BERLIN Zllontag 16. April 10 Pf. Jfr.lSÜ B 89 45. Lahrgang. Erscb«i»t ttglich avter Zuglnch AbendauSgad« d«.Vorwttt«'. Bqug�vrei« für beide Aitsgabeu 70 Pf. pro Woche,» M. pro Moaat. Kedattiou mtd E�editioa: Berlin SWS«, iiudeustr.« SfiaJauLgaße xlß6 »«»eigeaprei«: Die einsraltige Nvnrareillejeile SV Pf., Reklamez eile S M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Dorwärtt-Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. S7üSS. Fernsprecher: Dönhoff 2S2 bi« 297 „Ltalia" in Pommern gelandet. Das Straßenbahnunglück am Stadion. An der Unglücksstätte,— Die umgekippten Straßenbahnwagen. ' 3n den späten Zkachmlttagstundea des Sonntags wvrde Berlin von einem schwerem Verkehrsunglück be- trofsen. Ein Straheabahazug der Linie S8 L. bestehend an» einem Triebwagen und zwei Anhängern. der einen Pendelverkehr zwischen dem Stadion im Grunewald und dem Bahnhof Zoo auf der Heerstrahe vermittelt, entgleiste kurz nach 17 Uhr beim Einbiegen in die heerstrahe. in der sogenannten heerstrahen- kurve. Die drei überfüllten Wagen, in denen sich schätzungsweise 250 Fahrgäste befanden, die dem Fuh- ballspiel zwischen Hertha-BSE. gegen Tennis-Borussia im Stadion beigewohnt halten und sich nun auf dem Heimwege befanden, stürzten um. Die zahlreichen Passanten auf der Heerstraße, die Zeugen der Katastrophe geworden waren, sowie die unverletzt ge- bliebenen Fahrgäste der Unglücksbahn machten sich im Verein mit Polizeibeamten in aufopferungsvoller Weife an das Rettungswerk. Nach wenigen Minuten erschienen die zu Hilfe gerufene Feuerwehr mit zahlreichen Rettungs- gerüst- und Gerätewagen und das Städtische Rettungsamt. Bier Personen tonnten nur noch als Leichea au» den Trümmern gezogen werden, eine fünfte starb kurz nach ihrer Einlicferung in das Krankenhaus. Ueber dreißig Schwer- und Willelschwerverletzte wurden in das Hildegard- und in das westendkranteuhaus gebracht. Neun Personen, die mit Schödelverlehungen. Snocheubrüchen und iuueren verlehuugen daniederliegen, schweben noch ia Lebensgefahr.— Die Unglücksstätte war bis in die späten Abendstunden hinein in weitem Umfange durch ein starkes Polizeiaufgebot abgesperrt. Ln der Ltnglückskurve. Ueber dos Unglück wird im einzelnen noch folgendes berichtet: Gegen S Uhr. als dos Fußbollspiel zwischen den Dereinen hertha-D. S. CT. und Tennis-Dorussio noch nicht ganz beendet war, strömten bereits Tausende von Zuschauern, die trotz des Schnee� geftöbers nach dem Stadion geeilt waren, den Ausgängen zu. Sowohl die Untergrundbahn wie auch die Aboag und Straßenbahn hatten in Anbetracht des zu erwartenden starken Verkehrs Sonderwagen eingestellt. An der Endhaltestelle in der Rennbahnstraße hiell ein Einsatzwagen der Linie 58 mit zwei Anhängern. Die Massen der Heimkehrenden stürmten die Wagen, und schon hier ent- spann sich ein Kamps um die Plätze. Die Magen waren bald überfüllt und auf ben Plattformen drängte sich eine Menge, die die ■orgeschrkbeae Persouevzahl mindestens am das Dreifach« überstieg. Das Urteil im Lichterfelder Prozeß, Sozialdemokratische Wahlsiege, Berichte im Innern des Blattes. Kurz nach 17 Uhr setzte sich der Straßenbahnzug in Bewegung und fuhr die Rennbahnstraße hinunter. Von der Mitte der Straße an setzt besonders starkes Gefälle«in. Zur größten Bestürzung der zahlreichen Fahrgäste wurde die Fahrgeschwindigkeit jedoch nicht herabgemindert und die wagen näherten sich in rasendem Tempo der Heerstraßen- kurve. Bläßlich entgleisten die ersten Achsen des Triebwagens. die rechten Räder bohrten sich tief in das Pflaster, der wagen bekam Ilebergewicht und stürzte unter einem ohrenbetäubenden krach mitten auf den Aahrdamm. Die Anhängerwagen wurden mitgerissen und durch die Wucht des Tempos ineinandergeschoben. Der zweite Wagen kam mit den Rädern nach oben zu liegen, das Dach wurde vollständig eingedrückt. Das furchtbare Geschehen war das Werk von Sekunden. Aus dem Innern der Wagen ertönten Hilfe« und Entsetzensschreie. Herzerschütternde Szenen spielten sich ab. Die umgestürzten Wagen versperrten in beiden Rich- tungen den gesamten Fuhrwerks« und Automobilverkehr, so daß sich in kurzer Zeit an beiden Seiten lange Wagenketten stauten. Auto- mobilisten und auch Vorübergehende machten sich in großer Zahl an die Bergung der Verletzten. Inzwischen war die Feuerwehr alor- miert worden, die unter Leitung des Oberbranddirektors Gempp mit zahlreichen Fahrzeugen an dfer Unglücksstätte eintraf. Auch das Städtische Rettungsamt hatte alle zur Verfügung stehende Wagen nach der Heerstraße entsandt. Viele Schwerverletzte wurden durch Prioatautos, deren Besitzer sich in höchst lobenswerter Weise in den Dienst der Mildtätigkeit stellten, in die Krankenhäuser transportiert. (Fortsetzung auf der 2. Seite.) Sturmfahrt der„Ltalia". General Nobile, der den Nordpol erreichen will, ist am Sonntagmorgen mit seinem Luftschiff„Ztalia" in Mailand mit dem Ziel Stolp in Pommern gestartet. Das Luftschifs hat sein Ziel erreicht. Heule morgen um VA Ahr ist es auf dem Flugplatz in Stolp nach überaus stürmischer Fahrt und nach Landungsmanövern, die mehr als einmal recht gefährlich aussahen, gelandet. Die „Zlalia" wurde von Mannschaften der Reichswehr in die halle gebracht, wo sie zunächst einer Reparatur unter- zogen werden muß. Stolp, 16. April.(Eigenbericht.) Während der ganzen Nacht war man in Stolp fast völlig im Ungewissen über das Schicksal des Luftschiffes. Man hatte hier ein« letzt« Meldung erholten, die besagte, daß das Lustschiff um Mitternacht über kattowih gesehen worden war und nördlich«: Kurs ge« . nominell Hobe. Loa da ob fehlte jede weite« Nachricht, bis gegea 4 Uhr morgens gemeldet wurde, daß die„Jtalia* über Posen aufgetaucht sei. Durch Umstage bei den Wetterstationen konnte fcstge« stellt werden, daß General Nobile bei der Fahrt von Posen nach Stolp mit ziemlich starten östlichen Winden zu kämpfen hatte, und die Besatzung des Luftschiffes schickte ein kurzes Funk« telegramm, in dem sie angab, daß nach ihrer Schätzung das Schiff zwischen 7 und 8 Uhr morgens sein Ziel erreichen dürfte. Infolge- deflen wurden die Mannschaften des Reichsivehrbataillons schon beizeiten auf den Platz beordert und auch die Schutzpolizei nahm weitgehende Absperrungen vor, freilich umsonst, denn weder aus Stolp noch aus der Umgegend waren Neugierige erschienen und dos weite Feld lag vollkommen leer und oerlaffen da. Lediglich die Der- treter der Behörden und der Presie hatten vor der Halle Aufftellung genommen und warteten seit dem frühen Morgen aus das Auftauchen der„Jtalia". (Weitere Msldu»g«u auf der 3. Seife) Die Katastrophe am Stadion. (Fortsekung von der 1. Seite.) Die übrigen Verletzten, soweit sie durch die Feuerwehr aus dem Innern der Wagen geborgen wurden, wurden durch die Rettungs- iahrzeuge fortgebracht. Vier Personen, der 42jährige Händler Franz p a chale, Friedrlchsberger Straße 6, Oer 54jährige Bankbeamte Georg Friedrich aus der Friedrichflraße 4Z. der 30 jährige Kaufmann Wilhelm Söller aus der Lieh. mannftraße 22. der l7jährige Erich Völker aus der Rönnestratze 23 konnten nur noch als Leichen aus den Trümmern hervorgezogen werden. Die Toten wurden in das Charlottenburger Schauhaus ge- ichaf st. Unter den Schwerverletzten befand sich auch die Frau des Händlers Pochal«, die noch im Laufe der zestrigen Abendstunde» an den Folgen ihrer schweren Verletzungen >karb. Etwa 60— 70 Leichtverletzte, die Hautabschürfungen, sirellungen oder ähnliche Kontusionen erlitten hatten, wurden zum Teil an der Unglücksstätte von Samaritern behandelt, zum Teil begaben sie sich in prwatärztliche Behandlung Intziitten der Auf- räumungsarbeiten erschien Polizeipräsident Aörgiebel an der Unfallstelle, um sich persönlich von den getroffenen Hilfsmaßnahmen zu überzeugen. Die Aufräumungsarbeiten. Für die Feuerwehr begann dann der schwerste Teil der Ar- betten, die Forträumung der Trümmer und die Aufrichtung der um« zestürzten Wagen, die bis in die späten Nacht st unden hinein andauerten. An der Unfallstätte war alsbald nach Bekannt- «erden des Unglücks eine Untersuchungstommission erschienen, um Zi« notwendigen Ermittlungen anzustellen. Wie bisher festgestellt worden ist, müssen die Bremsen angezogen gewesen sein, da die Räder scharfe Brennspuren aufweisen. Es ist bisher noch unerklärlich, wie das Unglück geschehen konnte. Der Fahrer des llnglückswagens 'teht schon seit vielen Iahren im Dienste der Straßenbahn und gilt als vorsichtiger und zuver- lässiger Fahrer. Da er einen schweren Nervenschock erlitten hat, war sein« Vernehmung bisher noch nicht möglich. Es bleibt nur die Möglichkeit, daß die Wagen zu stark über- lastet waren und auf dem durch die Nässe schlüpfrig gewor» denen Schienen nicht mehr in der Gewalt des Fahrers blieben. Weitere Aufklärung werden erst die Aussogen zahlreicher Zeugen bringen, die bisher noch nicht vernommen werden konnten, da die meisten völlig kopflos sich vom Ort der Katastrophe entfernten. Oer Ruhrschiedsspruch abgelehnt! i"�'eö fJijen, i�ytiinger X ■3 nkJ npcr xc Bon vielen Besuchern des Fußballspiels im Stadion wird lebhast darüber Klage geführt, daß die Verkehrsgelegenheiten nach dem Stadion völlig unzulänglich waren. Die Straßenbahn könnt« allerdings bei dem schlechten Wetter kaum auf großen An- drang rechnen. Es erscheint auch ganz unverständlich, wie sich eine so große Menge Zuschauer in dem anhaltenden Schneegestöber zu- sammenfinden konnte. Der Wagen der Linie SL E mit seinen beiden Anhängern war bald überfüllt und sogar auf den Trittbrettern standen mehrere junge Leute, die durchaus mitfahren wollten. Ein Augenzeuge erzählt: Ich verließ mit dem ersten großen Schub das Sradion. Im Dauerlauf stürzte sich alles auf die dort haltende Straßenbahn, die im Nu völlig überfüllt war. Mit Mühe und Not bekam ich auf der Hinteren Plattform des letzten Anhöngewagens einen Platz. Sogar auf den Trittbrettern standen mehrere junge Leute, die kurz vor Abfahrt der Bahn jedoch von Kontrolleuren zurückgehalten wurden. Die Bahn setzte sich dann loirgsam in Bewegung und fuhr in normalem Tempo die abschüssige Remrbahnstraße hinunter. Die Bahn hatte bereits über die chälfte der Strecke in der Rennbahn- straße zurückgelegt, als das Tempo plötzlich sich stark zu steigern begann. In außergewöhnlich schneller Fahrt näherten sich die Wagen der Kurve, die links m die cheerstraße hineinführt. Ehe noch jemand recht zur Besinnung kam, war dos folgenschwere Unglück passiert. Mehrere Fahrgäste, die auf den Plattformen standen, versuchten sich durch Abspringen in Sicherheit zu bringen. Unter chnen bürsten mehrere der Toten zu suchen sein, die hierbei unter die Breitseiten der umstürzenden Wagen gerieten und erdrückt wurden. Die Un- sallstelle bot einen entsetzlichen Anblick; olle drei Wogen waren um. gestürzt und der Fahrdamm mit einem Meer von Glasscherben über- Bon allen vier Bergarbeiterverbändeu. Bochum, 15. April.(Eigenbericht.) Tie große Revierkonferenz des Verbandes der Berg- arbeiter Teutschlands lehnte den Schiedsspruch ein- stimmig ab. Essen, 15, April. Der Gewerkschafksverein christlicher Bergarbeiter Dcukschland» hielt heule unier dem Vorsitz des Abgeordneien 3 m b u s ch eine außerordentliche Generalversammlung ab, um zu dem gesällien Schiedsspruch Stellung zu nehmen. Die Abstimmung ergab die einstimmige Ablehnung der Schiedssprüche in der Lohn- und ArbeUszeiisrage. Der Gewerkoereia Hirsch- Vnncker hielt in Wanne eine Delegierkenkonferenz ab. die ebenfalls den gefällten Schiedsspruch einstimmig ablehnte. 3n beiden Versammlungen wurde erklärt, daß das Enkgegen- kommen in der Lohnsrage ungenügend sei und mit Be- dauern festgestellt, daß die schwere Arbeit der Berg. arbeiter nicht enisprechend gewürdigt werde. Auch die Zecheuherren lehnen ab. Bochum, 16. April.(Eigenbericht.) Ter Zecheuverbaud hat dem Schlichter für West- falen am Moutagvormittag mitgeteilt, daß er de« Schiedsspruch für den Ruhrbergban in beide« Teilen, also sür die Arbeitszeit und für die Lohn- regelnng ablehnt. Ter Termin, der in dem Schlich- tungsverfahren vorgesehenen Nachverhandlungen. die voraussichtlich in Berlin stattfinden werden, steht noch nicht fest. Sie dürfte» frühestens Ende der Woche, wahrscheinlich aber erst in der nächsten Woche erfolgen. Oer Uniernehmerstandpunkt. Es ist die von der Deutschnat onalen Volkspartei herausgegebene Korrespondenz: Politik und Wirtschast, die den Unternehmerstandpunkt in Reinkultur vertritt. Die Forderungen der Bergarbeiter werden zunächst als eine grundsätzliche Machtprob« der Gewerkschaften zu diskreditieren versucht. Die durchaus de- rechtigte Forderung der Bergarbeiter auf Berkürzung der Ar- b e i t s z e i t wird in folgender Weis« abgetan: „Nicht minder kennzeichnend ist die von den Gewerkschaften an- gestrebte und auch tatsächlich erreichte Derquickung von Lohn- und Arbeitszeitverhandlungen. Nach dem Mißerfolg, den ihr im vorigen Herbst unternommener Versuch, eine außertarifliche Regelung der Löhne herbeizuführen, erlitten hatte, legten die Gewerkschaften offenbar besonderes Gewicht darauf, sich in der Arbeitszeitfrag« ein Kompromiß objekt zu schaffen und warfen«s deshalb, also aus rein taktischen Grün- den, in die Debatte. Daß in Wirklichkeit eine Verkürzung der bis- hcrigen Arbeitszeit unter Tage nicht tragbar ist, wissen die Gewerkschaften ebenso genau wie die Unternehmer." Den Bergarbeitern wird hier also unterstellt, daß sie bei ihrer Forderung aus Verkürzung der Arbeitszeit unter Tage, auf Durch- fuhrung der Siebenstundenschicht lediglich die Absicht leite, an dem notleidenden Unternehmertum eine Lohnerpressung zu vor-- üben. Die Grubenarbeü unter der Erde wird absichtlich miß- achtet, als ob es sich um eine xbeliebige andere Arbeit handle, und der Notschrei auf Verkürzung als eine dumm- pfiffige Spekulation herabgewürdigt- Di« Lohnforderungen der Bergarbeiter kommen in dieser deutschnationalen Korrespondenz nicht viel besser fort: „Sieht man von der ernstlich nicht zu erörternden Frage der Verkürzung der Arbeitszeit ab und bo- schränkt sich auf die kritische Betracbtung der reinen Lohnforderungen, wie sie von den Gewerkschaften aufgestellt werden, so ist für die Beantwortung der Frage, inwieweit Lohnerhöhungen trag- bar sind, in erster Linie die Lage des Wellkohlenmarktes und unleee Konkurrenzfähigkeit dem Ausland« gegenüber maßgebend." Nach den üblichen Ausreden der Unternehmer auf die engl!« Konkurrenz, die von den englischen Unternehmern gegen die beutst e Konkurrenz ins Feld geführt werden, kommt der deutschnation- le UnternehmeranwaU zu der Wendung, es sei gewiß bedauerlich, daß der Ruhrbergmann den Reallohn des Frie- den» erst eben(Wann eben? 3l«b. b.„V.") erreicht habe. Allein nach dem Verlust des WeUkrieges und überhaupt und so, sei dies„nicht einmal als ein ungünstiges Ergebnis zu bezeichnen, und in diesem Falle schneidet der Ruhrbergarbeiter bei einem Vergleich seines Lohnes mit dem seiner Arbeitskamerodcn im Auslande noch recht erträglich ab." Der vielen Worte kurzer Sinn: auch die Lohnfordc- rungen müssen abgelehnt werden. „So wird man zusammenfassend sagen müssen, daß Volkswirt- schastliche Gründe e in« Erhöhung der Löhne im Berg- bau zurzeit verbieten und daß auch die rein sozialen Gesichtspunkte keine zwingende Notwendigkeit einer solchen Erhöhung erkennen lassen. Der Ausweg, dessen Beschrei- tung bei einer etwaigen Lohnerhöhung nötig wäre, die Erhöhung der Kohlenpreise, dürste volkswirtschaftlich überhaupt uner- wünscht sein. So werden die Gewerksckasten hoffentlich selbst ei». sehen, daß sie sich mit ihren extremen Forderungen selbst schädigen und daß sie sür di« Aufrechterhaltung der deutschen Wettbewerbs- fähigkeit auf dem Weltmärkte genau so gut Opfer bringen müsien. wie das ihre Kollegen bereits getan haben." Die Antwort auf diese Unverschämtheit werden die O r- ganisationen der Bergarbeiter geben. Die deutschnationaie Arbeiterfeindlichkeit, gegen die Bergarbeiter zumal, spricht sür sich selbst. Ein Flieger erreicht die„Bremen" Die deutschen Flieger verzichten aus Weiterfiug. New Dork. 16.«peil. Der kanadische Flieger. V n c e Schiller, hat mit seinem Be. glelier, einem Rttlarbeiler der„North American Nemvpaper Alliance", Grecnly- Island erreicht. Aus Grund der ersten Unterhaltungen mit den Fliegern ist nunmehr der erste B«. licht über den Verlaus des Fluges an die Außenwelt gelangt. Die Flieger sind bis Neufundland 2S Stunden geflogen, bei wechselnder Temperatur und in meistens sehr niedriger höhe. An der Küste Neusundlands wurde das Wetter sehr besorgniserregend. Dicke Nebel fehlen dir. die gegen Abend ober wieder an Stärke verloren. Dafür trat Schneefall und Slurm mit zeilwestigcm Frost ein. Damit kamen Stunden höchster Gefahr. Nach 20 vlinulen Slurmflug sahen sie unter sich Land, das sie aber kaum erkennen konnten. Sie verloren bald jede Orientierung. Am Freilog um 5,35 Uhr entdeckten sie aus der 3nsel Greenly. Island einen kleinen See, aus dem sie zu landen beschlossen. Die veschäbigungen bes Flugzeuges find schwer. Von der Landung aus dem Eise des Seeg ist vor allem der Unter- bau des Flugzeugs, das nicht mit den für die arktischen Gebiete notwendigen Gleitflächen ausgerüstet ist, stark mitge- nommen worden. Unter der Wucht der Landung zerbrach das Eis unker dem Flugzeug. Auch der Flugzeugfchwauz ist beschädigt. Die Flieger haben sich im Leuchtturm von Greenly-Zsland nicht allzuviel Ruhe gegönnt. Trotz Ostwind und Schneesturm arbeiten sie unermüdlich an den notwendigsten Erneuerungen am Flugzeug. Das Material dazu erhielten sie vom Leuchtturmwärter. Es ist aber sehr unwahrscheinlich, daß die Flieoer nach New'Qorl werden starten können, nimal auch der herrschende Skurm den Ltarl un- möglich macht. Die Flieger selbst befinden sich wohl. London. 16. April. wie ans Ottawa gemeldet wird, gelangle der zur Bergung der deutschen Ozeanslieger entsandte kanadische Dampfer „M o n l c a l m" gestern nachmiitag bis 75 Meilen vor Greenly Island, doch hinderte ihn Eisgang und Nebel daran, die Insel zu erreichen. Der Kapitän des Dampfers rechnet nicht damit, dl« Insel vor morgen srüh anlausen zu können. Nach einer Funkmeldung aus Amour Point haben die Flieger die Hoffnung ausgegeben, mit der»Bremen" den Flug nach New Aorl sorlzusetzeu. Di« FUeger müssen also mit Hunde- schltllen das 25 Mdlen breite, schwer gangbare Schneefeld zur Küste hin durchqueren, um dann mittel» Dampfe« aus den Koutinent zu kommen. Heber Ostkanada ging gestern auch ciu schwerer Schneesall nieder. Die Telegraphenoerbindung an der St. Lawrence-Baq war unterbrochen. Nach einer New-Porker Meldung erklärte der Ozean- flieger Byrd. der selbst Ostkanada kennt, daß den deutschen Fliegern das Glück zur Seite stand, al» sie aus der kleinen Insel Greenly Island landen konnten. E» hätte nicht viel gefehlt, dann wären sie in das Meer gestürzt. Glückwünsche des Reichstagspräsidenteu. auf Reichstagspräsident L ö b e hat an Hauptmann Köhl Greenly Island folgendes Glückwunschtelegramm gerichtet: Ihr kühner Flug ehrt das ganze deutsche Volk. Ich beglück- wünsche Sie und Ihre Kameraden zum großen Friedenswert. Reichstogspräsident C 5 6 e. sät. Alles, was irgendwie helfen konnte, griff tatkräftig ein und b«- i teiligte sich an dem traurigen Rettungswerk. -i- Dos Unglück erinnert in feiner Art stark an die große Straßenbahnkatostrophe im Mai vorigen Jahres in Kassel. Auch dort fuhr ein vollbesetzter Wagen eine abschüssige Straße hinab, allerdings hatte in Kassel ein Knabe den an der Endhaltestelle stehenden Wagen dadurch zum Fahren gebracht, daß er die Bremsen löste, während Fohrer und Schaffner sich auf der Straße befanden. In Kassel l e g t e sich der Wagen direkt aufs Dach, die Räder standen noch oben: 0 Tote und 20 Ver- letzte wurden unier den Trümmern hervorgezogen. Die Giraßenbahn erklöri: Di« Berliner Stroßenbahn-Botnebsgesellschost erklärt, das Unglück am Stadion sei ihrer Ansicht nach darauf zurückzuführen, daß der Fahrer auf der abschüssigen Straße die Gewalt über seinen Zug verloren Hot, so daß die Wogen infolge der großen Geschwindigkeit an der Kurve aus den Schienen sprangen. Die sofort eingeleitete Untersuchung habe ergeben, daß die Trieb» wagenbremse gewirkt Hot. Der Fahrer Hab« insofern gegen seine Dienstvorsckiristen verstoßen, als er nicht sosrrt durch Notsignal d'e Schossner veronlaßte, die Handbremsen der Wogen anzuziehen. Er müsse die Geistesgegenwart völlig verloren haben, ver Fahrer ist seil 16 Jahren im Dienst und gelte als vollkommen zuverlässig. An den Wettkömpfen im Stadion zwischen den beiden Fußball- klubs Tennis-Borussia und Hertha BSC. nahmen insgesamt etwa 22 000 Personen teil, die noch Abschluß der Kämpfe schleunigst auf den bereitstehenden Straßenbahnzügen nach Berlin fahren wollten. Der Straßenbahnzug der Linie SfiE, einer der ersten, der abfuhr, war außerordentlich stark überfüllt. Es dürften sich insgesamt über 2 00 Personen in dem Triebwagen und den beiden Anhängern befunden haben. Ais der Straßen- bahnzug die Kurve auf der Kreuzung passierte und infolge der starken Geschwindigkeit— Augenzeugen behaupten, daß der Zug mit 3-5 bis 40 Kilometer Tempo fuhr— umschlug, sprangen drei Personen des Triebwagens ab, um sich zu retten. Dabei sanken sie ln dl« knie und wurden von dem unmittelbar«folgenden Bu- hänger, der wenige Sekunden später ebenfalls umstürzte, er- schlagen und teilweise furchtbor verstümmelt. Eine viarte Person ist Im Triebwagen vom Tod« ereilt worden. Die Zahl der Todesopfer ist durch den Tod eines Schwerverletzten auf fünf gestiegen. Di« Gesamtzahl der Schwerverletzten dürfte nach den bisherigen Feststellungen nahe.zu 100 betrogen, darunter 23 sehr schwer. Lawinenunglück in Chiw. Nach bisher unbestätigten Zeitungsmestumgen sinli im Gebiet von Taloa in Chile zahlreiche Gutshöfe durch ein» Schneelawine verschüttet worden. Es sollen 20'0 Personen und 20000 Stück Dieh von den Schneewassen be- graben worden ssin. Erst Spitzel, dann Heiliger! Die„Rote Fahne" kann alles! „Rote Fahne" vom Sonntag, dem 15. April 1928:„5000 Mark Kopfprämie auf Bnaun!... Die SPD. und ihr Zentralorgan, der „Vorwärts", haben für diese Niedertracht bereits vorgearbeitet.... Auch jetzt noch oerkündet der gestrige„Abend" ohne die geringste Scham: die Polizei sucht fieberhaft." Also, Achtung: wer die bloße Tatsache erwähnt, daß die Polizei nach Otto Braun fieberhaft sucht, ist ein Verräter, ein Schurke, der, im Stil der„Roten Fahne" zu reden,„das Heer der Lockspitzel der republikanischen Zörgiebcl-Polizei ermuntert und die niedrigsten Instinkte aufstachelt". 'Lockspitzel— Otto Braun? Wir lasen doch schon ein- mal diese Worte im Zusammenhang, wenn auch in anderem, und zwar in der„Roten Fahne"? Wir schlagen nach— die Erinnerung hat nicht getrogen. Die„Rote Fahne" vom 2 3. Februar 19 22 berichtet über den Schwurgerichtsprozeh, der den Aktenraub bei dem russischen Obersten F r e i b e r g zum Gegenstand hat. und weiß viel über Otto Braun, den„berüchtigten Spitzel O s k a r", als Anstifter dieses Attenraubes, zu berichten. Lassen wir die„Rote Fahne" selbst sprechen: „Aus der Anklagebank saßen der nichtbeamtete Lehrer Otto Braun(alias„O s k a r") aus Berlin, der Metallarbeiter R, E., der Dreher G. B., der Gastwirt F. T. und der Schlosier O. B Braun wird von dem als reaktionär bekannten Rechtsanwalt Dr. Großmann, die übrigen Angeklagten, die von Braun abrücken und die sämtlich Mitglieder der Kommunistischen Partei sind, von Rechtsanwalt Dr. Weinerberg, Dr. Oskar Cohn, Dr. Theodor Liebknecht und Dr. Kurt Rosenfeld verteidigt.... Der Angeklagt« Braun gab zu, der Vater des ganzen Plans gewesen zu sein, aber im Auftrag einer rechlsaerichteteu Stelle. die er bezeichnenderweise nicht nennen will, gehandelt zu haben. Während der Verhandlung war außerordentliche charatte- ristisch, daß der Vorsitzende sich ersichlliche Mühe gab, den Ange- klagten Braun in keine Verlegenheit zu bringen, wäh- rend er die anderen Angeklagten des öfteren in brüsker Weise anfuhr und sie dadurch einzuschüchtern suchte. Mag der Prozeß enden wie er will, der gestrige Derhandlungstag hat erbracht, daß ein ganz geriebener Agent Provokateur es verstanden hat. vier Arbeiter, die des ehrlichen Glaubens waren, der proletarischen Sache zu dienen, für nationalistische Zwecke auszunutzen." Nach der Verkündung des Urteils schrieb die„Rote Fahne" Nr. 215 vom 10. Mai 1922: „Der Hauptangeklagte Braun(der Spitzel„Oskar") erhält sieben Monat« Gefängnis.(Folgen die Strafen der übrigen An- geklagten Red. d.„A.".) Dieses milde Urteil kann nicht über- raschen... Weil man den nationalen Spitzd Oskar schützen wollte, konnte man auch die Kommunisten nicht ins Zuchthaus schicken." Otto Braun alias Oskar, damals für die„Rote Fahne" ein nationaler Spitzel: heute ein proletarischer Held. Wer so vergeh- liche Leser hat wie die„ütate Fahne", der kann sich eben alles leisten. Sozialdemotraiische Wahlsiege. Guter Auftakt für den 2X1. Mai! Hamburg. 16. April.(Eigenbericht.) Am Sonntag fanden in den preußischen Nachbargemeinden Hamburg». Billstedt und Pinueberg. infolge von Eingemeindungen Neuwahlen der Gemeindevertretungen statt, hierbei errang die Sozialdemokratie in beiden Orken einen großen Erfolg. 3n der Gemeinde Billstedt, die bisher eine Hochburg der kom- munlsten gewesen war(hier hatte der Oktober ausstand der Hamburger Kommunisten von 1923 einen hauptstützpunkl gehabt), wur- den die Kommunisten geschlagen. Die Sozialdemokratie erhiell 2562 Stimmen gegen 179Z im Jahre 1924, die KPD. 1096(1484). der Arbeiterblock(linke Kommunisten) 496(—). die bürgerliche Einheitsliste 1429(1950). die katholische Liste 376(291). Trotz starker Wahlbeteiligung haben also beide kommunistische Bichfungen zusammengenommen ihre Stimmen nur knapp gehalten. Auch die Bürgerlichen haben erhebliche Stimmenverluste zu verzeichnen, wäh- rend die Sozialdemok-atle ihre Stimmenzahl gewaltig erhöhte. Es erhalten Mandate: Sozialdemokratie 11(5). KPD 5(6). Arbeiterblock 1(—). Bürgerliche 6(7). Einen ebenso schönen Erfolg erzielte die Sozialdemokratie i» der Kreiestadl Pinneberg. hier erhielten St'mmen: die Sozialdemokratie 1437(864). KPD. 752(749). bürgerliche Einheitsliste 1942(2257). Die Mandate, infolge der Eingemeindung von 18 aus 21 erhöht, verteilen sich wie folat: Sozialdemokratie 7(bisher 4). KBD. 4(bisher 3). bürge-libe Einheitsliste 10(bisher 11). Die bis- herige bürgerliche Mehrheit ist also gebrochen. Der Stimmen- znwach» der Sozialdemokratie in beiden Gemeinden zusammen beträgt 52 proz., während Bürgerliche und Kommunisten verloren haben. Da e« sich um sozial aanz verschiedenartig zusammengesetzte Gebiete handelt, bedeuten diese Wahlen einen guten Auftakt für die Wahl am 20. Mail Wahlsieg in Zürich. Sozialistischer Bürgermeister und Magistratsmehrheit. Genf, 16. April.(Eigenbericht.). Die Schweizer Sozialdemokratie hat am Sonntag in Zürich im Kampf um das zukünftige Sladtoberhaupl einen wichtigen Wahlsieg errungen. Ihr Kandidat Dr. K l ö l i wurde gegen einen bürgerlichen Einheitskandidaten zum Sladtbevollmächtigten(Oberbürger- meiilcr) gewählt. Im Stadtrat behielt die Sozialdemokratie mit 5 Sitzen gegen 4 bürgerliche die bisherige Mehrheil, während sie im erweiterten Stadtrat, der ungefähr einer deutschen Stadt- verordnelenversammlung entspricht, den Kommunisten uud den Bürgerlichen insgesamt 3 Mandate abnahm. Damit steht die größte Stadt der Schweiz künftig unter sozialdemokratischer Leitung.__ Ehret eure Meister! Das Gebortshaus von Karl Marx von der Sozialdemokratie erworben. Das in der Stadt Trier in der Brückenstraße 91 gelegene Haus, in dem am 5. Mai 1818 Karl Marx als Sohn des Advokaten Heinrich Marx geboren wurde, ist im Auftrage des Vorstandes der Sozialdemokratischen Partei durch die Konzentration SL-G. erworben worden. Die Konzentration A.-G. ist die Dachgesellschaft für die geschäftlichen Unternehmungen der Sozialdemokratie. Das Haus, das in der Haupijache noch das gleiche Gejicht zeigt wie in den Jugendjahren von Karl Marx, wird von der Sozialdemokratischen Partei «is Erinnerung»stätt« erhalten and gepflegt. Die Spitzenkandidaten für Berlin. Artur Crüpien Erlernte das Malerhandwerk. War sdion als junger Arbeiter in der sozia islisdien Bewegung tStig. Später Parteisekretär u. Redakteur. Jetzt einer der Vorsitzenden der Sozialdemokratischen Partei. Hugo Heimann Verlagsbudihändler in Berlin. Stellte vor dem Kriege die ötfentliche Bibliothek und Lesehalle in der Alexandrinenstrafee in Berlin der Allgemeinheit zur Verfügung. Vorsitzender des Hauptausschusses des Reichstages. Franz Künstler Maschinenschlosser aus Berlin- Neukölln Der Typus des aus eigner Kraft vorwärtsstrebenden Arbeiters. Vorsitzender der Sozialdemokratischen Partei Grofe-Berlins und damit Leiter des Wahlkampfes in den Berliner Wahlkreisen. Kurt Löwensteiu Stadtrat in Berl n-Neukölln. Verfasser zahlreicher Schriften über Schul- und Erziehungsiragen. Vorsitzender des Verbandes sozialdemokratischer Lehrer. Unter seiner Leitung hat das Schulwesen in Neukölln eine vorbildliche Höhe erreicht. In den Vorbereitungen der Reichstagswahlen nimmt die Kandidatenaufftellung der Sozialdemokratie für Berlin und Potsdam II einen besondern Raum etn. Man haue ihr mit einiger Spannung entgegengesehen. Bürgerliche und kommunistische Blätter halten sich oerpflichtet gefühlt, ge- stützt auf dunkle Kombinationen und Hintertreppenklatsch von einer Uneinigkeil innerhalb der sozialdemokratischen Partei zu orakeln Am Sonnabend fand, wie bereits ge- meldet wurde, die Nominierung der Kandidaten statt. Wer versucht war. dem Geschwätz der„Freunde" aus anderen Lagern irgendwelche Bedeutung beizumessen, der mutzte von dem Verlauf der Verhandlungen enttäuscht sein. Nichts von einer Sensation, keinerlei persönlicher Zank, dabei überall ehrliches Bemühen, den aufstrebenden und den bewährten Kräften zu ihrem Recht, der organisierten Wählerschaft aber zu einer würdigen und arbeitsfähigen Ver- t r e t u n g im Parlament zu verhelfen.— das waren der Gesamteindruck, den man von diesem Bezirkstag mitnahm. Denn nicht nur welche Vertreter, sondern auch w i e diese zu chrem Amt erkoren werden, darauf kommt es in einer Partei an. Die Sozialdemokratie ist die einzige Partei, in der die Kandidatenauslese nach streng demokratischen Ge- sichtspunkten erfolgt. Hier sprechen weder Industrie- Magnaten, noch Vertreter„unpolitischer" Jnter- essenbünde.noch Abgesandte Roms oder Moskaus mit. Ein ins Einzelne gehender Vergleich mit anderen Parteien würde lehrreiche Momente zutage fördern. Man kann an dieser Stelle darauf verzichten; festgehalten zu werden oerdient jedoch, dah im Gegensatz zu den meisten anderen Parteien, über die wichtigsten Reichstagskandidaturen ohne wesentliche Aussprache entschieden wurde— ihre Aufftellung erfolgte nach den Vorschlägen des Bezirksvorstandes in summarischer Abstimmung. Ausgiebigere Debatten fanden statt über die folgenden Anwärter auf aussichtsreiche Stellen, aber auch hier ohne persönliche Schärfe, sondern immer in dem Willen, die Besten an den richtigen Plag zu bringen. Nicht alle wirklich fähigen Bewerber konnten berück- sichtigt werden. In einer Weltstadt mit so zahlreichen Mög- lichkeiten beruflicher, gewerkschaftlicher und parteilicher Be- tätigung sammelt sich naturgemäß auch viel Intelligenz, Ehrgeiz und Tatkraft. Schon"dieser Umstand läßt manchmal sachliche Meinungsverschiedenheiten stärker heraustreten, und es hat Bezirkstage gegeben, wo wirklich die Köpfe hart an- einandergerieken. Die Gegner der Sozialdemokratie haben sich aber geirrt, wenn sie meinten, daß solche in jeder lebendigen Gemeinschaft notwendigen und oft genug frucht- baren Auseinandersetzungen auf die Schlagkraft der Partei nachteilig wirken würden. Ueber allem die Gemein- s ch a f t der Sache, die Gemeinschaft des Kampfes für das werktätige Volk, für Republik und S o z i a l i s- m u s: in diesem Zeichen stand die spontane, erhebende Kundgebung der Alten und Jungen für den aus dem Par- lamentsleben ausscheidenden greisen Führer, Lehrer und Mitkämpfer der modernen Arbeiterbewegung Eduard Bernstein; in diesem Zeichen standen die Diskussionen, die Entscheidungen und der Ausklang der Tagung. Gestählt zieht die Berliner Sozialdemokratie auch in diesen Kampf. Jeder Partei- und Gesinnungsfreund helfe nun mit, ihr zu einem Siege für die Sache der republi- konischen organisierten Arbeiterschaft über die Reaktion zu gestalten. Der Fememord von Greifenhagen. Beginn des Prozesses in Gieiiin. Tie scheußliche Fememordtat von Greifenhagen, die bereits im Juli 1920 von Angehörige« der Arbeitsgemeinschaft Roßbach an dem elternlosen Willi Schmidt verübt wurde, geht jetzt vor dem Schwurgericht beim Landgericht Stettin ihrer Sühne entgegen. Die Leiche des unglücklichen Opfers, die von ihrem ersten Begräbnisort um- gebettet wurde, ist bis jetzt noch nicht gefunden. Stettin, 16. April.(S5.) Unter außerordentlich starkem Andrang begann heute Vormittag beim Schwurgericht des Landgerichts Stettin unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Hirschberg der Fememordprozcß Heines und Genossen wegen Ermordung des Roßbachers Willi Schmidt auf einem Gute im Kreis« Greisenhagen in Pommern im Jahr« 1920. Da man in Stettin Befreiungsversuche der angeklagten ehemaligen Roßbacher durch ihre Kameraden be- fürchtete, war das ganze Londgcrichtsgebäude durch ein starkes Auf. gebot von Schutzpolizei bewacht, und vor dem Schwurgerichtssaal selbst war scharf« Kartenikontroll« eingerichtet. Kurz vor 10 Uhr wurden die Angeklagten vorgeführt, und zwar der Leutnant a. D., jetzige Student der Rechte, Edmund Heines aus München, der frühere Feldwebel, Krastwagenführer Karl O t t o w aus Kritten, Kreis Schlaw«, der Gelegenheitsarbeiter Ewald F r ä b e l aus Seelze bei Hannooer, der Kutscher Kurt Bär aus Chemnitz, der Landarbeiter Johann Vogt aus Iosefin, Kreis Lublln, der Arbeiter Max Krüger aus Stolp und der Admini- strator Ernst B e r g f e l d aus Friedenthal, Kreis Demmin. Bis auf Bergfeld, der em Mann von 63 Jahren ist, sind die Angeklagten junge Leute im Alter von 25 bis 30 Jahren, und zwar tragen alle ehemaligen Roßbacher die Kleidung ihrer früheren Organisation, Khakihemd und Khatischlips und Leutnant Heines dazu«inen Khakisportanzug. Einige von ihnen hatten auch Ordensschnallen angelegt. Sie werden verteidigt von den Rechts- ainvätten P. Bloch und I o h a n n y, Berlin, und den Siettincr Anwälten Haitz, Münch,. Hüben er, Dr. Schütz. Reedel und Gras v. d. Goltz, dem Sohn des Baltikumsührers. Die Anklage vertritt Oberstaatsanwalt Saß unter AWenz von Staatsanwalt Frantzky. Die Angeklagten nahmen mit ihren'Verteidigern zur Hälfte auf der eigentlichen Anklagebank, zum anderen Teil auf der ehemaligen Geschworenenbank gegenüber Platz. In dex Mitte des Saales war auf einer großen Tase.1 ein« Skiz.ze der Umgebung der Mordstelle aufgezeichnet. Vertreter des preußischen Innen- und Justizministeriums nahmen an der Verhandlung teiL Nach der Vereidigung der Geschworenen nahm Landgerichtsdirektor Hirschberg zunächst«ine kurze Personalvernehmung der Angeklagten vor, von denen Vogt erst seit 1910 deutscher Reichsangehöriger ist. Nach Verlesung des Eröstnungsbeschlusies, der Heines, Ottow und Fräbel gemeinschaftlichen Mord, den übrigen Bei- Hilfe dazu vorwirst, wurde in die eigentliche Vernehmung der An- geklagirn. und zwar zunächst des Krüger, eingetreten, der durch einen Sprachfehler behindert ist und stockend schildert, wie die Orgamsatlon Roßbach cwf Gütern verteilt worden s«. Die Hiiler-Leuie als Raufbolde. Das Urteil gegen die Nationalsozialisten: der Rädelsführer Lahre Gefängnis. Vor dem neuen Kriminalgerichtsgebäude in Moabit patrouillie- reit verstärkte Schutzmannstreisen. Man sieht mit allgemeiner Spannung dem Urteil des Schösfengerichts gegen die national- sozial! st en Rowdies von Lichterfelde entgegen. Um Ii 12 Uhr verkündet das Gericht das Urteil. Es lautet: Gegen Schäfer auf zwei Jahre sechs Monate Gefängnis und gegen Polzien neun Monate Gefängnis wegen schweren Land- friedensbruchs, gegen Bergmann wegen«infachen Land- friedensbruchs sechs Monate Gefängnis, gegen Kramer und Kern wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung je zwei Monate Gesöng- Iiis. Die Angeklagten Minkwitz und Grunemann werden freige- sprachen. Dem Angeklagten Schäfer wird die Untersuchungshast angerechnet. In der Urteilsbegründung führte der Vorsitzende unter anderem aus, daß das Gericht sich insofern in schwieriger Situation befunden Hab«, als wegen der langen Zeitspanne, die seit den Ereignissen verstrichen ist, die Zeugenaussagen in vielen Fällen nicht korrekt gewesen seien. Eins stände jedoch fest, nämlich, daß die Aussagen der Nationalsozialisten in höchstem Maße unzuver- lässig waren und daß sie in offenem Gegensatz zu den Tatsachen standen. Bei der Strafzumessung sei das ungeheuerlich brutale Borgehen der Nationalsozialisten berücksichtigt worden. Zwei der Angeklagten hätten freigesprochen werden müssen, da ihre Schuld nicht einwandfrei hätte erwiesen werden können. Selbstmordversuch und Tobsuchtsansall Während der Urteilsbegründung vollführt« der Angeklagtt Schafer einen Selbstmordversuch. Einer der Ridster bemerkte, wie er mit einem Messer an seinem Armgelenk schnitt, anscheinend mit der Absicht, sich die Pulsadern durchzusdmeiden. Man sprang schnell hinzu und entwand ihm das Messer. Es war«in einfaches stumpfes T i s ch m e s s e r, das ihm höchstwahrscheinlich die Mit- angeklagten zugesteckt haben müssen, da im Gefängnis solche Messer nicht vorlzanden sind. Die Verletzung, die er sich beigebracht Hai. ist ganz geringfügig. Obermedizinalrat Dr. Bürger legte Schäfer eine» Verband an. Die Sitzung mußte unterbrochen werden. Schon während der Pause bekain Schäfer einen„T o b s u d) t s a n f a! l". Er begann mit den Armen und Beinen um sich zu schlagen und muhte von Schupobeamten auf der Bank festgehalten werden. Erdbeben in Peru. Nach Meldungen aus Peru hat sich im Bezirk von Puno«in Erdbeben ereignet, bei dem zehn Personen getötet und eine große Anzahl verletzt wurden. Di« Nachrichten über das Aus- maß der Katastrophe wurden sehr spät bekannt, da sämtliche tele- graphischen Verbindungen infolge eines durch das Beben ver- urjachten Erdrutsches zerstört sind. Lauer Pazifismus. Erstaufführung im piscaior- Theater. Das dritte Stück, das in Piscators Theater am Noll«»- . o r�s p l o tz herauskommt, ist den beiden ersten überaus ähnlich. In Form, Inhalt und Inszenierrmg, die diesmal nicht von Piscator selbst, sondern von Karlheinz Martin besorgt wird.„Der letzte Kaiser" des Pariser radikalen Pazisisten Jean Richard Bloch ist, vom künstlerischen Standpunkt aus gesehen, mager, vom politischen ein wenig kindlich und zeugt im übrigen von tüchtiger, sozialer Gesinnung. Womit zwischen Kunst, Politik und Gesinnung nicht etwa ein literarischer Gegensatz ausgedrückt sein soll. Ohne Piscators neuen Bühnenstil wäre das Schauspiel eine schwachbrüstigc und lederne Auseinandersetzung in dramatisierter Form. So aber rütteln die(nicht vom Autor stammenden) Bilder auf und wachsen oft zu haftendem Erlebnis an. Roger, dessen prinzliche Herkunft wegen der lockeren Moral seiner Mutter nicht einwandfrei feststeht, entflieht eines Tages dem höfischen Zwang und fristet sein Leben als Fabrikarbeiter in Paris. Hier lernt er die Probleme des Proletariats kennen und lieben. Als er durch den plötzliche» Tod des Kaisers und Kronprinzen unerwartet die Nachfolge auf dem Thron übernimmt, erträumt er sich ein Ideal- regime mit pazifistischen und sozialistischen Idealen. Mit dem alten Kanzler, der von Neuerungen nichts wissen will, hat er einen harten Kampf zu bestehen. Der ganze Hof, voran die Kaiserin-Witwe und alle ehemaligen Minister, wühlen gegen ihn. Erinnerungen an Bismarck und an den jungen Wilhelm 71. steigen auf. Die Hofpartei erreicht schließlich, daß ein Krieg kaum noch zu vermeiden ist, aber Roger verhindert gegen eine mächtige Schar von Widersachern den endgültigen Ausbruch. Es kommt zu inneren Kämpfen zwischen Nationalisten und Pazifisten. Rogers einziger Freund Fletscher fällt im Straßenkampf, und Roger, der einsieht, daß man mit dem monarchischen Prinzip keine soziale Reform durchführen kann, zieht sich dahin zurück, wo die neu« Zeit im Anmarsch ist. Er geht auf in der Masse des Proletariats. Der letzte Kaiser. Das ist ein schöner Vorwurf, wert, gestaltet zu werden. Aber Bioch hat ihn leider nicht gestaltet. Seine Idealgestalt Roger ist eine blutleere Marionette. Die Gespräche riechen nach dem Staub der Bibliotheken, und die langatmigen Dispute sind trocken, wollen lehr- Haft überreden und überzeugen nicht. Sonderbar berührt die loyale Gesinnung, die der Bersosser zur Schau trägt. Wer mit der Bourgeoisie abrechnen will, soll mit Keulen des Haffes auf den Imperialisinus, Monarchismus und Militarismus einschlagen. Da Bloch sanft und lau nach der Reaktion anständige Motive für ihr verbrecherisches Handeln zugesteht, so klafft ein unüberbrück- barer Gegensatz zwischen Inhalt des Dramas und Inszenierung. Die eingeschalteten Filmbilder wecken den dumpfen Bourgeois aus seiner satten Lethargie. Die Musik des Edmund M e i s e l schrillt in Dissonanzen und ironischen Anklängen an patriotische Lieder. Die dramatischen Szenen aber laufen im Zuckeltrab Lahin. Eine Dissonanz schrillt auch durch die Besetzung. Kleinere Rollen finden bewunderungswürdige Darstellung. Da ist Albert S t e i n r ü ck als alter Bismarckkanzler Longpre. Gemessen und oerhalten sind seine Worte und Gebärden. Aber hinter jedem Wort schwelt ungeheure Energie. Der Haß gegen den jungen Kaiser wirkt um so beängstigender, weil ihn sein Gesicht nur andeutet. Sein Hohn, von einem kaum merklichen Zucken des Mundwinkels be- gleitet, stampft seine Gegner zu Boden. Eine Gestalt, so bezwingend wie selten ein« auf der Bühne. Da sind ferner Paul Gractz und Oskar Sima, zwei unendlich komische Universitätsprofessoren, politische Antipoden, die ihren Ueberzeugungen mit dem Regenschirm Nachdruck verleihen, und Frida Richard(Kaiserin-Witwe), deren unerbittlicher Haß das Grausen in die Knochen kriechen läßt. Die Figur des„letzten Kaisers", die dem mühsam genug atmen- den Werk wenigstens Kraft einhauchen soll, verzerrt E r n st Deutsch ins Neurasthenische. Schön, soll er Roger das ganze Schauspiel hindurch als Astet auffassen. Es wäre falsch, aber an- nehmbar. Deutsch macht ober aus Roger«inen gelangweilten Snob mit tragischen Allüren, und den nicht einmal natürlich. Da ist keine echte Geste und kein echter Blick. Heutzutage werden Gemüts- Wallungen kaum noch durch Augenrollen verdeutlicht. Die stärkste dramatisch« Kraft des Ensembles, Alexander Granach, liegt brach, obgleich er Blochs Idealgestalt zu verkörpern hat. Er wird nur als blecherne Posaune für die Theoreme des Autors benutzt. Für Leute, die Piscator nicht kennen, ein eindrucksstarker, für die anderen ein ermüdender Abend.- Lrnst Dcgner. Internationaler Autorenkongreß. Eröffnungssitzung im Herrenhaus. Die Conlecleralicm Internationale des Societds d'Auteurs et CompoFiteurs hält unter dem Vorsitz von Senator Morelli vom 15. bis 25. April in Berlin ihren 3. Kongreß ab. Die Eröffnungs- sitzuna fand im Plenarsaal des ehemaligen Herrenhauses statt. Die Degiüßungsreden hielten Reichsminister Dr. Hergt und der preußische Kultusminister Dr. Becker. Dr. Hergt stellte in seiner Rede fest, daß durch die internationale Vereinigung der Autoren und Komponisten ein mesentliches Fundament für den internano- nalen?lusgleich geschaffen sei. Die Meister des künstlerischen Ge- dan'�ns achören stets nicht nur ihrem Lande, ihrem Volk, sondern sie sind Brüder der ganzen Welt. Trotzdem aber bleiben sie immer charakteristische Vertreter ihres Volkes und ihres Landes. Dieser 3. Kongreß ist ein Auftakt zu der Tagung der Berner Union, die in d'esem Sommer in Rom stattfinden soll, und auf dem es gelten wird, die Recht« der Geistesarbeiter zu wahren. Seit der letzten Tagung im Jahre 1W8 sind mancherlei neu« Probleme durch die Ausbreitung von Film, Schallplatte und Rundfunk aufgetaucht, die der Klärung bedürfen. Der Berliner Kongreß wird auch dazu beitragen, das Interesse der Oesfentlich'eit für die berechtigten For- dcrunaen der Geistesarbeiter zu wecken. Anschließend nahm Dr. Becker das Wort. Er behandelte die Sonderstellung des künstlerischen Menschen im Staate. Der Staat neigt leicht dazu, in seinen Bestimmungen auch an den Künstler den Maßstab durchschnittlichen Bürgertums anzulegen. Der Künstler fühlt sich dadurch eingeengt und wendet sich, wie es z. B. Richard Wagner in seinen Schristen tat, bisweilen sogar gegen den Staat. Trotzdem ist jeder große Künstler im innersten mit seiner Nation verbunden und ein Teil von ihr Unsere demokratische Republik strebt danach, durch besonderen Schutz des künstlerischen Schaffens auch für einen äußeren Ausgleich zu sorgen. Im alten Staat fand wohl der einzelne Künstler bisweilen weitestgehende Förderung. Die Republik aber hat es sich zum Ziel gesetzt, die Gesamtheit der Künstler mit den Gesetzen des Staates zu versöhnen, um so alle Teil« des Volkes zur wirklichen Einheit zusammenzufassen. Unser Volksstaat tritt daher auch überzeugt sür den Schutz des geistigen Eigentums ein. Aber diesem Schutz müssen zum Wohle des Volkes wie zum Wohle des Künstlers Schranken gesetzt werden, damit nicht allzu feste Grenzen das Kunstwerk vom Volke absperren. Das Volk hat ein Recht an der Kunst; zudem ist aber auch dem Künstler nichts unentbehrlicher als eine weite Derbreitungsmöglichkeit seines Schaffens. Zum Schluß betont« Dr. Becker noch einmal, daß der internationale Charakter des Kongresses eine wesentliche Verbindung bedeute im Sinn« der Völkerversöhnung, die wir alle erstreben. Mit einer Erwiderung des Vorsitzenden des Kongresses, Senator Morelli, schloß die Eröfsnungstagung. Ein dramaiisierier 3�oman. „Die Brüder Karamasoff" im Renaissance-Theater. Es herrscht tatsächlich kein Mangel an Theaterstücken, deshalb ist die Dramatisierung eines bekannten Romans von vornherein überflüssig. Ilja M o t y l e w macht dazu aus Dastojewskis„D i e Brüder Karamasoff" eine schaurige Kolportage. Er reiht eine knollig grelle Situation an die andere, benutzt teilweise Dosto- jewskischen Dialog und dichtet das übrige selbst hinzu. Man er- kennt keinen dieser Menschen wieder. Dimitri ist nur Raufbold, Iwan hat überhaupt kein Gesicht, und Aljoscha benimmt sich durch- aus verblödet. Diese Menschen sind zu Karikaturen geworden. Es fehlt der Hintergrund, die Weite, es fehlt vor allem die seelisch« Verästelung, die Bielgestaltigteit der Menschen, es fehlt das mystisch- religiöse Moment. Nichts als die Namen und das dürre Handlung?- gerippe sind von Dostojewskis tiefstem Roman übrig geblieben. Diese Dramatisierung zeigt die Ahnungslosigkeit Motylews darüber. daß die Kunstformen nicht willkürlich gewählt, sondern daß sie durch den Stoff bestimmt werden, und serner sollte der Russe Motylew mehr Achtung dem größten Dichter seines Landes entgegenbringen. Bearbeitung wie Aufführung bedeuten eine zu starke Zumutung an das geduldige Berliner Publikum. Wer der Veranstalter dieser Katastrophe ist, wird scheu verschwiegen, und das ist gut. Jedenfalls ist Motylew gleich talentlos als Bearbeiter wie als Regisseur. Aus- dem Ensemble, das schlechte Provinz darstellt, ist nur Friedrich G n a ß als alter Karamasoff zu erwähnen, der sich um Gestaltung bemüht und der unter einem guten Regisseur vielleicht starke Leistun- gen aufzeigen könnte. k". /Frühlings Erwachen" als Oper. Llrauffühmng in Leipzig. Von den zwei Gesichtern Frank Wedekinds, dem lyrischen naturverbundenen und dem sarkastischen menschenquälerischen, hat Max Ettinger beim Komponieren seiner 12 Billier nach „Frühlings Erwachen" fast ausschließlich in das liebende, schwärmerische Antlitz des Dichters geblickt. Die kühnsten Szenen ließ er weg, und in den komponierten Bildern kürzte er den im übrigen wörtlich beibehaltenen Dialog um die bissigen Exentrizitäten. So kommt zwar nur der halbe Wedekind zu seinem Rechte, aber Ettinger bleibt innerhalb der Grenzen seiner soliden und sympathischen Begabung. Denn jenen anderen Wedekind zu komponieren, wäre vielleicht Strawinsky geeignet, während Ettinger, wie er schon in seinen vorangegangenen, samt und sonders schwer literarischen Opern, zuletzt in„Clavigo" nach Goethe, bewies, ein zartes reinliches Temperament ist. Daß er die Lehrerkonferenz, weil sie dramaturgisch nicht zu entbehren ist, parodistisch wohlgelungen komponiert hat, verändert nicht den lyrischen Grundcharakter. Die Musik ist so sauber und geschmackvoll georbeitet wie die respekwolle und geschickte Einrichtung von Wedekinds Dichtung. Originell ist Ettinger nicht, aber niemals gebraucht er billige Mittel. Ein Nach- folger mehr noch Puccinis als Richard Strauß', sucht er immer melodisch zu schreiben, versteht sich auf knappen überzeugenden Dialog Di« Rezitatioe blühen in Melismcn, die ariosen Teile wachsen spärlicher. Was fehlt, ist der zupackende Griff einer starken Faust. Manchmal versucht Ettinger das Belangvolle durch Geräusch- volles zu ersetzen, so in der Heubodenszene, wo er mehr das Gewitter draußen als den Sturm innen schildert. Also schließt Ettinger selten den geheimen Sinn Wedekinds auf, er illustriert meist Stimmungen. Natürlich und gemäßigt, flüssiger als im„Clavigo". Er konnte nicht oerhindern, daß die Kindertragödie durch Opern- formen der Kindlichkeit entrückt wurde. Wenn die männlichen Sänger großen Ton ansetzten, wich jede Illusion. Dann blieben nur erwachsene Opernkräfte, die Aufklärung mit Musik verabreichten. An solchen Stellen ward wieder einmal eindrucksvoll deutlich, daß es besser sein würde, ein richtiges, neugeformtes Opernlibretto zu vertonen und nicht wörtlich Prosa von Hebbel, Goethe oder Webe- find, welche Bindung die musikalische Phantasie hemmt. Die Gefahren der Kinderdarstellung wurden unter Brüg- manns Regie zum größten Teil geschickt überwunden, das Musikalische gab Brecher mit gewohnter Gewissenhaftigkeit, doch manchmal auch mit störend donnerndem Pathos. Die zweiundeinhalb- stündige Aufführung fand— mit fragwürdigen Bühnenbildern— nach jedem Akte Beifall, lang dauernden und starken nach dem letzten, der musikalisch der kontrastreichste und packendste ist. stleinricb"Wiegand. Paul Egger», Brnlan. wird auf Einladung der VolkSbübnc an zwei Abenden über.Das rui fische Theater und wir. sprechen. Die Vorträge finden mit Lichtbildern am 16. und 30.. 20 Uhr. im Bürger- faak des Berliner Rathauses. Eingang Königstratzc, statt. Einlaß- karten zu 70 Pf. für jeden Abend erhältlich. vle Bevölkerung Auklrakiev» Nach der letzten offiziellen Statistik belaß Australien am 30. Juni 1927 6 167«29 Einwohner. Die Zunahme beuug in einem Jahre 123 505 Personen: davon entfallen auf Einwanderung «8 063, aus den Geburtenüberschuß 75««2. Verantwortlich kllr die Redaktion: Eugen Prager, Berlin: ein, eigen: Tl».»lacke, Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. L.. Berlin. Druck: Borwärt, Buch- druckcrei und Verlagsanstalt Paul Singer ö- Co.. Berlin EW 68, Linden firaße S. Airrzu 1 Beilage. Volks büh ne Iheito in SDIovpliti 8 Uhr Die rote Robe Id. in SttisfbiDirdinn ?>/, Uhr: 9er Zigaretten- CASINO-THEATEB.- um Lothringer Str. 37. Doktor Klaus. Ab 19. April: Die schwebende Jungfrau Aeuoduielden t Cutschein 1—4 Pers. Fauteuil nur 1.10 Sessel LMM. Deottdies Theater Norden 12 310 Abonnementsbüro. Norden 10338— 39. 8 Uhr, Ende 10'/, U. Pygmalion von Bernard Shaw dtsch. v. Siejfr, TieMiidi Kammerspiele Norden 12 310 !''< U„ Ende nach 10 Zum 93. Mal rmdei) Sie. daS instante sidi rithtig veriiäll? Die Komödie Bismarck 2414/7516 IV, U., Ende mV, U. LetzteJ.Aufführung Marcel Fradella (Der Eunuch) Berlioer Theater Direktion Kuhnert. lurlittnuti.lO'll.OMi.nr SV, Uhr Je Bolle Sisters" Ein Berliner Volks- stUck von FrMiUDD-Fnhiidi.— Kai Adalbert, laa Vidi. Larl Lau , MADAME POMPADOUR Theater am Kottbusser Tor Kottbaaser StraOo 6. Tel.Mpl. IM77 Täglich 8 Uhr Sonntag, nachmittags 3 Uhr Elite- Sänger Gr. neuer April-Spielplan, u. a. Die tolle Lolo von Max Reinhardt am(tanUBttMÜ von B. Croä. Reichshallen-Theater 8 Uhr, Sonnig, nachm. 3 Uhr Stettiner Sänger nachm. halbj Preise. volles Programm! Dönhoff» Brett'l> üroß. April-Programm Tain. Inf.lülir.SoiiittagsSVotl. Saltnbiirg-BOhiien Ots. KQnstter-Th «'/, Uhr SAwan-Wi Rnihu.Tbniei 81', Ulm FriUI Musik. Schwank Delschalt, Pointner. Eibensch iitz.aottge- treu, Vespermann, Mannlng. Für Funklreunde halbe Preise. Klein» Theater Täglich 8V, Uhr: Frau Kate laßt sidi verführen Lustspiel v.H�turm Klinder, Kettner, v. Mollendorl Wathalla-Th. Weinbergsweg 19/20 8V, Uhr Tohias Knorke Berl. Posse m. Musik u Gesang v. Job. Heß Vorzeiger dieses zahlen für Parkett auch Sonntags statt Mk nur SO PI. Komische {8% Ohr Oper 8% Dbrl I James Klein'sl gewaltiges neues Revue-Slück: Zieh'. dldi aus! 200 fUiwliüende. Vorverkauf ab 10 Uhr ununterbrochen. Renaissance- Theater Steinplatz 901. 3.io uim Coeur Bube. Aose-Tbeater Gr. Frankf. Str. 132 8'/, Uhr; stinit.il.viiltrltDdiltn Planetariom an Zoo Fulbg. JudiiiBitliilii Sinti Noll. 1578 16, 18, 19Vj, 21 U. Sternhimmel und Kalender Eintritt> 51. liuhrost. 15 Iiltm It.SO». Thalia-Theater Dresdener Str. 72-73 Täglich 8 Uhr: Dykemoiti Erhen Netropol-Th. 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Iulii entstandenen Tumults" be- titelt sich ei-n« Schrift, die 17S1 anonym in Liegnitz erschien. Sie bildet die Ergänzung oder den Anhang an eine Reiseschilderung eines aus Steinau gebürtigen Bürgers mit Namen K e t t n e r, aus dessen Wanderjahren als Weißgerbergeselle. Äettner kam zweimal nach Thorn, zuletzt hat er dort drei Viertel Jahre gearbeitet. Dem furchtbaren Begebnis, das hier geschildert werden soll, hotte er als Augenzeuge beigewohnt und man wird ihm menschlich nachfühlen können, daß der Dorfall ihn dann zeit- lcbens nicht losgelassen Hot, so daß er sich erst in späteren Jahren die Mühe gab, ehrlich und gerecht die Dinge zu schildern, wie er sie gesehen hatte. Das Scapulierfest. Die eigentliche Veranlassung zu dem Lärm gab das katholische Scapulierfest, das den 16. Juli 1724 auf einen Sonntag traf. Die Katholiken in Thorn, die in der Minderzahl waren— Rat, Verwaltung und die fteien Berussstände waren evangelisch—, hatten die Erlaubnis, zweimal im Jahre eine öffentliche Prozession zu ver- anstaltcn. Immer waren diese Prozessionen der Anlaß zu Reibereien. Bürger und Kausleut« hielten sich daheim hinter verschlossenen Türen aus, um dem in die Stadt strömenden polnischen Landvolk unter Führung ihrer Edelleute keinen Anlaß zu Konflikten zu geben. Di« Katholiken veranstaltet ey beim Nonnenkloster innerhalb des Friedhofes ein« Prozession. Evangelische Bürgerkinder standen in den Türen und sahen dem Treiben zu. Sie hatten ihre Mützen aus dem Kopf behalten, und nun kam ein katholischer Student und schlug sie ihnen herunter. Das sah ein Kaufmann, der sich mit den Worten hineinmischt«:„Was schlägst du die unschuldigep Kinder, die wissen viel von eurer Narredei!" Die Folge war, daß der Kaufmann von den Katholiken tüchtig verprügelt wurde. Einige Handwerker hatten den Vorfall gesehen und sprangen dem Kauf- mann zu Hilse. Es entwickelte sich«ine Schlägerei und die Stadt- wache nahm einen von den katholischen Studenten fest. Der Bürger- ineister der Stadt weigert« sich, den ausgeregten Katholiken den Ge- fangenen am Sonnlag srei zu geben, sie sollten am Montag wieder kommen. Racheschnaubend oersuchten die Studenten des katholischen Seminars den nächsten Montag darauf die Hauptwache zu stürmen, sie wurden aber von den Wachmannschaften abgewiesen. Die Hand- wcrkergesellen in der Stadt, die Montags ihren freien Ausgang hotten(blauer Montag), dämpften die weitere Angriftslust der Katholiken, die es gern zu einem offenen Austrag ihres seit zwei Jahrhunderten vom Klerus genährten Hasses wollten kommen lassen. Bis auf das Seminar und die Klöster besaßen die Katholiken in Thorn keinen festen Halt, sogar die Hauptkirche befand sich in evangelischen Händen. Da diese ober einmal katholisch gewesen war, so ging der Streit um diesen sichtbaren Punkt. Die Bürger mußten Tag und Nacht aus der Lauer sein, damit die Katholischen sich nicht der Kirche bemäckstigten. Auch das evangelische Seminar, das von der preußischen Regierung unterstützt wurde, war aus politischen und kirchlichen Gründen ein Stein des Anstoßes. Oer verprügelte Student. Im Berlous dieses unruhigen Montags verfielen die Katholischen auf den Gedanken, die Lösung ihres Studenten durch einen Gegen- streich zu erzwingen, indem sie einen Evangelischen festsetzten,«ie fanden dieses Opfer in der Person eines harmlosen theologischen Studenten, der im Schlosrock vor seiner Tür saß und gemütlich seine Pfeife rauchte. Den schleppten sie halbtot geprügelt in das Jesuiten- kollegium, verprügelten ihn hier nochmals und bliesen dann im Gefühl ihres Sieges„Viktoria" mit Pauken und Trompeten zum Fenster hinaus. Die Bemühungen des Stadtoberhauptes, diesen ungesetzlichen Aktus auszugleichen, indem er den katholischen Studenten freizulassen versprach, führten zu keinem Ersolg. Zuletzt sagte er zu den Abordnungen, die bei ihm erschienen waren:.Kinder, ich kann euch nicht helfen, seht selbst zu, wie ihr ihn mit Manier heraus bekommt!" Das ließen sich die Thorner Handwerksmeister und Gesellen nicht zweimal sogen. Es entwickelte sich also ein richtiger Sturm auf das Jesuitenieminor, bei dem es auf beiden Seiten blutige Köpfe setzte. Zuletzt aber siegten doch die Bürger und gelangten in das Kloster hinein. Sic fanden ihren Gefangenen nicht, den die Geistlichen schon pocher durch ein« Hmterpsone hinausgelasjen hatten. Die ganze Stadt befand sich im Ausruhr, die Etadtmiliz war aufgeboten worden, die Tore der Vorstädte wurden verriegelt, damit kein polnischer Zu- zuy von auswärts hinein gelangen konnte. Große Volkshaufen be- lagerten die katholischen Gebäude. Nun soll«in Schuß aus dem Kloster auf die Menge abgegeben worden sein, was die Menge ver- onlaßte, zum zweiten Mole das Gebäude zu stürmen. Alles, was nicht niet. und nagelfest war, warf der empörte Volkshaufen aus den Fenstern heraus:�»« Geistlichen waren geflüchtet. Das Strafgericht. Am anderen Morgen gingen aus Thorn, das damals zu Polen gehörte, zwei Stafetten nach Warschau, eine des Magistrats und eine von den Katholffchen. Jede war wahrscheinlich so gehalten, daß die ganze Schuld der Gegenpartei zugeschoben wurde: nur enthielt außerdem noch die katholische die furchtbare Anklage, die Volks- menge hätte unter Billigung und mit Unterstützung des Magistrats Schändungen an Heiligenbildern verübt, diese zerschlagen und gar verbrannt. Es vollzog sich nun, an diesen läppischen Dorfall anknüpfend, eine furchtbare Justiz an der Stadt. Sie darf mit Recht als ein« der größten Kulturschanden der neueren Zeit ange- sprachen werden. Sechs Regimenter der polnischen Kronarmee wurden in die Stadt verlegt, die Bürgerschaft war den schlimmsten Repressalien ausgesetzt. Von der katholischen Geistlichkeit wurde der stärkste Gewissenszwang auf die Bürger, besonders auf die Ange- klagten, ausgeübt. Wer seinen Glauben abschwur, kam von der Anklage der Beteiligung an dem Tumult los. Ein hochnotpeinliches Gericht, gebildet aus den polnischen Landständm, hotte die beklagten Evangelischen abzuurteilen. Jedoch vorher hotte die Gerichts- kommission drei Viertel Jahre hindurch zu tun, um den Prozeß vorzubereiten. Der ganze Verlaus des Prozesses zeigt« auf, wie man bestrebt war, die Stadt in ihren freien Rechten zu treffen, und sie zu einem gutpolnischen Objekt zu machen. Beinahe führte dieser Streit, der die Anteilnahme sämtlicher europäischer Länder erregt«, zu kriegerischen Konflikten. Friedrich Wilhelm II. von Preußen versuchte vergebens zugunsten der Der- urteilten zu wterpellieren, er wandte sich an die Könige von Eng- land, Dänemark, Schweden, an den russischen Zaren, auch an den König von Polen selbst, um die Verurteilten zu retten. Niemand stand ihm bei, vielleicht war die preußische Absicht zu durchsichtig. daß mehr politische als menschliche Motive die Triebfeder waren. Am 7. Dezember 1724 vollzog das Blutgericht seinen Auftrag. Sieben evangelische Handwerker und Kausleut«, die bis zu ihrem Tode die Beteiligung an dem Krawall bestritten, wurden unter grausamen Torturen öffentlich hingerichtet. Das erste Opfer war das Oberhaupt der Stadt. Zuerst wurden den Armen die Hände abgehackt, dann erst fiel der Kops. Ersparen wir uns die widerlichen und grausigen Beschreitrnngen dieses Mordens, dem ganz gewiß Unschuldige zum Opfer fielen. Denn die wirklichen Deteiligten hotten ja meist vorher ihren Glauben abgeschworen, um sich zu retten. Auch kam es den Katholiken ja nicht daraus an, eine Sühne für angeblich an ihnen verübte Verbrechen zu finden, als vielmehr, durch dieses Gerichtsverfahren ihre Macht in der Stadt auszurichten. Unter den Opfern war auch der Meister unseres Gewährsmannes, der Gerber Christoph Härteln. Kettner hat bei dessen Witwe noch einige Wochen gearbeitet, um die noch unbereiteten Fell« zu verarbeiten. Er ist dann heimlich aus der unruhigen Stadt ent- wichen. Vier Millionen Aussätzige. Ueber das Vorkommen des Aussatzes, dieser einstmals furcht baren Geißel des Menschengeschlechts, liegen aus Aegypten, China und Indien Nachrichten vor, die bis zum Jahre 2600 v. Chr. zurückreichen. In Europa scheint dagegen eine stärkere Ausbreitung dieser Seuche erst um die Mitte des ersten Jahrhunderts unserer Zeit rechnung erfolgt zu fein, jedenfalls find erst aus dein 7. Jahrhundert etwa Maßnohmen bekannt, die der Zunahme der Krankheit steuern sollten. Die größte Ausbreitung erreichte die Lepra aber erst gegen Ende des 11. Jahrhunderts, von welcher Zeit ab sie durch mehrere Jahrhundert die europäische Menschheit heimsuchte. Uebcrall, selbst in den kleinsten Orten, wurden Lepraheime errichtet, in denen die Kranken eingesperrt,„ausgesetzt" wurden, ein eigener Orden wurde zur Pflege der Aussätzigen begründet, der Orden des Heiligen Lazarus, an dessen Tätigkeit der Name „Lazarett" auch heute noch erinnert: die strengsten und grausamsten Gesetze wurden erlasien, um die Berührung der Gesunden mit den vom Aussatz Befallenen zu verhüten. Diese horten Maßnahmen erwiesen sich aber durch den Ersolg als gerechtfertigt: Abnahme, ja Erlöschen der Krankheit in den meisten Teilen Europos im 16. Jahrhundert geht wohl in erster Linie auf jene rigorosen Bestimmungen zurück. Aus Deutschlands Grenzen ist die Lepra zurzeit völlig verbannt, seit der einzige Lepra- Herd, das Memelland, vom Reiche abgetrennt ist. Dort hatte vor dem Kriege die preußische Regierung ein Lepraheim errichtet, um die Kranken zu isolieren. Ganz anders liegen die Verhältnisse im Orient. Nach Mit- teilung englischer Blatter soll es zurzeit noch 4Millionen Aus- sätzige geben, wovon eine Million auf Britijch-Jndicn, ISO 000 aus Britisch-Ostafrika Ontsallen. Diese hofft die englische Rkgiemmeg innerhalb einer Generation von ihrem entsetzlichen Leiden zu befreien durch ein neues Heilmittel, dos unbedingt wirksam sein soll, das Oel des Hydnocarpus-Baumes, das aus den getrockneten Früchten dieses Baumes gewonnen wird. Dieses neue Heilmittel soll das bisher auch mit einem gewisien Erfolg benutzte Mittel, das Ehaulnugra-Oel, an Wirksamkeit weit übertreffen, da man letzteres wegen seiner großen Giftigkeit nicht in ausreichenden Dosen verabfolgen kann. E)r. Lily Herzberg. Gchuh dem Menschen! Ein Lehrbuch praktischer Wohlfahrtspflege. In einer Zeit, die erfüllt ist mit dem Unternehmergeschrei über angeblich untragbare sozialpolitische Lasten, ist es doppelt notwendig, den Zusammenhang zwischen Mensch und Wirtschast in den Vordergrund, zu rücken, mit allem Nachdruck zu betonen, daß schließlich alle Wirtschast nur um der Menschen willen da ist. Das ist nicht zuletzt der tiefere Sinn einer wich- tigen literarischen Neuerscheinung, die den Titel trägt:„Lehr- buch der Wohlfahrtspflege" und vom Hauptausschuß für Arbeiterwohlfahrt herausgegeben ist. Wenn die Unternehmer von Wirtschaft sprechen, dann meinen sie sich und ihren Profit. Kein Wunder, daß sie alle Maßnahmen zum Schutze der menschlichen Arbeitskraft und zu ihrer qualitativer Steigerung auf die Passivseite ihrer Wirffchast setzen und das olles als höchst unerwünschten sozialen Ballast emp- finden. Sie übersehen bei dieser faschen Rechnung geflissentlich, daß alle Glltererzeugung letzten Endes das Ergebnis menschlicher Arbeitsleistung ist. Aber den Unternehmern ist die Anhäufung von Vermögen wichtiger als die richtige Befriedigung der gesellschast- lichen Bedürfnisse der Menschen. Si>e sehen nicht den Zusammen- hang zwischen Güterökonomi« und Menschenökonomie, begreifen deshalb auch nicht, daß die letztere eine unentbehrlich« Voraussetzung für die Steigerung der Wirffchaftsergiebigkeit ist. Weil wir jedoch die rechten Mittel nicht zur rechten Zeit einsetzen, wird erst der größte Schaden angerichtet. Das kommt namentlich m der Wohl- fahrtspflege zum Ausdruck. Das vorliegende Lehrbuch will den Prnktikern in der Wohlfahrtspflege einen tieferen Einblick in das weitver- zweigte Arbeitsgebiet vermitteln und die wohlfahrtspflegerische Ausbildung fördern. Die einzelnen Gebiete werden von besonders sachkundigen Autoren behandelt. Dr. Hanna Cohn gibt ein« Ein- führung in die Voltswirffchaftslehre: Regierungsrat Hedwig Wachenheim Einführung in Verfasiung, Verwaltung und Rechtspflege: Dr. Helene Simon behandelt Voraussetzung, Entwicklung und Begriff der Wohlfahrtspflege: Louffe Schröder gibt einen Ueberblick über den Stand der Sozialpolitik, wobei Arbeitsvcrmitt- lung und Arbeitslosenversicherung von Martha Eva Prochownit behandelt werden: das geltende Fürforgerecht ist von Mimsteriol- rat Dorothea Hirschfeld bearbeitet: die Kapitel über Familienrecht wie über Jugendrecht und Iugendwohlfahrt stammen aus der Feder von Stadtrat Walter Friedländer: Aufbau und Aufgaben der Wohl- fahrts- und Jugendämter behandelt Ministerialrat Dr. Hans fiMaier, das Kapitel Gesundheitsfürsorge stammt von Laura Turnau. In einem wertvollen Aufsatz behandelt Dr. Karl Mennicke das Thema: Sozialpädogogik und Volksbildung: Mari« Iuchacz macht mit dem Aufbau und den Aufgaben und Zielen der Arbeiterwohlfahrt be- könnt. Auf 435 Seiten wird hier eine Fülle von Wissenswertem ge- boten. Möge das Lehrbuch dazu beitragen, diesen sozialistischem Geist noch stärker m die Praxis zu tragen. SICI H IAH Dl El R| IS J___ isEocsaQiia AD Nadtdnidc verboten» Copyright m8 by Büthergilde Gutenberg, BeHin 40. Fortsetzung. Viel Wert hatten weder die Hosen noch die Stiefel! denn sie hatten die letzten zehn Monate mehr getan, als man von solchen Dingen«erwartet. Dennoch waren sie. verglichen mit den Fetzen, die jene Männer trugen, wahre Prachtstücke. Das Hemd aber wollte niemand haben und niemand wollte es anziehen, obgleich alle drei an Stelle der Hemden etwas trugen, von dem man schwer hätte sagen können, welches die kompaktere Masse war, die Löcher oder die darumhängenden Fetzen. „Warum willst du denn das Hemd nicht nehmen und anziehen, Ignacio?" fragte Miguel, während er mit dem Fuße gegen den Leichnam stieß, der jetzt nichts weiter anhatte als das mürbe getragene Khokihemd. „Ist nicht viel wert," erwiderte Ignacio. „Du hast Grund, so etwas zu sagen, du Hund, du dreckiger," sagt« Miguel darauf.„Gegen das deine betrachtet ist es besser als neu." „Ich mag es nicht," meinte nun Ignacio und wandt« sich ab. „Es ist zu nahe am Halse. Warum nimmst du es denn nicht?" „Ich?" fragte Miguel und zog wütend die Stirne hoch,„ich ziehe nicht das Hemd an, das so ein Hund von einem Gringo warm am Leibe gehabt hat." Die Wahrheit aber war, daß das Hemd auch für Miguel zu nahe am Hals« des Leichnams war. Es hatte zwar kein« Blutflecken, aber trotzdem wollte es keiner anziehen. Sie hatten das Vorgefühl, daß sie sich in dem Hemde nicht wohlfühlen könmen. Sie oermochten das Gefühl nicht zu erklären und gaben sich alle damit zufrieden, daß das Hemd eben zu nahe am Hals« sei, und daß es darum als Wertgegenstand nicht mehr in Betracht kommen könne. „Der Schurke wird ja wohl in seinem Packen noch ein paar andere Hemden haben," sagte Ignacio. Miguel fuhr ihn sofort an.„Da wartest du erst einmal, bis ich nachgesehen habe, und was dann übrigbleibt, da können wir darüber sprechen." „Bist du hier vielleicht der Hauptmann?" schrie nun der dritte, der die letzten Minuten scheinbar uninteressiert, gegen einen Baum gelehnt dagestanden hatte. Er hotte guten Grund, uninteressiert zu scheinen, denn er hatte sich die Hosen angeeignet, während Miguel die Stiefel genommen hate. Nur Ignacio war leer bei dieser Teilung ausgegangen, weil er das Hemd nicht gemocht hatte. „Hauptmann?" brüllte Miguel erbost.„Hauptmann oder kein Hauptmann, was hast du denn bis jetzt getan?" „Habe ich ihm denn nicht den Stein an den Schädel gefeuert?" prahlte der dritte.„Du hättest dich ja sonst nicht an ihn gewagt. du Cobarde." „Du mit deinem Stein," höhnte Miguel,„das war gerade wie ein Zahnstocher. Wer von euch beiden räudigen Katzen hätte sich denn herbeigemacht und ihin den Rest gegeben? Ihr Iammerfetzen, die ihr seid. Und damit ihr es wißt, gleich jetzt, den Machete kann ich auch noch ein zweites Mal gebrauchen und auch noch ein drittes Mal, für euch beide. Ich werde euch nicht um eure Erlaubnis fragen." Er wendete sich um und wollte zu den Packen gehen. „Wo sind denn die Esel hin. verflucht noch mal?" rief er erstaunt. Erst jetzt kam es allen ins Bewußtsein, daß die Esel abmarschiert waren. „Nun aber nach und die Biester eingeholt, sonst kommen sie in die Stadt, und wir haben gleich darauf die Schwärme von Gendarmen hier herumsausen," rief Miguel. Die Männer machten sich auf und rannten dem Zug« nach. Sie hatten gut zu laufen, denn die Esel, die hier kaum ein trockenes Hölmchen am Wege fanden, das sie aufgehalten hätte, waren munter vorangetrottet. Es dauerte mehr als eine Stunde, ehe die Männer mit den Tieren wieder zurück bei den Bäumen waren. „Wir werden ihn besser einscharren." sagte Miguel,„sonst schwärmen die Geier herum, und jemand, der nichts Besseres zu tun weiß, könnte nachsehen kommen, was die Geier hier gefunden haben." „Ja, willst du denn vielleicht einen Zettel mit deinem Namen bei ihm zurücklassen?" fragte Ignacio höhnisch.„Es kann uns doch gleichgültig sein, ob man das Aas findet oder nicht. Er wird es nicht mehr erzählen, wen er zuletzt getroffen hat." „Du bist aber schlau, mein Hühnchen," sagte Miguel.„Wenn man den Hund findet und bei uns seine Esel, dann kannst du nichts mehr abstreiten. Aber wenn man bei uns die Esel findet und nirgends den Kadaver, da soll dir erst mal einer beweisen, daß du dem Gringo in die Hölle verholfen hast. Wir haben die Esel von dem Gringo gekauft. Aber wenn man das findet, was noch von ihm übrig ist. glaubt dir niemand, daß du die Esel gekauft hast. Also los an die Arbeit." Und mit demselben Spaten, mit dem Dobbs den Curtin einzu- graben gedacht hatte, wurde er nun selbst eingescharrt. Es ging sehr rasch. Die Männer machten sich nicht viel Mühe. Sie taten gerade das Allernotwendigstc und überließen die Arbeit den Ameisen und den Würmern. Dann machten sie sich auf und trieben den Zug wieder ins Gebirge zurück, weil sie sich zur Stadt nicht wagten, einmal aus persönlichen Gründen, dann aber auch, weil sie dachten, sie möchten dort jemand begegnen, der den Zug kannte und erwartet«. Es war auch recht gut möglich, daß Dobbs die Wahrheit gesagt hatte und wirklich noch zwei Männer mit Pferden auf seinem Wege folgten. Denn es schien ihnen in der Tot sehr unwahrscheinlich zu sein, daß Dobbs den ganzen Zug ollein.geführt haben sollte. Und um zu vermeiden, jenen Männern, die vielleicht existierten, zu begegnen, bogen sie von dem Wege, den Dobbs ihrer Rechnung nach gekommen war. ab und zogen auf einem anderen Manltierpfade hinauf ins Gebirge. Als sie wieder im Busch waren, konnten sie ihre Neugier nicht länger zurückhalten. Sie wollten wissen, wie groß die Beut« sei und welche guten Dinge in den Pocken waren. Es war dunkel geworden, und der Busch machte den Platz, wo sie nun, hielten, um hier zu übernachten, noch dunkler. Um ihren Aufenthalt nicht zu verraten, solange sie noch in dieser Gegend waren, unterließen sie es, Feuer anzuzünden. Sie wurden geschäftig. Sie luden die Tiere ab und begannen die Packen aufzuschnüren. Da war noch eine Hose und noch zwei Paar leichte Schuhe. Da war auch Kochgeschirr, aber nur noch eine Hand- voll Bohnen und«in Faustvoll Reis. „Scheint wirklich nicht so ein reicher Bursche gewesen-zu sein," sagte Ignacio.„Hatte es sehr nötig, zur Stadt zu kommen." „Geld hat er auch nicht gehabt," knurrte Miguel, während er den Packen, den er aufgeschnürt hatte, durchsuchte. �„Hatte gerade noch siebzig Centavos in der Hosentasche, der Schurke. Nom Besten sind die Felle auch nicht, die er hier hat. Werden kckum«in paar arme Pesos bringen." Dann kam er zu den Säckchen. „Was hat er denn hier? Sand, wahrhaftig Sand. Möchte wissen, wozu er den Sand hier mit sich herumschleppt, in lauter kleinen Säckchen?" „Dos ist ganz klar," sagte Ignacio, der nun ebenfalls die Säckchen in seinem Pocken fand.„Ist durchaus klar. Der Bursche war ein Er sch'dtlete die Säclchen alle aus. Ingenieur von einer Mining Company. Der hat hier im Gebirge herumgesucht und bringt nun die Sandproben mit zur Stadt, damit sie dort im Bureau von den anderen Ingenieuren und Chemikern untersuch! werden. Dann wissen di« amerikanischen Kompanien gleich, wo sie Land abstecken können." Er schüttete die Säckchen olle aus. Auch Miguel schüttete den Inholt der Säckchen, die in seinen Packen waren, aus, und als er sah, daß die Säckchen nur wertlose abgerissene Fetzen waren, verfluchte er Götter, Teufel und alle Gringos. Es war so dunkel geworden, daß sie den Charakter des Sandes selbst dann nicht hätten erkennen können, wenn si« mehr darüber gewußt hätten. Auch Angel, der dritte, fand die Säckchen in seinem Packen. Cr gab ihnen eine andere Deutung. Er sagtxr„Der Bursche war ein WAS DER T iiiiiiMiiiiimmn™miminnmmwinninmmimimniimnromiii:iiimiiMirranmiiiimi:i Alles avs Papier. Man hat unsere Epoche das„papierne Zeitaller" genannt, damit aber hauptsächlich auf die Flut bedruckten Papiers anspielen wollen, die heute unsere Wellanschauung bestimmt. Doch auch noch in einem anderen Sinne läßt sich die Gegenwart als„papiernes Zeitaller" bezeichnen, wie Dr. Cabanes in der Pariser„Nature" ausführt. Wir benutzen heute Papier zur Herstellung von unzähligen Gegen- ständen, von denen der gewöhnliche Sterbliche keine Ahnung hat. Kleider aus Papier sind in Japan allgemein bekannt und besonders im Heer lange oerwendet worden. Sie gelten für leicht und billig, haben aber keine lange Lebensdauer. Die Japaner haben jetzt aus Papier ein Gewebe hergestellt, das so stark wie Seide ist. Unter» jacken aus diesem Stoff, die direkt auf der Haut getragen werden und sehr warm hallen, sind auch bereits nach Europa gekommen. Bor etwa 12 Iahren kam die Mode auf, Papierhüte zu tragen. Die Damen der Londoner Gesellschaft schmückten sich mit diesen Kopf- bedeckungen, die aus zusammengeleimten und in die gewünschte Form gebrachten Papierstreifen bestanden. Diese Hüte konnten einen nicht zu starten Regen aushallen, wurden aber bald wieder aufgegeben. Papiertragen sind seit langem eingeführt, wenn sie auch frellich nicht für besonders fein gellen, wie die Papierwäsche überhaupt, deren Hauptoorteil in der leichten Art der Reinigung besteht. Auch Spitzen hat man aus Zellulose gemocht. Der französische Gelehrte hebt be- sonders die Verwendung von Papierservietten hervor, die in Frank- reich unbekannt, aber bei uns ebenso wie ick der Schweiz und Belgien überall eingeführt sind. Die Benutzung von Pappmasche« für alle möglichen Dinge ist sehr alt. Dächer, Schiffe und sogar Wagen sind daraus hergestellt worden. Im 18. Jahrhundert ließ sich der Marquis Ducret ein Patent auf die Verfertigung aller möglichen Gegenstände aus Pappmaschee geben. Wie es in der Patentschrift heißt, wollte er daraus kleine und große Sachen herstelleck, wie Möbel und Vasen, Häuser, Brücken, Schiffe und Wagen, und zwar aus einer Masse,„die durch Zusammenleimen einer großen Anzahl von Papierblättern entsteht". Seitdem hat die Pappmascheeverwer- tung große Fortschrille gemacht. Man hat sogar daraus Öefen hergestellt, Brustpanzer, die unverletzlich machen usw. Eine eigenartige Erfindung war die Idee eines praktischen Engländers, Streichhölzer aus altem Papier zu gewinnen: ein spiralig zusammengerolltes Stück Papier wurde ick eine Lösung von Wachs oder Stearin getaucht: die Streifen wurden dann mit der Maschine geschnillen und«rhiellen eine Phosphormischung an ihrer Spitze. In Nordamerika sind Teppiche aus Papier vielfach eingeführt, in Frankreich werden von Metallarbeitern Schuhe aus allem Papier getragen, die durch eine bestimmte Behandlung unoerbrennbar sind. In Spanien macht man Möbel aus Papier: es gibt Särge aus Strohpapier, di« hallbar und billig sind. Gasröhren aus Papier sollen sehr widerstandsfähig sein und kosten weniger als Metallröhren. Auch Hufeisen aus Papier gibt es. und Allpapier wird an Stelle des lithographischen Steins verwendet. Kurz, alles kann aus Papier gemacht werden. Eine genaue Auskunft. Die„Münchener Reuesten Rachrichten", ein«hemals liberales Blatt, haben iy den letzten zehn Iahren ihre politische Haltung wiederholl gewechselt und sind inzwischen er, Reaktionär geworden. Vor einiger Zell bekam der bisherige Chefredakteur infolg« eines Konfliktes, der mit dem Kultusministerium entstand, seinen Abschied. echter amerikansscher Schwindler und Betrüger, da» kann ich euch sagen. Die Säckchen hat er alle so schön zwischen den Fellen ver- steckt gehabt und dann die Felle dicht oerschnürt. Wißt ihr warum? Der hat die Felle in Durango nach Gewicht verkaufen wollen, und damit sie m«hr wiegen sollten, hat er den Sand dazwischengesteckt, und damit der Sand nicht herauskommen sollte, darum hat er ihn in kleine Säckchen gesteckt. Der hätte die Felle am Abend verkauft, und am nächsten Morgen, ehe der Käufer den Schwindel gemerkt hätte, war der Vogel sortg«slogen mit der Bahn. Dem haben wir den Schwindel schön verdorben, diesem Hund." Und Miguel und Ignacio fanden, daß dies die beste Erklärung für den Sand sei, und sie beeilten sich, ihn loszuwerden. 23. Noch in der Nacht packten sie auf und zogen weiter. Am Nach- mittag kamen sie in«in Dorf, und sie fragten einen Indianer, den sie vor seinem Hause trafen, ob er niemand wüßte, der Esel taufen würde, sie hätten die Absicht, einige der Esel zu verkaufen, weil sie keine Verwendung für sie hätten. Der Indianer sah sich die Esel an, ging um sie herum, sah nach den Brandzeichen, dann sah er sich die Packen an, dann sah er unausfällig aus die Stiesel des Miguel und auf die Hosen des Angel, als ob er willens sei, das olles zu kaufen. Endlich sagte er:„Ich kann keine Esel kaufen, ich habe jetzt kein Geld. Aber mein Onkel, der taust vielleicht die Esel. Der hat auch Geld genug dazu, ich habe keins. Ich will euch zu meinem Onkel führen, und mit dem könnt ihr verhandeln." Das ging ja leicht, dachten die drei Halunken, denn für gewöhnlich kann man in ein halbes Dutzend Jndianerdörfer gehen, eh« man jemand findet, der einen Esel kaust. Meist haben di« Leute ja kein Geld, und ein Peso bedeutet schon«ine groß« Summe für sie. Nach einigen hundert Schritten kamen sie zu dem Hause des Onkels. Das Haus war. gleich den meisten der übrigen Häuser, aus getrockneten Lehmziegeln gebaut und mit Gras gedeckt. Es befand sich an dem großen Dorfplatze, wo der Markt, die Unabhängigkeits- festlichkeiten, die Revolutionserinnerungsfeiern und die politischen Versammlungen abgehalten werden. In der Mitte des Platzes war ein bescheidener Pawllon errichtet, wo die Musik zu spielen pflegte, wenn eine öffentliche Festtichkeit war, und wo sich auch die Redner hinzustellen hatten, wenn si« eine Ansprache halten wollten. Von diesem Pavillon aus sprachen auch die Führer der Gesundheils- kommissionen, wenn sie aufs Land kamen, um di« indianische Be- völkerung über Gesundheitspflege und Kinderfürsorge zu unterrichten. Die Arbciterregierung leistet auf diesen Gebieten mehr als alle Regierungen seit der Ankunft der ersten Spanier zusammen- genommen. Der Indianer ging in das Haus feines Onkels, um mit ihm über den Ankauf der Esel zu sprechen. Es dauert« nicht lange, da kam der Onkel heraus und ging auf die drei Wegelagerer zu. die sich im Schatten der paar Bäume, die in der Nähe des Hauses standen, niedergehockt hatten.(Forts, folgt.) BRINGT. iiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiinimitiimiiiimiiiimiininainumtiiiwnBii Zwei Tage später will sich ein Berliner am Stachas in München eine Zeitung taufen. Er fragt die Zeitungsfrau: „Welche Zeitungen haben Sie?" „Die„Münchener Neuesten Nachrichten", di«.Münchener Post" und den„Bayerischen Kurier"." „Was für'n Blatt ist der �kurier"?" fragt der vorsichtige Berliner. „Dös is a schwarz' Blattl", sagt die Frau. „Und die..Münchener Post"?" „Die is rot." Die Straßenhändlerin wird schon ungeduldig. Aber der Berliner will noch wissen, wie die.Reuesten Nach- richten" politisch eingestellt sind. „Ja, mei," sagt die Zeitungsfrau,„wie S' hall wolssn!" Die Fortgeschrittneren. In der Wiener Hochschule fand man folgende verhiüffende Ankündigung: „Perversitäten. Kursus für Fortgeschrittenere." Es wäre besser, den Perversitäten rechtzeitig zu Leibe zu gehen, und nicht noch für„Fortgeschrittenere" Kurse zu veranstalten. Spaß beiseite: man steht, daß auch in Wien, noch dazu an seiner Hoch- schule, Stilfchnitzer vorkommen. Euch wählen, ist ein Greuel. In einem mährischen Wahlkreis standen 1907 einander gegen- über der Klerikale Löblich, der Fortschrittter Redlich und der Sozialdemokrat Dr. Kohn. Ein sonst wohlmeinender Stimmzettel- dichter artete so aus: Den Löblich wählen, wär' nicht rätlich, den Redlich wählen, wär' nicht löblich, drum wähl« ich den Sozialisten schon: Adookaturkonzipist Dr. Kohn. Lenins Leichnam wird verbrannt. Die Leiche Lenins war einbalsamiert und in einem Schrein mit durchsichtigen Deckel zur Schau gestellt worden. Tausende von Kommunisten besuchten den Sarg Lenins an der großen Mauer des Kremls. Nun aber wird die Leiche Lenin», die durch die Ein- bolsamierung vorzüglich erhalten ist, im Krematorium verbrannt werden. Die Urne mit der Asche soll in einem neu zu errichtenden Mausoleum aufgestellt werden. Der Schatz der Armada. Immer wieder hat man— bisher allerdings vergeblich— ver- sucht, die Schätze der zur„unbesiegbaren Armada" gehörigen, 1ö8I an der schottischen Küste gesunkenen Schiffe zu bergen. Run will man diese Versuche wieder aufnehmen. Auf einem der Schiffe soll sich auch die kostbare Krone befinden, die sich Philipp II. aufs Haupt setzen wollte, sobald er England besiegt hätte. 224000 Kilometer zu Fuß. In San Diego(Kalifornien) starb ein Postbote, der 30 Jahre unermüdlich seinen Dienst versehen hatte. Er hat in den 36 Iahren 8? 000 Stunden Dienst getan und über 10 Millionen Post- suchen abgeliefert. In dieser Zeil hat er rund 224 000 Kilometer zu Fuß zurückgelegt, also die Erde fünfeinhalbmal umwandern können! ■Uh&t�ünc/oJ/Uel Wcrbelauf der Arbcitersportler. „Quer durch Moabit." Zu einem großen Propagondastraßenlauf der Ar» beitersportler hatte der Sportverein»Moabit'' seit Wochen seine Werbetrommel gerührt. Der Wettergott. der in den Nachmittags- stunden des gestrigen Sonntags allzuviel des weißen Segens über die Stadt ausschüttet«, hatte zwa-- viele Zuschauer ferngehalten, aber den Geist, der in den Reihen der Sportler herrschte, konnte er nicht beeinträchtigen. So konnte die erfreuliche Feststellung gemacht werden, daß die Beteiligung trotz des schlechten Wetters etwa 8l) Proz. der Mel« dtngen betrug Am Start und Ziel, an der Eck« Waid- und Wiclef. streßt, hatte sich lang« vor Beginn eine vielhunderttöpfige Zu» schauermenge eingefunden. Aber nicht nur auf der Straße, sondern auch an den Fenstern und auf den Ballonen zeigten sich lausende Zuschauer, die damit' ihr Interesse und ihre Sympathie für den Arbeitersport bekundeten. Rein organisatorisch gesehen, war die Veranstaltung glänzend aufgezogen. Bei schönem Wetter wäre der Straßenlauf zu einem Riesenerfolg geworden, so aber— bei unaufhörlichem Schneetreiben— büßte er viel, sehr viel von seinem werbenden Charakter ein. Für die bei den Konkurrenzen Beteiligten war es in der Tat kein Vergnügen, auf dem schlüpfrigen Asphalt zu laufen. Wiederholt erfolgten Stürze, bei denen allerdings außer einer nassen chose, ernstere Verletzungen zum Glück nicht zu verzeichnen waren. Ins- gesamt stellten sich etwa Zoo Läufer am Start ein. Mit einem geschlossenen Mannschaftslauf über 2000 Meter für die Jugend wurde der Reigen der West- bewerbe kurz nach IS Uhr eröffnet. In kurzen Abständen erfolgten die Startschüsse für das 1000-Meter-Einzellaufen mit Mannschaftswertung für Mädchen, ein 3 000-Meter-Mann. I chaftslauf für Männer, ein ZOOO-Meter-E inzel, laufen mit Mannschaftswertung für Jugend, ein SOOO-Meter- Gehen mit Mannschaftswertung und das SOOO-Meter- Einzellaufen mit Mannschaftswertung für Männer. Das letzte Rennen sah allein 30 Läufer am Start. Es erfolgte ein mehr- maliger Spitzenwechsel, bis schließlich A n d r ä- Lichtenberg nach 2000 Metern die Spitze übernahm und sie siegreich bis zum Ziel behauptet«. Bei den G e h e r n passierten D a m« s I und II, sowie der gute Passier» Bernau, die von Ansang an dicht zusammengelegen hatten, im»toten Rennen' in 20:14 das Ziel. Resultate: Jugend 2000 Meter(Mannschaft): 1. Moabst I, 2. Moabit II. 3. Moabit III.(Uebrige Mannschaften gesprengt.) Schüler 1000 Meter: 1. Thomas-Moabit, 2. Nötzelmann-Moabit. Frauen und Jungmädchen 1000 Meter: Leichtathleten: 1. Prenzel-Moabit 4:13,3: 2. Säwert- Eharlottenburg 4:26,4. Andere Sparten: 1. Miersdorf-Lib.: 2. Hohm. Mannschaften: 1. Moabit 9 P.; 2. Charlottenburg 12 P. Männer 3000- M et e r- M a nn scha ft s la uf: Leichtathleten, Klasse A bis B: 1. Spandau I 11:20,4; 2. Moabit I. Klasse C bis E: Zehlendorf. Spielermannschaften: 1. Charlottenburg(Handball I) 12:26. Andere Sparten: 1. Liberias 36 I 12:22,4; 2. SB. Vorwärts. Jugend 3000 Meter: Leichtathleten: 1. Erfurth-Moabit 10:31: 2. Burow-Fichte. Anders Sparten: 1. Lehmann-Basdorf 10:28: 2. Henrichsen-Glienicke. Manns chaftswerwng: L Moabst 15 P.; 2. Basdorf 16 P.; 3 Fichte 19 P. Männer 5000° Meter- Gehen(offen): 1. Domes I und II und Posster-Bernau (totes Rennen) 29:14: 2. Falkenhagen-Fichte. Anfänger: 1. Menzel- Fichte: 2 Krause-Moabit. Jugend: Flachenecker-Bernau: 2. Telchow- Fichte. Männer 5000-Meter-Lausen(offen): 1. Andrä- Lichtenberg 18:6,9: 2. Romenat-Schöneberg. Anfänger: 1. Mattner- Fichte: 2. Ianowitz-Berolina. Aeltere Sportler: 1. Blankenburg II- Moabit; 2. A. Tempelhof-Basdorf. Andere Sparten: 1. Schallkowsti- Liberias: 2. Adamsky-Arb.-Abft.-Bund. Mannschaftswertung: Fichte 9 P.:, Schöneberg 18 P.; Moabst 20 P. ahn« schimpft auf die Leitung des Sportver- Werbelauf bei dem schlechten Wetter nicht ab- Die»Rote eins Moabst, daß......______,____ gesetzt wurde. Der Verein hätte sicher nichts dagegen gehabt,"wenn die Sonne da gewesen wäre; aber schließlich verursacht eine große Sportveranstaltung doch erhebliche Kosten, die man nicht gern zum Fenster hinauswirft. Daß die Veranstaltung trotz alledem noch eine große Zugkraft auslöste, beweisen die photo- graphischen Aufnahmen, die sich auch die»Rote Fahne' besorgen kann. Im übrigen reibt sich wohl nur deshalb die»Rote Fahne' am Sportverein Moabit, aoeil es die in ihm führenden Sozialdemo- traten bislang immer noch oerstanden haben, kommunistische Zerstörungsabsichten zu vereiteln! Und doch Radrennen. „Solidarital* in Spandau. Die Rennfechrerabteilung des Arterter-RadfaHrerbundes»So- lidaritöt' hatte für Sonntag früh seine Getteuen nach Spandau hinausbestellt. Nach der Veranstaltung vor vierzehn Togen„Rund um den Gorinsee', die für den Verein ein großer Erfolg wurde, fuhr man gestern dos zweite Rennen in diesem Jahre, das über die Ruirdsttecke Spandau— Schwanentrug— Faltensee— Spandau führte. Die 18 Kilometer mußten viermal durchfahren werden, derart, daß je ein Fahrer der aus vier Köpfen bestehenden Mannschaften ein« Runde zurücklegen mußt«. Als um �8 Uhr früh das erste Paar vom Kilometerstein 1,4 (Spandau Stadtpark) abgelassen wurde, dem in Abständen von einer zu einer Minute die übrigen Fahrer folgten, hatte das Schneege- stöber bereits eingesetzt. Fast schien es, als sei das Rennen in Frage gestellt, doch hielten alle Mannschaften, bis auf Moabit II(Alters- fchrer), die in der dritten Runde ausgaben, bravourös aus. Die schlüpferigen Wege gaben zu größter Vorsicht Veranlassung. Glück- licherweise ging alles ohne Zwischenfäll« glatt ab. Di« Strecken- besetzung war gut. Das Rennen,, endet« mit einem ziemlich über- roschenden Sieg von Oberschöneweide, das fiir die 72 Kilometer lange Streck« 3 Stunden 2 Minuten und 2 Sekunden benötigte. R-llllt-te: 1. vberkchüneweid« z St. 2 Mit. 2 Sek. 2. SchUnebers 1 5£t 3 Min. 3. Moabit IV. 3 6t. 5 Min. 2 Sek. 4. 10.«bteilung 3 St. 5 Min 3 Sek 5. Schoneberg II 3 6t. 7 Min. 2 Sek.«.«.«btetlung 3 Sti. 8 Min. 7 Sek. 7. 4. Abtciluna 3 Sit. 9 Min. 3 Sek. 3. Faikenle« 3 6td. 10 Min. 3 Sek. » Solidarilät ln Teltow. Die Ortsgruppe Tellow veranstaltete am Sonntag ein Straßeneinzelrennen auf der Strecke Teltow— Gütergotz— Schenkeisttorf— Ahrensdorf— Großbeeren— Tel- tom. Trotz des schlechten Wetters fuhren von 60 gemeldeten Fahrern 35. Der Start erfolgte in drei Gruppen. Die Fahrer lieferten sich bis ins Ziel starke Kämpfe. Resultate: A.-Klasse 1. Max Fischer, Köpenick, 1:03.20; 2. Willi Fischer. Köpenick, 1' 03.20 Vi; 3 Karl Detert. Charlottenburg. 1:06.ö: 4. Max Pelni, Eharlottenburg. 1: 07.5; 5. W. Bell. 2. Abt.. 1: 08.10. B.-Klasse: 1 Hans Reichel. Köpenick, 1: 05.40; 2. Erich Raak. Köpenick. 1: 07.15: 3- Max Müller. Mariendorf. 1: 08.10; 4. Willi Reichen- bach, Lichterfelde. 1: 09. W u l st r e i f e n: 1. Hans Krofcher. Marien- darf. 1: 09.15: 2. Willi Scempowfti. Teltow, 1: 19; 3. Paul Ullrich. Teltow, 1: 81. Die Städtemannsdiafi in Front. Ueberrasdmngcn bei den Arbeiter-Fußballern. Das zehnstündige Schneetreiben machte den größten Test der Plätze spielunfähig. Auch der Besuch der Spiele war aus diesem Grund« sehr mäßig. Aber auch die Leistungen der Spieler standen auf keiner hohen Stufe. Das Spiel der Städtemannsdiafi gegen Pankow gestattete sich zu einem 4:1- Sieg für die erfteren. Trotzdem muß gesagt werden, daß die Mannschaft den Anforderungen, die man an eine Städtemannschaft stellt, in keiner Weise genügte. Hauptsächlich Sturm und die Läuferreihe werden bis zum Spiel gegen Hamburg noch einige Veränderung erfahren müssen. Die Verteidiger und der Torwart waren gut. Bei Pankow klappte es im Sturin gar nicht. Die Serienfpiele endeten mit verschiedenen Ueberrafchun- gen. Im Südwesten verlor Seddin gegen Frisch-Auf mit 1:11I Trotz besserem und überlegen durchgefiihrtem Spiel mußte sich Hertha-Luckenwald« gegen Reukölln-Britz mit 2:3 beugen. Lucken- walde I gelang es gegen Berlin XII mit 3:1 siegreich zu bleiben. Union-Pankow überraschte durch«inen 8:1- Sieg über Sparta- Wedding. Ein Spiel der Elfmeter wurde in Wittenau ausgetragen. In der ersten Halbzeit verwandelte Adler 12 zwei, dadurch das Resultat auf 2: 2 stellend. In der zweiten Spielhälfte kam Wittenau ebenfalls zu einem Elfmeter, der auch zum Sieg« führte. Tegel ge- wann gegen Bavaria 5: 1. Borussia gegen Nauen 12: 0. Siemens- ftadt gegen Wedding 1: 1. Sparta gegen Askania 3: 2. Branden- bürg()2 gegen Johannistal 7: 2. Berliner Sportverein 16 gegen Adlershof 3: 4. Rudow gegen Wriezen 9: 1. Turnverein Pankow gegen Fichte-Rord 0: 6. * V. f. C. Naumburg und Preußen-Allenesien Vorrundensteger. In Gera könnt« der Berein für Leibesübungen Raumburg über Leipzig-West mft 2: 0 triumphieren. Damit ist diL Mitteldeutsche Meisterschaft zum ersten Male aus Sachsen entführt worden. Wohl waren die Leipziger die technisch Besseren, aber Naumburg war die eifrigere Mannschaft. Zudem spielten die Naumburger fast die ganze Spielzeit nur mit 10 Movm. Al t e n e s s e n und Buntenthor- Bremen standen sich in O h l I g gegenüber. Hier siegten die Altenessener mst 5:3. Di« Bremer waren chren Gästen in der ersten Spielzeit um eine Klasse unterlegen. Am kommenden Sonntag spiett der Berliner Meister A d l e r 08 gegen Naumburg in Berlin. Berliner Fußballmeister. Hcrtha-B.S.C. zum vierten Male Sieger. Wohl 20 000 Zuschauer waren im Grunewalder Stadion er- schienen, um das katastrophale Zusammenbrechen Tennis-Borussia zu sehen. Schon vor der Pause dominierte Hertha, wenn auch die Borussen mit ihren Torschüssen reichlich Pech hatten. Die zweite Halbzeit sah dann zuerst Tennis-Borussia in mächtiger Fahrt. Es war aber nur ein kurzes Aufflackern. Der dann erfolgte Zu- fammenbruch zeigte sich desto deutlicher. Hertha schnürte seinen Gegner vollständig in der Spielhälfte ein. Wenn die Ueber» legenheit nicht durch ein höheres Resultat ausgedrückt wenden konnte, so lag es an dem sehr sicher arbeitenden Torwart der Borussen, der den Herthastürmern die Erfolge nicht leicht machte. Ergebnis: 0:4 für Hertha. Wasserfahren im Schnee! Anfahrt des Wassersportverbandes. Am Karfreitag wollten die im republikanischen Wassersportverband zusammengeschlossenen Vereine zum ersten Male ihren Wimpel auf den Berliner Gewässern zeigen. Der Gewitterregen am Karfreitag vereitelte diesen Plan, die Veranstal- hing wurde auf den gestrigen Sonntag verlegt. Aber auch gestern hatte das Wetter kein Einsehen. Im größten Sch neegestöber versammelten sich die Teil- nehmer in ihren Bootshäusern. Die Wetterfesten siegten. Reges Leben zeigte bald, daß die Anfahrt unter allen Umständen durch- geführt wird. Das Reichsbanner zeigte sich mit seinen neuen Achtern und Vierern, die Brenn st ofsgesellschaft mit ihren Vierern und der Kanuklub Alfen mit einer Anzahl Booten. In einem Motorboot begleiteten die Gäste des Verbandes die Boote. Trotz des schlimmen Wetters war die Auffahrt unter dem Kam- mandoführer Schlicht ausgezeichnet. In kleinen Abständen fuhren erst die Vierer, dann die Achter und zum Schluß die Kanus. Auf dem Langen See war Auffahrt, auf dem Zeuthener See fuhren die Boote ein kleines Rennen aus, bei dem die Achtermannfchoften selbstverständlich alle Boote überholen und als erste sich im Nestau- rant Berliner Schweiz einfinden konnten. Gäste und Teilnehmer der ersten Anfahrt des Verbandes begrüßte dort der Vorsitzende Küter mft einer launigen Ansprache. ICarhborzt. Unter so ungünstigen äußeren Umständen wie am Sonntag in Karlshori» ist wohl selten ein Renntag abgehalten worden. Unnötig zu sagen, daß der unerwünschte Nachwinter der zweiten Veran- staltimg des Vereins für Hindernisrennen größten Abbruch tat. Der Besuch war schlecht und der Sport konnte keine Freude erwecken. Auf dem sehr schweren Geläuf waren die Vierjährigen, wo sie mit älteren Pferden zusammentrafen, nattirlich sehr im Nachteil. 6chülcr-Zagdt«»n»n. 3000 M., 3000 Meter. 1. 6. Suchlands Laikrnkopf (H. Scholz). 2. Franzi« tLt. Monun), 3. Fairu(Häuser). Tot.: 34. PI.: 16, 10, 13. Ferner liefen: Otfrici(4), Brllnnc, Seelenfrieden, Der Racker, Grunthrada, Vineta. Hals— 1 tri Lg. Weißdorn. Jagd rennen. 4500 M., 3400 Meter. 1. H. Ellon und R. Zlnmrr wahr's Pommer(Wolff), 2. Mnron lLllder). 3. ssaustinus(Nukulies). Tot.: 23. Pl.: 17, 41, 28. Ferner: Magier(4). Erlkönig N, Rorg«(gef.), Atlantir(an- geh.). Altpreuße. 6—2—7 Lg. Oftermond-Hördenrenue«. 4600 93., 3000 Meter. 1. Freifrau E. o. Wer. thern' Malkasten(Bismarck). 2. Das Lied(Ackerniann). 3. Flämin(Häuser). Tot.: 2«. Pl.: 12, 16. Ferner: Rivalin. 5—41—7 Lg. Wellgunde-Zagdrenneu. 3700 M., 4000 Meter. 1. Heinz Stahl's Bczna fR. Derschug), 2. Jlsenstein(IS.€....... Tot.: 48. PI.: 24, 45, 26. Ferner: Opar(4.), Mariza, Virradat, Lobredner, Rudel, Hazard, Tanntöniq. 2— 4i—-2 Lg. Mar». Jagdrennen. 3000 93., 3700 Meter. L Frau 93. Hildebrandt's Lackoon(Häuser), 2. Herzog(Wölfs), 3. Boppard(L. Broda). Tot.: 81. Pl.: 16, 18. Ferner: Lichtenstein(4.), Iwan. 1)4 Lg.— Kopf— 2 Lg. Preis von Friedrichofclde. 3000 M., 2000 Meter. 1. E. Feller's Earf Ferdinand(Hr. Schnitzer), 2. Britannieus(Lt. Bicbig), 3. Arkadins(Oblt. v. Metzfch). Tot.: 2«. Pl.: 12, 14, 15. Ferner: Stromer(4.), Obcrjäger, Wolga II, Amok, Trumpf-König. 1)4 3 2 Lg. Arbeitsgcmeimdiaft im Wassersport. In Berlin ist eine Arbeitsgemeinschaft derWasser- sport-Verbände Deutschlands gegründet worden, der nachstehende Verbände angeschlossen sind: Deuffcher Ruderverband, Freie Ruderer und Kanufahrer Deutschlands, Deuffcher Seglerverband, Deutscher Seglerbund, FreierSegler- verband, Deuffcher Kanuverbond, Deutscher Motoryachwerband, Deutscher Kraftbootverband und Deuffcher Schwimmverband. Zum Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft wurde Regierungspräsident z. D. Pauli- Potsdam gewählt. Ueber die Organisation wird später in einer Sitzung der Vorsitzenden der Verbände beraten, dagegen wird sogleich mit der praktffchen Arbeit begonnen werden. Die neue Arbeitsgemeinschaft ist gegründet worden, um die besonderen Schwierigkeiten, die dem Wassersport erwachsen und die in letzter Zeit vergrößert worden sind, zu beheben. Dazu gehören vor allem steuerliche Belastungen und die Regelung des Verkehrs auf den Wasserstraßen. Die Klein- und Einzelarbeit der Verbände wird nicht berührt. Die Arbeitsgemeinschaft wird vielmehr nur die gemeinsamen Interessen bei Behörden, Parlamenten und in der Oeffentlichkeit vertreten. Deuffchlands Fußballsieg gegen die Schweiz. Zum 13. Male trafen sich am Sonntag die Nationalmannschaften von Deuffchland und der Schweiz im Fußballänderkampf. Vor etwa 15 000 Zu- schauern konnte auf dem Platz in Bern die deuffche Vertretung mit 3:2 siegen. Im Länderkamps der Amateurboxer in Gens zeichneten sich die Deuffchen gegenüber den Schweizern durch Schnelligkeit und Schlag- kraft aus. Sie gewannen von den acht Kämpfen nicht weniger als sechs; das Gesamtergebnis lautet 13: 3 für Deuffchland. Brandenburgische Waldlausmelsierschasl. Die Waldlausmeister- schast des Verbandes Brandenburgischer Athletikvereine kam am Sonntag in Frankfurt a. d. O. zur Durchführung. Der über 10 Kilo- meter führende Wettbewerb endete in der Hauptklasse mit dem Sieg von Brauch(Polizeisportverein Berlin). wambsl-Lacquehay siegen in Baris. Das letzte S e ch s t a g e- rennen dieser Saison ging am Sonntag abend in Paris.zu Ende. Von fünfzehn gestarteten Mannschaften beendeten zwölf die Fahrt. Unter den Ausgeschiedenen befanden sich auch die beiden Kölner Ransch-Hürtgen. Mit dem Siegeslorbecr konnten sich die in Deuffchland bestens bekannten Franzofen Wambst-Lacque- h a y schmücken. pw«, oft nachgaahmt- nie erreicht! �QhctnrltfifßJl oft nachgeahmt- nie erreicht! tQ/iccadcetfeii Erdbebenkatastrophe in Bulgarien Giadt Tschirpan nahezu vernichtet, 200 Häuser eingestürzt. Das Erdbeben, das am Sonnabend von dem Seismographen des Geodätischen Instituts der Technischen Hochschule in Karlsruhe registriert wurde, hat in voller Schwere Bulgarien getrofsen und dort katastrophale Wirkungen ausgelöst. Das Erdbeden stellt sich als die schwerste Katastrophe heraus, die das Land seit langem betroffen hat. Ein Gebiet von ungefähr 600 Quadratkilometern mit 120000 Einwohnern ist von ihr heimgesucht worden. Das Städtchen Tschirpan. dos 11 000 Einwohner zählt, ist be- sonders hart mitgenommen worden. Der größte Test der Häuser ist nahezu völlig eingestürzt. Auch das Krankenhaus der Stadt ist eingestürzt, doch konnten sämtliche Kranke mit Ausnahme einer Arau gerettet werden. Die am schwersten betroffene Stadt Tschirpan liegt in >vüdbulgarien(zwischen Philippopel und©tara Zagora) und ist gegenwärtig von allen Verbindungen abgeschnitten. Man nimmt an, daß ein Teil der Ortschaft vollkommen dem Erd- b o d e n gleich gemacht ist. Vorläufig wenden 12 Tote und 50 Schwerverletzte gemeldet. Aull) die benachbarten Dörfer sind schwer heirngosucht worden. Das Erdbeben wunde in ganz Bul- garien, besonders im Südosten verspürt, wo auch erhebliche Schäden und Opfer zu beklagen sind. In Vorissivgrad, südlich von Tschirpan, wurden sieben Personen getötet. � Das Städtchen soll zu drei Viertel zerstört sei' Z In Philippopel stürzte eine Moschee ein. Dos Beben war in der besonders heimgesuchten Gegend von einer plötzlichen Temperatursteigerung begleitet. Aus den ersten Stoß, der am meisten Schaden anrichtete, folgten weitere bedeutend schwächere Stöße. Die Zahl der in Tschirpan eingestürzten Häuser beträgt 2000. In Vorissivgrad wurden 1000 Gebäude zerstört. Alle benachbarten Garnisonen sind zur Hilfeleistung und zur Aufrechterhaltung der Ordnung herangezogen worden. Die Be- völkerung kampiert im Freien. Es sind Maßnahmen für ihre Ver» sorgung mit Nahrungsmitteln getroffen worden. Die Eisen- bahnverwaltung ordnete an, daß alle verfügbaren Waggons in das Erdbebengebiek geschickt werden, damit sie dort der Bevölke- rung, die unter freiem Himmel den Unbilden des Wetters ausgesetzt ist und keine Zelte oder andere Wohnungen hat. als Zustucht dienen. Aus Liebe vergiftet. Die barmherzige Tat eines Sohnes. Ein Verbrechen, begangen aus SohnesNebe, beschäftigte dieser Tage die vlordinspeklion der Berliner Krimlnalpolizel. Im Juni 1925 starb nach langer und schwerer Krankheit «ine Frau N. in der Bergstraße. Sie war zuerst in der Charite behandelt worden. Dort erkannte man, daß ihr Leiden unheilbar war und entließ sie wieder zu ihren Angehörigen, bei denen der Hausarzt die Behandlung sortsührte. Wiederholt äußerte die Kranke, die sich über ihren Zustand völlig klar war, den Wunsch, bald von ihren Leiden erlöst zu werden. Der damals 23 Jahre alte Sohn, der mit inniger Liebe an der Mutter hing, hatte in seiner Lehrstelle bei einem Dentisten Gelegenheit, sich ein rasch wirkendes Gift zu verschaffen. In einer Iuninacht saß er bis zum Morgen auf dem Bettrand bei der schwer leidenden Frau. Als die Schmerzen wieder mit großer Gewalt einsetzten, konnte er die Qualen der Mutter nicht mehr mit ansehen, Holle ihr ein Glas Wasser und lat das Gift hinein. Die kranke trank es aus und schlief bald darauf sanft und schmerzlos für immer ein. Niemand, weder die Angehörigen noch der Hausarzt, ahnten damals, daß der Tod nicht als Folge des unheilbaren Leidens«ingetreten war. Erst jetzt, drei Jahre später, tauchten auf dem Umwege über Hausangestellte, Reinemachefrauen und Pförtnerfrau Gerüchte auf, die wissen wollten, doß der Sohn die Mutter vergiftet habe. So erfuhr auch die Kriminalpolizei daooiz. Der jetzt 2kjähnge Sohn wurde von der Mordinspektion vernommen und gab rückhalts- los zu. die Leiden der Muller abgekürzt zu haben, nicht aus Ge» wrnnfucht, fondern aus Barmherzigkeit. Seine Tat hatte ihm aber nie Ruhe gelasien, und vor einiger Zeit machte er schon einen Selb st Mordversuch, wurde jedoch gerettet. Seine stets zu- nehmende Schwermut war wdhl den Angehörigen aufge- fallen, ste glaubten aber, daß die Erinnerung an die Verstorbene ihn immer noch bedrücke. Sein umfassendes Geständnis über die einzelnen Vorgänge entspricht ohne Zweifel der Wahrheit. Da eine Verdunkelungsgefahr oder ein Fluchtverdacht nicht vorliegen, wurde der junge Mann nach seiner Vernehmung vorläufig wieder auf freien Fuß gesetzt._ Muer Eingang am U-VahnhvfZov. Boraussichtlich Eröffnung am 1. Mai. lieber ein halbes Jahr haben die Bauarbeiten für den zweiten Eingang des ll.- Bahnhofes Zoo gedauert. Es ist nicht nur ein neuer Zugang gebaut worden, sondern die Bahnsteige wurden verlängert, damit Acht-Waged-Züge auf dieser Strecke ver- kehren können, und der Bahnhof selbst ist innen architektonisch ver- schönert worden. Durch die lange Frostperiode mußte eine Zeit lang der Bau eingestellt werden. Ferner haben sich außerordentliche Schwierigkeiten dadurch ergeben, daß immer wieder Grund- wasser nachgesickert ist. Nunmehr ist die neue Decke voll- kommen fertiggestellt, so daß auch die Bretterzäune und die Bohlen in diesen Tagen entfernt werden. Nach Mitteilung an das Bezirks- ennt Eharlottenburg wird, nachdem die polizeiliche Prüfung stattge- fanden hat, voraussichtlich am 1. Mai der Eingang an der Gedächtnis kirche dem Verkehr übergeben werden. Damit ist eine groß« Erleichterung für das Berliner Publi- tum geschaffen. Der zweite Eingang zum U nt ergrundba-hn h o f Knie, der an der Knesebeckstraße liegt, ist später in Angriff genommen worden als der des Bahnhofs Zoo. hier find die Bauarbeiten, bei. denen desselben Schwierigketten mit Grundwasser sich herausgestellt haben, soweit gefördert, daß Anfang Juni mit der Eröffnung gerechnet werden kann. Wenn diese beiden Bahnhöfe fertiggestellt sind, wird auch mit dem Umbau der Hochbahnhöfe Nollendorfplatz und Bülowstraße begonnen werden. Auch bei diesen Bahnhöfen sollen die Bahnsteige verlängert und zweite Ausgänge geschaffen werden. Tööttcher ttnfall bet einer Oemonftrailon. Der Rote Frontkämpferbund hatte am Sonntag einen Wohlappell angesetzt. In den einzelnen Bezirken sammelten sich die Demonstranten. Unter Mitführung von Plakaten, die meist gegen die SPD. hetzten und sich fast nie gegen den Bürgerblock wandten, marschierten die Züge nach dem Lustgarten. Die Beteiligung war, wohl des schlechten Wetters wegen, nicht allzu stark. Die Kommunistenführer L o e w und O l l r i ch t hielten An- sprachen. Bei dem Zug« der 17. Abteilung, die, von Lichtenberg kom- mend, nach dem Lustgarten marschierte, ereignete sich leider«in schwerer Unfall. Im Zuge fuhren einig« Lastauws, besetzt mit RFB.-Mitgliedern, mit. In der Blumenftraße l ö st e s i ch von einem Lastwagen mit Anhänger die Berschlußklappe des ersten Wagens. Infolgedessen stürzten einige Mitglieder aus den, Wagen auf die Straße und verletzten sich zum Teil schwer. Der 22jährig« h. S ch w a n e b e ck aus Lichtenbergs Finowftr. 24, fiel unglücklicherweis« unter den Anhänger, der ihm über den Leib fuhr. Die Berletzungen waren so schwer, daß er bald nach der Einlieferung im Krankenhaus Friedrichshain starb. In der Dresdener Kartonnagenindustrie setzte am Sonnabend vormittag für alle nennenswerten Betriebe der Branche mit über 2500 Beschäftigten der Streik ein. Di« Arbeiterschaft hat den Schiedsspruch abgelehnt. Es ist mit einer Ausdehnung des Streiks zu rechnen! ebenso steht zu erwarten, daß die Z, g a r e t t e n- industrie wegen Mangel an Verpackungsmaterial zu Be- triebseinschränkungen schreiten muß. Das Fahrpersonal der städlischen Straßenbahn in Dresden lehnte das Ergebnis der Lohnverhandlungen— Erhöhung ucs Grundlohnes um 8 Pf. und der Fahrdienstzulage um 1 Pf- pro Stunde bei einer Laufdauer bis 31. Januar 1929— nahezu cm- mutig ab. Das Lohnabkommen hat für den Bezirk S a ch I e n Gültigkeit. Es ist anzunehmen, daß sich auch das Straßenbahn- personal von Leipzig, Chemnitz, Zwickau dem Borgehen in Dresden anschließen wird. Es kann zu ernsten Komplikationen kommen. wenn nicht in letzter Stunde der Arbeitgeberverband einlenkt. Wetterbericht der öffentlichen Wellerdienststelle Berlin und Umgegend(Nachdruck verboten.) Größtenteils bewölkt bis trübe und weiterhin kühl mit fortdauernder Neigung zu Niederschlagen— Für Deutschland: In Süd- und Mitteldeutschland vielfach Nieder- schlüge, im Norden bewölkt und kühl. Neuer Dampf ersteg an der Oberbaumbrücke. Die NordS udhahn-G-esellacha fl errichlet zurzeit am Gröbenufer, dicht an der Oberbaumbrücke und dem Schlesisrhen Tor, einen neuen Anlegesteg für die Personenschiffahrt, der von den SchiffsgeseUschaflen benutzt werden soll, deren eigene Anlegestege an der Janno witzbrücke und am Brandenburger Ufer dem Bau der Spreeunterführung für die Nord- Südbahn weichen mußten. Verein der Verliner Vuchdrucker und Schristgießer. Graphischer Silfsarbeiter'Verband. Die Firmen: vnchd>n»eer-i de» Z. d. Oranienftroße 40-41. Zcatraldrmkerei H. u.». Kunz. Kais.-Wtlh-Sir 32 und„Ocolsche Zeitung", Hedemannstraße 12. sind für Mitglieder der Organisation gesperrt. Bei Konditions- angedoien sind unbedingt vorher Erkundigungen auf den Verwaltungen cinjiuzichcn Die„Deutsche Zeitung" fucht Eeßmaschinensatz bei anderen Firmen herstellen zu lassen. Die Kollegen haben vor Herstellung dieser Arbeiten undedtngt Ertundigungen aus der Verwaltung. Engeluser 24, 1 einzuziehen. Die Vorstände. ölllNMZpeniiev icder Art ieier» vre!-wert Rani GoIIetz. vorm. telurl Htfir Mariannenstraße 3, Ecke Nauniinstrahe Ann Morigvt. 103 08 Ii zur Miete WSO.Ansbacherstr.l L'iue rgeni am Alcxanderplatz Kontor-, Schreib-, Zeichen bedarf, Kontobücher, Karlelen Jetzt Neue Könlgstr. erste Ecke links NarillP- Garucroöe 1 IUI illt# Maßanfertigung Hosen Original-Marineware m. Schlitz od. Latz M. I2r50, 16.50, Offiziers-Hosen M. 22.50. Ang.v. Bund u.Schlitzw. genügt. blaueWolthemden mit Kragen M 10.—, Marine-Ueberzieher M. 35,—, Marine- Arbeitszeugs, 2 teilig, unverwüstlich, M. 13.—. Pfanne-RosacUer. Kiel. 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