BERLIN Mittwoch 18. April Der Abend Erscheint täglich außer Sonntags. Sugleich Abendausgabe des Vorwärts". Bezugspreis für beide Ausgaben 70 Pf. pro Woche, 3 M. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW68, Lindenstr. 3 Spalausgabe des„ Vorwärts 10 Pf. Nr. 184 B 91 45. Jahrgang. Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeile 80 Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Poßscheckkonto: Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Donhoff 292 bis 297 Stresemanns Geheimfonds. Woher stammen die Gelder für politische Korrruption? Ein politischer Blinddarm. Das außerordentlich marktschreierische Auftreten einer Parteigruppe, deren Anhang in um gekehrtem Verhältnis zu dem Aufwand an Reklame steht, macht neuerdings von sich reden. Nähere Feststellungen ergaben, daß von diesen Alt. sozialisten" zu dunklen politischen Agenten und -zum Auswärtigen Amt enge Verbindungen be stehen, die auf die Wahlpraktiken gewisser Inter essenten und Parteigruppen ein grelles Licht werfen. In Sachsen ist bekanntlich die sogenannte Alte sozialdemokratische Partei" als Absplitterung von der Sozialdemokratie entstanden. Die an sich gänzlich belanglofe Gruppe fonnte in diesem Land eine besondere Rolle spielen, weil die untlaren Mehrheitsverhältnisse diese ASP. zum Bünglein an der Wage" bei jeder parlamentarischen Mehrheitsbildung machte. Mit ihrer Hilfe fonnte der Rechtsblod in Sachsen regieren. Jezt versucht die ASP. in Berlin und anderwärts Fuß zu fassen. In Berlin allein haben bisher fünf ASP.- Versammlungen statt. gefunden. Diese Versuche, in Berlin Boden zu gewinnen, find gescheitert. Den Berliner Arbeitern genügte bereits der äußere Eindruck dieser Bersammlungen, in denen Hitler Jungens und Berwölfe den Saalschuh ausübten. So weit so gut! Aber eine Frage taucht immer wieder auf: Wer bezahlt den Riefenaufwand der„ Aspediffen"-Agitation? Jawohl Riefenaufwand! Riesenplatate bei jeder Versammlung, große Säle ohne Eintrittsgeld, Gratisverteilung von Drucksachen, Bostzustellung von Eintrittskarten, dazu die Unkosten einer besonderen Berliner Geschäftsstelle Alles in allem allein in Berlin mehrere tausend Mart! Nun ist es völlig ausgeschlossen, daß die winzige Berliner Ortsgruppe" der ASP. diese Riesenuntoften trägt. Auch aus den regulären Beiträgen der sächsischen Mitglieder fönnen solche Summen nicht für Berlin abgezweigt werden. In der ersten Versammlung gab der Altsozialist" Mossatowski auf die Frage nach den Geldgebern der ASP. die klassische Antwort: ,, Eine Persönlichkeit, die nicht genannt werden will". Allgemeines Gelächter war die Antwort; der große Unbekannte" hat noch feinem Angeschuldigten geholfen. So sah der Ausweis der SR. aus! nice bed Ye on Pown is ૨૫ op૮૩ Die verantwortlichen Stellen der Reichswehr machen noch immer den Versuch, den wahren Charakter der Schwarzen Reichswehr als einer illegalen Verlängerung der Reichsmehr zu leugnen. Es seien Arbeiter" und feine Soldaten gewesen. Das ist jetzt fogar dem Oberleutnant Schulz zu dumm geworden. Als im Weltbühnenprozeß" vor den beleidigten Reichswehr offizieren diese alten Ausreden aufgetischt wurden, schlug er wütend auf den Tisch und schrie: Es ist unglaublich, diese Leute, die Soldaten waren, Gefechtsübungen machten, und die ordentliche Ausweise der Reichswehr hatten, hätten sich einmal einſalben lassen " sollen, sich nicht als Soldaten zu fühlen." auch Am 30. März stellte der Vorwärts" öffentlich die Frage nach den Geldgebern der ASP. und deutete gewisse Zusammenhänge zwischen den ,, Altsozialisten" und dem Schriftsteller Karl Erd mann an, der bekanntlich schon mehrfach ähnliche politische Gewoebel(!) eingestellt und zum Führer einer Maschinengewehrschäfte aufgezogen hat, wobei Erdmann Beauftragter schwerindustrieller Kreise war. Bezeichnenderweise gaben die beiden Redner in der nächsten ASP.- Versammlung, Niekisch und Winnig, auf die Frage des Borwärts" feine Antwort. Wer durch Zurufe eine Antwort auf die Frage nach den Geldgebern erhalten wollte, murde aus dem Saal gewiesen. Hierbei wurde festgestellt, daß an diesem Abend das Hausrecht bei der Aspestisten"-Bersammlung im Herrenhaus der bisherige nationalsozialistische Landtags. abgeordnete Raiser, Antlam, hatte! So nahe berühren sich schon ASP. und Hitler! In einer späteren Bersammlung der ASP. glückte es endlich, den Altsozialisten" Mossakowski zu dem Zugeständnis zu bringen, daß tatsächlich der Schriftsteller Karl Erdmann Geld für die Sp. gegeben habe. Für uns ist dies Geständnis des Herrn Mossakowski recht wertvoll, denn das Dresdener Zentralorgan der Atsozialisten, der ,, Boltsstaat", schreibt jüngst:„ Das Geld stammt auch nicht von Karl Erdmann." Diese Kühnheit ist um so erstaunlicher, als Wir sind heute in der Lage, einen besonders interessanten Aus. weis dieser Art zu veröffentlichen: den Ausweis jenes Rari Mertens, dessen Veröffentlichungen wesentlich zur Aufrollung der Fememorde beigetragen haben. Mertens gehörte zum engeren der Fememorde beigetragen haben. Mertens gehörte zum engeren Stabe des Oberleutnants Schulz. Er ist 1923 vom Freiforps Oberland zur Schwarzen Reichswehr nach Frankfurt a. d. O„ dersetzt"(!) worden. Obwohl er vorher niemals gedient hatte bas ist höchft bemerkenswert, wurde er dort von Leutnant Damm, dem Arbeitskommandoführer in Frankfurt a. d. O., als Feld tompagnie ernannt. Anfangs gehörte Mertens zum Stab des Majors Buchruder, Sig Zeughaus Küftrin. Im August 1923 erfolgte seine Versegung zum Stab ber Schwarzen Reichswehr nach Berlin, wo er im Wehrkreiskommando III( Berlin), Kurfürstenstraße 63-69, als Untergebener des Oberleutnant Schulz mit der Uebernahme einer zu bildenden Stabstompagnie betraut wurde. Der Ausweis gleicht in allen Stücken einem offiziellen Truppen ausweis der Reichswehr von 1923. Er trägt verschiedene Stempel der 3. Division( Berlin) und lautet auf Rarl Mertens, Feldwebel, eingestellt im 8. Inf. Regt. Das& Infanterieregiment hat seinen Standort in Frant furt a. b. D. Als Aussteller des Ausweises ist„ Der Reichswehrminister angegeben. Auf der Rückseite der Urkunde zeichnet als„ Leutnant und Kommando(!) Führer" der Leutnant Damm, der Führer des„ Arbeitskommandos Frankfurt a. d. v. übrigens Karl Erdmann selbst lauf und vernehmlich vor Zeugen Liebestragödie im Grunewald. erklärt hat, daß er die Kosten der alsozialistischen Bersammlung in Haverlands Festfälen bezahlt habe! Fortegung auf der 2. Seite) Schlägerei in einer Versammlung. Berichte auf der 2. Seite. Weiter zeigt die Rückseite des Ausweises neben zwei amtlichen Etempeln der 3. Division( Berlin) eine Dienstmarte: Beglaubigt für Sept./Dez. 1923 und enthält ferner freie Martenfelder für insgesamt drei Jahre. Das Lichtbild auf der Vorderseite der Urkunde zeigt Mertens in der Uniform eines Reichswehrfeldwebels mit den neuen Schulterflappen, den vorschriftsmäßigen Gardeligen und offizieller Reichswehrmüge. Man sieht: Oberleutnant Schulz hat vollkommen recht, über das Verhalten seiner ehemaligen Reichswehrvorgesetzten entrüstet zu sein! Wie aber steht es mit Herrn Geßler? Als im Herbst 1926 die Deffentlichkeit aufs heftigste erregt war, erflärte er in einem Berliner Blatt( Tageblatt" vom 31. Oktober): Die Schwarze Reichswehr bestenfalls eine Idee", und die Arbeitskommandos, denen Oberleutnant Schulz und die Seinen angehörten, standen in feiner Verbindung mit der Truppe". „ Soldaten sind die Angehörigen der Arbeitstrupps nie gewesen, sie waren Angestellte und Arbeiter." Diese Erklärung fennzeichnet die Rolle, die Geßler in diesem trübsten aller Reichswehrtapitel gespielt hat. Es steht somit jest: Die Angehörigen der Arbeitskommandos", diese Angestellten und Arbeiter", wurden für Bürgerkrieg und hochverrat ausgebildet( ,, im Namen der Reichswehr"), sondern sie besaßen auch amtliche Ausweise, die sie als Angehörige eines attiven Truppenteils fennzeichneten. Sie trugen offizielle Reichswehruniform und unterschieden sich in nichts von den Soldaten der Reichswehr. Das nachträgliche Leugnen verschlimmert nur die Sache. Lohnfämpfe in der Metallindustrie. 3n Hannover stehen 15000 im Kampf. Hannover, 18. April.( Eigenbericht.) Die hannoverschen Metallindustriellen haben seinerzeit den Manfelfarif für die hannoversche Metallindustrie zum 31. März gekündigt, während die Arbeiterorganisationen den Lohnfarif zum 14. April kündigten. Ueber die beiderseits aufgestellten Forderungen ift mehrfach resultaflos verhandelt worden. Eine Bersammlung von Bertretern aus den Betrieben beschloß darauf, betriebsweise vorzugehen. Da auch hier die Forderungen abgelehnt werden, legten heute in fünf verschiedenen Betrieben etwa 1000 Arbeiter die Arbeit nieder. Ju den Betrieben des Arbeitgeberverbandes find insgesamt cand 15 000 Arbeiler beschäftigt. stvi 7790 Stresemanns Geheimfonds. ( Fortiehung von der 1. Seite.) Erdmann verschaffte sich sogar mit diesem Hinweis von dem wachthabenden Schupo Eintritt in den Saal, der bereits polizeilich gesperrt war, und nahm daraufhin neben dem Vorstands tisch Plazz. Und nun eine Frage, die politisch von größtem Reiz ist: , Woher stammen die Gelder Karl Erdmanns?" Die gleiche Frage ist bereits vor einigen Jahren einmal beantwortet worden, und zwar von Herrn Ernst von Borsig, er sich mit bemerkenswertem Freimut dazu bekannt hat, daß die Vereinigung deutscher Arbeitgeberverbände", seren Vorsitzender bekanntlich Borsig ist, dem Firnverlag"( sprich Erdmann!) Geld gegeben habe. Angeblich geschah das damals zum Erwerb von Schriften für die Arbeitgebervereinigung. Es ist mzwischen jedoch erwiesen, daß die damaligen Aufwendungen weit größer waren als die Gegenleistungen, die die Arbeitgeber empfingen. Bielleicht ist Herr von Borsig so liebenswürdig, auch Diesmal wieder durch eine freimütige Erklärung zu der Frage Stellung zu nehmen, ob er, oder die Vereinigung deutscher Arbeit jeberverbände" über Erdmann Gelder an die ASP. gelangen ließ?! " Das treue KPP- Mitglied. Saold Die Rote Falme 314 23. Februar. 1922 ... der berüchtigte.. Spitzel Otto.. Braun Om also: wenn die„ Rote Fahne" einen als Spiel bezeichnet, dann ist er in Wirklichkeit ein Führer. Und wenn sie einen als Führer bezeichnet, dann ist er in Wirklichkeit...?" Man spricht noch von einer anderen Geldquelle der Altsozialisten", deren öffentliche Mitteilung allgemeines Aufsehen erregen dürfte. Das Auswärtige Amt speist das altsozialdemokratische Zentralorgan ,, Der Boltsstaat"! Diese Tatsache, die dem Haushaltsausschuß, des Reichstags bisher verheimlicht wurde, bedeutet eine neue Verlegung des Haus= haltsrechts. Also nicht nur im Reiche Geßlers herrschte schwarze Etatswirtschaft, auch im Amte des Herrn Stresemann wandern Gelder auf eigenen Wegen. Die ASP. ist gewiß eine hoffnungslose Minderheit, aber sie ist doch keine bedrängte Minderheit im Ausland, Herr Stresemann Welches Interesse hatte nun Stresemanns Partei an diesem politischen Geschäft? Die vier fächsischen Landtagsmandate der ASP. ermöglichen es der Deutschen Volkspartei, sich in Sachsen an der Regierung zu halten und die Sozialdemokratische Partei auszuschalten. Demnach hat sich der Mißbrauch amtlicher Gelder für parteipolitische Zwecke wohl für die Deutsche Volksparter gelohnt.Herr Stresemann beklagte sich überdies kürzlich so bitter darüber, daß die Industrie Mandate kaufen wolle. Bei solchem Standpunkt ist es doch wohl auch nicht richtig, Zeitungen bestimmter Barteien zu unterstüßen. Die ASP. ist also gewissermaßen ein Blind. darm der Deutschen Volkspartei. Das haben sich die ehemaligen sozialdemokratischen Wähler und Mitglieder der ASP. gewiß nicht träumen lassen. Die ASP. bezeichnet sich in ihren Kundgebungen als die einzige Partei des Staates schlechthin". Das Programm spricht von ,, vorbehaltloser Staatsbejahung". Die Partei des Staates" müßte sich etwas deutlicher als eine Partei der Staatstaffe" bezeichnen. Reudell unterstützt die KPD. Die preußische Regierung hat das einzige Richtige und Mögliche| Säge, deren Verlogenheit schlechterdings nicht mehr überboten getan, was gegen den Keudellschen Gewaltstreich zu tun war: sie hat werden kann: Einspruch erhoben. Der Weg dieses Einspruchs ist durch, das Gesetz vorgezeichnet.§ 17 des Republikschutzgesetzes sagt wörtlich: Der Reichsminister des Innern fann die Landeszentralbehörden um die Anordnung einer solchen Maßnahme ( Verbot eines Vereins usw. Red.) ersuchen. Glaubt die Landeszentralbehörde, einem solchen Ersuchen nicht entsprechen zu können, so teilt sie dies auf telegraphischem oder telephonischem Wege, spätestens aber am zweiten Tage nach Empfang des Ersuchens dem Reichsminister des Innern mit und ruft gleichzeitig auf demselben Wege die Entscheidung des Staatsgerichtshofes zum Schutze der Republik an. Entscheidet dieser für die Anordnung, so hat die Landesbehörde die erforderlichen Maßnahmen so fort zu treffen. Durch die Anrufung des Staatsgerichtshofes hat die preußische Regierung flar zum Ausdruck gebracht, daß sie dem Ersuchen Keudells nicht entsprechen will. Praktisch ist damit zunächst erreicht, daß ein Berbot des Roten Frontkämpferbundes für das preußische Gebiet nicht erlassen wird. Vor dem Staatsgerichtshof hat der Reichsinnenminister erst den Nachweis zu erbringen, daß sein Ersuchen um Verbot des RFB., den durch§ 14 des Republikschutzgesetzes näher bezeichneten Voraussetzungen entsprach, was ihm faum gelingen dürfte, wenn ihm die Kommunisten nicht noch mit Gewalt Material liefern. Der preußische Innenminister hat somit alles getan, was überhaupt in den Kräften der preußischen Regie: rung stand, um den gegen die Vereinsfreiheit gerichteten Schlag des deutschnationalen Reichsinnenministers aufzuhalten, und abzu wehren. Grund genug für die„ Rote Fahne", eine ganze Seite lang wegen des Verbotes des RFB. gegen Preußen, gegen Grzesinsti, gegen die Sozialdemokratie und gegen die freien Gewertschaften zu toben. Wir zitieren einige Dem Bürgerblock und der Landesregierung ist es mit dem Verbot des Roten Frontfämpferbundes bitterernst.... Bei dieser ersten großen sichtbaren Deklaration des imperialistischen Deutschlands stehen sozialdemokratische Führer und Gewerkschaftsbureaukraten Pate.... Bor der deutschen Arbeiterschaft steht die lüdentose Front der Bourgeoisie und der reformistichen handlanger der SPD. und Gewerkschaftsführer.... Die Kommunistische Partei und der RFB. werden an der Spitze des Wahlkampfes marschieren. Kein Verbot eines Keudell, einer Bürgerblodregierung, feine noch so nachhaltige Stügung durch den Reformismus wird beide Organisationen an der restlosen Erfüllung ihrer Klassenpflicht hindern können.... Jeder Arbeiter fennt zur Genüge diese Methode der Preußenregierung. In der Phraje irgendein Protest, in der Tat refilose Durchführung der Bürgerblodbefehle. Jedermann sieht: wenn die Preußenregierung etwa die gegenteilige Haltung eingenommen, wenn sie das Keudellsche Ersuchen widerspruchstos erfüllt hätte das Betobe und Geschimpfe des Kommunistenblattes fönnte nicht wüster sein. Dabei verrät es mit feinem Wort, was eigentlich Preußen anderes hätte tun sollen, | als- wie geschehen gegen die Keudellsche Anweisung Einspruch zu erheben. Sie weiß es selber nicht, aber sie wütet. Der Grund der Wut liegt allerdings flar zutage. Denn gerade das Vorgehen der Breußenregierung gegen Keudellsche Willkür führt der 2rbeiterschaft den gewaltigen Unterschied vor Augen zwischen der Bürgerblodregierung im Reich und der von der Sozialdemokratie mitgeletten Preußenregierung in bezug auf die Wahrung der demokratischen Freiheitsrechte. wir glauben der Roten Fahne" gern, daß es ihr außerordentlich peinlich ist, wie hier der werktätigen Bevölkerung geradezu an einem Schulbeispiel der Gegensatz von Reaktion und Sozialdemo tratie vor Augen geführt wird! Kommunisten unterstützen Keudell. Bon einem unserer Mitarbeiter wird uns mitgeteilt: Am Dienstag abend veranstalteten die Deutsch nationalen in der Aula des Prinz- Heinrich- Gymnasiums in der Grunewaldstraße eine öffentliche Versammlung. Der Redner, Bürgermeister Berndt Schöneberg, hielt eine fast zweistündige Herede gegen die republikanischen Parteien, besonders gegen die Sozialdemofratie. Trotzdem zum Beginn der Versammlung den Diskussionsrednern volle Redefreiheit zugesichert wurde Bürgermeister Berndt hatte dafür sein Ehrenwort gegeben, wollte man ihnen nach Beendigung des Referats nur 5( fünf) Minuten gewähren. Diese Unehrlichkeit löfte bei einem Teil der Bersammlung einen Proteststurm aus, der schließlich durch die provokatorische Haltung der im Saal verteilten Stahlhelm Leute, die anfingen, mit Stöden und Gummifnüppeln auf ihre politischen Gegner einzuschlagen, in Tätlichkeiten ausartete. Die Polizei erschien im Saal und nahm verschiedene Festnahmen vor; sie tonnte auch eine Anzahl Gummifnüppel, die den Stahlheimern gehörten, beschlagnahmen. Ich legitimierte mich nun gegenüber den Polizeioffizieren als Berichterstatter des Vorwärts", um ihnen eine objetline Darstel " lung des Vorgangs, an dem die Stahlhelm- Leute allein die Schuld frugen, zu geben und die Freilassung einiger zu Unrecht verhafteter Kommunisten zu erwirten. Natürlich waren die Kommunisten Zeugen des Vorgangs. Ein Gauführer des Roten Frontkämpferbundes gab mir sogar seine Adresse. llnd was taten sie? Buerst ließen sie die Stahlheliner ruhig abziehen. Eine Rotte von ihnen aber verfolgte mich von ihnen aber verfolgte mich und einen Reichsbannertameraden bis in eine menschenleere Straße hinein, wo sie uns plöglich in der heimtückischsten Weise überfielen. Mein Begleiter murde ich wer mißhandelt und blutig geschlagen, ich selbst erhielt eine Bunde am Auge. Als Polizeibeamte erschienen, ergriffen die Rowdies die Flucht und enttamen. " So liefern die Kommunisten, sicher nicht ohne Absicht. selbst das Material, daß dann ein Keudell zu seinen Verbots- ,, Ersuchen" an die Landesregierungen braucht. Wahrscheinlich wird die„ Rote Fahne" diese raufluftigen Kommunisten morgen wieder als Lodfpigel" bezeichnen, um fle übermorgen als profetarische Borfämpfer" zu feiern, die aus der Haft selbst mit Gewalt befreit werden müssen. Liebestragödie junger Ruffen. Sie erschießen sich in Gegenwart einer Freundin. " Die Meldung von einem Doppelverbrechen tief in der gestorben. Die Leiche des Mädchens wurde gleich nach dem Schauvergangenen Nacht die Mordkommiffion der Betliner Krimi- hause in Charlottenburg gebracht. Die jungen Leute hatten, bevor nalpolizei nach dem Grunewald. Die Beamten fanden dort sie den verhängnisvollen Schritt taten, alles geordnet und über ihre in dem in der Nähe des Teufelsfees gelegenen Jagen 86 einen Sachen, besonders auch über die Musikinstrumente verfügt. jungen Mann und ein junges mäddjen mit Schußwunden blutüberftrömt liegen. Das Mädchen war bereits tof, während der junge Mann noch schwache Lebenszeichen gab. Et wurde fofort in das Krankenhaus Westend gebracht, ist dort aber heute morgen verstorben. Die Polizei fonnte bisher folgendes ermitteln: der in der Hohenstaufenstraße 56 wohnte, hielt sich nach dem UmEin am 7. Juni 1907 in Obeffa geborener Aler Fräntel, sturz in Berlin auf, um hier medizin zu studieren. Aus eigenen Mitteln konnte er sich nicht erhalten und nahm deshalb bei einem hiesigen russischen Arzte eine Stellung als Privatsekretär an. Bor längerer Zeit lernte er eine scherteffin, eine am 26. Juni 1906 in Achalzig im Kaukasus geborene Valeria Kaminskaja kennen, die in Berlin funstgewerbliche Studien betrieb und in der Bestalozzistraße 103 wohnte und verliebte fich in das Mädchen. Beibe waren, wie ihre Freundin, eine Tscherkessin Tatjana Sanftleben, die als Erzieherin in der Kleiststraße wohnt, aus: fagt, schon länger von Liebesfuminer und Weltschmerz befallen, weil sie feine Aussicht hatten, einander auf die Dauer anzugehören. Am Dienstag nachmittag wurde die Freundin durch den Fern sprecher gebeten, an einem Ausflug nach dem Grunewald teilzunehmen, und zu diesem Zwecke etwas Geld mitzubringen. Die Freundin steckte 5 M. ein und alle drei trafen sich am 300. Was die beiden vorhatten, wußte Fräulein Sanftleben nicht; fie trugen auch ein ganz vergnügtes Wesen zur Schau. Erst spät trafen die drei im Grunewald ein und gingen plaudernd verschiedene Wège durch mehrere Jagen hindurch. Blöglich erklärten die beiden, als man im Jagen 86, in der Nähe des Teufelssees angekommen war, daß sie jetzt ihren Vorsatz ausführen wollten. Die Erzieherin sah, daß es ernst wurde, als Fränkel eine Schußwaffe 30g, die er, wie er fagte, für seine letzten 40 m. getauft hatte. Sie fahidte sich an, eine Schupoftreife, die in der Nähe durch den dunklen Wald ritt, zu benachrichtigen, Fränkel hinderte sie jedoch daran. Jest nahmen die beiden voneinander zärtlichen Abschied. Dann fegte Fränkel feiner Geliebten die Pistole an den Kopf und drüdte ab. Das Mädchen brach auf der Stelle tot zusammen. Fränkel richtete die Baffe nun gegen sich selbst, schoß sich ebenfalls eine Kugel in den Stopf. fant schwer verletzt, aber noch lebend, zu Boden. Die ASP., die es als ihre Aufgabe ansieht, die Sozialdemofratie in Sachsen von der Regierungsbeteiligung abzudrängen und in ganz Deutschland durch Absplitterung zu schädigent, ist zu einem vorgeschobenen Posten der Sübustrie geworden, ber bei Bekämpfung ber gefaßten Sozialdemokratie jedes Mittel recht ift. Der frühere Synditus der sächsischen Industriellen, Außen minister Stresemann im Bunde mit Herrn Erd- Schupostreise und teilte ihr den Borfall mit. Die Beamten fanden Die entsegte Freundin lief hilferufend weg, stieß auf eine mann, dem Verwalter schwerindustrieller Gelder eine Fest Fränkel noch lebend auf und riefen die Feuerwehr, die ihn nach Fest- Fränkel stellung, der mir nichts mehr hinzuzusehen haben. dem Krankenhaus Westend brachte. Dort ist er heute morgen ebenfalls Die ,, Bremen" sitzt noch fest. Ein Bericht über den Ozeanflug. New York, 18. April. Nach Meldungen aus Point Amour erklärte Hünefeld: Die Bremen hatte nach ihrem Abflug von Irland während des ganzen Donnerstag gute Fortschritte gemacht. Während der Nacht zog ein Schneesturm auf, der die Bremen zwang, aus der ursprünglichen Flughöhe niederzugehen und niedrig zu fliegen, obwohl der anbrechende Tag die Gelegenheit bot, die Kursrichtung zu berichtigen. Das Wetter wurde von Stunde zu Stunde schlechter, und das Flag= jeug fonnte hur mit den größten Schwierigkeiten hochgehalten werden. Als es die Küste von Neufundland erreichte, slog es gefähr lich niedrig. Bald darauf sahen wir dann den Leuchtturm von Greenly Island. Hünefeld schreibt das Umherirren der Bremen, das schließlich zur Landung in Greenly Island führte, dem Umstände zu, daß das Beleuchtungssystem der Bremen fagte. Infolgedeffeit war es stundenlang unmöglich, die Instru mente abzulesen. Hlinefeld schätzt die Strecke, in der die Bremen vollkommen bunkel flog und dabei vom Südwestkurs nach Norden abgetrieben wurde, auf etwa 700 Kilometer. Der= Einigung bei der Straßenbahn. Die Neuregelung der Löhne abgeschloffen. Nunmehr ist auch bei der Straßenbahn die Neuregelung der Löhne entsprechend den Beschlüssen des Magistrats vereinbart worden. Die Regelung der Frauen und Kinderzulagen ist gleichfalls, wie in den anderen städtischen Betrieben befchloffett. Für die Rückführung der Altersgrenze des Bollarbeiters, die bei der Straßenbahn nicht sonderlich ins Gewicht fallen würde, ist eine andere Regelung erfolgt. Die Ingelernten und Angelernten er halten nach fünfjähriger Dienstzeit eine weitere Zulage von 2 Pf. lung der Straßenbahner mitgeteilt und fand die Billigung ber Diese Vereinbarung wurde gestern in einer FunktionärversammVertreter der Belegschaft. Damit herrscht auf der Straßenbahn Friede. Die Schupo protestiert. Gegen die Neuregelung des Gonderdienstes. Nachdem bereits der Allgemeine preußische Polizeibeamtenverband gegen die Neuregelung des Sonderdienstes der Schupo Stellung genommen hatte, protestierte auch der Ver= band preußischer Polizeibeamten in einer gut besuchten Bersammlung dagegen. -Der Referent Swarat zeigte in seinen Darlegungen, welche Mehrbelastung an Arbeit und auch an Kosten die nicht ersetzt werden dem einzelnen Beamten aus dem Sonderdienst erwachsen würden, ohne daß die Allgemeinheit irgendwelchen Nutzen davon hätte. Denn der Sonderdienst, der übrigens auch für die ReDierbeamten regelmäßige lebungen in Sport- und Waffenaus Sildung vorsieht, würde der Polizei im Grunde nur den altpreußischen„ Schmiß" wiedergeben, den sie heute glücklich überwun den hat. Es ist unsinnig und überflüssig, Beamte bis zum 45. Jahr, nach neueren Bekanntgaben sogar bis zum 60., im forrekten Grüßen, in militärischen Schrittformen und dergleichen zu unterrichten. Aber der Revierbeamte, der seit Jahr und Tag an seinem Bult sitzt, dürfte auch in den meisten Fällen zum Sporttreiben feine Begabung mehr haben. Es würde eine unbeschreibliche Tragikomödie werden, wollte man hier wieder mit einer militärischen Ausbildung deginnen. Der Redner behandelte noch verschiedene Mängel der gegen wärtigen Dienstordnung, die auch in der Diskussion eingehend er= örtert wurden. So haben zurzeit die Kraftfahrer noch 24stün digen Bereitschaftsdienst. Es bedeutet unter Umständen eine außer ordentliche Gefahr, diese übermüdeten Menschen als Kraftwagen führer hinauszuschicken. Junge Polizeibeamte flagten, daß sie Wachtdienst in vorschriftsmäßiger Haltung vor dem Reichspräsidentenpalais bis zu 10 Stunden ausführen müßten, ohne noch dazu vorher ausreichende Ruhezeit gehabt zu haben. Die Versammlung nahm einstimmig eine Resolution an, in der Berzicht auf die Neuordnung des Sonderdienstes und Abstellung einzelner anderer Mißstände geforderte wurde. Akt.-Nr. 513. Aus den Papieren eines Rechtsanwalts. Nach Abschluß des Goldgräberromans, Der Schatz der Sierra Madre" von B. Traven, der bei den Lesern des Abend den größten Beifall gefunden hat, bringen wir die Schilderung einer durch den Krieg und seine Folgen zerbrochenen Ehe. Es sind nur die Aufzeichnungen eines Rechtsanwalts, aber sie geben in ihrer einfachen Sprache das ergreifende Bild einer menschlichen Tragödie, die aus der Unzulänglichkeit unserer sozialen Verhältnisse, aus falscher Erziehung und aus der Charakterschwäche der handelnden Personen geboren ist. Wir sind sicher, daß diese Veröffentlichung dem Abend" viele neue Freunde bringen wird. Der bayerische Klappersforch geht um. Bon Nabelschnüren, Pfahlbaufrauen- und Schlangenelern. Die Belange des Klapperstorchs werden nicht nur in Bayern verfochten, sondern überall, wo es finster ist. In Bayern freilich am heftigsten, Dieje Heftigkeit zeitigt juweilen luftige Blüten. Aus den Berliner Kunstsalons. Menzel und Schlichter. Schau von Werten Adolf Menze! s; bei Mierendorf sieht man Die Galerie Thannhauser bietet eine vortrefflich ausgewählte| zeugungskraft hingefeßt, daß man die Dargestellten anders von nun drei Säle voll Gemälden und Zeichnungen des in Berlin lebenden Schwaben Rudolf Schlichter. Menzel wird wohl jeber um seiner Friedrichs- Illustrationen willen fennen; Schlichter ist politisch Aufgeklärten durch seine scharfen und witzigen Zeichnungen bekannt. Weit darüber hinaus bieten diese zwei eine Parallele von gründ lichem Interesse, als prominente Borsprecher ihrer Epochen: Menzel der typische Maler des manchesterlichen Bourgeois, Schlichter der Vertreter der heraufkommenden Zeit, der Bekenner einer unerbittlich wägenden Gesellschaftskritit. Menzel ist von beiden sicher der Bedeutendere; in seinem ungeheuren Lebenswert spiegelt sich das ganze 19. Jahrhundert in seltener Treue und Bollständigkeit, zahlreiche Meisterwerke von historisch bleibendem Rang sind darunter. Auch ist er durchaus nicht ein Stiave seiner Auftraggeber, wie z. B. sein Epigone Anton v. Werner, sondern eine fritische Natur, die eine oft äzende Schärfe der Beobachtung an die weniger erfreulichen Eigenschaften ihrer Zeitgenossen wendet. Aber dieses Mißtrauen des genialen Zwerges galt nicht der Gesellschaft als solcher, sondern nur dem jeweiligen Exemplar. Er malt zwar ebenso den Schwerarbeiter, das Proletarierkind, wie die Hoffeste Wilhelms I. und fridericianische Hiftorien. Aber seine unbestechliche Beobachtung breitet sich gleichmäßig und uferfos über alles aus, was ihm vor die Brillengläser tommt; er malt und zeichnet mit wahrem Berufsingrimm die nichtigsten wie die wichtigsten Dinge und Menschen, sein Werf gleicht einem ungeheuren Trödelladen des 19. Jahrhunderts, und wer wollte bezweifeln, daß der Schöpfer und Herr dieses wüsten Krams, dieses treuesten Spiegels der Bürgerherrlichkeit, selber davon das Prunt stück war? Nur seine Menschenverachtung gibt ihm das Recht und die Laune, in jedem Einzelfall kritisch zu werden, nur sein unermeßliches Können die Detailschärfe, die uns dieses unschäzbare Mas terial so überlieferte, daß wir es mit heutigen Augen zu sehen und zu durchschauen vermögen. Demgegenüber steht die sehr zielbewußte und streng sondernde Sachlichkeit des heutigen Beristen", der Rudolf Schlichter ist. Man kann von den unmittelbaren Aeußerungen seiner politischen Gesinnung absehen; sie treten auch kaum in der Ausstellung zutage. Es sind im wesentlichen Porträts von Menschen und Landschaften, mit einer meisterlichen Genauigkeit und bildnismäßigen UeberDer große Artist. Sylvester Schäffer und„ Scampolo" im Titania- Palast. Der gut gearbeitete Film„ Das Mädchen der Straße" nach Nicodemis Luftspiel Scampolo" ist nicht die Hauptsache. Die Attraktion des Programms bleibt der große Universalartist Syl Defter Schäffer. Die Zeit ist an ihm spurlos vorbeigegangen. Wie vor zwanzig Jahren reitet er heute noch mit vorbildlicher Eleganz und Eraktheit die Hohe Schule, jongliert mit Zentnerfugeln, zaubert, malt, geigt und zeigt sich als nie versagender Schüße. Wie damals fasziniert auch jetzt noch seine bescheidene Liebenswürdigkeit, feine Unposiertheit und die Selbstverständlichkeit, mit der er bie schwierigsten Dinge meistert. an sich faum mehr vorstellen kann. Diese Form allerbestimmtester Körperlichkeit bedeutet das Gegenteil von dem Malerischen bei Menzel, weil sie nicht von dem optischen Gelegenheitsbilde, von der uferlesen Gleidyfchägung alles Eriftenten ausgeht, sondern von der auswählenden, streng betonten Vorstellung des Künstlers, also von einer vorgefaßten Meinung. Alle wahrhaft schöpferischen Epochen der Kunst verfuhren der Art; sie besaßen Stil", d. h. eine vorgefaßte Art, die Welt zu betrachten und aus dem Unendlichen der Erscheinung das ihnen Genehme herauszuholen und durch künftIerische Form zu verewigen. Was Schlichter, als einer der charaktervollsten Repräsentanten unseres Gegenwartswollens, aus dem Chaos der Natur heraushebt und darstellt, ist das Plastisch- Wesentliche vor allem des menschlichen Individuums, sind die Merkmale der Persönlichkeit, unbekümmert um die umgebende Welt, soweit sie ihn nicht angeht, fünstlerisch also isoliert, mit einem fahlen Stückchen Raum, das zur Körpersetzung dieses Individuums dient. In der Landschaft oder in der figürlichen Szene ist es nicht anders. Das ist nicht etwa das gleiche wie Realismus", sondern in tiefstem Wesen sein Widerspiel: Ge= fettfchaftstritit. Man wird in den solcherart eingesponnenen und ganz auf sich gestellten Persönlichkeiten manche bedeutenden Männer, ebenso anonyme Zufallswesen, niemals aber eine„, repräsentative" Figur aus der innerlich überwundenen Epoche des Bourgeoistums finden. Aber diese Auswahl ist nicht einmal das Wesentliche. Vielmehr ist es die geistige Haltung, die der formalen entspricht; eine Herausschälung des ganzen Menschen in seiner Bedeutung und feinen kleinen Zufälligkeiten, ohne Rücksicht und ganz unbarmherzig, was man am besten mit Berismus“ bezeichnen könnte, mit dem Bestreben nach Aufrichtigkeit um jeden Preis. Das Malerische" Mengels verschleiert und verschönt, auch wo er das Bittere fah und unbewußt mitgab. Bei Schlichter gibt es kein Ausweichen vor der Wahrheit, die Form, nackt und fahl, entblößt das Wesen des Menschen und des Gegenstandes. Eine entgötterte Welt zeigt sich, gehoben durch den Mut zur Selbsterkenntnis, auf sich) ge= stellt, Mensch, der sich bewußt gegen seine Umwelt behauptet und gewillt ist, das Leben ohne falsche Ideale auf sich zu nehmen und zu überwinden. In diesem Sinne find etwa die Bildnisse Döblins, D. M. Grafs und E. E. Kischs und der Frau Apfel die bezeichnendsten Werke einer neuen Anschauungsform. Dr. Paul F. Schmidt. und: er habe ihm Spigel ins Haus geschickt". Herzog will sich das nicht gefallen lassen und beantragt eine instweilige Verfügung, daß das Buch bis zur Hauptverhandlung aus dem Handel gezogen oder daß mindestens beleidigende Stellen darin geschwärzt werden. Wie zwei Kampfhähne hacen die wütenden Literaten aufeinander los zur großen Freude des Borfizenden und seiner Affefforen. Die eigentümlichen Vorgänge von 1918 erstehen wieder vor unserem geistigen Auge, jene Geschichte, die dem fühnen Streiter Herzog den Namen„ erzog von Abfunbien" eingetragen hat. Schon im Juli trübten sich die guten Beziehungen zwischen den beiden. Bei Holitscher flingelte das Telephon: Herzog fündigt ihm den Besuch eines Beamten der Politischen Polizei an und bittet ihn, er möge um 2 Uhr in den„ Kaiserhof" offenbar das da malige fommunistische Standquartier fommen und berichten, wie alles abgelaufen sei. Prompt langt denn auch der Polizeier an, den Herzog, der schwerkrant" im Bette lag, nicht hatte empfangen fönnen. Es handelte sich um revolutionäre Jugendschriften, für die sich die damals noch kaiserlichen Behörden auffallend warm intereffierten. Der Film bringt die zu weit ausgesponnene Geschichte von dem fleinen Bettlermädchen, das schließlich den berühmt gewordenen Ingenieur heiratet. Der Regisseur Augufto Genina behni den Stoff durch Episoden, die an sich wißig und filmisch erfunden sind, aber mit der Handlung nicht immer organisch verwachsen. Trotzdem Holitscher war von diesem sonderbaren Freundschaftsdienst ist das ganze sehr nett und unterhaltsam gemacht. Vielleicht wartet Vor einiger Zeit brachte die Ufa einen Kulturfilm heraus: man zu oft mit Aufnahmen römischer Sehenswürdigkeiten auf, doch erzogs wenig erbaut. Aber auch von dem, was sich Ende des Natur und Liebe", der einen feineswegs tühnen, aber im allge- die Hauptfache bleibt die schauspielerische Leistung, und hier kann Jahres abspielte. Herzog gründete die Republik", eine revolutiomeinen mit den Resultaten der modernen Wissenschaft überein Genina wirklich Erfolge verzeichnen. Carmen Boni spielt Scam- näre Tageszeitung. Das Geld dazu betam er von„ reichen Tierftimmenden Bersuch darstellt, die Entwicklung des Lebens vom Urtier polo, das fleine Bettlermädchen. Mertte man früher bie mastie: gartenjünglingen", wie fich Siegfried Jakobjohn in der Weltbühne“ zum Menschen zu zeigen. Der Stempel„ Ulfa" dürfte jedem Eingerung, das manitürte Besen hinter dem einfachen Kostümt, so ist bantals ausdrückte. Als das Unternehmen schon nach wenigen weihten die Gewißheit geben, daß dieser Film nichts barg, was die diesmal Carmen Boni frei von Unarten, auch viel gelöster in der Wochen verfrachte, bekam der Herausgeber Herzog von Erik Ernst Grenzen bürgerlicher Moral und Sitte überschritt und die Rücksicht Bewegung. Das gleiche gilt von Pavanelli, der mehr ist als Schwabach, dem Geldgeber, eine größere Summe, mit der die langfristig angestellten Redakteure, darunter Alfons Goldschmidt, entauf fultur- reattionäre Bedürfnisse sträflich verlegte. der charmante Bonvivant im Frack und Pyjama. schädigt werden sollten. Auf diese Abfindung so behauptet Holitscher, behauptet aber auch Goldschmidt warten die Redakteure der Republik" noch heute. Daher der Name„ Herzog von Abfundien. Jedennoch: Bayern hat Anstoß genommen. Das bayerische Innenminifterium stellte auf Veranlassung der firchlichen Ober behörden Bayerns bei der Oberprüfstelle den Antrag, die Zulassung des Films für Jugendliche wieder aufzuheben. Und zwar: 1. weil bei der Schilderung der Steinzeite und Pfahlbaumenschen fellbe fleidete Frauen gezeigt werben; 2. weil menschliche Abnormitäten zu sehen sind; 3. weil das Durchschneiden der Nabelschnur bei einem Neugeborenen vorgeführt wird. Und 4. Herz wappne dich weil es bedenklich ist, Jugendlichen das Entschlüpfen von Schlangen aus dem Ei zu demonstrieren. Das mit den Abnormitäten verstehen wir gewöhnlichen Normaleuropäer ja am ehesten noch: es wird der durch Ludwig Thoma und Ostar Maria Graf der Um- und Nachwelt literarisch verbriefte übertriebene Aesthetizismus der bayerischen Ureinwohner sein, der hier Anstoß nimmt( möglicherweise aber steckt auch ein Beschluß der Anatomischen Abnormitäts- Budenbefizer von der Oktoberfestwiese dahinter, die hier eine bedrohliche Konkurrenz wittern). Schwieriger schon ist es, zu eruieren, weshalb das baŋe= rische Staats- und Kirchenministerium die Durchschneidung ber Nabelschnur für Jugendliche verboten wissen will. Sollten in Bayern etwa doch noch die fleinen Kinder wenigstens die fatho= lischen vom Klapperstorch an weißblauseidenen Bändchen ins irdische Freudental.gebracht werden? Oder fürchtet man, daß die Jugend darin einen symbolischen Anreiz erblide, später einmal die Nabelschnur zwischen der Mutter Kirche und dem Baby Staat zu durchschneiden? Fast unüberwindlich werden die Schwierigkeiten, psychologisch zu flären, warum die bayerischen Jugendlichen feine fellbekleideten Pfahlbaufrauen sehen sollen. Berficht man denn im bayerischen Staatsministerium nicht seit Jahren die Rückkehr zu Prof. Siegfried Ochs, ―t. der Dirigent.des Berliner Philharmonischen Chors, begeht morgen seinen 70. Geburtstag. den Sitten der Bäter", der alten Germanen?! D Bayern nicht die Der Herzog von Abfundien". Hochburg aller pfahlbäuerischen Bestrebungen? Oder nimmt man nur an der Kürze des Felles Anstoß und ist man willens, dem Bolt in neuarischen Zeitläuften das Fell bis über die Ohren zu ziehen? Sei dem wie ihm sei: irgendwelche Gründe für das Berbots verlangen der vereinigten Kirchen und Staatsbehörden Bayerns lassen sich hier schon finden. Aber den aus dem Ei entschlüpfenden Schlangen stehen wir, vom verruchten gefunden Menschenverstand Angefressenen, machtlos vis- à- vis. Auch Dr. Freud mit seiner Psychoanalyse dürfte den mystischen Berdrängungskomplegen, die da aus Rhythmus oder Form der zudenden, fich ringelnden Schlangen leiber etwas Geschlechtliches, Unfittliches herausdestilliert haben, faum auf die Schliche kommen. Da gibt es nur eines: sich vertrauensvoll der höheren Erleuchtung jener Würdenträger beugen und einfach glauben, daß auch diese aus dem Ci schlüpfenden Schlänglein den Apfel der Erkenntnis im Mäulchen tragen. Heinz Eisgruber. Kommuniffentrach vor Gericht. 3wei Kommunistenhäuptlinge haben das Kriegsbeil wieder ausgegraben und zankten sich vor dem bürgerlichen Richter der Zivilfammer des Landgerichts III- um„ Ehre". Die Geschichte an fich ist also nicht ganz neu, aber die Situation ist so ungewöhnlich, daß man doch nicht stillschweigend an ihr vorübergehen fann. Artur Solitscher, der zwar fein eingeschriebenes Mitglied der KPD. ist, aber als hilfsreider Außenseiter mit seinen Lobreden auf Sowjetrußland sich bei ihr größter Beliebtheit erfreut: Artur Hölitscher hat in seiner fürzlich bei Kiepenheuer erschienenen Selbstbiographie Tagebuch eines Rebellen" seinem ehemaligen Freund und Kampfgefährten Wilhelm Herzog wenig schmeichelhaft porträtiert. Er sei ein„ fäufliches Subjeft", heißt es non Herzog, wwwww Nebenbei unterhielt man sich auch noch ein bißchen über Siegfried Jakobsohn, der äußerst scharf gegen Herzog vorgegangen war. Herzog warf ihm seine friegsfreundliche Haltung bis zum November 1918 bor; aber die Gegenseite tann mit einem herzoglichen Zitat aufmarten, das lautet: Wir Pazifisten melden uns als Kriegsfreiwillige. Wir wollen töten wie die anderen." Die Herren Kommunisten machen ja auch sonst manches wie die anderen, Man braucht nur an Piscator zu denken, der sich von seinen Statisten in den„ Singenden Galgenvögeln" verflagen läßt, weil er ihnen ben ausbebungenen Lohn vorenthält. Borläufig sieht man noch nicht ganz klar. Nur soviel steht fest, daß den Kommunisten die Angelegenheit ungemein peinlich ist. Herzog prahlt mit einer Sympathielundgebung" der„ Arbeitsaemeinschaft fommunistischer Schriftsteller". Aber Wieland Herzfelde stellt eidesstattlich fest, daß diese nicht von ihren 30 Mitaliebern, sondern von höchstens drei unterzeichnet gewesen sei. Und der Parteivorstand ist Herzog eigenhändig auf.die Bude gerückt, um ihn zur Unterdrüdung der gerichtlichen Klage zu veranlassen, nachdem die„ Liga für Menschenrechte" sich die Vermittlung zwischen Herzog und Holitscher abgewimmelt hatte. Worauf Herzog mit Austritt aus der KPD. drohte, und so den Weg frei bekani zum bürgerlichen Kadi. Und das wollen kommunisten fein!" rief Holitscher am Ende der Verhandlung aus. Entdeckung einer alten Stadt durch die Teinckler- Expedition. Bon dem Leiter der deutschen Expedition in Zentralaften, Dr. Emil Trindler, sind Berichte eingegangen, daß er in der Süd- TaklamakanMüfte in Chinesisch- Turkestan unter dem Flugsand die Reste einer alten Stadt entdeckte. Geräte und Stulpturen wurden zutage gefördert, die beweisen, daß in dieser Gegend früher eine hochentwickelte Zivilisation bestand. Der 6. Autorenabend der Boltsbühne bringt am Freitag, dem 27., 20 Uhr im Bürgeriaal bes Rathauses Vorlesungen von May Hochdorf. Karten zum Preise von 0,60 m. Richard Strauß- Woche Richard Strauß dirigiert in der Krollover am 22. April Salome, in der Städtischen Oper am 25. Ariadne auf Nares" und ant 27., Glettra". Frankreichs Beteiligung an der Pressa". Der Staatsanzeiger veröffentlichte das Geles, monach Frankreich sich mit einem Betrage von 400 000 Granten an der internationalen Presseausstellung in stoln beteiligt. Der untragbare Lohnpfennig. Zum Streif in der schlesischen Granitindustrie. Der Lohnfampf in der schlesischen Granitindustrie geht mit un-| daß die Belegschaften es ablehnen, zu den jezigen un= verminderter Heftigkeit weiter, nachdem die Unternehmer den genügenden Löhnen weiterzuarbeiten. Sie beaufSchiedsspruch der Schlichterkammer abgelehnt und die Still tragen die Gewerkschaften, jeden Schiedsspruch abzulehnen, der die legung aller Betriebe beantragt haben. Das unsinnige, die All Forderungen der Arbeiter nicht berücksichtigt..." gemeinheit und nicht zuletzt die Industrie selbst schädigende Berhalten der Unternehmer wird erst dann klar, wenn man sich die Einzelheiten dieses Kampfes vergegenwärtigt. Der Spruch der Schlichterkammer sieht Lohnerhöhungen vor von 7 Pf. die Stunde und für Afforde von 10 bis 13 Bro3. Die 13prozentige Erhöhung betrifft mur ungefähr ein Achtel der Gesamtbelegschaft, und zwar die Steinmetzen, während alle übrigen Akkordarbeiter nur 10 Proz. erhalten sollen. Die Spigen stundenlöhne würden sich nach dem Spruch zwischen 56 und 67 Pf. bewegen. Diese Zeit- und Affordsäge erklären aber die Unternehmer für„ untragbar". Sie würden dabei konfurrenzunfähig und müßten die Betriebe schließen. Die übrigen deutschen Granitbezirke, vor allem aber die schwedische Steinindustrie, könnten unter weitaus günstigeren und besseren Bedin-| gungen billiger liefern. Hierzu sei bemerkt: Wohl liegt Schlesien für einen wesentlichen Teil des natürlichen Absatzgebietes frachtungünstiger. Dieser Nachteil wird aber mehr als ausgeglichen durch günstigere Steingewinnung und besseres material, vor allem ber durch die bestehenden Lohnunterschiede. Während die schlesischen Unternehmer 56 bis 67 Pf. Stundenlohn für untragbar halten, zahlen die Nachbar- und Konkurrenzbezirke Stundenlöhne von 84 bis 95 Pf., gleichfalls auch in den Akkordsätzen bis zu 65 Pro3 mehr als die schlesischen Unternehmer. Der Stundenlohn der schwedischen Steinarbeiter beträgt nach deutscher Währung bei fast gleichen Lebensunterhaltskosten jogar 1,42 Mart. Bei allen außerhalb Schlesiens geführten Lohnverhandlungen der Steinarbeiter weisen die Unternehmer auf die erbärmlich niedrigen Löhne der schlesischen Steinindustrie hin, durch die ihnen die Konkurrenz erschwert werde. Die Behauptungen der schlesischen Unternehmer werden damit von den außerschlesischen Unternehmern 2ügen gestraft. Die Arbeiterschaft hat wahrlich weit mehr Grund zur Unzufriedenheit mit dem Schiedsspruch, der nach 21stündiger Verhandlung unter ausschlaggebender Mitwirkung des Schlichters zustande fam, als die Unternehmer mit ihrem Pfennigfchmerz. Trotzdem die Produktionsmenge die der Borkriegszeit um mehr als die Hälfte übersteigt, sollen die Arbeiter nach dem„ untragbaren" Schiedsspruch nur die Affordsäge der Vorkriegszeit erhalten, während die Verkaufspreise wesentlich höher sind als die Borkriegspreise. Die seit Jahren zu beobachtende Jagd nach erschließbaren Steine brüchen beweist in Verbindung mit den von einzelnen größeren Firmen veröffentlichten Jahresabschlüssen deutlicher als alles andere die„ Notlage" dieser Unternehmergruppe. Die Arbeiterschaft wird den ihr aufgezwungenen Kampf weiterführen, gezwungen von der Notwendigkeit, für sich und ihre Familien bessere Lebensverhältnisse herbeizuführen, als dies bei 50 bis 60 Pfennig Stundenlohn möglich ift. Die öffentliche Meinung steht auf ihrer Seite und auch die Behörden als Auftraggeber müssen bei gerechter Würdigung der Berhältnisse das profitsüchtige Verhalten der Unternehmer verurteilen. Mansfelder Bergarbeiter rüsten. Vor einem schweren Lohnkampf. Eine in Helbra von etwa 200 Funktionären der Gewerkschaften besuchte Konferenz befaßte sich mit der schwebenden Lohnstreitsache bei der Mansfelder A.-G. Die Funktionäre waren vollzählig erschienen. Der Bezirksleiter Reddigau Halle erstattete Bericht über den Stand des Lohnstreits. Folgende Entschließung fand einstimmige Annahme: " Die völlig ungenügende Entlohnung der bei der Mansfelder 2.-G. beschäftigten Arbeiter ist unerträglich geworden. Obwohl seit Jahren die Geschäftsabschlüsse der Mansfelder A.-G. sehr gut find, muß die Arbeiterschaft in größter Not und Sorge ihr Dasein fristen. Die Forderungen der Arbeiterschaft aber werden stets als undistutabel rücksichtslos abgelehnt. Die Konferenz stellt fest, daß trop der überlangen und schweren Arbeit die zur Auszahlung kommenden Löhne ohne Beispiel in der deutschen Industrie find. Die Konferenz fordert daher eine sofortige Lohnerhöhung und bringt eindeutig und entschieden zum Ausdrud, Theater, Lichtspiele usw. Mittw., 18. 4. 28 Staats- Oper Am Pl.d.Republ. 712 Uhr Mittw., 18. 4. 28 Städtische Oper Bismarckstr. Ab.- Turn. 11. Ant. 7% Puccini- Abend: Das Wunder Der Mantel Schwester Angelika Gianni Schicchi Deutsches Theater Norden 12310 Abonnementsbüro Norden 10338-39, 8 Uhr, Ende 10%, U. Pygmalion von Bernard Shaw Barnowsky- Bühnen Th. Königgrätz. St. Bergm. 2110 8 Uhr Die Marquise von Arcis ( Merkwürdiges Beispiel einer weiblichen Hache) dtsch. v. Siegfr. Tiebtisch v. Carl Sternheim Im Anschluß an die Konferenz fanden im Bereich der Mansfelder A.-G. 15 Versammlungen statt, die mit einigen Ausnahmen sehr gut besucht waren. In allen Versammlungen fam einmütig zum Ausdruck, daß die Belegschaften gewillt sind, sich mit allen gewerkschaftlichen Mitteln bessere Lohnverhältnisse zu erringen. Das Unglück am Stadion. Entlaftende Zeugenaussagen für Redlich. Die polizeilichen Bernehmungen der Fahrgäste des Unglüds zuges, sowie des Straßenbahnaufsichtsbeamten Heß brachten noch einige intereffante Einzelheiten. Während die bisher vernommenen Fahrgäste, die auf dem Borderperron standen, fest davon überzeugt sind, daß dem Führer Redlich teine Schuld treffe und übereinstimmend betonen, daß er sich alle Mühe gegeben habe, den ins Gleiten gefommenen Wagen in seiner Gewalt zu behalten, sind die Techniker der Straßenbahngefesellschaft gegenteiliger Ansicht, da die gestrigen Belastungsversuche mit dem verunglückten Straßenbahnzug der Linie 58 E, die in Gegenwart von Vertretern der Kleinbahnaufsichtsbehörde vorgenommen wurden, ein völlig einwandfreies Funktionieren der Bremsen ergeben haben. Oberaufseher Heß gab u. a. an, daß die Strede etwa dier Wochen nicht befahren worden sei und die Schienen perschmutzt und rostig gewesen wären. Beachtenswert ist auch die Aussage eines Fahrgastes, der auf der Vorderplattform stand und bemerkt haben will, daß der Sandstreuer nicht ordnungsmäßig funttionierte. Auf Grund der bisher vorliegenden Aussagen der Fahrgäste und Schaffner hat die Kriminatpofizet feineriet Bemeile für die Schulb des Rebe lich gefunden. Die Untersuchung wird in etwa zwei Tagen ab geschlossen sein und dann das Material der Staatsanwaltschaft III zur weiteren Entscheidung übergeben werden. Das Befinden der noch im Westend- und Hildegard- Krankenhaus daniederliegenden Schwerverlegten ist durchaus befriedigend. Nur der Zustand des im Westend- Krankenhaus befindlichen Kaufmannes Schlüßner, der einen schweren Schädelbruch erlitten hatte, gibt noch zu Besorgnissen Anlaß. Glücklicherweise ist in seinem Befinden seit gestern eine kleine Besserung zu ver zeichnen. Die Unfallstelle murde noch einmal durch Oberbürger meister Böß gemeinsam mit Stadtbaurat Dr. Adler besichtigt. Insbesondere wurde die Frage erwogen, ob ähnliche Unglücksfälle in der verhältnismäßig start abfallenden RennbahnStraße dadurch vermieden werden fönnen, daß Straßenbahn und Autobus talwärts nicht mehr diese Straße, sondern eine in westlicher Richtung( der nach Spandau zu) liegende Straße benutzen. Hier fällt das Gelände in geringerem Maße zur Heerstraße ab. Auch sind dort bereits für einen in Aussicht genommenen Umleitungsverkehr Geleife gelegt. Allerdings würde dieser neue Weg gegenüber dem alten einen Umweg darstellen. Die Juden der Erde. Das Amerikanische Jüdische Jahrbuch ver öffentlicht eine große statistische Studie über das Weltjudentum, deren Zahlen die im neuen Meyer mitgeteilten ergänzen, mit denen sie übrigens im wesentlichen übereinstimmen. Von der auf 14,6 Millionen geschätzten Gesamtzahl der Juden entfallen 65 Proz.( 9,6 Millionen) auf Europa, 26( 3,9) auf Amerita; 588 670 leben in Afrika, 570 140 in Afien, 24 580 in Auſtralien. Von den Städten beherbergt die meisten Juden New York, nämlich unter 5,8 Millionen Einwohnern folgen Warschau mit 309 165( 33 Pro3. der Bevölkerung), Budapeſt 1643 000, das find 30 Proz. Als weitere größere jüdische Zentren mit 217 545( 23,5 Proz.), Wien mit 201 513( 10,8), Berlin mit 172 672( 6,3), Lodz mit 155 860( 34,5), Riem mit 128 141( 27), Mostau mit 86 171( 6,04) und Amsterdam mit 67 248( 10,4 Proz.) Juden. gegend( Nachdr. verb.). Wechselnd bewölkt und weiterhin fühl mit Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umeinzelnen Schauern und frischen westlichen Winden. Für Deutschland: Ueberall fühl. Im Südwesten teils heiter, teils wollig, sonst unbeständig mit Regen, Schnee und Graupelschauern. Das neue alte Opernhaus. 6 A Der Umbau des Staatlichen Opernhauses ist jetzt fertiggestellt. Das Haus soll in den nächsten Tagen Piscatorbühne Theater am Nollendorfplatz Kurfürst 2091/93 8 Uhr: Der letzte Kaiser von Jean Rich.Bloch sz- KarlheinzMartin Gastspiel im Lustspielhaus Oir. Dr. Martin Zicket 8 Uhr: Guido Thielscher in„ Unter Geschäftsaufsicht" Kammerspiele Komödienhaus Lessing- Theater Walhalla- Th. Norden 12310 8 U., Ende nach 10 der Hellane Norden 6304. TägL 8 Uhr Broadway Zum 95. Mal Staatl. Schauspielh. Staatl. Schillerth. Charlottenburg Am Gendarmenmarkt 8 Uhr 8 Uhr Finden Sie, daß Constance sich richtig Theater des Westens verbält? Gastspiel Norden 12798 8 Uhr Konjunktur v. Leo Lania Insz. Erwin Piscator Saltenburg- Bühnen Weinbergsweg 19/20 81 Uhr Tobias Knorke Berl.Posse m. Musik u. Gesang v. Joh. Heß Vorzeiger dieses zahlen für Parkett 4,-Mk. nur 60 Pi. Moskauer jüd. Dis. Künstler- Th auch Sonntags statt Die Weber Ampbytrion Die Komödie akad. Theater Volksbühne Theater am 6lowplatz Th. am Schiffbauerdam 8 Uhr 14 Uhr: Die rote Der ZigarettenRobe kasten Bismarck 2414/7516 Garnowsky- Bübne 3% U., Ende 10%, U. Heute 8 Uhr: LetzteAufführungen ,, 200 000" Marcel Fradelin Musikal. Komödie Morgen 8 Uhr Premiere Der Eunuch Berliner Theater Die Reise Benjamins. Direktion Kuhnert Charlottenstr.90/ 91. Doph.170 814 Uhr Musikal. Spiel 81 Uhr: Schwarz- Weiß Residenz- Theater 814 Uhr: Fritzi Musik. Schwank Delschaft, Pointner, Die Bolle Sisters" Kleines Theater Elbenschutz, Goitge Mannin. seiner Bestimmung übergeben werden. Planetarium am Zoo Verläng. Joachimsthaler Straße Noll. 1578 16 und 19 Uhr: Der Sternhimmel der Heimat 18 u. 21 Uhr: Im Reiche der Mitternachtssonne Eintritt IM. Kinder ant. 15 Jahren 0,50 Grosses Aniang 8 Uhr Komische Krause- Pianos Uhr Oper 8%, Uhr zur Miete W50, Ansbacherstr.1 Schauspielhaus REGIE: CHARELL Ende 11 Uhr MADAME Metropol- Th. POMPADOUR Zentrum 128 24 84 Uhr: Der Gra von Luxembur Matzner, Hoffmann. Jolan. Hell, Kettner Fischer, Hofen Sonntag, 14 Uhr: Kleine Preise Paganini Ein Berliner Volks- Täglich Uhr: treu, Vespermann, stück von Frau Käte läßt Für Funkfreunde Th..Admiralspalast Friedmann- Frederich. Max CASINO- THEATER Uhr Adalbert, Lea Seidl, Lori Lear Sidh verführen Lothringer Str. 37 Doktor Klaus. Ab 19. April: Die schwebende Jungfrau Ausschneiden! Gutschein 1-4 Pers. Fauteuil nur 1,10 M., Sessel 1,60 M. Leux Thalia- Theater Klinder, Kettner, halbe Preise. Täglich uhi Lustspiel v.H.Sturm Rose- Theater Rose Marie Dresdener Str. 72-73 v. Mollendorf Gr. Frankt. Str. 132 84 Uhr: 8 Sonnt. 4 U. kl. Preise Dykerpotts Erben Tageszeiten der Liebe Sterne, d. wieder leuchten SCALA N Uhr Nollendor 736 Das AprilSensations- Programm mit zum ersten Male.in Deutschland auftretenden Varieté- Kunstkräften. 81 James Klein's gewaltiges neues Revue- Stück: Zich' Am Montag, dem 16 April, schied von uns unser stets eifrig mitarbei tender Genosse und Freund Johannes Putzke. In treuem Gedenken Die Genossinnen und Genossen der SPD, 85. Abt., Tempelhof. Die Beftattung erfolgt Donnerstag, den 19. April. 19%, Uhr, im Kvematorium Baumschulenweg. dich aus! Renaissance- Theater 200 Mitwirkende. Vorverkauf ab 10 Uhr ununterbrochen. Winter Garten das Programm der 12 Attraktionen 12 Näheres siehe am Säulenring Reichshallen- theater 8 Uhr Sonntg, nachm. Uh Stettiner Sänger aachm. halbe Preise, volles Programm! Dönhoff- Brett'l: Steinplatz 901. 3.10 Uhr Coeur Bube. Theater am Kottbusser Tor Kottbusser Straße 6. Tel. Mpl. 16077 Täglich 8 Uhr Sonntag, nachmittags Uhr Elite- Sänger Gr. neuer April- Spielplan u. a. Die tolle Lolo von Max Reinhardt Am Stammtisch von B. Croe Trabrennen Mariendorf Donnerstag, 19. April nachm. Uhr Groß. April- Programm Berliner Tik- Trio Tanz. Ant.8 Uhr, Sonntags 51/2. Neukölln, Lahnstr.74/ 75% (Beilage Mittwoch, 18. April 1928 SpriUmid Sfin/nrtkgnäe Ja\/otvyas4i, f Susittlflurnotfc&Ssnf Daß man sich zankt, pufft und stößt, Za sogar sich schlägt, um sein Geld los uxirden zu können, ist ein« sonderbare menschlich« Schwäche. Man kann sie überall beobachten bei gewöhnlichen und außergewöhnlichen Sensationen. Eine gewöhnliche alltägliche Sen« sation ist der Kampf um den Platz im Autobus. Nur die Rollen sint� vertauscht. Nicht ein großer Sänger, ein Amanullah oder sonst eine weltbekannte Persönlichkeit erzeugt diese Stauungen menschlicher Gefuhlsextasen, sondern das Publikuin selbst ist Urheber. Außergewöhnliche Sensationen werden mit außergewöhnlichen Mitteln gebändigt. Zuständig hierfür ist die Schupo. Zuständig für die wohlgefällige Auflösung der Stauung vor dem Autobus ist der Avongschaffner. Zwar: in erster Linie ist er Kassierer, vor alleni Kassierer, daneben aber Rechtsanwalt, Krankenhclfer, er ist Aus- kunftsbureau, Wechselstube, Schiedsrichter in einer Person. Vor allem ist er auf seinem Fahrzeug Kapitän, sein Fahrer der Steuer- mann, d«r unbeirrbar seinen Weg durch die Klippen und Riffe des hin- und herwagcnden Verkehrs sucht und findet. * An der Haltestelle stehen 59 Personen, die mit dein„Doppel- bccfcr* unbedingt„m it" wollen. Es koste, was es wolle. Alle 50 Personen stürmen den Aboag. Tröpfchenweise rinnt aus dem vollbesetzten Wagen ein Fahrgast und noch ein Fahrgast. Der Ruf des Schaffners ertönt: 3 Plätze oben, einer unten. 50 Fahrgäste kämpfen um 4 Plätze. 46 verlieren. Enttäuschung bei den Zurückgewiesenen. Die Beherzten, die Robusten und Reso- tuten geben sich nicht zufrieden. Sie wagen einen neuen Angriff, kommen mit Einwendungen, Erkläruirgen, Begründungen. Der Schasfncr hat nur eine Antwort, kann nur«ine Antwort hab«n: „Der Wagen i st besetzt. Bitte steigen S i« ab." Enttäuscht, wutentbrannt steigt der Fahrgast ab. Jetzt kommt die Entladung. Der Schaffner wird angegriffen. Persönlich b«- leidigt. Aber wozu hat man seine Instruktionsstunde gehabt? Man ignoriert die Beleidigungen. „Unglaublich ist das. Da ist doch noch ein Platz frei."„Ich kann ja da ganz bequem stehen. Drei vollbesetzte Autobusse sind mir schon vorbeigefahren."„Ich fahre ja nur«ine Haltestelle."„An der nächsten Haltestelle steigt gewiß jemand aus."„Ich werde mich über Sie bei der Direktion beschweren." Einschüchtenmgsoersuche. Die ganz Schlauen springen auf, wenn der Aboag schon oder noch im Fahren ist. Sie wissen, wie kostbar die Zeit für den Schaffner ist. Er will den Wagen nicht extra ihretwegen anhalten lassen, um sie hinunterzuweisen. Es kostet seine Haltezeit. Der Fahrgast triumphiert. * Ein anderes Bild. Der Aboagschaffner kassiert. Hier liest einer seine Zeilung. Dort sind zwei Fahrgäste im Gespräch vertieft.„Ist hi� noch jemand unabgefertigt," ertönt die Frage des Schaffners. Viele neue Fahrgäste sind zugestiegen. Da heißt es flink kassieren. „1 Mark." Man händig! den Fahrschein aus:„80 Pfennige zurück." Plötzlich Stockung. Der Zeitungsleser zieht einen Ill-Markschein Heraus. Man wechselt. Der Fahrer bremst. Die Haltestelle naht. Man zwängt sich durch den übervollen Mittelgang. Neben dem Omnibus hält die Straßenbahn. Die Fahrgäste von der Straßen- bahn steigen aus und stürmen zum Aboag. Der Aboag ist schnell- fähiger als di« Straßenbahn. Surr. Der Wogen fährt weiter. Nun hinauf zum„Blumenbrett". Eine Dame gibt einen Sechser Trinkgeld. Man grüßt militärisch ein kurzes„Danke sehr". Weiter. Tempo, Tempo....Ach, Schaffner, sagen Sie mir doch bitte, wann ich aussteigen muß."„Da müssen Sie mir sagen, wo Sie aussteigen wollen."„Wo wollte ich noch aussteigen?" Ein längeres lieber- legen.„Wilhelmshaoener Straße." Tempo, Tempo. Kurz vor der Endstation fällt mir ein: Du sowest doch der Dame Bescheid sagen, wo sie aussteigen sollte. Mit schweren Gewissensbissen belastet steige ich hinauf zur„Beletage". „Um Gotteswillen, wenn die Frau noch oben sitzt."„Sie wird das Trinkgeld zurückverlangen," denke ich. Das ist nicht schlimm. Aber di« Vorwürfe, di« Vorwürfe, die sie mir machen wird. Mir fällt «in Stein vom Herzen. Sie ist ausgestiegen. Meine Beamtenwürde und mein Sechser sind gerettet.- « Es gibt verschiedene Fahrgasttypen. Die einen wisien, was sie wollen. Die anderen wissen nieht. was sie wollen. Und der dritte Tqpr-Sie wissen,«a» 1»»cht nwOo. i,_____ eines Bei jedem Verkehrsunglück, so auch hei der letzten Katastrophe, wird stets zuerst danach geforscht, oh etwa das Fahrpersonal die Schuld trifft. Aber selbst wenn in dem einen oder dem andern Falle nicht jeder Buchstabe der„Vorschriften" befolgt worden ist, so steht doch fest, daß in der Regel die wirklich Verantwortlichen nicht unter den Fahrern oder Schaffnern zu suchen sind, sondern in dem Zwang zur raschen Abwicklung des Verkehrs, der für die Verkehrsgesellschaften maßgebend ist und der nicht selten durch das nervöse Publikum verschärft wird. Einen Ausschnitt aus den glücklicherweise nicht immer tragisch endenden Konflikten, denen das Fahrpersonal in seiner aufreibenden Tätigkeit ausgesetzt ist, geben die nachfolgenden Aufzeichnungen eines Omnibusschaffners. Beim Kassieren: Einige sind übereifrig. Sie schwingen ihre 20 Pf., kaum, daß sie das Trittbrett berührt haben. Andere wieder lassen sich Zeit, holen umständlich ihr Portemonnaie aus der Tasche und geben dem Schaffner todsid)er 4 Sechser. Die ersteren sind sogar beleidigt, wenn man ihnen das Geld nicht sofort abnimmt. Die Sechser sind bei den Kollegen sehr gefürchtet. Ich fürchte sie auch. Ein guter Schaffner wird niemals eine Sechserrolle machen. Er wird es verstehen, sie im Laufe seines Dienstes wieder an das Publikum auszuzahlen. Noch mehr gefürchtet als die Sechser sind die Pfennige. Man muß sie nehmen, nimmt sie aber ungern. Ebenso- wenig wie der Schaffner Pfeimige im �Wechselgeld gibt, sollte--- Aber: Wer den Pfennig nicht ehrt... « Das Publikum in Masse ist gräßlich, einzeln verträglich, ge- müklich, freundlich. Es gibt sehr ungemütliche Fahrgäste. Sie sind sogar Verfechter„der Propaganda der Tat". Rippenstöße oder Ohr- feigen gehören bei ihnen zum Verkehrston. So erlebte ich kürzlich, daß ein Fahrgast einem anderen Fahrgast im Wagen eine Ohrfeige gab. Der Beleidigte stieg mit dem ungemütlichen Kerl— es war nachts— an einer sehr dunklen Stelle aus. Der ohrfeigenverteilende Fahrgast wohnte dort draußen. Wie die Revanche ausgefallen ist, weiß ich nicht. Die Fahrgäste im Wagen waren sehr neugierig. Aber darauf kann die Aboag nicht warten. « Merkwürdig ist auch die Tatsache, daß die Fahrgäste im Wagen recht schweigsam sind. Die Männer lesen entweder ihre Zeitung, oder sind mit ihren häuslichen und geschäftlichen Sorgen beschäftigt. Die jungen Damen lesen Liebesbriefe oder Romane, und die Haus- frauen denken an das Mittagessen. Besonders abends nach Ge- schäftsschluß fühlt man förmlich die geistige und körperliche Ab- spaunung der Fahrgäste. Nur nachts werden die Fahrgäste lebhafter. Vom Alkohol beschwingt, beschwipst, erwacht di« Gesprächigkeit. Häusig ist so ein gutmütig lustig Angeheiterter ein« nette und gern hingenonmien« Abwechslung. Wie stark zuweilen doch das Mit- teilungsbedürfnis ist, zeit sich am besten bei Streitigkeiten. Wenn der Kampf schon längst beendet ist, die Entscheidung längst gefallen, gibt es Sophisten, die immer wieder daran deuteln und drehen.(Das sind dieselben Leute, die einen verlorenen Skat noch tagelang mit „Leichenreden" begleiten.) Ein heikles Kapitel sind die Streitigkeiten zwischen Publikum und Schaffner. Der Hauptstrcitpunkt ist die Platzsrage. Das Publi- kum hat Recht, wenn es sid) empört, daß die Wagen immer knllppel- voll sind. Der Aboagschaffner hat Recht, wenn er dem Publikum erklärt, daß er eben nickst mehr Personen mitnehmen kann. Nur die Auslegung ist verschieden. Es gibt Fahrgäste, die sich nickst mit höflichen Worten überzeugen lassen.„Ein Plätzchen ist doch noch frei. Ich fahre nur eine Haltestelle." Verweigert man> ihnen die Fahrt, werden sie unhöflich. Vielen wird nicht bekannt sein, daß ein überbelasteter Aboag eine sehr erhöhte Umsturzgefahr bringt. Daß ferner bei der Ungleich, Mäßigkeit der Wagenqualität oftmals ein zu starkes Belasten eine Verringerung der Fahrgeschwindigkeit bedeutet. Ganz abgesehen davon, daß der Aboagschasfner eine Polizeistrafe ausgeknackt be, kommen kann, wenn er den Wagen zu stark überlastet. Diese Argumente spricht man natürlich zu tauben Ohrem Der Beförderungsdrang des Publikums, der Verkehrshunger ist so ge- waltig, daß er sich nicht eindämmen läßt. Die einzige Lösung ist, mehr neue Wagen in den Verkehr hinein- bringen.— Hier hört ja meine Kompetenz aus... *• Hat der Schaffner Recht, so schweigt das Publikum in eisiger Kälte. Hat er Unrecht— Schaffner sind auch nur Menschen und können sich irren. Sie sollen Nerven wie Förderkorbdrähte so dick und hart haben, aber auch diese reißen einmal— und wenn sie reißen, dann gibt es eine Meldung. Und die Direktion rüct— so „sprechen" sie alle. Aber es gibt auch Publikum, das dem Schaffner beispringt, ihn verteidigt und irgendeinem unverschämten Störenfried gehörig di« „vox populi" hören läßt. Merkwürdigerweise aber ereignet sich diese herzerfrischende Hilfsbereitschaft nicht auf jenen Linien, wo Verstand und Bildung zu fahren pflegt, sondern auf den sogenannten Groschenlinien in den Arbeitervierteln, wo weniger Bildung, dafür ursprüngliche Herzens- bildung zu finden ist. Die beste Berufsphilosophie ist dabei: Nichts ernst und tragisch nehmen. Ein treffendes Scherzwort reitet oft die heikelsten Situationen. Aerger, Uebellaunigkeit sind verslogen. Ein befreien- des Lachen löst die Spannung. WAS DER TAG BRINGT. #iimiiii»iminiiiniHiniiim»miiim«HinraininiiiiinniiiiMiimmiiiimniiiiniinimiiinBniiiBnHiMniiuiiiinraninnMiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinimnmiinmiiiniimuimiiuiinimuimiraiiiiiii Aprilunwetterjubiläum. Daß der April ein wilder Bursche ist, wäre ja nun gerade keine überwältigend neue Entdeckung. Die Kältewelle, die in den letzten Tagen nach den schönen Vorfrühlingswochen das Land heim- suchte, weckt aber Erinnerungen an den katastrophalen Wettersturz, der ziemlich vor einem Vierteljahrhundert über Europa hinging und große Verheerungen anrichtete. Das war damals wirklich keine Kleinigkeit. Am 15. April 1903 schneite der Harz noch einmal vollständig ein. Ganz Frankreich stand die folgenden Tage im Zeichen eines Wettersturzes, der unter anderem den Ver- kehr im Hafen von Marseille völlig lahmlegte. In Oesterreich, Ungarn, im Osten des Reiches wüteten Schneestürme, die nicht nur im Gebirge, sondern auch in der Ebene und an den Küsten zu schweren Schäden und Unsällen führten. Auf weiten Strecken lag der Vorkehr still infolge der Schneewehen. In Berlin und Um- gebung war es der Sonntag, der 20. April, der den Höhepunkt des Unwetters brachte. Acht Verletzte— meist Opfer herabfallender Dachsteine— wurden«ingeliefert. 300 Fensterscheiben zertrümmert. Dächer abgedeckt, Menschen gegen Kandelaber oder vom Wagen ge- schleudert. Schwer mitgenommen wurde der Tiergarten, wo Hunderte von Bäumen geknickt und entwurzelt wurden, Leitungs- drühte der Straßenbahn durchschlugen und die Wege versperrten. Aehnlich war es in den Potsdamer Parks. Bei eRiem Leichen- begängnis entführte zum Entsetzen des Trauergeleites der Sturm den Sargdeckel und trug ihn fort. Nun, es ist auch damals Frühling geworden, trotz Sturm und Schnee, trotz Schnupfen und Grippe. Für die politische Reaktion aber, die damals genau wie heute in erbittertem Wahltampf gegen die Sozialdemokratie stand, war dos Erwachen aus den Winter- stürmen denkbar vernichtend. 8l Sozialdemokraten zogen in den Reichstag ein gegen 58 in der vergangenen Periode. Wer aber- gläubisch ist, mag auch dieses Zusammentreffen als ein Vorzeichen ansehen. Es ist kein schlechtes.... Ein Geigenkonzert Einsteins. Der groß« Physiker Albert Einstein hat sich bei den Hochschul. kursen in D a v o s nicht nur als Gelehrter, sondern auch als Geigen» virtuose gezeigt und in dieser Rolle nicht geringere Triumphe ge- erntet. Am Schluß seines Vortrages über die Grundideen der physi- kalischen Wissenschaft und ihre Entwicklung überraschte er die Zuhörer mit der Ankündigung, daß er am Abend bei einem Wohltätigkeits- konzert im Kurhaus Geige spielen werde. Daß Einstein ein vorzüg- licher Violinist ist, wissen die eingeweihten Kreise schon längst, und er ist auch bereits in Berlin axfgetreten: für das internationale Publikum aber bedeutet« das eine große Sensation, und der weite Saal des Kurhauses war daher überfüllt. Der Schöpfer der Rela- fcHtätSheon« jpielte mit feinstem Derstandan» und bewunderungswürdiger Technik Stücke von Bach und Mozart und den Vialinparl in einem Beethovenschen Trio. Die Davoser Zeitungen seier» Ein- stein als vortrefflichen Musiker, der„eine entzückende Einsachheii und einen bezaubernden 5)umor" offenbarte. Einstein dankte für den lebhasten Beisoll, war aber trotz der vielen Hervorrufe nicht zu einer„Zugabe" zu bewegen. Ü. Politische Taschentücher. Vor einiger Zeit erwarb das Museum der französischen Presse in Paris eine seltene französische Zeitung aus dem Beginn des ver- gangenen Jahrhunderts, die, aus Baumwolle gedruckt, den Titel„Da- politische Taschentuch" trug und auf diese Weise als Agitationsmittck der Opposition gegen die Regierung diente. Unwillkürlich wird inan an diese altfranzösische Zeitung erinnert, wenn man in ostasiatischen Blättern liest, daß der chinesische General Tschangsolin nach dei Niederwerfung der Kommunistenbewegung in China seiner Propa- gandastelle den Befehl gegeben habe, 20 000 Taschentücher anfertigen zu lassen, die mit heftigen Ausfällen gegen die Kommunisten und den übermächtigen Einfluß der Fremden in China bedruckt waren und an die Mannschaften seines Heeres verteilt wurden, um auf diese unblutige Weise den Kampf gegen die Kommunisten und die Fremden fortzusetzen. Die politischen Taschentücher des heutigen China sind freilich vornehmer, als es die alten französischen waren, denn sie bestehen nicht wie diese, aus Baumwolle, sondern aus Seide, und in sieben verschiedenen Farben ist die nationale Blume Chinas sind freilich vornehmer, als es die alten französischen waren, ein breites Band mit der Inschrift:„Tod den Rebellen. Nieder mit dem Einfluß der Fremden! Ausrottung des kommunistischen Giftes!" Zu beiden Seiten der Päonie ist dieses„politische Taschen- tuch" außerdem noch mit verschiedenen altchinesischen Zeichen be- druckt, die besagen:„Alle Kräfte dem Vaterlande und dem Wohle des Volkes!" Eine wandernde Stadt. Adrranopel, einst eine bedeutende Stadt des byzantinischen und später des türkischen Reiches mit 120 000 Einwohnern, ist durch den Vertrag von Lausanne von Konstinopel und dem übrigen Thrazien so völlig getrennt worden, daß es nur durch mehrmaliges Ueberschreiten fremder Grenzen zu erreichen ist. Der Ort war da- mit zum Tode verurteilt, und sein« Einwohnerzahl ist auf den vierten Teil zurückgegangen. Das griechische Thrazien ist dagegen im Aufblühen, und so sind denn jetzt, wie die Frankfurter„Umschau" berichtet, bereits 8000 Häuser Adrianopels verkauft, abgebrochen und über di« griechische Grenze gebracht worden. Das alte Adrianopel wandert so gleichsam über die Grenze nach der neuen Stadt Altum Karogatsch, die Adrianopel gegenüber liegt, und, mit diesen Häusern ausgestattet, sich wjch«ntwickelt, VON B.TRAVEN Nachdruck yerbcte W CopyrigM tWI by Büchergild« Guten bor 9, Bartii» .."•-* JX-*'.. w, � f kV••' 42. Forisetziing. Tis Manner lachten alle und sagten nichts. „�lch roeih." sagte der Onkel,„wo die Esel her sind." Miguel sah sich um nach seinen Kumpanen, und die blickten nach allen Seiten, um zu sehen, ob sich nicht ein Loch fände, wo sie ent- wischen könnten, sobald der nächste Satz kam. „Die Esel sind von der Senjora Rasaelo Motilina in Avino, der Witwe des Sensor Pedro Leon. Ich kenne seinen Brand. Es ist eiir L und ein P rückwärts um Strich des L. Ist das richtig, Hcmbres?" rief der Onkel. Und die Männer, die bei den Eseln standen, riesen:„Das ist ricii iig. Das ist d,.. Brand." Der Onkel sah sich um in der Gruppe und rief:„Porfirio, komm . Ein Indianer kam nahe heran und stellte sich ihm zur Seite. Nun sagte der Onkel:„Mein Name ist Alberto Escalona. Ich bin der Zllkalde des Orte? hier, ordnungsmätzig gewählt»nd vom Gouverneur bestätigt. Dieser Mann hier, Porfirio, ist der Polizei- mann des Ortes" Es ist die Verschiedenheit der Länder und des Klimas, die Verschiedenheit der Menschen,.ihrer Erziehung und des Einflusses, dem sie unterliegen, und noch vieles ander) Jedenfalls ist es so: Wenn in Mitteleuropa jemand sich mit einem Titel vorstellt, so hat er die Absicht, in seinem Gegenüber ein schauerndes Gefühl, das der Ehr« furcht, zu erwecken, und er erwartet, dasi lein Gegenüber, erschüttert von der Erhabenheit der Begebenheit und des Ereignisses, sich respekt- voll verbeugt und von diesem Augenblicke an dem Titelträger den schuldigen Respekt nich, versagt. Hier, auf diesem Kontinent, gilt ein Titel gar nichts, ein Name nicht viel und die Persönlichkeit selbst olles. Es verbeugt sich niemand, vielleicht in Ausnahinesällen vor einer Daine, und c» würde der, der zu dem Präsidenten Exzellenz sagt, ebenso lächerlich wirken wie der Präsident, der sich mit Exzellenz anreden ließe. Der Präsident ist viel seltener der Mr. Präsident oder der Sensor Nräsident, als viel häufiger und rgentlich in der Regel immer der Mr. Coolidg« oder der Sensor Calles, und wer mit ihm etwas.zu tun hat, der schüttelt ihm die chand, wenn er kommt, und wenn er geht, und redet mit ihm ebenso, als wenn er sein ganzes Leben lang mit ihm aus derselben Schüssel gelöffelt hätte. Wenn ober hier jemand sich mit seinem Titel vorstellt und sogt: „Ich bin der Aürgermcister dcd Ortes, und der da ist der Polizei- Präsident," dann hat es etwas ganz anderes zu bedeuten als in Europa. Die drei Wegelagerer wußten sofort, was es zu bedeuten hotte, und daß nun, nachdem die Titel genannt waren, das Händeschütteln ein Ende hate. Sie setzten sofort auf und versuchten ab, zuziehen, ohne ihre Esel mitzunehmen. Sie häiten alle Esel jetzt für einen Peso verkauft, sie hätten sie willig verschenkt, wenn sie nur hätten das Dorf verlassen können. Aler sie wurden nun deutlich festgehalten. Miguel oersuchte, seinen Revolver zu ziehen. Zlber er fand die Tasche leer. Er hatte es in seiner Aufregung gar nicht bemerkt, daß Porfirio ihm diese Mühe schon abgenommen hatte. Der Revolver hätte freilich nicht viel genutzt, denn er war ja noch immer nicht geladen. Aber die Leute konnten dos nicht wissen, und sie hätten ihn vielleicht gehen lassen, wenn er die Waffe auf sie gerichtet hätte. „Was wollen Sie von uns?" rief Miguel. „Bis jetzt nichts," sagte der Alkalde.„Wir wundern uns nur, warum Sie uns so schnell ve:lass«n wollen, ohne ihr« Esel mitzu- nehmen" „Wir können unsere Esel mitnehmen oder nicht, wir können mit unseren Eseln machen, was will wollen," rief Miguel wütend. „Mit ihren Eseln, ja, aber das sind nicht ihre Esel. Ich kenn« die Geschichte dieser Esel. Senjora Motilina ocrkaust« diese Esel vor zehn oder elf Monaten an drei Amerikaner, die in die Sierra auf Jagd gehen wollten. Ich kenne die Amerikaner." Miguel grinste und sagte:„Das ist dann ganz richtig. Bon diesen drei Amenkanern haben wir die Esel gekaust." „Zu welchem Preis?" „Zwölf Pesos das Stück." „Und nun wollt ihr sie hier für vier Pesos das Stück verkaufen? Ihr seid schlechte Verkäufer." Die Indioner lachten. „Ihr habt mir doch erzählt," sagte der Alkalde,„ihr hättet die Esel schon sehr lange. Wie lange denn?" Miguel überlegte eine.Weile und sagt« dann:„Bier Monate." Es war ihm eingefallen, daß er gesagt hatte, sie hätten in einer Mine gearbeitet und hätten eine lange Reise gemacht., Der Alkalde sagte trocken:„Vier Monate? Das ist eine seltsame Geschichte. Die Amerikaner sind vor wenigen Togen da drüben vom Gebirge gekommen. In den Dörfern hat man sie gesehen. Da hatten sie noch alle die Esel, die ihr von ihnen vor vier Monaten gekaust habt." M:guel versuchte es wieder einmal mit seinem vertraulichen Lächeln:„Die Wahrheit zu sagen, Senjor, wir haben die Esel vor zwei Tagen gekauft, von den Amerikanern." „Das stimmt schon eher. Also von den drei Amerikanern habt ihr sie getauft?" „Ja." „Das können aber nicht drei Amerikaner gewesen sein, denn ich weiß, daß einer von den dreien auf der anderen Seite der Sierra in einem Dorf« ist, er ist ein Doktor." „Es war nur ein Anerikaner, von dem wir gekauft haben." Miguel kratzte sich im Gesicht und im Haar. „Wo habt ihr denn die Esel gekauft?" fragte der Alkalde uner- bittlich weiter. „In Turango." I „Das ist kaum möglich," sagte der Alkalde.„Der Amerikaner konnte noch nicht in Durango sein, und wenn er es war, konntet ihr noch nicht hier fem." „Wir sind die Nacht durchmarschiert." „Das kann sein. Aber warum sollte denn der Amerikaner gerade euch die Esel verkaufen, wenn er schon in Durango war. wo er genug Käufer fand, andere Käufer." Nun mischte sich Jgnacio ein:„Wie können wir denn wissen, warum er gerade uns die Esel verkaufen wollte und nicht andern? Das war«ine Laune von ihm." „Da müßt ihr doch eine Quittung haben," sagte der Alkalde, „eine Quittung mit dem Preis und dem Brand, sonst tonn ja die Senjora Motilina jederzeit die Esel reklamieren, weil ihr Brand eingetragen ist." „Em« Quittung hat er uns nicht gegeben," erwiderte Miguel. „Er wollte die Stempelmatten nicht bezahlen," „Die paar Centavos hättet ihr doch dann selbst bezahlt, um «inen Beweis für den Kons zu haben," sagte der Alkalde. „Verslucht noch mal," jchiie nun Miguel und drohte mit beiden Fäusten,„was wollen Sie denn eigentlich von uns? Wir zielien friedlich unsere Straß«, und sie umzingeln uns hier. Wir werden uns beim Gouverneur über Sie beschweren, daß Sie abgesetzt werden, verstehen Sie das?" „Das ist doch nun die Grenze." Der Alkalde lächelte.„Sie kommen hierher in unser Dorf»nd wollen uns Esel verkaufen. Wir wollen die Esel kaufen und sind auch über den Preis einig. Da haben wir doch wohl aber das Recht, nachzusehen, wo die Esel her kommen. Sonst kommen vielleicht inorgen früh die Soldaten und sagen, wir seien Banditen und hätten die Esel von ihrem recht Die Burschen waren gebunden worden... mähigen Besitzer fortgeführt und den Besitzer erschlagen, und wir werden erschossen." Miguel wandte sich zu seinen Freunden und warf ihnen einen Blick zu. Dann sagte er:„Wir wollen die Esel jetzt überhaupt nicht mehr verkaufen. Nicht einmal jür zehn Pesos alle zusammen. Wir wollen jetzt weiter." „Aber die Werkzeuge und die Felle könntet ihr uns doch ver- kaufen?" fragte der Alkalde. Miguel dachte eine Weile nach, und als ihm einfiel, daß die Felle und die Werkzeuge ja keinen Brand hatten, sagte er:„Gut, wenn ihr die Felle und die Werkzeuge haben wollt—. Was meint ihr?" wandte er sich feinen Freunden zu. „Wir sind einverstanden," sagten die.„Die Sachen könüen weg." „Das sind doch eure Sachen?" fragte-der Alkalde. � „Natürlich," antwortete Miguel. „Warum hat denn der Amerikaner die Felle nicht in Durango verkauft? Warum schleppt ihr denn die Felle wieder hier zurück? Ihr tragt doch auch kein Wasser aus Eselsrücken in den Fluß?" „Die Preise waren nicht gut in Durango, und wir wollen eine bessere Zeit abwarten." Miguel begann ein wenig aus und ab zu gehen, soweit ihm die Männer Platz ließen. „Ist der Amerikaner nackt zu? Bahn gegangen?" Der Alkalde warf die Frag« unerwartet auf. „Was meinen Sie?" Miguel wurde blaß. „Sie haben doch seine Stiefel an, und der da hat seine Hosen an. Warum hat denn keiner von euch sein Hemd an, das noch ganz gut war? Es war jedenfalls so gut wie ein neues, verglichen mit dem Fetzen, den Sie da tragen." Miguel sckwieg. „Warum hat es keiner von euch genommen?" wiederholte der Alkalde.„Ich kann es euch sagen," fuhr er fort,„warum das Hemd niemand von euch anziehen wollte." Weder Miguel noch einer der beiden anderen wartete ob, was der Alkalde weiter sogen würde. Mit einem Satz war jeder auf die Männer gesprungen, die i«dem am nächsten standen. Das war den Männern so überraschend gekommen, daß sie nicht schnell genug Zugriffen. Die Burschen entwischten ihnen und rannten die Straße des Dorfes hinunter, um ins Freie zu kommen. Der Alkalde winkte einigen der Männer, und wenige Minuten später sausten fünf Leute auf ihren Pferden hinter den Flüchtlingen her. Sie hatten sich nicht einmal Zeit genommen, die Pferde zu satteln. Lediglich die Kopsteinen hatten sie den Tieren übergeworfen. Die Strauchdiebe waren nicht weit gekommen. Die Indianer holten sie ein, ehe sie das letzte Haus des Dorfes erreicht hatten. Sie wurden an den Lasso genommen und wieder auf den Dorfplatz gebracht. „Wir werden nun den Amerikaner suchen gehen und ihn fragen, zu welchem Preise er euch die Esel verkauft hat, und warum er sich nackt ausgezogen hat, um euch seine Stiefel und seine Hosen zu schenken. Wir werden sefti Hemd mitbringen, dos keiner von euch haben wollte." Der Alkalde sagte es in einem mitteilenden Tone, ohne daß er ein« Antwort erwartete. Die Burschen waren gebunden worden und wurden nun von drei Indianern, die sich ihnen gegenüberhockten und ihren Machete auf den Knien liegen hatten, bewacht. Di« Männer sattelten ihre Pferde, packten Tottillas in ihre Basttüschchen und machten sich dann auf den Weg. Der Alkalde und Porfirio ritten mit ihnen. 24. Es kann schwerlich jemand lange in jenen Distrikten reisen, ohne daß er gesehen wird. Auch wenn er versucht, allen Ortschaften und ollen Leuten aus dem Weg« zu gehen, immer sind Augen da, die ihn sehe», die seinen Weg verfolgen und sein Tun beobachten. Er selbst weiß es meist nicht, daß er beobachtet wird. Die ihm entgegen- kommen, weichen lange, ehe er sie sieht, vom Wege ab und kriechen in den Busch, wo si« ihn vorüberziehen lassen und nicht eher wieder hervorkommen, bis er außer Sicht ist. Sie hoben ihn genau gesehen. er hat nicht einmal geahnt, daß er vom Kopf bis zu den Füßen so eingehend betrachtet wurde, daß wenig« Stunden später dos ganze Dorf weiß, wie der Mann ausgesehen hat, und was er mit sitz) führte In Bewässerungsgräben, hinter Hügeln, hinter Felsblöcken, hinter Sträuchern sehen die Augen jede Bewegung und jeden Schritt, den der Fremde tut. Di« Leute auf den Pferden oerfolgten den Weg. den Dobbs gegangen war, und nicht den, den die Wegelagerer gekommen waren. Da sie auf Pferden saßen und kein Gepäck hatten, waren sie schon am Nachmittag an dem Platze, wo Dobbs haltgemacht hatte. Der Platz war leicht zu finden. Zwei der Männer verfolgten die Spuren weiter vom Platze aus zur Stadt. Aber sie fanden bald, daß die Esel nur gestreut hatten und dann zurückgetrieben worden waren.(Forts, folgt.) Rätsel-Ecke des„Abend", luiinniiiiiiiiniiiiiniiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiüiiiiiiiiiiiMiiiMiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiMiiiitiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiimiiiiiiuiiimiiiiiiiiiiiimmiinimiuniiiiiiuiniiniuniwmiiiiniiiK Kreuzworträt Di« Worte bedeuten wage recht: 1. Interessenvertretung der Arbeiterklasse: ü. Farbe: ti. Hinweis: 10. italienische Note; 12. Schach. figur; 13. Bllff«lart: 14. sibirischer Strom: 1Z. Hauptstadt in Hoch- asien: 15. Gewässer: 20. Schwung: 23. Präposition: 24. Einlage bei einem Handelsgeschäft: Ti. belgischer Staatsmann im 19. Jahr- hundert: 26. Abkürzung des Ruhestandes: 27. türkischer Titel: 28. soziale Errungenschast. Senkrecht: 1. Arbeitersport: 2. englische Hafenstadt: 3. itq- lienische Berschwörergesellschaftcki: 4. etwas, das den Kommunisten noch fremd ist: 5. magnetische Kraft: 6. italienische Rot«: 7. Prä- Position: 8. Fürwort: 9. Raubvogel: 10. Blätter des Buchformats (lat.): 11. illustrierte Sozialistenzeilung: 17. Tierprodukt: 18. Für- wort: 19. italienische Note: 20. Wildschwein; 21. englischer Dichter: 22. Musikstück. Gchieberäisel. Die Wörter Wanderfahrt, Berlin, Akkumulator, Faltboot. Nohtalg. Moissi und Zöllner sind untereinander zu setzen und seitlich so zu oerschieben, daß zwei benachbarte senkrechte Reihen Genußgifte nennen, die vor allein der jugendliche Mensch unbedingt meiden sollte. hl. Gilbenräisel. Aus den Silben a— a— oc— de— di— di— bi— e— elch— ge— hei— i— s— j_ in— is— lam— le— lo— lymp— ms— nit— 0— 0— ot— ra— ra— rat— rit— ro— so— so— sar— stra— te— thu— ti— ti— van— za sind 18 Wörter zu bilden, deren Anfang»- und Endbuchstaben, beide von oben noch unten gelesen,«ine im bevorstehenden Wahlkampf sinniger: 8. früherer italienischer Staatsmann: 9. griechischer Philosoph; 10. biblischer Vorname; 11. Wild: 12. Oper von R. Strauß: 13. griechisches Gebirge: Göttersitz: 14. Rcligionsstister: 15. An- gehöriger einer farbigen Rasse: 16. asiatisches Gebirge; 17. klein- asiatisches Küstenland: 18. Widerruf, Einsetzrätsel. In nebenstehender Figur sind die Punkte durch die Buchstaben A, B, E, E, E, E, I, L, L, B, T, T zu ersetzen. Die erst« Reihe nennt einen Mädchennamen, die zweite einen deut- schcn Staatsmann, die dritte einen verstorbenen Führer der Sozialdemokratie, die vierte ein Gefühl. Rösselsprung. Bersteckrätsel. Den Wörtern Walküre, Kohorte, Berlin, Jedermann, Erjlnder, Norm, Liste, Vergiftung, Notfürsorge, Verdi, Teheran, Borrang. Wacker, Eidechse, Kunde. Jugoslawien und Wende sind je drei auf- einandersolgendc Buchstaben zu entnehmen, di«, riastig aneinandergereiht, einen beachtenswerten Merkspruch ergeben. KI. Auflösungen des Rätsel aus voriger Nummer. Die Warte bedeuten: Kreuzworträtsel: Senkrecht: 2. Pirat, 3. Reis, 4. Loki, 5. Nogat, 6. Shaw. 7. Esel, 9. Este. 11. Arzt. 13. Nelke, 14. Bern, 18. Chan, 19. Eber, 20. Mate, 21. Teer, 23. Libanon. 23. Levante, 28. vtade, 29. Egon, 31. Krug, 32. Gramm, 34. Angst, 35. Edda. 37. Abel. 38. Mode. W a g e r e ch t: 1. Sperling, 8. Heer, 10. Gans, 12% Sansibar, 15. Weste. 16. Etzel. 17. Lear, 22. Halbein, 24. Alge. 26. Arie. 27. Pastete. 30. Gera. 31. Kongo. 33. Dante. 36. Ornament, 39. Unna, 40. Geld, 41. Omelett«. Silbenrätsel; 1. Dramaturg: 2. Ulliiwi»; 3. Ebenrol: us; 7. 3n" V„-„.jmw; 12. 14. Ukelei: 15. Sanskrit: 16. Syndikai: 17. Diaposikio; 18. Edro; 19. ...»..WW»Mi... � 4. Boaatx: 5. Erbschaft: 6. Geroinu». 7. Zmtiative: 8. Eisengießerei: Ö. Buben; 10. Umlage. 11. Jleuruppin; 12. Gartnisch: 13. ZNillöcker: Betcbsdanner: 20. Buchara; 21. Esou: 22. Walpurgis: 23. Eridanu«: 24. Gladston«: 23, llri; 26. Bophtalin.— Die Regierung muß der Bewegung stets eiiwi, Schritt voraus fein, Kamm rät se l: 1. Bähe, 2. Ahle. 3. Unke, 4. Tube, 5. Eile. «.Bote, 7. Dose, 8. Ecke, 9. Doge, 10. Erde, 11. Idee, 12. Bas«— Ralltondetein. Jaf Boxer- Millionäre. Was sie waren und was sie sind. Wie viele Leute gibt es, die wissen, daß er, ein Jahr bevor er Dempsey besiegte, in Philadelphia aus dem Ring gewiesen wurde, weil der Schiedsrichter der Meinung war, Tunney bemühe sich nicht oder seine Fähigkeiten seien nicht groß genug, um ihn im Ring zu dulden. Und doch ist dies eine Tatsache. Als er das nächstemul nach Philadelphia fam, borte er derart, daß er seit: her in die Reihe der Millionäre seines Landes vorrückte. Bon fünfzig jungen Leuten, die sich heutzutage dem Berufsfaust| bis vier Jahre hält und das wird er wahrscheinlich-, dann wird fämpfertum widmen, darf höchstens einer hoffen, davon leben zu er ein Vermögen von mindestens zwei Millionen Pfund haben. tönnen, trotzdem die Börsen größer sind als je zuvor, die Zuschauerzahlen höher, das Interesse ausgesprochener und anhaltender. Die Aussicht, daß ein Anfänger dabei ein Vermögen macht, liegt 200: 1 gegen ihn. Es gibt kein Beispiel dafür, daß ein Neuling eine Meisterschaft oder einen annähernd gleichwertigen Kampf gewann. So etwas kommt im wirklichen Leben nicht vor. Es gibt nicht einen einzigen Champion, der nicht auf Jahre der härtesten Arbeit, auf bittere Enttäuschungen und in vielen Fällen auf Zeiten der Armut und des Hungers zurückblickt. Jack Dempsey, der mehr Geld mit seinen Fäusten gemacht hat als jemals irgendein anderer Borer, war einst so verzweifelt arm, daß er in San Franzisko die unentgeltlichen Speisungen in Anspruch nehmen mußie. Ein oder zwei Jahre, bevor er Weltmeister wurde, erhielt Dempsen für einen Bierrundenkampf durchschnittlich 10 Pfund, und in vielen Fällen waren diese Kämpfe es besonders unvergleichlich härter als die höher bezahlten, die später famen. er betonte Man glaubt nicht selten, Tunney seien die Prüfungen und Mühsale, die von zehn Borern neun durchmachen, erspart geblieben. Das ist unrichtig. Es hat Nächte gegeben, in denen er auf einer Bank in einem Part schlief und viele Tage, da er seinen Gürtel enger schnüren mußte. Tunnen erhielt für seine Dreißigminuten anstrengung gegen Dempsen am 30. September v. J. in Chicago etwas über 200 000 Pfund. Dabei steigen die Preise für Champions. Es wäre daher nicht verwunderlich, wenn der Weltmeister für seinen nächsten Kampf 300 000, Pfund verlangte. Sofern er sich noch drei Darin liegt Romantik aber wahrscheinlich die romantischste aber wahrscheinlich die romantischste Figur unter den Faustkämpfern der Gegenwart ist der Neuseeländer Tom Heeney. Wenn ein Borer sich dem Alter von 30 Jahren nähert, ohne sich eine beffere Position als die eines Rahmenkämpfers errungen zu haben, dann kann man sicher sein, daß er ein Versager it. Als solcher wurde Heeney vor einem Jahre in England angesehen. Heute gilt er als Fechter und Attraktion soviel wie Tunnen und Dempsey. Seine Einkünfte sind die eines großen Advokaten oder Filmstars. Vor einem Jahre noch konnte er sich kaum eine Schachtel Sigaretten faufen. Georges Carpentiers jah man das erstemal in einem Pariser Lokal. Er wurde von einem jungen Engländer, der sich Young Enowball nannte, so unbarmherzig geschlagen, geprügelt, gedroschen, daß der Kampf abgebrochen werden mußte. Jeder weiß. was aus Carpentier in den folgenden Jahren wurde. Von dem Standpunkt der Geldmacher gesehen, folgt er in der Liste gleich hinter Dempsey. Aehnlich ging es noch manch anderen. Selbst Bhil Scott, der gegenwärtige Schwergewichtsmeister von Groß britannien, wandte dem Boren seinerzeit den Rücken und wurde Feuerwehrmann, weil er die Aussichten nicht für günstig hielt. Von Treptow zum Friedrichshain. gelaffen ist, müssen die Anmeldungen zu dieser Fahrt schnellstens bef Der große Straßenlauf am 29. April. Das große Ereignis der Arbeitersportler, der Straßenlauf Treptow- Friedrichshain, findet am 29. April statt. Der Start zu der Hauptstafette über 7140 Meter mit 15 Läufern und einem beliebigen Wechsel beginnt am Rathaus in Treptow um 16 Uhr. Das Ziel ist der Sportplah Friedrichshain. Von hier aus starten auch die Geher und einzelnen Läufer über 12 Kilometer, und zwar nach dem Zentrum der Stadt. Das Ziel befindet sich wiederum auf dem Sportplag Friedrichshain. dem Geschäftsführer Bernhard Kühl, Berlin NO. 55, Wins= straße 57, abgegeben werden. Jede weitere Auskunft daselbst. Volkstanzfreis Prenzlauer Berg. Wir machen hierdurch bekannt, daß wir unsere Uebungsabende jest jeden Dienstag in der Zeit von 20 bis 22 Uhr in der Turnhalle Esmarchstraße 18 stattfinden lassen. Dienstag, 24. April, beginnt ein Anfänger furfus, wozu tanzluftige Mädel und Burschen eingeladen sind. Der Rursus erstreckt sich auf zehn Abende und wird mit einem Bolfs: tangfest im Freien abgeschlossen. Die Kursusgebühren sind gering. Freie Ruber Bereinigung 1913 e. B.". Gigung, Freitag, 20. Apett, 20 Uhr im Strandschloß", Oberschöneweide. Mitglieder werden noch auf genommen. Anschrift: W. Birch, Lichtenberg, Friedrichstr. 39b.. Baffersportverein Recomania". Sigung, Freitag, 20. April, 20 Uhr bei Soffmann, Wismarplay 2. Der Auto- Sanitäter. Der Deutsche Motorradfahrerverband hat im Vorjahre als erster praktisch den Aufang damit gemacht, einen Auto- Straßenhilfsdienst einzurichten; er hat einige Beiwagenmaschinen ausgerüstet, die an Sonn- und Feiertagen die verfehrsreichsten Ausfallstraßen rund um Berlin abpatrouillieren. Dabei hat es sich gezeigt, daß der Straßenhilfsdienst fast ausnahmslos dem Motorradfahrer zugute kommt. Der moderne Kraftwagen ist konstruktiv so auf der Höhe, daß nur in verschwindend feltenen Fällen das Erreichen der nächsten Ortschaft nicht möglich ist. Das Motorrad dagegen ist noch immer der einen oder anderen Störung unterworfen, die der Fahrer nicht immer mit dem mitgeführten Werkzeug zu beheben vermag. 3u bedenken ist auch, daß der Motorradfahrer, älteren und ältesten Jahrgangs fährt, die wohl jahrelang ihre der nicht immer den bestsituierten Kreisen angehört, Maschinen Pflicht getan haben, aber eines Tages doch einmal den Dienst versagen. Auch der bekannte Typ des Sonntagsfahrers ist zu berücklichtigen, der in naiver Unbekümmertheit, von feinerlei Kenntnis seiner Maschine beschwert, in die schöne Gottesnatur wandert und staunend zwischen zwei Ortschaften auf einsamer Chaussee seinen leeren Benzinbehälter betrachtet und einem geplakten Reifen mit der Hilflosigkeit eines neugeborenen Kindes gegenübersteht. Es werden vorerst 20 Hilfsdienstmaschinen ausgerüstet, die den Den Ausbau dieses Hilfsdienstes hat der DMV. jetzt begonnen. Patrouillendienst übernehmen sollen. Die Fahrzeuge sind mit reichhaltigem Werkzeugmaterial, Verbandszeug und Brennstoffreserve versehen. Die Hilfsdienstfahrer werden sich nicht nur DMV.- Mitgliedern, sondern allen hilfsbedürftigen Kraftfahrern kostenlos zur Verfügung stellen. Haymann macht ernst. Domgörgen trainiert ihn. Der Münchener Schwergewichtler Ludwig Haymann hat sein Trainingsquartier zu dem am 13. Mai in der Dortmunder Westfalenhalle stattfindenden Titelkampf mit dem deutschen Schwergewichtsmeister Mag Schmeling nach Dortmund verlegt. Er ist vorläufig in der Obhut des Kolonialfranzosen Alonzo. An seiner Stelle jedoch übernimmt nach feinem Leipziger Kampf Hein Domgörgen die Trainigsoberleitung. Domgörgen, Schmelings alter Rivale, wird natürlich nach Kräften bemüht sein, Haymann soviel als möglich von seiner hochentwickelten Bopfunft beizubringen, so daß also ein besserer Lehrmeister für den Münchener nicht zu Eine fleinere Etafette nimmt ihren Anfang an der Warschauer Die Schulden der Kommunisten. benten ist. Außer den beiden Westdeutschen Eder und Krüppel find Brücke, während die Frauen in Mannschaften mit je 10 Teilnehmerinnen vom Baltenplatz eine Stafette von 1940 Metern bewältigen mollen. Die Stafette der Jugend, 10 Teilnehmer, beliebiger Wechsel, beginnt an der Warschauer, Ecke Romintener Straße und führt über 2540 Meter. Die Schüler und Schülerinnen laufen von der Petersburger Straße ab eine 20mal 75- Meter- Stafette. Lastwagen zur Berteilung der Läufer auf der Strecke, und zur Propagandafahrt stellt die Sparte. Meldeschluß Montag, den 23. April, bei Erwin Janezki, D. 34, Gubener Straße 23. Im Arbeiter- Schützenbund. Wie bereits im„ Abend" mitgeteilt, ist die alte rein fommunistisch orientierte Ortsgruppe Berlin des Arbeiter= Schügenbundes wegen 670 M. Beitragsschulden aus dem Bund ausgeschlossen worden. Das sind aber nicht die einzie gen Schuiden. So hat sie z. B. an den Kartellverband noch 200 M. zu zahlen. Die Abteilung Friedrichshain hat noch ihre Kartellbeiträge, für vier Monate Miete für den Schießstand und auf Abzahlung genommene Gewehre zu bezahlen! Außerdem haben verschiedene Mitglieder sogenannte Bausteine bis zu 5 M. als Dar Wer nimmt Sportler in Quartier? lehen gegeben und bis heute noch nicht erhalten. Zum Bezirksfest in Weißensee. In Weißensee findet am 9. und 10. Juni das Bezirtsfest des 2. Bezirks des Arbeiter- Turn- und Sportbundes statt. Es wird mit der Teilnahme von 1000 bis 1500 Sportlern und Sportlerinnen geredynet. Bis jetzt sind- obwohl der Meldeschluß erst am 12. Mai ist bereits über 600 Teilnehmer gemeldet. Der Arbeiter bevölkerung von Weißensee und eines Teils des 4. Verwaltungs bezirks Prenzlauer Berg fällt die Aufgabe zu, für die große Zahl der Teilnehmer Quartiere zu beschaffen. Die Quartierkommission des„ Arbeiter- Turn- und Sportvereins Weißenfee" richtet an die Bevölkerung die Aufforderung, möglichst schon heute Quartiere zu melden. Bei der Meldung ist anzugeben, ob ein Turner oder eine Turnerin in Quartier genommen werden soll. Die Quartierkommiffion hat folgende Meldestellen eingerichtet: Erwin Malissa, Weißensee, Langhansstraße 60( Papiergeschäft); Artur Rosenthal, Weißensee, Berliner Allee 250 I; Wilhelm Koppe, Weißensee, Meßstraße 86 II: Richard Jeanneret, Weißenfee, Lichtenberger Straße 131. Die Arbeitersportler richten die Aufforderung an die Arbeiterschaft, recht rege an der Quartierbeschaffung mitzuhelfen. Geräte- Kunstturnen Berlin- Greiz. Am Sonnabend, den 21. April, fährt die Berliner Kunstturner riege der Arbeitersportler nach Greiz zu einem Wettkampf gegen den derzeitigen Bundesmeister. Die Berliner stehen vor einer schweren Aufgabe und nach dem letzten Kreiswetturnen in Magde burg geurteilt, ist an dem Ausgang des Kampfes nicht zu zweifeln. Hoffentlich gelingt es den Berlinern, die Spanne der in Magdeburg erreichten Punktzahl zu ihren Gunften zu verringern. Folgende Turner bilden die Berliner Riege: Erich Bollmann, Emil Leuthold, Werner Blank, Helmut Mielké. Arbeitsgemeinfchaft freier Volkstanzkreise. Die der Arbeitsgemeinschaft angeschlossenen Kreise gehen Sonntag, 29. April, auf Tanzfahrt. Treffpunkt um 28 Uhr auf der Schillingsbrüde zu einer Motorbootfahrt zur Woltersdorfer Schleuse. Fahrgeld einschließlich Musifuntosten 1,50 M. für die Hin und Rückfahrt. Da nur eine beschränkte Teilnehmerzahl zuWas man bei Kommunisten über Sport und Einheitsfront ver steht, ersieht man aus folgendem: Der Vorsitzende erklärte die Kommunistische Partei als die einzige Arbeiterpartei, Sozialdemokraten wurden aufs gemeinste beschimpft, die Ortsgruppe forderte ihre Mit glieder zur Beteiligung an kommunistischen Demonstrationen auf usw. Eine von der Ortsgruppe Kreuzberg porgenommene Fahnenmeihe benugt man zur Reklame für NFB. und APD. Die Fahne ziert ein Sowjetstern! Bahlreiche auf Grund von Notizen in Borwärts" und" Abend" eingegangene Schreiben und Aufnahmegesuche beweisen, wie freudig man die Gründung einer neuen Ortsgruppe begrüßt, die nur Sozialdemokraten aufnimmt. Weitere Anmeldungen nimmt entgegen: Ernst Saemerow, Berlin NO 18, Landsberger Str. 90. Anfahren der Havelvereine. Wassersportvereine der Havel haben am fommenden Die zu einer Arbeitsgemeinschaft vereinigten ArbeiterSonntag ihr Anfahren. Der Start erfolgt um 9 Uhr am Boots haus des Rudervereins Butab" in Tiefwerder, als Ziel und Sammelpunkt ist Bürgerablage vorgesehen. " Wilmersdorf. Gemeinsames Hallen- Training aller Mitglieder der Tennisabteilungen der Freien Turnerschaft Wilmersdorf" und von Fichte- West" in der Turnhalle der Volksschule, Gieselerstraße, Freitag von 20-22 Uhr. Der ASV. Libertas, Berlin, Mitglied des AABD., veranstaltet helmsaue 114-115, einen Großtampftag im Ringen, Bogen Freitag, 20. April, 20 Uhr, in Wilmersdorf, Viktoriagarten, Wilund Jiu- Jitsu. Namhafte Berliner Vereine sind als Gegner verpflichtet worden. Eingeleitet wird der Kampfabend durch eine Vorführung in der Jiu- Jitsu- Selbstverteidigung. Vereinskalender Freie Schwimmer Norden 1893. Mittwoch, 18. April, 20 Uhr. Außerordent liche Bersammlung, Gerichtstr. 71. Donnerstag, 19. April, 21 Uhr, Altersriege, Gerichtstr. 12. Eile mit Wenle, Leipziger Fahrt usw. Freie Faltbootfahrer Berlin. Zusammenkunft Donnerstag, 19. April, 20 Uhr, Schule Weinmeisterstr. 16/17. Gäste willkommen. Mittwoch, 18. April, Besuch der Spartengeneralversammlung, Rosenthalerstr. 40/41. Gonntag 22. April, Befahren der Finow. Abfahrt 5.55 Uhr Stettiner Bahnhof. Rüdfahrkarte bis Biesenthal löfen. Ruber- und Kanu- Berein 1924, e. B. Bootshaus Rahnsdorf. Gigung Donnerstag, 19. April, 20 Uhr im Falkensteiner", Faltensteinstr. 49. Gonntag, 22. April, Arbeitsdienst im Bootshaus. auch Ernst Rösemann und der für den augenblicklichen Zweck wohl am besten dienende frühere Amateureuropameister Heinrich MüllerKöln als Trainingspartner für Haymann fest verpflichtet. Wie man sieht, macht also Haymann die größten Anstrengungen, um am 13. Mai in wirklicher Meisterschaftsform anzutreten. Berliner Windhund- Rennen. Im Mai gehts los. zu den Anfang Mai beginnenden Windhundrennen, die im Post stadion veranstaltet werden, sind die Borarbeiten im besten Gange. Man hat zu den benötigten Einrichtungen alle die bisher in Amerifa und England geschöpften Erfahrungen mit herangezogen, Fachleute überwachen das Ganze, und es darf wohl behauptet werden, daß alles geschieht, um den Rennen die günstigsten Voraussetzungen zu geben. Die technischen Einrichtungen auf der Bahn gehen ihrer Bellendung entgegen. Um die Ellipse des Sportplages läuft eine Bahn, in der der elektrische Sase fich bewegt, der eine Geschwindigkeit bis zu 85 Kilometer entwidelt. Ferner ist um die gesamte Bahn eine Beleuchtungsanlage geschaffen. Auch die Tribüne wird mit einer entsprechenden Beleuchtung versehen. Am Ende der Bahn wird ein Turm errichtet, mit Schaltwerken und Maschinen versehen, von wo aus dann der danze Apparat reguliert wird. Die Berliner Sportgemeinde wird also hier mit einer sportlichen Neuheit überrascht werden. Motorrad- Kongres in Kopenhagen. Der Internationale Motorradsportverband, die Federation Internationale des Clubs Motocyclustes, hielt in Kopenhagen seine fällige Tagung ab. Insgesamt hatten 15 Nationen ihre Delegierten entsandt, die deutsche Motorradsportbehörde war durch Dörnde- Hannover, Dr. Wettstedt und R. DieselBerlin, vertreten. Neben verschiedenen technischen und Verwaltungsfragen murde auch das sportliche Programm des nächsten Jahres gestreift, dessen genaue Festlegung jedoch erst beim Herbstkongreß zu im nächsten Jahre ift eine Sechstagefahrt großen Stils geerfolgen hat. Anläßlich des 25jährigen Bestehens der Federation plant, die durch Frankreich, Deutschland, Italien, Oesterreich und die Schweiz führen wird. Der Kongreß nahm ferner Kenntnis von der Namensänderung der bisherigen Deutschen Motorrad- Sportgemeinschaft in Oberste Motorrad- Sportbehörde. Der Tagung lag u. a. ein Antrag vor, der den einzelnen Landesverbänden durch die Federation vorschreiben lassen wollte, welche Rennen für Reklame freizugeben seien. Die überwiegende Mehrheit der Versammlungsteilnehmer war jedoch der Ansicht, daß die Kompetenzen der Federation durch die Annahme eines derartigen Antrages weit überschritten werden würden. Es wurde daher bestimmt, daß jedem Nationalverband in diefer Hinsicht volle Freiheit zu laffen fei. Der Herbstfongreß 1928 findet in Paris, der Frühjahrstongreß 1929 in Berlin statt. COUNDE Denken Sie an Ihre reinigt wäscht färbt und Frühjahrsgarderobe! Überall Filialen Postversand Berlin SO 16, Rungestr. 21 Fernspr. F7 Jannowitz 6436 Der kommende Bauftil. Stehen wir vor einem neuen Entwicklungsabschnitt erster Ordnung? Diese Fragestellung ist für die tiefe Unruhe unserer Zeit bezeich-| Oberfläche, oft schnellem Wechsel unterworfen, ein Spiel und Ranten nend, die nach unerhörten Erfolgen einer sich überſtürzenden Entwickelung ungeduldig nach dem Höchsten greift. Ein maßgebendes Urteil im Streit der Meinungen dürfte sich teiner der heute lebenden Generationen anmaßen, und so verwahrte fich auch der Redner des letzten Vortragsabends des Berliner Architekten und Ingenieurvereins, Gustav Langen, der Leiter des Deutschen Archivs für Städtebau, Siedlungs- und Wohnungswesen, von vornherein gegen die Annahme, in diesem Streite Richter zu sein. Man könne nur klären helfen, und da empfehle es sich, bevor wir nach dem neuen Baustil fragen, zunächst den Sammelbegriff ,, Baustil" zu gliedern. Er fann von drei Standpunkten aus betrachtet werden, vom Standpunkt des Ornamentalen, des Konstruktiven und Dom Standpunkt der Gesamtplanung, die ein Ausdruck aller Strömungen ihrer Zeit und ihres inneren Wesens ist. Die erste Betrachtung sieht nur den äußeren Schein, gleichsam die Haut der Erscheinung, die zweite dringt tiefer zum inneren Bau der Muskeln und Knochen, die dritte aber erfaßt erst das Wesen, die Seele des Bauftils. Der Laie bleibt meist am Ornamentalen, am äußeren Schein haften, er unterscheidet die Stile nach gewissen charakteristischen Schmuckformen, die ihm wie eine Art Leitfossilien eine ziemlich genaue Datierung der Bauwerke erlauben. Aber diese Formen sind nur wie eine leicht gefräuselte wert, das man gar zu leicht, wie den Jugendstil" seligen Angedenkens, mit dem großen Wort„ Stil" bezeichnet. Von diesem oberflächlichen Standpunkt aus fann man auch heute von einem neuen Stil sprechen. Das moderne Ornament, teils vom Rototo, teils von Ostasien, teils auch von der Gotik beeinflußt, hat immerhin eigenen Charakter und Qualität. Es dürfte nicht schwer sein, wenn man uns einmal ausgraben sollte, unsere neueste Zeit am Ornament oder an ihrer Ornamentlosigkeit zu erkennen. nisch fast unbegrenzten Möglichkeiten. Bir ftehen tatsächlich an einem Entwicklungsabschnitt erster Ordnung auf dem Gebiete der Konstruktion und haben damit eine der wichtigsten Boraussetzungen für einen neuen Baustil. Kein Wunder, daß ein unerfreulicher Zustand zwischen den Zeiten" nun schon fast 100 Jahre währt, in welchem man entweder alte Stilformen mit den neuen Konstruktionsmitteln, die hier als Konstruktionssurrogate wirken, nachahmt oder wirklich neue Konstruktionen mit alten Formsurrogaten behängt. Die Entwicklung der letzten Jahre hat eine Klärung gebracht. Wir verwenden heute die neuen Konstruktionsmittel ebenso ehrlich und echt wie unsere Altvorderen die ihrigen. Damit beginnt sich vom Konstruktiven aus ein neuer Baustil zu bilden, der mehr als eine Mode, mehr als eine Entwicklungsstufe innerhalb der bisherigen Bauſtile der tatsächlich etwas ganz Neues ist. Gewichtiger werden die Beweismittel, ob wir einen neuen BauFreie Sozialistische Hochschule. Der nächste Vortrag der Freien stil haben, vom Standpunkte der Konstruktion. Sie hat zu Sozialistischen Hochschule" findet am Sonnabend, bem 21. April, allen Zeiten wichtige Kennzeichen für die Baustile größeren Formats 19, Uhr, im ehemaligen Herrenhaus, Leipziger Straße 3, statt. Genosse abgegeben und neben den ornamentalen Zwischenstufen die großen endrit de man spricht über das Thema: Die Kulturmission Stilepochen bestimmend beeinflußt.( Der aus dem Holzbau abgeteitele des Sozialismus". Karten zum Preise von 50 Pf. an folgenden Stellen: Bureau des Bezirksbildungsausschusses, Lindenstr. 3, 2. Hof links Steinbaltenbau des früheren Altertums, die Großwölbetechnik der 2 Tr., Zimmer 18; Buchhandlung J. 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Drud: Borwärts Buch bruderei und Berlagsanstalt Paul Ginger& Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Hierzu 1 Beilage. + + Allen Organisationen MAURER& DIMMICK . Geschäfts- Anzeiger empfiehlt sich BUCHDRUCKEREI Bezirk Süden- Weften. Elettro- VOX-Platten Deutsche Erzeugnisse Orchestermusik Instrumental- und Gesangsoli Choraufnahmen * BERLIN SO 16, KOPENICKER STRASSE 36/38 Merken Sie sich bitte: eine Adresse für Ihre Wäsche, es ist die besonders bevorzugte Dampf- Wäscherei Westend Charlottenburg, Wallstraße 22. Telephon: Wilh. 6693 Wir liefern Qualitätsarbeit und sind billig 0. Rackwitz Nil. Groß- Destillation I. Am Blücherplatz( Planufer 24) II. Am Hermannplatz( Kottbusser Damm 36/37) III. Wiener Straße 15( Ecke Lausitzer Straße) Bien's Festsäle Kreuzbergstraße 48 an der Katzbachstraße Täglich außer Dienstag und Freitag VOX In allen besseren Musikwarengeschäften erhältlich. 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