Morgenausgabe Rr. 223 A 113 45.Jahrgang Böchentlich 85 Bfg., monatlich 2,60 m. im vorauszahlbar, Boftbezug 432 m2. einschl. Bestellgeld, Auslandsabonne ment 6.-M. pro Monat. * Der Borwärts" erscheint wochentag Hich zweimal, Sonntags und Montags einmal, bie Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Der Abend", Jilustrierte Pellagen Boll und Zeit“ und„ Kinderfreund". Ferner Unterhaltung und Wissen"," Frauen Stimme, Technit". Blid in bie Bücherwelt" und Jugend- Borwärts". Vorwärts Berliner Boltsblatt Sonnabend 12. Mai 1928 Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Die ein paltige Nonpareillezeile 80 Pfennig. Reflamezeile 5.- Reichsmart. Kleine Anzeigen" das fettge orudte Wort 25 Pfennig( zulässig zwei jettgedruckte Borte), redes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengeluche das erste Wort 15 Biennig, jedes weitere Bort 10 Pfennig. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmartt Belle 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Linden ftraße 3. wochentägl. von 8 bis 17 Uhr. Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Vorwärts- Verlag G. m. b. H. Fernsprecher: Tönbofi 292-297 Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin Boltschedkonto: Berlin 37 536- Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten Wallstr. 65. Diskonto- Gesellschaft, Depofitentaffe Lindenstr. 8 Achtung! Achtung!-Wahlmanöver! Megito im Wahlkampf. „ Staatsbürgerlicher Wahldienst."- Technische Nothilfe für Nichtwähler! Eine geheimnisvolle Angelegenheit ist im| Biele zum mindesten recht dunkel find. Hat man sich denn Gange. Zuerst berichtete ugenbergs Telegraphen- vergewiffert, ob und in welchem Sinne die zugesicherte Union über sie, etwas später fam BTB. etwas schüchtern ,, lleberparteilichkeit" gewährleistet ist? Welchen Grund hinterdrein. Es wird unter der Ueberschrift: Gründung haben die nicht genannt sein wollenden Wohltäter, die angebeines staatsbürgerlichen Wahldienstes" folgendes berichtet: lich nichts anderes als eine beffere Wahlbeteiligung erzielen Bei den letzten lokalen Wahlen hat der Prozentsatz der Nicht wollen, ihre Namen zu verschweigen? Wollen fie wähler in erschreckendem Maße zugenommen. Wirksam bekämpft hat dadurch die Unterstützung von Kreisen erreichen, die sich sonst diese Erscheinung bei den hamburger Bürgerschafts- sehr vorsichtig ihnen gegenüber verhalten müßten wahlen der überparteiliche Hamburger Wahl und ist ihnen dieses Manöver nicht schon beim offiziösen dienst", eine Erscheinung, Telegraphenbureau gelungen? in ihrer Art ähnlich der technischen Nothilfe.. Bergiftung des öffentlichen Lebens. Es geschehen noch Zeichen und Wunder! Der Kampf zwischen Staat und Kirche in Merit o ist zu einer aktuellen Frage im Wahlkampf in Deutschland geworden. Man versteht es ohne weiteres, wenn die deutsche katholische Kirche und die deutschen katholischen Parteien, den Anweisungen von Rom folgend( von sich aus haben sie nichts getan, sondern jahrelang geschwiegen!), eine Protestbewegung gegen die angeblichen Religionsverfolgungen in Merito organifieren. Es ist aber nicht ohne weiteres verständlich, daß sich diese Protestbewegung gegen bestimmte Parteien und Bevölkerungsschichten in Deutschland richten tann. Sie entwickelt sich hier zu einer regelrechten antisozialistischen und antisemitischen Heze, was jeder feststellen fonnte, der die Protestkundgebung der Berliner Katholiken im Friedrichshain besucht hat. Wie kommt man dazu? Was haben namentlich die Juden mit dem Bürgerkrieg in Merito zu tun? Die logische oder beffer gesagt psychologische Erflärung liegt in folgendem: man protestiert nicht nur gegen die merikanische Regierung, sondern auch gegen das angebliche Komplott des Schweigens" in der ganzen Welt. hinter diefem ,, Komplott" sollen nun, Antifleritalismus", Sozialismus" und Freimaurerei" stehen. Wenn aber der wildgewordene Kleinbürger und es ge= schieht alles, um ihn wild zu machen! das Wort Freimaurerei" hört, dann reagiert er sofort: also Juden! Der merikanische Präsident Calles wird in der Propagandaliteratur als Judensohn" bezeichnet. Und wenn der ehrwürdige Jefuitenpater gegen die Weltpresse" spricht, so aufrufen seine Zuhörer: Judenbande!", und der Redner weist folche zurufe mit keinem Borte, mit feiner Geste zurück! Die Bezeichnung des als Unternehmens eines ,, Staatsbürgerlichen Wahldienstes" läßt jedoch schon Unter Mitwirkung namhafter Persönlichkeiten des Wirtschafts- aus dem sorgsam gewählten Schaffell eine spißes Wolfsohr lebens ins Leben gerufen, war es Aufgabe dieses Verbandes, jeden hervorfugen. Staatsbürgerlich" ist im Sprachgebrauch der Richtwähler ohne Unterschied der Partei zur Wahlurne zu bringen. Deutschnationalen ein Bort, das den Gegenja au Der Hamburger Wahldienst" tonnte als Erfolg eine Bahimehr- margistisch" bedeuten soll. Allem Anschein nach handelt beteiligung von 10 bis 15 Broz. gegenüber den vorlegten Hamburger es sich um die Organisation eines rechts parteilichen Bürgerschaftswahlen für sich buchen. Schlepperdienstes, für die offiziöse Reflame gemacht worden ist! Für die bevorstehenden Wahlen sind deswegen ähnliche Ber bände in Berlin, Köln, Frankfurt a. M., Dresden Der Hamburger Wahldienst" war eine ausgesprochen gegen die Linfe gerichtete Einrichtung, die es selber als ihr Biel bezeichnete, die Kräfteverhältnisse in der Hamburger Bürgerschaft entscheidend umzugestalten." Wenn alle wählten, so hieß es damals, so müsse ,, das Bürgertum fiegen". und Stuttgart ins Leben gerufen worden. Ihr Programm lautet:„ Kampf dem Nichtwähler." Werbungen jeglicher Art zur Hebung der Wahlbeteiligung sind vorgesehen. Im einzelnen ist geplant: 1. Berpflichtung des Rundfunks für häufige und eindringliche Hinweise auf die Wahlpflicht. 2. Pressepropaganda. 3. Aufdrud Der Fahrscheine der städtischen Berkehrsmittel am 19. und 20. Mai: „ Geht zur Wahl!" 4 Berteilung von Flugblättern und Handzetteln Zu diesem Zwede wurden alle Autobefizer an verfehrsreichen Buntten, Bahnhöfen, Stammtischen usw. mit gefordert, ihre Wagen für die gute Sache" zur Berfügung eindringlichen Mahnungen. 5. Rraftwagenschleppdienst 3 stellen. Geholfen hat es allerdings nicht! am Wahltage. 6. Rinoreflame zur Wahlpflicht. Die Ausführung dieses Planes hat ein geschäftsführender Ausschuß übernommen. Größte Bahrung der Rechtlichkeit und strenge Durchführung der Ueberparteilichteit ist von allen Seiten zugesichert und gewährleistet. Mit Rücksicht auf die Besonderheit der Berhält. alise wird jedoch davon abgesehen, mit Namen die dem Wahldienst und dem Arbeitsausschuß nahestehenden Personlichkeiten zu nennen." Was schleicht denn dort im Busch herum? Es ist unerhört, daß sich das halbamtliche MTB. dazu hergibt, einer anonymen Gesellschaft Borschub zu leisten, deren Um Mitternacht meldet MTB. zu dieser mysteriösen Angelegenheit noch folgendes: Zu der Mitteilung über die Gründung eines Staatsbürgerlichen Bahldienstes in Berlin ist festzustellen, daß es fich um eine mit ahdienstes in Berlin ist festzustellen, daß es sich um eine Mitteilung des Berliner Wahldienstes, Cintstraße 20, handelt Bersehentlich ist diese Quelle bei der Uebermittlung an die Zeitungen durch uns nicht angeführt worden. Die Sache wird immer dunkler. Auf alle Fälle verdient sie, bei Tageslicht noch genauer betrachtet zu werden! Der Kampf um Tsinanfu. Schweres Ringen zwischen Chinesen und Japanern. Condon, 11. Mal.( Eigenbericht.) 3n Condon eingetroffene Einzelheiten der Uebergabe Tsinanfus an ble Japaner zeigen, daß die Japaner die Stadt erst nach heftigem Kampf befehen konnten. Die Chinesen des Generals Fengischangwu leifteten verzweifelten Widerstand und machten nicht weniger als zehn Gegenangriffe gegen die eindringenden Japaner. Dieser Widerstand war eine Zeitlang fo erfolgreich, daß der japanische Kommandeur fich gezwungen fah, aus Freiwilligen Sturmtolonnen zusammenzustellen, die mit Handgrana. fen gegen die Grenze zwischen Fremdenfiedlung und Eingeborenenftadt stürmten. Die Japaner geben ihre Verlust in Tsinanfu jo an: 21 Soldaten, 13 3ivilpersonen tot, 79 Soldaten, 9 Zivilpersonen verwundet, 28 3ivilpersonen vermißt. Der Mordanschlag auf Karl Seik. 3wei Jahre Zuchthaus für den Täter. Wien, 11. Mai.( Eigenbericht.) In dem Prozeß wegen des Revolver attentats auf Bürgermeister Gen. Seiz wurde am Freitag mittag der Angeklagte Richard Strebinger des Mordverfuches sowie der Uebertretung gegen bie förperliche Sicherheit, begangen badurch, daß er nach dem Schusse auf den Bürgermeister auch noch zwei Schüsse gegen die Menge abfeuerte, schuldig erfannt und zu zwei Jahren schweren Serters, verschärft durch einen Fasttag vierteljährlich, sowie wegen unerlaubten Waffentragens zu 10 Schilling Geldstrafe ver urteilt. In der Begründung führte der Berfigende aus: Der Angeklagte Ift nicht geiftestrant und auch nicht finnesverwirrt gewesen. Er gibt gu, mit einem Revolver auf den Bürgermeister gefchoffen zu haben, bestreitet aber die Absicht des Tötens, er habe ihm bloß einen Dent zettel geben wollen. Mit einem Revolver gibt man teine Dentzettel. Aus den Umständen und aus der Waffe geht die Absicht, zu töten, hervor. Es ist also der Mordversuch erwiesen. Als erschwerend wurde nur der Zusammenfall eines Ber brechens mit zwei Uebertretungen angefehen, als mildernd das Geständnis des Tatsächlichen, sowie, daß der Person des Bürgermeisters fein Schaden zugefügt wurde und schließlich die hochgradig pinchopathische Beranlagung des Angeklagten. Die deutsch- polnische Schaufelpolitik. Die Fauft der Neuwahlen muß Wandel schaffen. Seit Wochen wird zwischen dem deutschen Reichskabinett und der polnischen Regierung hin und her geraten, wer eigentlich die Schuld an der ewigen Berschleppung der deutsch- polnischen Handelsvertragsverhandlungen trägt. Für Deutschland ist es außer Zweifel, daß sich die Parteien des Rechtsblocks vor den Wahlen nicht die Gegnerschaft des Reichslandbundes zuziehen wollen und daß deshalb die auf Abbau amtierende Rechtsblockregierung die Handelsvertrags verhandlungen bewußt sabotiert. Die Männer der polnischen Regie rung sind gewiß feine unschuldigen Lämmer, aber Hausmachtpolitit ist den deutschen Bürgerblodparteien wichtiger als die Rüdficht auf die deutsche Konjunktur, die noch nie so dringend wie jegt freund lichere Handelsbeziehungen zu dem für Deutschlands Industrie lauffräftigen Polen nötig hatte. Dafür verschieben die Groß. agrarier, die auf Kosten der deutschen Steuerzahler für jede Tonne 50 M. in die Tasche stecken, soviel Roggen wie mög. lich nach Polen, nach demselben Bolen, über das ihr nationales Herz täglich die größten Kofodilstränen vergießt. Wenn Deutsch lands Konjunktur durch eine vernünftige Handelspolitik einigermaßen gehalten werben foll, wenn die deutsch- polnischen Handelsvertrags verhandlungen entlich mit Erfolg zum Abschluß gebracht werden sollen, dann muß am 20. Mai abgerechnet werden. Wir müssen gestehen: es widerstrebt uns tiesinnerst, uns mit solchen Auswüchsen der politischen Unmoral zu befassen. Es wird aber unumgänglich notwendig, daß wir einige ernste Worte des Protestes und der Warnung ausfprechen: so geht es wahrhaftig nicht weiter! Vor allem aber wollen wir hier einwandfrei feststellen, mit welchen untauglichen Mitteln diese ganze Greuelpropaganda arbeitet. Wir stimmen mit Herrn Mariaur S. J. überein, wenn er( im Flugblatt Beitfragen" Nr. 93) sagt: beweisen." Wir erklären aber, daß Herr Mariaux und seine ,, Es ist mitunter schwierig, bestimmte Einzelnachrichten zu ,, glaubwürdigen" Quellen wie auch die anderen Antreiber der Greuelpropaganda auch in den Fällen unwahr heiten fagen, in denen die Wahrheit leicht nachweisbar ist. Um das zu beweisen, brauchen wir uns nur an das Organ der römischen Kurie ,, L'Osservatore Romano" zu menden. In diesem Blatt finden wir in der Nummer Dom 5. Mai eine Notiz, die allein genügt, um das gesamte Netz der Lüge und der Fälschungen mit einem Schlage zu zerreißen. Die Ueberschrift der Notiz lautet: Auch die Rommunisten unzufrieden!"( ,, Anche i communiste malcontenti"); in der Notiz wir die kommunistische Information aus Merito zitiert, aus welcher ganz klar hervor geht, wie feindlich die Kommunisten Calles und seiner Regierung gegenüberstehen. Das Blatt des Vatikans benutzt die Kommunisten als Zeugen dafür, daß in Merifo die politische Sklaverei herrscht. Das ist ein verhängnisvoller Fehler der Regie. Die fatholische Propaganda be hauptet sonst, daß hinter Calles und feinen Berfolgungen gegen die katholische Kurie die Kommunisten stecken! Lügen haben wahrhaftig furze Beine! " Es ist zweifellos eine bewußte unwahrheit, wenn in der fatholischen Propagandaliteratur immer von der kom= munistischen Organisation Crom" gesprochen wird. Was ist dieses geheimnisvolle Crom"? Die Bezeichnung ist aus Anfangsbuchstaben zusammengesetzt und entspricht unserem ADGB.". Crom" ist die große gewerfschaftliche Organisation, die von den Kommunisten am schärfften bekämpft wird. Die Sachlage wird besonders einleuchtend durch die Tatsache geklärt, daß die ,, Crom" in Verbindung steht mit den amerikanischen Gewerkschaften, die bekanntlich besonders kommunistenfeindlich sind, und daß bei der Gründung der„ Crom" der verstorbene Gompers sozusagen Pate gestanden hat. Gompers hat auch Calles unterstützt und ihn seinerzeit als Präsidentschaftskandidaten empfohlen, was damals großes Aufsehen erregt hat. Deshalb hat Calles nach seiner Wahl zuerst die Vereinigten Staaten besucht und nicht Sowjetrußland, wie es in der Propagandaliteratur behauptet wird, und wo er überhaupt nie gewesen ist. Sein Wirtschafts- und Arbeitsminister Mozones, der anerkannte Führer der merikanischen Arbeiterbewegung, ist auch fein Kommunist, mas Herr Mariaur und die anderen leicht feststellen fönnten, sondern ein von den Kommunisten besonders gehaßter Reformist". Mozones pollte zwar vor Jahren Sowjetrußland besuchen, hat aber feine Einreiseerlaubnis bekommen. Alles das sind leicht tontrollierbare Tatsachen! Es wird von der tyrannischen Diftatur" von Calles, diesem Nero von Merito" gesprochen, insbesondere von " 1 seiner Unterbrückung der Bresse. Der gleiche ,,' Osservatore Romane" vom 12. April zitiert aber zwei große merikanische Blätter ,, Universal" und Erzelsior", die sehr scharf gegen die Regierung Stellung nehmen, und dabei eine recht fräftige Sprache führen. Es gibt also doch Pressefreiheit in Merifo! Und menn, wie wir wiederum aus dem vatikanischen Blatt erfahren, hundert amerikanische Schriftsteller eine Studienreise nach Merito machen und dabei einige sehr unerfreuliche Dinge feststellen, so zeugt das auch nicht gerade von einer ernsthaften Nachrichtensperre. Nun wird uns als ein besonders glaubwürdiger" Zeuge der Berichterstatter des Daily Expreß", Herrn Mason, empfohlen. Seine Berichte waren für die Calles- Regierung teilweise sehr ungünstig, troẞdem vermissen wir ihre vollständige Wiedergabe in der katholischen Presse, weil Herr Mason auch einiges erzählt, was der Greuelpropaganda nicht gerade besonders paßt. Wir möchten hier nur auf einen Punkt von Masons Darstellungen hinweisen, nämlich daß nach seiner Schilderung die Verantwortlichkeit der Bischöfe für den blutigen Bürgerkrieg trog aller gegenteiligen Behauptungen feststeht. Mason schreibt u. a.: Das Zentrum der Birren ist Guadalajara. Drocjo y Jiminez, der Erzbischof dieser Diözese, ist für die bestehenden Zustände hauptsächlich pérantwortlich." Die fatholischen Rebellen geben, nach dem Zeugnis von Mason, selbst zu, daß sie die Attentate gegen die Eisenbahnzüge verüben, um zu zeigen ,,, daß die Regierung nicht imstande sei, sogar in der Umgebung der Hauptstadt die Eisenbahnlinien in Sicherheit zu halten". Fallen aber alle Märchen von den Kommunisten und Freimaurern meg, so ergibt sich die Frage: morum handelt es sich in diesem furchtbaren Kampf, der von beiden Seite mit größter Erbitterung geführt wird? Dieser Kampf ist der Schlußaft einer großen Revolution, die viel Aehnlichkeit mit den europäischen bürgerlichen Revolutionen hat, bie aber außerdem noch einen Befreiungsfampf eines früher kolonialen Bolles gegen imperialistische Unterdrückung darstellt. Die Regierung des Präsidenten Calles ist feine fozialistische, fie vollzieht aber mit großer Energie die Be feitigung des feudalen Systems in Merilo und die Befreiung des merikanischen Bolles vom Joch des frem den Kapitalismus. Die große Agrarreform, die 2n ftrengungen auf dem Gebiete der Volfsbildung und weit gehende sozialpolitische Maßnahmen zur Hebung der Lage des Proletariats, das sind Leistungen der megifanischen Regierung nach dem Siege der Revolution. Die Regierung ist gezwungen, einen schweren Kampf zu führen gegen den ausländischen, vor allem den nordamerikanischen Imperialisinus und gegen die großagrarische Gegenrevolu. tion im eigenen Lande. Es gab in Merifo 1910, unmittelbar vor dem Ausbruch der Revolution, 834 Latifundien in der Größe von 22 000 bis 6 000 000 Acres( d. h. bis etma 2 500 000 Heftar!). Diese Latifundien umfaßten den über= großen Teil des bebauten 2andes, mährend 96 Proz. der ländlichen Bevölkerung überhaupt fein Land hatten und in einem Zustand lebten, der sich nicht viel von der schlimmsten Art der Sllaverei unterschied. Es wäre vielleicht an sich feine allzu schwierige Aufgabe, den Wider stand dieser 800 Graßgrundbefizer zu brechen. Sie hatten aber die Unterstügung einerseits des ausländischen Kapitals und andererseits solcher Verbündeter wie die fatholische Kirche, die selbst zu den größten Grundbefizern gehört. Die Kirche hat gegen die Agrarreform und gegen die revolutionäre Regierung einen Teil der Bevölkerung mobil machen fönnen, und zwar waren es die Indioner, die, völlig ungebildet, in ihrem religiösen fanatismus bereit waren, zu ihrem eigenen Verderben die Gegenrevolution der Groß agrarier zu unterstüßen. Es gibt feinen religiösen Krieg in Merito, meil auf beiden Seiten Ratholiten fämpfen. Der Kampf geht um das Land, um die politische Freiheit, um die Bildung des Volkes. Nur schweren Herzens hat die Res gierung, die ohnedies viele Feinde hatte und in schweren Konflikten mit den Vereinigten Staaten stand, diesen Kampf aufgenommen. Es war die Kirche, die ihn erzwungen hat, was schon aus der Tatsache ersichtlich ist, daß von der Regierung Ausführungsbestimmungen zu den von der Kirche umstrittenen Paragraphen der Verfassung erst 1926 erlassen wurden, d. h. mehr als 8 Jahre nach Annahme der Ber fassung. Der Borgänger von Calles, Präsident Obregon, Die Sozialdemokratie marschiert! Die Lehren der letzten Wahlen. Die Stimmergebnisse ber legten Jahre zeigen den Bormarsch| Iungen fyftematisch zu sprengen. In Bottrop veranstalteten der Sozialdemokratie. Die Sozialdemokratie erhielt: 9 4. Mai 1924 29 709 000 6 009 000 Bräsidentenwahl 7. Dez. 1924 29. März 1925 30 284 000 26 866 000 7 881 000 7 802 000 29,0 Proz abgegebene Stimmen. fozialdemokr prozentuales Berhältnis 20,5 Proz. 26,9 Proz. 9 Dieses Bild wird ergänzt durch die Landtagswahlen im legten Jahre. Ein Erfolg waren die Nachwahlen zum Thüringer Landtag im Januar 1927, ebenso die Neuwahlen in MecklenburgStrelig. Hier betrug der Zuwachs fast zwei Drittel des Bestandes pom Sommer 1923. Bei ben Landtagswahlen in MedlenburgSchwerin halten wir uns in schwerem Rampf gegen rechts und lints binnen eines Jahres 15 000 Stimmen mehr. In Hamburg, bei den Bürgerschaftsmahlen, gewann bie Sozialdemokratie 80 Bros. der Neuwähler. In Bremen, Braunschweig und Danzig brachten die Wahlen im Herbst neue Siege. In Braunschweig murden die Deutschnationalen halbiert, bei einer Wahlbeteiligung von über 80 Pro3. gemann die Sozialdemokratie 25 000 Stimmen. In Bremen stieg die Stimmziffer der Partei auf über 40 Proz. Partei im Vormarsch! Der 20. Mai muß diese Linie fort setzen! Das Ruhrrevier im Wahlkampf. Die sozialdemokratischen Berfammlungen gut besucht. Kommunistische Störungsversuche. Bochum, 11. Mai.( Eigenbericht.) sie bei einer Wahlversammlung, in der Innenminister a. D. Sepe ring und Landtagsabgeordneter Jacob sprachen, einen Höllen« lärm. Reichsbannerleute stellter. die Ordnung wieder her. Su Ehren Severings peranstaltete die republikanische Bevölkerung in Gelsenkirchen Buer nach einer Wahlversammlung einen Fadelzug, an dem mehrere tausend Berfonen teilnahmen. 4 3mmer wieder Landbundhehe. „ Der Sinn des sozialistischen Agrarprogramms." Der Amtliche Preußische Bressedienst schreibt: Der Landbund bezeichnet sich bekanntlich immer als eine überparteiliche rein wirtschaftliche Drganisation. Das hindert ihn nicht, in diesem Wahlkampf sich absolut einseitig für die Deutschnationale Boltspartei einzusehen und überall auf das schärffte und gehäffigfte die Breußische Staatsregierung als„ fozia bi fiftifch"( befanntlich figen zwei sozialdemokratische Minister neben sechs bürgerlichen in der Preußischen Staatsregierung!) zu bekämpfen und zu beschimpfen. Mit ziemlicher Sicherheit tann man die unfachlichsten Angriffe, die irgendwo in der Provinzpreffe auftauchen, nachträglich als aus der Meinungsfabrit des Land. bundes stammend identifizieren. So geht z. B. jezt ein Artikel Durch die ländliche Rechtspresse: ,, Der Sinn des sozialistischen Agrara programms" In diesem Artikel heißt es u. a.: Die parlamentarische Herrschaft in Preußen ist eine Ausbeutung aller schaffenden Stände vom Bauer bis zum Arbeiter und aller derjenigen, die noch ein Eigentum haben, mit Hilfe der Steuerschraube zugunsten eines Klüngels, der von den Sozis und den ihnen verbündeten Parteien eingelegt ist. Dazu hat man ben alten Breußenstaat herabgewürdigt." Hinterher wird u. a. noch gesagt, daß mir dasselbe Schmarobertum ber sozialistischen Parteibongen in den Staatsämtern wie in Rußland erleben werden", ufm. Im Industriegebiet hat sich der Wahlkampf zu voller Höhe entmidelt. Während im allgemeinen eine schwächere Beteiligung ber Wählermaffen bei den verschiedenen Wahlveranstaltungen festzu ftellen ist, zeigen die Wahlverfammlungen der SPD. eine erfreulich starte Anteilnahme meitester Kreise. Sehr gut besuchte Bersamm Es ist festgestellt, daß dieser Artikel vom Landbund stammt. lungen batten Wels, Crispien, Hilferbing, Beinert, Severing, Aufbäuser und Wissell in den verschiebenen Es genügt wieder einmal, an diefer fleinen und verhältnismäßig nod Städten im Industriezentrum. Während bisher die Wahlverfamm zahmen Stichprobe festzustellen, wie sich bie ,, unpartelliche wirt lungen im allgemeinen ruhig verliefen, versuchen die tommuschaftliche Organisation des deutschen Großgrundbesizes" politisch be niftischen Stoßtrupps neuerdings, die SPD.Beriamm. tätigt und auf welchem Niveau seine politische Arbeit steht. Die Arbeitslosigkeit geht zurück. 200 000 weniger Arbeitslose als im Vorjahr. Die Befferung der Arbeitsmarfilage hat, wie amilich mitgeteilt| entfielen fomit 9,5 Pro3., auf 100 Hauptunterfügungsempfänger in wird, in der zweiten Hälfte des Monats April weitere Fortschritte der Arifenunterffügung 12,8 Proz. offtandsarbeiter. gemacht. Wenn auch die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in der Arbeitslosenversicherung nicht ganz so start abgenommen hat wie in den vorhergehenden 14 Zagen, fo fant fle doch von 844 800 am 15. April auf 728 300 am 30. April, alfo um rund 115 500 oder um 13,7 Proj. Dlejer Rüdgang entfällt mit 113 200 fast ausschließlich auf die Männer, während sich die Zahl der unterstützten Frauen nur um 2300( gleich 1,5 Proz.) verringerte. Die Zahl der Hauptunterffügungsempfänger in der Seifenunterstüßung, die bisher nur langsam zurüdgegangen iff, weift diesmal einen erheblich stärkeren Rüdgang auf. Sie fant in der Berichtszeit von rund 182 000 auf 162 000 oder um 11 proz. Die Zahl der Rotstandsarbeiter ist in der zweiten Hälfte des Monats April wiederum gestiegen, und zwar um 2,9 Proz. Sie betrug am 30. April rund 90 000. Davon waren vorher in der Arbeitslosenversicherung 69 500, in der Krifenunterffügung 20 700. Auf 100 Unterstüßungsempfänger in der Arbeitslosenversicherung Das Tempo im Ridgang der Arbeitslosigkeit hat sich verlangsamt, aber das ist begreiflich, da die landwirtschaftlichen Arbeiten zurzeit berelis voll in Angriff genommen find. Berhältnismäßig träftig ift trobem noch immer die Abnahme der Arbeitslofenziffern in den landwirtschaftlichen Gebieten wie Schlesien und Pommern. Cine 3u. name der Hauptunterstützungsempfänger ist in Westfalen festzustellen, was wohl hauptsächlich auf die Schwierigkeiten in der Textilindustrie zurückgeführt werden muß; doch erlaubt diese Zunahme der Arbeitslosen 3iffer noch feinerlei Schluß auf die Entwicklung des Arbeitsmarktes. Jedenfalls läßt fich feststellen, daß in der Zeit von Mitte bis Ende April rund 200 000 Sauptunterstüßungsempfänger weniger vorhanden sind als in der gleichen Zeit bes Borjahres und zwar etwa 180 000 meniger in der Arbeitslosenversicherung und etwa 60 000 bis 70 000 weniger in der Krisenfürsorge. hat im Januar 1923 in einem Brief an die fatholische Kirche Um die journalistische Unabhängigkeit. Berhandlung der Berufung der Beflagten und wies den kla Worte tiefen Ernstes und eindringlicher Wärme gefunden: Ich ermahne Sie um des Wohls unseres Bolles willen, daß Sie die erfolgreiche Durchführung des in seinem tiefsten Wefen chriftlichen und humanen Programms der Regierung weder schmähen noch hindern. Ich versichere Ihnen mit aller Aufrichtigkeit, daß Sie nicht nur auf teine Hindernisse bei der Durch fegung Ihrer religiösen Grundsäge in diesem Lande stoßen werden, sondern daß Sie dabei die Unterstügung und die Sympathie jedes Meritaners haben werden. Wir ersuchen Sie nur darum, daß gegen die Wünsche des Volkes feine fyftematische und ungerechtfertigte Obstruktion getrieben wird..." Die Kirche, die in Mexiko nicht für die Religion, nicht für Chriftus, sondern für ihre Macht und ihren Besiz fämpft, hat diesem Ruf feine Folge geleiftet. Und jeßt, wo es gilt, den religiösen Eifer der europäischen Ratholiten wachzurufen, und den katholischen Barteien in ihrer Politik zum Erfolg zu verhelfen, wird dieses Berhalten der merikanischen Regierung mit einer unerhörten Berdrehung der Tatsachen als Vorwand bazu gebraucht, um das Schreckgespenst an die Wand zu malen: die Religion sei in Gefahr! Sind irgendwelche Borte start genug, um diese Kampfesweise zu verurteilen? Kann man diese Bergiftung des öffentlichen Lebens länger dulden, ohne sie aufs schärffte zu bekämpfen? Professor Bleicher gestorben. Am Freitag ftarb einer ber bebeutenbften Kommunalpolitiker Deutschlands, Stadtrat a. D. Brof. Dr. Bleicher. Er war der Hauptmitarbeiter des ehemaligen Oberbürgermeisters Abides und der eigentliche Bater der Franta furter Universität. Seit 1890 stand Bleicher ununterbrochen im Dienste der Stadt Frankfurt a. M., und bis vor zwei Jahren ver waltete er das Finanzdezernat. Nach seinem Rücktritt wurde Bleicher Honorarprofeffor für Kommunalpolitik und Statistit an der Frant furter Universität. Politisch zählte er zur Demokratischen Bartei. Der Berstorbene, der nur wenige Tage trant war, hat noch in den letzten Tage eine große Biographie Adides vollendet. Jm Stettiner Fememordprozeß haben Angeklagte und Oberstaatsanwalt Revision angemeldet. In dem Beleidigungsprozeß des Generals von LettowBorbed, in welchem der Rebatteur Gruber pon der Münche ner Boft" au 3000 Mart Geldstrafe verurteilt wurde, ist Berufung eingelegt worden Redakteurfrach bei der Zu. Der hinausgeworfene Chefredakteur vor dem Landesarbeitsgericht.- Sugenberg hat gefiegt! Eine Berufungsverhandlung, die gestern in Sachen des ehe. maligen Chefredakteurs der Ill., Dr. Belian, gegen seine frühere Brotgeberin vor dem Landesarbeitsgericht stattfand, entbehrte nicht eines politischen Beigeschmacks. Im Hintergrunde stand der allgemal tige ugenberg... Der Tatbestand ist der folgende: Die Ereignisse, bie schließlich zur fristlosen Kündigung des mit einem Gehalt von 2400 m. monatlich angestellten Chefredakteurs Dr. Belian führten, reichen bis in das Jahr 1925 zurück. Dr. Belian hatte damals Differenzen mit der Geschäftsleitung. Er hatte seinen Redaktionskollegen gegenüber geäußert, die Geschäftsleitung hätte Summen, die eigentlich für Südamerika bestimmt waren, für den Bilderdienst der IU. in Höhe von 100 000 m. perwendet und sie als für Südamerika gebucht. Als einige Rebatteure von den Aeußerungen Dr. Belians dem Geschäftsführer mitteilung machen wollten, hielt der Redakteur Dr. Meiger sie dapon ab, und sämtliche ins Bertrauen gezogenen Kollegen Dr. Belians verpflich teten sich, von der Sache den Direktoren der Tll. gegenüber nichts perlauten zu lassen. Geitbem maren zwei Jahre vergangen. Im Januar diefes Jahres hielt der Direttor Majer anläßlich einer Rücksprache bem Chefredakteur des Innendienstes, Melzer, ber ftdy über die Schwierigkeiten beklagte, die Dr. Belian Jeiner Arbeit in den Weg lege, unter anderem vor, daß die Mitteilungen Dr. Belians mehr mert feien als feine Mitteilungen. Mütend über diese Heraus ftreichung Dr. Belians verlor Dr. Melzer jede Faffung, und bei dieser Gelegenheit teilte er dem Dr. Majer die por zmeieinhalb Jahren gemachten Aeußerungen Dr. Belians über die falschen Bu chungen mit. Direktor Majer forderte darauf sowohl von Melzer als auch von dem Rebatteur Dr. Metger und zwei anderen Herren schriftliche Erklärungen über die angeblichen Aeußerungen Dr. Be lians an. Obgleich Dr. Belian aufs entschiedenste bestritt, sie in diefer Form gemacht zu haben, murde er fristlos entlassen. Dr. Belian flagte darauf beim Arbeitsgericht auf Auszahlung cines Dreimonatsgehalts und auf Anerkennung des Bertrages bis 2blauf desselben, das heißt bis zum Ende des Jahres 1929. Das Arbeitsgericht entsprach seiner Klage. Das Landesarbeitsgericht entsprach dagegen in der gestrigen ger ab mit der Begründung, daß die schweren Beschuldigungen, die Dr. Belian gegen die Geschäftsführung ausgesprochen habe, die fristlose Entlassung rechtfertigten. Die Gerichtsverhandlung offenbarte aber auch die politis en Hintergründe der fristlosen Entlassung des Chefredak teurs Dr. Belian. Diefer behauptete, daß die Geschäftsleitung be reits früher von seinen Aeußerungen Kenntnis gehabt habe, jedoch nichts gegen ihn unternommen habe. Der wahre Grund der Kündi Sinne des Aufsichtsratsvorsitzenden( D. b. Sugenberg. D. Reb.) zu gung sei die eigerung Dr. Belians, fic parteipolitisch im binden. Die dahingehenden Differenzen nahmen ihren Anfang, als einer der Direfioren der Geschäftsführung die weiterverbrei tung einer Mitteilung forderte, die den 3wed haben sollte, gewiffe Scritte des Aufsichtsratsporfigenben in der Deffentlichteit zu propagieren.( Es handelt fich um den seinerzeit in der Breffe viel besprochenen Erwerb ber Ufa Unternehmen burch Hugenberg. D. Neb.) Belde Chefredakteure des Nachrichtenbienftes, Di. Gfell und Dr. Bellan, weigerten sich, diefe Mittellung zu verbreiten. Im Anschluß daran Geschäftsführung zu einem regen Briefwechsel. Die Redak teure beriefen sich auf ihren Vertrag, laut dem sie sich sour. nalistisch volltommene Unabhängigkeit ausbebun gen und sich nur verpflichtet hatten, ohne jegliche parteipolitischen wirtschaftlichen Bindungen objettlo im nationalen Intereffe Deutschlands den Nachrichtendienst der Tl. zu leiten. fam es zwischen den beiden Chefrebatteuren und ber Die Geschäftsführung widersprach dieser Auffassung. As Dr. Belion den Kampf um die journalistische Unabhängigkeit forifegte, gab wie feine Rechtsvertreter behaupten die Affäre von 1925 nur den äußeren Anfaß zu seiner Entlassung. Beim Beginn der Verhandlung wollte der Gerichtsvorsitzende, Landgerichtsdirektor Samuel, unserem Berichterstatter unter. fagen, fich Notizen zu machen. Ein höchst merkwürdiges Berbot. Jaurès- Hof nennt das rote Bien eine feiner neuesten Bohnbauten mit 200 Wohnungen. Bereits seit den Umfturztagen heißt brigens die frühere Metternichgaffe, an der die reichsdeutsche Ge jandijchaft liegt. Jaurèsgaffe Emil Bohnke tödlich verunglückt. Dei einer Stutofahrt gegen einen Baum geschleudert. Durch einen kraglschen Unfall ist gester» mittag der bekannte Berliner Kammermusiker und Dirigent des Berliner Sinfonie- orchester Emil Bohnke auf der Jährt von Berlin nach pafewalk um» Leben gekommen. Sein Auto fuhr in hoher Jährt in de» weichen Sommerweg, prallte gegen eine« Baum und flog schliehUch in den Graben. Bohnke wurde gegen einen Chaufsee- bäum geschlevdeet und perstarb bereit» ans dem Wege zum Krankenhau». » ?mtl Bahnte gehörte zu den wenigen Mustkern. denen der wirt- schaftliche Existenzkampf erspart blieb, da er au»«tnor wohlhabenden Familie stammte. Nach Beendigung seiner Studien in Leipzig und Berlin machte er sich zunächst als Violinist einen Nomen. Er gehörte zu den Begründern des Busch, Quartetts. Schon damals fiel seine enge Beziehung zu den atonalen Komponisten auf. Seine eigenen Kompositionen—- es handelt sich um Kamm tj« und Orchestermusik— verleugnen diese Beziehung nicht. Sie sind— ein Kennzeichen der Modarne— mehr vom Intellekt und vom Rhythmus als von empfindsamen Kesühlen diktiert. Er war ein Problematiker und Sucher. Es ist fraglich, ob er mit seinen 40 Iahren schon zu sich selbst gesunden hast«. Man durste von seiner Schöpferkraft noch manches erwarten. Ein Problematiker und Sucher war«r auch als Orchester- d I r i g e n t. In wirtschaftlich schwieriger Zeit— und da, muh ihm ebenso als Aerdienst angerechnet werden wie der Mut, mit dem er sich junger und umstrittener Komponisten annahm— übernahm er das Müthner'Orchester. das dann den Nomen Berliner Sin» fonieorchester erhielt. In seinen Programmen ging er seiner Natur gemäß eigen« Wege. Als Dirigent konnte man von ihm nur mit Hochachtung sprechen, wenn ihm auch di« letzte Losgelöstheit und Beschwingtheit dos Genies fehlte. Aber auch hier hat der Tod ein Talent zum Schweigen gebracht, das nur langsam reifte und seine Zeit zur vollen Entwicklung gebraucht«. lieber den Unfall erfahren wir folgend« Einzelheiten: Bohnke wollte mit seiner Gattin am gestrigen Freitag von Berlin in seinem Auto nach Swinemünde fahren, wo«r bis Mitte Juni zu bleiben gedachte. Der Kraftwagen,«ine schwere Maschine, wurde von dem Chauffeur Eduard Grützner gelenkt, der seit über einem b-alben Jahr Im Dienst des Dirigenten stand. Der Wagen hatte«in ouherordentlich scharf«» Tempo, denn in zwei Stun- t?n hall« ixr Ehouffeur bereit» Pafewalk kurz vor sich und in dieser Zeit hatte er rund lR Kilometer von Berlin au» zurückgelegt. Der .Kraftwagen muß also mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von b0— 90 Kilometer in der Stunde dauenzd gefahren sein. Zwei Kilo- meter vor der Stadt überholte Grützner einen Kraftwagen in schnel- l«n Tempo und geriet, wie die Augenzeugen dieses Wagens beknn- den. schon beim Passieren in eine zesähttich« Situation, da da» Fahr» zeug zu schleudern begann. 900 Meter vor der Stadt, bei dem Gute Ruhleben, übersah der Chauffeur, der hart am Sommerweg whr, ein tiefe» Loch. Der Wagen raste in die Vertiefung hinein. Dos Auto prallt« schließlich gegen einen Baum, wobei Bohnke her» ausgeschleudert wurde. Der Künstler fiel so unglücklich, daß er mit dem Gesicht gegen einen Baumstamm flog. Dabei zog er sich einen komplizierten Schädelbruch und so schwer» Verletzungen d«» Gehirn» zu, daß der Tod schon noch wenigen Minuten eintrat. Frau Bohnke siel in den Sand und erlitt außer einer Gehirnttschütterunz auch inner« Verletzungen. Der Chauffeur Grützner, der sich am Steuer festhalten konnte, kam mit einem Lchlüsselbelnbruch und geringen Hautabschürfungen da. von. Wenig« Minuten nach dem Unfall kam der Kraftwagen de» Schlossormeister» Stade aus Pafewalk vorüber, der die Verletzten sofort in» Krankenhaus brachte. Bei Bohnke selbst war jed« Hilfe vergebens, während die Aerzt« seine Gattin am Leben orbalten zu können glauben. Eine Untersuchung über die Schuldfroge ist bereits eingeleitet._ Zum Fall Zakubowfti. Velneidsverfahren gegen die Verhafteten.- Wieder« ousnahmeverfahrsn zo erwarten. Di« Bemühungen um eine völlig« Aufklärung de» Falles Iakubowski sind einen Schritt weiter gediehen. Gegen die drei verhafteten Personen, di« der Ermordung des kleinen Ewald Rogens dringend verdächtig sind, ist inzwischen richter- licher Haftbefehl erlassen worden. Dieser Haftbefehl stützt sich vor» läufig auf Meineid, weil die Verhqsteten unter ihrem Eide wissenttich falsch« Angaben in der Schwurgerichtsoerhandlung gegen Iakubowski gemacht haben. Das Wiederaufnahmeverfahren ist noch nicht in Gang gesetzt worden. Falls di« Staatsanwaltschaft nicht auf Grund des neuen Beweismaterials von sich au» den Wiederaufnahmeantrag stellt. werden dieAngehörigendesHingerichtstendi, Wieder» aufnahm« beantragen. E» ist gelungen, zwei Brüder de» Iatu- bowski ausfindig zu machen. Der«in« wohnt in der Nähe von Moskau, der andere bei W i l n o. Dem letzteren ist durch Der« mittlung der polnischen Behörden ein« Bollmacht für den Antrag auf Wiederausnahm» vorgelegt worden. Man rechnet damit, daß dies« Vollmacht in den nächsten Tagen in Deutschland eingehen wird, und daß bann der Antrag auf Wiederaufnahme de» Bersohrens gegen Iakubowski formell eingebrocht werden kann. Mit den neuen Ermittlungen de» Gericktz» Ist der Oberstaatsanwalt Müller beauftragt worden. Müller ist der gleiche Beamte, der im Falle Iakubowski sewerzeit die Ermittlungen geführt, die Anklage vertreten und dos Todesurteil beantragt hat. Da Mecklen. burg-Strelltz nur«inen einzigen Oberstaatsanwalt hat, ließ es sich nicht vermeiden, daß Müller wieder mit dem Fall Iakubowski be- traut wurde.__ politische Maskerade. Oer getarnte LandvonS. Der Sandbund in Baden, die Tarnorganifakon de« Deutsch. nationalen, schießt bei der Wahlmaskerade den Bogel ab. Der frühere deutschnatumol« Reichbtagßabgeordnete I u l i e r kandidiert bei der C h r i st l i ch- N a t i o n a l e n Bauernpartei, der Land- bundfühm Klaiber bei der Wirtschaftlichen Lereini- g u n g und der Vorsitzende des Landbundes Depphard auf der Liste der Deutsch nationalen. Di« Herren denken: getrennt kandidieren, um nach der Wahl vereint in die deutschnationale Reichstagsfraktion zu marschieren. Aber sie werden enttäuscht sein; sie marschieren vor der Wahl getrennt, werden dafür ober in der Wahl vereint geschlagen werden, weil die Wähler dieses Manöver nur zu bald erkennen werden. Der oberste Krtm-Sowjettst Zbraimow ist wegen schwerem Banditismus hingerichtet worden,...,.______ Kall Latubowfti. »Die gelegentliche Hinrichtung eines Unschuldigen hebt den sittlich-erzieherischen Wert der Todesstrafe nicht auf. Während sich im Normalfalle die Abschreckung auf den engen Kreis der wirklichen Verbrecher beschränkt, wird hier dem ganzen Volte das Entsetzen vor der unerbittlichen Majestät der Rechtspflege beigebracht.� Krylentos Erzählungen. Die Anklage im Gchachiy-Pwzeß. ZRosfa», Jl. Mai. Die Anklag qschrijt für den Schachttz-Prozeß bezeichnet die Rolle der deutschen Ingenieur« und Techniker bei Uebergobe von Maschinen als eigemutig. Deutsche Firmen hätten Prozente für Bestellungen und das Geld durch Ingenieur« und Monteu,, welch« zor Aufstellung und Montage der Maschinen in die Sowjet- Union kamen, übersandt. Arbeiter in niedrigen Stellungen hätten bekundet, daß gegenreoolutionär« Bestrebungen durch Zerstörung des Mechanismus der Steinkohlenindustri« beabsichtigt ge« wesen seien. Ein Vertrag auf Lieferung van Schremm-Maschinen durch die Firma Knapp sei von dem Saboteur Gorletzkr abge- schlössen worden. Die Firma Knapp habe 198S den Ingenieur Köster zum Angebot von Maschinen entsandt. Kurz noch der Ab- reise Köster» seien zwei Maschinen eingetroffen, di« untauglich erschienen und nach zwei di, drei Monaten in einen anderen Schacht übergeführt worden seien, wo sie gleichfalls ungenügend CtarbeUet hätten. Bei der Aufstellung der Maschinen s»l der Angeklagte- Katrstieder beteiligt gewesen. D«? Angeklagte Nikischkin, der al? Instrukwr für di« Schremm-Maschinen de» zeichnet wird,.chatte den Eindruck, daß dt« Maschinen einen veralteten Typ in de? Konstruktion darstellten und qualttatio Mängel auswiesen". Nikischkin Hab« die Ausstellung der Maschinen verweigern wollen, doch Hab« Badstieber gesagt, Nikischkin sei ein schlechter Fachmann. Badstieber Hab« den Schachtteiter Gawrjuschenko beiseite gerufen und ihn zur Aufstellung der Maschine» bestimmt. Bodstieber Hab« selbst zugegeben, daß Nikischkin die Untauglichieit der Maschinen für den betreffenden Schacht erkannt hob«, doch habe er sich der Aufstellung nicht widersetzt. Bodstieber habe serner bekundet, daß'Köster durch Bestechung die Ernennung einer neuen Prüfung»- kommission erreicht Hab«, di« die Maschinen tauglich befand. Kusma Hab« dafür 2500 Rubel erhalteiu Auf Anweisung von Geesbold sei für di« Maschinen der Firma Knapp Reklame gemacht worden. Der Schochtieitcr habe etwa 1000 Rubel Bestechungsgelder erhalten. Als Leiter des Moskauer Organisationszentrum» wird Sco« rutto bezeichnet, der jedoch jede Schuld abstreitet. Er soll ge- meinsam mit Matoff und Bratanowski, die vollständig geständig seien, mit französischen amtlichen Organen und dem pol» nischen Kriegsministerium in Verbindung gestanden und van ihnen erhebliche Summen erhalten haben. Es hätten politische Be- Ziehungen mit der Gesellschaft der Gläubiger des ehemaligen rufst- schen Staates bestanden. Bratanowski erinnere sich, daß die Orga- nisation von der AEG. durch B l e y m a n» und ebenso durch Köster eine beträchtliche Summe erhalten Hab«. Bratanowski Hab« in Berlin gelegentlich erfahren, daß ein gewisser Kiefer Summen für Siemen» und Schuckcrt überbracht habe. Al» Seele der polnischen Verschwörung wird der ehemalige Grubenbesitzer Dworshantschik genannt, doch gebe es noch eine geheimnisvolle Perfönlichkelt, dle sich Kasimir genannt und im Don-Decken statistisches und technisches Material gesammelt Hab«. Bon den 53 Angeklagten bekennten sich 19 uneingc- schränkt, zehn, darunter Badstieber, teilweise für schuldig: die übrigen, dar-mter Otto und Mnler, bestritten jede Schuld. Die. Anklage stützt sich im wesentlichen auf di« Bekundungen Matofs», Bratonowskis und Kosannofss. Wir oerlautet, soll der Prozeß- deginn um einige Tage verschoben werden. Kasarinosf soll auch behauptet hoben, daß die gcgenrevolutionöre Organisation in Amerika Moschinen ohne Ersatzteile bestellt habe. Massenverhastung in Südrußland. Charkow. 1t Mai. Die GPU. hat 89 Personen, di« gesamte Trustverwaltung de» Kotsbenzol verhaftet wegen ongebNcher Verbindung mit ukrainischen gegenrevolutionären Organisatio- »en unter Führimg eines gewissen W o l M a n, besten Naticmasltät noch nicht f e st g e st« l l t ist. Es heißt, daß die Vernichtung der chemischen Unternehmungen In der Ukraine das Ziel war. » Auch Siemens-Bau- Union und Siemens- S ch u ck e r t- Werk« erklären die Wloftaver Behauptung, Bestechungsgelder an nissische Beamte und Angestellte gegeben und ihre Hand geboten zu haben, um Maschinen und Anlagen untauglich zu machen, al» aller und jeder Grundlog« entbehrend. Richtungsgegensätze vor Toulouse. Sozialismus und Kommunismus. Pari». 11. Mai.(Eigenbericht.) Der Kongreß der sozialistischen Seinefödera- tton wird am 20. Mal wieder zusammentreten, um über die von der Föderation auf dem bevorstehenden Parteitag in Toulouse einzunehmende Haltung eingehend zu beraten. Im Schoß« der zur Prüfung der verschiedenen Resolutionen«ingesetzten Kommisston konnte bisher keine Einigung erzielt werden. Ein» von Mit- gliedern des linken Flügel, unter Führung Zyromstis«ing»» brachte Resolution verlongt �ie Wiederherstellung der politischen Einheit der Arbeiterklasse", di« aus der p r i n» zipiellen Gemeinschaft der Doktrinen des Sozialis- mus und de» Kommunismus beruh«. Di« Resolution lehnt energisch jeden Kampf gegen den Bolschewismus in einer Front mit der Bour- geoisi» ab und fordert schließlich zu einer energischen oppositionellen Haltung der Partei im Parlament auf. Von der Gegenseite liegt»ine nicht weniger entschiedene Resolu- tion gegen di«„abscheuliche Demoralisation und De- gradotion der Arbeiterseele" oor. wie sie auf Anstiften Moskau» van den Kommunisten ins Werk gesetzt werde..Li« So- zialistische Partei", so heißt es weiter,„lehnt das Ideal der systcmoti- schen Gewattanwendung ab und betrachtet das Bestehen einer dikta- tl.rischen Gewalt für unvereinbar mft ihrem Ideal der Brü- derlichkeit und der menschlichen Solidarität". Die Resolution verlangt schließlich, haß die sozialistische Fraktion eine konstrutttve Politik betreibe, um dos Reformprogromm des französischen Gewerkschaftsbundes mit allen parlamentarischen Mitteln zu unter- stützen. Ein Abendblatt verbreitet die Meldung, daß L tz o n B l U m und seine Freunde sich der Auffassung Zyromski» angeschlossen hätte». Dies entspricht jedoch nicht den Tatsachen. Leon Blum ist vielmehr nach wie vor um eine Verständigung zwischen den beiden Tendenzen bemüht. Wie seinerzeit berichtet, hatte eine Minderhiit des Porteivorstandes die Abwesenheit der gemäßigten Mitglieder benutzt. um der Seinesöderation wegen ihres Beschlusses, in der Stichwahl den Rücktritt der aussichtslosen Kandidaten zugunsten der Kommv- nisten zu verbieten, einen Tadel auszusprechen. Die Föderation hat beschlossen, gegen diese? Votum auf dem Parteitage zu a p p e l» l i« r e n. Schnelleres Tempo in Colmar. Das Verhör der Angeklagten geht zu Ende. Ktroßburg. 11. Mai.(Eigenbericht.) In der Bormittagssitzung des Autonom« st«nprozesse» wurde pom Vorsitzenden«in Brief de» in Luxemburg ansässigen deutschen Staatsangehörigen Heinrich Bau m garten vorgezeigt. der sich dem Gericht als Belastungszeuge zur Vir- fügung stellt. Er habe vor einigen Iahren als Agent de«„V ö l t i» schen Kurier", der in München erschien, Beziehungen zu Ricklin und Rosse unterhatten und würde darüber Aussagen von Bedeutung machen. Vom deutschen Gesandten in Luxemburg sei er darauf aufmerksam gemacht worden, daß er eine Anklage wegen Laiches- verrats zu erwarten habe, wenn er in Colmar als Zeuge austreten wolle.(?) Di« Vernehmung der Angeklagten geht jetzt rascher vonvärt» und e» ist damit zu rechnen, daß berett, am Sonnabend zur Be» weisaufnahme übergegangen werden kann. Was„ Reformisten" leisten. Die Errungenschaften des Holzarbeiterverbandes 1927. Die Bilanz des Deutschen Holzarbeiterverbandes über e Tarifbewegungen im Jahre 1927 3eigen beffer als gend etwas anderes, was die freien Gewerkschaften für den Urbeiter bedeuten. Für 351 652 Personen wurde eine Cohnerhöhung um durchschnittlich 3,52 Mart pro Woche erzielt. Daneben gelang es, durch die Abwehrstreits für 1124 Perfonen Abzüge um durchschnittlich 3,70 Mart pro Woche zu verhindern. Der Schwerpunkt der Lohnbewegung lag in den Aktionen ohne Streit. Die Verbandsstatistit umfaßt genau 1000 Lohnbewegungen. Davon sind 797 mit 333 275 Beteiligten ohne Streit durchgeführt worden. Zum Streit fam es in 203 Fällen mit 22 303 Beteiligten. Die Angriffstämpfe überwogen in der Zahl wie nach der Menge der Beteiligten; der Verband hat also die Berbefferung des Geschäftsganges dazu benutzt, um wieder zur Offensive überzugehen. Im Bordergrund standen die Lohnfämpfe, men ger die Rämpfe um die Arbeitszeit. Die Ar beitszeit in der Holzindustrie beträgt 8 Stunden, in manchen Fällen auch weniger. Wie aus dem Inhalt der Larifverträge hervorgeht, ist für 25 174 Personen die 46 stündige Arbeitszeit festgelegt. Für alle übrigen gilt eine Arbeitszeit von 48 Stunden, aber nur für 52 310 gelten die 48 Stunden schlechtweg. Für die übrigen ist die Zulässigkeit von Mehrarbeit, in den meisten Faen bis 3 Stunden wöchentlich, vorgesehen, wofür ein besonderer ZuErfolge des Buchbinderverbandes. Die Buchbinder wählen SPD. In der Generalversammlung der Berliner Buchbinder am Donnerstag im Gewertschaftshaus ließ der Bevollmächtigte Genoffe Imhof das an Tarifbewegungen reiche erfte Quartal des neuen Geschäftsjahres noch einmal Revue passieren. Ihlag zu zahlen ist. Die entsprechende Bertragsklausel wird als ein Mangel empfunden, deffen völlige Beseitigung ernstlich angestrebt wird. In allen Tarifverträgen find Ferien vorgesehen, deren Mindest dauer für 120 000 Bersonen im Jahre 1927 von 3 auf 4 Tage verlängert wurde. Die Zahl der Tarifverträge hat eine starte Steigerung erfahren. Der Bestand bezifferte sich Ende 1927 auf 291( Bahl der Betriebe 24 983, Zahl der Beschäftigten 324 398); babet ist zu beachten, daß 126 Berträge für 16 733 Betriebe und 182 326 Beschäftigte neu abgeschlossen wurden. Diese Zahlen beweisen, daß die freien Gewerkschaften marschieren! Zahlen, die jeden Arbeiter anspornen müssen, Gewerkschaften auch der andere Arm der Arbeiter gemacht bei den Wahlen dafür zu sorgen, daß nun neben den Arbeiterbewegung, die Sozialdemokratie, genügend start wird, damit die Erfolge der Gewerkschaften auch veranfert werben tönnen. Was nüßt es, wenn die Gewerkschaften in den Tariffämpfen Erfolge, erringen, die dann durch wirt schaftspolitische Maßnahmen wie B. durch Preisz erhöhungen in Kohle, Eisen und bei der Reichsbahn wieder zum Teil zerstört werden? Es gilt, die Terraingewinnung der freien Gewerkschaften durch eine arbeiterfreundliche Wirtschafts- und Sozialpolitik dauernd zu sichern. wählt deshalb die Sozialdemokratie! tommunistischen Maufheben so wenig Anhang, daß sie nicht einmal in der Lage sind, eigene Kandidaten aufzustellen. Alle Mitglieder des Einheitsverbandes gehen zur Wahl und wählen die vom Werbeausschuß empfohlenen Kandidaten. Betriebsrätewahl bei der Reichspost. Sollen Bedeutungsvolle Tage für die Lohnempfänger und Angestellten der Deutschen Reichs post sind der 12., 13. und 14. Mai. Die Betriebsvertretungen sind zu wählen. Pflicht der Arbeiter und Angestellten ist es, jezt ihr Wahlrecht auszuüben und auszunuzen. Betriebsvertretungen und Wahlrecht sind von den freien Gewerkschaften ertämpft worden höherer Lohn, fürzere Arbeitszeit, sozialer Fortschritt und wirtschaft. licher Aufstieg verwirklicht werden, dann müssen die freien Gewerffchaften sich durchseßen auch bei den Betriebsrätewahlen. Deshalb muß bei der Post dafür gesorgt werden, daß die Vorschlags= listen Deutscher Berkehrsbund, Mitgliedschaft Allgemeine Deutsche Postgewerkschaft, Zentralberband der Angestellten und Bund der Technischen Angestellten und Beamten gewählt werden. Die Freiorganisierten haben die Aufgabe, dafür einzutreten, daß auch die unorganisierten die freigewerkschaftlichen Listen wählen. Der Kampf der Steinarbeiter der Oberlausit. Seit über zehn Wochen stehen die Arbeiter der Oberlausitzer Granitschleifereien im Streit, weil die Unternehmer sich absolut nicht bereit finden können, den berechtigten Wünschen der Steinarbeiter entgegenzukommen. Borige Woche fanden auf Veranlassung des Arbeitsministeriums in Dresden Verhandlungen statt, in denen die Unternehmer ganze 6 Proz. Lohnerhöhung anboten. Mehr fönnten fie nicht bewilligen. Für dieses Angebot sollten jedoch die Arbeiter in diesem Jahre auf die Ferien verzichten und die Einftellung der Arbeitskräfte sollte dergestalt erfolgen, daß sich die Unternehmer bereit erflärten, zuerst die bisher beschäftigten Stein. arbeiter, aber nur nach Bedarf einzustellen. Wen der Gewerkschafter wählt. Unternehmerangebot mit überwältigender Mehrheit abgelehnt. Der Ein Artifel der Gewerkschaftszeitung. Das Organ des Allgemeinen Deutschen Gewerkschafts. bundes, die Gewerkschaftszeitung", veröffentlicht in ihrer Nummer vom 12. Mai einen Artikel ihres Vor" fihenden Peter Graßmann, in dem es am Schlußt heißt: Wenn auch die Lohnbewegungen nicht die restlose Erfüllung Der Gewerkschafter steht mit seiner wirtschaftlichen der aufgestellten Forderungen brachten, so find doch die Erfolge der Organisation auf beiden Füßen in der Wirklichkeit; er Organisation unbestreitbar. Mit dem Arbeitgeberverband der Papier, tämpft hart um seine Eristens und um eine Verbesserung Industrie( Api) gelang es, in freier Verhandlung eine Erhöhung der seiner wirtschaftlichen Lage. Er muß neben und außer Spitzenlöhne um 3,84 M. pro Woche durchzusetzen. Anschließend seiner Gewerkschaft sich nach Silfsmitteln umsehen, die daran wurde mit dem Verband Deutscher Buchbindereibefizer( BDB) ihm diesen Kampf erleichtern. Er muß alle Gelegenheiten eine Abmachung getroffen, wonach sich der Spizzenlohn um 4,32 m. benutzen, mit deren Hilfe er als Bürger gewerkschaftlich pro Woche erhöhte. In den Buchbruckereien wurden die Errungenes stützen und ausbauen, von Gefahren BeSpizenlöhne um 3,50 M. erhöht. Für die 3igaretten drohtes festigen kann. Er hat verlernt, Illusionen nach industrie wurde eine in zwei Raten zahlbare Zulage von zujagen; er weiß, der Weg aus dem Dickicht der kapita4,35 m. erwirkt. Das mit dem Schugverbend Berliner Karlistischen Gesellschaft ist lang und dornenvoll. Je mehr tonnagenfabritanten abgefchloffene Lohnabkommen ficht sich zu dieser Einsicht befehren, je einiger und geschlosse eine zweimalige Lohnerhöhung von insgesamt 9 Pf. pro Stunde vor. ner die Arbeiter diesen graden Weg verfolgen, um so In der Etuis industrie beträgt die Lohnerhöhung 5 und eher und müheloser werden sie das gesteckte Ziel er 3 Bf., insgesamt alfo 8 Pf. In der Luguspapierbranche reichen. Jede Abkehr bedeutet einen Umweg, feder war es trotz der schwierigen Berhältnisse möglich, eine Aufbefferung Bruderzwist unheilvolle Schwächung, welche die politi der Löhne um 5 und 2 Broz. und der Affordpreise um 5 Broz. zu schhen und wirtschaftlichen Gegner der Arbeiter planboll erreichen. Ein durchschlagender Erfolg wurde in der Holz ausnuten. Die einzige Partel, die, ihrer Tradition rahmenbranche erzielt, wo eine Butage von 8 Pf. und 4 Bf getreu, Hüterin und Verfechterin der Forderungen und insgesamt also von 12 Pf. vereinbart wurde, wobei noch besonders Soffnungen der arbeitenden Schichten ist, die nicht die erwähnt werden muß, daß die niedrigeren Lohngruppen prozentual Gewerkschaften für ihre politischen Zwecke ausnutt, noch oünftiger aufgebessert wurden. Gewerkschaften anwendet sondern ihre Kraft und ihren Einfluß zur Stärkung der Partei. Ihr am 20. Mai zum Siege zu verhelfen, heiht ist die Sozialdemokratische fich selbst und der aufwärtsstrebenden Arbeiterklasse dienen. Genoffe Imhof ging dann noch näher auf den Streit in der Maschinen- Kartonnagenindustrie ein, der nach dem Abschluß des Reichstarifvertrages ohne Unterstügung der Organifation weitergeführt wurde und die Unternehmer mit einstweiligen Berfügungen und der Androhung von Schadenersagtlagen auf den Plan rief. Die Bewegung enbetete schließlich damit, baß die Unternehmer ein Ab tommen fchloffen, in dem die um 18 Broz. höheren Löhne des Schugverbandes der Berliner Kartonnagenfabrikanten anerkannt werden. In der Mitgliederbewegung ist es ebenfalls weiter vor wärtsgegangen. Es wurden im ersten Quartal 200 neue Mitglieder gewonnen, so daß die Berliner Drisverwaltung am 31. März 10 218 Mitglieder zählte. Der Bestand der Lofaltaffe erhöhte sich während der Berichtszeit von 55 810 m. auf 69 024 m. Die Versammlung befundete ihr Einverständnis mit der Tätig. feit der Ortsverwaltung damit, daß fie in feine Debatte über den Die Streifenden haben in start besuchten Bersammlungen dieses Rampf geht also weiter, bis sich die Unternehmer zu einem annehmbaren Angebot durchgerungen haben. Zuzug von Steinarbeitern nach Oberlauß ist nach wie vor streng fernzuhalten. Tarifbewegung in der oberschlesischen Industrie Der für den gesamten oberschlesischen Industriebezir? gefällte Schiedsspruch, der eine Erhöhung der Gehälter für die Angestellten um 9 Prozent vorsieht, ist heute vom Schlichter für ver dustrie ist heute auf Grund einer Bereinbarung das Gehalt um bindlich erklärt worden. Für die Angestellten der Ratiborer Inbustrie ist heute auf Grund einer Bereinbarung das Gehalt um lungen zwischen den Vertretern der oberschlesischen Knappschaften 8 Prozent erhöht worden. In den Lohn und Urlaubsverhand und ihren Angestellten ist eine Vereinbarung bahin erzielt, daß die Gehälter der Angestellten nicht unwesentlich erhöht und den Lehrlingen fortab ein Urlaub von 18 bzw. 15 bzw. 12 Tagen zu gebilligt wird, und zwar derart, daß die jüngeren Ungestellten ben längeren Urlaub erhalten. Für die deutsch- oberschlesische getroffen, daß der Spigenlohn auf 60 Pf. erhöht wird. Holzindustrie wurde gestern eine Bereinbarung bahin Freie Gewerffchafts- Jugend Groß- Berlin Seute, Connabenb, folgende Beranstaltung: Bebbing: Nachtwanderung nach 3offen. Wir gehen auf Mailafetfang. Achtung Bfingftmanbe ungen! Ein Rutsch burch bie Stettiner Bucheibe. Abf. 26. Mai. Roften ef 7 M. Anmeldungen bei riebrich Bagd, Berfin C., Stralauer Str. 8-6 Abfahrt Dienstag Doffeftr. 22. Meldeschluß 15. Mai 1928. Quer burch ben Spreewald Meldeschluß 12. Mai 1928. Streifzüge burch den Blumenthal 26. mai. Roftet. etwa 2,50 Mnmeldungen in der Gruppe Lichtenberg leben Abfahrt 28, Mai. Roften etwa 5 Anmeldungen in der Gruppe Lands berger Blas jeben Dienstag Dieftelmeyerstr. 5. Melbeschluß 15. Mai 1928. Jas Schlaubetal. Abfahrt 26. Mai. Roften etwa 6 M. Anmeldungen feber dienstag und Donnerstag Gruppe Frankfurter Allee Sitauer Str. 18. Melbe fchluß 15. Mai 1928. Die Spartaffe der Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten 2.-G., Berlin, Wallstr. 65, ift täolich mit Ausnahme von Sonnabend Don 9-3 Ubr und 4-6 Uhr. Sonnabends von 9-1 Uhr geöffnet. Berantwortlich file Volitik: Dr. Gurt Gener; Birtschaft: G. Klingelhöfer: Gemertfchaftsbewegung; 3. Steiner; Feuilleton: R. 8. Däicher: Lotales und Sonstiges: Frik Karstadt: Anzeigen: Tb. Glode: fämtlich in Berlin. Drud: Vorwärts- Buchbruderet und Verlaasanftalt Baul Ginger n Co. Berlin G 68. Lindenstraks& Sieran 2 Beilagen. Unterhaltung und Bien und Frauenstimme". 4 Broz. erhöht, prattisch also für diese nur eine Lohnerhöhung von nicht ganz 4 Bf. vorfieht. Alle. Bemühungen der Arbeitervertreter, langen Laufzeit des Schiedsspruches eine Erhöhung der vorgesehenen in diesem Punkte einen Ausgleich zu schaffen und angesichts der Berlag: Borwärts- Berlag Gm b S.. Berlin Bulcge durchzusetzen, scheiterten an der Haltung der Unternehmer. Diese hatten ursprünglich jede Zulage überhaupt abgelehnt, dann nur 4 Bf. zugestehen wollen und beantragten nunmehr die Ber Bindlichkeitserklärung. Der Schiedsspruch verbindlich erklärt. Auf Antrag des Arbeitgeberverbandes im Gastwirtsgewerbe wurde heute der Schiedsspruch des vereinbarten Schiedsgerichtes Dom 23. April für verbindlich erklärt. Die voraufgegangenen Ginigungsverhandlungen scheiterten. Somit treten die neuen Löhne, die einen Zuschlag von 3 Pro3. auf die bisherigen Säße vorsehen, am 20. Mai d. 3 in Kraft. Diese Löhne haben Gültigkeit bis zum 1. Oftober. Am 1. Oftober tommen 7 Proz. auf die bisherigen Lohnfäße in Anwendung. Geschäftsbericht eintrat, sondern sich sofort der Besprechung der vor. Der Lohnfampf im Gastwirtsgewerbe beendet. liegenden Anträge zuwandte. Einstimmig angenommen wurde ein Antrag, wonach ben ausgefteuerten erwerbslosen Mitgliedern zu Pfingsten eine Ertraunter ftigung gewährt werden soll, deren Höhe die Ortsverwaltung feftfeßt. Abgelehnt wurde nach längerer Debatte der Antrag, die Rote Fahne als Publitations. organ zu benußen. Ein von der„ Oppofition" gestellter Antrag, die Bablen der Delegierten zum Verbandstag nach dem Berhältnis. wahlsystem vorzunehmen, wurde mit großer Mehrheit abge. lehnt. Beschloffen wurde vielmehr, alle Wahlvorschläge, auch bie fommunistischen, auf einen Stimmzettel zu seßen, auf ber dann die Mitalieder durch Streichuna ihren Willen ausdrüden tönnen. Ein Dringlichkeitsantrag der Oppofition", der sich gegen die Wahlpropaganda der Buchbinder- Zeitung für die Sozialdemo fratische Partei wandte, fand nicht einmal die zu einer Beratena notwendige Unterhung! Die Mitglieder des Verbandes der Buchbinder wählen SPD. Buchdruckerstreit. " Kreuz- Zeitung" und" Deutsche Tageszeitung" fillgelegt. In der Zentralbruderei G. m. b. 5. in der Deffauer Straße 6, in der die Deutsche Tageszeitung", die Kreuz- Zeitung" und der Reichsbote" gedruckt werben, hat gestern das gesamte Bersonal die Arbeit niebergelegt. Von der Belegscheft war bei der Firma der Antrag geftellt worden, eine Lohnerhöhung auf 2 M. über den Schiedsspruch hinaus zu gewähren Dieser Antrag wurde von der Firma abgelehnt und der Belegschaft eröffnet, wem bas nicht paffe, ber fönne gehen. Darauf hin hat die gestrige Tagschicht bereits die Arbeit niebergelegt, so daß die Abendausgabe nicht er. scheinen tonnte. Das übliche Theater. Die Leipziger Metallarbeiter nahmen am Freitag bindlichkeitserklärung des Schiedsspruchs Stellung. Die große Mehr In einer von 1500 Funktionären besuchten Bersammlung zur Ber heit feste fich für geschlossene Arbeitsaufnahme am Montag ein. Ein Antrag der Kommunisten, weiter zu streifen, wurde nicht zur Abstimmung gebracht. Die Kommunisten gaben durch ihr Berhalten zu erkennen, daß ihr Antrag nicht ernst gemeint war. Sie führten einen Auftrag aus und waren herzlich froh, daß Ihr Antrag nicht durchdrang. Delegiertenwahl der Eisenbahner. finden innerhalb der Ortsgruppe Berlin des Einheits Am Sonntag und Montag, dem 13. und 14. mai, verbandes der Eisenbahner Deutschlands die Delegiertenwahlen zum Berbandstag in Frank. furt a. M. statt. Die Mitgliedschaft wird ersucht, sich zahlreich an diefer Wahl zu beteiligen und fich für nachfolgende Kandidaten einzusetzen: Eugen Herolb, Lofführer; Carl Bintier, Angestellter; Abert Schulze, Betriebsarbeiter: Otto Fabian, Betriebsarbeiter; Gustav Shrammar, Schloffer; rig Boese, Schloffer; Hans Woite, Berthelfer; Reinhard 5) ärtig, Reiches bahnafsistent. Der Werbeausschuß. Der Metallarbeiterkampf in Hannover. Die Einigungsverhandlungen gescheitert. Bestern fanden im Reichsarbeitsministerium die Nachverhandlungen im Rampf in der hannoverschen Metallindustrie statt, wo bekanntlich ein Schiebefpruch gefällt worden ist, der die Löhne der Die Rote Fahne" hat bereits unzweideutig zur Sabotage Zeitarbeiter um 5 Bi... die der Affordarbeiter jedoch nur um der Wahl aufgefordert In Birtlichkeit befizen bie das Öffnen der Dose Ubir Nehmen Sie die ,, Urbin" Dose in die linke Hand and drehen Sie den Oeffner mit Daumen und Zeigefinger der rechten Hand nach rechts, wie man eine Schraube anzicht. Der Deckel springt auf; leicht und mühelos, wie sie sich öffnete, läßt sich die Dose auch wieder schließen. Verlangen Sie ein Serienbild beim Einkauf gratis. Urbina Der sparsame Schuhputz TEY Ich hab's Nr. 223* 45. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 12. Mai 1925 Neues Leben auf der Hochbahn. Der verstärkte Verkehr auf der Ost st recke der Hochbahn (Warschauer Brücke— Hallesches Tor), auf der nunmehr aus K Wagen bestehende Züge laufen, zwang dazu, die Fahrbahn zu verstärken. So werden zurzeit unmittelbar am Holleschcn Tor die tragenden Konstruktionen an sich verstärrt, aber auch der Oberbau erhält eine Kiesbettung mit Ouerschwellen, die zum Unterschied von den früher verwendeten Langschwellen schalldämpfend wirken. Am Kottbusser Tor sind die Vorbereitungen zur Ausgestaliimg des Mittelbahnsteigs in vollem Gange. Rechts und links von der alten Fahrbahn erheben sich Viadukte, die die Umgehungsgleise tragen. Bis zur Fertigstellung des neuen chochbahnhofs werden auf diesen Umgehungsgleifen die Aiige in beiden Richtungen rollen. Zur Erleichterung des voraus- sichtlich sehr lebhaften Umsteigeverkehrs werdcn zwischen choch. und UMcrgrundbohnhof Fahrtreppen eingebaut. Mit der Fertigstellung der Linie Neukölln— Gesundbrunnen, die am Kottbusser Tor die Ost- strecke schneidet, rechnet man mit Mitte 1SZ9. • Der Eityausfchuß nahm kürzlich unter dem Lorsitz von Meronder Flinfch zu«inigen für die zukünftige Gestaltung Berlins außerordentlich bedeutsamen Fragen Stellung. Der Dorschlag des Drästdiums behufs Schaffung eines Generalbebauungs- Plans«in Preisausschreiben zu veranstalten, gab im An- schluß an«in von Dr. Koppel erstattetes Referat Anlaß zu einer lebhaften Diskussion, an der sich in erster Linie Geheimrat Bodo Ebhardt, die Stadtbauräte Wagner und Dr. Adler, Vizepräsident Kühn von der Preußischen Bau- und Finanzdirektion, Heinrich Men- delsohn. Handelsgerichtsrat Haac und Alexander Flinsch beteiligten und zwar mit folgendem Ergebnis: Der Cityausschuß hält die Auf- ftellung eines Generalbebauungsplans im Hinblick auf die städtebau- lich« und wirtschaftliche Entwicklung Berlins für dringend er- w ü n s ch t u n d g e b o t e n. Hierzu gaben die Vertreter de« Vereins Bvrfincr Kaufleute und Industrieller die Erklärung ab, daß sie bereit feien, für die Deckung eines wesentlichsten Teils der auf ZOO 000 M. gejchägten Kosten au« dem Kreise der Wirtschast einzutreten unter der Voraussetzung, daß die Stadt Berlin und die Verkehrsunter- nehmungen ihrerseits gleichlautende Beschlüsse fassen. Vorausgesetzt wird schließlich die als unerläßlich bezeichnete Beteiligung der Reichs- dahnverwaltung, da die Fragen der Ve-rlegung, des Ausbaues und der Verbindung der die City berühren- d e p Kopfbahnhöfe des Fern- und Vorortverkehrs sowie der die City bedienenden Fracht- und Eilgüterbahnhöse natur- gemäß für den Wettbewerb von erheblicher Bedeutung siich.— Von weiteren Punkten wurden genannt: Der Ausbau des Schnell- ba h n n e tz e s, die Gestaltung des Nioemwerkshrs für Straßenbahn, Omnibus und Kraftwagen, die Ausgestaltung der Derkchrsplätz«. Straßenverbreiterungen und Straßendurchbrüche, Neuerschließung veralteter Stadtviertel, Mischung oder Konzentration von Regie- rungs- und Verwaltungsgebäuden, Bureau- und Geschäftshäusern, Die Umbauten Kottbusser Tor. Bank- und Zeitungsgebäuden, die Ausdehnung van Geschäftsvierteln und von Bauplätze» für Hochhäuser, die Erhaltung historisch und künstlerisch wertvoller Bauten, die wirtschaftliche und finanziell« Durchführung der Neugestaltung sowie die Folgen der Neugestaltung in bezug aus Bodenwene, Steuer- und Kommunalpolitik. Eine von dem Cityausschuß eingesetzte Kommission wird nunmehr zu- nächst die für die Veranstaltung des Wettbewerbs notwendigen Vor- aussetzungen prüfen, insbesondere feststellen, welche Unterlagen den Teilnehmern an dem Wettbewerb als Material zur Verfügung zu stellen sind. Weiterhin berichtet Stadtrat Zangemeister über die nächsten Schnellbahnpläne. Seine Darlegungen ließen erkennen, daß die Hoch- und Untergrundbahn mit Energie an die Ausgestaltung des Schnellbahnnetzes herangeht. „Ztalia" zurückgekehrt. Wegen schlechten Wetters wieder in Kingsbay gelandet. Nach einem Telegramm aus kiingsbay ist die „Italia" im Lause des gestrigen Tage» wieder nach ihrem Aus stiegplatz in Kingsay zurückgekehrt. Die Weilerfahrt mutzte wegen äutzerst schlechten Wetters eingestellt werden. Oslo. 11. Mai. Ein aus Kingsbay um 10,20 Uhr abgesandtes Telegramm besagt, daß die„Italia" sich in 100 Meter Höhe befinde. Es herrscht leichtes Schneetreiben, westlich von Spitzbergen flehen starke Nebel, Schaee- bildimg und leichter Nordwind. Die„I'.alin" nahm nordwestlichen Kurs an der Küste von Kingsbay entlang. General Nobile hat von Ansang a» den Plan verfolgt, Landungen aris dem noch unbekannten Festland oder am Pol aus dem Packeis vorzunehmen und hat hierfür Einrichtungen ge- trofsen, die als höchst unsicher angesehen worden sind. Nobile, der nach dieser Richtung hin über prattische Kenntnisse nicht verfügt, hatte den Plan, mit Hilfe eines Eisankere dicht über dem Lan- dungsgelände schwebend sich in dem Packeis durch Schleppenlassen des Ankers festzuhaken. Die Ankerleine sollte dann vom Innern des Luftschiffs aus eingeholt und die„Italia" etwa 15 Meter über dem Boden festgemacht werden. Von der Kabine aus sollten die Mannschaften über eine Strickleiter den festen Boden erreichen und mit Hilfe zweier Leinen und kleiner Eisanker da» Heck des Schiffes festmache». Diese Idee Nobiles fand selbst unter seiner eigenen Besatzung nur wenig Anklang und man konnte schon während des Aujenchaltes der„Italia" in Stolp mancherlei Ansichten hören, die diese Idee des Führers für unausführbar hielten. Tot- sächlich liegen praktische Versuche nach dieser Richtung auch nicht vor. Die Landungen in Stolp und in V a d s o e haben bewiesen, daß die Landungsmäglichkeiten einigermaßen beschränkt sind, und daß es schon der ganzen Kunst der Führung bedars, um unter normalen Umständen das Luftschiff zur glatten Landung zu bringen. Nobile hat sogar den Gedanken, mit Hilf« des von ihm konstruierten Schwimmfußes Personen auf das Meer hinabzu- lassen, um dort Messungen vornehmen zu könne». Dieser Schwimmfuß ist jedoch nur ein primitiv konstruiertes Gummi- floß im Ausmaß von etwa 2:3 Meter, das allen Strömungen willenlos überliefert wäre. Es ist kaum verständlich, daß die .Vtolia', die bei ihrer immerhin nicht sehr starken Motorenanloge nicht allzu wendig ist, ei» derartiges Experiment unternehmen will. Wenn während der Experimente starke Winde oder gar ein Sw*-* losbrächen, wäre es dem Luftschiff nahezu unmöglich, die auf dem Gummifloß treibenden Menschen wieder aufnehmen zu können, zumal es bei starker Kätle und bei Seegang immerhin mehr als schwierig sein würde, eine über das Wasser schleifende Strickleiter zu erhaschen und dann wieder in die Kabine zu gelangen. %ck London: W olfsblUt. Plötzlich blieb er am Eingang der Höhle mißtrauisch stehen. Schwache, seltsame Laute machten sich drinnen ver- nehmbar, dach kamen sie nicht von der Wölfin her, obgleich sie ihm bekannt vorkamen. Vorsichtig kroch er aus dem Bauche hinein, als ein warnendes Knurren von der Wölfin ihn begrüßte. Er blieb zwar gehorsam in einiger Entfernung liegen, aber die Töne interessierten ihn— sie klangen wie ein schwaches, halbersticklcs Schluchzen und Schlabbern. Wieder ließ die Wölfin das warnende Knurren hören, worauf er sich zusammenrollte und am Eingang der Höhle zur Ruhe legte. Als der Morgen anbrach, und fem schwaches Licht in die Höhle drang, untersuchte er wieder, von woher die ihm nicht unbekannten Tön« kämen. Da bemerkte er einen neuen Klang in dem warnenden Geknurr der Ge- fährtin. etwas, das wie Eifersucht klang, und er trug Sorge. sich in respektvoller Entfernung zu halten. Doch unterschied er zwischen ihren Beinen und dem Körper fünf drollige Bündel- chen, die sehr schwach und hilflos erschienen und leise win- selten, und deren Augen dem Lichte noch nicht geöffnet waren. Er war überrascht. Nicht zum erstenmal war ihm während seines langen Lebens ähnliches geschehen, öfters schon war es gewesen, aber jedesmal hatte er es als eine Ueberraschung empfunden. Die Wölfin sah ihn ängstlich an. Bon Zeit zu Zeit ließ sie ein leises Grollen hören, das jedesmal, wenn er ihr zu nahe kam, zum scharfen Knurren wurde. Aus eigener Erfahrung konnte sie nichts darüber wissen, aber aus Instinkt, der Erfahrung der Wnlssmütter, ihrer Vorfahren, erinnerte sie sich daran, daß Väter ihre neugeborene hilflose Nach- kommenschaft zuweilen gefressen hatten. Diese Erinnerung be- kündete sich als leblzafte Furcht, und sie suchte darum zu ver- hindern, daß Einauge den Jungen, deren Vater er doch war, zu nahe käme. Aber es war diesmal keine Gefahr, denn der alte Einauge fühlte den Stachel eines Triebes, der auch ihm von seinen wölfischen Vätern überliefert worden war. Er zerbrach sich nicht den Kopf darüber, es lag ihm gleichsam im Blute und er gehorchte demselben wie etwas ganz Natürlichem, indem er seiner neugeborenen Familie den Rücken kehrte und sich auf die Jagd nach Beute für sich und die Seine« begab. Acht bis zehn Kilometer von der Höhle aufwärts teilte sich der Strom, und die Gabelung führte im rechten Winkel bis in die Berge hinauf. Er wandte sich links und traf auf eine frische Spur. Er beschnupperte sie und fand sie so frisch, daß er sich niederlegte und in die Richtung blickte, wohin die- selbe sich verlor. Dann kehrte er gemächlich um und lief den rechten Flußarm hinauf. Die Fußspuren, die er gesehen hatte, waren viel größer als die eigenen, und er wußte, daß es auf einer solchen Spur wenig Wild für ihn gäbe. Ungefähr tausend Schritt aufwärts am rechten Flußufer vernahm fein scharfes L>hr das Geräusch nagender Zähne. Er ging langsam darauf los und fand ein Stachelschwein, das aufrecht an einem Baume stand und die Rinde desselben mit den Zähnen bearbeitete. Einauge näherte sich vorsichtig, doch ohne Hoffnung. Er kannte diese Art von Tieren, ob- §leich er ein solches nie zuvor so weit im Norden angetroffen atte: auch hatte ihm keines je als Mahlzeit gedient. Allein er wußte seit langem, daß es so etwas wie einen Zufall oder eine günstige Gelegenheit gäbe, und er kam immer näher. Man konnte ja niemals wissen, was geschehen würde, denn, wo lebende Wesen ins Spiel kamen, geschah alles immer an- ders als man dachte. Das Stachelschwein rollte sich zu einem Ball zusammen und streckte die langen, scharfen Stacheln nach allen Nichtun- gen aus, um den Angriff abzuwehren. In der Jugend war Einauge einem solchen, scheinbar regungslosen Ball mit der Nase zu nahe gekommen. Da war der Schwanz desselben ihm plötzlich ins Gesicht geschossen und ein Stachel war in seiner Nase stecken geblieben, wo er wochenlang wie Feuer gebrannt hatte, bis er schließlich ausgeschworen war. Also duckte er sich bequem nieder, die Nase mehr als einen Fuß breit von der Schnauze entfernt und wartete ruhig. Man konnte ja nicht wissen, das Stachelschwein mochte sich auf- rollen, und dann war eine gute Gelegenheit, die Pfote ihm rasch und derb in den weichen, unbeschützten Leib zu schlagen. Allein nach einer halben Stunde erhob er sich, knurrte zornig den regungslosen Ball an und trabte weiter. Er hatte zu oft vergeblich darauf gewartet, daß Stachelschweine sich aufrollen sollten, um damit noch mehr Zeit zu verlieren, und so schritt er am rechten Flußarm weiter. Allein der Tag ver- ging und sein Suchen blieb unbelohnt. Der Trieb der erwachten Vaterliebe war mächtig in ihm. Er mußte Speise finden. Da stieß er am Nachmittag aus ein Schneehuhn. Der einfältige Vogel faß nicht drei Fuß von ihm entfernt aus einem umgefallenen Baumstamm, als er gerade aus dem Dickicht kam. Die beiden blickten einander an, und der Vogel fuhr erschrocken auf, aber Einauge schlug mit der Pfote nach ihm, warf ihn zu Boden, sprang darauf los und packte ihn mit den Zähnen, als er versuchte, über den Schnee zu laufen, um aufzufliegen. Als er das zarte Fleisch und die weichen Knochen durchbiß, bekam er Lust, die Beute zu verzehren. Dann erinnerte er sich, kehrte um und lief heim, indem er das Schneehuhn im Maule trug. Eine Strecke oberhalb der Gabelung, als er wie ein gleitender Schatten auf Sammetpfoten dahinlief und vor- sichtig bei jeder Wendung des Weges ausschaute, traf er wieder auf die frischen, großen Fußspuren, die er am Morgen entdeckt hatte. Sie führten auf seinem Wege entlang, und so folgte er denselben, erwartend, bei jeder Biegung des Flußlaufes dem Tier zu begegnen, das sie gemacht hatte. Als er einmal den Kopf um eine Felsecke streckte, wo eine ungewöhnliche langgezogene Biegung des Flüßchens begann. erspähte sein schnelles Auge elwas, das ihn rasch nieder- ducken ließ. Die Spuren, die er gesehen hatte, rührten von einer großen Luchsin her, und da lag sie geduckt vor der zusammengerollten Stachelkugel, gerade wie er es früher am Tage selber gemacht hatte. War er vorhin nur wie ein Schatten dahingeglitten, so wurde er nun der Geist eines solchen, so behutsam kroch er näher, immer von der Seit« und gegen den Wind, bis er dicht an das regungslose, schweigende Paar herankam. Er legte das Schneehuhn neben sich in den Schnee und duckte sich nieder. Dann spähte er durch die Zweige einer niedrigen Tanne auf das Drama vor sich, den wartenden Luchs und das ebenfalls wartende Stachel- schwein, von denen jedes sich fest an das Leben klammerte. Und das Seltsame an dem Schauspiel war, daß für den einen das Leben darin bestand, den andern zu verspeisen, für den andern, nicht verspeist zu werden. So kauerte der alte, einäugige Wolf im Verstecke und spielte in dem Drama auch seine Rolle, indem er auf den glücklichen Zufall rechnete. der ihm auf der Jagd nach Beute, die auch für ihn das Leben war, helfen sollte. Eine halbe Stunde verstrich, dann noch eine, und nichts ereignete sich. Die stachlichte Kugel hätte von Stein fein können, so wen?,) bewegte sie sich, ebenso wie der Luchs hätte zu Marmor erstarrt, der alte Einauge tot sein können. Dennoch war das Leben in allen drei Tieren so mächtig, daß es fast wie Schmerz empfunden wurde, und kaum waren sie jemals so voller Leben gewesen, als sie es jetzt in ihrer scheinbaren Leblosigkeit waren.(Fortfchui< folgt.) Das„ Attentat" mit der Höllenmaschine. Um die Haftentlaffung des Farmers Langfopp. Die Farmer Heinris Cangtopp, der befanatlich am ie geplante Zariferhöhung. es Der Haftprüfungstermin in der Straffache gegen den Die 2. März das sogenannte Höllenmaschinenattentat im Reichsenffchädigungsamt versucht hatte, beschäftigte geffern die Beschlußrammer des Landgerichts II mehrere Stunden. Landgerichtsdirektor Dust hielt dem aus der Untersuchungshaft norgeführten Angeschuldigten Langtopp vor, daß auch sein Leben in Afrifa für seine Neigung zu Gewalttätigkeiten spreche. So habe er an einem schwarzen Bürgermeister eine Körperverlegung verübt, sei allerdings in der Berufungsinstanz freigesprochen worden. Dann miederholte der Vorsitzende dem Angeklagten den Tatbestand, wie er fich aus den Akten ergebe. An jenem 2. März sei Langkopp mit einem Biechtoffer zum Reichsentschädigungsamt gegangen. Blechliste war mit 20 Bfund grobförnigem Schwarzpulver gefüllt und auf der Treppe habe Langkopp einen mit fugellojen Batronen geladenen Revolver hineingetan. Daraus gehe hervor, daß er sich felbst vorher auf dem Wege nicht habe gefährden wollen. Auch habe er dort erst an das Instrument die Zündschnüre befestigt. Die Abficht, Geheimrat Bach bei diesem Attentat mit der Höllen maschine" zu töten, gehe aus seinen Angaben vor der Polizei hernor. Er. Langkopp, habe mit dem Leben abgeschlossen, wer dabei sei, müsse daran glauben! Schließlich machte der Vorsitzende Langfopp auch auf die unberechtigte Höhe der Ente schädigungsansprüche, die er mit 112 000 m. bemelse, aufmerfiam. Langfopp habe die Höhe damit begründet, daß er das felbe verlangen fönne wie die Großindustrie. Sein Fall habe eine große Aehnlichkeit mit dem des Michael Kohlhas. Nach einer sehr langen Beratung der Beschlußtammer ver fündete Landgerichtsdirektor Dust folgende bemerkenswerte Entschei. dung des Gerichts: Es kann dahingestellt b'eiben, ab räuberische Erpressung oder nur Nötigung vorliegt, da dus Gericht dem Urteil nicht vorgreifen will. Bon versuchtem Morde fann gar feine Rede fein. Das Urteil hält jedoch versuchten Totschlag für möglich, da Langtopp, als er im Liegen angeblich auf sich selbst schoß, mit der Möglichkeit rechnen mußte, daß auch Geheimrat Bach töblich getroffen werden konnte. Aber auch das läßt das Gericht dahingestellt, ob es sich in der Folge aufhellen lassen wird. Das Gericht nimmt jedoch als gegeben an ein Verbrechen gegen $ 5 des Sprengstoffgesetzes, und zwar im Gegensatz zu der Baruntersuchung fein versuchtes, sondern ein vollendetes Verbrechen, meil mit der sogenannten Höllenmaschine das Leben des Geheimrats Bach, durch Langkopp gefährdet worden ist. Der dringende Talverdacht eines Verbrechens ist also in jedem Falle gegeben. Zur Abwendung des Fluchtverdachts erscheint die angebotene Sicherheit von 20 000 3. nicht geeignet, weil sie aus fremdem Kapital stammt. Rechtsanwalt Dr. Frey machte den Vorsitzenden auf ein Mißverständnis des Gerichts aufmerksam. Die angebotene Bürgschaftssume solle in Form einer Abtretung der Ansprüche gegen das Reichsentschädigungsamt erfolgen. Das Reichsentschädigungsamt babe den Schadenersaz zwar nicht in der von Langlopp beanspruch ten Höhe von 112 000 m. anerkannt, aber ihm bereits 42 000 m. zugesprochen. Landgerichtsdirektor Dust stellte der Verteidigung antheim, das Anerkenntnis des Reichsentschädigungsamts über die bewilligte Entschädigung dem Gericht zur erneuten Entscheidung über die Haftentlassungsfrage vorzulegen. Dachstuhlbrand in Moabit. Drei Feuerwehrleute verletzt. Der arme Mann fährt am teuersten.- 12 Prozent für niedrige Fahrklaffen. " 1 Ueber der Denkschrift der Reichsbahn zur Berteuerung der Fracht- und Gütertarife liegt noch immer größtes Dunkel. Wir erfahren aber jetzt, daß die 5 Proz. durchschnittliche Tariferhöhung, die die Reichsbahn durchführen möchte, sich ganz besonders gegen die breiten Massen auswirken soll. Offenbar will man 3. und 4. Klasse zu einer einheitlichen sogenannten„ olzklasse" vereinigen, der ein oder zwei vornehme Bolsterklassen" gegenüberstehen werden. Diese profetarische Holzklasse, die die neue 4. Klasse fein wird, soll nicht um 5 Broz., sondern um 12 Pro verteuert werden. Allein auf die 4. Wagenklasse entfielen bisher rund 83 Proz. aller Reisenden. Die vornehmen Bolsterklassen, besonders die 1. Klaffe, find bekanntlich für die Reichsbahn ein Verlustgeschäft, und schon in der Vergangenheit hat man die Personentarise, infolgedessen die breiten Massen, mit Borliebe belastet. Diese Absicht der Reichsbahn hat es allerdings nötig, daß sie geheimgehalten wird. Sie ließe sich unmöglich durchführen, wenn nicht der Verwaltungsrat der Reichsbahn von Leuten beherrscht werde, die am Schutz der breiten Masse der Fahrgäste nicht das allermindeste Interesse haben. Schärifter Protest gegen das allermindeste Interesse haben. Schärfster Protest gegen das Attentat der Reichsbahn ist deshalb notwendig. Die deutschen Wähler merden das am 20. Mai sicher nicht vergessen. Werbematerial verteilen. Sollten Arbeiter auf die Provokation der Uniformierten antworten, dann stehen die als Zivilisten erschienenen Stahlhelmer mit Stöden bewaffnet bereit, auf Andersdenkende einzudreschen. Der Plan wird geheimgebat ten, um zu verhindern, daß die Polizei die Stahlhelmer an der Ausführung der Blanes hindert. Kommunistische Rowdies. Abermals Ueberfall auf das Reichsbanner. Gestern nacht wurden wieder mehrere Reichsbanner= fameraden, die sich nach einer Versammlung auf dem Heim weg befanden, von einer größeren Rotte Kommunisten planmäßig überfallen und mit Schlagringen und Messern bearbeitet. Ein Reichsbannermann wurde durch Messerstiche verletzt. Aus verschiedenen Mitteilungen über die seit dem 2. Mai beim Reichsverkehrsministerium liegende Denkschrift der Reichsbahn über die geplante Tariferhöhung ergibt sich, daß von der Reichsbahn zwei verschiedene Borschläge für die Erhöhung der Per sonenfahrpreise gemacht werden. Der eine Vorschlag sieht bei Beibe haltung des jezigen Vierklassensystems vor bei einer 15prozentigen Tariferhöhung. Danach würde der Fahrpreis für einen Kilometer sich in der 4. Klasse auf 3,8 statt bisher 3,3 Pf., in der 3. Klasse auf 5,7 statt 5, in der 2. auf 8,6 statt 7,5 und in der Einführung der 3 weitlassensystems vor, so daß in 1. auf 12,4 statt 10,8 Pf. stellen. Der andere Borschlag sieht die inführung der Zweiklassensystems vor, so daß in Zukunft die Züge nur noch eine Holz- und eine Bolster flasse führen würden, während die jetzige 1. Klasse als Lupusklasse nur noch in den internationalen Schnellzügen und in den Schlafwagen geführt werden würde. Bei dieser Regelung würde die bisherige 4. Klaffe eine Berteuerung um 12 Broz. zu tragen haben. Der Grundfahrpreis für die Holzklaffe würde sich nämlich auf 3,7 Pf. je Kilometer stellen. Der Grundpreis für die Polsterklasse soll sich auf 5,6 Pf. je Kilometer berechnen. Beabsichtigt ist, den Berufs. verfehr von der Tariferhöhung auszunehmen. stellen erfuhr eine Erweiterung durch Errichtung der 201. Abgabestelle in Berlin N., Bristolstraße Ede Orfordstraße( am Schillerparf). In der tonfumgenoffenschaftlichen Spartasse, standen 515 514,36 Mart Auszahlungen 1228 282.11 Mart Einzahlungen gegenüber; der Einzahlungsüberschuß in Höhe von 712 767,75 Mark steigerte den Einlagenbestand auf 23 452 567,17 Mart. Träume von der Millionenerbschaft. Haltlofe Gerüchte über Nachlaß Emmerich und Astor. Die Leute, die ihre ganze Hoffnung auf eine Millionenerbschaft aus den Bereinigten Staaten sehen, werden niemals alle. Neuerdings spuff es wiederum in den Köpfen über angeblich zu erwartende Millionensegen. Aus dem preußischen Minifterium des Jnnern wird dazu mitgeteilt: Mit der angeblichen Nachlaßsache Emmerich wurden Auslandsvertretungen in New Yort und Philadelphia aus Anlaß zahlreicher früherer Eingaben die amtlichen deutschen fchon vor dem Jahre 1914 befaßt. Die von diesen Dienststellen ange ſtellten eingehenden Nachforschungen waren vollkommen ergebnislos. Der ganze Emmerichsche Millionennachlaß beruht lediglich auf haltlosen Gerüchten. Das deutsche Generalfonsulat in New York erklärt neuerdings, es könne nur wiederholen, daß das immer wieder auftauchende Gerücht von einem Emmerich fchen Millionennachlaß jeder fachlichen Unterlage entbehre. Die Reichsbannerleute gingen in einer fleinen Gruppe den Kottbuffer Damm hinauf. Kurz vor dem Warenhaus Tieh tauchte plötzlich eine große Zahl Kommunisten auf, von denen einige dem " Roten Frontfämpferbund" angehörten. Die Reichsbannertameraden wurden um zingelt und dann drangen die kommunisti schen Rowdys, die sich natürlich in mehrfacher Ueberzahl bejanden, mit Schlagringen und Messern auf die völlig lleberraschten ein. Es kam zu einer Schlägerei, die erst ein Ende fand, als das in zwischen von Passanten zu Hilfe gerufene Ueberfallkommando erschien. Jetzt fuchten die Wegelagerer in echt tommunistischer Ma. nier das Weite und versuchten im Dunkel der Straßen zu ent Im Zusammenhang mit der Sache Emmerich war auch von tommen. Trotzdem gelang es den Polizeibeamten, fünf der Rädels. einem angeblichen Millionennachlaß stor die Rede, an dem führer nach längerer Jagd in der Reichenberger Straße einzuholen die Emmerichschen Erbanwärter beteiligt sein mollten. Die feinerund zu verhaften. Sie wurden der Abteilung IA im Bolizeizeit angestellten Ermittlungen haben ergeben, daß der im Jahre 1912 mit der Titanic untergegangene Banfier Aftor als seine Haupt erben feine Ehefrau und seine beiden Kinder durch Teftament einge feht hat. In Deutschland wohnhafte Personen find in dem Teftament nicht bedacht worden. Mehrere Züge der Feuerwehr wurden gestern in den frühen Nachmittagsstunden nach) Alt. Moabit 116 gerufen, wo im Dachpäsidium zugeführt. Der burdy Messerstiche verlegte Reichsbannerfahl des Borderhauses Feuer ausgebrochen war, Gleich beim ersten Löschangriff ereignete fich ein schwerer Infatt Gin Brandmeister drang mit mehreren Feuerwehrbe cmten über die Treppen nach oben vor. Beim Einschlagen der Bodentür solugen mehrere Stichflammen hervor und verletzten drei Beamte erheblich. Die Verunglückten murden von hinzueilenden Kollegen ins Freie gebracht, wo ihnen Feuerwehrsamariter die erste Hilfe leisteten. Das Feuer konnte nach turzer Zeit auf feinen Herd beschränkt werden. Großfeueralarm tam gestern furz vor 18 Uhr aus der Mustauer Straße 37. In einem Fabrikationsraum der Eisengießerei Spater mar Feuer entstanden, das erst ziemlich spät bemerkt wurde. Als Die Behren an der Brandstelle eintrafen, brannte ein Teil der großen alle lichterloh. Die Flammen hatten bereits einen Teil der Dachkonstruktion ergriffen. Durch starkes Wassergeben aus famerad erhielt auf der Rettungsmache die erste Hilfe. Der überlistete Räuber. Ein fapferes Mädchen ließ sich nicht schrecken. Der erst 25 Jahre alte Gelegenheitsarbeiter Kurt Helfer verfuchte unter der Maste eines Bettlers die Gelegenheit zu Einbrüchen auszubaldomern. Er hat bereits eine erhebliche Zahl von Bor strafen erlitten. In der legten Zeit hat er nach seinem eigenen Geständnis, das er vor dem Großen Schöffengericht Charlottenburg ablegte, wo er sich wegen Einbruchdiebstahls im Rückfalle und ver Das handgebundene Buch. Jedes Bolt hat das Buch, das es verdient. Die deutsche Buch funft hat die erfreuliche Entwicklung von einer progigen Material verschwendung und übel angebrachten Prachtentfaltung zu einer mert und materialgerechten Sachlichkeit genommen. Die Fachund Werbeausstellung der Berliner Buchbindera innung anläßlich des vierzigjährigen Bestehens der Fachschule im Kunstgewerbemuseum mar ein neuer Beweis für die gemehreren Schlauchleitungen fonnte der Brand nach einstündiger luchten Raubes zu verantworten hatte, nur noch vom Betteln gelebt, fundere Gesinnung. Die ausgestellten Arbeiten sind von Buch Tätigkeit niedergefämpft werden. Die Aufräumungsarbei= ten dauerten mehrere Stunden. Die Entstehungsursache konnte noch nicht geklärt werden. Das verunglückte Propagandaauto. Ein fatales Bersehen passierte einem Wahlauto der Deutschen Volkspartei, das sehr wider Willen dazu tam, fozialistische Propaganda zu machen. Das Propagandaauto, das im Westen hielt, um durch eine Mischung von Militärmärschen und Anjprachen volksparteilicher Redner Dumme zu fangen, ließ sehr unerwartet aus seinem Lautsprecher die Klänge der Inter= nationale" hören. Der peinliche Irrtum dieser von einem wißigen Unbekannten unterschobenen roten" Blatte löfte bei den Hörern natürlich helle lleberraschung und stürmisches Gelächter aus. Als man den Irrtum bemerkte, war es leider zu spät, auch der schnelle Hebergang zu einer Mujit, national einwandfreier" Färbung fonnte die Blamage nicht wieder auswischen. Solch unfreiwillige Reflame ist freilich unbezahlbar. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Die Filmprüfstelle hat die öffentliche Vorführung der sozial demokratischen Wahlfilme und die Vorführung im Saal für Jugend. liche unter 18 Jahren verboten. Sie hat an dem Film herumge schnippert und an einigen Bildern Anstoß genommen. Die Deutsch nationalen sind bei der Filmzenjur beffer angesehen. Ihr Wahlfilm darf auch Jugendlichen vorgeführt werden. Die Deutschnationalen wollen ihren Triumph auskosten, sie wollen gerade in den Arbeiterbezirken ihren Film zeigen. Morgen abend werden die Neuköllner Arbeiter mit einer Borführung am Hermannplag beglückt werden. Geheimnisvolle Stahlhelmdemonstration? Der Stahlhelm, Landesverband Berlin, plant am Sonntag, wie man uns mitteilt, eine Demonstration, über die felbft die Mitglieder erst am Sonntag vormittag genaue Aufklärung erhalten sollen. Herr Geldte hat in seiner legten Rede in Magdeburg ausbrüdlich die Aufhebung des Stockverbotes verlangt. Herr Stephani, der Leiter des Berliner Stahlhelms, will anscheinend am Sonntag beweisen, daß man Rundgebungen veranstalten fann, bei denen die Stöcke eine große Rolle spielen sollen. Da Stöde in ge schlossenen Zügen nicht mitgeführt werden fen, hat Stephani folgenden Blan ausgehect: alle Stahlhelmmitglllber treffen sich am Sonntag vormittag in ihren Berkehrslotalen. Ein Teil soll in 3ivil erscheinen. In den Lokalen erhalten die Unterführer genaue Anweisung. Er geplant, die Mitglieder nach einem bestimmten Stadtbezirt zu dirigieren; bort follen dann bie uniformierten Stahl. heimer ohne feite Sugformation durch die Straßen marschieren und weil er, nach seiner Angabe, trotz aller Bemühungen wegen feines steifen Armes nirgends Arbeit finden konnte. Daß er immer einen Dietrich bei sich hatte, entschuldigte er damit, daß ihm sein Wohnungsschlüffel abgebrochen war, so daß er gezmungen mar, damit seine Tür zu öffnen. In dem Hause Medlenburgische Straße 92/93 ift er schon vor dem Einbruch am Sonntag, dem 1. April, mehrfach beobachtet worden und fiel durch sein verdächtiges Benehmen auf. Er scheint sich immer die Sonntage ausgesucht zu haben. Die Hausangestellte Martha Sommer hatte ihre Kammer im Flur neben der Waschküche, während die Herrschaft oben wohnte. An jenem Sonntag war Helfer wieder in dem Hause als Bettler erschienen. Da auf sein Klopfen niemand öffnete, verschaffte er sich mit dem Dietrich selbst Eingang in die Kammer. Dort pacte er eine goldene Uhr, einige Ringe, zwei Kartenspiele und ein Bund Schlüssel in seine Tasche. Ehe er davongehen konnte, tam das junge Mädchen plöglich von oben herunter. Beim Betreten des 3immers erfaßte sie ein großer Schreck bei der Erinnerung daran muß die jugendliche Zeugin bitter weinen. Der verdächtige und schrie sie drohend an. In ihrer Angst goß das Mädchen Mann, der ihr schon mehrmals aufgefallen war, stand vor ihr ihm einen Zopf mit heißen Wasser, den sie in der Hand hatte, ins Gesicht und fügte ihm Brandwunden bei. Der Räuber packte sein Opfer aber, hielt ihm.den Mund zu und suchte das Mädchen, das er auf das Bett geworfen hatte, zu würgen. Aus Schmerz mußte er aber mit der Hand sich an das verbrühte Gesicht fahren, so daß das Mädchen den Mund frei betam. Sie bat ihn flehentlich, sie leben zu lassen, sie werde ihm alles Geld geben. Die Herrschaft sei nicht zu Hause, und sie werde das ganze Geld von oben herunterholen. Nachdem sie dem Räuber noch 5 Mart aus ihrem Gelde gegeben hatte, und auch 3inffalbe für die Brandwunden, ging sie hinauf und Helfer wartete unten vor der Tür der Kammer auf ihre Rückkehr. Daß das Mädchen nur eine List angewandt hatte, um Hilfe herbeizurufen, sei ihm, so erflärte der dadurch übertölpelte Räuber, nicht eingefallen. Er mar daher jehr überrascht, als plöglich Leute famen und ihn festnahmen. Das Gericht verurteilte ihn jezt zu 2 Jahren 6 Wochen Gefängnis und 3 Jahre Ehrverlust. Der Staatsanwalt hatte 3 Jahre Ge fängnis beantragt. Neue Umfassteigerung im Konsum. bindern oder solchen, die es werden wollen, geschaffen. Es ist gut, wenn in unserer Zeit das Handmert nicht ganz hinter den Maschinen zurüditeten muß. Das Ausgestellte steht auf hohem tünstlerischen Nineau und zeugt von technischem Können der Schülerarbeiten. Es waren auch viele Arbeiten von Frauen zu sehen. Bestimmt fönnen die Frauen in der Buchbinderei gute Leistungen erzielen, es mag nur an Maria Lühr erinnert werden. Wie es im Wesen der Handarbeit liegt, mar die größte Sorgfalt auf die Gestaltung der Lugusbücher gelegt; die Massenbücher famen etwas zur furz dabei. An Hand von Abbildungen aus der Anfangszeit der Bücher, angefangen bei den ägyptischen Ausgrabungen von toptischen Einbänden und Papyrus- Fragmenten, über Einbände von alten deutschen Kirchenregiſtern fonnte man die Fortschritte der Buchkunst betrachten. Es ist sicher schon viel geleistet; aber es bleibt auch noch manches zu tun übrig, bis jedes Buch die Form hat, in der man es gern aufheben möchte. Die Buchbinder, die mur eine Im Monat April erwarben 1855 Haushaltungen die Mitglied schaft in der Berliner Konsumgenossenschaft, wodurch sich der Mit. gliederbestand auf 153 301 hob. Der Umia stieg um 953 980 Mart oder 25,2 Proz. gegenüber dem gleichen Monat des Barjahres und betrug 4 727 010 Mart. Die vergangenen zehn Mo nate des laufenden Geschäftsjahres brachten einen Umjazz von 42 257 025 Mart, womit das Umfaßergebnis des ganzen vorigen ont Geschäftsjahres bereits um rund 2 Millionen Mart überschritten wurde. Die höchfte prozentuale Umfagvermehrung weift im April mieberum die Warenhausabteilung mit 233 Bro auf. Das Ret der tonfumgenossenschaftlichen Lebensmittelabgabe Wie oft hab' ich das schon empfohlen: Wer aus dem Mund riecht soll odolen! Man nimmt dazu Odol allein, dol masht Mind und Zähne rein Keine STmlefe l ö ck l e r(mit volksparteilicher Gösch) aus! Kampf um den Kall Rosen. Wirtfchastenn und Druder des Ermordeten im ZivNstreit. Der Fall Rosen will nicht zur Ruhe kommen. Das Ermittlungsverfahren gegen die Mörder des Professor» und besten Hauswarts befindet sich noch immer auf dem toten Punkt. Die Vreslauar Polizei, die die Wirtschafterin des Ermordeten, Frau N e u m a n n, bald verhaftete, bald enthaftete, fahndet noch wie vor vergeblich nach die unbekannten Täter. Unterdeh macht aber Frau Neumann ihre Ansprüche auf den Teil der Erb- schaft geltend, den ihr Prof. Rosen, mit dem sie Jahrzehnte zusammen gelebt hat und dem sie mehr war, als bloß eine Wirt- ichasterin, hinterlassen hat. Dies« Ansprüche stoßen ober auf Wider- spruch beim Bruder des Profestors, dem Minister a. D. Rosen. Er sardcrt, daß die Entscheidung des Gerichts in der Erbschaftssache bis zur Erledigung des Strasoerfahrens gegen Frau Neumann aus- gesetzt werde. In der gestrigen Gerichtsverhandlung widersprach der Vertreter der Frau Neumann dieser Forderung. Das Gericht gab ihm recht: es lehnte den Antrag, da» Verfahren bis zur Erledigung des Strasprozcstes auszusetzen ab, und gewährt« ihm lediglich«ine Frist von zwei Wochen, damit er sich ans den Schriftsatz der Klägerin äußere. Mitte Juni soll dm» die richterliche Entscheidung fallen. Der Wahlausschuß der sozialdemokratischen Polizeibeamten s Groß-Berlins hatte vor kurzem in Haoerlands Festsälen eine öffentliche Polizeibeamtenoersammlung einberufen. Es sprachen die Genossen Schräder und Klenz über„Was erwarten die Polizei- beamten von den kommenden Wahlen". Genosse Schräder wies in seinen Ausführungen daraus hin, daß es falsch wäre, weun sich die Beamtenschaft nicht genügend für die Wahlen interessierte, da sonst die Gefahr besteht, daß sie Abgeordneten der Parte, sich auch stir die Beamten nicht interessierten. Gerade, die Beamten sollten in den Bersammlungen sich mit ihren Kandidaten über ihre berechtigten Forderungen auseinandersetzen. Es ist die Pflicht der Beamten, bei den politischen Parteien mitzuarbeiten. Im Jahre 1019 war der Wille der Mitarbeit erheblich bester. Das lag wohl daran, daß die Verhältnisse der Borkriegszeit noch aus die Beamienschast stärker ein- wirkten als heute. Die Rechtspartelen haben im Reichstag voll- kommen versagt, und für die Beamtenschaft gibt es nur eine Lösung: Schulter an Schulter mit derArbeitnehmerschalt in der SPD. zu stehen. Die SPD. ist die einzigste Partei, die schon vor 50 Jahren sich für soziale Einrichtungen eingesetzt hat und deshalb die beste Gewähr sür die Erhaltung des Benifsbeämtentums bietet. Genosse Klenz stellt mit Bedauern fest, daß ein großer Teil der Beamten immer noch den Dentschnationalen nachlaufe, trotzdem diese vor den Wahlen alles versprochen und später aber nichts hielten. Für Großgrundbesitzer und I n d u- st r i e l l e haben sie gesorgt. Staatliche Subventionen, die bis in die Millionen gehen, Steuerstundungen und Schutzzölle haben sie auf Kosten der breiten Masse durchgesetzt. Die Deutschnationalen ver. langen die Entvolitisierung der Polizei» meinen aber damit, sie soll deutschnotionak werden. Der Beamte der Vorkriegszeit mußte kaisertreu sein und wenn man heute sordern wolle, all« Beamten müssen Republikaner sein, würde es ein Auf. rühr in der Rechtspresse gebe». An die Ausführungen der beiden Redner schloß sich eine rege Diskussion. Die gemachten Ausfühnin- gen fanden in nachstehender einstimmig angenommener Entschließung ihren Niederschlag: Entschließung. „Die am 4. Mai 1928 von dem Wahlausschuß der sozialdem»- kratiscken Polizeibeamten Groß-Berlins noch Havellands Festsälen einberufene öffentliche Dersammlung der Polizeibeamten Groß- Berlins billigt die von der, SPD. für sozialen Fortschritt und. wirt- schaftliche Besserstellung der Beamtenschaft stets verfolgte Politik. Unwiderlegbare Tatsachen, besonders auch bei der in den Parla- menten von den einzelnen Parteien für die Beamtenschaft geleisteten Arbeit, müssen gerade die Polizeibeamten davon überzeugen, daß allein die SPD. die Interessen der Polizeibeamten, vornehmlich der mittleren und unteren mit Entschiedenheit vertritt. Die Versamm- lungstellnehmer sind sich daher einig» daß bei den kommenden Wahlen von ihrer Seite jede Stimme der SPD. gehören muß. Sie erwarten jedoch, daß die berufenen Vertreter der SPD. rücksichtslos ein« wirklich demokratische Personalpolitik beider Polizei durchführen, keine falsche Langmut gegenüber rückschrittlich eingestellten Elementen zeigen und für Verbesserungen in Wirtschaft- sicher und dienstlicher Hinsicht Sorge tragen." Kür Frieden und Republik! Unter dem Stichwort:.Die Reichstagswohlen und der Friede" hatte die Berliner Ortsgruppe der Friedens- g e s e l l s ch a f t eine öffentliche Dersammlung in das Gymnasium Dorotheenstraße einberufen. Redner der verschiedensten Parteien legten ihre Einstellung zur pazifistischen Bewegung dar. Für die Sozialdemokratische Partei sprach der Führer de? A D B., Ministerialrat a. D. Geiwste Falkenberg. Er betonte, daß eine Befriedigung Europas ohne eine konsequente Aus- söhnungspolitik umnöglich sei. Es liege nicht in unserem In- tereste, die Verständigungsbereitschaft Poincares anzuzweifeln. Poin- cares Umstellung und Bekehrung sei ganz offenbar. Es wäre sinn- los, den Völkerbund zu verneinen. Wir müssen in ihm und mit ihm arbeiten, um ihn da auszubauen, wo er unvollkommen und reformbedürftig ist. Es folgten Redner des Zentrunis und der Kommunisten. Die geladene Vvlkspartei hatte es vorgezogen, nicht vertreten zu sein. Dem dentschnationalen Parteiyorsitzenden Grafen Westarp ist es vor einigen Tagen in Pankow nicht gelungen, trotz aller Pro- paganda den Versammlungssaal, in dem er sprach, zu füllen. Di« Sozialdemokratie hat ihm gezeigt, welch« Partei im Wahl- kämpf 1928 die Masten sammelt. Als die Sozialdemokratie in den großen Saal des Lindnerfchen Konzerthauses rief, da mußten viele Besucher umkehren, weil der Raum überfüllt war. Die Rednerin. Landtagsabgeordnete Kuhnert, legte dar, was die Sozialdemokratie will, und der stürmische Beifall zeigte, daß di« Versammelten wissen, worum es am 20. Mai geht.— Der Versamm- lungsleiter wies den empörten Zuhörern die Werkzeuge, die zur Z e r st ö r» n g des großen sozialdemokratischen Lichttransparents de« nutzt wurden. Ein neues großes Transparent ist angebracht, dessen Inschrift lautet: Politische Bubenhände zerstörten obiges Transparent in der Nacht von Montag auf Dienstag, dem 8. Mai. SPD. Rudolstadt-Aew �ork. Oas neue Flugprojekt Zürich-liffaboa— Azoren. Wie die Landeszeitung in Rudolstadt berichtet, stnd nunmehr alle auf den Ozeonflug Rudolstadt— New Park bezüglichen Verträge abgeschlossen. Erster Pilot ist R i st i e z, als Navigator reist mit n. Bentheim, als Journalist Walcher Heuer. Rstticz wählt die Route Zürich— Lissabon— Azoren— New Dork. Die Maschine kann frühestens in acht Tagen in Nudolstadt ein- treffen. Der Vertrag mit Rudolstadt ist aufrecht erhalten worden, obwohl z. B. eine Industriestadt 100 000 Mark dafür geboten hat, daß der Start auf ihrem Flugplatz stattfinde. Tannendickicht das kopflose Skelett«ine» erwach- ! jenen Mannes aufrecht in den Schuhen stehend gegen einen Daum gelehnt. Bon einem Ast baumelte ein kurzer Strick. Den Kopf des Toten fand man etwa zehn Meter weiter entfernt. Einige Kleidersetzen und«in Hut lagen zerstückelt umher. Der Spazierstock des Toten steckte in der Erde. Weiter wurde an dem Ort nichts gesunden, aus dem man auf die Person des Toten schließen kann- Die Untersuchung wurde sofort eingeleitet. 200 Speiseeis-Erkrankungen. Zwei Kinder gestorben. z» Dorfe»chl-rf-Ugen-Nnlse». SejM SMec,« (rauften über 200 ftindet nach dem Genuß von Speiseein Zwei tttader find bereits gestorben. Die pollzeMche Untersuchung wurde sofort eingeleitet. Das Skelett ohne Kops. Grausiger Fund in einem Duisburger Wald. Der Duisburger Polizei wurde von einem Manne die Mitteilung gemacht, baß er bei einem Spaziergange durch die Wal- düngen von Angermund plötzlich auf ein Skelett ge- stoßen sei. Daraufhin begab sich ein« Streife der Kriminalpolizei nach Angermund. Sie fand dann auch nach einigem Suchen im vte preußisch« Laul>e»psavdbri«si»stalk. Serkw. legt in der Zeit vom 15. Mal bis 4. Juni lS28 2 Millionen Goldmarl 8 prozentige Goldmark- psandbriese. Rest der Reihe XI, zum NorzuzSkurs« von?7�>c> Proz.(letzter Börsenkurs 98.25 Proz.) und 2 Millionen Goldmorl 8 prozentige Gold- mark-Komlnunalobiigationen Reihe XU zum BorzugSkurse von 95.25 Proz. (letzter Börsen tur« 95.70 Proz.) zur ösfeiitllSen Zeichnung aui. Die Werte, in Stücken zu 100, 200, 500, 1000 und 5000 Goldmark erhällllch. find mit halbjährlichen ZmSfcheinen versehen und di» zum Jahre 1923 seitens der Anstalt unlündbar. ZeichnungSschlutz ist der 4. Juni 1928, falls nicht Ueberzeichnung den Listenlchlutz zu eine» früheren Termin notwendig werden läßt.(Siehe Anzeigenteil.) vom Sprechchor au der llaiverfiiät. Die vom Sprechchor an der Nntverfität und an der Deutschen Hochschule sür Leibesübungen, Berlin, unter Leitung von Dr. Wilhelm Lehbausen zum April- Mai 1928 angesetzt« Aufiührung der„Stationen au» Goethes Faust" mußte wegen technischer Schwierigkeiten auf de» Anfang der nächsten Spielzeit verlegt werden. In der abendlichen Unterhaltung wurden drei Darbietungen verschiedener Art zusammengefaßt. Si« fügten sich freundlich und gefällig zueinander. Bon hoher Qualität war das Eellokon- z e r t. zu dem sich Emanuel Feuermann und Bruno Seid» l�r-Winkler vereint hatten. Cornes Bronsgeest ließ sich mit Schumann-Liedern hören. Sem Stolz über sein in letzter Zeit wieder gepflegt klingende» Organ sollt« ihn jedoch nicht vergessen lassen, daß Lieder ein« ganz andere Straffheit des Bortrages verlangen. als Operettenpartien. Bruno Seidler-Winkler am Flügel Halle manchmal alle Not damit, saubere Tempi zu hallen. In der dem toten Carl Hauptmann gewidmeten halben Stund« berichtet« Karl Wilczynfki persönliche, sür die Allgemeinheft nicht immer sonderlich interessant« Erinnerungen an den Dichter. Edith von Herrnstadt-Oettingen las verständnisvoll und mit schöner sprachlicher Schulung aus den Werken Carl Hauptmanns.— Dr. Kurt Zielenziger begann einen Zyklus„Die Zukunft Berlins" mit dem. Bortrag„Einheitsgemeinde oder 20 Bezirk«". Er schildert« darin die Entwicklung unserer Reichshauptstadt zur heutigen Wer<- Millionenstadt. Seinen letzten, wesentlichsten Aufschwung konnte Berlin erst nach der Revolution nehmen. In der wilhelmmischen Aera hatte man aus Furcht vor den politischen Folgen versucht, die Vorortgemeinden gegen Berlin auszuspielen und dies« daher voll- ständig von Berlin losgelöst und zum Teil zu selbständigen Städten gemacht. Man komite indessen schon damals nicht hindern, daß sich «in Zweckverband Groß-Berlin bildete. Durch den sozialdemo- kratischen Minister Paul Hirsch wurde nach der Revolution die Not» wendigkeit der Einheitsbestrebungen Groß-Berlins erkannt und energisch gefördert. Tes. Wetterbericht der öffevlllcheu wetterdienststell« Berk» and Umgegead (Kaibt. o«rb.) Meist wolkig mit«twaS Regen, wieder ek wenig wärmer. — Zür veutschlaad: Ueberau etwa» wärmer, in der nordwestlichen Hötste tzieliach leichte Niederschläge. Fltcnbeiu«echt Cherreara 4 ftSO mit belse-roes Kappe,«cht Goodyear gewtadd*.• r r......— 6Xie s e�cne Verkaufsstellen. ÖV. davon in ürob-Berlin und Potsdam: C, Spittelraarkt 14 N, Fric wahren kann. Unter einem plötzlichen Windstoß schlagen die Fammen fünf und mehr Meter hoch, so daß die Menschen, die wie gespenstische Schalt?» herumstehen, zurückweichen. Arbeiter erzählen von einem Kollegen. der auf dem Wege durch das Moor von den. Flammen abgeschnitten worden ist, und oer, um ihnen zu«ntgelzen, einen Kanal zu durch- schwimmen oersuchte, wobei er ertrank. Seinen Holzschuh hat man aus dem Wasser treibend gesunden. Ein Schisf, das nicht rechtzeitig aus dem Bereich des Feuers kam, ist verbrannt. Dutzende solcher Geschichten, die die Schrecke» der vergangenen Tage besser beleuchten als alles was ineine Augen sehen, werden mir erzählt, wie ich jetzt an der Brandstell« entlang wander« zum Hauptangrifsspunkt des Brandes. Hier erst, wo ganze Torfhaufen in hellen Flammen stehen, ist die Gewalt zu ersehen, mit der dos Feuer wütet, dos über Straßen und Kanäle hlnwcgsprong, um«in halbes hundert Häuser und Tausend« von Torfhaufen zu fressen. Das viele hundert Quadro!- kilometer Torfland mit Verderben überwog. Hier steht auch die aus allen Orten der Umgebung und die aus Amsterdam gekommene Feuer- wehr im Kampf gegen große Haufen brennenden Torfs, die wie frisch- ausgcstoßener Koks gegen den Himmel glasen. Kiiometerlang sind die Schlauchleitungen, die gelegt werden mußten, um das Wasser an den Brandherd heranzubringen. Nicht, um das Feuer zu löschen, sondern nur, um es beschränken. Nur, um den Boden zu nässen, die noch nicht angegriffenen Torshausen zu retten; denn was die Flamm« anfraß, das ist verloren. Und während die Feuerwehrleute, vom Rauch geschwärzt, unermüdlich ihre Schläuche gegen das schwelende Moor halten, stehen auch hier Hunderte von Schaulustigen untätig und blicken zu. Kaum jemand hilft den Menschen, die ihr Hab und Gut aus den Häusern bringen, um es zu retten. Nicht ein- mal der Brandmeister vermochte mit seiner Autorität einen der im Auto Hergekommenen dazuzubringen, ihm sein Auto zu leihen, um vom Nachbarorte«in Teiephongejpräch durchführen zu können. Es ist ja nicht das Hab und Gut derer, die von Scheveningen, Amster- bom und anderen Orten hierherkamen, um eine Sensation zu er» leben, dos hier verbrennt, es ist ja nur das Gut anner Bauern, die ein Bierteliohr oder mehr umsonst gearbeitet haben und die oben- drein ihr Heim verloren. An immer mehr Stellen züngeln nun, wo die Dunkelheit her- einbricht, die- Flammen auf. Den Schlauchleitungen nachgelicnd, komme ich zum Kanal, an dem die Spritzen stehen. Eine Motor- spritze steht auf einem Kahn, andere am jenseitigen Ufer. Eben ist man dabei, mit Hilfe eines Schiffes neue Schlauchleitungen über den Kanal zu ziehen. Stück wird an Stück geschraubt, bis ein neuer Mund bereit Ist, mit ungeheurem Druck das Wasser in das Moor zu spritzen, das zu trocknen, Sinn der Arbeit der Menschen ist, die hier wohnen. Neben den Motorspritzen, die mit lautem Getöse arbeiten, stehen in dichten Kolonnen die Automobile der Neugierigen und Reporter. Hundert« von Fahrrädern stehen dabei. Gestern sollen soviel Automobile hier gewesen sein, daß alle Straßen verstopft waren, so daß selbst die Feuerwehr Mühe hatte, vorwärts zu kommen. Dunkler noch wird es. Gespenstisch merden die Umrisse der Menschen, die die Glut umlagern. Höher lecken die Flammen am Horizont. Rot ist der Himmel. Weiter dehnt sich nun, da auch das kleinst« Feuer sichtbar wird, der Brandherd. Die Auto» derer, die nur zum Schauen kamen, kurbeln an. Die Radfahrer sitzen auf. Nur einige Unentwegte bleiben, um der Feuerwehr zuzusehen, die in der kommenden Rocht noch Gewaltiges zu leisten hat. Ein Lastauto, dos Benzintanks für die Motorspritzen herangebracht hat, nimmt mich mit zu meiner Station. Mit flottem Tempo rattert der Wagen voran. An Häusern kommen wir vorbei, vor deren Türen fremder, hierher geretteter Hausrat sich türmt. Die Lichter der Straßenlaternen spiegeln sich in stillen Kanälen. Durch Erica kommen wir, wo schon die Menschen unberührt hinter ihren erleuchteten Fenstern sitzen. Nach Nieuw-Amsterdam führt der Weg. Stockfinster ist es nun, aber je dunkler es ward, desto heller wird der Widerschein des Feuers am Horizont. Ein Auto kommt uns entgegen. Männer fitzen darin, die zum Feuer wollen. Sie halten uns an und fragen nach dem Weg. Fragen-»-!» es nch lohnt, sie möchten das Schauspiel gern sehen. »O. es lohnt noch," sagt der Chauffeur. .Und der Weg?" .Fahren Sie nur immer dem Schein nach, dann fehlen sie den Weg nicht." .Danke." .Bitte." Das Auto fährt weiter mft denen, die, ein Schauspiel zu sehen, ihre Nochtruhe opferten. Ob sie wohl Verständnis haben für die. die in dieser Stunde nicht wissen, wohin sie sich betten sollen, well das Feuer sie gegen ihren Willen um ihr Obdach brachte. Ilnd ob wohl morgen der ersehnte Regen kommt, der den Menschen hilft im Kampfe gegen das Feuer? Fröstelnd ziehe ich mich auf dem offenen Wagen zusammen. Am Himmel steht immer noch der helle Schein der Flammen. Das Moor brennt. Eine Woche schon. Erich Grisar. Aus dem Qben des kleinen L. Bon Lotte Arnheim. De? kleine Inowrazlaw(wir wollen ihn kurz den kleinen I. nennen), war ein rothaariger Lausejunge, der absolut nichts mit sich anzufangen wußte, wenn seine Taschen ohne Geld waren. Heute nun kam ihm der rettende Gedanke, sich einmal selbst zu belauschen und da« zu Papier zu bringen, was in ihm wühlte und gärte. Er krempelte sein Inneres vorsichtig um und fand darin das Verlangen nach der gewürielten Krawatte im Schaufenster des Union-Klubs, einige säuberlich zusammengerollt«, boshaft gepfefferte Sachlich- ketten und In einer ungestörten Ecke eine dicke glatte Kugel: das Phlegma. Nach eingehender Musterung packte der Keine I. diese Scherzartikel wieder fort, sah nicht«in, worum man nicht ebenso gut wie sich selbst auch andere belauschen könne, nahm ein umfangreiches Diarium, schrieb mit gespreizter Feder und gerunzelter Stirn .S« l b st e r l a u s ch t e s" auf die noch keuschen Seiten, ergriff Mantel und Hut und begab sich ins nächst« Caft. » Der kleine 5. betrieb sein« Studien unter der Voraussetzung, daß auch der unzugänglichste Mensch unwillkürlich momentelong sein wahres Gesicht zeigt, wenn man ihn in Wut versetzt. Er ver- stand es geschickt, sein« long ausgestreckten Bein« sich mit denen der Vorübergehenden verheddern zu lassen, mit wie zufällig umstürzen- den Tassen und Gläsern nichtsahnende Anzüge zu verderben, samt- liche vorhandene Zeitungen zu konfiszieren, die«r selbst zwar nnt keinem Blick streifte, deren Besitz ihm aber erfreullcherwesie die un- erfüllten Wünsche anderer verkörperte. * Der kleine 5. strahlte. Man schenkt« ihm heut« entschieden Be- achtung. Das Diarium auf dem Schreibtisch würde schon voll werden von all den wütenden Blicken, gezischelten Bemerkungen, kirschrot herausgebrüllten Drohungen. Sogar eine Ohrfeige hatte man ihm gewidmet..... * Am Nebentisch saß ein« Dame. Sie stützte lässig d?n Kops in die hohl« Hand und blickte traumverloren In eine Ecke, m der es nichts zu sehen gab als ein« große Leer«. Aber gerade diese große dunkle Leere bot Berwandte», schmeichelte dem Blick.... Der klein« I. begriff solch törichte Versunkenheit nicht und be- schloß frivol, sie zu stören. Cr setzte sich mit dem Hut aus dem Kops an ihren Tisch, ohne.zu grüßen oder um Erlaubnis zu fragen, liebkost« den zierlichen Rehpinscher der Dame al» den allerliebsten Mops, den er je im Leben gesehen, blies ihr übelriechenden Zigarrenrauch gerade ms Gesicht und ergriff zu guter Letzt ihr Hand- täschchen, um sich der Puderquast« zu bedienen. » Die Dame schenkte ihm einen leicht befremdeten, uninteressierten Blick, dessen wunderbarer Ernst den kleinen I. seltsam berührte. Es durchschoß ihn. daß alles, was in dieser Frau vorging, der Mühe wert sein müsse. gÄwcht zu werden. Er konnte es nicht ver- hindern, daß sich fein Rücken zu einer beinahe korrekten Ver- beugung herabbog, daß sein« Hand mechanisch den Hut vom Kops nahm. Er sah lang« in dieses Gesicht, dessen edle Ruh« schwer er- warben schien, und es passierte ihm etwas ganz Neues, Schreck- liches: Er. der klein« kam sich völlig belanglos vor. * Der klein« I. entfernte sich m einer eigentümlichen Verfassung und mft unbezwinglicher Sehnsucht nach irgendeincpi freundlichen Lächeln. Unterwegs hatte er dos Gefühl, als ob sich seine zusam- mengefoltet« Seele longsam entrollt« und die dicke glatte Kugel in fernem Innern sich unruhig hin- und herbewegte. Er schenkte einem kleinen Jungen sein« restlichen paar Groschen, ohne dafür Sorge zu tragen, daß dieser sie im nächsten Moment wieder fallen lassen mutzt«, eilt« nach Haus«, nahm das Diarium vom Schreibtisch und warf es mit einer an ihm unbekannten impulsiven Hast in« Feuer._" Dante Gabriele Rossetti. Zu seinem-100. Geburtstage am 12. Mai. Ein italienischer Maler namens Gabriel« Rossetti kam mit 21 Iahren nach Neapel und wurde dort Konservator am könlg- lichen Museum. Er hängte die Malerei an den Nagel und ergab sich mft um so größerem Eifer der Dichtkunst. Er war«in sanfter und frommer Mann, dieser Rossetti, ober was da um ihn her vor- ging, das konnte ihn unmöglich gleichgüllig lassen. In Neapel herrschte unter der dekadenten Bourbonendynastte eine abscheuliche Mißwirt- schaft. Italien war überhaupt in lauter kleine Territorien zerrissen, ein Sprelball der Ausländer. Da war der Kirchenstaat, da war Habsburg. Rossetti wurde der Wortführer der Revolution, jener Bewegung, die sich das»Junge Italien" nannte. 1820 kam die Bombe zum Platzen. Noch war es zu früh zu einer Einigung Italiens: die Reaktion siegte mit der brutalen Gswall der Bajonette. Der Mufeumsbeamte suchte Zuflucht auf einem englischen Schiff, das im Hafen lag, und das ihn nach Malta«ntsührt« und 1824 nach London. Hier, in dem berühmten Asyl aller politischen Flücht- ling«. ließ er sich als Sprachlehrer nieder und wurde Professor an »Kings College". Obgleich guter Katholik, fuhr er fort, den Papst o!s Beherrscher des durch und durch verrotteten und allem natio- nalen Fortschrftt feindlichen Kirchenstaats anzugreifen. Dante er- schien ihm als der Borkämpfer für die Cinigung Italiens. Nach ihm, feinem Abgott, nannte er sein zweites Kind Dante Gabriel». Vom Vater erbte der Junge wohl die malerische und lyrische Begabung, aber nichts von seinem revolutionären Tempera- ment. Das England, in dem er aufwuchs, hatte seine radikale Tradition gründlich verleugnet. Seit der französischen Revolution war es der Hort der Reaktion geworden, der das wüste Treiben der »Heistgen Allianz" auf dem Kontinent segnete. Man hatte alle Hände voll zu tun, um das jung« Jndustrieproletariat, das unter einer unbe- schreibstchen Ausbeutung körperlich und seelisch litt, im Zaum zu . Das Bürgertum entwickelte in dieser Zeit unerhörten materiellen Aufschwungs, die man die„Diktorianische Aera" nennt, jene widerwärtige heuchlerisch« Frömmigkeit und Sfttsamkeit. mit der man alle Laster und Schwären am Volkskörper zudeckte: jene Scheinhelligkeit, an der die angelsächsische Welt bis auf den heuttgen Tag krankt. Wer in dieser muffigen Atmosphäre auch nur ein Wort von ..Rückkehr zur Natur" äußerte, wurde von allen Betschwestern in Hosen und Unterrock In Acht und Bann getan. Ueber Religion und Polftik zu reden, galt als Zeichen mangelnder Kinderstube. Man schwindest« sich im besitzenden Bürgertum ein« Wolke von Schönheit und Edelmut vor, in der man sich gegen das gemeine schlechte Volk, gegen den»Pöbel", abschloß und einhüllte. Der Hospoet T e n n y» s 0 n blies dazu seine lyrische Schaimei. Indessen gab es doch ein paar kluge Köpfe, die dieser Schwindel anwiderte. Bezeichnender- weise waren es Künstler, nicht Politiker. John R u s k i n trat auf und sein Freund William Morris und forderten, daß man wenig- sten» in der Kunst wieder ehrlich sein solle, wenn man es schon im Leben nicht sextig brachte. Die Bewegung, die Ruskin ins Leben rief, ist der vergleichbar, die— offenkundig von seinen Ideen be- einflußt— Ferdinand Avenarius mit seinem„Kunstwart" dreißig Jahre später bei uns entfacht hat. Beide stnd gewiß sympathisch und prÄgen allerhand Richtiges: nur sie fangen nicht beim Wessnt- lichen an— bei der sozialen Frage. Sie bauen ihren ästhetischen Zukunftestaat aus Modder anstatt auf Felsen. So taten sich In London im Jahre 1848 sieben junge und be- geisterte Künstler zusammen und gründeten eine»Präraffaeli- tische Bruderschaft". Sie versprachen sich das Heil von einer Kunst, die an die Anfänge der Renaissance in Italien anknüpfte, an die liebenswürdigen und frommen Meister vor Raffael. Die ahnungslosen Schwärmer übersahen dabei zweierlei: daß die Kunst des 15. Jahrhunderts in Italien keineswegs primitiv und kindlich, sondern im Gegenteil schon recht raffiniert und unreligiös ist,.und ferner, daß es mehr 4» naiv ist, einen historischen, d. h. toten Sftl wieder lebendig mächen zu wollen. Nur eine vollkommen rat- und führerlose Zeit kann auf einen solchen Uüsinn versallen. Die..Bruderschaft" hatte ein Borbild: die„Nazarener", jene j deutschen Maler in Rom. die unter Cornelius, Overbeck und Schnorr von Carolsfeld«ine Gesellschaft zur Rettung der heftigen Kunst vor Verwestlichung und Berührung mit der Gegenwart gegründet, in» zwischen ober langst Schiffbruch erlitten haben. Indessen für die englischen Künstler wirkt« dieses Programm der»Nazarener" un- gemein anfeuernd. Leiter der.Bruderschast" wurden John Everett M i l l a i s. Holman Hunt und unser italienischer Einwaiftzerer Dante Gabriele Rossetti. Er zog die Bewegung auch literarisch auf. in Form einer Zeitschriit, die sich„Ger m" nannte— zu deutsch „Keim". Es hat sich nichts Gescheites aus diesem„Keim" entwickelt: nach vier Nummern ging er«in. Aber auch aus der Erneuerung der.Kunst nach astitalienischem Rezept ist nichts Gescheites geworden. Kein Mensch versteht heute mehr, daß man wegen dieser schalen, flauen, blutleeren Malerei einmal ein solches Geschrei gemacht hat. Der schwindsüchtige Typ des Florentiners Botticelli hat es ihnen angetan, der den Tod einer dekadenten Gesellschaft so erschütternd angedeutet hatte in den Tagen des Sozialrevolutionärs Savonarola. Aber diese englischen Frauen um 1880, ob sie sich nun griechisch oder italienisch yd« biblisch geben, wirken nur peinlich: die gewaltsam unterdrückte Sinn- llchkeft, die Erschloffung einer verfaulten Klasse, die sich nicht offen auszusprechen wagt, schwelt in ihnen unter einer mystischen Maske. Sie stnd durch und durch Kinder ihrer Zeit und ihrer Gesellschaft. Sie find echt viktorianisch. Burne Jones und Waller Crane hoben dann später wenigstens äußerlich an Rossetti und seine Prä- raffacliten angeknüpft. In der heutigen englischen Knnst ist kaum mehr etwas übrig geblieben von der„Bruderschaft", trotz ihrer so überaus edlen Ab' sichten. Immerhin ist der Fall Rossetti— Dante Gabriele ist auch als Lyriker in frommen, weitab gewandten und wirklichkeitsfernen Sonetten hervorgetreten— psychologisch recht interessant Dr. Hermann Hieber. . 375 ovo 000 ovo 000 Reichsmark. Nach einer Berechnung des j amerikanischen„Bureau of Internal Revenue" beträgt der Reichtum der Vereinigten Staaten zurzeit 2� Trillionen Dollar. Das Ein- kommen der 117 Millionen Einwohner im Jahre IS27 betrug nahezi: SO Billionen Dollar, das bedeutet env Plus von 43 Proz. fett dem Jahre 1021, in dem das Einkommen auf 63 Villwnen Dollar ver« enichlagt wurde, Theater Lichtfpicie Efw. Deutsches Theater Norden 12 310 8 Uhr, Ende nach 1 Pygmalion von Bernard Shaw dtsch. v. Siegfr, Trebitsch Kammerspiele Norden 12310 8, U., Ende nach 1 Zum 117. Mal Finden Sie, daß Constance sich richtig verbält? Die Komödie Bismarck 2414/7516 8 U. Ende 10% L Letzte Aufführungen „ Die Hassette" Homödie von Carl Sternheim. Dienstag, 15., abends 7 U., zum 1. Maie Es liegt In der Luft Revue von Schiffer. Musik v. Spoliansky Berliner Theater Charlottenstr.90 91.06ah.17. 8 U. Ende geg. 11 Gastspiel d. Deutschen Th, Der Proze Mary Dugan Sonnab., 12. 5. 28 Staats- Oper Unter d. Linden Anf.19%( 72) U. 1.Scha japinEns.- Gastsp. Preußische Landespfandbriefanstalt Mohrenstraße 7-8 Rörperschaft des öffentlichen Rechts Berlin W8 Fernspr.: Zentrum 8033-37 Grundkapital und offene Reserven über 19 Millionen RM. Zeichnungs- Einladung Biz Tegen hiermit in der Zeit vom 15. Mai bis 4. Juni 1928 zur Zeichnung auf: reichsmündelfichere GM 2000 г00.- 8% Golomt.- Pfandbriefe, Rest der Rethe XI zum Vorzugsfurfe von 97,50%( letter Börsenturs 98,25%) bie Pfandbriefe find in Klasse A reichsbanklombardfähig GM 2000 010-8% Goldmt.- Kommunal- Oblia., Rethe m zum Borzugskurse von 95,25%( lekter Börsenkurs 95,70%) bie Lombardfähigkeit bei der Reichsbant in Rlaffe A ist beantragt Belbe Reihen mit am 2 amuar und 1. Suft fäftigen Rinsfcheinen Gesamttindung bis 1933 ausaefchloffen Stücke zu GM 100.-, 200.-, 500.-, 1000,- und 5000.Zeichnungen nehmen alle Banten, Banfiers, Spar- und Girofaffen und die Anstalt direkt entgegen Ausführliche Prospekte und Zeichnungsscheine sind bei diesen Stellen erhältlich Höhe der Zutellung und früherer Zeichnungsschluß bleibt vorbehalten Sonnab., 12. 5. 28 Städtische Oper Bismarckstr. Turnus i Anf. 19( 7) U. Boris Walküre Godunoff Staats- Oper Am Pl.d. Republ. Ab.-V. 41. Anf. 19%( 7%) U. Staafl. Schauspielh. Am Gendarmenmarkt Ab.-V. 94. Anf. 20( 8) U. 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