Morgenausgabe Tr. 187 A 95 45.Jahrgang Bodentlig 70, Big, monetfidh 3im Boraus zahlbar, Boftbezug 3,72 einfcht Beftellgeld, Auslandsabonne ment 5,50 m pro Monat Der Bormarts ericheint mochentag ; lidh ameimal, Sonntags und Montags einmal die Abenbausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Der Abend, Illuftrierte Beilagen Bolt und Seit" und Kinderfreund" Ferner Unterhaltung, und Wiffen", Frauen ftimme Technif". Blid in bie Bücherwelt und Jugend- Borwärts". Vorwärts Berliner Boltsblatt Freitag 20. Apríl 1928 Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Die etaisaitige Ronparetfiezette 60 Pfennig Reflamezeile 5.- Reichs hart Ricine Anzeigen" das fettge. brudte Bort 25 Pfennig( zuläffig zwe fettgedruckte Borte). jedes weitere Bori 12 Bfennig Stellengesuche das erite Bort 15 Brennig. jedes weitere Bort 10 Biennig Borte über 15 Buchstaben Arbeitsmarkt ählen für gwe: Worte Beile 60 Bfennig Familianzeigen für Abonnenten Zeite 40 Brennig Anzeigen. annahme im Hauptgeschäft Linden. ftraße 3. wochentägl von 81%, bis 17 Ubr Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Berlag: Berlin SM 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Tonhoft 292-297 Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts- Verlag G. m. b. H. Boftichedlonto: Berlin 37 536 Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten Wallstr. 65. Distonto- Gesellschaft. Depofitentasse Lindenstr. 3 Hungerblockade gegen die Städte! Die politischen Absichten der Deutschnationalen. Das wahre Gesicht Deutschnationaler Wahlaufruf Nr. 3 und Nr. 4. Die Deutschnationale Boltspartei schiebt ihren Wahlauf rufen Nr. 1 und Nr. 2 zwei weitere Aufrufe Nr. 3 und Nr. 4 nach. Nr. 3 bildet das Kernstüc; er enthüllt die wahren politischen Ziele der Deutschnationalen Bolkspartei, er zeigt sie als Partei der rücksichtslosen groß agrarischen Inter effenvertretung. 3ur 3011 und Handels politit fordert er: Grundsägliche Abtehr vom gegenwärtig noch maßgebenden handelspolitischen System mit dem Ziel eines tatsächlichen Ausgleichs der Handels- und Zahlungsbilanz; • Rückkehr zur autonomen Regelung der landwirtschaftlichen Zolljähze; befchleunigte Borbereitung eines dem zollpolitischen Rüstzeug anderer Staaten angepaßten neuen 3011tarifs; in der Zwischenzeit Ablehnung jebes neuen Hanbelsvertrages, ber ber Bandwirtschaft neue Opfer auferlegt, und teine internatio= naten Bindungen, die die Freiheit unserer Handelspolitik beengen Aufhebung der Umfassteuerfreiheit für die Einfuhr von Agrarprodukten; wirksame veterinär polizeilche Maß veterinärpolizeile nahmen zum Schuße unserer Biehbestände gegen Seucheneinschleppung; gleichmäßige Handhabung der Bestimmungen des Fleischbeschaugefeßes für In- und Auslandsfleisch. Also: Abkehr von einer auf Abbruch der Zollschranken gerichteten Handelspolitik, lückenlose och schußzpll. politif im Interesse der Großagrarier, restlose Sperrung Der Grenzen gegen jede Lebensmitteleinfuhr, Preisdiktát der Großagrarier. Aehnlich brutal sind die deutschnationalen Steuer forderungen: ,, Begrenzung der Gesamtsteuerlast nach der Leistungs. fähigkeit der Wirtschaft, Zahlung von Steuern aller Art nur aus dem tatsächlichen Ertrag ohne Rückgriff auf die Substanz; Verteilung der Schul, Straßen und Strombaulaften auf tragfähigere und breitere Schultern. Uebernahme der persönlichen Schullasten auf den Staat unter Abänderung des Finanzausgleichs zwischen Reich, Ländern. und Gemeinden; Einkommenbesteuerung nach mehrjährigem Durchschnitt; Berechtigung der Kommunen zur Erhebung von Zuschlägen zur Einkommensteuer und zur gleichmäßigen steuerlichen Erfassung jetzt fteuerfreier Einkommen; Die weiteren Abfäße über Hebung von Erzeugung und| Wesen dieser Partei hinwegzutäuschen. Ihr Agrarprogramm Abjaz, Kreditnot und Bodenpolitik entsprechen den bekannten aber zeigt, was sie wollen: Landbundforderungen. Aufruf Nummer 4 legt die Stellung der Deutschnationalen zur Verfassung dar. Er wendet sich gegen das Recht des Parlaments, das zugunsten einer Stärkung der Stellung des Reichspräsidenten eingeengt werden soll. In diesen beiden Aufrufen tritt das wahre Gesicht der Deutschnationalen hervor. Ihr allgemeiner Wahlaufruf, mit seinen verschwommenen allgemeinen Phrasen, ist dazu bestimmt, die städtische Bevölkerung über das wahre Bereicherung des Großgrundbesitzes auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung in Stadt und Land. Preisdiftatur auf dem Lebensmittelmarkt. Hungerblockade gegen die Städte und die industrielle Bevölkerung! Die Deutschnationale Partei zeigt sich als Partei des trasfesten Klassenegoismus der agrarischen Großbesizes, als die Feindin der Massen des deutschen Boltes. Diese Partei muß am 20. Mai die wohlverdiente Niederlage erleiden! Staatsgerichtshof gegen Reudell. Eine wichtige Vorentscheidung.- Weitere Ländereinsprüche. Die Freistaaten Sachsen, Baden, Oldenburg| nicht enthalten sein. Der Tatbestand der verschiedenen und Anhalt haben sich dem Einspruch von Breuken, Hessen, Braunschweig, Hamburg und Lübed gegen das Kendelliche Wahlmanöver angeschlossen. Nur Bayern und Württemberg haben bisher dem Ersuchen und Württemberg haben bisher dem Ersuchen Keudells stattgegeben. Paragraphen des Republitschußgefeßes erscheint damit für feinen Plan von vornherein als nicht gegeben. Insofern hat der Vierte Straffenat des Reichsgerichts mit der vor parteipolitische Aktion des deutschnationalen Innenministers drei Wochen gefällten Entscheidung sein Urteil über die im gewissen Sinne schon vorweg gefällt. Noch eine Enttäuschung für Herrn von Keudell! Es steht bisher noch nicht fest, wann der Bierte Straffenat bes Reichsgerichts sich mit dem Ein- Der Rotfrontkämpferbund demonstriert fpruch einzelner Länderregierungen gegen die jüngste parteipolitische Aktion des deutschnationalen Innenministers be[ chäftigen wird. Voraussichtlich geht die Beschwerde den üblichen Dienstweg. so daß mit einer Entscheidung erst furz vor den Wahlen zu rechnen ist. Daran dürfte auch ein Antrag des Reichsinnenministers um dringliche Behandlung nicht viel ändern. Bisher ist ein solcher Antrag noch nicht gestellt. Aber was nicht ist, kann schließlich noch werden! Der gleiche Straffenat des Reichsgerichts, der jetzt von mehre ren Ländern um eine Entscheidung angerufen worden ist, hat sich schon einmal mit dem Roten Fronttämpferbund" befassen müssen. Damals handelte es sich um eine Beschwerde dieses Bundes gegen ein Verbot und die Auflösung seiner Dortmunder Ortsgruppe durch den Oberpräsidenten von Westfalen. Diese Maßnahme war auf§ 7 3iffer 5 und § 14 Absatz 2 des Republitschutzgesetzes gestützt. waren. Der Rote Frontfämpferbund veranstaltete gestern abend im Lustgarten eine Rundgebung gegen das von Reubell geplante Berbot. Die RFB.- Mitglieder trafen sich in ihren Bezirken und marschierten gemeinsam zum Luftgarten. Die einzelnen Züge aus den Bezirken wiesen eine auffallend geringe Beteiligung auf. Auch der Luftgarten zeigte nicht das Bild wie bei den großen Aufmärschen der Arbeiterschaft. Lediglich der Platz vor dem Schloß und vor dem Dom waren einigermaßen besetzt. Obwohl auch die kommunistische Partei ihre Anhänger nach dem Luftgarten dirigiert hatte. war die Veranstaltung schwach besucht. Natürlich wandte sich die Haupthetze gegen die Sozialdemokratieganz nach der. Absicht des Herrn von Keudell auch Herr von Keudelt hat den Kommunisten den ersehnten Auftrieb nicht geben tönnen. Die Protesttundgebung war ebenso eine Rundgebung der Schwäche wie die Rotfront- Rundgebung am vergangenen Sonntag. Darüber fchrieb das lintstommunistische Reichsorgan: " P Allein ,, Am Sonntag eröffnete der RFB.- Berlin mit einem General appell und Aufmarsch sämtlicher Abteilungen den Bahlkampf der KPD. Die Gau- und Bundesstrategen waren sichtlich enttäuscht über den kläglichen Aufmarsch ihrer Mitglieder; wir zählten beim Anmarsch genau 3600 uniformierte RFB. Kamera den. Die Berliner Arbeiterschaft hatte tein Interesse an dieser Demonstration gezeigt: nicht mehr als 3000 Arbeiter hatten sich außer den RFB.- Kameraden in dem Lustgarten eingefunden. Die Gegnerobleute der Abteilungen berichteten, daß 50 Proz. der Abteilungen angetreten = Die gleichen Paragraphen will auch D. Reudell zur Durchführung feines Planes angewandt wissen. Auf Grund des§ 7 3iffer 5 wird Abbau der staatlichen Grundvermögenssteuer oder gleich unter Strafe gestellt, wer sich einer geheimen oder staats artiger Steuern; teine Wohnungsbauabgabe auf dem feindlichen Verbindung anschließt, die selbst oder deren Mit Lande, Abbau der Hauszinssteuer auf landwirtschaftliche Betriebsglieder Waffen besigen. Ein Teil der Dortmunder Mitglieder und Wohngebäude in allen Ländern; teine Zugtier- und Gespann des Roten Fronttämpferbundes hatte sich unbefugt und ohne steuer: Festsetzung der Steuern für nichtbuchführende Landwirte nicht Waffenschein Waffen beschafft, weil Mitglieder der Ratio: über dem Durchschnitt der buchführenden Betriebe und unter voller nalsozialistischen Arbeiterpartei Dortmund Berücksichtigung des tatsächlichen Betriebsaufwandes; Verstärkung ebenfalls ohne Waffenschein in den Besitz von Waffen gelangt des Rechtsschutzes, namentlich gegen ungefeßliche Beranlagungen( 3u- Der Bierte Straffenat des Reichsgerichts hat tro 3 dem ftellungen, Friften, Rechtsmittel) in Reich, Ländern und Gemeinden." das Verbot der Ortsgruppe des Roten Front Das bedeutet: Entlastung des Besizes im größten Maßämpferbundes aufgehoben. In seiner Begrün- maren, demnach hat die Ortsgruppe Berlin nur noch 7500 stabe, namentlich auf dem Lande, dafür Belastung der städti- dung hebt er ausdrücksich hervor, daß ein Teil der Mitglieder schen arbeitenden Massen: Besteuerung des steuer- ohne Waffenschein in den Besiß von Waffen gelangt freien Existenzminimums, steuerliche Erfassung ist. Es sei jedoch nicht erwiesen, daß die Mitglieder die Waffen der untersten Einkommensstufen, Erhöhung der im Interesse oder im Auftrage der Vereinigung beschafft hätten und der Waffenbesiz im Zusammenhang mit der MitSteuerlast der Arbeiterschaft! gliedschaft zur Ortsgruppe Dortmund des Roten FrontSchließlich zur Sozialpolitit: fämpferbundes stände. Infolgedessen sei der Tatbestand Bir fordern: des§ 7 3iffer 5 des Republifschuhgeseßes nicht erfüllt. Es sei ferner nicht erwiesen, daß die Ortsgruppe Dortmund des Roten Frontfämpferbundes andere strafbare Handlungen, die in den§§ 1 bis 8 des Republitichußgefeßes gekennzeichnet feien, verfolgt oder erörtert hätte 3rfolgedessen sei das Berbot der Orts gruppe Dortmund durch den Oberpräsidenten von Westfalen ungültig und aufzuheben. Ueberprüfung der sozialen Versicherungsgesetzgebung mit bem Ziel, jeglichen Leerlauf zu vermeiden, den unproduktiven Berwaltungsaufwand auf ein Mindestmaß herabzusetzen, ohne die notmenbigen Leistungen zu vermindern; Berhinderung des Miß brauchs der sozialen Versicherung durch Anpassung, insbesondere ber Arbeitslosenversicherung, an die Eigenheiten des land pirtschaftlichen Berufs." Also: Drosselung der Sozialpolitit, namentAlso: Drosselung der Sozialpolitit, nament nich auf dem Lande! Dafür wollen die Deutschnationalen sich für Berbesserung der Landarbeiterlöhne und der Landarbeiterwohnungen einfegen aber nicht aus dem Profit der Broßagrarier, fondern aus staatlichen Mitteln! Herr v. Keudell prird demnächst in Leipzig sicherlich mit einer Fülle von Material gegen den Roten Fronttämpferbund aufwarten und ebensoviel material wird von der anderen Seite gegen ben Stahlhelm beigebracht werden. Aber schwerere Beschuldigungen. als sie von dem Oberpräsidenten in Münster für sein Borgehen angeführt werden fonnten, dürften auch in der Materialmappe des Herrn v. Keudell Mitglieder. Das bedeutet ferner. daß der RFB. in Berlin Reichstreffen 10 000 Kameraden verloren hatte!" Reichstreffen 10 000 Kameraden verloren hatte!" von im Bericht angegebenen 18 000 Mitgliedern seit dem letzten Wirrwarr in Frankreich. Bor dem ersten Wahlgang. V. Sch. Paris, 17. April. Noch vor wenigen Wochen konnte man lesen, daß in etma 300 von insgesamt 612 Einzelwahlkreisen Stichwahlen notwendig sein würden. Heute wird sogar behauptet, daß faum mehr als ein Fünftel der Abgeordneten am kommenden Sonntag bereits im ersten Wahlgang mit absoluter Mehrheit gewählt werden dürfte, die restlichen vier Fünftel erst im zweiten Wahlgang am 29. April. Nichts tennzeichnet deutlicher die Konfusion und Zersplitterung, die die besonderen Merkmale jenes Wahlfampfes bilden, der zum erstenmal wieder nach 14 Jahren im Zeichen der Einmännerwahlkreise stattfindet. Die Preis gabe des bisherigen Systems war eine Notwendigkeit, weil Kein Zurück von der Friedenspolitik! Auch wenn poincorä siegt. ! es unier dem Vorwand der Verhältniswahl eine Art politi- sches Lotteriespiel cinpeführt hatte, bei dem man sich Ge- winnchancen nur durch die sonderbarsten Koalitonen sichern konnte. Ein wirklicher Proporz war infolge der prinzipiellen Gegnerschaft der Senatsmehrheit nichi zu erreichen. Daher war die Rückkehr zum System der Einzelwahlkreise immer noch das kleinere Hebel. Unsere Genossen haben für dieses kleinere Uebel gestimmt, und sie brauchen es nicht zu bereuen. Aber das Uebel ist schlimm genug. Denn die politischen Ideen sind in den Hintergrund gedrängt. Der Kampf zersplittert sich in Hunderten von Einzelkämpfen persönlicher und lokaler'Art. Mit Ausnahme der Sozialisten und Kommunisten gibt es in Frankreich keine wirklichen politischen Parteien. Wer über das nötige Geld verfügt, kann unter irgendeiner bürgerlichen Spitzmarke kandidieren. Freilich, ein gewisser persönlicher Anhang ist schon notwendig, und sei es nur um ein„Komitee" zu bilden, das auf den Wahlplakaten die Kandidatur des Herrn 1 empfiehlt. Aber auch dieser Anhang ist unter Umständen käuflich zu erwerben. Eine häufig wiederkehrende Spitzmarke lautet „Kandidat indepeudaut",„unabhängiger Kandidat". Unter diesem Rubrum treten alle möglichen Männer auf, die kein Mensch kennt und die entweder von einem plötzlichen Fimmel befallen wurden oder die sich einfach auf Bestellung eines ernsthaften bürgerlichen Kandidaten aufstellen lassen, um einige hundert Stimmen abzusplittern und dadurch einen zweiten Wahlgang zu erzwingen, bei dem sich alle möglichen Kombinationen bewerkstelligen lassen. Dann tritt der„un- abhängige" Scheinkandidat in einem öste'Ntlichen Aufruf zu- aunsten des ernsthaften Kandidaten zurück. Für diesen ist das eine ganz gute Propaganda. Nur die wenigsten Wähler ahnen, dag es sich um ein abgekartetes Spiel handelt. Manch- mal aber tritt so ein„unabhängiger" Kandidat auf eigene Faust auf mit der einzigen Absicht, sich seinen Verzicht bei der Stichwahl möglichst teuer abkaufen zu lassen. Meistbietend... Viel häufiger aber als die Spitzmarke„Unabhängiger" ist die Bezeichnung„Radikale r". Wer will, nennt sich „Radikaler", zuweilen auch„unabhängiger Radikaler". Es gibt Wahlkreise, in denen drei oder sogar vier Männer als „Radikale" kandidieren. Run gibt es eine Radikale Partei, keine Partei nach unseren strengen deutschen Begriffen, aber immerhin eine Art politische Organisation, die jahrzehntelang den stärksten Einfluß sowohl im bürgerlichen Mittelstand wie auch unter den Bauern besaß. Bei allen Wahlen seit 25 Jahren, mit Ausnahme der ersten Nachkriegswahlen von 1919, erlangten die Radikalen sogar bei weitem die stärkste parlamentarische Vertretung. Bei der Bildung von Regie- rungen waren sie bisher meist unentbehrlich. Tlber gerade die Radikalen befinden sich jetzt durch die Schuld ihrer Führer in einem unbeschreiblichen Wirrwarr. Sie gingen 1924 mit den Sozialisten zusammen, um den Nationalen Block zu schlagen, was ihnen auch glänzend gelang. Als kapitalistische Partei versagten sie aber, wo es galt, die Inflation mit wirklich„radikalen", d. h. sozialistischen Mitteln zu meistern. Auf dem Höhepunkt der Währungskrise warfen sie sich dem„Retter" der Bourgeoisie, P o i n c a r ch in die Arme. Seitdem sind sie innerlich gespalten: ein Teil ist offen zur gemäßigten Rechten abgeschwenkt:«in Teil unter Führung Herriots fühlt sich zwar noch immer mit den Sozialisten gegen die Reaktion verbunden, wogt aber nicht, sich von Poincarö loszulösen, weil dieser mit einer neuen Franken» kaiaftrophs droht, falls feine Regierung der„Nationalen Einigkeit" gesprengt würde; ein weiterer Teil-unter Führung des neuen Parteivorkibenden D a l a d i e r steht in Opposition zur Regierung und hat den Wunsch, in freundschaftlicher Bundesgenossenschaft mit den Sozialisten gegen die Reaktion zu kämpfen. Dieser linke Flügel verkörpert sozusagen die „offizielle" Politik der Radikalen Partei. Aber er hat nur noch geringen Einfluß. Bezeichnend ist. daß nur die wenig- sten Kandidaten, die sich„Radikale" nennen, eine offizielle Zustimmungserklärung ihres Parteivorstandes aufweisen können. Ihnen treten andere„Radikale" entgegen, die sich entweder als Anhänger Herriots oder sogar als Anhänger Poincarös bekennen. Zwischen den Vertretern dieser ver- schiedenen Nuancen des„Radikalismus" ist in zahlreichen Wahlkreisen der heftigste Kampf im Gange. Aber auch im Lager der Rechten gibt es die ver- schiedenften Schattierungen. Oft stehen sich in einem einzigen Wahlkreis zwei oder �ogar drei Männer gegenüber, von denen jeder behauptet, Anhänger der Regierung Poincarö und der„Nationalen Einigkeit" zu fein, die sich aber gegen- scitig ganz besonders rabiat bekämpfen. Tatsächlich soll es vorgekommen sein, daß die Anhänger solcher poincaristischen Kandidaten unter dem gleichen Ruf:„Es lebe die Ratio- nale Einigkeit!" mit Fäusten und Stöcken aufeinander los- gingen unter stürmischer Heiterkeit der anwesenden Sozia- listen. Die bisher geschilderte Zersplitterung würde an sich schon genügen, um die llnvermeidbarkeit zahlreicher Stichwahlen zu begründen. Hinzu kommt aber eine Tatsache, die erst nach dem Kriege entstanden ist und die den Wirrwarr noch um ein Vielfaches kompliziert: einst kämpften die S o z i a l i st e n allein als geschlossene Masse und einzige Vertretung der Ar» beiterschaft gegen das Bürgertum, jetzt gibt es in unzähligen Wahlkreisen auch kommunistische Kandidaten, die ihre ganze Kraft darauf konzentrieren, die Sozialisten zu schwächen. Die Zersplitterung der Stimmen im bürgerlichen Lager wird also ergänzt durch die Spaltung im Lager der Arbeiterschaft. Unter diesen Umständen ist es kein Wunder, daß man nur in einem geringen Teil der Wahlkreise eine Entscheidung bereits im ersten Mahlgang erwartet. Für die politische Zusammensetzung des künftigen Parlaments wird der 22. April bestenfalls einige Fingerzeige geben können. Und doch wird der erste Wahlgang besonders für unsere Genossen von großem Werte sein: denn er allein gibt der Partei die Möglichkeit, zum erstenmal seit 1914 und nach der Spaltung ihre Stimmen im ganzen Lande zu zählen. Die Parte» hat unter unsäglichen finanziellen Opfern der einzelnen Ge- nassen in nicht weniger als ZA6 von 629 Wahlkreisen eigene Kandidaten aufgestellt. Oft handelt es sich nur um Zähl- kandidaturen, ausgestellt zu dem einzigen Zweck, die eigenen Truppen in solchen Gegenden zu mustern, in denen die Ar- beiterbewegung erst neueren Datums ist. In anderen Fällen wird zwar der Sozialist nicht gewählt werden, aber den Aus- schlag bei der Stichwahl geben können. Ein Viertel der Kandidaten geht jedoch mit durchaus ernsten Siegesaussichten in den Kampf. Die Stimmung der leitenden Porteigenossen ist unbedingt zuversichtlich. Man rechnet bestimmt mit einem Z u w a ch s an sozialiftschen Mandaten. Wie groß dieser Zuwachs jein wird, darüber v. seh". Paris, 19. April.(Eigenbericht.) Mit Ausnahme der Sozialisten. Kommunisten, Royalisten und eines kleinen Teils der Radikalen bekennen sich all« Kandidaten zur Politik der ltegiming P o i n c a r Besonders die Ratio« n o l i st e n versuchen auf ihren Wahlplakaten mit dem Namen Poincare für ihre Kandidaten Stimmung zu machen. Bisher ist der Ministerpräsident von ihnen nicht abgerückt, er kann«s einst- weilen auch nicht, denn sie gehören ja seiner Koalition an, und er wird erst nach dem zweiten Wahlgang wissen, ob er auf ihre Mit- arbeit angerviesen sein wird oder ob er aus ihre Stimmen ver- zichteir kann. Solange diese Frage nicht entschieden ist. wäre es voreilig, über den künftigen Kurs der Regierung Poincare bestimmt« Prognosen aufzustellen. Rur eine Prophezeiung kann schon jetzt gemacht werden: Die nächste Regierung nach den Wahlen wird ebenfall» von Poincare geleitet werde»». Nun ist man sich in Frankreich bewußt, daß an dem Namen Poin- carä im Ausland und besonders in Deutschland bestimmte Borstel- lungen sich knüpfen, die in der Vergangenheit begründet sind, aber der Gegenwart nicht mehr entsprechen. Deshalb ist es überaus wichtig,»venn einer der Hauptgegner Poincares, roenn der Führer der größten Oppositionspartei in der künftigen Kammer, Genosse Leon Blum, im„Populaire" das deutsche Volk davor iv a r n t, aus einer etwaigen Mehrheit für das Ministerium fast che Schlußfolgerungen zu ziehen. Unter der Ueberschrift:„Es gibt kein Zurück!" erinnert Blum zunächst daran, daß das Hauptziel der französischen Sozia» listen, als sie vor den Wahlen von 1924 die Bildung des Links- lartells beschlossen, dahin ging, eine Atmosphäre des Friedens in Europa wiederherzustellen; die Sozialisten wollten vor allem der Svannung, dem Haß, dem Mißtrauen, die damals zwischen Frank- reich und Deutschland herrschten, ein Ende inochen. Das ivar ein Opfer, das sie im Interesse des internationalen Sozialismus brach- ten, aber dieses Opfer wurde belohnt durch die Londoner Einigung über die Reparationsfrage, durch die Verträge von Locarno und durch den Eintritt Deutschlands in den Völker- b u n d. Seitdem hätten beide Völker ihre normalen Beziehungen wieder aufgenommen und immer engxr gestaltet. Dieser Umschwung in der französischen Politik sei so vollkommen gewesen, daß selbst Poincare sich dem Werte Briands angeschlossen habe. Er rvar Ministerpräsident, als Deutschland seinen Einzug in Genf hielt und zur Zeit der Besprechungen von Tho iry. Blum erklärt, daß er dieses Ergebnis für unumstößlich halte und fährt dann wörtlich gehen die Meinungen auseinander. Die K o m rn u n i st e n »Verden sich bestenfalls behaupten, eher an Mandaten ver- lieren. Die hauptsächlichen Leidtragenden der Wahlschlacht werden die Radikalen sein. Daran ist kein Znzeisel. Die „offiziellen" Radikalen werden nur spärlich in die neue Kammer zurückkehren. P o i n c a r 6 s Taktik, die Radi- kalten zu spalten, ist geglückt. Er wird sein Ziel erreichen, eine„republikanische Konzentration" oller gemäßigten, regie- rungstreuen Kräfte zu bilden und mit deren Hilfe, über die Wahlen hinaus zu regieren. Das ist in großen Zügen das voraussichtliche Ergebnis der Wahlen, so wie es fast übereinstimmend in allen Lagern beurteilt wird. Was ein solches Ergebnis, mnerpolitisch und außenpolitisch, bedeuten wird, darüber wird noch manches zu sagen sein,«soviel läßt sich aber schon jetzt feststellen: selbst in sozialistischen Kreisen befürchtet man keinen außen- politischen Rückschlag von einem Wahlersolg Poin- carös. Die geistige Entwicklung des französischen Minister- Präsidenten gegenüber den Problemen des Friedens»st offenkundig. Manche sind sogar der Ansicht, daß er nicht nur die Ideen Briands übernommen hat, sondern daß er darüber binaus die Fähigkeit besitzt, die K o n s e q u e n z e n aus diesen Ideen viel energischer zu ziehen als der Außenminister. Briand hat zwar die richtigen Bahnen gewiesen, ist aber immer wieder mit schönen Reden den entscheidenden Taten ausgewichen. Briand krank. Der Ministerrat tagte gestern in Abwesenheit Briands, der an einem Grippeanfall mit 38 Grad Fieber zu Bett liegt. Das Außenministerium hat den Missionen in Berlin. Washington, London, Tokio und Rom den Wortlaut de« französischen Vertragsentwurfs für einen mehrseitigen Antikriegspatt zur lieber- mittlung an die betreffenden Regienrngen zugeschickt. Der Wort» laut richtet sich nach den Vorbehalten, die Minister Briand in seiner Note an Staatssekretär Kellogg am 29. März gemacht Hot. Der Wortlaut wird später veröffentlicht werden. Die Einäscherung Paul Axelrods. Die Einäscherung des verstorbenen Führers der russischen Sozialdemokratie, des Genossen Paul Axelrod, findet heute 1814 Uhr im Krematorium Gerichtstraße statt. » Zum Tode des Genossen Axelrod ist der Redaktion des„Bor- wärts' das folgende Telegramm des Genossen Pierre Re- n o u d e l zugegangen: „Uebermitteln Sie der Familie meines allen Freundes AxArod und den russischen Sozialdemokraten den Ausdruck meine» großen Schmerzes. Axelrod war«in treuer, unbeirrbarer Sozialist. Sein Tod im Exil ist eine schwere Anklage gegen bolschewistische Gemolt- Herrschaft und Unterdrückung." Arensdorf. Reichsgericht gegen Revision.— Die Angeklagten tragen die Kosten. Die Arensdorfer Mordtat an zwei Retchsbannerleutcn beschäftigte am Donnerstag das Reichsgericht als Reoisions- instanz. Die Mörder Schinelzer Vater und Sohn hatten gegen das Zuchthausurtsil Berufung eingelegt. Die Verteidigung machte rechtliche und prozessuale Rügen geltend. Der zweite Skras- senak bestäligle jedoch die Urteile und legte den Angeklagten die nicht »'nerhebiichea Kosten de« verfahren« auf. Der Antrag der Der- teidigung, den Stahlhelmmann Paul Schmelzer wenigstens au» der Hast zu entlassen, wurde ebenfalls abgelehnt, j l fort:..Unsere Genossen van der deutschen Sozialdemokrati«. deren Wahlkampf bereits im Gange ist, weisen aus die Wichtigkeit eine» gleichzeitigen Sieges der Liakspartelen in beiden Cäudcm und auf die Gefahr hin, die ein doppelter Sieg der nationalistischen. Reaktion bedeuten würde. Sie haben recht. Ein Sieg der Re- oktion in Frankreich am 22. April würde dem deutschen Ratio nalismus die beste Wahlplattform verschaffen. Ein Sieg der Linksparteien in diesen beiden Ländern und später in England und in Belgien würde gestatten, das Werk der Zlnnäherung zu beschleunigen und zu vollenden. Aber selbst wenn bei uns die Wahlschlacht mit einem Erfolg der„nationalen Einigung" enden, selbst wenn die Regierung von morgen mit der Regiexung von heut« identisch sein würde, so bin ich überzeugt, daß die französische Politik von ihrem gegenwärtigen K;u r s nicht abweichen wird. Niemand besitzt heute mehr die, Fa- higkeit, ihr eine andere Richtung zu geben. Man könnte zwat di« Bewegung durch Verzögerungen und Schikanen verlangsamen,, nie- wand aber könnte ihr offen entgegentreten. Die Maschine rollt, sie wird mehr oder weniger fchtull und mehr oder weniger glatt laufen, aber nicht mehr zurückrollen. Dos entscheidende Zeug- »is bietet in dieser Hinsicht die Stelle der Rede Poincares in Carcassonne über die deutsch-sranzösischen Beziehungen. Wir haben damals sofort auf den ungewohnten Ton hingewiesen, aber nicht nur die Form, auch der Inhal» dieser Rede war sehr lehr- reich, da Poincarä bereit zu sein schien, die Anregung von T h o i r y wieder auszunehmen, die sich ja um nichts anderes dreht als um die Räumung der Rheinlande. Ein etwaiger Wahlerfolg der gemäßigten Elemente in Frankreich würde daher kein Grund zum Verzlveifeln sein, vorausgesetzt natur- lich, daß der Sozialismus stark genug»värc, um seinen segens- reichen Druck auszuüben." Blum fügt hinzu, man dürfe selbstverständlich aus seinen Aus- führungen nicht den Schluß ziehen, daß es demnach gleichgültig wäre, wie die nächste Mehrheit in Frankreich aussehen würde. In allen außenpolitischen Fragen— Haltung gegenüber dem F a- schismus, Abrüstung, deutsch-sranzösische Beziehungen— fei es von größter Wichtigkeit, in welchem Tempo und in welchem Geiste die Außenpolitik geführt werden.„Ich wollte heute nur— so schließt Leon Blum— uns und vor allem unsere Freunde von der Deutschen Sozialdemokratie gegen den Mißbrauch schützen. den der deutsche Rationalismus wahrscheinlich treiben würde,»venn das Ergebnis der französischen Wahlen nicht den Hoffnungen und den Bemühungen unserer Partei entsprechen sollte." X Die Angst, die Angst! Die„Deutsche Allgemeine Z e i tu na", deren politische Stellung dadurch gekennzeichnet»st, datz sie mit gleichem Eifer Sympathie für Mussolini uird für Luther und den Verwaltungsrat der Reichsbahn zeigt, sieht die Weimarer Koalition aus der Wahlurne hervorsteigenz- „Eine neue Weimarer Koalition würbe bedeuten, daß die acht' schweren Kmnpfjahre seit 1929 sd gut wie verloren, daß hie Optzck der Deutschen Volkspartei und der Deutschnationalen in diesen Iahren umsonst gebracht wären. Wir würben auf die halb- revolutionäre Epoche der Weimarer Nationalversammlung zurückgeworfen, auf ollen Gebieten, in der Außenpolitik, im Innern. in der Wirtschast, in der Kulturpolitik. Die Folge»väre entweder hoffnungsloser Derfall oder— Vürgcrkrieg." Sachte, sachte? Gleich Bürgerkrieg, wenn der Bürger- block zerschlagen wird? Das ist doch etwas zu mussoli- n i sch. Man muß doch nicht so deutlich zeigen, daß man die demokratische Verfassung nur respektiert, wenn die Wahl- entscheidung für die Reaktion fällt! Man muß aber auch nicht so deutlich die hemmungslose, schlotternde Angst enthüllen, die die I n t e r e s s e n t e n des Bürgerblocks bei dem Gedanken an einen sozialdemokratischen Wahlsieg überkommt! Keudetts Vorwand. Ein kläglicher Zusammenbruch. Den Borivand zu der Aktion des deutschnationalen Innen- Ministers gegen den Roten Frontkämpferbund bildete ein blutig« Zusammenstoß zwischen Anhängern dieser kommimistisckien Organisation und Stahlhelmleuten in Altenburg. Das war an» ver- gangenen Sonntag. Tags daraus erschien von Keudell mit seinein Ersuchen auf dem Plan. Inzwischen hatte die Rechtspresse den Dorfall in Altenburg ausgeschlachtet, um für die Absicht des deutsch nationalen Parteiministers die notwendige Stimmung zu machen. Jetzt wird bekannt, daß sich in Allenburg nicht nur Rote Front- bündler und Stahlhelmer geschlagen haben. Die Stahlhel- mer haben noch ein übriges getan und sich unter- einander ebenfalls nach allen Regeln der Kunst verprügelt. Ein Anhänger des Iungstahlhellns aus Leipzig wurde dabei durch Stockschläge seiner schlvarzweißroten„Freunde" so zugerichtet, daß er besinnungslos in das Kranken» Haus gebracht werden mußte. Aber: einen Gefährdung der.Wahlfreiheit" durch den Stahlhelm kommt natürlich nicht in Frage! Gelber Sumpf! Die Wahlen stehen vor der Tür, und da schön»«» sich wieder einmal gewisse Leute ihr« Verwandtschaft. So machen die S t a h l- Helm« r. die jetzt gerne die Arbeiter vor ihren reaktionären Karren spannen möchten, ihrer Bundesleitung den Borwurf, daß sie zu sehr die W e r k s g e�n e in s cha st en begünstige. Die Göppinger Ortsgruppe des Stahlhelms hat sogar eü» besonderes Schreiben an die Bundesleitung gerichtet, in dem sie sich gegen die Begünstigung der Werksgemeinschasten richtet und erklärt: „Wir lehnen die Werksgemeinschaslsuwpie gruird sätzlich ab. Den Kampf der Gewerkschaften um die wirtschaftliche Existenz der Arbeitnehmerschoft bejahen wir in seiner Form und in seiner Zielsetzung." Vor den Wahlen gewerkschastssreiindlich, nach den Wahlen wieder werkgemeinschastssreundlich. Die Arbeiterschaft kennt ihre Pappenheimer. Stahlhelmer. Wirtschastssriedlich«, Wert- gemeinschaftler— alles gelbe Sumpfblüten, Illustrierter Wahlaufruf. Keude� !5chiei� Ziel unseres politischen Kampfes ist Deutschlands Befreiung von äußerer und innerer Knechtschaft. Die J�eparationSlasten müssen neu geregelt und begrenzt werden. Wir lassen nicht von dem Stolz auf die tausendjährige deutsche Geschichte, die Größe des Kaisergedankens, die ruhmbedeckten schwarz-weiß-roten Farben... Aus dem Wahlaufruf der O.TLTJ.p. Sicherung des Wahlgeheimnisses. ?wnderlaß des preußischen Ministers des Innern. Ein Rimbsrlajj des preußischen Ministers des Innern zur Vor- Bereitung der Reichstags- und Londtagswahlen enthält eine Reihe ron Bestimmungen, die vornehmlich der Sicherung des Wahl- geheimniffes auf dem Lande dienen. Bei fcer Abgrenzung d er Stimmbezirk« soll fedem Wähler die Sicherheit gegeben fein, frei von jeder Beeinflussung und jeder Besorgnis vor einer Aufdeckung der Art seiner Stimm- abgäbe fein Staatsbürgerrecht auszuüben. Insbesondere sollen Guts bezirke nicht für sich einen Stimm- oder Wahlbezirk bilden. Für die Abstimmungs(Wahl)räume haben die Gemeinden Räume in Gemeindeanstalten und Gebäuden zur Verfügung zu stellen. In Gutsbezirken sollen die Abstim- mungsräum« nicht in den Gutshäusern bereitgestellt wer- den. Auf Gastwirtschaften darf nur in dringenden Notfällen zurück- gegriffen werden. Bei der Ernennung der AbstimmungssWahlsvorsteher ist darauf zu achten, daß die Wähler bei der Stimmabgabe sich durch deren Persönlichkeit und Stellung nicht beeinflußt fühlen tonnen. Die Numerierung der Parteien erfolgt auf dem Stimmzettel für die Lairdtagswahl in derselben Reihen folge wie auf dem Neichstagsstimmzettel. Die Stimmzettel für die Reichstags- wähl werden auf weißem Papier, die für die Landtagswahl auf rötlichem Papier gedruckt werden. War Schmidt Verräter? Zeugenaussagen im Stettiner Fememordprozeß. Stettin, IS. April. In der heutigen Prozeßtagung werden zunächst Leumunds- Zeugen, ehemalige Vorgesetzte und Arbeitgeber der Angeklagten, uernommen. Die Zeugnisse fallen durchweg g ü n st i g aus. Es folgt die Vernehmung jenes Gutsarbeiters Fischer, der seinerzeit den später ermordeten Schmidt und dessen Freundin, die heutige Fwu B c r g e m a n n, auf seinem Fuhrwerk mitnahm. Er will bei dieser Gelegenheit die Aeußerung Schmidts gehört haben:„Wenn ich jetzt nach chause komm«, dann werde ich alles verratend Das ver- anlaßie ihn zu einer sofortigen Denunziation, die dann die für Schmidt tragischen Folgen hatte. Frau Bergemann bestreitet bei ihrer Vernehmung cnt- schieden, daß Schmidt etwas Derartiges gesagt habe. Sie sowohl, wie auch ihre Eltern erklären, daß Schmidt nie von Verrat oder auch nur von Waffen gesprochen hat. Von den übrigen Zeugen des heutigen Tages war lediglich die Aussage des früheren Roßbachers I u h r von Interesse, der seiner- zeit aus Gut Rosenfelde lag, die Abfahrt der Mörder in der Mord- nacht beobachtet« und die von den meisten Angeklagten so hart ge- leugnete Tatsache bestätigt, daß Angeklagter Vogt in der Mordnacht zwei Spaten vom Speicher holte, die dann ruitgenommen wurden. Einige Wochen später beim Erntefest habe Ragt ihm dann erzählt, er Hölle jenen Fremden mit dem Pistolen. kalben verprügelt, und jetzt sei er»gut verwahrt". Der Angeklagte Vogt bestritt diese Darstellung des Zeugen ganz rrn schieden. Alle Vorhalt« des Vorsitzenden und hinweise auf einen Meineid konnten den Zeugen aber nicht zu einer Aendennrg feiner Aussagen bewegen, bis sich schließlich unter allgemeiner Be- megung herausstellte, daß ihm die Bedeutung des Eides trotz der rarherigen chinweila des Vorsitzenden unbekannt war. So blieb er zunächst dabei, daß er absolut nicht vorbestraft sei, um dann nach und nach zuzugeben, daß er schon«ine kleinere Strafe hinter sich habe. Die Vereidigung dieses Zeugen wurde noch längerer Diskussion zuriickgesteiö und die Verhandlung auf den heutigen Freitag früh lv) Uhr vertagt. Die Tfcherwonzenfälschungen. Sowjetrußland wünscht Atteneinsicht. Bon einigen Monaten wurden«ine Anzahl Verhaftungen in der Strafsache gegen den Georgier Seda Theraschwili vor- genommen. T. war festgenommen, nachdem man in Frankfurt a. Rt- Papiere und Druckplatten sowie eine umfangreiche Korrespondenz gefunden hatte, aus der hervorging, daß T. eine Anzahl Personen, die mehr oder weniger in Verbindung mft den„Rational- s o z i a l i st e n" in München. Frankfurt a. M., Hamburg und Berlin standen, zum Druck falscher Tscherwonzen(russischer Gold- rubelnolen) zu verleiten gesucht hatte. Die Untersuchimg war des- halb sehr schwer, weil die Ermittlungen einmal nach Paris gingen, wo die georgische Regierung im Exil sitzt, ferner nach England, wo bekannte Persönlichkeiten— so der Oellönig Deterding— mit den georgischen Plänen in Verbindung gebracht wurden, nach Ru- mänien und zum Teil nach Georgien selbst. Run sind die Vor- arbeiten des Landgerichtsrats Dr. Krüger so weit abgeschlossen, daß in nächster Zeit Anklage erhoben werden kann. Die Angelegenheit hat einen stark politischen Hintergrund, so daß sie auch das Auswärtige Amt interessieren muß. Das Justizministerium hat die Akten ein- gefordert, um festzustellen, wie weit gewisse Vernehmungen im Ausland vorgenommen und vielleicht Zeugen etwa auch gegen Zusicherung freien Geleites nach Berlin gebrocht werden könnten, deren Aussagen in dem Verfahren von erheblicher Wichtig- keit sein würden. Die Sawjetregierung hat durch ihre Berliner Vertretung eine gewisse Beteiligung an dem Strafoer- fahren und Einsicht in die Akten beantragt. Die Sowjetregierung fühlt sich durch das Vorgehen des Georgiers ge- schädigt: sie erklärt, daß schon vor seiner Festnahme gefälschte Tscherwonzen in größeren Mengen ausgetaucht seien und daß die Nationale Partei Georgiens auf diesem Wege versucht habe, die russische Währung zu untergraben. Der Berliner Anwalt der Sawjetregierung hat sich mm an das Justizministerium mit dem Antrag gewendet, daß seinen Austraggebern die Möglichkeil gegeben werde, an dem Prozeß teilzunehmen, da die Sowsetregierung bereits olle Schritte getan habe, um zivilrechtlich von der ehemaligen georgischen Regierung eine Entschädigung für die Tscherwonzen- fälschungen zu erhalten. Das Iustizmnisterium wird entscheiden, ob nach deutschem Recht einem fremden Staat die Teilnahme an einem deutschen Strafverfahren in der verlangten Form ermöglicht werden kann. Sowjetrußland verlangt Einsicht in die Untersuchungsakten. um aus deren Kenntnis eventuell die eigenen Forderungen stärker begründen zu können. Akteneinsicht ist jedoch nur den Prozeßbeteiligten, also dem Gericht, dem Ankläger und den Rechtsvertretern der Angeschuldigten sowie den höheren Justiz- behörden gestattet. Die Sowjetregierung erstrebt das Recht, gewissermaßen als R e b e n kl ä g er aufzutreten. Daraus dürfte nichts werden. Dem Anwalt der Sowjetunion ist bisher die Akteneinsicht nicht gestattet worden. Die Verhandlung gegen den Georgier und seine Mit- angeschuldigten wegen Falschmünzerei oder Vorbereitung dierzu aus deutschem Boden wird voraussichtlich im Juni d. I. beginnen. Kampf um das Wieder heftige Debatten Der 33. Reichstagsausschuß setzte am Donnerstag die Beratung der Richtlinien über die Absatzförderung von Schlachtvieh und Fleisch fort. Von dem Vertreter der Deutschen Volkspartei wurde verlangt, daß dar Ausschuß nach den Wahlen noch einmal hinsichtlich der weiteren Ausarbeitung der Richtlinien gehört werden müsse. Abg. Schmidt(Soz.) forderte für den Ausschuß das Recht, die Richtlinien zu ändern, wenn die Ausführung der Richtlinien nicht ihrem Sinn entspreche. Reichsernährungsminister Schiele erklärte sich bereit, mit dem Ausschuß zwischen der Neuwahl und vor dem Zusammentritt des neuen Reichstag« in Verbindung zu treten, wenn der Ausschuß einen solchen Beschluß faßt. Ein entsprechender Be- schluß wurde sodann vom Ausschuß angenommen. Weiler wurde beschlossen,„daß die Verteilung der zur Der- fügung stehenden Mittel und die Entscheidung darüber, für welche Darlehen die Uebernahme einer Reichsgarantie beantragt wird, nach einem e in he ill i ch e n K es a m t p la n im Rahmen der vor- liegenden Richklimert durch den Reichsernährungsminister unter Zu- stimmung eines Länderausschusses erfolgen fall". Vor Eni- scheidungen über Maßnahmen von allgemeiner Bedeutung ist ein Sachnerständigenausschuh zu hören, der au, Vertretern, der ein- einschlägigen Spitzenorganisationen der Landwirtschaft und der Ver- braucherschaft zusammengesetzt ist. Darauf wurden die Richtlinien für die Absatzförderung von Vieh und Fleisch genehmigt. Das Taselfilber der Totenkreuzer. Australien gibt es Oeutfchland wieder. Sidueq. IS. April. Das Tafelsilber der Ofsizersmessen der deutschen Kreuzer „Scharnhorst" und„L e i p z i g", die im Jahre ISIä bei den Falklandinseln sanken, wird der deutschen Regierung durch den hiesigen Generalkonsul al» ein besonderer Akt des Eni- gcgenkommens vom australischen Staatenbund zurückgegeben werden. Wie das Tafelsilber noch Sidney gelangt«, ist bisher noch ein Geheimnis. Man nimmt an, daß die Deutschen es aus Sicherheitsgründen auf den Karolinen hinterließen und daß es dann, noch der japanischen Besetzung der Inseln seinen Weg nach Sidney fand. Dort wurde es einige Jahre später indem Laden eines Händlers entdeckt und von der Zollbehörde be- schlognahmt. Reuer Konflikt London-Moskau. Russisches Gelb für irische Zievoluttonäre? London. 19. April.(Eigenbericht.) Der konservative Abgeordnete Kiddersley erzählte im Unterhaus, daß die im Besitz verhafteter irischer Wafsenschmuggler gefundenen englischen Banknoten von einer russischen Bank- organisation stammen. Er ersuchte deshalb den Innenminister, Rachforschungen anzustellen, ob die russische Handelsorganisation in England irgendwelche Kredite zur Unterstützung revolutionärer Bewegungen in Großbritannien gebe. Der Innenminister b e- stätigte, daß die in dem Besitz der Wafsenschmuggler gefundenen Noten noch den Feststellungen der Polizei aus russischen Bank- institutionen stammen. Er werde seine Nachforschungen fortsetzen, aber schon jetzt st e h e f e st. daß in England russisches Geld in dem erwähnten Sinne benutzt worden sei. Eine nähere Auslegung dieser Erklärung oerweigerte der Innenminister, obwohl ihn Abg. Genosse Kenworthy auf die Gefahren seiner Andeutungen für die zukünftige Gestaltung der englisch-russischen Beziehungen aufmerksam machte.— Die russische Handelsbank in London dementiert übrigens jeden Zusammen- hang mit den Waffenschmugglern. * Die Sache scheint reichlich dunkel. Wenn die betreffend« russische Bank— in Rußland gibt es nur die Staatsbank— nicht etwa ihren Stempel auf die Pfundnoten gedruckt hat, wie will man dann den Borbesitzer der Roten feststellen? Wer aber bestempelt Geld- noten und wer nimmt bestempelte Roten an? Ein wahrer Seeheld ist in dem 81jährigen Holländer D o r u s R y k e r s gestorben. Er hat von 1872 bis 1911 als Seewann und Rettungswachter im ganzen 511 Schissbrüchigen da» Leben gerettet. Notprogramm. im Reichsiagsausschuß. In der folgenden Beratung über die Richtlinien für die Ab- satzförderung von landwirtschaftlichen Erzeugnissen kam es hinsichtlich des preußischen Antrages» von dem 3<)-Millionen-Fonds S Millionen für die Unwetter- gebiet« abzutreten, wieder zu einer heftigen Debatte Reichs- ernährungeminister Schiele erklärte noch einmal, den Unwetter- gebieten die von Preußen verlangte besondere Entschädigung nicht zubilligen zu können und forderte ein« Korrektur des entsprechenden Reichsratsbeschlusses. Schiele ging so weit, die von Preußen geforderte Verwendung von 5 Millionen für die Unwettergebiete als unproduktive Ausgabe zu bezeichnen. Genosse Hilferding stellte dann folgenden Antrag: „Dia Reichsregierung wird ersucht, für die durch Unwetter- schädeu betroffenen landwirtschaftlichen Gebiete, sür die die Mittel des Rotprogramnis zur Fortführung der Betnede nicht aus- reichen, aus den Ueberschüssen des Etats 1927 einen Betrog von 5 Millionen zur Verfügung zu stellen, die auf die Länder nach dem Verhältnis der der Landwirtschaft entstandenen Schäden.zu verteilen sind." Dem Antrag Hilferding wurde zugestimmt. Dadurch er- ledigt sich der Antrag Preußens. Darauf wurde der Teil der Richtlinien genehmigt, der die Absatzförderung von Milch und Mol- kereiprodukten behandelt. Die Verhandlungen werden heute fortgesetzt. Japan beseht chinesisches Gebiet. itm dem Vormarsch der Eüdtruppen zu begegnen. London. 19. April. Während nach den bisher vorliegenden Meldungen die maß- gebenden japanischen Stellen beschlossen hatten, gegenüber den Vor- gängen in China vorläufig noch eine rein abwartende Haltung einzunehmen, kommt jetzt aus Tokio die Nachricht, daß sich das japanische Kabinett angesichts der durch den Vormorsch der Süd- t r u p p e n nach Norden gegebenen Loge entschlossen hat, zum Schutz des Lebens und Eigentums der japanischen Staatsangehörigen eine in Kumamoto bereitgestellte Brigade von 5000 Mann mit einer Pionierabteilung unS Telegraphentruppen nach China einzuschiffen, wo sie in Tsingtau landen werden. Von Tientsin aus werden drei Kompagnien japanischer Truppen noch Tsinon geschickt. Ein Erfolg Fengjuhfiangs. Peking. 19. April. Nach hier eingetroffenen Berichten hat General Fengjuhsiang «in« der Armeen Suntschuansangs vollkommen geschlagen und Marscholl Tschangtsungtschang zum Rückzug auf Nentschaufu gezwungen. Tschangsungtschang wird wahrscheinlich versüchen, den Vormarsch des Gegners bei Taionfu zum Stehen zu bringen. Bei einem Zbstündigcm Kampf, der zur Einnahme von Hintscheng führte. sollen die Südtruppen 29 999 Mann, darunter einen General und drei Obersten, verloren haben. Bombe im Ministerzimmer. Argentinischen Kommunisten zugeschrieben. Buenos-Aire», 19. April. Wie die„Preitz'a" meldet, wurde im Amtszimmer des Justiz- Ministers Sogarna eine Bombe gefunden. Die Polizei n er mutet, daß der Anschlag mit kommunistischen Umtrieben im Zusammenhang stehe. Vor einiger Zeit wurde in einem Bank- gebäude im Zentrum von Buenos-Aires«ine Bombe zur Explo- sion gebracht und in einer benachbarten Bank eine Bomb« kurz vor der Explosion noch rechtzeitig entdeckt. In beiden Fällen wurden Mitglieder einer kommunistischen Organisation mit Sicherheit als Attentäter festgestellt, ohne daß es bisher gelang, der Attentäter hob- Haft zu werden. Ein Zeitungsjubiläum. Das deutsche„Argentinische Wochenblatt" m Lueitas-Aires schickt uns seinen prächtigen Festband zum 49jährigen Bestand. Die Zeitschrift vertritt ebenso wie dos„Argentinische Tageblatt" des gleichen Verlags auch den deutfch-republikanischen Gedanken. Zwei deutsche Genossen aus dem alten Oesterreich gehören der Redaktion an: der Wiener Ludwig G r ö b n e r, ein ehemaliger Tapezierer, und der Nordböhme Josef Riemer, ein früherer Holzarbeiter. Beide haben jahrelang in der Heimat der sozialistischen Bewegung gedient, ehe sie hinübergingen. Der Konflift im Ruhrbergbau. Kanonade der Bereinigung deutscher Arbeitgeberverbände". Heute finden die Nachwerhandlungen über den Schieds. fpruch für die Ruhrbergarbeiter statt, der bekanntlich non beiden Parteien abgelehnt worden ist. Im althergebrachten Gegenic zu den Gewerkschaftsvertretern, die alles daran sezen wollen. in den Berhandlungen eine Berbesserung des völlig unzulänglichen Schiedspruches durchzusehen, bieten die 3echen beliber alles auf, um überhaupt die geringste Lohnaufbeffe rung zu verhindern. Damit es mehr Eindruck macht, haben fie ihren großen Bruder, die Bereinigung der Deutschen 2rbeitgeber verbände", auf den Plan gerufen, der zugunsten der„ notleidenden" Bechenbefizer beim Reichsarbeitsminister fin Befo einleat. Wolffs Telegraphenbureau veröffentlicht ein an den Reichsarbeitsminister gerichtetes Schreiben der Arbeitgeberver: einigung, in der das bekannte Klagelied über die untragbaren erluste angeſtimmt mird, die die Grubenbefizer bei der Durch führung diefes Schiedsspruches zu tragen hätten. In dem Schreiben findet man die bei solchen Gelegenheiten üblichen Argumente wie: " Eine Durchführung des Schiedsspruches müßte auf jeden Fall. zu einer Beruftwirtschaft größten Umfanges im Ruhrbergbau führen. Die Folge müßte eine wesentliche Einschränkung des Abiages und der Förderung sein. Dies bedeutet. Ber mehrung der Feierfchichten, wenn nicht gar Stills legung einzelner Schächte. Diefe Folgen aber würden gerade die Arbeiterschaft auf das schwerste treffen, so daß der Schiedsspruch nicht allein wirtschaftlich der Bigkeit nicht entspricht, sen dern feine foziale Auswirkung müßte auch äußerst beflagenswert fein. Sie müßte dazu führen daß eine mögliche Lohnerhöhung eines Teiles der Arbeiterschaft auf Kosten der Arbeitslosigkeit eines anderen Teiles gehen würde usw. Davon, daß die Bergarbeiter des Ruhrgebietes mit ihren Löhnen an der 15. Stelle innerhalb der deutschen Gewerkschaften ftehen, daß ihre 2e ist ung in den letzten Jahren ganz gewaltig gestiegen ist und von ähnlichen Dingen findet man in dem Schreiben begreiflicherweise fein Wort. Darüber werden die Vertreter der Bergarbeiter in den Berhandlungen dem Reichsarbeitsminister einiges zu fagen wissen, was das Schreiben der Arbeit gebervereinigung in einem anderen Licht erscheinen lassen dürfte. Boraufes den Unternehmern antommt, geht mit aller Deut lichkeit aus dem Schlußfaß des Schreibens hervor, in dem es eins leitend heißt Die Bereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände fann nicht annehmen, daß die im Schiedsspruch vorgesehene Regelung Wirklichkeit werden foll. Die Absicht der Unternehmer ist so flar wie nur irgend etwas. Der Reichsarbeitsminister soll unter Drud gefeßt und zur Kapitulation gegenüber den Unternehmerwünschen gezwungen werden. Nach dem Ausgang der größeren Lohnbewegungen der legten Zeit kann man auf den Verlauf dieser Verhandlungen sehr gespannt sein.. Berschärfung des Konflikts in Sachsen. betroffen wurden. Es wird auch bekannt, daß die Arbeitgeber verbandes bisher weder vom Streit noch von der Aussperrung Der Arbeitgeberschuhverband lehnt den Schiedsspruch ab. Schugverbändler nach Beendigung der letzten Schicht am Sonnabend die Gesamtausfperrung durchführen wollen. Die Herr Die sächsischen Metallfabrikanten des Arbeitschaften wollen also den Unternehmern im Metallindustrieverband geberschusverbandes haben die Ablehnung des in feiner Weise nachstehen. Echiedspruches beschlossen. Sie bringen damit zum Austrud, daß sie nicht weniger rückschrittlich gefinnt find, als ihre i brigen Kollegen im Metallindustriellenverband. Der Schiedsspruch für das Tarifgebiet des Arbeitgeberschußverbandes. bleibt nämlich roch weit hinter dem am Montag für das groß- sächsische Metall frifgebiet gefällten Spruch zurüd, ebenso hinter dem Spruch für Me Leipziger Metallindustrie. Der Unterschied beträgt nicht nur 2, fadern teilweise sogar 3 Pfennige zuungunsten der Metallarbeiter, soweit fie in den Betrieben der Mitglieder des Arbeitgeberschuhterbandes beschäftigt find. Die Arbeiter werden deshalb You Schiedsipruch ablehnen, da er den wirtschaftlichen Merhältniffen absolut nicht Rechnung trägt. Die Empörung ist sehr fart und hat bereits zu Arbeitsniederlegungen in den Goß- Dresdener Betrieben geführt, so bei Anton Reiche A.-G. und bei den Vereinigten Eschebachschen Werten in Dressen und Radeberg, die als Mitglieder des Arbeitgeberschuß schutzverbandes wurde von amtlicher Stelle mitgeteilt, daß das Bei den Berhandlungen für das Tarifgebiet des Arbeitgeber Reichsarbeitsministerium im Laufe der nächsten Woche in den Konfiift eingreifen will: Darauf. deutet auch die einheitliche Erklärungsfrist für die drei gefällten Schiedssprüche hin, die am Sonnabendmittag abläuft. Nach einer anderen Meldung finden die Nach verhandlungen im Reichsarbeitsministerium voraussichtlich mitte nächster Woche statt. Die Metallarbeiter wehren sich nadrücklich gegen die vorhandene Absicht, die Sprüche für verbindlich zu erklären. Die Ortsverwaltung Dresden des Deutschen Metallarbeiter- Berbandes hat die Auszahlung einer erhöhten Unterstüßung an die streitenden und ausgesperrten Metall. arbeiter beschlossen. Die Stimmung der Metallarbeiter ist nach wie vor vorzüglich. WERTHEIM Hal Leipziger Str. Königstraße Rosenthaler Str. Moritzplatz Kaliforn. Tafeläpfel Pd 50 Pl. EB- u. Kochäpfel Pid. 18 Pr. Kranzfeigen Pfund 28 Pf. Ananas- Renetten Pid. 28. Schönerv. Boskop M. 38 Pt. 38Pf. Bananen Pfund 48 Pt. Halbbigt Dubend 48 PL Zitronen Apfelsinen Dizd. 70,95,1.20 Spinat hiesiger.. Plund 10 Pt. Holl. Salat großer Kopf 15 Pt. Holl. Salat großer Kopf 15 Pf. Malta- Kartoffeln nee, 35 p. Malta- Kartoffeln eure. 35 pt. 2 Pfd. Rotwurst schlesische, Pfund 80 Pi Speck fett 90 PL. mager, Pid. 1M Pökelfleisch gekocht. Pid. 1.40 hannoversche ( Braunschw. Mettwurst gekocht, Pid. 1.10 Dampf- u.Landleberw. 1.10 Mettwurst ArD, Pfund 1.15 Ar). Fleischwurst... Pfund 1.15 Jagdwurst Pfund 1.30 Schinkenpolnische Pid.1.30 Filetwurst Pfund 1:40 Schinkenspeck Pfund 1.55 Nußschinken ca. 2 Pfund, 1.75 Zervelat u. Salami Pfund holsteinische 1.65 hannov. 1.90 Pfund Pfund Keslgstrate. Rose thaler Strate. Moritzplatz: Knoblauchwurst Pfund 1,20 Knoblauchwurst Pfund 1,20 Tee- u. Leberwurst felne 1.50 Limburger Käseda, Allgäuer Stangenkäse halb ett Kiste vollt. Pfund 32, 40 Pf. Pfd. 80 PL. Spitzkäse Stück Inhalt 55 Pf. Edamer halbfetf, Plund 75 Pf. Holländer halbfett, Pfd. 75 Pf. danischer, Schweizer halbfett, Pid. 88 Pf. bayrischer, Schweizer voliteit, Plund 1.55 Briekäse vollfett, Plund 95 Pt. Steinbuscher vollfett, 95 Pt. Pfund 28 Pl. Schachtel halbf., Stück Tilsiter vollfett, Pfd. 95 Pt. 1.15 Tilsiter ohne Rinde, Plund 1.10 Camembert vollfell, 22 P. Talg 1- Plund- Paket 50 Pf. Margarine Pfund 52, 58Pt. Kokosfett 1- Pfund- Tafel 62Pt. Bratenschmalz Pfund 68 Pf. Tafelbutter Pfund 1.94 Dänische Butter Pfund 2 M Bruch- Reis Pfund 18 pl. ohne Bosn. Pflaumen Pid. 26 Pf. Burma- Reis. Pfund 22 PL. Bassin- Reis.. Pfund 24 Pf. Bosn. Pflaumen Stein 40 Pf. Italienisch, Reis Ptd 26 Pt. Kalif. Pflaumen Plund 45 PL. Patna- Reis Plund 28 PL Gem. Backobst Pfund 45 Pf. Amerikan. Reis Pfund 28 Pt. Kalif. Pfirsiche Pfund 78Pt. Java- Rels Pfund 40 Pf. Kalif. Aprikosen Pfund 78PL. Hühner- Bouillon- Würfel Olympla 10 Stück 50 Pf. St. 95 Pf. St. 2.25 Suppenpulver nach böhmischer Art: Schoten mit Kalbfleisch, Jäger, Hühner, Leber, Rindfleisch, 1Pfd= 25Teller 1.95 20 50 Gebr. Kaffee elgene Rösterel 230 an Pfund von 230 an Abt. Frische Blumen, Leipziger Str. Balkonkästen mit Spaller and wildem Weln 350 an Gladiolenknollen. Stück 10pt. von Topf von 1.10 bepflanzt, 40-120 cm lan, vos Efeu Rankrosen an Begonlenknollen suak 12 Pt. 15 Pt. Biltenstanden winterharte, 20. Dahlienknollen.... Stuck 45 Pf. Wilder Wela.... Stande 60 P. Stück 85 Pt. Buschrosen 3 stuck im Bund 1.75 Grassamen. Pland 85 Pt. 95PT. Sämerelen 3 Pakete von 25Pt. Preise nur Freitag u. Sonnabend, soweit Vorrat. Fleisch, Fische, Geflügel, Obst und Gemüse werden nicht zugesandt an Konserven 11 Dose Br. u. Schnittbohn. I 72 P. Stangen- Brech- u. Schnittbehnen 75 PL Junge Erbsen..... 70 PL Jge. Erbsen mittelfeln 82P. Leipziger Allerlei 86 Pf. Gemischt.Gemüse- 1.12 Riesenbruchspargel 3.10 Stangenspargel extra 3.20 Pfefferlinge Tomatenmark fela stark 1.05 1/10 Dose 20% 32 Pf. 4 Dose Apfelmus/ Dose 33 Pf. 58Pt. Pflaumen mit Stein..62 Pf. Mirabellen D. 60 Pl. 1.10 Reineclauden.....1.20 Ananas Hawati, 8 Scheiben 1.12 Melangefrüchte 1.40 Aprikosen od. Pfirsiche 1.70 Oelsardinen 46 portug., Klubdose Dos. 78Pt. Crab Meat Dose 1. kalitornische Ersas für Hummer 2.05 4.10 Konfitüre, 2- Pfund- Elmer Pflaumen 1M Aprikosen 1.10 Orangen. Johannisb. 1.15 Kirschen, Erdbeeren, Himbeeren 1.35 Ananas 1.50 Wein Wachst, Deutsch Oberhaardter guter Tisch- und Bowlenwein. 1927 Edenkobener saftiger Pfalzwein 1921 Gundersheimer Berg mild., rhein. Rotwein 1926 Niersteiner kemig, krällg 1927 Nitteler Gipfel sehr suffiger Tischmosel 1922 Chât. La Grolet suffiger reiner Bordeaux 1922 Ruppertsberger Graben feiner Plaizwein 1926 Dhroner Sängerei seft. bestechender Mosel 1924 Chât. Clarke leichtsüßer, weißer Bordeaux. 1925 Liebfraumilch lieblicher Damenwein.. Fruchtschaumwein mit Steger u. Plasche Deutsch. Weinbrand, Qualitätsbrand" Hausmarke 3.80 Tarragona Spezial rot, sut, kräftig, vom Faß Tarifabschluß im Bankgewerbe. Die Banfleitungen sabotieren den Allgemeinen Verband Wie uns vom Allgemeinen Verband der deutschen Bant angestellten mitgeteilt wird, hat der Reichsverband ber Banleitungen nach stundenlangen Berhandlungen, die ohne Anwesenheit eines Vertreters des Arbeitsministeriums mit dem Deutschen Bantbeamtenverein allein gepflogen wurden, mit diesem ein Abkommen abgeschlossen, das im wesentlichen auf der Grundlage des am 31. März d. 3. gefällten Schiedsspruches ab geschlossen wurde. Abänderungen wurden nach der Richtung ge troffen, daß es bezüglich der Ueberstundenentlohnung bei der frühe ren schlechteren Entlohnungsart bleiben solle. Dagegen verpflichtete fich der Reichsverband der Bankleitungen, neben der eintretenden achtprozentigen Gehaltserhöhung feinen Mitgliedsfirmen zu emp fehlen, am 15. Dezember ein halbes Monatseinfommen an die Banfangestellten zur Auszahlung zu bringen. Im übrigen weigerte fich der Reichsverband der Bankleitungen, mit bem Allgemeinen Berband der deutschen Bantangestellten ein Tarifablommen auf der gleichen Grundlage zu treffen, wie er es mit dem Deut fchen Bantbeamtenverein abgeschlossen hat. Der Allgemeine Verband der deutschen Banfangestellten hat demgegenüber die Reichstarifvertrage für das deutsche Bankgewerbe be Erklärung abgegeben, daß er darauf bestehen muß, am teiligt zu fein. Erfolg der Afa- Gewerkschaften bei der AEG. Bei den jetzt durchgeführten Betriebs- und Angestelltenrats. wahlen in allen Berliner Fabriten und Verwaltungsstellen der AEG. haben die Berliner AfA Gemertfchaften außer ordentlich günstig abgeschnitten. Dieses Ergebnis ist auch deshalb von besonderer Bedeutung, weil in diesem Jahre zum ersten Male wieder in allen Betrieben der AEG. auch die Angestell= tenschaft Wahlen vorgenommen hat und besondere Ber einbarungen, die Wahlen ausschlossen( wie im Borjahre) unterblieben find. " " " 48 Die Bahl der Betriebsräte aus den Afa- Gewerkschaften beträgt 43 . Angestelltenräte Der Deutschnationale Gesamtverband Deutscher Angestellten Gewerkschaften erhielt insgesamt 4 Betriebsräte und 5 Angestellten räte, der( Hirsch- Dundersche) Gewerkschaftsund der Angestellten dret Betriebsräte und einen Angestelltenrat. Es sind also insgesamt 91 Betriebs- und Angestellten rate aus AfA- Gewerkschaften und 13 Betriebs- und Angestelltenräte aus den bürgerlichen Angestelltenverbänden bei der AGG. in diesem Jahre gewählt worden. Diese Zahlen beweisen, daß der Af- Bund und feine Gewerkschaften in den maßgebenden Betrieben Berlins die Führung haben, daß die bürgerlichen Angestellten- Verbände auf diesem Gebiet bedeutungslos und ihre Nachrichten über besondere Wahlerfolge in der Groß- Berliner Metall industrie nicht wahr sind. Berantwortlich für Politik: Dr. Curt Geyer; Wirtschaft: 6. Alingelhöfer; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Eglorn: Feuilleton: R.$. Döschez; Lokales und Sonstiges: Frig Karstadt: Anzeigen: Th. Glode: fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchbruderet und Berlaasanstalt Baul Ginger u Co.. Berlin GB 68. Lindenstraße B. Sierzu 3 Beilagen.„ Stabtbeilage" unb Unterhaltung und Wissen. Frisches Fleisch Schweinebauchu. Rücken Pid. 74 Pt. Schweinekamm u. Blatt Pid. 78 PL Schweineschinken... Pfund 92 PL Kalbskamm u. Brust... Pfund 74 PL Kalbsnierenbraten ..Pfand 78 Pt Kalbskeule ganz und geteilt... Pland 90 Pt. Querrippe Pinad 70 PL Rinderkamm u. Brust Pland 75 PL Piand Schmorfleisch Roastbeef, m. Knochen 92PL Liesen Pid. 60 PL. Gehacktes Pid. 65 PLDickes Rückenfett Pfund 60 Pf. Kaßler, Speer u. Kamm Pfand Rindernieren- Talgeland 50 PL Prima Gefrierfleisch Suppenfleisch 110 Pland 52 Pt. Rinderkamm u. Brust Pland 56 PL. Hammelvorderfleisch Piand 76 PL Geflügel .. Pfand 20 Pt. Suppenhühner ungarische, Pfund 98 PL an Puten Wolgahühner Tauben Preise für Flasche ohne Glas Kuh- Euter 1.10 125 150 175 2M 1.30 Dorsch . Liter Ceylon II Indien China Mischung Misch. Misch. 125 Gramm 1.25 Ceylon Misch. 1.30 Darjeeling Mischung 2M Bratflundern Gee 1.55 1.70 1.85 Vollmilch- Schokolade 75 Pt. mit ganzen Haselnüssen, 2 Tafeln à 100 Gr.. Creme- Schokolade mit Apfelsinen- u. Himbeer- Geschmack Milchkaramellen Sandgebäck Dessert- Brezeln 2 Tafeln à 100 Gramm 45 Pf. 14 Plund 25 Pf. 1, Pfund 45 Pf. Pfund 25 Pf./ Plund 95PI. Pfund 38Pf./ Pfund 75 Pt. .... Pland 115 130 Junge Gänse gefroren Pland 125 145 Stück 85 PL. 95 Pt. Fische Pfund 110 ... Pland 12 Pt. Pland 14 Pt Seelachs ohne Kopf, ganze Fische, Piund 17 PL. Kabeljau ohne Kopf, ganze Flache, Plund 18 Pt. Fischfi et Plond 30 Pl Lebende Karpfen, Hechte, Aale billigst! Bücklinge Pfund 28. 34 PI. Aale geräuchert Bund 40 Pt. Seelachs geräuchert 48 PL In Stücken, Pld. Kleler Bücklinge Pid 48 Pt. Seehasen ger., Pfund 62 PL Feden Freitag und Sonnabend: • Stoff- Reste u. Abschnitte besonders billig Nr. ilS7. 45. Iahrgang'l. Freitag, 20. April-lS�S Verabschiedung des Stadchaushalts. Die Opposition der deutschnational- kommunistischen Bundesbrüder. „Am 20. Mai sprechen wir uns wieder!" Die Stadtverordnetenversammlung wurde gestern mit dem Stadthaushaltplan fertig. Der Vorschlag, das trotz aller Streichungen nicht ganz beseitigte Lach im Haushalt durch höhere Veranschlagung des voraussichtlichen Ertrages der Gewerbesteuer zu stopscn, fand keine Mehrheit. Danach blieb nur übrig, den Fehlbetrag dadurch zu decken, dah die voraussichtlichen Erträge aus den Werten höher veranschlagt werden. Erhöhun- gen des Gewerbesteuer s a tz e s und der Werk t a r� s e wurden vermieden, so daß diesem Haushaltplan auch die sozialdemokra- tische Fraktion zustimmen konnte. Verweigert wurde die Zustim- mung von den Dcutschnationalen und den Kommunisten. Der tom- munistische Redner Letz verlas«ine Erklärung, die mit Angriffen gegen die Sozialdemokratie gespickt war. Den dreisten Unsinn dieser Erklärung kann man nur oerstehen aus dem k o m m u n i st i- schen Bedürfnis. Agitationsstoff s ü r die Wahlen zu schaffen. Der sozialdemokratische Redner, Genosse Dr. Loh- mann, antwortete, die verneinende Politik der Kam- munisten und der Deutsch nationalen könne nicht mehr verfangen, das werde man am 2 ll. Mai sehen. 4» In der fortgesetzten Aussprache über die sozialdemokratische Anfrage wegen der Experimente an lebenden Zlknschen in städtischen Srankenhäusern protestierte die Stadtverordnete Frau Hossmann- Gwinner(KPD.) dagegen, daß Proletarier zu Versuchen verwendet werden, deren Ergebnis dann nur den begüterten Kreisen zugute komme. Nach unserer Genossin Dr. Fcaakenkhal, die sich gegen Vorwürfe der Dorrednerin wehren mußte, verteidigte der Demokrat Dr. Zuoack das Recht der Wisienschast auf Versuche. Stadtmedizinol- rat Prof. Dr. v. vrygalskl betonte, daß in Zukunft Experimente in städtischen Heilanstalten und Krankenhäusern nur mit Zustimmung der Patienten oder deren Pflegeberechtigten gemacht werden dür- fen. Trotzdem habe er, Redner, besonders bei Versuchen an Kindern Pedenken: jeder experimentierende Arzt sollte sich stets fragen: Würdest du das Experiment auch an deinem eigenen Kinde vor- nehmen?! Allerdings dürfe nicht vergessen werden, daß Fortschritte ohne Versuche nicht möglich sind. In vielen Fällen sind die Versuche an Patienten ausgeführt worden, die hoffnungslos krank, auch bei nur wenigen Prozenten Wahrscheinlichkeit für Heilung Vorteile gehabt hätten. Roch den Experimenten stellten sich in 50 bis 60 Proz. Heilerfolge ein. Der Stadtmsdizinalrat gab zu. daß in einem Fall zu weit gegangen wurde, daß aber die Erfolge bei allen andern Fällen die Versuche rechtfertigten.— Damit schloß die Aussprach«. Die Versammlung setzte dann die Beratung des Haushaltsplanes fort. Räch der Berichterstattung durch Stodtv. Genossen Dr. Loh- mann erklärte der Redner der Deutschnationalen Fraktion Delhlesssen. daß die Deutschnationalen zu größerein Entgegenkommen bereit ge- was«» wären, wenn«in besserer Ausgleich.zwischen Einnahmen imd Ausgaben erzielt worden wäre. Stadw. Letz(KPD.) gab«ine Cr- klärung des Inhalts ab. daß die Kommunisten den Etat ablehnen. Der von«wer sozialdemokratisch-bürgerlichen Koalition zurechtgemachte Etat diene nur kapitalistischen Ivteresien, nicht aber denen der arbeitenden Bevölkerung. Di« Sozialdemokratie Mte dadurch wieder einmal Arbeiterverrat begangen usw. usw. Dann nahm im Austrage der sozialdemokratischen Fraktion Genosse Or. Lohmann das Wort zu folgenden Ausführungen: Die sozialdemokratische Fraktion war sich von vornherein dar- über klar, daß der Etat dieses Jahres nicht alles W ü n s ch e n s- werte befriedigen konnte, dag er nur bei bewußter Beschrän- kung auf das Notwendige ins Gleichgewicht zu bringen war. Sie ging an die Beratungen im Ausschuß heran mit dem festen Willen, dieses Gleichgewicht herbeizuführP, falls zwei Bedingungen erfüllr werden sollten: 1. Keine Mehrbelastung der wirtschaftlich Schwachen durch erhöhte indirekte Steuern oder Tarife. 2. Erhaltung und Verstärkung der für die Wohl- fahrt der Bevölkerung eingesetzten Ausgabeposten. Beide Bedingungen sind erfüllt. Darum gibt die Sozialdemokratie dem Etat in der vorliegenden Form ihre Z u» st i nr m u n g. Wir verhehlen uns nicht, daß die Balancierung dieses Haus- Halts«ine Notmaßnahme darstellt. Bis zum letzten Augen- blick glaubten wir damit rechnen zu dürfen, daß ein gerechterer Finanzausgleich und eine erhöhte Zuweisung aus der Kraftsahrzeugsteuer uns 19 Millionen an Mehreinnahmen bringen würden. Die Hoffnung hat getrogen. Wir haben daraufhin zur radikalen Abdrosselung der Ausgaben auf dem Gebiete der Schul- und Straßeilliauten greifen müssen. Wir betonen darum hier, wie wir es bereits im HaushaltsauSschuß getan haben, daß wir gerade diese Posten zur vorläufigen Streichung vorgeschlagen haben, well bei diesen Ausgaben mit den Arbeiten mindestens begonnen werden kann. Wir müsien von der Verwaltung als selbstverständ- lich verlangen, daß sie alle notwendigen Ausgaben für die Weiterarbeit von den städtischen Körperschaften anfordert. Wir werden alle solche Forderungen prüfen und gegebenenfalls bewil- ligen, unter gleichzeitiger Bewilligung der Deckung. Di« schlimmst« Kalamität unseres Haushalts ist der Widerspruch zwischen d«n er- forderlichen und verfügbaren Mitteln im außerordentlichen Haushalt. Wir sehen mit wachsender Sorg«, wie die finnlose Auslandsanleihesperre zu ganz unhaltbaren Zuständen führt, und wir müsien die Verant- wortung hierfür dem Reichsbantpräsidenten und der Reichsregie- rung überlassen. Die Rechte und die sogenannte„Linke" dieses Hauses werden dem Etat, wie gewohnt, ihre Zustimmung ver° sagen. Wir bedauern es nicht. Di« Erfahrung hat gelehrt, daß diese Politik— ich weih nicht, ob man sse als Abstinen,z- oder als Katastrophenpolitik bezeichnen soll— aus keinerlei Verständnis bei den Iftassen der Berliner Bevölkerung zu rechtreu hat. Die Deutschnationalen wären angeblich bereit, die Ausgaben für Wohlfahrt und Gesundheit und insbesondere für die Verbesserung des Verkehrs herabzusetzen. Wir sehen in Ruhe und Sicherheit den Tagen entgegen, in denen sie diese Ansicht vor den Massen der Wählerschaft in Berlin vertreten. Wir werden die Antwort nicht schuldig bleiben und verlassen un» getrost auf die Einsicht der Berliner Bevölkerung. Wir rufen der Bevölkerung zu: .Hände weg. von der Vereinheitlichung de» Verkehr«!" Auf der anderen Seit« steht die kommunistisch« Fraktion. mit der uns ja nach der treuherzigen Versicherung eines antisemi- tischen Berliner Blöttchen; ein— nach den Wahlen fälliger— Pakt verbindet. Unser« Fraktion kann versichern, daß sie nach den Er- fahrungen der verslofsenen Jahre, nach der Sprunqtuchpolitik der .Kommunistischen Partei, nach all ihrer hilflosen politischen Stümperei hier im Rathause, noch all ihrer Preisgabe lebenswichtigster Interessen der Arbeiterschaft keinen brennenderen Wunsch kennt, als so bald als irgend möglich wieder mit der kommunistischen Frak tion zusammenzuarbeiten, insbesondere mit ihr gemeinsam die Ta rife aller stadtischen Werte und Verkehrsuntcrnehmungen zu er- höhen, wozu die Kommunisten ja nach der maßgeblicheir Unterrichtung des Antifemitenblättchens bereit ist.— Doch die S i- tuotion ist zu ernst zur Satire. Darum stellen wir nur in oller Kürze und in allem Ernst folgendes fest: Der geniale Eteuervorschlag der APD. nach einer W o h- Menschen, Göttern gleich... 731 Roman von Herbert Gearge wells. Die Rückkehr des Erdlings. 1. Zu früh kam der Morgen, an dem Mr. Barnstaple zum letztenmal über die schönen Berge Utopiens blicken und an das große Experiment herantreten sollte, dem er sich gewidmet hatte. Er hatte keine Lust zu schlafen gehabt und er hatte in dieser Nacht auch wenig geschlafen. Und in der frühen Dämmerung war er draußen, zum letztenmal angetan mit Sandalen und dem leichten weißen Gewand, das seine utopische Kleidung geworden war. Bald würde er sich in Strümpfe. Schuhe. Beinkleider und Kragen zwängen müssen; in die seltsamste Tracht. Er fühlte, daß sie chn ersticken würde. und er streckte seine nackten Arme zum Himmel, gähnte und füllte seine Lungen mit Luft. Das Tal unten schlummerte noch unter einer Decke wogender Nebel; er wandte sein Antlitz den Bergen zu. um so der Sonne früher zu begegnen. Noch niemals zuvor war er in so früher Stunde zwischen den utopischen Blumen gewesen; es war unterhaltend zu sehen, wie einige der großen Trompetenblüten noch im Schlafe ihr Haupt hängen ließen und wie manche von den größeren Blüten zusanunengerollt herunterhingen. Auch viele Blätter waren zusammengefaltet, so schlaff wie frisch ausgekrochene Falter. Die Sommerfädenspinner waren sleißig gewesen und olles war ganz durchnäßt vom Tau. Ein großer Tiger kam plötzlich aus einem Seitenweg auf ihn zu und starrte ihn einge Augenblicke mit runden gelben Augen an. Dielleicht versuchte er. sich an die vergessenen Instinkte seiner Gattung zu erinnern. Ein Stück oberhalb führte die Straße unter einem zinnoberroten Torbogen hindurch und dort stieg Barnstaple eine Flucht von Stemstufen hinauf, die chn früher auf den Gipfel bringen sollten. Eine Anzahl freundlicher, kleiner Vögel, sehr bunt ge- färbt, flog eine Zeitlang um ihn herum und einer setzte sich zutraulich auf seine Schulter; ober als er die Hand hob, um ihn zu streicheln, entschlüpfte er chm und flog davon. Er stieg immer noch die Treppe hinauf, als die Sonne aufging. Es war, als ob die Berge aus einem graublauen Ächleier schlüpften und die goldene Schönheit ihres Wuchses entblößten. i Mr. Barnstaple gelangte auf einen Treppenabsatz und blieb stehen, er stand ganz still da und beobachtete, wie die aufgehende Sonne die schweigenden Tiefen des Tales unten aufsuchte und belebte. In weiter Ferne erschien, wie ein von Osten nach Westen geschossener Pfeil, eine Linie von blendender Helligkeit über dem See. „Heiterkeit." murmelte er,„Schönheit. Alle Menschen- werke— in vollkommener Harmonie... Die Seelen zum Einklang gebracht.. Entsprechend seiner journalistischen Gewohnheit versuchte er sich in Phrasen.„Ein tatkräftiger Friede... alle Der- worrenheit gelöst... Eine Welt der Geister, kristallklar..." Was sagen Worte? Eine Weile stand er ganz still lauschend da; denn oben von einem Berghang war eine Lerche himmelwärts gestiegen und sandte süße Töne aus. Er versuchte das kleine Pünktchen Gesang zu sehen und wurde durch das strahlende Blau des Himmels geblendet. Jetzt kam die Lerche herunter und hörte auf zu singen. Utopien lag in Schweigen, nur das helle Lachen eines Kindes ertönte plötzlich irgendwo unten auf dem Berghang. Mr. Barnstaple wurde sich bewußt, wie friedvoll die utopische Luft im Vergleich zur vergewaltigten Atmosphäre der Erde war. Hier gab es kein Gekläff und Heulen müder oder gereizter Hunde, kein widerliches Geschrei, Gebrüll. Ge- quieke und keinen jämmerlichen Aufschrei ängstlicher Tiere. keinen Wirtschaftslärm, keine Wutschreie, kein Geblöke und Husten, keinen Lärm von Hämmern, Klopfen, Sägen. Schleifen. Sirenengeheul, Pfeifen, Kreischen und ähnlichem. kein Rattern entfernter Eisenbahnzüge, kein Gerassel von Auwmobilen oder anderen schlecht konstruierten Mechanismen; die ermüdenden und häßlichen Geräusche mancher unan- genehmer Wesen waren nicht mehr zu hören. In Utopien herrschte sowohl für das Ohr wie für das Auge Friede. Die Lust, einst von unentwirrbaren Geräuschen verseucht, war jetzt— gereinigte Stille. Die Laute, die man hörte, logen darüber wie ein wunderschöner Druck auf einem edlen Blatt Papier. Seine Blicke kehrten zur Landschaft unten zurück, als sich die letzten flockigen Spuren des Nebels auflösten. Wasser- decken. Straßen. Brücken. Gebäude. Erdwälle, Säulenhallen, Haine, Gärten. Kanäle. Springbrunnen. Wasserfälle tauchten vielfältig in Klarheit auf. eingerahmt von einem Ast mit dunklem Laubwert emes weißstämmigeu Baumes, der n u n g s l u x u s st e u« r ist ein« demagogische Atrappe, an denen Füllung die einsichtigere Führerschast der Fraktion selbst nicht glaubt. Kein« der in Vorschlag gebrachten Steuern hat auch nur die geringste Aussicht aus Genehmigung durch die Aufsichtsbehörden. Die KPD. mutet uns also zu. den Hunger einer notleidenden Bevölkerung durch einen Papierregen von Parolen zu stillen. Diese Politik verfängt nicht mehr! Di« bitterst« Rot macht wohl bisweilen blind, aber auf die Dauer läßt sich keine Politik treiben, die auf die Blindheit verzweifelter Volksmosien spekuliert. Aber die KPD. lehnt ja den Etat überhaupt ab. Sie will weder diese noch ander« Mittel bewilligen, obgleich der Etat so gestaltet ist. daß im Rohmen des Möglichen allen Bedürf- nissen der arbeitenden und der arbeitslosen, der notleidenden Ve- völkerung Berlins Rechnung getrogen ist. Wert oder Unwert jeder Politik mißt sich am Erfolg. Da», was die Sozialdemokratie an Erfolgen ihrer konsequenten Politik sür die schassenden Massen der Reichshauptstod« erreicht hol. kann keine Demagogie von rechls oder von links hinweg- diskutieren! (Stürmischer Beisall bei den Sozialdemokraten.) Wir verstehen Ihre Sorgen— rechts und links. Doch der Er- folg entscheidet in der Politik! Am 20. Mai sprechen wir uns wieder! (Stürmischer Beifall und Händeklatschen bei den Sozialdemokraten.) Merken(Dem.) bemerkt«, daß Dethlefssens Rede im Gegensatz zu seinem Eiser im Hmisholtsausschuß stehe. Daß der Etat nickst besser aussehe, ist Schuld des mangelhaften Finanzou-gleichgesctzee, das Berlin einfach drossele. Im übrigen: Ein Stadtverord- neter, der den Etat ablehnt, ist ein Wesen, dah sich selbst ausgibt! Etadto. Lange(Z.) begrüßte es, daß der Etat ohne Erhöhung der Steuern und Werkstarife balanziert wurde und versprach die Zustimmung seiner Parteifreunde. Der Wirsschastsparteiler Schaller lehnt« den Haushaltsplan ab. Stodtv. Schwarz(Dtsch. Volksp.) bezeichnete die Annahme oder Ablehnung des Etats(zu den Deutschnationalen gewnndt) nicht als ein- Frage des Gefühls, sondern der Verantwortung. Seine Fraklion werde zustimmen.— In der dann solgendeu umfangreichen A b- stimmung wurde der sozialdemokratische Antrag, die Mehrbe- lastung aus Anlaß der Lohnerhöhungen sür die städtischen Arbeiter, durch ein« Erhöhung des Ansatzes süx die Gewerbesteuer auszugleichen, abgelehnt, dagegen wurde aus Antrag der Demokraten beschlossen, die Mehrausgaben aus den städtischen Werken(ohne Tariferhöhung) herauszuholen. Di« Gesamtabstimmuiig ergab die Annahm« des Etats mit den Stimmen der Sozialdemokraten, der Demokraleii. der Volks- Partei und des Zentrums. Die sozialdemokratische Fraktion fyjtt« einen Aistrag eingebracht, wonach vorn Magistrot die Vorlage eines zusätzlichen wohnungsbauprogramms für 1923 verlangt wurde. Der Magistrat brachte daher In einer Vorlage di« Forderung nach Bewilligung von 30 000 000 Mark für den Wohnungsbau. Im Anschluß wurde nach längerer Aussprach« der Magistratsvorlaqe über die Bereitstellung von 30 Millionen Mark für den Wohnungsbau zu- gestimmt, jedoch zugleich beschlossen, daß von diesen 30 Million« zunächst nur IS Millionen zur Berwenduirg als Zusotzbnpotheken freigegeben wenden sollen. Der sozialdemokratische Äntrog be- treffend dos zusätzliche Wohnungsbauprogramm(cchne Hauszms- steuer) wurde vertagt. Der Auslchuß wird baldigst wieder«in- berufen werden. Genosse Rogah betonte, daß auch in diesem Jahre mindestens das Wohnungsbauprogramm des Vorjahres«rreichr wer- den müsse und daß deshalb die vollen 30 Millionen Mark sofort bereitzustellen sind. R o g a tz beantragte die W i e d e r h o r st e l- lung der Magistratsvorlage. So wurde dann auch be- schlössen.— Der im letzten Stadtverordnetenbericht erwähnte Antrag wegen einer weitgehenden Unter st ützung der Kon- sumgenossenschast, mit dem sich die Kommunisten der Kon- sumgenojjcnschast wieder aufdrängten, wurde einem Ausschuß über- wiesen. Für die Instandsetzung und Veränderung des Restaurants bei der Städtischen Oper in Charlottenburg wurden erhebliche N a ch- bewilligungen oerlangt. Genosse Dr. Weinberg bemerkte zwischen deni Felsgestein, außdem Barnstaple stand, Wurzel gefaßt hatte. „Vor dreitausend Jahren war dies eine Welt wie unsere... man denke nur!— in hundert Generationen... In dreitausend Iahren könnten wir unsere arme Einöde, die Erde, dag Dschungel und die Wüste. Schlackenhalden und Spelunken in solch einen Himmel voll Schönheit und Kraft verwandeln. Zwei Welten— einander ähnlich aber nicht gleich... Wenn ich erzählen könnte, was ich gesehen habe!... Wenn alle Menschen sich dieses Bild von Utopien machen könnten. Sie würden es nicht glauben, wenn ich es ihnen erzählte, nein... Sie würden wie Esel schreien und mich wie Hunde ankläffen!... Sie wollen keine andere Welt außer ihrer eigenen. Es ist ihnen unangenehm, an eine andere Welt als in ihre eigene zu denken. Nichts kann getan werden, was nicht schon getan worden wäre. Anders zu denken wäre Er- niedrigung!.. Tod, Folter, Aussichtslosigkeit, alles, nur keine Erniedrigung! So sitzen sie zwischen Unkraut und Auswurf, kratzen sich, nicken einander weise zu und hoffen, einander zu übertrumpfen, wenn es ans Raufen geht. Sie weiden sich an Leiden und Anstrengungen anderer und sind überzeugt, daß die ganze Menschheit gestunken hat, stinkt und immer stinken muß. daß der Gestank wirklich sehr angenehm sei und daß es unter der Sonne nichts Neues gebe..." Seine Gedanken wurden durch zwei junge Mädchen, die eines hinter dem anderen die Stiege herausgerannt kamen, abgelenkt. Eine war dunkel, fast schwarz, und ihre Hände waren mit blauen Blumen gefüllt; die andere, die sie verfolgte, war ein oder zwei Jahre jünger und goldblond. Sie waren erfüllt von der schrankenlosen Erregung junger Tiere beim Spiel. Die erste war so sehr mit der anderen beschäftigt, daß sie Mr. Barnstaple mit einem überraschten Aufschrei erst ent- deckte, als sie den Treppenabsatz erreicht hatte. Sie guckte ihn mit einem schnellen, fragenden Blick an. chre Blicke leuchteten in kecker Schelmerei auf, sie warf ihm zwei blaue Blumen ins Gesicht und war die Stiegen schon weiter hinauf und davon. Ihre Gefährtin, bestrebt, sie zu sangen, flog vorüber. Sie flatterten die Stiege hinauf wie zwei Schmetterlinge, gelb und rot; weit oben hielten sie inne. kamen zu einer kurzen Beratung über den Fremden zusammen, winkten ihm mit den Händen und verschwanden. Mr. Barnstaple erwiderte ihre Grüße und blieb aufge- heitert zurück. (Fortfetziwg folg!) dazu, daß die Praftifen bei dem Umbau ein Standal seien. Der Boranschlag sei um 215 Proz. überschritten worden, und das in einem Bezirk, der nicht rot" ist. Die Stadtverordneten Panschow ( D. Bp.) und Bender( Dnat.) entschuldigten die lieberschreitung des Boranschlages mit nachträglichen Aenderungen des Bauplans. Die Nachbewilligung wurde bewilligt. Eine ganze Reihe Vorlagen wurden ohne Aussprache angenommen. Der schwarze Fonds". Die Veruntreuungen beim Provinzialverband Brandenburg Das Große Schöffengericht mitte hatte gestern den Landesinspektor Paul Blod wegen der Verunfreuungen aus dem„ besonderen Fonds" des Provinzialverbandes Brandenburg abzuurteilen. Bekanntlich hat die Straftat des Angeklagten feinerzeit zu scharfen Auseinandersetzungen im Brandenburgischen Provinziallandtag geführt, wobei man diesen besonderen Fonds" von 603 000 mark als einen " Schwarzen Fonds" bezeichnete. Der besondere Fonds war aus dem Erlös von Anstalts. beständen aus der Inflationszeit im Jahre 1924 gebildet worden und sollte außerhalb der Kontrolle des Provinzialausschusses zur Ergänzung der während der Inflotionszeit heruntergewirtschafteten Einrichtungen von Pflegeanstalten und anderen Provinzialinstituten schnell verbraucht werden. Der Landesinspektor Block hatte die Rechnungen zu prüfen und mit dem Zustimmungsvermert zu versehen. Diese Stellung hat er in den Iren 1924 bis 1926 dazu ausgenutzt, fingierte Rechnungen unterzuschieben, mit der Gegenunterschrift des Bureauvorstehers und den entsprechen den Zahlungsanweisungen zu versehen, um dann die angewiesenen Beträge auf ein Bostscheckkonto, in einzelnen Fällen auch auf ein Bankkonto dritter Personen überweisen zu lassen. Von dort hob erdie Beträge ab und verbrauchte sie. Die Einrichtung der Konten hatte er durch den Landesinspektor Gräger sich beschafft. Diesem hatte er erzählt, daß er für einige Anstalten Lieferungen machen könne und dadurch einen erheblichen Zwischenverdienst haben würde. Gräger mußte ihm auch einige Gelder als angebliches Betriebskapital zur Verfügung stellen und erhielt dafür regelmäßig einige hundert Mark als angeblichen Gewinnanteil. Nachdem Block auf diese Weise 31 000 Marf unterschlagen hatte, wollte er einen großen Schlag machen und ließ eine Rechnung von 8900 Mart auf das ihm zur Verfügung stehende Postscheckkonto des Schwagers von Gräger überweisen. Diesmal fiel dem Buchhalter an der Kasse auf, daß ein so hoher Betrag über das Postschecktonto gehe, und er ver= anlaßte eine Rückfrage. Der Angeklagte verlor den Kopf, weil er dachte, nun sei alíes entdeckt, und blieb vom Dienst weg. Erst jetzt fam man auf den Gedanken, daß etwas nicht in Ordnung sei, und so wurden die Veruntreuungen aufgedeckt. Der Angeklagte war vor Gericht in vollem Umfange geständig, konnte aber keine Aufschlüsse geben, wofür er in zwei Jahren diese große Summe verDie Berliner Frauen marschieren. Glänzender Verlauf der gestrigen Kundgebungen. Zu einer gewaltigen Rundgebung gestaltete fich gestern der Wahldemonstrationszug der Berliner Frauen. In drei der größten Säle Berlins, in den Brachtsälen am Märchenbrunnen( Friedrichshain), in den Pharusfälen in der Müllerstraße und in Kliems Festfälen in der Hasenheide, waren Tausende und Abertausende von Wählerinnen erschienen. In den Pharusfälen. Der dritte Wahlkreis Wedding hatte in den Pharusjälen MüllerStraße eingeladen. Ein eindrucksvoller. schler unendlicher Zug von Frauen und Genossen setzte sich Ecke See- und Müllerstraße in Bewegung, um auf seinem Marsche die Züge der Pantower, Reinickendorfer und Charlottenburger Bezirke aufzunehmen. Unübersehbar in seiner Länge, marschierte dieser Zug in der Dämmerung des Abends, ein Wald von roten Fahnen, die grell gegen den grauen Himmel fich abhoben. Die Musikkapellen mit ihren anfeuernden Arbeitermärschen lockten die Zuschauer zu Tausenden an, die links und rechts die FahrDämme und Bürgersteige überfluteten. Aus allen Fenstern sahen die Bewohner der Häuser herab und von den meisten erklangen laute Begrüßungen; ebenso erfuhr man aus der Stimmung der Marschierenden auf der Straße, daß das werktätige Volk des Berliner Nordens endlich von den kommenden Wahlen eine Befreiung aus den unerträglichen Verhältnissen erhofft. Der Saal war bereits vor Beginn überfüllt, so daß für die vielen Einlaßbegehrenden eine Barallelversammlung in den unteren Räumen abgehalten werden mußte. Genossin Kähler sprach über die Anteilnahme der Frauen bei der Entwicklung des Wahlrechts in den vergangenen Jahrzehnten. Wäre der Umsturz nicht gekommen, so hätten die Frauen nicht das Wahlrecht und die Männer noch das Dreifl..ffenwahlrecht. Das sollten die Frauen nicht vergessen, daß es die SozialWahlrecht proklamierten. demofraten waren, die sofort in der Revolution das allgemeine Genossin Berthe Masson Brüssel überbrachte Grüße der belgischen Genossen. In ihrer Rede betonte sie, daß eine bedeutende Frage nicht außer Auge gelassen werden darf: der Frieden. Wir wissen, was der Krieg ist, wir haben auch seine Folgen erlitten. Er schmächt die Arbeiterorganisationen. Bergeblich warten wir noch auf eine allgemeine Entwaffnung. Grausamkeit und Roheit waren nicht das Monopol eines Boltes. Wann merden die Arbeiter von ihren Interessen abzulenten. alle Arbeiter verstehen, daß die Kapitalisten den Krieg brauchen, um Die Wahlen in Deutschland werden ein Maßstab sein für die belgischen Wahlen 1929. Die Ausführungen der Rednerinnen wurden mit stürmischem Beifall aufgenommen. Massenaufmarsch in der Hasenheide. ausgabt habe. Er entschuldigte sich damit, daß er mehrere tausend Echöneberg, Bilmersdorf und bes 16. Kreiſes( Köpe Mart Schulden gehabt habe und dadurch zuerst auf den Gedanken gekommen wäre, sich aus dem besonderen Fonds" Geld zu ver= schaffen. Auf eine weitere Frage des Borsigenden, ob ihm durch eine mangelhafte Kontrolle die Veruntreuungen besonders leicht gemacht worden seien, verweigerte der Angeklagte jede Auskunft, da er gegen seine frühere Behörde nichts sagen wolle. Sehr dunkel ist die Rolle, die in der ganzen Angelegenheit der Landesinspektor Gräger gespielt hat, gegen den auch wegen Mitbeteiligung ein erheblicher Berdacht, entstanden wer. Es schwebt auch gegen ihm ein Disziplinarverfahren, das nach Abschluß dieses Strafprozesses zur Erledigung kommen wird. Landgerichtsdirektor Marcard nahm in Uebercinstimmung mit allen Prozeßbeteiligten von einer Bernehmung Grägers nach dem Offengeständnis des Angeklagten Abstand, da er den Zeugen nicht in die schwierige Situation bringen wollte, unter Eid auszusagen. Staatsanwalt Heims beantragte gegen den Angeklagten 1 Jahr und 6 Monate. Gefängnis, wobei er ihm mildernde Umstände zubilligte. Das Schöffengericht ging angesichts der Reue des Angeflagten noch unter diesen Antrag hinunter und verurteilte Bloc megen schwerer Urfundenfälschung in 10 Fällen und Betruges zu 8 Monaten Gefängnis. ein anderes Resultat erzielt werden, indem jede Frau ihre Stimme der Sozialdemokratie gibt. eindrucksvollen Appell der Rednerin. Dann lief der Film„ Dein Mit brausendem Beifall beantwortete die Versammlung den Schicksal", dessen wirkungsvolle Bilder spontanen Beifall hervor riefen. Mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf die Partei und dem gemeinsamen Gesang der Internationale" fand die imposante Kundgebung einen erhebenden Ausklang. Auch die Kundgebung im Friedrichshain nahm einen glänzenden Berlauf. Republikanischer Abend in Wilmersdorf. Größer noch als der politische ist der wirtschaftliche Schaden, den ein Jahr Bürgerblock anrichtete. Das wurde in glänzender Weise von dem sozialdemokratischen Reichstaasabgeordneten Kurt einig auf dem Republikanischen Abend in Wilmersdorf bewiesen. Genosse Heinig führte aus: Die Deutschnationalen sind in die Regierung gegangen, haben das Republikschutzgesetz und die Verständigungsaußenpolitif geschluckt, um bei der Verteilung der Lasten ein gewichtig Wort mitreden zu können. Sie haben den Regierungsapparat zu Parteigeschäften benutzt, haben Zölle, Steuern und Subventionen so verteilt, daß die Lasten auf die Schultern der arbeitenden Bevölkerung abgeladen wurden und der Nutzen auss schließlich den Industriemagnaten und Großgrundbesitzern zuſtand. Jedes Gesez, das in diesem letzten Jahre vom Regierungsbloc geschoffen wurde, zeigt deutlich die Tendenz, den Großen zu helfen und den Kleinen noch mehr aufzubürden Die Sozialdemokratie wendet sich in diesem Wahlkampf vor allem an die Frauen. Sie sollen sich nur in ihrer Küche umsehen. Dort haben sie eine Hochschule für Politit. Sie müssen nur hören lernen, was die Breise der Lebensmittel und Bedarfsartikel fagen. Jeder Preis ist davon abhängig, wie wenig oder wie start sich die arbeitende Bevölkerung in der Politit und Wirtschaft durchzusehen vermag. Großer Beifall dankte dem Referenten. Mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie wurde die Kundgebung geschlossen. Die Republik den Republikanern. Eine eindrucksvolle Kundgebung veranstaltete in Tempel. hof die 85. Abteilung der Sozialdemokratischen Partei im Restau rant Birkenwäldchen". Ein durch ganz Tempelhof marschierender Demonstrationszug, an dem das Reichsbanner mit einem Tambourkorps, die Partei und die Sozialistische Arbeiterjugend äußerst start beteiligt waren, bildete einen wirkungsvollen Auftakt. Es war ein erhebender Anblick, als der von Hunderten begleitete und von hellem Fackelschein erleuchtete Zug nach fast 1½stündigem Umzug in das Versammlungslokal einzog. Dort sprach Landtagsabgordneter Genosse Erich Kuttner zu den Massen. Mit packenden Worten zeichnete er das Bild der Bürgerblockregierung, deren Politik für das arbeitende Volt so verhängnisvoll war. Der Redner erinnerte an die Erhöhung der Zölle, die beitslosenversicherung, den Abbau der Krisenfürsorge und die weitere Untergrabung des Achtstundentages durch das Arbeitszeitgeſetz. Der nen geloftet. Die„ notleidende" Industrie unterstützt die Rechts Bürgerblod hat das arbeitende Volk viele tausend Millio= parteien im Wahlkampf mit riesigen Korruptionsfonds. Das zehnte Jubiläumsjahr der Republit wird aber trotzdem im Zeichen des Sieges der Republikaner und im besonderen des Sieges der Sozialdemokratischen Partei stehen. Mit scharfen Worten wandte sich der Redner noch gegen Keudells Absicht, den Roten FrontIn drei riesigen 3ügen marschierten die Frauen des Neuköllner Kreises, der Kreise Kreuzberg, Tempelhof, nid) von ihren verschiedenen Sammelpunkten durch die Stadt zur Hasenheide, wo sie zur Kundgebung in Kliems Festsälen zufammentrafen. Die Züge, die von Reichsbannertapellen und zahlungenügende Senkung der Lohnsteuer, die Verschlechterung der Arreichen Tambourforps geführt wurden, und in denen auch die„ So zialistische Arbeiterjugend" start vertreten war, wurden bis zu ihrem Ziel von großen Menschenmassen begleitet. Zahllose Bild. Schon lange vor Beginn war das Bersammlungslokal dicht Transparente, Banner und Fahnen vervollständigten das imposante bejegt, so daß eine Barallelversammlung im fleinen Saal abgehalten werden mußte. Dort sprach Reichstagsabgeordneter Genosse Franz Künstler, dessen Ausführungen mit nicht endenGenoffe Franz Künstler, dessen Ausführungen mit nicht enden wollendem Beifall aufgenommen wurden. Im großen Saal sprach die Landtagsabgeordnete Genoffin Gertrud anna. Sie erinnerte an die Kämpfe um die Wahlreform und an die Entrechtung der Frauen im alten Staat, der von dem Geifte brutaler Junker herrschaft beherrscht wurde. Die Sozialdemokratie mar die einzige Partei, die, allem Hohn und Widerspruch zum Troß, unbeirr bar für die Befreiung der Frau gekämpft hat. Nicht eine bürgerliche Partei hat ihr in diesem Kampf beigestanden. Erst die Revolu tion öffnete den Frauen den Weg zur Wahlurne. Leider haben die vergangenen Wahlen gezeigt, daß die Frauen von ihrem Wahlrecht nicht den richtigen Gebrauch gemacht haben, so daß die Reaktion wieder zur politischen Macht tommen fonnte. Am 20. Mai muß Reichsgericht und Republitschutzgesetz. zu sehen. Bei den Segern und Druckern wird gleichmäßig viel Beri Ein Urteil durch vier Instanzen. Ein Berliner sich radikal gebärdendes Abendblatt hatte eine niſter- Reichstanzler Marg seinen Kompromißantrag in der Gilt Für stenabfindung zurückgezogen hatte, ohne seine Demiffion einzureichen, obgleich er eben erft erklärt hatte, daß er mit feinem Antrag stehe und falle, schrieb das genannte Abendblatt:„ Wenn das Republikschutzgesetz nicht wäre, so würden wir sagen: Fort mit dieser Schieberregierung und ihrer ganzen Schieberrepublik. Da das Republikschutzgesetz aber besteht, sagen wir es nicht." Diese Redemendung brachte dem verantwortlichen Redakteur des Blattes eine Anflage wegen Beschimpfung der Republik. Die erste Instanz verurteilte ihn zu 2 Monaten Gefängnis: Die Beschimpfung, sagte die Urteilsbegründung, sei im höchsten Grade grob. Die zweite Instanz sprach den Redakteur frei, denn im politischen Kampje werde verschiedenes gesagt, was nicht gerade auf die Goldwage zu legen fei". Das Reichsgericht hob das Urteil der zweiten Instanz auf; denn es sei Aufgabe der Gesetze und der Gerichte, den politischen Kampf 311 veredeln. Also kam die Angelegenheit zum vierten Male vor Ge richt: Die Gefängnisstrafe von 2 Monaten wurde in eine Geldstrafe von 500 M. umgewandelt. Interessant ist, daß die Entschei dung des Reichsgerichts von dem gleichen 4. Straffenat gefällt murde, das bei einer anderen Gelegenheit in dem Ausdruck ,, Judenrepublik" keine Beschimpfung erblicken fonnte. Allerdings, jener Ausdruck war von rechter Seite gefallen. Ausstellung von Buchdrucker Lehrlingsarbeiten. In der 3. Berufsschule find alle Lehrlinge aus dem Buch drucker- Seher- und Buchbindergewerbe verpflichtet, vom 14. bis zum 17. Jahre ihre theoretische Fachausbildung zu erwerben. Die Schule in der Wrangelstr. ist für Groß- Berlin viel zu klein. Der Unterricht muß deswegen für verschiedene Gewerbe, wie z. B. für die Lithographen und Chemigraphen gemeinsam erteilt werden. Außer Mangel an Raum leidet die Schule auch noch an Mangel an ausgebildeten graphischen Pädagogen, da leider immer noch Leute aus der Praxis höchstens im Zivildienstvertrag unterrichten dürfen. Hoffentlich nimmt sich der Magistrat der Verhältnisse in der graphischen Berufsschule bald einmal so an, wie es nötig ist, damit nicht die Schulen anderer Städte, mie Leipzig und München, Berlin über flügeln. Es wäre auch wünschenswert, daß die Drudereibeliger fich damit einverstanden erklären würden, den Unterricht während der Arbeitszeit abhalten zu lassen, damit die Freizeit der Jugendlichen nicht darunter leidet. Mit den recht bescheidnen vorhandnen Mit teln ist aber trotzdem ohne Anspruch auf Spigenleistung recht Er. freuliches in dieser Ausstellung im Buchgewerbesaal, Dreibundstraße, auf Erfassung der Form der Buchstaben und der richtigen Raum verteilung gelegt. Großen Wert mißt man auch der Ausbildung der Entwicklung des 24teiligen Farbfreises bei. Uebungen zum Aus schießen der Bogen sind zu sehen. Bei den Lithographen und Stereotypeuren spielen Momente Seberfalls lagt die Sorgfalt, bie man ber Ausbildung der Lehrlinge des graphischen Gewerbes midmet, zu der Hoffnung berechtigen, daß der Druckfehlerteufel immer mehr von seiner Macht einbüßt. Amtsrat Kühne freigesprochen. Vor der Großen Potsdamer Straftammer fand gestern unter Vorsiz des Landgerichtsdirektors Dr. Hellwig die Berufungsverhandlung gegen den 41jährigen Amtsrat Heinrich Rühne von der Oberrechnungskammer statt.: wurde im Januar d. I. vom Schöffengericht wegen Diebstahls Don 3 wolf silbernen Wappenlöffeln, die er auf einer Auktion dem Potsdamer Obergerichtsvollzieher abgenommen hatte, an Stelle von drei Tagen Gefängnis zu 120 Mart Geldstrafe verurteilt. Sowohl Staatsanwalt als auch der Angeflagte hatten gegen das Urteil Berufung eingelegt. Im Laufe der Verhandlung begab sich die Potsdamer Straftammer zu einem Lokaltermin in das Potsdamer Auktionslokal, in dem der Amtsrat die zwölf Löffel gestohlen haben soll. Von den dort vernommenen Beugen wurde der Angeklagte schwer belastet. Nachdem das Gericht wieder auf dem Landgericht eingetroffen war, beantragte der Staatsanwalt wegen Diebstahls an Stelle von 14 Tagen Gefängnis eine Geldstrafe von 350 M. In der Begründung führte. der Anklagevertreter aus, daß der Angeklagte in frivolster Weise die Beamtenehre in den Schmuß getreten habe. Nach anderthalbftündiger Beratung wurde der Angeklagte auf Staatstoften frei gesprochen. In der ganz furzen Begründung führte der Vorsitzende aus, daß das Verhalten des Angeklagten in dem Auktions3weifel darüber, ob der Angeklagte sich die Löffel wirklich in lofal unbedingt sonderbar erscheinen muß. Aber es bestehen diebischer Abficht angeeignet habe. Grubeneinsturz durch Erdverschiebung. Bier Bergleute verschüttet. fämpferbund zu verbieten. Der Einspruch der preußischen Regierung zeigt allen, wie verfehlt der Kampf der Kommunisten gegen diese war. Wie in Preußen, so soll auch im Reich von den Republikanern die politische Macht erobert werden. Der letzte Mann muß darum am 20. Mai seine Wahlpflicht erfüllen, indem er für die Sozialdemokratie stimmt. Dem Redner dankte brausender Beifall. Mit einem dreifachen begeistert aufgenommenen auf die Partei fand die machtvolle Rundgebung ihr Ende. och gearbeitet. Inzwischen ist es gelungen, mit einem der Bergleute eine Verständigung aufzunehmen. Ob die übrigen verschütteten Bergleute noch am Leben sind und ob sie zu retten sein werden. steht bis jetzt noch nicht feft. Beuthen, 19. April waren, fanden die Berunglüd teu nur noch als Leichen auf, deren Bergung jedoch bisher noch nicht gelungen ist. 15 Tote in Philippopel. Berwüstungen infolge des letzten Erdbebens. Sofia, 19. April Aus Philippopel wird gemeldet, daß das Erdbeben der ver. gangenen Nacht in den fiefer gelegenen Stadtteilen mit besonderer Heftigkeit verspürt wurde. Mehrere Tabakschuppen stürzten zusammen und begruben Menschen unter ihren Trümmern. Die Zahl der Toten wird mit 15, die der Berlegten mit 80 angegeben. Die Rettungs- und Aufräumungsarbeiten sind im Gange. Der südöstlich von Philippovel gelegene Bahnhof Papaz1y wurde zerstört, ebenso die LandDie Marihebrüde bei Papazly und wirtschaftsschule in Satovo. der Bahnhof von Philipoppovo wurden beschädigt. Der Bahnförper in der Nähe von Papazly hat sich auf einer Strede von zwei Kilomefer um zwei Meter gesenkt. Von den Erdstößen, die um 9 Uhr abends einschten und bis 2 Uhr nachts dauerten, war der erfte und der letzte am heftigsten. Der Ministerpräsident und der miniffer für öffentliche Arbeiten haben sich nach Philippopel begeben, Jn Tschirpan, das bereits in der vorigen Woche von einem Erdbeben schwer heimgesucht wurde, bemächtigte fich der Bevölkerung eine solche Panit, daß mehrere Personen den Verstand verloren. Verkehrsflugzeug notgelandet. Zwischen Zürich und Stuttgart.- Paffagier verlegt. Gestern mußte das auf dem Fluge von Zürich nach Stuttgart befindliche Verkehrsflugzeug D 946 wegen schlechten Wetters eine 3wischenlandung bei Spaichingen vornehmen. Bei der Landung wurde die Maschine teilmeise schwer beschädigt. Einer der acht Insassen erfitt einen Beinbruch. Bei dem tektonischen Erdbeben, das sich gestern im Grubenbezirk von Beuthen ereignete, und auf den Grubenabbau 5-6 kilometer Breite erschüttert worden sein. Auf der Karstenzurückzuführen ist, soll ein Gebiet von 15 kilometer Länge und Zentrum- Grube der Schlesischen Aktiengesellschaft ist eine Strede 30 Bruch gegangen, bei der vier Bergleute verfchüffet wurden., An der Bergungsarbeit wurde die ganze Nacht hindurch willkommen. Un Heber Probleme des Berliner Krankenhauswesens fbricht Stadtarst Benoffe Dr. Stora& in einer Sigung der Berliner Gefellschaft für öffentliche Gefundheitspflege am Dienstag, bent 24. April 1928, abends 8 Uhr, im Ongienischen Institut der Universität Berlin, Dorotheenstraße 28 a. Gäste 1 STADT BEILAGE DES Zur Neuordnung des Bestattungswesens. Mit im Vordergrund der Verwaltungssorgen der Stadt Berlin steht die Neuordnung des städtischen Bestattungswesens. Der Magistrat hat jetzt durch seine Deputation für das Siedlungs- und Bohnungswesen umfangreiches Material zusammengestellt, das nicht nur einen intereffanten Aufschluß über die Berliner Friedhöfe und den Betrieb auf ihnen gibt, sondern auch Probleme streift, die für die Berliner Bevölkerung von großer Bedeutung sind. Zurzeit sind im neuen Berlin nicht weniger als 249 Friedhöfe vorhanden. Von diesen gehören 154 den Kirchengemeinden und nar 88 der Stadt Berlin. Ferner find noch als Friedhofseigen tümer der Staat, 2 Privatpersonen und die russische und türkische Kolonie zu verzeichnen. Die 249 Friedhöfe haben eine Gesamtgröße von etwa 1025 Heftar und find mit schäzungsweise 150 Hektar in Bauzone V, mit 80 hektar in Bauzone IV, mit 175 Settar in Bauzone III, mit 360 Heftar in Bauzone II und mit 270 hektar in Bauzone I gelegen. Die hohe Zahl der firchlichen Begräbnispläge erklärt sich daraus, daß bis zum 17. Jahrhundert die Betattung der Toten ausschließlich als Aufgabe der Kirchengesell chaften galt. Erst nach dieser Zeit wurden bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts vereinzelt Gemeindefriedhöfe angelegt, aber beinahe ausschließlich zur Beerdigung der Ortsarmen benutzt. Ende des 19. Jahrhunderts trat jedoch hierin ein erheblicher Wandel infofern ein, als nun auch diejenigen Kreise der Bevölkerung, die fich innerlich überhaupt nicht mehr oder nicht mehr so start wie früher mit der Kirche verbunden fühlten, die Bestattung auf einem Gemeindefriedhof wünschten. Dieser Wandel wurde natürlich von den Kirchenbehörden mit großer Sorge verfolgt. Sie wollten ihren Einfluß auf die Bevölkerung nicht nur behalten, sondern noch stärken. Das Bestreben ist durchaus verständlich, wenn man bedenkt, daß jeder Kirchenaustritt auch eine Minderung des Kirchen Steuerfolls bedeutet. Der Krieg 1870/71, der industrielle Aufchwung Deutschlands, die Freidenferbewegung, Die Einführung der Feuerbestattung und legten Endes der Welt frieg 1914/18 mit seinen für die deutschen Arbeitnehmer so nieder drückenden Wirkungen waren naturgemäß ein guter Nährboden für die Einstellung der breiten Masse gegen die Kirche. Ihr konn ten die Kirchengemeinden nicht Einhalt bieten und wollten nun wenigstens ihre Sonderstellung als Friedhofseigentümer festigen. Um dieses Ziel zu erreichen, erwarb die Berliner Stadtfynode | Hauptfriedhöfen zu errichten, wird sicher die Zustimmung der überwiegenden Mehrheit der Berliner Einwohner finden. Einen meite: ren Teil der Neuordnung des städtischen Bestattungswesens bilden die Entwürfe für eine neue einheitliche Friedhofs- und Gebührenordnung. Hierbei sei auf eine bisher wenig bekannt gewordene Verpflichtung des Magistrats aus dem Jahre 1913 hingewiesen. Als im Jahre 1910 Alt- Berlin die Anlage eines neuen Gemeindefriedhofes be schloß, erhob das Konsistorium der Proving Brandenburg hiergegen Einspruch mit dem Erfolg, daß dem Magistrat Berlin die Verpflichtung auferlegt wurde, jeden Erwerber einer Grabstelle auf die Auslösung aus dem Barochialawang hinzuweisen, hierüber ein Protokoll aufzunehmen und die zuständige Kirchengemeinde schriftlich zu benachrichtigen. Durch die Erfüllung dieser Auflage würde sich die Stadt ohne weiteres der Kontrolle durch die Stadtfynode unterwerfen. Es ist eine Zumutung, die im Interesse der Selbstverwaltung nicht scharf genug zurückgewiesen werden fann. Im Entwurf der neuen Friedhofsordnung ist auch eine Bestim mung über den Parochialzwang nicht enthalten. Bisher fonnten Särge in jeder beliebigen Höhe zur Erdbeftattung verwendet werden. Für fünftig soll die zulässige Höhe einschl. des Fußes auf 75 Zentimeter festgelegt werden. Die Gebührenordnung sieht für Leistungen, die entweder notwendig oder unter den einfachsten Verhältnissen ortsüblich find, nur die Erhebung der Selbstkosten vor. Berhandlungen in der Deputation für das Siedlungs- und Wohnungswesen sowohl als auch in den Ausschüssen der Stadtverordnetenversammlung haben stets gezeigt, daß nicht nur die Linksparteien, sondern auch weite Kreise der bürgerlichen Vertreter der Ansicht sind, daß nicht nur die Bestattung selbst, sondern auch die Lieferung des Sarges, der Leichenwäsche, die Stellung des Leichenwagens und die Ueberführung nach dem Friedhof ausschließlich in den Händen der Gemeinde liegen follte. Diesen Wünschen und Anregungen wird durch die Vorfchrift, daß in Zukunft bei Bestattungen auf städtischen Friedhöfen die Ueberführung durch das Stadtfuhramt erfolgen foll, Rechnung getragen werden. Das Stadtfuhramt besitzt schon seit einer Reihe von Jahren Kraftwagen für Leichentransporte, die sich außerordentlich gut bewährt haben. Es wird hier also feine Neueinrichtung notwendig, sondern gegebenenfalls der Ausbau der felben. Da nur die Selbstkosten zur Erhebung gelangen, wird die Maßnahme troz des zu erwartenden Widerspruchs der Leichenfuhr RK VORWARTS bremse und dergl. Genosse Klose, der Fraktionsredner der SPD., charakterisierte die unfruchtbare und heuchlerische Po litit der KPD., die in der Verkehrsdeputation dem 20- Pf.- Tarif zugestimmt habe und öffentlich sich über ihn entrüste, die über lange Arbeitszeit der Straßenbahner flage und die Gewerkschaften, die mit ganzer Kraft sich für eine fürzere Arbeitszeit einsehen, zerschlage. Dieser unfruchtbaren und verderblichen Politik gegenüber deďte Genosse Klose die wahren Gründe der Berliner Berkehrsnöte auf. Er wies darauf hin, daß es in Berlin im Jahre 1913 9000 Automobile gab, heute aber 67 000. Diesen gewaltig gewachsenen Berkehr vermögen die Straßen Berlins nicht zu bewältigen. Es gäbe nur zwei Wege: 1. Die Straßen werden zu wirklichen Berkehrsstraßen ausgebaut. 2. Durch Bau von Untergrundbahnen die Straßen zu entlasten. Beide Projekte kosten viel Geld: ein Kilometer Untergrundbahnbau an manchen Stellen bis 10 Millionen Mark. Die KPD. habe wohl bei der Beratung des diesjährigen Stadthaushaltsplanes nicht weniger als 170 Anträge gestellt, aber nicht einen ein3igen Weg zur Durchführung dieser Wünsche zeigenfönnen. Bei einer Anfrage der Demokraten an das Bezirksamt, wann die Wege im Sportpart Rehberge freigegeben würden, fam der dringende Wunsch der Bevölkerung nach einer Beschleuni gung der Angelegenheit zum Ausdrud. Zum Schluß nahm die Verfammlung einen Antrag an, eine bessere Straßenbahnver= bindung von der Invalidenstraße durch die Adferstraße nach dem Krematorium in der Gerichtstraße zu schaffen. Neue Straßennamen in Neukölln. Anfang des 20. Jahrhunderts große Geländeflächen in Ahrensfelde, unternehmer im Interesse der Bevölkerung durchgeführt werden ihnen benenne. Die Linte stimmte gegen den Ausschußantrag und müssen. APD., Politif." Mühlenbed und Stahnsdorf und richtete dort Zentralfriedhöfe ein, die infolge ihrer Größe auf mehrere Jahrhunderte zur Beerdigung Die vorstehenden Ausführungen werden einen Einblid darüber der Anhänger der evangelischen Landeskirche dienen fönnen. Es ist selbstverständlich, daß diese 3 synodalen Kirchhöfe sich erst des gegeben haben, daß das Problem des Bestattungswesens die Stadt erwarteten Zuspruchs erfreuen lönnen, wenn die über 100 tleinen Berlin lebhaft beschäftigt und die zuständigen Stellen der Stadt Friedhöfe der evangelischen Kirchengemeinden für Beerdigungsverwaltung bemüht sind, das gesamte Bestattungswesen dem Geiste zmede geschlossen sind. Bis zu diesem Zeitpunkt bleiben die 3 er- der neuen Zeit anzupassen. mähnten Kirchhöfe Zuschußbetriebe für die Synode, d. h., die entftehenden Ausgaben werden durch Begräbnisgebühren nur zum Teil gedeckt und müssen in der Hauptsache aus dem Aufkommen an Kirchensteuern beglichen werden. Auch dieser Umstand mag für die Synode ein Grund gewesen sein, durch die Bresse anregen zu laffen, die kirchlichen Zentralfriedhöfe auch für die Zwede der Stadt nuhbar zu machen oder mit anderen Worten, die Stadt möge auf die Unterhaltung eigener fommunaler Zentralfriedhöfe möge auf die Unterhaltung eigener fommunaler Zentralfriedhöfe ganz oder teilmeise perzichten. Einen solchen Berzicht zu erwägen, hieße von dem Recht der Selbstverwaltung nicht Gebrauch zu machen, den die überwiegende Mehrheit der Berliner Bevölkerung in dieser Frage von den Gemeindetörperschaften erwartet. Die Stadt Berlin wird die Hilfe der Stadtfynode nicht in Anspruch nehmen, aber es auch ganz entschieden ablehnen, ihrerseits zur Besserung der Finanzlage der Kirche beizutragen. Dringend notwendig ist die Schließung aller Begräbnisplätze innerhalb des eng bebauten und dicht bevölferten Stadtgebietes. Die durch diese Maßnahme zu gewinnenden Freiflächen werden etma 400 Hettar groß sein und als öffentliche Anlagen recht er. heblich zur Aufloderung der Wohngebiete beitragen. Die Berliner Gemeindebehörden versuchen, das Friedhoisproblem durch die burd Anlage mehrerer Hauptfriedhöfe in den verschiedenen Außenbezirken an der Weichbildgrenze zu lösen. Bei der Errechnung des Bedarfs an Gelände ist davon ausgegangen, daß Berlin einmal eine Einwohnerzahl von 10 Millionen haben wird und Erd- und Feuerbestattung im gleichen Ber hältnis erfolgen werden. Unter Berücksichtigung dieser und noch einer Reihe weiterer Umstände ergibt sich ein Bedarf an Gelände von insgesamt 600 Heftar. Ueber die Zahl und die in Aussicht genommene Lage der fünftigen Berliner Hauptfriedhöfe kann im Augenblick deswegen nichts gesagt werden, weil noch ein Teil des Geländes anzufaufen ist und Breistreibereien nicht Borschub geleistet werden soll. Unbedingt notwendig ist jedoch, daß der Er werb mit tunlichster Beschleunigung durchgerührt und das Gelände durch Ausweisung als Freifläche sichergestellt werden muß. Ueber die städtischen Krematorien haben wir an dieser Stelle bereits gelegentlich der Leichenberaubung in Wilmersdorf eingehend berichtet und brauchen hier nur folgendes ergänzend hinzuzufügen. 5 Feuerbestattungsanlagen werden für ausreichend erachtet. Jede Anlage soll 3 Defen und 3 Kapellen zum Abhalten der Trauerfeiern erhalten. Zur Sicherung eines von Anfang bis Ende würdigen Verlaufs der Feierlichkeit wird die Zeit für die einzelne Veranstaltung nicht mehr%, sondern Stunde dauern. Auch wird es in Zukunft möglich sein, die Feiern in der Zeit von 10-18 llhr, statt bisher von 8-19 oder gar 20 Uhr abzuhalten. Die Absicht, fortan Krematorien nicht mehr im Zentrum der Stadt, sondern auf den künftigen Berliner Die letzte Sigung der Bezirksverordnetenversammlung stand im Zeichen des beginnenden Wahlkampfes. Einen Antrag, die Berliner Straßenbahnbetriebsgesellschaft zu veranlassen, das Straßenpflaster im Gleisbereich der Straßenbahn in verkehrswürdigen Zustand zu halten, benußte die KPD. zu einer allgemeinen Wahlrede über Straßenpflaster, Sparmaßnahmen, Millionenüberschüsse, LuftdrudDie Bezirksversammlung beschäftigte sich mit einem Dringftohteitsantrage der Sozialdemokraten, 2000 r. für eine Werbesportwoche des Neuköllner Arbeiter- Sport- und Kulturkartells zu bewilligen. Da sämtliche bürgerliche Parteien der Dringlichkeit widersprachen, konnte dieser Antrag leider nicht verabschiedet werden. Sodann stand eine Vorlage des Bezirksamtes zur Diskussion betr. Umbenennung von Straßenim 14. Ver= waltungsbezirt. Hiergegen liefen besonders die Deutschnationalen Sturm. Aber auch die Mitte hatte einiges an den vorgeschlagenen Umbenennungen auszusetzen und sie wollte, zum soundsovielten Male, diese Angelegenheit noch einmal an den Ausschuß zurückvermeisen. Unser Fraktionsredner, Genosse Großmann, verteidigte die Borlage und betonte, daß endlich auch in Neukölln altes Unrecht gutgemacht und eine Ehrung von Republikanern und Arbeiterführern dadurch herbeigeführt werde, daß man Straßen und Pläge nach ficherte die fofortige Annahme der Vorlage, wonach u. a. die Bergstraße und Berliner Straße in August Bebel bzm Friedrich Engels- Straße, die Emfer Straße in Suéstraße, die Fontanestraße in Roja Luremburg- Straße, die Jonas straße in Reichpietschstraße, die Kaiser- Friedrich- Straße in Karl- Mart- Straße, die Knesebecstraße in Robert Blum Straße, die Köllnische Allee in Luise 3ietz Allee und weitere Straßen in Bruno- Schönlant- Straße, onrab haenisch- Straße, Moltenbuhrstraße, Silberfteinstraße und der Schulenburgpart in Käthe- KollwitzBart umbenannt werden. Nach Verabschiedung dieser Vorlage wurde einem sozialdemokratischen Antrage zugestimmt, der das Bezirksamt ersucht, bei der Leitung der Untergrundbahn dahin zu wirken, daß bei der notwendig gewordenen Räumung des Kleingartengeländes an der Grenzallee den Kleingärtnern Entschädigungen gezahlt werden. = F M Der Rundfunk und der erste Mai. Keine Maifeierübertragungen? 2013 fungen selbständig vorzunehmen, wäre es überflüssig, ein Ergebnis Deshalb hat der Arbeiter- Radiobund in einem Schreiben an Sie Rundfunkdirettionen erneut auf die unbedingte Notwendigkeit einer Berücksichtigung der Bedeutung des 1. Mai im Sender aufmerfiam gemacht. Bir Sozialisten haben den 1. mai zum Weltfeiertag erhoben, I richtete, versprach der Innenminister eine Brüfung unserer Forde der heute mehr denn je als ein Aft beginnender Bölferversöhnung rungen. Auch wenn Keubell jemals in der Lage gewesen wäre, Brü zu gelten hat. Bon der Arbeiterschaft wird er mit derselben Be geisterung wie vor 39 Jahren gefeiert. Beranstaltungen und Fest: lichkeiten, die auf den Weg der sozialistischen Gesellschaftsordnung hinweisen, müßten schon ihres fulturellen Inhalts wegen durch den Sender verbreitet werden. Die Arbeiterschaft, die die weitaus größte Zahl der Rundfunfhörer stellt, fordert diese Uebertragungen, die wichtiger sind, als wenn der Sender nationalistisch gefärbte Kundgebungen aus Tannenberg und aus dem Reid Reichstag übernimmt. Der Arbeiter Radiobund, dessen Borsig der Staatss fefretär Friedrich Eberts, Curt Baafe, inne hat, will den Rundfunk in den Dienst der fulturellen Bestrebungen der Arbeiterschaft stellen. Er fordert darum die Uebertragung der Maifeiern, die der Reichsinnenminister v. Keudell, ohne daß er die bestehende BerDas Kabinett fügung aufhob, im vorigen Jahr verboten hat. Braun hatte die Uebertragung der Maifeiern genehmigt, nachdem die Mitglieder des politischen leberwachungsausschusses Preußens, Genosse Heilmann und der Demokrat Riedel, gegen den Bolksparteiler Shah gestimmt hatten. Keudell griff in die Beschlüsse der preußischen Regierung ein, so daß es nur möglich war, an wenigen Sendern Vorträge, die auf die Bedeutung des Tages abgestimmt waren, zu übertragen. Nach den Angriffen, die Genosse Crispien während der Etatsberatungen im Ausschuß und im Plenum gegen die reaktionäre Tendenz der Sendedarbietungen Bon den m neun Sendedirektionen haben bisher fünf geantmortet. Der Mitteldeutsche Rundfunk 2.-G. unter Leitung von Dr. Jaeger teilt mit, daß er ein den Wünschen der Arbeiterschaft entsprechendes Programm für den 1. Mai nor bereite. Ebenso ist die Schlesische Funfftunde A- G, Breslau, bereit, den 1. Mai zu berücksichtigen. Der Berliner Rundfunt wird zwar fein Festprogramm zusammenstellen, wie es den Forderungen und Wünschen der Berliner Arbeiter entspräche, aber es foll ein Vortrag übertragen werden, durch den der Bedeutung des 1. Mai Rechnung getragen merden soll. Auch die„ Deutsche Welle" will einen entsprechenden Vortrag in ihr Programm einfügen. Der Westdeutsche Rundfunk beruft sich auf das bestehende Berbot des Innenministeriums, Hofft aber, eine Feier des der sozialistischen Weltanschauung nahestehenden Bastors Frizze aus der Trinitatistirche in Köln übertragen zu lönnen. Von den übrigen Sendedirettionen, zu denen natürlich auch München gehört, ist einerlei Antwort eingegangen. Kein Sender wird die Veranstaltungen der feiernden Arbeiterschaft am 1. Mai übertragen, die Vorträge werden gensuriert sein, so daß es nicht möglich ist, den Rundfunk gerade an diesem Tage als internationales Berständigungsmittel zu benutzen. 180 MONDAMIN PUDDING Vanille GESCHMACK MOND LAIN IN KH ☆ MONDAMIN Haselnuss PUDDING Eine interessante Nachricht für alle Hausfrauen! Es gibt vielerlei Süßspeisen, wie Flammeris, rote Grütze, Cremespeisen, Aufläufe usw., die Sie nur aus dem einzigartigen Mondamin bereiten.- Zwischendurch kochen Sie aber auch Puddings aus fertigem Puddingpulver. Daher wird es Sie gewiß interessieren, daß Ihr Kaufmann neben den bekannten Mondamin- Paketen jetzt auch ein fertiges Puddingpulver aus echtem Mondamin führt. Dieser Mondamin- Pudding" ist in Päckchen zu 10, 15 oder 25 Pfg. erhältlich. Er wird Ihnen bestimmt sehr fein schmecken; denn nur dieses Puddingpulver wird aus echtem Mondamin hergestellt! Und deshalb werden Sie es nicht bereuen, wenn Sie schon beim nächsten Einkauf daran denken: Neben Mondamin gibt's auch Mondamin- Pudding! Wahlkampf überall! endete die eindrucksvolle Kundgebung mit der Internationale" und Berliner 25 Millionen- Anleihe überzeichnet. einem Trommelmirbel der Reichsbannertameraden. In allen Parteilagern hat die Wahlarbeit eingefegt. Ein gutes Borzeichen für den 20. Mai ist es, daß die Bersammlungen der Splitterparteien und Gruppen und auch die der Bürgerblodparteien nur einen sehr mäßigen Besuch aufmeisen. Die Bersammlungen der Sozialbemotratie im Krematorium Gerichtstraße statt. find so start besucht, daß häufig die Polizei die Sale megen Ueberfüllung 1perren mußte. Auch die Kundgebungen am Mittwoch zeigten einen außerordentlich starken Besuch. Der Kreis Tiergarten hatte zu einer Rundgebung nach dem Gesellschaftshaus in der Wiclefftraße aufgerufen. Der Saal mar überfüllt. Landtagsabgeordneter Otto Meier hatte es übernommen, über die Preußenpolitif der Sozialdemokratie zu referieren. In seinen Ausführungen zeigte der Referent, warum die Sozialdemokratie das Bollwert gegen den Bürgerblod, die Breußenregierung gefchafefn hat. Die Kommunisten und die Rechte mögen teifen, so viel sie wollen, die Sozialdemokratie weiß, daß gerade die Breußenregierung vieles für die Arbeiterschaft geschaffen hat. Die Arbeit in Preußen war dadurch gehemmt, daß die Weimarer Koalition feine feste Mehrheit hatte. Geben uns die Mähler om 20. Mai die Mehrheit, dann werden wir noch ganz andere Arbeit leisten. Ueber die Reichspolitit sprach die Reichstagsabgeordnete Klara Bohm Schuch. Sie verstand es, die kulturellen Forderungen der Sozialdemokratie zu vertreten. Beiden Referenten dankte die Bersammlung mit stürmischem Beifall. Wahlagitation der Laubenkolonisten. Unseren Kleingärtnergenossen in den übrigen Kolonien fann eine ähnliche Wahlpropaganda im Interesse der Sozialdemokrati. schen Partei mur empfohlen werden. Die Beifetzung des Genoffen Paul Axelrod findet heute 18% Uhr Funkwinkel. 4 Am Sonntag veranstalteten unsere Genoffen in der Laubenfolonie Blantenfelde- Rosenthal eine Werbeaktion für Die Partei, als Auftakt zu den Wahlen. Begleite: von zwei Reichs bannertapellen durchzogen die Reichsbannerkameraben und Genoffen, trok des Schneegestöbers, die über 50 Hettar große Kolonie. Borwärts" und Frauenstimme" tamen zur Berteilung. Nach Be endigung des Umzuges versammelten sich die Teilnehmer und Kolonisten in dem etma 600 Personen fassenden Bereinshausiaal. Der Borwärts, Redakteur, Genosse Ektorn, wies in einer Ansprache auf die Bedeutung des Wahlrechts und der Wahlpflicht hin und damit auf die notwendige Aufrüttelung und Aufklärung der Nichtwähler und der Falschwähler. Insbesondere auch den Erstwählern, von denen die in besserer Stellung" tätigen Söhne und Töchter der Arbeitereltern sich häufig von den bürgerlichen Barteien beeinflussen ließen, sei der Standpuntt flarzumachen. Das freie Wahlrecht ist das Zeichen, in dem wir fiegen. wenn wir uns bewußt sind, was auf dem Spiel steht und bis zur Wahl wie bei der Wahl unsere Schuldigkeit tun. . Nach einer weiteren Ansprache des Genossen Schwabebahil Niemand fann heute dem Rundfunk den Bormurf machen, er fümmere sich nicht genügend um die jungen Autoren. Am Donners Kerr wird verpflichtet, Worte über Gerhard Pohl zu sprechen. tag geschahen fogar zwei Entdeckungen dieser Art. Selbst Alfred Es ist nicht flar zu erkennen, warum man den begabten Gehard Bohl unter Scheinwerferbeleuchtung rüdt. Bohl ist ein fluger Schriftsteller, aber fein Repräsentant moderner deutscher Dichtung, trotzdem er eine gut redigierte Zeitschrift herausgibt. Auch Kerr vermag nicht, die Bedeutung Bohls für die Literatur herauszu meißeln. Für die jüngsten Dichter beruft man nur Hermann Kajad als Interpreten. Trog überhafteter, nervöser Sprechweise umreißt Kasad tnapper und treffender die Porträts als Kerr. Er ist nicht manieriert und stellt auch nicht die eigene Persönlichkeit in den Bordergrund. Ein anschauliches Bild fann sich der Hörer nur von der Begabung Erich Günthers, des Lyrifers, formen. Leider muß gerade bei der Vorlesung einer dramatischen Szene die Sendung wegen Blizgefahr unterbrochen werden. Günthers Gedichte, aus einer romantischen Einstellung geboren, find von einem gelockerten und zuckenden Rhythmus und von einer Sprache, die Eigenleben und Abkehr von verstiegenen und abgegriffenen Sakprägungen erweist. Bei dem jungen Martin Raste zeigt fich in einem Essay über die junge Generation unbestechliche Erfenntnis der augenblicklichen Lage, eine flare Gedankenführung und eine fritische Begabung. Die Kapelle Otto Kermbach ſpielt Ballettmusif, die ziemlich willkürlich zusammengestellt ist. Außer 3ar und Zimmermann" bringt das Konzert nur weniger bekannte Sachen. Das ist an sich gut, aber man foll beispielsweise nicht die Balletts der Königin von Saba spielen, wenn sie im Grunde nichts als ein schwächlicher Absatz der Ballettmusif aus Margarethe" find. Dazu spielt die Kapelle diesmal wenig nüanciert. Am Abend vor der Stunde der Lebenden" Kirchenmufit. Das ist zuviel des Lebensernstes. Die Mehrzahl der Hörer gehört bestimmt nicht zu den orthodoxen Kirchgängern. Könnte nicht die Leitung der Berliner Funtstunde die Kirchenmujit bis zur nächsten Karwoche ruhen lassen? F. G. " Wie die Breußische Staatsban? bem Amtlichen Preußischert Pressedienst mitteilt, ist die Zeichnung auf die 25 Millionen Goldschazanwerfungen der Stadt Berlin bereits gestern, alfo Dor dem Ende der Zeichnungsfrist, geschlossen wor den. Die Anleihe ist beträchtlich überzeichnet worden. Dieses Era gebnis ist in hohem Maße erfreulich und zeigt, daß es richtig mar, daß auch die Stadt Berlin den Weg einer vorläufigen, an sich niedrig verzinslichen, aber durch den hohen Einlösungsfurs für die Kapitalanlage bodh günstigen Anleihe gegangen ist. Die zweiten 25 Mil fionen, die Berlin ausgeben will, werden nach dem günstigen Er folg dieser Anleihe wohl bald zu erwarten sein. Sport. Rennen zu Mariendorf am Donnerstag, dem 19. April. 1. Rennen. 1. Heideblume( 8. Mills), 2. Soblenfönig( P. Kinn), Ferner 3. Louisette( Kauß fun.). Toto: 15:10. Blat: 11, 18, 94: 10. liefen: Storypbäe, Schüler Teddy, Efparfette, Laterne, Dancing Girl, Niederländer, Diana Magowan, Malteser. 2. Rennen. 1. Arnim( Treubers), 2. Hannibal( Ringius), 3. Augias ( Mills). Toto: 24:10. Blab: 29, 22, 30: 10. Ferner liefen: Barmenio, Rellu Arnold, Bierbe, Baronet e Fahrenheit, Theokrat, Biebermann, Maimorgen, Jrrwisch, Atlas, Modena. E., 3. Rennen. 1. Graf Dorn( Befiber), 2. Bropeller( Befizer), 3. Deutider( G. Müller). Toto: 19: 10. Blab: 13, 30, 72: 10. Ferner, liefen: Monostatos, Erboring fun, Halma, Hella Timofo, Duinteſſenz Campanula, Mirabelis I, Möglich. 4. Rennen. 1. Dawson Batts( Anbpnadel jun). 2. Natal( Sedert), 3. Barometer( Sinorasti). Toto: 90: 10. Blast: 24, 20, 97: 10. Ferner liefen: Roblenfönigin, Dompfaff I, Frankenſtein, Botsdam, Brinzessi Etamah, Luftschiffer, Terraria, Corona Mc. Kinney, Interessent, lud, Noordwht, Good Boy, Mary Guy, Peralta. 5. Rennen. 1. Nehoferin( Freundt), 2. Leffing( Befizer), 3. Harfene mädchen( Sinorasli). Toto: 41:10. Blak: 16, 31, 18:10. Ferner liefen: Heimdhen, Beate, Campanula, Bartburg, Glüdevogel, Haga Burton, Mode dame, Anker I, Turandot. 6. Rennen. 1. Magowan jun.( Ch. Mins), 2. Cotta( Sleufener), 3. Willy A.( Jauk jun.). Toto: 13:10. Blak: 11, 14, 13:10. Ferner liefen: Johannistäfer, Alpengeier, Mareel, Satyre. 7. Rennen. 1. Erasmus( C6. Mills), 2. Invafion( Beiß), 3. Meifter B. Babr). Koto: 21: 10. Plat: 12, 18, 13:10. Ferner liefen: Atmart, Copal, Flamingo, Carl Eugen. 8. ennen 1. Rato- Bube( Sauß jun.), 2. Sfegrim( Rozal), 3. Eine fiebler( 3. Mills). Toto: 15: 10. Plat: 11, 13: 10. Ferner liefen: Jda Balos, Schnadahüpfl. Bei Gicht,| Jschias,| Nerven- u. Kopfschmerz, Rheuma, Grippe Erkältungskrankheiten haben sich Togal- Tabletten hervorragend bewährt Ein Versuch überzeugt! Jn allen Apotheken Preis Mk.1.40 Togal Unschädlich für Magen und Herz Über 3000 Arzte, bestöligen die hervorragende Wirkung des Togal Togal scheidet die Hamsaure aus! Auf Teilzahlung Elegante Herren- Moden fertig und nach Maß. Garantiert für tadellosen Sitz und Verarbeitung. Nur Qualitätsware zu konkurrenzlos billigen Preisen erhalten Sie aur in der Maßschneiderei J. Kurzberg Eingang Oranienstraße 160 u. Chausseestraße 1, str. Kein Waren- Credithaus. Verkäufe Bekleidungsstücke, Wäsche usw Aeltestes Spezialgeschäft. Benig getragene, teils auf Seide ge Nähmaschinen Nähmaschinen. 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April 1 928 Rentabilität des Ruhrkohlenbergbaues Das Mehrheiisguiachien der Gchmalenbach-Kommiffion und das Gondergutachien von Nr. Baade. Da5 Gutachten der vom Reichswirtschaftsminister unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Schmalenbach eingesetzten Kommission über die Loge des rheinisch-westsülischen Steinkohlenbergbaues unter besonderer Berücksichtigung der Rentabilität unterscheidet sich von dem Gutachten der ersten Schmalenbach-Kommission über den Braun- tohlenbergbau in sachlicher wie in formaler Beziehung. Sachlich ist zunächst zu betonen, daß diese Kommission sich nur auf die Unter- suchung der Rentabilitätssrage aus Grund des gegenwärtigen Standes beschränkt hat, und daß sie die Frage der Möglichkeit von Ersparnissen in der Kosten- Wirtschaft, die bei der Braunkohlenuntersuchung das eigentliche Thema»war, aus ihren Betrachtungen vollkommen ausgeschaltet Hot. Der Form nach besteht der große Unter- schied darin, daß das Braunkohlengutachten ein einheitliches Votum war, während bei dem Steinkohlengutachten die Mehrheit der Kam- miffion, bestehend aus dem Vorsitzenden, aus den Generaldirektoren SoripHorum und Stein und Dr. Luft, zu Ergebnissen gelangt, die sehr erheblich abweichen von dem Sondergutachten des Genossen Dr. Baade. Alte Grundlagen der llntersuchuug. Di« Kommission ist bei der Rentabilitätsberechnung in erster Linie ausgegangen von dem Vergleich zwischen Selbstkosten und Erlösen, dem die Untersuchungen des Reichswirt- s ch a f t s m i n i st e r i u nl s bei drei Bergwerksgesellschaften für den November 1927 zugrunde lagen. Die durchschnittlichen Selbstkosten je Tonne Kohle betragen nach den Untersuchungen des Reichswirt- fchastsministerkims für den November ohne Abschreibungen 13,64 M. Davon entfallen aus Löhne 7,65 M., das ist, wie die Kommission hervorhebt, einschließlich der Abschreibungen annähernd die Hälfte der gesamten Kosten. Rechnet man die Gehälter mit 0,93 M. und die Ausgaben für Sozialversicherung mit 1,18 M. hinzu, so werden durch die persönlichen Unkosten 59 Proz. überschritten. 59 Proz. der Selbstkosten für Löhne bedeutet immerhin, daß noch 59 Proz. an Kosten anderer Art vorhanden sind, d. h. also daß nicht die Löhne ollein für die Preisgestaltung ausschlaggebend sind. Bon den einzelnen Posten, die die Unkostenrechnung enthält. wurden in der Kommission die Berechnungen des Reichswirtschafts- Ministeriums für Bergschäden in Höhe von 15 Pf. je Tonne in Zweifel gestellt. Diese Berechnung berulst darauf, daß das Reichs. wirtschatfsministerium von den tatsächlich gezahlten Berg- schöben der Jahre 1925. 1926 und 1927 ein Sechsunddreißigstel dem Untersuchungsmonat zugerechnet hat. Das Mehrheitsgutatchen hat sich auf Grund von Sachoerständigenaussagen auf den Standpunkt gestellt, daß die künftigen L a st e n des Ruhrbergbaues an Bergschäden weit vüh«r- die durchschnittlichen AuswenduNAen der vergangenen Jahre hinausgehen werden. Nach recht ausführlichen Darlegungen über" all e nUr denkbaren Momente, die die Lasten aus Bergschäden in der Zukunft einmal er- höhen.könnten, erklärt das Mehrheitsgutachten, völlig davon überzeugt zu sein, daß, wenn ein mittlerer Satz von 3 9 Pf. statt der vom Reichswirtschaftsministerium eingesetzten 15 P f. angenommen werde, sich die Kommission viel- mehr der Gefahr aussetze, die Bergschäden unterschätzt zu haben, als der gegenteiligen Möglichkeit. Das Sondergutachten von Dr. Baade lehnt diese Auffassung durchaus ab: in ihm werden die Sachverständigenaussagen einer methodischen Kritik unterworfen, und es wird auf Grund der Jnteressenlag« der vernommenen Sach- verständigen darauf hingewiesen, daß es sich bei ihren Angaben um stark subjektiv gefärbt« Meinungsäußerungen handle.'Es wird die Auffassung vertreten, daß der vom Reichswirt- fchaftsministerium ermittelte Durchschnittssatz von 15 Pf. je Tonne den tatsächlichen gegenwärtigen Verhältnissen entspricht. Mehrheit verlangt unsinnige Abschreibungen. Der wichtigste Streitpunkt war nun die Bemessung der Abschreibungen, die der vorerwähnten Kostenrechnung zuzu- schlagen sind. Das Reichswirtschaftsministerium hata fett mehreren Jahren mit einem Satz von 1,25 M. je Tonne gerechnet Entschei- dend für dos Ergebnis, zu dem man bei einer rechnungsmäßigen Prüfung der Abschreibungsquote gelangt, ist natürlich die grund- sägliche Aufgabe, die man den Abschreibungen zuweist. Das Mehrheitsgutachten betrachtet die Abschreibung als einen Betrag, den bei ordnungsmäßiger Wirtschaft jedes Produkt übrig lassen muß, um aus diese Weise die durch Verschleißen oder Vcr- alhen im Laufe der Zeit veiminderien Anlagcwerte in ordnungs- mäßiger Weise zu ersetzen, d. h. in einer Gestalt, daß eine normale Rationalisierung, die lediglich«in« Kapital- erhaltung und nicht«ine Kapitalvermehrung oder Kopitalvermin- derung einschließen soll, m ö g l i ch ist. Hier taucht der außerordentlich unklare Begriff einer „normalen Rationalisierung" auf. Wo die Grenzen zwischen normaler und unnormaler Rationalisierung liegen, bleibt ein Geheimnis der Betriebswisienschaft: uns scheint, daß eine„nor- male Rationalisierung"»ine ebenso unbrauchbare Konstruktion ist, wie auf anderen Gebieten der berühmte und berüchtigte„Normal- mensch". Die Kommisiion hat aber von diesem Begriff ausgehend Berechnungen für Anlagekosten und Abschreibungsprozente vor- genommen auf Grund von Anlagen, wie sie bei einer bestimmten Leistungskrast sein sollten und unter Zugrundelegung von Wieder- beschaffungskosten auf Grund der Preisangaben der Lieferwerke. Neben einer Abschreibung auf den Grundbesitz wird ferner ein« Abschreibung auf die W e r t s w o h n u n g e n berück- sichtigt, die damit begründet wird, daß die Wohnungsmieten nicht hinreichen, mn«twas für Abschreibungen übrig zu lassen. Aus dieser Summierung der Abschreibungen ergibt sich für die Mehrheit der Kommission ein« durchschnittliche Abschreibung von 1.74 M. pro Tonn« als angemessen. Das Sondergutachten des Genossen Dr. B a a d'e kommt in diesem Punkt zu einem radikal anderen Ergebnis. Während das Mehr- heitsgutachten es für nötig hielt, die traditionelle Abschreibung?- rate von 1,25 M. wesentlich heraufzusetzen, kommt Dr. Baad« zu dem Ergebnis, daß der angemessene Abschreibung!» s a tz erheblich unter diesem traditionellen Satz liegt, und zwar b e i 1, 9 4 M. p r o T o n n e. Dr. Baade geht davon aus, daß die Ab- fchreibungen grundsätzlich von den gegenwärtigen P.r o c d-uktiousaolagev, und zwar von den heutigen Wieder» beschaffungskosten ausgehen müssen.„Die überhohen Ab- schreibungssätze, die von Unternehmerseite in der Diskussion genannt wurden, erklären sich," so heißt es in dem Sondergutachten,„zum großen Teil daraus, daß man darunter den Wert derjenigen An- lagen versteht, die man als Ersatz für ausgediente Anlagen beschasfen möchte und zu beschaffen pflegt. Hierbei handelt es sich aber nun nicht um Anlagen von der gleichen Art oder der gleichen Leistungs- fähigkeit und den gleichen Betriebskosten wie die bisherigen, sondern fast durchweg um Anlagen, die technisch verbessert, unter Umständen auch leistungsfähiger sind als die bisherigen, vor allem aber, auf die Einheit des Produkts bezogen, mit geringeren laufenden Kosten arbeiten." Baad« hebt dann hervor, daß selbstverständlich ine Not- wendigkeit dieser fortgesetzten Modernisierung voll anerkannt wird. Diese Anerkennung besage jedoch nicht, daß die Modernisierung und die Schaffung leistungsfähiger und Kosten sparender Einrichtungen nur aus Abschreibungen zu bestreiten seien, am allerwenigsten aus Abschreihungen, die den Bestandteil einer Selbstkostenrechnung bilden Soweit eine Neuanlage teurer ist und erfolg- reicher arbeitet, als die alte Anlage, handelt es sich nicht nur um einen bloßen Ersatz, sondern um«inen Anlagen- zuwachs. Wollte man hier die Abschreibung so bemessen, daß nicht mir Anlagen von gleichem Wert, sondern wertvoller« und er- aiebigere Anlagen geschaffen werden können, so würde man Unvergleichbares zu kombinieren versuchen. nämlich die hohen laufenden Unkosten, die auf der weniger leistungsfähigen alten Anlage beruhen mit dem Kapitaldienst für die neuen Anlagen, deren Sinn es ja gerade sein soll, die lausen- den Unkosten zu senken. Dieser Grundsatz wirkt natürlich auch auf die Beurteilung der Lebensdauer, die der Abschreibung zugrunde zu legen ist. Die Mehrheit für Selbstfinanzierung. Die Mehrheitsmethode will die Gegenwart mit Ab- schreibungssätzen belasten, die in Wirklichkeit der Selbstfinanzierung von verbesserten neuen An- lagen dienen. Die andere, wie uns scheint, für eine Selbstkosten- berechnung allein zulässige Methode unterscheidet scharf zwischen den Abschreibungssätzen, die der Produktion beim gegenwärtigen Stande der Technik zuzurechnen sind, und den Aufwenudgen für die künstige Modernisierung, die Kapitalaufwendungen sind und in den Abschreibungssätzen erst nach dem Kapitalaufwand ihren Aus- druck finden dürfen. Das Baadesche Gutachten weist qusdrücklich darauf hin, daß auch der von ihm errechnete Satz von 1,94 M. noch gewisse stille Reserven infofern enthalte, als die eingesetzten Wieder Betrieb befindlichen Anlagen, sondern bereits eine �jeteifse lDiodeirnr sierung berücksichtigen. Abschreibungen auf Grundbesitz hält Baade für unangebracht, ferner lehnt er es ab, Abschreibungen auf den Bestand an Werkswohnungen als einen Bestand der Kohlenselbst kosten anzuerkennen. Wenn sich hier also in der Abschreibungsfrage auf Grund der theoretischen Ererechnungen der Hauptgegensatz in den Meinungen ergab, so hätte die Analyse der Rentabilitätsberechnungen auf Grund der Bilanzen und Gewinn- und Verlust- rechnungen für 1926, die die Kommission trotz aller Bedenken auf Grund der unzureichenden Publizität vergleichend herangezogen hat. vielleicht einen Prüfstein abgeben können für das Maß, in dem die eine oder andere Berechnung der praktisch von den Werken betätigten Auffassung entspricht. Diese Schlußfolgerung ist aber in dem Mehrheitsgutachten aus. der an sich sehr problematischen Be- sprechung der einzelnen Bilanzen keineswegs gezogen. Vielmehr geht das Mehrheitsgutachten bei diesen Besprechungen im allge- meinen so vor, daß es versucht, wie uns scheint mit gänzlich unzulänglichen Mitteln, abzuschätzen, inwieweit der Zu- gang auf den Anlagetonten der wirkllch erfolgten Vermehrung oder Modernisierung der Anlagen entspricht, und indem es die ausge- wiesenen Abschreibungen auf die Produktion umrechnet. Dabei zeigt sich, daß in einigen Fällen die Abschreibungen, die tatsächlich vor- genommen worden sind, über dem auch im Mehrheitsgutachten be- rechneten Durchschnittssatz liegen. In den meisten Fällen aber liegen die tatsächlichen Abschreibungen auf die produzierte Tonne wesentlich unter den Sätzen des Mehrheitsgutachtens, ja oft auch zum Teil erheblich unter den Sätzen der Abschreibung, wie die das Baadesche Gutachten be- rechnet. Die Kommission zieht aber aus diesen starken Abweichungen der Bilanzergebnisse gegenüber der theoretischen Berechnung nicht Keine Verkaufsnoi der Landwirtschast. Noch überraschend große Bestände in ihren Händen. Der Deutsche Landwirtfchaftsrat veröffentlicht zum 15. März die Prozentsätze, die sich von der Gesamternte des vorigen Jahres noch in den Händen der Landwirte befinden. Diese Bestände liegen durchweg beträchtlich höher als vor einem Jahre. Es befanden sich gegenüber dem 15. März 1927 noch unverkauft in den Händen der Landwirte: Winterweizen 28,9 gegen 18,2 Proz., Tom- merweizen 49,7 gegen 28,1 Proz., Winterrcggen 23,3 gegen 21,4 Proz., Kartoffeln 35,8 gegen 39,9 Proz,! Nur bei Winter- und Som- mergerste lagen die Bestände etwas niedriger, bei Hafer sind sie noch etwas höher. Das gleiche ergibt sich im ganzen Reich für die zum Verkauf verfügbaren Bestände. Daraus zeigt sich immer deutlicher, auch wenn man die schlech- tere Qualität der vorigen Ernte noch so sehr berücksichtigt, daß von einem Verkaufsdruck im Durchschnitt des Reiches keine Rede sein kann. Es ergibt sich die kaum glaublich« Taffache, daß unerhörte Notdemonstrationen, die unter der Land- bundführung tellweife an Verbrechen grenzten, mit im ganzen außer- ordentlich günstigen Beständen zusammenfallen. Dabei werden ge- genwärtig für deutsches Getreide noch nie vorhandene Re- kordpreife erzielt, so daß aus dem Verkauf des Getreides enffprechend hohe Rekorderlöse zu erwarten sind. Es ist kaum möglich, den demagogisch-politischen Charakter der Reichslandbund- aktion deutlicher zu unterstreichen, als es in diesen wenigen Ziffern geschieht. etwa den Schluß, an der Verläßlichkeit ihrer Berech» nungen zu zweifeln, sondern sie bemerkt in jedem ein- zelnen Falle, in dem die tatsächliche Abschreibung hinter der er- rechneten Durchschnittsabschreibung zurückbleibt, daß also die vor- genommenen Abschreibungen unzureichend waren, und sie schließt dann weiter, daß die ausgewiesenen Gewinne bei den unter- suchten Gesellschaften noch um erhebliche Abschreibungskosten gekürzt werden mühten. Wie weit auf der anderen Seite die Gewinne zu erhöhen wären um stille Reserven, die gebildet worden sind, läßt sich aus den Bilanz-Analysen nicht ersehen. Denn das Mittel, die als Unkosten verbuchten Anlagezugänge abzuschätzen durch einen Vergleich zwischen Anlagebuchwerten und Pro- d u t t i o n erscheint außerordentlich grob, da z. B. aus der Bilanz gar nicht zu ersehen ist, zu welchem Zeitpunkt in einem Jahre der Zugang der Anlagen erfolgte, und ob es des- halb irgendwie angängig ist, die Zugänge dieses Jahres zur Pro- duktion des gleichen Jahres in eine Beziehung zu setzen. Man wird deshalb es als sehr milde ausgedrückt bezeichnen können, wenn Dr. Baade in seinem Sondergutachten davon spricht, daß er die Auswertung dieser Bilanzen für ein„M a t e r i a l v o n ein- geschränkter Beweiskraft" hält. problematische Kosten und Erlöse. Stellt man nun die Selbstkostenberechnungen der Erlösrech- nung gegenüber, so ergibt sich, daß das Mehrheitsgutachten zu der Auffassung gelangt, daß auf die Tonne absatzfähiger Förde- rung ein Verlust von 9,27 Mark zu errechnen sei, während nach dem Sondergutachten Dr. Baabes ein Gewinn von 9,58 Mark pro Tonne verbleibt. Die Stichhaltigkeit der zu Grunde gelegten Selbstkosten und Erlösrechnungen bleibt in vieler Beziehung problematisch. Beson- ders wichtig ist deshalb, daß das Gutachten von Dr. Baade zum Schluß zur Beurteilung der wirklichen Rentabilitätslage daraus hinweist, daß die ganze Selbstkostenrevision darauf eingestellt sei. durchschnittliche Selbstkosten durchschnittlichen Erlösen gegenüberzustellen, während gerade der Bergbau da- durch gekennzeichnet werde, daß er nicht mit durchschnittlichen, son- dern mit außerordentlich stark differenzierten Selbstkosten zu rech- nen habe. „Wenn für den Durchschnitt der Betriebe nur ein mähiger Ausgleich zwischen Selbstkosten und Erlös gegeben ist, so muß für einen gewissen Anteil von Grenzbetrieben eine hoffnungslose Unrentabilität vorliegen. Daß im Ruhrkohlenbergbau solche Grenzbetriebe mit allzu hohen Selbsttosten und allzu niedri- gen Erlösen auch nach dem Ausschaltungsprozeß der letzten Jahr« noch immer vorhanden sind, ist nicht zweiselhast. Dieser Aus- beschäffungswerte älz� den'Zigenxn-Schätzungen der befragten Perkß- schaltungspkozeß ist noch kein�iMS Mm Ende gehpnmen. und beruhen, und inkol'grdess«» nicht in»--«Me Erhaltung der heute in et nJlrb sichlZweifMds Mch eine längere�Zcit hinziehen... Wenn Z also �gus- der. SelbstkoftenprüfuNg hen-vrgeht, daß der Durch- schnitt der Betriebe nur eben außer den laufenden Unkosten die nötigen Abschreibungen und eine mäßige Kapitalverzinsung aufbringen kann, und daß infolgedessen logischerweise eine größer« Anzahl von Grenzbetrieben weder Kopitalzinsen noch Ab- fchreibungen herauswirtschasten können, so bedeutet dieses für den Bergbau, dessen Rationalisierungs- und Zufammenlegungs- prozeß noch nicht abgeschlossen ist, nur einen durchaus normalen Zustand. Es wäre völlig verfehll, durch gewaltsame Preis- erhöhung oder Beschneidung der natürlichen Lohnentwicklung etwa eine.Rentabilität' auch für die Grenzbettiebe herbeiführen zu wollen." So kommt Baade aus den Kommissionsverhandlungen zu dem Schluß, daß für eine Polttik der S e l b st k o st« n s e n k u n g unter'dem Zwang des soziale» Fortschritts im Ruhrkohlenbergbau auch ohne Preiserhöhung noch gewisse Mög- lichkeiten vorhanden seien. Die Lohn- und Preispolitik im Bergbau kann sich nicht in einer schematischen Anwendung von Durchschnittsrechnungen, selbst wenn sie, was schwer erreichbar ist, richtig aufgemacht sind, erschöpfen, sondern sie muß stets mit berücksichtigen, in welcher Richtung der Druck liegen muß, der zur besten Gestallung der Produktionsverhältnisse in dem Gesamtgewerbe ausgeübt werden muß. Deshalb kann auch dieses in vieler Beziehung unzulängliche, in seinen Mehrhettsergebnissen zum Teil den Einfluß der Interessenten als Kommissionsmitglieder deutlich spiegelnde Gutachten, die berechtigten Forderungen der Bergarbeiterschaft nach erträglichen Löhnen durchaus nicht er- schüttern._ Zu den Stitlegungen im l�uhrgebiet. Eine ungenügende preußische Erklärung. Wir haben gestern die Meldung aus dem Ruhrgobiet gebracht, daß das Rheinisch-Westfälische Kohlensyndikat und der Zechenver- band attf die vom Landlag der preußffchen Regierung aufgegebene Verhinderung der Stillegung von Deimelsberg und eventuelle Kreditgewährung an Deimelsberg Einfluß genommen haben. Das Preußische Handelsministerium stellt durch den Amtlichen Preußischen Pressedienst fest, daß k e i n« r' e i derartige Einflüsie aus- geübt worden sind. Die Wirtschaftlichkeit des Weiterbetriebes auf Johann Deimelsberg sei lediglich nach sachlichen Gesichlspunkten geprüft worden; diese seien vor Vertretern der Presse und Gewerkschaften offen twrgelegt worden. Die letzte Bemerkung über die Information der Presse und der Gewerkschaften kann natürlich deshalb nichts beweisen, well die ge- samten Vorgänge bis zur Genehmigung der Stillegung allein von der preußischen Regierung selbst nachgeprüft werden können. Ange- sichts der außerordentlich schweren Lage der betroffenen Beleg- schaffen, die durch weitere Stillegung für das ganze Gebiet noch verschärft wird, kann ein Dementi nicht viel nützen. Es liegt ja der preußischen Staatsregierung auch noch die Anfrage der so- zialdemokratischen Landtagsabgeordneten Otter und K l u p s ch- Dortmund vor, was Preußen gegen die beabsich- tigte Stillegung von Deimelsberg und Zentrum IV— VI zu tun gedenk«, und ob das Staatsministcrium die vom Preußischen Landtag gefaßten Beschlüsse ausführen will. Darauf hat das Preußische Handelsministerium ebenfalls die Antwort noch zu geben. Unsere Forderung nach einer sofortigen gründlichen Unter- suchungaller Zusammen ha ng e ist also durch das preußi- {che Dcmmi noch keineswgs überflüssig, geworden. Der Bescheidene hat nie genug. Der Geschäftsbericht der Gesellschaft für Lindes Eismaschinen, eines führenden Konzerns in der Kältemaschinenindustrie, malt das vergangene Konjunkturjahr grou in grau. Danach fonnte nach dem Auslande nur ein ganz befcheibener Umfaß erzielt werden, da überall die niedrigen Weltmarktpreise hindernd im Wege standen, und auch im Inland blieb das Ge famtergebnis unbefriedigend, weil die unter schärf stem Drud der Konkurrenz erzielten Preise den Gestehungskosten nicht angemessen waren. Aus diesen Klageliebern Jeremiä befommt man den Einbrud, daß der Konzern 1927 hart am Berlust porbeigekommen sei, und ist natürlich bei der Durchsicht der Bilanz einigermaßen überrascht. Da entbedt der durch den Geschäftsbericht ganz erschlagene Leser, daß die Roherträge aus Werfen, Batenten und Beteiligungen von 7,2 auf über 10 Mill. Mart gestiegen sind, und daß trog erhöhter Abschreibungen und zwei neuer Rückstellungen von fast 600 000 m., noch ein Reingewinn von 2,4 gegen 1,8 mil. Mart verbleibt, so daß die Dividende von 10 auf 12 Broz. heraufgesezt werden kann. Wir wissen nicht, wie hoch eine Dividende bemeffen sein muß, um auch einmal die Unternehmer zufriedenzu stellen; soviel aber steht fest, daß die an die Aftionäre gezahlten 12 Broz. einen sehr hohen Gewinn darstellen. Und die sieben mit glieder des Aufsichtsrats merden sich doch wohl mit ihren 141 000 m. Tantiemen auch nicht beklagen?! Zeichnungsaufforderung auf RM 50000000.7% Deutsche Kommunal- Gold- Schatzanweisungen von 1928 der Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes mit seiner Bankanstalt der Deutschen Girozentrale- Deutschen Kommunalbank rückzahlbar zum Nennwert am 1. April 1931 ( 1 Reichsmarker kg Feingold) Stückelung: RM 10 000.-, 5000.-, 2000.-, 1000.-, 500.-. Der Deutsche Sparkassen- un Giroverband hat die ministerielle Genehmigung erhalten, in Gemeinschaft mit seiner Bankanstalt, der Deutschen Girozentrale Deutschen Kommunalbank, Berlin. eine Inhaberanleihe in Form von Kommunal- Schatzanweisungen auf den Inhaber im Inlande bis zum Betrage von 30 Millionen Reichsmark aufzulegen, wobei für jede Reichsmark der Preis von arso kg Feingold zu rechnen ist. Der Erlös der Schatzanweisungen ist zur Gewährung von Darlehen an deutsche Kommunalverbände zu verwenden. Die bisher ausgegebenen Deutschen Kommunal- Goldanleihen sind vom Reichsrat, für reichsmündelsicher erklärt worden. Für die vorliegenden Schatzanweisungen ist ein entsprechender Antrag beim Reichsrat gestellt worden.. Für die Sicherheit der Schatzanweisungen haften der Deutsche SparkassenDeutsche und Giroverband, sowie seine Bankanstalt, die Deutsche Girozentrale Kommunalbank in Berlin, and die ihm angeschlossenen deutschen kommunalen Giroverbände, sowie deren Bankanstalten, Girozentralen, mit ihrem gesamten Vermögen gemäß§ 5 der Verbandssatzungen. Für die Sicherheit der Verbindlichkeiten der kommunalen Giroverbände haften wiederum die in ihnen vereinigten Kommunalverbände( Städte. Kreise und größere Landgemeinden) mit ihrem Vermögen und ihrer Steuerkraft. In den Provinzen, in denen kommunale Giroverbände nicht bestehen. haften die angeschlossenen Landesbanken, hinter denen die Provinzen mit ihrem Vermögen und ihrer Steuerkraft stehen. 423 Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband ist eine Körperschaft öffentlichen Rechts. Sein gesamter Geschäftsbetrieb steht unter Staatsaufsicht. Die Deutsche Girozenti ale- Deutsche Kommunalbank ist die Bank Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes und gleichzeitig öffentliche Bankanstalt. Die Zinsen werden halhjährlich am 1. April und 1. Oktober jedes Jahres, erstmalig am 1. Oktober 1928 gegen den jeweils fälligen Zinsschein gezahlt. Die Rückzahlung erfolgt am 1. April 1931 zum Nennwert. Deutschen Komange Die Schatzanweisungen sind lombardfähig bei der Deutschen Girozentrale munalbank in Berlin, bei den der Deutschen Girozentrale Deutschen Kommunalbank schlossenen Girozentralen und Landesbanken, sowie bei sämtlichen deutschen Sparkassen. Die Zulassung der Schatzanweisungen zum Handel und zur Notiz an der Börse zu Berlin wird beantragt werden. Die unterzeichneten Banken und Bankfirmen legen hiermit die vorstehend bezeichneten RM 50 000 000.7% Deutsche Kommunal- Gold- Schatzanweisungen von 1928 des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes mit seiner Bankanstalt der Deutschen Girozentrale Deutschen Kommunalbank rückzahlbar zum Nennwert am 1. April 1931( 1 Reichsmark= 2750 kg Féingold) zur öffentlichen Zeichnung unter folgenden Bedingungen auf: Zeichnungen werden vom 20. bis 26. April 1928 einschließlich bei den nachstehend aufgeführten Banken und Bankfirmen während der üblichen Geschäftsstunden entgegengenommen. Vorzeitiger Schluß der Zeichnung bleibt vorbehalten. Der Zeichnungspreis beträgt 961% zuzüglich Stückzinsen vom 1. April 1928 bis zum Zahlungstage unter Abzug der Kapitalertragstener. Die Börsen umsatzsteuer( Schlußscheinstempel) geht zu Lasten der Zeichner. Die Zeichnungsstellen behalten sich die Höhe der Zuteilung vor. Zeichnungen mit mindestens sechsmonatiger Sperrverpflichtung werden vorzugsweise berücksichtigt. Die Bezahlung der zugeteilten Stücke hat in der Zeit vom 1. bis 5. Mai 1928 zu erfolgen. Die Zeichner erhalten zunächst von der Zeichnungsstelle ausgestellte Kassenquittungen, gegen deren Rückgabe die endgültigen Stücke alsbald nach Fertigstellung ausgehändigt werden. Anmeldungen auf bestimmte Abschnitte können nur soweit berücksichtigt werden, als dies den Zeichnungsstellen angängig erscheint, Ausführliche Prospekte sind bei den Zeichnungsstellen erhältlich. Im April 1928. Berlin, Braunschweig, Breslau, Dresden, Düsseldorf, Essen, Frankfurt( Main), Hamburg, Karlsruhe, Köln, Leipzig, Mannheim. München, Nürnberg. Preußische Staatsbank ( Seehandlung). Berliner Handels- Gesellschaft. Commerz- und Privat- Bank Reichs- Kredit- Gesellschaft Aktiengesellschaft. www Deutsche Girozentrale- Deutsche Kommunalbank zugleich namens der angeschlossenen Girozentralen und Landesbanken. S. Bleichröder. Delbrück Schickler& Co. Darmstädter und Nationalbank Kommanditgesellschaft auf Aktien. Deutsche Landesbankenzentrale A.-G. Direction der Disconto- Gesellschaft. Mitteldeutsche Creditbank. J. Dreyfus& Co. F. W. Krause& Co., Bankgeschäft Kommanditgesellschaft auf Aktien. Sächsische Staatsbank. Gebrüder Bethmann. Barmer Bank- Verein Hinsberg, Fischer& Comp. Kommanditgesellschaft auf Aktien. Aktiengesellschaft. Deutsche Bank. Dresdner Bank. Gebr. Arnhold. Gesellschaft mit beschränkter Haftung. E. Heimann. Hardy& Co. Simon Hirschland. ( Leihhausanstalt). Braunschweigische Staatsbank Deutsche Effecten- und Wechsel- Bank. Lincoln Menny Oppenheimer. Jacob S. H. Stern. Lazard Speyer- Ellissen. Vereinsbank in Hamburg. L. Behrens& Söhne. M. M. Warburg& Co. Norddeutsche Bank in Hamburg. Veit L. Homburger. Straus& Co. A. Levy. Sal. Oppenheim jr.& Cie. A. Schaaffhausen'scher Bankverein A.-G. J. H. Stein. Allgemeine Deutsche Credit- Anstalt. H. Aufhäuser. Süddeutsche Disconto- Gesellschaft A.-G. Rheinische Creditbank. Bayerische Staatsbank. Bayerische Hypotheken- und Wechselbank. Bayerische Vereinsbank. Merck, Finck& Co. Anton Kohn. Deutsche Vereinsbank Kommanditgesellschaft auf Aktien. Als Zeichnungsstellen in Berlin wirken außerdem mit: Brandenburgische Provinzialbank und Girozentrale und Girozentrale der Stadt Berlin. Berliner Stadtbank Kohlenförderung steigt. Auch noch im März. Die letzten Mitteilungen über die Lage des deutschen Bergbaues im Monat März zeigen die überraschende Tatsache, daß tro des bevorstehenden Sommergeschäfts im Monat März die arbeitstägliche Förderung im Ruhrbergbau noch etwas höher ist als im Februar. An 27 Arbeitstagen des Monats März wurden 10,86 Millionen Tonnen gefördert, während der Februar a it 25 Arbeitstagen eine Förderung Don 10,03 Millionen Tonnen aufwies. Die arbeitstägliche Märzforderung liegt also mit 402,14 Tonnen noch um eine Tonne höher als die Februarförderung. BAER- SOHN Marte Arbaer Hosen Herrenhosen gestreift, a. haltCultosen Cheviot u. kammgarnbar. kammgarn art. u. Satinstoff., 8., 6.90, 5.25,4 25 mod. Streifenmuster a. artigen Stoffen 18.50, 17., 15.aus f. uns gewebCottbuser Spezialhosen ten Cheviotstoffen, Material und Reißkraft geprüft 19.50 Maßersatz, Gestreifte Hosen a. Aachen. Kammgarn . 33-, 30.-, 26Tennis- und Strandhosen 340 1290 162218 25 aus modefarbenem und hellgrauem Wollcheviot, modern gemustert, z.T. mit unserem ges.gesch. Bundschluß je nach Qualität u Art, 24.-, 22.-, 19.50 Jünglingshosen kosten 10 Prozent weniger, Uebergrößen 10 Prozent mehr Knabenkniehosen mit RundLeibchenhosen bd. v. 2.75 von • 190 Herrenbreeches aus Homespun 560 Knickerbocker in mod. Farben von und braun Kordbreeches, 12.50, 10.verschied. Farb., 13.50 10 an 9Manchesterbreeches F. 1150 Baer Sohn A.-G. Chausseestraße 29-30 ATA fegt ATA den Schmutz Hinweg! Ata ist preiswert und gut! Ata ist das gute Scheuermittel! Innungskrankenkassed. Tischlerinnung) zu Berlin Bekanntmachung Die orbentliche Ausschußigung der Berber treter bet Raffenmitglieder imb Krause- Pianos Jnnungsmitglieder findet am Montag, zur Miete dem 30. April, um 18 2hr( 6 hr abends) im Holzarbeiterverbands W50, Ansbacherstra haus, SO 16, ungeftr. 30, Seitenflügel part, im Sigungsfaal statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Borstandes. 2. Abnahme der Jahres rechnung 1927 und Bericht des Rechnungs aussouffes. 3. Verschiedentes. Der Vorstand Otto Gronau, Borsigender Richard Witting, Schriftführer Deutscher Metallarbeiter- Verband Achtung! Achtung! Die Kollegen bes 5 unb 7. Bezirks treffen fich zweds Besichtigung der rbeiter Bohlfahrtsausftellung am Sonntag, beni 22. April, vormittags 10% Uhr. Charlottenburg, Frauenhoferstraße Ede Marchstraße. Die Ortsverwaltung.. NORDDEUTSCHER LLOYD BREMEN Regelmäßige direkte Abfahrten mil Doppelschrauben Dampfern für Reisende u. Auswanderer von Bremen nach CANADA Nähere Auskunft über Einreisebedingungen u. Abfahrten erteilt Berlin: Norddeutscher Lloyd, Agentur. Berlin, G. m. b. H., Unter den Linden 1( Hotel Adlon). Fernspr.: Zentr. 122 30 u 12231. F. Montanus, Generalvertretung d. Norddeutschen Lloyd, Invalidenstr. 93( zwischen Lehrter u. Stettiner Bahnhof), Fernsprecher Norden 12 241 und 7916 Weltreisebureau„ Union". Unter den Linden 22. Potsdam: E. Rössler. Brandenburger Straße 32. Wöch. Teilzahlung Eleg. Herren- u. Damenund nach Moden fertig Maß zu außergewöhnlich billigen Preisen Garantie 1. guten Sitz u. gute Verarbeitung Julius Fabian Maßschneiderei Große Frankfurter Str. 37 Kein Laden! Nur II. Etage! Genau auf Straße und Hausnummer achten! 00000 Sie können für 25 Pfg. 0000 00 eine gute Zigarre ver 00000 langen. Eine sehr gute aber: 000 00 D 0.0 Bertwina! Pieke, was tun Sle, eine köstliche JUHL wenn Sie ein Hühnerauge baben?" ,, Ich tu mir fußkrank melden, Herr Leutnant!" ,, Unsinn! Lebewohl wird verwendet, verstanden? Wie oft soll ich das noch sagen!" *) Gemeint ist natürlich das berühmte, von vielen. Aerzten empfohlene Hühneraugen- Lebewohl und Lebe. wohl Balienscheiben, Biechdose( 8 Pilaster) 75 Pfg., Lebewohl Fußbad gegen empfindliche Füße und FußZIGARRE schweiß, Schachtel( 2 Bäder) 50 Pfg., erhältlich in Apotheken und Drogerien. Wenn Sie keine Enttäuschungen erleben wollen, verlangen Sie ausdrücklich das echte Lebewobl in Blechdosen und weisen andere, angeblich ebenso gute Mittel zurück, Freitag 20. April 1928 Unterhaltung unö ÄVissen Seilage des Vorwärts Feuer im Vorderschiff! Von Volkmar Zru. Die..RijnlaiÄ»" trsch in der ersten Morgendämmerung di« Küste oo Klitong entlong und steuert« durch das Gewirr der kleinen Inseln der Gasporstraß« gegen Batavia. Bon Süden kam«in frischer Monsun auf und schüttelte so kräftig an dem kleinen, aven Kasten, daß auf Deck die zweihundert Schwein« in ihren Bambus� käsigen und ein« Schar auf Sumatra gefangener Papageien toll zu schreien begonnen. Slußer dieser lärmenden Fracht führt« der Dampfer noch eine Ladung Tabak und in der engen Zlchterkajüt« einig« Dutzend chinesischer Kulis in Ketten, alle aus den höllischen Zinnbergwerken von Bangka, verfrachtet wie Oelsavdinen in da« Zuchthaus von Batavia: Die meisten wegen Meuterei gegen die HuNdelöhn«,«in Opium. schmuggle r und zwo: Brüder, die einen Aufseher lahm geprügelt hatten. Jetzt hockten sie Leib an Leib in der stickigen Hitze de« finsteren Loches. Mitunter klirrten die Ketten. Keiner sprach, av«r alle lauerten— noch Mitternacht war ein« Konservenbüchse an einer Schnur durch da« Bullauge hereingeflogen. Der pockennarbige Li- Tung schrieb, sie sollten sich bereithalten. Cr war bei der Ein- fchiffung in Botu Rusak an Bord geschlichen und fütterte mit den malaiischen Wärtern die Schwein«.— Bor der Kajüte sah ein holländischer Kolonialsoldat, hielt seinen ÄoVtdiner umarmt und schnarchte wie ein Sögemerk.-»— Als nach vier Uhr der zweite Offizier zur Ablösung über Deck /lh-roankt«. blieb er zwischen den sammernden Schweinen stehen und /schnuppert«. Er spürte trotz de» infernalischen Gestankes einen scharfen Brandgeruch. Während er dem Kapitän Meldung macht«, stürzte schon der Obermofchintst kreideweiß au» einer Luke und schrie: „Feuer im Borderschiff!" Gleich darauf Schrillen von Pfeifen, Bimbambim der Schiffs- glock�, Plärren der Sirene über dem Schweinegequiek und Gezeter oer Papageien. Die Tabakladung brannte an dr«i Stellen, das Feuer war ge- legi!„Alle« an die Spntzenl" Das Schiff nahm Kurs gegen die nächste Insel. RückwärtsI heulten die Chinesen im Chor, niemand kümmerte sich darum. Bon den Offizieren bis zum letzten Küchenjungen turnte alles schweiß- triefend, nasse Tücher vor Mund und Nase, an den zwei Spritzen. Die gelben Trimmer krochen halb ohnmachtig vom Rauch die Elsen- stiegen hoch und steckten die russigen Köpf« in den Wind. Ratten huschten vorbei, der weiß«, beißende Qualm wurde dicker. Der norder« Feuerherd war bald erstickt, aber über die glimmenden Ballen konnte niemand zu den rückwärtigen Brandstellen vordringen — es blieb nichts übrig, als den ganzen Tabak unter Wasser zu Ktzen, sonst ging der Dampfer oercwvn.— Geschrei, Flüche. Eine Spritze war verstopft und unbrauchbar geworden. Rückwärts tobten tne Chinesen wie Irrsinnig«. Der Kapitän ließ ihnen W« Spangen abnehmen und komman- dierte sie zu den Eimern. Si« standsn in chrsn grauen Seinen. kittqkn in einer Rech« auf Deck, warfen die gefüllten Kübel von Arm zu Arm. Die Küste kam näh«, der weiß« Schaumstreif der Brandung wurde tn dem fahle» Morgenlicht deutlich sichtbar. Die„Rijnland" stand in«in« weißen Wolke im» mochte wegen der Untiefen halbe Fahrt. Ein Schuß— ein zweit«— Aufklatschen von Körpern im Wasser— die Gelben spraiMn Backbord kopfüber hinunter, v«- schwanden in d« hohen Dünung. Der Korporal verschoß sein Magazin in das Wass« und führte den einzigen Kuli, der geblieben war, weil er nicht schwimmen konnte, nach Acht«. Niemand kümm«te stch um die Flüchtlinge, denn die zweite Spritze war wieder in Ordnung und nach einer Stunde schwammen di« Tabakballen wie Fleischklöße in der Salz» sicppe, das ganze Schiff schwelt« wie ein übler Zigarrenstumpf und die Mannschaft hatte es mit dem Husten.— Die Inseln lagen setzt m strahlend« Sonne. Eine Flotill« von Einbäumen schaukelte zwischen den Riffen und schleppte mit. was von den Chinesen nicht ertrunken war. An Bord zählte alles durch die Gläs« die nackten, hellen Körper—«s war kaum di« Hälfte übrig geblieben.—-—— Als die Einbäum« in den dichten Mangrovenfümpfen vet- schwunden waren, wurde eine Extroportion Rum verteilt, dann nahm die.Mjnland" wieder Kurs gegen die offene See. Rückwärts in der Achterkajüt« hockte einsam der mag««, klein« Opiumschmuggler und starrte zu den blaugrünen Wällwrn hinüber. Fahrt durch den Panamakanal. Von Ann, Jranrä-Harrar. Fekaevbe Echllberung«In« Fahrt durch den Panamatanal, der da««ä*»« moderne Bauwerk Ist, entnrhmen wir ssrance.-Varrort> Buch: �rropen-Ämerila". ein Aug drr Abenteuer, Deutsche Buchgememschaft, Berlin. Di« Fahrt kann durch den Kanal in schnellstens viereinhalb Stunden beendigt sein. In Wirklichkeit muh man sieben bis zehn Stunden rechnen. Der Kanal ist nirgends schmäler als 100 Meter