Otto Braun rechnet ab! VLRU� Mittwoch 25. April 10 Pf. 71V.196 B 97 45. Zahrgang. Anjeigenprei«: Die einspaltige Nonpareilleteil« So Pf., Reklamezeile s M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts-Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Dönhoff 292 bi« 297 Oer preußische Ministerpräsident gegen den Bürgerblock. Erscheint täglich außer Sonntag«. Zugleich Abendausgabe des.Vorwitts'. Bttugspreis für beide Ausgaben 70 Pf. pro Woche. 3 M. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW6S, Lindenstr.S Sie hat durch den Mund des dienstältesten Ministers Dr. chlrtfieser einen Rechenschaftsbericht erstatten lassen, wie es die Re- gierung eines Volksstaates dem Volke, dessen Vertrauen allein die Regierung stützt, schuldig ist. Nachdem sich die Rechtspresse ihrer journalistischen Pflicht entzogen hatte, ihre Leser von diesem Rechenschaftsbericht zu unterrichten, mußte die Regierung von sich aus für dessen weiteste Verbreitung sorgen. In einer aus- führlichen Polemik gegen die Deutschnationalen erklärte der preu- ßische Ministerpräsident, diese Partei habe, um Ministersessel zu er- langen und an, wie sie selbst sage, die Futterkrippe zu ge- langen, Locarno und den Völkerbund und alles an- dere geschluckt, was sie vorher entschieden ablehnte. Diese Zweideutigkeit der deutschnationalen Politik sei schuld daran, das» in der Außenpolitik nichts» erreicht werden konnte. Auch auf wirtschaftlichem Li e b i e t habe diese Regie- rungskoalition oersagt. Könne es ein furchtbareres Bekenntnis des völligen Bankerotts der deutschnationalen Politik geben, als wenn jetzt in deutschnationalen Wahlaufrufen zum Aus- druck gebracht wird, daß die Landwirtschaft vor dem Zusammen- bruch stehe? Das ist das Ergebnis einer mehr als einjähri- gen Bürgerblockpolitik mit einem deutschnationale» Reichs- crnährungsminister. Auch auf sozialpolitischem Gebiet habe die Bürger- blockregicrung völlig versagt. Der Ministerpräsident wandte sich dann gegen den Wunsch der Dcutschnationaleiz, trotz dieser Notzeit die Ansprüche der Standesherren mit 25 Prozent auszuwerten und lehnte die deutschnationale Steuerpolitik ab, die die Besitzenden entlastet und die Besitzlosen immer mehr belastet. so daß z.B. das gesamte Steuerauskommen aus der Landwirlschast nur 3 Proz. betrug, obwohl die Landwirtschas« 30 pro;, der Bevölkerung darstellt. (Fortsetzung auf der 2. Seite.) Der Ailderdiebstohl auf Kadolzburg Kunsthändler Arnim Echmidi in Amsterdam verhastei. Gegen Ende Februar dieses Jahres erregte der Diebstahl der Zllalhlas Grünewald oder C r a n a ch zugeschriebenen Predella aus der Kapelle der Kadolzburg in Franken großes Aussehen. Die Aufklärung erfolgte bereits vierzehn Tage später. ZNit Wissen und aus Veranlassung des Berliner Kunsthändlers Friedrich Wilhelm Lippmann. eines Kunsthändlers and-tennevs Arnim Schmidt und eines Blünchener Kunsthändlers August Weyer waren zwei gewerbsmäßige Berliner Einbrecher, ein Ernst Graske und ein Hermann Zahn, der aus der Gegend der Kadolzburg stammt, mit dem Ehausseur Günther Breitseld von Berlin in einem Auto nach der kadolzburg gelangt. Die beiden Einbrecher holten in der kurzen Zeit von kaum zehn Minuten die Gemälde aus der Kapelle heraus und jagten init der Beute nach Berlin zurück. Lippmann übergab hier die Altarflügel einem Bildhauer, der sie in vier Einzel- bilder zerlegt«. Bei ihm entdeckte die Kriminalpolizei die wert- vollen Gemälde. Lippinann und Meyer wurden festgenommen und Ein Polizeiauio nmgesfttni. Bericht 2. Seite Die Erdbeben auf dem BafKan. Bericht 4. Seite nach Fürth in das Untersuchungsgefängnis gebracht, ebenso der Ein- brecher Zahn. Durch«ine umfassend« Fahndung der Berliner Krimi- nalpolizei ist es jetzt gelungen, Arnim Schmidt in A m st e r- dam f« st z u n e h m e n. Seine Auslieferung wird beantragt werden und voraussichtlich auch erfolgen, weil es sich um einen quali- fizierten Diebstahl handelt. Schmidt, ein Mann von 29 Jahren, stammt aus Bonn und gilt in Kunstkreisen als guter Kenner. Seine Kenntnisse verdankt er besonders dem Umgang mit Lippmann. Die Kriminalpolizei halte auch früher schon mit ihm zu tun. Im Jahre 1927 spiegelte er der Gattin eines Berliner Malers vor, daß ihr Wann ihn beauftragt habe, mehrere Gemälde abzuholen, weil sie zum Kauf angeboten werden sollten. Die Frau gab die Bilder auch heraus, war aber so vorsichtig, sich die Erkennungsnummer des Autos zu merken, mit dem Schnndt sie abgeholt hatte. Der Auftrag erwies sich als Schwindel. Die Kriminalpolizei ermittelte Schmidt und nahm ihm die Gemälde, die er für seine Tasche hatte verkaufen wollen, wieder ab. Einen rafsiniertcn Automybilbetrug verübte Schmidt schon am 2. dieses Monats in Geineinschaft mit dem noch flüchtigen Chauffeur Breitfeld, der dabei unter dem Namen„Brettfelder' auftrat, während Schmidt sich„Bergmann" nannte. Die beiden verkauften einem Frankfurter chändler durch notariellen Vettrag«inen Wagen für 4900 Mark. Es ergab sich Bald, daß sie ihn durch falsche Vorspiegelungen sich verschafft hatten. Der Käufer war kaum in Frankfurt angelangt, als ihm der Wagen wieder beschlagnahmt und abgenommen wurde. Breitseld wird dieses Schwindels wegen noch gesucht. Arnim Schmidt hat In Amsterdam bereits ein volles Geständnis abgelegt. Wir wollen den Volksstaai! Die gebrochenen deutschnationalen Versprechungen. Königsberg, 25. April. Im großen Saal der Stadthalle in Königsberg hielt am Diens- tag abend der preußische Mini st erpräsident Dr. Braun eine fast zweistündige groß angelegte politisch« Rede. Das Ziel der politischen Erziehung müsse darin liegen, den Wählerinnen und Wählern klarzumachen, daß sich diese in den großen, politische Richtung weisenden Parteien zusammensinden müßten. Als eine solche Partei- komme in erster Linie die große sozial»- demokratische in Frage. Sie habe auf den Trümmern des am Kriegsende zusammengebrochenen Staates unter den aller- schwersten Umständen den neuen Volks st aat errichtet und das deutsche Volk, wie dies auch politische Gegner anerkannten, vor dem Chaos und der Vernichtung bewahrt. Schlimmer als die letzte Bürgerblockregieruirz im Reiche habe vielleicht noch keine Regie- rüng versagt. Kläglicher als diese Regierung sei wohl noch keine auseinandergefallen. Jetzt erlebe man, daß die Bürgerblock-Koa- litionsparteien sich gegenseitig bekämpfen. Wenn die Deutsche Volkspartei. in chrem Wahlaufruf erklärt, in Preußen sei eigentlich nichts geleistet worden, und das wenige Erreichte nur durch vernünftige Mitarbeit der Deutschen Volkspartei zustande gekommen, so möchte ich doch erklären, daß ich als Leiter der preußischen Regierungspolitik es nicht als praktische Mitarbeit bezeichnen kann, wenn die Volks- Partei für einen kommunistischen Antrag stimmt, mir als Minister- Präsidenten das Vertrauen zu entziehen, wenn ich die Außen- Politik des Führers der Deutschen Voltspartei Dr. Stresemann u n t e r st ü tz t e. Die preußische Regierung brauch« das Urteil des Volkes nicht zu scheuen. Der verhinderte Justizmord. Die Magdeburger Richter Hoffmann und Kalling verdächtigen noch heule einen Unschuldigen der Teilnahme an einer Mordtat. Unser Bild zeigt sie vor dem Disziplinarsenat am Kammergericht. Im Hordergrund ganz rechts Hoffmann, hnlcs neben ihm Kolling. Haft abend 730 Uhr: Alle in den Sporfyalasl! i■.■ 1' v Otto Brauns Rede. (Fortsetzung von der 1. Seite.) Der Ministerpräsident verteidigte dann die Personalpolitik und de« tonte, daß der Beamte heute im Gegensatz zu früher offen seine poli- tisch« Meinung vertreten könne. Das Rotsronlverbol Keudells gehe über alles, was man im Reich je vom Reichslnnenministerlum erlebt habe. Alle Länder, mit Ausnahme Bayerns und Württembergs, wobei Bayern offenbar nur auf ein ablehnendes Staatsgerichtshofurteil warte, seien gegen das Verbot. Es gibt auf der rechten Seite ähnliche Organisationen, die mindestens ebensoviel auf dem Kerbholz haben wie die extrem Linken.(Lebhafte Zustimmung.) Kcudell hat nicht immer sich so auf das Urteil des Staatsgerichtshofes verlassen wollen. Er hat den Wiking, trotzdem ihn der Staats- gerichtshof für staatsgefährlich auf Grund des preußischen Verbot? erklärt hat, auch heute noch nicht für das Reich verboten. Beim Schulgesetz hat sich eine Direktionslosigkeil der Bürger- blockregierung gezeigt, wie sie schlimmer noch nicht zutage getreten sei. Die Deutsche Volkspartei hat kürzlich durch Stresemann erklären lassen, daß sie jetzt bereit fei, mit ollen Parteien, die am Wieder- aufdau mitarbeiten wollen, zusammenzugehen. Wir werden sehen, ob die anderen Parteien für diese Politik nach der Wahl die Deutsche Volkspartei noch brauchen werden. Wenn die Deutschnationalen erklärten, sie seien durch die preußische Regierung an produktiver Arbeit gehindert worden, so müsse man sie vor aller Oeffentlichkeit fragen: Wo und wann hat die preußische Regierung die Teutschnationalen gehindert, ihr Aufwertungs- versprechen einzulösen oder ihr Versprechen, für die Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen zu sorgen oder die Renten der Sozialrentner zu er- höhen oder die Lohnsteuer der Arbeiter nach der Lex Brüning zu senken und schließlich für Ostpreußen etwas mehr zu tun, um die landwirtschaftliche Rot zu beheben? Otto Braun wandte sich dann gegen die unberechtigten Vor- würfe der ostpreußischen Presse wegen angeblich unzureichender Be- rücksichtigung Ostpreußens. Er begrllftdete dann noch die A b l e h- nung des Panzerkreuzers mit dessen militärischer Wert- losigkeit und dem Hinweis darauf, daß das neue Deutschland eine Politik der V e r st ä n d i g u n g zu treiben habe, und schloß mit der programmatischen Forderung der Sozialdemokraten auf Unter- stlltzung aller Arbeitnehmer und Besitzlosen. Allgemeiner Klaggenkn'eg. Berlins Oberbürgermeister gegen die Hoteliers. Obwohl es schien, als ob der Flaggeukrieg durch die Vereinbarungen zwischen den Hoteliers und den Regierungen beigelegt sei, gehen die Ans- einandersetzungen zwischen der Stadt Berlin und den Hotelbesitzern weiter. Kürzlich hat der Oberbürgermeister Böß die Ein- ladung des Verbandes Deutscher Waren« und Kaufhäuser zur Teil- nähme an einem im„Kais er Hof" stattfindenden Bankett mit der Begründung abgelehnt, daß es ihm nicht möglich fei, den ,.K a i s e r h o s" zu betreten. Dies« Kundgebung hat ihren Grund darin, daß die Berliner Hotelbesitzer vorher in der Presse erklären ließen, es sei ihnen gleichgültig, wo der Magistrat oder sein Repräsentant, der Oberbürgermeister Böß, ver- kehre. Ein von einem hohen Staatsbeamten unternommener Ver- such, diese noch bestehende Kränkung durch eine Erklärung der in Frage kommenden Hotelbesitzer aus der Welt zu schaffen, verlief, wie jetzt das Städtische Nachrichtenamt mitteilt, ergebnislos. Die Weigerung des Oberbürgermeisters Böß und des Magistrats ist ein Gebot republikanischer Selbstachtung. Flaggenkonflikt in Torgau. Halle, 24. April.(Eigenbericht.) I» Torgau ist eine Ausstellung für Gewerbeindustrie und Land- Wirtschaft geplant. Dem Oberpräsidenten der Provinz Sachsen, Dr. W a e n t i g, sowie dem Regierungspräsidenten G r ü tz n e r wurde die Mitgliedschaft im Ehrenausschuß angeboten. Der Oberpräsident hat die Mitgliedschaft abgelehnt, der Regie- rungspräsident die inzwischen angenommene Mitgliedschaft nieder- gelegt.» Der Verleger der„Torgaucr Zeitung", der Mitglied des Ehren- ausschusjes ist, hatte in seiner Zeitung die Forderung nach Hissung der Reichsfarben am 31. März einer spöttischen Kritik unterzogen. Als nun Regierungspräsident Grützner dem Ehrenausschuß beitrat, hat die Ausstellungsleitung erwogen, die Reichsfarben überhaupt nicht oder nur während der in Gegenwart des Oberpräsidenken der Provinz Sachsen und des Regierungspräsidenten stattfindenden Er- össnung der Ausstellung zu zeigen, dann aber sofort die schwarz- weißrote Fahne zu hissen. Erst auf Vorstellungen des Land- rats von Torgau faß,« die Ausstellungsleitung den Beschluß, die Reichsjlagge auf dem Ausstellungsgebäud« an hervorragender Stell« während der Gesaintdauer der Ausstellung zu hissen. Dieses Ver- halte» bietet— so erklärt Dr. Grützner— nicht die Gewähr, daß die AusstellUngsleitung oder der Ehrenausfchuß bei der Eröffnung der Ausstellung oder während ihrer Dauer«in der Würde der deut- scheu Republik entsprechendes Verhalten in Wort oder Tat a» den Tag legen. Die staatlichen und städtischen Behörden in Torgau sind angewiesen, sich gleichfalls dienstlich von allen Ver- nnstaltungen der Ausstellung fernzuhalten, eine gleichlautende An- Weisung ist an die Torgauer Volksschulen ergangen. Auch der Garnisonälteste der Reichswehr wurde gebeten, sich zur Wahrung des Ansehens der Reichsfarben von allen Veranstaltungen der Ausstellung, insbesondere von ihrer Eröffnung, fernzuhalten. Die Metallarbetterausfperrung in Sachsen. Heute Verhandlungen im Reichsarbeitsministerium. Im Reichsarbeitsministerium haben heute vormittag um II Uhr Nachverhandlungen zu den Schiedssprüchen in der sächstschen Metallindustrie begonnen. Oer Oanziger Buchdruckerstreik. D a n z l g. 25. April. Nachdem die seit dem 20. April streikenden Luchdruckergehllseu den Schiedsspruch abgelehnt haben, werden die Unternehmer heule die verbindlichkeitserklSrung des Spruches beantragen. Ablenkung von Die feierliche Sitzung des hohen Disziplinargerichtshofes drohte heute morgen zum Satyrspiel zu werden. Der Angeschuldigte Landgerichtsdirektor Hofsmann fühlt sich nämlich durchaus nicht als Beschuldigter; er„gefällt sich" vielmehr außerordentlich in der Rolle des Anklägers, der noch heute auf Schuldig gegen den freigesprochenen Haas plädiert. Hört man ihn so reden, so wundert man sich fast. daß das Schwurgericht in Magdeburg überhaupt zu einer Ver- urteilung Schröders gekommen ist; Kriminalkommissar Bußdorf hat sich nach seiner angeblichen Ansicht— daß er sie wirklich hegt, be- zweifeln wir— der Begünstigung des Mordes schuldig gemacht, indem er alle Svuren, die zu 5)aas führten, außer acht gelassen hat. Oberpräsident Hörsing und Polizeioizepräsident Dr Weiß sind nach Hoffmann der Amtsanmaßung schuldig, sie haben„unbefugter- weise die Untersuchung organisiert", Bußdorf instruiert und ihn ge- deckt; die Verwaltung hat sich der Presse bedient, um auf den Unter- suchungsrichter Kölling einen Druck auszuüben. Selbst eine sarkastische Bemerkung des Vorsitzenden, die Aus- führungen Hoffmanns feien ja ein Plädoyer gewesen, er habe ihn aber nicht unterbrochen, in der Hoffnung, daß er sich wenigstens in seinem wirklichen Plädoyer kürzer fassen würde, hinderte den „Fürsten" nicht, sofort ein neues Plädoyer zu halten. Als fein Verteidiger diesem Beispiele folgt, meint der Vorsitzende mild, die Herren sollten doch wenigstens die Versammlung solch wertvoller Kräfte in diesem Saale berücksichtigen! Alles vergebens! Dem Hoffmann wird feine Mitwirkung an dem Zustande- kommen jenes Brieses vorgeworfen, den Untersuchungsrichter Kölling an den Polizeipräsidenten Menzel am 30. Juli gerichtet hat. Er soll sich dabei eine„Taktlosigkeit" haben zuschulden kommen lassen, da er sich hätte sagen müssen, daß der Polizeipräsident von dem Inhalt des Briefes aus den Zeitungen hätte Kenntnis erhalten können, bevor er ihn durch die Post oder Boten erhielt. Hoffmann erklärt, die Veröffentlichung des Briefes in der Linkspresse sollte unbedingt verhindert werden. Den Magde- burger Rechtszeitungen fei der Brief kurz vor 1 Uhr aus- gehändigt worden. Dein Magdeburger Polizeipräsidenten wurde er kurz vor 2 Uhr von einem besonderen Boten übergeben. Der Vor- sitzende stellte fest, daß ein Beamter im Polizeipräsidium de» Boten zwischen 2 und 3 Uhr im Polizeipräsidium angetroffen und ihm gesagt habe, der Polizeipräsident sei nicht anwesend. Hofsmann bleibt aber dabei, der Bote, habe den Brief an den Polizeipräsidenten persönlich überreicht. eigener Schuld. andere der Amtsanmaßung. Den Vorwurf, der Kriminalkommissar Bußdorf habe sich der Begünstigung des Mordes schuldig gemacht, hält Hoffmann auf- recht. Bußdorf habe ernsteste Versehlungen begangen. Obgleich dem damaligen Regierungsdirektor Weiß diese Verfehlungen wohl bekannt waren und er bei der Unterredung mit Kölling am 21. Juli sich überzeugt(??) hatte, daß gegen Haas dringender Tatverdacht vorliege, drängte er den« Untersuchungsrichter Kölling den Kriminalkommissar Bußdorf direkt auf. Die amtliche Mitteilung des Regicrungsdirckwrs Weiß enthielt nach Hoffmann bewußte Unwahrheit, sofern sie erklärte, daß die Behaup- wng über Verfehlungen Bußdorfs sich als unbegründet herausgestellt haben. Alle Berdachtsmomente gegen Haas, erklärt er mit er- hobener Stimme, hat Bußdorf mit ollen Mitteln bekämpft. Er hat sie in die Presse lanciert, um sie auf diese Weise verächtlich zu machen. Oberpräsidcnt Hörsing und Regierungsdirektor Weiß haben sich aber eine Amtsanmaßung zuschulden kommen lassen, indem sie die Untersuchung unbefugtcrweise organisierten, Bußdorf instruiert und ihn gedeckt haben. Auf dieses leidenschaftliche Plädoyer folgte die kühle Frage des Staatsanwalts, ob auch der Brief Kallings an den Polizeipräsidenten Menzel vom 21. Juli das Geistesprodukt Hosf- manns gewesen sei. Hoffmann erwidert darauf:„Ja, wir haben ihn zusammen verfaßt." Schließlich polennsiert Hoffmann heftig gegen die Verwal- tung, die sich der Presse unbefugterweise bedient habe, um auf Kölling einen Druck auszuüben. Der Vorsitzende fragt, ob wirklich denn alle 71 Zeitungsartikel verlesen werden sollen. Ja, meint Kölling, das sei schon die engere Auswahl. Er verlangt wenigstens, die Stichproben aus feinem Schristsatz zu verlesen. Vorsitzender: Das wäre von Seite 25 bis 90.— Staatsanwalt: Ich glaube schon, daß Herr Hofsmann und Herr Kölling sich über die Aeußerungen der Presse sehr geärgert haben müssen, von Bedeutung ist aber hier nur. ob sie sich bei ihren Erwiderungen nicht auf andere Weis« vergangen haben. Als dann im Anschluß an die Verlesung einer Reihe von Artikeln Hoffmann wieder eine ausführliche Rede gegen Dr. Weiß und Ober- Präsident Hörsing hält winkt der Vorsitzende leise ab: man sitze hier doch schließlich nicht über Hörsing und Weiß zu Gericht! Nein, wirklich nicht! Auf der Anklagebank sitzen heute deutsche Richter, die sich nicht scheuen, ihre bewiesene Unfähigkeit noch durch nachträgliche Verdächtigung eines unschuldig Ver- hafteten und glänzend Gerechtfertigten zu verschleiern. Keudell gerettet! Im ständigen Ausschuß brachten die Kommunisten den gegen Keudell gerichteten Antrag zur Ablehnung. „Wir beide haben uns mal wieder verstanden, furchtbar scharf gegeneinander, aber— m a n nur so duhn!" Ein polizeiauio umgestürzt. Sieben Deamte unter den Trümmern. In Lichlerselde-West, in nächster Röhe des Händelplatzes, ereignete sich heute mittag gegen 12,45 Uhr ein folgenschwere, Auto- unglück. Der Führer eines mit sieben Polizeibeamten befehlen Kraftwagens des Ueberfallkommandos der Polizeiiafpektion Steg- litz verlor die Herrschaft über die Steuerung und fuhr in vollemTempoaufdenBürger steig. Der wagen prallte gegen einen Gaskandelaber, der wie Glas wegbrach, und stürzte um. Die Znsassen, sieben Polizeibeamte, gerieten unter die Trümmer des Wogens und erlitten zum Teil erhebliche Verletzungen. Zahlreiche Passanlen. die Zeugen des Unfalls geworden waren, eilten hinzu und befreiten die Verunglückten aus ihrer qualvollen Lage. Die Verletzten wurden durch die Feuerwehr in das naheliegende LichterfelderKreis- traatenhaus übergeführt. Die Untersuchung über dl: Schuldsrage ist noch nicht abgeschlossen. Einpolizeibeamier inWolgast erschossen Oer Täter flüchtig und in Berlin gesucht. Ans den Bahnhof In Wolgast wurde heule morgen der dort angestellte polizeiwachtmeister ploth von einem aus Berlin- Adlsrshof gebürtigen soeben entlassenen Slräsling Willy krön erschossen. Bisher tonnte folgendes festgestellt werden: Der 27� Jahre alte Willy Krön hatte wegen Einbruchs und Diebstahls eins Gefängnisstrafe in Dreibcrgen in Mecklenburg ver- büßt und war dort entlassen. Er muß es verstanden haben, sich sofort eine Pistole zu verschaffen. Heute morgen erschien er auf dem Bahnhof Wolgast und löste eine Fahrkarte nach Berlin, wohin er mit dem Zug« 8 Uhr 20 abfahren wollte. Wachtmeister Pioth, der den Bahnhof revidierte, fragte ihn nach seinen Papieren. Statt jeder Antwort zog Krön die Pistole und gab zwei Schüsse auf den Beamten ab. Pioth brach tot zusammen, der Verbrecher ergriff die Flucht und entkam. Man oermutet, daß er sich wieder nach Berlin wenden wird. Die Berliner Kriminalpolizei hat sosort alle Maßnahmen getroffen, insbesondere auf den Bahnhöfen. Mitteilungen über das Auf- tauchen des Flüchtigen nimmt Kriminalkommissar Johannes Müller, Inspektion A im Polizeipräsidium, entgegen. llnierschlagungen bei der �ettungsgesellschast. Lieber 13000 Mark Vere'msgelder veruntreut. Bor dem Großen Schöffengericht Berlin-Mitte begann unter Borsttz von Landgerichtsdirektor Steinhaus der Prozeß gegen den ehrenamtlichen ersten Borsitzenden der Rettungsgesellschast der Wassersportvercine Berlin und Umgebung e. B., Johanne, Arndt, und den Kassenführer, den Kaufmann Otto Berg- mann, die des gemeinschaftlichen Betruges, der U n- treue und Unterschlagung, und Bergmann außerdem noch des Konkursvergehens beschuldigt werden. Wiederholt waren Gerüchte aufgetaucht, daß in der Kassenver- walwng der Rettungsgesellschast etwas nicht in Ordnung sei. Der Vorsitzende, der dieses Ehrenamt seit 1923 bekleidete, versicherte stets, daß bei den Revisionen der Kasse alles ord- nungsmäßig befunden worden sei. Als die Gerüchte aber nicht verstummten, ging man ihnen schließlich mehr nach, und es stellte sich dann auch heraus, daß etwa 13 500 Mark Ver- einsgelder widerrechtlich verbraucht worden waren. Der Angeklagt« Bergmann war der Inhaber der Firma Otto Berg- mann G. m. b. H., Papier- und Pappengroßhandlung, Schmidtstr. 10. Das Unternehmen befand sich seit 1925 in Gcldschwierigkeiten. Aus den Bereinsgeldern wurden fortgesetzt Geldbeträge an die Gesell- schaft überwiesen. Als die Stadt Berlin im März 1925 den Wassersportvereinen eine Spende von 16000 Mark bewilligt hatte, wurden die hiervon eingezahlten Teil- betröge an die Bergmann G.m.b.H. abgeführt und nicht in den Büchern des Vereins verbucht. Andere Vereinsgelder wurden in der ähnlichen Weise aus den Rücklagen des für Arndt errichteten Dispositionsfonds entnommen. Als der Verein im Oktober 1925 «ine Wohlfahrtslotterie veranstalten wollte, schlössen die beiden Bor. standsmitglieder mit einem Lotterieunternehmer einen Vertrag ab, nach welchem dieser dem Verein vorschußweise ein zinsloses Dar- lehen von 7000 Mark überweisen sollte. Diese Geldzahlung wurde zunächst zur Deckung von Fehlbeträgen verwendet, floh später aber auch wieder der Bergmann G. m. b. H. zu. In den Büchern wurden diese Borgänge durch Sicherungsüberwcisungen der Bergmann-Ge- sellschaft an den Verein verschleiert. Erst im Juni 1926 erfuhr der Verein bei einer Kassenprüfung, daß der auf der Aktivseite geführte Betrag von über 13 000 Mark nicht in bar. sondern in Waren- werten vorhanden war. Unter den veruntreuten Beträgen aus der Vereinskasse befinden sich auch Einnahmen der Samariterabteilung der Rettungsgesellschaft aus dem Verkauf von Büchern. Die An- geklagten schieben die Verantwortung sür die Vorgänge sich gegen- leitiz zu. Die Rechtsanwälte Walter Bahn und Dr. Lippmann haben eine große Zahl von Leumundszeugen laden las'en. „Vremen" wartei auf günstiges Wefler. New Zork, 25. April. Der aus Greenly Island eingetroffene Photograph der Assoeia ted Preß berichtet, daß die„Bremen" in völlig ousgebesserlem Zu stände auf dem(Eikseld obslugbereit liege. Man glaubt, daß Bremen, falls die Wetterberichte günstig lauten, heute morgen abfliegen wird. die oder Wählt deutschnational- und laßt euch begraben! Durch die Straßen Berlins flattert ein Blättchen von maigrünem Papier. Die Borderseite sieht ungefähr so aus: Das Fanal zur Wahl: W&hU Sieutschnaiional! Klettermaxens Reinfall. Tragen Sie diesen Ruf weiter und werben Sie gleich- zeitig für die Sterbegeldversicherung der Deutschnatio- nalen Volkspartei! Sie bietet gegen kaum nennenswerte Monatsbeiträge außerordentliche Leistungen Äeachten Sie die Rückseite und erklären Sie Ihren Äeitritt zur Von Hans Bauer. Slerbegeldversicherungl Deutschnationale Volkspartei . Landesverband Berlin Berlin W 35, Lützow straße 89=90 Fernsprecher: Lützow 8946— Postscheckkonto: Berlin 36904 Die Rückseite bringt dann das Formular einer Beitritts- erklärung. die mit folgenden Worten beginnt: Ich stelle hierdurch für mich den Antrag auf Aufnahme in die Kollektio-Risikoversicherung der Deulschnalionalen Volksparlei... Die Verbindung der Wahlagitation mit der Propaganda für ein Versicherungsgeschäft ist jedenfalls originell und in diesem Fall von sinnbildlicher Bedeutung. Indem die Deutsch- nationale Partei anderen eine Versicherung gegen das Sterben anbietet, möchte sie sich selber gerne gegen das Sterben versichern. Vergeblich! Sie ist von Todesahnungen erfüllt und marschiert unter den Klängen des Chopinschen Trauermarsches mit umflorten Zylindern in die Wahlschlacht. Keine„Kollektio-Risikoversicherung" wird sie vor dem ver- dienten Schicksal bewahren. Klettermaxe— wer kennte ihn nicht von den Litfaßsäulen- anschlagen her, wo er viele Wochen hindurch als schwarzer Menschen- klecks an einer Häuserfassade gezeigt war—, Klettermaxe ist von einem peinlichen, aber freilich keineswegs unverschuldeten Unglücks- fall betroffen worden. Es hat ihn sein Geschick erreicht: Seine Der- Haftung hat stattgefunden— aber es ist ein Kriminalist eigener Art, der ihn zu Fall gebracht hat: die Münchener Prüfftell« für das Schmutz- und Schundgesetz. Das Gutachten betont die besonders starke Schundigteit des Erzeugnisses und behauptet, daß es nicht den Schotten eines Kunstwerkes für sich in Anspruch nehmen könne: und wie immer man sonst zu der Külz-Jnstitution stehen möge, man muß zugeben, daß tatsächlich der Roman und der nach ihm gedrehte Film eine lapidare Gehirnlcsizkeit beweisen und übelster Dreck sind. Aber seltsam: es dürfte sich so leicht niemand von den Befür- wortern des Külz-Qsesetzes finden, der einen auf dieses Bekenntnis hin festnagelte und es etwa triumphierend als Eingeständn.s einst- mals begangenen Unrechtes hinstellte. Denn der Fall liegt eigenartig genug. Klettermaxe, dieser amtlich beglaubigte Sensationsschund, ist alz Roman der Münchener Illustrierten Presse erschienen, und die Münchcner Illustrierte Presie kommt im selben Verlag wie die „Münchener Neuesten Nachrichten" heraus, die seinerzeit zu Külzens eifrigsten Anhängern gehörten und mit Feuereifer für das Gesetz ein- getreten sind, das sich jetzt gegen ihr eigenes Geisteskind wendet. Entweder ist also Klettermaxe nicht das Iammerzeug, als das die Münchener Prüfstelle es hinstellt, und dänn hätten ja die Linken recht, die die Bedenklichkeit des Gesetzes behauptet haben, oder aber, es ist alles in Ordnung mit dem Gesetz, aber dann müßte der deutsch- nationale Verlag zugeben, seinen Lesern einen literaturlofen Schmarren vorgesetzt zu haben. Wo liegt hier die Lösung? Für uns in der Mitte. Klettermaxe ist schuldig— aber das Schund- und Schmutzgesetz ist es trotzdem und nichtsdestoweniger auch. Ich habe kürzlich der Oberprüfstell« in Leipzig einen Besuch abgestatlet und mich über ihre Arbeitsweise und ihre Ergebnisse in- formieren lassen. Die Arbeitsweise: All« drei b>s vier Wochen einmal findet, einen Vormittag lang, in nichtöffentlicher Sitzung übrigens, unter dem Vorsitz des Ministerialrates Dr. von Zahn und in Anwesenheit von sieben Beisitzern eine Verhandlung statt Die Ergebnisse: Es sind bislang, noch einhalbjähriger Tätigkeit, vier Druckschriften endgültig für Jugendliche verboten worden: Ein Hamburger Skandalbläitchen und drei Kolportageromane. Es muß ohne weiteres gesagt werden(ich habe Einblick in die Schriften nehmen dürfen!), daß die vier auf die Liste gefetzten Druckwerke durchaus Makulatur sind und daß man ihnen keine Träne nachzu- weinen braucht. Die allerschlimmsten Befürchtungen, die sich an das Zustandekommen des Gesetzes geknüpft hatten, sind also bislang noch nicht in Erfüllung gegangen, das ist zuzugeben. Aber das heißt nicht, daß sie nicht noch in Erfüllung gehen könnten, und es heißt zweitens nicht, daß, wenn das Gesetz bisher auch noch keinen gröb- lichen Schaden angerichtet hat, es irgendwelchen Nutzen gestiftet hätte. So eine auf den Index gesetzte Schrift ist ja gar nicht an sich verboten, sie darf nur nicht össentlich ausgestellt und nicht an Jugendliche oerkauft werden. Wie läßt es sich m der Praxis kon- trollieren, ob der Buchhändler sich an das Auslege- und Verkaufs- verbot hält? Gar nicht, und auch der Leiter der Oberprüfftellc ließ mir gegenüber durchblicken, daß er dieser Meinung ist. Aber selbst, wenn es sich kontrollieren ließe! Wollte jemand behaupten, daß mit dem Verbot von vier solchen, wenn auch tatsächlich fchundigen, so doch völlig belanglosen Schriften der Jugendschutz irgendwie wesent- lich gefördert würde? Ein verhältnismäßig großer Aufwand ist hier unnütz vertan. Man braucht nur einmal so eine ungemein gründliche und ganz dem Stil sonstiger Urteile angepaßte Urtcilsausscrtigung in der Hand gehabt zu haben, die übrigens notwendigerweise mit völlig subjektiven Wertmaßstäben hantiert, um zu erkennen, wie grotesk das Mißverhältnis von aufgebotenem Apparat zu tatsächlich Erreichtem ist. Dag(vorläufig ja allerdings nur von der ersten Instanz einer lokalen Prüfftell« ausgesprochene) Verbot des Klettermaxe ist, trotz aller unbezweifelbarcn Schundigkeit des deutschnationalen Mach- Werkes nur ein neuer Beweis für die Ueberflüsstzkeit des Sonder- gesctzes. Viele Zehntausend haben, dank der gigantischen Reklame des reichen Verlages, den Dreck gelesen. Diele Hunderttausend werden den von der Emelka als Film herausgebrachten Murks ge- sehen haben. Jetzt, nachdem längst kein Mensch mehr von Kletier. maxe redet und vor allem kein Jugendlicher aus den irren Gedanken kommen dürfte, sich das Zeugs zu kaufen, kommt München mit einem Verbot dahergehinkt und macht nachträglich Reklame dafür! Die Zweite verfehlte Gternheim-Ehrung. Ln der„Komödie". Die Auflösung des NKB. Die Kommunisten hatten sie im Augenblick für zweckmäßig Die Art, wie die Kommunisten gestern den Roten Front- kämpferbund gegen ein Verbot durch den Reichsinnenminister„verteidigten", gehört zu den wildesten Grotesken, die sich auf politischem Gebiet abgespielt haben. Wie bereits berichtet wurde, kamen durch die bürgerliche Mehrheit die Anträge zu Fall, die die Reichsregierung zu einer Zurücknahme des Verbotes des RFB. aufforderten. Ucbrig blieb ein Antrag des Zentrums, der feststellte: Der Ausschuß hält diese Maßnahmen für im gegenwärtigen Augenblick nicht zweckmäßig. Nachdem alle übrigen Anträge abgelehnt waren, hätte die An- nähme des Zentrumsantrages immerhin die Wirkung eines Einspruches gegen das Verbot Keudells gehabt. Da ereignete sich das Unglaubliche: die Kommunist« n stimmten m i t den Deutsch- nationalen und der Deutschen Volkspartei gegen den Antrag und beklmdeten damit das Gegenteil deffcn, was der Antrag sagte, so daß die Stellung der KPD. lautet: Die kommunistische Partei hält die Auslösung des Rolen Aronltämpferbundes für im gegenwärtigen Augenblick zweck- mäßig. lieber die Tatsache, daß die Kommunisten mit ihrer Ab- stimmung dieser Feststellung Ausdruck verliehen haben, hilft keine Entschuldigung, keine Beschönigung und kein« Begründung hinweg. S e l b st e n t m a n n u n g des Proletariats als politisches Prinzip: das ist in der Tat der Inhalt der tommunistischen Politik, wie er sich bei den zahlreichen Spaltungen zeigte und wie er auch gestern im Reichstagsausschuß in Erscheinung trat, wo die Kom- munisten den Dcutschnationalen zur Ablehnung des Miß' t ra u e n s v o t ums gegen Keudell verhatfen. » In der gestrigen Sitzung des Ueberwachungsausfchuffes des Reichstags ist festgestellt worden, daß weder der Reichs kanz- l er noch Minister Dr. S t r e s e m a irn dem Verbot des Roten Frontkämpferbundes zugeftinimt haben. Wie wir jetzt aus zu- verläsfiger Quelle hören, hat Herr v. Keudell nicht einmal den Reichsko mmissar sür öffentliche Ordnung um feine Ansicht darüber gefragt, ob es notwendig sei, den Roten Front- kämpferbund zu verbieten. Dieser Reichskommiffiar ist doch sozu- sagen dafür da. Gefahren für die öffentlich« Sicherheit zu beobachten und zu verhüten. Wenn Herr v. Keudell nicht einmal ihn gefragt hat, so wußte er offenbar schon ganz genau, daß der Reichs- kommisiar für das Verbot nicht zu haben sei Um so klarer ist,> daß es sich bei der ganzen Aktion um nichts anderes handelt als um ein deutschnatmnales Wahlmanöver, das gestern noch die i Unterstützung der Kommunisten erfahren hat. In den Bereinigten Staaten wird eine Anleihe von 4l)0 Milli- 1 aneu Dollar zugunsten der Londwirlschoft ausgelegt. Damit soll den i Landwirten die Stabilisierung der Preise für ihre Produkte garan- i tiert werden. Die erste Berliner Bühne, die ihre Pflicht zur Feier des fünfzig- jährigen Carl Sternhcim erfüllt, hat ein falsches Stück gewählt, die zweite, die„Komödie", führt ein echtes Sternheimsches Lustspiel auf, „Die Kassette", bringt aber durch eine trostlos ungeschickte Regie die Aufführung um ihren Sinn. Ein echter Sternheini: scharf- geschliffene Sprache mit skurilen und grotesken Windungen, ein nicht sonderlich origineller Stoff, springlebendige Zeichnung des Philister- Milieus und des Spießers selbst. Den Tanz um das Ekel von fchika- nierender Erbtanle, den haben wir schon oft im Lustspiel gesehen. Aber wie Steniheim den herkömnilichen Stoff anpackt, das macht ihm sobald kein deutscher Lustspieldichter nach. Er hätte den Clou der Handlung, die Enterbung der kriechenden Verwandten und das Käthe KoIIwiiz. Vermächtnis an die Kirche, als Ueberraschung an den Schluß bringen können. Die Komödie wäre dadurch spannender, aber nicht feiner geworden. Auf äußere Bühneneffeklc konimt es Sternhcim nicht an. Er will dem engstirnigen Bourgois und seiner Umwelt ein Denkmal setzen. Ein Reiz der Sternheimschcn Figuren besteht darin, daß seine Spießer durch die Bank ganze Kerle sind. Der Humor quillt nicht billig aus der Veralberung von Menfchcntypen, sonderi ans der lebensechten Schllderung lächerlicher und blamabler Gewöhn Helten. Sternheims Personen haben Charakter, die Erbtante, die niii brutaler Offenheit ausspricht, daß sie für das kolossale Erbe vo> 149 ÜOO M. ihre Macht auskosten will, und der Oberlehrer Krull, dei ihr nicht verheimlicht, wie wenig ihm an ihrer Person und wie vis an dem erwarteten Geld gelegen ist. Auch die Nebenfiguren sinl nicht errechnete Schemen: sie strotzen von saftigem Leben. Es isi das richtige Stück für eins Geburtstagsehrung. In der larikaturiftö jchen Schärfe der Zeichnung liegt Sternheims Siärke. Sein ver» fchnörkelter Sprachstil hat in dem Interpreten Seidcnschnur einsi besonderen Reiz, weil die Figur selbst verschnörkelt ist. Es ist schwer, das faniofe Lustspiel zu verschandeln. Den Regisseur Wolfgang Hoffmann-Harnisch ist es restlos go lungen.„Die Kassette" spielt in der Vorkriegszeit— sie stamm aus dcni Jahr« 1912. Die Personen erscheinen also in der altmodisci wirkenden Tracht von damals. Sollen! Der Regisseur hat in faljchci Pietät auch einen altmodischen Bühnenstil gewählt. Das geht natüv lich nicht. Wir leben heute nicht mehr im srüheren gemütlichci Tempo. Also muß man viele Stellen, die 1912 noch Sinn und Reil gehabt haben, erbarmungslos streichen, damit durch ein furioies Tempo der Humor leuchtender wird. Die„Komödie" macht sich ein, Ehre daraus, eins der kultiviertesten Berliner Theater zu sein Auch an weniger anspruchsvollen Bühnen wird aber kultiviertei gespielt als gestern am Äursiirstendamm. Es ist traurig, was fül billige Mätzchen Jakob T i e d t t e verübt, um Komik um jeden Prcit ans seiner Rolle des Oberlehrers Krull herausznkitzeln. Die Mono- log«, die hier Sternheim verwendet, müssen selbstverständlich al« Selbstgespräche geführt werden. Tiedtke schleudert sie in Possen, Manier mitten ins Publikum. Traurig, mitanzusehen, wie Blandin« C b i n g c r, die famos gezeichnete Obcrlehrcrstochter, ins gewolll Groteske verzerrt und damit der Figur jedes Leben abtötet. Von dei Regie unbeeinflußt, stellen Dagny S e r v a c s, Heinz R ll h m a n» und Adels S a n d r o ck großartige Typen auf die Bein«. Die glorioseste Leistung die Sandrock als giftige Erbtante. Ein Haus- brachen, wie er fürchterlicher nicht in beängstigenden Träumen er- scheint. Ihr aufblitzender Blick vernichtet restlos. Einen ersten Platz hat sich gestern Hans Rühmann als Scidenfchnur erspielt. Er gibt da ein« stumme Szene als Hausphotograph mit überwältigender Komik, er setzt seine Worte— und seine Füße— auf Stelzen. Die Zu- jchauerschaft lacht aus vollem Halse. Die hervorragenden Leistungen dieser drei können den Abend aber auch nicht retten. Der Beifall am Schluß klingt dünn. L.rusr DeKiier. „Krauenarzi Dr. Schäfer." Eapitol. Wenn man ein Problem zur Diskussion stellt, soll man es ernst- hast behandeln, ihm aber nicht ängstlich ausweichen, wie das dieser Hegcwald-Film tut. Jane B c ß, die das Manuskript schrieb, hat Furcht vor der rauhen Wirklichkeit, daher konstruiert sie sehr un- beHolsen einen Filminhalt. Man meint vorerst, die Herren Aerzte hätten untereinander Krach, und gegen alle Gepflogenheit würde das Publikum hinzugezogen: doch zu guter Letzt erfährt man, daß der Arzt, der durch einen ungeschickten Eingriff das Leben eines jungen Mädchens vernichtete, ein gefälschtes Doktordiplom besitzt und nur ein Heilgehilfe ist. Dieser saubere Herr, der von Dr. Schäfer nicht zur Rechenschast gezogen, sondern mit Rücksicht auf die Familie des Professors Hausen ins Ausland abgeschoben wird, vergewaltigt nosk- erst schnell Evelyn, die Tochter des Professors. Als sich Folgen einstellen, heiratet Dr. Schäfer Evelyn, womit offenbar eine für das Filmpublikum bewunderungswürdige Tot vollbracht sein soll. Mit der Vererbungstheorie usw. scheint sich dieser Frauenarzt gerade nicht beschäftigt zu haben. Ob nun Papa Professor, der so blind- wütig sür die Aufrechlcrhaltung der Abtreibungsparagraphen ein- tritt, anderer Ansicht geworden ist, geht aus dem Film nicht hervor. Das Premierenpublikum nahm ihn auch nicht ernst, sondern lachte oft aus sehr berechtigter Protestftimmung heraus. Die Ablehnung hätte auch bestimmt weit schärfere Formen angenommen, wenn nicht sofort nach Schluß des Films die Hauptdarsteller auf der Bühne erschienen wären, um die üblichen Riesenblumensträuße entgegenzunehmen. Unter den Schauspielern zeichnet sich vornehmlich Evelyn Holt aus, die sich schnell die Sympathien des Publikums erwarb und bereits ein Typ für zarte Menschenkinder wurde. Des öfteren läuft sie zwar Gefahr, übermäßig sentimental zu wirken. Hans A l b e r s ist mal wieder ein Ekel allerersten Ranges. Iwan P e t r o w i t s ch gefällt als Liebhaber(er macht sich interessant durch dunkel um- malte Auaen) und Leopold Kramer charakterisiert gut den Professor Hausen. Für die Regie zeichnen I. und L. Fleck ver- antwortlich. Sie stellen die Schauspieler in kostspielig möblierte Zimmer und bemühen sich mitunter krampfhaft, z. B. durch eine Untersuchungsszene beim Arzt und durch ein paar nackte Girlbeine, eine pikante Note hineinzubringen. e. d. kölhe koliivlh vorsleherln eine» Ilieifteraieller». Kätbe Kollwitz isi vom Minister iür Wissenichait, Kunst und VoikSbildung zur Boislehtrin dcS Meister atclierS sür ölraphii an der Prcustiichcn Slkad.mie der Künste zu Berlin ernannt worden. Frau Kollwitz Irilt zugleich dein Senat der tllndeniic bei. Da» Gastspiel de».Istoslouer jüdischen akademlschia Theater»-- im Theater des Westens mlrd um wettere zehn Tage verlängert Der Spielplan ist geändert, Mittwoch, Sonnabend, Sonntag:„Die Relsc Benjamins III.-' Dienstag, Donnerstag, Freitag:»209000-'. Die Erdbeben auf dem Balkan. Durch das Erdbeben in Griechenland ist auch dieses berühmte Denkmal klassischer Baukunst, die Akropolis, gefährdet. Sofia, 25. April. Nach einer vorlänsigen Feststellung belauf! sich die Zahl der durch dos Erdbeben in Philippopel eingestürzten Häuser aus mehr als 3000 und die Zahl der unbewohnbar gewordenen Häuser aus mehr als 6100. Außerdem bedürfen mehr als ZSlX) Gebäude dringend einer sofortigen Wiederherstellung. Di« Sofioter Uni- versitäteprofessoren Vakaloff und Bontsckesf, die von einer Ve- fichtigungsreise in das heimgesuchte Gebiet zurückgekehrt sind, erklären, daß das Erdbeben in einer Gegend erfolgte, durch die sich eine alte Bodensenkung hindurchzieht, und daß sich ihr parallel ein neuer Spall gebildet habe, der durch die am meisten heimgesuchten Ortschaften hindurchgeht. Das Erdbeben sei eine Folge der ver- schiebung von Erdschichten aus der Diluvialzeit. In der Nähe der Ortschaft Tschechnegirowo, die auf dem rechten Ufer der Maritza zwischen Philippopel und Papazly liegt, Hobe sich infolge der Spaltung der Erde und des hervorsprudelnden Wassers nach dem Erdbeben ein Seee gebildet, der noch seht>20 Meter lang, 80 Meter brest und 40 Zentimeter lies ist. Die Thermalquelle» von Mertitischleri« sind völlig versiegt. Di« Wissenschaitler nehmen ober an, daß sie zum Teil an einer anderen Stelle erscheinen werden. Die Sachverständigen srbäßen die Erdbebenichäden allein für Philippopel aus rund l'�.. Millionen Lewa, die Zahl der obdachlosen Familien in Philippopel auf>4 000, obwohl es den Behörden gelungen ist, bereits 9000 Familien in der Umgebung unterzubringen. Die Zahl der obdachlosen Familien aus den Dörfern des Erdbebenbezirts, für die Unterkunft beschasft werden muß, belauft sich auf 2500. Athen,' 25. April. Der Minister des Innern, der Finanz- und der Verkehrs- minister, die sich mit Herren ihres Stabes noch Korinth begeben hatten, um sich von dem Umfang der Erdbebenkatastrophe zu über- zeugen yitnd die Hilfsmaßnahmen zu leiten sind wieder nach Athen zurückgekehrt. Nach Angaben der Zeitungen beläuft sich der Sachschaden in der Stadt Korinth allein aus 000 Millionen Drachmen. Von 3000 Häusern sind nur 50 übrig geblieben, die weniger schwer be- schädigt sind. Eine Ausbesserung der zerstörten hauser und ein Wiederaufbau der Stadt an ihrer alten Stelle wird sich voraus- sichtlich als schwierig erweisen. Man trägt sich mit dem Gedanken eines Wiederau sbauplanes, zu dem hgpothekendarlehen der Nationalbank die finanzielle Grundlag« liefern sollen. In der Zwischenzeit trifft die Regierung Maßnohmen zur Sicherstellung der Verpflegung für die von dem Unglück betroffene Bevölkerung, die in Korinth und dem übrigen Erdbebengebiet auf 15 000 Per- snnen geschätzt wird. Die Militärbehörden haben eiligst Zelt« und Sa nitäts Material gesandt, ebenso das griechisch« Rote Kreuz. Das amerikanische Rote Kreuz hat sich der Re- gierung zur Verfügung gestellt. Ueberall sind Sammellisten auf- gelegt. In Athen sind schon namhaft« Beiträge eingegangen. Die Zahl der loten soll, soweit festgestellt, nicht mehr als 10 betragen. Die verhältnismäßig geringe Zahl der Opfer erklärt sich daraus, daß die Bevölkerung durch die vorausgehenden Erderfchütterunge» gewarnt war und vor dem hauptbeben bereits die Häuser verlassen hatte. Die Zeitungen widmen dor Pflichttreue des Leiters des Telegrophenamts in Korinth lobende Besprechungen. Der Vcamtc hatte während des Erdbebens den Platz an seinen Apparaten nicht verlassen, während seine Frau und seine Kinder getötet wurden und das Telegraphenamt in Trümmer sank. Der Beamte selbst hat eine schwere Verwundung davongetragen. Blinden-Gelbfihilfe. Aus dem Oaseinskamps der wirtschaftlich Schwächsten. Der Saal des Rofenthaler Hofes, Rosenthaler Straße, konnte sie gar nicht alle fassen, die zur ersten öffentlichen Mit- gliederversammlung des im Februar d. I. neuaegründeten „Zcntralverbandes blinder Männer und Frauen" gekommen waren. Wie der Referent des Abends, Stadtrat Hesse, ausführte, ist die Notlage der Zivilblinden ein« geradezu k a t a st r o- phale. Die Unterstützung durch die Blindenvereine ist völlig un- zureichend und die armen Menschen sind völlig darauf angewiesen, durch Betteln ihren Lebensunterhalt zu erwerben. Die produk- tive Erwerbslosenfürsorge, die imstande sein soll,„die Menschen wieder in die Reihen ihrer glücklicheren Brüder und Schwestern einzuordnen", erweist sich als ein Akt rein kapitalistischer Aus- nutzungspolitik. Die Berufsausbildung der Blinden besteht einzig in der Schaffung allerbillig st en Arbeitermaterials und man verlangt bei ganz geringer Entlohnung— die Sozialrente wird hier genauestens einkalkuliert— dieselben Leistungen w i e von den Sehenden. Auch der vor einem Dreioierteljohr in Königsberg stattgehabte Reichs kongreß der Blindenorganifationen habe wieder nichts als leere Versprechungen gebracht. Wegen der bevorstehenden Wahlen sei auch die Einbringung des Antrages auf Rentenerhöhung nn Reichstag unterblieben. In warmen Worten appellierte der Redner nun an die herzen der Arbeiterschaft, die sich ihrer aufs äußerste bedrängten und grausam unterdrückten Brüder und Schwestern annehmen möge. Auch sie sind Proletarier. Ab- gedrängt vom öffentlichen Leben durch ihr Leiden, bilden sie das traurige Heer der wirtschaftlich Allerschwächsten. Nun rufen sie den proletarischen Bruder um Hilfe an zur Wahrung ihrer Menshheits- rechte. Menschen wollen sie sein unter Menschen, nicht ewig Ver- bannte in ihr schmerzvolles Dunkel. Hinter schillernden Spiegelscheiben. Aus der Praxis des Einzelhandels. hinter den Kulissen des meist elegant hergerichteten Verkaufs- raumes spielen sich oftmals Begebenheiten ab, deren sozialreaktio- närer Charakter die Beachtung der werktätigen Bevölkerung ver- dient, hier seien in Kürze einge Beispiele dafür gegeben, wie wenig rücksichtsvoll die Angestellten behandelt werden und wie wenig die gesetzlichen Bestimmungen und sogar die freiwillig vereinbarten Verträge beachtet werden. In einem Kaufhaus mittlerer Größe— es werden etwa 600 Angestellte beschäftigt— ist es dem Angestelltenrat untersagt worden. die im§ 76 BRG. vorgesehenen Sprechstunden während der Arbeitszeit abzuhalten, obwohl sich aus dem Cha- rakter des Einzelhandelsbetriebes die Unmöglichkeit ergibt, die Sprechstunden anders als in den Tagesstunden abzuhalten. Dieses Vorgehen der Geschäftsleitung entspricht der gleichfalls in jenem Betriebe üblichen Praxis,„unbeliebte" Mitglieder der Bc- triebsvertretung durch Versetzung an schlechtere Ar- beitsplätze zu maßregeln. Das gelegentliche Vorkommen von Nachtarbeit, die Bezahlung kaufmännischer Angestellten im Stundenlohn, obwohl der Tarifvertrag Monatsgehälter vorschreibt, kennzeichnet die„soziale" Einstellung dieser Betriebs- leitung, deren leitende Persönlichkeiten Aeußerungcn tun, wie diese: „Ein Mensch, der nnr 8 Stunden arbeitet, zählt nicht als A r b e i t s k r q> t!"— Man sollte meinen, es hier mit einem Betrieb zu haben, dessen kapitalistischer Charakter zu diesen sozialen Auswüchsen geführt hat. Aber weit gefehlt! Der ge- schilderte Betrieb ist die„B e k l e i d u n g s- G e s e l l s ch a f t für deutsche Beamte", eine dem Deutschen Beamtenbund sehr nahe- stehende Einrichtung. Vielleicht kümmern sich die Mitglieder der im Deutschen Beamtenbund zusammengeschlossenen Verbände einmal um die sozialen Verhältnisse in ihrem eigenen Unternehmen! Die älteren Angc st eilten sind es vor allem, die unter der Geißel der Arbeitslosigkeit zu leiden haben. Die bekannte Tabak- warenfirma Paul Iuhl scheut sich nicht, Angestellte zu entlassen, die über 20 und 30 Jahre im Betriebe tätig waren, und die man nun durch billigere Kräfte zu ersetzen sucht. Gerade in Be- trieben, deren Artikel genaue Branchenkenntnis des Verkäufers voraussetzen, wijch eine solche Personalpolitik dem Niveau des Ge- schäftes nicht gerade förderlich sein. Ueberaus kennzeichnend ist die Methode der Firma Paul Iuhl, sich der sozialen Verpflichtungen dadurch zu entziehen, daß Filialen in sogenannte Nieder- lagen umgewandelt werden. Durch die Drohung der Kündigung werden die Angestellten zu dem Einverständnis gezwungen, den bisherigen Anstellungs- in einen Pachtvertrag zu wandeln. Das bedeutet praktisch, daß der Arbeitgeber nicht mehr an das Tarifgehalt gebunden ist. weder die Bestimmungen des Kündigungsschutzgesetzes noch des BRG. mehr zu beachten braucht und von der Verpflichtung der Versicherungsbeiträge be- freit ist. Der mit den bisherigen Angestellten abgeschlossene„Pacht- vertrag" verdiente es, einmal besonders unter die kritische Lupe ge- nommen zu werden. Die bei der Firma Paul Iuhl tätigen„selb- ständigen Kausleute wider Willen" sollten sich um ihre gewerkschaft- liche Interessenvertretung stärker bemühen. Nur dann wird einem so krassen Unrecht wirksam gesteuert werden können. Wer ist's? Ein männliches Individuum in der Untergrundbahn. Schnürstiefel, Wickelgamaschen, feldgraue chose, feldgrauer Rock, Leder- koppel mit Revolver, ovales Abzeichen am Aermcl, auf dem Kragen zwei Spiegel mit j» zwei Tressen und zwei Sternen und Abzeichen und dann— Achselstücke. Dazu feldpraue Mütze mit preußiichcr Kokarde. Reichswehrunterofstzier? Falsch geraten! Stahlhclmer? Auch falsch! So weit ist's ja noch nicht, daß sie mit ofjenem Revolver herumlaufe» dürfen. Also was? Ein Angestellter der chirsch-Nachtwächterei, die in der Uniformierung ihrer Leute, wie auch den Stahlhelm, die Reichswehr kopiert. Wie der„V o,r w ä r t s" vor einiger Zeit mitteilen konnte, ist es durch Erlaß des preußischen Ministers des Innern in Eemeinschast mit dem preußischen Minister sür chandel und Gewerbe vom>8. Januar 1928 den Wach- und Schließgesellschaften untersagt, Uniformen aus feldgrauen Tuchen und Achselstücke tragen zu lassen. Den Gesellschaften ist aber ein« Auftragezeit von zwei Jahren zu- gestanden worden. Wenn man aus Billigkeitsgründen das Auf- tragen der Uniformen und Mäntel dulden will, dann sollte man das Tragen von Achselstücken und feldgrauen Mützen sofort ver- bieten und auch das Tragen von Schußwaffen am hellen Tag. Wellerberichl der öffentlichen Delterdienststelle Verlin und Um- gegend(Nachdr. verb.). Für Berlin:.steiler und am Tage warm, nachts noch kühl. Für Deutschland: Ueberall beständiges und hei- tcres Wetter. Pkranlwortlich kllr die Rrdakiion: E»oc» Praqer.?rrlin: An,e»>rn: Th. Sloilo, Berlin. Lerlaq: Bormärls üerlaq?> m b S>., Brrli». DrucI' vorwärts Vu<1>. druckrrri und Lcrlaasnnitalt Bau! Singer& Co.. Berlin£-33 68. Lindl»! lirane 3. Sicr,» I Briloar »inv„ 25. 4. 28 Staats-Oper Arn Pl.d.Republ. 8 Uhr Puccini- Abend: Der Mantel Sdiwnler Angelika Gianni Schicchi itasti. Sdiaujplelb. m iiadirnicnniriM Zum I. Male . 8 Uhr KatalaDßisäe Miladit Mittw., 25. 4. 28 Städtisdie Oper Bismarckstr. Ab.-Tum. III. Auf. 8 Ariadne anfNaxos Slaatl. Sdiillerth. Charlottenburg 8 Uhr Volks ld«»« im iQlowputi 8 Uhr Die rote Kode bü h ne Tb.'. Uhr Broadway Waltiaila-Tti. iVeinbergsweg 10/20 Nur noch heute und morgen t»/« lihr: Jan Fottt der Millionär Vorzeiger dieses zahlen für Parken statt 4 M. nur 60 Pf- Ab Freitag tgl. i1/, U. (iasispiel Der Hexer H Mierendon, Lobe ßesidenz-lheatei 8>.< Uhr Fritzi Musik. Schwank Delsciiafi, Pointner, Eibenscbütz, Gonge- treu, Vespermann, Manning. Für Funkfreunde hattw preise. ialtenburg-Süfineri N5. Künstler-Th 8V, Uhr Sdiwall-Wi Letzte 6 Vorstellungen Thalla-Tlieaier Dresdener Str. 72-73 u Dyckerpotis Erlisii Lustspielbaus fit. Dr. Kartin Zidn. 8V, Uhr iuido Thielscher Gesdiistsadsidit" Metröpoi-rn. Zentrum 128 24 8-,, Uhr Der Grat von Luxcmburo Lichtenstein, Jolan. Hoffmann, Kettnei, HeiL Fischer Hofen fiu.Adfliiraispaiast Letzte Woche: TäglichStUck: Zieh' didi aus! 208 Mimirkende. Vorverkauf ab 10 Uhr ununterbrochen. ReichshaMen-Theater Stettiner Sänger Das neue Programm! , Auf. 8 Uhr. Sonnig, nactin. 3 Uhr(hai�e Preise). Dönhoff- Brett'l: Das iDslipe April-Progr. Planatariura am Zoo in so. Jsidümsttialtr Slrab Noll. l.V7x '6'/z und 19'/, Uhr Oer Sternhimmel der Heimat 18 und 21 Uhr: IM Reiche der MUternachlssonne ciniriti I«. ■ut"'s-r-n\S " U: Neuartige Circ- Attraktion 9 Uhr: Eine tolle Circus-Revue Oarün steht Kopp Büligs'e Scmfr.e Mi» 63 Mi.. 1.- bis Loga 6.- Theater am Kottbusser Tor itottbusser Slratte 0, Tel. MpL 1607) Täglich- Uhr somtag, nacumiltajs- Uhr Elite-Sänger � Gr neuer April-Spielplan, u. a � Die tolle Lolo von Max Reinhardt l von B. Crod, Auf Teilzahlung Ohne Anzahlung Schlafzimmer Speisezimmer Herrenzimmer Kfidsen, einzelmöbei kleine Ratenzahlungen AnfPl Gr. Frankfurter Str. 34 nllivl(Strauaberger Platz). föelfage Mittwoch, 25. April 1928 StfJUnmft �finln nkcy�ße dok]/ofvyas4k „ Wir wollen es uns wiederholen!" Erlebnisse mit Deutschen und Italienern in Südtirol. 3n Reden und Zeitungen geht ein großer Kampf um die„natio- Hajen Belange"— nirgends zeigt sich die Differenz zwischen Worten und Taten krasler als in Italien. Wer dort sehend wanden, erlebt köstliche Momentbilder. Wir stampfen um die Mittagszeit nach Sexten in Sudtirol hinauf. Vor uns geht ein Karabinieri, den wir bald eingeholt haben. Merkwürdig blond für einen Italiener sieht er aus. Auf den Gruß Vajole tt- 7 ürin e, Dolomiten antwortet er:„Guten Tag". Und erzählt dann, daß hier in allen Stationen deutsche Karabinieri seien, da die Bevölkerung nicht ita- lienisch spricht. Er ist Südtiroler, aus Schlanders. und er sei Karabinieri, damit er leben könne: acht Buben seien fiir den Hos daheim zu viel. Ein Bauer kommt des Weges. Mißtrauisch mustert er den Ka- rabinieri und geht dann im großen Bogen ohne Gruß vorbei. Unser Karabinieri ist still geworden. • Blauschwarz und funkelnd wölbt sich die Nacht über dem Z i n n e n p l a t e a u. Wir sitzen vor der Hütte und reden von ver- gangenen Tagen: vor 14 Iahren haben wir hier Bergfahrten zu- sommen gewacht. Jetzt ist mein alter Freund Bergführer und war droben ain Paterntofcl dabei, wie sie die Pätz aus der Stellung werfen wollten und wie der Inncrkofler Sepp den Kopfschuß bekam. Und jetzt muh er sich fügen, wer nicht italienisch spricht, der wird ausgehungert. Im Sextener Tal gibt es noch italienische und deutsche Airsschustsn, aber drüben im Grödner Tal, was rein ladinisch ist, sind deutsche Aufschriften verboten. Die Kinder von 12 und 14 Iahren verstehen schon kein Wort deutsch mehr. Am nebligen Vormittag räkeln wir uns in der Hütte. Es sind nur drei Bergsteiger und zwei Lehrerinnen ältesten Semesters aus Pommern anwesend. Da ist draußen vor der Hütte Leben, eine Schar lachender, temperamentvoller Italiener ist angekommen. Sie grüßen und richten sich für eine Mahlzeit ein. Lustig geht es zu und schon ein wenig laut, aber wie gesagt, es liegt im Naturell. Als sie mit Gruß weiterzogen, ließ die eine pommersche Lehrerin einen Sloßseuszer loß:„Gott sei Dank, daß die Schweinebande geht!" Das lag auch im Naturell dieser„teutschen" Jungfrau, und als ich fragte, was ihr die Menschen getan hatten, entzog sie sich gschamig der Ant- wort. Meine war dann auch nicht rosig. * Als ich nach zwei Stunden am P a t e r s a t t e l saß und wartete, daß sich der Nebel von meinem Berg verziehe, standen da die beiden pommerschen Lehrerinnen plötzlich neben mir. Sie schwelgten in Bergellungsabsichten am„Erbieind", und wieder ruf die eine mit Pathos:„Das ganze uns geraubte Land werden wir wiederholen!" und breitet dabei die Arme nach Süden aus, da wg Marmarole und Antelao gerade im Nebel schwimmen. Ich glaube, sie hatte Tranes in den Äugen. Da konnte ich mir nicht verkneifen, sie ein wenig„anzuäppeln". Erstens einmal möchte ich das Land sehen, daß „wir" wiederholen: die Arbeit wird sie wohl den Proleten überlassen, diewei! sie vaterländische Liebesgaben-Strümpse strickt. Dann aber gibt es hier nichts zu holen, denn der Paternsattel, aus dem sie steht, ist die alle Grenze zwischen Italien und Oesterreich, und was sie da ira Süden meinte, ist schon immer italienisch. Da schauten beide etwas verdutzt, und als ich fragte, ob sie ihren Schülern auch diese faschistische Geographie beibringen, war ich wieder allen im Nebel. « Sechs Tage danach gingen wir am Misurina-See entlang und suchten vergebens zwischen den Hotels einen Badeplatz. Auf dem schmalen Fußsteig kommen uns zwei Wanderer entgegen, neben den Lbzeichen verschiedener deutscher Alpenvereine auch jeder ein riesiges Aaleutraiz. Sie sahev ebensogut wie wir bei ihnen, daß wir Deut- sche waren, und sie grüßten uns prompt auf gut italienisch:„Bucrn giorno!" Da haben wir geschmunzelt, und ich besonders, weil ich wieder etwas zu schreiben hotte. Draußen weiß es nicht genau, ob's Schnee oder Regen werdeil will, und in der R e g e n s b u r g e r Hütte ist auch nicht viel wärmer. Gerammelt voll, nur Deutsche, also ganz unter sich im neuen Italien. Darunter auch eine Wanderung von 27 Berlinern, Sektion Brandenburg, gut arisch versteht sich. Wir sitzen zu dritt an einem kleinen Tisch, an dem sechs Mann Platz haben. Da kom- men neun Brandenburger und fragen, ob sie Platz nehmen können. Selbstverständlich, und ich schmunzele, denn es waren Leute dabei, aus denen gut und gerne zweie zu machen waren.„Wir wollen Sie durchaus nicht verdrängen", beteuern sie,„wir wollen nur einen kleinen Skat machen". Als aber noch sechs Mann dieser an- spruchslosen Leute zum Kibitzen kamen, verdufteten wir, bevor es uns zu einsam wurde. * Auf der Vajolett-Hütte ist ein schöner Tag mit Riesen- betrieb. Auch ein großer Schwärm Italiener, die sehr anspruchs- voll sind. Sie fordern von der Bedienung, daß ihre Wünsche zuerst berücksichtigt werden, denn man sei ja in Italien und die Deutschen können warten. Sie singen faschistische Lieder, in denen Mussolini vergöttert wird. Auch Deutsche sind dabei, die untereinander auch Deutsch reden, sonst aber nur Italienisch. Auffallend ein Ehepaar, sie zweieinhalb Zentner Lebendgewicht, der Mann der Frau Schnei- der. Einer von uns hatte ein Omelett bestellt, das an der Küchen- ausgäbe stand. Bevor die Kellnerin dazu kam, stürzt besagte Dame hin und holt es für ihren Mann. Der mag aber nicht, und seelen- ruhig stellt sie den Teller wieder zurück. Unser Freund dankte selbstverständlich für das Daumenfett der Dicken. Das sind die ganz bedrückten Deutschen in Tüdtirol. * In C o r t i n a sietzt jeden Tag ein sehr beweglicher, kleiner Italiener mit seiner Familie aus drei Damen in der Wirtschaft. Mit Argusohren wacht er darüber, was gesprochen wird. Es ist ein Professor von der Universität in Padua, und die Kellnerin hat er schon einmal beim Karabi nie rie angezeigt. Sie soll mehr Italienisch sprechen, denn„wir seien jetzt in Italien". Das Wiener Madel sagt aber, daß sie im internationalen Kurort Cortina deutsch sprechen müsse. Wer weiß, wie lange noch, eines schönen Tages wird ein- fach die ganze Bude zugemacht. «- Eine italienische Reisegesellschaft stürzt mit Hallo und Gepolter in das S e l l a- H a u s. Sie haben weitgehende Wünsche, und weil sie nicht alle prompt erfüllt werden, machen sie furchtbaren Krach und einen dicken Eintrag in das Beschwerdebuch, zur Be- kräftigung wird das faschistische Bündelbeil dazu gemalt. Und nun zittert die Kellnerin vor der Kontrolle, die, ob sie will oder nicht, ihr den Laufpaß geben muß. Weil das Bündelbcil dabei ist. Hart unter den Wänden der Boö-Spitze stehen oben am Pordoi- jach eine Handvoll windschiefer Kreuze, von einem ausgebleichten Gitter zusammengefaßt. Die Dolomitenstraße führt dicht am Zaun eines kleinen Soldatenfriedhofes vorbei. Oesterreicher sind es und Bayern und—„Cornbattcnte ignoto"— unbekannte Soldaten. Am Nebentisch sitzt ein uralter deutscher Generaloberst mit seiner Frau. Thema: Krieg und Rache. Da sagt sie mit einem leichten Seufzer:„Aber sie liegen hier doch so schön begraben".„Besser schlecht gelebt, als schön begraben!" haue ich hinüber. Sie haben den Hieb verstanden— sie gingen mit abgewendeten Gesichtern an den ZA:euzen vorüber. » Heimwärts geht es von Bozen nach München in einem Schwung. Am Brenner haben sick) Italiener und Oesterreicher nicht viel um unser Gepäck bekümmert. In K u f st e i n kommt die deutsche Kontrolle. Im Nebenabteil hat sich ein Mann aus Köln eine Flasche Chianti von Venedig mitgenommen. Der Finanzer:„Wohin fahren Soldatentriedbof in Buchenstein, Dolomiten. Sie?"„Nach Köln."„Nehmen Sie die Flasche mit?"„Ja."„So, wie sie ist?"„3a."„Dann muß sie verzollt werden."„Ja, aber Reisebedarf ist doch zollfrei?"„Sie haben mir gesagt, daß Sie die Flasche so mitnehmen wie sie ist, also geschlossen. Sie muß verzollt werden." Da merkte ich, daß ich wieder in Deutschland war. So macht sich die bürgerliche Vorstellungsweise auf Schritt'liffS Tritt selbst lächerlich. Es sind aber weniger die Menschen, als die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse, die so widersinnig wirken. Und die sind so bodenlos verfahren, daß die Menschen damit nicht mehr fertig werden, sie fallen von einem Widerspruch in den anderen. Darum ist es fiir den Arbeiter lehrreich, im neuen Italien zu wandern. L. WAS DER T iiiiiiifiiiiiiiiiinfiiiMiniiiiimiiiniuiiiiiinniinninitnmtimniimfniHiiiiiiittiuniioiininiiui Der König und der Chirurg. Di«.Lreuzzcitung" feiert den hundertsten Geburtstag des ehe- maligen KönigsAlbertvonSachfenrn einem schwungvollen Artikel. Auch hier sei eine Erinnerungsblüte auf das Grob de» verflossenen Sachsenbcherrschers medergelcgt. Wbert liebte es, in feinen späteren Lebensjahren die Leipziger Universität zu besuchen »nd zeichnete sich dabei nicht immer durch besonderen Takt aus. Dabei geriet er einmal auch an den großen Chirurgen Professor Thiersch, der nicht nur durch seine operativen Leistungen son- dern auch durch seinen sarkastischen Humor berühmt war. Thiersch nahm einmal unter den Augen des königlichen Zuschauers einem Patienten ein Bein ab. Ais er sich mit großer Präzision und El«- ganz dieser Aufgabe entledigt hatte, konnte der König sich nicht ent- halten, ein lautes„Bravo!" in den Saal hinein zu schmettern. Da richtet« sich der berühmt« Chirurg stramm aus, präsentiert« die Änochensäge und sprach:„B e s e h le n M a j e st ä t a u ch n o ch d a s andere Bein?" Eine Antwort des Königs meldet die Historie nicht, doch wird glaubhaft versichert, er habe bei der Frage des Chirurgen ein noch weniger geistreiches Gesicht gemaäst, als es sonst sowieso schon der Fall war..... Wieviel„richtige" Wiener gibt es? Beschwerden sind bei uns eingelaufen in ganzen Stößen, von „Berlinern" und von„Wienern": Die Sache stimmt nicht, die ihr gestern abend mitgeteilt hobt, ihr könnt nicht rechnen! Es handelt sich um folgenden Tatbestand. Die Stadt Wein zählt 1 861 68ö Ein- wohner, davon ist nur eine Million in Wien selbst zur Welt ge- kämmen und das macht nicht 20, sondern 54 Proz. aus. Nun fragt es sich, ob unser Berichterstatter sich in den Zahlen oder in der Aus- rechnung geirrt hat. Wir, unsererseits, gestehen ein, daß wir wieder einmal dem Zwang« zur Schnellarbeit zum Opfer gefallen sind, der beim Zeitungsmachen nicht nur Druckfehler in der Setzerei, sondern vorher schon Flüchtigkeitsfehler in der Rsdaktton erzeugt. Dieses Mal hat es glücklicherweise nur schriftliche und telephonische Beschwer- den geregnet. Neulich aber ist ein Himmelkreuzschockschwerenot- donnerwetter über uns niedergegangen, weil wir als Verfasser des Artikels„Aufstand in der Wüste" in der Nummer vom 12. April unseren Berliner Freund Friedrich Wendel bezeich- neten. Er war aber von Hermann Wendel aus der schönen Mainstadt Frankfurt! Das fei also jetzt feierlich festgestellt, denn auch unter Freunden behält man doch gern seinen alten Namen. Drahtlose Schaltung der Strassenbeleuchtung. Nieinaicd wird.daran zweifeln, daß die Möglichkeiten, die uns die Erfindung des Rundfunks beschert hat, bisher nur zum kleinsten Bruckstell erkannt und verwertet worden sind. Der Technik bietet AG BRINGT. inmiiininnmimiiiiinniiMimimiimnmumiiiniiiiiiiimmiiimiiimiiQmiiimfflmmiiiii sich hier noch ein ungeheures Betätiglmgsfeld. So hat beispielsweise «in Techniker drahtlose Wellen dazu benutzt, die Tür zu einer Auto- garage automatisch zu schließen oder zu össnen. Eine französische Eisenbahngesellschaft bedient sich ebenfalls der drahtlosen Wellen, um die Namen der Eisenbahnstationen anzuzeigen, denen sich die Züg« nähern. Die Stadt Glens Falls im Staate New Dork zündet auf einer Wellenlänge von 7500 Meter ihr« Straßenlompen auto- mattsch an und schaltet sie auf demselben Wege wieder aus. Das Anzünden nimmt 5, das Auslöschen 10 Sekunden in Anspruch.. Der Tod durch den brennenden Baum. Auf ganz eigenartige Weise sind in der Nähe von L e e d s (England) sechs junge Studenten ums Leben gekommen, als sie sich mit dem Auto eines Freundes auf einer Studienfohrt durch das eng- lisch« Industriegebiet befanden. Durch Kurzschluß in einer Stark- stromleitung war an der Landstraße kurz hinter Leeds ein Tele- graphenmast in Brand geraten. Dieser stürzt« gerade in dem Augen- blick um, als der Wagen mit den sechs Studenten vorbeifuhr, er- schlug den Chauffeur und setzte das Auto in Flammen. Es erfolgte ein« Explosion, und ehe noch Hilfe herbeikommen konnte oder die Insassen den Versuch machen konnten, sich zu retten, war ihr trau- riges Schicksal schon besiegelt. Der eine der jungen Studenten stand kurz vor dem Abschlußexanien und war das einzige Kind semer Eltern. Die Liebe macht blind... Ein Apotheker in Reims(Frankreich) hat die Wahrheit dieses Sprichwortes in verhängnisvoller Weise erfahren müssen. Er war heimlich verlobt mit einer hübschen jungen Dame, die ihn bisweilen in seinem Laden zu besuchen pflegte, wo die Liebenden die geschäfts- stille Aeit mit einem Plauderstündchen angenehm auszufüllen wußten. Dies war auch einmal wieder der Fall, als ein eiliges Rezept an- zufertigen war, und noch ganz im Banne der Unierhattung mit der Angebeteten vergriff sich der Apotheker und setzte dem Mittel an- statt der vorgeschriebenen Menge kohlensauren Natrons ein ähnlich aussehendes weißes Puloer zu, das aber ein stark wirkendes Ratten- gift war. Die Patientin, die das Mittel einnahm, starb binnen vierundzwanzig Stunden. Da ihr Zustand keineswegs besorgnis- erregend gewesen war, konnte sich der Arzt den unglücklichen Aus- gang gar nicht erklären, bis ihn die Vergiftungserscheinungen auf den Gedanken brachten, den Rest der Medizin zu untersuchen. Es kamen nun zunächst die Verwandten der Toten m den Verdacht, sie beseitigt zu haben, um sie zu beerben. Während sie sich aber noch in der Untersuchungshaft befanden, legte der von Gewissensbissen ge- solterte Apotheker ein rückhaltlrses Geständnis ab. Er wurde mit 6 Monaten Gefängnis und Entziehung der Konzession bestraft und muß außerdem den Hinterbliebenen seines Opfers noch 157000 Frmcken Schadenersatz zahlen._,, CUaa JR&e&MammnxßS&i wn-ffl. 3. Fortsetzung. Gr schüttelt den Kopf und wendet sich von uns ab. Bald ist er hinter den Bäumen verschwunden. .Vater, wer war der Mann? Ich Hab mich so vor ihm ge- fürchtet, und er tut mir doch so leid." „Mein liebes Kind, es ist einer von den Menschen, die das Schicksal vor uns ausgezeichnet hat." Ich sage dos schon zu mir, das Kind ist davongesprungen, es hat frühe Beilchen gesehen.--- Bender kam nicht zu mir. Aber seine heruntergekommene Er- scheinung hatte sich mir eingeprägt, und lange Zeit stand sie noch vor mir, so wie mich in der Jugendzeit die Gestalten aus einem Wachsfigurenkabinett verfolgten. Ich /�ihlte, daß einer bei mir gewesen war, der bereits außerhalb unserer Ordnung gestellt war, ein Friedloser, der sich selbst geächtet hatte. Was war das Ende? Der Gedanke machte mich schaudern--- IV. An einem Sonntagmorgen im Juni des Jahres 1S22 ging ein Mann auf der Straße von Isendorf nach dem Nachbarslecken. Ringsum blühte das Land, die Luft war aufgeregt und schwer, und das Geläute der Glocken sank in dem feuchten Dunst zu Boden. Der Mann ging langsam. Schritt vor Schritt. Er trug einen vier- jährigen Knaben im Arm, der Knabe war notdürftig gekleidet und schleckte an einer Zuckerstange, dabei flössen ihm die Tränen über das Gesicht. Bon Zeit zu Zeit streichelte der Mann den Maben und blickte die weiße Landstraße zurück, worauf sich jedesmal sein Schritt auf wenige Augenblicke beeilte. Als es auf dem Isendorfer Kirchturm zehn Uhr schlug, schrie das Kind mehrer« Male, es wollte zu feiner Mutter zurück, und versuchte, sich aus den Arm des Mannes zu lösen. Auf das hin setzte der Mann den Knaben auf eine Steinbank. Da saß Jakob Bender mit seinem Knaben, den er wieder an sich gezogen hatte, und blickte auf das Land ringsum, die Berge, Felder, Wingert, die Dörfer und die weite Ebene. Der Tag war immer heißer geworden, und die Sonnenstrahlen sielen zitternd auf das Geäst des Nußbaumes, das nur wenig Kühlung bot. Die Umrisse aller Gestalten waren ineinander verschlungen, alles schien im Glast des weißen Sonnenlichts verwoben, flächig. seiner Körperlichkeit beraubt. Bon einem nahen, sanft geschwun- genen chügel, auf dessen Kuppe ein alles Kirchlein steht, kam, wie von fernen Winden getragen, der Duft der blühenden Reben und strich an den beiden Menschen vorbei nach dem Flachland zu. Das Kind schrie noch immer, und Bender hatte es fest an sich gerissen. Da sah er, wie aus dem Dorfende Radfahrer heraus- ''rochen, er zählte laut, es waren mehr als fünf, und hinter ihnen välzte sich eine große Schar Männer, Weiber und Kinder. Bender erkannte an dem Dunkelgrün der Röcke, an den weithin glitzernden Knöpfen, daß die beiden vordersten Radfahrer Gendarmen waren— Er erhob sich, klopfte den Staub von den Kleidern und wartete. Das Kind Halle sich bertihigt, sog an der Zuckerstange und freute sich an dem Spiel zweier Kohlweißlinge, die über den nahen Kornacker zogen. Als die Falter das Kind umkreisten, haschte es nach ihnen und lief ihnen, laut schreiend, nach. Wie die Gendarmen Bender erreichten, war dos Kind auf der Verfolgung der Schmetterlinge in dem Korn»erschwungen-- Bender stand aufrecht fast in miltärischer Haltung, die Augen waren ruhig auf die Ankommenden gerichtet. „Jakob Bender, Sie sind verhaftet," sagt der Gendarm, faßt ihn am Arme, und schon ist Bender von der immer zahlreicher werden- den Schar eingekreist. Bender nickt und deutet auf das Kind, das gerade aus dem Kornacker herauskommt. „Ich gehe mll, aber lassen Sie mich das Kind noch einmal sehen!" Man fesselt ihn, andere holen das Kind, das immer wieder nach seiner Mutter schreit. Bender streichelt es mit den gefesselten Händen macht dann einen schweren Schritt von dem Kinde weg und beginnt, langsam und müde, ganz bedächtig, zu gehen. Seine Augen sind halb geschlossen, die Lippen zusammengebissen... Und während er inmitten der beiden Gendarmen, die gefesselten Hände auf dem Leibe, verfolgt von der Menge, weitergeht, werden immer mehr Rufe laut: Schlagt ihn tot, den Mörder... er ist ein Mörder... er hat sein« Frau und ihre Muller umgebracht... schlagt ihn tot—---- er muß an den nächsten Baum... Die Gendarmen haben Mühe, ihn zu schützen: er geht an der Spitze des Zuges mit immer noch halbgeschlossenen Augen, und über den zusammengekniffenen Lippen liegt ein irrendes Lächeln—— Niemand hat an das Kind gedacht, es sitzt auf der Bank unter dem Nußbaum und spielt mit zwei großen Mohnblumen: ein alter Mann, der sich von der Menge getrennt hat und nach Isendorf zurückgeht, hebt es von der Bank und führt es, indem die schwarze Bauernfaust sein Händchen sachte umfaßt, nach Isendorf. V. Das olles haben mir andere erzählt, und von ihnen erfuhr ich euch die Einzelheiten der Tat: Bender war an dem Sonntag nach Isendorf gekommen, sorg- fältig gekleidet, zu ganz früher Stunde. Er stellte sich an die Haus- türe und wartete, ohne zu klopfen oder sich sonst bemerkbar zu machen. Beide Frauen waren zur Frühkirche gegangen. Das Kind lag, von einem halbwüchsigen Mädchen behütet, im Bett. Vom Haus« zieht durch Hof und Scheune und dann durch den Garten und die Wiesen ein Pfad zur Kirche. Den waren die Frauen gegangen, und so kehrten sie auch zurück. Als Bender, der noch immer lauschend am Hoftor stand, sie härte, öffnete er das unoerschlossene Tor und drang in den Hof ein. Bei seinem Anblick hielten sich beide Frauen, vor Schreck zitternd und unfähig zu fliehen, an dem Eisen- geländer der Staffel fest, die vom Hofe ins Hausinnere führte. Die junge Frau hatte auf dem Kirchgang einen großen Strauß Kornblumen gepflückt, den hielt sie mit der einen Hand schützend vor sich. „Die Mutter soll fortgehen!" rief Bender,„ich will dich allein sprechen." Die beiden Frauen schwiegen, sie rührten sich nicht von der Stelle. „Hörst du, die Mutter soll fortgehen!" schreit Bender. Die Weiber stehen noch regungslos, wütend eilt er auf sie zu. Da erwacht die Mutter, reißt die Tochter vom Geländer weg und versucht, sie ins Innere des 5iauses zu drängen. „Laß die Eva gehen, sie gehört mir!" Die Mutter schreit:„Nein, nein, nein! Die Eva geht dich nichts mehr an... Hinaus mit dir. hinaus, du hast hier nichts mehr zu suchen!" Und als Bender die junge, vor Angst zusammengesunkene Frau erreicht, wirft sich die Mutter gegen ihn und umklammert sein« ausgestreckten Arme. Der Mann war Bender. Da versucht die Frau, während die Mutter noch mit Bender kämpft, von der Staffel in den Hof zu gelangen, indem sie dicht hinter dem Rücken des Mannes die Stufen hinabspringt. Aber Bender sieht es, und mit einem gewaltigen Stoß befreit er sich von der Mutter. Die Tochter hat schon das Haustor erreicht. Ähre Hand drückt bereits die Klinke, der Körper setzt zum Sprunge durch das Tor an, die Gestalt ist nach vorn gebeugt, und schon öffnet sich das Tor. Da bewegt sich Benders Arm, seine Hand zerrt die Rock- tafche, und dann streichen die Geschosse zirpend durch den Hosi Di< junge Frau steht, immer noch zum Sprung zusammengekauert, ckber jetzt ganz regungslos, am Hoftor. Ein Schuß trifft sie ins Belli, der nächste geht in die Lunge, dicht beim Herzen. Das Geschoß hat den Kornblumenstrauß durchschlagen, den sie immer noch in der Linken hält. Mit einem Aufschrei sinkt sie zur Erde. Ein Blutstrom quillt ihr aus dem Munde über den Kornblumenstrauß, der auf die weißen Steinquadern der Torschwcllc gefallen ist. „Willst du nun zu mir zurück?" schreit Bender, und, indem em langsam die Treppe heruntersteigt und mit kleinen, schwankenden. Schritten auf die Sterbende zugeht, sagt er dies inehrer« Male, immer leiser, zuletzt ganz ohne Atem, nur noch mit dem Saume der zitternden Lippen. Die Hühner, die bislang ruhig im Hofe umhergelaufen waren, fliehen vor seiner schwerfälligen Gestalt, einige umkreisen die Mutter, die am Fuße der Staffel, hoch ausgerichtet und zu Stein geworden steht. Andere flattern an der Leiche der Frau vorbei, durch�die Oeffnung des Tores hindurch auf die Straße. Ein säzeues Tier hüpft von Fleck zu Fleck über den Hof: an seinen Federn und Füßen kleben Streifen des hellroten Blutes. Wie Bender der Toten ganz nahe ist, so daß sein Atem ihr Haupthaar bewegt, erwachl die Mutter aus ihrer Starre und ruft mit gellenden Schreien um Hilfe. Da richtet sich Bender aus und zielt mit ruhiger Hand nach ihr. „Willst du sie immer noch nicht lassen?" rust er ihr zu, und als das Weib immer gellender schreit und auch schon von der Dorsstrahe her Lärm in den Hof eindringt, trifft er sie mitten ins Herz. Dann wirst er die Waffe weit von sich. Schwer und stumm sinkt der Korper der Frau in sich zusammen.-- Bender hebt den blutigen Kornblumenstrauß auf und legt ihn auf die junge Frau. Dann geht er ins Haus. Das Mädchen har sich hinter den großen Steinherd in der Küche verkrochen. Das Kind liegt, nur mit einem Hemd bekleidet, im Bett. Er nimmt das Kind und zieht aus der Tasche, dort, wo auch die Waffe war. ein« Zuckerstange heraus. Er steckt sie dem schlafenden Kind in den halb- geöffneten Mund, zieht ihm ein paar Höslein an und geht, das bewiißttosc Kind auf dem'Arme, aus dem Hause, den Kirchweg, durch die Scheune und den Garten, über die Wiesen der Landstraße zu.., � VI. Ich wollte lange nicht an das glauben, was nun geschah. ... Er gestand ohne Zögern, daß er seine Frau nrit klarer Ueberlegung getötet habe. Die Absicht sei lange Zeit, aber lmauf- haltsam in ihm gereift, die Waffe habe er vor einigen Wochen g:- kauft Sein Plan sei gewesen, sein Weib ein letztes Mol zu frager., ob es wieder zu ihm gel)«, und es auf der Stelle zu erschießen wenn es dies immer noch verweigere. Es tue ihm leid, daß r: durch das Dazwischentreten der Mutter gehindert worden sei, du Frage an seine Frau zu stellen, doch glaube er nicht, daß ihr Schicksal dann ein anderes geworden wäre. Er habe die Tat nicht aus Haß gegen die Frau begangen, sondern um der Welt zu zeigen. daß es noch eine Gerechtigkeit gebe. Die Absicht, auch die Mutter zu töten, habe er nicht gehabt. Doch habe er auch auf die Mutter mit voller Ueberlegung geschossen Der Gedanke sei ihm aber erst gekommen als er seine Frau blutüberströmt habe liegen sehen... Er gab dieses Geständnis dem Richter mehrere Male zu Proto- koll, ohne sich zu unterbrechen, immer wieder mit den gleickvn Worten, in einem langsamen und gehobenen Tonfall, mit lebhafter Bewegung der Hände. Dagegen verweigert« er anfänglich eine Schilderung der Tat und gab auf die Frage» des Richters nur unwillig und zögernd Antwort. Er wisse, sagte er dem Richter, daß er hingerichtet werde, und man solle ihn mit seiner Tat allein lassen, sein Geständnis müsse dem Richter genügen.(Farts folgt.) 66 RätsehEcke des„Abend .................................................................................................................................................................................................................... Kreuzworträtsel. Die Worte bedeuten: Wagerecht: 2. Kohlenstaub, 5. Bedrücker der Niederland«, 6. Schweizer Sagenheld, 7. Mus. 8. Schlangenart, II). Cebirgsname, 13. leichtfertiger Kerl, lö. Guthaben, 19. Stadt in Lettland, 20 männlicher Vornaine, 21. Staat in Hinterindien, 22. überlieferte Geschichte. Senkrecht: 1. Hitze, 2. Geschenk, 3. Ausdrnckswoise. 4. Län- genmaß, 8. Edelstein, 9. unnützer Putzkram, 11. Schmerz. 12. römischer Kaiser, 14. westfäl. Stadt, 15. Liebesgott(gricch), 17. Wüsten- Pflanzung, 18. Walfischfett. Charade. Du kannst mich vor- und rückwärts spreche», Kannst in zwei Hälften mich zerbrechen, Kannst mich verkehrt zusammenkitten, Die Außenwände in der Mitten, Ick) st«he doch mit Leib und Seel' Dir als der Alte zu Befehl. Die Schule. Obgleich in der Schule zahlreiche Zöglinge waren, hörte man doch kaum einen Laut: zuw«ilen vernahm man nur eine Art Gs- flüfter: man konnte es den Zöglingen aber nicht zurechnen. G«- sprochen wurde nur, wenn der höhere Vorgesetzte oder sonstige Per- sonen kamen, die sich sür die Zöglinge inieressicrte» Die Zögling« waren im allgemeinen willfährig: einige mußten allerdings vor- übergehend gescsselt werden. Buchstabenrätsel. Mit B ist es«in schöne? Land, Man kann es auch am Meeresstrand, Mit F ist es beim Nähen gut. Mit M ist's eine böse Brut, Mit L legt's schöne Sachen aus, Mit W da hat's der Mensch und nicht dn Maus Doch ist's nicht immer von Fleisch und Bein, Es wird auch zuweilen von Watte sein. Rösselsprung. Silbenrätsel. Aus den Silben a acht ab bad be biß bo dan ein ge gott im jah jep kind kor lebt lich möh o ob pril rad re rsn!am so te te thc» wehr will zc zig sind 16 Wärter von folgender Bedeutung zu bilden: 1. Verlassen, 2. Unschuldig, 3. Waffe, 4. Sendling» 5. Pension, 6. Mahlzeit, 7. Hauptstadt,' 8. Stadt in Bulgarien im östlichen Balkan, 9. Berkehrsreich, 10. Unterkunst, 11. Hasenstadt, 12. Buch des Alten Testaments, 13. Rübe, 14. Fahrkonkurrenz, 15. Götze, 16. Oeftlicher Adelsnome.— Die ersten Silben der ersten 8 Wörter von oben nach unten gelesen, und die letzte» Silben der zweiten 8 Wörter, ebenfalls von oben nach unten gelesen, ergeben eine Kalenderregel. Auflösung der Aufgaben nächsten Sonnabend. Auflösungen der Rätsel auö voriger Nummer. Die Worte bedeuten: Kreuzworlrätsel: Aon links nach rechts: 1 Armut: 3. Mut: 4. Espe: 7. Storm: 10. der: 11. Ahob: 12. de»: 13 Jon: 14. Ar: 15. bei: 16. Anklam: 18. la: 20. Sozialdemokratie: 22. Demokratie: 25. Trusts: 26. Te; 27. Wahlen: 28. Atonic: 29. Aga; 30. Ente. Von oben nach unten: 2. Reichstag: 5. Shakleton: 6 Parla- ment; 8. Od«: 9. Reichenau; 17. Horn; 19. Sieg; 21. zum; 23. Ra: 24. oh!; 25. Tag: L6. Ton. Der Sozialdemokratie den Sieg bei den Wahlen zum Parlament, zum Reichstag! Silbenrätsel: 1. Episode: 2 Zlsenburg: 3. Ttokar; 4. Elisabeth: 5. Sossenbach: 6. Techtelmechtel: 7. Athen: 8. Rhen- matismus: 9. Kamerad: 10. Element: 11. Scheidemann: 1?. Ohr; 13. Zehlendorl: 14. Zfegrim: 15. Aristoteles: 16. Lothar.— Eins starke sozialistische Mehrheit. E h a r a d e: Kurzweil. Figurenrätsel: Kreis. Oper, ni«, neu,«cht, Reich. J SPORT t/A/D. fP in aller Länder offen sind, läßt unschwer folgern, daß die ausländischen Ställe dem Ruf noch Berlin gern und zahlreich nachkommen wenden. Im einzelnen ist das Programm wie folgt aufgestellt: Grüne- wald, 8. Juli: Dalberg-Rennen(5200 331., 2200 ÜJUr.); Jet) Wind- Rennen 13 000 M., Ausgleich, 2000 Mir.): Internationaler Hürdenrennen(30 000 M., 3500 Mtr.): Orelio-Rennen(6200 331., Ausgleich, 1800 Mtr.) Hoppegarten, 11. Juli: Hermit-Rennen (5 200 M., Ausgleich, 2000 Mtr.): Flying Fox-Rennen(3 000 M., Zweijährige, 1000 Mtr.): Internationales Flieger- rennen(35000 M., 1400 Mtr.): Jsinglaß-Rennen<3 000 M., 2400 Mtr.). Grunewald, 13. Juli: Lemderg-Rennen(5 200 M., 2000 Mtr.): Internationales Jagdrennen(30 000 M., 5000 Mtr.): Doneaster-Rennen(6500 M., 2600 Mtr.): Grunewald, 15. Juli: Galopln-Rennen(6 500 M., Zweijährige, 1200 Mtr.); Interna- t i o n a l« M e i l e(35 000 M.. Ausgleich, 1600 Mtr.): St. Simon- Rennen(50 500 M.. 2200 Mtr.): Bayardo-Rennen 3 900 M., Zweijährige, 1000 Mtr.); Voltigcur-Rennen(5 200 M., Ausgleich, 2400 Mtr.). Wie man steht, ist der Aufbau der Prüfungen nach allen Richtungen hin systematisch erfolgt. Damit ist die an sportlichen Sensationen voraussichtlich nicht arme Internationale Woche aber noch nicht erschöpft. Unter den nur in- ländifchen Pferden vorbehaltenen Rennen findet man am 8. Juli noch den Großen Preisoon Berlin, der diesmal wieder in alter Preishöhe von 70 000 Mark ausgestattet ist. Marki§die Gcbirgswanderangfesi Die Ueberfchrift hat mit Reklame nichts zu tun, sie soll nur auf besondere Eigenarten der 3Nark hinweisen, die der gewöhnliche Sonntagswanderer übersieht und unbeachtet läßt. Die Branden- burger Wandergebicte weisen vor allem naturwissenschastlich intcr- estante Eigenheiten auf, die man nur beim richtigen Schauen in der Natur entdeckt. Das gilt in erster Linie von den Bodenverhältnissen. Während oft in Norddcutschland der gewachsene Untergrund, au? den wir das Felsgestein bezeichnen, bis zu 1000 Meter von ciszeit- lichen Sandschichten bedeckt ist, tritt er an einigen wenigen Stellen ganz zutage. Ein solches Bild bietet sich dicht vor den Toren Berlins in den Rüdersdorfer Kalkbergcn. Dort haben wir es mit einem regelrechten Kalksteingebirge zu tun. Man sollte also auch einmal eine„Gebirgs�wanderung dorthin unternehmen, um den rechten Eindruck von solchen geologischen Besonderheiten der Mark Brandenburg in sich auszunehmen. Es liegt incht in jedes Menschen Art, von vornherein mit aller Gründlichkeit an solchen Orten Betrachtungen ob der tieferen Gründe solchen crdgeschichtlichen Werdens anzustellen. Den Arbciterwanderern kommt hier die NaturwissenschaftlicheAbteilungder Ortsgruppe Berlin des T o u r i st e n v er c i n s„Die 3t a t u r.f r c u n d c" zu H.ilfe. Sie hat es sich zur Ausgabe gestellt, nicht nur im Naturwissenschaft- lichen das meist recht ungenügsame Wissen des Arbeiters zu vervollständigen. Sie will in besonderem Maße auch zur Erkenntnis der sozialen Lebenszusammcnhängc— soweit sie durch das Wandern in unser Blickfeld gerückt werden können— beitragen. Wissenschaftlicher Fortbildung dieser Art dient auch die nächste Wando- r» n g nach den Rüdersdorfer Kalkbrüchen, die am Sonntag, 29. April, stattfindet. Gäste find auch hierzu sehr willkommen. Die Abfahrt erfolgt früh 7,25 Uhr vom Schlesischen Bahnhof bis Rüdersdorf. Dort findet eine Besichtigung der Kalk- ösen, des Bruches, der'Aufbereitung und eine Stollenwandcrung (Taschenlampen mitbringen) statt. Dauer bis ungesähr 14 Uhr. Teilnehmergebühr 75 Pf. Zur Einführung in die Entstehung der Rüdersdorfer Gebirgswelt wird Donnerstag, 26. April, 20 Uhr, im Heim der?taturfrunde, Johannissir. 14/15, Hos links 2 Treppen, ein vorbereitender Lichtbildervortrag gehalten. Der Ein- tritt ist frei. Interessierten sei also diese Einführung in �die „Brandenburger Gebirgswelt" dringend empfohlen. 5chek!eweZe. Der Fußball-Bundestag findet statt. Wie wir erfahren, findet der für den 5. Mai nach Berlin vor- gesehene außerordentliche B u n d e z t a g' des Deutschen Fuß- ball-Bundes bestimmt statt. Sowohl der Bundesvorstand als auch diejenigen Verbände, die strikt« gegen di« Lockerung der Sperr« im Verkehr mit Berufsspielern sind, vc- standen auf der Abhaltung der bedeutungsvollen Zusammenkunft. Die jüngst gefaßten Beschlüsse in West-, Mittel- und Zkorddcutschlund lassen allerdings wenig Hoffnung, daß es aus dem Bundestag in Berlin zu einem Ausgleich kommt. Die Folge davon wäre der R ü ck t r i t t d e s jetzigen Ann- desvorstandcs. Der sogenannte neue Kurs, der jegliche Per- bindung mit Berufsspielern ablehnt und eventuell auch dem internationalen Verband(FIFA.) den Rücken kehren will, würde dann dem deutschen Fußballsport sein besonderes Gepräge geben. Die Möglichcit ist aber nicht ausgeschlossen, daß man irgend einen Modus findet, um d«m jetzigen Vorstand«ine Brücke zu bauen, die eine Weiterführung der Bundesgeschäfte durch ihn garantiert. lltichtz kann aber darüber hinwegtäuschen, daß es um eine Machtprobe im Deutschen Fuhball-Bund geht, schwere Erschütterungen werden wohl unausbleiblich sein. Arbeitersport und Die Arbeitersportbewegung will der Persönlichkeitskultur des arbeitenden Menschen dienen. Der Arbeiter, dessen Hände das ge- fellschaftlichs Vermögen schaffen, sühlt sich gegenüber den herrschen- den Klassen minderwertig, weil diese ihm in der kulturellen Lebens- Haltung überlegen sind. Dieses Mindcrwärtigkeitsgefühl und dieses Gefülst der Uuterwürsigkeit gilt es herauszureißen aus der Seele des Proletariers. Es gilt, ihm zu zeigen, daß der Wert der Per- sönlichkeit ncht in seiner gesellschaftlichen Stellung liegt, sondern in der Arbeit und in der Leistung für das allgemeine Wohl. Der bürgerliche Sport wertet den Menschen zwar auch nicht nach seiner gesellschaftlichen Stellung sondern nach seiner sportlichen Leistung. Aber dadurch errwcckt er in den minder Leistungsfähigen ebenfalls das Gefühl der Minderwertigkeit. An die Stell« des Klassendünkels tritt hier der Dünkel des Bizeps, der nicht minder unsozial ist. Eine Leistung, ganz gleich aus welchem Gebiete sie liegt, ist nur dann gesellschaftlich �wertvoll, wenn sie dem a l l g e- meinen Wohl dient. Da aber das Wohl der Gesellschaft zu» sanunenfällt mit dem Wohl der Arbeiterklasse, so müssen auch spart- liche Leistungen dem Ausstieg der Arbeiterklasse dienen. Von diesem Gesichtspunkt ist der Arbeitersport geleitet. Er will die Masse der jungen Arbeiterschaft beider Geschlechter körperlich und geistig stählen und schulen, damit sie sich den herrschenden Schichten eben- bürtig fühlen und das anerzogene Minderwertigkeitsgefühl ab- streifen. Der Arbeitersport will weiter den Kulturhunger der jun- gen Arbeiterschaft wecken. Hat die arbeitende Jugend den Sinn wahrer Körperkultur erst begriffen, dann stellt sich von selbst der Widerstand gegen jene Erniedrigung«in. Mit der Verehrung des Körpers wächst di« Achtung vor dem Menschentum, damit wächst aber auch zugleich der Trotz gegen jede Schändung der menschlichen Würde. Der Sport genießt in sehr hohem 33!aße di« Gunst aller Parteien, denn er ist nicht nur- zu einer 3Nacht geworden sondern auch zu einer Sache des guten Tons. Sport, das ist heute beinahe «nvas Aristokratisches, vor dem man sich verbeugen muß! Sport adelt nicht nur den Mann und die Frau, sondern auch das Volk, die Nation. Sportlich und lair play, das sind auch bei uns schon sich deckende Begriffe. Ist es da ein Wunder, daß die politischen Parteien, die für ge- sellschastliche Entwicklung ein feines Gefühl haben, sich um die Gunst des Sports bemühen, wobei sich die Oppositionsparteien besonders hervortun? Ist das ein Wunder vor den Neuwahlen! Und doch gibt es immer noch Leute, die sich einreden, Sport habe mit btrsssen- W erbelSuf e. Die Arbeiter Sportler am kommenden Sonntag. Am Treptower R a i h a u s werden am Sonntag die Ar- beitersportlcr zu ihrem großen Straße nwerbclauf nach dem Friedrichshain starten. Ein Straßenlauf soll werben, soll zeigen, daß die Arbeiter- sportler auf dem„D a m in* sind, und daß sie im Winter nicht ge- rastet haben. Er soll aber auch die Stärke der Bewegung zeigen, die sich äußert in der Teilnahme. Bei den Männern werden in der Hauptstafette 15 Läufer für eine Mannschaft kämpfen. Die Läuser können sich beliebig aus der 7140 Meter betragenden Strecke verteilen. Das Ziel befindet sich auf dem Sportplatz F r i e d r i ch s h a i n. lieber Alt-Treptow, die Treptower Chaussee entlang, Schlesischc Straße, Falkenstcinstraßc.Oberbaumstroße, War- schauer Brücke, Warschauer Straße, Petersburger Straße, Elbin- ger Straße, und dann nehmen die letzten Läufer den Nord-Eingang des Sportplatzes und der Endkampf findet in der letzten Runde auf der Aschenbahn statt. Die kleineren Vereine haben ihren Start an der Warschauer Brücke. Hier sind es 3140 Meter, die 10 Läufer in beliebigem Wechsel zu bewältigen haben. Die Jugend wird eben- falls mit 10 Läusern den Start in der 3Varschauer, Ecke Romin- teuer Straße mit 2540 Metern durchlaufen, während die Sport- lerinnen mit 10 Läuferinnen vom Ballenplatz etwa 2000 Meter zu lausen haben. Auch die Kinder sind an dem Riesenlauf beteiligt, und zwar mit einer 20 mal 75 Mcter-Stafette, di« ihren Ansang vor dem Hause Petersburger Straße 26 nimmt. Gleichzeitig mit diesem Straßenlauf der Leichtathletik-Sparte findet«in bundesoffenes Einzellaufen uyd Gehen über 12 Kilometer als eigene Veranstaltung des Vereins„Sparta" statt. Die Strecke führt hier„Quer durch Berlin" bis zum Zentrum der Stadt und wieder zurück. Die Mannschaft besteht aus drei Läufern bzw. drei Gehern: sie werden so gewertet, daß der erste einen Punkt, der zweite zwei Punkte und so weiter, erhält. 'Aus dem Sportplatz Friedrichshain, der das Ziel der gesamten Vor- anstaltung bildet, wird schon vor dem Start ein Handball» spiel zwischen Hannover und dem Verein„Sparta" ausgetragen. 3lm 29. April wird es also auf dem Sportplatz Friedrichshain und auf der Strecke des Straßenlaufes heiß hergehen. Quer durch Berlin! Sämtliche startende Vereine müssen bis spätestens 15 Uhr für jede Mannschaft(Männer, Frauen und Ju- gend) die Pässe eingereicht haben. Einzelläufer ohne Paß werden nicht zum Start zugelassen. Anmeldungen zur Sparte werden am Sonntag noch entgegengenommen. Berlins Ringkampf-Meisterschaften. 3t ach einer langen Reihe von Ausscheidungen, di« klar bewiesen, daß Berlins Kampfkraft im Ringkampfsport wesentlich stärker geworden ist. steigen nunmehr am Donnerstag, 26. April, um 20 Uhr, im Saalbau Friedrichshain die entscheidenden Tressen um die Titel. Vom Fliegengewicht auiwarts stehen sich die Gegner zu vielversprechenden Kämpfen wie folgt gegenüber: Werner(Ost)— Hoschander(Maccabi), W. Bauer(Ost)— Skutsch(BSC.), Hartwig Felsenfest)— Birot(Ost), St. Rutkowski(Ost)— Preuß(Ost), Stuwe (BSC.)— Luft(Post), Rieger(Ost)— Auktor(Ost), Golembewski I (Ost— Moser(Hellas-Athen). Bis zum Federgewicht hinauf und im Schwergewicht haben 3Verner, W. Bauer, Hartwig und Golembewski die größten Aussichten dach werden die Entscheidungen erst nach allerschärssten Kämpfen fallen. Im Leicht-, Mittel- und Halbschwer- gewicht, wo der Reichehauplstadt beste Könner zur Verfügung stehen, dürsten die Erstgenannten glatt gewinnen, ja Stuwe und Rieger haben auch groß« Chancen aus den deutschen Titel und aus Aus- Sozialdemokratie. Politik nichts zu tun. Diese Meinung bekunden sogar Menschen, die sich eben mit dem unpolitischen Gedanken der Gründung einer eigenen„Sportpartei" tragen. Solche Gedanken spuken in den Köpfen der bürgerlichen Sportsührer freilich nur zu Wahlzeiten. Ist der Kampf vorbei, dann ist man wieder„unpolitisch und neutral." Die Arbeitersportler profitieren von der allgemeinen Begeisterung für den Sport leider in viel geringerem Maße als der bürgerliche Sport. Das hat seine Ursache in der Zusammensetzung der Parlamente und Regierungen, die in ihrer Mehrheit bürgerlich sind. Ein« bürgerliche Regierung und gar«ine B ü rg e r b l o ck r« g i e r u ng gibt dem bürgerlichen Sport immer mit vollen Händen, dem Arbeiter- sport aber n ur der Not gehorchend! Und so auch das Parlament. Wenn die Arbeiter das ändern wollen, dann müssen sie ein« andere Mehrheit in den Reichs- und den Landtag schicken. Dos kann nur eine sozialdemokratisch« Mehrheit sein, denn nur die Sozialdemokratie setzt sich ohne Hintergedanken für di« For- derungen des Arbeitersports ein, wie das aus den Verhandlungen des vergangenen Reichstages ja auch zu ersehen ist. Die Kommu- n i st e n haben zwar auch großzügige Antröge auf Beihilfen für den Arbeitersport gestellt. Aber dos war nur Wortgetön, denn dafür gibt es kein« Mehrheit. Dos wissen die Kommunisten sehr gut: aber sie spekulieren auf die Dummheit. Würden die Sozial- demokraten es ebenso machen, dann bekämen di« Arbeitersportler nicht einen Heller, die bürgerlichen Sportler aber scheffelweise. Eine solche Politik ist Kinderei, die kein denkender Arbeiter mitmachen kann. Solange es im Reiche und den Ländern noch b.ürger- liche Mehrheiten gibt, kann nur mit den bürgerlichen Miitel- und Lniksparteien eine erfolgreich« Politik zugunsten des Arbeiter- sports gemacht werden. Dieser Tatsache trägt die Sogialdemokratie Rechnung, und es ist ihr auch gelungen, damit der Arbeitersportbe- wegung große Dienste zu leisten. Das beweisen die 4 00 000 Mark für die Arbeiter-Turn- und Sportschule in Leipzig, die 50 000 Mark für das Arbeitersängerfest in Hannover und die jährlich laufenden Beihilfen von mehr als 1 0 0 0 0 0 M a r k. Auch im neuen Reichstag wird nur eine stark« Sozialdemokratie die Interessen der Arbeitersportbewegung mit Er- folg vertreten können. Der aufgeklärke Arbeilersporller kann deshalb bei der Wahl sich nur für die Sozialdemokratie entscheiden! stellung in der Olympiamannschaft. Die Jugend eröffnet den Abend, und die besten Gewichtheber lLerlins werden einige gute Leistungen zeigen._ Der grüne Rasen. Internationale Berliner Rennwoche. Seit dem Großen Preis von Berlin des Jahres 1904, in dem der Grcditzer Pathos unter W. Warne den Franzosen Romanos unter G. Bellhouse nach Kampf abfertigte, hat die Berliner Reimgemeinde keine großen internationalen Flachrennen mehr«riebt. Allein in Baden-Baden trafen sich Jahr für Jähr die deutschen Dollblüter mit den Abgesandten fremder Staaten, den französischen an der Spitze. Hindernisrennen mit erstklassiger sranzösischer Besetzung gab es zwar des öfteren in der Reichshauptstadt, aber mit dem Ausbruch des Krieges war auch dieser.Herrlichkeit ein Ziel gesetzt. Das soll fortan anders werden. Zum ersten Male ist eine Berliner International« Renn wo che im Entstehen bc- griffen. Sie fällt in die Zeit vom 8.— 15. Juli d. I. Union-Klub und Berliner Rennvcrein, die Eigner der Bahnen in Hoppegarten und Grunewald, sind die Veranstalter. Die Ausschreibungen für dies« Veranstaltung sind jetzt erschienen, mit der Propaganda in allen Ländern Europas ist begonnen worden. Die großzügige Dotierung der insgesamt 14 Flachrennen und 2 Hindernisrennen, die Pferden ferfttottl SfiaJauSgatfe des IbufarJi ist die Spätausgabe des„Vorwärts". Das Blatt ist bei den Straßenhändlern, an den Zeilungskiosken und in den Bahn» Hofsbuchhandlungen zum Preise von 10 Pf. zu haben. Außerordentlich vorteilhaft ist ein Zlbonnement des ..Vorwärts", dessen Lesern der„Abend" ohne besondere Vergütung ins Haus geliefert wird.„Vorwärts" und..Abend", von denen 12 Nummern wöchentlich erscheinen, kosten zu- sammen nur SS Pf. die Woche oder 3.S0 ZN. den Monat. Ich abonniere den„Vorwärts"(und die Slbend-< > ausgab? für Berlin„Der Abend") mit den illustrierten Bei-< > lagen„Volk und Zeit" und„Kindersreund". sowie den Bei- j > lagen„Unterhaltung und Wissen",„Frauenstimme",„Technik",< 5„Blick in die Bücherwelt" und„Iugend-Vorwärts" in Groß- s > Berlin täglich frei ins Haus.? (Monatlich 3.60 Mk., wöchentlich 85 Pfg.) a � < Name-----> ? Wohnung-—--- e ?-- i— Straße Nr-- � i vorn- Hol— Quergcb.— Seit nsi— Tr. links— rechts> < bei-------> Ausfüllen und einsenden an den Verlag des„Vorwärls". Berlin SW. öS, Lindenstraßc Z. hleuer Auf omobil-Weifrekord. Die Rekordjäger sind rastlos an der Arbeit, um den Automobil- Schnelligkeitsrekord immer höher zu treiben. Da die üblichen Kon- ftruktionen und Motors nicht mehr ausreichten, ging man dazu über, überdimensionale Motoren zu bauen. Riesensummen wurden aus- gewandt, um zum Ziele zu gelangen. Nachdem der Engländer S e- g r a e v e vor etwa Jahresfrist auf dem Strande von Dayton-Beach (Florida) den Meilenrekord mit seinem 1000-?S.-Sunbeam-Ueber- rennwagen aus 327,972 Kilometer herausgeschraubt hatte, war es Segraeoes Landsmann Campbell» der es mit einem 24zylitt- drigen Rennwagen im Februar d. I. auf 332,977 Stundenkilometer brachte. Neuerdings machte sich der Amerikaner Ray Keech an der Küste von Florida mit einem 36zylindrigen Wagen auf die Rc- lordjagd. Bei diesem Versuch erreichte er zunächst eine Geschwin- digkeit von 322 Stundenkilometer, sein zwestcr Versuch war dann von Erfolg gekrönt, denn die Uhren registrierten eine Leistung von 333.950 Stundenkilometer. M(fafchäfits'Jtnseiger �=> föezivfc füden-Weften. AilenOrganisationen w MAURER& DIMMICK- BUCHDRUCKEREI BERLIN SO 16, KOPENICKER STRASSE 36/38 I�eo. M. d.tt. Genossensdiafts-Tisdilereijdeal S iscftlcrci für JHlöbel. (fiatt u. JTnnenausfiau dos Neukölln(Hermannshof) Hermannstr. 48• Tel. F 2 Neukölln 2444 HEINRICH SCHMITZ Restaurant zum Dortmunder Schmitz Industrie-Kasino Kommandantendra�e 72 195) Der bunte Xaden Wolle, Strümpfe Spezialgifhäft 107 Trikotagen SO., Oranienftr. 202. N, Chau/Teeftr. SO. W, MotzRr. 20. O, Königsbergtr Str. 11 Charlottenburg: Scharrenftr. 38. Friedenau: Hauptfir. 74. Billig. Bezugsquelle G.F.s] für fertige Herrepkleidnnfl Feine Herren-Ausstattungen F.liaiiibiir�Bln.-$lc$Uiz (stattungen:: Blinde. 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