Morgenausgabe 3lr.l75 A 59 45. Iahrgang DSch«»tl!ch TV 5.— S. tw voraus zahlbar. Postbezug Z.72 M. einschl. Bestellgeld. Lluslandsabonne» menl 5�0 M. pro Monat. » D«»Bönvärt«* erscheint wochentLg» rtch zweimal. Sonntags und Montag» einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Abend'. Illustrierte Beilagen.Boll und Zeit' und.Kinderfreund' Ferner .Unterhaltung und Wissen'..Frauen« �-me'..Technik'. Blick in die »elf und �Iugend-Borwarts'. w-v Berliner Volksblatt Freitag 13. April 1928 Groß-Serlinly pf. Auswärts 45 pf. Sit• I• 1 p• 1 1 1 g• StonparelllezeU» Hg Pfennig ReNomezeile ö.-- Reich»« mark.Kleine Anzeigen" das fettge« druckt» Wort 25 Pfennig(zulässig zwei tettaedruckte Worte),(edes weitere Wort 12 Pfennig Stellengesuche das erst» Dort IS Pfennig. iedes weitere Wort 10 Pfennig Wort» über IS Buchstaben zählen für zwei Worte Arbeitsmartt Zeile 00 Pfennig Familianzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen« annahm» im Hauptgeschäft Linden« stroßeS wochentägl von 8»/, di» 17 Upft. Zenteawegan der Sozialdemokratischen Vavtei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstroße 3 Kernsprecher: DönhofI WS— 227 Telegramm-Adr.: Soztaldkmokrat Berlw Vorwäris-Berlag G. m. b. H. Bostscheckkonto: Berlin Z75SS.— Banvont«: Bank der Arbeiter,«itgestelhen «nd Beamten Wallstr. SS. Ditkmua-Gesellschast. Depositenkofie Lwdenftr S Bombenattentat in Mailand. Oer Köm'g von Italien unverlehi.--16 Tote und 40 Verletzte! lieber ein Bombenattentat, das gestern vormittag auf den ftönig VictorEmanuel III. in Mailand verübt wurde und das zahlreicheOpfer verursacht hat. meldete am gestrigen Nachmittag nach vierstündiger Nachrichtensperre die amtliche Stefani-Agentur: ..A« Donnerstagmorgen um 10 Uhr. kurz vor der offiziellen Eröffnung der Mu st ermesse von Mai» land. ist vor ihrem Eingange auf dem Place Ginlio Eesare eine Höllenmaschine explodiert, die in den Tockel einer Straßenlaterne gelegt worden war. Die Splitter haben den Tod von 14 Personen verursacht ond außerdem 40 Personen mehr oder weniger schwer verletzt. Trotz dieses schmerzlichen Vorsalles hat der König die offizielle Eröffnung der Mustermesse vorgenommen, indem er die wichtigsten Stände pro- grammäßig besichtigte. Alle vorgesehenen Kundgebungen des Königsbesuches, mit Ausnahme des Galabesuches in der Scala. werden stattfinden. Die Polizei macht eifrigst« Nachsorschungen zur Er- «ittlung der Urheber. Einige Inspektoren der General- direktion des Sicherheitsdienstes sind bereits nach Mai- land unterwegs. Auf die Ergreifung der Täter ist eine Belohnung von 100 000 Lire ausgesetzt worden." ' ♦ Das Attentat ist zweifellos das Werk von Anarchisten. die in Mailand fest j�her über einen relativ starken Anhang verfügen. Es gibt nichts Sinnloseres. als derartige Anschläge, denen in den meisten Fällen nur gänzlich unbeteiligte Zuschauer zum Opfer sollen. während sie ihr eigentliches Ziel fast immer verfehlen. Es szi nur an das furchtbare Bombenattentat gegen den König Alfons XIII. in Madrid an seinem Hochzeitstage erinnert. dem das Königspaar zwar entging, während nahezu 50 un- schuldige Passanten getötet wurden. In Mailand selbst haben im Lause der letzten Jahrzehnte wiederholt anarchistische Bombenottentate stattgefunden, so z. B. im Jahre 1021 bei einer Festvorstellung im Scala-Theater. wobei ebenfalls nur harmlose Zuhörer getötet oder gräßlich verstümmelt wurden. Solche terroristische Methoden werden von der organisierten Arbeiterschaft grundsätz- lich abgelehnt und entschieden verurteilt. Schon Karl Marx hat den Trennungsstrich des Sozialismus vom Anarchismus gezogen, indem er die von ihm gegründete Erste Internationale auflöste, um sie von B a k u n i n. dem Vater des Anarchismus, und von den Anhängern seiner Lehren zu säubern. Auch die K n m- m u n i st e n lehnen grundsätzlich die anarchistischen Methoden ab. In Sowjetrußland wurden die Anarchisten von den Bolschewiki fast noch rücksichtsloser verfolgt als die Mensche- wiki und Sozialrevolutionäre. Für anarchistische Taten außerhalb Sowjetrußlands haben zwar die Kommunisten mehrfach eine durchaus unangebrachte Sympathie bekundet, ober auch für sie dürfte nicht der geringste Anlaß vorliegen. eine Tat zu beschönigen, für die selbst das blutbefleckte faschistische Regime keine Entschuldigung bietet. Mit Recht werden alle italienischen Antifaschisten jede Gemeinschaft mit der Mailänder Schreckenstat ablehnen. Denn vom Standpunkt der Gegner des saschistischen Regimes ist es überhaupt sinnlos, noch dem Leben des Königs Victor Emanuel zu trachten, der alles eher denn ein Nutznießer des faschistischen Regimes ist. Es ist zwar richtig, daß er durch seine geradezu klägliche Schwäche in den Tagen des Marsches auf Rom im September 1922 die Errichtung der faschistischen Herrschaft erleichtert hat, es ist auch unbestreitbar, daß er durch seine fortwährende Nachgiebigkeit gegenüber Mussolini zunächst die Aushöhlung, sodann allmählich die völlige Ab- schaffung der geltenden Verfassung ermöglicht hat, so daß der Vorwurf, er habe seinen Verfassungseid gebrochen, durchaus begründet ist. Andererseits steht ober fest, daß Victor Emanuel den Faschismus nur widerwillig erträgt. Bezeichnend für die wirklichen Gefühle des Königs gegen- über dem„Duce" ist die bisher unwidersprochen gebliebene Darstellung, daß der König im Dezember 1924 gelegentlich einer Tagung des Völkerbundsrates in Rom B r i a n d ver- traulich um seinen Rat bat, wie er sich von Mussolini befreien könnre. Nur die Sorge um seinen Thron hat ihn däanals daran gehindert, die entscheidenden Schritte zu unter- nehmen, obwohl ihn sein Eid auf die Verfassung eigentlich längst dazu verpflichtet hätte. Vor drei Iahren, und zwar besonders während der Matteotti-Krise, wäre es für ihn noch ein Leichtes gewesen, durch einen Appell andieArmee der Gewaltherrschaft Mussolinis ein Ende zu machen. Dazu hat er damals den Mut nicht aufgebracht, und heute ist es wohl bis auf weiteres für eine derartige Auflehnung zu spät. Immerhin hat der König bei verschiedenen Anlässen den faschistischen Forderungen Wider st and geleistet, in manchen Fällen sogar mit Erfolg. So hat er sich bis heute geweigert, das Dekret zu unterzeichnen, durch das der im Exil lebende und gegen den Faschismus rührig tätige ehe- malige Ministerpräsident N i t t i seiner italienischen Staats- angehörigkeit für verlustig erklärt werden sollte. Auch die immer wieder hinausgeschobene Verkündung des neuen, rein faschistischen„Wahlrechtes" soll ans Widerstände des Königs zurückzuführen sein, der im Hinblick' auf die Verfassung einen letzten Rest von Parlamentarismus retten möchte. Wenn auch die Sozialisten die Hoffnung längst aufgegeben haben, daß die Befreiung Italiens durch eine Auflehnung des Schattenkönigs Victor Emanuel gegen den wirklichen König Mussolini erfolgen könnte, so setzen doch viele bürger- liche Antifaschisten immer noch eine schwache Hoffnung auf den Träger der Krone. Wollte man die Urheber nach dem kriminalistischen Grundsatz„oui bono?"—„wem kommt das zugute?"— suchen, so müßte sich der Verdacht auf ganz andere Kreise als aus die Anarchisten lenken. Dennoch können wir, obwohl wir den Faschisten allerhand zutrauen, nicht denken, daß die Mailänder Höllenmaschine den Zweck verfolgte, durch Be- seitigung des Königs dem„Duce" zur alleinigen Herrschaft zu verhelfen. Vielmehr bleibt bis auf weiteres die einzige plausible Erklärung ein anarchistisches Attentat. Das olles wird Mussolini natürlich nicht hindern, das Mailänder Attentat als das Werk von Antifaschisten hinzustellen und für einen neuen Vernichtungsfeld- zug gegen seine bereits ohnmächtigen Feinde zu miß- brauchen. Die faschistische Partei hat zwar in Mailand durch einen am Nachmittag plakatierten Ausruf vor Roche- akten gewarnt. Aber die Kommentare der Mai- länder faschistischen Abendblätter verfolgen offenbar den London. 12. April. sEigenbericht.) ver japanische Minister des Innern Z n z n k i erklärte in einer Rede, daß die von der Opposition aufgestellte vehouptung, die Re- gierung sei dem Parlament gegenüber verantwortlich, eine Illoyalität gegenüber dem Kaiser darstelle. arbeitet und dann zum Preise von 250 bis 700 Dinar>« Kilogrami* im Detailhandel verkauft. Für das Jahr 1928 wurde die Pflanzunz von insgesamt 1 022 780 000 Tobakstöcken erlaubt, davon entfalle« auf die Herzegowina mit 265 330 Bewohnern nur IIS Million«, oder 449 Tabatstöck« je Kopf: aus die serbisch-mazedonisch«, Bezirk« aber viel mehr. Die Herzegowina bekam 1927 für de, produzierten Tabak 98 Millionen weniger als 1924. Daher dü Hungersnot. Die Verteilung de» Regierungskredits an die passiven Gegenden wird auf sehr ungerechte Weise vor, genommen. Nach Meldung der„Politika" bekamen die nichlserWschei Länder(Dalmatien, Herzegowina, Kroatien) von den geforderte, 69 639 000 nur 37 500 000 Dinar; die serbischen Länder von den ge forderten 107 408 000 Dinar 51 000 000 Dinar. Der Bezirk sausschus von T r a v n i t(Herzegowina) erklärte, dajz er zu den Regierung» kredsten kein Vertrauen habe und wollte den Schuldschein»ich unterschreiben. Auch bei der Verteilung der Nahrungsmittel siui schwer« Ungerechtigkeiten vorgekommen. Jn Dalmatie, bekamen nach Meldung des Zogreber„Obzor" Mitglieder der Radikalen parket 25 Kilogramm Mais je Kopf. die Mitglieder anderer Parteien aber nur 5 Kilogramm? Nach Meldung des Zogreber„Hrvat" wurden in vielen dalmai tinischen Dörfern Mitgliederve rzeichnissc der Raditsch-Part« heo gestellt und noch diesen Verzeichnissen die Nahrungsmittel verteilt Auf diese Weis« blieben viele hungernde und nolleidend« Bauer, ohne jede Hilf«, da sie der Raditfch-Partei nicht angehören. Strafloser Faschistenterror in Bulgarien. Sofia. 11. April.(Eigenbericht.) Die mil den Sozialisten verbündete Bauernpartei hotte dies« Tage«ine össentliche Versammlung einberufen, in welcher der ihi kürzlich beigetretene General Z e t o f s Oberstkommandierend« mährend de» Weltkriege», über da» Thema sprechen wollte: warn» bin Ich Bauernparteiler geworden? Faschistisch« Stoß. lrupps au» Reserveossi, icren und jugendlichen Mitgliedern de, .heimalschuhes" hallen einen großen Teil des Saale» beseht. Scho, bei den ersten Worten de» Redners erhoben sie ohrenbetäubend« Lärm..Verräter". i-Renegat"..Lump" ertänle et. Zu der allge meinen Panik, die folgte, entstand eine blutige Schlägerei. wobei gegea 15 Lanerporteiler mehr oder mealge« schwere Kopfwunden erhielten. Unter den zahlreiche« Miß Handellen sind auch Abgeordnete. Dl« Polizei verhasteli 25 Personen, darunter auch einen Teil der verwundeten,.zur Fest stelluag von ElnzclheUea". Die Faschisten ließ sie natürlich lause» Stimmungsmache vor dem Prozeß. Eine Resolution der bolschewistischen Zentralinstanzea. Zentralkomitee und Zentralkontrollkommission der russischen Kommunistischen Partei haben über die Donez- Affäre eine Entschließung gefaßt, in der die Ursprung- lichen Behauptungen über die Existenz einer gegen- revolutionären Sabotage- und Spionage- organisation von ehemaligen Grubenbesitzern und ausländischen Spezialisten als bereits feststehende Talsachen wiederholt werden. Angesichts des betonten Klassencharakters der rusttjchen Gerichte und ihrer Abhängigkeit von der re- gierenden Bolschewistenpartei bedeutet diese Resolution nichts weniger als eine Fe st legung des Gerichtes auf die Schuld der Angeklagten am Vorabend des Prozesses. Unter diesen Umständen muß man den Verhandlungen und dem Urteil mit ganz besonderem Mißtrauen ent- gegensehen.__ Die bürgerlichen Regierungen. Wer hat in Deutschland 1924— 192S regiert? Während der dritten Wahlperiods 1924 bis 1928 haben vier Reichsregierungen amtiert. Zwei Regierungen Luther und zwei Regierungen Marx. Die erste Regierung Luther vom 16. Januar 1925 bis 20. Januar 1926. Diese Regierung war das erste Bürgerblock- k a b i n e i t unter Einschluß der Deutschnationalen. Es wies fol- gende Besetzung auf: Reichskanzler Dr. Luther, Auswärtiges Amt Dr. Stresemann, Inneres Schiel«, Finanzministerium v. S ch l i e b e n. Wirtschaftsministerium Dr. N« u h a u s, Arbeits- Ministerium Dr. Brauns, Reichswehrministerium Dr. Geßlar, Reicksjustizministerium Dr. Frankel, Ernährung und Landwirt- schaft Graf v. Könitz, Postministerium Dr. S t i n g l, Reichsver- tchrsministerium Dr. Krahne. Die deutschnationalen Minister schieden am 29. Oktober 1925 aus. Ihre Geschäfte wurden zunächst übernommen von Dr. Gehler(Inneres), Dr. Luther(Finanzen). Dr. Krahne(Wirtschaft), Dr. Luther(Justiz). Am 20. Januar 1926 trat das zweite Kabinett Luther ins Amt. Seine Amtsdauer lief bis zum 18. Mai 1926. Es hatte die folgende Zusammensetzung: Reichskanzler Dr. Luther, Reichs- wchrministerium und Stellvertreter des Reichskanzlers Dr. G e ß l e r, Auswärtiges Amt Dr. Stresemann, Inneres Dr. Külz, Finanzen Dr. Rein hold, Wirtschast Dr. Eurtius, Arbeit Dr. Brauns, Justiz Dr. Marx, Ernährung und Landwirtschaft Dr. H a s l i n d e, Post Dr. S t i n g l, Berkehr Dr. K r o h n e. Nach dem Sturze Luthers trat am 18. Mai 1926 das Kabinett der Mitte unter Marx zusammen. Es hielt sich bis zum 1. Februar 1927. Seine Zusammensetzung war: Reichskanzler Dr. Marx, Auswärtiges Dr. Stresemann, Ineres Dr. Külz, Finanzen Dr. R e i n h o l d. Wirtschaft Dr. Eurtius, Arbeit Dr. B r o u n s, Reichswehr Dr. Gehler, Justiz Dr. Bell, Ernährung und Land- Wirtschaft Dr. H a s l i n d e, Post Dr. S t i n g l, Verkehr Dr. Krahne. Am 1. Februar 1927 wurde der B ü r g e r b l o ck mit folgender Zusammensetzung gebildet: Reicksskanzter Dr. Marx. Reichssustiz umd Stellvertreter des Reichskanzlers. He r g t,- Auswärtige» Dr. S t r e> e m o n n. Inneres Dr. v. K e u d« l l, Finanzen Dr. Köhler, Wirtschast Dr. Eurtius, Arbeit Dr. Brauns, Reichswehr Dr. Gehler, Ervährung und Landwirtschaft Schiele, Post Dr. Schätzet, Verkehr Dr. Koch. Reichswehrmimster Dr Gehler schied am 20. Januar 1928 aus. An seine Stelle trat G r o e n e r. Hereingefallener Landbundführer. »Borwärt««* und»Welt am Montag* freigesprochen, weil Wahrheitsbeweis erbracht. Greissenberg l. Pommern, 12. April.(Eigenbericht.) Am Mittwoch fand vor dem Amtsgericht in Greiffenberg in Pommern die Hauptoerhandlung in einem Beleidigungsprozeß statt, den der Geschäftsführer des Landbund«», Dr. Georg S p i l l e r. gegen die veraickwortlichon Redakteure des„Bor- wärt s", Genossen Victor Schiff, und der„W e l t am Montag". Albert Weidner. angestrengt hatte. Es handelt« sich um einen in diesen beiden Blättern geschilderten Vorgang bei einer Bouernversammlung in Langenhagen(Pommern), in der der demokratische Bauernführer Wolfgramm über die Entwicklung der Bauernbewegung referiert hatte. An der Ans- sprach« wollte sich auch Dr. Spiller beteiligen, doch lehnte die Der- sammlung durch Abstimmung ab. einem Angestellten des Landbundes das Wort zu erteilen. Nach Schluß der ZZersammlung versucht« Spiller dennoch das Wort zu ergreifen, wurde ober hart bedrängt, so daß er schließlich ausries: „Ihr werde! mich doch nicht schlagen, ich bin ein nationaler Mann!" Durch dies« Schilderung fühlt« sich Dr. Spiller beleidigt und strengte Klage gegen die beiden verantwortlichen Redakteur« an. Indessen bestätigten Aussagen zahlreicher Zeugen die dem Landbundführer so peinliche Darstellung. E« ergab sich aus diesen Bekundungen, daß die von ihm b«tritt en« flehentlich« Aeußerung tatsächlich gefallen war. In der Beweisaustrahm« spielte ein Zigarrenstummel eine Rolle, da einzelne Zeugen positiv behaupteten, es sei Spiller ein solcher ins Gesicht geworfen worden, während er auch dies nicht wahr haben wollte. In der H a u p t v e rh a ndlun g am Miitwlch, zu der Rechtsanwalt Genosie Otto Landsberg aus Berlin erschienen war. nahm die weitere Beweisaufnahme für den Kläger einen im- günstigen Verlauf, als auch die von chm benannten Jeugen, ein Ritter, und Bauerngutsbesitzer, beide« Landbündler. im Lause des Verhörs bestätigen mußten, daß die Situation für Spiller bedrohlich gewesen sei. Unter diesen Umständen sprach der Amtsrichter die beiden ange- klagten Redakteur« frei, da der Wahrheitsbeweis im«efentliche» erbracht worden sei. Dem Kläger wurden die Kost« des Prozesses auferlegt. Spiller kündigte, als die Verhandlung für geschlossen erklärt wurde, in herousfordernd-gereizten Tone Berufung an und holte sich noch für sein Verhalten eine Rüg« des Richters. Er wird aber noch dieser Keweisausnahm« damit wenig Glück haben und dem Landbuird nur neu« Kosten aufbürden. Denn bezeichnend ist, daß sein Rechtsdeistand nach Kenntnis der ersten Zeugenaussagen fem Mandat niederyelegt hatte, offenbar weil er die Sache für hoffnungslos hielt, polnische Wahlstatistit. 1 Vi Millionen ppS.-Stimmen.- 34,1 pro». Minder- heitenstimmen. Warschau. 12. April. Auf Grund der nunmehr herausgegebenen amtlichen stati- stischen Daten über die Wahlen haben von etwa 15 Millionen Wahlberechtigten über 11 Millionen gewählt. Die abgegebenen Stimmen verteilen sich danach wie folgt: Der Regierungsblock bekam insgesamt 2 399 000 Stimmen: an zweiter Stelle steht die Liste der polnischen Soziali st ischen Partei mit etwa 1 500 000 Stimmen. Dann folgt der Mirtderheitenblock mit etwa über 1 400 000 Stimmen. Insgesamt haben 78,3 Proz. gewählt. Aus die westlichen Gebiete entfallen durchschnittlich 87,4 Proz., auf Verfehlte Sternheim« Ehrung. »OieMarqmse vonArcis* im Theater l. d. ttöniggrätzer Str. > Von Sternheims dramatischer Eigenart vermittelt dies Rokoko-, Liebes- und Intrigenspiel kaum einen Hauch. Worum da» Theater gerade das abseitigst« Schauspiel des Dichters zur Feier seines fünf- zigsten Geburtstages wählt, wissen die Götter. Die Darsteller de- mühen sich, einen gemessenen überalterten Stil zu gestalten, was Ida Roland(au, Wien) und Waltev Janssen am besten gelingt. Wodurch die Dichtevchrung total verunglückt. dgr. die Ostgebiete etwa 66 Proz. Auf die M i n d e rh e i t« n l i st e» sind im ganzen 34, l Proz. der Stimmen entfallen. « Damit ist die amtliche polnische Bevölkerungs statistil gründlich widerlegt, die de» Prozentsatz der Minderheiten mit nur 31,2 Proz. bezifferte. Wenn man bedenkt, daß zahlreich« Ukrainer und Weißrusien durch den Regierungsterror am Wählen Überhaupi gehindert wurde», so kann man wohl den Prozentsatz der nationalen Minderheiten auf mindestens 40 Proz. schätzen. Kreispruch eines Güdtirolers. Ein Urteil des Sondergerichtes. Rom, 12. April. Das Sondergericht zum Schutz des Staate» hat in dem Prozeß gegen den Südtiroler Gastwirt Koslotter auf F r« i s p r u ch erkannt. Der Staatsanwalt hatte fünf Jahre Ge> sängnis beantragt. Der Freispruch wird mit Mangel an B«- weifen begründet. Kaslatter stand bekanntlich unter der Anklage. Druckschriften verbotenen Inhalts verbreitet zu haben. Ob Kaslatter bereits freigelassen ist, konnte noch nicht festgestellt werden. Die hiesige Presse verschweigt den Prozeß. Fünf Europäer in Marokko ermordet. Ziach einer Agenturmeldung au» Casablonco wurde ein Automobil, in dem stch zwei Zivil- und drei Militärpersonen befanden, von Eingeborenen in der Gegend von Lu Denib überfallen. Die fünj Insassen wurde« ermordet, WERTHEIM Leipziger Str. Königstraße Rosenthaler Str. Moritzplatz Frisches Fleisch Kalbskamm u. Brust. Pfund 74 Pi Kalbsnierenbraten Pfund 76 Pt. Plund 68 Pt. Plund 75 Pf. Querrippe Rinderkamm u. Brust Schmorfleisch u. Roastbeef 90 PL. Gulasch Pfund 80 Pt. Schweinebauchu. Rücken Pid. 74 P1. Schweinekamm u. Blatt Pid. 78 Pf. Liesen Pid. 60 Pt. Gehacktes Pfd. 65 Pt. Kaßler, Speer u. Kamm Plund 105 50 Pt. Rindernieren- Talg ausgelassen rfund Prima Gefrierfleisch Suppenfleisch Piund 50 Pf. Rinderkamm u. Brust Plund 56 PL. Hammelvorderfleisch Piund 75 Pf. Kuh- Euter Dorsche Fische Pfund 22 Pf. Plund 7 Pt. Seelachs 12 Pf. Schellfische 14 PL. Kabeljau ohne Konf, ganze 12 Pt. 18 Pt. Fische, Plund Fischfilet Pid. 25 Pf. Barse Ptd. 38 Pt. Lebende Aale Pfund von 185 an .... Geflügel Enten Ffd. 110 125 Puten Ptd. 115 130 Ungarlsche Hühner Plund 120 135 Woigahühner Pfund 125 145 Theater, Lichtspiele usw. 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Dr. Martin Zickel 8 Uhr: Direktion Kuhnert. Guido Thielscher Theater am Bülowplatz Th. am Schiffbauerdamm Charlottenstr.90/ 91. Dönb.170 8 Uhr 8 Uhr 8 Uhr Die rote Der Zigaretten- ,, Die Bollé Sisters" Robe Grosses Aniang 8 Uhr kasten Schauspielhaus Ende REGIE: 11 Uhr CHARELL MADAME POMPADOUR Komische 81, Uhr Oper 8%, Uhr James Klein's gewaltiges neues Revue Stück: Zich' dich aus! 200 Mitwirkende. Vorverkaut ab 10 Uhr ununterbrochen. SCALA S Uhr Nollendorf 7360 Das AprilSensations- Programm mit zum ersten Male ir Deutschland auftretenden Varieté- Kunstkräften. Sonnabends u. Sonntags je 2 Vorstellungen: 3.30 u. 8 Uhr 330 zu ermäßigten Preisen das manze Programm. " in Unter Geschäftsaufsicht" Ein Berliner Volks- Residenz- Theater stück von Friedmann- Frederich. Max Adalbert, Lea Seidl, Lori Leux Barnowsky- bühnen Th. Königgrätz. St. Bergm. 2110. 81 Uhr Die Marquise von Arcis ( Merkwürdiges Beispiel einer weiblichen Kache) v. Carl Sternheim Komödienhaus Norden 6304. 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Koch- Erbsen Rund- Bohnen Pfund 27 Pf. Neue Linsen.. Pfund 30 Pf. Viktoria- Erbsen Pfund 32 Pf. Gelbe Erbsen pollert 32 Pf. Plund Weizengrieß.Pfund 25 PL Haferflocken.. Plund 26P Hartgrieß.... Plund 28 P Eler- Schnitt- Nudeln 42 Pr Eier- Faden- Nudeln 42Pt. Makkaroni Hartgrief, 42 Pf. Bruch, Pfd. Limburger halbe 38 Allgäuer 82 Pl. Pfund vollfett Tilsiter vollfett, Pfd. 98 Pt. 1.1 Cremekäse vollfett, Pfd. 1.35 Margarine Pfund 52, 58Pf. Kokosfett 1- Pfund- Tafel 62 Pf. Pfund 1.98 Edamer halbfett, Pfund 80 Pt. Holländer halbfett, Pfd. 80 Pf. Steinbuscher vollf. 95 Pf. Pid. dreiviertelfett 78 Briekäse vollfelt. Pfund 95 Pf. dänischer, Schweizer Tafelbutter halbfett, Pid. 88 Pf. Schweizer volltett, Plund 1.55 vollfelt, Plund 1.55 bayrischer, .. Dänische Butter Pfund 2.06 eigene Rösterei Gebr. Kaffee geam- Misch., Pfd. 230 Haushalt- Misch, Pfund 2.60 Sonder- Misch. Pfund 3 M Wein Olympia- Misch. Pfund 3.40 Globus- Misch. Plund 3.80 Preise für Flasche ohne Glas Cyder, süßer Apfelwein, Frankfurter Apfelwein ,, Rackles Urquell".... 63 Pf. Feiner Fruchtwein rol. Johannisbeer- u. Stachelbeerwein Oberhaardter guter Tisch- und Bowlenwein... Tarragona Rot vorzügliche Qualität... und Krankenwein 1924 Chât. Reignac, St. Loubès milder, reiner 1927 Wellener Riesling suffiger Mosel. 1924 Norheimer Kirschheck blumiger Nahewein Roter Dessertwein BUD, kräftiger Frühstücks1926 Erdener rassiger Mittelmosel 1922 Chât. Reysson Wachst. Rouart, eleg. Bordeaux 1925 Niersteiner Domtal kernig, kräftig Kräuterlikör besonders preiswert... 90 PL 110 140 160 190 2.90 Wein und Spirituosen vom Faß zu Extra- Preisen Zeichnungsaufforderung auf nom. RM 25 000 000 5% Sehatzanweisungen der Stadt Berlin auf Feingold basis rückzahlbar zu 110% am 1. April 1933 Zeichnungspreis 951/ 4%. Der Stadt Berlin ist mit Ermächtigung des Preußischen Staatsministeriums von den zuständigen Herren Ministern des Innern und der Finanzen sowie von dem Herrn Oberpräsidenten von Berlin als Aufsichtsbehörde die Genehmigung zur Ausgabe von RM 25 000 000 Schatzanweisungen erteilt worden. Die Aufnahme der Anleihe erfolgt auf Grund des Beschlusses der Städtischen Körperschaften vom 28./29. März 1928. Der Erlös der Anleihe dient zur Beschaffung der Mittel für außerordentliche Aufwendungen, insbesondere Bauten, auf dem Gebiete der allgemeinen Verwaltung, der Bauverwaltung, des Wohnungs- und Siedlungswesens, des Schulwesens, der Wohlfahrt, des Gesundheitswesens, der Betriebe und der Finanzverwaltung. Die Anleihe ist eine unmittelbare Verpflichtung der Stadt Berlin, die für ihre Erfüllung mit ihrem gesamten Vermögen und ihrer Steuerkraft haftet. Die Schatzanweisungen sind am 1. April 1933 zu 110% rückzahlbar. Die Stückelung der Schatzanweisungen ist wie folgt vorgesehen: RM 100, RM 500, RM 1000, RM 5000 und RM 10 000. Die Verzinsung erfolgt mit 5% jährlich in halbjährlichen Raten am 1. April und 1. Oktober jedes Jahres; der erste Zinsschein wird am 1. Oktober 1928 fällig. Kapital und Zinsen der Schatzanweisungen werden bei Fälligkeit in gesetzlichen Zahlungsmitteln gezahlt. Für jede geschuldete Reichsmark ist der in Reichswährung ausgedrückte und amtlich bekanntgegebene Preis von 1/2790 kg Feingold zu zahlen, der für den 15. Tag des der Fälligkeit vorangehenden Monats gilt. Die Umrechnung in deutsche Währung erfolgt nach dem Mittelkurs der Berliner Börse auf Grund der diesem Tage vorhergehenden amtlichen Notierung für Auszah ung London. Ergibt sich aus dieser Umrechnung für das Kilogramm Feingold ein Preis von nicht mehr als RM 2800 und nicht weniger als RM 2780, so ist für jede geschuldete Reichsmark eine Reichsmark in gesetzlichen Zahlungsmitteln zu zahlen. Die Zulassung der Schatzanweisungen zum Handel und zur Notiz an der Berliner Börse wird beantragt werden. Die unterzeichneten Banken u. Bankfirmen legen hiermit die oben bezeichneten RM 25 000 000 5% Schatzanweisungen der Stadt Berlin auf Feingoldbasis unter folgenden Bedingungen zur öffentlichen Zeichnung auf: 1. Zeichnungen werden vom 13. bis 19. April 1928 bei den unterzeichneten Banken und Bankfirmen sowie ihren sämtlichen Niederlassungen während der üblichen Geschättsstunden entgegengenommen. Anmeldescheine sind bei den Stellen kostenfrei erhältlich. Früherer Schluß der Zeichnung bleibt vorbehalten. 2. Der Zeichnungspreis beträgt 95% vom Nennbetrag zuzüglich Stückzinsen ab 1. April 1928 bis zum Zahlungstage und zuzüglich Börsenumsatzsteuer. 3. Die Zuteilung der Stücke auf Grund der Zeichnungen erfolgt sobald als möglich. Die Zeichnungsstellen, behalten sich die Höhe der Zuteilung evor. Zeichnungen mit sechsmonatiger Sperrverpflichtung werden vorzugsweise berücksichtigt. 4. Die Bezahlung der zugeteilten Stücke hat in der Zeit vom 24.- 30. April d. J. zu erfolgen. 5. Die Aushändigung der Stücke erfolgt alsbald nach Fertigstellung. 6. Anmeldungen auf bestimmte Abschnitte können nur insoweit berücksichtigt werden, als dies nach dem Ermessen der Zeichnungsstellen mit den Interessen anderer Zeichner vereinbar ist. Berlin Frankfurt a. M., den 12. April 1928. . Theater am Kottbusser Tor Mitternachtssonne Preußische Staatsbank( Seehandlung). Berliner Handels- Gesellschaft. Deutsche Bank. Berliner Stadtbank, Girozentrale der Stadt Berlin. Brandenburgische Provinzialbank und Girozentrale. S. Bleichröder. esonders Delbrück Schickler& Co. Commerz- und Privat- Bank, Aktiengesellschaft. Darmstädter und Nationalbank, Kommanditgesellschaft auf Aktien. die KLEINEN Deutsche Girozentrale, Deutsche Kommunalbank. J. Dreyfus& Co. ANZEIGEN im Dresdner Bank. Hardy& Co., Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Vorwärts" F. W. Krause& Co. Bankgeschätt, Kommanditgesellschaft a. A. und trotzdem Jacquier& Securius. Mitteldeutsche Creditbank. Lazard Speyer- Ellissen. Reichs- Kredit- Gesellschaft A.-G. Gr. neuer April- Spielplan, u. a. Die tolle Lolo ven Max Reinhardt Am Stammtis von B. Groe wirksam sind !! billig!!! Nr. 175 45. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Ein zweckloses Gerüst. TOK W RA RIALTORIAL NOMMET Seit mehreren Jahren ist auf dem Grundstüd kantstr. 155| geführt werde und das Gerüst keineswegs eine Verschönerung der in Charlottenburg, gegenüber dem Theater des Westens, Gegend darstelle. ein haushohes großes vierediges Baugerüst errichtet worden, das zum Bau eines großen Film- und Tanzpalastes „ Rialto" dienen sollte. Dieser Bau hat aber niemals begonnen, und das Gerüst hat also feinen eigentlichen Zweck völlig verfehlt und stellt eine Berschandelung der Straße dar. In der legten Zeit beginnt das riesige Baugerüst aber infolge des Einflusses des Regens und der Witterung zu verfallen, so daß Holzteile über den hohen Bauzaum auf die Straße fliegen und die vorübergehenden Fuß gänger aufs äußerste gefährden. Die Charlottenburger Baupolizei hat schon vor einiger Zeit die Inhaberin des Baugrundstücs, die Baugesellschaft Berlin Weft A.-G., beauftragt, das Gerüft abzureißen, meil offensichtlich der projettierte Bau des Filmpalastes nicht durch " Italia" noch nicht gestartet. Abflug des italienischen Luftschiffes zunächst verschoben. Unter dem Eindruck des Attentats? Nach einer im Laufe des gestrigen Donnerstagnachmittag beim Reichsnertehrsministerium aus Italien eingetroffenen Meldung hat General Nobile den Start seines Nordpolluftschiffes Italia", der nach den ursprünglichen Dispositionen noch am Donnerstagabend in Mailand erfolgen sollte, wegen des schlechten Wetters vorläufig auf den heutigen Freitag früh verschoben. Für beide in Frage fommenden Routen von Mailand nach Stolp lauteten die Wettermelbungen ungünstig. Von den Ostalpen fam die Nachricht, daß dort Schneefälle eingetreten feien, unter welchen Umständen eine Ueberquerung der Alpen mit dem Luftschiff ausgeschlossen schien. Auf dem Kurs über Wien, Breslau, Posen sah es gestern nicht viel besser aus infolge eines Kaltlufteinbruchs zwischen Preßburg und Buda pest und schlechtem Wetter in Schlesien. Zudem herrschte gestern Menschen, Göttern gleich... 67] Roman von Herbert George Wells. Aber angenommen, Utopien hätte feine Arbeit für ihn?" Crystall fonnte sich das nicht vorstellen. Hier gibt es immer etwas zu tun." ,, Aber früher, in den alten Zeiten, hattet ihr ArbeitsLofigkeit in Utopien?" ,, Sie war ein Teil der Verworrenheit. Es gab eine Art Ueberentwicklung der Verschuldung, sie hatte lähmend gewirft. Ja, es gab Arbeitslosigkeit und andererseits waren zu gleicher Zeit weder genug Häuser, noch Nahrung, noch Kleidung vorhanden. Zu ein und derfelben Zeit hatten sie Arbeitslosigkeit und Mangel. Es ist unglaublich." " ,, Erhält jeder ungefähr die gleiche Bezahlung?" Energischen und schöpferischen Leuten werden oft große Unterſtügungen gewährt, wenn sie die Hilfe anderer oder die Verfügung über natürliche Hilfsquellen zu benötigen scheinen. Und Künstler werden manchmal reich, wenn ihr Werf viel verlangt wird." taufen?" Muß man eine solche goldene Kette, wie du sie hast, ,, Vom Hersteller in seinem Laden. Meine Mutter faufte fie." ,, Es gibt also Kaufläden?" " Du sollst welche sehen. Orte, wohin man geht, um neue and föftliche Dinge zu sehen." ,, Und wenn ein Künstler reich wird, was fann er mit feinem Gelde anfangen?" ,, Er fann Zeit und Material in Anspruch nehmen, um etwas überwältigend Schönes für unsere Welt zu schaffen. Oder er fam es sammeln und damit die Arbeit anderer Künstler unterstüßen. Oder was ihm sonst gefällt, unterrichten und den allgemeinen Schönheitsfinn in Utopien verfeinern. Oder eben gar nichts tun... Utopien fann es sich erlauben wenn er es fann." 5. ,, Ceder und Lion", sagte Mr. Barnstaple ,,, erklärten uns, wieso eure Regierung sich gleichsam aufgelöst und sich unter die Leute, die eine besondere Kenntnis der in Betracht tommenden Angelegenheiten haben, aufgeteilt habe. Das Gleichgewicht zwischen den Interessen, vernahmen wir, werde von jenen, die allgemeine Psychologie und das Erziehungswesen Utopiens ftudieren, aufrechterhalten. Zuerst erschien es | Die Baugesellschaft hat jedoch auf dem üblichen Beschwerdewege dagegen Einspruch erhoben. Auf Grund der jetzt zugegangenen Klagen über die Gefährdung der Sicherheit infolge des Verfalls hat aber die Baupolizei ihr Augenmerk wiederum auf die Angelegenheit gerichtet. Wie versichert wird, revidiert die Baupolizei von Zeit zu Zeit das Gerüst auf seine Stabilität und wird nun, da sich Verfallserscheinungen zeigen, mit allen Mitteln dafür sorgen, daß das Gerüst von der Bildfläche verschwinde. Falls die Eigentümerin des Grundstücks weiterhin sich gegen die Beseitigung des Gerüftes wehrt, wird die Baupolizei nötigenfalls von ihren Machtbefugnissen Gebrauch machen und selbst den Abriß veranlassen. abend in Pommern außerordentlich starter Wind, der sich zeitweilig zu einem Sturm steigerte. Unter diesen Umständen, vielleicht aber auch unter dem Eindrud des Mailänder Attentats auf den König von Italien wurde am gestrigen Donnerstagnachmittag der Start des Luftschiffes, für den schon alle Vorbereitungen getroffen waren, wieder abgefagt. ministerium mit der Deutschen Lufthansa verabredet, daß während der Fahrt der Italia" über deutsches Gebiet der Funtverkehr mit den Verkehrsflugzeugen der Lufthansa auf das äußerste ein geschränkt werden soll, damit die in diesem Verkehr übliche Welle 900, mit der auch die FL.- Station des italienischen Luftschiffes arbeitet, für den Funtverkehr mit der„ Italia" möglichst freigehalten werden kann. Die Funkstation in Berlin- Tempelhof wird während der fraglichen Zeit für den Empfang der von dem Luftschiff kommenden Nachrichten und für die Uebermittlung von Wettermeldungen und eventuell für Funfpeilung und Standortmeldungen bereitstehen, so daß Nobile über deutschem Gebiet alle Unterstützung erhält, die er für eine sichere Durchführung seines Fluges nach Stolp benötigt. Auf Ersuchen der italienischen Behörden hat das Reichsverkehrsunferem Erdlingsverstand merkwürdig, daß nirgends ein an-| gebliches Alleswissen und eine tatsächliche Alleinmacht vor handen sei, das heißt eine höchste Stelle, eine Person oder eine Körperschaft, deren Es geschehe" endgültig wäre. Mr. Burleigh und Mr. Catskill waren der Ansicht, daß eine folche Stelle unbedingt notwendig sei, und auch ich war der entscheiden?" war für sie das Rätsel. Sie erwarteten, zum gleichen Meinung, allerdings weniger überzeugt. Wer mill Präsidenten oder dem Obersten Rat Utopiens geführt zu werden. Ich nehme an, es erscheint euch als das natürlichste, daß es nichts Derartiges gebe und daß eine Aufgabe einfach davon versteht. und natürlicherweise an denjenigen gelange, der am meisten Freie Kritik vorausgesezt," sagte Crystall. " ,, Und das gleiche Verfahren vorausgesezt, das ihn an hervorragende und verantwortliche Stelle gefegt hat. Aber drängen sich die Leute nicht auch hier voraus Eitelkeit? und werden sie nicht gerade gegen die Besten durchdringen - aus Bosheit?" " Es gibt eine Menge Bosheit und Eitelkeit in jeder utopischen Seele," sagte Crystall. Aber die Leute sprechen offen und die Kritif ist sehr durchdringend und frei. So lernen wir unsere Beweggründe prüfen, ehe mir loben oder tadeln." ,, Was ihr sagt und tut, deckt den wahren Wert einer jeden Sache offen auf," sagte Mr. Barnstaple. Ihr fönnt nicht unangefochten in Lärm und Dunkelheit mit Schmutz fchleudern oder im Wirrwarr zu Unrecht Anerkennung, ernten." ,, Bor einigen Jahren gab es einen Mann, einen Künstler, der das Werk meines Baters heftig angriff. Oft ist fünftlerische Kritik hier sehr scharf, aber er war scharf über alle Maßen. Er faritierte meinen Bater und schmähte ihn unaufhörlich. Er folgte ihm von Ort zu Ort, er versuchte, die Buteilung von Material an ihn zu verhindern. Er erreichte nichts, einige Leute antworteten ihm, aber von der Mehrzahl wurde er nicht beachtet..." Der Knabe brach furz ab. Nun?" ,, Er tötete sich selbst. Er fonnte seinem eigenen Wahnfinn nicht entfliehen, jeder wußte, was er gesagt und getan hatte..." ,, Aber in früheren Zeiten gab es Könige, Räte und Konferenzen in Utopien," sagte Mr. Barnstaple zur Hauptfache zurückkehrend. M Meine Brüder lehren, daß unser Staat in feiner andern | Freitag, 13. April 1928 Keine Meldung über die Ozeanflieger. Schlechtes Flugwetter im westlichen Atlantik. Bon den deutschen Ozeanfliegern lag bis zum gestrigen Donnerstagabend keine meldung vor, daß sie irgendwo auf ihrem Kurse über dem Atlantik gesichtet worden seien. Diese Tatfache ist nicht weiter verwunderlich oder besorgniserregend, da die ,, Bremen" von der Galway- Bucht an der Westküste Irlands geradea Kurs auf St. Johns( Neufundland) genommen hat und infolgedessen fehr viel nördlicher als die üblichen Schiffsrouten fliegt, die von der Südfpike Irlands nach New- York führen. Auf diesem nördlichen Kurse besteht nur sehr geringe Möglichkeit, daß das Flugzeug von einem der zwischen Kanada und Schottland verfehrenden Schiffe gesichtet wird. Erst bei der Annäherung an Neufundland wäre diese Möglichkeit in verstärktem Maße gegeben, doch dürften die Flieger bei programmmäßigem Verlauf des Unternehmens in der Nacht oder in der frühen Morgendämmerung des heutigen Freitags die Küfte von Neufundland erreichen, so daß auch hier nicht ohne weiteres damit gerechnet werden muß, daß die Bremen von Schiffen oder vom Festland aus gesichtet wird, es sei denn, daß fie einen der Flughäfen von Neufundland direkt ansteuert. Amerifa in Erwartung der Flieger. New Bort, 12. April. Die amerikanische Bevölkerung erwartet in fieberhafter Spannung Nachrichten über den Flugverlauf der deutschen Ozeanflieger. Eine Extraausgabe nach der anderen kommt heraus, aber immer wieder mit der Feststellung, daß keine weiteren Nachrichten über den Ozeanflug vorlägen. Die Berichte der ameritanischen Wetterwarten laufen ungünstig. Nach der Meldung des New Yorker Wetterdienstes werden die Flieger auf starte fie die amerikanische Küste erreichen. Die„ Bremen" würde, wenn Winde, heftige Rälte und Schneefälle stoßen, sobald fie an ihrem Reiseweg festhalten sollte, über Kap Grace auf heftigen Sturm stoßen, der sich von Kap Cod heranbewegt. Nach Ansicht von Beamten der Wetterwarte werde die„ Bremen" nur mit Mühe den ftarken winden im westlichen Atlantit entgehen können. Sie find Ozeans dauernd gegen starke Winde werde ankämpfen müffen. der Ansicht, daß das Flugzeug nach Ueberschreitung der Mitte des Freispruch im Goldminenprozeß. Enthüllte Börsengeheimnisse. Das Schöffengericht Berlin- Mitte hat gestern in späten Abend stunden die Kaufleute Endin und Kljatschkin, die angeflagt waren, gefälschte Lena- Goldfield- Aktien verkauft zu haben, freigesprochen. Der Staatsanwalt hatte für jeden der Angeklagten 1½ Jahre Gefängnis beantragt. Das Gericht konnte sich jedoch zu einer Berurteilung nicht entschließen. Die Beweise, daß Endin und Kljatschkin tatsächlich gewußt haben mußten, daß sie gefälschte Aftien verkauft hatten, schienen nicht vollkommen schlüssig. Die belastende Aussage des tatsächlichen Fälschers Rubin tonnte aus beträchtlichen Gründen nicht verlesen werden. Was aber kommt es schließlich in diesem Fall auf die beiden Angeflagten an. Sie haben ja ohnedies bereits fast 1% Jahre in Untersuchungshaft verbracht. Das Interessante am Prozeß waren allein die Einblicke, die man in die Tätigkeit gewisser Börsenkreise erhielt. Die Lena- Goldfield- Gesellschaft betrachtet sich noch immer als Eigentümerin der Lenger. Goldminen. Sie will nichts davon wissen, daß sie bereits seit langem von der Sowjetregiequng beschlagnahmt sind. Sie schützen ihren Altbesitz durch Abstempelung der Aktien. Der Detektiv Meier, der im Auftrage der Lena- Goldfield- Gesellschaft in der Aktienfälschungsaffäre Geschäfte gemacht hatte, erflärte vor Gericht, daß alle Aktien, die sich im Befitze der Gesellschaft befinden, gestohlene Attien sein müssen. Weise sich hätte entwickeln können. Wir mußten Leute haben, die sich in der Hauptsache mit der Gesellschaftsordnung befaßten, Politiker und Geseggeber als eine notwendige Stufe in der politischen und sozialen Entwicklung. Ebenso wie wir Soldaten und Polizei haben mußten, um das Volk vor Gewalttätigkeiten zu bewahren. Nur sehr allmählich kamen die Spezialtenntnissen in den Dingen, mit denen fie fich zu bePolitiker und Gesetzgeber dazu, die Notwendigkeit von faffen hatten, zuzugeben: Politifer zogen Grenzen ohne Kenntnis der Ethnologie oder der Wirtschaftsgeographie, und Gefeggeber entschieden über Willen und Zweck mit den gröbsten Kenntnissen in der Psychologie. Sie brachten die verkehrtesten und stümperhaftesten Anordnungen in feierlichster Weise vor." ,, Wie Tristram Shandys feierliche Bulle, die es unternimmt, den Frieden der Welt in Versailles herstellen zu wollen," jagte Mr. Barnstaple. Crystall blickte ihn erstaunt an. ,, Eine komplizierte Anspielung auf eine rein irdische Angelegenheit," sagte Mr. Barnstaple. Die vollkommene Aufteilung fängt jetzt auch auf der Erde an. Leute, die das Weltwohl im Auge haben, verhalten sich zum Beispiel gegenüber politischen und gesetzgeberischen Methoden ablehnend, dasselbe tun viele unserer besten Wirtschaftler. Die meisten Gerichtsverhandlung nicht einmal in eigenen Angelegen Leute gehen niemols, von der Wiege bis zum Grabe, zu einer heiten. Was wurde aus euren Politikern und Gesetzgebern? Gab es einen Kampf?" ,, Als die Erleuchtung wuchs und sich die Bildung weiter verbreitete, wurden sie offenbar immer unnötiger. Schließlich versammelten fie fich nur, um Fachleute als Beisitzer und so meiter zu ernennen. Und nach einiger Zeit wurden auch diese Ernennungen eine bereits vorher ausgemachte Sache. Ihre Tätigkeit verschmolz mit den allgemeinen Funktionen der Kritik und Diskussion. Es gibt Orte, wo noch alte Gebäude vorhanden sind, die als Ratstammern und Gerichtshöfe gedient hatten. Der letzte Politiker, der in eine gesetzgebende Versammlung gewählt worden war, starb in Utopien vor etwa tausend Jahren. Er war ein erzentrischer und schwazzhafter alter Herr; er war der einzige Kandidat und ein Mann ftimmte für hin; er bestand darauf, als Einzelner Versammlungen abzuhalten, und daß seine Reden und Handlungen stenographisch aufgenommen wurden. Knaben und Mädchen, die Stenographie lernten, machten gewöhnlich die Berichte für ihn, legten Endes wurde er als geistige Abnormität behandelt." ( Fortsetzung folgt.) Auch die Aktien, die sich in Händen der Sowjet- 1 regierung befinden. Die Käufer der Lena- Aktien, die Bankhäuser Birkholz und Löwenherz, waren selbstverständlich davon 1nterrichtet, daß die nicht abgestempelten Aktien einen Börsenwert nicht besaßen. Trotzdem kauften sie aber die Aktien in der Hoffnung, daß sie in Frankreich Käufer finden würden, die die Abstempelung der Aktien fertigbringen würden. Hier berührt sich gewissermaßen der Fall der Lena- Goldfield- Aktien mit der Affäre jenes Herrn Blumenstein, der es fertig gebracht hatte, die ungarischen ungestempelten Rentenpapiere in großen Mengen abzusetzen. Schade, daß der Angeklagte Rubin zu früh gestorben ist. Er wäre der einzige gewesen, von dem man über die Fälscheraffäre interessante Einzelheiten erfahren hätte. Welche eigenartige Dinge sich in Warschau abgespielt haben müssen, ging allein schon aus der Tatsache hervor, daß der Kriminalfommissar, der mit der Untersuchung der Angelegenheit betraut war, hinterher selbst verhaftet wurde. Das Interessante bei dem Prozeß Endin und Kljatschkin waren allein seine Hintergründe. Diesen ist es wohl auch zu verdanken, daß der Gerichtsverhandlung ein Beamter der Abt. IA beigewohnt hat. Der Ueberfall in Moabit. Haftbefehle gegen Philipp, Braun und Olga Benario. Obwohl die politische Polizei fieberhaft tätig ist, um den entflohenen Schriftsteller Braun und seine Geliebte Olga Benario wieder festzunehmen, sind bisher alle Ermitflungen nach dem Aufenthalt und dem Versteck der beiden erfolglos geblieben. Die Abteilung IA des Polizeipräsidiums hat vor allem ihr Augenmerk auf die Schlupfwinkel gerichtet, die den kommunistischen Kreisen zu Zufammenfünften und Aufenthaltszweden dienen. 3rgendwelche Spuren und Anhaltspunkte, wohin fich die Flüchtigen gewandt haben können, haben sich aber bisher nicht ergeben. Der Vernehmungsrichter im Polizeipräsidium hat nach dem vorläufigen Abschluß der Bernehmungen des an dem Befreiungsüberfall beteiligten Schlächters Philipp gegen diesen Haftbefehl erlassen. Auch gegen Braun und Olga Benario find inzwischen Haftbefehle erlassen worden. An den zuständigen Stellen in Moabit beschäftigt man sich im Hinblick auf diese einzig dastehende Art einer Gefangenenbefreiung eingehend mit der Frage, wie derartige Dinge in 3ufunft unmöglich gemacht werden können. Die Zimmer der Untersuchungsrichter liegen im neuen Kriminalgerichtsgebäude in der Turmstraße, sämtlich an einem Flur im Erdgeschoß. Der Gang, auf ben die Türen dieser Räume führen, besigt an beiden Enden große eiserne Bittertüren, die aber während der Dienstzeiten immer offen und nicht beaufsichtigt sind. Wären diese Gitter geschlossen gewesen und hätte dort ein Justizwachtmeister eine Kontrolle der eintritt begehrenden Personen, soweit sie ihnen unbekannt waren, ausgeübt, bann wäre es den Helfershelfern Brauns und Olga Benario gar nicht möglich gewesen, bis zu den Räumen des Untersuchungsrichters vorzubringen. Wahrscheinlich wird man nunmehr eine Kontrolle an biesen Durchgängen einführen, möglicherweise wird man auch für die Durchführung der Sprecherlaubnis für Angehörige der Unter juchungsgefangenen besondere Räumlichkeiten im Untersuchungsgefängnis felbst einrichten. Eine Verlegung der Zimmer der Unterjuchungsrichter in die oberen Stockwerke fäme kaum in Frage, da zu diesem Zweck auch die Verbindungsgänge vom Untersuchungsgefängnis her, die jetzt im Erdgeschoß auf den fraglichen Gang münden, nach oben verlegt werden müßten. Schließlich erscheint auch ein weiterer Ausbau des Alarmsystems im Kriminalgerichtsgebäude notwendig, damit in, notwendigen Fällen die sofortige Schlie Bung aller Ausgänge noch schneller durchgeführt werden tann. Der Landfriedensbruchprozeß. Gegen Schäfer 2 Jahre 6 Monate Zuchthaus beantragt. Nach vierstündigen Ausführungen kam Staatsanwalt Ebel zu bem Ergebnis, daß fünf Angeklagte sich des Landfrie= densbruches schuldig gemacht hätten, da sie Teilnehmer an der Zusammenrottung einer Menschenmenge gewesen seien, die Gewalttätigkeiten gegen Personen und Sachen begangen habe. Kein Landfriedensbruch sei in Berlin in den letzten Jahren so schwer gewesen, wie dicser. Die„ Schlacht von Lichter felde" habe damals lange Zeit größte Beunruhigung in der Berliner Bevölkerung hervorgerufen. Es seien nicht nur die 24 Leute im Wagen in Gefahr geraten und zu einem erheblichen Teile schwer verletzt worden, sondern auch Beamte und unbeteiligte Personen, von denen noch heute manche unter den Verlegungen zu leiden haben. Erschwerend sei auch, daß nach den Ausschreitungen auf dem Bahnsteig die Nationalsozialisten auch noch auf den Verwundetentransport eingeschlagen hätten. Diejenigen Angeklagten, die von Dolchen, Messern und Schußwaffen Gebrauch gemacht haben, hätten sich des schweren Landfriedensbruches schuldig gemacht. Außer dem schon vorbestraften Schäfer verdienten die anderen Angeklagten aber mildernde Umstände, da sie Personen im jugendlichen Alter wären, die den vorhergegangenen Kampfreden in Trebbin leicht zugänglich gewesen seien. Seine ursprünglichen Straf anträge änderte der Staatsanwalt nachher bei zwei Angeklagten ab, nachdem das Gericht noch einmal in die Beweis auf: nahme eingetreten war. Schließlich lauteten die endgültigen Strafanträge des Staatsanwalts wie folgt: Gegen Schäfer wegen schweren Landfriedensbruchs unter Berfagung mildernder Umstände 2 Jahre 6 Monate Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust, unter Anrechnung von 11 Monaten Untersuchungshaft, gegen Bergmann auf 1 Jahr Gefängnis wegen schweren Landfriedensbruchs, gegen Grunemann und Polzin ze 10 Monate Gefängnis wegen schweren Landfriedensbruchs, gegen Mintwis 6 Monate Gefängnis wegen einfachen Landfriedensbruchs, und schließlich gegen Kramer und Kern je 3 Monate Gefängnis wegen gefährlicher Körperverlegung. Das Urteil ist Freitagabend zu erwarten. Der Lehrer als Erzieher. Kerschensteiner auf dem Pädagogenfongreß. Auf dem Internationalen Pädagogischen Ron greß Berlin, über deffen Eröffnung wir gestern in unserer Abendausgabe berichteten, sprach der Münchener Pädagoge Prof. Kerschensteiner über den Lehrer der neuen deutschen Volks schule. Wie in ihr der Lehrer als Erzieher zu wirken hat, schilderte er in fesselndem Vortrag. Die Schule war, führte er aus, ursprünglich nur Stätte der Belehrung, aber mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts vollzog sich ein Wandel, und die Erziehung zur Gemeinschaft trat in den Bordergrund. Man suchte, die Elementarschule und die fich anschließende Berufsschule mehr als bisher zu Erziehungsstätten zu machen, zu geistigen ArbeitsAutokatastrophe in Lichterfelde. Ein Toter, mehrere Schwer: und Leichtverletzte. In Lichterfelde, vor dem Grundstück Unter den Eichen 116, ereignete fich geffern furz vor 20 Uhr ein schweres Autounglüd, bei dem eine person getötet und fünf weitere teils schwer, teils leicht verletzt wurden. Auf die Hilferufe der Verunglückten eilten fofort von allen Seiten Paffanten herbei und die Berletzten wurden aus den Trümmern geborgen. Feuerwehr und Städtisches Rettungsamt eilten sofort mit mehreren Rettungswagen an die Unglücksstelle und sorgten für die Ueberführung der Berletzten in das Lichterfelder Kreiskrankenhaus. Einer von ihnen, der 32jährige Tischler Hermann Küchler aus der Lenbachstr. 10 in Steglit, hatfe so schwere Berlehungen erlitten, daß er bereits auf dem Wege in das Krankenhaus starb. Ein zweiter männlicher Berletter, dessen Personalien noch nicht feststehen offenbar handelt es sich aber um den Begleiter des Motorradfahrers mußte sofort einer Operation unterzogen werden. Es besteht wenig Hoffnung, ihn am Leben zu erhalten. Die übrigen Verletzten, und zwar der 49jährige Reinhold Deibel aus Klotzsche bei Dresden, die 50jährige Witwe Anna Janiczewski aus der Gosener Straße 34 in Eichwalde, und die 46jährige Frau Berta Körst en aus der Goßlerstr. 26 liegen tm Lichterfelder Krankenhaus schwet danieder. Das Unglück spielte sich wie folgt ab: Ein mit drei Personen besetztes Auto des Buchdruckereibefizers Ja niczewski, das von dem Schlossermeister Remmé aus der Polziger Straße 96 gesteuert wurde, durchfuhr im Normaltempo in Richtung Steglitz die Straße Unter den Eichen. Vor dem Grundstück Nr. 116 versuchte ein Motorradfahrer, der auf dem Soziussit einen Begleiter mit sich führte, den vor ihm fahren den Wagen zu überholen. In demselben Augenblic fam aus entgemeinschaften, denen der Lehrer als Mitglied einge ordnet ist. Hiermit werden aber an den Lehrer als Erzieher wesentlich erhöhte Anforderungen gestellt. Lehrer", im alten Sinne konnte man lernen", aber Erzieher zum Gemeinsinn und zum sozialen Dienst kann der Lehrer nur sein, wenn er selbst ein sozialer Geist" ist. In ihm muß bereits ein Reim liegen, der sich zur pädagogischen Liebe entwickeln kann. Pädagogische Liebe ist Liebe zum werdenden Menschen im Kinde, zu den geistigen Werten in ihm, die allein echte Bänder und Gemeinschaft sind. Darum ist diese Liebe von selbst gemeinschaftbilden d. Ist dieser Geist der Gemeinschaft im Lehrer lebendig, dann wird er auch die Schule zu einer echten Gemeinschaft gestalten tönnen. Sterschensteiner schloß mit einem Ausblick auf die Zukunft der Volksschule und der Berufsschule. Erzeugung einer Gemeinschaftsgesinnung wird ihr Hauptzweck sein, und an zweiter Stelle erst wird die Wissensübermittelung stehen. Die Völker, die ihre Schulen nach diesem Ziel hin entwickeln, werden dann begreifen, daß das heiligste Amt das Amt des Lehrers ist. Dreifter Einbruch, in Eine Arbeiterwitwe um die ganze Wäsche bestohlen. Einem außerordentlich gemeinen Schwindelmanöver ist eine Arbeiterwitwe in der Greifenhagener Straße zum Opfer gefallen. Die älteste Tochter lernte fürzlich einen jungen Mann kennen, der sich für einen Schlosser Otto Schmidt ausgab, sehr bieder tat und darauf bestand, daß er möglichst bald der Mutter vorgestellt werde. Scheinbar zu diesem Zweck erschien er in der Wohnung und erweckte dabei den besten Eindruck. Gern folgte die ganze Familie seiner Einladung, mit ihm eine Rinovorstellung zu besuchen. Nach Schluß gegen 11 Uhr abends machte man sich auf den Heimweg und Herr Schmidt" erbot sich, die ganze Familie nach Hause zu begleiten. Plöglich aber verschwand er unter einem Vorwande und fam nicht wieder. Die Frau wartete mit ihren Kindern noch eine Weile, ging dann nach Hause und fand die Wohnung er brochen. Es war eine Kassette mit barem Gelde, einer goldenen Herrenuhr und einer Damenuhr und die ganze Wäsche gestohlen. Die Kriminalpolizei stellte bald fest, daß alle Angaben, die Schmidt" über seine Person und seine Wohnung gemacht hatte, falsch sind. Er hatte die Frau und ihre Töchter wegge 1odt und während der Kinovorstellung durch seine Komplicen die Wohmung ausräumen lassen. Es ist sehr zu wünschen, daß die Bemühungen der Kriminalpolizei zur Ermittlung der Täter so energisch aufgenommen werden, daß sie bald Erfolg haben. gegengesetzter Richtung in sehr scharfem Tempo ein mik sechs Personen besetztes Auto heran. Das Motorrad wurde von dem entgegenkommenden Auto erfaßt, zur Seite geschleudert und völlig zertrümmert. Der Führer des Kraftrades und sein Begleiter flogen in hohem Bogen auf die Gleife der Straßenbahn, wo sie mit schweren Schädelbrüchen bewußtlos liegen blieben. Einige Sekunden später ereignete sich ein zweiter 3usammenstoß. Durch den Zusammenprall verlor der Besitzer des Aulos, Eugen Ebenroth, aus der Bahnstr. 5 in Stegliz, völlig die Herrschaft über die Lentung. Sein Wagen geriet ins Schleudern und stieß mit voller Bucht mit dem Auto Janiczewstis zusammen. Durch den heftigen Zusammenprall wurden beide Fahrzeuge schwer beschädigt und die Insassen zum größten Teil schwer verletzt, bis auf Remmé, der völlig unversehrt davonfam. denn foll Nach den bisherigen polizeilichen Ermittlungen, soweit sie bei dem Durcheinander an der Unglücksstätte möglich waren alles spielte sich ja in einem Zeitraum von Sekunden ab Ebenroth zu weit auf die andere Straßenseite geraten sein, weil er einer plötzlich auftauchenden Kraftdroschke, die aus der FabeckStraße fommend in die Straße Unter den Eichen einbiegen wollte, ausweichen mußte. Hierbei überfuhr er den Motorradfahrer, geriet dann ins Schleudern und karambolierte mit dem Wagen Janiczewskis. Einige Stunden zuvor ereignete sich in derselben Straße gleichfalls ein schwerer 3usammen stoß zwischen einem Straßenbahnwagen der Linie 40 und einem Ge= fchäftsauto. Hierbei wurde das Auto zertrümmert und zwei Fahrgäste der Straßenbahn, die vierzehnjährigen Schüler Wilhelm Klehne und Heinrich Edert, die beide in der Gartenstr. 14 zu Köpenick wohnen, am Kopf schwer verletzt. Die Kinder fanden im Kreiskrankenhaus Lichterfelde Aufnahme. Telephon Deutschland- Kanada. Seit dem 11. April nimmt eine Anzahl größerer Orte Kanadas am Fernsprechverkehr Deutschland- Amerika teil. Die Gebühren sind die gleichen wie im Verkehr mit den Vereinigten Staaten. „ Der Frieden durch die Schule." Ueber dieses Themasprechen am Sonnabend, dem 14. April, 20 Uhr, in den Selubräumen der Deutschen Liga für Menschenrechte, Berlin N. 24, Monbijouplas 10, Eingang 1, Herr Brofessor Guerlin de Guer aus Lille und Herr Professor, Paul Destreich, sowie Herr Brofessor Bulliod aus Frankreich. Die Berliner Lehrerschaft und auch die Teilnehmer des Pädagogischen Kongresses sind besonders eingeladen. Elife- Sänger. In ihrem April- Spielplan bringen die Elite- Sänger ein sehr gut zusammengeseztes musikalisches Genrebild Am Stammtisch", vona Bernhard Croë. Chorgefänge und einige Sololieder wurden flottgelungen.„ Das Ende vom Liede" betitelt sich ein Sittenbild von W. Römer, das großen Beifall sand. Zum Schluß folgte eine luftig Burleste„ Die tolle Lolo", von M. Reichardt, die große Heiterteit aus löfte. Erwähnt feien noch Schorsch Russelli, der urkomische Sachse, und Alfons Bornemann in seinem neuesten Schlager Nischni- Nowgorod". Als Darsteller schöner Frauen galt Hans Renni. Sport. Rennen zu Mariendorf am Donnerstag, dem 12. April. 1. Rennen. 1. Esparsette( Schleusener), 2. Steinnelle( Sang jun.), Blat: 15, 14, 38: 10. 3. Harfenmädchen( Sinorasti). Toto: 31: 10. Ferner liefen: Niederländer, Hippologe, Baron Gabler, Birus, Lombardei, Korhphäe, Schüler Teddh, Mistral, Koblentönig, Kletterrose. 2. Rennen. 1. Mephisto( Ch. Mills), 2. Bierde( Begall), 3. Hut ab ( Sedert). Toto: 14: 10. Play: 14, 93, 33:10. Ferner liefen: Kaladu I, Maimorgen, Nonne, Barones E., Dornzieher, Belletrist, Theokrat. 3. Renne n. 1. Lindenwirtin I( Sauß jun.), 2. Schnadahüpfel ( Treuberz), 3. Meister B.( Bahr). Toto: 15: 10. Blak: 14, 26, 14: 10. Ferner liesen: Kurgaft, Casanova, Champion Goud, Morgentan. 4. Rennen. 1. Lindow Peter( Senöpnadel jun.). 2. Stroschel( Lautenberger), 3. Haga Burton( J. Mills). Toto: 13:10. Plak: 11, 16, 18: 10. Ferner liefen: Long Albert, Heliogaba I, Constanze, Glüdsvogel. 5. Rennent. 1. Wasserfall( Großmann), 2. Angriff( Schulz), 3. Dawson Watts( Ch. Mills). Toto: 34: 10. Blak: 17, 27, 16: 10. Ferner liefen: Dentmünze, Kohlentönigin, Etashöferin, Goudsters Gloria, Luftschiffer, Dompfaff I, Arnfried, Fredegundis, Langemann, Corona Mc. Kinney, Copal, Peter Harvester. 6. Rennen. 1. Hannibal( Ringins), 2. Eva Arworthy( Ch. Mins), 3. Hallore( Hedert). Foto: 31: 10. Plaz: 12, 11: 10. Ferner liefen: Primel, Friefin. 1. Magowan jun.( Ch. Mills), 2. Johannistäfer ( Ed. Mills), 3. Willy A.( Treubers). Toto: 17:10. Blaz: 12, 42, 22: 10. Ferner liefen: Karneval, Belwin, Heroftrat, Selud. 7. Rennen. 8. Rennen. 1. Graf Dorn( Besizer), 2. Lessing( Besizer), 3. Turandot ( Befizer). Toto: 27:10. Blat: 14, 14, 29:10. Ferner liefen: Duintessenz. Frieda Edelstein, Monostatos, Artifer, Effi, Propeller, Elfenkönigin, Erbprinz jun., Mirabelis I. 9. Rennen. 1. Satharina( Sauß jun.), 2. Siegrim( Kozal), 3. Ein „ Die ledige Frau." Die Gesellschaft für Segual- fiedler( J. Mills). Foto: 29:10. Blag: 17, 13, 47: 10. Ferner liefen: reform veranstaltet am 13. April im Bürgersaal des Rathauses Natal, Turiddu, Theodora, Leuchtturm, Mary Guy, Potsdam, Louisiana, über das Thema„ Die ledige Frau" einen Vortrags- und Armenier. Disfuffionsabend. Beginn 8 Uhr. Als Redner sind vorgesehen Gen. Lola Bandau, Dr. Lernau und Dr. Kurt Finkenrath. Funkwinkel. Bom Manuskript bis zur Aufführung" schilderte Reinhold Scharnke den Weg der Opernkomposition. Selten findet ein Komponist einen Verleger, um seine Oper uraufführen zu fönnen. Er muß dann also auf eigene Rechnung Kopien der Partitur und des Klavierauszugs herstellen lassen, um mehreren Bühnen gleichzeitig ein Eremplar einreichen zu förmen. Fäufig genug stellen junge Komponisten aus Geldmangel diese mühevollen Abschriften eigenhändig her. Erst eine Oper, die ihre Uraufführung gefund überlebte, weckt bei den Musikverlegern einiges Interesse. Im günstigen Fall erscheint sie im Druck, so daß die notwendigen Exemplare für spätere Aufführungen leicht zu beschaffen sind. leber japanische Kunst und Kultur sprach Dr. Ernst CohnWiener. Er zeigte, wie das fünstlerische Schaffen in Japan viel weniger als in China Ausdruck des fultischen und religiösen Lebens war. Die Freude am Aesthetischen, am Bollendet- Formalen ist die hauptsächlichste Note der japanischen Kunstwerke. Wirklich lebensstarken Ausdruck läßt diese Kunst aber bisweilen in ganzen Epochen vermiffen. Die musikalischen Darbietungen der letzten Wochen zeigen wieder wenig geschickte Anordnung. Dem ziemlich schweren Drchestertonzert mit Joachims Biolinkonzert G- Moll und die Kammermusifabend Vortag folgte ein anspruchsvolles finfonische Dichtung Lot und Verklärung" von Richard Strauß. Weshalb wird nicht endlich für eine vernünftige Abwechslung in den Abenddarbietungen Sorge getragen? Dom Vas man gebraucht, um zu„ Odolen? Für wenig Geld kann man es holen Drei Teile. Bitte merkt Euch das: Op vol Zahnbürste, Mundspulglas! Die ungerechten Mieten. Verwahrloste Häuser.- Leistung und Gegenleistung. Mit der drückenden Wohnungsnot geht ein Mietpreisunrecht| der Wasserleitung, im Keller, Ersatz eines Dfenbleches, einer schabhaft Hand in Hand, dessen Beseitigung von allen, die es angeht, einmal gewordenen Diele, beinahe um jeden Nagel muß man sich mit der mit aller Schärfe gefordert werden muß. Hausverwaltung monatelang herumschlagen. Drohungen mit Brozeifen helfen nicht, man muß schon prozessieren. Von diesen Annehmlichkeiten bleiben die Mieter im Hause Nr. 46 größtenteils verschont. Auch dort zahlt man dieselbe Miete für die gleiche Wohnung wie die Mieter im Hause Nr. 47, nur mit dem Unterschied, daß man für den gleichen Preis ganz erheblich beffer und anständiger wohnt wie die Mieter im Nebenhause. Auf Grund der Friedensmiete sind schematisch Höchstmieten festa gesetzt, welche in feiner Weise die Qualität der Häuser und Wohnungen berüdsichtigen. So hat sich ein Zustand heraus gebildet, der für zahlreiche Mieter eine Quelle ständigen Bergernis und der Berbitterung ist. Greifen wir zu einem Beispiel: In der X. Straße stehen zwei Wohnhäuser, zu gleicher Zeit erbaut, Nr. 46 und Nr. 47. Die darin vorhandenen Wohnungen sind, was Größe und Lage anbelangt, vollkommen gleich. Auch die Friedensmiete ist für jede gleichartige Wohnung seinerzeit gleich hoch gewesen. Die Häuser gehörten im Jahre 1914 dem Hausbesitzer N. Während der Inflation oder schon vorher hat dieser das Haus Nr. 47 verfauft. In der Zwischenzeit ist es durch verschiedene Spekulanten hände gegangen. N. hat das Haus Nr. 46 behalten und man fann mm in Berlin beinahe in jeder Straße die, gleiche Beobachtung machen. Das eine Haus Nr. 46 ist dank einer gewissen Fürsorge des Besizers in einem baulich guten Zustand. Der Besizer wohnt selbst im Hause und wendet alle Sorgfalt an, um das ihm verblie. bene Wertobjekt in einem baulich guten Zustande zu erhalten. Das Haus Nr. 47 dagegen befindet sich in Spekulandenhänden. Der augenblickliche Besizer wohnt irgendwo im Reich oder im Ausland, verwaltet wird es von einem Häuserverwaltungsbureau( teilweise haben diese über 100 Häuser in Verwaltung!). Der Besizer beabfichtigt mit dem Hause weiter nichts, als es in absehbarer Zeit mit Gewinn wieder zu verkaufen. Sein Vorgänger hat genau so gehandelt. In der Zwischenzeit fällt es ihm natürlich nicht ein, irgend welche Erneuerungsarbeiten an dem Hause vornehmen zu lassen. Jade Verbesserung in dieser Hinsicht überläßt er freundlichst seinen Mietern. Dementsprechend sieht nun das Haus Nr. 47 aus. Die Fassade ist vollkommen verschandelt, überall fällt der Puz herunter, Eingang und Treppenaufgang find in einem 3uBand der Verwahr losung, so daß sie einer Räuberhöhle gleichkommen. Auf den Trep pen lagen früher Teppiche oder Linoleum. Diese Dinge sind längst verschwunden. Die Treppen sind ausgetreten. Das Dach ist baufällig und schadhaft. Ueberall tritt Feuchtigkeit dank dem mangel. haften Berput in den Wohnungen auf. Kurzum, die ganze Baracke ist eher des Niederreißens als des Aufbauens wert. Der Portier ist in den meisten Fällen trostlos entlohnt, dementsprechend sind auch die Reinigungsarbeiten, die er im Hause vornimmt. Kommt man mit ihm nicht zurecht, so hat man das Bergnügen, sich an das Häuserverwaltungsbureau zu wenden und dann weiter an den sagenhaften Wirt, den man nie gesehen hat. Um jede Kleinigkeit, Reparatur an 3 Hier einmal gründlich Abhilfe zu schaffen wäre die Aufgabe sowohl der Partei wie der Mieterorganisationen. Es gibt selbstverständlich auch eine Menge Häuser, in denen der Besizer seit 1914 nicht gewechselt hat und dessen Haus genau so verwahrlost und dreckig ist wie das vorstehend geschilderte Haus Nr. 47. Ebenso gibt es Neubesizer, welche für ihre Häuser ein gewisses Maß von Sorgfalt aufwenden. Meine Forderung geht mun dahin und ich würde mich freuen, wenn sie morgen von hunderttausenden Mietern unterstützt würde: Es ist notwendig, die Miethäuser zu klassifizieren. Sagen wir Klasse I, II und III. Zur Klaffe I rechne ich die Häuser, die, was Komfort, Instandhaltung und Sauberkeit anbelangt, so aussehen, wie es 1914 üblich war. Klaffe II und III gelten für schlecht gehaltene bzw. verwahrlofte Häuser. Auf Antrag der Mieterschaft der Häuser muß ein Sachverständigenfollegium, in dem Mieter und Hausbefizer vertreten find, berechtigt sein, diese Klaffifizierung vorzunehmen und dem Wirt eine Frist zu geben, in der er das Haus entsprechend renoviert. Ist diese Fristsegung ohne Erfolg, dann wird die Miete, wenn das Haus in Klasse II oder III gekommen ist, dementsprechend niedriger bemessen, und zwar durch einen prozentualen Abschlag auf die Höchstmiete je nach Klasse. Daß man irgendeinem Hausbesizer mit einer gesetzlichen Regelung dieser Klaffifizierung Unrecht tut, ist nicht einzusehen. Zirka 40 bis 45 Pro3. der Berliner Miethäuser sind in reine Spekulationshände übergegangen. Soweit dies nicht geschehen ist, sind die Hypotheken durch die Inflation erheblich reduziert mor den. Da das Spetulantentum sich sorgfältig davor hüten wird, Durch eine niedrige Klaffifizierung in seiner Spekulation auf günſti gen Verkauf behindert zu sein, so wird morgen durch den 3 wang zur Renovierung ein gutes Stüd zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit getan. Tausende von Handwerker werden morgen ihre Beschäftigung finden, wenn den Hausbesitzern die Klassifizierung droht, und mit Recht fann man sagen, daß diese Aufwendungen feine Armen treffen, sondern in überwiegender Mehrheit Leute, die in der allgemeinen Verelendung ihr Schäflein ins trodene gebracht haben. Meine Forderung ist weder revolutio när, noch ungerecht, noch sozialistisch. Sie lautet: Für gleichen Preis die gleiche Qualität" und diese Forderung ist auch in der fapitalistischen Welt eine Selbstverständlichkeit. Hier bietet sich für die Partei eine sehr wertvolle Gegenmarisaufgabe, die ihr den Dank vieler Mieter, nicht nur der proletarischen allein, sichern wird. Sie wird manchen Indifferenten für die Beseitigung dieses Unrechts gewinnen können, aber es iſt notwendig, daß fie ungesäumt an die Stellung und Durchsetzung der Forderung herangeht. Entweder gleiche Wohnungsund Häuserqualität wie im Jahre 1914 und dementsprechender Mietpreis oder Qualitätsverfchlechterung und dementsprechend geringere Mieten! Karl Pirch. Wieder Oeffnung der Vordertüren. Im Hinblick auf die Jahreszeit beabsichtigt die Große Berliner Straßenbahn ab 15. April wieder die Bordertüren der Straßenbahnwagen zum Ein- und Aussteigen freizugeben. Diese Maßnahme, die im vergangenen Sommer in Berlin erstmalss durchgeführt wurde, hat sich außerordentlich bea währt. Der Aufenthalt der Wagen an den Haltestellen wurde dadurch wesentlich verkürzt. Das Publikum wird jedoch gebeten, mit Rücksicht auf empfindliche Personen die Bordertüren nach dem Betreten oder Hinausgehen zu schließen, um nicht unnötig Zugluft zu verursachen. Lichtenberger Wanderauskunftsstelle. Um jungen und älterent Wanderfreunden mit Rat und Tat behilflich zu sein, hat das Jugendamt Lichtenberg feire Wanderausfunftsstelle ( Eingang Laden) und ist täglich von 9 tis 16 Uhr, Sonnabends weiter ausgebaut. Sie befindet sich jeht Türrschmidtstr. 24 von 9 bis 13 Uhr, und außerdem noch vorläufig an einem Abend, Dienstag von 18 bis 20 Uhr, geöffnet. Es werden Bleibenausweise, Mitgliedstarten, Führerausweise für Jugendherbergen ausgestellt; Fahrpreisermäßigungsanträge sind erhältlich. Wanderfarten und-bücher können eingesehen werden. Die Karten der Landesaufnahme, das beste Material an Banderkarten, werden an Mitglieder der Jugendorganisationen zu ermäßigtem Preise abgegeben. Gegen Schwaben gibt es nur ein sicheres Mittel, das nicht eine mehr übrig läßt. Reichels Poudre Martial", flärkfies Radikalmittel von ver heerender Wirkung, zerstört die Brut nefter refilos. Sprißdose 0.60, Original packungen m. 0.60, m. 1.20, m. 2.25, Pfd. m. 4.50. Jn Drog. erhältlich, sonst bei Ollo Reichel, Berlin SO. Eisenbahnstr.4 Echt nur mit der berühmten Marke Tod und Teufel Gegen- icceführende Reklame! Alle uns bekannten, als» nikotinfrei«,» nikotinarm oder» nikotinunschädlich« angepriesenen Zigarettensorten wurden im Laboratorium für Lebensmittel- und Gäcungschemie der Sächs.Jechnischen Hochschule in Dresden untersucht, und es zeigte sich, daß alle einen weit höheren nikotingehalt als 0,5 v.H. hatten. Teilweise unterschieden sie sich überhaupt nicht im Nikotingehalt von Zigaretten mit unbehandeltem Tabak, ja, einige hatten sogar noch einen höheren Gehalt als diese. Nach dem heutigen Stand der Wissenschaft darf jedoch als» nikotin= acm« nur ein Jabak benannt werden, der höchstens 0,5 v.K. Nikotin enthält. Man kann da= her wohl behaupten, daß alle untersuchten- Zigarettensorten irreführend bezeichnet sind. Die untersuchten Sorten und deren Befund werden in Kürze ver= öffentlicht werden. Auch frühere Untersuchungen von Professor Dr. Heiduschka und Dr. Muth, veröffentlicht in dec Pharmazeutischen Zentralhalle 1927, Jahrgang 60, ne. 22, 23 und 24, auch veröffentlichte Untersuchungen des chemischen Instituts des Gesundheitsamtes der Stadt Berlin haben ganz ähnliche Resultate ergeben. Für Raucher von Zigaretten der amerikanischen und englischen Ge= schmacksrichtung aus kräftigen Virginiatabaken und auch für Zigarrencaucher mag es wertvoll sein, den Nikotingehalt zu veccingeen. Eine Verminderung des Nikotingehaltes deutscher Zigaretten aus mazedonischen Jabaken, der im Rauch nur 0,18 v.H. beträgt, ist abso= lut unlohnend und würde die guten Geschmackswerte zerstö: cen, zum mindesten stark beein= trächtigen. Nikotinfreie Zigaret ten schmecken fade und strohig. Verdankt doch die Zigarette ihren Wohlgeschmack den durch das Nikotin gebundenen aromatischen Substanzen und ätheri= schen Oelen. Wir wählen für Greiling- Auslese ganz beson= dees leichte mazedonische Ja= bake, die schon von Natur aus geringe Nikotinprozente auf= weisen, die also der Gesundheit in keiner Weise abträglich sind. Der Wohlgeschmack und das edle Natur- Acoma müssen echalten bleiben. Keinerlei chemische Stoffe oder sogenannte patentierte Verfahren sind imstande, das Naturprodukt bei der Behandlung zu veredeln, wohl aber verliert der Tabak bei jeder chemischen Behandlung. Verwöhnte Raucher wählen darum nuc 100 Greiling- Auslesezu5Pf. Berliner Fabriklager: Berlin SW 68, Kodistr. 67:: Telephion: Merkur 4783 und 2684 Jubiläen. Das Feft der golbenen Sochzeit feiert das Ehepaar Theodor Belt und Frau Luise, geb. Trogisch, in der Elbinger Str. 14 am 29. April. Das Fest der Gilberhzeit feiert das Ehepaar Sugo Michaelis und Frau, Berlin N. 18, Aniprodestr. 115, am 15. April. Der Jubilar ist Funktionär und Borstandsmitglied des Werbeausschusses für Post- und Telegraphenbeamte. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend ( Nachdr. verb.) Boltig bis trübe ziemlich fühl und windig. Bereinzelt Regen. Für Deutschland: In West, Mittel- und Süddeutschland Niederschläge. Ziemlich fühl und im Norden windig. Sozialiſtiſche Arbeiterjugend Groß- Berlin Ginfendungen für diese Rubrif nur an das Jugendfefretariat Berlin GW 68, Lindenstraße 3 Wander- und Spielausschuß: Freitag, 13. April, 19 Uhr, Gigung in der Bücherstube, Lindenstr. 4. Die Ausscheidungskämpfe für den Dortmunber Jugendtag finden am Sonntag, 15. April, vormittags, im Lichtenberger Stadion ftalt. Treffpunkt aller Spieler 7 Uhr Bhf. Lichtenberg- Friedrichsfelde und an der Endhaltestelle der Straßenbahnlinie 68. Bälle usw. find mitzubringen. " Heute, Freitag, 19% Uhr: Stra Warschauer Süben: Heim Zentrum: Seim Landsberger Str. 50. Eozialistische und Kommunistische Jugend." Sanja: Heim Bochumer Str. 8b. Vebungsabend. Moabit I: Schule Waldenserstr. 21. Die Geschichte der Arbeiterjugend." Moabit II: Seim Lehrter Ctr. 18-19. Unsere Stellungnahme zum Reichsbanner." Saltplag 1: Schulaula Danziger Str. 23. Werbeabend. Gesang, Regitationen, Ansprache, Ezene aus Masse Mensch". Sohenschönhausen: Heim Freien malder Str. 5-6. Cinführung in den Sozialismus." Norboften: Heim Danziger Str. 62. Die Geschichte der EAZ."-Weißenfee: Heim Partaue 36. Probe. Wörther Play: Schule Rastanienallee 81. Der Lehrling und seine Rechte." Andreasplay: Heim Brommnstr. 1. Einführungsabend. lauer Viertel: Seim Goßlerstr. 61. Mitgliederversammlung. Biertel: Heim gitauer Str. 18. Mitgliederversammlung. Bordstr. 11. Mitgliederversammlung. Westen 1: Heim Hauptstr. 15. Seinrich Bille.' Charlottenburg: Heim Rosinerfte. 4. Mitgliederversammlung. Halensee: Hein geschlossen. Brig: Rathaus, Chauffeestr. 48. Unsere Fahrten." Ablershof: Seim Moonstr. 16. Seiferer Abend. Köpenic: Heim Grünauer Str. 5. Einführungsabend. Baumschulen weg: Heim Ernstste. 16. unfere Ofterfahrt." Lichtenberg- Nord: Seim Dofiestr. 22. Bolkstanz ober Mobetanz." Meinidendorf Weft: Seint Seidelftr. 1. Religion, Kirche und mir." Nieberschönhausen: Schule Blankenburger Str. 70. Unsete Osterfahrt." Pantom I: Heim Görichstr. 14. Was erlebten wir auf der Osterfahrt?" Pankow II: Seim Kissingenftr. 48. Fahrtkritik. 1327 Werbebezirk Neukölln: Sigung der Werbeobleute im Jugendheim SteinmegStraße 114. Die Jugendfeierkarten müssen ebenbort abgerechnet werden. Morgen, Sonnabend: Neukölln II: Treffpunkt zur Fahrt nach Briefelang 1815 Uhr Bhf. NeuKöln, 60 Bf. Fahraelb. Neukölln V: Fahrt nach Bernau. Treffpunkt 18 Uhr Bhf. Neukölln. Untoften 1 M. Werbebezirk Prenzlauer Berg: Treffpunkt zur Demonftration nach Sohen schönhausen 15 Uhr vor dem Bezirksamt Prenzlauer Berg. Rote Fahnen sind mitzubringen. Regste Beteiligung wird erwartet. Oeffentliche Werbeveranstaltungen: Wannsee: Werbeabend im„ Lindenhof", Wilhelmplak( Sonnabend). Sohenschönhausen: Werbefeier bei Klubte, Berliner Str. 19( Eonntag). Rosentheler Borstadt: Einführungsfeier im Heim Zehdenicker Str. 25 ( Sonntag). Programm: Musit, Rezitationen, Ansprache u. a. m. Borträge, Bereine und Bersammlungen. Reichsbanner„ Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin G. 14. Sebaftianfte 37/38, Sof 2 r. Freitag, 13. April. Mitte: Rachrichtenzug 20 Uhr Sigung bei Gramsch, Brunnenstr. 4. Alle radfahrenden Rameraden sind ein geladen. Tiergarten, Rameradschaft Westen 2: Bersammlung bei Ridert, Steinmegste, 36a. Kreuzberg, Bug 1: 20% Uhr Bersammlung bei Seehat, Willibald. Aleris- Str. 3. Vortrag des Ram. Red. Charlottenburg, Rameradschaft 800: 20 Uhr Versammlung bei Arndt, Kantstr. 51. Ram. Wiboldt: Umfturz, Kapp Putsch, Neuwahlen." Nachrichtenzug 20 Uhr Versammlung im Edenpalast. Alle Nadfahrer müssen erscheinen. Renkölln Brig, 2. Kameradschaft: 20 Uhr Ram.radschaftsfunktionärligung bei Schabeifo, Weichselstr. 3. Jungbanner: 20 Uhr Mitgliederversammlung bei Balewffi, Boddinftr. 57. Lichtenberg: 19% Uhr Einäscherung des Rom. Albert Serpin, Grinberger Str. 1, im Krematorium Baumschulen weg. Kameradschaft Bophagen beteiligt fio) in voller Stärke. Romeradschaft Treveplay: Alle Sameraden erfcheinen zur Sigung. Legte Information betr. Fahnennagelung. Seltom: 18% Uhr antreten bet Linte. Ecaffchuß Weißer Schman". Treptow( Ortsverein): 19% Uhr Jugend verfommlung im Sühlen Grund", Oberschönemeibe. Vortrag Ram.. bter. Sonrobenb, 14. April. Weißenfee: 20 2hr Familienabend im Wirtshaus Bum Bferdemarti". Eintritt 50 f. Republikaner miffommen. Zellow: 18 Uhr Ruhlsdorfer Plak. Mit Fahrrad zur öffentlichen Reichsbannerver fammlung Enutendorf. Neukölln- Brig, 4. Ramerabschaft: Frühlingsfest in Beders Gesellschaftshaus, Brig, Chauffecftr. 97. Erstklassiges Programm. BaumThulenmeg: 19% Uhr Bersammlung bei Borfmann. Bortrag Ram. Abter. Sonntag, 15. April. Gouzorstand. Handballspiel Sportplat Reinickendorfe West, Scharnweberstraße, 8% Uhr: Bantom I gegen Wedding 1; 94 Uhr: Adlershof gegen Wedding III. Mitte: Nachrichtenaug antreten 7% Uhr Neuer Markt. Wimpel, Bundeskleidung. Uebungsfahrt. Schöneberg- Friedenau: Landagitationsfahrt mit dem Ortsverein Wilmersdorf. Antreten 74 Uhr Wartburgplag. Fahrgeld 1 M. Webbing: Pünktlich 8 Uhr fämtliche Schuhsportler auf dem Sportplag Reinigendorf- West, Scharnmeberstraße, mit Sportbekleidung. Neueinteilung der Sandballmannschaften. Neukölln- Briz: Treffen 10 Uhr Schüzenhaus Neukölln. Keinidendorf, Orisverein: 1815 Uhr Antreten Bhf. Reinidendorf- Rosenthal. Pflichtveranstaltung. Bernau( Bezirk): 9 Uhr freie Agitationsfahrt der Ortsvereine des Bezirks mit Fahnen von Mobisch, Raiserftraße. Rreis 8, Nieder- und Oberbarnim: 14 Uhr Kreisfigung in Bernau, Gesellschaftshaus, Raiserstr. 79. Jeder Ortsverein entfendet den Vorsitzenden, und Stabführer. Wilmersdorf: Auto- Landagitationsfahrt zusammen mit Schöneberg. Antreten 7 Uhr Fehrbelliner Plaz mit Muft und Fahnen. Hennigsdorf: Propagandafahrt der Radfahrerabteilung. Start 13 Uhr Bereinsheim. Nowawes: Republikanische Bersammlung in Arensdorf. Abfahrt pitnttlich 12% Uhr Schüßendamm, Ede Scharnhorststraße. Tambourkorps und Ramerabidaftsfahne gehen mit. Püldkehr gegen 16 hr. Motorrad- Abt.: 8 Uhr Wittenbergplak. Nachzügler 8% Uhr Seerstraße, Ede Teufelsseechaussee. Mehrstündige Fahrt. Der Berliner Schubert- Chor, Mitgl. d. DASB., Männer und Gemischter Chor, veranstaltet am Sonnabenb, 14. April, 20 Uhr, in der Aula Grünthaler Straße 5, ein Berbefonzert zur Werbung neuer Mitglieder. Unter Zeitung des Dirigenten, Herrn Edvard Fendler, werden beide Chöre ein gemischtes Programm bringen. Interessenten find hierzu eingeladen. Typographisches Drchefter. Direktion: Erich Gutzeit. Uebungsabend jeden Freitag, 20 Uhr, in Neutin, Sermannstr. 199( Nähe Steinmezstraße). Gäste millkommen. Geplant ist Ausbau zum Großen Orchester, baher diesbezügliche Instrumente erwünscht. Besonderer Wert wird auf Buchbrucerkollegen gelegt. Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik find Berlin SB 68, Lindeuftraße 3, für Groß- Berlin ftets an bas Bezirksjekretariat 2. Sof, 2 Trep. rechts, zu richten. Heute, Freitag, 13. April: 6. Abt. Die Bezirksführer, die die Handzettel noch nicht abgeholt haben, müssen diese umgehend abholen von Dobrohlam, Gwinemünder Str. 11, um 20 Uhr. Auch die Genosfinnen finden sich dort ein zur Berteilung der Wählerin". 9. Kreis Wilmersdorf. Die Sanbzettel und Blatate, für den Republikanischen Abend find von Krois, Solsteinische Str. 60, abzuholen. 21. Abt. Achtung, Funktionäre und Betriebsvertrauensleute! Gammellistex und Maimarten find wieder eingetroffen und müssen von der Geschäfts ftelle, Utrechter Str. 21, abgeholt werden. 139a bt. Tegel, Freie Scholle. 20 Uhr im Goollenkrug Mitgliederversamm Jung. Vortrag: Kommunale Bauwirtschaft." Referent Stadtverordneten vocfteher Johannes Saß. Gäfte und Vorwärts"-Refer find herzlichst eine geladen. Alle Mitglieder müssen erscheinen. 16. Abt. Morgen, Sonnabend, 14. April: 17 Uhr treffen sich die Genofsinnen und Genoffen bei Krüger, Suffitenstr. 34, zur Flugblattverbreitung. Niemand darf fehlen. 17. Abt. Pünktlich 18 Uhr kurze wichtige Besprechung mit den Bezirks filhrern bei Dose, Nordhafen 6. 41. bt. Alle Genossen beteiligen sich an der Demonstration des 6. Streifes, 45. Aht. Alle Genossen beteiligen sich an der Demonstration. Niemand darf fehlen. 95. Abt. Neukölln. Bezirksführerinnen und Bezirksführer Material abholen ab 17 Uhr von Keil, Prinz- Sandjern- Str. 38. 139. Abt. Zegel. 20 Uhr im Lotal Julius Fischer, Schlieperftr. 50, Funktionär. sigung. Erscheinen dringend erforderlich. * 90. Abt. Reutena. Sonnabend, 21. April, Frühlingsfest in den Baffage- fest fälen, Bergstr. 151-152. Ronzert, Feftrede( Genoffe Hermann Harnisch, m. b. 2.), unt- Trio, Otto de Roche, Paul Tolksdorf und Mag Krause. Eintritt einschl, Steuer 1 M., Tanz frei. Saalöffnung 19 Uhr, Beginn des Konzerts 20 Uhr. Eintrittstarten sind bei den Funktionären zu haben. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt: 7. Rocis Charlottenburg. Seute, Freitag, 13. April, um 19 Uhr pünktlich, Attenausgabe im Simmer 141 des Rathauses. Anschließend um 20% Uhr NORDDEUTSCHER LLOYD BREMEN Die beste www. terholms Seereise! ist eine Mit Dampfer ,, Stuttgart" 13367 B.-R.-T. Mittelmeerfahrt vom 11. bis 30. Mai Fabrpreise von Mk. 750- an aufwärts. Ferner mit D., Lützow" 8716 Br.-R.-T. Adria- Italienfahrt vom 10. bis 23. Mai Fabipreise von Mk. 410.- an aufwärts. Ferner mit D. ,, Berlin" 15286 Br.-R.-T. Polarfahrt vom 9. Juli bis 5. August Fahrpreise von Mk. 850. an aufwärts. Ferner mit D. ,, Lützow" 8716 Br.- R.- Ts.: Skandinavien- Ostseefahrten vom 23. Juni bis 6. Juli und vom 3. bis 17. Aug. Fahrpreise von Mk. 320.- an aufwärts. Ferner mit D. ,, S.Cordoba" 11469 B.-R.-T. Nordkapfahrten vom 14 Juli bis 1. Aug. und vom 4. August bis 22. August Fahrpreise von Mk. 460.- an aufwärts. Ferner mit D. ,, S. Ventana" 11362 B.- R.- T.. Nordkapfahrt vom 24. Juli bis 11. Aug. Fahrpreise von Mk. 460.- an aufwärts. Kostenlose Auskunft und Prospekte durch unsere Vertretungen NORDDEUTSCHER LLOYD BREMEN Berlin: Norddeutscher Lloyd, Agentur Berlin G. m. b. H.. Unter den Linden 1( Hotel Adlon). Fernspr. Zentrum 12 230 u. 12 231. F. Montanus, Generalvertretung des Norddeutschen Lloyd, Invalidenstr. 93( zwischen Lehrter und Stettiner Bahnhof), Fernspr. Norden 12 241 u. 7916. 99 Weltreisebureau„ Union", Unter den Linden 22. Potsdam: E. Rössler, Brandenburger Str. 32 im Simmer 2 des Rathauses Bortrag und Ausfprache über das Theme Gefährdetenfürsorge". Referent Genosse Bruno Theek( Friedrichshain Alle Genoffinnen und Genossen sind herzlich eingeladen." Frauenveranstaltungen: 56. st. Charlottenburg. Die Genoffinnen, die sich zur Verteilung des Wählerin" zur Berfügung stellen, wollen diese bitte Sonnabend von Liersay Rantstr. 62, abholen. 74. bt. Zehlendorf. Die Genoffinnen beteiligen sich an der Handzettelvers breitung am Sonnabend, 14. April, 9 Uhr, auf dem Martt. Abholung bes Materials Freitag, 13. April, 20 Uhr, bei Schnorre. Es wird u zahlreiches Erscheinen gebeten. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde: Kreis Kreuzberg, Gruppe Südwest: Sonnabend, 14. April, im Jugendheim Yordstraße, Jung- Fallen- Tagung. Montag, 16. April, beginnt unfere Gruppenarbeit auf dem Razbach- Sportplag, 17 Uhr. Jungsozialisten, heute, Freitag, 13. April: Gruppe Schöneberg: 20 Uhr im Jugendheim Hauptstr. 15, Vortrag: Das Kommunistische Manifest." Referent R. Singelmann. Gruppe Wilmersdorf: 20 Uhr bei Holmann, Uhlandstr. 113, gegenüber der Post, Spielabend. Gäste willkommen. Gruppe Süben: 19% Uhr im Jugendheim Nordstr. 11, Zimmer 4, Bortrag: Der Materialismus vor und nach Marg." Referent Genoffe Jaku bowicz. Sonntag, 15. April, Fahrt nach Rönigswusterhausen. Treffpunkt 8 Uhr Görlizer Bahnhof. Gruppe Wedding- Gesundbrunnen: 20 Uhr im Jugendheim Orthstr. 10, Laden, Arbeitsgemeinschaft:„ Arbeitsrecht." Referent Genosse Liljeberg. 1 1 Achtung! Sonnabend, 14. April, 17 Uhr, im 2edigenheim Schönstedtstr. 1, Forthegung ber Arbeitsgemeinschaft Bottliger. Sterbetafel der Groß Berliner Partei Organisation 32. Abt. Unser Genoffe Mar Riegien, Paul- Singer- Str. 69, ift ant 10. April verstorben. Ehre seinem Andenken! Einäscherung am Freitag, 13. April, 10 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Wir bitten um rege Beteiligung. 125, Abt. Beißensee. Die Beerdigung unseres verstorbenen Genossen Mag Gmäbide findet heute, Freitag, 13. April, 14% Uhr, von der Leichenhalle des Gemeindefriedhofes, Röldestraße, aus statt. Wir bitten um rege Beteiligung. | Bei Gicht, Jschias,| Nerven- u. Kopfschmerz, Rheuma, Grippe Erkältungskrankheiten haben sich Togal- Tabletten hervorragend bewährt Ein Versuch überzeugt! 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Im August 1927 folgte bereits ein« weitere Herauf- fetzung des Kapitals um 18 auf 66 Millionen, die bei den hohen Bärfenkurfen für Glanzstcsfaktien dem Unternehmen rund SS Mil- lionen flüssiger Mittel«inbrachte. Jetzt nach erst einem halben Jahr macht sich bereits neuer Kapitalhunger bei der Gesellschaft bemerkbar, und das Aktienkapital soll erneut um 13 auf 7S Mil- lionen Mark heraufgesetzt werden. Nun sind diese gewaltigen neuen Kapitalien nicht etwa nur zur Finanzierung der von Jahr zu Jahr erweiterten Produktion da. Diese könnte die Gesellschaft, zum Teil wenigstens, ohne Schwierig- keiten aus seinen lausenden Gewinnen bezahlen, dagegen dient der größte Teil des neuen Kapitals zum Erwerb in- und ausländischer Werke, zur Gründung eigener Werke in Uebersee, und zur maßgeblichen Beteiligung an den großen ausländischen Konzernen. In dieser gegenseitigen Annäherung und Jnteresiengemeinschaft der europäischen Kunstseideriesen, der Vereinigten Glanzstoff A.-G., der englischen Courtaulds Ltd. und der italienischen Snia Viscosa liegt für die internationale Verbraucherschaft natürlich die Gefahr einer ausbeuterischen PreiÄ>iktatur. Mit Aus- nähme der französischen Industrie haben ganz kürzlich die europäischen Kunstseidefabrikanten ein Preisabkommen geschlossen, das den An- fang dieser Preisdiktatur einleitet. Es gibt kaum«ine Industrie, die in den letzten Jahren ähnliche Riefe»gewinne anhäufen konnte, wie die Kunstseideindustrie. K apitalerhöhungen, die sonst häufig zu' Dividenden- senkungen führen, haben hier die entgegengesetzt« Wirkung, wie die Entwicklung bei Glanzstoff zeigt: Die Gesellschaft hat also ihre Betriebsgewinne von 19Z4 bis 1927 nahezu verdoppelt und trotz schärf heraufge- setzter Abschreibungen«inen-gleichsallK v on.Jahr zu� Jahr sie i g e n- '«feen R ei ng e ausgewiesen, der 1927 um rund 146 Proz. über dem Ertrag'von 1924 liegt. Nicht eingerechnet sind darin natürlich die Millionen, die jährlich für den Ausbau der Werks- anlagen aufgewendet und„über Betrieb" bezahlt wurden, also den Reinertrag entsprechend verminderten. Gegenüber dieser Gewinn- steigerung hoben sich die Unkosten nur um 55 Proz. erhöht, was deutlich genug die immer wiederkehrenden Klagen der Unternehmer über die erdrückenden Soziallasten und Steuern widerlegt. was an Kursen bei Kapikalerhöhungen verdient wird.. Die Dividenden der Aktionäre sind seit 1924 bei verdoppeltem Kapital von 3 auf fast 11 Millionen Mark erhöht. Diese D i v i- dendeneinkünft« der Aktionäre sind aber nur wenig gegen- über den Börsengewinnen und Aktiengeschenken bei Kapitalevhöhun- gen. Die Durchführung der Kapitalerhohungen bei der Dereinigten Alanzstofi A.-G. ist nämlich ein Kapitel für sich. Da die Aktionäre genau wissen, daß die Dividenden trotz ihrer Hohe längst nicht dem wirklichen Gewinn entsprechen, die Verwaltung sich aber wegen der Kritik in der Ocffentltchkeit scheut, noch höhere Aktionärgewinn« auszuzahlen, so werden die Aktionäre bei den Kapitalerhöhungen dadurch entschädigt, daß sie die hochwertigen jungen Aktien fast geschenkt erhalten. Welche Unsummen der Glanzstoff- aktionär bei solchem Geschäft verdienen kann, wenn er die Aktien festhält und das Bezugsrecht ausübt, soll durch ein Beispiel erläutert werden. Ein kleiner Glanzstoffkapitalist kaust sich im März 1926 dreizehn Glanzstoffaktien i 1666 Mark, die ihn bei einem Börsenkurs von 286 Proz. 36 466 Mark kosten. Im April 1926 erfolgte ein« Kopital- erhöhung, bei der auf sechs alte Aktien eine junge zu 116 Proz. (also zu 1166 Mark) bezogen werden konnte. Der Aktionär bezieht auf die dreizehn zwei neu« Aktien und zahlt 2266 Mark. Inzwischen hatte bis zur nächsten Kapitalerhöhung im Juli 1927 die B ö r l e n- Hausse die Glanzstoffaktien auf«inen Kurs von 766 Proz.(also 7666 Mark, je 1666-Mark-Aktie) hinaufgetrieben, die alten Aktionäre aber erhielten auf fünf alte ein« junge Aktie zu 126 Proz., also zu einem S e ch st e l des Börsenpreises.~ Unser Aktionär bezieht also jetzt 15: S— 3 junge Aktien und zahlt dafür 3666 Mark. Bei der jetzt bevorstehenden Kapilalerhöhung kann er wiederum zwei junge Aktien zu 125 Proz., also für 2566 Mark beziehen und besitzt nun ein Paketchen von 26 Glanzstoffaktien. Fällt es dem Aktionär nun ein, feine 26 Aktien zu verkaufen, so erzielt er bei einem Börsenkurs von 746 Proz. 7466 Mark je Aktie, das sind 148666 Mark. Vielleicht kann der Mann nicht einmal Wolle von Kunstseide unterscheiden, das macht nichts, er hat als Glanzstoffaktionär in zwei üahren rund 193 606 Zllark„verdient". Und wie leben die Arbeiter? Im schärfsten Gegensatz zu den Werks-, Aktionärs- und Börsen- spekulationsgewinnen stehen die Lohnverhältnisse der 14 666 Mann Belegschaft, die alle Werte erst schaffen. In der Spinnerei ist der Höchstlohn je Stunde 9 9 P f„ in der Wäscherei 85 Pf., in der Vorbereitung und bei den Säurearbeitern 82 Pf. Der Errechnungsfaktor des Akkordes für die Arbeiterinnen in der Zwirnerei und Haspelei betrug 71,5 Pf. Di« Lohne der gelernten Arbeiter schwanken also zwischen 157 und 196 Mark monatlich. Das macht unter Berücksichtigung der Teuerung für den höchstbezahlten Spinner einen monatlichen Reallohn von 126 Mark, bei der Arbeiterin von 91 Mark. Die 14 666 Mann Belegschaft in den Glanzstoffwerken merken nichts von Konjunkturgewinnen und Aktienhaussen, ihr Anteil an der Konjunktur besteht bestenfalls in der dauerhaften Beschäftigung und, meist erst nach Kampf, in einer Lohnerhöhung, die vielleicht gerade die Teuerung ausgleicht. Bon.steig enden Reallöhnen verspüre« auch die Arbeiter in der.profitreichsten Industrie, wie der Kunstseide Produktion, nichts.... Wie dem Geschäftsbericht zu entnehmen ist, wird die Aus- dehnung des Glanzstofftonzerns im laufenden Jahr fortge- setzt. So ist der Bau' der Glanzstoffwerke in Tenessee in Amerika so weit fortgeschritten, daß di» Produktion noch in diesem Jahre ausgenommen wird. Die Leistungsfähigkeit der Betrieb« wird auf 1,7 Millionen Kilo, also 5 Proz. der gesamten Kunstseidepro- duktion in den Vereinigten Staaten, geschätzt. Außerdem nehmen in Deutschland zwei neue Werke, die Neue G l a n Z st o f f A.- G. in Breslau und die Glanz st off-Courtaulds G. m. b. H. in Köln die Fabrikation auf, so daß unter Hinzuziehung der an- geschlossenen Bayerischen Glanzstoffwerke uiÄ> des in Sachsen geplanten Aufbaus eines eigenen Berwaltungsbetriebes die Produktionsbasts des Konzerns bedeutend erweitert wird. B— e. Ruhrkapital gegen Reichsbahn. Heute Konfliktsverhandlungen in der Ferngasfrage. Die A.-G. für Kohleverwertung in Essen hat als Vertreterin der Ruhrzechen die Gelegenheit einer Presseführung durch die süd- westfälischen Ferngosaniagen dazu benützt, einen Zeitungskrieg gegen die Reichsbahngesellschaft zu entfesieln. Die„Deutsche B e r g w e r k s z e i t u n g" hat vor einigen Tagen mitgeteilt, daß die Reichsbahn für alle Punkte, wo die Ferngasleitungen der A.-G. für Kohleoerwertung Reichsbahnstrecken kreuzen sollen, eine jährlich« Gebühr von 1266 M. verlangt habe und für jeden Kubikmeter Gas, der in auf dem Reichsbahngelände verlegten Röhren befördert wird, eine Gebühr von einem Zehntelpfennig. Es steht dahin, inwieweit dies« Angaben der„Deuifchen Bergwertszeitung" richtig sind. Jeden- falls hat die dem Ruhrkapital mehr oder weniger nahestehende Presse die Borwürfe der„Deutschen Bergwerkszeitung" aufgenom- men und den Ruhrkrieg gegen die Reichebahngesellschaft unterstützt. Die Reich-bahngefellschoft ist gegenwärtig in keiner beneidens- werten Lage. Die peinlichen Vorfälle im Reichsbahnzentralamt haben neues Mißtrauen in ihre Geschäftsführung wachgerufen, und gegen ihre Absichten, die Gütertarif« zu erhöhen, steht die gesamt« Privatwirtschaft in einer Front. Aber die O e f f« n t l i ch k e i t muß sich doch sehr vorsehen, in diesem Falle den An- griffen des Ruhrtapitals ohne weiteres auf den Leim zu gehen und ohne nähere Prüfung etwa die Forderungen der Reichsbahn gegenüber der A.-G. für Kohleverwertung zu verwerfen. Die Frage ist von erheblicher aktueller Bedeutung, da am heutigen Tag« bei der Berliner Hauptverwalwng der Reichsbohngefellschast die Verhandlungen mit den Ruhrleuten über die von der Reichs- bahn zu verlangenden Entschädigungen beginnen sollen. Der Transport der Kohle macht im Güterverkehr der Reichsbahn etwa 36 Proz. der Gesamteinnahmen aus dem Güter- verkehr aus. Da es sich bei Kohle immer um Wagensendungen handelt, und da auf der anderen Seit« der Stückguttransport der Reichsbahn eher Derlust« als einen Gewinn bringt, ist jede Be- schneidung der Versendung von Kohlen für die Reichsbahn eine «kb«bliche Gefährdung ihrer wichtigsten und ertrag- pekchsten Einnahmequelle. Ohnehin wird die Reichsbahngefellfchast durch die zunehmende Wasserverfrachtung der Kohle in ihren bis- heriaen Koblefrachieinnahmen eingeschränkt. Die Absichten der Ruhrferr.verforgung gehen eingestandenermaßen dahin, nicht etwa nur so weit al« möglich die kommunal eigen« Gaserzeugung, und damit die Kohlenfrochten für die Städte einzuschränken, und durch die Versendung von Gas in Fern- leitungen zu ersetzen, sondern auch die Verfeuerung von Kohle in der Industrie so stark als nur irgend möglich auf Gas um- zustellen. Es liegt auf der Hand, daß die Ausdehnung der Ruhr- gasverforgung, besonders auf die Wärmewirtschaft der Industrie, die Verfrachtungsmöglichkeiten für Kohje bei der Reichsbahn ganz erheblich einschränken müssen. Die Reichsbahngesellschaft erleidet also mit Sicherheit«inen sehr empfindlichen Einnahmeausfall. Es ist in jeder Hinsicht ungerecht und unverständlich, wenn auf der einen Seit« von der Privatwirtschaft jede Tariferhöhung mit an sich guten Gründen bekämpft wird, auf der anderen Seite aber die Tätigkeit der Reichsbahngesellschast bei der Beförderung von Gütern gratis und franko für die Nutznießer eingeschränkt werden soll. Wenn die Reichsbahn überdies auch aus volkswirtschaftlichen Erwägungen bestimmte Forderungen stellt, so hat sie gut« Gründe dazu. Sie steht mit Recht aus dem Standpunkt, daß der Trans- port der Kohle in Gasform durch die Rohrleitungen volkswirtschaftlich unzweckmäßiger ist, als der Kohlentransport etwa durch Großraumgüterwagen auf der Achse. Den Nachweis dafür hat Reichsbahndirektor Dr.-Jng. Tecklenburg vor einigen Monaten einwandfrei geführt. Durch ein besonderes Entgegen- kommen die unwirtschaftlichen Ruhrpläne noch zu fördern, liegt also nicht im Interesse der Gefamtwirtfchast. Darüber hinaus ist die Reichsbahngesellschaft die Hauptträgerin der Repara- tionsleistungen. Wird die Kohlenoerfrachtung eingeschränkt, so wird entweder das Aufkommen der Reparationssummen ge- fährdet, oder die übrige Wirtschaft muß den bisher von den Kohlen- frachten getragenen Reparationsanteil übernehmen. Endlich aber besteht gar kein Zlnlaß, daß zu den großen Subventionen, die die deutsch« Gesamtwirtschaft für den deutschen Bergbau schon jetzt tragen muß— man denke nur an die Verteuerung der Inlands- kahle durch die die Weltmarktverluste des Bergbaues finanzierende Syndikatsumloge—.noch eine neue Subvention durch die Reichs- bahn hinzukommt, worauf der Verzicht der Reichsbahngesellschast auf Entschädigungen bei Rohrverlegungen im Reichsbahngelände ja schließlich hinauskäme. Di« Oeffentlicbkeit hat also allen Anlaß, den Kampf der Ruhr- zechen gegen die Reichsbahngesellschast sebr kritisch und mit großer Zurückhaltung gegenüber den Ruhrzechen zu ver- folgen. Es mutz sogar darüber gewacht werden, daß die starken vrivatwirtschaftlichen Einflüsse in der Reichsbahnoesell!