BERLIN Montag 14. Rai 1928 10 Pf. Nr. 226 B 112 45. Lahrgang. Erscheint tiglich außer Sonnt ag«. Zugleich Abeodanigabe de«.Vorwärts'. Betugtpreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche. s�oM. pro Monat. Siedaktion und Expedition: Berlin SW ss.Lindeoßr. 3 fr\�fwur�& i '' Pf., Sleklamtteilt 5 M. Ermäßigungen nach Tarif oßscheckkonto: Dorwärts�verlag G. m. d. H.. Berlin Nr. S7SSS. Fernsprecher: Dönhoff 292 bi« 29? Appell an die Bischöfe. Kanzelpropaganda und Wirklichkeit.— Reichsschulgefeh und Aufwertungsbetrug Unter den Sparern gärt es gewallig. Sie spüren, was der Dürgerblock für sie„geleistet" hat. Mit Elendsrenten müssen sich die Opfer der Inflation abfinden und dabei noch zusehen, wie zu dem Reichtum mancher Nutznießer der Inflation bereits neue große Dermögen in die Hände der Nutznießer der Stabilisierung getom- mcn sind. Die Wirtschafts- und Steuerpolitik des Rechtsblocks, an dem das Zentrum teilnahm, hat diese Entwicklung bewirkt. Wie ein Schritt der Verzweiflung mutet es an, wenn die Sparer in Nordbayern jetzt mit ernstem, deshalb aber um so eindringliche- rem P r o t e st sich an die katholischen Kirchenfürsten wenden, die jetzt von den Kanzeln herab wieder auffordern, Zentrum und Bayerische Dolkspartei zu wählen. Das Schreiben stellt nach einer kurzen Würdigung der Lage der Sparer fest: „Und so stehen wir Rentner und Sparer, die nicht wir, sondern die bürgerlichen Parteien an unserem Unglück schuldig sind, heute verlassen da; verlassen von unserer derzeitigen Negierung, verlassen aber auch von unseren Volksvertretern, die wir besonders auch aus ihre nicht eingehaltenen Versprechungen hin im Jahre 1824 gewählt haben." Dem Zentrum und der Bayerischen Voltspartei aber rufen die Sparer zu: Euer verhallen gegen die Rentner und Sparer gehl gegen jedes menschliche Gewissen! Ja unsere kalhollschen Parteien sind zum größten Teil schuld daran, daß mit der über- eiligen Annahme des sogenannten Aufwertungsgesehes vom Ib. 2 tili 1925 der deutsche Mittelstand mit einem Schlag vernichtet worden ist und daß desien emsige Arbell und Sparsamkeit in den Nimmersatten Rachen des Großkapitalismus, des Wucher- und Schiebertums geworfen wurden.... Ii n ch r i st l i ch und den moralischen Grundsätzen widersprechend haben sich auch unsere katholischen Minister und die leitenden katholischen Staatsmänner dem leidenden Volke gegen- über benommen. Aber da» Zentrum und die Bayerische Volkspartei appellieren fetzt an das„ch r i st l i ch e Gefühl" der Sporer, indem sie an das Reichsschulgesetz erinnern. Ist das ein ernsthaftes politisches Argument?— Die Sparer bezweifeln es. Sie sagen auch warum sie«»'bezweifeln müssen: „Auch wir Rentner und Sparer, wir zollen dem Reichsschul- gefetz Hochachtung, aber wir empfinden es auf dos tiefste und auf das härteste, das es sich zurzeit in ein gewollte» Unterdrückungs- gcseh ausgewirkt hat, gegen die jetzt schon mit so viel Blut un.d Tränen getränkte Aufwerttingsfrage... Und hier möchten uns Ew. Bischöfliche Gnaden gestatten, daß wir Rentner und Sparer einmal von der Aufstellung von Tatsqchen abweichen und eine Vermutung uns auszusprechen erlauben, nämlich dahingehend, daß es weder de« katholischen noch den protestantischen Parteien des Reichstages daran gelegen gewesen sein dürfte, das Reichsschulgesetz zu sankttonieren, sondern daß sie es gerne in so schleppender Weise solange hingezogen haben, um es dann als eine neue Wahlparole ausgeben und damit das jetzige blutgetränkte Aufwertungsgesetz, bzw. die Revision desselben, noch- mals mit aller Leichtigkeit und Sicherheit unterdrücken zu können." Hart werden den Angeklagten die Worte in deg Ohren klingen, die sie einst selbst für die Sparer gesprochen haben. Am 6. Januar 1924 hatte noch der Kardinalerzbischof von München gesagt:„Vor Gott und eurem Gewissen seid ihr o e r p f l i ch t e t, das entwertete Volksvermögen nach Kräften aufzuwerten." Aehnlich hat Prälat S ch o f e r in einem Wahlaufruf im November 1924 sich für die Aufwertung eingesetzt. Das alles scheint jetzt vergessen zu sein. Der Brief erinnert an die zahllosen Todesfälle, die auf die unzureichende Aufwertung zurückzuführen sein dürften. Ins- besonder« aber auf die 43 000 Selbstmörder, die die katholische Kirche nach ihrem Glauben jetzt sogar der ewigen Berdammni» preisgibt. Nicht das Reichsschulgesetz, das wellere S00 Millionen Mark jährlich verschlingen soll, würde das Volk bessern: keine (Fortsetzung auf der 2. Seite.) Die Heidekaie von Palingen. Zum Justizmord an Jakubowski. Obwohl sich der Oberstaatsanwall Müller in Neustrelitz noch immer gegen die Annahme wehrt, daß der angebliche Mörder I a- k u b o w f k i einem Justizmord zum Opfer gefallen ist, schrecken die Untersuchungen der Kriminalpölizei weiter fort. Gegen die mutmaß- lichen Täter Rogens, Blöker und K r e u z f e l d wurde schwer belastendes Material gesammell. Es haben weitere Verhöre statt- gefunden, über deren Ergebnis im Interesse der Untersuchung Einzelheiten noch nicht gesagt werden können. Heute finden im meck- lenburgischen Staatsministerium entscheidende Beratungen statt. Es ist bezeichnend, daß die Rechtspresse gegen den Leiter der Lan- deskriminalpolizei S t e u d! n g heftigste Vorwürfe erhebt, weil er sich um die Aufklärung des ganzen Falles Verdienste erworben hat. Unsere Bilder deuten das Milieu an, in dem die Untat geschehen konnte, und die Meineidsausreden ausgeheckt wurden. Die elende Heidekate von Palingen und die Züge des gesuchten Fritz No- gens lassen deuttich erkennen, in wie verwahrlosten sozialenVer- h S l t n i s s e n diese Menschen lebten, die an der Mordtat beteiligt waren oder um sie gewußt haben, und dann den der deutschen Sprache unkundigen Jakubowski mit Meineiden der Fehljustiz preis- gaben. Es nutzte Jakubowski nichts, daß er noch vor der Hinrichtung seine Unschuld beteuerte und auf die wirklichen Täter hinwies-, da- mals fand keine weitere Untersuchung mehr statt. Erst mußte das H a u p t des Unschuldigen fallen, erst mußten Jahre über dem Justiz- mord hingehen, bis aus dem Gewirr von Lügen die Fäden sichtbar wurden, die Jakubowjkis Unschuld und die Schuld der anderen ans Tageslicht brachten. Leichensund am„Großen Kenster". Mord und Selbstmord. Am Sonnlag wurde in der Röhe des„Großen Fensters" die Leiche eines noch unbekannten Mannes, die wohl schon mehrere Wochen im Wasser gelegen haben mag, aus der ha- vel gelandet. Der Tole, der nach der halle in Zehlendorf ge- bracht wurde, ist etwa 30— 40 Jahre alt, 1,70 groß und unterseht, und trug einen grau-grün-rol gesprenkelten Zakett- anzug, weißes Oberhemd mit blauem geblümten Schips. Maköunterzeug und schwarze Schnürschuhe. Um den Leib war ein grauwollener Schal gebunden, an dem ein schwerer Granitstein befestigt war. Dieser Leichenfund veranlaßt« die Alarmierung der Mordkom» Mission. Ein Arzt glaubte nämlich, am Halse des Toten, der wohl schon mehrer« Wochen im Wasser gelegen hat, Strangula- tionsmerkmale zu erkennen. Der Verdacht eines Derbrechens ver MaterlreppenrsmM der Anastasia Völidsdie Rowdys Im WahlKampt Berichte im Innern des Blattes wurde dadurch bestärkt, daß an der Leiche mit einem graugrünen Schal ein schwerer Granitpslasterstein befestigt war und daß der Arzt meinte, dieser Stein könne wohl erst nach dem Tode des Mannes an den Leib angebunden worden fein. Der Mann ist noch nicht bekannt. Er mag etwa 25 bis 40 Jahre alt gewesen sein, ist 1,75 groß, hat dunkelblondes Haar, bartloses Gesicht und vollständige Zähne und trug dunkelgraugrün- lichen Anzug aus kräftigem dicken Stoff, weißes Einsatzoberhemd, Gummikragen mit blaugeblümtem Schlicks auf Zelluloidhalter und braune hohe Schnürstiefel. In der Tasche des Rockes stak eine grau« weiche Schirmmütze.. Das Taschentuch des Toten ist M. oder N g ezeichnet, sein Trauring E.M. 31. 5. 25. Mitteilungen zur Feststellung der Persönlichkeit und zur weiteren Aufklärung, an die Mordkommission im Zimmer 93 des Polizeipräsidiums. » An der wühlendamm-Schleuse landete am Sonntag vormittag, gegen 1034 Uhr dieLeicheeinerunbekanntenweiblichen Person, die auch 3— 4 Wochen im Wasser gelegen haben muß. Die Leiche wurde dem Schauhause zugeführt. Die Tote ist etwa 35 Jahre alt, 1,70 groß und kräftig, hat dunkelblondes Haar und trug ein blougelbes Frottökleid, weißen Prinzeßrock, blauen Trikotschlüpfer. weißes Hemd ohne Zeichen, graue Strümpfe und schwarze, spitze Spangenschuhe. Mitteilungen zur Feststellung der Perfönlichkeck an die Vermißtenzentrale im Polizeipräsidium. Der Protest der Sparer. (Fortsetzung von der 1. Seite.) Die Sozialdemokratie in Front. Die glänzenden Ausfichten der Sozialdemokratie in diesem Wahlkampf zeigte« stch am gestrigen letzten Sonntag vor der Wahl besonders deutlich. Stärkst« Anteilnahme der Bevölkerung an den von der Sozialdemokratie einberufenen Ber- sammlungen. das trat überall zutage. Sei es in deutschnationalen oder kommunistischen Hochburgen — überall bröckelt die Anhängerschaft deS Gegners ab! Wenn die Sozialdemokrat!« ruft, dann mögen ruhig Regenschauer drohen: Da» Volk hört den Appell und leistet ihm freudig Folg«. Tausendc marschierten mit Fahnen und Abzeichen am W e d d i n g im Humboldthain auf, um die zündenden Referate der Abge- ordneten A u f h ä u s e r und K ü n st l e r zu hören. Kommunistische Schreihälse, die sich als Zwischenrufer betätigten, kamen nicht auf ihre Rechnung. Die Kreuzberger Parteigenossen find besonder» rege. Wieder veranstaltete der Kreis ein« Straßendemonstration. In einstündigem Marsch ging es durch den Südosten des Bezirks. Am Lausitzer Platz erwartete ein« große Menschenmenge den Zug. Au» dem jungen Brün der Bäume und Sträucher hoben sich die roten Fahnen leuchtend ab. Reichstagsabgeordneter Moses zeigte, wie die Entscheidung am 20. Mai gefällt werden muß. Der Hauptgegner der Partei in Weißensee ist die KPD. Auch sie mußt« gestern erleben, daß es mit ihrer Herrlichkeit vorbei ist. Der Riesensaal im Kinoschloh war bis auf den letzten Platz gefüllt. Stadtverordneter Dr. L o h m a n n sprach in glänzendem Bortrag, der mit brausendem Beifall aufgenommen wurde. Der Bezirk Mariendorf hat auch den Sonntag vormittag für die Partei verwendet. In dem schönen Kino„Mariendorfer Lichtspiele fand die Vorführung des Filmes„Kreuzzug des W« i b« s" statt. Dr. Moses sprach einleitend« Worte und wies darauf hin, daß für uns der Kampf um den Z 218 mehr als ein Programmpunkt ist. Die Ausführungen fanden allgemeinen Beifall. Auch vor den Toren Berlins wird fleißige Wahlagitation ge- trieben. Im Sporthaus zur Großen Krampe in Müggelheim sprach Bernhard Döring im dichtgefüllten Saale über die kommenden Wahlen und die schwerwiegende Bedeutung ihrer Eni- scheidung. Man merkte es allen an, daß sie erfaßt hoben, was ein Sieg der Arbeiterschaft für ihr künftiges Leben und vor allein für das ihrer Kinder zu bedeuten hat. Die Treptower vereinigten sich mit den Sozialdemokraten von F a l k e n b e r g und A l t- G l i e n i ck e zu einem imposanten Wcrbeumzug, der vom Bahnhof Grünau seinen Ausgang nahm. Als das Wahlauto mit Lautsprecher sich dem Zug anschloß, war alles in den Häusern aufgescheucht. Ueberall grüßendes, winkendes, sym- pathifierendes Volk! In Wöllsteins Lustgarten endete der zwei- stündige Marsch, wo Stadtverordneter August Heitmann mit einer Ansprache nochmals auf die Bedeutung der Wahlen hinwies. Ein«n besouders guten Besuch wies auch die Kundgebung der Sozialdemokratie in Kaulsdorf Süd auf. Stadtverordneter Lempert rechnete in seinem ausgezeichneten Referat unter stürmischem Beifall mit dem Bürgerblock ab, und der Wahlfilm „Dein Schicksal" fand die freudigste Zustimmung der Ver- sammelten. In Falkenbcrg, einem Außenbezirk von Weißensee, hat man wohl nicht ohne Absicht am Abend der Kundgebung der Sozial- demokrotie eine Versammlung des Kriegervereins angesetzt, und doch sind alle gekommen, dannt sie schon durch ihr Erscheinen In der Wählerversammlung der Sozialdemokratie gegen das un- gleiche Recht der ländlichen Besitzgewalt demonstrieren. In diesem Sinne sind auch die vortrefflichen Ausführungen August Nie- manns gehalten! Wenn bei den Straßenkundgebungen der Sozialdemokratie kom- muniftische Störenfriede den sattsam bekannten Vers brüllten:„Wer hat uns verraten? Die Sozialdemokraten!", bekamen sie die richtige witzige Antwort. Sie lautete:„Amanullah tanzt in Moskau! Eins, zwei, drei— mit der Kollontai!" Auch alle anderen Kundgebungen der Sozialdemokratie nahmen nach den uns vorliegenden Berichten einen glönz-nden Der- lauf. Raummangel macht es leider unmöglich, über jede einzelne zu berichten. Der Gesamteindruck ober ist: Wir können dem 20. Mai mit froher Zuverficht entgegensehen. Gememdewahl in Teltow. Die Sozialdemokratie hat einen Stimmenzuwachs von 70 Prozent. Teltow. 14. Mal.(Eigenbericht.) 2lm Sonnlag wurde hier die Sladkverordnetenverfammlung neu gewählt, von den 3350 stimmberechtigten Personen beteiligten sich an der Wahl 3204. Die Sozialdemokratie erhielt 320 Stimmen gegen 538 bei der letzten Wahl. Das ist ein Stimmenzuwachs von rund 7 0 Pi r o z. Auf die SPD. ent- fielen 1112(832) und auf die vereinigle bürgerliche Liste 1232(1374) Slimmen. Die Sommuniften erzielten einen Gewinn von rund 33 proz.. während die Bürgerlichen zehn Prozent einbüßten. Die Mandate verteilen sich wie folgt: Sozialdemo/ralen 5— bisher 3—, Sommuniften 6(5). Bürgerliche 6(bisher 8). Die neue Stadl- ocrordnclenverfammlung zahlt 1? Mitglieder, eins mehr als die bisherige Halle. Die zunehmende Industrialisierung der märkischen Kleinstadt bringt naturgemäß eine Stärkung der proletarischen Wählerschaft. Es ist ein gutes Vorzeichen der nächsten Sonntags- wähl, daß die Sozialdemokraten mich hier einen weit größeren Stimmenzuwachs erzielten, als die Moskauer Stipendiaten. .tission der ganzen Welt würde das erobern können, was allein in Deutschland durch die Aufwertungsfrage an Derflachung der Religion zugefügt werde. Unsere Reichstagsabgeordneten von heute, sie fürchten die Folgen dieser Ungerechtigkeiten und deshalb suchen fie auch heute schon die Verantwortlichkeit für dieselben auf da« arme, nicht selbständig denkende Volk abzuwälzen. Indem fie dazu die fegen»- reiche Hilfe der Heiligen Kirche in Anspruch nehmen wollen, um damit durch das„Reichsschnlgefeh" die Aufwertungsfrage zu unkerdrücken und so das Volk selbst verantwortlich machen zu können." In diesem Tone sind die Anklagen gehalten. Die Sparer, die hier sich an die Kirche wenden, um frei nach ihrem Gewissen wählen zu können, begehen dabei allerdings zwei Irrtümer: Ein- mal ist die Kirche nicht berechtigt, überhaupt in ihre Wahl- freiheit einzugreifen. Die Gewissensnot, aus der heraus die Sparer ihren Alarmruf ausstießen, besteht doch nur bei Leuten, die im Gegensatz zu der Reichsversassung der Kirche einen besonderen Einfluß auf die politische Meinungsbildung und auf die Wahlfrciheit einräumen. Das braucht niemand zu tun. Den zweiten Irrtum begehen die Sparer, wenn sie sich von den Mittelparteien abwenden, um eigene Aufwertungspar- teien zu bilden oder zu begünstigen. Niemals werden diese Splitterparteien den Opfern der Jnslation irgendwelche Rechte wi-dererringen köimen. Auf sich feibst �stellt sind eben die Opfer der Inflation machllas, wenn sie nicht gemeinsame Sache machen mit den übrigen Opfern sozialen Rückschritts und mit den Kämpfern für das Recht der Unterdrückten. Alle politisch denken. den Sparer werden daher, unbeirrt um Kanzelralschlöge oder Ans- rufe der Splitterparteien, am 20. Mai der Sozialdemokratie ihre Stimme geben. Reden Seim Bankett. Weltrevolutlon und Kapitalismus vertragen sich. Die Stadt Köln hatie für den Abend des Eröffnungstages der P r e f f a etwa 500 Vertreter der an der Ausstellung beteiligten Organisationen und Männer des öffentlichen Lebens zu einem Fest- bankett nach dem alten Gürzenich-Saal geladen. Es wurden bei dieser Gelegenheit eine Anzahl Reden gehalten, die zuweilen einen politischen Beigeschmack hatten. Der Oberbürgermeister Dr. Ade- a a u e r wies zuerst darauf hin, daß die Stadt Köln schon oft die kulturelle und wirtschaftliche Brücke der abendländischen Nationen gebildet habe. Auch die Pressa solle diesem Zweck dienen. Der ReichsarbeUsininister Dr. Braune und der früher« Reichsinnen- minister Dr. Külz als Reichekommissar der Ausstellung hoben tzie Bedeutung der Press« für das öffentliche Leben hervor. Dann sprach der russisch« Botschafter Krcstinski. Er bezeichnete die internationale Presseausstellung als«ine wichtige Etappe auf dem Wege der Entwicklung der internationalen Ber- st ä n d i g u n g. Die Presse, die zu Hunderten von Millionen Mensch«, sprechen, könne und müsse sein der w t ch t i g st e F a t t o r des Friedens. Sie müsse die Reihe der neuen Kämpfe sllr den allgemeinen Frieden eröffnen. Der Stadt Köln gebühre der auf- richtigst« Dank, daß sie die Anregung für dies« Wcllschau gegeben habe. Der Botschafter schloß seine Rede mit einem H o ch a u f die Stadt Köln— trotzdem sie noch unzweifelhaft kapitalistischen Ehärattcr trägt und ihr Oberbürgermeister ein Zentrumsmonn ist! Di« Rede des Botschafters des Sowjetstaates erregte deswegen besondere Aufmerksamkeit, weil in ihr mit keinem Worte von der „Weltrevolution" die Red« war. die angeblich von Rußland ausgehen solle. Da» kommunistische Blättckzen in Köln und mit ihm die anderen Zeitungen der Kommunistischen Partei hatten noch bis zum Nach- mittag des Bankett-Toges die Preffa als eine kapitalistische Veranstaltung bezeichnet, mit der die Arbeiterschaft nichts zu tun haben dürfe. Der Dertreter des„einzigen Arbeitcrstaates der Welt" aber fetzt sich an«inen Tisch mit den Repräsentanten der kapitalistischen Staaten, er nimmt mit Frack und Zylinder an dem Essen und Trinken teil, das die Verwaltung der Stadt Köln Ihren Ehrengästen gibt. Noch mehr, in trautem Vereine mit dem In seiner Nachbarschaft sitzenden Generalsekretär des Völkerbundes preist er den allgemeinen Frieden und die internationale Verständigung! Wir «erden also hoffentlich bald das Vergnügen genießen, auch Sowjetrußland im Völkerbund« zu begrüßen. Dem Friedcnsgcdanken gab nachher auch der amerikanische Bot- schaftcr S ch u r m a n lebhaften Ausdruck. Sir E r i c D r u m o n d, der Eeneralsetreiär des Völkerbundes, nannte die Press« den hervor- ragendsten Verbündeten des Völkerbundes bei seinen Vestvebungcn. die Mission friedvoller Zusammenarbeit unter den Notionen zum Zwecke der Erhaltung des Friedens zu erfüllen. Julius Wolfs vom Verein Deutscher Zeiiungsverleger meinte, daß nur die Zu- fammenarbeit von Redakteuren und Verlegern den Aufbau der deutschen Pr«sse ermöglicht habe. Don den anderen Rednern sei noch besonders der Vertreter des Reichs verbände« der deutschen Presse, Dr. D o v i f a t. genannt, der der Pressa eigentlicherst die leitenden Gedanken für die Ausstllung des täglichen Zeitungswerdens lieferte, und der in unermüdlicher Arbeit mit dafür gesorgt hat, daß die Ausstellung ihre heutige Gestalt bekam. Dovifat ging von den gewaltigen nachrichtentechnischen Leistungen der Presse aus und erörtert« dann die im Zeitungswesen vollzogene Vereinigung von Geist, Willen und Technik. Wa, auf der Internationalen Press«. Ausstellung geboten werde, müsse erarbeitet und zum Gemeingut aller Menschen gemacht werden. Das Gemurmel der Unzufriedenheit. In der deutschnationalen Presse wird lebhaft darüber Beschwerde geführt, daß der preußische Ministerpräsident Braun mit seiner politischen Rede bei der Eröffnung der Pressa die„gute Stimmung gestört" habe. Man behauptet dort» die Bemerkungen über den alten Polizei- und Militärstaat Preußen seien au» der Versammlung herau« mit„lebhaften Protestrusen" quittiert worden. In Wirklichkeit gab es nur in einem Winkel des Riesensaoles des Messehofes ein wenig Gemurmel, das ofsenbar von dem Berichterstatter der Hugenberg-Presse veranstaltet worden war. Di« große Mehrheit der Versammlung hat von diesen„lebhaften Protest- rufen" überhaupt nichts bemerkt, sie nahm im GegenteU die Rede de» preußischen Ministerpräsidenten mitdemonstrativemBeifall auf. Allgemein wurde festgestellt, daß Brauns Ansprache die einzige war, die neben den für solche Gelegenheiten gebotenen allgemeinen Redewendungen auch einen besonderen politischrn In- halt halt«. politische Kaufgeschäste. vie KPO.-Zeatrale kaust die Opposition zurück. Man erfährt noch olle Tage etwas Neues. Heute weiß zum Beispiel die„Rote Fahne" zu melden, daß der Führer de» Lenin- Vunfcce. der„Verräter" Urbahne, der KPD.-Zentrale den Wiederankauf des linkstommunistischen Suhler„Volkswillen" angeboten habe und daß die KPD.-Zenllale deshalb in Ver� Handlungen mit der„Verräterpartei" eingetreten sei. Nun ist zwar bei einer Partei, die ihre Angeklagten abwechselnd als./leiden" feiert und als P o l i z e i s p i tz e l beschimpft, nie genau zu wissen, was an dieser Meldung wahr ist. Auf jeden Fall würde sie ein nettes Stückchen von Gesinnunzskauf bedeuten. In- dessen sind sehr starke Zweifel daran berechtigt. Denn die Nachricht wird interessant zu machen gesucht durch die Behauptung, der sozialdemokratische Parteivorstand habe durch Mittelsmänner versucht, den Suhler„Bolkswillen" durch Bestechung in die Hand zu bekommen. Da» ist selbstverständlich eine grobe Wahllllge. Im Zu- scnnmenhang mit ihr verlieren auch die übrigen Behauptungen an innerer Wahrscheinlichkeit. Selbstmord aus den Eisenbahnschienen. Eine aufregend« Szene spielte sich in der vergangenen Nacht aus dem Bahnsteig des S t a dt b a h n h o fs Warschauer Straße ab. Als gegen Hl Uhr«in Zug in der Richtung nach dem Grunewald«inlief, sprang ein unbekannter Mann aus der Menge heraus vor der Maschine aus das Gleis. Der Führer konnte den Zug nicht so zeitig mehr zum Stehen bringen, daß ein Unglück verhütet worden wäre. Mehrere Räder gingen über den Mann hinweg, so daß er schwerverletzt nach dem Kranken- Haus am Friedrichsharn gebracht werden mußte. Der linke Arm war ihm an der Schulter abgequetscht, der rechte Unter- arm zertrümmert, das linke Bein zermalmt. In- folgedessen trat bald nach der Aufnahme der Tod ein. Der Mann ist etwa 20 Jahre all, hat blondes Haar und trug einen dunklen Ueberzieher. Papiere hatte er nicht bei sich. Die Kriminalpolizei des 87. Reviers ist mit den weiteren Ermittlungen beschäftigt. Am Sonntag verstarb in Moabit die älteste Berlinerin, eine Frau August« Richter, im Alter von über 100 Iah- r e n. Die betagte Frau war seit ihrem 38. Lebensjahre bettlägerig, da die Deine den Dienst versagten.- Das Hammerwerk der Teuerung. Mit grimmer Wucht find fie euch eingehämmert, Die Segnungen des Raub- und Äürgerblocts, Wem es nach dieser Pferdekur nicht dämmert, Bei dem verfängt nichts mehr, der bleibt ein- (unbelehrbares Wesen)? Rowdys im Wahlkampf. Stahlhelmer und Nationalsozialisten überfallen Passanten. Der Stahlhelm, Landesverband Berlin, hat gestern ver» sucht, das Straßenbild des Berliner Westens zu„beherrschen*. Nicht mit Wahlmaterial, und nicht mit einer Kundgebung, sondern mit Stockattacken auf Straßenpassanten. Gestern vormittag trafen sich die Stahlhelmcr in ihren Verkehrslokalen, SO Proz. in Uniform, 50 Proz. in Zivil mit Eichenstöcken bewaffnet. Die Uniformierten verteilten Flugblätter. Wer die Flugblätter sofort wieder wegwarf, oder sogar ihre Annahme verweigerte, wurde von den mit Stöcken Bewaffneten angepöbelt, und wenn er sich verant- wartete, geschlagen. Die Berliner Bevölkerung antwortete auf diese Provokationen nicht und hiett sich diesem rüden Tretben fern. Die Polizei hotte zahlreiche Streifen durch die Straßen geschickt, deren Eingreifen mehrmals notwendig wurde.— Die Nationalsozialisten hatten eine Kundgebung angesetzt, um die sich die Bevölkerung ebensowenig kümmerte. Ursprünglich hatten die Nationalsozialisten die Absicht, auf dem Rudolf-Wilde-Platz eine Kundgebung zu veranstallen. Die Kommunisten hietten aber den Platz besetzt. Zwischen diesen und dem anrückenden Demonstrations- zug der Nationalsozialisten kam es zu kleinen Schlägereien, bei denen einige Nationalsozialisten verhaftet wurden.' Die Nationalsozialisten zogen dann nach dem Winterseldplotz, wo Herr Göbbels eine Ansprache hielt. Er schloß seine Ausführungen mit den Worten:„Wenn wir in dem Reichstag kommen, schlagen wir drinnen Krach, wenn wir nicht hereinkommen, draußen.* « Am Sonnabend kam es bei einer Wahlversammlung der Deutschnationalen in Nowawes durch die Schuld des Stahl- Helms zu bluttgen Zusammenstößen. Nach dem üblichen Phrafen- schwall des deutschnationalen Abgeordneten K ö n n e ck e, wider- legten in der Diskussion die Genossen Schulz und Schnell die Ausführungen des Referenten in überzeugender Weife. Während der Referent das Schlußwort hielt, verließ ein großer Teil der Versammlungsbosucher unter Protest den Saal. Als die Abgehenden sich in dem schmalen Ausgang befanden, flog plötzlich vom Redner- pult her ein Bierseidel in die dicht gedrängte Masse. Dies war das Signal für die aus allen Gegenden zum Saalschutz be- orderten Stahlhelmer, um nun Tisch und Stuhlbeine in die Menge zu werfen, wobei einige Dersammlungsbesucher erhebliche Kopfverletzungen davontrugen. Die Wache der Arbeiter- samartter leistete den Verletzten die erst« Hilfe. Erst das herbeige- rufcne Überfallkommando konnte die Ruhe wieder herstellen und löste die Versammlung auf. Die Polizei untersuchte die im Saal verbliebenen Stahlhelmer und führte einen Teil zur Vernehmung ab. Zusammenstöße und Verhaftungen. � An der Karlsruher Straße w Halensee wurde eine kleine Gruppe Kommunisten von mehreren Hundert Stahl- hclmern bedroht, von denen einige auf die Kommunisten mit Stöcken einschlugen. Als daraufhin der Polizeioberwachtmeister W e n d z i g mehrere Stahlhelmer festnehmen wollte, erhiell er von hinten einen Messerstich in die rechte Schulterseite. In dem Handgemenge gelang es dem Täter, einem jugendlichen Stahlhelmer. zu entkommen. Dagegen konnten fünf Gesinnungsgenossen des Täters, die dessen Rückzug gedeckt hatten, oerhastet werden.— An der Wilmersdorfer Straße überfielen Nationalsozialisten einen auf der Straßenbahn stehenden Reichsbannermann, warfen ihn aufs Straßenpflaster und schlugen, auf dem am Boden Liegenden ein. Nur durch das rechtzeitige Dazwischentreten der Polizei, konnte der Ueberfallent vor dem Schlimmsten bewahrt werden. Ferner er- folgten zahlreiche Verhaftungen von Stahlhelmern, die trotz des Stockoerbotes mit Eisenspitzen versehene Eichenknüppel bei sich trugen und sich auch sonst den polizeilichen Anordnungen wider- setzten. Auch in Köpenick und Lichtenrade wurden kleinere Gruppen Reichsbannerleute und Kommunisten von Stahlhclmcrn und Hakenkreuzlern überfallen. Wenn dabei auch die Faschisten Prügel bezogen haben, lag es eben daran, daß sie trotz ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit mehrmals die Rechnung ohne den Wirt gemacht hatten. Insgesamt wurden über 30 Stahlhelmer und Nationalsozialisten oerhaftet und der Abteilung I A im Polizeipräsidium zugeführt. * Dan verschiedenen Seiten wird darüber Klage geführt, daß die Polizei im Berliner Westen so schwach vertreten war und daß die Beamten zum Teil tatenlos zusahen, wenn die Rechtsradikalen harmlose Pasianten bedrohten. „Deutsche Nothilfe." Oer Arbeitsnachweis des Majors a. O. In Berlin, in der Landsberger Straße 32, gibt es einen söge- nannten.Nationalverband Deutsche Nothilfe*, deren Leiter ein Major a. D. Arthur v. Unruh ist. Diese.Deutsche Not- hilf«* nennt sich auch noch.Zentralstelle für Industrieschutz und Be- kämpfung des Kommunismus, Uebernahme von Wachdienst, Aus- kunftsstell» über Albeitnehmer, Rechtsauskunftei, Berufsberatung, Ermittlungen, Beobachtungen, Auskünfte, Gerichtsvertretungen*. Man sieht, daß die.Deutsche Nothilfe* ihren Tätigkeitskreis nicht sehr eng begrenzt hat. Es geht auch ziemlich klar aus den, T-ilel allein schon hervor, wem diese Nothilse Helsen soll. In einem Rundschreiben, das mit dem Vermerk.Vertraulich* versehen ist, heißt es u. a.: Durch die intensive Tätigkeit unserer Geschäftsleitung werden mir unlerer Aufgabe, die Bekämpfung der Betriebskommunisten, jeder, eit aerecht werden, indem wir den Betrieben Arbeits- kräfte lHand- und Kopfarbeiter) zuführen, welch« durch uns e i n g- h e n d a u f ihr- G e s i n nu ng H i n g ev r u f t find Wir sind überzeugt, daß sie d,e Arbett unserer Organ,. ation'gutheißen und den großen Nutzen für Sie daraus erkennen werden Unter dieser Dorauss-tzimg treten wir mit der Bitte an Sie heran, unsere zu° e r l a s s, g e n A r b e, t s l r a s t- r e cht reichlich anzufordern und somtt beizutragen, daß Ihr Betrieb ständig lebensfähig bleibt. Die Zuweisung von Arbeitskräften erfolgt jederzeit kostenlos.* Es geht also aus diesem Rundschreiben klar hervor, daß e, sich bei dieser.Nothilfe* um einen Ar b e i t S n a ch w e i- handelt. Wir empfehlen diesem Arbeitsnachweis der Beachtung der zuständigen Stellen. Uns will scheinen, daß dieser Arbeitsnachweis n i ch t den Bestimmungen des Arbettsnachweisgesetzes entspricht Daß der Herr Major a. D. v. Unruh das Bedürfnis hat, außer seiner Pension sich noch sichere Einkommensquellen zu beschaffen. ist begreiflich. Es ist auch begreiflich, daß der Herr Major a. D. sich infolge Mangels anderer Kenntnisse, benniht. seine militärisäten Kcnntüissc im Zivilleben zu verwerten. Wenn er es aber tut, dann müßte er wenigjtens vermeiden,»cht mit dqu Gejetzeu in Gchaljapin-Gastspiel. „Boris Godunoff" in der Gtaatsoper Ltnter den Linden. Mussorgskis Seele ist die russische Volksseele. Das Wert- vollste. Unvergänglichste seines„Boris Godunoff* ist die rührende, ergreisende, erschütternde Weise, mit der ein Halbidiot, ein verkümmerter, verhöhnter Bettler um das Schicksal seines armen Volkes jammert, ist daneben das barbarisch-urtümliche Lied eines versoffenen Wandermönchs, der, selbst ein fleischgewordenes Stück russische Erde, eben diese Erde sozusagen an den Fußsohlen trägt, mit denen er sie von einem Ende zum anderen durchmißt, sind die Chöre, in denen das russische Volt sein Elend, seine Leiden, seine Frömmigkett und, nun gewiß, auch seine Zargläubigkeit,-doch zuletzt seinen revolutionären Zorn aussingt. Nicht der kaiserliche Mörder Boris, nicht der kaiserliche Schwindler Dimitri, sondern das miß- handelte, von beiden als Objekt mißbrauchte— das ewig und von Rechts wegen duldende Volk als Opernheld: das war, ein halbes Jahrhundert vor dem Sturz der Zarenherrschaft, doch nur in Ruß- land möglich: dessen Kunst, ob es gleich Offiziere und Gutsherren waren, die sie übten, von je so tief im untersten Grund der Volks- seele wurzell, daß sie nie dem Fluch höfischer Verfälschung verfiel, nie der Gefahr gesellschaftlicher Bindung und Verflachung erlag. Die(relativ) schwächsten Partien sind die Bilder, die im pol- nlschen Wojwodenschloß, im konventionellen Opernmilleu der selbstverständlich schönen Marina spielen: sie sind gewissermaßen nur gegensätzlich mit der unvergleichlich blutvolleren Russenwett der übrigen Szenen verknüpft, doch schon um solchen Kontrastes willen von hohem artistischen Reiz. Wie überhaupt die Vielfältigkeit, Buntheit des musikalischen Geschehens, die verschwenderische Fülle der musikalischen Gesichte für Mussorgski charakteristisch, für den Wert seiner Partitur entscheidend ist. Vision eines genialisch unvollkom- menen, genial inspirierten Künstlers, zieht die Opernhandlung, ein wenig wirr, halbgestaltet wie ein Expressionistendramo, in neun Bildern vor uns vorüber, ein Stück Rußland, ein russisches Stück Shakespeare, zugleich echteste stärkste Volksoper— darum, wie ihr Schöpser, unbeachtet, verkannt noch Jahrzehnte über seinen Tod hinaus. Ein paar Monate vor Kriegsausbruch erst hat man es mit dieser Oper zum erstenmal in Deutschland, es war in Breslau, ver- sucht: seit ein paar Iahren ist sie Repertoirestück auch in Berlin. Held der Oper ist das Volk: der Chor: in der Ausführung des Rusiengastspiels der Chor der lettischen Rigaer Ratio- naloper. Wie sie spielen, wie sie singen, jeder ein Künstler. jeder einzelne menschlich überzeugend: man hat dergleichen aus einer Berliner Opernbühne kaum je erlebt. Nicht auf gleicher Höhe das Ensemble der Solisten, die sich als Partner und Gegenspieler um die zentrale Figur des Zaren Boris gruppieren. Sehr eindring- lich Georg Posemkowsky in der Rolle des Fürsten Schuiskij und Boris Popoff als eifernder Jesuit; dem falschen Dimitri gibt K. Petraustas-Piotrowsky blendende Erscheinung, für den Eremiten Pimen hat Kapiton Saporoshetz warme. zu Herzen gehende Töne. Schwächer sind die weiblichen Rollen besetzt. Aber alle, Sänger und Orchester— die Staatskapelle, von Emil K u p e r geleitet—, selbst auch der Chor, selbst auch Mussorgski, alles und alle treten zurück, werden Hintergrund und Rahmen für die in jedem Sinn überragende Gestatt, die, über- lebensgroß nicht nur an körperlichem Wuchs, in drei Szenen Leben gewinnt: Feodor Schaljapin als Boris Godunoff. Rur drei Szenen sind ihm gegeben. Wie er steht, schreitet, blickt, die Hände hebt, jede Geste, jeder Ton, diese unbegreifliche Intensität des inneren. Beredtheit des äußeren Erlebens, diese unerhörte Aus- drucksgewalt des unverwüstlichen Organs: vor solchem Phänomen versagt jeder Maßstob, versinkt alles Meßbare. Nicht mehr das Volk ist Held, nur Boris Godunoff ist Held der Oper, die noch ihm heißt, an diesem Abend. Oder doch das russische Volk, wie sichs im Riesen Schaljapin verkörpert. Xlaus Pringshcim. Magnus Hirschfeld. Der bekannt« Sexualforscher Sanitätsrat Dr. Magnus Hirsch- selb begeht heut« seinen 60. Geburtstag. Er stammt aus Kolberg, studierte zunächst in Breslau Philosophie und Sprachwissenschaften, dann in Strahburg und München Medizin. In Berlin promo- vierte er mit einer Arbeit über die nervösen Nachkrankheiten der Influenza. Bevor er sich seinem Spezialgebiet, der Sexual- Wissenschaft, zuwandte, veröffentlichte er verschiedene Arbei- ten. darunter solche speziell über Alkoholismus. Hirfchfelds Bedeutung als Forscher liegt besonder» darin, daß er aus Anhängseln verschiedener Wissensgebiete die Problem« des Geschlechtslebens einheitlich zusammenfaßte und so die Sexualwissen- schast zu einer besonderen Disziplin erhob. Dos von ihm gegrün- dete Institut für Sexualwissenschaft ist heute noch das einzige in der Welt: es ist seit mehreren Jahren vom preußischen Staat als Stistung bestätigt. In den Werken .Sexualpathotogie* und.Ee schlechtstunde* ent- wickelte Hirschfeld die Grundlagen der Sexualwissenschaft. In den speziellen Arbeiten„Homosexualität des'Mannes und des Weibes*,„Transvestiten* und in dem„Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen" begründete er seine Lehre von den Geschlechtsübergängen. Als Gutachter hat er in vielen großen Prozessen mitgewirkt, zuletzt im Krantz-Prozeß. Ferner ist er durch sein energisches Eintreten für die Abschaffung des§ 175, für die Eheberatung und für allgemein« geschlechtliche Aufklärung als ein rühriger Borkämpfer für fortschrittliche Ideen bekannt ge> worden. Erst kürzlich gründete er mit Forel in der Schweiz und Havelock Ellis.in England eine„Weltliga für Sexual« r e f o r m*. Wenn Hirschfeld auch naturgemäß bei seiner Tätigkeit vielen Anfeindungen ausgesetzt war, sd ist doch zweifellos der Wandel in der Einstellung der Oeffentlichkeit zu vielen Problemen des Ge- schlechtslebens in den letzten 30 Iahren vor allein auf das Wirken dieses Mannes zurückzuführen. Theater am Schiffbauerdamm. Junge Schauspieler ohne Jugend. In emer DormittagsauffüHrung im Theater am Schiff« bauerdamm wollen junge Schauspieler und Eleven der Volks- bühne«n einer Tragödie„Schneesturm* von Otto Zoff ihre Kunst zeigen. An diesem ungekonnten, totlangweiligen Stück wür- den sich selbst fertige Schauspieler vergeblich die Zähne ausbeißen. Da richtet ein windiger Ehemann mit seiner unbezähmbaren Liebe zu einer Genevalsfrau sein« Familie, seine Freunde und sich selbst zugrunde. Der Sinnentrieb des einfältig konstruierten weibertollen Männchens Cillon-- und Otto Zoffs dilettantische Süßheckz-Lyrit gehen uns«inen Dreck an. Die Tragödie läßt der Regisseur Fried- rich Hellmund ohne Tempo und ohne Höhepunkte herunter- haspeln. Wo brennt bei den jungen Schauspielern das Feuer der Jugend? Nur ein Darsteller weckt besonderes Interesse: Boris Al«tin, der den blind anhängigen Freund Cillons mit zarten. aber eindrucksstarken Farben malt. Eine versonnene, träumerisch« Figur, cm» dessen Bewegungen und Stimmklang die Haltlosigkeit eines verlorenen Menschen klingt. Gekonnt ist auch Nina Tokum« bete phantastisches Bühnenbild, ein inalerischcr Alpdruck. Friedrich G n a s, der Träger der Hauptrolle, ist eiu Schauspieler mi: Hermann Kienzl gestorben. Ein Vorkämpfer literarischer Freiheit und großdeutschen Zusammenschlusses. Im Alter von 63 Iahren ist in seiner Wilmersdorfer Wohnung Herman Kienzl gestorben. Seit Jahr und Tag hatte schweres Seiden den starken Körper des knorrigen Steirers zermürbt, der nun seinem älteren Bruder, dem Komponisten des„Evangelimannes", im Tode vorangegangen ist. Bor Jahrzehnten war Kienzl aus sei- ner Heimatstadt, dem schönen Graz, in dm Mittelpunkt deutschen literoischm Lebens nach Berlin übersiedelt. Hier hat er sich als Thcaterkritiker, als schaffender Schriftsteller und als Dramatiker viel Ansehen erworben; die Berufsorganisation, den Schutzverbond der Schriftsteller, hat er mttgegrllndet. Wo es galt, für die Freihett des geistigen Werkes einzutreten, hat Kienzl nie gefehlt. Ein treuer Sohn seiner urdeutschm Heimat war er unter den allerersten, die im Zerfall der Habsburger Monarchie zu Wortführern der Heimkehr Deutschösterreichs ins Reich wurden. Enge Freundschaft verband ihn mit unserem Genossen Ludo Hartmann, der als erster Gesandter der Republik Deutschösterrcich in Berlin die Vereinigung durchzusetzen? trachtete. Mit Paul Löbe zusammen leitete Kienzl den Oestcrreichisch- Deutschen Volksbund. Wem, er auch feine österreichische StaatsWir»� gerschaft bis ans Ende beibehielt und darum auch nicht einer reichs- deutschen Partei angehörte, so hat er doch nie einen Zweifel an seiner entschieden republikanischen Gesinnung gelassen, auch als hüben und drüben noch die Monarchie herrschte. Mit seiner Witwe und seiner in Berlin verheirateten Tochter trauert der Schauspieler Florian Kienzl um den Bater, dm seine vielen Freunde nie vergessen werden. Eine Schriststellerin des Bürgerhauses. Zum Tode von Ida Äoy-Ed. Im Alter von 76 Jahren ist in Lübeck, das ihre zweite Heimat wurde, Ida Boy-Ed gestorben Sie war«ine viclgelesene Schriftstellerin des bürgerlichm Hauses. Daß sie die Selbsterkmnt- ni« besaß, ihre Romane nur als...Unterhaltungslektüre* zu be- zeichnen, bewies ihren ehrlichen Charakter. Trotz ihrer ungeheuren schriftstellerischen Fruchtbarkeit in dm 40 Jahren ihrer Tätigkeit verfaßte sie etwa 50 Romane— hielt sie in ihren Arbeiten immer ein anständiges Niveau. Die Fraumfrage hatte ihr Inkeresse— allerdings stets nur im liberal-bürgerlichen Sinn. Eine ganze An- zahl ihrer großen Romane beschäftigt sich mit Problemen dieser Art. Biographische Studien, denm freilich die letzte wissmschaftliche Tiefe fehlt, versucht« sie über Charlotte von Stein, Charlotte von Kalb und Germaine de Stael. Ihre Eltern waren schon früh.aus chiem Geburtsort Berge« darf bei Hamburg nach Lübeck übergesiedelt, wo die ISjährige Ida Ed den Reeder und Großkaufmann Karl Doy heiratete. In ihrm Schriften ist diese Stadt oft der Hintergrund der 5?andlung. Ak» in den letztm Jahren die greis« Schriftstellerin von wirtschaftlichen Schwierigkeiten nicht verschont blieb, stellte ihr die Stadt Lübeck aus Dankbarkeit eine Ehrenwohnung in den, alten,«inst zur Stadt- besestigung gehörenden„Burghcms* zur Verfügung, wo Ida Boy- Ed bis zu ihrem Ende lebte. Drucksehlerberichtigung. Im Referat über die Oper„D i t Liebe dreier Könige*(„Der Abend* vom 12. Mai) ist ein sinnstörender Druckfehler untergelaufen. Es handelt sich in dieser Oper, wie schon ihr Name besogt, um drei liebende— nicht, wie irrtümlich zu lesen stand, drei„liberale* Könige. Die«Valerie Ehrhardt«. Eo.. vennöstr. Sa. eröffnete am 13.«Ine?luL ftellnng von Oelarmölden und Krapdik de« forsten Albrecht von Urach, Grasen von Württemberg, eine« Schüler« von Ad. Hoelzel. EhoreoaraphI«. Otto Polemann spricht am IS.. 20'/. Ubr, in ter Futta-Klamt- Schule, Fafanenstr. 13. Wer: Einführung in die Vischer-Klamtsche Choreographie. Bon de» sowselrnllischen«rbeiteehochichulea. Am lehten Lehrjahr haben 2800 Arbeiter w der Stadt Leningrad die Ardeiterhochschulen besucht: Di- Zahl derartiger Hochlchulen in Lenwgrad beträgt acht, e« ist aber In«u«. ficht genommen, im nächsten Jahr noch einig« zu ei öffnen. Die Arbeiter- Hochschulen haben kein« eigenen Lehrgebäude, sondern die Vorlesungen finden gröktenteil« in den Fabrikräumen statt. Die Sowjetpreffc bezeichnet dl« di-tsähiig« Lehrtätigkeit iür Arbeiter als durchaus erfolgreich, ohne wdeffen nähere Angaben»u machen. vi« S0. versam-alung der Gesellschost deutscher Ilatarsorscher und Herzte findet in Hamburg vom 16. bi« St. September Nnlt. Während»nb im Anschlug an die Tagimg find Vesichtlgungeii vorgegeben. Tic ZIadt Kiel hat die Teilnehmer eingeladen. Anmeldungen sind zu richten an die Hamburger Universität, Hamburg 13. Hintertreppenroman Anastasia". Ein Kriminalbeamter auf der Anklagebank. Die Zarentochter, Großfürstin Anaftafia, genannt Frau| hineinfallen. Er sei aber zu einem Ausgleich bereit menn . Ischaykowski, nach anderer Meinung die polnische fie ihm 3000 Mart zahlen wolle. Frau Ratlev weigerte Candarbeiterin Tschankowiti, befindet sich augenblidlich sich, die Summe zu zahlen, und tatsächlich wurde die Anzeige auf einer Bergnügungsreise in Amerika, von ihrem Anhang bei der Polizei erstattet. fürstlich empfangen. In Moabit dauert aber der Streit um diese Figur aus einem Hintertreppenroman fort. = Im Mittelpunkt des Streites steht die Nachtausgabe" des Herrn Hugenberg. Bie erinnerlich, hatte sie zuerst die Beröffent lichungen für die Großfürstin und gleich darauf eine Artifelferie gegen sie gebracht. Als dem Blatt dann die Verfasserin der ersten Veröffentlichung, Frau v Ratlev Kalman, durch ihre weiteren Recherchen gefährlich zu werden erschien, erstattete der Redakteur des Blattes, Lucke, Anzeige gegen sie und gegen einen Kriminalbeamten wegen Beste chung. Der Gewährsmann des Herrn Lucke war aber ein gewisser Fuller, der augenblicklich von der Polizei wegen Betruges gesucht wird und sich in Amerika befindet. Dieser Herr, zuerst Mitarbeiter der Frau Ratlev, wurde später ständiger Gast im Hugenbergschen Zeitungsbetrieb und de nunzierte jeine ehemalige Freundin bei Luce, als sie ihm feine Gelder mehr zur Verfügung stellen wollte. Mit einem Wort, eine faubere Angelegenheit. dungsstreife hatte B. viel in den Nad, lokalen und Klubs Des Freispruch. Der Staatsanwalt beantragte für beide Angeklagten Freisprechung. Der Kriminalassistent B., erklärte er, habe sich in feiner Weise dienstliche Verfehlungen zufchulden fommen laffen. Das Gericht schloß sich dieser Auffassung an und verkündete nach ganz furzer Zeit das freisprechende Urteil Frühjahrsausstellung der Akademie. Bon Dr. Paul F. Schmidt. Wegen der Fülle des Guten und der Unmöglichkeit, es unter Kategorien zu ordnen( auch eine pofitive Eigenschaft!), erlaube man diesmal eine einfache Aufzählung des( nicht alles!) Bemerkenswerten nach Sälen. Gaal 1. Große Rollettion des Bildhauers August Kraus; gehört nicht zu den Entdeckungen. Es tut wohl, einmal ohne alle Einschränkung loben zu fönnen. durch den Gegensatz zu der abschreckenden Methode der„ Großen Berliner" wirkt die Frühjahrsschau der Akademie außerdem so wohltuend, daß man glauben darf, seit Jahrzehnten feine so erlesene So hatten sich heute Frau v. Natlev- Kalman und der Kriminal- Gesamtausstellung in Berlin erlebt zu haben. Man hat hier das assistent B. vor dem Schöffengericht Charlottenburg wegen aktiver Gefühl von unbedingter Qualität; es wird auf allen Seiten vor. resp. passiver Bestechung zu verantworten. Als Beamter der Jahn- züglich gemalt; man sieht mit erfreulichem Staunen eine große AnWestens zu tun, um her internationale Berbrecher ausfindig zu zahl unbekannter Namen unter Meisterwerfen, und auch die befannten Künstler, mit wenigen Ausnahmen, haben ungewöhnlich machen. Aus sportlichem Interesse ging er oft über den Rahmen Gutes geschickt. Kurz, die Akademie hat diesmal das erfüllt, was seiner dienstlichen Angelegenheiten hinaus und fonnte sich großer Erfolge rühmen. So war es ihm z. B. gelungen, in verhältnis fie leisten foll: eine Auslese des Besten. mäßig furzer Zeit etwa 205 Festnahmen zu machen. Natürlich hatte er feine Vertrauensmänner. Eines Tages äußerte ihm gegen über ein Herr W., er möchte sich doch mal für die Angelegen heit der Großfürstin Anastasia" interessieren; man müßte ja noch immer nicht, ob sie eine v. Tschaykowski oder die Bandarbeiterin Tichanfowsti sei; er möge sich doch an Fuller wenden. Dieser verwies ihn an Frau v. Ratlev- Kalman. Frau Ratlev ge= mährte ihm Einblick in ihre Atten, und nun war Kriminalassistent B. Feuer und Flamme für die Sache: es schien ihm unmöglich, daß eine polnische Landarbeiterin vom Polizeipräsidium einen Baß auf den Namen v. Tschankowski erhalten haben sollte. Etwas mußte da nicht stimmen. Als man im Dezernat für Hochstapelei erflärte, daß ein amtliches Intereffe für die Sache nicht mehr vorliege schloß er mit Frau Ratlev einen schriftlichen Vertrag, laut dem sie ihm ihr sämtliches Material in der Anastasia- Sache zur Berfügung stelle, er dagegen sich verpflichte, privatim die erforderlichen Recherchen zu machen. Seine Spesen an Autofahrten und der= gleichen sollten ihm zurückerstattet werden. Kriminalassistent B. machte die erforderlichen Recherchen, fand, pie er behauptet, die Bermutungen der Ratlev bestätigt und rednete mit ihr seine Spesen ab. Im ganzen erhielt er einen Sched auf 50 Mart. Den Sched händigte ihm Fuller ein. Er war auf den Namen Voß ausgestellt, und mit diesem Namen, girierte Striminalassistent B. in der Bant den Scheck. Damit schien die Sache erledigt. chin Eines Tages traf aber Fuller seine Landsmännin, die Amerifanerin Gravisch, auf der Straße und sagte ihr, daß ein Kriminal tommissar, der bei Scherl verfehre, ihm mitgeteilt habe, daß Frau v. Ratlev sich eines Kriminalbeamten für ihre Recherchen bediene und diesem auch Geld gegeben habe. Frau Ratlev tönne tüchtig Sinalco halt Ermattung nieder starkt Schaffenden die muden Glieder Sinalco ist stärkend, erfrischend, bekömmlich, da aus bestem Zucker und naturreinen Fruchtaromen hergestellt. Ueberall zu haben! Generalverir. Starick& Krüger G. m. b. H., Lands berger Allee 6-7. Alexander 4703/ Königst. 1666 | Saal 2. Die weibliche Riesenfigur von Christoph Boll ist eine der stärksten Arbeiten; Stulpturen von Hißberger und Nau bereit, einer anmutvollen Haller- Nachfolgerin. Zu Ehren des 80. Geburtstags von Hagemeister sind einige seiner start dekorativen Bilder versammelt. Sehr gute Malereien von jüngeren Rünstlern: Walter Jacob, der sich langsam zur Meisterschaft entwidelt, den Düsseldorfern de Haer und Peiffer Baten pfuhl, Franz X. Fuhr( verbesserte Ausgabe von Utrillo auf deutsch), dem Hofer- Schüler Nay, Wuester, dessen reizende Mädchen am Fenster" ebenfalls leicht an Hofer anflingen, schöne Stilleben von Friß Schneider. Man beachte, daß der größte, der Ehrensaal fast durchgängig der Jugend überlassen wurde! Saal 3. Eine überraschende Neuerscheinung: H. J. Lau mit sehr lebendigen Einblicken ins Alltagsleben. Borzügliche fleine Landschaften und Stilleben von Orlit; Bartikel mit Land schaften, E. R. Weiß, Wilhelm Schmid( das Schiff im Blauen!) strahlen in hohem Glanze. Saal 4. Anmutige Meinstulpturen von Mettel und Radtke( fannte man sie?). Der Tradition entsprechend eine Wand mit Mag Liebermann( ungewöhnlich gut das Bildnis von Bürgermeister Petersen); dazu andere Prominente, nicht recht auf der Höhe: Kokoschka( der Pariser Plaz gehört zu seinen Fehl fchlägen), Bechstein, Dreßler( mit peinlicher Erinnerung an ein berühmtes Corinth- Bild); glücklicher Wollheim und George Groß( Bildnis Mar Herman- Neißes). Raum 5. Kleine Annehmlichkeiten von D. H. Engel( recht zum Vertiefen einladend: wie fein und nobel dieser„ alte Herr" sein fann!); F. Remat, Hilbert( Schönheit eines Schweinestalls, sauber und adrett gemalt); fräftig gemalte Landschaften von Voigt Raum 6. In der Mitte ein lebhaftes„ Böckchen" der herrlichen Sinten is, höchst lebendige Kindergruppe von Rhades; Holzfigur von Schiffer. In der Malerei dominieren Rößner, Dettmann, Philipp Frand, Jaeckel und Mag Oppenheim mit guten Qualitäten. Als junge Enklave hier und im Saal 9 R. Nesch, der sich brillant entfaltet. Röhricht( ausgezeichnet Landschaft wie Bildnis), M. 3eller, Raum 7 gehört ebenfalls zum größten Teil den Bewährten: der sogar etwas von seiner Manier abläßt), Kraustopf, Büttner( zwei frische und reizende Landschaften); Campendond, den man hier faum noch jemals sah, mit einem mystisch leuchtenden Hinterglasbild, Charlotte Radnih mit einem breit gesehenen Zi. geunerbild und das sonore Haus unter Tannen" von M. Paaz. Saal 8. In der Mitte Selbstbildnis von Chr. Boll, eine mächtige sehr überzeugende Holzskulptur; in der Bitrine vor allem prachtvolle gelagerte Tiere von G. 5. Wolff und Mädchenfiguren von Jenny Wiegmann. Der ganze Saal hängt voll guter Bilder; auch Baluschek und Nagel geben etwas von ihrer Nüchternheit zugunsten charaktervoller Darstellung dran, und nur Kirch ner fommt leider außerhalb des Lobes zu stehen. Es hilft mur Aufzählung der Namen: Krauskopf, Paul Cassel und B. Kretschmar, zwei sehr bemerkenswerte Dresdener, Degner, Mesec, Augufta von 3izewis, Großmann und der Schweizer Hermann Hu 5er( der aber besser in der Zeichnung ist). der verschiedensten Bestrebungen: schöne Malerei von HaaseGaal 9. Ein wunderliches, aber sehr anregendes Beisammen Jastrow, R. Jacobi, Bató; flächenhaftere Raumdarstellung bei Seewald und W. Rudolph; Konstruktivismus bei dem „ Springer" von W. Baumeister. Eine originelle Figur in getriebenem Kupfer von gedrungener Rundform, die Wissel zum Autor hat. Endlich„ Parteipanorama 1924" von 3. Nägele, mit geistreichen Einfällen gespickt ohne Ueberladung. Raum 10. Gehört ganz der erlesensten Malfultur: herrliche altberliner Ansichten von J. Jacob, jedes ein Juwel; Blumen Don Bartning; ein warmtoniges Stilleben von Hans Uh1; Porträts und Landschaften des kürzlich gestorbenen Schulte im Hofe. Raum 11 wieder eine Domäne bester Jugend: ein pariserisch geschmackvoller Akt der Frau Annot; bedeutendes Meeresbild von K'n örtzinger; das bisher vollendetste Bild von Kaus, eine schön naive Malerei von Ed. Bischoff; Neuschul, Gawell, 2aferstein und ein unerhört gelungener und farbig. strahlender Fischmarkt" von Otto Heinrich, bei dem man eine fleine Abhandlung über die fruchtbare Wechselwirkung von älterer und neuerer Malerei schreiben fönnte. Eine( endlich einmal) einwandfrei plastische Figur von Milly Steger. Raum 12. Drei außerordentliche Bisionen von Joachim Ringelna 3, der als Maler wie als Dichter gleich ernst zu nehmen ist. Porträts von R. Schlichter und Weinhold und eine Boudoirszene voll taltschnäuziger Pikanterie von Bloberger stellen als vorzügliche Proben von Berismus" einen recht geeigneten Abgefang und Abschluß des bunten und herrlichen Weltpano. ramas von 1928 dar. Berantwortlich für die Redaktion: Eugen Brager, Berlin; Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag: Vorwärts Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts Buch bruckerei und Berlagsanstalt Paul Ginger& Co., Berlin G2 68, Lindenstraße 3. Sicrzu i Beilage. Engelhardt- Caramel- Malzbier Sport nahrhaft, wohlschmeckend, bekömmlich, erfrischend! Aerztlich empfohlen für Kinder, junge Mütter, Erholungsbedürftige, Sportleute Auf der Ausstellung: DIE ERNÄHRUNG Halle 2, Stand 131 Metallbetten, auflegematraßen, Chaife. Tongues, Rinderbetten, Rinderwagen wirksam sind die fportbillig trop Teilzahlung. Schön Kleinen Anzeigen Haufer Allee 5, Schönhauser Tor. des Vorwärts und trotzdem Fahrräder Pumpen, Besonders Ahren, Filter, in der Gesamt. Auflage billig! Ersatzteile alista gratis Hoblank.. Pumpenfabrik Berlin N 65, Reinickendorfer Str. 95 Ab Himmelfahrt Motorboot nach Marienlust am Fuße der Müggelberge täglich ab Schillingsbrücke an der Köpenicker Straße Vorm. 8, 10, 12, nachm. 2, 4. 6 Uhr. Rückfahrt Fahrpreis wochentags hin und zurück 1.50 Mk. Einfache Fahrt 1.- Mk. Kinder die Hälfte. Für Mondscheinfahrten und Tagespartien stehen 2 große Säle zur Verfügung. Telefon: Köpenick 36 Verkäufe Bekleidungsstücke, Wäsche usw Teilzahlung. Geringe Anzahlung. leine Rate, trotzdem billig. Nur Quali. tätsräder, drei Jahre Garantie. Fahr. rabbau Wima. Aderstraße breikia. Fahrraber, erfttlaffige Martenräder Teilzahlung. Fahrradhaus Centrum, Linienstraße neunzehn. Kaufgesuche Bon Kavalieren wenig getragene, wie auch neue elegante Jadettanzüge, Smo. ling-, Fradanaüge, Baletots, Gummimäntel, Sofen, für jede Figur paffend, Derlauft fpottbillig, teine Lombardware, Quedfiiber. Goldschmelze, Christionat eibhaus riebrichstraße 2 am Salle Röpeniderite. 89( nabe balbertstraße) den or. Alappiportwagen 19,-, eleganter Rinbermagen 39,- Ball, Große Frant furterstraße 47. Möbel Zahngebiffe. Gilberfachen, 8inn, Blei Verschiedenes Emaille- Bereinsabzeichen, hochfein poliert. vergoldet, 18 Millimeter groß. foften per Etlid bei 12 Stüd 1,10. 25-90, 50-70, 100,60, dreifarbig cin- und zweifarbig billiger! 15. Batentmatragen, Brimissima".Metall. Betfch, Bereinsabzeichen und Stempel. betten, Auflegematragen, Chaiselongues fabril, Berlin- Niederschöneweide, köll Walter, Stargarderstraße achtzehn. Epe. nifchestraße 58. Musterpreisliste frci. aialgefchäft Geschäftszeit 8-6 Uhr. Kleidung fűr Hetten u. Júnglinge Windjacken Golfhosen Breeches Pullover Bewährte Qualitäten in reicher Auswahl zu niedrigsten Preisen Leineweber Berlin C, Köllnischer Fifchmarkt 4-6 COUNDE reinigt wäscht färbt und Denken Sie an Ihre Frühjahrsgarderobe! Überall Filialen Postversand Berlin SO 16, Rungestr. 21 Fernspr. F7 Jannowitz 6436 (Beilage Moniag, 14. Mai 1928 SivAbMö StininiiKgnße Ja �/crhtxxfil ter Zahl zugesellen, werden natürlich jetzt vor der Wahl eifrig von allen Parteien umworben. Da ist es angebracht, auf die Ausführun- gen des Verbandsoorsitzenden für Berlin, W. Reinhold, hinzuweisen, die wir der letzten Nummer des.Kleingärtner' entnehmen. Reinhold führt aus, daß das Schicksal des städtischen Kleingartens von einem Bodenrecht abhängig ist, das den Städten die Hand» habe zu einer ausreichenden Bodenvorratswirtschaft nach sozialen Gesichtspunkte» gibt. Mit anderen Worten: der Mensch und nicht die Sache muß wieder im Mittelpunkt des leider stets hinter der Entwicklung der soziologischen Derhältnisie herhinkenden Rechts stehen. Die heutigen Großgrundbesitzer sind nicht gewillt, solche Opfer zugunsten der Mgemeinheit zu bringen. Folg» lich wird der Kampf um das Problem öffentliches oder private» Bodenrecht entbrennen, das aber nach der Loge der Dinge nur vom Reichsgesetzzeber, also vom Reichstag entschieden werden kann. Der Aussall der Wahlen ist für die Kleingärtner auch eine ungewöhnlich wichtige Angelegenheit, deren Nichtbeachtung einen Zusammenbruch der ganzen Bewegung und damit auch der städtischen Auflockenmgs. Politik bedeuten würde. Reinhold sagt darum sehr richtig am Schluß: Sehl euch dle Parteien au! An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen! An Derfuchen der rechtsstehenden Parteien, die bisherigen, durch da» Reichskleingartengesetz verankerten Recht« der Kleingärtner zu beseitigen, hat es wirklich nicht gefehlt. Man denk« an die Ablehnung der Beihilfe von 200 000 M. durch die Regierungsparteien im Reichs- tag. Es ist selbstverständlich, daß es ausschließlich die sozialdemo- kratischeu Fraktionen sind, die in den Reichs-, Staats, und Gemeindeparlamenten für die berechtigten Interessen der Kleingärtner eintreten. Verschiedene aus der Bewegung stammende oder mit deren Interessen vertraute Persönlichkeiten sind auf der sozialdemokratischen Liste für den Reichstag an aussichtsreicher Stelle, so u. a. Stadtrat W e n d t- Schöneberg, Landtagspräsident P« u s- Dessau, für den Landtag der obengenannte Vorsitzende der Kleingartenverein« R e i n h o l d usw. Wenn die Sozialdemokraten sich auch für die Wünsche der Kleingartenbesitzer einsetzen, die als in- different oder gar anderen Parteien zuzählend auf ihrer zesährdeten Stolle sich von den Sozialdemokraten Dienste leisten lassen, so muß man erwarten, daß sie zum mindesten bei diesen Wahlen den Nicht- Unten ihrer Berbandsleitung folgen werden. Die Ziele und Forderungen der Kleingärtner zu unterstützen, gehört mit zu den wichtigsten Aufgaben der sozialistischen Politik. Das Problem der Kleingartenbewegung berührt außerordentlich wichtige sozialpolitische Fragen, die nicht nur die Frag« des moder- nen Städtebaus, sondern auch die Forderung des Stadtmenschen nach Auswechslung, nach Lust und Licht, nach gesundheitshygienischen Be- dingungen aufrollen und zur Klärung führen wollen. Kleingarten heißt in anderer Ueb ersehung Nalurersatz für die Großstadt! Zur Auflockerung der Großstädte forderte die Zentralstelle für Volkswohlfahrt bei einer Wohndichtigkeit bis zu 400 Personen je Hektar für Familiengärten, Parks usw. 30 Proz. der Stadtfläche. Die Forderung Prof. Dr. med. K a u p s in München, auf Berlin bezogen, lautete auf 42,5 Proz. der Stadtstäche für Pachtgärten und imr 23,8 Proz. für bebaute Grundstück«, das übrige für Der- kehrsflächen, Parks und Spielplätze. Baurat Geusen in Düffel- darf ging über diese Zahlen noch hinaus und nannte eine Garten- fläche von 25 Quadratmeter je Person bei einer Wohndichtigkeit von 500— 700 Personen je Hektar und bei einer Wohndichtigkeit von über 700 Personen je Hektar eine Gartensläche von 30 Quadrat» veter je Person. Stellt man dies« von ersten Autoritäten genannten Zahlen, die erst die Bedingung eines gesunden Wohnens in den Städten ver- bürgen, mit den Verhältnissen in Vergleich, wie sie beispielsweise in Berlin heute bestehen, so ergibt sich«in recht klägliches Bild: diese 30 Quadratmeter je Person würden bei den 3 804 048 Einwohnern Berlins eine Gartensläche von 11 413 Hektar ausmachen. 3n Wirk- lichkeit sind aber nur 5740 Hektar Kleingartenfläche vorhanden, so daß nur 15,12 Quadratmeter Gartensläche auf den Kopf der Be- völkerong entfallen. Die Anzahl der Kleinzartennutznießer in 136583 Kleingärte» betrug nach den letzten statistischen Erhebungen te» Verbandes 546 132; mithin ist jeder siebente Berliner Kleingärtner. Ein Erfolg der sozialdemolratischen Fraktion. Wenn sich in diesen Zahlen auch die große Naturlieb« des Groß. städters und sein Verlangen noch gesunder Betätigung ausdrückt, so zeigen sie doch andererseits auf, wie die Gefahr wächst, daß die Kleingärtner bei zunehmender Bebauung immer weiter in unfrucht- bare Gegenden hinausverdrängt werden, ohne daß ein« Auflocke- rung der Bebauung erfolgt wäre. Der Magistrat von Berlin hat bereits dem Drängen der sozialdemokratischen Fraktion nachgegeben und etwa 800 Morgen kleingactendauergelände ausgewiesen. Es ist dies die erste Bresche in das veraltete Bollwerk unserer Boden» Politik. Es ist ganz sicher, daß die Lage sofort günstiger wird, wenn durch«in Linksparlament auch den Städten die Möglichkeit geboten wird, eine großzügigere Planung durch günstiger« Finanz- und Steuerpolitik durchzuführen. Einige Zahlen über die Rentabilität der Kleingärten seien bei dieser Gelegenheit genannt, well sie wirtschaftsstatistisch um so mehr ins Gewicht fallen, als sich unsere Ernährung durch die bisherigen agrarpolllischen Tendenzen immer schwieriger gestaltet. Wenn jeder Garten nur für 10 M. Obst im Jahr« erzeugt, würde bei 136583 Kleingärten Groß-Berlins demnach für 1365 000 M. Obst produziert worden fein; ein vier- und fünffacher Betrag ergibt sich dann noch aus den anderen Erträgnissen, wie Gemüse, Kartoffeln usw. Die letzte Obstbaumzählung vor einem Jahre ergab 720 342 Stück und 2 929 608 Beevenobststräucher. Seht Euch die Parteien an? Es wird nun allgemein interessieren, wie der Reichsverband der Aleingortenverein« Deutschlands mit feinen rund 400 000 Mitglke- der», die mit ihren Angehörigen über«ine Million Stimmberechtigte Berlin, denen sich Familienongehörige in mindestens doppel- zählen, sich zu diesen Fragen stellt. Sein« 64 000 Mitglieder in ?ÄrÄc1ie8e in der Mark. Auf Werder, das älteste, bekannteste und beliebtest« Berliner Vlütengebiet, ist von uns auch in diesem Jahre schon hingewiesen worden. Der rechte Blütenwanderer aber würde sich keinen Ge- fallen erweisen, wenn er nur auf den Höhen von Werder verweilte. Wer nur des Sonntags Zeit hat— und den meisten Berlinern geht es doch so—, der soll so früh wie möglich hinaus, am Vormittag sich an den Schönheiten Werders erfreuen, aber den Nachmittag an andern Stätten verbringen. Man kann z. SB. um den auch in den Blütenbergen liegenden Werderfchen Stadtpark und um die Süd- spitze des Plessower Sees herum in die Glindower Lbstberge gehen. Auf dem Fuchs-, dem Telegraphen- und dem Strebenberg wird man den ganzen Werderschen Höhenzug, von Milliar. den Blüten überzogen, vor sich liegen sehen, ein Bild von bezaubertwer Schönheit. Nicht minder schön ist der SBtick von den Erdebergen südlich de» Glindower Sees, zu denen von Berlin übrigens direkt fahrende Dampfer führen. Ueber SBaumgartenbrück, von Altmeister Fontane liebevoll ge- schildert, kommt man noch Alt- und Reugellow. die wiederum einen Blütenkomplex für sich bilden, aber am Nachmittag wegen der furcht- baren Automobilploge— die Hauptausfollstraße Berlin— Potsdam— Brandenburg führt mitten hindurch— gemieden werden sollten. Uebrigens ist die Autoplage auch in Werder an Sonntagen kaum zu ertragen. Es ist an der Zeit, daß man den sehr schmalen Höhen- weg endlich für Autos und Motorräder verbietet. Viel zu wenig wird dann aber Eapulh als Blütenland gewürdigt. Wer dorthin von Potsdam mit dem Postauio fährt, soll am Ansang des Or�es aussteigen und sofort dem links von der Chauffe« an einem Villenberggrundstück emporführenden Weg folgen. Er wird sehr bald auf einen Fahrweg kommen, der ein« Art Höhenweg ist, denn er führt im weit geschwungenen Bogen um das ganze, von dunklen ernsten Kiefernwäldern gerahmt«, Caputher Wütenland her- um. Hier ist es auch an Sonntagen noch verhältnismäßig still. Eine wahre Sensation aber bedeutet die Besteigung des Caputher Krähenberges, der eine unerhört weit« Fernsicht vermittelt. Don hier aus übersieht man nicht nur Caputh, sondern auch Geltow, Glindow, Werder und Plötzin, alles Blütenland. Das schönste Wun- der aber enthüllt sich auf diesem Berg abends, wenn die Sonne schräg steht und die Schatten dos Licht um so leuchtender machen. Dann tritt die Ferne klar hervor und wenn sichtiges Wetter ist, sieht man die Göher Berge bei Brandenburg und wohl gar«in« Turmspitze von Brandenburg selbst. Das sind die schönsten aber zugleich auch die wehmütigsten Augenblicke, well man weiß, daß man in wenigen Minuten hinunter muß in« Dorf, zu den überfüllten Autobussen, die einem zu den noch überfüllteren Zügen bringen. Immerhin, in Potsdam ist besser Mitkommen als mit den überpockten Zügen in S!L erder. Auch von jenem märtischen Blütengebiet, das im Begriff ist, sich des Berliners Gunst zu erobern, von Guben, Mar hier schon die Rede. Der Touristenverein„Die Naturfreunde', hatte am vergan- genen Sonntag eine Gemeinschoftssahrt nach Guben veranstaltet. Was merkwürdigerweise Werder nicht hat, darüber verfügt Guben. nämlich über einen aus der höchsten Höhe der Obstberg« stehenden Aussichtsturm, der einen Totalanblick vermittelt. Und weiter findet man dort etwas, was Werder an Sonntogen gleichfalls nicht hat: eine behagliche Gemütlichtest, die de» Nerven wohltut. Der beste Sonntagszug fährt früh um 6,29 von Charlottenburg, um 6,36 vom Zoo, um 6,48 von Friedrichstraße, um 6,55 vom Alexanderplatz und um 7,10 vom Schlesischen Bahnhof. Die Sonntagsrückfahrkarte vierter Klosse kostet etwa 5 Mark. Don Frankfurt ab ist die SBahnfahrt unterhaltsam und reizvoll. Man sieht von den Frankfurter Höhen auf die tief unten fließende Oder herab und auf die jenseits des Flusses sich dehnend« welle Reppener Forst. Dann werden die machtvollen Bauten der Märkischen Elektrizitätswerke passiert. Bei Fürstenberg ist eine gigantische Schleusenanlage des Ode r— Sp r e e k o n al s im Bau. Sbald taucht auch umgeben von Blütenbäumen, die in der Kunstgeschichte berühmte Klosterkirche von Neuzelle, einer ehemaligen Zisterziensergründung, auf. Und dann dauert es nicht lange, bis bei Coschen der Gubener Aussichtsturm und die zu Tal rauschenden Blütenfälle der Gubener Berge in Sicht kommen. Eine spannende und unterhaltsame Fahrt. * Wer nun ober noch Werder nicht will und nach Guben' nicht kann, der hat gar keinen Grund zu verzweifeln. In einer Stunde fährt man für ein paar Groschen nach Oranienburg, genießt auf gemächlichem Gang durch das Städtchen die eigenartigen, von dem bekannten Kunstschriftsteller Dr. Adolf Behne in einer Kunstwort- schrift gewürdigten Schönheiten, und gelangt dann auf der Germett- dorfer Chaussee zu der bereits sell 35 Iahren bestehenden aber keines. weg» allgemein bekannten Obstboukolonie Eden. Kein größerer Gegensatz denkbar als Werder und Eden. Hier herrscht am ganzen Sonntag Kirchenstille, die nur durch vorbeifauchende Autos hin und wieder ein wenig unterbrochen wird. Eden ist ein« bodenreformerisch genossenschafttiche Siedlung mit gebundenem, jede Spekulation aus- schließenden Bodenbesitz. Vor 35 Jahren waren es ein paar Dutzend großstadtmüder iL« getarier, die ihre wenigen Mark zusammenschössen und sich hier draußen einige armselige Sandschollen genossenschaft- lich erstanden. Es wurde eine Pionierarbeit geleistet, nicht weniger hart und entbehrungsreich als in Ueberfee. Taufende von Fuhren von Berliner Sttaßenkehricht halfen hier in jahrelanger Arbell eine Humusschicht schaffen, in der heute viele tausend« edelster Apfel-, Birnen-, Kirsch, und Pflaumenbäume wurzeln. Das Edener ausgesuchte Tafelobst erzielt heut« in Deuts«»» land sehr hohe Preise. Ein« genosssnschaftseigene Fabrik stellt naturreine O�ftprodukte her. Das vor 35 oahren grundsätzlich ein- geführt« Schlachtverbot und das Verbot von Verkauf von alko- holffchen Getränken, sowie von Zigarren und Zigaretten ist bis auf den heutigen Tag aufrechterhallen worden. Die Edener fühlen sich bei dieser Lebensweise, die, einst belacht und verspottet, heute von den ärztlichen Autoritäten anerkannt wird, ungemein wohl. Sie sprechen in der Oeffentlichkeit wenig oder gar nicht von ihrem heim- lichen Sparodiese, weil sie nicht wollen, daß die immer lauten und manchmal auch vorlauten Berliner ihren Frieden stören. Man hat in Eden nichts dagegen, wenn der Fremd« durch die Blütenalleen spaziert. Wer den Frieden des schönen Stückes Erde und die Fried- lichkeit seiner ZZewohner nicht stört, der wird selber nicht gestört werden. Störenfriede hingegen werden, und das mit Recht, un- weigerlich aus dem Gebiet der Genossenschaft verwiesen. «- Noch näher an SBerlin heran gibt es gleichfalls eine schöne und liebliche Biütenwelt zu schauen. Auf der SLorortstrecke nach Bernau fährt man bis Lllmkenborg und begibt sich hier einmal ein wenig jn die Gebiete der Rieselfelder. Man erschrecke nicht, die Sache ist — geruchloser al» man glaubt. Hier hat eine fleißige Siedler, und Pächterschar aus dem einst dürren märkischen Sand gleichfalls ein Paradies Eden geschaffen. Wer nur einmal dort gewesen ist. wird gern« wieder kommen. Aber selbst für den allerschmalsten Geldbeutel steht eine SBlüten- fahrt bereit. Für 20 Pf. einschl Umsteigeberechtigung fährt man nach Treptow hinaus und wird dort an der Krugallee gegenüber dem städtffchen Plänterwald ein« fast ergreifend« Ueberrafchung und Frühlingsfreude erleben. Dort bis nach SBaumschulenwog hinab hausen, graben, pflanzen, pflegen und— ernten seit Jahrzehnten Hunderte von fleißigen Laubengärtnern. Was diese Großstadt- menschen mit einer gar nicht hoch genug anzuerkennenden Lieb« und Hingabe erreicht hoben, das ist so wunderbar und in seiner zarten voll quellenden SBlütenpracht so rührend schön, daß einem der Gedanke, daß dies« holdseligen kleinen Paradiese der Bebauung weiche» sollen, einfach nicht eingehen will. Es sollte und müßte schließlich doch wohl Mittel und Wege geben, diese Gärten für immer zu erhallen. Man geh« gemächlichen Schrittes und ruhigen Sinnes durch die schmalen Gassen des Blütenländchens. Da wird einem plötzlich dos große Weltgeschehen klein und unbedeutend erscheinen. und für ein paar©runden wird die ganze Unrast aufgelöst m fried- liches, still lächelndes Schauen und Sichfreuen. s DER SPRUNC OBER DEN SCHATTEN VON KARL SCHRÖDER- ZEICHNUNGEN VON PAUL THESING Copyright 1»» by»Der Büchprkreis G.i 10. Fortsetzung. Im Zoo blieben wir nur ein« gute halbe Stunde. Don halb sieben bis acht mußte wieder gearbeitet werden. Kurz vor acht erschien der Alte wieder, dies oder jenes, Vokabeln oder Zahlen, selbst zu überhören. So wurde es zehn Minuten nach acht, bis wir am Abendbrottisch saßen. Um halb neun mußte Richard ins Bett. Rehberg ober ließ sich jetzt Zeit. Nicht selten schleppt« er«ine Flasche Wein an, die ich mit ihm aus dem Balkon trinken mußte, und lamentiert« dabei noch immer über die Schularbeiten. Für sich selbst stellte er eine zweit« Flasche schweren Burgunder bereit. Nach der zweiten Flasche war er aufgekratzt, stieß mich in die Seite, fragte, ob ich schon die kessen Berliner Mädchen kennengelernt hätte und gab mir Ratschläge zur Verhütung der..Kinderkrankheiten", wie man das in unserer Gesellschaft nennt. Einmal sang er sogar: ,.O alte Burschenherrlichkeit, wohin bist du entschwunden" und ver- langte, daß ich mit«instimmte. Der Abend schloß damit, daß er tränenden Auges das ganze Leben für eine Hühnerleiter erklärte, nicht wert, gelebt zu werden. Dieser Abend gefiel mir, und ich d Me, Rehberg sei doch wohl ein guter Kerl. In„normalen" Fällen kam ich gegen halb zehn Uhr in meine Stube, die ich als„möblierter Herr", Gartenhaus vier Treppen, be- wohnte. Oft war es auch elf oder zwölf. Aber ich war nicht müde. Wenigstens die ersten paar Monate nicht. Die Unruhe unbefriedigter Sinnlichkeit trieb mich in die Friedrichstadt. Die Menschen machen sich meistens seltsam« Vorstellungen von dem, was sie noch nicht kennen. Sie geben Worten«inen Sinn, den sie nicht haben, und sind enttäuscht, wenn sie aufgeklärt werden. Zehn Jahr« lang habe ich das Wort Atelier wie„Melihr" ausge- sprachen und verband damit alle Vorstellungen von schöner Kunst, von Künstlern und Bildern, die mich entzückten. Dann kam die Auf- klärung und hat auf lang? hinaus, vielleicht für immer,«inen Traum zerstört. Später einmal war ich Zeuge, wie«in kleiner Junge aufs höchst« erregt ans Fenster stürzte und schrie: „Sieh mal, sieh mal, ein Chapeau claquel" Es war aber ein Kremser. Als wir es ihm sagten, sah er uns zuerst ungläubig an, ob wir ihn nicht zum besten haben wollten: und dann weint« er. So hotte auch ich bestimmte Vorstellungen von der Großstadt gehabt. Sie entsprachen teilweise dem Bilde, dos sich damals die Mehrzahl aller Provinzialen von Berlin machte, solange sie es nur flüchtig kannten. Für sie reichte Berlin von der Weidendammer Brück« bis zur Leipziger Straße und im Kreuz dazu vom Schloß bis ans Brandenburger Tor. Es bestand au» den Linden, unter denen man bummelte, dem Wintergarten und den Nachtlokalen der Iägerstrahe. In der Borkriegszeit kamen noch hinzu die Kneipen mit den„roten Laternen". Das war es, was man in Berlin zu s«hen begehrte und daheim verachtete. Mein erster Eindruck von Berlin war völlig niederschmetternd. Vielleicht ist es noch richtiger, zu sagen: Ich war entfetzt, als sich der Zug hinter Bernau in die endlose Dürftigkeit der Kleingärten und Barackenlauben hineinschob. Ich war entsetzt über die hohen, abge- blätterten und verrußten Hinterwände der Mietkasernen, über die verrosteten Balkonköfige voll bunten Bettzeugs und flatternder Wäschefetzcn. Der Lärm am Bahnhof betäubte mich wohl, aber im übrigen hatte ich mir alles viel größer vorgestellt: jedenfalls aber anders. Und als ich dann die berühmten, breiten„Linden" sah, da war mir das Heulen nahe über diese spierigen, oerdreckten Kümmerlinge. Es blieben also die Kneipen mit den roten Laternen. Ich fand sie ohne Hilfe. An einem Dutzend lief ich vorüber: dann ein dutzend- mal auf und ab vor einer einzelnen. Endlich wagte Ich es, einzu- treten. Eine gewöhnliche Destille, aber durch Portieren, durch Wand- und Deckenmalerei in jenen eigentümlichen Farbton aus Rot, Orange und Lila gebracht, der die Sinne des Menschen kitzelt, die Lust zum Alkohol weckt und die Erregung eine» Bordells mit sich bringt. Eine Minute noch meinem Eintreten hatten mich drei Kellne- rinnen in eins Tischecke gedrängt und in ihre Mitte genommen. Blasse, rundliche, hübsch« Mädchen, so schien es mir. In einer Zeit van Null-Komnm-Nichts waren zwölf Glos Bier getrunken und die hübscheste der Kellnerinnen streichelt« mir die Backen: �„So'n netter Junge," sagte sie,„hat er nicht eine hübsche, große Nase?" Sie sah die anderen an und griente.„Wo bist du denn her?" Durch das Trinken war ich mutig geworden und erzählte. Da wurde ohne meine Aufforderung neue» Bier gebracht, und«in» der Mädchen wollte sich auf meinen Schoß setzen. Jetzt kriegte ich es mit der Angst. Gleichzeitig schoß«» mir durch den Kopf:„Hast du auch Geld genug?" „Ich muß gehen," erklärte ich. „Aus— geschlossen!" All« lärmten und stießen mit mir an. „Aber ich habe doch kein Geld!" „Kein Geld?! Na, Jungcken, nu mach ma halbwegs!" Hinter dem Vorhang kam«in Mann vor mit aufgekrempelten Hemdärmeln und machte sich am Büfett zu schaffen. Immerhin bekam Ich jetzt Raum, aufzustehen und aus der Ecke herauszukommen. Es war eine plötzliche Stille eingetreten. „Wieviel habe ich zu bezahlen?" „Fünfzehn Mark." sqp� dv Mann am Büfett und ging auf die Ausgangstür zu. Ich hatte zwanzig ta der Tasche. E» war der Rest meine, Monatsgeldes nebst ein» heimlichen Reserve, die die Mutter beim Abschied mir zugesteckt hott«: und«» war erst der Zehnte de« Monats. Ich zahlte, und im Augenblick waren alle wieder ausgelassen und vergnügt. „Schenk mir noch was!" bot die Hübsch« und streichelte mich mieder. Ich gab ihr meine letzten fünf Mark und sogt«:„Schenkst du mir aber auch was?" „Na, was denn?" „Einen Kuß!" „Sollst du haben, mein Liebling: brennend gern." Die beiden anderen kreischten vor Vergnügen. Sie aber kam langsam aus mich zu und hielt mir ihren roten Mund spitz hin. Ich küßt« herzhaft, drehte mich schnell um und war niit einem Satz« zur Tür hinaus. Draußen lief Ich noch hundert Meter weit. Dann atmete ich tief auf und versuchte, meine Backen zu kühlen, sie brannten wie Feuer. Zu Fuß ging ich nach Hause, ein leibhaftiges Opfer unserer samojen Erziehung. I» jolgenden j»atde» Jtami«cht» ich tzfc mittag- faßt» qad macht« den zweieinhalbstündigen Weg hin und zurück nach der Universität zu Fuß. Die Universität! Die kam in meinen früheren Gedanken dicht hinter dem Reichstag mit seinen berühmten Rednern. Auf Reden- können, begeisternd, hinreißend reden können, darauf schien alles anzukommen. Der Führer vorauf mit wehender Fahne: die Massen hinter ihm, verzückt an seinen blitzenden Augen hängend. Für mich stand fest, daß ich in der Universität auf irgendeine Weis« an die Quelle oller Welträtsel geführt werden würde. Wenn „So'n neiler Junge" tagte tie,„hat ei nicht eine hübsche, große Nase?" irgendwo, hier mußt« die Wahrheit, mußte ewige, endgültige Wahr- heit sein. Den Weg zu ihr hin aber führte die Philosophie, die „Königin der Wissenschaften". Deshalb hatte ich mich auch entschlossen, vor allem Philosophie zu studieren. Philologie, Deutsch und Geschichte nur mehr, um schließlich dos Berufsexamen ablegen zu können. Jetzt saß ich in den Kollegs, langweilte mich zu Tode, konnte nicht begreifen, daß es das wichtigste sei, zum„Denken über da» Denken", dadurch zu kommen, daß man Sätze lernte über allerlei Arten Begriffe, Urteile, Schlüsse. Ich wollt« Lösungen haben, handfest« Lösungen, und fand zahl» reich« widersprechende Meinungen, tote Gleichgültigkeiten unter Auf- Zählung endlosen Ouellenmaterials, von dem ich keine Ahnung hatte, und das ich sicherlich in Jahrzehnten' nicht durchlesen tonnte. Es dauerte nicht lang«, so besuchte ich nur noch ein oder zwei Kollegs. Das mußte ich. Denn mir war auf Antrag Stundung de» Dortragshonorars bewilligt worden. Man brauchte das erst zu bezahlen, wenn man nach Abschluß des Studiums in fester Stellung -d.».' Serliv SUSI. war. Wer ober D-rgünstigunF-n solcher Art in unserer Gesellschaft genießen will, muß sich ihrer auch würdig erweisen. Deshalb hatte er am Schlüsse jedes Halbjahre, über eins der gehörten Kollegs eine Prüfung abzulegen. Sie trug den ehrenvollen Namen„Bedürftig. keitsprüfung". Ein Name, der in angemessener Weise dazu beitrögt. daß strebsame Kleinbürger wenigstens olle Halbjahr einmal an die gefellschastlichen Schranken erinnert werden, innerhalb deren der Tüchtigkeit freie Bahn gegeben ist. Di«„bedürftigen" Theologen durften sogar in zwei Fächern den Beweis ihrer Wohlanstandigteit erbringen: dahingegen brauchen die jungen Leute mit ausreichendem Monatswechsel nur zur rechten Zeit am Semesterschluß aufzutauchen, um die Unterschrift des Professors einzuholen, bei dem sie gor nicht gehört hotten. Das war genügender Beweis ihrer Tätigkeit. So war das: und es war richtig so im Sinn« der Herrschenden. denn-- wurde in den meisten Fällen das erreicht, was beabsichtigt war. Damals wunderte ich mich. Dann entrüstet« ich mich. Beides ist mir inzwischen vergongen. Es gibt zuviel zum Wundern und zum Entrüsten. Und Reden nützt nichts. Als ich etwa fünf Monate Hauslehrertätigkett bei Rehberg hinter mir hatte, bemerkte ich trotz meines Idealismus, daß ich auf diese Weis- nicht einmal zu den ganz dringend nötigen neuen Schuhen, geschweige zu einem Sommerüberzieher kommen würde. Frühstückessen und dergleichen Luxus hatte ich endgültig aufgegeben. Ich kriegte fünfzig Mark Monatsgehalt. Fünfundzwanzig davon gingen für Miete drauf, fünf Mark Fahrgelder, fünf Mark kleine Ausgaben für Wäsche, Haarschneiden, Stieselwichse. Und drei Mark monatlich Teilzahlung an«iye Buchhandlung, die mir auf die bloß« Tatsache hin, daß ich Student war, Bücher übex Bücher gegen geringste Teilraten zu liefern versprach. Ich ehrte dies Dertrauc» und bezog auf Deuwel komm'raus. Auf diese Weise gelang es mir. noch nach mehreren Iahren in regelmäßigen Abständen einen freund- lichen Herrn bei mir zu begrüßen, der auf alle möglichen Dings Siegel klebte, und dem im dritten Jahre sogar ein endlich erworbener Sommerüberzieher zum Opfer fiel. Aber olles dies macht- mich durch«!« nicht klug. E,.stählt« meinen Willen". Ganz gleich, alles in allem blieben mir zchn Mark monatlickb nud die verjuxt« ich am ersten Tage des Monats in der Friedrich» stadt. Mehr als monatlich dreimal kam ich nach meinem Abgang be! Rehberg nicht zu warmem Mittagessen. Ich lebte von trockene» Brot und Käs«. Aber nicht einmal das störte mich sonderlich. Im August dieses ersten Jahre, fuhr Herr Direktor Rehber, nebst Familie„an die See", sich von den Strapaze» de» Telephr» nierens und Weintrinken» zu erholen. Ich freute mich auf eine» Gratismonot. Es kam ober anders. Dieser Mensch ließ sich in der Schule da, Pensum de, nächste, Vierteljahre» für seinen Sprößling geben. Der mußte„an der See" arbeiten.„Er hat immer noch den halben Tag zum Bummeln", sagte er. Ich selbst aber hatte täglich voll ein bis fünf Uhr i» Stadtbureau Rehbergs zu erscheinen, die dorthin eingesandte« Arbeiten zu korrigieren und neue schriftlich auszuarbeiten. Ei» Bureaufaktotum beobachtete, ob ich auch arbeitete, und zwischen vier und fünf klingelt«.Herr Direktor" peifönlich an. feiner Kritik di« Zügel schießen zu lassen.(Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. Stramm gestanden. Die Anordnung des Potsdamer Oberbürgermeisters, die den städtischen Arbeitern die Grußpflicht auferlegte, ist noch in Erinne- rung. Potzhams Ruhm ließ aber die Häupter der„Weltstadt" Deggendorf(natürlich Layern!) nicht schlafen. Die dortigen Stadträte beklagten stch bitter darüber, daß die Beamten und An- gestellten der Stadt ihnen den zukommenden Gruß nicht entbieten. Ein schwerer Fall. Darob großes Studium der Gemeindeordnung. Streng„juristisch" legt« der rechtskundig« erste Bürgermeister die fraglichen Paragraphen au, und kam zu der Folgerung, daß Stadträte als gewählte Vertreter der Gesamtgemeinde Anspruch auf bevorzugte Achtung haben, die sich insbesondere in der Bietung de» Grußes äußert. Wörtlich heißt es in der dann er» lassenen Derfügung weiter: lassen und! „Der unterfertigte erste Bürgermeister will sich nicht sagen t, daß sich in diesem Punkte die Disziplin der Beamten Angestellten gelockert hat. Di« Unterlassung eines einzelnen Beamten muß hier schließlich die gesamte Beamtenschaft büßen. Ohne vorher die Frage zu prüfen, ob rechtlich die Grußpflicht erzwungen werden kann, verfüge ich hiermit, daß jeder Beamte und Angestellte ausnahmslos jeden der Herren Stadträte zu grüßen hat. Wer dem entgegenhandelt, hat in Zu» kunft bei persönlichen Wünschen an den Stadtrat auf keinerlei Unterstützung durch den Unterfertigten zu rechnen, und wird«» auf direktem oder indirektem Wege Mittel g e b« n, di« äußere Anstandspflicht zu erzwingen. Ich hoffe, daß in Zukunft kein Anlaß zu weiterer Klage gegeben wird! Stadtrat: gez. Reuß, rechtskundiger erster Bürgermeister." Das Potsdam Bayerns wird wahrscheinlich an diesem Erlaß ebensowenig Freud« erleben, wie das preußisch« Potsdam de» deutsch- nationalen Bürgermeisters Rauscher. Hier antworteten di« Wähler, indem sie sich in Massen zur Sozialdemokratischen Partei bekonnten. Weshalb man diesem Stodttyrannen für die Förderung der repu- blikanischen Sache nur donkbar sein kann. Jus primae noctis. Zu deutsch heißt das: Das„Recht auf die erste Nacht". So war es während der Herrschaft des Leibeigentums im Mittelaster in Rußland noch in der Zwesten Hälfte de« IS. Jahrhunderts, mit- unter auch noch später; der Großgrundbesitzer forderte für sich das Recht, die erste Nacht mit der Braut seines Leideigenen verbringen zu dürfen. Di«„Prawdo" vom 2S. April«rzähll von ähnlichen Zu- ständen aus Sowjetrußland— allerdings spielte der Fall in Tasch- kent. Der Held diese» Dramas war der rote Direktor der Fabrik !Rr. 7 Petratowsii. Zum Fabritwächter war dessen Braut ß» Sestril ftfftrnmvn Sa flaftcc tobt, lä» Stchl, mochte de» errötenden Mädchen Komplimente, klopft« ihr freundschaftlich auf die Schuller und lud darauf den Bräutigam zu sich in» Kabinett. „Also heiraten tust du? Da» ist schSn, aber, die erst« Nacht gehört mir. Sagst du nein, so trägst du die Folgen. Ich vergesse nie da» Gut«, da» man mir antut: aber auch für Böse» habe ich ein gute, Gedächtnis..." Der Wächter wußte nicht, was tun. Schließlich gab er klein bei. Nicht so leicht war e«, die Einwilkgimg der Braut zu erhalten: aber schließlich, nach vielen Tränen war auch ste ein« verstanden. Die Hochzeit wurde in der Wohnung des roten Dir«t- tors gefeiert.„Woher diese Anteilnahme an der Freude seines Wäch- ters?" fragten stch die erstaunten Angestellten... Petrakowski ist nun von feinem Posten entfernt, au» der kommunistischen Partei ausgeschlossen und dem Gericht übergeben worden. Ein Toter wird von seiner Frau geschieden. Eine Engländerin hatte gege» ihren Mann die Scheidung«» klage«Ingereicht und als Grund Untreue angegeben. Der Ehe. scheidungsgerichtshof gab der Frau recht und sprach die Scheidung aus. Gleich darauf aber erfuhr das Gericht, daß der Ehemann eine gute Stund« vor der Derkündung des Urteils gestorben war. Der Oberstaatsanwalt erhob daher gegen da» Urteil Einspruch, da gege» einen Toten keine Rechtshandlung mehr vorgenommen werden kann, und so wurde dos Urteil für nichtig erklärt. Die Frau ist somit geschieden und— doch nicht geschieden. Paradiesische Wohnungsverhältnisse. Während in den westau» meisten europäischen Ländern«ine aus» gesprochene Wohnungsnot besteht, herrschen in Australien und noch mehr in Neuseeland geradezu paradiesische Wohnverhältnisse. Rur wenige Familien kennen dort überhaupt Wohnungen mit einem oder zwei Zimmern, die in den Industrievierteln Deutschlands geradezu die Regel sind. Die überwiegende Mehrzahl der Houshaliunge» erfreut sich solcher Wohnungsbedingungen, die in unserem hoch» zivilisierten Europa besonder» für die arbeitenden Volksmassen als Luxus angesprochen werd« würden. Doytinsky zeigt in dem neuen Band semer„Dell w Zahlen", daß in dem glücklichen Neuseeland die Funfzimmerwohnung da» Normal«, die Bier- und die Sechs» zimmerwohnung noch überaus häufig, die Kleinwohnung hingegen ein« seltene Ausnahme ist. Nicht viel weniger günstig sind die Ver» hältniss« in Australien, wenn auch dort die Zwei» und die Drei- zimmerwohnungen schon wesentlich häufiger sind. Leider hat di« übrigeWelt wenig von denFreuden diesesWohnparadieses. Demiwer wandert gleich wegen einer guten Wohnung über den Stillen Ozean? — und selbst die. die das tun wollten, werden in der Regel ni-ht in das Land eingelassen, das durch«ine starke Beschränkung der Ein« Wanderung seinen Wohlstand den bereits vorhandenen Einwohnen, vordehalt. Frühjahrsregatten. Freie Ruderer- Freie Segler. Nachdem schon am Sonnabend ein Teil der Berliner Arbeiter. Ruderer und Kanufahrer per Kiel nach Brandenburg ge fahren waren, traten am Sonntagmorgen noch annähernd 300 Teilnehmer und Zuschauer von Berlin an. Schon der erste Eindruck am Bahnhof in Brandenburg zeigte, daß die Brandenburger eine gute Borarbeit zu ihrer ersten Regatta geleistet hatten. Denn nicht nur die Kapelle der Freien Turnerschaft hatte sich zum Empfang einge, funden, sondern auch zahlreiche Brandenburger Arbeitersportler, von denen die Berliner zum Boltshaus geleitet wurden. Hier formierte fich mittags der Feftzug, welcher durch die Stadt zum Beegsee ging, mo nachmittags um 2 Uhr die Regatta stattfand. Heberaus start war die Anteilnahme der Bevölkerung, jowohl am Feftzug, als auch an der Regatta felbft. Das traditionelle Brandenburger Regatta metter, Sturm und Regen, gab es an diesem Sonntag erfreulicherweise nicht, und so hatten die Wettkämpfer auf dem Beetzsee eine vorteilhafte Kampfbahn. Alle beteiligten Mannschaften hielten ausgezeichnete Disziplin, so daß die Rennen vom Start bis zum Ziel glatt abgemidelt wurden. Lediglich beim Frauen Stilrudern, das diesmal mit einer Schnelligkeits: mertung verbunden war, mußte der Doppelvierer von Freiheit ausgeschlossen werden, da die Steuerfrau durch ihren Zidzadkurs die Mannschaft nicht nur um den Erfolg, sondern auch das ganze Rennen in Gefahr brachte. Die Strede von 1000 Meter sorgte dafür, daß auch die schwächeren Mannschaften gut durchhalten fonnten, so daß die annähernd 1500 Zuschauer spannende Rämpfe so sehen bekamen. Im Doppeltajat RL. IV a gingen die Gebrüder Göride on den Freien Basserfahrern Brandenburg" Don Start meg in Führung, die fie fich nicht mehr nehmen ließen. Das mit Spannung erwartete Kanu Bierer Rennen brachte der Freien Turnerschaft Groß- Berlin" in ihrem neuerbauten Boot einen eindrucksvollen Erfolg. Die Freien Schwimmer Charlotten burg" enttäuschten in diesem Rennen, denn sie fonnten sich nicht gegen die gute Zusammenarbeit der anderen Mannschaften behaupten. Erstmalig traten bei dieser Regatta auch die Faltbootfahrer in Aktion, die sich im Zweisiger einen schönen Kampf lieferten, den die Mannschaft vom ASV. Fichte, Berlin", gegen die Freien Faltbootfahrer Berlin" für sich entschied. Die stärkste Besetzung hatte das Doppelfajafrennen l. Va mit acht Meldungen erfahren. Gleich nach dem Start bildeten die ,, Banderpaddler Havel" und die Freie Kanuunion" mit ihren beiden Booten eine Spigengruppe, die fich bis ins Ziel einen schönen Bord- an- Bord- Kampf lieferten, in den die anderen Teilnehmer nicht eingreifen fonnten. Kulbeid Götte ,,, Freie Kanuunion, Abteilung Schweiffterne", tonnten den Enappen Sieg für sich entscheiden. Im Riemenpierer fonnte der NB. Borwärts" einen Schönen Sieg über Collegia", Freiheit und Fr. R. Bg. 1913" erringen, nachdem die Mannschaft mit Elan den durch schlechten Start erlittenen Berlust wieder einholte. Bech hatte die Freie Turnerschaft Groß- Berlin", indem ihre aussichtsreiche Mannschaft im Doppelpierer durch Stullbruch aus dem Rennen geworfen murde. Bormärts" entschied mit fnappem Borsprung das Rennen für sich. Beim Jugendstilrudern im Riemenvierer, das ebenfalls mit einer Schnelligkeitswertung verknüpft war, behauptete sich„ Freiheit" mit seiner schönen und flüffig rudernden Jugendmannschaft. Den Abschluß und Höhepunkt der Regatta bildete, mie immer, das Achterrennen. Freiheit bleibt am Start etwas hängen und geht schon mit einer halben Länge Berlust ins Rennen, tann aber durch energische Spurts wieder Anschluß an den vor Collegia" führenden Borwärts"-Achter finden. Bis 200 Meter vor dem Ziel ist das Rennen vollkommen geschlossen, als alle drei Boote zu schnelleren und wirkungsvollen Spurts ansetzen. Während Collegia" sich bisher gut gegen Borwärts" behauptete, müssen sie fich dem gewaltigen Endspurt des Vorwärts"-Achters beugen. Freiheit" fonnte diesen Spurts nichts mehr entgegensehen und andete eine halbe Länge hinter Collegia". Die ersten Kampffahrten. Im Freien Segler- Verband. Trogdem am geftrigen Sonntag ein empfindlich fühler Bind eus Nordwest mit einer Stärfe von 3 bis 4 Gefm. wehte, der von einigen Regenschauern begleitet war, stellten sich fast alle von den 140 gemeldeten Booten der Vereine des Freien Seglerverbandes dem Starter. Besonders hervorgehoben zu werden verdient die ziemliche Sauberkeit der Boote, die während des Winters und Frühjahrs mit vielem Fleiß für den Sommer hergerichtet worden waren. Die Neubauten in fast allen Klassen vertreten, zeigten prächtige Schiffe, die jedoch bezüglich der Schnelligkeit gegenüber ihren älteren Konkurrenten nicht zu sehr überlegen waren. Einen besonders guten Start zeigten die 30- Quadratmeter Rennjachten, die fast geschlossen die Startlinie passierten. Bei Gruppe Ost fonnte der altbekannte„ Falke" vom EC. Fraternitas die große Bahn in der fürzesten Zeit ablaufen, trogdem ihm die Ronkurrenz manchmal dicht auf den Fersen war. Bei den Rennjollen fonnte Z 81 Anni" vom Verein Berliner Jollensegler die beste Zeit herausholen. Zwar gelang es„ Bum Bum( Z 85) ihn einmal zu überholen, doch konnte er seinen Platz nicht behaupten. Schnellstes Boot der kleinen Bahn wurde die 10- Quadratmeter- Rennjolle C 58 Edith" mit 10 Sekunden Vorsprung vor C 70 Suttita". In Gruppe Best segelte Z 29 Jlly" die beste Zeit der großen Bahn, während die fleine Bahn von C 35„ Ahoi III" in der fürzesten Zeit abgelaufen wurde. Wenn in Betracht gezogen wird, daß durch die herrschende Kälte die Mannschafen start in ihrer Tätigkeit behindert wurden, bedeutet die erste Frühjahrswett. fahrt des FSB. einen vollen Erfolg. Die Wanderjollen, die sich bei den Arbeiterfeglern einer besonderen Beliebtheit wegen ihrer stabilen Form erfreuen, fonnten sich auch als Regattaboote gut behaupten, find doch die Zeitunterschiede zwischen Bander- und Rennjollen in den einzelnen Klaffen nicht allzugroß. Nachfolgend die Zeiten der Sieger: 1. Klaffe Kreuzerklasse: 1. Falte 1:36:50; 2. Maitäfer 1:38:22. 2. RIaffe Rationale 35- Quadratmeter- Kreuzer: 1. Jris 1:47:16. 3. Rlaffe 30- Quadratmeter. Rennjagten: 1. Traum II 1:48:33; 2. Windhund 1:52:21; 3. Frechdachs II 1:53:15. 4. Rlaffe Stationale Jollen: 1. Flirt 2:02:37. 5. Alaffe 20- Quadratmeter- Rennjollen: 1. Anni 1:55:51; 2. Bum Bum 1:58:03; 3. Mea Amito 2:04:15. 6. Klaffe 20- Quadratmeter- Rielboote: 1. Sohiho 2:14:02; 2. Aegir II 2:17:12. 7. Rlaffe 20- Quadratmeter- Banberjollen: 1. Nudi 2:04:02. 8. Klaffe 15- Quadratmeter. Rennjonen: 1. Segelfalter 1:59:34; 2. Bienerin 2:04:03: 3. Fatir 2:04:28; 4. Libertas 2:10:13. 9. Alaffe 15- Quadratmeter- Halbrennjollen: 1. Sommerliebe 2:08:12; 2. Frieba 2:08:38. 10. Klaffe 15- Quadratmeter- Wanderjollen: 1. Pan I 2:07:26; 2. 2ola 2:11:21. 11. Rlaffe 10- Quadratmeter- Rennjollen: 1. Edith 1:19:02; 2. Suttila 1:19:12. 12. Klaffe 10- Quadratmeter Banderjollen: 1. Evi II 1:20:57; 2. Girius 1:22:44; 3. Geebär 1:28:19. 13. Klaffe Tourenkreuzer: 1. Unni 1:56:05. 14. Alaffe Jollentzenzer: 1. Arfona 2:28:03. Ausgleichs. jollen: 15, Rlasse: 1. Jda 1:51:21; 2, Rati 1:51:43. 16. Klaffe: 1. Rachtschwärmer 1:59:11; 2. Stepple 2:07:15; 3. Robold 2:12:23. 17. Rlasse: 1. Kritmel 1:32:51. 18. Rlaffe: 1. Windsbraut 1:42:22; 2. Rige 1:42:49. Von der 13. bis 18. Klasse find die berechneten Zeiten angegeben. Die zweite Frühjahrsmettfahrt findet am Himmelfahrtstage, 11 Uhr, auf dem Langen und Seddin- sowie auf dem Tegeler See mit einer Meldung von etwa 150 Booten statt. Arbeiter- Tennis. Tennis- Rot gegen FT. Charlottenburg. Doppel zeigte Härte und gute taftische Arbeit, es fiel überlegen an Tennis- Rot, genau wie das gemischte Doppel.- Zusammenfassend märe festzustellen, daß die Arbeiter- Tennisspieler schon über eine ganz gute Spielstärke verfügen. Gegenüber den Vorjahren sind gute Fortschritte festzustellen. Resultate: Männer- Einzel: Günther( T.- R.)- Schulz( Ch.) 4: 6, 4: 6; Kohler( 3.- R.)- F. Reinke( Ch.) 6: 1, 6: 1; Dr. Kucharski( T.- R.)- T. Reinte ( Ch.) 6: 3, 6: 2; Standschuß(.- R.)- Begin( Ch.) 7: 5, 2: 6, 6: 4. Frauens Einzel: Sillmer( E.- R.)- Frohberg( Ch.) 7: 9, 6: 3, 4: 6; Rohler(.- R.) Schulz( Ch.) 6: 4, 10:12, 2: 6. Männer- Toppel: Günther- Kohler( T.- R.) Schulz- F. Reinte( Ch.) 6: 4, 6: 1. Gemischtes Doppel: Dr. Kucharski- Hillmer(.- R.)- T. Reinte- Frohberg( Ch.) 6: 4, 6: 2. Tennis Rot Friedrichshain gewann demnach 12 Säge( 106 Spiele), Freie Turnerschaft Charlottenburg buchte für sich 7 Säge( 84 Spiele). Die FTGB. auf dem Sportplatz. Anturnen und Ansporteln. Auf dem Sportplay, Schönhauser Allee bot sich den zahlreich erschienenen Zuschauern ein lebhaftes, buntes Bild. Die Freie Turnerschaft Groß- Berlin, der Zentralverein für jeden volkstümlichen Sport, hielt dort sein diesjähriges Anturnen ab. Um 14 Uhr traten 400 Teilnehmerinnen und Teilneh mer aller Altersklassen an. Einem furzen Stillauf folgten Freiübun gen und dann begann die interessante Abwicklung der sportlicher Kämpfe. Wenn sich hieran auch vor allem die jüngere Generation beteiligte, waren doch die höheren Altersklassen gut vertreten. Durch die zahlreich eingegangenen Meldungen waren alle verfügbaren Felder und Laufbahnen ständig besetzt. Flinke Läufer zogen behende durch die Kurven, um dann den Stab nach sicherem Wechsel im harten Endkampf durchs Ziel zu tragen. Auf den verschiedenen Sprungbahnen, sowie beim Speerwerfen und Kugelstoßen wurden beach tenswerte Resultate erzielt. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer bewiesen, daß sie mit Lust und Liebe bei der Sache waren, und so gestaltete sich das Unturnen zu einem gelungenen Werbetag für den Arbeitersport. Die Best- Resultate sind folgende: Männer: 50 Meter: Giebel- Wedding und Bark- Norden III 6,2 Set. Speers meren: Alang- Wedding 41,49 Meter. Rugelstoßen: E. Sonnemann- Wedding 9,74 Meter. Weitsprung ohne Anlauf: B. Hermann- Often 5,76 Meter. 200 Meter: Giebel- Wedding 25,5 Get. Aeltere Sportler: 75 Meter: Grell- Rosenthal Am gestrigen Sonntag begannen die Serienspiele der Arbeiter Tennis- Bereinigung. Auf den Plägen an der einsamen Bappel standen sich gegenüber Tennis- Rot Friedrichshain"( FTGB.) gegen Freie Turnerschaft 9,9 Get. Schlenderballweitwerfen: Dörband- Webbing 34,80 Meter. Beitsprung Charlottenburg erste Mannschaften. Gespielt wurden vier Männer- Einzel, zwei Frauen- Einzel, ein Männer- Doppel und ein gemischtes Doppel. Tennis- Rot Friedrichshain hatte die stärkeren Spieler und verfügte über die größere Spielerfahrung, da die Mannschaft von Tennis- Rot bereits seit drei Jahren zusammenspielt. Trotzdem leistete Charlottenburg starken Widerstand und behauptete sich durch aus ehrenvoll. Günther( Tennis- Rot) und Schulze( Ch.) zeigten ein rasches Spiel von der Grundlinie aus. Die rasche und ungeschnittene Borhand Günthers fonnte Schulz nicht erschüttern, der mit gut gesezten Drives antwortete. Der bessere Aufschlag von Schulz brachte die Entscheidung.- Fr. Reinte( Ch.) fonnte sich an die Unterschnittbälle und an das Netspiel von Kohler( Tennis Rot) nicht gewöhnen. Letterer fiegte deshalb überlegen. Ueber legen siegte ferner durch seine ruhige und eigentümliche Spielweise Dr. Rudarsti( Tennis- Rot) über T. Reinte( Ch.). Stand fchuß( Tennis- Rot) gab Begin( Ch.) im Dreifagspiele das Nach fehen. Bei den Frauen gab es zwei lange Dreisazspiele, ein Beweis dafür, daß große Unterschiede in der Spielstärke nicht vorhanden Das Männer find. Die Charlottenburgerinnen blieben die Sieger. Das Männeraus dem Stand: Grell- Rosenthal 2,65 Meter. Steinstoßen: Dörband- Wedding 6,48 Meter, Jugend: Speerwerfen: Alang- Wedding 41,40 Meter. Sugel Stoßen: Klang- Wedding 11,77 Meter. Stafetten: Männer: 4x100 Beter: Wedding 48,1 Get. 10X Runde: Wedding 4,211 min. Bezirksstafette: 8X100 Meter: Rosenthal 1,50 Min. Frauen: Kleine Olympische Stafetter Often 57,7 Get. Männer: 1500- Meter- Lauf: Lehmann- Nordring 4,52 in. Jugend: 3X1000 Meter: Eüden 9,545 Min. Oesterreichisch- deutsches Länderspiel. Bor 8000 Zuschauern spielte gestern die Deutsche Handballmannfchaft gegen die Desterreichische in Wien. Desterreich siegte 11: 5, das Resultat entspricht nicht dem Spielverlauf.. Fußball Magdeburg- Wien. Begrüßt durch den Oberbürgermeister Beims und Reichstaas abgeordneten Ferl spielten Wiener Arbeiterfußballer am Sonntag in Magdeburg. Ergebnis 1: 5 für Magdeburg. Berregnete Radrennen. Die Radrennen des Arbeiterradfahrers bundes Solidarität", die gestern auf der Rütt- Arena stattfinden follten, fielen dem schlechten Wetter zum Opfer. Eine gute Zigarette 2 muß stets unseren jeweiligen geistigen und seelischen Bedürfnissen in idealer Weise entgegenkommen.- Sind wie abgespannt, so muß sie uns anregen und erfrischen, sind wie aufgeregt oder nervos, so muß sie die Störungen unserer nerven beseitigen. Sie muß seelische Zufriedenheit hervorrufen, während innece Beschwernisse durch ihren Genuß aufgewogen werden. Ueberdies ist nicgends in der Welt ein Glück so vollkommen, als daß es nicht durch den- Genuß einer guten- Zigarette noch vollkommener gemacht werden könnte.- Rauchen Sie eine Greiling- Auslese und Sie werden wissen, was eine gute Zigarette ist. Das ,, Goldene Rad". Harte Schlußkämpfe! Sawall Sieger vor Sausin! Das unbeständige Better ließ den erwarteten Massenbesuch im Großen Goldenen Rad, das auf der Olympiabahn zum Austrag gebracht wurde, ausbleiben. Schade darum! Die scharfen Endkämpfe hatten vollere Tribünen verdient. Dem Starter stellten sich Sawall, Lewanow, Saufin- Frankreich, Leddy und Snoek- Holland. Sawall führte vor Leddy, Saufin, Lewanow und Snoef. Bald fonnte der Franzose Leddy vom zweiten Blak verdrängen, während Lewanom infolge Reifenschadens viel an Plaß einbüßte. Eine recht erfreuliche Fahrweise legte Snoef an den Tag, der inzwischen den dritten Platz hinter Saufin befeht hatte. In dieser Reihenfolge wurde Runde um Runde zurückgelegt, bis es dem führenden Sawall etwa 8 Kilometer vor Schluß einfiel, mit aller Bravour loszugehen. Doch das, was er sich vorgenommen hatte, nämlich Saufin eine Runde abzunehmen, tonnte er trotz aller Anstrengung nicht durchführen. Wohl überrundete der Bahnmatador den Holländer Snoef und war auch dicht an Saufin heran, doch wehrte sich der Franzose erfolgreich! Sawall fiel wieder etwas zurüd und setzte furz vor Schluß zum Endspurt ein, allerdings ohne den tapfer fahrenden Saufin ganz zu erreichen. Resultat: 100 Kilo meter: 1. Walter Sawall, 1:23:24, 2. Saufin, 390 Meter, 3. Snoet, 750 Meter, 4. Lewanow, 6050 Meter zurück, 5. Leddy( bei 85 Rilometer) aufgegeben. Der Stehernachwuchs trat mit Dobe, Christmann, Hille, Erg leben und Leene- Holland im Kleinen Goldenen Rad" zu fammen, das über eine Stunde führte und vom Frankfurter Christ mann mit 69,450 Kilometer vor Dobe, 68 800, Leene, 64 960, Hille, 60 490, und Ergleben, 59 670 Kilometer, gewonnen wurde. Bei Ben Itegern wurde nur ein Wettbewerb zum Austrag gebracht und zwar der Olympiapreis" für Amateure, den sich H. Schulz vor Fliegel, Fatschild und Wissel sicher holte. Avus- Motorradrennen. Dritter Meisterschaftslauf. Auf der Avus- Rennstraße wurde gestern der dritte Lauf zur beutschen Motorrad- Straßenmeisterschaft 1928 aus gefahren. Die in Aussicht stehenden Rämpfe hatten denn auch trot der ungünstigen Witterung Tausende und aber Tausende von BuSchauern angelodt. Zuerst wurde das Rennen der drei unteren Kategorien gestartet. In der 175er Klasse waren vier DRM.- Fahrer unter sich, von denen der Sieger Geis Pforzheim den respektablen Stundendurchschnitt Don 99,6 Rilometer herausfuhr. Auch in der nächsthöheren Klaffe mar DKW. in Front zu finden. Hendelmann- Banne entschied das Rennen erst in der letzten Runde zu seinen Gunsten. In ber 350er Klasse war der Berlauf recht abwechslungsreich. Zunächst lag Stegemann- Neuölsnig( AIS.) in Front, mußte aber nach der 2. Runde Frentzen- Köln( UT. Jap.) vorbeilassen, der jedoch schon in der nächsten Runde ausschied. Sönius- Köln hatte gleich nach Beginn aufgegeben. Nun hatte Ernst Breslau( AIS.) die Führung, fuhr mit gleichmäßiger Schnelligkeit Runde um Runde und gewann schließlich ganz überlegen gegen Hiller- Stuttgart( Montgomery Jap.) Das Hauptinteresse richtete sich auf das Rennen der gro Ben Maschinen, die Halbliter- Räder und die Taufender. Hier tam die deutsche Marke DK W. zu ihrem dritten Erfolge. Es war ein grandiofer Kampf zwischen dem Targa- Florio- Sieger, HenneMünchen( BWM.) und den DKW.- Fahrern Zündorf- Köln und Ste gemann- Neuölsnig. Ständig lagen diese drei Fahrer beieinander. FOX Theater, Lichtspiele usw. Montag, 14. 5. 28 Staats- Oper Unter d. Linden Anf.19%( 72) U. 2. SehaljapinGastspiel Boris Godunoff Staats- Oper Am Pl.d. Republ. Res.-S. 95. Anf. 20( 8) U. Der Arzt wider Willen Montag, 14. 5. 28 Städtische Oper Bismarckstr. Turnus II Ant. 18%( 6%) U. Siegfried 17 Hellquelle Deutsches Theater Norden 12 310 8 Uhr, Ende nach 10 Pygmalion von Bernard Shaw dtsch. v. Siegfr. Trebitsch In der letzten Runde ereilte Henne das Schicksal in Gestalt eines Reifendefektes, so daß 3ündorf zum Siege fam. In der 1000 er laffe langien von neun gestarteten Fahrern überhaupt nur einer am Ziel an, Rüttchen- Ertelenz( Harley Davidson). KöppenBerlin( BMW.) hatte bereits in der ersten Runde Maschinenschaden, Bauhofer- München( BMW.) fuhr ein großes Rennen, führte in der 6. Runde bereits mit großem Vorsprung, mußte aber in der 7. Runde wegen Defetts aufgeben. Die Ereignisse: Bis 2. Michael- Berlin( DR.) 1: 35: 18,8; 3. R. Friedrich- Chemniz( DR.) 1: 40: 08,8; Bis 175 ccm, 157,415 km: 1. Geiß- Pforzheim( DAW.) 1:34:46( 99,6 Stkm); 4. Gungam- Berlin( DR.) 1: 40: 12.2. Bier gestartet, vier am Biel. 250 ccm, 176,988 km: 1. W. Sendelmann- Wanne( DR.) 1:36:49( 109,8 Stkm); 2. W. Winkler- Chemnik( DAW. 1: 38: 16,2; 3. C. Fischer- Endersbach( Mont. gomern Jap) 1:44:20; 4. Dr. Mühle- Berlin( Bladburne) 1: 44: 22,2; 5. E. Sobelmann- Köln( UT. Jap); 6. Bruno Bünsow- Berlin( Chater Lea). 16 gestartet, 6 am 8iel. Bis 350 ccm, 196 561 km: 1. Herbert Ernst- Breslau( ASG) 1: 38: 24,8( 122 km); 2. A. Siler- Stuttgart( Montgomery Jap) 1: 44: 31,6; 3. R. Leimer- Berlin( New Sudson) 1:45:16; 4. S. Theris- Berlin( Standard Jap); 5. Stegmann- Neuölsnig( AJS.); 6 Erwin Nonnemann- Rohr( UT. Jap). 16 gestartet, 7 am 8iel. Bis 500 ccm, 196,561 km: 1. Ernst gündorf- Köln ( DR.) 1: 30: 55,6( 129,3 km); 2. Stegmann- Neuölsnig( DR.) 1: 31: 59,8; 3.$. Soenius- Köln( BMM.) 1: 32: 12,8; 4. W. Huth- Breslau( Norton) 1: 32: 13,2; 5.. Dom- Ludwigsburg( Standard): 6. C. Burggaller- Berlin( BMW.). 30 ge( Sarley Davidson) 1: 30: 53,4( 130 km). Steun gestartet, einer am Ziel. Bis 1000 cem, 196,561 km: 1. Paul Rüttchen- Erkelenz ftartet, 11 am 8iel. Henckel- Rennen in Hoppegarten. Der Tag der ersten flassischen Dreijährigenprüfung mit dem iederauftreten ber bisher ungeschlagenen Contessa Madda. lena übte seine volle Anziehungskraft aus. Die Erschienenen tonnten feststellen, daß Contessa Maddalena, die weitaus beste Zwei jährige des Vorjahres, auch als Dreijährige turmhoch über ihren Altersgefährten steht. Die Hanielsche Stute ist über Winter sichtbar gewachsen und jetzt durchaus nicht mehr flein. Sie zeigte Spuren guter Arbeit, und im Rennen, daß sie nichts von ihrem großen Können eingebüßt hat. Banernfänger- Rennen. 1. Farn( Grabsch), 2. Tarnschild, 3. Simulant. Toto: 12:10. Blag: 11, 13:10. Ferner liefen: Musa( 4), Parlamentär, Achtung. Argwohn- Rennen. 1. Mirim( Böhlte), 2. Windspiel, 3. Rönigsterze. Toto: 19:10. Blag: 12, 17, 15:10. Ferner liefen: Certosina( 4), Fortrott, Alfter. blümchen, Legende. Altgold- Rennen. 1. Bellae( Bleuler), 2. Seufchrede, 3. Gerber, Toto: 44:10. Blag: 17, 14:10. Ferner Tiefen: Sartschier( 4), Tite Life. Sendel- Rennen. 1. Contessa Maddalena( Grabsch), 2. Poftmeier, 3. Faro. Foto: 13:10. Plat: 13, 33:10. Ferner liefen: Aubag( 4), Askari( 5), Intimus. Chamant Rennen. 1. Gerapis( Pregner), 2. Oleander, 3. Mah Jong. Toto: 103: 10. Plag: 19, 14, 36:10. Ferner Tiefen: Pali( 4), Torero, Freiweg II, Aurelius, Bampos. Ridel- Rennen. 1. Waftberluft( Böhlte), 2. Meltart, 3. Atlantis. Toto: 17:10. Blat: 11, 12:10. Ferner lief: Fabulift. Taufenbrünstler- Rennen. 1. Bagode( Barga), 2. Laetitia, 8. Finsteraarhorn. Toto: 39:10. Blag: 16, 22, 16:10. Ferner liefen: Sperrmal( 4), Baladin, Sifenfee, Arndt, Maimorgen, Beleda, Ottogebe. Die Londoner geschlagen! Fußball, Poststadion 2: 1. Der mit größter Spammung erwartete Fußballtampf zwischen den Städtemannschaften von Berlin und London war ein voller Erfolg für den Berliner Verband, denn nicht weniger als 40 000 3uschauer hatten sich im Poststadion eingefunden. Das zweifelhafte Wetter mendete sich bald zum besseren, und so war das Spiel in allen seinen Phasen gut zu verfolgen. fchloffene Susammenarbeit ber Berfiner Eff tam mm inner mehr zum Ausdruck, so daß sie bald das Feld beherrschte. In der 17. Minute tam Berlin durch Gelle zum zweiten Torerfolg. Auch im weiteren Verlauf des Kampfes hatten die Einheimischen ein leichtes Uebergewicht, die sich ihnen bietenden Chancen wurden aber nicht ausgenutzt. Auf der anderen Seite fam London nach einem Fehler der Berliner Berteidigung durch den Rechtsaußen furz vor der Pause zum ersten und einzigen Treffer. Die zweite Hälfte sah in den ersten Minuten London vor dem Berliner Tor, so daß Berlin start verteidigen mußte. Domscheid wurde verlegt, spielte aber weiter. Nach einer Schwächeperiode der Berliner wurde der Kampf wieder ausgeglichener. Ein Strafstoß für London ging inapp gegen den Pfosten, ein guter Torschuß von Kirsei landete in den Händen des englischen Goalhüters. Ein Elfmeter, den Berlin zugesprochen erhielt, weil Sobed unfair angegangen worden war, wurde von Gelle daneben getreten. In den letzten Minuten hatten die Londoner etwas mehr vom Spiel, zum Ausgleich wollte es aber nicht fommen. Die Berliner Mannschaft bot eine ausgeglichene Leistung, Grünberg( Alemania) und Mohns( N. N.) paßten sich den Hertha- Spielern ausgezeichnet an. Bei London waren die besten Leute: die Berteidiger, die linke Stürmerſeite und der Mittelläufer. Cilly Außem schlägt Lily d'Alvarez. Auf dem Platz des Tennisturnierklubs Rot- Weiß im Grune wald siegte die deutsche Meisterin, Fräulein Cilly Außem, über ihre große spanische Rivalin, die Europameisterin, Fräulein Lily d'Alvarez, in einem harten Zweifagspiel mit 6: 3, 7: 5. Borschau auf Grunewald. Das Alemannen- hürden. rennen ist am Dienstag Hauptgeschehnis auf der Grunewaldbahn. Um die 12 000 m. follen folgende Pferde an den 3500- Meter- Start gehen: Mutatis mutandis( Maté), Kiferifi II( Wolff), Opar ( Murphy), Taunus( X), Merkur II( Ackermann), Mariza( Bismart), Prospero( Morig). In Prospero und Kiferifi II treffen damit die besten Hürbler der beiden letzten Jahrgänge zusammen. Vorauss sagen: 1. Golondrina Cherry Fechterin; 2. Atout König Brandy; 3. Meisterpolier Sanssouci; 4. Prospero Riferiti II; Goldener Frieden; 7. Bala5. Caesar II- Manitou; 6. Lotte Tuor. medes Vom Arbeiter- Fußball. Ueberraschungen bei den Serienspielen. Nach allen durch die Meisterschaftsspiele bedingten Ruhetagen im Fußballbetrieb endlich wieder einmal Serienspiele. Bielen Vereinen ist diefe Ruhepause sehr schlecht bekommen. So ging es auch den Lichtenberger Brandenburg- 02- Leuten. Der Berliner Sportverein 16, der sich augenblid. lich in großer Form befindet, schlug den Tabellenersten hoch mit 5: 1! Auch den Weißenseer Turnern erging es schlecht. Berliner Sport Berein 22 gelang es, die Weißenfeer mit 4: 2 hineinzulegen. Im Spiel Lichtenberg I gégen Sparta 11 ftand es zur Pause noch 0: 0. Doch dann fielen die Tore, für Lichten berg drei und Sparta vier. Die Spartaner haben dadurch die Füh rung in der Tabelle. Wohl lag Wildau gegen den Berein für Bewegungsspiele mit 3: 1 im Vorteil, doch holten die Köpenider nicht nur auf, sondern konnten sogar mit 4: 3 gewinnen. Stralau schlug Eintracht 25 mit 3: 0. Einen harten und nicht schönen Kampf lieferten fich Luckenwalde I und Frisch- Auf. Zur Bause führten die Turner schon mit 3: 0, um bis zum Schluß das Resultat auf 6: 0 Als die Mannschaften das Spielfeld betraten, intonierte die Mufit die beiden Nationalhymnen, die stehend angehört murden. Das Spiel selbst nahm einen in jeder Beziehung befriedigenden Verlauf. Es wurde zwar von Berlin mit 2: 1( 2: 1) gewonnen, ein Unentschieden wäre aber den Leistungen der Eng. tänder gerechter geworden. Schon nach einigen Minuten arbeiteten sich die Berliner eine günstige Torgelegenheit heraus, Ruch brachte Berlin dann auch in der 7. Minute schon in Führung. Die ge-| zu schrauben. Frühjahrs Haustrinkkurer mit natürlichen Heilquellen Barbowsky- Bühnen Th. Königgrätz. St. Bergm. 2110. ACHTUNG Täglich 72 Uhr Unser Skandinavia am Bahnhof Friedrichstraße ist von Grund auf Leinen aus neu hergerichtet und gilt mit seinen echten Riesenpalmen und dem 50 qm großen Perser Tanz- Teppich( aus altem Schloßbesitz) als angenehmste und beliebteste Tanzstätte. Größter Betrieb bei den Klängen des weltbekannten Stimmungsund Tanz- Orchesters MAX OLEWSKI( vordem im Eden- Hotel) in allen 3 Etagen. Irland Kammerspiele Komödienhaus Norden 12310 84 U., Ende nach 11 Zum 119. Mal Finden Sie, daß Norden 6304. Tägl. 8 Uhr. Broadway Constance sich richtig Planetarium am Zoo verhält? Verlang. Joachimsthaler Straße Noll, 1578 Staatl. Schauspielh. Die Komödie 16, 18, 19, 21 U. Am Gendarmenmarkt Res.-S. 42 Anf. 20( 8) U. Louis Ferdinand Staatl. Schiller- Theater, Charltbg. 20( 8) Uhr: FAUST. I. Bismarck 2414/7516 81% U. Ende 102 U. Sternhimmel and Eintritt frei! Kaffee 45 Pf. Tuskulum- Bar Kein Weinzwang! Likör 50 Pf. Mona- Lisa- Bar Niedrigste Preise! Pilsner 60 Pf. usw. SKANDINAVIA Kalender Café- Restaurant Letzte Aufführung! Eintritt 1 M. Friedrichstraße 95 Die Hassette Kinder unt. 15 Jahren 0,50 M. CASINO- THEATER 8, U. Theater am Kottbusser Tor Komödie von Carl Sternheim. Piscatorbühne Dienstag, 15., abends 7½ U., zum 1. Male: Es liegt in der Luft Revue von Schiffer. Musik v. Spoliansky Theater des Westens Gastspiel Volksbühne Moskauer jild. Theater am Bülowplatz Th. am Schiffbanerdamm akad. Theater 8 Uhr: 8 Uhr Die rote Der ZigarettenRobe kasten Heute und morgen 8 Uhr Die Hexe Mittwoch 8 Uhr Die Reise Reichshallen- Theater Benjamins III. Abends 8 Uhr, Sonntag nachm. 3 Uhr Stettiner Sänger Stuckes Pingstfahrt" Nachmittags halbe Preise Dönhoff- Brett'l: ( Saal u. Garlen). Varieté, Tanz. Kapelle Wilhelm Frenkel Walhalla- Th. Weinbergsweg 19/20 Täglich 8, Uhr Rund um den Staatsanwalt Einheitspreis 1.50 Mark Lothringer Str. 37. Theater am Die schwebende Jungfrau Nollendorfplatz Ausschneiden: Gutschein 1-4 Pers. Kurfürst 2091/93 Fauteuil nur 1.10 M. Sessel 1,60 M. Steinplatz 901. Täglich 8, Uhr Renaissance- Theater Malborough zieht in den Krieg von Marcell Achard Insz. Erwin Kalser Wanderkarten L- Juergens Alexanderplatz Neue Königsir. Uhr: Krankheit der Jugend Komische 81% Uhr Oper 8, Uhr JAMES KLEIN'S gewaltiges neues Revue- Stück: Zich' dich aus! 200 Mitwirkende. Vorverkaut ab 10 Uhr ununterbrochen. Kottbusser Straße 6. Tel. Mpl. 16077 Täglich& Uhr Phantasien im Bremer Ratskeller Genrebild von Max Horst Unsere Käthe Posse von Oskar Klein Dazu das Mai Solo Programm. SCALA 8 Uhr Nollendor 7360 Paul Lincke sowie das internat. Varieté- Programm Sonnabends u. Sonntags te 2 Vorstellungen: 330 u. 8 Uhr- 30 zu ermäßigten Preisen das ganze Programm. PROSPEKTE AUSKUNFT durch die Brunnenvertriebs- AG SW61, Yorckstr 59 Bergmann 3536-3538 Zu beziehen durch sämtliche Apotheken und Drogerien, Norddeutscher Lloyd Bremen Schiffsverbindungen nach Nord-, Mittel- und SüdAMERIKA Ostasien/ Afrika/ Australien CANADA Vorzügl. Reisegelegenheiten in allen Klassen auf behaglich ausgestatteten Dampfern. Bequeme Unterbringung Hervorrag. Verpflegung u. Bedienung Reisegepäckversicherung Kostenlose Auskunft durch alle Vertretungen Berlin: Norddeutscher Lloyd, Agentur Berlin G. m. b. H.. Unter den Linden 1( Hotel Adlon). Fernspr. Zentrum 12 230 u. 12 231. F. Montanus, Generalvertretung des Norddeutschen Lloyd, Invalidenstr. 93( zwischen Lehrter und Stettiner Bahnhof), Fernspr. Norden 12 241 u. 7916. Weltreisebureau„ Union", Unter den Linden 22. Potsdam: E. Rössler, Brandenburger Str. 32 Berliner Theater Saltenburg- Bubnen Thalia- Theater Charlottenstr.90/ 91. Dönh.178 Ots. Künstler- Th. 81 Uhr: Rose- Theater Dresdener Str. 72-73 81, U. Ende geg. 11 Gr. Frankt, Str. 132 Täglich 8 Uhr Gastspiel d. Deutschen Th. 8 Uhr: Schwarz- Weiß Dyckerpotts Erben Der Prozes Hopfenraths Erben Mary Dugan