Morgenausgabe Nr. 185 45. Jahrgang A 94 öchentlich 70 Pig. monatlich 3,-m im voraus zahibat. Beftbezug 3,72 m. einschl. Bestellgelb, Auslandsabonne ment 5,50 R pro Monat. * Der Borwärts" erscheint wochentag lich zweimal, Ganztags und Montags einmal, die Abenbausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Der Abend", Illuftrlarte Beilagen Volk und Zeit" und Anderfreund" Ferner Unterhaltung und Wiffen"," Frauen Stimme". Techni. Blid in die Bücherwelt" unb Bugend- Borwärts". Vorwärts Berliner Boltsblatt Donnerstag 19. April 1928 Groß- Berlin 10 Pt. Auswärts 15 Pf. Die etRipaltige Nonpareiftezelle 80 Pfennig Reflamezeile 5.- Reichs. nart Kleme Anzeigen" das fettge brudte Wort 25 Pfennig( guläffig met fettgedruckte Borte), jedes mettere Wort 12 Pfennig Stellengefuche das erfte Bort 15 Brennig. jedes weitere Bort 10 Pfennig Borte über 15 Buchstaben sählen für gwes Worte Arbeitsmarkt Beile 60 Bfennig Familianzeigen für Abonnenten Seite 40 Bfennig. Anzeigen. annahme im Hauptgeschäft Binden Straße 3. wochentägi non 8, bis 17 lbs. Bentralorgan der Sosialdemokratischen Bartei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Vorwärts: Verlag G. m. b. H. Fernsprecher: Tönhoff 292-297 Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin Poftichedkonto: Berlin 37 536 Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten Wallstr. 65. Diskonto- Gesellschaft. Depofitentasse Lindenstr. 3 Das Wahlmanöver Keudells. Länderproteste gegen den deutschnationalen Innenminister. Dem Schritt der preußischen Regierung, die gegen die Neudellsche Aufforderung zum Verbot des Rotfrontkämpferbundes Einspruch erhoben und den Staatsgerichtshof angerufen hat, haben sich die Regierungen von Hessen, Braunschweig, Mecklenburg, Sam burg und Lübeck angeschlossen. Der Reichstagsausschus zur Wahrung der Nechte der Volksvertretung ist durch seinen Vorsitzenden, den Neichstagsabgeordneten Henke( Soz.) zum nächsten Dienstag, dem 24. April, einberufen worden. Auf der Tagesordnung steht die Stellungnahme zu der Aufforde rung des Reichsministers des Innern v. Keudell an die Länderregierungen, ein Verbot des Roten Frontkämpferbundes zu erlassen. Das Parteimanöver des Herrn v. Keudell wird durch einen Feldzug der Hugenberg- Preffe fräftig unterstüßt, der übrigens schon vor dem Bekanntwerden der Keudellichen Absichten eingesetzt hat. Der Lokal- Anzeiger" hat dem Amtlichen Breußischen Pressedienst vorgeworfen, daß er einen Bertrauensbruch be gangen habe, um den Rotfrontkämpferbund zu begünstigen. Auf diesen Anwurf antwortet der Preußische Pressedienst: ,, Der Berliner Lokal- Anzeiger" glaubt in seiner Abendausgabe Dom 18. April den Amtlichen Preußischen Pressedienst des Ber trauensbruches bezichtigen zu dürfen, weil eine demokratische Berliner Zeitung die Nachricht verbreitet hatte, daß Reichsminister von Keudell die Regierungen der Länder um das Berbot des Roten Frontkämpferbundes ersucht hatte. Der Lokal- Anzeiger" hat anscheinend übersehen, daß die im gleichen Berlage wie er selbst erscheinende, a chtausgabe" zur selben Stunde wie das demokratische Blatt in nicht misverständlicher Form das Berbot des Roten Frontfämpferbundes von dem Reichsministerium des Innern und von den Regierungen der Länder gefordert hat. Aus der ganzen Darstellung der„ Nachtausgabe" geht herpor, daß dieser Artikel nicht aus einem gefühlsmäßigen" Borempfinden der Absichten des Reichsministeriums des Innern entstanden sein kann, fondern nur auf Grund einer genauen Kenntnis dessen, was beabsichtigt war. Die erste Anfrage bei der Amtlichen Preußischen Pressestelle am 17. April war auf die Mitteilung gegründet, daß die Reichsregierung bereits die Tatsache des an die Länderregierungen ergangenen Ersuchens bestätigt hatte. Nunmehr setzte sich die Preußische Pressestelle erst mit dem zuständigen preußischen Ministerium des Innern in Verbindung und stellte fest, daß das preußische Ministerium des Innern auf Grund einer Rücksprache mit dem Reichsministerium des Innern die Tatsache des bereits ergangenen Erfuchens an die Länderregierungen bestätigen konnte, und daß diese Tatsache auch der Oeffentlichkeit bekanntgegeben werden dürfe. Hiernach sind die Beschuldigungen des„ Berliner Lokal Anzeigers" gegen die Amtliche Preußische Pressestelle sa chlich in jeder Hinsicht ungerechtfertigt. Wenn das Blait zum Ausdruck bringen will, daß die Amtliche Preußische Pressestelle Berbände, die des Hochverrats beschuldigt sind, durch den Bruch amtlicher Bertraulichkeit de facto begünstigt habe, so steht diese Behauptung nicht nur mit der Wahrheit, sondern auch mit den Gepflogenheiten eines fairen Journalismus in fraffem Widerspruch." Die Wirkung des Keudellschen Manövers wird sichtbar. Die Kommunistische Partei und ihre Presse benutzt die Reudell- Aktion zu einer verlogenen Hege gegen die Sozialder nach der Verfassung die Richtlinien der Politik bestimmt. Er wird doch nicht bestreiten wollen, daß es sich um eine bebauerliches Gegeneinanderarbeiten, das bei bem politische, nicht um eine polizeiliche Altion handelt? Die Presse gegen Keudell. Der Pressedienst der Zentrumspartei schreibt zu der Aktion des deuschnationalen Innenministers: ,, In der Tat ist es schwer, sich des Eindrucks zu erwehren, daß die Attion des Reichsinnenministers von feiner sinseitigen Parteilichtet diftiert ist." „ Kölnische Volkszeitung"( 3.): Niemand wünscht, daß ein Be völferungsteil, und feien es selbst die so wenig angenehmen Zeitgenoffen wie die Roten Fronttämpfer, aus parteipolitischen Gründen unter ein Ausnahmerecht gestellt werden. Das politische Romentum beschränkt sich leider nicht nur auf die Roten Fronttämpfer, und die Mitglieder der anderen Kampf verbände bestehen ja auch nicht aus lauter Tugendbolden. Das Instrument der staatlichen Macht zur Sicherung der Wahlfreiheit muß fo gerecht nach allen Seiten unparteiisch gehandhabt werden, daß jeder Verdacht parteipolitischer Neben abfichten von vornherein ausgefchloffen ift." | Kölnische Zeitung"( Boltspartei): Es handelt sich hier um ein Schroffen Gegensatz von Sozialdemokraten und Kommunisten leicht zu einer Stärtung der Kommunisten führen könnte, wenn etwa der sozialdemokratische preußische Minister des Innern ge. zwungen wäre, den Roten Frontkämpferbund zu verbieten. Die Roten Frontkämpfer sind wirklich feine angenehmen Mitbürger, aber verbietet man sie jetzt, so könnten die Länderregierungen auf den naheliegenden Gedanken tommen, diese Maßnahmen auf alle Organe auszudehnen, von denen Wahlterror zu befürchten ist. Die politischen Erfahrungen lehren jedoch, in Wahlzeiten mit Berboten äußerst sparsam umzugehen." Die Frankfurter Zeitung" weist in einem längeren Artikel zunächst darauf hin, daß von Keudell die ihm noch verbliebene kurze Frist seiner Ministertätigkeit nach Kräften ausnüße, um Wahlpropaganda zu treiben. Das Blatt meist dann nach, daß der Innenminister teinerlei rechtliche Handhabe befije, um nach einer Seite hin ein Verbot zu erlassen. Wenn er das Sündenregister der rechts- und linksradikalen Verbände zusammenftellen würde, müßte er genau so viel Ausschreitungen auf der rechten Seite buchen. Aufreizungen der rechten Seite hätten im übrigen wiederholt zu Morden geführt. Nieder mit Matteottis Mördern! Sozialistische Antwort auf faschistische Herausforderung. Budapest, 18. April. flärte, die italienischen Faschisten seien nicht Gäste Heute vormittag erschienen die in Budapest weilenden des ungarischen Boltes, sondern der ungarischen italienischen Abgeordneten und Senatoren auf der Ga- Negierungspartei. Das ungarische Volt fühle sich eng lerie des Abgeordnetenhauses. Als die italienischen verbunden mit dem Italien Mazzinis und Gari. Gäste Plak nahmen, erhoben sich sämtliche Mitglieder baldis und es sehne den Augenblick herbei, wo Italiens der Regierungspartei, der Christlichsozialen, der Wirt- Volt wieder zur Politik dieser großen Freiheitshelden schaftspartei und die parteilojen Abgeordneten, darunter zurückkehrt. Die Faschisten, die nach Ungarn gekommen Graf Apponyi, und brachten Kundgebungen für wären, seien in den Augen des ungarischen Volkes die Italien und die erschienenen Gäste aus. Neun Sozial. Mitschuldigen an der Ermordung Matte. demokraten bieben sitzen. Als in den Reihen der Regie- ottis und der unzähligen anderen Opfer des Fa rungspartei der Ruf laut wurde: Soch Mussolini!", schismus. riefen die Sozialdemokraten stürmisch:., Matteotti! Nieder mit den Mördern Matteottis! Nieder mit den faschistischen Arbeitermördern!" Die italienischen Gäste dankten für die Kundgebungen der Mehrheit mit römischem Gruß. Erst nach einer halben Stunde konnte sich ein Regie rungsredner verständlich machen und die faschistischen Abgeordneten begrüßen. Als ein Monarchist den Sozial. demokraten vorwarf, sie hätten durch ihre Kundgebung die Gastfreundschaft verletzt, meldete sich der sozialdemokratische Abgeordnete Malasits zum Wort und er Faschisten stehlen Arbeiterzeitungen. Brüssel, 18 April.( Eigenbericht.) fogenannten„ Nationalen Jugend" auf offener Straße unweit der Am Mittwoch abend überfielen faschistische Studenten von der Druckerei des Be Peuple" einen Lastwagen mit einem Teil der ersten Abendausgabe des sozialdemokratischen Blattes. Sie stahlen die Zeitungen und schleppten sie in das nahe faschistische Lokal. Augenzeugen benachrichtigten sofort die Polizei, die in das Faschistenhaus eindrang, ehe die Flegel sich entfernen oder die gestohlenen Zeitungen verschwinden lassen konnten.- Die sofort alarmierte Arbeiter miliz dürfte umgehend zu Abwehrmaßnahmen gegen die faschistischen Radaubrüder schreiten. Befehlsmäßig erschossen?! demokratie und die preußische Regierung. Sie feit frei er Kreisleiter Schulz II vor dem Stettiner Gericht.- Die Beziehungen zwischen fundene Tartarennachrichten in die Welt, die von dunklen reaktionären Plänen erzählen: Verschwörung mit englischen Offizieren. Ueberfall auf die Sowjetbotschaft genlant. Herr v. Keudell hat die gröbste und plumpste Wahl= lüge und Wahlheze entfesselt mas der Zweck der Uebung war. Herr v. Reudell ist noch Reichsinnenminister, allerdings auf Abbruch. Hat er dies Wahlmanöver im Einverständnis mit dem Rabinett unternommen? Es steht fest, daß der Reichskanzler, Herr Marx, daß mit ihm die Minister Dr. Stresemann und Dr. Curtius von den Keudell fchen Absichten unterrichtet waren. Sie haben dazu geschwiegen und verstecken sich jetzt dahinter, daß ein 3 ustimmung gen und verstecken sich jetzt dahinter, daß ein Zustimmung von ihnen weder erbeten, noch erteilt worden ist. Herr v. Keudell wieder verschanzt sich hinter seine reffort mäßige Zuständigkeit. es geht in der Reichsregierung auf Abbruch drunter und drüber. Jeder Minister handelt auf eigene Fauft. Die Parteien, die in der Reichsregierung vertreten sind, befämpfen fich untereinander in den schärfsten Formen. In dieser Regierung ist keine Autorität, sie hat feine Autorität nach außen. Um so deutlicher tritt der parteipolitische Charakter der Keudellschen Aktion hervor. Herr v. Keudell ist dem Ueberwachungsausschuß des Reichstages verantwortlich. Er wird dort gestellt werden. Mit ihm trägt die Berantwortung der Reichstanzler, Reichswehr und Roßbach. Steffin, 18. April. In der heutigen Berhandlung des Fememordprozesses wurde zunächst die Befragung des Untersuchungsrichters über das erste Berhör Fräbels zu Ende geführt. Es folgt die Bernehmung des Studenten Lewin, der seinerzeit als Kreisorganisator Roßbachs die Umbettung der Leiche vorgenommen und in der Boruntersuchung angegeben hat, von eines über die Mordtat orientiert worden zu sein und von Roß ba ch selbst den Auftrag zur Umbettung erhalten zu haben. Heute bach erflärt er plötzlich, sich nicht erinnern, die Aussage nicht aufrechterhalten und nichts beschwören zu können! Bon dem Borfizenden in zurückgenommen zu haben. Der Untersuchungsrichter sowohl wie der die Enge getrieben, verfällt er auf die Ausrede, das Protofoll später Kriminalfommiffar, den Lewin an die Mordstelle führte, bestreiten das energisch. Es folgt ein neuer Borstoß der Berteidigung. Sie wirft die Verantwortlichkeitsfrage auf und bemüht sich, die das Reichsgericht entschieden habe, daß Straflosigkeit eintreten fann, Reichswehr in den Berhandlungsgegenstand einzubeziehen, da wenn die Angeflagten sich über ihr wirkliches Dienstverhältnis im Irrtum befinden. Der Oberstaatsanwalt pariert: die Anflagebehörde vertrete die Auffaffung, daß es fich hier um einen ganz profanen Mord handle, mit dem staatliche Stellen nichts zu tun haben. Das Gericht beschließt dementgegen, dem Antrag der Verteidigung stattzugeben und die entsprechenden Aften heranauziehen. Der nächste Zeuge ist der damalige militärische Kreisleiter und birefte Borgefehte des Angeklagten Heines, Leutnant a. D. Walther Schult II. Der Vorsitzende fragt:„ Gab es damals jogenannte Rollfommandos?" 3euge:„ In meinem Kreis nicht, weil ich fein Freund von solchen Einrichtungen war. Anderwärts haben sie wohl bestanden. Ben dieser Tat habe ich erst später gehört, wann, tann ich nicht mehr bestimmt fagen." Vorf.: Was hätten Sie nun getan, wenn Sie von dem Vorhandenfein eines Berräters Kenntnis erhalten hätten?" 3euge: Ich hätte durch meine Geschäftsstelle Ermittlungen anstellen lassen. War Berrat erwiesen, dann hätte ich unsere Waffen umgebettet und( mit lauter und entschiedener Stimme) den Mann hätte ich befehlsmäßig er schossen."( Bewegung.) Borf: Und von wem hätten Sie den Befehl bekommen?" Beuge:„ Das fage ich nicht. Ich als militärischer Leiter hatte nur die Verantwortung für die Waffen, ich hätte den Mann befehlsmäßig erschießen müssen."( Große Bewegung im ganzen Saal.) RA. Bloch: Bisher war uns der Mund verschloffen. Jetzt tönnen wir sagen, daß diefer Spigel dem Juft mitgeteilt hatte, daß die Kommunisten alle affenlager fm Streife Greifenhagen fennen, und daß als Verräter der gerade entlassene Schmidt festgestellt worden ist." Oberstaatsanwalt: Warum hat der Angeklagte Heines das nicht früher gesagt?" " Angefl. eines erregt: Weil ich immer gehofft habe, daß dieses Verfahren genau so niedergeschlagen würde, wie alle amtlich befohlenen Fememorde. Auf weiteres Fragen erklärte der Zeuge Schulh, daß mit Borliebe an die Kommunisten Waffen verraten worden feien. Eine Umbettung der Waffen habe sehr viel Mühe gemacht, da nur die Roßbacher hierfür zur Verfügung standen. Bors.: Nicht Reichswehr? Oder hatten Sie Reichswehr zur Berwahrung der Waffen zur Verfügung?" Beuge:„ Darüber gebe ich feine Auskunft.“ Oberstaatsanwalt: Woher hatten Sie die Waffen?" 3euge:„ Bon der Reichswehr, und zwar alle Depots." Oberstaatsanwalt: Baren das nicht Waffen, die Sie bei der Auflösung rechtswidrig behalten haben?" 3euge: Nicht rechtswidrig, Herr Oberstaatsanwalt, die Waffen wurden in die Kisten verpackt und nach Pommern geschickt, das mußte die Reichswehr wissen, denn sonst wäre ich ja wegen Diebstahl vor Gericht gekommen. Oberstaatsanwalt:„ Dann hätten Sie doch bei der Reichswehr Anzeige erstatten müssen, wenn Verrat drohte. Wie fonnten Sie als private Arbeitsgemeinschaft jemanden festnehmen oder gar erschießen?" Beuge: Weil ich meiner vorgefehten Dienststelle persönlich für die Waffen verantwortlich war. Wer die Dienststelle war, fage ich nicht." Oberstaatsanmalt:„ Ueberlegen Sie sich wohl, was Sie fagen. Ich muß hier den Eindruck verwischen, als ob hier legitim vorgegangen fei. Werin für solche Fälle Freiheitsberaubung und Mord vorgeschrieben war, dann kann ich das nicht anders als organisiertes Berbrechertum bezeichnen.( Bravorufe im Zuhörerraum, große Entrüstung und Unerhörtrufe auf der Verteidigerbant, alle An wälte springen sehr erregt auf.). Auf Befragen von Rechtsanwalt Bloch erklärte der Zeuge Schulz dann noch, daß eine Uebergabe von Verrätern an die Bolizei unmöglich war, weil ja damals die Verbindung zwischen der Reichswehr und der Organisation Roßbach streng geheimgehalten werden mußte und Geheimhaltung der Waffen in allen Führerbesprechungen als dringend erforderlich bezeichnet wurde. In der zehnten Abendstunde wurde die Verhandlung auf Donnerstag früh 10 Uhr vertaat. Antwort an Westarp. Das deutschtonservative Mißtrauensvotum wird unter. ftrichen. Die Kreuz 3eitung" peröffentlicht an unschein barer Stelle die Antwort des Führers des Deutschtonserva tiven Hauptvereins, Grafen Seidlig, auf die Austrittserklärung des Grafen Westarp aus dem Berein. Graf Seidlig rüffelt zunächst, daß die Austrittserklärung in der Deffentlichkeit erschien, bevor sie an den Deutschfonservativen Hauptverein gelangte, protestiert dagegen, daß das Bekennt nis der konservativen Leitung für Berlin und Potsdam dem Gesamtverband zur Last gelegt werde, und erklärt, daß er das Verhalten dieser Gruppe nicht billige und alles getan habe, um weitere Folgen abzuwenden. Dann fährt er fort: Der Vorstand der Deutschkonservativen Bartei hat seit Bestehen der von ihm mitbegründeten Deutinationalen Bolts partei unentwegt daran festgehalten, daß es Aufgabe und Pflicht fei, mit allen Kräften dieje Bartei bei den Wahlen zu unterstügen, in der Erwartung, daß tonservative Staats auffassung preußisch- deutscher Art, wie Euere Hochwohlgeboren felbft jagen, den Kern jeder Rechtspolitik bilden und treibende Kraft in der neuen Partei sein würde. Wir haben dies getan, trotzdem wir öfters diesen Kern und diese treibende Kraft unter der Massenpinchose des neudeutschen Parlamentarismus unterdrüdt zu sehen glaubten, trobem unsere Wünsche bez. Vermehrung erfahrener und charaktervoller Bertreter dieser Weltanschauung und Staatsauf faffung auf den Wahllisten wenig freundlich behandelt wurden. An diesem Standpuntt hat der Borstand auch in seiner letzten Sizung unverändert festgehalten. Die Freigabe der Abstimmung in der unter dem 7. April von mir veröffentlichten Bekanntgabe mußte erfolgen, um die leider weitverbreitete Wahlunzufriedenheit zu befämpfen und möglichst alle Stimmen wenigstens einer der Rechtsparteien zuzuführen. Ich zweifle nicht, daß unser am 24. April tagender Borstand an dieser Einstellung unverändert festhalten wird, er fann dies um so eher tun, als in letter Stunde für einige Bezirte unseren Wünschen Rechnung getragen worden ist. Hinzufügen darf ich noch, daß mir persönlich das Ausscheiden Euerer Hochwohlgeboren nach so langer verständnisvoller und enger Zusammenarbeit besonders schmerzlich ist. Der Vorsitzende des Deutschkonservativen Hauptvereins unterstreicht damit noch einmal das Mißtrauensvotum, das der Verein dem Grafen Westarp und der deutschnationalen Parteileitung erteilt hat. Wenn er hinzufügt, daß es ,, in letter Stunde" gelungen sei, einige Bezirke wieder in das deutschnationale Fahrwasser zurückzuführen, so gibt er damit der bisherigen deutschnationalen Anhängerschaft bekannt, daß sich weite Kreise der deutschnationalen Stammwählerschaft schon von der Deutschnationalen Partei abgewandt haben. Ein angenehmer Freundschaftsdienst für Graf Westarp und seine Bartei! Volkspartei! Der wahre Charakter der Deutschen Boltspartet er gibt sich deutlich aus einer nach Berufen geordneten parteiamtlichen Liste der Reichstagskandidaten dieser Partei. Es murden an aus fichtsreichen Stellen" aufgestellt: 15 Bertreter von Indu strie und Handel, 20 höhere Beamte, aber nur brei Arbeiter, von denen es bei einem noch durchaus unsicher ist, ob er gewählt wird. Flaggenkampf der Hoteliers. Die Deutsche Tageszeitung zu 1000 Mart verurteilt. Der Rebatteur der Deutschen Tageszeitung" hatte sich gestern vor dem Schöffengericht Berlin- Mitte wegen Beleidigung des preußischen Ministerpräsidenten Braun zu verantworten. In Ber bindung mit der bekannten Kundgebung Brauns im Kampfe der Berliner Hoteliers gegen die Reichsflagge, hatte die Deutsche Tageszeitung" ihm Aufforderung zum Berfaffungs. bruch vargemorfen. Das Gericht verurteilte den Schriftleiter der " Deutschen Tageszeitung", Megaer, zu 1000 m. Geldstrafe. Japan gegen Nordchina. Die Japaner haben die ganze mandfchurische Bahn befeht. Thangtfolin protestiert vergeblich Westarps Wahlparole. Deutschnationale Wahllimonade- matt wie ihre Geele! Die Deutschnationale Boltspartei hat ihre Wahlaufrufe| Das ist alles! Ein wenig Drüdebergerei von der Berant erlassen, einen für das Reich und einen für Preußen. Mut- wortung, ein paar Thesen über die Revision des Dawes und kraftlos, ohne Selbstvertrauen, ohne ent- Blanes- das ist alles, was von der„ nationalen Opposition" fchiedene politische Zielsetzung sind diese Aufrufe eine übrig ist. getreue Widerspiegelung der Stimmung bei den Deutschnationalen. Da ist nun der Wahlaufruf der stärksten Regierungspartei des Bürgerblods, und er gipfelt in dem Bekenntnis: mir haben zwar mitgemacht, aber erreicht haben wir nichts: ,, Die Illusionen von Locarno, Genf und Thoiry sind verflogen. Wir haben davor gewarnt, den Schein der Gleichberechtigung statt der Gleichberechtigung selbst, vieldeutige Bersprechungen statt tatsächliche Gegenleistungen in Zahlung zu nehmen. wir fegten uns zur Behr gegen Selbstbetrug und Beschönigung. Unsere Warnungen und Forderungen sind ohne Erfolg. geblieben. Die gegen unseren Widerstand geschaffenen völkerrechtlichen Tatsachen haben die außenpolitische Handelsfreiheit des Reiches so eingeengt, daß dadurch auch unsere Mitarbeit in der Regierung schwer be lastet war." Das ist alles, was sie über ihre Mitverantwortung über die Führung der deutschen Politik im letzten Jahre zu sagen haben! Sie waren doch schließlich die stärkste Regierungspartei, warum haben sie dem Reich die Freiheit des außenpolitischen Handelns nicht zurüderobert? Wo ist ihr posi tives außenpolitisches Programm? Es beschränft sich auf die Versicherung, daß sie feinen neuen Krieg wollen und daß fie eine Neuregelung der Reparationslasten fordern. | Thre wirtschaftlichen Forderungen sind fast ausschließlich auf die Landwirtschaft abgestellt, fie gipfeln in der phantastischen Forderung der wirtschaftlichen Selbstgenigſamkeit, der Autarkie Deutschlands. Ihre Stellung zur Verfassung: die Beimarer Berfaffung ist ein fremdes Reis, die Macht des Reichspräſidenten muß gestärkt werden. Stellung zur Monarchie: ,, Wir laffen nicht von dem Stolz auf die tausendfährige deutsche Geschichte, die Größe des Kaisergedankens, die ruhmbedeckten schwarzweißroten Farben und die Heldentaten der alten Wehrmacht." Aber: ,, Unter jeder Staatsform dienen wir der Nation." Deutschnational, nicht nationalliberal! Der Wahlaufruf für Preußen wiederholt die ältesten Landbundhezlügen über die Feindseligkeit der Breußenregierung gegen die Landwirtschaft, über das ,, einseitige sozialdemokratische Parteiregiment" in Preußen. Er gipfelt in dem folgenden Vorwurf gegen die Preußenregierung: ,, Völlig unfruchtbar in eigenen gesetzgeberischen Leistungen..." Und das nach dem Bekenntnis des Reichsaufrufs, daß die deutschnationale Regierungsbeteiligung ohne Erfolg geblieben ist! Nun noch ein paar Phrasen: Christentum, Deutschtum, Baterlandsliebe, deutsches Lebensrecht ist alles, das ist alles! das Sowjetpräsident und Oberbandit. Genfationsprozeß in Moskau. Mostau, 18. April. suchten. Unter diesen waren zwei fommunistische Zeitungsberichterstatter, Sendametom und Tschollat, besonders energischa Jbraimow ermordete Tichollat, als dieser ihn in seinem Hause aufsuchte, den anderen gefährlich erscheinenden Berichterstatter versuchte Chaifferom mit mehreren Genossen bei einer Fahrt über Land zu ermorden. In den nächsten Tagen beginnt der Prozeß gegen den ehemaligen Präsidenten des Zentraleɣekutivkomitees der Sowjetrepublik der Krim, Beli Ibraimom. Aus dem Anklagematerial ergibt sich folgendes: Ibraimom, ein langjähriges Mitglied der Kommunistischen Bartei, war vor seiner Erwählung zum Präsidenten der Krim wiederholt Volkskommissar. Er stand in geheimen Beziehungen zu einem ehemaligen Offizier der 3aren armee namens Chaisferom, der unter General Wrangel gegen die Rote Armee gefämpft und in der Wrangelarmee eine führende Stellung im Nachrichtendienst eingenommen hatte. Nach dem Zusammenbruch der weißen Armee flüchtete Chaifferow in die Berge der Krim, wo er eine große fomjet feindliche Bande organisierte und anführte. Ibraimom als Sowjetpräsident verschaffte Chaifferow eine Amnestie und machte ihn fogar zum Mitglied einer zur Bekämpfung des Bandentums gebil. beten Kommission. In dieser Stellung spielte nun Chaifferom ein Doppeltes Spiel. 1. a. ermorbete er einen 30llbeamten, der seine Verbindung mit einer Schmugglerbande entdeckt hatte. Mit Ibraimows Hilfe wurden die Spuren verwischt und Ibraimon er nannte Chaifferom sogar zu seinem Sekretär. Gestützt auf braimoms Machtmittel begann nun eine Verfolgung aller Personen, welche die Zusammenhänge ahnten und zu enthüllen verlegenheit verwidelten Personen find Tartaren Die Lügenfahne. Hungerstreit der politischen Gefangenen und„ Rote Fahne". Am 16. April 1928 traten 22 politische Gefangene im Sonnenburger Zuchthaus in den Hungerstreit, um eine Erleichterung ihrer gewiß schweren Lage herbeiguführen. Unter diesen Gefangenen befindet sich auch Mag Hölz, der dem Genoffen Dr. Kurt Rosenfeld von dem Hungerstreit Kenntnis gab und ih um Unterstüßung der Forderungen der Gefangenen bitten ließ Daraufhin feßte fich Genosse Rosenfeld, um den Gefangenen zu helfen, sofort mit dem Präsidenten des Strafvollzugsamts in Berbindung und fuhr mit diesem zusammen schon am nächsten Tage nach Sonnenburg. Ueber die dortigen Verhandlungen berichtet die Rote Fahne" folgendes: Als die Genossen Menzel und Eidenjäger Dienstag morgen das Zuchthaus betraten, war der Strafvollzugspräsident und der fozialdemokratische Rechtsanwalt Dr. Rosenfeld schon anwesend, um mit den Genoffen zu verhandeln. Diese lehnten jedoch die Einmischung ab und wollten nur mit ihren bisherigen Bertretern Menzel und Eidenjäger verhandeln. Aber auch diesen gelang es nicht, trobem den ganzen Tag verhandelt wurde, die Genossen zur Wiederaufnahme von Nahrung zu bewegen." Dieser Schilderung gegenüber ist festzustellen, daß die Gefangenen eine Einmischung des Genossen Rosenfeld in die Berhandlung über ihre Forderungen nicht abgelehnt haben. Sie haben vielmehr lediglich die Frage Menzels, ob fie zunächst nur iha fprechen wollten, bejaht, gleichzeitig aber sämtlich den Genossen Rosenfeld dringend gebeten, später auch mit ihnen zu verhandeln. Genosse Rosenfeld tam diesem Wunsche nach und besprach über eine Stunde mit Menzel zusammen ihre Lage und ihre Forderungen. Die lügenhafte Berichterstattung der Roten Fahne" zeigt wie der einmal, daß ihr jedes Mittel recht ist, wenn es gilt, SozialDemokraten zu verleumben. Genoffe Rosenfeld hat trotz der Berdächtigungen der Roten Fahne" im Interesse der proletarischen Gefangenen gestern auch noch mit dem preußischen Justizminifter verhandelt, zusammen mit Menzel, und auf Grund des Ergebnisses dieser Besprechungen versprach Menzel, für den Abbruch des Hungerstreits zu wirken, der hoffentlich heute beendet wird. Wittelsbach verlangt Aufwertung! Die bayerische Regierung gegen die föniglichen Ansprüche. München, 18. April.( Eigenbericht.) Durch eine sozialdemokratische Anfrage im Bayerischen Landtag, der am Mittwoch zu seiner Schlußtagung zu fammengetreten ist, erfährt die Deffentlichkeit von der überraschen Dies mißlang indeffen und Chaifferom hielt es mun für rat fam, zu verschwinden. Er zog sich wiederum ins Gebirge zurüc und wurde nun Führer einer Räuber bande. As die Lage der Bande unhaltbar zu werden drohte, brachte Ibraimom in seinem ihm als Sowjetpräsidenten amtlich zustehenden Auto die führen den Banditen persönlich nach Simferopol, um ihnen die Flucht ins Ausland zu ermöglichen. Sie tamen jedoch nur bis in den Kau tajus, mo fie verhaftet murden. Nunmehr tam die ganze Sache Dies führte ins Rollen und alle Einzelheiten wurden enthüllt. natürlich zur Verhaftung Ibraimoms, wobei dann auch noch felb gestellt wurde, daß dieser die Geldmittel der Strimer Geſell schaft für Emigrantenhilfe", deren Ehrenpräsident er war, fidh an geeignet hatte. Angeflagt find im ganzen 17 Personen. Alle in diese Ange den Tatsache, daß das ehemalige Rönigshaus Wittelsbach zurzeit neue finanzielle Ansprüche an den bayerischen Staat stellt. Es handelt sich um die Forderung nach Aufwertung jener 40 Millionen Barabfindung und jener 20 Millionen für Ueberlassung von Mobiliar an den Staat, die im März 1923 von den bürgerlichen Parteien des Landtages durch den berüchtigten Abfindungsvertrag neben Grundbesiz und Liegenschaften im großen Umfange den Wittelsbachern zugeschanzt worden sind. Der Finanzminister mußte am Mittwoch zugeben, daß das Haus Wittelsbach tatsächlich das im Abfindungsvertrag vor gesehene Schiedsgericht zur Aufwertung der 60 Millionen Kapitalabfindung angerufen hat. Die Regierung sei von diesem Schritt vorher nicht unterrichtet worden und es hätten infolgedessen auch feine Berhandlungen zwischen Regierung und dem Hause Wittelsbach stattgefunden; sie sei deshalb auch nicht in der Lage, über die Höhe der Aufwertungsforderung Angaben machen zu tönnen. Das Schiedsgericht habe sich bereits mit der Angelegen heit befaßt, eine Entscheidung aber noch nicht gefällt. Die banerische Regierung stehe auf dem Standpunkt, daß weitere finanzielle Leistungen des Staates an das ehemalige Königshaus nicht in Frage kommen können. Der„ Bremenflug". Fitzmaurice ist peffimistisch über die Dzeanflüge. New York, 18. April Die„ Canadian Breß meldet ergänzend aus Seven Island, Figmaurice habe erklärt: Ich verließ die deutschen Gefährten, ihr Flugzeug ausbessernd, und es schien, als ob sie die Ausbesserung bald vollendet haben würden." Er fügte hinzu, was die deutschen Flieger bann tum würden oder wohin sie fliegen würden, wisse er nicht. Fizmaurice ertiärte ferner, infolge seiner Erfahrungen glaube er, daß die anderen Ost- West- Ozeanflüge wahrscheinlich ein tragisches Ende in derselben Gegend fanden, wo die Bremen" landete. Die Flugzustände feien an der Küste Neufundlands alles andere als angenehm. Er glaube tatsächlich, daß derartige ungünstige Flugzustände auf feinem anderen Teile der Welt herrschen. Nach einer späteren Meldung der Canadian Preß" aus Murray- Ban ift Fizmaurice dort um 2.27 Uhr eingetroffen. Quebec, 18. April Ein zweites fanadisches Flugzeug, das von dem Piloten Baenon gesteuert wurde, hat heute GreenIn Island erreicht. An Bord des Flugzeuges fand sich ein Berichterstatter der„ Canadian Preß". Das Flugzeug legte die 700 Kilometer betragende Entfernung. von Seven Island nach Greenly Island in fünf Stunden zurüc Siresemann zur Reparaiionspolitik. Auf der Dollversammlung des Industrie- und Handelstages Auf dem Deutschen Industrie- und chandelstag hielt gestern nach der Eröffnung durch den Präsidenten von Mendels- söhn der Reichsaußenminister Dr. Stresemann zu den großen wirtschaftspolitischen Fragen eine Rede. Mit Nachdruck bekannte er sich zur internationalen Wirlschaftsoerständigung und Zusammenarbeit. Die Freigabe der deutschen Werte in Amerika sei nicht allein wegen der materiellen Vorteile zu begrüßen, sondern wegen der grundsätzlichen Anerkennung der Unoerleglichkeit privaten Eigentums bei Völkerkonflikten. In den Fragen der Handelsvertragspolitit ver- wahrte Dr. Stresemann sich entschieden gegen den einseitigen Kriegs- ruf der Interessenten: Hie Inlandsmarkt— hie Exportmarkt. Deutschland habe weder politische noch Wirtschaft» liche Autarkiemöglichkeiten. Das Wort ovn der Re- Vision des Dawes-Planes bedeute letzthin nichts anderes, als daß wir eines Tages eine feste Summe ohne den Druck des Transfer- agenten verzinsen müssen. Kein Zweifel bestehe darüber, daß diese Verpflichtungen aus Exportüberschüssen bezahlt werden mühten. Es müsse ein für allemal gesagt werden, daß Handelsver- träge nur Kompromißlösungen sein können. Der eine gibt, damit er von dem anderen Partner etwas erhäll. So sehr er selbst die Notlage besonders der östlichen Landwirtschast anerkenne. so müsse man trotzdem im Rahmen der Handelsverträge auch von der Landwirtschaft Entgegenkommen erwarten. Auch gewisse Industrien, die von der Regierung ständige Verlänge- rung sogenannter Erziehungszölle fordern, sollten wissen, daß die Erziehung auch beim Menschen zeitlich begrenzt ist und einmal ein Ende haben müsse. Die Periode der endgültigen Handelsverträge wird erst im nächsten Jahrzehnt nach einer Revision der Zollsätze in den ein- zelnen Ländern kommen. Er möchte hierbei besonders seinem Optimismus über den Erfolg internationaler Wirt- schaftsverhandlungen und Konferenzen Ausdruck geben und den„Pränumerando-Pessimisten" auch bei dieser Gelegenheit sogen, daß nur der in der Welt vorwärts komm«, der auch d«n Mut hat, an die Zukunft zu glauben. Der Minister erklärte zum Schluß, daß die Entscheidung in der Reparationsfrage nicht vor dem nach st en Lahre fallen werde. Es sei zu hoffen, daß inzwischen sich auch bei den anderen Nationen der Gedanke durchgesetzt habe, daß Deutschland hohe Jahresleistungen nur dann durchführen könne, wenn die Handelspolitik des Auslandes ihm die Möglichkeit gäbe, feine Ausfuhr entsprechend auszubauen. Die Kammerwahl. Sechs Bewerber um jedes Mandat. Paris, 18. April.(Eigenbericht.) Die Anzahl der bisher in ganz Frankreich angemeldeten Kandi- baten beträgt 3730 für die 612 Kammersitz«. Paris und das Seine- Departement haben allein 8SS Kandidaten für 59 Sitze. Unter den letzten Anmeldungen fallen besonders die Eigenbrötler auf. So meldet sich«in Vertreter der„Unzufriedenen", dann ein„Pro. testler", sowie ein.AntiParlamentarier". Im ganzen entfallen auf ied«n Wahlkreis durchschnittlich 6 Be- werber. Gegenüber früheren Wahlen stellen die diesmaligen An- n eldunzen eine Rekordziffer dar, da 1924 nur 1000 und 191« über 1600 Kandidaten aufgetreten sind. pressezwang im Memelland. Litauischer Zarismus. heydekrug 18. AprS. Der �kriegskmmnandant" für das Memelgebiet hat dem Haupt- ßchriftleiter der„Memelländischen Rundschau". Walter Schell, durch den Zensor in Heydekrug sagen Jossen, daß er wegen Derstoße, gegen die Zensurvorschriften entweder die„Memelländische Rund- schau" verbieten oder den Hauptschriftleiter für längere Zeit nach dem Konzentrationslager Worny bringen lassen werde. Die Begründung für diese Maßnahme steht noch aus. Chef- vedakteur Schell war bekanntlich schon vor einiger Zeit einmal fest- genommen und ins Gefängnis gebracht worden, wurde aber damals wieder auf freien Fuß gefetzt. Die Maifeier in Gfcval. Reval. 18. April. Die lintsradikale estnische Arbeiterpartei hatte«inen Demon- strationszug zum 1. Mai angemeldet. Dieser Umzug wurde ver- boten. Dagegen ist der sozialistischen Partei gestattet worden, einen Demonstrationszug durch Reval am 1. Mai zu veranstalten. Verhastungen in Kinnland. helsingfors. 18. April.(Eigenbericht.) Hier wurd« der Sekretär der finnischen Gewerkschasts- zentrale und der früher« Sekretär des Arbeitersport- b u n d e s von der politischen Polizei verhaftet. Der Innenminister gab auf Nachfrage die Antwort, daß beide kommunistischer Machenschaft beschuldigt werden. Gasschuh fürs Voss. Auch ia polen schon eingeführt. Thor«, 18. April. Für die ZivilbevAkerung werden im Thorner Militärlazarett Gasabwehrkurse veranftoßet, an denen Männer wie auch Frauen teilnahmen. Gewünscht werden hauptsächlich solche Teil- nehmer, die vom Militärdienst befreit sind(Krüppel usw.) und die M „Bedarfsfalle" als ausgebildete Instrukteure die Zioilbevölte- rung mit der Handhabung der Gasabwehrmittel vertraut machen sollen. Diese menschenfreundlich« Aufgabe der Ausbildung dieser Instrukteure hat das„Rote Kreuz" übernommen. Geleitet werden diese Kurse von einem Major. Soviel wir wissen, ist Rußland mit dieser Schulungsarbeit vor- angegangen. Das Tempo der im Friedensschluß versprochenen A b- rüstung scheint uns den Gasschutzunterricht für alle Dölker zum P f l i ch t f a ch zu machen._ Die bulgarische Gesandtschaft ersuck« uns. mitzuteilen, daß ein« Hungersnot in Bulgarien nicht bestehe; wenn dort bei Verzögerung der Ernte Knappheit entstehe, werde sie in diesem Agrarland rasch ausgeglichen. Worte zum Fememord. »Heines ist der geborene deutsche Soldat, treu bis zum letzten, sich a u fo p fe r n d für den Kührer und den Gefolgsmann. Diesem deutschen Edelmann ohne Kehl und Tadel halte auch ich die Treue über alle Wirrnisse und Kährnisse der tleingewordenen Zeit hinweg!'' Hauptmann Röhm in der.�Deutschen Zeitung" vom 17. IV. 28. Gchiele-Blamage im Reichsrat. Ausschaltung der Lntereffentenverbände gegen Gchieles Widerspruch. Der Reichsrat und der 28er Ausschuß des Reichstags haben sich gestern mit den Richtlinien zur Durchführung des landwirtschaftlichen Notprvgrammes beschäftigt. Die Verhandlungen im Reichs- rat wurden zu einer dreifachen Blamage des. Reichsernähnmgs- Ministers Dr. Schiele. Einmal war das Reichsernähnmgsministenum nicht fähig, die Richtlinien für die Rationalisierung des landwirtschaftlichen Ge- nossenfchaftswefens und für die Umschuldungskredit« rechtzeitig zur Beratung fertigzustellen, offenbar well man sich über die oben behandelt« Frage, ob Rationalisierung oder Snboentionierung nicht einig werden konnte. Sodann ist durch den W ide r sp r uch des Reichsrats und die von ihm vorgenommen« Korrektur der Richtlinien zur Förderung des Absatzes von Schlachtvieh und Fleisch die von Schiele geplante Zentralgesellfchaft mit ihrem Reichskommissar und ihren großen Bollmachten gefallen und an ihre Stelle ein 2 ä n d e r a u s s ch u ß für die Verteilung der Mittel (8 Millionen) und die U ebernahm« von Garantien(22 Millionen) getreten- Die Jnteressentenverbände werden also zugunftn derjenigen, die die Berantwortung für die Verwendung von Steuergeldern tragen, ausgeschaltet. Endlich hat Schiel« durch die Abstimmung des Reichsrats ein heftiges Duell mit Preußen verloren. Die preußischen Dertreter hatten die berechttgt« Forderung gestellt, daß aus dem zur Behebung der gegenwärtigen auherordenttichen Notstände in der Landwirtschaft vom Reichstag bewilligten 30-Million«n-Fonds 5 Millionen zur Linderung beson- derer Notstände, insbesondere bei Wetterschäden bestunmter Gebiet«, abgesondert werden sollte. Schiele hat in heftiger Rede diesem echten Notantrag widersprochen, der vom Reichsrat jedoch mit 46 gegen 21 gegen den Reichsernährungsminister an- genommen wurde. Herr Schiel« glaubte sich zu der Erklärung be» rechtigt, daß die Reichsregierung diesem Beschluß nicht Rechnung tragen werde. Herr Schiel« setzt sich mit dieser Erklärung mir der Gefahr einer vierten Blamage aus, denn Reichsregierung, Reichsrot und 28er Ausschuß sind für die Durchführung der Reichstags- befchlüsse gleichberechtigt, so daß nicht einfache Ablehnung der Regierung Beschlüsse von Reichsrat und Reichstagsausschuß un- güllig machen können. In den Beratungen des 28er Ausschusses hat Herr Schiel« vor der Überwältigenden Mehrheit des Reichsratsbeschlusses kapituliert und den Länderausschuß an Stell« der unab- hängigen Zentralgesellschast angenommen. Seinen Inter- essentengruppen, denen die Entscheidung genommen ist, will er aber dl« Beratung möglichst weit offenhalten. Der Kontrollausschuß des Reichstags hat nach langer Debatte die Entscheidung über die Richtlinien auf heute vertagt. Am Donnerstag nächster Woche will Herr Schiele dem Reichsrat auch die Richttinien vorlegen können(Genossenchaften. Umschuldung), die diesmal fehlten. Vielleicht gelingt es ihm bis dahin?! Sonst wartet die Landwirtschast noch ein bißchen. Sotten25 Millionen verpulvertwerden? Subventionen für ländliche Genossenschaften.— tleber- wachung ist notwendig. Der Reichstag hat bekanntlich, kurz bevor er auseinanderging. im Rahmen des Notprvgramms für die deutsche Landwirlschaft 26 Millionen Mark zur Rationalisierung des landwirtfchaft- lichen Genossenschaftswesens auszugeben beschlössen. Eelbswerständ- lich war die Verwendung dieser Gelder so gedacht— das sagen auch die Erläuterungen im Nachtragsetat—, daß nicht die, landwirtschaft- lichen Genossenschaften dies« Gelder einfach für sich schlucken, sondern ihre Leistungsfähigkeit für die Gewährung von Personalkrediten und für die Durchbildung einer besseren Absatzorganisation mit diesen 26 Millionen Mark gestärkt wird. Nur so kann die Rationalisierung der Genossenschaften verstanden werden, nicht aber soll aus der Rattonalssierung eine Subventionierung der Genossenschaften werden. Nun hat allerding» die Begründung des Nachttagsetats auch gesagt, daß die Verbesserung der landwtttschastlichen Erzeugung und Absatzorganisatton nur mtt Hilf« eine« einheitlichen landwirt- schaftlichen Genossenschas ismesens erreicht werden kann, lieber den Zusammenschluß der landwirtschaftlichen Genossenschast wird nicht erst sell der Bewilligung der 26 Millionen, sondern schon seit Iahren verhandelt. Dieser Zusammenschluß kommt aber nicht zustande. ganz abgesehen von den unvermeidlichen bureaukratischen Hem- mungen und Cifersüchteleien bei den Genossenschastsspitzen, weil mehrere der führenden Spitzemwganisalioaen der landwtttschoftlicheu Genossenschaften an schweren Derlusten laborieren. Sa schätzt man die Verluste beim Reichslandbund und feiner genossenschaftlichen Organisation aus mindestens 6 Millionen und beim Raiffeisenverband und seiner Zenttalbank auf mindestens 60 Mllionen. Klar ist, fc-ß ein Zusammenschluß der Genossenschaften, solange sie finanziell nicht gesund sind, auch zur Rationalisierung des Genossenschaftswesens und zur Erhöhung der Leistungsfähigkeit der Genossenschaften kaum etwas beitragen kann. Die Verlufte müssen erst beseitigt werden. Zu begreifen ist auf der anderen Seite, daß diese Organisationen mtt aller Macht auch da- nach streben, die 26 Millionen in die Hand zu bekommen, um sich da- mit gesund zu machen. Mit anderen Worten: es ist Gejahr im Verzuge, daß die guten Absichten des Reichstages, der Landwirtschaft durch Verbesse- rung der Absatzorganisation an der entscheidenden Stelle zu Helsen, ins Gegenteil verkehrt werden. Es ist kern Watt darüber zu verlieren, daß die Subventiomerung der landwirtschaftlichen Go- nossenschoften den Absichten des Notprogrammes stracks widerspricht und daß unter gar keinen Umständen der vom Reichstag zur liebet- wachung der Durchführung des Notprogrammes eingesetzte 28er Ausschuß zu einer solchen bestinrmungswidrigen Verwendung der 26 Millionen sein« Zustimmung geben darf. Der Zusammenschluß der Genossenschosten wird aus den an- gegebenen Gründen kaum Zustandekommen. Deshalb muß als Min» bestes gefordert werden, daß bei der Zuteilung der 25 Millionen an die einzelnen Verbände die Verwaltung der Gelder scharf überwacht wird und durch ganz bestimmte Sicherheitsmaßnahmen die Erfüllung des Gesetzes nach den Absichten des Reichstogos er- zwungen wird. Reichsregierung, Reichsrat und Ausschuß müssen auch Maßnahmen überlegen, wie die finanzielle Bereinigung der Derluste der landwirt- schaftlichen Genossenschaften durchzuführen ist. Es ist eine kaum je wiedergutzumachende Schädigung des landwirtschaftlichen Genossen» schastsgedankens, daß jahrelang solche Verluste nicht bereinigt worden sind. Es geht nicht an, daß man das Prinzip der Selbsthilfe in den Programmen und vor der Oeffentlichkeit in den Himmel hebt, wo aber bei eintretenden Verlusten die Konsequenzen daraus zu ziehen wären, nach Subventionen durch den Staat greifen möchte. Italien will Tanger beherrschen. Die Anderen weichen zurück. Pari,, 18. April. Die Tangerkons erenz, die vor Ostern ihre Arbeiten mit der Er- ziclung einer grundsätzlichen Einigung bis auf Erledigung der For- derungen Italiens beendet hatte, ist wieder zusammengetreten, um nach einem vorbereitenden Notenaustausch der in Frage kommenden Mächte sich endgültig über die italienischen Ansprüche schlüssig zu werden. Italien hatte, obgleich es nicht zu den Unterzeichnern de« Tangerabkommens gehört, zur Erörterung der auf das Drängen Spaniens hin eingeleiteten Revisionsverhandlungen zwischen Paris und Madrid die Forderung erhoben, an den Vorteilen einer Revision beteiligt zu sein. Der italienische Schritt, der mit der Eigen- schaft Italiens als führende Mittelmeermacht begründet wurde, stieß nicht nur in Paris und Madrid, sondern auch in London auf Wider- stand. Es gelang jedoch Mussolmi schließlich, die Beteiligung durch- zusetzen. Während anfänglich nur an eine Beteiligung Italiens in der Hygiene-Kommission zu Tanger gedacht war, wird man jetzt den italienischen Wünschen weiter entgegcnkcmmen und Italien soll nicht nur Sitze in der Stadtverwaltung, sondern auch den stell- vertretenden Vorsitz im Stadtrat erhalten, dessen Präsidium Frank- reich besetzt. Die Forderung freilich nach dem Oberbefehlübcr die Gendarmerie dürfte kaum durchgesetzt werden. Landes- oder Kapitalverieidigung? Sozialistischer Antrag im Unterhaus. London. 18. April.(Eigenbericht.) In der Unterhausdebatte über das Armee-Difzlplinargesetz be- anttagte die Arbeiterpartei Einfügung eines Paragraphen, der die Verwendung der bewaffneten Macht bei industriellen Aus- einandersetzungen sowohl als Polizeiverftärkung wie als Stteik- brechet verhindern sollte. Der Anttag wurde mit 223 gegen 117 Stimmen abgeleh nt. Der Kampf in Sachsen geht weiter. Zwei Schiedssprüche abgelehnt.- Ein Dritter gefällt. Dresden, 18. April. Der Verband der Metallindustriellen, Bezirk Dresden, hat heute befchloffen, den am Montag für die sächsische Metallindustrie gefällten Schiedsspruch abzulehnen. Auch die Leipziger Metallindustriellen haben den gestern gefällten Schiedsspruch abgelehnt. Dresden, 18. April. Die Dresdener Funktionäre des Metallarbeiterverbandes lehnten am Mittwoch den Schiedsspruch vom 16 April ab. Die übrigen fächfifchen Bezirke dürften den Spruch ebenfalls ablehnen. In Chemnitz sollen die Lohnzulagen für Akkordarbeiter und Lohnarbeiter nicht einmal 5 bzw. 7 Bf., sondern nur 4 und 6 Pf. betragen. Das wird damit begründet, daß im Chemnitzer Gebiet bisher ein Spizenlohn von 76 Pf. gezahlt wurde gegenüber 75 Bf. In den übrigen sächsischen Tarifgebieten. Außerdem ist die ungerechte Regelung für die Kreishauptmannschaft Baußen, die eine Ermäßigung der Säße um 2 Pf. vorfieht, beibehalten worden. Vor allem aber ist der Spruch gegen die Hüttenarbeiter außerordent lich ungerecht. Sie sollen, soweit sie in Martinswerfen beschäftigt find, überhaupt feine Lohnerhöhung erhalten. Die in anderen Hüttenbetrieben tätigen Affordarbeiter erhalten nur 2 Broz. und die Lohnarbeiter nur 5½ Broz. Aufschlag, während für die übrige Metallarbeiterschaft nach dem Schie'sspruch für den Lohn arbeiter 9,3 Proz. und für Affordarbeiter 6,6 Proz. zu errechnen find. Der Schiedsspruch steht schließlich im Widerspruch zu den Beftimmungen des Manteltarifs. Er sieht nur eine Ausgangsziffer Lohnfonflift im Gastwirtsgewerbe. Die Gastwirtsgehülfen fündigen den Lohntarif. Der Zentralverband der Hotel-, Restaurant and Café- Angestellten hat den Lohntarif gefündigt. Den Unternehmern find Forderungen eingereicht worden auf Erhöhung aller Löhne um 6 M. pro Woche, die Garantielöhne der Kellner sollen um 30 M. pro Monat erhöht werden, ebenso sollen die Kellner in den Saal- und Gartengeschäften denjenigen in den Bierreftaurants und Cafés gleich gestellt werden. Die Frage der Garantielöhne der Kellner wird überhaupt einer der am meisten umstrittenen Bunfte fein. Daneben wird aber auch die Frage der Berechnung von Rost und Logis für die männlichen und weiblichen Hilfsarbeiter, soweit sie noch Koft und Logis beim Unternehmer haben, den Konfliktstoff verfchärfen. Die Unternehmer haben Berhandlungen abge. lehnt, meil fie, wie sie behaupten, die Lohnzulage nicht bewilligen Lönnen. Der Berband hat das Schiedsgericht angerufen, das am Montag, dem 23. d. M., beim Schlichtungsausschuß zusammen. tritt. Die Lohnbewegung umfaßt alle Gruppen des Gastwirtsgewerbes. Streffbrecher bei Stupp. Die Kraftfahrer der Firma Friedrich Stupp, Garagen Lehrter Straße 16/17 und Schöneberg, Königsweg 37c, stehen bekanntlich in der Lohntabelle vor, während der Lohnschiedsspruch zwei, und zwar eine für gelernte und eine für Affordarbeiter festsetzt. Der Manteltarif ist noch nicht verbindlich erklärt worden. Durch den Lohnschiedsspruch vom Montag ist eine schwer entwirrbare Situation geschaffen worden: Auch für die Leipziger Metallindustrie und für das Tarifgebiet des Arbeitgeberschußverbandes ist mit einer Ablehnung der Schiedssprüche durch die Arbeiter zu rechnen. Die Metallindustriellen haben am Mittwoch vormittag die Ablehnung des Schiedsspruchs für das große Tarifgebiet beschlossen. Da von keiner der Parteien Verbindlichkeitserklärung beantragt werden wird, ist eine längere Dauer des Rampfes wahrscheinlich. Ein dritter Schiedsspruch. Bei den heutigen Verhandlungen über die Löhne für die Arbetter der Metallindustrie im Bereich des Arbeitgeberschutzverbandes Dresden ist folgender Schiedsspruch gefällt worden: Die Ausgangsziffer wird auf Grund der Bestimmungen des Manteltarifvertrages auf 80 Pfennig bemessen.( Um 2 Pf. weniger als in dem Schiedsspruch für die Großfächsische Metallindustrie! Red. d. V.) Der Tarif läuft unbefristet ab 1. April 1928 mit einmonatiger Kündigung am Schlusse des Kalendermonats, die das erstemal für den 31. März 1929 ausgesprochen werden kann. Die Erklärungsfrist der Parteien läuft bis Sonnabend, dem 21. d. M., mittags 12 Uhr. Von diesem Schiedsspruch werden etwa 23 000 Arbeiter betroffen. mächtigte, Blume, über ein neues Angebot der Unternehmer, wonach Dom 15. April bis 30. September eine Zulage von 3 Proz und für ein weiteres halbes Jahr 2 Proz., im ganzen 8 Pf. gegeben werden solle. Die notwendigen Verbesserungen des Manteltarifes wurden überhaupt abgelehnt. In der Abstimmung wurde darauf mit übergroßer Mehrheit der Streit beschlossen. Lohnerfolg der Buchdrucker bei Scherl. Mehrfachen Anregungen der Vertrauensleute und des Arbeiterrates, die durch den aufgezwungenen Schiedsspruch geschaffene gespannte Lage durch einen Ausgleich der Löhne zu klären, lehnte die Geschäftsleitung ab.- Den Unterhändlern wurde vorgeworfen, daß sie nur hegen und etwas rausholen wollten, um sich bei den Belegschaften beliebt zu machen. Als am Mittwoch eine neugewählte Lohnfommission wiederum feinen Erfolg erzielte, ließen die Buchdrucker turz entschlossen die Maschine stehen. Die zweite Schicht trat in passive Resistenz. Dem Arbeiterrat, der sofort eingreifen mußte und Verhandlungen aufnahm, gelang es erst nach vielen Bemühungen die erregte Kollegenschaft zu beruhigen und sie zur Weiterarbeit zu veranlassen. Als er endlich das Ergebnis mitteilen fonnte, daß die Direktion für alle Flachdrucker ab 18. April eine 3ulage von 3 M. zugestanden hat und auf die Höchstlöhne 1 M. wurde die Arbeit wieder aufgenommen. Konflikt in der Metallindustrie Braunschweigs. Der für die braunschweigische Metallindustrie gefällte ungenügende Lohnschiedsspruch ist von den Ar beitern abgelehnt, von den Unternehmern angenommen wor den. Ueber die beantragte Berbindlichkeitserklärung wird vom Schlichter in Hannover in den nächsten Tagen entschieden werden. Die Unternehmer der Eisen- und Metallindustrievereinigung so. wie die Arbeitergruppen der Blechwarenindustrie haben Verhand lungen abgelehnt, so daß für diese beiden Gruppen der Schlichtungsausschuß angerufen werden muß. Metallarbeiterffreif in Gera. Die Metallarbeiter Geras stehen seit über einer Woche im Strett. Ein völlig unzulänglicher Schiedsspruch, der eine Erhöhung des Spizenlohnes auf 78 Pf. vorsieht, ist vom Metallarbeiterverband abgelehnt worden. Die bestreiften Firmen versuchen nun, sich von auswärts Arbeitskräfte, besonders Former, heranzuziehen. Bor Arbeitsannahme nach Gera wird gewarnt. Einigung im Buchdruckgewerbe in Königsberg Königsberg i. pr., 18 April. Zwischen den Prinzipalen unb den Arbeitern im Rönigsberger Buchbruckgewerbe ist eine Einigung zustande gekommen. Die Ar beit wird heute Donnerstag früh in allen Betrieben wieder aufgenommen. schüsse der Innungen und der Handwerkskammer haben am Montag, Die Vertreter der Ortsverwaltungen und Mitglieder der Ausdem 23. April, um 20 Uhr im Saal 1, Gewerkschaftshaus, Engelufer 24/25, ihre nächste Zusammenkunft. Genosse Schlimme vom ADGB. wird über Handwerksnovelle und Gewerkschaften sprechen. An Stelle der ursprünglich geplanten Belebung des Hand werks durch eine Reichs- Handwerksordnung, die an dem Widerstand der Industrie und Arbeiter scheiterte, soll nunmehr eine Handwerks. novelle diesem Zwecke dienen. Der Entwurf einer Handwerksnovelle lag dem Reichswirtschaftsrat zur Behandlung ver. Ueber das Ergebnis wird Schlimme berichten. Die wichtige Tagesordnung er fordert unbedingte Teilnahme. Verbandsbuch und die von den Ge wertschaften bzw. der Jugendzentrale besonders zugestellte Einladung legitimiert. ADGB., Orisausschuß Berlin. Die Beilegung des Konflikts in der Kartonnagenindusfrie in Dresden ist auf einer für die Arbeiterschaft günstigeren Grundlage erfolgt, als eine von uns im gestrigen Morgenblatt wieber. gegebene Wolff- Depesche mitteilt. Das Datum der zweiten Lohnzulage ist nicht nur vorverlegt, diese ist auch von 3 auf 4 Pi. er= höht worden. Es tritt also für alle Klassen im gesamten Reich eine zweimalige Lohnerhöhung von je 4 Pf. ein, Im übriger hatten nur die Arbeiter der Schiedsspruch abgelehnt. Freie Gewerffchafts- Jugend Groß- Berlin Heute, Tonnerstag, 19% Uhr, tagen die Gruppen: Gesundbrunnen: Jugendheim Hote Schule, Cotenburger Straße. Reihenvortrag: Die Entwidlung ber Gewerkschaften bis zum Kriege." Humboldt: Gruppenheim Jugendheim Graun, Ede Lorgingstraße. Humor und Eatire: Amanullah tommt." Lichtenberg: Dossestr. 22. Reihenvortrag: Arbeiter. führer: Friedrich Ebert." Landsberger Play: Gruppenheim Jugendheim des Ostens, Große Frankfurter Str. 16, Quergeb. part., 8immer 2. Ein Abend unter uns:„ Die Landsberger Plögen werden wild." Frankfurter Alice: Gruppenheim Jugendheim Litauer Str. 18, Rimmer 3. Kreismädchenabend. Schönewelde: Gruppenheim Jugendheim Niederschöneweide, Berliner Str. 31. Humor und Laune. Köpenid: Gruppenheim Jugendheim Gritnauer Str. 5. Vortrag: Der Lehrling einft und jezt Tempelhof: Gruppenheim Lyzeum Germaniastr. 4-6. Reihenvortrag: Die Etellung des Jugendlichen." Süd. often: Gruppenheim Jugendheim Reichenberger Str. 66( Feuerwehrhaus). Bor. trag: tulturelle Spandau: Gruppenheim Städt. frieben aus." Charlottenburg: Gruppenheim Jugendheim Spreestr. 30. For trag: Wirtschaftskämpfe einft und jetzt." Moabit: Gruppenheim Städt. Jugendheim Lehrter Str. 18-19. Ein Abend unter uns. Boranzeige! Am Connabend, 28. April, um 19 Uhr, im Gigungsfaal des Bezirksamtes Krevz berg, Yordftr. 11. Filmveranstaltung: Samburg die Stadt unseres Jugendtreffens." Einlaß 18% Uhr. Karten zum Preise von 20 Pf. find noch in der Jugendzentrale, deu Jugendgruppen und den Verbänden zu haben. feit dem 4. April im Lohnkampf. Bei den dem Streit voraus Doppelte Unternehmergewinne als Streiffolge unbeim Lindenfer 1. Distuffionsabend: Sie feai es in unseren the gegangenen Verhandlungen erklärte der Firmeninhaber, daß er Beine Bohnerhöhung bewilligen fönne, da ihm die Firma Tieß die Kilometergelder gefürzt habe. Ob dies den Tatsachen entspricht, fei dahingestellt. Jedenfalls war die Lohnkommission der Fahrer bereit, im Einvernehmen mit der Belegschaft die Lohnforderung auf 5 Prozent zu ermäßigen, wovon die Firma Mitteilung erhielt. Jest stellte fich jedoch heraus, daß es der Firma nicht darauf antam, den Konflift beizulegen. Jede Verhandlung warde abgelehnt mit dem Bemerken, man habe nicht mehr die Absicht, den Lohnpertrag zu erneuern. Die Firma hat jedoch nicht mit der Entschlossenheit der Strei fenden gerechnet. Leider haben sich in den letzten Tagen einige Elemente gefunden, die sich der Firma als Streitbrecher zur Verfügung stellen. Nach unserer Feststellung sind es Menschen, die es mit ihrer deutsch nationalen Gesinnung vereinbaren können, den kämpfenden Kraftfahrern in den Rücken zu fallen. Kraftfahrer! Alle Kraftwagen mit der Firmenbezeichnung Hermann Tieg und Kd W., die ihr inner- und außerhalb Berlins begegnet, find mit Streifbrechern befeht. Die Streitleitung der Firma Friedrich Stupp. Streif der Linoleumleger. Seit dem 17. April stehen die Berliner Linoleumleger und Teppichnäher, die dem Deutschen Sattler, Tapezierer- und Porte feuiller- Berband angehören, im Streif. Das Angebot der Unternehmer, eine Zulage von 3 Prog., lehnten die Arbeiter einstimmig ab, In der Versammlung am Dienstag berichtete der Bevoll Aus der Praxis der Spediteure. Einen neuen Beweis dafür, wie die Unternehmer es verstehen, notwendig gewordene Lohn- und Gehaltserhöhungen auf die breiten Schultern der Verbraucher abzuwälzen, geben die Unternehmer des Speditionsgewerbes. Der von den Angestellten und Arbeitern ge= führte Streit um eine Erhöhung ihrer Bezüge ist noch in frischer Erinnerung. Es ist auch bekannt, daß trotz der Kampfmaßnahmen die Erhöhung der Löhne und Gehälter nur unzureichend war. 1 Jugendgruppe des 86A: Seute, Donnerstag, 19% Uhr, folgende Betan ftaltungen: Schöneberg: Jugendheim Hauptstr. 15( Thüringenzimmer). Lefeabend Liederabend. Südoft- Treptow: Jugendheim Wrangelstr. 128. Bor trag:„ Wirken und Ziele des 3dA."( Rudolf Barthel). Berantwortlich für Politit: Dr. Curt Gener; Wirtschaft: 6. Klingelhäfer; und Sonstiges: Frig Karstädt: Angeigen: Th. Glode. fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckeret und Berlagsanstalt Paul Ginger u Co.. Berlin SW 58 Lindenstraße 3. Hierzu 1 Beilage und Unterhaltung und Wissen". Ein größerer Teil der Speditionsunternehmungen hat diese leicht tragbare Einfomemnserhöhung der Angestellten und Arbeiter zum Anlaß genommen, um die Rollgeldfäße um 10 Pf. für Gewerkschaftsbewegung: Fr. Eztorn: Feuilleton: K. S. Döscher: Lotales 50 Kilogramm mit fofortiger Wirkung zu erhöhen. In einem Rundschreiben, das die Speditionsfirmen an ihre Kundschaft versandten, betonen fie ausdrücklich, daß die Erhöhung der Rollgeldsätze fich notwendig mache durch die Erhöhung der Löhne und Gehälter. Es wird zwar noch bemerkt, daß auch die enorme Verteuerung der Futtermittel einen Anlaß zur Erhöhung der Rollgeldfäße gab, doch wird der Kenner der Berhältnisse wissen, daß es den Unternehmern nur darum geht, die höheren Gehälter und Löhne im doppelten Umfange, als diese Erhöhungen betragen, auf die Verbraucher abzuwälzen. Es ist immer wieder dasselbe. Die Unternehmer denken nicht daran, von ihren Profiten notwendige Lohnerhöhungen zu tragen, sondern für sie bedeutet jede Lohn- und Gehaltserhöhung noch obendrein ein gutes Geschäft, wenn sie, wie in diesem Falle, eine doppelte Belastung der Verbraucher vornehmen. Die Arbeiter und Angestellten werden sich diese Art sozialer und wirtschaftlicher Einstellung für die kommende Gehaltsbewegung merken müssen. Kathreiners Malkaffee ... Wenn Sie gesund bleiben wollen! 10 ROTELS Moslem Raucher! 2 Briefmarken haben internationalen Mert, Bilder keinen~ achtet auf unfere neue Briefmarkenbeilage PROBLEM ZIGARETTENFABRIK Schönes Haar jedes Jahr! Gern streichelt er dies HaarNoch heute ist es genau so seidenweich, locker und schimmernd wie damals, als sie sich kennen lernten.' Und nie verliert es seinen zarten, feinen Duft, den er so liebt und der ihn stets von neuem entzückt. 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Auf manchen Strecken Valens wurde der Eisenbahnverkehr überhaupt eingestellt. Von Warschau werden lediglich in der Richtung Krakau— Posen— Sosno- wice— Lodz und Statisch Züge abgelassen. Vis in die späten Abepd- stunden des gestrigen Tages war der Moskauer Schnellzug noch nicht eingetroffen. Auch alle übrigen Fernzüge erleiden weiterhin erhebliche Verspätung. Der Autobusverkehr mit den Warschauer Vorstädten ist unterbrochen. Ebenso ist der Straßenbahnverkehr in Warschau mit den weiter entfernt Nagenden Vorstädten gestört. Der funkentelegraphische Verkehr, sowie die Rund- funksendungen sind zum Teil eingestellt worden, da die funk- technischen Einrichtungen durch die Stürme in Mitleidenschast ge- zogen sind. Der Fernsprechverkehr zwischen Warschau und dem Ausland« ist vollkommen unterbrochen. Von insgeiaint INS polnischen Telephonleitungen sind gegenwärtig nur neun in Betrieb. Arbeits- kolonnen sind auf allen Eisenbahnstrecken beschäftigt, die Strecke freizuschaufeln. Breslau. 18. April. Außer den durch den schweren Schneesturm in Mittelschlesien hervorgerufenen Zerstörungen der Telephon, und Telegraphen- leitungen ist auch der durch die Unwetterkatastrophe angerichtete Schaden außerordentlich groß. Besonders das Peilegebiet im Eulengebirge wurde durch den stundenlang herniederströmenden wolkenbruchartigen Regen schwer betroffen und geriet in Hochwassergefahr, so daß die Hilfe der Feuerwehr in Anspruch genommen werden mußte. Der Regen verwandelte sich in den frühen Morgeisstunden in Schnee. Zugleich mit einem Gewitter trat starker Sturm ein und verwehte Straßen und Wege stellenweis« meterhoch. In vielen Ortschaften hotten die elektrischen Licht- leitungen Kurzschlüsse. Aus zahlreichen Stallungen muhte dos Pieh vor dem Hochwasser gerettet werden. Die Bewohner der Häuser an der Reichenbacher Peile wurden während der Nacht polizeilich zur Räumung der Wohnungen veranlaßt. Der Schaden der Landwirtschaft ist besonders groß. Dresden. 18. April. In der Nacht sank die Temperatur in Dresden wieder auf Null Grad und auf dem Weißen Hirsch etwas unter den Gefrierpunkt. Im Laufe des Vormittags setzte bei langsamer Erwärmung zeitweis« leichtes Schneetreiben ein. Der Fichtelberg meldet heute als tiefste Nochttemperotur minus 7 Grad. Die Elbe ist infolge der anhaltenden Niederschläge beträchtlich gestiegen. Auiounglück in Britz. Fünf Schwerverlehte. Iv der Rudower Allee in unmittelbarer Röhe der Groß- siedlung Britz ereignete sich gestern abend gegen 24 Uhr ein schweres Aukonnglllck. Der Führer einer mll vier Personen besetzten Srasl- droschke verlor die Herrschaft über die Lenkung und fuhr im vollen Tempo gegen«inen Gaskandelaber. Das Auto wurde völlig zertrümmert. Die Znsassen sowie der Ehansfeur mutzten von der Feuerwehr aus den Trümmern geborgen werden. Die ver- naglückken, die zum gröhte« Teil lebensgefährliche ver- lehoagen ersiven haben, wurden in bewutztlosem Znstande in das Buckower fi rankenhaus übergeführt. Kapttan Lohmanns Geschäfte. Eine Klage vor dem Zivilgericht. Die Kammer für Handelssachen des Landgerichts I hott« sich gestern mit einem Zivilprozeß zu beschäftigen, den der Kaufmann Hans Hahn als Aktionär gegen den Berliner Bankverein angestrengt hat. und der seinen Ursprung in den Geschäften des St a p i t ä n s z. S. Loh m a n n, dem sogenannten.Fall Phöbus"' hat. Der Kaufmann Hahn hat nämlich durch die RechtsonwSlte Dr. N e t t« r. Dr. Ka tz und Dr. W i t t g e n st e i n« r Anfechtungs- und Nichtigkeitsklage gegen die Bilanz des Berliner Aktienvereins erhoben, dessen Aktienmajorität in den Besitz des Kapitäns z. S. Lohmann und somit in Berbindung mit der Phöbus-Angelegenhest gelangt ist. Nachdem der Kläger in der Generaloersammlung des Bertiner Bankvereins nicht die von ihm gewünschte genügende Auf- klärung über die Verluste infolge der Lohmann-Geschäft« schalten hat, echob er den Vorwurf, daß der Berliner Bankverein sich schwerwiegender Verstöße gegen das Ak- tienrecht schuldig gemacht habe, indem man den Akttonären die durch die Phöbus-Gefchäfte entstandenen Verl u st e des Berliner Bankvereins v« r h e i m l i cht habe. Ferner wird in der Klageschrist behauptet, daß der Berliner Bankverein zur Vertuschung dieser Verlufte eine Bilanzfälschung begangen und des weiteren, um Regreßansprüche zu verhindern, einigen Der- waltungsmitgliedern fingierte Provision ausgezahlt Hab«. In der Gerichtsverhandlung bestritt zunächst der Rechtsbsistand des be- klagten Berliner Bankvereins, Rechtsanwalt Dr. Ernst Wolfs, die Legittmationsberechtigung des Klägers, mit dem Hinweis, daß dieser seinen Aktienbesitz bereits wieder abgestoßen habe. Dieser Einwand wurde aber von der Gegenseite durch die Vorzeigung derfraglichen Aktien widerlegt. Der Voi-sitzend« der Kammer stellte sich sodann auf den Standpunkt, daß zur Nachprüfung der vorgeworfenen Bilanzverschleierimg der fingierten Provisions- Zahlungen ein Handels« und Akttenrechtssachverftändiger ein Gut- achten erstatten solle, daß diesem aber eine längere Frist. zur Vorbereitung und Einarbeitung in die Materie gegeben werden müsse. Erwünscht sei auch eine nähere Angab«, in welchen Konten Unrichttgkeiten vorhanden seien, worauf der Dertreter des Klägers bemerkt«, daß diese vor allem auf dem Debitorenkonto. dem Deteiliglmgskonto und dem Konto:„Eigene Wertpapiere� norlägen. Man sei auch m der Lage, dies« Unrichtigkeiten zahlen- mäßig zu belegen. Der Barsitzende der Kammer, vor der man sich lediglich mit der formalen Seite der Angelegenheit beschäftigte, setz:« dann zur weiteren Vorbereitung des Rechtsstreites einen neuen Termin auf den 8. Juni 1328 an. Oer Brandenburger Mord. Einer der Mörder geisteskrank! In der Voruntersuchung gegen die Morder des Brauereibesitzers Freydank aus Brandenburg war einer der beiden Täter, Erich Schmidt, in der Landesirrenanstalt Görden auf feinen Geisteszustand Oeffenttiche Kundgebungen Heute, Donnerstag, Ist. April: Hohenschönhausen. 19K Uhr in der Schulaula, Roederstraße. Redner: Carl Litke. Morgen, Freitag, 29. April: Uiederschönhausen. 19'A Uhr im Lokal Sanssouci. Nordend, gegen- über dem Straßenbahnhof. Vorführung des Wahlsilms..Dein Schicksal". Rednerin: Reichstagsabgeordnete Mathilde Wurm. Um pünktliches Erscheinen wird gebeten. Männer und Frauen, erscheint in Massen? beobachtet worden. Nach dem ärztlichen Gutachten ist Schmidt gegenwärtig wegen Geisteskrankheit Haft- und vcrhandlungsunfähig. Bisher ist noch nicht festgestellt, ob er auch schon bei Begehung der Tat geisteskrank gewesen ist. Der zweite Mörder, Willi Schmidt, ist als zurechnungsfähig von den Aerzten erklärt worden. Es wird voraussichtlich gegen Willi Schmidt zunächst allein wegen Mordes vor dem Schwurgericht in Potsdam verhandelt werden. Mord oder Gelbstmord? Ein Fünfzehnjähriger erschossen aufgefunden. Gestern gegen 20 Ahr wurde der lbjährige Schüler Gert Sicberl in der im Hause Chaussee slr. IS zn Alarleudors gelegenen elterlichen Wohnung mit einer Schußwunde in der rechten Schläfe erschossen ausgesundcn. kriminal- beamie des zuständigen Polizeireviers eilten an den Tatort, um den Befund aufzunehmen. Verschiedene Umstände, so das Fehlen der w a s s e. ließen den Verdacht auskommen, dah der Zunge von fremder Hand den Tod gesunden hat. Daraufhin wurde die Reservemordkommission der Kriminalpolizei. benachrichtigt. Gert S i c b e r t besucht« das Mariendorfer Gymnasium: er hielt sich gestern nachmittag allein in der Wohnung auf. Gegen 20 Uhr kehrt« der Vater des Jungen von einem Ausgang zurück. Als er die Küche betrat, mochte er«in« furchtbare Eni- deckung. Auf dem Fußboden log sein Kind in einer großen Blutlache, aus der rechten Schläfenseit« sickerte noch Blut hervor.— Ein sofort hinzugerufener Arzt konnte nur noch den vor kurzer Zeit eingetretenen Tod sest.« stellen. Die Kriminalpolizei wurde benachrichtigt und entsandte sofort mehrere Beamte, die«ine überraschende Feststellung machten. Weder bei dem Toten, noch in den anderen Räumen der Wohnung murd die Waffe gefunden, aus der der tödliche Schuß abgefeuert worden war. Dadurch fand der lßerdacht Nahrung, daß Gert Siebert erschossen worden ist. Bei Schluß des Blattes weilt« die Reservemordkommission noch an: Tatort. Vor dem Hause Chausseestraße 18 hatte sich«ine größere Menschenmenge angesammelt, in der die verschiedensten G e- rächte kursierten. So wurde mehrfach der Name Krantz erwähnt, der bekanntlich auch da? Mariendorfer Gymnasium besuchte und man vermutet, daß es sich vielleicht um eine ähnliche Tragödie, wie feinerzett in Steglitz, handeln könne.— Hierfür haben sich jedottr noch keinerlei Anhaltspunkte ergeben. Es kann sich auch mn einen Selbstmord handeln, da geben« Darstellung in entscheidenden Punkten verändert. Danach habe die preußische Regierung die Kreditverhandlungen mit der Adler Bergbau A.-G. aus ganz anderen Gründen ab- gebrochen, als weil die Rentabilität des Zechenkomplexes durch den zu gewährenden Kredit nicht hätte hergestellt werden können. Der Kredit sei nicht gewährt worden aus Grund der Einslüsse des Rhei- nisch-westfälischen Kohlensyndikats und de» Zechenverbandes. Dies« Organisationen hätten die Verweigerung des Kredits und damit die Stillegung selbst gewünscht, um bei den gegenwärtigen Lohn- und Arbeitszeitverhandlungen einen Druck auf die Bergarbeiterschaft und die Behörden auszuüben. Auch der Umfall des Sachverständigen Dr. Weise, der zuerst die Möglichkeit der Rentabilisierung von Dei- melsberg bejaht und erst in einem zweiten Gutachten verneint habe, sei auf diese Einflüsse zurückzuführen. Diese Meldung steht in st r i k t e m W i d« r s p r u ch zu den vom preußischen Handelsministerium uns amtlich pegebenen Erklärungen. Der Widerspruch ist so groß und die in der Meldung angedeuteten Möglichkeiten sind so gravierend, daß das preußisch« Handels- Ministerium sich eindeutig dazu zu äußern haben wird. Zum Industrie- und Handelstag. Herr v. Siemens über Neichsbahn-Tariferhöhuag.— Gne Randbemerkung zur Lohnpolitik. Die im allgemeinen ohne Sensationen verkaufen« Lollver- sammlung des Industrie- und Handelstages im Reichstag ermuntert in zwei Punkten zu Randbemerkungen. Herr von Siemens war auf d«r Tagesordnung des Industrie- und Handelstages nicht als Redner vorgesehen, so daß die Ankündigung feines Referates über die geplante Tarif«rhöhung ein« allgemein« Ueber- raschung hervorrief. Wenn Herr von Siemens einleitend bemerkte, daß fein Dortrag kein« Begründung der Tariferhöhung geben, sondern nur ihre Borausscgungen erklären röolle, so wurde die Red« doch ein« Rechtfertigung. Bei Herrn von Siemens ist schwer zu erkennen, wo er s«me Melirungen als Präsident des Der- woltungsrats d«r Reichsbahn, wo als Interessent für Reichsdahn« beftellungen und wo als großer Arbeitgeber von sich gibt. Di« Be- merkung, daß die Tariferhöhung um 250 Millionen Mark nur einen Pfennig allgemeine Lohnerhöhung aus- mach«, läßt es nicht ausgeschlossen sein, daß er diesmal seiner drei- fachen Eigenschaft voll gerecht geworden ist: denn wenn, wie er will, die Voraussetzungen zur Tariferhöhung gegeben sind, dann stellt er die nach seiner Meinung unvermeidliche Tariferhöhung in Konkurrenz mit allen Lohnforderungen, und gleichzeitig kann die Reichsbahn auch mehr Aufträge vergeben, an denen auch Siemens interessiert ist. In de? vom Industrie- und Handelstag angenommenen Eni» f chli« ß u n g befindet sich folgender Satz:„Ein Abgehen von dem Gedanken, daß Lohnverbesserungen stets mit dem Er- fordernis der Rentabilität der Unternehmen im Einklang zu bringen sind, bedeutet eine unverantwortlich« Gefährdung der Betriebe und ist daher aus wirtschaftlichen und sozialen Gründen zurückzuweisen." Dieser vernünftig scheinende Satz macht nachdenklich. Hätte die energisch« Lohnpolitik der organisierten Arbeiterschaft seil 1924, die gleichzeitig ebenso entschieden die Opfer der Rationalis ie- run g auf sich nahm, immer nur diese Rücksicht genommen, so wäre heute in Deutschland noch kaum ein Industriezweig rentabel, denn es würde die inländisch« Kauskrast fehlen, die Betriebe liefen zmn großen Teil« noch leer. Die wieder erfreuliche Rentabllität von heute ist dem Zwang zu danken, der auf die Betriebsleiter durch die „volkswirtschaftlich und sozial" erfolgreiche Lohnpolitik der organi- sierten Arbeiterschaft ausgeübt worden ist und der vielfach«rsolg- reich auch die Produktionskosten gesenkt hat. Diese Politik darf nicht unterbrochen, sie muß fortgesetzt werden, wenn die heutige Rentabilität in der Industrie wirklich erhalten und noch gesteigert werden soll._ Glänzende Lage bei Bergmann. 4,5 MM. Mark Zieingewinn.- Von sozialem Verständnis keine Spur. Den Siemens-Betrieben und der AEG. folgt mit ihrem Jahres- abfchtuß als nächst größtes Unternehmen in Groh-Berlin jetzt die Bergmann-Elektrizitäts- A.-G. in Reinickendorf mit 44 Mlll. Mark Aktienkapital und fast 13 000 Mann Belegschaft. Nach den bereits im Januar erfolgten Konjunkturabschlüssen von Siemens und der AEG. konnte auch bei Bergmann ein entsprechend höherer Gewinn erwartet werden, der auch nicht ausgeblieben ist. Das sehr gute Elektrojahr 1925 wird durch die Ergebnisse von 1927 noch weit in den Schatten gestellt. So stiegen die Geschäfts- gewinne von 7,5 Mill. Mark in 1926 auf 11,1 Mill. Mark, und der Reingewinn hat sich fett 1924 verdoppelt. Besonders interessant ist die Entwicklung der Umsatzzifsern. Sie stiegen von 1924 mit 53,0 Mill. auf 80,9 Mill. im folgenden Jahre, sanken 1926 aus unter 75 Mill. Mark und erreichten 1927 fast 100 Mill. Mark. Der Zlus- schwung der Bergmann-Werke seit der Stabilisierung bleibt also hinter den beiden führenden Elektrokonzernen keineswegs zurück, Daß auch die Aktionäre kräftig profitterten, geht daraus her- vor, daß sie jetzt trotz des höheren Aktienkapitals 9 Proz statt 8 Proz. Dividende erhalten, wofür 3,9 gegen 2,6 Mill. Mark er, forderlich sind. Die Kapitalerhöhung im letzten Jahr hat die Finanz- lag« der Gesellschaft natürlich bedeutend verbessert, wozu die Kon- junktur noch ihr übriges tat. So erscheinen in der Bilanz fast 44 Mill. Mark Forderungen, darunter rund 15 Mi?. Mark Bankguthaben gegen 24,7 Mill. Mark im Vorjahr, während die Verpflichtungen sich demgegenüber nur unwesentlich von 20,4 auf 27,0 Mill. Mark erhöhten. Angesichts der Heroorragenden Geschäftslage der Bergmann- Werk« muß der herausfordernde Ton der Verwattung gegen die Belegschaften und ihr« Lohnpolitik zurückgewiesen werden. Die Berwaltung läßt bei ihren Klagen über„fortgesetzte" Lohnerhöhun- gen und Stoeikschäden auch dos geringst« sozialpolitische Verständ- ms vermissen. Vermutlich rechnet sich die Bergmann-Verwallung auch noch zu den Direktionen, die nur Interessen der„Wirtschaft" kennen, dagegen jede Besserstellung ihrer Belegschaften von vornherein als unwirtschaftlich ansehen. Sräfttge Entlastung der Reichsbank. Wettere Goldkäufe. De? erste April beri cht der Reichebank umfaßt« nur den Zeitraum von 5 gegenüber sonst 7 Tagen. Der Ausweis zum 14. April läßt nun eine sehr kräftige Entlastung der Reichsbant von Wirtschafts- und Lornbardtrediten erkennen. Di« Wechselbestände sind um 352,1 auf 2248,7 Millionen, die Lombardbestände um.35,8 auf 39,6 Millionen Mark gesunken. Die fremden Gelder auf Girokonto haben ein« Zunahme von 11,6 auf 613,9 Millionen Mark erfahren. Der N-o t e n u m l o u s sst im Zusammenhang damit um 41 4L auf 3996,5 Millionen, der Umlauf an Rentenbankscheinen um 28,3 auf 576,2 Millionen zurückgegangen. Die Goldbestände wurden auch in der zweiten Aprilwoche wieder erheblich oermehrt, und zwar um 59,1 auf 2019,2 Millionen. Insgesamt ist seit Mitte März ein Goldzuwachs von etwa 130 Millionen Mark zu ver- zeichnen, der zum größten Test aus dem Verkauf von Reichsbank- devifen bezahlt worden ist. Etwa zwei Drittel dieser Käufe erfolgten in Amerika, ein Drittel bei der russischen Staatsbank. Die Bestände an Deckungsdevisen hoben sich um 2,6 auf 194,1 Millionen wieder etwas verringert. Ver Güterverkehr der Reichsbahn hat in der Ofterwoche zum 7. April eine nicht unerheblich« Verringerung erfahren. Im arbeitstäglichen Durchschnitt hat die Reichsbahn gegenüber der vorhergehenden Woche nur 148 600 statt 153 600 Güterwagen gestellt. Außenseiler. knockout durch Zemenlfyndikot. Dem Westdeutschen Zementsyndikat ist endlich der große Schlag gelungen, das gefährlichste Außenseiterwerk„Excelsior" aufzu- kaufen und damit die ringsreien Werke ganz empfindlich zu schwächen. Di« Außenseiter wisien, daß sie von den Syndikaten keine Gnade zu erwarten haben, denn in Geldsachen hörte bekannt- lich schon bei dem alten Hansemonn die Gemütlichkeit auf. Und das Verbrechen der Zementaußenfeiter bestand gerade darin, daß sie trotz eigener hoher Gewinne die Syndikatspreise weit unter- bieten konnten, wodurch sie die Preisdiktatur der Syndikats- Herren empfindlich störten. Darüber hinaus wäre es den Außen- seitern um ein.Haar gelungen, das ganze Syndikat zu sprengen, da die großen Werke bei den überspannten Preisen für ihren Ab- satz fürchteten und rebellisch wurden. Zwei Preissenkungen mußten als Opfer für die Erhaltung des Syndikats gebracht werden, die verständlicherweise die Stimmung der Syndikatsherren gegen die Außenseiter nicht gerade verbessertem Zielt die Politik des Westdeutschen Zementsyndikats darauf hin, die Außensetter. Kapitalismus gegeneinander ringen. �yri&one �[Xasrtesx! cUa das* CXrde Irvl&rGS&oarJ See, u>o- uyaudis/, auc/t. nlcA/* {Lcm. vnAe�ri�i, QAruzjzjßhje&bsT. dar' ztnd tQe und.-o-on. rirtAian., sda � d-eralded' und. dduxduzsv deduer- dee uya/d ENVER HEY GOLD 5«#