BERLIN Mittwoch 16. Mai 1928 Der Abend Erscheint täglich außer Sonntag 6. Bugleich Abendausgabe des Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 m. pro Monat. Redaktion und Erpedition: Berlin SW68, Lindenstr. 3 Spalausgabe des„ Vorwärts 66 10 Pf. Nr. 230 B 114 45. Jahrgang. Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeile 80 Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Bosscheckkonto: Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Deutschnationale fuchen Hilfe bei Preußen gegen den Rechtsblock. ,, Das alte Preußen ist tot." Braunsberg, 16. Mai. Der preußische Ministerpräsident Dr. Otto Braun sprach am Dienstag abend in Braunsberg. Gerade in Braunsberg, der Hauptstadt des katholischen Ermlands, müsse er so erflärte Otto Braun doch hervorheben, daß das Zentrum im Reiche die Bürgerblodpolitik der Deutschnationalen mitgemacht habe und infolgedessen auch dafür verantwortlich sei. Zurückzuweisen sei. der Versuch des Zentrums, die offenbar immer mehr im Zentrum als nicht angenehm empfundene Politik der letzten Reichsregierung auch auf die Verantwortung der Sozialdemokraten dadurch mitzuübertragen, daß man behaupte, die Sozialdemokraten hätten die Reichspolitik ja im Reichsrat mitgemacht. Der Reichsrat sei bekanntlich ein Länder- und kein Parteigremium. Das von den Deutschnationalen in den Wahlkampf geworfene Schlagwort vom fozialistischen Parteistaat Preußen" müsse schon deshalb als falsch zurückgewiesen werden, weil m der preußischen Regierung unter acht Minifiern nur zwei sozialdemokratische figen, die des öfteren im Kabinett überstimmt werden, auch bei den Instruftionen für die Reichsratsvertretung. Die Deutsche Boltspartei unterscheide sich kaum noch von den Deutschnationalen. Der Ministerpräsident entkräftete dann die Behauptungen der Deutschmationalen, daß die preußische Regierung für Ostpreußen nicht genug getan habe. Bisher habe er gegenüber solchen und ähnlichen Angriffen eine gewiffe Zurückhaltung geübt, jehe sich aber nun gezwungen, zu erklären, daß sehr oft prominente Mitglieder der Deutschnationalen Volkspartei in Privatbriefen gerade seine Hilfe für die Landwirtschaft angerufen hätten, auch jetzt, wo ein Deutschnationaler bereits Ernährungsminister sei. Kurz bevor ich jekt, so erklärte der Ministerpräsident weiter, aus Berlin abfuhr, bekam ich ein dringendes Telegramm aus Ostpreußen, worin meine Hilfe wieder angerufen wurde gegen die deutschnationale Reichsregierung, die sich soeben gegen die Durch führung eines Teiles des Ostpreußen- Notprogramms gewendet hat. Es handelt sich dabei um die bekannte Auslandsanleihe, die jegt unter günftigen Bedingungen aufgenommen werden sollte. Der Reichsfinanzminister der deutschnationalen Reichsregierung hat aber jetzt plötzlich seine Zustimmung zur Auflegung diefer Anleihe, die einen wesentlichen Bestandteil der ganzen Ostpreußenhilfe darstellt, verweigert. Ich soll nun diese Sabotage der deutschnationalen Reichsregierung verhindern. Ich kann hier nur erklären, daß ich mich auch in diesem Falle wie bisher für die ostpreußischen Wünsche einsetzen werde, und zwar mit meinem ganzen Einfluß. Aber leicht wird einem das Eintreten für Ostpreußen durch das Verhalten der tonangebenden Rechtsparteien in Ostpreußen nicht gemacht, zumal wenn man bedenkt, wie in den sogenannten Not fundgebungen über die Staatsregierung hergezogen wird. Es wird bei diesem Ansturm gegen die preußische Regierung immer verschwiegen, daß für die Wirtschaftspolitik das Reich verantwortlich Ausartung der Wahlpropaganda. Ochsen Wahit Nationalsozio stenste 10 Hitler zeigt den Weg nach Da Hitlerleute haben einen Bauzaun mit ihrer Hakenkreuzparole verunziert, die dann von anderen grob aber deutlich vervollständigt wurde. wohin man in Preußen sehe, sei eine sozialistische Miß wirtschaft, so müsse darauf hingewiesen werden, daß der Graf diese Behauptung schon mehrfach in der Deffentlichkeit aufgestellt babe, bisher aber immer den Beweis schuldig geblieben sei. Man könne sich aber gerade jetzt auf der internationalen Presseausstellung in Köln aus den dort ausgestellten preußischen Staatsdokumenten überzeugen, daß zum Beispiel im Jahre 1863 für die konservative Partei eine staatliche Unterstützung von nicht weniger als 200 000 Talern gezahlt worden sei, davon für Wahlagitation 73 000 Zaler. Das alte Preußen, das der konservativen Kaffe allein die ausschließ. liche Gewalt sicherte, ist tot und wird tot bleiben. Und wenn ich megen meiner Rede auf der Pressa angegriffen worden bin, so erkläre ich, daß ich dieses alte Preußen nicht geschmäht habe; denn das tue ich nicht. Ich habe mur darauf hingewiesen, daß das Preußen, das aus den dort ausgestellten Dokumenten spricht, abgelöst wurde durch ein Preußen, in dem die Pressefreiheit besteht. Ich habe als leitender Minister der preußischen Verwaltung nicht die Verpflichtung, das alte Preußen zu loben. Ich habe in den vierzig Jahren meiner politischen Tätigkeit mit allen Fasern diefes alte Preußen der polizeilichen Willfür und UnterKommunistischer Terror. Mostowitische Rowdys bei der Arbeit. Mit dem Näherrücken des Wahltermins nimmt das Rowdytum auf der Straße immer schärfere Formen an. In besonderem Maße sind es die Kommunisten und Roten Frontkämpfer", die auf Sozialdemokraten und Reichsbanner systematisch vorbereitete Ueberfälle verüben. Am Dienstagabend wurde eine fleine Gruppe Reichsbannerleute in den dunklen Straßen bes Oftens von einer 30 Mann starken, mit Stöden und anderen Schlagwaffen versehenen Kommunistenhorde überfallen und blutig geschlagen. Die Reichsbannerteute batten in einer BersammStraße, in der Polizeipräsident 3örgiebel gesprochen hatte, den lung der Sozialdemokratischen Partei in der Kleinen Frankfurter Saalschuß ausgeübt. Nach Schluß der glänzend verlaufenen Rundgebung marschierten zehn Reichsbannerleute in Bannerkleidung geschloffen durch die Markus- und Blumenstraße. Plötzlich ertönten an der Paul- Singer- Straße mehrere schrille Pfiffe. Im nächsten Augenblid lösten sich aus dem Dunkel der umliegenden ausflure etwa 30 Gestalten, die sich mit Stöden und Schlagringen auf die völlig lleberraschten stürzten. Es ent stand eine Schlägerei, bei der drei Reichsbannerleute er eintraf, flüchteten die Angreifer und entkamen leider. Barteifundgebung zu stören. Die Krafeeler fonnten jedoch bald zur Ruhe gebracht werden. Nach Schluß der Kundgebung besetzte eine größere Menge Kommunisten den Bahnhofsplatz. Die Polizei ist, in dessen Regierung während der letzten anderthalb Jahre die Deutschnationalen herrschten. Wenn aber bei diesen Notfundgebungen zur Steuerverweigerung aufgefordert wird, so geht das über das im Staatsinteresse zu Duldende hinaus. Der Staatsanwalt wird sich wohl mit solchen Aufforderungen und mit den Und Drohungen mit Gewaltmaßnahmen zu beschäftigen haben. wenn die Großgrundbesitzer erklärten, sie wollten auch ihren Landarbeitern höhere Löhne zahlen, so ist das als unwahr schon an der Tatsache nachzuweisen, daß ihnen das früher, als fie gewiß mehr verdient haben als heute, auch nicht eingefallen brudung befämpft, und ich würde mich selbst ins Geficht hebliche Berlegungen erlitten. Als das Ueberfallkommando Die Sozialpolitik dieser Herren kommt nur auf eine Irreführung der Arbeiter hinaus. Otto Braun zeigte dann die Leistungen der preußischen Regierung auf dem Gebiete der Landwirtschaft, der öffentlichen WohlBürgerschlagen, wenn ich es heute in amtlicher Eigenschaft loben wollte Die Rede des Ministerpräsidenten wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Auch in Karlshorst versuchten die Kommunisten eine fabutopflege und bann stellte benn feft. Das& a ait ber Bür Großes Schauspielhaus gegen Presse. mußte einireiten, um zwischenfälle zu verhüten und räumte die blodpolitit im Reich dagegen ist, wir die Zollpolitik eine erhebliche Berteuerung der Lebensmittel erlebten, daß die Mittel für Kinderspeisungen gestrichen wurden und dafür versucht pich, einen Bangertrenger zu bauen. Benn Graf Bestarp meine Warum die Flotte zerbrach. Berichte im Innern des Blattes. Das Berhalten der Kommunisten ist im Grunde genommen ein Eingeständnis, daß sie schon vor der Wahl ihre Sache für verloren und ausfichtslos halten Wahlfahrt zum Wahltag. Ulm, Grammophon und Lautsprecher im Dienst der Aufflärung. vle Wahlpropaganda aller Parteien nimmt immer * i• mehr einen technischen Charakter an. Alcht mehr nur öffentliche Versammlungen, Plakate und Flugblätter werden ' zur Aufrüttelung der Wähler benäht, jetzt kommen auch das Auto, das Kino, der Lautsprecher und da» Grammophon hinzu, hier und da wird sogar da» Flugzeug schon in den Wahldienst gestellt. Von einer wochenlangea Wahl fahrt mit dem Wohlauto durch da» rheinisch-westfälische Industriegebiet erhalten wir folgende anschauliche Darstellung. Starken agitatorischen Erfolg haben unzweifelhaft unsere grotzen K r a f t au t o m o b i l e, die mit Radio, Lautsprecher und Kineeinrichtung versehen sind. Eines dieser Wahlouto» begann mit seinen Filmvorführungen und Ansprachen an der holländischen Grenze in Gronau, fuhr durch das IndustrVzxbiet um Hamm und Dortmund bis in das Vergische Laad. Durch viel« Berg- arbeiterkolonien, an Zechen- und Fabriktoren, auf Marktplätzen nahm es Ausstellung gerade zu Zeiten des Schichtwechsels und des regen Stadtverkehrs. Wik Musik voran... Ein M u s i k st ü ck, von einer einfachen Grammophonplatt« durch den Lautsprecher wiedergegeben, läßt die Vorübergehenden aufhorchen, lockt Männer, Frauen und nicht zuletzt auch die Kinder aus den Häusern und Stuben. Mittels des Mikrophoirs hält der Ansager vom Führersitz des Autos eine kurz« Ansprache, legitimiert sich gewissermaßen vor den Umstehende erklärt den Zweck und die Absicht unseres Kommens und fordert zu fleißiger Arbeit auf, damit der 20. Mai ein Siegestag für die Sozialdemokratische Partei werde. Dann sprechen Lobe, Otto praun, wet», Hermann Müller- Franken. Marie Iuchacz oder andere unserer bekannten Führer von der Grammophonplatte durch den Lautsprecher zu den Versam- melten. Di« Reden werden unterbrochen durch Musikstücke und Gesangchöre: mit sozialistischen Weisen schließt die Kundgebung. In langsamer Fahrt geht es dann weiter zur nächsten Ecke, zun» nächsten öffentlichen Platz der Stadt. So werden täglich 15 bis 20 Versammlungen im Freien improvisiert, hunderte, in den Großstädten Tausende nehmen daran teil und hören die Mahnungen unserer Führer, am Wahltage unserer Partei ihr« Stimme zu geben. Die Wirkung ist gewaltig, denn der Lautsprecher ist aus nahezu einen Kilometer zu hören!/, Abends wird in Versammlungssölen oder Kinotheatern unser W a h l f i l m vorgeführt, nachdem am Nachmittag durch den Laut- spreche? diese Vorstellungen ncch besonders bekanntgegeben worden find. Auch auf Wählerversammlungen, die an dem Tag« abgehalten werden sollen, wird noch besonders durch den Lautsprecher aufmert- som gemacht. � Die Bevölkerung nimmt mit starkem Interesse an diesen Kund- gedungen teil, unsere Parteisreunde sind davon begeistert und Helsen besonders als Lotsen, die Autos durch alle Winkel der Arbeitersied- lungen und durch die engen Gassen der inneren Stadt zu führen. Einige rauflustige Hakenkreuzler, die mit giftigen Blicken die Kundgebungen oerfolgen, oder einige schwankende Kommunisten, die die Besatzung des Autos anpöbein. werden von der Bevölkerung und von unseren Genossen in Schach gehalten: ihr Verl)alt«n erhöht nm; den Reiz dieser neuzeitigen Wohlfahrt, die wesentlich zum Erfolg am 20. Mai beitragen wird. Der Lockeilehrling mit dem Tip. Wie Dumme darauf hineinfielen. Ewe aufregende Gerichtsverhandlung spielte sich heule in Moabit ab. Im korrido» werden die Zeugen von Krämpfen befallen, im' Gerichtssaal erzählt ein 2ZjShriger Iockellehrling seine v et rüg er ei en und muß plötzlich hinaus- geführt werden, weil er vor Ausregung sich übergeben muß. 52 Zeugen sind es. kleine verkäuserinneu. Schuhmacher- meister, Installateure, olles klein« Leute, die auf den Iockei- lehrling hineingefallen waren. G. ist ober in Moabit bereit» ein alter Vekannter. Im Iahre 1925 ist er wegen ähnlicher Betrügereien zu 1 Iahr 6 Monate Gefängnis ver- urteilt worden. Die Folge davon war nur eine noch größere Abgefeimtheit. G.'s Unglück war. daß er«inen Onkel, einen Trainer, hatte. So mußte auch er einer werden, koste, was es wolle. Als der Bater, ein Schriftsetzer, jetzt m angesehener Stellung in einem Zeitungsbetriebe— die Mutter ist Pensionsbesitzerin— ihn nach Beendigung der Gemeindeschui« in einen Papierladen gab. brannte der kaum Fünfzehnjährige den Eltern durch, ging noch Hoppe» garten, wo er befreundete Iockeilchrlinge hatte und wurde selbst Iockeilehrling. Eines Tages— die Lehrzeit war fast beendet— macht« aber der Unionklub den Trainer darauf aufmerksam, daß G.'s Vertrag von dessen Bater nicht unterschrieben sei. Der Trainer fuhr zum Vater, dieser blieb aber hart, und so konnte der Jockei» lehrling nicht Iockei werden. Wähnend der Jnslationsgeit befand sich G. im Austrage seines Vaters außerhalb Berlins. Im Jahr« 1924 kehrte er nach Berlin zurück, und bald darauf begannen auch fem« Betrügereien: da er nicht Jockei fein konnte, wurde er Buchmacher aus eigene Faust, und beschloß den ersten Abschnitt seiner Lausbahn mit einer Gefängnisstrafe von 1 Iahr 6 Monaten. Iin März 1327 verließ er das Gefängnis, wohnte anfangs bei den Eltern, fühlt« sich aber dabei nicht wohl, zog nach Hoppegarten und verfiel in sein altes Laster. Er knöpfte den Leuten Geld ab, um für sie zu wetten. In Wirklichkeit lobte er aber in Saus und Braus, da fein« Buchmachertätigteit ja seine einzige Einnahmequelle war. Vor Gericht erklärt er heute, daß der einzige Grund für seine Ve- trügereien seine kostspielige Geschlechtskrankheit gewesen sei. G. betrieb sein« Sache äußerst raffiniert. Er spielte auf die Sucht der Leute in leichter Weise zu„Geld zu machen". Bestellte sich eine Visitenkarte, aus der zu lesen stand:„E. Saalboch. Iockei, Hoppegarten", knüpfte vor Wettannahmestellen Bekanntschaften an, verschaffte sich Adressen von Leuten, gab fingierte Kausausträge, mietete Zimmer und Läden zur Einrichtung von Wettonnahme- stellen, überbrachte seinen Opfern Briese von Bekannten, er spielte bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung den Spender, um aus diese Weise Beziehungen anzuknüpfen, veranlaßte auch die vielen Damen, mit denen er freundschaftliche und sonstige Beziehungen unterhielt, zu wetten— benutzte mit einem Wort jede Gelegenheit zu seinen Betrügereien. So erbeutete er etwa 1200 bis 2000 Mark. Man begreift einfach nicht, wenn man hört, mit«elcher Leichtigkeit die Opfer aus den Schwindler hineinfielen. Filiolleiterinnen von Tabakläden, Zeitungsverkäufer an Kiosken. Schneider, bei denen er seine Anzüge reparieren ließ, ein Arzt, zu dem er seine er- krankte Bekannte führte— im Gerichtskorridor leistet er heute ärztliche Hilfe den Zeuginnen— oll« gaben G. Geld und erhielten statt dessen alte, gefälschte Wettscheine. Wenn es darauf ankam, setzte er zu der Zahl der Wettsumme einig« Nullen hinzu. Ja selbst die Wertgegenstönde nahm er seinen Klienten ab, um sie zu verpfänden oder zu verkaufen. Auch seine kranke Braut ver- schonte er nicht. Bor Gericht macht der Jüngling einen ziemlich jämmerlichen Eindruck. Allerdings behaupten einige Zeugen, daß er es nicht ge- wesen sei, der sie betrogen. Anscheinend treibt noch ein anderer Iockeilehrling ähnlichen Unfug. 66 Pilger ertrunken. SchiffckWafirophe im persischen Golf. London. IL. Mai. Itach einer Meldung der..Chicago Tribüne" aus Teheran stieß am Dienstag abend im Persischen Golf ein Segelschiff, auf dem sich 72 P i l g e r..darunter zahl» reich« Frauen, befanden, mit einem Dampfer zusammen. der ohne Licht fuhr. Da» Segelschiff sank innerhalb weniger Minuten.?tur vier Personen konnten gerettet werden. Die übrigen sind sämtlich ertrunken._ Die Erde bebt. In Kärnten treten Erdrisse auf. Am Nordabhang de» Petz« nb erg. Massto» sind groß« Erdrutsche erfolgt, die auf die andauernden Regengüsse der letzten Wochen zurückzusühren sein dürsten. Vielleicht stehen sie auch tm Zusammenhang mit dem Erdbeben in den Südalpen. Bei Feistrltz rutscht seit einiger Zeit ein Gelände von etwa drei Joch in die Tiefe. Seit 10 Tagen beobachtet«in dortiger Besitzer, daß starke Lärchen- Stämme samt der Wurzeln emporgehoben und dann unter ungeheurem krachen auseinander gerissen wurden. Unter der Erdober- fläche zeigt sich blauer Lehm und roter Sand, der angeb- lich von Steinkohlen durchsetzt i st. Ueberoll treten Quellen hervor und heben das Erdreich wursartig in die Höhe, während Stein- drocken im Umfoug?vn dmi RÜdtkmeter herabstürzen und im Schlamm versinken. Die Siedlung des erwähnten Besitzer» wurde von den Insassen bereits geräumt. „Zialia" auf der Aordpolfahrt. Die„Italia". die am Dienstag mittag um 1.20 Uhr in ktngsbay zu einer neuen Erkundungssahrt aufgestiegen ist. hat am Abend des gleichen Tages nach Rom folgende drahtlose Mitteilung gegeben: „Wir fahren seil 1l4 Uhr über Packeis. Seit iVi Stunden find wir in Bebel eingehüllt, wir sind infolgedessen lieser gegongen. so daß wir jetzt 150 Meier über dem Spiegel de» zugesrvrenen Meere» fliegen. Die Sichtigkeit wechselt zwischen 2 und 15 Kilo- meter. Es bietet sich uns ein prachtvolles Schauspiel dar. An Lord ist alles wohl." Kingsboy. 10. Mai. General Nobile Hot das Nordkap von Spitzbergen etwa nach ö Uhr passiert und flog in der Richtung aus da» Franz-Ioses»-Land. Wenn das klare Wetter anhält, wird Nobile zweifellos bis Lenin- »Land weiterfliegen, dos er im Laufe des heutigen Tages erreichen könnte. Später hat General Nobile folgende Botschaft an den itasicnischen Unterstoatssekretär der Lustsohrt Balbo gefuntt: Wir haben mit einem Gegenwind von etwa 30 Kilometer in der Stunde zu kämpfen, was unsere Geschwindigkeit auf ungefähr 20 Stunden- kilometer herabsetzt. Der Nebel Hot auf der Luftschisfhülle eine Eiskruste gebildet, wodurch das Luftschiff erheblich schwerer geworden ist. Sonst steht olles gut. Bisher wurde keine Spur von Land entdeckt. Das Ei» ist fester als beim Nordkap von Spitzbergen. Es scheint sich für einen Marsch wenig zu eigne«. Das Tagebuch von der Flotte. Sin Aeleidigungsprozeß in Moabit. Der Kapitän a. D. Fischer, ehemals Erster Offizier auf dem Linienschiffkreuzer„Dersfiinger", klagt vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte gegen den Verfasser des im Verlag Dietz Nochf. er- schienenen Buches„W arum die Flotte zerbra ch.", den christlichen Arbeiter Richard Stumpf und gegen den ver- antworttichen Redakteur der„Vossischen Zeitung", Dr. Misch. wegen öffentlicher Beleidigung. Fischer fühlt sich durch folgende Stelle des Buches gekränkt: „Auf der Schanze stehen zwei Posten mit Gewehr. Es soll da eine böse Sache vorgekommen sein. Der erste Offizier Max Fischer hat eine Tra cht Prügel erhalten, was bei uns große Genugtuung hervorruft, denn Max war früher bei uns an Bord und durch seine Ungerechtigkeit verhaßt. Der Haupttäter erhielt 18 Iahre Zuchthaus. Auch aus anderen Schissen ist ähnliches passiert. Ein Wunder ist dies wahrhaftig nicht! Wenn man sieht, wie verächtlich die Leute oft behandelt werden, kocht einem dos Blut." Der Angeklagte Stumpf legte auf Veranlassung des Vorsitzenden die Entstehungsgeschichte seines Buches dar. Er hatte bereit» in den letzien Tagen vor der SriegserNärung mit der Führung von Tagebüchern begonnen und sie während des ganzen Krieges bis zum Zusammenbruch forlgesehl. Als er in der„Rhein- Mainischen Zeitung", einem Zentrumsblatt, las, daß der Reichstag einen Untersuchungsausschutz gebildet habe, und daß dieser Ausschuß alle oussorderre, Feldpostbriese und Tagebücher aus der Kriegszeit vorzulegen, schickte er der„Rhein-Mainischen Zeitung" seine Tage» bücher ein. Durch Vermittlung des Zentrumsabgeordneten Ivo? wurde er darauf vor den Ausschuß als Sachverständiger geladen. Seine Tagebücher waren als ganz besonders wertvoll angesehen, da es die einzigen waren, die ununterbrochen während der gan'zen Kriegszeit geführt worden waren und von einem Angehöriger der Mannschaft stammten. Vor dem Untersuchungsausschuß erklärte Stumpf, daß er die Schuld am Zusammenbruch dem Lffizierkorps zuschreibe. Später wurde er aufgefordert, seine Tagebücher zu ver- öffentlichen. Der katholische Verlag in Frankfurt, in dem dia „Rhein-Mai uische Zeitung" erscheint, wollte aber nicht das Ge- schäftsrisiko übernehmen. Als dann der Zentrumsabgeordnet« Ivos an ihn nochmals mit dem Ersuchen herantrat, die Tagebücher doch zu veröffentlichen, tros er auf Vermittlung des Reichstagsabgeord- neten Dittmann eine entsprechende Vereinbarung mit dem Verlag Dietz. Hier erschienen sie auch mit großen Kürzungen. Stumpf erklärte, daß er damals allen Grund gehabt hatte, zu glauben, daß das Gerücht über den Vorfall mit dem ersten Offizier Fischer, von deren Richtigkeit sämtliche Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften überzeugt waren, den Taffachen entspreche. Daß darüber allgemein«Genugtuung geherrscht habe, halte er auch heute noch aufrecht. Der angeklagte Redakteur Dr. Misch erklärt seinerseits, daß es nicht nur da» gute Recht der Zeitung, sondern auch die Pflicht gewesen sei, gerade diese Stelle, die vom Untersuchungsausschuß des Reichstages als besonders charakteristisch für die klusl. die zwischen Offizieren und Wannschaslen bestand, gehalten wurde, zu veröffenl- lichen. Die Tagebücher des Angeklagten Stumpf erscheinen auch in der offiziellen Ausgab« des Untersuchungsausschusses. Und so ist es das Recht eines jeden, einzelne Stellen aus den Tagebüchern zum Abdruck zu bringen. Als die„Vossische Zeitung" sich vor dem Schiedsmann bereit erklärt habe, von dem Kläger Fischer ein« Be- richtigung entgegenzunehmen, habe dieser auf einer Bestrasung de- standen. Das Gericht versucht, Vergleichsverhandlungen herbeizuführen. Gerüsteinsturz im Aorden. Zwei Bauarbeiter schwer verletzt. Auf dem Gelände der städtischen Gasanstalt in der Sellerstr. 16/31 ereignet sich am Mittwoch vormittag ein Gerüstelnflurz, bei dem zwei vauarbelter schwer verletzt wurden. Die Feuerwehr schosfte die verunglückten in dos virchow-Srantenhau». In unmittelbarer Nähe der Gasometer wird zurzeit von der Industriebaugesellschaft ein Neubau aufgeführt, der schon ziemlich weit gediehen und von einer großen Baurüstung umgeben ist. Gegen>411 Uhr, als gerade eine mit Bausteinen beladene eiserne Lore über das Gerüst geschoben wurde, gaben plötzlich mehrere hölzerne Streben nach und ein Teil des Gerüste» flürzle krachend zusammen. Zwei Bauarbeiter, der 32jährige Steinträger Hermann Seidel aus der Kösliner Str. 2 und der 53jährige Maurer Fritz Mew, aus der Genther Str. 28 wurden mit in die Tiefe gerissen und unter den Hölzern begraben. Die zu Hilfe gerusene Feuerwehr befreite die Verunglückten aus ihrer entsetzlichen Lage und sorgte für ihre Uebcrführung in das Dirchow-Krankenhous. Seidel hat schwere Rllckgratverletzungen und Mews Kopf- und innere Ver- letzungen erlitten. Die Schuldsrage tonnte bisher noch nicht geklärt werden, doch besteht die Bermutung, daß die Rüstung für die schwere Belastung zu schwach war. Die Baupolizei ist mit der Untersuchung noch beschäftigt. Selbst Spanien für den Achtstundeniag! Pari». 15. Mai. Wie aus Madrid gemeldet wird, Hot die spanische Regierung beschlossen, dos Washingtoner Abkommen über den Acht- stundentag zu ratifizieren, doch hängt die Ausführung dieses Beschlusses von der Annohme des Abkommens durch Deutschland, England. Frankreich und Italien ob. « Es ist ziemlich blamabel für industrielle Großmächt« wie Deutschland und England, sich von dem Lande Primo de Rioeros beschämen zu lassen. Frankreich und Italien haben bereits unter den gleichen Bedingungen ratifiziert. Wann endlich wird man in der deutschen Republik so weit sein. Dr. Slrcsemanns Befinden ist nach wie vor ernst. Eine akut« L-bensgesahr besteht jedoch im Augenblick nicht, da die Nierentätig- lest heute vormittag wieder leicht ewgesetzt hat. Max Holz mit der Hundepeitsche. Gegen die Noie Hilfe! Die„Rot« Fahn«" sieht sich genötigt, einen Brief von Mox ch ö l z abzudrucken, von dem sie vermutet, daß er in sozialdemokra- tischen Besitz gelangt sei. Sie g-ht dabei von der falschen An- nähme aus, daß dieser Brief einem ehemaligen Sekretär der Roten Hilfc für einen Betrag von mehreren tausend Mark abgekauft worden sei. In diesem Brief vom LZ. März d. I. behauptet chölz, daß die R-ichsleitung der Roten Hilfe„die Wiederaufnahmekampagne in unsagbar widerlicher Weise sabotiert". Hälz droht, er werde sich von der Roten Hilfe öffentlich lossagen und, sobald er wieder freikomme, dem Hauptschuldigen Belke„mit einer Hundepeitsche das schmutzige Fell gerben". Aus dem Bericht der„Roten Fahne" geht hervor, daß diesem Brief Dcrhandlungen zwischen Holz und dem Beauftragten der Kommunistischen Partei Gölte folgten, die nicht ohne Erfolg blieben. Hökz schrieb dann, am 6. April,«inen weiteren Brief an Golk«, in dem«r diesem für seine Bemühungen dankte und der kommunistischen Parteileitung sein Vertrauen aussprach. Mit dieser Angelegenheit beschäftigt sich die„Rote Fahne" aus fast einer volley Seite ihrer heutigen Ausgabe, wobei freilich der allergrößt« Teil des Raumes mit Schimpfereien auf die Sozialdemo- krati« ausgefüllt ist. Dabei handelt es sich doch um nichts anderes als um eine innere Angelegenheit der KPD., in der die Sozialdemokratie vor der Deröffentlichung der„Roten Fahne" über- Haupt nichts unternommen hotte! Daß der Hölz-Brief gekauft worden ist, ist, wie schon gesagt, eine Erfindung der„Roten Fahn«". Wenn aber die sozialdemokratische Press«, wie die„Fahne" erfahren haben will, die Veröffentlichung des Briefes beabsichtigte, so kann die sittliche Entrüstung der„Fahne" über dies'« Absicht nur komisch wirken. Da es leider immer noch Arbeiter gibt, die den Moskauer Ratten'öngern nachlaufen, hat die Arbeiterschaft ein gewisses Jnter- eise daran zu erfahren, wie es in der KPD. zugeht. Als Dokument dieser wahrhast„brüderlichen" Zustände hatt'e der Hölz-Brief neben hundert anderen bereits veröffentlichten einen gewissen Wert. Aber daß kommunistische Führer sich gegenseitig in der ungeheuerlichsten Weise beschimpfen und mit Prügeln bedrohen, ist(eine neue Entdeckung. Auch die blödsinnigen Lügen der„Fahne" über die Stellung der Sozialdemokratie zur Amnestie und zur Wiederaufnahme i m F a I l H ö l z können auf einigermaßen unterrichtete Leser keinen Eindruck machen. Die Sozialdemokratie hat in dem militärischen Führer des sinnlosen mitteldeutschen Aufstandes nie einen„Helden der Revolution" gesehen, stets aber doch einen Mann, der mit unge- rechter Härte— auch für Taten, die er n i ch t begangen— bestraft worden ist. Deshalb hat sie sich stet» für Wiederausnahme oder Amnestie eingesetzt. Allerding» war sie nicht der Meinung, daß die Fememörder und die Arensdorfer Totschläger mit- amnestiert werden sollen. Wenn Hölz, wie wir hoffen, in absehbarer Zeit wieder frei- kommt, so wird er das ganz gewiß nicht der völlig ohnmächtigen KPD., sondern nur der Sozialdemokratischen Partei verdanken. Die Sozialdemokratische Partei will das schwere Unrecht, das durch die ungleichmäßige Behandlung der Rechts- und Links- Putschisten entstanden ist, wieder gutmachen. 3e stärker die Sozialdemokratische Partei in den Reichstag und in den Landtag zurückkehrt, desto besser werden die Aussichten für die Wiedergutmachung geschehenen Anrechts. Darum gibt der politisch denkende Arbeiter nichts aus da» Geschrei kommunistischer Hanswurstr, sondern wählt am 29. Mal Äste 1. Theaterkapital gegen Pressefreiheit! Das Große Schauspielhaus aus dem Kriegspfad gegen die Kritik. Wahlhilfe für Kranke. Oie Arbeiter-Eamariter am Werk. Um Gehbehinderte und Kranke zu ihrem Wahlrecht zu ver- helfen, richtet die Kolonne am Tage der Wahl über Groß-Berlin nachstehende Wachen ein. Die Transporte sind kostenlos. Mitte: Leibniz-Gymnosium, Mariannenplatz. Tel. Moritz. plotz 7606.— Tiergarten: Lokal Lausch, Bredow- Ecke Wiekes- straffe, Tel. Moabit 7367.— Wedding: Lokal Sellin, Schul- slraße 12, Tel. Moabit 165.— Prenzlauer Berg: Lokal Zundel, Kastonienallee Z9/Z0, Tel. AIneta 590,— Friedrichs- h o i n: Lokal Groß, Palisadenstraße 77.— Kreuzberg: Lokal Buhr, Blücherstraße 38, Tel. Hasenheide 8734.— E ha rl o t t e n- bürg: Jugendheim, Rosinenstrahe 4.— Spandau: Lokal Supke. Lutherplatz. Tel. Spandau 2435.— Schöneberg: Lokal Rosenthal. Ebersstraße 66, Tel. Stephan 2932.— Steglitz: Lokal Schmidt, Roonstraße 39, Lichterselde-West, Tel. Steilen- stach 0524.— T e m p e l h o f: Lokal Lindisch, Marlendorf, König- straße 44. Tel. Südring 175.-"Neukölln: Lokal Schilling, Kirch- Hosstraße 41, Tel. Neuk. F 2(1607).— Treptow: Lokal Themann, Wildenbruch- Ecke Graetzstraße, Tel. Moritzplatz 12 898.— Adler»- hof: Lokal Ziege. Bismarckstr. 29, Tel. Adlershof 196.?— Köpenick: Lokal Etippekohl. Schönerlindee Straße 5, Tel. Köpenick 607.— Friedrichshagen: Lokal Hoppe, Iriedrichstrahe 121, Tel. Friedrichs Hägen 404.— Lichtenberg: Lokal Heer«, Weser- straße 20, Tel. Andreas 3372.— Pankow: Lokal Ezylka, Berliner Straße 118/119.— Reinickendorf: Sportplatz. Reinickendors-West. Scharnweberstraße. Tel. Reinickendorf 3468; Fichteplatz am Schäfersee. Tel. Reinickendorf 394.— Hermsdors: Turnhalle, Roonstraße, Tel. Tegel 3076.— W e i ß e N s e e: Lokal Stärke. Charlottenburger Straße Ecke Tassostraße. Tel. Weißen- see 377. Wenn möglich, wird gebeten, schon jetzt Meldungen an die Zen. trale, N. 24, Große Hamburger Slraße 20. Tel. Norden 3340. ge- langen zu lassen. Dort ist die Zentrale auch am Wahltage zu treffen.» Das heutige Revuetheater läßt sich als Geschäftstheater in Reinkultur bezeichnen. Von ernsthaften künstlerischen Bestreiun- gen ist kaum noch die Rede. Durch Glanz, Ausstattung, Star- besetzungen und äußere Effekte suchen die Revuetheater große Massen anzulocken, deren Eintrittsgelder ihre Kassen füllen. Mit diesem Kunstamerikanismus geht der Gcschäftsamerikanismus Hand in Hand. Am 3. Mal erschien im„Abend" ein« Besprechung der von Charell zur Revue ausgewalzten Schubert-Opereüe„Das Drei- mäderlhaus" aus der Feder unseres Mitarbeiters Klaus Pringsheim. In energischer und würdiger Weise wurde hier gegen die an dem großen Komponisten begangene Leichenschändung Protest eingelegt. Daß es sich nicht etwa um ein«inseitiges ge- hässiges Herunterreißen handelte, geht daraus hervor, daß unser Kritiker da» wenige Lobenswerte, die Leistungen einzelner Schau- spieler, wie die von Ernst Stern besorgte Ausstattung durchaus rühmend hervorgehoben hatte. Sein Gesamturteil über die ganze Art der Revuemacherei konnte freilich dadurch nicht ge- ändert werden. Selten hat eine Kritik so freudigen Anklang gefun- den und uns so viel Zustimmung eingetragen wie diese. � Weniger entzückt, was wir begreifen, war man im Großen Schauspielhaus. Man sann auf Rache und fand sie. Nachdem die Annoncenagentur de» Großen Schauspielhauses, der„Esra-Verlag", durch ein Telephongespräch sich hatte bestätigen lassen, daß der „Abend" die Nachmittagsausgabe des„Vorwärts" ist, erfolgte prompt durch eingeschriebenen Brief vom S. Mai die Abbestellung der für die Revue laufenden Anzeigen im„vorwärts". Wir werden diesen Verlust verschmerzen, aber der Fall hat für die gesamt« Press« große prinzipielle Bedeutung. Offenbar fassen gewisse Geschäftsbühnen ihre Anzeigen als B e- lohnung für lobende und gefügige Rezensionen auf. Reißt dieser Amerikanismus erst einmal ein, dann wird mit Geschwindigkeit daraus ein Korrumpierungssystem schlimmster Art entstehen, das die Freiheit und Ehrlichkeit der Theaterkritik in Frag« stellt, wenn nicht die gesamte Presse geschlossen dagegen Front macht. Von der Entziehung eines Inseraten- auftrags wegen ungünstiger Besprechung ist nur ein kleiner Schritt bis zur Abstufung der Inseratenaufträge, je nach Größe der in der Kritik erteilten Lobsprüche. Soll die Presse der Belehrung und Urteilsbildung, nicht der plumpen Täuschung des Publikums dienen, fo muß dieses System der Inseratenvergebung je nach Ausfall der Kritik in feinen Anfängen bekämpft werden. Die politisch und gewerkschaftlich organisierte Arbeiter- f ch a f t hat jedenfalls ein positives Interesse daran, ein Unter- nehmen nicht mit ihren Eintrittsgeldern zu unterstützen, das durch finanziellen Boykott der Arbeiterpresse eine unbefangene Kritik der gebotenen Leistungen unmöglich machen will. Die Arbeiterschaft legt mit Recht Wert darauf, durch ihre Organe aufrichtig und ohne jedes Neben- intereffe darüber informiert zu werden, ob eine Darstellung das aufgewendete Eintrittsgeld lohnt oder nicht. Schließlich dürfte es zu Zweidrittel Arbeiterpublikum sein, das die oberen Ränge des Großen Schauspielhauses füllt. Der„Vorwärts" und der „Abend" werden es stets für ihre vornehmste Pflicht erachten, ihren Lesern eine unbeeinflußte und unbestochene Mei- n u n g über alle Theaterdarbietungen zum Ausdruck zu bringen. Mit der gleichen Selbstverständlichkeit aber werden unsere Leser den Charakter von Unternehmungen zu beurteilen wissen, die durch Inseratenboykott eine Berfälschunz des öffent- liehen Urteils über ihre Darbietungen herbei- führen möchten. Die Sache hat noch eine beforÄers interessante Seite: Zwischen der Revue des Großen Schauspielhauses und dem Berliner Rundfunk spinnen sich allerintimste Fäden. Dreiviertel der Reklame für den Masserrbejuch wird durch den Rundfunk und seine Zeitschrift besorgt. Der Rundfunk aber ist eine öffentliche Einrichtung, und wir möchten gern erfahren, wie man in den leitenden und aufsichtführenden Znstanzen diese» öffentlichen Znstiluts über die Begünstigung eines Unternehmens denkt, dos mit kapitalistischen Zwangsmethoden auf die Pressefreiheit einzuwirken sucht. Wir werden den Kampf, den uns das Geschäftsgebaren der Charcll-Revue aufnötigt, mit aller Energie aufnehmen und ihn vor die berufenen Organisationen der Presse bringen. Wir wissen uns eins mit allen anständigen Menschen, wenn wir die Freiheit der Kritik und der öffentlichen Meinung gegen ein llberwucherndez Geschäfts- theatertum verteidigen. Die spritzigste Revue. Erstaufführung in der Komödie. Als Marcellus Schiffer in einem kleinen Theater seine erste Revue herausbrachte, wußte die Kritik sofort, daß hier eine Begabung erstanden war mit der Kunst, der immer mehr verflachten Revue neuen Atem einzublcfen unv sie auf ein höheres Niveau zu he>ben. Dabei verzichteten seine Miniahirrevuen auf den kcftspieiigen Pomp, den die anderen auf die Inszenierung von Paradeschauen verwandten. Das war-feine besondere Leistung. Inzwischen hat Schiffer verschieden« kleine Revuen geschrieben, nicht mit dem Erfolg der ersten. Aber gestern ist ihm in der Komödie ein ganz großer Wurf gelungen. In den 22 Bildern seines Spieles im Warenhaus„Es liegt in der Luft" sprüht soviel Witz, soviel Uebermut, ja soviel Geist, daß man gar nicht dazu kommt, sich zu sragen, cd durch diese Revue der Faden einer Handlung geht oder nicht. Der Autor— oder sagen wir ruhig, der Dichter— verhohnepipelt liebenswürdig und ohne Gehässigkeit, überlegen und mit Esprit, die kleinen Sorgen, die das Leben von Berlin W. be- herrschen: die Schminkkultur, die Amüsiersucht, die Kauflust in Aus- verkaufen, ja selbst die sexuell überspitzte Theaterkunst au» Rein- Hardts eigenen Theatern. Das sind Bilder aus der Zeit. Hier sind die Nichtigkeiten der blasierten Ueberzivilisotion verulkt und Ihri- Dekadenz. Marcellus Schiffer beleuchtet Alltägliches, Gedanken, die jedermann kommen. Und darin liegt der Erfolg der Revue: der Ulk Ist nicht an den Haaren herbeigezogen. Aktuelle Politik ist nur gestreift. Aber wo er sie anbringt, macht er es mit Grazie, Ueber- zeugung und Gesinnungstüchtigkeit. Die entzückenden Bilder hat Förster Lorrinoga mit unnachahmlichem Schmiß inszeniert. So hat noch nie eine Revue geklappt, kein toter Punkt, eine Augenweide und ein Ohrenschmaus. Ohrenschmaus— Mischa Spoliansky Hat sich mit seiner Musik selbst übertrosfen. Di,(Echinger werden bald in ganz Berlin ertönen. Ein aufreizender Rhythmus reißt Darsteller und Zu- schauer mit. Der Komponist malt mit seinen Tönen. Beim Hund«. bild jault die Musik, die Baßstimmen verüben einen zum Quietschen komischen Ulk. Eine einzige Varietenummer ist eingefügt, der Tänzer Louis Douglas. Diese Nummer wiegt zehn andere auf. Douglas ist ein« männliche Iofephine-Baler-Figur. Seine grotesken Tänze elektrisieren die Zuschauerschafi. Der Beifall will kein Ende nehmen. Alle haben ihn verdient. Der urkomische Otto Wallburg. der reizende Oskar Karlwejß und die Damen Marlene Dietrich. Marge Lion und die in allen Sätteln der Groteske gerechte Käte Lenz. Ernst Oegnar. „Casanovas Crbe." 2. Teil. Capilol. Casanovas Erbe? Nein. Dieser kleine Hochstapler, der di« Frauen um ihr Geld betrügt und die Liebe benützt, um durch sie Geschäfte zu machen, ist alles andere alz ein Erbe und Nachfolger Casanovas. Gewiß, der alte Casanova war auch ein Hochstapler. Er hat mit allem Geschäft« gemacht, nur mit der Liebe nicht. Aber di« Manuskriptverfasser haben wohl den Titel auch nur gewählt, um ihrem Film ein etwas höheres Niveau zu geben. Ein junger Geiger lernt nachts In dem Amüsieretablissement, in dem er angestellt ist, einen verkrachten Leutnant und Baron kennen, der wegen Falsch- spielerei nach Amerika auswandern will und sein letztes Geld an ihn oerspielt. Der Geiger erbt von ihm sogar seine Papiere und geht auf Hochstapelei. Eine jung« Försterswitwe bringt er um ihre Ab- findung und tritt in Beziehungen zu einer Gräfin, der er angeblich ihr Gut abkaufen will. Hier verliebt«r sich nun wirklich und mächte zurück, aber die Gräfin läßt ihn nicht los, da er ihr zweimal im Leben in gefährlichen Situationen wichtige Dienste geleistet hat. Ais er ihr alles gestehen will, läßt sie ihn nicht zu Ende reden. Schon ist die aristokratische Gesellschaft zur Verlobung oersammelt, als im letzten Augenblick durch den Jungen der um ihr Geld be- trogenen Witwe der Hochstapler entlarvt wird. Ein alter Der- ehrer der Gräfin springt für sie ein und verkündet sich als ihren Berlobten. Man fragt sich, wo bleibt hier der Geist und die Ueber- legenhcit eines Casanova, der mit der aristokratischen Gesellschaft seiner Zeit ganz anders umzuspringen wußte. Dabei hat der Fall Domela doch erst kürzlich bewiesen, was auch heute noch möglich ist. Aber den Manuskriptleulen ist der Mut vorzeitig ausgezanzen, sie biegen die Geschichte ins Sentimentale und Moralische um. Manfred Noa läßt in seiner Regieführung dos Tempo missen. Er geht sehr breit und umständlich vor. Als Einlagen serviert er interessant aufgenommene Tänze und ein« Paforcejagd. Da der Film im Gesellschaftlichen stecken bleibt, gibt er den Darstellern kallm größere Gelegenheiten._—i" Rod La Rocque— Oer Banbii. Titania-palast. Cecil B. de Miltes übernahm die künstlerische Oberleitung. um Rod La R o e q u e al» Banditen vorzustellen. Und Rod La Rocque, dieser schöne Mann und Schauspieler, von ganz bedeuten- dem Können, muß sich vorerst in einem englischen Klub furchtbar langweilen, weil er in der so vornehmen Gesellschaft beim allerbeste» Willen kein Abenteuer erleben kann. Schließlich verdingt er sich bei einer militärischen Schutztruppe, erlebt wüste Abenteuer al» Soldat und als Bandit und kehrt heim als gesitteter Ehemann. Die Bekehrung des Weiberfeindes ist glaubhaft, da Lupe Bclez sich einem solchen Gegenspieler wie Rod La Rocque gewachsen zeigt. Sllle anderen Erlebnisse sind aber, trotz prächtigster Bilder aus der Vogelperspekttve— die gewiß Anreiz zur Nachahmung bieten— und vorzüglicher Großaufnahmen unter Donald Crisps Negis, nicht einwandfrei erzählt. Die Spannunzsinomente z. B. sind zu gewollt schaurig: auch bemerkt man mitunter im rein Landschaft- lichen da» vergebliche Bemühen, malerische Motive ins Filmische zu übersetzen. Bei dem ganzen Film verspürt man natürlich Cecil B. de Mille»' Einfluß, aber er gefällt sich in einem VIrtuosentum, das kalt läßt. Darum beansprucht dieses Werk keine besondere Auf. mertsamkcit. Auf der Bühne ist Francis Dorni mit feinen Mufikdar. bietungen eine wirklich große Attraktion. Ernst Petermann aber, der sich bescheidenerweise„Deutschlands bedeutendster Humorist" nennt, bemüht sich krampfhaft und vergeblich, oll« Ka- mellen aufzuwärmen e. b. BEISPIELLOS Ist die Reichhaltigkeit der Ausstellung DIE ERNÄHRUN DEM INHALT DER VIER HALLEN: Det durchsichtige Mensch— Anahmit, Physiologie der Ernährung— Der Bauch von Berlin— Die Entstehung der Nahrung— Das Mahl der Völker— Die Schredcenskammer der Kriegsersatxnahningsstoffe— Das Wunder des Laufenden Bandes in zahlreichen Nahrungsmittelfabriken in Betrieb Der Badeofen der 20 000 Brote— Die Fisdierei---- Das Früchte-Restaurant— Die Verpflegung der Wehrmacht— Die große Sonderschau»Die Milch* mit Musiersfallung— Die Welt der Hausfrau— Küchen und Haushaltssdtulen in Betrieb— Die tägliche Kost der Familie— Der große Reis-Iempet— HINTER DEN FU N KTUR M• OA R 1 E N-T E R RAS S E N: Landwirtsdiaftlidie kersuchsfeldet— Kleinvieh(Geflügel, Kaninchen, Ziegen, Schweine) in Musterstallungen usw. usw. AM HIMMELFAHRTSTAG. SONNABENDS UND SONNTAGS: 9 BIS 9 UHR(EINLASS BIS S UHR). WERKTAGS: 9 BIS 8 UHR Eintritt! I.SO MR., Jugsndi, 0.7« MR.» FamilionRsrtsn Utr 3 Crwachson* und 2 Jusendl. od«r 3 Erwachsan« nur 8.30 MR., Zuaatz-KlndarRarte 0.2« MR. AM KAISERDAMH Dem Wahltag entgegen! Die geftrigen Kundgebungen der Sozialdemokratie. Das überaus ftarke Interesse, das die Werbeveranstaltungen| die Urne geholt werden, damit die Sache des Volkes im Reichstag der Sozialdemokratie in den breiten Massen der Wählerschaft durch eine mächtige Sozialdemokratie vertreten ist. finden, ist ein Beweis dafür, daß die Sozialdemokratie auf der ganzen Linie marschiert. Ueberfüllte Versammlungen, Massenzüge durch die Straßen so lauten die Meldungen, die uns vorliegen. In einem der größten Säle Berlins, in der Neuen Welt, Hasenheide, veranstaltete die Neuköllner Sozialdemo: fratie eine Massenkundgebung von gewaltigem Ausmaß. Der Gaal faßt 3500 Personen. Er war nicht nur bis auf den letzten Plaz besetzt, Hunderte standen in den Gängen. Bereits um 8 Uhr mußte die Polizei den Saal schließen. Es sprach der Vorsitzende des Holzarbeiterverbandes, Tarnow, immer wieder von Beifall unterbrochen, glänzend war die Abrechnung mit der derzeitigen Regierung. Neukölln ist eine Hochburg der Sozialdemokratie! Eine imposante Wählerversammlung gab es im dicht gefüllten großen Saale des Gewerkschaftshauses. Erich Kuttner sprach in anderthalbstündigem Vortrag. Seine Ausführungen wurden sehr oft durch zustimmende Rufe unterbrochen. In der Aussprache unternahm es ein blondgelockter Jüngling, die Tiraden der KPD. Dorzutragen, zum Gaudium der Zuhörer! In Halensee endete in den Florasälen ein Umzug, den die Sozialdemokratie vom Tiergarten und aus Wilmersdorf unter starter Beteiligung des Reichsbanners unternommen hatten. Hier sprach Otto Meier vor einem Massenpubl um. Mit der ihm eigenen Schärfe fand er die Worte, die korrupte Politik der Rechtsparteien zu fennzeichnen. Die Frauen des. proletarijchen Berliner Nordens stehen zur Sozialdemokratie. Das bewies der Massenbesuch der gestrigen Wählerinnenkundgebung in der Löwenbrauerei am Wedding, in der Clara Bohm- Schuch in überzeugender Rede Darlegte, warum die Sozialdemokratie von den Frauen erwartet, daß sie am 20. Mai nur ihr die Stimmen geben. Aufmerksam lauschten die Frauen, und der brausende Beifall bewies, daß hier tein Agitationsfeld mehr für die linke und für die rechte Reaktion vorhanden ist. Daß die Jugend gewillt ist, am 20. Mai mit der Sozialdemo= fratie zu gehen, bewies so recht die gestrige Jungwählerver= sammlung in den Prachtsälen des Ostens, Frankfurter Allee. Referenten des Abends waren Stadtschulrat Löwenstein und der Jugendsekretär Bruno Lösche. Löwenstein hielt scharfe Abrechnung mit den Reaktionären von rechts und links. Lösche schilderte die Befreiungsarbeit der Sozialdemokratie für die bedrückte Jugend. Im überfüllten Saal der Schultheiß Brauerei in der Lichterfelder Straße am Kreuzberg sprach Stadträtin Klara = Weŋl. Unter gespannter Aufmerksamkeit gab Frau Beyl ein lebendiges Bild der skandalösen Mißwirtschaft des Bürgerblocks. Am 20. Mai muß auch der letzte Mann und die letzte Frau an Puddingpulver kl. Pakef gr. Paket Gelee- Speise mit Himbeer-, Erdbeer- od. Wald-( 4-5 Port.)( 8-10 Port.) meistergeschmack Vanille- Krem- Speise Rote Grütze Mandelspeise, mit besten gehackfen Mandeln Altdeutscher Pudding mit Rosinen, Korinthen, Mandeln Schokoladenspeise, allerfeinste Vanillinsoße. Fruchtsäfte 25 .20.30 .35 -.45 .25 -.05 .45 .45 kl. Fl. gr. Fl. Himbeersaft, mit 65% Raffinade eingekocht 1.- 1.80 Kirschsaft, aus sauren Weichselkirschen, mit 65% Raffinade eingekocht. • 1.- 1.80 CARL TAMASCHKE Berlin SO 36, Dresdener Straße 121-123 Besonders schön gestaltete sich die Abendversammlung in Tege 1, die von vielen Hunderten Teilnehmern besucht war. Nach einleitenden Gesängen der Polyhymnia sprach, vielfach von reichem Beifall unterbrochen, Rechtsanwalt Dr. Klee über die Bedeutung des Sozialismus für den einzelnen, für die Familie, für das Land und die europäische Staatengemeinschaft. In der Schulaula Kleine Frankfurter Straße fanden jehr viele feinen Einlaß mehr, als Polizeipräsident 3örgiebel unter stürmischem Beifall zu den Berliner Wählern sprach. Zahlreiche Mitglieder der Polizeibeamtenschaft waren erschienen, um den Berliner Polizeipräsidenten zu hören: Wahlrecht ist Wahlpflicht, und wenn wir die Taten der Parteien prüfen, dann geben wir unsere Stimme der Sozialdemokratie!" 21 Die Sozialdemokratische Partei 3ehlendorf veranstaltete am Dienstagabend eine große Wahlfundgebung, die den ganzen Ort auf die Beine brachte. Aus der Großsiedlung marschierte unter Vorantritt einer Reichsbannermusikkapelle und eines Tambourforps mit Das fetteste Schwein. zahlreichen roten Fahnen ein imposanter Zug von Parteimitgliedern, Männern und Frauen sowie von Jugendlichen und Kindern durch die Villenstraßen und endete im Lindenpart, wo der Reichstags= abgeordnete Kurt Heinig sprach. Er zeichnete die Situation, besonders die wirtschaftspolitische, überzeugend fachlich und diente den Gegnern mit treffsicherer Ironie. Es fonnten eine große Anzahl Beitrittserklärungen zu der Partei entgegengenommen werden. Der Abend war ein großer und meitreichender Erfolg. Die Bezirke Schöneberg- Friedena u veranstalteten einen Werbeumzug durch den Friedenauer Bezirk. An allen Straßenecken des lebhafteren Verkehrs wurden die Genossen mit lebhaften Frei- Heil"-3urufen von den Bassanten begrüßt, gewiß ein erfreuliches Zeichen, daß auch in den westlichen Bororten die Vorherr schaft der Reaktion zurückweicht. Auf dem überfüllten Lauterplaz hielt Stadtverordneter Lempert eine zündende Ansprache. Die Hungerlöhne der Putzmacherinnen. Nach den bisherigen Tarifen verdienten die Buhmacherinnen nach mindestens zwölfjähriger Branchentätigteit monatlich 116 M., in Geschäften der höheren Klasse 128 M. Diese Beträge wurden aber auch erst seit der Lohnerhöhung vom 1. April 1927 gezahlt. Der Deutsche Hutarbeiterverband forderte jezt Lohnaufbesse= rungen für die im Putzeinzelhandel Beschäftigten. Die Unternehmer erklärten sich„ grundsätzlich“ dazu bereit, wenn die Lehrlinge aus dem Tarifvertrag, herausblieben. In einer Versammlung, die der Deutsche Hutarbeiterverband einberufen hatte, wies der Referent Vetter darauf hin, welche Gefahr es für die Puhmacherinnen bedeute, wenn der Lehrlingszüchterei im Puggewerbe nicht durch deutliche Tarifbestimmungen das Handwerk gelegt werden kann: eine Fülle schlecht bezahlter und ungenügend ausgebildeter Arbeiter würde das Lebenshaltungsniveau der Buzmacherinnen immer weiter herabdrücken. Der Deutsche Hutarbeiterverband hat daher den Lohntarif für den Puzeinzelhandel zum 31. März 1928 gefündigt. Der Redner betonte, daß nun bis zum Abschluß eines neuen Tarifes die gesetzlichen Bestimmungen Geltung haben. Das ist 11. a. bei der Leistung von Ueberstunden zu wissen wichtig, da jetzt jede Ueberstunde mit 25 Proz. Aufschlag bezahlt werden muß. Für die Verkäuferinnen im Bußhandel gelten jetzt die Tarife des Einzelhandels, die zurzeit zum Teil nicht unerheblich höher sind als die des Putzhandels. Ein Minister wegen heimlichen Affienkaufs mit Staatsgeldern verurteilt das ist nicht einem Phö bus minister, sondern dem früheren türkischen Handelsminister Djenani Ben widerfahren: 1 Monat Gefängnis und 170 000 Pfund Buße. Der Heidelberger Ehrendoffor Botschafter Schurman ist auch zum Ehrenbürger von Heidelberg, wo er einst studierte, ernannt worden. Auf der Mastviehausstellung im Berliner Zentralviehhof, Berantwortlich für die Redaktion: Eugen Prager, Berlin: Anzeigen: Th. Glođe, die jetzt eröffnet ist, wurde dieser Schweinekoloß von zehn Zentnern mit dem ersten Preise gekrönt. * Berlin. Berlag: Vorwärts Berlag G. m. b. H., Berlin. Drud: Vorwärts Buch druckerei und Verlagsanstalt Paul Ginger& Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Sierzu 1 Beilage. Brauringe Juwelen Uhren Gold- und Silberwaren 1 Dukaten, Rm. 14. 20.80 11/2 " 17 2 28. 27 585 Gold von 6.- an 25 333 3.50 " 39 23 " Reparaturen in eig. Werkstatt.[ G. 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Wer aber den alten Genossen schon um neun Uhr am Schreibtisch sitzen sieht, wird gern glauben, daß es ihm recht schwer geworden ist, dem Rat seines Arztes zu solgen und nun end- gültig auf die parlamentarische Tätigkeit zu verzichten. Untätig ist er freilich darum nicht: Gerade jetzt arbeitet er an dem zweiten Bande seiner Memoiren, der demnaätz't erscheinen soll. Und zwischendurch schenkte er mir noch eine Stunde, in der er von den alten Zeilen erzählte, den Zelten, in denen die„Wahlpflicht" noch als ein Recht empfunden wurde, so sehr, daß es in industriellen Gegenden Arbeiter gab, die an der öffentlichen Stimmabgabe sogar noch eine besondere Freude hatten,„denn nun konnten sie mal richtig ihre Meinung sagen!"... Freilich, es gab in den damaligen Parteikämpfen auch schon Erscheinungen, die ein fatales Vorspiel heutiger Zeit waren, und so erzählt Eduard Bernstein von den Kämpfen zwischen den Laffalleanern und Eisenachcrn, die manchmal nicht weniger erbittert waren, als die heutigen Kämpfe mit den Kommunisten. Die Geschichte von Luckenwalde. Besonders schön ist die Geschichte von der Wahlagitation in Luckenwalde. Luckenwalde-Iüterbog-Zauch-Belzig war ein RiesenwaHltreis vor den Toren Berlins, einer jener Kreise, in denen die sozialdemokratischen Stimmen der kleinen Landstädte immer wieder von den SUmmen des platten Landes erschlagen wurden. Trotzdem: Eine so brave kleine Stadt, wie Luckenwalde, in der von den 200l> Wählern 1500 sozialdemokratisch stimmten, durfte nicht unbearbeitet bleiben, und so ging Eduard Bernstein, damals ein Jüngling mit lockigem Haar, 1871 hoffnungsfroh zur Wahlagitation nach Luckenwalde. Ach, die erste Versammlung war eine Pleite! Freilich war der Saal gefüllt, aber nicht mit dem Publikum, das man erwartet hatte! Ein Parkett von Königen— wenn auch Lucken. walder Formats— harrte des Redners, die oberen Zweihundert von Luckenwalde hatten sich„den Zauber auch mal anhören wollen", während die Arbeiter sich nicht recht hereingetraut hatten, denn man war unüberlegterweise ins„Schützenhaus" gegangen, und das Schützcnhaus war nun einmal das Lokal der guten Gesellfchast. „Run," so erzählt Eduard Bernstein,„ich warf den versammelten Respektspersonen von Luckenwalde mein« Wahlrede an den Kopf. und dachte sicher nicht, in dieser Versammlung einen Opponenten meiner lassalleanischen Bruderpartei zu finden. Aber falsch gedacht! Sogar hier stand einer auf, der sich verpflichtet fühlte, den Anwesen- den auseinanderzusetzen,„daß der Redner ja ganz schön gesprochen l)cibe— aber ein richtiger Sozialist sei er nicht, er sei einer von den „Ehrlichen"— nur sie, die Lassalleaner, seien die richtigen Roten!" Ich war nicht sehr beunruhigt, denn diesem Publikum war unser Bruderzwist sicher ziemlich gleichgültig: einen unserer Parteifreunde aber ärgerte der Lassalleaner sürchterlich, und so sprang der kleine Kerl, ein sächsischer Maschinenbauer, auf und schrie entrüstet im schönsten Sächsisch in den Saal:„Gloom Se dem nischt, meine Herrschaften, mir sin noch ville reeter!" Trotzdem dieser Zwischenruf unserer Versammlung zu einem von uns gar nicht gewünschten Heiterkeitserfolg verhalf, schien sie doch die Honoratioren von Luckenwalde gewaltig geärgert zu haben, der Bürgermeister begann höchstselbst eine Pretzfehde gegen uns, und als wir ein« zweite Versammlung abhalten wollten, wurde uns der Saal des Schützenhauses verweigert. Die Prämie von zehn Talern. Vas erwies sich aber eher als ein Glück für uns, und besonders auch für mich. Unsere zweite Versammlung fand in einem schon immer von Arbeitern besuchten Wirtshaus statt, und der Saal war völlig von Arbeitern besetzt. Hier getraute sich die„Gesellschaft" von Luckenwalde wieder nicht rein, selbst der Herr Bürgermeister steckte nur ab und zu seine Rase in die Tür. Dagegen fiel mir auf, daß sich in meiner Nähe immer einige Genossen sammelten, die mit wilden Blicken jeden nuistcrten, der sich in meine Nähe wagte. Schkeßvch fragte ich»ach dem Grunde, aus dem sie sich so zu einer Leibgarde zusammenscharten und erfuhr, der Herr Bürgermeister hätte eine Prämie von zehn Talern— damals ein richtiges Kleinkinderoermögen— ausgesetzt für den, der den Bernstein inal richtig verhauen würde! Da war es nun gut, daß wir diesmal nicht im Schützenhaus tagten, denn in dem Milieu hätte doch vielleicht eher jemand Lust gekriegt, sich die zehn Taler zu oerdienen!" „Knüppelargumente sind also keine Errungenschaft der Neuzeit?" „Ach nein, mit solchen Dingen mußte man schon immer rechnen, wenn man sich überhaupt mit Politik befaßte: sie sind eben ein Stück Berufsrisiko. Ich habe die Möglichkeit solcher Angriffe immer ein- kalkuliert, ohne daraus ein Stück Märtyrertum zu machen. Recht ernüchtert hat mich auch«in kleines Erlebnis, das ich 1901 in R e i- n i ck e n d o r f hatte. Da sollte ich über„Christentum und Sozialis- mus" sprechen und kurz vor Beginn der Versammlung zeigte mir der Vorsitzende einen Brief, den er erhalten hatte.„Der Jude Bernstein," so hieß es da,„solle sich nicht erlauben, über das Christen- tum sein Maul aufzumachen, sonst werde man ihm einen gehörigen Denkzettel geben. Zwei Mann wären in der Versammlung, die ihn einfach runterknallen würden, wenn er es wirklich wagte!" Der Vorsitzende war ganz bestürzt:„Was machen wir denn nun?" Ich gab ihm den gute» Rat, den Brief einfach bei Beginn vorzulesen— das gab gleich«ine gute Stimmung. Di« Versanimlung verlief weiterhin ungestört, und ich sreute mich der Aufmerksamkeit meiner Zuhörer. Wie ein kalter Guß aber wirkte es, als ich nach Schluß der Versammlung hörte, wie einer davon ganz enttäuscht zu einem Freunde sagte:...Och, nu ham'n se ja doch nich je- schössen!" Der Knalleffekt hatte ihm anscheinend schwer gefehlt, den konnte keine noch so gute Pointe ersetzen." Man kann ruhig sitzen bleiben! Und weiter erzählt Eduard Bernstein von den Vorkriegstagen, in denen es noch geradezu Aufsehen erregte, als er sich auf eine Frage in einer Volksversammlung glatt als Republikaner bekannte. Gerade Bernstein war als„Revisionist" immer leicht das Ziel aller 1.„Wir halten es für die höchste Zeit, daß man mit dem gegenwärtigen System des INicterschuhes bricht und endlich klar und deutlich den Weg zur freien Wirtschaft wieder findet. So sprach im Preußischen Landtag am 2. Oktober 1924 der dcutschnationale Abgeordnete Sonnenschein. „Wir sind Gegner des Mieterschutzes," wiederholte er am 1«. Januar 1927. „Wir fordern, daß«in vollkommener Abbau des Mieter- fchutzes eintritt," so sprach der Abgeordnete Engberding von der Deutschen Dolksparlei am 20. Februar 1924 im Preußischen Landtag. Der Vürgcrblock im Reiche hat diese Forderungen vorzüglich verwirklicht. 2.„Wir fordern die Erhöhung der Miete aus 146 Proz. der Friedensmiete. Woher die Mieterschaft das Geld hierzu nimmt, ist uns gleich, da der Hausbesitz diese Erhöhung dringend braucht." So sprach in der Sitzung des Preußischen Mietenausschusses der Abgeordnete Ladendorf von der Wirtschaflspartei am 16. Januar 1925. 3.„Mietwucher liegt noch nicht vor, wenn der Eigentümer eine Miete von 250 bis 300 Proz. der Friedensmiete fordert." So lautet der Antrag Lücke sWirtschaflspartei) Nr. 91 vom 19. Mai 1920. Und das Zentrum war immer mit von der Partie: 4.„Es liegt praktisch so, daß der Hausbesitzer 140 bis 150 proz. der Friedensmiele haben müßte. In dem Augenblick, wo die breiten Massen diese Miete aufbringen können, ist es eine sittliche Pflicht, daß sie erhoben wird, damit die Hausbesitzer endlich zu ihrem Recht kommen." Also sprach der Abgeordnete Kölges von Zentrum in der 177. Sitzung des Preußischen Landtags vom 4. Juni 1926. 300 Proz. kein Mietwucher. Mieterhöhung ist eine sittliche Pflicht. Das ist das Ziel der Bllrgerblockparteien. Den Anfang haben sie bereits gemacht. Als es sich darum handelte, die berüchtigte Hirtsiefer-Derordnung, wodurch für Ge- schäftsräume der Mieterschutz und das Reichsmietengesetz beseitigt worden ist, wieder auszuheben, haben Deutschnationalc. Deutsche Doltspartei. Deutschvölkische und Zentrum geschlossen dagegen ge- stimmt. Mit 204 gegen die 163 Stimmen der Sozialdemokraten, Kommunisten und Demokraten wurde am 11. November 1926 der Antrag auf Wiedereinführung des Mieterschutzes für Geschäftsräume abgelehnt. Das freie Kündigungsrecht für Geschäftsräume hat bereits Tausende von Handwerkcrexistekizen und den gewerbetreibenden Mittelstand vernichtet. Mieten bis zu 450 proz. der Friedensmiete bei ganz kurzfristigen Verträgen sind seitdem keine Seltenheit mehr. Das ist die erste Etappe, das ist der Auftakt. Wollt ihr, daß es in Zukunft im ganzen Wohnungswesen so werde« soll? „Die Frauen sind schuld daran!" »Die Frauen sind schuld daran, daß es nicht vorwärts gehl." Nimmt es wunder, daß man diesen Ruf immer wieder aus den Reihen der Arbeiterschaft hört? Es ist festgestellt, daß bisher die Wahlbeteiligung der Frauen meist um 10 Proz. hinler der der Männer zurückblieb. 3n Sachsen haben z. 73. auf dem Lande nur 5S proz. Frauen gegenüber S0 proz. Männer« gewWt, solcher neugierigen Fragen, denn er, so nahm man an, würde doch am ersten zu allen Konzessionen zu haben sein. So sollte er einmal auch in aller Oefsentlichkeit einen schweren Streit schlichten: Darf ein Sozialdemokrat bei dem Hoch auf das deutsche Vaterland mit ein- stimmen? Denn es waren ein paar brave Genossen bei einer natio- nalliberalen Versammlung richtig auf den Leim gegangen und auf- gestanden. Aber in salomonischer Weisheit entschied ich:„Wo Vaterland und das Hoch auf das Vaterland zur Parteisache gemacht würden, sollte man ruhig sitzen bleiben— wenn man auch sonst sein Vaterland schätzen und lieben könne..." Und auch hier wie in der Frage der Republik hatte jedermann von dem Revisionisten, der von vielen gar nicht mehr als richtiger Sozialdemokrat angesehen wurde, eine andere Entscheidung erwartet!" So erzählt Eduard Bernstein aus alten Tagen, aus den Tagen, da wir unsere Wahlpflicht noch als ein Recht, und fast als ein Aus- nahmerecht empfanden. Denn nur bei der Reichstagswahl hallen wir ja das volle, unverkürzte Wahlrecht, und wer sich nicht selbst noch mit dem Dreiklassenwahlrecht herumgeschlagen hat, kann heut gar nicht begreifen, welch ein Vergnügen dos Wählen damals war: Man kam sich immer noch ein bißchen„verboten" dabei vor... Dazwischen klingelt das Telephon: Die georgischen Sozialdemo- kraten bitten um den Artikel, der ihnen für heute versprochen war. „Dafür bekomme ich natürlich nichts, denn man kann doch von den armen Menschen nichts nehmen— sind ja alles Emigranten!" meint Bernstein fast entschuldigend: und, begreifend, wie wenig Herr seiner Zeit auch jetzt noch der achtundsiebzigjährige Genosse ist, wie wertvoll für uns alle noch seine Arbeit, stehe ich auf, um den Morgenbesuch zu beenden. Bernstein bringt mich selbst zur Tür und zeigt mir dabei noch das Bild seines alfen Freundes Max Babing, „den ein niederträchtiger Tod vor ein paar Jahren geholt hat". Und aus unserer Unterhaltung, die neben dem„Wahlvergnügen" sich noch um mancherlei Menschen und Dinge drehte, wächst in inir der Wunsch: Bleibe du selbst noch recht lange von dem niederträchtigen Tod verschont, wir brauchen dich noch lange, deinen Kopf voll Wissen und dein Herz voll Güte! ROSE EWALD. Ach schlechleslen von allen Frauen wählen die Hausange. stellten, obwohl sie doch das größte Interesse an einer Besse- rung ihres Schicksals haben sollten. Wo getrennt nach Geschlechtern abgestimmt wurde, hat sich gezeigt. daß die Frauen in erster Linie die Rechtsparteien und das Zentrum bevorzugen. Frauenstimmen bilden einen gulen Teil der Mehrheit, die dem Großkapital und dem Bürgerblock im letzten Reichstag zur Macht oerholfen hall Wir wollen es noch immer nicht glauben, daß dem wirklich überall so ist. Bei der kommenden Wahl wird noch an weit mehr Plätzen als früher nach Geschlechtern getrennt abgestimmt werden. Dann haben die Frauen Gelegenheit, den Ruf, der aus ihnen als Staatsbürger lastet, durch die Tat zu widerlegen. Die Frauen haben es in der Hand, wie der kommende Reichs- tag aussehen soll. Sie haben mit 21,5 Millionen Stimmen insgesamt 2 Millionen Stimmen mehr als die Männer. Die Frauen geben den Ausschlag. Sie müssen diese Macht erkennen und ausnutzen. Denkt daran, was der Bürgerblock euch und euren Kindern gebracht hat. Es geht um eine bessere Zukunft! Vergeßi nicht dieBilanz desWelikrieges! Im Iahre 1S28 hatten Anspruch aus Rcichsver- sorgung: Kriegsbeschädigte und Altersrentner. 795 000 Witwen.......... 375000 Halbwaisen.......... 720 000 Vollwaisen.......... 50 000 Elternteile.......... 150 000 Ellernpaare.......... 65000 Elternbeihilseempsänger..., 17 000 Wilwenbeihllseempsänger..... 15 000 waisenbeihilseempsönger..... 10 000 In der Liste der Kriegsbeschädigten waren: Erblindete 2900 Geisteskranke � t, 5400 Lungenkranke-........ 41 688 Krüppel mit einem Bein..... 44 857 Krüppel mit einem Arm«,... 20 952 Krüppel ohne Beine..»»«»» 1269 Krüppel ohne Arme..»»»«. 135 Die Kinanzwirischast des Bürgerblocks. Drei Milliarden Ueberschüsse hat der Bürgerblock im Laufe der letzten Jahre aus den Massensteuern herausgepreßt. Er hat sie ver- schleudert und verwirtschaftet zugunsten der Steuerentlostung der „besitzenden Klasse". Was ist das Ergebnis? „wir stehen dicht vor einer schweren Finanzkrise des Reiches". schrieb am 22. März in der„Magdeburger Zeitung" der Abgeordnete Dr. Eremer(DVP.). Das ist das finanzpolitische Erbe des Bürger- blocks. Wer soll das Defizit tragen? Darüber wird am 20. Mai ent- schieden. Die Unternehmerparteien arbeiten mit dem Aufgebot aller Mittel. Sie wissen, es geht um das Ganze. Zum zweitenmal wie 1924 soll die Last auf die Schultern des werltätige» Lölkes abgewälzt werden. Meter aufgepaßt! Was wollen die bürgerlichen Parteien? DER SPRUN6 UBER DEN SCHATTEN iiiiiililii KW liiiiii iiilHl VON KARL SCHRÖDER- ZEICHNUNGEN VON PAUL THESING Copyright 1928 by»Der Bücherkreis G. m- d. H.* Berlin SW 61, 12. Fortsetzung. Jeden Morgen brachte di« Post einen Riesenstoß Briefe. Alle diese Briefe begonnen:„Durch Zufall erfahre ich.. und endeten mit einem Bekenntnis des unbegrenzten Vertrauens in die Fähigkeit unserer Firma, dem Auftraggeber bis zu dem und dem Termin fein Thema, fertig bearbeitet, abzuliefern. Nun find die Bedürfnisse der Menschen unserer Epoche zahlreich und zuweilen recht eigenartig. Ich war etwas überrascht, als am zweiten Tag in meiner Pappschachtel ein Herr aus Wien„unter Beifügung des architektonischen Grundrisses im Lichtpausabzug" post- wendend di« Ausarbeitung einer Rede wünschte zur Eröffnung eines Dienstbotenheims. Der Lichtpausabzug hat sicher stark auf meine Inspiration ein- gewirkt: denn als ich das frei in die Maschine diktierte Kunstwerk noch einmal durchlas, wären mir beinahe Tränen ins Aug« ge- kommen über soviel menschliche Güte mit armen Dienstmädchen. In die höheren Sphären des Daseins erhoben mich zwei Themen üb«r„Die magischen Kräfte in der modernen Musik" und „Die Lieb« in der neueren Dichtung". Das zu wissen, war Bedürfnis für zwei Wesen weiblichen Geschlechts. Das zweite wünschte eine Dan i aus Leipzig. Zu unserer Orientierung teilt« sie gleichzeitig mit, sie sei noch„keineswegs alt und durchaus lebenslustig".„Es darf sich in dieser Arbeit", schrieb sie,„nicht um rein romantische Schwärmereien handeln: denn ich bin der Ueberzeugung, dah auch den Frauen ihr Recht zugestanden werden niuh, wie es, Gott sei Dank, d-e Schriften Zolas auch jetzt beweisen." Ich ging an die Arbeit, und meine Offenbarungen waren von prophetischem Geist erfüllt. Ich verstand sie selbst nicht: aber der Klang war gut. Aus die Erde zurück brachten mich ein paar Jünglinge, die unbedingt innerhalb vierundzwanzig Stunden im Besitz einer„echt humoristischen und saftigen"— saftig unterstrichen— Tanzstundenrede sein mußten.„Wenn wir Ihrem geschätzten Bureau"— dienerten sie—„eine Anregung zu geben uns erlauben dürften, wäre es vielleicht wünschenswert, einige Fremdwörter geschickt in die Rede zu verweben." Ich wob:„saftig und echt humoristisch". Warum auch nicht. Ich sah die Mädchen tanzen. Hunderte solcher Themen liefen mir durch die Finger. Wer würde aber glauben, daß sich auch zahlreiche Studenten, Semina- risten, ja Doktoranden um Hilfe an unsere„Fabrik" wandten. Das Gros unserer„Kunden" bildeten freilich die Gymnasiasten. Bis an mein Lebensende werde ich mich an jenen Nachmittag er- innern, als im Vorzimmer nicht weniger als fünf Sekundaner der- selben Anstalt auf denselben Aufsatz wartelen:„Die Apselschuß- szene— der Höhepunkt in Schillers Wilhelm T«U." Dreimal habe ich den Quatjch'runterdiktiert, daß die Maschine rasselte. Beim vierten- und fünftenmol aber habe ich Blut geschwitzt. Die Bezahlung der„Herren Schriftsteller" ergab sich aus der Zahl der abgelieferten Bogen. Die.„Herren Schriftsteller" waren zur Zeit meines Eintritts ein wegen Spielschulden geschaßter Lcut- nant.«in russischer politischer Flüchtling, ein Privatgelehrter— ein geheimnisumwitterter Name für mich— und zwei ältere Studeyten: der eine von ihnen«in„Pädagoge", der hier sicher an der richtigen Quelle die Erziehungspraxis unserer Zeit studiert«. Ich war der jüngste, schüchternste und unerfahrenste. Deshalb wurden mir bei Verteilung der Post, die das älteste der Mädchen besorgt«, sämtliche Arbeiten zugeschoben, die den anderen nicht paßten. Unser Chef oder Geschäftsführer oder Unternehmer— was er eigentlich war, erfuhr man nicht: er sollte ein herunter- gekommener Leipziger Buchhändler sein—, dieser Chef ließ sich nur abends eine Stunde lang zur Abrechnung sehen. Cr zahlte fünfzehn Pfennig für di« enggelchrieben« Schreib- maschinenseit«: den Mädchen die Hälfte. Bei einer Arbeitszeit von rund zwölst Zünden war es möglich,— bei„glücklichen" Themen— auf fünf Mark am Tag zu kommen. Da diese Beschäftigung zufällig in den Universitätsferien begann— und Universitätsferien bekanntlich mehrer« Monate dauern—, so hott« ich Gelegenheit, ein reicher Mann zu werden. Die ersten vier Wochen arbeitete ich wie ein Verrückter. Nicht nur zwölf, sondern vierzebn Stunden. Mein Essen bestand aus Brot und rohen Eiern. Das kaute und schluckte ich während der Arbeit. Wozu unnützer Aufenthalt? Nach einiger Zeit aber bemerkte ich bei der abendlichen Ab- rechnung, daß irgendetwas nicht stimmen konnte. Meine Kollege», die übrigen Herren Schriftsteller, verdienten ebensoviel und mehr als ich, dabei quälten sie sich nicht halb soviel wie ich. Sie hatten stund«nlang„ihre" Mädchen auf dem Schoß, waren heiter, gingen Mittagessen eine Stund« lang ins Restaurant. Das wunderte mich denn doch. Aber die Erklärung dafür war verblüffend einfach. Im Einverständnis mit dem Mädchen wurde von jeder Arbeit ein zweiter Durchschlag angefertigt. Den einen— erlaubten— zerriß der Chef bei der Abrechnung. Nach einer Woche etwa wurden dann die Durchschläge noch einmal vorgelegt. Für einen g«ordneken Betrieb mag das unglaublich klingen: aber hier war alles möglich und noch etwas drüber. Und übrigens: Von„geordneten" Betrieben im ganzen weiß ich ein tolles Lied zu singen. Aber das gehört.nicht hierher. Hier war ich ein Dusseltier und eingebildet obendrein. Solchen Menschen muß erst viel Fell abgezogen werden, ehe sie den richtigen Gripps kriegen. Es versteht sich,- daß bei einem derartigen Betrieb Beschwerden hagelten. Dearbeitet wurde ein Thema nur bei Borvorauszahlung des geforderten Betrages. Um- Porto zu sparen, wurden aber von den Auftraggebern häufig klein« Beträge in Briefmarken beigelegt. Solche Briefmarken oerschwanden spurlos. Infolgedessen wurden die Briefe nicht beantwortet. Andere wurden deswegen nicht . beantwortet, weil sich niemand zur Bearbeitung fand und einer den» anderen das Thema heimlich in die Pappschachtel praktiziert«, bis es schließlich überhaupt verschwand. Drei Monate arbeitete ich in dieser„Fabrik", und ich hätte «s vielleicht sechs und mehr ausgeholten, denn soviel Geld halte ich noch nicht verdient, und außerdem verehrte ich mein Tipp- fräulein, das fein« Mutter mit ernährte und tapfer seine zwölf Stunden für die Hälft« meines Honorars durchhielt. Eines Tages indessen, als ich wie immer um sieben beginnen wollte, stand ich mit ollen anderen vor verschlossenen Türen. Wir warteten eine Stunde. Endlich schlendert« der Hausportier heran und fegte so nebenbei hin:„Iestern abend jejen zehne is der janzc Krempel abgeholt worden. Dufte Iesellschast!" Er kraust« die Nase, kratzte sich höhnisch am Hinterkopf und verschwand. Wir feierten diese Angelegenheit mit einem kräftigen Früh- schoppen in der nächsten Destille. Es war das erstemal, daß wir etwas gemeinsam taten und uns einen Augenblick solidarisch fühlten. Hoffentlich hat unser Chef, dem offenbar der Boden unter Sie war eine gute Frau, die Mutter Albrechien— den Füßen zu heiß geworden war, sein Geschäft nicht endgültig aufgegeben. Ich kann ihm bestätigen, daß er einen:„dringenden Bedürfnis" abgeholfen hat. Im Galopp in die Einsamkeit. Was dieser U»tern«hnier betrieb, war krasseste Ausbeutung, vermittelt durch das Schwarze Brett in der Universität. Aber es sagte mir immer noch besser zu als das versluchte System der Stipendien und Freitisch«, für deren Genuß„Wohlvcrholten" und „Fleiß" Boraussetzung waren. Nach dem Skandal bei Rehberg hatte ich eine Wohnung in der Warschauer Brücke gemietet. Eine verräucherte, unsrohe, verquält« Gegend. Aber ich konnte doch jeden Morgen von der Brück« aus«inen langen Blick über die Spree werfen, die hier noch breit genug von Treptow und Stralau aus heranjlrrtet, um sich jenseits der Schillingbrücke langsam im Steinmeer zu verlieren. Vor allem waren die Zimmer hier billig. Für zwölf Mark monatlich— Kaffee„inklusive" stand auf dem ausgehängten Papp- schild— hatte ich einen möblierten Raum mit Feldbett, Fichten- spind, zwei Stühlen, emailliertem Waschgeschirr und sogar einem Sofa, das mit schwarzem Kaliko überzogen war. Meine Wirtin war«ine siebzigjährige Witwe, die nur ein einziges Wohnzimmer besaß: eben das an mich veemietete. Sie selbst lebte und schlief in einer vier Quadratmeter großen Küche, in der sie abends aus Decken und Säcken ihr„Bett" aufschlug. Sie handelte mit Zigarren. Priem, Schnürsenkeln und Schuhwichse. Um vier Uhr morgens stand sie auf, um zu den ersten Zügen am Eingang der Stadtbahnhöfe zu sein. Zwischen neun und zehn Uhr vormittags kam sie zurück. Von diesem Handel und der Ab- Vermietung des Zimmers existierte sie. Sie war ein« gute Frau, die Mutter Albrechten, und trotz ihrer Jahre voll Lebenslust und Unternehmungsgeist. Sie� hätte gern noch einmal geheiratet, aber„ick finde keene passende Partie,' sagte sie,„und ufs'n Penner v«rzicht ick händeringend." So blieb sie allein und suchte Ersatz in allerlei kleinen Schweinereien, die sie zum besten gab. Aber was macht das? Wenn schon— dann nicht lächerlicher als die reichllch fiebrige Liebeshitze des allen Klassikers Wieland. Natürlich betrog sie mich. Schon dadurch, daß ich niemals Kaffee kriegt«. Um vier kochte sie nicht, und um neun oder zehn war ich nicht mehr im Hause. Und dann war da auch noch das andere: das mit dem Leihhaus nämlich. Als ich das erstemal vor d«m Eingang zu solch einem Wohl- tätigkeiteinstitut auf und ab lief, war mir alles weniger als behaglich zumut. Ich schämt« mich und dachte, alle Welt in dieser Millionenstadt starrt ausgerechnet auf mich und bemerkt, was ich vorhabe. Es ging aber leichter, als ich gedacht hatte. Stumm»ahm«in ernster Herr hinter einem Ladentisch meine Uhr in Empfang, prüfte sie mißtrauisch, sagte:„Zwei Mark", kein Wort mehr, füllte einen Schein aus, reichte ihn mir stumm nebst zwei Mark hinüber. Ebenso stumm verschwand ich. Dies„Versetzen" besorgte jetzt Mutter Albrecht sür mich. Sie war eine Virtuosin im„Versetzen" und„Verkloppen". Niemand soll glauben, daß das so leicht ist. Es gibt verflucht viel Hölle*, von denen sich Sattheit nichts träumen läßt: und wenn es ihr schon in der Presse serviert wird, dann mit pikanten Soßen und Gerüchen, die den Höllengestank übertäuben. ' Du klapperst ein Dutzend Buden ab: niemand kann gebrauchen, was du anbietest. In der dreizehnten will man in Gnaden deinen „Plunder" nehmen. Zehn Mark brauchst du. aber zwei werden dir geboten. Wohin? Oder willst du handeln? Ich rat« es dir nicht: der Hohn eines Pfandleihers ist Gelächter der Hölle. Mutter Albrecht nun schlug für eine alte Weste immer noch soviel raus, daß wir beide einen Tag leben konnten. Besonders günstige Verkäufe wurden gefeiert. Aus einem Spirituskocher brüht« ich den Tee auf, dazu gab's Rum und Hockepeter. Den liebt« sie sehr.(Fortsetzung folgt.) RätseI=Bcke des„Abend". iiiMiiiiiiiiiiiiiiiiiMiiiiiiiiiiiiitiiiuiiiiniiiiiiiiimiiuniiuiiHiimiiiuiiuiiiniuiHuuuiHiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiitiininiiiiiiiinniiiimiiiiminnnniinimiinnninnnmiiiiniiHHm Kreuzworträtsel. Sprichworträtsel. 1. Was ich denk und tu, trau ich andern zu. 2. Wer will, was er kann, fängt nichts vergeblich an. 3. Wo mehr Füchse als Trauben sind, ernte was du kannst, geschwind. 4. Tust du recht in allen Dingen, so wird dir dein Werk gelingen. 5. Die Wahrheit ist eine Arznei, die man zur rechten Stunde reichen soll 6. Wer recht hat, muß den rechten Weg gehen. 7. Die Zeit teilt, heilt, eilt. 8. Leer lärmt am meisten. S. Die Dinge fruchten nur, wenn sie zur rechten Zeit angewendet werden. ll). Man soll nicht am unrechten Ort sparen. 11. Fehlt es am Wind, so greif zum Ruder. 12. Schreit' mit der'Zeit im gleichen Tritt, so kommst du mit. 13. Umsonst, Verstockter, tadelst du das Neue, allmächtig herrscht die Zeit. 14. Haushalten hat ein weit Maul. Diesen Sprichwörtern ist je ein Wort zu entnehmen: richtig gefunden und nacheinander gelesen, ergeben diese einen b«ochtens- werten Sinnspruch. Zahlenrätsel. 1234? 6789 10 bedeulender Vorkämpfer für den Sozinlis- mus, 2 3 9 16 bekannter Sozialist, 3 16 7 9 Gefäß, 4 3 6 3 9 weib- licher Vorname, 5 1 2 7 8 9 Schmuckstück, 6 3 2 16 Nebenfluß der Donau, 7 2 5 9 Organ. 8 16 2 3 Farbe, 9 16 4 2 3 Stadt in Ungarn, 16 6 7 8 9 Turngerät. Verkürz::ng6rätsel. Nimm einem Vorort von Berlin ein Bein, Und du wirst gleich im Bilde sein, Woher gerade weht der Wind. Auch hier den Endlaut unterbind'. Machst du das Ganze mit Geschick, Verbleibt ein H«rr«nkleidungsstück. A. W. Wagerecht:!. Wahlparole. 1 1. Straße(fram zösisch), 12. Ton, 14. Meßinstrument(alle Schreib- weis«, 17. Zahl, 19. Fluß inItalien. 26. Merkbüchlein, 22. Gruß, 23. Wahlparole. Senkrecht: 2. Teil eines Kleidungsstückes. 3. Angehöriger eines mongolischen Volkes, 4. Sozia- listischer Parlamentarier, 5. Juristische Berater(plur.), 6. Selbständig. 7. Erinnerung, 8. Gruß, 9. Schuß- wasse, 16. Sozialist. Führer. 13. Großer deutscher Staatsmann, 15. Wegrichtung für den Bürgerbiock, 16. Schreibzeug. 18. Hilfssprache, 21. Klassenbe- Zeichnung(Abkürzung). Silbenrätsel. Die Silben ah al ar bel blu chap chen cho cke dee den dom e e e el en es s« gan ho ho i ib ko k« kla lin lin mar met mir mol mut na yi nig no o pm rtt saß se sei sel sen sig so so stern tan las vier wan xe ze ze ergeben, richtig geordnet. 29 zweisilbig«'Wörter von solgender Bedeutung: 1. asiatischer Fürstentitel: 2. nordischer Dramatiker: 3. alttestam«ntliche männlich« Person: 4. Heimat einer Hexe: 5. Waschmittel: 6. amerikanischer Filmdarsteller: 7. Tischler- werkzeug: 8. lästiges Insekt; 9. Balkon: 16. Operettcnkomponist: 11. Kleidungsstück: 12. Paradies; 13. Postwertzeichen; 14. Bedürftig- keit; 15. Komponist: 16. Nahrungsmittel; 17. italienischer Dich er; 18. Musikinstrument; 19. Lasttier: 20. Gedanke; 21. Schifssart; 22. abgetretenes Land; 23. Flußjungsrau; 24. olttestamentl. Siadt; 25. Fest: 26. Stadt in Arabien; 27. amerikanischer MillialHär; 28. saure Flüssigkeit: 29. Spalte.— Die Anfangsbuchstaben ergeben ein Sprichwort. Auflösung der Aufgaben nächsten Sonnabend. Auflösungen der Rätsel aus voriger Rümmer. Kreuzworträtsel: Wagerei�t: 1. Mal, 3. Rom. 5. Ali, 6. Tau, 8. Ort. 16. Atz. 12. Oha, 14. Ohm. 15. Leo. 16. Amt. Senkrecht: 1. Mit, 2. lau. 3. Rio. 4. Mut. 7. Akt. 9. Roh, 16. AU, 11. Zoo, 12. Oma, 13. all. Silbenrätsel: 1. Aloe: 2. Unze: 3. Glieder; 4. Zyankali: 5. Urlaub: 6. Radio; 7. wielond: 8. Armee: 9. hiob; 16. Lakai; 11. Jnri; 12. INaaßen: 13. ZNeter; 14. Aisne; 15. Ischias; 16. Frcia; 17. Ucppigkcit; 18. Realschule: 19. Dürer; 20. Znterlakcn; 21. Ebene; 22. Seide. Auf zut Wohl im Mai für die Sozialdemokrot'sche Partei! Musikalisches: Auber— Aauberflöte. Berufs-Mosaikrätfel: 1) Assessor, 2) Diakoniffen, 3) Hotelier, 4) Chirurg, 5) Prosesior, 6) Cbquffeur, 7) Kapitaen, 8) Rennfahrer, 9) Dichter, 10) Dirigent.— Ohne Aufopferung laesst sich keine Freundschaft denken. ~ Sportund SpielDer Verrat. Die Kommunisten und die Sportwoche. Die Kommunisten gefallen sich darin, für eine„ Liste der Opposition" zu den Bundestagswahlen des Arbeiter- Turnund Sportbundes Reklame zu machen. Sie rechnen in der„ Roten Fahne" vor, wie oft die bösen Sozialdemokraten die Interessen der Arbeitersportler verraten und„ Koalitionspolitit" gemacht haben. Dazu sendet uns der Geschäftsführer des Arbeitersport- und Kultur. fartells Berlin, Oehlschläger, folgende zuschrift mit der Bitte um Beröffentlichung: Seit meiner Rückkehr in die Sozialdemokratische Partei habe ich mit meinen früheren Genossen aus der KPD. Burgfrieden gehalten, obwohl es mir oft genug in der Schreibfeder zuckte, wenn ich las, wie die Sozialdemokraten angeblich die Forderungen der Arbeitersportler in den städtischen Körperschaften verraten haben sollten. Gerade die Lügen, die um diese Sache herum von den Kommunisten verbreitet wurden, waren nicht zuletzt Anlaß für mich, der KPD. den Rücken zu kehren. In der„ Roten Fahne" vom Dienstag wird in einem Artikel, Bundestagswahl im Arbeiter- Turnund Sportbund" auch zu meiner Kandidatur Stellung genommen. Man schreibt da: Wir finden da auch Dehlschläger, der einmal zu uns gehörte. Es ist erstaunlich, daß er nach so furzer Zeit es fertig bringt, sich in dieser Gemeinschaft zur Wahl zu stellen. Den Beweis für seine Qualifikation hat er durch sein Eintreten für die gemeinsame Sportwerbewoche mit den Bürgerlichen erbracht." Gewiß habe in in einer Sigung des Stadtamtes für Leibesübungen gemeinsam mit dem Bezirksschulrat Goß und dem Stadtverordneten Baark, die beide der Kommunistischen Partei angehören, für eine städtische Sportwerbewoche gestimmt, unter der Boraussetzung, daß die Arbeitersportler zeitlich und räumlich getrennt von den bürgerlichen Organisationen ihre Vorführungen zu machen hätten. Ich habe in dem Falle aus Parteidisziplin mich ebenso meinen früheren Parteigenossen angeschlossen, wie vordem im Geschäftsführenden Ausschuß des Kartells, als eine Beteiligung an der Sportwerbewoche abgelehnt wurde." Es ergibt sich also wieder das längst bekannte Bild: Die Kommunisten machen den Sozialdemokraten zum Vorwurf, was einfichtige Vertreter von ihnen in Erkenntnis des Notwendigen selbst taten. Nebenbei bemerkt: Bet den Abstimmungen im Stadtamt für Leibesübungen ist es in den zwei Jahren nur ein einziges Mal vorgekommen, daß die Vertreter der KPD. anders stimmten als die der SPD. Stets herrschte sonst eine erfreuliche Uebereinstimmung. Man braucht dem nichts hinzuzufügen, trotzdem werden die Kommunisten weiter Berrat schreien! Die Gruppenmeisterschaft. Im Arbeiter- Handballspiel. Am Sonnabend fanden für die 1. Jugend- und Männergruppen die Entscheidungsspiele um die Gruppenführung statt. Die Jugendmannschaften Groß- Berlin- Wedding und Schöne berg- Sportler standen sich zuerst gegenüber. Nach zehn Minuten ging Wedding durch Alleingang in Führung, da der Torhüter trotz eifrigen Werfens nicht inehr halten fonnte. In der achten Minute nach der Pause fiel unhaltbar geschoffen das zweite Tor, dem nach fünf Minuten die Nummern drei und vier folgten. Die Jugendlichen spielten technisch gut durchdacht und fair, nur verpaßte Wedding durch allzugroße Kombination manche gute Gelegenheit. Als nächste betraten die Männermannschaften Adlershof und Neukölln 1. Abteilung das Feld. Adlershof hatte Anwurf, fonnte sich aber nicht in Neuköllns Hälfte festsetzen. Trotzdem das Spiel ständig hin und her wogte, fing Neukölln sofort an mit fünf Mann zu verteidigen. Der Neuköllner Sturm arbeitete mehr mit Störperkräften denn mit leberlegung, was nachher Brinzip bei allen anderen Neuköllnern wurde, und versuchte seine Glanzleistung in 20- Meter- Würfen zu zeigen, die aber nichts einbrachten. In der guten Schuß in die linke Ecke zum ersten Tore zu verwandeln. Neukölln konnte dieses Resultat bis furz vor Schluß halten. Sportlich einwandfrei war das Spiel allerdings nicht. Adlershof dagegen arbeitete von Anfang an mit Technik, Kombination und verteiltem Spiel. Der Sport bei der„, Awa". Anläßlich der Allgemeinen Wassersportausstellung in Potsdam finden heute und morgen, Donnerstag, die Frühjahrsver= bandswettfahrten des Deutschen Motorjachtverbandes statt. Aus dem Programm sei hervorgehoben: Mittwoch, 14% Uhr, Rennbootwettfahrten, darunter in der internationalen Klasse auch die neuerdings sehr in Aufnahme ge= kommenen Außenbordmotorrennen. Am Donnerstag finden die Handicapwettfahrten für alle Boote mit Ausnahme der Rennboote statt. Am Sonnabend, 19. Mai, und Sonntag, 20. Mai, veranstaltet die Motorbootabteilung des ADAC. ihre Frühjahrsregatta, die mit einem Serienbootwettbewerb verbunden ist. Die Wettfahrten Bei dem Spiel am Dienstag konnte in der ersten Halbzeit beginnen am Sonnabend und Sonntag bereits um 9 Uhr früh. Bor nichts Zählbares erreicht werden. Adlershof zeigte eine kleine tech- Sonnabend, 26. Mai, bis Montag, 28. Mai, steigt dann die nische Ueberlegenheit, fonnte aber nicht zur Entfaltung kommen, traditionelle Templiner Seewoche, für die der Potsdamer da Neukölln stark verteidigte. Zwei Minuten nach der Pause brach Jachtklub, der Potsdamer Seglerverein, der Brandenburgische Adlershof den Bann durch das erste Tor. Adlershof wurde jetzt Jachtklub und der Seglerverein Brandenburg verantwortlich zeichnen. überlegen und drückte start. Der Erfolg kam dann auch nach einer| Am Montag findet um 15 Uhr die Paradeauffahrt des Deutschen Biertelstunde, Adlershof konnte in furzen Abständen drei Tore Kraftbootverbandes( Gruppe Westen) statt. schießen. Bei den Neuköllnern fiel der Halbrechte durch seine Flinkheit auf, während der Halbrechte von Adlershof durch seine Nervosität in der Fangtechnik beeinträchtigt war. Da nun die führende Mannschaft in der 1. Gruppe festgestellt ist, finden die ersten Spiele um die Kreismeisterschaft am Himmelfahrtstag auf dem Städtischen Sportplatz in der Grenzallee, Neukölln, statt. Um 16.10 Uhr spielen in der 2. Klasse Wildau und Fichte- Spielabteilung. Hier dürfte Fichte den Sieger stellen. Um 17.20 Uhr spielt die 1. Klaffe. Hier stehen sich die 1. Gruppe mit Adlershof als Vertreter und Fichte- Süd als führende Mannschaft in der 2. Gruppe gegenüber. Fichte wird alle Anstrengungen machen, muß aber eventuell doch Adlershof den Sieg überlassen. Der Eintrittspreis beträgt 30 Pf. Meisterschaft im Gewichtheben. Sport am Himmelfahrtstage. Rennsport: Grunewald wartet mit Flachrennen auf und bietet als Hauptnummer den Preis von Steined über 1800 Mete., in dem erprobte ältere Pferde mit nützlichen Dreijährigen zusammertreffen. Die Eröffnungsrennen in Samburg- Großborstei gipfeln in der Entscheidung des Amfind- Memorials. Radsport: Im Großen Preis der Republik zu Dresden starten Thollembeef, Sawall, Lewanow, Schmidt, Saldow und Leddy, nach Hannover find Engel, Fricke, Osamella, Frankenstein, Louet, Gottfried, Mori, Rausch, Hürtgen und andere bekannte Flieger sowie die Dauerfahrer Möller, Parisot, Bauer, Ergleben und Sérès verpflichtet worden. In Magdeburg gehen Rosellen, Carpus, Lejour und Dicentmann an den Start. Von den Am Freitag, 25. Mai, 20 Uhr, findet in Tempels Festsälen, Beranstaltungen auf der Landstraße nennen wir in erster Linie Friedrichsfelde, Prinzenallee 45, die letzte Vorrunde zur den Großen Germania- Preis in Dresden( 100- Kilometer- MannDeutschen Meisterschaft im Gewichtheben des Arschaftsvennen), ferner Rottbus- Görlik- Rottbus( 200 Kilometer). beiterathletenbundes unter Aufsicht des Gruppensportwarts Kretschmann, Halle, statt. Gleichzeitig geht ein Ausheben der neun besten Heber der Provinz Brandenburg gegen die 1. Hebermannschaft von Lichtenberg- Friedrichsfelde( Deutscher Meister 1927) vor sich. Die Zusammenstellung der einzelnen Heber setzt spannende Kämpfe voraus. Bon Lichtenberg- Friedrichsfelde starten: Boetern, Splitstößer, Krüger, Gottschalt, Roßbach, Schulz und Kehr, denen Lagenpusch( NO.), Kallweit( Berolina), Walloschef( Alt- Wedding), Jordan( Spandau), 2. und E. Ehrhard( Nordwest), Stolz ( Norden 93), Rafchte und Schmidt( Lurich) gegenüberstehen. Freie Schwimmer Neukölln e. V. Donnerstag, 17. Mai, Anund Abteilungen 13.30 Uhr Ganghoferstraße Stadtbad. 14 Uhr Abbaden des gesamten Vereins im. Sommerbad. Treff aller Gruppen marsch mit Musif. Es fann in Sportkleidung marschiert werden, Umkleidemöglichkeit ist gegeben. Altersriege weiße Hofen. Gäste willkommen. Sommerübungsstunden des Vereins: Gruppe Neufölln täglich, Dienstag, Donnerstag, Sonnabend offiziell im eigenen Sommerbad am Brißer Osthafen( Sieversufer). Lehrgang für Nichtschwimmer ist eingerichtet. Dienstag: Schwimmtraining. Doners tag: Wasserballtag, Sonnabend: Ergänzungssport, Gymnastik. Gruppe Lichtenberg I: Täglich im Lichtenberger Flußbad am Großkraftwerk. Gruppe Lichtenberg II: Täglich Sport: bad Seeterrasse, Lichtenberg, Röderstr. 11-13. Aufnahmen und Auskunft bereitwilligst an genannten Stellen. Touristenverein„ Die Naturfreunde". Die Gruppe Prenzlauer Berg trifft sich am Himmelfahrtstag zu einer Sternfahrt an folgen den Bunkten: 5.30 Uhr am Untergrundbahnhof Alexanderplatz Ausgang Bolizeipräsidium. 7 Uhr am Stettiner Borortbahnhof. 6 Uhr vor dem Rathaus Königstraße. 7.30 Uhr Bahnhof Gesundbrunnen Eingang Badstraße und 6.30 Uhr Stettiner Vorortbahnhof. Endziel Landheim Meißnershof bei Hennigsdorf. Freunde und Gäste find herzlich willkommen. Tennis- Rot Prenzlauer Berg. Mittwoch, 16. Mai, 20 Uhr, Abteilungsversammlung im Umkleideheim Rudolf- Mosse- Str. Ecke Eberswalder Straße. Tagesordnung: Ergänzungswahlen zum Borstand, technische Fragen. demokratischen Mitglieder der Ortsgruppen Lichtenberg, Friedrichs Wahlhilfe der Arbeiterradfahrer in Lichtenberg. Die sozialfelde und Rummelsburg des Arbeiterradfahrerbundes" Solidarität" treffen sich am Sonntag, früh 8½ Uhr bei Lohan, Jungstr. Ecke Oderſtraße, Tel. Andreas 2798, zur Wahlpropagandafahrt durch achtzehnten Minute gelang es Neukölln, einen Eckwurf durch einen den Bezirk Lichtenberg. Kleidung Sportanzug, weißes Hemd. Theater, Lichtspiele usw. Mittw., 16. 5. 28 Staats- Oper Unter d. Linden Anf.19%( 72) U. 3. SchaljapinGastspiel Boris Godunoff Staats- Oper Am Pl.d. Republ. Ab.-V. 42. Anf. 19%( 72) U. Der schwarze Domino Mittw., 16. 5. 28 Städtische Oper Bismarckstr. Turnus il Anf. 19( 7) U. Aida Deutsches Theater Planetarium am Zoo Norden 12310 Verläng. Joachimsthaler Straße 8 Uhr, Ende nach 10 Pygmalion von Bernard Shaw dtsch. v. Siegfr, Trebitsch Noll. 1578 162 und 192 Uhr: Der Sternhimmel der Heimat 18 und 21 Uhr: Lustspielhaus Dir. Dr. Martin Zickel 8 Uhr: Guido Thielscher in„ Unter Geschäftsaufsicht" Kammerspiele im Reiche der Mitternachtssonne Berliner Theater Norden 12310 3 U., Ende nach 11 Zum 121. Mal Finden Sie, daß Eintritt 1 M. Kinder ant. 15 Jahren 0,50 M. Charlottenstr.93/ 91.06nh.170 Constance sich richtig Saltenburg- Sühnen verhält? Staatl. Schauspielh. Die Komödie Am Gendarmenmarkt Ab.-V. 97. Anf. 20( 8) U. Louis Ferdinand Staatl. Schiller- Theater, Charitbg. 20( 8) Uhr: CLAVIGO Bismarck 2414/7516 8 Uhr Es liegt in der Luft Dts. Künstler- Th. 81 Uhr: 81 U. Ende geg. 11 Gastspiel d. Deutschen Th. Piscatorbühne Theater am Nollendorfplatz Kurfürst 2091/93 Täglich 8 Uhr Malborough zieht in den Krieg von Marcell Achard Insz. Erwin Kalser Walhalla- Th. Weinbergsweg 19/20 Täglich 8, Uhr Der Prozeß Rund um den Mary Dugan Lessing- Theater Norden 12798 Schwarz- Weiß Sommerspielzeit Freitag 7 Uhr: Künstlerische Leitang Emil Lind Premiere Revue von Schiffer. Verbrechen Musik v. Spoliansky Barnowsky- Bühnen Th. Königgrätz. St. Theater des Westens Bergm. 2110. Täglich 7 Uhr Letzte 2 Vorstelig Gastspiel Leinen aus Moskauer jüd. Irland akad. Theater Volksbühne Komödienhaus Theater am Bülowplatz| Th. am Schiffbauerdamm 8 Uhr: 81 Uhr Die rote Der ZigarettenRobe kasten Norden 6304. Tägl. 8 Uhr: Heute 8 Uhr Abschiedsvorstellg. Die Reise Broadway Benjamins III. Rose- Theater Gr. Frankf. Str. 132 Kleines Theater 8 Uhr: Täglich 8 Uhr: CASINO- THEATER 8 Uhr Hopfenraths Erben Frau Käte läßt Lothringer Str. 37. Nur noch wenige Aufführungen Thalia- Theater sich verführen Die schwebende Jungfrau Dresdener Str. 72-73 Lotte Klinder, Berth. Ausschneiden. Gutschein 1-4 Pers. Täglich 8 Uhr Fauteuil nur 1,10 M., Sessel 1.60 M. Dyckerpotts Erben Reißig. Vorzeiger halbe Kassenpreise. Staatsanwalt Einheitspreis 1.50 Mark Täglich 8%, Uhr njerate im ,, Nr. 17% v. Jefferson Farjeon J'Vorwärts Komische 8 Uhr Oper 81%, Uhr JAMES KLEIN'S gewaltiges neues Revue Stück: Zich' dich aus! 200 Mitwirkende. Vorverkaut ab 10 Uhr ununterbrochen. Renaissance- Theater Steinplatz 901. Regie: Hans Lotz fichern Erfolg! 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Sommereisbahn Neue Welt. Es nehmen teil: Berliner Schlittschuhklub, SCC. Brandenburg und alle anderen Verbandsvereine. Gespielt wird an allen Wochentagen ab 21 Uhr. Schlußipiel Sonntag, 20. Mai, 20 Uhr. Vor den Wettkämpfen Auftreten der Eisfönigin Charlotte mit ihrem Partner Kurt Neumarm. Vereinskalender, Drisor. Arbeiter- Radfahrer Bund Solidarität". Touren für Simmelfahrt. Bez. 2, Ortsgr. Charlottenburg: Krampnisfee, Start 6 Uhr Galvaniſtr. 13. Lichterfelde: Gemischte Tour nach Rabelom, Start 5 Uhr. Drtsgr. Schi 2berg: Eichwalde, Start 8 Uhr Vereinslokal. Drtsgr. Treptow- BaumschulenMotorjahrer Neukölln: Neuruppin, Start 6 Uhr Herrfurthstr. 27. Detsgr. weg: Mönchswinkel, Start 6 Uhr. Fahnsdorf, Start 10 Uhr Bahnhof. Abt. Köpenid: Herrentour, Start 6% Uhr Bereinslokal. Bez. 21, Ortsgr. StralauRummelsburg: Müggelfee, Start 6 Uhe Türrschmidtstraße: Ortsor. Reiniden. dorf: 1. Abt.: Ziel am Start, für Herren 5. Uhr, Damen 6 Uhr Pesidenzstr. 109; 2. Abt.: Prenzlau, Start 4 Uhr; 8 Uhr Herren und Tamen, Start Antonienftraße 61. Drtsgr. Seinersdorf: Strausberg, Start 6 Uhr Kaiser- WilheimStraße 12. Achtung, Bundesgenoffen! Für Sonntag. 20. Mai, fallen alle Touren aus. Jeder muß früh 8 Uhr sich zur Wahlhilfe stellen. Der Gauvorstand. ( Schluß des redaktionellen Teils.) Marienlust finden ab Himmelfahrt Motorbootfahrten von der Schillingbrüde Nach dem am Fuße der Müggelberge herrlich gelegenen Ausflugslokal aus statt. Das neu renovierte Lofal mit dem am Wasser gelegenen Garten bietet Ausflüglern und Vereinen sowie Wassersportlern die gedeckten Bootsstände angenehmen Aufenthalt. Siche auch Inferat. Auch die bekannte Sonigfabrit von Gühler stellt ihre nahrhaften und bekömmlichen Produkte auf der Ausstellung Die Ernährung" zur Schau. Bir verweisen auf das Inserat im heutigen Geschäftsanzeiger. Fahrräder Rennfahrer Motorräder Richard Huschke Spezialität: Huschke- Rennlenker.:: Sämtliche Sport- Artikel. 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