BERLIN Soimetttag 3. Rai 10 Pf. flr. 208 B 103 45. Jahrgang. erscheint t S g li ch außerSonntag«� Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,6oM. pro Monat. Redaktion undExpedition: Berlin SW68, Linbenstr. 3 yM)Yu>aif46 Anzeigenpreis: Die einspaltige Vonpareillezeil« 80 Pf., Retlamezelle s M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: VorwärtS-Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 3753S. Fernsprecher: Dönhoff 2v2 bi« 2v? m Die„Italia" heute gestartet. Großer Fabrikbrand in Gtolp während der Abfahrt. Kardinal Tost überreicht Nobile das geweihte Kreuz, 3n den frühen Morgenstunden des heutigen Tags ist General Nobile mit der„Ztalia" in Stolp zum Flug nach Spitzbergen aufgestiegen. Noch am Abend des Mittwochs um 19 Uhr war die Frage, ob man die lange Reife über ZWO Kilometer antreten soll, oder nicht, völlig offen. Die Wetterwarten in Hamburg, Lindenberg und auch in Stockholm rieten nicht zu, aber auch nicht ab, da ein Tief, das über Nordschweden sich ausbreitete, zunächst noch keine festen Schlüsse zuließ. So wartete man, wie auch am Abend zuvor in der Halle, ungewiß, ob die Entscheidung in dieser Nacht fallen würde oder nicht. Professor Malgreen, der„Wettermacher" der„3talia", konferierte lange mit Nobile und den Steuerleuten. Um 1! Uhr endlich kam das Kommando:„Schiff zur Fahrt klar machen". Don diesem Augenblick an glich die alte Luftschlfshalle in Seddin einem Ameisen- bau. Die italienische Besatzung wetteiferte mit deutschen Hilfsmann- schaften, das Polarluftschiff fertig auszurüsten. Da man wegen der drückenden Hitze am Dienstag viel Gas hatte ablassen müssen, war eine zweistündige Nachfüllung notwendig. Lebensmittel und Appara- turen wurden in dem Mittelgang des Luftschiffes verstaut: die Mo- toren erhielten den letzten Trimm und in der„Funkenbude" saß der Marconi-Telegrstphist und nahm bereits Probeverbindungen mit Mailand, Berlin und Stettin auf Kurzwelle 33 auf. Die Besatzung zog um so lieber die pelzgefütterten Lederjacken und Stiefel an, als die Nacht recht unfrühlingsmäßig kalt war. Die Berliner Polizei- beamten bauten 12 Scheinwerfer mit den Akkumulatoren- betrieb rechts und links vor der großen zugigen Halle auf und rich- teten die Scheinwerferkegel prüfend auf die Tore und das Feld. Ilm MIllernachl erschien General N o b i l e, der in den Abend- stunden noch eine wahre Flut von Telegrammen zu beantworten hatte, wieder an der Führerkabine und erklärte, daß man trotz des zweifelhasten Wetters über der Ostsee.starten werde. Ueber den See tobte ein steifer N o r d o st von Windstärke 8, so daß man in den nahegelegenen Häfen die kleineren Dampfer vor dem Aus- laufen warnte. Aber die Messungen mit den Pilotballons ergaben, daß in S0y bis 1009 Meter Höhe 11 bis 14 Sekundenmeter Wind herrschte, eine Strömung, die Nobile der„Otalia" wohl zumuten zu können glaubte. So wurde um Mitternacht das Reiterregiment in Etolp alarmiert und nach 2 Uhr 2M Mann entsandt. Während man auf das Intensivste mit der Abfahrt beschäftigt war, kam vom Oberbürgermeister der Stadt eine schlimme Kunde. In der großen Möbelfabrik Becker war ein Riesenbrond ausgebrochen, der ein ganzes Wohnviertel bedrohte so daß etwa 20 bis 30 Häuser vorsichtshalber geräumt werden mußten. Auch die Reichswehr wurde zur Bekämpfung der wirklich für die Stadt ernsthaften Gefahr her- angezogen. So entstand die Frage, ob da? Reiterregiment die ver- langten 200 Mann an die Luftschifshalle abgeben könne, von deren Mithilfe der Start vollkommen abhängig � war. Endlich kam die Nachricht, daß man doch aus die Reichswehr rechnen könne, und nun wurde es Ernst mit dem Abschied von Stolp. Der Papst hat dem Luftsahrer Nobile ein geweihtes Kreuz mit einer Eisenspitze mitgegeben, damit es sich beim Mwurf'über dem Nordpol einbohre. Man scheut jedenfalls nicht mehr die mit dem Polbegriff verbundene Erinnerung an die Zeit Galileis, der bei Vermeidung der Ketzerverbrennung abschwören mußte, daß sich die Erde um sich selbst und um die Sonne dreht... Außerdem führt Nobile ein Dokument mit, das er auf dem ersten unerforschten Boden, den seine Expedition berühren wird, niederlegen soll. Es lautet: Sohn des italienischen Genius, belebt von �>er Kraft einer mehrtausendjährigen Zivilisation, gesegnet von Gott, beschützt vom Kreuz Christi, von der Trikolore und dem Ruten- b ü n d e l des römischen Liktors, bringt der Lenkballon„Italia" dem hohen Norden das vibrierende Echo des neuen italienischen Lebens, glühend, tatkräftig in seinem Ausstieg, der Völker und Religionen beherrscht.— Du, der dieses Echo in diesem Blatt vernehmen wird, wer du auch seist, bedenke, daß dieses Echo von Rom kommt. Die unsterbliche lateinische Mutter, die Gott seinem Sohn durch den Tod und die Auferstehung zeigte, bleibt erhaben denen, die chrem Gesetz gehorchen: bedenke, und blicke auf dich: wo immer du hinsiehst, wirst du das Licht von Rom leuchten sehen. Ganz abgesehen davon, daß weder Jesus noch feine Jünger, wohl aber Pontius Pilaws und seine Söldner Lateiner- warens sollte dieses Dokument wohl durch eine Schicht von— Rizinusöl konserviert werden, zumal es so wahr von dem vibrierenden Echo des neuen italienischen Lebens spricht, aus dem die Seufzer und das Todesröcheln der Märthyrer vibrieren. Um 2/4 Uhr wurden dieTore der Hall« geöffnet. Die Reichswehrmannschaften ergriffen die Halteseile, und nun begann das„Abwiegen", d. h. die Prüfung auf das statische Gleichgewicht des Luftschiffes. Das Heck war zu schwer, und so mutzte man sich entschließen, 300 Liter Benzin abzulassen sowie einen Trinkwasser- destillieropparat zu opfern, der Schncewasfer für den menschlichen Genuß zurecht machen sollte. Jetzt lag die„Italia" beim Kam- mando„Anlüsten" in der Wage, und 10 Minuten vor 3 Uhr zog man das Pvlluftschifs aus der Hall« heraus. die nach Westen geöffnet war, während hoch oben das Berlin- Danziaer Nachtflugzeug grüßend eine Sckle'fe flog, das sich scharf als Silhouette vor dem unte'-gchenden Mond abhob. (Fortsetzung auf der 2. Seite.) «roßer Waldbrand in Pommern. Bericht 2. Seite. Die Kinder klagen an. Kinderelend und Panzerkreuzer. Noch viel zu wenig bekannt ist das grenzenlose Kinder- elend in Deutschland, das jeden erschüttern muh, der es aus der Nähe gesehen. Der Bürgerblock kümmerte sich nicht darum, und wenn es galt, für hungernde Proletarierkinder etwas zu wn, er- klärte die Regierung stets, daß kein Geld da sei. Der Bürgerblock hatte andere Sorgen. Er mußte die erste Rate für den Bau eines nutzlosen Panzerkreuzers bewilligen, der insgesamt 80 Millionen Mark kosten wird. Er mußte für die Reichswehr 700 Millionen Mark in den Etat einsetzen und den Ruhr- industriellen 715 Millionen Mark in die Taschen schieben. Aber die von der Sozialdemokratie beantragten fünf Millionen Mark für Kinderspeisungen wurden abgelehnt. Das geschah, obwohl die Regierung und die Parteien des Bürgerblocks genau wußten, wie schlimm es um den Ernährungs- und Gesundheitszustand der Schulkinder steht. Selbst der deutsch- nationale Innenminister v. K e u d e l l mußte in seiner Denkschrijt, die er am 24. Januar 1928 dem Reichstag überreichte, feststellen, daß in einigen Bezirken, weil die Schulkinderspeisun» gen in vermindertem Maße als im Vorjahr durch- geführt wurden, ein Rückgang im Ernährungszustand der ltinder eingetreten sei. Aber darüber hinaus mußte vom Reichsgssundheitsamt eine grauenhafte Feststellung gemocht werden. An einem Stichtag wurde im Waldenburger Bergbaurevier ermittelt, daß 41 Proz. der Kinder ohne warmes Frühstück zur Schule gekommen waren und für 25 Proz. der Kinder nach Schulschluß zu Hause kein warmes Mittagessen bereit stand. In vielen anderen Bezirken ist es nicht besser. Auch in Berlin wurde bei einer früheren Untersuchung festgestellt, daß in einem Schulbezirk(Prenzlauer Berg) 7380 Sinder regelmäßig ohne erstes und 208 Kinder ohne zweites Frühstück zur Schule kommen. Dazu kommt noch, daß die Schulkinder unter dem entsetzlichen Wohnungsclend schwer zu leiden haben und dadurch in ihrer Ent- wicklung in hohem Maße ungünstig beeinträchtigt werden. Auch für die Linderung der Wohnungsnot hat der Bürgerblock kein Geld. Die wirtschaftliche Not der Eltern zwingt aber oftmals zur Kinderarbeit. Weit mehr, als in der Oeffentlichkeit bekannt ist, werden schul- Pflichtige Kinder zur Erwerbsarbeit herangezogen. In Mannheim wurde festgestellt, daß von 10 0 0 0 Schulkindern der bis 7. Klasse 3929 erwerbsfrei waren. 4132 im Haushalt beschäftigt, 1200 mit Austragen beschäftigt, 199 in der Landwirtschaft beschäftigt, 274 in der H a u s i n d u st r i e beschäftigt, 109 in der Wirtschast beschäftigt, 46 im Theaterberuf beschäftigt, 28 im M u s I k b e r u s beschäftigt, 67 haben diverse Berufe. Zu berücksichtigen ist noch, daß wahrscheinlich nicht alle erwerbs- tätigen Kinder festgestellt werden konnten, weil viele Eltern ihren Kindern verboten haben, anzugeben, daß sie arbeiten müssen. Am schlimmsten ist das Kinderelend natürlich in den Bezirken der Heimarbeiter. Ich war rm Dezember 1927 selbst bei den Heimarbeitern der Thürin- ger Spielwarenindustrie. Dort werden in den Spielwarendörfern 60 Proz. und mehr der Schulkinder in der Spiel- w a r e n i n d u st r i e beschäftigt. Ich sah die Kinder mit ihren bleichen Wapgen selbst bei der Arbeit. Bei nächtlichen Besuchen in Heimarbeiterwohnungen konnte ich zuweilen feststellen, daß Schul- kinder mit ihrer halbfertigen Arbeit in der Hand über dein Arbeits- tisch eingeschlafen waren. Der Ernährungs- und Gesundheits- zustand dieser Kinder ist denkbar schlecht. In einem Dors tonnte ich Mesenwaldbrand bei Neustettin. 25 Quadratkilometer Wald vernichtet. Im Sreise Iteustekkla brach tu der Tcuselheide in der Mhe des früheren Irnppenübungspiahes Grotz. Bern ein Waldbrand aus. Er griff infolge des Sturmes schnell um sich und sprang aus das Gelände der Oberförflerei Areierswald über, wo er Befkäude in einer Breite von vier und in einer Tiefe von sieben Kilometern(das ist annähernd die Größe des Berliner Grunewalds) vernlchlele. 3m Forflbezirt Met- nih sind den Flammen 3000 Raummeter geschlagenes holz zum Opfer gefallen. Bon hier aus hat sich der Brand dann auf die Waldungen des Militärfiskus im Deutsch-Sroner Kreis ausgedehnt. Erst nach langer Arbeit, au der sich über tau- send Blenschen aus lS Orlschaslen beteiligten, tonnte der Brand eingedämmt werden._ Sechs Kinder vom Hagel getötet. Schwerer Hagelsturm in Klauienburg. Bukarest. 3. Mai. Ein schwerer Hagelsturm ging gestern über der Stadt Klausen- bürg(rumänisch Clus) nieder. Die Bevölkerung, die den e r st e n Mai in der Umgebung der Stadt feierte, wurde im Freien überrascht. Sechs Kinder wurden von Hagelstücken, die die Größe von Hühnereiern hatten, erschlagen. Zahlreiche Personen erlitten zum Teil schwere Verletzungen. Diele Fensterscheiben gingen in Trümmer: die Auslagen der Kaufläden wurden beschädigt. Ltnsallgesahr in Verlin. Im Jahr anderthalbtausend Opfer. Eine im Preußischen Statistischen Landesamt zusammengestellte Uebersicht über die in Berlin vorgekommenen tödlichen Un» fälle ergibt für die Jahre 1924. 1925, 1926: 1301, 1471, 1462 Todes- opser. An diesen Gesamtzahlen sind beteiligt 834, 988, 969 männ- liche Personen und 467, 483, 493 weibliche Personen. Unter den Todesursachen ist Tod durch Ueberfahren im Jahre 1926 an die erste Stelle gerückt. In den genannten drei Jahren wurden durch Ueberfahren getötet 338, 393, 436 Per- sonen, nämlich 232, 303, 349 männliche und 86, 92. 107 weibliche. Daß hier der Anteil der M ä n n e r so außerordentlich stark ist(rund drei Viertel dieser Gruppe), erklärt sich aus ihrer Berufstätigkeit uni ihrem stärkeren Antell am Straßenverkehr. An zweiter Stelle stani in 1926 Tod durch Sturz, während diese Todesursache in de» vorhergehenden Jahren an erster Stelle gestanden hatte. Durck Sturz starben 412, 436. 440 Personen, nämlich 218, 259, 227 männ. liche und 194. 197. 213 weibliche. Ueberfahren und Stur, sind jetzt an den durch Unfall herbeigeführten Todesfällen mit zu. sammen rund 60 P r o z. beteiligt. Darin kommt die besonder, Unfallgefahr der Großstadt zum Ausdruck. Die übrigen 40 Proz. verteilen sich auf noch 14 andere Gruppe» von Todesarten. Unter ihnen sind aus den drei Jahren besonder! zu nennen: Ersticken mit 178, 190, 183 Todesopfern(88, 108, 91 männlich. 90, 82, 94 weiblich), Ertrinken mit 113, 140, 117 Todes- opfern(94. 121, 109 männlich, nur 21. 19, 8 weiblich). Vev brennen oder Verbrühen mit 56, 84, 63 Todesopfern(22, 29, 31 männlich, aber 34. 33, 28 weiblich). Vergiftung mit 38. 52. 58 Todes. opfern(21. 34. 33 männlich. 17. 18. 23 weiblich), Schuß oder Ex. plosion mit 48. 33. 19 Todesopfern(44. 29. 18 männlich, nur 4. 4. 1 weiblich). Aus der Reihe der minder häufigen Todesarten seier hier nur noch erwähnt in 1924, 1923, 1926: Tod nach Verletzung durch Maschinen 8. 8, 13 Fälle, durch elektrischen Strom 6, 9, 0 durch Blitzschlag 1, 1, 0, im Luftverkehr 0, 7. 3 Fälle. Die gefährliche Strombremse. Die Fahrer der Straßenbahn zur Derkehröunsicherheit. Wir erhalten folgende Entschließung der Fahrer und Schaffner der Straßenbahn: Die heute in Boekers Festsälen tagende Vollversammlung der Fahrer und Schaftner nimmt zu dem Betriebsunsall auf Linie 58 E am 15. April d. I. Stellung und stellt fest, daß die Strom- bremse erneut schwere Opfer gefordert Haft. Unser letzter Protest gegen die absolut unzuverlässige Strombrems« hatte keinen Erfolg, obwohl der Direktion die UnzuverlMgkeit der Bremse bekannt ist. Die Versammlung verlangt jetzt von der Direktion, daß sobald wie möglich ohne Rücksicht aus die entstehen» den K o st e n eine betriebssichere Bremse eingeführt wird. Presse und Publikum unterstützen uns im Kampfe gegen die Strom» bremse, welche die Direktion aus kapitalistischen Gründen nicht ab» schaften will! auf Grund der letzten Schuluntersuchungen ermitteln, daß der Se» sundheits- und Ernährungszustand nur bei 22 Proz. gut war, bei 38 Proz. mittel und bei 40 Proz. schlecht! Einen besonders schlim- men Fall stellte ich in Sonneberg fest. Eine Heimarbeiterfamilie, die täglich 14 Stunden arbeitet, beschäftigt ihre drei Schulkinder mit und verdient pro Woche 20 Mark. Die drei Kinder im Aller von 10 bi» 14 Jahren müssen täglich nach der Schule von 17 bis 23 Ahr mitarbeiten. Oft arbeiten die Kinder auch noch in der zwei- stündigen Mittagspause. Dieser Fall des unerhörten Raubbaus an der Gesundheit der Kinder steht aber keineswegs vereinzell da. Die Kinder einer Bremer Versuchsschule haben mit Heim- arbeiterkindern aus Thüringen einen Briefwechsel geführt und die kindlichen Berichte, die arglos schlichte Tatsachen erzählen, sind geradezu erschütternd. A»ts Kindcrbriefen. Ein paar Stellen aus diesen Kinderbriesen mögen hier Platz finden. Ein kleiner Spielwarenarbesterjunge aus Koburg schreibt: „Bei dieser Jndustriearbeit muß nun alles, was zur Famstie gehört, mithelfen, damst ein paar Pfennige verdient werden. Da hilft die Großmutter und der Großvater, die Mutter und der Vater und alle Kinder." ' Der kleine Karl ergänzt diesen Bericht:„Wir find in unserer Klasse 27 Mann, darunter 21 in der Industrie tätig!" Ein kleiner Glasarbeiterjunge, der beim Anfertigen von Christ- baumschmuck hilft, schildert den Hergang der Arbeit und schreibt dann: „Run werden die Glaskugeln in Kartons gelegt, die Lieferung ist fix und fertig und wird fortgeschafft. Soll am Sonnabend geliefert werden, so muh am Freitag bis spät in die Nacht hinein gearbeitet werden. Da fallen uns Sindern manchmal die Augen zu. denn groß und klein muß mithelftm, um die Ware fertig zu machen."' Zu dieser Ueberanstrengung der Kinder muß man sich dann die unzulängliche Ernährungsweise der Heimarbeiter vor- stellen. Es gibt einen alten Heimarbeiterspruch, der singt: Kartoffeln in der Früh, Des Mittags in der'Brüh, Des Abends mit dem Kleid, Kartoffeln bis in Ewigkeit! Und dieser Spruch übertreibt nicht. Die Heimarbeiterkinder sind auch zum größten Teil unterernährt, und Skrofulöse. Rachitis und Tuberkulose finden dort einen guten Boden. Was hat der Bürgerblock gegen dieses Kinderelend getan? Er hat die von der Sozialdemokratie beantragten 3 Millionen Mark für Kinderspeisung abgelehnt und dafür Riesenbeträge für Panzer- kreuzer verpulvert! Es ist aber festgestellt, daß im Gesaintdurch- schnitt des Reiches 23 bis 30 Proz. aller Schulkinder unterernährt sind! Am 20. Mai wird das deutsche Proletariat Gericht hallen über die unerhörte Brutalität des Bürgerblocks, der für den Rüstungs- Wahnsinn die Steuergroschen des Volkes vergeudet, der die Lebens- millelpreise durch seine unerhörte Zollpolstik zum Nutzen der Agrarier in die Höhe treibt und sich um das Elend und die Not der Proletarierkinder nicht kümmert. Es geht am 20. Mai nicht nur um die großen Fragen der Innen- und Außenpolitik, es geht zugleich um euer eigenes Schicksal ttttd es geht vor allem um das Schicksal eurer Kinder! Darum jede Stimme am 20. Mai für die sozialdemokratische Liste! „.........•• Folix Fochcnbach.- Die Lehre von Treptow. Moskau ist enttäuscht. Den Drahtziehern in der KPD. ist offenbar nicht recht wohl angesichts der überwältiZenden Kundgebung in Treptow, die alle provokatorischen Störungsversuche der Kom- munistett nicht zu beeinträchtigen oermochten. Das Organ der Kommunisten sucht deshalb in einem reichlich gewun- denen Leitartikel„Die Lehren des 1. Mai" aus dieser Kund- gebung zu ziehen. Es gesteht selbst, daß die Kundgebung nicht kom- m u n i st i s ch war. Es versucht also den Nachweis zu er- bringen, daß sie im Grunde auch nicht sozialdemokratisch war. So heißt es u. a.: „Die Demonstration war ein brüderlicher Auf- marsch der kommunistischen, der sozialdemokratischen und der parteilosen Arbeiter. Es herrschte zwischen den Arbeitern aller Parteirichtungen ein herzlicher Ton. der während der ganzen Kundgebung kaum getrübt wurde." Diesen-„herzlichen Ton" illustriert das Kommunistenblatt selbst, indem es mit Vergnügen einen Vers der von der KPD. nach Treptow dirigierten Schreikorps zitiert, in dem die Sozialdemokratie des„Verrates" bezichtigt wird. Und weil die sozialdemokratischen Arbeiter darauf nicht reagierten oder höchstens ein verächtliches Achselzucken für die Schrei- Hälse übrig hatten, nennt man das die wahre Brüderlichkeit! Die Frage ist. welchen Eindruck die kommunistischen Anpreisungen auf die Massen der Demonstranten mochten. Die„Rote Fahne' muß selbst eingestehen, daß die Masse der Demonstranten nichtzu haben! st für die kom- munistischen Losungen, die sie die„entscheidenden Losungen" nennt. Sie muß selbst zugeben, diese Masse „ist gegen den Bürgerblock— aber noch nicht gegen die Koalitionspolstik schlechthin." Und weiter:„Es gibt keine Mauer mehr zwischen der Kommunistischen Partei und den sozialdemokratischen Arbeitern." Nein, es gibt keine Mauer, aber einen luftleeren Raum, m dem die Anpöbelungen der nach Treptow diri- gierten Schreikorps ungehört verhallen. Diese Schreikorps waren em Fremdkörper und benahmen sich auch ent- sprechend. An der großen Masse der sozialdemokratisch denkenden Arbeiter prallte der Versuch wirkungslos ab. irgendwie an sie„heranzukommen." „Oer alle und der neue Skaal." lieber dieses Thema spricht der Berliner Polizeipräsident Genosse Karl Zörgiebel auf einer Veranstaltung des Reichsbanners am Sonnabend, dem 3. Mai. im Eden palast in Charlottenberg, Kaiser-Friedrich-Strqße 24. Dem scqiakbent akratischen Reichstagsabgeordneten Kurt Rosen- fekd erklärte der österreichische Iuftizminister, Bela Khun werbe nicht ausgeliefert, da das ungarische Strafgesetz die Todesstrafe kenne, die in Oesternich abgeschafft sei, Der Flug zum Nordpol. (Fortsetzung von der 1. Seite.) Di« Mowren surrten einige Minuten Probe. Dann nahm General Nobile von seiner Gattin Abschied. Im Osten dämmert« der junge Tag berells, als die„Jtalia", mit der Spitze gegen den leichten qus Südosten kommende» Bodenwind eingestellt, angelüftet wurde. Im letzten Moment stürmt« eine Botin über das Feld mll der soeben eingegangenen Wettermeldung. Die Hamburger See- warte drahtete, daß über Nord schweben schwere Weller herrschlen und empfahl daher vorläufig südöstlichen Kurs. Ruhig und sicher unter starkem Austrieb erhob sich da» eusl- schiss, das sich prachtvoll von dein Morgenhimmel abhob. Unter den Hoch- und Eovivarufen der Zurückbleibenden nahm das Luftschiff Kurs auf die nur 20 Kilometer entfernte Küste und war nach kaum 13 Minuten am Horizont verschwunden. Das G r o ß f« u« r in der Stolpe? Möbelfabrik konnte erst morgens gegen 7 Uhr von der Feuerwehr dank der Unterstützung zahlreicher Freiwilliger aus den angrenzenden bedrohten Straßen abgelöscht werden. Der Sachschaden ist sehr bedeutend, aber durch Versicherung gedeckt. Menschenleben sind dem Brande glücklicher- weise nicht zum Opfer gefallen. Nach den bisher vorliegenden Funkmeldungen hat die„Italic" in den ersten Stunden ihrer Reis« nach Spitzbergen sehr gute Fahrt gemacht. Um 6,12 Uhr lief in Stolp ein Funkspruch «in, in dem General Nobile nochmals für die freundliche Unter- stützung und Hilf« dankt«, die er hier in Deutschland gefunden hat. Dabei wurde angegeben, daß die„Jtalia" um 6,12 Uhr morgens sich 220 Kilometer nordöstlich von Stolp befindet. Die „Jtalia" hat, entsprechend der Warnung der Hamburger Seewarte. nicht direkt nördlichen Kurs über Skandinavien zu nehmen, zunächst Kurs auf Windau genommen: sie hat bei Abgabe der Meldung in 2.3� Stunden 220 Kilometer zurückgelegt, also eine Fahrgeschwiiüng. keit von 78 Kilometer einHallen können. Stockholm. 3. Mai. Um 9.30 Uhr ftt die„Jtalia" zwei Diflanzminulen östlich vom Leuchtturm haefringe gesichtet worden. Um 9„33 Uhr wurde sie südwestlich vom Leuchtturm Landsort beobachtet. Das�Luftschiff schien gerade nach Stockholm zu steuern. Zlvdi Militärflug- zeuge der Militärfliegerschule in Malmelaett sind aufgestiegen, um das Lustschiff zu begrüßen und es nach Stockholm zu begleiten. „Zialio'-Gtori im Rundfunk. Die Berliner Rundfunkteilnehmer hörten in den ersten Stun- den des heutigen Tages den Ansager vom Flugfeld und der Lusftchiffhalle Stolp in Pommerir, weim sie nicht etwa noch arbei- ten mußten und nicht vorzogen, zu schlafen oder gar— zu sumpfen. Der Mann war unstreitig sie iß ig, wanderte mit seinem Mikrophon von Ort zu Ort, um möglichst alles zu beschreiben. Leicht hatte er es nicht, denn die Sache zog sich ganz gehörig hin: als man um 941 Uhr das Radio anstellte, war die Uebertragung schon im Gange und erst gegen �4 Uhr war das Lufftchiff„Jtalia" in der schon sonnenhellen Morgenluft von Stolp in Richtung Ostsee— Schweden davongeflogen, und es ertönte die gewohnte Aufforderung, die An- tenne zu erden. Di« Ueberttazung war ärgerlicherweife von einem ständigen metallischen Dröhnen begleitet, oft genug davon beinahe übertönt: vermutlich Derstärkergeräusch, denn bei Ferngesprächen, die ebenso wie die Uebertragung von Stolp auf dem Draht geführt «erden, hört man diesen Lärm schon längst nicht mebr. Schließlich war es so weit. Das Kommando fiel:.Luftschiff ftei, Taue loslassen!" Gleich darauf hörte man eine Domensttmme, die sich schon öfter hatte oernehmen lassen, fragen:„Hallo, ist da Berlin?— Ja! — Also 3.23 Uhr abgeflogen, bitte geben Sie es dem... weiter." Genannt wurde dabei eine haupfttäbttsche Zeitung, die aber natür- lich um diese Zeit mit der Kunde auch nichts mehr anfangen konnte. Slls man nun die Antenne erdete, war der van Swlp schon längst angesagte Morgen auch schon westwärts nach Berlin vor- gerückt. Aotstandsarbeiier unter Granatfeuer. Unbegreifliches Vorkommnis bei Artilleneübnngen. Wilhelmshaven. 3. Mai.(Eigenbericht.) Ein sehr ernstes Vorkommnis ereignet« sich am Mittwoch brt Wilhelmshaven. Dort übt« die Reichswehr mit Artil- leriegeschützen von der Groden- Batterie. Die Granaten gingen dabei dicht über Gruppen von Notstands» arb eitern hinweg, die mit beim Deichbau beschäftigt waren. Die Arbeiter wurden durch die Grüna ten bedroht. Schließlich Der Prozeß von Colmar. Der Auionomisl Dr. Ricthn, früher deutscher Reichstagsabgeordneter und Präsident des elsaß- lothringischen Landtags, als„Hochverräter" vor dem französischen Gericht in Colmar. platzte sogar ein« d«r Granaten über den Köpfen der Arbeiter. Dabei wurde ein Arbeiter am Arm verletzt. Wie der Vorfall bei der sorgfältigen Abgrenzung des Geländes möglich war, ist zunächst unbegreiflich. Schnelle Untersuchung und Aufklärung ist notwendig. Verschärfung im(Streik der Meinschiffer Auch die Zibeinhäfen stillgelegt. Duisburg. 3. Mai. Die Lage in der Bheinschifsahrt nimmt immer ernstere Formen an. Es ist nunmehr mit der Stillegung des Hasenbetriebs zu rechnen, da die haseaarbelter beschlossen, in einen Solidari- »ätsstrelk zu treten und keine deutschen Schisse mehr zu laden und zu löschen. Auf den in die Kammer gewählten Bürgermeister von Cannes, Capron. gab ein« Frau drei Schüsse ab. Es handett sich wohl um eine Tat persönlicher Rache. Okkultismus vor dem Richter. Oer Hellseherprozeß von Insterburg. Der Zllsterburger Hellseherprozeß zieht sich ill dl« tSage. wie sollten auch S0 Fälle in drei Tagen ausgiebig durch. sprachen, S5 Zeugen vernommen werden können. Zeder Fall für sich bedeutet natürlich eine kleine Sensation. Da Landgerichtsdirektor Hellwig dem Prozeß fernbleiben muß, ist Prof. Dr. Nippe, der trotz des Zlblehnungsantrogs der Per- teidigunz als Sachverständiger fein Gutachten abgeben wird, der einzige wissenschaftlich« Gegner des Okkultismus im Gerichtssaal. Bielleicht fühlte er die Schwäch« seiner Position, als er die Hinzu» Ziehung weiterer Sachverständigen beantragte. Auch die Unterbrin- gung der Frau Günther-Geffers in einer Anstalt zur Fest- stellung, ob ihre Trancezustände echt sind oder nicht, befürwortete er. Allerdings ohne Erfolg. Glaubt man aber den Zeugen, so waren die Trancezuslände echt. Daran zweifelten selbst die Land- jäger nicht, die sich der Kriminoltelepothie eifrig bedienten. Da war z. B. bei einem Bauer ein Pferd gestohlen worden. Man rief die Angeklagte herbei. Nachdem sie mit den Anwesenden durch Hände- reichen eine Kette gebildet hatte, macht« sie aus Befragen des Be» stohienen bestimmte Angaben sowohl über den Dieb als über den Ort, wo sich dos gestohlene Pserd befinden müsse. Den Höhepunkt der gestrigen Verhandlung bildete aber der bereits im ersten Urteil erwähnte Fall von dem verschwundenen Gespannführer des Ritter- Poiacare ia der Karikatur. gutsbesitzers MIgge. All« Nachforschungen der Polizeibehörden waren erfolglos. Da wandte sich Migge an Frau Günther-Geffers. Sie hatte mit niemand vorher über den Fall gesprochen. Nachdem sie an die Stelle geführt worden war, von der aus der Derschwun- dene das Gut verlassen haben mußte, fiel sie in«inen Trancezu- st o n d. Mit ein«r Geschwindigkeit, daß man ihr kaum folgen konnte, lief sie darauf vier Kilometer bis zu einer K i« ß g r u b e, wo sie erklärte, der Mann sei hier von einem Auto überfahren worden. Später habe man ihn in den See geworfen. Erliegedarin mitdem Kopfnachunten und habe noch einen Hut auf. Der See war aber bereits vergeblich abgesucht worden. 4 INoNate später fand mau den Wann im See mit dem Filzhul auf dem Kopf. Rittergutsbesitzer Migge hat sich auch ein.zweites Mal der hell- scherischen Fähigkeiten der Frau Günther-Geffers bedient: zur Auf- klärung von Gelddieb st ählen. Di« Angeklagte war damals direkt zum Wäscheschrank gegangen, in dem der Zeuge gewöhnlich seine Geldtasche aufbewahrte und bezeichnete die Rendantin als Diebin. Was das Hellsehen oder war es Gedankenlesen? Der Vorsitzende oersucht diese wichtige Frage zu klären— allerdings mit geringem Erfolg. Der Zeuge kann ein« richtige Auskunft darüber nicht geben. Dem Gedenken des„Krühvollendeien". Anläßlich des ll>. Todestages Otto Brauns hatte sich om Montag abend im großen Saal des.Dereinshansee Deutscher Ingenieure die Schar derer versammelt, die Liebe und Verehrung dazu trieb, dem Andenken eines Unvergeßlichen eine weihevoll« Stund« zu bereiten. Wenn man nach den Veranstaltern dieser Feier, die durch ihr« ergreifende Schlichtheit von tiefster Wirkung war, ge- fragt wird, so muß man die Antwort schuldig bseiben. ,Mr sind keine Organisation, sondern eine Idee," sagte der junge Führer des Kreises, der sich hinter dem Namen.A o l k s w a h r u n a"»er- borgen hielt. Die Feier enthüllte aber dos geistig« Gesicht dieser ollem Idealen hingegebenen Menschen, die durch die Kraft ihres Seelenadels der Persönlichkeit des Frühvollendeten und zu früh Dahingegangenen— Otto Braun fiel als noch nicht Elnund- zwanzigjähriger am 29. April 1918 an der Westfront— gerecht wurden. Nach einem von Wolfgang Eberhard Möller ge- sprochenen Dorspruch und einem vom Frauenchor der �Heil- Land-Bewegung" herrlich gesungenen Hymnus zeichneten der greise WilliSchluter und der junge Dr. Ernst E w a l t mit packen- den Worten die Gestalt Otto Brauns. Vorträge von vertonten Ge- dichten Otto Brauns und Vorlesungen aus den.Nachgelassenen Schriften eine« Frühvollendet en" gaben der eindrucksvollen Feier den Abschluß. Ergriffen schritten die Teilnehmer an dem Bildnis vorüber, das Otto Braun als Zwölfjährigen zeigt. Dunkles, lockiges Haar umrahmt ein nachdenkliches Gesicht, aus dem die Augen sinnend in die Welt blicken. Unter dem Bilde glühte ein Strauß roter Rosen..._ Konzerte der Schuhpolizei finden statt am 2. Mai. nachmittags von 2 bis 4 Uhr, im Hedwigskronkenhau» und von ß bis 7 Uhr auf dem Spielplatz in der Schönhauser Alle«: om 4. Mai, nachmittags von 2 bis 4 Uhr. im Krankenhaus Westend und von ä bis 7 Uhr vor dem Rathaus In Span- dau: am Sonntag, dem 6. Mai, mittags von 12 bis 1 Uhr, im Lustgarten und zur gleichen Zeit in Zehlendorf» Ecke Horst» und Soen-Hed in. Straße. Oas„Oreimäderlhaus"beiEharell Eine dreifache Leichenschändung. Erstens, Franz Schubert Vorwand einer kitschig-vcr- logenen Operettenhandlung, die, frei nach einem Roman von Bartsch, um seine Person gefingert ist. zweitens, zur Untermolung dieser Handlung ein elendes Gesudel von Musik, aus seinen, Schu- berts, Werken skrupellos zufammengehamstcrt—: kein weiteres Wort über die alte Schande dieses„Singspiels" und feine schlimme Berühmtheit. Aber nun wird, drittens, der unglückliche Held des „Drcimäderlhaufes i la Charell als große Atratlion fri- fiert, die Sache wird reouemäßig aufgeputzt, Einlagen, ein bißchen Variete, abgeleiert« Bendow-Wbernheiten, Spitzcnballett. tanzende Girls, das Orchester macht Radau wie«ine Zirkuskapelle. die Solo- tänzerin, hergerichtet wie ein Bild aus dem„Junggesellen" macht Bewegungen, als säße man bei James Mein, alles nach Musik von Schubert, ein Operettentenor mit angeschminkter Allerweltshübsch- heit als Schubert-Liedersängsr, zwischendurch verübt T r u d e Hesterberg eindeutiges Berliner Kabarett, und jedes dritte Wort Schubert, und Schubert jeder falsche Ton— und kein Darsteller hat protestiert, dem Regisseur und dem Kapellmeister ist während der Proben nicht übel geworden vor diesem Nonplusultra von Geschmacksverkommenheit und stupider Kunstbarbarei. Selbstverständlich, daß dos bißchen intim« Stimmung, das viel» leicht aus dem Stoff zu holen ist, von der Riesenbühne des Großen Schauspielhauses rettungslos verschlungen wird. Man versucht, in der tödlichen Langeweile des verlorenen Abends freundliche Momente zu entdecken, man hält sich an schöne Bühnen- bllder. die Ernst Stern, der Ausstottungstünstler, zu der schleäpen Sache beigesteuert hat, man bemerkt unter den Trägern der kleineren Rollen ein par junge Talente, wie die anmutige Grete Walter und den angenehm singenden Moriz Harlan— aber es ist, zu allem andern, herzlich schwaches Theater, da« gemacht wird. Nur Paul Morgan, besten feine Kunst viel zu schade ist, in solcher Umgebung, erinnert uns daran, daß es Schauspieler gibt in Berlin. Und Erika v. Thellmann hat immerhin ihr« Note. Der Rest: Somrtagnachmitiag in der Provinz. Charell macht Sommer; man merkt es auch an der Aufmachung. Nur in diesem Milieu ist dieser Schubert möglich: in der Gesangspartie, für die in Wien Alfred Piccaver bemüht wird(auch in Wien soll das unreine Machwerk herausgebrocht werden), ein Nicht-Sänger, dessen Tenorbemühung peinlich ist, für die unviene- rische Figur ein Darsteller, unösterreichifch, wie in ganz Berlin kein zweiter aufzutreiben wäre— wer ist, wie nennt sich der Bc- gnadete? Monstreplakate verkünden seinen Namen: Alfred Braun. Also nicht, wie vielleicht mancher erwartete, Cornelis Bronsgeest: denn es ist klar, einer unserer Rundfuntlicblinge mußte es werden. Dos Große Schauspielhaus weiß, was es seinen Ge- schäftsfreunden schuldig ist; und die wissen aus dem hohen Amt, das Staat und Reich ihnen anvertraut haben, etwas zu machen Just für das„Dreimäderlhaus" haben sie«in« Schwäche: erst vor einem Jahr haben sie es ihrer treuen Gemeinde als Osterbotschaft gesandt. Es war der Clou der Rundfunksaison. „Wien feiert in diesem Jahr Franz Schuberts 100. Todestag, und mit Wien feiert ihn die ganze Well," schreibt der Anonymus des Programmhefts(in einem von gräßlichem Unsinn strotzenden Artikel).„Es rvifd ein gesegnetes Schubert-Jahr fein." In der Tat, man hat die Dreistigkeit, das gesegnete Schubert-Geschäft als Iubiläumshuldigung zu drapieren— während es die Konjunktur des Jubiläums ist, die man ausschlachtet. Totenfeier, man ist schamlos genug, das Wort in den Mund zu nehmen. Schubert- Feier— Schubert dem Volk— Auf ins„Dreimäderlhaus"! Gewiß, das„Bolk" wird hingehen, das Bolk der systematisch verdummten Radiohörer: täglich, von Mai bis August. Eine Million zahlender Besucher— gesegnetes Schubert-Iahr! Dafür wird die Berliner Funkstund« sorgen mit ihrem konkurrenzlosen Propagandaapparat: wir haben nicht die Lunge, ihn zu überschreien. XIsuz Pringshcirn. Kriminalreißer. „Oer Prozeß Mary Ougan." Viel tiefer kann es nicht mehr gehen. Die Künstler des Deutschen Theaters, die als Sommergäste in das Berliner Theater ein- ziehen, sind stolz darauf,«inen geradezu klassischen Schund zu spie- len. Es ist möglich, daß„Der Prozeß Mary Dugan" in New Jork seit Methusalems Zeiten auf der Bühne geführt wird. Aber was geht uns zivllisterts Zentroleuropäer diese Nigger-, Chinesen- und Indianerbühne an! Das ganze Reservoir der scheußlichsten Kolpor- tage wird ausgemistet. Dabei.ist dieser Prozeß höchst langweilig, obwohl er sehr spannend sein'soll. Man weiß von vornherein, daß der Verteidiger, der des Mordes verdächtigen Mary Dugan selbst der Mörder ist. Diese Kriminalgeschichte ist nämlich schembar furcht- bar spitzfindig eingefädelt. In Wirklichkeft reicht es bei dem Per- fasser Bayard Veiller nur zu einigen Säuglingskniffen, zu deren Cirtlorvung auch«ine bescheidene Einbildungskraft genügt. Wozu das alles? Es ist weder amüsant, noch nervenzerreibend. es ist nur langweilig und spekuliert auf auf die Dummen, obwohl der Protettor des Ganzen, Herr Max Reinhardt, in der schönsten Log« thront. Allerdings tritt Frau Ilka Grüning in der Rolle einer geschwätzigen Pariser Kammerfrau auf. Und sie ist so lustig, dabei künstlerisch so talentiert, daß man sehr bedauert, sie nur zehn Minuten lang genießen zu dürfen. Sonst sind die besten Leute vereint, um die drei Gerichtsatte abzuhandeln: Fräulein Mann- heim, Herr v. W i n t e r st e i n, Herr H o m o l k a. 5?«rr Paul Otto, Herr Braus« weiter usw. Alles ist ausgesucht auf das feinst«, und man spielt den Schund, den Herr Hilpert mit Witz. Kino- einfällen und dem famosen Zwischenaktsclown Herbert Paul- müller inszeniert, als wenn«in„Mirakel" zu fstieren wäre. Es scheint noch allem, daß der deutsche Export nach Amerika wertvoller sst als der Import aus den Bereinigten Staaten für das Deutsche Theater. M. H. Die Not der bildenden Künstler. Sine Rede des preußischen Kultusministers. Bei der Eröffnung der Ausstellung„Deutsche Kunst Düsseldorf 1928" führte der Kultusminister Dr. Becker in einer Rede u. a. folgendes aus:„Keinem Beobachter der zeitgenöfsi- schen Kunst kann verborgen bleiben, in welch gegensätzlicher Lage sich die so eng verschwssterten Künste befinden. Hier tut sich«ine Problematik auf. die an jene Dinge rührt, die in engstem Zusam- menhcmg mit der Not unter den bildenden Künstlern unserer Tag« stehen, denn mahnend und beängstigend steht vor unseren Augen die Arbeits- und Auftragsloflgkeit vieler schaffender Künstler— nicht aller, denn während die architektonische, romnschaffende oder raumzestallende Tätigkeit Ihre Schöpfer ev- nährt, müssen Maler und Bildhauer so gut wie feiern. Wäh- rend die Nachkriegszelt durch die Wohnungsnot einen Aufschwung der architektonischen Produktion ermöglicht� spüren Maler und Bildhauer nichts von frischen Impulsen aus den Bedürfnissen des Tages. Liegt die Schuld in den äußeren Lsbensoerhältnifsen? Die Dinge liegen tiefer. Während in der Vergangenheit die Kunst von größeren oder kleineren Lebensinhalten getragen war und dazu diente, den Bildhunger dos Volkes zu befriedigen, enthalten die jetzt in reicher Fülle angebotenen Werte d«r Künstler nicht«, was mit den Mühen des Alltags oder den Feststunden der jetzigen Menschheit sichtbaren Zusammenhang hat. Es ist eine Entfrem- dung zwischen Kunst und Leben eingetreten. Ich will nicht Wege zur Lösung dieses offensichtlichen Mißverhältnisses weisen, sondern mich damit begnügen, Feststellungen zu treffen, in- dem ich glaube, daß der Hinweis auf diesen Antagonismus zwischen Kunst und Leben in der gcgernnärtigen Stunde schon geeignet sein könnte, das Bsmußtscin zu schärfen und das Gewissen aller derer wachzurufen, donen die Erhaltung der formschöpfenden Kräfte der Nation am Herzen liegt. Wenn ich auch wünsche, daß sich viel« Käufer der auf Ausstellungen gezeigten Werke finden möchten, so glaube ich doch, daß die notwendige enger« Verbindung zwischen Kunst und Leben nur dadurch gewonnen werden kann, daß den Künstlern Aufträg« zuteil werden, die unmittelbar mit dem Dasein, den Sorgen und Hoffnungen der Gegenwart verknüpft sind, wie dies bei den raumschaffen- den Künsten der Fall ist." Oer Wolkenreiier. primus-palast. Die Verleihsirmen, die einen Fliegerfilm auf Lager haben, wit- tern jetzt, nach dem geglückten Amerikaslug, gute Geschäftslust. Darum wurde auch ein Kampf mit Luftpiraten vorgeführt, der Ame- rika als Ursprungsland hat. Es ist die übliche Detektiogcschichie, die in die Lust verlegt worden ist. Trotzdem gibt es auf der Erde auch noch handfeste Keilereien, bei denen natürlich immer die Personen Sieger bleiben, die im Recht sind. Daß zum Schluß er und sie zum Hochzeitsflug um die Welt starten, versteht sich von selbst. Der Regisseur L. V. I« s f« r j o h n hat nicht den geringsten Willen zur künstlerischen Gestaltung, für ihn gilt nur die Sensation dank artistischer Leistung. Bei ihr liebt er, soweit es möglich ist, die Echcheit, und Mitglieder der amerikanischen Berufsfliegerver- einigung führten manches Bravourstückchen aus, während von der Militärflicgerschule New Vork ein ob seiner Exaktheit verblüffender Geschwaderflug gezeigt wird. Solche Geschwaderfliige freilich, genau wie die Bombenabwürfe nach Zielstädten und Zielschiffen sind für uns nicht mehr neu, weil bei den Manövern der amerikanischen Luft- streitkräfte die Kameraleute immer fleißig« Arbeit für die Wochen- schauen leisten. Mithin war der Eindruck des Films, selbst bei den Sensationshungrigen, ein recht motter, zumal irgendwelche schau- spielerischen Leistungen überhaupt nicht in Frag« kommen. x. Vier Zox-Grotesken. Llfa-palast am Zoo. .Paulchen als Wunderdotto r",„Das Känguruh als Punktroller",„Bubi als künstlicher Mensch" und„Lausbuben und Schützengraben" sind die Titel von vier Foxgrotesken, die man unverständlicher und auf jeden Fall auch unberechtigterweise die besten des Jahres nennt. Die sind ur- «cht amerikanisch grotesk, aber die uneuropäischen Einfälle, z. B. die etagenweise vor sich gehenden Stürze von den Wolkenkratzern, ine Flucht vor Löwen, Bären usw., sind nicht nur allgemein be- kannt, sie find bereits übergesehen. Nur ein einziger derartiger Schmarren wird im Beiprogramm schon als unwillkommene Zu- gäbe betrachtet. Trotzdem erhebt man unbekümmert dies« vier Foxgrotesken zum Abendprogramm. Das ist(zumal das UT. Kurfürstendamm erst«in« ganze Woche lang Foxgrotesken spielte) ent- schieden ein Mißgriff, denn von einer so bedenklichen Naivität und amerikanischen Anspruchslosigkeit, um andauernd Fox ertragen zu können, ist das deutsche Filmpublikum nun doch noch nicht. Bei der Premiere fand der als Beiprogramm laufend« Kultur- film„G r a n o d a und die„A l h a m b r a" den größten An- klang. Auf der Bühne hatten Weintraubs Syncopa- tors, Musiker von Können, Exaktheit, Intelligenz und modisch drolligen Einfällen einen Riesenerfolg.— g. Ibsen und Skrladberg in Rußland verboten. Wie die russische Presse mitteilt, sst die Zensur In Rußland wieder einnial verschärft worden. Neuerdings sind Ibsen- und Strindborg-Zlufführungen verboten worden. Bereits während des Ibsen-Iubiläums wurde in Rußland kein einziges Werk des nordischen Dichters aufgeführt. Die Zensur erklärt, daß die Werke Ibsens mit. ihrer„undeutlichen Symbolik" für die sowjetrussische Jugend ungeeignet seien. Was Strindberg betrifft, fo erschienen seine Dramen deshalb unzeitgemäß. weil er einen Kampf der Geschlechter schildere, wodurch den Be- Ziehungen Zwischen Mann und Frau eine übertriebene Bedeutung beigemessen werde. Die Liebe darf noch modemer russischer Aus- fassung keine andere Bedeutung haben alz Essen und Trinken. Es sei unsinnig, mit der Lieb« soviel Wesen? zu machen und sie zu einem Problem zu erheben, wie es bei Strindberg der Fall fei. Aber nicht nur Ibsen und Strindberg müßten der verschärften Zensur zum Opfer fallen; nach der neuen Verordnung des Kommissariats für Volksbildung werden auch Werte von Shakespeare, Schiller, Sudcr- mann und Shaw betroffen. vl« Große£ er tili er kvaslovsssellanG 1928 wird am 9., 12 Uhr mittags, eröffnet werden, von 14 Uhr an ist fie allgemein zugänglich. 3m Ausstelluvgiraiim de» cefefaal, der Slaalliäien kunstdibllothek. Prinz-SIIbrecht-Str. 7a. werden im Mal die Illustrationc» der M o n e s s e! ch en Ltederhandschrift in der ssatsimilc.SIu-Zgabe des Inselverl-igeS gezeigt. tleiber bleibt In Dcitschlovb. Wie die Telegradben-Uiiion eiiähit, bat iSeneralmusikdirektor Srich Kleiber einen Antrag, der ihn unter glänzenden Bedingungen auf fiinj Jahr« a>» ersten Dirigenten an die Metropolitan Oper« New Zart beruft, mit Rücksicht auf sei« Lertwer Stellung abgelehnt, Gemeinsam in den Tod. Zwei Leichen aus dem Oder-Gpree-Kanal gelandet. Reim Kilcnnelersiein 45,3 des Oder- Spree- Kanals wurden gestern nachmittag um 3)4 Uhr die Leichen eines Paares gefunden, die mit einer neuen Wäscheleine zusammengebunden waren. Aus der Art dieses Zu- fammenbindeus ist zu schließen, daß die beiden mit gegen- sei.igem Einverständnis ins Wasser gegangen find. Die Leine war der Frau um den Leib geschlungen und dann festgebunden. Auch ihre Hände waren gefesselt. Der wann hatte sich dann die Lein« mehrmals um den Leib gewickelt und das Ende am linken Arm so sestgebunden, daß es sich auch im Wasser nicht lösen tonnte. Es handelt sich ohne Zweifel um ein Liebespaar. Der Mann ist etwa 30 Iahte alt, 1.70 Meter groß und kräftig gebaut, hat langes glattes, volles blondes haar, ein bartloses volles Gesicht, eine hohe Stirn, blaugraue Augen, eine eingebogen« Nase und voll- ständige Zähne und trug einen imprägnierten Mantel mit Fischgrätenmuster, braunen Iackettonzug, eine graue, vorn grüngestreifte Wolljacke, ein blauweiß gestreiftes Oberhemd, Makounterzeug, braune baumwollene Strümpfe und halbe Schnür- schuhe. Die Frau ist etwa ebenso alt, 1,60 Meter groß und von mittlerer Gestalt, hat einen dunkelblonden Bubikopf,«in längliches Gesicht mit hoher Stirn, ebenfalls blaugraue Augen, eine einge- bogene aufgestülpte Nase und rechts im Oberkiefer«inen G o l d z a h n und trug einen grünen Mantel mit schwarzem Pelzbesatz auf dem Zungen, schwarze Bluse mit weißen Perlmutterknöpfen, blauen Kleiderrock, rosa Wolljacke, grünen Prinzeßunterrock, fleischfarbene Strümpfe und braune Spangen- ichuhe. Di« Leichen müsien schon lange im Wasser gelegen haben, denn sie waren ganz verschlammt. Die Kriminalpolizei hat bei ihren Nachforschungen noch keinen Anhalt für die Fe st- stellung der Persönlichkeiten gefunden. Di« Toten sind einstweilen in der Halle in Schmöckwitz untergebracht worden. Hilde Scheller klagt? Die Zivilkammer des Landgerichts I hatte die Frage zu ent- scheiden,' ob die bekannte Zeugin aus dem Krantz- Prozeß, Hilde Scheller, als eine Persönlichkeit der Zeitgeschichte zu betrachten sei und sich deshalb auch eine öffentliche karikierende Behandlung ihrer Person auf der Bühne gefallen lassen müsse. Während des Krantz-Prozesies hatte der Schauspieler Wilhelm Bendow in dem Stück„Madame Pom- padour" im Großen Schauspielhaus eine Improvisation gebracht, in der eine Parallele zwischen der Freundin von Paul Krantz und der Marquise von Pompadour, der Mätresse Ludwigs XV., ge- zagen worden war. Durch eine einstweilige Verfügung hatte Rechts- anwolt Dr. Artur Brandt«ine Unterlassung dieser Aeußerungen über Hilde Scheller erwirkt. Während Wilhelm Bendow keinen Ein- spruch erhoben hatte, ist das von der Direktion des Großen Schau- spielhauses geschehen. In der Anfechtung der einstweiligen Ber- fügung wird durch Rechtsanwalt Dr. Frankfurter geltend gemacht, daß die zulässigen Grenzen einer Karikierung von Zeitgenossen, zu denen auch Hilde Scheller infolge ihrer Rolle in der Steglitzer Schülertragödie gehöre, nicht überschritten worden seien. Von Rechts- anwatt Dr. Artur Brandt wird entschieden verneint, daß Hilde Scheller als eine zeitgeschichtliche Persönlichkett zu betrachten sei. Es wird im übrigen auch bestritten, daß sich die Klägerin eine derartige grobe Verunglimpfung gefallen zu lassen brauche. Vor Eintritt in die gestrige Verhandlung mußten die Rechts- Vertreter der Klägerin Hilde Scheller erklären, daß sie auf weiter« Rechte aus der einstweiligen Verfügung verzichten, und daß die Rechtsfrage als erledigt gelte. An dem gleichen Tage war nämlich die Operette„Madame Pompadour" vom Spielplan abgesetzt wor- den, daß also die Wiederholungegefahr nicht mehr vorhanden ist. Dag Gericht hatte nunmehr nur noch über die Kostenfrage zu ent- scheiden, und hierbei war zu prüfen, ob Hilde Scheller eine Be- rechtigung für ihre einstweilige Verfügung gehabt fjat. Di« Zivilkammer sprach sich zugunsten von Hilde Scheller aus und legte Wilhelm Bendow und dem Großen Schauspiel- Haus die Kosten für das Verfahren auf. Frühlingskonzeri der ArbeiierfSnger. Es scheint fast, als ob diejenigen, die von Generation zu Gene- ration das Leben nur von seiner nüchternsten Seite kennen lernten, sich aus eigenster Kraft ihre ideelle Welt gezimmert haben. Ob es nämlich jedem Veranstalter so ohne weiteres gelungen wäre, allzu viele Menschen an einem solch herrlichen Frühlingssonntag in den Konzertsaal zu dirigieren, ist nicht so ganz bewiesen. In der S t a d t- Halle, Klosterstraße, konzertierte der Männerchor Lerche Einigkeit und ein zahlreich erschienenes Publikum lauschte mit viel Freude und Begeisterung den Weisen, die der gut disziplinierte Chor unter Meister Rohrbachs Leitung zu Gehör brachte. Das Pro- gramm trug in der haupts iche volkstümlichen Charakter und all die launigen Liebeln, wie das vom schwäbischen Fiedelmann, der Italiens süßen Rebensaft gar zu gerne nach seiner Heimat verpflanzen möchte, oder Stöckerts„Tandaradei", das Lied vom fahrenden Gesellen, dann die Moritat vom furchtsamen Jäger und wie sie alle heißen mögen, brachten viel Stimmung und Humor. Den Beschluß des Abends machte Dehmels prächtiges„Erntelied" und der„Morgenzuruf" van hcrwcgh(letzteres in Musik gefetzt vom Dirigenten), deren voll- tönende Sprache und machtvolle Melodik die Zuhörer wie immer vollends in ihren Bann schlugen. Wie ein feuriger Werberuf durch- brausten die tiefempfundenen Worte den Raum und hallten wider in den herzen aller Gleichgesinnten:„Viel tausend herzen sind ange- facht, die Völker, sie preisen den Morgen!" Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Um- gegend.(Nachdr. verb.) Weiterhin trecken und hester bei östlichen Winden, nachts. sehr kühl. Für Deutschland: Allgemein trocken und heiter mit sehr kühler Nacht. .,.... f'sÄi'Ä'.ÄVak U Ä'. ... i, I Aus dem roten Wien.— Einer der vielen Volkswohnungsbauten, Donnstg.,3.5.28 Staats-Oper Unter d. Linden Ab.-V. 3. Anf.l9'/2(7 Vi) U. Troubadour Staats-Oper AmPl.d. Republ. Ab.-V. 37. Anf.20(8)U. Luisa Miller Oonnitg.,3.5.2'' Städtisdie Oper Bismarckstr. Turnus IV An(.18bj(6'/2)U. Sinti. SdiauspiElli. Im Cmdaraiennarkt Ab.-V. 86. Anf. 20(8) U. KatalaDnisdie WM MI-WIIOI-MUlOaM Anfang 20(8) Uhr Maß für Maß CIRCIK BOSCH 8 Uhr Letzter Spielmonat t VOllStändig"roeramm' 9 Uhr. Tolle RerVe' Berlin slehfKopi) Sonntag3u!halbe Preise er. Circuiprogr. u. die lustlee Revue I OAS SCHUöea. T SINGSPIEL Volks büh ne Ueilu im eeiovgiitt 8 Uhr: Tb. an SdiülbnientsDiir »»(« Uhr Oer Zigaretten- kästen beichshallen-lheater Abends 8 Uhr, Sonnlag nachm. 3 Uhr Stettiner Sänger Messel, rltlon, SteidT usw. Das lustigste Programm Dönhoff- BreU'l: Varletd, Tanz. Die neue Kapelle Wilhelm Frenke I 8 Uhr Nollendor 736C iVflBIETE-BEVliE Komische ja1/, Ohr Oper sv�ourl llames KleiiTsi gewaltiges neues atevue-StUck: Zieh' dfdi aus! 200 MltwirKende- Vorverkauf ab 10 Ulv ununterbrochen. Alfred Braun, ». Thsllmann. Jankuhn, Hestarbarg, Bendow Morgan. Ballett Winkelstern, Sunthlneglrls a. d. Heiden, Perry, Glesrau, Walter, Brandt, Flcssbnrg. Fritz, Harlan, Bebkopf, Winkler. Hnsik. Leitung; Ernst Hauke, Gesamtansstattung: Prof. Ernst Stern, in Szene gesetzt von: Julius Brandt. Grosses Sciiauspielhaus Erik Charell. Piscatorbühna Thaater am Nollandorfplatz Kurfürst 2001/93 « Uhr- Vorletzte Vorstellg. aar eine Holser vonlean Rieh. Bloch ou-Karl h einzMarti n Freitag gescb ossen Sonnabend, 8 Uhr. zum I. Male: Malborough zieht in den Krieg Gastspiel im Lessing-Theater Norden 12798 8 Uhr Vorletzte Vorstellg. ..HonJanKinr' v. Leo Lania Insz. Erwin Piscator Sonnabend 8 Uhr B glu dv StniMnpit'itil. liiDStlvhdulatiiig imilUid Zum I. Male „Nr. 17" Theater am Kottbusser Tor Kottbuaaer StraBe 0. Tci.Mpl. 16077 Täglich» Uhr Phanlasien Im BremerRaisKeller Genrebild von Max Horst Unsere Käüie Posse von Oskar Klein Dazu das Mal• Programm* Kleines Tbeater Täglich 8>/, Uhr: Frau K9te läßt sldi verführen Lotte Klinder.Betth. ReiBig. Deolsdieslliealef Norden 12,110 8 Uhr. Ende liu/j U. pyömaiion von bernard Shaw dtsch» v. viegfr. Tiebtivli KammerspieTe Norden I2 3iu " ,U„ Ende nach i» Zum U8. Mal finden Sie. da3 onstancesidi richtig i>eihält; Jie Komödie lismarck 2411/7010 4'/, U. Ende 10»/, L- ..Die Kassette" lUoNa m Chi UditM Berliner Tlieafer Direktion Kuhnert. liarli/tfiadr.Sil'Bt.OJiiit.tlC 8>/, Uhr Ssslspiel d. DtotsdieoTl!. Der Prozeß Hary DuKan Theater des Westeos Gas-Lspicl Moskauer!Qd. akad. Theater Heute s Uhr Die Hexe dusikai. Spie nacr Qo dfaden Morgen 8>/, Uhr uie Reise Benjamins Iii. »ramti-tBkiiir rn.Königgräti. M. Bergm.21Ifli 8>/. Uhr Die Ptaranlse von sr eis Ktrtwlinliqn Br Gatte ist 1,65 Meter groß, von normaler Statur und kräftig gebaut. Dem ungleichen Paar wurde eine Tochter geboren, die heute 24 Jahre alt ist. Ein hübsch gewachsenes Mädchen von normaler Größe. Kürzlich hat die kleine Frau Meyer dem Berichterstatter der englischen Zeitschrift Tit-Bits allerlei aus ihrem Leben erzählt. Wir haben dieselben Gefühle wie andere Menschen! Auf die Frage, ob Liliputanerinnen lieben können, ant- wartete sie: „Selbstverständlich. Wir Liliputaner haben in beziig auf Lieb« dieselben Gefühle wie andere Menschen. Mit 18 Iahren trat ich als Zwergakrobatin in Düsseldorf auf. Ich zeigte mich im Heben von Gewichten. Schon im Alter von drei Iahren wurde ich in dieser Kunst ausgebildet. Bald tonnte ich Gegenständ« im Gewicht von 16 Pfund heben, und spckterhob ichohneMühedasDrei- fache meines eigenen Körpergewichtes. Vater und Mutter waren Artisten und so kam auch ich zu diesem Beruf. Ich möchte besonders darauf hinweisen, daß meine Eltern und auch meine Groß, und Urgroßeltern Menschen von normaler Größe waren und es früher in meiner Familie überhaupt keine Zwerg« gab. In Düsseldorf lernte ich Wilhelm Meyer, einen Löwenbändiger, kennen, der bei einer anderen Truppe tätig war. Wir lebten im gleichen Gasthof. C�r war ein hübscher Mann, von gutmütigem Wesen und beherrschte 7 Sprachen. Ich redete 6 Sprachen. Wir wurden Freunde und schließlich hielt er um meine Hand an. Ich war natürlich etwas erstaunt und fragt« ihn, was er an mir fände. Er Herr und Frau Meyer und 7 achter. ober sogt«, daß meine Kleinheit ihn gar nicht störe, und er mich so recht von Herzen lieb hätte. Wir heirateten und ich habe es niemals bereut. Seit 2 5 Jahren sind wir vereint und nicht «in einziges Mal hatten wir Streit. Mit 18 Iahren ging ich die Ehe ein. Ich gab meinen Beruf auf und lebte nur noch als schaffende Hausfrau für meinen Mann. Ich kochte und wusch, und machte alle Haus- arbeiten. Aber es zog mich in das Artistenleben zurück. Ich ver- suchte es mit Erfolg als Schlongenbändigerin. Wir bereisten als Artisten viel« Länder der Welt. Da ich aber merkte, daß ich der Geburt eines Kindes entgegensah, so kehrte ich in meine holländische Heimat nach Amsterdam zurück. Ein Baby, das Aussehen erregt. Bier Monate vor der Geburt meines kleinen Mädchens lieh ich mich im Wilhelminia-Hospital zu Amsterdam aufnehmen. Sogleich fand ich das Interesse vieler Aerzte in Holland und im Ausland. Noch nie in der Geschichte der Menschen hatte eine Zwergin einem normalen Manne«ine Kind geboren. Mein sehnlichster Wunsch war damals, daß mein Baby als normaler Mensch geboren und sich später als solcher entwickeln würde. Am Tage d» Geburt waren viele Aerzte und Gelehrte herbei» gekommen. Man zeigte mir das Baby. Es war ein 12 Pfund schweres Mädel und so groß, daß iches kaum im Arm halten konnte. Zuerst habe ich damals gleich die Finger der Kleinen untersucht. Sie waren ungleich lang. Dq wußte ich, daß mein Mädel keine Liliputanerin«erden würde, denn bei Babys von Zwergen find die Finger all» gleich lang. � Das Baby wurde von der gesamten medizinischen Welt be- wundert. In der Taufe erhielt es den Namen Frieda. Durch meine dauernden akrobatischen Uebungen von Jugend auf hatte ich überaus starke Muskeln. Im Alter von 20 Iahren konnte ich. trotz meines kleinen Körpers, 90 Pfund heben. Mein kräftiger Körper, so sagten die Aerzte, hat mich bei der Geburt meiner Tochter gerettet. Ich wurde bald wieder ganz gesund. � Als Frieda heranwuchs, wurde auch sie Artistin. Sie ist ein schönes Mädchen mit hellblonden Haaren und blauen Augen. Sie hat dann ebenfalls einen Artisten geheiratet. Heute bin ich Groß» mutter und sicherlich wohl die klein st e Großmutter der Welt Viel habe ich im Leben gesehen. Zuerst reiste ich als Kind mit Barnums Zirkus. Bornum, den Besitzer, habe ich stets für einen der tüchtigsten Menschen aus der Erde gehalten. Wir lebten im Zirkus wie eine groß« Familie. Der alte Bornum war streng, ober immer ein guter Dater für uns alle. Als ich 12 Jahre alt war, wurde er begraben. In meinem Familienleben bin ich vollkommen glücklich. Ich mache' mit Vergnügen meine ganze Hausarveit genau so wie jede normal gebaute Frau. Im Essen haben mein Mann und ich den gleichen Geschmack. Das ist sicherlich ein Grund, daß wir so gut übereinstimmen. Ich bin auch im Kochen außerordentlich tüchtig. Körperlich reiche ich nicht an die Größe anderer Menschen heran, aber geistig fühle ich mich ihnen vollkommen ebenbürtig. Ich lese gern gute Zeitschriften und Bücher. Ich bin sehr musikalisch und habe«ine große Vorliebe für Tiere. So bin ich also in vieler Be» ziehung wie jeder normale Mensch. Ich bin imstande, alles zu leisten und zu tun, was andere Menschen vollbringen. Mein Geist war immer sehr rege und ich habe es unter anderem auch verstanden, durch zielbewußte Arbeit mir Geld zu ersparen. Ich liebe den Tanz nicht, aber ich schwärmte immer für Ertüchtigung des Körpers durch sportliche Uebungen. Gern habe ich hübsch« Kleider, aber ich benutz« keine besonders konstruierten Kleinmöbel wie z. B. die Liliputaner Tom Thumb und Mrs Warren. Ich benutze zum Sitzen einen ge< wöhnlichen Stuhl, schlafe in einem richtigen Bett und koche an einem gewöhnlichen Herd, wobei ich allerdings auf einem Stuhle stehe. Vom Leben glaube ich, daß es ist, wie man es sich selbst macht Alles hängt von der eigenen Persönlichkeit ab. Ich ziehe es vor. mit mein Leben glücklich zu gestalten." Im Werdegang dieser Liliputanerin, die sich ihre Gleickiltellunj mit anderen, normal gewachsenem Menschen durch zähen Willen«r> kämpft hat, muß man die Energie bewundern. David konnte schar den Riesen Golialh besiegen. Die kleine Frau Meyer hat im schwerer Lebenskampfe sicherlich auch einen schönen und verdienten Sies davongetragen. Zm albanisch-siidslawischen GrenWbiel. Wenn die beiden Nachbarn sich streiten Am Sonnabend vor Pfingsten vorigen Jahres erfuhr ich in S i u t a r i. daß Südflawien die diplomatischen Beziehungen zu AI» banien abgebrochen hatte, weil die Regierung in Tirana den ver- hafteten Dragoman Djuraskowitsch von der südslawischen Gesandt- schaft nicht freigeben wollte. Am Pfingstsonntag hieß es, die Grenze sei gesperrt. Da ich Eile hatte, nach Deutschland zurückzukehren, es aber unsicher war, ob das Dampferchen über den See nach dem südslawischen Rjeka am Nordufer am Montag werde fahren dürfen — auch das Können war nicht gewiß, zumal von den zwei Motor- booten das eine havariert, das andere in Reinigung begriffen war—, galt es. sich nach einem Auto umzusehen, das uns nach Südflawien zurückbrächte. Andernfalls hätte man sehen müssen, die Bojana hinunter nach S. Giovanni di Medua zu kommen, um da auf das Schiff zu warten, das bestenfalls in einigen Tagen dort anlegen würde... Nach langem Suchen, bei dem mir ein sächsischer Boutechniker, der dort unten lebte, wacker half und wozu auch eine Sitzung in einem höchst einfachen albanischen Kaffeehaus— Kasana noch aus türkischer Zeit geheißen— gehörte, war ein Fordfahrer festgemacht, südslawischer Bürger, dessen Bruder von der Grenze uns weiter» befördern würde. Unsere Pässe, die wir hatten abgeben müssen, bekamen wir dank einem albanischen Schuldirektor noch am Pfingst- sonntag zurück. Dieser Albaner war als junger Mensch, wie so mancher albanische Notabelnsohn, in der Vorkriegszeit von Albaniens damaliger Schutzmacht Oe st erreich dorthin zur Ausbildung ge- holt worden, hatte ein Gymnasium in Niederösterreich besucht, und als meine dortigen Freunde von meinem Reiseplan erfuhren, mußte der Lehrer jenes Albaners mir einen Empfehlungsbrief an ihn mit- geben, der mir viel genutzt hat. Es war nicht ganz leicht gewesen, Herrn S. zu finden, zumal wir seine Adresse nicht hatten und unser Slawisch in„Schkoder" wenig verstanden, noch weniger gern ge- hört wurde. Das stammt mindestens von der sehr harten Herr- schaft der Montenegriner nach dem Abzug der Oesterreicher am Weltkriegsende, aber auch daher, daß in Südslawisch-Mazedonien mehr Albaner als in Albanien leben und es schwer genug haben. Die jahrelange schwarzgelbe Okkupation unter dem Doppcladler, der Albaniens Wappentier ist, hat neben den Silberkronen, die noch vor einem Jahr das gebräuchlichste Geld waren, doch noch einige Brocken Deutsch hinterlassen. An der Ruine der großen Kaserne las man auch noch über einer Tür: ,K. u. k. Unteroffiziers-Aspiranten-Kurs". Pfingstmontag ging's los. Nicht allzuweit, denn schon an der Stadtgrenze war wieder einmal Paßkontrolle. Aber dann konnten wir ungestört weiter aus der breiten, schlechten, gleisigen Straße in die grüne Ebene hineinsausen, in weitem Bogen reckts um den See herum und weiter rechts, im Osten, immer die Kahlberge, über denen von weit südöstlich weiße Schneefelder herüberleuchteten. Links auf der anderen Seite des Sees das kahle Bergmassiv des Tara- b o s ch. um den im Baltankrieg die Montenegriner so viel Blut ge- opfert haben, und hinter ihm nach Norden zu. lauter kahle Berge. entwaldet, kaum wiesentragend. Wir begegnen albanischen Bauern, die einen Hammel oder eine Ziege nach Skutari treiben, und überholen immer mehr Bewaffnete in ärmlicher albanischer Tracht oder schäbigst-abgerissener Zioilkluft. Es sind, wie unser Fordmann sagt. Landstürmergrenzschutz. Das reguläre Militär ist feldgrün uniformiert, morgens hatten wir seine italienischen Trompetenrufe gehört. Unterwegs noch ein paarmal Neugier nach unseren Pässen, endlich— nach etwa 1K Stunden, da wir durch kleine Nadelholzgebüsche fahren— Haft vor einem allen türkischen Wachturm, einer Kula, die seitwärts etwas erhöht steht. Die Kontrolle ist beendet, drüben steht das ablösende Auto aus Podgoritza. Der Gendarm hilft uns, die Sachen hintragen.„Auf Wiederschen! Gute Reise!" Eine ganze Weile fahren wir durch die ossenbar neutrale Zone. Dann steigt die Straße, ein paar Häuser— der südslawische Grenz- posten, Gendarmen in grau. Der einsame Gendarm, der uns freund- lich mit„Doberdan!"(Guten Tag) begrüßt, ist ein ällerer Mann, der ganz gut deutsch spricht. Wahrscheinlich als„Bosniak" im Habsburgerheer gedient oder als Montenegriner in Oesterreich oder Deutschland erdarbeitend, vielleicht auch damals schon als Grenzer deutsch gelernt. Er hat die Backe geschwollen, klagt auf unsere Frage über fürchterliche Zahnschmerzen, wir geben ihm, da wir nichts Besseres haben, ein Pyramidon und ein paar der so billigen albanischen Zigaretten und fahren unter seinen Dantesworten weiter. Dann wieder weite Ebene und zwei massive einstöckige Häuser mit einer Art Steinumwallung: der Grenzposten Tust. Hier sind schon Soldaten und ein Offizier in weißer Sommerbluse mit goldene» Achselstücken und weißer Mütze. Er spricht nicht deutsch, abei Tschechisch-Polnisch-Serbisch geht auch, zumal einer der Soldatei ziemlich Deutsch kann. In Tust war der zuständige Grenzpolizei, beamte längere Zell nicht zu finden, wir verloren viel Zeit. Dam aber ging's flott weiter zwischen zum Teil zerschossenen Weiler» und wogenden Feldern nach Podgoritza, der größten Stadl Montenegros mit ihren 18 000 Einwohnern. Ein Bähnchen geh! von da an den See hinunter. Wir kommen gegen Mittag an. Ir der Bank, wo ich einen der letzten Hundertmarkscheine wechseln muß alles auch deutsch. Im Hotel, wo wir uns sättigen, ein Kellner, dei in Wien gearbeitet hat. Noch am gleichen Tage fuhren wir im Postautoschwitzkasten mil Begleitgendarm bis Rjeka, unterwegs durch Rettung aus Zigaretten not dicke Freundschaft mit einem echten montenegrinischen Vladik« in der schönen Nationaltracht, verstckrkt durch Kölnischwasserhilfe füi seine fast seekranke bleiche Frau, bekräftigt durch mehrere„Turkiska' (türkischer Kaffee) und.Llekowitschka"(doppelt gebrannt« Pflaumenschnaps) auf Hallepunkten: ab Rjeka in einem Ford.�nr einem orthodoxen graübärttgen Popen, der sich zum Chaufteur>setz und mit uns nicht spricht— wer weiß, was der von der zentral möchtlichen Okkupation erlebt hat, vielleicht ist er übrigens Russe— nach Ce t i n j e hinauf, noch im sinkenden Abend durch die Kask- berge und über des Lowtschens steile Kehren hinunter nach Kotoi (Cattaro), ein Telegramm an den„Vorwärts" über die Situation im Grenzgebiet abgeschickt und nachts auf einen Frachtdampser, un> nicht bis 3 Uhr früh auf den Solondampfer warten zu müssen. Jrv Begriff, schlafen zu gehen, höre ich meinen Namen rufen— di« Telegraphistin besucht mich, um sich zu überzeugen, daß ich berechtigt sei, ein verbilligtes Pressetelegramm abzusenden. Die Bezeichnun« „Redakteur" im Paß genügt der Behörde, imponiert aber den Käser« und Kriechtieren nicht, die die einzige Passagierkabine des Fracht- Kämpfers gewohnheitsrechtlich bewohnen. Um 8 Uhr früh in Ragusa, um 9 Uhr mit dem prachtvollen .Larageorg" weiter, tags darauf mittags in Suschak am Nordend« der Adria, drei Stunden später mit der Bahn los nach 16 Stunden in Wien. Wir waren von Skutari über vier Tage und drei Nächt« unterwegs gewesen und hatten noch weitere 14 Stunden bis nacf Berlin. r. dn. Guben im blülenmeer AussichUtarm auf den Lubslbergen, DER SPRUNG UBER DEN SCHATTEN VON KARL SCHRÖDER- ZEICHNUNGEN VON PAUL THESING 1. Fortsetzung. „Das werden sie nie tun: Wir sind keine bürgerlichen Mär- tyrer/ unterbrach mich Fehlow: schroffer als ich es von ihm gewohnt war.„Opfern,— ja!" fuhr er fort,„mehr als jemals auf der Welt muß geopfert werden. Aber nicht sinnlos.* „Ader das Beispiel, Heinrich Fehlow, das Beispiel bleibt doch. Geist läßt sich nicht umbringen." „Wahr und falsch, was du sagst. Das Beispiel allein macht's nicht. Die Kirche hat viele Märtyrer. Und es ist immer weiter abwärts mit ihr gegangen. Wir dürfen uns nicht opfern für vage Ideen von Sozialismus, sondern wir müssen ihn als kleine und grob« Wirklichkeit, aus den Tatsachen heraus, so wie sie sind, leben.— Cr machte eine Paus« und ich grübelte, was er damit meint«.„Jeden- falls,* fing er noa) einmal an,„müssen wir jetzt wohl oder übel die Zähne zusammenbeißen: nicht verzagen, nach Kräften unserer Sache im stillen dienen. Niemal» kann einer schaffen, was nur die ganz« Klasse kann. Sei gewiß, der Tag kommt, an dem wir eingreifen müssen; und auch opfern, schrecklich opfern! Dann wird es sich zeigen, wie weit wir sind.* Ich widersprach: ich verstand ihn nicht deutlich. Ich hörte die Worte, begriff aber nicht ihren wirklichen Sinn. Ich lebt« sie noch nicht. Ball) danach wurden wir getrer st. Zweimal habe ich Fehlow dann wiedergesehen. Das erstemal— ein merkwürdiger Zufall— unweit der Stelle unseres ersten Zu- samnicntrefsen». In einer ostpreußischen Landstadt. Bald noch dem Zusammenbruch 1018. Es wimmelte in dem Nest von Militärs aller Gattungen, Mit Mühe war es uns am Tage zuvor gelungen, unsere Kompaniercste in einem großen Holzschuppen, abseits der Hauptstraße, unterzubringen. Wir waren nicht die einzigen, die hier lagerten. Nicht ohne Kroch und mit mehr oder weniger sanfter Gewalt hatten wir uns den bisherigen Inhabern zuquartiert. Ich selbst war mit einigen Kameraden durch die Stadt gejagt, Proviant aufzutreiben. Eine hoffnungslose Geschichte. Dazu ein Hundewetter: Regenschauer auf Regenschauer. „Wißt ihr da» Neueste? Wir haben einen Soldatenrat. Kinder. das gibt einen Tanz morgen mit den Offizieren!* so wurden wir bei unserer Rückkehr empfangen. Ein endloser Strom von Truppen toste in der Nacht durch die engen Straßen. Berittene, Fußtruppen. Geschütze, Leiterwagen, Panjefuhren. Die Zugänge verstopften sich. Ein ununterbrochenes Schreien. Kreischen. Pfeifen und Fluchen erfüllt« die Lust und drang in olle Winkel. Alis manchen Häusern scholl Johlen, Gelächter und dröhnender Gesang. An den Ecksteinen der Straßen wurden Waffen zertrümmert. Unaufhörlich prasselte der Regen über die Dächer, umfegte trommelnd unseren Schuppen, pladderte klatschend aus den Dachtraufen auf den Hof. An Schlafen war nicht zu denken. Gegen Morgen verfiel ich in eine Art Dämmerzustand. Da höre ich— bei geschlossenen Augen— die fette Stimme unseres Hauptmanns:„Äom— panie— an— tre— ten!* Und kurz danach, noch einmal, wütend:„Antreten!!* Ich rühre mich nicht. Vermag es im Augenblick gar nicht. Aber jetzt--. Was ist dos? Ein« tiefe, ruhige Stimme:„Maul halten! Stören Sie müde Menschen nicht!* Und wieder der Hauptmann:„Sie machen sich der Meuterei schuldig!!* .„Hören Sie aus mit ihrem Quatsch, oder---.* Das heftige Aufklirren einer Waffe machte mich vollends wach. Diese Stimm«? War das nicht---? Ich lief zur Schuppen- tür. Heinrich Fehlow stand vor dem Hauptmann. In völlig ruhiger Haltung: die Hände in den Taschen. Nur die grauen, tiesliegenden Augen funkelten. Cr stand da ohne Kopfbedeckung. Eine Strähne seines dichten dunkelblonden Haares fiel über die steil«, eckige Stirne. Ein paar Schriste seitwärts log der Degen des Hauptmanns auf dem Pflaster; mitten durchgebrochen. Ich sah mit einem Blick: Der Hauptmann hatte angreifen wollen.— In dieser Minute— als ich hinzukam— verlor er zusehends an Haltung. Seine Augen irrten über den Boden. „Das Antreten werden wir allein besorgen,* sagte Fehlow.„Sie bleiben hier und werden mit antreten.* Cr sah mich: lief auf mich zu: preßte meine Hände.„Endlich, end— sich! Jetzt nur Einigkeit! Allen Quark beiseite! Ihr habt doch die Knarren behalten? Diese ganze Gesellschaft"— er sah zum Hauptmann hinüber, der sich in« Haus gegenüber zurückzog—„diese ganze Gesellschaft zum Teufel! Alle anderen fest zusammenhalten. Dann wird's gehen. Was sagst du zu den Soldatenräten! Selbst- sührung der Arbeiter! Eine einige Klasse. Und drüben der einzige Feind. Aug' in Auge. Oh, es ist wunderbar, das zu erleben. Wahr- hastig, dafür kann man schon sterben. Nur nicht türmen jetzt! Keiner darf türmen!" Das Getümmel in der Stadt nahm zu von Stunde zu Stunde. Von unseren Leuten drückten sich verschiedene zum Hoftor hinaus. Verstohlen: ohne Mütze, ohne Waffen. Sie kamen nicht wieder. Um zehn Uhr vormittags war die Sltzung d»s Soldatenrate«. Ein Tisch auf dem 5)os, drei Schemel davor: stehend Heinrich Fehlow. Wir bildeten einen Kreis. Der Hof war gedrängt voll. Dem Tisch zunächst stand?« einige Offiziere. Der Vorsitzende, ein älterer, ruhiger, etwao schwerfälliger Mann mit dickem braunen Schnurrbart schlug mit dem Seitengewehr auf den Tisch. „Kameraden!* begann er,.Kameraden! Ihr wißt wohl schon alle, daß ein Soldatenrat in der Stadt gewählt ist. Das sind wir hier. Wir haben übernommen, für Ordmmg zu sorgen. Ihr olle müßt dabei helfen. Seit der Kaiser nach Holland desertiert ist, ist Deutschland ein« Republik. Wir Sozialisten haben das schon lange gewünscht. Wir haben auch den Krieg vorausgesagt. Schlimm genug, daß er kommen mußte. Aber das sst vorbei und nicht mehr zu ändern. Es kommt alles darauf an. jetzt das Richtige zu tun: dann sind die Kameraden nicht umsonst gefallen.* Er machte eine Pause und sah sich um. Bis jetzt hatte er die Blicke auf den Tisch gesenkt. Trotz der großen Zahl der Derjaminelten war es vollkommen ruhig auf dem Hofe. Der Lärm, der au» den Straßen der Stadt herüberdrang, prallte ab an dieser Ruhe. Man Härte nur leises Nebelriescln auf den Dächern. „Ja, dann sind unser« Brüder nicht umsonst gefallen,* fuhr der Redner fort.„Wir müssen jetzt unsere Sachen allein ordnen. Leicht ist das nicht: aber ich mein«, so gut wie die— Herren Offiziere"— er schnarrte di« letzten Worte ein wenig—,„so gut wie die werden wir'« auch machen; schon lange.* Er hob di- Stimme:„Es sind mOt Lumpen dabei oeiwsm; auch gute vorgesetzte, gewiß; aber das mutz ein End« haben. So wie bisher, geht's nicht weiter. Hat einer von euch was vorzubringen?* Er schwieg und sah sich um. Bei dem Worte.Lumpen" hatte einer der Offiziere, ein Ober- leutnant mit dreisten, scharfgeschnittenen Zügen, einen leffen, murren- den Law von sich gegeben. Jetzt schob er sich vor. als ob er bereits zum Sprechen aufgefordert worden wäre. Klopfte mit den Hand» knöcheln auf den Tisch. „Leute!"— er verbessert sich, als hätte er sich versprochen— .Lameraden! Seit S. M., unser ehemaliger Kaiser, durch seine — nnd schlug ihn dabei mit aller Kraft mitten ins Gesicht Flucht uns Offiziere- des Fahneneides entbunden hat, stehen wir selbstverständlich auf dem Boden der vollzogenen Tatsachen. Unser geliebtes, unglückliches Vaterland über alles!* Er machte«nie kurze Pause und fixierte die Umstehenden. „Sehr gut!" sagte jemand. Einige andere schienen beifällig zu murmelli. Di« Mehrzahl wußte offenbar nicht recht, was sie an- fangen sollte. „Was uns jetzt not tut,* schoß er plötzlich scharf heraus,„ist Cop�ttxkt 192» by„Der BücherkreU G.m.b.H.* BerB» SV«. Einigkeit, sst Zucht, ist Ordnung— Disziplin? Fehler sind oben und unten gemacht worden. Das inuß vergessen sein. Ich glaube frei- lich, daß es der Einigkeit nicht dient, wenn der— Herr— Vorsitzende— eine Ausdrucksweise-- ich meine— Lumpen——* „Was quatscht der Dussel?!* Eine grobe Stimme aus einer der Hinteren Reihen schleuderte es dazwischen. Bewegung kam in die Masse. „Ruhe!!* Der Borsitzende schlug auf den Tisch. „Ich bitte.* begann der Oberleutnant wieder, ihn scharf musternd,„mich gegen derartig« Insinuationen— ach— Flegeleien in Schutz--- .Las tu ich ja." fiel ihm der Dorsitzende ins Watte. Er war dunkelrot geworden: hiett aber an sich. Doch das Wott„Flegeleien" schlug dem Faß den Boden aus. :,Was sagt der Lümmel? Flegel sagt er? Hast du gehött? Der is richtig! Haut'n in die Fresse! So«in Pack!* Wildes Durcheinander. Der Oberleutnant war blaß geworden:„Ich oerbttt« mir—■—* ,Lu dir oerbitten? Du hast dir gar nichts zu oeichitten. Na. so was! Sollen wir uns von so einem ausschmieren lassen?'n Fußtritt vor'» Arsch und raus!" „Ruhe! Zum Donnerwetter, Ru— hei!* Der Borsitzend- geriet plötzlich in Wut und schlug krachend das Settengewehr auf den Tisch. Ich hatte während der ganzen Zell Heinrich Fehlow angesehen. Er schien den Oberleutnant zu kennen. Er umklammerte ihn geradezu mit Blicken. Während der Offizier sprach, verkrampften sich Fehlows Hände immer angespannter zu Fäusten. In diesem Augenblick legte er, ohne«inen Ton von sich zu geben, dem Vor- sitzenden vom Rücken her die Fäuste auf die Schultern und drückte ihn unwiderstehlich aus den Stuhl nieder. Dann sprang er mit einem Satz auf den Tisch, ohne dabei den Oberleutnant aus den Augen zu lassen. Als Fehlow gesehen wurde, trat Ruhe ein. Er atmete tief: öffnete den Mund: schloß ihn wieder, ohne einen Ton herauszu- bringen. „Du— Schurke!!* Das kam plötzlich: gebrüllt mtt wahrer Löwenstimme. Gleich- zettig warf sich Fehlow vom Tisch aus wie ein schwerer Klotz auf den Oberleutnant und schlug ihn dabei mtt aller Kraft mMen ins Gesicht. Alle Nächsten wichen überrascht zurück. Der Offizier fiel hintenüber; Fehlow über ihn. Er hatte ihn am Hals« gepackt. Ich glaube, er hätte ihn erschlagen oder erwürgt. Aber man stürzte auf ihn zu, riß ihn zurück, brachte den Oberleutnant, der völlig zusammengebrochen war und heftig blutete, beiseite. (Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. luiiirmuiraiiwinmminmmBiiiiironnmiimmmmniiMinmiiramimimifflnmmnnnnHimromimrarammmiBminimniwiuimuraiuuimioumanniflBniiniiiwiiBiminw Nach 25 Jahren. Der Deutsche Arbetter-Abstinentenbund hat aus Anlaß seines AZjähttgen Bestehens eine Festschrift herausgegeben, die in fesselnder Weif« die Geschichte der proletarifchen Enthattsamkeitsbewcgung schildert. Die Gründer des Bundes waren ein winziges Häuflein meist jüngerer Arbeiter ohne Rang und Einfluß. Die Bekämpfung des Alkoholismus galt als Fachangelegenheit der Wohlfahrtsprak- tiker, die weitere Kresse nicht berühtt«. Vielfach sah man darin ein Stück Narrheit leerer Weltoerbesserer oder auch ein Steckenpferd lebensfeindlicher Finsterlinge, das bei der lebensbejahenden, frei gesinnten Arbetterschaft Widerwillen erwecken mußte. Simon Katzen st ein gibt in der Schrift einen kurzen Ueb erblick über die Aufnahme, die die Bestrebungen des Deutschen Arbeiter-Abstinenten- bundcs bei der Sozialdemokratischen Partei gefunden haben. Mehrere Parteitage befaßten sich auf Veranlassung der Arbctter- abstinenten mit der Altoholfrage, aber es ist für uns besonders bemerkenswert, daß Otto Braun, der heutige preußische Ministerpräsident, schon 1900 in ernsten und«indringlichen Worten die Alkoholgefahr darlegte und die Notwendigkeit des Eingreifens betont«. Eine sehr eingehende Behandlung der Alkoholfrage brachte der Parteitag zu Essen im Jahre 1907 mit E ma nuel Wurm als Berichterstatter. Der Leipziger Parteitag 1909 nahm dann«in- stimmig«inen Antrag Löbe an, wonach als Antwott auf die den Branntweinbrennereien gewährten Liebesgaben di« Arbeiterschaft zum Schnapsboykott aufgefordert werden sollte. S o l l m a n n gibt in der Schrift einige persönliche Erlebnisse zum besten:„Meine Lebenserfahrung geht dahin, daß die Abstinenz in allen Lebens- lagen durchzuhalten ist. Ich war Abstinent als Kaufmann, als Redakteur, als Abgeordneter, als Minister, als Iugendführer und als Pattetführer, In Arbeilerknelpen und in Staatsschlössern, in Her« bergen und in tnternutionalen Luxushotels, auf alkohol überschwemm» ten Festen, auf vielen parlamentattschen Bierabenden, auf feierlichen Bankelten und— von jedem Neide frei— als Zuschauer bel Sekt» gelogen. Ich Hab« als parlamentarische Pflichtarbeit berühmteste Weinkeller und noch berühintere Schnapsfabriken besichtigt und sehe noch die komisch erstarrten Gesichter der lieblich geröteten Keller- und Brennmeister vor mir, als ich ihre„edelste* Gab« lächelnd ver- schmäht«.* Professor G r o t j a h n kann über ähnlich« Erfahrungen berichten. Otto Jensen nennt den Altoholismus eine schwere Hemmung de» Klassenkampfes der Arbeiterschaft. Nur ein nüchter- nes, aber von Kulturidealismus und Wissen erfülltes, kameradschaft- lich fühlendes Proletariat wird den Sieg erkämpfen. Wir möchten wünschen, daß die anregend« Festschrift des Arbeiter-Abstinenten» bundes recht viel« Leser in der Arbeiterschaft findet. Er meldet sich nicht. Die Sanierung Deutschösterreichs mtt ihrem übergroßen Be- amtenabbau und ihrer Spanvut hat auch das Wächterpersonal in den Strafanstallen arg vermindert. Ueberarbeit und selbst Lebens. gefahr sind die Folgen, so sind in den Strafanstalten Raabs und Garsten einzelne Aufseher, da Hilfe nicht kam. der Wut gewalt- tätiger Sträfling« zum Opfer gefallen.... Heiterer ist folgender Fall, der nur möglich war, well bei den BezIrks(Amt«)gertcht«n zu wenig Iusttzfoldaten sind: Bei einem Wiener Bezirksgericht mußte«ine Bsrhandlimg gegen einen Mann zweimal vertagt werden, weil ein freiwilliger Ausrufer aus der Zahl der Gerichte saalkibitze jedesmal meldtte, der Gesucht« wäre nicht da. Schließlich stellte e» sich heraus, daß der Ausrufer selbst der gesucht» Lag»klagte war. Betäubung durch Zigarettenrauch. Ein Bromberger befand sich im Schnellzug Danzig— Bromberg. Ihm gegenüber nahm in Dirschau ein« Dame Platz, die eine Ziga- rette rauchte und den Rauch in die Nähe ihres Gegenübers blies. Der Reisende wurde schläfrig durch den Rauch, hatte aber noch soviel Willenskraft, die Hände über der Brust zu kreuzen, da er in einer Innentasche ein« größere Summe Geldes trug. Als er er- wachte, war die Dame verschwunden und mtt ihr Taschenuhr und Kette. Nur die Brieftasche war unberührt. Die Täterin wurde nicht gefaßt. „Ich will nicht, Mama!" Eine grauenhaft« Szene hat sich am Seineufer m Potts ab- gespielt. Eine Mutter zog mtt aller Gewott ihren siebeujShrigen Jungen zum Wasser. Da» Kind wehrt« sich nach Kräiten, stemmte sich gegen den Boden, schlug um sich und schtte: Lch will nicht, Mama! Was tust du. ich will nicht ins Wasser.* Spaziergänger entrissen der Mutter den Knaben und brachten bttd« ins Polizei- revier. Der dramatische Dorfall am Seineufer fand hier seine tra- gssche Erklärung. Der Mann hatte die junge Frau verlassen: ver- zweifelt, arbeits- und mittellos, in Angst um die Zukunft, die ihres Kindes harrte, beschloß sie, aus dem Leben zu scheiden und den Sohn mit sich zu nehmen. Der glückliche Zufall hat sie daran ge- hindert, ihre Absicht zur Ausführung zu bringen. Di« Frau wurde verhaftet, der Knabe der öffentlichen Fürsorge übergeben— vielleicht wird nun für beide gesorgt sein. Schuld und Sühne. In Leningrad beging«in IZjähriger Junge an einem vier- jährigen Mädttchen ein Sittlichkeltsverbrechen. Der Vater des Knaben, außer sich über die Tat seines Sohnes, ergriff einen Leder- rlemen und züchtigte Ihn. Ein unglücklicher Schlag traf den Jungen auf ten Kopf: er verlor di« Besinnung und starb auf dem Wege nach dem Krankenhaus. Die Riemenfchnalle hatte den Kopf verletzt. Mit Blut erkaufte Freiheit. Im Gefängnis von A s h e v i l l« in den Bereinigten Staaten hatte ein gewisser R i l e y zwei Jahre zu verbüßen, weil er feine Frau böswillig verlassen hott«. Nun. wurde bei einem Einbruch in Afheoill« ein 14jähriger Knabe namens Alvin Eochran, der feine Mutter heldenhaft verteidigt hatte, durch Dolchstiche von den Ein- brechern fo schwer verletzt, daß eine Bluttransfusion notwendig war. Rileiy erbot sich freiwillig dazu, von seinem Blute herzugeben, leider konnte sein Opfer den kleinen Helden auch nicht mehr retten. Die Einwohner von Asheville sandten aber an den Gouverneur zugunsten Rileys eine mtt vielen Namen unterzeichnete Bittschrift und erreich- ten, daß Riley aus Dank für feine Opferwilligkeit freigelassen wurde. 51i Stande gegen einen Mal. Mr. White-Wickham aus London weist« in Australien. Gleichsam zur Erholung ging er des öfteren angeln. Er freut« sich, als sich die Schnur straffte, aber die Freude dauerte nicht lange. denn der Fisch war stärker als der Mann und zog mit dem Boot etwa 18 Kilometer dl« kreuz und quer. Da merktt Mr. Wickham, daß er einen Hammerhai an der Angel hatte, schließlich ge- lang es ihm, seinen gefährlichen Gegner mit der Harpune zu er- legen und an Land zu bringen. 5i? Stunden hatte sein Kamps mtt dem Tier gedauert, das 830 Pfund wog und 480 Meter lang war. Der Umfang an der dicksten Stelle betrug 1,82 Meter. Es ist die- der größte Hai. der bisher t» gefangen Die Arbeiter-Fu�ballmeifieifdiafi Adler 08 oder Frankfurt- Westend? Am kommenden Sonntag hat Berlins Arbeiterfußbollgemeinde zum ersten Mal« Gelegenheit, das Endspiel um dieBundes- fußballmeisterfchoft zu sehen. Im Grunenxildstodion tritt der ostdeutsche Meister Adler 08 gegen Frankfurt- Westend ort. lieber die Epielstärke und dos technische Können Adlers gibt es wohl nicht viel zu sagen. In den letzten Spielen haben die Adler- leute bewiesen, daß sie berechtigte Hoffnung auf den Meistertitel haben. Aber auch die Frankfurter, die am letzten Sonntag in Solingen den westdeutschen Meister sicher schlugen, gehen mit keinen geringen Aussichten in den Kampf. Gerade das letzte Spiel bewies, daß die Frankfurter über große Schnelligkeit und Ausdauer ver. fügen. Es ist gewiß nicht leicht, den westdeutschen Meister hoch zu schlagen, hoben doch die Westdeutschen gegen Norddeutschlands Vertreter außerordentliche Leistungen gerade in Ballbehandlung be- wiesen. Adler 08 wird deshalb alles daran setzen müflen, um auch die letzte Klippe zu umschiffen. Das Spiel beginnt um 16 Uhr. Eintritt 1 M. auf allen Plätzen. 5chwinw»baci im Poststadion. Im Nordwesten Berlins, in der Lehrter Straß«, war früher knmitten von Kasernen ein großer Reitübungsplatz des Militärs. Jetzt ist dort das P o st st o d i o n erbaut, das der Arbeitersport schon zu wiederholten Malen für große Sportfeste benutzt hat. Gleichzeitig befindet sich hier ein großes Schwimmbad, das tagsüber der Oeffentlichkeit zur Verfügung steht, während es abends an Vereine verpachtet ist. In diesem Sommer wird die Freie Turnerschaft Groß-Verlin E. V. hier ihren Schwimm- betrieb eröffnen, so daß auch die Freunde des Arbeitersports Ge- legenheit haben, diese schöne Anlage zu benutzen. Das Schwimmbecken hat eine Größe von SO mal 20 Meter, die Wassertief« ist 2,40 bis 4,40 Meter. An Sprungbrettern sind vorhanden zwei zu 1 Meter, zwei zu 3 Meter und ein Turm von 5 Metern. Durch eine besondere Anlage wird marines Wasser zu- geführt, so daß der große Teil des Sommerhalbjahres voll aus- genutzt werden kann. Außerdem ist«m Nichtschwimmer» decken in Größe von 20 mal 20 Meter vorhanden, die Wasser- tiefe ist hier 0,60 bis 1,40 Meter. Für den Schwimmunterricht find drei Vorrichtungen vorhanden. Das Schwimmen ist gemeinsam für männliche und weibliche Personen. Ein großes Familien- sonnenbad ergänzt die Wohltaten des Schwimmens. Für Frauen ist außerdem ein besonderes Sonnenbad vorhandep, in der Mitte mit einem Rundlauf. Eine größere Anzahl Brausen gibt Belegenheit, den Körper vor dem Baden zu reinigen. Turn- gerate und Gewicht« sind ebenfalls vorhanden, um Ergänzungssport pflegen zu können. Der Bau eines Winterbades wird jetzt in. Angriff genommen. Die Eröffnimg der Badeanstalt findet am 13. Mal statt. ZKäheres wird noch rechtzeitig bekanntgegeben. -i! Schwimmableilong im Poflfladion. Die Freie Turner« fchaft Groß-Berlin hat ihren Schwimmbetrieb durch Grün- dung einer Schwimmabteilung im Poststadium(Eingang Lehrter Straße 57a und ß3a) erweitert. Uebungsabcnd: Mittwochs von 6 bis 10 Uhr. Programm: Sportliches Schwimmen, Lehrgänge für Nichtschwimmer und Ausbildung von Schwimmlehrkröften mit Prüfung. A n b a d e n Mittwoch, 16. Mai. 18 bis 20 Uhr. Nachdem Besprechung. Anmeldung von Mitgliedern erbeten cm die Geschäftsstelle der Freien Turnerschaft Groß-Berlin, Berlin NO 18, Lichtenberger Str. 3(Tel.: Königftadt 3656). Schach dem König! Das erste Mannschaftsblitzturnier. Kürzlich veranstaltete der Berliner Arbeiter-Schach« Klub in seinem Schachheim. Landsberger Str. 82, ein Mann- fchaftsblitzturnier. Zum ersten Male wurde ein solches in BerLn durchgeführt, es erweckte bei den Teilnehmern sowie Zu- schauern ollgemeines Interesse. Neun Mannschasten zu je 6 Teilnehmern stellten sich der Turnierleitung, die um 4 Uhr die Bretter freigab. Abwechselnd olle 5 Sekunden auf die Kommandos Weiß oder Schwarz mutz gezogen werden. Dieses Blitzturnier verlangt von den Spielern großen Ueberblick und schnelle Entschlußkraft. Interessant und spannend verliefen die Kämpfe. Nach 2�stündiger Spieldauer stand folgendes Resultat fest: 1. Werbebezlrk Osten 37� Punkte: 2. Osten 33: 3- Charlotten. bürg 26*4(200%); 4. Humboldthain 20K(186%); 5. Gesundbrunnen 25%; 6. Mitte 24; 7. Weißens«« 18; 8. tomb. Mannschaft 17; Ö. Westend 8. Anschließend spielte Grammatikofs an 10 Brettern Simultan mit dem ResuUat 6 gewonnen. 2 remls, 2 ver- lorrir. B>« zum September bleibt das Schachhelm geschlossen. Der Papst tür Leibesübungen— wenn sie bescheiden sindl Rom, S. Mai. Der.Osferoatove Romano� veröffentlicht ein Schreiben des Papste» an den Vikar von Rom, Kardinal Pompilj, worin er der Meinung Ausdruck gibt, daß er als Dater oller Katholiken und als Bischof von Rom nicht umhin könne, die Veranstaltung von sportlichen Wettkämpfen von Frauen, die dieser Tage in Rom. dem Mittelpunkt der Christenheit, stattfinden sollen, zu bedauern. Der Papst erkennt die Notwendigkeit von Leibesübungen auch für Mädchen an. vorausgesetzt, daß diese Hebungen keinen unbescheidenen Charakter tragen. Der 1. holländische Arbcitcrsporiplalz. Dank der Unterstützung des Gewerkschaftstartells und der ge- samten Arbeiterschaft von Haarlem hat die dortige Ortsgruppe des holländischen Arbeiter- Sportbundes einen eigenen Sportplatz bekomme». Er besitzt die Größe von drei Fußballspielseldern und ist ideal gelegen. Zu seiner Weih« waren die Arbetterfportler und-sportlerinnen der Ortsgruppen au» Sud- w»d Nordholland— die Amsterdamer im Sonderzug— gekommen und veranstalteten in den Straßen Haarlems einen Aufmarsch, der der staunenden Bevölkerung ein glänzendes Zeugnis von dem Soli- daritätsgefühl und der Selbstdisziplin im Holländischen Arbeiter- Sportbund gab. Der Verlauf der Veranstaltung hat seinen Ein- druck in der näheren und weiteren Umgebung Amsterdams nicht oerfehtt. Das Thema �Arbeitersport" ist unter der Bevölkerung trotz der bevorstehenden Olympischen Spiele der bürgerlichen Sportler allgemeiner Gesprächsstoff.„Het Volk", das sozialistisch« Partei- blatt Amsterdams widmete dem Fest auf der ersten Seite einen großen begeisterten Artikel und brachte in mehreren Ausgaben Bilder. 17. Juni: Reichsarbeitersporttag! Die Vorbereitungen zum diesjährigen Reichsarbeiter- sporttag, der am 17. Juni im Grunewaldstadion statt- finden wird, sind in vollem Gange. Die Spartentechniker haben gestern das Programm des Tages in großen Zügen festgesetzt. Mit einem großen Einmarsch der Berliner Arbeitersportler, an dem sich alle Sparten beteiligen, wird das Fest beginnen. Allein schön dieses Massenaufgebot von Sportlern in ihrer bunten Klei- dung, mit ihren Fahnen und Emblemen, wird ein überwältigendes Bild von der Größe und der Bedeutung des Berliner Arbeiter- sportes bieten. Die Turner werden mit einem Massenaufgebot von Frauen und Männern die neuesten gymnastischen Hebungen nach Musik zeigen, die Frauen bringen außerdem Sondervorsüh- nmgen, und etwa 2500 Kinder wenden ein« Generalprobe ihrer Freiübungen für dos Kreiskinderturnfist machen. Die Arbeiter- radfohrer warten wieder mit einem ganz besonderen Programm auf. In den Fliegerrennen sind die bekanntesten Leute von„Soli- dorität" am Start. Es wird in diesen Rennen, ebenso wie in einem Ausscheidungssahren, in einem Mannschaftsoerjolgungsrcnnen und in einem 10-Kilometer-Punktefahren besten Sport und heiß« Kämpfe geben. Massenfreiübungen und Training-vorführungen bringen die Schwerathleten. Neben den Ringern, den Boxern und den Iiu-Iitfu-Kämpfern werden in diesem Jahre erstmalig aus einem Zkeichsarbeitersporttag die A r b e i t e r a r t i st« n des Athletenbundes ihre Künste zeigen Die Schachspieler wollen ein großes Demonstrationsspiel mit lebenden Figuren in einem Riesenfeld bringen, und die Handballer haben zwei gut« Mann- schafie» zusammengesetzt. Die Gegner in dem vorgesehenen Fußballspiel stehen noch nicht fest. Soviel kann ober schon gesagt werden, daß zwei der spielstärksten Vereine— man spricht von dem neuen und dem Er- bundesmeister— gegeneinander kämpfen werden. Zwei Weltmeister bei Rütt. Die Radrennen am Sonntag. Das erste Zusonunentrefsen der beiden Weltmeister Engel und M i ch a r d mn kommenden Sonntag aus der Rütt- Arena wirst seine Schatten bereits voraus. So erfährt man, daß sich der Franzose sorgfältig auf das Duell in seiner Heimajstadt Paris vorbereitet, da er genau weiß, daß Engel jcin gegenwärtig wohl schwerster Gegner ist. und daß er gegen ihn nur gewinnen kann, wenn er in Höchstform antritt. Cr hat auch aus diesem Grunde sein« Ankunft in der Reichshauptstodt bereits für heute an- gekündigt, um noch genügend Gelegenheit zu haben, sich auf der Rütt-Arena einzufahren. Engel andererseits ist nicht nur auf der einwandfreien Kölner Stadionbahn, aus der er die Weltmeisterschaft gewonnen hat, fleißig tätig gewesen, sondern auch auf den Holzlatten der Krefelder Bahn.- Di« beiden Meisterfahrer treffen außerdem noch in einigen anderen Wettbewerben aufeinander, und zwar in einem Ein- ladungshandicap. für das die Rütt-Arena ein« Anzahl weiterer guter Sprinter verpflichtet hat. sowie in einem Zeit- fahren über eine Runde. Das reichhaltig« Programm bringt noch ein Hauptfahren mit Vor-, Zwischen- und drei End- lausen. Ein Ausscheidungsrennen und dos Armbinde- Verfolgungsrennen zwischen dem Dertcidiger Kedzierski und De Martini vervollständigt das Programm. Karten im Bar- verkauf gibt es auf der Rütt-Arena, in der Lindenpassage, Laden 30, und an der Theaterkasse des KdW. * Reue Rollenabstände im Dauerrennen. Die beim Kongreß des international«» Radipartverbcrndes im Februar in Paris getroffene Bestimmung, daß all« Dauerrennen mit 60 Zentimeter Rallen- abstand zu fahren sind, hat sich nicht bewährt. Die Rannen hinter Motorführung sind seitdem langweilig, Kampsmamente wurden fast völlig ausgeschaltet. Das hat sich nicht nur in Deutschland, sondern auch aus französischen Bahnen gezeigt. Entgegen den Wettsahr- bestimmungcn hat nun der Sportausschuh des BDR. insofern eine Neuregelung getroffen, als auf deutschen Bahnen hinter ver- schiedenen Abständen gefahren werden kann. Für die Bahnen In Berlin(Olympia), Bonn. Chemnitz, Dresden, Elberfeld, Erfurt. Frankfurt o. M.. Köln. Leipzig und Nürnberg ist der Rollen- abstand auf 4 0 Zentimeter festgesetzt worden, in Aachen, Braunschweig, Düsseldorf. Forst, Hannover, Nordhausen und Stettin muh mit 5 0 Zentimeter Abstand gefahren werden, die Bah»«» in Kreseld, Magdeburg, Münster und Plauen, die kein« große Schnelligkeit zulassen, haben ihre Dauerrennen hinter 60 Zentimeter Rollenabstaird durchzuführen._ Hunderennen am Sonntag. Der Berliner Huiiderenntlub setzt auf dem Stadion Lichtenberg am kommenden Sonntag sein diesjähriges Meeting fort. Es kommen 13 Rennen zum Austrag, darunter zwei auf vielseitigem Wunsch und mit großer Spannung erwarteten Trabrennen für deutsche Schäferhunde. Der BHRE., der.in feiner 8. Rennsaifon ist, wird wie bisher alle» aufbieten und, wie am 8. April, alles was Interesse am Hunderennlport hat, auf die Beine bringen. Zum 6 Mai liegen 68 Meldungen vor. Beginn der Rennen 15 Uhr.. Fahrtverbindungen: Straßenbahn 13, 53 und 68. Auskunft durch Dr. Nickel. NW 21, Ionasftraße 4(Moabit 3410). Heinrich Brauer. O. 112, Dosseftraß« 10. und Bereinslokal Pauly, NW. 7, Dorotheen- ftraß« 56(Zentrum 4867)._ Vorschau auf Hoppegarten. Eine Prüfung von überragender Bedeutung ist in dem Freitag- Programm des Unionklubs nicht enthalten. Das wcrwollfte Rennen ist der über 1600 Meter führende Preis von Neueuhagen�. der einige Dreijährige der zweiten Klosse am Ablauf sehen dürste. Nach dem spielenden Siege von Irländer im Grunewald muß man mit einem neuen Erfolge des Opelschen Hengstes rechnen. Vor- aussagen: 1. Araber— Pers; 2. Edler von Lorch Bernhard: 3. Mousme— Minenkönig: 4. Irländer— Normanne; 5. Stolzenfels— Double Hind; 6. Narciß— Skalde; 7. Finfteraarhorn— Christinchen. DMV.- Avus-Rennen. Sensationelles Nennungsergebnis. Zu den am 13. Mai stattfindenden Meisterschafts- rennen der Motorradfahrer auf der Avus sind zum ersten Meldeschluß 83 Meldungen der prominentesten Fahrer abge- geben worden. Darunter fehlt kein Fahrer von Ruf. Besonderes Interesse wird der Start der Sieger der italienischen Targa-Florio, Henne und Koppen, Hervornifen, die sich einen erbitterten Kampf mit den Gewinnern der vorhergegangenen Meisterschafts- laufe, B a u h o f« r und S ö n i u s, liefern dürsten. Die Bedeutung des Rennens wird durch die starke Beteiligung der deutschen und ausländischen Industrie dokumentiert. Die Bayerischen Motorenwerke haben fünf Meldungen, die Zschopaucr Motorenwerke(DKW.) acht Meldungen, die Srandard-Wert« fünf Meldungen abgegeben. An weiteren Maschinen sind gemeldet: Ardie, AIS., BSA., Sunbeam, Norton, Triumph, UT-Iop, Moioguzzi, Tornax, Harley-Davidsohn. Dies auserlesene Maschinenmaterial be- weist, daß die Veranstaltung das bedeutenste Renneil sein wird. Nach den bisherigen Meldeergebnissen sind für die Klasse: nicht über 175 ccm 5, nicht über 250 com 16, nicht über 350 ccm 18, nicht über 500 ccm 33, nicht über 1000 ccm 13 Meldungen abge- geben worden. Oer ADAe. wird Wirtschaftsverband. Der Allgem-eine Deutsche Automobilklub gab auf einem kürzlich veranstalteten Presseempfang einen Einblick in sein«n Arbeitsbetrieb. Dabei wurde zum Ausdruck gebracht, daß sich der Klub, den Zeitläuften entsprechend, immer mehr von einem Sport» verein zu einer Wirtschaftsorganisation entwickelt. Der Mitgliederbestand wurde mit 75 000 angegeben, d. h. der ADAC, ist in einem Jahre um 30 000 Mitglied«? gewachsen. Entsprechend einer Kundgebung, die vor etwa einem Jahre schon der Rcichsverband der deutschen Aulomobilindustric erließ, will auch der ADAC, immer mehr dazu übergehen. Automobil- rennen mit besonders dafür konstruierten Wagen ünd Maschinen abzuschaffen und sogenannte W i r t fch a f t l i ch k e i t s p r ü f» n- gen für Gebrauchswagen veranstalten. Die erste dieser Prüfungen hat vor kurzem stattgefunden. Man gab aus dem Presse- empfang dann»och bekannt, daß als weiteres-erstrebenswertes Ziel der internationale Zusammenschluß der großen Auto- mobilklubs sei, und daß der ADAC, hierin führend vorzugehen denke. Unserer Meinung nach wird man sich bei der Bcrsolgung dieses Zieles im Präsidium des ADAC staatspolitisch etwas um- organisieren müssen. Der Beichluß der Haupioersammlung des Klubs, den alten Klnbwimpel in den Farbe» schwarzweißrotzu belassen, ist nach recht frisch in Erinnerung. Wie man mit diesen monarchistischen Abzeichen intelnationale Be- Ziehungen pflegen will, ist nicht recht verständlich. Vielleicht darf man in diesem Zusantwcnhange das Präsidium und die maßgeben- den Leute im ADAC, noch einmal daraus hinweisen, daß die ver- sassungs mäßigen Farben des Deutschen Reiches schwarzrotgold sind! „Rekord!" Auf dem Autodrom von Miramas bei Marseille ist gestern ein Rcnnfahren. das am 23. Februar eröffnet worden war, zu Ende gegangen. Der Engländer Rapsom führte seinen Kraftmagen abwechselnd mit seinem Sohn und drei anderen Fahrern. Seit dem 23. Februar hat das Auto, das immer Nur kurze Zeit anhielt, um Benzin nachzufüllen, 8 0 5 39 Kilometer zurück- gelegt, was eine Stundengeschwindigkeit von 51,6 Kilometern de- deutet. Der Engländer hat damit den Weltrekord über 30C0O Meilen gebrochen. Die Ozeansahrkarte kostet 70 000 M. In diesem Sommer ist eine Amcrika-Europa-Jahrt auf dem amerikanischen Lust- schiff„li 100" geplant. Der Kommandant des Schiffes teilte i» einer Ingenieurkonferenz den Preis für die Fahrkarten der�erstcii Reise mit. Eine Fahrkart« wird mindestens l 0 0 0 P j n n d S t e r- l i n g kosten. Indessen hofft der Kommandant, den KoNenvreis bald auf 200, vielleicht sogar auf IE) Pfund Sterling oder 2000 M. herabsetzen zu können. VereiQsles'eacisr »rS«iter.Aa»Iah»c-.Pu»d.goliboiitnt", kan». Dro»i»z L?vr>d?nl>urq. Touren tllr«onntao. C. Mo:, flev i, florcniÄ: Durchs Slort 6 Uhr Crfilcsstiloh.— Ortsqr. Lharlott«i>l»,ri>! 6or;«cr Jlcrjt, ictcrt ö Uhr(««rnnniftr, Ut.— Vrtsgr. Mönchsw nlri, Llor: ij Uhr: 10 Uhr Rahnsdorf. Start Bahnhof.-- Srtrqr. Slrt-Oh: Ferch. Start 7 Uhr LrrrMsIolal.— V»>»»». iKroh-Sichttrjrlb«: 5. iSoi S'.ar! tt>r> Uhr noch Drück: 6. Mai, ö Uhr. Ifcrrf), Start SIndenburgdamnl.— Brz. it. Ottsat. Rriaick-Ndors: A h t. I: Sllt.Landshrra, Start 8 Uhr R-starnzstr. u«. A d 0 II: Start 7 und 12 Uhr Antonirnttr. 81.— Ottsat. Jitinctsbotf: Birk:». irrrdrr, Start 8 Uhr.hrM'-Slr. Ii.— ONsat. Ltchteabt-a:("amtii- gtimb, Start« Uhr Jung., lkrte Odristraße.— Ortsar. Birke»- wcrdcr. Starr 9 Uhr Berlinrr Allcr 2äatoe;0. Nllckstr WnellungsfiSung sZrritna. 1. Juni, 3U Uhr. viartenstr. iL». Milalirber können nach tnngtenommni werben. Tonnerstat,!> Mai. 3» Uhr, Vorstanboilhung im Nrstaurant„8r>r Elche". Neukölln, zteriser-strilbrich-, ecke Saalestraße. glreic Stnbttvt.UfMlirlasna 1913, e. B. Sihlinn Irr: tag, 4. Mai,»30 Uhr, „Strairbschloß", Oberschünewelbe. Artisten»««!»„Berlin",»IBitglieb bes Arheiler-Alhletrnbnndes. erleilt iunaen Leuten mit uiib ahne Darkenntnisse Ausbilbung»um Ärliste» unter sack:- kundiger Leitung. Einige Springer, Recktnrner»:>b Ztirnerinnen werbe» gesucht. Geschäftsstelle: Walter tbiihne. Berlin 3!. 81. Rupviner Str. 21. ABB. Lickttenberg, Leichtathleten. Die neue stinberabteilung trainiert jeden Dienstag, Donnerstag nnb Sonnabend im Lichtenbergrr Siabion. Herz- hergstraße. Airskünste bei ff. Wiesenihal tun., Berlin 0.112.»Mainzer Str. 11. Sie Mitglieder des 8«..Eiche" IMO unb der Sportlichen Bereinigung .ftppst Keil" werben ersucht, zu der ssreitag. 4. Mai. ISi, Uhr, in den ssor. inna-SZien. Strausderger Str. 8, stattsindenden gemeinsamen Bollaersammlunz zu erscheinen. Arbeitrr-Rodfohrer-Berei» lSroß-Berli««. Sonntag, 8.»Mai. Z Uhr. Peel», Niesanberg: 13 Uhr. Mieradorser Mühle. Start Walbeaiarstroße, ffcko Mariannen via». Taste willkommen. {ftttei ftanaaetetn Stralau. Mitgliebervarsammlurrz Doiurarsta,, Z. Mai. SO Uhr, Nestarrrant«allenba», Ält�Stralau 8. gfreie Zs-ttb-ots-hrer««Ii», stusammenkunkt Donnersiaa, ZMai. Schul». «Sinmeifterstr. 18.-17. 20 Uhr.»prtra«:.Modern« Paddeltechnrk." Safte will- kommen. Zährten am 8. Mai: Diesenthal—»Zinowlließ. Abfahrt Stettiner Dahnhoi VM Uhr. Dücktahrkarre lösen. Lehnitz-Schnelle Havel, Treffpunkt 7 Ahr Stettiner Bororibahnhos. kadrrsaer Rennkskrsr Molorrader Richard Huschke Snzisilffif: IMi-MIM.:: Sämtliche Sport-Artikel. An der Spandauer Brücke 7 (Uackoscbcr Markt. Tal. Vörden 11 S87)[G. P. 67 � AMAv-Jbtsdger (Bezirk Jlorden-Cfien. Gewerksdiaftlidi-Genossensctiaftl. VersidiBroniis-flktiengBSBlisdialt Die Versicherung aller Arbsiter und Angestellten>s Auskunft erteilen alle Vertrauensleute, sowie die Rechnungsstelle Serlin S 42, Ritterstrulle 126, I. Kassenstunden täglich von 8— I. Dienstags von 8—6,30 Uhr. 'ORHALS MAIEREIGENOSSENSCHAFT GEGRÜNDET 1912 NOI�LANDSBERGERALLEESS-SB FERNSPR ALEXANDER 5628-29 ALLE MALERARBEITEN 140 MOEBEL- UND AUTOLACKiERUNG Kauft die anerkannt vorzüglidien Quati täten der Vereinigten Pommer säten 'iä e/ere/en 110 Filialen in allen Stadtteilen G.F.39I Küchen zu Fabrikpreisen von 59.- Mark an Spottbillige Nahxrküdien Zahlvxngscrleidiicruiig I Küchen- Mescha Schwedensir. 1 Berliner Rattkeller Bierabteilnng Königstr.«-is Weinabteilnng KünstSerkonzert Vorzügliche Küche Reinridi Palenberg Närhisdier FieisAUonsom Hermann Pohle iaF.6 Pallisadenstr. Z9 Strausberger Str. 34 Oskar Beck Ole Bauer nadi mrem Gesdunadü Verlangen S'r* nur diese Marke Erhältlich In jeacm uc�oöi�fi LeDensmlttolgeschäfl Wäsche nach Gewicht Damptwäscherei Merkur, Berlin O 112 Frankfurier Allee 307 Fernspr.: Andreas 2820>22 Spezialität: Arbeiter-Berufskleidung nh. Aug. Bachmann Mitgl. d. SPP. Bpd n d en bu rg ische Wi rfschaffsAG W&JSr Anhaltstra�e S, Fabrikgebäude. Walferdicns Ball der älteren Jugend[171 Wann und Wo? Nur Holzmarktstr. 72(Jannowitzbrücke) Täglich Tanz £yom' Verlangen Sie nur diese Marke Wegen seiner Ausgiebigkeit ist er der Tee der Hausfrauen HEINRICH SCHMITZ Restaurant zum Dortmunder Schmitz Industrie-Kasino Kommandanicnsfra�e 72 O.Rackwitz NU. Groß-Destillation I. Am BIQcherplatz(Planufer 24) II. Am Hermannplatz(KottbusserDamm 36 37) III. Wiener Straße IS(Ecke Lausitzer Straße) RESTAU RANT „MÜNZHOF" Münzstr. Ecke Dragonerstr. Warme K8die ♦ dot septlegte Biers ♦ Ab 1 Utir mittag Konzert Auguststr. 24-25 vis-ä-vis der Kleinen Hamburger Straße Clärchens Witwenball Jeden Dlenatatf, Donnerstag, Freitag, Sonnabend, Sonntag mit ko!o«(a!em Stimmungsbetrteb Krapkol- Bootslacke sowie sämtliche Lacke- Farben- Pinsel erhiUucfa bei|G. F. 80 Berthold Krapke, Neukölln, Bürknersrr.Z? Telep on Neukölln P II 8> Hermann Lorenz Invalidensiraße 161 73 Kattee:: Tee u Kakao Eigene Röderel»et! 1879 Juwelen«Uhren«Go�d- und Silherwaren EßbssteGkeu�paccaDienstühren.OniegaXonnines Haus-Uhren von TSM.an. Wecker von2. 25 M.an. GFio DflldAlfi NÜSINV DbrüiatiiBr ond JawElisr, KUUUlfl rflUllZ BrunnBnsti.lIZ LVoltastr. Concordäa-FesfisäBe Treptow Am Treptower Park 69 Inh.: R. Pletsch, Telephon: Moritzp atz 12087 Empfehle den Vereinen meine"ollständig renovierten Festsale. Konzerlgarten mit Theaterbühne, 1000 Personen fassend, zu Sommerfesten u. größeren Veranstaltungen. Neu eröffnet! Neu eröffnet I Fahrräder erstklassige ✓ Ricsenauswahl TeUzaiiluna ii Jahre Garantie Grammophone von Mk.1,— an Gro8-Berllner Fahrrad- Vertriebs- Gesellschaft Turmstraße 70[G.F.QO Bootladse SdiiftsboileDlar&er Dichtmaterial sowie alit Streichs. Gel- und Lack. färben Illr Küchenmöbel, Fußböd. usw. kauft man am besten im größten Farben- Geschäft des Ostens Ernsl Scböbel Lack- und O.ltarben-Fabrik Boxhagener Straße 109 Tel. E 8 Andr. 4024. Geöffnet 8—7. nacli Gfiiidit Trauringe 333 er G. Gramm 1,60 585 er G. Gramm 2,00 900 er G. Gramm 3,90 bef MAX MULLER 112 nur Münzstralie S. u »J Boseatnaler Str. 11-12 SSäle.BVereinszimmer zu Versammlungen und Festlichkeiten. Möbel-Kamerlinn Kastanienallee 56 78 Speifez., 68 Schlaf,.. 60 y-eeenz. 50 KÜch-n, IlnfleiOefcht., Polstern,.. ZInrmöbel. ftotbmöbeU[GP1S Hernbnefetzte Preis«, zahlunnserletchtrr. ytiuhidi� ■ die neue patqesch. ��tochqlarxz bürsfe'.' Une nfb e K f 1 1 c kf ür rfie •�leqanrTkrcr 5cKuke; ' t uqsqueUcnnackvo«»*: i twübberv C.m.b.-H. SW68 KocKstr y' Leihhaus Hans Kiekbusch[Q.f.io hSAste ieiei&Qog jedet Wertiadie Danziger Sö*.2 ää Sport-Restaurant Oskar Schulz G«F; HOpenldt, BabnlioOtr. 34 ■Verkehrslokal. des Reichsbanners Fleisch billig Willy Hanka Brunnenstra�e 121-122 Wurst rQ.F.35 gut Musiker-Feslsäle Inh.: Max Vogel, Kaiser- Wi helni-S(r.31 Empfehle meine Lokalitäten sämtlichen Organisationen ond Vereinen. TANZPALAST MOEWE Mittwodi s Sonnabend s Sonnlag Großer Altdeutscher Ball Gepflegte»lere- diverse HKöre.[201 Grog Kondilorei W. Knobe IMQlierstraße 40 a(Fabrikgebäude) Fabrikation feinster Efiondiforetwaren JJtrieutsche-jM- Königknchen Großdestillationen Herrn. Raband Blslsser StraBe 16, Ecke Ber�straBe, Elsflsser StraBe II, Ecke AckeretraBe, LlntenetraBe 222, Ecke Alt, Schönhauser Str. Rügener StraBe 14, Ecke Swlnemünder Str. [90 n-TraotüahniBB der Mitglisder des DeutsdieB UrbeitBr-SängerbundBS auf Homocurd-Electro Männerchor Fichte-Georglnia wnhdmtüKngichei 4—2310 Das heilige Feuer G. Ad. Dlhmnnn— Ludwig Lessen) gufiahi fwiii-'"..... G.F.36 lölhelm Knöchel— Friedrich Muche) Lieber all erbältUch Gesangverein Jypographla'-Berltn -2522 Stnra(G. Ad. Dthmann— Ludwig Lessen) Vogel nieg' weder. Volkslied( Wann wir schreiten(Alfr. Guti......... tOJntag am ahetn, Volkslied(R. Schumann) Dirig.: Alexander Weinbaum mit Homocord-Orchester _____________ v. Othegraven)... 2323 Wann wir schreiten(Alfr. Gufhmann— Hermann Glaudius) tosmiiitj wtlit Mil Domophon-Companj 6. Dt. b. H.. Krokodil-Resfaurationsbeineß Brunnenstraße 17[ap.so Eigene SshUK&ierel- Grober»Mag- und AbendlisCh zu Kleinen Preisen— Sllmmnagsmnsiit mit groben lieber- raschungen Ökonom Barl Baase. Schönhauser Festsäle Schönhauser Allee 129 (Nähe Bahnhof Nordring) Fernsprecher Vineta 2457 Säle für Vereine 0F4ö und Famllienfestlichkeiten [61 Sonderangebot! Lily Braun gesammelte Werke 5 Bünde out holzfreiem Papier In Ganzleinen gebunden, statt Insgesamt filr M. 25.— kIIr�Hur�M�1�S0 Auf Wunsch Zahlungserleichterung, Zu beziehen durch: Verlagsanstall i, Courler** Berlin SO. 16, Mlcbaelklrcbplatz 4, Bevor Sie Möbel kaufen G.F.2 besichtigen Sie meine Ausstellung Zahlungserleichterung ohne Aufschlag, bei Kassa 50/o Tischlermeister Berlin N, Chausseestr. 60 JULIUS KIWI