€ r f d» e f n t täglich außer Sonntag«. Zugleich Abendausgabe des.Vonvirts*. Bezugsoreis für beide Ausgaben 70 Pf. pro Woche, S M. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW68, Lindenstr.Z Sfi&lauigaße xleh i}jbyv>wf46 Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeil« 80 Pf., Reklamezeile s M. Ermäßigungen nach Tarif. Poßscheckkonto: Vorwürts-Verlag G. m. b. H., Berlin iftr. 37536. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 BERLIN Montag 23. April ':i C 10 Pf. �r. 192 B 95 45. Lahrgang. Wahltag in Krankreich. Bisher-15 Sozialisten, kein Kommunist gewählt.- 125 Mandate endgültig beseht.— Stichwahlen nächsten Sonntag. ' V. Sch. Poris, 23. April.(Eigenbericht.) Der gestrige Wahlgang der französischen Wahlen hat erwor- tungsgemäß nur in einem Bruchteil der Wahlkreise ein e n d. gültiges Ergebnis gebracht. In 427� Fällen hat Stichwahl statt- zufinden, nur 175 Sihe sind endgültig beseht worden. Da die Entscheidung zumeist in sogenannten„sicheren Wahlkreisen' erzielt worden ist, lasten sich aus den Zahlen des ersten Wahlganges keine weitgehenden Schlüsse ziehen. Es sind bisher gewählt: S ozralisten............. 1£> Kommunisten.............. 0 Radikale und sozialistische Republikaner... 20 Gemästigte Radikale(Loucheur-Gruppej... 18 Gemästigte Gruppe(Richtung Poineare... 4t Rechtsrepublikaner(Nationalisten der Rich- tung Marin)............ 72 Konservative(Royalisten und dergleichen).. 13 Unzweifelhaft hat der Regierungsblock einen starken Er- folg erzielt. Die Parole Poincares:„Schützt den Franken und Schaffung einer stabilen Regierungsmehrheit' hat gezogen. Aber auch der rechte Flügel der Regierungskoalition, die nationalistische Gruppe Marin, hat fast durchweg sehr gut abgeschnitten. Die Sozialisten haben in Paris und Umgebung, wo die Partei seit der Spaltung nur über eine schwache Organisation ver- fügt, mäßig, zum Teil sogar schlecht abgeschnitten. In der Provinz, besonders in Marseille, Lyon und im industriellen Norden, sind die Resultate für die Sozialisten im allgemeinen erheblich bester. zum Teil sogar sehr gut. Leon Blum ist allerdings entgegen den zuversichtlichen Er- Wartungen der letzten Tag«, der kommunistischen Stimmungsmache zugunsten des geslllchteten Abgeordneten D u c l o s zum Opfer ge- fallen. Blum hat nur 600(1 Stimmen erhalten, rund 1400 weniger, als der zu 30 Iahren Gefängnis verurreilt« D u c l o s. Eine Stichwahl ist notwendig, da aber infolge des mörderischen Kampfes zwischen den beiden Arbeiterparteien eine Wahl des reaktionären Kandidaten in diesem überwiegend proletarischen Bezirk droht, ist Blum entschlossen, zugunsten von Duclos zurück- zutreten. In ganz Paris und Uingebung ist nur ein einziger Sozialist, der Führer der Autodroschtenchausfeure Fiancette, endgültig gewählt: weitere vier bis fünf Sozialisten haben günstig«, zum Teil sogar sichere Aussichten einer Stichwahl, es sei denn, daß die Kommunisten die wahnsinnige Parole Moskaus durchführen und ihre Kandidaten gegen sie aus reiner Bosheit auf- rechterhalten und den Sieg der Reaktion, die in der Haupt- stadt bereits nur allzu erfolgreich gewesen ist, dadurch fördern. Andererseits werden die Kommunisten die sozialistischen Stimmen am nächsten Sonntag dringend benötigen. Sie haben zwar im allgemeinen gut abgeschnitten, aber in ganz Frankreich bisher keinen einzigen Abgeordneten aus eigener Kraft durchbekommen. Selbst C a ch i n, weiter P a i l l e n t-C o u t u- rier, Marty und Doriot, denen die Regienmg einen Mär- tyrer-Nimbus verschafft hatte und die in„sicheren' Wahlkreisen ausgestellt waren, müssen sich zur Stichwahl stellen. Die Sozialisten betrachten es als ihre Pflicht, den Kommunisten dort zum Erfolge zu verhelfen, wo die Reaktion fönst siegen könnte. Vielleicht wird diese Tatsache die Kommunisten zur Gegenseitigkeit veranlassen. Die Kommunisten sind zwar bisher leer ausgegangen, aber sie können mit sozialistischer Hilfe etwa 15 Mandat« im zweiten Wahlgang erobern, vor allem in Paris und Umgebung. F o st o l l e M i n i st e r, die sich als Deputierte zur Wahl stellen mußten, sind im ersten Wahlgang wiedergewählt worden. insbesondere der Außenminister B r i a n d, der Marineminister Leygues, der Unterrichtsminister H e r r i o t und der Eisenbahn- minister Tardteu, die sämtlich erdrückende Mchrheiten erzielt haben. Der Handelsminister Bokanowski, von dem man an- nahm, daß ihm die Enthüllungen der beiden Weltslieger Costes und Le Brix das Genick brechen würden, ist wider Erwarten mit 15 Stimmen absoluter Mehrheit in einem Pariser Vorort bereits gewählt worden. Noch nicht wiedcrgewähU sind der Kriegsminister Painlevö, der Ackerbouminister O u e u i l l e und der Arbeits- minister F a l l i e r e s. Die beiden ersten sind jedoch ihrer Wieder- wähl sicher. Es fehlten Pamleve nur 70 Stimmen, um schon im Kundgebungen für die Republik. Das Reichsbanner hat gestern in einem großen Aufmarsch im Dezirk Prenzlauer Berg wieder ein Bild von seiner Stärke gegeben. Auf dem Arnswalder Platz sammelten sich die Reichsbannerkameraden und die Abteilungen der Sozialdemokra- tischen Partei des Bezirks Prenzlauer Berg. Die Beteiligung des Publikums war außerordentlich gut. Der Zug, an der Spitze die Musikkapelle und die Fahnendelegationen des Reichsbanners, be- wegte sich in zweistündigem Ummarsch durch die Straßen des Bezirks zum Exerzierplatz. Ter Aufmarsch der Festteilnehmer auf dem Ererzierplog dauerte 25 Minuten. Vor dem Podium nahmen die Musikkapellen des Reichsbanners und die Fahnen Aufstellung. Nach Begrüßungsworten durch das Vorstandsmitglied des Reichs- banners, Krantz, nahm als erster Redner im Auftrag« der Demo- kratischen Partei Chefredakteur Georg Bernhard das Wort. Als zweiter Redner sprach Reichstagsabgeordneter A u f h ä u s e r für die Sozialdemokratische Partei. In packenden Worten umriß der Redner die Aufgabe des Reichsbanners, die republikanisäzcn Parteien im Kampf gegen die Reaktion zu unterstützen. Als letzter Redner sprach fiir die Zentrumspartei das Mitglied des Gauvor- standes F e st. Mit einem Hoch auf die Republik schloß die Kund- gebung. Im Bezirk Kreuzberg veranstaltete die Sozialdemokra- tische Partei am Sonnabend eine gut gelungene Skraßentund- g e b u n g. An der Spitze des Zuges marschierte das Reichsbanner niit seinen Musikkapellen und Fahnen. Dann folgte das Partei- banncr, die Jugend und die Kinderfveunde. Zlbteilung aus Abteilung mit ihren Fahnen schlössen sich an. Nach etwa zweistündigem Marsch durch den Bezirk zogen die Festteilnehmer auf dem Marheineke- platz aus. In kurzen, anseuernden Worten forderte Landtags- abgeordneter Otto Maier die Versammelten auf, sich mit aller Kraft dafür einzusetzen, daß im Reichstag die Front der Arbeiter durch einen Sieg der Sozialdemokratie gestärkt wird. Großer Arbeitskampf in Hannover. Bericht auf der 2. Seite. Der Nordpol überflogen! Bericht auf der 4. Seite. ersten Wahlgang gewählt zu werden. Nur wenige sozialistische Abgeordnete haben das Schicksal von Blum geteilt. Besiegt ist bisher keiner. aber einige werden den Kampf zugunsten eines bester gestellten kom- munistischen oder radikalen Kandidaten aufgeben müssen. Der sozio- listische Präsident der Deputiertenkammer V o u i s s o n ist bei Mar- seille mit erdrückender Mehrheit wiedergewählt worden. Ebenfalls wiedergewählt ist der Finanzspeziolist der Fraktion, Vincent A u r i o l, bei Toulon, von dem allgemein behauptet wurde, er sei in schwerer Bedrängnis. Auch Paul Boncour wurde leicht wiedergewählt. Der Generalsekretär der Partei Paul Faure be- findet sich für die Stichwahl in sehr günstiger Position, ebenso Re- »oudel in Toulon. Bracke in Roubaix, Longuet in der Pariser Bannmeile. Grumbach in Mülhausen. Peirotes und Georg Weil in Slrahburg. Im Elsaß ist übrigens ein« über- raschend starke Stimmenzahl für die offenen oder versteckten Auto- n o m i st e n abgegeben worden. Unter den bekannten bürgerlichen Politikern befindet sich der Großindustrielle L o» ch e u r in einer schweren Stichwahl in einem proletarischen Wahlkreis von Nordfrankreich, doch sind sein« Aus- sichten nicht schlecht.. Der steinreiche Verleger des„Petit Porifien' D u p u y, der für seine Wahlproroganda ungeheure Sumnien aus- gegeben hotte, ist ür einein Pariser Bezirk endgültig durch- gefallen. Bei Baron von Rothschild dagegen hat sich die Geldverschwendung gelohnt. Er ist tu den Alpen wiedergewählt. Sozialdemokratischer Erfolg. 15000 Metallarbeiter ausgesperrt Stadtverordnetenwahlen in Emden. Emden, 22. April. Bei den heutigen Stadtverordnetenwahlen, die infolge der Eingemeindung der Orte Borfum und Wolthufen notwendig geworden waren, erzielte die Sozialdemokratische Partei einen bemerkenswerten Wahlerfolg. Im früheren Stadtparlament, das 24 Abgeordnete umfaßte, zählte die Sozialdemokratie 5 Vertreter. Nachdem jetzt die Zahl der Sitze auf 35 erhöht worden ist, kann die Partei 8 Mandate für sich buchen. Auf die Kommunisten entfallen 7 statt bisher 4, auf die Demokraten 4-5, auf den Ordnungsblod" 10, auf die Völkischen 3 Mandate. Die bürgerliche Rechte, die von den neuen Sitzen nur einen für sich in Anspruch nehmen kann, hat also praftisch wesentlich an Einfluß verloren. Sozialistische Gewinne in Kärnten. Die Wien, 23. April.( Eigenbericht.) Am Sonntag fanden in Kärnten die Gemeinderatswahlen statt. Die Wahlbeteiligung war außerordentlich schwach. Sozialisten fonnten trotzdem einen beträchtlichen Stimmen und Mandatszuwachs erzielen. Namentlich in den kleinen Landgemeinden steigerten sie im Vergleich zu den letzten Wahlen ihre Stimmenzahl wesentlich. Aus den bis Montag vormittag vorliegenden Ergebnissen ergibt sich ein Mandats zuwachs für die Sozialisten von 45 bis 50 Sigen. In fün, Landstädten konnten sie außerdem das Bürgermeisteramt erobern. Heute begann die Gesamtaussperrung in Hannover. Am 14. April war der Manteltarif und der Lohntarif abge-| Lichtenberger Karofferiefabrik Otto Helmer festgenommen. Heb laufen. Die Berhandlungen zur Erneuerung der Tarife führten nicht mer hat nicht nur selber gestohlen, sondern er hat auch einen Lehrzum Ziel, weshalb die Arbeiter am 16. April in 6 Betrieben die ling in schändlicher Weise verführt, ihm bei seinen Diebstählen zu Arbeit einstellten, während in einigen anderen Betrieben bestimmte helfen. Arbeitergruppen in einen Teilstreit eintraten. Der Verband der Hannoverschen Metallindustriellen ließ die Streifenden auffordern, spätestens am 19. April die Arbeit wieder aufzunehmen, andernfalls würde er die in den teilweise bestreiften Betrieben noch Arbeitenden entlassen. Die Unternehmer drohten weiter, mit Arbeitsschluß am 21. April auch die Arbeiter in den nicht bestreitten Metallbetrieben auszusperren. Die Streifenden ließen sich durch diese Drohungen nicht dazu bewegen, die Arbeit bedingungslos wieder aufzunehmen. Die Unternehmer machten ihre Androhung wahr und sperrten am 19. April 5000 Arbeiter aus. Bon der heute ein tretenden Gesamtaussperrung werden weitere 9000 Arbeiter erfaßt, so daß einschließlich etwa 1000 Streifen der rund 15 000 Arbeiter ausgesperrt sind. Der Kampf dreht sich um Aenderungen im Mantelver trag, insbesondere um Beseitigung der Bestimmungen über zwangsweise Mehrarbeit, ferner um anderweitige Regelung der Ueberstundenbezahlung, Garantie des tariflichen Mindestlohnes für Attordarbeiter, bessere Be zahlung des Urlaubs für Affordarbeiter, Herabſegung der Altersgrenze in der höchsten Lohnstufe sowie Regelung der Abschlagszahlung bei Affordarbeiten, außerdem um Erhöhung der Löhne und der Akkordverdienste. Die wochenlangen Berhandlungen brachten fein Ergebnis, das die Metallarbeiter befriedigen konnte, weshalb sie gezwungen waren, den Kampf um die Verbesserung ihrer Lohn- und Arbeitsbedingungen aufzunehmen. Die hannoverschen Metall arbeiter sind entschlossen, den durch die Aus Sperrung verfchärften Kampf mit aller Energie auszufechten. Auch dieser Kampf ist auf die Taktik der Vereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände zurückzuführen, die Löhne möglichst niedrig zu halten um Gewinne zu erzielen, die ,, die eigene Kapitalbildung in beschleunigtem Tempo sichert". Ein Werkmeister als Metalldieb. In einer Karosseriefabrit in Lichtenberg verschwanden schon seit. längerer Zeit fortgesetzt einzelne 3ubehörteile und me= tallene Rohstoffe. Man konnte sich das nicht erklären, und im Betriebe selbst stand auch niemand im Verdacht, am allerwenigsten der genannte Meister Otto Helmer, der schon seit mehreren Jahren dort beschäftigt war. Als sich die rätselhaften Vorgänge im Laufe dieses Jahres noch mehr häuften, wandte, man sich an die Kriminalpolizei. Die Beobachtungen und Ermittlungen ergaben, daß gerade der harmlose Bertmeister der Dieb war. Er hatte zunächst selbst gestohlen und dann einen Lehrling durch Drohungen zu Diebstählen genötigt. Der Meister hatte durch Zufall erfahren, daß dieser Lehrling wegen geringfügiger Diebstähle in Fürsorgeerziehung gewesen war. Da zwang er ihn durch die Drohung, daß er seine Bergangenheit ent hüllen und ihn dadurch aus der Lehre bringen werde, fortgesetzt für ihn zu stehlen. Der Lehrling ging in seiner Angst, entlassen zu werden, darauf ein. Nebenbei setzte auch der Meister selbst setu unsauberes Treiben fort. Wenn eine Karosserie am Tage nach dem Bahnhof gebracht wurde, um abgesandt zu werden, verließ er immer zuletzt den Bahnhof, und wenn er allein mar, montierte er die Karosserie so weit als möglich wieder ab. Zuweilen ging er auch nachts zu diesem Zwecke nach dem Bahnhof Rohmaterial verschaffte er sich außerdem dadurch, daß er die Papierscheine auf eine geringere Menge fälschte. So fam nur die kleinere Menge in den Betrieb, den Ueberschuß behielt der Meister für sich. Der Hehler des Ungetreuen wurde in einem Händler in der Nach barschaft ermittelt. Dieser nahm Zubehörteile und Metall ab, meistens Eisenblech und Meffing, das der Werkmeister in dem Stall des Händlers selbst verschrottete. Dieb und Hehler wurden festgenommen und dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Das Proletariat in Indien erwacht! In Bombay streifen 60000 Baumwollspinner. London, 23. April. Wie aus Bombay gemeldet wird, stehen dort jetzt 60 000 Baumwollarbeiter im Streit. Die Zusammenstöße zwischen Streifenden und Polizei mehren sich. Der Polizeifommiffar unterfagte Umzüge Ein geradezu gemeingefährlicher Dieb wurde jetzt endlich nach langwierigen Beobachtungen in der Person des Meisters einer| dnu Versammlungen der Streifenden. Sprung in die Spree. Am Sonntag erregte der bekannte Stettiner Schwimmer Karl Wagner großes Aufsehen, als er in Berlin vom Dache der Hauptsparkasse in die Spree sprang, die an dieser Stelle ziemlich flach ist. Oberpräsident Zimmer gestorben. Breslau, 23. April. Der Oberpräsident von Niederschlesien, 3 immer, ist gestern abend gegen 11 Uhr verschieden. Oberpräsident Zimmer hatte bis Anfang März noch täglich in der Mittagstünde Besuch erhalten und auch Beamte zum Bortrag, allerdings nur in persön lichen Angelegenheiten, empfangen. Seitdem verschlimmerte sich der Zustand, so daß er meist bettlägerig war. Sein sonst stets Sein sonst stets reges Interesse an öffentlichen Angelegenheiten nahm ab. Seit etwa vier Tagen war der Krante völlig teilnahmslos und nahm faft nichts mehr zu sich. Der Verstorbene war einer der politischen Beamten, die bei der Umgestaltung der staatsrechtlichen Verhältnisse als Außenseiter in die Verwaltung kamen. Er hatte ursprünglich den Schneiderberuf erlernt, war später in einem Breslauer Warenhause beschäftigt und wurde am 1. Oktober 1899 Angestellter des Transportarbeiter verbandes( jetzt Verkehrsbund). In der Partei und der Gemertschaft hat er in jahrzehntelanger Arbeit sich großes Vertrauen erworben und vielerlei Ehrenposten bekleidet. Zimmer wurde nach der Revolution zum Oberpräsidenten von Schlesien ernannt und blieb nach der Errichtung der selbständigen oberschlesischen Provinz Oberpräsident von Niederschlesien. Ein schweres Magenleiden hat ihn in der letzten Zeit immer öfter und immer mehr an der Entfaltung seiner Kräfte gehindert. So ist der Tod zu dem eben Sechzigjährigen wie ein Erlöser gekommen. Blum über die Wahlen. Paris, 23. April( Eigenbericht.) Die Bariser Breffe hält sich in ihren Remmentaren zu den bis herigen Wahlergebnissen noch außerordentlich zurück. Leon Blum im Populaire" stellt fest, daß die Wahlen einen starten Rud nach rechts gebracht hätten. Die Reaftion habe unbdingt an Boden gewonnen. Namentlich in Paris habe die Campagne gegen das Karell und feine Politik Früchte getragen. Er selbst sei in feinem Wahlkreis gegen die Reaktion unterlezen. Er habe von vornherein damit gerechnet, daß die Kommunisten die von ihnen erreichten Zahlen auch tatsächlich erhalten würden, aber er habe nicht gedacht, daß die reactionären Parteien der verschiedensten Schattierungen ihm fbft so schweren Abbruch tun könnten, daß er nicht mehr bestehen konnte. Hilfe für Keudell. Kommunisten verprügeln Reichsbannerfameraden. Aus Anlaß eines Plankonzerts, das der Stahlhelm gestern in Neukölln veranstaltete, tam es zu Prügeleien, die durch das rowdymäßige Auftreten der Noten Frontkämpfer gegen Stahlhelm und Reichsbanner verursacht wurden. Der Stahlhelm hatte am Sonntag ein Plafonzert auf dem Hohenzollernplatz in Neukölln angesagt. Die Boli zei, die davon wußte, daß der Rote Frontkämpferbund diese Demonstration des Stahlhelms verhindern wollte, hatte vier Bereit schaften am Hohenzollernplatz ftationiert. Schon beim Anmarsch des Stahlhelms tam es zu Schlägereien. Die Kommunisten hatten die Untergrundbahneingänge des Bahnhofs Bergstraße besezt und jeder uniformierte Stahlhelmmann wurde überfallen. Die Polizei mußte, als der Ansturm der Kommunisten von allen Seiten einsetzte, den Hohenzollernplay in weitem Umfange absperren. Auch der Passantenverkehr durch die Bergstraße wurde durch diese Absperrungen völlig lahmgelegt. Zehn Caftautos mit Schupo und fünf Schnellkraftwagen, insgesamt etwa 400 Schupobeamte, hatten den Schutz der 300 Stahlhelmer, die sich zufammenfanden, übernommen. Nur unter dieser starken polizeilichen Bedeckung fonnte der Stahlhelm sein Plazkonzert durchführen; er Die Berhaftungen. Die bei den gestrigen Zusammenstößen in Neukölln Berhafteten fonnten bis auf 17 Berfonen, die größtenteils dem Roten Frontfämpferbund oder der Kommunistischen Partei angehören, wieder entlassen werden. Bei der Mehrzahl tamen nur fleinere Delifte, Anrempeleien usw., in Betracht. Bei 17 Festgenommenen, die schwererer Delikte beschuldigt werden und die sich noch im Polizeischwererer Delikte beschuldigt werden und die sich noch im Polizeipräsidium befinden, ist die Untersuchung noch nicht endgültig abgeschlossen. Sie werden wahrscheinlich noch im Laufe des heutigen Nachmittags dem Bernehmungsrichter vorgeführt werden. Gummifnüppel und Schreckschüsse. Die Schutzpolizei mußte bei den Versuchen, die Ordyung herzustellen, vom Gummifnüppel und teilweise sogar von der Schußwaffe Gebrauch machen. Es handelt sich hier um mehrene Beamte, die bei einem Handgemenge in arge Bedrängnis gerieten und dabei, um die Angreifer zurückzuschrecken, mehrere Schüsse in die Luft abfeuerten. Berletzt wurde dadurch niemand. mußte auch darauf verzichten, irgendwelches Werbematerial an die Keudell arbeitet für die Kommunisten. Bevölkerung zu verteilen. Als der Stahlhelm abmarschieren wollte, bildete die Polizei Ein Geständnis Heckerts. ,, Andererseits find doch die Hälfte unserer Polizeipräsidenten in Deutschland Mitglieder der SPD. Indem sozialdemokratische Polizeibeamte die terroristische Maßnahme gegen eine Arbeiterorganisation durchführen, werden sie ebenso wie die gesamte Sozialdemokratie vor den Massen dafür verantwort lich, was vor den Wahlen sehr unangenehm ist." ein Spalier und führte die Stahlhelmer aus Neukölln heraus. in der„ Prawda" vom 20. April über das Keudellsche Verbot Der fommunistische Reichstagsabgeordnete Heckert schreibt In der Bergstraße wurden die Stahlhelmer mit dem Gesang der Internationale empfangen. Hätten sich die Kommunisten darauf des Roten Frontkämpferbundes. Erst meint er, daß Sebeschränkt, den Stahlhelmern zu zeigen, wie die Neuköllner Be- pering dieses Verbot veranlaßt habe, dann entringt sich völkerung über diese Faschistengarde denkt, dann hätten sie den seiner edlen Seele aber doch folgendes schöne Geständnis: Beifall der Neuköllner Einwohner auch gehabt. Die Kommunisten versuchten, an mehreren Stellen den 8ug zu sprengen. So fam es zu schweren Schlägereien zwischen Stahlhelmern, die verschiedentlich auch Gummifnüpel anwandten, Komunisten und Bo. lizeibeamten. Von der Bergstraße aus marschierten die Stahlhelmer durch die Prinz- Handjery- Straße. Dort zeigte die Bevölkerung als Protest gegen den Stahlhelm ihre roten und schwarzrot. Stahlhelm jedenfalls gezeigt, daß er nur ganz wenig Freunde in goldenen Fahnen. Die Haltung der Bevölkerung hat dem Neukölln hat. Die Kommunisten sammelten sich, nachdem sie mehrfach von der Polizei zerstreut worden waren, in der Hermannstraße. Als der Stahlhelmzug in die Hermannstraße einbog, wurde er mit einem Steinhagel empfangen. Die Polizei räumte nun alle umliegenden Straßen und sperrte fie ab, bis der Bug vorbei war. Von dieser Straßenecke aus glich der Zug mur noch einem Gefangenentransport. Am Görliger Bahnhof löste fich der Zug glücklich auf. Bei den Krawallen in Neukölln wurden etwa 60 Personen verhaftet, darunter auch eine Anzahl Stahlhelmer. Den Kommunisten tam es offenbar gestern darauf an, zu prügeln. Sie haben deshalb quch nicht immer richtig hingesehen, men sie verprügelt haben. An der Bergstraße Ecke Steinmezstraße traf sich die Neuköllner Jungmannschaft des Reichsbanners, um zur Kundgebung nach dem Prenzlauer Berg zu fahren. Diese Kameraden wurden von einer Rotte Kommunisten überfallen und verprügelt. Einige Kameraden hatten Verlegungen am Kopf. Die Rote Fahne" von heute morgen versucht es so hinzustellen, als ob die Komunisten die Reichsbannerleute infolge der neuen Müßen mit Stahlhelmern verwechselt haben auch eine Enschuldigung für die planmäßige Pflege des politischen Rowdytums, die die KPD. treibt und die den Wünschen eines Reudell geradezu Bor schub leiffet! Wenn das versuchte Verbot des Roten Frontkämpfergenehm ist, wie Herr Heckert schreibt, dann ergibt sich daraus, bundes für die Sozialdemokratie vor den Wahlen sehr unandaß es für die Kommunisten sehr angenehm ist. Es ist hübsch von Herrn Heckert, daß er menigstens in Moskau so deutlich sagt, wer die eigentlichen Nugnießer dieses Verbotes sind, und wir freuen uns, mit ihm einer Meinung darin zu sein, daß der deutschnationale Innenminister Hand in Hand mit den Kommunisten gegen die Sozialdemokratie arbeitet. Herr Heckert und seine Freunde behaupten trotz diefer Sachlage zwar noch immer, daß das Verbot von der Sozialdemokratie veranlaßt worden sei; um aber das begreifen zu fönnen, muß man schon ein kommunistisches Hirn haben. Hakenkreuzlerexzesse. Dortmund, 23. April( Eigenbericht.) Bei einer fozialdemokratischen Wahlversammlung in Cangendreer, bei der der ehemalige medlenburgische Ministerpräsident Stelling- Berlin sprach, versuchten etwa 30 Hafenfreuzler in Hifleruniform, mit Sturmriemen unter dem Kinn, die Berfammlung 3u iprengen. Dieser Verfuch artete in eine große Schlägerei aus, bei der 13 Hakenkreuzler zum Teil erhebliche Berlegungen erlitten. Die Polizei stellte die Ordnung wleder het. Ende des Bergbaukonflikts. Schiedsspruch verbindlich erklärt. Der Reichsarbeitsminister hat soeben den hartumstrittenen Schiedsspruch über den Lohnstreit im Ruhrbergbau im öffentlichen Interesse für verbindlich erklärt. Der Schiedsspruch gewährte eine Lohnerhöhung von 8 Proz., ließ aber die Arbeitszeit froß gegenteiliger Forderungen der Arbeiterverbände in der Hauptfache unverändert. Der Spruch war sowohl von den Arbeitern wie den Unternehmern abgelehnt worden. Er gilf bis 28. Februar 1929. Die Reichsbahn legt ihre Werkstätten still. Witten( Ruhr), 23. April.( Eigenbericht.) Die Reichsbahnverwaltung hat die Stillegung der agenabteilung δεν Eisenbahnreparaturwerkstätte Witten a. d. R. in Aussicht geftellt. Durch die Schließung der Wagenabteilung werden 600 Arbeiter erwerbslos. in So wird ein Reichsbahnwerkstattbetrieb nach dem anderen stillgelegt, zugunsten des privattapitalistischen Unternehmertums, das sich teilweise durch Schmiergelder lohnende Aufträge sichert. Wieviel Fememörder gibt es? Nicht fünf oder sechs, sondern dreißig bis vierzig! Nach tommunistischer Behauptung würde die von ihnen verlangte Amnestie nur fünf oder sechs" Feme= mördern zugute gekommen sein. Wir sind demgegenüber imftande, folgende Statistik aufzu machen, die dabei nicht einmal Anspruch auf Vollständigkeit erhebt: Im Parchimer Femeprozeß wurden im Jahre 1924 verurteilt wegen Totschlags usw. folgende Roßbachleute: Höß zu 10 Jahren Zuchthaus, Pfeiffer zu 6% Jahren Zuchthaus, Zabel zu 9% Jahren Zuchthaus, Zens zu 6% Jahren Zuchthaus, Wiemeyer zu 12% Jahren Zuchthaus, Jurisch zu 5 Jahren 6 Monaten Gefängnis. Außerdem wurden wegen Beihilfe noch über insgesamt sechs Angeflagte Gefängnisstrafen zwischen einem Jahr und 6 Monaten verhängt. Im Juli 1925 wurde der erste Femefall der Schwarzen Reichswehr vom Schweriner Schurgericht abgeurteilt. Es wurden verurteilt: Oberleutnant Schöler zum Tode, Leutnant Liczka zum Tode, die Untergebenen Notzon zum Tode, Kalla zum Tode. Außer dem eine Anzahl Nebenangeklagter wegen Meineids, Beihilfe usw. zu Zuchthaus- und Gefängnisstrafen bis 1½ Jahren. Im Fall Pannier verurteilte das Berliner Schwurgericht im Februar 1926 die Angehörigen der Schwarzen Reichswehr Schiermann, Stein, Afchenkampff und Leutnant Benn zum Tode, Schmidt zu 3 Jahren Zuchthaus, Stegelberg zu 9 Montaen Gefängnis. Bei einer Bierreise ums Leben gekommen gebnis: Im Fall Brauer erhielt der Angeklagte Kowalewfti Ein rätselhafter Todesfall. Ein 42 Jahre alter Schlächter Albert Schmidt aus der Hausburgstraße 24 ging am vergangenen Freitag zur ge wohnten Zeit nach seiner Arbeitsstelle, fam aber abends und den ganzen Sonnabend über nicht wieder zurück. Seine Frau forschte nach dem Verbleib ihres Mannes und erfuhr, daß er am Freitag nach Feierabend mit einigen Kollegen eine Bierreise durch mehrere Lofale angetreten hatte. Mit Hilfe der Polizei wurde festgestellt, daß Schmidt am Freitag spät in der Nacht auf der Rettungs= ftelle IX mit schweren Verlegungen eingeliefert und sofort nach dem Krankenhaus am Friedrichshain gebracht worden war. Hier war er an den Folgen eines schweren Schädelbruches am Sonnabend abend verstorben. Die Begleiter des Mannes wurden ebenfalls ermittelt und erzählten, daß er etwas angetrunken in Begleitung eines Kollegen, eines Schlächters Heinrich Sch., den Heimweg angetreten habe. Sch., der auch gefunden wurde, gab an, daß er Schmidt beim Gehen habe unterſtüßen mollen, aber abgewiesen worden sei. Der Angeheiterte fei über seine Hilfsversuche schließlich in Wut geraten und auf ihn eingedrungen. Er, Sch., habe ihn abgewehrt, und jetzt sei Schmidt gestolpert und so unglücklich gefallen, daß er sich schwer Derlebt habe. Bon anderer Seite wird aber behauptet, daß Schmidt mit Sch. in Streit geraten und von diesem niedergeschlagen worden sei. Da die Einzelheiten der Borgänge noch nicht völlig geklärt find, so wurde Sch. vorläufig festgenommen, Aechtung des Krieges? AMERIKANISCHER RUSSIS RANZÖSCHER ABRUST ABRUSTUNGS ABRÜ S VORSCHLAG SCHLAG GENFER RESOLUTIONEN 1928 Socia 7920 Statt dem Kerl endlich die Rüstung auszuziehen, pugt man ihn mit Bändern aus! Bremen" Hilfe gescheitert. Das Hilfsflugzeug notgelandet. S New Bort, 23. April. Das Fordflugzeug mit Figmaurice, Schiller und Balchen an Bord ist auf der Fahrt nach Greenly Island infolge starten Rebels zu einer Rotlandung auf Seven Islands gezwungen morben. Die Landsberger Fememordprozesse hatten folgendes Er wegen Beihilfe zum Mord 6 Jahre Zuchthaus, 5 Jahre Ehrverlust. Im Fall Gröschte erhielten Leutnant Raphael 8 Jahre Zuchthaus, Erich Klapproth 15 Jahre Zuchthaus, Glaser 3 Jahre Zuchthaus, Schiebur 1 Jahr Gefängnis, Graez, Fride, Becker 4 bis 9 Monate Gefängnis. Im Fall Jahnke erhielten Thom und Rathsmann je 2 Jahre Gefängnis. Im Falle Wilms wurden im März 1927 durch das Schwurgericht Berlin sämtlich zum Tode verurteilt: Oberleutnant Schulz, Leutnant Fuhrmann, Erich Klapproth und Umhofer. Sämtliche vorgenannten Tobesurteile wurden in 3uchthaus strafen von 10 Jahr aufwärts bis zu lebensläng lichem 3uchthaus im Gnadenwege umgewandelt. Die langs jährigen Zuchthausstrafen sind sämtlich noch nicht verbüßt, von den fleineren Freiheitsstrafen ist auch noch ein erheblicher Teil nicht verbüßt. Es befinden sich zurzeit also mindestens 25 Fememörder zum übergroßen Teil in Zuchthäusern, zum geringeren Teil in Gefäng niffen. [ | Außerdem stehen aber noch eine Anzahl Prozesse aus: 1. der jetzt in Stettin laufende Fememordprozeß, sodann eine Sache gegen Leutnant Heyn und Genossen, die vom Reichsgericht im Revisionsverfahren gleichfalls an das Stettiner Schwurgericht verwiesen worden ist, ferner die Sache gegen den von Italien ausgelieferten Leutnant Reim. In allen Fällen geht die Anklage auf Mord bzw. Totschlag. Im Arensdorfer Mordprozeß hat das Reichsgericht das gegen Schmelzer jun. auf 5 Jahre Zuchthaus, gegen Schmelzer sen. auf 1% Jahre Zuchthaus lautende Urteil bestätigt, so daß es rechtsfräftig ist. Im Zuchthaus fizzen noch die Rathenau- Mörder Techom und v. Salomon, legterer auch noch wegen eines zwei. ten Fememordversuchs im Falle Wagner. Die Erzberger- Mörder Schulz und Tillessen haben sich einstweilen durch die Flucht ins Ausland der Bestrafung entzogen. Alles in allem tommen also 30 bis 40 rechts. radikale Mordbanditen in Frage, von denen der größte Teil sigt, ein Teil seiner Bestrafung noch entgegensieht Nicht unerwähnt soll schließlich bleiben, daß die im Lichterfelder Prozeß wegen Ueberfalls auf die Roten Front fämpfer bestraften Hakenkreuzler, deren Führer Schäfe1 2% Jahre Gefängnis erhielt, frei ausgegangen wären, wenn es nach dem Willen der Kommunisten gegangen wäre. Reudells Ultimatum an Braunschweig. Die Hetze der Rechten. Braunschweig, 23. April( Eigenbericht.) Das Ultimatum des deutschnationalen Innenministers an die braunschweigische Regierung ist hier inzwischen eingetroffen. Aber noch bevor es im Besitz der hiesigen Regierung gelangte, war die deutschnationale Preffe voll von den Absichten ihres Parteiministers von Bürgerblodsgnaden. Auch ein Beispiel für die Objektivität des Herrn von Keudell. Die braunschweigische Regierung dentt natürlich nich i daran, von ihrer bisherigen Auffassung abzugehen. Sie bleibt dabei, daß der fürzlich herausgegebene Schulerlaß mit der Reichsverfassung durchaus vereinbar ist und dem deutschnationalen Reichsinnenminister das Bergnügen nicht verwehrt werden kann, den Staatsgerichtshof anzurufen. Tragikomödie der 3rrungen. eventuell b Der Raub im Auto. Eine dunkle Angelegenheit: allein schon das eigenartige Baar auf der Anklagebant. 3wei gang verschiedene Menschen, die sich etwa eine Stunde, bevor sie das Schicksal zu einer gemeinsamen Tat vereinigte, zum erstenmal im Leben gesehen haben.. Der eine St., ein 21jähriger intelligenter Bursche, Sohn wohl. habender Eltern, verfommen und verlubert; Klavierspieler in einem Dirnenlotal, weil er sich mit seinem Stiefvater„ Derfracht" hat. Sein Strafregister zeigt einen Betrugsfall, gegen ihn schwebt ein Mord. verdacht; die Anklage lautet auf schweren Straßenraub. Der zweite Angeflagte, ein 27jähriger Deutscher aus der Tschecho= Slowakei, von Beruf Schweizer; seit 1925 in Berlin, heiratete er im Mai 1926 eine frühere Hausangestellte, mit deren Geld er einen Geflügelladen faufte. Dieses Geflügelgeschäft ist ihm zum Verhäng nis geworden. Dem früheren Inhaber Tsch. tat es leid, verkauft zu haben. Er wollte es zurüderwerben. So befuchte er immer mieder das Ehepaar, freundete sich mit ihnen an, schloß ganz besonders enge Freundschaft mit der Frau: einmal erhielt sie etwas Geld von ihm, das andere Mal traf P., nach Hause gekehrt, seine Frau mit dem Nebenbuhler tanzend. Seit diesem Tage war er Don 3weifeln geplagt. Die Freundschaft wurde aber nicht geringer. Benötigte P. Geld, so erhielt er es von Tsch. geborgt. So lieh er von ihm auch einen Tag vor der verhängnisvollen Nacht 250 M. und gab für die Summe einen Schuldschein. Am nächsten Tage zahlte er ihm 80 M. zurüd, und dann ging es in froher Gesellschaft auf eine Kneiptour. In animierter Stimmung landete man in einem Lokal, in dem ein junger Klavierspieler zum Tanze aufspielte. Eine Flasche Malaga folgte der anderen, auch der Klavierspieler wurde zum Trinken aufgefordert. Als P. mit diesem wie zufällig in der Toilette zusammentraf, meinte der Klavierspieler:„ der hat aber viel Geld. Ich könnte einen Anzug brauchen".„ Sollst hundert Mart haben", sagte der betrunkene. Später nahm man ein Auto. P., dessen Frau und der Klavierspieler begleiteten Tsch. nach Hause. Blöglich umfaßte P. mit einer Hand Tsch. Hals, mit der anderen versetzte er ihm mit den Worten: Ich laß meinen Freund nicht schlagen" einige wuchtige Faustschläge über den Kopf, während der Klavierspieler ihm Brieftasche und Geldbeutel fortnahm. Dann stieg man aus. Zu Hause angelangt, verbrannte P. seinen Schuldschei Tsch.'s, um ihm seine Brieftasche und begab sich in die Wohnung er fie in viele Stüde, entnahm wiederzugeben. Stattdessen zerriß dem Schrank in der offenstehenden Wohnung einen blauen Anzug, fehrte nach Hause zurück, wollte den Anzug hier verbrenner und brachte ihn dann in die Pfandleihe. Am Abend tröstete das Ehepaar Tich. wegen des Malheurs, das ihm nachts passiert war und B. bestätigte Tsch., daß er ihm noch 150 m. schulde, obgleich er den Schuldschein verbrannt hatte. Aus diesem Durcheinander follte sich das Schöffengericht Berlin Mitte ein Bild machen. Die Frau des P. verweigerte die Aussage. Der Angeflagte selbst erklärte, daß er sinnlos betrunten gewesen sei, das gleiche behauptet sch. von sich. Einigermaßen nüchtern war nur K. Er wurde wegen Raubes zu 1 Jahr 3 Monaten verurteilt. Dem Angeklagten P. wurde§ 51 zuerfannt. Begen Unterschlagung des Anzugs erhielt er zwei Monate Gefängnis. Seine Frau hat aber, während er in Untersuchungshaft mar, das Geflügelgeschäft dem früheren Inhaber Tsch. wieder verkauft; sie hat die Wohnung, die sie zusammen mit ihrem Manne inne hatte, verlassen. Funkprobeschreiben. Am Dienstag, dem 24. April, 19% bis 20 Uhr, veranstaltet die Deutsche Welle" ein Probefchreiben für kurzfchrift, das auf die anderen Sender übernommen wird. Diftiert wird in gleichbleibender Schnelligfeit von 150 Silben 10 Minu ten lang. Wer sich daran beteiligt und eine Bescheinigung darüber wünscht, möge an Prof. Dr. Amsel, Berlin- Lichterfelde, Thefla Istraße 12, folgendes einsenden: das Originalstenogramm, die Uebertragung in Langschrift mit Angabe des Namens und der Anschrift eventuell der Vereinszugehörigkeit. Beizufügen ist eine ehrenwört liche Versicherung, daß die Arbeit selbständig angefertigt worden ist, und ein Freiumschlag für die Zusendung der Bescheinigung und der durchgesehenen Arbeit. Das System, nach dem geschrieben ist, ist auf dem Umschlag anzugeben. Die Absendung muß spätestens an dem auf das Dittat folgenden Tage, dem 25., erfolgen. Später eingehende Sendungen werden nicht mehr berücksichtigt. Macbeth. Deutsche Uraufführung im Staatlichen Opernhaus in Dresden. Im Zeichen der Verdi Renaissance hatte die Dres Sener Oper einen großen Abend:" Macbeth" von Verdi. Um es gleich vorwegzunehmen: die hochgespannten Erwartungen wurden wohl nicht ganz erfüllt. Das Elend der Opernbuchdichtung hatte den italienischen Maestro, der 27 Opern komponiert hat, bewogen, feine Stoffe bei den größten Dichtern der Weltliteratur zu suchen. So hat er sieben Schilleropern geschrieben. Mit Othello" und Falstaff" fand er bewundert von der ganzen musikalischen Welt einen neuen trugijchen und fomischen Stil. 1847 brachte er in Florenz Macbeth" zur Aufführung. Piave hatte das Textbuch verfaßt. Auf die Einstudierung verwandte Verdi eine bis dahin unerhörte Sorgfalt. Ueber 100 Proben wurden gehalten. Troßdem: die Oper hatte feinen Dauererfolg, ebensowenig eine Umarbeitung, 1865, für Baris. Die deutsche Uebersetzung des Wertes stammt von Georg Göhler, dem schon die Erweckung der Macht des Schicksals" zu danten ist. Aus der Tragödie Shakespeares hat Piave ein Opernbuch gemacht, das freilich nur das Gerippe des Shakespearischen Stückes wiedergibt und von dem grandiosen Seelengemälde, von der Gewissensnot der Königsmörder nur wenig vermittelt. Was dem Libretto aber von der Urgewalt der Originaldichtung abgeht, das ersetzt Verdis Musik: sie hat in den, wichtigsten Teilen der Partitur gewiß Shakespearische Größe. Eine Dämonie beherrscht die großen Szenen, die Arien haben die schwungvolle Gesangslinie und rühren an Tiefstes in der Menschenseele. Gewaltig gesteigert sind die Ensemblesätze, die Herenchöre genial mit einfachsten Mitteln, die anderen Chöre mit elementarer Wirkung hingestellt. einstellte, jo liegt das vor allem an dem einheitlich festgehaltenen düsteren Kolorit des ganzen Werkes. Ein Hegenballett, ein ,, Seren walzer", die für Paris nachkomponiert wurden, irren für unsern Geschmack zu sehr ins Opernhafte ab. Den antiromantischen Idealen der Gegenwart scheint die musikdramatische Sachlichkeit zwar ent gegenzukommen, aber wegen des Mangels an humor, an Lyrit, an Liebe, an Schwelgen in Schönheit wird das Werf woh teinen ähnlichen Siegeszug antreten wie die Macht des Schidfals". Wenn sich trotz dieser Vorzüge der durchschlagende Erfolg nicht Die Aufführung unter Kußschbach war vollendet, die Bühnenbilder unterstrichen den Zug des Werkes ins Große und Ueber. menschliche. Frau Eugenie Burdhardt, die Herren Burg und Andresen sangen und spielten hinreißend, und die Leistun gen des Chores standen auf höchster Höhe. H. N. Die franzöfifche Sulfuridee und die geistige Lage der Gegenwart wird von dem bekannten Literaturhistorifer der Universität Heidelberg, Profeffor Dr. Ernit Robert Curtius, in einer Doppelvorlesung auf dem Carnegie Lehrstuhl der Deutschen Hochschule für Politit, Berlin 56, Schintelplas 6, am Donnerstag, den 26. und Freitag, dem 27. April, 20 bis 21 Uhr, behandelt werben. unentgeltliche Gastfarten find im Sefretaritat der Hochschule erhältlich. Fernruf: Sentrum 7086/87, Die Schule der verstorbenen Tänzerin Hilde String, Magdeburg, gebt am 1. Mai in die fünstlerische Leitung der Schule Mary Biaman ( Dresden) über. Sie wird wie alle Zweigschulen der Wigman- Schule- Dresden als Vorbereitungsinstitut für das Bigman Diplom geführt. in New Yort beabsichtigt an der Legington venne einen 64 Stedmerte Des tocne Haus der Belt für 50 millionen. Die Renleg Corporation hohen Wolfenfrezer au erbauen. Der Kostenvoranschlag beläuft sich auf 12 Rillionen Dollars. Tag Reford und Moral. Bon Paul Gutmann. Die Begeisterung über den gelungenen Flug der Bremen" entlädt sich in der bekannten großzügigen amerikanischen Weise. Soweit sie in vernünftigen Formen sich äußert, können wir damit einverstanden sein, wenn aber die United Preß" behauptet, daß damit die letzten Abneigungen gegen die Deutschen, die noch vom Krieg her bestehen, verschwunden seien, so ist die Frage nach der Logit einer solchen Meinung erlaubt. Wem gilt der Jubel? Der fühnen Anwendung eines genial erdachten technischen Hilfsmittels. In dieser Hinsicht waren die Deutschen im Kriege Meister. Noch erinnert man sich, daß von der patriotischen Preise die Erledigung der belgischen und russischen Festungen mit dem Knaden von Nüssen verglichen wurde, so prompt arbeitete die schwere Artillerie, und die Ferngeschütze, mit denen Dünkirchen und Paris getroffen wurden, waren ebenfalls technische Wunder. Die Zeppeline, die London und Paris bombardierten, erregten Bewunderung, und die Eraktheit, mit der unsere U- Boote die feindlichen Schiffe umlegten, zählt eben falls zu den technischen Höchstleistungen. Wenn der Satz der United Breß" einen Sinn haben sollte, so ist es der, daß die ,, Bremen" keine Bomben abwirft, sondern hohe Einnahmen für die Sensationspresse, und daß hierin ein Grund liegt, die vom Krieg her bestehende Abneigung gegen die Deutschen zu beseitigen. Daß die Deutschen vortreffliche Techniker fyd, wiffen ja die Amerikaner, ebenso, daß es für die Deutschen nicht bloß auf den Krieg antommt, sondern im Gegenteil, daß man bemüht ist, den Krieg zu ver geffen. Aber Amerika gefällt sich erstens darin, Europa Zensuren zu erteilen, und dagegen erhebe man Einspruch. Brav, brav, ihr Leute von der Bremen", ihr seid smarte Jungens, und darum vergessen wir eure früheren Ungezogenheiten. Zweitens drückt sich darin die unerträgliche Heuchelei aus, die ein Volk für das allseitige fapitalistische Verbrechen verantwortlich macht. Upton Sinclair hat Bände geschrieben, worin er diese kapitalistische Methode, die Verbrechen einzelner einer Gesamtheit aufzubirden, deutlich vor Augen führt. Drittens offenbart sich hierin der fulturwidrige Zug der amerifanischen Deffentlichkeit, das Leben unter dem Gesichtspunkt der Leistung, zumal der sportlichen und technischen, zu werten. War das deutsche Bolt wirklich so verbrecherisch, wie es die Kapitalistenpreffe dort drüben behauptete, so fönnen seine Missetaten nicht durch technische Refordleistungen gefühnt werden. Das ist der Wildwestzug der amerikanischen Kinoromantik, der den Einbrecherkönig von Chikago wegen seiner raffinierten Tricks zum Nationalhelden machen möchte. Ihr Deutsch, so oder so ähnlich lautet es in ihrer Sprache, seid zwar Einbrecher, aber verflucht tüchtige Kerls; darum Schluß mit der Feindschaft. Ach nein, verehrte Amerikaner, wir legen viel mehr Wert darauf, uns auf einem anderen Boden zu verständigen. Wir möchten nicht mit einem bezeichnenden Augenzwinkern von euch als Brüder aus einer ähnlichen Kafchemme begrüßt werden, es liegt uns daran, daß ihr nicht bloß unsere, auch vom Zufall abhängenden Rekords be. wundert, sondern auch unser Bestreben um den geistigen und ethischen Aufbau der Menschheit. Solche Leistungen lassen sich nicht nach Pferdekräften, Tourenumdrehungen und Kilometern bemessen, sondern nach der Intensität ihres Wollens und einem, wenn auch langsam fortschreitenden Erfolg. Vielleicht beachtet ihr einmal gewisse Rekords auf moralischem, auf sozialem Gebiet. Nur diese lassen das Verbrechen des Krieges vergessen. Mar Planck, der Schöpfer der Quantentheorie Quantum innewohnende Energie, so daß die Energie eines QuanZu seinem 70. Geburtstag am 23. April. Professor Mar Pland, einer der bedeutendsten Naturforscher aller Zeiten, ist am 23. April 1858 in Kiel geboren, wo er sich auch nach einem längeren Studium in Kiel und München im Jahre 1880 als Privatdozent niederließ. Im Jahre 1885 wurde er hier zum außerordentlichen Professor ernannt und im Jahre 1889 nach Berlin berufen, wo er im Jahre 1892 die außerordentliche Profeffur er hielt. Er gehört zu den Großen im Reiche der Wissenschaft, die die Naturerkenntnis auf neue Grundlagen gestellt und den Menschen die Möglichkeit gegeben haben, die rätselhaften Vorgänge im Aufbau der Materie zu begreifen und gefeßmäßig festzulegen. Sein Lebenswerk war die Schaffung der Quantentheorie, mit der er die ganze moderne Physik revolutioniert und seinen Namen in das Buch der Unsterblichtkeit eingeschrieben hat. Was ist nun das Wesen dieser bedeutsamen Theorie? Bis zu Pland galt in der Wissen schaft das Wort:„ Die Natur macht teine Spründe." Bland lehrte das Gegenteil: Wie die Welt der Körper aus kleinsten Teilen zu fammengesetzt ist, so ist auch das Licht wie jede Strahlung( Rönt genstrahlen usw.) aus fleinsten Strahlungseinheiten zusammengesetzt, nämlich den" Quanten". Die Größe der Energie dieser Quanten ist nur von der Wellenlänge der Strahlung abhängig, aber nicht von der Entfernung der Strahlung von der Strahlungsquelle. Je kürzer die Wellenlängen sind, desto größer ist die dem tums der violetten Lichtstrahlen bedeutend größer ist als die Enec gie eines Quantums des roten Lichtes. Mit der Entfernung vom Strahlungsquell werden die Quanten zwar weniger dicht, aber die Energie jedes Quantums bleibt völlig gleich. Die Quanten entstehen durch plötzliche Explosionen. Die Quantentheorie ist durch zahllose Versuche und Messungen bestätigt worden. Insbesondere ist die moderne Atomtheorie durch Plands Forschungen sehr wesentlich gefördert worden, so daß die ganze Gruedlage der heutigen Physit sich auf Plands Wert auf baut. Um die Quantenenergie berechnen zu fönnen, schuf Bland die sogenannte„ Blandsche Zahl", die von den Physikern mit dem Namen h bezeichnet wird und sehr flein ist, denn sie beginnt mit nicht weniger als 26 Nullen hinter dem Dezimalkomma und ist barum faum auszusprechen, denn schon bei der 14. Null beginnt das Hundertbillionstel. Nun flafft ein. ungeheurer Widerspruch zwischen der Wellenlehre und der Quantentheorie. Eine Welle wird be: kanntlich immer schwächer, je weiter sie sich von dem Erregungs. punkt der Welle entfernt und hört schließlich ganz auf. Ein Quantum behält aber nach der Behauptung Plands seine Energie auch bei größter Entfernung von der Strahlungsquelle. Bland hat selbst auf diesen Widerspruch hingewiesen, der bisher unlösbar schien, denn da das Licht auch Quantencharakter hat, so war eine lebereinstimmung nicht möglich, wie ein Ding zugleich eine Welle und ein Geschoß sein kann. Auch für diese scheinbar unlösbare Aufgabe hat Bland die Lösung gefunden, denn ihm ist tatsächlich die unmöglich scheinende Einigung zwischen Wellen und Quantenlehre gelungen. Er zog zum Vergleich das Wesen eines Atoms heran. Beim Atom muß der ganze Raum als vom Stoff erfüllt angesehen werden, mährend die eigentliche Materie nur an einzelnen Punkten vereinigt ist, nämlich in dem elektrisch- positiven Kern und in den elek: trisch- negativen Elektronen. Aehnlich verhielte es sich auch mit der Energie der Strahlung. Man darf die Energie nicht so streng an den Raum binden. Der ganze Raum ist zwar mit Strahlung erfüllt, aber ihre Energie ist nur an einzelnen Punkten vereinigt. Diese großartige Lösung ist der Schlußstein des Werkes. Die Quantentheorie fonnte vor furzer Zeit das Jubiläum ihres 25jährigen Bestehens feiern. Sie war aus geringfügigem Anlaß erstanden, nämlich aus dem Bestreben, die Größe der einzelnen Bestandteile des Lichtes zu bestimmen und zu messen. Der Weg, auf dem Pland zu diesem Ergebnis tam, war der Ausgangspunkt zu einer neuen Lehre, die für die Entwicklung der Naturwissenschaft von maßgebender Bedeutung war. * Der Polarflug Wilkins. 3400 Kilometer über ewigem Eis- aber fein Land. New Bort, 23. April. Ueber den Polarflug von Barrow in Alasta nach Green Harbour( Spitzbergen) über eine Entfernung von 3400 kilometer gibt Kapitän George Wilkins folgende Einzelheiten: Wir fließen schon beim Abflug infolge der starten Belastung des Flugzeugs auf Schwierigkeiten. Dreimal brachen die Metalltufen des Apparats, bis es endlich gelang, auf der 1300 Meter langen Abflugbahn einen guten Start zu bekommen. Während der ersten 750 Kilometer des Fluges war das Wetter günstig. ALASKA Cap Barrow 19376 SIBIRIEN SIBIRISCHSEIS UNER FORSCHIESS UNER FOS San Ras GRÖNLAND 35 SE BIET NORDPOL P Franz Josef MEER Land Nowaja Spitzbergen Wilkins Flug über den Nordpol. Semlja B. Dann kam Nebel auf und entzog das„ Cand" für 150 kilometer unseren Augen. Nachdem der Nebel überwunden war, flogen wir über offenem Waffer, bzw. fleineren und größeren Eisspalten, die klar erkennen ließen, daß nirgends Land vorhanden war. Es waren dies Gegenden, die vorher noch von feinem menschlichen Auge erblickt worden waren. Die flare Sicht hielt bis ungefähr 350 kilometer vor Svalbard an. Dann durchflogen wir wieder eine dichte Wolkendede und waren ganz auf unsere Instrumente angewiesen. Der Brennstoff hatte inzwischen bedentlich abgenommen, zudem verhinderte ein starter Schneesturm Trotzdem gelang es Eielson, eine glatte Zwischenjede Sicht. landung vorzunehmen. Fünf Tage später flogen wir wieder ab. Die Schwierigkeiten beim Start waren wieder sehr groß. London, 23. April. Auf englischer Seite, wo man an dem Nordpolflug des australischen Kapitäns Wilkins und seines Begleiters großes Interesse befundet, wird als das Ziel Wilkins bezeichnet, die von Amundsen, Mobile und Ellsworth bei Ueberfliegung des Nordpols mit dem Luftschiff Norge" im Mai 1926 unbeachtet gelassenen Aufgaben zu lösen. Kapitän Wilkins hat damit bereits die dritte Polarexpedition unternommen. Im Jahre 1926, während die ,, Norge" über den Nordpol flog, machte er verschiedene Lufterkundungsflüge. Von einem dieser Flüge fam er nicht zurück und wurde erst nach 13 Tagen mit seinem im Eise eingefrorenen Flugzeug befreit. Im Vorjahre unternahm Wilkins mit seinem diesmaligen Begleiter einen 14tägigen Flug in unbekannte arktische Gebiete, wobei sie durch einen jede Sicht unmöglich machenden Schneesturm, 100 Meilen von Point Barrow( Alaska) entfernt, zur Landung gezwungen wurden. Nach abenteuerlicher Reise trafen die beiden Flieger damals 14 Tage später in Point Beechey ein. Im Januar vorigen Jahres unternahm Wilkins einen dritten Versuch, der wiederum scheiterte. gegend( Nachdr. verb.). Nach sehr fühler Nacht und Morgennebeln am Tage ziemlich heiter mit leichter Erwärmung. Für Deutschland: Vielfach leichter Frost, im Südosten stark wolkig und strichweise Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und UmDer Reichspräsident hat Prof. Bland zu seinem 70. Geburts: Niederschläge, sonst überall trocken und am Tage ziemlich heiter. tage den Adlerschild des Reichs verliehen. In der Krolloper ist die für beute angefekte Neuinszenierung des Schwarzen Domino" verschoben. Bad Salzuflen Teutoburger Wald Theater, Lichtspiele usw. Montag, 23. 4. 28 Staats- Oper Am Pl.d.Republ. 72 Uhr Don Giovanni Staatl. Schauspielh. Im Gendarmenmark 8 Uhr Montag, 23. 4.28 Städtische Oper Bismarckstr Ab.- Turn. III. Ant. 71/2 Jonny spielt auf Staatl. Schillerth. Charlottenburg Anf. 8 Uhr Prinz Louis Das Duell Ferdinand am Lido Volksbühne Ganzjährige Kurzeit Deutsches Theater Berliner Theater darnowsky- Bühnen Norden 12 310 Direktion Kuhnert. Th. Königgrätz. St. Abonnementsbüro Charlottenstr.90/ 91.03ah.170 Norden 10338-39, 8 Uhr. 8 Uhr, Ende 10% U Die Bollé Sisters" Pygmalion von Bernard Shaw Ein Berliner Volksdtsch. v. Siegfr. Trebtisch stück von Friedmann- Frederich. Max Kammerspiele Adalbert, Lea Seidl, Lori Leux Norden 12310 3, U., Ende nach 10 Theater des Westens Finden Sie, daß Constance sich richtig verhält? Gastspiel Bergm. 2110. 81 Uhr: Die Marquise von Arcis ( Merkwürdiges Beispiel einer weiblichen Hache) v. Carl Sternheim Komödienhaus Norden 6304. Tägl. Uhr Broadway Moskauer Jüd. akad. Theater Residenz- Theater Die Komödie Täglich 8 Uhr Die Reise Bismarck 2414/7516 Benjamins III. U., Ende 10%, U. Musikal. Spiel Letzte Aufführ. 814 Uhr Fritzi Musik. Schwank Berantwortlich für die Redaktion: Eugen Prager, Berlin: Anzeigen: Th. Glode. Berlin. Berlag: Borwärts Berlag G. m. 6 H.. Berlin. Drud: Borwärts Buchh druckerei und Berlagsanstalt Bauf Ginger& Co., Berlin E 68. Lindenstraße 3. Bierzu 1 Beilage. Herz, Rheuma, Nerven, Luftwege, Frauenleiden u. a. m. Bade-, Inhalations- u. Trinkkur 1925: 25570 Kurgäste Werbeschriften frei durch die Lippische Badeverwaltung. Staatl. Hotel Fürstenhof, 1. Haus am PlatzeZimmer mit Verpflegung Mk. 10,- bis 14,-. Lustspielhaus Dir. Dr. Martin Zickel 8 Uhr: Guido Thielscher. in Unter Geschäftsaufsicht" Grosses Anfang Schauspielhaus Ende 8 Uhr REGIE: 11 Uhr CHARELL MADAME Thalia Theater POMPADOUR Dresdener Str. 72-73 8 Uhr: Das Kamel geht durch das Nadelöhr Saltenburg- Bühnen Dts. Künstler- Th 81 Uhr: Delschaft, Pointner Schwarz- Weiß Marcel Fradelin Piscatorbühne treu, Vespermann, Der Eunuch Morgen 712 Uhr: Zum 1 Male ,, Die Kassette" Theater am Bülowplatz Th. am Schiffbauerdamm Komödie von Carl St rnheim 8 Uhr 14 Uhr kasten Theater am Nollendorfplatz Kurfürst 2091/93 8 Uhr: Elbenschutz, GottgeManning. Für Funkfreunde Rose- Theater halbe Preise. Gr Frankt. Str. 132 8 Uhr: Der letzte Kaiser Walhalla- Th. Sterne. d. wieder leuchten Die rote Der Zigaretten- Kleines Theater von Jean Rich Bloch Weinbergsweg 19/20 Robe Täglich 84 Uhr: Frau Käte läßt Renaissance- Theater sich verführen Steinplatz 901. Lustspiel v.H.Sturm v. Mollendorf 8.10 Uhr: Coeur Bube. Klinder, Kettner, nsz.KarlheinzMartin Gastspiel im Lessing- Theater Norden 12798 8 Uhr Konjunktur" v. Leo Lania 8 Uhr Jan Fock der Millionär Vorzeiger dieses zahlen für Parkett auch Sonntags statt Planetarium am Zoo Verläng. Joachimsthaler Straße Noll., 1578 16, 18, 19, 21 U. Sternhimmel und Kalender Eintritt 1 M. Insz. Erwin Piscator 4- Mk. nur 60 PL. Kinder ust. 15 Jahren 0,50 Theater im Admiralspalast 8%, U. ArthurHammerstein Gastspiel ROSE MARIE Operetten- Revue Letzte Woche Letzte Aufführang 30. April Reichshallen-Theater Stettiner Sänger Das neue Programm! Anf. 8 Uhr. Sonntg. nachm. 3 Uhr( halbe Preise). Dönhoff- Brett'l: Das lustige April- Progr. Komische 8 Uhr Oper 8%, Uhr James Klein's gewaltiges neues Revue Stück: Zich' dich aus! 200 Mitwirkende. Vorverkauf ab 10 Uhr ununterbrochen. CASINO- THEATER Lothringer Str. 37 Inferieren bringt ERFOLG! Winter 8Uhr Garten das Programm der 12 Attraktionen 12 Näheres siehe am Säulenring Metropol- Th. Groirian- SteinwegZentrum 128 24 8 Uhr: Der Grat von Luxembur Matzner, Hoffmann. Jolan, Hell, Kettner, Fischer. Hofen Th.1. Admiralspalast Letzte Woche! Täglich Uhi Saal, Bellevuestr. 14 Freitag, 27. April, 8 Uhr: Klavierabend Ludwig Kentner Konzert ügel: Grot lanSteinweg. Karten 5. 3, 1 an der Kasse des Saales Die schwebende Jungfrau Rose Grotrian- SteinwegAusschneiden Gutschein 1 Pers Fauteuil nur 1.10 M.. Sessel 1,60 M Theater am Kottbusser Tor Kottbusser Straße 6. Tel. Mpl. 16077 Täglich 8 Uhr Sonntag, nachmittags 3 Uhr Elite- Sänger Gr. neuer April- Spielplan, u. a. Marie Schluß 30. April. Wo speisi man gut a. billig? Nur Groß- Berlin Alexanderplatz. Die tolle Lolo Besonders von Max Reinhardt Saal, Bellevuestr. 14 Montag 30. Api il, 8 Uhr: Duetten- und Liederaben Marianne Ammercohl, Ilse Marja Scholz, Wilhelm Scholz, Prof. A. Richter. Karten 3, 2, 1 an derKasse d.Saales in KLEINER ANZEIGEN wirksam sind die in der Gesamt- Auflage Am Stammtisch von B. Croé, des„ Vorwärts" and trotzdem andererde billig! Beilage Montag, 23. April 1928 Der Abeno Spalausgabe des Vorwärts Soziale Not als Ursache der Verbrechen Mit dem Sechser fängt es an, mit der Hinrichtung hört es auf von Friedrich Wendel.") Fast alle Verbrechen haben ihre Ursache in der Unzulänglichkeit sozialer Verhältnisse, meist ist es das materielle Elend, das zu Bergehen und Verbrechen treibt. Goethes berühmtes Wort: Ihr Der Reiche und der Arme vor Gericht. Karikatur auf die englische Klassenjustiz im 19. Jahrhundert.( Punch", London 1844.) faßt den Armen schuldig werden, dann überfaßt ihr ihn der Pein" spricht dasselbe aus, was zweihundertfünfzig Jahre vor ihm der große Engländer Thomas Morus zornig gesagt hat:" Bas tut ihr? Ihr macht die Leute zu Dieben, um sie später aufzuhängen!" In der fachlichen Sprache unserer Tage drückte das der angesehene bayerische Nationalökonom Prof. Georg v. Maŋr einmal so aus;„ Man kann nicht anstehen, zu bekennen, es habe so ziemlich jeder Sechser, um den das Getreide im Preise gestiegen ist, auf je 10 000 Einwohner einen Diebstahl mehr hervorgerufen, während das Fallen der Gefreidepreise um einen Gedser bei der gleichen Zahl von Emwohnern je einen Diebstahl verhütet hat." August Bebel(„ Die Frau und der Sozialismus") teilt über die große Absatzkrisis der Jahre 1890-93 mit: In Sachsen wurden im Jahre 1890 wegen Bettelei 8815 Personen bestraft, 1891: 10 075 und 1892: 13 120. Aehnlich in Desterreich, wo im Jahre 1891 megen Vagabondage und Bettelei 90 926 Personen verurteilt wurden, im Jahre 1892: 98 998." Frithjof Nansen und andere Geographen und Ethnologen weisen mehrfach auf die Tatsache hin, daß bei Völkerschaften, die ein Privateigentum nur in sehr beschränktem Umfang fennen, Diebstähle und Raube logischerweise überaus selten seien, wie denn die Ziffer auch aller übrigen Berbrechen merkwürdig gering sei. Die soziale und materielle Bedingtheit des Verbrechens Tiegt so flar zutage, daß selbst verbissene Anhänger der Todesstrafe wenigstens diese Erscheinung nicht zu leugnen wagen. Und das ist das Furchtbare: Jede Verschärfung einer Notlage infolge Verteuerung der Lebenshaltung nimmt in ihrer verhängnisvollen Wirkung nach unten progressiv zu! Wirkt sich die Steigerung des Getreidepreises um 5 Pf. zunächst in der Kategorie der üblich schlecht bezahlten Arbeiler in an sich harmlosen, aber nichtsdestoweniger strafbaren Diebstählen aus da läßt man ein Stück Metall aus dem Betrieb mitgehen, um es zu verkaufen, dort vielleicht ein Pfund Zucker oder einen Meter Stoff aus dem Lagerbestand, so sieht die Sache in der nächstniedrigen Einkommensfategorie schon bedenklicher aus, um schließlich im Bezirk frasse= sten Elends dort, wo 5 Pf. schon eine große Summe Geldes darstellen! zu frassesten De liften zu führen! Hinzu kommt, daß, je größer und ununterbrochener das materielle Elend ist, um so dumpfer die moralische Atmosphäre sich gestaltet. Ist schon aufgefallen, daß der größte Prozentsatz der Raubmorde( das trifft ganz besonders auf die Oeffentl. Auspeit chung War noch um 1780 Sitte. lezten Jahre in Deutschland zu) um lächer Summen lich geringer Summen oder Werte willen begangen worden ift? Auch Morde an Geldbriefträgern und Viehhändlern haben den Mör dern durchaus nicht immer jene eingebracht, DON denen eine schlecht informierte Reportage fabelt. Natürlich tommen auch Morde um hohe Werte vor, bei weitem über wiegen aber die Raubmorde um geringe Beträge. Wie bei den von höchster Not bedrängten Menschen jedes flare Denten aufhört und einer ausgesprochenen Sinnlosigkeit des Handelns Blaß macht, dafür haben unsere Tage ein flassisches Beispiel in dem bekannten D 3ug Attentat von Leiferde geliefert. Drei junge Menschen, feit langem arbeitslos, obwohl ar beitswillig, ohne jede Mittel, ohne Obdach, auf Vagabondage und L 3 J Siehe die Artifel in Nr. 100, 104, 122, 144 und 162. | Bettel angewiesen, der ihnen meist nur eine Mahlzeit am Tage| Hilfe in einem einzelnen Fall die Quelle des Verbrechens nicht zum einbringt, häufig nicht einmal diese eine Mahlzeit, schlecht gekleidet, Bersiegen gebracht wird! Nur eine Hilfe im großen, eine Minderung schlecht beschuht, zermürbt, verbittert, ohne Aussicht auf beffere Tage, und schließliche Beseitigung des Elends breiter Schichten der Bebeschließen an einem Tage, der ohne Mahlzeit geblieben war, einen Eisenbahnzug zur Entgleisung zu bringen, um sich durch Plünderung des Postwagens und der Reisenden in den Besitz größerer Mittel zu sehen! Das heißt alfo, sie beschließen eine Unmöglichteit! So fürchterlich tatsächlich die Wirkung des Attentats war, eins mußten sich die Attentäter bei flarer Ueberlegung vorher selber sagen: daß die Aussicht, daß alle Reisenden und Beamten ums Leben kommen würden und der beabsichtigte Raub also ungestört und ohne Zeugenschaft vor sich gehen fönnte, von vornherein gleich Null mar. So fiel denn auch den Attentätern nicht ein Pfennig in die Hände, nicht einmal eine Butterstulle, die Plünderung war unmöglich, da genug gesunde Menschen im Zug übrig blieben, im übrigen packte die Attentäter beim Anblick des Trümmerfeldes das Grauen und sie wandten sich zur Flucht. Der ganze Plan weist alle Merkmale einer Hungerphantasie auf, er läßt sich nur aus einer zeitweisen Geistesstörung erklären. Kostbare Menschenleben wurden in Leiferde vernichtet, eine Reihe von Familien wurde durch die Beseitigung der Ernährer mit einem Schlage wirtschaftlich zurückgeschleudert, riesiger Materialschaden wurde angerichtet und das alles, weil drei junge Menschen von Hungerdelirien befallen worden waren! Preisfrage: wieviel Mark hätten genügt, um einen Schaden von Hunderttausenden von Mart abzuwenden? T Der Zorn stellt diese Frage. Selbstverständlich, daß mit der Lied im Frühling. Von Max Barthel. Brüder, laßt die Schwermut fahren, Schwestern, laßt das Trauern sein, Badet euch im kühlen, klaren Frühlingswind die Seelen rein. Hebt die Herzen in die Sonne! Bebt, schon grünen Busch und Strauch! Nach den schweren Winterwochen Zittert, grünt und leuchtet auch. Seht, schon fliegen Schmetterlinge Wundervoll durch allen Duft, Sie zerbrachen leicht die Schlinge Ihrer schwarzen Larvengruft. Ja, so heben wir die Flügel, Ja, so sind auch wir befreit Aus der schwarzen Gruft der Arbei. Hin zur Frühlingsherrlichkeit! Wenn der Wind in unsern Locken, Wenn der Wind die Herzen kühlt, Stürmen hunderttausend Glocken Und wir werden aufgewühlt, Wandern selig in die Ferne, Himmelstürmer, grün umlaubt, Und des Abends blühn die Sterne Strahlend über unserm Haupt! Jugend trinkt aus goldnem Becher Und spürt schaudernd jede Lust, Und es blühn dem trunknen Zecher Alle Sterne in der Brust. ad Brüder, Schroestern, laßt uns wandern, Bis die Sterne schlafen gehn, Bis der Sonne Flammenpferde Hell am Morgenhimmel stehn! Der Urberliner. oid. Der unermüdlich an der Berliner Chronik bauende Hans Ostwald hat eine neue Folge„ Der Urberliner" im Verlag Paul Franke, Berlin, herausgebracht. Wir entnehmen dem Buch folgende nette Echerze: Zugend fann Straucheln.. Die Tochter des Theaterdirektors Dobbelins hatte am Ende Als des 18. Jahrhunderts ein intimes vieljähriges Verhältnis mit einem Manne, den sie aus manchen Gründen nicht heiraten konnte dies Verhältnis zum zweiten Male Folgen hatte, machte das Publikum bei ihrem Erscheinen auf der Bühne großen Lärm. Sie mußte von der Bühne abtreten. Das Publikum gab sich nicht zufrieden, bis der Direktor erschien, und zwar etwas erregt, aber mit seinem gewöhnlichen Pathos begaan: „ Geschätztes Publikum! Tugend fann strauchein. Da rief jemand aus dem Publikum: „ Aber nicht zweimal!" Unter Lärm und Gelächter mußte Döbbelin abtreten. Bom grünen Wagen. Der grüne Wagen" ist bekanntlich jenes berüchtigte Fahrzeug, in dem die Verbrecher oder sonstigen Arrestanten von den Polizeiin dem die Verbrecher oder sonstigen Arrestanten von den Polizei hafträumen nach dem Untersuchungsgefängnis in Moabit gebracht werden. Vom grünen Wagen" wird erzählt, daß ihm einmal Berliner Elendskneipe. Nach einem alten Stich. völkerung fann eine Berringerung und schließlich die Beseitigung jener Berbrechen bewirken, die ihre Ursache in der sozialen Not haben. beide Achsen auf einer Seite gebrochen wären und er sich dadurch ganz schief gelegt hätte. Auf dieser Seite haben nämlich lauter schwere Verbrecher" gesessen, während auf der anderen die„ leichten Bersonen" interniert gewesen seien. Ein Vorübergehender rief, als er diesen Sachverhalt erfuhr, dem begleitenden Polizeibeamten zu: „ Na, denn machen Sie doch die Tür auf und setzen die Leute um. Dieser erwiderte jedoch: Ich kann ja die Tür nicht aufmachen, da siẞt inwendig ein Buhälter" vor." Kirchenbesuche. Schleiermacher war den Berlinern noch außerdem als geistreicher und wißiger Mann besonders lieb, und man pflegte die feinsten und besten Scherze, die in Umlauf famen, ihm zuzuschreiben. Auf die große Zahl der Zuhörer, die sich allsonntäglich, um ihn zu hören, in der Dreifaltigkeitsfirche einfanden, sei er, so erzählt man, gar nicht stolz gewesen, sondern habe einst gesagt: In meine Kirche kommen hauptsächlich Studenten, Frauen und Offiziere. Die Studenten wollen meine Predigt hören, die Frauen wollen die Studenten sehen. Und die Offiziere kommen der Frauen wegen." Zwillinge. Ein fleiner Junge von drei Jahren spielt zwischen den Straßenbahnschienen herum, ein großer Junge von elf Jahren schaut ihm zu. Ich trefe heran und frage den Großen: Ist der Kleine da dein Bruder?" Ja?"„ Dann nimm ihn doch von den Schienen weg, der wird ja da überfahren!" ,, Ach," sagte der große Junge, das macht nichts, wir haben zu Hause denselben noch mal!" とい For mir! Eduard Bernstein erzählt folgende Anekdote: Es ist Markttag. Die Köchin, die eingekauft hat, rechnet mit Frau Gans ab. Bei den Worten Fische( Lachs) einen Taler" unterbricht sie Frau Gane:„ Sieht Sie, jetzt habe ich Sie mal erwischt. Sie betrügt mich!" n Köchin( in herausforderndem Ton): Wat? Idk betrüge?" Frau Gans: Jawohl, Sie betrügt, Sie hat feinen Taler bezahlt, sondern nur zwanzig Groschen." Köchin( uneingeschüchtert):„ So, ich habe bloß zwanzig Groschen bezahlt? Woher wissen Sie denn det?" Frau Gans:„ Ich habe hinter Ihr gestanden und gesehen, wie Sie nur zwanzig Groschen bezahlt hat." Köchin: Also hinter mir haben Sie gestanden? Na, denn haben Sie wohl auch gehört, was det Fischweib gefordert hat?" Frau Gans: Gewiß habe ich das gehört, das Fischweib hat einen Taler gefordert. Sie hat aber bloß zwanzig Groschen bezahlt und zehn Groschen hat Sie abgehandelt." Köchin( triumphierend):„ Na, ja, wenn ick handle, dann handle id for mir und nich for die reiche Frau Jans!" Saal und Tribüne. Im Vortriegsreichstag waren viele Redner, die man auf der Preffetribüne nicht verstehen konnte, die aber nich so wichtig waren, daß die Beitungsberichterstatter sich nother das amtliche Stenogramm geholt hätten, um einen Auszug daraus zu marten Ein alter entrumsmann follte einmal die damals noch nicht bestehende Sonntagsruhe für die Handlungsgehilfen gefordert haben. So oft er nun sprach immer wurde ihm in der Presse dieses Thema zugeschrieben. Da nahm er einmal feine ganze Stimmtraft zusammen. und nach seiner Meinung donnerte er den Journalisten zu: Ich bitte nun aber dringend, zur Kenntnis zu nehmen. daß ich heute über die Frage der geistlichen Schulaufsicht spredje!!!" Am nächsten Morgen aber stand in fast allen Zeitungen: Abg. X.( 3.) tritt für die Sonntageruhe der Handlungsgehilfen ein." Bom Abg. X. aber ist nur noch zu melden:„ Die Augen saben ihn sinken, hielt teine Rede mehr." CUm dümSUxfue/p&n ***-?& 1. Fortsetzung. „Das glaube ich. Aber warum haßt Sie Ihre Schwieger- mutier? Sie glauben doch, daß die Sie haßt?" „Sie mag mich nicht leiden, weil ich ihre Tochter nicht mit ihr teilen will. Ich meine auch, sie hält mich nicht für vornehm genug und bereut di« Heirat. Sie hat mir öfters vorgeworfen, dah ihre Tochrer den Werkmeister hätte bekommen können, sie hätten erst nach der Hochzeit erfahren, daß er meiner Frau nachgegangen sei." „Haben Sie irgendeinen Grund zur Annahme von Beziehungen zwischen dem Werkmeister und Ihrer Frau?" „Herr Doktor, das ist ausgeschlossen, meine Frau ist so sauber wie das weiße Papier da." „Ich wollte das hören. Warum, gruben Sie, ist Ihre Frau von Ihnen fortgegangen?" „Sie hat sich nicht getraut, dazubleiben, weil die Mutter sie heimgeholt hat. Die Mutter ist an ollem Ungliick schuld. Sie hat sie falsch erzogen." „Wollen Sie nicht«ine Zeitlang zusehen, vielleicht kommt Ihre Frau freiwillig zu Ihnen zurück?" „Ich kann ohne meine Frau und ohne mein Kind nicht leben." „Wollen Sie nun wirklich klagen?" „Es bleibt mir keine andere Wahl. Der Richter muß fest- stellen, daß ich unschuldig bin." „So mancher Rechtsstreit geht anders aus, als die Parteien denken." „Das weiß ich, aber Recht muß Recht bleiben, und Sie müssen mir zu meinem Recht verhelfen, Herr Doktor." Ich lese ihm die Paragraphen vor, er kennt sie schon. „Herr Doktor, sie muß zu mir zurückkehren." Er wendet sich zum Gehen. „Noch eins, hat Ihr« Frau Vermögen? Einen Ehevertrag haben Sie ja nicht gemocht?" „Sie besitzt ihr väterliches Erbe, die Erbschaft ist aber noch nicht geteilt, die Mutter verwaltet sie und zieht die Pacht ein, es sind außer dem Haus einige Morgen Wingert und Feld in guten Lagen." „Nach dem Gesetz können Sie den Erbteil Ihrer Frau ver- walten und auch di« Teilung verlangen. Ich wollt« Ihnen das noch sogen." „Ich weiß es, Herr Doktor— ich will meine Frau und das Kind, aber ich will nicht ihr Geld, das mag die Mutter behalten." Ich stehe auf und gebe ihm die Hand. Am anderen Tage fertigte ich di« Klage. II. Der Kampf war lang und hart. Die jung« Frau war bald nicht mehr die Gegnerin, ich kämpfte nur noch mit der Mutter. Die Mutter stritt mit unbeschreiblicher Ausdauer, mit einem Ausgebot von List und Verschlagenheit, das aus den letzten Quellen des Instinks herkommen mochte. Auf einen Zeugen-brachte sie zehn, und sie wußten alle etwas. Meistens waren es Frauen. Frauen, die irgend einmal dabei- gewesen waren, als Jakob Bender unfreundlich gewesen war, als er wegen einer Kleinigkeit gemäkelt, als er eine harte oder un- ziemliche Aeußerung gebraucht hatte. Ihren Trumpf spielte die Mutter zuletzt aus. Sie brachte die Krankenschwester als Zeugin. Ich werde das Verhör nie vergessen. Allee, was die Zeugin sagte, war ohne Zweifel wahr. Aber wi« sie es sagte, was sie aus dem kleinsten Dorfall, aus jedem Dis- put herauszog, wie sie die Bagatellen gruppiert«, da» war ein un- bewußtes Meisterstück, dessen ein männliches Hirn nicht fähig ge- wesen wäre. Sie malle den Mann, erschöpfend, bis in die kleinsten Eigenheiten, nichts war erfunden oder auch nur übertrieben, aber sie setzte ein böses Strichlein neben das andere und übermalte so mit zäher Hartnäckigkeit alle seine guten Eigenschaften, so daß am Ende ein trauriges Zerrbild entstand. Kein Zweifel, daß die Krankenschwester den Mann so sah, daß sie nicht den Wunsch und nicht die leiseste Empfindung halle, un- gerecht zu sein. Sie konnte di« gayz« Wahrheit nicht sehen. Sie war ein Weib in mittleren Iahren, unverheiratet, von rauhem, unschönem Aeußeren. Nie hall« sie mit einem Manne ge- lebt: niemals hatte sie erfahren, dah die Geschlechter auch im Aus- druck ihrer seelischen Bewegung unendlich verschieden sind, daß der Mann tobt und schreit, wo die Frau schweigt und berechnet, und daß di« Fron sich in Schreie und Klagen ergeht, wo der Mann nur noch lächeln kann. So wurde in dieser weibischen Aussage der Mann zu einem zänkischen, übelwollenden Weibe. Weil die Zeugin niemals einen Mann erkannt hatte, niemals in den Armen eines Mannes gelegen war, fehlte ihr die Achtung vor seiner Eigenart. Schon der Anblick der Zeugin bekundete das: ihr Gesicht war gerötet, ihre Augen glänzten wie die Augen eines Halbtrunkenen, ihre Stimme war laut und überschlug sich oft, sie sprudelte die Sätze heraus, und jedes Wort war dabei überlegt und auf Wirkung berechnet. Ich bin überzeugt, daß ihr dabei die Person des Klägers ganz gleichgültig war. Sie kämpfte gegen irgendeinen Mann, der sich nicht wehren könnt«: sie fühlte di« Wollust diese» Kampfes und kostete sie aus. Dabei gab sie sich keine Blöße, sie spielte die selbst- lose Aermittlerin, tadelte ein wenig auch di« Muller und endete schließlich mit Tränen in den Augen. Auch diese Tränen waren echt, so hatte sie sich in ihre Aussog« eingelebt. Die Schwester war um so ungezügelter, als die junge Frau durch die Mutter von allen Gerichtstsrminen ferngehalten wurde. Auch das war berechnet. Denn Menschen, die sich einmal in den Armen gelegen haben, können sich wohl entzweien, mögen sich so- gar hasten, aber wenn sie einander wieder in da« Weiße der Augen sehen, zittert in ihrer Brust da« Geheimnis ihrer Verbindung nach, und es versinkt der Haß in diesem Geheimnis. Und mag eine Mutter vom Bater ihre» Kindes geschlagen werden, sie dankt ihm doch für jeden guten Blick, den er dem Kinde schenkt, und für jedes zärtliche Wort, das er an das Kind richtet-- So zerstörte die Mutter die letzte-Brücke. Immer wieder drang der Mann darauf, dah er mit seiner Frau sprechen dürfe, nur ein flüchtiges Wort wollte er ihr sagen, nur einmal mit ihr reden: da- von erhoffte er ein Wunder. Es gelang ihm nicht. Stuirdenlang stellte er sich ans Tor, wartete er auf der Straße. Die Frau blieb verschwunden, die Mutter ließ sie nicht aus dem Hause, behütete sie und folgte ihr wie ein Schallen. An einem Sonntagabend— es war einer der schweren, feucht. warmen Frühlingstage, die zuweilen auf das pfälzisck� Rebgelände niedersinken— konnte er ihr nahen. Er hatte die Arme nach ihr ausgestreckt und wollte di« Woarte sagen, die er sich für diese Mi- nute hundertmal eingeprägt hott«. Sie waren nur wenige Meter voneinander entfernt. Niemand war auf der Straß«, das Dämmer- licht hatte sie beide umfaßt. Die Frau wehrte ihn heftig ab und Schon der Anblick der Zeugin bekundete das... enteilte mit tiefgesenktem Kopf, wie von einem unerklärlichen Grauen gejagt. Er rief ihr ihren Namen nach, mehrmals und in immer stärkerer Erregung. Sie schaute nicht rückwärts und ver- schwand schnell hinter dem Tore eines Hauses, in dem ein« Freun- din wohnte. An diesem Abend brach er auf der Dorfstraße zu- sammen. Als ihn Mitleidige aufheben wollten, sahen sie in ein fahles Gesicht mit flackernden Augen. Cr dankte den Helfern nicht und schlich nach Hause. Am anderen Tage erzählte er mir dieses Erlebnis. In ihm war eine Veränderunga vorgegangen. Ich fühlte es sofort. Etwas war ausgelöscht in ihm: ein böses, falsches Feuer kam aus seinem Auge. Er erzählte mir das Erlebnis mit gesuchter Breite, schildert� die Frau, ahmte sogar ihre Bewegungen noch und versuchte, den Vorfall ins Lächerliche herabzuziehen. Ich sah durch all das, wie schwer er litt und mit welcher Mühe er sich davon zu befreien suchte. Daß ihm das nicht gelang, war mir klar. Ich wußte, was nun zu kommen bestimmt war: diese überhäufte Liebe, die durch das Ge- trenntsein ins Unerträgliche gespannte Zuneigung, die Selbst- ernledrigung, die in der unverminderten Liebe zu seiner ihn ver- schmähenden Frau lag, all das schlug unter dem Eindruck dieses Ereignisses um und verwandelte sich zu einem Gefühl, dem des Ver- nichtungstriebes. Alles wird sich von nun an diesem Gefühl unter- ordnen: er wird sich bemühen, seine Frau, seine Verwandten zu hassen, in diesem Haß wird er sich selbst nicht mehr erkennen, und immer mehr wird er verlernen, die ihn umgebenden Dinge zu unterscheiden. Er wird sein Recht suchen, nicht um des Rechtes willen, und nicht um Gutes zu tun und um Liebe zu finden, sondern nur noch des hohlen Scheines, des Triumphes willen, er wird sis olle demütigen wollen, die Frau, die Mutter, die Krankenschwester, die Freundinnen. Und auch das Kind wird er hasten-- Ich schauderte vor dieser Vernichtung. Wie sollte ich da helfen? Der Mann ist verstockt und nicht zu beeinflussen. Vielleicht daß das Obsiegen in dem Prozest« ihm das Triumphgefühl ver- schaffen könnte, das allein den Haß in ihm auslöschen würde--- Vielleicht. Oder ist diese Wandlung zum Hasse endgültig und ist es fürdcrhin nicht mehr ein Kampf aus Liebe, ein Kampf um Lieb?, sondern ein kalter Vernichtungskampf? Ich wollte das noch nicht glauben-- Der Richter, ein kluger, gerechter Mensch mit offenem Blick für die Lückenhaftigkeit seines Berufes und mit Empfindung für das menschliche Elend, das sich in der Unrast und der Unvoll- kommenheit des irdischen Rechts spiegelt, schwankte lange Zeit. Er hatte die Ehrlichkeit und anständige Gesinnung des Mannes sofort erkannt, nicht minder auch seine Launenhaftigkeit, Nörgelsucht und gelegentliche Boshastigkeit. An der Frau konnte er einen Makel nicht finden. Sie war wohl schwach und von der Mutter beherrscht. aber es war natürlich, daß sie vor diesem so schwer zu behandeln- den Mann bei der Mutter Schutz gesucht hatte. Für den gerechten Richter gab es nur die eine Frage: Konnte die Frau diesen Mann in ihrem künftigen Leben ertragen, ging sie an der Seite dieses Menschen nickt unfehlbar zugrunde? Und wird nicht auch der Mann, ohne fürderhin das Weib zu besitzen, zugrunde gehen? Hier war die Entscheidung einfach und schwer. Wer war der Werwollere von beiden? Beider Leben war im Anfang, beide waren im Grunde an- ständige Menscken, würdig einer glücklichen Entwicklung. Der Richter mübte sich, jedes der beiden mit den Augen des anderen zu sehen. Mit den Augen des Mannes sah er ein junges, unsicheres Weib, das. den Armen ihrer Mutter entzogen, wieder ganz die Seine werden konnte. Mit den Augen des Mannes konnte er einen unüberbrückbaren Abgrund nickt erkennen, nur Trübungen und Mißverständniste, die in der ersten freudigen Umarmung in nichts versinken konnten. Doch mit den Augen des jungen Weibes sah er ein« anders Welt: dieses Weib war vor ihrem Mann ge- flohen, weil schon der Gedanke an ihn«ine grenzenlose Furcht in ihr auslöste, sie empfand jedes seiner Worte und jede seiner Be- lvegungen als eine Bedrohung, die vielen Nörgeleien und klein- lichen Ausstellungen des Mannes hatten sich in ihrer geängstigien Vorstellung zu einer einzigen Quälerei verdicktet: dieser M�nn war ein herzloser, selbstsüchtiger Pedant. Unwillkürlich vermischte ter Richter die Gedanken und Empfindungen der Frau mit den B?- kundunaen der Krankenschwester zu einem Bilde, und so färbte sick auch vor ihm das Bild des Mannes immer dunkler, so daß all- mählich die Entscheidung fallen konnte. sForlsetzung folgt> WAS DER TAG BRINGT. luuiiMiniiiiiniMiiiiitmiiiiiiuiiuiinimHuniuniuiniiiiiiniimiiiniinniiiiiiinuiniiiiiimimuiiinniiinunimtiiinniiiimunniiiuiiiiiniiramiiiiiniiiiiiuniiiimiHuiniinimumiiiiiinnm t,Die Kunst des Heinens und des Küssens" Das Neuest« vom Film: Die Universität von Süd-Äaliforr.ien hat in ihren Unterrichtsplan«inen vierjährigen Lehrgang für Leute aufgenommen, die zum Film gehen wollen. Es werden beispisls- weise gelehrt: die Prinzipien, die bei der Herstellung eines Dreh- buches zu beachten sind, die Prinzipien, nach denen Filmtitel am wirkungsvollsten verfaßt werden, es wird dramatische Psycholog!« gelehrt. Auch die Schauspielkunst wird nicht zu kurz kommen, und es ist beispielsweise vorgesehen, die Schül«r den schwärmerischen Augenaufschlag zu lehren und ihnen die Kunst des Weinens und Küssens beizubringen. Da hatte es manchem geschisnen, daß das Beispiel einiger Russenfilme, die ganz ohn«„dramatische Psychologie" und ohne Starz stärkste und erschütterndste Wirkungen erreichtet,, einen neuen Atemschlag der Natürlichkeit und Wahrhaftigkeit in den verkitschten und versüßlichten Film gebracht hätte und daß ihre Prinzipien die der Zukunft seien. Aber die Amerikaner wissen es bester. Längst ist ihre Industrie rationalisiert und nun scheint es an der Zeit, daß auch di« Kunst endgültig und systematisch schablonisiert und uniformiert werd«. Es gab bislang schon ein parr amerikanische Filmprinzipien, di« nur in den allerseltenstcn Fällen verletzt wurden Beispielsweise darf im amerikanischen Film die Ehe nicht gebrochen werden, Ver- brechen dürfen nicht vermenschlicht werden und alles muß einen glück- lichen Ausgang nehmen. In Südkalifornien wird man neue Richt- linien aufftellen, denen das Leben sich zu unterwerfen hat--: das Leben aus der Kinoperspektive, das Leben aus dem Blickwinkel Hollywooder Protzentums, das Leben, in dem Weinen und Küssen nicht elementarste Menschendinge bedeuten, sondern auf einer Aka- dem!« erlernbare und schriftlich fixierten Regeln unterworfene Künste. Der Lehrgang sieht«ine regelrechte Abschlußprüfung vor. und es heißt, daß schon jetzt lebhaste Nachfrag« nach Besuchern der Kinounioersität herrsche. Wenn wir da also etwa in einem Amerika- film das brechende Auge eines am Wegrand einsam sterbenden Bettlers erblicken, so wird es nützlich sein, nicht in erster Linie an das Menschenleid zu denken, das hier gestaltet wird, sondern daran, daß es einen Vorzug bedeutet,«inen so bravourösen Gestalter ge- wehen zu dürfen, der kaum die ergreifende Rolle hätte spielen dürfen, wenn er seine akademische Abschlußprüfung nicht mit der Not« Vorzüglich bestanden hätte. Hsns Bauer. Im Arm des Toten. Robert Ra n k i n e wohnte in einem Londoner Vorort und war trotz des Wortes eines Dichters, daß es vielleicht gute, aber keine glücklichen Chen gäbe. Millich verheiratet. Seine hübsche 26jährige Frau hatte ihm drei Kinder geschenkt, von denen dos Jüngste noch ein richtiges Baby war. Vor ein paar Tagen fährt Frau Rankine in die Stadt, um Ein- kaufe zu nwchen, und kehrt erst gegen Abend zurück; ihr Mann will unterdessen aus die Kinder ouspassen. Als sie heimkommt, spielen die beiden älteren Kinder vergnügt im unteren Flur und begrüßen die Mutter mit Jubel. „Was macht Väterchen?" fragt'sie. „Er sitzt am Kamin und spielt mit Baby", lautet die Antwort. Frau Rankine tritt ins dämmrige Wohnzimmer: im Lehnstuhl vor dem Feper sitzt ihr Mann, das Baby auf dem Schoß. Baby hat den Kopf an Vaters Schulter gelegt und schläft. Frau Rankin sagt„Guten Abend", Baby wacht auf. quietscht vor Vergnügen und streckt ihr die Aermchen entgegen: es kann nicht fallen, der Vater hält es fest umschlungen. Aber er bcantwortct nicht den Gruß seiner Frau. Frau Rankine wird ängstlich. Warum antwortet ihr Mann nicht? Ist ihm vielleicht schlecht geworden? „Bob", ruft sie bange,„Beb, warum sprichst du nicht?" Vob wird nie wieder sprechen. Er schläft den tiefsten Schlaf, den«in Mensch schlafen kann. Aber er hat Baby nicht fallen lasten. .Herzschlag",— sagte der Doktor. Wenn die blaue Lampe brennt. Die Polizei in Sheffield(England) hat eine neue Alarm- anlage eingeführt, die sich gut bewährt haben soll. In den cnllegencir Bezirken der Siadt sind kleine Kioske errichtet worden, in deren Spitze eine blaue Glühlampe eingebaut ist. Erhält nun die Haupt- wache der Polizei aus Irgendeinem dieser Bezirk« Meldung über ein Vergehen oder Derbrechen, so leuchtet die blau« Lampe auf, die in der Nähe stationierten Polizisten werden aufmerksam gemocht und können nur am Telephon des Kiosks die dienstlichen Anweisungen entgegennehmen. Wenn die Verbrecher von Shefsk:ld künstig irgendwo ein blaues Lämpchen sehen, wird es für sie das Signal zur allgemeinen Flucht sein... Wie Mussolini bewacht wird. In einem Kopenhagener Blatt erzählt eine dänische Frau, die bei Landslcuten in Rom zu Gast gewesen war, was sie dort gesehen und erlebt hat.„Meine Freunde," so schreibt sie,„wohnen in emem Haus, das dem Palazzo Chizi gegenüberliegt. Viele meiner Landsleute bemühen sich um eine Audienz bei dem allmächtigen Diu«: ich kam auf eine andere Art, wenn auch nicht unmittelbar, mit ihm in Berührung. Meine Freund« wohnten im obeisten Stock. Als ich das erstemal zu ihnen kam. sah ich unwillkürlich hinauf und bewundert« das schöne hohe Haus. In demselben Augenblick sprangen mehrere Leute aus dem gegenüberliegenden Palazzo heraus und befahlen mir barsch und grob, sofort weiter- zugeben und keinen Augenbl ck stehenzubleiben-, dabei hatte ich Mussolinis Haus gar nicht angesehen. Am anderen Tag ging ich wieder zu meinen Freunden. Kaum hatte ich den Hausflur betreten. als plötzlich ein Mann vor mir au» dem Dunkeln auftauchte mitz mich mit einem Schwall von Worten überhäufte, von denen.�ch allerdings kein einziges verstand. Vergeblich versuchte ich, dem Mann klarzumachen, daß ich Dänin sei. und daß ich Italienisch nicht verstehe. Er folgte mir auf den Fersen bis zur Wohnung meiner Freundin. Zwischen dem Detektiv und meiner Freundin entspann sich ein aufgereptes Gespräch, das damit endete, daß der Detektiv die Wobnung verließ. Im Laufe des nächsten Tages erhielt die Dame den Besuch von nickt ivcN'oer als neun Gckeimpolizisten. Vielleicht, so schließt die dänisch: Dame ihre Schilderung, abnt Mussolini, daß wir Dänen ein gewisses Derständnis für das Schicksal Südtirols hoben." Adler 08 kommt in die Endrunde. Arbeiter- Fußballmeister siegt gegen Naumburg 8: 1. Herrliches Fußballwetter und 10 000 Zuschauer gaben den Rahmen zu dem Vorrundenspiel um die Bundesmeister schaft. Mit dem Anstoß Naumburgs beginn das Spiel. Schon die zweite Minute bringi die erste Ecke für Adler, die abgewehri wird. Gleich darauf setzt Adlers Halb rechter einen Schuß aufs Tor, den der Verteidiger gerade noch aufhalten kann. Adler ist tonangebend. Der Halblinke kom mandiert den Sturm. Seine präzisen VorTagen bringen das Tor der Thüringer des öfteren in Gefahr. Die zweite Ede für Adler geht aus. In der 12. Minute gelingt es dem Halbrechten Adlers mit flachem Schuß den Torreigen zu eröffnen: 1: 0 für Adler. Berlins Meister ist weiter im Vorteil. In der 15. Minute sieht es nach dem 2. Tor aus. Allein steht Adlers Halblinker vor dem Torwart. Scharf fegt der Ball aufs Tor. doch der Torwart fängt sicher. Sofort ist Naumburg vorn. Aber auch hier ist es der Torwart, der durch sicheres Fangen die Torgelegenheit unschädlich macht. Naumburgs Sturm wird jeht sichtlich nervos, Avier Dagegen tombiniert ruhig und sicher. So fällt denn auch in der 18. Minute der zweite Treffer. Die Naumburger spielen zu planlos, um Erfolge zu erringen. In der 21. Minute winkt ihnen ein folcher, doch erweist sich die Latte als Retter in höchster Not. Nach und nach findet sich jetzt auch Naumburg. Trotzdem der Sturm gut tombiniert, kommt er gegen Adlers Hintermannschaft nicht auf. Adler dagegen ist glüdlicher. In der 28. Minute sitzt durch den Halblinken der 3. Treffer. Schon 2 Minuten später sigt durch den gleichen Spieler Nummer 4. Trotzdem die Berliner jegt weiter die Angreifenden bleiben, fönnen sie es nicht verhindern, daß auch Naumburg ihrem Tor gefährliche Besuche abstattet. In der 38. Minute schießt Halblinks scharf aufs Tor, doch wegen Abseits kommen die Gäste um den verdienten Erfolg. So bleibt es bis zur Pause. Zu Beginn der zweiten Spielhälfte hat Naumburg umgestellt, von Erfolg war jedoch diese Umstellung nicht. Sofort sezt Adlers Halbrechter einen scharfen Schuß aufs Tor. Der Torwart fängt den Ball, doch rutscht er ihm aus den Händen und bleibt furz vor der Linie liegen. Naumburg gelingt es nun, das Spiel offen zu gestalten, Adlers Sturm spielt aber sicherer. Die 57. Mi nute bringt dann auch den 5. Treffer. Nachdem in der 59. Minute die 5. Ede für Adler abgewehrt, gelingt es dem Halblinken, den Ball doch noch ins Tor zu lenken. Schon eine Minute später muß Naumburgs Torwart den Ball zum 7. Male aus dem Neg holen. Jezt belagert Naumburg einige Minuten das Adler- Tor, ohne jedoch erfolgreich zu sein. Lediglich 3 Ecken sind die magere Ausbeute. Dann ist Adler wieder am Spiel. Shnell läuft Halblinks nach vorn. Scharf getreten fliegt der Ball aufs Tor, doch fängt der Torwart sicher. Alle noch so placierten Bälle werden von ihm gehalten. Erst in der 80. minute läßt er einen haltbaren Ball passieren. Adler hat das Spiel gewonnen. Das Bild zeigt einen Eckball vor dem Adler- Tor. Am Sonntag, 6. Mai, findet nun das Endspiel um die Bundesmeisterschaft ebenfalls in Berlin statt. Der Gegner für Adler steht noch nicht fest. Bootstaufe und Anfahren beim Ruderverein Vorwärts. Wer am Sonntag vormittag vom Bahnhof Baumschulenweg die Baumschulenstraße entlang bis zum Wasser ging, der sah auf der anderen Seite das festlich geschmückte Bootshaus des Ruder Weithin leuchtete die Fahne des verein Bormärts". Arbeiter- Turn- und Sportbundes. Reges Leben herrschte auf dem Bootsplaye. Die Boote wurden zur Fahrt fertiggemacht, denn der Verein veranstaltete sein diesjähriges Anrudern. Bei den Wassersportlern ist es üblich, daß die offizielle Rudersaison mit einem gemeinsamen Anrudern eröffnet und mit einem gemeinsamen Abrudern beschlossen wird. 3iel der Fahrt war das Restaurant" Neu- Heringsdorf". Hier versammelten sich die Mannschaften zu einer kleinen Feier. Um 15 Uhr wurde die Rückfahrt angetreten. Während dieser Zeit dominierte die Flagge des Vereins( Rotes V im weißen Felde) auf der Oberspree. Anschließend fand auf dem Bootsplatz die Taufe von zwet frotto Wearödbe led its Doppelvierern statt. Wie beim Anrudern, so ftellten sich auch hier die Sänger der Freien Ruderer und Ranufahrer in anertennenswerter Weise zur Verfügung. Der 1. Borsitzende Schreck taufte die Boote auf die Namen„ Solidarität“ und„ Trozz alledem". Man muß es dem rührigen Bnrein lassen, daß er es mit allen Mitteln versucht, den schönen und gesunden Rudersport weiteren Kreisen der Arbeiterschaft zugänglich zu machen. Junioren im Wettstreit. Der Nachwuchs der Arbeiter- Athletenvereine. In der Königsbant" veranstaltete der 4. Kreis des Arbeiterathleten bundes", wie alljährlich nach Schluß der Seniccenfämpfe, einen Jugend- und Juniorenwettstreit. Diefer Großfampftag, der fast 200 Konkurrenten in allen Gewichtsklassen auf die Matte brachte, nahm einen glänzenden Verlauf. Die Preisträger aus den Vorjahren waren von den Konkurrenzen ausge= schlossen; so war der Bettstreit lediglich für den Nachwuchs reserviert. Schon in den frühen Morgenstunden des Sonntags nahm der Rampftag feinen Anfang und auf mehreren Matten wurden die Konkurrenzen ausgetragen, die bis in die späten Nachmittagsstunden dauerten. Alles in allem ein schöner Erfolg, der auch den Arbeiter. Schwerathleten neue Anhänger gebracht haben dürfte. Resultate: Junioren: Fliegengewicht: 1. Willi Poethke, Lurich 02, 4 Siege in 11,49 Minuten. Bantamgewicht: 1. Leo Schächter, Lurich 02, 6 Siege in 19,19 Minuten. Federgewicht: 1. 28. Gminsti, Nord Oft, 6 Siege in 23,40 Minuten. Leichtgewicht: 1. Heiderich, Söpenid, 7 Siege in 20,42 Minuten. Mittelgewicht: 1. Hicke, NordWeft, 5 Siege in 24,12 Minuten. Salbschwergewicht: 1. Mar Michael, Alt- Wedding, 5 Giege in 18,47 Minuten. Schwergewicht: 1. Busch, Lurich 02, 3 Siege in 13,06 Minuten. Domgörgen k. o. Darton bleibt Weltergewichtsmeister. Einen überraschend schnellen Ausgang nahm die Begegnung zwischen Mittelgewichtsmeister Domgörgen und dem Engländer Gipsy Daniels. Letterer hatte mit seinen 168 Pfund nicht weniger als 24 Pfund Gewichtsplus und nußte diesen physischen Vorteil weidlich aus. Domgörgen versuchte, in den Nahkampf zu tommen, erreichte hierbei aber nichts, sondern mußte empfindliche Schläge hinnehmen. Der Kölner erholte sich aber verhältnismäßig schnell und gab die erste Runde nur knapp an Daniels ab. In der zweiten Runde ließ sich Domgörgen zunächst etwas treiben, duckte einen Rechten von Daniels ab, at er in dem Augenblick, als er mit dem Oberförper wieber nach links zurüdbog, fam schon das Ende. Daniels traf mit einem Rechten die Kinnspitze, der deutsche Meister fiel langsam mit dem Gesicht zu Boden und mußte das Aus" des Ringrichters über sich ergehen lassen. Im Ausscheidungskampf der Halbschwergewichte fiegte Heinrich MüllerKöln gegen Hülsebus- Bremen über acht Runden durch seine technische Ueberlegenheit flar nach Punkten. " Der Kampf um die Europameisterschaft im Weltergewicht zwischen dem Titelhalter Leon Darton Belgien und dem deutschen Meister Karl Sahm- Hamburg endete unentschieden, womit Darton im Besitz des Titels bleibt. Über die vollkommene Ehe S Jilin hält der berühmte holländische Arzt van de Velde überall sensationell Vorträge, und er weiß eine Menge guter Ratschläge und gediegener Rezepte zur Befriedigung in der Ehe und zur Herbeiführung eines vollkommen ehelichen Glücks im Zusammenleben zu geben. Ohne Zweifel ist es van de Velde damit gelungen, die Reize des Ehelebens caffiniert zu erhöhen. Nur eins vernachlässigte er in seinen Hunderten von Eheregeln, er versäumte es, auf die große Bedeutung hinzuweisen, die die richtige Wahl der von den Ehegatten gerauchten Zigaretten bei ihrem Eheglück besitzt. Greiling- Auslese zu 5 Pfennig ist diejenige Macke, die für die Harmonie unter Eheleuten die höchste Garantie bedeutet. Der gemeinsame Genuß dieser aus besten Orienttabaken zu höchster Qualität gemischten Zigarette verbürgt eine nie gekannte Einigkeit und Toleranz unter den Ehegatten.- Zur wohltuenden Abwechslung greift man zu unserer Greiling- Schwarz- Weiß zu 4 Pfennig und Greiling- Fuwel zu 6 Pfennig, man erlebt so in Duft und Acoma eine Abstimmung, die das Glück und den Frieden in der Ehe zur höchsten Annehmlichkeit zu steigern vermag. Rütt hat schönes Wetter! Der zweite Renntag der Rütt Arena brachte ein großes Fliegerprogramm, dessen Abwickelung drei Stunden erforderte. Hinzu tamen noch zwei Dauerrennen hinter Leicht motorrädern, so daß das Programm erst um 28 Uhr beendet war. Rütt hatte sich für seine Preisbezeichnungen den Ozeanflug der Köhl- Hünefeldt ausersehen. Im Endlauf um den Köhl- Preis" trafen sich Dewolf, Rütt und Schamberg. Letterer trug auch den Sieg davon. Den Preis der Bremen" sicherte sich De Martini vor Lorenz und Mühlbach und den Preis von Labrador" Degraeve vor Charlier und Kuhn. Recht bewegt ging es im internationalen Stunden Mannschaftsrennen zu. 13 Paare stellten sich dem Starter. Mit 16 Punkten gewann die Mannschaft Charlier- Duray diese Stundenfahrt( 39,750 Kilometer) Schüler- Degraeve, 5 Punkte. Alle anderen Mannschaften lagen ein " bis drei Runden zurück. = por Die beiden Dau err ennen, die über je 15 Kilometer gingen und mit Carpus, Debe, Errleben, Maczinski und Vermeer besetzt waren, brachten beide Male den Sieg von Ergleben. Im ,, Armbinde Rennen" fonnte sich der bisherige Inhaber Kedziersti sicher gegen seinen Herausforderer Bassi behaupten, Bei den Berufsfliegern gewann dann noch Duran das Ausscheidungsfahren. Die Amateure famen mehrfach zu Worte: So holte sich Einsiedel( Excelsior- Dresden) das Hauptfahren über 1000 Meter. Balke( BRC. von 89) das Malfahren über 5000 Meter und Manthey( Concordia) das Trestfahren über 3000 Meter. Fußball Berlin- Manchen 5: 1. Hohes Ergebnis beim Städtespiel. Das erste große Ereignis des Berliner Verbandes im Rahmen feines Städteprogramms, das Treffen München Berlin, fand am Sonntag auf dem Breußenplayze in Tempelhof statt. Der Breußenplatz ist zwar durch seine baulichen Arbeiten noch nicht ganz im Idealzustande, aber immerhin war er den ihm gestellten schweren Anforderungen gewachsen. München hatte Anstoß und es begann eines der schönsten Spiele der letzten Zeit. Berlin spielte in schönstem Stile sich zu Münchens Tor, erzielte durch Sobeck das erste Tor und noch ehe fich München von der lleberraschung erholt hatte, tam Grenzel zum zweiten Tore. Halbzeit 4: 1. In der zweiten Hälfte trat München für den verlegten Hörmüller mit Schäfer halblints an. Es war nunmehr ein völlig ausgeglichenes Spiel, das aber schließlich doch Berlin mit dem oben erwähnten Rejultat gewinnen Tonnte. ,, Rund um Köln." Weltmeister Binda in Front! Eines der bedeutendsten deutschen Straßenradrennen ist die alljährliche Fernfahrt„ Rund um Köln", die vor nunmehr beinahe 20 Jahren, am 13. September 1908, zum ersten Male veranstaltet wurde. Der dieemaligen 16. Austragung dieser Prüfung tam insofern erhöhte Bedeutung zu, als sie gleichzeitig die erste internationale Prüfung der diesjährigen deutschen Straßenrennsaison war. Um 6,20 Uhr wurden 117 B- Fahrer vom Starter entlassen. Ihnen folgten 20 Minuten später 23-Fahrer, während die 40 Mann starte Berufsfahrergruppe 7,20 Uhr auf die 251 Kilometer lange Reise geschickt wurde. Hier fehlten Nickel, Kroll( Berlin), Nebe- Leipzig und Reim- Chemnitz wegen Krankheit. Die Einzelergebnisse lauten: Berufsfahrer: 1. Alfredo Binda- Italien 9:10:00; 2. Piemonntefi- Stalien 1 Lg.; 3, Delbecque- Belgien 9:13:25; 4. Mortelmans- Belgien 9:25:00; 5. Zanaga- Italien% Lg.; 6. 3. Dumm- Köln 2 Lg.; 7. NegriniStalien 12g. 8. Bulla- Defterreich, bichtauf: 9. B. Rohl- Berlin, Sidhiaut: 10. Remolb- München 9:39:00; 11. R. Huschte- Berlin; 12. Bruno Wolle- Berlin; 13. Wener- Berlin; 14. Otto Cap- Frankfurt/ M( alle bichtauf). Amateure, Rlaffe A: 1. A. Effig- Effen 10: C4: 00( Proteft); 2. Wolltam- Solingen 10:10:00; 2. Ropp- Ruhlheim 10: 12:00; 4. Baier- Erfurt 10:13:00; 5. Manz- Köln, dichtauf; 6. Schröter- Berlin 10:19:00. Iaffe B: 1. Franz Schmidt- Köln 10:06:00; Mandelary- Köln 10:19:00; 3. Gotowfti- Röln, dichtauf: 4. Schlösser- köln 10: 21:00; 5. Trimborn- Röln 10:29:00; 6. BenzElberfeld 10: 31:00. Buddenbrock- Rennen in Mariendorf. Nach dem vielen Wetterpech, das der Mariendorfer Verein im Laufe der bisherigen Saison hatte, wurde der große Erfolg des Buddenbrock- Lages um so freudiger begrüßt. Es war ein gelungener Abschluß der Mariendorfer Frühjahrs- Saison. Die Bedeutung des Tages war mit der Entscheidung des BuddenbrockRennens, der ,, llnion der Traber" gekennzeichnet. Diese wichtigste Borprüfung zum Traberderby hatte eine großartige Befehung gefunden, mit wenigen Ausnahmen fanden sich die Besten des großartig geratenen Derbyjahrgangs am Start ein. Großmann steht im Derby mit Britten vor den allerbesten Aussichten Enttäuschend schnitten die heiß favorisierten Vertreter des Gestüts Falkenhagen ab. Von den anderen Bewerbern lief Domdechant bemerkenswert. Der Sieger trabte 1: 25,9 und verbesserte den Rekord von Herostrat um nahezu vier Sefunden. 1. Frundsberg Rennen. 1700 M., 2300 Meter. 1. Fri. M. Schwargers Harfenmädchen( Sinerayki); 2. Heimchen; Lindow Peter. Tot.: 22, Bl. 12, 20, 15; ferner Tiefen: Artifer, Glücksvogel( o. W.) Haga Burton, Effi, Sella Timce, Pirus( o. W.), Aaker, I, Bcate, Campanula, Monostatos, Leffing. 2. deltochter Rennen. 1800 M., 2000 Meter: 1. Gest. Damsbricks Parmento( Ch. Mills); 2. Nelly Arnold; 3. Atlas, Fot.: 20, BI. 14, 20, 66; ferner Tiefen: Hut ab, Rosemarie, Natator, Naturbursche, Leuchte, Planet, Prachtpeter, Theokrat, Biedermann, Rebeltappe, Alpenfeuer. 3. Frühauf Renne n. 1700 m., 2300 Meter. 1. J. Gwosdz' Erifa ( Bes.), 2. Minna Halle, 3. Halma. Tot.: 99, BI. 22, 46, 62; ferner liefen: Frieda Edelstein, Lombardei, Baron Gabler, Mirabelis I, Cirano, Ingelinde, Luftfchiffer, Möglich, Langemann, Petronella A, Kerrigan jr., Weinbrand, 4. Serostrat Rennen. 1800., 2000 Meter. 1. Gebr. Jacobfohns Lindowkind. Kurfürft( 3. Mills), 2. Zoutfiana, 3. Rönig Robert. Sot: 81, r. 16, 15, 28 ferner liefen: Boisdam, Theodora, Jerteufelchen, Marie Luise, Ratharina, te menier, Carl Alexander( o. W.), Meister B. 5. Budenbrod Rennen. 10 000 m., 2600 Meter. 1. Geft. Briefen und M. Beilers Britton( R. Großmann), 2. Augias, 3. Hannibal. Tot.: 38, PI. 17, 23, 20; ferner Tiefen: Nimmersatt( 4), 3auntönig( 5), Domdechant, Sallore, Pabetsen, Leonardo, Arnim. 6. Pez Preis. 200 m., 2400 Meter. 1. E. Springers Kurgast( P. Finn), 2. Jda Palos, 3. Morgentau. Tot.: 64, BI. 22, 33, 49. Ferner liefen: Dompfaff I, Flamingo, Peter Harvester, Alpengeier, Noordwyk. 7. Florentiner Rennen. 2200 M., 2000 Meter. 1. Gestüt Fal Tenhagens Miger( Ch. Mills); 2. Manurico; 3. Belwin. Tot.: 18, BI. 14, 44, 27; ferner liefen: Franlet Quisi quasi, Johanniskäfer, Ed Luno. 8. Sudan Rennen. 2000 m., 2400 Meter. 1. Berks Edstein( E. Tren hera), 2. Lindenwirtin I, 3. Jsegrim. Tot.: 25, PI. 14, 14, 15; ferner liefen: Champion Gond, Dolerit, Jeanette, Barmaid. 4-6£ g. 9. Gottfried Preis. 1800 M., 2400 Meter. 1. Gest. Höfleins Espar sette( Herm. Schleusener), 2. Rosenfrau, 3. Natal. Tot.: 48, BI. 18, 14, 21; ferner liefen: Loufette, Diana Magowan, Mary Guy, Jsarwelle, Hals- 2 Lg. Einheitliche Automobil- Kennzeichen. Der Reichsverband der Automobilindustrie hatte vor einiger Zeit ein Preisausschreiben für einen Entwurf zur Schaffung eines einheitlichen Kennzeichens für deutsche Kraftfahrzeuge erlassen, das einen ungeahnten Anklang bei der Künstlerschaft gefunden hatte. Das Preisgericht hatte sich mit rund 20 000 Entwürfen zu beschäftigen. Unter dem Vorsitz des Reichskunstwarts Dr. Redslob fällte die Jury nunmehr ihr Urteil, das den ersten Preis von 5000 m. dem Berliner Graphiter Safis zuspricht. Den zweiten Preis in Höhe von 4000 m. erhielten C. Bertsch und D. Bunzel, Mannheim, den dritten von 3000 M. Urban, München. Ueber die in der Ausschreibung erwähnte Sonderprämie von 5000 Mark für das zur Ausführung bestimmte Zeichen ist noch keine Entscheidung gefallen; diese ist erst möglich nach der Feststellung, daß der Entwurf schutzfähig ist. Segelfliegen- ein Volkssport. Die Erfolge des ostpreußischen Lehrers Ferdinand Schulz haben bewiesen, daß es möglich ist, unter günstigen Windverhältniffen in bergigem Gelände stundenlang in aufsteigendem Winde zu segeln. Ein Reford treibt den anderen und der Höhepunkt von fliegerischer und phisischer Leistung tuf dem Gebiete des Segel fluges ist bald erreicht. Aber alle diese Flüge erfalgten stets mit einem Start von Bergen oder Dünen, wo ein starter und gleich mäßiger oder aufsteigender Windstrom sehr begünstigt. Der Gleitflug. Das Segelflugproblem ist zum ersten Male von Offo Cilienthal, cinem Deutschen, gelöst worden. Ein jeder, der zum Fliegen über haupt geeignet war, fonnte mit Lilienthals Flugzeug nach Erlernung seiner Grundregeln den Gleitflug erlernen. Es sollte nun der Wendepunkt erreicht sein, daß von nun an das große Problem des natürlichen menschlichen Fliegens vom Bolt erfaßt wird, denn von Lilienthal zu Schulz ist nur ein fleiner Schritt. Wir müssen den Segelflug einfach und möglichst gefahrlos für jedermann zu gestalten versuchen. Dazu ist selbstverständlich nötig, einfache, leicht transportable Apparate, deren Bau geringe kosten verursachen, herzustellen und den Sportvereinen zugängig zu machen. Lilienthals größter Wunsch war es schon damals, den Gleitund Segelflug in richtige Bahnen zu leiten; doch sein Unfall unter brach seine meitblickenden Pläne. Mancher Laie wird vielleicht durch die Leistungen in der Rhön getäuscht in der Meinung, daß diese nun die Zukunftssegelflugzeuge wären. Weit gefehlt. Es wäre einfach unmöglich, diese Maschinen für den Volkssport aus: Außerdem hat die akademische Fliegergruppe, die meistens auf die Grundlage alter Ronftrutteure ihre Weisheit auf baut, sich eng zusammengeschlossen und bietet alles auf, um andere Kreise wenn möglich, abzuweisen oder zu unterdrücken. Auch sind die Ausschreibungen meistens so gestellt, daß mur diese Kreise Chancen haben. Segelfliegen als Volksfport. Diese hochwertigen Segelflugzeuge haben zu große Maße, ein zu schweres Gewicht, keine billige Transportmöglichkeit; zur Unterbringung ist stets ein Schuppen nötig, fie tönnen nicht auf jedem Terrain benutzt werden und haben zu hohe Anschaffungskosten und Sie erfordern stets viel Startzu kostspielige Reparaturen. mannschaft. Schon bei diesen Einwänden wird jeder Laie einsehen, daß ein richtiger Sport für den einzelnen nicht durchführbar ist, denn im Preis sollte sich der Segelflieger nicht höher als 350 bis 400 m. stellen. Lilienthals Apparat foftete damals in der Herftellung etwa 200 m. Noch mehr sollte vor wildem Drauflosbauen junger Leute gewarnt werden, wie es in letzter Zeit oft geschah, und die in keiner Weise einen Anspruch auf öffentliche Hilfe hatten, da sie nicht einmal flugfähig waren. Fliegen von ebener Erde. Das erstrebenswerteste Ziel ist das Fliegen ohne Motor von ebener Erde. Drei Vorarbeiten begannen schon 1910 in allen möglichen Formen, auch manchmal originellsten Art. So war damals der Beuger- Preis für Fliegende Fahrräder" ausgeschrieben, den der Rennfahrer Poulain mit einem Luftsprung von 10 Meter Länge in 1½ Meter Höhe gewann. Diese Bersuche hatten aber keinen Wert für motorloses Fliegen. Auch in Deutschland unternahm man verschiedene Versuche; der bekannteste der Sehr interessante Bersuche unterGleitflieger ist Hans Richter. nahm er auch in diesem Jahre mit seinem Wassersegelflugzeug ,, Möwe", das sowohl vom Lande, wie vom Wasser gestartet werden fann. Dieser Segelflieger ist mit pneumatischen Schwimmern versehen, die auch Kufen befizen und so jeden Start ermöglichen. * Das Segelfliegen als Volkssport zu fördern, ist nun die Aufgabe. Volfssport ist Sport für jedermann! Hier das Rechte zu fördern ist die Aufgabe der Freunde des Segelfluges. Sieger Grassin... auf Opelrad Sieger Erich Möller auf Opelrad Steherrennen...... in Arras Eröffnungsrennen in Elberfeld Köln- Stadion Flieger Zweikampf Sieger Math. Engel auf Opelrad Zweisitzer- Hauptfahren. Sieger Engel- Steffes a. Opelrad ** Gr. Rhein. Frühjahrspreis.. Sieger Engel auf Opel ZRIII BIT Allgem. Ortskrankenkasse Berlin- Weißensee Am Donnerstag, dem 3. Mai 1928, abends 7 Uhr findet zu Berlin. Weißensee int Restaurant„ Gesellschaftshaus", Partstr. 16 eine ordentliche Ausschuß- Sitzung statt, mit folgender Tagesordnung: 1. Bericht der Jahresrechnungsprüfer, 2. Entlastung des Vorstandes und Rendanten, 3. Beschlußfassung über die Wahl. ordnung, 4. Gagungsänderung, 5. Rassenangelegenheiten. Zum Eintritt berechtigt find nur die mit einer Legitimation versehenen Ausschuß- Mitglieder. Der Borstanb 3. A.: Brühmüller, Borsigender. Patentamil. g. 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