Morgenausgabe Rr. 205 A 104 45.Jahrgang Böchentlich 85 Big. stonefid) 3,60 In voraus zahlbar, Boftbezug 4.83 2 einicht. Beftellgelb, Muslandsabonne sent 6,- m. pro Monat. * Der Borwärts" erscheint wochentag lich zweimal, Sonntags und Montags etmmal, bie Abenbausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel Der Abend", Juftrierte Beilagen Bolt und Zelt und Kinderfreund". Ferner Unterhaltung und Wiffen", Frauen timme, Technif", Blid in ble Bücherwelt und Jugend- Borwärts". Vorwärts Berliner Bolksblatt Dienstag 1. maí 1928 Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Die einfpaftige Ronpareillezetfe 80 Bennig. Reflamezeile 5.- Reichs mart Kleine Anzeigen" das fettge brudte Bort 25 Pfennig( zuläffig zwei fettgebruckte Borte), jebes weitere Bort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Bort 15 Pfennig, jedes weitere Bort 10 Pfennig. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Beile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen annahme im Hauptgeschäft Linden Straße&, wochentagl. von 8 bis 17 Uhr. Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Bernsprecher: Tönbofi 292-297 Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts- Verlag G. m. b. H. Boftichedkonto: Berlin 37 586. Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten Wallstr. 65. Diskonto- Gesellschaft, Depositentasse Lindenstr. 3 1. Mai im Wahlkampf! Erster Mai und Weltfrieden! Bon Artur Crispien. Zwei Seelen wohnen in ber Bruft des Rapitalismus. Die eine voll Eifer nach Herrschaft durch Blut und Eisen. Die andere voll Sehnsucht nach Profit durch friedlichen Handel und Wandel. Mit dem Grundprinzip Dom freien Spiel der Rräfte trat der Rapitalismus in die Weltgeschichte. Rücksichtsloser Konturrenz tampf. Jeder für sich, Gott für uns alle. National will der Kapitalismus die Lebensinteressen aller anderen Klassen und Schichten seinem eigenen Klassenintereffe unterordnen. International foll der von ihm regierte Staat die beherrschende Weltmacht sein. Widerstände fucht er nach außen und nach innen mit allen Mitteln, im vollsten Sinne des Wortes, zu überwinden. Krieg und Bürgerkrieg sind dem Kapitalismus nicht Biele. Sie sind ihm Mittel zum 3med: Brofit. Er schwankt zwischen Krieg und Frieden. Er schafft in der ganzen Welt emige Unsicherheit, Mißtrauen, Krisen und Ratastrophen. Der Kapitalismus magt nicht, wirklich abzurüsten. Er fürchtet, sich damit selbst aufzugeben. Rapitalismus heißt Herrschaft. Herrschaft über Klassen und Bölter. Solange es Unterdrückte gibt, fann nicht Friede sein. Friede und Freundschaft sind nur möglich zwischen gleichberechtigten Menschen und flaffenfreien Staaten. Wie auf allen Gebieten, so tritt die Sozialdemo tratie auch auf den Gebieten des Militarismus und des Imperialismus den dem Kapitalismus innewohnenden Kriegstendenzen entgegen. Wer den Militarismus zertrümmert, zertrümmert die stärfften Stügen der tapitalistischen Herrschaft. Mit den Mitteln der politischen Demokratie bringt die Sozialdemokratie in alle Machtpofitionen des Kapitalismus ein. Die Demokratie gibt ihr die Möglichkeit, schließlich eine Politit durchzusehen, die den Interessen der ungeheuren Mehrheit der Bevölkerung gerecht wird. Der Kampf um den Bölkerfrieden ist zuerst in jedem Lande ein Kampf um die Macht im Staat. Mit dem Sieg der Sozialdemokratie wird die Bahn frei für den internationalen Frieden. Gemeinsame materielle und geistige Nöte vereinigen die Proletarier gegen den Kapitalismus. Die Entwicklung der Produktiokräfte sprengt die Landesgrenzen und zwingt die Kapitalisten, ihre Unternehmungen international auszubauen. Dadurch wiederum wird auch das Proletariat international nur enger zusammengeführt. Deutsche und französische Kapitalisten haben wirtschaft liche Bündnisse abgeschlossen: den deutsch- französischen Eisenpatt, ben deutsch- franzöfifchen Kalipatt, ben deutsch- französischen Chemiepatt. In dieser internationalen tapitalistischen Konzentration ruhen die Wurzeln der deutsch- französischen Berständigungspolitik. Die inter nationale wirtschaftliche Konzentration muß zu entsprechenden internationalen juristischen und politischen Bereinbarungen und Bereinigungen führen. Die Entwicklung, die wirtschaftlich und politisch die Länder in internationale Organisationen vereinigt, wird pon der internationalen Sozialdemokratie gefördert und fchleunigt. Denn sie liegt in der Richtung zu ihren Zielen. Zugleich bekämpft die Sozialdemokratie die militärische Bündnispolitik der kapitalistischen Mächte. Die Sozialdemokratie bekämpft den Militarismus, die Rüftungen, die Kriegsgefahren. Sie tritt ein für Friedens- und Schiedsgerichtsverträge. Die Sozialdemokratie wirkt für die Nieber legung der Zollmauern, gegen Zoll- und Wirtschaftstriege. Damit stärkt sie die heute schon vorhandenen Friedens tenbenzen. In allen Ländern stoßen die Proletarier auf den gleichen| diesjährigen Maifundgebung allen Grund, gegen diesen sozialFeind: den Kapitalismus. National und international bedroht er die Menschheit. Die Befreiung des Proletariats Dom Kapitalismus bedeutet die Befreiung aller Menschen aus Unterdrückung, sie bringt der Welt den Frieden. Diesem Befreiungswert gilt unser Kampf auch an diesem ersten Mai! Zum ersten Mai! Massen marschteren. Augen, die ahnen, Seelen, die hoffen, im Lichte glühn. Rote Herzen und rote Sahnen Quellen hinaus in des Frühlings Grün. Menschheitswunder am ersten Mai! Bist auch du dabei? Steh, was auf frohen Schultern sie tragen: Scheufal, bas in Rertec fie stieß, Sllavendemut, sie wart erschlagen, Aufgesprengt das Hungerverließ. Durch den Willen würben sie fret Warft auch du dabei? Kein Verweilen! Massen marschteren. Neue Kämpfe fündet die Zeit. Ueber Stolz und Gewalt triumphieren Wird der Schaffenden Einigkeit. Ruft die Wahl am zwanzigften Mai, Sei auch du dabei! Erich Ruttuer. Um den Achtstundentag! Bon G. Aufhäuser. In der Vorkriegszeit hat die deutsche Arbeitertiaffe teine Maifeier vorübergehen lassen. ohne in gewaltigen Rund gebungen den Achtstundentag zu fordern. Es war dann eine der ersten Taten der Boltsbeauftragten, am 23. November 1918 den gesetzlichen Achtstundentag zu brin gen, der in den folgenden Demobilmachungsverordnungen über die Arbeitszeit beibehalten werden konnte, bis die SozialInflation Ende 1923 diese Errungenschaft der sozialen Umreaktion als Nuznießer der wälzung von 1918 wiederum geraubt hat. Im Jahre 1925 murde nach unaufhörlichem Drängen der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften ein Arbeiterschutzgesetz angekündigt, dessen Einbringung die Vereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände jedoch immer wieder verhindern fonnte. In den vier Jahren Bürgerblock galt das Rezept, daß nur Mehrarbeit gefteigerte Gütererzeugung und verbilligte Broduktion zu gewährleisten vermöchte. Zwei Millionen Arbeitslose, Kurzarbeit einerseits und unbegrenzte Ueberstunden andererseits waren das Ergebnis dieser Bürgerblockweisheit. Im Oktober 1926 vereinigten sich die Gewerkschaften aller Richtungen, um dieser unerträglichen Ausbeutung durch ein Arbeitszeitnotgefeß ein Ende zu bereiten. Im entscheidenden Augenblick blieb die Sozialdemokratie in der parlamentarischen Bertretung des gewerkschaftlichen Gefeßentwurfs auf weiter Flur allein. Gegen ihre Stimmen gelangte im April 1927, begleitet von einer, jämmerlichen Berteidigungsrede Stegerwalds, ein Arvom Achtstundentag zur Regel machi. Es war das einzige beitszeitnotgefez zur Verabschiedung, das die Ausnahmen fozialpolitische Gesez von Bedeutung, das dieser Bürgerblod ohne und gegen die Sozialdemokratie zu schaffen wußte. Die organisierten Arbeiter und Angestellten haben zur politischen Rückschritt ihren flammenden Proteſt zu zeigen, aber gleichzeitig die schaffenden Boltskräfte Deutsch lands zur höchsten politischen Aktivität aufzurufen, um die Wahlentscheidung am 20. mai zu einer Bejahung des Achtstundentages zu gestalten. Das Bürgerblod- Arbeitszeitnotgefet mar für die internationale Reaktion ein Signal zum Sturm auf das Washingtoner Abkommen. Die Genfer Arbeitstonferenzen hatten seit 1919 wachsende Widerstände der Arbeitgeber und ihrer Regierungen gefunden, bis die englische Regierung im Februar 1928 den Dolchstoß gegen den Achtstundentag führte. Sie forderte die Revision des Washingtoner Abkommens. Der internationalen Arbeitsgesetzgebung soll der Grundstein entzogen werden. Unter sophistischer Aus legung des Teiles XIII des Friedensvertrags wollen sich die Träger der europäischen Reaktion der Verpflichtungen ent ziehen, die während des Krieges in wiederholten Bersprechungen an die Arbeiter übernommen worden waren. Es foll verhindert werden, daß die Ratifizierung der Konvention Dor 1930 erfolgt, um die Arbeiter der Welt um jene Arbeitszeitreform zu bringen, für die sie mehr als ein Bierteljahr hundert unabläffig gefämpft haben. Das Weltproletariat wird indes am 1. Mai befunden, baß es entschlossen ist, seine ganze organisatorische Kraft für die Berteidigung des Achtstundentages einzu setzen. Der feierliche Protest, den der Internationale Gemertschaftsbund als Bertretung von 14 Millionen Arbeitern und Angestellten in diesen Tagen dem in Genf versammelten Ber waltungsrat unterbreitet hat, bestätigt auch aufs neue, daß diese Aktion von echter internationaler Solidarität getragen sein muß. Die Boraussetzung der erfolgreichen internationalen Lösung der Arbeitszeitfrage ist aber auch, daß die Arbeiter jedes Landes national den Kampf gegen die Sozialreaktion aufnehmen. Der neue Deutsche Reichstag wird als Erbschaft des Bürgerblocs einen Entwurf zum Arbeitsschutzgesetz vor finden, der dem Washingtoner Abkommen nicht entspricht. Dieses Abkommen spricht von der Achtundvierzigstundenwoche, d. h. es enthält ein Marimum für die Arbeitszeit innerhalb von fieben Tagen. Das Arbeitsschutzgesetz dagegen bestimmt zwar eine Arbeitszeit von täglich acht Stunden, will aber für den Begriff der Wochenarbeitszeit nur die sechs Wochen tage, nicht auch den Sonntag gelten laffen. Damit wird die Achtundvierzigstundenwoche illusorisch gemacht. Die deutsche Arbeiterschaft steht demnach im eigenen Lande vor schweren Kämpfen, um in der deutschen Gesetzgebung die Bor ausfegungen zur Ratifizierung des Washingtoner Abkommens zu schaffen. So ist unser Kampf gegen die Sozialreaktion des Bürger blocks nicht zu trennen von dem großen internationalen Ringen der Klassen um die Sicherung des Achtstundentags; führen wir ihn mit unbesiegbarer Kraft! Frauen, euch ruft der Mai! Bon Clara Bohm- Schuch. Maiwahlen, Schicksalsge staltung nach eigenem Willen Stolz, fordernd, siegfroh stehl die Aufgabe vor uns. Wit Frauen sind in der deutschen Republik ja nicht mehr Rechtlose wie einst, als der mordende Krieg über uns hin brauste und in den Rechtlosen Wehrlose fand. Die Schmach ift von uns gefallen, wir sind Freie, Gleichberechtigte, Mitentscheidende im Staat. Und in diesem Monat der Blüte, der Schönheit, der Lebensbejahung ruft unser Recht uns zur Erfüllung unserer Staatsbürgerpflicht. Wir dürfen wählen, mir müffen wählen, wie sich die politische, wirtschaftliche, foziale und fulturelle Entwicklung in Deutschland in den nächsten Tagen vollziehen soll. Drei Wochen trennen uns fönnen wir noch werben um die Macht der Arbeiterschaft im noch von dem entscheidenden Tag der Wahl, zwanzig Tage Staat, für die Idee des Sozialismus. So feiern wir den 1. Mai, das Fest der Arbeit, unseren Tag! Beithin leuchten die roten Fahnen unseres Willens zum Siege von Friede, Freiheit und Gerechligkeit. unseres Glaubens an Menschengutjein und Erdenglück. Für die Aülkernerständigung demonstrieren wir heute wie in jedem Jahr am 1. Mau Wir wollen aber keinen Krieg mehr. Wir Frauen wollen den Frieden um uns und unserer Kinder, um des deutschen Volkes und der Menschheit willen Deutschland soll sich als Bannerträger der Friedensidee, als Ueberwinder der Gewaltanbetung zugunsten einer höheren Sittlichkeit den Platz in der Führung der Völker erobern. Darum werben wir für den Sieg der Sozialdemokratie bei den Wahlen am 20. Mai, denn nur sozialistische Macht bürgt für diese Ent- wicklung. Aber auch die Wohlfahrt d e r. M a s s e n, der fort schrittliche Ausbau unserer wirtschaftlichen und sozialen Ge> setzgebung ist nur gesichert, wenn die arbeitenden, schaffenden Menschen eine ausschlaggebende Macht in der Gesetzgebung darstellen. Darum geht unser Mairuf gegen die Zersplitterung der Arbeiterschaft vor allem an die Frauen; Zersplitterung kann nur schwächen, und jede Schwächung der Arbeitnehmer- schaft stärkt ihre Feinde. Die Kommuni st en können nichts geben als leere Versprechungen; zur Umgestaltung, zum Ausbau der Gesetzgebung im Interesse der Arbeitenden hoben sie? bisher nichts getan, weil sie machtlos sind. Und sie werden machtlos bleiben, weil sie nicht gegen die Feinde der Arbeiterschaft sondern nur gegen die Einigkeit der Ar- beitenden selber kämpfen. Wir brauchen in Deutschland eine Wirtschaftspolitik, die den Anteil der arbeitenden Massen an den Vorteile�- der' Rationalisierung sichejrs eine EntlohuMg. die eine gute Ernährung, eine gesunde Lebenshaltung er- möglicht, damit die Arbeitskraft dem Tempo der Arbeit standhalten, damit der Geist sich dem vorwärtseilenden Tempo der Zeit anpassen kann. Auf dem(Bebiete des gewerblichen Kinderschutzes ist es nicht vorwärts gegangen, weil die Vürgerblockparteien gar kein Verständnis hatten und haben für die körperliche und seelische Not dieser kleinen arbeitenden Proleten. Und es find doch Kinder mit dem Recht an Freude. Spiel und Sonne' geboren wie alle anderen auch. Helft uns am 20. Mai, dqß wir d�n Kindern helfen können! Und da sind die kleinen Menschen, die hungrig am Morgen in die Schule und abends hungrig ins Bett gehen müssen; ein Fünftel der Kinder tragen dies grauenhafte Los. Aber die Bürgerblock- Parteien lehnten unseren Antrag auf weitere Bewilligung von 5 Millionen Mark für Kinderspeisung ab, weil das Sache der Länder sei. Die Länder sagen, sie hätten kein Geld, und ja läßt man die Kinder Huntzern. Dafür bewilligten dieselben Parteien im Reichstag Millionen von Mark für den Van eines Kreuzers. Helft, daß alle Mütter sich am 20. Mai ent- scheiden für die hungernden Kinder, gegen Militärrüstungen? Und helft uns,' daß de? Anspruch der erwerbstätigen Jugend auf gesunde Entwicklung, auf Berufstüchtigkeit und Lebensfreude endlich von der Gesetzgebung anerkannt wird! Weil wir nicht genügend stark im Parlament waren, ist unsere immer wieder e'weute Forderung auf eine Neurege- hing der' Berufsausbildung, auf die Höchstarbeitszeit von Stunden in der Woche, auf bezahlten Sommerurlaub für Burschen und Mädel noch immer nicht erfüllt. Ist das Wohnungswesen noch immer so elend, daß von neun Millionen JuA£pdlichen. jeder Zweihundertstc mit einem fremden Menschen in einem Bett schlafen muh. Ihr jungen Wähler. Heft;, chr Väter, ihr Mütter, helft, daß es anders werden kann! Wir wollen, daß Leib und Seele za ihrer vollen Blüte und Vollendung kommen. Wir wollen, daß der arbeitende Mensch— ob Hand- oder Kopfarbeiter, ob Künstler oder Ge- sehrter— den Platz in Staat und Gesellschaft erhält, der ihm als Kulturschöpfe? und Kulturträger gebührt. Und wir wollen, als Grundlage allen Kulturfortschrittes, den Frieden zirnjcf!»,, den Völkern. Helft alle, daß unserer sieqsrohen Maifordenmg die Wahlen des 20. Zstai die Ersüllungsmöglichkeit gebent Für die Verständigung! Bon Vudolf Dreitscheld.• Als der Ausgang des ersten französischen Wahlgangs be- kannt wurde, benutzte die deutschnationale Presse das für die Linke unerfreuliche Ergebnis zu der Mahnung an die deut- schen Wähler, nun ihrerseits für die Wiederkehr einer Rechts- regierung in Deutschland zu sorgen. Wer links wähle, jo hieß es, unterstütze P o i n- c a r ä.— Wahrlich, eine seltsame Logik! Wenn in Frank- reich ein berechtigten deutschen Ansprüchen und Wünschen widerstrebender Nationalismus am Ruder ist, dann soll sich die außenpolitische Lage Deutschlands nur bessern können, wenn sich in Berlin die Westarp, Freptagh-Loring- Hoven usw. an der Macht befinden! Die Unversöhnlichkeit der einen soll durch die Hartnäckigkeit der andern überwunden werden. Seit 1924 ist bei uns ein bürgerliches Kabinett dem andern gefolgt, und in zweien von ihnen saßen die Deutschnationalen mit sehr maßgebendem Einfluß. Sie hatten vorher dem Volke für den Fall, daß sie an die Re- oierung kämen, den Bruch mit der vorausgegangenen Politik der„Erfüllung" und in seiner Folge Aufstieg und Be- f r e i u n g in Aussicht gestellt. Aber sie haben ihre Ver- svrechungen nicht eingelöst. Obwohl in derselben Zeit die Linke in Frankreich verhältnismäßig stark war, und obwohl selbst Poincarö die Neigung zeigte, das starre System seiner Rechthaberei aufzugeben, wurde keinerlei Erfoltz erzielt, am wenigsten in der Frage der Befreiung der Rheinlande, und iMi-März 1927, also unter der Herrschaft des Bürgerblocks, mußte Strefemann zugestehen, daß wir uns in der letzten Zeit rion der Erfüllung des Wunsches nach Räumung der besetzten Gebiete eher entfernt hätten, als daß wir ihm nähergekommen wären. Was die Deutschnotionalcn von einer französischen Re» gierüng. die auf die Linke Rücksicht zu nehmen hatte, nicht er- reichen konnte, das wollen sie demnach von einem weiter nach rcchks orientierten Kabinett erzwingen. Sie erklären jetzt, daß die bisher angewendeten Mctho- den falsch gewesen seien. Die hätten uns von Tnttäuschung zu Enttäuschung geführt, aber sie Unterlasten, hinzuzufügen, daß sie diese Methoden mitgemacht haben, daß sie Erfüllungs- politik im weitesten Umfange trieben, und daß sie, wenn ihre Abgeordneten im Reichstag gelegentlich eine leise Kritik wagten, auf ein Stirnrunzeln des Außenministers oder des Zentrums hin sofort wieder zu Kreuze gekrochen sind. Nun werden sich die Deutschnationalen vielleicht darauf berufen, sie seien eben ziffernmäßig nicht stark genug gewesen, um ihren Willen in der Koalition durchzusetzen, und eine Vermehrung ihrer Macht am 20. Mai würde ihnen die 5iände für die Vollendung der Befreiung freimachen. Nach allem. was vorausgegangen ist, haben wir ein Recht, an solchen Verheißungen zu zweifeln. Sie haben ihre Stellung bisher nur benutzt, um ihren Anhängern wirtschafts- und finanzpolitische Vorteile zuzuschanzen. Die Außen- Politik trat darüber für sie ganz in den Hintergrund. So würden sie es auch weiter halten, wenn sie aufs neue an einer Regierung teilnehmen könnten. Aber ganz davon abgesehen, was wollen sie denn tun? In ihren Kundgebungen sprechen sie von der Notwen- digkeit, eine Annäherung an die Gegner Frankreichs zu voll- ziehen, und sie erwähnen dabei namentlich Italien. Doch niemand kann im Ernst glauben, daß ein engeres Zusammen- gehen mit Mussolini uns der Befreiung der Rheinlande j näherbringen könnie, und selbst wenn sie auf de? bisherigen Linie verharrten, lo wissen sie so genau, wie wir es wissen, daß allein ihre Zugehörigkeit zum Kabinett den Widerstand jeder französischen Regierung— und einer der Rechten noch mehr als einer der Linken— verstärkt. Vor einigen Monaten schrieb der bekannte Pertmax rm nationalistischen„Echo de Paris", noch einem Lmkssieg in Deutschland würde eine linksgerichtete Regierung, dce vier ungeduldiger wäre als das Kabinett Marz-Stresemann-Hergk, sofortige' außenpolitische Erfolge erstreben und auch erzielen. In der Tat. die Linke hat das viel größere Recht, an die internationale Vernunft zu appellieren und die viel größere Aussicht auf die Wir- kung dieses Appells. Aber wenn wir von der Linken sprechen, denken wir natürlich in allererster Linie an die Sozial- demokrotie, deren Wille zu einer dem deutschen Volke zugute kommenden Verständigung sich hundertfach be- wahrt hat.... Auch vom außenpolitischen Standpunkt aus kann die Parole atfo nur tauten: Brecht den Einfluß der Deutfchnalionalen. helft der Sozialdemo- krakie zum Siege! Crbschast des Bürgerblocks. Von Hugo Heimann. Der Reichshaushalt für das laufende Rechnungsjahr 1928 schließt in Einnahme und Ausgabe ab mit 9,6 Milliarden. Bis auf den verhältnismäßig geringen Betrog von 664 Mit- lionen, die aus den verschiede- nen Verwaltungs- und sonstigen Einnahmen des Reichs stam- mcn, fließt diese ungeheure Summe aus zwei Quellen: den Zöllen und Steuern. Schon 1924 hatten die ausländischen Sachverständigen im Dawes- Gutachten erklärt, daß nach ihrer Ansicht die Besitzbelastung in Deutschland zur MasieNbelastung in keinem richtigen Ver- hältnis stehe, und erheblich geringer sei als in anderen großen Staaten Europas. Seit 1323 ist die Sozialdemokratie an keiner Regierung beteiligt gewesen, und seit jenem Urteil haben die bürgerlichen Parteien, und insbesondere der Bürgerblock, selbst unter Bruch gesetzlicher Verpflichtungen (Lohnsteuer nicht genügend herabgesetzt— Vermögenssteuer nicht nacherhoden) dos getadelte Verhältnis noch verschlechtert. Die TNassenbelastung trägt jetzt nicht weniger als 63 Proz, der Besitz nur 37 Pro;, allsr Besteuerung. Bei jeder Gelegenheit Hot das sozialdemökrätkfche Fraktion mit aller Kraft versucht, diesen kraß un�crechtcst Bertelllings- Maßstab zugunsten der arbeitenden Masten zu verschieben, und die mehrfachen„Steuermi1derllNgs"-Akiionen, die der verflossene Reichstag seit 1924 unternommen hat, nicht nur auf den Besitz, sondern in fühlbarer Weise auch aus die Massenbelastung auszudehnen. An dem Widerstand der ge- schlössen auftretenden bürgerlichen Parteien sind diese Ver- suche gescheitert. Nur wenn die Wähler sich dazu aufraffen, am 20. Mai eine weit stärkere sozialdemokratische Vertretung in den Reichstag zu entsenden, wird der Kampf der bürger- lichen Parteien um ihre heiligsten Güter zugunsten der Massenbelastung entschieden werden können. Auf der Ausgabenssite des Etats liegen die Dinge nicht bester. Die Reichsausgaben zerfallen in drei große Gruppen. Diejenigen, die zwangsläufig sind und vom Reichstag aus eigener' Mochtvollkommenheit nicht geändert werden können (Reparationsleistungen). Zweitens in Ausgaben, die zwangs- läufig sind, weil sie auf unbefristeten, außerhalb des Etats erlassenen Gesetzen wie den Besoldungsordnungen und dergl. beruhen. Schließlich in solche Ausgaben, die alljährlich vom Reichstag im Etat neu festzusetzen sind. Diese dritte Gruppe ist die bei weitem kleinste. Um so notwendiger wäre es ge- wesen, mit den geringen hier zur Verfügung stehenden Mitteln so sozial und so sparsam wie möglich zu wirtschaften. Dies wäre auch um deswillen dringend geboten gewesen, weil das Gleichgewicht im Etat für 1928 nur mit den gewagtesten Experimenten und trotzdem nur auf dem Papier hat herge- stellt werden können. Aber sparsam war der Bürgerblock nur da, wo Ausgaben in Frage kamen, die in erster Reihe die Masten berühren. So sind kulwrelle Zwecke nur mit 34 Millionen Mark. gesundheitliche mit 6 Millionen Mark dotiert! Für soziale Maßnahmen im'weitesten Sinne des Wortes, einschließlich aller gesetzlichen Verpflichtungen aus der Sozialversicherung weist der Etat im ganzen 533 Millionen Mark aus. Jede Neueinsetzung einer Position(z. V. für die Kinderspeisung 5 Millionen Mark) wurde wegen Mangel an Mitteln schroff abgelehnt. Dagegen hat der Bürgerblock es für feine Pflicht erachtet, neben anderem den verschwenderisch aufgestellten Wehretat ohne den geringsten Abstrich zu genehmigen, ja die erste Rate für einen neuen Panzerkreuzer zu bewilligen, die nach dem von der Marineleitung selbst bekanntgegebenen Schiffsbauprogramm Ausgaben von min- destens 400 Millionen Mark nach sich ziehen wird. So ist das Erbe, das der verflossene Reichstag auf finanziellem Ge- biet dem neu zu wählenden hinterläßt, fürchterlich. Die früher vorhanden gewesenen Reserven des ordentlichen Haushalts sind buchstäblich bis zum letzten Pfennig ver- braucht. Der außerordentliche Haushalt, der aus Anleihen zu decken ist, müßte zur Fortführung der bereits beschlossenen und begonnenen großen Bauten'(Kanäle, Eisenbahnen. Siedlungen usw.) mit 852 Millionen Mark aus neu zu be- gebenden Anleihen dotiert werden. Da an die Aufnahme neuer Anleihen für das Reich jetzt und in absehbarer Zeit nicht zu denken ist. könnte auch im außerordentlichen Hpus» halt nur ein künstliches, rein popiernes Gleichgewicht her- gestellt werden. Bei dieser Sachlage weis', niemand, wie der kommende Etot für dos Rechnungsjahr 1329 wird bolanziert werden können. Bleibt die politische Machtverteilung im Reichstag nach den Wahlen die gleiche oder eine der jetzigen ähnliche, so werden die bürgerlichen Parteien mit absoluter Sicherheit die. kommende Ausgabenkürzung bei den sozialen und kulturellen Positionen des Etats, die trotzdem noch not- wendige Einnahmefteigerung bei der Massenbelastung vor- nehmen. Wer will, daß solchem gefahrdrohenden Beginnen erfolg- reich enigegengelreten wird, wer verlangt, daß die Ruhnießer: der Heuligen Finanz- und Wirtschaftspolitik weit stärker als bisher zu den Lasten des Reichs herangezogen werden. der gebe am 20. Blai feine Klimme der Kozialdemo- kratifchen Partei, die. allzeit der Anwalt der werk- tätigen Bevölkerung gewesen ist. Der Kampf um die Abrüstung. Boa' Franz Künstler. Die Gegensatz«, die sich in Eü- ropa in der Vorkriegszeit Haupt- sächlich um Clsah-Lothnng-n und den Balkan gruppierten, hgben durch die vielen neuen/ Htaatdn- dildungcn nach dem Wettkriege cm Zahl und Schärfe zugenommen. Die Folge ist. daß trotz aller Pro» paganda für eine Abrüstung hcuts bereits in Europa ein« Mit- > i o n Soldaten mehr übt er Waffen stehen, als bei Ausbruch: de» Weltkrieges. Heute zahlen die Völker Europos jür den Wililariswu» der Nachkriegszeit jährlich über S Milliarden Marl. Nach Berechnungen der Wrtschojtsabteilung des Völkerbundes geben die Völler der Erde.jährlich über-IS Mllliarden Mark für Heer und Marine aus. Trotz Völkerbund und Abrüstungs- Propaganda starrt die Welt in Waffen. Da» Proletariat aller Länder, vor allem aber die deutsche Ar» beiterschaft, hat die Pflicht, diesen außenpolitischen Dingen die größte Ausmerlsamkeit zu schenken. Gerode der deutschen ArbeiSerschast fällt in dem Kampf gegen die Kriegsgefahr und für die Abrüstung zu Wasser und zu Lande und in der Lust eine besondm Ausgabe zu. Wir leben in einem Land«, das infolge des Dersailler Vertrages so gut w i e abgerüstet hat. Das Hunderttausendnronn- Heer und die 15 000 Mann starke Kriegsmarine, mit gönzlich ungenügender Bemaffnung und Ausrüstung, send keine ernsthaften Gegner der modernen Armeen der europäischen Groß- mächte. Aber allzu leicht kann bei kommenden Auseinandersetzungen der europäischen Staaten Deutschland das Aufmarschgelände abgeben. Daraus entsteht für die deutsche Arbeiterschaft erst recht die Pflicht, Vorkämpfer für die allgemein« Abrüstung zu sein und nicht den Wünschen unserer Militaristen nach Ausrüstung entgegen- zukommen. Das Ausrüsten, und das au, Angst vor dem bösen Rachbarn sich ergebende Wettrüsten der Vorkriegszeit, hat nicht zu- letzt 1914 das Puwerfoß explodieren lassen. Auch die ehemaligen Gegner Deutschlands haben vor der ganzen zivilisierten Welt die Verpflichtung übernommen, die Abrüstung durchzuführen. Im Artikel 8 des Friedensvertrages haben die ehe- maligen Gegner Deutschlands wörtlich erklärt: Die Bundesmttglieder(Völkerbund) bekennen sich zu dem Grundsatz, daß die Ausrechterholtung des Friedens eine Herab- setzunz der nationalen Rüstungen aus das Mindestmaß cr- fordert usw. Alle Verträge sind nur ein Stück Papier, wenn nicht der Will« und die Macht vorhanden tst,«ingegangene Verpflichtungen durchzuführen. Die Angst unter den ehemals Ver- Kündeten ist ober so groß, daß niemand ernsthaft daran denkt, den Weg der Abrüstung zu beschreiten. Die vielen sogenannten Ad- rüstungskonserenzen der letzten Jahre waren dafür das beste Spiegel. biw. Di« Arbesterklasse aller Länder muß daher ganz energisch in Aktion treten..Die Sozialdemokratie Deutschlaichs und mit ihr die Sozialistische Arbeiter-Internationale, ist grundsätzlich für eine allge- mein- Abrüstung. In diesem Kampf stehen die Arbeiter aller Länder gegen eine internationale Front der Nationalisten und der Mili- tarisstn. An, ö. August wird der Brüsseler Kongreß der Sozialistischen Alcheiter-Jnternational« zu der Frag«»Militarismus und Abrüstungsprobteni" Stellung nehmen. Ansang diese» Johre» hat eine Kommission der Internationale Bericht und(Entschlüsse über die Abrüstungsfrage vcrästentllcht. Dem Internationalen Kongreß müssen gewaltige Aktionen der Arbeiter aller Länder für eine Ad- rüstutig und ein« Völkerverständigung vorausgehen. Unser 1. Mai wird ein Tag sein, an dem die Proletarier aller Länder gelob«,. sich nie wieder für kapitalistische und militaristische Zwecke auf die Schlachtbank führen zu lassen.' Dos Proletariat soll sich daran er- innern, daß die vielen Mllionen Menschen, die im Weitkriege ge- fallen sind.— einer. neben den anderen gelegt—.«inen Weg von 10 000 Kilometern, etwa von Berlin bis Wladiwostok sLstosien), aus- füllen könnten. Das deutsche Proletariat ist mtsgerufen, on> 20. Mai eine Entscheidung zu fällen, * für Frieden und Bölkcrversöhavug gegen strieg und Völker- ____ Verhetzung! Kultur und Wohlfahrt! Unser Kampf um die Schule. Bon Kurt Löwenstein. Der Sozialdemokratischen Partei wird in ihrem langjährigen zähen Kampfe um eine Reichsa chulpolitit oft der Bormurf eines formalistischen Zentralismus und eines mangelnden Verständniffes für stammeseigentümliche Kultur gemacht. Niemand in der Sozialdemokratischen Partei hat je die Bedeutung übersehen, die heimatliche Bodenständigkeit und fulturelle Ursprünglichkeit gerade in der Erziehung haben. Aber ebensowenig dorf übersehen werden, daß alle Probleme der Erziehung Probleme des heranwachsenden Geschlechts, Probleme für morgen sind. Reichsschulpoluit bedeutet für uns die Orientierung der Schule nach den lebendigen Birtlichkeiten unserer Zeit, nicht nach den Werturteilen einer längst überwundenen herrschenden Oberschicht, nicht nach den verblaßten Idealen vergangener Zeiten. Die Wirklichkeit mit all ihrem lebendigen Werden und Wirken, in all ihren zukunftsfrohen sozialen Idealen, das ist auch der Inhalt der weltlichen Schule. Unser Kampf geht gegen die Autoritätsgläubigkeit und die dogmatische Bindung der alten Schule, die die Kulturreaktion im Reichschulgesetz wider die Verfaffung und wiber die geschichtliche Entwicklung uns aufzwingen wollte. Berantwor tungsfrobe, in freier Solidarität verbundene schöpferische Menschen mollen wir in unferen Schulen machfen laffen, darum soll unfere Schule eine einheitliche soziale Aufbauschule, feine offene und keine verschleierte Bekenntnisschule fein. Die werdende Gesellschaft ist nicht arm an Idealen, verlangt wiffende und könnende Menschen. Die alte Schule reicht nicht mehr aus. Schon jetzt bauen wir aus den weltlichen Bedürfnissen unserer Zeit die neuen Lebens- und Wachstumsstätten unserer Jugend. Das ist keine Angelegenheit Preußens oder Bayerns, das ist ein einheit liches Wachstum unserer gesamten gesellschaftlichen Entwidelung in Deutschland. Wie am 1. Mai die arbeitenden Massen in allen Sprachen die gleiche Kulturforderung des Achtstundentages erheben, so wächst aus allen Völkern, in denen der Kapitalismus die Proletariermassen zusammengefügt und die neue sozialistische Wirtschaft und Gesellschaft notwendig gemacht hat, das Bedürfnis der neuen sozialen meltlichen Aufbausdule. Gewiß unterscheiden sich ländliche und industrielle Gebiete voneinander, fordern die verschiedensten Berufe indiviSuelle Ausgestaltung des Schulwesens. Aber barin find alle Berufe gleich, daß sie Menschen brauchen, deren Kräfte gelockert, deren Urteilskraft gefestigt und deren soziales Bollen start und tatfreubig ist. Die Berufsschule, die wir Sozialdemokraten gestalten moller, foll in diesem Sinne einheitlich in allen beutschen Landen ihre Zielsetzung haben. Seit Jahren fordern wir im Reichstag ein einheitliches Berufsschutgefeß, doch diese Forderung scheiterte an der fapitalistisch und reaftionär eingestellten Mehrheit. Für diese Schufe brauchen wir den neuen, wissenschaftlich und sozial vorgebildeten Lehrer. Das Lehrerbildungsgesetz, für das noch in Jebem Reichs mir tag uns eingelegt haben, wurde nicht verabschiedet, weil, mon bald die Kosten, bald die fulturelle Auswirkung fürchtete. Es ist nicht Zufall, daß in Ländern, in denen die Sozialisten entscheidenden Einfluß haben, eine neuzeitliche Lehrerbildung durchgeführt ist. während in Bayern und Württemberg her fünftige Lehrer noch heute in den autoritären Seminaren gedrillt wird. Auch Kulturfragen sind Machtfragen, Fragen äußeren politischen Kanipfes und innerer geistiger Bereitschaft. Der 20. Mai entscheidet nicht nur über Wirtschafts- und sozialpolitische Fragen, sons dern auch über die äußeren Wachstumsbedingungen einer freien sozialen Kultur. Die Arbeiterwohlfahrt. Bon Marie Juchacz. Erster Mai ist Kampftag. Die Arbeiterklasse bettelt nicht, fie fordert und sie gelobt unerbiti lichen Stampf um die Durchfüh; rung ihrer Forderungen. Solidarität ist die Vorauslegung alles gemeinsamen Kämpfens, mag es fich um politische, wirtschaftliche oder fulturelle Ziele handeln. Nur Schritt um Schritt, mur mit der nebeneinander gehenden Anwendung vieler Methoden lan das errungen werden, was in feiner Gesamtheit erft wirkliche Volkswohlfahrt ist. Die bildungsund Schönheitshungrige, aufstrebende Arbeiterklasse stößt in ihrem Borwärtsschreiten überall auf Hindernisse und Schranken. Gegen Arbeitslosigkeit, Krankheit, Invalidität und Alter hat fich die tämpfende Arbeitertlaffe mit Hilfe der Sozialdemokratie gewiffe sozialpolitische Sicherungen schaffen tönnen. In ihrem Streben zu dem Bildungsgut der Gegenwart hat sie sehr vieles der Selbsthilfe zu verdanken. Aber die Bielfältigkeit und Rompliziertheit der tapi talischen Wirtschaft erzeugt täglich neue soziale Not und der fulturelle Aufstieg der Arbeiterklasse läßt uns manchen sozialen Miß stand noch viel stärker als früher empfinden. Es ist deshalb felbst. verständlich, daß neben Bartet und Gewerkschaft, neben Bildungs organisation und Arbeiterjugend, neben Gesangvereinen und Sport fartell, die Kinderfreunde" und die Arbeiterwohlfahrt" entstehen mußten. Ist die Arbeitermohlfahrt eine feantimental- fitschige Organisation, deren Helfer und Helferinnen sich zum befteln und Almosenverteilen verpflichtet fühlen, wo man im Drang bes guten Herzens" eine freie Liebestätigtit ausübt, fich himmelhoch erhaben fühlt über die Armen und Elenden"? Nein und tausendmal nein! Wir haben uns aus dem großen Komplex fozialer Fragen des halb ein Sondergebiet ausgewählt, weil wir das gründlich und fachgemäß bearbeiten wollen. Im alten Deutschland wäre die Arbeiterwohlfahrt nicht möglich gewesen. Uafer Mährboden ist die Demokratie und das Frauenwahlrecht. Sie haben erst die Kräfte für die moderne Wohlfahrts. und Jugendpflege freige Der flassenbemußte Arbeiter weiß, daß JugendpermabrLosung. Trunthucht, Armut m Lafter mit unserer macht. ach Wirtschaftsordnung einhergehen, Die Wohnungselena, schlechte Entfohnung, Arbeitsmengel, geringe Rauf fraft des Geldes im Gefolge hat. Der Hoffer der Arbeiterwohlfahrt stellt deshalb die Frage nach dem„ Warum" bei jeder Ginzel erscheinung des Glends in einem ganz anderen Sinne als es z. B. die Vertreter der firchlichen Weltanschauung tun. Nicht fromm, gut, fleißig, gottlos, schlecht und faul find die Une terscheidungen und Beurteilungen. Mit feinem Gefühl findet der hilfsbedürftig gewordene Mensch heraus, mer Berständnis für die Ursachen seiner Notlage hat. Barlamente und Regierungen haben den modernen Anschau ungen entsprechen müssen. Das Reichsgefez für Jugend mohlfahrt, das Jugendgerichtsgefeß, die für orgepflichtverordnung sind Früchte moderner Arbeit, euer Anschauungen und dauernden Forderns. Die Gemeinden find ausführende Organe dieser Gesetzgebung. Durch andauernde syfte Ae Stadtgebäude find beflaggt, erst recht die vielen Bolkswohnhöfe des neuen Bien. Der Rundfunt hat angemessenes Feiertagspro gramm, auch ein Arbeiterfinderchor singt im Radio. Maiverbote und Verhaftungen. Sowno, 30. April. Sämtliche Straßenumzüge und Kundgebungen am 1. Mai find auf Grund des Kriegszustandes perboten worden. Auch ein Gesuch der Sozialdemokratischen Partei um Genehmigung pon Bersammlungen in geschlossenen Räumen wurde abschlägig beschieben. Das gleiche Berbat bezieht sich auf alle geplanten Arbeiterversammlungen. Riga, 30. April In Lettland hat die politische Polizei in mehreren Städten bei tammunistischen Arbeitern Hausfuchungen vorgenommen, weil im zusammenhang mit der Maifeier eine verstärkte Tätigkeit der Kommunisten vermutet wurde! In Windau wurden auch größere Mengen kommunistischer Aufrufe usm gefunden, bie offenbar bei ber Maifeier verteilt werden sollten. Einige Berbaftungen wurden vorgenommen. Tofio, 30. April Der Innenminister hat in ganz Japan Umzüge am 1. Mai perboten. Gleichzeitig sind in Japan zahlreiche Ber und die Gendarmerie perschärften Straßendienst. Ein Gruß der Internationale bangen vorgenommen worben. In Totio verficht die Polizei Als Vorsitzender der Sozialistischen Arbei terinternationale grüße ich die Sozialdemokratische Partei Deutschlands am heutigen Maitage in Hochachtung und Bewunderung. Was immer in den jüngstpergangenen Jahren an moralischen, ökonomischen und politischen Fortschritten in Westeuropa erzielt werden konnte, ist zu einem bedeutenden Maße der deutschen Sozialdemokratie zu danken würdigen Haltung in einer für die Nation schweren Zeit, ihrem weisen Urteil und der Tatsache, daß sie, im Interesse des internationalen Friedens, stets die richtige Art des Vorgehens im richtigen Augenblick gewählt hat. Ich bin überzeugt, daß, trotz der Opposition der reaktionären Rechten und der nicht minder reaktionären äußersten Linken, der deutsche Boden von den fremden Besatzungsarmeen befreit werden und der Frieden in Westeuropa auf einer dauernden Grundlage durch eine Politik verwirklicht merden wird, zu deren hervorragendsten und einflußreichsten Vorkämpfern die deutsche Sozialdemokratische Partei zählt. Ich hoffe, daß die Leitung des Schicksals Deutsch: lands in der Gemeinschaft der Nationen vom deutschen Volke am 20. Mai dem deutschen Sozialismus mit übertragen, werden wird. Arthur Henderson. An die deutsche Arbeiterschaft! Der Führer der Britischen Arbeiterpartet richtet zum 1. Mai folgende Botschaft an die deutsche Arbeiterschaft: BL Maifeierstreit in Argentinien. Buenos Aires, 30. April Wie die Prensa" meldet, ist zwischen den beiden Gruppen ber argentinischen Sozialdemokratie ein Streit megen ber Maifeier aus. gebrochen. Die Regierung hatte den 1. Mai zum Feiertag erflärt und durch die Polizei den unabhängigen Sozialisten die Er laubnis zur Veranstaltung eines Umzuges erteilt. Dagegen haben minn afgiffent ung eines daß der 1. Mai in Argentinien amtlich als efttag zugelassen wird baß die abtretende Regierung Dr. Alvears, die bei den Wahlen eine und daß öffentliche Rundgebungen erlaubt werden. Man nimmt an, pernichtende Niederlage erlitten hat, sich durch ihr Entgegenkommen die abtretende Regierung Dr. Alvears, die bei den Wahlen eine bei den Sozialisten befieht machen wollte. Allerdings werden auch beren Wahlmänner die bevorstehende Präsidentenwahl nicht mehr beeinfluffen können. Wahlschrift für die Frau. Die„ Frauenwelt". Die Wahlnummer der Zeitschrift Frauenwelt" liegt jest nor. Eine Fülle von guten Beiträgen wird auf verhältnismäßig geringem Raum geboten für nur 30 Bf. Der Umschlag bringt ein feingetöntes Genber mendet fich mahnend an die Leserin, an die einzelne Titelbild: Junge Frau, Baftellzeichnung von Paul Thefing. Toni Wählerin und Staatsbürgerin, rückt doch der 20. Mai, der große Entscheidungstag, immer näher. Jeder von uns meiß, wie fehr es dabei auf die Frau als Wählerin antommt. Beim Durchblättern der Frauenwelt wird der Wunsch rege, daß sie jeder Frou in die Hand gegeben werden fönnte, daß jede Beserin den Wunsch und die Möglichkeit hat, das Heft weiter zureichen, um für die Sache des Sozialismus werben zu helfen. Baut 20 be. Mathilde Worm. Wilhelm Solfmann, Aufbäufer, Clara Bohm Schud bämmern dem Leser ein. Ich sende meine märmsten Wünsche zum großen mos für die Wahlen notwendig beachtet perben muß. Sie finden internationalen Festtag der arbeitenden Massen. Ich treffende Worte gerade für die Frau. Wilhelm Haufenstein hoffe, daß die Arbeiterschaft der deutschen Republik sich macht mit cinem der besten Maler der Gegenwart, Mar Unalb, einig um das sozialdemokratische Banner befannt, den er einen Mater der Vorstadt" nennt, einen reellen" scharen und daß die kommende Zeit für sie Wohlaler. Ein wertvoller Beitrag, mit reichem Bildschmuck. Beiter ergehen und Fortschritt bringen wird sowohl in wirt- Buff" des Holländers Hermann Heijermans. Auch die bringt das Heft den Anfang des heiter fatyrischen Detettipromans schaftlicher als auch in politischer Hinsicht. J. Ramsay Macdonald." matische Schulung, Bereitstellung und Bermittlung ihrer Kräfte für den ehrenamtlichen und beruflichen sozialen Dienst hilft die„ A beiterwohlfahrt" unzähligen Müttern, Waisen, Greisen und Indatiden, der gefährdeten Jugend. Hier gibt uns das Gefeß Arbeits möglichteiten in großem Umfang. Mitarbeit am Jugendamt, in ber Bormundschaft, Jugendpflege und Fürsorge, besonders durch Aus übung von Schußaufsichten an der gefährdeten Jugend, Hilfe in der Familienfürsorge, Unterhaltung von Beratungsstellen und Näh stuben, Ausübung der Haushaltspflege bei Erfrantung der Haus frauen oder Wochenbett der Mütter, Gefährdetenfürsorge, Gefan genenhilfe, soziale Gerichtshilfe, find nur ein Teil der Arbeiten, die ohne Mithilfe der Arbeiterschaft im bemokratischen Staat nicht mehr geleistet werden sollen. Borbeugen ist besser als heilen! Eine ausgedehnte örtliche Kindererholungsfürsorge, allein von der Ar beiterwohlfahrt oder im Dienst der Gemeinde mit ihrer Hilfe durch geführt, zeugt davon, daß es uns mit diesem Grundfas erft ift. Das Entstehen von Erholungsheimen für Kinder und Erwachsene, von Lehrlings-, Erziehungs- und Ledigenheimen in eigener Bermaltung, gibt ebenfalls 3eugnis von opferwilligem, ausbauerndem Arbeitswillen. Stüche ist nicht vergessen, die Kinder nicht und vor allem nicht die Frau als Schneiderin. Bon dieser Zeitschrift fann man fagen: es ist hervorragend, was der schaffenden Frau geboten wird, Das Recht der Minderheitvölker. Grundsägliche Regelung in Borbereitung. Amtlich wird mitgeteilt: In dem Bestreben, das Recht der Minderheitoölfer in Deutsch fand bei Mahrung ihres Bolfstums sicherzustellen, hatten die zus ständigen Reichs- und Staatsrefforts eine Studienfommiffion mit der Aufgabe eingesetzt. Borarbeiten für eine Regelung des Minderheitenwesens zu leisten, diese Fragen eingehend, nicht nur theoretisch zu prüfen und praktische Vorschläge zu machen. Die Stommiffion hat ihre Arbeiten, in deren Berlauf sie auch mit Minderheitennertretern Fühlung genommen hat, abgeschlossen und dem preußischen Staatsministerium über die Ergebnisse berichtet, außerdem einen bis in einzelne gehenden Entwurf einer Regelung des Minderheitsschulwesens unterbreitet. Das preußische Staats. ministerium hat dazu vorläufig Stellung genommen und erachtet den Entwurf als eine geeignete Grundlage für weiteres Borgehen. Danach soll zunächst für die zahlenmäßig bedeutendste Minderheit, die polnische, eine einheitliche Regelung für das gesamte Staatsgebiet erfolgen, Der Entwurf geht von dem Grundfaß aus, daß das Bekenntnis zur Minderheit in die frele Entschließung des einzelnen gestellt Aber das wollen wir am 1. Mai, dem großen Weltfeiertag ber Arbeit, noch einmal ganz besonders betonen: Nicht selbstzwed ist uns allen, die wir diese Form des Dienstes am Menschen ge wählt haben, die„ 2 r beiterwohlfahrt". Uns ift diese Arbeit nur eins der Mittel, mit denen sich die tämpfende Arbeiter. wird und daß der Minderheit jeder angehört, der ihr zugerechnet fchaft ihren Platz im Staat und in der Welt erobert. Ueber allem steht als Ziel der Sozialismus die wirkliche Konvention vom 15. Mai 1922, Artifel 74/131 enthaltenen Grund zu werden wünscht. Er schlägt. Damit nor, die in der Genfer Wohlfahrt der Arbeiterflaffe. Der 1. Mai im roten Wien. Staatsfeiertag auch in der Zschechoslowakei. Sowohl Deutschösterreich wie die Tschechoslowakei haben in ihres Entstehens Sturm und Drang den 1. Mai neben dem Revolutions. tag zum Staatsfeiertag erklärt. Während die jetzigen Bürgerblod. regierungen diefer Länder pom 1. Mai möglichst abrüden, mird er von den Arbeitermassen immer imposanter gefeiert. An Wien mar schierte am Vorabend die Arbeiterjugend mit Fackeln über die Ringstraße. Heute vormittag ziehen die Massen geschloffen mit Fahnen und Musit zum Rathaus, wo nach Chorgesong und Inftrumentalmufit von zahlreichen Tribünen gesprochen wird. Rach mittags ift auf dem Freiheitsplatz vor dem Rathaus große Arbeiter. Sportvorführung, abends find in allen Bezirken tünstlerische Feiern fäße mummehr auch aus eigener Entschließung au übernehmen. Bei der Grundlage des freien Bestimmungsrechts der Erziehungs berechtigten sieht der Entwurf sodann eine Regelung des öffent fichen und privaten Minderheit schulme fens insbesondere für bie Borausfegung por, daß private Minderheitsschulen aus offentligen Mitteln zu unterstützen sind. Berner enthält der Entwurf Vorschläge, den Minderheitschulen geeignete 2ehrträfte zu verschaffen. Das Staatsminifterium läßt nunmehr die Stellungnahme der in Betracht fommenden staatlichen Behörden sowie der Vertreter der pelnischen Minderheit zu den Vorschlägen der Studien fommission herbeiführen. Nach den Ergebnissen dieser Besprechungen mird das Staatsministerium endgültig beschließen. Nach dem zmedlojen Besuch in St. Gotthard, von wo die Horthysten längst die italienische Waffenlieferung weiterverschoben haben, ist der Dreierausschuß des Völferbundes um zwei tec. aise Sachverständige vergrößert worden. Maigedanke/ Reichstagswahlen. Bon Rudolf Wiffell. Arbeiterschutz ist der Grundgedanke des 1. Mai. Das Streben nach freier Zeit, um an den Kulturgütern der heutigen Zeit teilnehmen zu tönnen. Nicht soll das Leben in ständiger Arbeit sich er schöpfen. Das Leben soll nicht nur Arbeit sein, sondern auch Freizeit gemähren, in der der Mensch an sich selbst weiterarbeiten, an allem Schö Dom Maschiniften und Hetzerverband herausgegebenen aj zeitschrift Energie", die feit April dieses Jahres auch als tech nisches Organ des Metallarbeiterverbandes gilt. Mögen die Gewerkschaften in der Auswahl ihrer Angestellten hinsichtlich der Treue und Hingabe zur Sache stets eine so glück. liche Hand haben wie bei diesen Genossen, die heute mit Stols den 1. Mai feiern können. e Breslau, 30.. April überaus trübes Bild ergab sich da. Wo Kinder beschäftigt waren, waren sie fast den ganzen Tag, oft bis spät in die 60 000 Tertilarbeitern droht Aussperrung! Nacht, in dumpfe enge Stuben und Werkstätten eingesperrt. Hier waren sie Ohrenzeugen grober unsittlicher Reden und Handlungen der Erwachsenen, hatten oftmals am Tage die härtesten Mißhandlungen zu erdulden. Ihre magere Kost beschränkte sich hauptsächlich auf Kartoffeln mit Salz und Waffer, Kartoffelkuchen, in Rüböl gebaden, und Bichorien brühe. Die Haupttendenz ihrer Erholung richtete sich auf Spiel, Tabat, Branntwein, Unzucht und Rauferei( Kreis Iserlohn). In der heutigen Sihung schlesischer Textilindustrieller in Breslau wurde die Aussperrung befchloffen, falls die Tarifkündigungen in einigen Betrieben, wie bei Chriftian Dierig in Langenbielau und Fraenkel in Neustadt, nicht zurüdgenommen werden. Es würde sich eventuell um die Ausfperrung von 60.000 Arbeiter handeln. Zur Beilegung des Konflikts find für Mittwoch in Breslau chlichtungsverhandlungen angefeßt. Man rechnet damit, daß es am Sonntag zur Fällung eines Schiedsspruches tommt. Jedenfalls sind die Funktionäre des Deutschen Textil. arbeiterverbandes aus den an der Bewegung beteiligten Gebieten für Donnerstag bereits zusammenberufen, um sofort zum Resultat der Berhandlungen Stellung zu nehmen. Die Kinder litten fast ohne Ausnahme an strofulösen Zunen und Großen sich begeiſtänden aller Art und unterschieden sich durch allgemeines tern, fich als Kultur Körperschwäche, Abmagerung, Blässe, Aufgedunsenheit des nensch fühlen kann. Wie Gesichts, Drüsenanschwellungen, triefende Augen, Kopfausich Arbeiterschutz und Sozial- fchlägen von den nicht in Fabriken arbeitenden Kindern der politik gestaltete, hängt ganz felben Boltsklasse. Aehnliche Verhältnisse ergaben die Bevon der Zusammensetzung des richte der Regierungen in Arnsberg und Aachen und des MaReichstages ab. Jeder Fort- gistrats von Luckenwalde. Im leßteren heißt es: fchritt auf sozialpolitischem Gebiete ist in mühsamem Ringen mit den Bertretern der bürgerlichen Wirtschaftsordnung er reicht worden. So wird es auch in Zukunft sein. Je größer der Schuß der men hlichen Arbeit ist, desto Leistungsfähiger ist die Wirtschaft. Ein erschöpfter und abgearbeiteter oder ein hungernder Mensch ist höherer Leistung nicht fähig; nur eine fulturell hochstehende Arbeiterschaft fann Qualitätsarbeit vollbringen. Die nur fann Werte schaffen, deren wir für die Einfuhr von Rohstoffen und Nahrungsmitteln zur Beschäftigung und Ernährung unserer überwiegend industriell tätigen Bevölkerung bedürfen. ,, Die Kinder wachsen auf in sittlichem Verderben. So wird der Staat und seine Mitglieder solcher Bürger und Bürgerinnen, deren junge Seelen in den Fabriken verdorben wurden, deren Geist in der Kindheit schon erdrückt, deren besserer Sinn schon erstickt, deren fittliches und religiöses Gefühl schon im Keime vergiftet wurde, sich schwerlich zu erfreuen haben... Der gute Wille und die Kraft eines einzelnen Staates werden freilich zur Abhilfe nicht ausreichen. Aber die Nachwelt wird feufzen über eine Generation, die den Grund zu ihrem Verderben legte und die Reichtümer der Fabriken Grund zu ihrem Verderben legte und die Reichtümer der Fabriken werden am Ende zur Unterhaltung der erforderlichen Galgen und Räder kaum ausreichen." Die Potsdamer Regierung schließt ihren Bericht über die Lage der preußischen Fabrikfinder in der Mitte der zwanziger Jahre mit folgendem schönen Ausspruch: Die Menschenfultur ist auf jeden Fall noch wich. dem Staate noch erDie Rheinschiffahrt liegt still! Köln, 30. April.( Eigenbericht.) Der große Lohnfampf in der Rheinschiffahrt ist infolge der Haltung der Rheinreeder Tatsache geworden. Die am Montag in Köln geführten Verhandlungen zwischen den Vertretern der Rheinreeder und den an der Rheinschiffahrt beteiligten Arbeiterorganisationen sind ergebnislos verlaufen Die Unter nehmer beabsichtigen einen Lohnabbau von 13 Bro. das sind 5,50 Mart vom gegenwärtig 43 Mart betragenden WochenLohn der Matrosen vorzunehmen. Langsam hat sich diese Erkenntnis durchgesetzt. Daran zu erinnern ist gerade in diesem Jahre besonderer Anlaß einer geben. Wir blicken fast auf den Tag auf den Anfang einer bewußt vom Staate betriebenen Sozialpolitik vor genau 100 Jahren zurüd. Am 12. Mai 1828 erließ Friebrichtiger Bilhelm III. eine Berordung an die Minister v. Altenstein sprießlicher, als selbst die Erhöhung der Industrie werde. Die Arbeiter hatten, um den Konflikt zu vermeiden, in der und Schückmann, die wie folgt lautete: „ Der Generalleutnant von Horn bemerkt in seinem Landwehr. geschäftsbericht, daß die Fabrikgegenden ihr Kontingent zum Ersatz der Armee nicht vollständig stellen können und daher von den Kreisen, melche Aderbau treiben, übertragen werden und erwähnt dabei des Uebelstandes, daß von den Fabrikunternehmern sogar Rinder in Masse des Nachts zu den Arbeiten benutzt werden. Ich kann ein solches Berfahren um so weniger billigen, als dadurch die physische Ausbildung der zarten Jugend unterdrückt wird und zu besorgen ist, daß in den Fabrikgegenden die fünftige Generation noch schwächer und verkrüppelter werden wird, als es die jetzige schon sein soll. Daher trage ich Ihnen auf, in nähere Erwägung zu nehmen, durch welche Maßregeln jenem Verfahren entgegengewirkt werden kann und fodann an mich darüber zu berichten." Die Sorge für den Heeresersaz ist es gewesen, die diesen Erlaß zeitigte. Den Zivilbehörden waren die dieser Berordnung zugrunde liegenden Tatsachen freilich auch schon vorher befannt gewesen. Schon sieben Jahre zuvor war ihnen aus dem Rheinlande berichtet worden, daß in einer Reihe von Spinnereien des Tags und auch des Nachts Kinder vom sechsten Lebensjahre an beschäftigt wurden. Die Arbeitszeit währte im Sommer von 7 hr früh bis 8 Uhr abends, im Winter von 8 Uhr früh bis 9 Uhr abends. Die Nachtarbeit begann mit dem Schluß der Tagesarbeit und bauerte bis zu deren Wiederbeginn. Der Berdienst betrug für die fleinen Kinder zwei, für die größeren drei Silbergroschen. Diese Tatsache wurde Anlaß einer Untersuchung der Kinderarbeit in den Fabriken. Ein Gewerkschaftsjubilare am 1. Mai. Bor breißig und fünfundzwanzig Jahren war die Anstellung eines Gewertschaftsgenossen in seinem Verbande noch ein Ereignis. Sie bedeutete selten eine wirtschaftliche Besserstellung, dafür aber eine Anerkennung der vordem jahrelang ehrenmaltlich geleisteten Gewerkschaftsarbeit und eine große Freude für die Auserforenen, nunmehr ihre ganze Kraft ausschließlich in den Dienst der Organi fation zu stellen. Der finanzielle Stand der Gewerkschaften zwang zu größter Surüdhaltung bei der Anstellung der notwendigen Kräfte, die unter den erprobten Funktionären unschwer zu finden waren. Dennoch spielte die Personenfrage eine große Rolle. Daß sie meist eine glückliche Lösung fand, dafür zeugt die große Zahl der jahrzehnte fang tätigen Gewerkschaftsangestellten. Viele von den Allten sind im Laufe der Zeit gestorben, einige wenige find pensioniert und eine ganze Reihe von ihnen steht heute noch im bewährten Dienst. Bereits im geftrigen Abend" wurde erwähnt, daß der Vorfizende des Berliner Ortsausschusses des ADGB., Genosse Gustav Sabath, heute 65 Jahre alt geworden ist. Nach fünfjähriger ehren amtlicher Tätigkeit im früheren Schneideroverband wurde Sabath bereits im Jahre 1892 als Geschäftsführer angestellt. Bereits ein Jahr später trat Sabath in die Generaltommission der Gewerkschaften Deutschlands ein, der er bis Ende 1902 als Gefretär angehörte. Er trat dann wieder in den Dienst seiner Berufsorganifation, und zwar als Redakteur des Verbandsorgans, bis er 1920 an die Spitze der Berliner Gewerkschaften trat. Bon allen Gewerkschaftstongreffen wurde Sabath in die Generalfommission bzw. den Borstand des ADGB. gewählt. Hoffentlich tann unser Genoffe Sabath seine reichen Erfahrungen in der Gewerkschaftsbewegung noch viele Jahre in ihren Dienst stellen. Peter Blum, der heute auf eine 25jährige Tätigkeit als Gewerkschaftsangestellter zurückblicken kann, war schon 1891 Raffierer der Berliner Filiale des Sattlerverbandes. Zwei Jahre später wurde er Vorsitzender und von April 1895 bis zu seiner Wahl als Getretär des Hauptverbandes im Jahre 1903 hatte er als Borsigender des Betbandsausschusses fungiert. Als der Genoffe Saffenbach von seinem Boften als ehrenamtlicher Verbands vorsitzender im Jahre 1906 zurücktrat, wurde Blum sein Nachfolger, und des äußeren Wohlstandes, welche noch dazu nur durch jene wahrhaft und dauernd gesichert werden kann." Jahre hat es noch gebraucht, ehe etwas wirklich Durch greifendes geschah. Durchgreifendes natürlich nur nach der Meinung der damaligen Beit. Erst im Jahre 1839 wurde durch ein Regulativ die Kinderarbeit geregelt und selbst nach diesem Regulativ war sie nach dem vollendeten neunten Lebensjahr zugelassen. Noch im Jahre 1853 erklärte im Preußischen Abgeordnetenhause der damalige Abgeordnete Reichensperger in den Verhandlungen über eine Herauffezung des Schutzalters für die Beschäftigung der Kinder auf 10, 11 und 12 Jahre, daß man eine verstärkte Produktion nicht um den Preis der Gesundheit und der Moralität der in den Fabriken tätigen Kinder erfaufen dürfe. An einer solchen Pro duktion hafte tein Segen, wohl aber das Herzblut der Kinder. Durch ein Jahr zu früher Arbeit werde bem Rinde zehn Jahre Mannestraft geraubt. Die Arbeiter bestanden in den Verhandlungen darauf, daß über das Verlangen der Arbeiter auf zurücknahme der Lohn. abbauforderung erst verhandelt werden fönne, wenn auch deren Forderung auf Erhöhung der Löhne zurückgezogen Sonnabendverhandlung folgenden Vorschlag gemacht: Die Forderungen der Unternehmer auf Lohnabbau find zurüd zuziehen. Ab 1. Juli erfolgt eine Lohnzulage für die Lohnempfänger von 1,50 Mark die Woche, für die Gehaltsempfänger von 7,50 Mart für den Monat. Ab 1. Ottober erfolgt eine weitere Lohnerhöhung von 1,50 bzw. 7,50 Mart. Diefer gewiß maßvolle Borschlag wurde von den Unternehmern als untragbar abgelehnt. Sie weigerten sich überhaupt, über eine Lohnerhöhung zu verhandeln und be gründeten das mit der schlechten Lage der Rheinschiffahrt. werden. Die Konsequenzen dieser Aussperrung sind nicht zu überDie Aussperrung wird also vom 1. Mai ab wirksam sehen, da in allernächster Zeit auf jeden Fall auch die gesamten. werden. Die Konsequenzen dieser Aussperrung sind nicht zu überSafenarbeiter des Rheinstromes in die Bewegung hineingerissen werden. Die Rheinreeder wollen allen Ernstes die Krise der Rheinschiffahrt durch eine Aussperrung bebeben. Ein finnloses Beginnen. Die Aussperrung führt zur völligen Stillegung der Rheinschiffahrt, zu einem Arbeitstampf von gefährlichem Das war der Anfang der deutschen So. Ausmaß, der dem Wirtschaftsleben am Rhein und ganz Westdeutschzialpolitit. Aus diesem Anfang ist dann das Gebäude lands schwere Wunden schlagen muß. Die Rheinreeder verpfuschen der heutigen Sozialpolitik entstanden. In harten Mühen hat sich selbst das Frachtgeschäft und verschärfen damit nur die schon seit die Sozialdemokratie an ihrem Ausbau mitgemacher in den Kopf gelegt haben in einer Zeit allgemeiner Lohnbestehende latente Krise, die niemals wie sich die Scharfarbeitet. verbesserung durch einen Lohnabbau, sondern nur durch wirtschaftliche Umstellung gelöst werden tann. Der faure Apfel der Um ftellung, in den die Reeder nicht hineinbeißen wollen, wird durch den großen Konflift nur noch saurer werden! Thr weiterer Ausbau hängt ab von den Wahlen. Wer den Arbeiterschuh fördern und die Sozialpolitik als Grundgedanken des 1. Mai zur Geltung bringen will, der fann und darf nur sozialdemokratisch wählen! der auch bei der Bereinigung des Sattlerverbandes mit dem Portefeuillerverband im Jahre 1909, wie auch bei dem Zusammenschluß mit dem Tapeziererverband im Jahre 1920 Verbands= porfigender geblieben ist, und heute noch rustig sein Amt versieht. Frih Krieg, der an seinem Verbandsorgan, der Brauer 8eitung", schon vordem eifrig mitgearbeitet hatte, wurde am 1. Mai 1903 deffen Redakteur. Die Brauerzeitung erschien damals in einer Auflage von 9000 Exemplaren. Die letzte Nummer des in Verbandszeitung" umgetauften Organs des Brauerei und. Mühlenarbeiterverbandes hatte eine Auflage von 82 000 Grem plaren. Seit der Verschmelzung zum Verbande der Nahrungsmittel- und Getränfearbeiter erscheint das von Krieg bis dahin allein redigierte Gewerkschaftsblatt als Einigteit", in deren vergrößerten Redaktion sich Genosse Krieg, der Einigkeit von jeher dienend, sich eingeordnet hat. Wilhelm Schneegaß war in Thüringen als ehrenamtlicher Agitationsleiter des Holzarbeiterverbandes tätig. Nach der Umwandlung des Tischlerverbandes zum Holzarbeiterverbande im Jahre 1893 verdoppelte sich die Mitgliederzahl von 23 000 binnen fünf Jahren. Zu den drei besoldeten Borstandsmitgliedern mußte ein vierter Angestellter kommen. Schneegaß wurde als Sefretär im Hauptvorstande angestellt und trat dieses Amt am 1. Mai 1898 in Stuttgart an. Nach dem Tode des Verbandsvorsitzenden Karl Kloß wurde Schneegaß zweiter Verbandsvorsigender. Er hat so die ganze glänzende Entwicklung des Holzarbeiter verbandes miterlebt und an hervorragender Stelle ein gutes Teil an ihr mitgewirkt. Einigung in den Isolatoren- Werken Pankow. Die Differenzen, die zum Streit bei den Isolatorenwerfen Bankow Beranlassung gaben, find jetzt nach fiebenwöchiger Streitdauer durch Vergleichsverhandlungen, die der Fabritarbeiterbeigelegt worden. Die Absicht der Firma, erhebliche Afford und der Metallarbeiterverband mit dem BBMI. geführt haben, bereits wieder aufgenommen, und zwar ist ausdrückfürzungen vorzunehmen, ist vereitelt worden. Die Arbeit ist lich vereinbart, daß der Streit nicht als Unterbrechung des Arbeitsverhältnisses gilt. Das gesamte Hilfspersonal der„ Rofophof A.-G.", AlexandrinenStreit. Alle Arbeitsangebote der Firma müssen von jeder Arftraße 110, steht um die Tarifanerkennung seit Montag früh im beiterin oder jedem Arbeiter abgelehnt werden. Der Streit bei der Firma Friedrich Stupp, welche die Lieferwagen für die Firma Tie z stellt, ist beendet. Die Betriebs. sperre ist daher aufgehoben. Freie Gewerkschafts- Jugend Groß- Berlin ufer 24/25, Aufgang B, part. Morgen, Mittwoch, 19% Uhr, tagen die Süben, Nach der Maidemonstration Treffen aller Junggewerkschafter zum Spiel nachmittag auf dem Sportplatz der Metallarbeiter, Berlin- Baumschulen weg, an der Oberspree( hinter dem Bootshaus Vorwärts". Um 19 Uhr Maifeier des Cübkreises im Jugendheim des Berkehrsbundes, Engel Gruppen: Baumschulenweg: Gruppenheim Jugendheim Ernststr. 16. Seim Gübweften: Gruppenheim Städtisches Jugendheim Nordstr. 11( fabrikgebäude). besprechung. Ohne Heimausweis und Berbandsbuch kein Zutritt. Seimbesprechung. Berbandsbuckontrolle. Neukölln: Gruppenheim Jugend beim Bergfir. 29( Sof). Heimbesprechung. Bortrag: Was bedeutet uns ber 1. Mai?" Beißensee: Gruppenheim Weißenfee, Partstr. 36. Heimbesprechung. Bringt Berbandsbücher und Seimausweife mit. Rentrum: Gruppenheim Jugendheim Zehdenider Str. 24/25. Heimbesprechung. Ohne Verbandsbuch und Heimausweis tein Zutritt. Jugendveranstaltung in der Rulturabt, des DMB. um 19 Uhr. Ostfreis: Spielen auf dem Sportplag Friedrichshain. Jugendgruppe bes b. Heute, Dienstag, fällt der Turnabend aus. Wir beteiligen uns gefchloffen an der Maifeier des Afa- Ortskartells. Treffpunkt pünktlich 10 Uhr am Mariannenplay( Häuſerſeite). Auf zwei Jahrzehnte Angestelltentätigkeit im Dienste der Arbeiterbewegung fann Genoffe Josef Seher zurückblicken, der am 2. Mai sein 50. Lebensjahr vollendet Als Bau- und Maschinenschloffer ausgebildet, arbeitete er seit 1899 als Maschinist und Heizer. Im Jahre 1908 murde er als hauptberuflicher Bezirksleiter im Verbande der Maschinisten und Heizer angestellt, Bering: Borwärts- Berlas 0. m b. 3. Berlin, nachdem er schon jahrelang vorher in Nürnberg ehrenamtlich die Geschäfte des Bezirks im gleichen Berband bearbeitet hatte. Daneben hatte er, feiner Borliebe für die Arbeiterbildung folgend, lange Jahre hindurch zwei Arbeiterbibliotheken in Nürnberg mit Uhren Belmonte Leipziger Str.37 97 Goldwaren großem Erfolge geleitet. Seit 1921 ft Sefer Redakteur der Bestecke Berantwortlich für Politik: Dr. Curt Geyer; Birtschaft: G. Klingelhöfer; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Eglorn; Feuilleton: R. S. Döscher; Lokales und Sonstiges: Frig Karstadt: Anzeigen: Th. Glode: fämtlich in Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet und Berlagsanstalt Paul Ginger a Co.. Berlin SW 68 Lindenstraße 8. Sierzu 5 Beilagen und Unterhaltuna und Biffen". Königstraße 30 zu bekannt billigen Preisen Silberwaren Fahrt DUNLOP Reifen BHD *1. Beilage des Vorwärts Nr. 205. 45. Jahrgang JU Ul lt> Oien-tag, il.Mai492S So o E» war am t. Älai 191 t, ak durch die bbrgerkche Presie '«ltjchmmbeode Nerlchle gingen, well den Dresdner Par. keigeaosseu oon den zuständigen sächstscheu DehSrden der ZRaifestnmznginH Musik gestattet worden tpar. Das chaupt- und Magenblott der Großagrarier, die.Deutsche Tageszeitung", machte chrem Zorn in ihrer Nummer vom 3. Mai 1911 in ganz besonderer Weise Luft. Man schrieb:„Den SBencht der sozialdemokratischen �Dresdener Volkszeitung" «:ber den Maifestumzug mit Musik wird die sächsisch« Regierung mit besonderem Interesse lesen. Wir Heden daraus nur drei Punkte her- »>or. Das genannte soziatdeenokratifchc Blatt erzählt, daß den Oriv nern die schwierige Ausgabe erwachsen sei, auch die Mitläufer und Zuschauer in Ordnung zu halten, damit durch sie der Zug und der Weykehr nicht gestört werden. Diese Aufgab« sei mit einigen Scherz- wrtcn und je nach Temperament mehr ernstlichen oder gemüt- bchen Zurechtweisungen gelöst worden. Die Sozialdemokratie Hit sich also für befugt erachtet, nicht nur die Teilnehmer am Zuge, sondern auch die.unbeteiligten Zuschauer und Mitläufer" in Ordnung zu b-olien und ihnen nach Befinden„erjrstliche Zurechtweisungen" zu er- teilen. Die Königliche Polizei scheint also einen Teil ihrer Befug- nissg an die sozialdemokratischen Ordner stillschweigend oder verab- lredttngsgemäß abgegeben zu haben." Im Iahre 4 944 N'ar es ohne Zweifel eine unerhörte Geschichte, daß die Arbckter» fedaft in der Residenzstadt des„Gcenigs Friedrich August oon Sachsen" öffentlich am 1. Mai demonstriert«. Das amtliche Der- affentlichungsblatt der köinglich-sächsischen Regierung, das„Dresdener Journal", sah sich deshalb veranlaßt, am 7. Mai eine KUnwort gegen die Angriffe der Konservativen ergehen zu lassen, in der folgende interessante Sätze stehen:„Die Umzüge zur Maifeier sind in Sachsen ebensowenig verboten worden wie z. B. in Hom- bürg, München, Stuttgart, Mannheim usw. Räch§ 7 des Reichs- vcreinsgesetzes ist die Genehmigung öffentlicher Umzüge kein« behörd- liche Gunstbezeugung mehr, sondern kann nur dann verweigert werden. wenn eine unmittelbare Gefahr fiir die öffentliche Sicherheit droht. Das war noch den sächsischen Verhältnissen und nach den »ar es einst im Erfahrungen mit der Maiseier in den letzten Jahr«, nicht der Fall. Anderwärts mag es anders gelegen haben: in Preuße» insbesondere hält die noch nicht zum Abschluß gekommene Wahlrechtsreform die Gemüter in Spannung, zittert die Erregung von den Moabit« Tumulten immer noch nach. Daß in Sachsen keine Gefahr bestand, hat der Erfolg gelehrt: nirgends ist eine Störung der öffentlichen Ordnung vorgekommen. Die Verweigerung der Genehmigung wäre daher ungesetzlich gewesen." E» ist vielleicht nicht zuviel gesagt, daß man hinter dies« Der- öffcntlichung in der offiziellen„Dresden« Zeiwng" Friedrich Augu st selbst vermutet. Die letzten Worte, die auf Preuße» und Moabit weisen, sind zu deutlich, um mißverstanden werden zu können. Der König von Sachsen war, das ist ja bekannt, mit feinem Kollegen Mlhelm II. m Berlin spinnefeind. D« letzte deutsche Kaiser, taktlos, wie er war, Halle sich nämlich nach dem Tode des Königs Georg die Bemerkimg erlaubt:„Friedrich August ist König gewor» den! Na, mehr August als Friedrich.". Das hat ihm der Dresdener nicht vergessen. Und Friedrich August, der ein großer Nimrod war und aus diesem Grunde ausgerechnet im nachfolgenden Januar nach Berlin zu einer Hundeausstellung fuhr, mußte not. gedrungen am 87. Januar, dem unvergeßlichen Geburtstag Seiner Berliner Majestät, ms Schloß zum Gratulieren kommen. WA- Helm begrüßt« seinen Kollegen und Beller enthusiastisch und rühmte mit lauten Worten, daß der König von Sachsen es nicht versäumt hätte, IHM persönlich zu seinem Wiegenfeste zu gratulieren. Friedrich August aber antwortete in vollendetem Sächsisch: JSlo, es kloppte doch grade, es war doch hier die große hundeaus- st« l l u n g." S. M. soll über diese Antwort nicht entzückt gewesen sein. Aber da wir gerade bei Friedrich August sind, sei auch«in Wort erwähnt, das er über feine Sprachkenntnisse in die Welt hin- ausschickt«:„Wenn ich nicht sächsisch könnte, müßt ich bellen." Auf der kaiserlichen Sommerinsel koefu unterzeichnete Wilhelm II. dos Reichsvereinsgesetz vom 19. April 1908. Der erste Alisa tz des§ 1 lautet«:„Alle Reichscmgc hörigen haben dos Recht, zu Zwecken, die den Strafgesetzen nicht zuwider lausen, Bereine zu bilden und sich zu versammeln. Dieses Recht unterliegt polizeilich nur den in diesem Gesetz und andere« Reichngefetzen«tholteoRN Beschränkungen." Ab« schon 1912 tonnte der„Vorwärts" fest- stellen, daß„schon» wieder mal das Preußische Oberverwal- tungsgericht ein« Polizeivervxcktung und den ihr vorgesetzten Behörden hätte attestieren müssen, daß sie das Reichsvereinsgesetz nicht verstehen." Es handelte sich um den Festzug, den die Arbeiter- sthaft von Altona-Ottense» für den 1. Mai geplant hotte. Di« Parteisekretär« der Sozialdemokratie, Siebert und Kürbis, dies« heute Oberpräsident der Provinz Schleswig-Holstein, beantragten die Genehmigung bei der Polizeiverwoltung in Altona. Ab- gelehnt! Nach§ 7, Abs. 2 des Gesetzes vom Jahre 1908 wurde die GenehnüguiK} verweigert mit der Begründung, daß mtt dem Aufzuge„Gefahren für die öffentlich« Sicherheit" verbnn- den fein würden. Es würden„bei diesem gegen die heutige Gesellschaftsordnung gerichteten demonstrativen Charakter des Maiumzuge» der Sozialdemokraten und der mit ihnen haltenden Gewerkschaften wette Beoölkerungstreise beunruhigt werden." Noch erfolgloser Beschwerde beim Regierungspräsidenieri und beim Oberpräsidenten Hern v. Bülmv klagten unsere Parteigenossen beim Oberver- waltungsgericht. Es liegt mis ja vollkommen fern, zu be- Haupt en. daß Preußens Oberverwaltungsgericht ein« Instanz wäre, die d« Sozialdemokratie jemals— und das bezieht sich auch aus die heutigen Verhältnisse— besonders w ohlwollend gegen- übergestanden hätten. Ab« die behördliche Begründung war doch zu o l b e r a, um von den rechtskundigen Männ«n des kömgtich-preußi- fchen Oberv«waltungSNerichts ernst genommen zu werden. D« extrem konservativ« Oberpräsident hatte nämlich angeführt, daß am 1. Mai 1910 aus dem Bahrenseld« Rennplatz ein großes Pferde- rennen stattfinden sollte. Dorthin pilgerten, so schrieb der kömgliche Oberpräsident damals, mindestens 19 000 Personen, die„ungefähr die gleichen Wege gehen, die der Zug der Sozialdemokraten genommen haben würde." Um die.Läch«lichkeit noch zu erhöhen, erzählte der Oberpräsidcnt weiterhin, daß nicht nur Fußgänger das Rennen besuchten, sondern es fuhren auch viele Personen mit Automobilen h«aus, und ander« ritten. Wenn mm noch 10 000 Sozialdemokraten und Gewerkschaftler sich dort hinausbewcgten, dann feien sehr leicht Störungen möglich. Das Oberverwollungsgericht hat auf diese spaßhafte Erzählung des Oberpräsidenten dahingehend ge- Mai! Jack London: Wolfsblut. „So. da« wird die dummen Dinger doch wohl festholten," sagte Bill am Abend voller Befriedigung, als er sich von feiner Arbeit aufrichtete. Heinrich ließ den Kochtopf stehen und kam, um zu sehen. was der andere gemacht hatte. Bill hatte nicht nur die Hunde angebunden, sondern dies nach Art der Indianer mit Stöcken getan. Um den Hals eines jeden Hundes hatte er einen ledernen Riemen so dicht befestigt, daß der Hund ihn mit den Zähnen nicht fassen konnte, und an diesen Riemen hatte er einen vier oder fünf Fuß langen Stock gebunden, und das andere Ende des Stockes mit einem zweiten Leder- riemen an einem Pfahl im Boden festgemacht. So konnte der Hund wegen des Stockes weder an den einen noch an den anderen Lederriemen gelangen, um ihn zu durchnagen. Heinrich nickte zufrieden mit dem Kopfe. „Es ist das einzige Mittel, um Einohr festzubinden," sagte er.„Denn der beißt durch das Leder so glatt, als wenn es mit'nem Messer durchschnitten wäre, nur daß es ein bißchen länger dauert. Morgen werden sie olle am Platze sein." »Saraus kannst eine Wette eingehen," bekräftigte Bill. „Wenn morgen ein« fehlt, so will ich keinen Kaffee hoben." ,Die wissen ganz genau, daß wir kein Pulver und kein Blei mehr haben," bemerkte Heinrich beim Schlafengehen, indem« auf den Kreis glühend« Punkte deutete.„Wenn wir ihnen nur eins auf den Pelz brennen könnten, so würden sie mehr Respekt haben. Sie kommen jede Nacht näher heran. Sieh eine Weile nicht ins Feuer, sondern scharf darauf hin. Sahst du den da?" Die Männer amüsierten sich«ine Zeitlang damit, die Bewegungen der undeutlichen Gestalten am Rande des Feuerscheins zu beobachten. Wenn sie die Augen fest auf ein im Dunkel leuchtendes Augenpaar hefteten, so fing die Gestalt des Tieres an, ollmählich Form anzunehmen, und sie konnten dann und wann die Formen sich bewegen sehen. Ein Lärm unter den Hunden zog die Aufmerksamkeit d« Männer an. Einohr ließ ein flehendes Gewinsel hören, siretzt» gm Ende seines Stockes ins Dunkel hineftf und ließ nur davon ab, um von Zeit zu Zeit mit den Zähnen mahn- sinnige Angriffe auf den Stock zu machen. „Sieh doch mal, Bill," flüsterte Heinrich. Im vollen Feuerschein schlich von der Seite verstohlen ein Tier herbei, das einem Hunde auffallend ähnlich sah. Es bewegte sich mit einer Mischung von Argwohn und Kühnheit, beobachtete vorsichtig die Männer, heftete aber seine volle Aufmerksamkeit auf die Hunde. Einohr strebte am äußersten Ende des Stockes nach dem Eindringling hin und winselte kläglich. „Der Narr, der Einohr, scheint sich nicht sehr zu fürchten," sagte Bill leise. „Es ist eine Wölfin," flüsterte Heinrich zurück,„und das erklärt die Flucht des Dicken und des Frosch. Sie ist der Köder für das Rudel. Sie lockt die Hunde heraus, und dann stürzen sie sich alle darauf und fressen sie auf." Das Feuer knisterte. Ein Stück Holz fiel mtt lautem Geprasiel heraus. Bei dem Geräusch sprang das fremde Tier ins Dunkel zurück. „Heinrich, ich glaube—* fing Bill an. „Was denn?" „Ich glaube, das war die Bestie, der ich eins mit dem Knüttel versetzte." „Ohne Zweifel," war Heinrichs Antwort. „Und hier möchte ich mir die Bemerkung erlauben." fuhr Bill fort,„daß die Bertrauthett des Tieres mit Lagerfeuern verdächtig und unanständig ist." „Er weiß ganz sicher davon mehr, als ein anständiger Wolf wisien sollte." gab Heinrich zu.„Ein Wolf, der so viel weiß, daß« mtt den Hunden zur Fütterung kommt, hat Erfochrungen gehabt." „Der alle Dillan hatte mal einen Hund, dar zu den Wölfen auf und davon lief." fuhr Bill nachdenklich fort. „Ich muß es wissen, denn ich schoß ihn da drüben im Rudel am.Kleinen Stock" auf einer Elchweide, und der alte Billan weinte wie ein Kind. Er sagte,« hätte ihn drei Jahre lang nicht gesehen. Die ganze Zeit war der bei den Wölfen gewesen." „Ich glaube, du hast den Nagel auf den Kopf getroffen. Der Wolf ist eigentlich ein Hund und hat manch liebes Stück Fisch aus der ljand eines Menschen gefressen." „Wenn ich könitte, wie ich wollte, so sollte der Wolf, der eigentlich ein Hund ist. am längsten gelebt haben," erklärte Bill.„Wir können nicht noch mehr Hunde verlieren." „Aber du hast nur noch drei Patronen," warf Heinrich ein.» „Ich will auf einen ganz sicheren Schuß warten," war die Antwort. Am Morgen schürte Heinrich das Feuer und kochte das Frühstück, während sein Kamerad noch schnarchte „Ich konnt's nicht übers Herz bringen, dich zu wecken," sagte Heinrich, als er ihn darauf zum Frühstück rief.„Du schliefft so schön." Bill fing schlaftrunken an zu esien. Er bemerkte, daß seine Tasse leer war und streckte die Hand nach dem Kaffee- topf aus. Aber der Topf stand neben Heinrich und war zu weit entfernt. „Hör mal, Heinrich," sagte er vorwurfsvoll,„hast du nicht was vergessen?" Heinrich blickte sich um und schüttelte den Kopf. Bill hielt die leere Tasse hin. „Du kriegst keinen Kaffee," verkündigte Heinrich. „Ist er alle geworden?" fragte Bill besorgt. „Das hoffe ich nicht." „Denkst du, ich werde mir den Magen dran verderben?" „Ich hoffe das auch, nicht" Die Räte des Aergers stieg in Bills Gesicht empor. „Dann möcht ich allerhöflichst bitten, daß du dich erklärst," sagte er. „Treib« ist weg," antwortete Heinrich. Ohne Host und mit det Miene eines Menschen, der sich in sein Geschick ergibt, drehte Bill den Kopf herum und zählte von seinem Platze aus die Hunde. „Wie ist das geschehen?" ftagte er ruhig. Heinrich zuckte die Achseln.„Weiß nicht. Wahrscheinlich hat Einohr ihn losgemacht. Selber hätt/ er's nicht tun können, das ist sicher." „Der verfluchte Spitzbub!" Bill sprach ernst und langsam ohne ein Zeichen des Aergers. der in ihm tobte.„Weil er sich nicht selbst losbeißen konnte, mußte er's mit Treiber tun." „Na, Treibers Müh und Arbett ist jedenfalls vorbei. Wahrscheinlich ist er um diese Zeit schon verdaut und galoppiert im Bauche von zwanzig Wölfen im Lande umher." war Heinrichs Grabrede auf diesen letzten verlorene» Hund. „Trink einen Schluck Kaffee, Bill." Aber Bill schüttelte den Kopf. „So sei doch nicht närrisch," nöttgte Heinrich und hob den Tops in die Höhe. (Fodsefcmg_ /'-! mimortet daß«allgemein« Senlhneafs nicht genügte«, um nach "«nünfligem Ermessen eine nahe Möglichkeit der Berrmrklichung einer Gefahr zu ergeben"'. » Nun. niemals waren es„Sentiments", die Beranlassmig gaben, den Maifeierkag festlich zu begehen. Die Arbeiterschaft hat keine Neronlosfung, aus irgendwelchen Gefühlsrücksichten heraus .zu feiern. Aber sie ist sich bewußt, daß den Mächten der Reaktion gegenüber der 1. Mai, der vor nunmehr 38 Jahren durch die Der- treter des Proletariats aller Länder als Wsltfeiertag der Arbeit fest- gelegt wurde, hochgehalten werden muß als ein Tag, an dem wir nnsern Gegnern sagen, daß wir auf dem Posten sind. Das klägliche Dereinsgesetz vom Jahre 1908 ist gefallenl Auch dieses Der- einszesetz, das gegenüber den Methoden eines Bismarck einen Fort- schritt bedeutet«, mußte versinken, als im Jahre 1918 die Sozial- demokratie die Stellung errang, die ihr zukommt! Dir begehen den 1. Mai in würdiger Erinnerung an die Kämpfe, die unsere Väter bestanden. Wir begehen ihn mit dem Gelöbnis, in der Gegenwart unsere Pflicht zu tun, und wir be- gehen ihn in der unerschütterlichen Gew-ibheit, für die Zukunft zu arbeiten, auf daß die Worte der republikanischen Verfassung von Weimar Wahrheit werden: Das deutsche Reich ist eine R e» publik, die Stootsgewalt geht vom Volt« aus. Oer Mord auf der Avus. Noch keine Spur von den Täten». Da» schwere verbrechen, da» an dem Wächter der Avus, William Mellenthin, In der.chcht zum Montag verübt wurde. Ist Gegenstand der eifrigsten Vachsovschungca durch die Kriminalpolizei. Der Wächter der Südkuroe. E h r i ck e, und das Lüsettfräuleiu Prüll, die einzigen Menschen, die Ohrenzeugen der Vorfälle waren, wurden bis ins einzelne gründlich vernommen. Au» ihre« Bekundnagen und den Messungen am Tatort wurden wtchkige An. haltspuaklc über den mutmaßlichen Hergang des Verbrechens gewonnen. Die Verbrecher müssen- den Ueberfall ohne Zweifel vorher gut ausgekundschaftet hoben. Tagsüber werden auf der vor «er Avus gelegenen runden Lahn zahlreich« Autos abgenommen. Der Einfahrtverkehr ist dort sehr stark. In der Nähe liegt ein Lokal, da» viel von Chauffeuren und anderen Leute besucht wird. Alles die» lockt viele junge Burschen an, die sich das Ge- ti ieb« neugierig mit ansehen. Es ist also für die Verbrecher«in leichtes gewesen, sich unter die harmlosen Zuschauer zu mischen und alle» auszukundschosten. Dia Stille der Nacht benutzten sie zur Ausführung des wohldurchdachten Plane». An dem nebligen Morgen legten sie sich auf die Lauer und drangen in «lnem günstigen Augenblick schießend in das wächterzlmmer ein. Den völlig überraschte» Sellenthin überwältigten sie und entrissen ihm die Geldtasche. Wahrscheinlich mißachtete der an der 5iand verletzte Mann die Drohung der Räuber, nicht etwa durch da» Tele» phon Hilfe herbeizurufen und ging doch an den Apparat. Das muß ein Schmiere st eher beobachtet haben, der durch die Fensterscheibe in das erleuchtete Zimmer schoß. Die Kugel traf Sellenthin, der am Telephon stand, hinter dos linke Ohr. Das Düfetifräulein Prüll hatte am Sonntag angestrengt ge> arbeitet und war, als sie die Schüsse und Hilferuf« hoste, noch so verschlafen, daß sie nichts deutlich wahrnahm. Es ist kaum daran zu zweifeln, daß die Mörder in der Richtung nach dem Funkturm und weiter nach dem Grunewald geflüchtet sind. Di« aufgefun. denen Partonenhülfen tragen die Firmenbezerch- n u n g S. S.(Sauer u. Sohn) und G. G. u. Co.(Gustav Gen. s ch o w). Es sind demnach wohl mehrere Täter gewesen, die über moderne Dassen verfügten. Trotz der emsigsten Nachforschun- gen ist es bisher nicht gelungen, eine Beschreibung zu erlangen, die auf die Person der Täter hinweisen könnte. Otto Braun im Rundfunk. heut« um 20 Ahr spricht der preuhlfche Ministerpräsident Genosse Otto Braun über»Die Ideenwelt de» t. Mai'. Das Neuköllner Explosionsunglück. i Di« Ursache de» Explosionsunglücks in der Fabrik für zahnärztliche Instrumente von R. Froeschke u.(To., da», wie wir berichteten, ein Todesopfer forderte, konnte noch nicht ge« klärt werden. Die Explosion erfolgte in dem Lackierrgum, in dem zwei Trockenöfen stehen, die durch Gas geheizt werden. Die Folgen waren geradezu entsetzlich. Durch die Gewalt des Luftdrucks wurden mehrere Rabitzwänd« zum Einsturz gebracht. Sämtliche Fensterscheiben zersprangen und fielen klirrend auf den Hof. In der Umgebung de» Explosions- Herdes sah es wüst aus: beide Lackieröfen und olle Fein» Maschinen, die in dem Raum ausgestellt waren, sind zerstört worden. Feuer Ist glücklicherweise nicht entstanden, so daß die Feuerwehr nach Vornahme der notwendigsten Aufräumungsorbeiten alsbald wieder abrücken konnte. Außer dem getöteten 50jährigen Arbeiter Franz D o m s ch k e aus derWeserstraße20Szu Reu. kösin erlitten noch drei Arbeiter der in einem Rebenraum arbeitenden Belegschaft leichte Verletzungen. Sie konnten noch Behandlung durch Feuerwehrsamariter im Betrieb« verbleiben. Die Leiche Domschkes wurde beschlagnahmt und in die Buckower Friedhosshalle gebracht. Eine Klage der Reichsversicherungsanstali. »Die Herren Veamten... Sie verstehen...* In der Reichsversicherungsonftalt für Angestellte fließen die Millionen zusammen, die der Staat den Angestellten als Der- sicherungen gegen Invalidität und Alter in Abzug bringt. Was macht aber die Reichsoerstchcrungsanstalt mit den Geldern, die die Ange- stellten unter so großen Opfern hergeben? Natürlich, sagt der naive Bürger, werden sie zu gemeinnützigen Zwecken verwendet: sie werden wohl den Gemeinden als Darlehen gegeben zum Straßenbau, zur Schaffung von Anlagen und Gärten, zur Errichtung von Schulen und Krankenhäusern u. dgl. m. Wer so denkt, irrt sich gründlich! Die Gelder müssen-auch dazu herhalten, adlige und nichtadlig« Großgrundbesitzer zu sanieren: die Herren erhalten gegen Hypotheken Darlehen und EB Während der Ferien- und Reisezeit ■ kann der„Vorwärt»" und der„Abend" auf jede Dauer allerorts bezogen werden. Touristen und Wanderer B fordern das Zentralorgan der Sorlaldwnokratfschen Partei Deutseb- lands bei den Bahnhofsbuchhandlungen. Zeitungs-Kiosken. Bud»- handlungen und sonstigen Verkaufsstellen. Sommerfrischler lassen sich den„Vorwärts* bei einer Aufetithaltsreltbis tn einer Woche per Kreuzband nachsenden- Das Porto beträgt Wöchenta« 10 Pf., Sonntags 15 Pf.(pro Woche 70 Pt> Bei längerem AnfcnthAlt ist der „Vorwärts auf dem billigeren Wege der Postüberweisung zu beziehen, welche die Hauptexpedition vornimmt In diesem PalieKomitJen zu dem Abonnementsnetrage die Postbcstellgebühren von 72 Pf. pro Monat Wenn Nachsendung der Zeitung gewünscht wird, ist die in Frage kommende Ausgabestelle oder die Hauptexpedition des„v or- wärts", Bcrli/i SW 68, Lindenstraße 3, möglichst eine>Äoche vorher zu benachrichtigen. Laubenkolonisten ■ wird der„Vorwirts* durch Bo'ten ingestellt Genaue Bezeichnung der Laube ist jedoch erforderlich, Vorwärts-Verlag KSÄSÄÄiä sogar nicht unmittelbar, sondern durch Makler: die 2 bis 8 Proz. Provision, die diese für sich von den Darlehen in Abrechnung hxintten, sind kein schlechtes Geschäft. Gab es da u. a. einen zugelassenen Vermittler Dr. Bloch, einen ehemaligen Fabrikanten, der während der Inflation verarmt« und hypothekenmakler wurde. Gine imponierende Erscheinung, dieser Herr, ein energischer, feingeschnittener Kopf, mit großer Rede- gewondtheit begabt. Er verstand auch sein Geschäft. Kam ein Groß- Grundbesitzer zu ihm und bat, daß er ihm bei der Reichsversichenings- anstalt zu einem Darlehen oerhelfe, so war er gern dazu bereit. „Bitte, Baron, gern gesctehen! Bei meinen Beziehungen.... Da ist gerade der Herr Präsident bei mir. Aber 5 Proz. wird die Sache kosten..—„Weshalb soviel?"—„Aber Sie wissen sa, Baron, ohne das geht es ja nicht: mir bleibt ja selbst nickst soviel... Die Herren Beamten... Sie verstehen... sonst bleibt es eben unter dem Aktenhaufen liegen.. Und so hieß es in den Großgrund- besitzerkreisen, drß zwar Bloch ein tüchtiger Makler sei, daß man ober bei der Reichsversicherungsanstalt schmieren müsse, um etwas zu erreichen. Und das ging so lange, bi» es eines Tages dem Präsidenten der Reichsoerlicherungsanstalt zu Ohren kam. Und seitdem wurden mit Herrn Bloch keine Geschäft« mehr gemacht. Die Zulassung erhielt dagegen Blochs Konkurrenz, die „Neue Märkische Jmmobilienoerwaltung*. Der Präsident strengte außerdem noch gegen Dr. Bloch eine Klage wegen Beleidigung an. Und so Halle sich Herr Bloch vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte zu oerantworten. Er erklärte, Behauptungen, wie st« ihm in den Mund gelegt werden, nie gebraucht zu haben. Er habe wohl von seinen guten Beziehungen gesprochen, von seinen Fähigkellen, die Darlehengesuche zu beschleunigen, er Hab« wohl 5 P r o z. verlangt. aber allein, well«r llnterogenten einen Teil der Provision abtreten müsse. Sem Kompagnon beställgte, daß das herausstreichen der guten Beziehungen zum Maklergeschäft gehöre, daß Herr Bloch jedoch dabei nie die Grenzen überschritten habe, die eine Beleidigungsklage hätten berechtigt erscheinen lassen. Die Großgrundbesitzer aber, die Barons von Puttlitz, Firks u. a. m. wollten so und nicht anders ver- standen haben. Der Vertreter der Reichsversicherungsanstolt ver. langte ebenso wie der Staatsanwall eine harte Strafe Rechtsanwalt Bahn bestritt, daß überhaupt Irgend jemand beleidigt fei, um so mehr, als bestimmte Personen nicht genamit worden seien. Das Gericht verurteille jedoch den Hypothekenmakler wegen fortgesetzter verleumderischer Beleidigung zu einer Geldstrafe von 1500 Mark. Dr. Bloch wird höchstwahrscheinlich Berufung einlegen. Natürlich wird er nicht gimz unschuldig sein. Er mag mehr gesagt haben, als er verantworten kann. Selbstverständlich werden in der Reichs» versicherungsanstall Beftcchungsgelder nickst genommen. Uebrigens: vorausgesetzt, Dr. Bloch hätte die Beamten geschmiert, so blieb ihm doch nichts anderes übrig, als dies zu leugnen, da er sich sonst ja auch selbst strafbar gemacht hätte. Dr. Bloch konnte sich aber seiner Bs- Ziehungen nur rühmen, und der Eindruck, daß geschmiert werde, konnte nur entstehen, weil die Rcichsversicherimgsanstalt anstatt die Versicherungsgelder der Angestellten bloß gemeinnützigen Unter. nehmen zur Verfügung zu stellen,' sie auch an Private abgibt und sich dabei ehrlicher Makler bedient, die an diesen Geldern oerdienen. Das wird man schließlich Dr. Bloch zugute haltest müsien. Maiumzug der Jugend. Aus den ärmlichen Quartieren der Arbell strömen sie zusammen: Jung« Arbeiter und Arbeiterinnen, ins Joch der Arbell eingespannt, aber voller hoffen aus den Sozialismus. Aus allen Bezirken stoßen sie zusammen. Durch den Westen wollen sie ihre roten Fahnen tragen. Ihnen zur Seite marschieren Studenten, geistige Arbeiter von gleicher Sehnsucht beseelt. Auch die Partei, mll leuchtenden Transparenten, sammelt sich am Bahnbof Schöneberg. Durch die nachtdunklen Straßen leuchten, vom Fackelschein erhellt, die roten Kampsbanner. Aus den Kehlen der Taufende erklingen Kampflieder. In einstündigem Hinmarsch geht» durch die Straßen, v eberall«artet die Bevölkerung schon aus den Aug. Auf dem Rutzolf-Wlde-Platz marschieren die jungen Kämpfer auf. Unter wehenden Fahnen spricht Stadtrat G«- nasse Wendt die Begrüßungsworte. Dann wird da� Banner der Studenten vom Genossen Dr. Friedländer geweiht. Genosse Ludwig spricht für die Jugend, die am 20. Mai mit den alten Kämpfern für den Sieg der Soziat demokratie kämpfen wird. Denkt an die Stimmliste! Sie liegt täglich von 2�-9 Llhr nachmittags an«. An alle Wahlberechtigten geht der Ruf. sich rechtzeitig davon zu überzeugen, daß sie auch in die Stimmliste eingetragen sind. Leider kommt es noch allzu oft vor, daß zur Wahlurne Leute tredm, die ihr politisches Recht ausüben wollen, aber pom Wahlvorsteher abgewiesen werden. Der Zweck der Aufstellung von Stimmlisten ist es, den Mißbrauch des Wahlrechts zu verhüten. Sanft könnte ja der— übrigens schon dagewesene— Fall eintveten. daß geschickie Fälscher für längst Verstorbene oder Verzogene ihren Wahlzettel abgeben. Damit wäre dem Wahlschwindel Tür oder Tor geöffnet. In einer großen Stadt wie Berlin mll seinem stark so Hin- und herströmeo der Bevölkerung ist es natürlich nicht leicht, die Wahl, listen korrekt auszustellen. Fehler und Unterlassungen sind oft geradezu unvermeidlich infolge der großen Häufung der Arbell, die bei den Behörden in der Zeit der Wahlen«ntstcht. So kommen dann die Enttäuschungen derjenigen Wahlberechtigten, die nicht oder falsch in die Wahlliste» eingetragen sind. Dem beugt man vor, wenn man sich r«chtz.«itig darum kümmert. In diesen Tagen, bi« einschließlich«.Mai, liegen die Wahllisten zur öffentlichen Einsicht aus, uod zwar an den Wochentagen von 2—9 Uhr n a ch m i ttag«k(14— 21 Uhr). am Smzmag von 10— 17 Uhr. W o jemand sein« Wahlliste findet. das erfährt er durch die Anschlagsäulen, hier sind die Bezirke. zu denen di? einzelnen Wohnungen gehören, genau angegeben. In da» zuständige Bureau geht man nun, mll einer Legllimotion(Licht, hjldausweis, polizsUich« Anmeldung o. 2.) versehen, läßt sich die lHfft. vorlegen, prüft die Angaben- und berichtigt etwaige Fehler. Fehlt Der Name des Wahlberechtigten in der Liste. so wird sckfort die Aufnahme beantragt. Natürlich kann der Familienvater oder die Familienmutter gleich die etwa not-- wendigen Anträge für seine Angehörigen stellen. Keiner aber darf « unterlassen. Sonst geht er seines Wahlrechts verlustig. Und mehr ah je gilt heute im Kampf gegen die Reaktion das Wort: Wahlrecht ist W ah/ Pflicht, der sich niemand entziehen darf.__ Sie ElternSeiratswahlen. Wie der Amtlich« Preußische Pressedienst mitteilt, hat mit Rücksicht daraitt, daß am 20. Mal d. I. die Wahlen zum Reichstag und Landtag stchtfinden, das Kultusministerium die nach der Wahl- vrdnung für die Elternbeiirät« vom ß. November 1919 feftgesetzie W a h I f r i st b i? zum 24. Juni d. I. verlängert und via Schulaufsichtsbehördey darum gebeten, den Wahltermin so an» zusetzen, daß die Vorbereitung der Eltertibeiratswahlen nicht mit den Vorbereitungen für die Wahlen zum Reichstag und Landtag zusammentrifft._ 1. Mal bei den Potsdamer Gerichten. An dem Potsdamer Landgericht sind die für heute angesetzte« Schöffengerichtstermine unter Vorsitz von Landgerichtsdirettor Dr. Warmuth abgesetzt worden. Ebenso-fallen die Termine bei dem Potsdamer Amtsgericht vor dem Emzelrichter aus. Die Stadtverordneten haben in dieser Woche ihr« Sitzung am Donnerstogum 16?L Ubr. Auf der Tagesordnung steht an der Spitze die Fortsetzung der Debatte über die w e l t l i ch e n S ch u l e». •••' VAjlAMß"SiX&mJL- hob en Se auch schon oft gehört Kathreiners MalzIcafFee — richtig zubereitet— sehr gut schmecktl bringen Ce ihn doch fluch mal auf Ihren Kaffeetisch— i im größten Spezialhaus Deutschlands für Bettfedern, Betten und Schlafzimmerbedarf AEPfar. � Seht chi n es. tgesete f. geschützt» Graue Federn.. von 95 �-- WeiQe Federn..von 2.30 an c-cni cnmes. cgeserzr. gescnuiZT» � JmnopoUtumen WeiBsHalbdaunen«. 5.60-- F 42 dehre.-üflit— �n'u" Qualitätsware! Großes Lager preiswerter Inlette! f Julihike im April. Bisher der heißeste Zag in diesem Jahr. Gestern wurden in Berlin, wie uns vom amtlichen Wetterdienst mitgeteilt wird, 26 Grad Wärme gemessen. Diese Temperatur liegt fehr hoch über der Normaltemperatur, die der Jahreszeit entsprechend, etma 10 Grad hätte betragen müssen. Es war des bisher heißeste Tag in diesem Jahr! Film- und Vortragsabend Solidarität, Bezirk 21, ausgefahren. für die weiblichen Angestellten des Einzelhandels am Freitag, dem 4. Mal, 19,30 Uhr im Lehrervereinshaus( großer Saal), am Alexanderplatz. Vortragende: Genossin Dr. med. K& the Frankenthal Eintritt freil Das Frauensekretariat. Werbeabend der Arbeiterjugend. In den Nachmittagsstunden zog von allen Seiten schwarzes Gewölf herauf, ohne daß es jedoch, außer im Besten Berlins, wo ein fleines Gemitter non turzer Dauer zu verzeichnen war, zu größe ren Niederschlägen gekommen ist. Schon am Sonntag zeigte bie Quecksilbersäule trot des heftigen Nordoftmindes etma 25 Grad Die Arbeiterjugend batte dieser Tage in die Schnaula Wärme. Diese Sigemelle erstreckt sich als Folge eines meitverbreite am Tempelhofer Ufer eine Werbeneranstaltung einberufen, in der ten Hochs über das ganze Reich. Im Südosten Deutschlands find der 1. Borsitzende des Bezirksverbandes Berlin der A., Genosse der 1. Borsigende des Bezirksverbandes Berlin der A, Genosse fogar noch höhere Bärmegrade bis zu 28 Brad- zu verzeichnen. Diebrich, über den 20. Mai und die Aufgaben des Jungproletariats In Mittel und Nordwestdeutschland wurden 25 bezm. 26 Grab gefprach. Er behandelte die schlimme materielle Lage des Jung messen. Um Oberrhein ist es infolge ergiebiger Regenfälle etmas arbeiters, den die Not des täglichen Lebens von früher Jugend in Pühler geworden. Machen hatte gestern beispielsweise nur 14 Grab Fabrit und Werkstatt treibt, ohne ihn die Möglichkeit zu laffen, fich geiftig weiterzuentwideln. Der Sieg der Sozialbemo tratie am 20. mai verbirgt eine Stärtung der Be ftrebungen, die für ausreichenden Jugendfuß und Jugenbrecht fämpfen. Die Sache der Jungarbeiter ist unlöslich mit der Sache der Arbeiterpartei, der Sozialdemokratie verbunden. Stürmischer Beifall der sehr start besuchten Bersammlung zeigte, daß die Aufforderung des start besuchten Bersammlung zeigte, daß die Aufforderung des Redners, am 20. Mai die fozialdemokratische Lifte zu wählen, auf fruchtbaren Boben gefallen mar. Rezitationen und musikalische Darbietungen umrahmten die wirtungsvolle Beranstaltung Märme. In ben nächen Tagen wird der augenblidliche Witterungs charakter vermutlich faum eine wesentliche Aenderung erfahren. Die Wärme soll meiter anhalten, doch ist, da die Wetterlage der Bildung von Gewittern sehr günstig ist, mit der Möglichkeit zu rechnen, daß besonders in den Nachmittagsstunden einzelne Gewitter auftreten merden. Die Feuerwehr wurbe in ben geftrigen Nachmittagsfhmben mehr. mals alarmiert, um beim Waldbränden Hilfe zu leisten. In Frohnau an der Dranienburger Chauffee brannten 14 Morgen Wiefen und Heidegelände ab. Drei Züge der Feuerwehr fonnten den Brand nach zwei Stunden niederfämpfen. Einen gefährlichen Umfang nahm ein Baldbrand an, der vermutlich durch Unachtsamkeit von Ausflüglern im Jagen 123 bes Grunewaldforftes entstanden ift. Etma 8 bis 10 Morgen junger Riefernbestand murde ein Raub der Flammen. Die Feuerwehren hatten alle Mühe, ein Weitergreifen auf den wert nollen Hodymald zu verhindern. Durch Aufmerfen von Gräben und ausschlagen fonnte die Gefahr jedoch noch rechtzeitig beseitigt werden. Unwetterfchäden in der Südpfalz. Rad- Saalsportfest in Schönholz. Am Sonntag murbe in den Hubertusfälen in Schönhols das 7. Begirts- Saalsportfest bes Arbeiter- Radfahrer- Bundes Funkwinkel.z Die Großstadtmärchen aus dem Atelier Bodenstedt unter fcheiden sich wenig von den anderen Herzensergüffen schöner Seelen, Die Unmettertatastrophe, die am Sonntag nachmittag die Süb bie fich nur mit dem Titel Märchen begnügen. Sie find von dem pfalz heimsuchte, und besonders über der Landauer Gegend mütete, felben facharinierten Gefühlsgehalt, pon demselben vertitschten Naturhat überall großen Schaden angerichtet. Die Straßen von gefühl, das feins ift. Die Großstadt with taum in einem RebenLandau maren am Montag früh noch polommen per fab fizziert. Aber gerade dieje Märchenstunde für Kinder ist wichtig, Es ist fchlammt. In mehreren Straßen stand das Waffer bis zu einem auch sie bestimmt mit das Weltbild des Kindes. Meter hoch. Im Reller eines Hotels wurde an den Weinvorräten nicht gut, daß hier so Belanglofes, so entseglich Triviales und romangroßer Schaben angerichtet. Große Gefahr beftand für die GasGroße Gefahr beftand für die Gastisch Berkitschtes immer wieder vorgetragen wird. Gibt es denn nur Kinder der Bourgeoisie? Und wer fann heute überhaupt Märversorgung, da die Anlagen unter Baffer standen. Die Landauer chen bichten? Am Sonntagabend die prachtvolle Rapelle Maret Bevölkerung und die Freiwillige Sanitätstolonne waren bis spät in Weber mit einem allerdings ungleichwertigen Programm. Bu oft die Nacht beschäftigt. 8ahlreiche Telephonleitungen hat man bereits die Rheinetstafen mehr oder minder Begabter gehört. murden unterbrochen. Seit 1868 ist ein ähnliches Unwetter Sie bedeutete alles andere eher als eine freude. Biel besser der nicht zu verzeichnen gewesen. Die Dbstbäume find ihrer Blüten be- Berliner Teil, auch in der Ausführung. Maret Beber gelangt erst raubt. Sträucher und andere Pflanzen sind beschädigt, frisch be. zur Enfaltung seines gangen Rönnens, wenn es ins Tänzerische geht, baute Rartoffel- und Rübenäder überschwemmt. In den Weinbergen menn Sentimentales verbannt wird. Erst dann glänzt dieses Drist der Schaden nicht minder groß. Man rechnet mit einer allge. chefter, sprudelt über von Laune und Wig, fpielt mit hinreißendem Schwung und Rhythmus. Dr. Leopold Hirschberg spricht meinen Mißernte im Dbft- und Frühgartenbau. Dächer wurden ab innerhalb des 3ytlus: Die deutsche Legende in Wort und Mufit" geriffen und sonstiger Schaden angerichtet. Bertreter der Kreis über Karl Zoeme. Man bebauert, daß sich Hirschberg gemäß des regierung haben heute vormittag eine Reife in die schmer betroffenen gangen Charafters feines Bortrages allein auf den Loewe des Legen Gebiete angetreten. Das Unwetter an der Bergstraße. Frankfurt a. Main, 30. April. Die Nachrichten aus bem bom Unwetter heimgefuchten Gebiet an Rhein und Main lassen erkennen, daß es sich um eine unmetter. fatastrophe hanbelt, wie fie feit Jahrzehnten nicht mehr porgelommen ist. Am stärdsten betroffen wurden die Drifchaften an der Bergstraße. Gin Wettersturz am West abhang des Melibotus fuchte besonders die Orte 3mingenberg und Auerbach heim. Meterhohe Baffermaffen ergoffen sich von den Hängen bes Odenwaldes in die Ebene des Rheintales. Was Sturm und Sagelschlag verschont hatten, fiel den starten Waffer maffen zum Opfer. Die Obfternte ist vollkommen und die Früh jahrslaat zum größten Teil vernichtet. Die Bevölkerung ist angesichts des großen landwirtschaftlichen Schadens wie von einem Albbrud befallen. Bandwirtschaftliche Sachverständige find bereits in das heimgesuchte Gebiet gereift, um die Schäden festzustellen. Auch Staatspräsident Adelung und mehrere Minister find an die Unglüds ftätte gereift. 3weifellos wird für das Gebiet am Melibotus eine Notstandsaktion unternommen werden. Feuerwehr und Polizei find überall mit den Aufräumungsarbeiten beschäftigt. Bahlreiches Bieh fam in den Fluten um. Mauern, Fenster und Türen wurden eingebrüdt. Die Gegend bei 8 mingenberg steht voll tommen unter affer. Die Keller find überschwemmt, Straßen aufgeriffen und meterhoch mit Schlamm bedeckt. Während des Un wetters ftarb eine Frau infolge der Aufregung an einem Herzfchlag. Zahlreiche Autos blieben auf der Strede liegen und wurden schwer befchädigt. Umgestürzte Bäume liegen auf der zum Zeil gesperrten Bergstraße. Auch im Spessart und in der Main- Taunus- Ede hat bas Unwetter gemütet. Wiesbaden und das Rheingau wurden hier besonders heimgesucht. Das umfangreiche Programm, das mit einem Sechser- Reigen der Ortsgruppe Pantom begann, war ausgezeidmet zusammengestellt. Die Leistungen der einzelnen Fahrer gute, mur einige hätten besser abschneiden können, menn sie sich nicht hätten nervös machen lassen. Die Bezirksmeisterschaft im Bierer Runstreigen holte fich mit sehr guten Leistungen die Ortsgruppe Wartenberg. Im Sechser- Schulreigen fonnte sich Lindenberg die Meisterschaft holen. Der Achter- Farbenreigen von Reinidendorf gefiel in den Anfangs übungen, bei den Schlußarbeiten mar die Mannschaft nicht mehr einheitlich. Besonders interessante Kämpfe brachten die Polo- und Radballentscheidungstämpfe um die Bezirksmeisterschaft. Im Zweier- Bolo Reinidendorf gegen Mühlenbed zeigte die letztere Mannschaft ein gutes Zusammenspiel mit 2: 3 für Mühlenbed schloß das Spiel Das 3meier- Radball Jah Wartenberg in Front. Front. Mit immer steigender Angriffstraft berannte Wartenberg das Lor feines Gegners und fonnte mit 4: 1 für sich den Bezirks meister erobern Nach einer turzen Ansprache durch ben Bezirksleiter begann der zweite. Teil des Programms. Reiniden dorf holte sich mit einer 3wölfer- Farbenreigen den Bezirksmeister Besonders gute Leistungen zeigte ein Sechser- Schulreigen der Damen Reinidendorfs, die sich auch den Bezirksmeister holen konnten. Der Sechser- Steuerrohr- Keigen Reinidendorfs brachte gute Leistungen. Beim llebergang von der Kette zum Sechser- Ring verloren einige Fahrer die Gewalt über ihr Rab und mußten absteigen, so daß die Summer vorzeitig abgebrochen wurde. Im Dreier- Bolospiel Rei nidendorf gegen Oberschöneweide um den Bezirksmeister mußte das Spiel zweimal verlängert merben. Die Entscheidung für die Mann schaft Oberschönemeide brachte ihr Torsteher, der zweimal vorher den Ball durchgehen lassen mußte, weil er mit einem Fuß den. Boden berührte. Mit 3: 2 gemann Oberschönemeide 3mei außerordentlich fpielstarte Mannschaften standen sich im letzten Rampf um den Be girlsmeifter im Dreier- Radball gegenüber Nach hartem: Rampf tonnte fich Reinidendorf gegen Schönfließ den Bezirksmeister mit 3: 0 bolen. Brieffaften der Redaktion. 9109 R. 135. 1. Sa. 2. Genügt Angabe ber beutschen Ausgabs,& Sa 6. 2. 1. 34. 3. 9m 26. 3. 1818. 2. Reutilla. Das frühere Mitglied der Deutschnationalen, Graf Bofabomfts, hat biefes Bitat einem Artifel im Deutschen Tageblatt notangeftellt Sergt hat barauf im Aufwertungsausiuk eine foldje Heußerung beftritten.( Siehe Bormärts 1927 Str. 211 amb 216.) Des tefte Berliner Teppichbaus Emil Befenre, feit 47 Jahren m Oranienfr. 158, Nähe Morigplas, bringt diese Woche Riefenposten Teppiche, Brüden, Läuferstoffe, Gardinen, Stores, Dimandeden, Tischbeden, Schlaf und Reisededen usw. au fabelhaft billigen Breifen aum Berlauf. Diese günstige Gelegenheit follte niemand unbenust vorübergehen laffen! Bie macht man hartes Waffer weid? Das hatte, falfhaltige Brunnen. und Beitungswasser hat den großen Nachteil, baß es die Geife in ihrer Reinigungs Zraft und Schaumwirtung außerordentlich behindert. 10 Gramm Rall in 100 Biter Baffer machen schon 150 bis 200 Gramm Seife unwirksam! Das bebeutet große unnlige Ausgaben fite jeben Haushalt. Es ist deshalb unbedingt michtig, dieses Waffer vor Gebrauch weich zu machen; biefer Rat ist besonders fest in ber Beit bes Sauspuses, wo viel Geifenwaffer gebraucht mirb, am Blage. Man gebe in jeben Eimer Baffer vor Auflösen der Seife eine Sand voll Sento- Bleichsoda. Dadurch wird das Baffer wie Regenwasser. Es fühlt fich angenehm und weich an und gibt schnellen, träftigen Schaum, menn man Seife ober Gelfenmasser hinzutut. fe Mer gute, gebiegene unb babei billige Garberobe für Damen und Serren gebraucht und auch auf Teilsahlung laufen will, ber mende fich an Mer Flus. Rofenthaler Str. 58. Giehe das heutige Inferat, Sären beschränten muß. Er gibt so fein gefchliffene Analyfen, so Oeffentliche Anklage glänzende mufitalische Erläuterungen, baß man ihn gern als Inter pret und Ertlärer Boemescher Balladen hören möchte. Uleber Barlament und Chefredakteur Otto mirft ein anſchauliches Bilb von der Lätigtell bes Barlaments wegen Familienraub reporters und bedt darüber hinaus die feinen Berästelungen amischen diesen beiden wichtigen Fattoren auf. An Montagabend ein felten gehörtes Chormert: Josef Frischens Thalatta", eine Meeresfinfonie, die sich aus Berfen Goethes, Heines und des Komponisten aufbaut. Brogrammufif, aber weit über eine nur illuſtrative Haltung herauswachsend und in einzelnen Liedern starten schöpferischen Willen und geläuterte Schönheit zeigend. Stimmen und Chor tragen einen Inrischen Cha rafter, steigern fich felten zu großem dramatischen Ausdrud. Das Drängende, Mühlende, das Drohende und Dramatische liegt allein im Orchester, das übrigens Frischens außerordentlich sorgfältig behandelt. Es ist kein Wert von größtem Format, feine Gipfelleistung deutscher Mufit, doch eine musikalische Dichtung von befter Tradition und Stul tur und von melodiöser Fülle. Problematisch für die Rundfunksendung bleiben die Säße, in denen Chor, Soliften und Orchester gleichzeitig verwandt werden. Aber es tommt zu feinen Tonüberschneidungen. Die Solostimmen heben sich in flaren Umrissen von dem Hintergrund des Chors ab, und alles wird getragen von dem Klang des Orchesters. Rüdel, der Dirigent. Chor und Orchester bieten überragende Leistungen. Von den Solisten an erster Stelle Hermann Schen, deffen prachtvoller Bariton in allen Lagen gesättigt, schmiegsam, flangreich und ausdrudsstart vorbildlich den Stil dieser Kompofition trifft, während bei dem Tenor Josef Lengyel, der in legter Stunde eingesprungen ist, eine zu offene und flache Höhe und eine nafale Färbung stört, ferner eine einwandfreie Führung des Atems. Rose Lichtenstein, die Sprecherin, hält sich sowohl von verstiegener Dellamation als auch von trivialer Bortbehandlung frei, so daß fein Bruch zwischen gesprochenem Wort und Musik tlaftet. F.S. von Satan, Höllenfürst.. Pini Tenfel! Schwefel und Pech, Höllengestank über Ench. Nämlich dis Pestalozzibuchhandlung Linke& Co. in Halle( Saale). Ich erkläre Euch den Krieg, Ihr raubt mir mein bestes Gebiet, die Familie. Ihr haltet die Men schen ab vom Rösen, Ihr klärt sie auf. Bringt ihnen Wissen bei. Praktisches Wissen noch dazu, mit dem sie etwas anfangen können, durch das sie Nutzen haben. Wo soll das hinführen? 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Der deutschnationale„Sokal-Anzeiger* bot ein ganzes Zwölftel mehr: „Die riesige Arena des Sportpalastes, in der die alten Preußen- märsche zu jubeln begannen, war schnell zu drei Vierteln gefüllt." Die„K r e u z- Z e i t u n g" aber hielt es mit dem zahlen- mäßig unbestimmten Werturteil: „Die Landesverbände Berlin, Potsdam I und II der Deutsch- nationalen Volkspartei veranstalteten am Sonntag im Berliner Sportpalast eine große nationale Kundgebung, die a u ß e r o r d e n t- lich stark besucht war." Wenn eine deutschnationale Wahlkundgebung für drei Riesenwahlkreise, die den Sportpalast höchstens zu drei Vierteln füllt, schon außerordentlich gut besucht ist, wie müssen dann die ordentlich besuchten deutschnationalen Wahltundgebungen aussehen! War es Vorahnung, daß die „Deutsche Zeitung" ihren Bericht über diese Kundgebung überschrieb:„Von Mißerfolg zu Mißerfolg"? Briienterror gegen Aegypten. Ultimatum gegen Versammlungsfreiheit. London, 30. April.(Eigenbericht.) Außenminister Charberlain teilte im Unterhaus mit. daß am Konniagabend an die ägyptisch« Regierung ein« Rote gesandt worden ist. in der Aegypten ausgefordert wird, die parlamentarische Erledigung des Versammlungsgesehe» sofort einzustellen. Zoll» London bis Uliltwoch. dem 2. Mal. um 7 Uhr abends, nicht im Besitz einer entsprechenden kategorischen Erklärung Aegypten» sei. b' halte sich die britisch« Regierung vor. die ihr notwendig scheinen- den Schrille zu unternehmen, wie aus Kairo gemeldet wird, oer- sichl Großbritannien unter diesen Schritten die Beschlagnahme der ägyptischen Zölle, der staatlichen haupleinnahmelluelle Aegypten». Der ägyptische Ministerrat hat beschlossen, von der bisherigen Politik abzuweichen und da» britisch« Ultimatum nicht zn erfüllen. Ministerpräsident Rahas Pascha erklärte, er werde nicht wie sein Vorgänger unter den britischen Drohungen zurücktreten. Fünf britisch« Kriegsschiffe haben am Montag Malta verlassen. Ihr offizieller Bestimmungsort ist K o r I n t h. Man glaubt jedoch, in London, daß diese Schisse am Mittwochabend im spai/c der Nichterfüllung der britischen Forderungen drahtlos nach Alexondria und Port Said beordert werden. Auch andere Schiffe der britischen Mittelmeerflotte sollen auf Fahrtbereit- jchcft nach Aegypten gestellt sein. Der sozialistische„Daily Herald" schreibt, es sei nicht ein» zusehen, inwiefern das geplante neue ägyptische Versammlungsgesetz von der üblichen Praxis zivilisterter Länder mit freiheitlichen Einrichtungen abweiche. Die Borbereitung militärischer Maßnahmen sowie ein gewalttätiger Eingriff in die Frei- beit des ägyptischen Parlament« seien deshalb keineswegs gerechtsertigt. Der wirklich entscheidende Punkt sei gar nicht, ob das von Aegypten geplante Gesetz gut oder schlecht sei, sondern die Tat- stäche, daß England hier zur Einschüchterung eine» Par- l a m c n t e s schreite und Wege gehe, die man einem Mussolini empfehlen möge. Entweder glaube die englische Regierung an den Parlamentarismus, dann sei das gegenwärtige Vorgehen unmöglich zu rechtfertigen. Glaube ste jedoch ein Recht auf Drohungen und Ausübung militärischen Zwanges gegenüber einem Parlament zu besitzen, dann entziehe sie jeglichem Konstitutionalismus den Boden. Gewalt werde mit Gewalt beantwortet werden. und derjenige, der zum Schwert gegriffen habe, werde durch das Schwert umkommen. Vertagung? Kairo. 30. April.(Reuter.) Man glaubt zu wissen, daß Premierminister R a h a s Pascha im Senat beantragen wird, die Beratung des Dersammlungsgesetzes auf di« N o v e m b e r s e s s i o n zu vertagen, damit in der Zwischen- zeit eine bessere Grundlage für die Verständigung mit Groß- britannien gefunden werden könne. I Fritz Geger 'im w!" � Leipzig. 30. April.(Eigenbericht.) Am Sonntag ist nach langer Krankheit im Alter von 61 Jahren Fritz Seger gestorben. Er hatte das Schneid erhondwert erlernt, kam in jungen Jahren aus dem Badenlande nach Leipzig und schloß sich noch unter dem Sozialistengesetz der Sozialdemokratischen Partei an. Lange Jahre hindurch gehörte er der Redaktion der„Leipziger Volks- zeitung" an. Hervorragendes leistete er auf dem Gebiet« der Kom- munalpolirik. Er wurde in die Stadtverordnetenversammlung ge- wählt, die ihn nach der Revolution zu ihrem Dorsteher machte. Durch das Vertrauen der Leipziger Arbeiterschaft wurde er in den Sächsischen Landtag und den Deutschen Reichstag entsandt. Fritz Seger hat stets in den vordersten Reihen der Arbeiterbewegung gestanden und schwer« Opfer für sie gebracht, das Leipziger Pro- lstariat wird sein Andenken stets in Ehren halten! Das Wahlergebnis in Frankreich. Wesentliche Unterschiede der Statistiken. V. Seh. Pari», 30. April.(Eigenbericht.) Konfusion war das Kennzeichen des Wahlkampfes, Unklarheit ist auch das Merkmal des Wahlergebnistes. Das Lintsblatt �Oeuvre" hat wohl den Nagel auf den Kopf getroffen, als es am Montag früh mit fetten Lettern verkündete:„Alle Parteien werden jetzt Siegeshymnen anstimmen, aber nur die Republik hat gesiegt." In der Tat beweisen di« Aeußerunge» aller Blätter, daß st« mit dem erzielten Ergebnis nicht unzufrieden sind. Die Rechtspresse rechnet die Zahl der Abgeordneten zusammen, die«wer Regierung Poincarä zu folgen bereit sind und kommt dabei zu dem Ergebnis, daß das Ministerium nahezu Zweidrittelmehrheit haben werde. Dt« bürgerliche Linkspresse ist nicht minder zufrieden damit, daß die Gewinne der Rechken geradezu minimal find, gemessen an der ungeheuren Propaganda der letzten Monate für die„nattonale Einheit", gemesten jedenfalls an den Besorgnisten, die noch dem ersten Wahlgang auf der Linken entstanden waren. Die althergebrachte linksrepublikauische Disziplin hat sich wieder einmal glänzend bewährt. Sie beweift, daß die große Mäste des französischen Dolkes demokratisch fühlt und daß sie in trittschen Augenblicken rein instinktiv zur entschiedenen Abwehr jeder reaktionäre» Gefahr int- schlössen ist. Selbst die kommunistisch« �humanitt" hat die Proph«zeiu»g de» „Oeuvre" wahrgemacht. Eine Erklärung des kommunistischen Parteisekretär» behauptet allen Ernstes, daß die Kommunisttsche Partei gestärkt aus der Schlacht hervorgehe und den revolutionären Kampf mit größerer Siegeszuversicht denn je. allein gegen alle ausnehmen werde. Aber diese Kundgebung klingt lächerlich, wenn man die katastrophale Niederlage erkennt, die die Bolschewisteu in doppeller Hinsicht erlitten haben. Einmal rein ziffernmäßig durch den Verlust der Hälfte ihrer Man- date, vor allem aber durch da» vollständig« Auseinander- laufen ihrer Wähler vom ersten Wahlgang, die sich größten- teils den Teufel um den Moskauer Befehl gekümmert haben. Die französischen Kommunisten gehen einer schwerenKrise entgegen, ja, st« ist bereits ausgebrochen, und ste wird heistame Rückwirkungen nicht nur auf die franzäsisch«, sondern auf die gesamte internationale Arbeiterbewegung haben. Natürlich hat die„Humanitä" noch die Dreistigkeit, die--- Sozialisten für die Niederlage verschiedener Kommunisten verantwortlich zu machen. Di« Sozialisten hätten di« Pflicht gehabt, ihre Stimmen den Kommunisten geschlosten zuzu- wendenl Das einzige Blatt, das in dem Chor der Zufriedenen eine Aus- nähme bildet, ist der sozialistisch«„P o p u l a i r e". Sein pesst- mistischer Kommentar ist vielleicht darauf zurückzuführen, daß er zu einer Stund« geschrieben wurde, zu der das Gesamtresultat noch Nicht vorlag und zahlreiche sozialistische Erfolge in Südfrankreich noch nicht bekannt waren. Außerdem hat im ersten Augenblick die Nieder- läge Blums auf die Genosten im„Populaire" deprimierend gewirkt, obwohl man seit dem 22. April nur schwache Hoffnung hatte, ste zu verhindern. Bor ollem herrscht eine berechtigte und unbeschreibliche Erbitterung darüber, daß da» proletarisch« Nordsrankreich lediglich durch den kommnuifst- scheu Wahnsinn zum großen Teil der Schwerindustrie cmszellescri worden ist. Aber trotz alledem: wenn e» eine Partei gibt, die mtt dem endgültigen Ergebnis zufrieden fein kann, so gerade die sozio- listische Partei. Auch die Kennzeichnung der neuen Kammer durch den„Populaire", daß ste ein« Kammer der Rechten und ein« Neuaustage de» unseligen Parlaments von 1919 fein wird, trifft in dieser Form nicht zu. Sie hätte freilich bei einer anderen Haltung der Kommunisten eine Kammer der Linken sein können, vielleicht sogar noch entschiedener link» als das Parlament des Linkskartetts von 1924. Aber es besteht kein Grund, das neue Parlament umge- kehrt zu einem ausgesprochen reaktionären zu stempeln. Die Kernfrage: Wird Poincare mit der Linken allein unter Abstoßung der Rechten regieren können, wie er es anscheinend möchte, oder wird er auf die Rechte weiter angewiesen sein und dadurch in«inen Gegensatz zur Linken gebracht werden, den er »ermeide» will? Die Kernfrage ist heute noch nicht zu beant- warten. Aus der einen Seite steht fest, daß die Marin-Grupp« stärker zurückkehrt: ste wird infolgedesten bei der erwarteten Kabinettsumbildung Ansprüche erheben und sich wohl nicht mehr wie bisher mtt dem einzigen Portefeuilles ihres Führers Marin begnügen. Auf der anbeten Seite ist es unzweifelhaft, daß besonder» in der Provinz die breiten Masten sich durch die reaktioyäre Pro- paganda unter der Parole.Poinear« der Retter" nicht haben bluffen lasten. Sie wollen link» regiert werden und würden jede« Zugeständnis an die Rechte als eine Umkehrung des Wahl» ergebmstes empfinden. Poincarö weiß sehr gut, daß die Rechte ihre Erfolge fast ausschließlich den Kommunisten verdankt, daß also di« Marin-Grupp« sich nicht auf eine ihr günstig« Stimmung im Volke für ihoe Ansprüche berufe» kann. So wird« noch längere Zeit dauern, bis man Klarheit Wer de» wahren Charakter de« Parlament» erlangen wirb. Das wird hauptsächlich für de» innerpolitisch«« Kurs von Bedeutung sei». Nur da»«in« kann scho» jetzt gesagt werden: An dem außenpolitische» Kur», z« dem sich Pornearä m sriner Red« w»«arcostnrot bekannt hat. wirb sich nicht» ändern. Ve groß die»mhkstattstksche« Disferenzen find. zeigt folgend« llebersicht(tai vergleich gar Zusammensetzung der alt« Kammer): Wie stark di« Unsicherheit hinsichtlich der Zusomensetzung und des Stärkeverhältnisse» der Parteien in der neuen Kommer ist, zeigt der Umstand, daß da» Innenministerium selbst sich genötigt gesehen hat, seine am Montag früh veröffentlichte amt- liche Statistik sehr wesentlich zu korrigieren. Aber auch in dieser berichtigten Form entspricht sie durchaus noch nicht den Ziffern, die z. B. von der Leitung der Radikalen Partei gegeben werden, Wettlingen um den Kriegsverzicht Oeuischlands Antwort an Amerika. Vor drei Vierteljahren, im Juni 1927, schlug Frankreich den Vereinigten Staaten den gegenseitigen Kriegsverzicht vor. Das sollt« ein Ersatz sein für das 1319 gescheiterte Bündnis. Amerika aber lehnte es ob, mit seinem„Asso- ziierten" aus dem Weltkriege durch einen Sondervertrag ver- Kunden zu werden. Es schlug deshalb vor, einett Kriegs« verzichtspakt allgemein abzuschließen. Wegen seiner Bündnisverpflichtungen nahm Frankreich die Formel, die es Amerika vorgeschlagen hatte, nicht für den Allgemeinoertrag an. So übernahm Amerita die Initiative und ließ in London, Tokio, Rom und Berlin Anfang April einen Vertrags- entwurf übcreichen, der den Krieg als Mittel der nationalen Politik ausschließt. Diesen amerika- nischen Vorschlag beantwortete, als erste der gefragten Mächte, die deutsche Reichsregierung am vergangenen Frei- tag. Ihre Rote wurde gestern veröffentlicht. Es heißt in ihr: „Die Deutsche Regierung begrüßt die Eröffnung von Ver- Handlungen über den Abschluß eines internattonalen Paktes zur Aechtung des Krieges a u f d a s w ä r m st e. Die beiden großen Gedanken, die der Initiative des französischen Herrn Außenministers und dem aus ihr hervorgegangen Borschlage der Regierung der Bereinigten Staaten zugrunde liegen, entsprechen vollkommen den Grundsätzen der deutschen Politik. Deutschland hat kein höheres Znlereste. als die Möglichkeit kriegerischer Konflikte ausgeschaltet und im Leben der Dölker«ine Entwicklung gesichert zu sehen, die den friedlichen Ausgleich aller Gegensätze zwischen den Staaten gewährleistet. Der Wschluß eines Paktes, wie ihn die Regierung der Vereinigten Staaten jetzt im Aug« hat, würde die Völker der Erreichung dieses Zieles sicherlich um«in weites Stück näherbringen. Da da- Bedürfnis der Völker nach Sicherung des Frieden» seit Beendigung de« Weltkrieges bereits zu anderen internationalen Abmachungen geführt hat, ergibt sich für die daran beteiligten Staaten die Notwendigkeit, sich klar darüber zu werden, in welchem Verhältnis der jetzt geplant« Pott zu diesen schon in Kraft befindlichen internationalen Abmachungen stehen würde. Was Deutschland anlangt, so kommen als inter- nationale Abmachungen, die sich mit dem Inhalt» des neuen Paktes berühren könnten, die Bölkerbundssatzung und der Rheinpakt von Locarno in Betrocht: so n st i g e internationale Verpflichtungen dieser Art ist Deutschland nicht«ingegangen. Die Achtung der Verpflichtungen aus der Bölkerbundssatzung und dem Rheinpakt wmß noch Ansicht der Deutschen Regierung unverrückbar feststehen. Die Deutsche Regierung fft aber der Ueberzeugung. daß diese Der- pflichwngen nichts enthalten, wo» mit den Berpslichtungen, die der Paktentwurf der Bereinigten Staaten vorsieht, irgendwie in Wider- strett geraten könnte. Im Gegenteil glaubt sie, daß die bindende Verpflichtung, den Krieg nicht ol»«in Werkzeug natiaooler Politik zn benutzen, nur geeignet sein würde, den Grundgedanken der VSlkerbundssatzung vnd de» Rhrinpaktes zu verstärken. Die Deutsche Regierung geht davon aus, daß ein Pakt nqch dem Muster der Regierung der Dereinigten Staaten das souverän« Recht eines jeden Staates zur Selbstverteidigung nicht in Zweifel stellen würde. Es versteht sich von selbst, daß, wenn«in Staat den Pakt bricht, die anderen Kontrahenten diesem Staat« gegenüber ihr« Handlungsfreiheit wiedergewinnen. Der von der Verletzung des Paktes betroffene Staat ist deshalb nicht g e- hindert, sich seinerseits gegen den Fnedensbrecher zur Wehr zusetzen. In einem Pakte dieser Art den Fall seiner Verletzung ausdrücklich vorzusehen, erscheint der Deutschen Regierung nicht aww 9ieuie 3)iensiaq, aSm gähnen heraus! notwendig. In Uebereinstimmung mit der Regierung der Ber einigten Staaten und mit der Französischen Regierung ist auch die Deutsche Regierung der Auffassung, daß das letzte Ziel die Univerfalität des neuen Pattes sein muß. Diese Universalitiät herbeizuführen, dürfte der Entwurf der Bereinigten Staaten einen praktischen Beg eröffnen. Wenn die zunächst als Signatarmächte in Aussicht genommenen Staaten den Batt abgeschlossen haben, fann erwartet werden, daß die anderen Staaten von dem ihnen ohne Einschränkung und Bedingung gewährten Rechte des Beitritts alsbald Gebrauch machen. Die Deutsche Regierung fann demnach die Erklärung abgeben, daß sie bereit ist, einen Paft nach dem Vorschlage der Regierung der Bereinigten Staaten abzuschließen und zu diesem Zwede in die erforderlichen Verhandlungen mit den beteiligten Regierungen einzutreten. Mit dieser Erklärung verbindet jedoch die Deutsche Regierung die bestimmte Erwartung, daß das Zustandekommen eines Paftes von solcher Tragweite nicht verfehlen wird, alsbald feinen Einfluß auf die Gestaltung der internationalen Beziehungen geltend zu machen. So müßte diese neue Garantie für die Er. haltung des Friedens den Bemühungen um die Durchführung der allgemeinen A brüstung einen wirksamen Impuls geben. Außer dem aber müßte der Verzicht auf den Krieg als notwendiges Gegenstück den Ausbau der Möglichkeiten fördern, vorhandene und entstehende Gegensätze der Bölferinteressen auf friedliche Weise zum Austrag zu bringen." = Diese Antwort an Amerita, deren Abschrift übrigens dem französischen Botschafter in Berlin sogleich überreicht wurde, stellt sich mit vollem Recht auf die Seite des unverklausulierten, einfachen und allgemeinverständli hen amerikanischen Borschlages. Sie wendet sich damit, ohne sie zu nennen, gegen die Einschränkungen und Bedenklichkeiten, mit denen Frankreich leider noch glaubt, einen solchen Vertrag entwerten zu müssen. Die französische Nationalistenpresse hat schon im voraus deshalb gegen Deutschlands Zustimmung zu dem amerikanischen Vertragsentwurf gewettert. Aber es ist doch zu viel verlangt, daß Deutschland eine Bündnis politif bejahen soll, die die Sozialisten aller Länder seit jeher grundsätzlich verwerfen und die so überholt ist, daß sie auch nicht einmal mehr bei den Sicherheitsverhandlungen des Völkerbundes Billigung findet. Es darf aber nicht die Aufgabe einer zielbewußten Friedenspolitit sein, 3wiefracht zu säen. Deshalb legt die deutsche Note sich auf feinen bestimmten Wortlaut fest und überläßt es freund schaftlich Frankreich selbst, sich seine Isolierung zum Bewußtsein zu bringen und sich daraus zu befreien. Wenn auch vielleicht nicht im Augenblick, so wird doch auf die Dauer das demokratisch- pazifistische Frankreich Deutschland diese Zurückhaltung danken. Deutsche Nationalisten freilich werden Dr. Stresemann vorhalten, eine Attacke gegen Frankreich unterlassen zu haben wenn das, nach ihrer Meinung, einen neuen ,, Landesverrat" darstellt, dann haben freilich die Herren Hergt, v. Reudell, Koch und Schiele das gleiche Verbrechen begangen. Welche Antwort die drei anderen von Amerika um ihre Meinung gefragten Regierungen erteilen werden, steht noch dahin. Mussolini hat es noch vorgezogen zu schweigen und seiner Bresse Schweigen befohlen. Japan ist ohne 3weifel, im Bewußtsein seiner verhältnismäßigen Schwäche, grundsäglich für den Paft. Das tonservativ regierte EngIand steht, wie Buridans Esel zwischen den Heubündeln, unentschlossen zwischen seinen beiden ehemaligen Berbündeten; es fragt erst die ganze Eselsfamilie- seine Dominien, wo es zugreifen darf. Die Sowjetunion ist bisher von Amerika nicht gefragt worden und wird auch nicht gefragt werden. Ist fie doch von den Bereinigten Staaten diplomatisch nicht anerkannt, sondern ,, nur" durch Warenverkehr mit ihr verbunden. Gelingt der Bertragsabschluß zwischen den sechs Mächten, dann wird auch die Sowjetunion ohne meiteres beitreten tönnen und, wie wir hoffen, dadurch ihre Friedensliebe beweisen. Jedenfalls wird die ameri tanische Demokratie auch weiterhin zäh daran arbeiten, den allgemeinen Kriegsverzicht im Völkerrecht durchzufetzen. Durch ihre Antwort an Washington hat die deutsche Demotratie ihre Bereitschaft erwiesen, die amerikanische Initiative zu unterstüßen und bei Schwierigkeiten zwischen Amerika und Europa die Rolle des ehrlichen Maflers zu spielen, der das Geschäft wirklich zustandebringen will". London paftfreudig. In Beantwortung einer im Unterhaus an den Außenminister Don Ramsay Macdonald gestellten Frage stellte Austen Chamberlain feft, die britische Regierung begrüße den Vorschlag der Vereinigten Staaten zur Aechtung des Krieges auf das wärmste. Sie habe den von Kellogg unterbreiteten Text sowie die von Frankreich gemachten Feststellungen und Anregungen .genau und in ferundschaftlichem Geiste" geprüft. Die britische Regierung zweifle nicht, daß diese französisch- amerikanische Initiative zu einem erfolgreichen Abschluß gebracht werden fönne. Die Verhaftung Bela Khuns. Auslieferung fommt gar nicht in Frage. Die Forderung Horthy- Ungarns nach Auslieferung Bela Khuns und der anderen Volksbeauftragten", die nach der Niederwerfung Räte- Ungarns nach Wien geflüchtet waren, ist 1920 von den Gerichten Deutschösterreichs abgelehnt worden, weil die ihnen nachgesagten Berbrechen und sie wurden damals schon gemeiner Verbrechen beschuldigt politischer Natur seien, die Verfassung der Republik Desterreich jedoch die Auslieferung politischer Flüchte linge ausdrücklich verbietet. Seither ist Khun nicht mehr in Ungarn gewesen, seine Tätigkeit spielte sich in Rußland ab und die ungarische Regierung hat gar fein Recht, nun die Auslieferung mieder zu verlangen, da sie durch ihre Wiener Spigel seine Anwesenheit früher als die Wiener Polizei erfuhr und seine Berhaftung veranlaßte. Rhun fann wegen unerlaubter Einreise, Paßfälschung usw. mur eine ziemlich geringe Strafe erhalten. Die ungarische Regierung scheint bereits dementieren zu wollen, daß sie die Auslieferung verlangt; fie läßt nämlich mitteilen: ,, Mehrere Budapester Blätter brachten die Meldung, daß die ungarische Regierung beschlossen habe, bei der österreichischen Regierung die Auslieferung Bela Khuns zu beantragen. Im Zusammenhang damit veröffentlicht ein hiesiges Montagsblatt eine angebliche Erklärung des Justizministers Besthy über das Auslieferungsverfahren. Von zuständiger Seite wird dazu festgestellt, daß der Justizminister feiner Budapester Zeitung über die Frage der Auslieferung Bela Khuns Erklärungen gegeben hat, was schon darum nicht möglich war, weil Minifter Befthy vom Sonnabend früh bis heute vormittag von Budapest abwesend war." Der Offultismus vor dem Richter Ein Hellseherprozeß in Jnsterburg. aus. In Justerburg fämpft wieder einmal die Kriminaltele-| die Genehmigung zum Auftreten als Sachverständigen nicht erteilt. pathie um ihre Existenzberechtigung. Sachverständige, Anhän- Gegen Prof. Dr. Lippe hat Dr. Winterberg einen Ablehnungsger und Gegner des Offultismus follen entscheiden, ob gewiffe antrag eingereicht. Die Entscheidung des Gerichts steht vorläufig Personen, Medien genannt, befähigt find, fernliegende Gegenstände oder Personen in einer Weise auf sich einwirken zu laffen, daß sie von ihrem Wissen auch anderen kundfun fönnen. Und das Gericht soll ein Urteil darüber fällen, ob die Verwendung der wirklichen oder angeblichen Fähigkeiten gegen Entgelt bei Entdeckung von Verbrechen, also die Kriminaltelepathie, Betrug sei oder nicht. Das Schöffengericht Insterburg hat in der ersten Instanz die 59jährige Else Günther Geffers freigesprochen. Es hat erflärt, daß es nicht die Absicht habe, sich in den Streit der Wissenschaft 3 einzumischen, und es die Frage offen lasse, ob die Frau Landwirt. schaftsschuldirektor" die Fähigkeit des Hellsehens besize oder nicht. Tatsache sei aber, daß sie selbst wie ihre Anhänger von ihrer Fähigfeit überzeugt gewesen sei, und daß sie schließlich auch einige Erfolge zu buchen gehabt habe. Die Staatsanwaltschaft, gestützt auf das Gutachten des Sachverständigen, Prof. 2itte- Königs berg, und des Landgerichtsdirektors Hellwig Botsdam, eines geschworenen Offultistenfeindes, der, wie erimmerlich, auch gegen den im Bernburger Hellseherprozeß freigesprochenen Lehrer 25 Fälle, die Gegenstand der ersten Verhandlung gewesen find, Drost scharf zu Felde gezogen ist, hat Berufung eingelegt. Alle feien erfolglos geblieben, erklärt sie. Die Trancezustände der Frau Günther- Geffers feien nichts anders als Humbug gewesen. Ihre friminaltelepathischen Fähigkeiten hätten den einzigen 3med gehabt, den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen. Die geftrige Gerichtsverhandlung bedeutet für Insterburg eine gewisse Sensation. Das Publifum verfolgt mit Spannung die Lebensschilderung der Frau Günther- Geffers und die Erörterung der einzelnen Fälle. Die Angeklagte ist Tochter eines Oberpostdirektors und Mutter dreier erwachsener Söhne. Schon als Sechzehnjährige erhielt sie die Bezeichnung ,, die merkwürdige Else", da fie die Eigentümlichkeit besaß, tommende Ereignisse Dor auszusagen. Als sie in späteren Jahren in andere lmstände fam, steigerten sich diese Fähigkeiten in noch höherem Maße. Sie erzählt z. B., wie sie als Kind einmal ins Zimmer stürzte und rief, daß ein Haus in Flammen stehe, und die Glocken läuten. Einen Tag später brannte tatsächlich der Dom in Neuwied ab. Sie liebte es auch, ihren Bekannten aus den Handlinien zu lesen, Vergangenes zu deuten und Zukünftiges vorauszusagen. Während der liebte es auch, ihren Bekannten aus den Handlinien zu lesen, BerInflation riet man ihr, aus ihrer Fähigkeit Kapital zu schlagen. Und so machte sie aus ihrer Fähigkeit ein Geschäft. Es sprach sich herum. Man trat an sie heran, sie möchte doch bei Aufdeckung von Berbrechen behilflich sein, sie ging darauf ein. So begann ihre Tätigkeit als ,, Kriminal telepatin". Bei Diebstählen, Brandstiftungen, Morden, versuchte sie ihre Kunst als Hellseherin. verfiel sie in einen Trancezustand und beantwortete nun die Gewöhnlich wurde sie an den Ort des Verbrechens geführt. Hier Fragen des Führers, die sich auf die Person des Täters oder auf mit den Anwesenden eine Rette, die nun ,, elektrisch geladen wurde. die gestohlenen Gegenstände bezogen. Manchesmal bildete sie auch Gestern begann vor der großen Straffammer die Berufungs Korrespondenz. Frau Günther- Geffers war fast jeden Tag unter Ihr Sohn führte ihr die Bücher, der Mann besorgte die perhandlung. Der Verteidiger der Angeklagten, Dr. Winterwegs. Ihr Einkommen betrug bis zu 400 m. monatlich. Auf die berg- Berlin, will den Beweis antreten, daß Frau Günther wissenschaftliche Erklärung ihrer Fähigkeit will sie sich nicht einGeffers im Gegensatz zur Behauptung der Staatsanwaltschaft lassen. Sie behauptet eben, daß zwischen ihr und dem Fragenden zahlreiche Erfolge in ihrer Tätigkeit zu verzeichnen gehabt hat. Er sich ein gewisser Kontakt herstelle, der sie dann im Trancezustand nennt 25 solcher Fälle. Und so werden neben den 56 Zeugen der befähige, Hinweise zu geben, die sich auf das geschehene Berbrechen Staatsanwaltschaft 29 Zeugen der Verteidigung auftreten. Rechts- beziehen. Treffen ihre Antworten nicht zu, so liegt es nicht an ihr, anwalt Winterberg will, ähnlich wie in der ersten Instanz, den Beweis führen, daß die Angeklagte nie einen Erfolg versprochen habe. sondern an dem Fragenden. Das beweise ja schon der Kopf des Briefbogens, dessen sie sich bediente. Steht da etwa nicht: ,, Deteftei Animismus", Frau Schuldirektor Günther- Deffers. Ratschläge und Beihilfe in Aufklärungsfällen, vertraulich, privat oder mit Hinzuziehung zu ständiger Behörden. Eine Garantie für sicheren Erfolg tann nicht übernommen werden." Und sind die Honorare thr nicht freiwillig gezahlt worden, ohne daß sie sie gefordert hätte? 3ft sie nicht auch von Behörden in Anspruch genommen worden? Hat das Zivil gericht ihr nicht eine Honorarforderung zugesprochen und das Finanzamt die Steuer, das Einkommen aus ihrer Hellsehertätigkeit nicht besteuert? Dr. Winterberg, selbst Fachmann in Hellseher prozeffen, will für seine Mandatin einen scharfen Kampf führen. Das Gericht hat auf seinen Antrag hin neben den offuftiftenfeind lichen Sachverständigen auch offultiftenfreundliche geladen. Dr. Hellwig wird diesmal fehlen. Das Justizministerium hat thm Wählerversammlungen. Mittwoch, 2. Mai: Schon in dem Urteil der ersten Instanz erwähnte das Gericht den Fall mit einem verschwundenen Gespannführer; Frau Günther Geffers hatte die Spuren im Trancezustand bis zu einem See verfolgt und erklärt, daß darin die Leiche liegen müsse. Und tatsächlich fand man vier Monate später die Leiche. In der gestrigen Gerichtsverhandlung wurde der Amtsgerichtsrat Wenzel Der nommen. Auch er schilderte einen Fall, bei dem die Angeklagte im Trancezustand richtige Angaben gemacht habe. Es handelte sich dabei um einen Mord. Frau Günther- Geffers nannte als Täter den Landwirtssohn Hermann Kudling. Dieser geftand tatsächlich die Tat. Er wurde zum Tode verurteilt und später begnadigt. Die Verteidigung hat mehr solche Fälle in Vorrat. Interessant iſt es übrigens, daß sich von den Klienten der Frau Günther- Geffers, die fie betrogen haben soll, niemand geschädigt fühlt; die ganze Angelegenheit tam dadurch ins Rollen, daß sich einige von ihr unfchuldig bezichtigte Personen beleidigt fühlten. Allerdings gibt gerade dieser Umstand zu denken... Neu- Budow. 19% Uhr im Lotal Löke. Redner: Dr. Kurt Löwen Stadter Jrrenanstalt, Dr. Walter, teilgenommen haben. Das andere stein, M. d. R. Donnerstag, 3. Mai: Charlottenburg, 57. 2bt. 19% Uhr in der Schulaula, Schillerstr. 26. Schöneberg. 20 Uhr in der Schulaula, Belziger Str. Ede Eisenacher Straße. Redner: Kurt Heinig, M. d. R. Neukölln, 98. Abt. 19% Uhr im Gesangssaal der Gemeindeschule, Mariendorfer Weg. Redner: Dr Kurt Löwenstein, M. d. R. Männer und Frauen, erscheint in Massen! Rednerin: Marie Kunert, M. d. L. Unter Rechtsblockbrüdern. Stresemann wurde in München von Deutschnationalen niedergebrüllt! Die Deutsche Boltspartei fühlt sich durch den Radau, mit dem dhe Münchener Nationalisten den Außenminister Stresemann am Reden gehindert haben, unangenehm berührt. Am Sonntag stellte die Tägliche Rundschau" fest: " ,, Es waren aber nicht die Hitler- Banden allein, die im Münchener Bürgerbräufeller den Standal als wohlvorbe= reitete politische Hege arrangierten, sondern Leute der Gesellschaft", Mitglieder der Deutschnationalen und des Aldeutschen Verbandes. Und das ist eine Schande! Wie uns Don Augenzeugen berichtet wird, haben die Generale von Xylander und von Krauß den Standal nicht nur mitgemacht, sondern mit dirigiert und durch Zeichen das Abbrüllen der Lieder und die Lärmizenen geleitet. Erreicht haben sie damit nichts als eine Blamage ihrer Person und der von ihnen vertretenen Anschauungen." Diese Feststellungen sind sehr interessant. Die Deutschnationalen, die in München an Stresemann ihr Mütchen fühlten, saßen ja in der Regierungsfoalition, die von der Volkspartei gemacht war! Jetzt hat diese Bartei ihre Duittung dafür, daß sie durch das Battieren mit den Deutschnationalen den Radaugeist gegen die eigenen Leute hochgezüchtet hat. Die Blockbrüder sind einander wert. Verschiebung der Lohmann- Werte. Wo bleibt das Reich? Hamburg, 30. April.( Eigenbericht.) Man nahm bisher an, daß die Werte der LohmannUnternehmungen in Neustadt( Holstein) als Konfursmasse ohne weiteres an das Reich zurückfallen würden. Diese Annahme war falsch. Laut einer Information des„ Hamburger Echo" soll die Hanseatische Marine Jagd Schule in Neustadt ein städtifches Unternehmen werden, wobei Grundstücke und Gebäude an die Stadt Neustadt übergehen, die Stadt aber zusammen mit Privatkapitalisten einen erheblichen Teil der laufenden Kosten übernehmen soll. Vor allem soll die Stadt einspringen, wenn sich finanzielle Schwierigkeiten ergeben. Es soll bereits ein Borvertrag zwischen dem Bürgermeister von Neustadt und den leitenden Persönlichkeiten der Jagdschule, früheren Marineoffizieren, abgeschlossen sein. Die Stadtverordneten von Neustadt, jo heißt es, feien darüber gar nicht befragt worden. Der Bürgermeister soll diesen Vertrag, an dem die Stadt beteiligt ist, in rein privaten Verhandlungen abgeschlossen haben, an denen der Führer des Stahlhelms, Prysz, und der Leiter der NeuNeustadter Lohmann- Unternehmen, Slip G. m. b. 5., für das als Gesellschafter der Generaldirektor der Weserwerft, Franz Stapel feld, und Marinebaurat Niemeyer zeichneten, soll an einen Spritschieber namens Lohmann vertauft werden. Auch in dieser Angelegenheit soll der Vorvertrag bereits auf ähnliche Weise abgeschlossen sein wie im ersten Falle. Die deutsche Sprache gilt noch nicht! 3m Internationalen Arbeitsamt. Der Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamtes hat die Frage der Einführung der deutschen Sprache als Verhandlungssprache auf seiner jetzigen Tagung nicht behandelt, da die Reglementstommission infolge spa. nischen Einspruches beschlossen hatte, es vorläufig bei der bisherigen Regelung zu belassen. Es ist aber 31 erwarten, daß der Verwaltungsrat in seiner nächsten, der Ar Teilnehmern der Arbeitskonferenz günstige Regelung treffent beitskonferenz vorangehenden Sitzung eine den deutschsprachlichen wird, wenn auch die Anerkennung des Deutschen als offizielle Berhandlungssprache im Augenblick noch nicht durch zusetzen ist. Staatschef und Banditenhäuptling. Die Sowjethäupter der Krim schwer verurteilt. Moskau, 30. April.' Der ehemalige Vorsitzende des Zentralegefutivkomitees der Krim, Weli Ibraimoff und sein Stellvertreter Mustafa wurden zum Tode verurteilt. Die beiden waren wegen Beziehungen zu Banditen, Mord und Unterschlagung angeklagt. Eff weitere Angeklagte wurden zu verschiedenen Freiheitsstrafen verurteilt, drei wurden freigesprochen. = Generalsfront gegen Stresemann. Nachdem die Deutschnatio nalen in Bayern General a. D. v. Lettom Borbed als Kandidaten gegen Stresemann vorgeschickt haben, haben sich die Nationalsozialisten, um nicht ins Hintertreffen zu geraten, enta schlossen, den General a. D. v. Epp fandidieren zu lassen. Pilsudski foll einen Schlaganfall erlitten haben. An dem Emp fang Amanullahs hat er nicht teilgenommen. Er muß noch immer bas Bett hüten. Der Gemeindewahlfieg in der Steiermart ist noch größer als ichon gemeldet worden ist. Unsere Genossen haben in diesem deutsch österreichischen Bundesland im ganzen 191 Mandate gewonnen. Esst mehr Früchte und Jhr bleibtgesund! 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Wir«rhalten aus bergbaulichen Industrie- kreisen folgende, auch für die Frage der Kohlenpreis- � crhuhung zu beachtende Zuschrift, die an wesentlichen Punkten des Schmalenbach-Gutachtens über den Steinkohlenbergbau Kritik übt. Wir halten es für nötig, die Zuschrift zur Dis- kussion zu stellen. Die Selbstkosten für die Tonne absatzfähiger Förderung werden � in dem jetzt veröffentlichten Steinkohlengutachlen der zweiten! Schmalenbach-Kommission auf IS, 62 M. berechnet. Aus Seite 32! des Mehrheitsgutachtens ist ein Erlös von 14,37 M. pro absatzfähige Tonne festgestellt, so datz sich pro Tonne ein Verlust von 1,25 M. ergibt. Die Gesamt kalkulation aus Seite 33 errechnet pro Tonne absatzfähiger Förderung einen Verlust von 27 Pf. Bei dieser Er- � rechnung dürste ein Irrtum vorgekommen sein. Es dürfte feststehen, daß die auf Seit« 34 und 66 festgestellten Kosten der Kokerei pro Tonne Koks von 22,01 M. den vollen S e l k st k o st e n p r e i s der Kohle von 15,62 M. enthalten. Da» ergibt sich auch, wenn man mit einer 78prozentigen Koksausbeute rechnet, aus dem auf Seite 66 eingesetzten Wert des Kohleneinsatzes von 19,09 M. pro Tonne Koks. Es ist nun aber falsch, daß der auf Seite 34 errechnete Ke- winn aus der Äoksproduktion auf die gesamte absatzfähige Förde- rung umgelegt wird. Die richtige Rechnung ist vielmehr folgend«: Um 304 126 Tonnen Koks zu produzieren, find bei 78 Proz. Koks- ausbeute 390 000 Tonnen Kohle notwendig, welche, da mit den Selbstkosten von 15,62 M. eingesetzt, keinen Verlust bringen. Diese Menge von der absatzfähigen Förderung von 1 357 040 Tonnen abgezogen, ergibt 967 040 Tonnen, die allein einen Verlust bringen. Danach ergibt sich für den Gesamterlös folgende Rechnung: 967 040 X 14.37-- 13 895 790 M. 390 000 X 13,62- 6 091 800, 19 987 590 M. Dieser als Kohlengesamterlös für die Förderung anzusprechende Tetrag ist durch die absatzfähige Förderung zu dividieren, so daß sich der Erlös aus dem Kohlenverkauf nicht auf 14,37 sondern aus 14,73 M. stellt. Als Gesamterlös pro Tonne gilt dann nicht der V.ürag von 15,35 M., der gegenüber 13,62 M. Selbstkosten einen Verlust von 27 Ps. ergibt, sondern die Summe aus 14,73-s- 0,95 4- 0,03— 15,71 M. Das Mehrheit» gutachten müßte also dahin richtiggestellt werden, daß sich pro Tonne nicht ein Verlust von 27 Pf., sondern ein Gewinn von 9 Pf. ergibt. Ein zweiter Fehler dürfte bei der Errechnung der An- sagekosten pro Tonne Koks vorliegen. Auf Seite 33 wird erwähnt, daß für die Aufstellung der Tabelle über die Anlagekosten Extra- ongebote«ingefordert worden seien. Di« Gesamtkosten für die v.rschiedenen Kokereigrößen von 4L bis rund 21 Millionen Mark müssen als außerordentlich hoch angesehen werden. Insbesondere sind die unter 1, 2, 5 und 6 angegebenen Wert« viel zu hoch. D«r , Punkt 5 ist besonders angreifbar, da nicht für jede Koker«! besondere 'Perwaltungsgebäride,. Laboratorien oder,� wie unter Punkt 6, beson- dere. Werkstätleu und Gleisanlagen gebaut werden. Als Vcsspiel möge die Kokereigröße von 500 000 Tonnen Jahres- Produktion mit den nach dem Gutachten festgestellten Gesamtanlage» kosten von 9 235 000 Mark dienen. Aus verschiedenen nach der Inbetriebnahme mehrerer Kokereien besonders in der„Bergwerks- Zeitung* erschienenen Veröffentlichung«» ist folgendes festzustellen: Eine in letzter Zeit in Betrieb genommene Kokerei mit 600 000 Tonnen Jahresleistung einschließlich allem Zubehör, ohne Kohlen- türm, ohne Gebäude für die Kondensation und Ammoniakfabrik. ohne Werkstatt, Gleisanlagen, Verwaltungsgebäude und Labora- torium hat rund 6,9 Millionen Mark gekostet. Bei der bestehenden Abficht, die Kokerei um eine weitere Batterie auf 800 000 Tonnen Jahresleistung zu bringen, würden hier noch weitere IL Millionen aufzuwenden fein, so datz sich Gesamtkosten von 8,2 Million«» Mark ergeben. Für die Bmiarbeiten zu Anlagen für Nebenprodukten- gewinnung usw. wären hochgerechnet 1,7 Millionen Mark anzusetzen, so daß sich bei sehr guten Preisen für 800 000 Tonnen Jahres- lcistung Anlagewerte von 10 Millionen Mark ergäben. Pro Tonne Koks folgt daraus nicht ein Anlagewert von 18, 4S Tit., wie das Gutachten ihn feststellt, sondern von 12.50 IN. Dabei kommt im Gut- achten auch nicht zum Ausdruck, daß es sich durchaus nicht immer um Neubauten handelt, und daß bei der Vergrößerung von Kokereien erheblich geringer« Aufwendungen für Anlagen ent- stehen, die bis zu einem Drittel heruntergehen können. Auf jeden Fall darf angenommen werden, daß die Anlagewerte für die Koksproduktion um reichlich 25 Proz. zu hoch an- gefetzt sind. Bei dieser Berechnung sind aber nur normale Koksofen- obmeffungen von 4 Meter Kammerhöhe und 12 Meter Länge zu- gründe gelegt. Die Anlagewcrte verschieben sich weiter nach unten, wenn die Zentralkokereien mit noch größeren Ofeneinheiten aus- gerüstet werden. Ausmaß der Preiserhöhung noch unbekannt. Am 2. Mai soll über die vom rheinisch-westfälischen Kohlen- syndikal beantragte Erhöhung der Kohlenpreise verhandelt werden. Die Sitzung des Syndikats vom 30. Aprll Hot hinsichtlich des Aus- maßes der beantragten Erhöhung noch kein Resultat gebracht. Den Unterhandelnden wurde vielmehr die Ermächtigung gegeben, nach Berlin zu gehen,„ohne daß eine zahlenmäßige Bindung durch einen Beschluß der Mitgliederversammlung die Vertreter hindert, alle in Frage kommenden Möglichkeiten frei zu erörtern*. Man sucht also die Verantwortung auf andere Schultern abzuschieben. Im übrigen hat das Kohlensyndikat einige wichtige Beschlüsse gefaßt. Als nach scharfen Kämpfen erfolgtes Kompromiß wird man den Beschluß aufzufassen haben, daß für den Monat April die Syndikotsumlage weiter um 10 Pf. auf 1,48 M. erhöht wird. Die Vertaufsbeteillgungen werden, unter Berufung auf den verringerten Absatz, für den Monat Mai bei Kohle auf 50 gegenüber bisher 45 Proz. beschränkt, bei Koks auf 70 gegenüber 60 Proz.— eine Folge allerdings der erweiterten Koksbeteiligungen— und bei Briketts auf 70 gegenüber bisher 66 Proz. Im Monat Aprll ist der arbeitstägliche Absatz nicht weit«? zurückgegangen, sondern hat sich mit 254 000 Tonnen pus der chöh« des März gehalten. Der Kohlenabsatz hat sich etwas verstärkt, der Koksabsatz ging im Inland stärker zurück._ Preußen hilft den Ostprovinzen. Wie der Amtliche Preußische Presiedienft mitteilt, hat die Preußische Etaatsreaierung für in Ost- preußen entstandene Notstände wieder 600000 Mark al« Kre- ditdilf e zur Beschasfun« von Saatgut gewährt. Im Lager der Industriellen, bei ihren Bügelhaltern, den Syndizi, und beim Gefolge der national- ökonomischen Füllsedertrompeter ist's merkwürdig unruhig ge- worden: die Konjunkturtheori« und die Iammerpropaganda über die Mengenkonjunktur ohne Gewinne sind trotz aller Biegung der Wahr- hell nicht mehr mit den volks- wirtschaftlichen Tatsachen in Ein- rlang zu bringen! Da war im herbst 1927«ine allgemeine Kam- pagne gegen GeHalls- und Lohn- forderungen eingeleitet worden, weil die Wirtschaft eine Steigerung der Produktionskosten oermeiden müss« und die Kapitalneubildung nicht behindern lassen dürfe, weil Arbeitslosigkeit verhütet werden müsse und die Konjunktur nicht zerstört werden dürfe. In diesem Frühjahr versuchte man, die Oeffentlichkeit nochmals dadurch vor Lohnbewegungen schaudern zu machen, daß wochenlang in die Bürgerblockpresse»Vorberichte* über kommende sozial« Sturm- fluten gebracht wurden. Zweimol innerhalb eines halben Jahres sollten die Arbeiter durch ihre Forderungen draus und-dran sein, die Konjunktur zu zerstören. Was ist inzwischen eingetreten? Di« gamm«rer vom September 1927 sind still geworden— es hat Lohn- und Gehaltserhöhungen gegeben— die acht bis zehn Mark monatlich mehr sind getragen worden, und wir haben den- noch im Kohlenbergbau, in der Eisen- und Stahlwirtschaft, in der Ausfuhr, im Inlandumsatz eine erstaunlich« Weiterent- wicklung. Alle Tage konstatiert irgendein Bantbericht oder ein Unternehmerblatt, daß die erwartete Depression bisher„doch noch nicht eingetreten* fei; die Industrieherren begnügen sich zurzeit damit, daß sie die Selbstsinanzierung ihrer Betrieb«, die hundert- prozentig« Aufwertung ihres Kapitals aus den Ueberschüsfen halblaut abstreiten. Was haben diese Tatsachen mit den Wahlen zu Hm? Einmal muß die Neuverteilung des Arbeitsertrages in der deutschen Wirtschaft im Jahre 1928 in verstärktem Maße durch- geführt werden, um die Konjunktur auf ihrem Weg« weiter zu unterstützen, zum anderen müssen in diesem Jahre die mit dem 1. September beginnenden Vollzahlungen der Dawes-Last in der Aufbringung neu verteilt werden. Zinn ersten Aufgab«nkr«is gehört die unabweisbar notwendig« öffentlich« Kontrolle der Preispolitik der rund 2000 Kartelle und Konventionen, die heute völlig selbstherrlich durch ein- fache Versendung vervielfättigter oder gedruckter Rundschreiben an ihre Abnehmer sich ihre Preiserhöhungen selbst bewilligen. Hier fehlt die Einschaltung des öffentlichen Interesses. von dem bei jeder Forderung der Gewerkschaften soviel und so gern gesprochen wild. Wir brauchen die wirtschaftlich« Durchfetzung der Tatsach«, daß auch Deutschland nicht vom Export zu leben vermag. Den zehn Milliarden Mark deutscher Ausfuhr standen im Jahre 1927 allein rund neun Milliarden Mark Inlondsabsatz im Einzelhandel an Bekleidung und Schuhen gegenüber. Es ist Weberkampf! Schlesiens Textilindustne setzt viel Fett an. Bor hundert Jahren mutzten die schlesischen Weber bei 14- bis 15stündiger Arbeitszeit hungern. In jahrzehntelangem Ringen konnte zwar eine menschenwürdige Arbeitszeit erkämpft werden, aber die chungerlöhne sind geblieben. Obwohl die gesamte deutsche Textilindustrie seit mehr als anderthalb Iahren in k r ä f- t i g st e r Blüte steht, sind die erschreckend niedrigen Lohnsätze der schlesischen Textilarbeiter kaum aufgebesse rt worden, so daß Schlesien nach wie vor zu den verrufen st«n Lohndistrikten in Deutschland gehört. Die Massenkündtgungen, die jetzt in Mittel- und Niederschlesien stattgefunden haben, zeigen, daß die schlesischen Weber gewillt sind, sich ihren gerechten Lohn zu erzwingen, wenn die Fabrikherren nicht von sich aus nachgeben. Sehr gern beantworten die Unternehmer Lohnforderungen der Arbeiterschaft mit dem.Hinweis, sie seien zu späteren Zugeständ- Nisse wohl bereit, aber erst müßte der Wirtschaft Zeit gelassen werden. etwas Fett anzusetzen. Wenn es sich nur um etwas Fett- ansatz handeln sollte, so ist es mit den Lohnzugeständnissen an die Belegschaften höchst« Zeit, denn Schlesiens Textilindustrie darf sich über fehlendes Fett wirklich nicht beklagen. Einige Stichproben genügen. So betnigen die Dividenden bei der 1926 1927 Eoncordia Spinnerei und Weberei.. 10°/,, 10% Gruschwitz Textilwcrke A. G..... 5% 7% Meyer-Kaufmann, Wllstegiersdorf.. 0% 7% Mechan. Weberei Sorau...... 12% 14% Nun wollen di« Dividenden allein für die tatsächlich er» zielten Gewinne noch herzlich wenig besagen. Besonders in Konjunkturzeiten oerschwinden riesige Summen in Rückstellungen, Reservefonds und besonders in heraufgeschraubten Abschreibungen auf Werksanlagen, wodurch der Buchwert von Maschinen, Gebäuden usw. oft auf einen lächerlich geringen Betrag gesenkt wird und andererseits Betriebsmittel für weitere Ausbauten freigemacht werden. So auch bei diesen vier Gesellschaften. Die„Eon- c o r d i a* in Bmizlau hat zwar ihre Dividende nicht erhöht, aber ihren Reingewinn von 460 000 auf 744 000 Mark steigern können. Die G r u s ch w i tz- T e x t i l w« r k e in Neusalz haben ihre Abschreibungen von 0.28 auf 0,52 Millionen Mark herausgesetzt und weisen trotzdem einen Reingewinn aus, der sich mit 1,42 Millio- nen Mark gegenüber dem Vorjahr verdoppelt hat. Noch schärfer ist der Unterschied bei der M e y e r- K a u f m o n n A.- G., deren Werke in den typischen Elendsgebieten im Eulengebirge liegen. Dreifach« Betriebsgewinne(1,9 gegen 0,65 Millionen Mark), dreifache Abschreibungen(0,58 gegen 0,19 Millionen Mark) und trotzdem ein Reingewinn von fast 600 000 Mark gegen 8000 Mark im Vorjahr, der eine hohe Dividende zuläßt. Auch die Mechanisch« Weberei in Sorau hat Ihr« Abschreibungen also die Kaufkraft der breiten Massen, es ist der Inlandsmarkt, von denen die Wirtschaft lebt! Durch die Rationalisierung wird d«r Anteil der Löhne und Gehälter aus der Mitt« der Selbstkosten an den Rand ge- drängt. Im Ruhrbergbau machen Lohn, Gehalt und Sozial- Versicherung nur noch rund 50 Proz. der Selbstkosten aus, in der Brauindustrie sind es zehn Proz., bei den Osramwerken bedeutet an der Westlakemaschine, die automatisch im Monat fünf Millionen Glühlampenkolben bläst, der Arbeitslohn nur noch ein Hundert st el Prozent der Selbstkosten... Die Rationalisierung schafft auch, privotwirtfchaftlich gesehen, di« Möglichkeiten der Lohn- und Gehaltssteigerung, der Sinn der Rationalisierung geht durch die Lohntütel Di« deutschen Unternehmer geben jährlich 100 Millionen Mark für Reklame aus, um in Zeitungsinseraten, durch Straßen- bahnschilder, mit Flugzeugen und lebendigen Lichtbuchstaben das Volk von früh bis nachts zrmi Kaufe von Waren aufzufordern. Woher sollen die breiten Massen die deutsche Industrie der ratio- nalisierten Mengenproduktion erhalten, wenn nicht durch Üteuv«- teilung des Arbeitsertrages die Voraussetzungen dazu geschaffen werden? Die Notwendigkeit der Vergrößerung der Kauftraft schreit aus allen Elendsquart leeren. Der Reichstag muß feine Pflicht tun! Aber auch di« neue Lastenvertßilung wird sein« Auf- gäbe sein. Heute sind 960 Millionen Mark Wiedergutmachungsleistung jährlich als Verzinsung und Tilgung der Reichseisenbahn- und der Jndustrieschuldverschreibung fundiert. Das Weltkapital diskutiert darüber, wie die 1250 Millionen Mark, die vom I.September 1928 an alljährlich aus dem Reichshaushalt zu zahlen sind, und wie di« jährlich von Deutschland abzuführenden 290 Millionen Mark Be- förderungssteuer als Zins und Tilgung in internationaler Anleihe flüssig gemacht werden könn«n. Viel wichtiger ist für das deutsche Volk die Frage, wer die Aufbringung dieser Summen in Zukunft zu tragen haben wird, denn heute erfolgt sie durch die Massen, die durch reaktionär« Steuerpolitik dazu ver- urteilt wurden! Aber nicht»Acr die ordentliche Verteilung der R«ichslasten, auch di« gewissenhafte Verwaltung der Reichsein- nahmen wird ein« groß« organisatorische Aufgabe des neuen Reichstages fein. Di« Eis«nbahn, die Post, viele Ministerien und Taufende von Behörden und Verwaltungen— sie qüiv sind heute als öffentliche Hand auch Auftraggeber der Wirtschaft. Werden sie dabei immer von gemeinwirtschaftlicher Erkenntnis geführt? D«r neue Reichstag hat ihnen das Erforder- siche beizubringen! Unser« Forderungen sind nicht utopisch. Man kann vor ihnen auch dadurch nicht schrecken, daß man sie sozialistisch nennt, e» find selb st ver st än dl ich« Tagesaufgaben einer verständigen Ge g« n- wartswirtfchaft, di« den lebendigen Menschen oor das Kapital und den Zinssatz stellt. Unsere Forderungen find«ine sozialdemokratische Etapve. Das Grundsätzlich« bleibt immer das alte: das Ziel ist die Mrlfchaft des gemeinen Wohle«, das Volk de» gleichen Rechtes, der Triumph der Arbelt. Deswegen ist der L Mal ein Kampftag für den sozialen Lohn! fast verdoppelt und kann trotzdem an die Aktionäre 14 Proz. statt 12 Proz. Dividende auszahlen. Hier ist bewiesen, daß die schlestsche Textilindustrie und beson- ders die Webereien reichlich Fett angesetzt haben, wovon die Wert« durch Ausbauten. Aktionäre durch steigende Dividenden und Aufsichtsrät« sowie Direktoren durch Riesengehälter und Tantiemen profitieren konnten. Allein die Belegschaften hatten das Nachsehen und müssen jetzt um ihr Recht kämpfen und dafür weiter hungern. 7000 Arbeltslose in Brandenburg weniger. Wochenbericht des Landesarbeitsamts Brandenburg. In der Gesamtheit hat der Arbeitsmorkt wiederum ein« recht erhebliche Entlastung erfahren, wenn auch nicht in demselben Tempo wie in den vorhergehenden Wochen. Durch Rückgang der Arbeit- suchend«» und durch die fortschreitende Vesserung ist die Zahl der Unterstützungsempfänger ganz erheblich gesuni«n. Sie betrug am Anfang des Monats rund 183000 und beläuft stch in der Berichtswoche auf rund 12900 0. Das«ntspricht«inem Gesamtrückgange von 54 000 Personen. Die Landwirtschast sowie das Baugewerbe sind immer noch gut aufnahmefähig und haben, wi« auch di« Außenarbeiten, mit zu der weiteren Entlastung beigetragen. Trotz der rückläufigen Bewegung einiger Branchen in der Metallindustrie kann dieselbe unter anderen im großen und ganzen noch immer als gut beschäftigt gelten. Bemerkenswert ist, daß sich ein Mangel an Jugendlichen immer mehr fühlbar macht. Der Landwirtschaft, die olljährlich einen großen Be- darf an diesen Kräften hat, konnten— auch nicht im Wege des zwischenbezirklichen Ausgleichs— Jugendliche auch nur annähernd in dem Umso uze wie in früheren Jahren überwiesen werden Di« Lage der Angestellten hat sich durch die allgemein günstigeren Verhältnisse gleichfalls eftvas gebessert. Durch die Vorbereitungen für di« Reichs- lagswahlen erfolgten insbesondere auch Einstellungen von Behörden- Angestellten, Di« Gesamtzahl der Unter st ützung beziehenden Per- s o n e n betrug in der Derichtswoche 128 993 gegen 136 859 in der Vorwoche: davon entfallen auf die Arbeitslosenunterstützung 108155 (113 984), Krisenunterstützung 20 838(21 875). Neue 30-Millionen.Dollar-Anleihe der Renkenbaukkredllanstall Die Deutsche Rentenbankkreditanstolt hat ihre mit amerikanischen Banken geführten Verhandlungen über eine neue große Agroran- leihe abgeschlossen. Heute sollen bereits 25 Millionen Dollar in New Pank zur Zeichnung aufgelegt werden, denen weiter« fünf Millionen Dollar folgen sollen. Die Anleihe ist mit 6 P r oz. v er- z> n s l i ch und läuft nicht 25 bezw. 30 Jahre wie die früheren, fon- der» nur 10 Jahre. Der Zeichnungspreis. auch der Erlös, werden noch nicbt genannt. Damit hat die Rentenbankkreditanstalt bisher insgesamt 135 Millionen Dollar ausländisch« Aqro ranleihen ausgenommen. Di« vom Reichsernährungs- Mmiiterium schon sehr lange anaekündigte Meliorationsanleih« von 200 Millionen Mark oder 50 Millionen Dollar dürfte wohl noch länger« Zeit auf sich warten lassen. Abspannung und Nervosität Kaffee Hag überwindet beides Pakete zu RM 1.90 Wählen Sie nur bei Ihren Einkäufen Kaufhaus R.u.S.Moses Reinickendorfer Str. 9/10 Weddingplats 1 Minute vom Untergrund- und Ringbahnhof Wedding und 95 Pfennig. obel Preise steiger Jetzt Kaufen Kredit! Geringste Anzahlg Kleinste Raten Die La unbedingte folge der kommenden Lohnerhöhungen! 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Mai, Alexanderplatz, nachm. 3-4 u. 5-6. 701 Urbin war stets der beste Schühnütz! farbin ist auch heute noch der beste!! S& Und wenn es einst besseren Schuhputz geben wird Urbin wird ihn herstellen!!! Konfektion Oberhemden federn, Schobwaren Nr. 205 45. Jahrgang 4. Beilage des Vorwärts Dienstag, 1. Mai 1928 Am 1. Mai feiert die Arbeit! Aufmarschplan für die Kundgebung auf der Treptower Spielwiese. Deutscher Baugewerksbund: Sammelplag: Reuterplay, Abmarsch 10 Uhr. Sammelplag: Engelufer( Gemertschaftshaus), Abmarsch 10 Uhr. Sammelplaz: Baltenplay, Abmarsch 10 Uhr. Sammelplag: Gustav- Meyer- Allee, Abmarsch 9 Uhr. Deutscher Bekleidungsarbeiterverband: Sammelplag: Oranienplatz( Konsum), Abmarsch 10 Uhr. Verband der Buchbinder( Graphisches Kartell): Sammelplag. Spreewaldplaß, Abmersch 10% Uhr. Verband der Deutschen Buchdrucker: Sammelplay: Spreewaldplay( Görlizer Bahnhof), Abmarsch 10% Uhr. Zentralverband der Dachdecker: Sammelplag: Bethanienufer( Krantenhaus), Abmarsch 10% Uhr. Einheitsverband der Eisenbahner Deutschlands: Gammelplatz: Bethaniemufer, Abmarsch 10% Uhr. Verband der Fabrikarbeiter Deutschlands( Keramischer Bund): Sammelplag: Andreasplak, Abmarsch 10 Uhr. Deutsche Filmgewerkschaft: Deutscher Solzarbeiterverband: Hauptfammelstelle: Köllnischer Bart, Abmarsch 10 Uhr. Sammelstelle Südosten: Laufizer Blaz Ede Baldemarstraße, Abmarsch 9%. Sammelstelle Often II, III und öftliche Bororte: Romindener Ede Barschauer Straße, Abmarsch 9% Uhr. Sammelstelle Osten I: Rüstriner Play, Abmarsch 9% Uhr. Sammelstelle Norden: Senefelderplaz, Abmaria 94 Uhr. Stellmacher: Treffpunkt bei Hummel, Sophienftr. 5, Abmarsch 9 Uhr. Sentralverband der Hotel, Restaurant and Café angestellten: Sammelplag: Bahnhof Treptom( Eisenbahnunterführung), Abmarsch 11% Uhr. Deutscher Sutarbeiterverband: Sammelplatz: Dranienplay( Ronfum), marsch 10 hr. Berband der Kupferschmiede: Sammelplatz: Schloßplag, Abmarsch 9% Uhr. Deutscher Leberarbeiterverband: Sammelplatz: Beberwiese, Abmarsch 10% Uhr. Sammelplay: Alexandrinen Ede Oranienstraße. Abmarsch Berband der Lithographen und Steinbruder: 10% Uhr. Verband der Friseure: Sammelplatz: Dranienplatz( Ronfum), Abmarsch 10 hr. Verband der Gärtner: Sammelplatz: 10% Uhr. Dranien. Ede Prinzessinnenstraße, Abmarsch Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter: Zentralfammelplay: Laufizer Blah, Abmarsch 11 Uhr. Sammelstelle 1: Frieden. Ede Fruchtstraße, Abmarsch 10% Uhr. Sammelstelle 2: Johannisstraße( Berbandshaus), Abmarsch 9% Uhr. Sammelstelle 3: Neukölln, Schönstedtstraße, Abmarsch 10 Uhr. Sammelstelle 4: Horn, Ede Dordstraße, Abmarsch 10 Uhr. Verband der graphischen Hilfsarbeiter: Sammelplatz: Spreewaldplaß( Görlizer Bahnhof), Abmarsch 10% Uhr. Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund Ortausschuß Berlin. Sammelplay: Spreewaldplay( Görlizer Bahnhof), Abmarsch 10% Uhr. Verband der Maler: Sammelplaz: 10% Uhr. Melchiorstraße ( Berbandshaus), Abmarsch Zentralverband der Maschinisten und Heizer: Sammelplos: Hermannplay Neuföln, Abmarsch 10% hr. Deutscher Metallarbeiterverband: Sammelplatz: Schloßplay, Abmarsch 9% Uhr. Verband der Sattler und Tapezierer: Sammelplay: Michaelfirchplatz, Abmarsch 10% Uhr. Deutscher Tabatarbeiterverband( Tabakindustrie): Sammelplatz: Untergrundbahnhof Infelbrüde, 10% Uhr. Abmarsch Allgemeiner freier Angestelltenbund Ortsfartell Berlin. Nahrungsmittel und Getränkearbeiterberband: Sammelplay: Warschauer Plaz. Abmarsch 10% Uhr. Zentralverband der Schornsteinfeger: Sammelplay: Michaeltirchplatz Ede Melchiorstraße, Abmarsch 10% Uhr. Zentralverband der Schuhmacher: Sammelplay: Weberwiese, Abmarsch 10% Uhr. Zentralverband der Steinarbeiter: Sammelplatz: Gewerkschaftshaus, Abmarsch 10% Uhr. Deutscher Textilarbeiterberband: Sammelplay: Stralauer Blog, Abinars 10% Uhr. Deutscher Berkehrsbund: Sammelplay: Küftriner Plas, Abmarsch 10% Uhr. Zentralverband der Zimmerer: Sammelplag: Engelufer von Köpenider Brüde bis balbert. ftraße, Abmarsch 10% Uhr. Unterausschuh Oberschöneweide- Treptow: Sammelplay: Rathenauplah, Abmarsch 10 11hr. Unterausschuß Spandau: Sammelplay: Moltkestraße( Spiße nach Bismardbenfma). Abmarsch 9½ 11hr. Taubstumme aller Organisationen: Sammelplaz: Holzarbeiterverbandshaus Rungestraße, 2marsch 10 Uhr. AfA- Gewerkschaften: Sanumelplatz: Mariannenplay( Häuserseite), Abmarsch 10% hr. Allgemeiner Deutscher Beamtenbund: Sammelplag: Mariannenplatz( Feuerwehrdenfmal), Abmarsch 10% hr.( Gleichzeitig Sammelplatz für Berufsfeuerwehrmänner.) Stöcke dürfen nicht mitgeführt werden. Allgemeiner Deutscher Beamtenbund Ortsausschuß Berlin. Mittelgroße Stronglocke wit Halbbaare Guter Wollbuit 7.50 but, mo derne Form 12.Bei Jonass kaufen heißt gut kaufen! 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Buch, Buchholz, Karow müssen die Fadeln für die Maifeier unbedingt bei Meier, Türfifches Belt, abholen. Heute, Dienstag, 1. mai: Ясод, Arensberg: M., b. 2, 20, Berfammlung bes Salbauges 8 bei Cibol Cuneyftr. 23. 19 Uhr Beitragsmartenabrechnung fowie Iegter Termin der Auto fahrtfarten nach Baruth bei Krepp, Blanufer 76. Der Sunge Chor" 1. mai, 19 Uhr, Treffpunkt zur Mitwirkung Brig Bufchtrug. Reichsbund jüdischer Frontsolbaten, Ortsgruppe Berlin. Deffentliche WahlLundgebung am Donnerstag, 3. Mai, 20 Uhr, im Logenhaus Rleiftstr. 10. Redner: Gräfin Freda- Maria Dohna, Stadtverordneter Friß, Hausberg, Land. tagsabgeordneter Erich Ruttner, Rechtsanwalt Dr. Heinrich Elfeles. Göste willkommen. Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin. Allgemeine Gigung Sonnabend, 5. Mai, 19 Uhr, im großen Hörsaal des Kunstgewerbemuseums, Berlin SW 11, BringAlbrecht- Str. 7/8. Bortrag des Herrn Prof. Dr. Beter Schmidt( Beningrad): Fünf Wochen auf den Liu- Riu- Inseln"( nit Lichtbildern). Berliner Gesellschaft für Psychologie und Charakterologic. Ordentliche Sigung Donnerstag, 3. Mai, 20 Uhr, Berlin W, Rurfürstendamm 45. Herr Dr. Friedrich Luther: Jugendliche Geisteshaltung und ästhetisches Erleben." Reichsband der Kriegsbeschädigten, Ariegsteilnehmer und Kriegerhinter bliebenen, Ortsgruppe Often V. Bersammlung Mittwoch, 2. Mai, 20 Uhr, in Schmidts Gesellschaftshaus, Fruchtstr. 36a. Bortrag: Kriegsopfer und Wahlen." Ramerad Schubert. Gesellschaft für Gegualreform. Mittwoch, 2. Mai, 20 Uhr, spricht im Cintrittskarten find beim Genossen Kroll, Bürgerfaal des Berliner Rathauses ,, Königstraße, Dr. Martin Bruſtmann über das Thema: und Segualität." SAJ Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Einsendungen für diese Rubrif nur an bas Jugendfefretariat. Berlin SB 68, Lindenstraße 3 Alle älteren Genossen treffen sich heute, 1. Mai, 7% Uhr, auf dem 2. So des Borwärts" Gebäudes. Achtung, Abteilungsleiter! Holt die Flugblätter für die Jungwählerves sammlungen ab. Sämtliche Mitglieder nehmen an den Demonstrationen ihrer eingelie Gewerkschaften teil. Heute, Dienstag, 1. mai: Falla Lantmiş, Lichterfelbe, Steglig: Maifeier 16 Uhr im Barfrestaurant. Schönhauser Borstadt: Treffpuntt 19 Uhr Bahnhof Schönhauser Dee. plag 1: Treffpunkt aur Maifeier der Partei 16 Uhr an der Sozialistenede. Tempelhof: Treffpuntt aller Genossen und Genoffinnen 7 Uhr Bahnhof Tempel hof. Ab 16 Uhr im Garten der Mali- Lichtfpiele, Mariendorf, Chauffeeftr. 205. Maifeier der Partei. Die Revuespieler müssen spätestens 18 Uhr dort er scheinen. Kreuzberg: Wir treffen uns um 16 Uhr im Heim Lindenstr. 4 und gehen gemeinsam zum Clou. Werbebezirk Schöneberg: Maifeier mit Partei in der Schloßbrauerei. Treff punkt nachmittags im Feftfotal. Gemeinsamer Gefang, Spiele, Tänze u. dgl. Werbebezirk Neulalla: 18% Uhr Bhf. Neukölln. Beteiligung am 1. Mai art der Rundgebung der Brißer Partei 18 Uhr Germaniapromenade, Friedrichs brunner Plaz. Zur Rundgebung der Gewerkschaften Treffpunkt 7½ Uhr Lindenstr. 3, 2. Sof, Bormärtsgebäude. Alle Genoffinnen und Genoffen müffe 21. Wht. Die Mitglieder beteiligen sich an der Maifeisz um 15 Uhr im Pazonhafer, Chauffeestr. 64. Utrechter Str. 21, abzuredjnen. 38. bt. Alle Mitglieder beteiligen fich an der Maifeier im Eaalban Frich richshain. Sarien bei den Bezirksführern oder beim Genossen Höfig, Berliner Bezirksverein Deutscher Ingenieure. Mittwoch, 2. Mai, 19 Uhr, Fruditftr. 49/50, Die im Beßig befindlichen roten Fahnen sind eine halbe im Sörsaal 301 E. B. der Technischen Hochschule in Charlottenburg( Eingang Stunde par Beginn zur Stelle. Die für die Kontrolle und den Rarten Erweiterungsbau) Monatsverfammlung, Bortrag Dipl.- Ing. H. Gleichmann: rerlauf beftimmten Genossen, melden fich eine halbe Stunde vor Einlas Das Bensonverfahren zur Erzeugung höchftgespannten Dampfes." Gäfte find beim Benoffen Melle im Gaalban, Achtung! zur Teilnahme eingelaben. Donnerstag, 3. Mai, erscheinen, Donnerstag, 8. Mai, 30 Uhr, in 2anbres Weißbierstuben, Stralauer Str. 36/37( Moltenmarkt), öffentlicher Bortragsabend. Thema: 1. Mai 20. Mai."( Eine zeitgemäße Betrachtung.). Referent Herr Rotl Weber. 19 Uhr bei Bartusch, Friedenstr. 88, Funktionärsigung. Die Bezirksführer bringen, das Material fir die Elternbeiratswahlen bestimmt mit. 43. bt Die Maifeierkarten milffen im Clou bis 19 Uhr abgerechnet fein. Nicht rechtzeitig abgerechnete Rorten find zu bezahlen, 85. Abt. Tempelboi. Am 1. Mat werden die Wählerlisten nicht abgeschrieben. Da die Listen bereits feit 7 Uhr ausliegen, werden die Liftenschreiber gebeten, fidh zur angegebenen 3eit einzufinden. 101. ht. Szeptem. Ale Mitglicher beteiligen fich heute on her Maifeier im Alten Eierhäuschen. Abmarioh 14% Uhr mit Muil von der Wiener Bride. 102 Abt. Baumschulen weg. Treffpunkt 14% Uhr zum Werbeumzug Wald- Ede Baumschulenstraße nach ben alten Eierhäuschen. Fahnen find mitan bringen 113. Abt. Smödwig. 20 he im Cafe Landhaus Mitgliederversammlung Familie ist eingelaben, 119. Abt, Bichtenberg. Ae Mitglieder beteiligen fich an der Maifeier bei Schonert. Die Ratten find beim Gene n Fischbach bortfelbft abzurechnen, 120. Abt. Friedrichsfelde. Mitglieber beteiligen fich an der Feier bei Schonert, Siralai, anfang 19 Uht. Eintritt 50 Pf. Rarten find noch an der Kaffe zuen. 137, 1. Reiniden Beste Mitglieder, die sich ihrer Gewerkschaft nicht anfchließen fönnen, treffen fich pünktlich 8 Uhr vor dem Boltshaus Ecornerftr. 114. Morgep, Mittwoch. 2. Mai: 6, S. 19% Ube bei Dobrohlam, Gwinemiluder Str. 11, wichtige Funktionen fisung. Die Sanbzettel aur öffentlichen Bersammlung am Sonnabend müffen von Dobrohlam abgeholt werden. 31. Abt. 1915 Uhr Sablabende bei Goldschmidt, Stolpische Str. 36. Meißner, Schivelbeiner Str. 84. Gomars, Bornholmer Str. 9. 33. Abt. 19% the Gruppenversammlungen bei Abraham, Bertalla und Soff mann. Sagesordnung: Bericht von den Bezickstagen. Wablarbeit. 58. Abt Charlottenburg. 19% Uhr im Rantehaus, Ranfeftr. 4 IV Fubuktis nätigung. Unfere Wahlarbeit. 82. Ant. Steglig. 20 Uhr bei Schulze, Bergstraße, Funktionärßigung. 86., bt, Mariendorf. 18 Uhr Sandzettelverteilung bei Niendorf. Chauffee traße 19. Mitgliedsbücher find zur Stempelfoniralle mitzubringen. 91. A. Neukölln. b 18 Uhr Flugblattverbreitung in folgenden Lolalen: Sfter, Sarlsgartenstr. 4. Liddede, Karlsgartenftr. 12. Mifcife, Miln thener Str. 23. Stahmann, Münchener Ede Reuterstraße. Balemffi, Bod. diu Cde Sfarstraße. Es ist Pflicht eines jeden Genoffen, sich daran g beteiligen. 101. bt. Treptam. Sandzettel und Flugblattverbreitung für die Berfanum Tung am 4. Mal. 1.- 3. Begirt: Spedition Graegstr. 50. 4. Bezirk: Bon bet Wohnung des Genossen Geligmann. 5. Bezirk: Von der Wohnung des Geroffen Blas 108. 6, Röpenid. 19 Uhr Borstandsfigung mit den Bezirksführern an befannter Stelle. * Arbeiter, Angestellte, Beamte beim Bezirksamt Rreuzberg. Donnerstag, 3. Mai 191 Uhr, in Ewalds Bereinshaus, Efaliger Str. 126( am Rottbuffer For), 3. Jahresnerfammlung der Betriebsfraktion. Beginn pünktlich. Tages ordnung: 1. Die tommenben Wahlen und die städtischen Arbeitnehmer." Re ferent Genosse Stadtrat Schweifarbt. 2. Aussprache. 3, Mitteilungen. 4. Ber ( chiedenes, Erscheinen ist Pflicht. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Fraktions norstand. Bezirksamt Rentään. Donnerstag, 3. Mai, 19½ Uhr, Bersammlung aller SPD und fympathifterenden Arbeiter, Angestellten und Beamten in den Städtischen Lichtspielen. Bergstr. 147. Polizeipräsident Genoffe 8örgiebel spricht ilber: Der alte und der neue Staat." De Genossen, Kolleginnen und Kollegen des Bezirksamts einfchließlich Regiebetriebe, der Poft, Feuerwehr, Reichsbant und, des Amtsgerichts fins eingeladen. Frauenveranstaltungen. Steels Mitte. Achtung, Geneffinmen! Die geftefpertellerinnen für bie Filmveranstaltung im Lehrervereinshaus treffen fid) am Mittwoch, 2. Mat, au ber verabredeten Stelle, nicht abends, fondern morgens 7½ Uhr. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt. 17. Arcis Lichtenberg, Donperstag, 3. Mai, 19% Uhr, im Rathaus Bichte berg michtige Obleutetonferenz. Jubiläen, Geburtstage usw.. 13. bt. Urem Genossen Rart Beilschmidt zu feinem 25jährigen Bartels undertschaftsjubiläum die herzlichsten Glüdwinfche. 35. Unierem langjährigen Mitstreiter Albert Ulrich zu feinem 25jährigen Parteijubiläum die herzlichsten Glüldwinsche. 51. t. Charlottenburg. Unser Genosse Rarl Cyste ist am 1. Mai 25 Jahre uder, Partei und hat in dieser Beit als Funktionär und Genosse stets in nolftant Maße für die Partei gewirkt. Wir wünschen dem Jubilar noch Agleiche Rüftigteit für ferneres Birken. 84, Abt. Lanfwig. Am Festtage der Arbeit gehören Genoffe Hermann Echula 35 Jahre und Genoffe. Baul Sebastian, unfer bewährter Abteilungstaffierer, 25 Jahre der Partei an. Wir gedenken an deren Jubiläumstage der beiben Genossen mit Sochachtung ihrer unermüdlichen und vorbildlichen Arbeit füte die Partei uto bie Arbeiterbewegung und münschen ihnen, daß sie als Frucht ihrer Mitarbeit noch recht viele Erfolge der Partei erleben mögen. Sterbetafel der Groß Berliner Partei Organisation $ 13. Abt. Unfer alter Genoffe Franz Grubiß ist verstorben. Ehre seinem Andenken. Die Einäscherung hat bereits stattgefunden. 77. Abt. Schöneberg. Unfer Genosse Kuhlmen ist plöglich am 29. April ver flozben. Ehre feinem Andenken. Einäscherung am Donnerstag, 3. Mai, 17 Uhr, im Krematorium Wilmersdorf. Wir bitten um rege Beteiligung. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner„ Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin G. 14, Sebastianfte 37/38.$ of 2 t. Mittwoch, 2. Mai. Mitte: 20 Uhr Rameradschaftsversammlungen: 3. Rameradschaft Rungestr. 30, 4. Rameradschaft Stralauer Str. 10. Brenzlaner Berg: 20 Uhr erweiterte Borstandssigung bei Burg, Prenzlauer Allee. Rrenzberg: Bersammlungen: Bug 2 20 Uhr bei Krepp, Planufer 75. Referent Ram, Ronrektor Schröter. 8ug 3 20 Uhr bei Braunsdorf, Großbeeren Straße 23. Vortrag: Den Wahlen entgegen." Bug 7 19% Uhr bei Wiensziers, Reichenberger Str. 104. Bug 8 20 Uhr Halbzugsversammlung bei Giedentopf, Mustauer Str. 35. Vortrag des Ram. Neumann. Schöneberg- Friebenau: Kam. Rollendorf 20 Uhr Bersammlung bei Grund, Meininger Str. 8. Tiergarten: Rem, Arminius 19% Uhr Saalfchuz DDP. Philharmonie, Oberlichtfaal. Meißensee: 20 Uhr Schußsportlerigung bei Bigner, Frieside. Ede Pistorius ftraße. Donnerstag, 3. Mai. Webbing: 18 Uhr Antreten des gesamten Orts vereins Uier Ede Martin- Opit- Straße zum Werbeumzug im Stadtteil Hum holdt. Erscheinen Pflicht. Charlottenburg: Gaalschuh im Schiller- Realgymna fium, Schillerstr. 26. 3., 4. und 5. Sam. Antreten 19 Uhr. GSchönebergFriebenan: Antreten 19 Uhr Gaalschuh Hohenzollernschule, Belziger Straße, zur SPD.- Bersammlung. Treptow( Ortsverein): 20 Uhr Jungtameraden fämt Ticher Ramerabschaften Bersammlung bei Schöps, Grünauer Str. 8. Erscheinen alter Rameraden unter 21 Jahren Pflicht. Rentolln- Brig: Musittorps Uebungs thunde jeden Donnerstag 20 Uhr bei Sönow, Emfer Str. 7/9, Ede Rirchhof ftraße Gute Mufiter, befonders Bläfer, werden noch aufgenommen, Ram richtenzug 20 Uhr Bersammlung bei Rönig, Wefer. Ede Wildenbruchstraße. Rab fahrenbe Kameraben, die bem 8uge beizutreten winsden, wollen sich dafelbft melben. Weißenfee: 20 Uhr Familienabend im Bereinslalal. Bortrag über Oftoftila". Ziergarten: Ram. Stephan Mi., b. 2., 20 Uhr, bei Bindner, Behrter Str. 44, Mitgl. Bers. Friedrichshain: Ram. Frankfurt Mi., b. 2., 19% Uhr, Bersammlung bei Bombe, Boigtstraße. Wilmersdorf: Mi., b. 2, 19% Uhr, Antreten mit Mufit und Fahnen am Rathaus in Schmargendorf. FOX 221 Helt quelic Arbeitsgemeinschaft entschiebener Republikaner. Prof. Ben blandt Subert evening. Longfellow English Debating Club, Bilomftr. 104. Mittwoch, abends 8 Uhr, Laboristal Ido Uniono Internaciona. Grupo Berlin. Ouma Idisti partoprenos al mayo- demonstro. Ni renkontros ye 9 kl. Grünebergerplaco Lichtenberg). Kunportez kansonarl D. Morgen, Mittwoch, 2. mai: Werbebegir! Reinidendorf: 20 Uhr im Jugendheim Witteman Werbebeşiris vorstandssigung. Alle Gruppen müffen vertreten fein. Berbebezirt Teltomtanal Boltstangfurfus im total Rathun, Lichterfelbe, Bäteftr. 7, nabe Hindenburgdamm( Rirche). 20 Uhr. Tempelhof: Night Mitgliederversammlung, sondern Diskussion:„ Der Jugende Tiche in Betrieb und Schule." Was jagt der Bär? T JOSETTI JUNO Der Mai ist gekommen! Und Jung und Alf genießt beglückf die neu erwachende Natur. Doch über allem Maíenblühen schwebf ein feiner, würziger Duff aus blauen Ringelwölkchen: Josetti Juno Berlins meistgerauchte 48 Cigarette FrühjahrsHaustrinkkuren mit natürlichen Heilquellen PROSPEKTE, AUSKUNFT durch die KON LINON er Brunnenvertriebs- AG SW61, Yorckstr.59 101-115 Bergmann 3536-3538 Zu beziehen durch sämtliche At novcut Apotheken und Drogerien Deutscher Metallarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Werkzeugmacher Paul Plage am 27. April geftorben ist. Die Einäscherung findet am Mittmoch, dem 2. Mai, 16 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg statt. Ferner ftarb unser Rollege, der Schloffer Artur Huth am 27. April Die Beerdigung findet am Diens tag, dem 1. Mai. nachmittags 15 Uhr, von der Leichenhalle des Thomas Friedhofes in Neutöün. Her mannstraße, aus statt. Chre ihrem Andenken! Rege Beteiligung wird erwartet. Die Ortsverwaltung. Jer Lenz Der Herr und obloge of noseanu ni ain SUNLIC am Ganz unerwartet verstarb Herzschlag am 29 April mein lieber, treusorgender Mann, unser guter Onfel, der Tischler Offo Kuhlmey im foeben bollendeten 63. Lebensjahre. Dies zeigt tiefbetrübt an Rosina Kuhlmey geh. Ulreich Die Einäscherung findet Donners tag, dem 3 Mal, 17% Uhr, im Aree, matorium Wilmersdorf ftatt. Danksagung Für die große Beteiligung bei EinstoffKragen gute Qualit, mod. Form, beste Verarbeitung. Stück 65 Pf. 3 Stück 1.80 9 StehUmlegeber Ginäicherung meines geliebten Kragen Mannes und Baters Wilhelm Westphal fagen wir allen Beteiligten unferen tiefgefühlen Dant. Else Westphal und Sohn. Deutscher Metallarbeiter- Verband Donnerstag, 3. mai. abends z Uhr. ia ber Schultheiß Babenhofer Brauerei, Fidicinsie 2/3 rein Leinen, garant. A fach, moderne Ausführung Stück 1.Branchenversammlung Hosender Werkzeugmacher. Zagesordnung: 1. Der Streif ber Bertzeugmacher und seine Lehren. 2. Dis tuffton. 3. Berschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Pflicht eines jeden Kollegen ist es, gu etfcheinen, Freitag, den 4. mai, abends 6 Uhr, ben Mufiterfälen", Wilhelm- Straße 31 KaiferBranchenversammlung aller im Fahrstuhl-, Kran- und Aufzugbau beschäftigten Monteure und Helfer. Tagesordnung: 1. Bericht von den Berhandlungen mit dem Berband Berliner Metall Jnduftriellen. 2. Stellung nahme und Beschlußfaffung hierzu. 3. Berfchiedenes. Ohne Mitgliedsbuch fein guirit. Das Erscheinen aller Kollegen ist unbe bingt erforderlich. Die Ortsverwaltung. Ortstranfenfaffe für die Gewerbe der Tischler und Pianofortearbeiter zu Berlin. Die Bertreter der Arbeitgeber und der Berficherten merden hierdurch zu der ordentl. Ausschußfizung em Donnerstag, dem 10. Mai 1928, nach mittags 5 Uhr, im Reichenberger Sof Re.chenberger Straße 141, eingeladen. Tagesordnung: 1. Bericht des Borstandes über das Geschäftsjahr 1927. 2. Abnahme der Jahresrechnung für das Geschäftsjahr 1927 und Bericht bes Rechnungsausschusses, 3. Sagungs anberung 4. Beschlußfassung über die Bahlordnung. b. Aenderung der Dienst oronung. 6. Berschiedenes. in Anfragen, zu denen die Einsichtnahme ben Raffenbüchern notwendig ist, müssen drei Tage vor der Ausschußigung im Raffeniotal eingereicht werden. Berlin, den 1. Mai 19.8. Der Borstand. Fr. Meersbach, Borsigender. $. Ehrlich, Schriftführer. träger guter Bandträger mit auswechselbar.Gummibiesen 110 Oberhemd Popeline, mit Ersatz- Mansch. blau. beige, lila. mit uni Muster 745 SEIT 1872 StehUmlegeKragen elastisch, angenehm. ster Sommerkragen Stück 75 Pt. 3 Stück,.. 2 Selbstbinder reine Seide, in vielen modernen Farben und Mustern ,, 2.75 1.75 95 Pt. SockenHalter gute Qualit., solide Verarbeitung, mod. Farben 85 Pt. Schiller- l Hemden für Knaben. Weiß, beige, grün..... 4,05 325 Schlafanzüge für Herren, eleg. 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Brauerei Spandauer Bod. Redner: Paul Mieliz. Spandau. Ab 16 Uhr im Lotal Loebel, Karistust" in Hafenfelde, verbunden mit einer Ghrung der Mitglieder, die 25 und mehr Jahre zur Partei gehören. Redner: Erich Kuttner. Cladom. Ab 15 Uhr im Lotal Bäumann. Redner: Artur Dahlte. Staaten. Ab 17 Uhr im Gasthaus Müller( früher Wolff), Spandauer Straße. Redner: Erich Kuttner. Wilmersdorf. Ab 17 Uhr im Bittoriagarten, Wilhelmsaue 114/115. Redner: Albert Faltenberg. Zehlendorf. Lokal Lindenpark. Redner: Willy Schneider. Wannjee. Bormittags 10 Uhr, im Lotal Reichsadler, Königstraße. Redner: Hermann Lempert. Schöneberg. Schloßbrauerei, Hauptstraße 122/123. Redner: Dr. Jufius Moses. Steglitz. Barfrestaurant Südende. Redner: Hermann Harnisch. Tempelhof. Graßis Gesellschaftshaus, Mariendorf, Chauffeestraße 305. Lichtenrade. Lotal Rohrmann, Waldrestaurant", Hilbertstraße. Redner: Lorenz Breunig. Neukölln. In den Gesamträumen der Neuen Welt", Hasenheide. Redner: Franz Künstler. Wahlrevue Der Mann der Zukunft. Treptow und Baumschulenweg. Im Alten Gierhäuschen", Treptow ( Inhaber Bieler). Redner: Bernhard Göring. Johannisthal. 16% Uhr, Aufstellung zum Werbeumzug am Fußballspielplag. Um 18 Uhr Maifeier im Lotal Bürgergarten. Oberschöneweide, 18 Uhr im Lotal ,, Blumengarten", Ostendstraße. Redner: Albert Horlig. Miederschöneweide und Adlershof. 16 Uhr gemeinsame Maifeier im Lotal Böllstein, Bismardstraße in 2blershof. Redner: Karl Wermuth. Alf- Glienide und Faltenberg. Gemeinsame Feier 18 Uhr im Ge meinschaftshaus der Gartenstadt Falkenberg. Britz- Budow. Werbeumzug mit anschließender Rundgebung unter freiem Himmel in der Großsiedlung Briz, Blag am Buschtrug. Treffpuntt: 17% Uhr Friedrichsbrunner Blaz. Redner: Ernst Fald. Köpenid. 18 Uhr, Saatöffnung 17 Uhr, in den Gesamträumen des Stadttheaters, Friedrichstraße 6. Redner: Otto Meier. 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Karlshorst. 16½ Uhr im Deutschen Haus, Stolzenfelsstraße. Redner: Blesdorf. 18 Uhr in den Schillersälen, Königstr. 120. Redner: Wilhelm Miethte. Paul Brühl. Redner: Genosse Weiter. Bohnsdorf. 16 Uhr Lokal Heimann, Woltersdorfer Straße 100. Kaulsdorf- Süd. 18 Uhr im Lotal Sanssouci, Molttestraße. Rednerin: Henny Rewald. Mahlsdorf. 17 Uhr im Lokal Anders, Bahnhofstr. 37. Rebner: Mahlsdorf- Süd. In den Gesamträumen des Lotals Hubertus um Dr. Richard 2ohmann. 18 Uhr. Rednerin: Gertrud Hanna. Dr. Alfred Klee. Weißenfee. 18% Uhr in der Stadthalle, Pistoriusstraße. Redner: Sohenschönhausen. 19% Uhr im Berliner Hof. Berliner Str. 93. Rednerin: Luise Kähler. Bankow. Im Garten und in den Gesamträumen des Bürgerparts Buch. Bartschloßrestaurant( Göpfert), Am Bahnhof. ab 16 Uhr. Redner: Hermann Lempert. Josef Mühlmann. Rebner: Buchholz. Lokal Rossad, Hauptstr. 71. Redner: Georg Maber. holz. Mederschönhausen. 17 Uhr im Lotal Sanssouci, Nordend, gegenüber dem Straßenbahnhof. Redner: Karl Litte. Blankenburg. 19 Uhr bei Klug, Dorfstr. 2. Redner: Hans Bauer. Katom. 20 Uhr im Lokal Bum Panfgrafen", Bantgrafenftr. 3. Redner: Artur Rachow. Reinidendorf- Oft. 16 Uhr im Schüßenhaus, Residensstr. 1. Redner: Dr. Kurt Löwenstein. Reinickendorf- West. 16 Uhr gemeinsame Beranstaltung der Abtei Lungen Reinidendorf West, Tegel und Borsigwalbe auf dem Außenspielplay, Seydelstraße. Redner Robert Breuer. Um 20 Uhr in der Aula der Weltlichen Schule, Reinidendorf West, Auguste- Bittoria- Alee 37. Redner: Alexander Stein. Hermsdorf. Gemeinsame Feier mit Glienice in Glenide( Morb bahn) im Lotal Bath, Wilhelmstr. 5/7 um 17 Uhr. Redner: Genosse mölfer. Tegel Umzug mit Musit durch Tegel, daran anschließend nach dem Sportplay in Reinickendorf- West zur Maifeier. Sammelstelle: 13% Uhr, Dorfaue, Hauptstraße. Rofenthal. Lotal Manthen, Hauptstr. 1. Redner: Eduard 3 acert Freie Scholle bei Tegel. 16 Uhr Kinderspielwiese, 18 Uhr Beginn der Feier im Schollenkrug". Redner: August Niemann. Dienstag, 1. Mai 1928 Sport. Rennen zu Ruhleben am Montag, dem 30. April. 1. Rennen. 1. Geibeblume( 3. Mills), 2. Rehoferin( Freundt), 3. Louisette( Jauß jun.). Zoto: 16: 10. Plat: 14, 89, 34: 10. Ferner liefen: Harfenmädchen, Haga Burton, Heimden, Holofernes, Lindowpeter, Peter Hall, Ditmart, Maliefer. 2. Rennen. 1. † Leonardo( Ch. Mins), 1. taro Bube( Jauß jun.), 3. Kurfürst( J. Mills). Toto: 7( Leonardo), 15( Staro Bube): 10 Blaz: 11, 11, 12: 10. Ferner lieten: Meister B., Kopefe, Kurgaft, Möglich. 3. Rennen. 1. Arnim( J. Mills), 2. Antenor( Ch. Mills), 3. Mephisto ( Smizer). Toto: 39: 10. Plag: 16, 15, 21:10. Ferner liefen: Leo Watts, Baffer, Baleere, Brimel. 4. Rennen. 1. Alpengeier( Broßmann), 2. Billy A.( Jauß fun.), & Magowan jun.( Switzer), Zoto: 113: 10. Play: 31, 20, 20: 10. Ferner liefen: Franlet, Vodung, Dawson Watts, Johannistäfer, Trotteur, Jeanette, Belwin. Toto: 43: 10. 5. Rennen. 1. bteilung. 1. Campanula( Rüdert), 2. Lange. mann( Korzennit), 3. Baron Gabler( Müller). Toto: 182: 10. Blaz: 46, 19, 30: 10. Ferner liefen: Goudfter jun., Divisionär, Bilar, Turandot, D'Captain Leerberg, Potsdam, Siegrim, Friedrich Reg. 1. Ingelinde( Benetti), 2. Kerrigan jun.( Besizer), 3. Dante( Besizer). 2. Abteilung Blaz: 19, 21, 57: 10. Ferner liefen: Halma, Erifa, Manzanares, Minni Halle, Petronella A., Graf Dorn, Zorrero, Nieber, 6. Rennent. 1. Dolerit( Ringius), 2. Roblenkönig( Triphan), 3. Peter Harvester( Anopnadel jun.). Toto: 80:10. Blag: 18, 27, 15:10, Ferner liefen: Manrico, Noordwyt, Abdullah Silver, Dompfaff I, Copal, Selud, Champion Good, Flamingo. länder. 7. ennen. 1. Neidhammel( F. Schmidt), 2. Belletrift( Snopnadel jun.), 3. Srzgauner( Rozal). Loto: 446 10. Plan: 97, 217, 136: 10. Ferner liefen: Nora Halle, Selamlit, Nonne, Hut ab, Artifer, Long Albert, Wartburg, Zierde, Nanu, Lindowdictator, Gerolsteiner, Rebeltappe, Nippsache, Naturbusfche, Natator. 8. Rennen. 1. Rosenfrau( Rogal), 2. Malteser( Snopnadel jun.), 3. Cilento( Bahr). Toto: 51: 10. Plat: 16, 20, 16: 10. Ferner liefen: Freibeuter, Esparsette, Terraria, Iba Palos, Dancing Girl, Theodora, Einsiedler. Nachbr. verb.) Baim und ziemlich heiter. Beitweise Gewitterneigung. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend Für Deutschland: Im Südosten Niederschläge, im Nordwesten und Süden Gewitter, sonst keine wesentliche Aenderung. Warm. Pfarrer Heumanns Heilmittel stets auch vorrätig in den Niederlagen: Zions- Apotheke hiVINGB Berlin N 81, Anklamer Straße 39, Räumungs Verkauf wegen Verlegung und riesenhafter Vergrößerung Alle in den letzten Jahren erfolgten Ver größerungen unseres Hauptgeschäfts haben nicht genügt. Das enorme Anwachsen unserer Kundenzahl,-wirhaben jetzt ca. 50000 Kunden, zwingtuns zu ganz gewaltiger Vergrößerung. 3000 mtr.. ohne Anzahlung neue Verkaufsräume werden jetzt geschaffen, um allen Wünschen gerecht zuwerden. Während des Umbaues können Sie im Räumungs- Verkauf 24 Möbel unglaublich billig Monats erwerben. 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Bergmann über 70 Filialen in Groß- Berlin färbt! wäscht! reinigt! Damensachen Herrensachen Kindersachen jeder Art Bitte frühzeitig bringen Dienstag 1. Mai 1928 Unterhaltung und Wissen Maifeier- Lied. Von Herm. Claudius Maifahne, rote Lohe, vor unserm 3Zuge her, wir folgen, du hohe, ist unser Schritt auch schwer. Wir halten dich erhoben, ist unser Arm auch müd'. Um deine Lohe droben da schart sich unser Lied. Maifahne, flattre, fliege hoch über unserm Müh'n! Für uns zum reinen Siege! Mach unser Leben blüh'n! Maifahne, Arbeitsfahne, Achtstundentag- Symbol, feind allem Kriegeswahne, freund allem Bölkerwohl! Maifahne, rote Lohe, zieh' unserm Zug voraus! Führ uns ins freihe, frohe Allmenschheitsbruderhaus! Mutter Brandt. Eine Mai Erinnerung von Rudi Eims. Es war im Jahre 1907. Der Frühling hatte den Winter bezwungen. Blumen blühten auf den Wiesen. Auf den Feldern sproßte die Saat. Am Bache miegten sich die fäßchenbeschmückten Weiden. Die Kastanienbäume hatten ihre Lichter aufgeſtedt. Kududruf, Finkenschlag und auch die Lerchen trillerten wieder ihre Lieder. In der Nähe der Industriestadt, mitten im Walde, lag ein großes Gartenlokal. Hunderte von Menschen lauschten hier den Beilage des Vorwärts Ihre herben Züge wurden schön. So schritt fie, die Stirn in die| Sozialismus..." Seine Augen leuchteten und Maria sah auf Abendluft geftemmt, wie eine Freiheitsgöttin. ihren Mann wie auf einen Heiligen. In dieser Nacht lagen Karl und Maria lange wach im Bette. Sie hörten die tiefen Atemzüge der schlafenden Buben. Flüsterten über das heute Erlebte und von dem Menschheitsfrühling, von der Zukunft im Sozialismus. Maria war Heimarbeiterin, denn der barge Lohn, den Karl am Bahltag heimbrachte, reichte nicht fürs Leben. Und während thre flinten Hände an der Strickmaschine hantierten, fang fie die Lieder, die sie am Vortag begeistert hatten. Das Erlebnis des ersten Maien tages war noch nicht in ihr verebbt. Am Nachmittag, es mochte gegen drei Uhr sein, rief fie ein Klopfen an die Tür. Sie öffnete... Die Nachbarin trat herein. Aufgeregt, die Worte sprudelten ihr mur so heraus, rief fie: Denten Sie sich, Frau Brandt, vor einer Stunde hat man Ihren Mann und noch einige andere Genossen aus der Fabrit heraus verhaftet. Sie find nach der Polizeiwache gebracht worden. Meine Tochter, die ich zu Einfäufen weggeschickt hatte, war Augenzeuge, wie man Ihren Mann abführte!" Maria erblaßte, eine dunkle Ahnung troch in ihr hoch, und fie fragte:„ Aber warum...?" Ich glaube, wegen der Maifeler," antwortete die aufgeregte Nachbarin. Man tommt aus den Sorgen nicht heraus..." stöhnte Maria, band sich die Schürze ab und lief mit einem turzen Gruß die Treppe hinunter. Auf dem Hof spielten ihre Jungen. Sie nahm die beiden an der Hand und machte sich auf den Weg zur Polizeiwache. Dort bat fie, ihren Mann sprechen zu dürfen, aber der dicke Wadytmeister gab ihr die barsche Anweisung: Warten Sie draußen auf dem Flur!..." " Vier Genossen waren verhaftet worden, lauter verheiratete Leute. Darunter der Schreiner Lehmann und der Buchbinder Heide. Ihre Frauen saßen mit den Kindern auf den langen Holzbänken im Flur und weinten in ihre Taschentücher. Die Frau des Heide, eine junge Mutter, wiegte ihr Kind im Stecktiffen. Das schrie aus Leibeskräften, als ob es gegen die Berhaftung seines Baters Lärm machen müßte. • leber zwanzig Jahre sind seitdem vergangen Karl Brandt deckt die flandrische Erde. Er fiel in den ersten Tagen des Weltfrieges. Sein Sohn Walter liegt irgendwo auf dem Balkan begraben. Mutter Brandt ist grau geworden. Sie hat nur noch ihren Jüngsten, den Georg. Er fämpft mit ihr in den vordersten Reihen des Proletariats. Mutter Brandt ist bekannt in der Organifation. Sie marschiert am 1. Mai mit den Arbeitern durch die Straßen, geht noch in jede Bersammlung, besonders wenn ihr Junge spricht. Wie früher zu ihrem Mann, sagt sie manchmal zu ihm: Du haft gut gesprochen Dann strahlt Freude über sein Ge ficht. Georg gibt viel auf das Urteil seiner Mutter. 2 Der Tote. Bon John Galsworthy. Im Frühling bes Jahres 1950 faß ein Rechtsanwalt mit feinem Freund bei einem Glafe Wein und Nüssen. Der Rech: anwalt sagte: Als ich unlängst in den Atten meines Vaters blät terte, fand ich diesen Zeitungsausschnitt. Er ist vom Dezember 19datiert. Ein merkwürdiges Dokument. Wenn du willst, lese ich es dir vor." Bittet sagte der Freund. Der Rechtsanwalt begann zu lesen. Bor dem Londoner Polizeigericht erregte gestern ein ärmlich gefleideber, jedoch anständig aussehender Mann einiges Aufsehen, als er den Richter um einen Rat bat. Wir geben das Gespräch wörtlich wieder. „ Darf ich an Euer Gnaden eine Frage richten?" Wenn ich sie beantworten fann." Ich möcht nur missen, ob ich lebe." Machen Sie feine dummen Wize." ,, Es ist mir vollkommen Ernst damit, Euer Gnaden. Alles Unruhig lief Maria mit ihren Jungen auf und ab. 3wei lange, hängt für mich davon ab, es zu wissen; ich bin von Beruf Kettenbange Stunden. Endlich. Die Tür der Wachtstube öffnete sich, heraus traten zwei Gendarmen und die Berhafteten. Die Frauen ftanden von ihren Sißen auf und umringten die Männer. Fünf Minuten Zeit zum Abschtebnehmen," polterte der Wachtmeister. haftet worden seien, weil gestern ein paar Genoffen mit Besenstielen Karl Brandt war gefaßt. Ruhig erzählte er, daß fie ver. egerziert hätten; dann waren am Abend einem bösartigen Fabriflagte man außerdem noch an, daß er eine Hezrede gehalten habe. fanten einige Fenster seiner Billa eingeworfen worden, und ihn Sie sollten nach Chemnih transportiert werden. Weinen und Schluchzen hallte durch den Flur. Maria wollte schmied." Sind Sie bei Sinnen." Ich bin ganz bei Sinnen, Euer Gnaden." Wie kommen Sie dann dazu, eine derartige Frage an mich zu stellen?" Ich bin arbeitslos, Euer Gnaden." Was hat das damit zu tun?" ,, Gestatten Euer Gnaden, daß ich es erfläre. Seit zwei Monaten bin ich ohne mein Verschulden arbeitslos. Euer Gnaden haben bestimmt gehört, daß es Hunderte und Taufende in meiner Lage gibt." .But, fahren Sie fort." Ich gehöre feiner Gewerkschaft an, Euer Gnaden; Sie mer. Borten eines Redners, der auf einer rasch gezimmerten Kanzel, tapfer fein, konnte es aber doch nicht verhindern, daß ihr eine dicke ben doch wissen, daß mein Gewerbe nicht organisiert ist." die mit rotem Fahntuch umkleidet war, zu den Massen sprach. Man feierte den 1. Mai! An einem Baum gelehnt stand Maria Brandt. Manchmal schaute sie auf ihre zwei Buben, die zu ihren Füßen im Grase saßen. Sonst aber hingen ihre Blide unverwandt an den Lippen des Mannes, der durch Wort und Gebärde auf die Herzen der Zuhörer wirkte. Ein Gefühl des Stolzes war in ihrer Brust, weil diese Dielen Menschen so andächtig dem Redner folgten, denn es war thr Gatte, der da oben sprach. mus Wie Hammerschläge dröhnte es immer wieder- Rapitalis Kapitalis Achtstundentag Oft brausten laute BeiKlaffentampf. fallsftürme über den Wiesenplan. Bei den Worten:" Nieder mit dem Militarismus!" flatschten die Arbeiter schallend in die Hände es flang, wie wenn das Meer an Felsen schlägt. Begeisterung glühte in allen Herzen, und als die Rede endete, fand das Hoch auf den Sozialismus aus Hunderten von Proletarierfehlen ein starkes Echo in dem weiten Walde. Karl Brandt tam lächelnd von der Rednerfanzel herunter und mischte sich den Schweiß von seiner hohen Stirne. Die beiden Buben liefen ihm entgegen. Du hast gut gesprochen..." sagte Maria, als er an sie herantrat. Meinst du...?" glänzten seine Augen. Er gab viel auf das Urteil seiner Frau. Sie war wie er Proletenfind und hatte neben der Volksschulbildung nur das als geistiges Gut, was sie sich durch Lektüre angeeignet hatte und durch das Zusammensein mit ihm erlernte. Aber mit ihrem natürlichen, gefunden Empfinden traf sie fast immer das Richtige, wenn er um ihre Meinung bat. Sein Blid lief an ihrer schlanken Gestalt hinunter. Wie gut ihr das blaugeblümte Kleid zu Gesicht stand. Sie sah trotz der Sorgenfalten, die sich im Laufe der Jahre in ihr Gesicht gruben, wie ein junges Mädchen aus. Er schlang spontan den Arm um ihre Schultern. Sie seßten sich mit den beiden Jungen an einen der Gartentische, tranten Kaffee und aßen von den mitgebrachten Broten. Eine Musikkapelle spielte. Der Arbeitergesangverein verschönerte burch Chorgefänge den Nachmittag. Von der nahen Wiese flang das Lachen und Jauchzen der spielenden Rinder. Karl und Maria drängten sich durch die engen Tischreihen, um Beuge einer ergößlichen Szene zu werden. Acht Genossen, alte gediente Soldaten, hatten sich mit Besenstielen bewaffnet und trugen diese als Gewehr geschultert. Der Schreiner Lehmann mit seiner hellen, schneidenden Stimme flemmte sein Uhrglas ins Auge und mimte den preußischen Leutnant. Er ließ ererzieren. Wie auf dem Kasernenhof. Griffe wurden gekloppt. Auf! Hinlegen! Auf! In Gruppen lints schwenttmarsch! Wie fonnte der Herr Leutnant"[ chnauzen. Ihr Schweine. Ich werde euch die Hammelbeine schon lang ziehen!" schnarrte er feine acht Leute an. Einjähriger, Sie haben das dämlichste Gesicht auf der Welt. rief er dem Buchbinder Heide zu, der verängstigt über seine Brille schielte.„ Niemals hätten Sie das Pulver erfunden. Sie Tranfunsel Wunderbar kopierten die Genossen den preußischen Drill. Es war richtig wie beim Militär, mo ja auch der Mensch immerzu beschimpft, verhöhnt und gedemütigt wurde. Wer hätte geahnt, daß aus dieser harmlosen Groteske noch üble Folgen erwachsen würden. 9 Als es zu dämmern begann, wurde ein Zug gebildet und der Rudmarsch angetreten. Die Musik schmetterte die Internationale", als der Tritt der Massen von den Straßen der Stadt hallte. Das Rot der Fahnen leuchtete. Maria schritt mit den Kindern neben threm Manne." Nicht fürchten wir den Feind, nicht die Gefahren .." Sie fang mit. Ihre Augen glühten. Ihr Körper ftraffte all fich. Der Marschtritt, der Rhythmus des Liebes( chwang in ihr... Träne über die Wange rollte. Weinet nicht, ihr Frauen!" verfuchte Karl zu tröften. Es tann nicht schlimm werden, in einigen Tagen sind wir wieder zurück." ... nehmen... Jetzt traten die Gendarmen an die vier Männer heran Die fünf Minuten waren herum. Küsse. Legtes Abschied Frauen schrien auf... Nur Maria blieb stumm... Sie hatte für und fesselten immer zwei an den Handgelenken aneinander. Die den Bruchteil einer Setunde auf die Wand geblickt, von der die Bilder sächsischer Könige herunterschauten. Lächelte nicht Friedrich August ob diesem Jammer? Jezt versuchte sie noch rasch einmal Karl die Hand zu drücken. Er gab ihr seine Linte, weil er mit der anderen Hand an den Schreiner Lehmann gefesselt war. Die Gendarmen drängten die Frauen zurüd. Berdammte Hunde..." stieß Maria halblaut durch die Zähne. Dann ging es hinaus auf die Straße und zum Bahnhof. Die Gendarmen liefen Kinder rannten nebenher. Mancher satte Bürger lächelte zufrieden. links und rechts neben den Gefesselten. Passanten schlossen sich an. Borbeigehende Arbeiter riefen den Verhafteten ermunternde Rufe zu. Bahnsteig. wurden in ein besonderes Abteil gebracht. Der Zug braufte in die Halle. Die vier Männer Frauen, noch ein Wort mit ihren Gatten sprechen zu dürfen. Die Bergebens hofften die Gendarmen blieben hart. Ja, ja." „ Euer Gnaden, seit drei Wochen bin ich gänzlich mittellos. Ich habe mein Möglichstes getan, um Arbeit zu finden, aber es war alles umsonst." gen Haben Sie sich an den Armenrat Ihres Bezirtes gewandt?" mehr geben." „ Ja, Euer Gnaben, aber der fann feine weiteren Unterstügun BY 2 Bei Ihrer Kirchspielbehörde find Sie auch schon gewesen?" Jawohl, Euer Gnaden, und auch beim Pfarrer." ,, Haben Sie feine Verwandten oder Freunde, die Ihnen helfen fönnten?" „ Die Hälfte von denen ist genau so übel dran wie ich, Euer Gnaden, und den andern hab' ich schon alles abgeknöpft." ? ,, Was haben Sie Ihnen alles abgeknöpft nommen.' ihnen alles Entbehrliche abge Haben Sie Frau und Kinder?" „ Nein, Euer Gnaden, das ist auch ein Hindernis, überall tomm" ich deshalb zuletzt dran." Freilich, freilich aber es ist ja schließlich noch die Obdach lofenfürsorge da; Sie haben das Recht zu „ Euer Gnaden, ich bin in zwei von diesen Heimen gewesen, aber gestern abend wurden Dutzende von uns wegen Raummangels Recht zu arbeiten?" Nur im Armenhaus." sich in Bewegung, und alle sahen weinend nach, bis die Lichter des Fauchend und pustend zog die Lokomotive an. Der Zug fetzte abgewiesen. Guer Gnaden, ich habe Hunger; hab' ich denn kein letzten Wagens in der Ferne verschwanden. Die Frau des Buchbinders Heide rief, daß es besser sei, wenn sie sich mit ihrem Kinde, das schreiend die kleinen Hände im Stecktissen ballte, vor den nächsten 3ug werfen würde. Zu Hause sei kein Geld, von was folle sie leben. Mit vieler Mühe gelang es schließlich Maria, die sich Sträubende zum Heimgehen zu bewegen. Am nächsten Tage wurden noch einige Arbeiter verhaftet. Das Bandgericht verurteilte alle wegen Aufreizung zum Klassenhaß, Berächtlichmachung von Staatseinrichtungen, Sachbeschädigung usw. zu längeren Freiheitsstrafen. Karl Brandt, der geistige Urheber", be fam die härteste Strafe vier Monate Gefängnis. Für Maria folgten harte Wochen. Die Sorge faß am Tisch, wo der Platz des Gatten und Vaters leer war. Bis tief in die Nacht hinein schuftete ste an der Strickmaschine, um für sich und die Kinder das Brot auf den Tisch zu bringen. Geduldig ertrug sie die hä mischen Blicke der Leute, wenn sie über die Straße ging. Hörte die fpöttischen Reden: Ihr Mann sitt.. Jetzt erst wußte fie, was die Worte des Liedes bedeuteten" Nicht fürchten wir den Feind, nicht die Gefahren all..." Sie meinte felten. mehr hineingekommen bin. Kann ich denn keinen Menschen zwinIch hab' Ihnen schon gefagt, Sir, daß ich gestern abend nicht gen, mir Arbeit zu geben?" „ Schwerlich." ,, Euer Gnaden, ich habe argen Hunger. Können Sie mir erlauben, auf der Straße zu betteln?" „ Nein, nein, das tann ich nicht; Sie wissen sehr gut, daß es nicht geht." Bielleicht darf ich dann stehlen, Euer Gnaden," Aber, aber! Sie halten das Gericht unnötig auf." Aber Euer Gnaden, es ist mir bitterer Ernst. Ich verhungere Suchstäblich, auf Ehre und Gewissen! Können Sie mir nicht erlauben, daß ich meinen Rod oder meine Hosen verkaufe Der Bittsteller knöpfte den Rock auf und enthüllte seine nacte Brust.„ Ich habe sonst nichts zu ?" ,, Sie dürfen in teinem unschicklichen Aufzug herumlaufen. Gefegesübertretungen fann ich nicht gestatten." " Bekomm ich dann wenigstens die Erlaubnis, im Freien zu Und dann tam der Tag, wo sie wieber lachte, Karl batte feine ichlafen, ohne wegen Vagabondage verhaftet zu werden?" Strafe abgebüßt. Der Arbeitergesangverein brachte ihm am Abend ein Ständchen. Später saßen die Leidensgefährten mit ihren Frauen bei Rarl zu Gaste. Es herrschte eine freudige Stimmung. Man sprach über die Erlebnisse aus der Gefängniszeit. Karl wurde von den Genossen wegen seiner mutigen Haltung in der Gerichtsverhandfung gelobt. Maria schaute lächelnd auf ihren Mann und sprach: Warum mußt aber gerade bu immer dabei sein?" " „ Der ist kein guter Sozialist, der den Kampf scheut, meinte Karl. Schaut auf die Revolutionäre, die ihr Leben auf den Barrifaden aushauchten; denkt an Marg und Engels, die in die Verbannung gingen. Ist es da nicht verdammte Pflicht und Schuldigfeit eines jeden, für unsere gute Sache seine ganze Person einzufezen? Es hilft nichts, wenn wir an unseren Retten rütteln mir müffen fie sprengen! Nur wenn jeber fo benft und handelt, erreichen wir unser Ziel: bie Erlösung der Menschheit durch den Ich erkläre Ihnen ein für allemal, daß ich Ihnen nichts der gleichen erlauben kann." Was soll ich also tun, Sir? Ich spreche die Wahrheit. Ich will das Gesetz nicht übertreten. Können Sie mir sagen, wie ich ohne Nahrung weiterleben soll?" Ich wünschte, ich könnte das." Dann, Sir, muß ich Sie fragen: Bin ich nach der Ansicht des Gefeßes überhaupt am Leben?" Das ist eine Frage, guter Mann, die ich nicht zu beant worten vermag. Für das Gesez, scheint es, existieren Sie nur dann, wenn Sie es verlegen; aber das werden Sie doch hoffentlich nicht. Sie tun mir wirklich leid; Sie fönnen einen Schilling aus der Sammelbüchse haben. Der nächste Fall!" Der Rechtsanwalt hielt inne. Jawohl, jagte fein Freund, das ist ja sehr interessant. Wirtich höchft fonderbar. Merkwürdige Sustände waren das Damais! ( Deutsch von Seon Schallt) Stwoky. Von Jad London. Am 1. Mal trafen sich die Tiara da» Dschungel» unter der Noumkrone der tausendjährigen Tamarinde. Diesmal waren auch die chaustier« eingeladen worden, dem die Allianz der Tiere vor- dereitenden Kongreß anzuwohnen. Auf der Tagesordnung staud der vom Kalb Karno eingebrachte Initiativantrag über den Abbrach der diplomatischen Beziehungen mit den Menschen, und ein zweier, der den Kolibri Snooky zum Autor hatte: Stellungnahme zur Aegierungsform und ihrem Oberhaupt. Die Tiger, Elefanten, Mäuse, Krokodil«, Hunde, Giraffen, Wölfe, Raben, Katzen, Kamele, Taubqn wimmelten in Erwartung der großen Auseinandersetzung aufgelegt durcheinander. Gottes Tiergarten war vollzählig aufmarschiert. Die Delegierten drängten sich im Schatten der Tamarinde und unterhielten sick über die außergewöhnliche Tagesordnung des Kongresses, dem diesmal der Ausammenschluß aller Tiere gelingen sollte. Ein historischer Augen- bück, den niemand versäumen wollte. Die„Pan-Fauna", immer als Utopie, als Hirngespinst aufgenommen, sollte diesmal Wirklich- keit werden. Hund und Kotz«, Fuchs und Huhn, Wolf und Kalb, Adler und Zicklein. Schlang» und Maus, sie alle sollten einander niemals wieder Feind sein: Fried«, Freundschaft, Aufbauarbeit war die groß« Parole. Die Entgiftung der Atmosphäre, von der seit Jahr und Tag die Rede war, dies« zu? Phrase gewordene Forderung, sollte aus der Theorie in d!« Praxis übertragen werden. Die Abrüstung, die obenan auf dem Programm stand, sah et» große Zahl praktischer Maßnahmen vor: die Ottern sollten sämtlim« Glflzähne, die Hirsche ibra Geweihe, die Elefanten ihre Stoßzähne, die Pferde ihr« Hufe, die Bären die Pranken, die Skunks ihre ätzende Lauge, die Katzen ihre Krallen, mit einem Wort: die wehrhaften Tier« sollten aus- nohmslos ihre Waffen abliefern, um die Pazffierung des Tier- reiches praktisch vorzubereiten. In den Sesten saßen die Reporter und harrten der kommenden Dinge. Der Kongreß wurde Schlag zwölf Uhr mit einer solbungs- rollen Begrüßungeansprache des nicht gerade gesinnungstüchtigen Affen Rico, dem gleichzeitig auch der Borsttz übertragen war, eröffnet. Sonach sprach das Kalb Koyra, aus dessen Rede die glühende Flamme der Revolution oiisloderten .Freunde!" sprach Korna und schwapig sich auf die au» Aesten und Buschwerk improvisiert« Redneririvünn...Wir sind hier zu- sammengekommen, um das Joch der Knecht'chast abzuwerfen. (Minutenlanger Beifall!) Die Abschlachtung unserer Artgenossen durch die Menschen muß«in End« haben! Di« Grausamkeit der Menschen muß pariert werdeni Wir haben den Menschen nichts getan, sie mögen uns ungeschoren lassen. /Die Schafe applaudierten.) Wir fordern, daß die Menschen aufhören, an uns ihre Mordinstinkte auszutoben.' Minutenlanger Beifall unterbrach die unmißverständlichen Worte Karno». Die Rennpferde, die ihre aristokratisch« Abkunft in« richtige Licht rücken wollten, hielten sich ostentativ abseits, als wollten st« Distanz wahren zwischen sich, den Wkvmmlingen nichtstuerischer Rassepferde, und dem gemeinen Volk, dem Pöbel, da» sich aus Kälbern, Kühen, Hunden, Schafen, Kamelen und ähnlichem Getier rekrutierte. Toriolan, der stolze Apfelschimmel, dessen Schwanenhals ein« prachtvolle Mähne zierte, trat vor und bot um da« Wort, um auf die leidenschaftlichen Ausführungen Karnas zu antworten. Die Popularitätshascherei, die in seinen Worten lag, mahnte die anti- partikularistisch stimmenden Kongreßteilnehmer zur Borsicht. ..Wir Renn- und Rastepferde." das die ersten Worte des Apfelschimmel» waren,„hoben nicht den geringsten Anlaß, uns eurer demagogischen Forderung anzuschließen. Ihr wollt den ver- derblichen Klastenhaß in unscre Reihen tragen.. Schmährufe Hagelten auf den Redner nieder, leidenschaftlicher Widerspruch wurde laut, minutenlang tobt« der Lärm. Der Apfel- schimmel Coriolan mußt« in seinem Vortrag innehalten. Di« Zug- pferde antworteten auf die Ausführungen Eoriolans mit dem Exodus ihrer Anhänger. E» schien, als sollte sich der Kongreß in ein Chaos wandeln. Der Löwe und feine Getreuen grunzten vor Vergnügen. Ihnen lag daran, das Programm de» Kongresses mit allen Mitteln zu sabotieren. Und sie fanden ein paar Dutzend verräierischer Lakaienseelen, die ihnen blinde Gefolgschaft leisteten. „Ihr Feiglinge! Ich kämpfe mit offenem Desierl Hört mich an, dann antwortet!" donnerte der Apfelschimmel und stampfte das Erdreich unter sich auf. Dies« Worte wirkten Wunder. Der Dorsitzende schwang das Bambusrohr und mahnte zur Ruhe. Drei Affen, die inzwischen ein Kokosnußbombardement gegen die Regierungsbank eröffnet batien, wurden zur Ordnung genifen. Fünf Skunks, die Stink- bomben in die Versammlung geworfen hatten, wurden kurzerhand ausgeschlossen, trotz lebhaften Widerspruchs der Tauben, die gegen die unpariameniarische Art des Kongresse« demonstrierten. Schärfsten Protest löst« die Forderung des Löwen aus, der die Wahrung seiner unantastbaren Recht« forderte. Dann nahm Coriolan den Faden wieder auf. „Wir Raste- und Zuchtpferde haben seit Jahr und Tag ein« gut« und überaus loyale Behandlung erfahren, uns ist kein Leids geschehen, wir bedauern, euch unser« Gefolgschaft verweigern zu müssen..." Di« Recht«, auf der alles stand, was sich über den Pöbel er» hoben glaufie. die Zebras, die Leoparden, die Adler und natürlich auch eine Anzahl Affen. Schafe, Esel, Kamele und Nashörner, sie all« triumphierten. Die Linke aber lärmte und tobt« und dem Apfelschimmel flogen die gröbsten Schimpfwörter an den Kopf. Davon waren Verräter und Schuft di« mildesten Invektwen. Die Mitte, in der di« Elefanten und Hunde in der Majorität wahren, wahrt« Haltung und Ruh«. Als der Lärm anschwoll und die Ausführungen des hals- starrigen Redner» im Ehao» der aufeinander«indringenden Dele- gierten untergingen, trat Carlo vor, der Neufundländer, der überall die aufrichtigsten Sympathien genoß, und mochte seine vermittelnden Dorschläge. „Freunde!" war Carlos Anrede.„Wir sind hier zusammen« gekommen, um di«„Pon-Iauno" zu konstituieren. Statt dieser bistorischen Aufgab« Rechnung zu tragen, olle Kräfte darauf zu konzentrieren, damft unser« Knechtschaft ein End« hat, liegen wir einander in den Haaren, al» ob wir dumm« Rangen wären. Ich muß sagen,' ein schlechtere» Beispiel könnten wir unferan Wider. sachern gar nicht geben. Wo» tut uns not. um unsere Forderungen durchzusetzen? Einigkeit. Einigkeit und wieder Einigkeit! Einet für alle, all« für«inen! Da» war die Parole, di« den streitbaren Menschen zur Einigung verholfen hat. Nicht zu ihrem Schaden. Den» Einigkeit macht ftart und«tderstandsfähig. wenn wir einig find, da«» könne« wir den Menschen unsere Bedingungen vor- Wie entstehen Erdbeben? Bon Professor 3- Koenlgsberger. Wird an irgend einer Stelle die Erde stark erschüttert durch eine Explosion oder durch«inen natürlichen Lorgang in der Erde. so gehen von dieser Stelle, dem Erdbebenherd, Wellen aus, ähnlich wie wenn man in Wasser einen Stein wirst. Zwei Arten von Wellen pflanzen sich von der Erregungsstelle fort, wie der jüngst verstorbene Gelehrte Wiechert zuerst folgerte. Die«inen schwingen senkrecht zur Richtung der Ausbreitung, so wie die kleinen Wellen- berge und Täler, die wir auf dem Wasserspiegel auf und ab tanzen sehen, während die Welle sich längs der Wasserfläche ausbreitet. Das sind die sog. Quer- oder Transversalwellen. Dann gibt es Wellen derselben Art wie die Schallwellen in der Luft, die Längs- oder Longitudinalwellen, die in Richtung der Ausbreitung schwingen. Die beiden Wellenarten wandern verschieden rasch, die longitudinalen rascher als die transversalen. Bei einem Erdbeben kommt also auch an den Erdbebenwarte», wo empfindliche Instrumente die Wellen und damit auch ihren Anfang, die„Borläufer", aufschreiben, die longitudinalen Wellen früher an als die transversalen. Es braucht der Borläufer der Längswelle z. B. 8 Minuten Zeit, der Ouerwelle l4 Minuten Zeit um von der Erdbebenstelle bis zur Warte zu wandern oder bei einem etwa doppelt so großen Weg 16 und 28 Mi- nuten. Aus dem Zeitunterschied im ersten Fall 6, im zweiten 12 Mi- nuten, kann man auf den Abstand des Beobachwngsortes vom Erd- bebenherd schließen. Je nach Abstand und Gegend sind diese Zeit- unterschiede etwas anders zu bewerten. Man hat auf Grund lang- jähriger Beobachtungen und Rechnungen Tafeln und Zeichnungen hergestellt, nach denen man aus den oben angegebenen Zeitunter- schieden den Abstand des Erdbebenherdes von dem Beobachtungsort in Kilometern ermittelt. Doch die Richtung, aus der die Wellen kommen, kann man mit Sicherheit an einem Ort allein noch nicht feststellen. Die Ursachen der Erdbeben sind Spannungen in der dünnen Erdkruste. Di« feste Erdkruste ist nur etwa 50 bis 100 Kilometer dick. Darunter liegen seurig-flüssige Masten des Magma. Der Erddurchmesser beträgt 13 000 Kilometer. Die Spannungen werden aus irgend einem Grunde z. B. auch durch besonders rasche Aende- rung des Luftdruckes, also des Weiter», oder durch uns bisher ver- borgen« Vorgänge in der Erde ausgelöst. Dann verschieben sich große Stücke der Erdkruste, Schollen von 50 Kilometer Dicke, um einige Millimeter oder auch um viele Meter gegen die benachbarten und zwar plötzlich in Bruchteilen einer Sekunde, oft mehrmals nach- einander. Langsame Verschiebungen gibt es auch. Der Mensch merkt sie nicht: sie schaden ihm nicht. Die raschen Bewegungen aber geben große Beschleunigungen und damit große Kräfte, die nur ganz kurz dauern, aber unsere Steinbauten sofort zertrümmern können. Wenige andere Ereignisse lähmen und erschrecken während ihrer Dauer den Menschen dermaßen, wie ein Erdbeben. Man kann die Tiefe de» eigentlichen Erdbebenherdes, da, wo die Spannungen und Veränderungen sich am stärksten äußern, heute un- gefähr berechnen. Es ergeben sich durchschnittlich 30 bis 55 Kilo- meter. Da« ist auch etwa die Tiefe der großen störenden Masten, soweit man diese au» Messungen der Schwerkraft und des Erd- Magnetismus errechnen kann. Als Ursachen der Spannungen und damit der Erd- beben nahmen viele Forscher ein« fortdauernd« geringe Zusammen- Ziehung der Erdkruste an. Andere Forscher glauben neuerdings, daß di« Verschiebungen in der Erdkruste, welche ihren Ausdruck in der Bildung von Gebirgen(z. B. Schwarzwald, Harz, Alpen) finden. auf eine Verlagerung von Teilen her Erdkruste vom Aequawr nach dem Pol hin beruhen. Andere nehmen an, daß Strömungen in den feuerflüssigen zähen Gesteinen, in dem Magma unter der festen Erdkruste, die Spannungen hervorrufen. Mit den Erdbeben, auch mit dem sogenannten erdboulichen(tektonischen) steht direkt oder indirekt Eindringen feurig-flüstigen Gesteins in ober« Teile der Erdkruste, manchmal bis zur Oberfläche als vulkanischer Erguß und Ausbruch in Zusammenhang, so wie das Wasser zwischen bewegte Eisschollen der Eisdecke eines Flusses dringt. Es gibt Gegenden, die in den etwa zweitaufend Iahren mensch- licher Geschichtsschreibung immer wieder von Erdbeben erschüttert wurden, wo also die Erdkruste am wenigsten fest ist, wo die Span- nungen sich ausgleichen. Dazu gehören z. B. in Europa Süddeutsch- land und die Äipenländer, Italien, Balkan. Küste von Portugal, in Asien Kleinasien, Turkestan, Japan, inner« Provinzen von China, in Amerika die pazifische Küste, besonders Kalifornien und Aleska. In manchen Gegenden sind seit Jahrhunderten die Häuser dem an- gepaßt, entweder sehr leicht wie in Japan oder sehr fest mit dicken Mauern und niedrig wie in oft erschütterten Gegenden der Mittel- meerlönder. Oder es wird jetzt in Kalifornien mit federnden Stahl- gcrüsten gebaut. Die Erfahrungen der letzten Monate zeigen, daß, wenn an einer Stelle eine Scholle der Erdkruste sich stärker verschiebt, bald danach. für unsere Zeitbegriffe, ringsherum an derselben Scholle und an benachbarten, derselbe Vorgang weiter geht. Die seit einigen Mo- naten auftretenden Beben von Smyrna, Philipoppel. Kortnlh, Monte Amiata, die sckwachen Beben in Süddeutschlond gehören zusammen. Man weiß nicht, od die Gebirge durch für Menschen langsame und kaum merkliche Bewegungen aufgetürmt werden oder plötzlich. Vieles spricht für erster« Annahme. Die seit der letzten Eiszeit seit etwa 20 000 bis 100 000 Iahren gebildeten tiefen Täler und steile Bergwände lasten nicht wahrnehmen, daß sehr große Masten Gestein herabgefallen sind. Man hat auch m. E. aus früheren geologischen Schichten keinen derartigen Beweis wirklich starker Beben, außer vielleicht in der Kohlenzeit, vor etwa 150 Millionen Iahren. Ob und wann eine solche Zelt wie die Kohlenzeit mit kräftigster Gebirgs- bildung. mit vulkanischer und intrustver Magmatätigkeit und dabei mit stärkstem Pslanzenwuchs auf der Oberfläche wiederkehrt, vermag die heutige Physik der Erde nicht zu sagen. Doch die Erdbeben, die erdgeschichtlich keine merklichen Ver- änderungen hervorbringen, die nicht einmal an einem so steilen und wenig sicheren künstlichen Einschnitt wie an den Kanal von Korinth Einstürze verursachen, die geologisch überhaupt nicht der Rede wert sind, können die meisten gewöhnlichen Häuser völlig in Schutt ver» wandeln. Das wird sich vermeiden lasten. Dagegen sind die großen Bauten für Wasser, die Stauwerke für die Elektrizitätserzeugung und die Wasserleitungen aus dem Gebirge kaum vor Epdbebenwirkungen zu schützen. Man wird wohl später unterhalb dieser Bauten ein« Gefahrenzone ausscheiden, in der keine Wohnungen liegen dürfen. und bei den Wasserleitungen unten große ungefährdete, flache Wasserreservoire anlegen, um die Städte gegebenenfalls länger« Zeit oersorgen zu können. Der Mensch ist ein soziales Lebewesen und wird das bei den heutigen Technik und Bevölkerungsdichte besonder» gegenüber ut* erwarteten Naturereignissen, auch Klimawechsel, zeigen müssen.« e5u roten Drosen will er fteh'n... Schafft Dtarnn, schafft üXanml Bracht breite Bahn! Es ist kein Zzanmt Der flülal rückt an. Da» rand rollt blühen vnd gedeih'». £a$i 5tcht herein l Den Blick voran«, die Stirn tmpor, ans Gran nnd Graus zun»£icht hervok! Der Tag ruft uns zu Tat und �Pflicht nnd znnr Gericht. Schafft Raun», schafft 2�auu»l Brecht breite Bahn! Es ist kein Tranin: Der£!Bfta{ rückt an. Qu roten Rosen will er steh» nild m»» als Steger sehn..Äarl Dröger. schlagen, und ich bin ganz sicher, daß man uns anhören wird. Ich bin«In prinzipieller Gegner von blutigen Waffengängen, ich möchte daher vorschlagen, daß wir die Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Kongrestes in Güte austragen..." Eisige» Schweigen. Plötzlich sprang der Kolibri Snooky auf und sprach mit flammender Begeisterung: „Was wollt ihr? Bitten wollt ihr wo ihr fordern sollt?! Das Recht ist auf unserer Seite und ihr wimmert um Gnade, ihr Narren. Wenn der Mensch euch ob eurer billigen Forderungen abschlachtet, was dann? Dann sind wir fertig mit euch! Hinaus mit den Feiglingen und Kompromißlern aus unseren Reihen! Es gibt kein Zurück! Vorwärts ist unser Kriegsrufl Wenn ihr euch noch lange besinnt, dann habt ihr verloren, noch eh« Ihr begonnen habt. Wir haben augenblicklich die Macht in unseren Händen, schaffen wir uns damit unser Recht, nichts anderes als unser Recht. Sonst kann's geschehen, daß die Macht unserer Widersacher dazu mißbraucht wird, unser Recht auszutilgen, uns niederzuknüppeln..." Frenetischer Beifall lohnt« die mutigen und unzweideutigen Wort« Snooky?,. des Kolibris, der dort oben stand, auf der im- provisterten Rednertribüne, und fein« Argumente gleich Donner- keilen in die aufhorchende Zuhörerschaft schleuderte. Der Löwe fordert« dn, Wort. „Laßt euch nicht Ins Bockshorn jagen! Dieser unreife Naseweiß spricht ins Blaue, ohne jede? Verantwortungsgefühl.. Aber man wollte den Löwen nicht anhören. „Abstimmen! Abstimmen!" schrien die Kongreßteilnehmer. Niemand wagte, sich dieser kategorischen Forderung zu widersetzen. Mit Stimmenmehrheit würbe der Antrag üb« die„Pan- Fauna".Konstitu!«rung angenommen, ebenso fener, der den Hoheit»-. rechten der Menschen über die Tier««in End« bereiten sollt«. Noch einmal schwang sich Snooky auf die Rednertribüne uud sagte: „Ich schlage aus Anlaß der zustandegekommenen Einigung der Kongreßleitung einen mächtigen Demonstrationszug durch die Dohr» stätien der Menschen vor.. Der Antrag wurde mit Beifall aufgenommen. Als sich aber der Zug formieren wollt«, sprang der Löwe vor und gebot Einhalt. Aber niemand hörte auf ihn. Alles folgte dem Kolibri Snooky, der über dke angemaßt« Autorität des hirnverkaltten Löwen triumphierte. Der Sieg war In seiner Hand. Der Löwe trollte sich von dannen. Cr konnte wohl die arglosen Tier« des Dschungels anspringe», aber den Höhenflug des Kolibri vermochte er nicht zu hemmen. lAutoriltcrt» Utderfctzuna von Sikgtricd Bernfetd-Wim.) Stimmen, die niemal» vergehen. Könnten die Stimmen bs- rühmter Menschen von heut«: die auf dem Weg« der drahtlosen Wellen um den Erdball wandern, nach l00 Jahren wieder gehört werden? Dies« erstaunlich« Frage wird setzt von einem Ingenieur der Marconi-Gesellschaft in bejahender Form beantwortet. Dieser Gelehrte Ist nämlich zu dem Ergebnis gekommen, daß solche Wellen niemals vollständig verschwinden. In dem Empfongeraum der Marconi-Gesellschaft Ist es gelungen, Rundflmk-Prvgramm« zu Gehör zu bringen, die bereits dreimal die Welt umlaufen haben, und wenn wir genügend seine Empfangsapparate hätten, so könnten wir die in unserem Jahr auf den Weg geschickten Stimmen und Töne auch noch im Jahre 2028 hören Der bekannt« Radio- erfinde? Dr. Lee de Forest hat festgestellt, daß die drahtlosen Wellen theoretisch für immer existieren, in ähnlicher Form wie die des Meeres. Aber die Radiowellen sind zu schwach, als daß sie mit den gegenwärtigen Aufnahmsapparaten auch nur einige Minuten später gehört werden könnten, als sie ausgesandt worden sind. Jedenfalls ist es«in phantastischer Gedtrnke, daß die Stimmen von Menschen, die längst verstorben sind, noch Im Aether aufbewahrt sein sollten, und daß vielleicht späte Geschlecktter einmal imstande sein werden, das hörbar zu machen, was in unserer Zeit dem Rund- sunk anvertraut wurde. Piesacken. Mehr und mehr hat sich das zunächst der Umaangs- spräche angehorige Zeitwort piesacken auch in der Schriftsprache eingebürgert. Obwohl seine Ableitung nicht geklärt ist /wie b« manchem anderen Ausdruck auch), braucht man es nicht zu ver« werken. Es ist schon 1755 in einem hamburgischen Wörterbuch be- zeugt und kann neben quälen als Ersatz für die Fremdwörter sek- kieren, schikanleren und verieren dienen. Den niederdeutschen llr- sprang hat e» mit anderen Wörtern gemein, z. B. belemmern(d» trügen, eigentlich beschmutzen), hapern, sichten, pusten iomt dem PufttVirohr. trecken(ziehen) haben wir In dem auch von Goethe ae- brauchten Mittelwort vertrackt, außerdem wurde es uns durch die Buren wieder nahegebracht. Dem Niederdeutschen sind wir auch verpflick>tet für Hauptwörter wie Adebar(Storch). Bogger, Fliese, Göre(Kind). Pökel, Pumoe. Quarre. S-brulle, Scbubiak, Scb'ift, Spickaal. Spind, Sprotte. Strand. Talg. Tonne, Torf, Tran. Wer denkt an niederbeutlche kierkunft bei den Eigenschaftswörtern barsch («igentlicb schart), drall(sich rasch drehend, iestgedrehi). dreist, fett. r piekfein(nd. pi(«)k fett, auserlesen, vortressticki), stramm,«her noch bei schlickrig(schlüpfrig), schmuddelig(unsauber). C. M.(Deutscher Sprachverein.)