Arn i. Wlai ruM die Arbeit! �Kundgebung auf der Treptower Spielwiese. I Gegen die Selbstzerfleischung! �eichstagspräsident Lobe über seine Erfahrungen im Wahlkampf. BERLIN Sienstag 24. April w m. Nr. �94 B 96 45. Lahrgang. Trsckeiat täglich außer Sonntag«. Zugleich Abendausgabe de« ,,Vonrärts\ Bezugspreis für beide Ausgaben 70 Pf. pro Woche. 3 M. pro Monat. Redaktion und Trpedition: Berlin@£068, kiodenstr.S SfioJcuityaße x/ei f,\£iWasd6 Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonparcillezeike 80 Pf., Reklamezeile S M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwürts-Verlag G. m. b. H.. Berlin Nr. 37236. Fernsprecher: Dönhoff S92 bis 2»? Die Erdbebenkatastrophe in Korinth. Reichstagspräsideni Lobe, der in zahllosen Versammlungen in den verschiedensten Teilen des Reiches sür die So- zialdemokratie wirbt, saht seine Erfahrungen mit gewissen Erscheinungen des Versammlungslebens in folgendem Ruf- sah zusammen, der auch unsere Leser lebhaft interessieren wird: Der Kampf dieser Wochen geht in erster Linie gegen die er- klärten Feinde des Volkes, gegen den R e ch t s b l o ck, der die Zölle erhöhte, die Massensteuern vermehrte, die Besitzenden schonte, die Arbeitszeit verlängerte, die Sozialrentner, Sparer und Beamten enttäuschte, den Panzerkreuzer bewilligte, den Roten Frontkämpfer- bund verbieten will— um nur ein paar der politischen Fakten auf- zuzählen, zu denen sich natürlich Dutzende anderer gesellen. Darum handelt es sich, wenn man die Gegenwartsoufgaben des Wahl» kampfes, die Losung des Tages ins Auge saht. An der Bekämpfung dieser Reaktion haben sozialdemokratische und kommunistische Arbeiter das gleiche Interesse, natürlich auch die christlichen und nationalen, aber diese haben die Frontstellung erst zum geringen Teil erkannt. Run könnte ich mir denken, daß dieser Kampf gegen die Front de» Kapitalismus von zwei verschiedenen Heereskörpern geführt wird, weil man sich über die Kampfmethoden, über den besten Weg zum Ziel nicht einigen kann, daß er geführt wird von einer großen Sozialdemokratischen Partei, die mit ihrer alten Taktik vorgeht, mit der sie in verhältnismäßig kurzer Zeit vom kleinen Häuflein zum achtunggebietenden Heer heranwuchs, und zweitens von den kleineren kommunistischen Gruppen, die un- zufrieden mit der alten Taktik, im vermeintsichen Besitz besierer Methoden sich neben uns gruppierten und von sich aus den Kapi- talisten und ihren Bannerträgern kräftig zusetzten. Das wäre eine „Bruderpartei", die denselben Feind bekämpft, die ihm ebenfalls Terrain abzunehmen sucht, die vordringt und, falls sie recht hätte, am Ende des Kampfes sagen könnte: Seht, unsere Kampfmethoden waren die erfolgreicheren. Wir haben den Klassen- feind zurückgeschlagen, wir haben ihm die kräftigsten Hiebe, die empfindlichsten Wunden zugefügt. Nirgends in dem Wahlkampf konnte ich diese theoretisch sehr wohl denkbare Richtung der Frontlinien beobachten! In den 32 eigenen Versammlungen, die ich seit Beginn dieses Jahres abgehalten habe(und in den anderen, die ich sonst beobachten tonnte, steht es nicht anders), wiederholt sich das folgende Bild: die kommunistischen Redner und Kolonnen werden in die sozialdemokratisckzen Persammlungen geführt» hier entwickeln sie ihren Eifer, hier greifen fie an, hier ist ihr nahezu einziges Kampffeld! Ich habe zu derselben Zeit in den gleichen Bezirken Zentrums- Versammlungen, solche der Deutschen Lolkspartei, der Demokraten beobachtet, dort war niemals ein kommunistischer Kämpfer, ich habe deutschnationale Versammlungen beobachtet, dort war fast nie. sehr selten, ganz vereinzelt ein Angreiser aus kommunistischen Kreisen zu sehen oder zu hören. Der Versammlungskamps geht ausschließlich gegen uns. In den sozialdemokratischen Bersamm- lungen wird den Gegnern das Bild sich schroff bekämpfender, leider auch oft beschimpsender Arbeiter vorgeführt zur Freude der Kapi- talisten und Junker, zur Abschreckung jener Klassengenossen, die noch im bürgerlichen Lager stehen. Fast genau so wie im mündlichen Redekampfe steht es mit dem schriftlichen! Die Artikel der kommunistischen Blätter, (Fortsetzung aus der 2. Seite.) Rom, 24. April.' In N o r d t o s k a n a und ip F o g g i a wurden heftige Erdstöße verspürk, die unter der Bevölkerung große Bestürzung hervorriefen. Die Bewohner von Castel Nouoo verbrachten die Nacht unter freiem Himmel. Mehrere Häuser des Ortes wurden beschädigt und mußten geräumt werden. Meldungen über Menschenopfer liegen bis zur Stunde nicht vor. London, 24. April. hier liegen die ersten verichle von Augenzeugen über das Erdbeben von korinth vor. Aus ihnen geht hervor, daß die ansänglichen Befürchtungen über größere Menschenopfer sich nicht bestätigten, da die Bevölkerung durch eine Reihe von leichteren Erdstößen rechtzeitig gewarnt worden war. Infolgedessen betragen die Verluste zurzeit? 0 T o t e und 100 Verletzte. Zehn Leichen konnten bi, jetzt geborgen werden. Der Sachschaden ist sehr groß. Das Elektrizitätswerk wurde zerstört, so daß korinth in völlige Dunkelheit gehüllt ist. 9000 Häuser sind in korinth eingestürzt, die Zahl der Obdachtosen betrögt etwa 50lWl>. 3n korinth herrscht Mangel an Lebensmitteln. Auch in Lukrati, kalamaki ereigneten sich starke Erdstöße. Auch hier ist der angerichtete Sachschaden beträchtlich. Der Kanal von Korinth hat glücklicherweise nicht gelitten. Der amerikanische Gesandte in Athen und der griechische Finonzminisler haben sich an Ort und Stelle begeben, um an dem Hilfswerk teilzunehmen. Die Regierung hat einen Kredit von 5 Millionen Drachmen zur Verfügung gestellt. Das englische Flug- zeugmutterschiss„Eagle" wird in Malta mit Lebensmitteln und Bekleidungsstücken nach dem Erdbebengebiet abgehen. Es wird begleitet von dem Kreuzer„Stuart" und dem Hitssschiss„Perlhshire". Wie aus Athen berichtet wird, find durch das schwere Erdbeben Wieder ein AiKobuswiglUtit Die Ridiicr von Magdeburg Berichte auf der 2. Seite. in Korinth etwa 8000 Häuser zerstört worden. Die verhältnismäßig geringe Zahl der Opser erklärt sich daraus, daß die Bevölkerung durch mehrere, dem Hauptstoß vorangegangene leichte Beben gewarnt worden war und die Häuser bereits verlassen hatte. Neben Korinth haben besonders Lukrati und Tylocaskro sowie die längs des Kanals gelegenen Dörfer schwer gelitten. Etwa 50 000 Personen sind obdachlos und ohne Nahrungsmittel. Die griechische Regierung hat mit Hilfe des Roten Kreuzes und zahl- reicher freiwilliger Hilfseinrichtungen ein großes Hilfswerk ein- geleitet, ist aber bei dem großen Umfang des Unglücks außerstande, ohne ausländische Hilfe auch nur die dringendste Not zu lindern. Linkskommunist Kenzter verhastei. Anklagen der Leninisten gegen die Stalinisten. Am Mittwoch voriger Woche wurde der bisherige-lintstonv- murnstische Reichstagsabgeordnete Kenzler in Mannheim oer- hastet. Kenzler legte Hastbeschwerde ein, die mit der Begründung abgelehnt wurde, daß Fluchtverdacht vorliegt. Kenzler hatte jedoch — im Gegensatz zu dem bekannten Verhalten der rcchtskammunisti- -scheu Abgeordneten— dem Staatsanwalt mitgeteilt, daß er Ende der Woche vom 8. bis 15. April zur Verfügung stehen werde und hatte tatsächlich Wort gehalten. Seine Verhaftung wird daher von seinen Anhängern mit Recht als unbillig empfunden. Es handelt sich bei Kenzler um Straftaten, die er als ehe- m a l i g e r R e ch t s k o m m u n i st durch die Presse begangen hatte. Die rechtslommunistische Parteileitung und der Verlag der rechts- kommunistischen„Arbeiterzeitung" haben ihm jedoch die von ihm erbetenen Unterlagen zur Prozeßführung sowie den Ersatz der Prozeßkosten verweigert. Die linkskommunistische Presse bespricht diesen Vorfall mit begreiflicher Entrüstung und erklärt, die deutschen Stalinisten seien durch ihren Haß gegen die Oppo- sitionellen zu„He lfershelfern der Klassenjustiz" herab- gesunken. I Gegen die Gelbstzerfleischung! (Fortsetzung von der 1. Seite.) der Inhalt ihrer Flugblätter mutet oft an, als ob es einen Feind außerhalb der Arbeiterklasse überhaupt nicht gebe. Nur gegen die andere Arbeiterpartei, gegen die Sozialdemokratie wird gefochten, n u r b e i i h r hosst man Abtrünnige zu finden, nur hier sieht man Rekrutierungsmöglichkeiten fürs eigene Heer! Statt also als Brüder, meinetwegen auch als entzweite Brüder gegen den Klassenfeind zu kämpfen, der täglich neue Schläge wider das Proletariat führt, statt nebeneinander zu stehen und zu fechten, gestalten die Kommunisten die Kampffront so: Wir Sozialdemokraten stoßen gegen den Bürgerblock vor, wir suchen seine Kraft zu zertrümmern, wir fangen seinen Vor- marsch auf, währenddessen schleichen die K o m m u n i st e in unseren Rücken, schlagen von dort aus in unser kämpfendes Heer, suchen es zu zersplittern und zu verwirren und stärken damit, vielleicht ungewollt, aber deutlich sichtbar, den Bürgerblock, den Klassenfeind, den Kapitalismus. Stärken ihn, indem sie die eigene Front zerbrechen, zernagen, von hinten berennen, während unsere vorderen Linien im Kampfe gegen rechts stehen. Stärken ihn mit einem Erfolg, daß ein deutschnationales Mittagsblatt einen kleinen Stimmengewinn der Hamburger Kommunisten mit den Worten begrüßt:„Hoffentlich geht es so weiter!" Daß fanatische Groß- grundbesitzer ihren kleinen Bauern und Landarbeitern zu» raunen: die richtige Partei für euch sind natürlich die Deutsch» nationalen, glaubt ihr aber, sie sei eine Partei der Großen und ihr müßt in die Opposition gehen, dann wählt gleich kommunistisch! Die Herren wissen, warum sie sich solcher Taktik freuen. Erringen die Kommunisten S0 Mandate mehr, dann ändert sich nichts, absolut nichts an den Mchrheitsverhältniffn im Reichstag, im Gegenteil, man kann bei vielen Abstimmungen, die sich gegen die Lmkskoaliton richten, auf diese Stimmen für die Rechten rechnen. Ll) oder 3l) Mandate für die Sozialdemokratie mehr, das bedeutet die Brechung des Blockes der Rechten und die Verdrängung der Teutschnationalen aus der Regierungsgewalt! Wenn die Fronten aber so stehen, wenn die„Bruderpartci" alle ihre Angriffe und olle ihre Schmähungen gegen uns kehrt, sta.t gegen den Kapitalismus zu kämpfen, werden die Sozialisten sich zu überlegen haben, ob sie bre Versammlungen zu Tummelieldern dieser Zersplitterung und Zersetzung machen sollen, ob sie nicht von vornherein, nicht erst am Abend selbst der Veranstaltung einen Charakter geben, der diese Entstellung verhütet! In weiten Teilen Deutschlands folgen dem Rufe zu kommunistischen Versammlungen nur recht unbeträchtliche Scharen, die Säle sind leer. Eine Diskussion durch uns wird gewöhnlich unmöglich ge- macht, ist meist auch gar nicht erwünscht. In unseren Versamm- lungen, zu denen die Masten strömen, da suchen sie ihre Zuhörer, die zu ihnen nicht kommen. Das scheint mir angesichts der oben angeführten Sachlage nicht der Zweck unserer Versamm- lungen zu sein! Mögen diese„Brüder" mit ihrem Namen, ihrem Programm und ihren Zugmitteln sich Zuhörer zu gewinnen suchen, nicht aber mit unseren! Wir haben uns dagegen zu wehren, daß der Kampf der Arbeiterklasse gegen das Kapital zum Schauplatz der Selbstzerfleischung unter den Arbeiterschichten selbst wird. Ich kann ,mir Wahlkundgebungen denken, groß, würde- voll und gewaltig, von Gesang und Musik umrahmt, von Reichsbanner umgeben und geschützt, die besser wirken als derlei Gezänk, Manifestationen, in denen niemand den kommunisti- schen Zersplitterer vermißt! Vielleicht ist das das einzige Mittel, die„Bruderpartei" zu erziehen, und ihr die richtige Kampffront zu zeigen, vielleicht wird sie dann ihre Redner mal eine Weile zur Bekämpfung deutschnationaler, völkischer und ähnsicher Gegner benutzen! Auiobus umgestürzt. Fünf Schwer«, zahlreiche Leichtverlehte. Abermals Ist Berlin von einem schweren Verkehrsunglück beiroffen worden. In der Schönhauser Allee, im Rockien Verlin», zwischen dem Strahenabschnitl vanziger und Gleimstrahe, dicht am hochbohnhos Dauziger Strohe, stürzte heute mittag gegen 12 Uhr ein mit etwa fünfzehn Fahrgästen besetzter Autobus der Linie 3 um. Fünf Personen wurden schwer und mehrere leicht verletzt. Auf die Nachricht von dem Unglück entsandte die Feuerwehr und das Städtische Rettungsamt mehrer« Wagen an die Unfallstelle, die die Verletzten zunächst nach der nahegelegenen Rettungswach« in der(lantianstvaße schafften. Das Unglück ist nach den bisherigen Festsetzungen wahrscheinlich auf«in Versagen der Steuerung zurückzuführen. Der Führer des Auiobus der Linie 9, der aus dem Stadtinnern kam und in Richtung Pankow fuhr, verlor vor dem Haufe Schönhauser Älllee 62 plötzlichdie Gewabt über die Lenkung und das Steuerrrad gehorcht« nicht mehr. Der mit etwa ls Fahrgästen besetzte wogen fuhr In vollem Tempo auf den Vürgersteig und raste gegen ein slackes Funda- ment eine» Eisengeländer», das etwa 40 Zentimeter über dem Strahennlveau liegt. Durch die Wucht des Anpralles wurde der Kühler des Autobusses zertrümmert und die Voiberräder weggebrochen Der Autobus stürzte und legte sich auf die Seite. Aus dem Innern des umgestürzten Wagens drangen laute Hilferufe. In wenigen Sekunden war d'e llnsallstell« von einer großen Schar Passanten umlagert, die hilfreich hinzusprangen und die Verletzten bargen. Wenige Minuten später traf auch die Feuerwehr mit mehreren Rettungswagen an der Unfallstelle ein. Während ein Teil der Verunglückten bereits m Kraftwagen nach der Rettungs- stelle in der Cantianstraß« gebracht war, brachte die Feuerwehr gleichfalls noch fünf verletzte dockhin. Bei Mehreren der Verunglückten, die auf der Rettungsstelle behandelt w::rden, stellten sich die Verletzungen als so schwer heraus, daß sie f■irr: ins Krankenhaus geschafft werden muhten. Mehrer« LZch.w-ecketz.e konnten noch ärztlicher Behandlung und Anlegimg von Die Richter v, Hoffmann und Koelling vc Unter dem Vorsitz des Kammergerichtspräsidenten Tigges be- gann heute morgen nach 9 Uhr die Difziplinarberufungs» Verhandlung gegen die aus dem Magdeburger Haas-Prozeß bekanntgewordenen Richter Landgerichtsdirektor H o f f m a n n und Untersuchungsrichter Koelling. Als Beisitzer im Großen Difpi- plinarstrafsenot fungieren fünf gesetzlich bestimmte älteste Senatspräsidenten beim Kammergericht, drei vom Präsi- deuten des Kommergerichts bestimmte Beisitzer und fünf vom Staats- Ministerium auf drei Jahre ernannte Mitglieder. Unter den letzte- ren befinden sich auch der Senatspräsident Großmann-Berlin, La:id- gcrichtspräsident Münster in Münster und der Landgerichtspräsident Vollmer in Essen. Berichterstatter ist Senatspräsident Krcy! die An- klage oertritt Oberstaatsanwalt Rhode. Es ist das erstemal, daß auf Grund des neuen Gesetzes der Große Disziplinarstrafsenat össentlich verhandelt. Die Sitzung findet im Großen Plenarsaal des Kammergerichts- gebäudes in der Elshvlzstraße statt. Die 16 Mitglieder des Gerichts- Hofes sitzen an hufeisenförmig aufgestellten breiten Tischen, der Platz des Generalstaatsanwalts befindet sich am äußersten Ende. Den Richtertischen gegenüber mit dem Rücken zur Presie und zum Publi- tum haben an breiten Tischen die Angeschuldigten und ihre Ver- leidiger Platz genommen. Für die Berichterstatter, die äußerst zahl- reich vertreten sind, ist gut gesorgt, doch ist die Akustik des Saales sehr schlecht. Der Berichterstatter hält seinen Dockrag in sehr schnellem Tempo, die Beschuldigten und deren Verteidiger find fast nicht zu verstehen, da sie in der Richtung nach dem Richtertisch zu sprechen. Unter den Zuhörern sieht man ein« Reihe hoher richterlicher Be- amten. Die Mitglieder des Gerichtshofes erscheinen im Ornat, wie auch sonst bei Gerichtsverhandlungen. Landgerichtsdirektor H a s s m a n n ist ein hochgewachsener, voller Fünfziger. Das Disziplinarverfahren scheint ihm die Laune nicht verdorben zu haben. Im gleichen Alter steht der Untersuchungs- richter Koelling. Er ist kleiner von Statur, weniger voll als sein Kollege am Angeklagtentisch, er hinkt, spricht mit heiserer Stimme und macht einen einigermaßen nervösen Eindruck. Als er bei seinen Erklärungen sitzen bleiben will, belehrt ihn der Vorsitzende, daß es im Großen Di'sziplinarstrassenat üblich sei, daß die Angeschuldigten ihr« Aussagen stehend machen. Die eigentliche Verhandlung beginnt nach Feststellung der Per- sonalien und der amtlichen Laufbahn der Beschuldigten mit der summarischen Verlesung der einleitenden Beschlüsse der Eröffnungs- kammer. Aus diesen entnimmt man, daß Koelling angeklagt ist, in mehreren Presseveröffentlichungen gegen die Staats- behörden und ihnen angehörende Beamte nachweislich falsche vorwürfe erhoben und durch die gleichen Derössentlichungen den B e- Hörden st reit aufs neue entfacht zu haben, ferner soll er sich bei der Führung der Voruntersuchung nicht nur von s a ch l i ch e m Interesie haben leiten lassen, sondern auch unbeteiligten Personen einen Einfluß auf den Gang der Untersuchung gestattet haben. Schließlich wird ihm eine Reihe formeller Verstöße gegen die Straf- Prozeßordnung zur Last gelegt. Von Landgerichtsdirektor Ho ff mann behauptet die Anklage, daß er» unter Mißbrauch seines Ansehens den Unterstichungsrichter Koelling beraten und auch unzutäsfig beeinflußt habe, obgleich er ihm gegenüber eine Beschwerde- i n st a n z gewesen sei. Ferner soll er durch zwei Veröffentlichungen in der Presse Angriffe gegen die Staatsbehörden ge- richtet und dadurch seine Pflicht zur Amtsverschwiegenheit verletzt haben. Und schließlich wird ihm zum Vorwurf gemacht, daß er unter Mißbrauch seiner Amtseigenschaft als Vertreter des Landgcrichtspräsidenten dritte Personen, unter anderem den Präsidenten der Magdeburger Handelskammer, aufgefordert habe, Notverbänden, zum Teil auf eigenen Wunsch, in ihre Wohnungen entlassen werden. Andere nahmen privatärztliche Hilfe in Anspruch. Dicht an der Hausftont des Grundstück» Schönhauser Allee 63 liegt der umgestürzte Autcbus. Mit meldtet Wucht der Wagen gegen das Gitter gefahren ist, davon zeugt der völlig zertrümmert« Zement- fockel, der auf«ine Länge von mehreren Metern völlig eingedrückt ist. Gensaiionsmache im Kememordprozeß Umfassende Beweisaniräge im Stettiner Femeprozeß zur Entlastung der Beschuldigten. SIellin. 24. April. Das Vorgehen der Verteidiger im Stettiner Feme- prozcß wirkt immer eigenackiger. Da sie offenbar mit einer Ver- urteilung der Angeklagten rechnen, legen sie es daraus an, mil- dernde Umstände unter Beweis zu stellen, die bereits von der Staatsanwaltschaft und von einem maßgebenden Zeugen als un- erheblich gekennzeichnet worden sind. Die völkischen Rechteanwälte verlangen nämlich die Vernehmung einer Reihe von Zeugen dafür, daß in O b e r s ch l e s i« n mit Wissen behördlicher Stellen Feme- morde in großer Zahl vorgekommen sind. Dabei hatte bereits der Ober st aatsan wall �auf die Entscheidung des Reichsgerichts hingewiesen, das die Fememorde auch dann als strafbar ansieht, wenn dazu wirtlich ein Befehl erteilt worden sein sollte. Außer- dem hat der Kommandeur des Oberschlesischen Selbstschutzes, General H ö f e r, bereits belang daß in Oberschlesien der Kriegszustand war, während davon in Pommern nicht die Rede sein tonnte, wo ja die jetzt verfolgte Fememordlat des Leutnants Heines sich obge- spielt hat. Aber die verleidigung will eine politische Sensollon, sie will vor allen Dingen die moralische Verantwortung für die Untaten ihrer Klienten auf die Reichswehr und die rcpublikani- schen Regierungsstellen abwälzen. Dazu ist ihr jedes Mittel recht. General von Pawelsz nahm dann Gelegenheit, seine Aussage noch einmal zu ergänzen, weil er nicht überall richtig ver. standen worden sei.„Ich stelle noch einmal fest, daß die Regierung im Februar 1920 die Auflösung aller Freikorps belchlosicn hatte, daß diese Auflösung durch den Kapp-Putsch aufgeschoben wurde, dann aber mit Energie befolgt werden sollte, und zwar wem- ger mit Rücksicht auf die Entente, sondern weil die Freikorps, wie der Kapp-Putfch bewiesen hatte, zu einer inncrpolitischen Gefahr geworden waren. ..Die Reichswehr ist nicht im geringsten dafür veranlworllich. daß hier Tötungen stattgefunden haben. Vernehmen Sie von meiner Division, wen Sie wollen, ob jemals der Gedanke an Fememorde erörtert worden ist, und wenn Sie mir nicht >n Magdeburg. r dem Oisziplinarstrafsenai. Koelling zu besuchen, um ihn in seinem Widerstand gegen die Bs» Hörden zu unterstützen. Der Naumburger Disziplinarsenat hatte, wie bereits in der Morgenausgabe mitgeteilt, den Angeschuldigten Hosfmann zur Ver- setzung in ein anderes?lmt und 200 Mark Geldstrafe, den Angeschuldigten Koelling zu einem Verweis veruckeilt. Die Verlesung des Urteils. Im Anschluß an diese Feststellungen des Vorsitzenden beginnt der Berichterstatter mit der Berlesung seines Berichtes. Dieser soll nur abschnittsweise vorgetragen werden.' Jedem Abschnitt sollen dann die Erklärungen der Angeschuldigten und die Verlesung der Zeugenaussagen sowie des entsprechenden Teils der 16 0 Seiten umfassenden Urteilsbegründung folgen. Im ersten Abschnitt schildert der Berichterstatter ausführlich den Gang der UntersuHung in der Mordsoche Schröder. Er stellt fest, daß die Aufforderung an den Kriminalkommissar Büsdorf. sich an den Rachsorschungen zu beteiligen, ohne vorherige Rück- sprach« mit Koelling ergangen sei. A!s Büsdorf den Auftrag Koellings, in den Gasthäusern Schandaus zu recherchieren, nicht nachkam, sondern auf eigene Faust in Zusammenarbeit mit dem Verteidiger Dr. Braun seine Recheichen aufnahm, sei es zwischen Koelling und Busdorf zum Kgnflikt gekommen, der später durch das Dazwischentreten des Regierungsdirektors Dr. Weiß erst bei- gelegt wurde, um hinterher, als dieser auf die Abberufung des Magdeburger Kriminalbeamten ten Holt bestand, sich aufs äußerste zu verschärfen. was diese Richter noch glauben. Den Vorsitzenden interessieren in der Hauptsache drei Fragen: 1. Wie Kölling dazu kam, in der„Magdeburgischen Zeitung" seinen mit eine« Einleitung und«einem Nachwort versehenen Brief an den Polizeipräsidenten Menzel zu veröffentlichen; Kölling erklärt dazu, er habe das getan, da er überzeugt gewesen sei, daß seine Forderung, ihm ten Holt zur Zusammenarbeit zurückzugeben und seine Weigerung, die Untersuchungen gemeinsam mit den Berliner Kriminalkommissaren zu führen, eine neue Pressehetze gegen ihn bewirken würde. Die andere Frage, die den Vorsitzenden inter- essiert ist, ob Kölling noch heute der Ansicht sei, daß er und ten Holt bei der Verfolgung der angeblich gegen Haas weisenden Spuren auf richtiger Fährte gewesen seien. An Stelle Kallings gibt auf diese Frage der Mitangeklagte Hossmann die Antwort. Er «rkläck, noch heute der Ansicht zu sein, daß nicht Schröder ollein den Mord begangen habe. Er halte durch den Mordprozeß Schröder es nicht für bewiesen, daß Haas an der Tat unschuldig sei. Die dritte Frage lautet, ob Kölling den Vorwurf der ZNord» begünstiguag gegen Büsdorf aufrecht erhalte, ein Vorwurf» der völlig unbegreiflich erscheine. Kölling erklärt daraus, daß er seine Ansicht in diesem Punkte auch heute noch nicht geändert habe. Busdorf sei von vornherein instruiert worden, die Untersuchung im Sinn« der' Feststellung von Haas' Un- schuld und Schröders Schuld zu führen. Im Zusammenhang mit„ dieser Erklärizng werden u. a. die Zeugenaussagen Hörsings. Menzels und Busdorfs oerlesen, aus denen hervorgeht, daß von einer Beeinflussung Büsdorfs zugunsten Haas' keine Rede fein konnte. Im Laufe der Lerhandlung kommt auch dos Kernproblem der Hoffmann-Kölling-Episode zum Ausdruck. Ob überhaupt«in Eingriff der Verwaltungsbehörde in die Maßnahmen der Justiz- behörd« stattgefunden habe oder nicht, und ob die Kriminal- polizei unabhängig von dem Untersuchung»- r i ch t« r das Recht habe, Recherchen vorzunehmen. Kölling bestreitet das letztere und behauptet, daß er der Ansicht gewesen sei, man greise in seine Recht« in unbefugter Weise ein. glauben, dann vernehmen Sie den Oberpräsidcnten von Pommern als Zeugen." General v. Pawelsz nahm dann noch einmal zu der Aussage v. Bodungens über die ongeblickxn Mitteilungen zur bevorstehenden Mobilmachung Stellung. Tatsächlich habe damals in Berlin in der Reichskanzlei ein« Konferenz der R e i ch s r« gl e r u n g mil den Divisionskommandeuren stattgefunden, an der wohl auch die preußische Regierung teilgenommen habe. Dock sei beschlossen worden,«inen Grenzschutz in der Form aufzuziehen. daß die Grenzkreise im Falle von polnischen Einfällen sich s e l b st verteidigen sollten. Bon diesen Anordnungen habe er in Schneidemühl wohl den Deckrctern der Kreise und aller Parteien Kenntnis gegeben. Eine Unterredung mit Herrn v. Badungen sei ihm schon des- halb unwahrscheinlich, well er gar nicht für einen Grenz- kreis zuständig war und weil er, Pawels, nnt der politischen Hol- lung v. Bo-dungens nicht sympathisierie. Selbst wenn er annehme, daß er ihn darüber orientiert habe, dann würde es verwunderlich sein, daß er mit ihm ein« Art Verschwörung veranstaltete, statt, wie in Schneidemühl, mit den offiziellen Vertretern zu ver- 'lzandeln. Außerdem hätte diese Besprechung erst im März 1921 stattgefunden, o. Pawelsz chloß mit den Worten:„Ich bleibe also bei meiner Aussage, selbst wenn darüber gespöttelt wlrt>."— Rechtsanwalt Bloch:„Und wie steht es mit Oberleuinant Schulz, dem Führer der Schwarzen Reichswehr, der fein Zimmer im Wehnkreiskemmando in Berlin hatte?" General v. Pawelsz: Ich lehne es ab, darauf zu aitt- warten. Das war nicht in meinem Wehrkreiskommando. Vors.: Herr General, ist es möglich, daß nachgeordnete Stellen von der Reichswehr den Millen der Wehrkreiskommandos bezüglich der Waffenverteilung mißverstanden haben?, General v. Pawelsz: Das ist vielleicht möglich, obgleich wir unsere Leine nie im Unklaren gelassen haben. Mit meiner hier be- spöttelten Genauigkeit will ich sagen, daß diese Möglichkeit nicht auszuschalten ist. Ein dramatischer Zusammenstoß. Vors.: Herr v. Bodungen, haben Sie dazu noch etwas zu erklären?— v Bodungen: Jawohl, ich habe etwas Nene« hinzu- zufügen. Ich benenne Herrn v. Dewitz als Zeugen dafür, daß die fragliche Versammlung im Vercinshaus in Stettin im Hochsommer 1920 stattgcsunden hat und daß General v. Paweljz in Zivil aus Berlin kam und dem Sinn nach jagte: „Die Entscheidung ist gefallen, es wird marschiert." Dann hat er uns allen Schweigepflicht auferlegt und oebrauchle dabei noch den Ausdruck:„Meine Herren, ich bin aber nicht hier gewesen." Dann überließ er alles weitere dem Hauptmann Wolf. Deutschnationale, ade! Sie verlieren ihren Berliner Renommierkatholiken. Diel Freude haben die Deutschnationalen bei der Vorbereitung ihrer Wahlen bestimmt nicht. Eine gan.ze Reihe ihrer besten Freund« ist von dieser christlichsten aller Parteien zu den neu«n Parteisplittern abmarschiert, um nicht sür die deutschnalionalen Ersolge vor ihren Wählern geradestehen zu müssen. Dabei haben die Westarp-Leute es immer als ihren besonderen Vorzug an- gesehen, daß sie nicht nur Protestanten und Juden in ihren Reihen bergen, sondern auch Katholiken. Mit dieser Tatsache haben sie vielerorts das Zentrum arg bedrängt. Jegt ist der deutschnationale Landtagsabgeordnete Gorckenberg. der als Angehöriger der katholischen Kirche eine sührende Rolle spielte und auch den Vorsitz im deutschnationalen Katholikcnausschuß Groß-Berlin bekleidete, aus seiner Partei ausgetreten und hat die ihm angebotene deutschnationale Kandidatur abgelehnt. So verlieren die Deutschnationalen einen ihrer besten Renomier- katboltken, wie sie die kaisertreuen Konservativen in Berlin bereits verloren haben. Wenn die Sache so weitergeht, wird außer ein paar Strebern nur noch der Klub der Lokal-Anzeiger-Kaffetanten als Kefrlgschaft Westarps übrig bleiben. Es ist für diese Leute ein wahres Glück, daß bereits in vier Wochen gewählt wird... Die Erdbebengürtel der Welt. L6on Blum, cm« d« Führer der Sozialistischen Parle! Frankreichs, der in einem Pariser Wahlkreis gegenüber einem kommunistischen San- didaken in der Minderheil geblieben ist. Abgesehen von diesem Mißerfolg haben die französischen So- zialisten fast überall ausgezeichnete Fortschritte gemacht, vis jetzt wurden 1 620 ODO sozialistische Stimmen gezählt, das find 25 OOO mehr, als die sozialistische Partei am 16. November 1919«zielt hat, als sie noch nicht auf vefehl Moskaus gespalten war. Unter den im ersten Wahlgang« gewählten sozialistischen Abgeordneten befindet der srüh«e Generalsekretär der Kommunistischen Partei Frossard. Auch die Kommunisten haben an Stimmen gewonnen, was sich vor ollem aus den Nachwirkungen der Inflation und der lln- Zufriedenheit der Massen über die Teuerung erklärt, hier hat sich die gleiche Erscheinung gezeigt, wie wir sie im Zahre 1924 in Deutschland erlebt haben. Auch in Frankreich hat sich der haupt- angrisf der Kommunisten nicht gegen das Kapital, nicht gegen die Reaktion g«ichlet. sondern lediglich gegen die größte Partei des arbeitenden Volkes, gegen die So- zialdemokratie. Und das Ergebnis? Die Sozialisten gehen gestärkt aus dem Wahlkomps hervor, die Kommunisten bleiben weiter in einer hosfnungslosen Minderheit. Poincar« ober wird am nächsten Sonnlag der eigentliche Sieger sein, wenn nicht bis dahin bei den Kommunisten di« politische Vernunft und die Klassen- solidaritüt stärk« wird, al« die selbstmörderische, parteiegoistische Blindheit! Von der Goltz im Valiikum. Besichtigung und gerichtliche Feststellung. Wir brachten kürzlich einen Artikel„Landsknechte im Baltikum", der die Rolle des Grafen von der Goltz in Lettland beleuchtete. In einer Zuschrift bestreitet nun von der Goltz, daß er 1919 aus dem deutschen Heeresdienst ausgeschieden, lettischer Offizier und Untergebener des lettischen Ministerpräsidenten Ulmanis gewesen sei. Er habe immer Im Austrag und unter Billigung der deutschen Re- gierung gehandelt. Unsere Mitteilungen entstammen, wie damals bereits betont wurde, dem Urteilsspruch eines Hamburger Gerichts, dessen Feststellungen im diametralen Gegensatz zu den Erklärungen des Grafen von der Goltz stehen. Wer war Eisner?% Eine Feststellung und eine Verurteilung. München, SZ. April.(Eigenbericht.) Der weißblaue Monarchiftenredakteur, der vor wenigen Tagen wegen verleumderischer Beleidigung des Grafen Pestolozza zu einer empfindlichen Geldstrase verurteilt worden ist, stand am Man» tag wiederum vor Gericht. Diesmal wegen Beleidigung der Witwe Eisners. Anläßlich der Klage gegen den bayerischen Staat auf Zahlung einer Rente schrieb„Das Bayerische Baterland" von einer echt jüdischen Frechheit und anderen Unverschämtheiten. Auch schwere Beleidigungen des ermordeten Eisner waren in dem Artikel enthalten. Im Verlauf der Verhandlung wurde vom Verteidiger der Klägerin festgestellt, daß Eisner kein eingewanderter galizischer Jude war, sondern 1567 als Sohn des Berliner Militärefsektensabrikonten Emanuel Eisner geboren wurde, der Hoflieferant des Kaisers und Königs von Preußen, des Herzogs von Braunschweig und des Fürsten von Schwarzburg- Rudolstadt war. Auch di« Mutter Eisners stammt« nicht aus Galizien, sondern aus Oldenburg und war eine geborene Deutsche. Die Frau Eisners, also die Klägerin, ist in der Schweiz als Kind katholisch«? Eltern geboren. Eisner selbst lebte mehr als Li) Jahre in Bayern als Redakteur und war ebensolange bayerischer Staatsangehörig« wie der aus Hessen gebürtige gegenwärtige bayerische Ministerpräsident Dr. Held. Der beklagt« Redakteur wurde zu 800 Mark Geldstrafe»«urteilt. Die verschiedenen Erdbeben, die in den letzten Wochen Klein- asten und Bulgarien heimgesucht haben, zeigen wieder einmal die beständige und furchtbare Arbeit der unterirdischen Gewalten. Wenngleich wir auch nicht gewohnt sind, aus diesen Gebieten öfters von Erderschütterungen zu hören, so kommen sie doch dort durch- aus nicht selten vor. Die Berggegenden von Trazien und Bulgarien gehören nach den Statistiken Prof. Siebergs in Jena zu den häufigeren Erdbebenzonen. Man registriert hier jährlich 169 Beben, 3,6 Proz. der Erdbeben der ganzen Welt, von denen 4,2 Proz. starke Beben sind; auch Kleinasien und die Ionischen Inseln werden häufig von Beben heimgesucht, nämlich von 143 im jährlichen Durchschnitt, von denen 3,1 Proz. schwerer sind. Freilich so be- deutende Erschütterungen wie in den letzten Wochen sind dort selten, ober glücklicherweise hören und merken wir ja überhaupt nichts von den allermeisten Erdbeben. In jeder Stunde passieren eine ganze Mebge Erdbeben, an di« 9000 werden jährlich von den Meßinstrumenten aufgezeichnet, und von diesen sind etwa 5000 so stark, daß sie in der Nachbarschaft des Ursprungs beobachtet werden können, und nur wenig« von ihnen sind so heftig, daß st« Häuser- einstürze und Menschenopfer fordern. Vor 30 Iahren wußte man noch wenig über die Verteilung der Erdbeben auf dem Erdball. Seitdem aber hat die Wissenschaft«in immer umfangreicheres Material von Registrierungen gesammelt, die besonders von deutschen Gelehrten in mustergültiger Weis« zusammengestellt sind. Nach Siebergs List« ist das erdbebenreichst« Gebiet der Erde Chile und besonders das Atacama-Tief mit durchschnittlich 1000 Beben im Jahr, die 21 Proz. der Gesamtbeben ausmachen. An zweiter Stelle steht Japan mit 431 Beben, die 9 Proz. der Gesamtziffer betragen und von denen 5 Proz. schwer sind. Dann folgen di« ostosri- konische Riszon« mit jährlich 300 Beben, die dinorischen Alpen mit 194, und der Apennin mit 184 Beben jährlich. Es gibt aber auch Zonen, die von Erdbeben so ziemlich verschont werden; dazu gehören Deutschland und England. Für England hat Daviso» 1191 Beben berechnet, die sich in den Iahren 974 bis 1919 ereignet haben, also etwa ein Beben in jedem Jahr. Diese sind ober so schwach, daß sie in weniger bevölkerten Gegenden unbemerkt ge- blieben wären, und man muh damit rechnen, daß sich in menschen. leeren Gebieten Erschütterungen abspielen, von denen niemand etwas erfährt. Sehr deutlich aber zeichnen sich auf der Erdoberfläche gewisse Erdbebengürtel ab. die über di« Zonen mit großen Erderhebungen und besonderen Meerestiesen verteilt sind. Ein großer Gürtel- ozeanischer Tiefe begrenzt die beiden Amerika, führt an der asiatischen Küste entlang bis zum Ostindischen Archipel und setzt sich bis nach Neuseeland fort. Er umgibt also den Stillen Ozean, das größl: Meer, das die Hälfte der Eide bedeckt. Erdbeben haben ihren Ursprung in diesen Merestiefen, in den einen häufiger als in den anderen. Die Länder, die an diese Tiefen angrenzen, besitzen Berg» ketten, unter denen einige, wie die Anden, zu den höchsten der Welt gehören. Hier sind die Erdbeben besonders heimisch. Ein Tief, nördlich von der Insel Neu-Guinea, ist ein aktives Gebiet dieses Erdbebengürtels am Stillen Ozean, und von dort dehnt sich �westwärts ein zweiter Gürtel aus, der durch Java, Sumatra und die Bai von Bengal nach dem Himalajagebirge führt. Vorn Himalaja wendet sich der Erdbebengürtel westwärts durch Persicn und Kleinasien nach Griechenland, Italien, Spanien und nach dem östlichen Atlantischen Ozean; er kreuzt diesen Ozean nicht, obwohl Erdbebengebiete auf der anderen Seite, nördlich und südlich des Karaibischen Tiefs erscheinen. Das Becken des Atlantischen Ozeans unterscheidet sich von dem des Stillen Ozeans dadurch, daß es eine verhältnismäßig ruhige Gegend ist, was die Entwicklung von Meerestiesen, die Höhe der Gebirgsketten, di« Tätigkeit der Vulkane und die Häufigkeit der Erdbeben anbetrifft. Nur wenige verstreut« Erdbebenzentren befinden sich in den Decken des Atlantischen und Indischen Ozeans, von jedem Lande entfernt, und es gibt einen tätigen Gürtel, der sich von den anderen dadurch unterscheidet, daß er mit keinem ozeanischen Tief verbunden ist. Dos ist der afri- konische Erbebengürtel. Cr zweigt sich von dem Mittelmesrgürtel in Palästina ob und erstreckt sich durch Ostafrika zum Kap der Guten Hoffnung. HI. Kongreß für Psychotherapie. Baden-Baden, 20.-22. April �92S. Durch begeisterte Schüler unterstützt, hat der Wiener Nerven- arzt Alfred Adler die Lehre von der Jndividualpsycho- logie verkündet, deren Hauptsätze dahin lauten, daß die verschiede- nen krankhasten seelischen Erscheinungen nicht, wie die Schule von Freud es lehrt, durch seelische Triebe, sondern in erster Linie durch die Einstellung des Kindes zu seiner Familie, des Erwachsenen zur Umwelt überhaupt verursacht werden. Erste Kindescrlebnisse, begründet in irgendwelchen Erziehungsfehlern, legen den Grundstein zu späteren krankhaften Erscheinungen, ein krankhaftes Geltungs- bedürfnis, hervorgerufen durch ein Gefühl der Minderwertigkeit auf seelischem oder körperlichem Gebiete, bringt den Menschen mit seiner Umgebung in Konflikt. Weniger von Belang, wenn nicht sogar vollkommen bedeutungslos, ist die Vererbung von Charaktereigen- schaften und von Begabungen; hat doch A. Adler vor nicht allzu langer Zeit geradezu von einem Mythos, einem Märchen der Der- erbung gesprochen. Mit dieser Lehre und ihren Auswirkungen für die praktische Medizin befaßte sich der unter dem bewährten Vorsitz von Profesior Sommer(Gießen) abgehaltene Kongreß der ärzt- lichen Gesellschaft für Psychotherapie. Es war von größtem Inter« esse, nicht nur die Ausführungen hervorragender Vertreter dieser Schple zu vernehmen, sondern auch die Gegengründs, die von nicht minder bedeutenden Anhängern anderer psychologischer Systeme ins Treffeit geführt wurden. Vor allem wurde der Adlerschen Lehr« Ein- seitigkeit vorgeworfen, da sie nur die Beziehungen des Menschen zu seiner Umwelt berücksichtigt. Ein Einwand freilich, der mindestens ebenso gut sür andere Lehrgebäude, das Freudsch« voran, zutrifft. Besonders kräftig aber wurde auch die Leugnung des Dererbungs- i Prinzips durch Adler abgelehnt, und speziell seien die Ausführungen � de» bekanntesten Internisten Professor Moritz(Köln) hervor- gehoben, der die Gefahren beleuchtete, die aus einer solchen ein- seitigen Anschauung, wie sie z. B. die Lehre von der Lrganminder- Wertigkeit darstellt, für di« Beurteilung und Behandlung von inneren Krankheiten möglich sind. Trotz aller Bedenken kann ab« nicht geleugnet werden, daß zumindest in der Erziehung des Kindes die Adlersche Lehre große Erfolg« schon heute verzeichnen kann. Adler sucht den Charakter des Menschen durch die Einflüsse der Umwelt zu erklären, was ist ab« der Eharakter? Eine schwer zu beantwortend« Frage, um so mehr, als die Wissenschaft hier noch in den Anfängen steckt. Immerhin zeigen sich bedeutungsvolle An- sätze, um auch dieses dunkle Kapitel des menschlichen Seelenlebens zu ergründen. Von größter Bedeutung ist es hierbei, wie in den Vorträgen über Charakterforschung ausgesührt wurde, die Erschei- nungen des Charakters und des mit ihnen verbundenen Millens von den Trieben zu unterscheiden. Eine Forderung, di« bei kompli- zierteren Störungen des Seelenlebens nicht immer leicht zu er- füllen sein wird. Vor ollem darf nicht vergessen werden, daß di« durch di« Trieb« hervorgerufenen Handlungen grundsätzlich ver- schieden sind von jenen, bei denen der Wille tätig ist. Die Triebe wechseln mit den Iahren, der Wille bleibt beim Menschen sich gleich. Waren die wichtigen Vorträge, die mit diesem Stöfs sich bö- faßten, nur für philosophisch geschulte Menschen verständlich, so gilt dies weniger t'ür den dritten Häuptgegenstand des Kongresses, der sich mit den modernen psychotechnischen Untersuchungs- methoden und ihrer möglichen Verwendbarkeit für die praktische Medizin befaßte. Bekanntlich trachtet man heute, die Eignung des Menschen sür seinen gewählten Beruf durch bestimmte Unter- suchungsartcn festzustellen. Diese Prüfung erfolgt durch eigen« Apparaturen, die je nach der gestellten Aufgabe natürlich ganz ver- schieden sind. Der Anwärter sür einen kaufmännischen Beruf wird an einem entsprechenden Apparat auf seine rechnerische Fähigkeit untersucht, der zukünftige Motorwogenführer auf seine Geistesgegen- wart. Gemeinsam ist aber allen Apparaten die automatische Ver- Zeichnung der bei der Prüfung sich ergebenden Fehler des Kand�- baten. Nun scheint es, als ob die Psychvtechnit auch in der Medizin nutzbringende Anwendung finden wird. Sollte dies der Fall sein, sollt« es möglich fein, Charaktereigenschaften und tiefer» seelisch« Eigenschaften dieser Art exakt-wissenschaftlich zu prüfen, so wäre der Kreislauf geschlossen, den die Medizin der letzten Jahrzehnte ge- gangen ist. Denn in gewolltem Widerspruch zu den Laboratoriums- Methoden hat sich die modern« Psychotherapie entwickelt, durch d>e Psnchotechnik aber würde sie wieder in dos Laboratorium zurück- geführt werden., Dr. A. Neurnann. „Klucht aus der Hölle." Das Warenhausprinzip, jede Branche und für jeden Geschmack etwas zu führen, hat diesem Film der Deutsch-Russischen Film- Allianz zugrunde gelegen. Dadurch Ist eine gewiss« Ueberladen- heit und Uneinheitlichteit entstanden. Der Manuskriptversasser will die Reize des Gekevschaftsfilmes— mit Ehekonflikt und sensatio- nellem Diebstahl und Totschlag mit denen des Artlagefilmes— das geknechtete Ströflingsleben auf einer Insel der Deportierten— vereinen und dazu die Abenteuer einer Flucht und obendrein eine Bergwerkstatastrophe und die Revolte der Belegschaft zur Befrei- ung ihres Retters, eben des Totschlägers aus Liebe und geflohenen Sträflings, gesellen. Und das Resultat ist schließlich doch nur das individuelle Liebesglück des für einander bestimmten Paares. Georg A s a g a r o f f sucht mit Erfolg aus diesem Libretto starke Wirlungen herauszuholen. Er weiß in gleicher Weise die Spannung des Gesellschaftsfilmes wie die Enthüllung des sozialen Filmes zu meistern. Die unmenschliche Behandlung der Deportierten wirkt empörend und die ganze Torheit unseres Strafvollzuges wird ge- prangert. Zugleich wird die Gelegenheit benutzt, um der Polizei eins zu versetzen. Vorsichtigerweise ist die Handlung noch Frank- reich verlegt. Aber die Konsequenzen werden nicht gezogen: Der Minister begnadigt und der Verbrecher aus Liebe wird rehabilitiert. Nebenbei: was für ein Zeugnis wird der Arbeiterschaft ausgestellt, in ihren Reihen findet sich niemand, um die Rettung der Einge- schlossencn zu wagen. Der Film kann also nur in Einzelheiten und in der Regieleistung voll befriedigen. Jean M u r a t wird den viel- fachen Ansprüchen, die an ihn als Gesellschaftsmenschen wie Sträs- ling und Retter gestellt werden, gerecht. Wenig entwickelt ist di? Rolle seiner Partnerin, deren brutaler Mann sie erschlägt. Agnes Esterhazy kommt dabei zu kurz. Eine humoristische Note bringt Paul Heidemann in das ernste Gesamtkowrit. � D. Auf der Suche nach dem ältesten Menschen. Die neue Expedition des amerikanischen Paläontologen Dr. Roy Chapman Andrews nach der als Fossilienfundstätte berühmt gewordenen Mongolei gewinnt dadurch besondere Bedeutung, daß der Gelehrte hier die Spuren des ältesten Menschen zu finden hofft. Er ist fest überzeugt, daß aus diesem spärlich bewaldeten Hoch- plateau, das für die Entwicklung des Menschen besonders günstig war, die Wiege der Menschheit gestanden hat. Sein« Hoffnung wird gesteigert durch den im Jahre 1926 geglückten Fund von drec Zähnen, die einem Typ angehörten, der als die älteste bisher be- kannte Menschenrasse bezeichnet wird. Ueber diesen„Pcking-Men- schen"— so genannt nach dem Fundort in der Nähe von Peking— ist bereits sehr viel geschrieben worden, und Andrews hält sie sür die„wichtigste menschliche Reliquie, die es gibt." Der Peking» Mensch, der den wissenschaftlichen Namen„Sinanthropus" erhalten hat, ist sicherlich ebenso alt wie der Pithecanthropus erectus, das berühmte Fossil, das auf Java gefunden worden ist. Ja, der«ine Zahn weist auf einen noch primitiveren Typus der menschlichen Vorfahren hin.„Dieser Pekingmensch", erklärt« Andrews,„ist sicherlich eine Million Jahre alt. Wir aber suchen jctzt nach einem zwei Millionen Jahre alten Menschen. Es ist der Mensch der ältesten Vorzeit, den wir finden wollen, und wenn wir in den Schichten, aus denen unsere ältesten Fossilien stammen, Spuren von menschlichen Resten aufspüren, so wird es sich ent- Icheiden, ob wir einmal Affen waren oder eine unabhängige Schöpfung der Natur." Di« ersten Arbeiten werden in einem sehr aussichtsreichen Gebiet, etwa 500 Kilometer nordwestlich von Kal- gan, am Rand der Wüst« Gobi ausgesührt werden. Max kiochdars liest auf Einladung der Volttbflbne. Freitag 8 Uhr. im Buraersaal des Berliner Rathauses aus jeineu Schritten. Einlaßkarten zu« Preise von 0.60 Wart. Die Mode von geffern. ,, Seit meinen Gedenkzeiten" schreibt im Jahre 1882 der Sulturhistoriker Burkhardt an feinen Freund, hat das Tun und Merito der Damen darin bestanden, meist ganz scheußliche Moden durch vielen Gout wieder erträglich zu machen." In diesem Satz liegt viel Wahres. Denn all die Modelaunen, oder beffer gesagt Modetorheiten, wie sie ja jebe Epoche die unsere beileibe nicht ausgeschloffen zeigt, erhält eigentlich einzig durch die angeborene oder gut angelernte Grazie der Trägerin den Lebensodem eingeblafen. Sehen wir uns heute z. B. die modischen Erscheinungen 30 Jahre vor dem Kriege an die Lipperheide'sche Kostümbibliothek veranstaltet in diesen Tagen im Kunstgewerbemuseum eine ungemein interessante Ausstellung dieser Zeit- so werden wir mit einem etwas 1880 1894 überlegenen Lächeln all die steifen Dümchen mustern, die da in Ballonärmeln, fühn balanzierende Wagenräder auf dem Kopfe, den Leib panzerartig cingeschnürt und die Taille bis auf ein Minimum zufammengepreßt, in unheimlich langen, braven Röden vor uns ein herspazieren. So was hat man nun getragen?" fragen unsere erstaunten Augen. Heute lachen wir und übermorgen werden die anderen ebenso über uns lachen. Während die Mode vergangener Jahrhunderte, der Renaissance, des Rototo, Empire un der Biedermeierzeit uns als flassische Beispiele ziemlich geläufig find, hat unser Gedächtnis den Modelaunen unmittelbar vor oder sogar schon während unseres irdischen Gastipieles feinen Gedenkplas geschaffen. Was hat sich in den letzten 40 Jahren nicht alles auf modischem Gebiet ereignet? In einer ganz selbstverständlichen Reaktion war auf die Mode der sehr weiten und sehr langen Kleider die der ganz engen gefolgt. Am Ende der 70er Jahre war sie auf dem Höhepunkt angelangt, von dem aus es feine Steigerung mehr gab. So erzählie man sich, die Kaiserin von Desterreich hätte sich ihr Reitkleid auf den Bcib nähen lassen und die Baronin Marie Wallersee berichtete jammernd von ihrem Brautfleid:„ Es war so eng, daß ich nicht zu essen wagte." Die Grenze der Uebertreibung war also erreicht und die Mode mußte sich entschließen, rückläufig zu werden. Nech die ersten 80er Jahre sahen das enge Kleid, daß die Erscheinung der Trägerin lang und schmal zu machen bestimmt war. Die Röcke waren reich verziert mit Sticke reien, Rüschen, Fransen und Spißen, die Taille war lang geschnürt und endete spiß. Dann kam die Tournüre, das ,, Cul de Paris", das fich weit über ein Jahrzehnt siegreich behauptete. Kaum ist die Tournüre perschwunden, so beginnt der Rock sich zu längen und schon im Jahre 1892 taucht auch beim Straßenkleid die Schleppe auf. Taille und Rod erhalten eine andere Form, wir treten in eine neue Periode der Mode ein und zugleich in eine solche, die mit ungemein viel Raffinement die Bekleidungstunst auf einen Höhepunit brachte. Der Glockenrod beginnt, er sett an der Taille glett an, damit der Eindruck der Figur schlart bleibt. 1898 erreicht die Mode ihre eigent liche Absicht, als sie das Geheimnis heraus hat, den Rock rings um Me Taille völlig glatt und faltenlos anzufegen. Jetzt beginnt die Mode auch wieder einmal, sich mit besonderer Liebe der Aermel anzunehmen. Da hatte sie eigentlich nichts nötig, als sich selbst zu ko pieren, indem sie die Großmütter der damaligen Generation fragte, mas sie 60 Jahre zuvor getragen hatten. Theater, Lichtspiele usw. Dienstg., 24.4.20 Staats- Oper Am Pl.d.Republ. 8 Uhr Dienst., 24. 4. 28 Städtische Oper Bismarckstr. -Turn, 11 Ant. 7 Jonny Der Kuß spielt auf Deutsches Theater Theater des Westens Norden 12310 Norden 10338-39, Gastspiel Abonnementsbüro Moskauer jüd. 8 Uhr, Ende 10%. akad. Theater Pygmalion Heute 8 Uhr: von Bernard Shaw ,, 200 000* dtsch. v. Slagtr, Trebtisch Morg. Mittw.8%, Uhr Die Reise Kammerspiele Benjamins III. Norden 12310 Musikal. Spiel 34 U., Ende nach 10 Kleines Theater Zum 99. Mal Staati. Schauspielh. Staatl. Schillerth. Constance sich richtig Am Gandarmenmarkt 8 Uhr Charlottenburg 8 Uhr Gespenster Mas tur für Maß Täglich 8 Uhr: anderer Berufe nicht in Betracht kommen. Ein Koch muß mins destens einmal täglich frische Berufskleidung und Wäsche haben. Er hat außerdem noch sein Handwertszeug zu stellen. Die Ausgaben des Kellners für Wäsche und Kleider sind auch dem Laien sichtbar. Der Garantielohn wird aber nicht etwa ge= zahlt außer den Einnahmen aus den Prozentzuschlägen, sondern nur für den Fall, daß diese Prozentzuschläge nicht ausreichen, um der Garantielohn zu decken. Keine Aermelform, die in den 90er Jahren auftauchte, die nicht in den 30er Jahren schon dagewesen wäre. Hammelfeulen" oder Schinkenärmel" beginnen nun sehr rasch in die Ballonform überzugehen. Später werden sie dann wieder glatt und eng Die Röde beginnen sich wieder auszudehnen und als Neuheit taucht die Bluse auf. Die Reformbewegung, die das Kleid von den Schultern glatt Schiedsspruch im Danziger Buchdruckgewerbe herabfallen läßt, feßt sich nicht durch und verschwindet schnell ud flanglos. Der Rod wird enger, der Rod wird wieder weiter und schließlich wird er als Marte Humpelrod" mehr als eng. Diese Mode wird jedoch mit aller Energie, die sich sogar in Form von Schmährufen 1901/2 9 THE 1910 auf der Straße Luft macht, vollends abgelehnt. Und schließlich kristalli fiert sich aus dem Ernst der nunmehr folgenden Zeit mit all seinen wirtschaftlichen Konsequenzen, aus der Vermännlichung und Sportbegeisterung der Frau die schlichte und praktische Mode des fußfreien Rodes, der fleinen Hüte, die auf dem natürlichen Kopfhaar ihren festen sicheren Siz haben. Die Frau, die jetzt ausnahmslos mitten im Kampf des Berufslebens steht, wird ernsthafter und hat darum weder Zeit noch Lust, die Mode in den Vordergrund ihres Denkens zu rüden. Cl. Wie das Gastwirtspersonal entlohnt wird. Ein Schiedsspruch erhöht die Löhne um 3 und 7 Prozent. Vor einem freien Schiedsgericht standen gestern nachmittag die Arbeitsverhältnisse im Berliner Gastwirtsgewerbe zur Debatte. Die Debatte, die zwischen Unternehmern und Angestellten geführt wurde und bis in die späten Nachtstunden hinein dauerte, drehte sich um die Löhne. Sie bot das schon gewohnte Bild. Die Unternehmer behaup teten immer wieder, daß sie außerstande seien, höhere Löhne zu zahlen, obwohl niemand behaupten kann, daß das Berliner Gast mirtsgewerbe zu den notleidenden Gewerben gehört. Es wurde schließlich einstimmig ein Saiedsspruch gefällt, der die Löhne ab 20. Mai um 3 Broz. und ab 30. September um weitere 7 Broz. erhöht. Die Parteien haben sich zu diesem Schiedsspruch bis zum 2. Mai zu erklären. Morgen finden zwei öffentliche Versammlungen statt, in denen die Angestellten des Gastwirtsgewerbes Gelegenheit haben werden, fich zu diesem Schiedsspruch zu äußern, und am Donnerstag vormittag werden die Funktionäre des Zentralverbandes der Hotel-, Restaurant- und Caféangestellten ihre Entscheidung fällen. Bisher betrug der Spigenlohn für Köche 55 M. die Woche bei freier Rost. Der Lohn der weiblichen Hilfskräfte in Hotels, Restaurants usm. betrug ohne Kost 32 M. Die Restaurantfellner hatten einen monatlichen Garantielohn von 190 bis 240 M. Es ist hierbei zu bemerken, daß die Angestellten des Gast wirtsgewerbes Auslagen haben, die für Angestellte und Arbeiter darnowsky- Bohnan eine Im Danziger Segerstreit wurde am Montag ein Schiedsspruch dahin gefällt, daß den Streifenden Buchdruckergehilfen wöchentliche Zulage von 3,75 Danziger Gulden zu bewilligen ist. Die Unternehmer haben diesen Spruch angenommen. Die Stel= lungnahme der Arbeiter steht noch aus. Einzelstreits der Berliner Buchdrucker. Bei Hackebeil und H. S. Hermann. Seit gestern streifen in Berlin die Maschinenmeister der Firma H S. Hermann, wo außer dem Berliner BörsenCourier" eine große Anzahl Zeitschriften gedruckt wird. " Börsen- Courier" tonnte infelgedessen nicht erscheinen. Die Maschinenmeister fordern eine außertarifliche Zulage von 6,50 M. Auch die Buchdrucker der Firma Hackebeil befinden sich seit gestern im Ausstand. Hier wurde eine außertarifliche Zulage von 3 m. verlangt. Die Firma wollte darüber zwar verhandeln, lehnte aber Berhandlungen mit einer besonderen von der Belegschaft ge= wählten Kommission ab und bestand darauf, nur mit dem Betriebsrat zu verhandeln. Darauf stellte die etwa 700 Mann starfe Belegschaft die Arbeit ein. Merkwürdigerweise hat jetzt die Firma beim Arbeitsgericht Klage gegen den Betriebsrat erhoben. Versuchter Doppelselbstmord. Zwei Mädchen springen in die Spree. Den gemeinsamen Tod in Wasser suchten heute früh zwei junge Mädchen. Gegen 4% Uhr sprangen die beiden an der Goztomitibrücke in die Spree. Im falten Wasser wurde ihnen die Tat aber leid, und sie riefen um Hilfe. Der Vorgang hatte überdies schon die Aufmerksamkeit von Passanten erregt, weil die Mädchen eine Weile aufgeregt hin und her gegangen waren, Einige Leute warfen ihnen Rettungsringe zu, die sie aber nicht mehr ergreifen konnten. Ein Chauffeur, der in der Nähe gehalten hatte, machte den Rettungsfahn Irs und erreichte die auf dem Wasser Treibenden noch, bevor sie untergingen. Die Mädchen waren schon so start erschöpft, daß sie nach dem Krankenhaus Moabit gebracht werden mußten. Wie wir nachträglich erfahren, handelt es sich um die zwanzig jährige Räte B. aus der Waldenserstraße und deren gleichalterige Freundin Gertrud P., die in der Spreustraße wohnt. Eine Ver nehmung der lebensmüden Mädchen war bisher noch nicht möglich, so daß das Motiv zu dem gemeinsamen Verzweiflungsschritt noch ungeklärt ift. Begnadigung eines politischen Gefangenen. Hermann Frande war im Mitteldeutschen Aufstand wegen Aufruhr und Sprengstoffgericht Halberstadt zu 7% Jahren Zuchthaus, vom Schwurgericht Blauen zu 5 Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Aus diesen 22% Jahren Zuchthaus wurden gnadenweise bereits vor Jahren eine Gesamtzuchthausstrafe von 9 Jahren gebildet. Sein Strafende würde der 10. April 1930 gewesen sein. Jetzt ist der Bestrafte begnadigt und aus der Strafhaft entlassen worden. vergehens in Dresden zu 10 Jahren Zuchthaus, vom Sonder Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend( Nachbr. verb.). Für Berlin: Troden und meist heiter, am Lage weitere Erwärmung. Für Deutschland: Im westlichen Küstengebiet eimas stärkere Bewölkung, sonst überall heiter und am Tage, weitere Erwärmung. Bolier, Bert- und Schachtmeisterverband. Am Mittwod), 25. April, 19% Uhr, findet in den Epphieniälen, Sopylenstr. 17-18, unsere Generalversammlung statt. Tagesordnung: 1. Bericht vom XIII. ordentlichen Bundes tag, Samburg: 2. Bericht von der ersten ordentlichen Hauptpersammlung un ferer Berufskrankenkasse; 3. Rassenbericht. Berantwortlich für die Redaktion: Engen Brager, Berlin: Anzeigen: Th. Glode. Berlin. Berlag: Borwärts Berlag G. m. b. 5., Berlin. Drud: Borwärts Bud druckerei und Berlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Sierzu 1 Beilage. Täglich frische vor- 1 Thalia Theater Letzte 7 Vorstellungen zügliche NaturTh. Königgrätz. St. Dresdener Str. 72-73 Bergm. 2110 Die Marquise von Arcis Merkwürdiges Beispiel v. Carl Sternheim einer weiblichen Kache) Komödienhaus Norden 6304. Tägl. 84, Uhr Broadway Finden Sie, daß Frau Käte läßt Residenz- Theater sich verführen verhält? 8 Uhr: Dyckerpotts Erben Rose- Theater Gr. Frankl. Str. 132 814 Uhr: Sterne.d. wieder feuchten Grosses Anfang Schauspielhaus Ende Uhr REGIE: 11 Uhr CHARELL MADAME Planetarium am Zoo POMPADOUR Verläng. Joachimsthaler Straße Noll. 1578 16, 18, 19, 21 U. Sternhimmel und Renaissance- Theater Kalender Eintritt 1 M. Lustspiel v.H.Sturm Fritzi Kinder unt. 15 Jahren 0,50 M. Die Komödie Kinder, Kettner, Musik. Schwank Bismarck 2414/7516 7%, U. Ende 10 U. Zum 1. Male „ Die Kassette" Volksbühne omdie von Carl Strnheim v. Mollendorf Lustspielhaus Jir. Dr. Martin Zicke 8 Uhr: iuido Thielscher in„ Unter Theater am dülowplatz Th. am Schiffbauerdamm Berliner Theater Geschäftsaufsicht" 8 Uhr 34 Uhr kasten 99 Direktion Kuhneit. Die rote Der Zigaretten- arlottenstr.93 91.00h.17 Piscatorbühna Robe Keichshaiien- theater Stettiner Sänger Das neue Programm! Anf. 8 Uhr. Sonntg. nachm. 3 Uhr( halbe Preise). Dönhoff- Brett'l: 8 Uhr Theater am Delschaft, Pointner, Eibenschutz, Gottge- Th. i. Admiralspalast treu, Vespermann, Manning. Für Funkfreunde halbe Preise. Metropol- Th. Zentrum 128 24 84 Uhr Der Gra von Luxembur Lichtenstein, Jolan, Hell, Fischer. Hofen Die Bollé Sisters" Nollendorfplatz Hofmann, Kettner, Ein Berliner Volksstück von Kurfürst 2091/93 Uhr: Friedmann- Frederich. Max Der etzte Kaiser Letzte Woche! Täglich Uhr Rose Maric Schluß 30. April. CIRCUS Walhaila- Th. BVSCH Adalbert. Lea Seidl, Lori Leer von Jean Rich.Bloch Weinbergsweg 19/20 asz- KarlheinzMartin Saltenburg- Bühnen Gastspiel im ¾ Uhr Dts. Künstler- Th. 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Die Gemeinnützige Heimstätten Spar- und Bauaktiengesell-| schaft Berlin, kurz Gehag genannt, sah sich veranlaßt, einmal den leitenden Funktionären der Berliner Gewerf schaften und sonstiger Arbeiter- Organisationen das zu zeigen, was sie in den letzten Jahren im Häuser- und Wohnungsbau geleistet hatte. Zunächst also ging es zu dem von dem Bezirksamt Prenzlauer Berg in Auftrag gegebenen Häuferblod, der von der Paul Heyser, Schönlanfer und Schneidemühler Straße begrenzt wird. Hier werden 122 Wohnungen errichtet, und zwar 44 Wohnungen zu je 1½ Zimmer mit 52 H in unPaul- Heyse- Straße, Treppenhaus und Balkone. Quadratmeter Grundfläche, 69 Bohmungen mit je 2% Zimmern zu 71 Quadratmeter Grundfläche und 7 Woh nungen zu je 3% 3immer mit 98 Quadratmeter Grund fläche. Die 1½- 3immer Wohnungen fosten hier mittelbarer Nähe des Friedrichshaines und der Ringbahn monatlich 47 Mart. Selbstverständlich hat je de Wohnung Bad und auch eine Loggia. Das Ganze macht bei aller gebotenen Einfachheit doch einen ungemein sauberen und anheimeinden Eindruck. Eine einzige 3entralantenne versorgt alle Radiofreunde des Hauses. Schade nur, sehr schade, daß die Gehag nicht die Möglichkeit hatte, einen ganzen Blod zu umbauen. In menigen Schrit ten fam man zu dem neuen Großwohnhaus in der Olivaer straße. Auch hier der Architekt Bruno Tout. Auch hier die spar fame, faſt farge Umrißlinie. Hier sind 12 Häuser zusammengefaßt, Die für 60 1%-3immer, 50 2½- 3iimmer und 10 3½- 3immerBohmungen Platz schaffen. Die Wohnungspreise sind ähnlich denen am Friedrichshain. Auch hier für jede Wohnung Mannenbad, der einzige aber von jeder jungen Familie brennennd ersehnte hngie. nische Komfort. Dann ging es zum Weigandufer in Neukölln, wo ein bereits im Jahre 1925 fertiggestellter Bau besichtigt wurde. 10 Häuser mit insgesamt 94 Wohnungen. Dieses Großhaus hat den Borzug, an das Neuköllner Fernheizamt angeschlossen zu sein. Infolgetessen haben die kleinsten Wohnungen pro Monat noch 5,50 Mart, die 2%-Zimmer- Wohnungen pro Monat 8 M. für Heizung aufzubringen. dorf hat man in alter Weise Straßen längs und Straßen quer ge30gen, hat allerdings hier und da die Fronten gebrochen und ge30gen, hat allerdings hier und da die Fronten gebrochen und getreppt, so daß allerlei reizvolle Perspektiven entstehen, aber es fehlt der ganzen Anlage ein 3entralpuntt, auf den alles Ankommende instinktiv zusteuert. In Brizz hat man ein großes überraschtes:„ Ah". „ Ah". In Zehlendorf geht man und sucht und findet nicht. In unveran: wortlicher Leichtfertigkeit aber hat das Zehlendorfer Bezirksamt es zugelassen, daß die einzigartige Berfpeftive in der Riemeisterstraße durch die Bauten der„ Gagfah" Gesellschaft verbaut und damit verschandelt wurde. Im ganzen aber ist die Zehlendorfer Siedlung mit nahezu 800 Wohnungen ein überaus eindrucksvolles und imposantes Bauwert. Niemand kann sich des Eindrucks erwehren, daß auch hier etwas geschaffen worden ift, was zu gleicher Zeit der Not der Gegenwart gerecht wird und richtungweisend in die Zukunft zeigt. Wie ist die Gehag" entstanden? Im Anschluß an die Besichtigung gab in eier Versammlung der Teilnehmer im Gewerkschaftshaus der leitende Geschäftsführer der ,, Gehag", Stadtverordneter Gutschmidt einen Ueberblick über die bisherige Entwicklung der Gesellschaft. Am 14. April 1924 wurde die ,, Gehag" gegründet. Der Vater des Unternehmens ist der Stadtbaurat Dr. Ing. Martin Wagner. Man ging von der Vorausfegung aus, daß eine Organisation geschaffen werden muß, die die Interessen der Wohnungskonsumenten wahrnimmt und die losgelöst ist von den Verwaltungsorganisationen, wie sie die damals bestehenden Baugenossenschaften darstellen. Es sollten durch Konzentration wirtschaftlicher Kräfte bessere und größere Leistungen erzielt werden. Die wirtschaftlichen Kämpfe, die die Wirtschaftsorganisationen der Arbeiterschaft führten, mußten feftere Formen annehmen. Die Kreise, die bei der Gründung zu entscheiden hatten, hatten durchaus erfannt, daß mit der Gründung einer solchen Gesellschaft die Arbeiten zur Erfüllung praktischer Aufgaben in ein neues Stadium eintraten. Gründer und Träger der neuen Organisation waren zunächst die Orts= fartelle Berlin des ADG B., des AD B. und des Afabundes. Fünf angesehene Arbeitergenossenschaften beteiligten fich daran und zwar die Baugenossenschaft Freie Scholle"-Tegel ,,, Paradies" Bohnsdorf, Lichtenberger Gartenheim, Ideal"-Neukölln und der Beamtenwohnungsverein Neukölln". Als Aktionär traten der neuen Gründung die ,, Sozialen Baubetriebe" und die„ Dewog" ( Deutsche Wohnungsfürsorge A.-G. für Beamte, Angestellte und Arbeiter) bei. Die ,, Dewog" ist das Instrument, durch das die Stadt Berlin die Hauszinssteuerhypothefen ausgibt. Eine gewaltige Leistung. Die Gesellschaft hatte keinen anderen Zweck, als der immer unerträglicher werdenden Wohnungsnot durch Häuser und Wohnungsbau praktisch abzuhelfen. Man sollte nun meinen, daß in einer Zeit allgemeiner Rat und Hilflosigkeit ein solches Unternehmen auch von den Behörden mit allen Kräften gefördert worden wäre, aber weit gefehlt. Ein ganzes Jahr, bis zum Mai 1925, dauerte es, ehe die handelsgerichtliche Eintragung erfolgte. Dann bauerte es wieder ein ganzes Jahr, bis man der Gesellschaft die Gemeinnügigfeit zuerkannte. Trotz aller Schwierigkeiten aber war bereits im Herbst 1924 mit dem geringen Kapital von 50 000 Mart, und zwar in dem märkischen Städtchen Trebbin, der Bau von 8 neuen Wohnungen begonnen worden. Dann folgten 110 Wohnungen für den Berliner Spar. und Bauverein am Schillerpart. Bis Ende 1927 hat die Gebag" insgesamt 3600 Wohnungen errichtet, davon 2000 in einem Wert von 28,5 Millionen Mart auf eigene Rechnung, etwa 700 Wohnungen für Baugenossenschaften und 600 für die Stadt Berlin. " Nun aber stellte sich heraus, daß die Verwaltung dieser 2000 märkischen Städtchen Trebbin, der Bau von 8 ineuen Wohnungen baurat Dr. ing. Martin Wagner. Man ging von der VorausWohnungen von der Bautätigkeit getrennt werden mußte. Zu diesem 3wede gründete man eine ,, Einfamilienhausgesellschaft" eine Organisation, an der sich zu Anfang auch einige bürgerliche Gesellschaften beteiligten. Heute befinden sich fämtliche Anteile der Gesellschaft im Besize der Gehag". Der Umsatz stig von 500 000 Mart im Jahre 1924 auf 18 millionen im Jahre 1927. Trotzdem hat die„ Gehag" nur 10 Prozent aller Wohnungen bauen fönnen. Die nächsten Aufgaben. Die Finanzierung eines solchen gewaltigen Bauvorhabens ist nicht nur ein sehr schwieriges, sondern auch ein die Wohnungstonsumenten intereffierendes Problem. Die Gehag" muß nämlich Britz, Dorchläuchtingstraße leider einen wesentlichen Teil ihrer Hypotheken dem öffentlichen Hy pothefenmarkt entnehmen, und sie muß dafür nicht nur 8% Proz. pro Jahr Zinsen zahlen, sondern bekommt auch nur auf je 100 Mart 93 Mart ausgezahlt. Die Sparkasse der Stadt Berlin hat z. B. im Februar d. J. 218 Millionen Mark Einlagen zu verzeichnen, die zum größten Teil von Kleinsparern herrühren und die dafür nur 5 Proz. geben würden, die ja auch ausdrücklich als Sparverein bezeichnet ist, Zinsen bekommen. Wenn nun die Sparer ihr Geld der„ Gehag" gewähren, fie felbft aber fönnte, wenn sie die Hypotheken statt mit so fönnte die Gehag" den Sparern sehr wohl 6 Proz. Berzinsung 8% Proz. nur mit 6 Proz. zu verzinsen braucht, jede Wohnung im Durchschnitt um 8 Mart pro Monat billiger errichten als jezt. Die Wohnungen werden durch die Wohnungsämter vergeben, die ,, Behag" hat also leider, was in der Deffentlichkeit nicht befannt ist, gar feinen Einfluß auf die Bergebung der Wohnungen, die fie baut. Um trotzdem die Wohnungspreise in erträglichen Grenzen zu halten, ist es unumgänglich notwendig, nach gewiffen festen Typen zu bauen, von denen Britz vier und Zehlendorf drei Typen aufmeifen. Der medizinische Sachverständige. Und die Geistesschwäche der Reichen. Jm ,, Borwärts" war vor wenigen Tagen folgende ganz mert flagten, gleichgültig welcher fozialen Sphäre er angehört, die würdige Geschichte zu lesen: arztes als Fehldiagnose erklärte und die Angeklagte als ein großes, hilfiches Kind" hinstellte. Die Folge war ein Freispruch am Land gericht Kempten. Die deutschnationale Berlegerin brach aus einem von ihren Angestellten gefundenen Brillantenanhänger die Edelsteine Eine Sehenswürdigkeit Groß- Berlins. heraus und ließ sie durch wertlose Steine ersetzen. Dann fandte fie Der Clou der Besichtigung war zweifellos die Großfied. das Schmuckstück an die Berliererin zurück. Diese erstattete Tung Briz. Hier wurden auf einer Grundfläche von rund Strafanzeige und die Betrügerin wurde zu drei Monaten 243 Quadratmeter 565 Häuser mit 1027 Wohnungen erbaut. Gefängnis verurteilt. Sie legte Berufung ein und verteidigte fich Wiederholt ist darüber berichtet worden. Abgesehen aber davon, mit geistigen Defetten. Der Oberarzt der allgemeinen daß in geradezu idealer Form Wohnraum geschaffen wurde, ist heilanstalt untersuchte sie vier Wochen lang! Er fonnte teine hier zum ersten Male von einem modernen Architekten versucht strafbefreienben Defekte, dagegen raffiniertes Komoworden, bei Errichtung von Massenwohnungen städtebaulich zu diantentum feststellen. Als die Sache für die Angeklagte mirfen. Das berühmte ufeisen", das mit der weiteren Sied hoffnungslos erschien, fand sich im letzten Moment ein Univer lung insgesamt als die moderne Sehenswürdigkeit| fitätsprofeffor und Bindhiater, der das Gutachten des Ober Groß Berlins im vornehmsten Sinne angesehen werden fann, ist in der Praxis um einen vorhandenen kleinen See herum gebaut worden. Architekt und Bauherren einer durchaus proletari. schen Wirtschaftsorganisation haben das sei den emig mäkelnden In dieser für alle Beteiligten wenig schmeichelhaften Angelegen und nörgelnden bürgerlichen Natur- und Heimatschüßern dringendheit spielt wieder einmal der medizinische Sachver zur Beachtung empfohlen so viel Respekt vor einem urwüdfigen ständige die traurigste Rolle. Nicht zum ersten Male gibt sich Stückchen Natur gehabt, daß sie es nicht mit Klamotten verschüt- ein wissenschaftlicher Sachverständiger dazu her, gegen gutes Honorar teten, nicht mit Pfahlrosten zurammten, sondern es liebevoll den Rettungsengel eines wohlfituierten Angeklagten zu spielen und in den Mittelpunkt der Siedlung stellten und nun ihn dem Zugriff der Justiz zu entziehen. Hier handelt es sich um in weit ausfchwingendem Kund, wie ein gewaltiges antifes eine Erscheinung übelster& laffenjuftiz. Die Angeklagte aus dem ArAmphitheater, die netten Häuser herumzogen. Wer jemals auf der beiterstande wird ohne Rücksicht auf soziale Notlage, auf ArbeitsTerrasse dieser modernsten Siedlung gestanden hat, der wird den losigkeit, Hunger, mangelnde Bildung, psychische Depression und Erpackenden Eindrud auch niemals vergessen. bitterung rücksichtslos verurteilt, denn sie kann sich die Bezahlung eines Universitätsprofessors als Retter nicht leisten. Für den wohl habenden Betrüger findet sich eben der Sachverständige", der einem wohlmeinenden Gericht die Psyche des bedauernswerten" llebeltäters fo fompliziert und mitleiderregend zu schildern versteht, daß der Freispruch so sicher tommt, wie das Amen in der Kirche. Die Großfiedinng Fischtalgrund. Man farm mur wünschen, daß die„ Gehag" Mittel finden möge, auf diesem Wege weiterzuschreiten. Denn es muß nunmehr gejagt merden, daß daneben die schließlich besichtigte letzte Großsied lang Fischtalgrund in Zehlendorf meniger bestehen fonnte. Hier hat die Gehag" darauf verzichtet oder sie hat nicht bie Möglichkeit gehabt ftädtebaulich voranzugehen. In Sehlen " Finden sich denn innerhalb der ärztlichen Organisationen teine Faktoren, bie diesem Unfug schon im Interesse des Ansehens des Etombes gin Gube bereiten? Man möge entweder jedem Ange Möglichkeit geben, einen medizinischen Sachverständigen heranzu ziehen die Kosten müßte der Staat tragen, oder man schaffe das System überhaupt ab, daß Kläger und Beklagte ihre Sachver ftündigen zitieren dürfen und gebe dem Gericht allein das Recht, ohne Rücksicht auf die Prozeßparteien, wissenschaftliche Fachleute vorzuladen, die von den Parteien nach jeder Richtung, auch materiell völlig unabhängig find. So lange das nicht geschieht, wird man von einer Klaffenjustiz im Bunde mit einer Riaffenmedizin reden können! Dr. J. M. ** Arme Elfe! Die Angelegenheit der deutschnationalen Beriegerin hat übrigens noch ein Nachspiel, auf dessen Ausgang man gespannt sein tann. In der Kemptener Stadtverordnetenversammlung hat nämlich der Stadtrat Schedler im Namen der sozialdemokratischen Fraktion beantragt, das Polizeistrafgesetzbuch zu vollziehen, d. h. die freigefprochene Else im Irrenhaus zu internieren. Wütend erhob sich darauf der hakenkreuzlerische Stadtrat Strefler, der einige Brozeffe für den Geschäftsbetrieb der erwähnten Frau geführt hat, um dagegen zu protestieren, eine solche Sache auf Grund von Beitungsberichten hin im Plenum zu behandeln. Auch der Bürgermeister stimmte ihm darin bei, daß einer Prüfung des Falles durch den beamteten Bezirksarzt allerdings die Gerichts. aften unterlegt werden müßten es fei jedoch immerhin möglich, daß der Bezirksarzt zu einem anderen Urteil fäme als das Land. gericht. Was dann? Wenn der Bezirksarzt zu dem Urteil kommt, der Tatbestand des§ 51 liege nicht vor, fo wird der Staatsanwalt wohl oder übel die Wiederaufnahme des Verfahrens beantragen müssen, und da in der Strafprozeßordnung der Fall vorgesehen ist, daß bei widersprechenden Gutachten ein Obergutachten eingefordert werden tann, so müßte es sich wohl darum handeln, ob der Obergutachter sich auf die Seite des ersten oder des zweiten Gutachtens stellt. 2o entweder Gefängnis oder Irrenhaus? CijUAdUun3kifUß*e/n . AÄm&i Jft«Jr&4tam/rvouSj«4 2. Fortsetzung� Auch dem Richter war die Verwandlung des Mannes seit jenem Zusammentreffen mit der Frau nicht verborgen geblieben. Er sah das fremd« Benehmen, hörte seine herrischen Reden und suhlte aus der schlechtgespielten Selbstbeherrschung die Drohung gegen jedermann heraus. Das Amt des Richters ist nicht, zu er» ziehen, zu vernwndeln oder gar Bergangenes neu aufzubauen. Des Richters Beruf ist. Erkennbares festzustellen und— ohne einen näheren Zweck zu suchen— aus dem Chaos der menschlichen Ereignisse abzugrenzen, das abgegrenzte Ereignis mit ollen Fasern menschlicher Anteilnahme zu empfinden und aus dieser Empfindung heraus zu befehlen, zu trennen, zu strafen. Der Richter sah das abgegrenzt« Ereignis vor seinen Augen: er trug schwer an ihm, es beschäftigte seinen Geist und sein(.twisten, und er brauchte ge- räum« Zeit, bis er die Stimme in sich hörte. Allmählich war der Kamps schwächer geworden, die Zweifel ebbten ab: der Richter war zum Urteil befähigt und bereit. Ich erinnere mich noch an den Tag. Es war im Sommer, und von der Strohe her drang grelles, aufdringliches Licht in den Ge- richtssaal. Die Lust war drückend heiß und zitterte in den Fenstern und unter den offenen Türen de» Saales wie Luft, die über glü- hendes Eisen geblasen wird. Der Diener hatte die Vorhänge her- untergelasscn, und so ward das eindringende Licht gedämpft und von dem rotbraunen Getäfel des Richtertisches und der Wände einge- sogen. Das Gerichtsgebäude lag an einem Strahentreuz: sämtliche Straßen waren von Linden bestanden. Die waren noch in Blüte, und ihr süßlicher, aufreizender Duft zog ab und zu durch den Saal. Auf den hohen Stühlen hinter dem Richtertisch saßen die drei Männer, die das Schicksal Jakob Benders in ihren fjänden hielten. Der stand vor ihnen, schon im Bewußtsein des verlorenen Kampfes, trotzig, unfrei, sich selbst und all dos Gute in sich verleugnend. Hinten, im Zuhörerraum, im Halbdunkel saßen die Mutter und die Krankenschwester: sie waren trotz der Schwül« im Saal eng anein- andergedrückt: aus ihren �Kienen, den Augen, die ständig den Boden suchten, aus ihren spärlichen Bewegungen war die Furcht vor dem, was kommen tonnte, zu erkennen. Wir Anwälte sprachen. Ich war müde, die sommerlich« Hitze hatte mich gebannt, aber dann guoll in mir ein Trotz auf, der mich frisch und lebhaft machte, eine klare, inbrünstige Wut. die mich befähigte, alles, was ich da ge- sehen hatte und empfand, alles, was da geschehen sollte und was nicht geschehen durfte, so zusammenhängend und so eindringlich zu schildern, wie es diese letzte Stunde gebot. Während ich sprach, fühlte ich immer mehr das Unerklärliche dieses ganzen Vorgangs, empfand all das, was ich sprach und was um mich geschah, nur als ein geringes Gleichnis: es war mir, als ob all dos Unzuläng- liche, all das Unerforschbare, aus dem Mensch und Leben und Um- weit besteht, sich in diesem Falle gesammelt hätte und ich dieses Rätsel wie mit einem Schwertstreich lösen müßte. Hier standen nicht mehr der eine Jakob Bender, dort auf der Bank saßen nicht mehr zwei vereinsamte Weiber, am Richtertisch waren nicht mehr drei mir wohlbekannte Richter: die Szene wuchs ins ungemestene, wurde eine symbolische Handlung. Ich war erfüllt von dem un- gcheuren Zwiespalt, der die mich umgebende Welt, der mich selbst zerschnitt, der diese beiden Geschöps« Gottes aus ihrer Vermischung auseinandergerissen hatte. Ich sah das Streben aller Geschöpfe nach ewiger Vereinigung, hörte ihren gegenseitigen Zuruf und fühlte die unerklärlich schwere Hand, die sie vor dem Ziele wieder aus- «inanderwarf, auch auf mir lasten. Ich wollte das Schicksal meistern, wollt« mich aegen diese Hand aufbäumen und mit der Kraft meiner Rede Geschehenes ungeschehen machen. Es war unmöglich, und die Enttäuschung kam sehr bald. „Jakob Bender/ fragte der Vorsitzend« fes war der Richter, der auch die Zeugen verhört hatte),„Jakob Bender, ich habe Sie nun kennen gelernt. Sie haben manch« guten Seiten, aber Sie sind kleinlich und unverträglich und haben Ihrer Frau viel Pein bereitet Können Sie ein anderer Mensch werden? Von Grund aus müßten Sie sich ändern, von Grund aus." Da ging Bender langsam auf die Richter zu. bis er unmittel- bar vor ihnen stand, und sprach mit rauhen, ausgestoßenen Lauten: „Niemand kann sich ändern, und ich will mich nicht ändern! Meine Frau muß zu mir zurück, so wie ich bin! Hören Sie, meine Herren, so wie ich bin! Urteilen Sie, wie Sie wollen, sie kommt doch zu mir zurück! Es gibt mehr Richter in Deutschland, und wenn sie mir kein Richter zuspricht, dann hol« ich sie mit Gewalt, mit diesen Fäusten--- Und die beiden dort— indem er auf die zwei Weiber im Hintergrund zeigte, die vor Schreck zitterten und immer kleiner wurden— die werde ich...* »Nun ist's genug!" unterbrach ihn dek Riäster,„Sie haben zu schweigen." „Ich soll schweigen?" rief er und in seiner Stimme lag jetzt ein aufrichtiger weher Ton.„ich soll schweigen? Eure Gesetz« und euer Unrecht wollen mir das einzige nehmen, was ich gern habe, wollen mich einsam machen wie einen kranken Hund, und da soll ich schweigen! Nein, meine Herren, machen Sie mit mir, was Sie wollen, aber den Mund loste ich mir nicht verstopfen, und ich kann reden--- Glauben Sie mir, ich kann reden---" Vergeblich hatte ich ihm abgewehrt, die Richter erhoben sich, die Verhandlung war zu End«. III. Das Urteil war gesprochen: es hatte die Frau geschützt. Sie sei nicht verpflichtet, zum Mann« zurückzukehren. Bender nahm die Nachricht ohne sichtliche Erregung auf, er schien vorbereitet zu sein. Aber dies« Ruhe war nicht echt. Ick) gab ihn, einige Tage später das Urteil zu lesen. Es war gut begründet, durchaus nicht voreingenommen, verteilte Licht und Schatten nach beiden Seiten und wog gewiffenhaft ab: die Sck)ole des Mannes war leichter als die der Frau. Aus den phrasenlosen Sätzen klang noch«in« Welle des Mitgefühls her- aus. das auch die Richter im Angesicht dieses Menschenschicksal» er. griffen hatte.„Mein Gott." dachte ich.„welche ungeheure Lost trägt die Schulter eines Richters: Im endlosen Getriebe dieser Welt, im Kanipf der Menschen, im Ringen der Geschlechter deinen Weg zu zeigen, unbeirrt von den Lockungen, die den Weg umkreisen. Drei gewisteichofte Männer haben da» Best« ihres Herzen», das Beste ihres Verstandes angewandt, um die Not zweier Menschen zu durch- leuchten, uni die Not durch ein Machtwort zu beenden, das den einen der beiden vernichtet. Drei' gewissenhafte Männer waren Richter an deiner Stell« und mußten dein Geschöpf vernichten, da- mit ein anderes nicht zugrunde gehe--" Bender kam lange nicht zu mir. Ich hörte, er arbeit« nicht und treibe sich manchmal in Kneipen herum, auch wandere er tagelang ini Wald oder auf den Feldern, ohne Ziel, immer allein. Er habe sich in einer verlassenen Iägerhütte einen Unterschlupf zurecht ge- macht, den er tagelang nicht verlaste: wenn er ins Wirtshaus komme oder sonst mit Menschen zusammentreffe, spreche er viel und auf- geregt, aber nichts von seiner Sache. An diesem Ahend brach er auf der Dorf straße zusammen... Eines Abends, ich wollte gerade die Schreibstube verlassen, stand er vor mir. Es war schon halbduirkel, und ich erkannte ihn erst an der Stimme.. Ich führte ihn herein, schaltete das helle Licht ein und nötigte ihn. sich zu setzen. Er war blaß und mager, aber in seinem Aeußeren nicht ver- wahrlost: das Haar war noch immer sorgfältig gebürstet: auch die Abzeichen staken noch im Kragenrand. „Warum sind Sie nicht früher zu mir gekommen?" fragte ich ihn. „Ich mußte erst mit mir klar werden." „Was wollen Sie nun bei mir?" „Ich gehe nach Zweibrücken, ich lege Berufung ein, man hat mir Unrecht getan!" „Ueberlegen Sie sich das noch einmal. Ihr« Aussicht ist gering." „Herr Doktor, ich bin entschlossen, man hat mir unrecht getan. Sie werden sehen, andere Richter..." „Ich glaube es nicht, aber ich will Sie nicht hindern," und in meinem Hirn flammt der Gedanke auf, daß— vielleicht durch eine noch heute verborgene Regung des Schicksals— es dem höheren Richter möglich werden könnte, die beiden Menschen«inander zu erhalten.„Ich will Sie gewiß nicht hindern..." Er nahm die Akten und ging, sein Gruß war flüchtig und kalt. Monate verstrichen. Herbst und Winter waren über das Land gezogen. In der Unrast des täglichen Werkes, der Ucberfüll« der Eindrücke hatte ich Bender vergessen. An einem frühen Märztage, als die Sonne schon sommerliche Strahlen warf, ober aus Südost, über den Schwarzwaldbevgen, noch «in kalter Wind heranzog, ging ich mit meinem Kind vor die Stadt, um Anemonen und Weidekätzchen zu suchen. Bald war das Kind mit einem Bündel Weidekätzchen beladen und lief laut jauchzend voraus. An einer Wegecke verlor ich es aus dem Gesicht. Der Weg lief zwischen Weinbergen und uratten Baumbeständen hin- durch. An einer großen, knorrigen Rüster sah ich das Kind wieder. Es stand bei einem Mann, und es schien mir, als ob der Mann das Kind um etwas gebeten hätte, ich sah, wie es das Bündel zer-- teille und dem Mann«ine Anzahl Zweige gab. „Vater," rief mir das Mädchen zu,„er hat gesagt, ich soll« ihm Kätzchen schenken, ich Hab sie ihm aber nickst alle gegeben, sie ge- hören doch mir." Der Mann war Bender. Er zog die Mütze und stand oerlegen. Bender war bleich und mager, das Haar war lang und fiel in dünnen Strähnen über die Stirn«. Sein Kinn schien über und über von farblosen Stoppeln bedeckt. Auch die Kleidung war vernock»- lässigt. Der Rock, ein verbrauchter Wasfenrock, voller Flecken, ttn Schuhe waren zerrissen und mit Schnüren zusammengehalten, der Hemdkragen fehlte, aber die glitzernden Abzeichen staken noch im Tuch des zerschlissenen Rocks. „Sie sind es, Bender, ich habe Sie schon lange nicht mehr ge- sehen. Ihnen ist's seitdem nicht gut gegangen?" «Ist das Ihr Kind, Herr Doktor?" antwortete er, indem er mit einem der Zweige spielt, die ihm das Kind gegeben hat,„mein Bub ist jünger und bald gerade so groß." „Warum antworten Sie mir nicht? Ihnen ist's nicht gut ge- gangen?" „Wollen Sie es wissen, Herr Doktor? Man hat mich überoll abgewiesen, es gibt keine Gerechtigkeit mehr, ich will nicht mehr leben." „Warum arbeiten Sie nicht, Bender? Nur wenn Sie arbeiten» können Sie wieder ein zufriedener Mensch werden." „Herr Doktor, das ist unmöglich, ich kann nicht mehr schaffen, ich hall's bei keiner Arbeit mehr aus, sie haben mir alles genommen, es gibt keine Gerechtigkeit mehr." Mitleid steigt in mir auf.„Bender, Sie müsten vergessen, Sie sind noch jung, in Ihren Iahren verzweifelt man nicht, Sie müssen arbeiten, gehen Sie in eine andere Gegend. Die Zeit heilt gar vieles." „Aber nicht den Haß. Herr Doktor: denn ich haste sie jetzt alle. auch die Frau und das Kind!" Das schreit er heraus, stoßweise. unbekümmert um die Umgebung, so daß sich das Kind ängstlich an mich schmiegt. Ich breche ab. Es ist unnütz, auf den Mann einzureden. Im Weggehen sag« ich noch:„Kommen Sie einmal zu mir, ich will sehen, ob ich etwas für Sie tun kann."etzung tolgt.I WAS DER TAG BRINGT. niiiiiiii!iiiiiiiiiiiiiiiimuiiiiiiiiiiiiinnmiiiiiiiMiiniiiiiiniiiiiimnnniniiiiiiiiiiiHiiiinmminiiiHiuiinMiininiiinnniiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiifiuiiimiiumiiiiuiiiimmmiiiiiiiiiiiuiiuimn«ii Sind Gerichte unfehlbar? In dem im„Abend" vom 4. April d. I. veröffentlichten Artikel „Sind Gerichte unfehlbar?" von Friedrich Wendel waren verschiedene Fälle von Todesurteilen mitgeteilt worden, die sich als nicht wieder gutzumachende Fehlurtelle erwiesen hatten. Zu einem dieser Fälle sendet uns die Staatsanwaltschaft Gießen «ine Berichtigung, in der es u. a. heißt: „Wegen Ermordung eines Pfarrers ist nicht, wie behauptet wird, in Gießen im Jahre 1906 ein Hairdwerksbursche, vielmehr 190S ein Metzgorgeselle hingerichtet worden: eine andere Hinrichtung hat in dem Jahrzehnt vor und noch 1906 in Gießen nicht statt- gefunden. Der nicht allein durch Indizien völlig einwandfrei über- führte Verurteilt« hat keineswegs bis zuletzt, geschweige denn„in beweglichen Worten" seine Unschuld beteuert, vielmehr nach Rechts- kraft des Urteils durch fein ganzes Verhalten zu verstehen gegeben, daß er die Tat nicht mehr bestreiten wolle und vor seinem Ende erNärt, daß er gegen seine Strafe nicht» einzuwenden habe. Di« Behauptung, zwei Jahre später(oder irgendwann) habe ein in Holland lebender Deutscher(oder irgendjemand) auf dem Sterbe- bett dos Geständnis abgelegt, den Mord begangen zu haben, ist die Wiederholung einer bereits im Jahre 1998 berichtigten Falfchmel- dung von zweifellos tendenziösem Charakter." Diese Berichtigung der Gießener Staatsanwaltschaft gibt in einigen Punkten bisher unbekannte Aufschlüsse über einen Kriminal. fall, der seinerzeit Aufsehen in ganz Deutschland erregte. Di« UnHaltbarkeit der Todesstrafe selber wird durch die Mitteilungen der Gießener Staatsanwaltschaft nicht in ihr Gegenteil verwandelt. Die Eisenstadt von 53000 Kilometern Länge. Die Reichsbahn besitzt nach einer vor Kürze erschienenen Stattstik ein Schienennetz von etwa 53 999 Kilometern bei einer Zahl von insgesamt 17 769 Stationen. Dazu kommen 43 Gas- anstalten, 1157 Wasserwerke, 195 Kraftwerk« und 1978 Lokomosiv- schuppen. Di« Bauanlagen der Reichsbahn beherbergen 197 999 Wohnungen. 26 999 Lokomotiven und Triebwagen umfaßt der Fuhrpark, dazu kommen noch 63 999 Personen-, 21 999 Gepäck- und 679 999 Güterwagen. Der nichtwienerische Wiener. Nach einer Aufstellung der Magistratkabteilung für Statistik der Gemeinde Wien zählt die deutschösterreichische Hauptstadt zur- zeit 1 861 685 Einwohner. Don diesen ist nur ein« Million in Wien zur W«tt gekommen, rund 599 999 wurden im Ausland. rund 359 999 in der österreichischen Provinz geboren. Man hat also die Tatsache, daß die In Wien geborenen Wiener nur 29 Proz. ausmachen. Es dürfte interessant sein, für Berlin einmal die gleiche Statistik auszustellen. Auch bei uns würde das Resultat wohl überraschend sein! Ein seltenes Theaterereignis. Ein Theaterereignis, das nur fetten seinesgleichen haben dürfte, wurde in R e i ch e n b« r g in der Tschechoslowakei gefeiert. Die seit 39 Jahren am Stadttheater tätige komische Alt« Marianne A u st« r l i tz beging das Fest chrer 79jährigen Bühnentätigkett. Di« Künstlerin, vor 79 Jahren von Heinrich Laub««nldeckt und am Wiener Burgtheater angestellt, ist das leuchtende Beispiel von treuer Pflichterfüllung und wahrem Künstter- und Menschentum. �Das überfüllte Haus begrüßte die Jubilarin stürmisch. Die ganze Stadt nahm Teil an dem Jubiläum und daher mußte statt eines Ehren- abends eine ganze Ehrenwoche für Marianne Austerlitz angesetzt werden. Der blinde Passagier und die Sommerzeit. War da ein armer Italiener, Dincenzo Basti in Trient. der längst Sehnsucht nach den Dereinigten Saaten hatte, aber eben so gut wußte, daß für die nächsten Jahre die Quote bereits er» schöpft ist, so daß er auf gesetzlichem Wege kaum Aussicht hatte, da» Land seiner Träume zu erreichen. Dafür aber hatte er einmal auf dem Lloyd Sabaudo-Dampfer„Conte Grande" im Speisesaal zu tun und kam aus den Gedanken, die Reise als blinder Pastagier mit- zumachen. Er baute sich hinter einer Seitenwand eine gut ver- steckte Kabine, ja, er legte sich sogar elektrisches Licht hinein, was ihm ein leichtes war, da er an der Dekoration des Speisesaales arbeitete. Er rüstet« die Kabine außerdem mit genügend Nahrung und Wein für die Ueberfahrt aus, und olles wäre ganz gut ge- gangen, wenn sich Basti nicht in der Zeit geirrt hätte. Er hatte an Hand der europäischen Sommerzeit ausgerechnet, daß er in New Park um 12 Uhr sein Versteck verlassen wollte. Leider bleibt die New Porker Zeit hinter der Trients um fünf Stunden zurück, und als Basti herausspazierte, waren gerade einige Arbeiter mit dem Säubern de» Speisesaales beschäftigt: denn es war 8 Uhr morgens nach New Porter Zeit. Basti wurde den Einwanderungsbehörden übergeben und wird wieder kostenlos, wenn vielleicht auch nicht so bequem, nach Trient zurückbesördert. Die Frau, die ein Mann war. In Sapulka in Oklahoma hatte sich die als Billardmeisterin bekannte Frances Anderson in einem Hotelzimmer das Leben ae- nommen, indem sie sich Pulsadern und Kehle mit einem Raller- mester durchschnitt. Neben der Leiche fand man vergilbte Br-eie. Diese Briefe und die Obduktion bestätigten, daß die Billardmeisterin — ein Mann war und Jahre hindurch die Oeffentlichkeit irregeführt hatte. Der Tote war 53 Jahre all. Der Kochtopf im Magen. Aus einem kleinen Orte in Ostchina kam ein Koreaner zu einem Arzt nach Äarbin und beklagt« sich über ein„schweres Gefühi" im Magen und über Schmerzen. Die Sache mit dem„schweren Ge- fühl" stimmte. Denn im Magen fand der operierende Arzte nicht weniger als drei Pfund Gußeisenstücke vor. Der Koreaner war bei einem Quacksalber in Korea gewesen, der ihm geraten hatte, einen gußeisernen Topf zu zerkleinern und zu verzehren. Zwei Wochen lang hatte der Koreaner sich das Gußeisen einverleibt— dann hiell er die Pferdekur nicht mehr aus... Amerikanischer Humor. „Schicken Sie mir ein neues Couplet," schreibt der Vortrags- künstler deni Coupletdichter kurz und bündig,„wenn es gut ist, schicke ich Ihnen einen Scheck."—„Schicken Sie Scheck." drahtet« der Dichter zurück,«wenn er gut ist, schick« ich Couplet." Arbeiterturner in Greiz. Berlin- Greiz 546:560 im Kunstturnen. Am Sonnabend und Sonntag weilte die Berliner Städte. Mannschaft als Gast bei den Arbeiterturnern in Greiz zu rlnem friedlichen Wetttampf an den Geräten. Bestand von vorn- berein kein Zweifel über den Ausgang des Kampfes, so war man doch gespannt, ob es den Berlinern gelingen würde, die Punkt- biiferenz, die beim Wettkampf in Magdeburg vor'vier Wochen bestand, zu ihren Gunsten zu verringern. Der Erfolg war bei den Berlinern, die als Mannschaft, diesmal Vorzügliches leisteten. Wenn sie im Gelamtresultat auch den Bundesmeister nicht erreichen tont» bn, so ist doch festzustellen, daß die Berliner mit der Größe ihres Gegners ihre Leistungen ebenfalls steigern konnten. Die Aufnahme war recht herzlich. Ueber den Verlauf des Kampfes ist folgendes zu be- merken: Die Berliner eröffneten den Kampf mit der Freiübung und es zeigte sich eine leichte Ueberlegenheit der Berliner, was sich auch am Schluß des ersten Ganges in der erreichten Punktzahl ausdrückt. Resultat: 142: 139 Punkte für Berlin. Als zweite» Gerät Barren. Die Berliner hatten IS Punkte als Durchschnitt pro Uebung und Mann, ebenso die Greizer. Rur der glänzenden Uebung von Rödel verdanken es die Greizer. daß sie am Schlusie des Barren- turnens mit 2 Punkten den Bortritt hatten. Resullat: 141: 143 Punkte. Berlin führt also noch mit einem Punkt. Es folgt« als drittes Gerät Pferd. Es machte sich hier eine starte Nervosität der Berliner bemerkbar, die sich mit dem Gerät nicht recht befreunden konnten. Gewohnheit des Gerätes trägt beim Pferdturnen zum Gelingen einer Uebung bei. Doch ist das kein hinreichender Grund zur Entschuldigung für das schlechte Abschneiden der Berliner. So konnte dann Greiz durch Herstellung des Resultates von 139: 126 Punkten mit insgesamt 12 Punkten in Führung gehen. Als letztes Gerät wurde dann Reck geturnt. An ein Aufholen des Vorsprunges durch die Berliner war natürlich nicht zu denken. Das Hochreck ist und bleibt das dankbarste Gerät zur Erzielung effektvoller Uebungen, die vor ollen Dingen für den Zuschauer wirkungsvoll sind. Es wurden dann auch Leistungen gezeigt, die sowohl in Schwierigkeit wie in Ausführung nicht so leicht zu über- treffen sind, und das Publikum belohnte die besten Uebungen von Rödel und Leuth old durch starken Beifall. Das Resultat am Reck stellte sich auf 137: 139 Punkte. Somit bleibt Greiz Sieger mit einer Gesamtpunktzahl von 3 60 Punkten, Berlin S46. Handball. Städtemannsdiaft gegen Nowawcs. Die Handballstädtemannschaft hatte am vergangenen Sonnabend ihr erstes Werbespiel dieser Saison. Rowawes hatte Anwurf,.mußte oder zpfort den Ball.ubgkbetl:»Werhalb einer LierteMunde. tonyte der Städtesturm vier Tore buchen. In der 18. Minute hatte Rowawes das Glück, das einzige Tor zu erringen. Bis zur Pause erhöhte die Städtemannschaft das Resultat auf sieben. Um auch die Fähigkeit des Städtctorhüters auszuprobieren, wurden in der zweiten Halbzeit die Torwächter gewechselt.'Trotz vieler Schüsse, die vom Torwächter in glänzender Technik und mit aller Kraft gehallen wurden, mußte er doch noch dreimal den Ball passieren lassen. Das Endresultat lautet« 19:1(7:1) sstr die Städtcelf. Einige Schuld an diesem Resultat hat die Nowaweser Verteidigung, die nicht auf dem Posten war. Den Gegensatz dazu bildeten die Städteverteidiger, die ihr Heiligtum sehr hüteten und jeden Angriff der Nowaweser zunichte mochten. Die Läuferreihe war gut besetzt und unterstützte Verteidigung und Sturm gut. Der Sturm konnte leider nicht ganz befriedigen. Der Mittelstürmer schien einen schlechten Tag zu hoben, denn er verdarb vieles. Der Linksaußen war ein glatter Versager. Der Halbrschte zeigte sich sehr eigensinnig und wollte vieles allein machen, was ihm aber nur in wenigen Fällen glückte. Da der Innensturm zu sehr von den Nowawesern abgedeckt wurde, so wandte die Städteelf zu ihrem Vorteil das Flügelspiel an. * Handballbericht vom Sonntag. Neukölln, 2. Abt., konnte durch gut« Zusommenarbest Sparta Mit 6:4(4:3) schlagen. Sparta vcrlieh sich nur auf einzelne Leute, auch war die Verteidigung etwas schwach. Sparta ist dadlirch eine Stelle in der Tabelle gesunken. Groß-Berlin-Wedding, 1. Abt.. mußte sich Spandau mit 4: 9(1: 0) beugen. Der Spandauer Sturm war in Ballbehandlüng aus- gezeichnet, die Zusammenarbeit klappte zwischen Stürmer- und Läuferreihen gut. Wedding dagegen spielte sehr zerfahren und laut. Der beste Mann war der Mittelläufer. Groß-Verlin- Wedding, 2. Abt., verlor gegen Tegel 9:3(9:1). Die F r a u e n s p i e l e endeten mit niedrigen Resultaten. Fichte 9 gegen Tegel unentschie- den und Fichtc-Spielabteilung schickte Schönow mit 2:9(2: 9) heim. Die Gesellschaftsspiel« brachten folgende Resultate: Bohnsdorf gegen Moabit 8:1(6:9)� Ficht«, 1. Abt., gegen Potsdam 1: 1(9: 1): Pankow gegen Buckow 2: 5(1: 3): Fichte, 3. Abt., gegen Groß-Berlin- Norden 3 19:1(3:9): Frauen Neukölln, 1. Abt., gegen Fichte, 16. Abt., 3:9(2:9): Bohnsdorf gegen Moa- bit 9:1(9:9): Schöneberg Turnerinnen gegen Nowawes 9:9 und Fichte, 3. Abt., gogen Adlcrshof 2: 1. Im Schlagball besiegt« Groß-Berlin- Friedenau Fichte, 3. Abt., mit 76: 27 Punkten. In der ersten Viertelstunde besetzte Fichte das Schlagmal, mußte es aber bald wieder an Friedenau ab- geben, die sich dann auch mit kurzen Unterbrechungen bis zum Sck�uß festsetzten. Drei Einzelläufe, die vorkamen, führten zu Ab- würfen. Das Resultat setzt sich zusamen: Ficht«: 16 Läufe, 8 Fänge, 6 Treffer: Friedenau: 64 Läufe, 2 Fänge, 4 Weitschläge und 6 Treffer._ Hockey. Das Spiel ASV. Fichte-West gegen ATD. Pankow gewann West 3: 2. Beim Sieger konnte der Sturm nicht recht gefallen und besonders der Mittelstürmer ließ trotz guter Ball- und Stocktechnik sehr viel zu wünschen übrig. Insgesamt wäre zu bemerken, dos West nicht zu seiner sonst gewohnten Spielweise aufsief. Pankow dagegen gab sich angesichts ihrer Ersatzeinstellung große Mühe und waren in der zweiten Spielhälst« sehr gefährlich, so daß sie zeitweise, besonders beim Torstand 3: 2, günstige Aussichten auf ein Unentschieden hatten. Dos Rückspiel Sportlich« Vereinigung Nordost gegen den Athletik Sportklub konnte der AST. mit 1: 9 und großem Glück für sich entscheiden. Nordost war alles in allem immer etwas besser, nur hallen sie meistens vor dem Tor das Schießen vergessen, und was dennoch geschossen wurde, hielt der ASE.-Torwart mit großem Geschick.— Sportverein Roland I unterlag 2: 4 gegen Lichtenberg Sportler I. Groß-Berlin-Nord- ring II gewann gegen die zweite Mannschaft der Lichtenberger Sportler 1:9. Charlollenburger Jugend gegen Nordost Jugend 1:9. Eine kombinierte Mannschaft von Schönholz gewann 3: 1 gegen Schmargendorf. 5trahenrennen bei„Solidarität". Obwohl erst am 13. April die Arbeiter-Rennfahrer ein Mann- schaftsrennen auf der Spandaucr Strecke absolvierten, folgt am Sonntag, 29. April, ein weiteres Mannschaftsrennen. Diese Mannschaftsprüfungen sind im Hinblick auf die bevorstehenden Meisterfchaftswettkämpfe wichtig: so haben die Berliner Rennfahrer alle Ursache, sich in gute Form zu bringen. Das Mannschaftsfahren am kommenden Sonntag geht von Staaten, wo in der Königstraße am Stein 29,9 Start und Ziel ist, über Döberitz. Dyrotz, Wu st ermark, Nauen wieder zurück nach Staaken. Am Wendepunkt Nauen ist Kartenabwurf- kontrolle, doch geht es ohne Pause weiter. Obwohl«ine Anzahl Ortsgruppen für ander« Rennen des Bundes verpflichtet sind, weist die Meldeliste 23 Mannschaften auf, darunter auch Mannschaften der Vororte. Hier sind besonders Köpenick und Oberfchöneweide zu er- wähnen, doch verfügen auch Charlottenburg, Weißensee, Spandau, Wilmersdorf, Falkensee üb'r gute Fahrer. Auch die Berliner Renn- fahrer treten mit ersten Mannschaften an, so die Abteilung Moabst mit 3 Mannschaften, ferner die 4., 3., 6., 7. und 19. Abteilung, so daß es vom Start weg auf der ganzen Strecke sehr scharse Kämpfe geben wird. Jede Mannschaft besteht aus vier Fahrern, die ge- schloffen fahren müssen, der dritte Fahrer wird am Ziel gewertet. Start ist um 7 Uhr, die Strecke hat 43 Kilometer. Alle Rennfahrer müssen um 6 Uhr im Umkleidelokal Staaken, Königstr. 11, sein. Liberias in Wilmersdorf. Im Wilmersdorfer Viktoriagarten trat kürzlich die vor nicht langer Zeit ins Leben gerufene Westabteilung des Arbeitersport- vereine Liberias zu einem Kampfabend an, der dem Verein einen beachtenswerten Besuch brachte. Eine Schwerathletikvereini- gung fehlle bisher im Westen, nur wird die Abteilung noch tüchtig arbeiten müssen, bis sie ernsteren Gegnern gegenüber treten kann. Trotzdem ist es anerkennenswert, daß die Mitglieder bereits nach so kurzer Zeit ihren Mann stehen konnten. Nach Iiu-Iitsu-Demonstrationen konnte Teuschel im Fliegengewicht über Kammerau siegen. Schmidt legte seinen Leichtmittelgewichtsgegner durch Würgegriff auf die Matte. Unent- schieden kämpften die Vertreter der Vantam-, Feder- und Leicht- gewichte. Ringen: Im Bantamgewicht siegte Heidenreich (Nowawes), im Schwergewicht muhte Wasmund(Liberias) wegen einer Verletzung aufgeben. Boxkämpfe beschlossen den Abend. 5cbaelwerbeveransialiun|}en. Anläßlich des einjährigen Bestehens der Abteilung„Moabit" des Arbeiterschach klubs veranstaltet die Abteilung Donners- tag, 26. April, ob 29 Uhr, in ihrem Spiellokal, Rostocker Straß« 16, eine groß« Schachwerbeveranstaltung. Der Abend wird mit einem Dortrag über„Endspielstudicn" beginnen, dann folgt ein Weit- kämpf: Moabst gegen Nordwest. Gegen die erschienenen Gäste wird ein Meisterspieler simultan spielen Außerdem findet noch ein Schochlehrkursus für Anfänger stall. Die Frauenabteilung, die jeden Donnerstag bei Schubert, Rostocker Straß« 16, spielt, hüll ein Damentltrnier ab, woran sich NichtMitglieder beteiligen können. Da ob 1. Mai das Schachheim in den Räumen des Kartell- Wie lebt Wilhelm in Ooorn? Oer„Sund der Aufrechten" erzählt Märchen. Irgendwo führt ein„Bund der Aufrechten" fein sagenhaftes Dasein. Er sammelt die Unentwegten, die für Wilhelms Rückkehr„kämpfen", gibt eine Zeitschrift heraus und verteilt Merkblätter. Vier solcher auf rosa Karton ge- druckte Merkblätter hat man mir auf einmal in die Hand gedrückt, als ich in die Nähe der Wilhelmstraße kam. Es sind köstliche Dokumente monarchistischer Einfalt. Das erste Merkblatt bringt eine Familienkarte des Hauses Hohenzollern mit sämtlichen Kindern und Enkeln Wilhelms. ..Für Freunde des Kaiserhauses" steht am Kopf vermerkt. Wer dafür wohl Interesse haben mag? Die Blätter Nummer zwet und drei sind schon interessanter. .Kaiser. Wilhelm II. geflogen oder--- ge- opfert?" heißt es auf dem einen und„Kaiser und Armee am S. November 1918" verkündet das andere in Fettdruck. Alte Lügen vom tapferen Hohenzoller, der sich für sein Volk geopfert haben will, werden da aufgewärmt. Es verlohnt sich kaum, darauf einzugehen, da doch die ganze Welt weiß, wie der gekrönte Deserteur seine Fahnenflucht von langer Hand vorbereiten ließ. Aber das vierte Merkblatt ist so amüsant, daß etwas daraus mitgeteilt werden soll.„W ie lebt der Kaiser in D o o r n?" wird der beglückte Staatsbürger gefragt. Und dann erfährt man von dem„entsagungsvollen" und „arbeitsreichen" Dasein des Bewohners von Doorn u. a. folgendes: Der Kaiser ist ein Frühaufsteher. Schon davon könnte mancher etwas lernen! Nach dem Aufstehen geht er sofort in die frische Luft. Um 8�1 Uhr hält er die Morgenandacht für die Familie, die Gäst«, die Angestellten mit ihren Angehörigen. Erst noch der An- dacht wird gefrühstückt und zwar ganz einfach. Darauf zieht der Kaiser eine Joppe an oder einen allen Anzug und geht in den Park zur Gartenarbeit. Was die Politik den Tag über bringt, er* fährt er beim Zeitungsvortrag um 11>4 Uhr. Ohne Rücksicht wird das Wichtigste zusammengestellt. Der Kaiser und die Kaiserin Hermine erholten täglich aus der Heimat eine Unmenge von Zeitungen, Aufsätzen, Ausschnitten usw., oft voll der schwersten Kränkungen und häßlichsten Beschimpfungen. Sie lese» alles. verband«-, Landsberger Straß« 82, die Sommermonate über ge- schloffen bleibt, findet als Abschluß am Sonntag, 29. April, ab 13 Uhr, ein Mannschaftsblitzturnier statt. Jede Mannschaft besteht aus sechs Teilnehmern. Die Abteilung„S ü d w e st" veranstaltet Sonntag, 29. April, einen Großkampftag in Ewalds Vercinshaus, Skalitzer Straße 126. Zum Austrag kommt ein Turnier zwischen Luckenwalde, Nawawes, Spandau und Südwest, ferner ein Sonder- kämpf zwischen Fürstenwalde und Südwest. Die 1. Runde wird von 19� bis 13 Uhr, die 2. Runde von 13 bis YlVi Uhr ausgetragen. Anfragen an Franz Elifon, Berlin NW. 87, Waldftr. 34. Zentralisation im verband„Dolksgefundheit". Ein- kürzlich in Dresden abgehaltene Beiratssitzung des Verbandes„Volks g o- s u n d h e i t, die von über 29 Vertretern aus allen Gauen Deutsch- lands besucht war, faßte folgenden Beschluß:„Die bisherigen zwei Sparten im Verband„Volksgesunidheit",„Gruppen freier Menschen" und„Kreis für Körperkultur und Erziehung" werden ab 1. Juni zu einer gemeinsamen Sparte oereimgt. Die einzelnen örtlichen Orga- nisationen behalten ihre Namen. Das Mitteilungsblatt heißt künftig: „Freie Menschen", Reichsblatt ds Kreises für Körperkultur und Er- Ziehung." Attersturner und-Spieler 1. kreis. Nächstes Zusammentreffen Sonnabend, 28. d. Mts., 29 Uhr, Turnhalle Elifabetbstr. Anschließend wichtige Sitzung im Kartellverband, Landsberger Str. 82. Handballspiel Slelsin-Frei gegen Gr. Berlin-Süden. Obige Mannschaften treffen sich Sonntag, 29. April, 16 Uhr, auf dem Spinl- platz„Am Urban". Vorher 2. Mmmschasten. Da die Gegner gleich- wertig sind, so sind gute Spiele zu erwarten. Verciiukalender gteie Zur-crschatt ah»rlott«abuiff. Sbt. Tennis. Ticnstag, 24. April, Training auf eigenen neu hergcrichteten Platzen in Westend. Mittwoch, 25. April. Tisch-Tennis-Training im Klubheim Westend, a. d. Jugendherberge. Tonntag, 29. April, 14 Uhr. Vereins-Turnier in Westend. Mit» glieder werden nock) aufgenommen. Kostenlose Ausbildung. Abt. Ninbcr. Mittwoch, Li. April. Kymnastitstunde In ber.EchuIe, Nchringstr. 181-2—20 Uhr. Kinder von 8— 14 Jahren finden Aufnahme. Sonntag, 29. April, 9 Uhr. Training aller Sportler, Sportplatz Westend, für das Zubiläumsfcst des Pcreins. Arbeiter- Schachklub. Dienstag, 24. April, 20 Ubn Abt. Charlottenburg, Bismarckstr. 50, Portrag. Abt. Britz. Rudower Str. Zä. Abt. Rord-West. Dil- h-Imshavcncr Str. 24, Bortrog. Abt. Norden. Tegeler Str. 2S. Sumor im Schach. Abt. Reinickendorf-Weft. Scharnwebcrstr. 114— HZ. Abt. Weitzensce. Lehderstr. 122. Abt. Humboldhain. Boltastr. 19, Simullanvorstellung. Milt- woch. 2Z. April. 29 Uhr, Abt. Westen. Porkstr. Z8, Humor im Stftach. Abt. Kartenplatz. Pflugstr. 8, freier Schachvertebr. Abt. Alt-Berlin. Naifcrstr. 48, Endspiele. Gäste willkommen! In ollen kostenloser Schachlehrkursus! Touristeuuerr!»„Di« Raturfreuub«', zentrale Wien. Orisgruppc, Prenz» lauer Berg Mittwoch, 2Z. April, 29 Uhr. ssunktionärsitzung bei Oi»st-� We. berstr. 42. Donnerstag, 28. April, Diskussionsab«nd ltber den 1. Mai im Jugendheim. Chiistburger Str. 14, 20 Uhr. Fr«>« Faltbootfahrrr, Berlin. Zusammenkunft, Donnerstag, 28. April. 20 Uhr. Schule Weinmeistcrstr. 18—17. Tagesordnung:„Unsere Mai. und Bfingstsahrten". Sonntag, 29. April, Fahrt Heiligcnsee— Nauen. 8 Uhr Fähr- haus Heiligensce. Cxrosskampftag der Olympia-Radrennbahn. Der nächste Renntag auf der Olympia-Radrennbahn am kommenden Sonntag verspricht guten Sport. Der über 19 deutsche Mellen(75 Kilometer) führende„G r o ß e G e r m a n i a- Preis" bringt den ersten diesjährigen Start des Kölner K r e w e r, zugleich auch das erste Zusammentreffen mit dem Bahmnatador Wolter Sa wall. Krewer ist von seiner Krankheit vollständig wiederhergestellt und hinter seinem alten Schrittmacher Christian Iunggeburth der große Fahrer des Vorjahres. Der in Berlin besonders gern gesehene Holländer Frans Leddy, der Belgier L e j o u r und der Kölner D e d e r i ch s sind die weiteren Teilnehme? der Dauerrennen. Als Auftakt wird noch der über 23 Kilometer führende Preis von Friedenau ausgefahren. Berufsfliegcrrennen und dos zweite Rennen des Großen Olympia-Preifes für Amateure ver- vollständigen das Programm. Die Rennen beginnen um 13-- Uhr. Röscmann fordert Gipsy Daniels. Noch Schmeling, Breitensträter und Domgörgen will nun auch der hannoversch« Schwergewichtsboxer Ernst R ö s e m a n n mit dem englischen Halbschwergewichismcister durch die Seile klettern. De? Hannvveraner hat Gipsy Daniels zum Kampf herausgefordert, doch scheint es sehr fraglich, daß die Begegnung demnächst zustando kommt, da es dem Engländer an Kampfgelegenheiten nicht mangels Um 1 Uhr ist das Mittagessen. Auch das ist ganz einfach. I» der Regel nur ein Gang mit Nachtisch. Getrunken wird dazu selten. Der Kaiser bleibt mit Familie und Gästen etwas zusammen und ruht darauf ein wenig. Der Arbeit am Schreibtisch sind täglich viel« Stunden gewidmet. Besonders beschäftigt den Kaiser die Kriegsschuldfrage. Nach dem Tee wird wieder ein Gang in die frische Luft gemacht. Die Abendtafel um 8 Uhr, wobei der Kaiser seine Uniform trägt, ist wiederum sehr einfach. Ihr folgt dann eine gemütliche Unterhaltung im Kreise der Familie und der Gäste. Die Kaiserin macht ihre Handarbeiten: der Kaiser liest vor: die Gäste beteiligen sich an der Unterhaltung, die sehr anregend ist. Dann wird Im Merkblatt noch Klage darüber geführt, daß der Kaiser abends nicht hingehen kann, wohin er will, daß er sogar auf seine Sommerreise verzichten und immer in dem feuchten holländi- schen Klima aushalten müsse. Ein Asketendasein ohne Freude und Sonne scheint nach dieser Schilderung der Büßer von Doorn zu führen. Und voll Edelmut ist er, wie zum Schluß verkündet wird. Er hat's dem Oberst5eutnant N i e m a n n selbst gesagt, daß sein Herz frei von Anklagen gegen das deutsche Volk sei. Die- jenigen, die es irregeleitet und verführt haben, müßten sich einst vor dem höchsten Richter verantworten. Wem kommen da nicht die Tränen in die Augen, ob solch wahrhaft könig- licher Gesinnung? Und noch letzt, wo ein richtiger König in Berlin Huldigungen empfangen hat! Ja, das deutsche Volk ist schon unglaublich undankbar. Läßt seinen Kaiser davonlaufen und erdreistet sich dann, sein Geschick selbst in die Hand zu nehmen. Man hats nicht leicht, Kaiser eines so undankbaren Volkes gewesen zu sein! Straßenunfälle in England. Di« Zahl der Verkehrsunfälle auf den Straßen Großbritanntens hat im Jahr« 1927 gegenüber dem Jahre 1926 um fast 19 999 zu- genommen. Die Gesamtzahl der von der Polizei berichteten Ver- tehrsunfälle betrug 133 943(1926: 124 287). Bon diesen Unfällen verliefen 3193 tödlich, einschließlich der ihren Verletzungen erlegenen Personen betrug die Gesamtzahl der Getöteten 5329(4886). Den größten Anteil an diesen Unfällen haben Kraftdroschken und Privat- kraftwanen mit 43 193 Unfällen. Es folgen dann die Krafträder mit 33 677 Unfällen.* Lastkraftwagen verursachten 23 558 Unfälle, Om- mbusse 7492, Straßenbahnen 3813 Unfälle. Das Gericht in der Zwickmühle. Ein Meineidsprozeß wegen drei Mart. Ein tüchtiger Provisionsreisender läßt sich nicht abweisen. Was aber unter Umständen für ihn daraus erblühen fann, zeigte ein Meineidsprozeß, der sich vor dem Landgericht I abspielte. Herr K. war Provisionsreisender bei einer Hamburger Firma; unter anderem vertrieb er auch Fluidosan. Er verſtand feine unter anderem vertrieb er auch Fluidosan. Er verstand feine Sache vorzüglich und fam von seinen Reisen stets mit Aufträgen überhäuft nach Hause. Auch nach Stuttgart führte ihn fein Beg. Das Johannisbad sollte hier erobert werden. Allerdings war der Inhaber gerade abwesend. Seine Frau wies den energischen Reisenden an die Schwägerin. Die Unterredung mit dieser hatte das Ergebnis, daß K. an seine Firma eine Bestellung in Höhe von 42 M. und etlichen Pfennigen abschickte; der Bestellschein trug zwar feine Unterschrift aber den Stempel bes Johannisbades. Für den geschäftsgewandten Bertreter bedeutete das 3 M. Provision. Groß war aber das Erstaunen des Chefs des Herrn R., als er eines Tages das Fluidosan aus Stutt gart zurückgeschickt betam mit einem Begleitbrief, in dem es hieß, sein Vertreter habe die Bestellung erschlichen". Was," sagte dieser, ,, erschlichen? Das laß ich mir nicht gefallen, reichen Sie die Zivil flage ein!" Der Zivilprozeß stieg tatsächlich. Und alle schworen: Die Schwägerin des Inhabers vom Johannisbad, daß fie eine Bestellung nicht aufgegeben und R. den Stempel gewissermaßen spielend erschlichen habe; die Frau des Inhalers vom Johannisbad, daß sie den K. zu ihrer Schwägerin nicht gewiesen und dieser per Telefon gesagt habe, fie möge nichts bestellen; bie Badefrau, daß fie das Telephongespräch mitangehört habe. R. aber schwor vor dem Amtsrichter in Berlin, daß er die Bestellung tatsächlich bekommen habe. Das Stuttgarter Gericht erkannte in diesem Schwur einen Meineid. Das Aussageprotokoll wanderte zum Staats anwalt; dieser eröffnete ein Meineidsverfahren; außerdem noch ein zweites wegen Betrug und Urkundenfälschung, begangen durch die Berfertigung des gestempelten Bestellscheines, dem teine Bestellung zugrundegelegen habe. Dies der Sachverhalt. Das Landgericht I sollte sich in ihm zurechtfinden. Lag ein Meineid vor oder nicht? War die Bestellung zu Recht zustandegekommen? War dies nicht der Fall, lag Betrug und Urkundenfälschung vor, und K. hätte sich selber durch seine Aussage vor dem Amtsrichter einer strafbaren Handlung bezichtigen müssen. Der in diesem Falle geschworene Meineid wäre dann laut § 157 StGB. milder zu beurteilen. Aber lag überhaupt Meineid vor? Aus Stuttgart waren die Schwägerin des Inhabers vom Johannisbad, dessen Frau und die Badefrau erschienen. Sie wiederholten selbstverständlich nur die Aussagen, die sie im Zivilprozeß gemacht hatten. Der Staatsanwalt plädierte für ein Jahr und einen Monat Gefängnis und drei Jahre Ehrverlust; der Verteidiger für Freispruch. Das Gericht beriet drei Stunden und... vertagte den Prozeß: Der Inhaber des Johannisbades und der Chef des Herrn K. sollen als Zeugen geladen werden alles wegen der drei Mart Provision. Vier Zeugen werden also nochmals aus Stuttgart tommen, zwei Zeugen und der Angeklagte aus Hamburg. Neun Richter, ein Gerichtsschreiber, ein Staatsanwalt und ein Ber teidiger werden nochmals einen ganzen Tag wegen des Meineidsprozesses um drei Mart hinopfern. Hätte man die beiden Zeugen nicht telephonisch herbeiholen und den Prozeß zu Ende führen sollen? Die Wege der Justitia find wunderbar! Das Land erwacht! Wahlwerbung des Reichsbanners. Der Ortsverein Tiergarten des Reichsbanners fuhr am letzten Sonntag mit 200 Mann zur Wahlpropaganda in den Kreis OstHaveliand. Schon in Spandau wurden die Kameraden von der Bevölkerung und den sozialdemokratischen Flugblattverteilern warm begrüßt. In Hennigsdorf wurde nach einem Ummarich in einer Siedlung, die von sehr vielen Stahlhelmern bewohnt wird, eine furze Ber: fammlung abgehalten. Kamerad v. Buttkamer erinnert die Stahlhelmer daran, daß sie in der Front gegen ihre eigenen Klaffen genossen stehen, und brandmarkt den Volksbetrug der Deutsch nationalen. Weiter geht die Fahrt nach Velten. Hier hat der Rote Fronttämpferbund von 90 Mitgliedern 80( achtzig) verloren! Nachdem noch die Radfahrer einiger ländlicher Kameradschaften und die Falkenseer auf einem LasttraftPROGRAMM für die Zeit vom 24. bis 26. April Der Kampf der Holzarbeiter. Sämtliche Betriebe der„ Babeho" follen stillgelegt werden. Die Ortsverwaltung des Holzarbeiterverbandes hatte zu Mon-| Löhne bisher einen Pfennig höher lagen und deshalb die tagabend die Vertrauensleute aus der Holzindustrie zusammen- Lohnerhöhung auf 6 bzw. 4 Pf. festgesetzt worden ist. Für berufen, um mit ihnen über die weiteren notwendigen das Tarifgebiet des Arbeitgeberschusverbandes kampfmaßnahmen zu beraten. Boese fam in feinem Bericht über die Streiflage insbesondere löhne festgesetzt. In Leipzig ist der Einstellungslohn von Der Bevollmächtigte wurde die Lohnerhöhung auf je 4 Pf. für Zeit- und Akkordauf die Verhandlungen am Sonnabend zu sprechen, in denen die 80 auf 85 Pf. erhöht worden, jedoch blieb der Lohn der nach Unternehmer der„ Vahe ho es ablehnten, auch nur einen Pfennig fechswöchentlicher Beschäftigung gezahlt wird, auf 88 Pf. Cohnzulage zu gewähren, dabei aber zu verstehen gaben, daß Bisher sind ausgesperrt bzw. im Streif in Sachsen in sHolzgewerbe stehe, sondern noch andere Unternehmerorgani- Metallindustrie. Die Unternehmer, denen der Aussperrungshinter ihnen nicht nur der Arbeitgeberverband für das deutsche gesamt rund 70 000 Arbeiter und Arbeiterinnen der fationen. Das sei von Anfang an auch die Auffassung der Organi- beschluß recht ungelegen fam, haben auf dem Umweg der fation gewesen, in der sie durch das Vorgehen der klavier Einführung einer Kündigungsfrist bisher den fabrikanten noch bestärkt worden fei, die den konflikt in Aussperrungsbeschluß zu umgehen versucht. Diese Woche dieser Industrie offensichtlich provoziert haben. läuft nun die Kündigungsfrist ab. Auf Drängen der UnterBom Holzarbeiterverband find deshalb auch alle vornehmer hat das Reichsarbeitsministerium die Verhandlungen, bereitungen getroffen worden, um diesen Kampf auch die ursprünglich für Freitag vorgesehen waren, schon für bei einer längeren Dauer erfolgreich führen zu können. Zurzeit morgen anberaumt. sind in der Holzindustrie 135 Betriebe mit 4508 Beschäftigten durch Streit oder Aussperrung stillgelegt. In der klavierindustrie ruht in 18 Betrieben mit 1759 Beschäftigten die Arbeit, so daß insgesamt 6267 Berliner Holzarbeiter im Kampf stehen. Die Ortsverwaltung hält jetzt den Zeitpunkt für gekommen, wo die Kampfmaßnahmen der Baheho mit der Stillegung ihrer gesamten noch nicht bestreiften oder ausgesperrten Betriebe beantwortet werden müssen. Die Ortsverwaltung wird aber auch, sofern es die Situation erfordert, gegen die Unternehmer der Paethschen Richtung mit der gleichen Schärfe vorgehen. Dieser Vorschlag der Organisation wurde mit erdrüden der Mehrheit angenommen, trotzdem einige oppofifionelle" Redner wie üblich den sofortigen„ kampf auf der ganzen Cinie" gefordert haffen. Die Stimmung der Funktionäre ließ feinen 3Zweifel darüber aufkommen, daß die Berliner Holzarbeiter feft entschloffen sind, ihren Kampf nicht eher abzubrechen, bis die Unternehmer bereit sind, auf die Forderungen der Arbeiter einzugehen. Sachsen vor der Entscheidung. Letzte Berhandlungen für die Metallindustrie. Dresden, 24. April.( Eigenbericht.) Morgen vormittag finden im Reichsarbeitsministerium die Nachverhandlungen zu den Schiedssprüchen für die sächsische Metallindustrie statt. Diese Schiedssprüche sind befanntlich von beiden Parteien abgelehnt worden. Die Lohnerhöhungen, die dort festgelegt wurden, betragen für die Großindustrie im Zeitlohn 7 Pf., im Affordlohn 5 Pf. die Stunde, mit Ausnahme von Chemniß, wo die wagen angekommen waren, setzte sich der lange Autozug nachy Schwanie in Bewegung. Hier war die Gründung einer neuen Ortsgruppe des Reichsbanners vorbereitet. Schwante, ein fleiner Ort, ist für die Republikaner ein guter Boden! Am Sonnabend vorher hatte hier eine sozialdemokratische Versammlung mit Bernhard Krüger als Redner stattgefunden. Trozdem war der Saal auch zur Reichsbannerversammlung dicht gefüllt. Nach einem Vortrag treten sofort 20 Mann, unter ihnen erfreulicherweise auch der Amtsvorsteher, dem Reichsbanner bei. Herzlicher Abschied von den neuen Mitstreitern und dann ging es nach Kremmen. Beim Einmarsch derselbe Eindruck, den man so oft bei Landfahrten hat. Eine ängstliche, vorsichtige Bevölkerung, die sich fürchtet, auf die Straße zu gehen, wenn das Reichsbanner tommt. Hier wurde intenfivfte Kleinarbeit verrichtet. Keine Wohnung blieb ohne Zeitung und Flugblatt, fein Kind ohne Fähnchen. Und als nach einer Stunde das Reichsbanner, begleitet von der Kremmener Kapelle des ArbeiterSportbundes, aufmarschierte, da wurde es von einer dichten Menschenmenge begleitet, die begeistert den Ausführungen des Redners folgte. Die Wahlagitation auf dem Sande ist in vollem Gange. RotFront und auch die Nationalsozialisten trifft man überall. Aber wir haben den festen Glauben an einen gewaltigen republikanischen Sieg auch auf dem Lande. Die Beamten in der Republik. Der Republikanische Beamtenbund hatte gestern zu einer Bersammlung republikanisch eingestellter Beamter im Lehrervereinshaus eingeladen. Der erste Redner, Ministerialrat Dr. Brecht, unterscheidet die Beamten in drei Kategorien, die erfte Gruppe sind solche, die unentwegt daran festhalten, daß die Monarchie die bessere Staatsform sei, die aber für aussichtslose Butsche nicht zu haben wären. Die zweite Gruppe nennt er jene Beamte, die ehrlich und fachlich davon überzeugt sind, daß man über die Republik nicht viel sprechen soll. Sie wollen ein unpolitisches Beamtentum. Nichtsdestoweniger unterstreicht er auch die Forderungen der dritten Gruppe, die laut und freudig ihr republikanisches Staatsbewußtsein betonen. Diese sind der Meinung, daß man über die Republik sprechen soll, daß hier Probleme liegen, die eine Klärung verlangen. 3u den republikanischen Problemen zählt er in der Hauptsache die veränderte Stellung des Beamten innerhalb der Beamtenhierarchie und die Stellung des Beamten nach außen Das Verhältnis des Beamten zum Publikum sei ein freieres geworden, wie es insbesondere bei den Berliner Polizeibeamten zu bemerken sei; die autoritative Note des Vorgesetzten sei zurückgetreten. Die Politisierung und Entpolitisierung der Beamtenschaft ist ferner eines der wichtigsten Probleme. Der Redner war für eine Entpolitisierung, wie es in England der Fall sei. Ministerialrat Dr. Spieder( 3.) betonte, daß der repu blikanische Beamte sich anstrengen müßte, die Republik gesellschaftsfähig zu machen. Der republikanische Beamte müßte dazu beitragen. durch strengste und freudige Pflichterfüllung das Anschen der Republit zu heben. Ein verantwortungsvolles Beamtentum ist die beste Stütze der Republik. Groß: Berliner Parteinachrichten. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt: Zusammenkunft der sozialistischen Fürsorger( innen), Wohlfahrtsschüler( innen), Kreisleitungen der Arbeiterwohlfahrt heute, Dienstag, 24. April, 20 Uhr, pünktlich im Satskeller des Berliner Pathauses, Rönigstraße. Tagesordnung: 1. Portrag des Genossen Dr. Kurt Sosenfeld M. d. 9. über: 1. Gtrafrechtsreform; 2. Aussprache; 3. Berschiedenes. Um zahlreiche Beteiligung wird gebeten. 9. Kr., Bilmezeborf. Dienstag, 24. April, 20 Uhr, im Lokal Serrin, Brandenburgische Str. 69. Vortrag des Genossen Schwarz über Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen- Fürsorge". Um zahlreiche Beteiligung wird gebeten. Frauenveranstaltungen. 5. Abt. Achtung Genofsinnen! Der Frauenabend fällt in diesem Monat aus. dafür beteiligen fich alle Genoffinnen an der Mitgliederversammlung am Donnerstag, 26. April, im Rofenthaler Sof". 84. Abt. Reukölln, Mittwoch, 25. April, 19% Uhr, bei Günther, Schille: promenade 11. Frauenabend. Portrag ber Genoffin Luife Rähler m. d. 2., über Was erhoffen mir Frauen vom neuen Parlament?" Um zahlreiche Beteiligung wird gebeten. " 136. Abt. Reinidendorf- Dit. Donnerstag, 26. April, 20 Uhr, wichtige Funk tionärinnenfigung, in der Barafe, Lindauer Straße. KINO TAFEL Süden BOL Th. am Moritzplatz Potsdamer Straße 38 Nur bis Donnerstag! Spione, nach dem Roman von Threa v. Harbou Rheinstraße 14Das Mädchen mit fünt Nullen ( Das große Los) Die Todesfahrt auf d. Black River mit Tom Mia Jugendliche haben Zutritt Beg. W. 6.15, 9. 9. ab 5 Uhr Da sollst nicht ehebrechen mit T. Raquin = Schwarzer Adler Frankfurter Allee 99 Das Geheimnis des Abbé X. Ledige Matter Bühnenschau Im Zauberbann von Rothenborg Concordia- Palast Luisen- Theater Reichenberger Straße 34 Tom Mix in Die Todesfahrt auf dem Black River Es steht ein Wirtshaus à. d. Lahn Bühnenschau Neukölln Odeon, Potsdamer Str. 75 Passage- Lichtspiele Die Leibeigenen mit Mona Maris, He nr. George Abenteuer in Paris, 7 lust. Akte Turmstraße 12 Henny Porten in Liebe u. Diebe Alexanderstraße 39-40 Passage: Nur bis Donnerstag! Die Sache mit Schorrsiegel Neukölln, Bergstraße 151-152 Dr. Monnier und die Frauen Das Reifezeugnis Bühnenschau Tempelhof Kurfürst- Lichtsp. Tempelhof, Dorfstr. 22 Das Erwachen des Weibes Heimweh nach d. Roman der Berl. Hlustr. Zig Tivoli- Lichtspiele Suidwesten Film- Palast Kammersåle Teltower Straße 1-4 Dle Apachen von Paris Das große Belprogramm Kolibri Lichtspiele = Belle- Alliance- Platz 2 Belphegor, II. Teil Der König der Detektive Der Mann mit dem 100 PS. Tempelhof, Berliner Str. 97 8182 Minderjährig Bheskandal Bühnenschau Osten Andreasstraße 64 Splone. Ein Film von Fritz Lang Kosmos- Lichtspiele Lichtenberg, Lückstraße 70-73 Evas Töchter( Ein Spiel um die Liebe) Samba der Held des Urwaldes Bühnenschau Metro- Palast Chausseestraße 30 ,, Alhambra" Badstraße 58 10 Tage, die die Welt erschüttern Die Pflicht zu schweigen Bühne: Die gr. russ. Tanzrevue Bühnenschau Humboldt- Theater Pharus Lichtspiele Bastraße 19 Müllerstr. 142 Lotte Neumann in Br geht rechts- Sie geht links Schlachtenbummler Alhambra Müllerstr. Spione. Ein Film von Fritz Lang Belprogramm. Bühnenschau Nordwesten Kammerlichtspiele Welt- Kino Friedrichsfelde, Berliner Straße 18 Dr. Bessels Vergangenheit Die Gefangene des Scheich LSP Norden Lichtspiele am Senefelderplatz Mady Christians in Grand Hotel Der Mann mit den i CO Bräuten Mila- Lichtspielpalast Schönhauser Allee 130. Beginn 5, Stg. 3. Das große Schlager- Programm Viktoria- Lichtbild- Th. Skala- Lichtspiele Frankfurter Allee 48 Elisabeth Bergner in Donna Juana Das Wunderland Bali Bühnenschau Schönhauser Allee 80. Die Hölle d. Jungfrauen( Kraus) Die Frau des Kommandeurs Bühnenschau Alt- Moabit 99. Schlachtenbummler R. Valentino in Der Sohn des Scheich Gesundbrunnen Balischmieder- Lichtsp. Badstraße 16 Luciano Albertini in Der größte Gauner des Jahrhunderts Pat und Patachon auf dem Wege zu Kraft und Schönheit Bühnenschau Marienbad- Palast Badstraße 35-36 Schwejk i. russ. Gefangenschaft Der Kampf im Pulverturm mit Tom Mix Bahsenscha Rechtlose Franen Gibt's ein schöneres Leben Bühnenschau Kristall- Palast Prinzenallee 1-6 Splone. Ein Film von Fritz Lang Bühnenschau Prinzen- Palast Prinzenallee 42-43 Das gefährliche Alter mit Asta Nielsen Pat und Patachon als Polizisten Bühnenschau Pankow PROGRAMM für die Zeit vom 24. bis 26. April Reinickendorf- Ost Bürgergarten- Lichtsp. Hauptstr. 51 und Lindauer Straße Der Weltkrieg, I. Teil Belprogramm Jugendliche haben Zutritt Chariottenburg Schlüter- Theater Schlüterstr. 17 W. 7, 9.15, S. ab 4 Uhr Lya Mara: Heut' tanzt Mariett L.Albertini: Der größte Gauner des Jahrhunderts Jugendliche haben Zutritt Faun- Lichtspiele Krumme Str. 37, gegenüb.Trinitatiskirche Zwei große Schlager: Im Luxuszug( Dina Gralla) Spanisches Blut Emelka- Palast Tivoli- Lichtspiel- Th. Kurfürstendamm 68 Berliner Straße 27 Die Welt will belogen sein mit Harry Liedtke Geheime Macht mit M. Bohnen Bühne. Wasilof', kaukas. Tänzer Palast- Theater Breite Straße 21 a Spione. Ein Film von Fritz Lan Nieder- Schönhausen Film- Palast Blankenburger Str. 4 Pat u. Patachon auf dem Wege zu Kraft und Schönheit Das Kammerkätzchen Beg. 7 u. 9 Uhr Uraufführung: Spreewaldmädel mit Claire Rommer Bühnenschau Schöneberg fitania( uta Schöneberg) Hauptstraße 49 6.30, 9 U. S. 3.15, 5, 7, 9 U. Splone. Ein Film von Fritz Lang Belprogramm Steglitz Titania- Palast Schloßstr. 5, Ecke Gutsmuthsstr. Titanic( Die Stadt der Träume) Bühne: Sylvester Schäffor