BERLIN Mittwoch, 4. April Der Abend Erscheint täglich außer Sonntags. Bugleich Abendausgabe des Vorwärts". Bezugspreis für beide Ausgaben 70 Pf. pro Woche, 3 M. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW 68, Lindenstr.3 Spätausgabe des„ Vorwärts 66 10 Pf. Nr. 162 B 81 45. Jahrgang. Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeile 80 Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Bosschecktonto: Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Donhoff 292 bis 297 Das Wunder von Taschfent. Ein Riefenprozeß in dem sowjetrussischen Zentralafien. Die verrieselten Millionen. Ju Taschkent, der Hauptstadt von Turkestan, ist soeben ein Prozeß gegen eine Reihe leitender Persönlichkeiten der Wasserwirtschaftsbehörden der mittelasiatischen Sowjetrepubliken zu Ende gegangen. Mit Ausnahme dreier Angeklag ten, die freigesprochen wurden, find fast alle übrigen zu schweren Kerterstrafen ver urteilt worden: 3 zu sechs Jahren Kerker, 7 zu fünf Jahren, 1 zu bier, 3 zu drei, 3 zu zwei, 1 zu anderthalb, und 1 zu einem Jahr Kerker. Hier die Darstellung des Falles. Es ergibt sich daraus, daß nicht nur in Deutschland Phoebus und Reichsbahnskandale vorkommen. Monstreprozeß in Tashkent. Zwei Monate Berhandlungsdauer, 150 Seiten Anflageschrift, 50 Bände Untersuchungsaften, 23 Angeklagte leitende Beamte der Wasserwirtschaft der mittelasiatischen Sowjetrepubliken. Fünf Tage und Nächte waren die Mitglieder des Obersten Gerichtshofes, der Staatsanwalt, die Berteidiger aus Mostau unterwegs, bis sie an die Gerichtsstätte gelangten. Die Union der Sowjetrepubliten ,,, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten". Der Film wird hier zu lebendiger Birklichkeit. Die Wirklichkeit zum Film. 120 Millionen Mart wurden in den Sandwüsten Mittelafiens verpufft. Berieselungsprojekte sind in Angriff genommen worden, deren Ausführung unmöglich war; Kanäle wurden gebaut, die der Sand sofort wieder verschüttete; Wasserdämme errichtet, die bis heute noch, nach Monaten auf trodener Erde stehen. Das Berieselungssystem führte nicht Baffer den Flachsfeldern zu, sondern Millionen von Rubel in die Taschen der hohen Beamten. Den einheimischen Arbeitern wurde aber das Fell über die Ohren gezogen: sie waren dem Meutern nahe, da das Geld für ihre Entlohnung nicht langte. Das Ganze flingt wie ein Märchen aus Tausend und eine Nacht. Jede Einzelheit von einer unaussprechbaren Groteste. Deshalb hier mur das wesentliche: Die Wüste sollte berieselt werden. Die Berieselungspläne. Für fünf Jahre war die Berieselung von 1195 695 Hektar Landes vorgesehen. Der Unfostenanschlag belief sich auf etwa 660 Millionen Mart. Man versprach sich unermeßliche Reichtümer von der erweiterten Flachsanbaufläche. In den Jahren 1924 bis 1929 sollten etwa 327 000 bis 426 000 Tonnen Flachs produziert werden. Die Pläne waren von der Staatsplanierungskommission in Moskau bestätigt. Das Ergeb nis der vierjährigen Tätigkeit: einige wenige Hettar berieselten Landes. Der einheimischen Bevölkerung lief aber das Wasser im Munde zusammen, als man ihr die Zukunftsmusit vorspielte. Sie vernachlässigte ihr eigenes primitives Berieselungssystem in Erwartung des Rommenden. Die Folge: erschwerte Wafferzuführung für das Land Buchara. Die Berieselung der Wüste segte die Erbauung eines großen Kanalsystems voraus. Unter diesen Kanälen follte der Trans- Karatum- Kanal den Fluß Amur- Darja mit dem Raspischen Kanal verbinden, also auch mit der Wolga; ein anderer Kanal follte die Wolga mit dem Asomschen Meer verbinden. So sollte Mittel afien den Zutritt zum offenen Meer finden. Ein phantastischer Plan! Der Ingenieur Morgunentow fand aber im September 1924 für diesen Plan ein geneigtes Ohr bei der Staatsplanierungskommission. Millionen wurden ausgeworfen, Forschungskommis fionen geschaffen, ja man schritt, ohne entsprechende Bestätigung, zur Schaffundg eines Zufuhrweges des Kertinschen Kanales. Am 17. April 1927 flog ein Telegramm nach Mostau:„ Der Kanal Der tote Portier in der Loge. Bericht über einen rätselhaften Leichenfund 2. Seite. Wählst Du Nationalisten? C Ein Bild aus dem Wahlfilm der Sozialdemokratischen Partei, der heute Abend im Lehrervereinshaus in Berlin zum ersten Male aufgeführt wird. Szene auf dem Friedhof. Die anklagenden Hände der Hinterbliebenen fragen Dich:" Wählst Du Nationalisten? Willst Du neues Kriegselend?" Der Speditionsarbeiterstreif beendet. der Organisation propagiert. Nöllinger warnte in feinem SchlußGeschlossene Wiederaufnahme der Arbeit. Die zu heute vormittag nach dem Gewerkschaftshaus einberufene Bersammlung der freitenden Speditions. arbeiter war schon vor ihrer Eröffnung zum Bersten überfüllt. Der Vertreter des Verkehrsbundes nöllinger gab zunächst einen eingehenden Bericht von den geftrigen Berhandlungen vor dem Schlichtungsausschuß. Wie Nöllinger betonte, fonnte die Forderung nach einer 15prozentigen Lohnerhöhung nicht voll durchgesetzt werden. Es ist den Unterhändlern aber dennoch gelungen, einen ansehnlichen Erfolg zu erreichen. Die Spediteure haffen den ersten Schiedsfpruch abgelehnt, weil ihnen die darin festgefehte Lohnerhöhung von 3 Mart ab 1. April und einer weiteren Mark ab 1. Oktober zu hoch war. Die Unternehmer find nunmehr gezwungen worden, nicht nur diesen Schiedsspruch anzuertennen, fondern darüber hinaus schon ab 1. Juli insgesamt 4 Mart Cohnerhöhung zu wort vor solchen unüberlegten Schritten, durch die man die besten Funktionäre der Speditionsarbeiter der Willfür der Unternehmer ausliefern würde. Die Versammelten folgten schließlich der Aufforderung der Organisation und gingen nach Schluß der Berfammlung geschlossen in die Betriebe zurüd, um die Arbeit wieder aufzunehmen. Keine Erhöhung der Verkehrstarife. Der Magistrat feilt mit: In der Presse verbreitete Meldungen über eine drohende Erhöhung des Einheitsfahrpreises sind in allen Teilen unwahr. Eine Erhöhung des Tarifes der Berkehrsunternehmungen ist von teiner Stelle beabsichtigt. ift in Betrieb genommen, das Waſſer iſt hineingeleitet." Drei zahlen. Sie find weiter verpflichtet worden, den Karfreitag und Ueberschwemmungsgefahr bei Smyrna. Wochen später war er verschüttet. Der Bau hatte aber einige Millionen geloftet. Ein undurchführbarer Plan. Dann der phantastische Verbindungskanal zwischen Amur- Darja und dem Kaspischen Meer! Die Pläne waren seit Jahrzehnten von der Moskauer Kaufmannschaft erwogen worden. Forschungs tommissionen, die Hunderttausende von Rubel verschlungen hatten, waren mit den wissenschaftlichen Vorarbeiten beschäftigt gewefen. Auch amerikanische Ingenieure hatten sich für die Sache interessiert. Wortsetzung auf der 2. Seite) den zweiten Osterfeiertag zu zahlen, sowie alle Arbeiter mit ihren alten Rechten wieder einzustellen. Damit ist auch die Taffik der Unternehmer durchkreuzt worden, die unverkennbar darauf abgestellt war, den Streif in die Länge zu ziehen, um sich vor de Bezahlung diefer Feiertage zu drücken. In der Diskussion wurde von allen Rednern anerkannt, daß die Cohntommiffion und die Organisation alles getan haben, um den Stampf mit dem größtmöglichsten Erfolg zu Ende zu führen. 2gemein fritisiert wurde, daß auch diese Vereinbarung genau jo wie der letzte Schiedsspruch ein Jahr gelten soll. Von einer Anzahl Redner wurde die Weiterführung des Streits ohne die Unterstützung Die Erdbebenstöße halten an. Wie aus onftantinopel gedrahtet wird, halten die leichten Erdbebenstöße noch weiter in den Gebieten von Smyrna und Adana an. Als eine Folge des Erdbebens ift der 3 amanli-Fluß. einer der Hauptnebenflüffe des Seihun Fluffes, über die Ufer getreten, und es besteht in Adana große Befürchtung, daß sich die Ueberschwemmung auch auf die Stadt ausdehnen wird. Berittene Patrouillen wurden ausgesandt, um die Bevölkerung rechtzeitig warnen zu können. Das Wunder der Wüste. ( Fortsetzung von der 1. Seite.) Alle ließen aber die Hände davon. Der Plan war undurchführbar: Man hätte etwa 1 Milliarde Kubikmeter Erde weggraben müssen, um dem Kanal einen Weg zu bahnen... Während schon die 35 Millionen Kubikmeter Erde, die man beim Bau des Panamafanals forträumte, 35 Jahre Zeit erfordert hatten. Der Bau des Trans- Karakum- Kanals, 1385 Kilometer lang, hätte im besten Falle etwa 7 Milliarden Mark gekostet. Das Berieselungssystem erforderte aber großangelegte Wasserbecken und hohe Eisenbetondämme, die imftande gewesen wären, dem Druck des Wassers zu widerstehen. So ging man daran, die Eisenbetondämme zu bauen, noch bevor die Wasserzufuhr selbst ermöglicht war. Seit zwei Jahren stehen solche Eisenbetondämme in Länge von 59 und 71 kilometern auf dem Trodnen. Nach Moskau flog aber bereits am 16. Juni 1926 ein Telegramm:„ Das Wasser des Beriejelungssystems schäumt um die Eisenbetondämme." Ein Wasserbecken war geplant worden von einer Höhe von 67 Metern; 3,4 Millionen Kubikmeter Wasser sollten sich hier stauen. Die Nachprüfung ergab, daß 30 Jahre erforderlich gewesen wären, um dieses Wafferbeden zu füllen! 120 Millionen in drei Jahren verpufft. Mit einem Worte: im Laufe von drei Jahren wurden 120 Millionen Mark in den Sandwüsten Mittelafiens verpufft. Die fach männischen Gutachten ergaben, daß produktive Arbeiten nur für 18 Millionen Mart verrichtet waren. Wo war das übrige Geld geblieben? Das soll der Oberste Gerichtshof feststellen. Die Anklageschrift schildert mit größter Ausführlichkeit, wie die verschiedenen nationalen Sowjetrepubliken, die Kirgisische, Turt. menische, Usbetsche, Kasastan, die Mittelasiatische, Fergan usw. gemeinsame Sache machten, wenn es darauf ankam, für das Beriefelungssystem Gelder aus Moskau zu bekommen; wie aber sofort der Rivalitätskampf unter ihnen entbrannte, wenn es sich darum handelte, das Geld unter die Republiken zu verteilen. Die Leiter der Nationalen Wasserwirtschaften hielten sich in feiner Weise an ihre Etats; wurde für Fergan 16 Millionen Rubel ausgeworfen, so führte man die Arbeiten in einer Weise, daß die Verwirklichung der Baupläne 136 Millionen gekostet hätte. War der Bau des Kerkintanals auf 4 600 000 Mark veranschlagt, so hätten allein 8 Proz. der Arbeiten bereits 2 Millionen Mark verschlungen. Wäre der erbaute Teil des Kanals nicht wieder vom Sand verschüttet worden, so hätte seine Vollendung 24 Millionen gekostet. Man genoß das Leben in vollen Zügen. So chaotisch das Wirtschaften der Beamten bei der Durch. führung der Baupläne war, so systematisch war ihre Bereicherung auf Kosten des Staats. Die Menge des Personals, das nicht felten monatelang ohne Beschäftigung dafaß, war ins Ungeheure gestiegen. Dienstreisen wurden wahllos und unbegründet, sowohl den höheren als auch den niedrigen Beamten, auf Monate hinaus gestattet. Natürlich gab es hohe Spesen. Bei den Expeditionen in die Wüste wurden die Kamele mit den verschiedensten Curusgegenständen bepackt. Man genoß das Leben in vollen Zügen. Man schuf immer neue Kommissionen, zog immer mehr Spezialisten heran, forberte immer neue Millionen aus Moskau an; reichten diese nicht, so Preußen. In Preußen wurden eine Anzahl reaktio närer Beamter zur Disposition gestellt. 萬 08 Das Geheimnis vom Spindlershof Der tote Portier in der Loge. Eine geheimnisvolle Angelegenheit beschäftigt die Berliner Mordkommission. Mit einem Todesschuß im Herzen wurde in der vergangenen Nacht der 39jährige Wächter Friedrich Fiedler aus der Antwerpener Straße 49 auf dem bekannten Industriegrundstück Spindlershof in der Wallstraße 11/12 in der Porfierloge aufgefunden. Fiedler war in früheren Jahren beim Magistrat angestellt, wurde dann aber entlassen. Er nahm eine Stellung beim Märkischen Sicherheitsdienst" an, wo er mit der Bewachung des umfangreichen Industriefomplexes beauftragt wurde. F., der außer seinem Gehalt noch eine kleine Pension bezog, lebte mit seiner Frau und seinen drei unmündigen Kindern in auskömmlichen Verhältnissen. Seinen Wachdienst versah F. mit größter Pünktlichkeit. In der vergangenen Nacht kurz vor 3 Uhr erschien ein Kontrolleur der Bewachungsgesellschaft, um zu revidieren. Um Fiedler herbeizurufen, setzte er eine für diesen Zwed vorgesehene Alarm glocke in Tätigkeit. F. öffnete jedoch nicht, so daß dem Kontrolleur nichts weiter übrig blieb, als den Hausmeister herbeizurufen. Die Männer begaben sich in die unter der Treppe gelegenen Portierloge und machten hier eine furchtbare Entdeckung. Fiedler saß regungslos, in fich zusammengefunken, auf einem Stuhl; aus der Oberkleidung sikerte Blut hervor und man stellte fest, daß der Mann durch einen Brustschuß in der Herzgegend den Tod gefunden hatte. Das nächste Polizeirevier wurde von dem mysteriösen Vorfall in Kenntnis gesetzt und entsandte sofort mehrere Beamte. Der Befund Renntnis gefeßt und entsandte fofort mehrere Beamte. Der Befund schien in mehreren Punkten so verdächtig, daß die Mordkommission schien in mehreren Puntten so verdächtig, daß die Mordkommiffion alarmiert werden mußte, die unter Leitung der Kommissare Dr. Braschwitz und Johannes Müller am Tatort erschien. Dr. Braschwitz und Johannes Müller am Tatort erschien. Es wurden nun folgende Feststellungen gemacht: In einiger Entfernung von dem Toten lag eine Drenje- Pistole, aus der mehrere Schüffe abgefeuert worden waren. Eine Glasscheibe der Loge lag zersplittert ant Boden. Die Scherben lagen im Flur, die Kugel dagegen auffallenderweise in der Loge. Dem Totem hatte eine Kugel das Herz durchschlagen und war hinten aus dem Körper wieder hinausgetreten. Des weiteren wurde eine Patrone vorgefunden, die nicht in die Drense- Pistole paßt. Auf dem Tisch lag ein Zettel mit den Worten:„ Liebe Freunde! Ich kann nicht anders." Nach diesen Ermittlungen rechnete man zuerst mit der Möglichkeit, daß Fiedler mit Einbrechern zusammengestoßen und im Feuerkampf von diesen erschossen worden ist. Die Mordkommission rief noch im Laufe der Nacht Prof. Dr. Strauch und als Schießsachverständigen Major Bachelin von der Versuchsanstalt für Handfeuerwaffen herbei. Prof. Strauch stellte fest, daß es sich bei dem tödlichen Schuß um einen Nahschuß handelt. Es ist anzunehmen, daß Fiedler selbst Hand an sich gelegt hat. Bevor er sich den Schuß beibrachte, hat er wahrscheinlich, um die Waffe zu probieren, in den Fensterrahmen und in die Türscheibe geschossen. Auch der Schießfachverständige trat dieser Auffassung bei. Das Auffinden der zu der Drense- Pistole nicht gehörenden Patrone wurde später auch aufgeklärt. Im Schauhause, wohin die beschlagnahmte Leiche gebracht wurde, fand man nämlich bei dem Toten noch einen Trommelrevolver und mehrere zu ihm paffende Patronen. Eine davon muß Fiedler in der Loge entfallen sein. Der Bettel wird auf die Handschrift hin noch untersucht. Was F. zu dem vermutlichen Selbstmord veranlaßt haben kann, ist noch nicht geflärt. ,, Poincaré de la Ruhr." 910 Léon Blum spricht in Straßburg.el L. Straßburg, 3. April. In einer überfüllten, von über dreitausend Wählern besuchten Bersammlung eröffnete heute die Sozialistische Partei Straßburgs den Wahlkampf. Die Tatsache, daß Léon Blum, der Führer der französischen Partei, in ihr sprach, und ihm in der Diskussion Henri de Kérilis, der Chefredakteur des nationalistischen„ Echo de Paris" und geistige Leiter der Wahlkampagne entgegentrat, ftempelte sie zu einem politischen Ereignis ersten Ranges, der dadurch, daß sich Kérilis weigerte, die Rednertribüne zu verlassen, nachdem er die ihm wie allen Diskussionsredner eingeräumte Redezeit von 15 Minuten bereits zehn Minuten überschritten hatte, auch der Charakter der Sensation nicht fehlte. Dem sozialistischen Abgeordneten Georges Weill war es zu danken, daß Kérilis vor der Wut des Publikums bewahrt blieb. Die Behauptungen, die anzuhören er von seiner Zuhörerschaft verlangte, maren in der Tat auch start: er malte die von Léon Blum ge= forderte Rheinlandräumung als eine Gefahr für den Frieden und den Anschluß Desterreichs an Deutschland als den Beginn der Neuexpansion nach dem Westen an die Wand. Sein Hauptschlager bildete indessen die Frage: Wäre es für die Sache Frankreichs zu begrüßen, wenn Poincaré durch die Wahlen zum Rücktritt ge zwungen würde? Ein tausendfaches Oui"( Ja) belehrte ihn über die Stimmung der Versammlung, die für den 22. April einen schönen Sieg unserer Genossen erhoffen läßt. Nach der Aufklärung, die Léon Blum den Wählern zuvor in einer einstündigen, glänzend aufgebauten und vorgetragenen Rede gegeben hatte( die der sozialistische Bürgermeister und Deputierte Straßburgs in den elsässischen Dialekt übertrug), klang dieses " Ja" nicht weiter verwunderlich. Hatte der sozialistische Führer doch flar beweisen können, daß die einstweilige Stabilisation des Franken sich auch mit anderen Mitteln hätte erreichen lassen, als durch die superfiscalité"( lleberbesteuerung), durch über 12 Milliarden Franken indirette Steuern, der Poincaré, um das ins Ausland zurüdgeflüchtete Kapital zurückzuholen, Steuere Die Frau muß alles auslöffeln... was die Männer ihr einbroden! Die„ Rote Fahne" ist sehr böse, weil die Rheinische Zeitung" baran erinnert, daß Sozialdemokraten in der Zeit ihrer Verfolgung niemals geflüchtet sind. Sie meint, die Arbeiter könnten es nur begrüßen, wenn sich Kommunisten wie jetzt die verfolgten fechs Abgeordneten dem Zugriff der Gerichte entzögen. Und sie fährt fort: Die altpreußische Justiz" war eine zahme Korrektionsanstalt verglichen mit der blutigen Juffizhure der schwarzrotgoldenen Republik. Die Arbeiter wissen, daß die Klassenjustiz im Zeitalter der proletarischen Revolutionen viel grausamere, nicht mehr nur Abschreckungs-, sondern Rachemethoden handhabt gegen die Proletarier und Proleterierführer, die es wagen, die Interessen der revolutionären Klasse zu vertreten. 3mmer herunter damit! Um so fräftiger grünt der Baum. mittelbar barunter liest man: Verantwortlicher Redakteur 3rm Das steht auf der vierten Seite des Hauptblattes, und fast ungard Rasch! machte man aus eigener Machtbefugnis Millionenanleihen, für die man Hunderttausende an Zinsen zahlte. Und wenn z. B. die Spitzenbehörden des Lebens in Taschkent überdrüffig wurden, packten sie eines Tages ihre fieben Sachen und begaben sich mit Kind und Regel, mit dem gesamten Beamtenapparat nach Samarkand. Die Arbeiter mußten aber in felbstverfertigten Baraden leben, es gab nicht genügend Trinkwasser für fie. Trotz der Arbeit unter den unhygienischften Bedingungen, fehlte jede medizinische Hilfe. Man zahlte weit unter der Tarifentlohnung. Mit einem Worte, man trieb eine schlimme Ausbeutung der Arbeiler. Das Beste aber ist, daß man im Augenblic trog der vielen Buchhalter, die beschäftigt wurden, nicht ersehen fann, in welcher Weife die vielen Millionen verbraucht worden sind. Ja, es iſt unmöglich, festzustellen, welche Arbeiten schließlich ausgeführt worden sind! Wenn man nicht wüßte, daß den in Mittelasien ausgeführten Bauten bestätigte Pläne zugrunde gelegen haben, so fönnte man annehmen, ein Hollywood in der Wüste sollte gebaut werden. Es mar aber fein Hollywood, sondern ein aufgelegter asiatischer Schwindel Findet sich denn in der ganzen KPD. tein einziger Mann, der die strafrechtliche Verantwortung für den Inhalt ihres Zentral. organs auf sich nehmen will? Der Dieb im Landtag. Das Große Schöffengericht Charlottenburg, unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Bode hatte sich mit den zahlreichen Diebstählen und Einbrüchen zu beschäftigen, die in der Zeit vom November 1927 bis Mitte Februar d. J. im Preußischen Landtage und verschiedenen Ministerien und bei anderen Behörden vorgekommen waren, und die zu einer großen Beunruhigung geführt hatten. Der wohnungs und stellungslose Kaufmann Karl Böhler, der 1893 geboren ist und schon wegen Diebstahl Borstrafen erlitten hat, hatte sich nun wegen dieser zahllosen Diebstähle zu perantworten. Er war damals erst aus dem Gefängnis herausgekommen und hatte von dem Erlös der erbeuteten Gegenstände bis zum Tage seiner Verhaftung gelebt. Wöhler ging ohne Hut und Mantel in die Gebäude hinein und suchte den Anschein zu erweden, als ob er zu dem Beamtenpersonal gehöre. Ohne anzuflopfen öffnete er die Tür eines erleichterungen für die großen Vermögen gegenüberstellen mußte. Diefer ungerechten Lösung des Abgleitens der Währung ftellen die Sozialisten nach wie vor die ihre entgegen: die Rapitalabgabe, die scharfe Besteuerung der großen Vermögen. Zu der letzten Rede Poincarés in Carcassonne übergehend, in der der Ministerpräsident sich für die endgültige Stabilisierung eine Zeit von neuen vier Jahren ausbedingen mußte, begrüßte Blum besonders deren Schlußpaffus, die das Locarnobekenntnis des„ Poincaré de la Ruhr" enthält. ,, Das ist der Erfolg unserer Arbeit, und darum haben wir 1924 schon beim ersten Wahlgang entgegen unserer Gepflogenheit Wahlbündnisse abgeschlossen, und darum würden wir es von neuem tun: um Frankreich, um unserem Vaterland sein wahres Geficht zurückzugeben, das Gesicht von Jaurès, das Gesicht des Friedens und des Einvernehmens mit dem deutschen Volk." ,, Dieses Einvernehmen mit unserer Nachbarnation," fuhr Léon Blum fort, ist heute von neuem bedroht, diesmal durch das Elsaß, durch den Autonomismus. Diese eigentlich flerifale, vor allem auf Erhaltung der Konfessionsschule bedachte Bewegung erweckt bei den deutschen Nationalisten den Glauben an Rückkehrwünsche des Elsaß und Revanchegelüfte, gefährdet also Locarno, mit dem für uns das Elsaß als Problem der internationalen Politik aufgehört hat zu bestehen. In Frankreich aber schafft die autonomistische Bewegung und das ist vielleicht noch die größere von neuem Argwohn und MißGefahr, die sie in sich birgt trauen gegen die deutsche Politik, von der man das Volk wähnen macht, daß sie diese Lostrennungsgelüfte unterstützt. Wenn mir uns gegen den Autonomismus menden, tun wir es also für den Frieden und für die Erhaltung der Friedensatmosphäre, die seine Vorbedingung ist." Diese Ausführungen Blums. der selbst dem Elsaß entstammt, fanden den größten Beifall der Versammiung, die erst nach 1 Uhr nachts ihr Ende fand. Geschäftszimmers. War dort jemand anwesend, dann fragte er nach einem höheren Beamten, war aber niemand darin, dann huschte er hinein und cignete sich, war er an wertvollen Gegenständen fand, schnell an. Es sind mehrfach die Schränte erbrodjen worden und daraus, im Landtage sogar ein Belz, gestohlen worden. In den Arbeitszimmern der Stenographinnen und Sefretärinnen des Landtages und verschiedener Behörden hat er Handtaschen mit Geldinhalt, in einem Falle eine filberne Handtasche und auch eine Uhr gestohlen. Im Landlage verschwand im Dezember zum ersten Male der Pelz eines Regierungsvertreters im Werte von 2800 M. Bis furz vor der Festnahme des Diebes wurde der Landtag noch sechsmal heimgesucht. Auch in Potsdam hat der Angeklagte Gastspiele gegeben. In Berlin hat er außer dem Landtage das Reichswirtschaftsministerium, den Reichswirtschaftsrat, das preußische Landwirtschaftsministe rium, die Reichsversicherungsanstalt und die Reichsschuldenverwaliung heimgesucht. Wiederholt wurde der Angeklagte von Reinemachefrauen beobachtet, hatte aber immer eine Ausrede zur Hand, wenn er die Hand an der Klinke einer verschlossenen Tür hatte. Der kleideräume der Reinemachefrauen zu durchsuchen und selbst ganz geringe Geldbeträge und Kleidungsstücke dieser armen Frauen sich anzueignen. Durch die Reinemachefrauen in der Reichsversicherungsanstalt gelang schließlich auch seine Festnahme. Der Angeklagte, der durch Rechtsanwalt Dr. Schwindt verteidigt wurde, gab im allgemeinen die Diebstähle zu, er gestand, die Sachen für billiges Geld in der Münzstraße, angeblich an Unbekannie, verkauft zu haben. Dagegen bestritt er, Schränke erbrochen und Türen gewaltsam geöffnet zu haben. Deshalb stellte er auch die Diebstähle im Preußischen Landtage in Abrede, weil hier nachweislich in einer Reihe von Fällen schwerer Diebstahl vorliegt. raffinierte Bursche machte sich sogar kein Gewissen daraus, die An7 Der Streif der Möbeltransporteure. Der Schlichter hat heute früh die Parteien im Möbeltransport zu neuen Berhandlungen zur Beilegung des Streits der Möbeltransporteure geladen. Es fam zu neuen Berhandlungen, wobei der Berkehrsbund den Unternehmern den Vorschlag machte, die Löhne staff um 7 Proz., wie der Schiedsspruch vorsieht, um 10 Pro 3. zu erhöhen. Ueber diesen Borschlag finden bei Redaktionsschluß interne Beratungen der Unternehmer statt. 130000 Metallarbeiter im Kampf. Die Verhandlungen im Reichsarbeitsministerium. Heute vormittag begannen im Reichsarbeitsministerium die Verhandlungen zur Beilegung des Konflikts in der sächsischen Metallindustrie. Bekanntlich streifen in Sachsen bereits 20 000 Arbeiter der Metallindustrie. Die Ursache des Konflikts, der rund 130000 Arbeiter und Ar= beiterinnen umfaßt, ist auf einen Schiedsspruch, bzw. die ablehnende Haltung der Unternehmer zurückzuführen. Es handelt sich um die Erneuerung des Manteltarifs für die sächsische Metallindustrie. Die Arbeiter verlangten eine bessere Eingruppierung in der prozentualen Lohnstufung der Jugendlichen, Weiblichen, Ungelernten und Angelernten, eine bessere Ferienregelung, sowie eine Neuregelung der Ueberstunden. Alle diese Forderungen find a b= gelehnt und durch Schiedsspruch der Vertrag unver ändert verlängert worden. Darauf legten auf Beschluß des Deutschen Metallarbeiterverbandes rund 20 000 Der Reichswahlleiter. Geheimrat Prof. Dr. Wagemann, der Präsident des Statistischen Reichsamtes wurde zum Beichswahlleiter ernannt. Er hat die Meldungen der Kreiswahlleiter zu sammeln und die Wahlergebnisse zu publizieren. Die rasche Arbeit im Bureau des Reichswahlleiters wurde 1924 von allen Seiten anerkannt. Arbeiter die Arbeit nieder. Es kann tein Zweifel darüber bestehen, daß der Konflikt, wenn es bei den Verhandlungen im Reichsarbeitsministerium zu feiner Einigung fommt, sich auf die gesamte sächsische Metallindustrie ausdehnt, wo auch eine Neuregelung der Löhne fällig ist. Die Verhandlungen im Reichsarbeitsministerium, die unter dem Vorsitz des Landgerichtsdirektors Heuer stattfinden, begannen heute vormittag 11 Uhr. Bis 2 Uhr war noch keine Annäherung der Parteien erfolgt. Es muß mit einer Berschärfung des Konflikts und einer Aus= dehnung des Kampfes gerechnet werden. Streit der Chauffeure bei H. Zieh. Geit 3 Jahren feine Lohnaufbesserung. Die Kraftfahrer der Firma Stupp, Lehrter Straße 15, und Schöneberg. Königsweg 37 c, die die Lieferwagen der Firma Hermann Zieh fahren, stehen seit heute früh im Streit. Der Verkehrsbund hatte den Lohntarif zum 1. April gefündigt und eine Lohnzulage von 10 Proz. gefordert. Trotzdem die Kraftfahrer dieser Firma seit drei Jahren feine Cohnerhöhung erhalten haben, wurde von der Firmenleitung jede Lohnaufbefferung glatt abgelehnt. Der Tarif ist so rechtzeitig gefündigt worden, daß bei gutem Willen der Geschäftsleitung die Differenz schon vor dem Ablauf des Tarifvertrages hätte beigelegt werden können. Die gut organisierte Belegschaft ist fest entschlossen, die Arbeit nicht eher aufzunehmen, bis ihre berechtigten Forderungen anerkannt werden. Die Firma H. Tieh versucht nunmehr ihre Kundschaft durch kraftdroschten, sowie durch Handwagen zu beliefern. Die fireitenden Kraftfahrer erwarten von ihren Berufskollegen, den Droschtenchauffeuren, daß fie diese Streitbrecher arbeit ablehnen. Die Betriebe der Firma Stupp sind von der Organisation gesperrt. Prof. J. Jastrow, der bekannte Nationalökonom und Sozialpolitiker, feierte soeben sein goldenes Doktorjubiläum. Nur das Beste ist gut genug. Schallplattenschau/ Von Klaus Pringeheim. Opernsänger. Ein Menschenschicksal, in einer grandios- knappen Opernszene zu sammengedrängt; ein Sänger- und Darstellergenie Träger und Mittler dieses Schicksal; Gesang und Darstellung in fast erschreckender Lebensechtheit wiedergegeben eine Schallplatte, die ein Ereignis ist: Schal japin in der Sterbeszene des Boris Godunoff( El.*). Unabsehbar, was von dieser einen Platte unsere Hörspielfünstler und Sendespielleiter lernen könnten. gebrochene Stücke- singt Jvar Andresen, der ausgezeichnete ein wenig furz heraus Wagner- Baffist( El.) Sehr schön. Genau dasselbe singt Emanuel List( V.); sehr starf, etwas grob; auch das Orchester kommt da nicht, wie es fönnte, zur Geltung.( Und die erste Posaune bläft falsch: im 6. und 7. Taft Ces statt C. Barum eigentlich?) Sänger und Orchester sind glücklicher in Hagens ,, Wacht" aus der Götter dämmerung.( V.) Zwei Bruchstücke aus„ Parsifal" Sehr schön wiederum: mit Meta Seinemeyer und Andresen das zweite Finale aus Macht des Geschicks"( L.) Nicht ganz so er freulich die beiden Sopranarien, wie sie von Göta Ljungberg gesungen werden( El.). Berdis Mufit, trotzdem, bleibt hinreißend. Doch auch die beiden Duette aus" Aida" hat man wohl schon besser gehört als von G. Arangi- Lombardi und Fr. Merli. Aber wundervoll, wie felten, Jan Kiepuras Stimme in seinen„ Turandot"-Arien( 2.), in denen auch der bei uns noch unbekannte Al. Valente sich äußerst vorteilhaft einführt( E1.). Und ein italienischer Tenor vrn ganz großem Format: M. Fleta; selbst verständlich singt er ,, Holde Aida"( El.). Tenöre im lieberfluß; einen neuen Mann von bemerkenswerten Qualitäten, Costa Milona, präsentiert B. in Verdi- und Bellini- Arien. Für Mozart hat Jaro Dworsky( El.) Stil und Stimme, wir kennen ihn; Helga Ros= waenge, der fünftige Berliner, steigt im Postillon"-Lied, das hier einst durch Bötel populär war, mühelos ins hohe D, und er bringt uns die Weiße Dame" in angenehmste Erinnerung( 2.). Nichts spräche dagegen, diese freundlichen französischen Spielopern gelegentlich wieder aufzuführen. Wer aber fennt Gounods liebenswürdigste Oper Mireille"? Margherita Salvi bringt daraus den in Frankreich oft gesungenen Walzer, außerdem die bekannte Arie aus Donizettis Lucia"; sie ist eine bravouröse Koloraturfängerin( 2.). Doch das Beste zum Schluß: Lotte Lehmann singt die Fidelio"-Arie( 2.). Eine Vollkommenheit.( Und besonders schön: die Hörner der Staatsoper.) Lieder. andere: das Sängerpaar Stanley und Marvin. Sehr gut aus die Jazz Kings"( Tr.). Jazzvariationen mit fünstlerischem Anspruch bringt Mitja Nikisch; er macht das sehr unterhaltsam und viel besser als E. Krenet, aus dessen Jonny" Ludwig Hofmann die bekannten Schlager fingt.( Diese beiden bei 2.) Und die in Berlin, mehr im Westen freilich als in minder gesegneten Stadtteilen, beliebten Kapellen: Etté ist auf B.- Platten zu hören; auch Boulanger, der, nicht unamüsant, den Versuch macht, alte Berliner ,, Gassenhauer" auf neuberlinisch herzurichten, nämlich spielen auch ehrliche alte Walzer zwischen Operetten- und Revuezu verforen. Aber Godwin( D. G.) und Maret Weber( El.) schlagern der Saison. Lohnt es in der Tat, alle Tageserfolge der Amüsierbühnen in Platten festzuhalten? Aber es lohnt immer wieder von Pallenberg das Auftrittslied des Menelaus aus der Schönen Helena" zu hören( EL.). Kein Wort gegen Unterhaltung. Es mag auch hörer geben, die sich beim Hohenfriedberger Marsch( B.) unterhalten. Auch eine ,, Carmenphantafie"( So.) und ein Bohème- Potpourri"( El.) werden ohne Zweifel Liebhaber finden. Aber Unterhaltungsmufit im gewiß besten Sinn ist die Ballettmusik aus„ Samson und Delila"( El.) und Tschaikowskys Nußknacker- Suite"( D. G.), eine Folge von drei großen Orchesterplatten in vorbildlicher Ausführung. " " Instrumentalisten. Die Das glänzend begabte bulgarische Zwillingsbrüderpaar P. und 2. Wladigeroff Komponist und Pianist der eine, der andere Geiger- produziert sich auf D. G.- Platten. Liszts A- dur- Klaviertonzert, von Josef Pembaur meisterlich gespielt( L.), wird Studierenden noch willkommener sein als dem Laienpublikum. Pflege der Kammermusik- ähnlich wie das Lied ein weites, großenteils noch brachliegendes Feld wird von B. mit Glück fortgesetzt; wieder mit dem Guarneri- Quartett, das vor allen in Werken von Schumann Außerordentliches bietet. Sehr gut im Klang kleine Harfensoli, die Valeska Dahn mit sicherer Technik spielt( V.). Doch schade, daß es so schlechte Stücke sind, die es auf der Wurliger Orgel" zu hören gibt( So.). " ,, Das Karuffell des Todes." ( Primus- Palast) Man nimmt ein paar Szenen aus dem Zirkusleben, ein paar Bilder aus der Gesellschaft, eine Liebesgeschichte und einen Kriminalfall, mischt alles tüchtig durcheinander und bekommt ein alltägliches Filmmanuskript. Es erzählt von der schönen Frau, die sich in der Ehe langweilt, weil ihr Mann, ein Bankier, wenig Zeit für sie hat. Ihr Liebhaber gerät in den Verdacht, ihren Mann im Dueli getötet zu haben, doch kann er sich, dank der aufopfernden Mithilfe einer Schulreiterin, zum Schluß von dem Verdacht reinigen. Der Täter endet durch Selbstmord und die Frau kann ihren Freund ehelichen. Man sollte weniger Opernarien, nicht immer dieselben, und mehr Lieder reproduzieren; einstweilen ist das Angebot dürftig. Nicht an Qualität; Schuberts„ Der Tod und das Mädchen", dazu Karin Branzells herrliche Altstimme: eine schöne Sache( L.). Sehr einnehmend Ursula van Diemen in Schumann- Liedern( El.). Und Emmy Bettendorf mit ihrer hübschen Stimme, ihrem anmutigen Singen, wäre in Bolksliedern noch erfreulicher, wären sie nicht durch die Orchesterbegleitung verfüßlicht( L.). Auch Bruno Seidler- Winklers sauber musizierende Duo ptisten"( El.) merkwürdiger Name- streifen die Gefahr der Verniedlichung. Dagegen weiß Leo Schüßendorf durch nüancierten Vortrag Voltslieder eindringlich und charakteristisch zu gestalten( B.). Eine Ueberzüge in prunfvollem Glanz auszugestalten verstehen. Seinen Star raschung aber, wie einfach, herzlich warm im Ton, Richard Tauber so etwas macht; und vorbildlich in der Tongebung, das wundert uns weniger( L.). Sehr sympathisch endlich, wie das Frankfurter Union Quartett"( So.) schlicht- ernste Lieder vierstimmig singt. = Orchester. " Die Orchesterübertragung macht immer weitere Fortschritte. Berblüffend die Aufnahme des Vorspiels zum 3. Aft Parsifal" im Bayreuther Festspielhaus( L.); Lißt's zweite Ungarische Rhapsodie ( immer wieder), nun vom Philadelphia Sinfonie- Orchester virtuos gespielt, flingt, als höre man sie unmittelbar im Konzertsaal ( El.). Sonstige Neuigkeiten: wieder einmal das„ Meistersinger" Vorspiel, unter Leo Blech diesmal( El.); Duvertüren zu den „ Lustigen Beibern"( D. G.) und zum„ Barbier von Sevilla"( 2.); lettere unter Mascagni, dessen unverwüstliches„ Cavalleria" Intermezzo mit Händels Largo" auf einer Platte( 2.) vereint ist. ( Ein seltsames Paar.) Den Krönungsmarsch aus dem Propheten" bringen, einem dringenden Bedürfnis entsprechend, El. und Ho. Auch der Krönungsmarsch aus den„ Folkungern" wird uns nicht geschenkt. Aber ein großes, dankenswertes Unternehmen: Brahms' 1. Symphonie unter Klemperer( 2.). Chöre. " Noch einmal steht Russisches an der Spize: der Russische Staatschor. Sturm auf der Wolga" Bandura": zwei Meisterleistungen, zwei Musterplatten. Und prachtvoll der Anfangschor aus der Matthäuspaffion" unter Siegfried Ochs, mit seinen Truppen. Der Chor der Londoner Tempel Church" fingt piel, viel besser, als die allzu englisch- kirchlichen Sachen sind, die er diesmal singt.( All dies auf El.- Platten). Besten Chorflang hat der Synagogenchor Friedenstempel Berlin( L.) einzufeßen. In Gesängen von Beethoven( L.), noch mehr in Liedern von Schumann und Mendelssohn( D. G.) bewährt der Berliner Lehrergesangverein unter seinem Dirigenten, Hugo Rüdel, von neuem höchstes Niveau; folches Chorpianissimo ist eine Rarität. Mehr durch beherztes Forte imponiert die Berliner Liedertafel in Lüßows wilder Jagd"( V.). Aber wieder halten unsere Berliner Arbeiter chöre Typographia und Fichte Georginia- fich ausgezeichnet: wenn auch die Aufnahmen( Ho.) ungleichwert find. Müssen aber Stücke wie„ Das heilige Feuer", die durch dicken instrumentalen Auftrag ficher nicht gewinnen, in die Blattenliteratur eingehen? Wie wohltuend dagegen ein Lied wie„ Vogel, flieg weiter", und es wird von den Typographia- Sängern mit guter Intonation und reinem Ausdruck gebracht. Unterhaltungsmusif: Jazz, Fox, Zanz. Kein Wort gegen Unterhaltungsmufit; also ein paar Worte über die Platten, die ihr gewidmet sind. Bon weltanschaulich aufgemachter Jazz- Ueberschätzung sind wir frei; aber Jazz als vorherrschender Ton der heutigen Unterhaltungsmufit tann und soll nicht geleugnet werden. Noch immer sind Amerikaner und Engländer die besten Jazzer; es gibt da ein paar Namen, die sichere Gewähr bieten: Whiteman, Jack Hylton, 3ez Confreys, Revellers, Sylvians... Bon allen diesen bietet El. reiche Auswahl. Dazu eine reizvolle Spezialität: der Flüsterbariton" Jack Smith; eine *) Abkürzungen: D. G.- Deutsche Gramophon; El.- Electrola; Ho.- Homocord; L.- Lindström; Tr.- Triergon; B.- Bor. Der Regisseur Heinz Paul geht auch der kleinsten originellen Idee ängstlich aus dem Wege. Die Karnevalsszenen bringt er echt und macht sich dabei die Phantasie derer zu Nutzen, die solche UmClaire Rommer stellt er nur als schöne, sehr gut angezogene und sehr gut photographierte Frau heraus. Es wäre aber angebracht, wenn Claire Rommer endlich mal Gelegenheit gegeben würde, Können zu zeigen. Erich Kaiser- Friß als Gatte, Jean Murat als Filmschuft und Anton Pointer als Geliebter läßt der Regiffeur in filmüblicher Manier ihre Rollen spielen. Die Geschwister Spadoni, die einen international berühmten Artistennamen tragen, hinter dem zurzeit sogar eine bedeutende Macht steht, gefallen als Schulreiterinnen, obwohl sie ihre Pferde nur in einigen Gängen vorführen. Die Automobilsensation hingegen ist schon so übergesehen, daß sie eifrige Filmbesucher mißmutig macht. Und so ergeht es diesem Film wie so vielen seiner Borgänger, das Publifum bleibt bei ihm falt, denn es verspürt feine Verbindung mit dem blutwarmen Leben. Wann endlich wird die Filmindustrie daraus die Lehre ziehen und mit der bloßen Wiederholung einmal erfolg reich gewesener Szenen aufhören? c. b. Zeichnungen von George Grosz beschlagnahmt Von der im Malit- Berlag erschienenen George- Grosz- Mappe Hintergrund"( 17 Zeichnungen zur Aufführung des Schwejt" in der Piscator- Bühne) wurden heute die drei Zeichnungen Nr. 2, 9 und 10 durch die Kriminalpolizei beschlagnahmt. Die Zeichnung Nr. 10 stellt Chriftus mit der Gasmaste am Kreuz dar und trägt die Unterschrift:„ Maul halten und weiter dienen!" Als Grund der Beschlagnahme wurde angeführt, daß diese Zeichnungen allein und in Berbindung mit der Unterschrift öffentliche Beschimpfungen von Einrichtungen der chriftlichen Kirchen( Christus- Berehrung, Predigtamt, Priestertum) darstellen und der Unbrauchbarmachung unterliegen. Der Malit- Berlag hat durch seinen Rechtsanwalt sofort Widerspruch gegen die Beschlagnahme erhoben. Ein verspäteter Aprilscherz wurde der Berliner Presse im Theatersaal in der Lüßowstraße bereitet. Dort spielten außerordentlich unbekannte Darsteller unter ebenso unbekannter Regie tragische Einafter mit glänzendem Heiterfeitserfolg. Eine solche Fülle von Unbegabung erlebt man selbst auf primitiven Dilettantenbühnen selten. Namen zu nennen, verlohnt sich nicht. Jutta Grunert stellte sich nämlich auch gleichzeitig als Autorin Nur einer kann nicht verschwiegen werden, die„ Schauspielerin“ respektables Alter befizt von zwei Einattern vor, die obgleich die Dame ein durchaus an die Produktionen eines literaturbefliffenen Quartaners erinnerten. S ― z. Die Preußliche Staatsbibliothet ist vom 5. April 12 Uhr mittags bis 3um 9. April geschlossen. Die Boltsbühne, Theater am Bülowplah, bereitet als nächste Premiere Was Ihr wollt" von Shatespeare vor. Regie: Bittor Schwannete. „ Das raffische Theater und wir" ist das Thema zweier Vortragsabende, an denen Paul Eggers, Breslau, für die Wolfsbühne E. B. über seine Eindrüde von einer Rußland- Reise berichten wird. Die Veranstaltungen finden am 16. und 30. April, 20 Uhr, im Bürgerfaal des Berliner Rathauses statt. Karten für beide Vorträge zusammen zum Preise von 1,50 Mt. Die Höhe des diesjährigen Nobelpreises. Laut des jetzt vorliegenden Revisorenberichts der Nobelstiftung betragen die diesjährigen Nobelpreise 156 938 Stronen. Dies ist die bisher größte Preissumme, die ausgezahlt wurde. Krise in der Rheinschiffahrt. Die Unternehmer wollen sich durch Lohndruck gesund machen. wieder eine halbe Stunde vergangen, und Direttor Rag war noch nicht zur Stelle. In der Rheinschiffahrt sind die Gehalts- und Lohnbedingungen Klägern zwei entgegenstehende Angaben machten. Darüber war von den drei Arbeitgeberverbänden gefündigt worden. Die Unternehmer verlangen einen Lohnabbau von mindestens 13 Pro3. Sie beantragen, die vor dem englischen Kohlenarbeiterstreit in Kraft befindlichen Löhne und Gehälter wieder zu vereinbaren, die nach ihren Angaben einen Wochenlohn für Matrosen von 37,50 M. und ein Monatsgehalt für Kapitäne und Schiffer von 270 bis 325 M. zur Basis gehabt haben. Zur Unterstützung der Reeder gegen die Entlohnung des Rheinschiffahrtspersonals hat der Verein zur Wahrung der Rheinschiffahrtsintereffen eine umfangreiche Eingabe an die Behörden des Reichs und der Länder gerichtet. Der Bestand der Rheinschiffahrt, so heißt es in der Eingabe, sei aufs ernsteste gefährdet. Der ausländische Wettbewerb sei verstärkt und werde in Frankreich, Belgien und in der Schweiz von den Regie rungen subventioniert. Der ausländische Konkurrent stehe unter geringerer steuerlicher Belastung und ebenso unter geringeren Soziallasten als der deutsche Rheinreeder. Ebenso seien die Lasten aus dem Arbeits- und Lohnverhältnis im Ausland geringer als bei der deutschen Rheinschiffahrt. Schließlich seien durch die Einführung der Staffeltarife und zahlreicher Ausnahmetarife für Seehäfen von der Reichsbahn der Rheinschiffahrt erhebliche Güterfrachten entzogen worden. In allen diesen Punkten fordern nun die Rheinreeder Abhilfe. Ihr Hauptangriff richtet sich aber gegen die Löhne. Das Rheinschiffahrtspersonal weiß, daß die Rheinschiffahrt sich in einer Krise befindet. Es meiß ebenso auch, daß diese Krise nicht durch Hungerlöhne beseitigt werden kann. Auch der Rheinschiffahrt wird schließlich nichts anderes übrig bleiben, als zu rationali. fieren, den aufgeblähten Apparat zu vereinfachen und sich nach der Becke zu streden. Die Rheinflotte ist im Berhältnis zum Frachtangebot zu groß geworden. Heute beteiligen sich neben Deutschland und Holland auch Frankreich und Belgien( vor allem mit den durch den Friedensvertrag abge tretenen Teilen der deutschen Flotte) sowie die Schweiz am Rheinfrachtgeschäft. Die deutschen Reeder sind rechtzeitig auf die verstärkte Auslandstonfurrenz hingewiesen worden. Troßdem wurde die deutsche Rheinflotte unnatürlich vergrößert. Die deutsche Rheinschiffahrt hat heute über 75 000 Tonnen mehr Frachtenraum als vor dem Kriege. Ein großer Teil der Neubauten, die mit den Entschädigungsgeldern her. gestellt worden sind, fährt unter holländischer Flagge; das gilt für eine Reihe befannter Firmen wie Stinnes, Haniel und andere. Insgesamt stehen zurzeit etwa 420 000 Tonnen rein deutsches Rapital unter holländischer Flagge, und dieser deutsche Frachtraum unter fremder Flagge ist Konturrent für die deutsche Rheinschiffahrt Die deutschen Rheinreeder machen sich selbst konkurrenz und erklären dann, daß sie vor dem Ruin stehen. Sie drüden sich selbst die Frachten und verlangen dann, unter Hinweis auf die geringere Rentabilität Sentung der Löhne aufs Hungerniveau. Auch die Rheinreeder werden in den fauren Apfel der wirtschaftlichen Umstellung beißen müssen, denn es ist einfach ein Ding der Unmöglichkeit, den sinnlos aufgeblähten Frachtenraum der Rheinflotte halten und damit das Rheinschiffahrtspersonal auf Jahre hinaus zu Elend und Hungerlöhnen verdammen zu wollen. Jeder Versuch, die Krise der Rheinschiffahrt mit Hungerlöhnen zu bannen, beschwört einen Kampf herauf, der das Wirtschaftsleben am Rhein und weit darüber hinaus aufs schwerste erschüttern muß. Die Piscatorbühne verurteilt. Aushungerungspolitik gegen Statiften. Anfangs waren es 78 Statiften, die vor dem Arbeitsgericht gegen die Piscatorbühne flagten. Bon einem Termin zum anderen hat sich ihre Zahl ständig verringert. Eingedent des Wortes: ,, Ein magerer Vergleich ist besser als ein fetter Prozeß", hatten sich die Kläger außergerichtlich mit der Direktion der Biscatorbühne verglichen und die Klagen zurückgezogen. Im vierten Termin waren mur noch zwei Kläger übriggeblieben. Die wollten von einem Vergleich nichts wissen, sondern bestanden auf einem Urteilsspruch. Als der Termin beginnen sollte, war Direttor Rah nicht anwesend. Zwar hatte er einen Bertreter geschickt, ihm aber teine Bollmacht erteilt. Das Gericht fonnte also, den gesetzlichen Bestimmungen gemäß, mit diesem Bertreter nicht verhandeln. Das Gericht wartete noch eine halbe Stunde. Direttor Kay tam nicht. Dann wurden vier Zeugen vernommen, die über die Honorar- und Kündigungsvereinbarungen zwischen Katz und den Theater, Lichtspiele usw. Mittwoch, 4.4.28 Staats- Oper Am Pl.d.Republ. 71 Uhr Mittwoch, 4.4. 28 Städtische Oper Bismarckstr. Ab.-Turn.IV. Ant. 71/2 Puccini- Abend: Der Barbier von Der Mantel Schwester Angelika Gianni Schicchi Sevilla Staatl. Schauspielh. Staatl. Schillerth. Am Gendarmenmarkt Charlottenburg 8 Uhr 8 Uhr: Die Weber Amphytrion Volksbühne Theater am Bülowplatz| Th. am Schiffbauerdamm Uhr 814 Uhr Die rote Der ZigarettenRobe kasten Walhalla- Th. Residenz- Theater weinbergsweg 19/20 Tägi. 8 Uhr Der gr. Paris. Erfolg Kokottchen 4 Einakter mit Gustav Heppner Für Jugendl. nicht geeignet. Täglich 81%, Uhr Im weißen Röß'l Lustspiel in 3 Akten Deutsches Theater Piscatorbühne Norden 12310 Theater am Abonnementsbüro: Nollendorfplatz Norden 10 338-39, Kurfürst 2091/93 8 Uhr, Ende 10 U Anf. 8, Ende geg. 11 Zwölftausend Bis 10. April verlängert Die Abenteuer des Kammerspiele braven Soldaten Schwefk mit Max Pallenberg Insc. Erwin Piscator Gastspiel im Norden 12310 84/4 U., Ende nach 10 Finden Sie, das Constance sich richtig Lessing- Theater verhält? Norden 12798 Heute 8 Uhr Die Komödie zum letzten Male Bismarck 2414/7516 Hoppla, wir leben! 84 U., Ende 10% U. Nun erließ das Gericht auf Antrag der Kläger ein Versäumnisurteil. Danach hat die Piscatorbühne dem einen Kläger 35 M., dem anderen 28 M. zu zahlen und die Prozeßkosten zu tragen. Eine Viertelstunde später erschien Direktor Raz, tat sehr verwundert, weil das Gericht mit seinem nicht bevollmächtigten Bertreter nicht verhandelt hat und erklärte, selbstverständlich werde er gegen das Versäumnisurteil Einspruch einlegen! Der Leiter eines kommunistischen Unternehmens will also das bürgerliche Gericht noch weiter in Anspruch nehmen wegen einer Geldsumme, die für ein großes Theaterunternehmen eine Lapalie, für zwei hungernde Statisten aber eine erhebliche und nach Lage der Sache wohlverdiente Einnahme bedeutet. wirtschaft im Reich stellte der Redner wirtungsvoll die Fortschritte im republifanifchen Preußen entgegen. An seine mit reichem Betfall aufgenommenen Ausführungen schloß fich eine lebhafte Ausfprache, in der namentlich mehrere Genoffinnen an die Frauen appellierten, bei den Wahlen nicht wieder für die Miet- und Lebensmittelwucherer zu stimmen. Mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie endete die eindrucksvolle Rundgebung. Raubüberfall auf eine Steuerzahlstelle. = Die Beamten, die auf der Städtischen Steuerzahl= stelle in der Konrad Hänisch- Straße in Frankfurt am Main beschäftigt sind, hatten gestern Mietsbeträge für die Städtischen Wohnungen in Empfang genommen. Es lagen mehrere tausend Mart auf den Zahlbrettern umher. Ein Mann, der sich durch eine schwarze Maske untenntlich gemacht hatte, drang mit vorgehaltenem Revolver in den Schalterraum ein und raffte, während er die Beamten mit der Waffe in Schach hielt, soviel Geldscheine wie möglich zusammen. Vor dem Hauſe schwang er sich auf ein Rad und entfloh. Mit einem Polizeibeamten, der ihn mit Hilfe eines Motorrades verfolgte, fam er in ein regelrechtes Feuergefecht. Erst in der Innenstadt konnte der Flüchtling, durch einen Arbeiter vom Rad gerissen und fest= Diesmal kein Hauseinsturz! So sieht es in der verlängerten Klosterstraße im Zentrum Berlins aus. Buchdruckeraussperrung in Dresden. Dresden, 4. April.( Eigenbericht.) Die Buchdruckereibesizer Dresdens beschlossen gestern abend, die Betriebe stillzulegen. Dieser Beschluß gilt jedoch nicht für die Zeitungsbruckereien, wo die Arbeit zu den neuen Bedingungen aufgenommen wurde. mas nun?" gehalten werden. Ehe aber die Polizeibeamten zu feiner Berhaftung schreiten konnten, schoß er sich die legte Rugel, die er im Revolver hatte, in den Kopf. Der Täter ist ein Fabritarbeiter 3immermann. bald nach der Einlieferung ins Krantenhaus gestorben. Unter Geßlers Regime ist der Kappift 25 wentelb zum Konteradmiral und Kolbe, der Kommandeur der Berlin", der Heinrich von Hemmelmark an Bord empfangen hat, zum Rapitän zur See befördert worden. Die ganze Verantwortung für den Besuch des Prinzen Heinrich auf der Berlin" wurde damals vom Reichswehrminister dem Inspekteur des Bildungswesens, ilfing von Ditten, zugeschoben. Jetzt ist auch Bülfing von Ditten zum Konteradmiral ernannt worden! Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgebung.( Nachdruck verboten.) Wechselnde, meist stärkere Be wölkung ohne erhebliche Niederschläge. Tagestemperaturen ein wenig höher als bisher. Für Deutschland: Im Westen strichweise etwas Regen, mit Erwärmung, im Osten teine wesentlichen Niederschläge. Deutschnationale Versprechen und- Taten! ,, Das Ende des Bürgerblocks Ueber dieses Thema sprach in den Florafälen, Johann- Georg- Straße, Genosse Landtagsabgeordneter Kuttner zu einer gutbesuchten Wählerversammlung, mit der die Wilmersdorfer Kreisorganisation der Berliner Sozialdemokratie im Stadtviertel Halensee den Wahlkampf aufnahm. Den Wahlversprechungen der Deutschnationalen stellte der Redner ihre wirklichen Taten gegenüber. Die Besetzung der Ministerien durch Fachminister haben uns die Deutschnationalen durch den Reichseisenbahnminister Koch, die Beseitigung der Futterfrippenwirtschaft durch Herrn von Keudells Personalpolitik, die eiserne Grundfaßtreue durch Hergts Berlängerung des Republichen Belmonte- Uhren preiswert und gut Königstraße 30 gesetzes, der Kampf gegen die Korruption durch Phoebus- und Eisenbahnskandale demonstriert. Niemand hat es so verstanden wie die Deutschnationalen, die Regierungsmacht zugunsten der eigenen Anhänger und der hinter ihnen stehenden Wirtschaftsschichten auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung auszunutzen. Der reaktionären MißBarnowsky- Bühnen Tb. Königgrätz. St. Bergm. 2110. 8 Uhr: Flucht von John Galsworthy Regie Victor Barnowsky Komödienhaus Norden 6304. Tägl. 8 Uhr: Broadway Rose- Theater Gr. Frankf. Str. 132. 81 Uhr Sterne. d. wleder leuchten Metropol- Th. Zentrum 128 24 814 Uhr: Der Graf von Luxemburg Matzner, Hoffmann, Jolan, Hell, Kettner, Goroll. Kleines Theater Philharmonie Grosses Schauspielhaus Anfang Ende 8 Uhr REGIE: 11 Uhr CHARELL DOMPADOUR MASSARY Täglich 8 Uhr: 8 Uhr: Liszt- Abend Theater des Westens Erika Glässner d.Philharmon.Orch. Dir. Dr. Kurt Singer Täglich 8 Uhr in von Berlin. Th.i.Admiralspalast Dir. Herm. Haller Marcel Fradelin Insc. Erwin Piscator Für Jugendliche Missa Solemnis Zigeunerbaron Täglich 81, Uhr ( Der Eunuch) Lustspielhaus Dir. Dr. Martin Zickel 8 Uhr: Guido Thielscher in Unter Geschäftsaufsicht" Saltenburg- Bühnen Dts. Künstler- Th 72 Uhr: Premiere Schwarz- Weiß Sonnabend, 7. April Uraufführung: Monjunktur" v. Leo Lania Insz. Erwin Piscator Berliner Theater Direktion Kuhnert Charlottenstr.90/ 91.05nh.170 8 Uhr „ Die Bollé Sisters" Ein Berliner Volksstück von Friedmann- Frederich.- Max Adalbert, Lea Seidl, Lori Leux v. Blumenthal u. Kadelburg Renaissance- Theater Vorzeiger dieses zahlen für. Parkett auch Sonntags statt Steinplatz 901. We Funkfreunde balbe Preise 4- Mk. nur 00 PL& 10 Uhr: Coeur Bube. nicht geeignet Komische 8 Uhr Oper 8%, Bhr James Klein's gewaltiges neues Revue- Stück: Zich' dich aus! 200 Mitwirkende. Vorverkaut ab 10 Uhr. ununterbrochen. Ciurina, Hofbauer, Lichtenstein, Brandt Fleischer, Richter. Planetarium am Zoo Verläng. Joachimsthaler Straße Noll. 1578 18 und 19 Uhr: Der Sternhimmel der Heimat 18 u. 21 Uhr: im Reiche der Mitternachtssonne Eintritt 1 M. ( inder unt. 15 Jahren 0.50 Arthur Hammerstein Gastspiel der Operette RoseMarie Thalia- Theater Dresdner Str. 72/73 Täglich Uhr Das Kamel geht durch das Nadelöhr CASINO- THEATER Uhi Lothringer Str. 37. Nur noch wenige Aufführungen Doktor Klaus. Ausschneiden! Gutschein 1-4 Pers. Fauteuil nur 110 M, Sessel 1,60 M Leipziger Str. 97 Reizende Ostergeschenke in Gold-, Silberschmuck und Silbergerät. Berantwortlich für die Redaktion: Eugen Brager, Berlin: Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Verlag: Borwärts Berlag G. m. b. H., Berlin, Drud: Berwärts Buch druckerei und Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Hierzu 1 Beilage. Theater am Kottbusser Tor Kottbusser Straße 6. Tel, Mpl. 16077 Täglich 8 Uhr Sonntag, nachmittags 3 Uhr Elite Sänger Gr. neuer April- Spielplan, u. a. Die tolle Lolo von Max Reinhardt Die 4 Grazten von B. Croé. SCALA S Uhr Nollendorf 7360 Das AprilSensations- Programm mit zum ersten Male in Deutschland auftretenden Varieté- Kunstkräften. WGarten das Programm der 12 Attraktionen 12 Näheres siehe am Säulenring Reichshallen- Theater 8 Uhr, Sonntg. nachm. 3 Uhr. Das wundervolle Progr. der Stettiner Sänger nachm. ermäß. Preise. Dönhoff- Brett'l: Glänzendes Varieté- Programm Tanz! Anfang 8 Uhr, Stgs. 51/ Ischias SpezialHäft., JesEB Behandl, and Bein, wenn Erzil. festgestellt. nur fil In 15 Tagen sind schwere Fälle beseitigt worden. Unantastbare Heilerfolge. Bestätigung and Referenzen, ärztl. empfohlen. Invalidenstraße 106. 9-11, 1-4. Sonntag 10-12. lacoby Elektr Gerale EN bis aller Art auch Szu 12 Monatsraten/ Raddatz& C Berlin Leipzigerstr 122-123 Beilage Mittwoch, 4. April 1928 Der Abend Sind Gerichte unfehlbar? Spalausgabe des Vorwärts Unschuldig zum Tode verurteilt und hingerichtet!/ Bon Friedrich Bendel*). Was geschieht, wenn sich herausstellt, daß jemand unschuldig| verurteilt worden ist? Das Verfahren wird wieder aufgenommen, der Angeklagte wird freigesprochen, bestimmte materielle Schäden, die mit der Vollstreckung der Strafe verbunden gewesen sind, werden wieder gut gemacht. Nur bei der Todesstrafe wird eine Ausnahme gemacht. Der von ihr Betroffene tann zwar im Wiederaufnahmever fahren freigesprochen werden, die Vollstreckung des Urtells wird 316 Eintritt bot sich ihnen eine schreckliche Szene dar: Hay lag in dem Bett, in seinem Blut schwimmend, während der Wirt Bradford über ihm stand, mit einem bluttriefenden Messer in der einen Hand und einer Blendlaterne in der anderen. Bradford war wie versteinert, als die beiden eintraten, als man ihn jedoch des Verbrechens anflagte, verneinte er energisch die Tat. Seine Erklärung war, daß er, geweckt durch ein Geräusch und gleich darauf durch das Stöhnen, Licht gemacht, das Meffer zur Selbstverteidigung ergriffen und gerade vor den beiden Reisenden das Zimmer betreten habe. Aber das Messer in seiner Hand war doch blutig! Im Prozeß gab Bradford an, daß ihm in der Aufregung das Messer in die Blutlache des Bettes gefallen sei. Man glaubte dem Angeklagten fein Wort. Bradford wurde zum Tode verurteilt und trotz aller Unschuldsbeteuerungen hingerichtet. Achtzehn Monate nach seiner Hinrichtung gestand der Diener des Hay auf seinem Sterbebett, den Mord begangen zu haben, um sich in den Besitz des Geldes zu sehen. Im Jahre 1868 erregte folgender Fall in England Aussehen. Ein gewisser Ambrose Gwynnett wurde wegen Ermordung seines Onfels gehängt. Der Onkel schlief in Gwynnetts Haus, das auf der Seeküste von Kent stand, mit einem Garten, der bis zur See hinabreichte. Der Onkel verschwand. Kein Leich nam wurde gefunden, aber ein Blutstreifen, der vom Hause bis zum Gartenende verfolgt werden konnte, sprach nach Ansicht des Gerichts eine beredte Sprache, ebenso ein Messer, das man blutbesudelt auffand und das Gwynnett gehörte. Gwynnett wurde zum Tode verurteilt und gehängt. Nach mehreren Jahren tauchte plößlich der vermeintlich ermordete Onkel wieder auf. Es zeigte sich nun, daß er in der Nacht seiner angeblichen Ermordung mit einem heftigen Nasenbluten vom Bett aufgestanden war, das Bluten mittels der kalten Klinge des Messers zu stillen versucht hatte und schließlich in den Garten gegangen war in der Hoffnung, daß die frische Luft das Nasenbluten stillen werde. Am Strand war er von einer Berber bande aufgegriffen, sofort auf ein Schiff gebracht und nach Westindien entführt worden. An diesem Fall ist besonders die Leichtsinnigkeit des Gerichts zu rügen, sich über den Verbleib der Leiche des angeblich Gemordeten feine Gedanken zu machen. Im Jahre 1809 wurde Dor einem Hamburger Bordell die Leiche eines Menschen gefunden. Man durchsuchte das Haus und fand im Keller ein blutiges Beil, von dessen Existenz der Hauseigentümer und seine Ehefrau teine Kenntnis zu haben vorgaben. Der Berdacht lenkte sich auf beide, in dem anhängig geLucas Cranach der Aeltere: Hinrichtung. Einige Jahre später wurde der wirkliche Mörder festgestellt. Er hatte das Beil, das er zur Tat benutzt hatte, um den Berdacht auf falsche Fährte zu lenken, in den Keller des Bordells geworfen. jedoch nicht rückgängig gemacht, weil sie nicht mehr rückgängig| machten Mordprozeß wurde das Ehepaar zum Tode verurteilt. gemacht werden kann. Die geringste Geldstrafe kann aufgehoben werden die Todesstrafe nicht. Hier liegt ein so grotester Wider spruch vor, daß spätere Zeiten wahrscheinlich die Stumpfheit und die Gleichgültigkeit kaum werden faffen tönnen, mit der unsere Zeit den Irrfinn gewähren läßt. Historische Berühmtheit hat der Fall Calas vom Jahre 1762 erlangt. Der Hugenott Jean Calas war ein ehrsamer Tuchhändler zu Toulouse. Er hatte einen Sohn Marc- Antoine, ein Student, der infolge Ueberarbeitung unter nervöser Abspannung und Schwermut litt und in seinen Depressionszuständen mit dem Gedanken spielte, zur fatholischen Kirche überzutreten. Eines Tages fand man den jungen Mann tot auf. Er hatte Selbstmord be= gangen. Es tam jedoch das Gerücht auf, er sei ermordet worden, fanatische Geistliche behaupteten, wahrscheinlich sei, daß der Vater den Sohn selbst ermordet habe, damit er den Glaubenswechsel nicht vollziehe. Es kam zum Mordprozeß gegen den alten Calas, er wurde zum Tode verurteilt und unter qualvoller Folterung hingerichtet. Drei Jahre später nahm sich Voltaire des Falles an, bewies die Unschuld des Calas und erreichte eine Rehabilitierung des Verurteilten und seiner Familie. Einen sehr interessanten Fall teilt Karl Heinrich Schaible, Professor der Militärakademie, in seiner 1869 erschienenen Schrift Ueber die Todes- und Freiheitsstrafe" mit. Ein Reisender namens Say stieg auf einer Reise in einem Wirtshaus zu Oxfordshire ab, das ein Wirt namens Bradford innehatte. Während Han mit zwei anderen Reisenden sein Nachtessen einnahm, teilte er törichterweise mit, daß er eine größere Summe Geldes mit sich führe. Bald darauf zogen sich die beiden anderen Gäste in ihr gemeinschaftliches Schlafzimmer zurüd, während wenig später Hay das feinige aufsuchte. Um Mitternacht hörten die beiden Resenden Hay schmer stöhnen, die Sache fam ihnen unheimlich vor und sie betraten gemeinschaftlich das Zimmer Hays. Beim Siehe auch S, 100, 104, 122 und 144. In Gießen wurde im Jahre 1906 auf Grund eines Indizienbeweises ein Handwerksbursche wegen Raubmordes an einem Wo du gedulchaft in darpeyn So wire fie dir garnuglich fain Darumb gib dich willig darein TUTHT Der Weg zum Schaffot. Aus dem 15. Jahrhundert. Pfarrer zum Tode verurteilt und hingerichtet. Der Berurteilte hatte bis zum legten Augenblid in beweglichsten Worten seine Unschuld beteuert. Zwei Jahre später legte ein in Holland lebender Deutscher auf dem Sterbebett das Geständnis ab, den Mord begangen zu haben. Die Unmöglichkeit, eine einmal vollzogene Todesstrafe wieder rückgängig machen zu können, sollte die Justiz schon im Interesse ihres eigenen Ansehens veranlassen, auf die Anwendung dieses Strafmittels zu verzichten. Reine Spitfindigkeit fann die Tatsache aus der Welt reden, daß eine auf Grund eines Fehlurteils voll= streckte Hinrichtung ein Unrecht darstellt. Ein Unrecht, das zudem noch im Namen des Volkes begangen wird. Die öffentliche Moral follte sich gegen den unhaltbar gewordenen Zustand endlich mit der nötigen Energie auflehnen. Wanderungen in China. Vortrag eines Hochschullehrers aus Schanghai. Wer China fennenlernen will, muß es abseits der großen Bera fehrsstraßen aufsuchen, von denen er wohl ein Bild der wirtschaftlichen Hauptpunkte gewinnt, aber feinen unverfälschten Eindruck Des weiten, seltsamen Landes. Das enthüllt sich erst dort, wo Eisenbahnen und Hauptschiffahrtsstraßen aufhören. Hier lebt der Mensch noch in uralter Primitivität. In den Räumen der„ Deutschen Gefellſchaft" hielt Dr. med. Stübel von der Medizinischen hochschule in Shanghai einen Vortrag über„ Banderungen in China". Eine Fülle von Lichtbildern erschloß den hörern zahlreiche solcher wenig bekannten Gebiete. Prof. Stübel ist durch die Bergwelt von Nord-, Ost- und WestChina gewandert. Landschaftliche Schönheiten in Fülle bietet die Bergwelt am Rande des Tibet- Plateaus, ebenso der an deutsches Mittelgebirge erinnernde Gebirgszug, der sich im Südosten parallel zur Küfte hinzieht. Eine märchenhafte Vegetation, Blumen in buntester Farbenpracht, und riesige Wälder kennzeichnen diese Landschaften. Mitten in Baumdidichten haben sich prächtige buddhistische Klöster angesiedelt, von denen man häufig wunderbare weite Ausblicke in das Land hat. In den meisten Fällen wird der Fremdling von diesen Klöstern gastfreundlich aufgenommen und darf so= gar photographieren, selbst Götterbilder und Priester. Die übrige Bevölkerung in diesen Gebieten beweist dagegen gewöhnlich eine abergläubische Scheu vor der Kamera. Nur selten ist ein Mutiger zu bewegen, sich auf die Platte bannen zu lassen. Die Menschen leben und wohnen in diesen Landstrichen noch in der primitivsten Form. Die Häuser sind in den höher gelegenen Dörfern nur eine Art Schutzhütte, ohne Fenstern und Schornstein. Der Rauch zieht durch die Türöffnung ab. Der Europäer fann sich kaum vorstellen, wie bei den gewaltigen Klimaschwankungen zwischen Sommer und Winter der Mensch in ihnen leben kann. Die Träger, die in den meisten Gegenden Chinas noch an Stelle von Lasttieren gebraucht werden, weil ihre Arbeitskraft billiger ist, gehen selbst im Schnee und bei scharfem Frost barfuß in Strohsandalen. Landschaftlich ganz anders ist das Lößgebiet Nord- Chinas. Gelb, troftlos staubig bei Trockenheit, wird es zur Regenzeit zum außerordentlich fruchtbaren Ackerboden, der vielfache Ernte trägt. Die Menschen haben sich hier Wohnungen in die weiche Löẞmasse gegraben. Ganze Dörfer mit stufenförmig übereinanderliegenden ,, Häusern" sind so entstanden. Die„ Chinesische Mauer", einst Grenze des Landes, begrenzt den ganzen nördlichen Horizont als Wahrzeichen dieses Gebiets. Eine nicht seltene Krankheit bei der Bevölkerung ist der Kropf, den man übrigens auch in grotester Ungeheuerlichkeit bei den Bewohnern der westlichen Gebirge findet. Die berühmteste Frau. Eine französische Zeitung hatte ihren Lesern die Frage vor gelegt, mer nach ihrer Ansicht die sechzig berühmtesten Frauen namhaft zu machen verstände. Es gingen rund 25 000 Antworten ein, an der Spitze stand mit 24 000 Stimmen Madame Curie, die Mitentdeckerin des Radiums! Die Schauspielerin Sarah Bern= hardt sieht mit 21 000 Stimmen an zweiter Stelle, die erschossene Krankenschwester Miß Edith Cavell mit 19 000 Stimmen an dritter Stelle! Es folgen General Evelyne Booth, die Schriftstellerin George Sand, Louise Michel und die Comtesse de Noailles. Die Tennisspielerin Suzanne Lenglen steht erst an 9. Stelle, ihr folgen die Ozeanfliegerin Ruth Elder und Madame de Stacl. Mary Bifford steht an 19. Stelle, die Tänzerin Isadora Duncan an 24., die Frauenrechtlerin Pankhurst an 28. Stelle. Lichtzündung auf 9000 Kilometer Entfernung. Kürzlich wurde im Hudson Bay- Haus in London ein inter effanter Versuch vorgeführt, dem nur einige wenige Persenen beiwohnten: Mr. Charles Gale, der Borsigende der Hudson Ban- Company drückte auf einen Knopf und in der Stadt Vancouver in Amerita flammte das elektrische Licht auf. Durch direkten elettrischen Impuls, der über ein kompliziertes Netz von Kabeln und Telegraphenleitungen weitergegeben wurde, war dieses technisch Wunder möglich. Verbrechen und Kino. Welch unheilvollen Einfluß der Kinobesuch insbesondere auf Kinder haben fann, zeigt ein Fall, der vor furzem in Mostau passiert ist. Ein 15jähriger Knabe hatte sich wegen Erdrosselung eines sechsjährigen Kindes zu verantworten. Er hatte es in einem Keller gelockt und es dort getötet. Den Mantel des Kleinen verkaufte er für 6,60 m. auf dem Markt und brachte das Geld am gleichen Lage durch, indem er hintereinander verschiedene Kinos besuchte. Bor Gericht erklärte er, daß er die Art, in der er das Kind erdrosselte, bem Film Benn ber Schnee aergeht" entnommen habe. VON B.TRAVEN Nachdruck verboten O Copyright 1928 by Biichergilde Gutenberg, Berlin 32. Fortsetzung. Howard schüttelte den Kopf mit einer bedauernden Gebärde und wandte sich an Curtin:„Dieser Dobbs ist ohne Humor, was ich immer sage. Ich falle doch lieber einer Jmpfkommission um den Hals als einer Pclizeitruppe, die Minen kontrollieren geht, in die Hände. Nun laufe nur rüber, Curtin, und lasse dir dein Papier geben, daß wir weiterkommen." Am Abend lagerten sie in der Nähe des Oertchens Amapuli. Sie hatten dort bleiben müssen, weil man ihnen gesagt hatte, daß sie bis zur nächsten Wasserstelle vor Einbruch der Nacht nicht kommen könnten. Während sie noch ihr Abendessen bereiteten, kamen vier Indianer des Dorfes zu ihrem Loger. Sie grüßten und fragten sehr höflich, ob sie sich niedersetzen dürften. „Como no?" sagte Howard.„Warum nicht, Sie stören uns in keiner Weise." Die vier Indianer saßen«ine Weile und sahen zu, wie die Fremden ihr Fleisch rösteten und ihren Reis kochten. „Sie kommen gewiß von weit her," sagte endlich einer der Indianer,„und Sie wollen gewiß noch weit reisen? Sie sind wohl sicher sehr kluge Männer." Curtin sagte:„Wir können Bücher lesen, und wir können Briefe schreiben, und wir können mit Zahlen rechnen." „Mit Zahlen?" fragte einer.„Zahlen? Das kennen wir nicht." „Zehn ist eine Zahl," erklärte Curtin,„und fünf ist eine Zahl." „Oh," meinte nun einer der Besucher,„das ist nur halb. Zehn ist nichts, und fünf ist nichts. Sie meinen zehn Finger oder fünf Bohnen oder drei Hühner, nicht wahr?" „So ist es," mischte sich Howard«in. Die Indianer lachten, weil sie es verstanden hatten, und einer sagte:„Zehn kann man nicht sagen. Man muß immer sagen, was zehn? Zehn Vögel oder zehn Bäume oder zehn Männer. Wenn man zehn oder drei oder fünf sagt, ohne daß man auch sagt, was man meint, so ist das«in Loch, und das ist leer." Dann lachten sie wieder. Nach einem längeren Schweigen sagte dann einer:„Mein Sohn ist ins Wasser gefallen. Wir haben ihn gleich wieder gefischt. Aber ich glaube nicht, daß er tot ist. Er wacht aber nicht auf. Sie haben gewiß Bücher gelesen und wissen, was man tun kann." Howard fragte:„Wann ist Ihr Sohn ins Wasser gefallen? Gestern?" „Nein, heute nachmittag. Aber er wacht nicht auf." „Ich werde mit Ihnen gehen und mir Ihren Sohn ansehen," sagte Howard.„Ich werde sehen, ob er tot ist." Die Männer standen auf, und Howard ging mit ihnen. Sie kamen in ein Haus, das aus getrockneten Lehmziegeln gebaut war. Auf einem Tische lag eine Matte, und auf der Matte lag der Verunglückte. Howard sah ihn sehr sorgfältig an— Howard sah ihn sehr sorgfältig an, hob die Augendeckel, legte sein Ohr auf die Brust, fühlte die Hände und Füße ab und sagte:„Ich will einmal versuchen, ob er zu sich kommt." Er inachte eine Viertelstunde lang Atembewegungen, dann ließ er dem Jungen heiße Umschläge auf den Leib legen, rieb die Füße und Hände, und als er sein Ohr wieder auf die Brust legte, fand er, daß das Herz zu schlagen begann. Nach einer Stunde begann der Junge selbst zu atmen, und wenige Minuten darauf öffnete er die Augen. Die Männer ustd Frauen, die in der Hütte standen, hatten der Tätigkeil des Fremden zugesehen, ohne einen Laut zu äußern. Die beiden Frauen, die sich mit dem Erwärmen der Umschläge befaßten, verständigten sich nur durch Gesten oder durch ein leise geflüstertes Wort. Selbst jetzt, als der Junge völlig erwacht war, trauten sich die Leute nicht zu sprechen. Howard nahm seinen Hut, setzte ihn auf und ging zur Tür. Niemand hielt ihn zurück, und niemand sagte etwas. Nur der Vater kam ihm nach, gab ihm die Hand und sagte:„Vielen Donk, Senjor." Dann ging er wieder zurück in sein Haus. Es war nun finster geworden, und Howard hatte Mühe, das Lager zu finden. Aber der Lichtschein des Feuers zeigte ihm endlich den Weg. „Was hast du denn ausgerichtet?" fragte Dobbs. „Kleinigkeit," sagte Howard.„Künstliche Atmung, und da kam er schon. Hatte nur gerade einen Schock. Wäre sicher nach ein paar Stunden selbst hochgekommen ohne Hilf«. Hat gerade ein Maulvoll Wasser abbekommen. Habt ihr mir noch etwas übriggelassen vom Fleisch?" Vor Sonnenaufgang waren sie schon wieder auf dem Marsche. Sie wollten recht bald Tomini erreichen und versuchen, dort das Hoch- gebirge zu kreuzen. Als sie ihre Mittagsrast beendet hatten, die Esel ausgepackt waren und sie eben begannen, die Tiere auf den Weg zu bringen, sagte Curtin:„Was ist denn da los? Sieht ja aus, als ob wir jemand auf den Hacken haben." „Wo?" fragte Dobbs.„Ja, jetzt sehe ich. Indianer auf Pferden. Die brauchen doch aber nicht gerade auf unseren Hacken zu sein. Können doch ebensogut auf einem Spazierritt sein oder zu Markt reiten." Es dauerte nicht lange, und die Reiter waren herangekommen. Sie erkannten die vier Indianer, die ihnen gestern abend den Besuch abgestattet hatten, und außerdem waren da noch zwei Männer, die Howard in dem Haus« gesehen hatte. Die Männer grüßten, und dann sagte der ein«:„Aber, Senjores, warum sind Sie uns denn fortgelaufen?" Howard lachte und sagte:„Wir sind nicht fortgelaufen, aber wir müssen Weiterreisen, wir müssen zur Stadt. Wir haben dort wichtige Geschäfte, die eilig sind." „Oh," sagte der Indianer, dessen Sohn in Lebensnöten gewesen war,„Geschäfte können warten. Geschäfte sind nicht eilig. Es gibt noch mehr Tage, nicht nur heute und nicht nur morgen und nicht nur übermorgen. Aber ich muß Sie doch erst einladen. Ich kann Sie doch nicht fortlassen. Sie hoben meinem Sohn das Leben wieder zurückgegeben. Dafür müssen Sie mein Gast sein. Zwei Wochen. Ach, das ist zu wenig. Sie müssen sechs Wochen lang mein Gast sein. Ich habe Land. Ich habe viel Mais. Ich habe Kühe. Ich habe viele Ziegen. Ich gebe Ihnen jeden Tag einen guten Truthahn zu essen und Eier und Milch. Meine Frau wird Ihnen jeden Tag Tamales machen." „Wir danken Ihnen von ganzem Herzen," sagte Howard,„aber wenn wir nicht rechtzeitig in der Stadt sind, verlieren wir unser Geschäft." „Geschäfte laufen nicht davon," sagte nun ein anderer der Indianer.„Geschäfte sind zäh wie das Fleisch einer alten Ziege. Geschäft« machen Sorgen. Warum wollen Sie sich Sorgen mache», wenn Sie es so gut bei uns haben sollen. Sie werden keine Sorgen haben, und wir haben auch Musik und Tanz." „Nein, wir müssen gehen, wir müssen ganz bestimmt zur Stadt," sagte Dobbs, und er wurde ein wenig ärgerlich. „Wir haben Ihr Geschenk angenommen," sagte nun der Bater, „und Sie müssen auch unser Geschenk annehmen." Als die Indianer sahen, daß es schwieriger war, die Fremden zu Gast zu bitten, als sie sich gedacht hatten, sagte einer:„Die beiden jüngeren Männer mögen ruhig gehen, aber du," und er wendete sich Howard zu,„du darfst nicht gehen. Der Sohn meines Bruders würde sicher sterben, wenn wir dich nicht zu Gaste bitten. Wir müssen deine Medizin bezahlen, weil du so gut warst zu dem Jungen." So verärgert die drei Reisenden auch waren, so sehr sie sich wehrten, sie konnten nicht entkommen. Sie waren umringt von den sechs Männern und waren in deren Gewalt. Endlich kam Dobbs auf einen Gedanken. Er sagte zu Howard: „Die Dummheit, die wir gestern getan haben, läßt sich nicht rück- gängig machen. Die sind zufrieden, wenn du bleibst. Sie wollen nur dich hierbehalten. Wir gehen weiter, und du kannst später nach- kommen. Das ist der einzige Ausweg." „Du hast gut reden," sagte Howard.„Aber was wird aus meinen Packen?" „Die behältst du bei dir," sagte Curtin. Dobbs widersprach und sagte:„Würde ich nicht raten. Die stöbern das durch und nehmen es dir weg, oder sie reden herum, und es kommt heraus, und wenn die dich nicht erschlagen, dann hören Banditen davon und lauern dir auf." Kreuzworträtsel. Wagerecht: 3. Meeresbucht, 5. Moor, 7. Gartenanlage, 9. Dichtung, 12. europäische Hauptstadt, 13. Hochebene in Kleinasie», 14. nordischer Gott, 17. Mediziner, 19. Gegcnfüßler, 22. Wald. 23. Tiermagen. 24. Bestandteil der Luft, 25. chemisches Element, 26. Himmelsrichtung, 29. Urteilchen, 30. Fürwort, 32. Kirchenvertrag, 34. börsentechnischer Ausdruck, 37. Geräusch, 38. Menschenfresser, 39. Nebenfluß der Donau, 41. Fisch, 43. Stadt in der Schweiz, 44. Vogel, 46. Pflanze. Senkrecht: 1. Chemisches Element, 2. Muse, 4. Waffe, 6. weiblicher Vorname, 7. Bindemittel, 8. Stadt in Sibirien, 10. Körperorgan, 11. Nebenfluß des Neckars, 14. Stadt in Klein- asien, 15. Erfrischung, 16. germanische Göttin, 19. Fluß in der Schweiz, 20. Stadt in China, 21. Wassersahrzeug, 27. Eingang, 28. Ansiedlung, 31. Vereinigung, 33. Ansiedlung, 35. portugiesische Stadt in Vorderindien, 36. Stadt in Schlesien, 40. napoleonischer General, 42. Gewürz, 45. Wild. Eilbenrätsel. Aus den Silben: a au bart bel der der bo bürg bürg ce chai cham chen dan di di din dorff dort e e e e ei ei ei er er srö gi gnon go gue ha i i ll jok in is fei ken la land lau leh li lon ma meln men mis mund nv nar naum ne ni no im pi ra ra ram re rön sor sche se sen scr ses stab ta te te ter ti tik ver vic zin, sind 30 Wörter zu bilden, deren Anfangs- und Endbuchstaben, beide von oben nach unten gelesen, ein Zitat aus Schillers„Macbeth", 1. 15., ergeben.(Einmal ei gleich ein Buchstabe.) Die Bedeutung der Wörter ist folgende: L Türkische Wasserpfeife. 2. Dänische Irssel. 3. Ruhebett. i Slädl m Hannover. 5. Geistliche Kopfbedeckung, ö. Stadt u „Was soll ich denn nun tun?" fragte Howard. „Wir nehmen dein Gut und liefern es bei der Bank auf deinen Namen ein. Oder traust du uns etwa nicht?" Das sagte Dobbs. „Trauen? Warum nicht trauen?" Howard lachte und sah von einem zum anderen.„Wir haben ja beinahe ein ganzes Jahr etwas zu trauen. Oder etwa nicht?" zusammen gelebt und zusammen gearbeitet. Da war doch immer Und da ihnen nichts weiter übrigblieb, mußten sie zu einer Entscheidung kommen, mit der auch die Indianer zufrieden waren. Denen war es nur darum zu tun, Howard ihre Dankbarkeit zu erweisen. So schien es der beste Ausweg zu sein, daß Howard den beiden Arbeitsgenossen sein Gut übergab. Beide übernahmen die Verantwortung für die Ablieferung, und beide gaben ihm einen Zettel, auf dem sie das Gut quittierten, soundsoviel« Säckchen, jedes ungefähr das gleiche Gewicht von soundso vielen Gramm aus- gewaschenen Sandes. „Und wo liefert ihr es ab?" fragte Howard. „Wir geben es in ein Safe der Banking Company in Tampico auf deinen Namen," sagt« Curtin. „Gut denn," sagte Howard, und sie schieden voneinander. „Gut denn", sagte Howard, und sie schieden voneinander. „Ist ja nur«in paar Wochen, Alter," sagte Curtin.„Ich warte auf all« Fälle auf dich in Tampico. Trifft mich nn Southern oder im Imperial. Ich würde mit dir hierbleiben, aber das ist ja folche Zeitvergeudung, und du weiht doch, ich habe jemand auf mich warten." Howard bekam eines der Pferde, während der Indianer, der sein Pferd hergegeben hatte, zu einem anderen Manne mit auss Pferd stieg. Dann zogen sie lachend und zufrieden in ihr Dorf, Howard im Triumph in ihrer Mitte führend. (Fortsetzung folgt.) Thüringen. 7. Stadt an der Saale. 8. Italienischer Dichter. 9. Stadt in der Schweiz. 10. Architekt. Verzierung. 11. Pädagoge. 12. Oper von Verdi. 13. Serbischer Dichter. 14. Münzenkunde. 15. Baum. 16. Farbe. 17. Stadt in Schottland. 18. Nebenfluß der Donau. 19. Indischer Dichter. 20. Jtal. Komponist. 21. Deut- scher Dichter. 22. Stadt auf Bornholm. 23. Saiteninstrument. 24. Deutscher Fluß. 25. Figur aus«Don Carlos".� 26. Aegyp� König. 27. Berühmter Kurpfuscher. 28. Stadt in Westfalen. 29. Rennbahnongestellter. 30. Edelpilz. Rösselsprung. Auflösungen der Rätsel aus voriger Rümmer. Die Worte bedeuten: Kreuzworträtsel: Senkrecht: 1. Tower, 3. Erzerum. 4. Rinde, 5. Lab, 6. Mabel, 8. Beaumont, 10. Abel, 12. Beresina, 16. Komplott, 19. Pirol, 20. Korea, 22. Tadel, 25. Adel, 26. Bad, 28. an. Wogerecht: 2. Petroleum, 7. Ob, 9. Isar, 11. Weizen, 13. Erde, 14. Tee, 15. Ruhr, 17. Maus, 18. Bode, 19. Po, 21. Most, 23. Inn, 24. Pomp, 27. Roland, 28. Aare, 29. Landkarte. Magisches Quadrat: 1. Egon.— 2, Gose.— 3. Oslo. 4. Neon. Ergänzungsrätsel: Dach, End, Rand, Amt, Bach, Eid, Nuß, Darm.„Der Abend." Zahlenrätsel: Das rote Potsdam. Ader. Samos. Rotte. Oder. Tomaten. E�de. Pastor. Otto. Tort«. Sommer. Lora, Aster. Marmor. RätsehEcke des„Abend". ninniiitimiiiiiTiinniiiiiiiiminiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiniiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiuiiiiiiiiiiMiii— MiiiiiiiiMiiiiwiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiwii A Eiche Sportplats Copenick Mit der Ausbreitung der Sport- und Spielbewegung ist auch das Bedürfnis nach geeigneten Anlagen gestiegen. Eine Reihe von Vereinen hat sich schon sehr zeitig mit dieser Frage beschäftigt, ehe die Behörden dazu famen, eigene Sportanlagen zu schaffen. Bereine mit mehreren Spielmannschaften und umfangreichem Sports betrieb brauchen eigene Sportpläge. Aber faft noch wichtiger ist die Tatsache, daß Vereinsplätze von der Jugend lieber besucht und in jeder Freistunde benützt werden. Bei festgesetzten Uebungsstunden auf öffentlichen Plätzen kann es vorkommen, daß etne Anzahl hintereinanderliegender Uebungsstunden durch die Ungunst der Witterung nur schwach besucht werden, diese verlorenen Stunden werden aber von Mitgliedern mit eigenen Plähen be stimmt an anderen Abenden nachgeholt. Die Jugend weiß, wo sie sich in ihrer Freizeit treffen kann, auch wenn keine offizielle Uebungsstunde angesetzt ist. Aus diesen Erwägungen heraus find im Bereich des ArbeiterTurn- und Sportbundes in den letzten Jahren mehrere hundert Vereins- Sportpläge entstanden, die, als Ganzes gewertet, eine Unsumme von Idealismus bedeuten. Da diese Plätze zumeist in freiwilliger Arbeit geschaffen wurden, haben also Arbeitersportler in ihrer Freizeit noch Millionenwerte geschaffen. Im Bereich von Groß- Berlin sind der Eiche Sportplatz in Köpenid und Vereinsplätze in Pankow und Adlershof zu nennen. Der Eiche Sportplatz wurde im Jahre 1920 geschaffen und liegt an Der diesjährige RAST. Reichs- Arbeiter- Sport- Tag am 17. Juni. Die Arbeitersportler werden ihren Reichsarbeitersporttag( Raft) wieder am 17. Juni d. I. abhalten. Für die Beranstaltung in Berlin ist wieder das große Stadion im Grunewald gemietet worden. Wie immer, so soll auch der diesjährige Raft der gesamten Bevölkerung ein abschließendes Bild von dem Wirken und den Abfichten der Arbeitersportler bringen. Das Feft ist also mehr als Demonstration, denn als Sportfest in dem Sinne aufzufaffen, daß auf die Erzielung von Höchstleistungen weniger Wert gelegt wird. Die Vorarbeiten sind in vollem Gange. In den nächsten Tagen werden die Spartentechniker mit ihren Funktionären die Bor: führungen durchbesprechen und in abschließenden Konferenzen wird dann das Gesamtprogramm aufgestellt. Dabei wird in diesem Jahre ganz besonders auf eine Kürzung des Programms hingearbeitet. Es hat sich herausgestellt, daß die über Gebühr sich ausdehnenden Vorführungen Publikum und Sportler ermüdeten, so daß zum nicht geringen Teil der Erfolg in Frage gestellt war. Das soll Diesmal unter allen Umständen vermieden werden. Obwohl alle Sportarten zu ihrem Recht kommen sollen, wird das Programm doch fo zusammengedrängt, daß mit einer Gesamtvorführungsdauer von höchstens dreieinhalb bis vier Stunden zu rechnen ist. Mit dem Einmarsch der gesamten Teilnehmer im Sportdreß wiro der Raft wirkungsvoll eingeleltet werden. Die Zuschauer müssen deshalb bereits bei Beginn des Festes, also um 14 Uhr, anmesend sein, denn gerade der Aufmarsch wird das farbenprächtigſte Bild des Tages bieten. Frauen und Männer werden wieder Körperpflege- und Gymnastitübungen nach den modernsten Systemen zeigen. Die Leichtathleten warten mit einem interessanten sportlichen Programm auf, in dem alle Disziplinen vertreten sind. Schwerathleten, wie Boger, Ringer, Heber, Jiu- Jitsu- Kämpfer zeigen ihre Trainingsmethoden, die Schwimmer haben ihre Sondervorführungen im großen Wasserbecken, der Arbeiterradfahrerbund Solidarität" wird Bahnrennen fahren und Fußballer und Handballer treten zu Trainingsvorführungen und zu Werbespielen an. So wird der 17. Juni wieder der Tag der Demonstration für den Arbeitersport sein. Turner, Leichtathleten und Turnspieler des 1. Kreises! Laut Beschluß des Kreisturntages werden die Kreisvereine, Körperschaften usw. der Turner, Turnspieler, Leichtathleten aufgefordert, Vorschläge für die Wahl der Delegierten einzureichen bis 15. April bei Alwin Nitzschte, Neukölln, Brusendorfer Str. 3. Arbeiter- Schwerathletik der Woche. der Müggelspree, eine Viertelstunde vom Inneren Köpenids entfernt. Die umfangreiche Arbeit wurde von den Mitgliedern selbst geleistet. Da die Bodenverhältnisse nicht besonders günstig waren die größte Unebenheit betrug 1½ Meter, so mußte erst eine Einplanierung vorgenommen werden, die die Mitglieder fast 13 Wochen lang beschäftigte. Die Laufbahn, Anlaufbahnen, Rajendecke, Wasserleitung, Unterfunftsräume, Zaun, Barriere und so weiter beschäftigte die Mitglieder an 12000 Arbeitsstunden, die völlig unentgeltlich geleistet wurden. Die Unterhaltung der Anlage erfordert etwa 1500 Arbeitsstunden jährlich, die eben falls in freiwilliger Arbeit geleistet werden. Würde die Behör: diese Anlage bauen lassen, so dürfte sie wohl nicht unter 60 000 M. zu haben sein. Die Behörde unterstützte die Arbeit mit 5000 Papiermart, die einem Wert von 400 bis 500 Reichsmart gleichkamen. Es dürfte von Interesse sein, daß über die Beteiligung an der Arbeit nie ein Vereinsbeschluß gefaßt wurde. Eine Anzahl arbeitsfreudiger Mitglieder bildete das Rückgrat der großen Arbeiterfolonne; die jüngeren Mitglieder folgten dem guten Beispiel. Für viele Mitglieder mag die Arbeit in der freien Natur ein Ausgleich für die nervenzerstörende, einförmige Werktagsarbeit gewesen sein. Fast ebenso liegen die Verhältnisse bei den anderen selbstge schaffenen Anlagen. Große Anlagen gleicher Art befinden sich noch in Brandenburg, Rathenow, Ludenwalde und Fürstenwalde. Die Freie Artisten Bereinigung 1924( Mitglied des AABD.) veranstaltet am ersten Osterfeiertag im Bittoria- Garten, Treptow, am Treptower Part 25/26, eine große Gala- Varieté- Borstellung. Eröffnung 15 Uhr, Konzertteil 16 Uhr, Beginn der Vorftellung 17 Uhr. Eintritt 1 m. mit Tanz. Der große Osterpreis. Auf der Olympia- Radrennbahn. Der zweite Renntag der Olympia- Radrennbahn findet am 1. Osterfeiertag statt und bringt neben sehr gut bejezten Dauerrennen auch die ersten großen Fliegerrennen. In einem Omnium- Match treffen der deutscher Meister Alex Fride meister Ernst Kaufmann. Der in Berlin besonders beliebte und der vorzügliche Breslauer Fritz Knappe auf den Weltaustralische Erweltmeister Bob Spears ist der vierte Teilnehmer dieses Fliegertreffens. In dem Hauptdauerrennen des Tages, dem Großen Osterpreis", wird sich der Matador der Olympia- Radrennbahn Walter Sawall seinen vielen Anhängern zum ersten Male in dieser Saison vorstellen. Seine Gegner in diesem sowie in dem über 30 Kilometer führenden„ Kleinen Osterpreis" sind die Franzosen Bréau, Paillard und Miquel sowie der Breslauer Paul Thomas. Die Rennen beginnen um 15% Uhr. Enthüllung des Krupkat- Denkmals. Das mit Hilfe von deutschen Radrennbahnen und Freunden des im vorigen Sommer in Leipzig gestürzten Dauerfahrers Franz Krupkat am Eingang der Olympia- Radrennbahn in Plögensee errichtete Denkmal wird am Karfreitag, 16 Uhr, enthüllt. Das Monument ist von dem Berliner Bildhauer Marcuse entworfen und modelliert worden. Die Feier ist öffentlich. Letztes Sechstage- Nachspiel. Der Spruch des Bundes- Sportausschusses. Der Gesamtsportausschuß des Bundes Deutscher Nadjahrer trat am Dienstag in Berlin zusammen, um in der Berufungsverhandlung in Sachen 20. Berliner Sechstage rennen seine endgültige Entscheidung zu fällen. Nach längerer Beratung schloß sich der Bundessportausschuß dem in erster Instanz von seinem Vorsitzenden Eggert gefällten Urteilsspruch an, womit die Strafen Rechtskraft erlangen. Für Ehmer, Kroschel, Tieß und den Pfleger Biella treten die Strafen am 5. April in Kraft, für Rieger, Richli, Blekemolen und den Pfleger Münzner, die Berufung eingelegt hatten, besteht am 20. April Startverbot. Van Kempen, der durch die U3C. einen dreiwöchigen Strafaufschub erwirkt hat, würde danach seine Strafe am 11. Mai anzutreten haben. Aus der Begründung ist hervorzuheben, daß nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme das Rennen einwandfrei verlaufen ist und ein einwandfreies Resultat gezeitigt hat. Die am Nachmittag des sechsten Tages bekanntgewordenen Abmachungen einzelner Fahrer konnten rechtzeitig durch energisches Eingreifen unterbunden werden. Eislauf im Sommer. Am Sonntag wurde die erste Sommereisbahn Berlins in der Neuen Welt eröffnet. Die Lauffläche besteht aus einem chemischen Präparat nach dem System Bursch, das nach dem Urteil Sachverständiger alle Qualitäten des natürlichen Eises haben soll. Der Betrieb der Bahn wird sich ähnlich wie im Sportpalast abspielen: dem Publikum steht die Lauffläche den ganzen Tag ab 10 Uhr zur Verfügung, Eislaufunterricht wird durch gutes Lehrpersonal erteilt, Sportläufer können trainieren. Jeden Abend 20 Uhr finden Vorführungen auf dem Eise statt, zu denen neben einer großen Eisballett- Truppe internationale Eiskünstler von Ruf, u. a. auch„ Charlotte", Königin des Eises, verpflichtet sind. In den anschließenden Sälen täglich großer Gesellschaftstanz und Belustigungen verschiedenster Art. Der Besitzer des ältesten Autos ist der Pfarrer Gavors von Allery im französischen Departement der Somme. Er ist seit 1895 im Befiz eines Automobils, des wahrscheinlich ältesten gebrauchten Wagens der Welt. Mit diesem Wagen wurde vor Jahren sogar ein Rennen gewonnen. Er ist im Motormuseum zu London ausgestellt worden, und vor noch nicht zu langer Zeit fuhr der Pfarrer Gavors mit ihm nach Paris, wo er Sensation machte. Jetzt ist das fast mythische Gefährt von seinem Besizer zum Verkauf ausgeschrieben. Zeitschriftenschau. Der Freie Segler". Die soeben erschienene Nr. 4 der Zeitschrift des Freien Seglerverbandes," Der Freie Segler", bringt als Leitartikel einen Aufsatz des Gen. Scheffner, Königsberg, über die Notmendigkeit eines seetüchtigen Verbandsbootes. Lehrreich für jeden Wassersportler ist die Arbeit„ Die Verfahren der Wiederbelebung", die mit den verschiedenen Arten der Wiederbelebungsversuche bei Ertrunkenen vertraut macht. Des weiteren wird die Frage„ Hilfsmotor oder nicht" erörtert. Der bekannte Konstrukteur Artur Tiller schreibt Etwas über Geekreuzer" und bringt dazu zwei vorzügliche Risse; Konstrukteur Adolf Harms zeichnete für den FSB. die neue 10- Quadratmeter- Wanderjolle und gibt dazu eine fleine erläuternde Beschreibung. Die Zeitschrift( 24 Seiten auf Kunstdruckpapier, reich illustriert, mit zweifarbigem Umschlag, sorgfältig zusammengestellt und gedruckt) ist im Straßenhandel für 40 Pf. erhältlich. Die neue Nummer der„ Yacht" bringt einen längeren Aufsatz, Große Segelschiffahrt" betitelt, der neben einer schematischen Darftellung aller vorkommenden Großschiffbefegelungen auch sonst reich illustriert ist. Klaus Schribert hat in zwei Artikeln die Aufgaben des Vorschotmanns auf Rennjachten behandelt. Riffe und Zeichnungen für Segelboote und Motorkreuzer, eine Reisebeschreibung und viele aktuelle Bilder vervollständigen die Zeitschrift. Der Arbeiter- Anglerbund Deutschland hat die Nr. 4 seiner Bundeszeitung als Bundestagsausgabe ausgestattet. Zu Ostern hält der Bund seine Delegiertentagung im Gewerkschaftshaus in Berlin ab. Vereinskalender. Bander- Paddler„ Savel", e. B. Bootshaus: Selligensee, Dorfftr. 29. Bootsstände sind noch frei. Sigung Freitag, 6. April, 10 Uhr, im Bootshaus. Freier Ranuverein Stralan. Mitgliederversammlung Donnerstag, 5. April, 20 2hr, Restaurant Bollenbach, Alt- Etralau 8. Freie Ruberer und Kanufahrer im Arbeiter- Turn- und Sportbund. Mittwod), 4. April, 19 Uhr, im Kartellverbandshause, Landsberger Str. 82, Spartenausschußigung. Die Jiu- Jitsu- Spartenversammlung findet nicht am 4., sondern am 11. April bei Balte, Kaiserstr. 41, statt. Heute Sportpalast! x Boxmeisterschaften: Schmeling- Diener, Noack- Gohres! Rahmenkämpfe: Domgörgen- Moore, Haymann- Smith! Die Borabteilung des SC. Siegfried 09 veranstaltet am ersten Osterfeiertag 19½ Uhr im Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclef- schwankend, auch wohl eine Folge seiner wenigen großen Kämpfe, straße 24, einen Kampfabend. Auf dem Programm stehen acht Herausforderungsborkämpfe. Es ftarten Gegner aus den Bereinen Lurich 02, Berolina( Neukölln), Borklub Teutonia( Tasdorf). Folgende Baare steigen in den Ring: Rudolf( T.)- Thöns( SCS.), Simmerling( T.)- Borowski( S.), Obst( B.)- Wodtke( S.), Hörele ( T.)- Großmann( S.), Rosenthal( T.)- Bienwald( S.), Andreitschef ( T.)- Matiolla( S.), Fromm( L.)- Chenka( S.). Außerdem darf man gespannt sein, wie der junge Frank( Zurich) gegen Adamkiewicz( S.) abschneidet. Am Karfreitag, 16% Uhr, veranstaltet die Sportliche Bereinigung Norden in ihrer Kampfstätte Bank, Ede Wiesenstraße( Weltliche Schule), große Herausforderungs= fämpfe im Ringen. Die Vereine Alt- Wedding, Adler 05 und Birte- Allemannia haben zugesagt. Auch zeigt der Verein Lurich 02 eine Damen- Jiu- Jitsi- Demonstration, sowie drei Jiu- Jituringkämpfe, wozu die Vereine Libertas 96 und Zurich 02 ihre Zusage gegeben haben. Eintritt 50 Pf. Der ehemalige Borklub„ Der Ring" hat eine Namenände= Yung vorgenommen und heißt jetzt Arbeiterbogtlub Ber= fin 1928", Mitglied des AABD. Anschrift: Heinrich- Rollerstraße 18, Nähe Prenzlauer Allee. Trainingsstunden Montags und Freitags von 19 bis 21 Uhr. schen Schwergewichtsmeisters, den der Sieger am 6. Mai in Dortmund gegen Ludwig Haymann zu verteidigen hat. Auf dem Programm steht noch ein zweiter Meisterschaftskampf und zwar der Federgewichtsklasse. Für den Verteidiger Paul Noad hängt von dem Ausgang des Treffens ebensoviel ab, wie für die beiden Schwergewichte, denn nur im Falle eines Sieges ist ihnen die Möglichkeit gegeben, an den Europameister heranzukommen. Noads Kampf gegen Heinrich Gohres- Duisburg ist ein Revanchekampf, denn der Rheinländer, der überraschend nach vorn gekommen ist, hatte vor einigen Wochen den Sieg schon ficher in der Tasche, als er wegen einer Verletzung zur Aufgabe gezwunDurch die unerwartete Niederlage von Molina in Mailand gegen den Italiener Bosisio muß für Domgörgen, unseren Mittelgewichtsmeister, der vorgesehene Ersagmann nunmehr einspringen, der Engländer Ted Moore. Ihn mit Domgörgen im Kampf zu sehen, bedeutet eine Delikatesse, die kaum überboten werden kann. Ein Mann, der wie Diener, der sich im Sommer 1926 durch seinen Sieg in der Meisterschaft über Samson- Körner endlich den ersten Plaz erringen fonnte, hat sich seitdem allen deutschen Widersachern, darunter auch den an führender Stelle stehenden Rudi Wagner und Hans Breitensträter, überlegen gezeigt und bei seinen Begegnungen mit den Besten des Auslandes der alten und auch der neuen Welt bewiesen, daß er stets seinen Mann zu stellen weiß. Zwar war seine Form oft und es blieben ihm auch Niederlagen nicht erspart, aber noch nie war es einem anderen Borer vergönnt, einen t. 0.Sieg über ihn zu erzielen. Seine robuste Natur, seine starte Körperfonstitution in Verbindung mit einer erstaunlichen Nn- gen war. empfindlichkeit gegen Schläge aller Art, ließen ihn stets die härtesten Gefechte überstehen, wenn sich auch der Gegner als der technisch beffere Borer erweisen konnte. Unter Sabri Mahirs fachkundiger Leitung hat sich Diener in letzter Zeit noch start vervollkommnet. Anders Schmeling. Der junge Europameister hat sich aus fleinen Anfängen heraus unter Bülows sachkundiger Leitung zu einem Borer großen Formats mit Weltgeltung entwickelt, der nicht nur in seiner Gewichtsklasse auf eine beispielsloje Erfolgsferie zurüd bliden fann, sondern auch alle Schwergewichte, die sich ihm zum Kampf stellten, mit seiner unwiderstehlichen Rechten erbarmungslos zusammenschlug. Sein sicheres Auge, fein fabelhaft wirkender Schlag und seine Schnelligkeit und Ausdauer, wie überhaupt seine technisch gute Borbereitung, gaben ihm ein lebergewicht, dem nur wenige etwas Gleichwertiges entgegenzusehen vermochten. Heute gilt für ihn die Probe aufs Exempel. Er hat das bessere borerische Rönnen für sich, aber Diener die größere Bucht. Der über 15 Runden angesetzte Rampf geht um den Titel des deut. der Engländer in seiner Glanzzeit mit einem Harry Greb um die Meisterschaft kämpfen durfte, hat sich auch heute nach zwei Jahren, noch so viel Können bewahrt, daß er für jeden Mittelgewichtler in Europa einen gefährlichen Gegner abgibt. Seine trickreiche und variierte Kampfweise reichte sogar vollkommen aus, um die förperliche Ueberlegenheit eines Mag Schmeling auszuschalten. Im Einleitungstreffen wird Ludwig Haymann gegen den in letzter Zeit start nach vorn gefommenen Engländer Charlie Smith feinen leichten Stand haben und zeigen müffen, ob er in seinem im Mai in Dortmund stattfindenden Titelkampf mit dem Sieger aus dem Schmeling- Diener- Kampf Aussichten hat. Die Rämpfe beginnen um 19% Uhr. Die ,, Heldenorget". Eine Viertelmillion für eine Geschmacklosigkeit. verehrung geplant set, bte tein Band Europas fonft aufzumeffen habe. Auf der Feste Heroldstein bei Kufstein soll eine Riefenorgel aufgestellt werden, die mit Hilfe der Ausnutzung des Winddrucks und der Elektrizität filometerweit gehört werden tann. Etwa achtzig flingende Register und gegen 4500 Pfeifen soll das ungeheure Instrument aufweisen. Und dieses ungeheure Musikwerf soll allen Ernstes dazu dienen, die Gefallenen zu preifen und zu ehren". Fast tönnte man an einen schlechten Scherz glauben, aber leider handelt es sich um eine traurige Wahrheit, an deren Verwirklichung bereits mit Hilfe aller Propagandamittel gearbeitet wird. Schon hat der Magistrat der Stadt Kufstein den Plaz im sogenannten„ Bürgertum", in dem die Orgel aufgestellt werden soll, tostenlos hergegeben. Schon haben Firmen Deutschlands und Destereichs ihre Mitwirkung zugesagt. 360 000 Schilling follen aufgebracht werden, indem Vereine und Behörden, Familien oder Einzelpersonen zum Gedächtnis gefallener Angehöriger eine Pfeife oder ein Register stiften. Eine Orgelpfeife für einen Gefallenen So erhalten wir aus Tirol die Nachricht, daß dort eine Helden- gibt es eine größere Geschmacklosigkeit? Unfaßlich scheint es, daß Noch ist kein Jahrzehnt seit Beendigung des Weltkrieges ver gangen. Millionen von Kriegsbeschädigten quälen sich durch ein armfeliges Dasein. Millionen von Witwen und Waisen sind ihrer Männer und Väter beraubt. Unersetzliche Werte an Kulturgütern und an Menschenglück find vernichtet. Während jedoch Unzählige dem Kriege fluchen, während die Einsichtigen in allen Ländern Europas sich mühen, an die Stelle des Hasses und der Lüge die Gesinnung der Aufrichtigkeit und Verständigung zu setzen, arbeitet eine traurige Clique daran, durch Anpreisung eines verlogenen Heldentums Kriegsluft und Kriegsbegeisterung bei der heranwachsenden Jugend neu zu entfachen. Die politische Ausnuhung des Todes, die unter dem Mantel der Heldenverehrung ausgeübt wird, zieht immer weitere Kreise. es Hinterbliebene gibt, die mit biefem Treben einverstanden fimb daß nicht ein Massenproteft die Ausführung dieses Machwertes zu verhindern fucht. Nahezu eine Viertelmillion Mart nach deutscher Währung für eine bombastische Heldenorgel! Und dies zu einer Zeit, in der Kriegsbeschädigte und Hinterbliebene verzweifelt mit dem Hunger fämpfen, in der es Arbeitslosigkeit und anderes Elend zu beseitigen gilt. Sicherlich ist das Andenken der Toten des Weltkrieges bei denen am besten gewahrt, die in der Stille und abseits von allen Effekthaschereien und Schaustellungen einer egoistischen und mili tärischen Kaste um sie trauern, bei denen, die es als ihre höchste Pflicht den Toten gegenüber betrachten, neue Kriege zu verhüten. Leider tragen die Macht der Tradition und verwirrte unflare Vora ftellungen von einem romantisch verbrämten Heldentum immer wieder dazu bei, daß friegshezerische reaktionäre Kreise ihr gefähr fiches Handwert treiben können. Nur durch unermüdliche Auf Märungsarbeit und energischen Protest an geeigneten Stellen tann dem Treiben solcher Heldenverehrer" ein Ende gesetzt werden. + Geschäfts- Anzeiger Bezirk Süden- Weften. Allen Organisationen . empfiehlt sich MAURER& DIMMICK BUCHDRUCKEREI BERLIN SO 16, KOPENICKER STRASSE 36/38 Kaufhaus Max Cohn ( Inhaber Georg Hirschfeld) Grünstr. 23-24 KOPENICK am Schloßplatz Das Haus der guten Qualitäten [ 78 Est Rudolph- Würstchen Fabrik: Berlin- Weißensee Langhansstraße 88 Telephon: Weißensee 104 Mundi Bonbon Schokolade Konfitüren Fenster- u.Gebäude- Reinigungsfrüher Fensterputzer- Genossenschaft Jannowitz 4514 G. F. 17 G.F.31 b. H. 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