Morgenausgabe Nr. 199,.„ Aid"-�rgang Wöchentlich 70 Vfg, mo»«tklch 8,— SR. du voraus-ahlbae. Poftdqvg 8.78 SR. einschl. Lestellzelll, Sluslandsabonns» ment 5,50 SR. pro Monat. ♦ Der.Sonvirts* erscheint wochentig- lich z-n-iinol, Eonntog» und Wonloa» ein 17! q l. die Abendousaaden für Derlm und im Handel mit dem Titel»Der Sldend", Illustrierte Beilagen„Boll und Zeit" und„Kmdersreund* Ferner .Unterhalwng und Wissen"..Frapen. Kimme"..Te-bnil". Blich in die Bücher» elt" und.Sugend-BoemSrt»". Berliner Vol«svlatt Fretiag 27. April 192S Groß-ÄetlinIVVf. Auswärts-15 Pf. Die eluspaltige B-np-reM-�eN« SO Pfennig. R-llam-zeile 5.— Reichs- mark..S.icir,e Anzeige»" da» s-ttg«. druckt- Wort 25 Pfennig lgulässig zw« fettgedruckte Worte), jede« weitere Wort 12 Psenuig. Stellengesuche das erst« Dort 15 Psening, jede- weiter« Wort 10 Pfennig. Wort- über 15 Buchstaben zÄhlen für zwei Werte. Arbeitsmortt Zeile 60 Pfennig. Familianzeigen für «bann-Ilten Z-U- 10 Pf-nniz. 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Auch tarifrechtliche Bedenken spreche» übrigens gegen ei« Verbindlichreitserklärnng. Akkordberech- «uug und Lohnaltersstnfe« sind im Mauteltaris fest- gelegt. Gin Mauteltaris besteht aber nicht«ehr. De» Schiedssprüche« fehlt also die Ernndlage. • Die Arbeiter stehen nunmehr seit drei Wochen schon im Lohnkampf und sind entschlossen, auch in Sachsen die Löhne zu erringen, die in anderen Tarifgebieten der Metallindustrie bereits gezahlt werden. In der sächsischen Metallindustrie können ausreichende Löhne gezahll werden. Wir ermnern nur an den Maschinenbau für das Buchdruckgewerbe in Leipzig, an die Chemnitzer Textll- Maschinenindustrie, an den sachsischen Werkzeugmaschinenbau, die alle führenden Gruppen für die Ausfuhr sind. Die sächsische Metallindustrie kann also ausreichende Löhne zahlen. Sie wird sie zahlen müssen. Unter der Knute Moskaus. Schwere Zerwürfnisse bei den französischen Kommunisten über die Stichwahliakii? V. 8cK. Paris, 28, April.(Ctgener Drahtbericht.) Die heut« bekanntgewordenen neuen Berzichterklärungen be- stätigen fast durchweg, daß das Zusammengehen der Linksparteien in ganz' Frankreich fast einheitlich ist. Sehr unklar und merkwürdig ist die Situation im Elsaß, wo Kommunisten und Autonom ist«n geheime Ab- machungen getroffen zu haben scheinen. Offiziell halten zwar die Kommunisten ihr« Kandidaten aufrecht, aber unterderhand geben sie ihren Anhängern die Parole, für die Autonomssten zu stimmen, um die Sozialisten zu Fall zu bringen. In Straßburg ist ein Autonom ist zurückgetreten, offenbar um seine Stimmen dem kommunistischen Kandidaten gegen den sozialistischen Kandidaten Georg W e i l l zuzuwenden. Die Moskauer Taktik hat schwere Zerwürfnisse in der Somnuinlflischen Partei bewirkt. Darüber erfährt man Einzelheiten,»eil leitende Kommunisten in ihrer Empörung aus der Schule zu plaudern beginnen. Durch solch« Mitteilungen ist Genosse L« Troquer in der Log«. nähere Einzelheiten über die Berliner Auseinander- f e tz u n g anzugeben. L« Troquer teilt zunächst berichtigend in feiner Rede auf dem Bezirksparteitag mit, daß es nicht Lüwinoff, sondern Manuilski war, der die Beschwerde von Renaud-Iean schroff zurückgewiesen hat. Ergänzend fügt Le Trpquer hinzu, daß außer Renaud-Iean auch der geflüchtete Abg. D o p i o t an diesem Versuch teilgenommen hat, Moskau umzustimmen.(Doriot ist dann kurz vor der Wahl nach Frankreich zurückgekehrt und nach einer Wahl- Versammlung w Balencicnnes verhaftet worden.) Di« Zeitschrift „La ßumiere*(Das Licht) wird m der nächsten Nummer weiter« Einzelheiten veröffentlichen, die so präzis sind, daß sie kaum er- fwrden fein können. Danach ist die Aussprache in der Botschaft Unter den Lindea sehr erregt gewesen. Renaud-Iean wollte, da man seine Argument« nicht anhören wollte, noch am selben Abend nach Moskau«eiterreisen in der Hoffnung, dort mehr Verständnis zu finden. Doch wurde ihm kategorisch erklärt, daß«kein Einreisevisum nach Sowjetrußland erhallen würde! Der Franzose versuchte nun den Russen klar zu machen, daß es doch im Znteress: der Sowsetreglerung lieg«, wenn die Linksparteien in der nächsten Kammer nicht g«. schwächt wären, denn die Rechtsparteien seien für den diplomatischen Bruch mit Sowjetrußland. Darauf erfolgt« die Antwort:„Wir kennen besser als ihr Franzosen die Interessen Sowjetrußlonds.' woraus Renaud-Iean erwidert«:„Wir aber kennen besser als ihr Russen die Lage m der französischen A r b« i t« r b e we- g u n g.' Darauf wurde mitderAusschlußdrohung aus der Kommunistischen Internationole geantwortet und Renaud-Iean mußte mit leeren Händen nach Paris zurückkehren. Marcell Cachin und Doillant-Eouturier, in deren Auftrag er gefahren war, erfuhren im Sant�-Gefängnis, wo sie damals beide saßen, von der Erfolglosigkeit der Bemühungen Renaud-Ieans und ließen Semard, des Generalsekretär der Kommunistischen Partei, zu sich kommen. Sie machten«inen furchtbaren Krach und drohten mit der Gründung einer neuen Kommunistischen Partei» fall» sie infolge der angeordneten Stichwahllaktlt durchfallen würden. Semard antwortet«, daß der Beschluß über dt« Wahllattit der französischen Kommunisten«instimmig von SS in der Mostaver Exekutive vertretenen Parteien gefaßt worden sei. Eachla antwortete: �Mr sind die 52 Parteien der Kommu- «lsllscheo Zllternatiooale Wurst, well ihr Beschluß der Kommu- utflischea Partei Frankreichs den Todesstoß verseht! wir werden daraus eine prinzipicasrage machen, von der die weitere Zu- gehörigkeit der sranzöflschen Partei zur kommuaifilschea Znler. nationale abhängen wird/ Semard antwortet« mit«mar Ausschlußandrohnng und verließ wütend das Gefängnis. Die„Humaulls' hat bisher an«enig auffallenden Stellen ein kurzes und lahm»» Dementi veröffentlicht, in dem sie bestrellet, daß Renaud-Iean und Litwinoff miteinander gesprochen hätte». Di« „Lumicre* erklärt aber, olle Dementis feien zwecklos, denn bald würden die infolge des Befehls Moskau» durchgefallenen kommunistischen Kandidaten au» der Partei austreten und in aller Oeftentlichkell reden._ Gegen den Hungerblock! Scharfer Protest des Hamburger Parlaments. Hamburg, 26. April.(Eigenbericht.) Zu der Hamburger Bürgerschaft kam es am Wiltwochabend bei Besprechung einer Anfrage über die Stellung Hamburg» zur Herab- sehung de» Gefrierst eischkonlwgents zu einer«nchllge» Demonstratio» gegen die Politik de» Besitz- bürgerblock». Die Herabsehung de, Gesrierfleisch- tontlugenl» ward« von der übergroßen Mehr hell der Bürger- schaft in scharfer weise v e r u r l e i l l. Nicht nur die Dertreter der Linksparteien, sondern auch die Sprecher der Wirtschastspartei und der Deutsche» Bolkspartei kenn- zeichneten die verheerenden Wirkungen der Gefrierfleisch- Herabsetzung und übten Kritik an der Maßnahme der Bürgerblock- rogierung. Unter wiederholter Zustimmung der übergroß«» Mehr- ' heit de« Hauses wies der sozialdemokratisch« Redner Ehrenteit ' nach, daß die vom Desitzbürgerblock angegebenen Gründe, Derminde- rung der Rot der Landwirtschaft,«tel Spiegelfechterei seien. Die Bürgerblockregierung habe aber auch gegen Treu und Glauben oerstoßen, denn der Hamburger Produktion sei, al« st« seinerzell die deutsche Gcfrierfleischeinsuhr organisierte und daher kostspielig« Einrichtungen schuf, vom damaligen Reichs- ernährungsminister Kanitz versprochen worden, daß das Kon- tingent bis 1933 aufrechterhalten werde. Unter dem Eindruck der Kritik sah sich sogar die volksparteiljche Rednerin veranlaßt, der Hoffnung Ausdruck zu geben, daß die Reichs- regierung sich bald von dem Notstand der großstädtischen Bevölke» rung überzeugen und wieder eine Heraufsetzuug des Ge- frierfleifchkontingent» vornehmen«erde. Mit Ausnahme der deutschnationalen Fraktion, die nur etwa ei» Achtel der Bürgerschaftssitze inne hat. hat sich also das gesamt« ham» burgische Parlament scharf gegen die Hungerpolitik de» Bürgerblock» ausgesprochen. Elektrizität und Sowjetmacht. Die große Errungenschast des Bolschewismus— die Elektrifizierung. Do» Wladimir Woytiusky. In diesem einen Punkte sind— mit wenigen Ausnahmen— alle Rußlandreisenden einig: die Wirtschaft»- Politik der Bvlschewisten kann bestimmte Mängel aufweisen, die Aweckmäßigkett ihre» Handelssystems kann Zweifel er- regen, dieses alles gibt man— wenn auch ungern— zu; in einer Hinsicht haben aber die Sowjets auf dem Gebiet der wirtschaftlichen Entwicklung etwas ganz hervorragendes ge- leistet— nämlich bei der Elektrifizierung! Kein Thema wird in den bolschewistischen illustrierten Blättern so häufig berührt wie die russischen Elektrizitäts- werke. Wer hat die Photographien vom Wolchowstrot und Dnjeprostroi nicht bewundert? Wer war nicht gerührt durch das Bild des russischen Dorfes, durch das die stramm- gezogenen Elektrizitätsleitungen in die Weite laufen? Oder durch das andere Bild: eine Bauernstube, Lenins Porträt an der Wand, die ganze Familie um den Tisch gesammelt. auf dem ein zehnjähriger Junge in den Strahlen einer Glühlampe die„Prawda" liest? Unterschrift: „Vormarsch der Elektrifizierung auf dem flachen Lande/ Auch den Reisenden in Rußland wird recht viel Elek- trizität vorgeführt, und schließlich gewinnen sie die Ueber- zeugung, daß die Bolschewisten die Elektrizität— wenn nicht gerade erfunden— so jedenfalls als erste in Rußland ein- geführt haben. Freilich stimmt dies» Auffassung mit der geschichtlichen Wahrheit nicht überein. weil man in Rußland über die Elektrizität auch vor den..Ist Tagen, die die Welt erschütterten�, informiert roar(so wurde z. B. die erste elektrische Unterwasserleitung- auf dem Boden von Newa im Jahre-1912 gelegt).■ Wahr ist aber, daß die Bolschewisten der Elektrifizierung viel Aufmerksamkeit schenken, und sicher verdient diese Seite ihrer Tätigkeit von jedem, der das bolschewistische System ohne Voreingenommenheit erforschen will, aufmerisam betrachtet zu werden. Anfang 1S20. als noch die Stürme des Bürgerkrieges über Rußland tobten, verkündete Lenin die neue Losung: Elektrifizierung der gesamten Wirtschaft! Die Elektrifizierung wird den Sowjetstaat von allen Nöten befreien! Zu dieser Zeit wurde die berühmte Formel geprägt: .Soziastsmu»=> Sowjetmacht+ Elektrifizierung/ Mit großer Feierlichkeit �ourde ein Staatsausschuß gebildet, an dessen Arbeiten nicht weniger als 290 Fachleute tellnahmen. Im Dezember 1929 wurde dem 8. Sowjet« kongreß ein großzügiger Plan vorgelegt, der die Billigung der hohen Bersammlung fand. Nach weiterer Durcharbeitung dieses Plane»— die ein Jahr beanspruchte— nahm der 9. Sowjetkongreß im Dezember 1921 das endgültige Projekt der Elektrifizierung der russischen Wirtschast an. Das Projekt sah die Elektrifizierung von Tausenden von Kilo« meiern Eisenbahnen und Wasserstraßen, der gesamte« Industrie(einschließlich des Bergbaus) sowie der Forst» und Landwirtschaft vor. Schon in den nächsten Jahren müßte der Sowjetbauer zum elektrischen Pflügen und Dreschen. sowie zur elektrischen Milchwirtschaft und Federoiehzucht übergehen und damit der Welt ein Vorbild der rationellen, modernen landwirtschaftlichen Produktion bieten. Daß gleich- zeitig die Glühlampe auf dem flachen Lande alle Beleuch- tungsmittel des. alten Regimes ersetzen mußte, ist eine Selbstverständlichkeit. Vor allem handelte es sich um die Errichtung von 39 Ueberlandkraftwerken, von denen 9 mit Wasserturbinen ausgerüstet sein sollten, 11 für Kohle, 3 für Torf, 2 für Erdöl, 1 für Schiefer und 4 für mehrere Brennstoffe geplant waren. Um dieses Projekt schuf man eine ungeheure Literatur. deren Erzeugnisse allein als Brennstoff für ein Kraftwerk mittlerer Größe ausreichen könnten. Mit dem Widerhall dieses Unternehmens füllte man die ganze Welt, und als die deutschen Kommunisten im Jahre 1924 die Wahlparole prägten:„Eberts Deutschland krepiert. Lenins Ruhland marschiert", hatten sie vor allem die Fortschritte der Elek- trifizierung in Rußland vor Augen. Nach 6 Jahren unermüdlicher und nicht übermäßig schweigsamer Arbest kann man ihre Ergebnisse messen. Ende 1927 zählte man in Rußland 123 Elektrizitäts- werk« mit insgesamt 665 524 Kilowatt installierter Kraft- Maschinen, Die Stromerzeugung betrug im Oktober 1927 rund 189 Millionen Kilowattstunden. Die Der- glelchazahlen für die Vorkriegszeit fehlen uns: es ist an- Am 1. Mal feiert die Arbett! Die Arbeiterschaft demonstriert auf der Treptower Spielwiese I zunehmen, daß die rnMche Elektrizitätswirtschaft des Jahres 1927 der des Jahres 1913 überlegen ist, das Messen des Fortschritts stellt aber große Schwierigkeiten dar. Wir wollen nun diese Errungenschaften der Elettrifizie rung Sowjetrußlands mit denen Deutschlands ver gleichen, wo man um diese Frage herum keinen besonderen Lärm macht. In Deutschland gab es im Juni 1925: 1370 öffentliche Elektrizitätswerke und 6122 gewerbliche Eigen» anlagen mit der gesamten installierten Maschinenleistung von 8 853 080 Kilowatt. Im Laufe der nachfolgenden Jahre dürfte diese Zahl rund um 30 bis 33 Proz., d. h. auf etwa 12 MMonon Kilowatt angewachsen sein. Der erzeugte Strom betrug im Jahre 1925: 20 328 Millionen Kilowatt- stunden, was im Monatsdurchschnitt rund 1700 Millionen Kilowattstunden ausmacht. Seitdem ist auch diele Zahl ge- wachsen: über die Geschwindigkeit dieses Wachstums kann man auf Grund der kaufenden Statistik urteilen, die 122 Kraftwerke erfaßt. Diese Elektrizitätswerke erzeugten nämlich: im Januar ISA» .. 1927 .. 1928 M8 Millionen Kv.-c-timden 1 04* 1239 Wir nehmen an. daß gegenwärtig die Strom» er zeugung in Deutschland im Monat sdurch- schnitt etwa 2250 bis 2300 Millionen Kilo- Wattstunden ausmacht. Vergleichen wir die augeführten Z rhlcn für Deutschland und Rußland miteinander, so ergibt sich, daß die berühmte bolschewistische Elettrrsizienmg etwa 6 bis 8 Proz. der deutschen Elektrizitätswirtschast entspricht. Der jährliche St romoerb rauch pro Kopf der Bevölkerung beträgt in Deutschland etwa 400 Kilowattstunden, im elek- trifizierten Sowjctrußland 11 ÄUowottstundcn! Dabei ist zu beachten, daß das vorhandene Kraftwerke netz Deutschlands zmn größten Teil in den letzten Jahren entstand: im Jahre 1S07 zählte man in der deutschen Industrie Elektromotoren mit einer Gesaintleistung von 1,7 Mill. PS, im Jahre 1925 wurden Elektromotoren mit 11,6 Mill. PL nachgewiesen. Die Elektrifizierung der Wasserkräste in Süd- deutschland, die Verwertung der Braunkohle für die Strom- erzeugung m Mrteldeutschland, die Anwendung der Elek- trizität in der Metallgewinnung sowie in der chemischen Industrie, die Ansänge der Elektrifizierung des Eisenbahn- vsrkehrz. dieses alles gehört in die Geschichte der Nachkriegs» jähre,■als auch alte Kraftwerke erweitert und vollständig umgestellt wurden. Schätzungsweise hat man in Deutschland in der letzten Zeil jährlich Stromerzeuger mit einer Gesamt- leistungssühigkeit von nicht weniger als 1 Million Kilowatt neu installiert, was das Zehn- bis Zwölffache der Geschwin- digkeit der Elektrifizierung in Sowjetrußland beträgt. Das bemerkenswerteste ist aber, daß die deutsch« Elek- inzitätswirtschaft zum beträchtlichen Teil m der öffentlichen Hand liegt. Die Erzeugung der Elektrizitätswerke, die auf den Berkauf der Energie eingestellt sind, verteilte sich im Jahre 1925 wie folgt: Zahl Strvmszeugung in der Wert« Mill. lW..Stund«n .»»»» 1370...9,9 Alle Werke., � nT' Jamm: - Weife öffentlich« KSrperschastsn ' �«Ajschtwirtfchastliche Werke. Mi» jjriwite Werfe. »30 147 593 Vi 4,3 U Im ganzen entfallen aus die Gemeinden 76 Proz. des in Deutschland fvr den Berkaus erzeugten Strome» schätzungsweise etwa 800 Millionen Kilowattstunden monat- lich). Da unter diesen Gemeinden die von den Sozialdemo- kraten verwalteten Körperschaften führend sind, übertrifft die unter maßgebendem sozialdemokratischen Einfluß geleitete Elktrizitätswirtschaft fdie nur einen Test der gesamten beut- schen Elektrizitätswirtfchaft darstellt) um das Mehrfache dos Kraftwerkenetz der Sowjets. Hier entstehen zwei Fragen: 1. Wie sind diese kläglichen Ergebnisse eines lärmenden Feldzuges der Sowjets zu er- klären? 2. Wie ist es den Bolschewisten gelungen, sich selbst und ihren internationalen GäAen einzureden, daß in der ganzen Welt gerade sie die Träger des Gedankens der Ekektrizktät sind? In dem Elektrifiziermrgsplan des Jahres 1921 waren manche Uebertreibungen enthalten, die mitunter naiv scheinen kannten(so z. B. der Plan einer baldigen Elektrifizierung der landwirtschaftlichen Produktion oder der Eiseichahnhaupt- linien). Der Gruudaedanke war aber richtig: die Elek- trisizierung entspricht der modernen Entwicklung der Technik. sämtliche Länder stellen ihre Kraftwirtschast auf die Elek- trizität um. und die ruffische Wirtschaft hat natürlich auch diesen Weg zu befolgen. Die geographischen Bedingungen ließen erwarten, daß die Elekirizitätswirtschast sich in den einzelnen Gebieten Rußlands in verschiedener Richtung ent- wickeln werde: die Elektrifizierung der Wafferkräfte konnte in Rußland nicht die Grundlage der gesamten Kraftwirtschast ~ etwa wie in Schweden und Norwegen oder in der Schweiz— bilden, sie mußte aber eine größere Bedeutung afs in England und in den Vereinigten Staaten erhalten. Es mußten— ebenso wie in Deutschland— Gebiete mit Elektrizitätswerken verschiedener Art entstehen, was übrigens in Rußland jedem Fachmann seit langer Zeit bekannt war. In dieser Richtung entwickelte sich die russische Elektrizitäts- Wirtschaft vor dem Kriege, sie konnte schon sehr bedeutende Forkschritte buchen, große Arbeiten waren im Gange. Sicher wäre Rußland weiter diesen Weg gegangen und es hätte bei seinen großen materiellen Möglichketten, bei der unzweifel- hast hohen Begabung seiuer Arbeiter und Ingenieure ebensoviel wie ein beliebiges anderes Land der Welt leisten können, wenn seinen wirtschaftlichen Kräften die notwendigste Voraussetzung einer gesunden Entwicklung, nämlich d i e Freiheit— sei es nur in demselben Umfang wie in den übrigen Ländern— gesichert gewesen wäre, wenn es den Bolschewisten im Jahre 1920 nicht eingefallen wäre, diese rein wirtschaflliche und technische Frage in ein nolitijches, und noch enger: ein parteivolitilches Schlagwort zu vec- wandeln. Seitdem wurde die Elektrifizierung in Rußland auf den Kopf gestellt: mit großzügigen Projekten, mit der Vkauierung und Ueberplamerung, mit der Posttisierung, mit dem Lärm der Parteipropaganda fördert man den technischen und wirtschaftlichen Fortschritt nicht. So hat man den Bor- morsch aul dem Gebiete der Eleltrifizicrung ebenso wie auf vielen anderen Gebieten unterbunden. Eine Art Suggestion ist aber geblieben, ein merk- würdiger Glauben, daß die Elektrifizierung aus eine ge-. lzearitisvoll» Weise mit der Sowjetmacht vorbuodell sei, daß Zch habe noch keine Leichen gesehen- als» geht-es der Landwirischast nicht schlecht!- sagt der deutschnationale Freiherr von Dechen. Deutschnatwnal« und Völkische bekämpfen sich in Mecklen- bürg im Wcchlkampf mit bitterem Haß. Wer hat die Mecklenburger Rechtsregierung unter Brandenstein gestürzt — das ist der Punkt, mn den sich ihr Fehde dreht. Die Völkischen haben seinerzeit Landbunddemagogie gegen die Da.utschnationalen gespielt. Die Deutschnationalen halben„die Forderungen des Landvolks� abgewiesen, daroms haben die Völkischen dem Minister Brandenstem das Vertrauen entzogen. Seitdem ist es aus mit der reaktionäven Herrlichkeit in Mecklenburg. Seitdem tobt dieser Streit. Ein Spruch des Ehrenrats des Verbandes deutscher Offiziere hat seinerzeit entschieden: nicht die Deutsichnationaken, sondern die Völkischen sind ichmh am Stum des Rechtsregiments. Die Deutsch- nationalen wiederüverfen den Völkischen Versündigung am Vaterlande vor. Die Führer im Streite sind Herr von Graefe und der ehemalige deutschnationale Finanzminister von Oertzen. Oertzen polemisierte im Januar im„Rostocker Anzeiger" gegen die Völkischen. Eine Berichtigung der Völkischen druckte der Anzeiger nicht ab. Nun hat das Amts- gericht Rostock den..Rostocker Anzeiger" verurteilt, die völkische Berichtigung abzudrucken. Diese Berichtigung hat den folgenden hochinteressanten Wortlaut: JSn der Ausgabe Nr. 25 des„Roswcker Anzeigers" vom 29. Izmx» wird eine Erklärung des frühere» Staat sminffters Dr. v. Oertzen oeröffentücht. zu der wir folgendes richtigstellen: 1. Es ist unwahr, daß die völkische Freiheitspartei für die Vorbereitung des Wahlkampses für den Reichstag ihre Schuld an dem Sturz der Regierung Brandenstei» erneut abzuleugnen versucht. Wahr ist dagegen, daß der vom Ehrenrat des NDY. aner- kannte Ausschuß unter Lorsitz des Generalleutnants v. Brenfart und unter LeieiUflung auch deutschnationaler angesehener Herren nach gründlicher Prüfung aller damaligen Vorgänge und Vorwürfe folgende« feststellte: Es kann deshalb den Völkischen die sachliche Verantwortung für den Sturz des Rechtsministeriums und die Auflösung des Landtags ebensowenig aufgebürdet werden, wie ihnen der Vorwurf der Versündigung am Vaterlands gemacht werden kann. 2. Es ist Unwahr, daß die Behauptung der völlischen Presse, aus den Kreisen deutschnationaler Führer stamm« dos Wort: „sie glaubten nicht eher an die Not der Land- Wirtschaft, als bis sie die Leichen sähen", eine glatte Unwahrheit ist. Wahr ist dagegen, daß der deutschirationale Führer v. Oertzen als damaliger Minister dem Domänenpächter W. Tretow in Parber bei Rohna gegenüber ausgespruchrn hat: „er glaube nicht, daß es der Landwirtschaft so schlecht gehe, er habe noch keine Leichen gesehen", und daß der deutschnationale Führer Dr. Knebusch bei einer DerhanMung mit dem Freiherrn v. Langermann-Mahlow, in Gegenwort de» Herrn Edzardi-Neu-Neiköhr am 5. Dezember 1924 erklärt hat: „es helfe nichts» es müsse auch in der Landwirtschaft erst Leiche» geben". und daß serner Dr. Knebusch in einein eigenen Schreiben v»m 12. Dezember 1924 die zu fordernden landwirtschafllichen Opfer als landwirtschaftliche Leichen bezeichnet hat." Dieser Streit kommt zur rechten Zeit, um zu zeigen, was es mit der Landbunddemagogie zu politischen Zwecken auf sich hat! Mit dem größten Zynismus haben deutsch- nationale Führer das Landbund geschrei abgewiesen, als es sich gegen sie selbst wandte. Heute benutzen sie die gleiche Mechode im Kampfe gegen Linksregierungen.„Ich habe noch keine Leichen gesehen— also geht es der Landwirtschaft nicht schlecht"— dies Wort des ehemaligen deutschnationalen Ministers von Oertzen darf nicht im..Rostocker Anzeiger" untergehen. der Kapitalismus die Elektrifizierung nur ungern zuläßt, die Bolschewisten aber berufen seien, die Grundlagen einer wissenschaftlich durchdachten, allumsaffenden. planmäßigen Elektrifizierung zu schassen. Diejenigen, die in Rußland ein- sehen, daß es sich hier um einen kindischen Aberglauben handelt, wagen nicht das auszusprechen und können das auch nicht tun. Man hat in Rußland in den Jahren des Kriegs- kommunismus die oben zitierte Leninsche Formel:„Sozia- lismus— Sowjetmacht 4- Elektrifizierung* umgewandelt und scherzhaft behauptet:„Elektrifizierung— Sozialismus—- Sowjetmacht." Ohne jeden Scherz kann man sagen, daß die Elektrifizier rung gegenwärtig in der ganzen Welt fortschreitet, die ge- ringsten Fortschritte allerdings ixt Sowjetrußland aufweist. wo die bolschewistische Regierung sich bemüht, ihre Entwick- lung zu fördern, m Wirklichkeit aber ihren Vormarsch durch ein- falsche Poliui hemmt.» Fall Tresckow vor dem Kammergenchi. Das Artest der zweiten Instanz aufgehoben. Da, Kammergericht hak der RevisionsNage im Prozeß Tresckow— vadicke stattgegeben und de» freisprechend« Urteil für Major Ladtcke aufgehoben. Die Vorgeschichte der Angelegenheit Tresckow— Badicke ist de» kannt. Die Großgrundbesitzer der Neumark hotten gegen Tresckow den Boykott verhängt, weil er ihre Putschplän« pflichtgemäß seinen Ordensbrüdern mitgeteilt hatte. Reichskanzler Marx halt« ihm des- halb seinerzeit von der Reichstagstribüne au» Lertrauensbruch vorgeworfen. Den Vorwurf des Vertrauensbruches und de» Landesverrats hatte ihm auch Bodicke öffentlich gemacht. Tresckow strengte ein« Beleidigungsklage an. Das Gericht erster Instanz verurteitte Badicke zu 500 Mark Geldstraf« noch öffentlich durchgeführter Verhandlung. Die Berusungsoerhondlung sand unter teilweisem Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Badicke wurde frei- gesprochen. Die Urteilsbegründung nahm Partei für Badicke gegen Tresckow. Auch die gestrige Remsionsverhandlung fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Da» Kannnergericht hob das freisprechende Urteil der zweiten Instanz auf. sowohl V«gen formeller als auch materieller Verstöße. Der Vorderrichler. so heißt es in der Urteilsbegründung, habe prüfen muffen, ob für den Kläger nicht ein« Anzeigepflicht bestanden habe. Wenn es dem Gericht auch freistehe, den Umfang der Ve- weisaufnahme zu bestimmen, so hat es trotzdem in ine Erörterung der Frage eingehen muffen, ob doch nicht bei dem Ve- klagten Putschabsichten bestanden haben. Denn bei der Entscheidung' über die Frage, oh ein Vertrouensbruch stattge- unden hat oder nicht, war die subjektive Einstellung des Klägers von Bedeutung. Andererseits war auch in bczug auf den Beklagten die subjektive Seite seines Vorwurfs zu erörtern. Hat er loyaler. weise den Vorwurf des Lertrauensbruches machen dürfen? Auch dies ist vom Vorderrichter nicht geprüft worden. Der Dürgerblock ist tot. Der Prozeß Tresckvw, in dem«in Opfer Keudells um feine Ehre kämpft, hat ihn überdauert. Herr Marx aber schweigt noch immer! Gegner der Verfassung. Ich kenne sie nicht, aber ich mißbillige sie. Der„Siahlhelw". Landesverband Groß-Berfin. veröffentlicht einen Wohlaufruf für Schwarzweihrot gegen den Parlamentarismus. der die Herrschaft der Minderwertigen bedeute. Der Aufruf beginnt mit dem folgenden Satz: „Alle Macht geht vom Volle aus" heißt e, dem Sinne nach in der Weimarer Derfoffutig. der angeblich freiesten aller Rdpu- bliken. Diese„Macht" besteht darin, daß der Staatsbürger all« fünf Jahr» bxi den Wahlen feine Stimm« für ein« von der Parteibureaukratle aufgestellte Liste abgeben darf." Alle s ii n f Jahre, so liest man es im Stahlhelmaufruf, und .Lreuz-Zeilung" und»Deutsche Leitung" drucken«s gclreulich nach. A't-fel?3 der Reichsvcrk.rffung lauten Der Reichstag wird auf vier Jahre gewählt. Ob diese unentwegten Lerfassu!»gs feinde jemals die Lcrjajjung gelesen habe», die s« verläjtt»»? Kreis Bahn dem Tüchtigen! Wenn er Fürst Bismarck heißt. Fürst Dismarck, deutschnationaler Reichstagsob- geordneter, wurde im Mai 1927 ins Auswärtig« Amt berufen. Im Sommer 1927 legte er die erste diplomatische Prüfung ob. Im Oktober 1927 wurde er zum Legationssckretär in Stockholm«mannt. Im April 1928. nach noch nicht einjähriger Dienstzeit, ist er zum ersten Legat ionssekretär bei der deutschen Botstliaft in London, dem wichtigsten diplomatischen Posten Deutschlands, er- nannt worden. Ein Fürst und ein Enkel— seine Karriere beim Auswärtigen Amt war gesichert. Oer Gipfel der Lluanständigkeii. Ems niedliche devtschnationale Wahlhehe. Die große Wahlrede Otto Brauns in Königsberg ist den Re- aktionären aller Schattierungen gewaltig auf die Nerven gefallen. Da si« sadjlich auf feine ausgezeichneten Darlegungen kaum er- widern können, greifen sie zu Mitteln, die gleich dumm und un- anständig sind, um Braun etwas am Zeuge zu flicken. Die .Leipziger Neuesten Nachrichten"— ein Blatt, das allerdings niemals auf besonders gute journalistische Sitten Au- spruch gemacht hat— veröffentlicht triumphierend die Speisen- folge eines Menüs vom 23. März und stellt fest, daß der „Proletarier" Otto Braun zu einem„opulenten Essen" eingeladen habe. Daran wird«ine Fülle von hämischen Bemerkungen ge- knüpft. Prompt druckt-die Berliner deuischnationole Presse diese Sudelei ab. Bei diesem Esten hat es sich um eine amtlich« Einladung gehandelt, die von der Staatsregierung zu Ehren des Prä- fidenten der Gemischten Kommission für Oberschlesien, Herrn E a- l ander, im Einvernehmen mit dem Auswärtigen Amt ergangen war. Wi« denn eben solche Veranstaltungen international zum diplomatischen Handwerkzeug gehören und im Auswärtigen Amt alle paar Tage aus irgendeinem Anlaß staiffinden. Zu diesem Essen war nur ein ganz kleiner Kreis diplcnna tischer Persönlichkeiten geladen. Der preußische Ministerpräsident. Genosse Otto Braun, hat an diesem Essen, obwohl von ihm offiziell die Einladungen er- gehen mußten,— es fand im Hotel Adlon statt— gar nicht teilgenommen, weil er damals längere Zeit krank dos Bett hüten mußte. Das Auswärtig« Amt aber, dos d-r Rechts- presse für ihren Bärendienst sicherlich sehr dankbar sein wird, war durch den Reichsaußenminister Dr. Strefemann und den Staatssekretär von Schubert sowie durch eine Reih« von Ve- antten des höheren Dienstes vertreten. Auch nach dieser Feststellung wird, dessen sind wir sicher, weder da» edle Leipziger Blatt, noch die Berliner deurschnationol« Presse den Anstand besitzen, seinen bodenlosen wohlver- dienten Reinffall einziigestehen! Schrei nach Verbsien. Die„Kölnische Bollszeitung" fordert im Anschluß an die Sprengung der Münchener Sttescmann-Versancmlüng ein all- gemeines Verbot von Umzügen jeglicher Art für die Zeit vom 13. bis zmn 2Z. Mai. Warum nicht gar.' Well die Münchsner Polizei versagt hat und ein paar Hundert Hatenkreuzlausbuben eine Versammlung ge- sprengt haben eine Einschränkung der Wahlfreiheit im ganzen Reiche? Der Gedanke könnte beinahe von Herrn van Keudell stammen. Di« Klage der Mkwe Elsuar und chrer Tochter gegen den bayerischen Staat auf Zahlung einer Slente, über bis bereits zwei- mal vor den Gerichten verhandelt wurde, ist nunmehr durch sol- senden Berglei Ä hinfällig geworden: Der bayerische Staat zahlt an Frau Eisner und ihre minderjährige Tochter eine Iohresrevi« von 2499 M: außerdem leistet der bayerische Staat eine Nach- Zahlung in der Höhe von zusammen 7599 Mark. Oer Oesterreiibisch-Oeuffche Oollsbund, die überparisiliche Orga» nisatton der Anschluß Bewegung, hat in den Berliner Ortsgruppen» oorfrn» u. a.«qe« Genossin Dr. Wegfcheider gewählt. Gietiin. Alte Sache: Wenn zwei sich streiten, erfährt die Welt die Wahrheit! Skandal im Fememordprozeß. Oie Aussage des Oberpräsidenien Lippmann. Minderheiten in Oevtschland. Ihre nationalen Schul- und Kultvrfordervngea. Don Fritz Tejessy. Auf dem durch den Friedensvertrag von Versailles»er- kleinerten Gebiete des Deutschen Reiches wohnen zusammen mit mehr als sechzig Millionen Deutschen auch Teile nicht- deutscher Völker, Polen im Osten, Litauer im Nordosten und Dänen im Norden. Während aber diese Völker außerhalb des Reiches staatsnbildende Kraft entwickelt hoben, liegt das gesamte Siedlungswesen des kleinen Wendenoolkes inner- �alb der Reichsgrenzsn, ,m Freistaat Sachsen und dem preu- ßischen Regierungsbezirk Liegnitz. Die Gesamtzahl der in Deutschland vorhandenen nationalen Minderheiten,— hierzu gehören nur Reichsangehörige, keine Ausländer— wird verschieden hoch geschätzt, je nach dem, ob Wahlergebnisse, statistische Erhebungen oder sonstige Angaben als Grund- läge für die Schätzung herangezogen werden. In jedem Falle ober, ob nun die nationalen Minderheiten in Deutschland zwei oder drei Hundert der Gesamtbevölkerung ausmachen, sie stellen, selbst wenn man nicht berücksichtigt, daß zu ihnen vier Völker gehören, im Verhältnis zu den Minderheiten, die in den nach 1918 entstandenen Staaten leben müsien, einen verschwindend geringen Bruchteil der Gesamt- bevölkerung des Deutschen Reiches dar. Aber auch die kleinste nationale Minderheit hat«in Recht auf Schutz ihrer kulturellen Interessen! Die internationale Bedeutung der nationalen Minder- heiten jedes Staates wird heute von niemand mehr de- stritten. Selbst die Hakatisten von«inst sind heute bereit, den Polen in Preußen wenigstens theoretische Zugeständnisse zu machen, um den deutschen Minderheiten im Ausland zu helfen. Von dieser Bereitschaft bis zur Tat ist allerdings ein umso weiterer Weg, als die deutschen Minderheiten im Aus» land zum Teil noch sehr schwer unter dem Nationalismus der Mehrheitsvölker zu leiden haben, die deutschen Natio- nalisten aber sofortige Gegenseitigkeit verlangen, was bei der Verschiedenartigteit der Verhältnisse diesseits und jenseits der Grenzen in den meisten Fällen nicht ohne enciteres praktisch durchführbar ist, und auch die nationalen Minderheiten in Deutschland häufig sehr chauvinistischen Gedankengängen huldigen und dementsprechend handeln, in- dem sie unerfüllbare Forderungen erheben. Die nationalen Minderheiten in Deutschland, soweit sie organisatorisch hervorgetreten, sind in einem Verbände zu- sammengeschlossen, um ihre Interesien besser und stärker zur Geltung bringen zu können. Da die Hauptinteressen jeder Minderheit auf dem Gebiet des Schulwesens liegen, haben sie sich mit einem Entwurf zu einem„Reichs- g e s e tz, betreffend das Minderyeitenschulwesen in Deutschland" und mit einem Entwurf eines Aus- führungsgejetzss zu diesem Miuderheitenreichsschulgesetzent- wurf an die Reichsregicrung gewandt und ihr damit die Anschauungen zur Kenntnis gebracht, die der„Verband der nationalen Minderheiten in Deutschlands über die Regelung des Minderheitenschulwesens in Deutschland vertritt. - Beide Entwürfe zeichnen sich durch einen grpßen Mangel an Klarheit aus, der wenigstens zum Teil sicherlich auf die Differenzen zurückzuführen ist, die innerhalb der nationalen Minderheiten in Deutschland parhanden sind. Die Interessen der Dänen in Schleswig sind auf dem Gebiete des Schul- wesens anders als die der Polen in den östlichen Grenz- gebieten. Während es sich bei'den Dänen um Volksteile bandelt, die jederzeit einen Wettstreit mit der Kultur des Minderheitsvolkes führen können, sind die polnischen, litauischen und auch wendischen Minderheitsangehörigen zum allergrößten Teils proletarisi-ert, von früher her kulturell vernachlässigt und zu einem erheblichen Teile national indifferent. Die dänischen Minderheiten nehmen infolgedessen den auch von den gesamten deutschen Minder- heiten des Auslandes verfochtenen Grundsatz:„M i n d e r- h e i t i st, wer will" für sich in Anspruch, die anderen Minderheiten in Deutschland aber fürchten, bei Anerkennung dieses Grundsatzes schlecht abzuschneiden. Es nimmt daher nicht Wunder, daß sich die von dem Verbände der nationalen Minderheiten in Deutschland vorgelegten Gesetzentwürfe über die Grundfrage:.Wer ist Minderheit?" nicht klar aussprechen. Der 8 8 des Reichsgesetzentwurfs sagt:„Ent- scheidend für die Schaffung der Minderheitsschuleinrichtungen ist der Kollektivwille der Erziehungsberechtigten." Wie dieser Kollektivwille der Erziehungsberechtigten fest- gestellt werden soll, welche Mehrheit, ob er überhaupt eine Mehrbeit darstellen muß, wird nicht gesagt. Aus zahlreichen polnischen Erklärungen und Zeitungsartikeln weih man aber, daß die polnisä�e Minderheit, soweit sie im Verbände zu- sammengefaßt ist.— der Zahl nach die weitaus bedeutendste in, Preußen— den Elternwillen als E i n z e l w i l l e n für sich nicht als bindend anerkennen will. Mit dieser Frage beschäftigte sich übrigens eben der Internationale Gerichtshof im Haag, weil im Widerspruch zur Genfer Konvention über Oberschlesien der Wille vieler Eltern in Polnisch-Oberschlesien, ihre Kinder in deutsche Minderheitsschulen zu schicken, von den polnischen Behörden, die den gleichen Standpunkt ein- nehmen wie die Führer der Polen in Deutschland, nicht als bindend anerkennt, sondern den Kindern noch eine Prüfung, ob sie die deutsche Sprache verstehen, auferlegt worden ist. Die Entscheidung des Haager Gerichtes ist eben gefallen, für Deutschland im Sinne der Genfer Konvention. Nun ist unbestreitbar, daß es völlig undemokratisch ist, Kinder in einem anderen Volkstum zu erziehen als die Er- ziehungsberechtigten wünschen. Die Tatsache, daß Kinder, die in deutschen Schulen angemeldet werden, des öfteren die deutsche Sprache nur mangelhaft verstehen, weil sie in der Fanülie nicht deutsch sprechen, ist sicherlich unerfreulich, doch rechtfertigt sie nicht, daß man diese Kinder gegen den Willen ihrer Eltern, so wie es der Verband der nationalen Minderheiten in Deutschland will, zur deutschen Schule nicht zuläßt. Schließlich ist auch der W i l l e z u r A s s i m i l a t i on ein Recht jedes einzelnen, auf das ein Staat für eins in seinem Gebiete wohnende nationale Minderheit umso weniger verzichten kann, als fast überall jeder Ausländer das Recht besitzt, in dem Volkstum des Landes, in dem er wohnt, durch Interessen, Tätigkeit, Heirat, Familie, Lebensgewohnlieiten auszugehen und schließlich sogar die staatliche Zugehörigkeit zu erwerben. Allerdings setzt die Anerkennung des Eltern- willens voraus daß dieser Wille sich möglichst unbeeinflußt von unmittelbarem Zwang äußern kann. Wer je in zwei- sprachigen Gebieten gelebt Hat, weiß, wie schwer es ist, solche freie Willensbildung sicherzustellen« und es wird daher stets Stettin. 20. April. Die heutige Verhandlung bracht« einen Skandal., Der frühere Staatsainvalt in Stettin und jetzige Obsrregierungsrat pietsch sollte die von der Verteidigung behauptete angebliche Nicderschla- gung der Verfolgung von Ausschreitungen links eingesteMer Ele- mente klären. Es Handelt sich um eine Anordnung der Reichsregierung aus der Zeit kurz nach dem Kapp- Putsch, in der anempfohlen wurde, leichtere und nicht ehrenrührige Gesetzes- Überschreitungen von Republikanern, die im Kampfe gegen Kapp im Interesse der Republik yerübt wurden, nieder- zuschlagen. Anstatt den Sachverhalt klarzulegen, versucht dieser derzeitige Obervegierungsrat, das preußische Justizministerium an- zuschwärzen und es so hinzustellen, als ob man omtlicherseits mit Verbrechern fraternisiert habe. Er läßt durchblicken, daß er da- mals am liebsten alle Republikaner hinter Schloß und Riegel ge- bracht hätte und trägt ein derart zynisches und lächerliches Beneh- men zur Schau, daß er. der Oberregierungsrat. vom Vorsitzenden auf den Ernst der Situation aus- merksam gemacht werden muß! Staatsanwalt Saß ist es als.Verdienst an, zurechnen, daß er in würdiger Form den Sach- verhalt, den der Zeuge auf den Kopf gestellt hatte, klarlegte. Hierauf Verlesung eines Briefes des jetzigen deutschnationalen Reichstagskavdidaten v. Lettow-Vorbeck, der die Kühnheit hat. zu behaupten, er fei in der Zeit, in der er sich schon aui die Seite des Putschisten Kapp geschlagen hatte, noch Reichs meHroffizier gewesen! Vernehmung eines Ingenieur» der Siemens- Schuckert-Werte, der über einen angeblich von der Reichs- wehr angeordneten Waffenabtransport der Roßbacher aus einer Stargarder Kaserne in Gegenwart von Reichswebrofsizieren berichtet. Die Roßbacher hätten Reichswehrmützen mit Eichenlaub und schwarzrotgoldener Kokarde getragen, allerdings hätten sie die Ko- karde schleunigst heruntergerissen, als sie die Stadt hinter sich hatten. Oberst Kaldrack. damals Kommandant in Stargard, erklärt» ihm sei dieser Transport seinerzeit nicht zur Kenntnis gekommen. Hierauf erfolgt die Vernehmung des Oberpräsidenten der Pro- vinz Pommern Lippmann. Er erklärt, in der m Frage kam- aller Energie der Verwaltung, nötigenfalls auch der Gesetz- gebung bedürfen, um jede Gefährdung der wichtigsten Vor- aussetzung nationalpolitischer Tätigkeit, des Rechtes des einzelnen, über seine nationale Zugehörigkeit zu entscheiden, auszuschließen. In dieser Richtung muß das Ziel staat- licher Minderheitspolitik liegen, nicht aber in dem von der polnischen Mlnderheit in Preußen wie von den polnischen Behörden jenseits der Grenze immer wieder unternommenen Versuch, durch möglichst genaue Prüfung o b s e k t i v e r Merkmale die Zugehörigkeit zu einer Minderheit sicher- zustellen. Weder Abstammung noch Herkunft, noch Wohnort, noch Namen, noch häuslicher Brauch können in einem modernen Staate entgegen dem Elternwillen als emscheidend anerkannt werden. In dem wichtigsten Punkte sind also die Entwürfe des Verbandes der nationalen Minderheiten in Deutschland indis- kutabel. weil sie mit dem demokratischen Selbstbestimmung s- recht des einzelnen in offenem Widerspruch stehen. Ueber andere Punkte, in denen die Entwürfe ebenfalls mit den Forderungen der deutschen Minderheiten im Auslande in Widerspruch stehen, ließe sich jedoch eine Verständigung viel- leicht erzielen. Wenn die deutschen Minderheiten im Auslande fast einmütig die Kulturautonomie, also die kulturelle Selbstverwaltung oerlangen und die nationalen Minderheiten in Deutschland die Kufturautonomie ablehnen, so erklärt sich das versländücherweise aus dem Unterschied der sozialen Lage. Bei der'Armut der polnischen Minder- heit in Deutschland wäre die kulturelle Selbstverwaltung ein Danaergeschenk, denn es wäre den Polen nicht möglich, die Geldmittel zur Wahrnehmung dieser Selbstverwaltung aufzubringen. Das Rocht der polnischen Eftern auf polnische Schulen darf aber nicht abhängig gemacht werden von dem Geldbeutel, den die Ellern haben. Insofern wäre also ein Entgegenkommen in derRichtung zu verstehen, daß in Preußen auch das Minderheitsschuftvesen völlig aus staatlichen Mitteln erhalten wird, sofern eine Minderzahl von Kindern die Gewähr für die Lebenskraft einer öffentlichen Schule gibt; darüber hinaus aber würde man für alle jene Fälle, in denen die Zahl der Kinder hierfür nicht ausreicht. daß Kompromiß der Privatschule evtll mit Staats- Unterstützung annehmen müssen. Leider ist vom Reich in absehbarer Zeit eine Regelung des Minderheitsschulwesens nicht zu erwarten. Nachdem der Entwurf des Reichsschulgefetzes gefallen ist, wird dieses heißeste aller Eisen nur mit äußerster Vorsicht angefaßt werden und es wird daher in der Zwischenzeit den Ländern überlasten bleiben, die berechtigten Schulwünsche der nationalen Minderheften zn befriedigen._____________ wenden Zeit Hobe eine Vereinbarung zwischen den ZMLtär- und Zivttbehöcden bestanden, die Vossen der Einwohnerwehren noch deren von der Entente durchgesetzten Auslösung zunächst aufs Land zu bringen. Zu Konflikten zwischen den Behörden sei es nicht ge- tomnren. Unruhen feien in Pommern nicht gewesen. Die Republik habe sich in Pommern schon ISIS durchgesetzt. Nach dem Kapp- Putsch Hobe es allerdings noch ewige Tage gedauert, bis sich ein« gewisie Beunruhigung legte.„2(m 22. März ist der damalige «taatssetretär des Reichswehrministeriums, der jetzige preußische Innenminister Grzesinski in Stettin gewesen und von diesem Tage on kann man sagen, daß der Kapp-Putsch im großen und ganzen beendet war. Wir hatten eigentlich schon seit Ende März ein« gute Polizei und eine starke Wehrt rast, die.zur Regierung stand. Es sunktionierlen ordnungsgemäß: Regierung. Polizei, Slaatsatuvaltschast und die Gerichte. Die rcpubllkonischen Behörden hatten die nötigt straft, um sich Gelluug zu verschaiien." Bon den K o m m u n i st e n s e i n i ch t s E r n st h a f t« s zu befürchten gewesen. Lediglich die Ankunft der Roßbacher habe ein neues Moment der Beunruhigung unter die Bevölec- rung getragen. Amtliche Nachrichten, daß von Polen Gefahr drohte, habe er ISA nicht erhallen:„Aus Grund der amllicheu Nachrichten habe ich aber nie dos Gefühl gehabt, daß Poleneinfälle drohten, weiß aber, daß diese Gerüchte in den Grenzkreisen natürlich mehr Glauben fanden, als in Stettin. Don Verhandlungen des Oberpräsidenten von Ostpreußen über Abwehrniaßnahmen gegen Polen ist mir nicht? bekoum Es ist mir auch nicht erinnerlich, daß iin Sommer 1S?ll ein Grenzschutz eingerichtet werden sollte."— Als Oberstoal«anw-r>< Sah dauu dem Zeugen die in der Verhandlung bekanntgewordenen Befehle v. vodungens vnd Rohbachs über die Geheimhaltung der, wasten. über die Behandlnng von Verrätern und über die Ewrich. kung von Standgerichten usw. vorhielt, erklärte der Zevgc:„Venn ich das damals erfahren hätte, dann würde ich sicher versucht haben, die Leute sofort zu verhaften." Die Vernehmung zweier weiterer Zeugen, die nichts Wescnt- liches ergibt, beschließt den heutigen Tag. Die Verhandlung wird aus Freitag vormlltog 10 Uhr vertagt. Ilm Urheberrecht und Schutzfrist Schlußsitzungen des Internationalen Auto renken gresses. Ueber die Frage, was unter Urheberrecht zu verstehen sei, entspann sich eine lebhafte ZZebaUe. Von italienischer Seite wurde betont, daß natürlich die Urheoerrcchte des darstellenden Künstlers von denen des Autors getrennt werden müßten, daß aber prin- zipiell auch ein Urheberrecht des reproduzierenden K ü n st- l e r s anzuerkennen sei. Der Vertreter Schwedens schloß sich dieser Auffassung an. Wenn z. B. Fritz Kreisler für eine Grammophon- Gesellschaft ein Violinkonzert von Beethoven spielt, das laillieme- frei ist, und diese Platte öffenllich aufgeführt wird, so muß der ausübende Künstler Anspruch aus Autorenschutz haben. Bei der welleren Diskussion der für die Statuten der Berner Konvention vorgesehenen Abänderungen hob der Vertreter der schwedischen Autoren noch hervor, daß es aus jeden Fall oerhindert werden müsse, daß die Radio-Gesellschasten die reproduzierenden Künstler bestehlen. indem sie ihre Darbietungen übertragen, ohne etwas dafür zu bezahlen. So lange es noch kein internationales Gesetz gibt, da« den mll Strafe belegt, der sich an den Wetten eines anderen bereichert, Höst er es daher für angebracht, entsprechende Sicherungen für die ausübenden Künstler in der Berner Konvention zu oerankern. Iustizrat Dr. Rosenberger von der Genossenschast deutscher Tonsetzer legte dar, daß er die Notwendigkeit eines solchen Schutzes durchaus nicht verkenne. Die Berner Konvention ober könne sich mü ihm nicht besaßen. Sie'müsse es sich als ausschließliche Aufgabe stellen. die Rechte der wirtlichen Autoren zu wahren, wenn sie ihre Be- stimmungen nicht ins userlose zerfließen lassen wolle. Ein moralischer Schutz des bereits tankiemefreien Werkes vor Verballhornunge» wurde ollgemein gefordert. Man wurde sich ober in der Diskussion darüber klar, daß es eine Gefahr bedeute, wenn solcher Schutz von den Regierungen der Länder in irgend einer Form ausgeübt würde. Zuständig seien hierfür einzig die Autorengesellschaften. lieber die Honorierung der Uebersetzer wurde eine wichtige Entschließung gefaßt. Danach sollen die Uebersetzer nicht mehr durch ein« feste Summe entschädigt werden, sondern einen einsprechenden Anteil an den Einnahmen der Autoren haben. Einstimmig und ohne Debatte wurde beschlossen, die all- gemeine SOsährlge Schutzfrist vom römischen Kongreß zu fordern: auch Werke ausländischer Autoren sollen nicht geringer geschützt werden als die der inländischen. In der Schlußsitzung gab Dr. Ludwig Fulda, der gemeinsam mit Prost Mox von Schillings als Vertreter Deutschlands am römischen Kongreß teilnehmen wird, eine Erklärung ob, daß er das Mandat für Rom nur angenommen Hab« unter der Bedingung, den Standpunkt der deutschen Urheber in voller Freihell zur Gellung bringen zu können, Lohnabbau ober Stillegung! Sie Rheinschiffahrt vor der Katastrophe. Oer tlrbeltskonflikl in der Rhelnschiffahrl fpihl sich immer mehr zu. Der Zenlralverbaad der Alaschlnisten und Heizer, der sich an den SSlner partelverhandlungea nlchl beteiligt hakte, hat nunmehr vm neue Verhandlungen nachgeiucht. Diese sind aus den 23. April ongeseht worden. Die Unternehmer haben ihre« Personal schrisMch mitgeteilt, daß diejenigen, die sich nicht mit einem Lohnabbau von t 3 p r o z. einverstanden erklären, am 1. VI ai entlassen werden. Diese Zumutung bedeutet, auf das 3ahr umgerechnet, eine Einkommensvermindernug von rund 400 Mark. Infolge der Anordnung der Unternehmer muß da« Personal am 30. April die Fahrzeuge verlassen. Da« bedeutet die Stillegung der deutschen Rheinschiffahrt. Die Erregung unter dem Rheiuschisfahrts-Persoual ist durch ein neue» Ansinnen verschärst worden. Für diejenigen, die am 30. April von Bord gehen, soll nämlich in den Dienstbüchern der ungesehliche Vermerk„Ausgetreten wegen Lohnkampf" gemacht werden. Mit dieser Kennzeichnung wollen die Unternehmer vielleicht die Zahlung von Arbeitsloseaunlerstühuug unter- binden. Talsächlich Handell es sich nicht um ausgetretenes, soa- der» um gekündigte» Personal. Die geforderte Eintragung in die pücher bedeutet zugleich ein System schwarzer Listen. Der Deutsche Verkehrsbund hat seinen Mitgliedern empfohlen, die uuer- trägliche Zumutung der Arbeltgeber abzulehnen. Der Stillegung der Schisfahrt wird schnell auch die Still- k�gung der hafeuumschlagsbet�Iebe folgen. Sind sich die behördlichen Stellen darüber im klaren, was für Auswir- kuugeu die Stillegung der Duisburg-Ruhrhäfeu zeitigen wird? was die Rheinreeder mit ihren Lohnabbausorderuagen und Sündigungea in der Rheiuschlsfahrt heraufbeschwören, wird der westdeutschen Mrtschasl teuer zu flehen kommen. Aus der Praxis des Rsichsarbeltsmtnisteriums Einmal so und einmal so. Don einem geradezu unhaltbaren Durcheinander in der Entfcheidungepraxts des Reichsarbeitsministeriums zeugt folgender Fall: Der Schlichtungsausschuß Kassel fällte«inen Arbeitszeitschiedespruch für die dortig« Textilindustrie in drei Ziffer». Die Ziffer t legte di« Arbeitszeit, die auf Anordnung des Arbeitgebers zu verrichten ist. die Ziffer 2 die Bezahlung der angeordneten Mehrarbeit und die Ziffer 3 die Laufdauer des Abkommens' fest. Auf den Antrag der Unternehmer, diesen Spruch für verbindlich zu erklären, beschäftigte stch der stellvertretende Schlichter. Regierungsrat Dr. K o l l a t h in Äastel. mit diesem Spruch und erklärte Ziffer 1. also die anord- nungsfähigen Mehrarbeitsstunden und Ziffer 3, das heißt die Lauftdauer des unteilbaren Schiedsspruches für verbindlich. wogegen Ziffer 2. die Bezahlung der Mehrarbelts. stunden aus Ziffer 1 des Spruches, nicht für ver- kindlich erklärt wurde. Somit oerurteilte der Spruch die Kasieler Textilarbeiierfchast zur Leistung von Mehrarbeit: ohne ihr zu scgen, was fi« für die Leistung dieser Arbeit an Bezahlung zu beanspruchen hat.(Nach der Herr- schenden Rechtsauffassung hat jeder Mensch ein sittliches Anrecht darauf.) Hinzu kommt, daß derselbe Schlichter am IK. Juli 1927 auf Grund§ 6a Abs. 4 der Arbeitszeitverordnung bereits 2 5 Pro. zent Zuschlag angeordnet hatte, nun aber die Ziffer 2 des Schiedsspruches nicbt verbindlich erklärte, um auf Antrag der Unternehmer nur 20 Prozent für di« Mehrarbeit, also eine Verschlechterung, anzuordnen. Gegen diese, den Bestimmungen der Schlichtungsverordnung vom 30. Oktober 1923 widersprechende Spruchhandlung des Schlichters wurde Beschwerde beim Reichscrbeitsministe- rium eingelegt. Hier wurde nicht etwa di« unhaltbare Entscheidung des stelloer- tretenden Schlichters in Kassel korrigiert, sondern im Gegenteil diesem Kuriosum noch eine Krone ausgesetzt. Das Reichsarbeitsministerium teilte einfach mit, daß das Verfahren des Schlichters rechtlich nicht zu beanstan- den ist, weil die Trennung des Spruches möglich fei, da die Bezahlung der Ueber stunden mit ihrer tarif» vertraglichen Zulassung nicht notwendig zu- sammenhäng«. In früheren Fällen, in denen ein Spruch in der Lohn- und ein Spruch in der Arbeitszeitfrage gefällt und von der Arbeiterschaft der Lohnschiedsspruch angenommen, der Ar- beitszeitschiedsspruch abgelehnt worden war, erklärte dasselbe Reichs- arbeitsminiiterium stet« beide Sprüche für verbindlich— mit der Begründung, die Arbeitszeitsrage sei e«n« Lohafrage und beides häng« unbedingt notwen» digzufammen! Abgesehen von dieser verschiedenen Einstellung bei der Verbind- lichkeitserklärung, wird in diesem Falle durch die Herausnahme der Ziffer 2 aus dem Schiedsspruch die Tendeifz begünstigt, nicht un- bedingt notwendige Ueberstunden machen zu lassen, während es Sache des-Reichsarbeitsnnnisters sein müßte, dieser Tendenz zu b«- Segnen, mit dazu beizutragen« daß nur wirklich notwendig« lieber- i unden angeordnet werden. I Einigung in der vadifchen DkeiaMndustrie. Im Konflikt in der Metallindustrie Mittelbadens fanden vor dem Schlichwngsausschuß w Karlsruhe Verhandlungen über Aenderung des Lohnschlüssels statt. Sie führten zu einer Einigung. Die Parteien stimmten dem Schiedsspruch und der Aenderung des Lohnschliissels zu; die ausgesprochenen Kündigungen wurden zurückgezogen._ Lohntarifkündigung im oberfchlesifchea Bergbau. Gleiwih. 28. April. Di« oberschlesischen Vergarbeiterverbände haben in einem Schreiben an den Arbeitgeberverband vom heutigen Tan« die Lohntafeln für den Kohlenbergbau, für'den Erzbergbau und für die Grubenkokereien sowie den Manteltarrs für den Erzbergbau zum 31. Mai dieses Johrez gekündigt. Kündigung im Kalibergbau. Im Auftrag« der am Tarifvertrag für den Kalibergbau be- teiligten Organisationen hat der Bergarbeiterverband den Lohn- tarifvertrag für die Kaliindustrie gekündigt. Die Zementarbeiler Westfalens haben am Donnerstag gemäß der gewerkichafllichen Streikparole in Paderborn, Steinhaufen, Lengerich, Düren, Beckum, Reu-Beckum und Iserlohn geschlollen die Arbeit niedergelegt. Es handelt sich um 3200 Ar- beiter. Bestreikt werden in erster Linie di« Zementwerk« des Wiking-Konzerns, der Elsa-A.-G. und der Phönix. Der Streik wird geführt von dem freigewerkschastlicben und dem christlichen Fabrikarbeiterverband. Pier Werk« sind noch am gleichen Tag aus der Front des Arbeitgeberv er bände» ausgebrochen und haben mit den Arbeilern Verträge abge- schlössen, die nicht nur weit über den im Schiedslnruch festgelegten Sätzen lieaen, sondern zum Teil sogar über die Forderungen der Gewerkschoflen Hinausgehen. Die Stimmung der Strei- kenden ist sehr zuversichtlich, ihr« Disziplin mustergültig. «erantwortlick, wr Politik:?r. a»rt»eye»; Wirtschaft! 9. Nll-aeldSler: Drwcrlschaftidewlgung: Fr. Nfctdt«; Feuillrta«: ft. A. D sicher: Lokale» und Sonstiae,: Fritz«arstid«! Zlnrelae»! d fflUdr. sZmtli» in Berlin. «rrlag: Vorwärt�Leriag S. m b H.. Berlin Druck: Vorwärt». Duchdruckcret untz Verlansanstalt Bau! Einaer u Co Berlin SV Sk Lind-nktra�e d. «ietju eine Beilage,.Unterhaltung und Wissen' nn»»Stedtteilag»-. V—l-d-b-irtt*-* S-nnt-g, Uhr. Auf SBiutfdh: Sectrettcbrfiuf) WERTHEIM Leipzigsr Str. Könlgntraß« Rosenthaler Str. Moritzpiatz Kreise nur Freitag und Sonnabend, soweit Vorrat Fleisch, Fische, Geflügel, Obst und Gemüse werden nicht»gesandt Tollelle-' Artikel � Docrnel- J* Aoiiein EaudeCoIogne?Ä 90pf. Lavendelwassert, Ä2-30 Mundwasser 50, 75« Zahnbürsten 20, 35, 50« Zahnpasta 25, 45« Toilettesetfe UVW? 70« Palm- u. Ollvenöl-sSk1 25« Badeschwämme"7?. 257!; Toilette-Essig. Im 1.80 Rasierseife"> 25« ROtWIirSt«UMlMbe. Pfand 80 oi: BpSCk tett 90« mager. Hld. 1 M Dampf- u.Landlebarw. 1.10 Mortadella p>«nd i.is Mettwurst ISTTffiS N5 Jagdwurst pwnd 1.30 SchinkenpoInlscheP'''.1.30 Filetwurst P'mw 1.40 Pfikelfleisch«d.1.40 Schinkenspeck«md 1.56 Bier- u. Leberwurst Mh> teo Zervelat u. Salami �'�'-SS�Mgo IMMriH imitttaiir Sttau sseMM,» Berl. Mettwurst pivnd 1.15 Hildesheimer.. Pfund 1.26 Teewurst.....«u»d 1.50 Block-Tilsiter Camembert££*&»* 18 Pt Allgäuer Stangenkäse ""Ä 30' 40« vouc 80« Ramadou halbfett pima 45« Edamer haibfe«,«md 78�. Holländer halbfett«d. 78« Qoudakäse dtzn,«und 75« Tllslter»oiifan. pm. 95« 1.15 voUfett, in Afk Staniol. Pfd. W F». Stelnbuscher»®nf,pfd. 95« Schweizer 85« Schweizer 1-55 Speisetalg i-wd-Patet 50« Margarine«°nd 52, 58« Kokosfett I-Pfrod-Tatel 62« Tafelbutter«wd 1.94 DänlscheButtorP»«� 2* Olympia-Mehl St�dlaolsolso Auszugmehl 26,28,30« SuItaninenPM.45,64, 75« Kartoffelmehl•■ Pwnd 30« Malspuder...Pfmd 28« Wslzenpudar•-««"d 45« Mandeln»»». Pfand 1.98, 2.30 Backpulver 5 aeotei 30« Rosinen-.• Pfand 52, 68« Korinthen., Pfand 72, 80« Mandallo.. Pfand 64« Kokosfldcksn. p-nnd 54«. Zitronat...... Pfand 1.50 Vanillin Zucker 5veut. 20« Vanille-Schoten, Baek-Oaia u.-Essenzen fische Ordne Heringe 5 Pfd. 20, 40« Dorsche..........«ad 7« Bratschellen«-»d 7« 18« Seelachs u. Kabeljau oh»« Kopf,«ans« Flids«. F.d. ZOrt ,0« Schellfische 24 Filet«d. 24 � Frische Hechte«»4»«. 582: frische* fleisch Uesen..............«■** 55« Schweinebauch Sna�ri«� Kalbskamm n. Brust. n>»d 68« Schweinekamm Kalbsnierenbraten.. pm 75« Kalbskeule d�M».«•>* 90« Querrippe..........«»d 70« Rinderkamm u. Brust r«. 75« Schmorfleisch 94« (PfStna Qefrierfleiath Suppenfleisch........«-.d 52« Hammelvorderfleisch Rinderkamm u. Brust w~d 56« Kuheuter 20« Herzen«*• Schweineschinken Dickes Rdckenfett Gehacktes....... Kaftler, Speer u. Kamm«d. Rindernieren-Talg—�2 70« 76« 90« 60« 65« los 50« 76« 45« &eflu{el Suppenhdhner"""ptod 1esa> Tauben 85«« Wolgahdhner..««u lao«. Pulen......... pf»»d Iis las Hühner few«, hu**,««d las•> Junge Backhdhnchen mo«* {Konserven 'n Dom Br.« u. Schnlttbohn. 1 72« Stg.-Wachsbrechbohn. 72« QemOse-Erbsan... 60« Kaiserschoten•••. 1.57 Leipziger Allerlei. 86« Qemischt.GemQse"� 1.12 Spinat 54 Pf- Sellerie 95« Kohlrabi m« OrOn 60« RIesenbruchspargel 3.10 Apfelmus"> Dom 33«. 60«. Pflaumen um sidn 62« % Flundern Reineclauden...... 1.10 Ananas ftKMttssdMftwn 1.12 Cornlchons«-ut.-domS�O Apfelgelee 2 80 FluBlachst o»ie«.Pfd.-v. 95«• Briaslinga 5Qn Oelsardf nan fr»n»„ v, ehoc Olm Frische Ananas»>»0 95 w. KonfltOra, 2-Pfund-Clmer Pflaumen Im Aprikosen 1.10 Orangen. Johannisb. 1.15 Kirschen, Erdbeeren, Himbeeren 1.35 Ananas 1.50 Gebr. Kaffee p«. 2» ES- u. Kochäpfel«d. 20 Pf. Schöner». Boskopm. 40 p>. Kaliforn, Aepfet Pfand 50« Zitronen Durand 45« 60«. Bananen kanor..«und 52« Kranzfelgen Pfand 28«. Apfelsinen Lizd. 70,95, t.20 Zwiebeln neu« Aegypler 15«. Rhabarber wndier.m 22« Malta-Kartoffeln« QrQne Gurken s».». 40«an Spinat 3«i 28 � 25« Voiimikh-Schekolade mit gangen HarelnQuen, 2 Tafeln 4 100 Gr.#*9 PL Olympia-Block-Schokolada............ Pfand 1.15 Creme-Schokolade«wW.. o-.mm Edel» Apfelwein»■» Talelobat. mfld........... 58« Feiner Fruchtwein 90« Oberhaardter gni» TiMh- und Bewicnw«ia..... 1 dB Tarragona Rot»»v. vonvgiidi* Quaiu»....... j 1 10 1927 Edenkobener milder«afiwdn........... 1.25 1927 Wellener Riesling■orsgcr Mami..... 1927 Ebernburger Berg inaciier.uriigarPmzcr 1924 Norheimer Kirschheck Mumtg. Nahewafa 1926 Erdener«OHtg,»ehr ans, rächend..... 1921 Chäi Cambon krbuiger NardMuR�Iddaa.. 1925 NIersleiner Frltzenhölle Mumtg.... 1924 Graves Wachstum Laforl. lelnsOBer. wetSer Bordanz 2.30 Alter Kräuter-Likör M Vol-Pro». besonder* preiswert 2.90 Welu und Spirituosen vom Fat so Extra-Prolson Tee Ceylon U MUAaag Indien MUch. China Mtsdi. Ceyton Osrfeeltng MUeh. Mltchnng 12» Gramm 1.25 1.56 1.70 1.85 2M A. J. 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Der K o m- m u n i st e n a n t r o g, der aus Anlast des Neutöllner Falles Schmincke vom Magistrat forderte, in Krankenhäusern ge- meinsome Andachten zu untersagen, fand eine Mehr- heit. Warum mit den Lommunisten auch die Sozialdemokraten für diese Forderung eintraten, legte unser Genosse John dar. Gegen Andachten in gemeinsamen Räumen richtet sich der Antrag, weil nichtkirchliche Kranke sie wie einen Zwang empfinden müssen. Dost auf solche Kranke diese Andachten ver- stimmend wirken können, so dast die Genesung beeinträch- t i g t werden kann, erklärt« auch der Stadtmedizinalrat Professor Dr. von Drygalski. Er und Oberbürgermeister B ö st wehrten nachdrücklich die unberechtigten Angriffe ab, die in der vorigen Sitzung der Stadtverordnete T r e s f« r t als Vertreter des Zentrums gegen die Stadtverwaltung gerichtet hatte. In der Debatte muht« natürlich auch der deutschnationale Pfarrer Koch wieder das Wort nehmen. Wenn er über kirchliche Angelegenheiten spricht, betet vielleicht mancher Gläubiger:«Gott, schütze die Kirch« vor diesem Freundet' Denn sein« Art. zu reden, kann schwerlich die Wirkung haben, für die Kirche zu werben. Als er versuchte, unseren Genossen Adolf Hoffmann anzurempeln, erhielt er die ver- dient« Abfertigung. Nachher führte eine Anfrage der Deutsch- nationalen zu einer Auseinandersetzung über die weltlich« Schule und über den S ch u l st r e i k der„Christlichen' im Bezirk Prenzlauer Berg. Unser Genosse H ä d i ck e trat den falschen Darstellungen entgegen, die in diesem Bezirk von den Gegnern der weltlichen Schule verbreitet worden stnd. Die Debatte kam gestern noch nicht zu End«. * vor Eintritt in die Tagesordnung brachte der Vorsteher, Ge- nosse hast, einen DrlnglichkÄlsantrag der sozialdemokratischen Fraktion zur Kenntnis, der gegen die vom Aufsichtsrot der Städtischen Frei. bod G. m. d. H. Wannsee für dieses Bad kürzlich beschlossenen Eintrittsgeldererhöhung von 10 auf 20 Pf. protestiert. Vom Magistrat wird oerlangt, dast er auf den Aufsicht»- rat einwirke, die Erhöhung rückgängig zu machen. Der Antrag ging an«inen Ausschust.— Die Debatte über den Antrag der Kommuni- nisten wegen der Abhaltung von kirchlichen Andachten in SrankenhSufern ging werter. Gegenüber den Rednern der Rechten und des Zentrums, die es so darzustellen suchten, als ob sich der Antrag gegen die Ber- sorgung der Kranken mit Religionsübunaen„überhaupt und generell" wende, vertrat u. a. auch Genosse John den Standpunkt. dast die Sozialdemokratie in der Hinsicht tolerant sei. Wenn«in Kranker in einem Krankenhaus� das Bedürfnis habe, sich religiös zu belätigen, so gestehen wir ihm ohne werteres geistlichen Beistand zu. Nur rvenden wir uns dagegen, dast Andersgläubige oder Dii'iö-ntca gezwungen werden, au den Rdigicmsübungeu und den kirchllcheu Andachten teilzunehmen, ohne daß sie infolge ihres körperlichen Zustandes die Möglichkeit hätten, sich zu entfernen. Wir Venden uns dann gegen Religion und Religionsübungen, wenn sie zum Schutze des Kopitalismus und kapitalistischer Aus- beulung miß brau cht werden. Sittliche Höchstleistungen stick» auch von Menschen vollbracht worden, die aus der Kirche ausgetreten sind. Dost mit dem verbot der Religionsübungen in�Gemein- fchaftsräumen der Krankenhäuser durch das Bezirksamt Reu- kölln keine Bestimmung der Verfassung verletzt werde, sei vom Stadtmedizinalrot bereits festgestellt worden. Genosse John polemisiert« dann gegen die Recht« und besonders gegen Pfarrer Koch. Auch Stadtverordneter Cafpari(D. Lp.) sprach ständig da- von, daß der Antrag die Befriedigung religiöser Bedürfnisse der Kranken..überoll und generell" verbieten wolle. Dabei fordert der allen Sladtoerordneten gedruckt vorliegende Antrag ausdrücklich, sämtlichen Krankenhäusern, Hospitälern, Heil- und Pflegeanstalten Anweisung zu geben, daß auf den Stationen oder in ge- meinsamen Schlas- resp. Speiseräumen religiöse Handlungen nicht abgehalten werden dürfen. Der Stadtmedizinalrat Prof. Dr.» Drigalski vertrat dann in längeren Ausführungen seine ihm als Arzt gegebene Meinung über den Einfluß religiöser Handlungen auf Krank«. Der Krank«, der religiös eingestellt fei, könne von religiösen Uebungen durch- aus einen günstigen Einfluß auf seinen Zuftanb erhalten. Andererseits könnten ober auch Dissidenten und Andersgläubige ernste Schädigungen erfahren, wenn man sie zwinge, gegen ihren willen und ihre Ueberzeugung Religionsübungcn über sich er- gehen zu lassen. Der Arzt habe hier eben die Pflicht, Kranke zu schützen, so oder so. Diese Verantwortung nehme dem Arzt kein Mensch auf der Erde ab. Der Redner nahm dann den Dezernenten für das Gesundheit»- wesen in Neukölln. Dr. S ch m i n k e, gegen die Angriff« der Rechten in Schutz. Er, Schminke, sei nicht ein solcher Rowdy, daß er Kindern, noch dazu tranken, das Beten verbieten würde. Ober- bürgermeister Löst bestritt gegenüber dem Zentrumsredner Treffert, daß der Magistrat die Interessen der in Berlin vor- handelten 400 000 Katholiken oernachlässige. Er empfahl Herrn Treffert sich einmal zu erkundigen, wieviel katholische Kirchen in Berlin auf städttschem Grund und Boden errichtet sind und wie weitherzig die Stadt bei Unterstützung auch der katholischen Verein« und Wohlfahrtseinrichtungen ist. Die Anwürfe Trefferts seien in dieser Bestehunq sachlich unbegründet, wahrscheinlich aber aus der gegenwärtigen Wahlzeit zu erklären!(Brovo! links.) Stadtverordneter Hildebrandt(Dem.) trat dafür«in, daß man keinem Kranken geistlichen Beistand verweigern aber auch nicht aufdrängen solle. Man solle tolerant nach allen Seiten sein. Dann wandte sich der Stadtmedizinalrat in scharfen Worten gegen den deutschnationalen Pfarrer Koch, indem er weint«, in diesem Hause sollte man nicht über religiösen Terror sprechen. Der Sladlmedizinal- rat wies den Pfarrer auf dos Bibelwort hin:„Niemand hat größere Lieb« denn der, der sein Leben lasset für seine Freundet' Damit schloß die Aussprach«. In einer persönlichen Bemerkung betonte Genosse Adolf hosfmaan gegenüber Pfarrer Koch, daß er, Hoffmann, deswegen nicht zur Sache gesprochen habe, weil Koch so gestäubt worden sei, daß er keine„Leichenschändung' mehr begehen wollte.(Schallende Heiterkeit.) Stadtverordneter Treffert(Z.) be- wies in wiederholten persönlichen Bemerkungen", was er uitter diesem parlamentarischen Brauch versteht. In der Abstimmung wurde der Antrag der Kommunisten mit den Stimmen der An- tragsteller und der Sozialdemokraten angenommen. Ein Antrag der Zentrmnsfraktion, der Uebergang zur Tagesordnung verlailgte, wurde in namentlicher Abstimmung— die natürlich wieder die Deutschnationalen beantragten— abgelehnt. Dann kam eine schon vor Wochen gestellte Anfrage der Deutsch- nationalen wegen Ltnser neuer Roman. Jack Londons„Wolfsblut', mit dessen Abdruck wir heute beginnen, ist eines feiner Hauptwerk«. Es hat noch die ganz« sprühende Lebendigkeit, das tiefe Naturgefühl und die Verwachsen- heit mit dem Tiere, die dieses auszeichnet. Nirgends ist noch Manier oder Routin« darin zu spüren. Die unermeßliche Schneeregion des nördlichsten Amerika,«in paar Hunde und ein paar Menschen— das ist der ganze Apparat, den der wunderbar« Menschen, und Tierkenner braucht, um uns zu spannen und zu ergreifen. Der große amerikanisch« Volkserzähler, der sich die Welt erobert hat, wird mit diesem Werk« sich viele neue Bewunderer in Deutschland erwerben. Jack London: Wolfsblut. Erster Teil. 1. Auf der Fährte nach Fleisch. Dunkler Tannenwald dräute zu beiden Seiten des ge- frarenen Wasserlaufs. Der Wind hatte kürzlich die weitze Schneedecke von den Bäumen gestreist, so dag sie aussahen, als drängten sie sich umheimlich düster in dem schwindenden Tageslicht aneinander. Tiefes Schweigen lag über dem Lande, das eine Wildnis war, ohne Leben, ohne Bewegung, so einsam, so kalt, daß die Stimmung darin nicht einmal traurig zu sein schien. Bielmehr lag es wie ein Lachen dar- über, ein Lachen, schrecklicher als jede Traurigkeit, freudlos wie das Lächeln der Sphinx, kalt wie der Frost und grimmig wie die Notwendigkett. Die unerbittliche, unerforschliche Weisheit des Ewigen lachte da über die Nutzlosigkeit des Lebens und seiner Anstrengungen. Es war die echte Wildnis, die ungezähmte, kaltherzige Wildnis des Nordens. Und doch war Leben in dem Lande, trotziges Leben noch dazu! Denn den gefrorenen Wasserlauf hinunter zog müh- sam eine Reihe wolfsähnlicher Hunde. Ihr dichter Pelz war dick mit Reif bedeckt: ihr Atem fror in der Luft so wie er in dichten Dampfwollen aus ihrem Maule emporstieg und hängte sich als Eiskristalle an die Haare ihres Pelzes. Sie gingen in ledernen Riemen an einen Schlitten gespannt, der hinten nachschleifte. Dieser Schlitten hatte keine Kufen. Er war aus dicker Birtenrinde gefertigt und ruhte mit dem ganzen Boden auf dem Schnee. Das vordere Ende war auf- wärts gebogen, um den weichen Schnee, der wie Wellen- schäum emporstäubte, aus der Bahn zu schieben. Auf dem Schlitten stand ein langer, schmaler, viereckiger Kasten und noch andere Dinge, wie wollene Decken, ein Beil. ein Kaffee- topf und eine Bratpfanne waren darauf festgeschnallt, doch den größten Raum nahm der lange, schmale, viereckige Kasten ein. Bor den Hunden wanderte ein Mann auf breiten Schnee- schuhen und hinter dem Schlitten ein zweiter. Auf dem Schlitten-lag in dem Kasten ein dritter, dessen Mühe und Arbeit vorüber war, ein Mann, den die Kälte der Wildnis Niedergeworfen und besiegt hatte, so daß er sich nicht mehr rühren, noch regen tonnt«: denn Bewegung liebt sie nicht. Das Leben ist für sie eine Beleidigung, denn das Leben ist Bewegung, sie aber- strebt danach, alle Bewegungen aufhören zu machen. So lägt sie das Wasser gefrieren, um zu ver- hindern, daß es ins Meer fließe, so treibt sie den Saft aus den Bäumen, bis sie ins innerste Herz hinein erstarren: und am grausigsten und schrecklichsten verfolgt sie den Menschen und zwingt ihn zur Unterwerfung, ihn, das ruheloseste Wesen, das in steter Empörung gegen den Spruch ist, daß am Ende alle Bewegung aufhören soll. Vor und hinter dem Schlitten wanderten jedoch unab- lässig und unerschrocken die beiden Männer, die noch lebendig waren. Ihr Körper war in dicken Pelz und weichgegerbtes Leder gehüllt. Jbre Augenwimfiern, Wangen und Lippen waren so vollstänoig mit den Elskristallen ihres gefrorenen Atems bedeckt, daß die Gesichtszüge unkenntlich waren, was ihnen das Aussehen von gespenstischen Masken gab. von Leichenträgern aus einer spukhaften Welt beim Leichen- begängnis eines Gespenstes. Trotzdem aber waren es Menschen, winzige Abenteurer, die durch das Land der Oed«, des Hohnes und Schweigens zogen und kampfbereit sich gegen eine Welt stellten, die so fern, so fremd und ohne Leben war, wie die Abgründe im Weltenraum. Sie wanderten dahin ohne zu sprechen, denn sie mußten den Atem für die Arbeit des Leibes sparen. Ringsumher herrschte lastendes Schweigen, das ihre Seelen bedrückte, wie die Wassermassen den Körper des Tauchers auf dem Meeres- gründe. Es preßte sie mit dem Gewichte der Unermehlichkeit, der unentrinnbaren Notwendigkeit. Es drängte sie in die tiefsten Winkel ihrer Seele zurück und quetschte aus ihnen, wie den Saft aus der Traube, alles falsche Streben, alle un- wahre Begeisterung, alle übertriebene Wertschätzung irdischer Dinge heraus, bis sie sich klein und unbedeittend vorkamen wie Sonnenstäubchen, die mit wentg Klugheit und geringer Weisheit im Fangballspiel der großen, blinden Naturkräfte sich hin und herbeävegten. Eine Stunde verstrich und dann noch«ine. Das bleiche Licht des kurzen, sonnenlosen Tages fing an zu erlöschen, als ein ferner, schwacher Laut gleichsam in die Luft emporstieg. Rasch glitt er einige Töne hinauf, bis er zitternd auf der höchsten Note verweilte und dann dahinstarb. Man hätte ihn für den klagenden Ruf einer verlorenen Seele halten können, wenn nicht aller Traurigkeit ein« gewisse hungrige, gierige Wildheit beigemischt gewesen wäre. Der Vorder- mann drehte den Kopf herum, bis feine Augen benm de» Errichtung von weltlichen Schulen zur Behandlung. Stadtschulrat Genosse Aydahl bedauerte, daß in jedem Jahre immer wieder die Debatten über die„Sammelschulcn" kommen. Solange allerdings kein Reichsschulgesetz da ist, das eine gesetzliche Unterlage für die Errichtung von weltlichen Schulen bietet, solange wird man auf Notmaßnahmen angewiesen sein.(Dabei riefen einige Deutschnationale:„©ehr richtig! wobei sie offenbar Herrn Keudell mit seinem Reichsschulgesetzentwurf ver- gessen hatten!) Der Stadtschulrat betonte weiter, daß bei der Errichtung der In Frage stehenden weltlichen Schulen die Erfahrung der früheren Zeiten berücksichtigt wurden, wonach nach Eröffnunz Ser Schulen sich immer 30 bis 40 Proz. mehr Schüler anmeldeten als früher angemeldet waren. Wenn auch im vorliegenden Falle diese Prozentsätze nicht voll erreicht wurden, so haben die An- Meldungen doch voll ausgereicht, um die bereitgestellten Schulen zu füllen. Genosse R y d a h l nahm dann die Schuwenvaltung gegen Angriff« von rechts in Schutz. Stadtverordneter Genosse Hädicke wandte sich dagegen, daß bei den Anmeldungen zur weltlichen Sckzule nicht alles ordnungsgemäß zugegangen sei. Das Provinzialschul- kollegium hätte alle» geprüft und in Ordnung befunden. HMck« polemisierte dann gegen die Rechte. Die Beratungen wurden abgebrochen, die Bersammlnng trat in eine nichtöfsentlich« Sitzung«in. Die Räuberhöhle in der Karlstraße. Was treiben Sie mit meinem Freunde? Es gibt Verbrechen, von denen nur fetten etwas in die Oefsenl- lichkeit dringt: die Opfer scheuen nicht im geringeren Maße das Licht der Entdeckung als die Uebeltäter. Wird aber da ab und zu die eine oder ander« Tot verhandlungsreis, so findet sie ihren Ab- schluß hinter hermetrisch verschlossenen Türen... Auf der Anklagebank sitzen zwei junge Burschen im Alter von 20 bis 24 Jahren: auf der Zeugenbank haben vier gut gekleidete Herren Platz genommen: der eine«in Lehrer mit grauem Haar, die drei anderen— zwei Kellner und ein Heilgehilfe—. Leute in mittleren Jahren. Alle sechs— dl» beiden Angeklagten und die vier Zeugen— fesselt einander der Z 17S. Zusammen mit einem Freund, dem bereit» viermal vorbestraften K-, hatte der eine der jüngeren Burschen in der Karlstraße zwei Zimmer ge- mietet und hier eine regelrechte Räuberhöhle eingerichtet. Als sogenannte Strichsungen sprach gewöhnlich einer von ihnen auf der Straße Herren an und nahm sie zu sich in die Wohnung. Im Augenbttck, da olles in drster Oro- nung schien, trat dann der Freund herein und die Ausplünderung des Opfers begann. Die Ausgeraubten hielten natürlich reinen Mund. Was sollten fie auch tun. Die Polizei alarmieren? Wie aber, wenn die Burschen sie strafbarer Handlungen bezichtigten? Da gibt e, dann einen Skandal, Gerichtsverhandlung und ev. Bestrafung nach dem ß 175. (Sinei Tages aber kamen die beiden Burschen an den Un- rechten. Es war ein Heilgehilfe, ein verheirateter Mann, der nach Berlin gekommen war, um einen Kranken nach einem Badeort zu transportieren. Bei sich führte er 50 M. eigenes Geld und 400 M., die er zum Transport erhalten hatte. Natürlich hatte er eins über den Durst getrunken. Der Zwanzigjährige sprach ihn auf der Straße an und dann ging alles noch dem bekannten Schein. Der S4iöhnge stürzte is Zimmer:„Was treiben Tie da mit meinem Freund, ich rufe die Polizei, geben Sie Ihr Geld her." Der Jünger« packte den Heilgehilfen am Halse, der Aettere drohte ihm nnt irgendeinem Gegenstand in der Hand: einem Hausschlüssel oder einem Revoler. Der Heilgehilfe war bereit, ihm die eigenen 50 M. zu geben, flehte, man möge ihm sa die 400 M. lassen, mußte aber schließlich das ganze Geld hergeben. Ja, selbst das Klopsen der Wirtin an die Tür des Zimmers störte die jungen Burschen nicht.„Es geht Si« nichts ack,' was wir hier mach«»', schrien sie ihr zu. Der Ausgeplünderte wurde an die Luft.gesetzt. Er eilte aber zum nächsten Schutznmnn, führte ihn in die Räuberhöhle und ließ die jungen Leute festnehmen. Man überlege sich, mit welcher Sicherheit die Beiden ihr räuberisches Handwerk ausgeübt haben. Sie hätten sich ja sagen müssen, daß es für ihre Opfer ein Leichtes sei. sie aus ihrer Woh, nung holen zu lassen... Hinterher wurden auch noch ander« älle bekannt. Wieviel mögen aber unentdeckt geblieben sein?— er Staatsanwall beantragt« für den einen acht Jahr«, für den Gefährten begegneten, dann nickten sie einander Verständnis- voll über dem schmalen, länglichen Kasten zu. Ein zweiter Ruf erklang, der schrill wie eine spitze Nadel durch das Schweigen fuhr. Beide Männer erkannten, daß die Richtung, aus der er ertönte, die Schneewüste war, die sie soeben durchkreuzt hatten. Ein dritter Schrei— wie eine Antwort aus derselben Richtung, aber links von dem zweiten Ruf. „Sie sind hinter uns her, Bill,' sayte der Vordermann. Die Stimme klang heiser und geisterhaft: der Mann hatte scheinbar mit Anstrengung gesprochen. „Das Fleisch ist knapp, antwortete sein Gefährte.„Ich habe seit Tagen nicht die Spur von einem Kaninchen gesehen.' Weiter sagten sie nichts, doch lauschte� sie aufmerksam auf den Iagdschrei der Verfolger, der dauernd hinter ihnen her ertönte. Beim Einbruch der Dunkelheit lenkten sie die Hunde in ein Tannengebüsch am Rande des Wasserlaufs und schlugen das Lager auf. Der Sarg neben dem Feuer diente als Sitz und Tisch. Die wolfsähnlichen Hunde drängten sich hinter dem Feuer zusammen, knurrten und bissen sich, zeigten jedoch keine Lust, sich ins Dunkel zu wagen. „Mir scheint, Heinrich, sie bleiben heute merkwürdig dicht beim Lager.' bemerkte Bill. Heinrich, der am Feuer hockte und den Kaffeetopf mit einem Stück Eis aufstellte, nickte. Er sprach auch nicht eher, als bis er seinen Platz auf dem Sarg eingenommen und z« essen angefangen hatte. „Sie wissen, wo ihr Fell am sichersten ist," versetzte er. „Sie fressen auch lieber, als daß sie sick) fressen lassen. Es sind ganz kluge Hunde.' Bill schüttelte den Kopf.„Oh, das weiß ich doch nicht." Sein Kamerad blickte ihn verwundert an.„Zum ersten- mal höre ich dich etwas gegen ihr« Klugheit sagen." „Du, Heinrich," entgegnete der andere, indem er lang- sam an den Bohnen kaute.„Hast du vielleicht bemerkt, was für einen Spektakel die Hunde machten, als ich sie füttert«?' „Sie lärmten allerdings mehr als gewöhnlich,' bestätigte Heinrich. „Wieviel Hunde haben wir, Heinrich?' „Sechs." „Schön."... Bill hielt einen Augenblick inne, um fein«» Worten größeren Nachdruck zu geben.„Wie du eben sagtest. Heinrich, haben wir sechs Hunde. Ich nahm auch sechs Stück Fisch aus dem Sack. Ich gab jedem Hund«inen Fisch, und hatte doch einen zu wenig. Heinrich."(Fortsetzung folgte anierc« sechs Jahre Zuchthaus und Verlust der bürgerlichen Ehren» rechte auf drei Jahre. Die jimgen Burschen führten im Gerichts- saal ein Theator auf, schrien laut, rutschten von ihrer Anklagebank auf den Boden, beruhigten sich aber sofort, als das Urteil nur auf drei Jahre Gefängnis lautete. Landgerichtsdirektor Stein- Haus meinte in der Urteilsbegründung, das Zuchthaus� wäre für die jungen Menschen ein Ruin, im Gefängnis wäre für sie der Weg zur Besserung noch nicht endgültig abgeschlossen. Der berüchtigte§ 173 wird jedoch noch manches Opfer fordern. Fach 6 Jahren! Die Llhr des Ermordeten. Ein helmtückisches verbrechen, dem im Juni 1922 ein betagter Sassenbote zum Opfer siel, konnte jetzt ausgeklärt werden. Einer der Täter wurde in der Person eine« ZS Jahre alten früheren Ziegeleiarbeiters und jetzigen Wander-photo- graphen Reinhold Klemm st ein in Bernburg in Anhalt verhaftet. Sein Helfershelfer wird noch gesucht. Am Sonnabend, dem 17. Juni 1922, wurde kurz noch 7 Uhr morgens von Landarbeitern der 89 Jahre alte Kaffenbot« Karl Gif ig aus Neudamm in einem Gebüsch ermordet ausgesunden. Essig hatte Lohngelder nach der Borndorfcr Ziegelei gebracht und an jenem Tage 219999 Paptermark bei sich geführt. Gewöhn- heitsmähig legte er den Weg auf seinem Rade zurück und kam dabei einem schmalen Feldweg entlang,- der an einem kleinen Bach vor- überführte. In der Nähe dieses Baches wurde unter Weidenbüschen die Leiche gefunden. Spuren am Fundort deuteten darauf hin, daß zwischen dem Ermordeten und seinen Mördern ein überaus heftiger Kampf stattgefunden haben mußte. Essig war d i« Kehle durchschnitten worden. Im Bache entdeckte man das Rod und den Rucksack, aus dem das gebündelte Geld ge- raubt war. Bon dem persönlichen Besitz des Boten hatten die Täter eine go-�ene Uhr geraubt.) Diese Uhr. Ä* die Inschrift„Persecke-NeudoMm� trug, bildete bei den Nochforschudgen der Behörden jahrelang den einzigen An- haltspimkt. Der Berdacht fiel schon damals auf Leute, die den Schnitter- und Zicgelciarbeiterkeisen in der Gegend angehörten. Erst im Jahr« 1924 kam den Kriminalbehörden zu Ohren, daß in dem kleinen Orte Mücheln bei Merseburg im mitteldeutschen Braukohlengebiet seit etwa l'/i. Iahren ein Mann lebte, der den Spitznamen.der Graf" führte. Cr war von auswärts zugc- wandert und halte über zienrlich viel Geld verfügt, besten Herkunft dunkel war. Die Inflation hatte aber seinen verdächtigen Reichtum verschlungen. Der Mann, ein gewisser Klemmstein, war aus der Stadt schon wieder verzogen. Endlich gelang es festzustellen, daß er sich aus Hamburg abgemeldet hatte, weil er nach Amerika auswandern wollte. Trotzdem er so zunächst unerreichbar schien, forschte man noch seinen, Vorleben. Tatsächlich war er in der Gegend von Neudamm Ziegeleiarbeiter gewesen, war auf seinen Kreuz- und Ouerfahrtcn auch nach Mücheln gekommen, hatte wegen Diebstahls wiederholt im Gefängnis gesessen und sich schließlich zum Wanderphotographen ausgebildet. Zur ollgemeinen Ueberraschung wurde festgestellt, daß er nicht nach Amerika ausgewandert war, sondern sich in Bern bürg niedergelassen hatte. Einige seiner Helfersljelf« bei den kleineren Diebstählen wurden ermittelt und so erfuhr man. daß er ihnen gegenüber eigentümliche Andeu- tungen über seinen früheren Reichtum gemacht hatte. Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Landsberg a. d. W. wurde ein Berliner Kriminalbeamter nach Bernburg entsandt, der bei einer überraschenden Durchsuchung der Behausung Klcmmiteins unter allerlei Gerumpel die„P e r s e ck e- U h r des ermordeten Kassenboten fand. Klemmstein wurde daraufhin sofort festgenommen. Nach langem Leugnen legte er dann endlich ein Geständnis ab. Er wurde noch Landsberg gebracht und schildert« bei einen, Lokal- tsrmin an der Mordstelle die einzelnen Vorgänge. Sein Helfer bei dem Raubmord ist noch seiner Behauptung ein.p o l n i sich er S ck) n i t t er namens P o l l a k gewesen,..der„der schwarz.« Wart in"' genannt wurde. Dieser Mann, der jetzt etwa Jahre absein muß, war mit KlennNstein auf einer Arbeitsstelle.- Der Gesuchte ist 1,89 Meter groß und fällt durch feine sogenannte„Bull- doggnase" auf, Mitteilungen über seinen Aufenthalt nehmen die' Staatsanwartschaft in Landsberg und das Berliner Raubdezernat entgegen. Gegen die Meierfeinde. Entschließung des Relchsbondes Oevtscher Meter. Die zur Bundesbeiratssitzung am S. und 7. April 1928 in Berlin aus ollen Teilen Deutschlands verfcnnmelten Dertreter des Reichsbundos Deutscher Mieter e. D., Sitz Berlin, protestieren mit aller Entschiedenheit gegen die erneute Verschlechterung des Miet- und Wohnrechts. Durch Lockerungsverordnungen der einzelnen Länderregicrungen sind außerordentlich viel« Gewerbe- und Wohn- raummieter in die größte Bedrängnis geraten. Diese versebst« Dnlitik im Wiek- und Wohnrecht ist bis in die jüngst« Zeit fort- gesetzt worden und hat ihren Höhepunkt in dem vor einigen Wochen vom sterbenden Reichstag beschlossenen neuen Kündigungsverfahren erreicht. Als ausgesprochen mieterseindlich haben sich sämtliche Re- gierungsparteien gezeigt, während die Linksparteien bis einschließ- lich der Demokraten die Interessen der deutschen Mieterschast nach besten Kräften vertreten haben. Da der kommende Reichstag sehr wichtig« wohnungspolitische Entscheidungen zu treffen hat, ist es unbedingt notwendig, daß die gesamte Mieterschast aus der Tätig- keit des letzten Reichstags die Lehre zieht und am Wahltag unserer Parole folgt: sondern Seine Stimme den mielerfeiadllch«». , Alle Stimmen den mleterfreuadlicheu Parteien. Dem Sozialismus die Zukunft! Die 51. Abteilung, die im westlichsten Teil von Thartotienburz liegt, veranstaltete eine öffentliche Wählerversammlung. Genossin Todeichagen sprach im besonderen zu den Frauen und Möo- che« des arbeitenden Volkes. Sie erinnerte sie an ihre Pflicht, am 29. Mai sozialdemokratisch zu wählen. In großen Zügen besprach die Rescrentin die Sünden des Bürger- b l o ck s, der den arbeitenden Masten neue Lasten gebracht hat.— Genosse Dr. Ka werau sprach über.Li« Jugend unk/die Pur- teien. Er schilderte den ewigen Kamps des Werdenden mit dem Vergebenden. Wir mästen versuchen, diesen Kampf zu verstehen und chn so zu führen, daß Wahrheit und Ge- rechtigkeit ihn leitet, dann wird die Jugend vor Ueberhebung Welt ist nur unter sozialistischer Fahne zu suchen. Stürmischer Beifall folgte den Ausführungen der Redner.— Zum Schluß wurde der Wohlfilm gezeigt, her ebenfalls zu häufigem Beifall hinriß. Macht Amonvllah ernst? Es war schon recht lacherlich geworden, wie einzeln« deutsche Industriefirmen hinter dem König Amanullah von Afghanistan hergelaufen stich, in der Hoffnung, dieser König aus dem Morgenlande könnte in Deutschland auch riesige Bestellun- gen hinterlassen. Vielleicht— wir wsssen nicht, ob die Meldung stimmt— hat man Amanullah und auch manchem Unternehmer unrecht getan: denn jetzt soll die afghanisch« Regierung wirk» lich»into« bestellt baden: bei der Görlitzer Ppezlalmaschtnimfabrik Ernst Hamburger S. m. h. H. nämtich«ist« groß» Doli. «»scheretanlage. von d« gesagt wstv, daß sie die dtsher größte überhaupt geliefert« Moschini sei. Di« Anlag« soll da#» «enev. d« w, Sande s-wom»« Rohmaterial zg verarbott«� Oer Akienschievungsprozeß Ktmeri. Herabsetzung der Strafen. Im Akkeuschieber-Prozcß Suaert wurde gestern die Be rufungsverhandluag durchgeführt. Sie endete mit der herab sehung der Strafe für Suaert von ö aus Z 2llonate Gesänguis. - Die Strafe des Zustlzbeamtea Rostet wurde au, Zuchthaus in Gefängnis umgewandelt. Die Berufnngsverhandlung gegen den Bankdirektor Clemens Max Kunert tonnt« überraschend schnell durchgeführt werden. Die Verteidigung Kunerts Halle nämlich auf sämtliche von ihr geladenen Zeugen verzichtet. Die Rechtsanwälle Dr. Alsberg und Sereni griffen das Urteil gegen Kunert an. Sie bestritten, daß die von Kunert beseitigten Akten, die längst abgelegt worden waren, noch als Akten zu betrachten seien, die im Gebrauch waren. Kunert Oeffenil. Wählerkundgebungen Heute» Freitag, 27. April: Tempelhos. Treffpunkt, zum Werbeumzug 19 Uhr Neue Straße Ecke Dorfstraße: anschließend Kundgebung in der Aula des 'Realgymnasiums, Kaiserin-Augusta-Straße. Redner: Bernhard Göringi SSpenick. 191b Uhr im Stadllheater. Friedrichstr. 6.— Um 19 Uhr Platzkonzert auf dem Wilhelmsplatz, ausgeführt vom Musik- verein-„Echo" und dem Tambourkorps des Reichsbanners. Redner: Landtagsabgeordnet« Luise Köhler und Reichstags- abqevrdnetcr Dr. Kurt Löwenstein. Lichtenberg. 19>L Uhr im Pestalozzi-Oberlyzeum. Prinz-Albert- Straße 44. Redner: Robert Breuer. Steglitz. 29 Uhr in der Schulaula. Heesestr. 15. Redner: Pfarrer . August Bleier. Männer und Frauen» erscheint in Massen! Friedrichshasen(109. Abt.) Heule, Freitag» 27. April, 20 Uhr, Lokal Sdbolr, FrledrUfaftr. 81 Wählerinnen-Versammlung Vortrag der Genostin Minna Todenhageat„Aas eigener Krati"(mit LtchfbÜdem). Alle Genossinnen, die Frauen der Genossen, VorwÄrlsleser u. Sympathisierende sind eingeladen I habe sich in einem Notstand befunden, da die alten Akten von seinen Feinden, die sich auf unrechtmäßige Weise von deren Inhall Kenntnis verschafft hatten, gegen ihn ausgenutzt worden feien. Es sei zweifei- Haft, ob Kunert sich bei seinem Vorgehen einer strafbaren Handlung bewußt gewesen sei. Mindestens müsse das bei dem Strafmaß berück- stchtigt werden. Für den nntongeklagten Iusllzbeamten Rossel machten Iustizrat Dr. Werthauer und Rcchtsanwall Dr. Eisen- st a e d t geltend, daß«r mit diesen Akten als Beamter nichts zu tun gehabt habe, und daß er daher bei der Beurteilung seiner Straf- taten nur als Privatmann gehandelt habe. Die Strafkammer hiell den Bankier Kunert schuldig der geineinschasllichcn Anstiftung zur gewinnsüchtigen Aktenbcselligung und der gemeinsamen Beamten- bestechung. Die Strafe wurde aber auf die Hälfte, nämllch auf drei M o n a t e herabgesetzt. Bei Rossel sckiloß sich die Straf- kannNer dem Stcurdpunkt« der Verteidigung an und verurt«llte ihn zu 1' Jahr"GSfängNiS',' währiiitd- m der ersten Instanz gegen ihn auf Züchthalls-erknnnt �worden wor.�� In-der Ernuttlungssache gegen Bankdirektor Kinrett wogen Betruges mit Allbesitzanleihen gegenüber dem Staate sind die Ermilllungen auf neue Strafhandllmgen ausgedehnt' wordech jedoch steht die Erhebung der Anklage in Kürze bevor. Ein Museum der Berliner Feuerwehr. S/10 in m einge-, richtet worden, das von Interessenten besichtigt werden kann. Als Besuchszeit sind die Stunden am Sonn tag von 8 bis 12 U h r f e st g e se tz t. Im Ausnahmefalle können auch wachen- tags die Nachmittogsstunden von 2 bis 6 Uhr zur Besichtigung ge- wähll werden: es empfiehlt sich jedoch wegen des Wachdienstes, dann vorher telephonische Vereinbarung zu treffen.(Amt Wilhelm 4586.) Das Museum umfaßt drei Bodenräume eines Seitenflügels, die mit einfachsten Mitteln hergerichtet sind; es sind dort Fahrzeuge, Modell« und Geräte aller Art aufgestellt: Alte Feuerspritzen mit Druckbäumen: Wassertienen: Modell« der Fßhrzeuge der Berliner Feuerwehr von ihrer Gründung(1851) bis zur Ietztzell: Modelle von Feuerwochen: Feuerlöscher der verschiedensten Typen: An- griffs-. Lösch-, Rettungs-, Beleuchtungs- und Ausrüstungsgeräte-. zahlreiche Modelle van Rauchschutzgeräten: Tafeln mit statistischen Angaben, meist in anschaulicher Bildform. Brandobjekte aller Art i Baustoffe, Metalle usw.). Die Besichtigung des Feuerwehrmuseums kann seiner Eigenart wegen sehr empfohlen werden. Auf der Feuerwache„Suarez", Suarezstr. Eharlottenburg. ist ein F e u e r we h r m us«u» Sozialdemokratische Gemeindepolitik. Im ersten Moiheft der Zettschrift.Di« Gemeinde", die ein« Anzahl sehr interessanter und auch im Hinblick auf die kommunalen Wahlen wichtiger Aufsätze bringt, schreibt Dr. H. Bürger über die Abgabenschuid noch kommunalem Abgabenrecht.„Städte- krieg um den Finanzausgleich" ist ein Artikel von Bürgermeister Lindemann benannt, der sich sehr eingehend mit den neuen Denkschriften des Magistrats Berlin einerseits und der Bürgermeister an der Ruhr andererseits beschäftigt. Heber die vielgestaltigen Ausgaben der Gemeinden bei der Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten berichtet der Sekretär der Kommunvlpolitischen Die Wandlung des Berliner Jungen" schilderte Chefredakteur Georg Freund. Er zeigte, wie das gesteigerte Lebenstempo der Zeit aus den lustig vagabundierenden Berliner Jungen kämpfende und ringende jung« Menschen gemacht hat. Interessant, aber doch van etwa» zu geringer Allgeme'nverständlichkett w«r der Vortrag von Prof. Dr Wilhelm Eitel, der über das Thema Di« Gläser� sprach. Dr. Herbert Rosenjelds Ausjührung«» über Den soziale» Sedante» in der modernen deutschen Ltterotur" boten einen guten Usberblick über die Entmicklung der noturalistisch-sozialfftischen Dich- tung,«llerbings in etwas willkürlicher Auswahl. Doch die knapp« Zeit«ntschusingle dies» Beschränkung. Am Nachmittag st» 5Ä. Felix Meiidclssohn reichlich geschraubt«„Fiinkgrotetken". Der Abend bracht« Hermann Bahr,„Gelbe Rachtigall' als Sendefpie!. tot lustig«, nachdenklich«, wenn m,ch nicht sedr tief« Dmlogstück erlebt- unter Alkred Brau«» Regie et« gclltagiw. sehr unter» [ Zevtrakstskle. Genosse Wolfs, der«inen �streichen UtbetUid flbot die Ausführungsbestimmungen sämtlicher Lärcher gibt. Stichtrat T r e i t e l- Berlin schreibt über die Selbstkosten in den stä-drische« Kranken anstallen. über die Kur- und Verpflegungssätze. Weitere Artikel behandeln die Frag« der Arbeitslosenversicherung im Bev» hältnis zu den Gemeinden sowie die Berwaltungsreform der Stadt» werke. Für die Land- und Äleingemeinden fachet sich ein« Arbeit des Gemeindevorstehers Mädler, die aus der Praxis ich er die steuerlichen Auswirkungen des Gesetzes betr. Auflösung der Guts- bezirke berichtet. Der totchtuer ordnete Havert amp informiert über die Organisation und Arbeit der Fürsorgeciasschüsse. Rundschauen über allgemeine und ländliche Gemeindepolitit ergänzen das reichhallige Materiol. Besonders zu begrüßen ist die Rubrik „Wahlen", die lausend einen Ueberbiick gibt über die Erfolg« unserer Partei im Kampfe um Positionen in den Kommunen. S» ausgestattet ist die„Gemeinde" die führende Zeitschrift auf dem Gebiete der Koimmmalpvlink und wird immer unentbehrlich-» für alle in der Kommune arbeitenden Frauen und Männer In jede Derwallung und Bibliothek gehört die„Gemeinde". Sie ev- scheint vierzehnläzlich, kostet monatlich 99 Pf. und ist bei jeder Post- anstall und dem Verlag I. H. W. Dietz, Nchftg, Berlin SW. 68. Lindenstrahe 3, zu beziehen._ Aus dem Wege nach New$orf. Oie Reise der»Dremen'-Flieger. Jtem Zork. 26. April. Vi« aus Cafe St. Agnes gemeldet wird, ist das Ford-Flugzeug mit den vzeaufllegern au Bord gegen 22 Ahr mitteleuropäischer Zell dort gelandet. Rem Jork. 26. April. Wie aus Elarke City gemeldet wird, ist dort heute nachmittag um 19.19 Ahr(MEZ.) das Ford-Flugzeug auf dem Wege na 6) NewDorkgesichtet worden.— Hünefeld hat Fräulein Junkers gedrahtet, daß das Ford-Flugzeug ln den' Murray-Day zwischen. landen will. Die Landungsplötze von Murroy Bay und Lake St. Agnes sind durch Schneepflüg« heute in Ordnung gebracht worden. Das Flugzeug dürfte heute nacht auf seinem Zwischen- landungsplotz verbleiben, um erst morgen früh nach New Bork weiterzufliegen. Die Eisverhältniss« im amerikanischen Norden haben sich so verschlechtert, daß der Abslug de» Ford-Flugzeuges dringend notwendig war. Auch die„Bremen" soll auf schnellste Weise per Schiff von Greenly Island weggebracht werden. Es steht nimmehr fest, daß mit dem dreimotorigen Ford-Flugzeug neben den drei vzeanfliegern auch Cuisinier und der Zeitungskorrespon- dent Murphy mitfliegen. Es ist aber noch fraglich, ob die Ozean» fliege? mtt dem Ford-Flugzeug nach New Park kommen werden oder mit der ihnen entgegenfliegenden Iunkersmaschine des Piloten Melchior. Eurlihflev». 26. Aprll. Das Junkersflugzeug R 13, das. wie erinnerlich, Ersatzteile für die Bremen abgegeben hotte, wird jetzt schleunigst von den Mecha- nikern instand gesetzt, da es, wenn möglich, noch heut« nach Monfflhil starten soll. Es soll, soviel man hört, die Bremenflieger in Montreal an Bord nehmen und entweder Freitag oder Sonnabend mtt ihnen in New Park eintreffen. Dies« Anordnung soll darauf zurückzuführen sein, daß in den beteiligten Kressen die Empfindung herrscht«, die Bremenbesotzung werde es vielleicht vorziehen, nachdem sie ihr eigenes Flugzeug zurücklassen mußte, dos eigentliche Ziel des Tronsozeanfluges in einem Flugzeug zu er- reichen, das das Ebenbttd der Bremen ist.— Der Leiter des Ein- wanderungsamtes der Bereinigten Staaten in St. Albane(Vermont) ist angewiesen worden, sämMche für die Einreise nach den Ber--- einigt« Staaten strnsf 3 b( ech en Forma lkt-ä ten bei seit e. zu lassen und den Dremensslegnm In seder Weise behilflich zu sein, falls sie die Gtcnz« in seinem Amtsbezirk überschreiten wollen. Bremen, 26. Aprll. Nach einer beim Norddeuffchen Lloyd«ingegangenen Meldung beabsichtigen die Ozeanflieger, die. wie bereits gemeldet, heute früh von Greenly Island abgeflogen sind, an der Beisetzung des Fliegers Bennett teilzunehmen. , Oer Krakatau in TäKgkeii. Valavla. 26. Aprll.' Der Vulkan Srakatav ist in den leßken 24 Skunden wieder toi Tökigkeit getreten, von den 39 Ausbrüchen, die in diesem Zeit- räum beobachtet wurde», erreichte einer eine höhe von etwa 259 Metern. 9a* Jeff der goldcneo Hochzeit begebt am kommenden Sonn- tag. dem 29. April. Genosse Hermann, Schneider und seine Sbesran Hermin«, Charlottendarg, Krummefkr. 79, wobnhast. Der Jubilar, seil stühester Jugend Parteigenosse, ist seit über Z9 Jabren Abonnent deS„Vorwärts� und war onunlerbrochen bei der Firma Schleh u. Slelanv tätig. Sein Schwiegersohn ist der bekannie Vor» tragSküustler Josef Plauth. Typographische, Orchester. Leitimg Erich E u t z e i t. UebungSabenb jeden Freitag, abend» S1/.— 11 Uhr, in Neukölln, Hermamistr. ISg(Nähe 0 vteimnetzstraße). Gäste stet» willkommen. 5port. Revuen zu Gruaewaid am Donnerstag, dem 26. April. 1. Rennen. 1. Jrrländer(Narr), 2. Aeolu»(C. Schmidts, S. Guten. herg(Sajdick). Toto: 17:10. Platz: 13, 15: 19. Ferner liefen: Schnee- ball, La Margna, Pompefu». 2, Rennen. 1. Parfisal(Wolff), 2. Logaritbmu»(Dalier Heuer), 3. TaunuZ(BiSmarkZ. Toto: 53:19. Platz: 13, 33, 22:10. Ferner liefen: Jlf enstein, Jagannath, Kriegsgewinnler, Pistole, Mulatte, Slllaniic. 3. Rennen. 1. Certofina(HaYneS), 2. Beluga(Grabschs, 3. Der- wechflung(Zachmeier). Toto: 35: 19. Platz: 33, 33. 39: 19. Ferner liefen: Besatte. Prinzessin Karneval. Ormuzd, Ernani, Legende, Paradcnia, NemuS, SangeSluft, Lobelia, Ananas. 4. Rennen. 1. Ferro(Grabschs, 2. Mignon(O.Schmidt), 3. Alten» berg(Wermann). Toto: 14: 19. Platz: 14, 2l, 22: 19. Ferner liefen: Adiantum, Forno, Impressionist, Dachholder, Obenan I. 5. Rennen. 1. PiemoM iHayneS), 2. Majesta(O. Schmidt). 3. Prellstein(William»). Toto: 38: 19. Platz: 23, 14. 23: 19. Ferner licicn: Ota, Leichte Isabel, Preußenstolz, Tartar, Lilienjee, Anton. Ässuan, Roten« stein, Wien. 0. R e n n e n. t. Exusu(Häuser), 2. Werden(W. Schmidts. 3. Lotte (vismory. Toto: 43: 19. Platz: 14, 14. IS: 19. Ferner Uesen: Erlkönig II, Goldener Frieden, Isländer, Favorttin, Otsried. Einiracht 11. 7. Rennen. 1. Dalberg(Varga), 2. Bubi(O. Schmidt). 3. Hagen (HahneS). Toto: 72: 19. Platz: 24, 14. 29: 19. Ferner Uesen: Jllade, Burgfink, Ritornell, Maimorgen, Alexander der Große, Lichtenstein, Ping Pong, Mercuriu». Schneeberg, Nutvia, Mansbach. 8*e Sonmilii,»ach Sctber»dächte» die Dampfer der Reederei flitif ad cvnnSos, 20. April, von sharlottcnbura, Tegeler Weg, 011 Uhr vormittags. Di« Dampfer werde» nach»«darf in Dienst gestellt. Es stehe» offene und g«. schlössen« Dampler derert, t« nach der Witterung. Kvische mm .......&it 9*1*» *«* 1? bi« richtig,««heung ßüv veitt Schaff Ordnung am Salleschen Tor! Pläne zur Straßen- und Verkehrsumgestaltuug. Am hallesche« tot haben sich im tanfe der Zahre und Jahrzehnte so schlimme Verkchrsschwterigkellea herausgebildet, daß die Zrolwendigteil durch. greifender Abhilfe sich immer stärker aufdrängt. Zw Zusammenhang mit dem Plan, den hochbahnhos hallesches Tor durch einen Umbau dem gesteigerten verkehrsbedürfals oüznpafsk«. ist der Gedanke entstanden, die Delle-All iance. Drücke zu verbreitern und den gesamten hier zusammen- treffenden Straßenverkehr neu zu regeln. Das«Straften bau omt der zentralen Tiefbauverwaltung des Mo- giftrats hat für die Umgestaltung einen Entwurf ausgestellt, von dessen Ausführung es eine schnellere Abwicklung des Verkehrs er- wartet. Dasselbe erstrebt mit anderen Mitteln ein Entwurf, den das Bauarnt des Verwaltungsbezirks Kreuzbsrg angefertigt hat. Die Frage, welcher der beiden Entwürfe zur Ausfühung kommen soll, ist von großer Bedeutung für die weitere Verkehrsentwicklung des Stadtteils. Beide Entwürfe hatdasBezirksamt Kreuzberg in einer Denkschrift nebeneinandergestellt, die den Bezirks- verordneten zur Kenntnisnahm« vorgelegt worden ist. Der Entwurf der Zentrale hält daran fest, daß am halleschen Tor die Straßen und ihr Bertehr strahlenförmig zu- sammenlaufen. Hauptsächlich aus dieser Eigenart des Straßen- gefüges in der Nnrgebung des Halleschen Tores ergeben sich die Vcr- kehrsschwierig leiten, die jetzt Abhilfe heischen. Nach dem Entwurf der Zentrale will man nun die Belle- All iance-Brücke verbreitern. den Blücherplatz bedeutend erweitern, aus Drück« und Blücherplotz zusammen«ine groß« Platzfläche schaff«, und den gesamten Straßenverkehr im Kreise um sie herumführen. Dagegen erstrebt der Ent- wurf de» Bezirkes eine Entlastung dieses Verkehrsknoten- Punktes durch Schaffung von Umgehungsstraßen, auf denen mau aus der Lindenstraße und aus der Königgratzer Straße ohne Berührung des Blücherplatzes nach Tempelhof ge- langen kann. Das Bezirksamt hebt hervor, daß bei dem Entwurf der Zentral« die Gebäude des Halleschen Tores abgebrochen werden müssen und auf dem zu erweiternden Blücherplatz die Zurücklegung der Bau- fluchtlinien h o h e Grunderwerbskostsn erfordert. Von den an her Südseite des Platzes liegenden wertvollen Grundstücken müßte ein 45 Meter breiter Streifen zur Platzerweiterung. hergegeben werden. Auch das Warenhausgrundstück an der Eck« der. Belle- Allianee-Stroß« und des Ternpelhofer Ufers müßte beträchtlich an- geschnitten werden. Nicht nennenswert wären dagegen die Grund- «rwerbskosten bei Anlegung der Umgehungsstraßen, durch die der Entwurf de» Bezirkes die Berkehrsfchwierigkeiten des strahlen- förmigen Straßengcfüges mildem will. Ein« östlich« Um» gehungsstraße soll von der Ecke der Lindenstraße und der Holl- mannstraße mit einem schon vor dem Krieg« von der Stadt geplant«, kurzen Srraßendurchbruch zur Allen Jakobstraße geführt werden. von wo dann der Weg frei ist über Zossener Brücke» Zossener Straße, Friescnstraß« zur Paradestraße am Flugplatz imd eine Fortsetzung südwärts unter der Ringbahu hindurch nach T«np«lhof zu schaffen wäre. Die westliche Umgehungsstraße führt von der Königgrätzer Straße durch Großbeerenstraße. Vorkstraße, Katzbach- straße. Willelsbachkorso unter der dort bereits gebauten Ringbahn- brücke hindurch noch Tcmpelhof und hat ihre Fortsetzung in schon vorhandenen Straßen. An dem durch dies« Umgehungsstraßen ent- lasteten Halleschen Tor konnten die Tor g« bau de erhalten bleiben. Nur wäre nötig, die Bürgersteig« vor den beidcrjeüigeu Kolonnaden zum Fahrdamm hinzu zunehmen und dafür die Bürger- steige unter den Kolonnaden durch Hinzunahm« der angrenzenden Läden zu verbreitern. Für die Straßenbahn ist die Linienführung so gedacht, daß bei dem Entwurf des Bezirkes einige der Lim«, teils über die Zossener Brücke(wie schon jetzt), teils durch die Großbeerenstraße(nur Linie 23) umgeleitet werden. Dann bleiben in Richtung Königgrätzer Straße zur Gllschiner Straße 6 Linien und in Richtung Torgebäude zur Delle-Alliance-Brücke 9 Linien. Mit einer Ver- breiterung der Delle-Alliance-Brücke rechnet auch der Entwurf des Bezirkes. Es gibt dann hier nur zwei gerodlinige Rich- tungen, die einander kreuzen. Kurven und Weichen sind vermieden. Nach dem Entwurf der Zentrale müßt« die aus der Kanalüberbrückung und dem größeren Blücherplatz zusammengefaßt« Platzfläche von nicht weniger als 19 Straßenbahnlinien berührt und zum Teil umfahren werden.(Die Wagen der Linie Stadtring müßten von der Königgrätzer Straße über die Velle-Alliance- Brücke um den ganzen Blücherplatz hemm und wieder über die Belle-Allionce-Brück« zur Girfchiner Straße fahren.) Die Bezirksverfaminlung Kreuzberg hat noch Kenntnisnahme der Denkschrift f i ch einmütig dem Bezirks« amt angeschlossen und hiermit den Entwurf des Bezirkes grundsätzlich gebilligt. Die Entscheidung, die bei der Zentraloerwal- tung und danach bei der Stadtverordnetenoersammlung liegt, sollt« nicht noch lange verzögert werden. Denn die Verkehrs- zustände, am Halleschen Tor la.sse» sich so, wie sie geworden sind, nicht länger mehr ertragen.. Der Entwurf des Bezirk?. tönM« in nicht f«!n«r Zeit ausgefübrt werden, so daß bald Slbhilfe und Ordnung am Halleschen Tor ge- schaffen wäre. Dangen müßte bei dem Entwurf der Zentral« die Ausführung wahkschsinlich bis zur Beschaffung der erforderlichen vielen Millionen hinausgeschoben werden. Mängel im Krankenhauswesen. Geld für Gesvodheitckpflege ist produttw angelegt. DorschlSge zu Aenderungen der Organisation der Berliner Krankenhäuser machte in der Berliner Gesellschaft für öffentliche Gesundheitspflege der Stadtarzt Dr. K o r a ch. Nicht nur die Uesterfüllung der Kran- kenhäuser, die bei der Unmöglichkeit, in dichtbevölkerten Wohnungen Kranke zu pflegen, sehr zugenommen hat, wird als schwerer Mißstand empfunden. Auch innere Mängel, die in den Kranken- Häusern fest langem bestehen, rechtfertigen das Verlangen nach Whilfe. Dr. Korach stellte au die Spitze die Forderung, daß in den Krankenhäuser» besonder« Kinderabteilungen ein- gerichtet werden. In den ollgAneinen Krankenhäusern gibt es Kinderstationen, und manche sind sogar sehr beträchtlich. Aber sie sind nicht selbständige Abtellungen, sondern Bestandteile der Abtellungen für innere Krankheiten. Geleitet'werden sie nicht von Fachärzten der Kinderheilkunde, sondern von dem Chefarzt der Ab- teilung für inner« Krankheiten. Selbständige Abteilungen forderte Dr. Korach auch für einige andere Krankheitsgruppen, z. B. für Nervenkrankheiten, für Geschlechtskrankheiten. Uebrigens feien viele Krankenhausabteiwngcn so groß, daß ohnedies eine Teilung zu wünschen mär«. Dabei müßt« die Zahl der AMenten oermehrt werden. Dr. Korach erörterte dann die Frage der Mütter» und Säuglingsheime, an denen es noch sehr fehlt. Wenn man die nötigen Mittel hergäbe, könnten in BerlinjährlichnochI00l>bis1.?00Säuglingemchr sm Leben bleiben. Wünfchenswert ist auch, daß die Ent- bindungsan st alten erweitert und vermehrt werden, um dem Bedürfnis zu genügen. Dasselbe wird bald für die I r r e n- a n st a l t e n nötig sein, deren Inanspruchnahme in den Kriegsjahren zurückgegangen war. aber in neuerer Zeit wieder gestiegen ist. Mit dem Hinweis auf die Notwendigkeit, die in den Iahren der Not vernachlässigten Aufgaben der öffentlichen Gesundheitspflege jetzt zu lösen, schloß Stadtarzt Dr. Korach seinen Vortrag. Aus- Wendungen, die der Gesundheitspflege dienen, sind— sagte er_ Aufwendungen für produktive Zwecke. Die Frage, was produktiv ist, muß nicht vom warenökonomischen, sondern vom menschenökonomischen Standpunkt aus beantwortet werden. Von diesem Standpunkt aus rechtfertigt«s sich auch, bedeutende Mittel aus Anleihen für die öffentliche Gesund- heitspfleg« bereiizustellen._ 66000 Autos m Verlin. Die Zahl der Kraftfahrzeug« in Berlin ist gegenüber dem Bor- monöt um gestiegen! am 1. März I. helief sich d«r Bestand «m Kraftfahrzeugen auf 64 515> flni i. Aprfl auf 6g 857. Di« grtjft»« Steigerung(918) y»n 19681 aus 16499 lelaen Krafträder, DU Zahl der privaten Perfenenkrastroag«' hat um 600 zugenommen, ft« h«- lies stch am 1. April auf 29048. Lostkroftwagen standen Mit 12284 223 mehr im verkehr«U. einen Monat früher, die Anzahl der Kleinkrafträder Hai sich von 4536 auf 4641, die der Krastomni- busse von 624 auf 636 erhöht. Kraftdroschken waren am ,1. April 16 weniger im Betrieb als am 1. März(9124 gegen 9179). Bon 1028 neu zugelassenen Personenkraftwagen war fast die Hälfte (205) ausländischen Ursprungs. 256 slammtcn-aus Amerika, 26 aus Frankreich, 46 aus Italien, 40 ons Oesterreich. 6 aus Belgien und 1 aus England. Bon 368 Lastkraftwagen kamen 146 aus dem Ausland, und zwar hatten sämtliche Wagen, mit Ausnahme• von 4 aus Frankreich und je 1 aus Italien, aus Spanien Amerika als Ursprungsland. Die meisten ausländischen Krafträder— 138 von 225 überhaupt— waren englischen Ursprungs, von den übrigen 87 kamen 81 aus Belgien, 2 aus Frankreich und 1 aus Italien. Llmstelwng auf dem Aaumarki. Der erste Aericht der ReichsforfchungsgefeNschast. Die aus dem Reichstypenausschuß hervorgegangene Reich-»- forjchungsgesellschast für Wirtschaftlichkeit im Bau- und Wohnungswesen hiell am Dienstag im ehemaligen Herrenhaus ihre erste Mitgliederversammlung ob. Auf Grund des Gesetzes vom 2. Juni 1927 hat das Reich der Gesell- schast 10 Mllionen Mark zur Berfügung gestellt, um die.höchste Wirtschaftlichkeit im Bau- und Wohnungswesen zu ermitteln und zu verbreiten". Di« Gesellschaft beschränkt stch nicht auf die bloße Ausbildung und Entwicklung von wirtschaftlichen Methoden, sondern erprobt ste auch in Perfuchsbauten bzw. Versuchssiedlungen. So sind bis jetzt rund IL Millionen Mark für Versuche zur Erzielung größerer Wirtschaftlichkeit der angewandten Vauweisc. Baumaschinen und sonstiger Geräte aufgewandt worden. In Dessau werden beim Bau von 226 Wohnungen 3 Leichtkran«. 8 Steinstampsmaschinen mit Handbalken und je 3 Dandsörderanlagen, Schlackenbrecher, Putzspritzmaschinen und Erdbagger ausgeprobt. Gebaut wird natürlich in Serien. Bei den Versuchsbauten in Stuttgart(60 Wohnungen) wird eine große.Zahl von grundlegend verschiedenen L a u o« r- f ahren an einer Stelle angewandt, um auf dies« Weise wichttg« Vergleichsmöglichketten unter gleichen klimatischen Bedingungen zu schaffen. In München, wo 19 Häuser gebaut werden, will man feststellen, wie stch verschieden« Bauversahre» bei gleich- artigen Grundrissen auswirken, und in Frankfurt a. M- (900 Häuser) soll das Serienbauverfahren mit Bimsbeton- platten erprobt werden. Besonder« Beachtung haben die T, plfier««g und die Mechanisierung durch die Reichssorschungsgesellschafi gefun- den. Prof. W«lsf-Breslau kommt zu dem Schluß,-daß bei van» ten mit straffer Typisterung und Gerlenherstellung ein« P r»i s- lpann« von etwa 1? Proz. der gesamte» Baukosten b»- stehen kann gegenüber Bauten ahn« Typsskrung unb ohne Serien» Herstellung", i» kdmmt nach Welff darauf an, Vicht nur konven» rtonest« Wdhnfermep zahlemuätztg zu verbilligen, souderu auch auf wohiNptrtscho ftlichem Sehiet, du« bestmögliche, dag Optimum, zu finde». La» allgemeiner Bedautting«ich»«ch sulggui« Lorschlag WolfsS fein: Wenn die Rsithsforfchungsgefellschast für Wohnungstypen von 42, 27 und 70 Quadratmeter Wohnfläch« in ab- sehbarer Zeil eine Reihe optimaler Grundrißformen gefunden hat, so sollte mit öffentlichen Geldern kein« Wohnung mehr gefördert werden, die hinter dem so ermit» teilen Optimum zurückbleibt. Prof. Garbotz-Berliu warnte davor, die Mechanisierung etwa für das wichtigst« Mittel der Rationalisierung im Hochbau ansehen zu wollen. Die Maschin« um ihrer selbst willen im Hochbau einzusetzen, müsse zu wirtschaftlichen Fehlschlägen führen. Allerdings ist auch Gacbotz der Auffassung, daß die Mechani- fierung im deutschen Hochbau geradezu im klablichsten Anfangsstadinm steht. Er führt das auf die mangeliÄs u ich eins oit ige Ausbildung des Bauingeniours und des Architekten nach der betriebswirtschaftlichen Seite und aus die wirtschaftlich« Struktur des Baugewerbes zurück. Nach Garbotz stich Grvftunternchmungen am Hochbau nur. bis zu 2 Proz. tättg. Die ganze unhaltbare und bedenkliche Ze r- splitterung des Baugewerbes geht auch am besten aus den Ergebnissen der Betriebszählung von 1922 hervor. Bon den 226 946 festgestellten Betrieben entfallen nicht weniger als 79L Proz. auf den Kleinbetrieb(mit bis 5 Personen). 18,4 Proz. auf. den Mittelbetrieb(6 bis 20 Personen) und nur 2,1 Prbz. auf den eigentlichen Großbetrieb. Der Meinbetrieb hat nicht die Mittel, um gründlich zu rationalisieren, wie der klewe Bauuitternehmer an und für sich tonssrvatio ist und sich, begünstigt durch eine.falsche Mittelstaichspolitik, gegen Neuerungen wehrt. Gar- botz bezeichnet die Industrialisierung des Baugewerbes mit vollem Recht als Voraussetzung für di« Anwen- düng, der Maschine im Hochbau; die Idee der Typisie- rung und der Serienherstellung, die Notweichigkeit, den übersetzten Bauindex zu drücken, zwingt zum Zusammenschluß, der sich sehr wahrscheinlich in ersiew Linie in der Form von Genossen- schast«n vollziehen dürfte. Die Giedlungstätigkeit in den Landkreisen.. Die Notwendigkeit, Landarbeiter, Kleinbauern und Kleinhand- merker in den östlichen. Bezirken des Reiches anzusiedeln, Hot die Landtresse veranlaßt, ihre reg« Mitwirkmig in der Siedlungsiätig- keit anzubieten. Die Organe der Landkreise sind durch ibre verschiedenartige Tätigkeit onf ollen Gebieten der Verwaltung in der Lage, für die Durchführung der Ansikdlung sehr wesentliche M't- arbeit zu feisten. Die Landkreise«ollen nicht in die Zustand! gleit derjenigen Stellen eingreifen, die bereits mit der Siedlimgsarhe.it betraitt sind, d. h. der provinziellen Siedlungspesellschaften und d-r staatlichen Kulturbe.hörden.. Sie gehen vielmehr davon an?, daß sich bei der Durchführung de? Siedlungswerkes unschwer, eine Allst gabenverteilung, in,.der.Waise herbeiführen läßt, daß detz provin- ziellen. SiedlungSgesellschasten die Besiedlung des größeren zur Aul» teilung gelangenden Grundbesitzes vorbehalten bleibt, während die Kreise in Zusammenarbeit mit den Kulturämtekn die Besiedlung abgeteilter oder zur Austeilung gelangender kleineren Flachen, etwa bis zur Größe von 400 Morgen bewirken wollen. Unter dieser Voraussetzung hat der Laiidkreistag den zustän- digen Instanzen vorgeschlagen, die Landkreis« gleichberechtigt in die Siedlungstätigkeit einzuschalten und sie insbesondere zu Trägern des SiÄistmgsverfahrens für die Anlicdlung von Landarbeitern. Kleinbauern und Kleinhandwe.rkern zu bestellen. In erster Linie wird diese Siedlungsarbeit durch die vorhandenen Organ« der Land- kreis« ausqesührt werden können. Im Falle einer weiteren Ausdehnung der S�dlstngstätigkeit in einzelnen Kreisen wird die Er- richtung einer Kreissiedlungsgelellschast in Frage kommen, die nach Anweisung de» Kreisaueschusses zu arbeiten hätte. Erfreulicher- weise hat sich der Siedliingsausschuft des Reichstages diesem Go- Hankengang bereits angeschlossen; er Ijal- in einer Entschließung die Einschaltung der Landkreis« für die Landarbeitersiedlung gewünscht und zum. Ausdruck gebracht, daß den Kreisen zu diesem Zweck die gleichen Kredite. Ankauf?-, Nachwessung»- and Einrichtungskredite. gewährt werden sollen wie den sonstigen mit der Sisdlung betrauten Stellen. Auch das preußische Landmirtschostsministerium steht dieser Fortentwicklung der Siedlungstättgkeit durch die Landkreis« freund- sich gegenüber und wird dabei zu einem wesentlichen Teil vom Preußischen Landtag unterstützt. Wenn die schwebenden VerHand- lungen zum Ziel« führen, wird das Siedlungswsrk«ins bemerkevs- werte Förderung erhalten.______ Setterberich« der iffer.lllchea SeNerdienstltell« Lerlla»ad Umgegend (JtaAbr. ettb.) Volkig b'S beiler, trock'it. Temveratttre»>oemg verändert. bei östlichen Winden.— Zür veulschlaadi Nirgend» weienilich: Aendernng de» bestehenden WitterungScharaklcrS. B Bei öithl, Jidii«, Nerven«. Kcpfsdirnerr, Rheuma, örippe ErkäifurigsKrankhciten Haben sich Togal•Tabletten hervorragend bewährt [in Versuch überzeugt! Der Achistundeuiag im Baugewerbe. La Preußen bleibt es dabei. Der Kampf der baugewerdlichen Unternehmer gegen den Achtstundentag hat in P r e u ß en. wie wir erfahren, nicht zu einem Erfolg geführt. Die Unternehmer hatten den An. trag gestellt, die Arbeitszeit tm Baugewerbe während der Som» mersaison auf über 8 Stunden täglich zu verlängern. Es war für den preußischen chandelsminister schlechterdings unmöglich. den Willen der Bauuunternehmer zu erfüllen: denn Arbeits- lnfigteit und Lerlängeri�ng der Arbeitszeit paffen nicht gut zusammen. Die Loge auf dem Bauinarkt ist in diesem Jahre wesentlich schlechter als im Borfohre. Der Wohnungsbau stockt und wird in diesem Jahr« nicht entfernt an den Umfang des vorjährigen Wohnungsbous herankommen. Die Landwirtschaft kommt in diesem Jahre infolg« ihrer prekären Lage nur in be- deutend geringerem Atoh« als Auftraggeber auf dem Bauinarkt in Frage. Das gleiche gilt, wenn auch natürlich nicht so stark, für die Industrie. Die Arbeitslosigkeit im Baugewerbe wird in den Groß- stadten zurzeit nur durch eine Reihe von Umbauten CLäden. stäusersronten) und Reparationen gemildert. Die Arbeit»- losenftatistiker rechnen bereits damit, daß in diesem Jahre vielleicht über 100 000 Bauarbeiter weniger beschäftigt sein werden als im Vorfahre. Unter diesen Umständen in der jetzt anhebenden Sommersaison die Arbeitszeit verlängern zu wollen, wäre ein Verbrechen. Un. willkürlich muß man sich fragen, warum denn die Bauunterneh- mer, obwohl doch auch ihnen die Entwt �lung auf dem Baumarkt nicht verborgen geblieben ist, so sehr auf Berlängerunz der Arbeitszeit im Baugewerbe drängen. Die Erklärung lautet: die Bau- rmteyiehmer möchten noch vor dem Erlaß des Arbeits- schutzgesetzes möglichst fertige Tatsachen schaffen. Den Regierungen und der Oeffentlichkeit versucht man immer wieder einzureden, daß eigentlich heute bereits in weiten Gekneten de? Reichs im Baugewerbe mehr als 8 Stunden pro Tag gearbeitet wird. Auf diese Behauptung, die schon seit Jahr und Tag kol- portiert wird, geben die beiden vom ADGB. im Vorjahr vorgs- nommenen Erhebungen über die wirtliche Länge der Arbeits- zeit die beste Antwort. Von der Aprilerhebung wurden 300887 im Baugewerbe beschäftigte Personen erfaßt: davon hatten 87,2 Proz. eine Arbeitszeit bis zu<8 Stunden. nur 12,6 Proz. arbeiteten über 48 Stunden und 0,02 Proz. waren Kurzarbeiter. Von den Oktobererhebungen wurden 376 302 im Baugewerbe beschäftigt« Personen erfaßt. 90,4 Proz. davon hatten ein« wöchentliche Arbeitszeit bis zu 48 Stunden und 9,6 Proz. arbeiteten über 48 Stunden wöchentlich. Die besonderen Erhebungen des Zentralverbandes der Zimmerer vom Oktober vorigen Jahres, die insgesamt 101 208 Zimmerer erfaßten, brachten folgende Feststellungen: 23 428 oder 13,13 Proz. hatten eine wöchentliche Arbeitszeit von 44'A— 47� Stunden, 72 252 oder 71.34 Proz. hatten eine wöchentliche Arbeitszeit von 48 Stunden und nur 5 600 oder 5,55 proz. arbeiteten länger als 48 Stunden in der Woche. So stand es bisher um den Achtstundentag im Baugewerbe. Die Bauarbeiter lassen den Achtstundentag nicht antasten. cheute, wo der international« Achtstundentag durch Anschläge reaktio. närer Regierungen gegen das Washingtoner Abkommen ganz be< sonders bedroht ist, weniger denn je. Vo steckt die Llnreutabttltat? Ein Betrieb soll stillgelegt werden,«in« Konfitüren- und Keks- fabrit, die der Firma A. Wertheim gehört. Die aus 107 Ar- beitern und Arbeiterinnen bestehende Belegschaft soll in zwei Etop» pen abgebaut werden. In den Stillegungsverhandlungen vor dem Gswerbeaufsichrsomt begründete die Betriebsleitung die Notwendig» keu dieser Maßnahme damit, daß der Betrieb technisch vir» a l t e t sei und im legten Geschäftsjahr eine Unterbilanz von 100000 M. verbucht werden mußte. Die Organisationsvertreter bemühen sich, den Gegenbeweis zu führen, aber es gelingt ihnen nicht, die Stillegung zu verhindern. Mll den Maßnahmen der Firma beschäftigte sich am Mittwoch im..Dresdener Garten'«ine Betriebsversammlung, in der Genosie T h i e m e vom Verband der Nahnxngs- und Geträntearbeiter den Bericht von dem unerfreulichen Ausgang der Stillegungsverhand- lungen gab. Die Versammelten brachten zum Ausdruck, daß nach ihrer Auffassung nicht die Betriebseinrichtungen den Anlaß zur Betriebsstillegung bildeten, sondern die im Herbst vorigen Jahres van der Belegschaft zurückgewiesen« Forderung der Firma auf Abbau der Löhne. Don vielen der Versammelten, die auch die technischen Einrichtungen anderer Betriebe kennen, wurde be- tont, daß die technischen Anlagen der Berliner Äonfitüren- und Keksfabrik einem Vergleich mit denen anderer Betriebe durchaus standhalten. Die Belegschaft vermutet, daß mll Hilfe der Stillegung der Lohnabbau durchgesetzt werden soll. In einer einstimmig angenommenen Entschließung erklärten die Versammelten deshalb, jeden Lohnabbau genau so geschlossen wie bisher entgegentreten zu wollen und die Organisation mll der Aertretung ihrer Interessen zu betrauen. Die Arbeiterschaft des Sunslfleinbetriebes Max villmauo, Berlin-Hohenschönhausen, Freienwolder Straße 27, ist wegen Nichtanerkennung bzw. iv«g«n Nichtzahlung den tarifmäßigen Löhne am 25. Aprll in den Streik getreten. Zuzug ist fernzuhalten. Arbeiter- freundliche Blätter werden um Abdruck gebeten. Die Sparkasse der Bank der Arbeiter. Angestellten»ad Beamten A..G> Berlin, wollstr. 65. ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend von V— Z Uhr und 4— 6 Uhr. Sonnabend» von 9— 1 Uhr geöffnet. »Freie Gewerkschasts-Luqenö Groß-Nerlln | ätutf, grcitoß. Wi Übt, tagen die Dtuppcn: Rardting: Gtuwenbewi Jupenöbeirn vantianptaße. Sportplatz, an der Schönbauser Allee. Hettercr Abend.— Permaanplatz: Stuppcnbewi Jugendheim Sander. siratze II, Sde Hodrechtslraßc. Borlrog:„Der l. Mai und seine Bedeutung iitr das Proletariat."— W.ddiag: Sruppenheim Stadtbad Wedding, Gericht» stratze Sö�gg. Vortrag:„Die proletarische Jugend in Stadt und Land."— geppelinplatz: Gruppenbeim Iugendbeim de« Bezirkeamt» Wedding. Turiner, Ecke Seestraße. Lichtbildervortrag:„Weddinger Heimatabend." Iuge»bgr»pp« de» SMI. Heute, greitag, ISVZ Übt, finden folgend« Veranstaltungen statt: Lichtenberg l: Gesangsraum de» Realgymnasiums Park. aue 12.«Unser Berus— Freuden und Leiden"(Eug. Ernst).— Südwest: Jugendheim Bellc.Alliance.Str. 7—10.„Wege und Ziel« de» 8dA."— Röpenick: Zimmet I de» Jugendheim» Grünauer Str. S.„Wirken und Ziel« de» ZdA." iBul�el). Ginfendvagea für dies« Rubrik sind verlt» 99«, Li-deustraß« t, parieinachnchten�M�sürGroß-Bertin stet« ob da» P-zirk»setretari-t i. Hof, 2 Irep. recht», t» richte». t. fttei« Prenzlauer Berg. Die Äbteilungsleiiungen kdnnen die Einladung»- zettel am Sonnabend. 2S. April, mittags, von«lug, Danziger Str. 71, abhole». lt.«rel» SchSueberg. Zreitag, 11. April. 20 Uhr, bei will,»artin-Luther- ""---- n---- Erscheinen aller Zunbionoie und ,«inderfreuude ulw. b ringend er lchtunal Um lö Uhr im gleichen Lokal Sitzung de» engere» «rcienorstande».— Sonnabend. 20. April, 20 Uhr, senden die Abteilungen je drei Genoffen zur Instandsetzung der drei Transparente zu Ziofeuthal, Ebersstr.«ig. 13.«rel» Treplorn. Die Abteilunasleiter werden gebeten, die Stocklaternen beim Genosse» Sasowsky, Riederschiineweid«, Grünauer Str. 8, am Sonn- abend in Empfang zu nehmen. heute. Zreitag. 27. April: 1. Abt. ISi» Übt Sitzung aller Funktionäre bei Spiegel, Ackcrstr. 1. Die Sauslisten find mitzubringen. Ztz. Abt. Eharlottenbnrg. Die für heute angesetzte Funki:«närsitzung findet umständehalber"Zi i ch t heute, sondern am Ä:ttwoch. 2. Mai, statt. »Z. Ab«. Neukölln. Die Formulare zum Abschreiben der Wählerlisten find heut« vom Abteilungsieiter adzubolen. Sonnabend, 2?. April, 10 Uhr, in der Siedlung Bärwinkel Demonstratio» de» Reichsbanner«. Di« Ge- Nossen der anderen Bezirke werden um regst« Beteiltguvg gebeten. Morgen. Sonnabend. 28. April: 7. Abt. 19V. Uhr bei Bärwalde. Schl-gelstr. 8, Funktionärsttzung. Zt. Abt. A Uhr bei Goldschmidt, Stolpisch« Str. Ztz, ffunUibnäifitzung. 41. Abt. 10 Uhr bei Keller. Fürsten sie. 1, Abrechnung der Bezirk«sührer. Olli« müssen erscheinen. «harlottenburg. öl. Abt. 10 Uhr Tresspunkt aller iSenossinnMt und Genossen En Sraziergang im Lokal Schellvach, Königin-Llisabr�b-Ltr. 6. Die gendlichen sind besonder» eingeladen.— ZZ. Abt. 20 Ubr bei Bad«, lserin-Augusia-Allee tzZ, Funktionärsitzung. Sonntag, 20. April, ab 0 Übe im gleichen Lokal Flu�Iaitnerbreituna.— öl. Abt. Di« Bezirk» und Sruppevkassierer werdeu ersucht, WA Übt bei Werner, Stuttgart« Platz 14. bestimmt mit ihren Bezirksbilchern zweck» Abschreiben von Adressen zu erscheine». 84. Abt. Lankwitz. U> Ubr pünktlich bei Lohmann, Kaiser. ZZUHelm�Ztr. Z»-S, 88. Beamten Snalisch, Berliner Str. IS. Referenr-gKar Westphal. Bor. trag:..Wahlen, Beamte. Partei.".. 101. Abt. Treptow. Die Bezirkssllhrer lännen nachmittag» wocher«, Matemal von der Spedition Eraetistr. oO abholen._,.... 128.120. Abt. Pankow. 1« Ilhr treffen sich cns b-m»ailtplatz»i« rabs-bven- den Genossen, der Arbriterjngenb und de» Reichsbanner» zur Propaganda- �anlom. 1,1. Abt. Riedorfchiinhaulon. 20 Uhr bei Klindt, Am Frietensplatz, Funk. tionssitzung. Ausgab« der Funktionärkarten. Zrauenveransialtungen: 87. Abt. Sonnabend, Ä. April, 1» Ubr, für die Bezirke 1, L unb 8 Bor» teiluna ber..Wäblertn" bei Pseiser. Hau�burgsir. 4: kür die Bezirk« 4, 5, 8 bei Roschi«. Riatternstr. 14. All- Senpssinne» und Genoffeu müssen erscheinen. Zungsozialisten. heute. Freitag. 27. April: Grnpp« SSdon: Der Gruppenabend fällt heut« au». Wir beteiligen UN» an der Feier der SA?, in der Schul« Tempolhoser User 20. Freitag. 4. Rai. 20 Uhr, tm Jugendheim Yorckstr.>1. Bericht von der Reichskonferenz der SAZ. Referent Genosse Dünner. SAI.. Genossen sind-ingelod-n.— Gruppe Seddtng. Gesundbrunnen: 20 Uhr pünktl:» im Iugendbeim Orthsir. 10, Laden, Arbeit». .....--.■--— Lei"—"*— A"*-"—— Harto� uz« ch. Te mvelho l: So See. Treffpunkt Ktz mitbringen. Arbeitsgemeinschaft der klnderfrennde: 20. April, Fahrt der Roten Attila platz. Sie, Uhr Bahn alken znm Rangedorstm ' Martendorf. 00 Pi. Sterbetafel der Groß« Berliner Partei» Organisatlpn st. Atzt. Dio Ueberführung bor Asch« unsere, verstorben«» Genossen D l r t n S nach dem Frtedhof Ltabn-dorf«rfolat am Sonnabond, 28. April. IZjtz Uhr,»om Bahnhof Großgörichenstraße. Ankunft in StahMdors etwa ein« Stunde später. Wir bitton di« Mitglieder um reg« Beteiligung. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Serlm M> Sofia MIk/H OnfoiOni Saline: <«n «in«. Lichtonbeeg. Kameradschaft Biesdorf: 20 Uhr Versammlung b«i Porath. -----— �---------- So.nt� t«.'%�L>at«=«üo- __ I____■....... bahnhof. PfNchw«r-nftaItun« fßa Rachrichtonzug Antreten 7ZH Uhr Stettiner Lorort- Achtung! Di« K-m-eaden treten� geschlossen nu Werboumzug mit Zllusik und Marzahner Str. iL Dollzählige, Erscheinen Ptlrä selb«: Ab 18 Uhr allgemeine Ueoungen.— Sonntag marsch. Aatretsn 8 Ilhr Stetttner Bnrartbahnbof. all« aktiven Kameraden. Rachrichtenzug Antreten' bahnhos. Schönaberg-ffriebenap: Ach 14 Uhr auf dem Bartmirgvlatz zum torp, an. Renkölln-Britz: Triften 1.------ K rieb rich, seid-: Ab 0 Uhr üben all« beteiligten Ortsvererne bl, zur heit. � zteinickendorf(Orisneretn)? 10 Uhr Antreten auf den Sammelplätze« der Kameradschafteu zur Fahrt nach Wensumndorf, iMlsdarf. Stolzenhagen ulw. Krei» 8(Bernan): 10 Uhr wichtig« Sitzung bei Müller, Berltn, Userstr. 12. «s-der Derein entsendet den Porsitzenden,»owarnea: Radfabreraussabrt«°n ügblattverbreitung auf dem Lande um 8 Uhr Friedr:ch-Ebert-Platz. Wasser- »rt.«bt., Zug Faltboot- Fahrt Fürst: nwalbe. Abfahrt S'Z Uhr Strala:». tmmelsburg.— Kötzenick: Freitag. S7.«priL�Psit�onzert�voa 10 bi» 20 Uhr korp, an. Reukölln-Britz:' Treften 10 Uhr Schützeudau» zieukölln. SportpkaH .------ b,;££ g ühr üben olle beteiligten Ortsvererne bl, zur Duni-.l» inUkendorf sOrisverein): 10 Rummelsburg. mit Musskverein Echo" und Tamdourkorps. Antteteu im Kleinen Saal im Stadtth'caler»um Saalschutz der SPD.'.Bersammluua.— Rackälln. »ritz, Iungbanner: Sonnabend, 28. April, 2014 Uhr. Antreten Rruterplotz zur Fahrt. Kenntnis, Gewerk'chastshaus. Saal 2, stattfindet. Tagesordnung: L bandstaze. 2. Wahl de, Borstande«, z. Verschiedene». Bericht' Bereinigung der Freunde von R-Iig.. � 30 April, 18H Ubr, Maifeier in der Fürstiu-Bismarck-Echul«. Eharlotten- dura, Svbelstt. 2. Eck« Leibnizstroße. Mitwirkend«: Genosse Pfarrer Bl-ier, Frau Iohner-Rößler, Eprcchchor. Programm« 80 Pf. ReligiSse Feierstunde in der Trinttatiskirche: Sonntag, 8. Mai. 18 Uhr.__ Der Znnge thor. Freitag, 2ss. April. 20 Uhr.»rtgNedemmrsammlung. Aula Weinmeistersttoß«. t nnd Volle«trieben. Montag, stin-Pismarck-Schul«, Eharlo Allgemeine Ortskrankcnkasse Berlin-Wilmersdorf. Di» Vertreter der Arbeitgeber und Ber- sicherten im Ausschuß werde» hiermit ge- mäß tz 08, Absaß 1 der Satzung zu einet ordentlichen Zlusschuhsitzung am Mittwoch, dem 0. Mai 10Ä, abend» 8 Uhr, im Restaurant„Tübinger Hof--, Brrlin-SUmarsdorf, Kaiserplatz 10, Nüt der Bitte, pünktlich zu erscheinen, eigedeuft eingeladen. Tagesordn ung: l. Die modern« gabnheiiiunde mit Bezug auf die Grenzgebiete der Medizin. Bor- ttag des leitenden Zahnärzte» unserer Zahntlinik. Herrn Dr Sänger. Vorlegung unb Besprechung ber Rech. nunasadschlllss» und de« Geschäst». berichte» sur da« Zahl 1027 Z. Bericht der Rechnung»- Prüfung»kom- misst.ne«. 4. Abnebme der Iahre-rechnüng. 5. Berich: über tue Nene Grnppenbezeich- nung z 2 des 8. Nachtrages zur Drevst- ordnung. 8. D-rschiedene«. Berlin-Wtlmeroborf, den 28. April 1SW R. En. Boi F.««i Echristi tiSbtet w t r k» a m»Infi ll>« KLEINEN ANZEIGEN InfiorGesanttauflage in M Wenn Sie jemand frogl, woher Sie die gute Zigarre haben%*o nagen Sie schmunzelnd-. Es ist die � Bertwina die köstliche UHL ZIGARRE Unser sensationeller Sieg In„Rnnil um Küln' Waltmaletor 1.8 IN OB 2»?ismontssi 3* Delbecque �•Mortelnnans mit Polack-Bareifung In dem ersten internationalen Strassenrennen dieses Jahres hat die Mifa am 22 April aaf der 250 km langen Strecke einen ganz einzigartigen Erfolg davongetragen. Der Sieg and die drei folgenden Plätze worden von Fahrern, die ram ersten Male axtf Mifa- Rad starteten, spielend errungen— ein Beweis der aasserordent- lichen Uislangsfähigkeii dieses deutschen Erzeugnisses. Mifa-Räder für Wochenraten von 2,50 RM an Mlfa-Fabrik-Vertanfstellen: N. Cbausseestr. 37; N 54, Schönhauser All«« 177; O 34, Petersburger SU atze H, SW 81. B«ll«-AUianct-SU. 6; SW 6', Alexandfinenstr. 18; Charlottenhnrg, Tauroggener Str. 12; Kaisenn-Augusta-Allee 44; Friedenau, Cranachsu. 57. direkt am Wannseebahnhof; Blrh-LankwUr, Ka!«er-Wilh«lm-Su. 0; Neukölln. Friede|str.27; Pankow. Schlotzstr. 18; Potsdam, Berliner Str. 1; Schönebarg, Barbarossastr. 42; Spandau. Potsdamer Str. la, ---------------—----- he-!-"- KATALOQ GRATIS Tegel, Berliner Str. IS; Tempelhof. Freiiag 22. April 1925 Unterhaltung unö ÄNtssen Beilage des Vorwärts posers Irrtum. Do« Werner dichter. (Schluß.) Früh schan am Montag bestellt« er den Personalchef, der aller- dings oerlogen bedauert«, nichts Neues über Fräulein Trautwein berichten zu können, außer etwa, daß di« Uninteresftertheit, mit der sie ihr« Arbeit tat, sich verstärkt habe. So blieb nichts übrig, als Herrn Timm selbst zu hören. Ein zweiter Eilbrief ging an ihn ab, und wieder erschien in der Abenddämmerung Timms hager« Ge- stolt vor der Polstertür. Aber wie hatte er sich in den wenigen Wochen verändert! In einer vor Neuheit knatternden Lederjoppe wartete er kaum ab, zum Sitzen aufgefordert zu werden, schlug viel- mehr sofort ein Bein über das andere und lieh einen eleganten Lackhalbschuh aus modischstem Beinkleid herausschnellen. Poser mußte. sich verblüfft erst weitläufig räuspern, eh« es ihm gelang, festzustellen, daß er also sein Angebot von neulich wiederhol« und sich freuen würde, wenn Timm sich nunmehr entschieden hätte. „Dies ist alles leider nicht mehr aktuell," sagt« hieraus schmet- ternd«ingelernt Herr Timm.„Denn ich muß Ihnen mitteilen, daß ich mich inzwischen mit Fräulein Alba Kubsch, der Stieftochter des stillen Teilhabers unserer Firma, verlobt habe,— weshalb Ihr wertes Angebot nicht mehr für mich in Frage kcmmt." Einen Augenblick lang zerblies Poser jähe Wut alle seine Ma- nieren.„Das wäre stark!" schrie er. die' Faust auf die Tischplatt« schmetternd. Dieser junge Mensch, dieser rein« Garnichts wollte wagen, ein Geschäft mit ihm, Pos er, abzulehnen, ihm die Erieichte- rung seines Gewissens, für die er fürstlich bezahlen wollte, zynisch zu oerweigern!„Ich bin übrigens," sulp: Timm aber inzwischen unbeirrt fort,„keineswegs, wie Sie zu denken scheinen, aus minder- wertiger Familie; mein Bater ist Kunstmaler, Professor, seit dem Kriege allerdings verarmt: trotzdem erleichtert mir das einiges." Poser stieß durch die Nase ein paar schnarrende Erreg ungstön«, die«inst bei seinen Gegnern im Ringkampf ebenso gefürchtet waren wie jetzt noch bei Aussichtsratssitzunyen, und war wieder gefaßt; an- gxiffslustig hob. sich sein viereckiger Doggenkopf aus breit wattierten Schultern.„Also bitte, was soll dos heißen?" fragte er.„Fräulein Trautwein rechnet, wie Sie wissen, fest auf Sie." Und indem er alles Gewicht feiner vielfachen Würden in seine Stimm« legt«: „Solche Verpflichtungen lasten sich nicht einfach abstreifen.— zumal ich ja entschlossen bin, Ihnen die Wege möglichst zu ebnen." „Verzeihen Sie di« Frage," sagte hierauf Timm und leckte di« Lippen in unverschämter Höflichkeit,„was soll ich darunter ver- stehen? Werden Sie mir, wenn es hoch kommt, mehr beretten als ein Glück für«inen besseren bilanzsicheren Buchholter? Abgesehen davon, daß dies ein Akt der Wohltätigkett wäre, desten Motive ganz dunkel sind, also einen Kaufmann zu doppelter Borsicht mahnen—" Und obschon Poser hier empört ausfahren wollte, beendete Timm seinen Satz:„Kurz und gut, ich will höher hinauf, dorthin, wo di« wirklichen Geschäfte gemacht werden, dorthin. Sie werden es mir nicht perdenken, wo Sie selbst sind, Herr Generaldirektor. Darum heirate ich Fräulein Kubsch."..-- „Und Fräulein Tralltwein?" erwidert« Poser,„was wird aus ihr, di« doch bestimmt damit rechnet, von Ihnen geheiratet zu werden?" Cr spürte plötzlich, wie die tagsüber verbraucht« Lust de» Bureauhauses da» Sprechen schwer macht«. Timm lächelt« Aug.„Rechnet sie wirtlich damit? Haben Sie fie danach gefragt?" Und da Poser mit einer stummen Bewegung verneinen mußte, folgerte er:„Nun alsol Was erwarten denn auch heutzutage solch« Mädchen? Ein bißchen Spaß,«in bißchen Tanzen, hie und da«inen Ausslug oder ein billiges Sommerkleid. Daß sie von strebsamen Leuten nicht geheiratet werden, wissen sie längst." „Da« also." schnaubt« Poser nun ehrlich entrüstet,„nennen Sie strebsam? In meiner Jugend, kann ich Ihnen sogen, verstand man etwa» anderes darunter. Ich dank«. Eine feine Moral ist da». Wohl die berühmte Moral der jungen Generation?" Timm ließ sich nicht beirren:.Machen wir uns doch nichts vor." sagte er,„seien wir einmal ganz nüchtern, Mann zu Mann. Was ist denn los? Nichts weiter, als daß wir junge Generation uns auf Komma nix» der asten vier Jahre lang im tiefsten Dreck umherschlagen mußt«.-— ich bin Frontkrieger, Herr General- direkt«:— und daß inzwischen einig« reklamierte Leute unsere Karrieren gemacht haben. Dies« Leute gist es nun einzuholen. Das ist da» ganze Geheimnis: kein« Zeit haben wir, besonders nicht für Sentimentalitäten." Poser fühlte sich versagen. Gegenüber dieser raschen Zunge und diesen kästen, gelben Augen schien ihm sein Gehirn plätzlich obge- nutzt und eigentlich nur noch mtt Moder gefüllt. Er schüttelte den Kopf: ,Lch werde diese Zeit nicht mehr oerstehen." Timm oerbeugte sich höflich in seinem Sestel:„Umgekehrt! Dies« Zett hat erst allmählich gelernt. Sie zu verstehen. Ihre staunenswerten geschäftlichen Erfolge verdanken Sie ja nur der Tat- fache, daß Sie Ihrer Zeit voran waren, gestern und vorgestern bereits mit Methoden arbeiteten, die heute allgemein sind; unter peinlicher Ausschaltung jeden Ballastes von Gutmütigkeit und anderer Senttmentalttäten. Darum bin ich überzeugt, in meiner Sttuation würden Sie, genau wie ich, Fräulein Kubsch heiraten. Oder können Sie da» leugnen?" Wo» war das? Wollt« ihn dieser Fant etwa gar noch zur Red« stellen? Ihn der gleichen löcherigen Moral beschuldigen, wie sie jetzt, in diesen verlotterten Zeiten, leider im Schwung« war? Ihn, der es wahrhaftig nicht leicht gehobt hatte, sich durchzukämpfen? Welch« Schmerzen allein hatte er. die Zähne zusammengebissen, er- tragen müsten, als es galt, sich die alten Tätowierungen von Arm und Brust beseitigen zu lassen! Od« wie schw« war es nur gewesen, sich makellose Taselsitten anzueignen und etwa, nachdem er zum Entzücken der Kellner mehrmals Grünzeug verschlungen hatte, zu lernen, wo auf den sermerten Platten das Eßbare aufhört« und di« Garnierung begann. Was ahnte dies verhätschelte Kunstmal»- söhnchen von solchen tausendfachen und grenzenlosen Mühen! So würgt« Poser an einer groben Antwort und bracht« sie doch nicht hervor. Er bekritzelte nur wild das Löschblatt seiner Schreibunterlag«: Henriettes Bild nämlich war plötzlich vor ihm aufgetaucht; übermächtig mtt geweiteten Pupillen kam«s wie auf einer FUmleinwand auf ihn zu. Wie bedrängte sie ihn aus«nmal — diese im Leben so gutmütige, brette Holländerin, deren schwach« Herzmuskel nur dem allzu plötzlich anschwellendem Wohlleben nicht hatte standhalten können und deren ganz«, ihr so verderblich« Körperfülle nun doch in jener schwarzen Marmorurn« Platz gesunden hotte, die, unter pompösen Zypresten beigesetzt, jeden Monat einmal Posers pflichtschuldigen Desuch empfing. Was erschien sie, seine gut« Frau, plötzlich und macht« ihn widerstandÄ« diesem jungen Nichts- putz gegsnübee? „Dies dürfte kaum hierh« gehören," war endlich alles, was er, halb vor sich hin. zu erwidern vermochte; im übrigen seh« er ein, daß an Herrn Timms Entschluß nichts mehr zu ändern sei. weshalb « ihm zu seiner Verbindung mit dem angesehenen Haus« Linden- laub u. Sohn gratuliere.— Hiermit fand die Unterredung ihren Abschluß. Allein geblieben, stach Poser mir dem Brieföffn« zwei, drei nachdenkliche Löcher in die Lust, indes das kollernd« Geräusch des Fahrstuhls, in dem Timm sich entfernt«, imm« noch durch die füllen Mauern des Vureouhauses drang. Zweifellos: diesem Mann« war Aida Kubsch die gleiche Chance, die ihm Henriette gewesen war. Alles wie&rholte sich offenbar in dieser Welt und zwar mit einer Genauigkeit, die schon mehr als läch«lich und gegen die man selbst eigentlich machtlos war. Wobei«s wohl auch vorgesehen, und un- vermeidlich war, daß di« Emma Trautwein immer die Leidtragenden blieben, Mit dünnem Lachen klopft« Pos« sich vor die Stirn.„Natürlich," murmeste er,„natürlich!" Und mit einem letzten Schlag, der aus da» große, kahle Vorder Haupt gewaltig mÄxr klatscht«, wie einst vor Iahren auf die Nacken gegnerischer Ring«, wiederholte« laut, klar und völlig überzeugt:„Aber natürlich!" Oer Bettler. Don Max Barthel. Ja dunkler Strohe an der Elendsmauer. Betroffen von der Nacht und Reneufchaner... Ein Lelller steht und streckt die Hand In stummer klage von der grauen wand. Die wand dahinter stützt ein alles Hans Und schickt die Traner vieler Zahre aus. viel Kindertränen and viel wehoefchrei Und Müdigkeit wie abgestorbnes Blei. Da webt ein Mädchen aus der Strahenflut Und kühlt in dunkler Gasse ihre Glut. Verkühlt den Schmerz an einer kühlen wand Nicht weil von jenem Bettler mit der armen Hand. Und als sie dann zurück ins Leben gehl An jener Hand vorbei, die Iluch und halb Gebet. Da gibt sie. was vor einer Stunde sie empfing. Al» ein Betrunkner ihr am halse hing. Der Bettler starrt verwundert auf das viele Geld. Er zittert und versteht nicht mehr die Welt., Dann aber geht er in das nahe Licht. Das tausendzüngig alle Lust verspricht. Die Sterne stehen hoch im roien Ranch Ueber der Slodt. dem duastgefüllken Bauch.. Dem Schlauch mit abgesiaad'nem wein. Dem irren Sein, dem wirren Schein. Ver Lichtreklame Schrei verführt ihn nicht, Da» Elend armer Mädchen rührt ihn nicht, Der Belker hat sein herz in der Gewalt Und hält da» Geld wie einen Raub umkrallt. Er geht im Panzer ungeheurer Macht-■• Berauscht am Saum der irren Rächt,-'* Verzaubert geht er. wild und reich. Und fühlt sich jedem Herren gleich. Dana aber, ehe sinkt die Rächt, Erstrahlt sein herz in gröh'rer Pracht. Er ist gesättigt und der Dunst von wein hüllt ihn mit einem Aeuermanlel ein. Um nächsten Abend aber steht in stummer Trauer Der Bettler wieder an der leeren Mauer Und wartet, wartet, ist erglüht und kalt. Zst abgetan, erledigt, krank und alt... Poseidons Stadt. Aus Konnths Glücks- und llnheilstagen. Di« Zerstörung Konnchs durch Erdbeben erschüttert uns mehr als die anderen furchtbaren Katastrophen, di« aus Bulgarien be- richtet werden, denn mtt dem Namen Kaiinth ist für uns eine Bor- stellung altgriechischen Glanzes, hellenischer Kunst und Schönheit verbunden. Hi« ist jene elegante Form der Säule geschassen wor- den, die wir noch heute nach den Korinchern benennen; hier entsal- teten sich die Ansänge dramatischer Kunst, und di« reichste Stadt des alten Griechenland wird uns von den klasiischen Schriftstellern als ein Wund« der Pracht geschildert. Freilich das neu« Korinch, das jetzt so schwer gelitten hat. hat mit Tter uralten Gründung des jagen- haften Sisyphos nichts mehr zu tun. Die Stadt wurde etwa S lcm von der Stätte des alten Korinch«baut, nachdem ein Erdbeben g«ade vor 70 Jahren den nach langem Hinsiechen wieder erblühten Ort vernichtet hatte. Wie es im Volk«, und im Menschenleben so oft vorkommt, ist das„glückliche Korinch" auch von besonderem Un- glück heimgesucht worden. Die Stadt ist im Verlauf der Geschichte öfters in einen Trümmerhaiifen verwandelt worden, aber dank der besond«s günstigen Lage hat sie sich immer wieder wie ein Phönix aus der Asche erhoben. Die Geschichte Korinchs verliert sich im Dunkel der Sog«. Die Stadt wurde zuerst Ephyra genannt, von Ioniern, Aeoliern und zuletzt von Doriern besiedelt und tritt eist in dos Licht d« Geschichte unter d« Herrschost der Bacchladen, die von dem Tyrannen Kypselos gestürzt wurde. Sein Sohn Periond« war der kxrühmteste unter den Tyrannen des alten Griechenland, der wegen feiner überlegenen Klugheit zu den sieben Weilen gerechnet wurde. Unter seinem Neffen Psammetich snlxte die Herrschaft der Kypselrden, die d« Stadt«in« Vormachtstellung gebracht hatte. Im 7. und 6. vorchristlichen Jahrhundert befand sich Korinth aus der Höhe seines Ruhmes und seiner Größe. Bis ins 3. und 2. Jahrhundert blieb es trotz all« Niederlagen di« größte und reichste Stadt Griechenland». Di« günstige Lage zwischen zwei Meeren, die Schwierigkeit, den Pelvponnes zu umschiffen, und die Letchkigkeit, Waren und Schiff« über die Landeng« zu schaffen, machten Korinth zum wichtigsten Handeisplatz. Doneben ab« war es auch«in große» Industrie- Zentrum, in dem seine und schön gefärbte Gewebe, Tonworen und Erzarbeiten von Tausenden von Arbeitern hergestellt wurden. Ko- rinth soll Z00 000 Einwohn« gehabt haben, die in der Baterstadt selbst, in den Kolonien und aus der Motte üb« 500 000 Sklaven besäße». Zahlreiche Kol«««» wurden m» fccv«u*«egffiadei. Ä»- rinths Maler und Musiker waren berühmt, aber noch berühmter war der Luxus, der sich hier entfaltete. Die goldene Jugend" der Stadt verschwendete die Reichtümer an der Tafel und für schöne Hetären, deren berühmteste Lais war. Die Verehrung des Poseidon war hier beimisch, mit dessen Kult die tsthmischen Spiele verbunden waren. Aber dies« reichen Handelsherren und Genieß« waren kein kriege- risches Bolk. Als ihnen durch den Aufschwung Athens eine Neben- buhlerin erstand, suchten sie sich des«ästigen Gegn«s in Kriegen zu entledigen, in denen sie aber unterlogen. Daraus traten sie auf die Seite von Sparta, und Korinths Gegensatz zu Athen sühne schließlich zum Peloponnesischen Krieg«. Seitdem war die reiche Stadt dauernd von dem kriegerischen Sparta abhängig, wurde dann u rrter der Herrschaft der Mazedonier als eine der„Fesseln" Griechen- lands stark besetzt, und stand im letzten Kampf für�Griechevlands Unabhängigkeit an erster Stelle. Dafür hatte die Stadt nach der Eroberung durch den römischen Konsul Mummius schw« zu büßen. Der Eroberer ließ Korinth in Flammen aufgehen, nachdem er vor- her ein« unendliche Beute an Schätzen und Kunstwerken nach Rom geführt hott«. Ein Jahrhundert spät« machte Cäsar diese Barbarei wieder gut, indem er-hier unter dem Nomen Colonia Julia Corinthus eine Beteranen-Kolonie gründet«, die rasch emporblühte. Mit dem Ende des römischen Kaiserreiches sank auch Korinths Glück und Handel wisd« dahin. Don den Goten und Alaxich im 3 und 4. Jahrhundert ausgeplündert, von den Slaoen im 8. verwüstet, wurde die Stadt 1205 von den Fronken erobert, dann von den By- zantinern, Türken, Ben«zian«n und dann wieder von den Türken beherrscht, und als sie sich noch der Befreiung 1822 wieder ein wenig erholt hatte, fiel sie dem Erdbeben von 1858 zum Opfer, so daß heute nur an der Stätte des alten Korinth noch ein elendes Dorf mit wenigen Ruinen übrig ist._ Mein Besuch bei Edison. von Aaton Tschechow. Ich besuchte Thomas Edison. Er ist ein sehr lieber und an- ständiger Kerl. Alle seine Zimmer stehen getürmt voll �Telephone, Mikrophon«, Vhotophone und dergleichen mehr„Phone". „Ich bin Russe!" stellte ich mich Edison vor ,Habc schon viel von Ihren Talenten gehört. Ihre Erfindungen sind zwar noch nicht in den Lehrplan unserer Mittelschulen ausgenommen, nichlsdesto- weniger aber wird Ihr Name in den Zeitungen unter„Vermischtes" häufig erwähnt." „Das freut mich sehr, doch mache ich Sie von vornherein darauf aufmerksam, daß ich Ihnen wahrl)astigen Gottes kein Geld pumpen kann!" „Oh. ich- bitte Sie auch nicht darum!" Ich war ganz verlegen über diese unerwartet« Ehrenkränkung. „Sie entschuldigen, doch habe ich gelesett Hnd gehört, daß es «ine nattonale Eigentümlichkeit der Rusien sei, j«d«mann anzu- pumpen." � „Aber ich bitte Sie!"--- Plaudernd saßen wir eine Weile da. „Nun. was haben Sie Schönes erfunden?" fragte ich. Richer «ine Teufelsunmeng« von allerhand Dingen! Was ist denn jjum Beispiel die? hier für ein Anhöngerchen?" „Das ist ein Gastronomophon... Vor diese Oesfnung hier stellen Sie eine glühende Koh-e./. drehen dieses Schräubchen auf. drücken auf dies Ding hier, schalten den Strom ein— und hundert bis zweihundert Meilen von hier entfernt- entsteht ein Spiegelbild dieser Kohle in vergrößertem Maßstab. Uttd auf dem Spiegelbild können Sie alles, was Sie nur wünschen, kochen und braten." „Ah... was Sie nicht sagen! Und was ist das h!«?" „Das ist für Reisende ein ganz unentbehrliches Ding. Ich emp- fehl« es Ihrer Beachtung. In unserem Geld« kostet es nur einen Rubel, in Ihrem— drei Angenommen, Sie reisen aus Rußland nach Amerika und lassen Ihr« Frau zu Hause. Sie. befinden sich «in, zwei, drei Jahr« auf Reisen.. Wer garantiert Ihnen dafür, daß Ihnen unterwegs nicht der Wunsch kommt, einen Sohn zu haben, dem Hie Ihren guten Rrmen vererben könnten? Sie brauchen dann nur sich vor diesem Draht zu-stellen, einige Manipulationen vorzunehmen— und schon am nächsten Tag erhalten Sie ein Telegramm: Sohn aeboren."----- „Bei uns in Rußland, Thomas-Iwanowitsch, macht man das viel einlacher. Man fährt nach Amerika uttd läßt einen Hausfreund zurück. Ein Telegramm bekommt man selbstverständlich nicht; kehrt man aber nach Hause zurück, so findet man nicht nur«in, sondern gleich drei bis vier Kinder vor. die einem„Guten Tan. Papacken!" sagen. So wurde bei uns ein Arzt zu einer wissenschaftlichen Dienstreis« ins Ausland beordert, und als er zurückkam, hatte er neun Töchter." „Und was tat er?" „Gar nichts! Er fand eine wissenschaftlich« Erklärung dafür: Flimmerepithel. Blutdruck und noch allerhand. Und was ist das hier für«ine Mantivhonie?" „Das ist ein« Platt« zum Gedankenlesen. Man braucht sie bloß an die Stirn der Versuchsperson zu halten, den Strom«in- zuschalten---- und Ickon sind die Gelieinmisse enthüllt." „Bei un» in Rußland wird das übrigens viel einlacher gemacht. Man greift in den Schreibtisch, öffnet zwei bis drei Briese— und olles liegt klar aus der Hand." Aus diese Weise besichtig» ich alle neuen Erfindungen Edisons.. Meine Lobreden gefielen ihm derartig, daß er beim Abschied es sich nicht nehmen ließ, zu mir zu sagen: „Ach Gott, ja. ich will mal nicht so sein! Hier gebe Ich Ihnen etwas Geld auf Bumv!" (ilus d-m Nackilah bis Dickitcrs ilbertrag»n van tzon» Auoff.) Die Erddrehung ändert«ich. Der amentanilche Astronom Dr. Boß hat durch langjährige Sternbeabachtungen festgestellt, daß sich die Erde in ihrer Drehung an jedem Tan etwas ändert. Man wußte zwar schon seit einiaer Zeit, daß di« Sonne, der Mond und die Planeten Benus und Merkur Veränderungen zeigen, die aus«ine verschiedene Rotatiomgeschwindiakeit un Verla.ul lanoer Jahre hin- weisen. Nun hat Boß. wie in der„Umschau" mitgeteilt wird, dies« jährliche Aenderung der Stellungen der Sterne durch tägliche Aende- rungen der Drehungsgeschwindigkeit der Erde erklärt. Damit stimmt überein. daß sich beim Kontrollieren der Uhrzeit nach dem Aul- gehen der Sterne eine tägliche Veränderung der Abweichung zeigt. Der Grund für diese Drehungsgeschwindigkeit unserer Erde liegt wahrscheinlich in Flutbewegun"«», die Im Innern des Erdballs vor sich gehen. Diese Ansicht des Astronomen wird von dem berühmten amerikanischen Physiker Mi.chelson unterstützt, der durch ander. weitige Bersuche nachgewicien bat. daß Fluten im Innern der Erde durchaus im Bereich der Möglichkeit liegen. Sörperkräfle der Bakterien. Der Wisjenfchai,>st es gelungen, sogar auch die Körperkräste der Bakterien zu messen. So konnte an Batterien«ine Austrlebsgeschwindigkeit im Wasser beobachtet wer- den, die etwa einer Körperkraft entspricht, welche ein im Wasi« sinkender Mensch auswenden müßte, um sich aus einmal hundert- bis tausendmal schneller sinken zu lassen. Weder di« Muskeln des Men- schen könnten aber eine so viel schnellere Bewegung ausführen, noch würden sein» Knochen dem Druck des Wassers widerstehen können. Eine andere an Bakterien ausgeführte Untersuchung ergab, daß sich der Eholerabazillus in der Minute mit einer Schnelligkeit von 7,8 Millimeter fortbewegt. Im Verhältnis zu seiner Größe stellt dies ein« richtige Schnellzugsgeschwindigkeit dar, d. h. die Fort- bewegung«ine» Zuge» von 16 Meter i» der Sekunde. Mansfeld. Das Hungerleben der Mansfeldkumpels.— Löhne von 5,50 M. bis 4�20 M. Iahrhui�rtelang stehen die Bcrgproleten der Mansfelder Kupferschiefer bauenden A.-G. mir ihren Lahnen und mit ihrer Ärbeitszeit an letzter Stelle. E« gibt kein Bergrevier in Deutschland mehr, in welchem die Bergarbeiter noch so niederträchtig bezahlt werden und bei so langer Arbeitszeit wie in Mansfeld. Wenn also irgendwo eine besonders straffe geVerkschaftlich« Organ* sation notwendig ist, dann in Mansfeld. Es ist einer der größten Schandflecke der Kommunistischen Partei, daß sie es durch dos Zerschlagen des Bergarbeiterverbandes in diesem Revier fertig gebracht hatte, die Mansfelder Kumpels daran zu hindern, aus ihrem Helotendasein herauszukommen. Die.erfolgreiche" Arbeit der Kommunisten Hot jedoch ihre Grunde.— Es ist bekannt, daß der ehemalige Berggewaltige von Mansfeld, Generaldirektor Bogelsang, am Ende selbst ein Opfer seiner reaktionären Politik wurde. Sein Nachfolger, Generaldirektor Dr. Max-h e i n h o l d. ist nicht besser. Löhne von vier Mark bet zehnstündiger Arbeit», bzw. zwölfstündiger Schichtzeil sind keine Seltenheiten. Wer aber nun glaubt, daß die Arbeiter diesen ..sürstlichen" Lohn auch erhalten, irrt sich ganz gewaltig. Bon den 4 M. sind noch etwa 70 Pf. für soziale Derstchervngsbeiträge in Abzug zu bringen, so daß in Wirklichkeit volljährigen Ar eitern ein Lohn von v 3,30 31t ausbezahlt wird. Es erübrigt sich, hierüber noch ein Wort zu sagen. Herr Hein- hold ist auch nicht der Alleinschuldige an diesen Zuständen. Don seinen Helfern, den Kommunisten abgesehen, ist es die Aachgruppe Bergbau des Reichsverbandes der deutschen Industrie, welche es- nicht gestattet Abschlüsse mit den Gewerkschaften zu machen. An- scheinend Höst also auch sie diese Löhne noch für menschenwürdig. Inzwischen haben sich die Dinge jedoch in Mansfeld b e d e u» tend geändert. In zäher, mühevoller Arbeit ist es der Bezirks- leitung in Hall« des Deutschen Bergarbsiterverbandes gelungen, die Organisation wieder als schlagkräftiges Instrument der Arbeiter auf-.und auszubauen. Nachdem dos geschehen, konnte es keinem Zweifel mehr unterliegen, daß ernsthaft mit der Austil- gung dieses Schandfleckes deutscher Lohnpolitik begonnen wurde. Der Lohnosrtrog ist gekündigt; die Arbeiter sind bereit. gegebenenfalls auch von dem letzten gewerkschaftlichen Kampfmittel Gebrauch zu machen., Wenn Herr Direktor Dr. L u d w i g die Notwendigkeit einer Lohnerhöhung für die Mansfelder Arbeiter, auch vom sozialen Standpunkt aus betrachtet, verneint, dann braucht man diesen Ge- mütsathleten nicht besonders tragisch zu nehmen. Er befindet sich da ganz im Einklang mit seinen deutschnationalen Gesinnungsfreun- den. Anders ist es jedoch zu bewerten, wenn die wansfeld A..G. nicht genügende Rentabilität ihrer Betriebe für die Verweigerung einer Lohnerhöhung ins Feld führt. Hiex fei vorweg bemerkt: die Mansfeld 21.*©. beliebt es immer wieder das Jahr 1913 als Biergleichsjahr heranzuziehen, das ist, gelinde gesagt, irreführend. Erstens waren 1913 die Kupfer- preise besonders hochgetrieben und zweitens haben sich, wie ich noch beweisen werde, die Belegschoftsziffern ganz bedeutend geändert. Es geht nicht an, unvergleichbare Größen miteinander zu vergleichen. , Immerhin soll zugegeben werden, daß die K u p f e r p r e i s e in den Bor jähren eine im Sinne der Mansfeld A.-G. weniger erfreuliche Fortentwicklung genommen hatten. 2rber auch hier hat die Entwick- lung ab Ende 1927 einen neuen Kurs genommen. Die Preise für Kupfer gestalleten sich seit 1913— also auch ich führe 1913, und zwar anderer. Bergleiche wegen, mit an— wie folgt: Für 100 Kilogramm Kupfer wurden gezahlt: 1913........ 146.19 Mark 1923 133,66„ 1926........ 133,49„ 1927....... 126,58„(bis Oktober) ImNovemberse�tedieSteigerungdesKupfer- preisesein. Im Januar 1928 betrug der Preis 135,23 M. in Tonnen 890 474 734 600 728 600 830 000 Auf diesem Preis hat sich das Kupfer, von ganz geringfügigen Schwankungen abgesehen, bis heute gehalten. Die Ändenz ist fest. Eegen die ersten 10 Monate des Jahres 1927 ist eine Steige- rung des Kupferpreises von rund 9 M. für 100 Kilo- gramm Kupfer eingetreten. Die Leistungssteigerungen der Belegschaft Di« Kupfererzeugung ist bei der Mansfeld A.>G. von 19 946 Tonnen in 1926 auf 23 038 Tonnen in 1927 gestiegen. Die monatliche Förderung und Erzeugung in den ersten vier Monaten 1928 dürfte eher«ine Steigerung als«inen Rückgang erfahren haben. Legt man jedoch nur den Preis von 1926 zugrunde, so ergibt sich folgendes Exempel: Mehreinnahme aus erhöhter Er- zeugung in den ersten vier Monaten 1928 von 1,391 Millionen Mark. Aber bereits im Geschäftsbericht für 1923 sagte die Verwaltung der Mansfeld A.-G. folgendes: Die im vorjährigen Geschäftsbericht erwähnten, auf dem Gebiete der Rationalisierung Hegenden Maß- nahmen haben in Verbindung mit einer erfreulichen Steigerung der Arbeitsleistung der Belegschaften dazu geführt, daß trotz einer gegen da» Borjahr um rund 2000 Mann verringerten Belegschaft die För- derung nur eine Verminderung um 0,8 Proz. erfahren hat Das Bild hat sich jedoch weiter zugunsten der Mansfeld Zt-G. verschoben. Die Belegschaftszifser im Kupferbergbau ist gesun» k e n; die Leistung ganz wesentlich gestiegen. Gegen 1913 der Vergleich aus 1913 immer Mansfeld zu Liebe— haben sich die Verhältnisse wie folgt gestaltet: Kabr Zahl der in Fördrg. Zahl der durchschn. Kupfsrerzfördrg. � 9 gewesenen Betriebe beschäftigt. Arbeiter in 1913.... 11 13087 1924.... 9 12012 1923.... 7 9 832- 1926.... 6 10183 1927 1. Quart. 6 10 104) 1927 2.„ 6 9 502 1927 3.. 6 S 154 1 1927 Durchschnittsförderung(ganzes Hchr) 830000 Eine Verminderung der Belegschaft imi fast 4000 Mann bei annähernd gleicher Förderung. Die fast 40 Pryj. betragende Leistungssteigerung hat sich glänzend gelohnt für Aktionäre uyd Mitglieder des Aufsichtsrates. Bei hohen Abschreibungen und Rücklagen für Beteiligungen an anderen Unternehmungen(Wolf-Konzern) wurden an Dividenden gezahlt: 1923 8 Proz., 1926 7 Proz. und 1927 7 Proz. Für 1927 aber sagt der Geschäftsbericht noch ausdrücklich:„Als die Herauf- setzung des Kupferpreises kam, war es für uns verhältnismäßig zu spät, um noch im Jahre 1927 die Früchte aus derBesserstellungderPreifeineinemwünfchens- werten Ausmaß zu ernten.. Im Aufsichtsrat der Mansfeld Zt-G. sitzen Herren mit hoch- klingenden Nomen. Es kümmert sie nicht, wenn die Gesell- schaft einen Durchschnittslohn von 4j50 bis 4,70 M.(abzüglich Sozialbeitröge) zahlt Es kümmert sie auch nicht, was eine ganze Anzahl Arbetter mit einem Lohn von 3,30 M. pro Schicht anfangen fallen. Die Herren haben es nicht nötig, sich um solche Dinge zu kümmern. Hier ihre Tantieme. Es wurden gezahlt: 1925... an 20 Aufsichtsrats-Mitgl. 168 793.— Mark 1926.... 19... 83 555,—„ 1927,,.. 19.. 93 795,—. In drei Iahren insgesammt 346 143,— Mark für die neunzehn bezw. zwanzig Aufsichtsräte. Das sind aber Ein- nahmen nur so nebenbei für die Herren. Ist der Groll der Mansfelder Arbeiter angesichts solcher Zu- stände denn s o schwer vzerständlich? Möge man dafür sorgen, daß er sich nicht entlädt! A. Balle, Bochum. »Der„Vorwärts" meint, der Schmalenbach-Ausschuß habe die Weltbewerbsoerhältnisse und ihre Verlustfolgen nickst auch untersucht Bekanntlich jst diese Aufgabe dem" Ausschuß aber gar nicht gestellt worden." Wirklich: bekanntlich! Das Gutachten beginnt nun wörtlich mit folgender Einleitung: „Der Aufgabenkreis der Kommission war wie folgt be- zeichnet: Die gegenwärtige Lag« des Rheinisch-Westfälischen Steinkohlenbergbaus unter besonderer Berücksichtigung der Wettbewerbsoerhältnisse und der Rentabilität." Nur aus Furcht, bis Ende März nicht fertig werden zu können, hat die Kommission iin Benehmen mit dem Reichs- wirtschaftsministerium auf die Bearbeitung der Wettbewerbsver- hältniss« verzichtet. Man kann den Zeitmangel als Entschuldigung gelten lassen, aber die sachlich« Lücke des Gutachtens bleibt bestehen und entwertet sein« Brauchbarkeit für die Beurteilung der aktuellen Fragen. Wenn der Reichskohlenrat demnächst die Frage der Preis- polilit des Syndikats zu prüfen haben wird, wird er die Welt- bew.erbsverhältniss« und die Frage, ob die herrschende Einstellung auf sie die volkswirtschaftlich zweckmäßige ist, besonders zu berücksichtigen haben, was„bekanntlich" auch dos Reichswirtschoftsministermm bei der Bezeichnung des Ausgaben- kreiscs der Schmalenbach-Kommission für notwendig hielt Hier ist Klarheit notwendig. 3echenstil:egvng,weil eine Nachuntersuchung abgelehnt wird Die Zech« Johann Deimelsberg soll bekanntlich stillgelegt werden. Schön in diesem Fall sind die Unklarheiten so groß, daß man nicht weiß, ob die Stillegung zu Recht erfolgt Wir haben deshalb mit der betroffenen Belegschaft die Forderung an die preu- ßische Regierung erhoben, die Derhältnisse auf Deimelsberg noch ein- mal auf das gründlichste zu prüfen, ebenso die Möglichkeiten zur Erhaltung der Zeche. Aber auch für die benachbarte Zeche Zentrum IV/VI ist der Stillegungsantrag von der Adler Bergbau A.-G. gestellt Die Unklarheiten haben sich aber hier in einem geradezu sensationellen Maße gehäuft Am 24. April fand ün Oberbergamt zu Dortmund die Stille gungsverhandliing unter Leitung des Oberbergamts- direktors Dr. Weise statt. Bom Betriebsrat wurde darauf hinge- wiesen, daß, die Untersuchungen sowohl auf Deimelsberg wie auf Zentrum IV/VI aus dem Jahre 1927 st a m m e n, wo anormale Gebirgsoerhältnisse vorlagen, und daß heute eine durchaus ver- änderte Situation gegeben sei. Deshalb sei für das erste Biertel- jähr 1928 eine Nachuntersuchung erforderlich. Ausdrücklich wurde von den Organisationsoerttetern betont, daß gegen die Still- legung einer tatsächlich abgewirtschafteten Zeche aus Volkswirt. schaftlichen Gründen nichts eingewendet werden könne Hier liege ober ein derartiger Fall nicht vor. Es sei Aufgabe der zuständigen Behörden, bei ihren Untersuchungen sehr viel gründlicher vorzu- gehen, vom Direktor des Adler-Konzerus wurde zugegeben, daß sich die allgemeinen Verhältnisse auf den beiden Zechen gebessert insbesondere die kosten für die Wasserhebung sich verringert hätten. Die Bereinigung der beiden Zechen zu einer Schachtanlage lasse die Möglichkeit durchaus offen, ob die Belegschaft nicht ihre Arbeit be- halten könne. Dieses Eintreten des Direktors vom Adler-Konzern für die Erhaltung der beiden Zechen ist in hohem Maße beachtlich. Niemand kann von cklißen untersuchen, ob besondere Gründe dafür vorliegen, daß der Mler-Konzern diese Stellung einnimmt Jedenfalls ist es höchst verwunderlich, daß der Stillegungskommiffar, Oberbergamtsdirektor Dr. Weise, erklärt«, daß er eine weitere Untersuchung für zwecklos halte. Klarheit kann in allen diesen Punkten nur die preußische Regierung selbst schaffen, und es scheint in der Tat nötig zu sein, daß die Oeffenllich- keit auf dos preußssche Handelsministerium schärfsten Druck ausüben muß, damit das Erforderliche geschieht. „Bekanntlich" haben Chinesen keine Backzähne Sine Keststelluag der.Deutschen Vergwerts-Zeitung". Um eine falsche Behauptung glaubhaft erscheinen zu lassen, gibt es kein einfacheres Mittel, als sie mit„bekanntlich" einzuleiten. Wer wagt es zu zweifeln, wenn mit kühnem„bekanntlich" der Fach. mann die merkwürdigsten Dinge von den Chinesen behauptet Die„Deutsche Bergwerks-Zeiwng" verteidigt begreiflicherweise die Arbeit der Mehrheit der Schmalenbach-Kommission für den Steinkohlenbergbau und ist über' kritische Bemerkungen des„Vor- wärts" verdrossen, sie müssen als ungerechtfertigte Nörgelei gekenn. zeichnet werden. Das geschieht in Nr. 98 so: Die Herrschast des Kupferkartells. Steigende Metallpreise.— Eiae internationale Kartell- konferenz für Zink. Auch im Monat April war das Weltmetallgeschäft sehr lebhast. und besonders die Industrie in den Dereinigten Staaten nahm wesentlich mehr Metallrohstoffe auf als in den letzten Wochen des alten Jahres und im Januar. Der Monatsdurchschnittsverbrauch von Kupfer der amerikanischen Industrie ist für März und für Februar auf 70 000 Tonnen— nach 60 000 Tonnen im Dezember und Januar— erhöht. Wich in Europa wurde mehr gekauft. In Deutschland war ein Rückgang der Käufe der metallverarbeitenden Industrie zu beobachten, was sich in der ersten Hälfte des Monats April an der Berliner, der Hamburger Börse und auch bei den Agenten des Kupferkartclls auswirkte. Wenn die Preise der nachstehenden Tabelle trotzdem leicht ansteigen, so ist das eine Folge der stark erhöhten amerikanischen Käufe. Die Preisentwicklung in den letzten Wochen war folgende: 100 Kilo kosteten am 30. März 16. April 20. April 24. April 28 Blei...... 40,25 41,— 41,50 42,25 M. Zinn 487,— 484,— 482,— 481,—, Zink...... 50,— 50,75 52,— 52,50„ Elektrolytkupfer.. 134,75 134,75 134,75 134,75„ Bei Kupfer zeigt sich, daß sich der Preis im ganzen Monat nicht ein cinzigesmal verändert hat. Mr können sogar feststellen, daß Elektrolytkupfer in seinem Preis« sich schon seit dem 2. März nicht mehr verändert hat. Für das internationale Kupferkartell ist das ein voller Erfolg. Es ist ihm während der anderthalb- jährigen Dauer seines Bestehens gelungen, seine M a ch t p o I i t i k durchzusetzen und sämtliche Unterbietungen von feiten der Er- zeuger und der Händler, die nicht zum Kartell gehören, zu unter. binden. Wie groß seine Macht ist, ersieht man daraus, daß die Kupferoorräte Englands, die am t November 1926, dem Tage des offiziellen Beginns des Kupferkartells, etwa 35 000 Tonnen betrugen. sich jetzt auf 7400 Tonnen senkten.' England führte im Durchschnitt in den letzten Monaten etwa 25000 Tonnen Kupfer ein. Es ist also völlig in der Versorgung abhängig vom Kupferkartell. Dos inteniationale Kupfergeschäst wurde vor der Schaffung des Kartells vorwiegend durch den Londoner Markt geregelt und die Kupfer- organisation hat e» möglich gemacht, den englischen Handel durch Aufnahme der in England vorhandenen Mengen auszuschalten. Neben der Ausdehnung des Kupferkartells können wir noch eine fortschreitende Kartsllbewegung in der Zinkwirt- s cha st feststellen. Für den 7. Mai ist eine Konferenz in Brüssel geplant, an der auch wider Erwarten die amerikanischen Zinkerzeuger teilnehmen werden. Man will ein Kartell gründen, das vorläufig nur den Preis stabilisieren und eine zentrale statistische Stelle schaffen soll. Von einer Kontrolle der Erzeugung muß man absehen. da die Amerikaner durch ihre Gesetzgebung gezwungen sind, oll solchen Erzeuger kartellen fernzubleiben. Auch die deutsche Zink- industrie ist an der Konferenz beteiligt. Mit 84 000 Tonnen Jahres- erzeugung spielt die deutsche Zinkwirtschaft nicht nur in Europa. sondern auch am Weltmarkt eine große Rolle. . Die Reichsbank hak in der dritten Aprilwoche ihre ffvedfte an die Wirtschaft wieder erheblich verringern können. Wechsel- bestände gingen um 213,1 aus 2035,6, Lombardbestände um 3,6 our 36,0 Millionen zurück. Der hohe Wechselzugang vom Märzende mit 724 Millionen ist in den ersten drei Aprilwochen damit für den Betrag von 616 Millionen wieder ausgeglichen, und der Wechsel- bestand selbst ist nicht höher als etwa in der dritten Januarwoche. Die Reichsbanktundschast scheint ziemlich flüssig zu sein, was sich auch aus der Vermehrung der unoerzinslichen Gelder auf Girokonto um 57,1 auf 671,1 Millionen Mark ergibt. Reichsbank- noten und Rentenbankscheine flössen nn Zusammenhang mit diesen Bewegungen im Betrag« von 255,0 Millionen in die Kassen der Reichsbank zurück. Die Goldbestände sind durch neue Käufe wieder um 21,68 auf 2040,9 Millionen gestiegen, die deckungsfiihigen Devisen haben um 24,73 auf 169,3 Millionen abgenommen. Seit IahresbeginnhatdieReichsbantsürrund176Mil- lionen Mark neues Gold angekauft, darunter auch in der vergangenen Woche wieder sowjctrussischcs Gold. Eine Falschmeldung aus der Fahrradiadustrie. Die Berwaltiinz der Dürkopp-Werke in Bielefeld teilt mit, daß die auch von uns wiedergegeben« Meldung von einer großen Arbeiierentlosiuikg und mangelnder Beschäftigung nicht zutreffe. Die schlechten Wetterver. hällnisse hätten in diesem Jahre die Aufträg« zwar niedriger ge- halten, und es seien auch mit Rücksicht guf die kommende tote Saison und die unübersehbar« Wirkung vieler Lohntämpse Arbeüereitt- lassungcn erfolgt, keineswegs aber in dem gemeldeten hohen Um- fang. Hinzugefügt wird, daß im Ichve 1927 die Dürkopp-Werke ihren Fahrradabsatz mehr als verdoppeln konnten, und daß der Umsatz im ersten Quartal 1928 weiter gestiegen sei. MONDAMIN Eine interessante Nachricht für alte Hausfrauen t PUDDING GESCHMACK •aONDAMiü rtsrt�elnuss � Es gibt vielerlei Süßspeisen, wie Flammeris, rote Grütze, Cremespeisen, Aufläufe usw., die Sie nur aus dem einzigartigen Mondamin bereiten.— Zwischendurch kochen Sie aber auch Puddings aus fertigem Puddingpulver. Daher wird es Sie gewiß interessieren, daß Ihr Kaufmann neben den bekannten Mondamin-Paketen jetzt auch ein fertiges Puddingpulver ausechtemMondamin führt Dieser .Mondamin-Pudding" ist in Päckchen zu 10, 15oder25P{g. erhältlich. Er wird Ihnen bestimmt sehr fein schmecken; denn nur dieses Puddingpulver wird aus echtem Mondamin hergestellt! Und deshalb werden Sie es nicht.bereuen, wenn Sie schon beim nächsten Einkauf daran denken: Neben Mondamin gibt's auch Mondamin- Pudding! * Uhr NoJIendor 736( Das April- Sensations-Programm mit zum ersten Male in Deutschland auftretender Vanetd-Kunstkräften. Sonnabends n. Sonntags M» 2 VorslcIInnaeB; l* o. 8 Uhr- 3« ZU erailBIjt» Preisen das eanze Programm. •J Freitag., 27. 4. Z» Staats-Opei Am Pl.d.Republ. 20(8) Uhr Freitag., 27. 4. 28 ßpei Bismarcks tr Ü.-Tira. 10. tot 8 klW Itaati. SduasplaDt tra iandarmeomarki 20(8) Uhr WaDitdie Söiladit Staat!. Sdnliertb. Charlottenburp 20(8) Uhr Maß für Volks büh ne IteatB an SSlowiiUh Ii an SduftauilaisB 8 Uhr tV, Uhr Die rote ßer Zigaretten- Robe kästen Letzte 4 Vorsteliongeo Komische ja1 a Ohr Oper»v, Ohrl iJames Klein'sj gewaltiges neues Aavue-StOcki . Zielt' didi aus! 200 füiwirKCttde- Vorverkauf ab 10 Uhr ununterbrochen. Ttieater am Kottbusser Tor Kottbosacr S traUe 6, Tel. Mpt 16077 Täglich 8 Uhr Sonntag, narhmiltaga J Uhr Elite- Sänger Gr. neuer Apri!-Spielp!Dn. u. a. Die tolle Lolo von Mas Reinhardt Am ItuamtlMA von B- Crofc Kleine! T&eater Täglich 8'/, Uhr: Fran Elte llfit stdi verführen Lustspiel v.Hiturm Kllnder, Kettner, y. 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