BERLIN Sonnabend 28. April oms DE holl 10 Pf. Der Abend Erscheint täglich außer Sonntags. Bugleich Abendausgabe des Vorwärts". Bezugspreis für beide Ausgaben 70 Pf. pro Woche, 3 M. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW68, Lindenstr.3 dan Spalausgabe des„ Vorwärts Nr. 202 B 100 45. Jahrgang. Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeile 80 Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Poftfcheckkonto: Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Donhoff 292 bis 297 Die Flieger in New York. Wolkenbruch verhindert die Fahrt nach Washington. Die deutschen„ Bremen- Flieger find nach ihrem fühnen Ozeanflug und nach den schwierigen Berhältniffen, die sie zwangen, fich etwa drei Wochen in dem halbarktischen Greenly- Jsland aufzuhalten, jetzt glücklich auf dem amerikanischen Hilfsflugzeug in New York eingetroffen. Sie find am 26. März morgens auf dem Tempelhofer Flugplatz aufgestiegen, 9½ Stunden später auf dem Flugplatz Baldonell in Irland gelandet. Am 12. April 5 Uhr 38 früh( mitteleuropäische Zeit) haben fie den Flug über den Ozean begonnen und ihn am 13. April spät nachmittags durch eine Notlandung auf Greenly- Island vollendet. Washington, 28. April. Das Unglüd im Glück, das die Bremen"-Flieger seit ihrem Abflug von Irland verfolgte, blieb ihnen auch heute treu und machte ihnen durch den gegen Mittag einsetzenden schweren Ortan und Wolfenbruch den Flug hierher unmöglich. So fonnten sie auch nicht der Beisehung Bennetts beiwohnen. Troß der großen Strapazen der letzten Tage ließen es fich die Flieger aber nicht nehmen, mit der Bahn herbeizueilen, um dem Grabe Bennetts einen sif3 Floyd Bennettt Besuch abzustatten. Die Flieger trafen gestern abend um 10 Uhr auf dem Bahnhof von Washington ein, von einem offiziellen Empfang wurde auf ihren eigenen Wunsch abgesehen, wegen der Natur ihrer Herreise, die lediglich dem so jäh verstorbenen Kameraden gilt. Sie wurden bei ihrer Ankunft von dem deutschen Botschaftsrat Dr. Kiep und mehreren Offizieren begrüßt, die sie nach dem Flugplatz Bollingfield geleiteten, wo sie blieben, um heute früh nach Arlington zu fahren und dann sofort mit einem Armeeflugzeug den Rüdflug nach New York anzutreten. Obwohl die Ankunftszeit der Flieger der Allgemeinheit erst nach 9 Uhr bekannt wurde, und obwohl große Regenmassen durch die sturmgepeitschten Straßen trieben, hatte sich doch eine riesige Menschenmenge auf dem Bahnhof versammelt, die die Flieger begeistert begrüßte. Am Mittwoch werden die Flieger zur offiziellen Vorstellung und zum Empfang beim Präsidenten Coolidge nach Washington zurückkehren. Nachdem sie noch an einer Feier, veranstaltet von den Deutschamerikanern in New York teilgenommen haben, werden sie sich schlüssig werden, ob sie zu ihrem Flugzeug ,, Bremen" zurückfliegen oder zuerst noch einigen der zahlreichen Einladungen aus dem Mittelwesten Ameritas Folge leisten sollen. New York, 28. April. In den Erörterungen über die überraschende Landung der ,, Bremen" Flieger in Curtißfield wird vielfach die Ansicht laut, daß man die Tatsache der geplanten Landung abfichtlich verschwiegen habe, da es sich ja nur um eine Etappe auf der eiligen Reise der Flieger nach Washington zur Teilnahme an der Beisezung des Fliegers Bennett handelte und man den eigentlichen Empfangsfeierlichkeiten durch eine haftige Vorfeier während der Durchreife feinen, Eintrag tun wollte. In der Tat hat man alles getan, um einer Entmidlung in diefer Richtung vorzubeugen. Als das Ford- Flugorifejung auf der 2. Seite) Der Leuchtturm auf Greenly- Island, dessen Wärter den Ozeanfliegern gastliche Unterkunft gewährte. Achtung! Wahlschiebungen! Bericht auf der 2. Seite. Furchtbare Bluttaten in Polen. Doppelmord eines Syphilitifers- Ein Leutnant als Mörder. Ein Doppelmord ereignete sich in Nikolai in Oftober- morden wollte. Man fonnte bis jetzt noch nicht feststellen, fchlesien. Ein dort wohnender an Syphilis unheilbar ob die Mordtaten in geiffiger Umnachtung begangen worden find. erkrankter Arbeitsloser ermordete am Donnerstagabend feinen 70. Jahre alten Bater. Am nächsten Tage erschien er bei einem hiesigen Sanitätsrat, der ihn behandelt hatte und schlug den Arzt im Sprechzimmer am Schreibtisch mit der gleichen Agt nieder, mit der er am Vorabend seinen Bater getötet hatte. Der Mörder, der in einen Wald geflüchtet war, fonnte bald durch einen Polizeihund ausfindig gemacht werden. Bel feiner Berhaftung fand man bei ihm einen Zettel mit acht amen bekannter persönlichkeiten, die er noch erSeht die Wählerlisten ein! Wer es versäumt, läuft Gefahr, sein Wahlrecht zu verlieren. Die Wählerlisten liegen in der Zeit vom Sonntag, dem 29. April ab zur Einsicht aus, und zwar Sonntags von 10 bis 17 Uhr wochentags von 14 bis 21 hr Wer nicht mit seinen wahlberechtigten Angehörigen namentlich in den Wählerlisten aufgeführt ist, beantrage unter Vorlegung einer Legitimation seine Aufnahme. Ein zweiter Mordfall ereignete sich in Lemberg. Ein Leutnant tötete auf offener Straße im Zentrum der Stadt seine Braut im Verlauf eines Streites durch mehrere scharfe Säbelhiebe über den Kopf. Auf den Lärm hin eilten Polizei und Militär herbei; es tam zu einem ernsten Handgemenge, da der Offizier fich zur Wehr sehte. Erst ein größeres Polizeiaufgebot fonnte den Mörder überwältigen und abführen. Mehrere Polizeibeamte wurden schwer verwundet. Ueberfall in der Oranienstraße. Ein Artist durch die Haustür angeschossen. Eine aufregende Szene spielte sich in der vergangenen Nacht in der Oranienstraße ab. Als ein 36 Jahre alter Artist L. aus der Sebastianstraße gegen 3½ Uhr durch die Dranienstraße nach Hause ging, wurde er von zwei jungen Burschen belästigt. Als 2. sich zur Wehr fette, tamen noch mehr herbeigelaufen, so daß er der Uebermacht weichen mußte. Er flüchtete, nachdem er einem Berfolger einen Stochieb versetzt hatte, in das Haus Oranienstraße 189 hinein und zog die Tür zu. Nach einem vergeblichen Versuch, sie aufzureißen, schoß einer der Burschen durch die Tür hindurch und traf den Artisten so schwer in einen Fuß, daß er zusammenbrach. Polizeibeamte, die durch den Lärm aufmerksam wurden, fanden ihn in seinem Blut liegen und brachten ihn nach dem Krankenhaus Bethanien. Die Rotte war unterdessen davongelaufen und entkommen, Die Flieger in New-Uork. (Fortsetzuig von der 1. Seite.) zeug mit de» Trqnsozeanfliegern gelandet mar, verließ keiner der Insassen die Kabine. Alle Aufforderungen, sich zu zeigen und herauszukommen, blieben unbeantwortet. Der Korre- spondent der North American Newspaper Alliance, die die Eni- sendung des Hilfskreuzers nach Greenly-Island ursprünglich ver- anlaßt hat, faßte am Eingang des Flugzeuges Posten und wehrte die Photographen ab, die zu den Fliegern vorzudringen versuchten. Schließlich fuhr ein geschlossenes Auto unter der Obhut eines höheren Polizeibeamten dicht an das Flugzeug heran. Die Flieger wurden in den Wagen gehoben, der sofort unter der Bedeckung einer Polizei- eskorte in den Flugzeugschuppen der Junkers-Werke hineinrollte, dessen Tore sich augcnblicks schlössen. New Bork, 28. April. Aus Anlaß des heute für die ersten Nachmittagsstunden er- warteten Eintreffens der„Bremen�-Flieger erließ Bürgenneifter Walker«ine Kundgebung, in der es heißt, es fei das Bor- recht New Jorks, die erst« Stadt zu sein, die den„Bremen"'- Fliegern, die den Weltrekord der Ueberquerung des Ozeans in oft- westlicher Richtung aufgestellt haben, den ersten Willkommensgruß entbiete. Er ersuche die gesamte Bevölkerung von New Zork, an der Gestaltung des Empfangs, welcher der Großtat der drei tapferen Männer gebühre, mitzuwirken. Die Flaggen Deutschlands und des irischen Freistaales wehten heule von der Stadthalle zu Ehren der beiden Nationen, deren Söhne die Flieger seien, und die Bürger- schalt möge diese Flaggen gleichfalls zum Zeichen der Bewunderung entfalten. Der Empfang dieser Männer.!>ie zum Nutzen der Wissen- schast soviel gewagt hätten und deren Erfolg die Freundschaft zwischen ihren Ländern und Amerika gestärkt habe, möge der Gastfreundschaft, für die New Jork berühmt sei. Ehr« machen. Köhl fliegt nicht nach Europa zurück. Wie es zuverlässig heißt, werden Köhl und Freiherr v. Hüne- f e l d, entgegen Mitteilungen der amerikanischen Presse nicht mit der„Bremen" zurückfliegen, sondern vermutlich am Zt. Mai mit dem „Eolnmbus" in Bremerhaven eintreffen. Ob das Flugzeug, die „Bremen" selbst, nach Deutschland zunicktransportiert wird, steht noch nicht fest, da, wie verlautet, amerikanische Kreise an Fräulein Herta Junkers herangetreten find, die zur Erinnerung an die Ozean- übcrquerung von Europa nach Amerika die„Bremen" erwerben und in einem Museum unterbringen wollen. Geschwaderflug über Aerlin. Zu Ehren der deutschen Ozeanflieger, die heute in Washington und New Jork feierlich begrüßt worden sind, veranstaltete die Verkehrsfliegerschule in Staaten und die Deutsche Lufthansa einen Geschwaderflug über Berlin. Diese Ehrung war bereits für den 15. April vorgesehen, bekanntlich verbot damals infolge des nebligen Wetters die Luftpolizei diese Ver- anstaltung. Am Sonnabend mittag 12,30 Uhr trafen sich die Flug» zeuge über Tempelhof. Di« Verkehrsfliegerschule hatte mit ihren besten Piloten 10 Flugzeuge, darunter einige Doppeldecker, nach Tempelhof entsandt. Bei ihrem Eintreffen stiegen eine Anzahl der Flugzeuge der Lusthansa unter Führung des Luftkapitäns Wenhe Mit dem größten deutschen Luftslugzeug der Lusthansa, das in diesen Tagen auf den Namen„Hermann Köhl"� getaust worden war, auf. Die„Einheiisfront" der Kommunisten. Oer lleberfall auf das Reichsbanner. Der Rote Frontkämpferbund hat am vergangenen Sonntag seine Kundgebung gegen den Stahlhelm in Neukölln damit abge- schlössen, daß er auf Reichsbannerleut« eingeschlagen hat. Einer dieser Reichsbannerkamcraden wurde so schwer verletzt, daß er die Wunde nähen lassen mußte und zunächst wohl vier Wochen arbeitsunfähig ist. Die„Rote Fahne" hat sich darauf hinausreden wollen, der RFB. hätte in seiner Wut nicht richtig hingesehen und die Reichsbannerleute mit der neuen Mütze für Stohlhclmer gehalten. Wie immer, sa hat auch die„Rate Fahne" diesmal de- wüßt gelogen. Die Leitung der Jungniannschaft des Neuköllner Reichsbanners hat einwandfrei festgestellt, daß vor der Schlägerei die Reichsbannerleute genau e r k a n n t w a r c n. In dem Bericht heißt es: „Wir wurden mit den unflätigsten Beschimpfung««» überschüttet, einige Ausdrücke waren: Sch...... banne r, Faschistengarde und M oft r i ch st r o l ch c. Die aktivsten Personen waren vollkommen im klaren, daß es sich um Reichs- bannerkameradcn handelt«. Die Erregung steigerte sich durch die Hetzer immer mehr, es wurde mit Stöcken auf uns eingeschlagen und«mit Pflastersteine» geworscn. Kamerad G. b«kam einen Steinnnirs an den Kopf, ein anderer Kamerad einen Stockschlag. Kamerad G., der stark bl»t«te, wurde von einem Schupobeamten verbunden. Wir entfernten dann das Fahnen- futteral, um einer eventuellen Berwechslung mit Stahlhelmleuten zu entgehen. An und für sich war dies nicht nötig, da zwei Kameraden von den sieben Beteiligten noch blaue Mützen trugen und außerdem ein Kamerad mit Schwalbennestern und Trommel dabei rvar......" Die Reichsbannerkameraden gingen»ach diesem Zusammen- stoß mit der aufgerollten Fahne, von Polizeibeamten begleitet, zum Ringbahnhof. Auch auf diesem Marsch waren sie den An- grisfen der Kommunisten ausgesetzt, die ich», er wieder auf sie ein- zudringen suchten und sie mit Steinen warfen. Der Ueberfall des Roten Frontkämpferbundes auf Reichsbannerleute paßt zu der ganzen Propaganda der Kommunisten im Wahlkampf: Immer gegen Republik und Sozialdemokratie, nie gegen die- Reaktion. Vergleich zumWashingtonerAbkommen Genf, 28. April.(Eigenbericht.) Zwischen Arbeiter- und Reglerungsvertretern, einschließlich des englischen. Ist in der Frage der Nachprüfung und evtl. Revision von Konventionen, darunter des Achtstundentagabkom- mens, ein Vergleich zustande gekommen, der die Nach- Prüfung auf Einzelpunkle im Rahmen der bestehenden Konventionen beschränkt. Welche Punkte nachgeprüft und revi- dierl werden sollen, hat der Verwaltungsrat zu bestimmen. Die Regierungen dürfen Vorschläge machen. Eine Revision von Konventionen in Bausch und Bogen ist an»geschlossen. Die aus 6 Paragraphen bestehende Regelunz wurde»l» Ganze» mit IL gegen 6 Stimmen angenommen. Die S Unteruehmer stimmten geschlos- sen gegen das Ganze wie gegen die einzelnen Paragraphen. ver�nglischc Regicrungsvertreter zog zum Schluß den englischen Spezlalantrag auf Revision des Achtstundentagabkommens zurück, erklärte aber, ihn zu geeigneter Zelt wieder einbringen zu wollen. Schieber des Wahlkampfes. Eine nationale Gewerkschaft handelt mit der Gesinnung ihrer Angestellten. Welche politisch unsauberen Manöver die sogenannten „nationalen" Gewerkschaften anwenden, um die Parteien und ihre Mitläufer zu täuschen, dafür erhalten wir von einem Kenner der Verhältnisse folgende Darstellung. Der Deutschnationale Handlungsgehilfenver- band(DHV.) steht mit der Deutschnationalen Partei in einer engen gesellschaftlichen und geistigen Verbindung. Ist es das Kennzeichen der deutschnationalen Politik, die Gesinnungslumperei zum politischen Prinzip zu erheben, so spielen sich die politischen Geschäfte des Handlungsgehilfenverbandes womöglich auf einem noch tieferen Niveau ab. Man ist sonst in der Regel— bis zum Beweise des Gegenteils— geneigt, von allen Politikern anzunehmen, daß sie sich nur der Partei anschließen, die sie als den Ausdruck ihrer Weltanschauung betrachten. Zu denken gibt jedoch, wie in der Leitung des DHV. die Betätigung in einer politischen Partei auf- gefaßt wird, ein Uebereinstimmen mit den Zielen der betreffenden Partei hält man dort nicht für nötig. So macht sich der deutschnationale Abgeordnete Lambach darüber lustig, daß der Abgeordnet« Thiel, ebenfalls vom DHB., der volksparteilichen Reichstagsfraktion angehört; Thiel sei in die Volksparlei„kommandiert" worden. Ein Abteilungsvorsteher vom DHV. erzählt voll Ironie in aller Ossenheit, daß Lambach zu ihm nach der Revolution geäußert Hab«, den Deutschnation alcn könne man sich doch nie an- schließen: trotzdem kandidierte er später bei den Deutsch- nationalen, und der DHV. hat n o ch später die Lambochsche Schrift „Ursachen des Zusammenbruchs" einstampfen lassen, da die Erinnerung an die aus der Revolutionszeit stammenden Herzens- ergüffe eines Mannes, der zwei Jahre später deutschnotionrner Reichstagsabgeordneter wurde, doch zu peinlich waren. Aber das war. nicht der einzige Gesinnungswechsel dieses Mannes. Ms Lambach der deutschnationalen Reichstagsfraktion angehörte, schrieb er in dem 1920 erschienenen„Jahrbuch 1921" des DHB.: „Als deutschnationaler Handlungsgehilse habe ich mehr als einmal Männern der Partei, die auf der äußersten Rechten standen, erklärt: ihr steht mir noch lange nicht rechts genug. Wir werden schließlich gezwungen sein, eine neue Partei der aller- äußersten Rechten schassen zu müssen." Als aber am 11. Mai 1921 im Reichstage über das Londoner Ultimatum abgestimmt wurde, da drückte sich der Abgeordnete Lambach, obwohl die Deutschnationalen mit Nein stimmten. Und der volksparteiliche DHV.-Abgeordnete Thiel stimmte mit Ja, obwohl auch die Bolkspartei mit Nein stimmte. Die Verwaltung des deutl'chnationalen Verbandes glaubte nämlich, daß feine Mit- glieder ein Nein ihrer Abgeordneten nicht vertragen würden. Aehnlich verhielt es sich bei der Abstimmung über das D a w e s- A b k o mm e n. Daß die Deutschnationalen sich damals halbierten, war im wesentlichen Lambachs Arbeit, wie es ja überhaupt feine Aufgabe war, die Deutschnationalen auf volksparteilichen Boden zu führen. Deshalb sagt man auch von ihm im DHB.: „Walther macht alles!" Zu den Mitarbeitern des von dem Abgeordneten Lambach heraus- gegebenen deutschnotionolen Jahrbuchs„Politische Praxis 19 2 6" gehört auch«in Angestellter des DHB. namens Frank Glatze l. Dieser ist zwar Mitglied der Deutschen Volkspartei, und es schwebten bereits bei Abfassimg des Buches Erwägungen, ihn bei der Deutschen Volkspartei zum Reichstag kandidieren zu lassen, da der Abg. Thiel eine Hilfe braucht, um sich in sozialpolitischer Hin- sicht in der voltsparteilichen Reichstagsfraktion durchsetzen zu können, aber trotzdem arbeitete Glatzel an dem deutsch- nationalen Jahrbuch mit. Glatzel ist«in ehemaliger Referendar, den der DHV. im vorigen Jahre nach dem Rhein- land versetzt hat, um sich dort bei der Bolkspartei ein Mandat za erobern. Dabei wollte man wohl mit derselben Klappe noch«ine Fliege schlagen. Lambach(der deutschnationale Politiker!) hat näin». lich geäußert, daß es ein Unglück wäre, wenn die Deutschnatio- nalen in den nächsten Reichstag noch stärker einziehen würden als bisher Der Wahlkreis D ü s s e l d or f- O st, in dem Glatzel tatsäch- lich bei der Volkspartei aufgestellt worden ist, ist auch der Wahl- kreis des deutschnationalen Verkehrsministers D r. Koch, von dem man wohl als ehemaligem Arbeitersekretär befürchtet, daß er auch volksparteiliche Arbeitnehmerwähler, soweit solch« vorhanden sind, an sich zieht. Als Gegengewicht ist deshalb der R e f e r e n d a r Glatzel in diesen Wahlkreis geschickt worden und wird nun als Handlungsgehilfe Glatzel den Wählern vor- gestellt. Seine Kandidatur wurde von der Volkspartei für so wichtig erachtet, daß man für sie den stellvertretenden„Vater des Dat:r- landes", Reichskanzler a. D. Dr. Luther, in die Wüste schickte! Zu dcn Völkischen abkommandiert. Der DHB.-Abgeordnete S t ö h r von den Völkischen betonte sehr gern, bevor er bei den Bölkischen kandidierte, daß er zur Deutschen Bolkspartei gehöre. Auch seine Kandidatur ist auf Veranlassung der Verwaltung des DHV. erfolgt. Als die Völkischen sich von den Deutschnationalen abgesondert hatten, gab es ja„Politiker", die den nun selbständig vorgehenden Völkischen einen großen Erfolg voraussagten. Der DHV. wollte aber auch einen Abgeordneten bei den Völkischen haben, und so wurde der sich zur Bolkspartei bekennende DHV.-Angestellte Siöhr oeranlaß't, bei den Völkischen zu kandidieren! Das Gewerkschaftsbnreau als politische Zentrale. Man kann es verstehen, wenn solche Beobachtungen in den Köpfen der Unbeteiligten die Auffassung hervorrufen, daß die parteipolitische Betätigung dieser Leute mit Idealismus wenig zu tun hat. Di« Gewerkschaftsleitung des DHV. war und ist die Zentrale, von der die Fäden ausgehen. Hier lief alles zusammen. Lambach z. B. gab in laufenden Berichten an seine engeren Verbands- kollegen die vertraulichen Mitteilungen weiter, die er als Politiker von den Deutschnationalen enipsing. Auf diesem Weg« erhielt der DHV. auch Material über seine gewerkschaftlichen Gegner bei den Deutschnationalen, über Eingaben usw., die mit entsprechender Kritik weitergeleitet wurden. Was bei solcher Gelegenheit über die Ge- sinnung und über die Fähigkeit anderer deutschnationaler Führer gesagt wurde, soll nicht immer schön gewesen sein. Aber das mögen diese Herren unier sich selbst ausmachen. Wichtig für die Gewerkschaftsmitglieder ist es jedenfalls, diese Praktiken de» bürgerlichen Hondllmgsgehilsenvcrbandes zu kennen, der sich sonst in den Mienen antisemitischer Biedermänner r-icht genug gefallen kann. Hier wird das Verbandsinteresse zu einer Quelle politischer Korruption. Wundett man sich, daß die dieser Kampfesart sich am meisten über die angebliche Korrup.ion — bei den anderen— aufregen? Meine Anzeige. »Einige entzückende Kinderchen gebe ich ab 20. Mai 2S bei wohltätigen Leuten in Pension, da ich nicht imstande bin, die Rangen länger zu ernähren." Amme Germania. Jerne, Jeme... Wieder national-kommunistische Arbeitsgemeinschast. Es ist verständlich, wenn die völkischen Demagogen bei der Verteidigung ihrer Freunde alle Dinge aus den Kopf stellen. Die gestrige Vernehmung des. Ministerialdirektors Spiecker vor dem Stettiner Gericht hat über manche dunklen Mutmaßungen Klarheit geschaffen, die von völkischer Seite planmäßig und bewußt aus- gestreut worden waren. Was der preußische Innenminister bereits in seiner Gleiwitzer Rede betont hat, daß der größte Teil der so- genannten„Fememorde" in Oberschlesien Kampfhand» l u n g e n in dem damals wütenden Banden- und Kleinkrieg ge- wesen sind dos wurde gestern im großen und ganzen bestätigt. Ein gememer Mord, der den Behörden zu Ohren kam, wurde als solcher gekennzeichnet mit der Wirkung, daß die Auslösung der Abteilung Hauen st ein erfolgte. Daß nicht der Täter zur Verantwortung gezogen wurde, weil er sich der Tragweite seiner Handlung nicht bewußt war, das sollt« freilich gerade bei den Leuten Verständnis finden, die sonst ihre Litanei aus den! Vers„Amnestie, Amnestie" ständig herunterleiern. Die„Rote Fahne" hingegen überschlägt sich heute vor Jubel darüber, daß sie den Völkischen ihre Wahlparolen abgelauscht hat. Natürlich hat die SPD. diese schamlose„Feme" gemacht (die kein« Fem« war!) Natürlich sind di« Mörder von Stettin, die einen ahnungslosen Roßbacher erledigten, Unschuldsknaben! Natürlich, denn Grzesinski hat ja selbst über die oberschlesischcn Kämpfe gesagt:„Wo Holz gehauen wird, da fallen Späne." Auch der Sinn dieses Wortes ist den Kommunisten nur allzu gut bekannt. Diese Propagandisten des Bürgerkrieges haben darin im russischen Bürgerkrieg allerlei geleistet, die Aufstände in Deutsch- land haben nicht wenig Blut gekostet und erst heute feiert die „Rote Fahne" ihren Freiheitshelden B e l a K h u n. Wurden etwa die Kämpfe dieser kommunistischen Revolutionär« mit Papierkugcln ausgefochten? Wir haben es jedenfalls anders in Erinnerung. Die kommunistische Demagogie greift eben zu allen Mitteln. Um gegen die Sozialdemokratie zu kämpfen, bezieht die Kommu- nistische Partei ihr« Parolen sogar von den g e i st i g Ae r mste n auf dem Wege der Anleihe. Sie wird damit weder sür sich noch für ihre Kampfesbrüder bei den„Nazis" große Zinsen ernten. Die künstliche Aufregung über die Feme und das brave Eintreten der Kommunisten für die Begnadigung der Fememörder passen so gut zusammen, daß auch der politisch Blinde merkt, was davon zu halten ist. Nationalisten und Kommunisten prügeln sich. Zahlreiche Verlehte. Die Nationalsozialisten hielten antäßlich der bevor» stehenden Reichstagswohl«» am Freitagabend eine Versammlung in den Prachtsäle-n am Märchenbrunnen(am Friedrichshain) ab. Schon während der Versammlung hatten sich vor dem Gebäude zahl» reich« Kommunisten und andere politische Gegner empfunden. Als die Nationalsozialisten nach Schluß der Versamw!.ng den Saal verließen, entspann sich zwischen ihnen und den auf der Straße wartenden Kommunisten«ine SeVa- gerei, bei der zahlreiche Personen, Notionals''ziolisten und a>.>ö: Un- beteiligte, Verletzungen erlitten. Die Natirmolsrtzialisten, i« flüchten mußten, wurden von den Kommunisten vcr'T-igt und rcr- prügelt. Die Polizei griff mit Gummiknüppeln ein und v-. n mehrere Derhafmngen vor. Die Maiumzüge wurden in Poris verboten. Neben" und Gendarmerie werden sogar noch die Truppen i-m und Umgebung von Paris bedeutend verftälkt. * Dem Freiheitskämpfer Sandino das eroberte GMcrgvett b Nikaragua wieder abzunehmen, haben die Amerikaner r. rr'!!-> versucht. * Das neu« argentinische Parlament besteht aus 87 Anhängern Jrigoyens IRegjerungspartei), 27 Antipersonaliften(Partei des scheidenden Präsidenten Alvear), Z4 Konservativen und 1 0 S o» zialdemokroten. Theater der Woche. Vom 29. April bis Z. Mai. Bolfsbühne. Theater am Bülowplah: 29., 30., 4. Die rote Robe. 1., 2., 3., 5., 6., 7. Was ihr wollt. Theater am Schiffbauerdamm: Der Zigarettenkasten. Thalia- Theater: Dyderpotts Erben. Piscator- Bühne: Der letzte Kaiser. Staatstheater. Staatsoper Unter den Linden: 30., 5. Der Rosenkavalier. 1., 7. Die Zauberflöte. 2. Die Meistersinger. 3. Der Troubadour. 4. mittags 12 und abends 8 Uhr: Sinfonie- Konzert. 6. Die Macht des Schicksals. Staatsoper am Plah der Republif: 30., 3. Der Kuß. 2. Der Arzt wider Willen. 1. Fidelio. 4. Puccini- Abend. 5., 7. Der Städtische Oper, Charlottenburg: 30. Turandot. 1. Die Hoch zeit des Figaro. 2. Orpheus und Eurydike. 3. Die Weltüre. 4. Jonny spielt auf. 5. Geschlossene Borstellung. 6. Manon. 7. Fidelio. schwarze Domino. 6. Don Giovanni. Schauspielhaus am Gendarmenmarkt: 30., 5. Die Weber. 1., 3. Ratalaunische Schlacht. 2., 7. Louis Ferdinand. 4., 6. Beer Gynt. Schiller- Theater: 30., 5. Amphitryon. 1., 3. Maß für Maß. 2., 7. Duell am Lido. 4., 6. Clavigo. Theater mit feftem Spielplan. Deutsches Theater: Bygmalion. Kammerspiele: Finden Sie, daß Constance fich richtig verhält?- Die Komödie: Die Kaffette. Komödienhaus: Broadway. Komische Oper: Zieh' dich aus! Luftfpielhaus: Unter Geschäftsaufsicht. Lessing- Theater: Ronjunftur. Residenz- Theater: Frizi. Metropol- Theater: Der Graf von Luremburg. Berliner Theater: Ab 1. Mai: Der Brozeß Mary Dugan, Kleines Theater: Frau Käthe läßt sich verführen. Walhalla- Theater: Der Heger. Casino- Theater: Die schwebende Jungfrau.- Theater im Admiralspalaft: Bis 30. Rose Marie. Wintergarten: Barieté. Scala: Internationales Barieté. Reichshallen- Theater: Stettiner Sänger.- Theater am Rottbuffer Tar: Elite- Sänger. Theater mit wechselndem Spielplan. Theater in der Königgräher Straße: Bis 3. Die Marquise von Arcis. Ab 4. Leinen aus Irland. Großes Schauspielhaus: Bis 30. Madame Pompadour. Ab 1. Das Dreimäderlhaus. Theater des Westens: Gastspiel Moskauer jüdisches Theater. 29., 30., 4. Die Reise Benjamins III. 1., 2., 3., 5., 6. Die Here.- Die Tribüne: 29., 30. Matinee Karl- Hauptmann- Feier. 1.- 7. Spiel im Schloß. Renaissance- Theater: Krankheit der Jugend. 29., 1., 3., 5., 6. 23% Uhr Nachtvorstellung Tempo Tausend. Rose- Theater: Bis 30. Sterne, die wieder leuchten. Ab. 1. Hopfenraths Erben. Schrott mit uns. mit not Von Erich Gottgetreu. Die Whitehall, die wundervolle Straße der Londoner Ministerien, ist in ihren Widersprüchen auch eine Straße der Mysterien. Obschon der Cenotaph, ein Riefenstein, als wuchtiges Mahnmal des Krieges die weite Fläche beherrscht und auch den Sinn jedes Borüberkommenden, der, instinktiv schon, im Zeichen der Demut den ut tief zieht Hut tief zieht- fleben an den höchst offiziellen Hauswänden gegenüber Plakate, die so bunt find wie die stets frischen Blumen am Fuße des Kriegsmals, im übrigen aber so aussehen: Zwischen Palmen steht zufrieden ein englischer Soldat, neben ihm das Flugzeug, das ihn hierhergebracht hat, darunter der Text, wie gut man's doch hat als Mensch in Uniform. So hat jener früher ausgesehen, neues Bild: so heute. Fremde Länder lernt man fennen in der Armee, neues Bild: wird gut gefüttert, gut bezahlt wer will unter die Soldaten? Wer hat noch nicht genug? Wer will noch mal? Dffice hier im Haus. Der Staat, zum 3wang zu flug, sucht Truppen wie ein tüchtiger Unternehmer Arbeiter oder Angestellte. Gegen das Aequivalent der Freiheit, die der einzelne opfert, bietet er zunächst ohne Zweifel allerlei Interessantes; hält er sein Versprechen, ist seine Werbung. nicht einmal unehrlich, und ausdrücklich auf die negativen Seiten und entsetzlichen Möglichkeiten des Militarismus hinzuweisen viel leicht seine menschliche, aber gewiß nicht eine kaufmännische Pflicht, auch in dieser Branche nirgends übliche Gepflogenheit außerdem fteht gegenüber, jedem sichtbar, der Cenotaph, Erinnerung an eine Million Kriegstote, und wohin die Fahnen, die den Stein schmücken, führen, zeigen eindringlich an seinem Sodel die Blumen und die bei ihnen liegenden rührenden Briefe weinender Mütter. Die Mütter weinen, zur selben Zeit aber gibt es viel Säbel geklirr und Aufrüstungseifer, vielleicht auch Krieg, Blut und Not und wieder ein paar Jahre später Meldungen wie diese aus Salford: der Magistrat verweigert die Bewilligung der kleinen Geldsumme, die nötig wäre, um den als Siegestrophäe aus dem Weltkrieg aufbewahrten deutschen Tant aufzufrischen der Tank wird auseinandergenommen und zum alten Eisen geworfen; Der gelbe Paß." Tauenhien- Palast. Theater in der Kloſterſtraße: 29., 1., 2., 3., 2 × 2= 5. 30. Fauft. 3ufällen fintoppmäßig ist, gewollt brutal wirft und mit feinem 4., 5., 6. Der fröhliche Weinberg. Nachmittagsvorstellungen. Ein Russenfilm, dessen Manuskript mit seinen gar zu vielen guten Schluß die Konzession aus Furcht vor der amerikanischen Konkurrenz verrüt. wie diese aus Llangollen in Wales: die deutschen Kanonen werden als Schrott verkauft, und zwar für vierzig Schillinge; wie diese aus Festinieg, wo man sich zur Beseitigung der deutschen Geschüße entschloß ,,, weil sie den Weltkrieg verewigen"; wie diese aus Don und Dee in Aberdeenshire, wo die Einwohner die einstigen Siegestrophäen ins Wasser stürzten, wo es am tiefften ist"; wie diese aus Edinburg. wo der Magistrat für sämtliche deutschen Geschüße und Tanks, die er besaß, ganze 50 Pfund bekam; wie diese aus Sheringham und anderen Küstenstädten, wo die Leute ihre schönen Kanonen ganz einfach während der Ebbezeit weit ins Meer hinausgezogen haben; wie diese aus vielen anderen Städten, in denen die tote Kriegsbeute zugunsten der oft noch lebenden oder erst halbtoten Kriegshinterbliebenen verkauft wurde was alles aber den Staat nicht hindert, in höllischem Kreislauf wieder Menschen zum Morden zu kaufen, junge Menschen mit bunten Bildern zu locken, mit bunten Bildern nah dem Cenotaph. Sie kennen Conan Doyle, den Erfinder von Sherlok Holmes. Conan Doyle, der eines der Häupter der spiritistischen Bewegung in England ist, besitzt in der Nähe der Whitehall, am Beginn der Victoriaftreet, eine Buchhandlung und zeigt in ihrem Keller augenblicklich eine seltsame Ausstellung von spiritistischen Photos. Eines der Bilder ziegt eine der offiziellen Trauerfeiern am Cenotaph: hinter den wirklichen Menschen sieht man den Aufmarsch der Geister, den Anmarsch jener Toten des Weltkrieges, an die nun gerade in vielleicht dieser Minute ganz speziell an diesem Ort gedacht wird ist das große Photo nur ein großer Mumpih, vielleicht. Aber aus dem Gedächtnis kommt das graufige Bild nicht, wie es auch immer zu erklären sei, und im Ohre liegt, denkt man an die Sinfonie der gegenwärtigen Wirklichkeit und an den internationalen Gott- mituns"-Ruf vor zehn Jahren, die höllenschrille, tapitalgewollte, bitterböse Marschmelodie: " 1 Gott mit uns Schrott mit uns Gott mit uns Schrott mit uns. Asta Nielsen in der Dirnentragödie". Das Ufa Theater am Kurfürstendamm scheint in der Sommersaison bereits gespielte gute Filme wieder in den Spielplan aufnehmen zu wollen, wie sie das auch früher bereits versucht hat. In der Tat ist nicht abzusehen, warum der Film, der in den letzten Monaten wenig erfreuliches Neue gezeigt hat, nicht von seiner Vergangenheit zehren soll. Die Dirnentragödie", mit der man die Jafob, der seine Militärdienstzeit hinter sich hat, tehrt ins Reprisen eröffnet, ist eine der allerbesten Asta- Nielsen- Filme, die wir Bolfsbühne. Theater am Bülowplatz: 6. Die rote Robe. Theater am Schiffbauerdamm: 29., 6. Der Zigarettenlaften. Thalia- Heimatdorf zurück. Freudig begrüßen ihn seine Frau Maria und haben, und erst ein Jahr alt. Man kann also nicht sagen, daß er Theater: 29., 6. Diderpotts Erben. Metropol- Theater: 29., 6. fein Kind. An diesem Tage hält des Gutsbesizers Tochter Hochzeit. technisch überholt sei. Welche Bedeutung Asta Nielsen für den Film Paganini. Kleines Theater: 29., 6. Tageszeiten der Liebe. Jakob und seine Frau fassen sich ein Herz, schüchtern bitten ste um gehabt hat und noch hat. legt gerade ein Buch von E. M. MunRenaiffance- Theater: 29., mittags 12 Uhr, Bera Storonel tanzt. etwas Land. Die Neuvermählte spielt die gute Fee", sie nimmt genast: Asta Nielsen" dar( Bering Walter Hädecke. Stutt 29., nachmittags 3 Uhr, Die Brüder Karamafoff. Walhalla- sich der Bittenden an, da verpachtet der Gutsbesizer ihnen steiniges gari). Es ist ein Potpourri, und das ist sein Borzug. Denn es Theater: 29. Dornröschen, Theater in der Klosterstraße: 29, 6. Land. Doch auf Steinen wächst tein Brot. Trotzdem fast überAschenbrödel. Scala: 29., 5., 6. Internationales Barieté. gibt lebendigen Eindruck davon, wie sich diese geniale Filmbarstellerin in den Köpfen hervorragender Künstler und Kritiker spiegelt. Dazu Reichshallen- Theater: 29., 6. Stettiner Sänger. Theater am Kott menschliche Arbeit geleistet wird, fehrt die Not bei den beiden ein, fominen Interviews, worin die Gefeierte selber zum Wort tommt, buffer Tor: 29., 6. Elite- Sänger. Schiller- Theater: 5. Wallensteins und Maria tefemmit ihr zweites Kird. Da verlangt die junge Lager. Die Piccolomini. 6. Wallensteins Tod. Herrschaft, die in die Stadt gezogen ist, eine Amme und Maria und allerlei Episodisches aus ihrem Leben. Die guten Bilder ,, die wird gezwungen, Mann und Kinder zu verlassen, denn die Pacht beigegeben sind, zeigen, welche suggestive Kraft von dieser einzig ist nicht bezahlt. In der Stadt wird sie als Amme gut gepflegt, artigen Darstellerin ausgeht. Ihre Leistung in der Dirnentragödie aber sonst ergeht es ihr schlecht. Der Herr und der Portier stellen ist ganz aus einem Guß. Nicht einen Moment vergißt man die ihr nach, man unterschlägt ihr, die nicht lesen und schreiben tann,| Echtheit und den Ernst des Lebens, das sie verförpert. Nirgends die Klagebriefe ihres Mannes. Der Herr vergißt, Geld an Jakob find Starlaunen sichtbar Donners Wenn sie auch nur eine alternde Dirne zu schicken, die kleine Wirtschaft kommt unter den Hammer, Jatob spielt, die noch einmal von der Liebe zu einem jungen Manne gepackt wird vertrieben, das jüngste Kind stirbt während der mühseligen wird und, als man ihn ihr abfpenftig macht, die Nebenbuhlerin durch Wanderung in die Stadt. Maria wird vom Portier verleumdet, den ihr hündisch ergebenen Zuhälter beseitigen läßt, so wird doch Jakob wendet sich von ihr. Als Maria feine Nahrung mehr hat, volle Tragödienwirkung erzielt und die ganze Meisterschaft ihrer jagt iman die Frau davon. Die Polizei greift sie bei einer Razzia sparsam andeutenden Mimik entfaltet. Ergriffen folgt man diesem auf, der Portier verleumdet Maria abermals, da bekommt sie den Schicksal, dem Bruno Rahn die Regieprägung gegeben hat, und fragi gelben Baß in die hand gedrückt, das Kontrollbuch der Dirnen. sich staunend, warum der Film diesen großen Trumpf nicht öfter ausspielt und warum das Publikum anstatt zu den Seichtheiten des Durchschnittsfilms nicht lieber zu solcher echten Kunstleistung sich drängt. Erstaufführungen der Woche. Dienstag. Boltsbühne: Was ihr wollt. Großes Schauspielhaus: Dreimäderihaus. Berliner Thea ter: Der Prozeß Dugan. Neues Theater am 300: Die Heimliche. Theater des Westens: Die Here. tag. 3entral Theater: Der Goldfisch aus Amerifa. Freitag. Schiller Theater: Clavigo. Theater am Mollendorfpla3: Malborough zieht in den Krieg. The ater in der Königgräger Straße: Leinen aus Irland. Sonnabend. Lessing Theater:( Gastspiel Biscator). 3 Steinhagel an Stelle von Argumenten. Man bringt fie in ein Bordell, dort. trifft sie ein Landsmann, er Hihige Auseinandersehung in Cannes und Mülhausen. Paris, 28. April.( Eigenbericht.) Der bekannte französische Finanzier Homberg, der in Cannes fandidiert, ist von einer Anzahl mißvergnügter Wähler überfallen worden. Etwa 200 Personen sammelten sich vor seiner Billa an und begannen einen wilden Steinhagel. Als Homberg sich am Fenster zeigte, wurde er durch Steinwürfe verlegt. Die Polizei mußte mit Gummifnüppeln eingreifen, sie nahm mehrere Berhaftungen vor. In Mülhausen drangen Anhänger des Rechtsanwalts Krähling in eine Wahlversammlung ein und mißhandelten einen linksrepublie fanischen Kandidaten. Kurz darauf veranstalteten die Autonomisten eine Kundgebung vor dem Bürgermeisteramt. Unser neuer Roman. fer Der Sprung über den Schatten. Von Karl Schröder. gibt ihr später brieflich Nachricht von Jakob, der schmer frant ist und sie eilt heim. Und dann möchte man es fälschlich so hinstellen, als ob durch Marias Heimkehr alles Elend behoben wäre. F. A. Ozep führt die Regie mit dem festen Willen zur eindrucksvollen Schilderung und einem merkbaren Eintreten für die Getnechteten. Er liebt die Landschaft, er erzählt sogar in Land schaftsbildern, und hier ist die stimmungsvolle Landschaftsaufnahme nicht die übliche Verdienstmöglichkeit für einen guten Photographen, sondern die Landschaft ist dazugehörig. F. A. Dzep stellt nicht nur bodenständige Menschen in fie hinein, nein, diese Landschaft beherrscht zuweilen die Menschen. J. Kowal- Samborsti und Anna Sten spielen bei voller Hingabe an ihre Rollen, einfache Menschen. Annel Sudafiewitsch hingegen wirft wie so eine landläufige Dugendschönheit aus Amerika. SM Max Hochdorf liest vor. e, b. ,, Weh, daß du nicht warm oder falt bist." Auf diesen Bers der Der Regen der heiligen Therese" auf, die er auf Veranlassung der Boltsbühne im Bürgerſaa! des Rathauses vorliest. Es ist gleichgültig, ob man Gott liebt oder ihm flucht, Entschiedenheit bleibt notwendig. Gott wendet sich nur von den Lauen ab. In großen Linien ist die Erzählung entworfen und ganz im Stil alter Legenden gehalten. Dieses religiöse Gebiet verläßt Hochdorf in der Novelle„ Die ewig lächelnde Frau". Eine Dirne kommt auf ein Schiff mit Wallfahrern. Er schildert, wie die Frommen von dieser Frau abrücken, sie als verabscheuungswürdig, als Fremdkörper behandeln, und wie allmählich das Intereffe in den Männern erwacht, wie sie in der Nacht an sie heran brängen und wie es zu offenem Kampfe tommt. Die Ereignisse stehen weniger im Vordergrund als die Ausdeutung der Affette, als die psychologische Ausgestaltung. Mirzo, der taubstumme Bediente des Schiffes, ist die Hauptfigur, während die Frau zurücktritt, nur Gegenstand für die Leidenschaften der anderen wird. Beide Novellen find in eine Sprache gefleidet, die sowohl den trodenen, referierenden Ton wie jebe efstatische Verstiegenheit oder ästheti fierende Haltung vermeidet. Hochdorf legt nie den Hauptatzent auf eine spannend geführte Handlung, ihn interessiert viel mehr die Seele der Menschen und dies wirkt besonders start in einer Zeit, die die Gegenstände über alles schäßt und vergessen hat, daß hinter Der Roman» Der Sprung über den Schatten von Karl Schröder, mit dessen Abdruck wir Anfang nächster Woche beginnen, gibt Blätter aus dem Leben eines sogenannten Kopfarbeiters. Der Sohn eines Kleinbürgers wächst in ländlich- kleinstädtischer Umgebung heran. Begabt und willenskräftig, kommt er trotz materieller Notlage der Eltern zum Studium. Er muß sich auf vielerlei Art durchschlagen, keine Notlage proletarischer Existenz bleibt ihm erspart. Wie der» Akademiker<< aus dieser Situation den Weg zum Anschluß an die große Klassenbewegung der Enterbten findet, wie Stück um Stück klassenfremder Ideologie über wunden und abgestreift und durch die Geistigkeit der proletarischen Ideenwelt ersetzt wird, wie aus diesem Wandlungsprozeß wichtigste Energien sich ergeben für den Befreiungskampf der Arbeiterklasse sowohl wie für den gesellschaftlichen Fortschritt überhaupt, das ist in überaus plastischen Bildern zwingend dargestellt und gibt dem Roman eine Bedeutung, die weit über den Rahmen eines persönlichen Einzelben Dingen feelische Verknüpfungen bestehen. schicksals hinausgeht. Es ist das Leben und Leiden, das Ringen und Kämpfen einer proletarischen Klassengruppe, das hier seinen Ausdruck findet. Schröders Roman, der im Verlag des Bücherkreises erscheinen wird, ist ein Werk von hohem soziologischen Wert. " -t. Zweieinviertel Millionen Dollar für eine Eunfffammlung. Der Verkauf ber 11. Steel Corporation, erbrachte eine neue Höchisumme für Amerifa Der Kunstsammlung des verstorbenen Elbeit Henry Gary, des Vorsitzenden in solchen Kunstverkäufen. Es wurden 2297763 Dollar erzielt D. Das Moskauer Jüdische Theater gab den Berliner Schau spielern in einer Nachtvorstellung eine Probe seines hochentwickelten Könnens mit dem Bolksstüd( mit Mufit) ,, 200 000". Diese originelle und aufs höchste gesteigerte Schauspieltunft, die ja im Sinne Tairoffs ganz aufs Afrobatische und auf das lebende Bild eingestellt ist, er. medie lauten Jubel. Zum Schluß erschien Ballauer, um als Bertreter der Bühnengenossenschaft die Gäste zu feiern und ihnen eine Beseffenheit nachzurühmen, wie wir fie in Deutschland nicht Für die Russen dankte Granowski, und so ergab sich als Schlußbild eine deutsch- russisch- jüdische Verbrüderung. Daumier einst und jetzt. Der große Daumier war schon ein alter Mann, als er, um aus der Fronarbeit der Zeichnerei endlich herauszukommen, in Paris eine Ausstellung seiner Bilder ver anstaltete. Seine Malereien erlebten ein fürchterliches Fiasko. Heute werden Daumiers mit einer Viertelmillion Mart bezahlt, und ein amerikanischer Museumsdirektor reist durch Europa, um eine neue eröffnen. Damit, wie er sich ausdrückt, die Leute sagen: Aha, das ist der Mann, der die 30 000- Dollar- Bilder gemalt hat. In der Boltsbühne sind t heute die 25. Aufführung von Brierg Die rote Robe" statt. Englisches Theater Deutscher Schauspieler. Die Matinee im Deutschen infiler Theater beginnt pünktlich um 11%, Uhr mit The Grand Chams Diamond". Dann folgt Bildes Luispiel Bunbury". Zum Gedächtnis des 10jährigen Todestages Difo Brauns veranstaltet Dr. Ernst Ewait am 30 April, 8 lbr abends. eine Dite 5 aun- brung im Vereins haus deutscher Ingenieure, Commerstraße. starten 1 W., für Jugendberbände 50 Pf. Der Kreis ber Jnternationale der Erbeiterfänger ihfickt Ed immer weiter: die Sangesnenossen der Schweiz jowie meitas baben ihren Beltitt zur IDAE. erklärt, so daß ihr nunmehr 10 Verbände angeboren. Polnischer Bontoff denischer Fime. Wie eine Sorrelpondenz von deutschen Filmerzeugnisse, insbesondere die der Teulia. Omiella, unb Cide zu boyfoft eren, solange nicht von den deutschen Behörden die Aufführung attowig meldet, haben die polnischen Rinobeiger beichleifen, lämtliche es nach Ansicht der polnischen inobefiber optipolnischen beiden je Brennende Grenze unte fagt wird. Kinder und Journalisten zahlen buibe Preile urbju es aufer Ministerrats wurde Sournalisten und Berufschriftsteuern eine abriretser mäßigung auf den lilauischen Eisenbahnen augebidigt. Diese Ermäkigung mind nur bei Benukung der britten agentlaffe gewährt, unb giras aud Grund einer Bescheinigung des Berufsverbandes. ( Schluß des redaktionellen Teils.). Die 1. Freitanzbiele bes Rorbens eröffnet am 29. April das Wirtshaus Bum Bantgrafen", Bankow, Schloßftr. 6. Siehe das heutige Inserat. Wir wollen die acht Stunden! Für die Forderung der Arbeiter am 1. Mai. Acht Stunden Arbeit, acht Stunden Muße, acht Stunden Schlaf. „ Es gibt sicherlich kaum eine Forderung der kämpfenden Arbeiterklasse, die die Gedanken der Arbeiter stärker beherrscht als die Forderung betr. den Achtstundentag. Bierzig Jahre lang ist dafür propagiert, agitiert und gefämpft worden. Deshalb muß es sich denn auch die Arbeiterklasse zur Ehre anrechnen, diefe große fulturelle Errungenschaft im Leben der Arbeiter hochzuhalten und fie positiv auf alle Gruppen von Arbeitern auszudehnen. Ueberall soll das alte Lofungswort widerflingen: 8 Stunden arbeiten, 8 Stunden Freizeit, 8.Stunden schlafen!"(. de Jonge, Sekretär der Internationalen Bereinigung der Fabrikarbeiter.) Kürzere Arbeitszeit, weniger Krankheiten. Früher waren für den Beruf des Diamantarbeiters zwei Berufskrankheiten charakteristisch: Tuberkulose und frühe Abnahme der Sehstätte. Schon 20 Jahre lang erfreuen sich die Diamantarbeiter der Errungenschaft des Achtstundentages. Und nun werden Jahr für Jahr Der 1. Mai. Ministerpräsident Braun im Rundfunt. Am Abend des 1. Mai, um 8( 20) Uhr, spricht im Berliner Rundfunt Genosse Otto Braun, Breußens Ministerpräsident, über„ Die Ideenwelt des 1. Mai". Noch immer Maifeierverbote! Der Polizeipräsident von Budapest hat bekanntgegeben, daß zwischen dem 27. April und dem 2. Mai öffentliche Ber fammlungen oder Kundgebungen nicht gestattet werden. Die Polizei fann wohl verhindern, daß die Arbeiter auf die Straße ziehen, sie wird sie aber nicht zwingen fönnen, am Weltfeiertag der Arbeit zu arbeiten. So wird es eine Maifeier ohne Bersamm. lungen und Aufzüge, aber mit allgemeiner Arbeitsruhe werden. Gegen die Maifeier find Nord- und Südchina einig! Die Regierung hat die Maifeier in Bering verboten. Die Fa. briken sind angewiesen worden, am 1. mai zu arbeiten. Um züge werden mit Waffengemalt zerstreut werden. Die Ranton Regierung hat ebenfalls die Maifeiern in Ranton, Schanghai und Ranting untersagt. Die Kuomintang bat offiziell erklärt, daß der Maifeiertag in der Hauptsache von den Kommunisten gefeiert werde und rufe daher die Arbeiter auf, die Feier nicht zu begehen. Was in Spanien noch gefordert werden muß! Der Gewerkschaftsbund Union de Trabajadores" hat der Regierung, nier Forderungen zum 1. Mai eingereicht: 1. Erfüllung der Vorschriften über den Achtstunden- Arbeitstag und Er nennung von staatlichen Inspettoren für die Durch führung der gesetzlichen Arbeitszeit. 2. Mittel zur Verbilligung der Lebenshaltung. 3. Bau von billigen Wohnun gen und begrenzter Mieterschuß. 4. Arbeiter versiche rung und Mutterschutz. Ferner sind einige Forderungen zur bung der Landwirtschaft und zum Besten der landwirtschaftlichen Arbeiter aufgestellt worden. Primo de Rivera versprach, dem Verlangen der Union soweit als möglich zu entsprechen. Rückgang der Arbeitslosigkeit. Die verstärkte Beschäftigung hält an. eDer Rüdgang der Arbeitslosigkeit hat auch in der ersten Hälfte des Monats April in verstärftem Maße angehalten. In der Arbeitslosenversicherung fant die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger von rund 1010 000 am 1. April auf 845 000 am 15. April oder um 16,4 Proz.( bei den Theater, Lichtspiele usw. Sonnab., 28. 4.28 Staats- Oper Unter d. Linden Anf. 20( 8) U. Die Sonnab., 2.4.2 Städtische Oper Bismarckstr. Turnus III Anf. 19%( 7) U. Die Hodizelt Zauberflöte des Figaro Staats- Oper Am Pl.d. Republ. 36. Ab- V. Anf. 19%( 7) U. Don Staatl. Schauspiel. Am Gendarmenmarkt 82. Ab.-V. Anf. 20( 8) U. Giovanni Gespenster Staatl. Schiller- Theater, Charltbg. Anfang 20( 8) Uhr Prinz v. Homburg Dentsches Theater Kleines Theater Norden 12310 Täglich 8 Uhr: 8 Uhr. Ende 10%, U. Frau Käte läßt Pygmalion von Bernard Shaw Sich verführen dtsch. v. Siegfr. Trebtisch Lustspiel v.H.Sturm Kammerspiele Norden 12310 81%, U., Ende nach 10 Zum 103. Mal Finden Sie, daß Constance sich richtig verhält? 1 viele Diamantarbeiter gefeiert, die ihren Beruf seit 50 Jahren ausüben und den vollen Lohn eines gelernten Arbeiters ihres Faches verdienen."( C. van Berdelaer, Sekretär des Weltbundes der Diamantarbeiter.) Das Washingtoner Abkommen muß ratifiziert werden! ,, Der Sieg des Achtstundentages wird von der Arbeiterklasse nicht nur gefühlsmäßig herbeigefehnt; er ist die Grundlage des vollen Erfolges aller wirtschaftlichen, sozialen und fulfurellen Forderungen unserer Gewerkschaften. Seine reffloje Durchsehung würde den Arbeitern sowohl den moralischen Anspruch als auch die Macht zur Ertämpfung ihrer Gleichberechtigung in Staat und Gesellschaft fichern und damit folgerichtig die Beseitigung jeder Klaffenherrschaft herbeiführen. Daher der verzweifelte Widerstand aller Reaktionäre. Um diefem entgegenzuarbeiten, ist die Ratifizierung des Washingtoner Abkommens international durchzusehen, und so werden auch die unter besonderem physikalischen und wirtschaftlichen Drud stehenden Arbeiter des Malergewerbes am 1. Mai diefes Jahres für den Achtffundentag eintreten,"( Otto Streine, internationaler Sekretär der Zeitralverbände im Malergewerbe.) männlichen Arbeitslosen um 18,4 Broz., bei den weiblichen um 5,7 Pro3.). In der Krifenfürsorge ging die Zahl der Hauptunterſtügungsempfänger in dem gleichen Zeitraum von rund 197.000 auf 182 000, also um 7,7 Broz. zurück, bei den Männern und Frauen fast gleich( 7,7 und 7,8 Proz.). Die Zahl der Notst and sarbeiter ist in der Berichtszeit um 2 Broz. gesti egen und betrug am 15. April insgesamt rund 87 700. Davon entfielen auf Personen, die in der Arbeitslosenversicherung unter stützt worden sind, 67 300, auf solche aus der Krisenfürsorge 20 400. Auf 100 Hauptunterstützungsempfänger in der Arbeitslosenversiche rung entfielen 8, auf 100 Hauptunterstützungsempfänger in der Krisenfürsorge 11,2 Notstandsarbeiter. pennung zurdgehen. Co mu, gfefigifig, wh durch welche Beranlassung ein Stoß aufgenommen werden soll, immer der Gummi die Arbeit leisten, der also gemiffermaßen( praktisch gesprochen) frei vor dem Wagen schwebt. Wäre auch nur an einer einzigen Stelle eine starre Unterstützung gewesen, so blieb die Erfindung weit ab von ihrem Ziel und wäre im Grunde genommen nichts anderes wie eine Stoßstange gewesen. An einem Film wurden eine Anzahl praktisch ausgeprobter Zu. jammenstöße gezeigt. Man sah das Zusammenfahren von Bagen ineinander, sei es von hinten, sei es frontal mit Geschwindigkeiten von 28, 36 und 38 Kilometer. Der Hauptversuch zeigt das 3usammenfahren zweier Wagen mit einer Geschwindigkeit von 56 Kilometer frontal gegen einander, ohne daß Puffer, Wagen und Infaffen auch nur die geringste Berlegung aufwiesen. Es wurde ein Mann angefahren, der nicht unter den Wagen zu liegen fam, sondern von den Buffern aufgenommen wurde. balb in der Deffentlichkeit auftauchen sehen. Hoffentlich be Da alle Patente auf die Puffer bereits erteilt sind, wird man währen sie sich in der Bragis so gut, wie es im Intereffe der Sicherung des Berkehrs zu wünschen ist. Der Rüdgang ist ungefähr der gleiche wie vor 14 Tagen. Damals ein Rückgang von rund 200 000( 15,8 Proz.); diesmal von rund 180 000( 16,4 Broz.). Im Vergleich zum Vorjahre ist der Arbeitsauftrieb im Vorjahr wesentlich früher einsetzte und dies fie Rüdgang zurzeit stärker. Das hängt damit zusammen, daß der Jahr die Verspätung durch ein etwas stärferes Tempo im Rüdgang wieder wettgemacht wird. Auffällig ist, daß in der jüngsten Be richtszeit die Zahl der Not standsarbeiter nur um 2 Broz. gestiegen ist, während vor 14 Tagen ein Ansteigen der Notstandsarbeiterziffer um 21,4 Proz. gemeldet worden ist. Das hängt wohl damit zufammen, daß viele Notstandsarbeiten in der starten Frostperiode, wie sie noch in der ersten Märzhälfte herrschte, eingestellt waren und erst in der 2. Märzhälfte wieder weitergeführt wurden. Gefahrlofer Auto- Zusammenstoß. Ein neuer Schuhpuffer. Der Erfinder, Direktor Schleiff, führte am Donnerstag im Hause der Ingenieure einem geladenen Kreis von Gästen feinen neuen Casco Automobil- Schuhpuffer vor. Der Erfinder geht von der Ansicht aus, daß die jetzt üblichen Automobil. Schutzvorrichtungen, die meistens aus Stangen aus Rohr und U- Eisen mit dahinterliegenden Bufferfedern bestehen, praktisch nahezu unwirksam find. Der wesentliche Nachteil dieser Stangen auch wenn sie aus bestem Material beständen liegt darin, daß fie quasi als Verlängerungen der Chassis rahmen anzusehen sind und dadurch bei Zusammenstößen die zu vernichtenden Kräfte auf den Wagen überleiten ftatt fie aufzuheben. Der neue Cascopuffer mun ist eine runde Stange aus weichem Bollgummi ohne irgendwelche dehnungsunfähige Ein- oder Beilage. Sie wird von vier über die ganze Länge annähernd gleichmäßig verteilten Schellen gehalten, die miederum an vier Armen befestigt sind, welche paarweise am Chassisrahmen durch ein Berbindungsstüd so angeordnet sind, daß fie gewissermaßen als Scheren wirken. Trifft also ein Stoß auf eine oder mehrere Schellen und damit auf den oder die Arme, fo find diese in der praktischen Auswirkung nicht vorhanden, denn die beweglichen Arme fönnen frei ohne jede Bor. Piscatorbühne Theater am Nollendorfplatz Kurfürst 2091/93 Uhr: Der letzte Kaiser Klinder, Kettner, von Jean Rich.Bloch v. Mollendorf inst- KarlheinzMartin Sonnt. 4 U. kl. Preise Gastspiel im Tageszeiten der Liebe Lessing- Theater Lustspielhaus Dir. Dr. Marfin Zickel 81 Uhr: Guido Thielscher in„ Unter Die Komödie Geschäftsaufsicht" Bismarck 2414/7516 8 U. Ende 102 U. Die Kassette Residenz- Theater Komödie von Carl Sternheim 81% Uhr: Fritzi Berliner Theater Musik. Schwank Direktion Kuhnert. Delschaft, Pointner, Eibenschätz, Gortge. treu, Vespermann, Mannin. arlottenstr.90/ 91.06nn.17: 8 Uhr Die Bollé Sisters" Far Funkfreunde Volksbühne Ein Berliner Volksstück von Theater am lowplatz To. michiffbauernamm Friedmann- Frederich. Uhr 14 Uhr Die rote Der ZigarettenRobe kasten CASINO- THEATER 8 Uhr ax Norden 12798 Saltenburg- Bühnen Dts. Künstler- Th. 814 Uhr Schwarz- Weiß Theater des Westens Gastspiel Eine Kranfenfasse um 2000 Marf betrogen. Als in der Krantentasse der Mechaniter in der Münzstraße ein junger Mann an demselben Tag zweimal Krantengeld abhob, schöpfte der Kassierer Verdacht, ließ die Scheine prüfen und stellte schließlich fest, daß nur das Zeichen des Buchhalters fehlte. Auf diese Entdeckung hin wurden alle Quittungen der letzten Wochen nachgeprüft. Dabei fam ans Licht, daß nicht weniger als 38 Stüd von Anfang bis zu Ende gefälscht waren. Es handelt sich ohne Zweifel um ein Ronsortium von Leuten, die diese Quittungen für ihre Schwindeleien eigens drucken lassen. Die auf die Fälschungen erhobenen Beträge ergaben zusammen eine Summe von mehr als 2000 Mart. Als der Schwindler merfte, daß er Berdacht erregt hatte, verschwand er unerkannt. Die akademische Abteilung der Deutschen Hochschule für Politif schiebt mit Rücksicht auf die Wahlen einige der angekündigten Borlesungen und lebungen auf die erste Juniwoche. Gemäß der Anfündigung beginnen schon jetzt: llebungen zur Soziologie und Bolitik des modernen Proletariats" von Profeffor Dr. Briefs; llebung über das Problem der Führerschichten und Borlejung der anderen Borlesungen und lebungen wird noch mitgeteilt. Psychologie der Politit" von Professor Dr. Haas. Der Beginn Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend.( Nachdr. verb.) Troden, zeitweise heiter, ein wenig wärmer, nur schwache Luftbewegung. Für Deutschland: Teils heiter, teils wolfig, nirgends nennenswerte Niederschläge, im ganzen etwas märmer. Berantwortlich für die Redaktion: Eugen Brager, Berlin; Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag: Borwärts Berlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts Buch bruderei und Berlagsanstalt Baul Ginger& Co., Berlin SW 68. Lindenstraße 3. Sierzu 1 Beilage. Letzte 3 Vorstellungen Renaissance Theater Theater am Kottbusser Tor Grosses Anfang 8 Uhr Schauspielhaus Ende REGIE: 11 Uhr CHARELL MADAME No Moskauer jud. POMPADOUR 8 Uhr Konjunktur" akad. Theater v. Leo Lania Insz. Erwin Piscator Heute und morgen Garnowsky- dühnen Th. Königgrätz. St. Bergm. 2110 81 Uhr: Die Marquise von Arcis ( Merkwürdiges Beispiel einer weiblichen tache! v. Carl Sternheim Komödienhaus Norden 6304 Tägi. Uhr Broadway 4 8 Uhr Die Reise Benjamins III, Musikal. Spiel Montag 8%, Uhr ,, 200 000" Metropol- Th. Zentrum 128 284 Uhr Der Gra von Luxembur Lichtenstein, Jolan, Hoffmann, Kettner Hell. Fischer. Hofen halbe Preise Walhalla- Th. Sonntag 124 Uhi Thalla- Theater Weinbergsweg 19/20 Uhr Adalbert, ea eidl, ar Leus Dresdener Str. 72-73 Heute u. folg. Tage Dienstag, den 1. Mai Gastspie Dyckerpotts Erben Zum 1. Mal Der Hexer Gastspiel d. Deutschen Th. Ein Kriminalstück Der Prozeh Planetarium am Zoo H. Mierendori, Lobe Mary Dugan Verlang. Joachimsthaler Straße Ernst Hofmann Noll. 1578 Lothringer Str. 37. Rose- Theater 16, 18, 19, 21 U. Vorzeiger dies.auch Die schwebende Jungfrau Gr. Frank, Str. 132 Ausschneiden: Gutschein 1-4 Pers. 8 Uhr: 8. andere erstklassige Kräfte Sonntags Park. statt Sternhimmel und 4- Mk nur 60 Pi. Kalender Sonntag nchm. 4 U. Eintritt 1 M. Dornröschen Fauteuil nur 1,10 M., Sessel 1,60 M. Sterne, d. wieder leuchten Kinder unt. 15 Jahren 0,50 M. Parkett v. 30 Pf. an. Kleine Preise Paganin fn..Admiralspalast Letzte Woche. Täglich Uhi Rose Marie Schluß 30. April. SCALA 8 Uhr Nollendor 7360 Das AprilSensations- Programm mit zum ersten Male Deutschland auftretender Varieté- Kunstkräften. Sonnabends u. Sonntags e 2 Vorstellungen u. 8 Uhr 3 zu ermäßigte Preisen das ganze Programm Keichshailen- Theater Abends 8 Uhr, Sonntag nachm. 3 Uhr Stettiner Sänger Das lustigste Programm: Nachm. halbe Preise Dönhoff- Brett'l: Steinplatz 901 Krankheit der Jugend Komische 34, Uhr Oper 81%, Uhr James Klein's gewaltiges neues Revue- Stück: Zich' dich aus! 200 Mitwirkende. Vorverkauf ab 10.Uh: ununterbrochen. Trabrennen Ruhleben Montag, den 30. April nachm. 3 Whr Spritzpumpen 2 Reklamepreis v.7 M. an sam Selbstaufstellen Interaangar SchlBache ve kauf. Krüger& Lathan, Pumpenfabrik Bartin 0. 27, 1.M.vial Jamvirke Varieté: Tanz: Konzert Alexanderstr. 14 Kottbusser Straße 6. Tel. Mpl. 16077 Täglich Uhr onntag, nachmittags Uhr Elite- Sänger Gr. neuer April- Spielplan. u. a Die tolle Lolo von Max Reinhardt Am Stammtisch von B. Croe. Wo treffen wir uns? Wirtshaus zum Pankgrafen gegenüber dem Schloßpark BerlinPankow, Schloßstr. 6. Morgen Sonntag große Eröffnungsfeier! Die erste Freitanzdiele des Berliner Nordens. Im gut renovierten Garten mit großer moderner Streichmusik. Wozu ich alle meine werten Vereine. Freunde und Bekannten rech herzlich einlade. Paul Hofmann Ferner findet am 1. M.a große Malfeier statt. Erstklassig Herrenkonfektion Anzüge. Baletots. Solen 50°, unter Breis Fahrgeldvergütung Preßmann, Linienstr 83 a. Waldschänke Sadowa Ausflugslokal mitten im Wald a. d. Bahn gelegen. Herrlicher Garten, 3000 Personen fassend. Saal für Vereine, auch Sonntags kostenlos. Inhaber Otto Thöldte Kegelbahn Vorzügliche Küche Gutgepflegte Biere »«"-« SfrAtottö Sonnabend, 28. April 1928 Ohne Geld in Griechenland. Erlebnisse auf einer Malerfahrt nach Athen. Kaum eine Dache in Italien, faßte ich eines Tages den Eni- fchluß,«inen Abstecher nach Griechenland z» machen. Dieser Ent- schluß kam so plötzlich über mich, dag ich mir keine Zeit nahm, aus meiner Herberg« Hui und Mantel, geschweig« denn m«in Gepäck zu holen, sondern so wie ich stand und ging, lies ich an diesem strahlend«» Märzmorgen über die Paßhöh« zur nächsten Bahn- station und fuhr über den ganzen„Stiesel" schnurstracks nach Brindisi. Meinem Wirt, Don Cesare in Positano, dem ich die Zeche für eine ganze Woche schuldig war, schrieb ich einen höflichen Brief, in dem ich ihn unter Hinweis auf mein zurück- gelassenes Gepäck ausforderte, auf meine Rückkehr aus Griechenland geduldig zu warten. Dann erstand ich einen Kamm, mit dem ich mein üppiges Haupthaar in einen glatten Scheitel verwandelte. Mit diesem Kamm und einigen Taf«ln'Schokolade ausgerüstet, be- stieg ich als Deckpassagier dritter Klasse den griechischen Dampfer „Angeliki", der außer?cl und Gemüse noch.«in Dutzend Griechen. geladen halt«. 1■:■--; Air nun der Uastcn in die See stach und der Adendwind kühst über Deck blies, guckte ich mir die Mitreisenden, die iämtlich mit Mantel und Decken wohlverschen waren, genauer an. Sie schienen nicht all« Hellenen zu sein.- Besonders der Besitzer einer wunder- vollen großen Plüschhaardccke wies alle Merkinale der alemannischen Rasse auf. Und richtig! Er entpuppte sich, als Münchener Studcntchen, das feine frischerworbencn Kenntnisse des Neu- griechischen in der Praxis erproben wollte. Mit dem Baedeker in der Hand begann«r bald mit diesem, bald mit jenem Hellenen tiefsinnige Gesprächs über das Wetter, über Stinnes und über den Stand der Mark. Mitternacht kam heran und alles lag- bereits, in Decke und Mantel gcrallt, schlafend aus Deck. Mit Leichtigkeit gelang es mir nun, das Gespräch auf die Vorzüge einer wärmenden Plüschhaardccke zu bringen, was den guten Münchener so für mich «innahm, daß er sich mit mir zusammen in die Riesendecke einrollte. Keysalonia und Jakynthos hatten wir bereits hinter uns. Dort waren Landarbeiter mit Kind und Kegel an Bord gekommen, um die Ucbcrsahrt nach dem Peloponnes mitzumachen. Dicht zu- fammengedrängt lagen wir zwischen Bauern, Matrosen und Soldaten und horchte» auf die schwermütigen Volksweise», die sie anstimmt«», wenn die Sterne über dem Meere funkelten. In P a t r a s ver- ließe» die meisten Passagiere das Schiff: auch der Münchener, der von hier die Eisenbahn nach Athen benutzen wollte Borher ober borgte er mir großmütig für den Rest der Schiffsreisc seine schöne Plüschdeckc, die uns vier Nächte lang gewärmt hatte. Nach meiner Ankunft in Athen sollte ich sie ihm ins Archäologische Institut bringend Kaum ivar er vom Schifs, so erfaßte mich eine heftige Sehn- sucht, griechisches Festland- zu betreten. Ich übergab die Decke einem Matrosen, der nachbarlich neben mir lag, um für zwei Stunden an Land zu gehen. In Patras wurde eben der Sieg der„Demokratie" gefeiert. Soldatentrupps zogen durch die abend- iichen Straßen, bliesen auf langen Trompeten Siegeshymnen, und überall roch es nach Hammelbraten und türkischem Kaffee. Als ich mit einem langen Brot unterm Arni wieder zum Haien hin- unterstieg, waren die Lichter bis aus wenige erloschen. Weit draußen lag noch die„Ängeliki". Mit Mühe und Not gelang es � mir. einen Schiffer aufzutreiben, der mit größter Eile losruderte. Aber es war zu spät. Di« Schiffstreppe wurde eben hochgezogen, und die Schraube begann zu arbeiten. Gleichgültig betrachtete die Schifssmannschaft von der Reling herab unsere Anstrengungen, als sie gehört hatte, daß es sich nur um einen Passagier dritter Klasse handle. Auch die ungeheuerlichen Schimpfworte, die mein Schiffer nachbrllllte, prallten wirkungslos ab. Es blieb nichts übrig, als wieder an Land zu rudern, um ein Hotel aufzusuchen. Das war bald gefunden. Ein Riesenroum, in dem einsam und verlassen die Betten standen, wurde mir als Schlafgemach angewiesen. Ich legte mein Gepäck ab, bestehend aus nur einem Kamm und einem Laib Brot. Bevor ich ins Bett stieg, schloß ich noch die Tür ab. Bald versank ich in tiefen Schlaf, aus dem mich plötzlich ein heftiges Klopfen an der Tür weckt«. Ich hielt das für für einen Irrtum und blieb ruhig liegen. Nun gesellte sich zum Klopsen noch ein wüstes Geschrei. Also raus aus dem Bett und die Tür aufgeschlossen. Man brachte einen neuen Gast herein: daß er volltrunken war, erkannte ich an der innigen Umarmung, die er mir sofort zuteil werden ließ. Nach einem Hoch auf das Königtum eröffnet« er eine politische Debatte, in der er seinen Abscheu über den Sieg der Demokratie in Griechenland zum Ausdruck bracht« und meine Staat-gefinnung zu erforschen suchte. Nunmehr sah auch ich mich veranläßt, ein Hoch auf das Königtum auszubringen, womit ich fein ganzes Herz eroberte. Am anderen Morgen, nach kühlem Abschied von dem ver- katerten Griechen, erreichte ich gerade noch den Zug nach Athen. Ein Bäckergesell« aus Schlesien, der seit Jahren schon in einer großen Bäckerei Patras beschäftigt war, freundete sich mit mir an und erläuterte mir die lustige Unterhaltung, die ein Ehemann und seine Frau zum Vergnügen aller Mitreisenden zum besten gab. Herumgereichter Mastixwcin erhöhte die Stimmung. Kurz vor E l« u s i s gab es einen zweistündigen Aufenthalt, weil die Lokomotive nicht mehr weiter konnte. Gegen Abend lief der Zug in Athen ein: ein heftiger Wind hatte ollen Staub zusammen- gewirbelt und grau und unscheinbar erschien die A k r o p o l i s über der ausgedehnten Stadt. Wir fuhren nach dem P i r ä u s weiter, weil wir hofften, dort eher«ine Unterkunft zu finden. Der Ver- such des Bäckergesellen, bei einer, bekannten deutschen Familie mit mir zu nächtigen, mißlang: wir erhielte» zwar ein reichliches Nachtmahl„-mstßt«,»,»b»>icha>in-«in Dutzend Hotgls abklgppern, bis wir zur Einsicht gelangten, daß es zweckmäßiger sei, in Athen nachzufragen. Ich kaufte-znir eine Zahnbüxste...Bleistift aind Skizze»buch. Im bescheidenen Absteigequartier,„Pallas Athene" übernachtet« ich gegen billiges Geld. Zwar log man zu acht in einem Zimmer. wusch sich aus derselben Waschschüssel und hatte binnen kurzem hellenische Läuse, aber das Geld reicht« hier ein paar Tage länger, und das war die Hauptsache. Ich zeichnete viel, beobachte das fröhliche Volkstreiben und trieb mich sttindenlang auf der Akropolis und dem gegenüberliegenden Lykabettos herum. Die An- schasfunz eines neuen Hemdes hotte meine finanziellen Verhältnisse aufs tiefste erschüttert. Ein Besuch auf»neinem Konsulat hatte nur den Erfolg, daß man mir die Adrclk einer Pension in der Rue Valaorito» angab. Mit pochendem Herze» stieg ich df» Mamortreppen des vor- nehmen, kühlen Hauses hinauf. Der Psnfiensinhaber,«in junger Triestiner, der mit seiner Schwester die Pension leitete, nahm mich mit offenen Armen auf. Es genügte ihm, daß ich vom Konsulat hierhergeschickt worden war. Das Fehlen jeglichen Gepäckes ver- wunderte ihn nicht. Wahrscheinlich hatte ich es bei Bekonnten unter- gestellt. Ich wurde mit„Herr Professor" tituliert und erhielt ein schönes, sauberes Zimmer. Bei der Table ä'bpte speist« rch mit tiefausgeschnittenen Engländerinnen, reichen Schweizern und gesprächigen Italienern. Der Pensionsinhaber beellte sich, mir seinen prächtigen Photoapporat zu borgen, als er hörte, daß ich meine Studien durch Aufnahmen ergänzen wolle. Drei Wochen lebt« ich so herrlich und in Freuden. Es ging gegen den 1. Mai zu, und die Tage wurden heiß. Während die anderen' Pensionäre wöchentlich zn zahlen pflegten, hatte man bei wir eine Ausnahme gemacht. Ich sollte meine Rechnung,«...-e glänze hübsche �uniine, äM 1. Mai bezahlen. Es blieb mir nichis übrig, als bei'meinen Verwandten um Geld zu telegraphieren. Nach Berlin und Riga. Zwei angstvolle Tag« vergingen. Als am Abend des zweit«» Tages kein Geld eingetroffen war, erwartet« ich, auf den Riesenstufen des Thefeions sitzend, den Zusammen- bruch. Da klingelten die Leierkästen und das Volk drängte sich um die kreisenden Glücksräder. Ja, noch einmal das Glück ver- suchen! Mit zuversichtlichem Gesicht erscheine ich beim Abendessen und verlange meinc Rechnung, die ich morgen begleichen wolle. Am anderen Tag früh unbemerkt zur Pension hinaus, auf die Kanque d'Atbenes. Aus Riga waren Dollars da, aus Berlin Schweizer Franken. Die lang« Rechnung wurde bezahlt und mit wohlgefülltcr Brieftasche und vermehrtem Gepäck, nämlich Skizzen- buch, Kamm und Zahnbürste, verließ ich aus der„Angeliki", ober diesmal als Passagier zweiter Klasse, das aaftfreundliche Land der Hellenen. Krornrncr. WAS DER T iiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiitiuiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiniMininiimntniiiiiiliiiiiniiiimiiiniiiiiuiiii Eine dunkle Andeutung. Im„Schlei-Boten" erlaubt sich ein zemütsroher Patron fol- gendes anzubieten: „Sofort zu vernneten eine 2-Zimmerwohnung für ruhige Leute. R. Petersen. Norderbrarup. Fertig« Särge st eis vorrätig. D. O." v Mit sehr freundlichen Gefühlen scheint Herr Petersen seinen Mietern nicht gegenüberzustehen. Sein Wohnüngz- plus Sarg- an gebot kann auf schwächere Gemüter beunruhigend wirken. Die Jungfrauenkonierenz. Die„Ludwigsburger Zeitung" liebt es anscheinend, sich zwei- deutig auszudrücken. Man liest da: „Iungfrauenkonferenz iin Soldatenheim. Thema:„Bleibende Schönheit." Redner: Psarrer M. und Evangelist R." Pfarrer M. sollte sich doch«in neutraleres Gelände für feine Iungfrauenkonferenzen aussuchen.„Bleibend« Schönheit" ist sicher- lich empfehlenswert. Auch in Soldotenheiinen. Warum aber Pfarrer und Methodist dabei assistieren, bleibt schleierhaft. Vereinsenthusiasten. Nach Meldungen Porifct Blätter wurden zwei junge Reichsdeutsche auf dem Eiffelturm in dem Augenblick verhaftet, als sie versuchten, aus dem 1. Stock des Turmes zwei Fahnen ihrer Sportverbände herauszuhängen. Die Deutschen sollen ausgewiesen werden. Seltsamerweise hat man mir aus der ausländischen Presse etwas über den Vorfall erfahren. Die Mazedonier und der liebe Gott. Ein in einer kleinen mazedonischen Provinzstadt lebender Mann war dem Hungertode nahe und von aller Welt verlassen. Sein« legte Hoffnung setzte er auf den lieben Gott. Er schrieb ihm aljo einen Brief und bat ihn um 1000 Lewa Das Schreiben, das er zur Post gab, trug die Auijchrift:„An den allerhöchsten Gotk" Die Einfalt des Unglücklichen erweckte bei den Postbeamten Heiterkeit. Einige von ihnen brachten aus ihrem kärglichen Ein- 4(7 BRINGT. iiniiiiminnmmmiiiiiiiiimiiiniiiinimrniimimMiinliMiHiiimimiiimUiiiiinimiintmm kommen 100 Lewa zusammen und sandten sie dem Briefschreiber zu/ um ihm eine kleine„himnllifchc" Ueberraschung zu bereiten. Der zu Gott flehend« Mann war aber erstaunt, statt der«r- betencn 1000 Lewa nur 100 Lewa zu erhalten. Sein Dankcsgcfühl war trotzdem nicht erloschen. Er gab ihm' in«inigen Zeilen Aus- druck, die wieder in die Hände der irdischen Wohltäter gelangten. Sie lauteten:„Ich dank« dir, Gott, für dein« unermeßliche Güte und Milbe. Doch biite ich hich inständig, mir das Geld ein nächstes Mal persönlich oder durch einen Engel zu schicken, d-enn die Post- beamten haben mir diesmal von der Summe 000 Lewa gestohlen." Wilkins will zum Südpol fliegen, Der Polflieger Wiltrns bestätigte die Nachricht, wonach er es abgelehnt habe, seinem Vorgänger, dem Commander Byrd, sein Flugzeug zu verkausen. Auf das telegraphische Angebot Richard E. Byrds, den Fokkerpian zu erwerben, liaee er dankend gean!- wartet, daß er selber den Apparat brauche, um zum Südpal zu fliegen. Der Flug dürfte voraussichtlich im September angetreten iverden. Das Krokodil frißt aus der Hand Zwischen Kampala und Entebbe(Afrika) liegt ein kleines Ein- geborenendörf N j a n g o, unmitelbar am Ufer des Diktoriaseee, in dem es ja noch Krokodile gibt, die durchaus nicht zahm wie Lämmer sind. Mit einer einzigen Ausnahm«. Ein Eingeborener vermag durch einen besonderen melodischen Ruf eins der Ungeheuer aus der Tiefe an das Land z» locken, wo es aus seiner Hand Fische an- nimmt. Sonnabends und Sonntags kommen Hunderte von Einge- borenen aus den biachbardörfern.»m das Wundertier anzustaunen. Der Eingeborene, der besonders geschäftstüchtig ist, läßt das Kroko- dil auftauchen und— verkauft dann an seine Landsleute Fische, die sie dem Krokodil geben dürfen. Er hat auf diese Weise schon «in hübsches Sümmchen Geld verdient. Aber nicht minder ge, schäftstüchtige Leute haben bereits eine Omnibuclinie nach Njango «ingerichtet, um auch die Sehenswürdigkeit für die Tasche auszn beuten. Der.. braue Soldat" auf der Landstraße. Wie Jaroshvv Hasek zum Juden wurde. Ein Kapikel aus dem Vuche Z. K u d e> s,„Im Zwei- �ann zieh! sich's besser", das in humorvoller Weise Iaroslav Haseks, des Auiors des„Guten Soldalen Schwejk" Abenteuer und Streich» schildert. Hasek sitzt init seinem Freund Kudej am Waldrande bei einem Lagerfeuer, da sie infolge Geldmangel gezwungen sind, die Nacht im Freien zu verbringen. �„Genug hast du durchgemacht, alter Freund," sagte Hasek, als ich geendet hatte,„aber ich könnte dir auch von meinen Reisen allerlei Interessantes erzählen. Aus deinen Schilderungen ersehe ich, daß du alles mögliche säzon gewesen bist, aber etwas warst du doch nicht, was ich vor einigen Jahren wurde." „lind was wäre das?" „Was? Ein JudI" sagte Hasek. „Ein Jude? Wieso das?" fragte ich erstaunt. „Ganz einfach. Du glaubst, das ist nicht möglich? O ja! Zum Glück wurde ich Jude ohne Beschneidung, denn ich bin kein Freund von solchen hygienischen Operationen md halte sie nicht für unum- gänglich notwendig.— Leg mal auf� Feuer zu und ich werde dir die Geschichte dann erzählen." Ich legte ein Stück Holz, das wir im Walde gesammelt hatten, ins Feuer, Hasek fischte ein Stück nicht ausgerauchter Zigarre aus der Westentasche, schob es in den Mund und begann: „Das Langweiligste auf der Wcst ist— ein anständiger Mensch zu sein— glaube mir! Diese Ueberzeugung gewann ich schon in meiner frühesten Jugend und sie begleitete mich bis zum heutigen Tag.„Nur nicht alltäglich laß mich werden, großer Gott!" hat einmal der selige Iaroslao Vrchlicky gebetet und darin war er wirk- lich aufrichtig und groß, denn so viel aus seiner Biographie bekannt ist, hat er sich immer bestrebt, daß sein Leben nicht alltäglich werde. „Nur alltäglich laß mich nicht werden, mein Gott," das Hab ich ihm nachgebetet, und damit dies nicht geschehe, habe ich mich von vorn- herein entschlossen, ein unordentlicher Mensch zu werden. Zu diesem Entschluß bedarf es übrigens keiner großen Seelenkämpfe, noch einer besonderen Willensstärke, um dabei zu verharren. Ich ließ darum ineine damalige Beschäftigung(ich war damals in einer der fadesten Bureaus der Welt angestellt) ruhig im Stich und ohne jemandem nur ein Wort zu sagen, niachte ich mich aus die Reise in die weite Welt. Nichts zog mich in die Stadt, nichts beschwert« mich, außer ei» letztes Fünfkronenstück in nielner Tasch«, das durch ein Wunder mir bis jetzt entgangen war. Mit dem war ich übrigens bald fertig. Gegen Abend setzte ich mich auf die Dahn und fuhr von Prag nach Böhmisch- Brod, aß dort zwei Nachtmäler, trank einig« Biere, und nachdem ich noch das Nachtquartier und das Frühstück bezahlt hatte, war ich mit nieinem Reichtum zu Ende." Hasek schürte das Feuer, das auszugchen droht«, zündete sich mit einem brennenden Zweig fein Pfeiferl an und fuhr fort: „Ganz ohne Geld war ich noch nicht, ungefähr ein« Krone war niir noch geblieben. Ich kaufte«in paar Semmeln und machte mich auf den Weg. An diesem Tag« kam ich bis zu der historischen Schenk«„Zur Soyne", wo schon der große Fritz nach der Schlacht eingekehrt war. Es war drückend heiß, ich setzte mich drun; in den Ausschank, ließ mir paar Biere geben, eh noch ein Stündchen um war, waren die drei, vier Sechserln beim Teufel und mir drehte sich der Kopf ein bisstrl. So ging ich denn hinaus und wandert« ein Stückchen Weges, indem ich an General Laudon dachte, von dem es im Liede heißt, daß er durch die Dörfer ritt und hatt' bei sich ein Mägdlein mit. Ich gedachte d«r Tausende von jungen Leuten, dl« hier gefallen waren, und wie ich so dachte, siel ich selbst auf diesem Feld der Ehren und des Ruhmes. Ich hatte dabei einen großen Vorteil. Während sie sielen und nicht wußten, warum— ich wußte es. Ich fiel, ipeil ich über einen Stein stolperte, der mir nicht aus dem Wege gehen wollte— so fiel ich gerade in den Straßengraben, aus dem ich nicht mehr herauskonnte. Ich streckte mich deshalb darin so gut es ging aus und schlief«in. Wie lange ich so geschlafen habe, kann ich mich wirtlich nickst mehr erinnern: als ich erwachte, merkt« ich zu meiner Ueberrafchung, daß ich nicht allein war. Denn als ich die Augen öffnete, erblickte ich nickst weit von mir am Grabenrand einen kleinen mageren, ganz gut ange- zogeuen Kerl, der mich starr ansah. Nach der Nase und der ganzen Physiognomie erriet ich sosort, daß er zu jenem Boll« gehörte, das auserwählt war, Rothschilde zu zeugen. Als dieser Mann bemerkt«, daß ich die Augen öffnete, hustete er und fragte dann mit einer zarten Slimme in deutscher Sprache, wohin ich gehe. Die Slimme klang ganz freundschaftlich und zutunlich, weshalb ich ihm auch ebenso antwortete, daß ich der Nase nach so in die Welt hinein wandere ohne bestimmtes Ziel. „Also Sie gehen nirgendhin? Da haben wir denselben Weg." rief er freudig.„Können Sie tschechisch? Das ist ausgezeichnet! Möchten Sie nickst mit mir gehen? Wir würden es nicht schlecht haben." Und er begann mir sogleich sein Reiseprogramm zu er- zählen. Er würde dafür sorgen, daß wir zu etwas Geld kämen, ich sollte ihm im Tschechischen den Dolmetsch machen, wenn es not- wendig sein werde. „Aber Menschenskind, wie willst du Geld auftreiben, wenn du lein Wort tschechisch bannst?" fragt« ich ihn mit Verwunderung. „No, sehr einfach," antwortete er.„Ich bin nämlich Jude," fügte er überflüssiger Weise hinzu, denn das hätte man ihm drei Meilen weit Liigesel>en.„Und außerdem, ich bin so ein Jude, dem jeder Glaubensgenosse eine Unterstützung gibt. Gestern m Böhinisch- Brod hatte ich über sechs Gulden, aber der Lumpenkerl, der mit inir wanderte, hat sie inir gestohlen. Ein Gauner. In der Nacht zog er nur sie aus der Rocktasche und verschwand. Aber Gott ist gerecht und hat ihn bestraft. Ich Hab ihm nämlich in der Nacht wieder seine Reisepapiere gestohlen, jetzt wird man ihn einsperren." Und mein neuer Bekannter brach in ein kicherndes Gelächter aus. ,�kh halte es überhaupt nur mit der Ehrlichkeit," fuhr er fort. „Ehrlich währt am längsten, wenn man nur nicht zuviel stiehlt. Uebrigens— das wird gor nicht nötig sein. Ich versteh's schon mit unseren Leuten. Und wenn wir zu zweien sein werden, bekommen wir immer mehr." „Aber ich kann doch nicht eine» Juden spielen!" wandte ich ein, „an mir erkennt doch jeder sofort, daß ich kein Israelit bin." „Was heißt erkennt? Nichts erkennt man! Ich habe so echte Dokumente, daß auch der gelehrteste Rabbiner nichts erkennt." Auf die Dokumente war ich wirklich neugierig. '„Also zeig mir die Fetzen," sagt« ich. Solomon Neugebauer, so hieß mein Bekannter, war ein weit- erfahrener, pfifsiger Mensch, kein solcher Neuling im Wandern wie ich. Auf mein Verlangen knöpste er erst» den Rock auf, dann die Weste und schließlich das Hemd, fischte irgendwo von seinem Busen einen schmutzigen Beutel, den er um den Leib gebunden hott«, löste die Bündchen davon und entnahm ihm ein ganzes Bündel mehr oder weniger schmieriger Papiere und Bücher. Eine Weile drehte er sie hin und her, zeigte einen Reisepaß und dann noch eine hebräisch geschrieb'ene, mit zahlreichen Stempeln und handschriftlichen Be- stätigungen bedeckte Urkunde und überreichte sie mir. Es war ein Ausweis, lautend auf den Namen Silberstein, russischer Staatsange- höriger aus Kischinew, der von irgendwo aus Rußland kam und als ein moderner Ahasver durch die Welt wanderte. „Du heißt von jetzt an Silberstein, Moritz, verstehst du? Das Alter stimmt so beiläufig, die Personalbeschreibung auch— besonderes Kennzeichen keines— das ist gut, sonst hätten wir dir es machen müssen. Du bist vor den Pogroms aus Kischinew geflohen und gehst nach Palästina, eine jüdische Kolonie zu gründen. Kannst du Jargon sprechen?" „Nein!" „No. macht nichts. Die Frau haben sie dir totgeschossen, die Kinder abgeschlachtet, die Synagoge angezündet!— Halt, kannst du russisch?" „Auch nicht." Neugebauer blieb stehen und rollte die Augen. „Ueberhaupt nicht?" „Nein!" „Das ist schade!— No, was soll man machen? Mußt du holt den Taubstummen spielen. Ich werde es schon irgendwie deichseln. Uebrigens— ein Taubstummer bekommt noch mehr als ein Gc- wöhnlicher. Es genügt, wenn du beten kannst. Kannst du beten?" „Kann ich!" „Zeig!" Ich mochte das Kreuz und begann das Vaterunser zu beten. „Um Gottes Willen, das doch nicht! Ich meine unsere Gebete!� Di« kannte ich nicht und Neugebauer begann mir sofort Unter- richt darin zu erteilen. Aus einer Tasche zog er ein paar jüdisch« Gebetriemen, lehrte mich sie anzulegen und gab mir dann eine gründliche Lektion in allem, was man dabei zu machen hatte. Eine halbe Stunde quälte er mich damit und dann verkündet« er, daß das vorläufig genüge.„Es wird schon gehen! Nur keine Angst! Und obacht, daß du dich nicht oerrätst! Vergiß nicht, daß ein Taub- stummer auch nicht hört! Schade, daß du nicht«in« bißl gebogen« Nase hast! No— was soll man machen.— Ist Kolin eine große Stadt?" „Ziemlich groß!" „Größer als Böhmisch-Brod?" „Größer!" „Und sind dort viele von unseren Leuten?" „Nur zu viel!" „No— in Böhmisch-Brod war's nicht so schlimm!" sagte Neu» gebauer.„Nicht einmal fünf Juden Hab' ich zusammengebracht, und dabei Hab ich alles abgelaufen. Kolin muß mehr bringen. Und welche Stadt ist hinter Kolin?" „Kuttenberg!" „Gut! Dort machen wir auch halt. Ich habe zwar kein festes Ziel, aber nach Wien möchte ich gern mal hinschauen. Wien ist«ine sehr schöne Stadt. Ich bin von dort. No— davon können wir uns später einmal unterhalten. Hast du Hunger?" „Hab ich!" Solomon griff in seine Tasche und zog daraus ein Stück in fettiges Papier gepackte ungarische Salami und eine Semmel, die er mir reicht«. „Es ist zwar trefe'), wenn's aber niemand sieht, ist's gleich. Koscheres') werden wir haben, daß es uns zum Halse heraus- wachsen wird." Ich aß die Salami und die Semmel und dann machten wir uns auf den Weg nach Kolin. Ich wunderte mich im Stillen dar- über, daß Neugebauer davon sprach, daß er in Böhmisch-Brod fünf Gulden bekommen hatte, und aufrichtig gesagt, glaubte ich ihm es nicht.(Schluß folgt.) ') Trefe ist Fleisch, dos den jüdischen religiösen Vorschriften nicht entspricht. ») Koscher ist nach jüdisch rituellen Vorschriften zubereitet. nätseI=Ecke des„Abend iiii:iiiiiiiiiiniii