Abendausgabe Rr. 170 45. Jahrgang B 84 Böchentlich 70$ fg., monatlich 3,-m. in voraus zahlbar, Postbezug 3,72 einschl. Bestellgeld, Auslandsabonne ment 5,50 m. pro Monat * Der„ Borwärts" erscheint wochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin and im Handel mit dem Titel„ Det Abend", Illustrierte Beilagen Boll und Zeit" und Kinderfreund". Ferner " Unterhaltung und Wissen"," Frauenstimme".„ Technik". Blid in die Bücherwelt" und Jugend- Borwärts" Vorwärts Berliner Boltsblatt Dienstag 10. April 1928 10 Pfennig Die etnipa111ge Nonpareillezetle 80 Pfennig. Reflamezeile 5.- Reichs mart Kleine Anzeigen" das fettge= brudte Bori 25 Bfennig( zulässig zmet fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengefuche das erite Bort 15 Bfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte Arbeitsmarkt Beile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen. annahme im Hauptgeschäft Linden. Straße 3, mehenägl. von 81/2 bis 17 Uhr. Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Verlag G. m. b. H. Bottschedkonto: Berlin 37 536 Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten Wallstr. 65. Diskonto- Gesellschaft. Depositenfasse Lindenstr.& Die Reichsbahn- Schiebungen. Die Sozialdemokratie hat seit Jahren gewarnt- nichts ist geschehen! Die Hunderttausend in Staaken. Der alljährlich zu Ostern wiederkehrende erste Volksflugtag in Staaken lockte wieder die Massen auf den großen Uebungsflugplatz an der Spandauer Strecke.- Das kleine Flugzeug, mit dem der Franzose Blériot am 25. Juli 1909 zum ersten Male den Kanal zwischen Calais und Dover in der außerordentlich kurzen Zeit von 27 Minuten überflog. Die Schuldigen des Gfandals. Die Toten von Gelfow. Die Mißstände sind jahrelang geduldet worden! Die Metallunternehmer drohen mit tungsrat der Reichsbahngesellschaft für die ordnungsgemäße GeDer große Reichsbahnskandal, der die Deffentlichteit Aussperrung. munmehr seit Wochen beschäftigt, hat Zustände ans Tageslicht ge Nach dem Reichsbahngefeg vom 30. August 1924 mit der zum Gesetz gehörenden Gesellschaftsfagung ist or stand und Berwalschäftsführung der Gesellschaft verantwortlich. Aber auch die Reichsregierung hat nach§ 30 3iffer 2 der Reichsbahngeseze das Recht und u. E. die Pflicht, sich von der ordnungsgemäßen, im Interesse des Reichsbahngesellschaft zu überzeugen. Sie fann sich jederzeit die Bilanzen, Rechnungen, Geschäftsbücher usw. zur Einsicht vorlegen und fich alle erforderlichen Ausfünfte erteilen lassen. Bon diesem Recht hat die Reichsregierung wohl feinen Ge= brauch gemacht, denn sonst hätten die Dinge nicht so weit treiben fönnen. Folglich ist sie und bracht, die man in dem größten deutschen Reichsunternehmen für Bootskatastrophe auf dem Comer See. gefamten Boltes gelegenen einwandfreien Geschäftsführung ber unmöglich gehalten hätte. Die Reichsbahndirektion hat gegen einige Hauptschuldige die disziplinarische Untersuchung eingeleitet und sie zum Teil sogar des Amtes enthoben. Für die Oeffentlichkeit stellte sich die Sache bisher so dar, als ob die aussehenerregenden Borgänge erst in alleriezter Zeit befamitgeworden wären. Dem ist jedoch nicht so. Der„, Vorwärts" und die übrige sozialdemokratische Presse haben bereits im April 1926 auf die Praktiken des Reichsbahnzentralamts hingewiesen; in den Veröffentlichungen wurden auch die Namen leitender Beamten, wie die des Direktors Neumann und des Oberbaurats Schulze genannt. Gefordert wurde, daß diese Leute bor einem parlamentarischen Untersuchungsausschus Rechenschaft ablegen sollten. Berichte auf der 2. Selfe. war im Jahre 1926, als der Freitod eines Reichsbahndirektors die skandalösen Unterschleife bekannt werden ließ, die bei der Anlage der Reichsbahnsiedlungen in Frankfurt a. d. O. entstanden waren. Die Sache ist damals nach einer langen Untersuchung lautlos begraben worden. Nicht anders war es mit den Geschäften, die die Reichsbahn mit der Großfirma Dr. Kämpfert in Gliesmero de bei Braunschweig abschloß und bei denen die Reichsbahngesellschaft durch das Verschulden des Direttors Neumann einen Schaden von 500 000 Marf erlitt. Zum Ausgleich dieses Berlustes schloß Neumann mit einigen fartellierten Berliner Firmen fünfjährige Verträge ab, die der Deutschen Reichsbahngesellschaft weitere schwere Schädigungen brachten. Es war im Mai 1926, also Die Reichstagsmehrheit und das Reichsverkehrsministerium vor faft zwei Jahren, als der„ Borwärts" die Nachprüfung haben in der Sache glaft versagt. Die bürgerlichen Parteien lehnten der Geschäftsbücher, der Lieferverträge und der Korrespondenz die Einsetzung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses ab. des Reichsbahnzentalamts verlangte und dabei auch die GeIm Anschluß an die heftige Kritik, die bereits im März 1926 an der schäftsbeziehungen mit dem Frankfurter MetallbankPersonal- und Betriebsführung der Reichsbahngesellschaft geübt Ronzern. Gebr. Merten, und ihrer Berliner Niederlassung wurde, hat der damalige Generaldirektor Defer lediglich einen verlangte. Informationsausschuß eingefeßt, der, wie sich jetzt heraustellt, zur Aufklärung der bereits damals bekannten Unterschleife nicht bas Geringste getan hat. Die Reichsbahn erledigte" die damals erhobenen Borwürfe mit nichtssagenden Erklärungen, die sich heute als wertlos und falsch herausgestellt haben. Unter diejen Umständen fällt es schwer, daran zu glauben, daß bie jetzt eingeleitete Untersuchung einen befferen Eufolg haben wird, Daher wirsi fich die Frage auf, ak biefer al#berhaupt wit wenn nicht die gesamte Deffentlichkeit mehr als bisher auf die der Disziptierung einiger Beamten Beigelegt werden kann, nachdem Unterlassungen hinweist, die in den letzten zwei Jahren im Die verantwortliche Leitung der Reichsbahn trog öffent Amtsbereich des Reichsverkehrsminifteriums zu verzeichnen find. Escher Barnung die Mißstände jahrelang gebulbet. hat das deutschnationale Reichevertehrsministerium von Schule und Berantwortung nicht freizusprechen! Diese Feststellung ist ta fs wichtiger, als gerade die deutschnationale Breffe o bemüht, für den Reichsbahnffandal das lich zu machen. Tatsache hingegen ist, daß sie Unregelmäßigkeiten republikanische Regime und die Lintsparteien verantwortwurden und nur beshalb einen so großen llafang annehmen konnten, die öffentliche Kririt au fümmern und weil die Regierung aus ihr weil die Reichsbahngesellschaft es nicht für nötig fand, fich un die öffentliche Krist zu fümmern und weil die Regierung aus ihr nicht die notwendigen Konsequenzen zog. zuerst von der sozialbenefretischen Breffe zur Sprache gebracht Eine weitere Frage ist, inwieweit der Verwaltungsrat und der Borstand der Reichsbahngesellschaft zur Haftung für die entstandenen Millionenverluste herangezogen werden können. Nach dem Handelsgeset buch und nach, der Gesellschaftssatzung der Reichsbahn muß man diese Feage bejahen. Jedenfalls hat es an her** tcubigen Sorgfalt bee Gefchäftsführe rung gefehlt, wenn man mehr als atvei Jahve bazi brauchte, um bereits bekannte Unregelmäßigkeiten überhaupt aufzuspüren Die Einsetzung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses ist nach der Auflösung des Reichstags unmöglich geworden. Generaldirektor Dorpmüller hat den Präsidenten der Reichsbahndirektion Karlsruhe mit den notwendigen Feststellungen beauftragt. Vor der Aussperrung in Sachsen. In jedem Falle wird der neue Reichstag darauf dringen müssen, daß Morgen Verhandlungen in Leipzig, Donnerstag Verhandlungen in Dresden. alle Ergebnisse dieser Untersuchung mitgeteilt werden. Dar über hinaus aber wird man fordern müssen, daß gegen ähnliche Vorkommnisse nun die notwendigen Sicherungen geschaffen werden. Der Berwaltungsrat der Reichsbahngesellschaft ist ganz nach den Wünschen Der Rechtsblockregierung zusammengesetzt, die nicht einmal der preußischen Regierung ihren durch den Staatsgerichtshof gerechtfertigten Anspruch auf eine Vertretung in den größten Verkehrsunternehmungen erfüllen wollte. Die Arbeiterschaft ist von der Mitwirkung so gut wie ganz ausgeschlossen. Gerade aber Vertreter der Arbeiterschaft waren es, die rechtzeitig auf die unzulängliche Geschäftsführung der Reichsbahn hingewiesen haben. Daraus sollte eine Regierung, der es um die Wahrung der Staatsautorität und um die Reinhaltung des größten Verkehrsunternehmens des Reiches geht, die gebotenen Folgerungen ziehen. Freilich haben bisher derartige sa chliche Gründe bei der Zusammensetzung des Reichsbahnverwaltungsrats teine wesentliche Rolle gespielt. Heute, nachdem man den Skandal in seinen ursächlichen Zusammenhängen übersieht, wirkt es doch geradezu grotest, daß die Reichsregierung an der Entsendung des früheren Reichskanzlers Dr. Luther in den Verwaltungsrat der Reichsbahn mit einer faum noch verständlichen Hartnäckigkeit festhielt und es darüber zu den öffentlichen Auseinandersetzungen mit der preußischen Regierung kommen ließ. Luther machte nach seinem Amtsantritt seine Reise nach Südamerika und gründete dann den ,, Bund Erneuerung". In der Geschäftsführung der Reichsbahn aber gediehen die Dinge zu den Skandalen, die nachgerade gezeigt haben, wie sehr eine Erneuerung im Verwaltungsrat der Reichsbahn durch Heranziehung arbeitsfähiger und kenntnisreicher Kräfte notwendig wäre. Auch darüber wird der neue Reichstag zu beschließen haben, über dessen Gestaltung die Wähler selbst am 20. Mai entscheiden werden. Dresden, 10. April.( Eigenbericht.) Zur Aussperrung in der sächsischen Metallindustrie wird be. kannt, daß auch das wirtschaftsgebiet Leipzig von der Aussperrung mitbetroffen werden soll, obschon es eigenes Ta. rifgebiet ist. Die bürgerliche Meldung, daß von der Ausfperrung 330 000 metallarbeiter betroffen würden, ist start übertrieben. Es kommen nach der Schäßung des Deutschen Metallarbeiterverbandes wie wir am Freitag schon meldeten höchstens 200 000 Arbeiter in Frage. Offiziell ist die Aussperrung dem Deutschen Metallarbeiter. verband von den Metallindustriellen noch nicht mitgeteilt morden, ebenso ist die Aussperrung noch nicht durch Aushang in den Betrieben bekanntgemacht worden. Am Mittwoch werden in Leipzig vor dem Schlichter Lohnverhandlungen vorgenommen, bei denen versucht werden soll, auch Berbesserungen in den Manteltaris hineinzubringen, der bekanntlich vom Reichsverkehrsminister bisher nicht verbindlich erklärt wurde. Am Donnerstag, dem Aussperrungstag, finden Cohnverhandlungen in Dresden statt. Obschon bisher ein bestimmter Anhalt zur Annahme, daß der offene Konflikt noch Aussperrung noch verhindert werden kann. vermieden werden kann, nicht vorliegt, glaubt man doch, daß die Die Hamburger Metallarbeiter im Streif. Hamburg, 10. April.( Eigenbericht.) In einer Bersammlung der organisierten Metallarbeiter am 5. April in Hamburg wurde nach Berichterstattung über den Gang der Berhandlungen über den Schiedsspruch des Schlich tungsausschusses abgestimmt. Der Spruch wurde gegen wenige Stimmen abgelehnt. Da durch das Abstimmungsergebnis die für einen Streit nofwendige Mehrheit erreicht worden ist, find die Metallarbeiter heute morgen um 10 Uhr in den Streit getreten. Der Buchdruckerfonflikt beendet. Dresden, 10. April.( Eigenbericht.) Der Dresdener Buchdruckerkonflikt wurde durch ein Ab= fommen zwischen den Buchdruckereibesizern und dem Deutschen Buchdruckerverband beentet. Die Arbeit ist am heutigen Dienstag bis auf die Firma Stolle Verlag( Freitaler Tageblatt) restlos aufgenommen worden. Es wurde vereinbart, daß die gesamten Belegschaften am dritten Osterfeiertag wieder in den Betrieb zu bringen sind. Die Betriebsleitungen verpflichten sich, die Belegschaften geschlossen wieder aufzunehmen. Maßregelungen dürfen nicht stattfinden. Ausgefallene Arbeitszeit fann auf Wunsch der Geschäftsleitung innerhalb der nächsten vier Wochen nachgeholt werden. Rechtsansprüche, die aus irgendwelchen Gründen geltend gemacht werden könnten, sind durch diese Vereinbarungen hinfällig. Ausgesprochene Kündigungen sind zurüdzunehmen. Die Vertrauensmänner der Buchdrucker haben diesem Verhandlungsergebnis zugestimmt, ebenso wurde es in den Versammlungen der streikenden Belegschaften angenommen. Die Vereinbarungen sehen nichts über Scheinlohnzulagen vor, da ja bekanntlich ein verbindlicher Schiedsspruch vorliegt. Es ist aber das eigenartige Berhältnis zu verzeichnen, daß in Dresden gegenwärtig etwa 1300 Buchdruckergehilfen zu Bedingungen über dem Tariflohn arbeiten, während etwa 850 Buchdrucker zu den tariflichen Bedingungen beschäftigt sind. Es ist zu erwarten, daß durch Verhandlungen in den Betrieben auch für diejenigen Buchdruckergehilfen, die keinen Aufschlag auf den Tarif erhalten, ein Aufschlag auf den Tariflohn er reicht wird. Westarp gekündigt. Die Konservativen in Westorps Wahlkreis gaben für die Völkischen Parole aus. ffff ew. Als weiland Hoflieferant Geiner Majestät muß ich Ihnen fündigen, nachdem Sie sich mit der ttt Republik in geschäftliche Beziehungen eingelaffen haben!" Autobus gegen Straßenbahn. Sechs Fahrgäste verletzt. Ein schweres Berkehrsunglück ereignete sich heute morgen gegen 9 Uhr vor dem Hause Neue Königstraße 82. Ein Autobus der Linie& fuhr mit großer Heftigkeit gegen eine Straßenbahn der Linie 43. Beide Fahrzeuge wurden schwer beschädigt und sechs Fahrgäste, die erhebliche Verlegungen erlitten hatten, durch die Feuerwehr in das Krankenhaus am Friedrichshain gebracht. Die Schuld an dem Unfall wird einem Radfahrer zugeschrieben, der beim Ueberholen plöglich in die Fahrbahn des Autobus geriet. Um den Mann nicht zu überfahren, riß der Führer des Autobus die Lenkung scharf herum. In diesem Augenblick befand sich auf gleicher Höhe eine Straßenbahn der Linie 43. Es erfolgte ein heftiger Zusammenstoß, der im Innern beider Die Toten von Geltow. Das Geheimnis um den vermißten Hausdiener. Am großen Horn bei Baumgartenbrüd wurde am Offermontag die Leiche des seit dem 24. Januar dieses Jahres ver. mißten 19jährigen Hausdieners Karl& otlemsfi, der bei seinem Onkel in der Prenzlauer Allee 14 wohnte, aus der Havel geborgen. Da die Fundstelle die gleiche ist, an der feinerzeit die Leiche des mehrere Monate vermißten Pagen Gerhard Schnäpel aus dem Café Vaterland aus dem Wasser gezogen wurde, fam der Verdacht auf, daß Kotlewski vielleicht das Opfer eines Verbrechens geworden ist. Verschiedene noch ungeklärte Umstände laffen diesen Berdacht auch offen, andererseits liegt die Vermutung nahe, daß k. das Opfer eines Unglücksfalles geworden ist. Folgendes wird zu der mysteriösen Angelegenheit noch bekannt. Kotlewski, ein aufgeweckter, junger Mann, entfernte sich am 24. Januar aus der elterlichen Wohnung mit dem Bemerken, daß er von einem Herrn und einer Dame nach der Moz straße bestellt worden sei. Er fehrte von diesem Ausgang nicht wieder heim und blieb seitdem verschwunden. Die Vermißtenzentrale nahm die Ermittlungen auf, die ohne Erfolg waren. Später wurde jedoch festgestellt, daß der Vermißte, der einer Wassersportvereinigung angehörte, am 21. Februar mit einem Kanu, das er in primitiver Weise zu einem Segelschlitten umgebaut hatte, beim Eissegeln von Bekannten gesehen worden sei. Von nun ab fehlte von Kotlewski jede Spur, bis er am Ostermontag aus der Havel als Leiche gelandet wurde. Es besteht die Vermutung, daß er beim Eissegeln an eine offene oder schwache Stelle geraten und hilflos und unbemerft er= trunken ist. Die Leiche wies feine Verlegungen auf, die auf irgend einen gewaltsamen Tod schließen lassen. Die Ermittlungen, die von der Staatsanwaltschaft Potsdam im Verein mit der Berliner Kriminalpolizei geführt werden, sind noch im Gange und werden hoffent lich eine restlose Klärung des geheimnisvollen Falles bringen. Hausdieners Karl Rotlewski aus Berlin großes Aufsehen erIn Geltom hat die Auffindung der Leiche des 19jährigen regt. Ist es doch der dritte jugendliche Tote, den man in dieser Havelbucht gefunden hat. Zunächst fand man den 17jährigen Tischlerlehrling Laase aus Caputh, der am Ufer der Havel auf dem Besitztum des Herrn v. Kähne gefunden wurde, dann den 16jährigen Kaffeehauspagen Schnäpel aus Berlin und jetzt den 19jährigen Kotlewski. Heute nachmittag begibt sich die Potsdamer Gerichtskommission nach Geltow, um den Fall aufzu= klären. In der Friedhofshalle findet dann die Obduktion durch den zuständigen Potsdamer Gerichtsarzt statt. Fahrzeuge eine Banik auslöfte. Ein Glassplitterregen ergoß sich Bootsfatastrophe auf dem Comer See. über die erschreckten Insassen, die zum großen Teil von ihren Sitzen geschleudert wurden. Der Verkehr wurde sofort in beiden Richtungen gesperrt. Zahlreiche Personen meldeten sich als verletzt; sechs von ihnen, die Glassplitterverlegungen und Nerven= chots erlitten hatten, mußten durch die Feuerwehr in das Kranfenhaus am Friedrichshain gebracht werden. Die Verunglückten fonnten nach ärztlicher Behandlung und Anlegung von Notverbänden wieder entlassen werden. Der Vorfall hatte eine längere Verkehrsstörung zur Folge, die sich in der Hauptverkehrsstraße unangenehm auswirkte. Erdbeben in Südportugal. Aus Lissabon wird gemeldet, daß in Odemira in Südportugal ein Erdbeben verspürt worden ist. Es wurde nur Sachschaben augerichtet. In Südportugal herrschte zur gleichen Zeit ein heftiger Sturm. Mehrere Stadtteile wurden überschwemmnt. Sowjetrussische Ingenieure sind ins rheinisch- mestfälische In dustrierevier geforamen, angeblich um umfangreiche Aufträge an Kots- und Nebenprodukt- Gewinnungsanlagen zu vergeben, Acht Personen ertrunken! Auf dem Comer See in Oberitalien ereignete sich am Oftermonfag eine schwere Motorbootfatastrophe. Ein mit Personen überfüutes Motorboof verließ am Nachmittag die Ortschaft Crotto del Bino. Unterwegs versagte das Steuerruder. Auch der Motor setzte aus. Dadurch entstand unter den Infassen eine Panik. Zwei Frauen verloren die Nerven und stürzten sich ins Wasser. Dadurch schlug das überlastete Boot um. Ucht Personen ertranken. Ein Meisterschwimmer. Den eigenen Weltreford gebrochen. Hamburg, 10. April. Der deutsche Schwimmee Kemmerich befand sich heute vor. miftag um 10% Uhr bereits 38% Stunden im Wasser. Er hat damit den von ihm selbst aufgestellten Weltrekord im Dauerschwimmen bereits um 6% Stunden überboten. Da sich der Schwimmer auch weiterhin in glänzender Berfaffung befindet, ist anzunehmen, daß er seine Absicht, 50 Stunden zu Stunden zu schwimmen, durchführen kann. Das Auto im Zuckeltrab. Automobilverfehr 8 km Geschwindigkeit! Auf Antrag der Städtischen Baupolizei hat die Verkehrspolizei seit einigen Tagen in verschiedenen Straßen Alt- Berlins neue Ver= fehrsschilder aufgestellt, durch die die Automobilisten zu besonders vorsichtigem Fahren ermahnt werden. Es hat sich nämlich herausgestellt, daß verschiedene Säufergruppen in Alt- Berlin so baufällig sind, daß sie nicht mehr die durch den schnellen hervorgerufenen Erschütterungen vertragen fönnen. Aus diesem Grunde hat die Verkehrspolizei jetzt ein neues Warnungssignal in Gestalt einer rotumrandeten vieredigen weißen Tafel mit der Aufschrift 8 kilometer" geschaffen, das vor den gefährbeten Häusern in Verbindung mit dem schon bestehenden Achtungesignal, dem Ausrufungszeichen in einem Dreied, aufgestellt wird. Derartige Signale haben jetzt besonders an der Fischerbrücke und an verschiedenen Stellen der Friedrichsgradyt Aufstellung gefunden, wo sich die ältesten Häufer befinden. Auch vor dem Hause Quisenstraße 26 ist ein derartiges Warnungssignal aufgestellt worden, weil sich an dem Gebäude Risse und Verfallserscheinungen gezeigt haben. Die verlangte 8- Rilometer- Geschwindigkeit kommt der früheren für Pferdefuhrwerke an verschiedenen Stellen vorge schriebenen Warnung Schritt fahren" gleich. Die französischen Weltflieger in Hanoi. Aus Hanoi wird gemeldet, daß die französischen Flieger Costes und Le Brig dort gestern nachmittag eingetroffen sind. Die Verspätung war dadurch entstanden, daß sie gezwungen waren, in Shuntschong in China niederzugehen, um Benzin aufzunehmen. Man rechnet damit, daß sie Ende der Woche wieder in Paris eintreffen werden. Der Pariser Stadtrat hat beschlossen, sie auf dieselbe Weise zu empfangen wie seinerzeit Lindberg. Noch immer fein Ozeanflug. Dublin, 10. April. Der geplante Atlantikflug der Bremen" von Dublin nach New York wird, wie gemeldet, auch heute nicht ausgeführt, da die Wetterbedingungen in der Mitte des Atlantischen Ozeans sehr ungünstig find. Nach den gestern abend eingetroffenen Wetterberichten herrschte über dem Atlantischen Ozean ein Gegenwind von achtzig Stundenfilometern. Hochwasser in Amerika. Bon einer Frau geretteter Bug! In Drummondville im Staate Quebec verunglüdte ein Personenzug, als er über eine von dem Hochwasser unterspülte Brücke fuhr. Das Unglück wäre viel größer geworden, wenn nicht die Geistesgegenwart einer Frau, die durch die überfluteten Felder dem Zug entgegenrannte und denselben zum Halten gebracht hätte. Lokomotive und Gepäckwagen stürzten in den Fluß, während alle Personenwagen durch rechtzeitiges Bremsen unversehrt auf den Schienen blieben. Jedoch werden zwei Mann des Zugpersonals vermißt. Banditen in Megifo. Auf der Straße zwischen Merifo- Stabt und Cuernavaca wurden gestern mittag, nach Berichten aus New York, 50 Autos durch Bandifen angehalten und ausgeraubt. Unter den Ausgeraubten befan den sich ein Offizier und acht Regierungssoldaten. Es besteht die Möglichkeit, daß der britische Gesandte in Mexiko und einige Mitglieder des Gesandtschaftsstabes sich ebenfalls unter den Opfern der Räuber befinden. Spitzenkandidat Otto Braun. Preußens Kampf für die Republik. Königsberg, 10. April.( Eigenbericht.) Der Bezirksparteitag der ostpreußischen Sozialdemokratischen Partei, der am Dstermontag im Stadtverordnetensizungssaal zu Königsberg tagte, befaßte sich mit der Aufstellung der Kandidaten für den Reichstag und den Landtag. Als Spizenkandidat für beide Barlamente wurde der preußische Ministerpräsident Dr. Otto Braun aufgestellt. In einer Rebe fennzeichnete Braun die Schäden der Besitbürgerblockregierung im Reich und die Bemühungen der preußischen Regierung, die republikanische Staatsverfassung gegenüber dem Ansturm der Reaktionäre zu perteidigen. Insbesondere legte der preußische Ministerpräsident dar, was die preußische Regierung trotz der erheblichen Schwierigkeiten für die abgeschnittene Provinz Ostpreußen getan hat. Brauns Vortrag wurde mit stürmischem Beifall aufgenommen. Ostern bei den Schupomusikern. Der weite Raum, er faßte nicht die große Zahl der Gäste. Die alljährlich stattfindende musikalische Osterfeier des Schupoorchesters im Großen Schauspielhaus zugunsten der Kriegsbeschädigfen, Kriegerhinterbliebenen, Sozial- und Kleinrentner nahm ihren gewohnten feierlich- schönen Verlauf. Bis auf das letzte Pläßchen füllte eine andächtig lauschende Menge den großen Raum, und es wehte so ein zarter Hauch des leisen Hoffens an Auferstehung und Gesundung aus langer Winternacht durch die Reihen. Nicht etwa Gespensterkonferenz. Bon Hans Bauer. Besensbestimmung und solche, für die es eine Bersonalangabe beZweierlei Fronttämpfer gibt es: solche, für die diefes Wort eine deutet. Diese haben ihr Frontfämpfertum mit der Uniform wieder abgelegt, bei jenen sigt es innerlich, und sie machen viel Aufhebens davon. In diesen Tagen sind die Frontkämpfer, die es aus innerer Berufung sind, in Paris zusammengekommen die Bertreter von einigen 40 Verbänden aus den verschiedensten Weltkriegsländern und haben eben das getan, was die Frontkämpfer, die es aus äußerem Zwang waren, schon lange vor ihnen getan haben: anderem geredet als vom Krieg zufällig vom Frieden. Die Sie haben sich an einen Tisch zusammengesetzt und mal von was Herren, die sich am Toten Mann und bei Berdun, bei Malmaison und am Chemin de dames mit Begeisterung zerfetzten, haben sich ,, liebe Kameraden" angeredet und sich gegenseitig bescheinigt, daß sie sich, was nicht so ganz sicher war, wieder in die Augen schauen können. Dann haben sie sich ein bißchen die Meinung über den Bersailler Bertrag gesagt und je nach der Nationalität, Respett oder Mißachtung für ihn gefordert, und schließlich haben sie eine gemischte und vier Spezialfommissionen ernannt, die die Sache nun schon deichseln werden. Das ist jetzt seine zehn Jahr her, daß der letzte Kanonenschuß verhallt ist. Seither haben alle erdenklichen Linksorganisationen tausendfach internationale Fäden gesponnen. Seither haben die Industrieherren tausendfach internationale Abkommen getroffen. Seit her haben alle diese privaten Verständigungen in Genf und Locarno ihre offizielle politische Weihe erfahren. Rührend, zu sehen, wie jetzt, zaghaft und bedacht, auch die Frontkämpferorganisation ,, das Bollwert der Hartnäckigkeit zu räumen" und den deutsch- franzöfischen größeres Buirauen als zu allen Statuten und Programmen hatten von der„ Ehrlichkeit der alten Soldaten" die Rede, zu der die Böfker einandersetzungen beobachten wolle. Die alte Schulfibellegende von und von der Offenheit und Geradheit", die man bei seinen Ausder Kombattentenbravheit, die in Wahrheit Unbeweglichkeit des Geistes und Beengtheit des Horizontes iſt. Da haben sie nun gesessen: Deutsche, Franzosen, Polen, Italiener, Belgier, Engländer... Und jeder hat so geredet, daß er, um Gotteswillen, vor den nationalen Spießern in der Heimat gewesen und denen hab ichs gegeben...!" Der Deutsche hat bestehen kann: ,, Jawohl, auf der Internationalen Konferenz bin ich deutsch, der Franzose französisch und der Pole polnisch gesprochen aber des Europäischen hat sich faum jemand bedient. Wenn sonst internationale Konferenzen mit dem Ziel der Annäherung stattfinden, so ist die Fragestellung einfach genug: man unterhält sich darüber, wie man im Namen der Menschlichkeit den Frontgeist aus den Völkern treiben könne, der ein Geist der Raubfucht und der Stupidheit ist. Hier haben sie sich im Namen des Frontgeistes darüber unterhalten, wie man dessen Auswirkungen ein bißchen einschränken fönnte.. Wie komisch solche Träger des Soldatengedankens doch werden, menn auch sie anfangen, sich zu verinternationalisieren! Gewiß, gewiß, es ist besser, die Frontkämpfer tommen spät dahinter, daß die Tage der nationalen Abgeschlossenheit endgültig vorüber sind, als daß sie nie dahinterkommen, als daß sie auch jetzt noch boden, wie der selbst für Frontkämpferbegriffe ungewöhnlich bornierte Stahlhelm, der in Paris nicht mit von der Partie gewesen ist. Aber International" und ,, Nationaler Frontkämpfer" da fann ich mir Für das Wahlrecht der Frau! en Gegenjah zu bereinigen" beginnen( wie sie das nennen). Sie nicht helfen, das ist, wie wenn eine alte Jungfer auf ihre alten Tage માસ શાળતાં એ ટ્રામ અને Dans l'inace majorité des pays d'Europe. Les Francaises ne votent pas! La Francaises et voter! Wahlplakat einer Frauenorganisation, die auch sür Frankreich das Frauenwahlrecht fordert. geboren aus stillem Duldertum demutsvoller Gläubigkeit, sondern aus dem großen, befreienden Empfinden strahlender Helle und neuem Blühen, das die leuchtenden Sonnenstrahlen und das junge Grün da draußen, der Glaube an den neuen Frühling und seine fordernde Kraft, den Menschen verleiht. Die Grals- Szene aus„ Parsifal" bildete den stimmungsvollen Auftakt, dem A- capella- Chorgesänge des Gemischten Chores der Schupo folgten. Das Gebet aus Glucks Oper Iphigenie in Tauris" und ein Chorgesang von Balestrina. Machtvoll durchbrauften die Töne des Tedeum laudamus das Haus. Margarete Arndt- Ober( Staatsoper) brachte mit feinem Empfinden Schubertsche Gesänge zum Vortrag. Es folgten noch Chorgesänge von Schubert und Neese, und Liszts sinfonische Dichtung„ Les Preludes" bildete den würdigen Abschluß dieser ganz auf stille, tiefempfundene Feiertagsstimmung gestellten Veranstaltung. Das bewährte Orchester unter Meister Hildebrand, die gut disziplinierten Chöre, geführt von Janot Roskin, boten bestgerundete Leistungen. Durch Draht und Funk. Der Staatsanwalt beantragt im Mostauer Kreditschwindelprozeß gegen acht Verwaltungsmitglieder der Versicherungsgefell. schaften, gegen drei Beamte des Finanzministeriums und gegen drei Raufleute die Todesstrafe. * Die italienische Bolizei hat eine umfangreiche Organisation zur Förderung der heimlichen Auswanderung aufgedeckt. Der Leiter der Organisation verdiente an ihr soviel, daß er über eine Million Lire Wertpapiere im Hause hatte, wo fie beschlagnahmt wurden. In der indischen Stadt Ahmedabad waren unter den Hindus Gerüchte verbreitet, daß Mohammedaner Hindufnaben zu Opferzwecken entführt und umgebracht hätten. Es entstanden Unruhen, in denen mehrere Mohommedaner getötet wurden, frabbeln aus den dumpfen Winkeln des Hasses ans Licht hervor, und meil es ihnen zum erstenmal scheint, meinen sie, es sei früher Morgen. Es ist aber schon lange Mittag und sie haben die Zeit bloß verschlafen. Rührend auch, zu hören, mit welcher Ehrfurcht diese Frontkämpfer von sich selbst sprechen. Da ist immer wieder Die Sache mit Schorrsiegel." ( Beba Pataft.) Endlich mal etwas anderes, kann der mit heller Begeisterung ausrufen, dessen Freude nicht durch Vergleichsmöglichkeiten getrübt wird, denn„ Die Sache mit Schorrsiegel" ist das Filmgegenstück zu ,, Sif", dem Weibe, das den Mord beging. Es fehlt im Drehbuch, das Felix Stein schrieb, nicht an Handlungen und Spannungsmomenten, doch ist das Tun mancher Berson nicht folgerichtig entwickelt, und der gute Filmschluß wirft wie angeklebt. Jaap Speyer, der Regisseur, schuf ein interessantes Wert und bot sowohl den Schauspielern wie den Photographen viele Gelegenheiten, Können zu zeigen. Und alle, vom Photographen Nikolaus Farkas an bis zur kleinsten Chargenbesetzung, geben sich hinreichende Mühe, auch nicht eine Gelegenheit zu verpassen. Groß ist Walter Rilla, der als Bernhard Benda wegen einer Frau den Staatssekretär Schorrsiegel niederknallt, als vermeint licher Mörder flieht, in Amsterdam nerventrant zusammenbricht und in das Haus des Professors de Geer gerät. Hier ist der förperlich Erschöpfte und Nerpenüberreizte dem Irrsinn nahe, rettet sich aus dem eigenen Zusammenbruch und wird der heimlich Berstedte in dem unheimlichen Hause des Professors de Geer. Der Zuschauer erlebt direkt die wechselnde Einstellung des Bernhard Benda zu dem Professor. Er hält de Geer erst für einen eigenartigen Menschen großer Güte, dann für einen Dämon und entdeckt zuletzt in ihm einen Mörder, der von Gewissensqualen zermürbt ist und aus Furcht vor Entdeckung seinen ehemaligen Schützling in den Tod treiben will. Dieser Professor ist Bernhard Goetzte, unser Charakter darsteller ganz großen Formats. Als de Geers Pflegetochter gefällt Anita Dorris, die wohl das filmübliche Puppengesicht hat, doch seelischen Gehalt verrät und über viel natürliche Anmut verfügt. Helga Molander ist die elegante Frau van der Wal, die zur Krönung ihres Daseins einen schönen, bedeutenden Ehemann gebraucht und dabei zu ihrer Quol mit dem franken Herrn van der Wal belastet ist. Dieser tranke Mann ist Theodor 200s, wieder eindrucksvoll wirksam durch die Augen, die unendliche Qual auszusprechen vermögen. Alfred Geraich ist vortrefflich in der kleinen Filmrolle des Schorrsiegel. Uthmann- Chorkonzert. e. b. Ostersonntag vormittag; trotz lockendem Ausflugswetter ſtrömen die Besucher in den Mercedes- Palast, und der mit dem Männerchor„ Wedding" vereinigte Berliner Uthmann- Chor hat sich beinahe vollzählig zu seinem Konzert versammelt. Immer wieder muß solche Begeisterung für die Sache, solcher Idealismus anerfannt werden der keiner wäre, geschähe nicht freiwillig, was hier geschieht. Aber das darf uns nicht von der Feststellung abhalten, daß man die bewährte Sängervereinigung schon in wesent lich besserer Verfassung gehört hat als diesmal; der Dirigent, der feine Musiker und Chorkenner Siegfried Günther, hatte es gewiß nicht ganz leicht, kleinere und vielleicht auch größere Entgleifungen zu verhüten. Aber ungünstige Probenverhältnisse mögen zum guten Teil schuld daran gewesen sein, wenn schließlich nicht alles so fam, wie es gewollt war. Die Hörerschaft zeigte sich herz lich dankbar, auch für die zwischendurch gebotenen Orgelsoli, auch für eine Vortragsfolge, die ohne Zweifel nach ihrem Bedürfnis zugeschnitten war. Es sind im wesentlichen drei Gruppen, die in diesem Programm zu unterscheiden waren, dieselben drei, in die grundsätzlich alle in Betracht kommende Männerchorliteratur fich teilen läßt: Liedertafel- Romantik, Bolksliedmäßiges, Aktuell- Proletarisches. Wir wünschten all unseren Arbeiterchören, daß die erste mehr und mehr zurückträte, die dritte mehr und mehr zur Vorherrschaft gelangte. Kl. Pr. Im Theater in der Königgräßer Straße muß die für Mittwoch angesezte Erstaufführung von Carl Sternbeims Schauspiel. Die Marquise bon Arcis" auf Donnerstag verschoben werden. Mittwoch sindet die letzte Aufführung der Flucht statt. & Im Leffingmuseum foricht Donnerstag Dr. Wolfgang Hoffman- Harnisch vom Staatstheater über Die Entwidlung der Schauspiel. regie." Dazu Schauspielmusiken pon Diozart, Schubert, Mendelssohn, Grieg. Eintritt frei. Das Mostauer Jüdische Akademische Theater beginnt sein Gastspiel mittwoch 8 Uhr mit der musikalischen Komödie 200 000. Die Stude werben nicht in Hebeätsch, sondern in Südisch- Deutsch gefpielt. sich ausgerechnet in die Gesellschaft eines Hagestolzes begibt, um mit ihm über den Segen der Keuschheit zu plauschen. Welch eine Gespensterfonferenz! Internationale Frontkämpferzusammenfünfte? Jawohl, aber nicht zehn Jahre nach dem letzten, sondern 14 Tage vor dem ersten Kanonenschuß! Ausstellung im„ Kronprinzenpalais". Als Abschlagzahlung auf den längst fälligen Umbau des ,, Kronprinzenpalais“ zum Museum, der zum Glück einem wahren Meister übertragen ist, nämlich Tessenow, ist das Obergeschoß durch Herausnehmen der Defen und geringe Wandveränderungen passabel gemacht worden. Beiseite gesprochen: wäre es jetzt, da das Haus endgültig Staatseigentum geworden ist und zum richtigen Museum gewandelt werden soll, nicht an der Zeit, einen gut gehenden Namen dafür zu finden? Eine Galerie der Lebenden kann sich doch nicht ewig hinter dem Kronprinzentitel verstecken. Der immer rührige Justi hat es sich nicht nehmen lassen den obbemeldten bescheidenen Anfang mit einer Ausstellung neuerer Kunst einzuleiten, die aus Berliner Privatbesitz zusammengebracht ift. Nolde, Rotosta, Kirchner, Feininger, Schmidt- Rottluff, Franz Marc, Otto Müller, Bechstein und Hedel füllen mit erlesenen Bildern je einen Saal, bei Paul Klee, Kandinsky, Rohlfs, Paula modersohn, Campendont, Seehaus, Mace find es aus Raum- oder Materialmangel jeweils nur Wände. Man sieht, daß es in Berlin eine größere Anzahl von Kunstfreunden gibt, die fich nicht beirren lassen durch das Geschrei von französischer Superiorität und Modelaune der Modernen und nach eigenem Geschmack deutsche Kunst der Gegenwart kaufen, die, mindestens zurzeit ihrer Erwerbung, noch nicht im geringsten von zünftiger Kunstgeschichtschreibung und vollbärtiger Kritif als stubenrein und aktienwertig abgestempelt war. Nicht das Wiedersehen mit manchen Hauptwerken der Jüngsten aus der Zeit der heftigen Kämpfe um das Neue ( um 1912) ist das erfreulichste in dieser Schau, sondern die offenbare Tatsache, daß es schon seit 15 und mehr Jahren einige fühne Männer auch in Berlin gibt, die sich auf das eigene Urteil verlassen und das für echte Kunst gehalten haben, was damals von allen Bonzen verlacht oder befehdet, heute aber schon als klassischer Ausdruck des Zeitwillens, als Kunstwert von Rang, anerkannt ist. Das Material, das Justis Assistenten Dr. Thormählen und Dr. Rave in langer Spürarbeit zusammengesucht haben, ist so groß, daß erstlich eine Teilung gemacht werden mußte und eine zweite Ausstellung versprochen ist, die andere Führer der Kunstbewegung zeigen foll; und daß sogar von den angeführten Künstlern nicht im entferntesten alles, was ausgelesen war, gezeigt, sondern wieder mur eine Auslese daraus gehängt werden konnte. Die zweite Schau wird Hofer, Dig, Beckmann, Hans Bolz und andere ihresgleichen, sowie Bildhauer vorführen, von denen jetzt nur Lehmbruck und Barlach mit einigen Röstlichkeiten vorhanden sind. Dr. Paul F. Schmidt. Moscheen und buddhistische Tempel in Europa. Erst der Weltkrieg hat es ermöglicht, daß jetzt im Herzen bes englischen Weltreiches, in London, eine aktive Propaganda für die Religionen des Orients ins. Werk gesetzt worden ist und auch nach So hat jetzt außen hin eine weithin sichtbare Gestalt annimmt. der Nizam von Hyderabad, ein englischer Vasall, der über eine Be völkerung von mehr als dreizehn Millionen herrscht, eine Summe von ungefähr 800 000 Reichsmart deutscher Währung hergegeben zum Bau einer mohammedanischen Moschee in London, mit Wohmungen für die Geistlichen, Unterkunftsräume für Gäste, somie Bäder verbunden sein werden. Die Gesamtkosten des Baues wer den zwei Millione. Reichsmart betragen, und die Moschee soll an Bracht und Schönheit sogar noch die vor mehreren Jahren in Leningrad errichtete Moschee, deren Baukosten der Emir von Buchara bezahlte, übertreffen. Ferner haben die Buddhisten fürzlich auf einer Zusammenkunft in Colombo beschlossen, einen Tempel in London zu erbauen, und zu diesem Zweck mitten im Regents- Park ein Grundstück erworben. Der Plan hierfür rührt schon von dem Buddhisten- Kongres vor zwei Jahren in Tokio her, wo es offen proffamiert wurde, daß eine großzügige Propaganda ins Leben gerufen werden müsse, um Europa dem Buddhismus zu unterwerfen. Auch die Hindus und die Berser haben in London Grund und Boben zur Errichtung eigener Tempel angetauft, ein Gedanke, auf den sie vor dem Weltkriege schwerlich je verfallen wären. Ein Reichsbanner- Film. Die Univerfal Matador ist mit den Vorarbeiten zu einem deutschen Großfilm beschäftigt. Er trägt den Titel: Das Reichsbanner. Die Geschichte der jungen deutschen Republik ben Gbent his arr 糖 ,, Chriftlich international." Die protestantische Kirche internationalisiert sich. Der Protestantismus in Deutschland hielt sich bisher viel darauf zugute, daß er die einzige ,, nationale" Religions= gemeinschaft sei. In der starren Abwehr internationaler Gedankengänge fanden sich die verschiedensten Elemente zusammen, die sich, ausgehend vom evangelischen Christentum, mit Politik befaßten, ob es nun Junker oder christlichnationale Gewerkschaften oder Vertreter der protestantischen Geistlichkeit waren. Es ist nun von Interesse, festzustellen, daß die evangelischen Kirchenbünde in den verschiedenen Ländern drauf und dran sind, eine eigene Internationale zu errichten. Auf einer Ausschußsizung des Gesamtverbandes der evangelischen Arbeitervereine, die heute in Düsseldorf begann und an der auch der deutschnationale Reichsverkehrsminister Koch teilnahm, fchwang sich der Oberkonsistorialrat A. W. SchreiberBerlip sogar zu einem Bekenntnis für den Internationalismus der protestantischen Kirche auf, indem er ausführte: beitsgemeinschaft mit den Kirchen in Byzanz und Canterburn geführt, die man noch vor einem Jahrzehnt als Utopie ansah. Diese internationale Zusammenarbeit hat zur Voraussetzung eine größere Geschlossenheit der Kirchen in den ein= zelnen Ländern. Wie in Deutschland 1922 der Deutsche Evangelische Kirchenbund entstand, so ist es in der Schweiz, in Frankreich und Spanien, in der Tschechoslowakei und Polen zu Kirchenbünden gefomment, ebenso in Nordamerika und Kanada. liche Fortschritte. Wie man sieht, macht die protestantische Internationale beträchta storen aufhören, gegen den Internationalismus der anderen Wann aber werden die deutschnationalen zu wettern, während ihre eigenen Bünde von Byzanz bis Canterbury um die Freundschaft ihrer ausländischen Gesinnungsfreunde werben? Fort mit den Kriegsbildern! Eine internationale pädagogische Ausstellung. In Leipzig im Neuen Grassi- Museum wurde eine Inter= nationale pädagogische Ausstellung eröffnet. Es ist Benn in der Gegenwart immer deutlicher eine dreifache piel Lehrmaterial ausgestellt, was nur für den Fachmann Interesse Internationale in die Erscheinung getreten ist: die wirt: schaftliche des Kapitalismus, die politische des Sozialismus und die hat, aber die Erziehung der kommenden Generation ist doch Angereligiöse des römischen Katholizismus, so ist angesichts der wachsen- legenheit des ganzen Volkes. In Lesebüchern für die ABC- Schüßen den Zerjplüterung des Protestantismus und der steigenden Not der sah man erfreuliche Neuerungen aus der ganzen Welt, Kriegs= Zeit der Ruf nach einer evangelischen Solidarität nicht umjon bilder waren aus allen verschwunden, in den itaergangen. Er hat jogar über die Grenzen der von Wittenberg und lienischen waren reichlich viele Photographien des Herrscherpaares, Genf ausgegangenen Kirchen zu einer Fühlung, ja zu einer Ar- vermutlich mit Mussolinis Genehmigung, wogegen des Duces Oxxxx Theater, Lichtspiele usw. Diens, 10. 4, 26 Staals- Oper Am Pl.d.Republ. 8 Uhi Dienst., 10. 4. 28 Städtische Oper Bismarckstr. 14. Turn. I. Ant. 8 Der Arzt wider Rheingold Willen Staat. Schauspielh. Staatl. Schillerth. Im endarmenmark å Uhr Charlottenburg 8 Uhr Prinz Louis Das Duell Ferdinand am Lido Volksbühne Theater am Bülowplatz Th. am Schiffbauerdema 8 Uhr 14 Uhr Die rote Der ZigarettenRobe Sarnowsky- Bühnen Th. Königgrätz. St. Bergm. 2110. 81 Uhr: Flucht 751 John Galsworthy ie Victar arnewsky Komödienhaus Norden 6304. räglUhr Broadway kasten = OPEN Theater des Westens Berliner Theater Täglich 8, Uhr Planetarium am 400 Zigeunerbaron Gerlän. Jeachimsthaler Straß Noil, 1573 Direktion Kuhnert. harlottenstr.30 91. Dönh.17 814 Uhr Ciurina, Hofbauer. Die Bollé Sisters 16, 18, 19, 21 U. Lichtenstein, Brandt, 64 Sternh'mmel und Fleischer, Richter. Ein Berliner VolksKalender Eintritt 1 M. linder unt. 15 latren) 50 Piscatorbühne Theater am Metropol- Th. Nollendorfplatz Zentrum 128 24 84 Uhr: Kurfürst 2091/93 Anf. 8, Ende geg. 11 Beutsches Theater Der Graf von Heute letzte Vorstilg. Luxembur Norden 12 310 Abonnementsbüro: Matzner, Hoffmann. Norden 10 338-39, Jolan, Hell, Kettner, Goro.l. 8 Uhr, Ende 10 U. Zum 53. Mal letzte 3 Aufführung Zwölftausend Kammerspiele Norden 12310 81, U., Ende nach 1( Zum 87. Mal Finden Sie, daß Constance sich richtig verhält? Th.1. Admiralspalast Täglich 3, Uhr ROSC Maric Philharmonie 8 Uhr: Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk Sonnabend, den 14. 7 Uhr stück von Friedmann- Frederich. Max Adalbert, tra eid!. Lori Leux Thalla- Theater & Uhr: Das Kamal geht durch das Nadelöhr Walhalla- Th. Weinbergsweg 19/20 Täglich 81, Uhr Der letzte Haiser in weißen Röß von Jean Rich Bloch Lustspiel in 3 Akten Insz- Karlheinz Martin v. Blumenthal u. Kadelburg Gastspiel im Vorzeiger dieses zahlen für Parkett Lessing- Theater auch Sonntags statt Norden 12798 8 Uhr 4.- Mk. nur 60 PL RODUKTI WELT Komische 81, Bhr Oper 8%, T 2 James Klein's gewaltiges neues Revue Stück: Zich' dich aus! 200 Mitwirkende. Vorverkaut ab 10 Uhr ununterbrochen. Winter Garten 8Uhr das Programm der Konjunktur" Rose- Theater 12 Attraktionen 12 v. Leo Lania Insz. Erwin Piscator Gr. Frankf. Str. 132. 8 Uhr: Sterne d. wieder leuchten Die Komödie Sinfonie- Konzert SCALA Bismarck des Philharm. Orch. 8 U., Ende 10% U. Dirig. Prof. J. Prüwer Zum 73. Mal unt.gefl.Mitwkg.von Marcel Fradelin Fancile Kaufimann ( Der Eunuch) 5. Sinfonie- Bee hov. 3 Uhr Nollendor: 7360 Das AprilLustspielhaus Residenz- Theater Sensations- Programm Dir. Dr. Martin Zickel 8% Uhr: Guido Thielscher in„ Unter Geschäftsaufsicht" 8 Uhr: Fritzi Musik. Schwank Delschaft, Eibenschütz, Goligetreu, Manning, Pointner, Vespermann mit zum ersten Male in. Deutschland auftretenden Varieté- Kunstkräften. Näheres siehe am Säulenring Renaissance- Theater Steinplatz 901. 3.10 Uhr Coeur Bube. Kleines Theater Täglich 84 Uhr: Käte läßt sich verführen Saltenburg- Bühnen Dts. Künstler- Th 8 Uhr: Lustspiel v.H.Sturm Schwarz- Weiß Klinder, Bogner, Kettner, v. Mollendorf Schen ESONDERS BILLIG Konterfei fehlte. Rußland, wo man der Kindererziehung ja sehr große Bedeutung zumißt, war mit einem ganzen Saal vertreten. Meu waren dort die Bersuche, blinde oder taubstumme Kinder nicht zu isolieren, sondern sie an dem allgemeinen Unterricht teilnehmen zu lassen. Auch die sozialistische Arbeiterhilfe hat eine Koje ausgestellt. Die Orientierungsplafate sind fast alle in Deutsch und Esperanto geschrieben. Auch französische Handdruckmaschinen für Kleinkinder werden gezeigt. Die Volkshochschule hat fünstlerische Schüler gibt die„ Internationale" in Schrift und Bild ſehr ausArbeiten von ihren Schülern zur Verfügung gestellt. Ein 26jähriger der Bölkerversöhnung vorwärts zu helfen. Wenn alle Pädagogen drucksvoll wieder. Die Ausstellung ist wohl geeignet, dem Gedanken in diesem Sinne arbeiten würden, stände es anders mit der politischen Gesinnung der Nachkriegsjugend. Veranstaltungen der Sozialdemokratie. 16. Abt. Heute, Dienstag, 19½ Uhr, bei Karl Kinzel, Usedomstraße 22, Funktionärsizung. 88. Abt. Zahlabend am Mittwoch, 19% Uhr, in der Schule Roonstraße. Bericht des Bezirksverordneten Spizka. Um pünftliches Erscheinen wird gebeten. 103. Abt. Oberschöneweide. Heute, Dienstag, 19% 1hr, im Lokal Schillerglode" wichtige Funktionärsigung. 12 137. Abf. Reinickendorf- West. Heute, Dienstag, 19% Uhr, im Bolfshaus Scharnweberstr. 114 wichtige Funktionärsizung. ше Patentamil. g Verlangen Sie stets Garantieschein der geräuschlosen Patent- Ketten- Matratze mit Stempel Original- ,, Befema" sowie Am 6. April verschied nach längerem Leiden unser Mitglied, Herr Johann Schelling im 65. Lebensjahre. Wir bedauern in ihm den Verlust eines ruhigen, stillen Kollegen und werden ihm ein dauerndes Angedenken bewahren. Berlin- Reinickendorfer Brotfabrik Gesellschaft mit beschränkter Haftung Berlin- Reinickendorf, Wilkestr. 62 Der Vorstand. Die Einäscherung findet am 11. April, 11 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Ruhebetten m. verzinkt. Befema- Fed. ohne Bindfad. Für schwerste Belast Kein Einliegen. 20 Jahre Garantie Ueberall erhältlich. Berliner Feder- Matratzen- Fabrik Berlin 0.27, Krautstraße efonders Befficdern Adolf Pohl " wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN in der Gesamtauflage des Vorwärts" und trotzdem Dresdener Straße 15 ( Fabrikgebäude) billig! Für den CASINO- THEATER 8 Uht Lothringer Str. 37. Dokter Klaus. Ab 19. April: Die schwebende Jungfrau Ausschneiden! Gutschein 1-4 Pers. Fauteuil nur 1,10 M., Sessel 1,60 M. Reichshallen Theater 8 Uhr. Sonntg. nachm. 3 Uhr Das wundervolle Progr. der Stettiner Sänger nachm. ermäß. Preise. Dönhoff- Brett'l: Glänzendes Varieté- Programm! Anf. 8 Uhr, an d. Feiertg. 51%, Uhr Grosses Schauspielhaus Anfang Ends 8 Uhr REGIE: 11 Uhr CHARELL DOMPADOUR MASSARY Theater am Kottbusser Tor Kottbusser Straße 6. Tel. Mpl. 16077 Täglich 8 Uhr SERIE 1 Sonntag, nachmittags 3 Uhr Elite- Sänger Gr. neuer April- Spielplan, u. a. Die tolle Lolo von Max Reinhardt Die 4 Grazien von B. Croé. SERIE 2 Garten und Möbel Geräte auch bis zu 12 Monats Raten Raddatz& Co. Berlin, Leipziger Str. 122-123.1 BIERE ARD ENGELH Rundbund und Leibchen feißchenhosen hosen für 3-8Jahr ein Preis 195 für 5-8 Jahr ein Preis 295 Sämtliche Hosen sind im eigenen Betrieb aus besonders haltbaren melierten Woll sofien hergestellt und sind ganz gefüttert 95 SERIE 3 Auf Teilzahlung auch ohne Anzahlung Schlafzimmer Herrenzimmer Spelsezimmer Mod. Küchen Einzel- Möbel Po ster und Korbmöbel Teppiche Cardinen Stores Dwan- Decken Fertige Betten Cotvorleger 24 Monatsraten Bekabe Geschäftsführung zuf gemeinnützig. Grundlage. Gegründet Gesamtbeaufsichtigt vom betricberat des Magistrats Berlin und nur Breite Straße 7 gegen ber dem Marstall. Der Kenner trinkt das vorzüglich nach Pilsner Art gebraute EngelhardtSpezial Hell Auch in Flaschen überall erhältlich Sport hosen für 9-14 Jahr ein Preis 95 SERIE 4 Golfhosen ( Knickerbockers) für 5-10 Jahr ein Preis 95 LEIPZIGERSTRASSE ARNOLD MULLER TAUENTZIENSTRASSE Beilage Dienstag, 10. April 1928 Der Abend Spadausgabe des Vorwärts Waffen für den Wahlkampf. Das neue Jahrbuch der Sozialdemokratischen Partei. Was ist die deutsche Sozialdemokratie? Was will sie, was bedeutet ihre Arbeit für das politische und wirtschaftliche Leben, für den Aufstieg der werftätigen Massen und die Besserung ihrer Lebenslage? Das sind die Fragen, die im kommenden Wahlkampf im Brennpunkt der Auseinandersetzungen stehen werden. Von allen Seiten berannt, von den Kommunisten zum Hauptfeind" erklärt und von den Deutschnationalen beispiellos gehaßt und verleumdet, wird es für sie einen harten Kampf um den Sieg geben. Da erscheint zur rechten Zeit das neue Jahrbuch der Sozialdemokratischen Partei für das Jahr 1927: es enthält die Bilanz der Bürgerblockregierung, die Bilanz der politischen Kämpfe des letzten Jahres, die Bilanz der sozialdemokratischen Arbeit für das werftätige Bolt im Kampfe gegen die Reaktion. Partei im Vormarsch. Besonders die Gegner werden gut tun, den Bericht über die Organisation der Sozialdemokratie und ihre Entwicklung im Jahre 1927 eingehend zu studieren. In bester Form geht die Partei in die kommende Wahlschlacht. Auf allen Gebieten ist die Drganisation gemachsen, in jeder Hinsicht hat sie gegenüber dem Borjahre eine bedeutende Stärkung erfahren. Während 1925 unter dem Druck der Arbeitslosigkeit noch ein Berlust von 38 227 Mitgliedern 311 budjen mar, und der Zuwachs im Jahre 1926 nur 17 252 Mit: glieder betrug, ist im letzten Jahre der frühere Berlust mehr als mettgemacht morden. Die Reichswerbewoche pom November brachte den Hauptzumachs an neuen Mitgliedern. Insgesamt ist die Gesamtmitgliederzahl von 823 520 auf 866 671 gestiegen, also eine abso= Jute Zunahme von 44 154. Davon maren Männer 686 130. Ihre Bahl ist gestiegen um 28 102 gegenüber 1926( 658 028). Die Zahl der Frauen stieg von 165 492 auf 181 541, also um 16049. Bon den Frauen murden allein in der Werbewoche rund 13 000 neu gewonnen. Dementsprechend hat sich auch die Finanzlage der Partei außerordentlich günstig entwickelt, was für den kommenden Kampf von besonderer Bedeutung sein dürfte. Rund 4 Millionen betrugen am 1. Jamuar 1928 die Kassenbestände der Bezirke, d. i. um die Hälfte mehr als im Vorjahre, wo sie nur 510 000 Mark ausmachten. Die Einnahmen und Ausgaben der Bezirke sind von 7,3 auf 7,7 Millionen Mark gestiegen, die Zahl der geleisteten Beiträge ist gegen das Vorjahr um 3 960 276 gestiegen, so daß 1927 24,5 Millionen Männerbeiträge und 7,5 Millionen Frauenbeiträge zu verzeichnen maren. Das Anwachsen der Mitgliederzahl kommt erfreulicherweise auch in einem starten zu wachs der Ortsgruppen zum Ausdruck, die Vermehrung ist also nicht bloß im Rahmen der vorhandenen Organisation erfolgt. Die Zahl der Ortsgruppen ist von 8230 auf 8462 gestiegen, Der Zugang von 232 neuen Ortsgruppen bedeutet, daß die Parteibemegung auch auf bisher noch unerobertem Terrain weiter festen Fuß faßt. Die politische Bedeutung der Organisation. Außerordentlich interessant ist eine umfangreiche Statistik über das Prozentverhältnis der sozialdemokratischen Stimmen zur Einwohnerzahl, zur Zahl der Wahlberechtigten, sowie über das Prozent nerhältnis der Mitgliederzahlen zur Zahl der Einwohner und zu den abgegebenen sozialdemokratischen Stimmen, die in diesem Jahrbuch erstmalig veröffentlicht wird. Danach ergibt sich folgendes: Die Zahl der Parteimitglieder betrug im Verhältnis zur Zahl Der Einwohner im gesamten Reiche. im günstigsten Fall. im ungünstigsten Fall. 1,39 Proz. 3,51 0,32 " " ( Hamburg) ( Oberschlesien) Die Zahl der Parteimitglieder betrug im Verhältnis zu den abgegebenen sozialdemokratischen Stimmen im Reichsdurchschnitt 11,01 Proz. im günstigsten Fall( Schleswig- Holstein). 21,23 im ungünstigsten Fall( Pommern). " 3,90 " Jetziges Druckereigebäude der„ Chemnitzer Volksstimme". Oben links: Das erste Druckereigebäude", in dem 1885-1887 die Burgstädter Parteizeitung gedruckt wurde. Auch der verbotene Sozialdemokrat wurde dort hergestellt.( Die Chemnitzer Genossen wanderten nachts nach dort, um die Druckmaschine durch Handbetrieb in Gang zu bringen.) Oven rech.s: Spätere Betriebsstätte der Burgstädter Parteizeitung. Die Zahl der sozialdemokratischen Stimmen bei der Reichstags-| im Reich und in den Ländern in diesem Jahrbuch. Auf der einen mahi nom 7. Dezember 1924 betrug im Verhältnis zu den Wahi berechtigten im Reichsdurchschnitt. 20,09 Proz. im günstigsten Fall( Magdeburg- Anhalt) 33,06 4,62 im ungünstigsten Fall( Oberschlesien). " Diese Zahlen find sprechende Beweise dofür, wie tief die Partei organisation in das gesellschaftliche und politische Leben Deutschlands hineinragt. Welche andere Partei vermöchte auch nur annähernd folche Ziffern aufzuweisen! Technische Ausrüstung der Partei. Es gibt faum ein Gebiet, auf dem die Partei sich nicht im Bormarsch befände. Besonders bemerkensieri ist der starke Ausbau des Bildungswesens, der eine Gesamtausgabe von 416 871 Mark aufzuweisen hat, wobei aus der Kasse des Parteivorstandes ein Zuschuß in Höhe von 115 974 Mark geleistet wurde. In unmittelbarem Zusammenhang mit der Modernisierung der Methoden der Agitation und der politischen Bildung der breiten Massen steht der in wirklich filmartigem Tempo vor sich gegangene Ausbau der Filmund Lichtbildabteilung. 1926 wurden noch 28 300 Meter Film vermittelt. im Berichtsjahre bereits 471 000. Um von dem fapitalistischen Filmverleih mehr und mehr unabhängig zu werden, sind sogar schon die Anfänge mit der Herstellung eigener Filme gemacht morden. Die Ausrüstung von Filmautos, die als Wanderkino benutzt werden können, und die Anschaffung einer größeren Anzahl von Auto: mobilen, auch solchen mit Lautsprecheranlagen, lassen darauf schließen, daß es im fommenden Wahlkampf an technischer Ausrüftung der Sozialdemokratic an nichts mangeln wird. Die sozialdemokratische Arbeit im Reich und in den Ländern. Das geistige Rüstzeug ist enthalten in den ausführlichen Darlegungen über die Arbeit der Sozialdemokratie in den Barlamenten, Partelausschuß. Sitzung in Kiel, vor dem Parteitage. Seite der Bericht der Reichstagsfraktion: Die Sozialdemokratie- in Abmehr und Angriff gegenüber der Reaktion. Was hat der Bürgerblock den Massen gebracht und was hat er den Besitzenden gebracht. und was wäre aus Staat und Wirtschaft geworden, wenn nicht die Angst vor der Sozialdemokratie ihn im Schach gehalten hätte. Die Tatsache, daß, abgesehen von dem Arbeitszeitnotgesetz, in sozialpolitischer Hinsicht der Bürgerblock zu weitgehenden Konzeffionen an die Forderungen der Sozialdemokratie gezwungen war, gibt dem Bericht ſeine besondere Note. Hier liegt in der Tat ein Kapitel positiver Arbeit, auf das in den kommenden Diskussionen nicht oft und nicht deutlich genug hingewiesen werden kann. Ohne die machtvolle Organisation, ihre Schlagfertigkeit und Aktivität wäre das niemals erreicht worden. Auf der anderen Seite stehen die Berichte aus Preußen und den anderen Ländern, wo die Sozialdemokratie auf direktem Wege zeigen fonnte, was sie ist und will. Einen Einblic in die gesamte Länderpolitik in so geschlossener Form wie, hier bietet wehl fein anderes politisches Handbuch. Dabei ist zu loben, daß dieses Jahrbuch sich ganz besonders zur Pflicht gemacht hat, keine Redensarten zu machen, sondern Tatsachen zu bringen, Material, Unterlagen, Daten, Dokumente, Tabellen, Auszüge aus Denkschriften, Wehlresultate usm. Konzentra tion auf das Wesentliche ist die Losung. Sein Wert und die Benutzung als Nachschlagebuch wird außerordentlich gehoben, daß es nicht nur mit einem ausführlichen Sachregister versehen, sondern jeder Abschnitt in sich nochmals bis ins fleinste übersichtlich und gut gegliedert ist. Die Probleme in Politik und Wirtschaft. Eine Reihe ausgezeichneter Artikel über die Probleme in Politik und Wirtschaft bilden die willkommene Ergänzung der eigentlichen Berichterstattung. Instruktive Auffäße über die Arbeit und die Entwicklung der Gewerkschaften und der Konsum. genossenschaften, schlagen die Brücke von der Partei zu den anderen Zweigen der Arbeiterbewegung. Ueber die Arbeit der Sozialdemokratie in den Gemeinden und die Hauptprobleme sozialdemokratischer Kommunalpolitit, einen der wichtigsten Zweige sozialdemokratischer Arbeit, wird in gedrängter Form ebenfalls berichtet. Besonders startes Interesse dürften die wirtschaftspolitischen Beiträge finden, die den Fragen von Wirtschaftsaufschwung und Arbeitertlaffe und die wahre Lage der Landwirtschaft behandeln. Dazu kommen zwei Aufsätze, die rein politische Probleme behandein. Der Kampf um den Ginheitsstaai", cine vorzügliche Zusammenfassung aller zu diesem Problem gehörenden Probleme und Gesichtspuntte und eine Arbeit über die Struttur der Bürgerblodmehrheit, in dem die Entwidlung zum Bürrblod, die Umbildung der Parteien und die Frage nach den Wähle.. ccven der Sozialdemokratie unter großen originellen Gesichtspunkten dargelegt ist. Den Schluß bildet die Wiedergabe des Heidelberger Programms und des Agrarprogramms. In einer Riesenauflage wird das Jahrbuch der deutschen Sozialdemokratie für 1927 diesmal ins Land hinausgehen. Wiederum geschmückt mit zahlreichen Bildern aus dem Leben der Partei und von ihren Arbeitsstätten wird es bildlich und geistig Zeugnis ablegen von der Macht und der Stärke der Sozialdemokratie und ihrer Bedeutung für die Zukunft des werftätigen Bolkes und von ihren Leistungen für die breiten Massen. Ein stattlicher Rechenschaftsbericht von 400 Seiten. Die Partei draußen im Lande rüstet sich zum Kampfe, bald wird die Schlacht in vollem Gange sein. Das neue Jahrbuch wird eine der besten Waffen bei unserer Abrechnung. mit den politischen Gegnern bilden, 35. Fortsetzung. „ÄZohin vorwärts?" fragte Curtin. „Zum Begräbnisplatz. Oder hast du vielleicht gedacht zum Tanzvergnügen? Es steht dir ja frei, es aufzufassen wie du willst. Zu beten hast du wohl nicht. Ich möchte auch wissen, zu wem. Du kommst schon ganz von selbst an den richtigen Ort. Sei darum nur nicht in Sorg«. Ich kürze nur die Zeit ein wenig ab, das ist alles. Also los, inarsch, vorwärts." „Und wenn ich nicht gehe?" fragte Curtin. Er war noch immer müde und schlaftrunken. Datz es bitterer Ernst sei, was um ihn herum hier vorging, das wußte er genau. Aber seine Müdigkeit ließ ihn den Vorgong nicht in dem vollen Sinne erfassen, daß er weitcrdenken konnte als bis zu dem Schuß, den er gleich hören würde. Er faßte in seiner Schläfrigkeit nicht die Tatsache aus, daß es nach dem Schuß mit seinem Dasein aus sein würde. Ihm erschien alles das, was geredet und getan wurde, wie ein Traum. Und in diesem Traum verlor er nicht ganz das Bewußtsein, daß es ein-uraum�fei und nichts weiter, daß er morgen früh aufwachen und sich des Traumes nur ganz fern erinnern werde. Dennoch versuchte er, die Vorgänge in diesem Traume seinem Gedächtnis fest einzuprägen, damit er sie im wachen Zustand genau wieder- und als er weder einen Atemzug noch Seufzer horte— holen könne. Es schien ihm wichtig zu sein, diesen Traum nicht zu vergessen, weil dieser Traum ihm ein so scharfes Charakterbild des Dobbs zeigt«, wie er es nie vorher gesehe» zu haben glaubte. Cr erinnerte sich ganz deutlich, einmal gehört zu haben, daß ntan im Traum einen Menschen zuweilen besser kennen und beurteilen lerne als im wachen Leben, und er nahm sich vor, von morgen früh an vor Dobbs noch mehr auf der ijut zu sein als bisher. „Ich kann doch auch hier sitzen bleiben," sagte» er, während seine Augen geschlossen waren.„Warum soll ich erst noch lange marschieren, ich bin müde und will schlafen." „Kannst dich lange genug ausschlafen," sagte Dobbs.„Vorwärts, hoch und los!" Das laute barsche Kommandieren des Dobbs quälte Curtin, und um es nicht mehr hören zu müssen, stand er schwankend und stolpernd auf. Dobbs stieß ihn mit den Fäusten vor sich her. Fünfzig oder sechzig Schritte weit in das Gehölz. Dann schoß er ihn nieder. Curtsn brach sofort zusammen. Dobbs beugte sich nieder, und als er weder einen Atemzug noch ein Seufzen hörte, schob er den Revolver in die Tasche und ging zurück zum Feuer. ch!er saß er«ine Weile und oersuchte auszudenken, was nun zu tun sei. Ader«s kam ihm auch nicht ein Gedanke. Er fühlt« sich ganz leer. Er starrte ins Feuer, schob Holz nach oder stieß es mit den Füßen in die Glut. Dann zündete er sich eine Pfeife an. Als er«in paar Züge getan hatte, huschte endlich ein Gedanke durch sein Hirn. Er dachte, daß«r vielleicht Curtin gar nicht ge- troffen habe, daß der nur gestolpert und hingefallen sei, gerade als der Schuß gefeuert wurde. Cr drehte sich um nach dem Gehöhz, wo Curtin lag. Eine Weile sah er scharf hinüber, als erwarte er, daß Curtin auf ihn zukommen würde. Dann wurde ihm das Sitzen unbequem. Er stand auf, ging ein paarmal r m das Feuer und stieß mit den Stiefelspitzen die Aeste nach. Er setzte sich wieder und zog seine Decke heran. Cr wickeite sich ein und streckte sich dann lang ans. Mit einem tiefen Atemzug gedachte er einzuschlafen. Aber mitten im Atem hielt er an. Er war sicher, daß er Curtin nicht getroffen hotte, und daß der plötzlich vor ihm stehen würde mit dem gezogenen Revolver. Das ertrug er nicht. Es störte ihn an» Einschlafen. Cr riß einen dicken brennenden Ast aus dem Feuer und ging daniit ins Gehölz. Curtin log noch an derselben Stelle Er atmete nicht und hatte die Augen geschlossen. Dobbs hielt ihm den flammenden Ast dicht vor das Gesicht. Aber Curtin rührt« sich nicht. Sein Hemd war aus der Brust voll von frischem Blut. Zufriedengestellt wollte Dobbs gehen. Aber noch ehe er drei Schritte getan hatte, drehte er sich um. zog den Revolver und feuerte abermals einen Schuß aus Curtin. Dann kehrte er zurück zum Lagerplatz. Er schlug sich die Decke um die Schultern und setzte sich ans Feuer. „Verflucht, mir schlug doch das Gewissen," sagte er lochend zu sich selbst,„wenn ich denke, daß er etwa gar noch hätte leben können. Aber nun bin ich beruhigt." Dieses Wort„Gewissen", das er jetzt gebraucht hatte, setzte sich aber in seinen Gedanken sest. Es arbeitet« selbständig weiter, und jeder Satz, der sich in ihm bildete, gruppierte sich um das Wort „Gewissen". Nicht so sehr um den Begriff als vielmehr um das nackte Wort. Nun will ich doch seben, ob das Gewissen mir einen Streich snielt, dachte er. Mord ist das Schlimmste, das man tun kqnn. Alfs wmd Nim das Gewissen wach werden. Aber ich hob« nie von einem Zenker gebärt, daß ihn sein Gewissen geplagt hätte. Mr. McDoUin in Sinq-Sing hat hundertsünszig in den elektrischen Stuhl gesetzt, und es scheint ihn, Vergnügen zu machen. Er schläft sicher ruhsa in seinem Bett jede Nacht, ohne daß lhn das Gewissen peinigt. Vielleicht sind da vier Köpfe, und«s drücken vier Mann jeder auf einen Knopf, und keinec weiß, welcher Knopf der Todes- knöpf war. Aber Mr. McDollin muß jeden Burschen doch sest- klammern im Stuhl. Er hat hundertsünszig oder mehr schon um- gebracht und ist doch ein geachteter Mann, ein Staatsbeamter. Wieviel Deutsche habe ich denn in Frankreich abgeschlachtet? Fünfzehn? Ich glaub«, es waren dreiundzwanzig.„Fein." sagte der Colonel. Und ich habe immer gut geschlafen, es ist mir keiner von den Deutschen je im Schlafe erschienen, keiner Hot mein Ge- wissen beunruhigt. Nickst einmal ihre Mütter oder ihre Frauen oder ihre kleinen Kinder haben mich belästigt im Schlaf oder im Wachen. Wie war dos da auf der Argonnenhöhe? Ein Maschinen- gewehrnest der Deutschen. Donnerwetter, wie wacker haben sich die gehalten. Mit zwei vollen Kompagnien konnten wir nicht heran. Dann waren sie verschossen. Winkten mit einem weihen Fetzen. Waren noch elf übrig von diesen wackeren Jungen. Wir kamen ran. Sie hielten alle die Hände hoch. Sie lachten uns an. Es waren ehrliche Soldaten. Dochten uns auch ehrliche Soldaten. Wir haben sie. alle abgestockzen wie Sieh. Der am schlinimsten ge- stochen und gewütet hat und auch keinen Verwundeten schonte, war ein Stelnhofer mit Namen. In Deutschland geboren und mit siebzehn Jahren rübergekommen. Seine Eltern und Geschwister sind noch alle in Deutschland. Der war der. der kein Erbarmen kannte. Da waren«in vaar, die baten um ihr Leben, weil sie scviele Kinder hätten. Was sagte der feine Steinhofer zu jenen Vätern? Wie war es dock? Na, es war so gemein, und er stach. Ich glaube,«r hat eine Medaille bekommen. Aber ein englischer Ordonnanzoffizier kam gerade hinzu, als das Schlachten um die letzten paar Jungen ging, die sich gar nicht wehrten, sondern ganz stillhielten. Und der Engländer sagt«:„Oirtzc ckogs, solltet euch was schämen." Wenn sich nicht einmal Steinhofer schämte, wenn sich nicht einmal soviel« andere seiner Landsleute schämten, die deutschmörderischer wurden bei der Kriegserklärung als der blut- gierigste Jingo, warum sollt« ich mich schämen? Mir hat das Gewissen um jene deutschen Jungen nie geschlagen, Steinhofer erst recht nicht. Warum soll mich das Gewissen nun beunruhigen dieses widerwärtigen Burschen Curtin wegen? Wenn er nur toi ist, dann ist das Gewissen beruhigt. Das Gewissen schlägt nur dann, wenn das Zuchthaus wartet oder der Henker mit dem Strick dasteht. Wenn man freigesvrochen ist oder die Strafe abgesessen hat, er- scheint einem der Gemordete n'cht mehr. Er erscheint einein nur dann, wenn man Angst hat. daß es herauskommen könnte, oder daß man gefaßt werden könnte. Und weil Soldaten und Henker bezahlt werden, darum läßt sie das Gewissen immer in Ruhe, auch wenn sie noch soviel« Menschen umbringen. Wovor soll!« ich Anast haben? Ich habe die Beut«, und Curtin wird nie gefunden. Besser, ich grabe ihn morgen früh noch ein. Dobbs lachte laut heraus. Er fand es lustig, daß seine Ge- danken plötzlich so lebhaft geworden waren und so eilig durchelir- andei liefen. Es erschien ihm merkwü'.dig daß er so weise ge- worden war, daß er so kluge Gedanken hatte. Er dachte, das ließe sich vielleicht niederschreiben, und man würde ihn für einen Ge- lehrten halten. Und er wunderte sich über sich selbst, daß er nie vorher gewußt habe, wie klug und vorurteilslos er denken könne. Er dachte jetzt, es müsse doch sehr leicht sein, mit den Moral- Predigern, die immer von dem Gewissen saseln, ohne daß sie jemals mit dem Gewissen in einer großen Sache in Berührung gekommen sind, fertig zu werden und ihnen zu beweisen, daß alles dos. was sie da reden und schreiben, und womit sie die Menschen ihr Leben lang ängstigen, nichts als Humbug ist. Wenn inan an ein Ge- wissen glaubt, dann hat man eins, und dann schlägt es einem auf Kommando: wenn man nicht an ein Gewissen glaubt, so hat man keins, und es belästigt einen nie. Dobbs streckt« sich am Feuer lang aus, und während er einzu- schlafen begann, suhlte er. daß er so gut schlafen würde, wie er seit Tagen nickt geschlafen habe. Und in der Tat schlief er sest durch bis zum Morgen. Er trank etwas von dem Kaffee, der von gestern abend übrig- geblieben war, und begann aufzupacken. Erst beim Aufpacken fiel ihm ein, daß Curtin tot sei. Das betrachtete er als eine Tatsache. die ihn nicht mehr anging, als wenn Curtin an irgendeiner Krank- heit gestorben wäre, oder daß ihn irgend jemand crfchlageii habe. Er fühlte sich als Zuschauer. Es kam nicht einen Augenblick lang ein Gefühl des Mitleids oder etwa gor ein Gefühl der Reue. Er hatte nichts zu bereuen, Curtin war aus dem Wege geschafft, und das gab ihm vollkommene Ruhe. Er überlegte, ob er das Gut Curtins an sich nehmen, oder ob er es einfach hier liegenlassen solle. Aber kaum zu Ende gedacht, hatte er auch schon entschieden. Es wäre Unsinn gewesen, die Packen hier zurückzulassen. Sie wäre» eine Beut« der Banditen oder herummarodierender Indianer geworden. Curtin konnte das Zeug doch jetzt nicht mehr gebrauchen. Dagegen: was konnte er, Dobbs, mit dieser wertvollen Last alles ansangen! Er konnte zum Beispiel— aber das war ja gar nicht zum Ausdenken, was er damit tun konnte. Es wäre zwar übertrieben gewesen, zu sagen, daß ihn die ganze Ladung zum steinreichen Mann machen würde. Nicht einmal zu einem reichen Manne. Aber doch zu einem wohl- habenden. Und da er sich nicht müßig damit zur Ruhe setzen würde, sondern etwas damit unternehmen, eine Fabrik oder eine große Viehfarm oder Speki-lcri-ui oder—. Nein. Spekulation beber nicht. Fraglich, ob er Glück haben würde. Aber warum nicht? Etwa des kleinen Erlebnisiss der Notwehr wegen? Die schäbigsten Spitzbuben haben das größte Glück. Nur der Anständige und der Ehrenwerte, die haben immer Pech, was sie auch anpacken, was sie auch beginnen mögen. Freilich, wenn er alles Gut hier zurück- ließe, konnte ihm niemand den Borwurf machen, daß er etwa gar der Beute wegen zur Notwehr gearisfen habe. Es gibt Leute und sogar Richter, die eine Sache völlig verdrehen und verwickeln können, daß am Ende ein glatter Raubmord herauskommt. Läßt er aber die Ladung des Curtin hier zurück, und sie wird von anderen aufgelesen, glaubt ihm keine Menlchenseele, daß er nichts genommen habe, was Curtin gehörte. Besser schon, er nimmt es getrosten Mutes mit und mackt sich vorläusig einmal keine Sorgen darüber. Kommt etwas zum Licht, dann hat er noch immer reichlich Zeit zu sagen:„Was wollt thr denn, hier ist doch das ganze Eigentum des Mannes: ich habe ihm nichts gestoh'en." Er wird erst einmal sehen, wie lange es gut geht, und wie weit er kommt. lFortfetzunz folgt.) WAS DER T iiiiiiiiiiiii!iii!inniiiiiiiiiiiin»uiiui!raiiiiiHiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiuiiiiiiiiiinii Schülerselbsimord und SchülerrevoKe. Die Stadt P r z e m y s l in Galizien befand sich vor einigen Tagen in Hellem Aufruhr. Der Selbstmord des Schülers Franz S k 0 r 0 w s k y hatte zu einer förmlichen Schülerrevolte geführt. Im Gmnde genommen waren es dieselben Probleme, die der Krantz-Prözeß in ihrer ganzen Nack.heit aufgerollt hatte: Sexualnat der Jugend, Erziehungsnot, Schulnot... In dem Falle Skorowfky traten aber die Schuld von Schule und Elternhaus besan- ders kraß zutage: und hier reagierte die gesamte Schülerschaft Przemysls aus dem richtigen Gefühl heraus, daß dieser Selbstmord die gesamte Jugend angehe, in stürmischen Ekzessen gegen die Schule. Es handelte sich um solgendes: Franz Skorowsky,)•! Jahre alt, war Schüler des Przeinysler Gymnasiums. Bis zum 13. Jahre war er ein Musterknabe, zu Hause und in der Schule. Das änderte sich mit Eintritt der Geschlechtsreife. Es packte ihn eine schwärmerische Lieb« zu einer Schauspielerin, ein« Bewunderung aus der Ferne. D!« platonische Leidenschast erfüllte sein Denken und Fühlen, seine Schulleistungen ließen nach, seine äußere Haltung wurde nachlässig. Lehrer und Eltern sahen aber nur die äußere Wandlung, sie fragten nicht danach, was im Jimern des Knaben vorging. Der Knabe wurde aber mit sich nicht fertig. Sein Nachlassen in der Schule wirkte auf ihn im höchste» Grade niederdrückend. Die Bosheiten seiner Lehrer reizten ihn bis aufs Blut. Da versetzt« er eines Tages dem Schlimmsten unter ihnen zwei Ohrfeigen. Als er seinem Bater, einem hohen Beaniten, vertrauensvoll den Vorfall mitteilte, erklärte dieser, er würde ihm«ine Stellung als Knecht bei einem Bauern besorgen, da aus der Schule nun dach nichts mehr würde, tztachts fand man auf dem Eisenbahngeleise seinen verstümmelten Leichnam. Was der Junge während der letzten Stund?« durchgemacht haben mußte, das schrien als Anklage in die Welt hinaus die Abschieds- briese an seine Eltern und an den Professor. Der Selbstmord Skorowskys hatte ober ganz unerwartete Folgen. Sämtlich« Iugendvereinigungen Przemysls ohne Unter- schied der politischen Parteien, die Schüler und Schülerinnen aller Lehranstalten geleiteten das junge Opser verständnisloser Eltern und Schule zu Grqbe. Und als die Leichenfeier zu Ende war, machte sich das empörte Gefühl der jungen Menschen in Ekzessen Lust. Sie zertrümmerten die Einrichtung der untersten Stockwerk« der Schule, schlugen die Fenster in der Wohnung des Professors ein, zerstörten die Möbel. Mit knapper Rot rettete sich der Lehrer vor der Wut seiner Schüler. Zusammenstöße mit der Polizei führten zu Der- letzungen einiger junger Menschen. Am Tage daraus waren sämt- sich« Schulen geschlossen Ueber die Vorfälle wird nun eine Untersuchung eingeleitet. Skorowsky ist ober nicht ins Leben zurückzurufen. Die Unter- suchung wird an der Lieblosigkeit von Esternhaus und Schul« nichts ändern. Sie dürste höchstens zum Ausschluß einiger Schüler aus der Schule— also zu neuen Opfern führen. AG BRINGT. BininiiiiiiuimimiiiiiMiiiiiiiiiaiiniHiiiiiiiuuuiiiiimuiuimiimiiMiiiuiimiinmmnptiiiii« Das Ende der„Schweizer". In Deutschland hatten wir„Schweizer" und.Schweizerdegen" als Verufobezeichnungen. Der„Schweizerdegen", d. h. der als Setzer und Drucker tätig' Buchdruckergehilf« in Kleinbetrieben, ist als spezielle Berufsbezeichnung heute so ziemlich verschwunden Der „Schweizer" dagegen lebt noch, soll aber jetzt ebenfalls verschwinden, und zwar deshalb, weil die Schweiz in dieser Bezeichnung für Diel)- pfleger eine gewisse Herabsetzung ihrer Landeskinder erblickt. Der Ausdruck„Schweizer" ist in den Tabellen über die berufliche Gliede- rung der Erwerbstätigen in Deutschland, die dos Statistisch« Reichs- amt in„Wirtschaft und Recht" veröffentlichte, sozusagen amtlich sanktioniert worden. Di- schweizerische Gesandtschaft in Berlin beschwerte sich darüber beim Auswärtigen Amt. woraufhin dos Statistische Reichrarnt an- gewiesen wurde, diese von ihm übernommene Berussbezeichnuog fortab nicht mehr gelten zu lassen. Die„Schweizer" sind damit erledigt. Lediglich für die �lieber- gangszeit wird dein Melker oder Viehpslegcr der„Schwei- zer" noch in Klommern beigefügt, und auch die„Ob er schwel- z« r" werden diesen stolzen Titel jetzt nur noch in Klammern, neben ihrer in Kuhmeister verdeutschten Berufsbezeichnung sehen. 60 OOO Mark für Robinson. In L o n d o n wurden die aufeinanderfolgenden Ausgaben einer Zeiturcg aus den Jahren 1719/20 versteigert. In diesen Blättern ist Daniel Defons berühmter Abenteurer-Roman„Robinson Crusoe" kurz vor Veröffentlichung des Buches in Fortsetzungen zum Abdruck gelangt. Nach dem ersten Angebot, dos auf 1903 Pfund(20 000 Mark) gelautet hatte, trieben englische Sammler den Preis für die Zeitungen bis auf 3000 Pfund hoch. Für diese Summe wurde die Samnrlung dann von einem bekannten englischen Sammler erstanden. Der Höchstpreis, der bisher für ein« Aus- gäbe des Robinson Crusoe erzielt worden war, macht noch nicht den sechsten Teil de» jetzigen Preisrekvrds aus. Auto oder Flugzeug? Das Leichtflugzeug, auch„Motte" genannt, hat sich in England so schnell«ingebürgert, daß die Produktionskosten erheblich gesenkt werden konnten. Bisher betrug der Preis eines solchen Leichtflug- zeuge? S8S Pfund Sterling. Er wurde jetzt herabgesetzt aus 650 Pfund Sterling, so daß ein Leichtflugzeug nicht mehr koste l als ein besseres Auto! In diesen Preis ist die vollkommene Ausrüstung miteinbegriffen, ebenso die Garantie der Regierung über die Flug- fähigkeit des Flugzeuges, das bequem zwei Passagieren Raum bietet. Die Betriebskosten sind außerordentlich gering, sie betragen für den Kilometer etwa 20 Pf., wobei nicht nur alle Betricbskrsten. sondern auch Unterbringung des Flugzeuges, Amortisation usw. enthalten sind. Bisher gibt es in England mindestens 70 Personen, die über private«Motten" verfügen. mailist polis mada) u m ~ Sportund Spiel Die Männer von ,, Petri Heil!" Der Bundestag des Arbeiter- Anglerbundes. Ueber die Osterfeiertage hielt der Arbeiter Angler band in Berfin seinen zweiten Bundestag ab. Bereits am Sonnabend waren die Gauleiter zu einer Besprechung zusammengetreten. Am Abend fand dann eine Begrüßungsfeier für die Delegierten statt, bei der Bud von der Zentralfommission für Arbeiter sport und Körperpflege Grüße überbrachte. Für die Freien Ruderer und Kanufahrer sprach Stügelmaier, von den Freien Seglern der Bundesvorsitzende Ba hl. Der Vorsitzende des Arbeiter Anglerbundes, Pfaffenschläger, fomnte in seiner Ansprache feststellen, daß die Arbeiterangler genug Beispiele gegeben haben, um anders und ernster bewertet zu werden, als es bisher geschuh. Der Arbeiter- Anglerbund Deutschlands ist auf dem besten Wege, sich zu einer Körperpflegeorganisation zu entwideln; dem fönne am besten dadurch Rechnung getragen werden, daß alsbald die Aufnahme in der Zentralfommission für Arbeitersport und Körperpflege erfolge. Der reiche Beifall, der gerade die letzten Ausführungen Pfaffenschlägers fand, bewies am besten, daß tatsächlich der Wille bei den 5000 Arbeiteranglern Deutschlands vorhanden ist, sich einer freien Sportspikenorganisation anzuschließen. Am Sonntag gab dann der Bundesvorsitzende den 35 auswärtigen und den Berliner Delegierten den Tätigkeitsbericht, bei dem er u. a. besonders hervorhob, daß von den Arbeiterzeitungen ganz besonders der Bore wärts" sich der Arbeiterangler annehme. Der Berichterstatter bezeichnete als besonders dringend den Ausbau der Jugenborga nisation im Bund und ging dann zu der Frage des Wochen endes über. Der Bundestag war sich darüber klar, daß diese Frage nur Hand in Hand mit den freien Gewerkschaften zu lösen wäre. Der Kampf gegen die bürgerlichen Anglerorganisationen murde ausreichend behandelt. Dann gab Pfaffenschläger eine llebersicht über die allgemeine Entwicklung des Bundes und konnte dabei die erfreuliche Feststellung machen, daß es in allen Gauen rüftig vorwärts geht und daß der Bund 120 Vereine mit rund 5000 Mitgliedern umfaßt. Mit weiteren 50 Vereinen in der Provinz Brandenburg steht der Berlin- Leipzig. Die Radfernfahrt des BDR. Die traditionelle Osterfernfahrt Berlin- Leipzig des Bundes Deutscher Radfahrer über 163 Kilometer war ein glänzen Der Auftakt für die mitteldeutsche Straßenradrennsaison. Hervor regenden Anteil baran hatte natürlich das prächtige Better, das große Zuschauermassen auf die Beine gebracht hatte, mit Aucnahme des etwas abgelegenen, in Berlin- Wannsee befindlichen Starts. Die Organisation flappte im allgemeinen gut, bis auf bie Resultatübermittlung, die recht zu wünschen übrig ließ. Bon den drei Amateurgruppen eröffneten die Altersfahrer morgens 5.30 11hr in Stärke von rund 30 Fahrern den Reigen. Ihren folgten 6.45 11hr 60 A- und eine Viertelstunde später 251 B- Fahrer. Das Rennen der A- Klasse verlief in den ersten zwei Dritteln recht monoton. Die Chemnitzer Dube, Röld) und 28. Me her tamen burch Sturs ins Hintertreffen, später auch Tschudi Rüsselsheim, der jedoch kurz vor dem Ziel mit John Chemnitz wieder Anschluß erlangte. Das Kopfsteinpflaster in Wittenberg führte dann zur Verkleinerung der Spitzengruppe, die, nur noch zehn Mann start, ihren Einzug in Leipzig hielt. Nach prächtigem Endspurt errang der Berliner Stöpel einen fnappen Sieg über Weyand- Leipzig. Das Rennen der B- Fahrer ent schied sich schon zwischen Treuenbrießen und Wittenberge und endeie mit einer Ueberraschung, da der Dresdener Mirtsaint mit weitem Vorsprung als erster das Ziel passierte. PROGRAMM für die Zeit vom 10. bis 12. April BTL Potsdamer Straße 38 Es zogen drel Burschen... Schlachtenbummler Rheinstraße 14 Pola Negri in Qualen der Ehe Odeon, Potsdamer Str. 75 Dragonerliebchen mit Harry Liedike, Maria Paudler Turmstraße 12 | Borstand in Fühlung; der Uebertritt dieser Vereine zum AABD. ist nur eine Frage der Zeit. Im Juni vorigen Jahres konnte der Bund als erste Anglerorganisation durch den Berliner Rundfunk, sender zu den Massen sprechen. Dann hielt Buck von der 3entral tommiffion einen beifällig aufgenommen Bortrag über„ Sport und Staat". In der Diskussion wurde von allen Rednern der bereits eingangs erwähnte Anschluß an die Zentralfommission gewünscht. Die Richtlinien der neugewählten technischen Kommission lassen erkennen, daß man es im Arbeiteranglerbund mit einer Sportorganisation zu tun hat, die allen modernen Anforderungen gerecht werden kann. Es bleibt nur zu wünschen, daß auch die bisher dem Angelsport steptisch und ablehnend gegenüberstehenden Bevölkerungsfreise von den gesundheitsfördernden Vorteilen der sachgemäß betriebenen Sportangelei bald überzeugt werden. Die Bundesmitglieder werden jedenfalls das ihre nach Kräften dazu beitragen. Der zweite Feiertag vereinigte dann Delegierte, Behördervertreter und Gäste zu einer Motorschiffahrt nach den Anglerfolonien der westlichen Gewässer. In Nezlik konnte der Bundesvorsitzende u. a. auch den Landrat des Kreises Westhavelland, Sie ring, begrüßen, der dann auch die am Weißen und Schlänizsee und am Sacrow- Barezer Kanal gelegenen Anglerwochenendtolonien mit besichtigte. Die Angler haben hier gegen 500 Wochenendlauben, bie tagsüber von den Angehörigen bevölkert werden, während die Männer dem Fischweidwerk obliegen. Viele Anglerfähne sind an den Ufern festgemacht oder befinden sich mit ihren Besigern auf Tour; der Fahrlander, Schläniz- und Göttinsee bis hinauf nach Rezin ist das Revier der Angler. In den Ferien dienen die Kolonien einem herrlichen Ferienaufenthalt an Feld, Wald und Wasser. Der in voller Harmonie verlaufene Bundestag hat jedenfalls dem Arbeiteranglerbund einen neuen Auftrieb gegeben, den die in der Arbeiterbewegung erfahrenen Mitglieder aufs beste ausnutzen werden. Auskünfte erteilt bereitwilligst der Vorsitzende Paul Pfaffen schläger, Berlin N., Birtenstr. 49. Berliner Unions- Straßenrennen. Die Ortsgruppe Berlin der DRU. brachte ihr zweites Straßenrennen mit vier verschiedenen Distanzen für die Wendepunkt in Schwebt a. d. Oder, die 230 Mann der B- Gruppe einzelnen Gruppen zur Austragung. Die 19 A- Fahrer hatten den hatten bis Angermünde zu fahren, außerdem starteten noch Alters. und Jugendfahrer. Nachstehend die Ergebnisse: Klasse A, 184 Kilometer: 1. Georg Gottwald 5:43:00; 2. R. Risch 2 Lg.; 3. D. Büttner 1 Lg.; 4. 5. Weiß 5:43:20; 5. H. Schlüter 5:46:30; 6. F. Seidel ½ 2g.; 7. E. Schwedler( Dresten) 1 2g.; 8. K. Stache 5: 56: 5; 9. J. Jessen 1 Lg.; 10. E. Rühl( Dresden) 6:05:05. Iaffe B, 137,8 Kilometer: 1. Brinkmann 4:07:25; 2. Brauer 4:09:45; 3. G. Görne( Dresden) 4:12:50; 4. Wiedeberg 4:13:05; 5. P. Apel 4:14:00; 6. Sornig 4:14:30; 7. Ulbricht 1 Lg. Alters fahrer, 105 Kilometer: 1. 2. Säger 3:44:40; 2. Fenner 2 Lg.; 3. A. v. Bronikowski 3 Lg. Jugendfahrer, 50 Kilometer: 1. E. Blumenstein 1:42:25; 2. Saprich 2 Lg.; 3. D. Hübner. Hunderennen. Seiner Ueberlieferung getreu hielt der Berliner Hunde. Renn- Klub am Ostersonntag im Stadion Lichtenberg sein erstes diesjähriges Rennen ab. Die Mitglieder des Klubs lehnen nach wie vor den dressierten Sporthund ab und betrachten die Hunderennen nur als willkommene Gelegenheit, ihren Lieren die hötige Bewegung zu verschaffen. Der Star des Tages war Alkmene, eine bildschöne WhippetSündin, die sowohl das Neulingsrennen wie den Preis von wie ben vot Friedrichsfelde gewann und den Greyhounds und den Barfois als Führhund diente. Bon den ersteren siegte Daisy v. Hohnstein und von den letzteren, die obwohl sie russische Windhunde sind cin sehr schlechtes Rennen liefen, blieb Imogen Narewka Sieger. Das Eröffnungsrennen, das für Polizeihundrassen offen war, sah nur deutsche Schäferhunde am Start, von denen Erich v. Eschenheim Sieger blieb. Den Großen Osterpreis holte sich der Airedale Terrier Tell v. d. Panke; der Preis von Karlshorst, der für Dobbermänner reserviert war, sah Reg v. Uckerstrand als Sieger; den für Whippet- Rüden ausgeschriebenen Preis vom Stadion Lichtenberg brachte Prinz v. d. Spree an fich; der Möllendorfpreis, den die deutschen Schäferhunde unter sich bestritten, wurde von Rolf U. gewonnen und im Preis von Wilhelmsberg ging der deutsche Schäferhund Charlotte v. Wuhlepark als Erster durchs Ziel. Reichsbanner auf Wanderfahrt. Die Ruderriege des Reichsbanners fuhr über die Feiertage mit vier Riemenvierern und zwei Riemenachtern nach Bindow. Von dort aus wurden von den einzelnen Mannschaften fleinere Kreuzfahrten unternommen, außerdem beteiligte sich an dieser Osterfahrt der befreundete Verein Berliner Brennftoffgesellschaft" mit zwei Riemenvierern. Durch die tüchtige Leitung ihres Trainers Schmidt wird die Ruderriege bald ciu tüchtiger Faktor innerhalb der Wassersportbewegung sein. Als Sonntagabend gegen 11 Uhr im Dorfe Feueralarm geschlagen wurde, konnten die Reichsbannersportler tüchtig mit Hand anlegen. Amateur- Boxmeisterschaften. Die Vorkämpfe in Leipzig. Das äußerst umfangreiche Programm der Bor-, 3wischen- und Borschlußrundenkämpfe bei den Amateur Bormeister= schaften des Deutschen Reichsverbandes in Leipzig ist nunmehr erledigt; in allen acht Gewichtsklassen haben sich die Anwärter für die Entscheidungskämpfe herausgefchält. Jeder einzelne Kampf wurde mit größter Erbitterung ausgefochten. Sehr bedauerlich ist das Ausscheiden des Königsbergers Geethaar durch Liebers- Chemnitz und des Müncheners Lang durch Stibinfti- Bochum. Die einzelnen Kämpfe nahmen folgenden Ausgang: Fliegengewicht: Vorschlußrunde: Uwis- Dortmund schlug Lumpius- Hamburg; Ausböck- München schlug Willand- Frankfurt a. M. Ban= tamgewicht: Zwischentampi: Geethaar- Königsberg falug Mizel- Mainz; Vorschlußrunte: Ziglarski- Berlin schlug PiotrowitiBochum; Liebers- Chemnitz schlug Geelhaar- Königsberg. Feber. gewicht: Zwischenkampf: Kloos- Königsberg schlug BartneckBreslau; Vorschlußrunde: Dalchow- Berlin schlug Stange- Bochum; Kloos- Königsberg schlug Göze- Magdeburg. Leichtgewicht: Vorschlußrunde: Malz- Berlin schlug Mietschke- Stettin; Dübbers- Köln schlug Wiefer II- Bochum. Weitergewicht: Vorschlußrunde: Walther- Hamburg schlug Martert- Dortmund; Sons- Köln schlug Kästner- Erfurt in der 3. Runde durch Disqualifikation. Mittelgewicht: 3wischenfampf: Stibinfti- Bochum schlug TrollmannHannover 3. Runde l. o. Vorschlußrunde: Kievernagel- Köln schlug Theuerkauf- Halle; Stibinjti- Bodum schlug Land- München. Halbchwergewicht: Vorschlußrunde: Sänger- Breslau schlug Stich T. Stettin oder Schönrath- Krefeld, die ihren Kampf wiederholen Hagen; Bistulla- Berlin schlug Roßberg- Chemnitz. gewicht: Panne- Berlin in der Entscheidung gegen JaspersStettin oder Schönrath- Krefeld, die ihren Stampi misterholen müssen. Sportschau. Schwer Fußball Gent Berlin. Am zweiten Feiertag ging die mit Spannung erwartete Begegnung zwischer einer belgischen tombinierten Mannschaft von A. 2. Gantoise- Racing Club, Gent, und dem Berliner Meister Hertha BSC. vor 20 000 Suschauern in Berlin vor sich. Hertha gewann reichlich 6: 3, ein Resultat, das nicht ganz dem Spielverlauf entspricht. Hamburg schlägt Kopenhagen. Bor etwa 15.000 Zuschauern fam am Ostermontag in Kopenhagen der FußballStädtekampf Hamburg- Kopenhagen zum Austrag. Dowohl die Hamburger nicht ihre beste Bertretung ins Feld stellen konnten, siegten sie doch mit 2: 0. Deutsche Leichtathleten in Griechenland. Im Stadion zu Athen tamen unter riesiger Anteilnahme der Bevölkerung die großen leichtathletischen Wettbewerbe zum Austrag, an denen zehn der besten Athleten des Berliner Sportklubs teilnahmen. Die deutschen Sportler tonnien in dem nach Bunftwertung ausgetragenen Mannschaftskampf ein Unentschieden von 116: 116 Bunften herausholen. KINO TAFEL Süden Th. am Moritzplatz Die Abenteuer des Brigadiers Gérard Der Landarzt mit Rud. Schildkraut Luisen- Theater Reichenberger Straße 34 Der Biberneiz Auf der Bühne: Szenen aus der Oper Carmen Am 10. April: Der größte Gauner Passage- Lichtspiele des Jahrhunderts Am 11. u. 12. April: Luther Jugendliche haben Zutritt Alexanderstraße 39-40 ( Passage) Mädchen, die sich nicht ver kaufen Der Schrecken von Colorado Südwesten Film- Palast Kammersåle Teltower Straße 1-4 Onkel Toms Hütte Jugendliche haben Zutritt Kolibri Lichtspiele Belle- Alliance- Platz 2 Dragonerliebchen mit Harry Liedtke Haltet den Dieb Neukölln, Bergstraße 151-152 Harry Liedtke in 0.6 Mein Freund Harry Concordia- Palast Andreasstraße 64 Es zogen drei Burschen Bühnenschau Metro- Palast Chausseestraße 30 Wenn die Mutter v. die Tochter Beiprogramm und Bühne Marienbad- Palast Badstraße 35-36 Der brave Soldat Schwejk PROGRAMM für die Zeit vom 10. bis 12. April નવી Charlottenburg Schlüter- Theater Die Pagode mit Stuart Webbs Schlüterstr. 17. W. 7, 9.15, S. ab 4 Uhr Bühnenschau Pharus- Lichtspiele ,, Alhambra" Kosmos Lichtspiele Müllerstr. 142 Lichtenberg, Lückstraße 70-71 Schinderhannes Auf der Bühne: Die Revue ,, Kreuz und Quer Kammerlichtspiele Friedrichsfelde. Berliner Straße 18 Die selige Exzellenz mit Willi Fritsch Der Boxerkönig Der brave Soldat Schwelk an LSP der Front Bühnenschau Osten Norden Lichtspiele am Senefelderplatz Die Frau im Schrank Von Spürhunden verfolgt mit Rin Tin Tin Qualen der Ehe mit Pola Negri Die Galgenhochzeit Badstraße 58 Die Geliebte Seiner Hoheit Bühnenschau Kristall- Palast Alhambra Müllerstr. Prinzenallee 1Luciano Albertini in: Der größte Gauner des Jahrhunderts Beiprogramm und Bühne Nordwesten Welt- Kino Alt- Moabit 99. Artisten( im Zauber der Manege) Elternlos Jugendliche haben Zutritt Gesunabrunnen Onkel Toms Hütte, Bühnenschau Jugendliche haben Zutr.tt Prinzen- Palast Prinzenallee 42-43 Die Gellebte Seiner Hoheit. Banditen der Prärie Pankow Tivoli- Lichtspiel- Th. Berliner Straße 27 Sein größter Bluff m. Harry Piel Bühnenschau Ledige Mütter mit W. Fätterer, M. Schlegel Snouk, der Eisbärjäger Paun- Lichtspiele Krumme Str. 37, gegenüb.Trinitatiskirche Das große bekannte gute Schlagerprogramm Emelka- Palast Kurfürstendamm 63 Erstaufführung: Der Faschings. könig( bis einschl. Mittwoch) Schöneberg früher Titania( uta Schöneberg Hauptstraße 49 berg) 6.30, 9 Uhr Gibt's ein schönres Leben Artistenliebe( Florence Vidor) Balischmieder- Lichtsp. Palast- Theater Bürgergarten- Lichtsp. Viktoria- Lichtbild- Th. Mila- Lichtspielpalast Badstraße 16 Frankfurter Allee 48 Ado'phe Menjou in Blond oder Braun? Heimweh Bühnenschau Schwarzer Adler Frankfurter Allee 99 Die Liebe der Jeanne Ney Bühnenschau Schönhauser Allee 130. Beginn 5, Stg. 3. Das große Schlagerprogramm Bühnenschau Skala- Lichtspiele Schönhauser Allee 80, Belphegor, I. Teil: Das Rätsel von Paris, II, feil; Der König der Detektive Bühnenschau Pat und Patachon auf d. Wege zu Kraft und Schönheit Die Sandgräiin Bühnenschau Humboldt- Theater Badstraße 19 König Harlekin und ein weiterer Schlager Bühnenschau Breite Straße 21 a Onkel Toms Hütte Jugendliche haben Zutritt Nieder- Schönhausen Film- Palast Blankenburger Str. 4 Deutsche Frauen Treue Hauptstr. 51 und Lindauer Straße Zirkus mit Chaplin und Beiprogramm Jugendliche haben Zutritt Steglitz Titania- Palast Deutsche Schloßstr. 5, Ecke Gutsmuthsstr. Reinhold Schünzel in Hercules Maler Beginn wochentags 60, 9 Uhr Lotte Neumann in Er geht rechts sie geht links Finanzfönige und Bankbeamte. 54 M. Wochenlohn nach zehnjähriger Dienstzeit. Die Entlohnung der Bankbeamten weist seit der Inflation einen, Taten für die Angestellten hin, auf die Sportklubs, Gesangvereine fozialen Tiefstand auf, der nicht mehr überboten werden kann. Das und andere schöne Dinge. Sie haben es auch verstanden, einen Teil ist den Generaldirektoren der Berliner Großbanten auch sehr gut ihrer Beamten damit immer noch ans Gängelband zu bekommen. bekannt, sonst hätten meder Herr Jakob Goldschmidt von der Der klardenkende Bantbeamte aber muß wissen, daß die einzige Darmstädter Bant noch Herr Ostar Wassermann von der Macht, die ihm einen entsprechenden Anteil von den KonjunkturDeutschen Bant so eingehend zu den Anfragen eines Angestellten gewinnen der Banken verschafft, die Organisation ist, deren vertreters auf der Generalversammlung Stellung genommen. Nur Kraft auf der Aktivität der Masse der Angestellten beruht. nützen die schönen Worte über den Pflichteifer und die Dienstfreudigfeit der Angestellten der Bankbeamtenschaft herzlich wenig, fie wollen endlich einmal von ihrer Direktion Taten sehen, um aus ihrer unerträglichen Notlage herauszufommen. Die Bankdirektoren fonnten die Tatsache nicht bestreiten, daß ein dreißigjähriger Bankbeamter der Tarifklasse II nach 3ehnjähriger Dienstzeit als Wochenlohn 54,10 m. nach Hause bringt, und wenn er verheiratet ist 58 M. Hat sich ein Beamter in die dritte Tarifklasse herausgearbeitet, so bringt er als verheirateter Mann das fürstliche Gehalt von 72 M. pro Woche nach Hause. Nun erklärte Herr Wassermann zwar, daß die Direktion ein volles Herz ( aber leere Hände! Red. d. ,, A.") und großes Verständnis für die Angestellten häffe, fügte aber in einem Anflug von Selbsterfenntnis hinzu, daß ,, Bankdirektoren gerade kein Muster von Altruismus" -mas auf gut deutsch Menschenfreundlichkeit heißt wären. Eine Bant sei nur für die Wirtschaft, die Aktionäre und die Angestellten da, die Verwaltung fönne man angesichts der riesigen allgemeinen Ausgaben ganz aus dem Spiele lassen. Hier übergeht Herr Wassermann aus verständlichen Gründen eine Frage, die wir doch etwas näher besehen wollen. Die Deutsche Bank zahlte ihrem Aufsichtsrat für 1927 eine Tantieme von 677 000 Mart, die Darmstädter Bank 480 000 Mart. Ganz niedrig gegriffen werden außerdem die zwölf leitenden Dis rettoren bei beiden Banten ein Jahreseinkommen von fünf Millionen Mart beziehen. Das ist die gleiche Summe, die 2000 verheiratete Bankbeamte der Tarifklasse II in einem Jahre beziehen. Ins scheint demnach eine Großbant doch zu sehr für die Verwaltung da zu sein. Wenn Herr Goldschmidt erklärte, daß eine nominelle Lohnerhöhung feine Stärtung des Konjums, sondern eine Reduzierung der Kauftraft im Lande und Rückkehr zur Inflation bedeuté, so ist dies eine für einen Bankdirektor höchst eigenartige Auffassung. Auf den reellen Friedenslohn von 1913 umgerechnet, verdient der dreißigjährige verheiratete Beamte nämlich nur 36 Mart die Woche. Will Herr Goldschmidt, der den Leistungslohn predigt, der Deffenis lichkeit etwa einreden, daß ein Bankbeamter 1913 für 36 Marf auch nur annähernd das gleiche geleistet hätte, was er heute bei dem gleichen Real einkommen leiſtet? Kleine Briefmarkenautomaten. Eine 15 Rpf. Briefmarke Die Reichspost beabsichtigt, kleine Briefmarkenautomaten einNun weisen die Großbanken besonders gern auf ihre sozialen zuführen, die neben den Briefkästen aufgehängt werden können. ,, Du sollst den Feiertag heiligen." Was der Reichswirtschaftsrat darunter versteht. Zu den ersten Maßnahmen der sozialdemokratischen Volks. beauftragten gehörte die Durchführung der Sonntagsruhe im Handelsgewerve. Seit Jahren führen die Unternehmer einen hartnädigen Kampf um die Beseitigung dieser wichtigen fozialpolitischen Errungenschaft. Sie wurden dabei unterstützt von den reaktionären Länderregierungen in Bayern und Württemberg, die in weitem Umfange die Sonntagsruhe auf dem Berwaltungsmege außer Kraft setzten. Das geschah mit Hilfe der in der Gewerbeordnung vorgesehenen Ausnahmen für das Bedürfnisgewerbe, darunter ist z. B. der Handel mit Milch, Roheis, Zeitungen zu verstehen. Das gesamte Handelsgewerbe wurde einfach als Bedürfnisgewerbe erflärt. Eine offenfundige Gesetzesbeugung. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hatte zur Beseitigung dieser Mißstände einen Gesetzesentwurf eingebracht, der gleichzeitig die vollständige Sonntagsruhe vorsah. Die Wirtschaftliche Vereinigung dagegen hatte ein Gefeßentwurf vorgeschlagen, der die völlige Beseitigung der Sonntagsruhe verlangte. Den Aufassungen der Unternehmer trug bereits in weitem Umfange die Regierungsvorlage über das Arbeitsschutzgesetz Rechnung. Der Reichswirtschaftsrat hat bei seiner Beratung dieses Gesezentwurfes auch hier zum Teil erhebliche Verschlechterungen vorgeschlagen. Hunderttausenden Arbeitnehmern des Handelsgewerbes soll die Sonntagsruhe in großem Umfange genommen werden. In Gemeinden bis zu 30 000 Einwohnern soll dem gesamten Handelsgewerbe gestattet werden, Arbeitnehmer an 14 Sonntagen bis zu 2 Stunden zu beschäftigen, wenn der Verkauf infolge schwieriger Berkehrsverhältnisse zur Versorgung der landwirtschaftlichen Bevölkerung notwendig ist. An vier weiteren Sonn- und Festtagen fann für alle Gemeinden eine Beschäftigung sogar bis zu sechs Stunden zugelassen werden. So stellt sich der Reichswirtschaftsrat die Heiligung des Feiertags vor. Es ist ganz sicher, daß von diesem Ausnahmerecht in allen Gemeinden bis zu 30 000 Einwohnern Gebrauch gemacht wird; es ist ebenso sicher, daß die Unternehmer in den größeren Gemeinden das gleiche Recht für sich fordern werden. Die Verhand lungen in den Länderparlamenten und die Auslassungen der interessierten Handelskammern zeigen das mit aller wünschensmerten Klarheit. Der Beschluß des Reichswirtschaftsrats ist deshalb eine Kampfansage an die gesamten Arbeitnehmer des Handelsgewerbes. Wie einer Berhöhnung der Arbeitnehmer flingt es, wenn es außerdem in diesem Gutachten heißt, daß im Falle der Sonntagsarbeit die sich ergebende Wochenarbeitszeit 65 Stunden nicht überschreiten darf, wenn von den zuletzt genannten vier Ausnahmesonntagen Gebrauch gemacht wird. So soll der Achtstundentag im Handelsgemerbe aussehen. Die Arbeiter und Angestellten merden bei der Wahl die Antwort darauf geben. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend( Nachdr. verb.) Stärker bemölft, aber noch feine Niederschläge, im ganzen etwas fühler. Für Deutschland: Im Südosten heiter, troden und warm, im übrigen Reiche, namentlich im Nordoften, etwas fühler. In Ostpreußen auch leichte Niederschläge. Verantwortlich für die Redaktion: Engen Brager, Berlin: Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag: Vorwärts Beriag G. m. b. H.. Berlin. Drud: Vorwärts Buch. druckerei und Berlagsanstalt Paul Ginger& Co., Berlin GW 68, Lindenstraße 3. Hierzu 1 Beilage. Wundervolle Mode- Neuheiten für Frühjahr und Sommer! Weider STOFFE Waschs Großer Spezial Verkauf KLEIDERSTOFFE Kasha untu. travers 11. die Mode Meter 2.75 Kasha für Kleider kariert und gestreift..Meter 4.50 Shetland.Kasha ca.130 cm br., f. Mäntel u. Kostüme, Mtr.7.50,4.50 Mantelstoffe i. Herrenstoffgeschmack ca. 145 cm br., Mtr. 11.-, 9.50 Rips- Popeline ca. 130 cm br.. in vielen Farben. Mir.4.95, 3.95 Crêpe- marocain reine Wolle, ca 110 cm br., i. div. Farben, Meter Crêpe de Chine reine Wolle, in schönen Lichtfarben Fresko Meter modern. Gewebe, ca 110 cm breit........ Meter 195 350 395 750 295 Crêpe caid ca. 130 cm br., elegantes Gewebe....... Meter Schatten- Rips schwere Qualität, für Mäntel.......... Meter Eolienne ca.100 br., erprobte Qualität, Meter 6.50, 4.95 Fantasie- Schotten ca. 100 cm br., entzück. Neuheiten,.. Mtr. 3.75 Mousseline Imit., ca. 80 cm breit, 7 90 345 295 L. Wahl... Meter 75 65 P I. 95 Mousseline 295 50 50 500 neue Modelle des sprechenden Ullstein- Schnittes 3 Pf. aparte 95 Pf. prima Qualität, Muster, Meter 1.10 Crêpe marocain bedruckt, in neuen Dessins, Meter 1.10 Woll- Mousseline ca. 80 cm breit Meter.. 1.95 75 PL. 165 Woll- Mousseline prachtvolle Must., prima Qual., Mtr. 3.50, 2.75 Woll- Mousseline Bordüre, aparte Neuheiten... Meter 5.90 Voll- Voile hell und mittelfarbig Meter.......... 1.95 Voll- Voile entzückende Muster, Meter...... 2.95 Voll- Voile Bordüren, wundervolle Dessins... 5.50, 3.75 Zephir für Sportblusen und -Hemden.. Meter 75 Zephir für Trachtenstoffe indanthren Mtr. 1.10 Rips- Leinen in vielen Farben indanthren Meter 1.95 Seiden Beachten Ste bitte unsere Schaufenster! SEIDENSTOFFE 250 3 95 165 240 Kunstwaschseide bedr.. neuest. Muster 70 cm. Mtr. 1.65 Kunstbastseide bestickt, 70 cm breit, Meter Kunstseldener Crêpe de Chine entzückende Muster 100 cm breit, Mtr. 4.20 Waschseidene Bordüren indanthrenfarb.130cm.br. Mtr. 995 Kunstseid. Voile 295 60P Pf. 90 Pt. großes Farbsortiment 100 cm breit. Meter 125 Honan echt dines. Bastselde in farbig 80 cm breit,. Meter 225 Damassé 290 375 für Jacken- u. Mantelfutt., 80cm br., Mtr.2.50 Crêpe de Chine relne Selde, gr. Farbsortim.100 cm, Mtr. 5.75 Crêpe de ChineDrucks gr. Musterausw. ca. 100, Mtr. 7.50 90 Crêpe Georgette 3.90 ca. gute Kleiderware 100 cm breit, Mtr. 6.90 Bastseidenaturiarb. 190 Veloutine für Kleider und Wäsche 80 cm breit, Meter 2.90 Bastseid.Drucks aparte Muster ca. .80.cm breit.. Meter 4.80 50 Bast- Bordüren 150 bedruck und bestickt 120/130 cm. Meter 9.50 190 390 schöne Qualität, ca. 100 cm breit, Mtr. 8.90 Crêpe Satin hervorragende Qualität 100 cm breit Meter 50 Rps Reversible 750 DJosephoto 2& für Frühjahr und Sommer Neukölln Berlinerstr.51-55 schwarz, eleg. Mantel. seide, 100 cm br.. Meter 650 65 375 590 90 750 $ 10.50 850 Futterstoffe Satin, prima Qualitäten, in etwa 150 Farban 1.25 110 Foulardine, elegante Qua- 150 lität, in großem Sortiment Jakonett, in allen Farben. Damastfutter, ca. 140 cm br. in großer Auswahl 70 P Pf. 3.95 350