungstalent war Gumppenberg auch einer unserer feinsten Heber- setzen. Kaum einer hat besser den Schweden Bellmann oder den Franzosen Verlaine übersetzt. Der philosophische und kritische Kopf setzte sich mit den Problemen des Okkultismus auseinander. Sein Beste» und Tiefstes aber gab Gumppenberg in setner Lyrik, die Durchdochtes und innerlich Erschautes in prägnanter Form gestaltete. 3a der»'oollichea kunstbidbolbel, Pr!nz-'»Ibr»lbI.Straße 7 o. wird «onntaa Ii Ukr ein» Ausstellung«an Modegeich nunge« au« de» Jahre» 1880—1815 eröffnet. Schiedsspruch für die Kartonnagenindustrie. Ueber die Lohnregelung in der Kartonnagenindustrie wurde am 21. März in Erfurt verhandelt, jedoch ergebnislos. Die Vertreter der Arbeiterschaft hatte eine 2ohnerhöhung um 20 Proz beantragt, während die Unternehmer die bisherigen Löhne noch ein Sahr beibehalten wollen. Auf Antrag der Vertragsparteien hatte das Reichsarbeitsministerium den Schlichter Wissell beauftragt, eine Schlichtungsfammer zu bilden, um auf diesem Wege eine Einigung der Parteien zu ermöglichen. Es kam am 29. März zu einem Schiedsspruch, nach dem der SpizenIohn in Klasse 1 ab 30. März um 4 Pf. und ab 28. September um meitere 3 Bf. steigen soll. Die übrigen Lohnjähe errechnen sich nach dem Lohnschema des Manteltarifes. Der Lohnzuschlag für Arbeiterinnen an Maschinen soll von 7 Proz. auf 10 Proz. heraufgesetzt werden. Der Lohn soll gelten bis 28. März 1929. frist ist bis zum 14. April. Verband der Lebensmittel- u. Getränkearbeiter Deutschlands Ortsverein Berlin. Am Montag, dem 26. März, verstarb nach schwerer Krankheit unser langjähriges Vorstandsmitglied Friedrich Cordts. Wir werden sein Andenken in Ehren halten. Die Ortsverwaltung. Die Einäscherung erfolgt am Sonnabend. dem 31. März, vormittags 10 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. Arbeit ersekretär für Köln ErklärungsHeute, Freitag, 30. März, 19 Uhr in Steglitz, Marktplatz, Düppelstraße Platzkonzert der Reichsbannerkapelle 19.45 Uhr gemeinsamer Abmarsch nach dem Versammlungslokal Oberrealschule, Elisenstraße Reichstagsabg. Siegfried Aufhäuser spricht über die politische Lage Frauenveranstaltungen. 4. Kreis Prenzlauer Berg. Dieh cute morgen gebrachte Notiz ist falsch. Die Sizung findet nicht um 18 Uhr, sondern um 20 Uhr ſtatt. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgebung.( Nachdruck verboten.) Beränderlich und wieder etwas Waldschänke Sadowa Ausflugslokal mitten im Wald a. d. Bahn gelegen. Herrlicher Garten, 3000 Personen fassend. Saal für Vereine, auch Sonntags kostenlos. AO PE AUCHBURG SPARKASSE Alanercises OSNABRUCK Inhaber: Otto Thöldte Kegelbahn Vorzügliche Küche Gutgepflegte Biere Zuverlässige 100 billige MARK Quittungs-, Rabattu. Reklamemarken gegen Nachahmung gesetzl. gesch. fertigt seit 45 Jahr. als Spezialität Durch Uebertritt unseres bisherigen Arbeitersek etärs in den Ruhestand ist dessen Stelle inöglichst bald neu zu besetzen. Es kommt nur eine durchaus erfahrene und zuverlässige Krait. in Frage. Bewerber, die eine Conrad Müller solche Stelle bekleiden oder bekleidet haben, werden Leipzig- Schkeuditz bevorzugt. 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Marienbad- Palast Berliner Straße 27 Badstraße 35-36 Die Liebe vom Zigeuner stammt Die Panzerpost mit Tom Mix Bühnenschau Neue weiße Gänseschlachtfedern mit Daunen, Brustfedern u. allen Federn, wie sie von der Gans fallen, Pfd. 2.50, diese besser 3.50, weiche graue Federn 0.50, weiße 1.75, bessere gut gereinigte 0.80, 1.40, 1.90, Rupf, weiß 2.30, 3.80, weiß Schleiß 2.-, 3.50, Daunen 5.80, weiße 7., 9.80. Spezialität: Mandarinen- Daunen 3-4 Pfd. zum starken Deckbett, Pfd. 7.50. Stark gef. Oberbetten mit Inlett, 2 m lang 9.95, 11.60, 14.90, 17.65. Unterbetten 7.85, 9.20, 11,90, 13.20, Kissen 2.90, 3.90, 5.40, DaunenSteppdecken in all. Farben m. federfreien Gänsedaunen 36-42-, 50-60.Bettfedernfabrik B- rlin im Stadtbahnhof Borse. Filiale Wilmersdorfer Str. 48. Schlüterstr. 17 Anfang W. 7, 9,15. Sonnt. ab 4 Uhr Freiwild nach Arthur Schnitzler Die Frau im Hermelin Faun- Lichtspiele Krumme Straße 37 Das Ladenmädel( M. 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Das Wandern erzieht zur Selbständigkeit, zum Gemeinschaftsgeist, zum Nachdenken, darum sollte es nicht aus die junge Generation beschränkt bleiben. Gewiß haben die Familien oft ganz andere Sorgen, aber in wie vielen Fällen ist«ine kleinere Wanderung möglich, die ohne größere Geldausgaben verknüpft ist. Und gerade zu Ostern, wo dem Arbeitenden zwei aufeinander- Jüterbog. Neumarktor mit der berühmten Keule. folgerte Freitage gegeben sind, sollten von den Aelteren auch einmal Fahrten gemacht werden in die nähere oder weitere Um- gebung, um einmal aus den grauen Grotzstadtmauern mit ihrer bedrückenden Enge herauszukommen. Die brandenburgisch« Mark ist schön, ihre tausend Seen, ihre Kiefernwälder und Sondberge, ihre alten Baudenkrnale und ge- wundenen Flußläufe bilden den Kranz ihrer Schönheiten. Jeder Teil der Mark hat seine Eigenheiten, die Reichsbahn hat durch ihre Sonntagsrückfahrkarten*) fast alle Wandergebiete erschlossen. Im Osten erstreckt sich das reizvolle Schlaubelal, das von Briefen (3,20 M. hin und zurück) aus erreicht werden kann, die Rückfahrt mit derselben Fahrkart« auch von Beeskow gestattet, so daß da» ganz« Tal durchwandert werden kann, ohne wieder an den Aus- gangspunkt zurückkehren zu müssen.(40 Kilometer.) Wer gern weniger läuft, wandert das Spreetal bi» Beeskow(25 Kilometer), wer etwas mehr für das Fahrgeld anlegen will, fährt bis Lieberose (Frankfurt a. d. O. umsteigen). Hier haben die Naturfreunde auf der Schwansecinsel ein idyllisch gelegenes Heim.(Anmeldungen Paul William, Kottbus, Bonnaskenstr. 25.) Billigere, aber ebenso schöne Wanderungen bietet der Blumen- khal, van Strausberg durch das Annatal nach Tiefensee(1,60 M.) oder Lcuenberg(1,90 M.), die Wege führen am Seeufer entlang (20 Kilometer), die Karten gelten zum gleichen Preise von Straus- berg aus. Das Plagefenn ist zum Naturschußgebiet erklärt worden, umwüchsiger Wald findet sich hier, die Wege laufen kreuz und quer, ein Kompaß ist hier empfehlenswert, man verläuft sich hier sehr leicht. Erreicht wird es von C h o r i n— vorbei an den altehr- würdigen Klofteruinen und dem Nonnenfließ, die Rückfahrt «rfolpt von Falkenberg(2,40 M.. 35 Kilometer). Der schönste See der Mark ist wohl der Stechlln. den schon Theodor Fontane in seinen Werken preist. Seine Umgebung ist Die Qarreyer Rummel im Fläming. landschaftlich noch unberührt, ein See reiht sich an den anderen. stille Iagenwege verbinden sie. Man fährt am besten bis Drögen (eine Station vor Fürsten berg. 3L0 M.): von hier führt ein ununterbrochener Kieferawaldweg bis zum See. Im kremmener Naturschutzgebiet liegt die Luchhütt« der Naturfreunde(Anmeldungen .ugo Sinn, Berlin N 20. Stettiner Straße 30). Leider gibt es ach Kremmen noch kein« Rückfahrkarten. Ins Mecklenburger Seen- «biet sind ebenfalls Wanderungen recht lohnend, doch sind die •) Sämtliche Fahrpreisangaben beziehen sich auf Hin- und ttückfahrt..____ Li Fahrpreise hier sehr hohe, so daß sie sich kaum ausnutzen lasten, obwohl es hier wunderschöne Seeketten gibt(Waren 5,80 M., Feld- berg 5,50 M., Plau 6,70 M.). Die Ruppiner Schweiz ist durch ihre Schönheit bekannt! Seen, Wälder und Berge gaben ihr diesen stolzen Namen. Bon Rheinsberg nach Tteuruppin empfiehlt sich ein« Wanderung(25 Kilometer, 3,30 M.) Im Südosten der Mark dehnt sich der Höhenzug des Flämings. noch heute zieren Burgen seine Kuppen. Belzig(Z M.) ist der Ausgangspunkt der Höhenwanderung, durch die Rummeln— lang- gedehnte eiszeitliche Geschieberinnen— führt der Weg zur Burg Rabenstein und zurück nach Wiesenburg(25 Kilometer). Eine alte märkische Stadt ist Jüterbog(2,80 M.), zahlreiche Baudenkmole aus dem Mtttelalter sind heute noch gut erhalten, sogar die be- festigten Tore. In der Nähe liegt das alte Kloster Zinna, das heute teilweise bewohnt wird. Ein breiter Waldweg führt nach Luckenwalde(20 Kilometer). Ausgedehnte Seengebiete, von Kiefernwald umkränzt, erstrecken sich zwischen Teupih und Storkow(1,80 M., 30 Kilometer). Am Hölzernen See befindet sich ein Fischreiherhorst, die Kiefernstämme sind durch die starkätzenden Ausscheidungen der Reiher weißgetüncht. Zum Spreewald führt die Bahn bis Lübbenau(3,60 M.) oder Lübben(3,10 M.). Auch hier besitzen die Naturfreunde ein eigenes Heim in der Nähe von Betschau(Anschrift Willi Kaua, Kottbus, Branitzer Straße 15). Alle dies« Pläne sind für eine zweitägige Wanderung vor- gesehen, natürlich gibt es weit mehr Wandergebiete, doch sind die angeführten noch nicht von der Fremdenverkehrsindustrie erfaßt worden, wie es in manchen Gegenden— Freienwalde. Buckow— der Fall ist, und es werden hier auch kaum über- mäßige Preise gefordert werden. Wohl werden diejenigen, die oft auf Fahrt gehen, andere schöne Gebiete kennen, aber es soll hiermit die erste Anregung für die gegeben werden, die sonst nicht oder doch nur wenig wandern. Es feien noch einige Wink« für kleine Wanderungen gegeben. Mit der Straßenbahn(40 Pf.) bis Schmöckwitz, den Krosfin- See und Langen Zug entlang zu den Müggelberpen, hinunter zum See, von Friedrichshagen fährt ebenfalls eine Straßenbahn- lini« nach Berlin. Erkner, Bernau, Oranienburg erschließen umfang- reiche Waldgebiete, die zahlreich mit Seen durchsetzt sind. Bon Erkner führt die alte Hamburger Poststraße zum stillen Störitz- see, von Bernau das Hellfließ zum longgestreckten Hellsee, Oranienburg liegt ganz nahe am Lehnitzsee, durch den die Havel und der Großschiffahrtsweg geht. Burg Rabenstein bei Belzig. Es sind genügend Weg« gezeigt, auf denen der Erholung»- suchende und Ausspannungsbedürftige zur freien Natur kommt, und wer einmal miterlebt hat, was eine solche Fahrt unseren Jugendlichen bedeutet, der wird verstehen, wieviel Kämpfermut diese Wanderungen gebären. Froh« Fahrt! Debatte um eme Tänzerin. Eine ungehaltene Aniworirede. In Wien gibt es närrische Hakenkreuzler, die vor der Oper gegen �Zonny spielt auf krawallieren, und es gibt einen christlich- sozialen Abgeordneten Dr. I e r z a b e k, der im Parlament gegen das Auftreten der schwarzen Tänzerin Iosephine Baker wettert— beides wegen«drohender Vernegerung". Was Ierzabek dabei besonders in den Vordergrund schob, ersehe man aus folgender Rede, die der sozialdemokratische Abgeordnete Dr. Ellenbogen zwar nicht gehalten hat, die er aber sehr gut hätte halten können; so steht sie in der„Arbeiter-Zeitung" in Wien. Hohes Haus! Ich muß zunächst offen«rklänen, daß ich mich bisher mit der Reversseit« der Frau Iosephine Baker nicht so intensiv beschäftigt habe wie mein geehrter Herr Borredner Dr. Ierzabek, daß ich daher kein Fachmann in dieser Frage bin. Wenn aber Herr Dr. Ierzabek den betreffenden Körperteil in so ausgiebiger Weise mündlich berührt und gewissermaßen zur eingehenden parlamentarischen Betrachtung auf den Tisch des hohen Hauses gelegt hat. so muß ich gestehen, daß mir die Behauptung, diese Gegend habe irgend etwas mit Vernegerung zu tun, unverständlich ist. Nicht«lwa bloß darum, weil diese anatomische Partie eine Eigentümlichkeit aller Rassen ist und weil es auch kaum eine Europäerin geben dürft«, die sie beim Tanzen ablegen könnte, sondern vor allem darum, weil ein geistig hervorragendes, absolut unvernegertes, hochkultiviertes und vor allem europäisches Volk, nämlich die Griechen, eines der größten Kunstwert«, die weltberühmte Aphrodite Kallipyaos(zu deutsch; die sckönhintrige Liebesoöttin), der künstlerischen Darstellung gerade dieses Körperteils gewidmet hat, wobei nie vergessen werden darf, daß Kunst die Wiedergabe des rein Menschlichen durch das Kunst- werk ist. Der fchr geehrte Herr Vorredner wird also erkennen, daß weder die Frag«„schwarz oder weiß" noch die moralische Art der Be- trachtung zur Wesenserkenntnis de? von ihm so eifrig enthüllten Problems etwas beizutragen geeignet ist. Aber ihm war es offen- bar um einen anderen Gedanken zu tun, einen Gedanken, der etwa dem eines früher in unseren Straßenbahnwagen angebrachten Plakats entspricht:„Das Heraus st recken von Körperteilen ift verboten!"(Abgeordneter Dr. Ierzabek: Sehr richtig!), wobei der Ton auf dem Worte„Herausstrecken" liegt und unter dem Körver- teil zweifellos nicht die Zunge gemeint ist. Was nun jedoch dies« demonstrative Verwendung des von Herrn Dr. Ierzabek so abfällig beurteilten Omans anlangt, so vermag ich dem geehrten Herrn Kolleaen ebenfalls zwei Fälle aus der Kunst- und Literaturgeschichte anzuführen, in denen die betreffenden großen deutschen Künstler diese demonstrative Verwenduna nicht veffchmäht haben. Männer. in deren Adern kein Tmvfen Negerblut fließt: erstens der hervor- vagende österreichische Maler Klimt in seinem Gemälde„dluria veritas*(Di« nackte Wahrheit), und zweitens der größte aller Deut- schen, Goethe, in seinem denselben Gedanken wie jenes Bild aussprechenden berühmten Zitat au» dem»Götz von Berlichingen". Um jedoch den Wert der moralischen Betrachtung dieser Ange- legenheit ins richtige Licht zu setzen, so begnüge ich mich damit, Herrn Dr. Ierzabek einzuladen, er möge die von ihm kritisierte Aufführung der Frau Josephin« Baker persönlich besuchen. Nicht damit er die Anatonne jener Gegend der Frau Baker studiere, son- der nur damit er Gelegenheit habe, festzustellen, daß sich der starke Zulauf zu diesen Vorstellungen(und ich hör«, daß diese Vorstellun- gen bereits ausverkauft sein sollen) beinahe ausschließlich aus den Kreisen der Wähler der Einheitsliste rekrutiert, so daß also der richtig« Ort für das Vorbringen semer Klage, wenn sie wirksam sein soll, eigentlich nicht der Nationalrat, sondern«ine Wählerversammkung des hochwürdigen Herrn Prälaten Dr. Seipel wäre. Eine Treueprämie beim„Bücherkreis". Das Prinzip der Solidarität hat uns groß gemacht! Der„Bücherkreis", die bekannt« Buchgemeinschaft der Arbeiter- fchast, veröffentlicht folgend? Mitteilung an seine Leser: Dank der freudigen Unterstützung, die dem„Büchertreis" seitens feiner Mitglieder zuteil geworden ist, hat sich auch die finanziell« Leistungsfähigkeit unserer Organisation so gehoben, daß wir allen treuen Anhängern unserer Sache eine besondere Gabe bieten können. Gegen Ende des laufenden llahres wird allen Mitgliedern, die sich über eine einjährige Zug'hörizkeit zum„Bücherkreis" ausweisen könne«, eine Treueprämie zur Bcrsügung gestellt werden. Wir werden vier Auswahlbände in gleicher Ausstattung, gleichem Um- fang und gleicher literarischer Güte wie bisher herausbringen, unter denen die prömienberechtigtcn Mitglieder einen Band zu außergewöhnlichem Borzugspreis. voraussichtlich etwa 1 Mark, wählen können. Selbstverständlich wird dabei auch die Wahl unter den bisher erschienenen Werken des „Bücherkreises" freigestellt sein. Tragen wir hiermit eine Dankesschuld an unsere Mitglieder ab, jo hoffen wir doch auch, daß sie auch in Zukunft in alter Weife dem „Bücherkreis" die Verbreitung zu geben helfen werden, die er in An- schauunz seines kulturellen Prcgramms haben muß. Das Priuzlp der Solidarität hat uns groß gemacht, dos Prinzip der Solidarität, dem arbeitenden Volk in seinen wirtschaftlichen und polittschen Orga- nisationen längst vertraut geworden, hat-auch auf künstlerischem und literarischem Gebiet Werte entstehen lassen, die vielen noch vor wenigen Iahren als schöne, aber nicht zu verwirklichende Ideale er- schienen sind. Heute sind sie Wirklichkeit geworden. vorwärts, zu neuen Zielen! 4 W 28. Fortsetzung. „Die Indianer wissen nicht viel mehr Minen, als wir wissen," sagte Howard, als er sein« Erzählung werterspann.„Sie haben ein- mal alle verborgenen Minen, die nach der Eroberung Mexikos die Indianer, aus Vergeltung sur die Greuel, die man an ihnen verübte, verschüttet und unaufsindbar genracht hotten, sehr genau gewuht. Aber die Indianer sind ja nicht wohnen geblieben, wo sie zur Zeit der Eroberung lebten. Tausende wurden von den Spaniern als Arbeiter und Sklaven nach anderen Distrikten verschleppt, andere wurden in Rebellionen und Kämpfen von ihren Wohnplätzen in die Gebirge und Dschungel verjagt, andere wurden durch Blattern und durch Epidemien, die ihnen die weissen Kulturträger ins Land brachten, ausgerottet, Häuptlingssamilien starben weg oder wurden getötet, ehe sie ihr Wissen aus ihre Nachkommen weitergeben tonnten. Darum wird es immer seltener, dass ein Indianer eine verschüttete Mine kennt. Häufig glaubt er sie nur zu kennen, weil das, was in seiner Familie über diese oder jene Mine bekannt ist, so legendenhaft geworden ist, so sehr mit gefundenen und bekannten Minen verknüpft wurde, doh der wahre Ort unauffindbar ist. um so mehr, als oft der Ort mit Worten und Merkmale» und Richtungen bezeichnet wurde, die sich im Lause der Zeit im Sprachgebrauch geändert haben und auf salsche Wege führen müssen. Diese Geschichte aber liegt ja weit zurück in einer Zeit, wo das Erinnerungsvermögen der Indianer noch frischer war, weil es nicht so sehr durch de» Verkehr beeinslusst wurde, wie das der Fall ist, seit die Eisenbahnen laufen und die Indianer sich viel mehr und rascher zerstreuen al» früher, weil auch sie dahin ziehen, wo sie ihren Lebcnsunterhalt leichter sind«» als au ihrem Geburtsplatz. Nachdem Don Manuel seine Geschäfte in Mexiko abgewickelt hatte, machte er sich mit seiner Frau Maria auf die lange und beschwerliche Reis« nach Huacal. Er fand den Häuptling und wurde von ihm aufgcnomnien besser als ein Bruder.„Mir ist auf der Reise eingefallen," sagte Don Manuel zu seinem Gastgeber,„dass es recht merkwürdig ist, waruin du selbst nicht die Mine ausbeutest, Aguila? Du hättest mir doch hunderttausend Goldgulden geben können, und ich hätte getan, was dir von mir oerlangtest." Der Häuptling lachte: „Ich brauch« kein Gold, und ich brauche kein Silber. Ich habe zu essen, hob« eine schöne und gut« Frau und einen Sohn, den ich liebe und der stark ist und wohlgebaut. Was wäre mir Gold? Die Erde bringt Segen, reichen Segen, die Frücht« bring«» Segen, reichen Segen, meine Viehherds bringt Segen, reichen Segen. Gold bringt keinen Segen, und Silber bringt keinen Segen. Bringt es euch, den weissen Spaniern, Segen? Ihr mordet euch um das Gold. Ihr haßt euch um das Gold. Ihr verderbt die Schönheit eures Lebens um das Gold. Wir haben nie das Gold zu unserem Herrn genracht, wir waren nie seine Sklaven. Wir sagten, Gold ist schön, und darum machten wir Ring? daraus und andere Schmucksachen, und wir schmückten uns, unsere Frauen und unsere Götter damit, weil es schön ist. Aber wir machten es nicht zu Geld. Wir kannten es ansehen und uns daran erfreuen, aber wir konnten es nicht essen. Unser Volk und auch die Völker im Tal haben nie um Gold gekämpft oder um Gold Kriege geführt. Aber wir hoben viel gekämpft um Land, um Accker, um Flüsse und Sern, um Städte, um Salz, um Herden. Aber um Gald oder um Silber? Es ist doch nur schön anzusehen. Doch wenn ich Hunger habe, kann ich es nicht in meinen Magen stecken, und also hat es doch keinen Werk. Es ist nur schön wie eine Blume, die blüht, oder schön wie eftt Vogel, der singt. Aber wenn du die Blume in den Mögen stecktst, ist sie nicht mehr schön, und wenn du den Vogel kochst, singt er nicht mehr." Da lochte Don Manuel und sagte:„Ich werde mir das Gold Nicht in den Magen stecken, Aguila, da» glaube nur." Und der Häuptlüig lachte auch und sagte:„Das glaub« ich dir wohl. Ich kann wohl für die Erde dienen, aber ich kann nicht für Gold dienen, weil Ich sonst nichts zu essen habe, keine Tortillae und keine Camote«. Du verstehst nickst, was ich mge, und ich versteh« nicht, was du sagst. Du hast ein anderes Herz. Aber ich bin dennoch dein Freund." Sie brauchte» drei Tage, in denen sie in den Bergen herum- krachen und im Dickicht suchten, kratzten und gruben. Don Manuel ivar geneigt, das lang« Suchen zu missdeuten und zu glauben, dass der Indianer ihn um seinen Lohn gebracht habe. Aber wenn er dann wieder sah, wie geschickt und wie planmössig der Häuptling die Gegend durchforschte, wie genau er auf den Stand der Sonn« achtete und auf die Schatten, die von den Berggipseln geworfen wurden, rnichtc er doch erkennen, daß ein bestimmter Weg verfolgt wurde. „So ganz leicht, wie du es dachtest, ist das nicht," sagte der Häuptling. „Da sind Erdbeben gewesen, und da waren«in paar hundert Jahre kang Regenzeiten und Wolkenbrüch« und Erdrutsche, da haben Flüsse ihren Lauf geändert, da sind Bäche verslegt und andere sind neu entstanden. Da sind kleine Bäume gross geworden, und große Bäume, die einmal Ziele waren, sind gestorben. Es kann auch noch eine Woche dauern, Don Manuel, du muht Geduld haben." Es dauerte auch noch mehr als ein« Woche. Und der Häuptling sagte am Abend:„Morgen kann ich dir die Mine geben; denn niorgen habe ich sie in nieinen Augen." Don Manuel wollte wissen, warum er nicht gleich mit dem Häuptling hott« reisen können, als jener heimging.„Dann hätten wir trotzdem bis morgen warten müssen, weil die Sonn« nicht im Ziel stand. Jetzt steht sie im Ziel. Ich weiss auch seit ein paar Tagen, wo der Platz ist, aber morgen habe ich die Mine und kann sie dir geben." Wirklich, am folgenden Tag« fanden sie die Mine in einer Schlucht.„Da ist»inniat der Berg abgebrochen. Das kannst du auch sehen. Darum war es so schwer, den Platz zu sinden. Da liegt die Mine, und sie ist nun dein. Mein Haus mußt du aber heute ver- lassen," sagt« der Häuptling.„Warum? Ich würde es auch so ver- lassen, denn ich will in der Nähe der Mm« mein Haus bauen."„Ja, mein Haus ist nun nicht mehr gut. Du hast die reiche Min« und bringst keinen Segen." Der Häuptling wollte ihm die Hand reichen, aber Don Manuel sagte:„Warte, Aguila. Ich möchte dich noch etwas fragen. Wenn ich von dir hunderttausend Goldgulden ver- langt hätte, damit ich deinen Sohn heilen soll, hättest du dann nicht dl- Mine selbst ausgemacht?"„Gewiss hätte ich da- getan." sagt« der Gefragte,„ich wollte doch mein Kind gicheilt sehen. Aber wenn ich die Summ« gehabt hätte, würde ich die Min« wieder verschüttet haben, weil Gold nicht gut ist. Was hätte ich auch tun können? Die Spanier würden e« erfahren, und sie hätten mich, mein« Frau und meinen Sohn ermordet, um die Mine zu bekommen. Nach euren Sitten wird sa wegen Gold immer gemordet. Sei vorsichtig, Don Manuel, daß nicht auch du gemordet wirst, wenn dein« Leute wissen. dass du eine Goldmin« hast. Wenn sie wissen, dass du nichts weiter hast als Brot und Tortillas, wirst du ntemal« gemordet. Ich will immer dein Freund bleiben, aber wir müssen uns nun trennen." Don Manuel begann hier sein Lager aufzubauen, und Aguila zog zurück zu seinem Hause, das eine Tagereise weck von der Mine eicksernt lag. Vor seiner Abreise hatte sich Don Manuel die Eertifi- cados von der Regierung verschafft, die ihn berechtigten, noch Edel- metallen zu suchen und die Plätze, wo er welche fände, mit seinem Bergungsrecht zu belegen. Er reiste zurück>n die nächste Stadt, wo er seine Frau zurückgelassen hatte, brachte seine Frau mit sich, und Maschinen, Werkzeuge und Spreiigmiltel. Nun ging er an die Arbeit, die Mine freizulegen. Sein« kühnsten Erwartungen wurden über- trosien. Die Mine war so reich an Silber, dass sie alle anderen be- kannten Minen überbot. Sie gab al» Haiiptprodilkt Silber, aber als Nebenprodukt kam auch Gold mit vor. Viele Vorkommnisse hatten ihn gelehrt, dass es am besten sei, wenn man nicht zu sehr von seiner Mine spreche, sie nicht zu sehr preise. Nicht nur Privatpersonen, sondern selbst die königlichen Be- anrten und die hohen Würdenträger der Kirche oerstanden es nur zu gut, einem Manne, der nicht genügend Macht im Rücken hatte, die Mine aus de» Händen zu spielen. Der Besitzer oerschwand plötzlich, Zoll oder Nicbtzoll? Kein verniliifttger Mensch würde jemals von dem kleinen Simonsdors, dort oben im Osten, Notiz genommen haben, wenn nicht, der Lcrsailler Vertrag einige Acirdcrungen geschaffen hätte. Früher fuhren die Züge, ahne zu halten, durch den unan- lehnlichen Bahnhof, heute ist dieser idyllisch verträumt« Ort der Platz, auf dem die Danziger Zollkontrolle mit energischer Entschiedenheit wütet. Die Züge aus Ostpreußen nach Danzig oder nach Polen werden hier eine unendlich lange Zelt ausgehalten, und mehr oder minder liebenswürdige Zollkontrolleure stellen an die Reisenden die Gewissensfrage, und hier geschah vor einiger Zeit solgende charakteristische Episode, die auch in Wirballen oder an der franzä- fischen, tschechischen oder italienischen Grenze ebenso nette Figur ze- macht hätte, eine Episode, die durch das Wesen jeder Zollabfertigung einfach bedingt ist. Eine junge Danzigerin kam aus Königsberg mit dem letzten Abendzug und hatte dort nach des Himmels unersorjchlichem Rat- schlug eine Büste gekauft. Warum sollte sie schliesslich das auch nicht tun? Als der Beamte nun in Siemensdorf ihr Abteil betrat und die Frage nach oerzollbaven Gegenständen an sie richtete, tat sie nicht das Gewohnte und erklärte schlick)! und frei, sie hätte nichts bei sich. Nein, das tat sie nicht, sondern sie verkannte grundlegend die Situation, rih die Büste aus ihrer Tasche und meinte dabei, es sei Ihr Herzenswunsch, diesen Wertzeger.stand zu verzollen. Der Beamte erstarrte, vielleicht erlebt« er dieses frisch-fröhliche Entgegenkommen zum erstenmal in seiner Praxis. Lange dacht« er nach, schliesslich erklärte er vorsichtig, die Büste müsse oer.zollt wer- den. Nun kann kein anständiger Zollbeamter den feierlichen Alt der Verzollung im Zuge vornehmen, es macht sich besser, wenn dieser Vorgang in einem extra dazu errichteten Haus« zelebriert wird. Also ging die Dame in dies Haus. Selbst das kleine Simonsdors kann mit solchen Schätzen auswarten, wenn es um den Zoll geht, scheut eben niemand Unkosten. Aber jetzt häuften sich die Schwierigkeiten, die Zollbeamten durchkosteten die schwersten Pflichten ihres Berufes.„Gips oder Nichtgips, Zoll oder Nichtzoll, Kunst oder Nichtlunstl" Das war hier die Frag«, quälender als Hamlets Zweisel. Keiner wollte die schwere Verantwortung tragen. Ein Zollbeamtenkonzll wurde in aller EU« einberufen. Man sah nur noch Zollbeamte, die die Büste umstanden, wild diskutierten und sich in die Haare gerieten, wie «inst die Kirchenväter auf dem Konzil. Inzwischen war die Aufend Haltszeit de» Zuges abgelaufen, und während die Dam«, die Lüste und die Beamten sich ratlos in die trauton Augen starrten, entglitt der Zug den Danziger Gefilden«ntgegon. Erst spät in der Nacht «inigte man sich aus Gips und auf Nichtoerzollung. Absr jetzt war guter Rat teuer, denn kein Zug war weder nach Danzig noch nach K'änig»b«rg im Fahrplan vorgesehen, man hatte bei seiner Auf- stellung lelder nicht mit dem diffizilen Gewissen der Zollbeamten und einer jungen Dam« gerechnet. Die jung« Dame, die bis dahin guta Miene zu dem unterhalt- samen Spiel gemacht hatte, erklärte energisch, sie kenn« hei her« Wünsche, als In einen, kleinen Dorfwirtshaus zu übernachten, die Zollbeamten hätten schuld und mühten ihr unter allen Umständen «in erstklassige» Hotelzimmer besorgen. Kompliment« und ver- zweifelte abgetaute Nägel machten keinen Eindruck. Was war zu niemand wusste, wo er geblieben war, und die Mine wurde als herrenloses Gut entweder der Krone oder der Kirche überwiesen. Die Inquisition, die in Mexiko viel länger ihre unheilvoll« Macht ausübte als irgendwo sonst auf der Erde, die erst endgültig hier verschwand, als die Revolution siegte und das Land eine freie und unab- hängige Republik wurde, wirkte zu jener Zeit noch immer mit unge- schwächten Kräften. Es genügte, daß ein Bischof Kenntnis einer reichen Mine erlangte, und der Finder und Besitzer jener Mine wurde wegen Gotteslästerung. Ketzerei, Zauberei, mangelnden Respekts gegen die Wunderkaft eines Gnadenbildes vor das Tribunal der Inquisition geschleppt. Vor diesem Tribunal Merte selbst der mächtigste Mann im Lande, der Vizekönig. Wenn er geladen war, trat er diesem Tribunal nur in Begleitung einer schwerbewaffneten Leibwache gegnüber mit der Ankündigung, daß seine Truppen und die Artillerie den Befehl haben, auf das Gebäude der Hohen Inqui- silion rücksichtslos zu seuern, falls er innerhalb einer kurz bemessenen Frist nicht wieder in seinem Palaste sei und sich seinen Soldaten gezeigt habe. Was konnte dann so ein einfacher Privatmann tun? Es traten zehn oder zwanzig Zeugen auf, die beschworen, gesehen zu haben, daß der Mann vor der Monstranz nicht gekniet habe, oder die gehört hätten, daß er gesagt habe, es fall« ihm schwer, zu glauben, dass der Sohn gleichzeitig sein eigener Vater sein könne, oder dass der Papst keine Irrtümer begehen könnte. Und wurde dos beschworen, so wurde der Missetäter verbrannt, und er durfte es als besondere Gnade onsehsn, wenn er nicht lebendig verbrannt, sondern vor der Verbrennung erdrosselt wurde. Wie immer ober auch die Strafe ausfiel, war beschworen worden, dass er schuldig sei, so verfiel sein ganzer Besitz der Kirche. Darum war es durchaus nicht so merk- würdig, doh hier diejenigen Leute, die reichen Besitz hatten oder die sich weigerten, der Kirche und den Klöstern das Land oder die Minen, die sie begehrten, freiwillig abzutreten, oft viel rascher der Ketzerei angetlagt"und schuldig gesprochen wurden als arm« Indianer, die von der Jnouisiiion viel glimpflicher behandelt zu werden pflegten; denn wer sollte für den armen Indianer die hohen Kosten der kompli- zierten Untersuchung zahlen? Denn hoch waren die Kosten für das Tribunal. Es tat niemand etwas umsonst, wie die Akten beweisen. und die Zeugen waren die allerletzten, die es billig machten aus Rucksicht für'den heiligen Zweck. Die Macht einer jeden Religion ist begrenzt Keine Religion kann diese Grenzen berühren oder gar zu überschreiten versuchen, ohne abzusterben. Eine Religion, die zu starr geworden ist, eine Religion, die ihre Elastizität so sehr verloren hat, dass sie sich in die Entwicklung und in die Zeft nicht mehr«in- füpen kann, stirbt ab. Es können nickt ewig ungestraft Kriege geführt werden von Völkern, deren Religion ihnen verbietet, das Schwert zu ziehen, und deren Religion ihnen gebietet, nicht zu töten. (Forftstzung folgt.) tun? Da hatte ein Bahnbeamter, der sich privat an dieser Unter- Haltung beteiligt hatte,«ine erlösende Idee. Aus irgendeiner Be- schästigungslosizkeit fuhr noch«ine Güterzugslokomotivs leer von Dirschau nach Marlenburg. Diese müsse man aufhatten. Ueberall erleichtertes Aufatmen. Tatsächlich traf auch die Lokomotive zu einer unwahrscheinlichen Zeit ein, aber der pflichtgetreue Führer erklärte entschieden, er dürfe keine Frauen aus seinem Apparat beherbergen, er hätte allerdings einen Männeranzug an Bord. Plötzlich log der ganze Zoll der jungen Dame zu Füssen und flehte in allen unmöglichen Tonarten, sie möge sich doch erbarmen, und sie erbarmte sich. In Männer- kteidern bestieg sie die Lokomotive und erreicht« Martenburg, wo sie unter fürsorglichster Bewachung in einem Hotel abgegeben wurde. So entstehen Komplikationen aus einem übersteigerten Pflicht- bewusstsein. F 1 i x.. Der Amtsrichter Seiner Majestät... Im„Fränkischen Kurier" findet sich solgende köstliche Notiz: „Kaiser Wilhelm II. hat dem Amtsrichter Alexander Schneider, dem 1. Vorsitzenden des bayerischen Heimat- und Könlgoundes, Orts- verband Nürnberg, sein Bild mit eigenhändiger Unter- s ch r i f t oerliehen." Lohnt es sich, gegen diesen famosen Richter und seinen Doorner Herrn anzueifern? Bei aller Unversrorenheit der beteiligten Per- sonen ist solche Bagatelle nur noch komisch zu nehmen. Druckfehlertolge. Die„Wiener Abendpost", Abendausgabe der kaiserlichen„Wiener Zeltung", hatte die besondere Ausgabe der schwungvollen Begrüßung ausländischer Ferjchtcn, wenn sie Franz Joseph besuchen kamen. So las man eines Abends: „Die Mauern unserer Stadt schmücken sich mit frischem Grün, höher schlagen die Herzen, die Fahnen wehen: Sc. lais. und tänigl. Hoheit der Korn prinz des befremdeten und verbündeten Deutschen Reiches... Am nächsten Abend— was mochte sich inzwischen abgesplell haben— stand in dem Blatt folgend« Verichllgung: In unserem gestrigen Begrüssungsartikel muhte es selbstverständlich heißen: Sc. k. u. k. Hoheit der K n o r vrin*... O Schmerz laß nach! Kurz und gut, am dritten Abend erschien folgende Erklärung: Leider enthält auch unsere gestrige Berichtigung einen höchst bedauerlichen Drek fehler. Und da verließen sie ihn. Ein Patient erscbiesst seinen Arzt. Bor drei Jahren hatte Dr. Gerald Kelly in Philo, delphia einem Mann« ein Bein amputieren müssen. Der Am- putiert«, ein gewisser Joseph Kamentskey. tonnte sich über den Vertust seines Beines nicht trösten und schwor, sich an dem Arzt zu rächen. Er drang in Lessen Sprechzimmer ein und gab auf ihn drei Schüsse ab. ver Arzt sank tot zu Boden. Kamentskey, der durch ein Fenster floh, konnte oerhaftet werden. WAS DER TAQ BRINGT. iiiiiiiiinniiiniiniiiiiniuiiiiiiiiiiiiHimiiiiiiiiiuiiiiiiiniiiiiiiniiiiiniiiiiMiiiiiiiiiiiiiiniNiiiiiiiiiiuiniuiiiiiiniiiiHHiiiiiiiiiuuiiiiniiiiiiiininuiiuniiinuniiiiiiiiiiiiiiiiinaiiiiiiianiiniiniini Arbeiter Sport Wer wird ostdeutfcher Meister Bei den Arbeiterfußballern? Das Lichtenberger Stadion wird am fommenden Sonntag das Ziel tausender Arbeitersportler und ihrer Anhänger sein. Hier tritt der Berliner Meister Adler 08 zum letzten und schwersten Gang um die oft deutsche Fußballmeister schaft gegen Forst- Süden an. So leicht wie in Danzig wird den Pankowern der Sieg nicht werden. In den Forstern treffen sie auf einen flinken und zähen Gegner. Trotzdem müssen den Adler- Leuten einge Siegesaussichten eingeräumt werden. Im Sturm besitzt Adler seine gefährlichste Baffe. Alle fünf Stürmer verfügen über gutes Können und große Ausdauer. Die Hauptkraft ist der linke Innenstürmer. Ohne befonders aus dem Gefüge hervorzuragen, dirigiert er seine Nebenleute immer wieder vor des Gegners Heiligtum. Der gefährlichste Torschützer ist allerdings der Halbrechte. Aus allen Lagen schießt er unverhofft und scharf aufs Tor. Bei ihm kann der Forster Torwart beweisen, daß er zu den tüchtigsten Vertretern seines Postens gehört. Die Außenstürmer zeichnen sich hauptsächlich durch schnelle Flankenläufe aus. In der Läuferreihe hat Adler drei Spieler von außerordentlichem Stehvermögen. Die Hauptstüße der Hintermann schaft ist der rechte Verteidiger. Schnelligkeit und ein befreiender Schlag zeichnen ihn besonders aus. Nur der Torwart fällt aus dem Rahmen. Schon oft hat er durch seine schlechte Abwehr und sein Spielen mit dem Fuß seine Mannschaft in schwierige Situationen gebracht. Zu hoffen und wünschen wäre es, wenn er diese Fehler unterläßt. Die Mannschaften spielen in folgender Aufstellung: Abler 08( rotes Hemd, weiße Sofe): Schulze Rube Ralies Start Ulrich Ruchenbeder Lindenau Krüger Kliemann Hoppenz Müller olf Krause Regel Michalsti Bommerehn Trotschinsti Walther Commer Lehmann Fort( blaumeiß gestreiftes Hemd, weiße Hose): Hildebrandt Rlebula Das Spiel beginnt 14.30 Uhr. Vor dem Hauptspiel treffen sich Die beiderseitigen Alt Jugendmannschaften von Berolina Neuföln - Berolina- Neukölln und Boruffia- Reinickendorf. 3 Aus der Tennisbewegung. Das Sommerprogramm.nl/do Eine Technifersüzung der Arbeitertennisvereinigung Berlin beschloß für die diesjährige Saison die Durchführung von Serienspielen in zwei Klassen. Jede Mannschaft besteht aus vier Männern und zwei Frauen. Zur Durchführung gelangen vier Männer- Einzel. zwei Frauen- Einzel, ein Männer- Doppel und ein gemischtes Doppel 仁 B G Safis R In Serie A werden spielen: Tennis- Rot Friedrichshain I, Freie Turnerschaft Charlottenburg I, Neukölln I, Fichte- West I, Roter Stern, Lichtenberg I. An der B- Serie beteiligen sich: Tennis- Rot Friedrichshain II, Freie Turnerschaft Charlottenburg II, Weißenjee I, Roland I, Lichtenberg II. Von Interesse ist, daß der technische Obmann bekannt gab, daß Roter Stern"( Angestellte der Russischen Handelsgesellschaft usw.) es a blehnte, Tennis im Sportdreß zu spielen. An weiteren Veranstaltungen find geplant: 7.- 10. Juni: Bundesoffenes. Turnier. 19. August: Propaganda spiele in Charlottenburg, 2-9. September: Anfängerturnier. Tennis- Rot" ist die stärkste Berliner Tennisgruppe, die der Freien Turnerschaft Groß- Berlin und damit dem Arbeiter- Turn- und Sportbund angehört( ATSB.). Es bestehen bereits drei alte Abteilungen in den Bezirken Friedrichshain, Brenzlauer Berg und Wedding. In diesem Jahre gründete sich eine starke Abteilung in Lichtenberg. In diesen Tennisabteilungen wird lediglich nach den Richtlinien des Arbeiter- Turn- und Sportbundes gearbeitet. Jedes Mitglied muß politisch bzw. freigewerkschaftlich organisiert sein. Auf Sympathiefierende" wird im Gegensatz zu den sich„ revolutionär" nennenden Arbeitersportgruppen fein Wert gelegt. Der Monatsbeitrag beträgt 3 M., für Jugendliche 2 m. Dafür werden Plätze und Bälle gestellt. Gespielt wird nur im Sportdreß. Tennisinteressenten können in Tennis Rot in beschränkter Zahl für diese Saison noch Berücksichtigung finden. Obmann Karl Rohler, Berlin D 34, Weidenweg 63. D. II. Die Spiele des Sonntags. Handball. In der 1. Gruppe stehen fich nur Frisch- Frei- Niederschöneweide und Neukölln 2. Abt. in Niederschöneweide gegenüber. Ein Sieg würde Frisch- Frei einen Blah höher bringen. In der 2. Gruppe spielen Groß- Berlin- Süden und Fichte- Süd um 11 Uhr auf dem Urbanplay. Sollte Süden einen leberraschungssieg vollbringen, dann behält Süd troßdem die Gruppenführung. Fichte 3. Abt. hat Fichte 19. Abt. um 10 Uhr in Baumschulenweg zu Gaste und gilt als sicherer Sieger. Schmargendorf empfängt um 12% Uhr 11 Uhr Groß- Berlin- Wedding und Schöneberg Sportler in Reinidenauf dem Reinerzplay Nowawes. In der 3. Gruppe stehen sich um dorf, Scharnweberstraße, gegenüber. Die Schöneberger würden durch einen Sieg ihre Position verbessern, allerdings ist nach dem Resultat Dom legten Sonntag daran zu zweifeln. Groß- Berlin- Norden. 1 fährt nach Belten, während die Brandenburger Sportler am Bahn hof Bepernick gegen Schönow spielen. Das wichtigste Spiel findet in Reinidendorf, Scharnweberstraße, zwischen Fichte- Nord und Spandau statt; hier geht es um die Führung in der Gruppe. Die Frauenspiele der 1. Klasse sind: Groß- Berlin- Webbing gegen fichte 9A in Reinickendorf, Scharnweberstraße, Tegel gegen Fichte- Nord in Tegel, Graf Röbern- Korfo, Fichte 3. 2bt. gegen Neutölln 1. Abt. und Adlershof gegen Groß- Berlin- Lichtenberg in 2dlershof, Helbig straße. In der 2. Klasse finden an wichtigen Spielen statt: Mahls. dorf gegen Kaulsdorf in Mahlsdorf, Groß- Berlin- Friedenau gegen Charlottenburg- Schwiemer um 15 Uhr in Friedenau, Offenbacher Straße, Moabit gegen Fichte 16. Abt. auf dem Wassersportplatz Plögensee, Luckenwalde gegen Fichte- Treptow in Luckenwalde, Tegel gegen Groß- Berlin- Rosenthal in Tegel, Graf- Rödern- Korso, und Fichte 10. Abt. gegen Groß- Berlin- Wedding 2 um 13% Uhr in Baumschulenweg. Die Männerspiele beginnen um 16% Uhr und die Frauenspiele um 14% Uhr. Hockey. Der Athletit- Sportklub spielt um 9 Uhr in der Normannenstraße gegen die Sportliche Bereinigung Nordost und müßic, wenn die volle Mannschaft wieder beisammen ist, siegen. Nordoft 06 hat sich in den letzten Spielen sehr gut gezeigt und dürfte Um alles daran setzen, um fich weiter nach vorn zu arbeiten. 16% Uhr treffen sich auf dem gleichen Platz der ASV. Lichtenberg 2 und der ASV. Fichte- Weft, wo lettere ohne große Anstrengung siegen werden. ASV. Fichte 10 I gegen Fr. Tschft. Charlottenburg 2 um 10% Uhr in der Schönhauser Allee, Roland 1 gegen Moabit 1 um 16 Uhr Schönhauser Allee. Schmargendorf 1 gegen Treptow 1 um 16 Uhr Fehrbelliner Platz. ASB. Fichte 1. II gegen ASC.2 12 Uhr Schönhauser Allee. Nordost 06 II geaen Groß- Berlin- Nordring 2 um 14% Uhr Schönhauser Allee. AGC. 3 gegen Moabit 2 um 10% Uhr Normannenstraße. Lichtenberg 2 II gegen Fichte 12 II um 15 Uhr Normannenstraße. Fichte 10 II gegen Schönholz 3 um 9 Uhr Schönhauser Allee. Jugend: Charlottenburg gegen Schönholz um 9 Uhr Westend. Frauen: Fichte 1 gegen Charlottenburg um 13½ Uhr Schönhauser Allee. In Heinersdorf haben um 16% Uhr der ATV. Pankow und die Fr. Tschft. Schönholz ein Freundschaftsspiel vereinbart. Vorher, um 14 Uhr, treffen sich die 2. Mannschaften, und um 15% Uhr spielen die beiden Frauenmannschaften. Altersturner der Freien Turnerschaft Groß- Berlin. Keiner verfäume das Zusammenturnen am Sonnabend, 31. März, 20 Uhr, m der Turnhalle Kaiser- Friedrich- Str. 4, am Hermannplay in Neukölln. Technikerfihung. Die Sigung der Technifer des Arbeiter- Sportfartells findet Dienstag, 3. April, in der Geschäftsstelle Landsberger Straße 82, 20 Uhr, statt. Nicht, wie in der GA- Sigung angesagt, am 4. April. Dehlschläger. Möllmer. Arbeiterathleten! Der Bundestag muß umständehalber auf den 7., 8. und 9. Juli 1928 in Dresden verlegt werden. Vereinskalender. Freie Faltbootfahrer Berlin. Die Abfahrt zum Anpaddeln erfolgt nicht, wie irrtümlich angegeben, 7,33 Uhr Schlesischer Bahnhof, sondern 7,23 Uhr, ab Friedrichstraße 7,11 Uhr. Die Zusammenkunft am Donnerstag, 5. April, fällt aus. Abfahrt der Teilnehmer an der Fahrt nach Forst Freitag, 6, April, ab Görliger Bahnhof 6,50 Uhr. Bichelsberger Rubergesellschaft 1914 C. B. Mittwoch, 4. April, Bierteljahresverfammlung bei Bohne, Charlottenburg, Schloßstraße. Freier Sportverein Berlin XII e. B. Die für Sonntag, 1. April, geplante Schulentlassungsfeier mit Filmvorführungen fällt aus, da die Polizei die Genehmigung versagt hat. Reit- und Fahrturnier. Hochspringen und Polo, Für den Donnerstagnachmittag stand das Hochspringen auf dem Programm. Das Hochspringen ist für gewöhnlich die beim Bublifum beliebteste Konkurrenz auf den Berliner Turnieren. Darum war bedauerlich, daß diesmal nur zwei Pferde zum Bettbewerb antraten. Von ihnen blieb Bullo mit Oberleutnant Andrae im Sattel Sieger, weil er 1,95 meter fehlerfrei sprang. Henry tam unter Herrn Holft gut bis zur Höhe non 1,90 Meter. sterangebotes Herrn! 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Biel Bergnügen machte den Zuschauern der Schleifenraub, der von den Polospielern selbst immer als gute Vorbereitung für das Spiel angesehen wird. Der Berliner Poloklub spielte zum Schluß gegen den Hamburger Poloflub; das Spiel gemann Berlin mit 2: 0. Der Abend setzte Reiter, Zuschauer, Bedienstete, eben jeden Menschen im SportPalast schachmatt, denn wenn lange nach Mitternacht noch keine Aussicht auf Beendigung des Programms besteht, ist das wirklich des Guten etwas zu viel. Ruderkampf Oxford- Cambridge. Morgen findet auf der klassischen Regattastrecke der Themse die 79. Begegnung der Achtermannschaften der Universitäten Orford und Cambridge statt. Die Vorbereitungen dazu sind schon seit Monaten im Gange. In langwierigen Ausscheidungstämpfen vorerst der einzelnen Kollegs der Universitäten, später des schon gefiebten Materials find 16 Ruderer herausgefunden worden, denen das Glück und die Ehre zuteil wird, die Farben ihrer Universität in diesem berühmten Wettkampf zu pertreten. Mit größtem Interesse verfolgt die Bevölkerung das Training der beiden Mannschaften auf der Themse, dem dieser Tage auch der englische Premierminister Baldwin, selbst ein begeisterter Anhänger des Rudersports, beiwohnte. Die Chancen der beiden Mannschaften scheinen diesmal ziemlich ausgeglichen zu sein, wenn auch im Wettmarkt, der natürlich auch für dieses Ereignis eröffnet wurde, die hellblauen Cambridgeleute favorisiert sind. In der Tat kann Cambridge auf eine schöne Giegesserie zurückblicken, denn die Vertreter dieser Universität waren mit Ausnahme des Jahres 1923 in sämtlichen Rennen der Nachkriegszeit erfolgreich. Gewinnt Cambridge auch diesmal, so lautet das Verhältnis für die bisher ausgetragenen Rennen aber immer noch 40: 39 für Orford, das mit einer Zeit von 18 Min. 21 Sef. auch den Reford für die 6850 Meter lange Rennstrecke von Putney nach Mortlate hält. Eröffnungsrennen in Strausberg. Die talte Bitterung hat dem Straußberger Rennverein zwar manchen Strich durch die Rechnung gemacht, doch wird am Sonn: abend nun endlich die Eröffnung der kleinen Waldbahn und damit zugleich die Premiere der Berliner Galopprennzeit vor sich gehen können. Wird die Veranstaltung nicht durch Regen gestört, Der Prophet muß zahlen. Klage auf Wiedergutmachung des Schadens, den er angerichtet, hatte Erfolg. Die Ziviltammer 42 des Landgerichts I geht dabei von der Erwägung aus, daß Heilmagnetiseur und Kirchenoberhaupt Weißenburg fabrfäffig gehandelt, als er mit seinen bekannten Mitteln, Gesundbeten und Bestreichen sowie starker religiöser Einwirkung, die Frau gegen den Willen des Mannes behandelte, zumal Wenn er ihm die psychopathische Natur der Frau bekannt war. nun behauptet daß die geistige Erkrankung der Frau auch ohne diese ganze Affäre sich eingestellt haben würde, so weist das Gericht diese Behauptung zurüd, ebenso wie das = Nach etwa zweijähriger Dauer ist der Prozeß Wihte-| Jahre begonnen werden. Am Donnerstag vormittag erWeißenberg zum Abschluß gelangt. Die Klage auf Wieder- hielt der fertige Bau im Rahmen einer schlichten Feier, die durch gutmachung des Schadens, den Weißenberg durch Liedervorträge eines gemischten Kinderchores verschönt wurde, die feine Behandlung der Frau des Klägers an- Weihe. An ihr nahmen Vertreter der Regierung, der gerichtet, wird als berechtigt erkannt. Es handelt sich dabei Schulbehörden und der Gemeinde teil. In der langen um festgestellte Ausgaben und Schadenansprüche in Höhe Reihe der Festredner machten sich die Geistlichen der evangelivon mehreren tausend Mark. schen und der katholischen Kirche durch ihre Aufdringlichkeit, mit der sie die Vormundschaft der Kirche über den Schulunterricht empfahlen, unangenehm bemerkbar. Der Erbauer, Architekt Brint mann, und der Rektor der Schule, Dr. Hohmann, übernahmen nach der Feier die Führung durch die neuen Räume, aus deren Farbentönung und Linienführung eine frohe Stimmung atmet. Der Erweiterungsbau hat eine Länge von etwa 30 Metern; von den Unterrichtszimmern geht der Blick über die Wälder hinüber zu den Müggelbergen. Sehenswert ist die Aula im Dachgeschoß, die auch als Musiksaal dient und den Ansprüchen eines Festsaales gerecht wird. Ihre Stirnwand wird geschmückt durch zwei Bronzereliefs der beiden Reichspräsidenten Ebert und Hindenburg. Der Raum zwischen diesen beiden künstlerisch bedeutenden Bildnissen wird durch die metallene Inschrift ,, Einigkeit und Recht und Freiheit" ausgefüllt. Der würdige Schmuck ist eine Stiftung des Haus- und Grundbefizervereins Eichwalde". Hoffent lich bemüht sich die Lehrerschaft nicht, den Wunsch zu erfüllen, der von den beiden Vertretern der Kirche während der Feier ausgesprochen wurde: Daß in den neuen Räumen der alte Geiſt bleibe. Bom Dach des Hauses wehte das Symbol der neuen Zeit: die schwarzrotgoldene Reichsfahne! Bertriechen Weißenbergs hinter seine Angestellten", die die Behandlung in Händen gehabt hätten. Diese Hilfskräfte feien seine Werkzeuge, die nach seinen Angaben arbeiteten! Mit Recht hebt das Urteil die vernichtende Kritik der als Sachverständige fungierenden Aerzte hervor. Als Weißenbergs plumper Versuch, durch restlose Ablehnung der von Gerichtsarzt Dr. Ollendorff, Oberarzt Dr. Blume und Dr. Panse. erstatteten Gutachten die Wissenschaft aus diesem Prozeß auszuschalten, vom Gericht zurückgewiesen wurde, war für jeden Unparteiischen klar, daß Weißenbergs Sache verloren war. Dies hat auch wohl sein der Weißenberg- Sefte angehöriger Anwalt erkannt, und eine rettende Krankheit half ihm über die Peinlichkeit der letzten Verhandlung hinweg. Auch bei der Ur= Auch bei der Ur= teils verkündigung war der Prozeßvertreter nicht anwesend, nur einige Personen aus dem nächsten Kreise des„ göttlichen Meisters" waren sichtbar. Sie Ob sie nun wohl in dem Organ ihrer Kirche:„ Wahrheit" betitelt, dieser Wahrheit zum Durchbruch verhelfen werden? anderen sein, den Ausgang dieses Prozesses zur Aufklärung der werden es zweifellos nicht tun. Um so mehr wird es Aufgabe der mystisch beeinflußten Opfer des Systems Weißenberg zu benutzen. mystisch beeinflußten Opfer des Systems Weißenberg zu benutzen so fann man mit einem großen Erfolge rechnen, zumal die Rennen Weihe eines Schulbaues in Eichwalde. durchweg start umstritten sein werden. Das interessantefte Geschehnis dieses Premierentages dürfte der März Ausgleich fein, ein Flachrennen, das einige nüßliche Pferde wie Theofrit, Bonheur, Gerber, Malkasten, Odaig, Halca usw. am 2000- Meter- Start versammeln fann. Unsere Voraussagen: 1. Fünf Uhr- Heldrastein; 2. Morgenpracht Ordenstangler; 3. Norge- Werden; 4. Gerber Odaig; 5. Mandarin Doftor; 6. Legende-Pommard; 7. BomBarfuß. mer Die Schulverhältniffe in der sich stetig entwickelnden Gemeinde Eichwalde waren lange Zeit hindurch sehr unerquicklich gewesen. In den unzulänglichen Räumen des alten Schulbaues in der Bahnhofstraße drängten sich die Schüler und die Schülerinnen der Boltsschule und der Höheren naben und Mädchen schule. Die Zustände waren zuletzt unerträglich: in Keller und Mansardenräumen wurde Unterricht erteilt. Mit dem notwendigen Erweiterungsbau tonnte aber erst vor einem Arbeiter u. Angestellte Berlins u. Umgegend Kauft Eure Herren- Bekleidung in wirklich reellen und guten Qualitäten in dem bekannten Lothringer Monatsgarderoben- Haus Straße 56 ( am Rosenthaler Platz) Einige Beispiele Selten günstiges Angebot!! Ein Posten Herren- Anzüge 25.- 28.- 30.- usw. Helle Farben zum Aussuchen, nur haltbare Ware, in allen Größen jetzt Mk. GummiMäntel Anzüge dunkle, 2 reih. haltbare Ware GabardineMäntel pr. Ware GabardineMäntel Anzüge blau Twill, pr. in allen Preisl. Mk. 32, von Mk.48, an von Mk. 10. von Mk.30.an von Mk.45 an usw. Gelegenheitskäufe in wenig getragener Garderobe Nur prima Maßsachen- Spezialität: Untersetzt- und Bauchanzüge Riesenauswahl- Weitester Weg lohnend Bitte auf Lothringer Straße u. Hausnummer 531 achten Jedes Stück ein Gelegenheitskauf! Wo freifen wir uns? 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Sie hat wahrscheinlich Angst, wieder nach Hause hat eine Stubsnase und sieht aus wie eine Sechzehn bis Siebzehnjährige. Sie hat einen dunflen, glatten, links gescheitelten Buben topf, ein rundes volles Gesicht, eine hohe Stirn und im Gesicht mehrere Leberfleden. Mitteilungen über ihr Auftauchen an die Bermißtenzentralftelle im Polizeipräsidium. A Plahkonzerte der Schuhpolizei. Das für den 30. März vor den Lantmizer Rathaus in der Zeit von 6 bis 7 Uhr angefündigte Ronzert findet in der Zeit von 3% bis 5 Uhr statt. Ferner fonzertiert die Schutzpolizei am Sonntag, dem 1. April, in der Zeit Don 11% bis 12% Uhr vor dem Rathaus zu Spandau fomie in Zehlendorf, Ede Horst- und Sven- Hedin- Straße. 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