BERLIN Donnerstag 10. Mai Der Abend Erfcheint täglich außer Sonntag s. Zugleich Abendausgabe des„ Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW68, Lindenstr. 3 66 Spätausgabe des„ Vorwärts" 10 PI. Fr. 220 B 109 45. Jahrgang. Anzeigenpreis: Die einfpaltige Nonpareillezeile 80 Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Woftfcheckkonto: Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Dinhoff 292 bis 297 Der unfehlbare Staatsanwalt. Fall Maurizius- Fall Jakubowski. verkleidet mit einem Fahrrad nach Palingen ge Der Justizmord von Strelitz. fahren zu sein, angeblich um Jakubowski zu be. Aussagen der Täter und Mitwisser.- Um ein Wohnzimmer wurde ein Kind ermordet! Der folgenschwere Justiziertum, der die Hin richtung des Nussen Jakubowski in Mecklenburg Strelik zur Folge hatte, ist jetzt so weit aufgedeckt, daß man die grauenhaften Zusammenhänge der Tat übersehen kann. Sie sind zugleich eine vernichtende Anklage gegen die sozialen Zustände in dem kleinen Agrarierlande. Die auf Veranlassung des sozialdemokratischen Ministers von Reibniz eingeleitete neue Untersuchung ergab zunächst das Geständnis des August Nogens, daß er Jakubowski in der Vor untersuchung und vor dem Schwurgericht missentlich falsch belastet hat. Seine Aussagen vor Gericht habe er unter dem Einfluß des ebenfalls verhafteten Paul Kreuzfeld gemacht. Dieser hatte als erster den Plan gefaßt, den kleinen Ewald Rogens zu beseitigen. Paul Kreuzfeld hatte gehofft, in dem armseligen Häuschen, das Jakubowski bewohnte, ein Zimmer zu erhalten. Er glaubte, dieses Ziel nur erreichen zu können, wenn der kleine Ewald Nogens, der als unehelicher Sohn Jakubowskis bezeichnet wurde, verschwinde. Der vierjährige Ewald war das einzige Kind, das zu jener Zeit als lebensfähig angesehen wurde. Von den übrigen Geschwistern glaubte man, daß fie, verhungert und frant, wie sie waren, ohnedies nicht mehr lange am Leben bleiben würden. Kreuzfeld hielt sich nun im Hintergrunde, Nogens und Blöker hingegen schritten zur Tat. Bon der Tat gibt August Nogens eine Schilderung, in der er Blöker als Täter bezeichnet, während Blöfer behauptet, daß August Nogens das Kind umgebracht habe. Während Nogens immer behauptet hat, am 9. November 1924, dem Mordtage, von der Mordstelle entfernt gewesen zu sein, gesteht er jetzt ein, gegen ½6 Uhr suchen. Er traf ihn nicht an und wollte schon wieder zurückfahren, als er in der Abenddämmerung den BIöker bemerkte, der den kleinen Ewald auf dem Arm trug. Das Kind habe leise gewimmert. Nogens habe sofort vermutet, das irgend etwas mit dem Kinde geschehen sollte, nachdem Kreuzfeld zuvor Andeutungen hatte fallen lassen. Er fuhr, wie er behauptet, Blöker nach und sah ihn bei den Tannen nahe dem Betrus- Moor haltmachen. Dort habe Blöker das Kind an einer Tanne erhängt. Er habe gesehen, wie Blöker dann das Kind aufnahm, über die Heide nach dem Petrus- Moor trug, dem Kind einen Stein umgehängt und dann ins Wasser geworfen habe. Dann sei Blöker zurückgegangen. Blöfer bestreitet die Beschuldigung der Täterschaft entschieden und bezichtigt August Nogens und dessen Bruder Frizz der Mordtat. Der letztere iſt geflüchtet. „ Trismegistos." . In den Mittelpunkt feines großen Justizromans Der. Fall Maurizius" stellt Jakob Wassermann die Figur des vom Gedanken der Staatsautorität durchdrungenen, unnahbaren Oberstaatsanwalts Andergast. Trismegistos" den Dreimalgrößten nennt ihn fein Sohn Ezel. Dieser Dreimalgrößte hat mit überaus scharffinniger Konstruktion den verluderten Privatdozenten Maurizius des Mordes an seiner Frau überführt. Und doch war Maurizius, soviel Verdachtsgründe gegen ihn sprachen, der Täter nicht. Zwanzig Jahre nach der Berurteilung muß der unfehlbare Oberstaatsanwalt sich der Erkenntnis beugen, daß er von den wahren Zusammenhängen des Mordes feine blasse Ahnung gehabt, daß der Hauptzeuge mitschuldig einen Meineid geleistet hat. Aber völlig im Autoritätswahn befangen, gelangt der Oberstaatsanwalt zu dem Schluß, es sei besser, daß ein unschuldig Verurteilter weiter für den Schuldigen gelte, als daß das Ansehen der Rechtspflege durch das Eingeständnis eines Justizmordes Einbuße erleide. Dichterische Phantasie wird man sagen. Aber die Phantasien Sündisch... feige... ehrlos." wahrer Dichter find Wirklichkeit. Der Fall Maurizius erwacht zu Kriegsgeräte- Gesetz §1. Die Ein- und Ausfuhr von Kriegsgeräten jeder Art ist verboten. §2. Kriegsgerät darf für in Landische Verwendung we der hergestellt, noch auf bewahrt werden. Die Reichsregierung Hergt, Keudell Schiele, Ko v. Kendell:„ Ich bin sehr in Arbeit. Aber schreiben Sie in das deutschnationale Wahlflugblatt, daß das pazififfifche Berhalten der Sozis hündisch, feige und ehrlos ift." greifbarem Dasein im Fall des unschuldig hingerichteten Jaku bowski. Auch hier sind es die gleichen Justizbehörden, die seinerzeit das„ Schuldig" erwirkt haben, die sich mit erbitterter Gereiztheit ( Fortsetzung auf der 2. Seite.) Der Fünfzigjährige. 50 100 Endlich stehe ich am richtigen Platz: genau im Mittelpunkt meines Jahrhunderts! Die gestrengen Herren regieren! Das höhnende Wort Heinrich Heines, das unser Frühling mur Es wird vor allem darauf ankommen, wie die kommenden Nächte ein grün angestrichener Winter sei, hat sich wieder einmal bewährt. sich gestalten: werden sie flar, so fann ein großer Schaden sich noch Nachdem am Mittwoch ein scharfer Nordwind getobt hatte, gingeinstellen. Man muß beachten, daß gerade Gartenfulturen in diesem die Temperatur in der Nacht zum Donnerstag in der Umgebung von Berlin unter Null herunter und nach Tagesanbruch, gegen vier Uhr, zeigte das Thermometer 2 Grad. Gleichzeitig begann ein Schneefall, der alle blühenden Bäume und Sträucher und Blumen mit dem falten Weiß bedeckte. Am Morgen flebten die Schneefehen noch auf den Blättern und Dolden des Flieders, der traurig nach unten hing, bis sie sich unter der allmählich kommenden Bärme auflöften oder flatschend zu Boden fielen. Bas werden die Folgen dieses Maiwinters sein? Die Kirschen, auch die späten, haben ihre Blüte beendet, fie dürften nicht gefährdet sein. Aber die Aepfel werden vielfach als verloren gelten müssen. Für die anderen Sträucher und Pflanzen darf es als ein Vorteil bezeichnet werden, daß am Morgen nach der Frostnacht teine strahlende Sonne am Himmel stand, so daß der Abschmelzungsprozeß langsam vonstatten gehen fonnte. Es ist be. fannt, daß man durch Frost beschädigte Blumen, wie z. B. blühende Tulpen, durch Uebergießen von faltem Wasser, sobald die Luft temperatur über 0 Grad gestiegen ist, retten tann. Man führt der durch den Frost gefährdeten Pflanze Wasser zu, das die„ Verbrennung" durch die Sonne abwehrt. Dieses Wasser ist hier durch den Schnee erjezt, und es wäre falsch, in solchen Fällen die Lage durch Abstreifen oder Abschütteln des Schnees verbessern zu wollen. Jahre, wegen des falten März, erft Ende April, Anfang Mai in die Erde gekomen sind, so daß die den warmen Anzuchtfäften entstamenden Gemüse- und Blumenpflänzchen unter Kälte start leiden müssen. Hoffentlich hält zunächst das trüber Wetter an damit der Schaden nicht zu einer Ratastrophe wird. Dresden, 10. Mai. Hier ist ein plößlicher Witterungsumschwung eingetreten, der zu großen Befürchtungen namentlich für die Obsternte Anlaß gibt. Nachdem am Mittwochabend ein heftiger Sturm tobte, feite am Donerstag früh heftiger Schnee fall ein. Paris, 10. Mai. Auch in Paris ist die Temperatur in den letzten Tagen merkich gefallen. In Mittelfrankreich und Lothringen ist sogar dichter Schnee gefallen. Hagelschläge richteten in der Gegend von Toulon schweren Schaden in der Landwirtschaft an. Kowno, 10. Mai. Ueber Weißrußland ging gestern ein schwerer Drtan nieder, der zahlreiche Telegraphenleitungen und in Minst die Elektrizität brach legte. Sahlreiche Personen wurden vom Sturm zu Boden geworfen und erlitten erhebliche Verletzungen. Oer unfehlbare Staatsanwalt. Arbeit für den 20. Mai. Die Sozialdemokratie muß führen! In den Tomcnwssälen in der Memeler Straße sprach am Mittwoch abend der Landtagsabgeordnete Otto Meier vor einer überfüllten Versammlung. In temperamentvollen Aussührungen, die von der Versammlung mit großem Beifall aufgenommen wurden, zeichnete der Referent das Arbeitsfeld der Sozialdemokratischen Partei: ,5m Reich ist es der Sozialdemokratie gelungen, einen Teil der vom Bürgerblock gehegten Pläne zu zerstören. Trotz größter Anstrengungen eines Teiles der Bürgcrblockparteien konnte das Schulgesetz verhindert werden. Auch eine weitere Verschlechte- rung der Arbeitsgerichtsgesetzgebung konnte die Sozialdemokratie unmöglich machen. Diesen vorbeugenden Erfolgen können wir aber unsere positive Arbeit im Preußenparlament gegenübersetzen. Dort hat die Sozialdemokratie gezeigt, daß sie die Jnter- essen der arbeitenden Bevölkerung wahrzunehmen versteht. Der 20. Mai soll und muß der Sozialdemokratie die Möglichkeit bringen, auch im Reich führend mitzuarbeiten.". ♦ In Charlottenburg wurde gestern im gut besuchten E d e n p a l a st der Wahlfilm der Sozialdemokratie«Dein Schick- s a l" vorgeführt, unterbrochen von der Zustimmung und dem Bei- fall der Versammelten. Geworben wird für die Partei der Freiheit und des Rechtes, und der Wähler zeigt durch seinen Applaus, daß er begriffen hat, worum es geht. Redner des Abends war Landtags- kandidat Karl L i t k e, der in packenden Ausführungen darlegte, daß am 20. Mai jeder deutsch« Arbeiter und jede deutsche Arbeiterin ihre Pflicht zu tun haben. Wer den Ausbau der deutschen Republik will, wer den Regierungsblock wegräumen will, wer eine weitere Demokratisierung in der preußischen Verwaltung will, der wählt am 20. Mai sozialdemokratisch. Der stürmische Beifall zeigte, daß Litke der überwiegenden Mehrheit der Versammelten aus dem Herzen gesprochen und den Nagel auf den Kopf getroffen hatte. * Eine Kleingärtnerversammlung in Johannis- tat zeigte deutlich, daß die Stimmungen der Kleingärtner durchaus für die Sozialdemokratie find. Man hätte sich in«in« sozialdemo- kratische Wählerversammlung oersetzt fühlen können, so klangen Reden und Gegenreden. Und das mit Recht, wie Stadtverordneter Hermann Lempert ausführte, denn die sozialdemokratische Fraktion war meist die einzige Freundespartei, die sich Im Stadt- Parlament der Interessen der Kleingärtner annahm. Doch mühte man lernen, nicht nur nach der Kirchturmspitze des eigenen Ortes zu blicken, dahinter lieg« erst die groß« Welt, die die Geschicke be- stimme. Redner meinte, daß die Stadt und die Bezirk« in den meisten Fällen gern mehr den Wünschen der Kleingärtner entgegen- kommen möchten, aber eine aufgezwungene Finanzpolitik verhindere sehr oft, deren wohlberechtigte Forderungen zu erfüllen. Wenn man di« Verhältnisie ändern wollte, so könnte das nur geschehen, indem jeder Kleingärtner am 20. Mai der Sozialdemokratie die Stimme gibt; denn im Reichstag und im Landtag werden die Gc- setze gemacht, die auch die Politik der Städte bestimmen. Vor allem gelte es die Anstrengungen des Grundbesitzes abzuwehren, das mit Hilfe der Sozialdemokratie geschaffene Reichskleingortengesetz zu beseitigen. Würde das Gesetz fallen, so wäre der wildesten Spekulation mit dem Kleingärtnerland Tür und Tor geöffnet, es wäre das Ende der Kleinoartenbewegung. Die Ausführungen fanden allgemeine Zustimmung der Versammlung. Deutsche Luden und 20. Mai. Die überparteiliche Wahloersammlung des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens in den Spichernsälen gestaltete sich zu einer Kundgebung für die R c- publik. In seinem Begrüßungswort betonte der Vorsitzende Dr. B r o d n i tz, daß es die Pflicht eines jeden Juden sei, nur den Parteien seine Stimme zu geben, die für staatsbürgerliche Gleichberechtigung der Juden sich einsetzen. Für die Demokraten sprach Obcrregierungsrat Merten, der sich mit scharfen Worten gegen die Konfessionsschule wendete. Das Leben will heute interkonfessionell gelebt werden. Nur eine starke Republik gewährt Verwirklichung der Weimarer Verfassung. Darum, Juden, seid Hüter der Ver- fassungl Für die Sozialdemokraten führte Max West- p h a l vom Parteivorstand aus, daß die Sozialisten sich von jeher für die Gleichberechtigung der Juden eingesetzt haben. Die Sozial- demokratcn waren es, die dem Unrecht des Dreiklassenwahlrechts ein Ende gemacht haben. Sie haben das Frauenstimmrecht einge- führt. Sie haben die Altersgrenze der jugendlichen Wähler herab- gesetzt. Diese drei Beweise werden immer ein Zeugnis dafür sein, daß es den Sozialdemokraten Ernst ist mit der Gleichberechti- g u n g aller Bürger und damit auch der Juden im Staate. Den sichersten Wall gegen den Antisemitismus bildete stets die Sozial- demokratie. Es handelt sich am 20. Mai nicht nur.darum, diesen Wall zu erhalten, sondern ihn zu stärken. Für das Zentrum sprach Dr. D o m t e, der sich für eine weitgehende Toleranz den Juden gegenüber oerwendete, für die Deutsche Volkspartei Herr von Raumer. Für den Zentralverein dankte Dr. Brodnitz den Rednern. Mit der Bitte an olle Juden, am 20. Mai nur für die ver- fassungstreuen Parteien zu stimmen, schloß die ein- drucksvolle Kundgebung ohne jede Störung. (Fortsetzung von der 1. Seite.) gegen jede Neuaufrollung de» Falle« wendeten. Der Strelitzer Oberstaatsanwalt hat öffentlich der Presse, die für die Unschuld de» Iakubowski eingetreten ist, gewissenlose Klatschsucht vorgeworfen. Wie kann sich auch solch ein«Preßbengel" erdreisten, eine bessere Einsicht in ein Kapitalverbrechen zu besitzen als der auf dem„Akten- Inhalt" thronende staatliche Ankläger?! Und das Organ des Deut- schen Richterbundes, die„Deutsche Richterzeitung", gebrauchte sogar den wegwerfenden und verächtlichen Ausdruck„rechtsbeugende Lite- raten". Für diesen Richtertyp ist eben ausgemacht, daß es Fehl- urteile nicht gibt und nicht geben kann, weil, so schließt er messerscharf, nichts fein kann, was nicht sein darf! Das Organ des republikanischen Richterbundes,„Die Justiz", hat sich das Verdinst erworben, das Schwurgerichtsurteil gegen Ja- kubowski im dritten Heft des Jahrgangs 1028 wörtlich abzu- drucken. Die Lektüre der Urteilsbegründung genügt, um jeden Iu- risten eine Gänsehaut überlaufen zu lassen, daß auf Grund so mangelhafter Beweisgründe ein Mensch zum Tode verurteilt und tatsächlich hingerichtet werden tonnte! Was bringt das Urteil Belastendes? Ein paar Indizien und Ver- dachtsgründe, die günstigenfalls zu dem Schluß berechtigen, daß Ja- kubowski der Täter sein könne, aber niemals den Schluß rechtfertigen, daß er der Täter ist oder fein muß. Eine Ver- nrteilung auf Verdacht, wie sie im Buch« steht! Mit größter Sorgfalt werden die belastenden Momente ge- häuft, die entlastenden beiseite gelassen. Daß Iakubowski stets bereit war. von seinem niedrigen Landarbeiterlohn für seine unehelichen Kinder zu sorgen, daß er sich mit der Hälfte feines Lohnes frei- willig der Zwangsvollstreckung unterworfen hat, daß er nicht— was ihm, dem heimatlosen Ausländer, leicht möglich gewesen wäre t— einfach auf- und davongegangen ist, das rechnet ihm das Urteil nicht als Zeichen väterlichen Interesses an. Nein, dieses Interesse nrird gegen ihn ausgebeutet! Es wird ihm zur Last gelegt, daß er sich gegen höhere Zahlungen mit der(offenbar richtigen) Begründung sträubte, daß die Großmutter Rogens, bei der die Kinder untergebracht waren, diese in Schmutz verkommen ließ, also offen- bar das von Iakubowski gezahlte Geld für andere Zwecke ver- wendete. Sorgfältig wird ein dreieinhalb Jahre zurück- liegender gefühlsroher Scherz des Iakubowski von dem mit der Psyche eines östlichen Wanderarbeiters offenbor gänzlich unoer- trauten Gericht verwendet, um die„rohe und gemeine Sinnesart" des Angeklagten darzutun. Von den Richtern und Geschworenen hat sicherlich noch nie ein einziger am Stammtisch einen saftigen Witz gerissen, aus dem drei Jahre später ein Uebelwollender seine rohe Gesinnung schlußfolgern könnte! Grausen aber packt einen an, wenn man aus dem Urteil fest- stellen muß, daß die wichtigste Säule des Schuldbeweises der Zeuge Hanne? Rogens ist, der nach dem Urteil selber einen„geistig zurückgebliebenen Eindruck" wacht. Das ist allerdings merkwürdig vorsichtig ausgedrückt. Das Protokoll vermerkt näm- lich, daß der Zeuge Hannes Rogens nicht einmal die 5rage nach seinem Alter beantworten konnte! Weiter führt das Protokoll einen Gerichtsbeschluß auf, wonach von der Vereidigung des Zeugen wegen seines„offensichtlichen Schwachsinns" abgesehen wurde. Im Protokoll„offensichtlicher Schwachsinn", in der Urteils- begründung nur noch„geistig zurückgebliebener Eindruck". Tatsäch- lich war Hannes Rogens ein vollkommener Trottel. Ohrenzeugen der Verhandlung schildern die Art, wie Hannes Rogens in der Verhand- lung ausgesagt hat, folgendermaßen: Auf die Frag«, ob ein Mann in tzie Heidekate(Wohnstelle der Großmutter Rogens und des er- mordeten Ewald Rogens) gekommen sei, habe der Zeuge über .sein ganzes Gesicht gegrinst und„Rein" gesagt. Dann habe er, aufgefordert, sich umzusehen, ob er nicht unter den An» wescnden den betreffenden Mann wiedererkenne, seine Hand gegen Iakubowski ausgestreckt und„Djäh" gerufen. Bei der Stupidität des Zeugen ist es sehr wohl möglich, daß er damit nur ausdrücken wollt«, den Iakubowski überhaupt zu kennen. Auf dieses Zeugnis aber baut sich ein Todesurteil! Von diesem Zeugnis abgesehen weist das Urteil nur nach, daß Iakubowski für etwa 15 Minuten, während derer— möglicherweise!— der Mord begangen sein kann, sein Alibi nicht nachzuweisen vermag! Dabei muß es selber zugestehen, daß Zeitangaben von Dorfbewohnern, die bei unwichtigen Anlässen doch keinesfalls auf die Uhr sehen und sich die Zeit notieren, mit größter Vorsicht aufzunehmen sind. Aber auch dieser Vorbehalt wird nur gegen, nicht f ü r Iakubowski im Urteil verwertet. Den angeblichen Zeitpunkt der Ermordung will das Urteil daraus ermitteln, daß eine Dorfbewohnerin zwei Schreie gehört hat. Diese Schreie faßt das Urteil als die Todesschreie des kleinen Rogens auf. Nach der Deduktion de» Urteils selber aber soll Iakubowski, „ein über den Durchschnitt kräftiger Mann", den Vierjährigen er- würgt haben. Kann ein kleines Kind noch schreien, dem ein starker Mann die Kehle zudrückt?! Das Schlimmste aber ist, daß dem Angeklagten, der als Russe nur ein ganz gebrochenes Deutsch mit vielen Fehlern sprach, die Hilfe eines Dolmetschers in der Verhandlung verwehrt wurde. Dagegen bezeichnet das Urteil alle Ein- lassungen des Iakubowski, wonach Aeußerungen von ihm miß- verstanden worden sind, als«Ausreden". Man spürt hier, wie die unterbewußte Voreingenommenheit gegen den«feindlichen Aus- länder" den eigentlichen Nährboden bildet, auf dem das Giftgewächs des Fehlurteils entsprossen ist. Niemals ist die Schuld des Iakubowski bewiesen worden. Wahr- fcheinlich wird sich jetzt seine völlige Unschuld herausstellen. Aber niemand kann den Hingerichteten mehr zum Leben erwecken. Wieder einmal haben die Anhänger der Todesstrafe ihr eigenes Prinzip »6 absurdum geführt. Gegen hen deutschen Film„Symphonie einer Großstadt" kam es in Posen zu lärmenden Demonstrationen. Anscheinend sahen polnische Nationalisten in den Aufnahmen von Berlin eine deutsche Propaganda! Der Film wurde aus dem Spielplan gestrichen. * Prinz Earol fuhr aus England noch immer nicht ab. Die Polizei hat ihm jetzt angedroht, sie werd« ihn mit Gewalt aus dem Lande befördern. Landgraf. � Chemnitz, 10. Mai.(Eigenbericht.) Der erste Geschöfksführer der„Chemnitzer Dolksstlmme", Cmil Landgraf, ist im Alter von SS Jahren einem herz- schlag erlegen. Mit Emil Landgraf scheidet ein Mann aus dem Leben, der in jahrzehntelanger treuer Arbeit ein Werk zustand« gebracht hat, auf das nicht nur er, auf das die ganze Sozialdemokratie stolz sein durfte. Wenn die„Chemnitzer V o l k s st i m M e" eines der größten und angesehensten, zugleich auch der technisch am besten eingerichteten, ja geradezu vorbildlichen Zeitungsunternehmungen der Partei geworden ist, so ist das in allererster Linie das Ver- dien st Emil Landgrafs, der beinahe vierzig Jahre hindurch als ihr Geschäftsführer' tätig war. Aus allerkleinften Ansängen hat Landgraf das Blatt zu seiner jetzigen Bedeutung«mporgesührt. Chemnitz ist historischer Boden der Sozialdemokratie. In dieser Stadt und den umliegenden erzgebirgsschen Industriegebieten war di« Arbeiterbewegung bereits zu ansehnlicher Stärk« gelangt, lange bevor sie in Großstädten wie Berlin und Hamburg festen Boden gewinnen konnte. Auch Emil Landgraf, der am 24. April 1863 in der Weberstadt Limbach geboren und in der Wirkerei tätig war, fand frühzeitig den Anschluß an die Partei. Die schweren Zeiten des Sozialistengesetzes hat er mitgemacht und seinen Mann darin gestanden. Schon damals gewann er sich durch seine Ruhe und Eni- schlossenheit das Vertrauen der Parteifreunde. Als noch dem Fall des Gesetzes di« Chemnitzer Arbeiterbewegung im Jahre 1891 wieder an die Errichtung eines eigenen Blattes gehen konnte und die Frage sich erhob, wer das neue Unternehmen geschäftlich leiten sollte, fiel die Wahl auf den damals 28jährig«n Landgraf. SjSalb zeigte sich, daß die Wahl ein guter Griff gewesen war. Ursprünglich war das Unternehmen nicht in Chemnitz, son- dern in dem benachbarten kleinen Burgstädt beheimatet. Es existiert noch die Photographie des winzigen Gebäudes, das damals das gesamte Unternehmen beherbergte. Doch das Blatt wuchs schnell und mußte schon nach einigen Iahren in die erzgebirgisch« Zentrale Chemnitz übergeführt werden. Dort war es jahrelang in gemieteten Räumen untergebracht. Mit dem Wachstum der Be- wegung entstand der Gedanke an die Errichtung eines eigenen Ge- bäudes, und so entstand 1910 der stolze, architektonisch schön« und zugleich praktisch eingerichtete Bau in der Dresdener Straße, der den Stolz der Chemnitzer Arbeiterbewegung bildet. Schon vor dem Kriegs gehörte die„Chemnitzer Volksstimme" mit einer Auflage von nahezu fünfzigtausend zu den größten und verbreitetsten Tages- zeihmgen der Partei. Emil Landgrass Verdienste beschränken sich aber nicht auf den äußeren Ausbau des Unternehmens. Er war stets bestrebt, her- vorragende geistige Kräfte für die Redaktion des Blattes zu gewinnen, die diesem innerhalb der Partei«in eigenes geistiges Gesicht, eine individuelle Färbung gaben. Redakteure der„Chemnitzer Volksstimme" find gewesen: Schöpflin(der erste Redakteur überhaupt), Schippel, Roske, Heilmann, Kranold, Fellisch u. a. m. An dem geistigen Leben der Redaktion hat Emil Landgraf stets regen An- tell genommen, und es hat wohl kaum einen Verlagsleiter in der Sozialdemokratie gegeben, der in ähnlich großzügiger und verständ- nisvoller Weiss wie Landgraf die Arbeit der Redakleure ge- fördert hat. Politisch ist Emil Landgraf als Stadtverordneter, später als unbesoldetes Magistratsmitglied der Stadt Chemnitz hervorgetreten und hat sich auf dem kommunalen Gebiet im zähen Kampf gegen bürgerliche Rückständigkeit große Verdienste um di« Verbesserung der städtischen Einrichtungen auf ollen Gebieten erworben. Auch in der Parteiorganisation hat er in den verschiedensten Ehren- ämtern mitgearbeitet. Ein reiches und tatkräftiges Leben fft zu Ende gegangen, die Arbeiterschaft wird das Andenken dieses uner- müdlichen Vorkämpfers stet» in hohen Ehren halten. Nankrotie Kührer— bankrotte Partei. Oer Fall Llrbahns.— Durcheinander im Lenin-Vund. Die«Rote Fahne" beantwortet di« Behauptung der kommu« nlstischen Opposition, das Zentralkomitee habe im Herbst 1926 den kommunistischen Reichstagsabgeordneten UrbahnsderPoltzei denunziert, mit einer Schimpfkanonade gegen den„Vorwärts". Wir entnehmen daraus, daß die Beschuldigung der Opposition für eine Verleumdung erklärt wird. Das Hauptorgument der„Fahne" besteht darin, daß nicht das ZK., sondern llrbahns selbst daran interessiert gewesen sein soll, die Reise nach Moskau unmöglich zu machen. Soll damit behauptet werden, Urbahns hätte sich sebst der Polizei denunziert? Das wäre doch wenig glaubhaft! Das Rätsel, wie die Polizei etwas erfahren konnte, was außer Urbahns und drei Mitgliedern der ZK. kein Mensch wußte, bleibt unaufgeklärt. In einem zweiten Artikel setzt sich die„Fahne" dann mit dem Lenin-Bund auseinander, der völlig zerfallen sei. Schale m und Max Hesse hätten ihren Austritt erklärt,.zur Wahl der KPD. aufgefordert und eine Abschrift dieses Schreibens dein ZK. über- fandt. Aehnlich hällen Ruth Fischer. Maslow. Schlecht u. a. zum Austritt aus dem Lenin-Bund und zum Wiedereintritt in die KPD. aufgefordert, so daß di« Gruppe Urbahns, die di« selbständige Wahlbeteiligung propagiere, jetzt isoliert sei. Deshalb finden die Bekehrten aber bei der„Fahne" noch keine Gnade, sie fordert vielmehr nicht sie, sondern die„irregeleiteten Arbeiter" auf, sich einer sechsmonatigen Bewährungsfrist zu unterwerfen und die Tätigkeit der Opposition als„konterrevolutionär" zu verurteilen— dann erst könnten sie, laut Beschluß der Komintern, wieder auf- genommen werden. Die S ch o l e m, Ruth Fischer, Urbahns, Schlecht usw. werden aber gemeinsam mit der stolzen Erklärung abgetan: Das Zentralkomitee hat keine Veranlassung, in eine Dis- kussion mit den bankrotten Führern der bau- (rotten Verräterpartei einzutreten. Diese bankrotten Führer einer bankrotten Partei waren vor dreieinhalb Iahren noch di« führenden Reichstagskandidaten der KPD. Heut« geben die Kommunisten zu, daß sie die Arbeiter gründlich irregeführt haben, indem sie ihnen die Wahl dieser Leute empfahlen. Und wie wird es mit der nächsten Führergarnitur sein? Voischast aus dem Meere. Die Flaschenpost eines vermißten Ozeanfliegers. Am Strande von W e st e r l y bei Rhode Island fand ein Knabe eine verkorkte Flasche mit einer Brotschaft, die an- scheinend von der seit ihrem am 31. August 1927 angestrebten Ozeonfluge vermißten Prinzessin Lö w« n st e i n- W e r t- heim herrührt. Die Boffchast lautet: „Hamilton und INinchin streiten sich über den einzuschlagenden weg. Das Flugzeug prallte auf das Wasser und sinkt schnell.* Ich sehe ein Licht und nehme an, daß wir vor Block Island sind. Alles ist durcheinander, p. L." Der Zettel wurde der Polizei übergeben, um festzustellen, ob die Handschrist mit der der Prinzessin Löwenstein übereinstimmt. In Sochoerständigenkreisen zeigt man sich skeptisch, da nicht anzunehmen sei, daß das Flugzeug„St. Rafael" so dicht an die Küste der Vor- «inigten Staaten herangekommen ist, daß die Besatzung die Lichter von Block Island wahrnehmen konnte. Die»Aremen�- Flieger in Philadelphia. Die Besatzung der„Bremen" ist gestern nachmittag In Philadelphia eingetroffen. Die Flieger wurden von der Be- völkerung begeistert begrüßt. Der Flug ging bei starkem Regen vor sich.. Am nächsten Dienstag werden sich die Flieger nach Chikago begeben. Der Kampf der 80000. Die Textilarbeiter in Württemberg rüsten. Stuttgart, 10. Mal.(Eigenbericht.) Die würktemberglschea Textilarbeiter haben in einer vom Deutschen Textilarbelterverband und vom Zentral- verband chrlslllcherTextllarbeiler Deutschlands gemeinsam elnberuseneu Konferenz einstimmig eine E n t- schllehuug angenommen, in der es heißt: „Die Konferenz nimmt mit Entrüstung von dem Verhalten der Arbeitgeber in den letzten Tarif, und Lohnoerhandlungen und von dem Ausgang derselben Kenntnis. Die Konferenz bezeichnet das provokatorische Verhalten der Syndizis während der Verhandlungen als sreoelhastes Spiel mit der Arbeiterschaft und ihrer Vertretung. Einmütig heißt die Konferenz die von der Verbandsleifung eingeleiteten Verbandsmaßnahmen gut und beschließt gleichzeitig, daß alle württembergischcn Textilarbeiter und-arbeiterinnen geschlossen die Anordnung der Verbandsleitung durchführen. Die Konferenz beschließt einstimmig, in den Kampf einzutreten. Am nachslzulässigen Kündigungstermin werden die K ü n d i g n u g e n für die Betriebe eingereicht, wenn die technische Durchführung bis dahin möglich ist. Die Verbände der Maschinisten und Heizer. Metallarbeiter, Handwerker und Werk- meisler haben sich durch ihren Vertrag mit der Textiiarbeiterschast solidarisch erklärt, so daß alle Berussgruppen au dem Kampf beteiligt sein werden. Dieser Kampf kann einen großen Umfang annehmen, denn es sind in der württembergischen Textilindustrie etwa 80000 Arbeiter beschäftigt. Japanischer Krematonumsskandal. Lleber 100 Leichen in einem Teich versenkt. London, 10. Mai. In Japan hat die Ausdeckung eines merkwürdigen Geschäfts- gebarens einer Krematoriumsgesellschaft großes Aufsehern erregt. Eines Tages lieferte jemand die Leiche eines Angehörigen ins Kre- matorium ein, erhielt aber die Asche so schnell zurück, daß sein Der- dacht erweckt wurde. Die Nachprüfung ergab, daß es sich um h o l z- a s ch e handelte. Eine unmittelbar daraus folgende polizeiliche Un- tersuchung führte zu der überraschenden Entdeckung, daß in einem kleinen Teich beim Krematorium die. Leichen von mehr als IVO angeblich verbrannten Personen lagen. Die Leitung gab schließlich zu, daß die Gesellschaft so sehr in Anspruch genommen war, daß eine ordnungsgemäße Verbrennung nicht mehr erfolgen konnte, so daß die Direktoren auf die Idee kamen, die Leichen in den Teich zu werfen und den Angehörigen statt der richtigen Asche Holzasche zu senden. Massen-Ltnzuchiprozeß. 13 Personen wegen widernatürlicher Llnzucht vernb eilt. Wien, 10. Mai. Der ehemalige Bezirtshauptmann von Czernowitz, Mathias Maudhner von Zgorzynski, ein 64jähriger Mann, hatte sich in Wicner-Neustadt mit 17 jungen Leuten aus besseren Bürgerkreisen von Baden bei Wien wegen widernatürlicher Unzucht zu verantworten. Der Hauptangeklagte Maudhner wurde zu sieben Monaten strengen Kerkers und zwölf Angeklagte zu bedingten Gefängnisstrafen von einem bis W vier Monaten verurteilt, während fünf Angeklagte freigesprochen wurden. Oer psianzungsskandal. Weshalb immer noch Derduukelungsversvche? Die Mitteilungen de».Llbend* über eine skandalöse Bevorzugung sürstlicher Persönlichkeiten bei den Ent- schädigungen für enteignete Pf la nzung s g es e ll- s ch a f t e n ist von der Regierung in der Hauptsache bestätigt worden. Die Kolonialabteilung de» Auswärtigen Amtes, die im Jahre 1924 ein höchst selbstherrliches Dasein geführt haben muß und reichlich mit Millionen für beziehungsstarke Herrschasten verfügte, hat tat- sächlich die Pslanzungsgesellschaft des Fürsten Löwenstein- Wertheim-Freudenberg in erstaunlicher Weise bevorzugt. Nach der Regierungserklärung haben die Kameruner Pflanzungs- Gesellschaften, voran die prinzliche JZiktoria", insgesamt nicht 120 Millionen Mark, aber 16 Millionen Mark schon im Jahre 1924 er- halten. Dabei will die Regierung 7)4 Millionen als Ersteigerungs- zuschuß und den Rest zur Ermöglichung des Wiederaufbaues der Pflanzungen gegeben haben. An der Gesamtsumme von Barabfindungen in der Höhe von 120 Millionen Mark kann aber nichts gedreht und gedeutelt werden. Sie ist gegeben worden und ausschließlich an Gesell- schaften großen Stils oder an solche Farmer, die i n H e r r s ch a f t s- kreisen des alten Regimes über Beziehungen ver- fügten. Das ist der Skandal, den der„Abend" angenagelt hat und der von der Regierung in gewissem Umfange bestätigt wird. Die Regierungserklärung zu unseren Mitteilungen muß von den Farmern besonders in dem Punkte als erbitternd und empörend empfunden werden, in dem davon gesprochen wird, daß es sich als nötig erwies, den Herren der Westasrikanischen Pflanzungsgefell- schaff Viktoria, also dem Fürsten bzw. Prinzen von Löwenstein usw.. und dem Fürsten Hohenlohe Staatsmittel bereitzustellen, weil sie sonst nicht imstande gewesen sein sollen, die Pflanzungen wieder auszubauen. Dabei handell es sich um finanziell höchst potente Herren. diezudenreichstenBesitzernDeutschlands ge- hören und deren Millionenvermögen selbst heute noch nach Hunderten zählen. Sie sind frühzeitig mit Goldmark abgefunden worden, während man die kleinen Leute, die den letzten Rest ihres Vermögens eingebüßt hatten, warten und immer wieder warten lieh. In allen wesentlichen Punkten ist die Regierungserklärung dunkel geblieben. Sie verschleiert immer noch die Grundsätze für die Be- vorzugung der Fürstengesellschaft und ist unmittelbar irreführend mit der Behauptung, daß es den Gesellschaften heute noch schlecht gehe. Diese haben sogar Dividendenzahlungen wieder in Aussicht gestellt, ein weiterer Beweis für die geringe Dring. lichkett der Staatshilfe.__ Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Ilm- aeqend.(Nacht», vecb.). Unbeständig und schr kühl mit einzelnen Schauern.— Tür Deutschland: Ueberall sehr kühle� und unbestän- dt�tb Detter«ad besondre» im Osten Regen und Schnee schauer. Die Konzertrundfchau/ Zweitausend Sänger. Die Konzertsakson klingt ab; mit ihr das Interesse des Pubti- kums. Kein Wunder, daß an einem schönen Frühjahrsabend— solche Abende hat es vor kurzem noch gegeben— der Saal nur zu einem Drittel besetzt ist, ein Monstrum von Konzertsaal freilich, die Halle des Sportpalastes. Die Besucher, schätzungsweise gegen dreitausend, verlieren sich in dem Riesenraum, und auch die laut Ankündigung zweitausend Mitwirkenden— es mögen in Wahrheit um ein paar hundert weniger gewesen sein— schwinden auf dem unermeßlich breiten Podium zu einem bescheidenen Häuflein. Aber es ist«in Konzert für das große Publikum, den Dimensionen des Haufes entspricht die Weite des Hörerkreises, dem das Gebotene gemäß ist, und es ist sehr hörenswert, was ihm hier geboten wird. Die gemischten Chöre des Gauverbandes Berlin, örtliche Zusammen- fassung des Reichsverbandes der gemischten Chöre Deutschlands, 36 Chöre, um den Bruno K i t t e l s ch e n Chor geschart und von Bruno Kittels Führerhand zusammen- gehalten: das Klangerlebnis, das durch solches Massenaufgebot ver- mittelt wird und zu seiner Entfaltung solchen Raumes bedarf, ist von durchaus besonderer Art. Ein„normaler" Konzertsaal, darin ein Chor entsprechender Stärke, vermöchte davon keine Vorstellung und dafür keinen Ersatz zu geben. Programm: Zwanzig o-capella- Gesänge, Originalkompositionen, zum Teil von Mozart, Brahms, Loewe, Nicolai, zum Teil alte Volkslieder in späterer Bearbeitung. Eins der schönsten Stücke:„Morgengruß", Weise aus dem 16. Jahr- hundett, von Robert Franz meisterlich gesetzt. Diese Art Chorlieder, deutsch ohne Deutschtümelei, volkstümlich ohne Beigeschmack dessen. wofür der gebildete Musikliebhaber den Namen des„Populären", und das heißt allzu oft, des Trivialen, bereit hält, sind im Bereich der Musik heute beinahe das einzige, was unbestritten und unbestreit- bar gemeinsamer Besitz aller Teile des Volkes ist; eine der, ach, so seltenen Brücken, die im Klaffenstaat des deutschen Musiklebens zwei geschiedene Welten, die proletarische unad die bürgerliche, verbinden. Wenig Solisten. Auch die Solistenkonzerte, man sollte es nicht glauben, werden nun immer weniger. So wenig freilich nicht, daß die Säle davon voller werden; denn die Namen der Solisten, von wenigen Aus- nahmen abgesehen, werden immer kleiner, die Großen, Berührnten sind schon mitten in ihren Vorbereitungen für die kommende Saison. Aber da ist noch der Geiger Josef S z i g e t i, spät erst von Amerika „Das Werden.'* Abslralte Plastih von Oswald Herzog. Große Berliner. Die„Schubertstadl im Schuberkjahr" lautete das Motto einer Veranstaltung der Deutsch-Oesterreichischen Gesandtschast. Direktor Kronseld vom Verkehrsamt in Wien berichtete über die Veranstal- tungen, die die Stadt Franz Schuberts, zur Hundertjahrfeier ihres großen Sohnes in Szene setzt. Neben F-stausführungen und Fest- konzerten steht die Erstaufführung der„Aegyptischen Helena" unter Leitung des Komponisten Richard Strauß. Einen Höhepunkt wird das deuttche Sängerfest bilden, für das eine eigene Sängerhalle, der größte Holzhallenbau auf dem Kontinent, errichtet wird. Es schlie- ßen sich die alljährlich veranstalteten Wiener Festwochen an. Im Messepalast, den ehemaligen Hofstallungen, ist die Ausstellung „Mutter und Kind" zu sehen. Zur Gedenkfeier des 100. Todestages von Franz Schubert im November, hat Bürgermeister Genosse Seitz die Oberbürgermeister der 25 reichsdeutschen Städte mit über 200 000 Einwohnern als Gäste der Stadt Wien eingeladen. Die Bundes- regierung gibt besondere Zwei-Schilling-Münzen mit dem Bild« Franz Schuberts aus. Die Berliner Philharmonie im Saargebiek. Das Konzert des Berliner Philharmonischen Orchesters in Saarbrücken, unter der Leitung Wilhelm Furtwänglers wurde zum bedeutendsten musika- tischen Ereignis des Soargebiets seit Kriegsende. Stürmischer Bei- fall ehrte in Furtwängler, der ohne Partitur Brahms. Mozart und Strauß dirigierte und auf jedes Honorar verzichtet hatte, den größ- ten lebenden deutschen Dirigenten, ward zugleich Ausdruck der dank- bar empfundenen Verbundenheit der Saarländer mit Deutschland. — Das Orchester fährt nach Paris weiter. Die kullslhandlun« Bietet hartberg, SchöneLerger Ufer 41, zeigt vom 13. Mai bis 5. J'-m eine SollettioauSflellung von Ludwig Herthel, Gemälde. lt klingt ab. Don Klaus pnngSheim. herübergekommen, der an seinen! zweiten Abend den Beethoven- Saal dicht besetzt findet und einen Huberman-Erfolg hat. Einer der Besten seines Instruments und ein Musiker von höchstem Künstterernst: er hat es um seine Hörer verdient, die es in so vor- gerückter Jahreszeit noch in solcher Zahl geworden sind— und ohne Zweifel auch morgen abend, in seinem letzten Konzert, sein werden. Den Rekord halten bis zum Schluß die Pianisten: hier hat der einzelne es am schwersten, von sich reden zu machen. Ein paar erfreuliche Erscheinungen haften in der Erinnerung. Luis« G m e i n e r vor allem, technisch und musikalisch auf bedeutender Höhe. Und Virger Hammer, ein Künstler von feinem Profil, dessen Spielatmosphäre und dessen Konzert persönlichen Charakter hat. Mit Temperament und Begeisterung musiziert die junge Ellen Epstein, und sie kann schon viel: die Freude, mit der sie bei der Sache ist, klingt im Beifall des Publikums wieder, das willig ist, sie zu teilen. Neue Musik. DieInternationaleGesellschaftfürneueMusik, Sektion Deutschland, Ortsgruppe Verlin, gibt ihr drittes Konzert: das letzte in der Saison. Wenn die Gesellschaft mit dem umständ» lichen Namen gut beraten ist, das letzte überhaupt. Wenigstens das letzt« dieser Art. Das Internationale in der Musik bedarf in Berlin nicht mehr, wie in den ersten Nachkriegszeiten, gesellschaftlichen Schutzes: und an Konzertveranstaltern, die neue Musik bringen. leiden wir heute keinen Mangel. Nur die neue Musik, nationale und internationale, die wert ist, gebracht zu werden, beginnt knapp zu werden: die Produktion ist— kaum noch quantitativ und längst nicht mehr qualitativ der Nachfrage der Konzertgeber gewachsen. Nur um diesen Mangel zu erweisen, bedarf es keiner eigenen Kon- zerte. Diesmal ist es mit Mitgliedern der Städtsschen Oper in der Singakademie«in Kammerorchesterabend: der Russe Lazare Sa- m i n s k y, in New Pork Leiter einer modernen Musikabteilung, dirigiert. Sechs amerikanische Komponistennamen, der des Diri- genten eingerechnet, stehen auf dem Programm. Mehr als der gute Wille, an Neueuropäisches Anschluß zu finden, ist aus solchen Stichproben nicht zu erkennen: Talent nur ausnahmsweise: eigenes Gesicht bei keinem. Vorher Bekanntes oder wenigstens in der Art Bekanntes, von Prokofieff und Milhaud. Doch ganz zum Schluß eine Tanzsuite von Ernst Toch, die als Arbeit eines weit über- durchschnittlich Begabten dem leertaufenden Abend einen Ausklang gibt, der einen Ausblick eröffnet. potemkin in Gowjet-Rußland. Die berühmten Potemkinschen Dörfer, die einstmals der Zarin Katharina blühend« Siedlungen vortäuschen mußten, wo nichts vor- Händen war, leben auch nach dem Untergang der Zarenherrschaft in Rußland fort, ja man sagt, daß sie unter der Sowjet-Regierung häufiger sind als je zuvor. Ein Kenner der Verhältnisse, der frühere belgssche Konsul in Moskau und Bevollmächttgte der Nansen-Sttftung in Südost-Rußland, Joseph Douillet, der 26 Jahre im zaristischen Rußland und von 1918 bis 1927 unter den Bolfche- wisten gelebt hat. erzählt davon allerlei in seinem in Paris er- schienen Buch„Moskau ohne Schleier". So berichtet er über die Vorkehrungen, die bei der Reise einer brittschen Abordnung durch Rußland gettoffen waren:„Die Bauern wurden plötzlich mit ihren Wagen und Pferden aufgeboten und mußten eine große Menge Streu nach einer Mühle an der Eisenbahnstrecke bringen. Diese war fett Iahren nicht mehr in Tätigkeit, aber das Stroh wurde nun in den Oefen verbrannt, und die Wolken von Rauch, die aus den Schornsteinen aufsttegen, riefen den Eindruck hervor, daß das Unternehmen in voller Tätigkeit sei." „Wie dumm sind doch diese Fremden!" bemerkte ein Sowjet- kommissar in Douillets Gegenwart, wobei er vergaß, daß Douillet ruffisch konnte. Jode Person, die ohne besondere Erlaubnis der Regierung mit den britischen Abgeordneten sprach, wurde verhaftet und bestraft.„Ein Mann, der den englischen Besuchern eine Mütze nachbrachte, die sie in einem Zuge verloren hatten, wurde auf Grund des Paragraphen 66 des Sowjet- Sttafgesetzbuches wegen Spionage angeklagt, die im Interesse einer fremden Regierung be- gangen sei, und wurde drei Jahre in ein Konzentmttonslager auf der Solowetski-Insel gebracht." Die Polizisten der Tscheka sind direkt für die Täuschung der Fremden ausgeblldet.„Sie führen Deputationen aus dem Ausland," so schreibt Douillet,„durch ein« Anzahl von Fabriken, Krankenhäusern, Kinderasylen und Sana- torien, die zu diesem Zwecke sorgfältig vorbereitet sind, um zu zeigen, daß unter dem Sowjesstern alles vorzüglich geordnet ist." In Wirklichkeit ist nach der Ansicht des Verfassers Armut und Elend noch viel größer als unter den Zaren: er erklärt die offiziellen Stattstiken für falsch und schildert die Verhältnisse in einem sehr düsteren Licht. Hundertjahrseier der Gesellschaft für Erdkunde. Am 18. April 1928 feierte die Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin das hundert- jährige Bestehen der Gesellschaft. Die Gesellschaft ist bekanntlich die zweitältestc geographische Gesellschaft der Welt und die drittälteste der deutschen wissenschaftlichen Gesellschaft. Anläßlich der Hundert- jahrfeier der Gesellschaft wird vom 24. bis 26. Mai in Berlin eine Ozeonographische Konferenz tagen, die zum erstenmal seit dem Kriege deutsche Geographen mit den führenden Geographen des Auslandes vereinigen wird. Der Tagung wird um so größere Bedeutung zukommen, als Deutschland auf dem Gebiete der Ozeans- graphie führend ist. Die Ergebnisse der„Deutschen Atlantischen Ex- pedition"(der sogenannten„Meteor-Expedttion") werden den Haupt- inhatt der Tagung bilden. Da» Thealer am Schlffbauerdamm wirb unter der neuen Direktton Autricht am 31. Aunust mit der deutschen Urauiflibrung von„Ttie Begaars Opera' in der Bearbeitung von Bert Brecht. Musik von Kurt Weill, eröffnet werden. Der Spielplan de« eisten Jnbrcs sieht u. a. vor:.Der Hosmeister' von Lenz..Zwilchen Indien und ktmertka' von Ferdinand Lion,.Der Mond ist ein Mona' von John Dos Paffo»,„Tiatsch' von Noel Coward,.Pariser Leben' von Offenbach. Dem Theater ist ein Studio angegliedert. Die Zrühjahrsaustleltang der Akademie der Künste am Pariser Platz wird Sonnabend 12 Uhr vor geladenem Publikum eröffnet. Von 2 Uhr ab ist sie allgemein mgänglich. Die Besuchszeiten an den Wochentagen und sonntags sind von 10—5 Uhr. Do» Btotkouer jüdische Idealer verlängert sein Gastspiel nur bis zum 13. Mai. Aus dem Spielplan bleiben:„Die Hexe' und.Die Reise Ben- jamtns HI', jedoch findet noch eine Wiederholung von.200000' am Mit- ewoch, dem 9. Mai, statt. Ein> well-Kreb-tonserenz. Eine internationale Konserenz, die sich mit den Ursachen und der Heilung de» Krebses befassen soll, wird vom IS. bis 20 Juli in London stattfinden. Sie wird von der Britischen Aesellschast zur Bekämpfung des Krebses veranstaltet und von SrebSsorschom und 21er, ten der gonaen WeU besucht werden. Westliche U- Bahn in Gefahr. Verschleppungsmanöver der Rechtsparteien. # In der Bezirksverordnetenjigung des 10. Be gefester Beleidigung und übler Nachrede des girts Zehlendorf hatte die sozialdemokratische Ministers Hirtsiefer zu 900 Mark Geldstrafe oder Fraktion, unterstützt von einem demokratischen Bezirksverord 30 Tagen Gefängnis. Der Wahrheitsbeweis des Angeneten, einen Dringlichkeitsantrag eingebracht, der die Weiter flagten sei mißglüt. führung der Untergrundbahn über den jetzigen. Endpunkt Thielplatz hinaus betraf. Ursprünglich bestand die Absicht, die Untergrundbahn vom Thielplatz durch Alt- Zehlendorf( Behlendorf- Mitte) Ferienfahrten der Metallarbeiterjugend. nach Teltow zu führen. Nun ist aber in absehbarer Zeit, d. h. für die nächsten acht bis zehn Jahre, aus finanziellen Gründen nicht daran zu denken, diesen Plan zur Ausführung zu bringen, hingegen stehen für die Ausführung der Westlinie, die über die neue Großsiedlung nach Zehlendorf- West führt und später die Verbindung mit dem neu erworbenen Gut Düppel und dessen dicht besiedeltem Hinterland vermittelt, heute bereits über zwei Millio nen Mart zur Verfügung. Aus diesem Grunde entschloß sich die sozialdemokratische Fraktion, einen entsprechenden Dringlichkeitsantrag einzubringen. Die gesamte deutsch nationale und die Doltsparteiliche Fraftion stimmten jedoch gegen die sofortige Behandlung des Dringlichkeitsantrages, so daß es nicht möglicy mar, diese für den gesamten Westen zurzeit wichtigste und dringendste Verkehrsfrage zu behandeln. Die Folge dieses deutschnational volksparteilichen Berschleppungsmanövers ist, daß uns derte von Notstandsarbeitern, die bestimmt mit dem Beginn der Ausschachtungsarbeiten für die Bahnlinie gerechnet hatten, teine Arbeit haben werden. Der Bau der Linie nach West könnte sofort ermöglicht erden aus Mitteln, die der Stadt von dem preußischen Fistus zufließen, mährend alle städtischen Mittel zunächst selbstverständlich dem Ausbau der U- Bahn nach den dichtbevölkerten Stadtteilen des Nordens, Ostens und Nordwestens dienen müssen. Sollte also der äußere Westen in den nächsten Jahren ohne die seit 15 Jahren gewünschte U- Bahn bleiben, fo fann er sich dafür bei dem deutschnationalen Bezirks bürgermeister Schumacher und seinem getreuen Knappen, tem Baurat Echtermeyer, bedanken, die die stärksten Stüßen des Widerstandes gegen die einzig mögliche Form der Weiterführung der U- Bahn sind. Ein Jmpfgegner verurteilt. Mißglückter Wahrheitsbeweis. Begen öffentlicher Beleidigung des preußischen Ministers für Bolfswohlfahrt, Hirtsiese r, hatte sich heute früh der Studienprofessor Dr. phil. Molinaar aus München vor dem Großen Schöffengericht mitte unter Vorsitz von Landgerichtsrat Dr. Unger zu verantworten. Prof. Molinaar steht seit einer langen Reihe von Jahren im Kampf gegen den Impizmang und spielt in der Impfgegnerbewegung eine führende Rolle. In zwei Bersammlungen der Impfgegner hatte er als Redner laut ausgerufen:„ Der Minister hat gelogen! Der Minister ist ein Lügner!" In Berlin hatte er bei beiden Ausdrücken noch das Wort f cha mlos" hinzugefügt und die anwesenden Heberwachungsbeamten aufgefordert, sich das genau zu merken und zu notieren. Zu seiner Rechtfertigung führte in der Angeklagte an, daß er sich zu diesen scharfen Benbungen berechtigt gehalten habe und sie auch jezt noch aufrecht erhalte. Als Sachverständiger äußerte sich Prof. Gins, der Vorsteher der Seuchenabteilung im Landesgesundheitsrat, über die Birtung der Gewissenstlaufel in England. Dort hätten seit Bejeitigung des Impfzwanges die Bodenertranfungen Don Jahr zu Jahr eine außerordentliche Steigerung gezeigt. Im Jahre 1925 seien die Erkrankungen auf 5000, 1926 auf 10 000, 1927 auf 15 000 und bis zum 1. April 1928 auf 5000 Fälle gestiegen. Falsch sei die Behauptung der Impfgegner, daß es sich um Windpocken handele. Fast 90, Prozent der Bodenfälle in England feien bei nichtgeimpften Kindern vorgekommen. Staatsanwaltschaftsrat Dr. Kirschner billigte dem Angeklagten zu, daß er sich in seine Ideen verrannt habe.. Er durfte aber einen sachlichen Kampf nicht mit derartig persönlichen Angriffen führen. Deshalb müsse ihn auch eine empfindliche Strafe treffen. Das Schöffengericht verurteilte Professor Molinaar wegen fort 6915/16 Die gewerkschaftlichen Organisationen haben seit ihrem Bestehen bei allen Kämpfen, die sie führten, der Frage des jungen Nachwuchses ihre größte Aufmerksamkeit gewidmet. Doch erst in der Nachkriegszeit war es möglich, durch Festlegung in Tarifver trägen einige Tage Urlaub für die Lehrlinge, jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen zu erwirken. Ist es aber für die älteren Arbeiter schon schwierig, die wenigen Ferientage, die ihnen zur Verfügung stehen, dort zu verleben, wo Albert Will, heute 70 Jahre alt, Seit 1-05 Mitglied der Sozialdemokratischen Partei und des Verbandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter. sie es gerne möchten, so treten diese Schwierigkeiten bei unseren Jugendlichen besonders in Erscheinung. Allein eine größere Ferien fahrt zu unternehmen bedeutet eine finanzielle Belastung, die weber sie noch ihre Eltern tragen fönnen. Deshalb sind die gewerkschaftlichen Organisationen dazu übergegangen, für ihre jugend lichen Mitglieder neben den Wochenendfahrten in die nähere Um gebung auch Fahrten anzuseßen, die weit ab vom Heimatsort führen. = Die Jugendabteilung des Deutschen Metallarbeiter Berbandes veranstaltet in diesem Jahre zwei solcher Fahrten, von denen die erste vom Sonnabend, dem 26. Mai, abends über die Pfingsttage bis Sonntag, den 3. Juni, ins Riefengebirge geht, während die zweite vom Sonnabend, dem 30. Juni, abends, bis Sonntag, den 8. Juli, an die Ostsee, nach der Insel Rügen festge legt ift.ng was the für jede Fahrt 25 Mart. Alle Jugendlichen, denen die Aufbringung Die Untoften betragen mit Fahrgeld und voller Berpflegung dieser Summe nicht möglich ist, werden gebeten, Freitags, an dem das Bureau der Jugendabteilung bis 7 Uhr geöffnet ist, pätestens aber bis Freitag, den 18. Mai, sich zur persönlichen Rüdsprache zu melden. Bei der Anmeldung müssen 3 Mark als An zahlung geleistet werden. Die Ortsverwaltung. Des Opernsängers Schrankfoffer. Einen unangenehmen Zwischenfall erlebte der Opernsänger Rudolf Laubenthal, als er Anfang August v. Is. seine Amerikareise antrat. In einem Hotel in München übergab er am 5. August dem Hausdiener einen wohlgefüllten amerikanischen Schranttoffer mit der Weisung, ihn auf eine Fahrkarte 2. Klaffe nach Berlin, Anhalter Bahnhof, aufzugeben. Das geschah auch. Als Laubenthal aber in Berlin eintraf und auf den GepäckTheater am Kurfürstendamm Bismarck Theater am Kottbusser Tor Thalia- Theater Täglich 8.30 abends J. Jushny Theater Kottbusser Straße 6. Tel. Mpl. 16077 Dresdener Str. 72-73 Täglich 8 Uhr Theater, Lichtspiele usw. Der blaue Vogel Donnst., 10. 5. 28 Staats- Oper Unter d. Linden Ab.-V. 9. Anf. 19( 7) U. RosenDonnst., 10. 5.28 Städtische Oper Bismarckstr. Turnus I Anf. 20( 8) U. kavalier Rheingold Staats- Oper Am Pl.d. Republ. Ab.-V. 4. Anf. 19%( 72) U. Staatl. Schauspielh. Am Gendarmenmarkt Ab.-V. 92. Anf. 20( 8) U. Der Arzt wider Prinz Louis Willen Ferdinand Staatl. Schiller- Theater, Charitbg. Anfang 20( 8) Uhr Faust, I. Teil Neues Progr.: Wohin rollst du Aepfelchen und andere 12 Inszenierungen Komische 81%, Uhr Oper 8%, Ubr JAMES KLEIN'S gewaltiges, neues Revue Stück: Zich Täglich 8 Uhr Phantasien im Dyckerpotts Erben Bremer Ratskeller Theater des Westens Genrebild von Max Horst Gastspiel Unsere Käthe Moskauer jüd. Posse von Oskar Klein Dazu das Mai Solo Programm. akad. Theater Beatsches Theater Norden 12 310 B 8 Uhr, Ende nach 10 Pygmalion von Bernard Shaw dtsch. v. Siegfr, Trabitsch dich aus! Die Komödie 200 Mitwirkende. Vorverkauf ab 10 Uhr ununterbrochen. Saltenburg- Bühnen Dts. Künstler- Th. 81 Uhr Schwarz- Weiß Bismarck 2414/7516 leines Theater 8 U. Ende 10%, UTäglich 8 Uhr: Die Kassette" Frau Käte läßt Komödie von Carl Sternheim sich verführen Kammerspiele Norden 12310 CASINO- THEATER 8, U. 8, U., Ende nach 1 Lothringer Str. 37. Zum 115. Mal Volksbühne Die schwebende Jungfrau Finden Sie, daß Theater am Bülowplatz Th. am Schiffbauerdamm Ausschneiden. Gutschein 1-4 Pers. Constance sich richtig 8 Uhr: 81 Uhr Wasihr wollt Der Zigaretten kasten SCALA 8 Uhr Nollendor 7360 Paul Lincke sowie das internat. Varieté- Programm Fauteuil nur 1.10 M.. Sessel 1,60 M Reichshallen Theater Abends 8 Uhr, Sonntag nachm. 3 Uhr Stettiner Sänger Stuckes Pfingstfahri" Nachmittags halbe Preise Dönhoft- Brett'!: verhält? Berliner Theater Sharlottenstr.90/ 91.06nh.170 8 U. Ende geg. 11 Gastspiel d. Deutschen Th. Der Proze Mary Dugan ( Saal a. Gart.n). Varieté, Tanz. Planetarium am Zoo Kapelle Wilhelm Frenkel Varing. leachimsthaler Straße Noll. 1578 16 und 1912 Uhr: Walhaila- Th. Lustspielhaus Der Sternhimmel Weinbergsweg 19/20 Täglich 8 Uhr Renaissance Theater Rund um den Steinplatz 901. Staatsanwalt SUhr: Krankheit der Jugend Einheiter. 1.50 M. Mr. Or. Marfin Zicke 8 Uhr Juido Thielscher " in Unter Geschäftsanfsicht" der Heimat 18 und 21 Uhr: Lotte Klinder, Berth. Reißig. Vorzeiger halbe Kassenpreise. DAS Heute, Freitag und Sonnabend 8 Uhr Die Reise and st Barnowsky- Bühnen Th. Königgrätz. St. Bergm. 2110. Täglich 7, Uhr Leinen ans Irland Komödienhaus Norden 6304. schein den Koffer zur Weiterbeförderung abholen wollte, war er verschwunden. Der Opernsänger, der sich, um seine Dispofitionen nicht stören zu lassen, nicht länger aufhalten fonnte, mußte seine Reise ohne Gepäd fortsetzen. Die Berliner Kriminalpolizei fuchte lange vergeblich nach dem verschwundenen Koffer. Jetzt endlich fand sie ihn bei einer Kontrolle in einer Pension in der Hedemannstraße. Die Inhaberin gibt an, daß ihn ein Mann mitbrachte, der sich " Hans Koch" nannte, der am 9. Auguſt bei ihr abstieg und am 12. wieder abreiste, angeblich nach Wiesbaden. Den Koffer ließ er leer zurück, verkaufte einen Teil des Inhalts, Damenund Herrenkleidung, während er den Rest an Straßenmäd= chen verschenkte. Nunmehr wurde dieser Koch als ein bereits 18 mal vorbestrafter 34 Jahre alter aus Wiesbaden gebürtiger Hans Koch ermittelt, der im ganzen Reiche umherzureifen pflegt und in den verschiedensten Städten, darunter auch in Berlin, wegen Diebereien verurteilt worden ist. Wahrscheinlich hat er den Koffer mit einem gefälschten Gepäckschein erbeutet. Nach dem Diebe wird jetzt überall gefahndet. Das Blindenhandwerk. Einheitliche Berfaufsorganisation und Rationalisierung. Wie alle Handwerkszweige ist auch das sogenannte Blinden handwerk mit der Zeit mitgegangen und hat sich modernisiert, die Maschine unterstützt auch die Hand des Blinden. Jedem Handmertszweige wird das Leben durch die Konkurrenz der Fabrikware schwer gemacht. Bei den Erzeugnissen des Blindenhandwerks fommt erschwerend hinzu, daß in ungemessenen Mengen Waren auf den Markt gebracht werden, in der Regel durch Haufiervertrieb, die als Erzeugnisse blinder Handwerker ausgegeben werden, in Wahrheit aber mit wirklicher Blindenarbeit so gut wie nichts zu tun haben. Der Preis, der als Wohlfahrtspreis" für Blindenware" bei Leichtgläubigen erzielt werden kann, regt immer wieder findige Köpfe an, mit Fabrikware einen die blinden Handwerker schwer schädigenden Schwindel zu treiben. Dem soll ein Blindenwarenzeichen abhelfen, das von der Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Blindenhandwerfs geschaffen wurde und demnächst zur Einführung tommen wird. 11 Aber auch die mangelhafte Regelung des Absages reeller Blindenware schädigt diesen sehr. Deshalb schlägt der Leiter der Heilbronner Blindengenossenschaft in einem bemerkenswerten Auffatz vor, daß alle öffentlichen Betriebe des Blindengewerbes( Werkstätten der Blindenanstalten, Vereine und Genossenschaften) eines Bezirks sich zu einer einheitlichen Berkaufsorgani fation zusammenschließen. Dem einzelnen Handwerker steht der Anschluß an die Genossenschaft offen. Es wird Rationali fierung der Betriebe durch Ausbildung und Beschäftigung Don Spezialarbeitern, durch Benugung bester Maschinen und durch Rationalisierung des Einlaufes der notwendigen Rohstoffe ge fordert. Dazu schlägt Anspach die Gründung einer Zentraleinkaufsgemeinschaft für das gesamte deutsche Blindengewerbe vor. Diese soll ohne eigene Lagerhaltung den Einkauf im Großen und die Berteilung des Bedarfs übernehmen. Der auf diese Weise mit bestem und billigstem Rohstoff versehene Betrieb wird zur Blindenfabrik", in der außer den Blinden selbst andere sehende Erwerbsbeschränkte als Hisarbeiter eine ihren Fähigkeiten angemessene Beschäftigung finden önnen. So erhält die Blindenfabrik" große Bedeutung für ein der wichtigsten Aufgaben der Fürsorge: die Unterbringung der Erwerbsbeschränkten. Deshalb liegt die Berwirklichung des Anspachschen Planes nicht nur im Interesse der Blinden selbst, fondern darüber hinaus in demjenigen der meisten Fürsorgeverbände. Raubversuch in der Ferdinandstraße. Ein mißglückter Raubversuch beschäftigt die Kriminalpolizei. 2lls gegen 14 Uhr ein Werkmeister aus der Parallelstraße auf dem Heimwege durch die Ferdinandstraße ging, trat ihm dort plötzlich ein Bursche von etwa 18 Jahren entgegen, gab zwei Schüsse aus einer Schredschußpistole ab, sprang ihm an die Kehle, um ihn zu würgen und brachte ihm mehrere Kragwunden bei. Der Ueberfallene sezte sich zur Behr, und auf seine Hilferufe ergriff der Wegelagerer die Flucht, ohne etwas zu rauben und verschwand. Die sofort unternommenen Nachforschungen hatten feinen Erfolg. Berantwortlich für die Redaktion: Eugen Prager, Berlin: Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag: Borwärts Berlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts Buch bruderei und Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SBW 68, Lindenstraße 3. Krause- Pianos zur Miete W50, Ansbacherstr.1 Tagl 8, Uhr Blumenspenden Broadway Benjamins III. Lessing- Theater Musik. Komödie Sonntag 8 Uhr Die Hexe Piscatorbühne Norden 12798 Sommerspielzeit Künstlerische Laifong Emil Line Täglich 8, Uhr ,, Nr. 17" Theater am v. Jefferson Farjeon Nollendorfplatz Regie: Hans Lotz Kurfürst 2091/93 Täglich 84 Uhr Rose- Theater Malborough zieht Gr. Frankf, Str. 132 in den Krieg von Marcell Achard 8 Uhr: Insz. Erwin Kalser Hopfenraths Erben OPEL FAHRRAD NUP wochtl 3 MK Teilz SHERLOCK GES M.B.H. BERLIN, N54. HACKESCHER MARKT 2-3 Fernspr.: NORDEN 4791-93 Vertrelerbesuch unverbindlich! jeber Art ietert preiswert Paul Golletz. Borth. Robert Meyer Mariannenstraße 3, Ede Naunynstraße Amt Mortypl. 103 03 Sierzu 1 Beilage. Eisschränke auch bis zu 18 Monats- Raten Radatz Berlin W 66, Leipziger Straße 122/123 G. u. F. Schüler, Restaurant vorm. Alb. Bietz Helligegeists! r.52, Breitestr.27, Neue Promenade 4 Warschauer Straße 55( Edke Revaler Straße) Gut gepflegte Biere. Neu eröffnet! Neu eröffnet! 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Schwielige Hände stecken in den Schlitz der Uhr eine Karte und drücken einen blinkenden Hebel— kling-- Feierabend! Vom Maschinenhaus heult die Sirene. Ein schwarzer Menschenhaufen wälzt sich hinaus auf die Straße und der unermeßliche Strom verflutet nach allen Seiten. Jede einzelne Gestalt etwas müde, etwas gebückt und vergrämt, das Brausen der Maschinen noch in den Ohren und das Dunkel der Werkstatt wie einen Schleier vor den Augen. Fast fremd schreiten sie durch den Sonnenschein. Aber mit jedem Schritt, der sie von der Fabrik entfernt, wird ihr Gang leichter— wie von einem schweren Alp befreit geht jeder seinen Weg. Heimwärts! Da— spielt da nicht Musik? Ist das nicht der mitreißende Rhythmus eines alten Kampfliedes— der Internationale?„Völker, hört die Signale!"... Drüben, am jenseitigen Straßenrande, steht mit wehenden roten Fahnen geschmückt— ein großes Auto, auf dessen Dach langgestreckt ein riesiger Trichter liegt. Ein Laut- s p r e ch e r! Aus dem tönt die Musik, brauch die sieghaste Melodie. Das Auto ist von oben bis unten und an allen Seiten mit bunten Plakaten beklebt. Drei Farben leuchten: Schwarz, Rot und Gold. Wuchtige Gestalten, aus den Schächten der Fabriken wach- send, strecken ihre Arme aus:„Wäh�lt am 2 0. Mai Sozial- dem o traten! Wählt Liste 1!" Die Musik verswmmt. Aus dem Lautsprecher schallt plötzlich die klare Stimme des Reichstags- Präsidenten Paul L ö b e über die Straße. Nach ihm spricht Arthur C r i s p i e n. Kurze, packende, anfeuernde Ansprachen. Alle klingen in den mahnenden Ruf aus:„W Shlt die Partei des schaffenden Volkes, wählt Sozialdemokraten!" Die Zuhörer haben um das Auto einen dichten Kreis geschlossen. Politische Diskussionen heben an.„Ruhe!" wird gerufen.„Wohlan wer Recht und Wahrheit achtet!" ertönt erneut die Musik aus dem Lautsprecher. Einige Neugierige blicken durch die geöffnete Hinterwand in das Innere des Autos. Dort sitzt auf einem Schemel ein Mann im weißen Kittel und beobachtet die glühenden Lampen der Batterien, die dem Lautsprecher die Kraft geben. In einem Kasten dreht sich surrend eine Platte— das Grammophon. Der Blick in das Auto ist zugleich ein Blick hinter die Kulissen der Technik dieses Wahlkampfes. » Das Auto fährt davon, den Ruf der Partei in die entferntesten Vororte tragend. Unermüdlich fahren die Automobile, von denen Hunderte bereitgestellt sind. Ein Kreis ihrer Bahn greift in den anderen: tönende Ringe sind es, die sie über das Land legen, über das ganze Reich, das im Banne dieses Rufes steht: Wählt Sozial- demokralen! In den Straßen dunkelt der Abend. Reklamelichter leuchten auf. Bunt und grell. Für Zahnpasta, für Büstenhalter, für den besten Likör. Gleichgültig sehen die Augen an den Lichtbuchstaben der elektrischen Laufschriften vorbei. Bis sie an ihnen wie� festgenagelt haften bleiben:„Für die Armen und Unterdrückten kämpft die Sozialdemokratie? Wählt am 20. Mai Liste 1!" Leuchtend huschen die Flammenzeichen dieser Mahnung vorüber, tauchen aus und unter im Dunkel dtr Häusergicbel. In den Zuschauern erwacht ein Gefühl der Bewunderung über die imponierende Machtentfal- tung einer Arbeiterpartei. Von der Bewunderung bis zur Sympathie ist nur ein Schritt, von der Sympathie bis zum Nachdenken über die Ziele der Sozialdemokratie ein zweiter, und bis zur Entscheidung für sie am 20. Mai ein dritter und letzter. In der Friedrich- st a d t und in N e u k ö l l n. im W e st e n und im O st e n— überall verkünden leuchtende Schriften und helle Transparente den großen Appell der Sozialdemokratie. Vom Funkturm, dem Wahrzeichen des neuen Berlins, glühen die gleichen Inschriften weit über die Stadt, strahlend die Nacht durchdringend... In jedem Stadtbezirk hat die Partei Litfaßsäulen auf- gestellt auf denen ausschließlich die zahllosen Werbeplakate der So- zialdemokratie sichtbar sind. Wuchtige, eindrucksvolle Zeichnungen aus erster Künstlerhand. Und in den Hauptverkehrsstraßen stehen die F l u g b l a t t v e r t e i l e r. die an die Vorübergehenden die ver- schiedensten Druckschristen verteilen: Vom kleinsten Handzettel über die illustrierte„B ü r g e r b l o ck f i b e l" bis zur mehrseitigen Broschüre, in denen das ganze aufklärende politische Material konzentriert ist. Neben den Abhandlungen für nachdenkliche Gc- rnüter kommt aber auch der Humor und die Satire zu ihrem Recht. In den Flugblättern, in den Broschüren, auf den Plakaten und auf den von den Parteigenossen selbst verfertigten Transpa- renten. die in den Demonstrationszügen mitgeführt werden. An den Häuserwänden klebt ein drastisches Plakat. Es zeigt einen mit «mew Zylinder geschmückte» O ch s e u k o p f, unter dem der jolgende ----------- fr. fi i n-a-''**-■-----■ Es lebe hoch der Dölkerstreit, Die Selbstsucht und der Futterneid! Wir bleiben die alten Heldengestalten. Versprechen viel und können nichts halten. Doch ist's uns egal, das Volk hält den Mund— Hauptsache: wir machen uns dabei gesund! „Denkste!" sagt der Berliner und geht schmunzelnd weiter. * Ein Blick in die Wahlversammlungen der SPD. gibt aber erst den richtigen Begriff von der Dielgestaltigkeit und Wirk- kraft der Propagandamittel der Partei. Ueberall Massen- gesänge, Sprech chöre, aktuelle politische Revuen, Sketsche, Parodien und hervorragende Filme. Und was die Hauptsache ist: schlagfertige und den größten Diskussions- stürmen gewachsene Redner. Gleichgültig, ob es„Kanonen" oder „Äanönchen" sind. Jeder ist geübt und hat ein umfangreiches und systematisch zusammengestelltes Referentenmaterial zur Hand. Auf jede Frage eine Antwort, auf jeden Zwischenruf eine „Retourkutsche" mit zehn Rädern. Schon lange Zeit vor dem Aus- bruch des Wahlkampfes wurde den Funktionären und Referenten das Material zugestellt. Die Zentralin st anzen der Partei haben den großen Feldzug glänzend vorbereitet. Neben dem Größten ist auch das Kleinst« nicht vergesien worden. Ob es sich dabei um die Riesenkundgebung im Sportpalast handelte, einen glänzend ver- laufenen Ball für die weiblichen Hausange st eilten oder um ein Kinderfest, bei dem auf den Stocklaternen die Worte „Wählt SPD." leuchteten. Alles wird dem einen großen Ziel, der Sieg der Partei, dienstbar gemacht. An dem letzten Tage vor der Wahl wird der ganze technische Apparat der Partei spielen. Sie will und muß das Straßen- bild beherrschen. Zahllose mit Wahlplakaten völlig beklebte Möbelwagen werden ihre Dauerfahrten durch die Stadt an- treten. Und am dunklen Nachthimmel wird das Wort glühen: Wählt SPD.!" Bald hier, bald dort. Im Westen und im Osten, im Süden und im Norden: Wählt SPD.? Und das ist der große Eindruck dieses Wahlkampfes: Er hat mit seinem gewaltigen technischen Apparat, dessen sich fast alle Par- teien bedienen, keinen einzigen Vorgänger in der ganzen Geschichte aller deutschen Wahlkämpfe. Und unbestritten und selbst von der bürgerlichen Presse anerkannt, überragt die Sozialdemokratie an Machtentfaltung alle anderen Parteien. Sie hat dem Kampf mit der geistigen Waffe um die Seele des Volkes das Beispiel und die Form gegeben. Ihre seit Jahrzehnten vertretenen politischen Prin- zipien sind zum Durchbruch gelangt. Ein Zeichen ihrer inneren und äußeren Kraft— ein Vorzeichen ihres Sieges! .Alkrock Fritzschc. Klein-Rumänien. Ein Besuch in der Bukowina, !8or Iahren habe ich einen Sommer in der Bukowina verbracht, jenem östlichsten Land Altösterreichs, das mit seinem Völkergemisch ein Abbild des großen Reiches war: Im Nordwesten, gegen Ostgalizien hin, von Ukrainern und polnischen und— armenischen, freilich schon lang polonifierten Einsprengseln, in der Haupt- masse von Rumänen bewohnt und überall dazwischen von weniger als in Galizien prononzierten Ostjuden, die zusammen mit deutschen Kolonisten und deutscher Intelligenz deutsche Sprache unverwüstlich am Leben auch im Gebiet zwischen Dnjeftr, Pruth und der anderen, der nichtböhmischen Moldau erhielten. In der Hauptstadt Czernowitz hörte man all« Sprachen durcheinander, denn im Land« wohnen auch russische Kolonisten, die.Lippowäner", und im Karpathenrand die Huzülen, die, wenigstens nach manchen Gebräuchen, tatarisch beeinflußt scheinen, so, wenn sie mit Schalen voll Pferdemilch und einem Tropfen eigenen Blutes darin Brüderschaft trinken. In Ezernowitz wie in den übrigen Städten überwog die deutsche Sprache, mochte es auch vielfach das hebräisch untermischt« Mittel- hochdeutsch der Juden sein— woylgemerkt, der Juden aus der Masse, denn was durch Besitz, Bildung oder Jugend darüber hinaus- kommt, bemüht sich, reines Deutsch zu sprechen. Heute noch er- scheinen in Czernowitz deutsche Tageszeitungen, vor allem der sozialdemokratische„Vorwärts". Mein Weg ging weiter südwärts, mit Umsteigen in Hadit- salva— richtig, Madjaren leben auch dorsweisc in der Bukowina, dieser Name zeigt es, ein k. und k. Militärgestüt war dort, natürlich mit zum Teil madjarischsm Personal—, noch der Stadt Radautz und dann über Land in das Großdorf Ober-Wikow. Da blieb ich dann ein paar Wochen. Der Ort liegt auf der Ebene, aber es ziehen sich bewaldete Bergriegel nahe hin, und nie vorher hatte ich den Sturmwind mit solcher Kraft und solchem Lärm dahertosen gehört. Die Wälder gehörten zum größten Teil dem Griechisch- orientalischen Religionsfonds, wohl von Josephs II. Zeiten her, der viel Kircheneigentum verstaatlicht und die Kirche auf Nutzung gefetzt hatte. Die Forstwirtschaft war irre ich nicht, einem„Baron" Popper übertragen, der gewaltig« Reichtümer daraus zog. dessen Verwalter aber auch nicht wenig angesehen, beneidet und auch gefürchtet waren. D!« Bauern von Ober-Wikow waren Rumänen. Große, starke Menschen mit langem schwarzen Haar, auf das sie nie einen Hut setzten, was von den alten Römern herkommen soll. Aber wenn die rumänische Nationaltradition sich auf römische Abkunft beruft—„Romania" nennt sich das Königreich— und wenn die Sprache auch romanischen Stammes ist, so hielten sich diese Bauern doch für etwas anderes. Denn man lehrt« mich, wenn ich rumänisch angesprochen würde, zu antworten:„Nusclitiu rmnaneschti", besser aber:„Nuschtiu moldowancschti", denn die Bauern hörten sich Mtet SSofivtwwrf SBoObwer flew«. Man eriimiwi dch Met ehemaligen Donaufürstcntümer, aus denen in der Folge des Krim- krieges von I8S3— 56 und des russisch-türkischen Krieges von 1878 Rumänien gemacht worden ist, Moldau und Wallachei hießen. Die Bauern gingen stets im Schafspelz, der einen weißen, farbig gestickten Ledermantel fütterte: im Sommer war das Fell nach außen, im Winter nach innen gekehrt. An Festtagen wurden darunter farbige Kleider angelegt und das lange Haar mit Butter so«ingefettet, daß es Hochglanz hatte. Die Hauptnahrung war die M a m a l i g a, Stücke von gebackenem groben M a i s g r i e ß, deren Verdaulichkeit durch möglichst viel Butteraufstrich beim Essen erleichtert werden soll: ich erinnere mich jedoch eines heftigen Magendrucks nach einem solchen Versuch. Die Bevölkerung Alt- österreichs hat in der Kriegsnot ihre Erfahrungen mit dem gelben, krümeligen Maisbrot machen müssen. Der früher überreichliche Schnapsverbrauch der Vauern hatte in den neunziger Iahren stark abgenommen: ein Reserve- korporal des k. und k. 41. Infanterieregiments in Czernowitz— schwefelgelbe Aufschläge und silberweiße Knöpfe— war als Sinti» fchnopsprophet im Land herumgezogen und hatte nach feuriger Rede die Bauern überall dem Schnaps abschwören lassen Sie hielten ihren Schwur so treu, daß über die jüdischen„Propinations- Pächter", die aus dem staatlich bewirtschafteten absoluten Alkohol Schnaps herstellten und verkauften, bitter« Not kam. Mir aber fiel dabei immer der Spruch ein, den uns in der Wiener Real- schule unser Professor Wilhelm Winkler, ein deutsch-mährischer Vauernsohn und Wirtschaftsrcsormer, oft mit fröhlichem Augen- blinzeln vorgesagt hatte:, j „Nobel ist es, Schnaps zu brennen, Schon bedenklich, ihn verkaufen, Ganz erbärmlich, ihn zu— trinken." � Mit Lesen und Schreiben war unter den Bauern nicht viel los: auch jener Schnapsprophet hatte erst beim Militär etwas davon gelernt und wahrscheinlich nicht viel profitiert, da die Militärsprache meist noch Deutsch war. Da ereignete es sich z B. in der Mann- schaftsschnle. daß aus die Frage, wie der Feldmarschall heiße, unter großer Anstrengung die Antwort kam:„Gaizlicbe, Oheit, Hertscliesko Halsbrecht"(Erzherzog Alb recht). Es bliebe noch zu erwähnen, daß im Gegensatz zu anderen Völkern Altösterreichs unker den Rumänen«ine auch nur nennens» werte Irredenta, ein Streben nach Vereinigung mit dem nationalen Nachbarstaat, nicht bestanden hat. Das mag daran liegen, daß diese Moldowaner aus dem Stadium der„geschichtslosen Nationen"(Otto Bauer) noch nicht erwacht waren— wenn aber selbst, mag ihnen das Elend ihrer Landsleute jenseits der Grenze wenig erstrebens- «»»«qchtaKii frtei DER tPRUNS OBER DEN iCHATTEN VON KARL SCHRÖDER- ZEICHNUNGEN VON PAUL THESING Heinrich Fehlow, dessen Lebensgeschichte der Verfasser schildert, stammt aus einem osfelbischen Landstädtchen. Sein Vater ist Dorlschullebrer mit 750 M. Gehalt Im Jahr. Der Junge ist ein «aufgewecktes'* Kind und der Schulrektor meint, dab er studieren müsse. Zuerst bekommt er privaten Unterricht in den Gymnasial- fächern. Später schicken Ihn die Eltern unter den größten persönlichen Opfern aufs Gymnasium. 7. Fortsetzung. Wir legten im Garten Rosenstöcke frei, die im Winter mit Tannenzweigen bedeckt waren. Die Erde war weich. Die Frost- löcher, die das eingesickerte Wasser bildet, waren ausgetaut, und man sank in den Boden. Aber es war ein wohliges Einsinken: anders als das widerwärtige Klebenbleiben in Lehm und Erde nach Regen und Tauschnee. Als ich die Toni auf dem Hof bei den Schwestern sah, die gerade die Hühner fütterten, erbebt« ich vor Schreck und Freude, und ich zitterte, als sie nach wenigen Worten die Schwestern stehen ließ und zu uns in den Garten kam. Sie hatte auf den Arm ein schneeweißes Kaninchen mit den glashellen, blaßroten Augen des Albions. Sie strahlte mich eine Sekunde an, machte>.�nn dem Bater einen Knicks und sagte völlig unbefangen: „Ich will Heinrich das Karnickelchen schenken. Er darf es doch nehmen?" Ich wußte nicht, wohin Ich sehen sollte. Mein Dater aber lächelte sie unter seinen buschigen Augenbrauen an und sagt«: „Ja, wer bist du denn? Woher kennst du den Hein?" „Na, ich bin doch die Toni Kersten von drüben, und Heinrich hat mich doch Karussell fahren lassen. Hat«r das nicht erzählt?" Ach, du heiliger Himmelt Hätte ich das geahnt, Ich haßte sie in diesem Augenblick und dachte, daß irgendeine Katastrophe aus- brechen würde. Ich bückte mich— ich hatte das Gefühl, am ganzen Körper dunkel zu erröten. Ich raffte einen Haufen Tannenstreu und trug ihn zur Seite. Der Vater warf wohl einen flüchtigen Blick zu mir hinüber, schien aber keineswegs verwundert zu sein und sagte— immer noch lächelnd: „Nei— n, das hat der Hein nicht gesagt. Aber warum soll er das auch sagen; er kamt doch nicht wissen, daß er gleich ein so hübsches Kaninchen dafür kriegt, nicht wahr, Hein?" Ich wagte nicht, aufzusehen, und raffte einen zweiten Haufen. „Na, kleine Toni," fuhr der Vater fort,„dann soll dir Heinrich aber auch etwas schenken. Ein paar schöne Frühlingsblumen. Geht man mal nach oben." Oben wuchsen schon Aurikeln, dunkelgoldbraun schmelzende, somthäutige Aurikeln. Ich pflückte. Oh! wie ich pflückte! Ich glaube, wir haben in diesem Frühjahr nicht viele Aurikeln behalten. Acht Tage später, am Geburtstag meiner Schwester Gertrud, war Toni wieder da: und beim Pfänderspiel wurde sie verurteilt, mir einen Kuß zu geben. Sie tat es, ohne Zögern, aber ganz lang- fam und zart, während sie vorher lärmte und wild war. Von diesem Augenblick an suchten wir die Einsamkeit und küßten uns wieder und wieder. Und das blieb so in den folgenden Iahren. Wann immer ich eine Stunde oder einen Sonntagnach- mittag erübrigte, suchte ich sie, und sie suchte mich. Spielten wir mit vielen anderen im Stadtpark Räuber und Ritter, dann zagte ich nur zum Schein eine Weile hinter den anderen: bis sie zerstreut waren. Sie allein war es, die ich greifen wollt«. Sie lief wie der Wind, war zäh und ausdauernd, aber ich wußte wohl, daß ich sie zuletzt doch kriegen würde, und daß sie absicht- lich in die verlassensten Teile des Parkes stürmte. Ist es Einbildung? Ist es Wahrheit? Können Kinder sich wirklich so maßlos lieben?. Wenn ich Toni zuletzt an mich riß, dann ist uns wahrhaftig die Welt versunken, und wir vergingen vor Glück und Seligkeit. Noch oft sind wir Karussell gefahren! Toni Kersten war die schonst«. Meine Heimatstadt hat viele herrlich schneeweihe, elfenbein- glänzend«, somtrote Rosen hergeben müssen, die Toni in den Gürtel steckte oder wippen ließ, den Rosenstiel zwischen den Zähnen. Auf schwierigen Wegen, dem Parkwächter zum Trotz, habe ich die Rosen stibitzt: denn dem Vater wollte ich sie nicht nehmen. Vielleicht hatte ich auch Angst: er kannte jede einzelne seiner Rosen. Manchmal denke ich, er hat heimlich für jede einen Namen gehabt. Von dieser meiner ersten Liebe haben nur die Schwestern ge- wüßt: die aber lzalfen mir. Den Eltern verschwieg ich alles. So wuchs und gedieh mit dem Schönen zugleich die Lüge und die Heuchelei: als ob das so sein müßte. Und als ob das so sein müßte, hatte mit einem Schlag alles ein Ende. Plötzlich: ohne Uebergang: ohne rührenden Abschied: ohne tragische Verwicklung. Als ich eines Sonntags, mit den Schwestern zusammen. Toni abholen wollt« zum Sdzlitsschuhlaufen, war sie weg. Für immer. Die Mutter war gestorben. Ihr Vater hatte sie geholt und sich nur gerade einen Tag aufgehalten. Kein Brief, keine Trän«, kein Ab- schiedskuß, keine Locke, kein Bändchen. Nichts. Gar nichts. Mit einem Hieb der Baum gefällt. Aber— ich bin nicht daran gestorben. Es stirbt sich nicht so leicht an gebrochenem Herzen. Und für einen Nachkommen von Bauern wäre das auch gerade die richtige Sache. Uebrigens habe ich Toni Kersten wiedergesehen. Zehn Jahre später. Sie war Schauspielerin und nannte sich Blanka von Felsneck. Wir saßen in einem Cafe, und Toni war sehr erfreut. Sie war voller und runder und«lfenbeinblaß, aber die Augen funkelten wie einst: nur nicht mehr nach einer einzigen Stelle. Viele Theaterkenner saßen am gleichen Tisch, und Toni lachte lind erzählte ihnen, wie sie mir ein weißes Kaninchen mit durch- lichtioen. roten Augen gebracht hatte. Sie drückte meine Hand und nannt« mi'*. daß alle e« bärfen. ibren stürmischen Heim Ich saß dumm und stumm dabei und verschwand in einem aeleaenen Augenblick ohne Abschied. Das war lächerlich: und heut« weiß ich auch, daß es niedrig, eaoistisch und klein war. Aber schließlich ist es gleichgültig. Was geht es mich noch an? Und überhaupt ist diese Toni Kersten, die 'ch wiedersah, ja„meine" Toni Kersten gar nicht gewesen. Auftakt. Die Erziehung zum idealistischen Kleinbürger ist die Erziehung zur Konkurrenz in geistigen„Leistungen", die Erziehung zur Ver- herrlichung des„Ich" und der„Persönlichkeit" überhaupt. Es ist die Erziehung mit dem Ziel, recht viel geistiges Eigentum zu Hamstern und sich damit zum Mittelpunkt der Welt zu machen. Natürlich darf man das nicht aussprechen. Ich wollte„Minsster" werden. Wenn Söhne von Lehrern Minister werden können, warum sollte ich, Heimich Fehlow, das nicht auch erreichen können? Das stand fest bei mir und niemand hätte mich anzustacheln brauchen. Aber ich wurde angestachelt. Und wie! Die Mutter legte„ihrem guten Kinde" heimlich ein Fünfzigpfennig- stück ins Wäfchepaket. Die Verwandtschaft bekakelte und bewunderte das„Schenie" in ihrer Familie: und ehemalige Lehrer und Lokal- Patrioten führten den Jungen als Muster ihrer Klasse vor. Ist es ein Wunder, wenn sich ein natürlich gesundes Innere in «ine trübe Mischung verwandet: Demut nach außen und Hochmut nach innen? Bisweilen bricht das Gesunde durch und wir erschrecken vor uns selbst. Aber es ist überaus schwer, auf dem«ingeschlagenen Wege „Ich will Heinrich das Karnickelchen schenken,"— haltzumachen. In den messten Fällen haben wir un» an das Gift gewöhnt, wie man sich an Alkohol und Nikotin gewöhnt. Wer es nicht nimmt, der„ist kein richtiger Mann". Wieviel ist doch aus der Zeit der Gymnasialjahre meinem Ge- dächtnis entschwunden! Weiß ich es wirklich nicht mehr? Oder will Copyright 192« by„Der Bücherkrei« O. m.b.H." Berlin SWCT. ich es irgendwie nicht wissen? Aber es ist so— ich sinne und sinne, und spärlich nur und widerwillig lösen sich Bilder aus der Tiefe. Und matt und farblos stehen sie da. Kaum kann man sie Bilder nennen: abgerissene Fetzen sind es, vereinzelte, glucksende Blasen, die aus versumpften und versandeten Schichten zuweilen aufsteigen und verflogen sind, ehe man sie recht ins Auge faßt. Alles, was Farbe und Leben behalten hat, lag außerhalb der Schule. Da waren am Gymnasium ein paar langweilige„Pauker", ein paar lebendige und ein paar verdrehte.„Pauker" sagten wir,„Arschpauker": ein widerlicher Name; aber er wird zu Recht bestehen, solange es noch einen einzigen Lehrer gibt, der mit Wissen der anderen prügeln darf. Denn alle Lehrer sind dafür mitverantwortlich. Für ein gutes Jahrzehnt hat ims allen die Schule die Freude an den Klassikern zu verekeln gewußt. Herder ist uns ein toter Name geblieben. Lessings„Laokoon" hat es fertiggebracht, mit Hilfe eines unfähigen Lehrers, junge, quicklebendige, achtzehnjährige Menschen am hellichten Tag in Schlafzustände zu versenken. An Goethes„Hermann und Dorothea" übte man das Wesen des Hexa- meters und zertrümmerte blöde und barbarisch die Bildkraft dieses erstaunlichsten aller kleinbürgerlichsten Epen. Und Schillers„Wil- Helm Tell"?... Wilhelm Tcll-- Wilhelm Tell? Gleich dreimal muß ich den Namen zerkaijen, als wollt« ich noch heute jemand höhnisch anspringen, der diese Erinnerung in mir weckt. Vielleicht hat dies aber noch einen anderen Grund: einen Grund, der in der Zeit der Studentenjahre ruht, und darum will ich es hier liegen lassen, wie es Ist. Im ganzen muß ich gestehen— so kindisch und lächerlich es uns heute erscheinen mag— es war noch wenigstens gut, daß wir Schüler privatim zum Beispiel gründlichst darüber diskutierten, ob Goethes Liebesverhältnisse„moralisch" oder„un- moralisch" seien. Es war doch noch Kampf um lebendiges Leben.— Aber ich muß nun gleich hier etwas anderes sagen: Ich litt schrecklich unter dem Heimweh. Bei jeder Rückfahrt aus den Ferien wiederholte sich das gleiche. Ich schlief in einer Boden- kammer, in der die letzte Hobelbank des verstorbenen Großvaters stand, an der wir häufig arbeiteten. Um vier Uhr schon trieb mich die Unruhe aus dem Bett. Mir war, als ob die Hobelspäne noch einmal so schön dufteten. An der Hospumpe wusch ich mich. Sommer und Winter nackt bis zu den Hüften. Dann ging ich den Gartensteig hoch bis ans Kartoffelland, sah nach dem Walde hinüber und schluckte den Erdgeruch Punkt fünf Uhr schlug unten die Tür, und der Vater kam über den Hof. Wir gingen von Beet zu Beet, bogen hier eine Stange, rissen dort Unkraut aus: kniepten eine welke Rose ab. Der letzt« Gang war der.in den Holzstall, das Taschenmesser am Drehstein zu schleifen. Und während es zischte und das Wasser über die Klinge wegspritzte. fragt« ich; „Wird es noch gehen, Vater? Vielleicht finde ich noch ein paar Privatstunden." Der Vater machte sich mit dem Beil zu schaffen; rückte am Holz: „Hast du dein Ziel, mein Junge, werden wir alles überwinden. Laß die Sorgen nur unsere sein."(Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. iiiiiiiiiiiiiiiuiniiiiiiniiiuiiiiiinniiiimmiuiiiiinHiiiiiumiiiiiiiiiiiiiiiiHiiuiiiiiiiiiMiiiiiiiiiiiiiiiniuinniimHiuniiiiiiiminiiiiiiiiiiiiiiiiiiiininiiHniiiiniiiiiiiuiuniuiiiiiiiminiiiiiMunwi Die Radfahrer 1 Ein kommunistischer Agitator hielt wieder einmal eine Brand- vede gegen die„verrucht« Sozialdemokratie". An allem sollte sie schuld sein: Am Wetter, der Justiz, der Teuerung und an der schlechten Verdauung des Redners. „Und wer sind die Schuldigen an diesen Zuständen?" rief der brave Mann mit Donnerstimme und schlug sich pathetisch an die Brust.„Die Sozialdemokraten!" Zwischenruf:„Die Radfahrer!" Erstaunte Frage des Agitators:„Wieso die Radfahrer?!" Der Zwischenrufer:„Wieso die Sozialdemokraten?!" Worauf die Versammlung lachte und fröhlich auseinanderging. Der Kommunist aber grübelt noch immer über die Bedeutung des Zwischenrufs nach.— Er ist bis jetzt nicht auf den Trichter gekommen. Stehende und sitzende Auskunft. In großen Geschäftshäusern ist es jetzt Sitte geworden, junge Damen hinzustellen, die dem kauflustigen Publikum Auskunft er- teilen sollen, wo es die gewünschte Ware kaufen kamt. In einem Mammutbetrieb keine üble Idee, aber die Ausführung, die wir jüngst kennen lernten, fordert zur Kritik heraus. Wir brauchten oben das Wort„hinstellen" und ein solches„Hingestelltwerden" und Stehen- bleiben müssen" spielt sich in der Tat ab. Der Schupomann an der Straßenkreuzung, der den Verkehr regelt, hat mehr Bewegung, als das Fräulein, das auf 2% Stunden an ihren Fleck gebannt ist. Nun hat man dies auch schon erkannt und„Sitzkästen" konstruiert, ein sehr fragwürdiges Möbel, das ungefähr den„Eisernen Jung- frauen" entspricht, mit denen Angeschuldigte„peinlich befragt" wur- den in jener Zeit, die noch keine Warenhäuser kannte. Die in dem Sitztasten sitzende Dame sitzt ja nun wohk, aber der Anblick ist nicht erfreulich. Wäre nicht ein einfacher Stuhl, ein kleines Bänkchen ebenso zweckmäßig?„Raumkünstler", wenn man nicht den Raum meistern könnte. Aber was bei solchen Uebungen herauskommt— mit Schaudern sieht es der Kunstfreund und mit Entsetzen erblickt der Volksfreund diese„sitzende Auskunft". Zwischen der Marter des Stehens und Pein des Eingeklemmtseins dürste doch wohl eine Lösung zu finden sein, die Angestellte und Publikum gleichmäßig zu- frieden stellt. Die Sängerin und die Hose. Wenig galant benahm sich ein reisender Herr gegen die in Italien sehr berühmte Sängerin A l d a B o r e l l i, die ihm im Pullmannzug gegenüber saß. Er war aber auch kein Räuber, son- dern ein ehrenwerter Großkaufmann. Die Künstlerin, die ihren FW- federhalter, der nicht funktionieren wollte, ausschüttelte, hatte das Unglück, die weißen Hosen ihres Gegenübers zu bespritzen. Der Herr war sehr ungehalten und verlangt« Schadenersatz.„Geben Sie mir Ihr« Adresse," antwortete die Künstlerin,„ich werde Ihnen Are Hose zum vollen Kaufpreis ersetzen!" Aber damit war der Herr nicht zufrieden. Er kenne die Dame nicht und könne deshalb keinen Kredit gewähren. Er müsse auf sofortige Zahlung von ZOO Lire dringen, soviel habe ihn die Hose gekostet.„Gut," erwiderte darauf die Künstlerin,„ich bezahl« sofort. Damit wird aber auch die Hose mein Eigentum. Da auch ich Sie nicht kenne, mein Herr, muß ich deshalb verlangen, daß Sie mir die Hose sofort übergeben!" Der unhöfliche Herr hat daraufhin begreiflicherweise auf die 200 Lire verzichtet und unter dem Gelächter der Mitreisenden an der nächsten Station den Zug verlassen. Ein 180 jähriger Papagei gestorben. In Vrighton(England) starb im beglaubigten Alter von 180 Iahren ein Papagei, der seinerzeit dem General Massen« ge» hört«. Napoleon soll sich im Jahre 1800 mit dem Vogel viel be- schästigt haben. Eine amerikanische Weltreise. Der Amerikaner John Henry Mears, der während 13 Iahren bis 1326 den Weltrekord für die schnellste Weltreise mit 3S Tagen 21 Stunden innehatte, diesen Rekord dann aber an Walsh und Evans verlor, die die Erde im Jahre 1926 in 23 Tagen, 14 Stunden und 36 Minuten uNineisten, hat die Absicht bekanntgegeben, am 6. Juni eine neu« Weltreise anzutreten, um zu oersuchen, den Rekord wieder an sich zu bringen. Er will zu diesem Zweck sich lediglich des Dampfers und des Flugzeugs bedienen. Er hat den Piloten Collyer verpflichtet, der einen Eindecker mit abnehmbaren Flügeln mit- führen wird, was eine rasche Verstauung an Bord der Dampfer ermöglichen soll. Der Gouverneur und seine Landeskinder. In Mexiko tobt der Kampf zwischen Staat und Kirche. Wie bei jedem Kampf, so fehlen auch hier die Greuelmärchen nicht, die dann zur Begeisterung der gläubigen Gemüter in anderen Ländern herhalten müssen. Leider bleiben dabei Tatsachen unberücksichtigt, die— wie die folgende— einer gewissen Pikanter!« nicht entbehren. So kursiert in Deutschland die Behauptung, die mexikanisch« Regierung wolle die durch ihren Priestereid an. das Zölibat gebundenen katholischen Geistlichen zum Heiraten zwingen. Die englische Zei- tung„Daily Expreß", deren mexikansscher Berichterstatter unter den Katholiken als besonders zuverlässig gilt, berichtet nun darüber, ein solches Gebot sei nicht von der mexikanischen Regierung, son- dern von dem Gouverneur eines Staates erlassen worden. Nach dem Sinn und Zweck seiner Verordnung gefragt, hat dieser Gou- verneur geantwortet:„Ich kümmere mich nicht um die Priester, sondern ich will, daß ihre Kinder legitim werden."— Schließlich kann man es diesem Staatsmann nicht verdenken, wenn er seinen gegen das sechste Gebot gezeugten Landeskindern zu ihrem Recht oerhelfen will. Die braven Väter hätten es sich eben vorher über- legen müssen, ob sie es lieber mit dem achten Gebot Moses, da» ihnen das Lügen verbietet, oder mit dem sechsten haften tnollen. Arbeiter Sport Die unsterbliche Lüge! In unzähligen Bersammlungen, Sigungen, Konferenzen, in hundert Zeitungsartikeln, tausend Flugblättern verbreiten die Rommunistische Partei und ihre Papageien unter den Arbeitersportlern die unwahre Behauptung, die sozialdemokratische Stadtverordnetenfraktion hätte bei der Beratung des diesjährigen Etats dem bürgerlichen deutschen Reichsausschuß für Leibesübungen 30 000 Mart bewilligt, dem Arbeitersport aber nur 10 000 Mart. Der Abend" hat alsbald nach Bekanntwerden dieser infamen Berdächtigung die Sachlage tlargestellt. Wir haben bewiesen, daß gerade durch das Eintreten der Sozialdemo= fraten erreicht werden konnte, daß die Ber teilung der für Sportzmede im diesjährigen Etat eingestellten Mittel paritätisch an beide Sportrichtungen erfolgte und wir haben ferner ge= zeigt, wie die Kommunisten wohl eine Flut von Demonstrationsanträgen stellen fonnten, wie sie sich aber um die Bereitstellung der Mittel nicht die geringste Sorge machten. Das überließen fie während der ganzen Etatberatung den Sozialdemokraten. Troz aller Richtigstellungen macht die Lüge weiter die Runde durch alle Sportlerversammlungen. Der Vorstand des Arbeiter Turn- und Sportbundes hat sich deshalb an bie Berliner sozialdemokratische Stadtverordnetenfrattion gewandt und um eine offizielle Darstellung der Vorgänge gebeten. Jetzt wird im Bundespressedienst folgendes Schreiben der Fraktion ver. öffentlicht: " Auf Wunsch erklären wir, daß die Stadtverordnetenfrattion mit 3ustimmung der beteiligten Arbeiter= Sportinstanzen die von der Stadt Berlin an die SportSolidarität bei Rütt. Bahnrennen der Arbeiterradfahrer. Die Ortsgruppe Berlin des Arbeiter- Radfahrerbundes Golidarität" veranstaltet am Sonntag, 13. Mai, ein Bahn. tennen auf der Rütt- Arena. Mit diesem Rennen kommt die Ortsgruppe den vielfach an sie gerichteten Wünschen, doch auch ein mal auf der Rennbahn Zeugnis abzulegen von dem Können der Arbeiter- Rennfahrer, gern entgegen. Daß die Leistungen der Arbeiter- Rennfahrer schon heute bei allen Radrennsportfreunden hoch beiter- Rennfahrer schon heute bei allen Radrennsportfreunden hoch eingeschätzt werden, haben die verschiedenen Straßenrennen von " Solidarität" bereits bewiesen, das beweisen aber auch die Kritiken ber Arbeiter und der Sportpresse. So findet num am tommenden Sonntag 14% Uhr ein großes Bahnrennen statt, in dem die Hauptanziehungskraft ein 50Rilometer Mannschaftsrennen nach Sechstageart sein bürfte. Zu diesem Rennen haben sich die besten Fahrer der Berliner Drtsgruppe gemeldet; es werden sich 10 Mannschaften dem Starter tellen. Die Mannschaften sind: Annen- Muftroph, Moabit; Steinraus- Schröder, Moabit; Weber- Marien, Moabit; Kühne Herr mann, Moabit; Thomas- Ullrich, 1. Abteilung; Meste- Gebrüder, 1. Abteilung; Berner- Ihme, 1. Abteilung; Bazal- Wegener, 6. und 10. Abteilung; Dubbe- Stod, 6. Abteilung; Kaprufa- Dabrud, 10. Abteilung. Sicher werden Kühne- Weber, die Sieger im Mannschafts. rennen am letzten Sonntag, alles daran feßen, um zu beweisen, daß sie Fahrer sind, die teine Konkurrenz zu fürchten brauchen, doch find auch Bazat, Wegener, die im gleichen Rennen als Dritte fich placieren tonnten, sehr beachtenswerte Gegner. Welter treffen fich bie Fahrer in einem Fliegerrennen, das über drei Runden geht; hier find drei Vorläufe, ein Hoffnungslauf und der Endlauf erforderlich und auch hier ist beste Klaffe am Start. Stod, Herr mann, Beter, Dubte, Meste, Strypaid, Ihme und viele andere werden ihre Spurtfähigkeit beweisen können. Für die Unplacierten der Vorläufe ist ein Trost fahren vorgesehen, das über 12 Runden geht. Auch ein Ausscheidungsfahren hat gute Meldungen gezeitigt, so daß auch hier interessanter Sport zu fehen ist. I verbände zu vergebenden Mittel zu gleichen Teilen an bie beiden Richtungen bewilligt hat. Bisher erhielt der Deutsche Reichsausschuß für Leibesübungen zur Unterhaltung seines Stadions und der Deutschen Hochschule für Leibesübungen eine Bei hilfe von 30 000 Mart, das Berliner Arbeitersportfartell erhielt bagegen einen Betrag von 10 000 Mart. Auf Antrag ber Frattion erhält nunmehr die 3entraltom= mission für Arbeitersport und Rörperpflege 20 000 Mart, so daß auch hier der Ausgleich mit je 30 000 Mart geschaffen worden ist. Die Beihilfen, die die einzelnen Bereine bekommen, gehen ebenfalls auf Antrag der Fraktion zu gleichen Teilen mit. je 20 000 mart an beide Richtungen. Wir bemerken noch, daß wir die 10 000 Mart für den fommunistisch geleiteten Kartellverband bewilligt haben, obwohl dieser durch einen brüsten Beschluß es abgelehnt hatte, über seine Vereins- und Mitgliederzahlen Aus. tunft zu geben. Diese Auskunft mußte erst durch die Zentralfommission für Arbeitersport und Körperpflege erteilt werden. Nach alledem ist es richtig, daß wir dem bürgerlichen Sport die gleiche Summe bewilligt haben wie dem Arbeitersport. Wir find dazu genötigt, weil nur mit den bürgerlichen Mittelparteien der Berliner Etat zur Annahme gelangen tann. Die Rom munisten lehnen den Etat von vornherein ab." Man wird kaum erwarten können, daß die Kommunisten nunmehr ihren Lügenfeldzug gegen die Sozialdemokraten einstellen. Notwendig ist aber, daß die sozialdemokratischen Sportler überall da, wo die Lüge erneut ausgesprochen wird, den Kommunisten auf das ungewaschene Maul schlagen! Im übrigen wählen auch die Arbeitersportler am 20. Mai sozialdemokratisch! erwartet in Lantwig Fortuna 10. Woltersdorf spielt gegen Berlin XII. In Lichtenrade steht der dortige Sportverein den Turnern aus Wannsee gegenüber. besonders ber Retherwerberboje, war teilweise ette beängstigenbe Drängelei. Resultate: M 129 Bildfang 2" 1.53.30. M 114 Wildfang" 1.55.10. Z 44 Frechdachs" 1.56.40. L 13,2ibelle" 2.01.20. C 68,, Mufch 1.29.50. A 54,, Carmen" 1.56.30. F 44 Arizone II“ 2.28.07. 311,, Schelm" 2.06.10. Meisterschaftskämpfe im FKBD. Die im Gau Berlin des Freien Regler- Bundes Deutschlands stattgefundenen Meisterschaftstämpfe ergaben folgende weitere Resultate: Gruppe A: 1. u. t. t. 5544 Holz, Nach mir fann Du 5304 H., Cartagena 5376 H., Scharfe Kante 5312 H., Schöneberg- Süd- West 5374 S., Glatte Bahn 25 5440 H., Böse Buben 5287 5., Rattenschwanz 5335 H., Frohsinn Moabit 5247 H., Linte Ede 5353 5 Schiefe Ebene 5446 5., Einer steht 5436 H. Beste Einzelfegler: . Fleischhauer 1126 H., Langer 1122 5., E. Dubat 1113 5.Gruppe B: Harmonia 5164 Holz, Gut Holz Biesborf 5057 5 Nasse Neun 1922 5129 H., Lustige Brüder 19 5189 S., Edelweiß 4960 H., Dopplum 5034 H., Husch- Husch 5026 H., Lustige Sieben 5075 5. Beste Einzeltegler: Geßner 1065 5., Körpel 1061 5., Gorny 1059 5. Gruppe C: Hintendurch 4986 Holz, Um Berlin 4880 H., Zeitvertreib 4946 5., E. w. n. 5190 5., Fidelio 4963 5. Herz 27 4716 H., Haltet Euch dran 4846 H., Saarmund 4786 H. Beste Einzeltegler: Bierweg 1056 5., Wilste 1053 H., Beckowiz 1045 5. II. Klaffe: Bezirt Norden: Brieselang spielt gegen die Weddinger Sportfreunde. Turnverein Bantow gegen Schön holz. Arbeiter- Sport- Berein 24 gegen Blau- Weiß. Fichte- Rosenthal Osten: Britannia gegen gegen Fichte 24. Hansa gegen Karom. Borwärts 20. Briezen gegen Fichte 22. Teutonia 26 gegen EggersFreie Turnerschaft Groß- Berlin, Zentralverein für volkstüm dorf. Südwesten: Lindenhof gegen Stern- Frankenfelde. lichen Sport. Das diesjährige Anturnen findet Sonntag, 13. Mai Trebbin gegen Zehlendorf. Fußballring gegen Rüftig- Borwärts. ftatt. 2ntreten aller Abteilungen( außer Kinderabteilungen) Potsdam gegen Neuköllner Ballspiel- Club. Werder gegen Schmar- pünktlich 14 Uhr auf dem Sportplatz, Schönhauser Allee gendorf. Kreuzberg gegen Dahme. Jüterbog gegen Stern- Marien. Alle Meldungen bis 13.30 Uhr. Alle Rinderabteilungen ber FTGB., Sonntag, 13. Mai, 12 Uhr, Bhf. Grünau. Gemeinsamer Abmarsch nach Bohnsdorf! Für Eltern und Nachzügler: Treff punkt Lokal Ziebarth, Bohnsdorf, Schulzendorferstraße. felde. Beginn der Spiele 17 Uhr. Borher untere Mannschaften. Deutschland gegen Oesterreich. Das Handball- Länderspiel. wischen den beiden stärksten Handballändern der sozialistischen Am Sonnabend, 12. Mai, findet in Wien das Rückspiel Arbeitersport- Internationale statt. Das letzte Spiel, das im Sepwinnen. Die deutsche Mannschaft hat also in Wien viel auszu tember in Halle stattfand, fonnte Desterreich mit 8: 6 Toren gegleichen. deutsche Mannschaft wurde in Hannover, wo sie gegen die StädteDie Auswahlspiele haben in beiden Ländern stattgefunden. Die mannschaft tnapp gewann, aus den besten Spielern des Reiches zu fammengestellt. Bier Spieler sind in der deutschen Mannschaft neu; fo find im Sturm das Innentrio und der linte Berteidiger burch neue Männer ersetzt worden. Desterreich besigt den Vorteil, seine Spieler eher zusammenrufen zu fönnen, denn Wien ist der Mutterboden der Handballbewegung. Die Mannschaft setzt sich aus den Mitgliedern Don vier Vereinen zusammen; der Bundesmeister Wien- Ottakring trägt den Hauptteil, nicht weniger als acht Spieler sind aus dieser Mannschaft. Die Mannschaft hat dadurch den Vorteil der größeren Geschlossenheit und des öfteren Zusammenspiels. In der österreichischen Mannschaft sind nur Halbrechts und Rechtsaußen aus. gewechselt worden. Ein Vorgabefahren und ein 3eitfahren bringen dann noch einmal die bekanntesten Solidaritätsfahrer an den Start. Aber auch die Altersklasse ist am Ablauf zu finden; bestreitet sie doch ein Bunttefahren sowie ein Vorgabefahren, auch erfaz: Diebering, Halle; Klemt, Fichte- Berlin. hier befinden sich Ammen, Steinfraus, Muſtroph, Klick und Eichler auf der Meldeliste, und da besonders Annen über ein gutes Spurt vermögen verfügt, so dürfte ihm der Sieg wohl faum zu nehmen sein. Als Mannschaftsprüfung tommt ein MannschaftsVerfolgungsrennen nach italienischer Art zwischen der be fannten Moabiter Mannschaft und der Mannschaft der ersten Ab. teilung zum Austrag. Das Programm ist also sehr vielseitig. Die Mannschaftsaufstellung ist folgende: Deutschland: Um der gesamten Bevölkerung Berlins Gelegenheit zu geben, einwandfreie und durchaus ehrliche Radmettkämpfe zu sehen, hat der Arbeiter- Radfahrerbund Solidarität" diesen Tag als Boltstag vorgesehen und den Eintrittspreis auf 1 M. festgesetzt. Jeder Freund des Arbeitersports tann diese Veranstaltung also befuchen. Das Rennen beginnt um 15 Uhr. Konzert von Berufs mufttern sorgt für weitere Unterhaltung. Fußball am Sonntag. Die Meisterschaftsspiele find vorbei, nun geht der Kampf um die Punkte wieder meiter. Aber auch hier geht es schon um die legten Spiele der Saison. Riefinger ( Rannstatt) Getyrnjat ( Ottakring) Bertram ( Leipzig) Shula ( Fichte- Berlin) Hermann ( Salle) Soffmann ( FTG B.- Berlin) Apel ( Bernburg) Graffinger ( Fünfhaus) Sekyenjat ( Ottakring) Bobbe ( Leipzig) Schellenbed ( Halle) Emmer ( Ottakring) Langer ( Ottakring) Schuchardt ( Jena) Grupe ( Hannover) Geiger ( Ottakring) Raschle ( Ottakring) Flaschner ( Ottakring) Meister ( Stadtlau) Schindl ( Ottakring) Desterreich: Mit dem Kriegsschiff zur Olympiade. Bor kurzem meldete man aus Italien voller Bekennermut, daß Eides, der in Amsterdam abzugeben ist, zu den olympischen Spielen die faschistischen Fußballspieler wegen des olympischen nicht entfandt werden könnten. Der italienische Fußballsport habe Meineid zu leisten, müsse man ablehnen. Wie wir erfahren, wird Verhältnisse, die sich mit dem Amateureid nicht decken, und einen Italien dennoch am Fußballtournier teilnehmen. Was wiegt auch ein Meineid für Mussolinien! berichtet, werden die faschistischen Sportler auf einem KriegsWie Het Bolt", das sozialdemokratische Blatt Amsterdams, fchiff in Amsterdam erscheinen, das sie auch während „ Es ist nur gut, daß nicht alle an den olympischen Spielen teilnehder Tage der Beranstaltung beherbergen wird. Het Bolt" sagt: menden Staaten auf diese Art ihre Sportler auf uns loslaffen." Wie wäre es, wenn andere Staaten ihre Sportler in Tants nach Holland schickten? Die Avus- Motorradrennen. Das Training zu den Motorradrennen auf der Avus am Sonntag, findet Freitag, 11. Mai, in der Zeit von 11 bis 16 Uhr auf der Avus statt. Die Abnahme der Räder erfolgt Sonnabend um 14 Uhr 15 Min. in der Großgarage des Berwaltungsgebäudes der SiemensSchuckertwerke, Berlin- Siemensstadt, Rohrdamm. Von dort werden die Maschinen am Sonntag, 11 Uhr 45 Min. in geschlossenem Zuge nach der Avus Nordtorübergeführt. Die„ Havel- Uftionsgruppe Schwarz- Rot- Gold, Potsdam", veran staltet gemeinsam mit dem Republikanischen Motorjachtklub" an Lochner läßlich der Wassersportausstellung in Potsdam am Sonntag ( Salle) 13. mai, 17 Uhr eine Auffahrt auf dem Templiner See. Bigner ( Favoriten) Die deutsche Mannschaft trägt dann noch im Bezirt Mödling ein zweites Spiel gegen eine Bezirksmannschaft Aggersdorf aus. Die Arbeiterschaft Wiens wird am 12. Mai ihre Sympathien den Arbeitersportlern durch Massenbesuch fundtun. Die erste Regatta der freien Segler. Am vergangenen Sonntag fand bei herrlichem Wetter die Vereinswettfahrt der Tourensegler- Bereinigung Zegel statt. Bei einer Windstärke von durchschnittlich 3 Setunden und Ostsüdost starteten 26 Boote. Die Boote zogen Dreiecturs: Hammerboje Försterboje Reiherwerderboje. M 129 Wildfang II" startete 9 Minuten zu spät und holte diese Fehlzeit glänzend auf, so daß er als schnellstes Boot der Wettfahrt zu bezeichnen ist. Er verspricht in der diesjährigen Saifon das erfolgreichste Boote zu werden. Der Steuermann von Z 50, des Konkurrenzbootes, hat Im Norden spielt Minerva gegen Alemannia in Borsig= walde, Conradstraße. Nordista empfängt Fichte- Gesundbrunnen auf dem Ererzierplatz in der Schönhauser Allee. Pankow 08 und Wader 20 stehen sich in Pantow- Nordend gegenüber. In der Krupp Allee in Tegel treffen sich Tegel 24 und Union- Bantow. Wittenau ( Nordbahn) hat Belten als Gaft. Der Osten hat verschiedene große Spiele auf dem Programm.. Am Bahnhof Stralau- Rummels burg hat Lichtenberg I die Spartaner zu Gast Lichtenberg III spielt auf dem Kartellplatz gegen Oberfpree. In Hohenschönhausen, Sommerstraße, stehen sich der Berliner Sportverein 22 und Weißen See gegenüber. Der Verein für Bewegungsspiele erhält in Röpenid, am Friedhof, den Besuch von Wildau. Berliner Sportverein'16 jpielt in der Trestowallee gegen Brandenburg 02. Bezirk Südfrüher beffere Zeiten gejegelt. M 114 mit seinem jugendlichen westen: In Luckenwalde, Heßheide, stehen sich die 1. Abteilung Steuermann hat sich tapfer mit den erfahrenen Seglern geschlagen der Turner und Frisch- Auf, sowie die 2. Abteilung und Charlotten- und hielt fich bauernd am Spiegel von M 129. Nach seinem Umbau " burg gegenüber. Kolzenburg fährt zu Brandenburg. Backer 21 ist Z 44( Flofsentieler) ein Schnelläufer geworden. An den Bojen, Vereinskalender Arbeitet- Radfahrerbund Solidarität". Touren für Sonntag, 13. Mai Bez. 2, Ortsgr. Köpenid: Teupit. Start 1 Uhr Köllnischer Blaz. Bez. 21, Ortsgr. Friedrichsfelde: Strausberg. Start 6 Uhr Augustusplay. Ortsge Reinidendorf: 1. Abt. Tasdorf; Start 8 Uhr Residenzstr. 109. 2. Abt. Rüders dorf: Start 7 Uhr. 12 Uhr Papenberge. Start Antonienſtr. 61. Ortsgr. burg: Stienissee. Start 6 Uhr Türrschmidtstraße. Bantow: Biel am Start 6 ihr am Jugendheim. Ortsgr. Stralan- Rummels Ortsgr. Lichtenberg: Tasdorf. Start 7 Uhr Jung- Ece Oderstraße. Ortsge. Schöneberg: Großes 16 Uhr. Fenster. Start 8 und 18 Uhr. Sonnabend, 12. Mai, Kirchhain( N.-L.). Start Ortsgr. Charlottenburg: Da die Sternfahrt verlegt ist, wird die Tour an der Tafel bekanntgegeben. Ortsgr. Lichterfelbe: Tour wird an der Tafel bekanntgegeben. Ortsgr. Baumschulenweg: Brenden über Biesenthal. Start Baumschulenweg 6 Uhr, Treptow Bahnhof 6% Uhr. Buch. Start 8 Uhr Baumschulenweg, 8% Uhr Treptow Bahnhof. Ortsgr. Steglitz: Pichelswerder Start 7 und 1 Uhr Vereinslokal. Arbeiter- Radfahrerverein Groß- Berlin. Sonntag, 13. Mai, 5 Uhr, Briese lang durch den Krämer. 13 Uhr Spandau Stadtpark. Motorfahrer 6 Uhr Campehl. Start Waldemarstraße Ede Mariannenplag. Gäste willkommen. Berliner Schwimmunion. Sonntag, 13. Mai, 14 Uhr, im Sommerbad, in Oberfpree Straßenbahnlinie 91 bis Endstation Oberspree Anbaden. Uebungsabende im Sommer jeden Dienstag und Freitag ab 17 Uhr. Die glieber über 18 Jahre im Sommerbad. Altersriege babet Mittwochs. Gonnabend, 12. Mai, 20 Uhr, Sigung der Mit Freie Schwimmer Charlottenburg 04 e. B. Alle Mitglieder treffen sich zum Anbaben Sonntag, 13. Mai, 14 Uhr, Vollsbad Jungfernheide. Fahrräder Rennfahrer Motorräder Richard Huschke Spezialität: Huschke- Rennlenker.:: Sämtliche Sport- Artikel. An der Spandauer Brücke 7 ( Hackescher Markt. Tel. Norden 11 887) [ G.F.76 G. Brucklacher Berlin S., Oranienstraße 43 Spezial- Haus IG.F.84 Nickelwaren Optiker Ziem Schönhauser Tor 1-2 82 „ Rosenthaler Hof" Rosenthaler Str. 11-12 3 Säle, 6 Vereinszimmer zu Versammlungen und Festlichkeiten. Kurbadeanstalt Treptow Bouchéstraße 18 an der Graetzstraße[ 131 Lieferant aller Krankenkassen. Leihhaus höchste Beleihung jeder Wertsache Auch Verkauf jeder Art Oranienstr. 177 Ecke Adalbertstraße Verkehrslokal der Partei und Gewerkschaften von Weißensee Otto Gallas Lehderstraße, Ecke) Bln.- Weißenfee, Greifswalder Str. Brauringe 1 Dukaten.. Rm. 14.2 20.80 Geschäfts- Anzeigero Bezirk Norden- Often. 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Othegraven) -2523 Wann wir schreiten( Alfr. Guthmann Sonntag am Rhein, Volkslied( R. Schumann) Hermann Claudius) SW 68 Bezugsquellen weist nach Homophon- Company G. m. b. H., Alexandrinenstr. 108 auf Teilzahlung Wochenrate 3-6 M. Anzahlung 15 M. an früher Fensterputzer- Genossenschaft Jannowitz 4514 G.m. b. H. En elufer 29 193 S. Mailich, Neue Königstr. 19a. Billigste und zuverlässigste Ausführung aller Reinigungsarbeiten Reparaturwerkstatt mit elektr. Betrieb. LUSTIGE 7 1911 Stempel Abzeichen Banner K. Rößler Gr. Frankfurter Straße 15 gegenüber Rosetheater. Stimmung! Vertreterbesuch jederzeit unverbindlich RESTAURANT MUNZHOF" Münzstr. Ecke Dragonerstr. Warme Küche Gut gepflegte Biere Ab 1 Uhr mittags Konzert Humor!