Morgenausgabe Nr. 211 A 102 4S.Iahrgang Wöchentlich 85 Pfg, monatlich?.a0M. im voraus iahibar. Postbezug 4 22 M. einschl. Bestellgelb, Austandsadonn«- ment 5.— M. pro Monat. Hc Der.vorwärts' erscheint wachen täg« llch zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben sür Verlm und im Handel mit dem Titel.Der Abend' Illustrierte Beilagen.Boll und Zeit' und.Kindersreuno'. Ferner .Unterhaltung und Wissen',.Frauen- p-mme',.Technik'..Blick in die Vücherwelt' und.Äugend-Dorwärts�. P> Berliner VolkSvlatt Eonnabend S. Mai 1S2S Groß'Äerlin II Z)f. Auswärts i.5 pf. Die e i n> p a l t i g e Nonpareill««ife 80 Pfennig. Reklamezelle 5.— Reichs» mark.-Stlelne Anzeigen" das lettgedruckte Wort 25 Pfennig lzulassig zwei fettgedruckte Worte), ledes weitere Wort 12 Pfennig. Stellenge, u che das erste Wort 15 Pfennig, ede» weitere Dort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen iür zwei Worte. Arbeitsmarkt vjeile 60 Pfennig. Familienanzeiyen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Linden- strabeZ, wochentägl von 8�/, bis 17 Uhr. Jentvalorsan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstrahe 3 Fernlrrccher: Tönbofi 292—291 Telegramm-Adr; Eozialbemokral Hkrlto Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Poltlcheckkonto: Berlin ZI 52«— BanNamtv Band der Arbeuer. Sngelielli«» vnd Beamten Wollsir KS Ditkonio-Gelelllchaf». Tepokiienlalle Lindenstr B Schiedssprüche für Sachsen. Kür die Meiattarbeiier ungenügend. Von den drei Schlichterkammern, dle gestern im Reichsarbeit»- Ministerium zur Beilegung des Lohnkampfes in der sächsischen M/talliudustrie gebildet wurden, waren die Kammern sür das Toris- gebiet Sachsen und für das Tarifgebict des Arbeitgeberschutzver- bandes in der 22. Stund« zu Schiedssprüchen gekommen. Der Schiedsspruch sür da» Tarlfgebict Sachsen lautet: 1. Die Auxgongszisser der Lohntabelle wird für Akkord- und Lohnaibeirer auf 81 Pf. festgesetzt. Für den Bezirk Bautzen ermätzigt sich dieser Satz um 2 Ps.— gleich 79 Pf. Für die chüttenorbeiter kann der im Schiedsspruch vom 29. Dezember 1927 festgesetzte Lohnausgleich für diese Lohnerhöhung zur Hälft« in Anrechnung kommen. 2. Die Arbeit ist baldmöglichst vlieder aufzunehmen. Bei der Wiederaufnahme der Arbeit sind die Ardeiter, sobald die Be- triebsmäglichkeiten es gestatten, wieder einzustellen. Maßregelungen aus Anlaß des Streiks oder der Aussperrung finden nicht statt. Die Wiedereinstellung bewirkt, daß d i e Arbeit al« nicht unterbrochen im Sinne des Tarifver- träges gilt. Z. Die vorstehende Lohnreoelung gill mit Wirkung ab 1. Zlpril 1928 und kann mit einer einmonatigen Frist erstmalig zum 31. März 1929 gekündigt werden. Der Schiedsspruch für dle betriebe des Arbeikgeberfchnhver. Höndes s'-eht die gleich« Lohnregelung mit 81 Pf. Mindestlohn vor. Die Bestimmungen über die Wiederaufnahm« der Arbeit lauten ähnlich wie in dem ersten Schiedsspruch. Opfer der Deutschnaiionalen. Wen wählen die Jnflationsgeschädigten? Genosse Wilhelm Keil schreibt über die neu- gegründete B o.l k s r e ch t s p a r t e i: Eine der kleinen Parteien, die bei dieser Wahl zum erpenmal auftritt, ist die D o l k« r e ch t p o r t e i. Sie gill als die Vertretung eines Teiles der enttäuschten Sparer und Gläubiger. Hhr Hauptziel ist, den Betrug rückgängig zu machen, den die Teutschnatio- n a l e n im Jahre 1925 an den Opfern der Inflation verübt haben. Man kann es verstehen, daß in den Kreisen der verarmten Wähler, die erst von den Deutschnationalen mit hemmungslosen Ver- sprechungen ei«gefangen und dann von ihnen verraten wurden, ein« grenzenlose Empörung herrscht. Hat es aber einen Sinn. zur Lösung einer Einzelsrage eine neue Partei zu gründen? Im günstigsten Falle könnt« die Volksrechtpartei ein halbes bis ein Dutzend Mandat« erringen. Eine solche Gruppe könnte nur das Elend der Parteizersplitterer verschlimmern, aber keinen Ein- sluß gewinnen in einem Reichstag von 5lX> Mitgliedern. Es kann aber auch so kommen, daß alle der Dolksrechtpartei zugefallenen Stimmen wertlos sind, wenn dle Partei in keinem Wahlkreis hg 090 Stimmen bekäme. Dann bliebe sie ohne Mandat, und ihre sämtlichen Wähler hätten ihr Wahlrecht oerscherzt. Die Sozialdemokratie, die es bei der letzten Wahl ab- gelehnt hatte, Aufwertungsversprechen zu machen, hat im Reichstag für die Sparer und Gläubiger zu retten versucht, was nur irgend möglich war. Nicht einzelne ihrer Abgeordneten sind für eine ge- .rechte Aufwertung eingetreten, wie da und dort gesagt wird, sondern die Fraktion stand stet» einmütig hinter den Anträgen ihrer Vertreter. Diese Anträge, die sowohl dem Auswertungsgesetz wie dem Anleiheablösungegesetz ein ganz anderes, den Gläubigern freund- liches Gesicht zu geben bestinunt waren, ließen sich 1925, als seit der Stabilisierung erst Wi Jahre verstrichen waren, noch gut durch- führen. Nachdem un» nun iVi Jahr« vom Abschluß der Inflation?- Periode trennen und die Durchführung der Gesetze des Bürgerblocks seit 3 Jahren im Gange ist. ist eine völlige Reuaufrollung der Aufwertungsfrage, aus die manche noch hoffen, nicht mehr möglich. Schon im vorigen Jahr, als die Sozialdemokratie einige grobe Härten der Aufwertungsgesetze zu beseitigen beantraot«, er- klärt« der d-utschnationale Vizekanzler H e r g t, daß an den Grund- sähen des Aufwertungsgesetzes nicht mehr gerüttelt werden dürfe, und sämtliche Parteien des Bürgerblocks schloffen sich ihm an. 'Im nächsten Reichetag wird aus dem Gebiete der Aufwertung nur dreierlei noch möglich sein: 1 die Beseitigung dersenigen Mängel des Aufwertungsreckts. deren Abstellung ohne Derwirrunn der ne»a»!chakf?nen Reckte- oervaltniss« und ohne Erschüttcruno des Wirtschaftslebens geschehen s-"?! 2 die scharse Beaufsichtigung der ml« der Durchführung der Auswerlunn-aesetze befaßten Bcbörden, damit wenigstens das gel- tend- Recht bis zur Grenze des möglichen zugunsten der Verarmten und Enteigneten angewandt wird: 3. eine ausreichend« Fürsorge für die Kleinrentner aus Grund Für da« Tarisgebiet Leipzig steht der Schiedsspruch noch aus. Dle Erkläruagsfrlfl läuft bei beiden Schiedssprüchen bis Dien»- lag mittag. Die Meinung der Arbeitervertreter über die Schiedssprüche ist, daß dies« den berechtigten Ansprüchen der Metallarbeiter keineswegs genügen. Für das Tarisgebiet Sachsen ist gegenüber dem früheren Schiede spruch des sächsischen Schlichters wohl die Akkordbosis um einen Pfennig erhöht, dafür aber der Tariflohn der Lohnarbeiter um einen Pfennig gekürzt worden. Es wäre sehr wohl möglich gewesen, in dem Schiedsspruch den gleichen Grundlohn für Lohn- wie sür Akkordarbeiter festzusetzen und es bei dem Satze von 82 Pfennigen für die Lohnarbeiter zu belassen. Im öffentlichen Interesse, von dem so oft die Rede ist, zur Wiederherstellung des Friedens in der sächsischen Metallindustrie, war«in« Lohnreoelung notwendig, die die Arbeiterschaft einiger- maßen zufrieden stellt«. Daß die beiden Schiedssprüche sie nicht brachten, muh deshalb bedauert werden. Die Metallorbeiter Sachsens werden in den nach- sten Tagen zu den Schiedssprüchen Stellung nehmen. Die Verhandlungen für da» Leipziger Tarisgebiet wurde» in später Abendstunde aus heul« früh 10 Uhr vertagt. eines Rechtsanspruchs, der aber nicht nur einer kleinen Oberschicht, sondern möglichst wellen Kreisen derer, die ihre Spar- groschen verloren haben, zugute kommt. Für diese Ziele wird die Sozialdemokratie eintreten. Sie wird es mit um so größerem Erfolg tun können, je stärker sie ist. Geben die enttäuschten Sparer und Gläubiger ihre Stimme der Sozialdemokratie, die schon bisher ehrlich für sie eingetreten ist, so erreichen sie mehr, als wenn sie einig« cinslußlose Abgeordnete einer neuen Parte« wählen oder gar ihre Stimmen vergeuden für eine Partei, die keine Abgeordneten bekommt. Durch Unterstützung der Sozialdemokratie verschaffen sich die notleidenden Kleinrentner zugleich«inen Schutz gegen die Der- teuerung der Lebensmittel, die Bcrniehrung der Berbrouchssteuern, die Steigerung der Mieten und sonstige Belastungen, von denen sie noch härter betroffen werden als die Arbeiterschaft. Die Sozial- demokratie als bie Partei aller wirtschaftlich Schwachen ist auch die Partei der vom B es l tz b ü r g e r b l o ck schnöde betro- genen Sparer und Gläubiger. Lsnsere Reichs- und Landesliste. Die aus Mitgliedern des Parteioorstandes und des Parteiausschusses zusammengesetzte Kommission hat für die Wahlen zum Reichstag den folgenden Reichswahlvor» schlag aufgestellt: 1. Hermann Müller-Franken, 2. Otto Wels, 3. Arthur Trispien, 4. Rudolf Hilferdlng, S. Marie Iuchacz, 6. Dr. Paul Hertz, 7. Otto Landsberg. 8. Wilhelm Dittmann, 9. Willy Steinkopf, 19. Johannes Stelling, 11. Johanna Reitze, 12. Friedrich Stampfer, 13. Heinrich Schulz, 14. Dr. Ludwig Marum, 15. Toni Pfülf, 16. Franz Scheffel, 17. Fritz Tornow, 18. Albert Falkenberg, 19. Fritz Müntner, 29. Victor Schiff, 21. Bernhard Schwerdfeger. 22. Johanna Schult. Die aus Mitgliedern des Parteivorstandes, de» Partei» ausschusses und der preußischen Landtagsfraktion zusammen- gesetzte Kommission hat für die preußischen Landtagswahlen folgenden Landeswahlvorschlag aufgestellt: 1. Otto Braun. 2. Carl Severing. 3. Albert Grzefinski, 4. Friedrich Bartels. 5. Otto Hörsing, 6. Gertrud Hanna. 7. Dr. Siegfried Rosenfeld, 8. Dr. Benno Chajes, S. Dr. Richard Lohmann. 19. Prof. Heinrich Waentig. 11. Elfricde Ryneck, 12. Theodor Kotzur, 13. Ernst Schräder, 14. David Stetter, 15. Julius Schwarz, 16. B.'rnhard Krüger, 17. Friedrich Wildung, 18. Walter Reinhold. 19. Felix Boge». „Selbstkritik" oder Volkskritik. Stalins neueste Losung. Von peter Garwy. Selbstkritik i Das ist die neueste Losung des bolsche- wistischen Zentralkomitees. Selbstkritik!... erschallt aus den Spalten aller bolschewistischen Zeitungen. Selbstkritik! Das ist das geeignetste Mittel zur Ueberwindung der andauern- den Krise. Woher dieser Schrei nach Selbstkritik? Woher diese neue Losung, die als Panazee, als Universalheilmittel dienen soll? In seinem letzten Vortrag über die Ergebnisse der ver- einigten Plenarsitzung des Zentralkomitees und der Kontroll- kommission der KPdSU, untersucht der russische„Duce" Stalin diele Frage selbst. Er führt zur Rechtfertigung dieser neuesten Losung zwei Gründe an, die beide an sich schon sehr charakteristisch und aufschlußreich sind. Erstens— so führt Stalin aus(„Prawda" Nr. 60)— ist mit der Er- ledigung der Parteiopposition die Gefahr entstanden, daß die S i e g e r m e h r h e i t nunmehr auf den Lor- beeren ruhen wird. Stalin warnt vor den..lackier- t e n" Kommunisten, die alles durch die rosige Brille sehen und sehen wollen. Zwar nennt Stalin die scharfe links- gerichtete Kritik der trotzkistischen Parteiopposition„gegen- revolutionär" und„sowjetfeindlich". Dennach gibt er mit seinen Aeußeningen indirekt zu, daß diese Kritik zu Nutzen der bolschewistiichen Parteidiktatur war, und daß mit dem Ausschluß der Opposition nur die„lackierten" Kommunisten in der gehorsamen Parteimehrheit geblieben sind. Wäre die Kritik der Parteiopposition wirklich keine Selbstkritik der Partei, wie wäre es dann möglich, daß ihr„positives" Programm durch die stegreiche Parteimehrheit nicht nur an» genommen, sondern sogar übertrieben wurde? Wie ist überhaupt eine ernste..Selbstkritik" in der Partei ohne jeglicber Opvosition möglich? Immerhin stellt Stalin fest, daß mit der Erledigung der Parteiopposition die Kritik in der Partei selbst aufgehört hat, was für die Parteidiktatur m't sich große Gefahren zieht. Zweitens begründet Stalin die Notwendigkeit.der ver- stärkten„Selbstkritik" damit, daß zwischen den Regier°nden und den Regierten, zwischen den Führern und den Volks- maffen eine wachsende Kluft entstanden ist.„Einer- seits"— so führt Stalin aus—„hat sich bei uns geschichtlich eine Führergruppe gebildet und abgesondert, deren Autorität von Tag zu Tag wächst und die für d i e M a s s e n fast unerreickbar geworden ist. Andererseits steigen die Arbeitermaffen und"überhaupt die werktätigen Masisn außer- ordentlich langsam auf. Sie fangen an, auf die Führer von unter herauf mit den zugedrückten Augen zu sehen, und oft fürchten sie sicb. die Führer zu kritisieren." Diese authentische Feststellung Stalins ist von größter Bedeutung. Stasin berührt hiermit das brennendste Problem des heutigen Rußlands. Er verriet unabsichtlich mit seinen Aeußerungen das offene Geheimnis der anaeblich-n„Dikta- tur des Proletariats". Das von ibm geschilderte Verhältnis zwischen dem Herrscher und den Regierten, zwischen dem Führer und den Volksmassen legt ein beredtes Zeugnis davon ab. wieweit der Bonapartisierungsyrozeß in Rußland be- reits fortgeicbritten ist. Ist ein solches Verhältnis zwischen den Parteiführern und der Parteimasse in einer wirklichen Arbeiterpartei möglich? Ist ein solches Verhältnis zwischen den Regierenden und den Regierten in einem wirk- lichen Arbeiter st aat zu dulden? Stalin selbst fübrt einen kleinen Zwischenfall an. der für die in dem bolschewistischen Arbeiterstaat" herrschenden Ver- Hältnissen sehr charakteristisch ist. Einer der„Führer", der im Donezgebiet die Untersucbung der„Schackllinski-Verschwö- rung" leitete, fragte die Bergarbeiter:„Ich fahre nach Moskau zurück. Was ioll ich den Zentralinstanzen von Ihnen übergeben?"—„Sagen Sie"— war die Antwort—, ..daß es gut geht."„Hören Sie mal, Genossen"— beharrte der„Fübrsr"—„ich bin doch kein Ausländer, ich bin ein Russe, und bin hierher gekommen, um die ganze Wahrheit von euch zu erfahren."—„Ganz egal"— war die Antwort der Arbeiter— wir sprechen nur die Wahrheit so- wohl den Ausländern wie unseren Landsleuten q-gsnüber..." „Helden!"— sagte dcnu Stalin. Sklaven!—- sagen wir. Denn das war auch die Haltung den Vorgesetzten gegenüber in der Zarenzeit:. Wir sind mit allem ganz zu- frieden." Als ob der heutige Diktator Rußlands nicht weiß. daß die Arbeiter auch setzt A n g st haben, die Wahrheit aus- zusprechen! Daß es eben so ist, beweist Stalin auf der Stelle selbst. In demselben Vortroq stellt er fest, daß die genaue Untersuchung der Verbältn'sse in dem Donezgebiet die icklimmsten Mißstände aufgedeckt hat:„Es ist festgestellt daß die Arbeiterschutzgzsetze dort ver- letzt werden, daß der Secksstundentaq unter der Erde nicht immer ausg-führt wird, daß die Arbeitsverhältnisie durch- weg ichl-chf find U n d d> e Arbeiter schwelgen. Und die Gewerkschaften schwelgen. Und die Varteinrgant- lationen unternehmen nichts, um diese Mißstände zu be- seitig-n.. Und alle diese Mißstände soll jetzt die bolschewistische „Eelbsttritik" enthüllen und beseitigen! Und dieses rein bona- partistische VerhäUniZ zwischen den Führern und den Massen, zwischen der Herrscherschicht und dem Volke soll die jüngst angekündigte„Selbstkritik" zum besten ändern! Und das nennt man Arbeiterdemokratie! Was ist das— Blindheit oder Torheit? Heuchelei oder Verbrechen? Selbstkritik! Als ob sie möglich wäre unter dem Beile der.terroristischen Diktatur! Als ob sie möglich wäre ohne die verächtete„formelle" Demokratie, ohne die politische Freiheit, ohne die Bürgerrechte, ohne die Pressefretheit? Als ob eine Selbstkritik der monopolistisch herrschenden Partei ausreichen könnte, um alle Mißstände und ihre tieffte Wur- zsln und Ursachen aufzudecken! Als ob eine von oben vor- geschriebene„Selbstkritik" die freie Kritik der unabhängigen öffentlichen Meinung ersetzen könnte! Es wird oft von Rußlandfahrern und Rußlandbewun- derern darauf hingewiesen, daß nirgends in der Welt alle Mißstände uitb Mängel so stark, so rücksichtslos in der Re- merungspresse kritisiert werden, als in Sowjetrußland. Stimmt! Denn ohne jegliche Kritik würde die Sowjetmacht wie in der Dunkelheit jede Richtung längst verloren haben. Denn ohne das Ventil der„Selbstkritik" von Zeit zu Zeit zu öffnen, wäre es unmöglich, die Unzufriedenheit der Volks- mafsen abzulenken und zu stillen. Aber welchen Wert hat diese hochgeprtesene„Selbstkritik"? Sie darf nur die Einzelfalle berühren. Sie kann nur die unteren Schichten des sowjetistischen Beamtentums und der bolsche- mistischen Parteimitgliederschaft und nicht die„Führer" kriti- sieren. Sie darf nicht die G r u n d u r s a ch e n der Mißstände aufdecken, sie darf nicht die fehlerhafte) oft verhängnisvollen Richtlinien der Partei kritisieren, sie darf nicht die herrschenden Mißstände mit dem herrschenden System in Verbindung setzen, sie darf nicht die lZ r u n d s ä tz e des Sowjetsystems der Parteidiktatur, der Wirtschaftspolitik kritisieren. Sie soll nur eine„wohlwollende Selbstkritik" sein. Das stellt auch Stalin fest, indem er jetzt demagogisch die Losung der„Selbstkritik" auf das Panier schreibt. Damit ist aber die Heuchelei, die U n a u f r i ch t i g k e i t dieser Losung von selbst bemiesen. Selbstkritik der Herrschenden ist keine Ktitik. Sie ist entweder Selbsttäuschung oder eine Täuschung des Volkes oder beides zusammen. Das ist es eben, daß die Mißstände im heutigen Rußland keine Einzelfälle, keine Mängel eines an sich guten Mecha- Nismus sind. Sie sind vielmehr nur die Einzelerscheinungen des großen Mangels, der in der terroristischen Partei» diktatur besteht. Di«„Selbstkritik" auf die Grundsätze und auf die Grund- läge ihrer Parteiherrschaft selbst auszudehnen, dazu haben freilich die bolschewistischen Führer weder Lust noch Mut. Die russische Arbeiterklasse aber, wenn s i e einmal die Waffen der Kritik ergreist, wird sie nicht nur gegen die Einzelheiten, sondern gegen die G r u n d l a a e n des herrschenden Systems anwenden. Und diese Kritik wird für die bolschewistische Parteidiktatur wie ein Urteilsspruch der Geschichte klingen... Nicht„Sellistkritik" der Diktatoren, sondern Volksrechte, Pressefreiheit, Demokratie können die Losung:„Unter die KontrollederMassen!" aus einer rein demag Phrase machen! zu einer aufrichttgen und demagogischen erfolgreichen Reform Stalin unter Jensur. -7" Jus Schicksal der Rede Stalin», die in dem vorstehenden Auf- joß kritisch gewürdigt worden ist, zeigt, was es mit der bolsche» wistischen Selbstkritik auf sich hat. Sie ist durch die Internationale Pressekorrespondenz"(Jnpretorr) sür die kommunistische Presie außerhalb Rußlands verbreitet worden— ober zensuriert! Oene hochinteressante Stelle über die Erfahrungen«ine» die Untersuchung über die Schachty-Angelegenheit im Donez- gebiet sührcnden Funktionärs ist von der„Inprekorr" glatt unterschlagen worden. Tie linkskommunistische„Fahne des Kommunismus" begleitet diese Zensur an Stalin mit folgenden Worten: „Aber der weise Redakteur der„Lnprelorr" läßt fürsorglich hie ganze Geschichte aus. Denn, so sagt er sich offenbar, was sollen die Unglückshübner vonden Arbeiterdele- g a tiö n e n denken, die lesen, daß der„Genosie aus dem Zen- trum" den Bergarbeitern sagt, zu ihm als einen Russen könnten sie doch reden, er sei kein„Ausländer", d. h. keiner, dem man blauen Dunst vorzumachen nötig Hot. Än dielen wenigen Zellen ist mehr gesagt über den Unglücks» k b rs, der in bezug auf die Information des Internationalen Proletariats über Rußland gesteuert worden ist. als m allen Be- richten solcher Arbeiterdelegierten, welche sich einbildeten, in So- wjetruhland sei nur paradiesische Zufriedenheit zu erblicken." ' Stalinsche Selbstkritik— aber unter Zensur! Theorie und Praxis. In der Theorie predigen die Kommunisten, daß sie da» Privatkapital ausrotten, in der Praxis sind sie ge- zwungen. ihm eine Konzession nach der anderen zu machen. Sn Rußland beweisen sie das alle Tage. Hier eine Stichprobe: ■ Auch Sowjetrußland leidet unter der Wohnungsnot und eine der großen Ausgaben der Räteregierung ist e». ihr abzuhelfen. Zu diesem Zweck hat sie— wie der bolschewistische„T r u d" vom 27: April berichtet—«ine Verordnung erlassen, nach der die Bildung von Aktiengesellschaften zum Wohnungsbau ohne Teilnahme des Staates oder Genossenschaften zu erleichtern ist. Gesellschaften, die größere Wohnhäuser bauen, erhalten das Recht, sie auf eigene Rechnung zu verwerten durch Vermietung einzelner Wohnungen und einzelner Zimmer, durch Verpachtung von Ladenräumen und sonstigen Räumlichkeiten, ohne daß bezüglich des MIet- Preises irgendwelche Höchstsätze oder Taxen«in- z.u halten sind. Die Mieter dieser Wohnungen sind also im Einverständnis mit dem Rat der Boltsbeauf- »ragten gayz und gar der Willkür der Wohnungsbaugesellschaften . ausgeliesert. und zu alledem erhalten die privatkapitalistischen Gesell- schasten und Privatpersonen»och ein« Prämie. Der Tell des Ein- kammens, den sie aus der Verwertung beziehen, braucht nicht einmal versteuert zu werden. Dieser Beschluß des Rates der �Volkskommissare ist nicht nur ein.. Eingeständnis des Unvermögens auf dem Wege der sta at« l t ch e n undtommunalen Wohnungsbau Monopol», chi« in Sowjetrußland herrschende Wohnungsnot wesentlich einzuschränken. Er ist zugleich auch«in Liebesdienst für die großen Terrain» und Baugesellschaften. . Die britische Arbelkrrparfci begrüßt die Kelloggschen Vorschläge -ur.Abichassunq de» Krieges und foddert. daß die englische R«. rietung sie>>» Prinzip ohne weiter« Verzögerung annehmen solle. Angesichts der Tatjache, daß di« Rote nicht hie praktisch« Anwendung dicser Politik im einzelnen vorsehe, empfiehlt die Arbeiterpartei eine Konferenz, äie die besten Mittel und Wege erörtem soll, um die Politik Kelloggs in die Praxis umzusetzen. Gtresemanns Partei. Schon wieder Liebeserklärungen für die Oeutschnaiionalen. In einer Wahloersammlung in Königsberg sprach als Kandidat der Volkspartei G r a f K a n i tz, der seinerzeit die Deutschnationale Volkspartei verlassen hat, um Ernäh- rungsminister im Kabinett Stresemann zu werden. Er charakterisierte dte Deutsche Volkspartei mit den folgenden Worten: „Es ist eine völlig irrige leider in deutschnationalen Der- sammlungen verbreitete Meinung, daß die Deutsche Volksparj«i sich bereits mit den Sozialdemokraten darüber geeinigt Hab«, daß jetzt die große Koalition kommen werde. Wenn sie kommen sollte, be- grüßt das die Bolkspartei keineswegs. Di« Deutsch« Volts» Partei hat aber unbestritten in den letzten Iahren alles getan, um den Deutschnationalen in die Regierung hineinzuhelfen. Ich erinnere nur daran, daß der Vorsitzende der Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei, Minister Scholz, sich geradezu unbeliebt gemacht hat mit seinen dauernden Versuchen, die Deutschnationalen hinzu- zuziehen. Und auch ich persönlich bin natürlich viel lieber mit einer Partei zusammen, mit der ich die großen politischen Ziele teile, als mit der Linken. Wie ist es überhaupt mit dem Verhältnis zwischen De u t s ch n o ti o n a l e n und der Deutschen V olksparte i. Die beiden Parteien haben sachlich eigentlich sehr wenig Unterschiedsmerkmale. Politisch haben sie bestimmt dieselben Ziele, abgesehen vom Reichs» schulgesetz, aber die Zeit ist nicht mehr fern, in der die Deutsch- nationalen einsehen werden, daß die Deutsch« Volkspartei die pro- testontijche Schule nun einmal bestimmt gerettet hat. Nach meiner Ansicht unterscheidet sich die Deutsche Bolkspartei von den Deutsch- nationalen nur in der Methode, im Tempo und im Ton, aber nicht in den großen Zielen." Die Deutsche Dolkspartai brennt darauf, In die Regie- rungskoalttion in P r e u ß e n aufgenommen zu werden. Herr o. K a n i tz hat einen neuen Beweis dafür geliefert, daß sie nicht toalitionsreif ist. Oer Aerzie-Wahlsonds. Ein Protest der sozialdemokratischen Aerzte. Di« �Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Aerzte teilt mit: Die großen Aerzteorganisationen Deutschlands haben am 2.H. Mörz 1928' folgenden Beschluß gefaßt:„Sämtliche deutsch« Aer.zte sollen ein« Umlage von 29 M. pro Kopf zur Bildung eines Wahlsonds ausbringen." Die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Aerzte lehnt einen solchen Beschluß auf das«nt- schieden st« ab. Die Kandidaten der politischen Parteien, auch die, die dem Aerztestande angehören, sind einzig und allein Der. trauensmänncr ihrer Parteien. Werden Aerzte als Parlamentarier ohne Unterschied ihrer Parteizugehörigkeit aus einem Fonds ihrer Berufsorganisation unterstützt, ja können sie in die schwersten Gewissenstonslikte zwischen ihrer Eigenschaft als Boltsvertreter und den Forderungen ihrer Berufeorganisaticnen kommen, zumal in dem Beschlüsse des Aerzteoereinebundes nicht einmal der Versuch gemacht wird,„die Lebensnotwendigkeite« des ärztlichen Berufes" genauer.zu umschreiben.- Da aus diesem vom Gros der Aerzteschaft nicht kontrollier- baren Fonds nur solche ärztlich« Porlameniorier unterstützt werden sollen, die volle? Verständnis für die Derbandspoltik haben, so ist damit Zweck und Charakter des Fonds gekennzeichnet. Das Verbrechen in Zahlen. Äoskau hat mindestens SO Mandate der französischen Reaktion zugeschanzt! V.Scst. pari». 3. Mai. Das neue französisch« Parlament entspricht semer Zusammen- sctzung nach ungefähr dem asten, das erkennen sogar allmählich die- jenigen Rechtsblätter an, die zunächst eine Verschiebung nach rechts festzustellen versucht hasten. Aber die neu« Deputiertenkammer hätte ein« wesentliche Verschiebung nach linke, ein« Schwächung der Reaktion zugunsten vor allem der Sozialisten aufweisen können, wenn nicht die Kommunisten es bewußt verhindert hätten. Linksgerichtet« Blätter haben nachgerechnei, daß in etwa d �t i ß! g � Fallest der«afttonor« Kandidat durchgefallen fein würde, wenn der aussichtskose Kommunist zurückgezogen worden wäre. In Wirtlichkeit ist oder diese Zahl nüch viel höher, denn die erwähnten Statistiken der Linksblätter beruhen lediglich auf den Stimmenzahlen im zweiten Wahlgang, die bet den Kommunisten durchweg viel geringer find als beim ersten Wahlgang. Hätten die Kommunisten die Parole ausgegeben, alle für ihr« aussichtslosen Kandidaten im ersten Wahlgang abgegebenen Stimmen dem Gegner der Reaktion zuzuwenden, dann würde die Rechte im neuen Parlament nicht um dreißig, sondern um min» bestens fünfzig Mandate schwächer, die Linke«ntsprechenid stärker sein. Dann würden übrigens die Kommuni st«n selbst etwa doppelt soviel Mandate erziest haben, denn die berechtigte Er- bitterung der Sozialisten, die ihnen zur Straf« sür ihr verrät«- rifchc? Verhalten an vielen Stellen jede Unterstützung versagten. ist ihnen, vor allem in Pari?, zum Verhängnis geworden. Aber bleiben wir bei d« n Fällen, wo an der Hand der Ziffern- mäßigen Ergebnisse des zweiten Wahlganges die Verhängnis- volle Wirkung des Moskauer Befehls arithmetisch nachweisbar ist. Einige Beispiele werden genügen, um diesen Nachweis zu führen und selbst den verbohrtesten Kommunisten zu überzeugen und zu bcschänien. Zunächst ein paar Fälle aus Paris und Umgebung. Im 18. Pariser Bezirk, auf dem Montnmrtr«. desien Bevölkerung vorwiegend proletarisch ist. wo aber«ine starke Minderheit aus reaktionären Kleinbürgern vorhanden ist, ergab die Stichwahl folgende Stimmenzahlen: Busiac(Reaktionär)........ 8<27(gewählt) Akontaanon Tor res, der selbst früher Kommunist war, den die.�umanit--" aber zuweilen heut« noch lobt, wenn er als Verteidiger in politischen Prozessen(z. B. in der Schwarzbarih-Affäre) für den FreispruÄ seiner Klienten wie ein Löwe kämpft. Das Departement Gard in Südfrankreich ist eine dar wenigen Gegenden, wo die Roys- listen noch starken Anhang besitzen, vor allem aus dem flachen Lande, wahrend die übrige Bevölkerung zum großen Tell aus Berg- arbeitern besteht. Hier das Ergebnis des zweiten Wahlganges in diesem Wahlkreis: de Ramel(Royalist).. kienri Tarr仫So, lallst) Vallat(Kommunist). 6899(gewählt) 6479) 3002( 9481 Hier hatte der Kommunist im ersten Wahlgang 4611 Stimmen erhallen. Am meisten verheerend hat aber, wie schon erwähnt, di« kommu- nistisch« Taktik im proletarischen Nordfrankreich, in den beiden Departements Nord und Pas-de-Calaie, gewirkt. Dort erleben die Arbeiter den Klassenkampf seit Jahrzehnten tagaus, tagein in krassester Form. Der Norden bildete stats den linken Flügel der sozialistischen Arbeiterbewegung: wirtschaftlich das franzö- fisch« Ruhrgebiet, polltisch das sranzösssche Westsachsen. Die von den Sozialisten erkannte Notwendigkeit, die Kandidaten der Arbeitgeber um jeden Preis zu schlagen, ließ den Bezirksparteitag, wie schon gemeldet, beschließen, di« in drei Fällen aussichtsreicheren kommu- nistischen Kandidaten im zweiten Wahlgang zu unterstützen. In allen anderen Bezirken hat ein großer Teil der kommu- nistischen Wähler di« Pflicht zur Gegenseitigkeit über di« Köpf« der bolschewistischen Führer hinweg erkannt. Leider aber nicht aenug. So kann sich Moskau rühmen, zum ersten Male seit dem Bestehen der Republik die Arbeiterstadt Roubaix, Jules Guesdes unantastbare Hochburg, in die Hände der Reaktion gespielt zu haben. Hier dl« Zahl«»: Destoilleurs(Reaktionär)...... 11408(gewähll) Crt)«s'Sozial, viirgermeister 0. Roubaix) 1115?) 1««»m Ponte(Kommunist)........ 2 682 j Was das Industriekapital niemals erreichen konnte— Moskau hat es geschafft! Und fo ähnlich in weiteren vier Fällen dieser beiden Departement«! Zur Ebr« der französischen Arbeiterschaft muß indessen betont werden, daß nur«ine Minderheit der kommunistischen Wähler vom 22. April die Parole der Moskauer Exekutive allst Tage später blindlings befolgt hat. Wahrscheinlich hat sogar ein Teil von diesen unentwegt Gehorchenden nur innerlich widerstrebend den geforderten Kadavergehorsam geleistet, mit dem instinktiven Gefühl, eine selbstmörderisch« Handlung zu begehen. Ein anderer Teil hat sich angewidert oder hilflos abgewendet, ohne allerdings nach der maßlosen Hetze gegen die Sozialisten sich zur Stimmabgab« für deren Kandidaten ausraffen au können. Endlich aber hat ein dritter und nicht unbeträchtlicher Teil die Stimme der Vernunft und des wohlverstandenen Interesses befolgt. So ist Genosse Paul Faure. der Generalsekretär der Sozialistischen Partei, in der Industriestadt Le Ereuzot nur dadurch gewähll worden, daß di» erdrückende Mehrheit der kommunistischen Wähler aus die Parole der Führer«infach gepfiffen hat. Im ersten Wahlgang hatte Faure 6976. der Kommunist Brae 1?40, d«s Interesienvertreter der Schwerindustrie, ein Pariser Syndikus namens B a t a i l l e, 7257 und ein bürgerlicher Splillerkandidol 598 Stimmen erhalten. Faure konnte nur mit kommunistischen Hilfsstimmen gewählt io«rden, und schon frohlockten die Sonde»- Korfch und pfiffig im Wahlkampf. IV. Lorsch und pfiffig bauten gerade sich auf Dar einem Laden, in dem Ausverkauf; Als— ein Plakat um den Hals gehängt, Ein Deulschnationaler vorüber drängt. Borsch sagt:„Schad', hinten, da trägt er nichts! Ich mein nur wegen des Gleichgewichts." pfiffig macht:„pst l" Ein Griff- und es glürft, Daß er des Mannes Röckseite schmückt! Emigranten-Attentat in Warschau. Der Letter der Gowjei-Handelsmisfion angeschossen. berichierstotker d«r Barts« schw«rindustri«llen Press«.über den Moskauer Befehl. Aber es kam anders, wie das Ergebnis des zweiten Wahlganges zeigt: £anl Sanre(Soiialift) SIW(gewählt) Bataille(Reolt)......... 7815 Bras(Kommunist)...... 215(!!) Bierfünftel der Kommunisten waren also innerhalb von einer Woche entsetzt davongelaufen. Das Gleiche geschah in drei meiteren Wahlkreisen deefelben Departements und ermöglicht« die Wahl von drei weiteren gefährdeten Sozialisten. Iy dem benachbarten Departement Nievr« ist das Davon- laufen der kommunistischen Wähler noch drastischer in die Erschei- nung getreten. Das lehrt nachstehende Tabelle: Aommaniltil»« Stimmen imI.W-k>lgaNg im 2. Wahlgang Nevers ll........... 2105 126 Chateau-Ghinon......... 1641 134 Cosn«.....;...... 3072 279 Clamecy........... 937 86 In allen diesen vier Wahlkreisen ist der Reaktionär unterlegen, in den drei ersten Fällen wurden Sozialisten ge- wählt und im vierten Fall der bürgerliche Ztadikale mit chilse nicht nur der sozialistischen, sondern auch der kommunistischen Stimmen! Es ist wohl der Gipfel der Unverfrotenheit, wenn die bolsche- wistischen Führer in der„chumanite"(und neuerdings«auch in der ..Roten Fahne". Red. d.„V.") die Sozialisten beschimfen, weil sie an oarschiedenen Stellen, besonders in Paris, die Wahl des Kom. munisten vereitelt haben, weil sie es abgelehnt hatten, eine aus- drücksiche Parole zu deren Gunsten auszugeben. Die Kommunisten versuchen«s eben mit der Frechheit, aber es wird ihnen damit nicht gelingen, den Sturm abzuwenden, der sich aus der Empörung in den eigenen Reihen über ihren choirptekn zusammenballt. Man wird ihnen und ihren Ge- sinnungsgenossen in ganz Europa die Worte um die Ohren schlaaen müssen, die in dem Organ der finstersten klerikal-natio- nalistischen Reaktion, in der Pariser„CCroix" vom 1. Mai zu lesen waren: .Droh der Bemühungen der„nationalen" Parteien kehren die Sozialisten um einige Mandate verstärkt zurück, und wenn die Kommunisten mit ihnen zusammengegangen wären, so wurde ihr. Block etwa dreißig weitere Sitze gewonnen haben. Die Deputiertenkammer hätte dann einen soziallstisch-kommu. niskischen Flügel von 159 Stimmen gezählt. Allein die kommunistische Taktik hat uns vor diesem Unheil bewahrt." Die Feind« der Arbeiterschaft quittieren öffentlich über die Dienste, die ihnen ihre kommunistischen Agenten geleistet haben! Erstunken und erlogen. Kommunistische Verdächtigungen sozialdemokratischer Reichstagsabg�ordneter. Das kommunistische Sensotionsblatt„Die Welt am Abend" bringt in marktschreierischer Ausmachung eine aus Paris datierte dunkle Geschichte über schwere Betrugsmanöver, die ein französischer sozialistischer Abgeordneter namens Calmov zum Schaden des DeuischZN-Reiche.s. begonzen haben soll. Dieser Abge- ordnete'soll an der sälschlichen.�jurückdaiierung deutscher Borkriegs« remen beteiligt sein, die gemäß eine» deutsch-sranzösischen Ab- kommen? ein» hohe Aufwerfung erfahren, wenn ihre Besitzer sran- zösische Sloatsongehörig« sind.(Also ein Gegenstuck zu den Blumen- siein-Fässchungen, die mit ungarischen Anleihen im Großen getrieben würden.). Das Deutsche Reich soll durch diese Manipulationen um 26 Millionen geschädigt morden sein. Bon einer solchen Assär« hören wir zum erstenmal, obwohl sie nach der Behauptung des kommunistischen Blattes bereits älteren Datums sein soll. Die französische Presse hat sedcnfalls bisher überhaupt nichts darüber berichtet. Außer der Tat- fache, daß es einen sozialistischen Abgeordneten namens Calmon gibt, der soeben wiedergewählt wurde, ist uns dieser völlig unbekannt. Wäre er wirklich in einen so schweren Fälscherskandal irgendwie ver- wickelt, so hätten es doch zumindest seine Gegner im Wohlkampf ausgeschlachtet und dadurch wäre es wohl in die weitere Oessentlich- leit gedrungen. Das ist aber, wie gesagt, nicht der Fall. Er soll— immer der ,.W. o. A." zufolge— dem in Paris zuständigen deutschen Reichskommisiar Dr. ch e i n z m a n n gegenüber zunächst ein schrift- liches Geständnis abgelegt haben, später aber habe ihm Dr. Heinz- mann ein schriftliches Ehrenzeugnis ausgehändigt, wo- noch gegen ihn nichts vorliege. Die an sich dunkle Angelegenheit wird für uns, die wir davon zum erstenmal hören, dadurch erst recht rätselhaft. Indessen ist der Bericht des kommunistischen Straßenblottes offenkundig nur ge- schrieben, um ein« infame Verdächtigung auszusprechen: die Unterlassung einer Strafanzeige durch die Reicheregierung soll aus die Iickervenlion eines sozialdemokratischen Reichs- tagsobge ordneten zurückzuführen sein. Es ist kaum nötig, dazu zu erklären, daß diese Behauptung nichts anderes als ein« aus den Fingern gesogene, zu kommunistl- schen Wahlparolen erfundene schmutzige Verleum- d u n g ist. Amanutlah als(Sowjeigast. Verhandlungen und Festlichkeiten. Wie aus Moskau gemeldet wird, hatte der König von Afghanistan am Freitag ein« eineinhalbstündig« Unterredung mit dem Außenkommissar. Die Unterredung, an der auch der d e u t s ch e Gesandte in Kabul, der afghanische Gesandt« in Moskau sowie Mit- glieder des Außcnkommissariats teilnahmen, bezog sich hauptsächlich aus die Verlängerung des ruMch-asghanischen Nichts ngrisss- Vertrages und die Unterzeichnung des Handelsvertrages. Der Moskauer Stadlrat überreichte dem König ein lünst- lerisches Album der Stadt und eine Schatulle aus der Zest Iwan des Schrecklichen. Ein der Königin überreichtes Tee- service.zst ebenfalls alte russisch« Arbeit. Bei Ä a l i n i n war eine Besprechung mit dem König von Afghanistan, an der W o r o s ch i l o w, Rudsutak, Mikojan, I s ch i- tscherin sowie Dertreter des Kriegs- und Revolutionsrates unter Führung des General» Budsonny teilnahmen. Aus einem Festabend bei Kalintn tauschten KaUnkn und Amanulloh Trink- spräche au».__ Die Cänbcrtajjung. Der gestern zusammengetretene Aus- ichuß zur Bersassungs- und Berwollung-Giorm setzte die Methoden der künstigen Arbeit, d. h. die Geschäsisordnung des Ausschusses fest. Ein Antrag, Unterausschüsse zu bilden, wurde abgelehnt. Man will dagegen schon im Juni zu einer neuen De- ratung zusammentreten. Warschau. L Mai. Als heut« nachmittag das Auto mit dem£ eilet der sowjet- russischen Handelsdelegation Lisarew und einem zweiten Sowset» beamteu von der belebten Blarszalkowska in eine Seitengasse einbog, schoß der russische Emigrant w o> i s ch e w aus nächster Bähe zweimal. Bach Berichten von Augenzeugen sank Lisarew hintenüber und blieb ko�Zeit bewußtlos. Dem Ehaufseur, der sofort das Auto anhielt, gelang es. ihn bald wieder zum Bewußtsein zu bringen. woraus das Auto rasch in die Sowsttg:sandlschaft fuhr. Lisarew hat einen Streifschuß an der Hand und Glassplilterwunden am Kops. Wojischew ließ sich v e r h a s t e n. Der Attentäter lebt ohne Paß in Polen, hatte auch keine polnische Einreiseerlaubnis: et erklärt seine Tat als eine Demonstration gegen die Sowjetherrschast. Warschauer pogrom-polizei. Was am 1. Mai wirklich geschehen ist. Warschau, 4. Mai.(Eigenbericht) Ueber die blutigen Borgänge am 1. Mai veröffentlicht die sozialdemokratische Presse Einzelschilderungen und Berichte von Augenzeugen, die im Zusammenhang mit den bereits bekannten Tatsachen ein eigenartiges Licht auf das Verhalten der Polizei werfen: ihr Ruf ist auf Grund der zahlreichen Lockspitzeleien, Denunziantenopfer und Arrestantenmißhandlungen ohnehin recht übel. Diesmal hat die Polizei Zusammenstöße zwischen den Sozia- Oie Verhaftung Bela Khuns. Besprechung seines Berliner Anwalts mit dem Justiz» minister in Wien.. Zu der Verhaftung Pela Khuns in Wien erfahren wir, daß dort mit Sicherheit lediglich ein Verfahren wegen Anmeldung unter falschem Namen(„Ingenieur Wagners durchgeführt werden wird. In diesem Verfahren kann höchstens eine Strafe verhängt werden, welche durch die bis zum Urteilsspruch noch ver- streichende Untersuchungehaft verbüßt sein wird. Es wird aller- dings auch noch geprüft, ob Khun sich in Oesterreich der Geheim- bündele! schuldig gemacht hat. Dieses Vergehen durfte aber schon deshalb ernstlich nicht in Frage kommen, weil Khun sich nur kurze Zeit In Wien aufgehalten hat und keinerlei Anhalts- punkte für Geheimbündelei vorliegen. Bei dieser Sachlage mußte mit der baldigen Abschiebung Khuns gerechnet werden, und deshalb hat Genosie Dr. Kurt Rosen- feld, der auf Wunsch Khuns dessen Vertretung übernommen hat, in Wien mit Iustizministcr Dr. D i n g h o f e r darüber verhandelt. daß Khun die Ausreise nach Rußland über Deutschland gestattet werde. Der Iustizminister hat sich für den Fall des Elnverständ- nisses der preußischen Regierung hiermit einverstanden erklärt. Eine neue Wendung ist jetzt dadurch eingetreten, daß die unga- rische Regierung am 2. Mai wider Erwarten einen Auslies«- rungsantrag gestellt hat. Dieser wird auf angebliche Mord- befehle Khuns in der Ratezeit gestützt. Wegen derselben Tat hat die ungarisch« Regierung jch o n 1919 die Auslieferung oerlangt, die damalige österreichisch« Regierung, die unter sozialdemokra- tischem Einfluß stand, sah aber keinen Grund dazu und Khun kam damals frei. Wenn jetzt auch unsere Genossen nicht mehr in der Regierung sitzen, so ist doch nicht zu bezweifeln, daß auch die jetzige österreichisch« Regierung eine Auslieferung wegen politischer Taten ablehnen und das in der D« r s a s s u n g begründete politisch« Asylrecht achten wird. Iustizminister Dinghoser hat denn auch gegenüber dem Genossen Dr. Kurt Rosenfeld klar zum Zlusdruck gebracht, daß, wenn politische Handlungen zur Be- gründung des Auslieferungsbegehrens herangezogen Verden, er wegen sollber Handlungen eine Auslieferung nicht vornehmen werde. Die Polizei hat im Verfahren gegen Khun ihre Pflicht schwer verletzt und dem Chef der ungarisch«» Polizei, Herrn Schweinitzer, Einblick in die bei Khun beschlagnahmten Pa- pier« gegeben. Daraufhin sind auch bereits Kommunisten- Verhaftungen in Ungarn erfolgt. Im Gegensatz zur Po- listen und Kommunisten, wie die Erklärungen der Polizei selbst er- geben, vorausgesehen, trotzdem aber die Kommunistenzüge auf den Versammlungsplatz der Sozialisten durchgelassen. Sie griss erst ein, als infolge der Attacke der Kommunisten bereits er- hebliches Blutvergießen mit Todesopfern zu beklagen war und als die Massen den Unglücksplatz bereits fluchtartig räumten. Augen- zeugen berichten min übereinstimmend, daß die Polizei dann d i« Flüchtenden gewaltsam aus Haustoren und Höfen herausholte und mißhandelte, dabei besonders die Bewohner der nahegelegenen Juden st adt mit Gummi- knüppeln und Gewehrkolben bearbeitet«: tatsäch- sich sind drei Viertel der Toten und Verwundeten und etwa eben- soviel Perhaftete Juden. Die Polizei besetzte zwei von der Stell« des Zusammenstoßes entfernt siegende jüdisch« Arbeiterlokal« zu einer späteren Stunde plötzlich: die dort Anwesenden, größtenteils junge Madchen, wurden mißhandelt und teilweise schwer ver- letzt. In da» 5. Polizeirevier im Judenviertel sind später noch ruhig vorübergehende junge Arbeiter ohne Grund hineingeholt und grausam oerprügelt worden. Es scheint, daß gewisse reaktionär« und verbrecherische Tendenzen der Warschauer Polizei, die die Pilsudski-Presse durch Enthüllungen vor einiger Zeit ver- geblich auszurotten versuchte, unverändert weiterbestehen. Die reaktionäre Presse fordert wegen der Vorgänge am 1. Mai neue Mahnahmen nicht nur gegen die Kommunisten, sondern auch gegendieSozialdemokraten und treibt direkt Pogrom- hetze. lizei wird die österreichische Regierung, wie wir erwarten, sicher korrekt genug sein, eine Auslieferung wegen lediglich p o l i- t i f che r Straftaten nicht vorzunehmen. Waffenschiebung Ztalien-Vayern. Wieder durch Oeutschösterreich! Wi e u. 4. Was.(Eigenbericht.)( Aus dem oberösterreichischen Bahnhos Wels beanstandeten Eisenbahner eine verdächtige Sendung und beantragten bei der Landesregierung die Prüfung des Inhalts, ver Statlonsvorstehev hat jedoch inzwischen die Sendung weitergeleitet. Bach dem „Abend" handelt es sich um Wasseu und Blunition aus Italien nach Beuhaus in Bayern. Dazu meldet WTB., daß die Landesregierung den Transport freigegeben Hobe, da er„nur" Sport waffen und.muuition ent- halten habe. Graf Pourtales. der frühere deutsch« Botschafter in St. Peters- bürg, ist gestorben. Der Stettiner Prozeß. Der gestrige Verhandlungstag war mit den Plädoyers der zahlreichen Verteidiger ausgefüllt Am Sonn- abend kommen die Angeklagten zum Schlußwort. Darauf erfolgt die U r t e i l s b e r a t u n g des Gerichts. Im Eolmarer Aulonomistenprozeß verteidigte sich Redakteur Schall wegen der Korrespondenz der„Zukunft" mit reiche- deutschen Städten; diese Briefe seien hösllche Beantwortung von Anfragen oder rein druckereigeschäftlich gewesen. Der Haupt- beschuldigung wegen der Aufstellung einer Schutztrnppe hiesi Scholl entgegen, daß man sich gegen Uebersälle sichern wollte wie den vom August 1926, woboi Dr. Ricklin schwer verletzt, ein Kriegsversiiimmelter arg mZißhan- de lt. und von der zuerst untätigen Polizei— Heimatbimdler ver- haftet worden sind. Dl« Verzweiflung ausgesteuerter Wiener Arbeitslosen läßt ihrer mehrere Hundert einem sonderboren Schwärmer folgen, der sich als den„Wodosch der Wardanieri" bezeichnet und sie noch Aethopien führ«» will. Sie gehen zu Fuß gen Trieft und hoffen, dort ein Schiff zur Uebcrfahrt zu finden... Blaifeier-verhaftunqen im Blemelland. Wege» Verbreitung kommunistischer Literoivr hol.dt« lttauiich« Memetposizei den achtzehnjährigen P e t r i l l und einen Großlitauer verhastet. Pe- trills Gefährte konnte fliehen, obwohl die Polizei ihm vier Schüsse nachfeuerte. Zum Kampf der Berliner Holzarbeiter. Oer Ech.ichter will erneut vermitteln. Die Kampflage im Berliner �olzgewerbe ist fast unverändert. Trotz eifrigen Bemühens der Unternehmer ist es ihnen nicht ge- lungen, die Aussperrung auf eine breitere Basis zu bringen. Der Schlichter hat die Parteien erneut zu einer Verhandlung heute Sonnabend geladen. Am Dienstag, dem 8. Mai. abends 7 Uhr, werden die Bertrauensmänner des cholzarbeiterverbandes in den Kammersälen sich mit dem Ergebnis der Verhandlungen befassen. Vereinbarungen in der Metallindustrie. Für Provinz Brandenburg und die Niederlausih. Der Schlichtungsausschuß Potsdam hatte am ZU. April einen Schiedsspruch gefällt, der unter Ablehung fast aller übrigen For- derungen eme Lohnerhöhung von 10 Proz. für die Arbeiter der Metallindustrie und der Provinz Brandenburg festsetzt«. Eine Konferenz der Funktionäre der Tariforte lehnte den Schiedsspruch «instimmig ab und beauftragte die Gewerkschaftsleitung, eine Vor- ovstimmung über den Eintritt in- den Streik bis Ende dieser Woche vorzunehmen. Die Abstimmung ergab fast einstimmig die Bereit- schaft zur Nicderlegung der Arbeit. Inzwischen hatte der Verband Brandenburgischer Metallindustrieller den Schiedsspruch an- genommen und die Verbindlicherklärung beantragt. Der stellvertretende Schlichter für die Provinz Brandenburg lud die Parteien zum Z. Mai zu Verhandlungen ein. Diese VerHand- lungen sührten zu einem für beide Parteien verbindlichen Schiedsspruch, der die Löhne folg)dermaßen festsetzte: Sonderklasse 88,5 Pf., Tarifgruppe A. 77 Pf., Tarifgruppe B 72 Pf., Tarifgruppe C 67,5 Pf., Tarisgruppe D 66 Pf., für den ge- lernten Arbeiter über 23 Jahre. Di« übrigen Arbeitnehmer entsprechend der bisherigen Staffelung. Für Akkordarbeiter wurde bestimmt, daß pro Akkordstunde nicht mehr als 8 Pf., in der San- derklasie, 7 Pf. der Tarisgruppe A, 7% Pf. der Tarisgruppe B. 6/4 Pf. in Tarifgruppe C und D zu zahlen sind. Alle tariflichen und außertariflichen Zulagen bleiben bestehen. Neu eingeführt werden Richtlinien für die Entlohnung der Lehrlinge und die Parteien verpflichtet, in Verhandlungen zur Sehoffung einer Gruppe an- gelernte Arbe iterinnen einzutreten. Damit ist der Lohn» streit in letzter Stunde beendet. Alle bisher schon getroffenen Kampfmaßnahmen.sind nunmehr hinfällig und der Kampf für 16 Olli) Arbeiter der Metallindustrie in der Provinz Brandenburg vermieden. * Für die in der Niederlausitzer Metallindustrie beschäftigten etwa 10 000 Arbeiter wurde am 30. April ebenfalls ein für beide Parteien verbindlicher Schiedsspruch ge- fällt, der die Löhne in Ortsklasse I von 66.5 Pf. auf 75 Pf., und in Ortsklasse II von 60 auf 67,5 Pf. erhöhte. Die chöchstallersklaffe wurde von 24 auf 23 Jahre herabgesetzt und die Prozenttabelle bis zu 10 Proz. verbessert. Di« Aktordarbeiter erhalten pro Akkordstunde in Ortsklasse I nicht mehr als 814 Pf. und In Orts- tlasse II nicht mehr als 714 Pf. Erhöhung. Alle bisherigen Zu- lagen bleiben auch bei den neuen Lohnsätzen bestehen. Gießerei» Hilfsarbeiter erholten anstatt 3 Proz. 5 Proz. Zulage. Ebenso Säureorbeiter, Auiogen-Etekiroschweißer und Feueilöter. Die Montageauslösung und Richtsätze für Lehrlingsentjchädigung wur- den angemessen erhöht. Für Klempner, Kupferschmiede und In- stallateure wurde ein Spitzenlohn von 1,12 M. festgesetzt. Für Elek- tromonieure 00 Pf. Ebenso wurde die Montageauslösung auch für diese Arbcitergruppen angemessen erhöht Neu wurde die Gruppe der ang«lernten Frauen geschaffen.— Damit ist auch der Kampf für die 10 000 Metallarbeiter in der Niederlausitzer Metall- industri« vermieden. Aussperrung in der Schuhfabrik Blasbalg. In der Schuhfabrik Moritz Blasbalg, Berlin, Köpenicker Straße 109, bestand in der Abteilung Schästevorrichterei seit län- erer Zeit eine Differenz wegen der Festsetzung der Akkord- ätze. Nach dem Reichstarisvertrag für die Schuhindustrie sind alle Ikkordfätze zwischen Betriebsleitung und Arbeiterschaft unter Mitwirkung der gesetzlichen B e t r i e b s o e r t r e t u n g zu vereinbaren. Bis vor kurzer Zeit ist auch in dem Betriebe der Firma Blasbalg entsprechend oerfahren worden, indem die Akkord- sätze nach bestimmten Längenmaßen berechnet wurden, die als Berechnungsgrundlage dienten. Je nach Art oder Vereinbarung des Artikels wurden bei Beanstandungen durch die Arbeiterschaft besondere Erhöhungen vorgenommen. Seit einigen Wochen erklärte scdoch der Inhaber Herr L e v y, er werde in Zukunft keinerlei besondere Zulagen über die Grund- läge hinaus machen. Die Akkordsätze wurden dann einseitig von der Betriebsleitung fe st gesetzt. Dieses Verfahren widerspricht den Bestimmungen des Tarifvertrages und ist glatter T a r i f b r u ch. Die Arbeiterinnen der Vorrichterei verlangten gegenseitige Ver- einbarung der Akkordsätze oder Bezahlung der neuen Artikel nach dem Durchschnittsverdienst der letzten vier Wochen, wie es der Tarifvertrag vorsieht. Da die Firma sich weigerte, den Vertrag ein- zuhalten, verweigerte die Vorruhterei die Verarbeitung der strittigen Artikel. Daraufhin wurde am 3. Mai die gesamte, aus 90 Perlonen bestehende Arbeiterschaft ausgesperrt. Die Ausgesperrten sind fast allesamt organisiert. Sie werden den ihnen ausgezwungenen Komps führen, um die Firma für die Zukunft zur Einhaltung des Tarif- vertrage» zu zwingen._ Vergleich im GemeindearSeiierkonflikt. Oer Streit in Frankfurt und Offenbach beendet. In dem Lohnstreit beim Rhein-Mainischen Bezirtearbeitgeber- verband der Gemeinden und Kommunolverbänd« ist gestern, Freitag, auf Grund der Verhandlungen im Reich sarbeits- Ministerium ein Vergleich unter den Parteien zustande- gekommen. Hiernach wird die Arbeit in Frankfurt und Offenbach morgen im Haufe de» Nachmittags wieder aufgenommen. Die Lohn- regclnng ist tu Angleichung an den vorliegenden Schiedsspruch für die Gemeindearbeiter erfolgt. Maßregelungen sollen nicht statt- finden. All« Arbeiter werden wieder eingestellt. Bergarveiter-Abbau im Ziuhrgebiet. Der rheinifch-westfälifche Steinkohlenbergbau kündigt für den 15. Mai zahlreiche Arbeitcrcntlassungen an. Ins- gesamt sollen einige tausend Bergorbeiter davon betroffen werden. Im einzelnen nehmen folgend« Werk« Enttassungen»or: Shamrock 30 Manu, Unser Fritz 50 Mann, Hannover 150 Mann, Hugo II 40 Mann, Schlägel und Eisen I bis VI 120 Mann. Dazu komme» sehr wahrscheinlich noch Entlastungen aus den Stinncszechen. Die Absatzlage der Ruhrzechen rechtfertigt diese Entlassungen nicht. Sie hat sich im großen und ganzen gegenüber dem Bormonat nicht wesentlich verändert, und dürste sehr wahrscheinlich durch die jetzt m Kraft tretenden Sommerrabatte sogar günstig beeinfiußl werden. Wenn man trotzdem in d e m o n st r a t i v e r Weise Bergarbeiter entläßt, w'll man anscheinend die Bergarbeiter gegen die Gewerkschaften aufhetzen und die Wahlen, die fünf Tage nach dem angekündigten Entlassungstermin stattfinden, beein- flussen. Das Vorgehen zeigt wieder einmal die ganze Brutalität der Kohlenbarone. Die Bergarbeiter müssen aus dieseni Verhalten den richtigen Schluß ziehen und am 2 0. Mai sozialdemo- t r a t i s ch wählen._ 60000 Texiilarbsfter ausgesperrt. Maumidgedunss der sch'esischen Textiliabrikanten. Vom Verbände schiesischer Textilindustrieller wird mitgeteilt: „Bei den am 24. April dieses Jahres auegeführten Tarifveihand- lungen haben die Verireieri des Verbandes schlef'scher Terii!» industrieller klar zum Ausdruck gebracht, daß auf feiten des Ver- bandes der gute Wille bestand, im Wege freier Vereinbarung mit den Gewerkschaften zum Absckluß eines neuen Tarifvertrages zu kommen, obwohl die augenblickliche Wirtschaftslage der Teriil- industri« eine Heraufsetzung der Löhne keineswegs rechtfertigt. Trotz größten Entgegenkommens find die Gewerkschaften von ihren hohen Forderungen �nicht«Inen Schritt zurückgegangen. Nach dem Schei- tern der freien Verhandiungen ist seitens des Verbandes schlesis�er Textilindustrieller sofort die Vermittlung des zuständigen Schl'ch'ers angerufen worden. Trotz aller dieser Tatfachen und obwohl der Schlichter bereits Verhandlungstermin anberaumt hotte, haben die Gewerkschaften in einzelnen großen Betrieben die Arbeiter zu Massenkündigiingen veranlaßt, also ohne das Schlicht»ngsverioh''en abzuwarten. In Beantwortung dieses Berholtens der Gewerkfcha'ien haben die Mitglieder des Verbandes fchlefifcher Textilmdiistrieller einstimmig ihrerseits die Kündigung sämtlicher Beleg,'chaftcn beschlossen. Von diesem Kampfe werden etwa 60 000 Ardpiter betroffen."_ Der Schiedsspruch In der obrichlefifchen Mekalllndustris ist. von beiden Parteien angenommen worden. »�rele GewerMaffs-Iuaend Groß-Berlw Heute, 5ouuabend, Gruppe Moabit: Nachtfahrt nacki Mel�ow.— Vor- anzeige: Äm Montag. 7. Mai, spricht der Genosse ponrck'or Blume in der Zusammenkunft der Gruppcnleitungen im Deutschen Metallarüeitcr- verbandebaus, Linienstr. 88,'kS, �llber„Wandern und Schauen". Verbandsbuch und Funktionarausmeis legitimieren. @Iuoend<,rupve de«!?entra!verbande�e>�Angsslesti?n. Heute. Sonnabend, 20 Übe, Zuxevdwerbcse-er der gesamten Iug'nt. grupp« im grob'N Titiungssaal des Bezirksamts«reuzberg.£18 61. Aorckstr. U. Lortrag mit Lichtbildern, Musik, Filmvorführungen� Lerantwortlich'flr Bolitik: Dr. Cäti(Scott: Dirtfchalt: 6. ttllagclh?ser: Gewerlicb-flsbcwegung: Z. Lteiner: Feuilleton: K. 9- Sästfer; Ustale» und sonstiges: Frlg Latltädt: Anzeigen: Ih. Klmke. sämtliib in Bir'.ui Verlag: Borwäris-Vcrlag GmbH Berlin Drucl: Bocroärts-Buodtuctere» und Lerlaasanstalt Paul£inger u Co, Berlin£W 6S Li::densi«asie 3. 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Verderben von Nahrungsmitteln und �ss».�iz»«�«>>dera.,ihrg. riWgr.-i�beirahrw)�..Das Institut für Gäritngsgewcrl�.. fährt- die. deutsche Brauindustrie vor und läßt ihre Wichtigkeit für die Volkswirtichart erkennen. Eine äußerst interessante Abteilung.Geschichte her Ernährung" entrollt ein«in- drucksnolles buntes Kulturbild. Von den Resten der Mahlzeiten der Urmenschen bis zum Kaviar wird die gewaltig« kulturell« Eni- Wicklung der Menschheit illustriert. Abteilungen, die die Fleisch- belchau zeigen, alkoholfreie Getränke, Obst- und Gemüsenahrung schließen sich an.— Die Gruppe Massenernährnng schildert die ernsten sozialen Aufgaben, die Regierung und Kam- munen gegenüber bedürftigen Kranken, der Schuljugend und den Der Früchtepavillon. Räume ausgestellt, in denen die Lebensmittelversorgung der Reichs- Hauptstadt auf dem Land- und Wasserwege, ferner die Bolksspeisung, sowie die Speisung von Kindern und Jugendlichen anschaulich gezeigt werden. Vor allem interessiert den Besl.-cher«ine Gruppe.Die tägliche kost der Familie". Hier wird genau gezeigt, wieviel bei den einzelnen Mahlzeiten Energiequellen, d. h. an Vrennstossen dem Körper zugeführt werden soll, als der von ihm geforderten Energie- leistung es entsprechen muh. Auch eine Abteilung„Waiser" zeigt. daß dieses Ernährungspradukt absolut nicht als etwas Nebensächliches zu behandeln ist.— In H o l l« l I wird die Technik der Ztahrungsmiklelherstestung gezeigt. Neben einer großen Mühlenanloge sehen wir«ine risse»,. hast« Vrotsobrit. die täglich bis zu löOOO Brot« verbacken kann. Di« Herstellung und Verarbeitung von Fleisch zu Wurst, eine Groß- Die„Reis"-Pagode. Jack London: �55 Dtf Heinrich setzte sich auf den Schlitten und wartete, für ihn war weiter nichts zu tun. Bill war ihm gänzlich aus dem Gesicht verschwunden, aber er konnte Einohr sehen, wie er hin und wieder im Gebüsch oder hinter den Tannen ver- schwand und wieder zum Vorschein kam. Heinrich hielt das Schicksal des Hundes für hoffnungslos und dieser schien sich seiner Gefahr vollkommen bewußt zu sein, denn er rannte in dem weiteren Bogen, während das Rudel Wölfe den inneren und kleineren Kreis beschrieb. Es war eine vergeb- liche Hoffnung, daß Einohr über die Verfolger einen so großen Vorsprung gewinnen würde, daß er an ihnen vor- bei und quer zum Schlitten gelangen konnte. Rasch näherten sich die verschiedenen Linien dem verhängnisvollen Punkte. Draußen im Schnee, von Bäumen und Gebüsch verdeckt, das wußte Heinrich, waren die Wölfe mit Einohr und Bill zu- sammengekommen. Rur zu schnell, viel schneller als er es erwartet harte, war es geschehen. Er hörte einen Schuß, dann noch zwei in rascher Aufeinanderfolge und wußte, daß Bills Munition verbraucht wäre. Dann erhob sich ein fürchterlicher Lärm, ein wütendes Knurren und Kläffen. Er erkannte Einohrs gellenden Todesschrei er horte das Wehgeschrei eines sterbenden Walfes, dann war olles ans. Das wütende Geknurr hörte auf, das wilde Gekläff erstarb und tiefes Schweigen senkte sich über das einsame Land. Der Mann blieb noch eine Zeitlang auf dem Schlitten sitzen. Er brauchte nicht hinzugehen, um zu sehen, was sich zugetragen hatte; er wußte es, als wäre es vor seinen Augen geschehen. Einmal fuhr er aus und griff hastig nach der Axt, die auf dem Schlitten festgebunden war. Wer er setzte sich wieder und brütete weiter, während die beiden noch übrigen Hunde sich zitternd an ihn schmiegten. Endlich erhob er sich müde, wie wenn alle Widerstands- kraft aus seinem Körper gewichen wäre, und schickte sich an. die Hunde vor den Schlitten zu spannen. Er schlang einen Strick um die Schulter und zog mit den Hunden gemeinsam. Er wanderte nicht weit. Sobald die Dunkelheit hereinbrach, schlug er schnell das Lager auf und trug für einen reichlichen Holzvorrat Sorge. Er fütterte die Hunde, kochte das Abend- essen und machte das Bett dicht neben dem Feuer zureckt. Allein er sollte keine Ruhe finden. Bevor er die Augen schloß, waren die Wölfe für seine Sicherheit viel zu nahe ge- kommen. Man brauchte sich nicht mehr anzustrengen, um sie zu sehen. Sie waren alle in engem Kreise dicht um das Feuer, er konnte sie deutlich sehen. Einige lagen, andere saßen, noch andere krochen aus dem Bauche heran oder schlichen vor- und rückwärts, und einige schliefen sogar. Hier und da sah er einen, der wie ein Hund zusammengerollt im Schnee dalag und sich des Schlafes erfreute, der ihm versagt war. Er unterhielt ein helles Feuer, denn er wußte, daß das das einzige Mittel sei, ihre gierigen Zähne von seinem Leibe fernzuhalten. Die beiden Hunde hielten sich dicht in seiner Röhe und schmiegten sich, wie um Tckzutz flehend, an ihn und knurrten wütend oder winselten erschrocken, wenn ein Wolf sich zu nahe heranwagte. In solchen Augenblicken pflegte der ganze Kreis lebendig zu werden. Die Wölfe sprangen auf und drängten vorwärts, während lautes Gekläff und wüten- des Geknurr ringsum erscholl. Dann wieder legte sich der Lärm, und hier und da versank ein Wolf von neuem in Schlaf. Doch immer enger Mrd der Kreis. Allmählich, Zoll für Zoll zog er sich zusammen, indem hier und da ein Wolf näher kroch, bis die Tiere nur noch auf Sprungweite entfernt waren. Dann pflegte wohl der Mann ein brennendes Holz- scheit in die Hand zu nebmen und es unter das Rudel zu schleudern. Ein eiliger Rückzug erfolgte unter ärgerlichem Gekläff und Geknurr, wenn ein wohlgezieller Wurf ein zu dreistes Tier getroffen und versengt hatte. Der Morgen fand den Mann müde, matt und schlaf- trunken an. Er kochte im Dunkeln das Frühstück, und als der Tag um neun Uhr anbrach und das Rudel sich zurückzog, machte er sich an die Arbeit, die er in den langen Stunden der Nackt geplant hatte. Er bieb junge Tannenbäume um und mackte daraus Stangen, die er hoch oben in den Kronen einiger Bäume zu einem festen Gerüst verschränkte. Dann zog er mit Hilfe der Hunde mit den Schlittenriemen, die er als Ssll benutzte, den Sarg auf dieses Gerüst hinauf. „Sie haben Bill gekriegt, und sie mögen mich bekommen. aber, junger Mann, dich sollen sie nicht haben," sagte er zu der Leiche auf dem Baum. Dann machte er sich auf den Weg. während der leichte Schlitten hinter den willigen Hunden rasch dahintanzte. denn auch sie wußten, daß ihre Sicherheit nur von ihrer Ankunft in Fort Mc. Gurry abhmae. Die Wölfe wurden in ihrer Verfolgung immer dreister, sie trabten lässig im Rücken und zu beiden Seiten hinterher, während die roten Zungen heraus- hingen und die Rippen in den magern Körpern bei jeder Be- wegung zu sehen waren. Sie waren wirklich nur noch Haut und Knochen und die Muskeln zusammengeschrumpft, so daß Heinrich sich im Stillen wunderte, wie sie noch auf den Deinen bleiben konnten, und sich fragte, ob sie nicht jeden Augenblick im Schnee zusammenbrechen würden. Er wagte es nicht, bis zum Dunkelwerden zu wandern. Um Mittag erwärmte die Sonne nicht nur den südlichen Ha- rizont, sondern sie zeigte sogar einen blasien, goldenen Streifen om Himmel. Er nahm dies als Zeichen, daß die Tage nun wieder länger würden und die Sonne wiederkehre. Allein, kaum war ihr freundlicher Schein verschwunden, als er schon das Lager aufschlug. Es blieben ihm noch mehrere Stunden matten Tageslichtes und grauer Dämmerung, allein er be- nutzte dieselben, um einen großen Vorrat Brennholz zu schlagen. Mit der Nacht kehrten die Schrecken wieder. Nicht nur wurden die hungrigen Wölfe dreister, sondern Heinrich litt auch unter der Schlaflosigkeit. Er entschlummerte unwillkür- lich, wie er mit den Decken um die Schultern, dem Beil zwischen den Knien und die Hunde zu beiden Seiten neben dem Feuer hockte. Er erwachte einmal und erblickte vor sick, nicht zwölf Schritte entfernt, einen großen grauen Wolf, einen der größten des Rudels. Als er ihn anblickte, reckte sich das Tier bedächtig wie ein Hund und gähnte ihm ins Gesicht, In- dem es ihn mit einem Ausdruck anschaute, als sei er nur eine hinausgeschobene Mahlzeit, die bald verzehrt werden würde, und diese Sicherheit zeigte auch das ganze Rudel. Er zählt« wohl zwanzig Wölfe, die ihn alle hungrig anstarrten oder ruhig im Schnee schliefen. Sie erinnerten ihn an Kinder, die um einen gedeckten Tisch herumstehen und nur auf die Er- laubnis zum Essen warten. Und er selber war diese Mahl- zeit! Er wunderte sich nur, wie und wann dieselbe beginnen würde. Wie er so Holz auf das Feuer warf, kam es ihm in den Sinn, daß er feinen Körper noch nie zuvor so bewundert hätte. Er betrachtete das Spiel der Muskeln, er bewundert« die sumreiche Mechanik der Finger. Beim Schein des Feuers krümmte er dieselben langsam und wiederholt; bald jeden einzeln, bald alle zusammen spreizte er sie aus und machte damit schnelle Bewegungen des Greifens. Er besah genau die Nägel, betastete bald derb, bald sonst die Fingerspitzen. um das Gefühl in den Nerven zu prüfen. Das alles entzückte ihn, und er fing auf einmal an. diesen so künstlich bereiteten Leib liebzuaewinnen. der so schön, so glatt, so fein arbeitend ihm gehorchte. Dann warf er einen scheuen Blick auf die Wölfe, die erwartungsvoll im Kreise um ihn herumstanden. und mit einem Schlage fuhr es ihm durch den Sinn, daß dieser wunderbare Leib, dies lebendige Fleisch nichts weiter sei als eine von den hungrigen Tieren heißbegehrte Speise, die sie gierig mit den Zähnen zerfleischen würden, geradeso wie ein Elch, ein Kaninchen auch nur Speise für ihn ge- rncfen wäre. _(Fortsetzung folgt.) rSucherel, her Kaffee, die Hefe und sonstige Erzeugnisse der Tioh» rungs- und Genußmittelliranche finde» eingehende Würdigung. Gelbstoerständlich ist die Gas- und elektrische Industrie bei diesen Dingen mit ihren neuesten Erzeugnissen vertrete». Auf dem Freigelände gibt es das Haus der Dolksspeifung, m dem gezeigt wird, wie Nahrungsmittel in großen Mengen für Massenernährung bearbeitet werden. In der neu errichteten Halle I V wird in einer großzügigen und bis ins einzelne gehen« den Darbietung„Die Milch" behandelt. Vom Stall zur Molkerei, Nutterci, Käserei ist alles oertreten, was dieses Thema umfaßt. Dt« Hall« III kann als„halle der Hausfrau" bezeichnet «erden. Hier wird die praktische Ernährungswirtschast vorgeführt. Neben der Großküche liegt die Diätküche, die Schulküche und dann olle die kleinen und kleinsten Küchen, die den Traum jeder Hausfrau bilden. Auch die IunggesellenHeime find nicht vergessen. Hier schließt sich an eine Gruppe„Erziehung und Unterricht", die die Frage der Ernährung für die Schule und den Iugenderzieher prak« tisch erläutern will. Die Reisenden derGtadi- undRingbahn Leber eine Million Fahrgaste täglich. Wie die Reichzbahndirektion verlin mikteNk, wurden bei der lehten Verkehrszählung auf de« Sladl-, Ring, und Vorortbahnen am 27. April insgesamt l tZ4 lSV absah- rende Reisende einschließlich Reisende mit llebergangs- fahrscheiven bssördrrk. Damit ist gegenüber der letzten Ver- kehrxzählung im herbst vorigen Zahres(28. Oktober) eins Zunahm« von 2,Z Proz/u'� gegenüber der Zählung vom 8. 2lprll vorigen Zahres sogar von 9.1 Pro;, zu ver- zeichnen, linier verücksichligung des Ilmslandes, daß bei der kehlen Zählung infolge des günstigen Wellers fchähungs- weise l8 0l!0 Fahrten auf den Aueslugsverkehr entfielen, er- gibt sich, daß der Verkehr seit der vorlelztea Zählung ko»-> stank geblieben ist. Im Stadt- und stiingperkehr(ohne Vorortverkehr) wurden 6 4ä 9 4 8 Reisende gezähst! das sind gegenüber dem 28. Oktober 0,9 Proz. weniger und gegenüber dem 8. April 4.3 Vroz. mehr Reisend«. Im Vorortverkehr wurden mit 488??!) abfahrenden Reisonden K9 Vroz. bzw. 15,9 Proz. mehr Reisend« gezählt. Gegenüber der Zählung vom April 19?7 können die größte Aunahm« die Nordstrekk-n mst 26 2?roz.. die Strecke nach Strausbrrg mit Z2,Z Prcz. und die Sirecks nach Königswuster« Hausen mit 21,7 Pro;, verzeichnen. Am geringsten ist die Ver- änderung auf der Stadtbahn, d'S gegenüber April 1927 nur eine Zunahme von?,? Vroz. cufweist. Gegenüber der Oktoberzählung ist die stärkst« Zunahme mit 19,? Proz aus der Strecke nach Fürstenwalde zu verzeichnen. Die Stadt- Hahn weist dagegen einen Nückga»g von 3.4 Proz. auf. Onter den einzelnen Babnhcfen steht der Sl l.ex a n de r p l a tz mit 31 230 abfahrenden Reisenden an der Spiß«, an zweiter und dritter Stelle stehen die Vabnhöse F> iedrichstroße und Schlesischer Bahnhof mit 49 191 bzw. 39 356 Reisenden. Dann folgen Bahn- hok Gesundbrunnen mit 34 989, Potsdamer Ringbahnhof mit 31 218 nno Bahnhof Eharlottenburg mit 25 935 Reisenden. Die schwächste Benutzung bot der Bahnhof Börse mit 21 921 Reisenden z» verzeichnen. Den seit dem 1. Januar 1925 eingesührtan ll e b e r- gangsfahr schein zur Weiterfahrt auf Straßenbahn. Omnibus oder Untergrundbahn benutzten am Zählungstage 37 131 Per» fairen, d. h. 3 3 Pro,;, der Gesamtzahl. Hiervon waren berests .(J'iicher ein Drittel Fahrgäste der Eisenbahn. Neue Verkehrsordnung? Der Polizeipräsident tekst mit: Ein Berliner Mittsg-blatt bringt die Mktteilung. daß die n e u e Verkehrsordnung am 1. Juni in Kraft trete und veröffenMcht eine Reih«„einschneidender Vestimmungen" aus dieser Verkehrsord- nnng. Zu dieser Meldung erklärt der Berliner Polizeipräsident, daß der Zeitpunkt des Inkrafttretens der neuen Dertehrsordnung noch gar nichtfest steht. Auf feinen Fall würde die neue Bestimmung schon vom I. Juni an Geltung haben. Der vom Polizeipräsidenten vor längerer Zeit dem Magistrot zugeleitete Entwurf der neuen Verkehrsordnung bildet noch gegen- wärtig den Gegenstand eingehender Beratung im Ma- g i st r a t. E r st n o ch A b s ch l u ß der dortigen Erörterungen wird der Berliner Polizeipräsident über die endgültig« Gestal- tung der neuen Berkehrsordnung abschließend befinden können. Zurzeit läßt sich über den endgültigen Inhalt der neuen Bestimmungen noch nichts sagen. Arvelier auf Ferien! In den letzten Wochen sind wohl in den meisten Betrieben nnd Bureaus die Urlaubszeiten festgesetzt worden. An alle Arbeiter, Angestellte und Beamte tritt jetzt die Frag« heran: Wie nutze ich am besten meine Ferien aus? Gerade wer mit der Frienzeit und mit Hern Geldbeutel so knapp gestellt ist. wie der Schaffende aller Stände, muß besonders sorgfältig prüfen, wie er sein« Ferien in der besten Weise verlebt. Aus dem Gedanken, den Ferien der Arbeiterschaft«inen wert- vollen Inhalt zu geben, ist in den letzten Iahren di« Arbeiterreise- hewegung entstanden und hat immer mehr Anhänger gesunden. Der Reichsausichuß für sozialistische Bildungsarbeit veranstaltet gemein- sam mit dem Arbeiter-Bildungs-Institut, Leipzig, Ferien- und Studienreisen, di««ine ständig wachsende Teisnehmerziffer aufweisen. Auch in diesem Sommer sind eine Anzahl schöner, inter. tssanier Reisen ins In- und Ausland vorgesehen, u. a: Baris, an die Rioiera, Dalmatien, Südschweizer Seen, Dänemark, Schweden- Finnland, in da» Salzkammergut. narh Oberbayern-Nordtirol. an den Rhein, sowie an die Nord- und Ostsee. Für jeden Geldbeutel sowie für kürzere und längere Dauer sind diese Reisen zusammen- gestellt. Die Kosten für diese Reisen können in bequemen Monats- roten zusammengespart«erden. Wer das Geld für eine Reise in diesem Sammer nickt mehr ausbringen kann, dem kann setzt schon «in Reisesparkonto für eine der im nächsten Jahr stattfindenden Reisen angelegt werden. Außerdem gibt der Reichsausschuß für sozialistische Bildungsarbeit unter dem Titel:„Reiseblättar des Reich sausschusses für sozial! st ische B i l d u n g s- arbeit" eine reich illustrierte, gut ausgestattete Reilezeitschrift heraus, die vierteljährlich erscheint und 1 Mk pro Jahr kostet. Da« auefüh-liche R e I s c p r o g r a m m. das eine Beschreibung der Reisen nebst Reisebedingunaen enthält, kann rni; einer Brobenummer der Reisezeitunq ge'en Einsendung von 3? Pf. durch den Rescksaus- fchuß für sozialistische Bildungsarbeit, Berlin SW.K, Lindenstr. 3, bezogen werden. Tödlicher Bauunfall. Gestern nachmittag ereignet« sich auf dem Reubau in der Westfälischen Straße 64 in Wilmersdorf«in schwerer Unfall mit st S d l i ch e m Ausgang, gn der Höh« des«rsten Stockwerkes war der Lljährige Bauardeiter Kurt Heß aus der Stralauer Alls« 29d mst Maurerarbeiten beschäftigt. Er verlor plötzlich den Halt und stürzte aus etwa 9 Meter Höh« In di« Tief« und schlug so unglücklich auf einen eisernen Träger auf, daß er sich«inen doppelten Schädelbruch zazog. Der Verunglückte wurde durch das Städtische Rettungsamt in das nahe- liegende Krankenhau» in der Achenbachstraß« geschafft, wo er kurze Zeit nach seiner Einlieserung starb. Raubübersatt iu Verlin R. Ein Geschäftsinhaber niedergeschlagen. Ein verwegener Raubübersall wurde gestern Nachmittag kurz nach 17 Uhr auf den Geschäftsinhaber eines konsektions- geschäsles in der Gcllnowslraße 17 verübt. Im Geschäft des Kleinhändlers U. erschienen drei junge Leute, von denen einer einen Anzug zu kaufen wünschte. Der Händler zeigte dem Käufer mehrere Anzüge, von denen einer zu gefallen schien. Plötzlich erhielt der Verkäufer von hinten mehrere wuchtige Schläge mit einem Gummiknüppel über den Hopf. Er brach zu- sammen, tonnte sich ober nach kurzer Zeit wieder aufraffen und laut um Hilfe rufen. Di« Täter hatten diesen Augenblick benutzt, um da» Weite zu suchen. Während es zwei von ihnen ge- lang zu entkommen, konnte der dritte Bursche, der sich später als ein 29jähriger wohnungsloser Franz Bäk legitimier!«, sestgenommeir Wählerversammlungen. He«tc, Sonnabend. 5. Mai: Wille. 19% Uhr im Lehrervereinshaus, Alexanderstr. 41. Bor- sührung des Wahlsilms: Dein Schicksal. Redner: Stadtver- ordneter Adolph Hosfmann. Blankenburg. 19% Uhr im Lokal Klug, Dorfstr. 2. Vorführung des Wahlfilms: Dein Schicksal. Redner: Lorenz Breunig. Galow. 20 Uhr im Lokal Walter Krause. Redner: Redakteur Arthur Dahlke. Tegelorl. 19% Uhr im Lokal„Zum Schwan", Am Wasser. Redner: Landtagsabgeordneter Cduard Zachert. Treffpunkt der Genossen aus Tegel an der Normaluhr, Schloßstr.. 19 Uhr. Bohnsdorf. Treffpunkt zum Demonstrationszug um 19 Uhr pünkt- lich am Bahnhof Grünau, unter Vorantritt der Reichsbanner» kapelle durch die Buntzelstraß«, Schulzendorfer Straße, Dahme- straß« und Siedlung.Paradies" zum.Parkrestaurant" am Dorsplatz(Iubaber Mar Schulz). Redner: Reichstagsobgeord- neter Franz Künstler.— Umrahmt durch Gefangsvorträg« des Vahnstorfcr Sängerchors. 99. Abkgilmm, Britz-Buckow. Werbeumzug mst Musik durch Buckow, unter Mitwirkung des Reicksbanners. Treff"""?!: 19 Uhr am Nordausgang Buckow.—- All« Britzer Mitglieder beteiligen sich daran. Männer und Frauen, erscheint tu Massen! werden. Der verhaftete wurde dem Poiizelpräsidium zugeführt. Bei seiner Vernehmung verweigerte er fede Aussage über sein« Komplicen und behauptete, sie nicht zu kennen. * Ein Fahrraddieb, der gestern in Neukölln austrat, wurde rasch ergriffen. Der 15 Jahr« aste Page E r i ch H. aus dar Edmund- straße ging die Wallelstraße enttang und führte sein Rad mit einer Hand neben sich. Plötzlich sprang ein jüngerer Maim aus ihn zu, versetzte dem Jungen einen Stoß, so daß er taumelte, entriß ihm da? Rad, schwang sich hinaus und jagt« in der Richiung nach der Grenz-Zlllee zu davon. Der Paze rief laut um Hilse. Passanten eilten dem Räuber nach. Sie hätte« ihn vielleicht nicht einholen können, wenn er nicht plötzlich mit dem Rade ausgeglitten vick> ZU Fall gekommen wäre. So kennte er der Polizei übergeben werden. Diese stellte ihn als«inen vierundzwanzizjährigen Koppelknecht Thielmann fest. Er wurde her KriminÄpollzei emgeliesert, Fsusr im Osthafen. Oachftuhlbrand in Wilmersdorf. In später Abendstunde kam gestern vom O st Hafen Groß- feueralarm. Im Lagerhaus II war Feuer ausgebrocken, da, sich in kurzer Zest auf die große Halle in ihrem gesamten Um- fange ausdehnte. Gegen 29 Uhr bemerkt«» Wächter im Lagerhau» II, in dem vornehmlich große Heu» und Strohmengen lagern, einen starken Feuerschein. Die Feuerwehr wurde gerufen, die bei ihrem Eintreffen schon einen ausgedehnten Brandherd vorfand. Alles Augenmerk muhte darauf gerichtet werden, um Weitergreifen der Flammen zu verhindern. Es wurden sofort mehrere Schlauchleitungen größten Kalibers in Tätigkeit gesetzt! das Feuerlöschboot III, das im Osthafen stationiert ist, beteiligte sich tatkräftig an der Löschaktion. Besonders schwierig gestalteten sich die Ablösch- und Ausräumung? a r Veiten, da die glimmenden Heu- und Strohballen ins Freie gefchafst und dort abgelöscht werden mußten. Die Mannschaften mußten wegen der starken Qualmentwicklung sämtlich mit Rauchmasken arbeite«. Die Entstehungsursache des Feuers ist noch ungeklärt. ' Bei einem Thema wie„Frühlingskuren" fürchtet man, wenn man die stille Lieb« des Rundfunks" für mondäne Einrichtungen kennt, ernstlich« Ratschläge für wohlbegüterte Leute über teure Bäder zu hören. Diesmal geschieht aber nichts dergleichen. Pro- fesior Dr. Franz Müller spricht allein von der heilenden und kräftigenden Wirkung der Frühjahrstemperatur. Er empfiehlt Wanderungen für Nervöse und Ueberarbeitete und richtet sich mit feinen Ratschlägen hauptsächlich an die Minderbemittelten, so daß all« Hörer cu? diesem Vortrag tatsächlich Nutzen ziehen können. Daß das Lenfen eines Autos nicht zu den herrlichsten Dingen auf der Welt gehört, zeigt Rechtsanwalt Dr. Fritz Weinberg in seinen„Rechtsfragen des Automobllverkchrs< Abgesehen von den Schwierigkeiten, di« schon der große Berkehr bietet, kommen eine Menge Polizeiverordnungen dazu, di» wiederum, je nach den Um- ständen, ganz individuell ausgelegt werden können. Am Abend wieder«In großes Orchesterkonzert. Der Dirigent Ist Generalmusik. direktor Dr. fi o v s ch I« eine Suite von Strauß, Pizet und T s ch a! k o w s n stehen auf dem Programm. Strauß bearbeitet ein altes Werk von E o u p e r t n. sorgt für moderne Instrumen- tierung, setzt neuartige Farben und Lichter aus. Es ist eine Tanz- suit« aus dem Rokoko, di« hier ein moderne» Kostiim erhält Aber noch tänzerischer und gelockerter ist B i z e t, vierter Satz der „llioma" Kopsch nimmt all« Andante« sehr brest und Hai«ine Liebe für gedehnte Tempi, auch stellenweise bei Megro». wodurch sich manche Gegensätze verwischen. Daneben versteht er aber auch >u steigern und leistet sehr sauber« Arbeit. Unter den Konzerten ist dies iedenfall« dem Programm nach da» inter- «sianteste. v. a Im Hause Kaiserallee 48d entstand gestern Nachmittag aus ßisher noch ungeklärter Ursache ein Dachstuhlbrond, d«r sich in kurzer Zeit zu einem Gr-oßseuer entwickelte. Auf den Feueralarm eilten insgesamt vier Löschzüge an die Brandstätte. Beim Eimreisen der ersten Wehren stand der Dachstuhl des vorder, Hauses bereits in hellen Flammen. Oberbaurat Berg, der die Löschaktion leitete, ließ sofort aus fünf Schlauchleitungen großen Kalibers Wasser geben. Es konnte nicht oerhindert werden, daß die Flammen auf den Dachstuhl des Seitenflügels bzw. Quergebäudes übersprangeu In einer Wohnung des Quer- gebäudes befand sich«In achtjähriges Kind, das sich allein in dv Wohnung und in höchsterLebensgssahr befand. Der Feuerwehr, die eine mechanisch« Leiter hochgerichtet hatte gelang es, das Kjnd völlig unversehrt zu petten. Die Löscharbeiten dauerten bi» in die späten Nachmittagstunden hinein. Der Dorderhausdach- stuhl und ein Teil des Seitenflügels sowie des Quergebäudes wurden von dem Feuer pernichtet. Der Schaden ist lehr groß. Besonders haben die im 4. Skockwerl gelegenen Wohnungen unter Wasserschaden stark gelitten.___ Ein Warenhausdiebstahl. Unter den Augen der Oelektivin. Die Zösährize Emmi ist in Hannooer geboren Bis vor kurzem lebte sie bei hren Estern, ihr Vater ist Heizer in einer ostpreußischen Siadl. Hier passierte ihr ein„kleines Unglück", dos ihr e:ne Geldstrafe von 25 M.«inbrachte. Ob aus sticsem Grunde oder aus irgendeinem anderen, jedenfalls setzte sich ihr Dater mit seinem Freunde in Berlin in Verbindung und bat, seine Tochter bei sich auszunehmen, bi» sie als Hausmädchen Anstellung finde� So kam Emmi nach Berlin, und wenig« Tage später postierte ihr ein neues Unglück. Sie wurde im Warenhaus Tietz verhaftet. Auf ihrem Arm, der mit einem Jackett bedeckt war, fand man drei Paar Strümpfe im Werte von zusammen 2L5 M. Nun steht Emmi vor dem Einzelrichter. Sie trägt ein bescheidenes Raues Kleidchen, von ihren Ohren hängen große Ohrreisen herab, ihre schwarzen Augen mit den wettgeichweisten Brauen blicken fragend aus den Richter und ihr feiwzeschnillenes Mündchen zwitschert m imoeriälschtem hannoveranischen Dialekt kindliche Antworten. Sie ist nicht ins Warenhaus geganzen, mit her Absicht zu stehlen i nein, sie hatte die Strümpfe kaufen wollen. Sie hat auch nicht die Ab- sich! gehabt, sich mit den drei Paar Strümpfen aus dem Warenhaus zu entfernen: st« hat d«n Kaufpreis bezahlen wollen: sie hat ja auch bi« Strümpfe nicht stehlen können, weil ja da» Fräulein neben ihr stand. Die Z2jährige Detektivin hat aber die Zwanzigjährige genau beobachtet. Sie hat gesehen, wie sie zuerst 2 Paar Strümpfe zu. lammenrollte wie sie gleich dar.auf«in drittes Paar zusammen- rollte, wie sie dann alle drei Paare auf den Arm nahm und sie mit dem Jackett zudeckte, wie sie um den Tisch herumging, um sich aus der nächsten Tür zu entfernen. Der Staatsampatt beantragt ein« Woche Gefängnis Ob sie es aehört hat. fragt der Richter.„Ich möchte lieber Geldstrafe bezahlen," zwitschert das Kinderstimmchen..-„Die Eltern werden es bezahlen, ich saß noch nie im Gefängnis. Wenn meine Eltern, das erfahr, n..." Tränen. Auch die großen Augen der 22jährigen Dete tioin werden feucht Ein« rechtzeitige Warnung wäre vielleicht wirksamer gewesen als ein« gerichtliche Strafe. Aber die Instruk- tion lautet ja so und nicht anders! Abwarten, bis die Diebin des Diebstahls überführt werden kann. Da» Urteil lautet aus eine Woche Gefängnis?„Da di« Geldstrafe nicht geholfen hat. muß der Slngeklagten ihr verwerfliches Tun in anderer Weis» zum Be- wußtsein gobracht werden."„Nein, ich bitte Geldstrafe," unterbricht die zwitschernde Stimm« der Angeklagten. Mit dem Aermel wischt sie sich die Tränen. Der Richter billigt der Zwanzig- jährigen Bewährungsfrist zu und fragt, od sie die Strafe annimmt. „Nein, ich möchte gern nicht annehmen." sagt sie fast bittend.„Schon gut, das Urteil wird Ihren Eltern zugestellt werden." Emmi darf sofort mit der Dame von der Wohlsahrtsstefle am Pclizeipräsidium mitgehen Wenige Minuten später kommen beide zurück. Emmi habe da» mit der Bewährungsfrist nicht verstanden. sagt die Dame vem Wohlfahrtsamt: st« sei nun. nachdem der Sinn der Bewährungssrist ihr erklärt werden sei, bereit, die Straf« an- zunehmen. Hatte die Kleine aber nicht rein instinktiv ricklig ewp- sunöen, als sie bat, ihr statt der Gefängnisstrafe«in« Geldstrafe zu geben und hätte die Dame von der Wohlfahrtsstelle sie nickt kn ihrer ablehnenden Haltung bestärken sollen? Statt dessen.. Letzt wird Emmi mit Gefängnis vorbestraft sein, wenn ihr Bat« nicht doch noch Berufung einlegt._ Antolotsen für Berlin. Die Deputation für das Verkehrswesen beschäftigte sich in ihrer letzten Sitzung unter dem Vorsitz von Stndtbaurat Dr. Adler mit der neuen Polizeiverordnung über die Regelung des Verkehrs und die Aufnechterhaltiing der Ordnung in den Straßen Berlins (Straßenordnung). Nachdem zuvor ein Unterausschuß der Depu- talion in zwei Sitzungen in Gegenwart von Vertretern des Polizei- Präsidiums die Materie beraten hatte, wurde der Entwurf der Psli- zeioerordnung am 39. April 1923 vom Plenum der Deputation ver- abschiedet. Die Ange'egenbett wird nunmehr den Magistrat als Zustimmungsbehörde beschäftigen. De» weiteren nahm die Ver- kehrsdeputation zu einem Antrage des Allgemeinen Deutschen Auto- mvbil-Elub(Adac). betreffend Einrichtung eine» sogenannten Auto- Lotsendienstes Stellung. Dieser Lotsendienst soll die Aufgabe haben, den von außerhalb nach der Reichshauptstadt kommenden Auto- mobilfahrern bei der Durchsnhrt durch die Siadt behilflich zu sein. Es ist beabsichtigt, fünf Stellen für diesen Aiitolotsendienst mit je sechs Personen einzurichten. Die Deputation begrüßt jedenfalls diesen Antrag des Adac, hält es aber für erforderlich, daß man für diesen Dienst nur Führer einstellt, die mindestens 18 Jahre alt sind. saff j&p€&£&mj <204 Jam, fyuriot ri&AA* 4(& xx/o&'v f vlc&L Twmmjt' c/ctßui A O'do£ o&küv/ modbf. t I n g, Hamburg. Für Ankäufe von Entwürsen stand ein Betrag von SOO0 M. zur Verfügung, und zwar für jeden Entwurf der Betrag von 1000 M. Zu m Ankauf empfohlen wurden die Entwürfe von Architekt Reinhard Fuchs, Frankfurt a. M.. Architekt®. Sch a u p p, Frankfurt a. M., Mitarbeiter K. B o h l e r, Christian Gellinet, Neubabelsberg, Stadlbaumeister Albert Krüger und Hans Riecher t. Danzig-Langfuhr, Dipl-�ng. Gerd Schröder, Breslau. Die gesamten Entwürfe werden in der Zeit vom 6. bis 18. Mai dieses Jahres in der L a n d e s a u s ft e l l u n g. Berlin NW. 40. Alt-Moabit 4—10(Große Berliner Kunstausstellung), Saal 29. aus- gestellt. Die Eröffnung findet am Ü. Mai. mittags 12 Uhr. statt. Der Eintritt ist frei,_ (Sin Fest der Krüppel. Oer„Selbfihilfebund der Körperbehinderten� feierte sein Stiftungsfest. Der..Geldsthllfebund der Körperbehinderten" feiert» sein Slistungxsest Im Selbstfahrer, rfuf Krücken gestügt, an Stöcken oder von Samaritern geleilet, so kamen die Mitglieder zur Festslött«. Menschen sind sie, hl« täglich und stündlich mit körperlichen Hemmungen zu kämpfen haben und von denen darum viel« auch unter wiltschastli.chen Schwie- rigkelten und Bedrückungen leiden. Aber dem Fest» prcqramw war nichts von solchen Hemmungen anzumerken. Die Darbietungen des ersten Teiles wurden ganz von den Mitgliedern des Bundes bestritten..Flamm« empor!" sang mit starker Innerlichkeit die Gesangsgrupp« des Bundes, und dann setzte der Sprechchor«in, der in ermutigenden und anfeuernden Worten das Streben des Selbsthilfebu.tdes kündet«. Lieder von Frühlings- Hoffnung und Sonnenweben ließen die herzen der Hörer fröhlich werden, und es ging w,e Befreiung von Leid und Sthwere durch den Saal. Die körperbehinderten Sänger als Gebende»Nd ihr« .zuhörenden Sckicklal-geföhrten als Empfanaend« verstanden sich. Di» Festrede hielt an Stelle des perhinderten Obermagistratsrats Knaut der Schriftsteller Klod.iitzti Nachher wickelte sich ein unter Mitwirkung namhafter Künstler reiches Programm ab. Das Fest war eine In allen Teilen wohloelunnene VerontMliung. und noch kang« blieben die Gefährten gemeinsamen veidschicksals zusammen. - SSmMche SiaMflbm treffe» fich um 17 Uhr pünktlich Werder- Lolal»Äur Linde" zur Propaganda fahrt Schweres Flugzeugunglück in Japan. Acht Personen getötet. I o k l o. 4. Mal. Ein auf Veranlassung des Verkehrsminlsteriums konstruierte» Großflugzeug für dcu Personentransport ist währeod eines Probefluges abgestürzt. Sämtliche an Vard befindlichen ach« Personen, zum größten Teil Flugzeugmechaniker. wurden gelötet. Mobiles Nordpolflug. Ein Unfall bei der lehren Landung. JBte wir erfahren, geht in Norwegen das bestimmt austretende Gerücht, daß die Landung in vadfa« nicht ganz freiwillig, sondern dnrch einen Unfall des Luflschlffs veranlaßl worden fei. B Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verliu Einsendungen für diese Hudes! nue an da» Zuaeadletretavat, LMIn SW«. rindcnNea»« J heute, Sonnabend. 5. Mai: i Teltowlanal: Borstaiitslihuns 19 Uhr Im Heim Steglitz, tNirechittr. Werde bezlet Mitte- vdriitzendenkonferenz Im Heim Landsberger Str. S0. SLdwefte»! IS>� Uhr Hauspropagonda. Treffpunkt Lindenflr.». Eck« zzricdrich.Karl.Slraße vor dem fitr die Reichstagswahi. Morgen, Sonntag. S. Mai: SienlSS» l!(fahrt. Treffpunkt 6 Uhr Reuterplatz.— fehlend» rf: v�r treffen uns zur gemeinsamen Fahrt mit den-J dien Falken iui De stell, Ecke Siiemeiftcrstratz«. SöIInis»er Pari! Flugblativerbrcitung fällt aus. Wir treffen uns um ISfä Uhr im Kätlnifchr» Park, gegcniiber dem Holzarbeiter. verbanbshau». Weebebezlrl ktchtenberg! Treffpunkt szh Uhr Straiau-Rumm-lidurg.(fahrt nach Birkcnwerder zur Landagitation. Wrrbrbezirl Prenzlauer Berg! Di, Werbebezirk»Mitglied eruerfammlun» fällt umständehalber au». Werbcbrzirl Westen: Propagandafahrt. Treffpunkt 9 Uhr Wilhelmplatz, Charlottenburg. Alle Genossen mit Fahrrädern haben ssch einzusind«». Südwesten: Treffpunkt zur Fahrt 7 Uhr Blllcherplatz. Montag, 7. Mai: Werbebrilrt Renkölln: Wir beteiligen un» an der Dempuftratip» der Partei. Treffpunkt IS Uhr Rieliardplatz< nicht Hertzbergplatz). Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". GefchlitsNell«: Berlin& 14, Scbaftinnftr 87/89. H»i t Tr Mitte: Co., d.»., Antreten 19 Uhr Lehrerorrelnshau» zum Saol- schütz,— Zienlölln-Prig: Co.. d. 8., lbih Uhr, Anlrrten Bhs. Baum- schulrnweg mit umflorten Fahne» und Musik zur Sinäscheruug unserr» durch einen Betriebsunfall pcrstorbencn Ramerabtn Franz Tomlchlt vän der 1. Kameradschaft.— C«""~~ und Fahnen zur lottrndurg: Adfa Antretrn 11)4 Ul.......______........_ de» Ztrcisc» Westen. Pflichtoeranstaltuiig Gruppenfahnen mitbringen. Schine- weide(Iungbanner): IM Uhr Bhf. Nitderschöncwcide mit Radern. Aclterr und Fahnen zur l-ttendurg: Abfahrt pünltüch 1Z Uh/„.._______ Antreten 11(4 Uhr bei Cchnorre, Potsdamer Etr. 3, zur Bulopropagandal Sportgruppr): Mo., d. 7., 19 Uhr, eiusommenkunst im gugendd'im Rsonstrotze. —»rruzberg: Autofahrt€#., d.»., Fahrt»ach Baruth, pünktlich stiid Uhr von ffantancpeomeuade. Rur die namentlich gemeldeten Kameraden. Tonn- tag, d.»., Fahrt nach dem Fläming, pünktlich Kt) Uhr Fantonepromenadr. olle aktiven stamcraden.— Rittr: Mo., d. 7., Zugrnd I 20 Uhr Zugendheim j>orck- strotze 11. Portiag:»Die Parteien ,m Wahlkamps."»» Sleulelln-Brig: 3. Sa» meradfchaft Conntag. d. 8., IVA Uhr, Lchillerpromenade Ecke Strinmetzstratzl, Autofahrt noch Erotz, und»lein.zieihen und Seläiow. ssaheprei» I M. Meldung umgehend bei Schröder, Steinmrtzstr. SS. Beteiligung anderer Käme. radfätafien erwünfäit. Treffen morgen III Uhr Cchützenhan» Neukölln. Pankow lOrtsverein): Co., d. 0., lt Uhr, Antreten sämtlicher Radfahrer Marktplatz. (kreireliglöfe Gemeinde. Sonntag, 51 Uhr, Pappelall« IS, Bortrag de» Herrn H. Alfken:„Pslloiie* tgeft. SO. S. 1778), Harmonium: Duett aus.Dp» Aipin�(llttojarO. Gäste willkommen. Clperanto.Kcscllschast, Chorlottrnbnrg. Montag. 7. Mgi, K Uhe, Restaurant.Für Hütte", Charlottenburg. Aaisel.Friedrich-Ltr. BS. Gäste willkommen. Borttags. und Ukbunasabcnd. verband Sherechtsieform. yeffrntlichr Berf-mmluna am Mittwoch, 9. Mai, 20 Uhr, im Restaurant �Greiffenbcrgrr", Berlin, Zerulaiemer Stt. 8 funterrr Saal). Vortrag über:»Di« müssen wir Wahlen, um unser b-rl zu errrichent" grel, Aussprache. SLfie dürfen-ingeiltbrt werden. Arbeiter. Sa«ariter-al-n«, Berlin, tkllttoliedcrvertammlungen haben fol» grnde Abteilungen: Montag, 7. Mgi: Ant. Neukölln bei Cempe, Prinz. Hand- fern. Cck, Lessnigstraß«. Abt. Tempe'hof bei Lindisch, Martendorf, llönig. stratz« 44.- Mittwoch, 9. Mai: Adr Mitt« im Letdni«-«nmnassum, Moriannenplatz.— G->nn' n e n. J. Pkousme ivnrna) 2. Silo fVrablch), 8. HertlZnlgln ftdayneS). Tolo: 26:10. Platz: 14, 16�>7:10. Feiner liefen; Fervida. Minenkönla,.strrwak, Achlung, Eptlulatlon, Liebestraum, Simulant. Patocca, Türkenbund. 4. R e n n e n. 1. FrlSnder kNarr). S. Lledertran» fTarraS), 8. Normane fPretzner). Toto: 17: 10. Platz: II, 16, 18: 10. Ferner liefen: Atlantis, Intimus, Fiiarnban, Fürflenrut. Tarnschild. Anolo. S. Nennen. 1. StoizenieiS fBIilmel, L. PomprfuS(Kohl), 3. Ivh f?araa). Toto: 16: 10. Platz: 14, 2S: 10. Ferner tiefen: Double tzind. Dioclelian. Radio. 6 R r n n e n. i. Stalde-fHuguenIn), 2. Nareiß(M. Schmidt), 8. Freier Wille fKailer). Toto: 2l: 10. 7. Rennen. 1. Wegweiier f«roblch). 2. Finsteraarborn fHohneS), 3 Limmoitelle fO Schmidt). Toto: 42:>0. Piatz: 14, 12, 11:10. Ferner tiefen: SlatiuS, Etzriftinchen, Quelle, Rollländer. Wetterbericht der ästen INchen Wellerdienststelle verstn und Umgegend fNachdr. oerb.) Heiler und trocken, nachlS wieder fedr kühl, Taaeslemve- laluren incht wcirnllich vri ändert.— Zür veulfchland: Nur lm Tvdweften etwa flärter bewölkt, im übrigen Reiche trocken und heiter bei wenig»er« änderten Temperaturen. Sinfendnnge» für dief« Sabril find Rf(U« 6» 68. Li-deuliratze 8 £.««<• den parieinachrichten�MfürGroß-Verlin stet, an»o*«rzirtotetrelartat 2. Hot. 2 Tre» recht», zu richte». i Tiergarten. Montag, 7. Mal, 19V4 Uhr, jtreisfunktionärsttzung mit Wahlbeisstzern und Wahlvorstrhern in den Arminiusfälcn, Bremer Ctratze 78. Erscheinen aller dringend erforderlich. Die Mitglieder müssen d e Wählerlisten einsehen. 11. See!» Schkneberg.Friedcnau. Heute, Counadend, 8. Mol, 14—18 Uhr, rwn der»Porwört»"-Cprdilion, Lelzii �'..... er 6tt. 27, Werbemotcriol abholen. IS. Itrei» Paatow. Montag. 7. Moi. 1914 Uhr.«reisvvrstondssstzung mit den Abteilungslciiern. Wichiig« Besprechung über die Wahlprvpaganda im Atitische» gett, Brette Eft. 14. Heute, Sonnabend. 5. Mai: L Abi Die Handzettel zur öffentlichen Kundgebung,„Unser Weg und die Wählerin" sind heule, Coniiabend, zwifchen 8 und 7 Uhr im Lokal Epiegel, Ackcrstr. I, abzuhoien. tzt. Abt. Zum Adlchrciben der Wählerlisten werden schreibgewandte MitgN-der dringend gebraucht. Meldungen find sofort in der Gefchäflsstelle Uftechter Clrasie 21 beim Genosse» groll abzugeben. 28. Abt.""""——"" Die( u, ,1»._________ jKIM_______ Wt Bartufch, Frt'cdenstr. 88. zur Milverbreitung ab. Die Znqcndgenosscn treffen sich am Connadrnd um 18 Uhr zur Mitarbeit bei Wachs, Frieden. Ecke Noppen stratze. 78. Abt. 6ä;ineb«rg. All« Genossinnen und Genossen beteiligen sich heute, Cannabend. abend und Conntag frllh au der Nugblaltvcrbreituug von den bekannten Stellen au«. 88. Abt. Neukölln. 17—18 Uhr Material abholen von Neil, Prinz-Handjer». Strotze 38. Jeder Bezirk mutz vertreten fein. Um 18 Uhr Belprechun� aller Bezirksführer mit dem Ableilungsvorstond. Niemand darf fehlen. Lichtenberg. 114. Abt. Ab 17 Uhr bei Cchwarzer, Gabriel-Max-Clr. 17, Hand- «etlelverdreitung.— 116. Abt. Heute ab 18 Ubr und Conntag ad S Uhr Verbreitung der„Bählrrin" bei Morr, Neue Bahnhoistr. 2«.— 117. Abt. 17 Uhr und Conntag 9 Uhr von Krüger. Türrfchmidlstr. 33, und iilofc, Nupprecht, Eck» Eitelstratz«, au» wichtig« fflugblattoerdreitung. Dt« Frauen beteiligen ssch daran. 124. Abt. ModUdorf. 20 Uhr sslugblattverbreitung zu der am Mittwoch, 8. Mai. im Nordstern stattfindenden«undgedunn. Keiner darf fehlen. 128./130. Abt. Pankow. Achtung! Um 18 Uhr trefien steh alle radiahrende» Parteimitglieder, alle radiahrende» Reick., bannertameraden und all» rad- fehrendcn SAZ.,Mitglicder zur Umlahrt durch Pankow im Türkische» sielt. reite Str. 14. Da* Lautfprecheraut» ist pünktlich 18 Uhr»ns dem Markt. platz. werbeausschub der Post, und Telcgraphenbeamleu und Anwärter. Sonntag, 6. Mai, N Uhr, sehr wichtige Beefammlung bei Schul», «lifabethstr. 86. Tageaardnnng: Wahlen nnd Wohloordcreitnngen. Um vollzählige» Ericheina» wir»»ringend gebeten. 3 rtmenveranstaltungen. CT. lkrei, Lichtenberg. Sie..Wählerin" liegt ab heute, Sonnabend, abend i» allen Abholestellen zur Berleilung bereit. l. Krei» Neinickerdors. Dienstag, 8 Mai, 19)4 Uhr, FunktionörinnenM in Reinickendorf-Ost, Haupistratze, Dcrwaltungsgcoöude, Fimmer 60. We 20. ....... Hauplstratze, DcrwattuagsgcbLudt, Firn wichtiger Tagesordnung mutz fede Abteilung vertreten fein. 8. Abt. Achtung, Genossinnen I Die Betriebsbestchtigung der t iIINR egen Konsumgenossenschaft am Montag, 7. Mai, findet nickst um 14(4 Uhr, sondern um 10 Uhr statt. Treffpunkt pünktlich 9)4 Uhr Lichtenberg, Moll'""" ssutstratze. Um zahlreiche Beteiligung wird gebeten. <2. Abt. Achtung, Genossinnen«hb Genosse»! Die neue„Wählerin" liegt wieder bei Wiersdorf, Urbanstr. 8, zur Verteilung bereit. Jeder tue feine Pilichtl 48. Abt. All! Genossinnen und Genossen beteiligen ssch an der Berteilung der neuen„Wählerin". BS. Abt.«hnelottenlmra. Di» Genossinnen der 68. Abt. treffen ssch am Man» tag, 7. Mai, zum Falzen der„Wählerin" bei Matcfchke, Kurfürstenstr. Ul. um 20 Uhr. 72. Abt. Tckönederg. Alle Genossinnen und Genossen beteiligen ssch am Sonn- abend abend und Sonnlag früh an der Flugblattverbrcitung von den bekannten Stellen au». LI. Abt. Neukölln. Die Genossinnen nnd Genossen Halen die„Wählerin" vom Genossen Rohr, Tirgfriedstratze, ab. Zungsozialisten Groß- Berlin: Achtung. Kassierer! Die Abrechnung der Beiträge findet am Donnerotag. 1». Mai. 17— 19V. Uhr In der Bücherstube Lindeustr. 4 statt. Dort anch Smpfang der zunglozialistischen Blätter oom Mai. Die Adresse dev ueueu Kassierers der Zvaslazialistischen Blätter vom Mai. ist: Kurt Lars. U. Antwerpen«!«tr. 46. Achtung, Gruppenleiter! Sendet»mg« Achtung, Kruppenleitee! Sendet umgehend die Berickstsboge» für April an de» Genossen Willy Lilicderg, zodanniothol, Weststr. 9. Sorgt I» den Gruppen dafür, datz alle Genossen sich restloo den inständige» Parteiadtellnnge» zu» Snhlarbeit zur DrefLg-np stellen. Gruppe Rcinick-rdorf-vst: Montag, 7 Mai, A> Uhr, im Jugendheim„See- bad", Reinickendaef-Ost, Ressdrnzstr.«. Vortrag:„Wahlbetrachtungen." Gruppen Rculölln I urd lt: Sonntag Landngitationofahrt. Treffpunkt 5 Uhr Göriitzer Bahnhof für alle Genossen, dl« mtt dem Rad fahren. Dia Radsahrar treffen sich döi Uhr am gleichen Bahnhof. Arbeilsgemeinschafl der Sinderfreunde: Achtnngl Fu den Fügen 16 und 17,86 Uhr ad Stettiner Bahnhof ist fr ein Führer ab)4 Stunde vor Abgang de» Fuge« an der Normaluhr vorm Fern- bahnbof. Rückfahrkarten bis Melchow sind zu lösen. Nachzügler können Sonn- tag bi» Eberswalde und dann Poftout» Eichhorst lahren. Letztere» fährt nur etwa 8 Uhr ab Eberewalb«(1.20 MF Krei, Kreuzberg. Gruppe Tüdwest-gnugfalleni Heute um 16)4 Uhr Gruppen- abend im Jugendheim. Kr«!, Mitte. Gruppe Engeluier; Sonntag, 8. Mai, Wanderung: Hermsdorf— Kindel— Buch. Fahrgeld 60 Pf. Treffen um 7)4 Uhr Köpenick« Eckt Michactkirchstratze. { Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation j 19. Abt. Unser Genosse Hermann Schönherr Ist plötzlich verftvrd«». Ehre seinem Andenken. Dl« Beerdigung hat bereit» stattgefunden. Es kann Ihnen gleichgültig sein, cd wir 5 oder 4000 Menschen in unseren „ beiden grossen Fabriken beschäftigen, ob wir die grösste oder die kleinste SchuhfobriK der Welt sind. Es interessiert Sie nur, dass................ MERCEDES SCHUHE Schön— Gut und Preiswert sind. \rt..... h m »o I 4\ �- Vi- » i »Jt> n«: um Neu eröffnet« Kurfürstendamm 230 �Heingold-Expreß" in lila. Das Leben ist nun einmal mir für eine be'stmmte 2lnzak>l von Glücklichen faroenrsich, während es der grasten Mösle derer, die da in der Wahl chrer Eltern nicht vorsichtig genug waren, stets und immer grau in grau erscheint. Und während man das Elend wahr- beitsgetreu in seiner Grundfarbe malt, bemüht man sich, die fröhliche Farbensinsonie der anderen jetzt sogar im Luxuseisenbahnzuo �uin Ausdruck zu bringen. Der bordeauxrote Zug Berlin— Frankfurt— Schweiz erhält am 15. Mai einen violetten Bruder, der gleich ihm mit allen Schikanen ausgestattet, auf der Rheintolstrecke von Holland über Deutschland nach der Schweiz verkehren wird. Die Wagen des Exprestzuges sind die größten im Besitz der Reichsbahn befindlichen Fahrzeuge: sie sind ganz aus Stahl gebaut und bieten neben chrer vollkommenen inneren Bequemlich- keit auch noch die höchst erreichbar« Sicherhest für den Reisenden. Neuartige Drehgestelle ermöglichen einen auch bei hoher Zug- geschwindigkeit in jeder Beziehung einwandfreien Lauf. kTI�Zug enthält Wagen erster und zweiter Klasse. In den Wagen erster Klasse sind sowohl größere Saalräume.zu gemeinschaftlichem Aus- enchalt als auch kleinere Abteile zu vier und zwei Plätzen vorgesehen. Als Sitzplätze dienen in der ersten Klaffe Einzel- poljtersessel, die mit hohen Rückenlehnen versehen und ver- schiebbar sind. Sowohl in den Einzelabteilen wie im Saalraum sind sie um einen Tisch herum angeorVtet. Die Wagen der.zweiten Klasse enthalten je z w e i S a a l r ä u m e. Als Sitzplätze dienen hier fest eingebaute bequeme Polstersessel mit hoher Rückenlehne, die an der einen Wagenlängswand.zu je vier Plätzen an einem Fenstertisch und an der gegenüberliegenden Wagenlängswand zu je zwei Plätzen ebenfalls um einen Tisch angeordnet sind, also ähnlich wie in den Speisewagen, nur mit bequemeren Sesseln. Das Handgepäck der Reisenden kann in einem besonderen Gepäckraum ledes Wagens untergebracht werden: außerdem steht ober jedem Reisenden an seinem Sitzplatz ein Gepäcknetz zur Bersügung. Je zwei Wagen haben eine Küche, die von der Mitropa bedient wird und den Rei- senden jederzeit die gewünschten Speisen an ihren Sitzplätzen serviert. Den Weg zum Speisewagen braucht man daher in diesem Zug nicht mehr zu unternehmen. Aber der Reisende soll nicht bloß eine allgemeine Bequemlichkeit erhalten, sondern er soll sich in den neuen Wagen auch möglichst wie zu Hause fühlen. Um chm auch dieses angenehme Gefühl zu ver- Mitteln, wurden die einzelnen Räume der Wagen von n a m- haften deutschen Künstlern entworfen und ihnen in Form, Farbe und Dekorationsmaterial allerlei künstlerische Ab- wschsluug gegeben. Für die Hygiene sorgen warmes und kaltes Waschwasser in den Aborten, für ausreichende Lüftung Deckenluftsauger und in den Saalräumen kräftig wirkende Deckenventilatoren. Bei Eintritt der Kälte können die Wagen durch Dampfheizung wie durch elektrische Heizung mit Gleich- und Wechselstrom rasch erwärmt werden. Die Fahrt mit diesen neuen Wagen verspricht also einen nach jeder Richtung hin vollkommenen Reisegenuß. Der Preisunterschied zwischen den bisher auf dieser Strecke in Verkehr gestandenen Schnell- zügen und dem neuen„Rheingold-Expreß" ist kein wesentlicher. Der Reisend« zahlt nur einen Zuschlag von 3 Mark in der ersten und von 2 Mark in der zweiten Klaffe zu den bisher gültigen V-Aug-Fahr- preisen._ Seedienst Ostpreußen. Schnellschifflinie Swinemünde— Zoppot—Pillau—Memel. Im Frühjahr schon fest Ostern die erste, im Herbst die letzte Per- sonenverbindung an der deutschen Ostseeküste ist der mit den Motorschnellschissen.Hansestadt Da nzig" und„Preuße n*. den größten und schnellsten Fahrgastschiffen der Ostsee, betriebene See- dienst Ostpreußen. Wer Sehnsucht nach der See hat. kann hier schon jetzt im linden Maiwetter schöne Seereisen unternehmen und die Landschaftsbildei der Donziger Bucht genießen. Der„Jugend- p s l e g e t a r i s" gewährt Ermäßigungen bis zu H der vor. malen Fahrpreise. Der Fahrplan— ab Swinemünde Mittwoch und vor allem Sonnabend 1.9 Uhr— oerlockt zu Wochenendfahrten au die„Rivicra des Nordens", in dos Seebad Zoppot. Zwischen Danzig und Königsberg stellt der Seedienst die schnellst« und kürzeste Verbindung her._ Brunshaupien L ZNeckl. Die zahlreichen regelmäßig wieder kehrenden Gäste werden erstaunt sein über das, was auch diesmal zur bevorstehenden Saison an baulichen Veränderungen im Orte vorgenommen morden ist, alles daraus berechnet, den stets zunehmen- den Anfragen nachkommen zu köuncn, und ebenso daraus, den Gästen den Aufenthalt Hierselbst angenehm zu machen. In voriger Saison wurden ins Brunshaupien 21337 Kurgäste amtlich gemeldet(ohne Passanten) gegenüber 17 834 in der Saison 1926.— Ein« für die Saison verpstichtete große Künstlerkapelle wird bereits vom 27. Mai ab täglich zweimal die Kurkonzerte ausführen. Der Rote Ostseebädersührer ist im 29. Jahrgang erschienen. Die lleberfichilichkeir des Führers ist durefa die Neuanordnung im Text entschieden gefördert worden. Die Anzeigen der Hotel, und Pen- flonsbesitzer sind an den Buchschluß verwiesen. Im Text sind nur noch Hinweise aus die beiressenden Häuser lieber 86 Bäder cm der � fi r...... e*" j.f.____ r. Ä—. ITl.!__-...<••-i»* sahrpläne und ein« Uebersichtskorte der gesamten Ostfeeküste vervollständigt das 276 Sellen starke Rachfchlagebuch. Der Preis des Führers ist 1.— M.. franko 1,30 M Zu beziehen durcb diet- fchäftsstelle des Verbandes Deutscher Ostseebäder(E. V.), Berlin, Unter den Linden 63. Das Ostseebad Arendsee in Rleckl. ist von der Natur ganz be- sonders begünstigt, weil es dicht am Stlrande liegt und von Herr« lachen Wäldern eingeschlossen ist. Man hat hier alles, was all und jung von einer idealen vommerstischc erwartet. Es liegt an einem schönen, breiten Strande, an dem sich ein« gepflegte gepflasterte Kurpromenade entlang zieht. Die in den letzten Iahren gemachten Verbesserungen haben die Bedeutung Arendsees als Änrort außerordentlich gehoben. Der schön angelegte Ort Hai Kanalisation, Wosierleitung, Kochgas, elektrisches Licht �Man badet frei und un- gezwungen an den schönsten Stellen des Strandes vom Strandkorb aus und in der großen Badeanstalt mit Familien- und Sonnen» bad.— Eine Houptanziehungskraft wird die am Strande neu er- richtete große Wandelhalle bilden. Reisen in Schlesien. Ein« hübsche und anregende Ausstellung oeranftallet der S ch lest s ch« Berkehrsverband ab 7. Mar d. I. im Schaufenster des Verkehrsbureaus I. Dannoberg, Unter den Linden 5, Hotel Bristol. In farbenprächtigen.� vollkommen naturgetreuen Bildern werden dort die Schönheilen Schlesiens ge- zeigt, und zwar aus dem Riefen-,Iser-, Eulen-, Wölben- vurger. Glatzer und Altvatergcbirge, ebenso aus den bekannten schle fischen Bädern und alten Städten. Die Bilder zeigen den Charakter der einzelnen Gebirge Schlesiens. Be- sonders eindringlich wirken ans den Boschauer die Phantasrnofkop- Apparat«, die abwechselnd blitzartig plastisch verschieden« Bilder von Schlesien aufstrahlen lassen. Eine reiche Auswahl von Schriften über Schlesien ist mit ausgelegt, sie wenden an das Publlkuru ab- gegeben. ivovden, daß ein keim« in sich birgt. ramn und Vinnen . igt.... Kuß unter Umständen nickt wenig t. Die Bakterien haben ihren Siß Vunge» � . als 40 000«rankh-it». im ZZaien. und Rachen- durch einen Ztnß leicht ilberträge» werden. Die Aerzt«. emjrfedle» darum dringend«ine sargtältig« Mundpfleg« und Rilimrhaltuna der. Mundhüdle durch«in wirflames, aber unschädliche», desinftiierende» Nittel lg. B. Olwl). flu nie is¥iera des Hordens übe? SwinemOnde-Zoppot-Pillau-Memel mc*■.von OSTPREUSSEH, DANZIG>. HEMEL aimeaMotorschnellschiffen„Hansestadt Danzig" n.„Preussen FAHRPLÄNE u.NÄHERE AUSKUNFT durch den Norddeutschen Lloyd, Abteilung Inlfindlschee Verkehrswesen. Bremen, die Stettiner Dampf- schiffa-GesellschaftJ. F. Braeunlich, G.m.b.H., Stettin, deren Vertretungen sowie durch alleReisebureausu. Eisenbahn-Fahrkartenausgaben angsnau im Glatzer Gebirge . Herz-und Nervenleiden, nSGllt* Gicht u. Rheumatismus Prospekte durch Kurverwaltung und Reisebureaus DieTecMiscl Mresschau Dresden Waldstadt Fürstenwalde Tagungsort u. Ausflugsziel der Gewerkschaften und Vereine Mcllenwcllc siadleiOene Wälder wmBxmmmamsaaBsmmmamBmmm Auf' an die Deutsche Ostsee Der offizielle Führer 1928 durch alle Bäder ist erschienen. Preis 1,— M., bei Voreinsendung des Betrages 1,30 M, Nachnahme 1,60 M. Führer der einzelnen Bäder kostenlos. aK£»4 a..«? Berlin NW 7, Unier den Linden 53 » Fernsprecher: Zentrum 433S. hcW durch kohhniaure BSdrr, Moor- a. Solbäder � M jy» Sieht- und SatziiinJckurcn ad Uyrmonlr Prospelcie durch Relsabdros und Kurverwaltung. Inhaber Genosse Grieb. 660 Meier Höhe in Täune»- berg, Oberpfalz. Bolle Pension pro Tag 4.—. Ideale Tage, waidreiche Gegend. Bekannt gute Derpflequng. Prospekte frei.* ••••OWGbOC——« BERFIVT SCHLESIEN! uiiiiriuiiiiiitiimin/iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiuiiiiiiiiiiniiiiuiiiiiinuiiiiumuiuijiunifij Ausstellung und Prospekte Schaufenster i. Danneberg Berlin. Unter den Linden 5 (Hotel Bristol) Schlesischer Vorkehrsvorband. KM«!!! Pieliidi. Elte das Bad des Mittelstandes Glänzende Heilerfolge Ausko ntl ililketi die Bad;»eiw ding. Gelenk-, Nerven-.Frauen-" Krankheiten, Alters-� erscheinunden usw heilf Bad LandecK in Schlesien Radlum-Thermalkuren Moorbäder pp. Massige Preise Auskurrff a Prospekte: Stödt. Badeverwoltung� und Reisebüros. 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Emser Wasser(Kräneben)» Pastillen, Quellsalz, Gmsolitb� Hauptoiederlage für Emser Kränchen für Berlin und Brandenburg; Brunnenvertriebsaktiengesellschaft, Berlin SW, Yorckstr. 59. Telephon; Bergmann 3536—38. 'L-f 7lr. 2H• 43. Iahrgang 2. Beilage des Vonväris Sonnabend, 5. Mai �92.8 Deutsche Arbeitskämpfe i927. Oer Kampserfolg rechtfertigt das Vertrauen der Massen. Das Jahr 1927 hat unter dem Zeichen einer scharfen Wirtschaft» lichen Depression begonnen, die allerdings bald von einem stürmi- schen Ausschwung abgelöst wurde. Di« Arbeiterschaft, die während der mit der Rationalisierung verbundenen Krise ihre Ansprüche auf ein Minimum beschränkt und eine weitgehend« Bereitwillig- keit bewiesen hatte, schwere Opfer im Interesse der gesamten Volts- Wirtschaft zu tragen, mußte jetzt ihre Forderungen auf Lohn- erhöhung geltend machen. Eine Lohnbewegung war schon deshalb unentbehrlich geworden, weil die Kaufkraft der Löhne im Jahr« 1927 nicht unerheblich gesunken war, der Lebenshaltungskosten- index war nämlich im Januar 1927 144,6 und im Januar 1928 1508. Es Handelle sich also für die Arbeiterschaft um eine doppell« Aufgabe: die Steigerung der Lebenshaltungskosten (die auf etwa 4 3 Prozent zu schätzen ist) auszugleichen und sich einen gerechten Anteil an den Früchten der durchge- führten Rationalisierung zu sichern. Den(Bemerk- schaften gelang es, diese Aufgabe im großen und ganzen zu lösen. Die tarifmäßigen Stundenlöhne betrugen im Durchschnitt: Für gelernte Arbeiter Für ungelernte Arbeiter Am 1. Januar 1927... 94.9 Pf.«6.7 Pf. . 1.. 1928... 102.8. 74,7. Steigerung in proz.., 8,3 proz. 12,0 proj. Die tarifmäßigen Real löhne sind also für gelernte Arbeiter um 4 Prozent, für ungelernte Arbeiter um fast 8 Prozent gestiegen. Berücksichtigt man aber die Kurzarbeit in der Krisenzeit einerseits und die Ueberstunden bei der besseren Konjunktur andererseits, so ergibt sich, daß die wirkliche Steigerung der Realoerdienste der Arbeiterschaft noch größer war. Ein Ausgleich für die Entbehrungen der Krisenzeit, eine Anpassung der Verdienste und der Kaufkraft der schafsenden Schichten an den technischen Fortschritten ist freilich noch nicht erzielt. Das deutsche Proletariat steht in neuen großen Kämpfen. Die Ereignisse des abgelaufenen Jahres beweisen ihm aber, daß es in diesen Kämpfen, trotz aller Demagogie, mit Zuversicht den von seinen Gewerkschasten eingeschlagenen Weg weller verfolgen kann. Die vor kurzem veröffentlichten Statistiken über die Streits und Aussperrungen im Deutschen Reiche geben ein lehrreiches Bild der Arbellskämpf« im Jahre 1927. Die wlrkschoflllchea Streits 1S27 und tu den früheren Zahren Ein ganz anderes Bild weisen die Aussperrunge« des ver- laufenen Jahres auf. vi« Aussperrungen 1927«ad tn früheren Zahren. Bemerkenswert Ist in diesen Zahlen, daß die Streikbewegung im Jahre 1927 zwar umfangreicher als im vorigen Jahre war. jedoch der Zahl der betroffenen Arbeiter sowie der verlorenen Arbeitstage nach well unter dem Niveau der Jahre 1999— 1913 geblieben ist. Die Gewerkschaften haben also eine große Vorsicht in der Erklärung der Streiks an den Tag gelegt. Diese Taktik wurde durch einen großen Erfolg gekrönt: noch niemals in der Gefchlchle der deutschen Arbeilskämpfe war der prozentsah der ge- wonneuen Streit» so hoch, der verloreneu Streits dagegen so niedrig, wie im Zahre 1927. Don den Streitenden haben 1927 1. Vierteljahr 2. 2. 4. »» i» i» »olle» 26 988 9 872 7 636 4 336 »eUweilell Erfolg erreicht 29 399 3 834 19 564 65 442 teuinl 19 991 1837 6 644 4 481 Zusammen 43 332 109 239 23 053 Zn Prozenten 1927»7 60.6 12,7 Dagegen: 1910 193 43,0 37,2 1911........ 19,4 46,2 34,4 1912 1«3»9.9 43,6 1913........ 16,7 423 41,0 1919.,»»«»»- 22,1 62,1 15,8 1929........ 24,9 58,8 17.2 1921.»»»»»»- 17,1 63,8 1922 233 57,4 19,3 1923........ 51,0 34,0 Will man über den Umfang der Arbellskonflitt« nach der Zahl der betroffenen Arbeiter urteilen, so ersteht man, daß vor dem Kriege die Streits im Durchschnitt dreimal größeren Umfang als die Aussperrungen hatten. In den letzten Rachkriegs- jähren betrafen die Streits im Durchschnitt etwa dreizehn- mal so viel Personen wie die Aussperrungen. Nur im Jahre 1924 hat die Zahl der Ausgesperrten— zum erstenmal in der Ge- schichte der Arbcttskämpf« in Deutschland— die Zahl der Streiken- den überstiegen(1 096 378 bzw. 969 956 Personen)— und nun stehen im Jahre 1927 wieder den 187 687 Streiten- den 218 611 Ausgesperrte gegenüber! Aber im Jahre 1924 handelte es sich für die Unternehmer darum, in ihren Betrieben„Ordnung* zu schaffen, damit rechtfertigten sie jeden- falls ihre Kampflust. Womit können sie ihre Scharfmacherpolitik im Jahre 1927 rechtfertigen, als niemand die Notwendigkeit einer Lohnerhöhung verneinen oder auch nur bezweifeln konnte? Bemerkenswert ist allerdings, daß die Arbeitgeber durch Aussperrungen nur winzige Erfelg« erzielt haben! Die Zahl der Ausgesperrten gliedert sich noch dem Ausgang der Kämpf« wie folgt: kein teilweiser noller Erfolg der Arbeitgeber 1. Dierteljohr 1927.,. 119 699 5 441 244 2.. 1927... 18679 17 817 271 3.. 1927... 8858 15524 648 4.„ 1927... 88 34431_ 115 Zusammen...... 138 223 73 213 1 278 in Proz....... 65.9 proz. 34.» proz. 0.6 proz. Dieser Ausgang der Aussperrungen zeugt über starken Wider- stand, den die Gewerkschaften den Angriffen der Scharfmacher aus den Unternehmerkreifen entgegenzustellen verstanden haben. Im Jahre 1927 haben die freien Gewerkschaften ihren Mit- gliederbefiand um eine halbe Million erweitert. Damit hat die Arbeiterschaft ihr Urteil über die von den Gewerk- schaften geübte vorsichtig« und zugleich entschlossene Taktik aus- gesprochen. Wl. W. Ein Notprogramm vor 100 Zahren Die Großagrarier haben sich nicht geändert.- Gegen die Bauern damals wie heute. Seit Iahreu ist„die Landwirtschast' in Not. Sell Iahren wer- den„der Landwirtschast', d. h. uatürlich den Großagrariern, nicht den Bauern. Subventionen zugestopft. Sell Iahren bleibt der Bauer das Karnickel seiner großmächligen„Gönner'. Der Bauer lernt schwer, vielleicht lernt er aus der Geschichte, aus der wir ein Kapitel erzählen wollen. In der Zell von 1759 bis 1896 stieg der Wert de» Lodens w Ost- und Westpreußen um mehr als da» Doppelle, stellenweise um das Sechsfache. Bei Diners in Königsberg waren Giller In mehrere chände geraten d. h. es wurde mit Grund und Bode« Lotterie ge» spiell oder ganz unarisch geschachert. Damals hieß das Notprogramm..RetabUssemeat". Don 914 Rittergütern in Ostpreußen wechselten 123 im Jahr« 1895 und 92 im Jahre 189« den Eigentümer.— Sie trieben einen schwunghaften Handel... und dann kam der Kladderodatsch: Krieg, Bauernbefreiung! Helfen sollte dos.Lketablissement',«in System von Staatsmaßnahmen, das unter ausgiebiger �leranzichung von öffeni- lichen Mitteln die landwirtschaftlichen Betrieb« wieder flottmachen sollt«, um die heimisch« Produktion zu heben. Die Hand- und Spann- dienst« waren weggefallen, und die spannfähigen Bauern mußten ihre Freihell in Tilgungsraten abkaufen. Das war weder für die nun freien Bauern, noch für die Rittergutsbesitzer bequem, denn es fielen Arbeitskräfte au«, und zwar billig«. Den Bauern mangelte auch allerhand. Dagegen sielen aber den Grundeigentümern 69 999 Hektar Ackerland zu. In dieser Lage schlägt der Generallandtag von Ost- preußen(die Aussichtsinstanz über das genossenschaftliche Boden- tredllinstitut, zu dem alle Rittergüter der Provinz gehörten) im Herbst 1815 vor: Subventionen, Ausfuhrerleicht«- rnng, Erschwerung der Einfuhr, Steuerbefreiung und Maßnahmen„zur Vermehrung der dienenden Menschenklasse und der Taglöhaer. besonders durch höhere vesteucrung der- jenigen, die sich, wie man sagt, auf eigene Hand ernähren, welche Maßregeln, wenn sie gleich die Freiheil de» Menschen ein- schränken, doch bedenkende Vorkelle sür die Moralttät der niederen Klassen mit sich sühreu'. Auch damals: Oben mit Scheffeln, unden mit Löffeln. Die Notlage war da. unbestreitbar, und die Hisse blieb nicht aus. Don 1897 bis 1832 schenkte derStaatder ostpreuhischen Land» schaft, also dem Kreditinstitut, das oornehnckich den Rlltergutsbesitzern zur Verfügung stand, über 25h Millionen Taler. In Ostpreußen gab es 1898 914 adlige und 7555 bürgerlich« Güter. Aus dem Retablisss- mentfonds sind im damaligen Departement Königsberg 1164 718 Taler wie folgt verteill worden: Di« adligen Güter«rhiellen-,. 911 857 Taler Die n i ch t a d l i g e n Güter.... 148 428„ Die städtischen Bauern,.. 194 433. Damals wie heut« oben mit Scheffeln und unten mit Löffeln. Daß die Güter durch Krieg und Konjunkturänderung notgelllten hatten und Kredit brauchten, um wirtschaften zu können, steht fest. Sie waren nur deshalb nicht kreditfähig, weil sie schon vorher verschuldet 0) waren. Ein Minister fand schon 1816 den Mut zu sagen:„die Mehrsten(RUtergutsbesitzer) sind schon vor 1806 insoloeul gewesen', und erst 1823. nachdem die Krisis so gut wie überstanden war, rafft sich ein G u t a ch t« r t o l l« g i u m dazu auf. zu erklären:„der größere Teil der Schulden, welche jetzt den Guts- b-sttzer drücken, find in den Jahren 17S8 bis 1806, mithin während der glücklichsten Zeiten sür den Landwirt in den preußischen Pro- vinzen, durch die Leichtigkeit, Kapllalicn zu erhalten, ange- schwollen..„Sehr viel Gutsbesitzer in den preußischen Pro- oiuzen wären, wenn die Kriogsjahrr, die Erhöhung der öffentlichen Lasten und Abgaben und die Veränderung in den Landwirtschaften durch die Veränderung der gutshörigen und bäuerlichen Verhältnisse auch nicht nachteilig«ingewirkt hätten, doch in Berarmung geraten, wenn nur die außerordentlich hohen Preise der ländlichen Erzeugnisse(vor 1896) sich dem Gleichgewicht genähert hätten, und die Leichtigkeit, Kapitalien zu erhalten, vermindert worden wäre.' Nicht» Neues gibt es unter der Sonne! Damals Krieg, heut- Krieg. Damals Grobagrarierspetulation, heute Großagrarierfpeku- lativn. Damals wie heute Subventionen und billige Kredite für die Großagrarier und einen Dreck für die Bauern. Damals wie heut« Notprogramme, und der Bauer wird geschlenkt! Bauer, wach auf: auch heute noch werden die. die sich auf eigen« Hand er- nähren, von den Großagrariern und sür die Großagrarier be- steuert,„welche Maßregel, wenn sie gleich die Freiheit des Menschen einschränkt, doch bedeutend« Vorteil« für die Moralität der niederen Klassen mit sich führen.' Diese niedere Klasse neben den Großagrariern bist du, Bauer, damals wie heute. Merk's endlich und mach dich frei! J?oiprogramm amerikanischer Farmer. Slvch in LlSA. politischer(Schocher mit Farmernöten. Die Vereinigte« Staaten von Nordamerika haben auch«in Not- Programm für die Landwirtschaft zu verabschieden. Es heißt die Mac-Nary-Haugen-Bill. Wir haben diese« Gesetz und die dahinterstehenden Absatz- und Rentabilitätsnäte der amerikanischen Farmer schon ausführlich behandelt. Auch dort ist die Stabilisierung und gleichzeitige Erhöhung der Preise das Ziel. Nur erstreckt sich die Wirkung des Notprogramms außer auf Getreide und Schweine- fleisch aus Daumwolle und auf Tobak. Der Gedanke ist der, daß durch eine Staatsanleihe 499 Millionen Dollar als einmaliger Kredit zur Verfügung gestellt werden sollen, um durch Aufkäufe von agrarischen Pro- tnikten, Tabak und Baumwolle die Preise zu regulieren. Daneben soll durch eine Umlage von den Farmern«in Ausgleichs- fonds aufgebrocht werden, aus dem Preis» und Crnteverlust« im Falle der Unverkäuflichtett zurückgehaltener Agrarprodukte ersetzt werden sollen. Da» seit Iahren umkämpft« Gesetz ist jetzt vom ';■--••i'iU. Ob Woche ntao ob Sonntag. tragenSie immer das Erzeugnis der größten deutschen Schuhfabrik * -. ReprSsentantenhaus mit 204 gegtn 121 Stimmen angenommen worden— 3ö0 Deputierte haben sich der Abstimmung enthalten—, nachdem der Senat schon vor einiger Zeit seine Zustimmung gegeben hat. Der schürfst« Gegner des Gesetzes ist der Prästdent «oolidge selbst, der wie schon früher auch setzt mit Sicherheit sein Veto gegen das Gesetz einlegen wird. Der Grund dieses hart- nackigen Widerstandes liegt in der engen Verbundenheit der Republikanischen Partei, der Coolidg« angehört, mit der Industrie. Die Industrie fürchtet aus dem Gesetz durch die Teuerung der Lebensmittel höhere Löhne und ganz besonders sürchtet die Textilindustrie, die Herrn Coolidge„gemanagt' hat, höhere Baumwollpreis«. Für die Präsidentenwahlen hat. dies« Gegnerschaft gegen die Farmer schon in der Republikanischen Partei zu Gegenkandidaturen gesührt. Staatssekretär Hoover ist wie Coolidge gegen das Gesetz. Gouverneur Lowden ist Kandidat der farmerfreundlichen Gruppe und wird von Dawes, dem Urheber de» Dawes.Plans, unterstützt. Auch in der De m o k r a t i s ch e n Partei herrscht die gleiche Spaltung. Jndustrierücksichten kämpfen gegen Farmerfreundlichkeit. Diese Spaltung der beiden Parteien erklärt auch die riesig« Stimmenenthaltung von 350 Deputierten im Repräsentantenhaus. Wer folgt uach? Herr Gtroyen gibt deutschen Unternehmern ein Beispiel. Der französisch« Automobilfabrikant Andrü Titroyen hat bei einem Frühstück im Pariser Amerikanischen Klub über die fron.- zösische Automobilindustrie gesprochen. Er sc Frankreich erzeuge gegenwärtig etwa 200 000 Wagen im Jahr«, die Dereinigten Staaten dagegen 4 Millionen. Der Preis eines in Frankreich erzeugten Wagens entspreche dem Lohn von 60 Arbeitstagen eine» -- I Inssro werten Leser und Freunde werden gebeten, In ❖ '' allen Gaststätten, Kaffeehäusern, Zeitungsverkauf#- J stellen usw., sowohl in Groß-Beriln als auch Im Reich ]| und im Ausland, ausdrucklich den T 1„VORWÄRTS" j und den 4- „ABEND" I zu verlangen. Das Parteiinteresse fordert, Uberall für 4- '' die Parteipresse zu werben und das Auslegen des* 4. Zentralorgans der SPD. in allen Verkehrsstätten zu 4. � veranlassen. Sollte der„Vorwärts" an Klosken, Bahn- � 4. hofsbuchhandlungen usw. nicht erhältlich sein, so 4. £ wären wir für entsprechende Mitteilung dankbar � |„VORWÄRTS"-VERLAG I 4* Berlin SW 68, Lindenstr. 3/ Fernspr. Dönhoff 292-297 4> 1rt-4-4-4rt-4-4-4-4.4-4"*4.4�4.4-4-4-4-4-4-4-4-4-4-4-4-4-4-4-4-4-4-4-4*4-4-4-+ Arbeiter» in den Dereinigten Staaten, dagegen dem Lohn von 500 Arbeitstagen«Ines Arbeiters in Frankreich. Damit sich der Automobilabsatz in Frankreich hebe. müsie nicht nur billiger erzeugt, sondern auch die K a u s k r af t der großen Massen erhöht werden.'' Uns scheint, datz hier in Deutschland die Dinge ziemlich genau so liegen. Wir haben aber noch keinen Automobilfabrikanten ge» fanden, der das ebenso ausspräche, wie es hier Herr Citroqen getan hat. Es wäre gut, wenn das geschähe, auch im Interesse der deutschen Automobilindustrie. Preußens Vauleistungen. Di« endgllllige Statistik über die preußische Bautätigkeit im Jahre 1927 ergibt für Preußen insgesamt 132 602 neue Gebäude. darunter 80 328 Wohngebäude, und 178 951 Wohnungen, darunter 176 988 in Wohngebäuden. Die Zahl der neuen Wohngebäude stieg gegenüber 1926 um 31,5 Proz., die der übrigen Gebäude um 18 Pro.;. und die Zahl der Wohnungen ist um 40,5 Proz. höher als im Jahre 1926. In den Großstädten wurde die Mehrzahl aller neuen Woh- nungen. und zwar nicht weniger als 55 Proz. von gemein». nützigen Ballgesellschaften errichtet. Der Absah des Deukschen kalisyndikak» im Monat April 1928 betrug 674 149 Doppel�ntner Reinkali gegen 509 798 Doppel» zentner Reinkali im gleichen Monat des Vorjahres. Der Absaß in den ersten vier Monaten des lausenden Kalenderjahres beträgt 6 393 384 Doppelzentner Reinkali gegen 5 889 726 Doppelzentner in den ersten vier Monaten des Kalenderjahres 1927. Der Absatz im Düngejahr 1927/28(Mai 1927 bis April 1928) beträgt 12 897 380 Doppelzentner Remkali gegen 12 120 677 Doppelzentner Reinkali im Düngejahr 1926/27.— Der Kalioerbrauch der deutschen Landwirtschaft dürfte also auch im AprU gegenüber dem Vorjahr noch zugenommen haben. Das ist erfreulich, spricht aber gegen die Rotpropoganda des Reichslandbundes. Gewinne Im RavenS-konzern. Die Raoenc Fabrik, und Handelsbetriebe A.>G. Berlin berichtet für 1927 über einen von 19 900 auf 45 700 M erhöhten Gewinn, aus dem nach stark vermehrten Abschreibungen und Reserven eine Dividende von 6 Proz. verteilt wird. Die R a 0 e n ö Stahl A.. G. Berlin er» höht ihre Dividende von 6 auf 8 Proz. aus einem von 43 400 auf 76 100 M gestiegenen Reingewinn. Die Jacob Raven« S ö h n e u. Co. A.> G. bleibt bei der hohen Dividende von 12 Proz. wie hn Vorjahre, nachdem ein Reingewinn von 121 400 M gegen 131 000 M errechnet wurde. Sdmhe Für die Dame: Für den Herrn: IT KweraMnwlpfe garanticrf ersfeWahf in allen Hodefarbcrf Spangenichahe, In den neuesten Modeforben, beige- ros«. sekt. mouve, hssel- nufi, mit echtem LXV.-Abs. Pump«, wieder»ehr belieb», mit echtem LXV.-Ab- sotz, belge-ros« 14�50. mode Trottearidiuhe, braun echl Boxkalf Spangenschuhe, der richtige Laufsihuh, Origlnal-Goodyear, gedoppelt, flach. u. halbhoh. 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Es gibt Staatsmänner, die die Bevölkerung ihres Landes gern höher bezisfern, als sie tatsächlich ist, um so die Notwendigkeit des Erwerbs neuer Länder belegen zu können. Das gilt vor allem auch für Italien, mit besten Statistik sich Fischer in seinem in der bekannten Zeitschrift für Geopolitik erschienenen Artikel„Die Be- Völkerungsentwicklung 1925— 1928" auseinandersetzt und dabei zu dem Ergebnis gelangt, daß vorerst die Bevölkerung Frankreichs noch um über eine halbe Million größer ist, als die Italiens, während bekanntlich sehr oft das Gegenteil behauptet wird. Das Wachstum der Bevölkerungszahl ist in den verschiedenen Ländern naturgemäß sehr unterschiedlich. Insgesamt ist für die letzten drei Jahr« eine Zunahme der Erdbevölkerung um 45 Millionen oder um 15 Millionen, d. h.— fast 8 Proz. im Jahre festzustellen. Davon entfallen 13 Millionen oder 4Vi im Jahre auf Europa. Trotz diese» relativ hohen Zuwachses gibt es aber noch immer Gebiete, in denen die durch den Weltkrieg hervorgerufenen Beoölkerungsverluste noch nicht wett gemocht werden konnten. In dies« Rubrik gehören Lettland, besten Bevölkerung noch um über 650 000 hinter der des gleichen Gebietes im Jahre 1914 zurückbleibt, Frankreich mit 600 000 und Oesterreich mit 250 000 Berlust gegen- über den gleichen Gebieten um Mitte 1914. In allen anderen euro- pöischen Ländern aber ist die Bevölkerung größer, als um die Mitte des Jahres 1914, und zwar im Deutschen Reich heutigen Umfange? um fast 3>4 Millionen, in Italien um über 3 Millionen, auf den britischen Inseln und in Spanien um je fast 2 Millionen, in Griechenland um IM Millionen, wobei naturgemäß stets die Um- rechming auf die entsprechenden heutigen Gebiet« erfolzte. Selbst- verständlich kommen für diese Bevölkerungsverschiebung zum großen Teil auch die Bestimmungen der Friedensverträge mit in Betracht, so ist das starke Ansteigen der Bevölkerungsziffer in Griechenland auf die Mckwonderung aus der Türkei zurückzuführen, andererseits weiß man ja aber auch, daß Deutschland aus den abgetretenen Ge- bieten erhebliche Bevölterungsmasten aufgenommen hat. Erstaunlich ist das starte Anwachsen der Bevölkerung in den Niederlanden um 1V6 Million— 21 Proz., womit das größte relative Beoölkerungs- Wachstum der letzten Zeit in Europa erreicht wird. Trotz aller Be» völkerungszunahme in den verschiedenen Ländern ist aber doch, wie Fischer ausdrücklich feststellt, die am meisten hervorstechende Er- scheinung in der natürlichen Bevölkerungsentwicklung der drei letzten Jahre ein weiteres Abbröckeln der Geburtenziffern in den Kern- gebieten der abendländischen Kultur. Dabei ist nicht einmal mehr Frankreich, das klassische Land des Geburtenrückganges, führend, sondern seine Geburtenrate, die im Jahr« 1926 noch 18,8 pro tausend betrug, wird von England mft 18,3, der Schweiz mit 18,2, Estland mit 17,7 und Schweden mit nur 16,9 Geburten pro tausend noch unterboten, wobei hinzugefügt sein mag, daß auch die deutsche Ziffer mit 19,5 sich bedenklich der französischen Zabl nähert. Zu be- rücksichtigen ist allerdings, daß alle diese Länder eine wesentluq niedrigere Sterberate haben, als Frankreich. Geht man dieser Er- scheinung nach, so läßt sich nicht die Lesart aufrecht erhalten, daß die hohe Sterbeziffer auf irgendwelche kulturelle oder wirtschaftliche Rückständigkeiten zurückzuführen ist, sondern der Grund ist der, daß die französische Bevölkerung derzeit die relativ älteste unter allen Staatsbevölkerungen der Erde ist. So betrug der Anteil der über 40jährig«n an der Gesomtbevölkerung in Frankreich im Jahre 1921 39 Proz. gegen 32 Proz. in Großbritannien und 30 Proz. im Deutschen Reich im Jahre 1919. Es befinden sich michin die Heber- lebenden der stärksten französischen Geburtsjahrgänge 1861— 1870 schon in Lebensaltern mit hoher, die der stärksten Gedurtsjahrgänge Deutschlands und Englands<1901—1905) ober noch in solchen mit niedriger Sterblichkeit. Insgesamt beziffert Fischer die europäische Bevölkerung zu Anfang des Jahres 1928 auf 484 Millionen. An der Spitze stehen dabei die Sowjetrepubliken mit 114,4, es folgt Deutschland mit 64,5, England und Irland mit 48,6, Frankreich mit 41, Italien mit 40,5, Spanien mit 30 Millionen. Bei weitem wird aber unser Erd> teil Lbertroffen von Asien, das auf eine Gejamtbevölkerung von 1,045 Milliarden Menschen geschätzt wird. Allein China zählt 441 Millionen, der britisch« Besitz in Asien 350 Millionen, gegen welche Ziffern sich die 61L Millionen Japaner recht bescheiden aus- nehmen, gar nicht zu reden von den 51,1 Millionen Bewohner Nie» derländisch-Indiens oder den 31,9 Millionen Bewohnern des asia- tischen Gebietes der Sowjetunion. An dritter Stelle folgt Amerika mit 235 Millionen. Den Hauptteil stellen naturgemäß die Der- einigten Staaten mit 119 Millionen, in weitem Abstand erst folgt Brasilien mit 34,6 Millionen, Mexiko mit 14,3 Millionen. Afrika bleibt mit seiner Bevölkerungsziffer erheblich hinter dem neuen Kon- tinent zurück. Die afrikanische Bevölkerung wird auf 139 Millionen geschätzt, von denen 53 Millionen in britischen Ländern wohnen, nicht emgerechnet die 14,1 Millionen Bevölkerung Aegyptens. 36,9 Millionen entfallen auf die französischen Kolonialgebiete. Der- hältnismäßig klein ist die Bevölkerungsziffer Australiens, die auf 9,4 Millionen berechnet wird. Zu berücksichtigen wäre schließlich noch die Antarktis mit einer Bevölkerungsziffer von 1,14 Millionen. Alles in allem ergibt sich eine Bevölkerungsziffer von 1,912 Milli- arden, die naturgemäß außerordentlich ungleich verteilt ist, Ländern mit einer Uebervölkerung stehen Landstriche gegenüber, die ganz dünn bevölkert sind, und es wird in späterer Zeit Aufgabe der Staatsmänner sein, hier gewisse Ausgleiche zu schaffen. Das Gesetz der Stadt. Don Ossip Oymow. Sie trafen sich immer an der Ecke der 20. Straße und der 3. Avenue Durch dies« Avenue zieht sich in einer Länge von fünf- zehn Kilometern das Eisengerüst der Hochbahn hin. Der Lärm der vorbeiratternden Züge ist so stark, daß man unten sein eigen Wort nicht hört. Die Metallpfeiler sind schwarz von Staub, von den Wirkungen der Zeit und den Ausdünstungen des nahen Ozeans. Durch die Hochbahn hat die ganze Gegend ein bestimmtes Gepräge erhalten: ein finsterer Schatten zerschneidet hier seit ein paar Dutzend Jahren schon das Leben. Nur Arme wohnen da... E r kam aus dem Kontor einer großen Gerberei, sie aus einem Konditorladen, und beide schritten sie stets einer bestimmten Stelle unter der Hochbahn zu, nahe einer Laterne. Schon länger als ein Jahr trafen sie sich hier, immer an der gleichen Stelle, immer zur gleichen Zeit. Hier plauderten sie und hielten Zwiesprache— oft innehaltend, bis der Zug über ihren Häuptern vorübergedonnert war. Zuerst waren sie auf der Straße gleichgültig aneinander vor- übergegangen. Dann hatten sie sich angesehen. Als die Luft unter dem Eisengerüst heißer und schwüler wurde— denn es war Früh- ling geworden—, da lächelten sie, dem Gesetz der Sonne Untertan, sich zu. Er sprach sie an und jetzt trafen sie sich des Abends hier. Bei einem dieser Stelldicheins küßte er sie— eines Abends unter der Laterne, nah« der Lichtreklame eines Kinotheaters. Zigaretten- reste lagen zu ihren Füßen herum, Papiersetzen, Streichhölzer. Ueber Ihnen donnerte der Zug dahin. Niemand sah sich um nach den Verliebten. So begann ihre Liebe«,, r Der Herbst war gekommen, mit kühlen, sentimental stimmenden Abenden, der zweite Herbst der Liebe dieser beiden Stadtkinder. Die riesige Brücke, eine' der großartigsten der Welt, führt von einer Insel zur anderen hinüber. Die obere Tragfläche ist für Fuß- ganzer bestimmt. Hier stehen Bänke. Jede Bank ist durch eiserne Armlehnen in einzeln« Sitzplätze abgeteilt. Das hat man getan, damit nicht etwa mal ein obdachloser, vor Müdigkeit taumelnder Bettler sich nacht« aus ihnen ausstrecken und einschlafen könnt«. Es sind mir wenig Bänke da, aber viel verliebt« Pärchen. Und deshalb sitzen immer zwei Pärchen zusammen— einander fremd und gleichgültig— und berühren sich mit den Ellbogen. Die übliche Derschämtheit, die Liebende treibt, sich zu oerbergen, gibt es hier nicht. Hier tonnte man sich nicht verbergen— und anderswo sich verbergen kostet Geld. Die Paare umarmten'sich und küßten sich, ohne ihre Umgebung zu beachten. Manchmal flüsterten zwei ver- lieble junge Männer, die dicht nebeneinander saßen, ihren Mädels die gleichen Worte ins Ohr und herzten sie mit gleichen Gesten. Inmitten der Liebespaare auf der Brücke saß auch der junge Mann aus der Gerberei und sein Mädel aus dem Konditorladen. .Sie unterschieden sich in nichts von den anderen Pärchen, die genau so gekleidet waren, die genau so dasaßen, und genau dieselben zärt- lichen Worte flüsterten. • f Bier Monat« sind vergangen..., ' Inzwischen hatte der junge Mann seinem Mädchen klar gemocht, daß die Gesamtsumme ihres beiderseitigen Verdienstes ftir den An- kauf von Möbeln nicht ausreichte. Auf Abzahlung zu krufen sei ober unvorteilhaft. Sie müßten deshalb die Hochzeit noch verschieben, vielleicht sogar ganz darauf verzichten. Das Mädchen gab ihrem Bräutigam vollkommen recht. Sie war ein verständiges amerika- nisches Mädchen, das über ffüsfe nicht hinausging. Sie umholst« ihren Liebsten, seufzte mit ihm gemeinsam über die Teuernis der Möbel— und erschien zum nächsten Stelldichein nicht mehr. Ihre Liebe war zu Ende.... Es kamen kalte Tage. Dom Ozean her blies ein strenger Wind. Am wolkenlosen Himmel leuchtete kalt die Sonne. Der junge Mann hatte einen Auftrag für sein Konwr zu erledigen. Er trug einen leichten Sommerpaletot, einen sauberen gestärkten Kragen und einen anständigen steifen Hut— das üblich« Kostüm gebildeter Armer, die am Abend verzehren, was sie am Tage verdienen. Vier Monate hatte er sein Mädchen nicht mehr wiedergesehen: er hatte flüchtig gehört, sie habe sich schwer erkältet, sei drei Wochen lang krank gewesen und habe anscheinend ihre Stelle verloren. Vor dem Schaufenster einer großen Drogenhandlung hatte sich eine Gruppe von Menschen angesammell und schaute«ifrig hinein. E' blieb auch stehen. Die riesige Spicgelglasscheib«, die mehr kostete als er in einem ganzen Jahre verdienen konnte, reicht«, eine durch- sichtige Wand, bis zum Erdboden hinab. Im Fenster stand, inmitten von Seife, Zahnbürsten, Flaschen und Kämmen, sein Mädchen, sein« Liebst«, und führte«in neues Mittel zur Desinfektion von Hals und Nase vor. Ihr Gesicht war blaß und verquält. Si« trug ein elegantes dunkelblaues Kleid mit weißer Schürze. Die rosigen Nägel ihrer langen feinen Finger waren sorgfältig manikürt. Sie erkannt« ihn und schaute durch die Glasscheibe zu ihm hin, ohne ihr« Tätigkeit zu unterbrechen. Mit zur Gewohnheit gewordenen Gesten zeigte sie. wie man das neue Desinfektionsmittel anwenden müsse. Ihre Bewegungen waren ganz automatisch, offenbar staiid sie schon seit Tagen— vielleicht seit Wochen— hier in dem Schaufenster, in einem nicht ihr oehörigen Kleide, und führt«„Bengil" vor: man gießt ein paar Tropfen in«in Glas Wasser, bringt das Gemisch zum Sieden, dann atmet man recht tief ein, dann... Der junge Mensch drückte seine Stirn an die Glaswand. Das junge Mädchen machte weiter ihre eingelernten Bewegungen und schaute ihn unverwandt mit traurigen blauen Augen an. Leut« gingen fort, andere blieben stehen. Viermal sah«r zu. wie man .Bengil" benutzt, und ging noch immer nicht... Die dicke Glasplatte trennte die beiden wie ein« steinerne Wand. Und obwohl st« sich so nahe waren, blieben sie sich doch unerreichbar fern. Der junge Mann nickt« ihr schließlich zu und entfernt« sich. Ihr« Lungen waren erfüllt von den Dämpfen des neuen Mittels. Aber doch lächelte sie ihm noch zu, mit ihrem versklavten Gesicht. Oder bildete sich der arme Verliebte, dieser Sklave d«r Stadt, da» nur ein? tDeutsch von« r l»»,« d»«.) Gin seltener Richter. Manchmal— sehr selten— gibt es auch unter den Richtern der kapitalistischen Justiz einen menschlich verständnisvollen, sozial begreifenden. Der amerikanische Jugendrichter Lindsey, dessen Buch über die moderne Jugend auch bei uns so viel Aufsehen gemacht und manchem Blinden die Augen geöffnet hat. gibt einen Bericht über den eigenen Werdegang und die Art seiner Erlebnisse. Aus dieser Darstellung wollen wir die wichtigsten und interessantesten Punkte herausgreifen. Schon als blutjunger Mensch siel Lindsey, der damals in dem Bureau des Staatsanwaltes arbeitete, die Aufgabe zu, Anklage gegen einen Mann zu erheben, der sich auf betrügerische Weis« Geld angeeignet hatte. Der neunzehnjährige Ankläger war in der Ansicht erzogen worden, daß einem verdächtigen Menschen gegenüber jeder Kniff zulässig ist, um ihn zum Geständnis zu bringen, und daß man nicht ruhen darf, bis die Pforten des Gefängnisses sich hinter Ihm geschlossen haben. Doch Lindsey sah bald ein, daß diese Methode keinerlei Heil für die armen Gesetzesübertreter in sich schloß. Im Jahre 1889 wurde er zum juristischen Vormund für Kinder und Jugendliche bestimmt und fand hier ein ungeheures Wirkungsgebiet. Einer seiner ersten„Fälle" war die Verteidigung zweier zwölfjährigen Knaben, die eines Einbruchsdiebstahls be- zichtigt und eingesperrt waren. Anderthalb Monate lang mußten sie sich mit zwei notorischen Verbrechern in einer Zelle aushalten. Die natürliche Folge mußte sein, daß die beiden ohnehin zum Leichtsinn neigenden Knaben durch die beiden erfahrenen Verbrecher in alle möglichen Knisse und Möglichkeiten eingeweiht wurden. Waren sie nicht Verbrecher gewesen, so mußten sie es werden. Lindsey beschwerte sich, doch ohne Erfolg. Erst als er direkt Klage gegen den Staat Colorado erhob, den er bezichtet«, junge Menschen zu verderben, wurde Abhilfe geschaffen. Im Jahre 1888 wurden die Jugendgerichte in Chicago und Denver begründet, und in Denver hat Lindsey nach der von ihm als richtig erkannten Methode 27 Jahre lang gearbeitet, häufig an- gefeindet, dennoch ungeheuer erfolgreich. Sein Dorschlag geht jetzt dahin, die von ihm nur auf die Jugend angewendeten Methoden auch auf erwachsene Verbrecher auszudehnen. Er meint, daß es gar keinen Sinn hat, eine Sache vor die OeffenUichkeit zu bringen, den AngeNagten unmöglich zu machen und ihn dann mit„Be- währungsfrist" laufen zu lassen— da er dann doch gezeichnet ist. Lindsey ist der Meinung, daß viele Fälle sich hinter geschlossenen Türen erledigen lassen, denn nicht die Verbrecher sollen bekämpft werden, sondern das Verbrechen. Sehr viele Fälle lassen sich regeln, ohne daß Urteil und Oeffentlichkeit nötig sind. Abgesehen von dem menschlichen Vorteil dieser Neu- ordnung betont Lindsey Ihren finanziellen Nutzen: es wurden in Denver vor dem Jugendzerichtshof in einem Jahre 500 Sachen verhandelt, die an anderen Orten das Kriminalgericht beschäftigt hätten. Die Stadt hat dadurch mehrere tausend Dollar gespart. Das menschlich Wichtigste bei dieser Orhnung der Dinge aber ist, daß— statistisch nachgewiesen— mehr als 90 Proz. aller so geordneten Fälle wirklich geordnet werden, so daß keine Rückfälle vorkommen. Und das ist ein erheblicher Unterschied gegen- über den Kriminalgerichten.— Einig« der Fälle, in denen Lindsey wie ein menschlicher Freund, nicht wie ein Jurist gehandelt hat, sollen hier ausgeführt werden. Zu ihm, dem Vormund der Jungen, kam ein junges Mädchen, das sich hatte verführen lassen. Sie er» wartete ein Kind, wagte aber ihren'strengen Ellern nichts davon zu sagen. Lindsey ließ sich den Liebhaber rufen und redete ihm ins Gewissen, aber erst, als das Kind geboren war, willigte er ein. das Mädchen zu heiraten. Lindsey setzte es durch, daß der Trau- schein vordatiert wurde, so daß das Kind juristisch in der Ehe geboren war. Bisweilen ist in Denver bereits der Versuch gemacht worden. Fälle, die eigentlich vor das Kriminalgericht gehörten, an den Iugendgerichtshos zu verweisen, um die Methoden Lindseys zu erproben. Ein Beispiel: Eine Dame sollte aus einem Warenhause Waren im Werte von 400 Dollar gestohlen haben. Sie leugnete alles. Bei der Voruntersuchung wurde festgestellt, daß sie vier Kinder hatte. Lindsey unterhielt sich zwei Stunden lang mit dieser Dame, und sie räumte die Diebstähle ein. Die Waren wurden wieder herbeigeschafft und dem Warenhause zurückgegeben. Lindsey brachte in dieser Unterredung heraus, daß die Dame in ihrer Ehe sehr unglücklich war: durch diesen Kummer war ihr Gemütszustand In Verwirrung gekommen und si« zur Diebin geworden. Lindsey setzte es durch, daß ihre Ehe sofort geschieden wurde. Aehnlich Handell er immer. Er begnügt sich nicht damit, die Tat der Verbrecher zu kennen, er spürt ihren Beweggründen nach und führt nach besten Kräften eine Veränderung der Zustände herbei, aus denen das Derbrechen erwachsen ist. Sein Verhalten kann als vorbildlich bezeichnet werden, wird aber stets mehr als eine Ausnahm«— ein Wunder innerhalb der Klassenjustiz der kapitalistischen Gesellschaft bleiben. Wie stellt sich der Arzt zur Margarine? Die Margarine, die auf Veranlassung Napoleons von einem Chemiker„konstruiert" wurde, ist rein chemisch gesprochen, ein ge- härtetes Pflanzenöl. Da Pflanzenöle weit billiger find als tierisch« Fette, z. B. die Butter, das best« und wertvollste Nahrungsmittel, das wir überhaupt besitzen, konnte der von Napoleon beauftragte Chemiker f. Zt. die Wünsche seines Herrn gut erfüllen. Er sollt« nämlich einen Brotausstrich herstellen, der ebenso aussah wie Butter und ebenso schmeckte, jedoch weit billiger war. Heute wird am meisten Wert aus die Aehnlichkeit des Geschmackes mit wirklich erst- klassigen Fetten gelegt. Und man muß schon zugestehen, daß die Margarineindustrie sich diesem Ziele immer mehr nähert. Deshalb wird es um so verwunderlicher erscheinen, wenn gerade bei uns in Deutschland der Margarineverbrauch weit geringer ist pro Kopf der Bevölkerung als in anderen Ländern, die sich wirtschaftlich in weit besserer Lag« befinden. Noa, sonderbarer ist es, wenn wir erfahren, daß nur bei uns die Margarineherstellung genau über- wacht ist, ja daß die Margarine zu den am schärssten überwachten Nahrungsmitteln gehört, daß nur bei uns die größte Gewähr für die Sauberkeit In der Herstellung und hygienischen Verwendung des Materials gegeben Ist. An Geschmack, Geruch. Farbenton usw. läßt sie wirklich nichts mehr zu wünschen übrig, sie ist sehr be- kömmlich, der Nährwert ist gleich der anderer hochwertiger Fette. nur einen Fehler besitzt sie. dos ist ihre Bitaminarmut. Neuer. dings wird deshalb von Hamburg aus eine Margarine auf den Markt gebracht, die eine Substanz enthält, die diese Vitaminarmut beheben soll. E» ist durch Bestrahlung„aktiviertes" Ergosterin. Damit hätten wir also eine Margarine, die sich nur durch ihr« Billigkeit von der Butter unterscheidet. Für Feinschmecker wird ober wohl auch dies« Margarine noch einige Fehler besitzen. DANKSAGUNG. Für die Beweise der Teilnahme bei dem Heimgange unsere* lieben, unvergeb- lidien Entschlafenen Alfred Ospalski danken herzlichst Elfriede Ospalski. Berta Ospalski. Berlin N 55, 3. Mai 1928. Sportplatz Cantiansfra&e. <■|--_ OASStTMi/ötH T S/ HO SPIEL Veriiaaii der Maler, Lsdderer usw. Berlin. Durch flnp Explosion w> Brtrtedr in am SO April unser ianpjShrlgr» Mirgiird. der Lackurer Franz Domschke aus dem Leben perissen Ehre seinem Andenke»! Trauerseier- Sonnabend, IS Uhr. im Krematorium Baumlchulenweg. Um rege Beteiligung bittet ve, Vorstand. MM! mm Norden 12310 � Uhr. Fndenach i Pygmalion eo» Bernard Sha» Ptsch. v intr IhMid Alired Braun, » Thellmann, Jankuhn, Hstterherg. Bendow Morgan. Bollatl Winkelstern, Sunshinegirl* a. d. Heiden, Peny, Giesran, Walter, Brandt, Fleasbnxg, Frita, Harlan, Eehkopl, Winkler. Musik. Leitnng: Ernst Hauke, Oesamtausetattung: Pro!. Ernst Stern, in Sxene gesetzt von; Julius Brandt Grosses Sciiauspleihaus Erik Charell. Kammerspiele Morden 1231« !>, U- Ende nach Zum 110. Mal rioitaiSMaS "onstancs jidi riditir < jKrtält' Oie KomSdie Bismarck 2414/75U 8*/« U. Ende 10»/, i „Die Kassette 'ontdii m Carl it'ntnin berliner THeater 1 wiilteBtr.91l' 9 1. T- «>/. v. Ende geg. II SastspIild.DnlsdiiiTb, Der PreieD Mary Duöan PlseatorbUhne Theater am Nollendorfplatz KurfGrsi 2001/03 Heute 8 Uhr. zum|. Maie; Malborousb zieht In den Krieg von Marcel! Achard Insz E'win Kaiser s Uhr Mollenoor r36f VülSIETE' REVUE SonnaDenös u. Sonntags ie 2 VorsieUanoea: J® u. i Uhr— 3" lu ermäDigten Preisen des aenze Programm. vaonuf�lnwi fh. Könlgvrhtr.»i. Lerem. 2110. TIglich 7»/, Uhr Leinen ans Irland KomadleBhazu Morden 0304. rjgl S»l. Uhr Rroattway ftose-Tbeater Qr. Frank«. Str. 132 8'/« Uhr. liopterailis Erteil iiltemorHUnii Jts. Künsiler-Th 8»/4 Uhr '/.zgMW Keat>0 Moncklw* RaJen Damen- Herren- u. Kinder- Konfektion Entzückend# Neuhelten! Arbalts BefcleldunB Kiesen- Auswahl • Diskrete BetUemml• ReinickendorferStclö (jröß+es Hous om Nettci» beckplofz.om Bahnhof Wedding, Ecke Pank, und GerichlstraUe Ecke CASINO-THEATER» um Lothringer Str. 37 Die schwebende Jungfrau AuMcbnciacn üutschein 1—4 Fers. Pauteuii nur I.10M. Sessel 1.60 M. 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