Morgenausgabe Nr. 219 A 111 45.Jahrgang Böchentlich 85 Bfg., monatlich 3,60 M. im voraus zahlbar, Postbezug 4,32 m. einschl. Bestellgeld, Auslandsabonnement 6,- pro Monat. * Der„ Borwärts" erscheint wochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Der Abend", Illuftrierte Beilagen Volk und Zeit" und Kinderfreund". Ferner Unterhaltung und Wissen", Frauen ftimme", Technit", Blid in die Bücherwelt" und Jugend- Borwärts". " Vorwärts Beeliner Boltsblatt Donnerstag 10. Mai 1928 Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Die einfpaltige Nonpareillezeile 80 Pfennig. Reflamezeile 5.- Reichsmart. Kleine Anzeigen" das fettge orudte Wort 25 Pfennig( zulässig zwei fettgebruckte Borte), jebes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Bort 10 Pfennig. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmartt Beile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Linden Straße 3, wochentagl. von 8 bis 17 Uhr. Bentralorgan der Gozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SM 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297. Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts- Verlag G. m. b.H. Boftschedkonto: Berlin 37 536. Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten Wallstr. 65. Diskonto- Gesellschaft, Depositentasse Lindenstr. 3 Terror und Stimmenfauf! Die Pläne der deutschnationalen Großagrarier.- Ein geheimes deutschnationales Rundschreiben aus Schlesien. Die Deutschnationalen führen den Wahlkampf mit allen| schon bei Gütern von etwa 500 Morgen. Es ist ein auf die Dauer Mitteln. Mit Zuckerbrot und Peitsche, durch gutes Zureden unerträglicher Zustand, wenn große Güter zu wahren Rift bei Kaffee und Kuchen und durch rücksichtslosen Terror. Das höhlen der Sozialdemokratie werden, ohne daß etwas folgende Rundschreiben, das die deutsch nationale Mennenswertes dagegen geschieht. Gerade der größere Befizer Parteileitung an ihre Vertrauensleute im Kreise muß bedenken, daß seine Macht nur in der Gefolgschaft der Leute Nimptsch in Schlesien verschickt hat, zeigt, wie diese feines Befizes bei dem neuen Wahlsystem beruht. Aufwendungen ,, Volksbeglücker" arbeiten: an Geld für die Arbeiter, aber auch Drohungen mit Abzug außer tariflicher Bezüge müssen in Erwägung gezogen werden. Geheim! Nach Lesen vernichten! ,, Die Sozialdemokratische Partei setzt alles in Bewegung, um fich einen großen Parteizuzug für die Wahl zu sichern. Es heißt diesmal der Sache nicht gleichgültig gegenüberzustehen, die Deutsch. nationale Boltspartei im Kreise darf sich nicht blamieren. Zunächst müßte der Ortsgruppenvorsitzende dafür sorgen, daß, wenn ein Saal im Ort ist, dieser für einen deutschnationalen Familienabend am Sonntag, dem 13. Mai, bestellt wird. Zu dem Familienabend müßte eingeladen werden. Reine öffentliche Bersamm. 1ung. Sollten Sie glauben, daß in der Gemeinde besonders geeignete Leute für eine Wahlparole vorhanden sind, so würden Sie sich am besten mit diesen in Verbindung setzen. Die Wahllisten sind sofort nachzusehen, ob auch die, welche 21 Jahre geworden sind, zur Eintragung gelangten. Als bestes Werbematerial dürfte die Zeitung„ Landvolk" anzusehen sein, melche furz vor der Wahl noch besondere Artikel für die Arbeiter bringen wird. Es ist Ehrensache, daß jeder größere Besitzer dafür sorgt, daß seine Arbeiter deutschnational wählen. Es steht so viel auf dem Spiele, daß ein paar Mart nicht gescheut werden dürfen. Diesmal geht es um die Existenz der Betriebe. Bird den Arbeitern die Zeitung Landvolt" gehalten, so ist dabei so zu verfahren, daß man dem Briefträger einen Bettel mit den Namen der Arbeiter mitgibt und gleichzeitig den Abonnementspreis bezahlt. Notwendig ist es, daß der Arbeiter die Zeitung durch die Bost erhält. Für noch nicht 10 m. fann jeder ben Arbeitern schon 5 Zeitungen halten, das genügt Jeder Familie einen Taler zugesagt, wenn die Wahl gut ausfällt, wirkt Wunder. Man sel hier nicht fleinlich. Reichstagswahl ist nicht jedes Jahr. Umgehende Bestellung der Zeitung auf ein Bierteljahr für 1,85 m., wenn nötig. Besonders wichtig wäre es, die Zeitung auch für nicht ganz unzuverlässige Gelegenheitsarbeiter, die nie in der Gemeinde wohnen, zu abonnieren. Am Bahltage selbst ist ein schon jetzt durchzudentender Schlepperdienst zu organifieren. Das letzte erwachsene Familienmitglied ist heranzuholen. Für das Wahllokal ist jemand zu bestimmen, der tontrol liert, mer noch nicht gewählt hat. Dieser Runddrud geht allen größeren Befizern zu." Mehr Macht- wem? Dem Reichspräsidenten? Deutschnationale Blafate mit dem Bilde Hinden. burgs fordern mehr Macht für den Reichspräsidenten. In Zeitungsartiteln und Wahlreden wird diese Forderung dahin erläutert, daß vor allem der Artikel 54 der Reichsverfassung fallen müsse. Nach Artikel 53 ernennt der Reichspräsident den Reichsfangler und auf dessen Vorschlag die Reichsminister. Nach Artikel 54 muß aber der Reichskanzler und jeder einzelne Reichsminister zurücktreten, wenn ihm der Reichstag durch ausdrücklichen Beschluß sein Vertrauen entzieht. Irgendeine praktische Aussicht, daß diese Artikel der Reichsverfassung infolge des Ausfalls der kommenden Wahlen geändert werden könnten, besteht nicht. Zur Menderung der Verfassung ist eine Zweidrittelmehrheit notwendig. Daß die für die deutschnationale Forderung nicht zu finden sein wird, versteht sich von selbst. Wer deutschnational wählt, wird also damit nicht erreichen, daß der Reichspräsident mehr Macht bekommt. Und das ist gut so. Die Machtfülle des Reichspräsidenten ist schon heute sehr groß. Der Reichspräsident hat weitgehende Befugnisse auf dem Gebiete des Artikels 48 der Reichsverfassung, Befugnisse, die einer genaueren gesetzlichen Umschreibung dringend bedürfen. Bei der Entscheidung aller Konflikte, bei der Lösung aller Krisen ist seine Stimme von höchstem Gewicht. Man braucht nur an das Eingreifen des Reichspräsidenten bei der letzten Krise erinnern, das trotz des inneren Zerfalls der Regierungstoalition die Berabschiedung des fog. Notprogrammes" zur Folge hatte. Dann hat der Reichspräsident von einer weiteren Machtentgegen den befugnis Gebrauch gemacht, indem er Wünschen der Deutschnationalen die Auflösung des Reichstags verfügte. das stärkste Druckmittel, über das der Reichspräsident verDas Recht zur Auflösung des Reichstags ist überhaupt fügt. Er fann ja z. B. den Reichstag auflösen, wenn dieser einer von ihm ernannten Regierung das Bertrauen verReine öffentliche Versammlung! In einer öffentlichen Versammlung fönnte sich ein Gegner zum Wort melden, der das politische Treiben der Deutschnationalen vor den Landarbeitern und Bauern ins rechte Licht rückte. Das darf nicht sein. Deutschnationale Politik wird auf Familienabenden gemacht. Dort sollen die Wähler eingeseift werden. Wo das nicht gelingt, da werden andere Register gezogen. Da wird der außertarifliche Verweigert. Zwischen dem Reichspräsidenten und der Mehrheit dienst in Abzug gebracht. Fällt die Wahl gut aus, dann und nur dann gibt's einen Taler für alle, die dabei geholfen haben. Organisierter Terror und Stimmentauf das find die Waffen der deutschnationalen Großagrarier! Ganz nach dem Muster der alten Konservativen. Die Wahl ist geheim! Der sozialdemokratische Stimmzettel ist die richtige Antwort. Wählt Lifte 1! Nationale Wahlspekulation. Thin Biel ist ja nicht mehr an ihm dran, aber er hat noch eine Stimme, die fann er für den nächsten Krieg abgeben..." des Parlaments entscheidet dann das Bolk. Der Reichspräsident fann aber auch in anderen Fällen das Bolt anrufen, z. B. wenn wenn ihm ein vom Reichstag beschlossenes Gesetz nicht gefällt. Der vom Bolte gewählte Reichspräsident ist also ein absoluter Herrscher, und eben das wollen die fehr mächtiger Mann. Er ist nur eines nicht: ein Deutschnationalen und andere rechtsstehende Politiker aus ihm machen. Sie berufen sich dabei zu Unrecht auf das Vorbild der Vereinigten Staaten von Amerika, wo der gewählte Präsident der Republik zugleich Regierungschef ist und nach freier Entscheidung seine nächsten Mitarbeiter, die Staatsjetretäre, ernennt. In den Bereinigten Staaten wird der Bräsident nur auf vier Jahre gewählt, nicht wie bei uns auf fieben. Er ist außerdem immer einer der Führer der beiden großen Parteien des Landes. Will er nicht seine Bartei ins Unglüd reiten, so muß er bei allen seinen Amtshandlungen an die nächsten Wahlen denken. Er steht also ganz anders unter demokratischer Kontrolle als ein auf fieben Jahre gewählter ,, über den Parteien stehender" deut scher Reichspräsident. Der Absolutismus des Reichspräsidenten ist aber auch eine utopische, gar nicht erfüllbare Forderung. Der Fall des Artikel 54 würde an den Zuständen in Deutschland sehr wenig ändern, denn es ist ganz falsch, zu glauben, daß die vielen Regierungstrifen, die mir erlebt haben, auf ihn zurückzuführen sind. In den seltensten Fällen ist bei uns eine Regierung zurückgetreten, weil ihr der Reichstag ausdrücklich das Vertrauen entzog. Der Rücktritt erfolgte meist, weil die Regierung vor ausweglosen außen- oder innenpolitischen Situationen stand oder weil die Minister nicht mehr miteinander zusammenarbeiten fonnten. Die Stürme der Nachkriegszeit und die Vielgestaltigkeit der deutschen Parteiverhältnisse tragen die Hauptschuld an den vielen Krisen. Daß übrigens ein fester Wille auch im Sturm stabile Regierungsverhältnisse schaffen fann, zeigt das Beispiel Preußens, Badens, Hessens und anderer Länder. Mit der Beruhigung, die in außenpolitischer Beziehung eingetreten ist, ist eine der wichtigsten Krisenquellen beseitigt. Was aber das deutsche Parteiwesen betrifft, so kann nur das Volk an ihm etwas ändern, indem es sich zwischen den beiden Hauptgegnern, Deutsch nationalen und Sozialdemokraten entscheidet, die anderen Parteien aber als überflüssig links liegen läßt. Von oben her kann nichts daran geändert werden, denn die Ausschaltung des Barteleinflusses bei der Regierungsbildung, die Rückkehr zu Beamtenregierungen ist eine innere Unmöglichkeit. Das System der Beamtenregierung hat im Krieg endgültig Fiasko gemacht. Es hat sich gezeigt, daß dieses System nicht die Begabungen an die Spize bringt, die ein Volf in schwerer Zeit braucht. Zudem wird sich ein Par lament, das bereits Macht gewonnen hat, ohne Anwendung von Gewalt, durch bloße Verfassungsänderung nicht ent» machten lassen. Jedes Parlament hat soviel Macht, wie es haben will. Auch ohne Artikel 54 kann der Reichstag einer Regierung, die ihm nicht gefällt, soviel Schwierigkeiten in den Weg legen, daß sie abtreten muß. Der Reichspräsident steht dann vor der Wahl, entweder zum Staatsstreich zu greifen oder eine Regierung zu ernennen, mit der der Reichs» tag zu arbeiten bereit ist. Auch der Reichstag der alten Zeit hätte dem Kaiser gegenüber diese Macht ausüben können, wenn er nur gewollt hätte. Aber weil die bürgerliche Mitte in Anbetung der gekrönten Autorität erstarrt war, ließ die deutsche Bolks» Vertretung alles über sich ergehen, bis die Katastrophe da war. Solche Spuren schrecken. Der Absolutismus eines vom Volke gewählten Reichs- Präsidenten, ausgeübt durch eine Beamtenregierung, ist ein Widerspruch in sich. Ein vernünftiger Reichs- Präsident und vernünftige Beamte werden sich auf ein solches Experiment gar nicht einlassen. „Das Deutsche Reich ist eine Republik. Die Staats» gewalt geht vom Volte aus." Dieser Grundsatz läßt sich nur durch das parlamentarische System verwirk- lichen, nicht aber durch die Wahl eines Reichspräsidenten, dem man das Recht gibt, sieben Jahre lang nach Belieben auch gegen den Willen des Volkes zu regterm. Für die Deutschnationalen ist ja auch der gewählte Reichspräsident nichts anderes als der Platzhalter für«inen glücklichen Erben. Der soll dann aus seinem Recht„von Gottesgnaden" regieren können, ohne sich um den Willen des Volkes zu kümmern.( j Die deutschnationale Forderung ist et« Anschlag auf die demokratische Republik. Wir stellen dagegen die For» derung: Mehr Macht dem Volte! was ins Praktische übersetzt heißt: Mehr Macht der Partei, die dem Volke alle seine politischen Rechte er- kämpft hat. Mehr Macht der Partei, die in der Kaiser- zeit für das parlamentarische System, für das gleiche Wahl- recht aller gekämpft hat, die aus den Trümmern der deutschen Throne die Republik gezimmert und der Mehrheit der jetzt vollberechtigten Staatsbürger, nämlich den Frauen, das Wahlrecht gegeben hat! Mehr Macht der Sozialdemokratie! Siresemann S0 Jahre alt. Der Reichsaußenminister und Führer der Dolksoartei, Dr. Gustav Stresemann, begeht heute seinen 60. Ge- burtstag. Sohn einer Berliner Kleinbürgerfamilie hatte er erst für Achtundvierziger Ideale geschwärmt, war dann Nationalliberaler und Syndikus des sachsischen Industriellen- Verbandes geworden und wurde schon 1907 als Neunund- zwanzigjähriger in den Reichstag gewählt. Nach Basier- manns Tode wurde er, immer noch sehr jung, Führer der nationalliberalen Reichstagsfraktion, die an nationalistischer Kurzsichtigkeit mit den Konservativen wetteiferte. Er blieb nach dem Krieg und der Staatsumwälzung Führer der zur Deutschen Volkspartei umgewandelten nationalliberalen Partei, die unter den schwarzweißroten Fahnen verharrte, für ein Volkskaisertum schwärmte und die Verständigungs- Politik bekämpfte. Erst als der Ruhrkrieg zusammenbrach, erkannte Stresemann— seiner Partei voraneilend— die Richtigkeit der von der Sozialdemokratie befürworteten Außenpolllit. Er wurde Reichskanzler und blieb dann seit jetzt bald fünf Iahren deutscher Reichsaußenminister. Dem richtigen Erfassen des kritischen Augenblicks und der Energie, mit der er seitdem die Politik der Verständigung mit Frankreich betrieb, dankt er das große Ansehen, das er jetzt in der Well genießt Die Uebereinstimmung in einigen wichtigen Fragen der Außenpolitik ändert natürlich nichts daran, oaß Dr. Strese- mann unser politischer Gegner ist. Er steht an der Spitze der Partei, die Herr S t e g e r w a l d für die„real- tionärste von allen" erklärt hat und in der die großkapi- talistischen Einflüsse so stark sind, daß er selbst, ihr Vorsitzen- der. sich einmal in öffentlicher Rede darüber beklagte. Herr Stresemann ist aber auch— zum Unterschied von seinen meisten Parteigenosien— ein kluger polltischer Gegner und als solcher uns willkommen. Besaßen die anderen seine Gewandtheit, so könnte der gegenwärtige Wahlkampf auf einem höheren geistigen Niveau geführt werden. Da» Schlimmste in der Politik bleibt eben doch die Dummheit, und daß er die gegen sich hat. das ist die größte Ehre, die ihm zu seinem 90. Geburtstag widerfährt. Auf die Glück- wünsche, die ihm heute seine deutschnationalen Bürgerblockgenossen entgegenbringen werden, darf man einigermaßen gespannt sein. Oer Glückwunsch der preußischen Regierung. Ministerpräsident Genosse Dr. Braun hat an den Retchsoußen- nrmister Dr. Stresemann folgendes Glückwunschtelegramm ge- richtet: Zur Dollendung de» 6«. Lebensjahr« v-flbermttfl« ich Ihnen Zugleich im Namen des preußischen Swatsinimsteriums. herzlichste Glückwünsche. Möge es Ihnen vergönnt sein, noch viel« Jahr« in bester Gesundheit auf Ihrem verantwortungsvollen Posten zum Wohle unseres Vaterlandes zu wirken und Insbesondere Är« auf die Verständigung der Völker gerichtet« Friedens- Politik zu vollem Erfolg« zu führen. Zum Kall Zakubowski. Lakubowski kein Mörder?- Verhaftung dreier mutmaßlicher Täter. Neustrellh, S. Mai. Wie die„Landeszeitung für beide Mecklenburg" erfährt, sind der Leiter des Landeskriminalamts Neustrelitz. Regierungsrat Steiding, und der als wissenschaftlicher Berater herangezogene Kriminalpsychologe Dr. Hans von Hentig-Mienchen auf Grund ihrer Ermittlungen in der Sache Zakubowski zu folgendem Ergeb- ms gekommen: Di« neu festgestellten und sorgfältig durchgeprüften Tatsachen führen zu der Vermutung, daß der im Jahre 1925 wegen Mordes an seinem angeblichen Kind« verurteilt« und hingerichtete russische Kriegsgefangen« Zakubowski der Mörder nicht gewesen lein kann. Drei der vermutlichen Täter wurden oerhastet und dem Amtsgericht Schönberg zugeführt. Verantwortung! Proletarier, wie wählst Du? Proletarier machen 60 Proz. des deutschen Volkes aus. Wäre das Proletariat einig, so hätte seine Partei, die Sozialdemokratische Partei Deutschlands, bei den letzten Wahlen die absolute Mehrheit der Stimmen erhalten. De? polltischen und sozialen Reaktion, den monarchisti- schen Verschwörungen, dem Iustizstandal, dem Terror auf dem flachen Lande, den wucherischen Zöllen, der Alleinherrschaft der Großkapitalisten, kurz der Polllik des Besitzblocks wäre damll ein Ende gemacht! Der Besitzblock hat aber bei den Wahlen des Jahres in den Reihen des Proletariats selbst zahlreiche unbewußt« Helfer gefunden. Von der Gesamtheit der proletarisdien Wähler stimmten: Proletarier, dt« von ihrem Wahlrecht telnen Ge- brauch gemacht haben. Proletarier, die für die Nationalisten gestimmt haben. Proletarier, die khre Stimmen der Kirche abgegeben haben. Proletarier, die sich durch die kommunistische De- magogl« verführen ließen. st« find alle für die Herrschaft de» vesttzblock» über ihre Klasse verantwortlich. Durch ihre Stimmenthaltung oder durch fassche Ab- stimmung hat sich die proletarische Mehrheit in der Wähler- schast in die sozialistische Minderheit im Reichstag verwandelt. Arbeiter, Arbeiterinnen? Sorgt dafür, daß bei den kommenden Wahlen all« eure Klasiengenosien, alle Proletarier sozialdemokratisch wählen! Schlachigeschrei der großen(Schlange. Und die Antwort der Betrogenen. Herr Echlange-Schöningen, die deutschnational« Primadonna. reist im Lande umher und hält Wählerversammlungen. In Ham» bürg deklamierte er: „Unsere Gegner sind nicht die Kommunisten. Die Sozialdemokratie ist die größte revolutionäre Partei, gegen die die Rechte kämpfen muß." Bravo, Herr Schlange! In Magdeburg sang er als Heldentenor: „Wir stehen mitten in der Revolution, Revolu- tionen werden nicht durch Kompromisse beendet. Die« n d- gültige Entscheidung muß einmal ausgetragen werden. Wenn wir einmal aus den politischen Schützengräben treten, dann müssen wir den Willen und die Entschlossen- heit zur letzten Entscheidung haben." Aus zum letzten Gefecht. Herr Schlange! Leider steht die Zahl seiner Zuhörer im umgekehrten Verhältnis zum Pathos leiner Reden. In Magdeburg hörten sich 150 Zuhörer seinen Schlachtgesang an— und nicht einmal die wollten mit ihm aus dem Schützengraben steigen. Sie riefen:„Aufwertung! Aufwertung! Hundertprozentiges Aufwertung»- versprechen!" Anleih edikiaiur Köhler— Schacht. Wohnungsproleten dürfen zusehen, wie Lesuiteu Auslands, anleihen erhalten. Di« Berawngsstelle des nun bald verflossenen Herrn Reichs» finanzministers Dr. Köhler hat sich bewogen gefunden, den deutschen Stadien endlich eine Abschlagszahlung aui den von diesem onge- meldeten ausländischen Anleihebedars gnädigst zu bewilligen. Die Anleihediktatur Köhler— Schacht läßt dazu amtlich melden: „Die Beratungsstelle für Auslandskredite befürwortete in ihrer gestrigen Sitzung den Antrag des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, im Laufe der nächsten Zeit eine Sommel- an leih« deutscher Städte in Höhe von ungefähr 1 7 Ii M'l- klonen Dollar an den Auslandsmarkt zu brürgen Die Be- ratungsstelle wird dafür Serge tragen, daß alle die Städte, die im Rahmen der Anleihe der Girozentrale zu berücksichtigen sind, a n- teil mäßig nach Maßgabe der von der Beratungsstelle besür» warteten Beträge an dem Erlös der Anleihe teilnehmen. Ferner befürwortete die Beratungsstelle die alsbaldige Ausgabe von A n- leihen der Städte Berlin und Frankfurt a. M. Die Feststellung der endgültig den Städten im Rahmen der An- leihe der Girozentrale zufassenden Beträge und die endgültige Fl-st- stellung der aus Berlin und Frankfurt a. M entfallenden B e. träge ist noch vorbehalten. Für den Herbst(!) ist die Ausgab« eines zweiten Teils der Anleihe des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes und die Ausgabe eim.Z«r wenigen Einzelanlelhen großer deutscher Städte vorgesehen." Die Wissenschaft hat sich zu dieser verrückten Auslands- anleihepolitik des Köhler-Schocht-Kollegiums schon in so vernichtender Weise geäußert, daß wir die weitere Entwicklung nur noch der Der- änderung der deutschen Machtverhältnisse durch die bevorstehenden Wahlen überlassen können. Wie verrückt dieses System ist. das beweisen die jetzt schon in die Dutzende angewachsenen, ohne jegliche Kontrolle aufgelegten ausländischen Kirchenanleihen, deren letzte jetzt in Holland vom Jesuitenorden gezeichnet werden soll. Die Priester vom Heiligen Herzen Jesu in Düsseldorf können in Holland zum Kurse von 99 Proz. eine 7p"?' zentige Dbligotionsaitleih« über 900 000 Gulden auslegen lassen. Die deutschen Jesuiten haben es beim Reichsbankprästdenten und der Beratungsstelle des Herrn Reichssinanzministers Dr. Köhler doch leichter als die Millionen Wohnungsproleten, die in Deutschland vergeblich auf die Erleichterung der Wohnungsnot durch die Zulassung von ausländischen Wohnungsbauanleihen hosftn. Das landwirischast„feindliche" Preußen Notaktionen für Pommern- Hilfe für Anliegersiedier. Weil Preußen unter der sozialdemokratischen Fühning iu den letzten Iahren gut« Politik gemacht hat, muß die preußische Regie- rungspolitit für den Stimmenfang der Wähler von allen Rechts- blockparteien schlechtgemacht werden. Ganz besonders natürlich von den Deutschnationalen, die mit der Landwirtschafts„feindlichl«it" der preußischen Regierung nicht genug— allerdings vergeblich— krebsen können. Jetzt zeigt sich auch bei der Wetterschädenaktion für Borpommern, daß Preußenregierung und preußische Provin- zen, die zusammen mit dem Reich insgesamt 12 Millionen Mark für Notstandsdarlehen an vorpommersche, durch die letztjährigcn Uir- wetter geschädigte Landwirt« bewilligt haben, ihr« Anteile den Land- wirten voll ausgezahlt haben, daß aber das Reich, in dem der Landbundminister Dr. Schiel« für die Landwirte zu sorgen hat. diesen erst einen Teilbetroa hat auszahlen lassen. Dm pommerschen Pächtern wurden aus Staats- und Reichsmitteln 1,2 Millionen Mark verlorene Zuschüsse zur Zinsverbilligung zur Verfügung gestellt. Und jetzt wurde in Anwesenheit des von dcn Großagrariern so heftig befehdeten neuen Leiters der Preußenkosse. Dr. Klepper, vom Oberverteilungsausschuß der Provinz Pommern beschlossen. 30 Proz. ihrer Gesamtentschädigung als voll verlorene Zuschüsse zu gewähren, wodurch die Lage der Pächter er- heblich erleichtert wird. Das preußische Landwirtschaftsministerium hat ferner den Lein. deskulturbehörden neue Anweisungen zugehen lassen, die die be- sonders für die landwirtschaftlichen Handwerker wichtige AnNegersiedlung noch stärker fördern als bisher. Diesen Handwerkern soll, besonders wenn sie in der Landwirtschaft er- fahren«, arbeitsfähige Söhne haben, im Wege der Anliegersiedlung die Möglichkeit zur Vergrößerung des landwirtschaftlichen Betriebes bis zu einer selbständigen Ackernahrung gegeben werden. So sieht die landwirtschafts„feindliche" Politik der Preußenregierung in der Praxis aus, jener Preußenregierung, die der Land- Wirtschaft im Laufe der letzten Jahre erheblich größere Sum- m e n hat zukommen lassen, als Preußen aus der Landwirtschaft an Steuern herausholen konnte. Die Deutschnationalen können unbesorgt sein: der Dauermerit, was ihm die Preußen- regierung war, auch wenn die Itzenplitze und Zitzewttze noch so sehr schreien.._____ Oeuischnaiionale Kommunalpoliiik. Irreführende Behauptungen deutschnationoler Wahl« flugblätter. In einem ihrer neuesten Wahlflugblätter schreibt die Deutsch- nationale Dolkspartei in einer Polemik gegen die„sozialistische Re- gierung" in Preußen(in der bekanntlich zwei Sozialdemokraten neben sechs bürgerlichen Ministern sitzen) u. a.: .... sie(die preußisch« Regierung) hat sich neuerdings vor- genommen, die bewährte Selbstverwaltung m den Gemeinden in Scherben zu schlagen, Umgemeindungen usw. vorzunehmen, gegen die sich die Bevölkerung mit Recht wehrt." Hierzu bemerkt der Amtliche Preußisch« Pressedienst: Diese Vor» würfe sind in jeder Hinsicht grundlos und verraten auch eine merk- würdige Unkenntnis der talsächlichen Derhällniss«, Umgemeindungen werden nämlich nicht durch Verwaltungsakte der preußischen Regie- rung vorgenommen, sondern durch gesetzliche Maßnahmen, also durch Gesetze, die nur im Landtag und nur bei Zustimmung der Mehrheit der Volksvertreter ergehen können. Doppelt absurd ist es, in diesem Zusammenhang von der Selbstverwaltungsfeindschaft der preußischen Regierung zu sprechen, denn all« ihre Umgemcindungs- gesetze dienen ausgesprochen dem Zweck, an die Stelle von leistungs- chwachen Gemeinden größere, leistungsfähiger« und modern durch- organisierte Gebilde zu setzen und damit den Selbstvenvaltungs- g«danken zu stärken! Zlurupa, stellvertretender vorslhender des Rates der Volks- kommissare in der Sowjetunion, ist im Alter von 58 Iahren in Moskau gestorben. Er gehörte früher zu den engsten Freunden Trotzkys, sagte sich aber im vergangenen Jahr von ihm los. Die deutsche Regierung hat ihr Beileid auegesprochen. Sein Nach- folger ist vorläufig Ordshonokids«, Vorsitzender der Zen- traten Kontrollkommission der Bolschewistischen Partei. Aorihysche„Mildes Statt sieben„nur" vier Lahre Zuchthaus für Hatvany. Skandalöse staatsanwaltliche Beschimpfung Rothenaus. In der Berufung sverhandlimg gegen den ungarischen Pazifisten Baron Hatvany hat das Budapester Gericht das erstinstanz- liche Zuchthausurtcil von sieben auf vier Jahre und die Geldstrafe auf 2S(>(XX> Pengo«„ermäßigt", Dieses neue Urteil ist für Ungarn kein« geringere Schande als das ursprüngliche. Bier Jahr« Zuchthaus für einige republikanisch- pazifistische Artikel in einer Emigrantenzeitschrift— dieses Strafmaß ist eines zwilisierten Staates unwürdig. Aber ist Ungarn überhaupt ein zivilisierter Staat im eurcpäischen Sinne des Wortes? Eines ist sicher: auf die Sympathien der demokratischen Teile Europos wird ein solches Ungarn in seinem Kampfe gegen die schlimmsten Au»- wüchse des Trianon-Friedens nicht rechnen können. Die Unter- ftützung Rothermeres und Musscfinis wird Ungarn auch nichts nützen, solange die übrig« Well für das gegenwärtige ungarisch« Regime nur Verachtung und Haß empfindet. Derartige Schreckens- urteile der faschistischen Horthy-Justiz trogen lediglich dazu bei. die moralisch« Isolierung des ungarischen VoÖes zu oerewigen. In seinem Plädoyer hat der anllageführende Staatsanwalt die Tatsache, daß Hatvany sich in Deutschland an Harden und Rathenou um Rat gewandt hatte, als für den Angeklagten de- sonders b e l a st e n d hervorgehoben! Diese beiden Männer seien in Ungarn als.chestruktioe Subjekte" bekannt! Wir meinen, daß sich die Reichsregierung diese Flegelei de» Vudapester Slaalsanwalts gegen den als Minister de» Aeußeren er» mordeten Waller Rachenau nicht gefallen lassen darf. Wir erwarten daher, daß das Auswärtig« Amt unverzüglich in Budapest offiziell Protest einleg» und die formell« Desavouierungdes Schimpfbotdes durchsetzt. Daß die gegenwärtige Budapester Frankenfälscherregierung und ihr« ge- richtlichen Wertzeuge für alles Völkische schwärmt, ist zwar bekannt. aber ihre Sudeleien dürfen nicht ungerügt das Andenken eine» deut- schen Reichsministers beschmutzen. Sozialdemokratischer Protest im Abgeordnetenhaus Budapest. 9. Mai. Lei Verhandlung des Iustizbudgets im Abgeordnetenhause brachte Abg. Propper(Sozialdemokrat) den Hatvany- prozeß zur Sprache. Der Borsitzende mochte den Abgeordneten» daraus aufmerksam, daß ein rechtskräftiges Urteil noch nicht vorliege und daß ein noch nicht abgeschlosiener Prozeß nicht zum Gegenstand der Debatte gemacht werden dürfe. Propper kritisierte die Anklage- rede de» Oberstaatsanwalls Halafz. der sich nicht von der Ge- rechtlgkeit, sondern von politischen Gesichtspunkten habe leiten lasten. Besonders bemängell« er die Behauptung, daß R a t h e n a u ein extremradikaler Politiker gewesen sei. Bei diesen Worten ent- stand großer Lärm und es fielen Zwischenrufe für und wlder Rat Henau. Der Dorsttzend« ersuchte den Redner neuerdings, beim Iustizbudget keine auswärtigen Fragen vorzu- bringen.(!) Propper fuhr fort: Die Slaalsonwaltschafl soll sich nicht gegen den internationalen Anstand vergehen. Rathenau wurde 1922 ermordet, und er war Minister der deutschen Republik.—- Der Vorsitzende erteille Propper eine Rüg«, da er fortfuhr, außen- politische Fragen zu erörtern.(!) Propper erklärte, er nehme dt« Rüge zur Kenntnis, doch schadeten Aeußerungen. wie st« der Staatsanwall getan hob«, dem Land«. Saubere«.Kaisertreue�! Wien. S. Mal. wie die PoNzelkorrefpoudenz meldet, wurde heute ela von der Hauptleitung der kaisertreuen volksparlel naterzelch. ueles A l n g b l a t l verbreitet, in dem mitgeteilt wird, die talser- treue Volkspartei habe die augarische Gesandtschaft ersucht.(!) tm Falle der Illchtausliesernng Lela Khan» die diplomatischen Beziehungen abzubrechen und falls die» wirkungslos bleiben sollte, die Verweigerung der Auslieferung als as,u» ball! zu bekrachlen und den Einmarsch ungarischer Truppen nach Oesterreich zu veranlassen. Da» Flugblatt wurde von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt. Oberst a. v. Gustav Wolfs, der als für den Inhalt verantwortlich bezeichnet und noch als der Versaster de» Flugblattes festgestellt wurde, wurde auf Antrag des Gerichts o er h a f t e t und in das Landesgerichtsgefängnls ela- gelleferl._ Nach der Karlsburger Nauerntagung. »Nur eiae Episode im Kampfe" sagt der rumänische Ministerpräsident. Bukarest. S. Mai. Ministerpräsident Bintila Lratianu gab dem Vertreter der„Telegraphen-Union" folgende Erklärung über die inner» politische Lag« in Rumänien ab:„Ich bin sehr verwundert. olle die falschen Nachrichten zu lesen, die auch diesmal im Ausland über die Lage in Rumänien oerbreitet worden sind. Die Derfamm» lung von Karlsburg war nur eine Episode im Kampf, den die Nationale Bauernpartei gegen die Regierung führt. Don der Parlamcntsmehrheit und den verfaflungsmäßigen Stellen unter- stützt, wird die Regierung das Werk der politischen und finanziellen Fzstigung weiterführen, llebrigens dürfte jeder, der die wahre Lage Rumäniens kennt, nicht bestrellen können, daß allen Schwierig» kellen zum Trotz das Werk der inneren Festigung fort» geführt worden ist. Ueber die Frage des Prinzen Carol habe ich zu erklären, daß ich es sehr bedauere, daß der Prinz, schlecht beraten, Fehler begeht, die seinem Ruf abträglich sind. Ausländische Journalisten vor das Kriegsgericht. Bukarest, 9. Mai. Der Berichterstatter de» Ullstein-Derlage», Cazana, der gestern freigelassen worden war, ist heute mittag wieder verhaftet worden. Auch der Berichterstatter de»„Petit P a r i s i e n", D o ch m a n n, ist verhaftet worden. Diese beiden Berichterstatter sowie der Redakteur de»„A d e v e r u l", T a r a n u, sollen wegen Verbreitung falscher Nachrichten vor das Bukare st er Kriegsgericht gestellt werden. Carol bleibt ausgewiesen. London. 9. Mai.(Eigenbericht.) Die Vitt« des Cxkronprinzen von Rumänien an den britischen Innenminister, den Ausweisungsbefehl wieder rück- gängig zu machen, hat nicht den erhofften Erfolg gehabt. Ex- kronprinz Earol muß England binnen drei oder vier Tagen verlassen, falls er die zwangsweise Abtransportierung unter Polizeibedeckung vermeide» will.. Mit fanstem Druck... Die Deutschnativuale Schristenveririeb-stell« weist die Krelever- eine der ORDp. an, die Aufnahme ihres Propagandamateriol« bei den Zeitungen„Mi fanstem Druck" zu erzwingen, bei Richtobdwck durch Boykottankündigung»entsprechend nachzuhelfen". r&trr, fügen Sie sich unserm sanften Druck und warte« Sie nicht erst ab, bis wir entsprechend nachhelfen!� Japanisches Llltimatum. Tschiangkaischek soll seine Truppe« zurückziehen. Tokio. 9. Mal. Der japanische Befehlshaber in China richtete au Tschiangkaischek die telegraphifche Aufforderung die chinesischen Truppe» lauer. halb 72 Stunde» au» dem japauischeo Machtbereich zu eut- ferne». Der Befehlshaber forderte weihe die vilduug eines ge- mischten japanisch�hiuesischen Ausschusses zur Abgreuzuug der japanischen Cinfluhzone. Die japanischen Truppen könnten die ver- antwortung für die weiteren«Ereignisse im Falle der Ablehnung dieser Forderung nicht übernehmen. Das Außenministerium veröffentlicht eine Mitteilung über das (Ergebnis der Vesprechung zwischen Kellogg und dem japanischen Botschafter Malsualalra. Die amerikanische Regierung habe danach nicht die Absicht, an Japan eine Rote zu richten. Zwischen Japan und Amerika bestehe in der chinesischen Frage volle Uebereiusilmmung. Eine zweite verössenttichung des Mini. sierium» besagt, daß Italien. England ond Frankreich ebenfalls keine Einsprüche gegen die Schrille I«lpon» in China erheben. Schwere Kämpfe um Tsinanfu. Schanghai. 9. Mai. Die Japaner setze« die Entwaffnung der chinesischen Truppen in Tsinanfu und in der Umgegend von Tsinanfu fort. da e» an verschiedenen Punkten zu kleineren Zusammenstößen ge- kommen ist. Die Japaner haben die Brücke über den Gelben Fluß sowie ander« strategische Punkte besetzt. Die 28. japanische Brigade ist heut« mit Truppen der Südarmee bei Kotien, 24 Kilometer östlich von Ttlnanfu. in Kampf geraten und hat«ine große Anzahl dieser Truppen nach erbittertem Wider» st a n d entwaffnet. Bei der Rückkehr nach Tsinanfu ist diese Bri- gade m i t'st a r k e n Kräften der Südarmee in Fühlung ge- kommen. Ueber das Ergebnis des Kampfes liegen noch kein« Rachrichten vor. London, 9. Mai. Reuter meldet aus Nanking: Nach einer aus kiner Nach- richtenstelle der Südtruppen herrührenden Meldung, für die jedoch von keiner anderen Seite«in« Bestätigung vorliegt, sollen die Japaner gestern die Eingeborenen st adt von Tsinanfu drei Stunden lang mit Geschützen beschossen und über 500 Men- schen getötet haben. Durch die Beschießung seien zahlreiche Häuser im westlichen Stadtteil beschädigt worden. Weiterer Vormorsch der Südchinesen.— Tschangtsolin für Wosfeastillstand? London. 9. Mai.(Eigenbericht.) Di« südchinesische Besatzung von Tsinanfu hat nach Meldungen aus Peking den Forderungen des japanischen Kom- mandierenden General» Folge geleistet und sich au» der von den Japanern besetzten Zone zurückgezogen. Außerdem wird ge- meldet, daß die Truppen de» südchinesischen Generals Ho Pao Tsu, dessen Truppen, vo« Tsinanfu kommend, den Gelben Fluh über- schritten haben, auf Tengtschan marschieren. Dieser Vor- marsch stellt einen iveiteren Schritt zur Erveichung de» nationalisti- schen Endziels derEroberunzoon Peking dar. Unter diesen Umständen ist eine, au« vertrauenswürdiger Quelle stammende Pekinger Maldung bemerkenswert, daß Tschangtsolin, dos Oberhaupt der Regierung von Peking, den Beschluß gefaßt habe. ein Zirkulartelegramm ins Land zu senden, in dem er mit Hinsicht auf die trittsche international« Lage in Tsinanfu die zeitweise Einstellung de« gegenwärtigen Bürgerkriegs ankündigt. Es verlautet, daß er in diesem Telegramm hie Zu- sammeuarbett von Rott», und Südchina zum Zweck« der Vereinigung der Lage tn China anregt. Im Unterhau» macht« der britische Außenminister am Mittwoch die Mitteilung, daß die brttischen Staatsbürger in Tsinanfu bereit» am 20. April aufgefordert worden seien, sich in Sicherheit zu begeben. Britisch« Kriegsschiffe seien nach den Tsinanfu benachbarten Hafenplötzen entsendet worden. Die bis jetzt eingetroffenen Bericht« zeigten, daß britischem Eigentum bis- her tein Schaden zugefügt worden sei. Französische Wahlstatisiik. Die Sozialisten haben die meisten Stimmen erhalten. Paris, v. Mai. Nach einer soeben veröffentlichten Statistik verteilen sich die Stimmen auf die einzelne« Parteien bei den letzten Kammerwahle« wie folgt: Roy erlisten: 328 13S; Repnblitanisch-demokratische Union(Marin-Gruppe): 1 008 244; Llnksrepublikaner(Poincarä-Loncheur): 1225 042; Altradikale 1017 472;' Unionistische Radikale(Franklin-Boillon): 551 000; Sozialistische Republikaner- 323 832; Sozialisten: 1717212; Kommunisten: 1060 334; verschiedene Parteien: 223 332. Zusammen wurden im ganzen 8 056112 Stimmen abgegeben._ Der Autonomistenprozoß. Kein deutsches Geld für den Autonomistenverlog. Straßburg. 9. Mai.(Eigenbericht.) Im Kolmarer Autonomistenprozeß wurde am Mittwoch der Angeklagte Faßhauer vernommen. Faßhauer, ein gemaßregetter Priester, ist in der Diskussion außerordentlich gewandt. Er wendet sich zunächst an die Geschworenen und bittet sie. die Finanzlage der Zettung„Erwinia" darstellen zu dürfen. Al« Ihm der Borsitzende das erlaubt, führt er aus: Di« Einnahmen hätten sich auf 1 700 000 Franken und die Ausgaben auf 1 4SS 000 Franken belaufen, fo daß die„Erwinia" am Schlüsse des Jahres 192? etwa 400 000 Franken bares Geld in Händen gehabt hätte. Die Summ« sei zusammengekommen aus dem Gründungstapttol, einer Schweizer Hypothek von 100 000 Franken und einigen anderen Hypotheken, zu denen noch eine Reihe von Spekulationsgewinnen hinzugekommen wären. Es bleibt also keine einzige Lücke offen. durch die deutsches Geld hätte hineinschlüpfen können. Unoorher« gesehen« Ausgaben seien dadurch entstanden, daß man infolge der schamlosen Hetze gegen die Autonomisten das Grundstück der„Er- mini«* wieder hätte abgeben müssen. In der Nachmittagssitzung wird nachgewiesen, daß der Kommissar Bauer dem Kronzeugen der Anklagebehörd« Angaben gegen die Autonomisten gemacht hat, die er selbst nicht bekröstlgen kann. Gchachiy-Prozeß und deutsche Firmen. Energisches Dementi der Firmen AEG. und Knapp. Berlin. 9. Mai. Zu den in der Press« verbretteten Meldungen, daß die jetzt fertiggestellte AnNagcschrist im Don-Prozeh auch einer Reihe deut- scher Firmen wirtschaftlich« Sabotage im engen Zu- sammenhang mtt einer gegen die Sowjetregierung gerichteten Der- schwörerorganisation vorwerf», erklären die namhaft gemachten Firmen, nämlich die Allgemein« Elektrizttäts-Gesell- schaft und die Firma Knapp in Wanne-EItel, daß diese An- schuldigungen von Ansang bi, zu Ende erfunden und falsch seien. Di« beteiligten Persönlichkeiten find bereit, di« Unrichtigkeit der Angaben der Anklageschrift unter Sitz zu bezeugen. Wie MTB. dazu noch erfährt, beabsichtigen die Firmen im übrigen vor Abschluß de» Prozesse, weiter« Stellung nicht zu nehmen. Eine Erklärung de» Lealabunde». Di« Reichsleitung der linken Kommunisten demeittieri di« Nachricht» daß die linken Kommunisten auf eine Wahlbeteiligung verAichtet und die List« Nr. 8 zurückgezogen hätten, und erklärt Meldungen über eine angeblich« Spaltung des Leninbunde» für frei« Erfindungen. Die Frau in der Justiz. Da» bisher im preußischen Justiz- Ministerium beschäftigt gewesene Fräulein Hagemeier ist zur Land- und Ämtsgerichtsrati.« in Bonn ernannt worden. Sie ist di» erste Frau, di« im preußischen Iustizdlenst ein« plan- mäßig« Anstellung erlangt hat. Roch 43 Pro». Aualphabeken tu Pol«»? Der sozialistisch« Ab- geordnet« Ezapinsti stellt« am Mittwoch tm Hauehaltsausschuß des Sesm fest, daß es in Polen immer noch 43 Proz. Analphabeten gebe. Bon der Regierung wurde dazu erklärt, daß der Schul zwang im letzten Jahr« bereit» zu 85 Proz. durchgeführt worden fei. Gut« Borbedeutung. In Iäg�rndorf, der größten In- dustriestadt im tschechoslowakischen Schlesien, gewann die deutsche So- zialdemokrati« bei der Gemeindewahl zu den bisherigen 14 Mandaten noch 3 hinzu. Dagegen verloren dt, Deutschnativ- nalen 2 Mandat«, während di» Kommunisten völlig leer ausgingen, da sie ihre« einzigen Eitz oerlooen. Zusammenbruch einer Parole. Kommunistischer Schlichtungsschwindel. In ben Parolenschmieden der KPD. wird zur Borbereitung der 3 meifel darüber gefommen, ob ein Streit während einer schlechWahlen mit Hochdrud gearbeitet. Es gilt eine zugträftige ten Beschäftigung nicht doch ein zu gewagtes Spiel fei. Bahlparole herzustellen. So verfiel man auf den Schlich tungsschwindet". Was der kommunistischen Leserschaft über " 1 den Schlichtungsschwindel" vorgelegt wurde, war aber gewiß fein Meisterstück der Barolenschmiedekunst. Man scheint sich auch nicht mehr viel von dieser Barole zu versprechen. Ganz aus eigener Erfenntnis heraus dürfte die" Rote Fahne" ihr hysterisches Geschrei über den Schlichtungsschwindel" jedoch nicht eingestellt oder gedämpft haben. Ein wenig dürften wohl auch die fommunisti fchen Gewertschaftsfunttionäre dazu beigetragen haben. Es ist schließlich auch nicht verwunderlich, wenn es einem verantwortungsbewußten Gewerkschafter und auch unter den tommunistischen Gewerkschaftsmitgliedern gibt es viele solcher unmöglich erscheint, Barolen feiner Partei zu befolgen, die einer glatten Aufforderung zum Selbstmord gleichkommen. Wohin es führt, wenn von verantwortlichen Ge werkschaftern auch nur bis zu einer gewissen Grenze solche wahn migigen Parolen befolgt werden, sei an einem Beispiel aus aller legter Beit aufgezeigt. 3um 31. Dezember 1927 wurde von der damals noch in der Mehrheit tommunistisch zusammengesezten Branchenleitung der Berliner Tapezierer das Lohnabkommen für diese Branche gekündigt und von den Uhernehmern eine Er höhung der Löhne um 15 Pro 3. gefordert. Die Unternehmer lehnten jedes Entgegenkommen ab, so daß die kommunistische Branchenfommission versuchen mußte, entweder durch einen Streit oder durch Verhandlungen vor dem Schlichtungsaus schuß eine Lohnausbesserung durchzusetzen. Getreu den Weisungen der KPD. beschloß die Branchenleitung, den Schlichtungsausschuß nicht anzu rufen, sondern der Mitgliederversammlung der Tapezierer den Ein tritt in den Streit zu empfehlen. Als aber die entscheidende Berjammlung, die den Streit beschließen sollte, herantam, wurde den Mitgliedern ein Beschluß der Branchenleitung mitgeteilt, wonach zunächst eine abwartende Stellung eingenommen, die Lohnbewegung also auf unbestimmte 3eit vertagt werden folle. Das Berantwortungsgefühl des Gewerkschafters siegte Dor dem höhung angesichts der niedrigen Löhne noch immer unzureichend ist, darf abschließend doch gesagt werden, daß es nur dem in Doller Geschlossenheit geführten achtwöchigen Stampf zuzuschreiben ist, wenn die überaus unsozial eingestellten Unternehmer diese Lohnerhöhung zugestehen mußten, nachdem sie ursprünglich jeden Pfennig Erhöhung als untragbar und als den Ruin der Steinindustrie bezeichnet hatten. Ob es flug war von den Herren, wegen einer solchen Lohnerhöhung der Gesamtindustrie den Schaden eines achtwöchigen Kampfes zuzufügen, das mögen sie sich nunmehr genau berechnen. Die kämpfenden Steinarbeiter hatten aber nicht nur den Widerstand der Unternehmer zu überwinden, sondern auch die mehr oder minder absichtlichen Hemmungen der kommunistischen Presse. noch in feinem Kampfe(? D. Red.) traten die kommunistischen der über 700 Berufskollegen sollte dem Agitationsbedürfnis der Quertreiber derart gemein auf, wie in diesem. Das Wohl und Wehe KPD. geopfert werden. schließlich über den Parteibefehl, so daß die Branchenleitung ihren bereits gefaßten Streitbeschluß wieder aufhob. Trotzdem war dieser Beschluß nur eine halb heit. Was hätte die damals einmal beschrittenen Wege weitergegangen wäre und Berhandlungen noch kommunistische Branchenleitung ristiert, wenn sie auf dem Karoffertebranche der Sattler und Tapezierer lagen die Schlichtungsausschuß nachgesucht hätte? In der Berhältnisse ähnlich wie im Tapezierergewerbe. Auch hier war zurzeit bes Tarifablaufes Ende 1927 eine sehr schlechte on Ein Reichsjugendtag der Kaufmannslehrlinge junttur und infolgedeffen von den Unternehmern jedes Ent gegenkommen abgelehnt worden. Durch Berhandlungen vor dem Schlichtungsausschuß gelang es dennoch, eine Erhöhung der Löhne durchzusetzen und den tariflosen Zustand zu vermeiden. Die fommunistischen Mitglieder der Branchenleitung, insbefondere jedoch der kommunistische Branchenleiter, fürchtete fich gegen den Parteibefehl zu verstoßen. Der kommunistische Branchenleiter, egenbart, hat in diesem Gewissenstonflitt fein Amt als Branchenleiter niedergelegt. Wenn er auch als guter Kommunist seinen Rücktritt damit begründet hat, daß ihm ein längeres Zufammenarbeiten mit der Geschäftsleitung und der Ortsverwaltung unmöglich sei, so sind doch die wahren Gründe seines Rücktrittes nur zu offensichtlich. Ein anderes Mitglied der Branchenleitung, Eichen, hat aus der ganzen Angelegenheit gleich die einzig richtige Konsequenz gezogen und ist aus der KPD. ausgetreten. Die Folge war, daß durch diesen doppelten Austritt die Mehr heit der Branchenfommission und der Vorsitz von unseren Genossen befeht wurden? Was taten diese Verräter"? Sie übernahmen die Leitung des verfahrenen Karrens und siehe da: auf dem Berhandlungswege wurde ein Tarif abgeschlossen und die Löhne der Tapezierer um 10 Pf. die Stunde erhöht. Die Nuzanwendung werden nicht nur die Tapezierer zu ziehen haben. Dieser Zusammenbruch des fommunistischen Schlichtungsschwindels, der Rücktritt eines nicht unerfahrenen Gewerkschafters, der Austritt eines ihrer führenden Köpfe- Eichen war tommunistischer Bezirksverordneter der Er. folg der reformistischen" Verhandlungsmethoden find Mart. maren ft eine. Nur so weiter, ihr Parolenschmiede! Bas war inzwischen vorgegangen? Warum dieses Zurück weichen vor dem Kampfe? Den tommunistischen Branchenleitungsmitgliedern 1 Der fächsische Kampf beendet. Einigung in der Holzindustrie. Ein Zeilerfolg. = Die Schiedssprüche für die sächsische me tallarbeiterschaft sind am Mittwoch vom Reichs arbeitsminister für verbindlich erklärt worden. Das geschah unter dem Druck der Vereinigung Deutscher Arbeit geberverbände und des Gesamtverbandes Deutscher Metallindustrieller. Die sächsischen Metallindustriellen haben zwar felbst die Schiedssprüche abgelehnt, aber offensichtlich zu gleicher Zeit auf ihre Verbindlichteitser tlärung hingearbeitet. Die Schiedssprüche bringen eine Erhöhung des Stundenlohnes von 5 bis 7 Bf. und ebenso Berbesserungen in den Bestimmungen für die Lehrlinge und für die Ferien. Auch die Vereinigten Berbände stimmen zu. Nachdem am Dienstag von den Funktionären der Berliner Holzindustrie der am Sonnabend gefällte Schiedsspruch angenommen worden ist, wurde gestern noch einmal zwischen dem Holzarbeiter verband und der Babeho" über Arbeitsaufnahme und die mit der Beendigung des Kampfes verbundenen Fragen verhandelt. Da die Unternehmer, wie wir bereits in unserer Abendausgabe mitgeteilt haben, sich ebenfalls zur Annahme des Schiedsspruches bereit erklärten, wurde eine Vereinbarung getroffen, wonach die Arbeit in allen bestreiften oder durch die Aussperrung stillgelegten Betrieben heute, Donnerstag, zum üblichen Arbeitsbeginn wieder aufgenommen wird. Es wurde weiter vereinbart, daß Maßregelungen anläßlich des Streifs nicht vorgenommen werden dürfen und der Streit bzw. die Aussperrung nicht als Unterbrechung des Arbeitsverhältnisses gilt. Der Kampf in Sachsen wurde zwar nur mit einem Mit den Bereinigten Verbänden der Berliner Holzindustrie teilweisen Erfolg abgeschlossen, aber dieser Teilerfolg wurde gestern über den Abschluß eines Lohntarifs verhandelt. Auch ift immerhin beachtenswert, wenn man den ungeheuer hier wurde von den Unternehmern die Erklärung abgegeben, daß sie fcharfen Widerstand des Gegners berücksichtigt. vorbehaltlich der Zuftimmung ihrer Generalversammlung den Die fächsischen Metallindustriellen hatten bis zum letzten für die Babeho" gefällten Schiedsspruch in allen Teilen Augenblid je de Lohnzulage abgelehnt. Sie anerkennen. Wenn am nächsten Lohnzahlungstage die bereits jede waren am 15. April zur Aussperrung von rund 100 000 ab 5. Mai fällige Lohnzulage noch nicht ausgezahlt werden sollte, Metallarbeitern übergegangen. In der vorigen Woche er da erft die Generalversammlung der Unternehmer die Entscheidung tolgte die Aussperrung von weiteren 6000 Hüttenwerts trifft, wird dieser Betrag am Lohntage der nächsten Woche nachgearbeitern, so daß mit den 20 000 Streifenden rund 130 000 zahlt werden. Arbeiter im Kampf standen. Durch diesen Kampf ist es ge lungen, die Löhne der Arbeiter gegen den entschlossenen Widerstand des gesamten Unternehmertums aufzubessern. Befriedigt der Ausgang nicht in jeder Beziehung, so darf man andererseits nicht außer acht laffen, daß hier der Bor trupp des scharfmacherischen Unternehmertums zum Rüdzug gezwungen wurde. Metallschiedsspruch für Hannover. Heute Ablauf der Erklärungsfrist. Die eingefeßte Schlichterkammer fam zu einem Schiedsspruch zur Beilegung des Konflittes in der hannoverschen Metallindustrie, wonady der Tariflohn für die über 20 Jahre alten Arbeiter um fünf Pfennige, für die jüngeren Arbeiter um pier Pfennige erhöht wird, während die Attorblöhne um vier Prozent erhöht werden sollen. Die Löhne der unter 16 Jahre alten Arbeiter und Arbeiterinnen follen um einen bis zwei Pfennige erhöht werden und auch die Ber gütungsfäße für Lehrlinge sollen eine Erhöhung erfahren. Mehrarbeit ist bis zu 51 Stunden zugelaffen, darüber hin ausgehende Arbeit ist mit Ueberstundenzuschlag zu bezahlen. Für die Nachtschicht ist erstmals ein Zuschlag vorgesehen, allerdings nur von 5 Prozent. In der wichtigen Frage der Lohngarantie für Akkord. arbeiter ist ein Fortschritt gegenüber dem bisherigen Zustande eingetreten; es ist allerdings nicht der volle Lohn, sondern Lohn. faz minus 5 Prozent garantiert. In der Urlaubs. frage fieht der Schiedsspruch in zwei Bunften eine Berbefferung sor. Es ist eine neue Urlaubsstufe eingeschoben, nach welcher es nach dreijähriger Beschäftigung im Betriebe fünf Tage Urlaub gibt. Die Affordarbeiter sollen als Entschädigung bei Urlaub in der Bulunft erhalten: Tarifohn plus 25 Prozent. Diefer Schiedspruch wurde den in Streit und Aus. fperrung stehenden Arbeitern in einer Reihe von Berfommlungen am Dienstag und Mittwoch zur Entscheidung vorgelegt. Die Erklärungsfrist läuft heute abend ab. Der schlesische Steinarbeiterstreit beendet! Heute Arbeitsaufnahme. Durch den Schiedsspruch einer neugebildeten Schlichterkammer unter dem Vorsitz eines Vertreters des Reichsarbeitsministeriums wurde der wochenlange Streit der schlesischen Granitsteinarbeiter beendet. Der Schiedsspruch sieht eine Lohn erhöhung von 10 bis 14 Proz. vor. Obwohl diese Er. Der diesjährige Reichsjugendtag der deutschen Kaufmannsjugend erhält eine besondere Bedeutung dadurch, daß die sehr wichtigen Forderungen der Regelung und gefeßlichen Festlegung von Freizeit und Urlaub für die Jugend und der Schaffung eines Berufsausbildungsgefeges wieder erhoben werden. Lehrlinge und jugendliche Angestellte haben sich schon jetzt in einer großen Bahl zur Teilnahme an diesem Jugendtag angemeldet. Die Bevölkerung Frankfurts rüstet ebenfalls, um der Jugend einen festlichen Empfang zu bereiten. Es ist sicher, daß die Veranstaltung dazu beitragen wird. die Zugehörigkeit gerade der kaufmännischen Jugend zur modernen Arbeiterbewegung zu festigen. Teilnehmer fönnen sich melden beim Zentralverband der Angestellten, Ortsgruppe Berlin, Belle- Alliance- Straße 7-10, Herzlichen Dank. Aus Anlaß der Vollendung meines 65. Lebens jahres sind mir aus den Kreisen der Parteigenossen und Gemert, schaftsfollegen, sowie von Freunden und Bekannten so viele Beweise der Liebe und Freundschaft zuteil geworden, daß es mir bei der großen Zahl leider nicht möglich ist, allen persönlich zu danken. Ich bitte darum, auf diesem Wege meinen herzlichsten Dant entgegenzunehmen. Was sind 65 Jahre? Ich lache ihrer. Nach wie vor werde ich mit meinen alten und jungen Freunden und Kampfgenossen für unsere gemeinsame Sache arbeiten und fämpfen und hoffe, damit am besten die mir bewiesene Freundschaft zu ver= geften. Gustav Sabath. Der Tariffonflift in der württembergischen Textilindustrie hat sich verschärft. Der vor kurzem gefällte Schiedsspruch war von den Arbeitern abgelehnt worden. Die Unternehmer hatten den Schiedsspruch angenommen und Berbindlichkeitser flärung beantragt. Diese wurde jedoch abgelehnt. Am Mittwoch nahmen in Stuttgart die Organisationen der Textilarbeiter in einer besonderen Konferenz zur Lage Stellung. AEG.- Betriebsfunktionäre der SPD. bes AEG. Konzerns. Frattionsfigung am Sonnabend, 12. Mai, 19 Uhr, bei Micheel, Röpenicker Straße 55. Der Fraktionsvorstand. 8ufammenkunft der freigewertschaftlichen Schulbeiräte. Am Montag, 14. Mai, um 19 Uhr, findet im Eaal 1, Gewerkschaftshaus, Engelufer 24-25, eine Rufammenkunft der freigewerkschaftlich organisierten Beiräte an den Be rufsschulen statt. Tagesordnung: Vortrag: Schulordnung und Organisation der Berufsschule." Referent Magistratsschulrat Echulze. Mit vorgenanntent Vortrag findet die Einführung in die organisatorische Gliederung des Berufs Schulwesens ihren Abschluß. Zur Beratung der Lehrpläne werden die Schulbeiräte fachgruppenweise zufammerfommen. Näheres wird in der Sigung be tanntgegeben. Angesichts der wichtigen Tagesordnung erwarten wir das be stimmte Erscheinen der in Frage kommenden Kollegen. Verbandsbuch und Einladungsschreiben legitimieren, Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund, Drtsausschuß Berlin. Freie Gewerffchafts- Jugend Groß: Berlin Heute, Donnerstag, 19% Uhr, tagen die Gruppen; Südosten: Gruppen heim Reichenberger Etr. 66( Feuerwehrhaus). Bortrag: Borkämpfer des Cozialismus Marg und Engels." Tempelhof: Gruppenheim Lyzeum Germaniaftr. 4-6. Literarischer Abend„ Helden der Arbeit." Moabit: Gruppenheim Städt. Jugendheim Lehrter Str. 18-19. Vortrag: Die Berliner Denkmäler in der Karikatur." Charlottenburg: Gruppenheim Spreeste. 30. Bortrag:„ Die Bedeutung des 1. Mai für die Arbeiterschaft." Bortrag: Gesundbrunnen: Gruppenheim Note Schule, Gotenburger Straße. „ Die Geschlechterfrage in der Jugendbewegung." Humboldt: Gruppenheim Graun, Ede Lorgingstraße. Vortrag:„ Arbeiterführer August Bebel und Ferdinand Lassalle." Köpenid: Gruppenheim Jugendheim Grünauer Str. 5. Ausspracheabend Wir agitieren für die FGI. Schöneweibe: Gruppen heim Niederschöneweide, Berliner Etr. 31. Ausspracheabend Bom Aufbau und Wesen der FGJ. Lichtenberg: Jugendheim Doffeftr. 22. Vortrag:„ Ar beiterführer Lenin." Frankfurter Allee: Städt. Jugendheim Litauer Spandan: Jugendheim Lindene Bortrag: Straße 18, 8immer 3. Sumor und Frohsinn. ufer 1. Lichtbildervortrag: Quer durch die Mart Brandenburg. Jugend andern und Schauen."- Außenspiele ab 18 Uhr: Reukölln: Volkspart Safenheide. Jugendgruppe des Zentralverbandes der Angestellten. Heute, Donnerstag, 19% Uhr, finden folgende Beranstaltungen ftatt: Südost- Treptow: Jugendheim Wrangelftr. 128. Vortrag:„ Ernst Toller ( Wilh. Lewinski). Schöneberg: Jugendheim Hauptstr. 15( Thüringenzimmer). Vortragsabend. Moldet euch zur Teilnahme am Reichsjugendtag in Frant furt am Main. Die Meldefrist läuft ab. Berantwortlich für Politik: Dr. Curt Geyer; Wirtschaft: G. Klingelhöfer; Gewertschaftsbewegung: 3. Sterner; Feuilleton: K. S. Döscher; Lokales und Sonstiges: Fris Raritädt: Anzeigen: Th. Glode. fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchbruckeret und Berlagsanstalt Vaul Singer u Co., Berlin GW 68. Lindenstraße 3, Sieran 2 Beilagen und Unterhaltuna und Wiffen". Berufskleidung für Jedermann in bewährten Qualitäten. Richtige Formen- Billigste Preise Bäcker- Jacken...... 4.25 3.25 Bäcker- Hosen...... 4-3.Koch- Jacken Koch- Jacken..... 8.50, 7.75 6.25 Koch- Hosen.. ... 8.50 Kellner- Jacken... 8.25, 8- 6.50 Konditor- Jacken... 8.50. 7.75 6.25 1 Aerzte- Mäntel weis..., 9.50, 8.50 7.50 .. Operations- Mäntel weis.9.75, 9.25 8.50 Frisör- Mäntel wels. .9.50 875 Staubmäntel für Damen, farbig 8.25, 7.75 5.25 Staubmäntel für Damen, weiß 9.- 7.50 7.Staubmäntel t. Herr., farbig 10.-, 9.50 7.50 6.Maler- Kittel Mechaniker- Kittel 8.25, 5.75 4.50 7.25 6.Montör- Anzüge beste Qualitäten 12... 11.- 9.— Kessel- Anzüge ta Qualitäten... 15.- 12.Leineweber Berlin C.Rolluicher Fifchmarkt 4-6 *1« �00 JlOftllCirfe Donnerstag, �0. Mai 492S Nr. 2Z9* 45. Jahrgang Gibt es überhaupt noch Berliner?— Gibt es noch Volksfeste in Berlin, wirkliche Bolksfeste, die kein Unternehmer arrangiert, die noch nicht entartet unj» verjazzt sind— kurz, lebt Berlin, unser Berlin wirklich noch oder ist der alt« Berliner Geist doch endlich von all den Zugereisten erdrückt worden?— Manchmal scheint es fast so. Be- sonders wir, die vom Schicksal so an die Peripherie Berlins gespült worden sind, merken wenig mehr vom echten Berliner Volksleben. Wie ober das Volk Berlins Fest« seiert, wie sie fallen, ja, sie sich selber schafft, dos tonnte man neulich an dem vierzigsten Geburtstag der Markthalle VIII sehen. Di« Markthalle VIII liegt drauhen im O st e n, in der Andreas st raße, in einer ganz proletarischen Gegend, in einer Gegend, deren Bewohner noch jede kleine Freude, jede Abwechslung in der Reihe der grauen Arbeitstage zu schätzen wissen. Und da waren die Standinhaber der Markthalle aus den guten Gedanken gekommen— vielleicht steckte auch ein klein bißchen Berechnung darin—, an diesem Freudentag ein Promenadenkonzert für ihre Kundschaft zu veranstalten. Das wurde zu einem richtigen Volksfest, von dem man in der Gegend noch lange singen und sagen wird. Die Halle war festlich geschmückt, Tannengewinde hingen von der Decke herunter, Fahnen in allen Farben flatterten lustig bunt, um ja keine Gesinnung der werten Kundschaft zu verletzen, hatte man sich anscheinend aus die Fahnenkollektwn unbekannter Marsstaaten geeinigt. Wer die Farben waren bunt, und die Menschen waren vergnügt, und das ist ja die Hauptsache. Alle Stände waren mit frischem Grün geschmückt, alle Auslagen mit so dekorativem Geschick hergerichtet, daß sogar das simpelste Suppengrün poetisch oerklärt erschien. Wer ober würde glauben, daß man sogar aus einem Fischstaich ein dekoratives Prunkstück machen kann?— Und doch, der Fischstand des Fischermeisters Breitter ist zu einem Prunk- und Lehlstück geworden, so daß sogar einige Klassen benachbarter Schulen zur Besichtigung dieses Fischstandes geführt wurden. Er war es aber auch wert!— Alle Embleme der seit über zweihundert Jahren bestehenden F'scherinnung hatten herhalten inüsscn. Der Stand war überdacht von den seidenen Prunknetzcn der Innung, das Modell einer alten Polte mit dem„Dröbel", dem schiffähnlichen Fischkasten, schwebt« an der Seite, und die Stirnwand wurde gekrönt von dem goldenen Neptun auf den beiden Delphinen, dem Zunstzeichen der Berliner Fischer. Das beste aber war ein Stilleben, zu dem sich der Fischermeister aus allen Fischgründen— bis nach Island hin— allerlei Prachtexemplare verschrieben hatte. Da schluckte ein Pfund schwerer Hecht gerade an einer vierpfündigen Plötze, da lag«in Illlpfündiger Heilbutt neben einem 2Spfündigen Lachs: und dazu kamen dann noch allerlei andere Merkwürdigkeiten: So«in bei Island gefangener Seewolf, allerlei Scöslerne, und die Krönung des Ganzen ein richtiger Seehund, der gerade einen Fisch verschlang. Waren auch die anderen Stelle alle geschmückt, dagegen tonnte höchstens noch die„Wildquelle" an, deren Inhaber einen richtigen Keiler und eine Ricke ausgestellt hatte, und dessen tanncngrün- umwundener Stand mit allerlei jagdlichen Trophäen geschmückt war. - Nach dem Promenadenkoazert aber vereinigten sich die Stand- inhaber noch einmal zu einer Feier. Herr Max Wernicke, der Vorsitzende des Vereins der Slandinhaber, sprach«in paar kurze Worte von Glück und Not der Standinhaber, von den Tagen, da er selbst mit traurigem Herzen niit der Mutter vom Wochenmartt in die Halle gezogen war, die den Händlern damals ein Ruin dünkte. Nun, sie haben sich gehalten, die Berliner Markthallen! Aber er bat die Behörden, die Standinhaber weiter zu unterstützen durch den Aus- bau aller hygienischen Einrichtungen, damit die Hallen nickt gegen- über der so stark gewordenen Konkurrenz der Warenhäuser und neuen Märkte ins Hintertreffen kommen. Kurz war die Rede, und man merkte, daß hier kein geschulter Redner sprach: aber das war ja gerade das beste an diesein kleinen Fest, daß alles so meilenweit von jeder begehrockten Feierlichkeit war, daß der Festredner in der blendend weißen Schlächterschürze sprach, und daß die Mitglieder des Gesangvereins auch in ihren Berusskleidern antraten. Und als dann die Kapelle auf besonderen Wunsch noch einige slott« Märsche zugeben mußte, die seit Tagesgrauen arbeitenden„Familienmit- glieder" des Geburtstagskindes die schmale Mittagspause zu einem kleinen Tanzvergnügen ausnutzte und die älteste Dame der Halle (7S Jahre alt!) einen Charleston exekutierte, das war Berlin, Berlin, das richtige, tausendmal totgesagte, gute, alte Berlin, das nicht durch Not und nicht durch Arbeit totzukriegen ist. Und schon darum: Freude und langes Leben dem Geburtstagskind und all denen, die all die Jahre mit ihm durch Dick und Dünn gegangen sind! R. E. Jack London: �55 Olf Als der junge Führer regungslos auf dem Schnee lag, ging der Einäugige mit großen Schritten zu der Wölfin hin. Seine Haltung war ein Gemisch von Triumph und Vorsicht. Er erwartete augenscheinlich eine Abweisung und war ebenso augenscheinlich überrascht, als jene ihm nicht ärgerlich die Zähne wies. Zum erstenmal begegnete die Wölfin ihm freundlich. Sie beschnüffelte ihn, sie ließ sich sogar herab, um ihn herumzuspringen und wie ein Hündchen mit ihm zu spielen, und er, trotz seiner grauen Haare und großen Er- fahrung, betrug sich ebenso kindisch und vielleicht noch ein bißchen närrischer. Schon waren die besiegten Nebenbuhler und die mit roten Lettern in den Schnee geschriebene Liebesgeschichte ver- gössen, bis auf einen Augenblick vergessen, wo der Einäugige stille stand, um sich die Wunden zu lecken. Dabei kräuselten sich seine Lippen, entblößten sich die Zähne, sein Haar auf Nacken und Schultern hob sich empor und, zum Sprunge ge- duckt, stemmte er die Pfote fest auf den Boden, so daß die Krallen sich tief in den Schnee drückten. Doch im nächsten Augenblick war alles vorbei, und er sprang der Wölfin nach, die ihm durch die Wälder voraneilte. Darauf trabten sie wie gute Freunde, die sich vertragen haben, dicht nebeneinander her. Die Tage verstrichen, und sie blieben beisammen, jagten zusammen, töteten ifjrö Beute und verzehrten sie gemetusam. E'mige Zeit darauf schien die Wölfin ruhelos zu werden. Es war, als suchte sie etwas, was sie nicht finden konnte. Die Höhlungen unter gefallenen Bäumen schienen sie anzuziehen, und sie verbrachte viel Zeit damit, unter den Schneegruben in den Felsen und in den Höhlen an steilen Flußufern herumzustöbern. Einauge hatte kein Interesse daran, aber er folgte ihr gutmütig bei der Suche, und wenn ihre Untersuchungen dann und wann sich zu lehr in die Lange zogen, so pflegte er sich hinzulegen und zu warten, bis sie bereit war, weiterzuwandern. Sie blieben nie lange an einem Orte, sondern wanderten quer durch das Land, bis sie den Mackenzie erreichten, dessen Laufe sie langsam folgten, wenn sie auch oft denselben ver- ließen, um an kleinen Nebenflüssen nach Wild zu suchen. Dennoch kehrten sie immer nach dem Hauptstrome zurück. Manchmal trafen sie auf Wölfe, gewöhnlich in Paaren, allein kein freundlicher Verkehr wurde angeknüpft, keine Freude über das Zusammentreffen, kein Verlangen, sich zu Rudeln zu vereinigen, bezeigt. Zuweilen trafen sie einen einsamen Wolf, der dann begierig war, sich Einauge und seiner Ge- fährtin anzuschließen, was dieser übel aufnahm. Stand sie dann aber zähnefletschend und mit gestkäubtem Haar Schulter an Schulter mit ihm, so pflegte der einsame Freier sich zurückzuziehen und einsam seinen Weg fortzusetzen. Als sie an einem hellen Mondfcheinabend'durch die öden Wälder liefen, blieb Einauge plötzlich stehen. Seine Schnauze richtete sich empor, der Schwanz wurde steif und die Nasen- löcher weiteten sich, wie er die Witterung einzog. Auch hob er nach Art der Hunde einen Fuß in die Höhe. Er war sich nicht klar über die Sache und bemühte sich, die Kunde, welche die Luft ihm brachte, zu verstehen. Bei seiner Gefährtin da- gegen hatte ein gleichgültiges Schnüffeln genügt, und sie trabte ruhig weiter, um auch ihn zu beruhigen. Er folgte ihr zwar, war aber immer noch im unklaren und blieb dann und wann stehen, um sich die Warnung zu deuten. Die Wölfin glitt vorsichtist bis an den Rand einer großen, von Bäumen umgebenen Lichtung. Eine Weile stand sie allein, dann kam Einauge leise heran, alle Sinne gespannt, jedes Haar am Körper argwöhnisch stesträubt. So standen sie dicht nebeneinander, lauernd, horchend, witternd. Hunde- gekläff drang an ihr Ohr. dann Kehllaute von Männer- stimmen, schrilles Weiberschelten und einmal das gellende Geschrei eines Kindes. Bei den großen Zellen aus Fell war wenig zu sehen, ausgenommen die Flammen des Feuers, dann und wann durch vorbeiwandelnde Gestalten verdeckt, und der Rauch, der langsam in die ruhige Lust emporstieg. Doch in ihre Nase stiegen die tausendfachen Gerüche eines Indianerlagers, die eine Geschichte erzählten, die zwar für Einauge unverständlich war, der Wölfin jedoch in allen Einzelhellen bekanntt Sie war sellsam aufgeregt und sog die- Luft mit wachsen- dem Interesse ein; Einauge jedoch verriet Besorgnis und machte den Versuch, weiterzugehen. Sie drehte sich zu ihm, berührte wie beruhigend seinen Hals mit der Schnauze und blickte nach dem Lager hinüber. Wiederum schaute sie wie sinnend drein, aber diesmal ohne die Gier des Hungers. Sie zitterte vor Verlangen, vorwärts zu gehen, am Feuer sich zu wärmen, mit den Hunden sich zu balgen und zwischen den umherwandernden Mänstern hin und her zu laufen. Einauge bewegte sich ungeduldig neben ihr, und seine Unruhe ging auch auf sie über. Sie erinnerte sich, daß sie das, wonach sie suchte, finden müsse. Sie kehrte um und trabte wieder in den Wald zurück zur großen Erleichterung Opfer eines Verbrechens. Eine Frau feit Jahren spurlos verschwunden. Seil drei Jahren wird eine am Zt. Januar ISSS in Köln geborene Frau Katharina(Käthe) Fuchs vergeh- l i ch g e s u ch l. Die Frau hatte sich wiederHoll unter falschem Namen allerlei Schwindeleien zuschulden kommen lassen und mußte aus Köln flüchten, weil sie von den Behörden ge- sucht wurde. Im April 1924 lernte sie in Berlin im C a s e Unter den Linden einen Kieler Geschäftsmann kennen, der ihr eine Stellung in seinem Betrieb anbot. Frau Fuchs blieb dort aber nicht lange. Ihr leichtsinniger Lebenswandel mißsiel dem Arbeitgeber so sehr, daß er ihr kündigte und sie nach Hamburg zurückschickte. Wenig« Tage darauf soll ober die Frau wieder in Kiel aufge- taucht sein. Dann v e r s chw a n d sie und ist seitdem nicht wieder zum Vorschein gekommen. Nun wurden am ö. Mai 1925 aus dem Kieler Boolshasen ein Paar weibliche Unterschenkel gelandet, die in Packpclpier eingehüllt waren. Die Umhüllung trug die Aufschrist „Box S4/Maja. Bei Reklamationen der Bestellung von Ersatzteilen bitten wir die Nummer des Revisionszettels bzw. diesen selbst herz»- senden. Feinbau-Mcchan!k-A.-G. Abteilung Sprechmaschinc». Berlin W. 9. Herstellerin der Vox-Erzeugnisse." Die abgetrennten Leichenteile waren mit grau- seidenen Strümpfen bekleidet. Der eine Strumpf wurde gehalten von einem schwarzweißen Bande, ähnlich dem, wie es zum Bc- festigen des Eisernen Kreuzes verwendet wurde. Da trotz aller Nach- sorschungcn niemals wieder eine Spur der Frau Fuchs gefunden werden konnte, so nimmt man an, daß sie in Kiel einem Verbrecheil zum Opfer gefallen ist. Da sie vielfach Männerbekanntschaften suchte, so ist es nicht ausgeschlossen, daß sie bei solcher Gelegenheit ermordet worden ist. Andere Leichenteile sind bisher nicht ge- sunden. Nach ärztlichem Gutachten muß die Person— nach der Länge der Schenkel zu urteilen— etwa 1,70 Meter groß gewesen sein. Frau Fuchs trat be! ihren Bettüaereien in Berlin unter dein Namen..Frau Direktor F ö l l n e r ans K ö l n" auf. Sie muß eine Bekanntschaft gehabt haben, die mit der oben erwähnten Berliner Firma in Geschäftsverbindung stand. Zur Aufklärung des Fundes im Bootshafen und zur Ermittlung des Verbleibs der Ver-- schwiindenen werden all«, die hierüber Anskunfik geben können, ersucht, sich an die Inspektion A, im Polizeipräsidium zu wenden. Der Tote von Zehdenick feftgesiellt. Nach dem Ergebnis der bisherigen Nachforschungen und Fest» stellungen ist der be! Zehdenick Ermordete höchstwahrscheinlich ein am 13. Februar 19 zu Werrnerzdorf geborener Händler Mlhelm Wintler, der in der holsteinischen Str. 10 wohnle. Winkler, der auf dem Land« mit Knöpfen, Schnürsenkeln und dergleichen Kurzwaren handelte, wurde seit Anfang April vermißt. Seine Angehörigen fragten zwar hier und da, unter anderem auch in Zehdenick, nach seinem Verbleib, machten aber bei der Vermißtenzentrale im Polizeipräsidium keine Anzeige. Nachdem er Ende März in Berlin Ein- käufe gemocht hatte, ging Winkler wieder aus den Handel hinaus. Die Nacht vom 1. zum 2. April hat er wahrscheinlich in der Herberge zu Zehdenick zugebracht. Seitdem hatte, man iitchts mehr von ihm gehört. Im Laufe des gestrigen Nachmittags konnte durch V e r w a nd t e des Ermordeten, die von der Kriminalpolizei herbeigerufen worden waren, der in der. Strohmiete gefundene Mann einwandfrei als der 28 Jahr« alte Händler Wilhelm Winkler sestgestellt werden. Im Anschluß daran fand die Sektion statt. Sie ergab, daß der Tod durch mehrfachen Bruch der Schädelbasis herbeigeführt worden ist. Winkler ist von den' Mördern mit dem Knüppel, der noch neben dem Toten lag, oberhalb des rechten Ohres wiederholt getroffen worden. Nach der Schätzung seiner Verwandten muß Winkler etwa 100 Mark bares Geld bei sich gehabt haben und außerdem einen Koffer aus imitiertem Leder mit Handelswaren. Der Tote wurde vollkommen ausgeplündert. Die Mörder haben ihm des Gefährten, der voranlief, bis sie wieder unter dem Schutz der Bäume sich befanden. Als sie geräuschlos wie Schatten im Mondlicht dahinglitten, kamen sie auf einen ausgetretenen Fußpfad. Beider Nasen richteten sich sogleich auf die frischen Fußspuren im Schnee. Einauge rannte behutsam vorwärts, die Gefährtin dicht auf seinen Fersen: wie auf Sammetpfoten glitten sie über den Schnee. Plötzlich erblickte Einauge etwas Weißes, das über die schneeige Fläche huschte. So schnell sein schleichender Gang auch gewesen war, das war nichts gegen die Geschwindigkeit, mit der er nun rannte, da der weiße Fleck, den er entdeckt hatte, vor ihm hersprang. Zu beiden Seiten des schmalen Pfades, auf dem sie ein- herliefen, stand junger Tannenwuchs, und durch diesen hin- durch tonnte man das Ende des Ganges einliefen, der auf mondbeglänzter Lichtung mündete. Einauge näherte sich rasend dem weißen, fliehenden Schatten: jeder Satz brachte ihn näher. Nur noch einer, und seine Zähne hätten es ge- packt. Allein dieser Satz wurde nie gemacht. Denn hoch in der Luft, gerade über ihm schwebte plötzlich das weiße Ding, ein zappelndes Kaninchen, das hüpfend und springend einen phantastischen Tanz in der Luft über ihm ausführte, doch nie auf den Boden zurückkam. Einauge sprang mit einem Schnarren in plötzlicher Furcht zurück, dann kauerte er im Schnee nieder und knurrte drohend die fürchterliche Erschei- nung an, die ihm unverständlich war. Allein die Wölfin drängte sich kaltblütig an ihm vorbei, maß einen Augenblick die Entfernung und sprang dann nach dem tanzenden Kaninckien empor. Doch so hoch sie auch sprang, es war nicht hoch genug für die ersehnte Beute, und ihre Zähne klappten leer und mit metallischem Klang aufeinander, als sie sie fehlte. Abermals sprang sie und noch einmal, doch immer vergebens. Ihr Gefährte hatte sich langsam aus der kauernden Stellung erhoben und beobachtete sie. Er zeigte sich über ihre wiederholten Fehlsprünge unzufrieden und machte selber einen mächtigen Satz aufwärts. Wirklich packte er das Kaninchen mit den Zähnen und brachte es zur Erde nieder. Doch im nämlichen Augenblick oernahm er neben sich ein verdächtiges Rascheln, und erstaunt sah er ein junges Bäumchen sich herab- beugen, als wolle es ihn schlagen. Cr ließ die Beute fahren und sprang zurück, um der seltsamen Gefahr zu entgehen, und seine Lefzen zogen sich in die Höhe, aus seiner Brust stieg ein drohendes Knurren, und jedes Haar auf seinem Körper sträubte sich vor Angst und Wut. Im selben Augenblick stand das schlanke Bäumchen wieder aufrecht, und das Kaninchen tanzte von neuem in der Luft. ._____________(Fortsetzung folgt.) j nicht nur seine Barschaft, sondern auch einen Teil der Meidungsstücke geraubt. Daraus ist zu schließen, daß die Täter wahrscheinlich unter den Bersonen zu suchen sind, die zusammen mit Winkler in der Herberge nächtigten. Der Koffer wurde, wie schon erwähnt, vor einiger Zeit von einem Landwirt gefunden, aber als wertlos beiseite geworfen, da er aufgebrochen und leer war. Gr C fonnte trotz allen Suchens nicht mehr gefunden werden. Staatsanwalt Weißkopf aus Prenzlau, der an den Untersuchungen teilnahm, hat bei der zuständigen Behörde eine Belohnung von 1000 Mart für die Aufklärung des Berbrechens beantragt. Feuer am Nordufer. Fünf Pferde erfficft. Auf dem Städtischen Lagerplatz an der Ede Syfter Straße und Nordufer entstand gestern abend Feuer, mit deffen Bekämpfung die Feuerwehr fundenlang beschäftigt war. Fünf Pferde fanden den Erffidungstod. Die Partei marschiert. Glänzende Kundgebung im Berliner Osten. Einen überwältigenden Erfolg erzielte die 8. Abteilung der SPD. des Bezirks Liergarten mit einer Kundgebung, die sie gestern abend im Nationalhof in der Bülowstraße veranstaltete. Den eindrucksvollen Auftakt bildete das auf der Bülowpromenade von einem Tambourkorps des Reichsbanners ausgeführte Platz konzert, dem Hunderte lauschten. Von dem kampffreudigen Geist, der die große Zahl der anwesenden Parteigenossen beseelte, legte die eifrige Distussion 3eugnis ab, in der die Kommunisten, die während diefes Konführt wurden. Kurz nach Beginn der Beranstaltung im Freien er zertes ihre Phrasen an den Mann bringen wollten, glänzend abgeschien das Propaganda auto der Partei, aus deffen Riesenlautsprecher in den Konzertpausen Kampfgefänge, Kampflieder und anfeuernde Ansprachen weit über die Straße hallten. Unter Führung Sturz nach 21 Uhr bemerkten 2 orübergende auf dem Lager des Reichsbanners marschierte dann die Masse zum Versammlungs rlak, auf dem mehrere große Schuppen stehen, einen starken lokal, das schon überfüllt war. Hier nahm Reichstagsabgeordneter Feuerschein. Unmittelbar darauf schlugen aus dem Dach eines Hugo Heimann das Wort zu einer furzen und padenden Rede, in der er die Bedeutung der Wahl am 20. Mai schilderte und das etwa 30 Meter langen Schuppens auch schon helle Flammen empor. Auf den Alarm rückte die Feuerwehr mit drei Zügen unter Leitung Programm der Partei erläuterte. Nach einer scharfen Abrechnung des Branddirektors Mende an. Die Flammen hatten inzwischen mit der arbeiterfeindlichen Politik der französischen und einen ganzen Schuppentompler ergriffen, so daß so- deutschen Kommunisten, wies der Redner dann auf die glänfort acht Schlauchleitungen größten Stalibers in Tätigteit gefeßt zenden Aussichten der Partei in diesem Wahlkampf hin, die hoffen werden mußten. In der Zwischenzeit waren mehrere mit Rauchlaffen, daß die Macht der Reaktion gebrochen wird. Der Redner d- dyloß seine eindrucksvollen Ausführungen mit dem Appell, aus der fchumasten versehene Feuerwehrleute in einen angrenzenden Stall eingedrungen, in dem sieben Bierde untergebracht waren. In politischen Lage die Lehre zu ziehen und alle Kräfte für den Sieg dem völlig mit Rauchgafen angefüllten Stall waren bereits fünf ber Bartei einzusehen. Diese Aufforderung wurde mit stürmischem von den Lieren er stift und lagen verendet am Boden. 3 wei Beifall beantwortet. Bemerkenswert war, daß die anwesenden KomPferde fonnten noch gerettet werden. munisten und Nationalisten unter dem erhebenden Eindruck der Rundgebung nicht mehr wagten, auch nur mit einem Bort sich in Erinnerung zu bringen. Nach dem mit dankbaren Beifall aufgenommenen Liedervortrag des Männerchors, Liedertafel eft Freundschaft" lief der Wahlfilm Dein Schidfal", deffen Bilderfolge die Versammlung mit Spannung und fpontanen Beifallsfundgebungen begleitete. Ein dreifaches Hoch auf die Partei schloß die glänzend verlaufene Veranstaltung, die gezeigt hat, daß in dem deutschnationalen Berliner Westen eine Bresche geschlagen worden ist. Die Lösch- und Aufräumungsarbeiten dauerten bis gegen Mitternacht. Ein weithin sichtbarer Feuerfchen hatte eine große Schar Neugieriger angelockt, so daß Schußpolizei eingesetzt werden mußte, die 2bsperrungen vornahmi. Bu her gleichen Beit brach in zwei Tischlerwertstätten in der Vor it straße 35 und in der Mustauer Straße 27 Feuer aus, das die Wehr nach kurzer Zeit m der Gewalt hatte. Ein Antrag des Raubmörders Kiebach. Er will aus der Saft entlassen werden... Einen Antrag auf Haftentlaffung hat der 21jährige Bräparator Horst Kiebach an die Straffammer des Landgerichts II gerichtet. Obwohl gegen Rieb a dy bereits Anflage megen Raubmordes, begangen an der jungen Schlächtermeisterstochter Dora Berste im Stadtbahnzuge, erhoben worden ist und obwohl er die Tat eingestanden hat, so daß auf das Kapitalverbrechen Todesstrafe zuge= sprochen wird, hat er seine Haftentlaffung gefordert. Vor einiger Zeit war von der Straffammer der gesetzlich vorgeschriebene Haftprüfungstermin anberaumt gewesen, der aber wegen seiner Ausfichtslosigkeit auf Antrag von Rechtsanwalt Dr. Sidnen Mendel avgejest worden war. Der Angeklagte war damit nicht zufrieden und hat jakt felbst die Haftprüfung beantragt, unterstügt wurde er dabei von seinem Vater, der die Freilassung seines Sohnes damit begründete, daß er ihn in seinem Geschäft brauche, da er zahlreiche Aufträge von Museen, Tiere zu präparieren, erhalten habe und die Arbeit allein nicht bewältigen fönne. Selbstverständlich hat das Gericht diese Anträge rundweg abgewiesen. In einem schriftlichen Beschluß wird dem Raubmörder begreiflich gemacht, daß eine Aufhebung des Haftbefehls nicht in Frage kommen könne, da er für das nach feinem eigenen Geständnis begangene Kapitalverbrechen nach seinem eigenen Geständnis begangene Kapitalverbrechen schwerste Strafe zu erwarten habe. Keine Erhöhung der Posttarife! Das offiziöse Wolff- Bureau gibt bekannt: Rowdys im Wahlkampf. Die Partei des organisierten Rückschrifts. „ Die Politik der Rollfommandos" überschreibt die ,, Rote Fahne" einen Bericht über die Vorgänge bei einer Wahlfundgebung dreier Abteilungen der SPD. und des Reichsbanners am Wedding. Den Lesern des Kommunistenblattes wird der tollste Unfinn aufgetischt. Wie mag der Berichterstatter die Rolltommandos" festgestellt haben? Hier der Tatbestand. Diphtheriegefahr? Schließung einer Mädchenschulklasse. Auf Ersuchen des zuständigen Kreisarztes ist die Klasse VII der Mädchenschule in der Koblenzer Straße in Wil metsdorf geschlossen worden. Zwei Schülerinnen dieser Klasse sind an afuter Halsentzündung gestorben. In einem Fall ist Diphtherie sicher festgestellt, im anderen Fall steht das bakteriologische Ergebnis noch aus. Da noch weitere Fälle von Erkältungsfrankheiten vorgekommen sind, wurde die Klasse geschlossen. Bei 17 Schülerinnen der Klaffe, die noch erschienen waren, wurden Rachenabstriche zur sofortigen bakteriologischen Untersuchung durch die zuständige Schulärztin abgenommen. Der Zug wurde in der Userstraße zusammengeftefft. Er bewegte sich von dort durch die Wiesen, Kösliner und dann weiter durch verschiedene andere Straßen. In der Kösliner Straße stellte sich au beiden Seiten des Zuges eine Menge jüngerer Leute im Alter von 14 bis 20 Jahren, die den Teilnehmern im Zuge mit den vom der Roten Fahne" täglich gelieferten Schimpfereien über Anders Denkende anpöbelten und in den Beschimpfungen noch weit über das Maß der„ Roten Fahne" hinausgingen. Am Ende der Schul- und Anfang der Egerzierstraße griffen die Burschen einige den Zug begleitende Zettelverteiler tätlich an und einen radfahrenden Kame= raden stießen sie vom Rade auf die Straße. Hierüber waren die im Zuge befindlichen Reichsbannertameraden auf das äußerste empört und sprangen hinzu, um die entwendeten Flugblätter wieder zu bekommen. Bei dieser Gelegenheit wurden die Angreifer natürlich nicht zart angefaßt. Von hier aus fegten sich in verstärktem Maße die Anpöbelungen aller Art fort, Bugteilnehmer wurden mit Steinen beworfen, die Polizei hatte alle Mühe, die Uebeitäter in Schach zu halten. Viele Arbeiter, die von ihren Werkstätten famen, waren über die Handlungsweise der sich kommunistisch ge= bärdenden Rowdys außerordentlich empört. Sie wandten sich ganz energisch gegen sie. Als der Zug den Brunnenplatz erreichte, hatte sich dort ein nach hunderten zählender Haufen dieser Burschen angesammelt. Der Steinbagel verstärkte fich derart, und die Ungriffswut war so groß, daß es den polizeilichen Begleitmannschaften schwierig war, weitere Angriffe zu unterbinden. Nach der Auflösung des Zuges am Brunnenplak wurden einzelne nach Hause gehende Kameraden des Reichsbanners von größeren Trupps überfallen und in der unmenschlichsten Weise behandelt. So wurde u. a. ein Kamerad in der Rösliner Straße in so barbarischer Form zugerichet, daß er im Auto feiner Wohnung zugeführt werden mußte. in der Babstraße wurden fünf Kameraben von einer Schar pon 60 bis 80 fragwürdiger Gesellen niederge= fchlagen, mit Totschlägern, flastersteinen, Stiefelabjäßen mißhandelt, jo daß fie schwerverletzt der Rettungswache zugeführt werden mußten. In der Brüsseler Straße wurde ein anderer Trupp Kameraden mit Mauerziegeln und anderem Baumaterial beworfen. Die Verlegungen waren ebenfalls schwer. Wir könnten noch viele einzelne dieser Vorgänge aufzählen, aber wir wollen es genug sein lassen. Wer die in der Roten Fahne" angeführte 3erfleischung der Arbeiter" wirksam betreibt, was ,, Rollkommandos", ergibt sich aus den oben angeführten Tatsachen. Die Entscheidung dentender Wähler über die verabscheuungswürdigen Methoden verhegten Janbagels überlaffen wir getrost der Wahl am 20. Mal. Die kommunistischen Methoden des Wahlkampfes sind nicht die Methoden organisierter, denfender Arbeiter. Nur so weiter, dann werben noch viel mehr als bisher die RPD. als das erkennen, was sie wirklich ist: die Partei des organisierten Rüdschritts. Lieblich war die Maiennacht... Beftiger Schneefall in Berlin. Winter im Mai! Gestern nacht fekte heftiges Schmeetreiben ein. bennoch Der Schnee blieb zwar nur an einzelnen Stellen liegen zeigten die Straßen ein winterliches Bilb. Männer und Frauen in leichten Sommerkleidern eilten bicht beschneit und fröftelnd nach Hause alle Frühlingsstimmung war dahin. Die Gisheiligen find gestrenge Herren in diesem Jahre! Der Aufwand des Herrn Generalfonful. Gerechtes Urteil im Konkursvergeben Kaufmann. Ein tolles Bild großtapitalistischer Lebensansprüche und Un moral enthüllte der Kontursprozeß Kaufmann, der Generalkonsul Dr. Kaufmann war Anfang 1926 mit mehr als 1½ Millionen Mark Schulden in Konturs geraten, wodurch eine ganze Anzahl seiner Gläubiger wirtschaftlich ruiniert Das Landgericht in Dresden hatte Herrn Raufmann daraufhin zu vier Monaten Gefängnis verurteilt, da festgestellt wurde, daß dieser Biedermann noch nach Einstellung der Zahlungen einen geradezu ungeheuerlichen persönlichen Aufwand getrieben Die Melbung einer Berliner Abendzeitung über eine Sevor Vor dem Freispruch im Hellseherprozeß. türzlich vor dem Reichsgericht in Leipzig zur Berhandlung kam. Der stehende Erhöhung der Posttarife ist von Anfang bis Ende erfunden." Gute Zeit für Taschendiebe. " Troß der Abkühlung, die die letzten Tage brachten, haben viele die leberzieher schon in die Schränke gehängt. Das fommt den Taschendieben sehr gelegen. Sie haben es jegt wieder viel leichter als sonst und machen von dieser Erleichterung" ausgiebigen Gebrauch. In ganz furzer Zeit erbeuteten sie auf den Autobussen nicht weniger als fünf wertvolle Herrenuhren. Auf der Linie 1 büßte ein Herr seine filberne Glashütter Präzisionsuhr mit einer dünnen goldenen Rette und einem golbenen Bleistifthalter ein, auf der Linie 2 ein anderer Fahrgast seine goldene Uhr mit der Nummer 23 239 und ble goldene ette mit Knebel verschluß, auf der Linie 5 am Potsdamer Play ein Fahrgast eine 30 Bentimeter lange goldene Kette mit einer goldenen Damenuhr, auf der gleichen Linie ein anderer Herr eine dreifapfelige 14 tarätige Uhr mit goldener Chatelaine und auf der Linie 20 ein Fahrgast eine einfache goldene Uhr, die er an einem schwarzen Bande trug. Begünstigt wird das Treiben befonders auch durch das Gedränge in den Wagen. Es ermöglichte es in dem einen Falle dem Diebe jogar, dem Bestohlenen die Weste aufzufnöpfen, um den Knebel aus dem Knopfloch herausholen zu können. Auch ein Spezialist, der es auf Damen abgesehen hat, mußte diefes Gedränge im Innern zweier bidht befetzter Wagen dus. Er drängte sich, wie die bestohlenen Damen befunden, in ganz gleicher Art an diese heran. Sie vernahmen dann einen stoßartigen Ruck, ben fie jeboch auf die Erschütterung des Wagens zurückführten, ohne an etwas Arges zu denken. Die eine Dame tam so um eine Platinarmbanduhr im Werte bon 2000 m., die sie an einem Ripsband trug und eine andere um ein Platinarmband mit Brillanten und Rubinen, das gar 4000 m. wert ist. Für die Wiederbeschaffung sind in allen Fällen angemessene Belohnungen ausgefeßt. Mitteilungen find an Kriminalkommissar Lobbes, Dienststelle C. 3, im Polizeipräsidium erbeten. Eine„ Volksgemeinschaft für Musikfreunde". Unter diesem Titel hat sich eine Gesellschaft gebildet, die den 3wed hat, nach dem System der Büchertreise und Buchgemein fchaften billige Grammophonplatten in der Bevölkerung abzufeßen. Die Volksgemeinschaft ist am Sonntag zum ersten Male mit einer eigenen Beranstaltung an die Deffentlichkeit getreten. Die Künstler, die die Bolksgemeinschaft ihren Freunden auf der Platte vorführt, zeigten sich gestern auf der Bühne des großen Saales im Lehrer vereinshaus am Alexanderplat. Ein Männerchor des Arbeiter fängerbundes leitete die Beranstaltung mit dem Vortrag einer Mozart Kompofition ein. Der Beifall war so start, daß der Verein mehrere Lieber zugeben mußte. Aus dem reichhaltigen Brogramm, das nicht immer geschickt zusammengestellt war, sind die Leistungen Johanna Storbets vom Deutschen Opernhaus und Eugen Translys erwähnenswert. Die Boltsgemeinschaft hat schon eine Reihe Gejangsvorträge son Arbeiterfängern auf Blatten übertragen. In nächster Zeit wird eine Platte fertiggestellt, die auf der einen Seite den neuen Reichsbannermarsch spielt und auf der anderen Seite eine Rede des Bundesvorstandsmitglieds Rungemann über bie Flaggenfrage wiedergibt. Das Mujittorps Reichsbanner Neukölln und das Neuköllner Reichsbannertambourforps haben Reichsbanner mufitoorträge auf die Platte übertragen laffen. Der Staatsanwalt nimmt die Berufung zurüd.co An einen Freispruch im Insterburger Helljeherprozeß wir hatten ihn in unserer gestrigen Morgenzeitung bereits vorausgefagt ist im Augenblick nicht mehr zu zweifeln. Nachdem das Experiment im Gerichtssaal gelungen war und die Zeugen eine Reihe geradezu verblüffende Beweise von den eigenartigen Fähigkeiten der Frau Günther- Geffers gehabt hatten, war die Position des Staatsanwalts völlig unhaltbar geworden. Es war deshalb ein offenes Geheimnis, daß er sich mit der Zurückziehung der Berufung trage. In der gestrigen Gerichtsverhandlung trat der Staatsanwalt tat fächlich den Rückzug an. Die Niederschlagung des Verfahrens stieß aber ganz unerwartet auf Hindernisse Hindernisse der Verteidigung. Dr. Winterberg erklärte im Namen seiner Mandantin, daß er seine Zustimmung zur Zurücknahme der Berufung nicht gebe. Die Angeklagte, sagte er, habe durch das Verfahren in der ersten Instanz Ihre und durch die Untersuchungshaft aufs schwerste gelitten. Ehrenhaftigteit fei angezweifelt worden. fondere sei fie durch die wiederholten Aeußerungen und Beröffent lichungen der drei Herren Hellwig, Bogel und Belz aufs schwerste diskreditiert worden. Ihre Verwandten haben in Berbin bung mit dem Prozeß die Beziehungen zu ihr abgebrochen. Und noch heute werde sie von vielen für eine Betrügerin gehalten. Das erste Urteil sei in bezug auf die tatsächliche Feststellung teine Reha bilitierung gewefen. Der Verteidiger bitte deshalb um ein Urteil, in dem die Leistungen der Angeklagten festgestellt werden. Gleich zeitig beantragte der Verteidiger, daß Frau Günther- Geffers eine Entschädigung für die unschuldig erlittene UnterLuchungshaft zugebilligt und die Kosten der Verteidigung dem Staat auferlegt werden. Die Staatsanwaltschaft hätte allerdings, bei geringerem Eifer, dem Staate die Kosten ersparen können. Funkwinkel. Insbes Berbis Opern erfreuen sich als Hebertragungen der Sende Spiele im Rundfunk mit Recht großer Beliebtheit. Denn diese Musit ist im besten Sinne volkstümlich. Man mag das große Pathos der Arien gelegentlich leise belächelnes reißt schließlich doch mit fort. Wie oft wurde der„ Troubadour" schon totgejagt. Trog feines jämmerlich schlechten Tertbuches lebt er in ungebrochener Straft meiter. Der Rundfunt brachte diese Oper diesmal aus der Staatsoper Unter den Linden in einer wohlgelungenen Uebertragung. Orchester und Stimmen tamen fauber und tonschön heraus, auch in recht tomplizierten Säßen. Am Nachmittag fchilberte Dr. Her mann Sieber die Entwicklung Amsterdams und gab dabei gleichzeitig eine anschauliche Einführung in die geschichtliche Entwicklung Hollands. Für die Schuhimpfung gegen Diphtherie", Die man zur Zeit in Berlin unentgeltlich an den Kindern vor nehmen lassen fann, sprach Prof. Dr. E. Seligmann, Direktor im Hauptgesundheitsamt der Stadt Berlin. Durch diese vorbeugende Impfung wird ein wirksamer Schutz gegen die in den letzten Jahren leider wieber ziemlich zahlreich auftretenden Diphtherieertrantungen geschaffen. Sehr oberflächlich behandelte Margarete Cdemmerer das Thema„ Muß man sich nach der Mode kleiden", Tes. wurden. hatte. Welcher Art dieser Aufwand war, ging aus der sehr inter effanten Aufstellung des Gerichts hervor. Go hielt der Herr Gene raltonful nach seiner Pleite den Kauf eines Mercedes- Wagen für 35 000 2., ferner zwei neue Rennpferde für 25 000 m. und außer bem einen Ausbau seines Rennstalls mit 60 000 M. für dringend erforderlich. Für seinen Privathaushalt benötigte dieser anspruchslose Mitbürger 80 000(!!) Mark und schließlich noch weitere große Summen für Schmudjachen. Das Reichsgericht wies den Antrag der Berteidigung auf Aufhebung des Urteils vernünftigerweije zurüd und verwarf die Revision. Der Bertreter der Reichsanwaltschaft erklärte hierzu, der Angeklagte fei megen feines unmäßigen Aufwandes verurteilt worden, wodurch er eine große Anzahl Gläubiger geschädigt hätte. Außerdem sei die Handlungsweise des Angeklagten aud) aus fozialen Gründen in jeder Hinsicht verwerflich. Eine Erklärung, der nichts hinzuzufügen ist. Erflärung, der nichts hinzuzufügen ist. Billige Fischtage. Besonders gute Zufuhr an lebendfrischen Fischen gibt Veranlassung zur Beranstaltung von preiswerten Fisch verkäufen. Es fommen zum Verkauf vom Donnerstag, den 10. Mai, lebendfrischer Kabliau im ganzen Fisch pro Pfd. 30 Pf., im Anschnitt entsprechend teurer, ferner lebendfrische schwedische Rotzungen und Nordseeschollen sehr preiswert. Berkaufsstellen sind burch Platate fenntlich gemacht. tempo. Maiprogramm der Stala. Zunächst die rein musikalischen Darbietungen. Paul Linde, der alt und allbeliebte Komponist, dirigiert eine Anzahl Schlager aus seiner Mufitrevue Einst und Jezt" und findet Beifall. Um auch dem heutigen Geschmad Kongeffionen zu machen, bersteigt sich Linde sogar zum traffen Modernismus, zur Wandlung einzelner Kompofitionen in das JazzZwei Wiener Planiftinnen, illi und Emmi Schwarz, voller Temperament und Charme, erobern sich mit ihrem Humor im Fluge die Herzen. Die Tanzfrage im Programm loft das spanische Revuetänzerpaar Juli Fernau mit einiger Bollendung. Ein Gegenstüd hierzu, in grotester Form, ist Tommy Song, der mit feinen elf Fuß sicher der größte Tänzer der Welt ist. Was Mr. Long mit seinen Stelzen an Grazie verloren geht, bringen ihm seine langen Beine, wenn er auf den Füßen" steht, wieder ein. Auch die Afrobatit ist im Programm reich vertreten. Verblüffend in seiner schwierigen Ausführung ist die Luftfenfation der Chavallis. Die chinesischen Gladiatoren, 5 Bells, zeigen in ihrer präzisen Arbeit, daß es auch mit Schwertern, Lanzen, Hellebarden, Dreschlegeln usw. möglich ist, Atrobatik auszuführen. Etwa auf gleicher Linie stehen die indianischen Waffenfünfte der Anena Truppe. Die wunder vollen bunten und weißen Kafadus, von Marifah vorgeführt, erfreuen allein durch ihren bloßen Anblid, ganz abgesehen davon, daß sie wirklich gut dressiert sind. LehrerWählerversammlung am Freitag, 11. Mai, 20 Uhr in Charloffenburg,„ Türfiiches Zeit, Berliner Str. 53( Rahe Knie, Straßen bahnverbindungen für Tiergarten und Moabit: 44, 45) Stadiv.Chersfudlendirektor Dr.Kawerau Kulturpolitik des Bürgerblocks Arbeitsgemeinschaft sozialistischer Lehrer und Lehrerinnen Berlins. Parteinachrichten Cinsendungen für diese Rubrik find Berlin G 68, Lindenstraße 3. gez. Marste, Schultz Deffentl. Wählerversammlungen Heute, Donnerstag, 10. Mai. teukölln. 93. und 96. Abteilung. 19% Uhr in der Albrecht Dürer Oberrealschule, Emjer Str. 137. Redner Bezirksverordnete Auguste Barthel und Dr. Kurt Löwenstein, M. d. R. Britz- Budow. 19% Uhr im Buschkrug, Rudower Str. 51. Redner Hermann Harnisch, M. d. L. straße Ede Scharnhorststraße. Redner Gertrud Hanna, M. d. L. und Albert Falkenberg. Schöneberg. 20 Uhr in der Uhlandschule, Kolonnenstraße 22/23. Redner Siegfried Aufhäuser, M. d. R. Treptow. 19% Uhr bei Irmer, Am Treptower Park 27, Vorführung des Wahlfilms Dein Schicksal". Redner Otto Meier, M. d. L. Lichtenberg. 19% Uhr in der Aula des Pestalozzi- Oberlyzeums, Köpenick. 19% Uhr im großen Saal des Stadttheaters, FriedrichPrinz- Albert- Str. 44. Rebner Rudolf Wissell, M. d. R. Adlershof. 19% Uhr in Wöllsteins" Luftgarten", Bismarckstr. 73/75. Vorführung des Wahlfilms„ Dein Schicksal". Rednerin Stadtverordnete Dr. Käthe Frankenthal. für Groß: Berlin Tiefwerder. 20 Uhr im Lokal Schulz, Tiefwerder 5. Redner Hans Wannsee. 20 Uhr im Lofal„ Lindenhof. Redner Friedrich Schlegel. ftets an das Bezittsjefretariat 2. of, 2 Trep. rechts. zu richten. 4. Rrcis Prenzlauer Berg. Eonnabend, 12. Mai, 19% Uhr, in den BrachtBauer. Buchholz. 20 Uhr im Lokal Rossack, Hauptstr. 71. Redner Georg Stieglitz. fälen am Märchenbrunnen( früher Gd weizergarten), große Abendfeier. Friedrichshagen. 19½ Uhr im Gesellschaftshaus, Friedrichstr. 137. Reichhaltiges Programm unter Mitwirkung namhafter Künstler. Ansprache: Unser Weg", Minna Todenhagen. Karten zu 30 Pf. bei allen Abteilungsleiterinnen. 5. Kreis Fricdrieshain. Die Abteilungsleiter werden gebeten, um 18 Uhr pünktlich nach dem Lokal Kromphardt, Paul- Singer- Str. 49, zu kommen. 11. Kreis Schöneberg. Anschließend an die öffentliche Wählerversammlung am Freitag, 11. Mai, Torstandssigung. Sonntag, 13. Mai, Flugblattver breitung in der Laubenkolonie des Südgeländes. Treffpunkt 10 Uhr bei Posenthal, Ebersstr. 66. Beteiligung aller Genofsinnen und Genossen ist Pflicht. 17. Heute, Donnerstag 10. mai. bt. 18 Uhr Antreten zum Umzug bei Müller, Uferstr. 12. 107. Abt. Deffentliche Bersammlung rm 20 Uhr in der Schulaula Alt- Glienice, Bortrag: Die Arbeitsschule." Rebner Lehrer Werlemann. Morgen, Freitag, 11. Mai. Redner Erich Kuttner, M. d. L. Wedding. Morgen, Freitag, 11. Mai. Pharusfäle, Müllerstraße 142. Redner Bürgermeister Paul Mieliz. Pazenhofer, Chausseestraße 64. Redner Dr. Kurt Löwenstein M. d. R. Schulaula, Grünthaler Straße 5. Rednerin Stadtverordnete Dr. Käte Frankenthal. Friedrichshain. 18 Uhr Treffpunkt zum Werbeumzug in der Straße Am Ostbahnhof. Abmarsch pünktlich um 19 Uhr nach dem Landsberger Play, unter Mitwirkung der Sozialistischen Arbeiterjugend und des Reichsbanners. Redner Bezirksverordneter Karl Litke. -14., 15., 16. Abt. Alle Genossinnen und Genossen beteiligen sich an der öffent. Prenzlauer Berg. Treffpunkt zum Werbeumzug 18% Uhr Brenzlichen Rundgebung im Bazenhofer Ausschant, Chauffeeftr. 64. 19. Abt. Alle Genoffinnen und Genossen beteiligen sich an der öffentlichen Sundgebung in der Schulaula Grünthaler Straße. 32. Abt. Treffpunkt zum Werbeumzug pünktlich 18% Uhr am Ostbahnhof. Sämtliche Genossen haben an dieser Beranstaltung teilzunehmen. Die Ord ner müssen pünktlich zur Stelle sein. 35. Abt. Treffpunkt zum Wetbeumzug um 18% Uhr auf dem Plaz am Oft. bahnhof. 36. Abt. Sämtliche Mitglieder treffen sich 18% Uhr zum Werbeumzug am Ostbahnhof. 37. Abt. Treffpunkt aur Demonstration 18 Uhr Petersburger Blak. 19 Uhr Abmarsch vom Ostbahnhof rechts. Wir erwarten vollzähliges Erfcheinen. 85. Abt. Tempelhef. 20 Uhr im Lofal But Linde", Werber, Ede FriedrichKarl- Straße, Gihung des Beamtenausschusses. 110. Abt. Grünan. 20 Uhr bei Berner, Röpenider Str. 125, Rahlabend. 124a Abt. Mahlsdorf- Süb. 20 Uhr bei Draber, Uhlandstr. 18, Funktionärsigung. Achtung, Bezirksamt Reinidenderf! Heute 19 Uhr im Lokal Freiheit", Reinidendorf- West, Humboldt, Ede Berliner Straße, Fraktionsverfammlung. Tagesordnung: 1, Vortrag des Genossen Alena: Der Rampf um die Macht." 2. Disfuffion. 3. Berfchiedenes. Butrift au dieser Versammlung haben alle im Bereich des Bezirksamts 20 bei der Stadtgemeinde Berlin beschäftigten Kollegen, Arbeiter, Angestellten und Beamten. Der Fraktionsvorstand. lauer Allee Ecke Danziger Straße. Dauer 1 bis 1% Stunden. Mitte. 7. 2btlg. 19% Uhr in Cornis Festsälen, Gartenstraße 6. Achtung! Um 18% Uhr Treffpunkt zum Werbeumzug Boyenstraße 6. Redner Marie Kunert, M. d. L. und Lorenz Breunig. Rezitationen, Aufführung des Wahlfilms ,, Dein Schicksal" unter Mitwirkung des Deutschen Musiker- Verbandes. Eintritt frei! Redner Pfarrer August Bleier. Lichtenrade. 19% Uhr im Lokal Stieler, Am Dorfteich. Redner Schmargendorf. 19% Uhr im Schützenhaus, Hundekehlestraße. Eduard Zachert, M. d. L. Dahlem. 19% Uhr bei Schilling, Königin- Luife- Straße. Redner Wilhelm Landa. Biesdorf. 20 Uhr in den Schillerfälen, Königstraße 120. Redner Dr. Otto Friedländer. Mahlsdorf. 20 Uhr im Lotal Kurland, Langestraße 9, Ede. Müllerstraße. Redner Albert Schmidt- Mahlsdorf. Männer und Frauen, erscheint in Maffen! Wählerinnen Kundgebung Freitag, 11. Mai, 19% Uhr. 131. Abilg. Niederschönhausen in Thieles Gesellschaftshaus, NiederSchönhausen, Bismardstraße 44. Genoffin Luife Kähler, M. d. L., spricht über„ Frauenforgen und Wahlen". Alle Genossinnen des 19. Bezirks sind eingeladen. Gäste willkommen. Was sagt der Bär? Frauenveranstaltungen. 29. bt. Adytung, Genossinnen! Wir beteiligen uns geschlossen an ber Abendfeier am Gonnabend, 12. Mai, 19% Uhr, in den Brachtfälen am Märchen brunnen. Rarten zu 30 f. das Stüd find noch bei der Abteilungsleiterin, Frau Schönfeld, Dunderstr. 79, zu haben; 119. bt, Richtenberg. Zur Wahlbefprednung treffen sich die Genoffinnen ber 119. Abt. Connabend, 12. mai, 18 Uhr, bei Park, Rittergut, Ede Möllen. dorfstraße. Wegen wichtiger Besprechung ist das Erscheinen aller Ge noffinnen Pflicht. 138. Abt. Hermsdorf. Unser Frauenabend ist auf Freitag, 11. Mai, 20 Uhr, perlegt. Wichtige Tagesordnung. Bollzähliges Erscheinen wird erwartet. Lokal: Dewald, Glienider Str. 5. Arbeiterwohlfahrt. 4. Kreis Prenzlauer Berg. Die für heute, Donnerstag, angefekte Besprechung fallt aus und findet dafür am Dienstag, 15. Mai, an bekannter Stelle, Bimmer 814, statt. 7. Streis Charlottenburg. Heute, Donnerstag, 19% Uhr pilnftlich, im Jugend. heim Rosinenfte, 4, furze, aber fehr wichtige Besprechung. Dafür fällt Freitag die Attenausgabe aus. Jungfojialiften Groß- Berlin. Abrechnung bez Beiträge usw. heute, Donnerstag, 10, Mai, ab 17-19 Uhr, Rindenste, 4( Bücherstube). Zur Wahlagitation eignet sich besonders bie Bro fchüre von Alerander Stein: Sungfozialisten und Arbeiterbewegung."( 0.25.) Heute in der Bücherstube in Empfang zu nehmen oder bei Kurt Bark, Ant werpener Str. 46, zu beftellen. Jungwählerinnbgebung gemeinsam mit der G43. unb ben fozialdemokrati. schen Stubenten am Freitag, 11. Mai, 19% Uhr, im Gaalbau Neukölln, BergStraße 147. Alle Mitglieder der Gruppen Reutölln I und II und Tempelhof Marienborf beteiligen fich restlos an dieser Wahlkundgebung. Bollzähliges Er Scheinen aller Genossen unbedingt erforderlich. Gruppe Reinidendorf- West. Seute, Donnerstag, pünktlich 20 Uhr, im Bugendheim Geidelstraße, Literarischer Abend. SAJ. und Gäfte willkommen. Ainderfreunde Groß- Berlin. Kreis Kreuzberg, Gruppe Südost: Ant Freitag, 11. Mai, um 20 Uhr, im SO Sugendheim Briger Straße, wichtige Selfertigung. Erscheinen aller Helfer ist Pflicht. Areis Charlottenburg: Sonntag, 13. Mai, findet auf unserem Spielplek Westend( Eingang auf dem Wege zum Familienbab), um 15 Uhr, unser Fellh. Tingsfest statt:„ Ein Frühlingstag bei den Rinderfreunden." Wir laden hierzu alle Eltern, Genossen und Freunde unserer Bewegung ein. Die SAJ. ist ganz besonders geladen. Eintritt frei. Borstandssigung am Freitag, 11. Mai, 20 Uhr, in der Geschäftsstelle, LindentStraße 3. SAJ Sozialistische Arbeiterjugend Groß Berlin casele m Einfendungen für biefe Rubrir nur an das Jugendfefretariat Berlin SW 68, Linbenstraße 3 Achtung, Abteilungsleiter! Es müssen unbedingt, soweit noch nicht ge. fchehen, die Flugblätter füle bie Jungmählerversammlungen abgeholt werden, Die Maizeitungen ber Arbeiter- Jugenb" müssen abgerechnet werden, Heute, Donnerstag, 19% Uhr. Röllnischer Part: Seim Behbenidet Gtt. 25. Montessori Enstem." Norden: Gruppenabenb fällt aus. Werbebegirlsmitgliederversammlung im Ledigenheim Schönstedtstr. 1. Moabit I und II: Beteiligung am Frauenabend Sanja: der 9. und 13. Abt., Turmste, 3, bei Großer. Turnen fällt aus. Beteiligung am Frauenabend der 11. Abt., Jagowstraße, bei Berger. Turnent fällt aus.- Schönhauser Vorstadt: Schule Delefener Str. 22. Fahrtenerlebnisse. Lantwig: Gemeindeschule Schulstraße. Arbeiterdichterabend. Lichterfelbe: Heim Albrechtstr. 14a. Funktionätversammlung. Behlendorf: Nordschule, Potsdamer Straße. Weltwahljahr 1928." Neukölln II: Heim Steinmeg firaße 114. Funktionärsigung. Wittenau: Seim Fofenthaler Str. 15. Seitere Dichtung. Cüdwesten: Treffpunkt zur Jungwählerversammlung 18% Uhr Blücherplaz. Bid tenberg- Norb: Wir gehen zur Wählerversammlung ber Partei Treffpunkt 19 Uhr Rote Ede. Melterengruppe Often: Heute 20 Uhr Tilfiter Str. 4-5. Referent Adolf Lau über Mythologie und materialistische Geschichtsauffassung." Werbebezirk Webbing: Werbebezirksmitgliederversammlung im Lebigenheim Schönstedtstr. 1. Jungwählerkundgebungen. Thema:„ Jungwähler! Wohin gehörst du?" Heute, Donnerstag, 10. Mai, in Rabes Festsälen, G. 59, Fichteftr. 29. Refe tenten: Reichstagstandidat Karl Litte, Georg Albrecht. Morgen, Freitag, 11, Mai, im Städtischen Saalban, Reukölln, Bergstr. 147. Referenten: Clara Bohm- Schuch, M. b. L., Ludwig Diederich. Beginn 19 Uhr. Werbebezirk Renten: Zur Jungwählerfunbgebung treffen sich alle Mitglieder pünktlich 19 Uhr Saalbau Bergstraße. Restlose Beteiligung ist Bflicht. Werbebezirk Often: Aelterengruppe Seim Tiffiter Str. 4. Morgen, Freitag, große Wahlbemonstration. Treffpunkt 18% Uhr Oftbahnhof, Fahnen mit bringen. Radfahrer 18% Uhr vor dem Heim Litauer Str. 18. Gämtliche Bet anstaltungen fallen aus. Reftlofe Beteiligung wird erwartet. Wetterbericht der öffentlichen Wefferdienststelle Berlin und Umgegend ( Machdt. verb.) Start wechselnde Belöltung, fübl, bereinzelt leichte Nieder fchläge, frische Nordwestwinde. Für Deutschland: Om Süden wollig bis beiter, obne Niederschläge, aber Nachtfrostgefahr, im Rorden noch etwas beränderlich. KON LINON JOSETTI JUNO Voff köstlichen Duffes bist du Baumblütezeit Aber dein Zauber ist vergánglich. Nur die Erinnerung an dich bleibt beim Genuß der duffigen Josetti Juno Berlins meistgerauchte 48 Cigarette fráge, Bereine u Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". 92 Geschäftsstelle: Berlin G. 14. Gebastianftr. 37/38, Sof 2 Tr. Donnerstag, 10. Mai. Prenzlauer Berg: Handballspieler und SportTer nach dem Training Treffen bei Beuge, Cantian-, Ede Milastraße. Köpenid( Ortsverein): Saalschutz in Friedrichshagen zu den Versammlungen der SPD. und DDP. Treffen 19% Uhr in Schröders Festsälen, Friedrich-, Ecke Geeftraße. Die herausgegebenen Mitteilungsblätter find den Unterkassierern zum Verteilen an die Kameraden zugestellt worden. Lichtenberg nebst Kameradschaften: 19% Uhr Pestalozzi- Lyzeum, Prinz- Albert- Straße. Saalschuß zur SPD.Bersammlung. 20 Uhr Zug, Kameradschaftsführer und Vorstand bei Hönow, Frantfurter Allee 263. Freitag, 11. Mai. Mitte: 19% Uhr 1., 3. und 4. Rameradschaft Gaalschutz ehem. Herrenhaus. 5. und 6. Kameradschaft Antreten 18% Uhr Bonenstr. 19 zum Saalschutz. Friedrichshain: 18% Uhr Antreten mit Musit und Fahnen auf den Sammelplägen der Kameradschaften. Pflichtveranstaltung. Wilmersdorf: Antreten 1914 Uhr pünktlich Fehrbelliner Plaz zum Umzug in Schmargendorf( mit Ortsverein Charlottenburg). Schöneberg- Friedenau: 19 Uhr Antreten zum Saalschuß in der Uhland- Schule, Kolonnenstraße. Röpenid( Ortsverein): 19% Uhr Filmvorführung der SPD. im Stadttheater, Röpenid:" Dein Schicksal", Eintritt frei. 8ivil mit Bundesnadel. Sonnabend, 12. Mai. Tiergarten: Propagandaumzug in Weften. Antreten 18 the Dennewit plag. Abmarsch 19% Uhr. Fahnen und Mufit. Prenzlauer Berg: 19 Uhr Kunstabend Märchenbrunnen, Friedrichshain. 1. Marschtameradschaft Gaal. schuß. Kreuzberg: 18 Uhr pünktlich Fontanepromenade Antreten zum Propa gandaumzug. Wilmersdorf: 19 Uhr Antreten Hochbahnbhf. Bülowstraße mit Musik und Fahnen zur Rundgebung mit Ortsverein Tiergarten. Röpenid: Rameradschaften Röpenid und Friedrichshagen Gaalschuß in Wilhelmshagen. Abfahrt 18% Uhr Bhf. Röpenid. 7 Minuten später ab Bhf. Friedrichshagen. Bohnsdorf und Grünau 19% Uhr Saalschutz zur DDP.- Bersammlung in Sanders Hotel, Grünau. Sangesfreudige Genoffen, die die Arbeiterfängerbewegung fördern wollen, werden gern aufgenommen in einem mittleren Chor, der bestrebt ist, die Kunst des Boltsgesanges auch in Arbeiterkreisen weiter zu entwickeln. Austunft erteilt A. Fischer, Berlin D. 112, Schreiner Str. 33, 1. Aufg., 1 Tr. Mieterbund des Verwaltungsbezirks Steglig, e. B. Freitag, 11. Mai, 20 Uhr, im Restaurant Bum Bazenhofer", Steglig, Breite Str. 40( an der Albrechtstraße), öffentliche und Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Die Was Mieterschaft im Wahlkampf." Referent 1. Borsigender, Amtsrat Wilg. erwartet die Mieterschaft vom neuen Reichstag und der Regierung?" Referent Herr Heinzerling. Aussprache. Beantwortung von Anfragen durch den Syn ditus Rechtsanwalt Hans Levn. 20 Bergrößerungsbau Schuhhans Behrndt. Die Schuhfirma Friz Behrndt, Münzstraße 25, hat ihre Verkaufsräume bedeutend vergrößert und damit hat auch die Schaufensterfront eine große Bereicherung erfahren. Man will auch hier, dem neuen Geschäftsprinzip folgend, versuchen, durch möglichste Spesenverringerung die Ware so preiswert wie irgendmöglich loszuschlagen. Dem Dienst am Kunden wird noch dadurch befonderer Raum gewidmet, daß die Verkäuferinnen Gehilfinnen zu den verschiedenen Handreichungen haben, so daß sie sich um so besser in beratender Weise dem Kunden widmen können. Durch diese Zeitersparnis sollen sie in die Lage versetzt werden, erhöhte Ver= kaufsmöglichkeit zu erzielen, deren Erfolg wiederum sowohl dem Inhaber, wie der Verkäuferin selbst für jedes verkaufte Stück gibt es eine Prämie zugute kommt. Donnerstag, den 10., Freitag, den 11., und Sonnabend, den 12. 3 besonders billige Verkaufstage Ständiges Lager von ca. 1000 Teppichen Größen Brücken, Vorlagen, Tisch- u. Diwanderken in allen Gren Erstklass. Fabrikate und Qualitäten. darunter große elegante sa 40% herabgesetzt Herren- u. Speisezimmer- Exemplare teilweise bis zu Nachstehend einige Beispiele d. billigen Preise 170X240 200X300 1230X330 250X350 300X400 1300X500 218. 32.- 19.- 58.- 32- 68.- 36.- 78.- 42.- 148.- 350X450 278.45.- 38.- 87.- 87.- 98.- 42-128.- 89.- 178.- 400X500 385.14.21.Seit 1897 in Größtes Teppichlager, Bin.- Schöneberg, nur Hauptstr.5 Theater, Lichtspiele usw. Donnst., 10. 5. 28 Staats- Oper Unter d. Linden Ab.-V. 9. Anf. 19( 7) U. Donnst., 10. 5.28 Städtische Oper Bismarckstr. Turnus I Anf. 20( 8) U. Rosen- Rheingold kavalier Staats- Oper Am Pl.d. Republ. Ab.-V. 4. Anf, 19%( 7%) U. Staatl. Schauspielh. Am Gendarmenmarkt Ab.-V. 92. Anf. 20( 8) U. Puccini- Abend: Prinz Louis Der Mantel Schwester Angelika Gianni Schicchi Ferdinand Staatl. Schiller- Theater, Charltbg. Anfang 20( 8) Uhr Faust, I. Teil Volksbühne Theater am Bülowplatz| Th. am Schiffbauerdamm 8 Uhr: 8 Uhr Was ihr wollt Der Zigarettenkasten SCALA S Uhr Nollendorf 7360 Paul Lincke sowie das internat. Varieté- Programm Bismarck Theater am Kurfürstendamm 6915/16 Täglich 8.30 abends J. Jushny Theater Der blaue Vogel Neues Progr.: Wohin rollst du Aepfelchen und andere 12 Inszenierungen Komische 3, Uhr Oper 8, Uhr JAMES KLEIN'S gewaltiges neues Revue- Stück: Zich' dich aus! 200 Mitwirkende. Vorverkaut ab 10 Uhr ununterbrochen. CASINO- THEATER 8 U. Lothringer Str. 37. Die schwebende Jungfrau Ausschneiden Gutschein 1-4 Pers Fauteui nur 1.10 M. Sessel 1,60 M. Renaissance- Theater Steinplatz 901. 8Uhr: Krankheit der Jugend Reichshallen Theater Abends 8 Uhr, Sonntag nachm. 3 Uhr Stettiner Sänger ,, Stuckes Pfingstfahri" Nachmittags halbe Preise Dönhoff- Brett'i: ( Saal u. Garten). Varieté, Tanz. Kapelle Wilhelm Frenke Beutsches Theater Berliner Theater Kammerspiele Norden 12 310 Charlottenstr.90/ 91. Dönh.170 8 Uhr, Ende nach 10 84 U. Ende geg. 11 Pygmalion Gastspiel d. Deutschen Th. von Bernard Shaw Der Prozek dtsch. v. Siegfr. Trebitsch Mary Dugan Bismarck 2414/7516 Die Komödie Rose- Theater 81% U. Ende 10% U Gr. Frankf. Str. 132 ,, Die Kassette" 66 8 Uhr: Komödie von Carl Sternheim- Hopfenraths Erben Das Beste 81 Norden 12310 U., Ende nach 1 Zum 115. Mal Finden Sie, daß Constance sich richtig verhält? Thalia- Theater Dresdener Str. 72-73 Dyckerpotts Erben Täglich 8 Uhr Schönes Haar jedes Jahr! " Wie wundervoll weich ist Dein Haar!" Wie schön ist Ihr Haar, solange es gesund ist. Und gesund bleibt Ihr Haar, solange Sie es regelmäßig pflegen. Waschen Sie also Ihr Haar nicht gelegentlich", sondern jede Woche z. B. jeden Freitag abend mit dem milden, altbewährten Schwarzkopf- Schaumpon. Sofort nach dem Waschen ist Ihr Haar locker, duftig und wunderschön glänzend! 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" Lebewohl hat sie vertrieben." # 66 MOLLE *) Gemeint ist natürlich das berühmte, von vielen Aerzten empfohlene Hühneraugen- Lebewohl und Lebe wohl Ballenscheiben, Blechdose( 8 Pflaster) 75 Pfg., Lebewohl- Fußbad gegen empfindliche Füße und Fußschweiß, Schachtel( 2 Bäder) 50 Pfg., erhältlich in Apotheken und Drogerien. Wenn Sie keine Enttäuschungen erleben wollen, verlangen Sie ausdrücklich das echte Lebewohl lin Blechdosen und weisen andere, angeblich ebenso gute" Mittel zurück, Nr. 21945. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Und noch mehr Sozialpolitik! Entlastung der Kapitalisten oder Befreiung der Arbeit? Die Sozialdemokratie ist die einzige Partei, die keine besondere Begründung dafür nötig hat, daß sie mit sozialpolitischen Forderungen auftritt. Sie treibt Sozialpolitik, weil sie die fozialdemokratische Partei ist. Sozialpolitik bedeutet nichts anderes als der Schutz der Interessen derjenigen Bevölkerungsschichten, die in der Sozialdemokratie die berufene Bertreterin ihrer Interessen haben. Deshalb ist Sozialpolitit für die Sozial demokratie eine Selbstperständlichkeit, während alle bürgerlichen Parteien erst durch das Auftreten der Sozialdemokratie zur Sozialpolitik gezwungen wurden. Wenn die eine oder die andere nicht sozialistische Partei jetzt für sich beansprucht, freiwillig die Initiative in der Sozialpolitik ergriffen zu haben, oder eine führende Rolle" darin einzunehmen, so widerspricht das der geschichtlichen Wahrheit. Am lautesten werden solche Ansprüche erhoben. von der Zentrumspartei die wirtschaftlichen Verhältnisse der Arbeiter nicht auf einen befriedigenden Stand gebracht wurden, konnte es doch leicht tommen, daß auch die katholischen Arbeiter der revolutionären Sozialdemokratie in die Arme getrieben wurden." Donnerstag, 10. Mai 1928 fämpfe, die zum Frühjahr zu erwarten waren, zu überstehen. Die Gewerkschaften beschwören eine Katastrophe herauf! Was sehen wir nun: froß der Katastrophenpolitik des scharfmacherischen Unternehmertums, trotz der wahnsinnigen Sperre für Auslandsanleihen bleibt die Konjunktur stabil, und wenn sie nicht ewig stabil bleiben wird, so liegt das an den allgemeinen Bedingungen der kapitalistischen Entwicklung, die wir durch unsere Sozial- und Wirtschaftspolitik durchbrechen und dann beseitigen wollen. Die wirtschaftliche Vernunft ist auf unserer Seite. Noch in feinem Falle hat sich die Durchsetzung der sozialpolitischen Forderungen der Sozialdemokratie als Bedrohung der WirtTrotzdem verstehen wir es durchaus, daß die„ Wirtschaft" schaft( und zwar der Wirtschaft ohne Gänsefüßchen!) erwiesen. - mit hat. Das, was für uns die Gesundung der Bevölkerung, den Schutz Gänsefüßchen feine Vorliebe für den Ausbau der Sozialpolitik der Arbeiterschaft, die Stärkung der wirtschaftlichen und dadurch auch der politischen Macht der arbeitenden Massen, das Vordringen eines dem Wohle der Allgemeinheit dienenden Wirtschaftssystems bedeutet, wird von dieser Wirtschaft" mit Recht als Bedrohung ihrer Herr= Sozialisten" immer lauter wird, so ist das ein Zeichen dafür, daß die Lage wirklich ernsthaft kritisch wird, jedoch nicht für die deutsche Abwehrmittel gegen die„ verführerischen Einflüsse der marxistischen Die sozialpolitische Betätigung des Zentrums war also als ein Lehre" gedacht; sie war nicht aus dem aufrichtigen Bestreben, die Notlage der arbeitenden Massen zu lindern, sondern aus der Furcht vor dem Vormarsch der revolutionären Sozialdemokratie entstanden! Das„ Einerseits- Andererseits" der bürgerlichen Parteien. Nicht das Zentrum allein, sondern auch die übrigen bürgerschaft betrachtet. Und wenn das Geschrei von den untragbaren lichen Parteien müssen heute gewisse Rücksichten auf die arbeitenden Massen nehmen, und zugeständnisse an die Arbeiterschaft machen. Die Wir wollen dieser Partei ihre Aktivität auf sozial- Partei zu sozialpolitischen Stellungnahme jeder bürgerlichen Wirtschaft, sondern für die herrschende Wirtschaftsord= politischem Gebiet nicht streitig machen, wir wollen diese Aktivität nur in die richtige historische und politische Perspektive setzen. Dabei fönnen wir uns auf zuverlässige Zeugen aus den Reihen der Zentrumspartei selbst berufen. G. von Hertling, der verstorbene Zentrumsführer, der in seiner Partei als hervorragender Fachmann für Sozialpolitik galt, äußert sich zu dieser Frage in seinen„ Erinnerungen"( I. Band, S. 322). Hertling spricht von dem berühmten Bischof Ketteler als dem Mann, der als einer der ersten auf die großen sozialen Fragen der Gegenwart hingewiesen" hat, und unmittelbar danach macht er folgende Feststellung: ,, Immer lauter waren die Fragen erhoben worden, seitdem die sozialdemokratische Partei auf dem Plane erschienen war und unerbittlich die Schäden ans Licht zog, welche die Entwicklung des modernen Wirtschaftslebens gezeitigt hatte. Auch die gefeßgebenden Faktoren des Reiches fonnten nicht länger untätig bleiben." Diese Feststellung bezieht sich auf die Entwicklung der Zentrumspolitik in den 70er Jahren. Völlig übereinstimmend damit schildert Dr. Karl Bach em diese Entwicklung im 3. Band( S. 325) seiner monumentalen Geschichte der Zentrumspartei: ,, Die Sorge um das moralische und materielle Wohl aller Boltsklassen, welche von ihrem( der Zentrumsfraktion) Programm gefordert wurde, mußte sich auch auf das Wohl der industriellen Arbeiter erstrecken, deren Lage sich rasch verschlechterte. Die Wirkung der zusehends sich verstärkenden fo= zialdemokratischen Agitation machte sich mehr und mehr fühlbar. Zwar widerstanden einstweilen die katholischen Arbeiter den verführerischen Einflüssen der margistischen Lehre besser als die protestantischen, zumal da mit der Agitation für den ökonomischen Margismus einherging eine offene Propaganda für die materialistisch- atheistische Weltanschauung. Wenn aber Fragen ein zwischen verschiedenen, weit auseinander gehenden Bestrebungen, die fich innerhalb der Partei geltend machen. Einerseits hat man es nötig, die Stimmen der Arbeiter, Sozialrentner usw. zu gewinnen bzw. zu behalten, andererseits find jedoch tapita listische oder großagrarische Interessen für die allgemeine Richtung der Politik maßgebend. Man gibt nicht gern zu, daß es sich hier um verschiedene Klaffeninteressen handelt, und man versucht, den Eindruck zu schaffen, als ob die sozialpolitischen Forderungen der betreffenden Partei nur durch höhere wirtschaftliche Erwägungen eingeschränkt würden. Dafür hat man die Formel geprägt: Sozialpolitik in den Grenzen des„ wirtschaftlich Möglichen". Diese Formel richtet sich mit ihrer Spize gegen die Gewerkschaften, namentlich gegen die freien Gewerkschaften und gegen die Sozialdemokratie. Wir sind es, die das wirtschaftlich Unmög liche fordern; unsere Forderungen sind für die Wirtschaft untragbar. Wir wünschen aufs stärkste, daß sich alle Wähler, die nicht zu der privilegierten Schicht der Befizenden gehören, jezt dieser Vorwürfe entfinnen. Wie oft wurde es uns in den letzten Jahren vorgeworfen, daß unsere ,, einseitige" Politik der Begünstigung der Arbeiterklasse jeben wirtschaftlichen Aufschwung unmöglich mache. Die Geschichte hat diese Behauptungen Lügen gestraft: unsere Politit hat feste Grundlagen für den wirtschaftlichen Aufschwung geschaffen, weil sie es verhindert hat, daß man die Festigung der Kaufkraft der breiten Massen unterband, um noch höhere Profite erzielen zu können. Noch vor ein paar Monaten hat man behauptet, daß die schwankende Konjunktur nicht imſtande sei, die Tariffündigungen und Lohn ordnung von heute auf morgen zusammenbrechen kann, sondern in dem Sinne, daß die Richtung der künftigen Entwid Iung schon jetzt zur Entscheidung steht. Borwärts auf dem Bege über den Ausbau der Sozialpolitik des einheitlichen Arbeitsrechts und der öffentlichen Regelung zur grundsäglichen Umbildung der Wirtschaft, oder zurück zur Entlastung des Unternehmers und zur Befreiung" der kapitalistischen Wirtschaft von den sozial- und wirtschaftspolitischen Fesseln! Es muß uns flar werden: Wir ziehen in den Vorpostenkampf für den Sozialismus! Entweder werden wir in den nächsten Jahren neue und günstigere Positionen für unseren Vormarsch erobern, oder die organifierte Kapitalsmacht wird uns in die Verteidigung zurückdrängen. Dem Sozialismus die Zukunft so lautet unfer Be fenntnis. Aber um dem Sozialismus die Zukunft zu sichern, müssen wir jetzt auf allen Bereichen unseres Wirtens einen gewaltigen sozialistischen Aufmarsch einleiten und durch einen großen sozialdemo kratischen Wahlfieg die Grundlagen für die sozialistische Aufbauarbeit in der Gegenwart schaffen. Wir stehen jetzt am Scheidewege, und es gilt, am 20. Mai durchzusetzen, daß in unserer Gegenwart der Weg in die sozialistische Zukunft verbreitert wird. Bereinigte Elektrizitätswerte Westfalen gliedern sich WasserWie wir von der Bereinigten Elektrizitätswerte traftwerke an. Westfalen G. m. b. 5. in Dortmund erfahren, hat der Kreis Meschede, der drei Wasserkraftefeftrizitätswerte in seinem Belig hat, öffentlich ist, mit Wirkung vom 1. April übertragen. Der Kreis diese rein öffentlichen Kraftwerke der VEW., die ebenfalls ren Meschede erhält neben einer Kapitalabfindung eine entsprechend erhöhte Beteiligung am Gesellschaftstapital der BER. Wo..Gutes" sich mit ,, Billgem paaretda gibt es einen guten Kauf! Bei uns finden Sie Kleidung, die auch verwöhnten Ansprüchen und peniblem, Geschmack gerecht wird. Und bei uns finden Sie Preise, die auch der einfachsten, spársamsten Dame erschwinglich sind. Daran denken Sie, wenn Sie Ihre Pfingstkleidung kaufen Hauchduftiges Sommerkleid aus Bordüren- Voile mit derhochmodernen Tupfenmusterung. 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Die Gesellschaft, die ein rein staatliches Unternehmen ist, wurde durch Gesez vom 24. Oktober v. J. begründet. Sie ist entstanden aus der Notwendigkeit, die elektrizitätswirtschaftlichen Unternehmen und Beteiligungen des preußischen Staates in einer einheitlichen Organisaton zusammenzufaffen. Wir Sozialdemokraten müssen, vom Standpunkte unserer Bartei aus, Sie Unternehmungen der öffentlichen Hand einer forge fältigen Kritit unterziehen. Die Kritik wird freilich gegenüber dem vorliegenden Bericht der Preag sich zurückhalten müssen, weil es sich um das erste Geschäftsjahr der Gesellschaft handelt, weil dieses Jahr mur 9 Monate umfaßte, nämlich die Zeit vom 1. April bis 31. Dezember v. J., und weil die Gesellschaft tatsächlich erst am 31. Ottober v. J. begründet wurde, sie also in den Berichtszeitraum nur während zweier Monate eine wirkliche Tätigkeit ausüben fonnte. Anwachsen der Stromabgabe. weil ihre Energieabgabe erstens abhängt von dem Borhandensein des Waffers und zweitens davon, daß die Talsperrenverwaltungen auch die Ausmuzung des Wassers, d. h. das Ablassen des aufgestauten Inhalts erlauben. Die Interessen der Schiffahrt hinsichtlich Belieferung mit Waffer stimmen zeitlich keineswegs überein mit denjenigen Zeiten, zu denen die Elektrizitätswirtschaft die Energie benötigt. Der erste Geschäftsbericht der Breag zeigt die Dinge mehr in dem Zustande, in dem sie von der Gesellschaft übernommen wurden, als daß er eine eigene Tätigkeit der neuen Gesellschaft wiedergibt. Die Preag ist zu dem Zwecke begründet worden, die bisherige staatlich- bureaukratische Verwaltung der verschiedenen zerstreuten Objekte zu ersetzen durch eine einheitliche Geschäftsführung nach industriell wirtschaftlichen Gesichtspunkten. In dieser Hinsicht ist es wichtig, daß neue, leistungsfähige Kräfte in der Gesellschaft aktiv geworden sind. Die Listen fähige Kräfte in der Gesellschaft aktiv geworden sind. Die Listen des Aufsichtsrats wie des Vorstandes weisen neue Namen auf, so 3. B. steht an der Spitze des Aufsichtsrats der Genosse Dr. Staudinger, während in den Vorstand der Generaldirektor Dr.- Ing. Fran? berufen worden ist. Es steht zu erwarten, daß es der neuen Organisation gelingen wird, die preußischen staatlichen Elektrizitätsunternehmungen weiter aufwärts zu entwickeln. Im übrigen bleibt mir noch zu wünschen, daß die Geschäftsberichte in Zukunft einen weniger knappen Inhalt aufweisen und mehr. Angaben über die technischen und wirtschaft lichen Leistungen des Unternehmens enthalten, als dies in dem ersten Dr.- Ing. W. Majerczit. Die Gesamtstromabgabe ist im Jahre 1927 auf 572 Millionen Kilowattstunden gestiegen gegenüber 470 Millionen im Vorjahre. Das ist eine Steigerung um 24 Proz3., wie sie in diesem Ausmaße nicht allenthalben in Deutschland im Jahre 1927 zu beobachten war. Die oben genannte Zahl von 572 Millionen Kilowattstunden setzt sich folgendermaßen zusammen: Stromabgabe in den eigenen Betrieben der Breag. 290 Mill. kwst Bericht der Fall ist. Nordwestdeutsche Kraftwerke A.-G. Braunkohlenindustrie A.-G. Zukunft" W zusammen 135" 147" 572 Mill. kwst " PP Das letztere Unternehmen, die Zukunft", ist in diesem Jahre auf Grund des Verständigungsabkommens mit dem RW E. dem sogenannten„ Elektrofrieden", an das RW E. abgetreten worden. Nach Ausfall der„ Zukunft" stellen die preußischen staatlichen Elektrizitätsunternehmungen einschließlich der Norddeutschen Kaftwerke eine Stromabsatzmenge von 425 Millionen KilowattstunDie Gewinn- und Berlustrechnung den dar. weist folgende Bruttoerträgnisse aus( abgerundet auf volle 1000 m.): 3insen 155 000 m., Erneuerungsrücklage 3 128 000 m., Reingewinn 2581 000 m., zusammen 5 864 000 m. Das bedeutet, bezogen auf das Aktienkapital von 80 000 000 m., ein Bruttoerträgnis von 7,33 Proz. für 9 Monate oder 9,77 Pro3. für 12 Monate. Das verhältnismäßig geringe finanzielle Resultat erflärt sich einerseits daraus, daß verschiedene Anlageteile, wie z. B. die Braunkohlengrube und das Kraftwerk Borken, erst in der Entwicklung begriffen sind, zum anderen haben mehrere der finanziellen Beteiligungen der Breag, z. B. die Nordwestdeutschen Kraftwerke, die Ostpreußenwert- 2.- G., die Ueberlandwerk Oberschlesien- 2- G. usw., nur geringe Dividenden ausgeschüttet. Auch die verhältnis mäßig große Stromerzeugung aus Wasserkräften ist wenig geeignet, das finanzielle Ergebnis des Gesamtunternehmens zu heben. Von der Stromerzeugung nebst Fremdstrombezug der Breag in ihren eigenen Anlagen entfielen 102 Millionen Rilowattstunden gleich 31,7 Proz. auf die Stromerzeugung aus Wasserkräften. Diese Wasserkraftwerke liegen teilweise an Talsperren, die für Hochwasserschutz und Schiffahrtszwecke gebaut wurden( Edertalsperre, Diemeltalsperre). Derartige Talsperrenkraftwerke sind im Sinne der Maschinenbau mit Lage unzufrieden. Aber fein Wort gegen drohende Eisenpreiserhöhung. Der Aprilbericht des Vereins Deutscher Maschinenbauer ist nicht sehr optimistisch. Der im März festgestellten geringen Saisonbelebung lei im April durch den Rückgang der zustandegekommenen Abschlüsse durch vermehrte Auslandsaufträge der Ausfall wenigstens eine Abschwächung des Inland geschäftes erfolgt. Doch sei zum Teil ausgeglichen worden. Der zum großen Teil noch auf alten Aufträgen beruhende Beschäftigungsgrad war im ganzen unverändert. Geflagt wird über die mangelhafte Beschäftigung der Werkzeugmaschinen-, Landmaschinen-, Lokomotiv, Kraftmaschinenund Papiermaschinenindustrie, wobei besonders auf den von ver= fchiedenen Gruppen des Reichslandbundes inszenierten örtlichen Raufstreit der Landwirtschaft hingewiesen wird. Die Gesamtlage im deutschen Maschinenbau sei dadurch gefenn zeichnet, daß die Entwicklung des Inlandsgeschäftes seit Beginn des Jahres stode, daß dafür aber der Auftragseingang aus dem Ausland durch die in den europäischen und meisten überseeischen Ländern fich fortfeßende Konjunkturbewegung dauernd gestiegen sei. Mit Recht wird darauf hingewiesen, daß die Teilnahme am ausländischen Ronjuntturaufstieg die Rückwirkungen des sintenden Inlandabsatzes aufzufangen erlaube, und daß es die wichtigste Aufgabe einer wohl= überlegten Ronjuntturpolitit fei, mit allen Mitteln Deutschland durch vermehrte Ausfuhr an der Belebung der Aus landsmärtte teilnehmen zu lassen. Sehr mit Unrecht wird darauf verzichtet, auf die Gefahren der drohenden Eisenpreiserhöhung gerade für die Maschinenindustrie hinzuweisen, Bolitik der falschen Front zum Nachteil seiner Mitglieder und allein zugunsten der scharfmacherischen Tendenzen in der deutschen Schwerindustrie fortzusetzen gedenkt. 25 Jahre Warenhaus- Verband. Der Verband Deutscher Waren und Kaufhäuser, der in diesem Jahre sein 25jähriges Bestehen feiert, gab auf seiner Jubiläumstagung eine programmatische Erklärung ab, der wir einige bemerkenswerte Punkte entnehmen. unternommen Angesichts der Tatsache, daß die Masse der Bevölkerung die Bedeutung der Warenhäuser innerhalb des Verteilungssystems ertannt hat, wird gegen die Vorstöße Stellung genommen, die aus traditionellen und agitatorischen Gründen noch immer gegen die Entwicklung der Warenhäuser werden. Die Entwicklungslinie der Zusammenfassung aller Kräfte im Einzelhandel laufe den gleichen Weg, wie die Zusammenschlüsse in der Industrie, im Bankgewerbe und Großhandel. Das Warenhaus fühlte sich als Anwalt des Verbrauchs, indem es durch Massenaufträge preisfentend wirke, dadurch den Reallchn erhöhe und somit Kulturbedürfnisse in die breiten Massen hineinträgt. Somit habe das Warenhaus zur Demokratisierung der Bedarfsdeckung beigetragen. Die Preise steigen. Die für den Monatsdurchschnitt April berechnete Großhandelsinderziffer ist gegenüber März um 0,7 Proz. auf 139,5 Proz. gestiegen. Die Inderziffer für Agrarstoffe erhöhte sich um 1,7 auf 133,5, die für Kolonialwaren um 1,9 auf 136,3, die der industriellen Rohstoffe und Halbwaren um 0,2 auf 133,8 bzw. 157,6 Prez. Elektro- Corenz A.-G. hat gute Gewinne. Die C. Lorenz A.-G., Telephon- und Telegraphenwerte in Tempelhof, die seit der Inflation ihren Aktionären gute Dividenden zahlen tennte wird der Generalversammlung auch 1927 wiederum 6 Proz. vorschlagen. Bemerkenswert waren die Kurssteigerungen, denen neben anderen Schwachstromwerken auch die Lorenz- Aktien in der der Siemens- Konzern in Betracht kommen, der bei der letzten Zeit unterlagen. Da Lorenz auch eine Signalbauabteilung unterhält, so könnte als Interessent beim Aktienkauf in erster Linie fürzlich erfolgten Signalbaufusion Judel- Siemens- AEG. der stärkste Teilhaber war. D Zwölf Prozent Saroffi- Dividende. Weitere Mechanisierung der Betriebe. Die Schokoladenindustrie gehört im allgemeinen zu den Industrien, die in guten wie in schlechten Zeiten ihr Schäfchen ins Trodne zu bringen wissen. So haben auch die Krisenjahre 1925-1926 die Sarotti 2. G. in Berlin- Tempelhof, die mit faft 3000 Mann Belegschaft zu den größten deutschen Schokoladenfabriten Deutschlands zählt, nicht gehindert, ihren Aktionären 12 Proz. Dividende zu zahlen. Für das sehr gute Konjunkturjahr 1927 zahlt die Gesellschaft ihren Aktionären Gewinne in gleicher Höhe. Die tatsächlichen Gewinne sind aber höher. In welchem Ausmaß die Gesellschaft mehr verdient hat, zeigt schon die Tatsache, daß die Sarotti A.-G. in den letzten drei Jahren fast 3,5 millionen Mart für Abschreibungen verwandt hat und andererfeits zur Modernisierung ihrer Werte weit über eine Million neu investierte. Diese enormen Ausgaben tonnfen nicht nur aus laufenden Betriebsgewinnen ohne fremde Kredite werden, sondern es wurden außerdem größere Reserven geschaffen. Schließlich wurde auch im letzten Jahre mit der Zurückzahlung der Schulden fortgefahren, so daß diese nur noch 2.1 gegen 3,5 Millionen Mark im Borjahr betragen. Die bisherige Tagesleistung von 30 000 Kilogramm dürfte durch die Mechanisierung der Betriebe jetzt schon überholt sein. bezahlt Besonders günstige Pingstangebote Herren- Sakkoanzüge, Mk, 120,-90-75-60-50-45; neve Formen u. Farben, Herren- Sportanzüge nach engl. Art gemustert mit kurzer ulanger Hose Lodenmäntel, für Damen und Herren Mk. 42-36-30-27-24-15 Manchester Sport- 35anzüge Mk.45-40, Mk. 117-105-95-75-66,- 55; Loden- Sporfanzüge 27 Herren- Ulster modern gemusterte MK.90,-70-60, MK. 60,-45,-36te Stoffe Ruderjacker, 40-36; 30Herren- Paletots mit Samtkragen, farbige Shetlandstoffe, Mk100,-90-75 Damenmäntel, modern karierte Frühjahrsstoffe in Feschen Formen, Mk. 42-32,-25, Gummimantel für Damen u. Herren Mk 33,-30,24-21-18Trench Coat für Herren, 55 45 MK, 9,50 8Strandhosen, weiss.750 Tennishosen, Mk: 24-21-19,50 1650 1933 Wollsweater, 18,50 15,0 Bademäntel, von 125 Breeches. 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Man weicht den Mop nachtsüber in einer heissen JenkoBleichsoda- Lösung ein und kocht ihn am anderen Morgen 14Shunde in einer kalt angerührten Persillauge, Dann ist er wieder ladellos sauber und saugfähig. Persil der vielseitige Helfer tz;z. Unterhaltung unö Wissen In der Herberge. Stimmungsbild aus dem österreichischen Landstreicherleben. Ich war einmal gezwungen, drei Wochen in einer mittleren österreichischen Stadt zu verbringen. Und zwar niuhte ich auf meinen Pah warten, den mir das italienische Konsulat schicken sollte. Drei Wochen in einer Stadt bleiben, wird nicht so gefährlich sein, wird man sich denken. Dabei zieht man aber sicher nicht in Be- tracht, daß ich ein Landstreicher war und schon deshalb keinen Pfennig in der Tasche hatte. Außerdem war es Frühling und ich ivar achtzehn Jahre. Ich verdiente zwar jji den letzten zwei Wochen allerhand Geld, muhte aber doch, erstens meiner pekuniären Lage willen, zweitens aus dem einfachen Grunde, weil es inkereffanter war, in der Herberge für fahrendes Volk schlafen. Sie befand sich in einen, plumpen grauen Hause, an dem von ihr nichts angeschrieben stand. Unten in dem.Hause war eine Kneipe. In der Herberge schliefen auher den Lcmdstreichmt noch die Bettler und sonstiges obdachloses Volk der Stadt. Es war ein Schlafvauin vorhanden. Dieser wurde um neun Uhr geöffnet. Bis dahin muhte alles sich versammelt haben. Die Menschen wurden dann aufgeschrieben und erhielten Einlah. Bisses aber neun Uhr war, sahen sie alle in einem Extraraum der Äneipe. Sie kamen schon um 6 Uhr an. Aus allen Winkeln der Stadt krochen sie zu- fammen. Und hier sahen sie dann, tranken Bier, fluchten, stritten und machten die Bude blau vor Rauch. Alle Typen waren vor- Händen, vom Berufsbetller bis zum heruntergekommenen Poeten. Als ich am ersten Abend um 8 Uhr eintrat, blieb ich an der Tür stehen. Was für ein entsetzlicher Geruch und Qualm war hier drin. Kein Mensch sah zu mir hin. Alles Interesse war auf die Mitte des Raumes konzentriert. Dort gab«in Athlet mit stupidem Säufer- gesicht eine Vorstellung. Als er fertig war, ging er sammeln. Ich wunderte mich, wie die Menschen, die doch selbst nichts hatten, ihre Kupfer aus der Tasche holten. Ich betrachtete mir ihre unrasierten, elenden Gesichter. Was mögen sie für Schicksale haben. Fast alle hatten ein Glas Bier vor sich zu stehen. Die meisten tranken aber gar nicht, liehen das Bier balbvoll stehen und, mir schien es, als versuchten sie, trotz ihres erbärmlichen Aeuheren, würdig und vor- nehm auszusehen. Hier waren sie die Herren. Viele lagen auch flegelig halb auf dem Tisch Alle rauchten. An der Seite, auf einer Bank, saß eine ganze Reihe alter Männer. Es war eigenartig, so- lange ich da blieb, haben sie niemals mit den jüngeren gesprochen. Der Athlet war noch nicht fertig mit sammeln, da gab schon wieder ein Neiner, man kann sagen, elegant gekleideter Mann mit gebrochener Stimme bekannt, daß er original russische Steptänze vorführen werde. Ein buckliger Bettler spielte die Ziehharmonika, und er tanzte fiinf Minuten lang mit bewundernswerter Gefchicklich- feit. Dann ging auch er sammeln. Das-Programm muß wohl an diesem Abend erschöpft gewesen sein, denn keiner trug mehr etwas vor. Es entstand allmählich ein Lärm. In der einen Ecke versuch- ten ein paar Jungen zu singen. Ich konnte aber nichts verstehen. Mir gegenüber sah ein noch junger Mann. Er hatte den Kopf in die Hand gestützt und schwieg. Derselbe Mann sah auch die drei Wochen, die ich da war, jeden Abend jchweigend da. Er hatte ein sympathisches Gesicht, ich wagte aber nicht, ihn anzusprechen. Der Lärm wurde immer stärker, dazu der verfluchte Gestank. Jeder Trunken« smig für sich. Ein Viertel vor neun kam ein dicker Mann in die Tür und rief:.Nach oben!" Alle erhoben sich. Die Landstreicher nahmen ihr Bündel. Wir gingen nach oben. Wir wurden ausgeschrieben, nach Läusen untersucht und gingen in den Schlafsaal. Ich war überrascht, es waren alles ziemlich saubere Soldatenbettcn. Wenn ich aber dachte, ich könne bald schlafen, so irrte ich mich gewaltig. Kaum.war die Tür zu, holten sie ihre Pfeifen aus den Hofen und qualmten den schlechten Tobak. Dabei schwatzten und lachten sie bis in die Nacht. Manch- mal stand einer auf und brüllte, er drehe ihnen das Genick um, wenn sie nicht bald ruhig seien. Darm war für fiinf Minuten Ruhe. Spät in der Nacht erst schlief ich ein. Ich erlebte jeden Tag dasselbe. Jeden Abend gab es ein„Pro- grnmm". An Geldtagen, Freitag und Sonnabend, wenn die Bettler reiche Ernte hatten, waren sie auch zu den Artisten freigiebiger. Manche waren natürlich auch geizig. Zum Beispiel der Pole mit den zwei Fingern an der rechten Hand. Er vertraute mir an, daß er schon zehn Jahre jeden Tag acht Stunden bettle und sich in zwei I Jahren ein Geschäft kaufen wolle. Oft wurden wir auch in der Frühe, schon um vier Uhr, durch Polizisten unsanft geweckt. Zwei oder drei muhten immer nüt. In der letzten Zeit langweilt« ich mich furchtbar in der Stadt. Ich war daher hoch erfreut, als ich meinen Paß bekam und ihr Valet sagen konnte. Die Landstrahe, diesmal nach Süden, rief mich. Walter Hoffmann. Der Herr Vorsteher. Von Johannes Komaromi. (Aus dem Ungarischen von Alexander von Eacher-Masoch.) ,.O, Herr Redakteur!" rief der Herr Vorsteher erfreut, als ich fein Amtszimmer betrat.„Weich ein« Ueberrafchung! Belieben Sie, Platz zu nehmen!" Und während er meine Hand drückte, sah ich ihm an, daß ihn dieser Besuch wirklich erfreute. „In diesen Fauteuil bitte, Herr Redakteur! Welcher Angelegen- heit verdanke ich das Vergnügen? Doch nicht etwa ein Interview?" Wahrheiisgemäh besuchte ich die Gemeindevorsteherci an diesem Vormittag in einer Steuereinspruchsangelegenheit und hatte den Herrn Vorsteher nur deshalb aufgesucht, um für ein paar Augenblicke meine formelle AufwarNing zu machen. Da nun der Herr Vorsteher die Frage anschnitt, ob es sich vielleicht um ein Interview handle, bejahte ich natürlich diese Frag«. Ich tat dies darum, weil im Zimmer eben ein Referent irgendetwas vortrug und ich mit meiner Erklärung jenes Ansehen vertiefen wollte, das ein Borsteher notwendigerweise genießen muß. Speziell vor den untergebenen Funktionären. Der Herr Vorsteher errötete fast, als ich erklärte, daß es sich um ein Interview handle. Ein, zwei Augenblicke lang betrachtete er mich mit einem Gemisch von Verlegenheit und Rührung, dann pflanzte er sich vor dem Referenten auf u.nd schrie: „Schweigen Sie! Ich kann es keinesfalls dulden, dah im Bureau von morgens acht, bis nachmittags zwei geschlafen wird! Der Staat ist nicht in der.'.." Der Referent, der mit einem so glänzenden Jackettrücken vor dem Herrn Vorsteher stand, dah sich darin das Abbild des halben Zimmers spiegelte,.versuchte etwas zu meckern, ober der Herr Vorsteher schnaubte auf ob dieser Tollkühnheit: „Ich bitte, hier wird nicht gemeckerti Der Staat ist nicht in der Lage, solche Nassauer freizuhalten! Wem die Kanzlei nicht paßt, der wähle sich einen merkantilen Beruf! Aus!" Der Referent ging rücklings aus dem Zimmer und schob daher mit dem Rücken den Türflügel aus. Der Herr Vorsteher begann zu erklären: „Es war ein guter Gedanke, Herr Redakteur, daß Sie hier Ein- blick nehmen wollen; da werden Sie manches zu sehen kriegen. Leider macht sich seit kurzem in Ungarn ein« Strömung bemerkbar, daß man es liebt, mit gewisser Ueberlegenheit von der Arbeitserfüllung unserer Beamten zu sprechen. Ein schwerer Irrtum! Wenn wir nicht wären, wäre der Stoatsmechanismus schon längst lahm gelaufen..." Er schellte. Der Diener trat ein. „Bitte, den Herrn Ingenieur." Der Diener oerneigte sich und ging hineus. Währenddem führte der Herr Dorsteher die Konversation weiter. „Ich möchte nicht in Uebertreibungen verfallen. Deshalb konstatiere ich nur kurz soviel: Ein Beamter, besonders, wenn er eine höhere Position ausfüllt, darf nicht auf Dank rechnen. Darüber muh sich derjenige, der diesen Beruf wühlt, im voraus im klaren sein. Ich versichere Ihnen,..." Der Ingenieur trat ein. Er blieb in der Türe stehen, ans den Fußspitzen und mit zusammengekniffenen Lippen. Der Herr vor- stoher bemerkte ihn: „Nun, wie stehen wir mit den Renvvienmgsplänen der Mädchenbürgerschule in der Bergihmeinnichtftrahe?" „Morgen vormittag werden wir damit fertig sein» Herr Bor- sicher." Der Herr Vorsteher tat so mit der Hand, als verstünde er nlcht. „Warum morgen vormittag? Worum nicht heute?" „Weil der Herr Borsteher gewünscht hatten," fuhr der Inge- nieur ehrerbietag fort, ,/daß die Pläne im�Lause des morgigen Vor- mittags fertiggestellt werben sollen." Er verstummte und wartete worttos in der Tür. Ich faß im Fauteurl, etwas verwirrt, der Herr Vorsteher aber oerschränkte die Hände aus dem Rücken und begann auf und ab zu gehen. Er tat so, als dächt« er nach. Die Situation wurde gespannt. Der Pendel der Uhr durchstrich schwingend die Zeit, der Ingenieur— ein kahler Mensch mit Karpfenschnauze— wartet« geduldig gus sein Schicksal, und der Herr Dorsteher ging aus und ab. Ein-, zweimal blieb er vor dein Fenster stehen und blickte auf den Platz hinaus, wo zwei, drei übrig gebliebene Baracken eines Holzlager» im Nebel froren. Später be- gann er wieder auf und ab zu gehen. Währenddessen beobachtet« ich den Herrn Vorsteher. Er war ein krummbeiniger, kleiner Mann mit einem selbst für diese kleine Figur ungewöhnlich kleinen Kops. Man sagte von ihm, daß er, als Gott die Talente verteilte, sich erst fünf Minuten nach dem letzten Bewerber gemeldet hätte. Diese Verleumdung stammte jedoch von seinen Feinden. Und wenn es auch so wäre: Es wäve am Platze, davon zu schweigen. Ohne Ehrerbietung und Ansehen kann kein Land bestehen. Es mochten auf diese Weise fünf Minuten verstrichen sein. Da blieb der Herr Dorsteher in der Mitte des Zimmers stehen. Dann trat er vor den Ingenieur hin, legt« ihm seine Hände auf die Schultern(der Herr Vorsteher war um eineinhalb Köpfe kleiner) und begann: „Sie sagten also, lieber Freund, daß die Renovierungspläne der Mädchenbürgerschule in der Vergißmeinmchtstraß« erst morgen vor- mittag vorgelegt werden könnten. Ich verstehe, wie sollte ich nicht verstehen.� Etwas jedoch haben Sie vergessen. Sie haben, lieber Freund, zum Beispiel außer acht gelassen, daß der Beamte und der im Felde stehende Soldat eigentlich ein und denselben Begriff aus- macht. Beziehungsweise ein und denselben Begriff ausmachen sollte." Der Ingenieur stand mit hängendem Kops in der Türe, während der Herr Dorsteher sanft fortfuhr: „Der Soldat, der vor dem Feinde steht, kann sich— wenn zum Angriff geblasen wird— nicht daraus berufen, daß er sein Gewehr zu Hause vergessen habe..." „Herr Vvlstcher. ich bitte um Verzeihung.. meckerte der Ingenieur ehrerbietig. Der Herr Vorsteher begann zu keuchen und rief mit ersttckter Stimme: „Gernig! Genug! Ich bin Nicht neugierig..." „Ich bitte um Verzeihung.■' „Es gibt keine Verzeihung!" rief er außer sich.„Wieso wagen Sie es, mir ins Wort zu fallen?! Was ist das für eine neue Art?! Wo sind wir? In Moskau? �Schweigen Sie. sonst lasse ich Sie sofort verhaften! Was denken Sie eigentlich, lieber Freund, wer in diesem Augenblick vor Ihnen steht? Ich will es Ihnen sagen! Ihr Chef steht vor Ihnen! Da Sie das bis heute nicht gelernt haben, will ich darauf achten, daß Sie es in Zukunft lernen! Gehen Sie hinaus! Gehen Sie sofort hinaus!" Der Ingenieur schwankte hinaus. Der Herr Vorsteher holte fein Taschentuch hervor und begann sich die Sttrne zu trocknen. Er wollte etwas sagen, aber in diesem Augenblick erschien in der Seitentüre eine Gestalt und fiel« unter einem Aktenbündel schnaufend, förmlich zur Tür herein. So ein Heringsmensch, der nur am Ersten und Zweiten des Monats zu essen pflegt«. Als er den Kopf hereinsteckte, brüllte der Herr Borsteher gerade den Ingenieur an, daß er hinaus- gehen soll«! Der arme Kerl riß darauf den Kopf zurück, ober so plötzlich, daß er auf den Türrahmen aufprallte. Der Herr Vorsteher sah hin: „Wohin rennen Sie? Kommen Sie herein! Kommen Si« sofort herein!" Der Unglückswurm befand sich noch vollkommen im nach rück- wärts gerichteten Schwung, als er jedoch die Stimme» des Herrn Vorstehers vernahm, kam er dermaßen in Verlegenheit, daß er über seine eigenen Beine stolperte, hinfiel und unter die Akten zu liegen kam. Der Herr Borsteher wandte sich mit gereiztem Lächeln an mich: „Sehen Sie sich diese Nummer gut an, Herr Redakteur. Einen größeren Pechvogel gibt es nicht m ganz Kleinungarn! Und ich muß mein Leben unter solchen Hilfskräften verbringen!" Ts klang soviel Schmerz aus feiner Stimme, daß ich Mitteid verspürte. Kleimmgarns größter Pechvogel hatte sich währenddessen bereits erhoben und klaubte erschrocken die Akten zusammen. Der Herr Vorsteher schaute hin und mochte sich etwas denken, denn cr sagte spöttisch soviel: „Entfernen Sie sich von hier, mein bedauernswerter Freund. Sie werde ich später vornehmen." Als wir allein waren, seufzte er tief:* „Das ist unser, der Vorsteher Schicksal, Herr Redakteur. Wer wird uns dafür einstens Dank wissen? Für uttsere Selbstaus- opferung? Der Staat? Die HauptstoW? Die Gesellschaft?— Und cr winkte ab.— In Ungarn darf ein Beamter nicht auf Anerkennung rechnen..." „Der Herr Borsteher sind wahrhaftig ein sehr befchäfttgter Mensch," warf ich ein.__(Schluß folgt.) Existologien. Don Kalodbn'chkeit. Der Zahnsiocher. . Der Zahnstocher ist ein Instrument zum Polken in den Zähnen. Manche Menschen essen ihn, wenn er aus weichem Holz ist, auch auf. Diese sind entweder hungrig oder wütend. Usbermäßiger Gebrauch von Zahnstockiern wirkt unfein oder anzüglich. Ich habe einen Freund, der ist pervers und ein Legationsrat im Auswärtigen Amt. Sein« Perversität besteht darin, daß er Zahnstocher jeglichen Ge- blüts sammelt und versehentlich in sein« Westentasche steckt.(Wäre er nicht Legationsrat, so wäre er ein Dieb oder hätte eine Zelle in der Provinzialirrenanstalt...) Die Bardame. Di« Bardame ist üppig. Ihr gute» Stück ist ihr Busen, Sie kann zehn ausgewachsen« Männer unter den Tisch trinken. Denn sie kann was oertragen. Das walte Gott. Sie ist anpassungsfähig. Obgleich sie nur eine Sprache— den Berliner Jargon— spricht, verständigt sie sich mit Zulukaffern und Tungusen ebensogut wie mit Piesecke aus Bomst oder mit der festen lesbischen Rübe. Sie ver- steht ihr Fach und ging früher Strich. Oh, sie weiß Schüttelreime und Witze. Ihre Kolleginnen sagen, sie sei ein„zerißnet Aas". Das sowieso. Der Conferencier. Der Eonfävencier hat eine besonder« Not«. Er hat sie— mck> damit Host du dich abzufinden! Er ist spitzfindig oder macht in „Sonne und Sport", Er ist jüdisch oder derb oder intellektuell. Ist mit einer verhauenen Schnauze begabt oder ist pervers. Er ist ein Räsonnierer oder... Meistens ist er ein Schwadronneur(im Volksmunde„prominent"). Er kündigt an. Zuerst aber stellt er sich vor. Er nennt seinen Namen, und wenn er promtnent ist, macht er dahinter«in« Pause. Ja. wenn er prominent ist...„Hfi, dos ist ein Leben, ein prominenter Ansager zu sein. Dann kann man eigene Geistesblitz« mit solchen von Schopenhauer, Sacher-Masoch, Wedekind, Martin Luther, Voltaire, Magnus Hirschfeld. Immanuel Kant und Carl Sternheim geschickt und getrost vermischen. Ja, dann kann man sich allerlei erlauben... Den prominenten Conferencier kneifen die Tänzerinnen, die hinter dem Vorhang aus ihren Austritt warten, in den Popo. Na, und überhaupt. Der noch nicht pro- minente Kabarett-Eonferencier kann sich so etwas nicht erlauben. Aber wenn er erst ein halbes Jahr in einem„erstklassigen" Kabarett gequastelt hat, dann ist er prominent. Und das ist die Hauptsache, denn schließlich muß das Publikum doch wissen, mit wem es das Vergnügen hat und wem es applaudiert.,. und warum es applaudiert... Di« Bank steht in irgendeiner Parkanlage der großen Stadt. Zwischen Fabriken und Mietskasernen, zwischen Bordellen und Kirchen, Mist erstarren- den Wohnkellcrn und Elcmz strotzenden Palästen. Vor der Bank ist «in ganz klein Stückleln Rasen(Betreten bei Polizeistrase verboten...), auf dem ganz klein Stücklein Rasen steht eine weiße Faunfigur. Neben der Bank steht eine Laterne, auf der anderen Seite steht«in Papierkörbchen. Am Tage ist sie«in Ruheplatz für Kmderfröuleins und Omamas. Aber abends und nächtlich... Somnwrnächtlich tauschen Liebespärchen hastige Küsse, na und so weiter... Winternächtlich aber sitzen auf ihr die Miserablen, die im Obdachlosenasyl keinen Platz mehr fanden, und kein Tellerchen Suppe, und... ach. Und verfluchen ihr elendes Dasein. Küsse und Müche, das ist das Los der kleinen, gefällig angestrichenen Nasenbank. Wäre sie ein Mensch, so wäre sie eine Straßcnhure. Die Tochter des Haufe«. Sic ist vorgestern aus Lausanne von Pension gekommen. Und ist dementsprechend gebildet. Sie ist dummdrestt, aber irütttich, hat schon fünfmal in einer verschwiegenen Eck« einen stark brutalen Mann küssen dürfen. Brünstig und voller Hingebung. Ist aber noch eine Jungser, so ttit sie wenigstens. Und der Papa sagt:„Mein gutes Kmd..." Sie ist reichlich arrogant für ihr Alter, quatscht über Lombroso und Hirschfeld, verurteilt die Courths-Mahler, die sie heimlich mit gierigen Augen verschlingt. Sehnt sich nach einem brutalen Mann, hat Tanzunterricht und Klavicrfiunden.„Ach Ja, mein gutes Kind, bitte spiel mal dem Herrn Doktor was vor...," quält der Papa. Si« aber denkt: ,T)lla Dussel" und zieht und zupft an ihrem Strumpfband den Strumpf aus Seide glatt. Ach, fo glatt.(„Wenn das nicht wirkt, dann ist der Seegs ein Eunuche- rich.. Und fingtt„Ich schnitt es gern in alle Rinden«n, dein ist mein Herz!" Während ihre nüttlichen Füße im Dlackbottom- tatt steppen. 1300 Silometer unter dem Eisenbahnwagen. Ein Eisenbahn» beamter der belgischen Station Verviers fand dieser Tage spät am Abend einen jungen Mann an der Seite des Bahndammes liegend. Er war schwarz wie ein Kohleharbeiter, über und über mit dickem Ruß beschmiert, die Kleider in Fetzen, und blutete an beiden Knien. Er erklärt« zunächst» daß er von einem Kraftwagen außerhalb der Station überfahren worden sei und sich bis hierher geschleppt habe. Er wurde ins Krankenhaus geschafft» da ober seine Erzählung un- glaubwürdig erschien» wurde er von der Polizei verhört und gestand min, er sei ein Pole, der seit langem arbeitslos war. Er hatte nun gehört, daß man in einein belgischen Bergwerk Arbeit bekommen könnte und war daraufhin von Warschau nach Berviers, also eine Strecke von etwa 1300 Kilometern, unter dem Eisenbahnwagen gereift. Dann aber war er vollständig erschöpft, war mühsam aus feinem Versteck hervorgekrochen und hatte nur noch die Kraft gehabt, sich bis an den Rand des Bahndamms zu schleppen. 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