BERLIN Sonnabend tt. April 10 Pf. Ar. 178 B ss 45. Lahrgang. CrfAeiat täglich«aber Soaatag«. Zugleich Abendausgabe des.Dorwtrts'. Beiugsxreis für beide Ausgaben 70 Pf. pro Woche, 8 M. pro Monat. Nedattioo und Expedition: Berlin SWKS, Lindesstr.s Anteigenprei«: Die einspaltige Nonpareillqeile so Pf., gieklamqeile s M. Ermäßigungen nact» Tarif. Postscheckkonto: Dorwärts-Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. S7ü3ö. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 „Bremen" auf Greenly Island Noilandung infolge Benzinmangel und heftiger Gegenwinde. Ozean Ost— West überflogen. Die„Bremen" ist auf der kleineu neufundländi- scheu Insel Greenly Island, dicht an der kanadi- scheu Küste, niedergegangen. Es ist also deutschen Ozeanfliegern zum erstenmal gelungen, den Atlantik von Ost nach West zu bezwingen. Am 12. April. morgens um 5.ZS Ahr. waren die Flieger in Bardonell gestartet, am 13. April spät nachmittags(MEZ.) gingen sie aus der Insel Greenley Island uieder. Da diese Zusel ein Felseneiland ist. war wohl eine Beschädigung des Flugzeuges bei der Landung unvermeidbar ge- wesen. Die drei Flieger, Hauptmann Sch h l. h ü h a e- feld und der Kommandant der irischen Luftslreit- krafle, Fihmaurice, konnten wohlauf ihrem er- folgreichen Iunkersflugzeug entsteigen. Die Flieger hatten nicht die gewöhnliche Dampferroute nach Amerika beflogcn, aus Wettergründcn hatten sie eine nördlichere Route vorgezogen. Deshalb konnten sie auch von keinem der gerade auf der Ueberfahrt befindlichen 26 Ozeandampfer ouf hoher See gesichtet werden. Kurze Zeit nach ihrem Abslug von Irland hatte sich das Wetter in der Mitte des Ozeans sehr verschlechtert. Durch Sturm und Nebel müssen die Flieger nach Nordwesten, 400 Kilometer von ihrer Route entfernt, abgetrieben worden sein. Wie bei früheren Ozeanflügen widersprachen sich auch gestern die Mel- düngen über das Schicksal der deutschen Flieger Besorgnis war aber am Platze, als sich die Meldung von einer Sichtung über Neuschottland als falsch erwies und seit dem Verlasien der irischen Westküste keine positiven Nachrichten mehr vor- Händen waren. Die gegen 3 Uhr nachts aber in Berlin ein- getroffenen Meldungen verdichteten sich immer mehr in der Richtung, daß die Flieger zwischen Neufundland und Kanada gesehen worden seien. Gegen �4 Uhr traf sodann die Nach- richt von der Landung der„Bremen" auf der Felseninsel in der Saint Lawrence Bay ein. Benzinmangel, Gegenwinde. Direktor Schröder vom Tlorddeulschen Lloyd erhielt folgendes Telegramm: „wachten sichere Zwischenlandung aus Greenley Island, Stroit os belle Zsle, notwendig geworden durch Vrennstossmangel, infolge strenger Gegenwinde verursacht, der während des Fluges einsetzte." v. Hünefeld. Oie Landung auf der Kifcherinsel. Ottawa, 14. April. Nach Angaben eines Regierungsbeamten, der Greenley Island jöbrfich besucht, wäre es für die„Brunen" infolge der felsigen Boden- f rmation ntwiiv-�ch gewesen, auf der Jnlel zu landen, und dos Flug, eng sei möglicherweise auf das benachbarte Tie niedergegang-n. I'Jr Beamte sagt, das Eis sei zu dieser Jahresz-it genügend stark irnd trage stwir Lastautos, die reaelmätzig Touren nach der Post- und Telegraphenstat on unternehmen, die zwei Meilen entfernt an de: Küste Quebecs liegt. Wenn das Flugzeug nicht beschädigt sei, wüstt« es möglich sein, dies vom Eis an Land zu bringen. Die Lnsei, die ein Vcgelschutzgcbiet der kanadischen Regierung ist. ist un- bewaldet, etwa achthundert Meter lang, sehr schmal und steigt bis zu einer höh« von etwa 80 Fuß über dem MeSresspiegel. Lm Eis eingeschlossen. Iohns, 14. April. Greenley Island ist noch bis zum nächsten Monat im Eis ein- geschlosien. Die Insel zählt 14 Einwohner, die große Fischerei- stationm haben, die im Winter geschlosien sind. Dennoch sind dort Lebensmittel reichlich vorhanden. Wenn die Insel früh eisfrei wird, so können die Flieger im Boot nach dem nördlichen Teil von Reu- fundland fahren und mit Hundeschlitten den Weg der Westküste entlang bis zur Eisenbahn macheu. Andernfalls müßte ein eis- Die Schöpfer der„Bremen .X;,:: t'"Üj � A WM D M M, � � �- v st, a''- y- j-y ii £ UMMMZ MW msmsmmm � NWWMWMMWWWSMM > v*«..- 1->. 9?.-...... Auch diese Manner haben ihren Anteil an dem Erfolge-. Die Ingenieure und Arbeiter, die das Flugzeug„Bremen'' erbauten. festes Schiff entsandt werden. Um sie aufzunehmen. Die dritte Möglichkeit wäre, längs der Küste von Labrador in der Richtung nach Quebec zu reisen, bis sie von einem Dampfer aufgenommen würden, der zu diesem Zweck von Quebec zu entsenden wäre. An der ganzen Küste von Labrador befinden sich kleine Siedlungen, die von Fischern bewohnt werden. 1 Die einzige Unterkunft in Greenly Island sind außer dem Haus des Leuchtturmwächters Fifchereiräume. Die kanadische Regierung wird wahrscheinlich«inen Sonderdampfer entsenden. Der regelmäßige Dampfer, der die Nondtüste des Golfs von St. Lorenz bedient bis zu einem Punkt innerhalb schätzungs- weise 150 Meilen von Greenley Island entfernt, oerlieh Quebec auf seiner ersten Fahrt der Saison vor einigen Togen. Er kann viel- leicht bei einem Anlaufhasen, der von dem amtlichen Telegraphen- system erreicht werden kann, aufgehalten und nach Greenley Island gesandt weiden. Abgesehen von diesem Schiss, weiß man von keinem in der Nähe befindlichen Schiff. Die Meerengen sind von Eis blockiert. Zwischen Neufundland und Labrador. Die Meldungen aus Amerika sprechen einmal von Labrador, dann wieder von Neufundland als dem Lande, wo die „Bremen" niederging. Tatsächlich liegt die kleine Insel, aus der die deutsch-irischen Flieger landeten, zwischen den beiden Gebieten. Neufundland ist eine Insel, die Kanada nach Osten hin vor- gelagert ist. Sie ist so groß, wie Bayern, Sachsen und Württem- berg zusammen(110 000 Quadratkilometer), aber nicht von 15 Mit- lionen, sondern nur von einer Biertelnrillion Menschen bewohnt. Neufundland wurde von dem Italiener Giovanni C a b o t, dem Entdecker Nordamerikas, im Jahre 1497 entdeckt und von ihm„neu- gefundenes Land" getauft. Es war zuerst im Besitz der Franzosen, kam 75 Jahre später in die Hand der Engländer, denen es seitdem gehört. Es gilt iknerhalb des britischen Reiches als Dominion, also als«ine Kolonie mit Selbstverwaltung, Negierungssitz ist St. Iohns, ein Städtchen von 35 000 Einwohnern. Die Be- völkerung lebt von Holzfällen und Fischfang, hauptaussuhrprodukh: sind getrocknete Fische, Fischtran, Hering«, Zellulose und Papier zur Zeitungsher st ellung(der englische Northcliffe-Konzern hat hier riesig« Anlagen), aber auch Eisenerze. Die Ausfuhr geht hauptsächlich nach England, Spanien, Kanada, Portugal und die Bereinigten Staaten. Das F i s ch e r e i r e ch t an der atlantischen Küste ist jahrhun- dertelang zwischen England, Frankreich und den Vereinigten Staaten hart umkämpf� worden. Die Franzosen wollten ursprünglich keiner anderen Nation erlauben, dort zu fischen: im Utrechter Frieden (1713) traten sie ihr Fischereimonopol an England ab. Die Fran- zosen dursten aber weiterhin die unbewohnte Küste zum Einpökeln der Fische benutzen, dort auch Proviantniederlassungen für ihre Fischer errichten. Nach ihrem letzten Krieg mit England sicherten AMERIKA NPWYorK AT LAN T l S C W ER O C E A N sich(1818) die Vereinigten Staaten ebenfalls das Recht, an einigen Stellen der Küste zu fischen. Labrador— ursprünglich terra doslavradores= Sklooenküste— ist der nordöstliche Teil des kanadischen Festlandes, größer als Preußen, ober nur von 4000 Menschen, davon 1300 Eski- mos, bewohnt. Es liegt den größten Teil des Jahres unter Eis und Schnee. Trotz seines Polarklimas liegt Labrador nicht nördlicher als Deutschland; aber während die Küsten Europas von dem warmen Golfstrom umspült werden, strömen längs der nord- amerikanischen und der der Neufundlandküste die eisigen Ströme von Grönland mit ihren Eisbergen herab. Das Jnselchen, auf dem die Flieger gelandet sind, liegt sogar noch 125 Kilometer südlicher als Berlin— New Jork liegt ja auf dem Breitengrade von Neapel! (Weitere Meldungen 2. Seite.) Steuerscheu des Adelskonzerns! Schon wieder die Giesche-Gesellschast.— Drohung mit Stillegung. Der hochfeudale Konzern GiefchesErben» der vor wenigen Jahren durch feine Steuer- driickebergeret und durch den Versuch einer Ver- ramschung der deutschen oberschlesischen Zinkerz» Produktion an den amerikanischen Harriman» Konzern viel von sich reden gemacht hat. befindet sich in lebhaften Auseinandersetzungen mit der Gemeinde B e u t h e u(Lberschl.) über seine Ge- werbestcuerpslicht. Tie Vorgänge, die sich dabei abspielen, zeigen aufs neue, wie es mit dem nationalen LPfermut dieser„nationalen" Ge» sellschaft bestellt ist. Als die Industriestadt Bcuthen(Oberschlesien) mit dem Beginn des vorigen Jahres die Gemeinde Roßberg aufnahm, erhielt sie als Angebinde die modernste deutsche Zinkerzschachtanlage B l e i- scharley und das große Kohlenbergwerk Heinitzgrube. Beide gehören dem bekannten feudalen Giesche-Konzern. Dieser, eine Quelle gewaltigen Reichtums für seine aristokratischen Anteileigner. hatte mehr als zwechundert Jahre seines Bestehens auf Grund eines „königlichen" Privilegs überhaupt keine Reichs- und Staalssteucrn bezahlt, war 1916 zum erstenmal zur Kriegssteuer herangezogen worden und hatte später, 1924, von seinem auf mehr als 359 Millionen Mark geschätzten Vermögen nur S9 Millionen versteuert. Es er- regte gewaltiges Aufsehen, als der Sozialdemokrat Keil im Reichs- tag Ende Juli 1925 den großen Steuerbetrug aufdeckte Und das Unrecht, das den übrigen, besonders den arbeitenden Steuer- zahlern damit geschehen ist, gebührend kennzeichnete. Infolge der Unfähigkeit seiner Leitung war der Giesche-Konzern im Jahre 1926 dicht vor dem Zusammenbruch. Um sich ihm zu entziehen, bot er die monopolistische Ausbeutung seiner auf deutschem und auf polni- schem Boden gelegenen Erzfelder der amerikanischen ch a r r i m a n- Gruppe an ohne Rücksicht auf die Bedürsnisie der deutschen volkswirlschasl. Nur dem Eingreisen der preußischen Re- gierung, die sich an der Stützung des Konzerns mit einem Millionendarlehen beteiligte, ist es zu verdanken, daß nicht durch das„patriotische" Verhalten der feudalen Psessersäcke vor aller Welt der Anschein erweckt wurde, als ob Deutschland trotz der un- glückseligen Teilung Oberschlesiens noch zuviel Bodenschätze hätte. Die Eingemeindung Roßbergs hat nun der Stadt Beuchen große Lasten gebracht, da sie fast ausschließlich von Arbeitern und Minderbemittelten bewohnt wird, also wenig Steuern einträgt, auf der anderen Seite jdtoch hohe Aufwendungen für Wohl- fahrtspflege sowie andere soziale und kulturelle Zwecke erfordert. Natürlich blieb der Stadt nichts anderes übrig, als auch die neu zu ihrem Amtsbereich hinzugetretenen Betriebe zur G e- werbe st euer heranzuziehen. Die Giesche-Gesellschast verlangt nun von der Stadt Beuchen auf dem Wege über einen Steuervergleich die Schenkung von nicht weniger als 3 Millionen Mark Steuer- g e l d e r n! Nach dem Eingeständnis des Unternehmens will dieses mit den geschenkten Gemeindegeldern einen neuen Schacht auf- schließen. Um die Stadt Beuchen für dieses Manöver gefügiger zu machen, bot die Gescllschosl der Stadl Beuchen die Besorgung einer Auslandsanleihe von 4 Millionen Mark an. Mit anderen Worten: die Gemeinde soll mit den Geldern ihrer übrigen Steuerzahler der Giesche-Gesellschast die Mittel zu einem Schachtbau schenken! Ist schon dieses Ansinnen eine mehr als befremdliche Zu- mutung, so erhall sie ihren besonderen Charakter durch die Drohung des Glesche-Sonzerns, er würde dle heinlhgrubc stillegen und 2690 Menschen der Arbeilslosigkeit preisgeben! Durch diese erpresserische Drohung will man natürlich besonders auf die linksstehenden Vertreter im Stadthause wirken, die mit Recht auf dem Standpunkt stehen, daß zum Bau von Schach«- anlagen dos Privatkapital Anleihen aufzunehmen und nicht öffentliche Mittel zu schnorren hat. Noch ist der Streit nicht entschieden. Das anmaßende Vorgehen der feudalen Giesche-Gesellschaft verdient jedoch schärfste Brandmarkung im ganzen Reiche. Ohne Rücksicht auf die sonst so oft beklagten Röle der bedrohten Ostmark droht man mit einer Betriebsstillegung— natürlich wegen„Unrentabilität"—, wenn die Allgemeinheit nicht dem feudalen Konzern zu den berells ge- währten Millionen noch neue Zuwendungen auf Kosten der Steuer- zahler macht. Das ist ein weiterer lehrreicher Beitrag zu dem Kapitel„Patriotismus und Geschäft"; er wird gerade mit Rücksicht auf die bevorstehenden Wahlen in weitesten Kreisen die Beachtung finden, die er verdient. Den deutschen Fliegern sind vom Reichspräsidenten und von vielen Reichs- und Staats stellen Glückwunsch- telegramm« übersandt worden. 20 Meilen im Hundeschlitten. Die stundenlange Verzögerung bei der ersten Lan- drntgsnachricht kam daher, daß die Boten 29 Meilen Weg von der Insel bis zur nächsten Radio st ation auf chundeschli tcke n zurücklegen mußten. Die kanadische Regierung erhielt auf ihre Rückfrage diese Antwort. Nach einer aus Philadelphia aufgefangenen Nachricht scheint es nicht unmöglich, daß dos Flugzeug schon um 6 Uhr amerikanischer Zeit landete. Die erst« Nachricht traf beim„New Park Herald" um 7 Uhr abends ein, aber erst zwei Stunden später konnte von zuverlässiger Landung geredet werden..New Jork Herald" ließ die Landungsnachricht durch Rundfunk verbreiten und dann bei der Radiostation Chathani genaue Einzelheiten einholen. Der't. Mai gesetzlicher Keieriag. In Bremen! Bremen. U. April.(Eigenbericht.) Die Bremische Bürgerschaft nahm gestern mit 5« Stimmen einen Antrag an. der den 1. Mai zum gesetzlichen Feiertag erklärt. Der versuch der bürgerlichen Parteien, das Haus beschlußunfähig zu machen. schlug fehl. Vorher verabschiedete das Bremer Parlament die Ver- waltungsreform. die unter Ablehnung der Oppositione- antrüge mit der notwendigen Zweidrittelmehrheit Annahme fand. Die Verminderung der Zahl der Sitze in der Bürgerschaft wurde abgelehnt, diejenige der Senatsmitglieder«»»genommen. Die Wohl des Senates, der auf der Grundlag« der Großen Koali- t i o n zusammengesetzt werden soll und fünf sozialdemokratische Ver- treter enthalten soll, findet am 17. April statt. Lohn und Arbeitszeit im Ruhrbergbau. Oer Flug über den Ozean. Zum ersten Male ist der Nordatlantik von Europa nach Amerika überflogen worden. Die„Bremen" ist notgelandet. Das Wagnis, das so oft vergeblich versucht wurde, ist diesmal gelungen. Diese kühne Tat darf nicht darüber hinweg« täuschen, daß das Ganze nicht mehr als ein geglücktes Hazard- spiel war. Eine ganze Reihe von Tragödien verzeichnet die Geschichte der Europa— Amerika-Flugoersuche. Am Sonntag, dem 8. Mai 1927, waren die Franzosen Nungesser und Colli mit dem„Weißen Vogel" in Le Bourget, dem Pariser Flughafen, gestartet. Im Gewitter- stürm hatte die Fahrt begonnen. Tausende wohnten trotz des Regens dem Abflug bei. Als das Flugzeug den Blicken der Zurückgebliebenen entschwunden war, da war sein Schicksal bereits entschieden. Es kam auf dem Ozean in schweres Wetter, der„Weiße Vogel" nahm den Weg in die Tiefe. Die ividersprechendsten Meldungen wurden über den Flug und sein Ende oerbreitet. Die größte Wahrscheinlichkeit hat noch die Aussage des Pfarrers einer kleinen irischen Gemeinde, der behauptete, daß das Flugzeug in. der Nähe der irischen Küste in das Meer gestürzt fei. So mußten denn auch die von der französischen Regierung ausgesandten Wasserflugzeuge und Marineflugzeuge' ohne jedes Ergebnis zurückkehren. Am 2. September 1927 waren die französischen Flieger Givon und Corty in Le Bourget gestartet, um von neuem den Ost-West-Flug zu wagen. Das schlechte Wetter veranlaßt? sie zur Umkehr. Sie wurden daraufhin von der nationalistiichen Presse Frankreichs beschimpft und waren sogar tätlichen Angriffen ausgesetzt. Ihr kühirer Entschluß, heimzukehren, hat sie vor dem Ende des englischen Fliegers M» n ch i n bewahrt der mit einem dreimotorigen Fokkerflugzeug, dem„St. R a p h a e l" von Upavon bei Bristol am 31. August 1927 zum Fluge nach Kanada aus- gestiegen war. Das Flugzeug, auf dem sich außer dem Pl- loten noch der Kapitän Hamilton und die P r i n- zessin Wertheim befanden, wurde von einem Dampfer über dem Ozean gesichtet und seitdem ist es verschollen. Der erste Flieger, der anstatt einer Landmaschine ein Flugboot für den Versuch, von Europa aus den Nord- atlantik zu überfliegen, wählte, war der englische Flieger Courtney. Er benutzte einen Dornier Wal, mit dem er am 3. September nach mehrfachen vergeblichen Versuchen in Plymouth startete. Heftige Stürme zwangen ihn zu einer Notlandung in La Coruna in Spanien. Die deutschen Versuche, den Nordatlantik zu überfliegen, begannen mit dem bekannten Dauerflug eines Iunkerflugzeu�es in Dessau, bei dem es über fünfzig Stunden in der Luft blieb. Der Start der beiden einmotorigen Land- Maschinen„Brems n" und„E u r o p a" erfolgte am 14. August. Sie standen unter der Führung der Piloten Köhl und L o h s e, bzw. Edzard und Ristics. Die„Europa" landete schweren Sturmes wegen, den sie auf der Nordsee angetroffen hatte, bei Bremen. Dabei zerbrach das Fahrgestell der weit überlasteten Maschine. Die„Bremen" kämpfte sich unter der Führung des Piloten Köhl, dem jetzt der Amerika- flug geglückt ist, gegen schweres Wetter bis zur irischen See durch und kehrte dann, da die Führer das Unmögliche ihres Vorhabens einsahen, nach Dessau zurück. Bedauerlich war, daß dieses Unternehmen mit viel zu großer Retlame ins Werk gesetzt worden war. Der zweitedeutscheOzeanflugoersuch führte ein Iunkers-Wasserflugzeug und später ein Heinkel-Wasser- flugzeug nach langem Verweilen in verschiedenen Etappen- Wahlvorbereitungen eines deutschnationalen M. d. Jl. meinen Wählern über die Abstimmungen zum Republik« schuhgeseh und zum OaweS-Abkommen Rechenschaftsbericht erstatten." orten nach den Azoren. Das Iunkersflugzeug startete am 3. Oktober und erreichte die Azoren am 14. Oktober, die Heinkel-Mafchine. die am 13. Oktober gestartet war, traf nach mancherlei Zwischenfällen am 4. November in Horta ein. Hier gelang es nicht, die mit Brennstoff überladenen Ma- schinen zum eigentlichen Amerikaflug in die Luft zu bringen. Bei einem fast geglückten Startoersuche überschlug sich die Maschine und wurde so erheblich beschädigt, daß sie völlig sluaunsähig blieb. Beide Maschinen wurden im Dezember v. 3- mir dem Dampfer„Haoenstein" nach Hamburg zurückgebracht. Auch der jetzt geglückte Flug, an dem auch der Kom- mandeur der irischen Luftstreitkräfte Fitzmaurice teilge- nommen hat, der vor einiger Zeit ebenfalls einen verun- glückten Ozeanflug unternommen hatte, darf nicht darüber täuschen, daß ei« regelmäßiger Flugverkehr mit einmotorigen Landmaschinen unmöglich ist. Solange der Ozeanflug ein Wagnis bleibt, solange der Ozeanflugverkehr nicht die Sicher- heit des Schiffsverkehrs erreicht, ist an einen regelmäßigen Verkehr nicht zu denken. In den nächsten Tagen werden auf einer deutschen Flug- zeugwerft die ersten wirklichen Ozeanflug- Maschinen fertiggestellt sein und ihre Probeflüge beginnen können. Sie sind so berechnet, daß sie nicht als fliegende Tanks den Ozean überqueren werden. Erst dann, wenn wirkliche Ozeanflugmaschinen zur Verfügung stehen, die unter Umständen auch auf offener See niedergehen können, ohne zu sinken, und die darüber hinaus genügende Ladefähigkeit haben, werden wir am Anfang des Ozeanflugverkehrs stehen. Glückwünsche aus Kanada. Oltava. 14. April. Als die Nachricht von der Landung der„Bremen" auf Green- ley Island eintraf, unterbrach das kanadische Unterhaus seine Veraturigen. um die Meldung im Hause bekanntzugeben. Das Haus nahm die Mitteilung mit Beifall auf. Ministerpräsident Mac Kenzie King sandte an- die Flieger eine Botschaft, in der er den Fliegern die Glückwünsche des kanadischen Volkes und der Regierung anläßlich ihres wohlbehaltenen Eintreffens auf kanadischem Gebiet und zur Vollendung des ersten Ost-West-Atlantikfluges ausspricht, der einen hervorragenden Fortschritt in der Entwicklung des Flugwesens bedeutet und durch die Ueberbrückung des Ozeans eine engere Freundschaft zwischen den Völkern herbeiführe. Ottawa. 14. April. Der Regierungsdampfer„M on t c al m". der sich«ms einer Patrouillensahrt zwischen Anticosti und Labrador befand, hat be- reits um Mitternacht Weisung erhalten, nach Greenlcy Island zu fahren, um den.,Breme»"-FlIegern Beistand zu leisten. Die Mont- cälm" berichtete, daß sie genügend Kohlen an Bord habe, ferner wird die Entsendung eines Flugzeuges von Ottmva in Erwägung gezogen. Oie Stimmung iy Ret» yorf. Die New fgorker Bevölkerung nahm alle Meldungen, die im Laufe des gestrigen Tages über das Herannahmen des deutschen Flugzeuges„Bremen" verbreitet wurden, mit großem Interesse auf. Die Frage, ob der Flug zum glücklichen Abschluß gebrocht werde, bildete nach wie vor dos Hauptgcsprächsthema. Viele Tausende schlugen im Laufe des Nachmittags den Weg nach dem Flugplatz Mitchellfield ein, um dort geduldig auf das Ankommen der Flieger zu warten. Die Menge zerstreute sich erst in den Abendstunden, als sich die Gerüchte über das Herannahen der„Bremen" nicht be- stätigten. Die Lage der„Bremen". Rem Jork. 14. April. Die letzten Meldungen aus Rem Jork besagen, daß die „Bremen" alimonlierl werden soll, um aus dem kanadischen Eis- brechcr„Monlcalm" oertadcn zu werden. Dle drei Flieger wohnen im Leuchlkurm und schlafen augenblicklich. Sie haben scheinbar au persöulichcn Dingen keinen Mangel. Sie sind über den Flugausgang nichk sehr verärgert. Der Eisbrecher„Monlcalm" ist bereits mit Volldampf noch Point Armour(Labrador) unterwegs. Der Kapitän des Dampfers glaubt am Sonnabend, wenn die Els- vcrhöllniste nicht zu schwierig sind. Point Armour zu erreichen, so daß die Flieger das kanadische Feslland am Sonntag bet-etrn würden. Die kanadische Regierung wird jede h'lfxbereilschask leisten. Scheinbar sollen teiae Flugzeuge zur hilselüstung ver- wendet«erden, da die Willerungsvcrhällnisse zu gefährlich sind. Das Flugzeug erlitt bei der Rollandnng scheinbar zuerst Fahr. gestellbriich und stellte n-h dabei auf den Kopl. wodu'ch der pro- pellcr brach. Aus Greenly Island leben sieben Fischerfamilien. Die Insel ist ohne Vegetation. Eine Reparatur des Flugzeuges isb dort unmöglich In Essen wurden bis Freilag abend 19 Uhr dle Schlichtungsverhandlungen über die Lohn- und Arbeilsze'.lfrogen im Rnhrbergbau in einem kleinen Ausschuß sorlgesatzl. der ms je fünf Vertretern der Arbeilgeber und Arbeilnehmer zufan mcn- geseht»par. Ein Ergebnis wurde nicht erzielt. Die Zechenvertreter erklärten, daß sie in Anbetraöst der aus» lehnen müßten. Es wurde daraufhin die Schlichtung?. kommer gebildet, die heute, Sonnabend, vormittag 11 Uhr, zusammentrat.» Selbstmord im Stadibahnzug. Heute früh kurz vor 6 Uhr wurde auf dem B a h n h o f C h a r- lottcnburg in dem 2. Klasseabieil eines Stadtbohnzuges der 24jährigc Heinrich Brederlow mit durchschossener Schiäse toi aufgefunden. Neben dem Toten lag eine Drcyse- pistale. Noch dem Desuird liegt unzweifelhaft Selbstmord vor. Was den jungen Mann, der als Prokurist bei einer Rathcnowcr optischen Firma angestM war. in den Tod getrieben hat.»st noch unbekannt. Sein« Leiche wurde beschlagnahmt. Todessturz von der Treppe. Gestern abend gegen 29 Uhr wurde der 4sjährige Schlosser Ewald K a a r i tz aus der Trepp« des Hauses S t r a l a u e r Allee 178 von Mietern mit einer schweren Schädelverletzung bewußtlos aufgefunden. Ein hinzugerufener Arzt konnte jedoch nur noch den inzwischen eingetretenen Tod infolge d o p p e l- ten Schädelbruchs feststellen. Offenbar ist G. in der Dunkelheit fehlgetreten und ist die Treppe hinabgestürzt wobei er die tödliche Verletzung erlitt. Shaws Volksstück„Pygmalion". Deutsches Theater. Wie oft ich Bernard Shaws„Pygmalion" schon gesehen habe, weiß ich nicht. Aber das weiß ich, ich kann es nicht oft genug sehen. Immer wieder entdeckt man neue Reize daran. Das ist ein Kriterium für den Wert eines dichterischen Werkes, daß man es immer wieder auf sich wirken lassen will. Wie stets bei Shaw, ist der Anlaß zur Abfassung der Komödie eine äußere Absicht ge- wesen: er will das Interesse für die Landessprache, für Sprach- studium und Sprechtechnik wecken. Er will darauf hinweisen, daß es Wissenschaftler gibt, die die Seele der Sprache ergründen. Das ist gewiß ein trockener, lederner Anlaß. Aber was wird bei Shaw für ein funkelndes, Geist und Witz sprühendes Spiel daraus? Der Profesior der Phonetik, chiggins, geht mit fernem Freund eine Wette ein, er könnte in einem halben Jahre aus einem von der Straße aufgelesenen Mädel mit chilfe der Sprechkunst eine Herzogin machen. Das Experiment führt er mit aller Sachlichkeit durch: Elisa, das kleine Blumenmädel. behandest er wie ein« Sache, wie einen Klotz, den er zu formen hat. Daß in ihr auch eine Seele lebt, daran denkt er in seinem Experimentiereifer nicht. Er merkt aber auch nicht, wie ihm Elisa allmählich ans Herz wächst. Nach einer stürmischen Aussprache, bei der ihm aus Elisas Hand sein« Pantoffeln an den Kopf fliegen, einigt er sich dahin, auch nach dem Gewinn der Wette, solange wie möglich mit ihr zusammenzubleiben. Ein herrlicher Stoff für das sogenannte Volksstück. Er enthält den Traum jedes kleinen Nöhmädchens aus. seinem Milieu in den Glanz der vornehmen Welt aufzusteigen. Wo ist der deutsche Autor, der ein solches Volksstück schreiben könnte? Di« Ansätze sind stets vorhanden. Aber der Inhalt verbiegt sich- dann immer ins klein- bürgerlich Verspieste oder Verlogene. Bei Shaw ergibt sich plötzlich Elisas anklagende Frage:„Was soll nun aus mir werden, wenn Sie mich wieder in mein altes Leben zurückschicken, In dem ich mich ganz wohlgefühlt habe?" Shaw vergeistigt und veredelt den volks- tümlichen Stoff mit seiner sozialen Gesinnung und seinem funkelnden Geist. Dies Volksstück ist nttht eine vergängliche Unterhaltung, es ist eine Augen- und Ohrenweide. Damit erklärt sich die merkwürdige Tatsache, daß Regie und Darstellung manches vermissen lassen und daß die Aufführung im Deutschen Theater zu einer der erfolgreichsten dieser Saison wird- Gerade„Pygmalion" erfordert sorgfältigste Bearbeitung. Einen großen Teil seiner Wirkung bezieht das Stück aus dem Gegensatz der Dialekte. Der Regisseur.Leo Mittler läßt diesen Teil der Komödie ganz links liegen. Shaw stellt dem Stück«ine Haupt- regieonweisung voran:„Die Figur der Elisa ist durch den orts- üblichen Dialekt zu charakterisieren." Carola Reher, die entzückendste Elisa, die ich gesehen habe, spricht vor dem Erpenment genau so geschult wie als Dam« von Welt. Für„Pygmalion" muß sich der Regisseur vor der ersten Leseprobe tüchtig auf die Hosen setzen und den Text gründlich bearbeiten. Herr Mittler wende mir nicht«in, er habe aus Pietät für den großen Iren nicht am Stück gerührt. Er ist nämlich sonst gar nicht zimperlich mit dem Text umgesprungen. Er hat geändert, zugefügt, weggelassen. Das darf er. dos soll er. Immer feste. Aber Sinn und Geschmack müsien die Aenderungen haben. Nur manchmal sind sie ihm gelungen, häufig haut er da- neben. Zum Beispiel hätte er nicht den Schluß anpappen sollen, der dem Stück den nachhaltenden, nachdenklichen Ton nimmt. Bei Mittler ist so aus der feinsinnigen Komödie«in leichter Schwant geworden. Im übrigen hat er die Komödie mit viel Liebe inszeniert. Szenisch sind ihm manche sehr hübschen Einfälle gekommen. Das stumme Spiel in vielen Bildern ist köstlich. Wenn etwa Krauß als Higgins ohrenquälende Tonversuche mit allerlei akustis6)«n Apparolen macht. Oder wenn die beiden Freunde mit Elisa von einem Fest nach Hause kommen, Elisa in großer Toilette, und die Männer sich mit dem Rücken gegen Elisa und gegen das Publikum über sie unterhalten, ohne von ihr Notiz zu nehmen. Von«inigen Nebenrollen abgesehen, die farbiger hätten dar- gestellt werden können, bewundern wir wieder die hervorragende Besetzung der Reinhardt-Bühne. Resllosen Genuß bietet Werner Krauß. Er soll einen schüchternen, zurückhaltenden Menschen spielen, der sich nie wirklich erwachsen fühlt. Er soll aber auch so schlechte Manieren haben, daß man ihn für einen eigenmächtigen und hochfahrenden Menschen hält. Diese im Grunde widersprechen- den Eigenschaften gestaltet Krauß meisterhast. Er schnauzt wie ein Feldwebel, platzt unmanierlich in feingeistige Unterhaltungen, rekelt sich auf Sesseln, ohne je in Unmanieren zu übertreiben, und wird rot wie ein Schuliung«, wenn ihm seine Haushälterin leise Vorwürfe macht. Carola N e h e r ist ganz das verschüchterte, dabei eigen- sinnige Mädel aus dem Volk, das den Männern im Umsehen die Köpfe verdreht, manchmal ein aufgescheuchtes Vöaelchcn, manchmal eine Dame mit tausend Teufelchen im verführerischen Leib. Wie sie bei Sprachverstößen einen plötzlichen ängstlichen Blick verstohlen auf ihren Lehrer wirft, das ist bezaubernd. Nur einen ordinären Dia- lekt hätte sie in den ersten Akten sprechen müssen. Der«inzine. der etwas wie eine schluderige Sprache zustande bringt, ist Max G ü l k st o r f(Elisas Vater). Sein groteskes Spiel reißt das Vubli- kum zu Beifall auf offener Szene hin. Auch sonst ist die Zliscbmier» schaft wie festen angeregt. Laute Lachsalven durchtöncn das Haus. Ein glänzender Erfolg. Lrnst vegner. llnnötige Aufregung. Gefangenenbefreiung und Llntersuchungshost. Die Nachforschungen nach dem Kommunisten Otto Braun und seinen Befreiern sind bisher ergebnislos geblieben. Die Polizei sucht fieberhaft und die Reichsjustizbehörden betrachten die Wieder- erlangunz des Flüchtigen als eine Prestigefrage. Aber gerade sie trifft an der ganzen Angelegenheit eine erhebliche moralische Mitschuld. Es wäre vermutlich nicht zu diesem Akt der Selbst- hife gekcmmen, wenn nicht durch den oft beklagten Mißbrauch der Untersuchungshaft die Voraussetzungen zu der Tat ge- schaffen worden wären. Der Oberreichscmwall und der Unter- suchuwzsrichter beim Reichsgericht, Drgt, sollen einmal über sich selbst zu Gencht sitzen, ob es zulässig war, bei einem an sich klaren Tatbestande den Beschuldigten anderthalb Jahr und länger in Unter- suchungshaft zu hallen. Ihr Verhalten ist um so auffälliger, als durch die Novelle zur Strafprozeßordnung, die sogenannte Lex H öfl e, erst vor Verhältnis- mäßig kurzer Zeit die Bestimmungen über Untersuchungshaft ge- ändert wurden mit der ausgesprochenen Absicht des Gesetzgebers, so eklatante Härten und Unbilligkeiten zu verhindern, wie sie im Falle Höffe und anderweitig zutage getreten waren. Während die Praxis der unteren Gerichte vielfach eine Besserung aus Grund der neuen Bestimmunzen erkennen läßt, ist das Reichsgericht von dem Geist der neuen Gesetzgebung wieder einmal gänzlich u n- berührt geblieben. Im Glauben an seine UnsekLbarkeii— ob- wohl ihm nachgewiesenermaßen zum erkennenden Gericht erster In- stanz bei seiner manzelhosten krimmalistsschen Schulung die Ouali- sikaiion fehll— läßt das Reichsgericht unter formaler Beachtung der neuen Bestimmungen' praktisch alles beim alten. Es ist daher begreiflich, daß die Bevölkerung keineswegs in das hysterische Geschrei der Hugenberg-Presse einstimmt. Wo war denn die Entrüstung der Rechtsblätter, als der Leutnant Bogel (Mörder Rosa Luxemburgs), als die Kapitäne B o l d t und D i t t- ni a r(die Rettungsboote versenkten), als der Hochverräter Ehr- Hardt von ihren Anhängern mit List oder Gewalt aus der Haft besreir wurden? Wo war ihre Entrüstung bei den mißglückten Be- fmungsoersuchcn zugunsten des Rathenau-Mörders T e ch o w, zu- gunsten der Fememörder Leutnant Raphael und Oberleutnant Schulz? Doppelt heuchlerisch wirkt das Geschrei der Rechtspresse, soweit es die Befreiung Brauns zu einer„Blamage" der rcpubli- tonischen Preußenregierung stempeln will. Gegenüber elliem plötzlichen Handstreich, der überraschend und mit der nötigen Zahl von Kräften unternommen wird, versagen erfahrungsgemäß überoll normale Sicherungen. Selbst ein Terrorregimes wie das Mussolinis hat das Mailänder Bombenattentat nicht verhindern können. Deshalb schiebt das aufgeregte Geschrei der Hugenberg- Press« über„mangelnde Rechtssicherheit" die ganze Sache auf ein falsches Gleise. Wenn mangelnde Rechtssscherhest im Falle Braun als korrigierbares Schuldmoment mitgewirkt hat, dann nur in dem Sinn«, daß die mangelnde Rechtssicherheit des einzelnen gegenüber einem Mißbrauch der Untersuchungshaft wieder einmal zutage ge- treten ist. Hier liegt die Lehr«, hier muß die Besserung ein» setzen! Theater der Woche. Vom 15. big 23. April. Volksbühne. Theater am Lülowploß: Di« rote Robe. Theater am Schiffbauerdamm: Der Zigarettenkasten. Thalia-Theater: IS. bis Zl. und 23. Dyckerpotts Erben. 22. Das Kamel geht durch das Nadelöhr. Staakskheaker. Oper am Plah der Republik: 15. Die Walküre. 16. Luffa Miller. 17. Der Arzt wider Willen. 18. Puccini-Abend: Der Mantel: Schwester Angelika: Gianni Schicchi. 19. Don Giovanni. ?l). Sinfoniekonzert. 21. Fideiio. 22. Salome. 23. Der schwarze Domino. Städtische Oper. Chortotkenburg: 15. Aida. 16. Tosca. 17. Der Eorregidor. 18. Das Wunder der Heliane. 19. Hochzeil des Figaro. 20. Zauberilöte. 21. Geschlossene Vorstellung. 22. Orpheus und Eurydike. 23. Ionnn spielt auf. Slaalstheater am Gendarmenmartt: 15., 17., 20.. 22. Gespenster. 16., 19., 23 Prinz Louis Ferdinand. 18. Die Weber. 21. Katalaunilche Schlacht. Schlller-Theater. Ebarlottenburg: 16., 19., 23. Duell am Lido. 17., 20., 22. End« gut, alles gut. 18. Amphytrion. 21. Journalisten. Thealer mit festem Spielplan. Deuffche» Theater: Pygmalion.— kommerspiele: Finden Sie, daß Eonstanc« sich richtig verhält?— Die Komödie: Marcel Frade» lin.— Thealer am Rollevdorfplaß: Der letzte Kaiser.— Theater in der köulggräher Straße: D e Marauise von Arcis.— Komödien- Haus: Broadway.— Großes Schauspielhaus: Madame Pompadour. — Theater de» Westeus: Galstviel„200 000".— komische Oper: Zieh' dich aus!— Deutsches Künstler-Theater: Schwarz-Weiß.— Lvfffpielhaus: Unter Gc-schäftsaufsicht.— Lessing-Theoler: Konjunktur.— Theater am kurfürstendamm: Wenn eine Frau will.— Trionon-Iheatcr: Oh' Kurfürstendamm.— Restden,-Theater: Fritzi. — Berliner Theater: Die Bollö Sfftcrs.— Die Tribüne: Spiel im Schloß.— kleines Tbeatcr: Frau Kötbe läßt sich verführen.— Renoissance-�'l'eater: Eaeue-Bube.— Walhalla-Theater: Tobias Knorke.— Rofe-Tbeoter: Stcrne, die wieder leuchten.— Schloßpark- Theoler Steglitz: Im weißen Röhl.— Theater Im Admirals- pa'ast: Rolc-Marie.— Wlnt-rnarten: Variete.— Scola: Internationales Vorietä.— Reich»l'alle>'.TH''aker: Stettin« Sänger.— Theater am koilbusser Tor: Elitc-Sänger. Theater mit wechselndem Spielplan. Easino-Theol«: Bis 18. Doktor Klaus. Ab 19. Die schwebende Iunosrau.— Theater in der Slosterstraße: 15.. 18., 19. Faust. 16. Nora. 17. Rosmersholm. 20. Gespenst«. 21., 22. Der fröhliche Weinberg. Vachmitlagsvorstellungen. Volksbühne. Theater am vülowplatz: 22. D�e rote Robe. Tßeot« am Schiffbauer dämm: 13., 22. Der Zigarettenkasten. Thalia- Thealer: 15. Geschlossen« Vorstellung. 22. Dyckerpotts Erben.— Over am Vlah der RcvuMik: 20., mittags, Sinfonictonzvrt.— Statische Over. Eharlatt'Nikiurg: 15., mittags, Sinfoniekonzert.— Schillcr-Tbeat«. Eharloltenburg: 15 Amodulrion. 22 Musik.— Di« Komödie: 15., oormii'-os 11 H Uhr. Günth«-Ramin-Eembalo- Kon,ert.— Tcheal« des Westen«: 15. Ziaeuncrbaron.— Deutsches KllnMer-Theater: 15. lanzmatinse Mary Zimmermann— Residenz- Tbcaler: 15., 22. Fritzi.— Berliner Thraker: 15., 22..Klubleute.— kleines Theater: 15., 22. Tageezelten der Liebe.— Renaliiance. Tbegfar: 15., vormittaas 11 � Uhr, Die Brüder Karamaiow.— R le-Iheat«: 22. Hönfel und Gretel.— Theater In der Kloster- straße: 15. Alchmbrödel. 22. Lieb«.— Scala: 15., 21., 22. Internationales Variete.— Reichshall en-Theat«: 15., 22. Stettin«! Sänger.— Theater am koklbufler Tor: 15„ 22. Elite-Sänger. Erstaufführungen der Woche. Sonntag: Thalia-Theater: Dyckerpotts Erben.— Donners log: Komödie: Die Kassette.— Sonnabend: Schauspielhaus: Katalaunifch« Schlacht. Der Berliner Architekt Peter Paul Behrens, d« die Entwick- lung des modernen Industriebaues maßgebend beeinflußt hat, voll- endet am 14. April fein 60. Lebensjahr. Hauptmann Gorrett und sein Sohn." (Glorla-palafi) Man sagt sich nach dem ersten Drittel des Films: Donnerwetter. auch der angelsächsische Mittelstand hat sein Haar in der herrlichen Kriegssuppe gefunden, und der vorzügliche Regisseur Herbert B r e n o n instrumentiert die Tendenz mit vollem Orchester. Der Abteilungsvorsteher Sorrell, der es im Kriege zum Hauptmann und zur höchsten mllitärffchen Auszeichnung gebracht hat, Ist nach London zurückgekehrt, gerade noch zur rechten Zeit, um sich von seinem mondänen Weibchen verabschieden zu können. Sie geht mit einem reichen Liebhaber durch und hinterläßt ihm die Fürsorge für seinen Sohn Kitt. Der Stellungslose findet alle Türen versperrt und muß schließlich die niedersten Dienste in einem kleinen Hotel verrichten, wo er gleichzeitig dem Spott und den Derführungskünsten einer Madame Potiphar ausgesetzt ist. Aber er nimmt heroisch alles auf sich feines Sohnes willen, den er in einer guten Erziehungsonstalt unterbringt. Sein Märtyrerweg geht weiter. Der Junge wird aus der Schule entlassen, weil man erfährt, daß fein Vater Hausknecht ist, und dieser selbst ist den Quälereien eines Kollegen ausgesetzt, der ihn ausbeutet. Hier erfolgt nun der Umschlag ins Bürgerliche, Süßliche und Sentimentale. Anstatt daß der aus feiner Klasse Ausgestoßen« Hilfe und Solidarität bei der arbeitenden Klasse ge- sucht hätte, wird ihm ein ganz unwahrscheinlicher Wiederaufstieg bereitet. Sein Sohn macht eine glänzende Karriere, nachdem der Bater Hoteldirektor geworden ist, und heiratet ein reiches und schönes Mädchen, kurzum, die ganze Litanei des üblichen Kitsch- films wird zelebriert. Auch dos Dater-Sohn-Problem, das so gut ansetzte, versandet. Und das olles, well die Manuskriptverfasser nicht den Mut haben, das einmal aufgegriffen« Thema konsequent zu Ende zu führen. Filmisch und darstellerisch bietet der Film sehr viel Erfreuliches. Bor ollem ist H. B Warner als Hauptmann von markanter Einprägfamkeit. Erstklaffig sind auch ein paar Chargen, wie ein versoffen« Wirt und ein Rohling von Hausknecht. Die Roll« des Kitt ist doppelt besetzt. Der Junge gefällt mir besser als der«wachsen«, allzu hübsche junge Mann. Earmel M y e r s spendier: eine blendende, wenn auch in diesem Milieu ganz un- wahrscheinliche Potiphar. Sehr fein in ihrem diskreten Spiel ist Anna O. N i l s s o n als das Luxusweibchen, das, ledig d« Mutter- pflichten, im Glanz des Reichtum» sich sonnt, t. Oer zweiie Gchwejk-Ulm. (Emelka-palast) Paul Morgan, d« in Berlin eine so vielseitig« D«w«,' dungsmöglichkeit für seine Witze hat, schrieb auch für den zweiten Schwesk-Film die Texte, die nahezu von ausschlaggebender Bedev- tunq sind. Auch sprach er ein paar einleitende Worte und wollte. gewitzigt durch Erfahrungen, den Schwejk durchaus des polirisiWn Gewandes entkleiden, und parodierte darum sich selbst als braven Soldaten. Dennoch, es bleibt dabei, unter Svat Inn« manns Regie haben sich in den Schwejk-Filmen die Tschechen viel Groll vom Herzen gespielt. Diesmal stapft Schwejk, amüsant für die Zuschauer, durch ein sehr abwechselungsreiches Gefangenenleben. Mit dieser lustigen Ab- Handlung mag mancher, dem die russische Kriegsgefangenschaft eine wahrhaft traurige Erimierung bleibt, sich nicht so recht einverstanden erklären Aber Schwejk setzt sich über alles hinweg. Auf seine Weise ist er Teilhaber an einem Luderleben in der Etappe. In einem Lager ist er Teilhaber am Wettkratzen, und als höchste Herrschaften den braven Soldaten huldvollst einen Besuch abstatten, werden sie ovn dem Braven mit vorher sorgfältigst gesammelten Ouälgeisteni beehrt. Das Jucken und die allgemeinen Gliederverrenkungen läßt Schwejk dann geschickt in eine Voltstanzveranstaltung ausklingen. Lachsaloen dröhnen durch's Haus, wenn Schwejk mit seinen Schwin- delgeschichten renommiert und er als Gast am Jarcnhofe erscheint. Zum Schluß gab's Beifall und Zischen. Eins ist sicher, wem die Romanfigur des Schwejk etwas ist, der kommt auf seine Kosten, denn er kann sich an dieser prächtigen Schwejk-Figur des Karl Roll von Herzen ergötzen. e. d. Fußgängertunnel In Cos Angeles. Eine der bedeutendsten Auf- oben der Großstädte ist die Regelung des Fußgängerverkehrs. Daß ierbei durch Erziehung des Publikums viel erreicht werden kann, haben die Bemühungen der letzten drei Jahre in Los Angeles (USA.) erwiesen, wo rund 645 000 Kraftwagen verkehren.' Die allgemeinen Belehrungen durch Druckschriften wurden noch durch öffentliche praktische Vorfüdrunaen ergänzt. Die schwierigste Slui- gäbe war der Schutz der Schulkinder. Die zu diesem Zwecke auf der Straße an den Kreuzungsstellen der Fußgänger auf die Fahr- straße aufgetragenen breiten weißen Bänder in Oelforbe haben sich nicht als zweckmäßig erwiesen. Infolgedessen ging, wie die„Der- kehrstechnik" mitteist. die Stadtverwaltung daran, Fußaänqer und Fahrzeugverkehr vollständig zu trennen und besondere Fußoänger- Unterführungen zu bauen. Mit der für diesen Zweck aufoenomme- neu Anleihe von 350 000-Dollar konnten 40 solch« Unterführungen gebaut werden. Für die Verkehrsregelung find in Los Ayaeles außerdem 371 mechanische Signole, davon 81 im Verkehrszentrum, vorhanden. In der Galerle KIvrichsen-LIudpalrkn« sind die berLbmten Wienbauiener Bildievviche in Verbinduno mit einer neuen Zammlung von Holzplastiken und Tafelblidern erneut bis 25. Mai auZgcllellt. Zn der«rosten Berlin« kunstovsl'ellun«. deren iZi öflnung am 2?.-llpril stoltfindct. stellen die einzelnen Verbände des KarlellS acionderl. jeder iiir lich. au«. Die Gruppe der„AMiralten" stellt aröbere rnumkunblerische Einzelwerke auS. 11 Mitglieder zeigen in oielieimäglgen Oinzelkojen eine NuSwabl ibrer Arbeiten: außerdem wird die»estländische LandeSgruppe der Abstrakten' kollektiv zu leben fein. Die Beelbovei-.Tensinal.Spetide, die»S sich u. a. zur Aufgabe gewacht bat. das Breueifche Aeelboven-Teulmal auSzulübren. neranstallet Sonntag, 7 Uhr. in der Allen Marmlaiilirche ein groreS«ii cheiilornert Mitwirkende:' f�rau Adelbeid Holz aus flöln(Kefang). Domorganlst Prof. stifch«, Konzert. melster stambinon(Violine) und der Männergelangvcrew.Kichie-Geoi- ginia 1879". vr Chisbolw Williams, einer der ersten Fachleute in der Rönta-nwisien- schaft, ist in London ve> starben.— Williams war Pionier feiner Lebensarbeit im wabrften Tinne de» WarteS. 8u der Keil, als belondere BorsichtSmaii. nahmen in der Bebandlun« durch Räntgentlrablen noch nicht bekannt waren, zog et iich bei feinen Versuchen schwere Handver letzungen zu. Vierzig Operationen vermochten lein Leiden n-cht zu lindern, das sich fchlietzlich zum jaft völligen Verlust seiner beiden Hände auSwuch«. 560 Sondldawn fflt 59 Varlomen listhe. tzfnt Seine-Departement hat die Zahl der Kanditaten für die bevorstehenden Dabken zur Deputiertenlamm« die ungeheuerliche Ziffer von 560 Mandatbewerbern erreicht. Wie steht's in Sachsen? Die Aussperrung nur unvollständig.— Zn der nächsten Woche Verhandlungen. Dresden, 14. April.(Eigenbericht.) Zu dem Kamps der Metallarbeiter in Sachsen hat sich vom Freitag zum Sonnabend nichts wesentliches geändert. Zn D r e s- den haben, soweit es sich übersehen iaht, alle Betriebe ausgesperrt, die dem verband der Metallindustriellen angehören. Dagegen wird in den Betrieben desArbeitgeberschuh. Verbandes noch gearbeitet. Der Arbeilgeberschuhverband der Metallindustriellen hat in einer Mitgliederversammlung be- schloffen, er st das Schlichtungsversahren für die süchfische Metallindustrie abzuwarten, ehe er endgültig zu der Aus- dem Aussperningsbeschluh gefügt haben, sondern von der kündi- gung der Arbeiterschaft Gebrauch machen. Selbstoerständ» lich bleibt die Riesenverantwortung, die die Metall- industriellen mit der Aussperrung auf sich geladen haben, aber nach wie vor bestehen, auch wenn die Aussperrungszisfer sich um einige Zehntausend ermähigt. Am Montag wird vor dem Schlichter nunmehr für die sächsische MetoMndustrie verhandelt. Dabei ist zu erwarten. dasi die Behörden alles versuchen, um einen Schiedsspruch zu fällen, der den Parteien gerecht werden soll. Ob das möglich ist, ist eine Sächsische Arbeiter bei Erörterungen über den Stand der Verhandlungen. sperrung Stellung nimmt. Znteressant ist, daß in Dresden der De- trieb von Hermann kühne. Leichtmetatl- Werte. nicht ausgesperrt hat. obwohl deffen Inhaber Vorstandsmitglied des Verbandes der Metallindustriellen ist. Der Firmeninhaber hat ausgesagt, daß er von der Aussperrung entbunden sei, weil er Leichtmotore fabriziert, die nach langer Mühe den Markt erobert hätten, und weil die Gefahr bestehe, daß bei einer Aussperrung der Markt für diese Molore wieder in englische Hände übergehe. Die Gußslahlhütte in Döhlen und das Stahlwerk in Pirna haben ebenfalls nicht ausgesperrt, obschon sie auch dem Verband der Metallindustriellcn angeschlossen sind. Der Grund dasür ist darin zu suchen, daß diese Werke zum mittel- deutscheu Stahltrust gehören, der sich ja bis Rheinland- Westfalen ausdehnt. Zm übrigen scheinen diese Guhstahlhütten sich von den letzten Kampfmaßnahmen in der mitteldeutschen Hüttenindustrie noch nicht erholt zu haben. Der Bezirk Meißen und Coswig hat die Aussperrung durchgeführt, dagegen kommt sie vorerst für die Städte Riesa und Großenhain nicht in Frage. Zn Chemnitz haben sich sehr viel Firmen nur widerwillig dem Aus- sperrungsbeschluß gefügt, weil sie viele Aufträge haben, bei denen die Richleinhaltung der Lieferungsfrist mit hohen Konventional- strafen verbunden ist. Immerhin haben etwa sechs Betriebe sich der Aussperrung nicht gefügt, und im Flöha-Tal hat sich dem Aussperrungsbeschluß selbst eine Firma nicht gefügt, die über l000 Arbeiter beschäftigt. Die Meldung eines industriellen Rachrichtenbureaus, wonach von der Aussperrung 170 000 Metallarbeiter betroffen würden, ist nach den Angaben der Bezirksleitung des Deutschen Metall- arbeiterverbandes übertrieben, da sich gar nicht alle Betriebe andere Frage, da sa die Metallarbeiter eine zwanzigpro- zentige Ausbesserung der Löhne, das ist ein Stunden- lohn von 75 auf 90 Pf., fordern, während die Metallindustriellen jede Lohnerhöhung ablehnen. Am Dienstag wird für das T a r i f g e b i e t Leipzig vor dem Schlichter verhandelt und am Mittwoch wird im vor- verfahren und Schlichtungsversahren für das Tarisgebiet des Ar- beitgeberschuhverbandes verhandelt. Ein vorgeschichtliches lLrnenfeld. In der Siedlung Schenkenberg bei dem Dorfe Götz(Kreis Zauch- Belzig) in der Mark ist unter Leitung des Geheimrats Professor Dr. Felsberg aus Brandenburg a. d. h. ein großes vor- geschichtliches Urnenfeld ausgegraben worden. Es sind dort bis jetzt 100 Gräber f« st gestellt und freigelegt worden. Es handelt sich um ein Urnengräberfeld mit sehr flach liegenden Gefäßen, die teilweise zerdrückt waren und sämtlich Leichenbrand enthielten. Die Gefäßformen und Verzierungen lassen erkennen, daß das Gräberfeld der Uebergangszeit von der Bronze- zur Eisenzeit ange- hört. Die Benutzungsdauer ist von etwa 800 bis 600 v. Chr. anzusetzen. Interessant sind dabei die häufigen Funde von Doppel- gräbern, so z. B. das Grab eines Erwachsenen und das eines kleinen Kindes. Es ist anzunehmen, daß dies die Gräber von Mutter und Kind sind, die beide hei der Geburt des Kindes den Tod erlitten haben und dann gemeinsam bestattet worden sind. Die Siedlung, die zu den Grabstätten gehört, ist bis jetzt noch nicht gesunden worden. In der gesamten, an Altertumsfunden sehr reichen Gegend ist dies bis jetzt der einzige Fall, wo ein so umfangreiches Gräberfeld weit von der Siedlung entfernt entdeckt worden ist. Neue Waffen für«nsem Kampf In jedes Arbeiterheim eine Schallplatte der Partei! Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei hat ein ausze« zeichnetes Werbemittel für die Ziele des Sozialismus herausgebracht. Ein« Anzahl von Reden bekannter Parteiführer sind auf Schallplat- ten aufgenommen worden, die nunmehr in jeder Derfammluiig, in jedem Arbeiterheim zu Gehör gebracht werden können. Dieses neue Werbemittel wird vor allem in dem jetzigen Wahlkampf von Vedeu- tung fein. Selbst in dem kleinsten Dorf kann die Sttmme des So- zialismus gehört werden. Die Sprechplatten gewinnen an Wert noch dadurch, daß sich auf ihrer Rückseite Freiheitslieder und sozio- listische Musikstücke befinden. Zunächst sind folgende Sprechplatten erschienen: Nr. 1: Ansprache Hermann Müller.— Arbeitermorseillaise. Nr. 2: Ansprache Otto Wels.— Soziolistenmarsch. Nr. 3: Ansprache Artur Crispien.— Internationale. Nr. 4; Ansprache Paul Löbe.— Reichsbannermarsch. Nr. 5: Ansprache Marie Arning.— Brüder, zur Sonn«, zur Freiheit. Nr. 6: Ansprache Karl Severing.— Tord Foleson. Nr. 7: Ansprache Toni Sender.— Das hellige Feuer. Nr. 8: Ansprache Otto Braun.— Empor zum Licht. Nr. 9: Ansprache Siegfried Aufhäuser.— Weckruf. Nr. 10: Ansprache Theodor Leipart.— Auftakt. Nr. 11: Ansprache Rudolf Breitscheid.— Sturm. Nr. 12; Ansprache Marie Iuchacz.— Wann wir schreiten. Jeder Grammophonbesitzer sollte diese Platten erwerben, er wird sicher nicht nur selbst Freude daran haben, es wird ihm auch leicht fallen, neue Freunde und Mitkämpfer für die Sozialdemo- kratie zu gewinnen. Der Preis der Platte beträgt 3,50 M., der Be- trag wird durch Nachnahme erhoben. Beim Bezug von 5 Platten und mehr erfolgt die Zustellung portofrei. Weniger als 5 Platten werden extra mit 80 Pf. berechnet. Bestellungen sind zu richten an den Borstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, Berlin SW. 68, Lindeirftr. 5, 1. Hof, 4 Tr. Die Auslieferung der Platten für Groß-Berlin erfolgt im„Bücherkveis". Berlin SW. 61, Belle-Alliance-Platz 6(geöffnet von 9 bis 18 Uhr, Sonnabends bis 17 Uhr)._ Die Kirche in der Karikatur. Di« aufsehenerregend« polizeiliche Beschlagnahme des hervor- ragenden Buches.Die Kirche in der Karikatur" von Friedrich Wendel war das Thema, das in einer gestrigen Deranstaltung der Freidenkerjugend in den Easino-Festsälen in der Pappel- alle« zu Wort kam. Die Ortsgruppenleitung hatte zweifellos in der Wahl dieses Bortrages einen guten Griff getan, denn kein Buch ist geeigneter, der Jugend die Wege zu zeigen— wie der Referent Max Stumpf ausführte—, die der Kampf gegen die Kirche er- fordert. Mit viel Humor und großer Sachkenntnis verstand es der Referent, seiner jugendlichen Hörerschar wohl den schwersten Bor- wurf gegen die Kirche klarzuinochen, daß diese ihre Lehre selbst nicht ernst nimmt. Der Redner zeigte die Notwendigkeit aus, daß die Menschen in der heutigen Situation darauf bedacht sein müssen, in ihrem proletarischen Klaffenkamps sich nicht van kirchlichen Ideo- logien einfangen zu lassen und daß es auch angezeigt ist, zwischen der katholischen und protestantischen Kirche keinen Unterschied zu machen. In der Schulgesetzvorlage hat eine Konfession die andere gedeckt und erst kürzlich erklärte ein evangelischer deutscher Postor: .Wenn zu entscheiden ist zwischen Rom und Moskau, dann lieber Rom als Moskau!" Redner umriß dann geschichtlich die Kritik an der Kirche, die sich vornehmlich in Bersen und Bildern seit Beginn der Buchdruckerkunst gefiel, wie es die Sammlung in dem Wendel- schen Buch darstellt. Ganz besonders kennzeichnend für den reak- tionären Geist unserer Zeit ist die Beschlagnahme des Buches. Bon 17 beanstandeten Bildern blieben fünf beschlaanahmt, darunter einige, die vor dem Krieg ungehindert in sozialistischen Werken er- scheinen durften. Neber 2l/4 Millionen Nnndfunfteilnehmer. Am 1. April 1928 betrug die Hörerzahl der deutschen Rundfunkteilnehmer 2 234 732. Das ist gegenüber dem Stande vom 1. Januar(2 009 842) eine Zunahme von 224 800 oder 11,1 Proz._ Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Verlin und Um- gebung.(Nachdruck verboten.) Weiterhin ziemlich kalt, zeitweise aufklarend, östliche Winde.— Für Deutschland: Ueberall ziemlich kaltes und wolkiges Wetter, im Süden noch vereinzelt« Niederschläge. ZZkrantwortlich wr die Ztedattion: Euq»n Pr»ger. Verlin: Snaeiarn: Td. Slocke, Bkrlin. Bering: Vorwärts Brrlng IS m b H.. Berlin. Bruck: Vorwärts Buäz. druckerei und erlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW SS. Lindenstrahr 3. flittja I B«il-»«/ iiiiispiEiin /Olks -Mlei am iiiiewoiaii 8 Uhr ie rote Robe ö Ü h n e T m uiiilterDir ir '/« Uhr Der Zigaretten kssten 9 ZMM mtatei Norden 12310 Zbonnememsbüro Norden t0338-i39. 8 Uhr, Rnde I U. Pygmalion von Bernard Shaw dtsch. v. Sieflfr. Tirirtivt» Kammerspiele Norden I2Z> 1< U. Ende nach K Zum 91. Mal Finden Sie, W nstance sidi riditig veriiält? !)ie Komödie : �marck 2414 2.41' , U_ Ende)»•/» L Zum 77. Mai Marce Frudelin Der Eunuch 3noi>n' rh.Köniesrjlti. St. Bergm. 2110i 8", Uhr Die Maronise von ArcK dfckwärd o Bripitl tinr writridiM ndit) v. Carl Sternheim .xombdlenhau» Norden 0304 Tägl. Uhr Broadway Piscatorbühne Theater am Nollendorfplatz Kurrürst 2091/93 Heute 7 Uhr: Eremlere /er etrte Baiser vonleanRich Bloch on Karli einzMarttn uastspiei m Lessing-Theater Norden 12793 « Uhr .HonlnnKtiir" v. Leo Lania nsr. Erwin Piscator das Program der, 12 Attraktionen 12 N'ähgr»s siehe am Säulerring Hose-Theater Gr. Frank). Str. 132 81/, Uhr: Stuu.Lwuteriiiiätu Tltatta-Tlteater 8 Uhr: Das Kamel gebt iiiuüj tias haifeiiH Metropol-Th. Zentrum 128 24 S /, Uhr: Der Gra' von Loxetnbur Matzr.er, Hoffmann. Jolan, Hell, Kettncc, Goroil. Sonntag, 1»4 Uhr: Kleine Preise Saiteniurg-BühniD Du. Künstler FN '«>/4 Uhr: ÄM W Planetanom am Zoo fiiianc. JuAinutl;]« S'.nL Noll. 157h 15'„> 18, 19'/,. 21 U. SiernbiiKincI und Kalender Eintritt I M. gutt Iii. U Jana J 30-. Theater des Westens Gastspiel Moskauer Ifld. akad. Theater Garnorth)- Mos Täglich K', Uhr „200000" Musikal. Komödie Residenz-Ibeatei 8>, Uhr: Frihci Musik. Schwank Delschaft, Pointner. Eibensch'itz.Go ige- treu, Vesper mann, Mannin. derliDet Hieater Direktion Kuhnert. Urlotteostr.lO'll. 34»«.) 1 SV« Uhr „Die Bolle W Ein Berliner Volks- stück von Fruönaim-Fmk iii.— Bai llalberl. tu rill,'.er Uli Kleines Theater Täglich«"4 Uhr: Frau Käte läßt sich verfahren Lustspiel V.H.Sturm Klinder. Kettner. v. Mollendorf Sonnt 4 U. kl. Preise Jiliriti« ten der L«dl Walhaila-Ih. Weinbergsweg 19/2' 8'/, Uhr Tobias Knorke Berl.'nsscm Musik u Gesang v Job. Heil Voraeiger diese- zahlen für Parket) auch Sonntags statt 4.— Mk nur NO P. Sonntag nehm« U. Hansel u. Gratet Parke" r 0 P in. i.üsispielnaur Dr. Gr. üartiii Zill 8V4 Uhr. ruido Thielsc tt in„Unter jesöiäftsaatsicnr Theater am Kotthusser Tor Kottbusaer StraUe 6. Tel. Mpu 1 6077 Täglich 8 Uhr Sonntag, nachmittag» Uv Elite- Sänge/ Gr, neuer April-Spielpiu..„ a Die fioSTe LoSo von Max Reinhardt am S'.intmijftft von B. Croe Reichshalten«Theater 8 Uhr. Sonntg. nachm..« Uhr Stettiner Sänger nachm. halbe Preise. volles Proeramm! Dönhoff- Brett* t; Groß. April- Programm Tanz. tnf. 8 Uhr. Sonntags S'„0. Renaissance- Theater Steinplatz 901 *> uhr Coeur Bube. CASINO-THEATER s unr Lothringer Str. 37 Doktor Klaus. Ab 19. April: Die scbveiicnde Jungfrau guuchneldeis Gutschein I— t Pers. Faijieui1 nur i.iu.w. Sessel l.hOM. Wir suchen für unsere Berliner Organisation Das April- Sensations-ProgramiTi mit rum ersten Male n Deutschland auftretender Vanetd-Kunstkräften. Sonnabends u. 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April 1928 Srrjftntö SfiAlnnigaße Ja ibvärJi Die„fremden Maurer- und Zimmergesellen Lebende Zeugen aus der Zunftzeit << ®er kennt fU nicht, die Gestalten der zünftigen Bauhand- i«rker, die uns ziemlich häufig in den Straßen der Großstadt begegnen: in schwarzem Samtjackett, weiten Manchesterhosen, den Zylinderhut oder großen Kalabreser auf dem Kopf. Sie sind ver- spätete Zeugen einer Vergangenheit, die man längst begraben und Neben der Pflege des Zunftwesens, des Wandergeistes und der Geselligkeit finden wir bei den„Fremden" aber auch einen starten Zug zur praktischen Solidarität, die sich in steter chilfs- bereitschaft gegenüber dem mittellosen„Bruder" offenbart, gelegent- lich auch dem außerhalb der Brüderschaft stehenden Proletarier. nprgcssen glaubt, und die doch immer noch wieder junge, romantisch rvranlagte Gemüter unter der jungen Bauarbeiterschast aller Berufe hi ihren Bann zieht. Es find die„Fremden" oder„Fremd geschriebenen", wie sie sich selbst pennen. Es ist zumeist ein harmloses Völkchen, die überall, wo wenigstens ihrer sieben zu sämmen kommen,„Das Buch aufmachen" und regelmäßig ihre Zu jammenkünfle halten, bis der Wandertrieb sie weitertreibt.' Dann wird„Das Buch wieder geschloffen", dem Herbergsvater zu treuen Händen übergeben, bis einmal wieder ihrer sieben(wenigstens) bei- sammen sind. Ihre Zusammenkünste,„Handwerken" nennen sie es wie ihre Alwordern es getan, sind harmloser Natur; es wird dabei zwar sehr viel in alten feierlichen Formen und unter Ein- Haltung bestimmter Zeremonien geredet; aber der Inhalt der Reden mutet den modernen Menschen recht naiv, mitunter sogar etwas albern an. Alle Zeremonien und Reden sind letzten Endes auch nichts anderes— als ein Grund zum Trinken. In dieser Hinsicht wird mitunter sehr viel mehr geleistet, als dem einzelnen gut ist. Daneben haben wir es aber in den„Fremden" durchweg mit Leuten zu tun, die auf ihr Handwerk sehr viel halten, in denen noch ein starker Berussethos lebendig ist und die in ihrem Fach zumeist auch etwas leisten. MWLSjLteHi. CrrjVjtjüt£at, AOtk' otiici lc!'teur S'r»,■ rarutitju'j>f4jvfh Änp;. xiro d t'c-Vci Jyh'fih fittt jdutitat wcaüxixcwxiincZiut� nurft ♦>—-f<"7�0' �">-- Die Gewerkschaften stehen den verschiedenen Gesellschaften oder „Schachten" der Fremden nicht besonders sympathisch gegenüber. Es hat das auch sein« guten Gründe. Zwar sind die Fremden allesamt Mitglieder ihrer Gewerkschaften. Aber die Eifersüchteleien unter den verschiedenen Gesellschaften haben, namentlich in der Vorkriegszeit, wiederholt zu bösen Anrempeleien und blutigen Schlägereien geführt, die an sich natürlich kein Ruhmesblatt für die Arbeiterschaft sind, die sich aber auch bei der Zusammenarbeit auf den Baustellen schädlich auswirken. Die in Frage kommenden Gewerkschaften haben sich deshalb wiederholt sehr scharf gegen die ganze Bewegung ge- wandt. Sie haben auch wohl gehofft, daß die Bewegung noch dem Kriege nicht wieder aufleben würde. In Wirklichkeit scheint sie aber jetzt sogar stärker zu sein, als sie in den letzten Iahren vor dem Krieg« gewesen ist. Wir haben es hier wohl mit einer Parallel- erscheinung der heutigen Jugendbewegung zu tun, die ja auch zum Teil sehr stark von romantischen Vorstellungen beeinflußt ist. Anerkannt muß werden, daß die„fremden Maurer- und Zimmergesellen" allezeit tüchtige Pioniere der Gewertschaftsbewe- gung, auch der Parteibewegung, gewesen sind. Sowohl unterm So- zialistengesetz wie auch in den ersten Jahrzehnten nach dessen Aus- Hebung haben sie an fast allen Orten, wohin sie der Wind ge- trieben hat, den Samen der Gewerkschafts- und Parteibewegung ausgestreut. Diese jungen, abenteuerlustigen, jederzeit zum Weiter- wandern bereiten Gesellen, lchüttelten eben den Staub von den Füßen, wenn ihnen der Boden an einem Ort zu heiß wurde. Die Polizei hat sich ja in jenen Iahren die redlichste Müh« gegeben, es dem einzelnen Arbeiter recht schwer zu machen, für seine Gewerk- schast oder Partei zu werben. Trotz aller Wanderlust haben die„Fremden" mit jenem ent- wurzelten Landstraßenproletoriat, das jahraus jahrein die Land- straßen bevölkert, nichts gemein. Sie find sozusagen die Aristo- traten der Landstraße. Zu diesen Betrachtungen wurden wir angeregt durch«in Büch- lein, das ein alter verunglückter Maurergeselle in Swinemünde, Rudolf Schuhmacher, geschrieben hat.„Die Geheimnisse der alten Zunft und die Fremdgeschriebenen", Verlag Jensen und Neh- rung, Swinemünd«. Geheimnisie sind es nun gerade nicht, die das Büchlein enthüllt. Aber es gewährt dem, der von diesen Dingen nichts weih, doch mancherlei Einblick« in das Leben und Treiben «ine» Völkchens, von dessen eigentlichem Wesen in unseren Tagen die meisten Menschen nichts wissen. Leider geht dem Verfasser die Fähigkeil ab, den interessanten Stoff mechodisch zu ordnen und zu behandeln. Trotzdem möchten wir seiner Arbeit nicht«inen gewissen Wert absprechen. Sie legt Zeugnis ab dafür, daß noch bis in unser« rationalistisch« Zeit hinein sich Ueberbleibsel einer längst ent» schwundenen Gesellschaftsepoche lebendig erhalten haben. Das Büch- lein gewährt somit dem kulturgeschichtlich Interessierten(Sinbliäi in eine Lebens- und Gedankenwelt, von der die meisten der heute Lebenden nichts mehr wissen. Und nur dem Eingeweihten dürften alle Einzelheiten, die der Verfasser schildert, bekamst sein. A. K. WAS DER TAG BRINGT. nmimiiinminmmmninnimtmnnnuuimiiuwiiuaiiuiMUiniimimii Verwaschene Inschrift. Wer häufig eine bestimmte Linie jährt, beispielsweise mit der Vorortbahn, der konstruiert sich seine privaten Stationen, die lange nicht immer mit den offiziellen zusammenfallen. Da ist zunächst einmal der kleine, versallene Friedhof: Erste Etappe. Dann der dreieckige, trostlos-nüchterne Hofwinkel mit der Teppichstang« als einzigem Inventar: Hier hat man die Fahrt so immer zur Hälfte geschafft. Später: das große Geschäftshaus mit den zahllosen Bureau- pulten hinter den Fensterscheiben, das ist das Signal, daß es nun nicht mehr lange dauert, daß das Ziel jetzt gleich erreicht ist. Eine meiner beliebtesten Privatetappen wird durch die Giebelwand eines Hauses gekennzeichnet, an der sich ein Reklametext befindet. Aber es fft nicht mehr recht sestzustellen, wer hier nun eigentlich was empfiehlt. De Inschrift ist schon gar zu verwittert, und wenn man buchstabieren will, hat einen der Zug an der Wand schon vorüber- geführt. Es ist nur so viel sicher, daß sich jemand darauf bezieht. „Lieferant vieler Militair-Zküchen" zu sein. Jawohl, Militair mit ai. Irgendeinmal, vor vielen, vielen Iahren, werden die Schristzüge frisch und leuchtend gewesen sein. Damals schnarrten Unteroffizier« aus den Kasernenhöfen, holten angestaubte Herren zu Kaisers Ge- burtstag die Esse und die Ordensgarnitur aus der Kommode, sagten die Leutnants Aeh! und Kolossal!! Etwas unsäglich Verklungenes haftet dem Inhalt dieser Gesellschaft an. Die Derwaschenheit des Schriftbildes, die Abgetanheit seiner Orthographie und die Der- sunkenheit der Begrisfswell, die es umreißt, verbinden sich zu einer schauerlichen Dreieinigkeit des Altmodischen. Die Essen der Vorort- bahnlokomotiven werden weiter ihre Rauchfahnen gegen das Militair pusten— und irgendeines Tages einmal werden die Maler kommen, ihre Pinsel schwingen und zum Preis eines Waschmittels oder einer Zigarettenmarke ein farbenfrohes Leichentuch über ein« erledigte Sache breiten. hl»n, Bsver. Gibt es das? Ein Berliner Blatt berichtete über die Gäste eines Gefellschafts- abends in folgender Wc-se: „. Otto Stolberg und Gattin, die Tochter de« Fürsten Lichnowsky und des Generals Groener." Gibt es das wirklich? Ter Berichterstatter sollte von einer wissenschaftlichen Gesellschaft zur Erläuterung dieses Falles einge- laden werden! >' Wo ein Abstinent nicht zu arbeiten braucht. Einem englischen Arbeitslosen war das Recht auf Unterstützung abgesprochen worden, weil er eine ihm angebotene Stellung in einer Bor abgelehnt hatte. Der Arbeitslose aber begründet« stlne Ablehnung damit, daß er Abstinent sei und daß man ihm TmHinmmmimmmimraimiimmiuimniiimmmnfflimHnnmiimiimnnimi billigerweise nicht zumuten könne, eine Arbeltsstelle anzunehmen, gegen die seine innere Ueberzeugung spreche. Er klagte, und schließ- lich gab ihm das Gericht recht. Er bekommt seine Arbeitslosen- Unterstützung rückwirkend nachgezahlt. Kostbare Ueberbleibsel des Weltkrieges. Es wäre sicherlich interessant, einmal festzustellen, wie hoch sich der Gesamterlös aus den Heeresgutverkäufen der einzelnen Länder in den Nachkriegsjahren beläust. Ohne Zweifel würde ein« riesig« Endsumme dabei herauskommen. Sir Daniel N e y l a n, Sekretär der britischen Heeresverwaltung. der sich jetzt aus dem Staatsdienst zurückzieht, teille eine,» Vertreter des„Daily Herald" mit, daß der Verkauf der briti- schon Kriegsmaterialien die Riesensumme von 13, ll Milliarden Mark ergeben hat. „Wir hoben," so sagt er,„alles verkauft, von Verband nadeln bis zu ganzen Städten. Di« riesige Arbeit ist nun beendet, trotzdem unser zum Verkauf gelangendes Material in ganz Asien, Afrika und Europa oerstreut war. Tausende von Meilen Eisenbahnen in Bel- gien, Frankreich, Saloniki, Aegypten und Palästina mußten ver- steigert werden. Hunderttausend Faß eingepökelte Heringe brachten rund IS Millionen Mark. Das größte Geschäft dieser Art wurde im Jahre ISlS abgeschlossen, als für den Verkauf der ge- samten Bestände des riesigen Transportauto-Depots in Slough 140 Millionen Mark erzielt wurden. Am schwierigsten war der Verkauf von Flugzeugen. Don den 49 000 Leuten, die vor sieben Iahren noch unter mir arbeiteten, sind heute nur noch vier übrig geblieben. Diese haben die Ausgabe, 300 Millionen Mark, die uns verschieden« fremd« Länder, Mandatsregierungen und Kommunen schulden, einzuziehen. Granaten und andere Muni- tion im Werte von 100 Millionen Mark wurde zu Schrott zerhackt und als Altmetall verkauft. Teilweise war die Munitton, darunter besonders Gasgranaten, so gefährlich, daß wir uns entschlossen, sie im Meer zu versenken Solche Munition wurde der Sicherheit halber aber vorher in Zementkästen hermetssch abgeschlossen." Urvater Nil. Das Orientalische Institut der Universität Chicago hat am User des Nils neu« Ausgrabungen vornehmen lassen, die sehr inter- »ssante Ergebnisse hatten. Es wurden nämlich ganz primitive Werkzeuge in den Uferterrassen vorgefunden, die sich 3 bis 50 Meter über das heutige Niveau des Nils erheben. Nach geologischen Berechnungen sind diese Schichten rund 100 000 Jahre alt, so daß die Niluser also schon im Jahr« SS 000 v. Chr. bewohnt gewesen sei» müsse». ER VON B. TRAVEN ÜHH.HHI d AD Nadidrudc verboten# Copyrighf 1»M by Büdiergiide Gulenberg, Berlin 39. Fortsetzung. „uä war eine kluge Antwort, dachte Dobbs, jetzt wissen sie •von, daß ich nichts in der Tasche habe. Alle drei lachten auf„Geld. Das ist es gerade, was wir auch brauchen, was. Miguel? Da warten wir drauf, aus das Geld." Dobbs lehnte gegen einen Kaum so, daß er die drei im Aug« aehalien konnte. Er stopfte sich jetzt seine Pfeife und zündet« sie an. Jede Müdigkeit war oergangen. Er suchte nach einem Auswege. Ich könnte sie vielleicht als Treiber mieten, dacht« er, dann fällt es gar nicht auf. wenn ich in die Stadt komme, es ist besser, als wenn ich ganz allein mit der Karawane ankomme. Dann sind sie sicher, sie haben Arbeit, erwarten jeder einen Peso, und da vergessen sie andere Absichten. Sie fühlen dann schon das Essen im Magen und ein paar Gläser Tequila. „Ich könnte zwei oder drei Treiber gebrauchen," sagte er. „Könntest du?" lochte einer. „Ja, die Esel machen mir zu schaffen. Sie halten nicht zu- sammen." „Was willst du denn zahlen?" fragt« ein anderer. „Einen Peso." „Allen drei oder ledem?" Was soll ich antworten, dachte Dobbs. Um aber nicht zu lange auf eine Antwort warten zu lassen und dadurch Verdacht zu erregen. sagte er:„Nein, ich bin nicht allein. Es kommen zwei ander« meiner Freunde hinter mir auf dem Wege, mit de�i Pferden." „Das ist merkwürdig, Miguel, meinst du nicht auch?" sagte der, der lang ausgestreckt auf dem Bauche lag. „Jedem. Freilich erst, wenn wir in der Stadt sind und ich dort Geld einkassiert habe, jetzt habe ich keinen Centavo in der Tasche." Wieder dachte Dobbs, wie klug und deutlich die Antwort sei. „Bist du denn ganz allein�" fragte nun der, bar sich auf den Arm gestützt hatte. „Ja" gab Miguel zu,„das ist wirklich merkwürdig. Geht hier ganz allein mit seiner großen Karawane und läßt seine Freund« auf Pferden hinterherkommen." „Siehst du die Freunde kommen, auf den Pferden?" fragt« der, der den Kopf aufgestützt hatte. „Will mal zusehen." erwiderte der Ausgestreckte. Er erhob sich langsam, trat au» den Bäumen heraus und sah den Weg hinauf, den man in der Fern« besser übersehen tonnte als gerode in der letzten Strecke. Er kam zurück und sagte:„Die beiden Freunde mit den Pferden sind noch weit hinterher. Sicher ein« Stunde weit. Das ist merk- würdig, Miguel, meinst du das nicht auch?" „A� decir verdad," sagte Migu«l,„ich denke auch, das ist sehr merkwürdig. Was hall du denn da olles geladen?" fragte er dann, stand auf und ging zu einem der Esel. Mit der geballten chand klopfte er die Packen ob. „Felle, scheint es," sagte er. „Ja, auch Felle." gab Dobbs zu. Cr fühlt« sich immer unbehag» licher und dacht« an Aufbruch. „Tiger?" „Ja." sagt« Dobbs leichthin,„es ist auch Tiger dabei." „Bringen schönes Geld," meinte Miguel mit sachverständiger Miene und trat von dem Esel wieder zurück. Um seine Unbehaglichkeit zu verbergen, ging Dobbs nun zu einem Esel und zog die Gurten fester, obgleich es gar nicht nötig war. Dann ging er zu einem anderen und rüttelte an den Packen, als ob er sich davon überzeugen müsse, daß sie fest genug sitzen. chierauf zog er seinen Gürtel an und zerrte die Hofen höher, als ob er sich zur Weiterreise fertigmach«. „Werde ich wohl— ja, da muß ich wohl nun wieder weiter, um noch vor Abend in der Stadt zu sein." Er klopfte dabei seine Pfeif« an seinem hochqebobenen Stiefelabsatz aus, als er das sagte.„Wer will denn als Treiber mitgehen nach Durango?" Er sah sich um, umkreiste aber gleichzeitig die Esel, um sie zusammenzuholen. Keiner der Burschen gab«ine Antwort. Sie sahen sich an und wechselten Blicke miteinander. Einen der Blicke fing Dobbs auf, und er stieß einen der Esel an, um ihn in Gang zu bringen. Der Esel Da» ist merkwürdig, Miguel, meinst Du nicht auch:— trottete los, und ein anderer folgte ihm träge Die übrigen aber blieben stehen und nagten an dem Gias. Dobbs ging zu einem anderen Esel und rief ihm zu. Auch der begann abzutrotten. Die Männer waren ausgestanden. Sie schlenderten zwischen die noch stehenden Esel und drängten sie. scheinbar unabsichtlich, zurück oder stellten sich so daß d>e Esel nicht folgten, ondern wieder stehen- blieben, wenn sie schon einen Schritt gemach: hatten. Dam, aber begannen sie unruhig zu werden, als sie sahen, daß die Spitze marschierte und schon auf dem Wege war, und sie drängten die Männer zur Seile, un, Platz zu bekommen. Aber die Männer wurden nun lebhast und griffen den Eseln dreist in die Leinen und hielten st« fest. „Weg da von den Eseln!" schrie Dobbs erbost. „Was da'" sagt« Miguel stech mit vorgestrecktem Kopf.„Die können wir so gut verteufen wie du, die werden nicht schlechter dadurch, daß wir sie oertaufen." Di« beiden anderen lachien und packten noch einen zwetten Esel. „Weg da von den Eseln, läge ich noch einmal!" schrie Dobbs mit erhöhter Stimme. Er sprang einen Schritt zurück und zog den Revolver „Mit deinem Eisen da kannst du uns nicht erschrecken," höhnte einer, uns nicht. Du kannst nur einen schießen, und dem ist es ohnehin gleichgültig." „Zurück und die Esel'os!" schrie Dobbs. Dann schoß er auf den nächsten. Es war Miguel. Aber der Revolver klickt« nur kalt und hart. Dreimal, fünfmal, siebenmal — schlug er Dobbs den Kopf glatt vom Nacken. klickte der Revolver. Kein Schuß trachte. Dobbs starrt«, und di« Männer starrten. Sie vergaßen vor Erstaunen zu lochen oder zu höhnen Aber einer bückte sich und ergriff einen schweren Stein. Eine Sekunde nur folgt«, eine kurze Sekunde. In dieser Sekunde ledoch kamen die Gedanken so schnell auf Dobbs ein daß er. selbst in diese: kurzen Sekunde, wo es sich um sein Leben entschied, noch denken mußte, wie es nur möglich sei, daß man in einer Sekunde so viel denken könne. Sein erster Gedanke war. wie es geschehen tonnte, daß der Revolver versagt«. Aber da kam eine ganz lange Geschichte in sein Bewußtsein. In jener Nacht, wo er Curtin erschoß, hatte er sich an den schlafenden Curtin geschlichten, dessen geladenen Revolver gezogen und ihn später mll diesem Revolver niedergeschossen. Curtin hatte beide Revolver in den Taschen gehabt, seinen eigenen und den des Dobbs. Da beide Revolver gezeichnet waren und Howard die Revolver hätte nennen können, warf Dobbs den Revolver Curtins, mit dem er die Schüsse getan hatte, zu dem Leichnam, als er ihn das zweitemol aufsuchte und ihm den zweiten Schuß gab. Den eigenen Revolver aber steckte er zu sich. So Rätsel-Ecke aouiuiiiuiiuuiuiiiiuiiuiiiiiuimmujniUuniiiiiunniiiiiiiuiiimiUuumiiiinmuimHiiii Kreuzworträtsel. Senkrecht: 2. Seeräuber, 3. Nahrungsmittel, 4. germanischer Gott, 5. Weichselarm, 8. englischer Dichter, 7. Haustier. 9. Schornstein, U. Mediziner, 13. Blume. 14. Stadt in der Schweiz, 18. mongolischer Fürstentitel, 19. Wild. 20. Getränk, 21. Steinkohlenprodutt, 23. Gebirge in Kleinasien, 25. Morgenland, 28 Stadt in Hannover. 29. männlicher Vorname. 31. Gesäß, 32. Gewicht, 34. Furcht. 35. germanische Göttersoge, 37. biblische Gestalt, 38. Insektenlarve. W a g« r e ch t: 1. Vogel, 8. deutscher Schriftsteller, 10. Vogel, 12. Insel im Indischen Ozean. IS. Bekleidungsstück, 18. Hunnenkönig. 17. Shakespearesche Dramengestalt. 22. deutscher Maler des 15. Jahr- Hunderts, 24. Wasserpflanze, 28. Gesangsstück, 27. Gebäck, 30. Stadt in Thüringen, 31. Fluß in Afrika. 33. italienischer Dichter, 36. Ver- zierung, 39. Stadt m Westfalen, 40. Zahlungsmittel. 41. Eierspeise. Gilbenrätsel. Aus nachstehenden Silben a a bau den ben bro bu cha da di di dra e« e e«i erb ga aar ge ger gi« gis glad i ll kat i« ker la lei li lin lök ma mil misch naph ne ner neu ni nois nus nus pin po pur ra rei reich? ri ri ro rot ru rup san sau schaft sen si fkrll \ ße sto syn ta te ti ti tiv tunj u u um ve vi wal sind 28 Wörter zu bilden, deren Ansoii�s- und Endbuchstaben, beide von oben nach unten gelesen, einen richtigen politischen Satz aus 1848 ergeben, ch ein Buchstabe).— Die Wörter bedeuten: 1. Künstlerischer Theater- beirat; 2- Staat in U S. A.: 3. Riese der deutschen Heldensage; 4. Sonntag: 5. Lermögensonfall; 8. Geschichtsschreiber: 7 Anregung; 8. deutsche Industrie: 9. Sohn Jakobs; 10. Verteilung von Rech» nungsbeträgen; 11. Stadt in Brandenburg: 12- Lustkurort in Ober- gewann es der. Anschein, falls Curtin gefunden wurde, als sei er angegriffen worden und habe sich verteidigt. Der Revolver des Dobbs hatte ein anderes Kaliber, aus seinem Revolver konnten die Schüsse nicht gefeuert worden sein Dobbs hatte nur eins vergessen. Als er seinen eigenen Revolver wieder an sich nahm, vergaß er, ihn zu laden Er hatte es vergessen, daß in jener Nacht, als Curtin ihm den Revolver abnahm. Curtin den Revolver entladen hatte. Unter allen andern Gedanken, die ihn während der letzten Tage so viel beschäftigten, hatte er nicht einmal daran gedacht, daß der Revolver noch imm>.r ungeladen sei. Immer noch in derselben Sekunde dachte jetzt Dobbs an ein« andere Waffe. Er stand dicht bei einem der Esel, an dessen Packen ein Machete gebunden war. Er griff zu, um den Machet« zu ziehen und sich damit zu verteidigen. Das wäre ihm auch gelungen Er hätte, den Machete in der Hand, vielleicht Zeit gefunden, den Revolver zu laden, denn er hatte einige Patronen lose in der Hemdtosche. Aber do war die Sekunde zu Ende, und der Stein saust« an seiner- Kopf. Er sah ihn kommen, tonnte aber den Kopf nicht rasch genug abwenden, weil er seme letzten Gedanken ganz auf den Machete gerichtet hatte. Der Stein streckte ihn nieder, mehr durch di« Wucht und den Anprall als durch die Verletzung. Ehe er jedoch Zeit gewann, wieder aufzuspringen, war Miguel schon am Machete, auf das er durch die Bewegung des Dobbs erst aufmerksam geworden war. Mit einem gewandten Grift zog er den Machete aus der langen Lederscheide, sprang zu dem liegenden Dobbs, und mit einem kräftigen, kurz und sicher ausgeholten Hieb schlug ei Dobbs den Kopk glatt vom Nacken.' Nicht so sehr erschreck! als vielmehr verblüfft über die rasche Tat starrten olle drei aus den Leichnam. Die Augen des Kopfes, der nur um die Breite des Machet« vom Rumpf entfernt lag, zuckten nervös und blieben dann im scharfen Ruck zu dreiviertel geschlossen stehen. Beide Hände spreizten sich lang aus und krampften sich fest zusammen. Das taten si? mehrer« Male. Dann, nachdem sie das lctztemal die Nägel in die eigenen Handflächen gepreßt hatten, lösten ste sich sanft und starben halb geöffnet. „Das hast du getan. Miguel," sagt« einer der beiden anderen halblaut und kam näher. „Hall dein Maul." rief Miguel wütend und drehte sich so rasch nach dem Sprecher um. als wolle er ihn auch erschlagen.„Das weiß Ich selber, wer ihm eins draufgewichst hat, du Hänfling. Wenn es herauskommt, werdet ihr beide genau so erschossen wie ich. Das wißt ihr doch, oder soll ich es den Gendarmen erzählen. Bei mir macht es sowieso keinen Unterschied aus und ich bin eure Pflege- mutter nicht." Er betrachtete den Machete. Es war nur ganz wenig Blut daran. Er rieb ihn ab an dem Baume und dann schob er ihn wieder in di« Scheid«. 22. Die Esel, di« sich ja im allgemeinen nicht so in die Angelegen, hellender Menschen ztt mischen pflegen, wie die Hund« es so gern tun, waren lässig abmarschiert. Da sie viel klüger sind, als Menschen, die nie etwas mit Eseln tun haben, gemeinhin glauben, so marschieren sie auf dem richtigen Wege Immer auf Durango zu. Die Männer halten in chrer Erregung die Esel ganz vergessen. Sie nahmen dem Leichnam die Hosen und die Stiefel ab und zogen die Sachen gleich an.(Fortsetzung folgt.) les„Abend". uiinnumnuniiiiuiiuiniiMiDimiiiiiiiuMuiiiiiniuiuioiiiiuumtiimuuuuiiiiiimnmiuo baqern; 13. Operettenkomponist: 14. Fisch: 15. indische Gelehrten- spräche: 16. Interessengemeinschaft: 17. photographische Platte: 18. Fluh in Spanien: 19. republikanische Vereinigung: 20. Teppichart; 21. männliche Person des alten Testaments: 22. berühmte Aebtissin; 23. Sternbild: 24. englischer Staatsmann; 25. Schweizer Kanton; 26. Mottenschutzmittel. Kammrätsel. Die Buäistaben sind so zu ordnen, daß alle Zahnspitzen gleich lauten und daß zwölf zweisilbige Wörter entstehen, in denen die Silben ah be de dee do ec ei er ge he i ke ke le le lo na no ra se se te tu un vorkommen und welche bedeuten: 1. Schiffssunge. 2. Schusterwerkzeug. 3. Frosch, 4. Farbenröhrchen. 5. Hast. 6. Zensur, 7. Behälter, 8. Winkel, 9. Theaterplatz. 10. Planet, 11. Einfall. 12. Körperteil. Die Querreihe ergibt dann eine liebliche Gestast bei G. Hauptmann. Auflösungen der Rätsel aus voriger Nummer. Die Worte bedeuten: Kreuzworträtsel: Senkrecht: 1. Golpa, 2. Rhula, 4. Ratte, 5. Emden. 6. Rhön«, 7. Nessel, 9. Agram, 12. Atheismus, 15. Euripides, 19. Reede, 20. Amsel, 21. Hag, 23. Emu, 27. Irland, 28. Storm, 30. Adler, 32. Radau, 33. Herne, 33. Bizet, 36. Nebel. Wagerecht: 1. Gera. 3. Erde. 8. Roch. 8. Alma. 10. Utrecht. 11. Opal. 13. Ast, 14. Teer. 16. Natal, 17. Leuna, 18. Areal, 22. Elm, 24. Liane. 25. Sumpf. 26. die, 29. Perle, 31. Truhe, 34. Abend, 37. Oase, 38. Tal. 39. Isel. 40. Reinerz. 41 Main, 42. Eger, 43. Übet, 44. Stil. Silbenrätsel: 1. Diborg: 2. Etüde: 3. Leonid: 4. Eheru- bini: 5. Etagere: 6. Rousseau: 7. Erlangen: 8. Genesie: 9. Znsel; 10. Empire: 11. Raupach: 12. Usurpator: 13. Retzhaut: 14. Gersau: 15. Dämon. 16. Zndus; 17. Ephefuo; 18. Balustrade: 19. Erpel: 20. Scmherib: 21. Tunis: 22. Erfurt: 23. Steinsalz: 24. Efeu: 25. Isar. 26 Dante: 27. Znst-rburg; 28. Ernanl: 29. Zeanne: 30. Emir: 31. Nomad«: 32. Znterlaken. Welche Regierung die beste sei? Diejenige, die uns lehrt, uns selbst zu regieren. Sammrätsel: IIOLKEKBUHB A E L U R I U H X L M E VersrStsel: Bell. Nr. 178 MM H M Sonnabend 45. IskrZsnß W �8L A H«R■ B■ W�SL. 14. April 1928 Die Technik in der Verbraucherbewegung« Von genossensdiafilidien Großbetrieben. Zündkappe versieht, trocknet und ordnet, so daß sie dann gleichfalls maschinell in die mechanisch bereiteten Schachteln verpackt werden können. Wie weitgehend heute auch in der B ü r st e n s a b r i l a- t i o n, die noch vor wenigen Jahrzehnten nur chandorbeit kannte, Maschinen zur Anwendung gelangen können, das läßt sich in der malerisch gelegenen Bürstenfabrik Stützengrün im Erz- gebirg« beobachten. Doch nicht nur in der Produktion, auch in der Warenoerteilung spielt die Technik eine große Rolle. Die großen Ansicht der Teigwaren fabrik Gröba- Riesa Lagerhausanlagen, wie wir sie in Hamburg und in Chemnitz finden, zeigen, wie man allerorts bemüht ist, mit Mitteln der Organisation und mit Hilfe arbeitsparender Maschinen den Umschlag der Ware zu vereinfachen und damit zu verbilligen. Ueber den Einsatz der Maschinen lassen sich natürlich allgemeine Grundsätze nicht aufstellen. Eine Schokoladenfabrik arbeitet anders als eine Wäschenäherei, eine Kistenfabrik anders als«ine Dampf- mühle. Wenn trotzdem die Großbetriebe der Genossenschaften auch in ihrem äußeren Bilde und in der Anordnung der Maschinen eine gewisse Elnheillichkeil zeigen, so ist das stark in der Betriebswirtschaft begründet, die sich bei einem organisierten Derbrauch von selbst ergibt. Vielleicht zeigt «in Vergleich mit der privaten Wirtschaft am besten den Unterschied. Wenn jemand heute eine Fabrik aufmacht, so kann er, um«ine bestimmte Ware herzustellen, zunächst einmal mit einem kleineren Apparat anfangen. Er wird mit dem geringstmöglichen Aufwand an Maschinen beginnen, wird seine War« allmählich zu verbreiten suchen und erst bei wachsendem Absatz zu oollkommencreg Produk- tionsmethoden übergehen Steht hingegen genug Kapital zur Der- fügung, so ist der organisatorische Aufzug eines neuen Unternehmens von dem Gesichtspunkt diktiert, möglichst gleich vom ersten Tage ab«ine gutarbeitend« Fabrik, voll zu beschäftigen und so den Bor- teil auszunutzen, den der große Betrieb vor dem kleinen hat. Be- sonders Tochterunternehmungen oder Konzerne oder tapitalstarke Firmen werden gleich den großen Wurf wagen, viel Kapital in den Betrieb zu stecken und ihn technisch reich auszustatten. Rentiert sich eine derartig« Großanlage später nicht, so ist das Kapital ganz oder zum großen TeU verloren. Bei den Genossenschaften hingegen ist der Werdegang eines Produktionsbetriebe» ein anderer. Vor- ausfetzung für sein« Entstehung ist immer, daß genügend Käufer bestimmter Waren berefts organisiert sind, deren Bedarf und Nach- frag« man ziemlich genau kenn� An der Errichtung von Mammut- betrieben hat man kein Interesse: wäre es doch unzweckmäßig, etwa alle in ganz Deutschland gebrauchte Seife in Mitteldeutschland her- zustellen, während man an Frachtkosten wesentlich sparen kann, sofern man auch eine Fabrik etwa in West- oder Süddeutschland hat. Dadurch, daß sich die organisierte Berbraucherschaft über ganz Deutschland verteill, ergibt sich von selbst die Notwendigkeft einer gewissen Dezentralisation der Betriebsanlage, wenn erst einmal genug Nachfrage vorhanden ist. So kann die Genossenschast, wenn sie einen neuen Betrieb ausmacht, sich gleich von vornherein «in festumrissenes Produktionsprogramm aufstellen. Sie wird, von dem tatsächlichen Bedarf ausgehend, die Leistungsfähigkeit des Betriebes ihm ziemlich' genau anpassen oder nur unwesentlich höher veranschlagen, als sich aus dem gegen- wärtigen Bedarf ergibt. Sie wird aber diesen in seiner Größe ziemlich genau vorbestimmten Betrieb von vornherein mit dem modernsten Maschinenpark ausstatten können, weil das Absatzrisiko verhältnismäßig gering ist. Man braucht also nicht den Umweg über den unzulänglichen Kleinbetrieb oder über das Wagnis der allzu großen Betriebseinheit, um zu dem gesteckten Ziele zu ge- langen, fondern hat das Arbeitsziel des Werkes von der ersten Konstruktionszeichnung an fest im Auge. Das bestimmt die Technik der Bauanlagen und die Technik des Maschinenansatzes sowie der Maschinenverteilung. Daher können sich die genossenschaftlichen Großbetriebe mit ihrer Maschineneinrichtung neben gleichartigen Privatbetrieben nicht nur sehen lassen, sie ühertreisen diese auch oft. Es ist die klare Zweckbestimmtheit, die die Art, den Gang und das Tempo der Moschinen vorschreibt. Erweist sich, daß ein Betrieb zu klein ist. so wird an den Punkten dringenden Bedarfs ein neuer Betrieb errichtet werden, und man wird bei der Wahl des neuen Standpunktes zugleich Frachten zu sparen suchen. Die gleicken Gesichtspunkte kommen unter Anpassung an die örtlichen Verhältnisse auch bei der Einrichtung großer lokaler Ge- nossenschoften zur Anwendung. Daß sie mit straffer Folgerichtig. keit durckgeführt werden, dafür sorgt wieder die Eigenart der Genossenschaftsbewegung als eine große Arbeitsgemeinschaft aller organisierten Verbraucher. Längst«he die privaten Unternehmungen da?u übergingen, die an einer Stell« gewonnenen Erstebungen im Kreis« ihrer Fachgenossen zu erörtern, haben die Genossenschaften aus ihren Tagungen das Vorbild dazu gegeben. Sie konnten das, weil es unter Ihnen keine gefchästsiche Konkurrenz gibt, sondern nur den ideellen Wettstreit um die beste Leistung für die gemein- same Sache. Das ermöglicht die Verbreitung guter, die Der- Meldung schlechter Erfahrungen auch auf technischem Gebiet an allen Stellen, die sich In der großen Verbraucherbewegung mit der Eigen- Produktion und mit dem Warenvertrieb befassen. Auch dieser Umstand verbürgt eine gewisse Cinheftkichkeit in der Techrrik de Genossenschaftsbetrieb«. Hinzu kommen noch die gleichartigen Anforderungen, die die Genossen schaftsbewegung— trotz der Verschiedenheit der Nachfrage in den einzelnen Landesteilen— an die Ware stellt. Den Be- strebungen nach einer hohen Qualität wurde schon gedacht. Vor- bedingung dafür ist die Reinlichkeit. Was als Handelsware etwa an Mehl, Honig, Kakao, Gewürzen mit der Bahn oder dem Schiff hereinkommt und zur Verarbeitung ge- langen soll, das ist oft gerade nicht sehr schön. Staub ist noch das gelindeste Uebel. Wenn man aber etwa im Mehl Ueberrest« des Werkzeugs findet, mit dem der Bauer auf den Weizenfeldern Kanadas sein Getreide mähte, wenn ganze Ballen Wergfasern von der Verpackung bei dem vielen Umladen sich in die Ware mischen, dann wird sich der Derbraucher sehr dafür bedanken, das alles mitgeliefert zu bekommen und— zu verdauen. Daher nehmen die Reinigungsmaschinen und -apparate in den meisten Betrieben einen großen Raum ein. Exhaustoren, künstliche Winderzeuger werden angewandt, um auch die Arbeitsräume möglichst staubfrei und damit hygienischer zu ge- stalten. Gewiß findet sich vieles davon auch in manchen gut geleiteten Privatbetrieben. Aber es ist keine Ueber- treitmng, sondern nur die Feststellung von Ergebnissen der Besicht!- gung zahlreicher großer Betriebe der Großeinkaufsgesellschaft und de? Zentralverbandes deuffcher Konsumvereine, wenn man sagt, daß hier viel Gutes und Vorbildliches geschaffen wurde. Weil man von vornherein nach der' besten technischen Leistung strebte, brauchte man auch seinerzeit den Ratlonalisierungsfimmel, der sich stark gegen die Arbeiterschaft richtet«, nicht mitzumachen. Maschinentechnik und Betriebskonstruktion waren eben gleich darauf zugeschnitten, Leerlauf zu vermeiden, menschliche durch mechanische Kraft zu ersetzen. So finden und fanden wir schon vor der so- genannten Rationalisierung in den meisten Betrieben die einzelnen Abteilungen eines Unternehmens derart aneinandergeschlossen, daß der Gang der Rohwaren über das Halbfabrikat zur Fertigware und der Transport zum Lager und vom Lager sich möglichst ohne Reibung und Aufenthalt gestaltete. Diese Notwendigkeit wurde in vielen Privatbetrieben erst nach der Erforschung der amerikanischen Fließarbeit anerkannt. Trotzdem bleiben auch natürlich niemals die Genossenschaftsunternehmungen bei den gewonnenen Kennt- nissen und Erfahrungen stehen, sondern arbeiten rastlos weiter im Seifenfabrik Qröba-Riesa: Fettspaltungsanlage Dienste des Strebens, dem organisierten Verbrauch Kosten zu sparen bei möglichst hoher Warenqualität. So erfüllt die Technik auch in der Verbraucherbewegung ihre besonderen Ausgaben: die organisierte Verbraucherschaft kann auf das bisher Geleistete mit Befriedigung zurückblicken. Ist es doch ein Ansporn zu immer größerer Leistung im Dienste der organi- sierten Gemeinschaft. S—->. Zündholzfabrik »Umfassende Anwendung der modernen Kräfte und der vollkommensten Maschinen und Werkzeuge.... werden die Produktion aus eine Höhe bringen, daß zur Erzeugung des nötigen Quantums von cebensbedürfaissen die Arbeitszelt sehr erheblich vermludert «»erde« kann." August Bebel, Die Frau und der Sozialisma». In der Konsumgenossenschaft gilt als leitender Grundsatz, daß gerade für den minderbemittelten Konsumenten das Beste gut genug sei. Der Wille zur Qualitätserzeugung wirkt natürlich auch zurück auf die Anlage und den Ausbau der genossenschaftlichen Produktion und Verteilungsbelriebe. Wer etwa in Lichtenberg oder Tempelhof sich einmal die Anlagen der KGB. auf ihre Zweckmäßigkeft hin angesehen hat, wird überrascht sein von der Zielklarheit, mit der die Leiter der Genossenschastsbewegung die Technik in den Dienst der Verbesserung und Verbilligung der Warenver- tellung gestellt haben. In den Bäckereien flnden wir Oefen, die zur Zeit ihrer Aufstellung die größten waren, die man überhaupt benutzt hat. Mecha- nischcr Transport wird angewandt, wo er nur möglich ist. Die Maschine muß der Menschenhand abnehmen, was sie besser und billiger leisten kann als diese. Doch all das sind Dinge, wie wir sie in kapilalistischen Betrieben auch antreffen, sofern sie gut organisiert sind. In den Genossenschasts- belrieben geht man zunächst in sozialer Hinsicht von vornherein einen Schritt weiter: man trifst zusammen mit der technischen Anlage alle Maß- nahmen, die zur Schonung der Arbeitskraft geeignet sind. So kommt es. daß die Genossenschaftsbetriebe an sozialen Einrichtungen vielen gleichartigen und gleich großen Privatbetrieben voraus sind. Wer die Entstehungs- geschichte und die Arbeitsweise der Genossenschaften kennt, wird das erfreulich, aber nicht besonders ausfallend finden. Denn Eigen- tümer und letzte Aufsichtsorgane des Genossenschafts- betriebes sind die organisierten Verbraucher selber, die in ihrem überwiegenden Teil Arbeitnehmer sind und natürlich in sozialer Hinsicht an ihre eigenen Betriebe gleiche, oft sogar viel höhere Anforderungen stellen, als sie in den privaten Betrieben durchzusetzen vermögen. So mußten die Genossenschaften sich sehr früh die Bewirtschaftung der menschlichen Arbeitskrast ganz anders Seifenfabrik Gröba- Riesa: Platte nkühtmaschine angelegen sein lassen als mancher private Konkurrenzbetrieb. Das prägt sich auch im Bild der technischen Anlagen aus: möglichst licht«, weite Arbeitsräume bei zweckmäßiger Anordnung des Arbeitsganges. Lersitstellung von Waschräumen, Kantinen und dergleichen, und nicht zuletzt die Jnnehaltung aller Sicherheitsbestim- mungen, die geeignet sind, die Arbeitskraft vor Betriebsunfällen mit ihren schweren Folgen zu schützen. Ein starkes Bild von den technischen Leistungen im Aufbau des Genossenschaftswesens erhält man bei der Besichti- gung der Großbetriebe der GEG., wie sie jetzt vielfach auch in den Gencssenschastsfilmen gezeigt werden. D>e Anlage in der Pro- duklionszentrale Gröba-Riesa stellt ein Fabrikviertel für sich dar, in dem die Teigwarenfabrik,«in« Seifen- fabrik. eine Zündholzfabrik und eine chemisch« Fabrik untergebracht sind. Schon im äußeren Eindruck sällt die Zweck- Mäßigkeit der ganzen Anlage auf. Unsere Bilder geben einig« Vor- stellungen von den Großmaschinen, di« z. B. bei der Fabrikation von Zündhölzern und von Teigwaren dort angewendet werden. Be- sonders interessant ist die Makkaronipresse, die den Teig unter starkem Druck durch siebartige Löcher preßt und ihm die Form vieler kleiner Röhren gibt. Ein technisches Kunstwerk geradezu ist die Simplexmaschin«, die automatisch die Zündhölzer mit der T eigwarenfabrik: Kollergang �JßcyrfiM�oloJjZLel Arbeiter'RuderspoH. Wohl mancher Arbeiter bewunderte bei seinen Spaziergängen die schlanken, schnellen Sportbaote der Ruderer auf Spree imd Havel unä) wünschte, es ihnen gleichzutun. Einst war dieser Sport nur dem finanzkrästigen Bürgertum möglich, ober genossenschaftlicher Zusam- menschluh vermochte auch dem Arbeiter die Schönheiten des Ruder» fports zu erschließen. Jetzt besitzt die Arbeiterschaft rund um Berlin vorbildliches Rudermaterial in schmucken Bootshäusern. Der Arbeiter hat die Pflicht, sich sportlich zu betätigen. Er soll und muß seinen Körper von den Schlacken der Arbeitsfron befreien. Wer aber gar erst die Schönheiten der Natur aus Wanderruder- fahrten kennen lernt, vergißt gern die oft zweifelhaften Vergnügungen der Großstadt. Im Gegensatz zu den„unpolitischen' Vereinen, die kein Int er» esi« an der wirtschaftlichen Besserstellung der Arbeiter haben, nimmt der Arbeiter-Rudersport nur solche auf, die Mitglied einer frei- gewerkschaftlichen oder politischen Organisation sind. Anfragen sind zu richten an: Ruderoerein Collegia e. V., Chorlottenburg, Wielandstraße 4. Bundestag der Schachspieler. Der Deutsch« Arbeiterschachbund hielt vor kurzem in Stuttgart seinen Z. Bundestag ab. Aus dem Geschäfts- bericht des Bundesvorfttzenden Gläser war zu entnehmen, daß sich her Bund in einer ständigen Aufwärtsentwicklung befindet. An Mit- gliedern sind zurzeit lZtM in 462 Ortsgruppen vorhanden. In der Zentralkommission für Arbeitersport- und Körperpflege hat der Bund eine gute Stütze, weshalb auch die Beziehungen zu den anderen Arbeitersportvereinen recht gut sind. Bei den Arboiterturnern und Naturfreunden wurden in manchen Ortsgruppen Schachabteilungen gegründet, die ihr Material und die Schachzeitung von der Bundeszentrale beziehen. International« Turniere sollen in Zukunft der hohen Unkosten wegen nur all« drei Jahre stattfinden. Der Bundesverlgg hat sich gut entwickell: von einer Beitragserhöhung kann Abstand genommen werden. Durch die Beröffentlichungen der Arbeiterzeitungen findet der Bund gute Unterstützung. Nach. einer ausgiebigen Diskussion wurde eine kom- munistische Resolution, die sich gegen die Luzerner Sportinternatio- nole wandte, gegen etwa 10 Stimmen abgelehnt. Die Wahlen ergaben die Wiederwahl Glasers als ersten Vorsitzenden. Zu seinem Stellvertreter wurde Spiegel neugewählt, Bundesspielleiter ist Thronicke, Vorsitzender des Bundesausschusses Oehlschläger-Berlin. Die Internationale der Arbeiterschachspieler hat in Deutschland 13 000 Mitglieder, in Oesterreich 2000, in Lettland und der Schweiz je 400. Rußland gibt, großzügig wie immer, 100 000 Mitglieder an. Ein Sportfest größten Stils. In Weifjenscc. Der 2. Bezirk des 1. Kreises veranstaltet am S. und 10. Juni In Weißens«««in großes Sportfest. Nach den bisherigen Meldungen zu urteilen, wind die Provinz sehr zahlreich vertreten sein. Am Sonnabend sinden im Weißen See Schwimmwettkämpf« statt. Die besten Berliner Mannschaften sind in den Wettschwimmen und in den Wasserballspielen am Start. Vom Nachmittag an schon werden aus der Weißenseer Rennbahn und im Stadion Fauler See leichtathlctische Weltkämpfe und Spiel« aller Art ausgetragen werden. Am Sonntag finden Vormittags die Ausscheidungskämpfe zu den Mehrkämpsen statt. Am Nochmittag wird ein F e st z u g für die Idee des Arbeitersportes werben. Die Haupwerarrftaltung geht dann im Stadion Fauler See oonftatten. Eine Fußball-Auswahl- Mannschaft des Bezirks Norden der Märkischen Spiel Vereinigung wird gegen eine gute Städtemannschost antreten. k�Iit den Naturfreunden in die Schweiz. Am 17. August führt der Gau Brandenburg des Touristen- Vereins„Die Natursreunde" einen Sonderzug in die Schweiz. Anläßlich der 11. Hanptocrsannnlung des Gesamtvcreins findet in Zürich ein großes internationales Nawrfreundetrefsen statt. Anschließend daran veranstaltet das Reisebureau der Naturfreunde mehrere acht- und vierzehntägige Reisen durch das schöne Schweizer Land. Der Sonderzug kann auch nur für die Hinfahrt benützt werden. Gäste an diesen Wanderungen sind herzlich willkommen. Die Gesamtkosten an den Reisen betragen etwa 220 Mark(für 14 Tage), worin sämtliche Bahn- und Schisssfahrten von und nach Berlin, Quartiere(Hotels), Abendessen, Frühstück sowie Besichtl- gangen cnth.ilteii sind. Die Anmeldungen für den Sander» zl!g können sofort, spätestens bis 30. April, erfolgen, wobei eine Gebühr von 5 Mark zu entrichten ist, die aus den Fahrpreis ange- rechnet wird. Da nur eine bestimmte Anzahl Teilnchnrer zugelassen ««den kann,«nxsiehit e, sich, die Anmeldung möglichst bald vorzunehmen Ausführliche Prospekte erscheinen in Kürze. Auskunft und Anmeldung an das Reiscbureau Naturfreunde, Berlin N. 24, Johannis st r. 14— 15(Tel. Norden 4177), täglich außer Sonnabends, von 18— 20 Uhr. Auch verweisen wir auf die anderen Ferienreisen der Naturfreunde, z. B. in den Harz, den Schwarzwald, das Riesen- und Jsergebirg«, Pfingsten nach Rügen, zu denen sich Teilnehmer melden können. Prospekte weiden aus Wunsch zugesandt. Auch Oesterreich lehnt ah. Die Wiener Arbeiterzeitung meldet, daß die österreichischen Arbeitersportler eine Einladung zur Teilnahme an der im August in Moskau stattfindenden„Spartakiade' der Sowjet- union abgelehnt haben, weil es sich um keine rein sportliche, sondern um eine parteipolitisch-kommunistische Ber- an staltung handele. 1. Bezirk des AI. und SpD. Dienstag, 17. April, 20 Uhr, in der unteren Turnhalle, Bouchestraße in Treptow, Lehrstunde, in der die Freiübungen zum Bezirlsfest gelehrt werden. Die technischen Leiter aller Bezirksoereine und Sparten sollen hierzu erscheinen. 1. kreis, wasserballspiele. Montag, 16. April, 20 Uhr, treffen sich all« Schiedsrichter(nachgeprüfte) und Vereinswasserballobleute sowie der Prüsungs- und Spielausschuß zwecks Festsetzung der Sommerserisnspiele im Stadtbad Kreuzberg, Bärwaldsträße. V ereimkalender Swi« Z»n,ersch»ft Cfcrlottentatg. 14. April, 20 Uhr, Bi-rteljahres. Versammlung im Birnbaum", Gaivanistrage.— Abt. Tenni»: Sonntag, 15. April, Eröffnung der neuhergerichteten eigenen Plätze, Sportplatz Westend. Interessenten werden noch aufgenommen. letzt auch dort eine Turnhalle, in der Boxen, Heben und Ringen gepflegt wenden. Di« Turnhalle befindet sich i» der Riahlower Str. M, Dienstags und ffreitag«, 20—22 Uhr. Skifahrt des Reichsbanners. Ins Riesengebirge. Während der Feiertag« machte die Ski-Gruppe der Berliner Reichsbanner-Winterfport-Abteilung» eine Fahrt ins Riesengebirge. Die Fahrt ging bis Krummhübel, von wo aus über Brückenberg, Schlingelbaude, Hampelbaude, Schlesierhous die Schneekoppe erstiegen wurde. Bereits in 1000 Meter Höhe wurde der ersehnte Schnee angetroffen. Bei der Abfahrt über die Prinz- Heinrich-Boude kamen die Sportler in ein schweres Schneegestöber, das jedoch bald überwunden war. Am nächsten Tage wurde bei strahlend blauem, wolkenlosem Himmel«ine Fahrt hinüber nach Böhmen über die schier endlosen SchneefeDer noch der Wiesenbaude gemacht. Am 3. Tage rüstet« die Gruppe schon frühmorgens zur großen 40-Kil»meter-Tour, wovon jedoch gut ein Drittel aus kilo- meterlange» Abfahrten bestand. Heber die Spindlerbaude, Peterbaude, Schneegrubenbaude und die neue Schlesierboude wurde spät abends bei Fackelschein die Zack elf allbaude erreicht und Massen- quartiere bezogen. Heber Sch»eiberhau wurde dann wieder die Rückfahrt angetreten. Die Oster-Skisah rt der Reichsbannerkameraden war nicht nur ein« Erholung, sondern auch ein« Propaganda fürSchwarz- Rot-Gold und Republik. Heberall löste das Erscheinen der Reichsbanner-Gruppe mit ihren schwarzrotgoldenen Fahnen stärkste Sympathien aus. Sportärztliche Beratungsstelle in der Charit 6 Die seit November 1923 bestehende provisorische Beratungsstelle an der II. medizinischen Klinik der Charit«(Prof. Dr. G. v. Berg- mann) ist nunmehr durch ein Abkommen zwischen dem Staat und der Stadt Berlin zu einer planmäßigen Einrichtung umgewandelt worden. Di« Stell« dient in erster Linie zur Hmerstützung der Hntersuchungen der Berliner Sportärzte ebenso wie der Schulärzte, da ihr alle Hilfsmittel der modernen Klinik zu Gebote stehen. Ferner steht sie auch den Mitgliedern der Berliner Turn- und Sportverein« zur Verfügung. Die bei den Hntersuchunzen gewonnenen Ergebnisse sollen gesammelt und wissenschaftlich verwertet werden. D» Ve« ratung findet wie bisher Luisenstr. 18s(Med. Poliklinik) statt. Die Stelle steht unter der Leitung von Privatdozent Dr. Herz- h e i m e r und wird vom 15. April ab Montags und Freitags von 8 bis 1 und 5 bis 7 Hhr, Mittwochs von 8 bis 1 Uhr geöfsnei sein. Weitere Hntersuchungszeiten werden nach vorheriger Vereinbarung mit den beteiligten Vereinen festgesetzt werden. Jungflieger'Kursus in Berlin. Kürzlich wurde an der Staatlichen Baugewerksschule in Neu- kölln der erste Iungfliegerkursus in Berlin in Gegenwart von Vertretern der Behörden und der Lustfahrtorganisationen er- öffnet. Der Kursus, der unter Leitung des Dipl.-Ing. Hans- mann steht, soll drei Semester dauern: Unterricht findet wöchentlich Mittwochs von 4 bis 7 Uhr statt. Der Kursus umfaßt theoretischen und praktischen Unterricht, Führungen durch industrielle Werke, Modellbau, später auch Bau von Segelflugzeugen. Der erste Kursus ist mit 47 Schülern bereits voll besetzt. Auskunft über Beteiligung erteilt die Gruppe Brandenburg und Grenzmark des Deutschen Luftfahrtverbandes, Berlin W. 35, Blumeshof 17. Pferderennen. Der zweite Renntag in Karlshorst bringt als Hauptprüfung das R« sid e n z- H ür de n r e n n en. Ein rundes Dutzend Be- werber stellt sich in diesem Ausgleich über 3000 Meter zum Kampfe. Am Montag ladet Mariendorf zu Gaste. Unsere Voraus- f a g u n g e n: Karlshorst: 1. Lockenkopf— Stall Heinz Stahl: 2. Pommer— Erlkönig II; 3. Malkasten— Flämin: 4. Dezna— Herzog; 5. Rinaldv— Lobredner; 6. Herzog— Lichtenstein: 7. Karl Ferdinand— Stromer. Marienüorf: 1. Antimon— Pirus; 2. Fabrt Eh. Mills— Arnim; 3. Fahrt Iauß jr.— Jngelinde: 4. Fahrt Eh. Mills— Ouifi quasi: 5. Isarwelle— Ilona W.: 6. Augias— Leonardo; 7. Frankenstein— Arnfrisd: 8. Marie-Luife— Earo-Bube; 9. Peter Harvefter— Manzanares. Meisterschaften im BSB. Di« Ausscheidungstämpfe um die Meisterschaft de« Berliner Sportkegler-Bundes e. V. brachten in der Zwischenrunde folgende Ergebnisse: Unger(Norden 23) 735, Horden(Gut Holz 05) 728, Keuntje(Risiko) 727, Heute(B. weg) 726, Gerloff(Lustige Sieben) 726, Frobenius(Wegg-Wegg) 726, Killat(Gut FreurrkL 726, Schur(Ruck-Zuck) 726, Schorr(Geselligkeit 19) 725, Flader(Risiko) 724. Die Führung im Gesamtresultat haben: Schur 1421, Heute 1412, Killat 1410, Lorenz 1409, Tippe 1408, Herrmann 1407, Schmidt 1405, Eichhorn 1403, Röwer 1403, Unzer 1402. Sduneling- Haymann am 13. Mai. Gemäß den Bestimmunzen, die dem kürzlich stattgesundenen Titelkampf um die deutsche Schwergewichtsmeisterschast zwischen Max Schmeling und Franz Diener zugrunde lagen, hat der neue Meister Max Schmeling schon innerhalb kurzer Zeit geg-il den Sieger der Endausscheidung, Ludwig Haymann- München, on» zutreten. Das Treffen war ursprünglich für den 6. Mai noch der Dortmunder Westfalenhalle angesetzt, die Boxsport» behörde Deutschlands hat jedoch im gegenseitigen Einvernehmen den Termin um eine Woche auf den 13. Mai hinausgeschoben. Beide Kontrahenten haben sich bei ihren letzten Kämosen im Sportpalast Augenoerletzungen zugezogen, die zwar an und für sich geringfügiger Natur sind. Um jedoch ganz sicher zu gehen, und Schmeling sowohl wie Haymann in bester Form gegenüber zu sehen, ist die Berleguitg des Kampfes auf den 13. Mai erfolgt. Heuer deutscher Schwerakhletikrekord. Im Rahmen der n, München zum Austrag gekommenen Schwerathletik- Meisterschaften von Süddeutschland gelang es dem bekannten R�kordmann Sch w a i g e r(1860 München) mit einer neuen deutschen Höchstleistung im linksarmig Stoßen der Federgewichtsklasse aufzuwarten. Schwaiger brachte 165 Pfund zur Hochstrecke und oerbesserte den bisherigen Rekord, den mit 165,6 Pfund Mühlberger» Mannheim hielt. Domgörgen und Gypsy Daniels messen am 22. April in Leipzig ihre Kräfte. Am gleichen Tage findet bekanntlich auch die Europa- Meisterschaft im Weltergewicht zwischen dem deutschen Meister Karl Sahm und dem Belgier Leo Darwn statt. Rudi wagener, der sich bekanntlich vor einiger Zeit nach Amerika begeben hat; soll am 11. Mai sein Debüt im Dollarland« geben. Der Duisburger Schwergewichtsboxer hat gegen der. Amen- kaner Big Boy Petersen zu einem Zehnrundenkampf anzutreten. Das Eisenbahnunglück in Paris. Bei dem Zusarnmensloß auf dem Pariser S ordhahnhof J uhren zwei Pet sonenzuge aufeinander. Die beiden ersten P n.gen des einen Zuges wurden in einer Länge von fünf Matern Ineinandergeschoben{im Bilde). Fast sämtluhe Reisenden dieser beiden Wagen wurden getötet oder schwer verletzt. Im ganzen waren IS Tote und 33 Schwerverletzte zu beklagen.