IND BERLIN Freitag 11. Mai Der Abend Erscheint täglich außer Sonntags. Zugleich Abendausgabe des„ Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Erpedition: Berlin SW68, Lindenstr. 3 " Spätausgabe des„ Vorwärts 66 10 Pf. Nr. 222 B 110 45. Jahrgang. Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeile 80 Vf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Posticheck konto: Vorwärts- Verlag G. m. b. 5., Berlin Nr. 37 536. Fernsprecher: Donhoff 292 bis 297 Die genarrten Kriegsopfer. Dreiste Wahlmanöver der Bürgerblöckler. Durch einen Teil der bürgerlichen Bresse läuft ein Artikel des volksparteilichen Reichstagsabgeordneten Thiel unter dem Titel: Parteigeschäfte und Kriegsopfernot". Da wird zunächst gejammert über die Jahre bitterster Not und Entbehrungen", die Kriegsbeschädigte und hinter bliebene durchzumachen hatten und dargelegt, wie sehr ihre Lage auch heute noch der meiteren Berbefferung dringend bedürf tig" sei. Nachdem auf diese Weise die Kriegsopfer angelockt sind, wird ihnen auseinandergesetzt, mie angesichts ihrer großen Zahl ,, nur ein schrittmeises Vorwärtstommen nach Maßgabe der Gesundung unserer Reichsfinanzen" möglich sei. Bie an ertennensmerter barum, so meint Herr Thiel, daß es seiner Partei und dem ganzen Bürgerblod gelungen sei, die Aufwendungen des Reiches für die Kriegsopferversorgung von 894 Millionen im Jahre 1924 auf 1542 Millionen im Jahre 1928 zu steigern! Dieser Lobpreifung folgt ein plumper Trid. Es werden in einer Tabelle Sie auf Goldmark um gerechneten Papiermarkrenten, die ,, Ende 1923" ge zahlt wurden, den Rentenbeträgen gegenübergestellt, die nach der Verabschiedung der 5. Novelle zum Reichsversorgungsgejek im Januar 1928 zuständig waren. Für die Papiermarfrenten Ende 1923 werden die Sozialdemokraten verantwortlich gemacht, weil sie damals an der Regierung beteiligt gewesen seien. Für die erhöhten Renten vom Januar 1928 wird den Sozialdemokraten jedes Verdienst abgesprochen, denn sie seien 1923 aus der Regierung ausgetreten, Das Großfeuer in Grünau. ,, weil es ihnen an Mut gebrach, die schwierigen Aufgaben außen Die Trümmer des Ausflugslokals Richtershorn, das gestern abend niedergebrannt ist. und innenpolitischer Natur beherzt anzupaden, vor die fich nach Verlust des Ruhrkampfes die Reichsregierung gestellt sah". Diefe Darstellung des bisherigen Abgeordneten Thiel ist typisch für die Kampfesweise sogenannter Arbeitnehmervertreter in den tapitalistischen Parteien. Ihr seien folgende Feststellungen gegenübergestellt: 1. Für die Papiermarfrenten von 1923 find die Rechtsparteien verantwortlich, die seit der Staatsumwälzung von 1918 die Steuerscheu der Besigenden gegen den republikanischen Staat aufgeftachelt, damit den Sturz der Währung eingeleitet und durch gewinnsüchtige Spekulationsmanöver beschleunigt haben. Mit der Sabotage der republikanischen Außenpolitik führten uns die felben Parteien in die Not des Ruhrkampfes, der die Bernichtung der Währung vollendete. Zu den Parteien, die diese Entwicklung zu verantworten haben, gehört auch die Deutsche Volfspartel. Die Sozialdemokratie befand sich während des Ruhrkampfes nicht in der Regierung. Der Inflationstanzler Tuno gehört der Deutschen Boltspartei an oder steht ihr nahe. 2. Aus den beiden Kabinetten der Großen Koalition" ist die Sozialdemokratie Ende 1923 nicht ausgetreten ,,, weil es ihr an Mut gebrach". Sie wurde nach wenigen Wochen aus der Regierung gedrängt, weil die in der Volkspartei tonangebenden tapitalisti. schen Kreise zusammen mit den Deutschnationalen ihren Inflafionsraub sichern und durch eine Dittatur nach unten Arbeiter, Angestellte, Beamte, Sparer und Kriegsopfer wirtschaftlich und fozial entrechten wollten. Gerade weil diese Kreise nicht zu bewegen waren, Zustände zu beseitigen, wie sie sich in so erbärmlichen Papiermarkrenten ausdrückten, mußte die Sozial. demokratie aus der Regierung austreten. Nach ihrem Austritt wurden nicht etwa die Renten verbeffert, sondern die Gebührenfreiheit vor den Bersorgungsgerichten beseitigt, das Gesetz zum Schuße der Schwerkriegsbeschädigten verschlechtert und eine ganze Reihe anderer Willfüratte gegen die Kriegsbeschädigten beschlossen. Der Reichsfinanzminister, auf dessen Initiative alle diese unsozialen Maßnahmen zurüdzuführen sind, war Dr. Luther. Er ist heute Mitglied und Reichstagskandidat der Deutschen Volkspartei! 3. Eine Berbesserung der Rentenversorgung wurde erst eingeleitet, nachdem die Sozialdemokratie die bestehenden Mißstände in den Wahlfämpfen von 1924 gegeißelt und Gortjehung auf der 2. Seite.) Dem Nordpol entgegen. Die„ Italia" heute in Kingsbay gestartet. kingsban, 11. mai. General Mobile ist um 7 Uhr früh mit der„ Italia" zum Nordpolflug gestartet. London, 11. Mai. Aus englischer Quelle wird durch einen Korrespondenten der British United Press" aus der Ringsban bestätigt, daß einige italienische Alpenjäger, die sich unter der Mannschaft der„ Citta di Milano" befinden, gemeutert haben. Sie weigern fich, dem Befehl des Generals Noblle zu folgen, sich am Nordpol absetzen zu laffen, um dort während einiger Tage meteorologische Messungen anzustellen und dann von der„ Italia" wieder aufgenommen zu werden. Die Meuterer haben erklärt, daß sie bei der Abreise keinerlei der artige Berpflichtungen übernommen hätten, die geradezu einem Selbstmord gleichfämen. Grubenunglück in Recklinghausen. 15 Bergleute verlegt. Gladbed, 11. Mai.( Eigenbericht.) Im Grubenbezirt der Zechenanlage 3wedel" der Bergmerts- 2.- G. Redlinghausen fuhr ein Zug, der eine große Anzahl Bergleute zum Betriebswagen beförderte, gegen einen vollbeladenen Kohlenwagen. Der Zug ent gleiste. Gleichzeitig ging ein Teil der Strecke zu Bruch und begrub die Besatzung des Zuges unter sich. 15 Bergleute erlitten zum Teil schwere Verlegungen durch Quetschungen, Stauchungen und Fleischwunden. Lebensgefahr besteht glücklicherweise bei keinem der Opfer. Untat eines Geisteskranken Die Zölle steigen überall weiter. Proflamationen der Weltwirtschaftskonferenz- Nationalise mus der Regierungen. Genf, 11. Mai. Die Wirtschaftsabteilung des Völkerbundssekretariats hat für die Tagung des Weltwirtschaftsrafes, die am Montag beginnt, eine eingehende Darstellung der Veränderungen des letzten Jahres im gesamten Handels- und Wirtschaftsleben veröffentlicht, in der auch die Bedeutung des deutsch- franzöfifchen Handelsvertrages gewürdigt wird. Nach dieser Darstellung sind im allgemeinen heute die 3ollfäbe höher als vor Jahresfrist. Die in den lehten 3wölf Monaten erfolgten Erhöhungen sind jedoch unter dem Einfluß der Stellungnahme der Weltwirtschaftsfonferenz wesentlich geringer ausgefallen, als die Zollvorlagen in den entsprechenden Ländern ursprünglich vorgesehen hatten. Zur wirksamen Ueberwindung der Zollschranken wird die Aufnahme von follettiven Berhandlungen empfohlen, durch die zunächst die Herabjehung der Jollfäße für bestimmte Erzeugniffe vereinbart werden soll. Eisenbahnerfongreß in Frankreich. Paris, 11. Mai.( Eigenbericht.) In Toulouse hat gestern der achte Rongreß der fo zialistischen Eisenbahnergewertschaft unter dem Vorsiz von Jou haur begonnen. Ueber 300 Delegierte waren erschienen. Von den ausländischen Brudergewerkschaften hatten Belgien, Holland und die Tschechoslowakei Vertreter entsandt. Deutschland, England, Spanien und die Schweiz hatten sich entschuldigen laffen. Die ersten beiden Sizungen galten der Berlesung der Berichte. Wie üblich hatten die Kommunisten, um sich in die De Amanullah geht in Moskau auf Rosen batte einzudrängen, den Antrag gestellt, daß eine Delegation vo Berichte im Innern des Blattes ihnen angehört werden soll. Der Antrag wurde aber ohne Dea batte abgelehnt Demagogie für die Kriegsopfer! (Fortsetzung von der 1. Seite.) den, neugewählten Reichstag entsprechende Vorschläge sür eine Reform der Rentenoersorgung unterbreitete. Um„parteipolitische Geschäfte mit der Kriegsopfernot" zu machen, haben die Deutsche Volkspartei und die Deutschnationale Partei damals bündelweise„Agitationsan�äge" gestellt. Nach amt» licher Berechnung hätte die Verwirklichung der deutschnationalen Anträge einen Mehraufwand von 1094 Millionen, die Verwirk- lichung der volksparteilichen Anträge einen Mehraufwand von 645 Millionen im Jahre verursacht. Die Anträge der Opposition waren demgegenüber direkt bescheiden. Als die Anträge der beiden Rechtsparteien bei der 3. Novelle zum Reichsversorgungsgesetz ver- wirklicht werden sollten, stimmte« Deutschnationale und Volksparteiler ihre eigenen Anträge nieder. Der deutschnationale Abg. Budjuhn rechtfertigte das mit der Erklärung: „Ja. bedenken Sie doch, meine Herren, daß alle diese Anträge von un» gestellt worden sind, zu einer Zeit, wo noch kein Mensch daran dachte, daß eine Regierungskoalilion unter Beteiligung der Deulschnalionalen zustande kommen würde." 4. Die letzte größere Aendcrung des Reichsversorgungsgesetzes erfolgte im Dezember 1927. Von i h r erhofften die Kriegs- opfer eine endliche Befriedigung ihrer vordringlichsten Wünsche. Diese waren im wesentlichen: Neugestaltung der Renten, die sie von der Bedürftigkeitsklausel und den damit verbundenen Verärgerungen und Enttäuschungen unabhängig macht, Beseitigung der Unterschiede in der Witwenversoraung, Gewährung eines kostenlosen Rechtsanspruchs aus Heilbehandlung für. die Hinterbliebenen, vernünftiger Ausbau der Eltern- Versorgung! Tie Anträge, die von der Sozialdemokratie gestellt wurden, gründeten sich auf eine gemeinsame Eingabe aller Kriegsopferverbände, auch des im Fahrwasser der christlichen Gewerkschaften segelnden Zentral- Verbandes der Kriegsbeschädigten, dessen Ehrenvor- sitzender der volksparteiliche Reichstagsabgeordnete Thiel Ist! Die Kriegsopfer erlebten nun das lehrreiche Schauspiel, daß derselbe Thiel die Anträge, für die er als Verbandsehren- Vorsitzender mit verantwortlich ist, als Parlamentarier verleugnet und sie jetzt in der Wahlagitation als agitatorische Anträge herabsetzt, mit denen die Sozialdemokratie die Kriegsopfer- not parteipolitisch auszuschlachten trachtet 5. Die Vorschläge der Regierung und der Bürger- block Parteien zur 5. Novelle zum Reichsversorgungsges etz waren vollkommen ungenügend. Der Verband, dessen Ehrenvorsitzender Thiel ist. unterstrich da» noch in letzter Minute in einem an die Mitglieder de, Kriegsbeschädigten- ausschusses des Reichstag, gerichteten Schreiben. Darin heißt es. daß die Behandlung der Kriegerhinterbliebenen, im besonderen die Verweigerung der Heilbehandlung in der Form eine» Rechts- anspruches„in den»reisen der Beteilig»«« eine ungeheure Entrüstung hervorgerufen hat".„Am unverständlichsten", so heißt es weiter,„ist, daß im allgemeinen für die Kriegereltern nicht ein Pfennig Erhöhung über die Lorlage hinaus festgestellt werden kann." Die sozialdemokratischen Ver- besserungsvorschläge, die Thiel jetzt in der Oeffentlichkeit herabsetzt. waren nicht zuletzt ein Entgegenkommen an die Beschwerden des Verbandes, in dem Thiel das Ehrenpräsidium führt. Um diese Vorschläge ablehnenzu können, vollführten die Bürger- blockparteien. darunter prominente Mitglieder de» Zentralverbandes (neben Thiel die Zentrumsleute Serig und Knoll und der Deutschnationale Hülser) ein finanzpolitisches Theater, verschanzten sich hinter den Reichsfinanzminister und die von ihm damals schwarz In schwarz gemalt« Finanznot, die sich wenige Wochen später in rosaroten Optimismus auflöste, als es galt, andere Interessenten, vor allem die Landwirtschaft mit Wahlspeek z« ködern. Mit Recht hat daher der Verband des Herrn Thiel in dem erwähnten Schreiben nach einer kritischen Betrachtung des Haus- Haltsplans für 1928 das finanzpolitisch« Theater des Herrn Thiel und seiner Freund« mit dem Satz» abgetan:„wie sind nicht in der Lage, die Berechligung der Einwände de» Herrn Rei«h»fiaanz. minister al» stichhaltig unzuerkenuen." 6. Die Finanznot de» Reiche», mit der die Bürger- blockparteien ihre Haltung gegenüber den Kriegsopfern rechtfertigen, hat sie übrigens nicht gehindert de» Offizieren eine Vurchschniils- Pension von 5000 M.. Generälen eine Pension bis IS 000 AI., kaiserlichen Allnistern und Kanzlern bis zu 25 000 AI. zu geben und jede Kürzung abzulehnen, auch wenn Zehntausende von Mark daneben aus privaten Quellen bezogen werden 7. Zum Schluß die Krone: Der Aufwand sür die Kriegsopfer- Versorgung beträgt im Jahre 1928 nicht 1542 Alillionen Mark, wie Thiel den erstaunten Zeitgenossen erzählt, sondern rund 200 Alillionen Mark weniger. Wahrscheinlich zählt Herr Thiel die Pensionen der 1700 Generäle und ZI 000 anderen kaiserlichen vssizlere. die bis zu einer höhe von rund 18 M) M. im Jahre gezahlt werden, auch zu den Ausgaben für die Kriegsopfer, zähst dazu die 17000 AI. des Prinzen Heinrich von Preußen, die 7500 Al. des Prinzen 0»kar von Preußen, die 10000 Al. de, Prinzen Eitel»an Preußen, die 17 000 Al. des Herrn Rupprechk von Bayern und die 18 000 Al. des Kapp-Putschgenerals von Lüllwih. Tie Kriegsopfer wissen, daß sie die Verbesserungen. die die Novelle von 1927 ihnen gebracht hat. nur der Kritik und der praktischen Arbeit des Reichsbnnds und der sozialdemokratische« Reichstagsfraktion z« verdanken haben. Sie werden Herr« Thiel und dem ganze« Bürgerblock am SO. Mai durch Abgabe des sozial- demokratischen Zettels die verdiente Quittung erteilen. Notschrei aus dem Gefängnis. Kommunisten rufen um Hilfe. ' In Deutschland bestreiten die Anhänger der Moskauer Heilslehre ihre Wahlpropaganda mit dem Schrei nach A m n e st i e der Fememörder, mit der sie die Amnestierung der verurteilten Kommunisten erkaufen wollten. Inzwischen schreien Kommunisten, die im Gejängnis sind, um Hilfe vor moralischer und körperlicher Mißhandlung.„Die Fahne des Kommunismus", das Blatt der linken Kommunisten, oerösfent- licht zwei Briefe aus dem Gefängnis, die das ganze Elend der Eingesperrten widerspiegeln. In dem einen Briese heißt es: In der Zelle, die für 25 Mann b e st i m m t ist. sind 52 Mann. Sie liegen auf durchgehenden flachen.Pritschen. Reben uns fünf Oppositionellen sitzen Gegenrevolutionäre, Spekulanten, Schmuggler, Banditen, Mörder, Spione, Falschmünzer, Schmier- geldannehmer, große und kleine Diebe, Okkultisten, Geldunter- schlager in der Zelle.... Es ist klar, daß dieses ganze Gesindel uns gegenüber feindselig Ist, die Kriminalverbrecher gegen uns hetzt.... Die Luft in unserer Zelle ist abscheulich. Zu der Zelle stinkk es wie in einer» Abtritt. Wir liegen auf schmalen Pritschen, in entsetzlicher Enge und sind von Ungeziefer bedeckt. Im Abtritt ist unbeschreiblicher Schmutz. Vier Sitze für 52 Mann. Man läßt einen nicht seine Notdurft verrichten, da sür eine andere Zelle Platz gemacht werden muß. Hat einer einen verdorbenen Magen, so muß er seine Notdurst in einem Kübel verrichten, da man auf persönlichen Antrag nicht auf den Ab- tritt g e l a s s en wird. Einer der Genossen im inneren Gefäng- nis ist magenkrank geworden und bat. ihn aus den Abtritt zu lassen. Das wurde abgelehnt, er mußte sich in den Kübel ent- leeren. Für die Forderung an den Aufseher, den Kübel in den Abtritt zu entleeren, wurde derForderndeineineEinzel- zelle gesteckt. Das Essen ist unter aller Kritik. Das Geld und die Sachen, die uns bei der Einlieferung im mneren der OPGU. abgenommen worden sind, werden uns nicht wieder- gegeben. In einem zweiten Briefe von anderen kommunistischen Gefangenen wird die moralische Mißhandlung noch grausiger ge- schildert: Wir saßen in einer Zelle mit kriminellen, valulaschiebern. Aepleuien. Die oppositionellen Frauen setzte man mit Prostituierten und Diebinnen zusammen. Man gab uns weder Bücher noch Zeiwngen. Wochenlang wurden wir ohne Ver» hör behalten, keine Anklagen wurden erhoben. Die Haus- suchungen, die bei uns zu Hause vorgenommen wurden, die Fragen, die man in der Voruntersuchung stellte, zeigen, daß mau Material bei uns sucht« und uns wegen unserer Teilnahme an der innerparteilichen Diskussion vor dem 15. Parteitag oerhastete.... Hier hält man in Zellen, die sür 29 bis. 30 Mann berechnet sind, 49 bis 69 Mann. Der alle Zemenlbooen ist voll von Löchern. Dreckige, nicht aneinander passende Bretter, Wanzennester, als Pritschen. Ungeweißte Wände, es besteht keine Alöglichteit. in der ungeheuren Zusammenpserchung Reinlichkeit aufrechtzuerhalten.... So sitzen wir in einer Zell« mit Kriminellen. Man gibt keine Wäsche heraus, und man erlaubt nicht, sie selber zu waschen. Die Läuse fressen uns auf. Wegen der Enge fehlt es an Platz zum Schlafen. Die Rep- und Kriminellenbevölkerung nimmt die besten Plätze«in. Ein neu ankommender Spekulant kaust j i ch sür 19 Rubel einen Platz beim Kriminellen, der keine Pakete kriegt. Wir aber drücken uns nachts am Unratkübel herum, auf dem Zementboden. Am Tage erleiden wir direkte Verhöhnungen, sowohl seitens der Gefängnisverwaltung, wie auch seitens der antisowjetistischen Elemente der Gefängnis- bevölterung. Auf uns konzentriert sich der ganz« Klassenhaß der Feinde des Proletariats. Man isoliert uns nicht nur von der Außenwelt, man bemüht sich auch noch, un» niederzudrücken, höhnt uns aus, und will durch Entbehrungen unsere Aussagen erpressen. Diese Notschreie stammen, wie der Leser bereits gemerkt hat, au» russischen Gesängnissen. Dort werden von der kom- m u n i st i s ch e n Staatsverwaltung oppositionelle Kommunisten ohne Gerichisurieii schlimmer als Verbrecher behandelt! Nachdem sie übrigens den Brief aus dem Gefängnis geschrieben hatten, wurden sie. wie die orthodox-leninistische„Fahne des Kommunismus" weiter mitteilt, plötzlich nachts aus dem Gefängnis geholt und in finstere Orte Sibiriens verschickt! In Deutschland schreien die Kommunisten über verweigerte Amnestie. In Sowjetruhland stecken sie ihre eigenen Parteifreunde in Gefängniszellen, von deren Einrichtung man In Deutschland sich keine Vorstellung machen kann. Dort lassen sie Oppositionelle im Dreck oerkommen oder schicken sie nach Sibirien! Oer deutschnationale Taler! „Jeder Familie einen Taler zugesagt.wenn die Wahl gut ausfällt, wirkt Wunder!" (Rundschreiben der deutschnationalen parieileitung im KreiseRimpisch.Schlesien) „Herr Baron, für'n Taler Menschen kaufen, des lasseus« mal, bis Se zur Grünen Woche nach Berlin auf die Friedrichstraße gehn!* Der uordamerikaaische Senat hat eine Borlage angenommen, wodurch der Präsident der vereinigten Staaten in Zukunft ge- halten s«in wird, ebenso Einkommensteuer zu zahlen wie jeder andere. Bluttat eines Geisteskranken. Am Tode vorbei. Die Schreckenstat eines Geisteskranken, der sich aus noch nicht geklärte Welse der Jnternierung in einer Anstalt entzogen hatte, erregte gestern abend die Bewohner der Zruchtstraße im Osten Berlins. Zwischen einem 32 Jahre alten Händler Wilhelm Pouet aus der Friedenstrahe 69, der vor längerer Zeit wegen Geistes- krantheit schon einmal in einer Anstalt war, und einem Händler W i t t k o p p war es zu Streit gekommen. Gestern abend sucht« Pouet Wttkopp vor dem Hause aus, um ein Darlehen von ihm zu erlangen. Das wurde abgelehnt, weil er ein altes noch nicht zurückgezahlt hotte. In einem Wutanfall' zog der Abgewiesene ein langes dreikantiges D o l ch m« s s e r. Witttopp schlug ihm da« Messer aus der Hand und eilte in sein« Wohnung hinauf. Pouet ging lärmend und schimpfend vor dem Hause und in der Nähe umher. Als er dann Frau Wittkopp herankommen sah, die von einem Ausgang zurückkehrte und nichts ahnte, stürzte er sich mit dem Messer, das er wieder aufgehoben hatte, auf die unschuldig? Frau. Der Stich traf den rechten Oberarm, drang bis auf den Knochen ein und schnitt das Fleisch bis zum Ellenbogen auf. Als di« Frau blAtend zusammenbrach, warf Pouet das Messer weg und lief davon, wurde aber In seiner Wohnung von der Polizei bald darauf festgenommen. Die schwer verletzte Frau mußte nach dem Krankenhaus am Friedrichshain gebracht werden. «- In einem Haushalt in der Warschauer Straße erkrankt« am 25. vorigen Monats das Hausmädchen Marie W. und wurde nach dem Krankenhaus in Britz gebracht. Dem neuen Mädchen fiel nun ein unangenehmer Geruch auf, der immer stärker wurde. Als man gestern«inen Koffer öffnet«, fand man darin die Leiche eine» Kindes, das die M. heimlich geboren hatte. Amanultahs Rosenweg. Zn Moskau... Amanullah, der König der Afghanen, wird di« Tag« seine» Mostauer Ausenthalt» zu den schönsten rechnen, die einem Despotendasein beschieden waren. Die afghanischen Kaufleut« in Moskau hatten, so meldet das „B. T.", dem König am Dienstag abend em Diner gegeben, zu dem insgesamt 79 Personen eingeladen waren. Allein die Kosten des Menüs beliefen sich auf 6999 Rubel. Der König und die Königin gingen aus Teppichen von frischen Rosen. In ganz Moskau konnte man am Dienstag nicht eine einzige Blume kaufen. So erfährt man durch«inen der amtlich zugelassenen Kom- spvndenten einer bürgerlichen Zeitung, wie gut es den privat- kapitalistischen Kaufleuten in Rußland geht. Einen R o s e n w e g für den Emir können ollein schon die Afghanen unter ihnen auf- bringen! Mitten im Sowjetstaat können sie ihm eine Kundgebung bereiten, neben der die Märchen von byzantinischer Pracht verbiasien. Man versteht, daß Amanullah bei seinem Scheiden au» Moskau dem Kriegskommistav Woroschilow di« besten Wünsch« für das Wohlergehen der Sowjetmacht aussprach— dieser Sowjetmacht, die afghanischen Königskronen den Rosenteppich, russischen Sozialisten aber Tod und Kerker beschert. China ruft den Völkerbund an. Ein vergeblicher Hilferuf gegen Japan. Gens. 11. Mai. Der Präsident der Regierung von Nanking, Tanyenkai, hat an den Generalsekretär des Völkerbundes ein Telegramm gerichtet, in dem er„im Namen der nationalistischen Regierung der chinesischen Republik" aus den Ernst der durch die Entsendung japanischer Truppen nach der Provinz Schantung entstandenen Lage sowie auf den Umstand aufmerksam macht,„daß der Gebietsstand und die politische Unabhängigkeit Chinas brutal verletzt wurden und daß der Friede unter den Völkern durch die von Japan unternommene Angriffshandlung bedroht ist." In dem Telegramm wird unter Berufung auf Absatz 2 des Artikels 11 des Dölkerbundspakts um dringliche Ein- berufung des Völterbundsrats ersucht und mit Ruch- druck verlangt,.daß der Völkerbund Japan zur Einstellung der Feindseligkeiten japanischer Truppen und zu ihrer sofortigen Zurückziehung aus Schantung auffordert". Da» Telegramm wurde vom Generalsekretär des Völkerbundes sofort an alle Ratsstaaten weitergeleitet. Um die Auslage de»„vorwärl," und de»„Abend" zeigt sich die „Rote Fahne" von Zeit zu Zeit sehr besorgt, während sie über ihre eigene Verbreitung nie ein Wort zu berichten weih. Jetzt erzählt sie, daß di« Auflage des„Vorwärts" in den legten Monaten„nahe- zu um«in Viertel" zurückgegangen sei. In Wirklichkeit ist sie in den letzten Monaten um mehrere Tausend gestiegen! Befände sich die„Rote Fahne" in derselben Lage wie der„Vor- wärls". so brauchte sie nicht zu dem Trick zu greifen, sich von einein Notar die einmalige besonders hohe Auflage bestätigen zu lassen, die sie an einem besonderen Tage drucken lieh. Auch die Auflage des„Abend" wächst ständig. Die„Rate Fahne" tut komischerweise so, al» ob wir ihr über unsere Verbreitung Rechenschast schuldig wären— will sie vielleicht un» über di« ihre etwas verraten? Will sie zugeben, daß ihre Auflage viel kleiner als die unsere ist? Sie wird es nicht zugeben, obwohl sie selbstverständlich genau weiß, daß dem so ist. Es ist da» Unglück nicht nur der Konig«, sondern auch der Kommunisten, daß sie die Wahrheit nicht vertragen können. Oer abgeblitzte Mumm. Selbst ein niedliches Oenunziatiönchen Hilst nichts! Frankfurt a.vl� 11. Mal.(Eigenbericht.) Am 15. Oktober v. I. veröffentlichte die Frankfurter„Volks- stimme" ein Feuilleton„Di e Sintflut", das einem von der tschechoflowartschen Sozialdemokratie herausgegebenen Buche ent- nommen war.„Die Sintflut" ist eine Parodie auf die Noah- liegende. Der deutfchnationale Reichstagsabgeordnete Dr. Mumm, der von dem Artikel erfahren hatte, erstattete bei der Staatsanwalt- schaft Strafantrag wegen Gotteslästerung. Der verantwortliche Re- dakteur der„Volksstimme" mußte sich jetzt wegen dieses Deliktes vor dem Erweiterten Schöffengericht verantworten. Der Staatsanwalt sah in dem Artikel die religiösen Gefühle Andersdenkender verletzt und beantragte außerdem wegen Gotteslästerung eine Gefängnis- strafe von zwei Monaten. Das Gericht sprach jedoch den Angeklagten auf Kosten der Staatskasse frei. Die von dem Landgerichtsrat v. Seggern gegebene Urteils- begründung sagt u. a.: Noah sei in dem Artikel als ein Mensch ge- schildert, der sich übermäßigem Geschlechts- und Alkoholgenuß hin- gab, der heuchelte, um sich Vorteile zu verschaffen. Er wird dann noch mit oerabscheuungswürdigen Eigenschaften ausgestattet, die ihm Das Nothaus in der Parochialstraße. OffenerBrief an FeodorSchaljapin Hochverehrter Meister! yf uch heute weiß noch lein Mensch, wer die geheimnisvollen Bewohner des baufälligen Hauses Parochialstraße 22 waren, das gestern geräumt und geschlossen wurde. Sie erschienen nur nachts und niemand hat sie je gesehen. Die kärglichen Einrichtungsstücke wurden beschlagnahmt und sicher gesslellt. in der Bibel nicht anhasten. Die Frage ist: Ist hierin eine Be- schimpsung einer Einrichtung einer Kirche oder einer Rcligionsgemein- schaft zu erblicken? Nicht jeder Angriff aus die Bibel «nthälteineSchmähung der Kirche, nur dann, wenn die Bibel als Grundlage des christlichen Glaubens und der christlichen Kirche herangezogen und angegriffen wird. Die weitere Frage: Ist durch die Veröffentlichung Gott durch beschimpfende Aeußerungen ge- lästert worden? Schutzbedürstigi st nichtGott, sondern dasReligionsgefühldes Menschen. Wir haben es hier nur mit dem christlichen Gottesbegriff zu tun, weil durch den inkrimi- nierten Artikel nur der Christengott getroffen werden soll. Gott ist auch gelästert worden. Lästerung bedeutet, objektiv der Heiligkeit und Ehre Gottes Abbruch tun. Daß dies geschah, bedarf keiner Er- örterung. Di» Frage ist jedoch, ob die Mittel der Lästerung b e- schimpfende Aeußerungen gewesen sind? Die Tendenz des Ar- tikels richtet sich aber in erster Linie nur gegen Noah, in dem eine gewisie Kategorie von Menschen getroffen oder gegeißelt werden sollte. In vulgärer Sprache ist die Unterhaltung zwischen Gott und Noah geführt worden. Das verletzt in schwerer Weise das religiöse Gefühl, ergibtaberkeineStimmung undVerachtung gegen Gott. Bezüglich des Vorwurfs der Verbreitung unzüch- liger Schriften hat das Gericht nicht feststellen können, daß das Schamgefühl des normal empfindenden Menschen in geschlechtlicher Beziehung durch den Artikel verletzt wurde. Es mußte deshalb auf Freisprechung erkannt werden._ Todesurteil für einen Berliner. Ein?iaubmordprozeß in Schwerin. Schwerin, 10. Mai. Das Schwurgericht Schwerin verurteilte heute den Bootsbauer Erich Bruhn aus Spandau wegen Mordes in Tateinheit mit Raub zum Tode. Bruhn. der erst Jahre alt und bisher nicht vorbestraft ist. hatte am 10. August 1927 bei Kummer den jungen Ern st Brandt aus Berlin ermordet, um sich in de» Besitz von dessen Ausweispapieren zu setzen. Unmittelbar vor Beginn der Verhandlung kam es zu einem aufsehenerregenden Zwischenfall. Als der Angeklagte Bruhn in den Saal geführt wurde und den im Saale anwesenden Zeugen Bootsbauer G c h r e ck e aus Berlin bemerkte, wurde er plötzlich von einem Wutanfall gepackt. Unter heftigen Flüchen und Verwünfchungeu sprang er über die Schranke der Anklagedank und stürzte sich auf den Zeugen. Bruhn wurde von einigen Justizwachtmeistern über- wältigt und in die Anklagebank zurückgeführt, wo ein Justizwacht- meiste? neben ihm Platz nahm. Später betrug sich der Angeklagte ruhig und sagte einmal:„M einen Kopf gebe ich gern her. Lieber den Kopf, als 10 Jahre Zuchthaus." Am späten Nachmittag verkündete der Vorsitzende das Todesurteil. Der «BZ«0agte rwhm das Urteil gejatzt«nj.__,________ � Berlin ist in Erwartung Ihres ersten vperngastspiele» auf deutschem Boden. Wir all«, die Sie vom Konzertsaal, von der Schallplatte, einig« wenige vielleicht auch von Opernbühnen des Auslands her kennen, wir alle wissen, welches künstlerische Ereig- nis, welches festliche Erlebnis es ist, dem wir entgegensehen. Ein Erlebnis— wem wird es beschieben(ein? Es sind unfreudige, trocken« Nebendinge, an die ich da rühren muß— zu rühren mich entschlossen Hab«. Wir haben ein« Bor- stellung davon, was es bedeutet:«in ganzes Opernthsater auf Reifen: wir begreifen, was das für Kosten verursacht, und haben also Verständnis für die Höh« der Eintrittspreise, die für die Abend« Ihres Auftretens festgesetzt worden sind. Wenn die Opernleitung voll Zuversicht ist, daß die Anziehungskraft Ihres Namens so groß sein werde, diese— für Berlin unerhörten Preise zu rechtfertigen: wir sind von vornherein überzeugt, daß sie recht behotten wird. Aber wer wird in der Lag« sein, sie zu bezahlen, in der Lag« also, Sie zu hören, Ihre Kunst zu erleben? Eine schmale Schicht wirt- schaftlich Bevorzugter: jene, die man nicht ganz treffend al« die „oberen Zehntausend" kennzeichnet. Nur sie: in der Tat, soll es dabei bleiben? Sie werden hier, in der deutschen Hauptstadt, zwei, drei Wochen lang Mittelpunkt und Ereignis sein, wie noch kein Künstler Ihr« Landes und irgendeines Landes vor Ihnen: Mittel- punkt nur für die Kreis«, derv Zusammenschluß sich„Gesellschaft" nennt, Ereignis nur der bürgerlichen Welt? Sie werden wieder abreisen: sollen, wollen Sie dem Volk, der deutschen Arbeiterschaft unerreichbar geblieben sein? Wenn einer auf der Erde: Sie hoben Anspruch auf den Ehren- tilel eines„Volkskünstlers": den braucht keine Behörde Ihnen zu verleihen. Dies zu erläutern, zu erklären, was Sie selbst am beut- lichsten fühlen, am besten wissen, wäre jedes Wort überflüssig. Volkskünstler— wollen Sie es nicht auch in Berlin sein, für die Berliner Bevölkerung werden? Es ist, glaub« ich, verständlich, wie ich da» mein«. Für sechs Abende ist Ihr Auftreten angekündigt. Sollten«» auch mehr als sechs werden: es würde, scheint mir, möglich— und«« würde Ihnen gewiß nicht zuviel werden, im Laufe Ihres hiesigen Ausent- Haltes einmal, zwischen zwei Opernabenden, vor ein Publikum von Berliner Arbeitern zu treten, einmal vor ihnen und für sie— nur für sie, die Berliner Arbeiter, Ihre Kunst auszuüben. In der jungen Geschichte Ihres Musiklebens— denn die Arbeiter haben ihr besonderes Musikleben in Berlin— mürbe da»«in Ereignis ohne Beispiel, in der Tat ein„geschichtliches" Ereignis sein. Nicht freilich ein„gesellschaftliches", wie es für morgen der Stadt Berlin bevorsteht: oder gesellschaftlich doch in anderem, tieferem Sinn. Sie brauchten ja nicht in der umständlichen Umgebung Ihres Opernapparates, nicht im Kostüm, Sie würden gewiß nicht im Frack, wie in der Philharmonie, erscheinen: am besten vielleicht Sonntag vormittags oder Sonnabend nachmittags: wenn alle Sie hören können; und unter Bedingungen, daß olle Sie hören können. Alle? Auch der größte Raum ckönnte ja nur einen ganz kleinen Teil derer fasten, die— viel, viel mehr sind, als nur zehntausend. Nur ein kleiner Teil wird mit dabei fein können. Aber es liegt im Wesen des künstlerischen Erlebnisses, daß es, als ideeller Besitz sozusagen, nicht aus die Wenigen beschränkt bleibt, die in Wahrheit teil daran hatten. Wenn Sie ein einziges Mal nur, Sie selbst, Feodor Schal- japin, den der Arbeiter nur aus Zeitungen und Plakaten kennt. als Mensch, als Sänger vor ihm stünden: das beglückend« Geschenk Ihrer Kunst würde sich ausbreiten, es würde sich als Gemeinschasts- erlebnis, als Erinnerung der Klasse, als Tradition vererben, die noch den Entferntesten mit Stolz und Dankbarkeit erfüllt. C» ist kein ausgearbeiteter Vorschlag, den ich Ihnen hier mache. vielleicht wird es Hindernisse, kleine Schwierigkeiten geben: sie wären weggeblasen, sowie Sie wollen. Die Form, der Weg, alles ander» findet sich, wenn Sie wollen. Wollen Sie? Das ist die Frag«, die ich bitte, an Sie richten zu dürfen: im Namen der Ber- liner Arbeiterschaft. In aufrichtiger Verehrung Ihnen ergeben Klaus Pringsheim. Die verfrühieu Eisheiligen. Fast in den gleichen Tagen«ie im März und April hat auch der Mai einen empfindlichen Sätterückfall gebracht, so daß e» mit der Frühlingswärme fürs erste wieder einmal vorbei ist. Der dritte Lenzmonat unterscheidet sich darum nicht im geringsten von dem des Vorjahres: denn auch der Mai von 1027 begann warm und sonnig, um nach wenigen Tagen«in höchst unfreundliche» Gesicht auszusetzen und bis zum Monatsfchluß rauh und regnerisch zu bleiben. Mancher ist natürlich überzeugt, daß sich die bösen„Eisheiligen" wieder ihrem schlechten Ruf gemäß meteorologisch bewährt hoben. Die Maikühle hat sich Mar nicht erst am 11.. dem Mamertustag, sondern— wenigstens in Westdeutschland— schon in der Nacht zum 8. eingestellt: aber die katten Kalendermänner haben sich eben so sagt man— um einige Tage verfrüht,(was sie im vergangenen Jahre auch getan haben). Der felsenhaft« Glaub« an sie wird sich auch gewiß nicht erschüttern lassen, mag man noch so überzeugend und an Hand weit zurückgehenden witterungsstatistischen Materials nachweisen, daß scharfe Kälterückfälle während des ganzen Früh- jahrs jederzeit eintreten können, und daß sich die Tag« vom 11. bis 13. Mai darin in keiner Weis« vor anderen Maitagen auszeichnen. Auch diesmal war es der übliche Einbruch kalter Polarluft aus dem Raum zwischen Grönland und Spitzbergen, der die Mittel- europa bedeckende Warmluft in ganz West- und Mitteldeutschland innerhalb weniger Nachtstunden vom Boden abgehoben hat. Be» sonders scharf war der Temperatursturz im mittleren und unteren Rheingebiet, wo Montag mittag noch 21 bi» 22 Grad Wärme ge» herrscht hatten, woraus nachts in einzelnen Gegenden da» Queck» silber bis auf 1 Grad Celsius sank. Di« Ursache der intensiven Kalt- luftzufuhr bildete beträchtliche Druckabnahme im Norden Skandi- naviens. Dort saugte ein stark vertieftes Minimum auf seiner Rück» jeitx mit Vehemenz die Polarluft an, die rasch di, Nordsee über« schritt und noch Mitteleuropa einbrach. Ein Cnde dieser Wetter, läge ist auch im Augenblick noch nicht abzusehen, und mit der«inst- weiligen Fortdauer des recht kühlen und wechselvollen, zu Schauern neigenden Wetters, ebenso wie mit gelegentlicher Nachtfrostgefahr muh daher gerechnet werden. Sieger Tempo. „Das verschwunden« Brillontonkohlier", da» vor Iahren bereits ein in fröhliche Auswallung geratenes, dank- bares Publikum fand, wird im Gloria-Palast neu aufzeführt. Wenn man dies« voll Situationskomik gestopft« Diebeskomödie oder vielmehr Diebesgroteske noch einmal sieht, muß man ihr einen un- verwüstlichen Reiz zuerkennen. In dem Genlleman-Gauner lernten wir damals Raymond G r i f f i t h kennen, und er eroberte sogleich ein ziemlich großes Stück von unsenn Herzen. Jetzt freuen wir uns jedes Mal, wenn wir Raymond Griffich sehen. Ihn, her den Zylinder, dieses Attribut männlicher Würde trrd Vornehmheit, gleich einem Knobelbecher auf den Kopf stülpt. Clarence Bad- g e r s Regie ist inzwischen oft nachgeahmt, aber ni« erreicht war- den. Sein« wilden Automobil- und Motorrad�Iagden sind uimach- ahmlich, sind toll, sind jeder Erdenschwere enthoben und von wahr- hast schöner Bildwirkung. Alle die Fahrer müssen das feine Finger- spitzengefühl der Kunstschützen oder der Klavieroirwos«., haben, um so das Steuer zu handhaben und derartig die Kurven nehmen zu können. Alles in allem ist Clarence Badger» Arbeit das Muster- beispirt dafür, was durch Tempo erreicht werden kann. e. b. Erstes deutsches Orchesterkonzert ohne Dirigenten. Das„Leipziger Sinfonie- Orchester* gab al, erst», deutsches Orchester einen Beethoven-Abend ahn« Dirigenten. Vor- bild hierzu war da«„Erste Symphonische Ensemble" in Moskau, das nun schon ö Jahre künstlerische Triumphe feiert. Das Konzert war nicht nur«in künstlerisches Experiment, sondern es war auch ein Wagnis, bei der heutigen lleberschätzung der Einzelpersönlichknt mit einem derartigen Unternehmen an die Oesfentlichkett zu treten. Der Mut des Orchesters wurde durch einen Rissenerfolg belohnt. Die Darbietungen standen aus einer Höhe, wie man sie sonst nur bei wirklich bedeutenden Dirigenten erlebt. Da» Ganze hatte nichts von der erwarteten Starrhett, sondern zeigte groß« Beweglichkeit in Tempo und Ausdruck wie unter einem guten Dirigenten. Klang der Satz der III. Sinfonie(Eroika) noch etwa» nervös, und der II. Satz etwas trocken, so war das Scherzo ein« virtuose Glanz- leistuug. Eine weitere Steigerung erfuhr die Leistung des Orchester» detm»iovutvaz-rt wfc— bchad«— fcj ter lliiiiiwl ftwirtflrr Oer Aufschwung der chinesischen presse. China besitzt zwar die älteste Presse der Welt, aber noch bis vor kurzem war da» Zeitungswefen im Reiche der Mitte wenig entwickelt, und es gab in diesem ganzen riesigen Staat nur etwa 50 Zeitungen. Erst seitdem China 1911 Republik wurde, vollzog sich«in rascher Aufschwung, über den im„Zeiwngs-Verlag" Nähere» mitgeteilt wird. Die Zahl der amtlich verzeichneten chinesischen Zeitungen beträgt gegenwärtig etwa 1200. Das ist für ein Land mit 400 Millionen Einwohnern nicht viel, aber die Entwick- lung geht mit Riesenschritten vorwärts, und je mehr Chinesen lesen und schreiben lernen, desto mehr wächst auch die Zahl der Zeitungs- freunde. Billige Unterrichtsbücher werden in Schanghai von einem Verlag, unternehmen hergestellt, da» mit 5 Millionen Dollar Be- triebskapital arbeitet und im Reiche 1600 Verkaufsstellen hat. Die chinesischen Zeitungen bringen viele Nachrichten au» dem Ausland und erhalten diesen Stoff größtenteils von den Japanern, die Cbino billig mit Neuigkeiten versorg»«, um damit ihre eigenen Interessen zu fördern. Di« erste chinesische Zeitung von Bedeutung war„Shun Pao", ein Blatt, da» sich jetzt zu einem der größten de» Land«, entwickelt hat. Di« Redaktion befindet sich In Schanghai in einem sehr stattlichen fünfstöckigen Gebäude, und das ganze Unternehmen kann sich, was journalistischen Betrieb und technische Leistung anbetrifft, europäischen und amerikanischen Zeitungen zur Seite stellen. Unter den Maschinen befindet sich eine Rotationspresse, di« im Laufe einer Stunde 48 000 12jeitige Zeitungen liefert. Im Ins«. ratenteil stößt man mitten unter den wunderlichen chinesischen Schriftzeichen auf Abbildungen, die sehr bekannt anmuten: da werden Automobilmarken und Nähmaschinen europäischer Faüri- talion. amerikanischer Kaugummi, schwedische Zündhölzer usw. an- gezeigt. Die chinesischen Staatsmänner sind sich über di« Bedeu- wng. die der Press« heutzutage zukommt, vollkommen klar, und die 7 Millionen Studenten, deren sich China erfreut, machen die beste Propaganda für da, Zeitungswesm, das um so schneller sich aup- breiten wird, je mehr die Bildung unter den großen Massen zu- nimmt. Da» erste Kugelhaus. Auf der Dresbner Jahresfchau 1928 wird man da» erste Kugcihaus der Welt bewundern können, da» nach den Plänen des Münchner Architekten Peter Birkenholz er- richtet wird. Nach einer Mitteilung in Reclam» Universum ist es ein Geschäftshaus mit Läden und Ausstellungsräumen in Höhe von 30 Metern. Di« 5higelsorm wird für rationeller gehalten als die bisherige Würfelform der Häuser. Die Konstruktion wird von einem Mittelpunkt aus mittels eines Krane» geregelt. Vorteilhaft ist der geringe Winddruck, der nur � der bisherigen Bauweise beträgt, und die verhältnismäßig geringe Fläche der Basis. Kugel- Häuser erhalten Licht und Luft von allen Seiten, und die über- flüssigen Nischen, Erker, Veranden usw. sollen fort. Ein Telephongespräch über 35 000 KIlomeler. Dieser Tage wurde ein Telephongespräch zwischen Stockholm und Los Angeles hergestellt, was auf dem Gebiete des Frnssprechwesens einen Rekord bedeutet. Mehrere Ingenieure wollten feststellen, wie groß die längste Entfernung sei, bei der noch eine gute telephonische Verständigung möglich ist. Das Gespräch wurde etappenweise her- gestellt: von Stockholm zuerst über Malmö nach Berlin und über Berlin nach London. Dann wurde die Verbindung weiter über Edinburg und den Ozean nach New Port hergestellt. Da die Ver- ftändigung aus dieser Streck« ausgezeichnet war, machte man noch den Riesensprung nach Los Angele». Auch mit Los Angele, konnte man sich ausgezeichnet verständigen. Die Länge der zu diesen Ks- sprächen benutzten Telephonlinien beträgt 35 000 Kilometer. Die Verständigung mit New Bork war so gut, daß die Person, die au, New Park nach Stockholm telephonierte, den in Stackholm Sprechenden an dem Klang seiner Stimme«etennen tonnte. t>N.BerNn M Krell. Der ssre:inbe«trel» der Schule Reimann»»ran- stallet am g. yuni, entsprechend seinen allwinlerlichen Eaullersesten, ein Sommerfcft.Alt-Berlw bei Kroll'. Dürer».Aolenkranzsest' kommt nsch Deutschland. Ilm da« Schicksal für ■Dürer« Rosentranzsest im Kloster von Ltrobo» wird weiter verbanden. Unterdessen bat da? tschechilchc Unterrichtsministerium da« Auileiben de« berilbmten Vitde« an die Nürnberger Dürer-AuSitellung bewilligt. Da« Bild wird zu diesem Zweck mit 5 Millionen Mark versichert. Drei Millionen Mark fllr«inen Rafaol. Da» berühmte Gemälde von Rasael„Madonna mit dem Kinde', da« sich im Besitz der Lady DeSborough befand, bat den Besitzer gewechselt. SS wurden ISO 000 PI und, also mehr al« S Millionen Mar« dafür bezahlt. «a e-hrslobl für«rbellsmedl,«». Die Medizinische stzakultät ber Uns- »crsität Neovel bat einstimmig die Errichtung eines ntuen SebrNuble« für Arbeitsmedizin beschlossen, deilen Anbaber sich nicht nur mit den Berufs- lranlheiten beschäfttgen, sondern fein Studium auch stand eine wahre Angstpsychose. Der„Binger Anzeiger", ein Zentrumsblatt, brachte eine Annonce mit der Ueberfchrift in dickem Fettdruck: „Tod, Tod, Tod!" Darunter wurde in normaler Reklameschrift ein Rattengift empfohlen. Man glaubte aber nicht, daß die Moritat diesen un- willkommenen Mitbewohnern angedroht wurde. Da war eine dunkle Verschwörung gegen die Monorchie und die Gesellschaft im Gange. Offiziere, Bürger, Beamte stürmten das Gebäude und schleppten die Leiter des Blattes auf die Polizei. Der Besitzer dei Zeitung mußte nachkommen. Es wurden Verhör« angestrengt. Der Polizeipräsident wurde davon benachrichtigt, machte dem Minister des Innern Mitteilung und Graf Eulenburg ließ die Reichskanzlei »nd das Justizministerium verständigen. Die drei Minister wechselten über das Tod-Tod-Tod-Inserat mehrere Aktenstücke und beruhigten sich erst, als sie sich durch instanzcnmäßig angestellte Rückfrage bei der Idinger Polizei vergewissert hotten, daß die Kriegsansage auch wirklich den Ratten und Mäusen gegolten hatte. In diefer geistig politischen Zwangslage ging die Justiz an die Untersuchung. Ein Landrichter Joel vernahm den Angeklagten und die Zeugen. lFortsetzung folgt.) Die Erotisierung der Ehe. Da spricht die Welt von einer sexuellen Krise, ja sogar von einer Krise unserer monogamen Ehe! Wenn es überhaupt so etwas gibt, dann lest nur die Bücher des branchekundigen Herrn van de Velde, und die ganze Krisenmacherei ist zu Ende. Erotisieren heißt sein Losungswort, und: Erotisieren müßt ihr, müßt erotisieren! sein Rezept. Damit bringt man auch die lahmste Ehe wieder auf die Beine, das leimt und kittet alles, selbst die widerstrebendsten Ele- mente. Verwunderlich bleibt nur, daß dieses einfach? Hausmittel erst jetzt erfunden wurde. Wieviel Unglück hätte vermieden werden können, wieviel Katastrophen, ja Kriege waren der Menschheit er- spart geblieben, wenn es ein gütiges Schicksal gestattet hätte, daß Herr van de Velde schon etwa tausend Jahre früher zur Erde kam! Aber anscheinend mußten erst alle schweren Prüfungen über uns kommen, ehe eine so geniale Erfindung wie die der Erotisierung ge- boren werden konnte. Was nun eigentlich Erotisierung ist, fragt ihr, und wo ihr das beziehen könntet? Ja, seid ihr denn Kinder unseres Jahrhunderts, Kinder der ollermodernsten Zeit, daß ihr derartige, ebenso naiv« wie euch blamierende Fragen stellt! Erotisierung ist doch... Aber nein, das geht ja nicht. Das kann ich euch hier nicht sagen und kann ich euch so nicht sagen. Das muß man schon bei dem Erfinder selber nachlesen, der das so sachkundig und zugleich so anschaulich, so ganz unmißverständlich tut, daß sich hier jedes Wort darüber wie eine elende Stümperei ausnehmen würde. Rur andeuten will ich es, das ist dos einzig«, was ich mir erlauben kann und darf. Natürlich hat Herr van de Velde nicht nur ein einziges Buch über dieses Thema geschrieben. Richtiggehende Gelehrte schreiben immer mehrere Bücher über eine Sache, sonst ist sie eben nicht wissenschaftlich, das heißt, nickst gründlich genug behandelt worden. Und nun gar diese Fundgrube stir Gelehrtenarbeit, was läßt sich daraus nicht alles machen! Freilich kann man nicht immer nur sozusagen die Technik der Ehe behandeln, davon hat zu seinem Leidwesen auch Herr van de Velde absehen müssen. Außerdem gibt es selbst an der technisch vollendetsten Ehe immer noch einige andere Seiten, die man daneben nicht ganz unberücksichtigt lassen darf, wenn die ganze Frage umfassend erörtert werden soll. Schließlich sehe ich auch nicht ein. weshalb man nicht noch ein paar Bücher dazu schreiben soll, wenn sich herausgestellt hat, daß die erste Lieferung so glänzend ««an«« cht. �....' Ich befürchte bei alledem aber nur eins: daß der Wissenschaftler van de Velde über dem quasi Techniker ganz vergessen wird und daß die anderen beiden Bände überhaupt nicht gekaust werden, so wie man schon im ersten Bande alle wissenschaftlichen Weitschweifigkeiten schnellstens überschlug und aufgeregt nur nach den technischen Ka- pitcln suchte. Darin aber liegt seine Tragik! Er für seinen Teil wollte zwar die vollkommene Ehe, die anderen jedoch wollten nur die vollkommene Technik, soweit sie darin überhaupt noch etivas lernen konnte». Schade nur, daß sich Herr van de Velde daran stark mitschuldig gemacht hat, ja eigentlich die Schuld daran ganz alleine trägt. Denn er beschwor mit seiner Technik nur die böse» Geister, die meist schon für eine gute Ehe verlorenen(von einer vollendeten Ehe gar nicht erst zu reden). Den anderen aber, die mit dem Probien: der Ehe ringen, hart und unerbittlich, immer und immer wieder, denen gab er nichts. Denn sie sehen in der Ehe etwas ganz anderes, etwas viel Höheres als eine bloß erotische Gemeinschaft, nämlich: eine Gemein- schest zu gemeinsamem Lebenskampf, zu gesteigerter Lebensfreude, zum Aufgehen in einer höheren Idee für diejenigen, die wir erst in geistiger Uehcrwindung des bloß Animalischem erzeugen und die dann unser Werk fortführen sollen. Dazu liefert man aber mit erotisch- technischen Unterweisungen, mit der sogenannten Erotisicrung der Eh« keine Hilfsmittel. Beides unterscheidet sich vielmehr wie Feuer und Wasser. Die wirklich vollendet« Eye, ja, auch nur das einfache und gesunde Liebesverhältnis beruht auf geistiger Gemeinsamkeit und wird beherrscht von Geistigkeit,— das erotische Element ist ihnen nur Motor und letzter Gipfelpunkt, um nicht zu jagen höchste geistige Verzückung. Sie beginnen mit dem Geistigen und gipfeln im Erotischen— van de Velde beginnt aber mit dem Erotischen und behandelt das Geistige nur ganz nebenher: das ist der Unterschied zwischen uns und ihm, und dos nimmt seinen Büchern jeden Wert. Crotisierung der Ehe? Unsinn, höhere Vergeistigung. ja. Ver- geistigung überhaupt erst ist notwendig, damit der Mensch von der Illusion der Erolisierung loskomme, die immer nur wieder Ent- täuschung bereitet, wenn dahinter nicht das dauernde Erlebnis der gemeinsamen Geistigkeit steht und deslmlb so viele Ehen zertrümmert. Die Erotisierung als Kitt, als Balsam und als was sonst noch ist Krampf, ist Opium, ist glatter Betrug an sich selber und an den onterad• DER SPRUNG UBER DEN SCHATTEN VON KARL SCHRÖDER- ZEICHNUNGEN VON PAUL THESING Copyright 1928 by„Der Bücherkreis G. m. b. H.* Berlin SW 6T. Heinrich Fehlow, dessen Lebensgeschichte der Verfasser schildert, stammt aus einem ostelbischen LandstSdlchen. Sein Vater ist Dor.'schullehrer mit 750 M. Gehali im Jahr. Der Junge Ist ein .autgewecktes" Kind und der Schulrektor meint, dafi er studieren müsse. Zuerst bekommt er privaten Unterricht in den Gymnasial- «khern. Spfiler schicken ihn die Eltern unter den gröbten persönlichen Opfern aufs Gymnasium. 8. Fortsetzung. Dann gingen mit in die Küche. Die Mutter war da, und für jeden stand ein Teller mit MeHisuppe bereit. Vor meinem Teller lag auch ein Ei. Das gab es sonst niemals zum Frühstück; aber heute mar ja der letzte Tag. Die Mutier ging um mich herum und strich mir h«im!!6) über das Haar. Dann saßen wir stumm. Lena und Martha schliefen noch. Sie mußten geweckt werden. Gähnend kamen sie herein; lachten aber bald, zogen sich an den Flechten und traten mir unter dem Tisch auf den Fuß. Kam die Stunde des Abschieds, dann lief ich nod) schnell ein letztes Mal durch Zimmer, Boden und Keller. Mir war schwer zumute; aber aussprechen konnte ich dc J nicht. Wollte es bald auch gar nicht mehr. Ich würgte es hinunter. War ich«in paar Tage von Hause weg, ließ die Qual nach. Id) hatte keine Zeit mehr, an solche Ding« zu denken. Im Hause der Pastorenwitwe und ihrer fünf Neffen, von denen der älteste nur ein Jahr jünger war als id), war Lärm genug und Arbeit die Fülle. Ich„beaufsichtigte" die Arbeiten der sünf, das heißt, ich fragte ab, diktierte, korrigierte, schrieb selbst die Haus- aufsätze meiner Schüler. Es ivaren ganz gute Jungen. Sie liebten mich, und ick) liebte sie. Heimlich, des Nadsts, kam der älteste auf meine Kammer. Dort feierten wir mit saurem Apfelwein seine erste Liebe. Auch die Pastorin war freundlich und mütterlich zu mir und niemals habe ich mich in den ersten Jahren als Fremder gefühlt. Dann aber, als id) es wagte, mit eigenen Freunden auszugehen, als ich mit kleinen Angriffen auf Religion und Kirche herauskam, wie jeder jung« Mensch in diesen Jahren; kurzum, als ich ein weniges nur die Grenzen überschritt, in denen nach Ausfassung adliger Leute der Sohn eines Kleinbürgers sich zu bewegen hat, lernte ich preußisch« Junker und ihre Sippe kennen. Der Brief kam gerade, als ich mit der Mutter in der Küche stand und Zukunftspläne entwarf. Sie lächelte und war glücklich. Sie öffnele den Brief, und Freude war verwandelt in Schmerz und Haffnungslostgkeit. „Aus pekuniären Gründen" konnten auf einmal Großgrund- befitzer sich nicht mehr den„Luxus" eines Hauslehrers leisten; einen Luxus, der darin bestand, daß sie für Wohnung und Essen mich täglich vier und fünf und oft sieben und acht Stunden arbeiten ließen. Niemal« habe ich ein Geschenk und niemals einen Pfennig.bares Geld erhalten. Was ich branchta, mußte ich durch weitere Privat- stunden am Sonnabenb und Sonntag verdienen. Ich dachte bei all dem nicht viel; hatte einen zähen Körper und ein festes Ziel. Aber dieser 5)!eb traf doch. Kein Wort des Dankes, kein Wort des Bedauerns— für Jahre der Arbeit. Die Herren kannten die Lage meiner Eltern. Es wäre«ine adlige Freude gewesen, sie zu zwingen, mich ein Jahr vor dem Absd-lußeramen von der Schule zu nehmen. Doch kam es anders. Zu Hause verschwand die Butter vom Tisch; und die Mädchen kamen aus der Schneiderstube nicht mehr h�aus. Der Jäger konnte der Jagd auf Eigentum weiter nachgehen; leiden- schaftlicher als zuvor. Zwei Jahre hatte ich keinen anderen Vorkehr gehabt als den mit meinen Schülern. Im dritten Jahr aber gewann ich zwei Freunde. In der Freundschaft sucht der Mensch dos eigen« Ich. So find Freunde immer auch ein Stück unsere» Selbst, Ergänzung dessen, was uns fehlt; Abwehr dessen, was uns quält. Freundschaft ist das Miniaturbild einer unnatürlich gewordenen Gesellschaft an Stelle der tieferzn, sozialen Gemeinschaft. Am liebsten wanderten wir drei durch die Wälder, abseits der Wege, quer durch Gestrüpp und dichte Schonungen. An freien Tagen lagerten wir— zwei Wegstunden weit— in den Ostseedünen; kuschelten uns in den Sand hinter goldblumigen Ginsterbüschen. Wir lagen auf dem Rücken, flogen in ballige, weiße Wolken, starrten auf» Meer, ließen uns durchzittern von Wellenschlag und Möwenschrei Harri Weichert zog ein Buch au» der Tasche und las uns Verse von Falke und Busse, von Liltencron, Dehme! und Arno Holz vor. Harri Weichert war ein hübscher Junge und Mädchenjäger. Kastanienbraunes, welliges Haar lag über einer herrlichen weihen Stirn; aber das Kinn wich ängstlich zurück, und«in kräftiger Rumpf ruhte auf kurzen, schwächlichen Beinen. Er las mit weicher, betören- der Stimm« und strich mit gespreizten Fingern durch das glänzende Haar. Mir war wohl zumute in dem kreisenden Strom von Erde und Lust und Wasser. Ich wühlte den Kopf in die harten Ginster- spieren; ließ unaufhörlich den warmen Sand durd) die Finger rinnen und schwieg. Hans Hurtenbach aber lag nicht lange still. Er konnte nicht leben ohne Lachen: war ewig heiter und ewig vergeßlich und frei von jeder Selbstquälerei. Das rechte Objekt für Anklagen, denen er mit großen. dunklen, mitleiderfüllten Augen zuhört«. Je länger ich liegend geschwiegen hatte, je eifriger setzte ich ihm auf dem Rückweg zu, daß es Pflicht sei, die Natur zu überwinden und niedrige Triebe zu entwurzeln. Weichert aber ging neben uns her, schaukelte leicht in den Hüften und summte Lieder. Sonntags nachts aber saßen wir in Hurtenfwchs Stübchen. brauten Bowle au? Apfelwein, Selter, Zitrone und Zucker und be- gannen die Wanderung durch Himmel und Hölle in jener herrlichen, niederträchtigen, jauchzenden, frechen Strolchmanier aller Jugend, die dreimal in einer Nacht die Welt erschlägt und dreimal sie wieder aufbaut. Alkohol löst die Zunge, sagt man. Niemand hätte sie uns zu lösen brauchen; herrlicher»und schöner löst sie sich im Spjcl natürlicher Kräfte. Aber das mußte ja so sein, und alle taten das gleiche. Schoß dann das Morgenrot neuen Tages In die Obstbaumwipfel des Gartens unten am Hause, dann rissen wir die Fenster auf, jagten unartikulierte Schreie hinaus; standen da mit heißen Gesichtern; satt und leer vdn der Nacht und vom Stammeln zukunsttastenden Lebens. Kam ich zurück in meine Kammer, deren Wände mit Bildern überklebt waren— Landschaften auf der«inen Seite, Porträts be- rühmt« Ttävaex auf der andere»—> dam» warf ich mich m Kleider» auf das eiserne Feldbett, starrte auf die Toteninsel Böcklins, in die qualzerrissenen Gesichter Beethovens und Michelangelos; drohte mit der Faust dem Bild des alten Goethe, fühlte mich unglücklich, schlief aber fest nach wenigen Minuten. Bon Politik härte und verstand ich nichts in diesen Jahren. Ein „geistiger" Mensch las keine Zeitung. Ein geistiger Mensch ging in die Tiefe. Zeitungen waren für das Dutzend, für den Spießer und für die Plebs. Trotzdem aber sind Schaumspritzer der anderen Wirklichkeit in niein Leben geschlagen, die oerwischt waren, kaum, daß sie berührt hatten, und die nun dock)— rückschauend— mit lebendigen Lichtern mich anblicken. „Gibt es hier auch Soziaidemolraten Ich hatte auf der Volksschule«inen jüdischen Freund. Sein Vater schlachtete Ziegenlämmer und gerbie die Felle. Da ging das Gerücht durch all« pommerschen Flecken, die Juden griffen alljährlich zu Ostern Kinder, schlachten sie und verrührten ihr Blut in den Matzen, dem ungesäuerten Osterbrot. Es summte in der Stadt. Die Lehrlinge standen nach Feier- abend in dicken Nestern unter den Straßenlaterne» und steckten flüsternd die Köpfe zusammen. Wir Kinder grnselten uns. Laufend nur trauten wir uns bei Abendbssorgungen durch das Dunkel der Gassen. Und dann fand eine große Versammlung statt. Ein Redner von auswärts sprach. Nur auf Jahrmärkten noch sah man. so viele Menschen auf der Straße wie an diesem Tage. Alle Juden hatten die Läden geschlossen. Rotten großer Jungen standen davor und zerknallten. Zündhütchen auf dem Pflaster. Am nächsten Tag erzählte mein Freund, sein Onkel ging« nue aus mit einem Revolver in der Tasche. Das imponierte mir. Nichts- destoweniger aber erklärte ich ihm, ich würde„antisemitisch" wählen. Ich verstand das Wort nicht einmal, aber es hatte großen Eindruck auf mich gemacht. Mein jüdischer Freund war.nicht böse über meinen Entschluß. Erzürnt haben wir uns ein andermal; da war es aber über einen Kohlrübenstrunt, der das Aussehen einer Keule hatte. Den wollen wir beide haben, und der Strunk wurde im Kampfe darüber zu Mus zerquetscht. Tiefer als dies erregt hat mich während der Gymnasialzeit«in Erlebnis während einer Reichstagswahl. Ich las am Eckhaus des Marktes einen Wahlzettel der Sozialdemokratie. Ein Maurer stand daneben. Der Mann beachtete mich gar nicht; ich aber fragte ihn erregt: „Gibt es hier auch Sozialdemokraten?" Er sah mich etwas mißtrauisch und etwas ironisch an. „Wie meinen Sie das?" „Ja, ich... möchte... die kennenlernen." „Sooo? Na— ich bin einer." Er lachte, ein gutes Gesicht mit breitem Vollbart. „Kann ich Sie nickst einmal besuchen?" „Warum nicht." Er sagte mir sein«'Adresse. Ich wußte nicht, warum ich das plötzlich fragte; wußte nicht, woher ich den Mut nahm, es zu fragen. Jetzt hatte ich Angst und hastete, wegzukommen. Ich bin in die Wohnung des Mannes gegangen. Heimlich, auf Umwegen. Cr wohnte in einem verfallenen Haus, und dort— noch eine Leiter hoch— direkt unter dem Doch. Das Dach senkte sich in einer Ausbuchtung und war gestützt durch ein dickes Stück Gruben- holz. Kreuz und quer auf Leinen trocknete bunte, rote und blau« Wäsche. Eine zahnlose, schwangere Frau össnete. Auf dem Fuß- boden spielten mehrere Kinder. Der Maurer war nicht da. Ich war sehr verlegen, merkte aber doch, daß die Frau noch verlegener war als ich. In aller Eile be- kannte ich ihr— was gar nickst wahr war, und woran ich noch nie gedacht hatte—, daß ich selbst wahrscheinlich Sozialdemokrat werden würde; dos heißt, jetzt noch nicht, erst später, wenn ich studierte. Dann verschwand ich; steckte einem der Kinder fünfzig Pfennig in die Hand und dachte, ein großes Werk getan zu haben. Damit war diese Episode vorüber. Ich habe nie mehr daran gedacht. Erst jetzt wird sie mir völlig lebendig, und ich muß mich wundern. Unvergeßlicher als all« Schularbeit meines letzten Gymnasial- jahres ist mir das Weihnachtsfest, das dem Abgangscxamen vor- aufging. Wir saßen in der Hinterstub« um den breiten Tisch in der Mhe des großen Kachelofens. In der Ofenröhr« brutzelten Aepfel. Die Lampe war gelöscht. Im Ofen knackten die Holzscheite, und aus der Ofentür fiel ein breiter, gelbroter Feuerschein in den Raum. Dem Tisch gegenüber stand der Tannenbaum mit wenigen brennen- den Lichtern. Ketten aus buntem Glanzpapier, das die Schwestern schnitten und klebten, hingen über den Aesten; auf der Spitz« steckte ein silberner Stern. Lena und Martha hatten einen Teller mit Haselnüssen vor sich, die im Herbst Im Walde gesammelt waren. Ab und an knisterte ein von der Lichtflamme erreichter Tannenzweig. Der Geruch der brennenden Nadeln vermischte sich mit dem der Bratäpfel zu sener wundervollen, sinnbeglückenden Einheit, die für mich unzertrennlich bleiben wird von der Borstellung eines Weih- nachtsfestes.(Fortsetzung folgt.) WAS DER TAQ BRINGT. iiiiiinnimiiiiiiiiiiiiiinininiiiimniiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiMinMinniiiiiiiiiniiininiiiiiiiiiniiuiiiiniuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiuiimuiMiuiiiiiminiiiiiuimmuimimiiininniiuiiiiMii Der schwierige Satz. Neulich ist, wie die„Deutsche Beamtenbunds-Korrespondenz" mitteilt, bei einer Jntelligenzprüfung in Düsseldorf, der sich Bewerber unterziehen mußten, die im mittleren Postdienst beschäftigt zu wer- den wünschten, den Kandidaten scstgender Sßtz diktiert worden:„Der gleisnerische Mesner Matthias bekam trotz seines Katarrhs großen Appetit auf Grießtlößchen. Da nahm seine ihn stets schurigelnd« Haushälterin bloß ein bißchen Salz, eine Prise Grieß und ein Quentchen Meerrettich. Das schien ihm recht brenzlich. Nach dem Mahle reinigte er seinen Niednagel mit einem. Span Holz und Bims- stein, der in Stanniol eingewickelt war, nahm Beffchen und Perücke und ging rhythmischen Schrittes fürbaß, denn er war Leichtathlet." Welch ein Glück, daß unsereiner sich recht und schlecht als Schrift- steller durchzuschlagen vermag: zum Beamten im mittleren Postdienst würde es unter diesen Umständen keinesfalls langen. Es gibt Worte, die sich in der deutschen Sprache finden und die schreibt der Normalmensch einigermaßen richtig, denn er begegnet ihnen häufig und hat sich Ihr Bucksttabenbild eingeprägt. Ferner gibt es Worte, die sich Nimmermehr in der deutschen Sprache, sondern nur in In- telligenz-Prüfungssätzen finden und die schreibt der Normalmensch falsch, oder nein, er schreibt sie gor nickst, auch dann nicht, wenn er dazu aufgefordert wird. Denn er weiß, daß Bildung sich weniger in den versteckten Winkeln der Wörterbücher, als vielmehr im Trubel des brausenden Lebens auflesen läßt- Inder Mensch, auch der Ge- bildete und sogar der zukünftige mittlere Postbeamte hat ein Recht darauf, ratlos vor Schurigeleien, vor Stanniol und Meerrettich zu stehen und gar die Beffchen braucht außer Duden nur der Fabrikant richtig, schreib«! zu können, der sie herstellt. Was nun gar das �alsbrecherisch-phantastische Abenteuer anbelangt, das der gleisne- tische Mesner Matthias zu bestehen hat, so ist es allzu qualvoll-wirr, als daß die Zumutung, es zur Kenntnis zu nehmen, nicht in jedem Falle dem normalsy Dcrstand mehr Abbruck) täte, als die Bcreickic- rung durch orthographische Kenntnisse ihm einzubringen vermöchte. Hans Bauer. Der höfliche Bandit. In dem großen Nordwest-Ueberland-Expreß-Luxuszugc. der täglich zur Dincrzeit Chicago»erläßt, hatte sich kürzlich eine Reihe prominenter Fahrgäste, darunter einige bekannte Bankiers, Industrielle und Politiker, zum Mahle zusammengefunden. Ein junger Mann, den niemand kannte, der aber alle Welt zu kennen und durch sein sicheres und vornehmes Wesen seine Zugehörigkeit zur ersten Gesellschaft zu beweisen schien, beteiligte sich lebhast an der Unterhaltung und fand mit seiner bescheiden-liebenswürdigen, klugen Art allgnneine Sympathie. Plötzlich aber, der Zug hatte Chicago vielleicht 10 Minuten verlajseo, erhob sich der junge, tadek los gekleidete Mann und zeigte den erstaunten Passagieren seinen Revolver.„Es tut mir außerordentlich leid, meine Herren," sagte er,„die so interessante und anregende Unterhaltung jetzt beenden zu müssen, allein meine Berusspflicht ruft!" Damit schritt er gelassen von einem der schreckerstarrten Gäste zum anderen und ersuchte jeden auf das höflichste, aber immer mit erhobenem Revolver, ihm Uhr und Kette, Ringe, Brieftasche und dergleichen auszuhändigen. Dem Zählkellner nahm er ebenfalls die Barschaft, den gesamten Inhalt der Tageskasse, ab. Hierauf verbeugte er sich mit liebens- würdigem Lächeln, drückte nochmals sein Bedauern wegen der Stö- rung aus und zog die Notbremse. In dem Augenblick, als der Zug zum Stehen kam, sprang er ad und verschwand in der Abend- dämmerung, und bis heut« ist es noch nicht gelungen,«ne Spur von dem höflichen Banditen wiederzufinden. Fünf todgeweihte Frauen. In Newark im Staate New Jersey waren in einev sogenannten „Radium-Gesellschast" fünf Frauen tätig, die mit vielen anderen Kolleginnen die Aufgabe hatten, auf Leuchtuhren mittels eines feinen Pinsel» eine Leuchtmasse auszutragen. Gewohnheitsgemäß wurde der Pinsel regelmäßig mit den Lippen angefeuchtet, und nun wurde bei den sünf Frauen durch Untersuchung festgestellt, daß die Knochen- gewebe unrettbar der Zerstörung durch die radiumhaltige Substanz, die ihren Weg über die Lippen fand, oerfallen sind. Die sünf Frauen haben nunmehr einen Schadenersatz an ihre Firma gestellt, der sich auf 1230 000 Dollar beläuft. Der vor Gericht gebrachte Fall ist um sünf Monate oertagt worden, worauf eine nochmalige ärztliche Untersuchung der dem Tod geweihten Frauen über den Schadenersatzanspruch.entscheiden soll. Der Doppelselbstmord im Theater. linier den vielen Jugendselbstmorden in Moskau Hai kein anderer ja großes Aussehen erregt, wie neulich der Doppelselbstmord zweier junger Mädchen im Großen Theater. Es wurde die letzte Szene des revolutionären Balletts„Der rote Mohn" aufgeführt, als plötzlich zwei Menjchenkörpcr aus der Höhe auf die Bühne hinabstürzten. Es waren dies die Praktikantinnen K o r o l j e w q und A k j c n o w a. Sic hatten der Vorstellung beigewohnt, waren auf das oberste Stockwerk der Kulissen hinaufgestiegen, hatten sich mit Stricken anemandergebunden und waren dann in die Tis-s hinuntcrgesaust. Der Vater des einen Mädchens war gerade als erster Geiger im Orchester beschäftigt. Im Zusammenhang mit diesem Doppelselbstmord sind zwei Bühnenarbeiter verhaftet worden. „Die kommunistische Iugendprawda" wirft nun die Frage auf. wann endlich die skandalösen Arbeitsbedingungen im Große» Theater gebessert werde». adiA Frühjahrs- Regatten des Freien Segler- Verbandes. Der Kreis Berlin des Freien Segler Verbandes veranstaltet am Sonntag und am Himmelfahrtstage vormittags 11 Uhr seine Frühjahrswettfahrten. Für die Gruppe Ost finden sie auf dem Langen und Seddinsee statt, Start und Ziet Freie Vereinigung der Tourensegler Grünau neben dem Restaurant Waldidyll, für Gruppe West auf dem Tegeler See, Start und Ziel Tourenfegler- Bereinigung am Tegeler See, neben den Wasserwerken. Die abzusegelnde Bahn wird 12 bzw. 8 Seemeilen betragen. Das Meldeergebnis zu den Wettfahrten kann als überaus gut bezeichnet werden, menn in Betracht gezogen wird, daß der Beschluß des diesjährigen Seglertages zur Auswirkung gelangt, wonach alle Jollen mit Lufttfästen versehen sein müssen, die ein Sinken des vollgeschlagenen Bootes verhindern. Die erheblichen Kosten dieser Luftkästen haben manchen Regattafahrer abgehalten, zu den Wettfahrten zu melden. Aber troßdem find in Gruppe Ost etwa 100 Boote gemeldet, in Gruppe West etwa 40. Die 35- Quadratmeter- Kreuzer- Klasse erscheint mit zwei neuen Vertretern, die sich ihren ersten Kampf liefern werden. In der 30- Quadratmeter- Rennklasse startet ein ausgezeichnetes Feld, das die alten Kämpen an den Start bringt. Mit Spannung darf man die Neubauten der 20- Quadratmeter- Rennklasse erwarten, die eine besonders gute Besetzung aufweisen und als die schnellsten Boote der Jollen angesprochen werden können. Bedauerlich bleibt allerdings, daß viele alte Favoriten dieser Klasse fehlen. Einige neue Boote werden der 15- Quadratmeter- Rennjollen Klasse ein lebendiges Bild geben. Gerade die interne Regatta am vergangenen Sonntag der FSV. Tegel hat überraschende Erfolge dieser Boote gezeitigt, fonnte doch ein Neubau das gesamte Regattafeld um einige Minuten aussegeln! Doch werden ja die schnellen Schmeling Exmeister! Haymann- Diener kämpfen in Dortmund. Dem Geschäftsführenden Ausschuß der Boxsportbehörde Deutschlands lag am Sonnabend das Attest des Vertrauensarztes Prof. Dr. Bäzner vor, in dem festgestellt wird, daß Schmeling eine Ber legung am Handwurzelgelenk des linken Daumens hat und mehrere Wochen pausieren muß, seinen Titel als Deutscher Meister im Schwergewicht am 13. Mai in Dortmund gegen Ludwig Haymann also nicht verteidigen kann. Auf Grund des Artikels 61 der„ Sportlichen Regeln" mußte Schmeling daraufhin der Titel aberkannt werden. Der Deutsche Meister im Halbschwergewicht und Europameister dieser Gewichtsklasse hat sich leider nicht lange seiner Bürde als Deutscher Meister aller Kategorien erfreuen fönnen. Eine zunächst menig beachtete, äußerlich unscheinbare Verlegung setzte seinem Tatendrang ein vorläufiges Ziel. Wahrscheinlich hätte die Bor. sportbehörde den fraglichen Artikel auf Schmeling taum so schnell in Anwendung gebracht, wenn nicht der Dortmunder Kampftag vor der Tür stände. Zum Glück für die Westfalenhalle fällt die Schwer gewichtsmeisterschaft nicht ins Wasser. Franz Diener ist von der Borsportbehörde als Ersatz für Schmeling bestimmt worden, und Diener hat sein Einverständnis gegeben, am 13. Mai in der Westfalenhalle mit Ludwig Haymann um die Schwergewichtsmeisterschaft zu kämpfen. S Diener oder Haymann? Der deutsche Mittelgewichtsmeister Hein Domgörgen Köln, der in seiner Baterstadt das Schlußtraining Haymanns leitet, äußert sich über die Aussichten des Müncheners im Kampf um die Schwergewichtsmeisterschaft mit Franz Diener wie folgt: Haymann hat die Treffer ausgewachsener Schwergewichtler glatt überwunden, und auch Diener wird den Herausforderer nicht auf die Bretter sehen. Der umgefehrte Fall ist jedoch sehr gut möglich, denn Hanmanns Schlagfraft hat sich gewaltig verbessert. Wenn die Begegnung aber die ganze Distanz von 15 Runden in Anspruch nimmt, dann muß der Sieger Haymann heißen. Ich Tage das nicht, weil ich der Trainingspariner Ludwigs bin, sondern erfläre vielmehr, daß ich immer der Meinung war, Haymann und gerade Haymann der die Gabe der Einstellung befigt, müsse 20er sich zu wehren wiffen. Die Wanderjollenklasse erscheint diesmal mit bedeutend weniger Booten gegenüber der Rennklasse, doch haben die 15er Wanderjollen einige sehr gute Neubauten, die in vorzüg licher Form sind. Ob sie an die viel umstrittene Schnelligkeit der Rennjollen herankommen, muß die Wettfahrt entscheiden. Lediglich die 10er Wanderjollen erfreuen sich eines guten Feldes. Diese kleinen, flinken Boote haben im vorigen Jahre ausgezeichnete Leistungen hervorgebracht, find zum Teil schneller gewesen als die 10er Rennklasse. Hoffentlich haben sich die schnittigen Banderboote noch höher entwickelt, da gerade dieser Typ eine sehr gute Schule für den Steuermann ist und auch am ersten für den Arbeitersegler erschwinglich ist. Es soll nicht unerwähnt bleiben, daß ein großer Teil der neuen Boote von den Eignern selbst und unter fachkundiger Leitung des Freien Seglerunter fachkundiger Leitung des Freien Segler Berbandes gebaut wurde. Das zeugt von einer großen Liebe zum schönen Sport und erfordert große Aufopferung, die nun hoffentlich nicht enttäuscht wird. hoffentlich nicht enttäuscht wird. Die Ausgleichstlassen sind wie in früheren Jahren mit den verschiedensten Bootsgattungen vertreten. Bezüglich der Klaffenboote haben sie den Nachteil, daß sie selten einen ebenbürtigen Gegner finden, der unter den gleichen Bedingungen segelt, da Form des Bootes fomie Größe des Segels oft grundverschieden sind. Es ist schwierig, einigermaßen gleichwertige Boote zusammenzustellen, doch starten trotzdem vier Klassen. # Interessenten und Freunde des Arbeiter Segelsports erhalten jederzeit Auskunft durch die Geschäftsstelle des FSV.: Karl Pahl, Neukölln, Fuldastraße 14/15. Diener einen großen Kampf liefern können. Nachdem ich nun beim Sparren die täglich deutlicher werdenden Verbesserungen des Titel anwärters erkenne, gewinnt meine frühere Auffassung immer flarere Gestalt, ja ist zu meiner Ueberzeugung geworden. Ludwig Haymann wird bis zum Meisterschaftstampf unter meiner Obhut bleiben. Wir verstehen uns glänzend, und deshalb darf ich auch fagen, daß wir am 13. Mai gewillt find, die große Ueberraschung zu bringen. Man fann mir nicht verübeln, wenn ich mich über die Art der Umstellung Haymanns nicht äußere. Soviel aber steht fest, daß der Herausforderer sich als ein solcher zeigen wird und daß er seinen Titel kämpfend zu gewinnen sucht. Da des Müncheners linke Hand bedeutend variabler ist als die von Diener, jedenfalls viel schneller und öfter kommt, bin ich vollständig in dem Glauben, daß es einer ganz außergewöhnlichen Leistung Dieners bedürfen wird, wenn er den Titel wieder in seinen Besiz bringen will. Die West. falenhalle soll am Kampftag einen veränderten Haymann sehen. Was in meinen Sträften stand, aus einem intelligenten und lernbegierigen Schwergewichtler einen Meister zu machen, ist geschehen. Wir sind mehr als zuversichtlich." Soweit Hein Domgörgen. Ob es so fommt, wie es sich der deutsche Mittelgewichtsmeister vorstellt, das wird sich im Ring zeigen. Ueber den Borkampf um die Schwergewichtsmeisterschaft schwebt ein Unstern fondergleichen. Der als Gegner für Haymann be= stimmte Diener zog sich am Mittwoch im Training eine leichte Berletzung des rechten Fußfnöchels zu und wurde dadurch gleichfalls tampfunfähig. Um einen einwandfreien Verlauf der Schwergewichtsmeisterschaft zu gewährleisten, entschieden sich der Sportaus schuß der Boxsportbehörde und die Leitung der Westfalenhalle zu einer vorübergehenden Verlegung des Kampftages. Bei der verhältnismäßig leichten Art der Dienerschen Verlegung ist mit der Durchführung des Meisterschaftskampftages bereits in den nächsten Wochen zu rechnen. Der endgültige Termin wird in den nächsten Tagen bekanntgegeben. 21- Auto- Sternfahrten. Um die Güte ihrer Fabritate erneut zu prüfen, veranstalten tie Deutschen Industriewerte Spandau und die Desterreichische Automobilfabrik Steyr Sternfahrten, die für die Fahrer der betreffenden Maschinen offen find. Für die D Fahrer geht die Fahrt Pfingsten in den Sar 3. Das Ziel steht noch nicht fest, weil das ursprünglich in Aussicht genommene Schierke durch den Pfingstverkehr ohnehin start besetzt ist. Am Ankunftsort wird u. a. Alfred Gäbelmann einen Lichtbildervortrag über seine Reise mit dem D- Rad„ Bom Brandenburger Tor zu den Königspyramiden" halten, außerdem erhält jeder Teilnehmer eine Erinnerungsplafette, und die veranstaltenden Werke stellen Betriebsstoff für die Rückfahrt kostenlos zur Verfügung. Die sportliche Leitung der Veranstaltung hat der D- Rad- Club Leipzig, wohin auch Meldungen zu richten sind. Die Leitung der Steyr- Werte hat beschlossen, im Juni dieses Jahres eine Sternfahrt nach Linz zu veranstalten. Die Abfahrt der Teilnehmer muß so rechtzeitig erfolgen, daß sie am 10. Juni in Linz eintreffen; die Kontrollen unterwegs dürfen nur von anerkannten Automobilklubs oder Behörden, Konsulaten usw. ausgeübt werden. Die klassifizierung der Fahrzeuge erfolgt nach der zurückgelegten Strede, nach der Zahl der Insassen und dem Stundenfilometerdurchschnitt. Ehrenpreise, Plaketten und Medaillen sind für die erfolgreiche Beendigung der Fahrt ausgesetzt. Am 11. Juni ist eine Besichtigung der Steyr- Werte vorgesehen, am nächsten Tage fahren die Teilnehmer nach Wien. Internationale Fußballspiele. Nach den Londonern, die am Sonntag im Poststadion gegen die Berliner Städteelf, die sich fast ausschließlich aus Herthaspielern zusammensetzt, spielen werden, ist jetzt auch der Klub Jugo= flamia Belgrad in Berlin eingetroffen, um von hier aus eine Fußballtournee durch Deutschland zu unternehmen. = Zu dem Empfang der Jugoslawen waren gestern nachmittag neben der Gesandtschaft der größte Teil der Berliner Kolonie auf dem Bahnhof erschienen. Die Spieler setzen sich vorwiegend aus Studenten der Universität Belgrad zusammen, sie haben ihre außerordentliche Spielstärke vor allem gegen Berufsspieler aus ihren Nachbarländern bewiesen. Bei einem Empfang, der zu Ehren der Mannschaft von der Gesandtschaft veranstaltet war, erfuhr man, daß die Elf am Sonnabend um 17% Uhr im Poststadion gegen TennisBorussia spielen wird. Am Sonntag sind die Gäste in Leipzig, im 16. Mai in Bielefeld, am 18. in Kassel, und am 20. werden sie in Frankfurt a. M. einer zusammengesezten Mannschaft gegenüberstehen. Maccabi boxt. Nationale Bortämpfe zeigt der jüdische Bogflub Maccabi am 15. Mai, 20 Uhr, im Saalbau Friedrichshain. In den Hauptkämpfen werden die bekannten Münchener Hubert Ausböck und Alfred Lang mit Friedländer II und Buchbaum- Maccabi durch die Seile klettern. Ausböd hat von seinen 50 Kämpfen nur vier verloren. Repräsentativ startete er gegen Ungarn und die Schweiz Lang, der ebenfalls repräsentativ gegen die Schweiz und Ungarn antrat, hat von seinen 60 Rämpfen nur sieben verloren. Der Vorverkauf hat bereits im Saalbau Friedrichshain, bei Kazurfy, im Café Betrid, in den Trainingshallen und unter Hansa 5268 eingesetzt. Preise von 1 M. bis 5 Mart. ** Der Maccabifilm wird erstmalig Sonntag, 20. mai, 11½ Uhr, in den Residenz- Lichtspielen, Blumenstraße 10, abgerollt. Einleitende Worte und am Schluß ein luftiger Sportfilm werden das Programm vervollständigen. Die Borführung ist als Propaganda gedacht und findet erstmalig vor geladenem Publikum statt, da die gemieteten Lichtspiele nur ein beschränktes Fassungsvermögen befizen. Bücherschau. Einmaleins" ist nun erschienen. Wenn hier bereits bei Besprechung des ersten Bandes, der sich im wesentlichen mit den elementaren GrundDas Auto- Einmaleins, 2. Band. Auch der zweite Band des ,, Autolagen des Motors und aller feiner Einzelteile befaßte, gesagt war, daß der Verfasser in vorbildlicher Weise lehrhafte Darstellung vermeiden konnte, so trifft dies für den Inhalt des zweiten Bandes besonders zu. Die Darstellung des Triebwerfes, Erklärung der Wir fungsweise von Steuerung und Bremsen erscheint, unterstüßt durch zahlreiche Original- Abbildungen, vor den Augen des Lesers so plastisch wie nur möglich. Das feineswegs unwichtige Kapitel„ Ara maturen" ist so übersichtlich zusammengestellt, daß selbst einem ausa und Hebel an Kraftfahrzeugen verständlich wird. gesprochenen Laien 3wed und Wirkungsweise der vielen Apparate Das Einmaleins des Motorrades wurde von Ingenieur Boigt, einem Spezialfachmann, bearbeitet. Eine Tabelle: Was Großer Pfingstverkauf!! Alle Neuheiten der tonangebenden Mode in großer Auswahl, preiswert wie immer! Herren- Kleidung Herren- Sakko- Anzug 1- und 2- reihig, moderne Stotte, gute Paßform 58.00 39.00 Herren- Sportanzüge flotte Formen, bewährte 48.00 Stoffe, 4 teilig, 75.00 Blaue Sakko- Anzüge 1- und 2- reihig, aus guten Stoffen, tadelloser Sitz · 65.00 45.00 Herren- Windjacken wetterlest, imprägnierte Stoffe, 12.00 Knaben- Mäntel u. 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Braune Herren12.50 Halbschuhe elegante 10.75 spitze Form Lack- HerrenHalbschuhe Aufführ. prima 12.50 Neukölln S.Joseph& Co Neurolin Berliner Str. 51-55 foften Anschaffung und Unterhaltung eines Motorrades?" läßt bie tatsächlichen Bestehungs- und Betriebskosten flar erkennen und follte von allen, die den Entschluß gefaßt haben, sich ein Motorrad zu kaufen, vorher gründlich studiert werden. Von den Launen der Motoren und der Kunst des Fahrens handelt das Kapitel„ Fahrpraris", dessen wichtigster Abschnitt die beigegebene Tabelle Motorstörungen und deren Ursachen" ist. Den Abschluß des Wertes bildet das Einmaleins der Verordnungen im Kraftfahr wesen. 30 Jahre ,, Goldenes Rad". " Die Berliner Olympiaradrennbahn hat dem" Golde Men Rad" zu seinem 30jährigen Jubiläum eine erstklassige internationale Besetzung gegeben. Das über 100 Kilometer führende Rennen sieht am Sonntag, dem 13. Mai, Sawall und Lewa now mit den Holländern Snoek und Leddy sowie dem Franzosen Sausin in Wettbewerb. Das„ Kleine Goldene Rad" über eine Stunde bestreiten die Nachwuchsfahrer Christmann, Theo Leene Holland, Hille, Erleben und Dobe. Das 30jährige Jubiläum des„ Goldenen Rades" ruft die Erinnerung an die Helden dieses populärsten aller Dauerrennen wach. Emile Bouhours, der Sieger des ersten ,, Goldenen Rades" im Jahre 1898, ift zu seinem Tischlerhandwerk zurückgekehrt, spielt aber noch heute eine bedeutende Rolle als Altersfahrer in den französischen Straßenrennen, der Engländer Watters, der im Jahre 1899 stegte, besitzt ein Schneideratelier in London, Taylor Frankreich, der das einzige als Stundenrennen zum Austrag gebrachte Goldene Rad" 1900 gewann, ist im Jahre 1903 gestorben, Thaddäus Rob.1, der fünfmalige Sieger, ist am 18. Juni 1910 auf dem Flugplay Stettin mit seinem Flugzeug tödlich verunglückt. Didentmann, der Sieger des Jahres 1906, ist noch heute attiv tätig, Guignard, der erstmalig im Jahre 1907 fiegte, lebt in wenig glänzenden Verhältnissen in Paris. Der zweimalige Sieger Gustav Janke besitzt ein Automobilgeschäft in Berlin, der Belgier Verbist und der Berliner Frizz Theile sind in ihrem Rennfahrerberuf tödlich verunglückt. Von den Nachkriegsjiegern Saldow, Lewanow, Sawall Weiß und Linart ist nur Weiß nicht mehr aktiv; der Frankfurter ist Fahrradhändler geworden. Arbeiterhandball. Bei den Handballern finden am Sonnabend die ersten Ausscheidungsspiele um die Kreismeisterschaft statt. Neukölln 1. Abteilung und Adlershof stehen sich durch sechs gewonnene und ein verlorenes Spiel punktgleich. Um den Ersten in dieser Gruppe festzustellen, der die Berechtigung hat, mit den anderen Gruppen um die Kreismeisterschaft zu ringen, macht sich ein Ausscheidungsspiel nötig. Es findet um 19 Uhr auf dem Urbanplatz statt. Adlershof hat die Kreismeisterschaft inne und wird das stärkste Geschütz auffahren, um die Gruppenführung und somit die Teil nehmerberechtigung an den Endkämpfen zu erhalten. Neukölln ist aber ebenfalls nicht zu verachten. Um 18 Uhr spielen die beiden Jugendmannschaften Schöneberg- Sportler und Groß- Berlin- Wedding 20 Pf. Bei den Frauen finden in der 1. Klasse noch zwei Serienum die Führung in der 1. Jugendgruppe. Der Eintrittspreis beträgt spiele statt. In der 1. Gruppe spielen Tegel und Spandau in Tegel, Graf- Rödern- Korso, während in der 2. Gruppe Fichte 5. Abteilung Schönow in Reinickendorf, Schäferjee, empfängt. Die Spiele beginnen um 19 11hr. Seeterraffe, jest Sportbad Seeterraffe, eine neue Abteilung. Der Badebetrieb beginnt Freitag, 18. Mai. Vorläufige Uebungstage Dienstag und Freitag ab 18 Uhr. Auskunft für die neue Abteilung erteilt F. Falkenberg, Bernauer Straße 95. Goldenes Rad vom Rhein. Im Kölner Radsport herrscht gegenwärtig Hochbetrieb. Anläßlich der Eröffnung der Pressa- Ausstellung finden am 13. Mai auf der Riehler Bahn große Radrennen statt. Das„ Goldene Rad vom Rhein" bestreiten Möller, Krewer, Dederichs, Graffin und P. Suter, in einem vier Wettbewerbe umfassenden deutschfranzöfifchen Omnium wird man Engel, Oszmella und Steffes mit Faucheur, Schilles und Louet im Kampfe sehen. Die Rennen begefahren. ginnen erst um 19 Uhr, werden also teilweise bei Lampenlicht ausRadjernfahrt Wien- Berlin abgesagt. Der Sportausschuß des Bundes Deutscher Radfahrer hat die Wiederholung der klassischen Fernfahrt Wien- Berlin für das Jahr 1928 abgesagt. Er glaubt es nicht verantworten zu können, den Fahrern vierzehn Weltmeisterschaften ein über 600 Kilometer führendes StraßenTage vor den Olympischen Spielen und drei Wochen vor den rennen zuzumuten, und, den Wünschen der Fahrer entsprechend, hat er die Fahrt für dieses Jahr abgesagt, um sie im nächsten Die Tennisspieler helfen der Sozialdemokratie! Die am 8. Mai tagende Mitgliederversammlung des Tennis- Bezirk der Freien Turnerschaft Groß- Berlin Tennis- Rot", Abteilung Lichtenberg, er. fennt die SPD. als alleinige Interessenvertreterin des Arbeiter- Jahr glanzvoll wieder auferstehen zu lassen. sports an und erwartet, daß jeder denkende Arbeitersportler am wird. Am Tage der Wahl ist Spielverbot, und die Mitglieder be20. Mai nur der Sozialdemokratischen Patei seine Stimme geben teiligen sich geschlossen aktiv an der Wahlarbeit der Partei. Städte- Kampftag. Sonnabend, 12. Mai, 20 Uhr, im Garten der Kindl- Brauerei Neukölln, Hermannstraße 214-219, 14 Kämpfe in Boren und Jiu- Jitsu zwischen den Arbeiter- Athletenvereinen Schalmeien- Konzert. Eintritt 60 Pf. Saron- Brandenburg a. 5. und Allzeit- Bereit- Neukölln. Vorher Freie Schwimmer Neukölln, Ortsgruppe Lichtenberg. Das Anbaden der Gruppe Lichtenberg findet Sonntag, 13. Mai, im städti14.30 Uhr vor der Badeanstalt. Wir bitten besonders die Eltern der schen Flußbad am Großkraftwerk Klingenberg statt. Treffpunkt Jugend- und Kindermitglieder an dieser Veranstaltung teilzunehmen. Fener eröffnet die Gruppe in diesem Sommer in Diez' Opfer seiner Tollfühnheit. Der befannie amerikanische Automobilrennfahrer Frank Lockhart hat seinen Wagemut mit dem Leben bezahlen müssen. Bei einem Rekordversuch in Dayton Beach ( Florida) tam sein Stug- Wagen im 300- Kilometertempo ins Rutschen, überschlug sich, Lockhart wurde in weitem Bogen herausgeschleudert und auf der Stelle getötet. Amerika verliert in Lockhart einen seiner befähigsten Automobilrennfahrer, dessen bisher größter Erfolg wohl der Sieg im Indianapolis- Rennen 1926 war. Schon vor einigen Wochen hatte Lockhart bei einem Refordversuch in Dayton Beach einen schweren Unfall bei dem er wie durch ein Wunder dem Tode entging. Sein Wagen war damals ins Meer Fahrzeug geborgen werden. gestürzt, er selbst fonnte schwerverletzt aus dem im Wasser liegenden Lockhart aufs neue an den Volant seines Rennwagens gesetzt, wo Kaum wieder geheilt, hat sich Frant ihn jezt sein Schicksal ereilte. Für jede Figur naben wir gut sitzende fertige Kleidung in riesiger Auswahl am Lager. Durch eigene Herstellung größten Maßstabes bieten wir Jhnen preíswürdige und beste Qualitätsware wriewall Leineweber Berlin C, Köllnischer Fifchmarkt 4-6 000000000000 Verkehrslokal der organisiert. Arbeiterschaft Willy Hoffmann BERLIN N, Lychener Straße 8 SpezialBehandl, nar für n Hüft, Gesäß und Bein, wenn ärztl. festgestellt. In 15 Tagen sind schwere Fälle beseitigt worden. Unantastbare Hailerfolge. Bestätigung und Referenzen, ärztl. empfohlen. Invalidenstraße 106. 9-11, 1-4. Sonntag 10-12. Jacoby Ischias Lesdau's Korbmöbel Tollendete Formen Aparte Muster Mäßige Preise Werkstätten a.Verkauf: Neukölln Anzengraberstr. 20 and Hermannstr. 10 ( Tel. 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