Morgenausgabe Rr. 195 A 99 45. Jahrgang Böchentlich 70 Btg. monatlich 3,-2 im voraus zahlbar. Bostbezug 3,72 einsch! Bestellgeld Auslandsabonne ment 5.50 m pro Monat * Der Borwarts erscheint wochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, bie Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Der Abend", Illustrierte Beilagen Bolt und Zeit" und Kinderfreund" Ferner Unterhaltung und Wissen". Frauen ftimme"" Technif" Blid in die Bücherwelt" und Jugend- Borwärts" ambi mul8 Vorwärts Berliner Boltsblatt Mittwoch 25. Apríl 1928 Groß- Berlin 10 Pt. Auswärts 15 Pf. Die eta palttge Ronparethezeils 80 Bfennig Reklamezeile 5.- Reichs mart Ricine Anzeigen" das fettge brudte Wort 25 Pfennig( guläffig met fettgebrudte Borte). jedes weitere Bort 12 Brennig Stellengefuche das erste Bort 15 Biennig. jedes meitere Bort 10 Pfennig Borte über 15 Buchstaben zählen für ame: Worte Arbeitsmarkt Seile 60 Pfennig Familianzeigen für Abonnenten Zeite 40 Bfennig Anzeigen annahme im Hauptgeschäft Linden traßr 3 wochentägi oon 8%, bis 17 Up Hentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Berlag: Berlin S 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Tonhoff 292-297 Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts- Verlag G. m. b. H. Bostichedlonto: Berlin 37 586. Bankkonto: Banf der Arbeiter. Angestellten und Beamten Wallstr. 65. Diskonto- Gesellschaft. Depofitentafie Lindenstr. 8 Kommunisten retten Keudell! Hornberger Schießen im Leberwachungsausschuß. Die mit fo großer Spannung erwartete Sigung des Ausschusses zur Wahrung der Reichstagsrechte endete gestern abend als Hornberger Schießen. Herr v. Keudell und die Deutschnationalen feierten einen Triumph, fie fegten ihren Standpunkt durch, daß der Ausschuß überhaupt nichts zu sagen habe. Es fam fein Beschluß zustande! Eine Niederlage, die dem Herrn v. Keudell in der letzten Minute drohte, wurde durch die Kommunisten, die wieder einmal mit den Deutschnationalen gegen die Linke und gegen Die Mitte stimmten, verhindert. Nachdem ein fommunistischer und ein sozialdemokratischer Antrag, der Ausschuß möge die Aufhebung des Berbots der Roten Fronttämpfer fordern, abgelehnt worden waren, stand ein Zentrumsantrag zur Abstimmung, dessen Wortlaut im folgenden Sizungsbericht wiedergegeben ist. Das Zentrum hatte aus formaljuristischen Gründen gegen die Aufhebungsanträge gestimmt, weil es der Meinung war, daß der Ausschuß durch die Annahme dieser Anträge die Grenzen seiner Zuständigkeit überschreite. Man fann ihm vorwerfen, daß es in diesem Fall die Jurisprudenz über die Politik gestellt hat. Aber das Zentrum wollte einen Stoß gegen eudell führen, gegen den es, wie feine Breffe zeigt, schon seit längerer Zeit in scharfer Kampfstellung steht. Herr v. Keudell hat nämlich, wie die gestrige. BerhandLung tlar erwiesen hat, gegen den Willen des Reichstanzlers und über den Kopf des Kabinetts hinweg Politif gemacht Darum erließ die Germania" gestern abend gegen den Parteifreund Reudells, den Reichsjustizminister Hergt, ein förmliches Verbot, sich in der Sigung des Ausschusses als Bizetanzler und Vertreter des Kabinetts aufzuspielen. Rein Zweifel also, daß das Zentrum gegen Keudell schwer geladen war und daß es die ernste Absicht hatte, ihm im Ausschuß eine Niederlage beizubringen. Der Antrag des Zentrums erklärte das Vorgehen des Ministers für im Augenblid nicht zwed mäßig". Damit sollte in teiner Weise gefagt sein, daß es etwa in einem anderen Augenblid medmäßig sein könnte diese Frage sollte, wie der Antrag in seinem Bordersaz auch ausdrücklich erklärt, und wie der Abg. Effer gegen einen intriganten deutschnationalen Auslegungsversuch noch ausdrücklich bestätigte, vollkommen offen gelassen bleiben. Der flare Sinn des Antrags war, daß ,, in diesem Augenblic", unmittelbar vor der Wahl, ein Eingriff in die Bewegungsfreiheit einer Partei auf feinen Fall unternommen werden dürfe. Es bestand also für die Kommunisten gar kein Grund, gegen diesen Antrag zu stimmen. Trotzdem halfen sie den Deutschnationalen und den anderen Rechtsparteien den Schlag parieren, der gegen Herrn v. Keudell gerichtet mar. Man sah zum Schluß bei den Deutschnationalen nur ver gnügte Gefichter der Transportarbeiter Thälmann hatte sich wieder einmal bewährt. Einst war er es, der den Reichspräsidenten v. Hindenburg zum Ziel trug. Gestern hat er sich an Herrn v. Keudell die LebensretterMedaille verdient. gerufen. Diesen Konflift hat Herr v. Keudell gegen den willen des Reichskanzlers, der nach der Verfaffung die Richtlinien der Politik bestimmt, und über den Stopf des Rabinetts hinweg hervorgerufen. Das heißt: ein nur gerade noch so hängen gebliebener Minister, der vom Wahlsturm sicherlich heruntergeblasen werden wird, treibt gegen Kanzler und Kabinett auf eigene Fauft Regierungspolitik im Sinne deutsch nationaler Wahlmache! Die Bürgerblodregierung regiert noch, nachdem der Bürgerblod zerfallen ist. Ihre vollkommene innere 3errüttung ist durch die gestrigen Verhandlungen offenbar ge morden. herbeigeführt ist diese Zerrüttung durch die Illonalität des deutschnationalen Regierungspartners, der seine zer rinnende Machtstellung noch schnell zur Verbesserung feiner Wahlaussichten zu mißbrauchen versucht. Der Bestand dieser Regierung, in der einer gegen den anderen regiert, in der es feine Solidarität, feine Loyalität, feine follegiale Disziplin mehr gibt, ist geradezu für das Reich zu einer Gefahr geworden. werden. Gegen seine Gefahren hat die Reichsverfassung Bis zum 20. Mai muß ja dieser Zustand noch ertragen zwei Sicherungsfattoren geschaffen: den Reichspräsidenten und den Ueberwachungsausschuß des Reichstags. Vom ersten hat man in dieser Angelegenheit bisher noch nichts gehört, und der zweite hat sich gestern nicht eben mit Ruhm bedeckt. Es gibt aber schließlich noch einen dritten, das sind die Länderregierungen oder, praktisch gesehen, ist preußische Staatsregierung. Zwischen ihr und den deutschnationalen Usurpatoren der Reichsregierungsgemalt steht jetzt eigentlich der Kampf, und in diesem Kampf wird das deutsche Volt am 20. Mai zu entscheiden haben. Fort mit Reudell und seinen Helfern, den kommunisten! gestern mit dem Keudellschen Berbot des RFB. Der Borjizende, Der Uebermachungsausschuß des Reichstages beschäftigte fich Genosse ente, eröffnet die Sigung mit der Frage an den Ausschuß, ab die Verhandlungen in dem Sinne öffentlich sein sollen, daß Breffevertreter teilnehmen fönnen. Der Ausschuß erklärt dies nac) längerer Beratung für geschäftsordnungsmäßig unzulässig und darauf wurde in die fachliche Beratung eingetreten. Den Beratungen lag ein sozialdemokratischer Anscher Antrag forderte, dies Ersuchen an die Reichsregit. trag zugrunde, den Reichs! anzler zu ersuchen, das Ersuchen des Reichsinnenministers zurückzunehmen. Ein fommunistirung zu richten. Ferner beantragten unsere Genossen die Vorlegung der Dentichrift, auf Grund deren der Innenminifter Die Linke sammelt sich. Die französische Reaktion hofft auf die Kommunisten. V. Sch. Paris, 24. April.( Eigenbericht.) Die Reaktion hat für den 29. April ihre größte Hoffnung auf die Rommunisten gefeßt. Je nachdem die Kommunisten ihre aussichtslosen Standidaten aufrechterhalten oder zurückziehen, wird die Rechte einen vollen Sieg oder eine Enttäuschung erleben. Man fann rein rechne< risch bereits feststellen, daß in mindestens 50 Fällen die Entscheidung, ob für rechts oder links, von der fommunistischen Parole abhängen wird. Der reaktionäre Temps" hat diese Lage sofort erfaßt und in einem unglaublichen Artifel am Montag abend, der von der Linkspresse am Dienstag als ein Gipfel des 3ynismus bezeichnet wird, die Kommunisten geradezu beschworen, fest zu bleiben. Diese Stellen des Temps" verdienen wörtlich wiedergegeben zu werden; denn die bloße Tatsache, daß so etwas überhaupt geschrieben werden tonnte, stellt eine furchtbare Antlage gegen die Bolschewisten da:: „ Die Kommunisten haben," so schreibt der„ Temps"," bor dem 22. April erflärt, daß sie überall ihre Kandidaten aufrechterhalten würden. Diese feierliche Erklärung mürde, falls sie nach dem 22. April eine andere Haltung einnähmen, als eine Prahlerei erscheinen. Sie können nicht einmal mit dem Argument der sogeNatürlich ist für Herrn v. Keudell mit diesem Sieg, den nannten reaktionären Gefahr operieren, denn es gibt feine reattioer mit fommunistischer Hilfe errang, der Kampf noch nicht näre Gefahr. Sie können auch nicht unter dem Vorwand, die zu Ende. Im Gegenteil, die tatsächlichen Fest- Republif zu retten, die nur von ihnen selbst bedroht wird, das stellungen, die im Verlauf der gestrigen Sigung ge- Prinzip verlassen, das sie selbst verkündet haben. Sie können nicht fchaffen wurden, bilden für ihn die allerschwerste Belastung, zugunsten der Sozialisten zurücktreten, nachdem sie gegen ieglere Das Verbot der Roten Frontkämpfer war zweifellos eine einen solchen Krieg geführt haben. Sie sind durch ihr Geldb politische Handlung von weittragender Bedeutung, nis gebunden und können nur danach handeln. Was würde es hat nicht nur wie ja beabsichtigt war als Reflame Moskau sagen, das ihnen schon jetzt ihre Lauheit vorwirft, wenn sie für die Kommunisten gewirkt, sondern auch einen schweren den Sozialisten entgegenkommen würden?" Konflikt zwischen dem Reich und fast allen Ländern hervorDes weiteren richtet der„ Temps" gleichfalls eine Mahnung an die Radikalen, fich bei der Stichwahl für die regierungsfreund lichen Kandidaten und gegen die Sozialisten zu entscheiden. Die Radifalen haben, soweit die ersten Meldungen aus dem ganzen Lande vorliegen, der Reaktion diesen Gefallen nicht erwiesen. Die Zurücknahme der radikalen Kandidaturen in Paris und in der Provinz erfolgte, soweit bisher bekannt, fast durchweg zugunsten der Sozialisten. Anders die Kommunisten. In einem haßerfüllten Leitartikel der Humanité" hat der Generalsekretär der Kommunistischen Partei, Sémard, der als blindes Werkzeug der russischen Kommunisten und als Berwalter der Sowjetgelder etwa dieselbe Rolle in Frankspielt wie in Deutschland Wilhelm Pied, an den Befehl erinnert, die kommunistischen Kandidaturen aufrechtzuerhalten Der Arfifel von Sémard stroht von Beschimpfungen der Sozialistischen Partei. Er zieht das Argument der reaktionären Gefahr ins Lächerliche und ist überhaupt wie auf Kommando der„ Temps" und der französischen Nationalisten geschrieben. Der„ Temps" vom Dienstag abend atmet infolgedessen erleichtert auf und registriert schmunzelnd„ das flare, imperative und unumwundene Nein der Kommunisten". Andere Abendblätter sind etwas skeptischer und halten diese Stellungnahme für einen Bluff. In sozialistischen Kreisen ist man aber anderer Ansicht und erblickt darin einen ernsten Bersuch, die Sozialisten um jeden Preis zu schädigen, auch um den Preis eines sicheren reaktionären Vormarsches. Diese wahnwißige Haltung der Bolschewisten wird natürlich nicht ohne Einfluß auf die Beschlüsse der Sozialisten bleiben, in deren Hand es gleichfalls liegt, fommunistische Kandidaten zum Erfolg oder zur Niederlage zu verhelfen. Heute Mittwoch,„ Sportpalast", 19% Uhr: Sozialdemokratie und Wahlen! Redner: Artur Crispien, Alb. Falkenberg, Gertrud Hanna, Franz Künstler, Toni Sender, Otto Wels. Massenchöre des DeutschenArbeiter- Sängerbundes/ Fanfarenbläser des Reichsbanners Treffpunkt der S. A. J. 182 Uhr Bülowstraße, Ecke Potsdamer Straße Fahnen und Banner sind mitzubringen! hie Länder aufgefordert hat. de« Rotftdnttämpferkund tjerfneien, Legtoren Airtrag begründet Genosse R o s e n f el d mit dem Hin- wots darauf, daß der Minister oerpflichtet sei, dem Ausschuß den 'Sachverhalt zu unterbreiten, der ihn oeranlaßt habe, das Verbot herbeizuführen. Minister v. keudell erwidert, daß er Bedenken habe, die Denk- schrist vorzulegen, da sein Material damit der Oeffentlichkest unter- drehet würde, was er vermeiden möchte. Auf die Frage des Ge- nassen Henke. ob der Minister die Kompetenz des Reichstags bezweifle, äußerte Herr v. Keudell verneinend, fügte aber hinzu, daß das eine andere Frage sei, ob die Beschlüsse eine staatsrechtliche Verpslich- . tung in sich schlössen Die Abgeordneten Emminger(Banr. Vp.), Scholz(25. Bp.) und Schultz(2). Not.) spreche» sich übereinstimmend darüber aus, daß der lleberwachungsousschuß sich erst als Untersuchungsausschuß kon- ftituieren müsse, wenn er das Reckzi haben soll, die Vorlegung des Materiols zu verlangen. Das Verbot des Innenministers falle in die Exekutive des Innenministers, in die kein Parlament drein- reden dürfe. Genosse Hildenbrand tritt diesen Ausführungen entgegen. Er wies darauf hin, daß der Reichsmimster des Innern nur ein Organ der Reichsregierung sei. Wenn er unmittelbar vor den Wahlen solche Verfügungen erlasse, die als Eingriff in die Freiheit der Wahl aiiszusassen feien, f o schädige er damit das Volk und die Volksvertretung. Die Kompelen, z des Ausschusses zur Stellungnahme fei zweifellos. Das habe bei der Schaffung der Reichsverfassung der Abg. Heinz e von der Deutschen Volkspartei . anerkannt Der Minister hätte sich nicht auf einen fonnellen Stand- pUNkt stellen, sondern freiwillig Auskunft geben sollen. Sein Erlaß führe nur zu einer Verhetzung der Bevölkerung vor den Wahle» und mache nur böses Blut. Im Interesse des Volkes und eines ruhigen Verlaufes der Wahlbewegung soll.ider Minister lieber aus seine Verfügung verzichten. Jedenfalls müsse er sich gewärtig heißen, daß er die Verantwortung für seine Maßnahme getragen habe. Diese Maßnahme sei auch ein völliger Schlag in» Master, da die Mitglieder des RFB. nach besten verbot genau dasselbe als Mitglieder der KPD. luu könnten. Der Minister solle beweisen, daß er nicht deutschttationaler Partei- ininister, sondern Reichsminister sei und seine Verfügung zurück- nehmen, Minister v. Keudell erwidert, daß er sich in der Frage der Ver- fastung den Abgeordneten Emminger, Scholz und Schulz nur an- schließen könne. Abg. Koch(Dem.) betont, das Recht des Ausschusses zu erklären, boft er mit der Verfügung des Ministers nicht einverstanden fei pnd die Rücknahme der Verfügung zu sordern. Der Ausschuß habe auch das Recht, Auskunft zu verlangen. Abg. Schulte(M betont ebenfalls das Recht des Ausschusses, Kritik an den Handlungen des Ministers zu üben. Voraussetzung Im- v*'e''. öaß wir erfahren, was zu dem Ersuchen des .«»nters Veranlassung gegeben habe. Der Innenminister könne die unterlagen dem Ausschuß geben, auf Grund deren da» Verbot aus- gesprochen sei, Genosse Dr. Roseuleld weist an Hand der Vorsassung nach, daß der lieberwachungsausschuß das Recht habe, U n t e r f u chu qg s- l> a n d l ii ii g c n vorzunehmen, und in diesem Rahmen die Denk- schrist des Ministers zu fordern. Der Ausschuß sei auch berechtigt. oege» das Verbot Stellimg zu nehmen, da die Verfügung des Rimsters etwas völlig Neues in der Geschichte der deutschen Re- publik darstelle. Noch niemals bade ein Reichsminister solche Er- ns&\m an die Länder gerichtet. Man stelle sich vor. daß etwa ein sozialdemokratischer Minister ein solches Verbot sür Bayern aus- aesprochen hätte. Es entbehre nicht der Komik, daßgeradsdiess Regierung, in welcher der föderalistische Gedanke so stark ver- u Deutschnationalen so ausschlaggebend seien, mit vieler bisher unbekannten Schärfe gegen die Länder vorgingen, nicht gegen«un Land, sondern gegen sämtlich« Länder. Da sei es nicht erstaunlich, daß von 18 Lond-rn sich 18 auflehnten. Auch das -'.«h neu m der Geschichte der deutschen Republik. Wie norsichtig ist man sonst, wie fühlt man vor, wie verhandelt man. ehe man von Reichswegen Verfügungen für ein Land trifft! Mehr Rücksicht nimmt . sogar der preußische Innenminister bei seinen Oberprösidenten. Eigentümlich sei, daß Bonern. das sonst immer so besonders stark wr feine Eigenstaatlichkeit kämpfe, jetzt mit dem Vorgehen des Reichsministers einverstanden sei. Das Vorgehen des Innenministers mutze so scharf kritisiert werden, als das Reichsgericht bereits früher das Verbot der Dortmunder Ortsgruppe"des RFB. auf- geboden habe. Der Ausschuß müsse gegen den Minister Stellung nehmen, da er den Z 17 deT'Republikschutzqesetzes entgegen dieser üi® angewandt habe. Es sei amüsant, daß gerade Herr v. Keudell, der„die Souveränität" der Länder verkündete— wenn mich gegen die richtig ausgelegte Verfassung— jetzt diese Souoero- nitat mißachtet. Wenn es ihm paffe, schütze er die Souveränität vor, wenn es ihm nicht passe, trete er sie mit Füße». . Unser Redner zitiert die Deutschnationalen Graf v. Westarp. Hergt, Graes, Bazille, die sich früher selbst gegen die Zulässigkoit Kcher Maßnohmen ausgesprochen haben, und er schloß mit der Aus- �rderunq. den R e i ch s k a n z l e r, dessen politische Richtlinien durch bas RFB.-Berbot berührt wurden, aufzufordern, auf die Rücknahme dieses Verbotes hinzuwirken. Abg. Thälmonn(Komm.) sieht in der Angelegenheit nicht nur. eine nerrasiungsrechtlichc oder polizeiliche, sondern ein politi sche -Angelegenheit. Weil es sich um keine polizeiliche Aktion hier bandele, frage seine Partei, ob der IustUminister hier in V e r- t r e t u n g des Reichskanzlers anwesend sei oder nicht. Auch die Sozialdemokraten wollten bier nur ein politisches Geschäft mache». Der fast faschistische Polizeisturm werde gegen die Rot- srontkampser wirkungslos sein. Dos Reichskabinett müsse sich äußern. mie weit es und seine einzelne» Mitglieder zu diesem Ersuchen sieben. . 5ev /L'6!.®eX.bl?' fei nicht der Rotsrontkämpfer -r o d.(Richtig! Es ist der größte Gefallen, der den Kommunisten erwieien werden konnte! Red. d. V.) -Schließlich öffnet Herr v. keudell den Mund. Er beruit sich mir die reichsgerichtliche Rechtfperechung und insbesondere auf zwei vom Dezember 1927. in denen ausgesprochen sei, daß der -»FB. eine staatsfeindlich« Organisation sei. Es wäre melle'cht besser gewesen, früber vorzugehen, aber die Erörterungen brt'ten fo lange gedauert. Wenn man aber noch länger gewartet batte. so hatte sich die Notwendigkeit des Verbotes nach'den'Wahlen m der �eit ergebe», in der noch keine neue Regierung gebildet war und das wäre nicht zu verantworten gewesen. Der Reichskanzler hat allerdings wiederholt lebhafte bedenken dagegen geäußert, in diesem Zeitpunkt das Verbot zu erlassen. Es handelt sich aber um eine Angelegenheit meines Ministeriums und nach pflichtgemäßem Ermessen mußte ich einschreiten. Der . Bund ist eine Organisation von großem militärischen Wert(!!) mit einem revolutionären Ziel, dos die führenden Herren des Bundes ganz offen proklamieren. Richtig ist, daß das Verbot bester früher ergangen wäre. Aber notwendig ist dos Verbot, besonders, nachdem das Reichsgericht in zwei Urteilen die Staatsgefährlichkeit des Bun- de, ausgesprochen hat. rj. �"uninger(Bayr. Vp.) weist daraus hin, daß d«r Aus- schuß keine Möglichkeit habe, den Sachverhalt festzustellen. Das sei Sache des Gerichts, und es sei deshalb am besten, die ganze Sache zu»«rtagon und das Urteil des Staatsgerichtshofes abzuwarten. m ,u' ititiftert das Vorgehen de« Innenministern Man könne nicht auf Grund von revolutionären Gefahren, die das Ne'chsger.cht im Dezember festgestellt habe, noch im April vorgehen. Jmf) dw Bedenken anderer Minister hätten Herrn v. Keudell ab- bolten sollen, das Verbot zu erlassen, das n u r e i n A g i t a t i o n s« mittel i u r die Kommunisten bilde. Genosse Dr. Ziascnseld hebt hervor, daß der Reichstag noch vor lemem Auseinandergehen die Regierung aufgefordert habe, die durch die Reichsverfassung gewährleistet«. Blum kämpft weiter! Beschluß des pariser Bezirksparteitages.- Moskaus Kampf gegen die Sozialisten V. 8cch. 21 April.(Cigeicherichl.) Der soziot-istisch« B« z ir k s pa r te itag des Seins» Departements hat um 7 Uhr abends begonnen. Der heutig« Artikel der.�umamtä", durch den die Drohung wahrgemachi wird, die aussichtslosen kommunistischen Kandidaturen aufrecht zu er- halten, Hot ungeheure Empörung unter den Delegier» t e n ausgelöst. Nur eine Minderheit unter Führung von Z i r o m s k i tritt dennoch für die Zurückziehung zugunsten der Kommunisten mallen Fällen ein. wo diese mehr Stimmen er- halten haben als die sozialistischen Kandidaten. Einige Delegierte, die am Montag abend noch in dem gleichen Sinn« in ihren Ab- teilungen gestimmt hatten, erklärten aber, daß nach dem Beschluß der Kommunisten eine neue Situation ge-schafsen sei, und daß gerode die besten und ältesten Genosten eine Parole zugunsten der Kommunisten nicht mitmachen würden. Ein« andere Richtung tritt dafür ein, die aussichtslosen sozialistische» Kandidaturen in allen Fällen einfach zurückzuziehen, ohne eine Porole zugunsten der Kommunisten auszugeben. Ander« wiederum wollen von Fall zu Fall entscheiden, je nachdem die Gefahr des Sieges eines reaktionären Kandidaten vorliegt oder nicht. Bon besonderer Bedeutung war eine Mitteilung des sozialistischen Stadt- verordneten und Mitgliedes des Parteivorstandes Le Troquer, die er aus absolut sicherer kommunistischer Quelle erhalten habe. Danach sei die französische kommunistische Parteileitung über den in Moskau gefaßten Beschluß, die aussichtslosen kommunistischen Kon- didatureit aufrechtzuerhalten, sehr bestürzt gewesen. Die kommunistische Parteileitung habe daher noch kurz vor den Wahlen versucht, Moskau zur Zurücknahme dieses wohn- witzigen Ukas zu veranlassen. Zu diesem Zweck sei kurz« Zeit vor der Wahl der kommunistische Abgeordnete Renaud-Ieon noch Berlin entsandt worden, um den auf der Rückreise nach Moskau be- findlichen Volkskommissor L l t wi n o w sür eine Zurücknahme dieses Befehls zu gewinnen. Renaud-Iean habe in Berlin dem bolschewi- stischen Führer entgegengehalten, daß die sran.zösischen Arbeiterkreise einen solchen Beschluß einfach nicht begreisen würden, weil er den Sieg der Reaktion herbeiführen müßt« und er sich später an der Kommunistischen Partei politisch und agitatorisch furchtbar rächen würde. Dennoch habe Litwinow kaltblütig erklärt, dies geh« die Kommunistische Internationale nichts an und die französische Partei habe den Beschluß der Exekutive einfach auszuführen. Le Troquer fügte hinzu, er befürchte kein Dementi und werde nötigenfalls den Namen seines kommunistischen Gewährsmannes mit- teilen. Für die Richtigkeit der Mitteilungen Le Troquers spricht jedenfalls die Tatsache, daß die Internationale Exekutive der Kam- munisten ebenfalls vor einiger Zeit entgegen dem Wunsch der Kam- munistischen Partei E ng l a n d s dieser aufgezwungen hat, 50 kam- munistische Splitterkandidaturen bei den kommenden eng- tischen Wahlen aufzustellen, nur um zu versuchen, die Führer der Arbeiterpartei zu Fall zu bringen. Der Vezirksparteilog beschloß mit 2200 gegen 1800 Stimmen. alle sozialistischen Kandidaturen, soweit sie nicht aufrechterhalten werden, einfach zurückzuziehen— aber nicht zugunsten der Kommunisten. Eine sehr lebhaste Debatte gab es über die Kandidatur Blum, Die 2t>. Abteilung halte einstimmig beschlossen, Blum weiter- kämpfen zu lassen. Die Genossen waren der lleberzeugung. daß ein großer Teil der Genosten die Parole zugunsten des Kommunisten Ducrot ans Empörung nicht befolgen würden. Der Bezirksparteitag hat mit erdrückender Mehrheit dem Beschluß der 20. Abteilung Rechnung getragen und die Kandidatur Blum aufrecht erhasken. ♦ Lille, 21 April.(Eigenbericht.) *®cr Bezirksparteitag in Lille hat beschlossen, sämtliche in der Minderheit gebliebenen Kandidaten zurückzuziehen zugunsten'der Kommunisten. Die Kommunisten hatten während de? Wahlkampfes wieder- holt erklärt, daß sie unterkegene Kandidaten zugunsten der So- zialistm zurückziehen würden. Bersrtnitttluiigs- und Redefreiheit allen politischen Parteien zu sichern. Gegen diesen Beschluß verstoße das Verbot des Ministers. Gegen Bayern scheine er nichts unternehmen zu wollen. Bayern habe weder das Verbot ausgeführt, noch den Stoatsgerichtshof angerufen, es handele also zweifellos gesetzwidrig. Wolle der Minister das wirklich dulden'? Gegenüber den vom Rotfrontkämpferbund drohen- den Gefahren scheine der Minister zu ängstlich zu sein. In keinem der achtzehn Länder habe ein Minister eine Gefahr gesehen. Hätten alle deutsche Innenminister geschlafen, und nur Herr y. Keudell gewacht? öder machten die anderen, und nur Herr n. Keudell hon- dele unter dem Einfluß beängstigender Träume? Die Zurückziehung des Verbots fei eine unbedingte Notwendigkeit. Minister v, keudell erwidert, daß er sich hei der bayerischen Regierung erkundigen werde, ob diese wirklich kein Verbat erlassen habe.(Zu ruf links: Fragen Sie doch den bayerischen Vertreter, der hier ist.) Auf Befragen dez Abg. Schulte(ZI über die Stellung des Reichskanzlers zum Verbot erklärt Minister». Kendell, daß er nähe- res nicht anführen könne. Die in Berlin anwesenden Kabinettsmitglieder seien davon umerrichtet worden, daß die Aktion gegen den Frontkämpferbund stattfinden würde. Ein Beschluß des Kabinetts sei nicht gefaßt worden. Abg. Schulte(Z.) weist auf den eminent politischen Charakter des Verbotes hin. Keineswegs sei dies« Maßnahme des Ministers vor ollem im jetzigen Augenblick als besonders glücklich zu bezeich- nen. Wenn das Reichsgericht schon Anfang Dezember Feststellungen gemacht hätte, die den stoatsseindlichen Charakter des Bundes er- keimen ließen, hätte man in einem früheren Zeitpunkt vorgehen sollen, setzt, unmittelbar vor den Wahlen sei das Verbot sehr be- dauerlich. Das Zentrum beantrage: Ochne z» dem Ffraftc, ob die gesetzliche«««d tatsäch- lichrn Voraussetzungen für das Vorgehe« des Ministers gegeben waren, Stellung zu uchwcn. hält der Zlusschnst diese Maßnahme für im gegenwärtigen Augenblick nicht zweckmäßig. Abg. Schultz(Dnat.) betont, daß es sich nicht um die Wahlfreihett handele, die gefährdet werde, sondern um die Schlagfreiheit. Gegen den Terrorisnnis bei den Wahlen solle dos Verbot einen Schutz schaffen. Der Antrag des Zentrums sei wohl dahin zu verstehen, daß sie das Verbot des Bundes vor den Wahlen mißbilligen, nach den Wahlen aber gutheißen. Die Deutfchnationalen ständen dem Minister zur Seite und rechneten es ihm hoch an, daß er den Mut gehabt habe, den Bund zu verbieten. Abg. Ester(Z.) widerspricht der Auslegung des Zentrumsan. träges durch den Abg. Schultz. Der Antrag sei klar, und man solle nichts in ihn hineininterpretieren. Minister v. keudell erklärt, daß staatsrechtlich der Ausschuß nicht das Recht habe, Verwallungsmaßnahmen eines Ministers, durch die die Rechte des Reichstages nicht oerletzt worden seien, so zu behandeln, daß die Reichsregierung um Rücknahme der Maßnahm« ersucht werde. Die Abstimmungen. Bei der Abstimmung wurde der Antrag Emminger aus Vertagung der Entscheidung bis zur Beschlußfassung des Stootsgerichtshofs gegen die acht Stimmen der Deutschnationalen, der Deutschen und der Bayerischen Volkspartet abgelehnt. Der kommmiistifche Antrag auf Aufhebung des Ler- b o t s des Frontkämpferbundes erhielt nur die acht Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten, der sozialdemokra- tische Antrag auf Aufhebung des Verbots die neun Stimmen der Sozialdemokraten, Kommunisten und des Demokraten. Gegen beide Anträge stimmten die zehn Vertreter der anderen Parteien. Der sozialdemokratische Antrag auf Vorlegung einer Denk- schrist wurde von allen bürgerlichen Parteien mit 11 gegen 8 Stim- inen abgelehnt. Der Antrag des Zenirnms. das verbal für im gegenwärtigen Augenblick nicht zweckmäßig zu erklären, wurde mit Stimmen» gleichheit abgelehnt, da die beiden&om«nnisten mit den Deutschnationalev. der Deutschen und Bayerischen Volkspartei gegen den Aalrag stimmten. Er fiel mit 10 gegen 10 Stimmen. Roßbach sagt aus. General v. powelsz kennzeichnet ihn als Putschisten. Das nach außen hin wichtigst« Ereignis der gestrigen VerHand- lungen im Stettiner Fememordprozeß. über den wir in der Beilag« ausführlich berichten, ist die von General v. Pawelsz aktenmäßig belegte Tatsache, daß Roßbach in der Zeit des Mordes an Schmidt, in der ihn der Landbund als Organisator des „Selbstschutzes" in Anspruch nahm. Pläne ausarbeitet«, um über den Kopf der Reichswehr hinweg in Pommern zu putschen. R o h b a ch selbst hütet sich bei seiner Vernehmung, diesen Fall zu berühren. Was er zur Verteidigung des Systems Hernes vor- zubringen hat, ist kläglich genug. Im Fall Schmidt habe Heines zwar selbständig gehand-lt und ihn erst nachträglich unterrichtet. ober die gewaltsame Erledigung von„Verrätern" deckte er durchaus. Er stützte sich dabei auf einen Befehl des Generals von Lettaw aus jenen Tagen, alz.er sich auf die Seite des Putschisten Kapp geschlagen hatte, und auf den Befehl de» Landbundführers v. Bodungen. Der Oberstaatsanwalt eröffnete. ihm daraufhin, daß er unter dem verdacht der Bezstnstin gung stehe. ver Vraunschweigische Landtag hat mit 25 Stimmen der Linken eine Borlage des Staatsministeriums angenommen, wonach der 1. M a i zum gesetzlichen Feiertag erklärt wird. Die litauische Gesandtschaft dementiert die Meldung von einer Berhaftuna oder Ausweisung eines deutschen Redakteurs aus dem Memelgebirt. Ein vergessenes Verdienst. Randbemerkungen zu einem Ooktorjubiläum. Di« bürgerliche Presse feiert iiTi&armempfundenen Artikeln da« golden« Doktorjubiläum dos Nationalökonomen Professors Ludwig Elster. Leider wird bei der Auszählung der mannigfachen Per- dienst«, die sich dieser Gelehrte erworben hat,«ins vergessen. Elster war es. der 1898 in dem Disziplinarverfahren gegen unseren Ge- nassen Leo A r o n s als Ankläger fungierte und es durchsetzte, daß Arons wegen der Zugehörigkeit zur Sozialdemo- kratischen Partei(etwas anderes konnte ihm das preußische Kultusministerium nicht vorwerfen) seiner Stellung als Prioatdozeitt der Physik an der Berliner Universität enthoben wurde. Den Ruhm, die bürgerliche Wissenschaft von einem zwar in seinem Fach hochbedeutenden, ober politisch unbequemen Gelehrten gereinigt zu haben, sollte man bei so festlichem Anlaß dem Elster nicht vorent- halten. Als der.Fall Arons" am 11 Mai 1898 im preußischen Herrenhause verhandelt wurde, sagte der damalige Kultusminister Bosse:„Darüber wird kein Zweifel sein, daß es eins Ungehörig» keit ist. wenn«in Mann dieser Art(Er meinte Arons. Die Red.) an einer königlich-preußischen Universität, aus einem königlich- preußischen Lehrstuhl mit staatlicher Autorität Dorlesun- gen hält, wenn wir ihm dieIugendpreisgeben. In einem monarchischen Staat ist das unmöglich." Inzwischen sind dreißig Jahre vergangen und die„königlich- preußische Universität" hat sich in eine Universität der preußischen Republik verwandelt. An dieser Universität aber lehrt, und zwar nicht nur in einem politisch neutralen Fach, wie es die Physik ist. mit staatlicher Autorität ein« ganze Anzahl Männer, die ihre monarchische Gesinnung keineeweos verhehlen, und denen trotzdem die Jugend preisgegeben wird. In einem republikanischen Staat scheint, um mit Bosse zu sprechen, eine solche Ungehöngkest leider nicht unmöglich zu sein. Das Geheimnis des Kalles Aölz. Wie der amtlicfo Preußische Pressedienst mitteilt, hat die Straf» kammer in Holle(Saale), entsprechend dem Anträge der Staats- anwallschaft, durch Beschluß vom 2?. April 1928 den Arbeiter Erich F r i e h e von der Anschuldigung des(gemeinschaftlich mit andern begangenen) Totschlags an dem Gutsbesitzer Heß aus dem tot» sächlichen Grund« des mangelnden Beweises, außer Berfol» gung gesetzt, weil die Angaben des Angeschuldigten Friehe. über seine Beteiligung an der Erschießung des Heß Durch die Bor- Untersuchung in so vielen wesentlichen Punkten widerlegt worden seien, daß ein hinreichender Tatverdacht nicht vorliege. Ob die Ergebnisse der Voruitterfuchung gegen Friehe für dos Wiederaufnahmeverfahren in der Siros fache gegen Hölz, die zur Auftäiidigkeit des Reiches gehört, von Bedeutung sein käunei), unterliegt nicht der Prüfung der preu- ßischen Justizbehörden. � Sirefemauu in allen Sätteln gerecht.' Er reitet mit Bismarck gegen die Oeutschnationalea. ZNüncheo, 24. April.(Eigenbericht.) 2lm Mittwoch beginnt Stresemann die Agitation m seinen beiden südbayerischen Wichltreisen. Den Auftakt bildete am Dienstag ein Pressetee der Deutschen Doltspartei, bei dem sich Stresemann in einer kurzen Ansprache als Außenminister und als Kandidat der Deutschen Voltspartei vorstellte. Er erWrt« u. a.: „Außenpolitik mit dem Lautsprecher aus dem Markte bedeutet den Tod dessen, was ein Staatsmann beab- sichtigt. lich Hab« mich gerade in der letzten Zeit wieder viel mit den Schristen Bismarcks beschäftigt und darin gesunden, daß kein leitender Stoalsenann so höflich war und so sorgfältig jede Reibung vermieden hat wie der Altreichskanzler auf der chöhe seiner Macht. Wenn ich in Gens den Verhandlungspartnern gegenüber sitze, dann repräsentiert jeder von ihnen eine erdrückende inilitimsche Macht, während hinter mir nur die Friedensidee steht, hie allerdings völlig identisch ist mit den Interessen des Deutschen Reiches. Würde ich in Genf jene st arten Worte gebrauchen, di« gewisse Leute immer und immer wieder von mir verlangen, so würde ich mich nur lächerlich machen. Was das mancherorts gegen mich gerichtete Mißtrauen wegen metner Freundschaft zu B r io nd und Chamberlain betrifft, so muß ich sagen, daß dies« Freund- schaft zwischen Staatsmännern auch ein A t t i v p o st e y für Deutschland ist. Man muß bedenken, daß es sich für die allernächst« Zukunft darum handelt, die Endsumme unserer Äriegsverpflichtungen seftzufetzen. wovon der Lebensstandard der jetzigen und der kommenden Generation abhängt. Wer ein« derartige Verantwortung zu tragen hat, verzichtet gern auf populär« Erfolge. Als Wahltondidat ertÜire ich. daß heut« keine Partei in der Looe ist, das deutsche Schicksal zu wenden. Jede Partei ist auf die Mitarbeit anderer angewiesen, und deshalb ist es töricht, sich mit denen zu verfeinden, deren Mitarbeit man später braucht Meine Kandidatur ist nicht gegen irgendein« ander« Partei gerichtet." Auf dem Lande. Zehn Lahre Tschechoslowakei. Eine Vorfeier des Jubiläums. Der tschechische Arbeiterverein ftaolicek in Berlin veranstaltete am Sonntag in Schinkels Festsälen«ine Vorfeier des Jubiläums der tschechoslowakischen Republik. Die Festrede hielt Genosse Dr. S o u t u p, der Vizepräsident des Senats in Prag, str gab ein« geschichtliche Uebersicht von der Entstehung der Tschechoslowakei und de» Jahrzehntes ihres Bestehens und betonte die demokratischen und sozialen Grundsätze, von denen die Staatspolitik seines Landes ge- leitet werde. Von den guten Beziehungen der Tschecho- slvwakci zu Deutschland sprechend, erinnerte der Redner an seine Teilnahme am Begräbnis des Reichspräsidenten E b e r t. Als er damals die Millionen Menschen gesehen habe, die dem Be- gräbnis beiwohnten, habe er die feste Ueberzeugung gewonnen, daß die große deutsche Republik von Dauer sein werde. Genosse Dr. Soukup hob besonders di« Verdienste Masaryks um sein lland hervor und machte seine Rede fesselnd durch viele persönliche Erinnerungen. Englands 150 Milliarden-Schuld. Ehurchill rühmt Saushaltss-Lleberflchüffe. London, 24 April.(Eigenbericht.) Vor«wem in olle« Rängen überfüllten chaus« hielt der britisch« Schatzkanzler Churchill sein« diesjährige Budgetrede. die ungewöhnliche physische Anforderungen an den Rodner stellte. Di« Länge seiner Ausführungen machte noch 2�» Stützen ein« größer« Unterbrechung der Sitzung notwendig, um den Schatz- tanzler Gelegenheit zu einer kurzen Ruhepause zu geben. Churchill eröffnete seine Red« mit der Feststellung, er könne sich keines Budgets der jüngsten Zeit entsinnen, dos wie dasjenige von W27 trotz einer Reihe ungünstiger Faktoren balanciert werden konnte. Der Schatzkanzler Hobe während der letzten zwölf Monate einem Ausfall von Eingängen bzw. unvochergeseheiren zusätzlichen Ausgaben in der chöhs»on 25 Millionen Pfund Sterling(600 Millionen Mark) gegenübergestanden. Daß dos Budget von 1927 eine solch« Auseinandersolge von Schlägen, wi« sie sich im vergangenen Jahr« eingestellt hätten, überlebt habe und trotzdem ein doppelt so hoher Ueberschuß der Slaateeinnahmen als vorgesehen vorhanden wäre, sei ein schlagender Beweis für die innere Stabilität de» Handelns. Ein solches Ergebnis wäre aber nur möglich geworden durch erhöhte Eingänge, irckesondere aus den Erbschafts st euer» und vor allem durch strenge Spar- maßnahmen des Schatzamtes. Es fei deshalb nicht nur glück- lichen Umständen zu danken, sondern ein Ergebnis harter Arbeit. wenn heute ein bescheidener, aber willkommener Ueberschuß von 4'L Millionen Pfund Sterling(90 Millionen Mark) festgestellt weiden konnte. Die Gesamtheit der inneren und äußeren britischen Staatsschuld betrüge in diesem Augenblick 7£27 Millionen Pfund Sterling(150 Milliarden Mark), was einer Verringerung um 27 Millionen Pfund Sterling(540 Millionen Mark) nach Ab- schluß des Finanzjahres gegenüber 1927 gleichkomme. In Zukunft möge das Parlament eine feste Summe für die T i l g u n g der inneren und äußeren Schulden Großbritanniens sestsetzen und jähr- lich die Summe von 555 Millionen Pfund Sterling(7 Milliarden Mark) im Budget für Tilgung einsetzen. Dadurch würde die gesamte innere und äußere Staatsschuld Großbritanniens ein- schließlich der Schulden an Amerika in 55 Jahren völlig getilgt werden. Churchill teilte dann noch mit, daß das von ihm eingebracht« Budget für 1928 eine Gesamtausgabe in der Höhe von 806 195 000 Pfund Sterling(rund 16 Milliarden Mark) vorsehe. Dieser Betrag soll durch Steuern und Zölle aufgebracht werden. Eine Erleichte« rung der lokalen Steuerlasten ist dabei in Aussicht genommen. Sandino raubt Gold. Eine schwere Schlappe der Amerikaner in TWaragna. London, 24. April.(Eigenbericht) Aus New Jork wird berichtet, daß der nikaraguanische Reoolu- tionär Sandino di« amerikanische Goldmine La Luz besetzt, all« Gold- und Geldvorräte geraubt, vier amerikanisch« und einen englischen Angestellten als Geiseln fortgeführt hat Di« Nachricht die von einem india» nischen Läuser nach Puerto Eabeco« gebracht worden ist enthält auch die Mitteilung, daß von Sandino etwa 100 eingeborene Minenarbeiter gefangen genommen worden seien. Die engtische Admiralität erklärt, Ende 1927 habe di« Flott« 94 000 Mann und 8500 Offiziere gezählt gegen 129000 Man» und 9500 Offiziere Ende 1913. Leutselig setzt sich der Rittergutsbesitzer jetzt-- aber wehe ihm, wenn der Aauer mit dem Bauern auf eine Bank,— aufsteht! Die Richter von Magdeburg. Hoffmann und Kölling vor dem Oisziplinarstrassenai. Die deutsche Justiz hat am Dienstag eine furchtbare Niederlage erlitten. Beigebracht wurde sie ihr von den Richtern Kölling und Hoff mann. Daß der Untersuchungsrichter Kölling im Fall« Schröder�Haas geirrt hat, mag auf Konto des Satzes gehen, wonach Irren mensch- lich ist. Für einen Untersuchungsrichter gewiß peinlich, wenn er gleich Kölling im Unfehlbarkeitsdünkel umherwandelt«. Aber das könnte die Rechtspflege zur Not ertragen. Unerträglich, tief be- schämend wird der Zustand, wenn zwei Richter, denen ihr Irren klipp und klar nachgewiesen ist, es nicht über sich gewinnen können, ihren Irrtum offen zu bekennen. Hoffmann und Kölling bringen jetzt noch die Behauptung fertig, daß die angebliche Störung der Knllingschen Untersuchungstätigkeit die Ausdeckung der Wahrheit über die Ermordung des Buchhalters Helling verhindert hätte. Sie erklären jetzt noch, daß in ihren Augen Haas von dem Verdacht der Anstiftung nicht gereinigt sei. Am Richtertisch hat diese Art der Verteidigung Verwunderung erregt Im Volk aber muß man sich fragen:„Sehen wirklich so berufene Hüter des Rechts aus?" Erinnern wir uns kurz der Ergebnisse, die in der Schwur- gerichte Verhandlung gegen Schröder zutage getreten sind: Schröder, der mit seiner Geliebten Hilde Götz« zusammen ein«in» sames Haus in Rottmersleben bewohnt, leidet an chronischem Geld- Mangel und buchstäblich Hunger. Dem abzuhelfen, setzt er«in Inserat auf, das Angestellten gegen 600 M. Kaution eine gewinnbringende Beschäftigung verheißt. Der soeben aus der Firma Haas ausgeschiedene Buchhaller Helling meldet sich auf die Anzeige, wird von Schröder besucht, der ihn in seine einsam gelegene Behausung verlockt, dort über den Haujen schießt, beraubt, und die Leiche im Keller vergräbt Als das Geld, das Helling zur Stellung der Kaution sich eingesteckt hatte, zu Ende gegangen ist. sucht Schröder auch noch die Effekten des Helling zu Geld zu machen und wird dabei schließlich gesaßt. All dos ist bis ins kleinste Detail bewiesen. Di« von Schröder aufgesetzte Anzeige liegt in Urschrift vor. Die Abholung des Helling aus seiner Wohnung wird durch Angestellte der Hellingschen Schwestern bekundet. Den Schlußakt in der einsamen Behausung des Schröder zu Rottmersleben schildern übereinstimmend Schröders Geständnis und dos Zeugnis der Hilde Götze. Nichts, gar nichts ist an der Sache dunkel. Für eine An- stiftung durch Haas, für«ine Beteiligung irgendwelcher Dritter an der Tat bleibt nicht der geringste Spielraum. Dl« Anschuldigungen des Schröder gegen Haas zerfallen als leere Phontosiegebilde, die dem Täter von tölpelhaft-überschlauen Krimi naldilettanten suggeriert worden sind. All dos stellt das Schwurgerichtsurteil gegen Schröder fest Aber zwei Richter versteifen sich daraus: Die Sache ist ungeklärt, es steht noch gar nicht fest, daß wir uns mit unserem Borgehen gegen Haas geirrt haben. Entsetzlich der Gedanke, daß es wahrscheinlich sehr viele Kallings und Hoffmanns unter den Richtern gibt! Nach der Bestimmung der Strafprozehördnung entscheidet über einen Wieder- ausnahmeontrag die Kammer, die das SchuldurteU gesollt hat Man stelle sich eine Kammer vor, bestehend aus lauter Kallings und Hoffmanns. Wird gegenüber solcher Kammer auch di« sonnen- klar bewiesene Unschuld eines Verurteilten zum Wiederaufnahme» verfahren führen? Die Herren jammern über angebliche Eingriffe in die Rechts- pflege. Niemand tonnte dos Ansehen der Rechtspflege schwerer schädigen als die Herren Kalling und Hofsmann, die aus Unfchl- barteitsdünkel und Eigenliebe die Rehabilitierung eines unschuldig Verfolgten ablehnen, di«— offensichtlich im Unrecht befindlich— nicht das Geständnis über die Lippen bekommen: Wir haben menschlich geirrt und gefehlt Wer das aber nicht vermag, taugt der zum Richter über andere?' *» * Der erste Derhairdlungstag in der Disziplinarbcrufungsoerhand- lung gegen Hoffmonn und Kölling zeigte bereits mit voller Klarhsft Komödie. Verunglückte Steruhelm-Feier- Auch mit der zweiten Bühnenehrung zu Sternheims 50. Geburtstag hapert es leider. An dem(etwas angestaubten) Spießerspiel„Die Kassette" bewundern wir die lebendige karikatunstische Kunst des immer noch ersten deutschen Lustspiel- dichter». Eine hilflose Regle, die Herrn Tiedtk« und Frau E b i n g e r gestattet, Klamottenkomik zu treiben, macht aus dem Lustspiel«ine alberne Posse. Dgr. die von den Angeschuldigten eingeschlagene Verteidigungslinie. Di« richterliche Unabhängigkeit fei durch das Eingreifen der Verwaltung gefährdet gewesen: die Presseoeröffentlichungen seien ihnen aufge- zwangen worden, sie hätten sich in einer Abwehrstellung befunden. Der Brief Kallings an den Polizeipräsidenten Menzel war Gegenstand der gestrigen Verhandlung, hauptsächlich sofern Kalling in ihm gegen Kriminalkommissar B u ß d o r s und dessen Vorgesctz- ten den Vorwurf der Begünstigung zum Mord« er- hoben hatte. Hofsmann hatte den Brief am Morgen des 50. Juli entworfen: er hatte In seiner Eigenschaft als stellvertretender Land- gerichtspräsident erklärt, er decke seine Veröffentlichung in der Press«. Am Mittag des gleichen Tages befand sich Kölling zwecks Unterredung bei dem Oberpräsidenten Hörsing. Er erklärte sich be-- reit, mit den Kriminalbeamten zusammenzuarbeiten, obgleich er wußte, daß die Aeröffenttichung des Briefes, in dem er jede Zu- sammenarbeit mit Berliner Kommissaren ablehnte, bereits bestimmt war. Diese wankelmütige Hallung Kallings, die zweifelsohne durch fremde Einflüsse zu erklären war, wird bei der Verlesung der Aus- sagen Hörsmg, besonders evident Ein«n großen Raum in der Gerichtsverhandlung nahm die Per- lejung der Artikel HSrsings«in. Hoffmann erklärte, daß der Artikel„Ein Justizskandal", der in aller Ausführlichkeit die Angelegenheit Kölllng-TeTcholt-Schröder�iaos behandelle, zu einer Zeit erschienen sei, als das Verfahren gegen Haas, der sich allerdings bereits auf freiem Fuße befand, noch schwebte. In Verbindung mit diesen Artikeln und den verlesenen Aussagen Hörsings glaubt« Hoffmann dem Oberprästdenten Hörsing Unwahrheiten vorwerfen zu müssen. Hörsing hatte nämlich erklärt, daß seiner Unterredunz mit Kölling ein sich im Nebenzimmer befindender Ohrenzeuge beigewohnt habe. Den Namen dieses Zeugen hatte er aber nicht nennen wollen. Diese Tatsache gab Hoffmann Anlaß, Hörsing der Unwahrheit zu zeihen. Der Staatsanwalt meinte aber dazu, daß jeder Zeuge sich irren könne. Es könne deshalb von Unwvhrheit keine Rede fein. Im Anschluß an dies« Erörterungen wurde im» der Urteils« begründmig des Naumburger Disziplinargerichts dos Kapitel „Staatsanwallschoft und Polizei" verlesen. Es enthält scharfe An- griffe gegen den Kriminalkommissar B u ß d o r f und den Ober- Präsidenten H ö r s i n g. der die Entsendung dieses Beamten nach Magdeburg veranlaßt hatte. Es wird hier betont, daß der Kom- missar Bußdorf hinter dem Rücken de» Untersuchungsrichters Kol« ling gearbeitet habe, ohne dessen Wissen mit dem Verteidiger des damals noch in Untersuchungshaft befindlichen Fabrikanten Haas. dem Rechtsamvall Braun, noch Rottmersleben gefahren sei und sich somit Rechte angemaßt habe, die das Gesetz nur dem Richter zu- weife. Butzdorf habe auch die Arbeft des Untersuchungsrichters erschwert, indem er ihn nicht informiert habe. Dieses Verhallen des Kommissars habe nichts mit den Ausgaben der Polizei als Hilfs- organ der Staatsanwallschoft und des Untersuchungsrichters zu tun gehabt Er habe sich nicht den Anordnungen des Untersuchungsrichters gefügt und diese groben Pflichtverletzungen, deren sich Büß- dorf schuldig gemacht habe, seien nur durch den Rückhalt zu er- klären, dessen er sich an höherer Stelle bewußt war. Seine so- fortige Meldung an den Oberpräsidenten Hörsing und sein Zu- sammensein mit ihm lasse keinen Zweifel darüber, wo er seinen Rückhalt hatte. Bei Bußdorf habe auch der Eindruck entstehen müssen, daß es Hörsing an einer Entlassung des Haas liege. Wes. halb hätte er ihn sonst mft dem Schwager des Haas bekannt ge- macht. Die Art der Berufung des Kommissars Buhdorf stelle«in« Hinwegsetzung über den Untersuchungsrichter dar. Im Zusammenhang mft der Verlesung dieses Teils der Ur- teilsbegründung wurde di« Aussage des Regierungs- Präsidenten Dr. Weiß verlesen, aus der u. a. hervorging. daß da« Nichtbefragen des Untersuchungsrichter« bei der Entsen- dung eines Kriminalbeamten nichts Auffälliges an sich habe. Auch andere Oberpräsidenten hätten in der gleichen Weise von dem Landeskriminalamt Kriminalbeamte angefordert. Als dann die Verlesung der Urteilsbegründung fortgesetzt wird, erfährt man, daß das Naumburger Disziplinargericht dem Oberpräsidenten Hörsing den Vorwurf gemocht habe, sein Verhalten habe ebenso gegen das Gesetz verstoßen wie das Verhallen des Kommissars Bußdorf bei den vyn ihm geführten Ermittlungen. Dem angeschuldigten Kölling wurde außerdem noch zur Last gelegt, daß«r dem Kommissar den Vorwurf der Bespitze- lung gemacht habe. Kölling erklärte dazu, daß Tenholt dies aus einer antisemitischen Slcußerung Dußdorsz entnommen habe, durch die er ihn angeblich zu einer ähnlichen Aeußerung habe provozieren wollen. Di« erste öffentlich« Sitzung des Großen visziplinarstraffenats zeigte übrigens, daß es ein recht eigenartiges Verfahre» ist. bei dem allein die Angeschuldigten zu Worte kommen, die Aus- jazep der Zeugen jedoch nur verlese« werde«. Kommunisten für Zechenflillegung. Je größer das Elend, desto mehr Mitglieder." Die Zeche Johann Deimelsberg follte stingelegt werden. Nachdem die Arbeiterschaft der Zeche gegen die geplante Stilllegung am 15. April in Steele protestiert hatte, rief die KPD. cine öffentliche Bergarbeiterversammlung zum 18. April in Steele ein. Der fommunistische Landtagsabgeordnete Schubert behauptete als Referent in dieser als öffentliche Bergarbeiterversammlung deflarierten tommunistischen Wählerversamm fung, die fommunistische Landtagsfraktion habe in der Stillegungsfrage eine flare Stellung eingenommen. Wie es damit be stellt ist, zeigt die Tatsache, daß der KPD.- Abgeordnete Sobottfa fich im Ausschuß für Handel und Gewerbe mit aller Schärfe gegen bie Bewilligung der Kredite zum Weiterbetrieb der Seche ausgesprochen und dagegen gestimmt hat; weiter, daß die KPD.- Fraktion im Plenum des Landtags am 8 März ebenfalls gegen die Bewilligung der Kredite stimmte, am 30. März aber in der dritten Abstimmung für die Be milligung ber rebite gestimmt hat. lare Stellung" nennt man das bei den Kommuniften. Der Referent behauptete meiter, der in der Versammlung anwesende sozialdemokratische Landtagsabgeord nete Otter habe mit dem Abgeordneten v. Waldthausen dafür gestimmt, daß auf der 3eche Rheinbaben 450 Bergarbeiter gefündigt werden solten. Als der Abgeordnete Otter in großer Erregung durch einen Swischenruf sich gegen diese kommunistische Lüge wandte, da be= fräftigte Schubert die Behauptung noch einmal. Genosse Otter gab daraufhin folgende Erklärung ab: Ich erkläre den kommunistischen Landtagsabgeordneten Schubert folange für einen Lügner, folange er diese unwahren Behauptungen mir gegenüber nicht öffentlich zurüdnimmt. Ich habe mit der Angelegenheit, die Schubert hier herangezogen hat, nicht has Allergeringste zu tun gehabt." Unter der Bucht dieser Erklärung mußte der tommunistische Abgeordnete Schubert diese Anschuldigungen in der Versammlung so fort zurüd nehmen. Der Betriebsobmann Haat der Zeche Johann Deimelsberg, der politisch der KPD. angehört, machte folgende Mitteilungen: ,, Als er mit den übrigen Betriebsräten in Berlin sich um die Gewährung des Kredites bemühte, sei er als Mitglied der APD. von der fommunistischen Landtagsfrattion nicht nur im Stich geLaffen, sondern sogar verleugnet worden. Er habe einen tiefbeschämenden Eindruck von den kommunistischen Landiagsmitgliedern gewonnen. Er mußte sich vor den übrigen Abgeordneten schämen, als diese ihm erklärten. daß Sobottta ihn verleugnet habe. Bei den Sozialdemokraten hätte der Betriebsrat die allergrößte Unterfügung gehabt. Alle seien ihm sehr behilflich gewesen und er tönne sih über die Bemühungen der Sozialdemokraten nur lobend und Der Kampf der Landarbeiter. Was der Landarbeiterverband 1927 durchsetzte. Der Deutsche Landarbeiterverband berichtet in der Nummer 7 feiner Verbandszeitung über die von ihm im Jahre 1927 geführten Lohn und Tarifbewegungen: Die Zahl der Bewegungen belief sich auf 260, davon waren 244 Angriffs- und 16 Abwehrbewegungen. 8 Bewegungen( 4 Angriffs- und 4 Abwehrbewegungen) waren mit Arbeitseinstellungen verbunden. Es wurden berührt: von den Angriffsbewegungen 227 096 Betriebe mit insgefamt 2 394 252 Beschäftigten, von den Abwehrbemegungen 16 217 Betriebe mit insgejami 80 473 Beschäftigten, insgesamt also 237 313 Betriebe mit 2 474 723 Perfonen. bantend aussprechen. Das„ Rhurecho" bringe Schwindelnachrichten. Seine Angabe, daß die Adler A.-G. schon 30 Millionen Mart Kredit aufgenommen hätte, sei ein tommunistischer Schwindel." Die Drahtzieher waren einfach sprachlos, bis als dritter Distuffionsredner der Kommunist Schwartmann zum Wort fam, um den Betriebsobmann Haat zu verdächtigen und( in der öffentlichen Bergarbeiterversammlung"!) seinen Ausschluß aus der KPD. zu beantragen. Der Referent der Versammlung, Schubert, erklärte prompt, namens der KPD. Ha af sei hiermit ausgeschlossen. Als der Betriebsobmann Haat den kommunistischen Abgeordneten Sobott ta in Berlin zur Rede stellte, warum die Kommunisten sich so wenig um die Stillegung fümmerten und die Berg arbeiterintereffen mit Füßen träten, erklärte So bottka dem Betriebsobmann Haat gegenüber folgendes: Was tuft du überhaupt in Berlin? Schere dich sofort nach Steele und halte dort eine Versammlung nach der anderen ab. Darauf die Frage des Betriebsobmannes: Was soll ich den Bergarbeitern in Steele sagen?" Sobottfa: ,, Du sollst den Bergarbeitern in Steele das jagen, was die KPD. will" Haak:„ Ich weiß nicht, was die KPD. in Bezug auf die Still legung mill." Sobottka:„ Die PD. hat fein Interesse, daß die Zeche Johann Deimelsberg noch länger in Betrieb bleibt. Wir wollen, daß die Zeche Johann Deimelsberg stillgelegt wird, damit unter der dorfigen Bevölkerung und den Bergarbeitern eine starke Erregung entsteht und es drüber und drunter geht und daß es zu Tumulten und Auseinandersetzungen fommt. Dadurch, daß die Zeche stillgelegt und das Elend größer wird, nur dadurch kann die KPD. an Mitgliedern gewinnen. Das will die PD. und nun fahre schleunigst nach Steele, damit die Zeche Johann Deimelsberg ffillgelegt wird." Die Kommunisten ahnten wohl, daß Haaf seinen Ausschluß aus der KPD. mit dieser Entlaroung beantworten würde. Ein großer Tumult verhinderte Haat jedoch, fie in der Bersammlung abzugeben. In der Theorie ist jeder Mißvergnügte mit der„ revolutionären Taktik der KPD. einverstanden, das Elend zu fonservieren, um daraus Parteigeschäfte zu machen. Dreht es sich aber im gegebenen Fall um die Eriftenzfrage der KPD.- Mittäufer, dann geht es ihnen wie dem Betriebsobmann Haak: der gesunde Menschenverstand wehrt sich gegen diese nicht nur unsinnige Taftif. Ein vernünftiger Mensch kommt da nicht mehr mit Jeder Schritt, der zur Verbesserung der Lebenslage der Arbeiterschaft beiträgt, wird von der KPD. als reformistisch begeifert. An dem Beispiel der Zeche Johann Deimelsberg aber muß auch dem Einfältigsten flar werden, daß die auf Beibehal tung und Vermehrung des Arbeiterelends gerichtete „ revolutionäre" KPD.- Tattit verwerflich ist. weil er unter den denkbar ungünstigsten Bedingungen errungen murde, Bedingungen, für die es in der Industrie kein Beispiel gibt: im Durchschnitt fommen nur rund 10 Personen auf einen Betrieb, räumlich weit voneinander getrennt und unter der direkten Aufsicht und Abhängigkeit der Unternehmer. Die Bergarbeiter zu dem Schiedsspruch. Cijen, 24. April( Eigenbericht.) Der Deutsche Bergarbeiterverband wird am Sonnabend in einer großen Revierkonferenz in Bochum zu der Berbindlichkeitserklärung des Schiedsspruchs Stellung nehmen. Die Kommunisten propaMagieren den Generalstreit zum 1. Mai. Diese Streifagitation hat Reichskonferenz der Modelltischler. Lehrlingezüchterei im Tischlergewerbe. Die meisten Bewegungen waren solche der Landarbeiter feine praktische Bedeutung. ( 153). Es folgen die Forstarbeiter mit 67, die Schweizer mit 25, die Weinbergsarbeiter mit 6, die Torfarbeiter mit 6, die Eindeichungsarbeiter mit 2 Bewegungen; für die Schäfer wird eine Bewegung registriert. Bei 244 Bewegungen handelte es sich um Forderungen der Arbeiter, bei 16 Bewegungen um solche der Unternehmer. Die meisten Forderungen der Arbeiter maren Lohnforderungen( in 225 Fällen für 2 300 992 Beteiligte). In 19 Fällen wurden andere Berbesserungen erstrebt. Die Unternehmer forderten in 6 Fällen Lohntürzungen, in einem Fall Berlängerung der Arbeitszeit und in 9 Fällen sonstige Berschlechterungen.: Recht, eine Konferenz für die Arbeiter ber Preußischen Elektrizitäts A.-B. einzuberufen, meil diese zu 97 Broz. im Zentralverband der Maschinisten und Heizer, im Deutschen Metallarbeiterverband und im Bergarbeiterverband organisiert sind. Diese drei Organisationen hatten am 26. Februar eine gemeinsame Konferenz für die Arbeiter der preußischen Kraftwerke einberufen. Die Forderungen dieser Konferenz find in einer Entschließung festgelegt, die in Nr. 12 der ,, Gewerkschaftszeitung", Seite 189, veröffentlicht ist. Bayern hält seine Belange" gefährdet. Weil die Rheinpfalz vernünftig eingegliedert ist. Gegen die Eingliederung der Pfalz in das Landesarbeitsamt Südwestdeutschland fie ist grundsäglich beschlossen, wirksam wird sie allerdings erst, wenn ein besonderer Beschluß des Vorstandes vorliegt fetzt die bayerische Regierung Himmel und Hölle in Bewegung. Die freien Gewerkschaften haben im Anschluß an die grundfäßliche Eingliederung beim Aufbau ihrer Arbeitslosenstatistik die Pfalz bereits praktisch 3v Südwestdeutschland gezählt. Auf der Statistit der Gewerkschaften baut sich aber die amtliche Statistik auf. Die bayerische Regierung hat daher bei der Reichsanstalt Beschwerde geführt und diese hat daraufhin sich an die Verbände der freien Gewerkschaften gewandt und gebeten, die Statistik nach der alten Methode weiterzuführen. Die freien Gewerkschaften denken nicht daran, den bayerischen partitularistischen Tendenzen entgegenzukommen. Aus der grundfäglichen Eingliederung der Pfalz in das Landesarbeitsamt Südwestdeutschland müssen endlich einmal auch die entsprechenden Konfequenzen gezogen werden. Neuer Schiedsspruch im Hamburger Hafen. Hamburg, 24. April Nachdem vor dem Hamburger Schlichter gestern in elfstündigen Verhandlungen teine Einigung in der Lohnregelung der Hamburger Hafenarbeiter zwischen den Parteien erzielt werden konnte, bildete der Schlichter spät nachts eine Schlichterkammer, die sodann gegen die Stimmen der Unternehmerseite einen Schiedsspruch fällte. Der Schichtlohn der Hafenarbeiter wird ab 1. mai von 8,20 m. auf 8.80 M. erhöht. Die Attordsäge erfahren eine entsprechende Erhöhung. Vorarbeiter, Kranführer usw. erhalten einen Lohnaufschlag von 1 M. Diese Lohnregelung foll bis zum 31. Mai 1929 unfündbar sein. Die Erklärungsfrist zum Schieds. fpruch läuft für beide Barteien bis zum 26 April. Die Arbeiter merden sich in einer Urabstimmung entscheiden. Metallschiedsspruch für Baden verbindlich. Karlsruhe, 24. April spruch des Schlichtungsausschusses Karlsruhe vom 12. April, nach Nach den Verhandlungen mit den Parteien wurde der Schiedsdem in der Metallindustrie eine Lohnerhöhung eintritt, für verbindIchi erklärt. Damit ist der Lohnstreit in der Metallindustrie, der bereits zu Kündigungen in einigen großen Betrieben geführt hatte, beendet Feierschicht am 1. Mai. Eine neue Feierschicht im Saarbergbau ist von der französischen Saargrubenverwaltung für den 1. Mai angeordniet worden. Nun, menn schon eine Feierschicht notwendig ist, dann laffen die Bergarbeiter sie sich am 1. Ma i zweifellos am liebsten gefallen. Achtung, Bezirksamt Bantow! Am Freitag, 27. April, 20 Uhr, im Türkischen Belt, Pantam, Breite Ctr. 14, öffentliche Versammlung aller Beamten, Angestellten und Arbeiter des Bezirksamtes. Genosse Ruttner spricht über das Thema Bas erwarten wir vom tommenden Reichstag." Regen Besuch erwartet Der Fraktionsvorstand. Achtung, Spinnstoff- Fabrit und Armit, Zehlendorf! Am Freitag, 27. April, 15% Uhr, bei Meurer, Waldschlößchen, Seehof, wichtige Frattionsversammlung der SPD.- Genossen. Der Fraktionsvorstand. Achtung, SPD.- Frattion innerhalb ber Gemeinde- und Staatsarbeiter! Freitag, 27. April, 19 Uhr, in den Musikerfälen, Berlin, Raiser- Wilhelm Straße 31, Bersammlung. Radiovortrag des Kollegen Polenste über Aufbau und Organisation der Arbeitergewerkschaften."( Ein file diefen 8wed besonders geeigneter Lautsprecher ist von der Firma Siemens gestellt.) Stellungnahme zu ben Betriebsratswahlen für Rämmerei und Werksbetriebe, zu den Ber bandstagswahlen und zu der Generalversammlung am 4. Mai. Partei. und Gewerkschaftsausmeis vorzeigen. Eympathifierende tönnen durch Parteimif Fraktionsvorstand. Jugendgruppe bes 86. Heute, Mittwoch, finden folgende Veranstaltungen ftatt: Werbefeier für die Schulentlassenen von Webbing- Gesundbrunnen 20 Uhr in der Aula der 31. Gemeindeschule, Müllerstr. 158. Darbietungen: Musit, Ansprache, Rezitationen, Aufführung. Die Schulentia fenen und ihre Eltern Gdjule Litauer Str. 18. irten und Biele des 35."( Bunzel). find zu der Beranstaltung herzlichst eingelaben. Often: Jugendheim der Lighten berg II: Jugendheim der Schule Coßlerstr. 61. Heimabend: Von froher Fahrt." Neukölln: Jugendheim Böhmische Ctr. 1-4. Unser Beruf Freu ben und Leiden"( Fechenbach). Nordwest: Realgymnasium Schleswiger Ufer 14. Uebungsabend für die Werbefeier. Der Deutsche Holzarbeiterverband hielt dieser Tage in Leipzig glieder eingeführt werden. eine Reichsfonferenz der Modelltischler ab. 3m Mittelpunkt der von 80 Delegierten besuchten Konferenz stand die Frage der Lohn- und Arbeitsverhältnisse. Von den Modelltischlern arbeitet ein Teil in den Modelltischlereien, der größere Teil in Betrieben der Metallindustrie. Für die Modelltischlereien gelten im allgemeinen die Lohn- und Arbeitsbedingungen des Holzgewerbes. Diese sind günstiger als die der Metallindustrie. Während z. B. in Elbing die Möbelbeträgt dieser in der Metallindustrie 53 Pf. Nach der Auffassung der Konferenz liegt die Ursache für diesen Uebelstand zum großen Teil darin, daß der Metallarbeiterverband in der Metallindustrie Berträge abschließt, ohne die Modelltischler an den Berhandlungen zu beteiligen. Die Konferenz forderte daher in einer einstimmig angenommenen Entschließung, daß auch der Metallarbeiterverband sich an die Sagungen und Beschlüsse des ADGB. hält. Die Bewegungen murben erledigt: in 132 Fällen zwischen Vertretern der Unternehmer und der Arbeiter, in 127 Fällen bei Schlichtischler gegenwärtig einen Vertragslohn von 93 Bf. haben, tungsausschüssen, Schlichtern und Einigungsämtern und in einem Falle zwischen dem Unterrehmer und den beteiligten Arbeitern selbst. Ueber den materiellen Erfolg der Bewegungen wird in dem Bericht gefagt: Erzielung von Lohnerhöhungen für 693 955 männliche Landarbeiter in Höhe von 605 196 M. pro Woche, für 488 748 weibliche Landarbeiter in Höhe von 295 672 M. pro Woche, insgesamt für 1 182 703 Landarbeiter in Höhe von 900 868 m. Auf den Kopf des männlichen Landarbeiters berechnet ergibt das den Betrag von 87 Bf. pro Woche, auf den Kopf des weiblichen Landarbeiters den Betrag von 60 Pf. pro Woche. Abwehr von Lohnfürzungen für 6966 männliche Bandarbeiter in Höhe von 7077 m. pro Woche, für 7895 weibliche Landarbeiter in Höhe von 3948 m. pro Woche, insgesamt für Im übrigen verlangte die Konferenz von den zuständigen Behörden ein Eingreifen gegen die unerträgliche Lehrlingsausbeutung im Tischlergewerbe. In den Modelltischlereien fommen gegenwärtig auf 100 Gefellen im Durchschnitt 78 Lehrlinge. Die meisten Betriebe beschäftigen nur Lehrlinge. 14 861 Landarbeiter in Höhe von 11 025 m. Darüber hinaus wurden Konferenz der Kraftwerfarbeiter Preußens." für 4999 Personen noch sonstige Berschlechterungen abgewehrt. An Berschlechterungen mußten in Rauf genommen merden: für 23 Personen eine Arbeitszeitverlängerung von insgesamt 12 Stunden pro Woche, für 553 Personen sonstige Berschlechterungen der Arbeitsbedingungen 40 Landarbeiter wurden gemaßregelt. Mancher Landarbeiter ist im Jahre 1927 leer ausgegangen. Wenn man sich aber des scharfen Kampfes erinnert, den die landwirtfchaftlichen Unternehmer während des Jahres gegen jede Erhöhung der Landarbeiterlöhne geführt haben, wird man trotzdem dem Deutschen Landarbeiterverband in der Feststellung recht geben müssen, daß ein Erfolg erzielt worden ist. Dieser Erfolg ist so bescheiden er auch auf den einzelnen sich auswirkt deshalb bemerkenswert, Der Zentralverband der Maschinisten und Heizer ersucht uns um folgende Berichtigung: Zu der Konferenz des Gemeinde- und Staatsarbeiterverbandes für die Arbeiter der preußischen Kraftwerke, über die„ Der Abend" am Freitag, dem 20. April, einen Bericht brachte, bemerken wir, daß der Gemeinde- und Staatsarbeiterverband nicht die zuständige Organisation für die in diefen Betrieben beschäftigten Arbeitnehmer ist. Nach den Sagungen des ADGB. sind vielmehr für die Betriebe der Preußischen Elektrizitäts A.-G. allein der Zentralverband der Maschinisten und Heizer und der Deutsche Metallarbeiterverband zuständig. Diese beiden Organisationen haben auch die Lohn- und Arbeitsbedingungen in den Betrieben der Preußischen Elektrizitäts A.-G. geregelt. Der Gemeinde- und Staatsarbeiterverband hat kein Freie Gewerffchafts: Jugend Groß- Berlin 1 Heute, Mittwoch, 19% Uhr, tagen die Gruppen: Weißensee: Gruppenheim Weißenfee, Partstr. 36. Ein Abend voller Ueberraschungen.„ Es wird durch die Blume gesprochen." Sentrum: Gruppenheim Jugendheim Rehdenider Str. 24-25. Vortrag: Wie baut fich die FGS. auf?" Baumsauleaweg: Gruppenheim Jugendheim Ernststr. 16. Reihenvortrag:„ Arbeitsrecht." Eüben, Cübwesten: Gruppenheim Städt. Jugendheim Nordstr. 11 ( Fabrikgebäude). Die Bedeutung des 1. Mai als Beltfeiertag des Proletariats. Reukölln: Gruppenheim Jugendheim Bergstr. 29( Sof). Vortrag: ,, Das Berhältnis von Bursche und Mädel in der Jugendbewegung." Jugendveranstaltungen in der Kulturabteilung des Deutschen Metallarbeiterverbandes: Boranzeine! Hamburg- Beranstaltung am Eonnabend, 28. April, 19 Uhr, im Bezirksamt Kreuzberg. Yordstr. 11. Aus dem Programm: Musik, Ansprache, Film. Rarten aum Preise von 20 Pf. find in den Ortsverwaltungen der Ber bände, in den Bezirksjugendgruppen und in der Freigewerkschaftlichen Jugend. zentrale zu haben. Berantwortlich für Politik: Dr. Curt Gener: Wirtschaft: 6. Alingelhäfer; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Cylorn: Feuilleton: R. H. Döscher; Lotales und Sonstiges: Frik Karstadt: Anzeigen: Th. Glode: fämtlich in Berlin. Berlag: Vorwärts- Berlag Gm b S.. Berlin Druck: Vorwärts- Buddruckeret und Berlaasanstalt Paul Ginger u Co., Berlin GB 68. Lindenstraße& Sierau 2 Beilagen und Unterhaltuna na Wifen" STAATL Natürliches Mineralwasser FACHINGEN Blutauffrischend, reinigt die Organe Fachinger Versandstelle, Berlin SW 11. Schöneberger Str.16a. Tel. Lützow 8260/61 m Dandy 4 DIE BESTE 4 PFG- ZIGARETTE! Hafi. Ir. �95. 45. Jahrgang Mittwoch, 25. April �9TS Eine praktische und nachahmenswerte Aufliewahrungsmöglich- keit fiir Kinderwagen hat die Schöneberger Ortskranken- k a f s e in ihrem Gebäude in der Grunewald st raße geschaffen. Auf dem Hofe hat sie«inen überdachten und aus feinem Gitterwert bestehenden Zwinger errichtet, in dessen zwölf Abteilun- gen, die voneinander getrennt und verschließbar sind, die Kinderwagen untergebracht werden. Besonders in den Vor- mitiagsstunden ist der Andrang der Mütter, die mit ihren.Kleinsten die Kronkenkasie aufsuchen, besonders groß. Die Kinderwagen standen früher frei und nur ungenügend beaufiichtigt auf dem Hofe, so daß sich Langfingern eine leichte Gelegenheit zur Betätigung bat. Kissen, Decken, Taschen, Mögen, Mäntel und alles, was lose in den Wagen lag, wurde g e st o h l e n. Es ist auch vorgekommen, daß ein ganzer Kinderwagen— ahne seinen lebenden Inhalt natür- lich— entführt wurde. Dem ist nun mehr wie ein Riegel vor- geschoben worden. Diese Riegel schiebt der Pförtner vor, der fortan den Cerberus spielt. Er schließt den Müttern den Zwinger auf und gibt ihnen eine Marke. Nur wer dem Pförtner die Marke wiederbringt, erhält den in einem numerierte» Abteil stehenden Kinderwagen. Selbstverständlich ist die Benutzung des Zwingers kostenlos. Die Einrichtung, die von den Frauen freudig begrüßt wurde, hat sich bisher glänzend bewährt. Einige Mütter bringen es manchmal nicht über» Herz, chre Kleinsten aus dem süßen Schlaf zu wecken, und lasten sie darum gleich im Wagen. Im Zwinger find sie gut aufgehoben, niemand kann an sie heran, nichts kann ihnen geschehen. Der Pförtner ist allerdings dabei etwas melancholisch geworden: immer, wenn ein Baby zu„quaken� anfängt, hört er einen gegen sich gerichteten Vorwurf wegen.Frei- heitsberaubung" heraus. Indessen macht das ihm feine Roll« als »Schöneberger Kindcroatcr" nicht allzu schwer, denn der.Ran- gierbahnhof für Ehestandslakomotiven* ist ja eine segensreiche Einrichtung, der etwas Lustiges anhaftet. GaiienmordprozeßoderMeineidpfozeß? Wiederaufnahmeverfahren auf Llmwegen. Also doch ein Wiederausnahmeoerfahren auf Umwegen: dieser Meineide prozeß gegen L e y k, in Wirklichkeit ein Totschlags- prozeh gegen die freigesprochene Frau Holz. So sah es am ersten Sitzungetaoe ous, so wurde es endgültig am zweiten Tage. Wieder traten Zeuginnen aus, deren Bekundungen um kein« Idee bestimmter waren als die Aussage» der Zeuginnen am ersten Tage. Die frühere Stütze bei Frau Holz Doberan aus der Zeit nach dem Prozeß wollte wissen, daß Leyk eines Tages auf Frau Holz geschimpft und dabei gesagt habe:»Wenn ich in der Mordsache auspacken würde, dann känre Frau Holz ins Zucht- haus." Ueberhaupt habe Leyk eine Darstellung gegeben, die eine Notwehr der Frau Holz als ausgeschlossen erscheinen ließ, und die Schwester dieser Zeugin sekundierte ihr in der gleichen Richtung. Das waren die letzten Zeugen. Man glaubte nun am Schluß der Beweisaufnahme zu sein. Da geschah aber etwas Uner- wartetes. Der Staatsanwalt stellte den Antrag, die ganz« Aussage Leyks im Totschlogsprozeß der Frau Holz zum G e gen stand de» M e i n e i d.s p r»ze f-fe s zu machen. Seine Schilderung, daß der Hauptmann Holz mit hochgehobener Hand auf seine Frau losgegangen fei, könn� nicht der Wahrheit entsprechen. Dies« Aussage sei mit dem Obduktionsbefund zu ver- gleichen. Mit anderen Worten, der Staatsanwalt beantragte ge- wifscnnaßen eine Ausdehnung dieses Meineidsverfahrcns zu einem Wiederaufnahmeverfahren in der Totschlagsan- klage gegen Frau Holz. Gegen dieses Vorgehen erhob Rechtsanwalt Dr. N ü b e l l Einspruch: Wenn hier der Totschlags- prozeß aufgerollt werden soll, so müßte dies nicht nur zu einem Teil geschehen, sondern in vollem Umfange. Dagegen würde die Verteidigung nichts einzuwenden haben. Als dann der Staatsan- walt einen Lokaltermin beantragte, damit an Ort und Stell« festgestellt werde, ob sich die Tötung so abgespielt habe, wie Leyk sie schildert, rückte die Verteidigung auch ihrerseits mit einer Reihe von Beweisanträgen heraus, die die Aussagen der Hauptbelastungszeu- ginnen erschüttern sollen. Unter anderem beantragt« sie die La- dung der Frau Holz, des Staatsanwalts Jacob y I und des Amtsgerichtsrats D a n z i g c r. Letzterer fall bekunden, daß ihm der wahre Zweck des Strafbefchls verschwiegen worden sei; hätte er gewußt, daß dadurch ein Wiederaufnahm« oersiihren erzwungen werden soll, so hätte er ihn nicht erlassen. Das Gericht beschloß den Lokaltermin und die Ladung der von den Verteidigern beantragten Zeugen, mit Ausnahme des Staatsanwoltschaftsrots Iacoby und Amtsgerichtsrot Danziger. Der Lokaltermin wurde um 545 Uhr von dem Landge. richtsrat Elsoffer vorgenommen in Gegenwart des Geh. Me- dizinalrats Dr. S t ö r m e r, des Schießfachverständigen, des Kriminolassistenten Hartwig, des Angeklagten Leyk, der Verteidiger und der Zeugin Doberan. Leyk schilderte ausführlich die Ereignisse des verhängnisvollen Morgens. Die genaue Bssschti- gung des Zimmers förderte etwas ganz Uelx-rraschendes zutagcu In der Ecke am Ofen, der ssch an der gleichen Wand wie die Tür befindet, von der ous Frau Holz geschossen haben soll, wurden Kugelspuren gefunden, die seinerzeit unemdcckt gebliebeu waren. Sollten diese Spuren tatsächlich vo,, den Schüssen der Frau Holz herrühren, so kann sowohl ihre Darstellung als auch die Darstellungen Leyks nicht stimmen: die Zeugin Doberan wollte aber wissen, daß Leyk damals die Kugelfpuren als von den Schüssen der Frau Halz herstammend bezeichnet habe. Leyk bestrin das. Am Freitag soll Dr. S t ö r m e r aus dem Obduklinnsbeiund fest- stellen, ob auch der Einschußkanal Leyks Behauptungen widerlege. So ist man mitten im Wiederaufnahmeveriahren gegen Fran Holz Die Rechtsanwälte Dr. P i n d a r und Dr. R ü b« l l zogen au» dieser Tatsach« die Konsequenzen, sie kündigten Ladungsantröge von 50 neuen Zeugen an, nmnlich sämtlicher Zeugen aus dein Totschlagsprozeß gegen Frau Holz Ein noch nie dogerneienes Verfahren. Dielleicht töte das Gericht doch gut, sich mit den bereits erbrachten Beweisen zu begnügen, anstatt durch die Wiedcraufros. kung des Totschlag-prvzesseg Leyks Schuld oder Unschuld nachweisen zu wollen. Der prafideni des Aran-Giaoies. „Professor" Weber vor Gericht. .Professor" Artur Weber, der in Moabit ein« bekannte Per sönlichkeit ist, stand vor der Berufungsinstanz:«in Bierundviezig. jähriger, mit dem Aussehen eines Fünfundfünfzigjähngen:«in p«r- gomentartiges Gesicht mit der Haartracht eines Dichters oder Philo- sophen: Hypnotiseur und Okkultist, ein Mann, von dem in einer okkultistischen Zeitschrift eimnal behauptet wurde, daß die Berleum- dung dieses feit Jahrzehnten selbstlos für die Höherentwicklung der Menschheit tätigen, genialen Schriftstellers nur den Charakter der- Zcniigen kennzechne, die aus Habsucht, Neid und Ehrfurcht ihn bc- kämpfen: ans solchem Holz wie er seien nur bahnbrechende und neues erfindende Männer geschnitzt... Prof. Weber ist wegen verschiedener Schwindeleien achtmal vorbestraft. Die Strafen erkennt er nicht an: ebensowenig wie er die letzte Strafe von zehn Monaten anerkennt, wegen der er Berufung eingelegt hat. Weber nennt sich»Präsident des..A p.»»- Staates", der weithin unbekannt ist. Er ist auch„Prm'essor der Aran-Umversität", die ihren Sitz in Amerika haben soll. Für einen solchen„Würdenträger" ist der Betrugsfall, der zur Verhandlung steht, tatsächlich sehr profaner Natrir.'„Professor" Weber unterhielt mit einem Herrn L. einen Verlag. Er kaufte sich in der Motzftraß« eine Wohnung, die 4000 Mark kosten sollte. Als Sicherheit nannte er fein Vermögen in Höhe von 2 Millionen Mark— so taxierte er höchstwahrscheinlich seine philosophischen Gedanken ein— und gab außerdem für die Summe von 4000 Mark Wechsel, die im Wert« von se 200 Mark allmonatlich fällig sein sollten. Er stempelte sie mit der Firma L. ab, ohne ein Recht dazu zu haben und ließ sie von seinem Kompagnon Frau G. und einer seiner Anhängerinneu, einer 67jährigen Theasophi» Frau S., imierschreiben. Diese Wechsel hatten gar keinen Wert. Das ivar Betrug. Interessanter als dieser ist die Persönlichkeit»Professor" Webers. Er ist im Kreise Rochlitz bei Chemnitz geboren, hatte, zuerst Medizin, dann Philosophie studiert, um sich später dem Verlcgerbenif zuzuwenden. Cr will in Leipzig fünf Berlage gegründet haben und wäre wie festgestellt wohl heute noch ein reicher Mann, wenn nicht ein Mil- Menschen, Göttern gleich... 771 Roman von yerbert George wells. Auf einmal geschah etwas mit größter Geschwindigkeit. Es war, als ob für einen Moment eine Hand erschienen wäre und die Blume sortgenommen hätte� In einem Augenblick war sie verschwunden. Eine kleine Staubwolke wirbelte auf, trieb davon und sank nieder... Es war das Ende. Bei dem Gedanken an den Verkehr auf der Hauptsirahe bückte sich Mr. Barnstaple, um so sein Gesicht vor den Passan- ten zu verbergen. Einige Minuten war er unfähig, seine Selbstbeherrschung wiederzufinden. Mit einem Arm das Gesicht bedeckend, stand er da, angelehnt an das schäbige braune Verdeck seines Wagens... Endlich ging der Anfall von Kummer vorüber und er konnte wieder in den Wagen steigen, die Maschine anlassen und auf die Landstraße hinausfahren. Zufällig wandte er sich nach Osten. Die dunkle Tür ließ er hinter sich offen, er fuhr langsam; denn er hatte bisher nicht darüber nachgedacht, wohin er fahren wollte. Es kam ihm der Gedanke, daß er in dieser alten Welt wahrscheinlich als eine rätselhaft verschwundene Person gesucht werde. Es könnte ihn jemand entdecken und er würde so der Brenn- vunkt von tausend unmöglichen Fragen werden. Das wäre sehr langwellig und unangenehm. In Utopien hatte er nicht daran gedacht, dort war es ihm als leicht möglich er» schienen, unbeobachtet auf die Erde zurückkommen zu können; jetzt auf der Erde erschien ihm diese Möglichkeit verrückt. Bor sich sah er das Schild einer bescheidenen Teestube. Es fiel ihm ein. daß er hier aussteigen könnte, um eine Zeitung an- zusehen, eine vorsichtige Frage zu stellen und daß er so her- ausfinden könnte, was sich auf der Welt ereignet hatte und ob er wirklich vermißt worden war. Unter dem Fenster fand er einen Tisch, der schon zum Tee gedeckt war. In der Mitte des Zimmers trug ein größerer Tisch eine Palme in einem großen Topf und eine Auswahl von Zeitungen, in der Hauptsache alte illustrierte Blätter Aber es war auch eine Morgenausgabe des..Dally- Expreß" darunter. Er stürzte sich gierig darauf, voll Furcht. daß fl« von rStselhafte» Anzeigen über das Verschwinden von Mr. Burgleigh, Lord Barralongo, Rupert Catskill, Mr. Hunker, Pater Amerton und Lady Stella erfüllt sein werde, von den geringeren Leuchten nicht zu reden... All- mählich, als er das Blatt umwandte, verschwanden seine Be- fürchtungen. Ueber keinen von jenen stand ein Wort dahin. „Aber ihre Freunde mußten sie doch sicher vermißt haben!" redete er sich ein, indem er sich jetzt an diesen Ge- danken anklammerte. Er las das ganze Blatt durch, nur einen fand er er- wähnt und das war der letzte Name, den er vorzufinden erwartete— Mr. Freddy Much. Der„Prinzessin de Mo- dena-Frascati(geborene Higgisbottom)-Preis" für englische Literatur war von Mr. Graceful Gloh an niemanden ver- geben worden, besonders mit Rücksicht auf die„Unabkömm- lichkeit von Mr. Freddy Much im Ausland". Das Problem, weshalb gegen die anderen nicht Zeter und Mordio geschrien wurde, eröffnete vor Mr. Barnstaple ein weites Feld der Grübeleien über irdische Dinge, in die er sich eine Zeitlang versenkte. Seine Gedanken kehrten zu jener hellroten Blüte zurück, die zwischen den abgeschnittenen Grashalmen auf der gemähten Wiese gelegen hatte und zu der Hand, die sie anscheinend fortgenommen hatte. Damit hatte sich das Tor, das sich auf so wunderbare Art zwischen jener fremden, schönen Welt und unserer eigenen geöffnet hotte, wieder geschlossen. Das Wunder ergriff Besitz von Mr. Barnstayles Denken. Jene teure Welt der Ehrenhaftigkeit und des Heils lag jen- seits der äußersten Grenzen unseres Raumes, vollkommen unerreichbar für ihn auf ewig; und doch war sie nur eines der unzähligen Universen, wie man ihn belehrt hatte, die sich miteinander durch die Zeit bewegen und aneinanderge- fügt sind, endlos wie die Blätter eines Buches. Und sie alle waren in der unendlichen Mannigfaltigkeit der Systeme und Dimensionen, die sie umgaben, so gut wie nichts..Könnte ich nur meinen Arm aus den ihm gesetzten Grenzen hinaus- bewegen," hatte einer der Utopen zu ihm gesagt,„so könnte ich ihn nach taufenden Universen ausstrecken..' Eine Kellnerin mit der Teekanne rief ihn wieder zu irdischen Dingen zurück. Die Mahlzell, die ihm vorgesetzt wurde, erschien ihm ohne Geschmack und unappetitlich. Er trank das seltsame Gebräu, das Tee vorstellen sollte, well er durstig war, ab« « aß tau« einen Bissen, Zufällig steckte er einmal die Hand in die Tasche und fühlte etwas Weiches. Er zog das Blütenblatt hervor, das er von der roten Blüte abgerissen hatte. Es hatte sein glühendes Rot verloren, und als er es in die stickige Luft des Zimmers hielt, krümmte es sich zusammen, schrumpfte ein und wurde schwarz; sein feiner Duft wich einem ekelhaften Geruch. „Es ist ganz klar," sagte Barnstaple,„ich hätte das er- warten sollen." Er ließ das verwelkte Restchen auf seinen Teller fallen, dann nahm er es wieder auf und vergrub es in dem Palmentopf. Er nahm den„Daily-Expreß" wieder zur Hand und las ihn durch, um den Sinn für die Angelegenheiten dieser Welt wiederzufinden. 7. Lange Zeit grübelte Mr. Barnstaple in der Teestube zu Colnebrook über dem„Daily-Expreß". Seine Gedanken schweiften in die Ferne, so daß ihm bald die Zeitung unbe- achtet zu Boden glitt. Er erhob sich mit einem Seufzer und verlangte die Rechnung. Als er zahlle, bemerkte er, baß die Brieftasche noch voll mit Pfundnoten war.„Das wird der billigste Urlaub gewesen sein, den ich Halle," dachte er,„ich babe überhaupt kein Geld ausgegeben." Er fragte naä) dem Pastamt. da er ein Telegramm absenden wollte. Zwei Stunden später bielt er draußen.vor dem Tor seiner kleinen Villa in Sydenhain. Er öffnete es— der Stock, mit dem er es gewöhnlich tat, war an seinem Platz— und steuert« die„Gelbe Gefahr" mll der Geschicklichkell der Gernohnheit an dem geschweiften Blumenbeet vorüber zur Tür seiner Be- hausung. Mrs. Barnstaple erschien im Eingang. „Alfred! Bist du endlich zurück?" „Ja, ich bin zurück. Hast du das Telegramm erhallen?" „Bor zehn Minuten. Wo bist du die ganze Zell ge» wesen? Es ist mehr als ein Monat vergangen." „0 ich habe mich so herumgetrieben und geträumt. Ich habe eine wunderbare Zeit erlebt." „Du hättest schreiben sollen. Du hättest wirklich schreiben sollen. Wirklich, Alfred..." „Ich wollte mich nicht anstrengen. Der Arzt sagte, ich solle mich nicht quälen lassen. Ich sagte es dir ja. Gibt e, etwa« Tee? Wo sind die Jungen?" ._(Schluß folM J fimSr ihn durch«in» sin«««tt» Forderung hatte pfänden lassen. nxtl er ihm seinen Verlag nicht verkaufen wollte. SpSter wandte er sich dem Okkultismus zu. oerbreitete Bücher okeultistischen In, hall» und«rnanMe sich schliesilich zum.Präsidenten des Aran-Staates", versprach als solcher Titel, Orden, Dozen- turen und Professuren. Die Vorzüge des Aran-Staates wurden in einer besonderen Broschüre gepriesen. Die Folge davon war, daß sich Leute betrogen suhlten und die Polizei riefen..Professor"' Weber ist Witwer, sein Sohn befindet sich in einer Irrenanstalt.... Man hätte gewünscht daß ein psychiatrischer SachverstSirdiger auch über Herrn Prof. Weber befragt worden wäre. Die Strafkammer kam schließlich zur Verwerfung der Berufung..Professor" Weber wird sich 10 Monate lang im Gefängnis aufhalten müssen. Krühlingsfest bei den Krüppeln. Gastragödie in Nerlin AO. Ooppelfelbstmord oder ilnfall? Zm Hanse welnsiraße 17/16 wurde gestern abend eine Ehekragädie entdeck l. Zu dem Schlafzimmer ihrer im driiken S kockwert gelegenen Wohnung wurden der 70jährige Wilhelm Bernhard und seine SIZSHrige Iran Ida durch Gas verglskel bewußtlos aufgefunden. Hausbewohner bemerkten auf dem Treppenstur in den Nach- Mittagsstunden einen starken Gasgeruch. Man ging der Ursache nach und stellte fest, daß die Gas« aus der Wohnung der D.fchen Che. leute drangen. Als auf Klopfen nicht geöffnet wurde, benachrichtigte man die Polizei, die sich gewaltsam Einlaß verschaffte. In dem mit «Sa» angefüllten Schlafzimmer wurk da» betagte Chepaar besinnungslos aufgefunden. Die zu Hilfe gerufene Feuerwehr nahm Wiederbelebungsversuche vor, die nur bei der Frau von Erfolg waren. Sie wurde in das Krankenhaus über- geführt, wo sie bedenklich daniederliegt. Die Leiche des Manne» wurde beschlagnahmt und in das Schauhau« gebrocht. Ob ein gemeinsamer Selbstmord vorliegt, oder ob da» Chepaar da» Opfer eines Unglücksfall«» geworden ist, tonnte noch nicht einwand- frei ermittelt werden. �Oas andere Geflchi." Diebstähle im Dämmerzustand. Der Feuerwehrmann M. war wegen fortgefehlen Diebstahl» vor dem Schöffengericht angetlagt, weil er in n'cht weniger als 20 Einzelfällen mit einem Aach. fchlüssel die Schränke eines Kameraden auf der Feuerwache geöffnet und im ganzen etwa 100 DT.«nlwendet hatte. Der Destoh'ene vevwaltete eine Sammelkasse, au» der gemeinsam Tabak und andere Sachen für die Feuerwehrleute der wache bezogen wurden. Ein halbes Zahr lang verschwanden an» dieser Kasse forlgesehl kleine Beträge. Endlich kam man auf die richklge Spur, nachdem flch einige Fenerwehrleule tagelang In ein Versteck gelegt hallen. Der sehige«ngeklagle, «in älterer Feuerwehrmann, dem niemand die Tat zugetraut hätte, wurde bei der Tal abgefaßt, als er den Schrank wieder »ffueke. Er erklärt«, daß er sich auf nicht» besinnen könne. M. war fünf Monate in einer Nervenheilanstalt in Weißensee zur! Beobachtung, und vor dem Schöffengericht wurden zwei Nerven. ärzt» vernommen. Beide kamen zu dem Ergebnis, daß der Ange- klagt» an kleiner Epilepsie, die mit einer kurzen Geistes- abwefenheit verbunden ist. leide. Diese kurze Geistesabwesenheit fei nicht von den Erscheinungen der typischen Cpilipsse, nämlich den Krampsanfällen, begleitet. Die Wissenschaft Hab« festgestellt, daß Leute, die In hohem Ansehen und in Würden stehen, in derartigen kurzen Dämmerzuständen ganz unberechenbare handkun- gen begehen. Di« Sachverständigen glaubten daher, daß der An- geklagte seine Straftaten mit einer an Wahrscheinlichleit grenzenden Sicherheit ebenfalls in diesem Austand begangen Hab«. Dem Gtaatsenwalt erschien e» höchst unwahrscheinlich, daß ein Mann ein halbes Jahr lang in 20 Etnzelhandlungen vollkommen ktberlegt« Taten ausgeführt Hab« und dabei stet» im Dämmerzustand gewesen sein soll. Er glaubie. daß der Angeklagt« schuldig sei und beantragt« drei Monate Gefängnis, im anderen Falle aber wäre es notwendig, noch»inen gerichtsärztllchen Sachverständigen zu vernehmen. Der Verteidiger verwies auf die Fälle. In denen angesehen» Leute ebenfalls«in« Doppelrolle gespiest haben, ohne sich bei ihren strafbaren Handlungen ihrer Taten bewußt zu sein. Er erinnert« an den bekannten Roman von Paul Lindau.Das »ndere Geficht", in dem ein Staatsanwalt nachts Im Dämmer- zustand zum Verbrecher werde. Nach länoerer Beratung kam da» Schöffengericht auf Grund der ärztlicken Gutachten zu einer Frei- fprechung des Angeklagten aus Z öl. Zu den westlichen Felden» draußen, am Bande Berlin». liegt die bekannte Heilstätte. Aus der Kulisse der Nacht leuchteu die Illumluierlen Fenster, lockt der warme Schein des hier pflegsam gehüteten Leben», heute besonders, seine Znsassen seiern das.Frühlingsfest". Da sitze ich nun als einzig Gesunder zwischen ihnen im grün- geschmückten Festsaal(im Sinn; von Thomas Mann, daß Krankheit die Umgebung infiziert, also auch Aerzte und Pflegepersonal). Linker Hand neben mir boumell ein Knabe fröhlich mit seinen Bein- stummeln. Dem Mädchen rechter Hand gefällt es, in den Zwischen» pausen der Musik sein« Armprothesen in den Gelenken knacken zu lassen. Auf einer Improvisierten Bühne steigt ein Festspiel. Noch immer schwankt mein Gefühl, nur hier zu sein wie die anderen, die mit glänzenden Augen der einfachen Scholkshandlung folgen, oder als Gesunder all« die mit bunten Theaterlappen verdeckten Uneben- hellen auszudeuten, die von den..Ärüppelschouspielern" mit einer an» Groteske mahnenden artistischen Fähigkeit versteckt werden. Mein Blick fällt auf ein blasses Kind Im Rollstuhl, das mit einem künstlichen Korsett im Rückgrat, still und ergebungsvoll dem Spiele lauscht, die Hände hasten dabei die dicken blonden Zöpf«, die über dem Bett liegen. Mll mütterlicher Regung springt eine Zwergin au» den Stuhlreihen auf und schiebt die Kranke im Stuhl näher zur Bühne; wie ein Kind, da» laufen lernt, klemmt sich die Kleine hinter da» rollende Gestell. Beide Freundinnen sind durch jähre- langes Leiden miteinander verbunden, sie stehen wohl setzt in dem Alter, wo die Empfindungen anderer Liebe in den Artgenossinnen keimt. Doch wie die Zwergin zu ihrem Platz zurückeilt, umfassen sie junge Arme, um sie auf Ihren erhöhten Sitz hinaufzuheben. In dem Stück auf der Bühne hat sich Fürchterliches begeben. Ein Nachtwächter ohne Füße kloppen mll Spieß, Horn und Laterne in den Frieden eines Dorfe», alle nachtschlafenden Geister alar- mierend. Gr hat«inen schlvorzen Riesenvogel gesichtet, der, o Schreckenl vor den Toren ein Riesenei gelegt hat. Der Bürger- meister wird geweckt, seine Frau beschwört Ihn, sich nicht in die Ge» fahr zu begeben. Der Nekromant und Zauberer de» Orte» kündigt groß« Ereignisse zu diesem Dorfall an. Es wird beschlossen, Frau Bürgermeister muß.das Ei ausbrüten. Sie unterzieht sich dieser schwierigen Sache mll viel Geduld, wobei sie beinahe vorzeitig in da» Ei«inbricht. Ja, der ganze Saal ist voller Lachen. Fahre hin. letzte» Bs- denken! Nun lache ich aus vollem halse selbst mit, wie alle die fröhlichen, jauchzenden Krüppel um mich her, weil die kecke Frau Bürgermeisterin beinahe auf ihrer kipplichen Geschichte eingebrochen ist. Und zuletzt, wie nun die große Stunde kommt, wo alle» vor Erwartung bebt, was in dem Zauberei entHallen sein mag und die Bürgermeisterin Tränen vor Ungeduld vergießt, springt— heißa? lustig ein Teuselchen im roten Trikot daraus hervor. Klingelnd mit seiner Schellenkappe wippt es zwischen Schauspielern und Publikum einher, ein gertenschlankes freches Bürfchlein mit losem Mundwerk, dem weller nichts an seinem Glück fehlt als— beide Arme. Fieberhaft wird bereits an den Dorbereitungen des zweilsn Teils der Fidelllas gearbeitet. Der Festsaal ist zum Tanz- saal umgestaltet. Bunt« Papiergirlanden und Lampions senken sich au» dem hohen Raum herab. In schnurrig phantastischen Kostümen stellen sich die Festteilnehmer ein. Dem kranken, jungen Mädchen hat man das Rollbett in einen Schwan verwandelt. Müde lächelnd mll einer goldenen Papierkrone über den blonden Flechten liegt sie in den Kissen, eine kleine heilige in dieser lauten Lust. Pierrots und Kolumbmen streichen mll Klappern umher. Papier- schlangen fliegen. Eigenartig« Phantastit, spukhaft, weder schön noch häßlich Die Geschlechter haben gewechselt. Viele Knaben und junge Männer haben sich in Mädchenkleider gekleidet. Mädchen haben sich Schnurr. bärte angemall und hinten baumeln die Zöpfe unter den Knaben- mutzen hervor. Die ersten Paare treten aus klappernden holzstelze» zum Tanz an. Wie sonderbar, daß man auf Krücken sich dennoch drehen kann. Im ärmellosen Dirndlkleid ianzt ein Junge: an Stelle de» fehlenden Arme» leuchtet oben an der Achsel die rote abg»- bundene Narbe. Ein anderer einarmiger Kamerad umschlingt ihn; zwei Arm« geben ein Paar, da» spottet nicht dem Gesetz der Logik. Die Zwergin wird von einem baumlangen jungen Menschen empor. gehoben, ihr zerfaltetes altes Gesicht lacht ihm fröhlich entgegen. So stelzt er mll ihr im Saal« herum, damit auch sie zu ihrem Recht komm«. De, armlose Teufel au» dem Stück wird von zwei gesunden Händen umschlungen und im Tanze gedreht. Da» holpert, humpell, knarrt und schwingt sich in schnelleren oder schwerfälligen Kreisen zur Musik. Betont laut und sorglos fein Recht aus dieses Leben. Laut, fröhlich und bunt wollen auch sie es hoben. Zwischen Krüppeln und Krüppeln, auch zwischen Krüppeln und ihren Pflegern knüpft sich da» Land gegenseitiger Lieb« und Kameradschaft, hier liegen die Imponderabilien de» Glücks. Mr Ge« sunden mögen dem Geheimnis well entfernt sein. Längst noch, wie ich in tiefdunfler Nacht den ersten Lichtern an der Stadtgrenze zueilte, abstrahierte ich von diesem Glück und lauten bunten Fest das Leiden. Und fand die Lösung nicht und schämt« mich. F. R. »Verlorene� Brieftaschen. ' Durch eine gutgemeinte Borsicht Ist ein hiesiger Kaufmann um mehr als 2000 Mark gekommen. Al, er mit seiner Frau ausging, riet diese ihm an, da» Geld in seiner Brieftasche mitzunehmen, damit es nicht In ihrer Abwesenheit aus der Wohnung gestohlen werde. Die Wege der Eheleute trennten sich aber. Der Mann hatte Geschäfte zu erledigen und machte dann am Alexanderplatz di« B e- kanntschaft«ine» jungen Mädchens, das ihm erzählte, es sei aus Marggrabow a. Man besuchte gemeinsam«in Casä vnd fuhr hieraus mii einer Autodroschke noch der Gilschiner Straß«. wo da» Mädchen angeblich wohnte. Während der Kaufmann aus feinem Portemonnaie den Chauffeur bezahll«, verschwand seine Begleiterin plötzlich, ohne daß er sehen konnte, welch« Richtung sie ein- schlug Auch im Easä hatte der Mann die Zeche von seinem Klein- geld berichtigt. So war er nicht dazu gekommen, die Brief- tasche zu gebrauchen. Erst zu hause angekommen, entdeckt« er, daß sie verschwunden war. Die Diebin hatte st« Ihm wahr- scheinlich schon im Casä gestohlen, während sie sich scheinbar harmlos en feiner West« zu schassen machte— Ein mitfühlende» herz zeigte «in andere« Mädchen, die �Helene" gerufen wird, aber auch unter dem Spitznamen»Araber- Braut" bekannt ist. weil sie gern zu exotischen Artisten Beziehungen unterhäll. Sie stieß in der Friedrich- straße in einem Cafä auf einen Gast, für den es hohe Zell war, nach Kaufe zu gehen. Da er sehr schwach auf den Füßen war und be» dentlich schwankte, leistete Ihm Helene den Freundschaftsdienst, ihn heimzugeleiten, machte sich zu guter Letzt aber selbst dafür bezahlt. Sie ßeferte den Betrunkenen in seiner Wohnung ob, wo dl« Gattin ihn i» Empfang nahm. Dann empfahl sie sich. Erst später zeigte sich, daß si« die Brieftasche mitgenommen hatte, die außer 300 Mark Bargeld für den Bestohlenen sehr wichtige Papiere «nthielt. Der Lestohlene will für die Wiederherbeischafsung der Briestasche 10 Prag. Belohnung zahle»... Die Vergmann-Affäre. Nur noch Bergmann in Hast. In der Detruzsaffäre Bergmann und Genossen sind nun- mehr bis auf Bergmann sämtliche Mitbeschuldigte au» der Unter- suchungshast entlassen worden. Gestern fand vor dem Unter- suchungsrichier der haftprüsungstermin für die mitbe- schuldigten Eheleute W u st r ow statt. Der Untersuchungsrichter stimmte dem Antrage von Rechtsanwall Dr. Fcy zu. obwohl Stoatsanwaltschastsrat Schumacher gegen die haftentlassunz Widerspruch erhoben hatte. Das Ehepaar Wustrow wurde gestern, nachdem der Verteidiger je 2000 M. Kaution als Sicherheitsleistung gegen Fluchtgesahr bei der Gerichtskasse«ingezahll hatte, aus der Untersuchungshaft entlassen. Friedrichshagen(109. Abt.) kraltag, 27. Apri?, 20 Uhr, Im Lokal Scholz, Frlediiduir. 81 Wählerinnen-Versammlung Referat der Cenoisin Minna Todenbagen:»Au« eigener Kraft"(mW UdWblldem). Alle Genossinnen, die Frauen der Genossen, Vorwfirlsleser u. Sympathisierende sind eingeladen! Alle Macht 6er Partei! In einer von der Friedrichsfelder Ortsgruppe der Partei ver- anstalleten gutbesuchten Versammlung im Großen Saal von Tempels Restaurant in der Prinzenallee sprach gestern abend Reichstags- abgeordneter Genosse Dr. Rudolf Breitscheid über das Thema..Der Kamps um den Staat." Für die Partei handelt e» ssch in diesem Wahlkampf um die Vermehrung und Verbesserung der politischen Machtpositionen. Dieser Kamps wird innerhalb und außerhalb— durch die Gewerkschasten und Genossenschasten— des Parlamente» geführt. Es gilt darum, die noch Abseitsstehenden zu erfassen— es gilt die Seele des Volkes zu gewinnen. Daraus er- gibt sich auch sür die Partei die Stellung zum Staat, dessen Struk- tur heute noch«ine tapitalistisd)« ist. Bei den vergangenen Wahlen haben Millionen von Arbeitern ihre Stimmen für die bürgerlichen Parteien abgegeben. Trotzdem muß der Kamps mll der Wasf« der Demokratie, um deren Verwirklichung jahrzehntelang gekämpft wurde, weitergeführt werden. Di« von den Kommunisten propagierte „Diktatur des Proletariats" würde Deutschland in ein wirislhaft- liches und politisches Chaos stürzen. Das langsame, aber unaus- holtsame Eindringen der Arbeitersihast in den Staat wird die Siel- lung der Arbeiterschaft so stärken, daß alle Angriss« der Reaktion zerschellen müssen. Die politischen Verhältnisse in Preußen und Reich beweisen die Richtigkeit dieser Meinung,.hierbei erinnert« der Redner unter lebhafter Zustimmung der Versammlung an den Einspruch der preußischen Regierung gegen Herrn K e u d e l l» Ab- ficht, den„Roten Frontkämpferbund" zu verbieten. Unter dem Einfluß dieses Beispiels haben sich alle Länder, außer Bayern und Württemberg, dem Vorgehen Preußens angeschlossen. Aehnlich liegt e» hinsichtlich der Amnestie sür die politischen Gefan» g e n e n. Der Wahlsieg unserer Partei wird ihnen die Kerkertüren öffnen, ohne daß zugleich den Fememördern die Freihell gebracht wird. Dann besckäsiigte sich Genosse Breiticheid mit den an der Regierung des Bürgerblocks beteiligten Parteien, wobei sein« treffend« Charakterisierung der Deutschnatianalen Dolkspartei leb- hasten Beifall Hervorries. Den Schluß d«» Bortrages bildete«In« mit vielen Zahlen belegte Darstellung de» großen Steuerunrechts. das an dem arde'tenden Volk durch den Bürgerblock begangen worden ist. Die fast zweistündigen, mit größter Aufmerksamkeit aufgenommenen Ausführungen des Redners fanden die einmütige und begeisterte Zustimmung der Deriammlung. Mit einem drei. fachen Hoch aus die Parieei fand die glänzend verlause« Kund- gebung ihr End»._ Maglstratsschulrat Kreuziger. Der sozialdemokratische Stadtverordnete Rektor Kreuzige r, der die weltliche Gemeindeschule 30S(am Leopoldplatz) leitet, war vom Magistrat zum Magistratsschulrat gewählt worden. Dell er Dissideol ist und an der Agitation sür di« weltlich« Schule sich stark beteiligt Hot, erhob die Presie der schulreaktionären Kreise ei» Ge>- schrei über diese Wahl. Die christlichen Ellern müßten, meint« man. sich dadurch bedrückt fühlen, daß christlichen Schulen em Dissident als Aufsiditsbeamter gegeben würde. Die Hoffnung, aus diesem Grund« werde Kreuziger vom Unterrichtsminister nicht auch als staatlicher Schulrat bestätigt werden, hat sich den Schreiern nicht erfüllt. Die Bestätigung ist setzt vom Unterrichtsminister ringe- gangen. Kreuziger ist 47 Jahre all und steht sell 1902 im Schul- dienst.____ Neues Erdbeben ln Vulgarlen. Sofia, 24. ApriL Zu den kehlen 24 Stunden wurden welkere schwache Erdstöße in Phllippopel und anderen Orken wahrgenommen, hefssger waren die Erdstöße im Siara Zagora und besonders in h a s k o w o. wo einige ATauern einstürzien. Zu dem ganzen vom Erdbeben de- irvfsenen Gebiet sucht sich die Bevölkerung verzweifelt gegen das ongünstige Wetter zu schützen, da die errichteten Baracken noch nicht ausreichen. Infolge der dauernden R e g e n f ä l l e und der kälte. die in den letzten Togen zugenommen Hai. muß man ernstlich den Aasbruch einer Epidemie befürchten. Der Miulsterpröfl- den« erNSric. daß die Behörden alle Anstrengungen ualernehmen. um den Bau von Baracken zu beschleunigen. Oie Gerhandgranate in der Militärhose. In einer Sumpensabrit in Inden b. Jülich sond«in« mit dem Sortieren von alten Lumpen beschäftigte Arbeiterin in einer M i l i t ä r h o s e eine Eierhandgranate. ZZeim herausnehmen explodierte die Granate und verletzte die Arbeiterin so schwer, daß sie in lebensgefährlichem Zustande in» Krankenhaus geschafft werden mußte._ Die 5. Oberrealschule, Kleine Frankfurter Straße 5. begeht am Freitag, dem 27. April, dl« Feier ihre» zehn- jährigen Bestehens. Aus Anlaß dieses Festes findet abends 8 Uhr Im Festsaale der Singakademie ein Schulkonzert statt, bei dem der Chor der Anstalt außer Volksliedern u. a. die Chorphan- tasi« opus 80 von Beethoven jür Pianosorte, Chor und Orchester zu Gehör bringen wird. dtoA eins. nur-: tOÜo&n." 9/Zat*'ninunt' ciosd � Clc[o£ aßßuvir. nrnacArf- c}f)luncl und SaAnz rein! ប RIK REEMTSMA AKTIENGESETSCHAFT E FABRIK Wenn der Lebensweg unsere Geschäftsfreunde einmal in die Nähe unseres Werkes führt, dann bitten wir höflichst um den Besuch für eine gründliche Besichtigung der Tabak- Mischungsanlagen. Besser als Worte beweist der Augenschein die absolute Qualitätssicherheit für die CIGARETTE REEMTSMA OVA " Araber format 5.F. Pf. •.. JISEX Aus dem Mietrecht: Die Ermiffion Die Lokalchronit weiß häufig von Ermissionen und deren tra-, wucherischen Einwand auch in der Räumungsverhandlung zu ergischen Folgen zu berichten. Entgegen anderer Annahme ist in der heben. Zeit des Mieterschutes also doch nicht der Staatsbürger vor Ermission geschützt. Das Mieterschutzgesetz schützt den Mieter durch die Abhängigkeit der Ermission von der Sicherung von Ersagraum vor ber Obdachlosigkeit. Aber dieser Schutz bezieht sich bekanntlich nur auf der Zwangswirtschaft unterstehende Räume. Ausgenommen von diesem Schuh find: Der Mieter kann verlangen, daß im Räumungsurteil eine ents sprechende Frist festgesetzt wird. Die Pragis lehrt, daß meistens der von der Räumung bedrohte Mieter minderbemittelt ist und sich feinen Anwalt leisten kann, während der Hausbesiger durch einen guten und in Mietsachen besonders erfahrenen Rechtsanwalt vertreten ist. Der Mieter weiß nicht, welche Anträge er zu seinem Mieter von Räumen, die nach dem 1. Juli 1918 bezugsfertig, Schutze stellen muß. Vor dem Amtsgericht herrscht kein Anwaltszwang. Ein Armenanwalt wird ihm deshalb mohl nicht gewährt. Mieter in Räumen gemeinnütiger Wohnungsbau- Gesell- Nicht immer sieht der Richter ein, daß es für den Beklagten um die Existenz, für den Kläger aber nur um einen Handels artikel geht. Und so wird der Beklagte oft nicht auf seine Rechte hingewiesen, sondern vom Richter dem Unglück, der Obdachlosigkeit, überantwortet. Es ist daher dringend im Interesse des Mieters, fich von den Mieterverbänden beraten und beistehen zu lassen. Ichaften, Mieter von gewerblichen Räumen( auch wenn fie fich nebenher darin wohnlich niedergelassen haben) und von Lurusmohnungen, Mieter von Räumen, die nur vorübergehend oder zu befonderem Zwecke vermietet sind und Untermieter ohne eigenen Haushalt und Wirtschaft. Außerdem sind des gesetzlichen Mieterichuzes nicht teilhaftig diejenigen, die die Wohnung nicht auf Grund eines Vertrags im Sinne der Wohnungsgeseßgebung bzw. ohne Genehmigung des Wohnungsamtes benutzen( junge Chepaare bei den Eltern) und die jenigen, die für ihren Aufenthalt in der Wohnung( z. B. infolge Erlöschen des Vertrages) feinen Rechtsgrund haben. Auch den geschützten Mietern fann das Gericht den Erfahraum trog aller Härten verweigern, sofern es einen ernsthaften Grund ( Belästigung usw.) annimmt. Auch das unbefugte Weitervermieten bes Mieters fann, wenn er, nachdem er deshalb verurteilt worden ist, trotzdem dabei verbleibt, dazu führen, daß ihm die Zuficherung eines Ersagraumes wieder entzogen wird. In allen diesen Fällen, in denen die Sicherung durch einen Erfahraum entfällt, ist die Gefahr der Ermission und Obdachlosigkeit besonders bringend, menn die Aufhebung oder Räumung mit fofortiger Wirkung ausgesprochen wird. Bei Verträgen mit furzfristiger Kündigung- üblich gegenüber minderbemittelten Kreisen ohne Mieterschutz ist der Mieter ständig, auch ohne mit der Miete rückständig zu sein, in der Gefahr, auf die Straße ge fegt zu werden. Die Freigabe der gewerblichen Räume hat diese Gefahren insofern bedeutend erhöht, als sie den Bermieter zum Bucher gerade anreizte. Immerhin kommen die Klagen über gewerbliche Räume zunächst zum Mieteinigungsamt zum Büteausgleich, mas für den Mieter ein Zeitgewinn ist. Hängt bie Zahlungsunfähigkeit des Mieters bzw. die Räumungsflage irgendwie mit einer wucherischen Erhöhung zusammen, so ist dem Mieter zu raten, die Wucherbehörde anzurufen und den Hat jemand Rheuma Gicht. Ischiat. Olieberreißen. Derenschuk. Ner ben- ob. Erkältungsschmerzen, Streaz- u. Seiten fchmerzen. Stiche zwischen den Schulterblättern. dann nur Electricum bie schnell ichmerzbefreiende Etureibung von Eräftig burchgreifender Wirkung. Ein Natur produkt fibirischer Fichtenwälder, behen wirb fame Bestandteile gleichsam elektrifierend zu ben schmerzbefallenen Muskeln und Gelenken bringen und laut überzeugender Anerkennun gen schon Taufenden endlich Hilfe brachten. Rebmen Sie aber nur bas echte seit 35 Jabren bewährte Reichels Electricum. Fl. t. 1.25, 2.und 3.50 in Abotb. und Drogerien erhältlich. fonft bei Otto Reichel. 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Die Boll stredung aus dem vorläufigen Urteil fann zur Vermeidung unbilliger Härten eingestellt werden, sofern der Beklagte Berufung einlegt und dies beantragt. Er kann dies derart tun, daß er hier wird angenommen, daß es sich um einen mittellofen und daber leicht der Obdachlosigkeit anheimfallenden Beklagten handelt zu nächst bei der nächsten Instanz, dem Landgericht, das Armenrecht für die Berufungsinstanz und gleichzeitig die Einstellung der Zwangsvollstreckung beantragt. Wird ihm hierauf das Armenrecht verweigert und die Entscheidung über die Einstellung bis zur Einlegung der Berufung hinausgeschoben, so fann der Beklagte( die Beschwerde hiergegen an der Kammer- oder Ober landesgericht würde immerhin einige Tage erfordern) zunächst beim Richter der ersten Instanz die Nachhalung der durch Mangel an Rechtsbelehrung und an Rechtsbeistand versäumten Festlegung einer geräumigen Räumungsfrist beantragen. Im Falle der Ablehnung, meil ein derartiger Antrag vor Urteilsfällung gestellt werden muß, empfiehlt sich die sofortige Beschwerde dagegen. Gleichviel, ob diefer Erfolg beschieden ist oder nicht, wäre dann durch das Landgericht die Beschwerde an das Kammer( oder Oberlandes) gericht wegen Ablehnung des Armenrechts, verbunden mit dem Antrage auf Einstellung der Zwangsvollstreckung( falls diese noch nicht erreicht ist) einzureichen. Es dürfte auf die eine oder andere Weise ein Beschluß erzielt werden, der die Einstellung der Zwangsvollstreckung anordnet mit der Maßgabe, innerhalb einer bestimmten Komische 8%, Uhr Oper 8, Uhr James Klein's gewaltiges neues Revue- Stück: Zich' dich aus! 200 Mitwirkende. Vorverkauf ab 10 Uhr ununterbrochen. Letzte 6 Vorstellungen Grosses Anfang Schauspielhaus Ende 8 Uhr REGIE: 11 Uhr CHARELL Piscatorbühne Theater am CIRCUS Frift Berufung( formelle durch einen Anwaft) einzulegen. Dieser Beschluß muß sofort dem Gerichtsvollzieher vorgelegt werden, wenn er die Räumung schon angekündigt hat, worauf für ihn der Fall erledigt ist. Es ist allerdings dann möglich, daß ein rabiater Ber mieter am nächsten Tage durch seinen Anwalt die Aufhebung dieser Einstellung mit der Begründung erwirten läßt, daß keine Berufung ( durch einen Anwalt) eingelegt sei, und den neuen Beschluß noch naß von der Unterschrift, dem Gerichtsvollzieher zur möglichst sofortigen Bollstreckung überbringt. unliebsamen Ueberraschung. Das rechtskräftige oder vollstrecbare Auch in legterem Falle schüßt das Gesetz vor der plöglichen Urteil muß vor der Ermission dem Verurteilten zugestellt sein. Das bezieht sich überhaupt auf alle Urkunden, die die Grundlagen für die Zwangsvollstreckung bilden, also auch auf eine solche Anordnung, die die Einstellung der Zwangsvollstreckung aufhebt. Die zuzu. stellende Urkunde muß auf der Adresse den Vermerk tragen: Erfazzustellung an X. V.( den Gegner) unzulässig!" Die eventuelle Ersatzzustellung an den Gegner ist rechtswidrig und verpflichtet den Staat zur Schadenersazleistung. Der Gerichtsvollzieher muß prüfen, ob die Zustellung nach den gefehlen Borschriften erfolgt ist, für die Behebung eines etwaigen Mangels Sorge tragen und darf erst nach Feststellung der ordnungsmäßigen Zustellung zur Vollstreckung schreiten. Zuwiderhandlungen gegen diese Vorschriften machen die 3wangsräumung rechtswidrig, geben dem Bedrohten das Recht der Notwehr und legen dem Staat die Pflicht auf, bem ge. schädigten Mieter für Schaden aufzukommen. Und selbst bei Be folgung dieser Vorschriften darf der Beamte noch nicht vollstrecken, sondern muß erst der Wohnungsbehörde von seiner Absicht räumige Räumungsfrist gewähren, daß die Behörde ihm inzwischen eine Eilnachricht geben und dem Mieter eine derart geeine Erfahwohnung beschaffen fann. Die Inappste Frist wäre wohl zehn Tage. Durch diese gefeßlichen Bestimmungen gewinnt der Mieter wohl so viel Zeit, daß der inzwischen bestellte Armenanwalt Berujung einlegen und die Einstellung der Ermission beantragen fann, womit ihm wieder einige Monate gewonnen sind. Allerdings heißt es für den Mieter, dauernd selbst seine Anträge beim Gericht zu stellen und gleich auf den Entscheid- wenn auch stundenlang- zu warten. Im Falle einer vorschriftswidrigen Ermission fann der Mieter fich beschweren und flagen. Aber es wird für ihn schwer sein, von der den Beamten und den Fiskus schützenden Justizverwaltung Recht und Schutz zu erlangen, und erfordert jahrelange Ausdauer. Sicherer ist es, von dem Notwehrrecht Gebrauch zu machen. Die Polizei wird und darf nicht dem pflichtmidrig handelnden Gerichtsvollzieher zur Seite stehen, der damit aufhört, Staatsgewalt zu sein. Die Stadtverordneten haben ihre nächste Sitzung in dieser Woche am Donnerstag um 16% Uhr. Wie töricht, zu sagen Nollendorfplatz BVSCHZigarre ist Zigarre! Es gibt Kurfürst 2091/93 8 Uhr: Der letzte Matser von Jean Rich.Bloch asz- KarlheinzMartin Gastspiel im 8 U.: Neuartige Circ- Attraktion. 9 Uhr: Eine tolle Circus- Revue Lessing- Theater Berlin steht Kopp Norden 12798 8 Uhr ,, Honjunktur" v. Leo Lania Billigste Sommerpreise 60 Pfg., 1.- bis Loge 6: Insz. Erwin Piscator Metropol- Th. Barnowsky- Bubnen Th. Königgrätz. St. Bergm. 2110 81 Uhr Zentrum 128 24 84 Uhr: Der Graf von Luxemburg tausend Feinheiten- manchmal sogar bei einer SorteDie Bertwina aber bleibt sich gleich es ist eine JUHL Die Marquise Lichtenstein, JolZIGARRE von Arcis ( Merkwürdiges Beispiel einer weiblichen Rache) v. Carl Sternheim Komödienhaus Norden 6304. Tägl. 81, Uhr Broadway MADAME Walhalla- Th. Finden Sie, daß POMPADOUR Constance sich richtig verhält? Amphytrion Die Komödie Volksbühne Theater am Bülowplatz Th. am Schiffbauerdamm 8 Uhr 81 Uhr Die rote Der ZigarettenRobe kasten Renaissance- Theater Steinplatz 901. 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Bodungen die Behauptung wiederholt, General v. Pawelsz habe zur Zeit des Bolenaufstandes in Oberschlesien vor fleinem Kreise erklärt, Deutschland mobilisiere, gibt Pawelsz in großer Erregung die Erklärung ab, nicht die Reichswehr, sondern Roßbach habe mobilifiert, aber nicht gegen den auswärtigen, sondern gegen den inneren Feind. Im Juni 1920 wurde im Stabsquartier Sabow der Organisation Roßbach ein Befehl Roßbachs beschlagnahmt, dessen Original lich bei der preußischen Regierung befindet. Darin wird für die Kreise Greifenhagen, Pyriz, Arnswalde- West und Stargard mit außerordentlich großem militärischen Verständnis ein Opera tionsplan aufgestellt, zunächst für örtliche Unruhen, dann aber auch für größere Unruhen in Stettin. Die Besagungen der Güter follten zu schlagfertigen Trupps zu fammengefaßt und mit Wagen nach anderen Gütern geschafft werden. Diefer illegale Opera tionsplan war dem Wehrfreistommando unbe. fannt.( In höchster Erregung.) Aber in drei Deibels Namen, das Wehrkreisfommando fonnte doch nicht dulden, daß in den ihm unterstellten Bezirken von unverantwortlicher Seite Krieg ge. [ pielt wurde und daß Menschenleben und Gut in Gefahr tamen. Das Wehrkreistommando bildete sich ein, daß die Güter durch den Selbstschutz bewacht würden und nun mußte es erfahren, daß unter Umständen diefer Selbstschuh durch Roßbach von den Gütern weggezogen wurde. Dieser Operationsplan ist der beste Beweis dafür, daß das Wehrkreistommando recht hatte, wenn es gegen diese ge= heimen Organisationen vorging, die die Staatsgewalten lähmten und irritierten. Es tommt noch ein weiteres hinzu. In diesem Operationsbefehl heißt es:„ Erst bei drohender Haltung der Bevölkerung Rädelsführer feftnehmen und eventuell still beseitigen." Das ist ganz gegen das Interesse der Reichswehr. Bisher hat man auch nur immer von der Tötung von Verrätern gesprochen, hier heißt es aber Beseitigung von Rädelsführern", alio von Deut. schen, die politisch anders eingestellt waren. ( Mit der Faust auf den Tisch schlagend): Es handelt sich also um fraffen politischen Mord.( Große Bewegung.) Nach Bernehmung des früheren Landrats des Kreises Greifen hagen, die nichts Wesentliches ergab, erfolgte die Mittagspause. In der Nachmittagsfizung erfolgt zunächst die Bernehmung des feinerzeitigen Kreisleiters von Byrig Major a. D. v. Mallow, dem etma 200 Roßbacher und einige Waffenlager unterstanden. Er be hauptet, die Waffen und die Roßbacher feien den Gutsbesitzern aufgezwungen worden. Die Reichswehr habe gewußt, daß die Waffen in die Hände der Roßbacher tamen und sie babe strengste Geheimhaltung der Waffen anempfohlen. Auf die tonkrete Frage eines Beisizers, ob ihm der Befehl erteilt worden sei, Verräter unter allen Umständen zu beseitigen, vermag der Zeuge feine bestimmte Antwort zu geben. Darauf wird Roßbach als Beuge vernommen. Er schildert zunächst weitschweifig die Borgeschichte der Organisation Roßbach. Zu der Frage, wer den Befehl gegeben habe, Berräter zu erschießen, erklärte er, bei Ausbruch des Kapp- Puffches habe er dem General von Leftow unterstanden und der habe befohlen, Rädelsführer, Heher und Aufwiegler jofort zu erschießen. In diesem Sinne habe er am 18. März 1920 von dem Cettow unterstellten Major von Preffenfin einen schriftlichen Befehl erhalten. Auf Grund dieses Befehls habe er drei Erschießungen vorgenommen, wie auch bei feiner Anwesenheit im Ruhrgebiet Erschießungen erfolgt seien. Dies bezügliche Gerichtsverfahren seien niedergeschlagen worden. General von Pawelsz erklärt dazu: General von Lettom fand im Rapp Butsch auf der anderen Seite Dieser Befehl tann also nicht als solcher der legalen Reichsmehr angesehen werden für die Zeit der pommerschen Tätigkeit. Weiter stützt sich Roßbach auf den Befehl von Bodun gens: Herr von Bodungen teilte mir mit, wir unterständen seinem Befehl, und zwar stände er in direkter Fühlungnahme mit der Reichswehr. Berraf von Waffen müßte auf jeden Fall verhindert, Berräter unter allen Umständen unschädlich gemacht werden. Sturze Zeit nach seinem Eintreffen in Pommern fei er zum Chef des Stabes beim Behrfreistommando in Stettin, Oberst von Pamels3, gerufen worden, der ihn in einer Form begrüßt habe, wie etwa ein Borgesetzter zu feinen Untergebenen Spreche. Von Pamelsz habe ihn gefragt, wieviel Leute er habe und too fie untergebracht seien. Er habe sich auch erfundigt, ob sie Waffen hätten. Er, Roßbach, habe ihm darauf mitgeteilt, daß fie einen Teil der Waffen von Güstrow mitgenommen hätten. | General von Bamelsz habe ihn auch gefragt, wo sich diese Waffen jezt befinden. Auf die weitere Frage des Chefs des Stabes, wie er fich die Möglichkeit denke, daß Unruhen ausbrächen und Reichswehr mit Roßbachern ausgefüllt werden müssen, habe er sich der Reichswehr mit seiner Formation zur Verfügung gestellt, worauf wiederum General von Pawelsz ihm erwidert habe:„ Es fann nur einer befehlen, und das ist die Reichswehr." Auf Roßbachs Verlangen, daß feine Formation gefchloffen eingelegt werde, habe ihm der Chef des Stabes nur batterie und zugweisen Einsatz zugebilligt, eine Führung Roßbachs aber abgelehnt. Die Unterredung habe mit der Frage geschlossen, ob seine Leute auch zuverlässig feien und daß alle diese Dinge, auch ein eventueller Einfah unter allen Umständen geheim zu halten sei. General von Pawelsz: Ich bestreite pofitio, über die Waffenfrage und die Geheimhaltung gesprochen zu haben. Das übrige stimmt. Roßbach: Eine militärische Dienststelle, ich glaube, es war Hauptmann Wolf, hat mir noch gesagt, daß bei einem eventuellen Einfah aktive Reichswehrleute als„ Korsettsfangen" in meine Organisation hineingenommen würden. General von Pawelsz: Ich wollte wissen, wie es mit Ihnen stand, deswegen ließ ich Sie fommen. Mein lieber Freund, man wollte Sie damals schon verhaften. Roßbach( lachend): Warum haben Sie es nicht getan? Oberstaatsanwalt Saß: Roßbach hat an den damaligen Polizeipräsidenten Fenner in einem Brief sich über die drohende Berhaftung beschwert und erflärt:„ Wir find feine Soldaten, sondern freie Staatsbürger, die dem Vaterlande dienen wollen." Roßbach: Bir fonnten doch der Polizei gegenüber nicht Farbe bekennen. Die Polizei war wiederholt hinter uns her, aber sie ist babei immer auf die Reichswehr gestoßen. Zwischen Reichswehr und Polizei bestanden in allen diesen Fragen erhebliche Differenzen. Roßbach und der Fememord. Roßbach fam dann auf den Fememord an Schmidt zu fprechen. Er habe für den Fall von Berrat eine Untersuchung angeordnet, deren Ergebnis ihm zu melden war, worauf dann Ein. entweder Abschiebung des Betreffenden oder jegung eines Standgerichtes zur Aburteilung erfolgte. In dem Fall Schmidt habe ihm seines einige Tage nach der Tat gemeldet: Herr Oberleutnant, ich habe einen Mann namens Schmidt erschießen müssen. Ich fonnte den Befehl, zunächst ein Standgericht einzusetzen, nicht ausführen, weil zwingende Umstände mich veranlaßten, felbständig zu handeln." Roßbach erklärte, er habe diesen Befehl zur Kenntnis genommen und Heines gededt. Eine Unterfuchung habe er nicht eingeleitet. Er habe keine Veranlassung gehabt, gegen die Selbständigkeit Heines, zu der er nach seiner Bekundung gezwungen war, nachträglich vorzugehen. Einzelheiten habe ihm Heines nicht mitgeteilt, er habe auch nicht gefragt, so daß er erst jetzt näheres erfahren habe. Oberstaatsanwalt Sah: Wo leiten Eie das Recht her, folche Befehle zu erlassen? Schmidt gehörte ja der Arbeits gemeinschaft gar nicht mehr an. Roßbach: Ich habe mich absolut als Truppenführer gefühlt. Bei uns hatten alle Komanndeure das Recht zu solchen Befehlen, nachdem ich meine Befehle von v. Bodungen und v. Bas welsz erhalten hatte. Wie diefe Befehle auszuführen waren, dafür waren die Anweisungen des Herrn Major v. Preffenthin eine Richtschnur für mich. Oberstaatsanwalt Saß: Sie haben selbst an den Stettiner Bolizeipräsidenten geschrieben, daß Sie sich nicht mehr als Soldaten fühlten. Roßbach: Dieser Brief war offiziell Borj.: Was nennen Sie offiziell. Soll das heißen, daß Sie damit meinen, es war eine 1 nmahrheit? Roßbach: Nein, der Brief sollte verschleiern. Wenn offiziell dasselbe wie unwahrheit wäre, bann müßte ich der Reichswehr ja dauernd unwahrheit vorwerfen. General von Bawelsz: Ich verbitte mir die fortwährenden Spigen gegen die Reichswehr. Borf.: Ich muß diesen Ausdruck ebenfalls energisch zurückweisen. Oberstaatsanwalt Saß: Es ist doch ein Stüd aus dem Tollhaus, was Sie hier erzählen, daß Sie als Führer einer privaten Arbeitsgemeinschaft sich das Recht über Tod oder Leben anmaßen, daß Sie ohne zu erröfen das Recht für sich in Anspruch nehmen, Standgerichte einzusehen, die andere Menschen über den Haufen schießen ließen, daß Sie hier die ernste Sache abfolut als Bagatelle betrachten. Roßbach( ebenfalls scharf): Ich bestreite, daß wir Zivilpersonen waren. Ich habe eine Truppe geführt.( 3wischenruf des Oberstaatsanwalts: Auch in Pommern?) Ich erröte nicht, Herr Oberstaatsanwalt, ich bin mir meiner Verantwortung bewußt.( In großer Erregung.) Ich bin noch hier, Herr Oberstaatsanwalt, und ich erfläre Ihnen, daß ich gehe.( Große Bewegung.) Nach Feierabend Korbressel von เป Sessel BODO Peddigrohr m.mod- farb. Sitz u.Rückers auf Teilzahlung IN REICHER AUSWAHL KORB BALKONGARTEN MÖBEL NIEDRIGE PREISE BEQUEME RATEN lehnenpolster M1250 BRUNNEN FRANKFURTER- KOTTBUSER WILMERSDORFERSTR.1 ALLEE 350 DAMM 103 STR.165 CHLBG. J 10 FORE 10 Mittwoch, 25. April 1928 Oberstaatsanwalt Saß: Sie werden sich bewußt sein, daß Thre Tat nur Begünstigung darstellt. Es gehört also tein besonderer Mut dazu, sich dazu zu bekennen. Roßbach: Das ist mir ganz gleich. Ich stehe für das ein, was ich getan habe. Den Abschluß der heutigen Berhandlung bilbete die Bernehmung Hauensteins über seine Tätigkeit im oberschlesischen Abwehrkampf. Ein Dr. Hobus, der heute nicht mehr auffindbar sei, habe ihn beauftragt, eine Spezialpolizei zur Abwehr polnischer Spione zu bilden. Dr. Spieder, der damals sein Bureau in Breslau hatte, sei orientiert gewesen. Die Bezahlung erfolgte durch das Staatstommiffariat. Die Organisation wurde auf 160 Mann gebracht und besaß falsche Ausweise. Jede einzelne Attion habe er vorher mit Dr. Hobus durchgesprochen, wobei ihm bei Erledigung von Berrätern und Spionen die Aften vorgelegt wurden. Es sei durchaus möglich, daß die Spezialpolizei im Laufe der oberschlesischen Kämpfe zirka 200 Berräter beseitigt habe, doch fönne er eine gewisse Ziffer nicht nennen. Borf.:„ Auf der anderen Seite find wohl weit über 1000 folcher Fälle zu verzeichnen?" Hauenstein: Die volle Zahl der von den Polen begangenen Morde wird sich nicht feststellen lassen. Wir waren den Polen in unserer Organisation weit unterlegen, wurden auch von den Franzosen in schärffter Weise verfolgt. Wir befanden uns in Oberschlesien in einem regulärem Kampf, den wir den„ Krieg im Dunkeln nannten. Oft saßen wir im Café zusammen, die Hand am Revolver, und im nächsten Moment ging dann die Schießerei mit einem polnischen Stoßtrupp los. Wir haben fyftematisch eine große Zahl von Spionen und Berrätern beseitigt. Die Beseitigung erfolgte mit allen Mitteln. Meistens haben wir die Leute erschossen, wir haben aber auch mit Gift, Handgranaten und mit Bom ben gearbeitet. Es handelte sich meistens um Berrat von Waffenlagern und um Denunzierung der illegalen deutschen Organisationen, wofür als Unterlagen vielfach direkte Eingeständnisse und eidesstattliche Berficherungen dienten. R.-A. Holt: War auch Dr. Spieder im Bilde über diese Taten?" Hauenstein: Jawohl." Der Seuge führte zwei Fälle auf ,. bie bas beweisen sollen. Auf Wunsch der Berteidigung schilderte Hauenstein dann noch, wie er gelegentlich der letzten Amnestieverhandlungen im Reichstag mit Dr. Spieder zusammengelommen sei und mit ihm in Gegenwart von Zeugen eine Aussprache gehabt habe. Dr. Spieder habe ihm erklärt, die heutige preußische Regierung werde wohl die damaligen Taten in Oberschlesien nicht beden. Dan werde vielmehr die Unterſtügung der Spezialpolizei durch die Behörden als einzelne Handlungen der betreffenden Beamten hinsbellen. Dr. Spieder habe ferner bestritten, daß er an Dr. Hobus Mord aufträge erteilt habe, er habe sich aber entfinnen tönnen, daß ihm Dr. Hobus Atten mit dem Bemerken übergeben habe: Dieser Mann ist erschossen." Schließlich habe Dr. Spieder ihm, Hauenstein, gegenüber auch zugegeben, daß die Leute von der Spezialpolizei im besten Glauben sein konnten, daß sie im amtlichen Auftrage handelten, erflärte aber, daß die Behörden heute eine Verántwortung ablehnen. Weder ihm selbst noch seinen Untergebenen, jo erlärte Hauenstein, feien jemals Zweifel daran gekommen, daß sie im amtlichen Auftrage handelten. Einige Fälle der Erledigung Don Verrätern ähnelten ber hier zur Berhandlung stehenden Beido der Tötung des Schmidt. 9 Um 8 Uhr abends wurde die Berhandlung auf heute früh 10 Uhr vertagt. Preußen 1928. Die Pressestelle des preußischen Staatsministeriums hat ein Bleines Handbuch herausgegeben: Preußen 1928. Politif in Stich worten. Es dient der politischen Information, es stellt sich die Aufgabe, die hauptsächlichsten Fragen und Streitpunkte, die in der preußischen Politif eine Rolle spielen, in tnappem Umfange fachlich darzustellen. Allen Angaben liegt das authentische Mate rial der preußischen Zentralbehörden zugrunde. Das Handbuch oll nicht nur den politischen Redaktionen der Zeitungen als übersichtliches und zuverlässiges Archivmaterial gute Dienste leisten und dem Politiker für seine Arbeit zur schnelleren Orientierung als Nach schlagewert zur Verfügung stehen. Es soll auch darüber hinaus dem Staatsbürger und der Staatsbürgerin, die an die tägliche Zeitungslettüre mit dem ernsten Willen zur staatspolitischen Unterrichtung und Schulung herangehen, ein brauchbares Hilfs mittel sein, um Unflarheiten und Zweifel sofort austilgen und die hauptsächlichsten Fragen der Politik des größten deutschen Landes nicht nur schlagwortartig, sondern auch inhaltsmäßig erfassen zu fönnen. In diesem Sinne wünscht das Preußenhandbuch" einen, wenn auch bescheidenen, Beitrag zu einer der wichtigsten Aufgaben des modernen Staates, der staatsbürgerlichen Er. ziehung, leiften zu können. " Moslem Raucher! Briefmarken haben internationalen Dert, Bilder keinen- achtet auf unfere neue Briefmarkenbellage PROBLEM ZIGARETTENFABRIK Neue Exportmethoden in Ll.G.A. Kords Politik der hohen Löhne als Mittel zur Exportfsteigerung. Den Vereinigten Staaten ist es in den letzten Iahren gelungen, nn Export nach Mittel- und Südamerika eine führende Stellung zu gewinnen. Mittelamerika ohne Mexiko, das sie Caraibten nennen. beherrschen sie fast vollständig. Im Import der südamerikanischen Staaten stehen sie fast durchaus an erster Stelle, nur in Argentinien hat England noch«inen gewisien Vorsprung. Samuel Crowther, der literarische Mitarbeiter Henry Fords, ja vielleicht der eigentliche Verfasser der Fordschen Bücher, führt diese großen Erfolge darauf zurück, daß sich die Amerikaner von dem deutschen Dogma, nach welchem der Exporteur die Sprache und die Gewohnheiten der fremden Völker, bei denen er Waren absetzen wolle, studieren müsse und ihnen mir das verkaufen dürfe, was sie kaufen wollen und genau in der Art, wie sie es»er- kaufen wollen, befreit und, ursprünglich mehr aus Instinkt, nach und noch aber mit vollem Bewußtsein ein« neu« eigene Export- Methode praktisch und theoretisch entwickelt hätten. Sie erzeugten ihre Güter für das Inland und den Export auf die gleiche Weise, ohne sich um die Gewohnheilen fremder Völker zu kümmern. Die Standard Oil bemüht« sich nicht, ausfindig zu machen, w i e die fremden Völker ihr Petroleum servier" zu bekommen wünschen: sie beschränkte sich darauf, die praktischste und angemessenste Form der Aufbewahrung und Versendung zu finden, und ihre viereckigen Zinngefäße haben die Welt erobert: heute kann man nicht einmal in China ein rundes Petroleumfaß finden. Die omerika- nifchen Autos haben sich überall durchgesetzt, gerade weil sie ameri- konisch waren, und ebenso die Registrierkassen, die Schreibmaschinen und viele andere Objekte. Di« amerikanische Technik der Erzeugung und des Verkaufs ist dieselbe für das Inland und den Export, und sie ist überall wirksam. Diese beiden Methoden sind noch Crowther von Grund aus ver- schieden, sie gehen von ganz entgegengesetzten ökonomischen Anschau. ungen aus. Die.deutsche" Methode sehe die Bedürfnisse und die Kaufkraft der Bevölkerung, also auch das Handelsvolumen, als gegebene feste Größen an, von dem man durch Preis- und Lohndruck soviel als möglichan sich reißen müsse. Daher sollen auch die Monopolisierungsbestrebungen, die sozialen Kämpfe und die zahllosen Theorien über die Notwendigkeit einer Veränderung der sozialen Struktur stammen. Die neue a m e r i k a- nische Methode halte kein Element der Produktion und des Handels für statisch, sondern alle« für dynamisch. Für sie seien die menschlichen Bedürfnisse unbegrenzt steigerungsfähig, die Kaufkraft nichts An-sich-Gegebenes. sondern etwas, da» erst geschaffen werden muh. Die Bedürfnisse, auch der fremden Bevölkerungen, würden erweckt durch Reklame und Verkaufsorganisation, und die Kaufkraft werde geschaffen, indem an Stelle der Handarbeit mechanische und andere Methoden auch in fremden Ländern«ingeführt werden, so daß die Löhne erhöht werden können, während gleichzeitig die Kosten sich senken. Wenn man einmal dies« Methode völlig begreifen werde, so müsse man in ihr eines der wichtigsten Ereignisse in der Geschichte der Menschheit erkennen. Crowther erörtert diese Methode ausführlich an der Entwicklung des Handels der Vereinigten Staaten mit den Ca raibischen Ländern. In all diesen Ländern ist u. a. durch die Amerikaner die Bonanenkultur in größtem Ausmaß entwickelt worden. Di« Gesellschasten pflanzen nicht nur Bananen, sondern auch Kakao und experimentieren mit den verschiedensten tropischen Früchten. Sie haben der einheimischen Bevölkerung gezeigt, wie man Bananen zu pflanzen, wie man diese leicht verderbliche Pflanze, die 24 Stunden nach dem Pflücken auf dem Schiff sein muß, zu behandeln und zu transportieren hat. Sie haben aus Fiebernestern gesunde und be- quem« Niederlassungen gemacht. Die Banane ist das wichtigst« Landesprodukt und zugleich eine international« Handelsware ge- worden. Mehr als die Gesellschaften selbst erzeugen, kaufen sie von den lokalen Pflanzern, die sie in der Kultur unterrichtet haben. Sie hallen auf hohe Löhne. Di« Arbeiter, die bei den mechanischen Lodevorrichtungen der United Fruit Co. in Santa Marta(Kolumbien) beschäftigt sind, erholten z. B. 75 Dollar pro Woche. Die einheimsschen Mozos, die bisher in unbeschreiblicher Armut lebten, wußten anfangs nicht, was sie mit dem vielen Gelde anfangen sollten, sie fuhren sinnlos in ihrer freien Zeit weite Strecken im Auto hin und her. Aber mit der Zeit haben sie sich an«inen erhöhten Lebensstandard gewöhnt. Sie tragen jetzt Schuhe, und es sind Schuhfabriken nach amerikanischer Art im Lande entstanden(von Amerikanern und Einheimischen be- trieben), auch Zigarettenfabriken, mechanische Bäckereien usw. Bor allem aber sind sie gute Kunden Amerikas geworden. Ueberall sieht man die periodischen Zeitschriften Amerikas, die Mozos schmücken damit die Wände ihrer Hütten, und die Namen, Marken und Reklamebilder der amerikanischen Firmen und Waren sind in den entlegensten Winkeln bekannt. Crowther zeigt ferner, wie es den Amerikanern gelungen ist, amerikanische Produkt« und amerikanische Geschästsgewohnheiten in Südamerika auch dort durchzusetzen, wo alteingewurzelte Sitten und Traditionen einen Erfolg fast unmöglich erscheinen ließen.— Wie alle amerikansschen Theorien ist auch diese Theorie nicht ganz so zwingend, wie es auf den ersten Blick erscheint. Völlig neu ist nur die Anwendung de« Fordschen Prinzips der hohen Löhne auch auf den Export, zur Entwicklung der Kaufkraft auch in fremden und in der Zioilssation zurückgebliebenen Ländern. Bewegliche Konjunkturpolitik. Durch planmäßige öffentliche Auftrogsvergebung. Wie weit im kapitalistischen System Planwirtschaft möglich ist, ist keine neue Frag«. Sie ist aber im letzten Jahrzehnt, im Zu- sammenhang mit den Versuchen zu ein«? Stabilisierung der Konjunktur zu kommen, besonders aktuell geworden. Am meisten im Vordergrund steht ja die Frage, durch eine Regulierung der Kreditwirtschaft den Aufschwung der Konjunktur zu dämpfen und den Niedergang der Konjunktux entsprechend zu ver- longsamen. Ist diese Methode in erster Linie ein amerikcrmsches Produkt, fo wird in Deutschland seit einiger Z«it eine zweite Methode propagiert, die eine planmäßige Vergebung ösfent- licher Aufträge zur Milderung der Konjunkturschwankungen ins Auge faßt. Mit dem letzten Versuch, der ebenfalls wie die kon- junkturelle Kveditanpassung eine Anleihe bei sozialisti- schen Gedankengängen darstellt, hat sich jetzt der Wirt- schaftspolitisch« Ausschuß des vorlaufigen Reichswirtschostsrate, be- schäftigt. Der Wirts chastspolitis che Ausschuß de« Reichswirtschaft»- rat es hat dem Gutachten seines Arbeitsausschusses einstimmig zu- gestimmt, das folgende Maßnohmen ins Aug« faßt: Zunächst soll die Reichsregierung für eine zentrale Statistik beim Reichswirtschaftsministerium oder einer anderen noch zu bestimmen- den Stelle sorgen, bei der die Reichsbehörden, die Länder, die größeren Städte, die Reichsbahngefellschost und die Reichspost laufende Mitteilungen über alle größeren Austräg« nach Art und Meng« der Lieferung� Preis, Lieserfirma, Lisserzeit und Lieferungsbedingungen machen. Ferner sollen regelmäßig« zentrale und regionale Besprechung«» t>«im Reichswirtschafts- oder Reichsarbeilsministerium stattfinden. Zwischen Vertretern dieser öffentlichen Austroggeber mit Vertretern der interessierten Wirtschaft- kichen Organisationen, um eine wirtschaftlich zweckmäßige Verteilung der öffentlichen Aufträge vorzubereiten. Wir vermissen bei dieser Anregung, daß auch die S p i tze ng ew e r ks chas te n und die interessierten Hauptverbände'der organisierten Arbeiterschaft zu diesen Besprechungen hinzugezogen werden. Feraer soll die Reichs- regieruug prüfen, ob nicht durch Verschiebungen, bzw. Vorgriffe in den Haushalten der beteiligten Körperschaften Erleichterungen für eine wirtschaftlich zweckmäßige Verteilung der Aufträge gefchafsen werden können. Insbesondere beim Wohnungsbau soll bei Ländern und Gememden dahin eingewirkt werden, daß die Bewilligung der Hauszinssteuermittel frühzeitig erfolgt und eine gleichmäßig« Verteilung der Bauvorhaben für das ganze Baujahr gesichert wird. Bau Unterhaltungsarbeiten bri öffentlichen Gebäuden sollen im Winter durchgeführt werden. Von ein«r gewissen wirtschaftspolitischen Bedeutung ist die An- regung, durch Anzahlungen bei der Erteilung öffentlicher Auf- träge auf eine gleichmäßigere Beschäftigung hinzuwirken med durch die Festlegung längerer Lieferfristen die Durchführung öffentlicher Aufträge in stilleren Geschäftszeiten zu ermöglichen. Wir sind der Meinung, daß in diesen beiden Fällen auf der einen Seite kaum generell? Richtlinien aufgestellt werden können und daß auf der anderen Seite die öffentliche Hand, sei es in der Preisstellung, fei es durch andere Borteile an dem der Prioatwirtschaft zuwachsen- den Nutzen beteiligt werden müßt«. Es ist selbstverständlich, daß die arbeitenden Massen. die an einer Milderung der Konjunktur- und Beschäftigungsschwan- tungen das lebhafteste Interesse haben, die planvolle Vergebung der öffentlichen Austräge unter konjunkturellen Gesichtspunkten be- grüßen dürfen. Die Arbeiterschaft muß aber nachdrücklich ver- langen, daß sie durch Vertreter ihrer Organisationen an der Durchführung der Vorschläge zum mindesten gleichberechtigt mit den Vertretern der Unternehmungen beteiligt wird. Darüber hinaus wird dafür vvrzuforgen fem. daß es nicht bei den schon sehr I lange diskutierten Vorschläge« bleibt, sondern daß durch j gesetzliche oder Verwaltung-maßnahmen die Durchführung bald- möglichst sichergestellt wird. Di« laufend fortzuführende zentral« Statistik über die öffenllichen Aufträge müßte auch fortlaufend veröffentlicht werden, damit die Oeffentlichkeit über die Be- deatung dieses Auftragsgöbietes und über den Erfolg der plan- mäßigen Dergedungspolitit sich«in Urteil bilden kann. Ludwig Loewe einst und jeht. Zum Geschästsabschluß für'1927. Für die Berliner Arbeiterschaft hat Ludwig Loewe in Moabit heute längst nicht mehr die Bedeutung wie in früheren Jahren. Schon in der Vorkriegszeit war die Gesellschaft dazu über- gegangen, verschieden« Fabrikationen selbständig zu machen und hatte es vorgezogen, als Aktienbesitzer der neuen Gesellschafter die Beteiligungsgewinne einzuziehen, anstatt weiterhin selbst zu produ- zieren. So werden sich alte Belegschaftsmitglieder noch entsinnen. wie vor der Jahrhundertwende schon die Betriebsabteilungen für elektrische Maschinen und' Apparat« in die neu ge- gründete Union-Elektrizitäts-A.-G. eingebracht wurden, die dann später mit der AEG. verschmolzen wurden. Auch die im Krieg 1870/71 aufgenommene Waffenfabrikotion wurde vor 1900 von den Loewe-Stommwerken abgetrennt und tauchte dann unter dem neuen Namen.Deutsch« Waffen- und Muni- tionssabriken A.-G." auf. Gleichfalls zu erwähnen ist noch die bei jedem organisierten Berliner Arbeiter berüchtigt« Knorr- B r« m j e A.-G. in Lichtenberg, deren Ausgangspunkt auch Loewe- Betriebe gewesen waren. Wenn aber der Ludwig-Loewe-Konzern auch durch die Der- kleinerung seiner Produkttonsbasts bei der Arbeiterschaft an Bedeu- tung verloren hat, da sein« Tätigkeit als Großaktionär sie nicht un- mittelbar angeht, so sind die großen eigenen Werkzeugmaschi- nenbetrieb« in Moabit mit annähernd 4000 Mann Belegschaft auch für die heutigen Verhältnisse imposant genug. Diese Werke erfaßte seit dem Frühjahr 1927 der schnelle Rhythmus der Kon- junktur, so daß sie ab Juli mit voller Betriebsstärk« arbeiteten. Ueber den Loewe-Abschluß selbst läßt sich wenig sagen, da der Gesamtgewinn keinen Maßstab zuläßt, wieviel auf die Fabrikation und wieviel auf Beteiligungsgewinne entfällt. Daß der Rein- gewinn künstlich errechnet und daher nicht als tatsächliches Ergebnis zu werten ist, geht schon daraus hervor, daß er mit seinen rund 1,8 Mill. Mark fast auf die Mark mit dem Vorjahr überein- stimmt. Auch die Dividende wird daher, wie in den letzten beiden Jahren, auf 10 Proz. festgesetzt. Bemerkenswert erscheinen in der Bilanz die Millionenreseroen, die Loewe im Laufe der letzten Jahre in seinen Anlagen untergebracht hat. So waren in der Gold- mark-Erössnungsbilanz sämtliche Maschinen, Utensilien und Werk- zeuge mit fast zwei Millionen bewertet. Don 1924 bis 1927 hat die Gesellschaft für etwa 2,5 Mill. Mark neue Maschinen und Werk- zeuge gekauft, so daß auch bei der Absetzung eines Abfchreibungs- satzes von 20 Proz. der Maschinenpark noch immer Millionenwerte darstellt. Die Gesellschaft hat sich aber nicht damit begnügt, die älteren Anlagen nach und nach gänzlich abzuschreiben, sondern hat dies auch mit sämtlichen neu gekauften Maschinen und Werkzeugen getan, so daß der auf dos modernste ausgebaute Maschinenpark mit den hoch- wertigen Modell- und Werkzeugbeständen mit einer Mark(I) zu Buche steht. Durch die Erhöhung des Kapitals um 5 auf 20 Mill. Mark und die Aufnahme einer Anleihe von weiteren fünf Millionen im Februar 1928 sind der Gesellschaft etwas über zwölf Millionen Bannittel zugeflossen, di« teils zur Finanzierung des ausgedehnten I ausländischen Geschäftsbetriebes, teilweise aber auch für eine Er- | Weiterung der Konzerninteressen dienen sollen. Kerngasversorgung abgelehnt. In Braunschweig und in Bielefeld. Wie aus Braunschweig gemeldet wird, hat der Letter des städtt» schen Betrieb samtes, Baurat Kellner, sich in einer öffentlichen Ber- sammlung gegen den Ferngasbezug von der A.-G. für Kohlever- wertung in Essen ausgesprochen. Ein Anschluß an die nach Hannover beabsichtigte Ferngasleitung der Ruhr gewähr« den Konsu- menten keinerlei Vorteile. Die Leitungskosten seien zu hoch und die lang« Bertragsdauer bedrohe die Konsumenten im Monopolfall mit einer ungerechtfertigten Aus- Nutzung. Die A.-G. für Kohleverwertung könne Braunschweig kein Angebot'machen, dem ohne Bedenken zuzustimmen sei. Wie wir gleichzeitig aus Bielefeld hören, haben die dortigen kommunalen Körperschaften durch einstimmigen Beschluß die Gasversorgung der Stadt Bielefeld aus der von Hamm nach Hannover zu bauenden Ruhrleitung ebenfalls abgelehnt. Dieser Beschluß der Stadt Bielefeld ist von ganz besonderer Bedeutung, da Bielefeld der größte Käufer und wichtigste Anlieger für die Durchführung des Honnooer-Vertrages gewesen wäre, dessen Ilnrentabilität durch di« Fernhaltung der Stadt Bielefelo noch mehr unterstrichen wird als bisher. Mannesmann-Nöhren wieder große Gewinne. Dom Mcmnesmann-Röhrentrust werden eben die Gewinn- Ziffern für das am 31. Dezember 1927 abgeschlossen« letzte Geschäfts- jähr bekannt. Der Trust hat sich im Jahre 1926 auf das Kalender- jähr umgestellt, so daß das vorletzte Geschäftsjahr nur sechs Monate umsaßt hat. Die Dividende ist mit 8 Proz. dieselbe ge- blieben. Auch die ausgewiesenen Gewinn« werden so aufgemacht. daß die Gewinnrechmmg im Verhältnis ungefähr die gleiche ist, wie in den sechs Monaten des Jahres 1926. Die Rohgswinne betrogen für das ganze Jahr 1927 33,80 Millionen(16,46 Millionen für die vorhergehenden sechs Monate), als Reingewinn wird nach er- höhten Abschreibungen ein Betrag von 15,77 Millionen Mark ausgewiesen, aus dem noch 0,62 Millionen an den Reserve- fonds kommen und 3,20 Millionen auf das Jahr 1928 übertragen werden. Daß der Mannesmann-Trust solange mit der Bekanntgabe seiner Gewinne gezögert h-at, dürfte nicht zuletzt auch auf die Absicht zurückgeführt werden, die Position der Bergarbeiter int Kampf um die Neuregelung der Löhne nicht durch die Veröffentlichung des wieder sehr günstigen Mannesmann-Ab- schlusses zu verbessern._ Es wird zu wenig gedüngt. Interessante Bodenuntersuchungea. Ministerialrat Dr. M i ck e l gab vor ewigen Wochen bei«wer Besprechung im Preußischen Landwirtschaftsministerium das Ergeb- ni« von rund 50 000 Bodenuntersuchungen aus den Jahren 1926/27 bekannt, die erkennen ließen, wie stark d« Fruchtbarkeit des deutschen Bodens durch Düngergeben»och erhöht werden könnte. Auf Phosphorsäure liegen für Preußen insgesamt rund 8000 Untersuchungsergebnisse vor, von denen 67 Proz. einen ausgesproche- nen Mangel an Phosphorsäure aufweisen, während 21 Prpz. solche Böden umfassen, die mittelmäßig mit Phosphorsäure versorgt sind und nur der Rest von 12 Proz. solche Vödm darstellt, die einen erheb- lichen Borrat an diesem Nährstoff besitzen. Aus Kali sind reichlich 7800 Boden uwersucht worden, und zwar weisen 40 Proz. einen ausgesprochenen Mangel an diesem Nährstoff auf, 37 Prozs sind mittelmäßig versorgt und der Rest von 23 Proz. zeigte erhebliche Ueberschüsse an Bodenkali. Di« Kalkuntersuchungen, die insgesamt We Zahl von Wer 35 000 erreichen, weifen folgendes Bild auf: 28 Proz. der Böden lassen erheblichen und großen Mangel an Kalk erkennen, so daß Ge- sundungsgaben an diesem Nährstoff und Meliorationsmittel in er- heblichen Mengen notwendig wären, um einen normalen Fruchtbar- keitszustand der Aecker und Wiesen wieder zu erreichen. 47 Proz. der Untersuchungen zeigen einen noch zufriedenstellenden Kalkyeholt, aus dem geschlossen werden kann, daß normal« Erfatzdüngmtgen notwendig sind, und 25 Proz. umfassm solche Böden, die einen mehr oder weniger großen Vorrat an Kalk zeigen. Diese Feststellungen unterstreichen das, was mir schon wiederholt vermutet haben: Di« Anwendung künstlicher Düngemittel in der deutschen Landwirtschast ist nicht so. wie sie bei intensiver und weitschauender Betriebsführung fein mühte. Der Uhrenlrust kommt. Di« Zusammenschlußbewegung in der süddeutschen Uhrenindustrie, die im Herbst 1927 zu einer Interessen- gemeinschaft zwischen der Gebr. Iunghans A.-G., der Ham° bürg-Amerikanischen Uhrenfabrik und den Ver- einigten Uhrenfabriken m Schlesien führte, hat jetzt weiteren Umfang angenommen. So ist jetzt zwischen der K i e n z l« Uhrenfabriken A.-G., einem Großunternehmen mtt 6,4 Mil- lionen Mark Aktienkapital, und der E r n st H a l l c r A.-G., beide in Schwenningen, ein Vertrag abgeschlossen, der engste Zusammen- arbeit beider Gesellschasten vorsieht. Da diese beiden Unternehmen mit der Iunghans-Gruppe in freundschaftlichem Verhältnis stehen, so ist der Weg für eine V e r t r u st u n g der deutschen Uhren- industrie osfen. Bedeutende Steigerung des Slromabsahes im Preußischen Clektro-Trusl. Wie mitgeteilt wird, hat sich im Jahre 1927 der Stromabsatz der Preußischen Elektrizitäts A.-G.. in der im vergan- genen Jahre bekanntlich sämtliche Elektrointeressen des preußischen Staates zusammengefaßt worden sind, bedeutend erweitert. Der Ab- satz stieg von 233,7 aus 290,2 Kilowattstunden, d. h. um rund 2 4 Proz. Für das vergangene Jahr soll eine Dividende von 4 Proz. oerteilt werden. verschlechterte Beschäftigung in der Fahrradindustrie wird noch aus Bielefeld gemeldet. Dort hat die D ü r k o p p- W e r k e A.-G. stark eingeschränkt und wegen Auftragsmangels 600 Mann der Belegschaft entlassen. Di« Fahrradindustrie sollte in den ersten Frühjahrsmonaten noch eine gute Beschäftigung haben, denn wenn die Hauptproduktton auch in den Wintermonnten liegt, so wirkt sich ein« gute Beurteilung der kommenden Saison gewöhnlich im Frühjahr noch ziemlich stark aus. Die Massonkaufkraft scher.U also für größere Anschaffungen wi«!>er recht knapp zu sein. Die Sparkasse der Lank der Arbeiter. Angestellten und Beamte« A.-G> Berlin. Wallstr. 65. ist täolich mit Ausnahme von«onncibend o«n 9— 3 Ubr und 4— 6 Uhr. Sonnabend« von V— 1 Uhr geöffnet. �undJhr bleibtgesund! .»r«. Änterhalwng unö ÄAlssen Seilage des Vorwärts Moskauer Künstlerkneipen. Zum Selbstmord der Studentin Lstamowa. Bor kurzem hak sich in proletarischen Schriftstellerkreisen Mos- kaus ein aufsehenerregendes Verbrechen ereignet. Eine Lljöhrigc Studentin der Literaturkurse ist von einigen proletarischen Schrift- stellern, darunter dem Sekretär der„Föderation der Schriftsteller' Altschuler, betrunken gemacht und vergewaltigt worden. Die Studen- tin hat sich das Leben genommen. Die Schuldigen wurden ver- haftet. Aus Anlaß dieses Ereignisses beschäftigt sich die Sowjetpresie mit der Schrift st«ller-Boheme. Wir bringen nachstehend aus der kommunistischen.Lugendprawda' die Schilderung zweier Moskauer Künstlertneipen. Wie daraus zu ersehen ist, geht es da anders zu als in kapitalistischen Ländern: Der graue Zaun der allen Kirch« am Ausgange der Warotui Kowski zieht schwerlich die Aufmerksamkell auf sich. Nachts schleichen Schatten durch den Dlrspall. Luxusgespanne fahren an der Kirche vor; ratternd hallen Aotomobile. Versucht man, auf seine Behendig- keit bauend, durch das Tor zu schlüpfen und ausfindig zu machen, wohin die nächllichen Gäste verschwinden, so stößt man, nachdem man zwei Höf« durchquert hat, aus einen anderen frisch gestrichenen Zaun, mit winzigen mattscheibigen Laternen: »Der Zirkel der Freunde der Kunst und Kultur.' Hinter dem Zaune birgt sich der Eingang zu einem Keller. In eleganten Wendungen fliegt ein Kellner herbei, fängt geschickt den Mantel auf und den Blicken erschließt sich ein ungewöhnlicher Anblick. Allerdings ist es nicht leicht hier einzudringen: an der Kasse wird ein beträchlliches Eintrittsgeld erhoben: man wird nach den Personalien gefragt. Zwei große Säle— ein Konzert- und Tanzsaal und ein Restaurant. In orangefarbenem Halbdunkel kunstvoll verhängter Lampen auf breiten Ottomanen Paare in halbliegender Stellung. In prächttgen Spiegeln spiegeln sich die geneigten Köpfe. Schwere Draperien halten jeden Lärm fern. Die Gäste— zum größten Teil Berühmtheiten der Kunst- und Literaturwelt. Das Leben beginnt... nach Mitternacht kommen die angesehenen Koryphäen aus den Arbeitskabinetten, erscheint im Glänze der Edelstein« die verdiente Balletteuse, die sich auf Jugend- lichteit herausspielt, die Sänger und Coupletisten, die„Phänomene des 20. Jahrhunderts' von den Brettern der Music Hall, die erste Darstellerin der Operette im Bojaderenkostüm und inmitten der glän- zenden Gesellschaft der Sterne jeder Kunstart kreist langhaarige Jugend. Neidisch erregtes Geflüster wird hörbar: „Petroff,— keine Sorge, er hat vom Stoatsverlage für«ine Ausgabe gesammeller Werke zehntausend Rubel erhallen... Hol'» der Teufel, ach, wenn erst mein Buch erscheint!' „Seien Sie überzeugt, wenn ein Buch von ihm erscheint... wird er anders in den Saal treten. Er wird wie Petross die Gabel an den Teller klingen lassen, an seinem Tisch wird„solch eine" sitzen..." Das ist sein einziger brennender Wunsch. Die Welt des„Zirkels' erregt sich auf ihre Weise. Die Ballet- teufe dort an der Wand! Sie ist von einer Tournee zurückgekehrt. „Dreitausend Rubel, bedenken Sie...' erregt sich die künftige Primadonna, den kurzbehaarten Kopf schüttelnd und die Verehrer beeilen sich die„Alte' zu zerschmettern, sich in begeisterten Lobes- erhebnngen über das Talent der Nachbarin zu ergehen. Unermüdlich eilt der Küchenchef aus einer Ecke in die andere. In der Ecke links wird fieberhaft gestikuliert. Ein halbberauschter Jüngling liest etwas von einem Papierfetzen ab, deklamiert und. die Freunde klatschen lässig Beifall. Fern setzt Klavierspiel ein. Das Restaurant leert sich, alle begeben sich in den anderen Saal, wo man Eharleston tanzt. Sich kaum auf den Füßen haltend, umringen die bewußten Jünglinge das Klavier und atemlos vor Vergnügen stimmen sie ein in die braoierenden Töne: „Alli— lli— aa— a Alli— lla— a— a— a Alli— lla— a....' Schon spiell dos Klavier etwas anderes. Auf der Estrade verschluckt eine Sängerin mft wunderbar großen Augen ungewöhn- lich eilig die Worte des Liedes vom Schokoladenneger: ».. Kein Leben, sondern einfach Schokolade..." * Der Keller des Herzenschen Hauses erinnert an ein Pariser Tafö. Wände und Vorhänge sind mit Pfauen und Papa- geien in eckiger Zeichnung bemall. Es ist ein bescheidener Keller, ein kleines Zimmer mit ein paar Dutzend Stühlen und keine Spur von der Pracht des Zirkels ist zu sehen. Dagegen sind die Gäste farbreicher. Die vertrocknete Gestalt einer unbekannten Dichterin: das sinnlose Auge zeigt unverkennbare Bekanntschast mit narkotischen Rausch- Mitteln, ein fetter Nacken, ein unglaublicher Haarwulst, ein gestern erst vom Zoll losgekauftes englisches Kostüm und dazu ein schmie- riges Blusenhemd. Großartig ist der Maitre d'hotel Jakob Danilo- witsch und sein Bart entfacht viele zu stürmischer Begeisterung. Hier gibt es viel Jugend, die sich lärmend unterhält, lärme, ck» und reichlich trinkt. Alle haben Gedichte und Erzählungen auf den Lippen, bekannte Namen werden genannt. Ansteckend lacht ein junges Mädchen, das eben erst eine Spiegelscherbe in der Handtasche birgt. Man kennt sie und erzählt sich, sie trage erst seit kurzem diese Handtasche mit Spiegel und Pomade. Als Eugenie vor zwei Iahren mit dem Dichter K. nach Moskau kam, trug sie ein verschossenes Kopftuch und einen rotgelben Kittel. Doch Eugenie hat ein liebliches Gesicht, man gab ihr den Rat, den Kittel abzulegen, und beleuchtete das„wahre talentlose Angelicht K's.' Eugenie wurde die Anbeterin eines anderen: er verbesserte ihre Erzählungen, trug sie selbst in die Redaktion, war im großen ganzen ein wahrer Freund. Dann war er„enttäuscht', ihre Erzählungen wurden von einem dritten verbessert, von einem vierten. Eugenie kannte sämtliche„Stützen der Literatur' und hatte zweimal Vergiftungsversuche unternommen. Außer den Poeten zechen hier Neppleute, Besitzer großer Kauf- lüden... „In alter Zeit gab es Mäzenaten—' klagt der trunkene Dichter —»jetzt gibt es kein« mehr. Niemand kommt dem jungen Talent zu Hilfe. Dieses Vieh da ist zufrieden, wenn ein Dichter mit ihm zecht, mag es zahlen...' Der Tisch des Neppmann aus der„Passage' wird umringt, wohl« wollend klopft man dem Neppmann auf die Schulter, eilig wird ein Abendessen bestellt, und so rasch ihn seine Beine tragen, rennt der Kellner in die Küche. Schon paukt einer sieberhast auf die Tasten des Klaviers lqs. Charleston. Mit den Gabeln an die Teller schlagend, begleitet man im Takte die Bewegungen der Tanzenden, ein Geheul wilder Ruse erhebt sich. Gepfeife und dann wieder das modische„Alli— lu— a— a— a— a'. Zwischen den Tischen bewegt sich mit akrobatischer Sicherheit der Dichter Iwan P. aus den Händen fort. Ihm wird stürmischer Applaus. Der Kellner ist in Tabakqualn, gehüllt. Irgend jemand hall lange den Aermcl des Kellners fest und brüllt hartnäckig:„Ge- stehe, du bist der Onkel Eusebius? Nicht wahr?" Gegen Morgen erst verlöschen die elektrischen Kronen, scharen sich die erhitzten Menschen zu Haus, winseln die Mädchen auf und stoßen zum Scheine. Vor dem Hause nehmen die Droschkenkutscher die Paare auf. Die Herde fährt auseinander. Einige Personen bleiben mit gesenkten Köpfen am Zaune stehen, als fänden sie keinen Entschluß, als wünschten sie nicht wohin den Schritt zu lenken...