BERLIN Mittwoch 9. Mai erscheint täglich außer Soautag«. Zugleich Tbendaoggabe des»Porwäru�. Bejugsgrei« beide Aujgaben 8ü Pf. pro Woche, SMM. pro Monat. Redaktion undexpedition: Berlin SW 68, Liadenstr. s «»»etgeuprei«: Die einspaltig« Nonpareilleteil« so Pf., Reklamqeile 6 M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: VonvürtS-Derlag G.«. b. H., Berlin Nr.»7 sss. Fernsprecher: Dönhoff«2 big»07 Schwere Beschuldigung des Leninbundes gegen die KpO.-Zentrale Der Kall Llrbahns. WW Man steht vor einem Abgrund menschlicher Gemeinheit. . Dielfach glaubt man, daß die Kommunisten nur einen Feind kennen, tue Sozialdemokratie. Dos ist aber nicht richtig. Es gibt für fie noch einen anderen Feind, den sie mit derselben Verbissenheit rrnd fanatischen Wut bekämpfen, und das sind die— Kommunisten der jeweils anderen Richtung. In Rußland, wo der Kommu- nismus regiert, werden die Kommunisten der anderen Richtung, wie Trotzt: und Radek, mit Gewalt mundtot gemacht und nach Sibirien geschickt. In Deutschland, wo man noch nicht so weit ist, Hilst man sich mit kleineren Mitteln, so z. B. mit den so- genannten �faschistischen Prügelmethoden*, über deren Zuwendung durch die Rechten sich die Presse der Linken täglich be- Lagt. Täglich wird da erzählt, wie linke Kommunisten oder, wie sie Pch selber nennen, Leuluisten von Stalinisten niedergeschlagen nnd bis j- zur Bewußtlosigkeit geprügelt werden. Mag in diesen Schilderungen auch eine gewisie Uebertreibung stecken, so find sie doch sicher nicht so ganz erfunden, wie die Schauergeschichten von„Rollkommandos des Reichsbanners*, die die „Rote Fahne" ihren Lesern täglich auftischt. Es ist eine unbestreit- bare Tatsache, daß wüste Schlägereien zwischen Kommunisten ver- schiedener Richtung an der Tagesordnung sind.— Weit darüber hinaus reicht jedoch eine Angelegenheit, die schon vor längerer Zeit im„Vorwärts* berührt wurde, jetzt aber von dem offiziellen Organ der sinken Kommunisten, dem in Suhl erscheinenen„Volkswillen*, wieder aufgerollt wird. Es handelt sich um nichts mehr und nichts poeniger als um die Beschuldigung. daß die kommunistische Parteileitung oppositionelle Kommunisten, um fie unschädlich zu mache«, der ! Polizei denunziert! »«AMstt ckrsten! Die Behauptung, daß dies in einem eklatanten Fall tatsächsich geschehen ist, wird vom„Dolkswillen* jetzt in aller Form aufgestellt. Es Handell sich dabei um den Organisator des Hamburger Oktober» aufstandes, Urbahns, der, was beachtet werden muh, zur Zeit als jener Vorgang spielte, noch nicht aus der Partei ausgeschlossen, sondern ihr vollberechtigtes Mitglied und Abgeordneter der offi- ziellen kommunistischen Reichstogsfraktion war. Ueber die Aben- teuer dieses einst in der KPD. hoch gefeierten revolutionären Führer» weiß der„Dolkswille* folgendes zu erzählen: Genosie Urbahns erhielt im Herbst 1926 die Aufforderung, sofort zur 6. Erweiterten Exekutive zu kommen. Er bediente sich eines illegalen Passes. Eine viertelstund« nach Abreise au» Verlin erhielt das Ver- liner Polizeipräsidium von einem Ange- stellten des Zentralkomitee» der KPD. die telephonische Mitteilung daß Genosie llrbahns auf den Kamen soundso unterwegs nach lllostau sei. Das Zentralkomitee hatte ein Interesie, diese Reise zu ver- eiteln und schreckte nicht vor der Lumperei der Denunziation bei der Polizei zurück. Der Erfolg blieb nicht aus. An der Grenze wurde unser Genosse verhaftet. Später wurde er zu 20 Tagen Gefängnis oder 490 Mark Geldstrafe verurteilt. Das Zentralkomitee der KPD. weigerte sich, die 400 M. zu zahlen, obwohl die Fahrt im Auftrage der Exekutive unternommen wurde, und verhalf somit Genossen Urbahns zu seinen 6 Iahren Festung noch zu weiteren 20 Tagen Gefängnis.* Soweit das offizielle Organ des Leninbundes. Wenn seine Angaben stimmen, dann steht man hier allerdings vor einem A b- grund menschlicher Gemeinheit, in dessen Tiefe kein Senkblei reicht. Urbahns war, wie gesagt, damals noch Mitglied der KPD., stand aber schon im Kampfe gegen die offizielle herrschende Richtung. Deshalb wurde er vor die Lellung der 3. Internationale nach Moskau berufen. Das Zentralkomllee der KPD. fürchtete je- doch den Eindruck, den Urbahns in Moskau machen würde, es fürchtete die tatsächlichen Angaben, die er der Exekutive überbringen konnte, und deshalb vereitelte es— wenn man dem„Volks- willen" glauben darf— die Absicht der Exekutive, Urbahns anzuhören, mit Hilfe der preußisches Polizei! Die Polizei mußte natürlich pflichtgemäß einschreiten, sobald ihr die (Fortsetzung auf der 2. Seite.)___. Der Wahlkampf in vollem Gange!— Sturm über Japan beseht Schaniung.— London. 9. Mai. „Daily Telegraph" meldet, daß eine militärische Konferenz in Tokio die vollständige Besehung der Eisenbahnzone in Schantung sowie energische Maßnahmen zur Durchführung dieser Absicht bc- schlössen habe. Zwei weitere japanische Divisionen sollen nach China entsandt werden. Die Lage, wie sie sich aus den erneuten Zusammenstößen zwischen Japanern und Südchinesen ergeben hat. wird von den englischen Berichterstattern sehr ernst beurteilt. Man könne sie kaum anders auffassen— so sagt die„Times"— als einen tatsächlichen Kriegszustand zwischen Japan und der nationalen Regierung. Es müsse aber bezweifelt werden, ob Japan tatsächlich durch einen solchen Zustand irgendwelche vorteile haben werde, und ob es nicht richtiger wäre, sich aus die Wieder- gntmachungsforderungen zu beschränken, wenn auch die Chinesen es sich selbst zuzuschreiben hätten, daß Japan gegen fie vorgehe. Die englischen Berichte betonen das Interesse Japans, sich nicht in Gegensah zu den anderen Mächten zu stellen. Zu diesem Zweck hat der japanische Außenminister Tanaka die Vertreter der Großmächte in Tokio über die japanischen Ab- sichten unterrichtet. 26000 Japaner in China. Tokio. S. Mai. Die japanische Regierung bestätigt ihren Beschluß, ein 18 000 Mann starkes Expeditionskorps nach China zu entsenden. Dadurch wird die Zahl der japanischen Streitkräfte in Schantung ausrnndZSooo erhöhl. Roch den lehten Berichten ist es in Tsinanfu zu neuen schweren Kämpfen zwischen Japanern und Chinesen gekommen. Die Japaner haben den Bahnhof, die Kasernen und das Telegraphenaml besetzt. Wand mit Plakaten der Paiteien. dem Pazifik! Krieg ohne Kriegserklärung. Japaner in der Klemme— scharfe Forderungen. Tstnglan. 9. Mai. Die japanischen Forderungen, deren Zurückweisung den Anlaß zu neuen Kämpfen gegeben hat, umfassen den Rückzug der Chinesen von der Eisenbahnlinie, die B e st r a f u n g des chinesifchen Befehlshabers, dcffeu Truppen für die Riedermetzelung der Japaner verantwortlich sind, die Entwaffnung der an den Ausschreiwn- gen schuldigen Truppen der chinesischen Südormee, die Einstellung der japanfeindlichen Kundgebungen und der Vorbereitung neuer Feindseligleiten. (Weitere Meldungen auf der zwenev Seite) 10 Pf. Nr. 216 B 108 45. Jahrgang. Die Krauen haben das Wort? Oer Ruf der Gozialdemokraiie für den 20, Mai. Der Polizei ausgeliefert! kFortseKing von der 1. Seite.) üflt-lcilung wurde, daß ein Seifender die Grenze mit einem falschen Paß überschreiten wollte— daß sie dabei als Instrument im kom- munistischeir Richtungskampf mißbraucht wurde, dürfte ihr selbst unbekannt geblieben sei». Woher sonst der Polizei die Kunde von dem falschen Paß des Abg. Urbahns gekommen sein könnte, ist durchaus rätselhaft. Denn die Reise wurde mit dem Schleier des strengsten Geheimnisses um- geben, nur drei Mitglieder des kommunistischen Zentralkomitees wußten von ihr und kannten den falschen Ramen, unter dem Urbahns über die Grenze gehen sollte. Die schwere Peschuldigung gegen das kommunistische Zentral- komitee, einen mißliebigen Parteigenossen der Polizei denunziert zu hoben, wird wohlgemerkt nicht von uns erhoben, sondern von Per- sonen, die vor wenigen Iahren noch selber die Führung der Kom- munistlschen Partei in Händen hotten. Sie wird von den Leuten erhoben, die bei der letzten Reichstagswohl als Kommunisten in den Reichstag gewählt wurden, also in der Kommunistischen Partei dos hoch st e Pertrouen genossen. So zeigt dieser Fall zum mindesten dos eine ganz klar und deutlich: Wie fuhrende Kommunisten über einander denken, und was sie sich gegenseitig zutrauen. Wenn die„Rote Fahne" neulich selbst in Zusammenhang mit den kommunistischen Richtungskämpfen von„Fäulnis", ,Ler- s e tz u n g" und„G e st a n k" sprach, so hat sie ausnahmsweise ein» mal das Richtige getroffen— nur darin irrt sie, daß sie Fäulnis, Zersetzung und Gestank nur auf der einen Seite, bei der kommu- nistischen Führergarnitur von gestern bemer-t. Heute erzählt die „Rote Fahne", daß die Leute, die vor dreieinhalb Jahren auf ihren Rat in den Reichstag gewählt wurden, Judasse. Verräter und schmutzige Verleumder sind. Aber die moralische Zersetzung hat nicht nur eine Richtung, sondern die ganze kommunistische Bewegung er- saßt. Die Arbeiter, die sich diesmal trotz oller üblen Erfahrungen noch einmal verleiten lasten, nach dem Rat der„Fahne" zu wählen, werden bald mit Entsetzen bemerken, was sie damit angerichtet haben! Lustkaffee mit Windkuchen. Wie die Oeutschnationalen die Kleinrentner narren. Daß es eine eigentümliche Bewandtnis mit den Der- sprechungen der Deutschnationaten hat, haben gerade die Kleinrentner schon öfter merken müssen. Reu ist es ober immerhin, daß die Enttäuschung nicht erst n a ch den Wahlen kommt» sondern daß die Sache schon bei den Wohlversammlungen anfängt. So war der Kleinrentnerbund, Gruppe W e d- ding, von der Deutschnotionalen Partei zu einer politischen Kasse« stunde am 8. Mai ins Löwenbröu eingeladen worden, und die Einladung war so obgeioßi, daß die Kleinrentner wirklich glaubten, sie würden da nicht nur mit trockenen Dahlreden, sondern auf Parteikosten auch mit Kaffee und Kuchen be- wirtet werden. Rotürlich kom die Gruppe fast vollzählig— denn, wie einer der Anwesenden so schön sagte:.Wir Kleinrentner nehmen von jeder Seite, die uns geben will—, aber ji« erlebte eine große Enttäuschung: Es gab weder Kuchen noch Kaffee, sondern nur, wie der Berliner so schon sagt,„Luftkloße und Windbuletten", d. h. wer b-ine Tasse Koste« nicht selber be- zahlen konnte, war auf„rein geistige Genüsse", wenn man die Ausführungen der Frau Stadtroi Kausler so nennen kann, an- gewiesen. Der Inhalt ihrer Rede war derselbe, wie der der„Druck- fache �18", des Rentnerflugblottes, das alle Schuld an dem Elend der Rentner auf die Revolution— nicht auf den Krieg— zurückführt, Hestferich als verhinderten Retter glorifiziert und di« Fürsorge, die jetzt den Rentnern auf Grund der Verordnung über d!« Fürsorgepflicht zuteil wird, als Schmach hinstellt. Die Rentner— so erklärte di« Rednerin— hätten Anspruch aus ein« Versorgung seitens des Staates, die ihrer früheren gesellschaftlichen Stellung und ihrem Vermögen gerecht würde. Freilich wies s!« darauf hin, daß es ein großer Irrtum sei, wenn immer behauptet würde, die Deutschnatio- »alen hätten den Rentnern die hundertprozentige Auf« wertung versprochen— sie hätten nur ihren Anspruch darauf anerkannt und wären leider in Parlament und Regierung nie stark genug gewesen, mn die Realisierung dieser An- spräche zu erreichen.„Im Rahmen des Möglichen aber hätten die Deutschnationolen olles getan, was sich für die Rentner tun ließ, und nur der Rechisregierung des Jahres 1925 verdankten die Rentner die Möglichkeit der Aufwertung, einer Aufwertung von 15 bis 100 Proz.(!) Der große Zorn der Rednerin galt aber diesmal nicht der Sozial- demokratie, die nach ihrer Meinung auch die Spargroschen als Aus- wüchse des Kapitalismus ansieht und für die Rentner gar nicht in Betracht kommen sollte, sondern der Tatsache, daß Dr. Toubmonn, der Vertreter der Rentner, auf die demokratisch« Wohlliste gesetzt worden sei. Rechts müßten die Rentner wählen— ober keine der Splitterparteien(die schienen der Rednerin schwer im Magen zu liegen), sondern di« eine große Partei, di« ja für all die beson- deren Ziele der Splitterparteien auch immer«ingetreten sei— und welch« das sei, habe sie ja dargelegt. Die Kleinrentner, die zu Kaffee und Kuchen«ingeladen waren und nun nur windige Redensarten vorgesetzt bekamen, waren enttäuscht. Sie werden der Frau Stadtrat am 20. Mai die gleiche Enttäuschung bereiten! Moskauer Marionetten. Hiato den Kulissen Verden die Drohte gezogen. Der Geeeraifekretär der Komnumistischen Partei Frankreichs, S e m a r d, ist bestrebt, den starken Mann und den Partei- gewaltigen, den französischen Sialin zu markieren. Ab und zu«r- scheinen seine richtunzanybbcnden Artikel in der Prestc. Aber selten — wie bei Stalin—, und nur in politisch bedeutenden Momenten. DieK soll«chl zum Begriff eines Mannes von Format gehören. Am Vorabend der französischen Dahlen ging ein Artikel durch die kommunistische Presse:, Atlasse gegen Klasse im Wahlkampf", von Pierre Semard, Poris. Der Führer hat gesprochen. Wer siehe da: dieser zuerst am 20. April in der kommunistischen ./iniernastanalen Pressekorrespondenz" veröffentlichte Artikel ist— abgesehen von den einleitenden 80 Zeil«— nicht» andere, als ei*» »örtliche veberfetzmeg eines Artikel, au» der„Prawda" vom 11. April, ober nicht von Temord, Poris, sondern von einem gewissen S. Ioworfkq. Moskau. Die Weisheit de? französischen „Führers" ist ohne sein Zutun einfach in Moskau produziert worden. Wurde sie ihm etwa auch selbst erst durch die Presse zugestellt? Im übervollen Pharussaal sprach die sozialdemokratische Land- tagsabgeordnete Gertrudchonna über die politische S e n- du n g der Frau am 20. Mai. Die Rechte der Frau, die sich heute auf dos gesamte öffentlich« Leben erstrecken, legen ihr aber auch gewisse Pflichten auf, vor allem jene der Derantwortlichkeit am Wohle der eigenen Familie im besonderen und a m Wohle des ganzen Volkes im allgemeine� Die bürger- lichen Parteien haben sich nur soweit um das Wohl des Voltes bekümmert, als es ihnen Dorteil brachte. In der Wahlzeit zum Beispiel, wo es galt, Stimmen für die Mehrheit zu sammeln, war ihnen jedes Mittel recht, das Volk durch verheißungsvolle Versprechungen für sich zu gewinnen. Don oll den gemachten Versprechungen hat sich jedoch im Laufe ihres nicht allzu segensreichen Wirkens nicht eine einzige erfüllt. Nicht nur das, es wurden dem Volte nur immer neue Lasten auf- gebürdet. Aber die Frau, unerfahren in den Zusammenhängen zwischen Politik und Wirtschaft, aufgehetzt durch wohlbedacht« Lock- mittel, vor allem aber verzweifelt in ihrer schweren bedrängten Log«, wurde nur allzu leicht das Opfer dieser Spekulanten. Heute ober steht die Frau mitten im öffentlichen Leben, und sie sieht, daß nichts oder nur verschwindend wenig für ein besseres Los der Massen geschieht, sie muß täglich am eigenen Leibe erfahren, wie die De- schaffung der lebensnotwendigsten Artikel immer unerschwinglicher wird, weil di« Zollpolitik eine für die Massen geradezu feindliche Stellung einnimmt. Langanhaltender begeisterter Beifall lohnte die überaus eindrucksvollen Worte der Rednerin. » Auch in den Außenbezirken Groß-Berlins hoben die Wahlversammlungen der Sozioldenwkratischen Partei einen ungewöhnlichen Zuspruch, was die gegnerischen Parteien durchaus nicht von sich behaupten können. In einer stark besuchten Wahlversammlung in Wa i d m a n n slu st, bei der auch die Mitglieder des Reichs- banners vollzählig erschienen waren, verstand es Stadtverordneten- Vorsteher I. H a ß in ausgezeichneter Weise, die überzeugende Be- weiskraft seiner Argumente gegen die Betrugspolitik der Rechtsparteien und ebenso gegen die I ll u s i o n s- Politik der Kommunisten ins Feld zu führen. Die R e n t- n e r, die den Versprechungen der Rechtsparteien bei der vorigen Wohl gefolgt waren, sind nie gründlicher getäuscht worden und olle Erwartungen sind nunmehr auf den neuen Reichs- tag»ingestellt und auf di« Arbeft der stärksten Fraktion, die So- zialdemotrati«, die aber nur dann erfüllt werden, wenn di« Wähler- fchaft am 20. Mai soviel sozialistische Abgeordnete in die Porlo- mente entsendet, daß durch eikie große Linksmehrheit eine sichere Linksregierung gebildet werden kann. « In einer überfüllten Versammlung in der Schulaula des Momnssen-Gymnasiums am Wiftenbergplotz sprach gestern der preu- ßische Innenminister Grzesinsti über de n.„Kampf um die Macht in Preußen". Es handelt sich bei diesem Wahlkampf darum, ob ein weiterer Wiederaufstieg, wie wir ihn in Preußen erlebt haben, sichergestellt werden soll. Daran, daß die republikanisch« Polftik fortgesetzt werden muß. mögen die Wähler auch denken, wenn es im Herbst an die wichtigen Jtzo mmunalwohlen i n Preußen geht. Am 20. Mai wird aber auch entschieden, wer die Macht In Preußen hoben wird. Dos hat nicht umsonst der deutsch- Abgeordneter Adolf Braun erkrankt. Wahrend einer Wahlversammlung. Nürnberg, g. Mai. Der bekannte Reichstagsabgeordnete Dr. Adolf Braun, Mitglied des sozialdemokratischen Parteioorstondes. hielt in Gefrees (Fichtelgebirge) eine Wahloersammlung ab. Während de» Schluß- wartes erkrankte der Redner plötzlich, so daß er seine Ausführungen abbrechen mußte. Er mußte in das örtliche Krankenhaus gebracht werden, wo er sich in ärztlicher Behandlung befindet. Dr. Braun ist 65 Jahre alt und seit längerer Zeit herzleidend. Wir geben der Hoffnung Ausdruck, daß die Erkrankung des verdienstvollen Mannes bald behoben sei, damit er der Arbeit für die Sozialdemokratie wiedergegeben werde. Oie Wirren in China. Japan beseht Gchantung.— Krieg ohne Kriegserklärung. Schanghai, 9. Mai. Die japanischen Truppen in Tsinanfu sind von Truppen der chinesischen Südarmee umzingelt worden. Es entspinnen sich schwere Kämpfe. Nock) einer weiteren Meldung sind die japanische». Verstärkungen in der Nähe von Tschangtin mit den chinesischen Truppen in Kampf geraten. Seht Amerika gegen Japan vor? Washington. 9. Mai. Es wird hier erwartet, daß das Staatsdepartement eine Robe an die japanische Regierung sendet, worin es die gsgenwörtige Inter- oentivn Japans in der Provinz Schanhmg als gegen den Doshing. toner Vertrag vom Jahre 1922 in Widerspruch stehend bezeichnet. Amerika wird erklären, daß«s eine Verletzung dieses Vertrage». wodurch Japan sich oerpflichtete, die Unabhängigkeft und politische Selbständigkeit Ehinas nicht anzutasten, nicht dulden werde. Brand in der Wohnlaube. Schwere Gefährdung einer SZ-jährigen Krau. In einer Laube der Kolonie„Bornhol an der Ibsenstroße. brach heute mfttag Feuer aus. In wenigen Minuten stand die etwa 10 Meter lange Laube in Flammen. Der 8Zsährige* Besitzerin der Wohnlaube gelang es noch im letzten Augenblick» das Freie zu gewinnen. Sie hatte aber so schwere Brand« wunden erlitten,! daß sie zur nächsten Rettungswache gebrocht werden mußte. Di« inzwischen alarmierte Feuerwehr hatte alle Müh«, den Brand auf sehten Herb zu beschränken und ein lieber- greisen auf die angrenzenden Wohnlauben zu verhindern. Zur gleichen Zeit entstand in der Gerichtstraße 26 ein Dach- stuhlbrand. Die Feuerweh- erschien mit zwei Löschzügen, und es: gelang nach einstündiger Tätigkeit, den Brand niederzukämpfen. Es! wird Brandstiftung vermutet. nationale Abgeordnete Moretzki in der Nachtausgabe des„Tag" geschrieben, das hat ja auch August Bebel schon gesogt, daß, wer Preußen hat. auch das Reich hat. Gerode i?t Preußen muß die Verwaltung in unseren Händen bleiben. Wir «ollen gewinnen, und wir wollen darüber hinaus im Reich die Wiederkehr des Büraerblocks verhindern. An und sür sich haben ia die Deutschnationolen gar nicht den Ehrgeiz gehabt, in die Reichs- regierung hineinzukommen, wo sie die gegenwärtige Außenpolitik mitmachen mußten. Aber Preußen war ihnen wiöitig, und Preußen hätten sie gar zu gerne wieder in dcv Gewalt. Die Reaktion hat einen Helfershelfer in den Kom- munisten. Ihm, Grzesinski, müßte ja eigentlich vom Rotfront- köinpfcrbund«ine Ehrenmitgliedskort« ausgestellt werden, well er es war, der das Verbot des Bundes verhinderte. Er verzichtet freilich daraus, denn er sei ein Gegner dieses Bundes, ober er bekämpfe ihn nicht so töricht wie ander« Leute. Heute weinen die Deuffchnativnols Valkspartei und die KPD. gemeinsam dicke Tränen über den Beschluß des vierten Senats, denn die Rechte weiß, was sie im Par- lament von den Kommunisten hat. Das hat man Jahre hindurch beobachtet. Jeder Arbefter müsse sich merken, daß der Hauptstoß der KPD. sich niemals gegen die Rechte wendet, sondern immer gegen die Sozialdemokratie, Wir müssen das Ziel erreichend daß durch den kommenden Wohlkamps die republikanisch« Regierungsmehrheit in Preußen gesichert wird. Das Um wir am besten, wenn wir am 20. Mai unsere Stimme abgeben für die Sozialdemokratie, Die Worte des Ministers wurden von den Versammelten mit stürmischer Zustimmung aufgenommen. Hokenkreuzler gegen Kommunisten. Nach Schluß einer nationalsozialistischen Versammlung in der Ebersstraße in Schöneberg kam es gegen Mitternacht vor dem Der- sammlungslokal zu einer schweren Schlägerei zwischen Hakenkreuzlern und Kommunisten. Acht Personen, darunter vier Kommunisten, wurden von einer hinzukommenden Autostreise der Schutzpolizei verhaftet und ins Polizeipräsidium ge- bracht. Siahlhelmer als Versammlungssprenger. Am Dlenzkagabend wurde ln Akalnow im Kreise tebus eine Wahlversammlung der SozialdemokroNschen Partei abgehallen. Die Versammlung wurde in der gröblichsten Weise von zwei Stahl- h e l m e r u mit Namen Schindler und Erdmauu— der lehker« ist Gemeindevorsteher von Walnow!— gestört. Der versammluugsteiler versuchte, die Versammlung ln Ruhe zu Ende zu führen. Dies wurde aber durch die anwesenden Stahlhelmer uoler Führung des genannscn Ge- meiudevorstehersuumögllch gemacht. Es kam zu tätlichen Ausschreitungen, wobei mehrere Personen stark verletzt wurden. darvulcr da» Kreistggsmitglied Hein so schwer, daß er wohl mehrere Tage krank darnieder siegen wird. Da in Walnow bis zu diesem Zwischenfall die Versammlungen immer sehr ruhig verlausen waren, war aus besonderen Saalschutz verzichtet worden. Da» hoben die Stahlheimer sich zunutze gemocht und den Skandal veranstaltet. Oer Einzug der Eisheiligen. Di« gefürchteten„gestrengen Herrn" im Mai, die dem Land- wirt und Gärtner große Sorgen bereiten, sind in diesem Jahre mir ausnohmsweijer Pünktlichkeit eingetroffen. Eigentlich firmieren sie nach dem katholischen Kalender als die sogenannten„Eisheiligen" Mamertus, Pankratius und Servatius erst am 11., 12. und 13. Mai; wir wollen hoffen, daß sie es mit den letzten kalten Nächten genug sein lassen. Die Temperawr in letzter Nacht sank bis auf 5 Grad Eelstus zurück. 8 Uhr morgens waren es 7 Grad. Der rapide W e t t e r u m- schlag nach den heißen trockenen Wochen kann leicht zur Vernich- tung der Frühkulturen führen, was sich in der Versorgung der Großstädte mit Frühgemüs« sofort benterkbar macht. Oie heuttgen Rachverhandtungen. Lieber die Metallschiedssprüche sür Sachsen. Heute vormittag um&12 Uhr begannen im Reichsarbeit-- ministerium unter Vorsitz des vom Reichsarbeftsminister bestellten Schlichters, Ministerialrat Dr. Mewes, die Nachverhand- lungen über die drei Lohnschiedssprüche für die sächsische Metollindustrie, den Arbeitgeberschutzverband und die Leipziger Metallindustrie. Bekanntlich sind all« drei Schiedssprüche sowohl von de» sächsischen Metallarbeitern als auch von den Metallindustpiellen abgelehnt worden. Di« Vertreter der Metallardeiter«rÄärten dem Schlichter, daß der materielle Inhalt der Schiedssprüche völlig unbefriedigend sei, was auch die geheime Abstinrmunz bewiesen habe, in der«twa 95 Prozent der Abstimmenden sich gegen die Annahm« der Schiedssprüche ausgesprochen hoben. Für die sächsisch« Metallindustrie wurde wefter geltend gemacht, daß der neu« Schiedsspruch d«n für die Hüttenb«- trieb« am 28. Dezember v. I. gefällten Schiedsspruch, der für rechtsverbindlich erklärt worden ist, zum Teil aufhebt, was «ine tarifrechtliche Unmöglichkeit darstellt. Aus allen diesen Grün- den wunde von den Arbeitervertrctern der Verbindlichkeit»- erklärung dieser Schiedssprüche energisch widersprochen. Die Unternehmer erklärten sich unter der Bedingung z u einer Verständigung bereit, wenn die in den Schieds- sprüchen festgelegte Lohnerhöhung verkürzt werden würde. Dies« Zumutung erregte die Heiterkeit bei der Verhandlungskom- misston d« Metallarbeiter und wurde von ihr ebensoll» entschieden zurückgewiesen. Gegen 1 Uhr wurden di« Verhandlungen auf«in« Stunde ver- tagt. Sie werden sich bestimmt bis in di« späten Abendstunden hin- ziehen._ Ztrvettsaufnahme der Holzarbeiter. Wi« vnS di« DntKvvrtvaltvng Neriin deS deutsche« Kolznrbeiter verba ndeS mitteilt, sind di« Lohnverhcnd- i lungen mit de«„vabeho" abgeschloffe». Die Wiederaus- 1«ahm« den Art, ort erfolgt morgen früh. Eine feine Antwort. Lobe und die„ZSrvder"-partei. Der ReichörLSspräsldem L ö b e hat in der soKialdsmotratischen presse kritische Betrachlungen über die Haltung der Kommunisten in der Wohlkampagne veröffentlicht,.�statt also als Brüder, meinet- wegen auch als entMeite Brüder gegen den Klassenfeind zu kämpfen. See täglich neue Schläge gegen das Proletariat führt, statt neben- »knander zu stehen und pi fechten,* schreibt Lobe,„'richten die Kommunisten ihre Kraft, das Feuer ihrer Kritik, nicht gegen den Klassenfeind, sondern gegen di« Sozialdemokratie. Dadurch werden die Kräfte des Proletariats im Kampfe gegen die Reaktion geschwächt.* Dieser Borwurf üb« Mangel an Klassensolidarität und an politischer Einsicht scheint nicht fehlgetroffen zu haben, und anstatt sachlich zu erwidern, überschüttet die„Prawda* am 26. April Löbe und die deutsche Sozialdemokratie mit Schmähungen und Der- � l eumd ungen. „Dieser käufliche bürgerliche Fuchs— Löbe— besitz: die Dreiftezkeir und Frechheit, die Kommunistische Port« vor den Massen als„Bruderpartri* der Sozialdemokratie und die Kommunisten als„sozialistisch« Brüder" hin, zustellen. Die Kommunisten sind weider Beuern und noch wenig« Brüder des Herrn LÄ>c, und est« Verbrüderung mit ihm betrachten die Kommunisten, als einen Verrat an der Sache des Proletariats.* Diese Riederträchrigkeu unserer„Einheitsfront"-Apostel sollte man sich merken. In 48 Stunden über den Ozean. In St. Quen ist der Ozean-Gleiter fertig gestellt, der den Ozean in 48 Stunden überqueren soll. Schlachtschiff„Constitution". Llfa-pavillon. Dieser Amerika»«, der an historische Vorgänge anknüpft, ist ein Karl-May-Film in Reinkultur. Zu Boginn des IS. Jahrhundert« blühte auf dem Mittelländischen Meer noch die Seeräuberei, die de- sonders von Tripolis aus betrieben wurde. Der jung« amerikanisch« Freistaat erbaut seine erste eigene Fregatte„Consttwtion*. um dem Unwesen ein Ende zu machen. Die Kampfe mit den Piraten, die zunächst ein am«ikan>sche» Prioatfchrff kapern, dann ober in der Leeschlacht und auch zu Lande besiegt werden, machen den Inhalt des Films aus. In die wilden Abenteuer, die von theroismus strotzen, ist die«cht amerikanische Liebesgefchicht« eingeftigt zwischen dem jungen Matrosen und d« Tochter des reichen Reeders. Manche Passagen wirken in ihrer Kindlichkeit so albern, daß das Publikum sich kostlich amüsiert(vielleicht ist auch die Usbertragung d« Titel daran schuld). Reinen Genuß gewährt die Schönheit des Segel- schisss, dos in voll« Fahrt gezeigt wird. Auch die Arbeiten der Besatzung beim Raffen usw. sind vor trefflich ausgenommen. Diel- leicht wird auch manchen die Art des damaligen Seekampfes, der freilich weniger amüsant gewesen sein dürste, interessieren. Während das Liebespaar schauspielerisch kaum grvh«es Interesse gewährt— es stnd«in paar hübsche junge Menschen— belustigen Walla« Beert) als Maat und Georg B a n c r o f l als Kanonier durch ihre Clownerien. In d« Wochenschau fielen die Bild» aus dem zerstörten Eorinth und die ersten Aufnahmen der Ozeanflieger auf. r. Neues Terroruriei! gegen Hawany. Vier Jahre Gefängnis und Konfiskation. Budapest. S. Mai. I« Berufungsverfahren gegen Hatvany hob die Königlich« Taftl das erstinstanzliche Urteil auf und verurteilte den Angeklagten wegen Schmähung d« ungarischen Ration zu vier Bahren Gefängnis,'2S0 000 Pengö Geldstrafe und 10 Jahren Verlust der Ehrenrechte. Die Bewoisanträge der Verteidigung wurden ohne Begründung abgelehnt. Der AnNogevertreter niacht« gellend, daß d« E i n d r u ck der Tätigkeit de» Angettagten auf das Ausland vollständig gleichgü ltig sei. Entscheidend sei die Tatsache, daß Hatvanys Zeitungsartikel schwere Schmähungen gegen di« ungarisch« Ration «nthallen hätten. Rechts schwenkt marsch, nach Abessimen! Von Hans Vauer. Zweihundert Männer und Frauen des kleinen österreichischen Städtchens Mauer haben sich in diesen Tagen aufgemacht, um nach Abessimen zu pilgern, wo ihrer, nach Behauptung ihres Führers, eines Herrn Peter Waller, das Paradies auf Erden harrt. Run hat sich Peter Wallers im Augenblick zwar die Irrenanstalt an- genommen: aber dos ist, noch der Meinung seiner Anhänger, nur ein kleiner Betriebsunfall, ein Malheur sozusagen, das jedem zu- stoßen kann, vor dem niemand gefeit ist— und sie hoben sich da- durch keineswegs abhalten lassen, den Morsch unter anderer Führung dennoch zu unternehmen. Den Leib Peter Wallers halten die staatlichen Organe behütet: sein Geist ist unter und mit ihnen. Wie wird so eine Sache aufgezogen? Hätte sich Peter Waller damit begnügt, den Leuten in Mauer aufzubinden, es gäbe Land unentgeltlich in Abessinien, und die Raturalisations- und Steuer- gesetze seien so und so beschaffen, er würde mit solchen Nüchtern- Herten kaum Erfolg gehabt haben. Aber Peter Waller hat das an- der? gemacht. Zunächst einmal hat er dem Menschenhaufen einen Namen gegeben, er hat lhn, noch einem ollen österreichischen Regi- meist die„Dordanieri* geheißen, und da war die Trupp« wil einem Schlage nicht mehr bloß irgendein zusammengelaufener Klumpatsch, sondern sie war zu einem Begriff geworden und hatte eine militaristische Tradition. Natürlich durfte der Häuptling eines solchen Trupps auch nicht blaß einen bürgerlichen Namen haben. Waller ernannte sich zum Wodoch.„Wodoch der Wardanieri*, das klingt, da ist man wer. Und nun das Programm: was tut man in Abessinien? Land bebauen, Vieh züchten? Diel zu einfach. Man richtet dort„das heilige römisch« Reich deutscher Ration* wieder auf, führt„die alte deutsche Treue und Redlichkest* wieder ein, wendet sich„von der Anbetung der falschen Götter* ab, wendet sich wieder zu«dem alten Gott*. Mit diesem Programm hoben die„Wardanieri* auf dem Marktplatz von Mauer nach nnlitäri- schem Vorbild die Züge formiert und sind, nachdem die einschlägigen Kommandos ertönt waren: Stillgestanden! Mit Gruppen rechts schwenkt, marsch!, mit Bannern und Fahnen, aber ohne Geid und Papiere, davonmarschiert. Ein Psycholog, der Herr Waller, wenn auch bloß einer aus Instinkt heraus. Fürwahr, mit dem„alten Gott*, mit der„deutschen Treue und Redlichkeit*, mit dem„heiligen römischen Reich deutscher Nation"(Keudell propagierte am Sonn- tag in München etwa? Aehnliches: das heilige deutsche Reich), gar mit der Berufung auf militärische Tradition und militärische Ge- pflogenheiten, Ist heutzutage noch ein Ding zu drehen. Was hat es auf sich mit dem„alten Gott", wie hat sich die„alle deutsche Treue und Redlichkeit* in der Praxis, im Alltagsleben ausgenommen? Was ist, genau genommen, unter alledem zu verstehen? Wer darüber macht man sich dach keine Gedanken. So etwas wird hinausgeschmettert: mit Lunge, bebender Brust, mit Augenous- schlag und vorgestrecktem Zeigefinger. Um die Hurraruf« und Heilschreier braucht dem Phrasenbold nicht bange zu sein. Alle Unklaren, Wirren, Phantasten, die geistig Kleinen und Minder- wertigkeitskomplcxler mit dem malerischen Innenleben wird ex auf seiner Seite haben. Militärmustk und der alte Gott, das hat noch immer gezogen, das ist eine Schlagersochc, das ist ein Zugartikel. Insofern wäre also alles tn der Ordnung mit dem„Wodoch der Wardanieri*, und er hotte stch eigentlich nur zll Idealen bekannt, wie ste die Führer des nationalistischen Bürgertums sowohl in Deutschland als auch in Oesterreich auf der Zunge tragen. Schon recht, aber Waller hat über dieses durchaus übliche hinaus nun noch ein Weiteres getan, und daraus ersieht man ftci, lich, daß er doch nicht nur ein Wortefex, sondern ein kompletter Narr war. Er hat sich nämlich nicht damit begnügt, dicke Worte von stch zu geben, er hat reale Dinge verheißen, Land in Abessinien zum Beispiel, und so etwas ist, im Gegensatz zu der Wiedererweckung des allen Gottes, eine kontrollierbare Verheißung. Ein Weniges noch, und die marschierenden Wardanieri, die jetzt noch „die Welt aus der Schande Macht erläsen* wollen, wie es in ihrem Lied« heißt, werden, müde und hungrig, erkennen, daß es kein Führer, sondern ein Nasführ« war, den sie im Irrenhaus zurück- ließen. Di« versperrt« Grenze und der Staub der Landstraße wer- den ihnen die Ideale, die keine waren, aus dem Herzen reihen— und wenn sie dann nicht nur den Glauben an den Wodoch, sondern auch den an seine Losungen verloren haben werden, dann hätten sie vor den Hunderttausenden sogar etwas voraus, die kaum ge- ringere Narren sind als sie, auch wenn ihre Vorliebe für Militär- musik und ihre Schwärmerei für versunkene Dinge sie nicht gerade dazu treibt, ohne Geld und Paß nach Abessinien zu wandern. „Carmen." Llnd wieder Gäste in der Städtischen Oper. Ein paar Jahre ist's her, daß in Berlin ein Konzertsänger mysteriösen Ursprungs— Amerikaner, wie behauptet und de- stritten wurde— beträchtliches Aussehen- erregte: Louis Graveure. Sein« Stimme ein Bariton von durchaus unge- wöhnlicher, doch ungewöhnlich unbesoell« Tonschönbeit: und als Ausdrucksmittel vollkommenster- unpersönlichster mit vollendet« Gesangskunst gehandhobt. Im Uebermaß glatter Ebenmäßigkeit halb Rätsel, halb Wund«. Dazu ad«, wie es nun den Anschein hat, ein Willeysphänomen. Zweisach verwandelt—»«wandelt just ins extrem Entgegengesetzte, neu geboren sozusagen,«scheint er zur Ueberraschung seiner Anhänger auf der Bühne als Operntenor, in der hochtenoralen, hnckjbramatischen Partie des Don Joft. Der Mut zu solchem Experiment ist zu bewundern: gelungen ist es freilich kaum zur Hälfte. Aus dem Bariton ist ein Tenor, doch keiner von an» nähernd gleicher Qualität geworden, wenn auch die Meisterung des Gesanglichen von neuem erstaunlich ist, aber die Dorstellerleistung ist nicht nur unfertig, sie enthüllt unerbittlich den absoluten Mangel an menschlich echter Leidenschaft, der sich im Konzertsaal als Vor» nehmheit drapieren ließ. Trotzdem ein merkwürdiger, in seiner stillen Eenergie imponierend« Künstler, dem wir mit Interesse begegnen. Carmen, well weniger interessant, ist Eleonor Paintner. Ob auf Berühmtheit oder auf Engagement gastierend, wird nicht ersichtlich. Eine damenhaft unrasfige, ein wenig operettenhaft angelegte Carmen: mit Bizet springt sie um, wie es bei uns nickst Sitte ist. Aber gewiß würde sie manchem mittleren Stadttheoter zur Zierde gereichen und fällt somit nicht aus dem Rahmen der Auf- führung, die die Städtische Oper aus dem Bestand des Deusschen Opernhauses konserviert hat. K.P. „Trommelfeuer der Liebe." Titania-Polast. Trotzdem der Titel bereits auf Edelkitsch vorbereitet, ist der Film noch schlimmer als der größte Pessimist erwartet. Das Manu- skript, das in verworrenster Weise das Schicksal eines Revuegirls er- zählt, ist glatt unmöglich. Der Zuschauer muß wirtlich gor zu viel üb« sich ergehen lassen, bevor das Girl vom spanischen Äristokraten geheiratet wird, dessen Lebenszweck im Schuldenmachen besteht. Der Regisseur Gustav U c i ck y überbetont die Mängel de« Manuskripts. Er wollte offenbar einen reinen Schausptelerfilm schaffen, formte ober jede einzelne Figur viel zu grob. Zudem be- handelt er an und für sich schöne Landschaften als nicht dazugehörig. Da überdies seine ganze Regictätigkeir auch noch schrecklich langweilig ist, behindert« die Schauspiel« in erheblich« Weise. So darf Rudolf Klein-Rogge den reichen Geldverleiher, den die gut« Gesellschaft nicht aufnehmen will, gär nicht charakterisi«en, sondern muß ihn nur als einen Mann übelster Manieren spielen. Igo S o m, der spanisch« Aristokrat, ist ein« Modepuppe mit eleganten Be- wegungen, d«, um die Vornehmheit nicht auszugeben, selbst bei Ge- fühlsausbrüchen nicht aus sich herausgehen darf. Dolly Davis kommt über das Revuegirl nicht hinaus, den bei ihr so viel gepriesenen Wien« Charme findet man einzig und ollein in den Filmtiteln. e b. Hans Jeimann liest für die Volksbühne. In Zittau vor dem Bahnhof trauert eine einzige Autodroschkc. Ein Herr tritt auf den Chaufseur zu:„Fohren Sie mich bitte zum Rathaus!*—„Bedaure, mein Herr, das kann ich nicht. Bor dem Bahnhof muß immer eine Droschke halten.* Oder«in Herr will von Wurstmaxe ein paar Würstchen lausen.„Ohne Senf, bitte." Klatsch liegt der Mostrich neben den Würstchen.„Ich wallte doch keinen Senf!*—„Ach, ich habe dos so im Griff, ich kann nicht anders!" Das sind zwei von den neuen Miniaturen, die Hans Ret marin im Bürgersaol des Rathauses für die Volksbühne liest. Bielleicht sind sie nicht so bissig, so hinterhältig wie die„Sächsischen Miniaturen*, der Spott ist liebenswürdiger und versöhnlicher, ober trotzdem bilden diese ganz knapp formulierten Dmge einen Beitrag' zu der Geschichte der ewigen menschlichen Dummheit. Dann spricht Reimann Zellglosse» in Bersen, wo er den„Blauen Vogel* mit dem schönen russischen Volkslied„Wohin rollst du, Aepselchen*. mir Keudell und mit dem gesunkenen Ansehen des Gerichtsvollziehers zusammenbringt. Eine Aneinanderreihung belangloser und söge- nannter wichtiger Ereignisse, die dadurch an Gewicht verlieren, deren gesetztes Aussehen in diesem Potpourri plötzlich verschwindet. Tragik und Pathos verpufft, man sieht nur noch dos Lächerliche. Aber in der Erzählung von seiner Verhaftung werden Reimanns Pfeile spitzer, sie treffen und verwunden eine aufgeblasene Beamtenschosr, eine merkwürdige Justiz. Und das alles erzählt Retmann mit harmlosem, fröhlich grinsendem Gesicht, mit vergnügt lächelnden Aeuglein, mit knapp skizzierenden Gesten. Immer ist« ein Must« von künstlerischer Zurückhaltung, auch wenn er die Geschichte vom„Gönig* vorträgt._— t. Die Eröffnung der»Großen Berliner'. Heut« ist die diesjährige Große Berliner Kunst-Ausstellung in Moabit eröffnet worden. Sie enthält mit nahezu 2300 Nummern Wert« von Mitgliedern aus dem„Kartell der oereinigten Verbände bildender Künstler Berlins*, umfaßt also alle Richtungen vom Akademischen bis zu den kühnsten Anhänger:, de»„Abstrakten*, und außerdem, wie fast jedesmal, eine Architek- turobteilung. Die vom Deutschen Werkbund veranstaltete Wonder- ausstellung,„Internationale Baukunst* wird erst vom 20. Mg! an zu sehen sein; bis dahin nehmen ihren Platz die Wcttbewerbsarbe!-' ten für die B a u a u s st e l l u n g a u f d e m Berliner Messe- gelände ein- Befand«« Färbung erhäft dieser Test schon jetzt durch eine«lesone Sammlung von Bildern und Zeichnungen des Altberlrner Architetturmaler» Cduard Gaertner und ein« Ueber- ficht über das Schassen von Peter Behrens, als Ehrung zu seinem 60. Geburtstage. Die„Jurysreie* ist diesmal nicht einbegrissen, sie wird im Spässommer die Nachfolge im Glaspolast am Lehrter Bahnhof an- treten._ P. F. S. Iheaterchronik. Die aus den 6. Ma! angelegte SerrnitteaSaufiflSrunj von Otto ZossS„Der Schnee iturm* im Theater am Schiftbauerdamm ist auf den 13. Rai vormittags II'/, Uhr verlegt worden. Ein Vuod deutscher Aebersetzer hat sich gebildet, der sich die Aulgabe gellt, die künstlerischen und beruflichen Interessen deutscher Ueberleher«abr» zunehmen. Au den Begründern gebären unter anderm Friedrich von Oppeln-Bronitowkl!, Erwin MagnuZ, Dr. Franz Dülberg. GARNICHT LAUT GENUG GESAGT WERDEN: SIE LEBEN BESSER UND LANGER Z z < & tn wenn Sie d e Lehren der großen Ausstellung„DIE ERNÄHRUNG" beherzigen« Darum gehen alle Familienväter und Mütter und die, die es werden wollen, zum Kaiserdamm.- Täglich: 9 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends, Sonnabends und Sonntags: 9 Uhr vormittags bis 9 Uhr abends.- Eintrittspreis L50 Mk., Jugendliche O./S Mk. TT A A/f II T F"VI kT ARTtTM die zum gleichzeitigen Besuch von 2 Erwachsenen und 2 Kindern bis zu IS Jahren oder von Z Erwachsenen I\ i i! i rv � K i N j�rechtigen« nur Alark Z.M. Jodes weitere Kind 25 Pfennig. WWW»W>»»W»»W»»>W»WWMW»WWW Trinkspruch des Königs Amanullah fahen Schupobeamte des 231. Reviers auf einem Rundgang durch den Treptower Park dort ein junges Mädchen auf einer Bant sizen und schlafen. Sie weckten sie, und da ergab sich, daß es die vermißte Etita 3. war. Die Wiedergefundene, die sich die ganze Zeit über herumgetrieben hatte und schon ganz verwahre geben, weil die Großeltern mit ihr nichts mehr anfangen können. Ausgebracht auf dem Bankett des Rates der Volkskommissare der Sowjetunion oft ausfah, wurde der Fürsorgestelle in Neukölln überTeure Regierungsgenossen! Man hat mich, den König von Afghanistan, gewarnt, dieses herrliche Land zu betreten, das von angeblichen Zarenmördern regiert werde. Man hat mir Gefahr für Leib und Leben geweisfagt. Ich bin auf den Schwindel nicht hereingefallen. Ich hab' Mir gedacht: halb so schlimm! Denn Ich bin ja tein Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands, fein Leser der Roten Fahne", der Eure offiziellen Regierungsphrasen treu und gläubig für bare Münze nimmt, sondern Ich weiß, daß Ich es hier mit Männern der Praxis zu tun habe, die Sinn für geschäft liche Angelegenheiten haben. Regierungsgenoffen! Ich bereue Meinen Schritt nicht. War doch der Empfang über alle Maßen glänzend. Berlin hat sich seiner zeit nicht den fünften Teil der Unkosten gemacht. Wie dagegen hat Mich Mostau gefeiert. Aus den glänzenden Empfangsfestlichkeiten mill Ich nur einiges hervorheben: Man hat mir als Empfangsdame Alexandra Kolontai zur Seite gestellt, Eure älteste und bewährteste Mitstreiterin, obwohl Ich in aller Bescheidenheit auch mit einer jüngeren Kommunistin zufrieden gewesen wäre. Tschi tscherin und Litwinow haben Meinetwegen gutsigende Fräde mit garantiert weißer Binde getragen und Ralinin, wenn er auch den weichen Kragen vorzog, hat sich doch wenigstens rafieren Taffen. Man hat mir die Gruft mit den Gebeinen des Heiligen Lenin( hier verneigte sich Amanullah dreimal ehrfürchtig gen Often) geöffnet und Ich burfte für ihn eine fönigliche Zähre vergießen. Man hat Mir die mikroskopischen Querschnitte seines Gehirns gezeigt und Ich fann sagen: es ist ein einzigartiges Gehirn, ja es ist das einzige Gehirn, das Mir bei den Kommunisten begegnet ist. Nicht vergessen will Ich die Parade Eurer herrlichen Roten Armee, mit der Ich bald Schulter an Schulter fiegreiche Schlachten zu schlagen hoffe, denn, wie der deutsche Dichter Lissauer singt: Wir haben alle nur einen Feind- England!"( Anmerkung des Herausgebers: In London hat Amanullah das deutsche Volkslied zitiert: Jeder Schuß ein Ruß'!) Ich habe hier in einem der herrlichsten Paläste gewohnt und fann nur sagen: Euer verewigtes Bäterchen Zar muß ein großer V- T Stalin: Wegen Ihrer persönlichen Sicherheit dürfen Majestät ganz beruhigt sein." Amanullah:„ O, ich habe feine Sorge. Ich weiß ja, daß Sie diese abscheulichen Revolutionäre aus der Barenzeit nach Sibirien verbannt und die bes währte Ochrana beibehalten haben." Plötzlich und unerwartet verstarb unser hochverehrter Chef, der Mitinhaber der Buchdruckerei Ad. Haußmann A.G. Herr Reinhold Haußmann Wir verlieren in ihm einen wohlwollenden und äußerst humanen Prinzipal, der stets für die Interessen des Personals soziales Verständnis hatte. Wir werden dem Dahingeschiedenen ein ehrendes Andenken bewahren. Berlin, den 8. Mai 1928. Das technische Personal der Buchdruckerei Ad. Haußmann A. G. Theater, Lichtspiele usw. Deutsches Theater Kammerspiele Norden 12 310 8 Uhr, Ende nach 16 Pygmalion von Bernard Shaw dtsch. v. Siegfr. Trebitsch Berliner Theater Norden 12310 %, U., Ende nach 1 Zum 114. Mal Finden Sie, daß Barnowsky- Bühnen Thalia- Theater Th. Königgrätz. St. Dresdener Str. 72-73 Bergm, 2110. Täglich 72 Uhr Täglich 8 Uhr Leinen aus Dyckerpotts Erben Irland Komödienbaus Norden 6304. Tägi. 8 Uhr Theater des Westens Gastspiel Moskauer jüd. Esel gewesen sein, daß er mit Euch nicht beffer auszukommen verstanden hat. Ihr seid doch prächtige Burschen. Ganz besonders hat mir Euer Stalin gefallen, bei der Begegnung mit ihm habe Ich das deutliche Gefühl gehabt, eine Mir innerlich verwandte Seele anzutreffen. Regierungsgenossen! Mein Gefühl hat mich nicht getäuscht. Denn jede Stunde Meines Hierseins hat mir die Augen darüber geöffnet, daß Stalins Regierungsprinzipien im wesentlichen den Meinigen entsprechen. Ich und Stalin, wir beide sind die zurzeit hervorragendsten Bertreter eines Systems, das die Geschichts fchreibung als den ,, aufgeklärten Despotismus" bezeichnet. Bir bemühen uns, unsere Böller glüdlich zu machen, weil wir in richtiger Menscheneinschäßung erkannt haben, daß unsere Völker, sich selbst überlassen, zu dumm und zu unwissend waren, um irgendetwas für ihr Glüd zu tun. Die blinde Masse verlangt eine starte Fauft, die fie lenkt und regiert und sie des Nachdenkens überhebt, wozu 99 Prozent der Menschen ohnehin feine Fähigkeit haben. Dafür, daß wir die Gnade haben, die Laft der Regierung auf uns zu nehmen, verlangen wir allerdings strittesten Gehorsam. Auflehnungsgelüfte müssen mit aller Strenge im Reime erstidt werden.( Lebhaftes Sehr richtig! der Volf stommiffare.) Mit Neid habe ich gesehen, daß die Sowjetbehörden mir in den zweddienlichen Methoden des Hinrichtens, Berbannens und Marterns widerfpenftiger Elemente weit vorausgeeilt find. Entschuldigen Sie Meine Rüdständigkeit mit der primitiven asiatischen Barbarei, in der sich Mein Land noch befindet. Ich will mich, das sollen sich alle Meine Feinde in Afghanistan gesagt sein lassen, in ihrer Bertilgung als gelehriger Schüler der Sowjetunion erweisen.( Donnerndes Bravo.) Unsere Zufunft liegt auf dem Richtblod!( Große Begeisterung, die Sowjetkommissare singen die Internationale.) In anderer Beziehung habe ich allerdings eingesehen, daß Mein Despotismus aufgeklärter ist als der Eure. Ich bestrebe Mich, den Kapitalismus in Meinem Lande aufzubauen, während Ihr ihn törichterweise erst beseitigen wolltet und nun erst unter großen Schwierigkeiten durch das Nep- System ihn wieder einzuführen bestrebt seid. Bozu erst die vielen Umstände? Aber Ich will hier nicht fritisieren, sondern Ich freue mich, daß Ihr mir bei der Errichtung des Rapitalismus in Afghanistan behilflich sein wollt. Ich verspreche mir davon die vollendete Festigung Meines Thrones und werde mir stets bewußt bleiben, daß Ich meine Königsfrone der treuen Mitarbeit der Sowjetunion vendante. In diesem Sinne leere Ich Mein Glas Champagner auf das Bachsen, Blühen und Gedeihen der Sowjetunion, der wahren Helferin und Beschüterin der asiatischen Königshäuser. Meine brüderlichen Gefühle für dieses Staatsgebilde bringe Ich zum Ausdrud durch den Ruf: Unserer unzertrennlichen Freundschaft und Waffenbrüderfchaft ein dreifaches Rot Front- Rot FrontRot Front! ( Aus dem Afghanischen verdolmetscht von difu Jonathan) Die trachende Rolljalousie. Ein kleines Mißgeschic lieferte in der vergangenen Nacht drei Juweleneinbrecher der Polizei in die Hände. Drei arbeitsloje junge Leute im Alter von 19 Jahren, Walter Sch., Baul B. und Arthur W., der eine aus Moabit, der andere vom Wedding und der dritte aus der Budapester Straße, hatten sich auf einem Rummel in Moabit tennengelernt und hielten sich von ihren Eltern fern. Bei einer Zusammenkunft faßten sie den Plan, bei einem Jumelier in der Triftstr. 40 einzubrechen. In der vergangenen Nacht schoben sie die Jalousie ein Stüd aufwärts, flemmten sie fest, fantelten die Ladentür auf und rafften für 15 000 Mart goldene Schmucksachen aller Art und Silberzeug zusammen. Als fie mit der Beute hinausgingen, stieß einer aus Bersehen an die Jalousie, so daß sie mit einem Krach herunterfiel. Dadurch erwachte der Geschäftsmann. Als er sah, was geschehen war, ging er hinaus und erblickte drei Burschen, die nicht allzu eilig die Straße entlanggingen. Er spielte nun auch den harmlosen und so merkten die Einbrecher nicht, daß sie verfolgt wurden. In der Brüffeler Straße fand der Bestohlene Schupobeamte, die die Berfolgten festnahmen. Die ganze Beute und die Werkzeuge wurden ihnen sofort wieder abgenommen, ebenso eine Scheintotpistole, die dem einen aus der Hand geschlagen wurde. Die vermißte Schülerin aufgegriffen. Bermißt wurde, wie wir gestern mitteilten, seit dem 28. v. M. die 13 Jahre alte Schülerin Erita 3., die bei ihren Großeltern in der Werderstraße wohnte. Am Mittwoch früh gegen 5% Uhr Mittwoch, 9. 5.28 Staats- Oper Unter d. Linden Ab.-V.& Mittwoch, 9.5.28 Städtische Oper Bismarckstr. Turnus I Anf. 19%( 7) U. Anf. 19,( 7) U. Troubadour Staats- Oper Am Pl.d. Republ. Res.-S. 94 Anf. 20(*) U. Luisa Miller Die Hochzeit des Figaro Staatl. Schauspielb. Am Gendarmenmarkt Ab.-V. 91. Ant. 20( 8) U. Die Weber Staatl. Schiller- Theater, Charitbg. Anfang 20( 8) Uhr Amphitryon Volksbühne heater am Bülowplatz] Th. am Schiffbanerdamm 8 Uhr: Constance sich richtig Broadway akad. Theater Wasihr wollt verhält? Saltenburg- Bühnen Heute 8 Uhr Letzte Vorstellg. von 81% Uhr Der Zigarettenkasten SCALA 8 Uhr Nollendorf 7360 Paul Lincke sowie das internat. Varieté- Programm Komische 8 Uhr Oper 8% Uhr JAMES KLEIN'S gewaltiges neues Revue Stück: Zich' dich aus! 200 Mitwirkende. Vorverkauf ab 10 Uhr ununterbrochen. Lessing- Theater Norden 12798 Sommerspielzeit Täglich 8 Uhr Charlottenstr.90/ 91. Dönh.17 Die Komödie Dis. Künstler- Th. ,, 200 000" CASINO- THEATER 84 U. Künstlerische Leitung Emil Lind 81, U. Ende geg. 11 Bismarck 2414/7516 Gastspiel d. Deutschen Th. 8 U. Ende 102 U 81 Uhr Der Prozes„ Die Kassette Schwarz- Weiß Mary Dugan Nomödie van Carl Sternheim. Morgen 81 Uhr Lothringer Str. 37. Lustspielhaus Hr. Or. Martin Zicke 8 Uhr: iuido Thielscher in Unter Die Reise Die schwebende Jungfrau ,, Nr. 17" Benjamins III. Ausschneiden: Gutschein 1-4 Pers. Jefferson Farjeon Geschäftsaufsicht" Musik. Komödie Fauteuil nur 1,10 M., Sessel 1,60 M. Regie: Hans Lotz Zur Verlegung der Kunstausstellung. Gegen den Gedanken, für die Kunstausstellung ein neues Heim auf dem 300gelände zu bauen, wendet sich das Kartell der Vereinigten Verbände bilden= der Künstler Berlins. Daß die Ausstellung nicht länger in dem alten Gebäude am Lehrter Bahnhof bleiben kann, iſt ſeit Jahren und Jahrzehnten die Meinung aller beteiligten Kreise. Es wird aber befürchtet, daß auf dem 30ogelände nicht soviel Raum geschaffen werden könne, wie für die Kunstausstellung erforderlich ist. Das Kartell hält 7000 Quadratmeter für das Mindeste ,. was zu einem neuen Ausstellungsgebäude gebraucht würde. Auf dem Zoogelände sollen aber hierzu nur 4000 Quadratmeter hergegeben werden. Auf Kriegsfuß mit der Wahrheit. Die Beröffentlichung der ersten beiden Schiedssprüche für die sächsische Metallindustrie im Borwärts" am 5. Mat erfolgte mit dem zweispaltigen Untertitel:" Für die Metallarbeiter ungenügend." Am nächsten Tage brachten wir den Schiedsspruch für Leipzig mit der zweispaltigen Unterzeile:„ Er stellt die Metallarbeiter nicht zufrieden." War damit schon der Standpunkt der Führer des Deutschen Metallarbeiterverbandes in dem sächsischen Lohnlampf zu ben Schiedssprüchen von vornherein deutlich gefennzeichnet, so noch deutlicher durch die Stellungnahme der sächsischen Landestariffommission, über die im„ Abend" am Montag berichtet wurde, wonach der Bezirksleiter Teichgräber erklärte, die Annahme der Schiedssprüche sei unmöglich. Am Mittwoch brachte nun die Rote Fahne" einen eigenen Drahtbericht" aus Leipzig, der mit der folgenden Einleitung beginnt: Troß aller reformistischen Versuche, den Ara beitern den Schiedsspruch schmachaft zu machen, haben die streitenden Metallarbeiter... den Schiebsfpruch... ab gelehnt." Was in aller Welt soll die gänzlich aus den Fingern gesogene Behauptung bezweden, die Reformisten" hätten versucht, den Arbeitern den Schiedsspruch schmadhaft zu machen, wenn nicht die Herunterreißung der Führer des Metallarbeiterverbandes in Sachsen? Ein typisches Beispiel für die raditale" Rampfesweise der tommunistischen Preffe gegen die reformistischen Gewerte imhaften. Bettelmusikanten. Mit dem Beginn des schönen Wetters und der Baumbile fehe die fo beliebten Dampferfahrten der Berliner Reedereien in die Umgebung Berlins ein. Das Bergnügen der umgezählten Berliner, die von diesen Dampfer und Motorbootfahrten Gebrauch machen, wird seit Jahren in empfindlichster Weise dadurch gestört, daß Bettelmusitanten mitfahren, die in meistenteils sehr zweifelhafter Form musikalische Genüsse zu Gehör bringen und hinterher mit dem Zeller in der Hand das auf dem Dampfer befindliche Bublifum anbetteln. Der Deutsche Mufiter Berband bittet uns mitzuteilen, Musiker- Berband daß feines seiner Mitglieder sich zu derartigen Betteleien hengibt. Das reisende Bublitum wird gebeten, den Kampf des Deutſchen Musiker- Berbandes gegen diese Bettelmusikanten dadurch zu unter stüßen, daß es diesen Bettlern und Nichtmusikern teinen Pfennig zukommen läßt. Profeffor Basch tommt nach Berlin! Auf Ginladung der ,, Deutfchen Liga für Menschenrechte" wird Professor Victor Basch, der jezige Präsident der Französischen Liga für Menschenrechte, nach Berlin lommen, um hier am 11. Mai einen Vortrag über das Thema Die Wahlen in Europa und der Friede" zu halten Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend.( Nachdr. verb.) Größtenteils wolliges und ziemlich fühles Better mit einzelnen Niederschlägen und nordwestlichen Winden. Für Deutschland: Meist stärker bewölft, im äußersten Osten noch ziemlich zahlreiche, weiter westlich vereinzelte Niederschläge, überall fühl. Berantwortlich für die Redaktion: Eugen Brager, Berlin; Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag: Borwärts Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts Buch bruderei und Berlagsanstalt Baul Ginger& Co., Berlin GB 68, Lindenstraße 3. Hierzu i Beilage. Große Berliner Kunst- Ausstellung 1928 Im Landes- Ausstellungsgebäude Sonderausstellung Eduard Gaertner 1801-1877 Mai Juni Juli Alt- Moabit 4-10 und Invalidenstraße 63 Täglich 10-7 Uhr Eintritt M. 1.Piscatorbühne Kleines Theater Theater am Kottbusser Tor Theater am Täglich 8, Uhr: Kottbusser Straße 6. Tel. Mpl. 16077 Nollendorfplatz Frau Käte läßt Kurfürst 2091/93 Täglich 8 Uhr sich verführen Malborough zieht Lotte Klinder, Berth. in den Krieg von Marcell Achard Insz. Erwin Kalser Walhalla- Th. Weinbergsweg 19/20 Täglich 8, Uhr Reißig. Vorzeiger halbe Kassenpreise. Planetarium am Zoo Täglich 8 Uhr Phantasien im Bremer Ratskeller Genrebild von Max Horst Unsere Käthe Posse von Oskar Klein Dazu das Mai Solo- Programm. NO Reichshailen- Theater Auf viels. Wunsch Verläng. Joachimsthaler Straße Abends 8 Uhr, Sonntag nachm. 3 Uhr Das Absteigequartier Für Jugendl. verbot. 16 Vorzeiger dies.auch Der Sonntags Park.statt -Mk. nur 60 PL. Noll. 1578 und 191, Uhr: Sternhimmel der Heimat 18 und 21 Uhr: Im Reiche der Rose- Theater Mitternachtssonne Gr. Frankt. Str. 132 8 Uhr: Hopfenraths Erben Eintritt 1 M. Kinder auf. 15 Jahren 0,50. Stettiner Sänger Meysel, Britton, Steidl usw. Das lustigste Programm! Dönhoff- Brett'l: Varleto, Tanz. Die neure Kapelle Wilhelm Frenke! Renaissance- Theater Steinplatz 901. 8Uhr: Krankheit der Jugend frrAftrntt Sfuilauifaßa Ja '**:• v"- Im Anfang war das Wort» Achtzig Jahre sozialistische Arbeiterpresse, (Beilage Tüttwodi, 9. Ma! 1928 8m tommtBbai Sorawbenb wird In ft 8 In die �Presia- eröffnet,«uf der«nsstellung ist auch da» Hau» der Arbelterpreffe zn fehen. das voransfichlUch zu einem der Hanptanziehnngspnntle der Schau werden wird. vi« vefncher werden eiuen Ailm zn fehen betomwen, der da» werden der Arbeiter preste schildert. Die Darsteller des Films im Haufe der Arbeiterpresse auf der Presia m Köln find namenlose Arbeiter, bewegte Maschinen, ver. gilbt« Zeitungen, ausgewiesene Proletarier während des Sozialisten. gesetzes, tapfere Frauen, gequälte Kinder: der Held ist die graue Masse, die in den letzten achtzig Iahren in großartigen Vorstößen versuchte, den theoretischen Sozialismus in blutvolle Wirtlichkeit Umzusetzen. Das Spiel beginnt. Das Rad der Zeit bewegt sich. 1848 wird in Köln am Rhein von Marx und Engels die.Neue Rheinische Zeitung* gegründet, in de? sich die freiefien Geister sammelten und mit dem oufftändischen Volk« kämpften. In Berlin und Dresden wuchsen Barrikaden auf. In Baden rebelliert« die Mast«. Die Revolution in Deutschland wurde niedergeschlagen, die .Neue Rheinische Zeitung* oerboten. Marx und Engels flüchteten ins Exil. Neue Führer erstanden in Deutschland: Lassalle. Bebel, Liebknecht. Das Proletariat sammelte sich. Die ersten kleinen Arbeiterblätter wurden gegründet. Bebel gründete 1863 die Sozialdemokratisch« Arbeiterpartei. Die Partei ging nicht unter und sie zerbrach nicht in den hef- tigen Bruderkämpfen der sechziger und siebziger Jahre, sie ging nicht unter im Krieg 1870/71, sie ging erst recht nicht unter, als die Reaktion, ipn Bismarck angeführt, im Jahre 1878 durch ein Aus- vahmegefeg all« Arbeiterorganisationen auslöste und die pro- letarische Presse unterdrückte. Rund tausend in- und ausländische Zeitungen, Zeitschriften und Bücher wurden in den zwölf Iahren, in denen das Schandgesetz wütete, verboten! Rund tausend Jahre Gefängnis wurden in jenen zwölf Iahren gegen sozialistische Arbeiter oerhängt! Ueber neunhundert Genossen wurden auf Grund des kleinen Belagerungszustandes von den Polizeibehörden. ausgewiesen, junge Arbeiter, alte Arbeiter, und die kleine Spielszene' unseres Fllms beschwört den Schrecken der damaligen Zeit. Fritz K o r t n e r, der berühmte deutsche Schauspieler, ver- Wittel! durch seine große Kunst eine tragische Episode, die auf der berüchtigten Ausweisung am Heiligen Abend in Frankfurt am Main ausgebaut ist. Acht Arbeiter mußten damals innerhalb achtundvierzig Stunden die Stadt oerfassen. Der Ausweisungsbefehl riß Familien auseinander, jagte die sozialistischen Arbeiter wie räudige Hund« fort und vermochte trotzdem nicht, das Feuer des Sozialismus auszu- löschen. Die Ausgewiesenen waren in neuen Städten die eifer- vollsten verkünder der neuen Ideen. In dem Proletarier, den Fritz Kortner darstellt, erleben wir, die Söhne und Enkel, das Vermacht. vis der tapferen, namenlosen Vorkämpfer. Diese Szene läßt die Möglichleiten und Erschütterungen eines sozialistischen Großsilms am besten ahnen Ein« ganze Welt bewegt sich in den ergreffenden Bildern, unsere Welt. Das Gesetz wütet immer nach Es ist eine gute Zeit für die Spitzel. Haussuchungen über Haussuchungen stürzen die prvletarffchen Wohnungen um. ein Kampf um Dunkel wirb gekämpft und geführt, von beiden Seiten, und am Ende triumphiert doch das Volt und nicht die Polizei. Unsere Spielszene hat sich so oder ähnlich tausend- mal abgespielt. In den Erinnerungen der allen Genossen kann und muß man nachlesen, um die Schwierigkeiten und Opferungen jener Jahre begreifen zu können, die Niederlagen, ja, aber auch die Siege. Trotz aller Verfolgung wuchs die Partei. Das Proletariat blieb der Bewegung treu. 1887 Stimmten 763 000 Wähler für die verfemte Soziakdemo- kratie. 1890 fiel das Schandgesetz. Die unterdrückten Zeitungen erwachten zu neuem Leben. Die Partei kam aus dem Dunkel hervor und organisierte sich. Di« Frauen gründeten ihre erste Zeitung:.Die Arbeiterin*. die Vorläuferin der.Gleichheit*. Die Idee hat« gesiegt. Die Idee hatte gesiegt, aber die Reaktion wütet« weiter. Von 1890 bis 1910 wurden rund e i n ta u s« n d d r« i hu n de r t Jahre Gefängnis und Zuchthaus gegen sozialistffch« Pro- letarier verhängt. Die Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung ist eine Geschichte brutalster Verfolgungen, aber sie ist auch eine Ballade von der Treu« und Liebe zur Partei. Die Treu« und Liebe zur Partei ist nicht nur in den Gefängniszellen sichtbar, nicht nur in den Ausweisungen oder Maß- regelungen. die Liebe und Treue zur Partei wird sichtbar auch in den Zeitungen, die überall in Deuffchland gegründet wurden, in jenen Zeitungen, die vollkomnien auf dem Opfermut der Arbeiter basierten. Jede neue Maschine, die man kaufte, wog, an den Opfern gemessen, den ganzen Maschinenpark einer bürgerlichen Zeitung auf. In dem stampfenden Rhythmus imferer Maschinen, die wir i» unserem Film sehen, ist auch der marschierende Rhythmus jener Kameraden, die sich damals und heut« in den Freistunden und an den Sonntagen durch Deutschland bewegen, damit die Bewegung sich ausbreite, vertiefe und noch inniger verwurzele. Die Geschichte der sozialistffchen Arbeiterpresse in Deuffchland ist auch ein Lobqesanst auf die«nmenlosen Proletarier? Mit der aussteigenden Flut der Arbeiterbewegung stiegen auch hie sozialdemokratischen Zeitungen. Sie wurden in den zwölf Jahren des Schandgesetzes von der Reaktion zu Boden gestampft, .jfibtx bt£ Idee taube nicht zu Boden seftamxjj, und heute ist Deutschland das Land in der Welt, in dem die meisten sozialdemokratischen Tageszeitungen herauskommen. 1928 erscheinen in Deuffchland 191 sozialdemokratische Parteizeitungen? Der Kampf der Tagespresse wird durch gut geleitete Beilagen und Zeitschristen unterstützt. In»Boll und Zeit" wird der Bilder- dienst für die Bewegung organisiert. In.Der Kinderfreund* findet der jung« Nachwuchs Belehrung und Ziel. Die.Bücherwarte* mit der.Arbeiterbildung* wirbt für sozialistisch« Bildungsarbeit. Die .Genossin* und die.Frauenwelt" gehören den werktätigen Frauen, die.Arbeiterjugend* der proletarischen Jugend. In„Die Gesell- sthaft* wird das theoretische Werk der„Neuen Zeit* fortgesetzt und erweitert. Andere Zeitschriften, wie.Die Gemeinde* und.Die Arbeiterwohlfohrt* vertiefen Gemeinde- und Sozialarbeit..Der Wahre Jakob* sorgt für Witz und Satire. Der Sozialismus ist eine Kulturbewegung! In der Zeit des Sozialistengesetzes: Ein Kriminalbeamter sucht nach verbotenen sozialdemokratischen Schriften. Zu den 191 Tageszeitungen und unseren Zeitschristen und Bei- logen sind einig« groß«, gutgeleitete Berlage enfftanden. In erster Reihe steht der alte Verlag von H. W. I. Dietz Nachf., in dem die Standardwerk« des Soziaiismus erschienen sind und noch erscheinen. Im Arbeiterjugendverlag sammelt die junge Garde ihre Literatur. Im Bücherkreis haben sich die sozialistischen Arbeiter eine vortress- llche Buchgemeinschaft mit den besten sozialistischen Autoren ge- schaffen. Der Verlag Kaden in Dresden bringt werkolle Bücher für das werktätige Boll heraus. In Jena, Hamburg, München, Viele- feld, Zwickau, Dortmund usw. sind eigene Berlage an der Arbeit. Um den jährlichen Papierverbrauch unserer Presse zu decken. müssen vierhunderttausend Fichtenstämm« geschlagen werden! Aber alles Papier und alle Maschinen und auch die Funksprüche, die der Sozialdemokratische Pressedienst an die 191 Tages- Auch heute noch klaffen Gegensätze im Land. Auch heute hat der Kapitalismus die Uebennacht. Wir zeigen in unserem Spiel einen kurzen Querschnitt durch die Zeit nicht der optischen Gegen- sätze wegen. Wir wollen ganz klar damit sagen, daß weiter» gekämpft werden muß. Und die Proletarier, die Soldaten des Friedens, kämpfen auch weiter für Ausgleich und Gerechtigkeit: für den Soziasismus! Diesen gerechten Kampf hat die sozialdemokratische Presse macht- voll unterstützt und mit geführt. Und sie wird weiter mitkämpfen und weiter sein, was sie in den letzten achtzig Jahren war: Der Rufer im Streit! Der Sozialismus ist ein« internationale Bewegung. In fast allen Hauptländern der Erde kämpft die sozialistische Press« mll uns für den Weltfrieden und den Sozialismus. Und mit den Bildousschnitten unserer proletarischen Bruderpresse des Aus- lands und mit den Demonstrationen internationaler Aufzüge schließt unser Spiel. Bor achtzig Iahren rief Karl Marx in die Well: Pro- letarier aller Länder, vereinigt euch! Und die Pro- letarier aller Länder haben sich vereinigt in der Sozialistffchen Arbeiterinternationale, und das Kampflied der Kameraden in der ganzen Well ist: Di« Internationale wird die Menschheit sein? Fritz Kortner, der Hauptdars telier. Wer weiß das? Die alten Acgypter gründ-üen die ersten Kolonien. Sie unter« »ahmen Streifzüge in die Negerlander Inncrafrikas. 1100— 930 v. Ehr. hatten dann die Phönizier an der Westküste Marokko- ÜOO Kolonion gegründet. Sie wurden spater von Eingeborenen vollständig zerstört. * Die meisten Spinnen weben in jeder Nacht«in neues Netz. j * In Newado gibt es einen sogenannten„Hexenbaum*, der des Nachts ein bis eineinhalb Kilometer erkennbares Licht ausstrahlt, besonders m stockfinsterer Nacht ist es in seiner Nähe so hell, daß man jede Schrift lesen kann. * Der Reichtum Nordamerikas an Wasserkräften ist ungeheuer. Eaihverständige haben berechnet, daß in den Dereinigten Staaten * Indien muß jährlich rund 1600 Millionen Mark allein an Ge- hallern für englische Beamte, Ossizier« und Soldaten ausbringen, welch letztere dort angeblich zw?» Schutze Inhi-xs für«Mchen Nutzen gehalten werde«. zeitungen sendet— Berickste und Leitartikel, Meldungen au» der ganzen Welt, Palitik und Literatur— all das find nur technische Hilfsmittel zur Durchführung unserer Ideen, wie die großen Fa» briken und Kontore auch das leere Gehäuse sind, in dem die Durch- sechter der sozialistischen Bewegung, das schaffende Dolk, arbeitet. Die Partei wächst und wächst! Ueber siebentausend Angestellte und Arbeiter sind heute schon in unseren Druckereien, Verlagen und Redattione« beschäftigt. 1871 zogen zwei Abgeordnete in den kaiserlichen Reichstag ein. 1924 mar- schierten eitrhunderteinunddreißig Abgeordnete in das republikanische Parlament und stellten einen Sozialdemokraten als Präsidenten. 1888 werden die sozialistischen Arbeiter noch wie Der- b re ch e r gehetzt und verjagt! 1928 kann nicht mehr gegen den Willen der organisierten Ar- beiter regiert werden! Ein kurzer Blick auf unser« Spielszenen sagt l viel mehr als olle Worte vom Aufstieg den deutschen Ar- I beiterklasse! DER SPRUNG ÜBER DEN SCHATTEN W WU VON KARL HefnriA Fehlow, dessen Lebcnsgesdiichte der Verfasser sdiil- derf, stammt aus einem osfelbisdien Landstädtchen. Sein Vater ist Dorfs dmllehrer mit 750 M. Gehalt im Jahr. Der Junge ist ein .aufgewecktes" Kind und der Scfaulrckior meint, da6 er studieren müsse. Vorläufig bekommt er seinen Unterricht in den Gym nasialfächem. 6. Fortsetzung. „Hol dich der Teufel! Mach, daß du rauskommst!' Er drehte sich um und ging ins Nebenzimmer. Dort schneuzte er laut. Völlig verwirrt, verschwand Ich; ganz leise auftretend. So kam ich zu meinen griechischen Stunden. Es schien ober alles nichts zu helfen. Als ich vierzehn Iahr� alt war, sagte der Vater, ich sollte Schlosser werden. Aus eigener Kraft könnte ich es später zum Inyenieur bringen. „Air haben kein Geld, mein Junge, sagte er,„wir können dich nicht aufs Gymnasium schicken.' „Dann werde ich Stunden geben, Vater, und hinzuverdienen. was fehlt.' „Das alles langt nicht. Junge. Aber wir wollen davon nicht mehr reden, als nötig ist." Ich wußte ganz gut, daß der Vater nie etwas sagte, was er nicht lange überlegt hatte, aber diesmal konnte ich mich noch nicht beruhigen. „Geht es nicht, daß ich ein« Stelle annehme, wie im Kranken- haus— einen halben Tag? Ich habe keine Angst, und müde werde ich auch nicht." Seit einiger Zeit übertrug ich jeden Sonnabend nachmittag im Krankenhaus des Iohamriterordens Krankenscheine und dergleichen in die Anstallsbücher. Dafür erhielt ich zehn Pfennig die Stunde. Die Oberin war eine heftige Person mit blaurotem Gesicht, vor der ich zitterte. Jedes Verschreiben kostete mich ein furchtbares Donner- weiter und die Drohung eines Abzuges von zehn Pfennig. Der Johanniterorden ist ein vornehmer Orden. Hochfeudale Herren und Königliche Hoheiten gehören ihm an. Ich ober bin klein genug, wenn ich seinen Nomen höre, diese Sonnabendnaihmittoge nicht zu vergessen. Als ich gesprochen hatte, drehte sich der Dater um und sagte schroff— schroffer, als ich es kannte:„Genug! Es geht nicht! Wir haben kein Geld!" Ihn schmerzte natürlich mein« Arbeit für 3k> Pfennig an einem Tag, an dem die Kinder spielen wollen: aber es waren im Monat zwei Mark, und zwei Mark sind vier Mittage für eine Familie. Vorläufig wurde van dieser Angelegenheit nicht mehr gesprochen. Aber ich konnte mich nicht losreihen.. Kurz vor dem Abgang von der Schule erklärte ich: „Schickt ihr mich nicht aufs Gymnasium, lauf« ich weg.' Der Boter sagte kein Wort. Die Mutter stand weinend in der Küche, aber auch sie sprach nicht, und ich fragte nicht. Was geworden wäre, das weih ich nicht. Do tauchte der Konrektor bei uns auf. Dos war noch nie- mals vorgekommen: er war ein Sonderling und oerließ fein« Woh- nunz sonst nur zu einsamen, weiten Spaziergängen. Er setzte sich nicht: sah weder die Eltern noch mich an: wanderte fünf Minuten im Zimmer auf und ab, ohne zu sprechen. Schließlich blieb er vor einein größeren Bilde stehen, dem Porträt eines preußi- sehen Kultusministers, der als Lehverfveund galt. Dies Bild hing damals und wohl heut« noch in den Wohnungen zahlreicher Lehrer. Es wurde von offizieller Stelle vertrieben: so kitzelte man nicht ohne Geschick den Idealismus zur Loyalität hinauf. Vor diesem Bild blieb der Konrektor stehen, piekte mehrmals mit dem Finger darauf und sagte mit rauher Stimm«:„Der Sohn eines Lehrers!— Was meinen Sie, Kollege Fehlow? Das war was!" Alle schwiegen. Plötzlich schlug er mit der Hand auf den Tisch: ..Wenn bloß dos verfluchte Ducken nicht war!' Das kam überraschend und heftig heraus. Ich stand am Fenster, knipst« voll Unruhe«in paar Blätter der Rofengeronten ab: drückt« den Daumennagel ln die prallen, saftgeschwellten Schwertstiele einer Aloe. Der Soft heilt Brandwunden,"sagte man. Als der Konrektor jetzt auf den Tisch schlug, stach ich mir vor Schreck eine Nadel der Aloe tief in den Finger. Er aber ging schon wieder auf und ab und sagt«, von Satz zu Satz ruhiger werdend: „Aber das lernt man. da? lernt man. Ist auch nötig. Un— be— dingt nötig. Uebrigens, Frau Fehlow, Sie kleine, reizend« Frau, Sie müssen sich nicht so quälen. Sie sehen ja trank aus. Alles Unsinn! Jung bleiben! Wozu so quälen? Ist das nötig? Nichts ist nötig. Nichts muß man. Kein Mensch muß müssen. Nur manchmal, natürlich, manchmal, da— muß— jeder— müssen. Ist auch nötig. Un— be— dingt— nötig. Na, dann also---.' Er wandte sich zur Tür und ging. Sein« Nase tropfte. Cr allein hatte wahrend dieses Besuches gesprochen. Ob er den Eltern auf dem Flur noch etwas gesagt hat. weiß ich nicht. In meiner Erimie- ning sind wir anderen völlig stumme Zuhörer. So fügte es sich, daß ich doch noch auf das Gymnasium kam. Mehr noch als bisher schränkten sich die Eltern ein. Davon durfte ich ober beileib« nichts merken. Für die Schwestern begann der Tag um fünf Uhr, und zeitweise arbeiteten sie in einer Putzmocherei, garnierten dort Hüte, A?hn Stunden ain Tag für fünf Mark die Woche. Wenn der Sahn eines Kleinbürgers etwas werden soll, müssen Opfer gebracht werden. Und Frauen sind Imme? gut genug dazu. Das fördert den Idealismus. Und Idealismus dieser Art ist eine profitable Ware für die Herrschenden. Der Konrektor verschaffte mir Schulgeldfreiheit: er schenkte mir die notwendigen Bücher. Und schließlich kam ich durch seine Der- mittlung in das Haus einer adligen Pastorenwitwe, bei der die fünf Söhne ihres Bruders, eines preußischen Junkers, in Penston waren. In den folgenden Iahren habe ich mehrmals versucht, den Kon- rcktor zu sprechen, mich bei ihm zu bedanken.. Cr ober ließ sich stets verleugnen. Nach feinem Tode ging dos Gerücht um, er. hätte als junger Student im Rheinland mit einer Kellnerin ein Verhältnis gehabt, dem ein uneheliches Kind entstammte. Er hotte sie heiraten wollcn, durfte ober nicht und war überhaupt an dieser Affäre mit seinem Studium der Theologie gescheitert. „Ra ja," sagten die Leute, als sie das hörten.„Das hätte man sich eigentliich denken können. Eine Kellnerin! Was kan» das Gutes geben?! Liederliche Frauenzimmer!' Ich kann diesen Konrektor nicht vergessen. Nicht deswegen, weil mir der Mann„Gutes' erwiesen hat. Auf dieses Gute, das dabei herausgekommen ilt, pleif« ich heute und denf«� daß es tausendmal besser gewesen wäre, ich wäre zu einem Schlosser in die Lehre gekommen. Nein, deswegen nicht: sondern deswegen,«eil dieser Mann ein ZEICHNUNGEN VON PAUL THESING Copyright W2J by„Der Bücherkreis GL rn. b. H.* Berlin SW 67. Musterbeispiel dafür ist, wie in unserer Gesellschaft natürlich« Liebe und Güte zu lächerlichen Mißgeburten verunstaltet werden: wie gütige Menschen ständig auf der Flucht sind vor der eigenen An- ständigkeit. So springen Tau sende jahraus, jahrein in das tote Meer der Einsamkeit. Einsamkeit aber ist schlimmer als Tod. Menschen in die Einsamkeit treiben, ist das schlimmste Derbrechen, das begangen werden kann. Kinder. Glaube nur niemand, daß es auf dem Lande und in den Klein- städten besser um die sexuelle Ausklärung steht als abseits der„natür- lichen" Verhältnisse.— Wir sahen dos Paaren der Tiere, den treten- — Verschreiben lastete mich ein furchtbares Donnerweiter. den Hahn, die rauschend« Sau: wir führten beim Großvater die Kuh am Strick zum Bullen. Wir brachten die Kaninchen zum Bock und warteten fünf Wochen aus die Jungen. Aber gesprochen wurde mit uns Kindern über diese Ding« nie mehr als dos Notwendigste, und wir brachten es in keinerlei Beziehung zu den Menschen. Natürlich taten wir, was all« Kinder unter solchen Umständen zu tun pflegen: Dir spielten Eltern und Kinder: kuschelten uns in Holzstöllen und dämmrigen Winkeln der Scheunen mit Wohlgefühl aneinander. Mit bösem Gewissen und gespielter Unbefangenheit kamen wir wieder heraus, um gleich danach wild durch die Gärten zu toben. Durchstöbere ich diese erst« Erlebnisse, so taucht das Bild eines jüdischen Jungen auf, der zwölf bis vierzehn Jahre gewesen sein muß und vier bis sechs Jahre älter war als wir. Dieser Vengel lebt in meiner Erinnerung als«in großer, fast erwachsener Mensch. Wir sitzen mit ihm im Holzstoll:«r auf dem Sägebock, wir oben auf den Kloben. Ein Türriegel ist so eingehakt, daß nur ein schmaler Spalt offen bleibt, durch den ein gelber Sonnenstreifen in den Stall fällt. Er erzählt von schwarzen, wilden Zigeunern und Zigeunerinnen, die sich aneinanderpressen: und in all diesen Geschichten kommt immer wieder das Wort„Schleim" vor: ein warmes, wollüstiges Etwas, vor dem man sich ekelt, ohne doch davonzulaufen. Mehr ist hiervon in meinem Gedächtnis nicht zurückgeblieben. Hinter den Mädchen liefen wir Jungen allesamt her. Jeder hatte eine„Braut", alle Jahre eine andere. Die Brautschaft ließ er sie daran suhlen, daß er ihr möglichst rücksichtslos mit Schneebällen zusetzte oder aus dem Eise in ihrer Nähe sich abmühte, in großen Bogen zu Holländern nud kunstoolle Achten zu laufen. Solche Dräut« hatte ich schon drei oder vier gehabt. Aber alles dies war nichts gegen die Verrücktheit, die mich im zehnten Lebensjahr plötzlich Überfiel. M't einigen Freunden tobte ich an einem Sonntagnachmittag auf unserem großen Liehmarkt umher, auf dem olljährlich zwei- oder dreimal für ein paar Wochen ein Karussell ausgestellt wurde, mit strahlend buntem Glosperlengehänge, mit weißen Pferden, hellgelben Löwen und schaukelnden Schlittensitzen. Dies Karussell wurde im oberen, durch eine Leinwand verdeckten Gestänge von Menschen- Händen um seine Mittelachse gedreht. Der Besitzer des Karussells war nämlich ein kleiner Kapitalist— was soll er aud) machen?— und ließ diese Arbeit von Kindern ausführen. Wer fünfmal gedreht hatte, fuhr einmal umsonst. Wir drängten uns noch dieser„Arbeil" und waren selig, beim sechsten Male dem gaffenden Publikum unsere Unerschrvckenheit und Kunstfertigkeit zu demonstrieren, indem wir mitten in der Fahrt auf- und absprangen oder von einem Tier auf das andere kletterten. Bei einer dieser Fahrten sah ich auf einmal— mitten im schnellen Kreisen— ein Paar große, dunkle, strahlende Augen auf mich gerichtet.— Sie lassen mich nicht los. Als die Fahrt zu Ende ist, springe ich in ihrer Nähe ob und sehe in ein schmales, gelbbraunes Gesicht mit tiesroten Lippen und bläulich glänzendem Dunkelhaar: ein« geschmeidige Gestalt in schottischfarbenem Röckchen. „Möchtest du auch mal fahren?" „Oh. ich mächt schon I' Die Augen funkelten. „Ich sag dir nachher." Weg war ich, und als ich fünfmal gedreht hatte, ritt sie statt meiner auf dem weißen Pferd mit dem goldenen Zaum.- Ich ließ alle Freunde im Stich und kam außer Atem zu Hause an. Sagte ober nichts, wenigstens den Eltern. Von den Schwestern erfuhr ich, daß„sie" ganz in der Näh« wohnt«: seit einem Monat schon bei ihrem Onkel erzogen wurde. Ihre Eltern sollten als Schau- spieler weit, weit weg im Rheinland umHerreisen. So hat sie angefangen, diese„Liebe auf den ersten Blick" und hat mich bis auf den heutigen Tag begleitet, wenn ich sie auch als etwas Fernes sehe, das nicht ich selbst erlebt Hobe, sondern ein Fremder.. Ich hob« nicht die Absicht, die Geschichte dieser Jugendliebe zu schreiben. Später einmal Hobe ich Stvrms Geschichte von„Pole Poppenspälcr" gelesen und fühlle mich von ihr angezogen. Aber ich muß schon sogen, daß sie mir blutleer und zahm vorkommt gegen- über dem Sturm, der in diesen Iahren über mich hinbrauste und mir den Atem nahm. Am Tag nach der Karussellfohrt kam die kleine Toni Kerstcn auf unseren Hof. Es war Vorfrühling. Die Lust schien ein sanftes, mattes Blau, und die Rinde der noch unbelaubten, dünneren Baum- zweige zeigte ihr wunderbares zart verschleiertes Lila. (Fortsetzung folgt.) Rätsel-Ecke des„Abend". Kreuzworträtsel. Die Worte bedeuten: Woaerecht: 2. Nachtvogel, Z. türkischer Vorname, 5. deutscher Märchcndichter, 7. persönliches Fürwort. 8. Knochen auf Laleinffch. 10. Stadt im bayerischen Wald. ll. nordischer Lorname, 12. Erdöl, 1l. Trockenfutter. 15. Tonort, 17. jagdbarer Vogel. Senkrecht.- 1. Oberhaupt der Mohammedaner. 3. Flächenmaß. 4 Präposition(Vorwort) mit verbundenem Artikel. 5. Kammlinie eines Berges, 6. Wellenbrecher, 7. ewiges Bündnis. 9. weibliches Schwein. 13. in« erste Kammer des englischen Parlament», 13. Hinweis, IS. ägyptischer Gott. Silbenrätsel. Aus d«n Silben: auf, auf. da», da«, der. du.«. föL Ha. Sei 4fi> k»Hck fm«*«<>1 2 fifoüfWj paarweise ...... zu bilden, der in von ersten drei Zeilen eine Frage und in der vierten Zell« ein« komisch« Antwort darauf enthält. Di« Anfangsbuchstaben der Worter sind in richtiger Reihenfolge: hdnihn— hadsf-�waehz- di d l i s w: alle vier Zeilen endigen auf n. Magisches Quadrat. A A A A B Die Buchstaben in nebenstehende? Figur sind B B V D D so zu ordnen, daß die«ntsprechenden wagrechtc' £ E t B t und senkrechten Reihen Wörter mit folgender 5 l. l. M ss Bedeutung ergeben: R R T T(J 1. Spanische Provinz. 2. Verstorbener Führer der Sozialdemokratie. 3. Deutscher Staatsmann. 4. Wissenschost- liche Bezeichnung der Haut. S. Teil der Kirche. Komponisten-Versetzrätsel. Die nachstehenden Komponisten sind so untereinander zu setzen, daß je zwei Buchstaben eines jeden Namens hintereinander gelesen einen Kompomsten mit einem seiner Werke nennen: D'Albert(Tiefland) Maillart(Das Glöckchen des Eremiten) Puccini(Tosea) Humperdink(Hansel und Grete!) Lortzmg(Undincl Goldmark(Das Heimchen am Herd)?l. M- Eharode. Do» der letzten tmisdjlungcn, Schwebt das vollendete Ganze . Zu den zwei erste»«mpor. Auflösung der Aufgaben nächsten Sonnabend. Auflösungen der Ztätsel aus voriger Rümmer. Kreuzworträtsel Melodischer Frühlings- grüß: Wagerecht: 1. Fink. 5. Star, 9. Elias. 10. Riesa, 11. Esau. 13. Octa, 14. Baron, 17. Rom, 18. Amsel, 20. Steak. 23. Ei, 2S. Bogel. 27. Schar._ Senkrecht: 1. Fee, 2. Ilse, 3. Rio. 4. Kaub. 5 Sion, 8. Tee. 7. Asta. 8. Raa, 12. Drossel. 15. Armut, ,16. Omega 19. Rio. 20. Siel. 21. Koch. 22. Ida. 23. Eva. 25. arm. — Amsel, Drossal, Fink und Star, und die ganze Dogelschar. Silbenrätsel: 1. Drillich. 2. Srato, 3. Lokomative, 4. vbhut, 5. Orleans, 6. Firlefanz, 7. Erika. 8. Emir. S. Ungarn, 10. Ein- machen. 11. Dresden, 12. Rezept. IS. Asegrim. 14, Heger«--, 15. Jlegann«.— Die alkoholfreie Jugenderziehung. Telegrammrätsel: 1. Schwerin. 2. Lschanti. Z. schm«. 4. Drescher. 5. Kalesche. 6. Pallasch. Geographisch«-- 1, Sagen, 2. Ehorlottenburg, 3. Ham» bürg. 4. Rathenow, 5. Erfurt, 6. Ilmenau. 7. Breslau, 8. Elberfeld, g. Rostock, 10. Heidelberg. 11. Altona. 12. Ute.— Echreiberhau, Lerwaudluog: Im Sorge. Die Sorge. Sing«. ~ Sportund Spiel~ го Fritze will Sportler werden! Frize ist nun aus der Schule heraus. Es ist klar, daß ein moderner Junge Sportler wird. Da tritt zum ersten Male der ganze „ Ernst des Lebens" an ihn heran, denn Sportler sein ist schon schwer, Sportler werden noch viel mehr! Wir haben wohl Be rufsberatungsstellen, wo das jungen Menschenfind nach mathematischen Berechnungen zu erfahren bekommt, welcher Beruf für ihn der einzig richtige ist, aber wir haben feine gleichartigen Sportberatungsstellen. Dabei gibt es heute bald mehr Sportarten als Berufe. Daraus ist zu ersehen, daß selbst in unserer angeblich modernen Zeit oft fehr wichtige Snftitutionen noch fehlen. Das Nonplusultra aller Sports ift Fußball. Gebt einem Säugling einen Ball. Wenn er nicht Hunger hat und daran tnappert, spielt er sicher Fußball. Und wenn das Baby gerade foufen fann, übt es fchon das Balldribbeln, ohne Trainer und Lehrbuch. Mit vier Jahren hat er schon das Rempeln und Würgen weg und verachtet die Flaschenfinder, die erst das ABC des Fußballs lernen. Wenn er in die Schule tommt, meiß er, was ein Goalkeeper ist, der das Heiligtum wie ein Gralshüter bewacht und Tränen vergießt, wenn er lints der ganzen Länge nach hinpurzelt, während rechts der Ball ins Tor faust. Nicht weniger interessant ist die Leichtathletik. Auch hier wird wie beim Fußball beinahe elles mit den Beinen gemacht, was den Kopf endlich zur Ruhe kommen läßt, der in der Schule so böse mit Formeln und brotlofer Kunst vollgestopft wurde. Leichtathletik ist schwerer zu erfernen als Fußball. Der Bubi hat mit einem Jahr bei den Laufübungen große Mühe, nicht weniger die Eltern, wenn sie das erste Training über wachen. Ist der erste Startversuch aber gelungen, dann entwickelt fich bald der Crad", der seine eigenen Bege geht ohne die Alten, der kleine Mann mit der„ Eigenpersönlichkeit". Es gibt nun Menschen mit langen und furzen Beinen, mit viel und wenig Muskeln, der eine hat eine Bärennatur mit Trägheit und Ausdauer, der anderen ähnelt dem Windhund und dem Blitz aus heiterem Himmel. Deshalb gibt es auch so viel Spezialitäten bei ber Leichtatheletit. Alle möchten sich von der„ Krampe" zur„ Kanone" entwickeln. Lightbody fing als Sprinter und Schnellhase über 100 Meter an und endete als schwerer Mann auf der langen Strecke. Die Riebigen pfeifen auf die ganze Rennerei und trainieren mit Distus, Rugel und Speer. Die ganz Riebigen greifen zur Schwerathletif. Ein anderer Sport find die Kopfsteher" oder Turner. Neben Kopfstehen wird neuerdings noch rhythmische Gymnastik" gemacht. Das letztere macht besonders den Mädels viel Spaß und den Müttern bis 50 Jahren“. " Ein ganz furioser Sport scheint der Schwimmsport zu sein. Meist sind die Schwimmer Wasserschmerathleten. Aber da fommt mun der Schwede Arne Borg als Paradorum, ein schmächtiges Kerlchen mit langen Armen, dürren Beinen und großen Händen, der alle die Strafstrozzenden in die Flucht schlägt. Selbst die Dottoren zerbrechen sich den Kopf. Schließlich wird er mit Röntgenstrahlen durchleuchtet, wobei sich herausstellt, daß infolge einer früheren Operation als Kind einige innere Organe verlagert und auf der rechten Bauchseite ein Hohlraum entstanden ist, der sich nun wie eine Art Schwimmblase auswirkt. Da waren alle baff! Und mit dem Weltmeisterschaftstraum war es aus. in Hannover fertigten sie 10: 0 ab, und am Dienstag mußte ich eine Berliner Auswahlmannschaft, in der fünf bis sechs Olympiafandidaten mitwirften, 6: 1 schlagen lassen. Der große Erfolg der Indier liegt besonders, neben einer großen Schnelligkeit, in einem ausgeprägt guten Stellungsspiel, in einer faum zu überbietenden Stocksicherheit und Fertigkeit, welches Ergebnis zu verstehen ist, wenn man hört, daß die Mannschaft vornehmlich aus Studenten zusammengesezt ist und sich allwöchentlich durch drei Weitspiele zu dieser Form hochtrainiert hat. Insbesondere Der Kleine Mittelstürmer ist ein Hockey- Artist. Es waren etwa 4000 bis 5000 Zuschauer da, die unverständlicherweise jede planmäßig geglückte Aktion der Berliner Mannschaft mit lautem Geschrei belohnte. Die Berliner famen gar nicht aus sich heraus, verteidigten fehr start, zeigten ein Spiel auf Warten, anstatt ein frisches A: griffsspiel aufzubauen. Erst im letzten Drittel hatten sie mehr vom Spiel und bewiesen, daß sie durch Stoppen des Balles mit dem Schläger, gegenüber dem Handstoppen der Indier, durchaus im Borteil waren. Die nächsten Pferderennen. Mittelpunkt eines interessanten Programms ist am Donnerstag in Karlshorst das Drcadian- Jagdrennen. Diese Steeple- Chase führt über den eigenartigen, schwierigen Kurs, der dem Rennen den Namen gegeben hat und dürfte wieder einen interessanten Berlauf nehmen. Für die 12 000 Mart geht allerdings nur ein fleines Feld an den 4000- Meter- Start, dafür aber so erprobte Rönner wie Mainberg, Fateider, Niederwald, Kritischer Tag, Lavaletta und CarlFerdinand. Voraussagen: 1. Rückgrat- Lucrezia; 2. Stromer Myron; 3. Flämin- Lounus; 4. Mainberg Carl- Ferdinand; 5. Brandmeister Boros; 6. Opar Lobredner; 7. Hans Thoma Marcion. Nachdem Frize das alles studiert und gewissenhaft durchdacht Schon während der nächsten Veranstaltungen rollen in Ruh= hatte, tam er zu dem Resultat, daß es eigentlich piepmämichoß sei, eben die größten Ereigniffe des Berliner Traberturfs ab. Den welche Sportari man betreibt. Selbstverständlich muß man die große Auftakt bildet am 20. Mai das Bruno- Cassirer- Rennen, eine Prüfung Mode mitmachen und sportein. Aber mit dem Kanone werden ist der älteren Inländer über die lange Distanz von 3600 Meter, der es wie mit dem großen Los, die meisten ziehen Mieten und bleiben- Pfingstfonntag( 27. Mai) bringt die Austragung des TraberKrampen. Deshalb ging er zu seinen Arbeitsbrüdern, mit denen er Derbys. Im Monat Juni feiert der Berliner Trabersport das schon tagsüber Freund und Leid teilt, in den Arbeitersport. Jubiläum eines 50jährigen Bestehens, das mit der internatioverein. Und er sagt: Wir Arbeiter brauchen feine Sportberatungs. nalen Rublebener Woche vom 17. bis 24. Suni zufammenstelle, um die richtige Sportart festzustellen. Der Sport ist nur fällt. Ein Jubiläumsrennen am 17. Juni, die Berolina, und am Mittel zum 3wed, zur Gesundung und Stärtung 24. Juni der Große Preis von Ruhleben mit erstklassiger internatio für die Kämpfe des Proletariats! Jungen und Mädel naler Beteiligung bilden die Hauptergeigniffe und die sportlichen üben hier am gemeinsamen Ziel und begrüßen euch alle: Frei Heil! Höherpunkte biefer großen Ereignisse im Trabersport Deutschlands. F. St. Die KPD. auf dem Dummenfang. Farben bes jungen Deutſchen Auto- Club" zu zeigen. An einem merden bas neuzeitliche Turnen zeigen. Turniptele, gymnaftiche Die Arbeitersportvereine werden von der Kommunistischen Partei als Refrutenschule angesehen. Sie hat für die Parteiarbeit im Arbeitersport gleich zwei Sefretäre angestellt, bie jeßt, offenbar um ihre Notwendigkeit zu beweisen, zum Freitag eine Versammlung der Arbeitersportler einberufen. Reichs- und Landtagsabgeordnete, Stadt und Bezirtsverordnete fjollen dort den Arbeitersportlern erzählen, welche wunderbaren Anträge die Rommumisten in den Bar lamenten stellten, wie sie sich um die Beschaffung der Mittel feinerlei Gedanken machten und wie die bösen Sozialdemokraten die Arbeiter Sportler verrieten. Es ist nicht daran zu zweifeln, daß die jugendlichen Sportler den Bersammlungsfaat füllen merden. Gehorsam haben einzelne Bezirkslartelle eine geschlossene Beteiligung von den ihnen angeschlossenen Bereinen verlangt. Trotz des scharfen Brotestes der fozialdemokratischen Sportler wurde beispielsweise im Bezirksfartell Kreuzberg befchloffen, eine Rote- Fronttämpfer- Rapelle in Uniform an einem Demonstrationszuge teilnehmen zu lassen. Die sozial. bemotratischen Arbeitersportler haben deshalb eine Beteiligung abgelehnt, weil sie es nicht verantmorten fönnen, den Kommunisten hinter Sowjetfahnen und Front fämpfer- Kapellen zu folgen. Es ist selbstverständlich, daß alle Berliner Arbeitersportler, die dem Borstand des Arbeiter- Turn- und Sportbundes und nicht den Barolenschmieden in der Kommunistischen Partei zu folgen gemillt sind, den Kommunisten die Gefolgschaft versagen werden. Der Arbeitersport marschiert. Er wird allerdings nicht in der KPD. aufgehen, sondern er marschiert auf dem Wege zur reinlichen Scheidung! Städtekampf Berlin- Stettin. DOV S Der C. 2urich ruft die Anhänger des Bogsportes zum Freitag, dem 11. Mai, 20 Uhr, nach den Andreas Fest= jälen, um zum Saisonschluß nochmals mit einem großen Kampfabend aufzuwarten. Lurich hat für diesen Tag hervorragende Gegner nach hier verpflichtet. In einem Städtetampf treffen sich der junge, in letzter Zeit mächtig nach vorn gekommene„ Stettiner Bogflub 27" und Sportflub Burich 02." Außerdem finden einige Herausforderungstämpfe statt. Es tämpfen vom Bantam gewicht aufwärts: Rohde( Nordoft) gegen Konieczny 11, Walter ( Nardoft) gegen Konieczny I, Mafiolla( Siegfried) gegen Hedrich, Müller( Nordost) gegen Frant und Schneider( Eiche Hamburg) gegen Radtfe I. Ruderer und Kanufahrer. Achtung, Brandenburgfahrer! Treffpuntt Sonntag, 13. mai, 6,30 Uhr, Botsdamer Bahnhof. Sonntagsrüdfahrkarte 2,60 m. besorgt jeder selbst. Vereinsfahnen und Transparente mitbringen. DAC. Motorbootabteilung. Erste Ausfahrt. Bei herrlichem Frühlingswetter veranstaltete der Deutsche Auto- Club" am vergangenen Sonntag die erste offizielle Anfahrt feiner Motorboot Abteilung Gruppe Havel. Am Leuchtturm Bogfelde sammelten sich vormittags zehn Boote der Klubmitglieber, eine Zahl, die sich später durch Nachzügler auf vierzehn erhöhte, mit dem schwarz- rot- gold- rot- schwarzen Stander des Deutschen Auto- Club" und am hed mit der Reichsflagge Bersehen. Die Fahrt ging in Riellinie die Havel entlang in Richtung Botsdam. Die bekanntesten Ausflugsorte wie Gatow, Cladom, Moorlate, Satrom wurden passiert; besonders in der Gatrower Enge erregte das Gefchwaber lebhaftes Interesse ber hier versammelten Motorsportler und Sonntagsgäste. Um 12 Uhr trafen die Boote m Schweizerhaus" in Neblis ein. Bon der Straftwagenabteilung des Deutschen Auto- Club" waren zur Begrüßung 30 Autos erschienen; die Klubmitglieder feierten an gemeinsamer Tafel die mohl gelungene Anfahrt. Beider versagten die schwierigen Schleufenverhältnisse Groß- Berlins der Gruppe Dberspree die Teilnahme an dieser Fahrt. Die Boote diefer Gruppe unternahmen in ungefähr gleicher Starte eine Propagandofahrt auf der Oberfpree, um auch hier die der nächsten Sonntage wird die Gruppe Oberspree auch auf diesen Gemäffern eine besondere offizielle Anfahrt veranstalten. Bon der Breslauer Ortsgruppe des D. A. C. ging ein Begrüßungstelegramm ein. Diese Drisgruppe hatte auch am Sonntag ihre erste offizielle Anfahrt mit mehr als 32 Wagen in das schlesische Gebirge unternommen. Bu Lande und auf dem Wasser, in Berlin und in anderen deutschen Städten eilt der, Deutsche Auto- Club" von Erfolg zu Erfolg; es vergeht fein Sonntag, der nicht durch irgendeine größere Ber= anstaltung die großartige Entwicklung dieses jungen Klubs und da mit die Berechtigung und Notwendigkeit seiner Gründung zeigt. Hockey Indien- Berlin. Berlin 6: 1 geschlagen. Die Einweihung des neuen Sportplates im Humboldthain findet Sonnabend, 12. Mai, 17% Uhr, statt. Schülervorführungen Borführungen, Bottstänze usw., auch Wettkämpfe werden das Programm bilden. Die Veranstaltung ist für jederman zugänglich. Eintrittspreise werden nicht erhoben. Vereinskalender. Krbeiter Turn. und Sportverein Bantam e. B.. Sonnabend, 12. Mai, 18 Uhr, Stafettenläufe der Jugend durch Vantom, anschließend Fadefzug. Sonntag, 13. Rai, Antarnen Sportplag Heinersdorf( Straßenbahnlinie 24). Vormittags Cinsel und Mehrtämpfe, nadmittags Gtafeiten und Spiele.. Mittmed), 16. Dai, 2chrichule für Leichtathleten, abends Sportplas Heiners corf( Laufübungen). Die neugegründete Sanderabteilung für ältere Frauen, die unter Leitung älterer, erfahrener Sportlerinnen steht, turnt jeden Donners tag 20-22 1hr Turnhalle Pantow, Görschstraße. Frauen, die Jutereffe fir Leibesübungen haben, sind herzlich willkommen. Schwimmfleb Vorwärts E. B. Das Freibad Oberschöneweide wird Conntag, 13. Mai, eröffnet. Freie Turnerschaft Charlottenburg. Mittwoch 17 Uhr Turnspiele Sportplay Westend. Abt. Tennis Mittwoch Bereinsspiele Sportplah Bestend, ait der Jugendherberge. Mot. Jugend Mittwoch 20 Uhr Vortrag: Proletarisches Wandern", Jugendheim Spreestraße. in Sauptverein Sonntag Anturnen AABD., 4. Kreis, Ringer- und Seberfparte. Die für Freitag, 11. Mai, beim Sporitlub Libertas angefegte Kreisübungsftunde für die Ringerfreiübungen fällt wegen anderweitiger Beranstaltungen aus. Sie findet am 22. Mai in der Turnhalle Charlottenburg, Spreestr. 29, statt. Jeder Berein ist verDie indische Ländermannschaft, die bereits jetzt zu den Olympischen Spielen nach Europa gekommen ist, befindet sich augenblic- Spandau; Treffpunkt 13 Uhr Luiſenpfab. lich auf einer Tournee. Bisher so gut wie nicht bekannt, mar man allgemein überrascht, ein so hoch stehendes Spiel zu sehen. Eine zur Sonderklasse im Deutschen Hockey- Bund gehörende Mannschaft Spandau; Treffpunkt 18½ Uhr Luifenplay. Die Arbeiter- Spielbewegung. Bar 1927 in der Arbeiterspielbewegung noch ein Jahr der Entwidlung, sa fonnte 1928 das größte Schwergewicht auf den organisatorischen und technischen Ausbau gelegt werden. Die größte und schnellste Entwicklung hat dabei das Handballspiel genommen. Leider haben dadurch die anderen Spiele, mic Raffund Schlagball verloren, es wird daher Aufgabe der Kreisleitung fein, für technische Bervollkommnung dieser Spiele wieder mehr Gorge zu tragen. Beim Handballspiel zeigen die Gesellschaftsspiele die größere Beteiligung. 3u begrüßen ist hierbei auch die Teilnahme der Ruder, Schwimm- und Schwerathletitvereine. Beteiligten sich im Frühjahr nur 4 Mannschaften, jo fonnte man am Schluß des Jahres feststellen, daß 16 Mannschaften Handball als Ergänzungs sport trieben. Das schöne und gebantenreiche Schlagball. spiel wird leider nur von einigen menigen Anhängern betrieben. Das gleiche fann man auch vom Raffballspiel sagen. Das Faustballspiel wird meist nur von den älteren Sportlern ge spielt. Trogdem hat sich das Spiel behauptet, da es nicht so großze Blagverhältnisse erfordert. Aehnlich geht es dem Trommelballipief unferer Turnerinnen Hoden hat sich im Berhältnis zu den anderen Spielarten nicht so recht entwickelt, aber trotzdem ist immerhin ein guter Fort schritt zu verzeichnen. Bielleicht sind für manche die Anschaffungs fosten zu hoch. Der weiße Sport, das Tennisspiel, bat fich in dem einen Jahr ebenfalls recht schnell entwickelt. Am Jahresanfang waren es nur 4 Abteilungen und jegt bestehen schon 20 Aba teilungen, die das schöne, ehemals jo feudale Spiel pflegen. Insgesamt trugen 644 Mannschaften 2889 Spiele aus. Der Tote in der Feldscheune. Aufdeckung eines Raubmordes in Zehdenick. Einen schaurigen Fund machten am Montag Feldarbeiter in der Umgebung von Zehdenid. Als sie eine Feldscheune für die Aufnahme der neuen Heuernte herrichteten, fanden fie in dem Schober die Leiche eines unbekannten Mannes, der schon lange dort gelegen haben muß. Dem Manne ist der Schädel eingeschlagen, wahrscheinlich mit einem Knüppel, der noch neben der Leiche lag. Ein Anhalt zur Festftellung der Persönlichkeit war nicht vorhanden. Der Zole mag etwa 30 Jahre alt gewesen sein. Bermutlich handelt es sich um einen Arbeiter, vielleicht von einer der Ziegeleien in jener Gegend, der mit seinen Ersparnissen hat weiterwandern wollen und dabei Räubern in die Hände gefallen ist, die ihn niederschlugen, austaubten und die Leiche im Heu versteckten. zur Aufklärung des Verbrechens sind von den zuständigen Behörden alle Maßnahmen getroffen worden. Von der Landestriminalpolizeiffelle Berlin begibt sich auf Veranlaffung der Staatsanwaltschaft Prenzlau Kriminalfommissar Dr. Berndorff an Ort und Stelle. Das Ende einer Friedensstätte. Am ,, Graben" in Brag steht das alte Sotel Blauer Stern. In diesem Gebäude wurde im Jahre 1866 der Friede zwischen Desterreich und Preußen abgeschlossen. Jetzt hat die 3ivnostenska Banka in Prag das Gebäude erworben, läßt es ab reißen und wird dortselbst ein Bankpalais aufführen. Stätten, die dem Frieden und der Berständigung gedient haben, follten der Nachwelt ebenso gut erhalten bleiben, wie die Geburts häuser von Dichtern und Staatsmännern. Geschäfts- Anzeiger Bezirk Süden- Weften. Volksfürsorge Gewerkschaftlich- Genossenschaftl. Versicherungs- Aktiengesek..haft Die Versicherung aller Arbeiter und Angestellten [ 8 Auskunft erteilen alle Vertrauensleute, sowie die Rechnungsstelle Berlin S 42, Ritterstraße 126, 1. Kassenstunden täglich von 8-1, Dienstags von 8-6,30 Uhr. Paul Schattschneider Zossener Str. 6a und Berlin SW, Lindenstraße 97/93 Breitestr. 60 Spandau, Schönwalder Str. 29 and Pichelsdorfer Str. 99 Allen Organisationen empfiehlt sich MAURER& DIMMICK BUCHDRUCKEREI BERLIN SO 16, KOPENICKER STRASSE 36/38 Www Berliner Ratskeller Bierabteilung Königstr. 15-18 Weinabteilung Künstlerkonzert Vorzügliche Küche Heinrich Falkenberg 66 E.G. Dachdeckerei Scholten& Co.[ G. F. 109 Schöneberg Tel. Stephan 8634 Potsdam Tel. Potsdam 1741-42 Neetzelli MilchSchokolade Anerkannt vorzügliche Qualität Genossenschafts- Tischlerei..Ideal Schwartz& Co. Gischlerei für Möbel, Bau u. 3nnenausbau m. b.H. 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