BERLIN Soimerstag 12. April Trfch eist täglich a«ßer S»«at«»«. Zugleich Abeudautgabe de<.Donvirt«'. Bezugsprei« für beide Au«gabeo 70 Pf. pro Woche. S M. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SWS«, LiadenKr.s „Ibwarfa l 10 Pf. Nr. 174 B S6 45. Lahrgang. «»«igenpreis: Die einspaltige Nonpareille, eile 80 Pf., Reklamejeile s M. Ermäßigungen nach Tarif.. oKfcheckkooto: VorwürtS-Derlag G. m. b. H., Berlin Nr. S7SZ6. Fernsprecher: Dönhoff 2S2 bi« 29? Die Ozeanflieger heute gestartet Der Oberbefehlshaber der irischen Lufisireiikräfie begleitet die Flieger 120 Kilometer in der Stunde. Trotz vielfacher Warnungen, trotz Abralens der Lufthansa, trotz des unglücklichen Ausganges, den das Unternehmen des englischen Aliegeroffiziers hiuchcliffe nahm, hak sich Hauptmann Soehl nicht davon abhalten lasien. zum Transozeanflug zu starten. Die prinzipielle Einstellung zu diesen Todesflügen kann natürlich sich nicht dadurch ändern, daß nun von deutscher Seite aus wieder der Versuch gemacht wird, von Osten nach Westen den Ozean zu überqueren. Aus Dublin liegt von dem erfolgten Start der deutschen Ozeanslieger folgende telegraphische Meldung vor: Dublin. 12. April. Der Flugplatz von Baldonnel glich vom frühen Morgen einem emsigen Bienenkorbs, und um Z,35 Uhr war bereits alles für den Start bereit. Das Wetter war schön, der Himmel wolkenlos und die Te- dingungen für den Abflug vorzüglich. Während die Flieger auf die Stunde der Abfahrt warteten, trafen die Mechaniker die letzten notwendigen Vorbereitungen in dem hellen Licht der Scheinwerfer. Nach einem letzten Abschied- nehmen bestieg K o e h l den Führersitz und auch seine Be- gleiter nahmen ihre Plätze ein. Die Flugzeuge des irischen Freistaates, die die Eskorte bildeten, stiegen zuerst auf, und ihnen folgte die„Bremen". Die deutschen Flieger, die heute früh um 5,38 Uhr vom Flugplatz Baldonnel zum Transozeanfluge aufstiegen, werden begleitet von dem Oberbefehlshaber der irischen Luftstreitkräfte Fitzmaurice, der an die Stelle des vor einigen Tagen nach Deutschland zurückgekehrten Unterpiloten Spindler getreten ist. Eine große Menschenmenge, unter der sich auch Präsident Cos- g r a v e und seine Gattin, der deutsche Konsul, der General- stabschef der Armee des irischen Freistaates und Mitglieder der Regierung befanden, wohnten dem Abflug der„Bremen" bei, die sich mit Leichtigkeit vom Erdboden löste. Das Wetter ist günstig. Die Flieger sprachen die hoffung aus, daß es ihnen gelingen werde, den Flug in 36 Stunden durchzuführen. Nach einer in Berlin eingetrossenen Meldung hat da» Flugzeug .Bremen" um 6 Uhr 5 Minuten deutscher Zeit die irischeküsteverlassen. Da» Flogzeug hat mithin die Strecke Baldonnel bis zur Küste, die l7S Kilometer beträgt, in einer Stund« 27 Minuten zurückgelegt. Dies entspricht einer Stundengeschwindig. keit von etwa l20 Kilometer. Zreitügnachmittag ftühestens in New-�ork. New Jork. 12. April. Die Entfernung von Baldonnel noch dem Flugplatz Mitchellsield bei New Dort beträgt etwa 4800 Kilometer, so daß unter günstigen Umständen mit der Ankunft der Flieger in Mitchellsield am Freilag nachmittag gerechnet werden kann. Das Wetterbureau in Halifax erwartet Stürme aus Osten mit' der Richtung auf Neu- Schottland. New Bork, 12. April. Die New Porker Morgenblättvr bringen die Nachricht vom Start der„Bremen" groß aufgezogen. Extraausgaben mit den Bildern und Lobensbolchreibimaen der Flieger werden überall ver- teilt. Man hcsst allseitig auf ein gutes Gelingen des Fluges. Das Mitchel-Field-Komando hat alles zum Empfang vorbereitet. Der irische Pilot Fitzmourkc dankt in einer Erklärung an die„New Port Times" den deutschen Kameraden, die ihn mit- genommen hoben. Augenblicklich ist der Himmel über dem Staate New Aork und den anderen Nordost-Staaten bewölkt. Man hofft 'aber, daß stch das Wetter bis zur Landungsstunde noch klären wird. �Bremen'' über dem Atlantik. We der.�international News Service" meldet, passierte die „Bremen heul« früh um sieben Uhr fünf Minuten die Galway-Buchl an der Westküste Irland», scharf in nordwestlicher Richtung fliegend. Die„Bremen" befindet stich nunmehr über dem offenen Ozean. (Weitere Meldungeu auf der zweiten Seite) Sächsische Unternehmer sperren aus! i Bericht auf der 2. Seite. Die..Bremen" nimmt Benzin ein. Die Goldminen am Lenafluß. Hausse in gefälschien papieren. Vor dem Schöstengericht Verlin-ZNille stehen heule morgen die staalenlosen Rosien E u d i n und kljalschkin. um sich wegen Urkundenfälschung und Betrug zu verantworten. Sie habeu für 110 000 Mark gefälschte Lena Goldfield- Aktien an zwei Berliner Banken verkauft. Der Prozeß bildet nur einen kleinen Ausschnitt aus der um- sangreichen Tätigtell einer polnischen Fälscherorganlsalion und liefert interessante Einblicke in den Kamps der englischen und französischen Aktienbesitzer um ihre durch die Oktoberrevolution verlorenen Lesihrechte»n den Goldminen von Leun. Die Goldminen von Lena sind mit blutigen Aeichen in die Geschichte der russischen Arbeiterbewegung eingegraben. Der Aus- stand der Minenarbeiter am Lenafluß, von der zaristischen Solda- testa mit blauen Bohnen grausam unterdrückt, bildet eine der vielen Episoden aus dem heroischen Befreiungskampf des russischen Proletariats sür seine wirtschaftliche und politische Emanzipation. Es war«in Blutbad zu Ehren des russischen und englischen Kapitals. Die Lenoer Goldminen gehörten der englischen l>v» Goldfield Limited, das heißt der Lena-Goldminengesellschaft. Wie eine Ironie des Schicksals mutet es an, wenn die englische Re- gierung noch heute in der Hoffnung, daß die Goldminen zu den englischen Aktienbesitzern zurückkehren könnten, die Aktien, die sich in englischen Händen befinden, abstempeln und die wertlosen Papier« an der englischen Börse handeln läßt. Die französische Re- gierung will aber der englischen nicht nachstehen. Auch sie gibt sich noch immer der trügerffchen Hoffnung hin, daß die Sowjet- regierung einmal ihre Schulden bezahlen würde. Auch sie stempelt deshalb die Lena Goldsieldoktien: so verkehren diese auch auf der französischen Börse. Eine Hausse in wertlosen Papieren, ein Tanz wns goldene Kalb. Ebenso gescheite wie skrupellose Leute haben sich aber diese Gier noch den wertlosen Papieren zu- nutze gemacht und in Polen neu« Aktien gedruckt. Die gefälschten Lena Goldfield-Aktlen fanden reihenden Absah. Sie überschwemm- ten Danzig, Polen. Deutschland und Frankreich. Allein in Berlin wurden sie für mehr als 100 000 Dollar verkauft, bis der Betrug eines Tages entdeckt wurde. Da schlug auch die Schicksalsstunde der Herren Endkin und Kksatfchkin. Der Urheber der Fälschungen, Herr Rubin alias Sommer, ist im polnischen Gefängnis gestorben. Der vierte Angeklagte, Herr B e n d e m a n n, hat sich beizeiten aus dem Staube gemacht. Allerdings waren auch die Herren Endkin und Ksiatsästin verschwunden. Sie wurden aber in Sofia als Sowsetagenten verhostet— Herr Endkin war unterdessen zu einem Perser gewotben— und dann nach Deutschland aus- geliefert. Sie sitzen somit bereits seit zwei Iahren in Haft. Die betrogenen Banthäuser hießen Birkholz und Löwenherz. Dem Bankhaus Birkholz hatte Endkin bereits Ende 1S2S durch die Leiter der russischen Abteilung 2S Lena Gold- sield-Aktien angeboten. Damals gig man auf sein Angebot nicht ein. Im Frühling 1926 entstand aber eine Hausse in diesen Aktien. Da brachte er bei dem Bankhause gleich 97 Stück davon an. Weitere 700 Stück sollten folgen. Gezahlt waren SS000 M. Das Bankhaus schickt« seinen Mann mit den Aktien nach Paris, damit er sie hier losschlage. Don Paris gingen sie aber zwecks Prüfung nach London. Bon dort kam der Bescheid: die Aktien sind gefälscht. Ende Dezember 1926 und Ende Januar 1926 verkauften Endkin und Kljaffdikin 176 Aktien an das Bankhaus Löwenherz. Dieses machte das Tc- schüft im Auftrage der Bonque La Perche, Poris. Der Kaufpreis betrug 22 680 M. und 6 900 Dollar. Zur selben Zeit erschien auch aus Danzig der Direktor der Danziger Transport-Aktiengesellschaft I a m p o l s k i und bot gleichfalls dem Bankhaus Birkholz Lena Goldfield-Aktien an. Als er erfuhr, daß sie gefälscht sind, ließ er seinen Gewährsmann verhaften. Endkin und Kljatschkin bestreiten, überhaupt nur die leiseste Ahnung gehabt zu haben, daß die Aktien gefälscht waren. Darauf aber sagt die Staatsanwaltschaft: Wes- halb sind Sie aber aus Berlin sofort verschwunden? Sie haben sich falsch« Pässe verschafft! Woher hatten Sie denn das viele Geld, während Sie vordem doch keinen Pfennig Ihr eigen nannten?— Bei Kjaffchkin wurden bei der Verhaftung 6680 Dollar, 1000 Lewa und 40 Dinare gefunden. Und schließlich die be- lastenden Aussagen des verstorbenen Rubin. Er hat behauptet, daß die beiden Angeklagten die Aktien von ihm direkt bezogen und für etwa 100 000 Dollar verkauft haben. ZZ Proz. des Verdienstes sollen sie für sich behalten haben. Die Verteidiger, die Rechtsanwälle Dr. Braun und Dr. Herrnberg, werden keinen leichten Stand haben. Oer Klug über den Atlantik. (Siehe auch erste Seite.) Die Wetterlage auf dem Ozean. Hamburg, 12. April. Sie deutsche Seewarte Homburg gibt über die Wetterlage aus dem'Atlantischen Ozean um zehn Uhr folgenden Bericht: Das Tief- druckgebiet, das feit einiger Zeit zwischen Island und Irland lagert, hat sich langsam nach Norden verlagert und hat auf- gefüllt. Es brachte dadurch erhebliche Wetterverbesserungen über den britischen Inseln, jedoch liegt ein zweites Tieffcrucksystem südlich von Grönland. Der Kaltlufteinbruch auf dessen Rückseite ist heute früh schon bis 40 Grad nördticher Breite und 40 Grad westlicher Alnge vorgestoßen, so daß auf der Schifsohrlsstraße nordwestliche Winde von über 50 Stundenkilometer und starke Regen- und Graupelschauer anzutreffen sind. Ferner liegt heute morgen ein Tiefdruckwirbel vor der amerikanischen Küste auf etwa 38 Grad Nord und 70 Grad West. Dieser Tiefdruckwirbel wird schnell nordrftwärts abziehen und auch über Neufundland ein« er- hebliche Wetterverschlechterung bringen. Welche Ausfichten haben die Flieger? Die Ansicht, daß es sich bei dem Flugzeug um den Apparat ..Bremen" handele, der schon zum ersten Transozeanflug Verwen- dung gesunden hat, ist irrig. Es handelt sich bei dem Apparat nicht um ein Wasserflugzeug, sondern um ein Landflugzeug, dessen Aktions- rodiu» allerdings so groß ist. daß mit dieser Maschine ein zwische� landungsloser Flug an sich durchgeführt werden könnte. Zu dem neuneinhalbstündigen Fluge von Tempelhof nach Irland hat die Maschine�nur 360 Liter Betriebsstoff gebraucht. Das Iunkers-Flug- zeug ist ein S p e z i a l f r a ch t f l u g z e u g mit einem Junkers- I.-S-Motor und mit einer Spannweite von 18,35 Meter, einer Länge von 111,09 Meter und einer Höhe von 3,21 Meter. Man kann natürlich den neuen Versuch Hauptmann Koehls nur als Experiment auffassen, weil selbst für den Fall des erhofften Ge- lingen» des Fluges damit durchaus nicht der Beweis dafür erbracht wird, daß einmotorige Landflugzeuge sich zur Trans- ozeanüberquernng eignen. Der geglückte Lindbergh-Flug hat leider zu zahlreichen Nachahmungen geführt, die alle insgesamt bewiesen, daß die Technik des Einmotorflugzeuges noch nicht so weit vor- geschritten ist. daß man ihm derartige Beanspruchungen zumuten darf. Abgesehen von der Unmöglichkeit, eine Nutzlast mitzunehmen, ist dos Gefahrenmoment bei dieser Art von Apparaten, noch dazu, da sie nur bei ruhiger See auf dem Meer niedergehen und sich günstigstenfalls wenige Stunden schwimmend erhalten können, viel zu groß, als daß sie für einen regelmäßigen Flugverkehr in Frage kommen. Dem neuen Unternehmen eine sichere Prognose zu stellen, ist außerordentlich schwierig. Die Weltrekordflieger Risticz und Edzard sind gescheitert. Könneck« und Loose hoben es dicht schaffen können. Nun will es Hauptmann Koehl, der mit der„Bremen" s'Vm einmal mitgeflogen ist, auf eigene Faust versuchen. Oie Gasbetriebsgesellschast muß zahlen! Bekanntlich hat die Gasbetriebsgesellschaft sich geweigert, ihren Arbeitern die gleiche Lohnzulage zu machen, wie sie die Arbeiter ber Berliner Städtischen Gaswerke erhalten haben. Bei den heutigen Lerhandlungsn wurde ein Schiedsspruch abgegeben, der d i e gleichen Lohnsätze aufweist, wie der Lohn- tarif für die städtischen Gaswerke. Damit ist erneut anerkannt worden, dos die Gosbetriebsgesell- schaft ihren Arbeitern die gleichen Lohn- und Arbeitsbedingungen einräumen soll, wie sie in den städtischen Gaswerken gelten. Oer Traum des Fememörders. »Ieht trete ich endgültig der KpO. bei!" Oonez-Gefangene in Moskau. Im Gefängnis der Tscheka. Di« verhafteten reichsdeutschen Techniker vom Donczbergbau sind bereit» in Moskau, und zwar im Gefängnis der GPU., Letbjankastraße 3, untergebracht. Legationsrat Dr. S ch l i e p Hot sie dort besucht, was auch Botschafter Graf B r o ck d o r f f- Rantzau noch tun wird. Der Zeitpunkt des Prozeßbeginns steht noch nicht fest. Oer große Kampf in Sachsen. Die Ltniernehmer drohen mit der Aussperrung. Die Drohungen des Unternehmertums mit Massenaus- sperrungen sind neuerdings zur Manie geworden. Sie zeigen, daß das Unternehmertum vor nichts zurückschreckt. um seinen Willen durchzusetzen, die Lebenshaltung der Ar- beiterschaft auf der niedrigsten Stufe zu halten. Diese Drohungen können zwar längst nicht mehr die Arbeiterschaft schrecken, um so mehr aber sollen sie die S ch l i ch t u n g s- Instanzen bis hinauf zum Reichsarbeitsminister unter Druck setzen, damit diese Instanzen„im öffentlichen Interesse" zur Wahrung des von den Unternehmern selber bedrohten Wirtschaftsfriedens den Wünschen der Unter- nehmer stattgeben. Als die Vereinigung der Verbände sächsischer Metall- industrieller in voriger Woche beschloß, sämtliche Arbeiter- belegschaften heute Donnerstag nach Arbeitsschluß auszu- sperren, drehte es sich in der Hauptsache darum, den Reichs» arbeitsminister zu veranlassen, den Manteltarif- schiedsspruch für verbindlich zu erklären, den die Arbeiter abgelehnt, die Unternehmer aber angenommen haben. Dieser Zweck der Massenaussperrungsandrohung ist bis jetzt nicht erreicht. Daneben verfolgte die Drohung den Zweck, auf die Teilstreiks der Metallarbeiter in Sachsen zur Er- höhung der Löhne einzuwirken. Auch dieser Zweck ist nicht erreicht worden. Das Unternehmertum in der sächsischen Metallindustrie hat es bis zur Stunde noch in der Hand, die Aussperrung zu oermeiden. Es liegt ihm nichts an der Aussperrung selber, bei der der Schornstein nicht raucht, als an dem Druck, den ihre Androhung bewirten soll. Ueber den augenblicklichen Stand der Dinge liegt uns folgende Meldung vor. Dresden. 12. April.(Eigenbericht.) Am Mittwoch, dem 11. April, wurde im sächsischen Arbeitsministerium das Vorverfahren in der Lohn- und Ferien st reitfache der Leipziger Metall- i n d u st r i e fortgesetzt. Nach mehrstündiger Begründung der Forderungen durch beide Parteien wurde die Ber- Handlung vom Schlichter als ergebnislos abge- brachen» da die Unternehmer auch in dieser VerHand- lung jeden Verständigungswilleu vermissen ließen. Nach dieser Sachlage wird nunmehr die Schlichterkammcr in dieser Streitsache zu entscheiden haben. Die Verhandlungen für die sächsische Metall» i n d u st r i e erfolgen im Vorverfahren heute. Donnerstag. Nach dem Scheitern der gestrigen Ver- Handlungen für die Leipziger Metallindustrie wird nun- mehr eine Schlichterkammer gebildet, die ihre Entschci» dung aber erst nach Ablauf der heutigen Verhandlungen für die sächsische Metallindustrie treffen wird. Die Schlichtungsmaschine zur Abdrehung des Kampfes in der sächsischen Metallindustrie ist also im vollen Gang. Die Durchführung der Aussperrung ist abhängig von dem Gang der heutige« Ver- Handlungen. Die Metallarbeiter brennen auf den Lohnkampf, während de« Metallindustrielle« vor der praktischen Durchführung der Aussperrung bangt. Die Flucht aus Moabit. Welche Kolgen kann die Gesangenenbefreiung haben? Von den an dem Ueberfall im Untersuchungsgefängnis bete!- ligten Kommunisten ist noch keine Spur gefunden worden. Ein Gerücht, das von weiteren Verhaftungen in dieser Angelegenheit wissen will, trifft nicht zu. Die Kriminalpolizei hat die ganze Nacht hindurch Nachforschungen angestellt und verschiedene Stellen, wie die Wohnung der Studentin B e n a r i o in der Ionasstraße, be- obachten lasten. Der oerhaftete Schlächtergeselle Karl Philipp wird auf dem Polizeipräsidium verhört. Wie er sagt, wurde unter mehreren Kommunisten vor etwa 8 Tagen davon gesprochen, daß so viele Genossen im Gefängnis säßen und so dem Wahlkamps ent- zogen würden. Irgendeine Verabredung wurde dabei auch nicht getroffen. Borgestern trat nun«in ihm unbekannter Mann an ihn heran und sagte, daß etwas unternomnien werden sollte. Näher ließ er sich darüber nicht au» und Philipp fragte auch nicht weiter. Der Mann erklärte nur, wenn er eine Sache mitmachen wolle, so solle er sich am Mittwoch morgen um 9 Uhr Uhr am Löwendenkmal vor dem Kriminalgericht einfinden. Pünktlich sei er denn auch dagewesen. Einer der anderen habe die Führung über- nommen; er, Philipp, habe bis zum letzten Augenblick nicht gewußt, wer befreit werden sollte. Der Führer habe nur gesagt:„Jetzt geht's los!" Bei dieser Darstellung bleibt der Derhostete, der voraussichtlich noch im Laufe des Vormittags dem Untersuchungs- richter vorgeführt werden wird. Zur strafrechtlichen Seite dieser in Deutschland sehr seltenen Art von Gefangenenbesreiung ist folgendes zu bemerken: Man unter- scheidet Gesangenenbefreiung und die Selb st gefangenen- b e f r e i u n g. Letztere ist nicht strafbar, die Gefangenen- befreiung durch Dritte ist es jedoch. Der Gedanke, der den Gesetz- geber bei dieser Regelung geleitet hat, ist der:' der Freiheitsdrang des Menschen ist so groß, daß er durch keinerlei Strafen unterdrückt werden kann. Aufgabe des Staates ist es, auf die Gefangenen selbst zu achten. Erfüllt er diese Pflicht nicht, so soll der Gefangene für«ine menschlich-verständliche Tot nicht erneut be- straft werden. Eine zweite Frag« ist es jedoch, inwieweit sich der Gefangene nicht anderer Delikte bei seiner Gesangenenbefreiung strafbar macht. Würde er beispielsweise seinen Wächter nieder- schlagen, so würde er, je nach dem Tatbestand, wegen schwerer Körperverletzung oder Mordes zu verurteilen sein. Bei Ausbruch aus dem Gefängnis dürste meistens Sachbeschädigung vorliegen, die jedoch nur geringfügiger Nowr sein und dementsprechend nur milde bestraft wird. Der Gefangene, der«inen Befreiungsversuch gemacht hat. kann jedoch ohne weiteres disziplinarisch bestrast werden, indem ihm alle Vergünstigungen entzogen werden. Auch wird dann in den meisten Fällen sofort die Strafhaft verschärft. Di« Gefangeninbefreiung durch dritte Personen ist als selbständiges Delikt strafbar, ebenso die Beihilfe und Mittäterschaft dazu. Der Gefangene selbst jedoch, der befreit werden soll, kann niemals wegen Beihilfe zu dem Delikt des Dritten bestraft werden. Denn ist schon die Gefangenenselbstbefreiung straflos, so kann man sich nicht einer minderen Forni der Gefangenenbesreiung, wenn es sich um die eigene Person handelt, strafbar machen. Vom Gasiod gereitei. Vier Personen in Lebensgesahr. Ein schweres Gasunglück, das um ein Haar mehrere Todes- opfer gefordert hätte, wurde in der vergangenen Nacht im Hause Monumentenstr. 27 im letzten Augenblick- verhütet. Der 47jährifle Maler Max Reiche», sein« 45jährige Frau Hedwig, die 7l1jäHrige Mutter des Mannes, sowie eine ISjährigc Verwandte wurden in Ihrer Im Quergebäudc des Hauses gelegenen gemeinsamen Woh- nung durch Gas vergiftet bewußtlos ausgesunden. Die Rettung»- versuche der Feuerwehr und des Arztes der nächsten Rettungsstelle waren glücklicherweise von Erfolg: doch war der Zustand der Gas- vergifteten so bedenklich, daß si« in das Schön«berger Krankenhaus gebracht werden mußten. Gegen 2 Uhr nachts hörten Nochbarn in der Behausung Reiche»» schweres Stöbnen, das immer stärker wurde Als auf Klopfen nicht geöffnet wurde, und auch ein starker Gasaeruch wahrgenommen wurde, drang man in die Wohnung ein. Unmittelbar hinter der Tür lag regungslos R e i ch e l t. In den Betten des völlig mit Gas angefüllten Schlafzimmer« wurden die drei Frauen. die ebenfalls das Bewußtsein verloren hatten, aufgefunden. Die zn Hilfe gerufene Feuerwehr und der Arzt der nächsten Rettungsstelle nahmen Wiederbelebungsversuch« mit Sauerstoff vor, die auch von Erfolg waren. Im Hause hält man es für möglich, daß Reiche», der zuweilen trinkt, und häufig lärmende Austritte verursachte, mit Absicht den Gashahn geöffnet hat, um mit allen gemeinsam in den Tod zu gehen. Ein bestünmter AnHoll hat sich dafür aber noch nicht ergeben, und es kann ebensogut eine Fahrlässigkeit oder ein Unfall vorliegen. Die Kriminalpolizei ist mit der wei- teren Aufklärung noch beschäftigt. Die Nationalsozialisten von Lichterfelde. Heute morgen um 1» Uhr begann der Staatsanwall mit seinem Plädoyer im Prozeß der Nationalsozialisten von Lichterfelde. Er zerpflückte rückhaltlos das Märchen von dem angeblichen Ueberfall der Kommunisten auf die Nationalsozialisten. Es wäre ein Unsinn anzunehmen, sagte er, daß 23 Mann sich erkühnt hätten, über 600 herzufallen. Schon in Trebbin haben die Nationalsozialisten durch ihr Verhalten keinen Zweifel darüber gelassen, daß sie an den Kommunisten ihr Mütchen kühlen wollten. Während der Fahrt von Trebbin nach Lichterseld« oersuchten si« in einem fort, an die Abteile der roten Frontkämpfer heranzukommen. In Lichterselde gelang es ihnen schließlich, ihre Absicht auszuführen. Sie, nicht die Kommunisten haben den Landfrieden gebrochen. Der Staats- anmalt ging in allen Einzelheiten die Aussagen der Angeklagten, der Nebenkläger und der Zeugen durch und stellt die Beteiligung und die Schuld jedes der auf der Anklagebank sitzenden National- sozialisten fest. Internationaler Pädagogenkongreß. Der Internationale Pädagogisch« Kongreß Berlin 1928 wurde heute vormittag im Großen Schauspielhaus eröffnet. Den«inleitenden und grundlegenden Vortrag über»Linter- nationalen Geist und nationale Erziehung" hielt Dr. Becker, der preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung. Er betonte, daß die zustandegekommene Gründung internationaler Lehreroerbände und dieser internationale Pädagogen- kongreß ein Bekenntnis zur internationalen Zu- fammenarbeit auf dem Gebiete des Erziehung?- wesens bedeutet. Das Ziel der Völkerverständigung und Völterverföhnung stellt Lehrern und Erziehern eine besonders schwierige Aufgabe. Di« Derwirklichung des interna»»- nalen Gedankens ist, führte der Minister aus, nicht gleichbedeutend mit Herbeiführung eines Völkerrnischmaschs und Auslösung nationalen Sonderbewuhtscins, wie auch der demokratische Gedanke nichts mit mechanischer Beseitigung natürlicher Verschiedenheiten der Men- sehen zu tun hat. Was demokratischer Geist für die Dolksgemeiisichaft bedeutet, das soll der internationale Geist für die Völkergemeinscl�'t werden. Wahrhast internationaler Geist entsteht nicht durch Ver- Wässerung des Begriffs des Rationalen. Sozialen oder Religiöstn, auch nicht durch Zwangsvorschriften völkerrechtlicher Art. Er stammt. aus derselben Quelle wie soziale und religiöse Toleranz. Nur wenn der M-nsch im anderen Menschen jeder Nation, Klasse od-r Religion dos Ewige und Göttliche anerkennt, das er in sich erleri und für das er den Respekt des Mitmenschen fordert. dann ist die seelische Voraussetzung geschaffen, aus der der Tempcl einer neuen Menschheit sich erheben kann. International« Organ!» sation kann au? Zusammenarbeit der Völker entstehen, inter- nationaler Geist ober mir aus einer neuen Gesinnung zwischen Mensch und Mensch. So führt der Wunsch, den internationalen Gedanken zu pflegen, an die Basis der n a t i o- nalen Erziehung überhaupt. Wir können, schloß der Minister, aus dem Nationalen Denk- und Fühlzwang nicht heraus. Aber der Trieb zum Uebernationalen steht Jdaneben und ist ebenso schicklal- hait, wie unser nationale? Selbstbewußtsein. Jede Pflege des Menschheitsgedonkens verleiht der nationalen Erziehung eist Hinter- grwnd. Tiefe und Bedeutung. Individuum, Rotton, Menschheit, dies« drei empfangen Ihren Adel aus Menschentum und Menschlichkeit.(Langem hattender Beifall.) Jüdisches Volkstheater. Gastspiel im Theater des Westens. Die winzigen Juden im riesigen Rußland wachten auf. Einige regierten mit im Staat«, und es verbreitete sich sogar das Gerücht, die Revolution s«i nicht unter dem Sowjetstern, sondern insgeheim unter dem Dovidschild über Rußland gekommen. Wie dem auch sei, Wahrheit ist, daß diese russischen Juden aus das Theaterspiel«n ver- sessen sind. Im alten Russisch-Polen bildeten sie Wandertruppen. die man höchlichst bewunderte. Schon bei Stanislawski spielten viel« tüchtige Juden. Tairosf und Meierhof, der blaue Logel und die Habima, all diese russischen Theaterunternehmungen, die in Europa und Amerika soviel Anklang fanden, waren vollgestopft mit talen- tierten Juden. Sie waren innerhalb der internationalen Theaterwelt die weichen, romantischen Sprecher. In Berlin, London, Paris und New Park wimmelte es von jüdischen Regisseuren, Stars und Hel- binnen, von schmelzenden Baritons und Tenören, deren Böter und Großväter noch in der schlichten Synagoge dem chimmelsherrgott feierliche Loblieder zelebriert hotten. Den jargonjüdischen Schauspielern, die diesmal aus Moskau kommen, geht«in großer Ruf voran. Man hörte wiederum von der strengen Schule, in die sie sich unter Führung ihres Regisseurs Alexis Granowsky begeben hatten. Da wurde zunächst der komödian- tische Körper akrobatisch und tänzerisch ausgebildet. Der ganze Leib sollte ein Teil des Bühnenraumes werden. Die Hände und besonders die Finger, diese spielerischen, verführerischen Kunstwerkzeuge, die schlingernden Beine, der an sich blockartig starre Hals, all dieses sonst verschlafene und vernachlässigte Menschenanhängsel wollte man der- artig exerzieren, daß die Gelenke und Muskeln mit maschmellcr Boll- kommenheit arbeiteten. Theaterkunst für das Auge, ohne das fenti- mentale Gerede von der überirdischen Inspiration, nur gestellt auf Arbeit und Training, das kultivierte man. Studio heißt echt russisch auch diese Erziehungsanstalt der jüdischen Komödianten. Alles das ist geglücki. Wir sehen dreißig Komödianten. Herren und Damen, die im rhythmischen Turnen die Note I verdienen. Der Regisseur baut ihnen Hindernisse auf. Er gebietet ihnen, mit einem einzigen Schritt auf einen hohen Tisch zu schnellen, wie das die Zirkusakrobaten tun. Man nimmt auf besonders geschraubte Clowns- monier Platz. Jemand wird am Strick vom Schnürboden aus die Bühne hinuntergewirbelt. Er wickelt sich fix und schlangenartig aus der Verstrickung heraus. Oft tanzen die Schemel und die Tische auf der Bühne mit. Die ganze Gesellschaft stolziert über eine Brücken- treppe, die ebenso anzusehen ist wie die Brücke, auf der Alldeutsch- lands Götter zur Wallhalla einwanderten. Es gibt zahlreiche Platt- formen zum Absprung. Man vermeidet jeden normalen Schritt, man übertugelt sich, liegt auf dem Bauch oder Hintern und federt sich wieder empor, ohne die Armstütze zu benutzen. StehaufmännleiN und Stehaufweiblein mit Spiralen im jüdischen Leib, dem man nach jahrhundertealtem Ghetto-Exil gar nicht soviel Spieluhrentüchtiglrn zutraute, das ist das Ideal. Diese Spieluhren gruppieren sich, und sie tanzen humoristisch durcheinander, sie sind stet» bereit, ein« ver- wegen«, das normale Gleichgewicht betrügende Haltung anzunehmen. Der Ballettmeister sagt At-itud« und deutet aus den französischen, uralten Ursprung dieser Technik hin, die wiederum von spanischen Lehrmeistern nach Frankreich übernommen wurde. Die jüdischen Künstler führen eine musitalische Komödie aus: „2 0 0 0 00." Der Regisseur hat das Stück noch einem Text von Schalem Alechem zurechtgeschnitten, wohl verstanden: nicht ge- dichtet, nur für die Bühne zurechtgemacht. Es ist ein primitiver Text für Analphabeten, die sich in der Stegreifposse amüsieren sollen. Probleme ernsthafter Art werden vermieden. Man soll weder warm noch wild werden. Man soll nur über die Kunststücke staunen. Neben- bei geschieht'es noch, daß ein armes Schneiderlein 200 000 Rubel in der Lotterie gewinnt. Das Schneiderlein wird ein reicher Mann. ein wichtiger Mann, eingeladen bei den jüdischen Raffkes, die ihm zum Tempel hinausjagen, da ihm Schwindler sein Glücksgeld wieder abgejagt haben. Wie gewonnen, so zerronnen. Das ist die Devise. Noch ein mora- lischer Trumpf wird aufgesetzt. Das Schneiderlein hat eine sehr dicke Ehehälfte und ein schlankes Töchterlein und einen kreuzbraven Ge- sellen und selber noch seine fleißigen Hände. Also das Mädel schleu- nigst unter die Haube und morgen wieder die Schneiderbeine unter den Bauch. Amen, Hoasiannareigen, Hochzeitszeremonie, die Fiedel- leute trippeln herein. In Sowjetrußland, das die soziale Revolution bis zum letzten I-Tippelchen befiehlt, wird diese blendende Artistik gezüchtet. In Solvjetrußlond blättert man diese soziale Kindersibel auf. Vielleicht sollen die jüdischen Blusenleut« im Theater Galle gegen«ine Ver- gangenheit ausspeichern, die solche kindische und tleinbürgerlichs Volksposse möglich machte. Vielleicht laufen die Blusenleute auch zu den jüdischen Komödianten, weil sie trotz aller mistigen Gegenwart das soziale Problem in so freundlichem und rosigem Lichte zeigen. In Berlin staunten wir jedenfalls nur die Akrobatik an. Die Musik, aus Gassenhauern und synagogaler Schmalzigkeit gemischt, ist jüdischer Tingeltangel mit Couplets. Das wurde aus ganz Europa zusammengeborgt, und der jüdische Maestro hat noch sein Urväter- liches Tandaradei Mes ist kurios, nicht sehr lange zu ertragen, schließlich er- müdend, well die Augen dos Technische bald begriffen hoben. Sinn de» Ganzen? Einen tieferen Smn, eine stiller« Tragik etwa oder eine nationale und religiös« Note entdeckt man weder im Texte noch in der Musik. Die Augenlust ist allzu bald übersättigt. Es fehlt das tönende Wort, es fehlt die Wehmut, es fehlen alle Kunstkräfte, die die -Phantasie in Schwung bringen. Max Hochdorf. Möbeltransportfireik beendet. Die Arbeit wird sofort wiederaufgenommen. Mit dem Ergebnis der gestrigen Verhandlungen zwischen den Berliner Möbelspediteuren und der Lohntommission der Möbel- Iransportarbeiter beschäftigt« sich heute vormitlag im Gewerkschafts- Haus eine Versammlung der Streikenden. H e l l m a n n vom Ver- lehrsbund schilderte zunächst eingehend den Gang der Verhandlungen, die schließlich zum Abschluß der Vereinbarung führten. Hellmann betonte, daß dieser Vergleich auch du Verhandlungs- kommission nicht voll befriedige, daß sie aber die Vereinbarung ge- troffen habe, weil es sonst nach ihrer als auch der Auffassung der Streitleitung aussichtslos erscheint, bei längerer Streikdauer ein besseres Ergebnis zu erzielen. Im Interesse der Organisation ersuchte Hellmann die Versammelten, die Arbeit wieder genau so geschlossen ausz» nehmen, wie sie am Dienstag voriger Woche niedergelegt wor- den ist. In der verhältnismäßig kurzen Diskussion wurde die Haltung der Verhandlungskommission und der Organisotionsleitung f a st einstimmig gebilligt. Allgemein wurde bedauert, daß es nickt gelungen ist, die Laufzeit des neuen Lohnobkommens kürzer festzusetzen als auf ein Jahr. Die Arbeit wird noch im Lauf« des heutigen Tages, spätesten» jedoch morgen früh zum üblichen Arbeitsbeginn wieder aufgenommen werden. Lim die Arbeitszeit im Ruhrbergbau. Essen, 12. April. Heule vormitlag um 10.15 Uhr begann die Schlicht er. kammer für den Lohn- und Arbeit, zeilkonflikt im Ruhrbergbau ihre Tätigteil. Die Sommer besteht aus je fünf Herren der beiden Parteien und tagt unter dem Dorsih des Schlichters für Westfalen, Regierungsrat D r e f ch. Bei der Schwierigkeit der Materie und den weit aus- einandergehenden Anschauungen der beiden Parteien ist kaum damit zu rechnen, daß heute noch ein Schiedsspruch ergehen wird. Die Zementarbeiter wollen streiten! Bochum, 12. April(Eigenbericht). Die Funktionär« oller Gewerkschastsrichtungen haben für die westdeutsche Zementindustri« nach Ablehnung des Lohn- schiedsspruches den Streit beschlossen. Als Tag der Ar- beitsniederlegung ist der 26. April festgesetzt worden. Landbund gegen Oeuischnaiionale. Der Landbund für Mecklenburg-Schwerin hat bekanntlich die Ausstellung einer eigenen List« zu den bevorstehenden Reichs- tagswahlen beschlossen. Von der Leitung des Landesverbandes Mecklenburg der Deutschnationalen Voltspartei wird über die gescheiterten Verhandlungen mit dem Landbund bezüglich Lsstenausstellung unter anderem mitgeteilt, daß die Ansprüche des Landbundes nicht in Form von Wünschen, sondern in Form von Fort mit den Scherben! ,Ich denke, der neue Besen wird gut kehren!'" diktatorischen Fordern ngen geltend gemocht worden seien. deren Ablehnung unbedingt die Ansstellunq einer eigenen Landbund- liste noch sich ziehen sollte. Sachliche Meinungsverschiedenheiten zwischen der Deutschnationalen Partei und dem Landbund hätten nicht vorgelegen. Die Verhandlungen seien in der Hauptsach« daran gescheitert, daß der Landbund Dr. Wendhau s«n unbedingt auf die deutschnational« List« bringen wollte, während die im Wohltreis vereinigten drei deutschnationolen Landesverbände Dr. Dendhausen nichi für geeignet hielten, di« Gesamtheit der deutschnationolen Wählerschaft im Wahltreis zu vertreten, und weil der Weg, Dr. Wendhausen auf di« Reichsliste der Deutschnationalen Volks- Partei zu bringen, sich nicht als gangbar erwiesen habe. Gin neuaufgemachier Zirkusfilm. (primus'palost) Bor Iahren, als man von einem Filmmonuskript in jedem Meter Hochspannung und alle zehn Meter irgendein« Explosion ver- langte, und der Held mindestens erst zehnmal dem Fllmstar das Leben gerettet hotun mußte, bevor ihm das Publikum den Dauer- tuß zugestand, war„Die letzte Galavorstellung d«s Zirkus Wolfson" ein« Sensation. Und' da augenblicklich die Filmindustri« gerade den Serienartikel Artiftenfilme auf den Markt wirft, wurde auch die Geschichte der Eva Wolfson neu aufgezogen. Damit hat man den Zuschauern k«in« Freude bereitet und die immerhin ganz gute Erinnerung an den Film selbst völlig zerstört. Die Neuaufmachung mutet an wie ein unfreiwilliges komisches Entrec. Wir haben heute nicht mehr das geringste Verständnis für den Arsssten(A d c l m o B u r i n i). den Bösewicht aus verschmähter Liebe: ebenso wenig wie uns der triumphierende Liebhaber (Saetta Gamb in o) imponiert, der eichhörnchengleich sich durch den Raum schwingt, um seine Gegner anzuspringen und sie gehörig zu verhauen. Helen Allan, die Diva, ist, obwohl sie recht fvei» gebig ihre Reize zeigt und zudem wirklich spielen kann, letzten Endes doch s o zurechtgemacht, daß sie sich außerhalb der heutigen Geschmacksrichtung präsentiert. Eine Sensation, die in Ehren besteht, bleibt der Asse als Kindesräuber. Diese Szenen hätte man al» Anschauungsunterricht für Regisseure, Photographen usw. wieder. holen können, doch die Galavorstellung selbst hätte man die letzte sein lassen müssen. Das Publikum war bei der Uraufführung f«hr beifallsfreudig, weil es die anwesenden Hauptdarsteller ehren wollte. e. d. Die Oürer-Ausstellung in Dürnberg. In der Folge der Feierlichkeiten anläßlich des Beginns des Dürerjahres 1328 fand Mittwoch die Erössnung der großen Dürer- ausstellung im Germanischen Nationolmuseum statt. In drei großen Sälen sind die großen Nürnberger Altarwerke aus dem letzten Drittel de« 15. Jahrhunderts untergebracht. Bon Dürers Lehrer Wohlgemut sind alle bedeutenden Altäre vorhanden, ebenso Arbeiten Pleydenwurss, dessen Schüler Wohlgemut war. Don einem unbe- kannten Zeitgenossen Wohlgemuts sseht man das Hersbrucke? Altar- werk. Altartaseln vom Ende des K. Jahrhunderts und Zeichnungen, die der Wohlgemutwerkstatt nahestehen, birgt ein kleinerer Saal. Den Originalwerten Dürers ist ein großer Oberlichtsaol gewidmet. Alles, was an bedeutenden Werken Dürers zusammengebracht wer- den tonnte, ist hier zu sehen. Eine Uebersicht über di« Werte der Schüler Dürers, so Schouseleins, Hans v. Kulmbachs u. a. hat man in einem anderen, kleineren Saal ausgestellt. Ein weiterer Raum zeigt Arbeiten Grünewalds, des heute neben Dürer am höchsten geschätzten deutschen Rcnaisiancemeisters, ferner Malereien, die für Frühwerke Dürers gehalten werden. Außerdem sind in diesem Kabinett Arbeiten Dürers kleineren Formats untergebracht, während die folgenden Kabinette Dürer als Zeichner gewidmet sind, darunter ein Kabinett mit dem berühmten Gebetbuch Kaiser Maximilians. Hier bietet sich ein« einzigartig« Gelegenheit, das große Gebiet Dürerscher Zcichenkunst kennen zu lernen. Ander« Ausstellungsräume zeigen graphische Werke Dürers, den unerschöpf- lichen Schatz der Stiche und Holzschnitte, die mit der Zeit Allge- meingut des deutschen Volkes geworden sind. Dürers„Rosevkronzfest" und die Tschechoslowakei. Die 2«r- Handlungen, dl« der tschechische Staat wegen des Ankaufs des Rosenkranzfeste»" von Dürer mit dem Stift Strohow führt, sind so weit gediehen, daß nur noch die Zustimmung des Finanzmini- steriums einzuholen ist. Dos Dürerbild, um dös sich bekanntlich auch dos Berliner Nationolmuseum beworben hat, wird somit aller Voraussicht nach der Tschechoslowakei erhalten bleiben. „Kn'hi" im Residenztheater. Situationen, über di« schon die Großellern lachten, werden auf Hochglanz gebügelt. Daß ein unternehmungslustiger, junger Herr während eines ganzen Stückes als Dame herumlaufen muß, ist aus„Charleys Tante" bekannt, und der Schwank„Die spanische Fliege" bezog seine zähe Lebensdauer aus der Tatsache, daß ein uneheliches Kind gar nicht unehelich war. Zu diesen beiden Dwgm gibt der Verfasser Richard Jäger di« beliebte Situation hinzu, daß die Geliebte gerade am Hochzeitstag den Bräutigam beglücken möchte. Um Komplikationen zu vermeiden, wird das unglückliche Wesen als Mann kostümiert, woraus besonders schwierige Lust- spielkomplikatlonen entstehen. Warum die Geliebte ausgerechnet am Hochzeitstag in ein fremdes Haus hineinplatzt, wird nicht näher erklärt. Es wird überhaupt nichts erklärt, man muß alles einfach hinnehmen. Außerdem sind Chansons eingestreut, zu denen Sieg- wart Ehrlich Schlagermelodien lieferte. Leider können die sonst ausgezeichnen Darsteller kaum singen, so daß die Melodien teil- weise wirkungslos verpuffen. Die Aufführung hat gutes Niveau, kann ober auch nicht über die Geiftlosigkeit hinwegtäuschen. Ferry Werner sorgt für Tempo bei der Abwicklung der Handlung. Lia E i b e n s ch ü tz, Maly Delschaft, Bespermann und P o i n t n e r wahren gute Lustspieltradition. Eva G o t t g e t r e u hat Sinn für groteske Wirkungen und Philipp M a n n i n g als Oberst a. D., der aus alter Gewohnheit die Diener Front machen läßt, spielt den alten Militär mit der Neigung, sich über diesen Typ aus vergangener'Zeit lustig zu machen. Das bleibt wenig- stene erfreulich.— t. Die Bonzen verschwinden. In China passieren in letzter Zeit merkwürdige Dinge. Wäh- rend der Bürgerkrieg tobt und die neuen Ideen ihren Einzug halten, hat man jetzt einen Schritt gewagt, der die alte Kultur des Reiches der Mitte tatsächlich in ihren Grundfesten erschüttern würde. Man will die Bonzen abschaffen, die mächtigen Geistlichen, die seit Jahrtausenden die alten Sitten aufrecht erhalten und deren Herrschaft sprichwörtlich geworden ist für das Regiment überlebter und verzopfter Ideen. In der Provinz Se-Tfchuan hat man es gewagt, Ihre Besitzungen zu konfiszieren und sie aus ihren Posten zu entfernen. Alle Bonzen, die unter 40 Jahre alt sind, werden ohne jede Pension entlassen und müssen sehen, wie sie sich auf eigene Füße stellen. Nur die Bonzen über 40 Jahre erhalten eine jähr- liche Pension von drei Ptkuls Reis, das ist nicht mehr als etwa 400 Pfund, und davon werden sie Ihr Leben fristen müssen. Die Zeiten sind also in China schlecht für die Bonzen, aber es wäre vorschnell zu glauben, daß nun ihr Regiment überhaupt zu Ende Ist. denn di« Bonzen leben ewig— nicht nur in China. Ein neues Goya-Rluleum. Die Kapell« des heiligen Antonio de la Florida in Madrid, die von Goya mit berühmten Fresken geschmückt wnrde, ist jetzt zum Museum erklärt worden: sie wird nicht mehr für den Gottesdienst benutzt, nachdem ein« neue Kapelle etwa 30 Meter entfernt errichtet wurde. Die in den herrlichsten Forben strahlenden Bilder waren durch den Rauch d«r Kerzen beim Gottesdienst verdunkelt worden, und so will man sie nun er- holten, indem man den Raum nur noch als Museum benutzt, das bei den Feierlichkeiten aus Anlaß feines 100. Todestages ein- geweiht wird. Llustkchroulk. In der StaatSoper spielt alt Solist de» 6. Kleinpercr- Konzert» Stonile» Huderman heute da» violi»- Konzert»o« Rendel»s»hn. Sie Soya�hedeatfeleru)ti Spanien. In Madria fand Mittwoch in der Akademie der Klljille eine Sifcunq zur Erössnung der Feierlichkeiten au» Mnlith de» 100. lobeÄfage» fflüno« statt. Mehrere Redner verherrlichten da» Werk de» bedeulcnden spanischen Maler». «nftein Mitglied der schweb. Akademie. Tie schwedische Akademie der Wissenschaften bat den Nobelpreisträger Professor Wert Einstein zum au-V ländifch« Mitglied gewählt. Sechzig Jahre verheiratet. Kleiner Abriß aus einem harten Arbeiterleben. In unserer allzu schnellebigen Zeit des raschen Sich findens und ebenso raschen Auseinandergehens erscheint einem eine 60jährige eheliche Gemeinschaft fast als ein fleines Surio.| Jn Belzig bei Berlin begeht das greise Ehepaar Heinrich und Friederike Faltenthal am 13. April das Feft ihrer diamantenen Hochzeit. Jm fleinen Belzig mit seinen winteligen Straßen und Gassen und dem holprigen Pflaster, das man seiltänzerhaft zu überschreiten trachtet, steht in einer Reihe ehrwürdiger Altersgenoffen auch das Häuschen, das die alten Leutchen beherbergt. Durch ein niedriges Tor mit einer altersschwachen Klinte kommt man in einen winzigen, stodfinsteren Hauseingang, der wiederum in einen genau so antiten ländlich dekorierten Hof mündet. Ein majestätisch wir. tender Dunghaufen beansprucht fast die ganze Fläche für sich, malerisch drapiert von alten Blechgeräten und sonstigem Gerümpel. Es steht da aber noch ein Kleinfinderwägelchen, dessen Insasse sich merk. lich seines jungen Lebens freut. Vom Hof führt eine ziemlich steile lich seines jungen Lebens freut. Vom Hof führt eine ziemlich steile Wendeltreppe nach oben, zur Behausung der beiden Alten. Seit 43 Jahren bewohnen sie hier ein Zimmerchen. Alles ist nett und sauber, die Wände reich gefchmückt mit Photographie der zahlreichen Familienangehörigen; jeder der drei Hochzeitskränze, der grüne, der silberne und der goldene, hat seinen Ehrenplatz unter dem Glassturz. Am Tisch stehen bereits die Bestandteile für den Festtagstuchen. Die beiden Jubilare find troß ihres hohen Alters hatten wir einen Ball und damit war's genug." Aber trotzdem ist er noch gern auf der Welt. Die bessere Hälfte scheint von ihrem ausgiebigen Erdenwallen nicht so restlos begeistert zu sein. ,, Ach,' s wird einem auch über, die lange, lange Zeit, ewig die Sorgen mit den Kindern und mit der Arbeit, und der Notgroschen, der ging in der Inflation auch zum Teufel und jetzt sind wir nicht mal mehr in der Leichenkasse drin. Und überhaupt," hier bekommt bas gute Geficht den Zug der Bitternis, Arbeiter sollen nicht so alt werden! Das ewige Duldertum der Sorgenträgerin Weib schreit nach Ruhe und Frieden von aller Qual. Es geht ihnen nicht gut. Die Kinder brauchen das ihre für sich und unterstützen sie gar nicht. Bloß am Sonntag schicken sie uns eine Karte vom Ausflug," meint der Alte mit wehmütigem Lächeln. Sie werden von der Stadt erhalten; er befommt 22,50 m., fie 20 m. im Monat. Davon gehen 5 M. für Miete ab, dann kommt noch Wassergeld und Schornstein feger, und eſſen und trinken will man schließlich auch. Es reicht halt nicht her und nicht hin," meint die Frau. Jeßt, in diesen Tagen, Sonnenstrahl der Freude und des Auflebens in ihr Dasein. Und da sie Mittelpunkt des Geschehens find, fällt doch wieder ein kurzer wenn's gut geht, dann feiern sie in fünf Jahren die„ Eiserne". erzählt 84, sie 81@enze ungemein rüftig und geistig rege. Sie find gerade in lebhafter Unterhaltung mit einigen ihrer Kinder, die zum Besuch gekommen sind. Die beiden Alten sind geborene Belziger, auch ihre Eltern waren Belziger und haben ihr ganzes langes Leben, mit Ausnahme einiger fleiner Abstecher nach Berlin, in ihrem Heimatstädtchen verbracht. Der Mann war Maurer und hat bis zu seinem 79. Lebensjahr sein schweres Handwert ausgeübt. Die Frau, die durch Landarbeit zum Haushalt beisteuerte, hat noch bei der letzten Kartoffelernte fleißig mitgemacht. Aber jetzt geht's nicht mehr," meint sie. Von den 11 Kindern, die sie zur Welt brachte, sind sechs noch am Leben; die älteste Tochter hat auch schon ihre 60 Jährchen auf dem Buckel. Unter Krankheiten hatten sie nicht allzuviel zu leiden. Der Mann hatte einmal Lungenentzündung und faltes Fiebers und ein paarmal die Grippe; die Frau ist sogar noch weniger front gewesen. Jetzt sind sie beide pugmunter, die Augen funktionieren wohl schwach, aber doch, ebenso das Gehör. Indem ich mich stumm nach einer Kochgelegenheit umsehe, meint die Alte: Stochen tu ich natürlich da hinten," und sie weist auf einen fleinen Berschlag neben der Stube, aber mit einer Kochmaschine habe ich mein Leben noch nichts zu tun gehabt. Ich to cheam Dreifuß." Und schon zeigt Fie mir diese primitive und doch so finnreiche Kochvorrichtung der Urpäter. Drinnen in der Stube steht auch noch der gute, alte Ramin, da wird mit Kien geheizt, und an den langen Winterabenden hoden sie zur Spinnstunde hier alle zusaminen. # 1 Wie ihnen denn so die neue Zeit gefällt? Ach, gar nicht so recht," meint er, früher war doch alles ganz anders, hauptsächlich aber die Menschen. Die waren nicht so anspruchsvoll und nicht, so für's Bergnügen, und dann waren sie einig, und es gab nicht so viel Bereine( er mag da wohl Parteien gemeint haben). Im Winter Theater, Lichtspiele usw Donntg., 12. 4.28 Staats- Oper Am Pl.d.Republ. 8 Uhr Donntg., 12.4.28 Städtische Oper Bismarckstr Ab.- Turn. 1. Anf. 71/2 6. Klemperer Das Wunder der Hellane Konzert Staatl. Schauspielh. Staatl. Schillerth. Am Gendarmenmarkt 7 Uhr Charlottenburg 8 Uhr Gespenster Faust I Volksbühne Deutsches Theater Norden 12 310 Abonnementsbüro: Norden 10 338-39, 8 Uhr, Ende 10 U. Zum 55, Mal Letzte Aufführung Zwölftausend Morgen 7 Uhr: Zum 1. Male Pygmalion Kammerspiele Norden 12310 34, U., Ende nach 10 Zum 89. Mal Finden Sie, daß Constance sich richtig verhält? Barnowsky- Bühner Th. Königgrätz. St. Bergm. 2110. 81 Uhr: Flucht von John Galsworthy Regie Victor Barnowsky Komödienhaus Norden 6304. Tägl. 8, Uhr: Broadway Walhalla- Th. Weinbergsweg 19/20 Nur noch heute 814 Uhr Im weißen Röß'l Freitag u. folg. Tage Tobias Knorke Die Komödie Vorzeiger dieses zahlen für Parkett Ein Pressephotograph, der seine Aufnahmen vom Ballon aus macht... Theater am Kottbusser Tor Kottbusser Straße 6. Tel. Mpl. 16077 Täglich 8 Uhr Sonntag, nachmittags 3 Uhr Elite- Sänger Gr. neuer April- Spielplan, u. a. Die tolle Lolo von Max Reinhardt Am Stammtisch von B. Croé Reichshallen-Theater 8 Uhr, Sonntg. nachm. 3 Uhr Stettiner Sänger nachm. halbe Preise, volles Programm! Dönhoff- Brett'l: Groß. April- Programm Tanz. Anf. 8 Uhr. Sonntags 5%. Bismarck 2414/7516 auch Sonntags statt Rose- Theater Metropol- Th. Ende 10%, U. 4.- Mk. når 60 Pl. Zum 75. Mal Theater am Bülowplatz Th. am Schiffbauerdamm Marcel Fradelin 8 Uhr 814 Uhr ( Der Eunuch Die rote Der Zigaretten- Theater des Westens Robe kasten Renaissance- Theater Steinplatz.901. Gastspiel Saltenburg- Bühnen Ots. Künstler- Th. 8 Uhr: Moskauer Jud. Schwarz- Weiß akad. Theater Garnowsky- Bühne 8.10 Uhr Coeur Bube. Täglich 8 Uhr Piscatorbühne Theater am Nollendorfplatz Kurfürst 2091/93 Heute geschlossen. Sonnabend, den 14. 7 Uhr: Premiere Der letzte Kaiser von Jean Rich Bloch Lustspielhaus Dir. Dr. Martin Zickel 8 Uhr. Guido Thielscher in Unter Geschäftsaufsicht" Gr. Frankf. Str. 132.1 Zentrum 128 24 8 Uhr: 8% Uhr: Sterne.d. wieder leuchten Der Graf von Luxemburg Berliner Theater Matzner, Hoffmann, Direktion Kuhnert Jolan, Hell, Kettner, Goroll. Charlottenstr.90/ 91.05nh.170 8 Uhr Die Bollé Sisters" Thalia- Theater Ein Berliner Volks8 Uhr: Planetarium am Zoo stück von Das Kamel geht ,, 200 000 Verläng. Joachimsthaler Straße Friedmann- Frederich.Max Adalbert, Lea Seidl, Lori Leux durch das Nadelöhr Musikal. Komödie Noll. 1578 16%, und 19 Uhr: Kleines Theater Der Sternhimmel Täglich 8 Uhr: der Heimat Käte läßt sich 18 u. 21 Uhr: Im Reiche der verführen Mitternachtssonne Lustspiel v.H.Sturm Klinder, Bogner, Kinder ant. 15 lahren 50 Insz.Karlheinz Martin Residenz- Theater Kettner, v. Mollendorf Gastspiel im Lessing- Theater Norden 12798 8 Uhr Konjunktur v. Leo Lania Insz. Erwin Piscator 814 Uhr: Fritzi Musik. Schwank Delschaft, Eibenschutz, Gotige trea, Manning, Pointner, Vespermann Arbeiter- Theater- Ausstellung Unions Festsale, Greifswalder Straße 222. Täglich geöffnet von 10 bis 20 Uhr. Bintritt 20 Pfg., Erwerbslose 10 Pfg. Täglich: Vorträge Donnerstag: Gasbarra, Die Piscatorhühne. Freitag: Becher- bend: Joh. R. Becher, Fichte- Sprechcher Täglich 20 Uhr: Bühnen saal In der Ausstellung: Modelle von Piscator, Proletkult, Blaue Blusen und arderen. Eintritt 1 M. Winterten Winter Garten Uhr das Programm der 12 Attraktionen 12 Näheres siche am Säulenring Grosses Anfang Schauspielhaus Ende 8 Uhr REGIE: 11- Uhr CHARELL SCALA 8 Uhr Nollendor 7360. Das AprilSensations- Programm mit zum ersten Male in Deutschland auftretenden Varieté- Kunstkräften. Th.i. Admiralspalast Täglich 8, Uhr: Rose Marie Sonntag MADAME 2 Vorstellungen POMPADOUR 3 Uhr nachm die ganze Vorstellg zu halb. Preisen Komische 81, Uhr Oper 81%, Uhr James Klein's gewaltiges neues Revue- Stück: Zich' dich aus! 200 Mitwirkende. Vorverkauf ab 10 Uhr ununterbrochen CASINO- THEATER 8 Uhr Lothringer Str. 37. Doktor Klaus. Ab 19. April: Die schwebende Jungfrau Ausschneiden! Gutschein 1-4 Pers. Fauteuil nur 1,10 M.. Sessel 1,60 M. Leihhaus Hans Kiekbusch[ G.F.19 höchste Beleihung jedec Wertsache Danziger Str. 2 anderschöne STEMPEL Stempel Kinder auf der Straße.. Beobachtungen in Gebirgsgegenden. Wer in diesen prächtigen Ostertagen in deutscher Mittelgebirgslandschaft gewandert ist, hat folgendes beobachten fönnen. Mitten in den von Motorradlern und Autos durcheilten Straßen der Dörfer und kleinen Städte spielt die Jugend ihre üblichen Spiele, fährt auf dem„ Roller" kreuz und quer daher und achtet nicht der warnenden Töne der Hupen. Ja, ihr Uebermut treibt sie zu unbesonnenheiten, die dem Augenzeugen solcher Heldentaten den größten Schreden einjagen. Zwei Beispiele für viele: die Bergbahn schnauft in dem tiefen Einschnitt bergauf: ein Rubel Knaben läßt sich im Augenblid, da der Zug in ihrer Höhe ist, den Abhang hinunterrollen, so daß sie an der kleinen Böschung, auf der die Schienen liegen, angelangt von dem Schwung des Trudelns in die Höhe geworfen werden. Mit Indianergeheul begrüßen fie dieses Emporhüpfen wie leicht tann der Schwung sie gegen die Räder oder Wagenflächen des Zuges werfen! Das andere Beispiel: ein nicht ganz forrett rechts fahrender Motorradler faust die Bergstraße hinab, nur ein paar Fußgänger sind zu sehen. Plötzlich ein Krach: aus einer Gartentür ist ein mit zwei Knaben befeßter Sportwagen herausgeschossen die hervorstehende Lenkstange wurde vom Autler gestreift, umgedreht, der Wagen auf die Seite geworfen... es ging glücklich ab, aber eine Sekunde früher oder später: das Unglück des Bufammenstoßes ist nicht auszudenken. Wir möchten unsere Beobachtungen währenb mehrtägiger Bergwanderung dahin zusammenfassen, daß die Fahrer an und für sich das Tempo herabsetzen, reichlich Warnungszeichen geben, mit einem Bort sich der Gefahren bewußt find, die im Gebirgsterrain vorhanden sind. Daß dagegen die Bevölkerung jener Gegenden eine zu unbekümmerte Haltung einnimmt und namentlich die Kinder nicht genügend von den Straßen fernhält, der Umstand, daß viele Straßen nur Sonntags cder an Feiertagen stärker belebt find, mag dazu beitragen, daß ein gewiffer Leichtsinn in der Beurteilung der Gefahren sich breitmacht. Im Intereffe aller Beteiligten wäre zu wünschen, daß nicht nur den Uebertreibungen der Autler entgegengetreten, sondern auch die P. D. Jugend zu größerer Vorsicht erzogen wird. vorsichtig sind, in den Kurven und belebten Stellen sich der Schiedsspruch im Hamburger Hafen. Hamburg, 12. April. In den gestrigen Verhandlungen vor dem Schlichtungsausschuß Hamburg über die Hafenarbeiterföhne fällte der Vorfigende einen Schiedsspruch, der eine Erhöhung der Hafenarbeiterlöhne ab 1. Mai 1928 Don 8,20 m. auf 8,60 m. für die erste Schicht vorfieht. Diese Bohnregelung soll erstmalig zum 31. Oftober b. Is. fündbar fein. Die Parteien haben sich zu dem Schiedsspruch bis zum Dienstag, dem 17. April, zu erfären. Wefterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgebung.( Nachdruck verboten.) Start bewölkt bis trübe und ziemlich fühl, vereinzelt etwas Regen. Für Deutschland: Ueberall ziemlich fühl, größtenteils trübe und vielfach etwas Regen. Berantwortlich für die Rebaktion: Eugen Brager, Berlin: Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag: Borwärts Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts Budh bruderei und Berlagsanftalt Baul Ginger& Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Sierzu 1 Beilage. GERMANIA- PRACHTSALE CARL RICHTER Berlin N 4, Chausseestr. 110:: Norden 473 u. 6080 Säle für Festlichkeiten, Kongresse usw. bis 1200 Personen fassend zu den günstigsten Bedingungen.[ 146 Gute Küche:: Gepflegte Blere: Solide Preise Bien's Festsäle Kreuzbergstraße 48- an der Katzbachstraße Täglich außer Dienstag und Freitag Großer altdeutscher Ball Rundtänze Zwei Kapellen Deutsche G. 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Nur ganz wenigen war es beschieden, von Romantik des Krieges etwas zu erfahren, und einer von ihnen hat seine Erlebnisse in einem hinreißenden Buch fest- gehalten. Allerdings erlebte er sie nicht an den Fronten, die sich durch unseren mechanisierten Erdteil zogen, sondern in einen, Land, das dem Urständ der Natur näher ist als Europa: es ist der Eng- länder T. E. Lawrence, der den genialen Gedanken, der Türkei einen großen Aaraberoufstand in die Flanke zu jagen, in die Tat iimfctzte. Das Buch, das von atemraubenden Begebenheiten nur so strotzt, heißt„Aufstand in der W ü st e" und ist, von Dagobert von M i k u s ch ins Deutsche übertrogen, im Verlag Paul L i st zu Leipzig erschienen. Einer der blutigen Witze der Weltgeschichte bleibt es dabei, daß dieser über die Maßen erfolgreiche Agitator und Organisator des Kriegs und Siegs ein Z i v i l i st ist und sich weidlich über die Starr- heit der Generäle von Beruf lustig macht. Ein junger Gelehrter, Orientalist, in arabischen Dingen wohl beschlagen, sitzt er, notdürftig in eine brittsche Offiziersuniform gesteckt, in Kairo auf einem mili- törischen Bureau und geht in der Abfassung von arabischen Tages- berichten und Rapporten über die türkische Armee und in der Zeich- nung von Landkarten auf. Aber als er an einem Oktobermittag des Jahres 1916 in dem arabischen Küstenort D j i d d a landet, ist er in seinem rechten Element. Fortan fährt er mit seinen unermüdlichen Versuchen, die Halbinsel gegen die türkische Oberherrschaft fort- zuteißen, als Flamme bald in trockenes, bald auch in nasses Stroh, bis endlich dank seiner Totkraft ganz Arabien in Brand auf- geh, und lodernd über den osmanischen Streitkräften zusammen- schlägt. Als Araber unter Arabern. Bis es soweit ist, bedarf es freilich vieler, vieler Tausend« von Galdpsund, die das reiche England durch Lawrences offene Hand i» der Wüste ausstreut, bedarf es noch mehr einer schier Übermensch- lichen Willenskraft, die vor keiner Anstrengung, keinem Mißerfolg zurückschreckt. Wenn es nottut, eilt der junge Engländer auf einem Kmonenbost durchs Rote Meer nach Suez, um den Etappenbehörden in Kairo Beine zu machen, oder saust im Flugzeug ins Hauptquartier nach Jerusalem, um beim Oberkommando Unterstützung für seine Sache herauszuschlagen. Aber den Durchschnitt aller Tag« und R ilchte verbringt er, oft ohne einen weihen Gefährten. alsAraber unter Arabern, schläft unter Flöhen, Wanzen und Läusen in ihren Zelten und legt in dem Land, das an Umfang Deutschland siebenfach übertrifft. Hunderte, legt Tausende von Kilometern auf schnellem Reitkamele zurück. Oft geht es durch trostlos« Oeden, über eintönigen, glitzernden Sand oder blank polierten Schlamm, über Lehmflächen oder harten Kalksteinboden: oft strahlt der nackt« Fels zu Seiten des Weges G l u t w e l l e n aus, die Schwindel und Kopfschmerzen verursachen, Sandstunn von Hochosenglut läßt die ausgedörrten Lippen aufspringen und zerreißt die Haut, stickige Hitze preßt sich wie eine Bleimaske aufs Gesicht; oft friert der herbe Winter auf den kahlen Hochflächen den Soldaten alle Zuversicht aus dem Leibe, eisiger Nord fährt durch die Kleider, daß man nackt zu sein wähnt, die Kamele'brechen in dem halbgefrorenen Schneeboden auf Schritt und Tritt ein, und die Menschen führen, bis ihnen die Füße bis auf die Knochen zerschunden urit» zersetzt sind, die Tier« ergeben am Zügel. Dazu die Fliegeiiplage, die Moskitoplag«, die Schlangen- plage, und selten nur wird zum Schmaus ein i» Fett und Rosinen gedämpfter Hammel oder ein vor kurzem geborenes Kamelkalb in saurer Milch aufgetischt: sonst gibt es nur warmes Brot, grüne Datteln und lederarttge Kamelsehnen. Unter solchen Entbehrungen und Anstrengimgen schrumpft Lawrence auf zweiundneunzig Pfund zusammen, aber er ist, von der Wüstensonne braunrot ge- bronnt, ein kleines zähes Kerlchcn, meist als der einzige sauber rasiert, in ein Eingeborenei�ewond von weißester Seid« gehüllt und durch eine scharlachrot«, golddurchwirkte Mekknkops schnür und einen goldenen Dolch im Gürtel ausgezeichnet. Eine Kopfprämie von 20000 Pfund. Genugtuung für einen Drausgänger, dem dos Abenteurerblut so in den Adern braust, ist es, daß die Türken eine Prämie von 20 000 Pfund auf seinen Kopf aussetzen: stärkere Freude gewährt es, daß er alle Reize eines fremden Landes, olle Offen- barungen eines fremden Volkes mit stets aufgeschlossenen Sinnen zn empfangen oennag. Welche Abwechslung allein für die K«- ruchsnerven: in Djidda ein Muff von Verbrauchtsein, von Aus- dünstung vieler Menschen, von ständigem heißen Badedunst und Schweiß, anderwärts der strenge Geruch der die Hänge überwuchern- den Wacholderfträuchern, wieder anderswo der Duft welken Grases in einer Nacht voller Geräusche. Vor allein aber erlebt dieser unser Zeitgenosie des zwanzigsten Jahrhunderts unaufhörlich Menschen und Szenen aus den Tagen der von Homer besungenen Kämpfe. Der müde schleppende Marsch einer Komvognie Feldgrauer aus der Ruhestellung in den vorderen Groben, und daneben in Lawrences Leben und Farben sprühender Darstellung der Marsch einer Ab- teilung Ageyel-Araber, die in zwei Flügeln reiten: „Ein miifordernder Trommelwirbel, und der Dichter des rechten Flkigels stimmte einen schrillen Gesang an. einen frei erfundenen Zwei, zeiler zum Ruhm von Faisal und von den Herrlichkeiten, die er uns in Wedjh verschaffen würde. Der rechte Flügel horchte gespannt aus den Vers, nahm ihn auf und soizg ihn gemeinsam einmal, zweimal, dreinral, stolz, selbstzufrieden und herapssordernd. Aber ehe sie zum vierten Mal« ansetzen konnten. itimmte der Dichter des linken Flügels eine Entgegnung aus dem Stegreif an, in gleichem Vers und Rhythmus, aller noch leiden- schaitlicher im Gefühl. Der linke Flügel brach jn Beisallstriumph au», die Trommeln rasselte» von neuem, die Banner träger entrollten die großen leuchtend roten Fahnen, und alles, recksts, links und in der Mitte, stimmte im Chor den brausenden Gesang der Leibgarde an. Sie sangen von Nedjh, das sie verloren hatten, und den Frauen von Maabda und Djidda und Suez. Es war ein schönes Lied im rhythmischen Takt, den die Kamele liebten, so daß sie die Köpfe senkten, die Hälse vorstreckten und mit weit«isgreisenden Schritten träumerisch dahinschwankten." EinHäuptling,der achtundzwanzigmal verheiratet ist Mit welchen Führergestalten kommt er zusammen! Da ist, heute von Englands Gnaden König des Irak, Faisal, Sohn des Königs Hussein von Hedjas, der gegebene Mann, die Er- Hebung Arabiens zum glorreichen Ende zu bringen: ein Stimmungs- mensch, pendelnd zwischen Hoffnungsseligkeit und Verzweiflung, heiß- blütig, empfindlich bis zur Unvernunft und unberechenbar im Zorn, in der Umgebung Abdul Hamids zum Meister schlauer Diplo- matie herangereift und ganz erfüllt von seinem großen Werk. Da ist der Scherif Ali ibn el Hussein, der barfüßig ein trabendes Kamel im Lauf einholen, eine halbe Meile neben ihm Schritt halten und dann in den Sattel springen kann, da R a z i m, der vor einem gefahrvollen Unternehmen sich selbst mit einer feierlichen Ansprache an seinen Säbel dem Tod« weiht, da der Scherif Schakir, auch in der äußeren Erscheinung ganz ein Nomade von den hornigen Füßen bis zum geflochtenen Haar,„und sogar diese Haare selbst waren echt beduinisch reich bevölkert", da ist nicht zuletzt A u d a a b u Tayu, ein Häuptling unter den Häuptlingen, der acht und- zwonzigmal verheiratet und dreizehnmal ver- w u n d e t war und 75 Feinde mit eigener Hand im Kampf erschlagen hat— da ihm einfällt, daß er sein fallches Gebiß von Djemal Pascha erholten hat, hämmert er es an einem Stein in Stücke, Gemahnt diese ganze Welt so an Karl May, daß man fast auf das Auftauchen von Hadschi Halef Omar wartet, so steht es nicht anders mit den waghalsigen Abenteuern Lawrences, wenn er mit kleiner Schar türkische Posten aufhebt oder Brücken sprengt und fahrende Truppenzüge in die Luft fliegen läßt. Aber hinter dem allen birgt sich das große Problem, das Zusammenrassting der in ihre uralte Stammesverfassung eingekapselten Araber heißt. Des Widersinns sich bewußt, daß ein Fremder einem Volk die nationale Freiheit predigt, glaubt Lawrence doch an die Be- wegung, aber immer wieder muß er erleben, wie sich die einzelnen Stämme, eben noch durch Blutrache miteinander verfehdet, im Rahmen des Ganzen argwöhnisch gegenüberstehen, und wie manch- mal ein ganzer Klan es satt bekomnit und abzieht. Aber gerade in diesen letzten Kämpfen, die L a w r e n c es Werk krönen, erweist sich, daß auch der„romantische" Krieg eine viehisch« Sache ist. Da sie e» nach ihrer Auffassung mit Rebellen zu tun haben, wüten die Türken mit wilder Grausamkeit auch gegen Frauen und Kinder der Araber, und die Araber folgen dem unerbittlichen Gesetz der Wüste: Auge um Auge!, indem sie nach Möglichkeit auch Verwundete abschlachten und Gefangene über die Klinge springen lassen. Aber erst die Greuel von Tafas! Als sich die Türken in Rückzugspanik in dieses arabisch« Dorf werfen, metzeln sie schonungslos nieder, was sie erreiche» können, Männer, Frauen, Kinder. Lawrence, mit seinen Leuten einrückend, be- merkt auf einer niedrigen Schafhürde etwas Rotes und Weißes, sieht genauer hin und erblickt den Körper einer Frau über die Lehmwand gelegt, Rücken nach oben, dort festgenagelt mit einem Sägebajonett, dessen Heft größlich zwischen ihren nackten Schenkeln hervor in die Lust ragt. Um sie liegen noch andere, vielleicht zwanzig, auf di« verschiedenst« Weise hingemetzelt. Voll Scham, wie Menschen zu Bestien werden, bekennt Lawrence:„Jn blinder Raserei, erweckt durch di« Greuel von Tafas, töteten und töteten wir, zer- schlugen wir selbst noch di« Köpfe der Gefallenen, stachen Tiere nieder, als könnten nur Tod und rinnendes Blut unseren Schmerz lindern." Mehr noch bedrückt Lawrence ein anderes. Jn den Jahren des Manderns durch Kalkfteinödnisse ist er so dem Zauber der Wüste mit ihren endlosen Räumen und ihrem großen Schweigen versvllen, daß er Blumen und Wiesen, als er sie zum erstenmal wieder erblickt. »ls etwas Spielerisches empfindet und ablehnt. Er ist fast zum. Araber geworden, und als ihm kurz vor dem Einzug in Damaskus im britischen Lager die wimmelnde und schwatzende Menge der Menschen seiner Rasse umgibt, fühlt er sich abgeschieden von ihnen, wunderlich einsam und den Arabern,„ernst dreinblickenden Männern einer anderen Welt", näher als den europäischen Uni- formen. Denn in der Zeit, da er ein feuriger Sachwalter der arabischen Bewegung war, verwuchs er mit ihr. Ost hat ihn das schmerzliche Bewußtfein überfallen, daß er die höchsten Ideale der Araber schnöd« ausbeutet und ihre Freiheitsliebe zum bloßen Werk- zeug in Englands Diensten mache, und auch als der Sieg nur mehr eine Handbreft entfernt ist, raunt ihm der Wind aus dem staubigen Grün der Tamarisken zu, wie sterbensmüde er dieser Araber sei: Diese halben Semiten, in deren Wesen Höhen und Tiefen lagen, unerreichbar für unsere Fassungskraft, wenn auch nicht ver- borgen unserem Blick, waren gewissermaßen die D e r k ö r p e- rung des Absoluten in uns Menschen mit ihrer schranken- losen ungehemmten Fähigkeit sowohl zum Guten wie zum Bösen. Und zwei Jahre lang hatte ich, nur um sie aus- zunutzen, fälschlich ihren Gefährten gesp i el t.. Niemals ist uns„der ungekrönte König von Arabien", dem di« Stäinme als den,„Wegbereiter der Tat" zujauchzen, menWrth näher als in diesen Augenblicken selbstquälerischer Bitternis. GrelelirterirepmWi� in Daves. Das von hohen Bergen umgebene, geschützt liegende Hochtal von Davos, dessen mildes Klima jährlich Tausende herbeilockt, die hier ihre beschädigte Gesundheit wiederherstellen wollen, zeigt zurzeit ein ganz eigentümliches Gepräge. Im Mittelpunkt der Ereignisse steht ein Kongreß, der sich ganz bescheiden„Erste Internationale Hoch- schuttagung" nennt— ein Name, aus dem man nicht ersehen kann, was sich hier neues begibt. Und doch wird man auf diese Tagung sein ganzes Augenmerk richten müssen, denn es wird hier großzügig .Prof. Eünst c. f.<(1) und Frsu(2), Prot. Brühl(3). auf wichtigsten Gebieten neues versucht. Die Auswahl der Ge- ladenen ist geschickt getroffen worden. Geladen und gekommen sind vorwiegend solche Professoren aus Deutschland, der Schweiz und Frankreich, die eine Bewegung, insbesondere die Jugend hinter sich haben. Der Jugend etwas zu bieten, sie in innigeren Kontakt zu bringen zu ihren Lehrern, das ist der Leitgedanke dieser Tagung. Jeder Professor war ermächtigt worden, zwei bis drei seiner befähigtste», möglichst unbemittelten Studenten mitzubingen, für die die begeisterte und aufopferungsvolle Davoser Bürgerschaft und Ge- meinde 130 Freiplätze geschaffen hatte. Besonders für die- jenigen, die von großen Universitäten herkommen, wo diese per- sönliche Fühlungnahme zu ihren Lehrern den Studenten ganz un- bekannt ist, aber um so stärker von ihnen oermißt wird, können dies« Hochschulkurse, die zu einer ständigen Einrichtung werden und zweimal im Jahr in Davos tagen sollen, eine begrüßenswerte Er- gänzung des Universitätslebens werden. Das persönliche Verhältnis von Professoren und Studenten. ferner die glückliche Verbindung von geistiger Arbeit und körperlicher Betätigung, von Wissenschaft und Sport, die in Davos in reichem Maße gegeben ist, ist noch nicht alles, vielleicht nicht einmal das wichtigste, von dem, was sich hier anbahnt. Nicht nur für die Studenten, auch für die Dozenten gibt es hier etwas Neues. Was sie seit ihren Universitätstagen nicht mehr getonnt haben, selbst als Lernende, als Fragende zu den Dozenten anderer Fakul- täten, anderer Universitäten, ja anderer Länder zu kommen, dos wird ihnen hier in reichem Maße geboten. Und für den Geist der hier versammelten Hochschullehrer spricht es, daß sie von dieser Mög- lichteit ausreichenden Gebrauch machen. Wie die jüngsten Studenten steht man hier weltberühmte Professoren wi« Einstein oder Driesch den Borlesungen ihrer deutschen oder französischen Kol- legen lauschen und hinterher in privatem Gespräch sich um das Ver- ständnis benachbarter oder- fremder Wissensgebiete mühen. Ein überaus fruchtbares Unternehmen, angesichts der überhandnehmenden Spezialisierung, die die Kenntnis anderer Wissenschaften hindert und viele Mißverständnisse und Polemiken in den Zeiffchristen zur Folge hat, die so vielleicht durch eine Aussprache spielend aus der Welt geschafft werden können. Nimmt man zu alledem noch den Wert des sich Kennenlernens und der sich augenscheinlich hier anbahnenden Freundschaften der Dozentenffowohl wie der Studenten von Land zu Land, so kann man der Davoser Gemeinde, die die Mittel für diese hoffnungsvolle Tagung aus eigenen Kräften aufgebracht hat, ohne Unter- stützung irgendeiner Regierung, nicht Dank genug sagen. Der gleiche Dank gebührt auch den Komtteemitgliedern, denen es unter der rührigen und totkräftigen Leitung ihres Präsidenten, des Frankfurter Soziologen Gottsried S a lo m o n, gelungen ist, in der kurzen Zeit von zwei Monaten die gesamte Vorarbeft für diese Tagung z« leiste». De. Lllj Heuberg. 37. Fortsetzung. Er rief den Eseln zu. und sie begannen zu marschieren. Aber der barsch war viel schwieriger als Dobbs geglaubt hatte. Ging er vorn an der Spitze, dann blieben die hinleren Esel zurück und singen an zu streuen und auf Seitenpfoden und im Gebüsch nach Gras zu suchen. Verschiedene Male mußte er den Zug anhalten, weil er zurückgebliebene Esel einzubringen hotte. Dann ging er am Ende des Zuges. Nun streuten die vorderen Epl, und der ganze Zug kam auseinander. Dann nahm er Leinen und band jeden Esel an den Tragsattel des vorangehenden, um sie zusammenzuhalten. Wieder nahm er die Spitze. Ader sobald einer der folgenden Zscl nicht nachkam und am Sattel des vorderen zog, blieb der vorder« 'tehen, und der ganze Zug kam zum Halten. Cr begann nun. sich nur mit dem führenden Esel zu beschäftigen, ihn anzupeitschen und so zu zwingen, die anderen nachzuziehen. Das ging einig« fünfzig Schritt«. Dann wurde es dem Esel zu dumm. Cr blieb stehen, stemmte die Vorderbeine fest nach vorn, warf die langen Dhren zurück und stand fest wie«in Fels. Dobbs mochte Ihn peitschen oder ihm di« Stiefel in die Weichen schlagen, der Esel rührte , sich nicht. Er wußte' sa nicht, was los war. Er sollt« vorwärts- maschieren und wurde gleichzeitig noch hinten gezogen Dobbs änderte abermals fein« Taktik und stellte sich selbst an die Spitze des Zuge? und zog den vorderen Esel. Das ging eine Weile sehr gut. Die Esel kamen all« nach. Aber als der führend« Esel gelernt hatte, daß es für ihn leichter und beguemer fei, gezogen zu werden, als frei- willig zu laufen, ließ er sich immer mehr ziehen und schleppen, bis Dobbs schließlich eine solche Last zu ziehen hatte, als hänge ein ganzer Eifenbohnziig an der Leine, die er über der Schulter nach sich zog. Er mußte es aufgeben und versuchte es wieder, von hinten anzu- treiben und am Zug immer auf- und abzurennen, um die streu«nden Esel zusammenzuhalten. Dann kam eine Zeit, wo der Zug ganz willig und mühelos ging. Die Esel wuren in Gang gekommen und hielten sich schön auf dein Pfade. Das ging so ruhig und angenehm, daß Dobbe gemütlich Hinterhenrotten»nd sich eine Pfeife anzünden konnte. Und da er nicht» weiter zu tun hatte, jis ruhig seines Wege» zu schlendern, be- gönnen die Gedanken wieder in ihm zu arbeiten. Ich Hab« nicht sorgfältig genug nachgesehen, dachte er. Der war vielleicht nicht to«. sondern nur schwer verwundet. Jetzt kriecht er durch das Holz und kommt schließlich in ein Indianerdorf. Dann ist alles aus Er drehte sich nnt einem Ruck um, denn er glaubte die Indianer, die ihn verfolgten, um ihn der Polizei zu übergeben, schon hinter sich zu hören. Cr kann ober noch nicht in einem Dorf« sein. Die Dörfer sind weit. Und wenn er auch nicht tot sein sollte, so ist er doch so schwer getroffen, daß er nur ganz langsam vorwärtskommen tonn. Ich muß ihn finden und ihm den Rest geben, dachte Dobbs weiter. Nun ist es doch schon aus all« Fälle Mordversuch und Straßenraub. Das kostete zwanzig Jahr« Heiliae-Morio-Insel. Endlich sah er keinen anderen Ausweg, als wieder umzukehren und aufs neu» nach dem Leichnam oder dem verwundeten Curtin zu suchen. Es fiel ihm ein. daß er noch einer Richtung nicht ein einziges Mal gesucht hatte. Das war die entgegengesetzte Richtung, von der Stell« au», wo er Turtln hatte liegenlassen, über das Lagerfeuer in die andere Seite des Busches. Da hatte er nie nochgeforscht. Und es war ganz klar, daß Curtin weitergekrochen war, weil diese Rich- tung zurückführte in die Nähe jenes Dorfes, das sie gestern nach- mittag gesehen hatten. Dobbs hatte ruhig geschlafen und nichts gesehen und nichts gehört. Vielleicht war Curtin auch gar nicht ganz dicht an dos Lager gekommen, um Dobbs nicht aufzuwecken und den Nest zu bekommen. Wehren konnte er sich sa nicht. Da war kein Zw-isel, in jene Richtung war Curtin gekrochen, und dort mußte"er gesucht werden. Es war kurz vor Abend, als Dobbs wieder zum alten Lagerplatz zurückkam. Er nahm sich keine Zeit, die Esel abzuladen, sondern begann sofort zu suchen. Nun suchte er in jener Richtung mit der gleichen Host und dem gleichen Eifer, mit denen er am Vormittag in der entgegengesetzten Richtung gesucht hott«. Die Nacht ober kam rasch, und Dobbs mußte das Suchen auf- geben. Nun blieb mir noch«in Ausweg für ihn übrig. Er durste kein« einzige Stunde mehr auf das Suchen verschwenden. Morgen früh mußt« er sofort aufbrechen und mit der größten Schnelligkeit die Station in Durongo erreichen, sofort die Esel und Werkzeuge ver- kaufen und sich in den nächsten Zug setzen, um In einer größeren Stadt zu verschwinden. Nach Laredv, Eagle Pas, Brownsoill« oder einer anderen Grenzstation durfte er vorläufig nicht. Denn wenn wirklich Curtin«in Dorf erreicht hatte, oder Howard aus dem Weg« war. dann wurde die Grenz« gar sicher zuerst noch ihm abgesucht. Am vergangenen Nachmittag hott« Dobbs, von der kahlen Stell« eine» hohen Berges aus, schon in der Fern« die Rauchschwaden eines fahrenden Zuges gesehen. Es tonnte demnach nicht mehr allzu weit sein 21. Frühzeitig war Dobb» auf dem Marsch«. Der Zug marschierte leidlich gut, nachdem er In Gang gekommen war. Die Tiere waren williger al» am Tag« zuvor, weil sie nicht solange hatten zu stehen brauchen und weil sie den ersten Teil de» Weges schon kannten. Immerhin, ein Esel brach aus und Dobb» konnte ihn nicht einbringen. Er mußt« ihn ausgeben, well er sonst zuviel Zeit verloren hätte. Bei dem Hinterherjagen war da» Gepäck heftig gegen Bäum« gestoßen, die Gurt« waren g«riflen, und d«r Esel trabt« ohne da» S«pSck weiter. Dobbs nahm sich ober die Müh«, dos Gepäck aufzuteilen. Der Esel würd« ja folgen und am Abend am Lager freiwillig eintreffen. Run tonnte Dobb» biinahe ununterbrochen die Bahnlinie in der Fern« sehen. Der Weg führte den ganzen Tag hindurch immer ab- wärt», hinunter in» Tal. Er hätte leicht am selben Nachmittag die Stationen Ehinocotes oder Guotimope erreichen können. Aber in diesen winzigen Dörfchen wäre er zu sehr aufgefallen mit seinem Zuge, jetzt um so mehr al» vorher, weil er ganz ollein war. Da» hätte Verdacht erregt. Außerdem kaufte ihm in diesen kleinen Oertchen niemand sein« Esel, Wertzeug« oder andere Gegenstände ab, die er verkaufen mußte, um di« Fahrtort« und die Expreßfracht zu bezahlen., Es blieb ihm darum kein« andere Wahl, al» noch die Strecke bi» Durango zu machen, wo er sein« Geschäfte unauffälliger abwickeln konnte. Da» waren noch zwei kräftig« Marschtage, vielleicht gar drei. Wenn er nur wüßt«, ob Curtin tot ist oder nicht. Aber schließ- iich soll man ja seinem guten Glück auch etwas zu tun übriglassen. Alz Dobbs an dem Abend dos Loger aufschlug, sühlt« er sich ruhiger al» die beiden Tage vorher. Es war In der Tat nicht das Gewissen gewesen, das ihn beunruhigt hotte. Es war vielmehr nur da» trübe Gefühl gewesen, das man bekommt, wenn man«in« Arbeit nur halb oder unzulänglich getan hat. Und er hatte seine Arbett mehr als unzulänglich getan. Das rächte sich. Das machte ihn unsicher. Er hätte dem Curtin den Schädel vollständig zertrümmern, ihm das Messer in das Herz stoßen und ihn noch im selben Augen- blick eingroben sollen. Das wäre eine vollkommene Arbett gewesen, die ihm wahre Zufriedenheit und Ruhe gebrocht hätte.„Tu deine Arbeit vollkommen und tu sie sofort', war ihm schon als Kind gelehrt worden. Wo es endlich einmal darauf ankam, hotte er sie weder vollkommen noch sofort getan. Aber da kam der Esel angetrottet, der am Tage ausgebrochen war und jetzt zu seinen Genossen zurückkehrte. Zwei der grosenden Esel steckten den Kopf weit vor und. brüllten. Sie waren gewiß sein« Der Zug marschierte leidlich gut— intimeren Freunde. Der Heimgekehrt« ober ging zu einem anderen Esel, schnüffelte an seinem Hals« herum, kratzte ihn dort mit den Zähnen und begann dann neben ihm zu grasen, so gleichgültig, als sei er gerade nur einmal für sünf Minuten beiseitegetreten und nicht einen ganzen vollen Tag lang einige Meilen hinter dem Zuge her- getrottet. „Da habe ich ja schon Glück,' rief Dobbs lachend aus, als er den Esel antrotten sah.„Das wären fünfzehn Pesos gerettet. Noch zwei Tage, dann kann ich dem Allen ruhig einen Brief schreiben und dem anderen Burschen einen Doktor schicken. Di« können mich dann nicht mehr unter dem Fingernagel kratzen.' Cr wurde so guter Laune, daß er zu pfeifen und schließlich zu singen begann Auch schlief er in dieser Nacht viel ruhiger als di« vorhergehende Nacht, wo er mehrere Male aufgescheucht worden war von Geräuschen, die ihn erschreckten, obgleich sie ganz natürlich waren. Gegen Mittag des nächsten Tages tonnt« er schon, als der Pfad über einen Hügel ging, Durango in der Fern« liegen sehen. Durongo, da» liebliche Juwel der Sierra Madre, dos, immer gebadet im goldenen Licht und leise gefächelt von weichen lauen Winden, die es umschmeicheln wie zarte Frauenhänd«, tosig eingebettet ist zwischen den schützenden Bergen.„Die Stadt des Sonnenscheins' wird es genannt von denen, die es sahen und die sich zurücksehnen nach seiner trauten Lteblichkett. Ein Wunderwerk hat Mutter Erde ihm zur Seit« gestellt wie es kaum ein zweites gibt, den„Cerro del Mercado', einen Berg aus purem Eisen. SM Millionen Tonnen reines Eisen. Mutter Erde ist nicht knickrig, wenn sie einmal die Laune zeigt, Ge- schenke zu machen. An diesem Abend schlug er das letzte Lager auf. Morgen abend wird er in Duvango sein und am darauffolgenden Morgen im Zuge nach Eanito» sitzen. Der Berkaus der Esel und der übrigen Sachen wird schnell vor sich gehen, er wird soviel verlangen, wie er ungefähr benötigt. Er frohlockt«. Cr fühlle sich auf der sicheren Seite. Denn der Wind günstig herüberweht«, tonnte er das Bellen der Güterzüge durch die Stille der Nacht hören. Und dieses merkwürdig heulende Bellen der Lokomotiven, das so unheimlich und geisterhast klingen kann, flößte ihm Empfindungen«in. als wäre er schon in einem Hotel nahe der Eisendahn. Es war der Schrei der Zivilisotton. In diesem Schrei fühlte er sich geborgen. Er sehnte sich nach den Gesetzen, nach der Rechtlichkeit, nach den festen Mauern der Stadt, nach allen den Dingen, die sein Gut beschützen sollten. Innerhalb jenes Bereiches, wo Gesetze das Eigentum bestätigten und wo stark« Mächte dem Gesetz Achtung verschafften, war er sicher. Dort mußte jede Sache, jede Anschuldigung bewiesen werden. Und konnte nichts be- wiesen werden, dann war der Inhaber der rechtmäßig« Besitzer, dessen Eigentum mit Gewehren und Gefängnissen geschützt wurde. Aber er würde es überhaupt vermeiden, sich in Beweisführungen einzu- lassen. Er geht vorsichtig aus dem Wege, allen den Steinen und Steinchen, über di« man so leicht stolpern kann, wenn man seine Augen nach allen Seiten offen halten muß. Was kann Howard machen? Nichts. Versucht er. mit der Polizei oder dem Gericht etwas zu erreichen, dann sitzt er selber drin. Er hat ja eine Mine gegraben und ausgebeutet, ohne di« Erlaubnis der Regierung einzu- holen. Er ha? den Staat und die Nation besiohlen. Wird sich also schön hüten und ettws gegen ihn unternehmen. Und Curtin? Wenn er wirtlich leben sollte, was kann er gegen ihn tun? Ebensowenig. Auch er. Curtin, hat den Staat besiohlen, er muß es ja eingestehen. wenn er eine Anzeige machen will. Dobb» hat den Staat nicht beraubt. Es kann ihm niemand beweisen. Mordversuch? Auch das kann Curtin nicht beweisen. Es hat niemand gesehen. Die Schuh- narben? Wer weiß, in welcher Schlägerei oder gar in welchem Straßenraub, den er verübt hat, er die Wunden bekommen haben mag. Dobbs ist jetzt ein feiner, eleganter, wohlhabender Herr, der sich einen teuren Amoall mieten kann. Ihm glaubt man, wem er mit vornehmer wegwerfender Geste erklärt, dt« beiden anderen feien Straßenröuber Man braucht sie ja nur anzusehen und außerdem haben sie ja den Staat beswhlen. Er wird da» schon drehen. An ihn können ste nicht heran, nicht wenn er unter dem Schutz des Gesetzes steht. Es Ist doch gut. daß es Gesetz« gibt. (Fortsetzung folgt.) WAS DER TAQ BRINGT. iMinumniuii«unanuMiinginniiiiuiiiniiiniinimiimiNninimnaiHiHiiiiiitiDmimiiiiniHmiiiimin»iniiuiiMmi)uiiiniiiuuii