Bedeutsame Rede des preußischen M'nisterpräsidenten Otto Braun. presse und Demokratie. Sei der heutigen Eröffnung der Internationalen Preffe- ausslellung(„preffa") in Köln hielt Mlnislerpräsideut Otto Braun eine viel beachtete Rede, in der er den Unterschied zwischen dem alten und dem neuen republikanischen Preußen im Hinblick auf die Würdigung der presse stark betonte. Ministerpräsident Broun drückt« zunächst die Freude der preußischen Stoatsregierung darüber aus, daß gerade das preußisch« Rheinland und das preußische Köln durch diese internatwnale Aus- stellung zum ersten Mal« noch dem Kriege wieder auch großen Scharen ausländischer Besucher Gelegenheit geben, sich von deutschem Knlturstreden zu überzeugen. Dann fuhr Broun fort: Aber daß es überhaupt eine preußische Stadt ist, aus der die Preffeschau sich entfalten darf, erscheint mir als«ine glück- liche Fügung. Hat doch vielfach noch aus früheren Zeiten her in den Ohren eines Teiles des Auslandes und wohl auch immer noch des deutschen Inlandes der Rame Preußen einen Beiklang von politischem und kulturellem Rückschritt, von einem nur wider- willigen Mitgehen mit den Errungenschaften der Neuzeit und von einer Voransetzung des Autoritäts- und Macht- standpunktes gegenüber geistigen Fragen und Kämpfen. Ich laste es unerörtert, ob und inwieweit diese Beurteilung des alten Preußens, in dem gleichwohl auf wirtschaftlichem und kulturellem Gebiete unbestritten Großes geleistet worden ist, zu» treffend ist, jedenfalls das neue Preußen, die junge Republik weiß sich frei von allem, was man früher in dem Begriff Polizei« und Militärstaat zusammenfaßte, es ist stolz darauf, daß es sich in den zehn Jahre» feit der Staatsum» wälzung zum moderneu, freie« Bolls st aat im besten Sinne des Wortes entwickelt und als stärkster Förderer der freien Entfaltung aller gei- stigcu Kräfte des Voltes und der zuverlässigsten uud festesten Stütze der deutschen Republik erwiesen hat. Für die politische und kulturelle Einstellung eines Staates ist u. a. auch sein Verhältnis zur Presse ein untrüglicher Prüsstein. Die preußische Staatsregierung ist auf der.Presta' mit einer Sonderausstellung vertreten, die das Ziel verfolgt, die Wandlungen aufzuzeigen, denen die Beziehungen des Staates zur Presse im letzten Jahrhundert unterworfen gewesen sind. Man sieht«ms den Dokumente», die diese Sonderausstellung snchproben- artig bringt. wie mühsam und unter welche« Hemmungen und Kämpfen die Presse sich gerade in Preuße« ihre Stellung und die für ihre Arbeiten notwendige Frei- heit hat erkämpfen müsien. Polizeiwillkür und Zensur, dies find die hauptsächlichsten Leidensstationen auf ihrem Wege. Heut« ist dasanders geworden. Das neue Preußen achtet und schützt di« Prestesreiheit und hält sie für ein« der wertvollsten und unentbehrlichsten Errungenschosten der Neuzeit, ohne die dos geistige und politische Leben eines modernen Kulturvolkes nicht mehr denkbar ist. Allerdings muß— und dos wird ja auch gerade von der maßgebenden deutsche» Press« inimer wieder auf das Nach- drücklichste betont— die weitgehende Pressefreiheü auch«in ebenso weitgehendes Verantwortlichkeitsgefühl in Iour- nalisten kreisen auslösen. Erst die Paarung von Pressefreiheit und journalistischem und oerlegerischem Vcrantworllichkeitsgefühl gibt zusammen di« Mischung und ergibt die Presse, die ihrer Bedeutung und ihren großen Ausgaben im modernen freien Volksstaat gereiht werden kann. Dieses Verantwortli-hkeitsgefühl der Presse muß sich im Großen wie im Kleinen, muß sich in Deutschland und überall in innerpoli» tischen wie vor allem auch in internationalen Fragen auswirken. Die Presse, ble vor dem Kriege nicht überall znm Ausgleich der internationalen Gegensätze beigetragen hat, viel weniger natürlich noch im Kriege, unb die mancherorts die«nter den Völkern herrschende«r- regung nicht beschwichtigt, sondern eher noch ver» stärkt hat. sieht jetzt»um Glück, mit wenig Ausnahmen. in wachsendem Maße ihre wahre und größte Aufgabe darin, ausgleichend und versöhnend zu wirken für den Abbau der nationale« Gegensätze, sür die Verständigung der Völker einzutreten. s'_(Fortsetzung auf der 2. Seite.)____, Blick auf die„Pressa". Von der Dombrücke in Köln genießt man diesen wundervollen Blick auf den„Museumsbau" der Pressa, in dem die vielen interessanten Sondergruppen der Ausstellung untergebracht sind. Wir fordern..! Die Zuschrift einer kaiholischen Mutter. Z, Hunderten von Zuschrisle, lägltch werden wir in dieser Zeil der Wahlen von Lesern, von Fernstehenden, aus allen Kreisen und Schichten färmlich beschworen, im Kamps um die sozialen Ersordcrnlsse der breiten Blassen nicht nach- zulassen. Es werden Ratschläge zu den Wahlen erteilt, es wird wahlhllfe angeboten. Zn meist linkisch«ngeschickten Briefen, die immer die Form eines Wahlaufrufes tragen, will man ans bei unserer Redaktionsarbeil anlerslühen. So groß ist das Bertrm'en aus di« Sozlaldemokrolie. daß sie nun allen Bedrückten zum augenblicklichen Reller werden soll: so stark auch wirken die Ideen des Sozialismus bis in stra- stehende Kreise hinein. Osl sind diese Briese Schreie des Elend» und der großen Verzweiflung von einzelnen Familien, die durch die Verelendungspollik der rechtsstehenden Parteien direkt belrosscn wurden. Als«in Beispiel der viele» Zuschrift«», die wir erhalten, sei der fünfseitige Brief einer besorgten Mutter hier auszugsweise wiedergegeben, der in seinem Inhalt beu>ejst, wie.das Licht zu scheinen ansängt bei vielen�, die noch vor gar nnht longer Zeit im Dunkel bürgerlicher Ideologien herumgetappt sind. Di« Frau schreibt: „Hat der Staat nur Rechte oder auch Pflichten bei Wohnungs- und Kinderelend, Gesundheii». und Ernähnrngsausstellimgen?"'— .Sehe ich da seit kurzem auf den Plätzen Berlins ein Standbild so wunderschön dargestellt, ein« Frau au» einer Schale trinkend. Ich fasse es wohl richtig so auf, als wird uns mit Hingabe etwas Edles gereicht und wir sollen das Schöne, Reine in uns ausnehmen. Mir aber, die ich aus der Schattenseite des Lebens stehe, kommt der bittere Geschmack und der Ekel hoch, ob so vieler Verhöhnung. Ich seh««ine Schar hungernder Mütter mit ihren Kindern, die Ann« ausstreckend, rufend, reicht auch uns dies« Schal«, damit wir den Lebensborn trinken, laßt uns nicht immer und immer besseste stehen." Während des Krieges hatte dief« Fnm mit vier Kindern alles für dos Baterland hingegeben, Gold, Silber und die„schönen Kupferkessel". Sie lzaben sogar„Hindenburg" im Tiergarten ge- nagelt. Dann aber tam Arbeitslosigkeit des Ernährers, es kamen Weihnachten, es kamen Ostern und Pfingsten Jahre hindurch Wasser- flippen. Die Kinder mußten»hne etwas rechtes im Magen zur Schul« gehen, an zweites Frütstück gar nicht za denk«».— Dann di« Klage:.Da werden die Mütter wegen Abtreibung mit Zucht Izaus bestraft für Awas, das noch gar nicht ist: wer hat das Recht, über meinen Körper zu verfugen?" „Gibt es Gesetze, die solches bestrafen, jo haben wir Müller ein Recht zu fordern, daß Gesetze geschassen»erde», die den Wesen, die sie der Familie und dem Staat zeugen, auch erhalten werden und nicht in elenden Lüchern verhungern müssen." „Ihr Leiter der Ernährungsausstellung faßt die Sache erst von der anderen Seite cm."—-„Der gläubige Katholik gibt seine Stimme nur dem Zentrum. Ist diese Treue aufrecht zu erhal- t e n? Ihr, Herr Reichskanzler Marx und Ihre Partei, Ihr wäret auch dabei, als der Panzerkreuzer bewilligt wurde: für das Geld müssen in dem verarmten Staate ganze Familien zugrunde gehen. Oder soll der Panzerkreuzer dazu dienen, die schwachen und kranken Kinder darin aufzunehmen, damit sie auf dem Meere in reiner Luft und gesunder Pklege gesunden?"— Die Frau zeigt weiter in diesem Briefe an, wie es in Wirklichkeit mü der„nolleidenden Landwirt- schast" aussieht, wie fie dies« Herren«us ihrer Heimat Ostpreuße« kennt, wenn sie Nennen abhalten und Feste feiern und sich kein« Freude abgehen lassen.„Wir müssen fünf Personen ln einem Stcül hausen, trotz Einspruchs de» Wohnungsamt», der Baupolizei unp des Gesundheitsamts." Die Leute müsse« weiter in dein Loch blech bcn, weil keine andere Wohnung verfügbar ist.„So geht es U»� merkt es euch, ihr Hunderttausende bei der Wahl! Gebt es den Schlemmern, denen es nur um ihve Berforgimg geht,»ergetzt es nicht am 20. Mail", BERLIN Sonnabend 12. M, 10 P9. Nr. 224 Bin 45. Jahrgang. Ai»teigen»rei«? Die einspaltige Nonpareillejeil« ö» Pf., Reklamcieile ü M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärrs-Derlag G. m. b. H., Berlin Nr.»7536. Fernsprecher: Dönhoff-292 bi< 29? Erscheint täglich außerSonntagS. Zugleich Abendausgabe de«„Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,«atts, hosfte man auf eine glatte Landung, doch stieß das Luftjchisf bei der Landung so stark aus.den Erdboden, daß ein Motor schwer beschädigt wurde. Allem Anschein nach wird eine längere Reparatur nötig sein. Nobile hat nunmehr die Absicht, vor der Bornahme weiterer Flüge besseres Wetter abzuwarten. Ausstellung„Die Milch" Dom Kuheuter bis zum Milchtopf. In der Ausstellung„Die Ernährung" Hot auch der Deutsche Reichs milchausschuß(Berlin W. 8, Wilhelm- stroße 48) eine Sonderausstellung errichtet, die mit einigen anderen Abteilungen soeben, ein paar Tage nach der offiziellen Er- öfsnung, fertiggestellt wurde und nunmehr dem Publikum zugänglich gemacht wurde. Und wie fast ein jede einzelne Abteilung dieser ersten wirtlichen Berliner Kulturausstellung eine sehr eingehende Besichtigung mit anschließender literarischer Be- trachtung verdient, so auch diese Sonderausstellung„Die Milch". Dem Publikum wird nicht entgangen sein, daß seit einiger Zeit hier und da, besonders auch aus den Bahnhöfen, Plakate ausgetauchl sind, die die Ausforderung enthielten: Trinkt Milch! isie stammen von eben diesen« Reichsmilchausschuß, der sich das löbliche Ziel gesteckt hat, die Bevölkerung zu größerem Milchgenuß onzu- regen, wodurch einmal— und das soll der Hauptzweck sein— der einheimischen Landwirtschaft geholfen werden soll, während zum anderen ein der Voltsgesuilbbeit dienender Zweck erfüllt wird. Die Sonderausstellung„Die Milch" versolgt nun da» Ziel, in einer durch den Zweck gebotenen ziemlich weit ausholenden Form dos wissen- schastlich zu beweisen, was eigentlich jedes Kirrd weiß und jeder Er- wachse»? wissen sollte, nämlich daß Milch ein außerordent- lich wertvolles Nahrungsmittel und ein nicht zu unter- jchätzeirdes Ersrijchungsmittel ist. Und wenn man dem Publikum die Milch erst einmal so sehr anbietet, wie das heute bei Bier, Wein und Schnaps geschieht, dann wird sich der erhoffte und erwünschte Konsum ganz von selbst einstellen. Die Naturheilvereino und die Vereine des Verbandes Volksgesundhcit weisen be- reits seit Jahrzehnten auf die Bedeutung der Milch hin. Die Sonderausstellung„Die Milch" umfaßt acht Gruppen: 1. Produktionsverhältnisse der Milch einschließlich Milch und Stall- Hygiene, 2. Wesen und Eigenschaften der Milch, 3. Frischmilchver- sorgung einschließlich Milchbehandlung. Transport und Milchorrtei- lung, 4. Butter und Käse, 5. Volks, und betriebswirtschaftliche Be- deuiung. 6. Untersuchungen, 7. Technische Milchoerteilung und Ber- wertung der Molkereirückstände und 8. Förderung des Milchver- brauch». Wenn der Laie bisher geglaubt hat, daß Milch eine ein- fache Angelegenheit ist etwa nach der Formel: Kuh— Melken— Bahntransport— Milchhändlcr— Konsument, dann muß er hier seinen Irrtum einsehen. Zwischen das strotzende Kuheuter und das Milchtöpfchen der 5)ausfrau hat sich ein nahezu inaschinell-industri- eller Betrieb eingeschoben:Melkmaschine, Milchhyziene, Stollhygiene, Molkereibehandlung, Butter- und Käsefabrikotion, Milchunterluchung usw. Das olles wird dem Publikum in unterrichiender, leicht faß- licher Form dargeboten. Selbst ein Musterkuhstall mit musterhost gehaltenen Kühen ist vorhanden, und viellöniges Muh! Muh! erweckt die Illusion, als seien wir weit weg von Berlin. Aber nicht nur Theorie, auch Praxis sieht man: Ein Milchrestourant mit er- staunlich reichhaltiger Speisekarte. Alles In allem eine Ausstellung, die Anerkennung verdient, und deren Besuch ganz besonders den Frauen empfohlen werde«« kann. In der großen Ausstellung„Die Ernährung� sind d i e letzten Hammerschläge getan worden. Auch die Autbouien in dem Hallenneubau, der bekanntlich in knapp 89 Tagen geschossen werde» muhte, sind abgeschlosien wanden, so daß sich den Beiuchern jetzt eine i n a l l e n T e i l« n f i x u n d j« r t i g e A u» ste> I u n g präsentiert. Xrop dieser Umstände und trotz des kalte» Wetters war der bisherige Besuch durchaus zufriedenstellend. Mieter und Parteien. Unter den Reichswahloärichläaen ist neben einer deutschen Haus- und Grundbesitzerportei unter Nr. 31 auch eine„Partei für Recht und Mieterschutz" ausgeführt. Die Reichsmieterorganisation Bund Deutscher Mieterver- eine e. B.. Sitz Dresden, macht darauf oujmerksam. daß von der organisierten deutschen Mieterschast keine eigene Mieter-- l i st e aufgestellt worden ist. Die Rheinschiffahrt liegt brach. Sie soll in Kluß kommen dvech„einstweilige Verfügung". Die Rheinschiffahrtsuntcniehirier arrangierten in Duisburg eine Preisebesprechung, in der sie sich entschlossen erklärten, den Betrieb nicht eher wieder aufzunehmen, bis nicht eine tragbare Lösung erreicht sei. Die„tragbare Lösung" erblicken die Herren bekauntliä) in einer Lohnkürzung. Und da die streikenden Rheinschiffer entschlossen sind, den Betrieb nicht eher wieder aufzunehmen, bis nicht eine für sie tragbare Lösung erreicht ist. möchten die Unter- nehmer die Rheinschiffahrt mit Streikbrechern wieder in Gang bringen. Hier ihr Plan dazu: „Die Zlrbeitgeberverbände glaubten feststellen zu können, dag, obwohl da» Personal in überwiegendem Mahe sich a r b e i t s- willig zeigt(indem es im Streik steht? D. Red.), der Streik- t e r r o r der Gewerkschaften, vor ollem aus den Gebirgzstrecken zwischen Koblenz und Bingen, die Wiederaufnahme des Betriebes unmöglich mache. Der Arbeitgeberverband habe zum Schutz seiner Arbeitswilligen beim Arbeitsgericht Duisburg«ine einst- weilige Verfügung gegen die Gewerkschaften erwirkt, nach der Streitposten und Belästigungen Arbeitswilliger oerboten sind. Ein gleicher Erlaß sei auch beim Arbeitsgericht Koblenz beantragt worden." Im einzelnen seien Versuch«, ausländisches Per- sonal zum Streit zu bewegen,«rfolglos geblieben. Trotz einstweiliger Verfügungen werden die Streikenden dafür sorgen, daß d«r Streikbrecherplan in den Fluten des Rheins er- säuft. Oiskusfion. Oer Kommunist:„Die Angriffe meines deutschnationalen Herrn Vorredners gegen die Sozialdemokratie kann ich nur unterstreichen!" Die Eisenbahner in Frankreich. Varls. 12. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Der zweite Tag des Eisenbahner-Gewerkschaftskongresses m Toulouse brachte neben der Erledigung innergewerkschaftlicher Angelegenheiten vor allem ein« große Red« des Generalsekretärs der EGT. Jouhouj. Iouhaux erinnerte daran, daß es auch in Toulouse im gleichen Saale war, wo im Jahre ISll) der große Eisenbahnerstreik beschlossen wurde. Dies« Erinnerung gab Ge- lcgenheit, einen energischen Appell an die Gewerkschaften zu erlassen und fi« aufzufordern, sich bei großen sozialen Kämpfen nicht von der Leidenfcha ft verführen zu lassen. Eines Hohenzotlern würdig. Corel legt sich ins Vett, damit er in England bleiben kann. London, 12. Mai. Hohenzollernprinz Earol von Rumänien, hat sich ins Bett gelegt und krank gemeldet— mit dieser Spekulation auf die Tränen- drüsen hofft er zu erreichen, daß er von dex Polizei nicht über die Grenze gebracht wird. Die Ausweisung wird aber trotzdem durch- geführt. Der französtsche Korrespondent des Daily Telegraph berichtet aus Paris, daß der französtsche Innenminister die Mitteilung er- halten habe. Prin., Earol hätte einige Zeit in enger Fühlung mit den rumänischen Kommuni st en gestanden, die in Paris ein Lropogandobureau eröffnet hätten, sowie auch mit Rakowski, als biessr letztes Jahr Sowjetbotschafter in Pari, war. Earol habe eine Zeitlang angenommen, daß er Präsident ein«? kommunistischen rumänischen Republik werden könnt«. „Die Liebe dreier Könige." Städtische Oper. Zwei Könige lieben, zu ihrem Verderben, die schöne Fürstin von Aliura: Avito, der„angestammte Herrscher", der sie heimlich— und Mansred, der blonde Nordländer, der sie offiziell besitzt. Und Archibald, der dritte unter den liberalen Königen, wen liebt er? Auch er Fiora, die Gattin seines Sohnes Mansred? Daß man es denken soll, ist eine Falle, die der listige Dichter, Sem Benelli, seinem Publikum stellt. Es ist des Alten Vaterliebe, die, wirksam als stärkste Kraft des dramatischen Geschehens, dieses in die drei- fache Katastrophe treibt. Alle Etiquettenfragen beiseite, und für mittelalterliches Italien irgendwelche Gegenwart gesetzt, begibt sich folgendes: Mansred. Krieger und Sieger von Beruf, hat selbstherrlich, wie das Erobererort ist, Avitos Braut Fiora zur Frau genommen. Nach der Moral seines Handwerks soll sie ihm, indes er es aus Kosten der Voltsgenossen weiter übt. Treu« halten: er, der seindliche Eindring- ling, verrichtet in der Umgegend, was seine Sprache Heldentaten nennt. Wenn sie ihn flüchtig zu sehen bekommt, ist es nur zum Abschiednehmen. Ganz natürlich, sie betrügt ihn. Roch während sie, von der Burgruine herab, dem ins Tal Davonreitenden mit dem Schleier mechanisch zuwinkt— es ist die erste und einzige Gunst, die er ihr abgerungen—, macht sich Avito, dem drunten nicht stcht- bar. um ihre Füße zu schassen: den Füßen folgt das übrige. Das ist freilich sehr traurig für den armen Manfred, der obendrein, im Privatleben ein Sänstling, mit der Tugend immer verzeihender Güte geschlagen ist. Aber der blinde Archibald, mit Witterung begabt, wie Blinde sind, hat den Betrug erspäht und erwürgt die halb Geständige. An dem Eist, mit dem der rächende Schwiegervater vorsorglich ihre erkaltenden Lippen bestreichen läßt, stirbt Avito, hierdurch sich als den heimlichen Ehefrevler verratend. Doch auch Manfred, dem alles klar geworden, geht nun, kurz entschlossen, an die Lippen, um sich den Tod zu holen. Das ist ein bißchen komisch. aber Archibalds Schlußwort rettet die Situation und damit die Wirkung der Oper. In dieser Dichtung, die motivisch an„Pclleas und Melisande" anklingt, ist Maeterlincksche Atmosphäre. Nicht in der Musik I t a l o Monte mezzis. Alles 5?intergrllndige. Zwischentönige fehlt: leider auch das Persönliche. Es ist Musik, wie sie etwa um die Jahrhundertwende schrieb, wer nichts Eigenes zu sagen und keinen eigenen Stil hatte. Sehr wagnerisch, schon ein wenig straußisch: mit italienischem Einschlag selbstverständlich, in der vorgczeichncten Linie Verdi-Puccini. Aber mit viel Theatergeschick und Klangsinn, mit Können und gewiß mit sehr ernstem Vorsatz geschrieben. Kein bedeutende», doch für unsere Opernbühnc kein unannehmbares Werk. In Berlin ist es schon vor Iahren gegeben und abgelehnt worden; im Deutschen Opernhaus. Die neue Aufführung in der Städtischen Oper ist kaum danach, es zu rehabilitieren. Rur K i p n i s hat als Archibald das Format seiner Rolle: und Ri a v e z hat in der Partie des Avito sehr schöne Töne. Ein Gast Hilst als Mansred. ein anderer in der Regie aus. Obgleich Sebastian, der Dirigent, Chor und Orchester in guter Ordnung hält, alles in allem eine mittelmäßige Opcrnaufsührung, wie sie— leider in diesem Hause und nur hier möglich ist. Sie wäre nicht möglich in der Staatsoper; der General- intendant würde es nicht dulden. Xlaus Frings beim. „Clavigo." Schiller-Theater. Eine schön« Aufführung unter der Regie Jürgen Fehlings. 23 Jahre zählte Goethe, als er diese Tragödie des Liebesverräters in acht Tagen niedergeschrieben hatte. Er traute sich zu, noch ein Dutzend solcher Theaterstück« zu verfassen und hoffte, daß die Bühnen für alle Zeit reichen Segen von solcher Fruchtbarkeit haben würden. Er hat seinen Wunsch sich und der Nachwelt nicht erfüllt. Wir hören immer noch di« verwegene Melodie seiner dramatischen Sprache. Es quillt eine Ueberschwenglichksit, es strömt ein Ueberfluß, der aus Empfindung und einer früh gepackten Menschenkenntnis stammt. Der Regisseur darf Ueberwucherung«n des Sturms und Drangs, der überspitzten Worte und der grausigen Entgleisungen fortnehmen, und es bleibt immer noch di« süßeste Suada. Die Philologen haben früher herausgesunden, daß di« Sprache des Clavigo nur gekrampft, nicht aus dem großen Herzen spontan gekommen sei. Heute glauben wir, daß auch die Dinge de» Gehirn» dichterisch«« Wert haben kön- nen, wenn nur das Gehirn etwas wert ist. Lothar Müth«l spielt den Clavigo. den reuigen Lieb«sverrä- ter, Günter Hadonk den Beaumarchais, der für das verrateno Herz seiner Schwester dos Racheschwert führt. Di« beiden Künstler wirken darum so«rsreulich, weil sie außerordentlich sparen. Sie nehmen von ihrem Temperament, dos gern in der Wildheit rast, unter dem Einfluß d«s Regisseurs genau soviel weg, wie d«r Re- gisseur aus dem Texte herausschneidet. Da sie-genügend besitzen. spürt man die vorhandene Kraft. Heute müssen die sogenannten jugendlichen Heldenspielcr in manchem Sinne auch Charakterspieler sein. Sie müssen ein Stück von jener Altersgebeugtheit vorwegneh- men, die unsere ziemlich unangenehme Zeit dem Zeitgenossen aus- bürdet. Wir wollen den jungen Menschen nur noch als einen Ozean- llieger oder als einen lyrisch gebrochenen Träumer sehen. Instinkt- mäßig beschästigcn unsere Einbildung nur diese Extreme. Der Mann des Alltags, der dazwischen steht, seine jungen Jahre durch andere nicht ehrgeizig« Pläne, etwa nur durch die Geschäste seines Herzens ausfüllt, erscheint uns widerwärtig, beinahe wie ein Lump. Und so wird es als eine Entdeckung neuen Seelenlandes empfunden, wenn der Schauspieler den Zuschauer ein empfindsames, weder allzu trau- merisches noch allzu realistisches Herz sehen läßt. Müihel und Ha- dank spielten ihre Rollen ganz aus solchem Verständnis für dl« Zartheit der Stimmung, in die sie hineingeraten sollen. Sie ver- suchten nicht, den alten Stil der Wort« durch einen neuen Stil der Deklamation zu verdecken. Deshalb schienen sie vollkommen Natur zu sein. Fräulein Grete I a c o b s e n stilisierte das verlassene Möd- chen, das Goethe mit blühender Lyrik und mit melancholischem Bot- ladenton überfrachtet, cyis dem Gefühl heraus, daß die Unglück- selige Kreatur in die Erinnerung des Zuschauers ihre moralische Niederlage hineinschreicn und hineintoben muß. Fräulein Jacob- sen ergab sich der Tradition der großen sentimentalen Komödiantin- ncn, ohne daß sie sehr viel von eigenem Temperament hergeben tonnte. Der Wille reicht nicht zur Erfüllung der Absicht. So sieht man die Techniterin bei der Arbeit, und es schweigt die seelische Beglückerin. Ilocbäors. Wedetinds„Erdgeist". Theater in der Klosterstraße. Nach Reinhardt, Iessner und Meinhard bringt jetzt Franz Sondinger Wcdekinds„Erdgeist" zur Uraufführung. Das bc- weist Mut und den Willen zu einem künstlerischen Spielplan. Leider kann dieser Wille nicht in die Tat schlockenlos umgesetzt werden. Vor allem schlt es Sondingcr an dem Ensemble an Schauspielern. die Wedekind gestalten können. Ferner sindet der Regisseur nicht den richtigen Stil, er tostet, er probiert, er schafft unbefriedigende Kompromisse. Man kann den Wedekindschen Dialog nicht wie den von Ibsen oder Hauptmann behandeln. Er enthält mehr innere Spannung, stärkere latente Energie. Der Regisseur muß das Tempo foreieren, es ist unmöglich, diese Sprache in naturalistischer Breite zu«nt- falten. Die Antworten, auch wenn sie im Grunde leine Antworten sind, müssen Schlag aus Schlag fallen aus einer inneren Getrieben- heit der Menschen heraus. Sondinger jedoch hat eine Vorliebe für Pausen, er dehnt, statt zu strafsen und zu konzentrieren. Ernst W e n d t, der Dr. Echoen, macht aus diesem Psendowill-nsmenschen einen wilhelminischen Aristokraten. Aeußerlich lehnt er sich an den Schauspieler Wedekind an, doch er verfügt nicht über seine geballte Energie. Alles bleibt in der Maske stecken. Der Schigolch ist nichts weiter als ein Stammgast von Budiken, der Kunstmaler Schwarz gefällt sich in zerfasernder Nervosität, Sondinger als Alwa hat graues Haar, sieht älter aus als der Vater, aber in ihm lebt Tem- perament und Ausdruckswille. Es bleibt die Lulu der Rju S ch i f r a- Owsejewa, einer Schauspielerin im Anfangsstadium, die über einen ousdrucksfähigcn Körper verfügt, und die die Gests sinngemäß dem Wort unterordnet. Keine Lulu, aber«In verheißungsvolles Talent. Erich Haocks Medizinalrat Göll ist der einzige, der mit Wedekind- schem Oel gesalbt ist. F. S. iiW? roui> „Moskau, wie es weini und lacht." Touenizien-Palost. Ein Filmlustspiel aus Sowjetruhland? Man ist etwas slep- tisch, denn man erwartet alle» andere aus dem alten wie auch aus dem neuen Rußland, als gerade Lustspiele. Um so interessanter mußte der Versuch anmuten. Freilich, so originell russisch da» Milieu ist, das wie in den russischen Komödien sehr breit aus- gewalzt wird, der ganz« Film mutet doch in vielem ganz amerikanisch an. Auch hier ist eine Liebesgeschichte der 5)auptinhalt, und das gute Ende wird uns beschert wie in jedem Bourgeoissilm. Dazwischen gibt es Verfolgung»- und Rausszenen ganz nach ameri- kanischem Muster. Das satirische Element ist nur schwach entwickelt. die Bureautratie de» Wohnungsamtes bekommt ein paar sanfte Backenstreichs. Die junge Modistin, die täglich nach Moskau fährt, um dort ihre Hüte abzuliefern, lernt einen armen Studenten kennen, der keine Wohnung hat: sie verschafft ihm eine durch eine Schein- ehe bei ihrer Prinzipalin, die eine bourgeoise Wohnung inne hat. Die Modistin wird gleichzeitig umworben von einem Eisenbahnbeam- ten ihre« Orte» und, al» da» ihr In Zahlung gegebene Lotterielos mit dem Hauptgewinn herauskommt, auch von dem Mann ihrer Prin- zipalin. Aber der Student befördert die Mitbewerber olle in best Schnee, will aber die Scheinehe wieder auflösen, weil er kein reiches Mädchen heiraten will. Der Koketterie der schelmischen Mo- distin gelingt e» natürlich leicht, ihn eine» Besseren zu bekehren. Das also ist ein Sowjetlustspicl! Das Erstaunen legt sich, wenn man bedenkt, daß in Rußland amerikanische Filme den ineiften Zu- spruch haben. Die Darstellung ist übrigens recht gut. Anna S t mi gibt die Modistin mit soviel Liebreiz und Spitzbüberei, daß man sich gern von ihr einspinnen läßt. Auch der Student kommt aus» gezeichnet heraus durch I. Kowall. Das Ensemblespiel, das allen russischen Filmen eigen ist, läßt auch die kleinste Rolle zu ihrer vollsten Geltung gelangen. Die Putzmacherin, eine Hysterikerin. und ihr Mann, der sie schließlich bändigt, sind charakteristische Typen. Voran ging ein französischer abstrakter Film von Renö Clair, der bereits früher in Berlin gezeigt wurde und in ulkiger Weise Straßeneindrücke mit Traumvorgängen mischt. r. rtesenrekoeb»ine» llolerseebo«««». Wie au» Spezia gemeldei wird, hat da« neucjlc ilaiieniche U-Boot.Balilla' gelegentlich seiner ersten Taucht» obe mit einer Tiefe von ldt Metern einen neuen Weltrekord ausgestellt. MORGEN nur zur größten Ausstellung Berlins Von 9 bis 9 Uhr geöffnet(Einlaß bis 8 Uhr). Eintritt: J.SO Mark, Jugend' liehe 0. TS Mark. Familienkarten für 2 Erwachsene und 2 Jusdl- oder 3 Erwachsene nur 3. SO Mark, Zusatz-Kinderkarte 0.2S Mark- ERNAHRUNG Der durchsichtige Mensch.— Anotomi«— Physiologie der Ernährung.— Der Bauch von Berlin— Die Entstehung der Nahrung.— ~..... Völker.— Die�Schreckenskammer der Kriegsersat�almtngsstoffe.— Das Wunder das laufenden Bandes in rahl» Die große Sonderechau„Die Milch" mit Mu-ter» AUS DEM REICHEN INHALT:&______________________________ rsTnittelfahriken in Betrieb.— Der Backofen dar 20 000 Brote.— Das Früchte-Restaurant.— Die Verpflegung der Wehrmacht.— /alt der Hausfrau.— Küchen und Haushaltsschulen in Betrieb.— Die tägliche Kost der Familie.— Der große ReistempeT. W» reichen Nahrungsr Stellung-— Die W( HINTER DEN FUNKTURMOARTEN-TERRASSEN: scÄTsÄ,* Ä«- Oer Eisenbahnzug„Rheingold". f?w■!<<.?: Am Sonnabend ist den Ver tretern der deutschen Presse de neue Eisenbahnzug vorgeführt wo den, der den Namen„R h e i n g o I b* trägt und den Perkes zwischen London und Luzer vermitteln soll. Künftig wird ma diese Strecke in 24 Stunden zurück legen können, vorausgesetzt, daß ma zu den Leuten mit gutgespicktem Geldbeutel gehört. Für diesen bc schränkten Kreis der Menschheit is auch die Inneneinrichtung des neuei Zuges bestimmt. Der Rheingold Zug führt nur erst« und zweite Klasse, an Größe übertreffen die Wagen weitaus die bisher im Besitz der Reichsbahn befindlichen Fahr zeuge, denn jeder einzelne hat eine Gesamtlänge von 23,5 Meter. Füi je zwei Wagen ist eine Küche vor- Händen, außerdem führt der Zue noch einen besonderen Gepäckwagen mit sich, in dem die Reisenden Schinne, Stöcke und Handtaschen «nährend der Fahrt abstellen können. Besonders gut ausgestattet find die Wagen erster Klasse, von denen der ine im ganzen 28 Sitz- Plötze enchält, der andere, der die Küche mitführt, sogar nur 2» Sitz- Plätze. Die Wagen zweiter Klasse haben 43 und 29 Sitzplätze. Das »sind nun nicht etwa gewöhnliche Bänke oder Stühle, sondern sie gleichen schon mehr den bequemen Klubsesseln, und da vor ihnen noch Tische stehen, so verliert der Reisende ganz den Eindruck, in «inen Eisenbahnzug gepfercht zu sein. Selbstverständlich sind auch die Nebeneinrichtungen «rnss beste ausgestattet. Die Toiletten entsprechen ollen hygienischen Anforderungen, man findet warmes und kaltes Wasser, Handtücher und Seif«. Auf den Tischen befinden sich Tischlampen, an den |: MU'MW,- WnM � M: Decke» Luftsauger und Ventilatoren, die Wagen haben Dampf- und auch elektrische Heizung. Auch äußerlich unterscheiden sich die Rheingold-Wagen wesentlich von dem übrigen Wagenpark der Reichsbahn. Sie sind violett gestrichen, unterbrochen durch creme- farbige Streifen und goldene Absatzlinien. Das ZVagendach leuchtet in silbergrauem Anstrich. So ist olles geschehen, um den Benutzern des Zuges das Reisen zu erleichtern. Die Fahrgäste vierter und dritter Klasse aber, die den Rheingold-Zug vorüber- sausen sehen, werden aufs Neu« daran erinnert werden, wieoiel noch zu tun ist, um die Errungenschaften der Technik den breiten 'Massen des Volkes zugänglich zu mach» und nicht, wie es heute noch der Fall ist, mir einer kleinen Schicht von Besitzenden. Die Quittung am 20. Mai. Langsam aber stetig'dringt der republikanische Gedanke in den westlichen Stadtbezirken vor, in denen bisher die nationa- listischen Parteien die Führung gehabt haben. Einer großen sozialdemokratischen Kundgebung im Schützenhaus Schmargendorf war ein voller Erfolg beschieden. Der bei Eröffnung der Kund- gebung bis auf den letzten Platz gefüllte Saal war mit roten und schwarzrotgoldenen Fahnen reich geschmückt, und zahlreiche Werbeplakote forderten mit wirkungsvollen Bildern und Texten zum Eintrit in die SPD. und zur Stimmabgabe auf. Den erhebenden Auftakt der Veranstaltung bildete der Einmarsch der Reichsbanne rkameradschaften- von Wilmersdorf und Charlottenburg. Als Referent war Genosse Pfarrer Blei er. er- schienen. Nach einem Hinweis auf die weittragende Bedeutung der bevorstehenden Reichs- und Landtagswahlen, die aller Voraussicht nach den Bürgerblock hinwegfegen werden, gab der Redner eine treffende Charakteristik der reaktionären Parteien. Das Volk wird der Deutschnationalen Volkspartei, als der Partei des geheuchelten Christentums, des Wortbruches und der politischen Cliquenwirtschaft, am 2 9.'Mai die Quittung geben. In der Diskussion sprach ein Kommunist, für dessen politische Rezepte die Ver- sammlung nur Heiterkeit und mitleidiges Achselzucken übrig hatte. Prominente Vertreter der Deutschnationalen Volkspartei und Deutschen Volkspartei, die im Saal anwesend waren, fanden— trotz Zusicherung der Redefreiheit— nicht den Mut zur Wort- Meldung. Mit einem brausenden Hoch auf die Sozialdemokratie fand die glänzende Kundgebung, die gezeigt hat, daß die Macht der Reaktion auch in ihren Hochburgen gebrochen ist, ihren Abschluß. Dank eifriger Wohlarbeit der Sozialdemokratie in Köpenick war eine Wohlkundgcbung im großen Saal des Stadttheoter sehr gut besucht. Die Tribüne war von Jugendlichen, unter ihnen viele Erstwähler, bis auf den legren Platz besetzt. Di« von den Kom- munisten beabsichtigte Störung fiel au-, weil dos Reichsbanner den Saalschutz stellt«. Die Reichstagsabgeordnet« K u n e r t bewies in ihrer Rebe, daß die arbeitend« Bevölkerung von den Bürgerblock- kapitalisien nichts zu.erwarten hat. Der kostspieligste Luxus, den sich ein Volk gestatten kam», ist das Massenelend. Das Evangelium des Sozialismus lautet: Der Mensch ist sein eigener Erlöser. Der 29. Mai soll uns alle ein Schritt näher der Verwirklichung unseres Endzieles bringen/ darum durch den Stimmzettel zur eigenen Ve- freiung. Lorenz B r e u n i g, vom Verband deutscher Eisenbahner. beschäftigte sich mit den Forderungen der Sozialisten im kommenden Reichstag. Als wichtigst« formuliert« er, Steigerung des Anteils an dem Arbeitsgewinn, Erhöhung der Kaufkraft der Einnahmen. stärkere Heranziehung der Besitzenden beim Aufbringen der Steuern. Den mit Beifall aufgenommenen Reden schlössen sich Rezitationen von Wolf Trutz vom Staatstheater an. Der Film.Dein Schicksal" verfehlt« auch in Köpenick nicht sein« Wirkung. Bei dem Erscheinen des Bildes von Ebert wollte der Beifall nicht enden. Mit einem Hoch auf die deutsche und internationale Sozialdemokratie fand die eindrucksvolle Kundgebung ihr Ende. Theater der Woche. Vom-15. bis 21 Mai. Volksbühne. Theater am Bülowplah: 13.. 18., 21. Was ihr wollt. 14., 13.. 16., 17. Die rote Robe. 19., 29. Kabale und Liebe. Theater am Schissbauerdamm: Der Zigarettentasten. Thalia-Theater: Dyckerpotts Erbe». Staatstheater. Staatsoper Unter den Linden: 13. Die Meistersinger. 14., 1«. iSchaljapin) Boris Goudunow. 15. Die Macht des Schicksals. 17. Boheme. 18. Der Rosenkavalier. 19. Rigoletto. 20. Di« Zauber- flöte. 21. Der Barbier von Sevilla. Slaatsoper am Platz der Republik: 13. Darstellung wr den Bühnenvolksbund: Don Giovanni. 14. Vorstellung der Volksbuhn«: Der Arzt wider Willen. 15. Luis« Miller. 16., 29. Der schwarz- Domino. 17. Don Giovanni. 18. Pucciniabend: Der Mantel. Schwester Angelika, Gianni Schicchi. 19. Fidelis. 21. Der«zrci- � �Städtische Oper. Charlottenburg: 13., 15. Die Liebe dreier Könige. 14. Siegfried. 16. Aida. 17. Götterdämmerung 18. 21. (Scholjapin) Margarete. 19. Geschlossene Vorstellung, Schauspielhaus am Gendormenmarkl: 13., 17 Peer Gynt 14, 16., 18., 20., 21. Prinz Louis Ferdinand. 15. Die Weber. 1K Schiller-Theater: 13.. 16.. 18.. 19. Elavigo. 14.. 21. �auft.. 15. Amphytrion. 17. Maß für Maß. 29. Charleys Tante. Theater mit festem Spielplan. Deutsches Theater: Pygmalion.— kammerspiele: finden Sie. daß Constance sich richtig verhält?— Theoler am Rollendorsplatz: Marlborough zieht in den Krieg.— Theater in der koniggrahcr Straße: Leinen aus Irland.— Komödienhaus: Broadway.— Großes Schausplethaus: Das Dreimäderlhaus— Theater des Westens: Ab 17. Das Ekel.— Komische Oper: Zieh dich aus— Lustspielhaus: Unter Geschöftsaufsicht.- Lcssing-Ihealer: Nr� 17.- Theater am Kursürstendomm: Bis 19. Der blau« Bogel.— Berliner Theater: Der Prozeß Mary Dugan.— Die Tribüne: Spiel un Schloß._ kleines Theater: Frau Käthe läßt jich vcrsuhreiv.— Rose-Theater: Hopsenraths Erben.— Casioo-Thealer: Die schwebende Jungfrau.— Schloßpark-Theater Steglitz: Merl Leopold. Wintergarten: Variete.— Scolo: Internationales Banete. Reichshall en-Iheater: Stettiner Sänger.— Theater am Kotlbufser Tor: Elite-Sänger. Theater mit wechselndem Spielplan. Die Komödie: Bis 14. Die Kassette. Ab 15. Ts liegt in der Luft— Deutsches künNler-Theater: Bis 17. Schworz-Weiß.«b 18. «erbrechen.— Renalssance-Iheater: Krankheit der Jugend. 16.. lv., 23% Uhr, Nachtvorstellung: Tempo Tausend.— Ihsriet in oer klosterftraße: 12., 13.. 15. bis 18. Erdgeist. 14., 19., 20. Pension Schöller. Aachmiltagsvorsiellungen. Theater am Schisfbauerdowm: 13., 29. Der Zigarettenkasten— Tholia-Theater: 13., 20. Dyckerpotts Erben— SAiflet�heotet: 13. Musik.— Remiiflance-Theater: 13., vormittags 11% llchr.«el- dramen aus der Goethe-Zeit.— Theater in der Slosterslraße: 12. Rotkäppchen. 13.. 20. Der srvhliche Weinberg- Schloßpark. Theater Steglitz: 13. Mein Leopold.— Scala: 13., 1K, 2C Inter- nationales Variete.— Reichshallen-Theater: 13., 20. Stettmcr Sänger. Erstaufsührungen der Tvoche. Dienstaq: Komödie: Es liegt in der Luft.— Donnerstag: Theater des Westens: Dos Ekel.— Freitag: Deutsches Künstler-Theoter: Verbrechen. Theater in der Lützowstraße: Bubikopf und Glatze. Wetterbericht der öffenklichen wetterdiensifielle Berlin und Um- qebong.«Nachdruck verboten.) Wechselnd wolkig und Mild, ohne erhebliche Niederfchläg«.— Für Deutschland: In Süd-, Sudost- und Ostdeutschland trübe und regnerisch, im übrigen Deutschland nur vereinzelt Niederschläge, überall keine Nachtsröst«._ «7rantwortlich Mc'die N-d-rti-n:«im«««Hn;«.«lodf, Stilin. Vcrlag! Vorwärts Verlag® m b. S>.. Berlin. Druck) SOTwätt» Vu-N. druckrrri und VeriagsanslaÜ Paul Singer& So., Berlin®3B 68, Cmdcnftrofie 3. eitn« 1 Deila««. Sonnab., 12. 5. 28 Staats-Oper Unter d. Linden Ant.IW,(7'/,) U. t.SduliapinEn.-S»t!». Boris Goüunoff Staats-Dper AmPl.d. Republ. Ab.-V. 41. Ant. 19V,(7'/a) U. Oer sdiwarze Sonnab., 12. 5. 28 Städtisdie Oper Bismarckstr. Turnus I Auf. 19(7) U. Stiitl. Sdumpielk. (n Ceriarmeetrirk! Ab.-V. 94. Ant. 20(8) U. iß wer MI-WIer-IüeslerMIU Anfang 20(8) Uhr Amphitryon Volks büh ne mutv iin SiiDwpUtt 8 Uhr: TD. am SdiiffliaucrDiiiiiD 8»/, Uhr mra. » Uhr Nobenaor 7380 Paul Lincke •«wie da« Internat. VarleU-Programm Sonnabends u. Sonntags l« 2 Torsiellunaen: 3® u.» Uhr— 3» in ermUlgtaii Pmiun da« gann Piagraoin. CASINO-THEATER«>,. u. I.othrlnjfer Str. 37 Die schwebende Jungfrau Anaadmeidea Gutschein 1— 4 Pers. Fauteuil nur 1,10 iVL, Sessel 1,60 M. Tbeater am Korförstomlamm BÄci Täglich 8.30 abends J. Jaiahny Theater Der blaue Vogel Neues Progr.: Wahla rollst du Aepfelehen und andere 12 Inszenierungen Sonntag nachm. 4 Uhr: Vorstellonj zu errodMigten Prciaew._ Komische 1 8% Ohr Oper!>/• DhrJ JAMES KLEIN'S Scwaltl�es neues Aevue-StUcki Zieh' dich aus! 200 rumiiHenac- Vorverkaul ab lu Ulir ununterbroclien. Illg. Wassel- AniA Polsdim t92B sport-Hnsslell. ütT t% 12.bis29.Hai auf dem LuftschlMhafcn, Land- u. Wassersportplai» am Templiner See Ausstellungsobjekte: Paddelboote, Ruderboote, Segelboote, Motorboote, Boolsoiorore. Boots- u. Schiffsmodelle, original. Nachbildung d. Skaeerrak-Scblacht mit 250 naturgetr. Schiffsmodellen. SonderveranstaltuDgen; 13. Mai. ab 11 Uhr vorm.: Parade auffahrt sämtlicher Wassersport- verbände; I6./17. Mai(HTmmelt,): FrChjahrs vorbandswettfahren des Deutschen Motorjacht-Verband««; 19. 30. Mai: Frühjahrsregatta de» Allgemeinen Deutschen Automobilklubs, Abt Motorboot; 26-/28. Mai; Templiner Seeu'oche des Deutschen Segler-Verbandes; 28. Mai, nachm. 3 Uhr: Paradeauffahrt des Deutschen Kraftboot- Verhandes. Täglich geäffnet von 10 Uhr vorm. bis S(Ihr sbands. Elatrittaprcls: Else Reichsmark. CD Montag, den 14. Mai, nachm. 3 Uhr Hant-Bleichkrem Jetzt i!t m Zeit, Sontinersprosien, LeberfleSe. gelb« Flecke im Kesichl und an den Händen zu beseitigen durch Bleichen mit lälorolu-em, Tube 80 Bs. und Kloroaelfe 1 Stuck 60 Pf. Unschädlich und seil Jahren bewIhrL Mit genauer Anweisung in allen CHIorodont-Birlaussstellen k» haben. ««NSIEESNCS» Thsstsr Steinplatr 901 •Uhr; Krankheit der Jngend Serlinerlllk-ITIO Neukölln. W Lalinstr.TA TS' -3L Nl«"1 ffiSESlAtJRANT CüAI PIMdaere -mg nixen ifa VorzOgllch« Küch« 0«pflegt« Bier« u.WaliM Zorn Taute« ■ad abead» Kapalle: ILEMNDER RERESOWSll Wilhelm 3737 MLCiregltlRC Theater am honbusser Tor Kattbasacr StraBe 0. Tel. Mpl. 1607: Täglich- Uhr Phanfasien Im BremerRatsheller Genrebild von Max Horai Unsere Käthe Posse von Oskar Klein Dazu->»» Mal. Solo» Programm. Lustspielhaus Mr. Or. Iirtiii tick« 8«/, Uhr iuldo Thlelsc.it> n Jnfer i8«li8ftMi!!JitötM Lessing-Theatar Norde» I279r Sommerspielzeit IlnllimdR laitn, Enil Um) Täglich SV, Uhr „Hr. 17« v. lefferson Parieon Regie-. Hans Lot* Hieater des Wate» Gastspiel Moskauer(Od. akad. Theater Henta Uhr Di« Reise Benjamins III. Musik. Komödie Sonntag Uht Die Hexe Kose-Tluater Gr Frankt. Str. 132 ?'/- Uhr BflpfMrjttis Erbei onitsdinMi| Waldschänke Sadowa Inhaber: Otto Thöldte Norden 12310 8 Uhr, Endenach!' Pygmalion von Beraard Sha* dtsch. v. Snrfr.Trdihd Ausflugslokal mitte« im Wald a-d. Bahn gelegen. Herrlicher Garten, 3000 Personen fassend. Saal für Vereine, auch Sonntags kostenlos. Kamnerspicle Norden 12 310 Pr.Us Endenach 11 Zum 117. Mal Finden Sie, dal ionstance jidi ridtfig rahält? Die Komödie Bismarck 2«l4>75ie 8V, U. Ende 10«/, t Letzte Aaffahrungcn „Die Hauelle" teaidla m Carl UrnMo. Dienstag, 13..abends 77, U., zun 1. Maie Es Hegt In der Luft Revue von Schiffer. Musik v.Spollaasky SerliD» Tiieater ksMhBaJ0»N«d»iz-Wi>» Iis. Künatier-Th 9>/4 Uhr Sta-Wi -VMVUT-üilU th. Künlggrätz. si. Bergm. 2110. Täglich 7»/, Uhr Leinen ans Irland KomMleahaiu Norden 6304 Tägl. 8ti( Uhr Broadwnv Thalla-Thealer dresdener Str. 72 73 Täglich 8 Uhr MmM 5riiBii ürepfow eröffnet! föeilage Sonnabend, 12. Mai 1928. SpriKmib SfuUajüfatfe-da IburärA Wir werden die Sieger sein! Bismarck und der Fall Hödel. A acJi Irishei unveriiff entlieh len Alien des Justiz- und Po lizeimin isleriums dargestellt von Dr. Bruno A Ilmann. (Schluß.) Was der Kaiser und seine Tochter sagten. Man muß d�m alten Kaiser und seiner Tochter zubilligen. daß sie in dieser Affäre eine vornehme Rolle gespielt haben. Die Großherzogin gab an: Ein junger Mann in sehr heruntergekommener Kleidung habe bei der Vorbeifahrt des kaiserlichen Wagens drei Schüsse in der Richtung des Fohrzeuges abgegeben. Don einem Zielen könne kaum die Rede sein. Die Kugeln müßten hock) über dem Kopse des Kaisers himveggeflogen sein. Sie sei sehr aufgeregt gewesen, be- sonders als die Begrüßungsruse der Menge unter dem Eindruck der Schußdetonationen plötzlich in Entsetzensschreie und Der- wünschungsausbrüche übergingen. Sie könne ober wirklich nicht glauben, daß der junge Mensch ein Attentat ausführen wollte. Roch günstiger sagte der Kaiser selbst für.(Hödel aus: „Meine Tochter war furchtl'or aufgeregt, als die Schüsse sielen. Sie muß aber nicht die Besorgnis gehabt hoben, daß jemand uns an dos Leben wollte. Ein Zeichen, daß ich mich bücken sollte, gab sie nicht, und sie suchte sich auch selbst nicht durch die Beugung ihres Körpers vor den Kugeln zu schützen. Der Wagen hielt. Ein Leibkutscher sprang ab und rannte davon. Als ich mich nach ihm umdrehte, sah ich, wie eine Menge jemond verfolgte. Plötzlich stand ein Rittmeister in Gardekürassieruniform am Trittbett des Wagens, salutierte und fragte mich noch meinen Befehlen. Ich beauftragte ihn, den Dorfall festzustellen und mir sofort nach dem Schloß Bericht zu bringen. Er kam etwa eine halbe Stunde später und meldete, daß der Attentäter festgenommen und der Polizei ausgeliefert fei. Ich selbst bin ober nach allem fest überzeugt, daß von einem. Attentat nicht die Rede sein könne. Möglicherweise daß ein Verrückter mit der Ge- fahr um sein und mein Leben gespielt hat. Morden wollte er mich nicht." Diese Zeugenaussagen des Kaisers und seiner Tochter sind in die Akten des Justizministeriums aufgenommen worden. Der Untersuchungsrichter Hot sie nickck zu Protokoll gegeben und die Oesfentlichkeit hat von ihnen nichts erfahren. Sie waren ja auch zur Unterstützung des Bismorckschen Ausnahmegesetzes für die Sozialisten denkbor ungeeignet. II. Und Hödel selbst?'''..' Cr leugnete beim Verhör entschieden, daß er den Kaiser er- schießen wollte. Es war pure Lüge, was Wolsss Bureau am Abend des Ereig- injfes über sein Geständnis verbreitet'hatte. Hödel erklärte weiter: „Ich weiß, daß ich an schwerer Syphilis leide und daß ich doch mir noch kurze Zeit zu leben habe und keine gute. Ich wollte mir selbst dos Leben nehmen, vorher aber doch noch etwas An- ständiges tun. Da habe ich inir gejagt:'„Wenn du mal paar kräftige Schüsse in die Lust knallst, während der Kaiser vorbei- fährt, so machst du auf dich aufmerksam. Der Kaiser wird sehen, wie schlecht es mir geht und er wird sich denken, wieviel Elend doch in der Welt ist und dann wird es möglicherweise etwas besser werden." Viel Wahn, wenig Sinn. Oft ein sprunghafter Wechsel von einem zum anderen. So denken, träumen, faseln Menschen, in deren Hirn sich der Größenwahnsinn festgesetzt hat und an denen die Ver- zweiflung würgt. Der Untersuchnngsrichier nahm von Hödels Mitteilungen init Bemerkungen wie„albern, unglaubwürdig, märchenhaft" Notiz. Hödel protestierte. Der Untersuchungsrichter fragte ihn dann nach seiner Zugehörig- keit zur Sozialdemokratie. � „Die besteht schon seit ciinger Zeit nicht mehr. Ich bin bei der Stöcker-Partei. Noch unlängst habe Ich ein Flugblatt verteilt und das schloß mit den Worten:„Dir Christtich-Sozialen pflegen die Liebe zu König und vakerland." So oft Joel den Hödel verhörte, es kam immer auf die gleichen Bekundungen heraus. Di« Gerichtsbehörden, die Polizei, die Mini- sterien gerieten in Schwierigkeiten. Do ließ sich der dumme Mensch in die Falle locken. Die Gefängnisbeamten freundeten sich mit ihm an. Sie gewannen sein Vertrauen imd führten politische Gespräche mit ihm. Er habe doch soviel erreicht und die ganze Well spreche ia schon von ihm. Er habe sich sogar an einen Kaiser herangewagt. Nun würde er als ein„unsterblicher Held" dastehen, wenn er allen Leuten sagen würde, was er eigentlich mit dem Attentat geplant habe.__._.. „Att-ntSte?©. TU. des Äoifers.' Das stieg Hödel in dcn Kopf. Er dünkte sich groß, unüberbiet- bar groß, wenn er sich nun die Rolle des Kaiserattentäters zulegte. Wirklich schrieb er jetzt«inen Brief an seine Ellern. in dem er sich mit Tell verglich, von seiner hohen Mission sprach und bedauert«. nicht s» gut geschosten zu haben wie der Schweizer Bolk-erlöser. Er unterschrieb den Brief:„Max Hödel. Attentäter S. M. des Kaisers." So nannte er sich noch mehrmals in Gegenwart des Aufseher- Personals. Einem Wärter, der viel mit ihm sprach, sagte er glatt heraus: „Wenn ich herauskomme, dann werde ich aber besser zielen." Man hatte dos Geständnis. Die offiziösen Zettungen schrieben, Hödel habe wiederholl Geständnisse abaelegt und verstockt wie er sei, rühme er sich noch seines fluchwürdigen Verbrechens. Nun wollte auch der Untersuchungsrichter das Geständnis schwarz auf weiß verbuchen. Ihm gegenüber widerrief Hödel aber ab s. Er blieb bei seiner ersten Darstellung, und als ihm der Unter- stichungsrichtcr seinen Brief an die Ellern vorlas, äußert« er blöde Krinsend, daß er sich auch mal einen Spaß erlauben wollt«. 4 Zur Aburteilung wurde em besonderer Staotsgerichtshof be- phmitt. Der Iustizmüttster wählt« die Mitglieder, der Roichskanzlcr legte die Liste dem Kaiser zur Bestätigung vor. Ankläger war der Staatsanwalt Tessendorf, damals der schärfste Verfolger im Dienste der Reaktion. Mit der Einbringung des Ausnahmegesetzes hatte es Bismarck eilig. Schon drei Tage nach dem Borfall lag die Gesetzesnooelle dem Reichstag vor. Die Veratungen waren ebenfalls schnell abgetan, die Schlußabstimmung fand an: 29. Mai statt. Der Reichstag ver- warf das Ausnahmegesetz. Es war in der Fassung so scharf geroten, daß selbst die Nationalliberalen es bis auf zwei Fraktionsgenossen ablehnten. Bismarck erwog zwei Gegenschläge. Sollte er dcn Reichstag auflösen? Sollte er Staatsstreich oerüben und dem Reichstag auch noch das Ablehnungsrecht von Regierungsvorlagen rauben? Das Attentat Nobilings. Da kam am 3. Juli 1878, also drei Wochen nach Hödels Streich, ein wirkliches Attentat auf Kaiser Wilhelm 1. zur Ausführung. Der Landwirt Dr. Karl N o b i l i n g feuerte an diesem Tage auf den Kaiser mit seiner Schrotslinte und verwundete ihn ziemlich schwer. Es bestand wenig Aussicht, den Verbrecher zur Rechenschaft zu ziehen, weil er sich selbst noch der Tat ein« Kugel in den Kopf jagte und derart schwer verletzte, daß er ohne Möglichkeit auf Lebens- erhaltung dahinsiechte. Er starb nach drei Monaten im Gefängnis. ». m«toq» IMttait n» 9m 184t. LnlimKckMt. eima xi»»ii im' „Nichts kailii Mciu Lkitraiitn zu Mcinem Volke crichiilln». am alenoeuizste» tine solche Thal. TaS Dcrhöllniz zu Meinem Volle bleibt basselb«.?ch lege ruhig Mein Haupt in den Schaoß jede« Einzrlucu.- „Golt hat sich überaus guädig gegen Mich gezeigt. Ich ivil bieser Guab« Mich badurch würdig zeigen, das. Ich. wie und>o« eh nur immer angeht, nach alen Meinen Kiäsien gnädig geaen Reine Unierihanen Verfahre." INiitirniche SilkHa V ■tg Ki» Dtuital K> eirorrahfait*K4 I Eint Vahlnummei der„Berliner Freien Presse" nseK dem Attentat Nobilings Dieses Ereignis diktierte Bismarck die Entscheidimg: er löste den Reichstag auf. Die Erschütterung in Deutschland war so lief, daß er von einem neugewählten Reichstag alles haben konnte, was er gegen die Sozialdemokratie wünschte. Diese Vorgänge übten nun ihren Druck auf den Prozeß Hödel. Er begann gegen Ende Juli in Berlin vor dem Staatsgerichtshof. Die öffentliche Verhandlung hatte zwar die äußere Form des juristischen Bersahrens. Eine ordnungsmäßig erhobene Anklage wurde durch Zeugen unterstützt, es kam zu Plädoyers und Urteils- jpruch. Im übrigen war die Ptozeßdurchsührung eure Faree unter der Wucht politischer Kraftau sströmu ngen. Hödel hatte den tüchtigen sozialdemokatischen Anwalt Frey. tag aus Leipzig zum Verteidiger gewählt. Dieser hatte sich dazu bereit erklärt, die Zusage ober an die Bedingung geknüpft, daß ihm die Akten«inoesondt und genügend Zeit zu ihrem Studium gelassen würden. Beide Forderungen lehnte dos Gericht ab. Es bestellte einen Ofiizialverteidiger, der gleich zu Beginn der DerHcmd- lung den Antrag stellte, ihn von der Bmeidigungsp, licht zu entbinden, da es ihm menschlich unmöglich sei, einen„Verbrecher wie Hödel" in Schutz zu nebmen. Nur die Aelöstungsz-uaen werden vernommen. Acht Zeugen rückten auf. Sie bekundeten übereinstimmend, gesehen zu haben, wie Hödel schoß, wie er zielte und so zielte, daß der Kaiser sehr gut getrojfen werden konnte. Ein« Frag«, wie sie zu derartigen übernormalen Beobachtungsfähigkeiten gekommen feien, wurde an die Zeugen nicht gerichtet. Jen« sieben Personen, dl« vor dem Untersuchungsrichter be- kündet hatten, daß Hödel hoch über den Kopf des Kaisers hinweg-. geschossen habe und daß sie nicht den Eindruck eines verbrecherischen Anschlages gehabt hätten, wurden überhaupt nicht vernommen. Was der Kaiser und sein« Tochter dem Untersuchungsrichter selbst gesagt hatten, wurde nicht verlesen. Auf Erörterungen über seinen Geisteszustand hat sich das Ge- Vicht nicht lang« eingelassen. Ein Gefängntsarzt hotte dem Unter- suchungsrichter gegenüber stärkste Zweifel an der Zurechnung?- sähigkeit Hödels geäußert. Dieses Gutachten ist aber nicht zur Ver- lesung gekommen und der Oesfentlichkeit ist es überhaupt unter« schlagen worden. Am 3. August wurde Max Hödel„Wegen Hochverrat" zum Tode verurteilt. Die Richter hielten sich an sein„Geständnis", au seine Acußerungen in den Kneipen und an die Bekundungen der Zeugen, welche den Schiehvorgang im Sinne der Anklage darstellten. Hödel wird hingerichtet. Der Staatsgerichtshof sprach sein Urteil letztinstanzlich. Wollte Hödel sein Leben retten, so mußte er— eine paradoxe Sachlage— die Gnade des Monarchen anrufen. Er tat das auch. Aber dos Todesurteil wurde unterzeichnet, nicht von Wilhelm selbst, sondern in seinem Austrag vom Kronprinzen, dem nachmaligen Kaiser Friedrich III. Am 19. August ist Hödel vom Scharsrichter Krautz enthauptet worden. Es gab noch ein Nachspiel. V i r ch o w hotte den Kopf Hödels für die Anatomie eingefordert. Seit langem war es üblich, daß die Körper der Hingerichteten den medizinischen Laboratorien zu wissenschaftlichen Zwecken überlassen wurden. Dieses Mal ver- weigerte die Gerichtsbehörde die Herausgabe. Mit guten Gründen. Der Forscher hätte die körperlichen Eni- ortungsmerkmale am Schädel des Enthaupteten feststellen und noch hinter Toresschluß beweisen können: Der Bismarckfche Staat hat einem Wahnsinnigen den Prozeß wegen Hochverrats gemacht. Er hat'einen Wahnsinnigen hinrichten lassen. Er hat die angebliche Schuld eines Wahnsinnigen als Stütze für sein pfuscherhaftes Aus- nahmegesetz gebraucht. Die Sozialdemokratie aber, die mit Hilfe des Sozialistengesetzes zur Strecke gebracht werden sollte, lebt; sie hat vor 59 Jahren über die Dismarcksche Reaktion gesiegt, sie wird am 20. Mai 1928 über die heutige Zleaktion siegen! Polizei in der Arktis. Der nördlichste Polizeiposten der kanadischen Polizei, vielleicht auch der ganzen Welt überhaupt, liegt etwa 1999 Kilometer vom Nordpol entfernt im Ellesmere-Land aus der Halbinsel Bache. Don diesem Posten aus unternimmt die kanadische Polizei Streifen, die sich Hunderte von Kilometern weit ins Land erstrecken und an die Ausdauer des einzelnen die größten Anforderungen stellen. Diese Streifen hoben den Zweck, die einzelnen zur Station gehörigen Pasten zu kontrollieren. Einer der schwierigsten Posten dürfte der Posten von L i a r d sein. Denn hier ist das Klima besonders rauh und ungünstig: die Entfernung, die zwischen ihm und dcn ersten Spuren der Zivilisation liegt, ist besonders groß, die Transportschwierigteiten furchtbar, primitiv die Verkehrsmittel. Bis zum nächsten Postamt beträgt beispielsweise die Entfernung 279 Kilometer! Fast ebensoweit sind die nächsten Ansiedlungen von Weißen und Indianern entfernt. Außerdem ist die Reise noch dort mit großen Gefahren verbunden. Im Sommer sind drei tiefe Fluh- täler des Liord- und des Franceflusses zu passieren, die beide sehr reißend sind, im Winter kommt man in dem unixegsamen Gelände selbst mit Hundeschlitten nur mühsam vorwärts. Zu den Obliegenheiten der Polizeistreifen gehört die Ver- sorgung der einsam wohnenden Ansiedler und Indianer mit Mediztii, di- Unterstützung kranker weißer Trapper. Wie gefährlich iolche Patrouillen sind, dasür ein Beispiel: Im Januar waren Polizeiinspektor Wunsch, Sergeant Copper und Konstabler Eooper mit zwei Hundegespannen oei 35 Grad unter Null ausgebrochen. Sergeant P a t o n tastete mit einer langen Stange den Weg ab, in Entfernungen von je 499 bis 599 Meter folgten ihm die beiden Schlitten. Man hatte bereits etwa 29 Kilometer auf dem Deasefluß zurückgelegt, Sergeant Paion markierte sorgfältig dcn Weg für die Schlttten, denn sobald die Hunde mit den Füßen in offene Rinnen geraten und nasse Füße bekommen, ist es vorbei mit ihnen. Plötzlich glitt Palon aus. Sein linker Arm tauchte bis zum Ellbogen in das eisige Wasser, sein rechter Fausthandschuh füllte sich ebenfalls mit Wasser, als sich Palon aufrichten wollte. Schnell erkannte Patau die Gefahr, die ihm drohte, riß beide Handschuhe von den Händen, rief seine Gefährten und rannte, so schnell er konnte, nach einer versallenen Trapperhütte, die er in der Nähe wußte. Aber noch ehe er die Hütte erreichen konnte, waren seine Hände mit einer festen Eistruste umschlossen. Wohl rieb er sein« Hände mit Schlamm, aber vergebens! Bold begannen auch sie in der mörderischen Kälte zu frieren. Paton bat sein« Geiöhrtcn, ihn seinem Schicksal zu überlassen: Tränen rollten ihm über die Wange, denn die Kälte, die immer mehr an seinen Armen empor- kroch, verursachte ihm rasende Schmerzen. Auch die Tränen er- starrten auf seinen Wangen sofort zu Eis. Bier Stunden lang riebe» die Gefährten immer wieder Patons Hände, endlich, endlich begann das Blut weder zu zirkulieren, aber die Finger waren schwarz und blau. Wochenlang war Sergeant Paton vollkommen hilflos, an einem kleinen Finger begann das Fleisch zu faulen, und so wurde ihm dos eine Glied mit einem Rastermesser imp'tt-ert! Stilles Heldentum im hohen Norden, von dem die Welt nur selten erfährt! Dynamit als Klndersplelzeug. In Syrocuse lVereinigte Staaten von Amerika) hotten spielende Kinder auf cincvi Felde 15 Dynomitpatronen gesunden, die sie benutzten, um sich nach Herzenslust damit zu bombardieren. Glücklicherweise explodierte keine der Patronen. Am nächsten Tage fand der Pater eines der Kinder mehrere der Dynomitpatronen auf dem Hofe und übergab der PÄizei. DER SPRUNG UBER DEN SCHATTEN VON KARL SCHRÖDER-- ZEICHNUNGEN VON PAUL THESING Copyright 1921 by»Der Bücherkrei» G.«. b, H." Berlin SWil. 9. Fortsetzung. Wir hatten von meinem Examen gesprochen und wie ich wohl leben könnte, wenn ich die Universität besuchte. Niemand wußte ein« Antwort. Dann hatten wir geschwiegen. Man hört« nur das Krochen der mit Zange und Zähnen zerknackten Nüsse. Da erhob sich der Voter und ging ins Nebenzimmer, in dem dos Klavier stand. Der ZUavierdeckel kloppt«, und gleich darauf quollen Choralakkorde aus dem Dunkeln, füllten schwingend, brausend, hindüstcrnd den Raum. Ein Präludium, eine Fantasie.— Oh, ich verstand den Voter: ich spürte sein« Sehnsucht und seinen Gram. Aber jetzt— fester und immer fester oerdichteten sich die Tön«, formierten sich zum machtvollen Bekenntnis.— Eine kurze Pause— dann dröhnte es heraus mit überwältigender Kraft— begleitet von einer Stimme, deren orgelnder Baß die Brust zu sprengen schien: »In ollen meinen Toten laß ich den Höchsten raten, der alle» kann und hat. Er muß zu allen Dingen, soll's ander; wohl gelingen, uns selbst«» geben Rat und Tat." Die Schwestern hörten auf, ihre Nüsie zu knacken: sahen ins Dunkel, fielen ein mit ihren hellen Stimmrft: die braunen Flechten hingen ihnen über die Wangen, die vom Feuer gerötet schienen. Meine Mutter ging leise ins Nebenzimmer und setzte sich neben ihren Mann. Ich war erregt: ich wußte, daß der Vater den Katechismus ablehnte. Was er aber im einzelnen dachte, darüber hatten wir nie gesprochen. Jetzt spielte er diesen Choral. Die zweite Strophe war beendet. Tiefe Unruhe erfaßte mich. Die Kraft der Musik riß Erinnerungen aus den Gräbern der Der- gangenheit. Ich glaubte nicht mehr an die Kirchenlehre: ich glaubte an Haeckel und die moderne Naturwissenschaft. Aber meine Hände krampften sich wie von selbst zusammen. Ich sah auf die flackernden Lichter des Tannenbaumes. Als dl« dritte Strophe begann, sang auch ich, mit jeder Zeile lauter und fester: „Es kann mir nichts geschehen, als was er hat ersehen, und was mir selig ist: Ich nehm es. wie er's gibet, was ihm von mir beliebet, das hob' ich willig auch erkiest." Der Tanz beginnt. Ein Bierteljohr nach diesem Weihnachtsfest saß ich dem Der- sicherungsdirektor Nehberg in einem Zimmer seiner Privatwohnung am Kursürst«,, dämm in Berlin gegenüber. Ein dicker Kerl mit Kahl- schädel und Specknocken, eingeplatteter Nase und Kneifer; Zigarre zwischen Wulstlippen oder Wurstfingern. Er war in der Nähe meiner Heimat geboren, hotte bei einem Geschästsbesuch von mir gehört und dann meine— darüber hochbeglückten— Eltern aufgefordert, mich ihm als Hauslehrer seines Sohne- anzuvertrauen.„Alles Weitere würde sich schon finden. Sicherlich würde es mir großartig gefallen." Ich laß in einer Umgebung, pompös, wie ich sie noch nicht kennengelernt hatte. Riesige, mit geschnitzten Iogdstilleben verzierte Büfetts: zentnerschwere Bronzekronleuchter, dicke weiche Teppiche und an den Wänden quadratmetergroße Bilder in vergoldeten Stuck- rahmen. Das drückt« mich nieder. Ich suchte mein« großen Fäuste zu verstecken, und mir fiel als schweres Manko auf die Seele, daß ich keinen Somnicrüb«rziehcr hatte. „Es bleibt also dabei," sagte Rehberg und setzte eine Flasche Wein auf den Tisch.„Sie sehen, ich biete Ihnen ein« wenn auch nicht gerade glänzend«— dos erlauben leider meine Mittel nicht—. so doch durchaus angemessen« Position. Ist auch nötig bei Ihren vorzuglichen Zeugnisien Aber trinken Sie dach! Bitte, nicht genieren." Er stieß sein Glas an meins, trank in einem Zuge leer, leckte di« dicken Lippen und fuhr dann fort: „Sie haben für Ihre Borlcsungen an der Universität den vollen Vormittag: dann speisen Sie bei uns zu Mittag, arbesten'ne Kleinigkeit mit dem Jungen und spazieren nachdem mit ihm in den Zoo. Dann soupieren wir gemeinsam, und den Abend haben Sie wieder völlig für sich. Ich meine, günstiger können Sie es nicht haben. Aber trinken Sie doch! Trinken Sie doch. Herr Studiosus! Ihre Eltern— übrigens nette Leute, olle Achtung— die freuen sich gewiß mit." Der schwere Wein stieg mir zu Kopf. Ich vergaß di« Umgebung. verlor die Befangenheit, die mich bisher schuljungenhaft auf dem Stuhle zusammengedrückt hatte und begann mit einem langen Be° kcnntnis meines idealen Wollens: meiner Absicht, Eltern und Ge- schwiftern zu helfen und die Menschheit überhaupt zu fördern. Rehberg legte sich bequem in den Sessel zurück und sah mich «in« Weile aufmerksam an. „Sie haben ja ausgezeichnet« Absichten, Herr Studiosus," unter- brach er mich auf einmal.„Wahrhaftig, ausgezeichnet: Sie sind ja em echter Idealist. Solche Leute brauchen wir. Habe ich doch recht vermutet. Ausgezeichnet. Ihr Wohl, Spezielles: Rest, lieber Kommilitone." Er lächelte zwinkernd. Der Mann hatte nie auch nur«in Gymnasium besucht. Er stand auf. trank aus und beqann unver- mittelt: „Und--- wie gesagt um auf den Unterricht zurückzukommen— in bor zahle ich Ihnen— na, warten Sie mal— ich muß Ihnen entgegenkommen— er zog den Blick an mir herunter— Sie werden sich sicher noch einkleiden müssen— sogen wir: fünfzig Mark. Erledigt! Lassen Sie, lassen Sie, kein Dank nötig!" Ich hotte keinerlei Anstalten gemacht, ihm zu danken. Denn so dusselig ich war. und so weit ich in den Himmel gestiegen war. während er hübsch auf der Erde blieb, hatte ich doch ein deutliches Gefühl dafür, daß hier etwas nicht in Ordnung sein mußte. Außer. dem hatten di« Eltern gemeint, er würde mir wohl fünfundsechziq bis siebzig Mark, vielleicht sogar fünfundsiebzig Mark geben, und dann könnte ich sorglos leben und studieren. „Bleibe ober höflich und bescheiden," sagten sie,„denn damit kommt man am weitesten, mein Kind.* Ich wollte Rehberg gern etwas erwidern, wußte aber nicht was. Ich war ausgehöhlt. Er aber gähnte fetzt ganz ungeni«rt. hielt mir die Hand zum Druck hin, ohn« selbst«jnen Finger zu bewegen, und so verabschiedete Ich mich in willenloser Höflichkeit, ohn« zu be- merken, daß dieser Herr sich gar nicht mehr um mich kümmerte und— den Rücken mir zug«kehrt— sich ein neues Glos Wein ein. schenkte. Ich war noch Berlin gekommen, olle Taschen gepfropft voll Idealismus. Ich war überzeugt davon, daß der Märtyrer die Blüte menschlichen Daseins vorstellt. Ich hatte mir den Vers zurechtgemacht, daß die Welt überhaupt nur vom Opfer der Besten bestehen kann. Mir fehlte jeder Schimmer dafür, daß bewußtes Märtyrer- tum, Selbstsucht und Privateigentum in engstem Zusammenhang miteinander stehen. Es ist auch schwer, das zu begreisen, vxnn man ohne Brille nicht mehr zu sehen vermag. Weil es ober so war, sah ich alle Schwierigkeiten auf dem Wege, den ich ging, für Proben an, die Herkules zu bestehen hatte, um unter die Götter aufgenommen zu werden. Das wichtige war: Höher steigen als das Dutzend. Das Dutzend war das verächtliche an sich. — ich biete Ihnen eine durchaus angemessene Position— Wer unter solchen Voraussetzung«» noch einen kräftigen Körper hat und einen lebendigen Willen, geht gewöhnlich den Weg bis ans Ende. In den Sumpf oder in den Tod. Bei Rehberg kam ich in die richtig« Schule. Der Mann war ein ausgesprochener Schurke. Frau und Kinder verkrochen sich vor ihm in den Winkel. War es«in Wunder, daß der Junge, den ich zu unterrichten hatt«, und der in ewiger Angst vor Ohrseigen schwebte, ein durch und durch verlogener Bengel wurde? Der Alte hatte sich in den Kopf gesetzt, sein, sei— n Sohn müsse, wenn nicht Erster, so doch jedenfalls nicht weniger als der Dritt« in der Klasse sein. Der Junge hätte es sein können; er war begabt und auch nicht faul. Aber die Angst vor dem Vater bracht« ihn um, und zitternd ging er an jedes Exerzitium. Als er merkte, daß ich es gut mit ihm meinte, gewann er Ver- trauen, schrieb bessere Arbeiten, aber dafür bummelt« er in der Schule, verließ sich auf mich: und mein« Arbeit verdoppelte sich. Unser„bißchen" Arbeit, wie sich der Direktor allem Besuch gegenüber ausdrückte, verlief folgendermaßen: Um ein Uhr, auf den Glockenschlog, hatte ich zu erscheinen. Kam ich, dann lies der Alte, der nur zwei Stunden vormittags auf dem Bureau arbeitete, alles übrige von sein«r Wohnung aus tele- phonisch«rledigte, schon brummend aus und ab und verwickelte mich sofort in ein Gespräch über Richards Schularbeiten. Der kam um halb zwei Uhr und wurde ziemlich regelmäßig mit den Worten empfangen: „Na, Bengel? Wie waren die Arbeiten? Nu mal fix! Wieder zwei Minuten zu spät. Kannst du Lümmel denn nicht endlich mal pünktlich sein!— Ich glaub«, Herr Fehlow, Sie prüfen schnell einmal nach, ob er die Vokabeln von gestern noch kann." Ich prüfte nach, und es wurde zwei Uhr. Das„Diner" dauerte genau von zwei bis zwei Uhr zwanzig. Zwei Uhr fünfundzwanzig spätestens saßen wir an der Arbeit. „Ich komm« dann nachsehen," sagte der Mte: sah ins Arbeits- zimmer und verschwand. Sicherlich schlief er. Um halb fünf Uhr erschien er wieder. Er ließ sich alle Arbeiten vorlegen: Sachen, von denen er gar nichts verstand. Ich mußte erklären: dann kritisierte er in Grund und Boden. Währenddessen wurde uns dreien eine Tasse Kaffee und«in Brötchen auf silbernem Tablett vom Diener hereingebracht. Wir tranken, ohne eigentlich von der Arbeit aufzusehen. Später merkte ich. daß der Herr Direktor längst in seinem Zimmer Kaffee getrunken hatt«. Es wurde halb sechs. „Nu aber dallil" schrie er den Jungen an.„Ein Strick ist das! Bengsl, wenn du dich nicht änderst, wirst du noch am Galgen um- kommen. Sieh dir Herrn Fehlow an! Immer Primus. Und du? Alle Hilfe vergebens. Man schmeißt sein sauer verdientes Geld zum Fenster'raus für dich.— Los jetzt! Aber dalli, dalli, dalli! Nicht wahr, Herr Fehlow. Sie achten drauf,— nicht später als halb sieben. Frisch« Lust! Ja, wer sich das so leisten kann. Und— nicht wahr? Vielleicht fragen Sie auf dem Weg« noch kurz nach den letzten Ge- schichtszahlen. Der Bengel vergißt ja alles!' Bis zum Zoo gingen wir zehn Minuten. Waren wir um die Ecke gebogen— der Direktor stand gewiß auf dem Balkon und sah herunter—, tobte Richard sofort los wie«in Besessener, stieß blöde Laut« aus, und ich war in Todesangst, daß er überfahren wurde. Dabei war er vierzehn Jahre alt. Im Zoologischen Garten war meine Haupttätigkeit, aufzupassen, daß der Junge mir nicht aus den Augen kam und unsere Rückkehr sich dadurch verzögerte. Das war mir gleich in den ersten vierzehn Tagen passiert. In gröbster Form hatt« mir Rehbarg mit sofortiger Entlassung gedroht. Sogar meine„ehrlichen, alten" Eltern» diese„netten" Leute waren als Drohmittel heraufbeschworen worden. ' Zum Widerstand war ich noch lange nicht reif. Ich war viel zu dumm und viel zu befangen, und Rehberg wußte dos. Seit dieser Zeit hasse ich den Zoologischen Garten. Ich hasse ihn auch aus anderen Gründen. Ich kann es nicht ertragen, Wölfe und Panther bei ihrem entsetzlichen Rundlauf im Käfig zu sehen oder gar Adl«r und Geier, die auf künstlichem Berg unterm Glasdach vergeblich die Flügel spreiten. Damals begann mein Ekel vor diesem Garten, der kein Garten ist, sondern«in Gefängnis, in dem Kinder spazierengefährt werden, damit sie lernen, sich ihrer Gesell- schaft anzupassen.(Fortsetzung folgt.) Rätsel- Ecke des„Abend". iHimiiBumiimiuiuiumiinimiiimiinramiimmiinmnmniiiimimmiiiiinniiiiiiimniiiimmiiiiinmiiiiiiBmnroiimimraiiimHiiurainiiinimmnmninnimmmiiiuiumiimiinii Rerufs-Mosaikrätsel. Kreuzworträtsel. Die Worte bedeuten:. Wagerecht: l. Fleck am Körper, 3. italienische Stadt, 3. türki- scher Vorname, ö. Strick, 8. Stätte. 10. seltener männlicher Vor- name, l2. Ausruf des Staunens, 14. altes Flösfigkeitsmaß, IS. männlicher Vorname, 16. Stellung. Senkrecht: 1. Verhältniswort. 2.. matt. 3. mittelländischer Name für Fluß. 4. Tapferkeit, 7. Teil eines Theaterstücks. 9. unzart, 10. Universum, 11. Tierpark, 12. Großmutter, 13 betagt. Silbenrätsel. Aus den nachstehenden 33 Silben sind 22 Wörter zu bilden, deren Anfangs- und dritte Buchstaben, von oben nach unten gelesen, einen Mahnruf an unsere Leser ergeben: a a ais al an ar as b« d« der di dü e e flie frei hi i in in ko kei keit ken la la land laub le li lo mao m: mce ne ne o ob pig ra r« rcr ri fchi fei fchu ß«n ter ter un üp ur wie ze zy. Di« Wörter bedeuten: 1. Arzneipflanze: 2. altes Gewicht: 3. Strauch: 4. starkes. Gift; 5. F«ri«nzelt: 6. moderne technische Errungenschaft: 7. deutscher Dichter: 8. Truppenteil: 9. Buch im Alten Testament; 10. Diener; 11. angebliche Kreuzinschrift Christi; 12. preußischer Staatsmann: 13. Längenmaß: 14. Fluß in Frankreich: IS. Hüftkrankheit: 10. germanische Gottheit: 17. Wohlleben: 18. Unterrichtsanstolt: 19. be» rühmt«r Maler; 20. Ort in der Schwei,: 21. flaches Land: 22. Stoffort. W. Musikalisches. Jeder Musikfreund wird es wissen, Ohn« erst lang' überlegen zu müssen, Daß„Frq Diavolos" Komponist In«in«? Mozartschen Oper enthalten ist, A. ZK. E» sind 10 Berufe von untenstehender Bedeutung zu finden, a einzelne Buchstabe: v jl werden. Sämtliche eben einen Sinnspruch: deren einzelne Buchstaben in die durch Ziffern bezeichneten Korrees " 1 werden. Sämtliche Buchstaben im Zusammenhang gelesen er- 1) 2) Z) 4) 5) 6) 7) 8) 9) 10) 5, 19. 20. 4. 22. 37. 1. 12 Jurist 43. 23. 17. 46. 8. 3. 28. 37 20. 11. 14 Krankenschwestern 25, 1, 21, 18. 16, 23, 47. 32 Gaslhofbesitzer 24, 2, 23, 32, 6, 12, 15 Arzt 9, 12, 8, 7. 27, 37, 19, 1. 32 Akademiker 38. 39, 40, 34, 10. 31, 30, 13, 32 Kraftwagenführer 26, 40, 9, 28, 42, 40, 33, 29 Seemann 12, 44, 35, 48, 41, 5, 39, 12, 4, 32 Sportler 36, 23, 24, 25, 42, 4, 32 Poet 43, 23, 12, 28. 15, 44, 45, 21 Kapellmeister Auflösung der Ausgaben nächsten Mittwoch. A.M. Auflösungen der Rätsel aus voriger Nummer. Kreuzworträtsel: Wagerecht: 2. Uhu, 3. Ali, 5. Grimm, 7. er. 8. Os, 10. Cham, 11. Olaf. 12. Petroleum, 14. Heu, IS. Dur, 17. Fasan.— Senkrecht: 1 Khalis, 3. Ar, 4. im, 5. Grad, 6. Mole, 7. Ehe, 9. Sau, 13. Oberhaus, IS. da, 16 Ra. Silbenrätsel: Hörst du's nicht in h«is«rn Nöt«n Hastig auf dem Schornstein flöten Wie auf einem hohlen Zahn? — Das ist der Lenz mit seinem„Dahn". Magische? Quadrat: Ubeda, Bebel, Ebert, Derma. War. Komponistsn-Persetzrätfel: D'Al b« rt. Mai l l ort. Pure in:, Humperdink. Lortzing. Gold mark.— Bellini Normo. Cha rode: Galgenstrick. Xr. 224 45, Jahrgang Mnltupartmäz Gonnabend 12. Mai 1928 Keime für Errva�senenbildung Die neuen Verhältnisse und drängenden Probleme ließen mit dem Ausbruch der Revolution in den Massen einen Heißhunger nach Belehrung erwachen. Wissensbegierig strömten sie in die Lehrsäle der wie Pilze aus dem Boden schießenden Volkshochschulen, die vielfach von Leuten ins Leben gerufen waren, die zwar plötzlich von Begeisterung für Volksbildung sich ergriffen fühlten, denen aber oft jede Ahnung von Erwachsenenpädagogik abging. Sie hielten gut gemeinte akademische Vorträge über alles mögliche, bloß nicht über die praktischen brennenden Fragen. Die Enttäuschung darüber lieh den Eiser der Zuhörer rasch erlahmen. Gewiß, es war nicht allein die Schuld der Dozenten, die auf die Mentalität ihrer Zuhörer viel zu wenig abgestimmt waren. Vielleicht hatten auch die Massen Tinz. Unmögliches von solchen Abendkursen erhofft. Die Problematik der Wissenschast unterschätzend, neigen sie dazu, von ihr handfeste und praktisch sofort verwendbare Rezepte zur Lösung ihrer Nöte zu er- warten. Auf jeden Fall, die Ernüchterung kam auf beiden Seiten, nach dem überstürzten Aufschwung verebbte die Welle. Einkehr und Besinnung begann, man sing an, die Probleme der Er� wachsenenbildung zu sehen. � Die Erkenntnis verbreitete sich, daß freie Volksbildung keine bloße Popularisierung geistiger Werte, keine geistige Armenpflege sei, sondern daß sie eine große und be- sondere Ausgabe mit eigener noch zu suchender, psychologisch fundierter Methode sein müsse. Nötig war Intensivierung, Vertiefung. Wer von der Tages- arbeit schon ermüdet zu den Abendkursen kommt, kann keine Elasti- zität geistigen Dingen gegenüber und keine große Aufnahmefähigkeit mitbringen. Drum haben Abendkurse neben der Berussarbeit ein unverhältnismäßig geringes Ergebnis. So drängt die Bildungs- arbeit zum Heim, in dem der Schüler, von der Berufsarbeit frei- gestellt, sich ausschließlich der geistigen widmen und in dem auch vor ollem die Zeit außerhalb des Unterrichts der Bildungsaufgabe dienst- bar* gemacht werden kann. Eine Lern- und Lebensgemein- schaft von Lehrern und Schülern soll entstehen. Es kommt nicht mehr so sehr auf Stoffdarbietung an, sondern auf Formung der in dem Schüler angelegten Kräfte zu einer sozial sich verantwortlich fühlenden und aktiven Persönlichkeit. Die stärkste bildende Krait ist Neben der Persönlichkeit des Lehrers dos Zu- sommenleben mit den übrigen Heimgenossen. Zurzeit gibt es in Deutschland über 60 Heime, die im Nachweis des Archivs für Volksbildung im Reichsministerium des Innern auf- gezählt sind. Zum Teil sind sie politisch oder weltanschaulich ge- Kunden, zum Teil wollen sie neutral sein. Neutralität kann aber von einem modernen Erzieher nicht etwa so verstanden werden, als gelte es, sich von politischen und weltanschaulichen Dingen fernzu» halten. Der Erzieher muß selbst einen festen Standpunkt haben. Er darf ihn nur nicht ausdrängen wollen. Für die sozialistische Arbeiterschaft ist in erster Linie T i n z zu nennen. Als Vertreterin für die neutralen Volkshoch- schulheime führen wi» die C o m b u r g an, neben der noch zu nennen sind, Sachsenburg. Dreißigacker, Prerow usw. Ein anderer Typus sind die von den Gewerkschaften unterhaltenen Heime, die einer bestimmten Zweckschulung, der Funktionäraus» bildung, dienen. Hierher gehören Dürrenberg, das Heim des Metallarbeiterverbandes, das Heim des Fabrikarbeiteroerbandes in Wennigsen, dos der Gemeinde- und Staatsarbeiter in Buckow (Märkische Schmelz)._ H a r t i g. Die HeinivolkshoM�ule Tinz. Tinz ist keine„neutrale" Schule. Es ist eins sozialistische Weltanschauungsschule. Die Arbeit in Tinz ist von vorn- herein an dem sittlichen Ideal und der gesellschaftlichen Perspektive des Sozialismus orientiert. Wobei streng geschieden wird zwischen weit- anschaulicher Orientierung und parteipolitischer Einstellung. Tinz ist keine Parteischule. Auch die marxistische Theorie ist in Tipz kein unantastbares Dogma, das einfach erklärt und erläutert tvird, sondern eine Lehre, um die in ernster wissenschaftlicher Arbeit, im Für und Wider der Meinungen gerungen wird. Nach dieser Grundeinstellung richtet sich Auswahl der Stoff- gebiete, Lehrplon und Methode. Die Funktionäre der Arbeiter» bewegung— und solche hat Tinz iw Aug« dürsten nach zw« ck- id i e n l i ch« r Stoffv«rmittkung auf dem großen Gebiete der Sejellfchaftswifjenfchaft««. Sie begnügen sich«cht allein mit ethisch-philosophischer Durchdringung wichtiger Lebens- fragen. Sie wollen Einsicht in die wirtschaftlichen Zusammenhänge gewinnen. Sie wollen die Erscheinungen in Gesellschaft und Politik, die sich vor ihren Augen abspielen, aus ihren geschichtlichen Wurzeln verstehen lernen. Sie wollen die seelische Struktur der Menschen, aus die sie Einfluß zu gewinnen trachten, und ihre eigene Seele kennen lernen. Ihnen sollen die Schätze der Weltliteratur und der bildenden Kunst, wichtig für sozialistische Gefühlsbildung, kein Buch mit sieben Siegeln sein. Alles dies nicht Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck geistiger Reoolutionierung. So stehen Wirt- schastslehre, Geschichte, Psychologie, Kulturlehre im Mittelpunkt des Unterrichts. Ergänzend treten Fächer von mehr praktischer Natur hinzu, die von Gastlehrcrn und Gastlehrerinnen in besonderen Ar- beitsgemcinschaftcn behandelt werden: Verwaltungskunde, Der- sassungswesen, Gcwerkschaflswescn, Arbeitsrecht, Erziehungsfragen, Frauenproblemc. Di« Methode des Unterrichts ist, sofern der Stoff es gestattet,'die Arbeitsgemeinschast zwischen Lehrern und Schülern. Abendliche Seminare dienen tieferer Durchdringung be- soliderer Fragen. Betriebsbesichtigungen bieten wertvolles anschau- liches Materiol. Die Schule besteht seit Frühjahr 1920. Elf Männer- und sechs Frauenturse zählt sie bis jetzt. Ursprünglich eine aus der Revolution des Jahres 1918 entstandene Stiftung mit eigenen umfangreichen Forsten, ist sie seit der Zusammenlegung der Länder zum Freistaat Thüringen staatliche Schule. Das Barockschloß, in dem sie untergebracht ist, liegt an der Peripherie der Stadt Gera. Die Teil- »chmer und Teilnehmerinnen an den jährlich zweimal stattfindenden Kursen(zu je fünf Monaten) rekrutieren sich aus ganz Deutschland. Auf möglichste Homogenstät der Schüler als Vorbedingung eines erfolgreichen Unterrichts wird größtes Gewicht gelegt. Die Hälfte find freie Bewerber-, die übrigen werden von den Gewerkschaften und der Sozialdemokratischen Partei delegiert. Schulische Demo- kratie ist das Prinzip, nach dem sich das Leben im Internat und im Umkreis der Anstalt überhaupt regelt. So verlassen alljährlich 100 junge Proletarier im Alter von 18 bis 30 Iahren Tinz, die mit den Elementen des wissenschaftlichen Sozialismus vertraut und im Urteil geschult sind, deren Kulturwille geweckt worden ist>md die mit klarem Bewußtsein an die Ausgaben der Arbeiterbewegung herantreten könnep. 0. G r e i n c r. AmrusGule in Dürrenberg. Die Gegend um Merseburg mit ihren gigantischen Werken der chemischen Industrie, der Elektrowirtschaft und des Braunkohlen- baues wächst sich immer mehr zu einem gewaltigen Industriezentrum Deutschlands aus. Neben dem ungeheuren Komplex des Leuna- Werkes ist das kleine Solbad Dürre nberg eine sterbende Idylle. Hier hat der Deutsche Metallarbeiterverband das Kurhaus erworben und es zu einem Internat zur Schulung seiner Vertrauensleute umgestaltet. In drei Wochen ernster Arbeit und anregender Lebensgemeinschaft sollen hier seine Mitglieder ihre Kenntnisse erweitern und verbessern, sich neue Impulse für ihre gewerkschaftliche Tätigkeit holen, um ihre für die Bewegung so wichtigen Verbands- und Betriebsfunktioncn volllommener erfüllen —-'"-- �-i''■>'-- k, i|,■': ä'' �• i fr*»»; V•« V, Q3o(£si)oc£)fc�nü)eini Eombnrg. Wenn nach eineinhalbjährigem Bestehen die Arbciterbildung«- stätte C o m b u r g bei Schwab.-Hall bereits sagen kann, daß sie nicht vor jedem neuen Kurs tiefgreifende Existenzsorgen durchmachen muß und von sämtlichen Richtungen der politischen und gewerk- schaftlichen Arbeiterbewegung als eine unentbehrliche Einrichtung anerkannt ist, so hat dies seinen Grund in erster Linie darin, daß der Verein zur Förderung der Volksbildung. Stuttgart, dem die Schule gehört, am 1. Mai auf ein zehnjähriges Bestehen zurück- blicken kann. Es gibt keine Stadt in Schwaben, keinen Stand, keinen geistig rührigen Menschen, der nicht in irgendeiner Weise von dieser Arbeit gehört und Förderung erfahren hat. Darum schenkte man auch dem Werk auf der Comburg von vornherein volle Beachtung. Obwohl die Comburg weder Partei- noch Gewerkschaftsschule ist, obschon Arbeiter aller erdenklichen politischen und wellanschau- lichen Richtungen dort in freier Weise beieinander wohnen, weiß sich jeder daheim, weil er für den Kampf um eitte neue Zukunft der Arbeiterschaft und der Menschheit nicht nur mehr Mut und Hoff- nung bekommt, sondern weil er in Arbeitsgemeinschaften, Studien- gruppen und in persönlicher Aussprache mit den Lehrern, die selbst in der Fabrik standen, Klarheit bekommt über die tatsächliche Lage Comburg. der Dinge, über das, was erstrebenswert ist, und über sich selbst. Dom ersten bis zum letzten Tag steht nicht ein festgelegtes Programm im Mittelpunkt, sondern die von den Schülern aufgeworfenen Fragen entscheiden über die Linie der gemeinsamen Arbeit. Damit das Leben in dem sarbenjreudig und neuzeillich einge- richteten Heim, das mit seinen 73 Betten auch für große Freizeiten Raum hat. nicht als vorübergehender Glücksstrahl verblaßt, bestehen in allen Städten, wo mehrer« Alt-Cornburger leben. Comburgkreise, die in Fühlung mit der Comburg«ine Arbeitsgemeinschaft haben und auch Arbeitsgenossen in ihre Reihen ausnehmen, die im Sinn der Comburg arbeiten niöchton. Von Zeit zu Zeit kommen die ehe- maligen Schüler zu Wochen und Tagungen auf der Schule zu- sommen. um neue Anregungen für ihre Arbeit und neue Impulse für ihren Kampf draußen zu empfangen. Viele wichtige Dolksdildungsveranstaltungen finden auf der Comburg statt, wie die Akademie der Deutschen Schul« für Volks- forschung und Erwachsenenbildung, die Arbeitswoche der Gilden- schaft„Sozial« Arbeit"*.«. Dr. ftußner. ;~****".*' i & i V:U~L;n. 5;• IM v-»« V'•**":* •■*; � i i ■__|_-■■_■ Dürrenberg. zu können. Drei Wochen Kursusbesuch ist dajür«ine sehr knappe Zeit. Aber keine vergebliche Mühe. Man versucht, so intensiv als möglich zu arbeiten. Die Unter- richtsstoffe, auf das Nötigste beschränkt, erstrecken sich in der HHipt- sache auf die Geschichte des Verbandes und der Bewegung,-auf Arbeitsrecht(Betriebsrätegesetz, Tariswefen) und Wirtschaft mit be- fondcrer Berücksichtigung der Industrien, in denen die Schüler- be- schäftigt sind. Als Funktionär an sich schon ein aktiver und inter- essierter Mensch, kommt jeder Schüler mit größtem Lerneifer und Bildungshunger zu den Kursen und ist schon von sich aus bestrebt, soviel als möglich von dem Unterrichtsstoff mit nach Hause zu nehmen. Außerdem sind ihm die vermittelten Gebiete nicht jremd, manch einer besitzt sogar überraschende Kenntnisse darin. Neben der Vermittlung neuen Stosses hat die Schulung vor- nehmlich die Aufgabe, das vorhandene Wissen zu ordnen, zu syste- matisieren, zu klären. Sie wird dadurch erleichtert, daß die Schüler noch den Beschäftigungsgruppen des Verbandes spezialisiert und zu- weilen besondere Spezialkurse abgehalten werden. Die Schule besteht zwei Jahre. Etwas reichlich ist die 50 Schüler umfassende Kursus- teilnehmerzahl. Neben Gastlehrern stehen drei hauptamtliche Lehr- kräste dieser gewerkschaftlichen Bildungsstätte zur Verfügung. Är b eiter bildnng nnd Volksbildung. Unter diesem Titel ist im Verlag des ADGB. eine kleine Schrift erschienen, die jedem am Bildungswesen Interessierten aufs onge- legenttichste empfohlen werden kann. Ihre Bedeutung liegt darin. daß der Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes selbst, Theodor L e i p a r t. mit Lothar Erdmann zu dem Bildungsproblem der arbeitenden Massen Stellung nimmt und vom Standpunkt der freien Gewerkschaften aus ein Schul- und Bildungs- Programm entwickelt. Die Autoren verstehen unter Arbeiterbildung auch die Volks-, Berufs- und Fachschulbildung und stellen dasür eine Reihe von Forderungen wie: ein neuntes Voltsschuljahr, Gemein- schaftsschule, Ausbau der Berufs- und Fachschulen, llebergangs- Möglichkeiten von ihnen zu den Mittel- und Hochschulen, Ein- schränkung des Berechtigungswesens. Dabei unterstreichen sie mit Recht, daß die Lösung der Bildungsfrage nicht nur ein Problem der Schul-, sondern auch der Sozialresorm sei. Nach Behandlung der innergewerkschaftlichen Bildungsarbeit und der staatlichen Gewerk- schaftsschulen geben sie einen knappen und doch umfassenden lieber- blick über das freie Volksbildungswesen. Charakteristisch für die Schrift ist, daß sie Arbeiterbildung in den Zusammenhang mit dem Ganzen der nationalen Erziehungsausgabe gestellt wissen will und sie als deren Kernfrage betrachtet. Sie will keine Absonderung etwa durch eigene Arbeiterhochschulen. Was sie fordert ist: Hinein in die össentlichen Schulen, die mit sozialem Geist zu erfüllen sind und ihre Schüler zu verantwortungsbereiten nnd bewußten Mit- gestaltern am gesellschaftlichen Geschehen zu erziehen haben. H. Do» Archiv für Volksbildung im Reichsministenum des Innern ist eine zentrale Sommel- und Auskunftsstelle für die Fragen des Dolksbildungswesens. Sein Arbeitsroum steht zum Studium des vorhandenen Materiols jedem an der Bildungsarbeit Interessierten offen. C? gibt halbjahrlich Zusammenstellungen über die erschienene Fachliteratur des Voltsbildungswesens heraus, außerdem vcröffent- licht e? den„Nochweiser für das deutsche Bolksbildungswesen", in dem ein Ueberbltck über die bestehenden Organisationen und Ein- richtungen gegeben wird. April 1927 erschien Teil 3 über die Volks- hochschulheime. In ihm werden diese mit ihren genauen Adressen, Zielen, Richtungen, Unterrichtsplänen und Besuchsbedingungen an- gegeben, und zwar so. wie die Heime selbst berichten. Nach der Zu- sammenstellung des Nachwcisers gab es im Januar 1927 56 Heime, davon halten Kurse bis zu drei Monaten 7, bis zu sechs Monaten 29, ein ganzes Jahr 10. 28 Heime veranftolten abwechselnd Männer- und Frauenkurse, fünf nur Frauenkurse, Kurse für beide Geschlechter zugleich finden in acht Heimen statt. Und nochmals: Wie wählt der Arbeitcrsporiler? Die Kommunisten scheinen den Arbeitersportler nls ein beson- dere geeignetes Medium für ihre Hypnotisierungsoersuche anzusehen. Kaum eine andere Kategorie oa» Wählern wird von den Stalinisten so brünstig umworben wie er. Die Werbung erfolgt aber mit so plumpen Mitteln und so fadenscheinigen Argumenten, daß dem po- litisch denkfähigcn Arbeitersportler etwas ungemütlich ob solcher Wertschätzung zumute werden muß. Cs ist doch schließlich nicht jedem Menschen angenehm, für einen' politischen Dummkopf von ganz ungewöhnlichem Format gehalten zu werden. Ein solcher Dunnnkops müßte aber der Arbeitersportler sein, wenn er den Kommunisten auf die ausgelegten Leimruten gehen wollte. Sehen wir uns einmal das Hauptgericht der kommunistischen Wahlhexen- küche aus der Nähe an. Unter dem Feldgeschrei:„Zllle staatlichen Gelder für den Arbeitersport, keinen Pfennig dem bürgerlichen Sport!", stellen die Kommunisten die blen- dendstcn Anträge in den Parlamenten— mit bürgerlichen Mehrheiten. So auch im Reichstag mit seiner Bürgerblockmehrheit. Für wie deplaciert sie aber selbst diese Anträge halten, beweisen sie da- durch, daß sie weder in den Ausschüssen noch im Plenuni ein Sterbenswort zu ihrer Begründung sagen. Nicht einmal die Mühe einer sorgsältigen Forinulierung machen sich die Leute. So beantragen sie 130 000 Mark zur Abdeckung des Defizits von der Frankfurter O�mpiade. ohne ein Wort der Begründung und ohne sich mit de.' Zentralkommission ins Benehmen zu setzen. Nicht weniger als 2,2 Millionen wollten sie dem„Verband für Jugendherbergen" zuschanzen, den sie sonst als Gebilde der verhaßten„Bolksgemeinschaft" in Grund und Boden verdammen. Bei dieser Gelegenheit vergessen sie sogar freventlich ihre schöne Parole:„... nichts für den bürgerlichen Sport". Was soll man nur zu einer derartig liederlichen Vorbereitung von Anträgen sagen! Ganz fein haben es sich die Kommunisten im Berliner Rathaus ausgedacht. Hier spekulieren sie auf die Linksmehr- heit, die sie aber sofort nach der letzten Wahl durch Aufstellung unsinniger provokatorischer Forderungen zerstört haben. Jetzt pochen sie aus diese Mehrheit und muten den Sozialdemokraten zu, daß sie ihren einseitigen demagogischen Anträgen für die Arbeitersporller zustimmen sollen. Das Ganze ist auf nichts anderes berechnet, als der Sozialdemokratie ein Bein zu stellen und sie bei den ganz Dumnien in Verruf zu bringen! Die Unsinnigkeit des kommunistischen Vorgehens wird am besten offenbar, wenn wir feststellen, daß nur in ganz wenigen Gemeinden cmö�Arbeitermehrheit vorhanden ist, während in fast 90 Prozent die Bürgerlichen die Mehrheit haben. Würden in den wenigen Ge- mcinden mit Arbeitermehrheiten den Bürgerlichen alle Mittel ver- weigert werden, dann würden die bürgerlichen Parteien in den vielen von ihnen beherrschten Gemeinden sofort Vergeltung üben. Den Schaden hätte die Arbeitersportbewegung. Das ist ein ein- faches Exempel, das jeder begreifen müßte. Freilich, mancher be- greift es nie...! Seit Iahren kämpft die Arbeitersportbcwegung für Gleich- berechtigung und paritätische Behandlung bei der Verteilung öffentlicher Mittel. Ueberall setzten sich unsere Arbeiter- sportler für diese Forderungen ein. Schritt für Schritt ist die Be- wegung auf diesem Wege vorwärts gekommen, unabhängig von wechselnden Mehrheiten in den parlamentarischen Körperschaften. Jetzt kommen die Kommunisten und zerstören diese Erfolge aus Gründen der Wahldemagogie und aus blindem Haß gegen die Sozialdemokratie. Gegen dieses frevelhafte Spiel mit den Inter- essen der Arbeitersportbewegung haben die Verbände mehrfach öffentlich Einspruch erhoben. Die Arbeitersport- bewegung ist zu gut, um zum Spielball von verantwortungslosen„Volksbeglückern" gemacht zu werden, die kein anderes Interesse kennen als das ihrer Partei. Die Sozialdemokratische Parte! ist zu verantwortungsvoll, um in gleicher Weise die Arbeitersportbewegung zu mißbrauchen. Während die Kommunisten schwatzen und schimpfen, sorgt sie dafür, daß die Arbeitersportbewegung von Staats und Gemeinde wegen in gleichem Maße gefördert wird wie der bürgerliche Sport. Die Arbeitersportler, die nicht in dem kommunistischen Phrasennebel herumirren, werden am 20. Mai nicht im Zweifel darüber sein, wen sie wählen sollen. Ihre Parole kann nur lauten: „Alle für die Sozialdemokrake!" Sport am Sonnlag. Ein« überreiche Füll« an sportlichen Geschehnissen bringt auch der zweite Sonntag im Mai. Günstiges Wetter vorausgesetzt wird sich allenthalben das gewohnte farbenprächtige Bild entwickeln. R e n n s p o r t: Die Augen der deutschen Turfgemeinde sind nach Hoppegarten gerichtet, wo mit dem Henckel-Rennen die erste klassische Zuchtprüfung der Dreijährigen zum Austrag kommt. Im Chamant-Rennut gehen die besten älteren Bollblüter an den Solidarität" bei Rütt Morgen Sonntag, 13. Mai, 15 Uhr RUIS« Arena, Hasenheide(U• Bahn Hasenheide) BahnrennenderArbeiterradfahrer u. a. Mannschafwenne« nach 6-Tage-Art, Vorgabe-, Zeitfahren, Fliegen- ennen, Ausseheidungs- u. Trostfahren, Mannscnaftsverfolgungsrennen Eintrttt auf allen Plülzen 1.— Mark Ablauf. In der Wiener Kriau gelangt das österreichische Traber- derby zur Entscheidung. Am Montag ladet wieder R u h l e b e n zu Gaste. Radsport: Das„Große Goldene Rad" auf der Berliner Olympiabahn sieht Sawall, Lewanow, Leddy, Snoek und Sausin über 100 Kilometer, im„Kleinen Goldenen Rad" über eine Stunde konkurrieren die Nachwuchsfahrer Ehristmann, Th. Leene, Elxleben, Hille und Dobe. Das Programm der Straßenfahrer wendet sich diesmal an die Amateure.„Rund um Spessart und die Rhön"(250,4 Kilometer) in Schweinfurt, Berlin— Burg— Berlin (225 Kilometer) und der Opelpreis von Niedersachsen(231 Kilometer) in Hannooer sind Bundesveranstaltungen, der Opelpreis von Berlin (206 Kilometer) ist den Unionsamateuren reserviert. Motorsport: Die vom Deutschen Motorradsahrer-Berband nach der Avus ausgeschriebenen Rennen, die den dritten Lauf zur Motorradmeisterschast darstellen, oerjprcchcn bei einer Beteiligung von rund 100 Fahrern erstklassigen Sport. Fußball: Nicht weniger als drei Mannschaften von der anderen Seite des Kanals gastieren in Deutschland. Die s ch o t t i- s ch e n Berufsspieler von Cowdenbeath treten am Sonnabend in Leipzig und am Sonntag in Braunschweig gegen die Olympia- kandidatcn des DFB. an, W e st h a m United ist beim 1. FC. Nürnberg zu Gaste und«ine aus den besten englischen Amateuren zusammengesetzte Elf bestreitet in der Reichshauptstadt den ersten Städteta mpf London— B e r l j n. Im Poststadion spielt heute, Sonnabend, 17 Uhr, die jugoslawische Studentenmannschaft gegen Tennis-Borussio. Tennis: Aus der Anlage des Rot-Weiß-Clubs im Grüne- w a l d spielt Spaniens Meisterin d' A l v a r e z mit Eilly Außem, Frau v. Rcznicek und Frl. Kohnert. BrsndeiÜKirgfcche Anglermeisterschaften. In dem herrlichen Volkspark Iungfernheide trugen kürzlich die Angler zum siebenten Male ihre angelsportlichcn Wett- k ä m p j e um die Brondenburgische Meistcrjchoti im Wurf mit der Spinn und Fliegenrute aus. Die Wettkömpjc begannen in den Vormittagsstunden und brachten in dem umfangreichen Pragramm ein« Reihe guter Leistungen. Die Wettkämpfe mit der Fliegen- xule brachten nicht die erwarteten Ergebnisse. Schuld dartm war das etwas böige Wetter. Lei den Wettkämpfen mit der Spinn- r u t e halte sich Klopproch fem van„Horst-Brehm-Berlin� mit 46 Punkten die Meisterschaft der Senioren. Die Iumaren. Meisterschaft hnile sich Tischer von„Fischweid-Berlin" auch mit 46 Punkten. Im Weitwersen konnte Wieland- München die Meisterschaft er- ober». Mit drei Wurf konnte er 13314 Meter werfen. Für Junioren holte sich den ersten Preis Klapprolh jun. Bei den Wett- kämpfen mit der Fliegenrute am Wasser gewann Geißler- Nümberg mit 12 Punkten die Meisterschaft der Senioren im Ziel- werfen und Littck-„Horst. Brehm" die der Junioren. Bei den Wett- kämpfen im Weitwersen störte besonders der Wind, so daß die Leistungen im allgemeinen nicht besonders waren. Die Meister- schuft der Senioren konnte sich Wielond-München mit 24 Meter und Kahlenberg die der Junioren mit 21 Meter holen. ADAC. Frühfahrsregatta. Die endgültig« Zusammensetzung der Felder be! der am 20. Mai aus dem Templiner See bei Potsdam stattfindenden ADAC.- Frühjahrs-Regatta ist die folgende: Klasse I A, offene Boote bis Ik-Kilometer-Stundengefchwindigkeit 11 Rennungen: Klasse I B, Kajütboote bis 18-Kilomcter-Stundengeschwindigkeit 10 Nennungen: Klasse IIA, Autoboote von 18- bis Lö-Kilometer-Stundengefchwiitdig- keit 15 Nennungen: Klasse II B, Kajütboote von 18- bis 25-K!lometer- Stundengeschwindigkeit 5 Nennungen: Klasse III, Tourenboote von 25« bis Z2-Ailometer-Stundengeschwindigkeit 14 Nennungen: Klasse IV, Schnellboote über Z2-Kildmeter-Swndengeschw!ndigkeit 7 Nennungen; Rennboote, 114. Liter- bis unbeschränkten Zylinderinhalt 4 Nennungen; Rennrutscher(Outboards) 15 Nennungen.— Programme zum Preise von 30 Pf. sind ab Montag, 14. Mai, in der Geschäftsstelle der Motorbootabteilung des ADAC., Berlin S. 61, Planufer 61 zu haben. Im ganzen treten also allein am Sonntag 81 verschiedene Boote an. Die Serienboote starten am Sonnabend und treten am Sonntag nicht in Erscheinung. Nach den Erfahrungen der letzten Jahre fallen destn ADAC. HSchstens drei, vier Boot« ds Nichtstarter aus. Für eine Motorboot-Regatia ist also beim ADAC, ein vorzüg- liches Nennungsergebnis zu verzeichnen. Die eigentliche Renn- boot klaffe ist zwar nur mit vier Booten besetzt, aber in ganz Deutschland ist außer diesen vieren kein weiteres brauchbares Renn- boot vorhanden. Die Rennrutscher, Outboards, haben mit 15 Booten eine vorzügliche Besetzung erfahren. Einen heißen Kamps wird es diesmal um den AD?lC.-Team-Preis geben, da nicht weniger als 9 Teams zu je drei Booten gemeldet wurde». Olympiakleidung! Schwarzrolgold und Rciduodlcr! Der Deutsche Olympische Ausschuß hielt im Sportforum seine fällige Sitzung ab, in der zunächst die, Bckleidungsfrage für die Olympiateilnehmer geregelt wurde. Die deiiische Mannschaft wird beiüi Einzug in das Stadion und in der Stadt ein- heitlich die übliche blau« Sportkleidung tragen, Hockey- und Fuß- ballspieler mit blauen Mützen, die Vertreter der übrigen Sportarten mit weißen Mützen. Für die Frauen wurden weißer Rock, blaue Bluse und weiß« Kappe vorgesehen. Dazu wird der Reichs- a d l e r auf Brust und Mutze bzw. Koppe getragen. Im Wettkampf tragen die Kämpier weißen Dreß mit rotem Bruststreisen, der oben durch eine schwarzrotgolden« Bordüre abgeschlossen ist und in der Mitte den Reichsadler ausweist. Das BimdesLest der Arbeiter- Athleten Die Vorbereitungen zum 6. Bundes fest des Arbeiter- A t h l e t e n b u n d c s am 12. August in L u d w i g s h a s« n a.n Rhein sind in vollem Gange. Alle Kommissionen arbeiten mit Hoch- druck, um ein« würdige Veranstaltung zu stände zu bringen. Der Arbeiter-Athletenbund hat die Organisation seiner Bundes- in e i st e r s ch a f t s k ä m p f e dem 13. Kreis übertragen, der schon das Programm ausgearbeitet hat. Aus diesem Programm«nt- nehmen wir vorläufig das folgende: Die Austragung der Bnndesmeisterschaste» findet am ll. und 12. August im Eberipark statt, und zwar im Mannschastskampf Gewichtheben und Ringen, sowie Einzelkämpse im Gewichtheben und Ringen, Boxes, Jiu-Jitsu, Tauziehen, Musterriegen und sämt- lichen leichtathletischen Hebungen. Zu den Einzeltämpfen sind all« Mitglieder des AAB. zugelassen und eingeladen. Alle Anfragen sind an Philipp Bender, Ludwigshaffen a, Rh,. Gräfenau- straße 67, zu richten. Die Siorimeldungcn sind nach Magdeburg, Bundestechnische Leitung, zu richten.. SportvoHrage im Rundfunk. Mittwoch, 16., 16 Uhr, Karl Schfknj;„Handball, das Spiel für olle." Dienstag, 22., 1 Uhr, Richard Girulattis:„Die Fußball- olympiade." Sonnabend, 26. 20 Uhr, Chefredakteur 6,eoig Lüdeck:: „Das doulsche Traberderby."(Zur Uebertragung am Psingstsonntag.) Sonntag. 27.. 16,25 Uhr: Dos deutsche Traberderby, Ueberirogung von der Rennbahn Bcrlin-Ruhleben. Voraussagen. Sonntag, 13. Mai. Hoppegartcn: 1. Farn— Musa: 2. Mirim— Certosina: 3. Heuschrecke— La Margna; 4. Contesia Maddalena— Faro: 5. Oleander— Aurelius; 6. Wanderlust— Gestüt Altefeld: 7. Finsteroarhorn— Vcledo.— Montag. 14. Mai. Ruh leben: 1. König Robert— Ida Polos: 2 Edzard— Modeno: 3, Gestüt Falkenhaqcn— Nimmersatt: 4. Baron Gabler— Ilona W.: 5. Gestüt Falkenhagen— Monrico: 6. Nonne— Naturbursche: 7. Nimmersatt— Ehrenberg: 8. Mistral — Dancing Girl. W assersportausstellung in Potsdam. Vom 12. bis 26. Mai. Die jetzt in einer Berkehrsgemeinschast mit Berlin vereinigt« Stadt Potsdam hat heute vormittag ihre V i er t e Allgemeine Wassersportausstellung, die AWA., eröffnet. Auf dem Luftschiffhafen an dem herrlich gelegenen Templiner See bietet sich dem Interessierten-wieder die von den Vorjahre« her bestens be- kannte Schau olles dessen, was zum Wassersport gehört. Potsdam kann sich glücklich preisen, ein so ideal gelegenes Wasserfporlrevier zu haben, wie es der Templiner See ist. Von dem Gelände der Ausstellung aus, noch besser allerdings von den Terrassen des Regattahauses herab, hat man den herrlichsten Rundblick über die hier zum sogenannten Templiner See erweiterte Havel. Linter Hand erheben sich die Türme und Baulichkeiten Pots- dams, nach rechts zu schweift der Blick bis zu den Ausläufern von Capulh. Das jenseitige Ufer, herrlich mit Wald bestanden, be- herbergt etwa gegenüber dem Regattahaus das Forsthous Templin, das einer Dampserlinie als Zwischenlandungsstelle dient. In dieser Mustergegend ist auch in diesem Jahre wieder die AWA. ausgebaut. Die große Halle hat neben kleineren Booten vor allem die großen Kreuzer aus- genommen. Unsere Werften an Spree, Dahme und Havel sind nicht müßig gewesen, trotz der von ihnen immer betonten„schweren Zeit" Ausstellungsobjekte fertigzustellen, die sich sehen lassen können. Die Haoelwerft i» Potsdam hat ein Schnellverkehrsboot— der erklärend« Ingenieur schrieb es reichen Leuten als„Wasserauto" zu— cuisgestellt, das, mit einem lOO-US-Mercedes-Benz-Motor ausgerüstet, seine 40 Kilometer fährt, dabei allerdings die Kleinig- keit von 19 000 M. kostet. Man wird also schon imndesteiiS in Berlin eine große Fabrik und in Werder eine ebensolche Villa hoben müssen, um dos Boot benutzen zu können. Gleich daneben stellt d!« Werft von Brumm eine Reiselimusive aus, die sich selbst vor Leuten sehen lassen kann, die das Geld dazu haben. Sie bietet olle Beguemlichkriten, ist innen und außen auf das Ele- gantest« ausgeführt und kostet sogar noch 3000 M. mehr. Dafür hat sie allerdings als erstes ernsthaftes Boot einen 8