Morgenausgabe Jtr. 236 A 120 4Z.Ii ob im fi anbei mit dem Titel.Der üdead', Illustrierte Beilaae».Polt und Aest' unb �diuberlreunb. Ferner .Uuterhaltuna uub Wisleu'.»grauen- Kimme"..leAnir,.Blich in die Bilchermelt" uns„Sogenb-SoanSrif". Berliner Volksblatt Gomttag 20. Mai 2928 Groß-Äerlin 15 pf. Auswärts 20 Pf. Di» einspaltige lllanpareillezeile SO Pfenuiz. lli-Namezeile S.— Reichsmatt..Steine Anzeigen" da» setige. oruckt« Wort 25 Pfeouig lzulissig zwei settgedruckte Wort«), jedes weitere Wort H Pseonig. Etclleng-juche das erste Wort!5 Psemiig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte Ober 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsworki .'seile SO Psemtia. FamMen anzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen. annähme im chauptgeschost Linden. iiratzell. wochentügl. oonSV. bis 17 Uhr. Jentralovgan der Sozialdemokratischen Vartei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin EW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292— 237 leIegrStlaoer«i." Da» von der Partei, die in der Regierung die Erfüllungspolitik»ernut- wortlich mitvertreten hat. von der Partei, die die„Dawes- Sklaverei" durch ihr« SOprozentige Zustimmung ermöglicht Hot'. Diese» Flugblatt ist niedrigster Betrugsoersuch.«ine Enthüllung de» wahren Gesichtes der Deutfchnationalen in letzter Stund«. « Parteien, die wie Deutschnatinunle und K»«, m u» i st e a den Wahlkampf mit bewaßterLügeand Fälschung führen, sind im tiefste« Grunde»»de«»- kr«tisch. Sie wolle« dem Volke nicht helfen, fonder« wollen es betrüge« und mißbranchen. Wer bewußt lügt, kann nur unedle Zweck« verfolge«! Wer wollt« Lügnern Vertraue« schenken! Die Wahllügen der letzte« Stunde falle» ans ihre Urheber znrück. Wähler, weist diese Parteien mit ver» achtnng ab. antwortet mit dem sozialdemokratifche« Stimmzettel! Einigkeit oder Zersplitterung! Zehn Jahre Arbeiterbewegung in graphischer Darstellung. 03223 lÄWii FJJ'J Achtung! Wahlergebnisse? Die Wahlergebnisse werde« am Montag morgen in einer Sondernummer des �Vorwärts' mitgeteilt, die auch den Abonnenten des..Vorwärts" zugestellt wird. In der Wahlnacht werde» die einlanfenden Resultate durch W a« d e r- schrift bekanntgegeben am Nollendorfplatz und an der Frledrichstraßenpassage, durch Scheinwerfer an der Hauptexpedttio« des „Vorwärts"» Liudenftraße 3. I» de« folgende« Filiale« des..Vorwärts" wer- de» die Resultate durch Aushang bekanntgegeben: Marknsstraß« 36.— Petersburger Platz 4.— Lau- fitzer Platz 14/13.— Immanuel? trchstraße 24»— WU< helmShavener Straße 48.— Müller» Ecke Utrechter Straße.— Wattstraße 9.— Greifenhagener Straße 22.— Renküll«: Slegfriedstraße 28/29.— Schüneberg: Belztger Straße 27.» Eharlottenbnrgt Kaiser- dämm 93.■— Treptow: Graetzstraße 50. Lichtenberg: Boxhagener Straße 62. Berlin, wo er einst Stuben: gswesen ist. Die Parlamcntswohl im Zrak Hot für die Annohm« des Der- träges mit Eogland ein« stark« Mehrheit ergeben. Die Regterung«. lei gewarm 70 Mandate. Die Aechiung des Krieges. Britische Zustimmung mit Klauseln. tondo«. 19. Mai.(Clgenbeckchth Außenminister Chamberloin hat dem nordamerikanischen Bot- schafter die britische Antwort auf den Vorschlag zur Aechtung de? Kriege« überreicht. In der Note erklärt sich Großbritannien im großen und ganzen mit dem Vorschlag«inverstanden. Es betont, daß zwischen dem französischen und dem nordamerikanischen Entwurf grundsätzliche verschUdeuhelten nicht vorhanden seien. Die britische Regierung sei bereit, aus vollem Herzen mitzi- arbeiten und die Verhandlungen zum Abschluß des Paktes mit den anderen Regierungen aufzunehmen. Zufriedenheit in Washington. Washington, 19. Mal. Im Staatsdepartement wird die britische Antwort aus Kellogg» Paktvorschlag als entgegenkommend und im ganzen zu- stimmend betrachtet. Man glaubt, daß auf dUser Basis weiter« Verhandlungen aufgebaut werden können. Zunächst wird man hie britischen Dominions und die indisch« Regierung durch besondere Noten zur Aeußerung und gegebenenfalls zum Beitritt auffordern. Die britisch« Regierung soll diesem Bersahren zugestimmt haben. Leon Blum fordert Annahme. Pari». 19. Mai.(Eigenberichts Im.Populalre" fordert Genosse Leon Blum unverän- derte Annahme des Kelloggschen Projektes. Er oerwahrt sich gleichzeitig sehr entschieden gegen den ihm selbst auf der Linken gemachten Vorwurf, daß er mit dieser Forderung dem Völkerbund in den Rücken fall«. Blum erinnert daran, daß die französtsch« Re- gierung selbst dt« Initiative zum Abschluß eine» Friedenspaktes er- griffen habe. Es fei daher unverständlich, daß sie sich jetzt so sehr gegen den Kelloggschen Dorschlag sträub«, den Pakt auf all« Staaten auszudehnen. Eine solch« Position fei logisch, moralisch und po- litisch ebenso unhaltbar wie die Behauptung, daß der Friedenspatt in der amerikanischen Fassung in Widerspruch mit den Pflichten der Völkerbundsmitglieder stehe. Wenn hierüber wirklich Zweifel be- ständen, so sei dos geeignete Mittel zu einer Klärung, den Völker- bund selbst um seine Meinung zu befragen. Nichts hindere die französisch« Regierung, die Angelegenheit in Genf auf dU Tagesordnung zu bringen._ Kaschistenkurs in Lettland. Protest der Sozialdemokratie. Riga. 19. Mal(Elgenberichlf Die sozialdemokrakisch« Fraktion hak im lettischen Parlament ««gen der saschisteufrenndllche» Tendenzen der Seglervug eine dringend« Znlerpellolloa eingebracht: besonder» nach dem 1. Mai sind zahlreiche Haussuchung an und llerhaf wogen in sozlalistlschen Redakllone'n und nnter leit. Sie bestreiten den Unternehmerorganisationen da? Necht, im Namen der„Wirtschaft' zu sprechen, zu der auch die breite Mass« der Arbeitnehmer gehört, wie sie In Hamburg und Bremen durch die Unterzeichner der Erwiderung vertreten wird- Nachdem der Aufruf gegen die übertriebenen Behauptungen prote» stiert hat, die die Unternehmer zum Beweis für die angebliche Ueber« belaftung der Wirtschaft anführen, heißt es u. a.: Sozial polillk ist auch bÄ unserer heuklgen Verarmung keine kierschwendnug. sondern dle«uwdelste Kapilalsanlage. Sozial» pollttt steht nicht im Gegensatz zur Wirtschaftspolitik, sondern sie «st ihr wichtigster Teil. Ganz besonders in einem Land« wie Deutschland, besten hauptsächlichster ZtcicKtum nicht in Rohstoffen, sondern in hochquallsizerten arbeitenden Menschen besteht. Deutschland? Bolkswohlstand kann nur durch pflegliche Behandlung dieses wichtigsten Produkt! onssaktors erhalten und gesteigert werden... Eine Senkung der Gestehungskosten der deutschen Wirtschast auf da» Maß erfolgreichen Wettbeiverbs ist eine allge» mein erroüirschte Forderung Sie koim aber nicht erreicht werdeu durch Lobnobbau und Senkuna der sozialen Ausgaben. Die pro- bukklve Wirkung der Dohuerhöhungeu als Anreiz zu größter Wirt- schasklichkeit für die Unternehmer hat der Reichsnllrtschastsral erst vor wenigen Tagen in einem Gutachten betont. Der Aufruf wendet stch dann gegen die Annahme einer steuer. lichen Ueberbelaftung des llnternehmertirms und stellt fest: Während die A rb eitnehm« rs chaft. durch das Elend der Mastenarbeitslosigkeit ihren Anteil an den Losten der Rationali- tierung voraus leistete, erhöhte die deutsche Arbeitgeber. schall mll Karlellpreisen die Leben shaltongstcslen über die Steige» rnng der Dölme und Gehälter hinaus. Mit aller Eindringlichkeit rufen die hanseatische« Srbeveruer. tretungen den deutscheu Wählern zu: Soziakpolttkk tut not, heute mehr den« fe. Tretet deshalb am 20. Mai ein für die Erhaltung und deu dringeud notwendigen Ausbau der deutschen Sozial- Politik. Arbeitnehmer, euer Schicksal liegt in eurer Hand. Gebt nur de» Parteien eure Stimme, dle de» sozialen Fortschritt als ihr erstes und vornehmstes Ziel betrachte«. Reichswehr und schwarze Reichswehr. Generalsaussagen im Stettiner Prozeß Gadecke. Stettin. 111. Mai. In der gestrigen Verhandlung de» Prozesto» um Gädecke wurde das Kapitel Reichswehr und Schwarze Reichswehr an- g'fchnitten. Es kam bei der vernehniung der Generale Gudooiua und Teschner zu bemerkenswerten Erörterungen. Letzterer war de? Vorgänge? des General» Gudovius in Küstrin. Rechtsanwalt Sack fragt die beiden Zeugen eingehend danach, ob sie die Leute der Arbeitskommandos für Soldaten gehasten haben oder nicht. Di« Zeugen erklären ungefähr überemstimmend, daß fle d'e Leute der Arbeitskommandos als Soldaten geholt« und de- Handelt hätten Die höheren Sommandostellen der Reichsivehr hält« die Leute zwar als rein« ArbÄter eingestellt, bei besonderen San». inaadostellcn sei aber eine andere Ausfassung vorhandea gewesen Jedenfalls Härten die Angehörigen der Arbeitskommandos da» moralisch« Recht gehabt, sich als Soldaten zu fühlen Nunmehr greift d»r Vertreter des Reichs wehrminffteriume, Oberst v. Harn- m e r st e i n, in die Vernehmung ein Oberst v..Hammerstein fragt die beiden General«, ob auf die Angehörigen de? Arbeitskommandos da» militärische Disziplinar gesetz angewendet worden f«i und ob sie deu militärischen B e r p s l i ch t u n g s s ch« i n hätten unterschreiben müssen Beide Zeugen verneinen. Wöhrend diese» Berhandllrngsabschmtts ereignet« sich ein Zwischenfall. Als Rechtsanwalt Sack General Gudovius fragt, ob die Offiziere der Arbeitskommandos auch an den Sportveranstaltungen der Offiziere teilgenommen hatten, ruft General Gudovius erregt aus:„Was wir damals getan haben, um die vberetalsmäßigen Formationen zu tarn«, da» soll jetzt alle» an die große Glocke gehängt werden!' Angeklagter Schulz behauptet zum Schluß, daß im Jahre 192.? die Angehörigen der Arbeitskommandos nie als Arbeiter, sondern stets gleich als Soldaten eingestellt worden seien. Bulgarischer Roischrei. Weiterzahlen nach der Erdbebenkatastrophe unmöglich. Sofia. IS. Mai.(Eigenbericht.) Dl« bulgaratsche Sozialdemokratie Hot an die sozialistisch« Arbeiterinternationale einen Bericht über d-i« Notwendigkeit einer Aushebung oder wenigsten» einer Stundung der Friedensoerpflich- Zungen Bulgariens gerichtet. Darin werden eingehende Ausführun- gen über die gewaltigen Derluft« gemocht, die Bulgarien infolge de« katastrophalen Erdbebens erlitten hat. Die beiden oerheereo- den Erdstöße vom 14. und IS. April haben 103 Todesopfer, 683 Verwundungen und einen Sochfchaden von nahezu 3 Milliarden Lewa verursacht. 27S bevölkerte Plätze sind von den Verwüstungen betroffen. Davon liegen 142 Ortschosten und drei Städte in Trümmern. Am schwersten leidet die arnie Bevölkerung, deren Lag« nach d« andauernden Regengüssen nicht zu be- schreib« sei. In Anbetracht der gewaltigen Summen, die die bulgarisch« Oeffenllichkeit für die Ernährung der betroffenen Bevölkerung und für den Wiederaufbau der zerstörten Städte und Dörfer aufbringen muß, sei das Land außerstand«, feine Reparationsleistungen fortzusetzen Bisher hallen die bulgarischen Regierungen diese Der- pflichtungen auf kosten der kleinen Beamten und der unbefriedigten wirtschastklchen Bedürfmste des Lande» getragen. Das Rettungswerk für die vernZchteten Kreise ließ« da» nicht mehr zu. Der Neutlly- Frieden gebe in seinem Artikel 122 die Möglichkeit, eine Stundung oder Herabsetzung der Derpflichtungen Bulgariens zu erreichen. Di» Borbedingung hierzu hätten die gewalttätigen Ratureleuwnte geschaffen. Die bulgarischen Sozialisten appellieren an die Internosonal«. sich bei all« Bruderpartei« dafür einzusetzen, daß b»cf« durch ihre parlamentarischen Frokationen und Delegierten beim Völker- b und da» Ansuch« Bulgariens um Ermäßigung oder Aufschiebung seiner Zahlungen unterstütz«, um das unglückliche Land vor Berzweifluvg und Zusammenbruch zu bewahr«. Der rvstfiche Schauspieler Runitsch. auch aus Sowjctfiimen be- ftrnK fit in R o w n»(Ostpolenl, wo«r gastiert«, verhaftet und «och Warschau gebracht worden. Grund unbekannt.... Bürgerblocks Himmelfahrt. Llmständehalber erst heute! prozeßbeginn in Moskau. Alte Entlastungszeuge« abgelehnt. Moskau. 10. Mist. Nach der sowjetrusstsch« Strafprozeßordnung hat da» Gericht zunächst über die Zulassung der beantragt« Zeugen zu beschließen. Auseinandersetzung« darüber füllt« dm erst« Lerhandlungstag aus. Auf Antrag des Oberstaatsanwalts Krylenko hat das Ge- richt fast olle Entlastungszeugen a b g el e h n t. ebenso die Zulassung der meisten von der Derteidigung beantragten Sachverständigen und Dokumente. Nur zwei Zeugen für d« reichsdeutschen Wonteu? Mater find zugelassen worden Die Verteidigung hatte dl« Vernehmung von Direktor« der so stark angegriffen« Firme» Krupp, AEG. oerlangt. Di« Untersuchung de» Geisteszustandes des Angeklagten und Kronzeuge» Boschkin. vom Verteidiger beantragt, lehnte da» Gericht, gleichfalls auf Antrag Krylenko», ab. Moskau. 10. Mai.(Meldung des Vertreter» des WTV.) Zweifellos wird der Versuch unternonnn«, auf das Gericht eine» Druck auszuüben, der sich weniger gegen Handlung« der Angeklagt« richtet als»die Schädlichkeit de» Kapstaltemus' nach- weis« soll..Prawda' gibt zu. daß das Bezirtsplenum der Bergarbeiter in Echochty da» Gericht zu beeinflussen ver- suchte, indem es im Namen von 20000 Arbeitern den Obersten Ge, richtshof um ein schonungsloses Urteil ersuchte.„Jswestija" hat— wohl in Erkenntnis des schlecht« Eindrucks dieses Schrittes — nicht d« Gerichtshof, fände« den Staatsanwalt als den Adressaten dieses Ersuchens genannt. * Moskau, 19. Mai. Das Gericht hat die Verlesung der Anklageschrist in der Schachty-Angelegenheit beendet. 16 Angeklagte bekannten sich schuldig, 12 als teilweise schuldig, darunter der deutsche Monteur Badstieber, der zugab, bei der Unterbringung un. tauglicher(?) Maschinen Beihilfe geleistet zu Hab«. 24 Angeklagte. darunter Otto und Meyer,«rNärten sich für nicht schuldige ---- Bei der Beriefung der Anllageschrift wurd« sämtliche politischen Hinwesse auf offizielle polnische und französische Stellen weggelassen. Der Teil d« Anklageschrift, der die deut« sche« Angeschuldigt« bettifst, wurde verdolmetscht WohnungsproteienundKirchenanleiheu 100 Millionen Mark Kirchenanleihen in Oeuffchland. Wir haben kürzlich die vom Reichsbankpräfident« Dr. Schacht und vom Reichsfinanznstnister Dr. Köhler ausgeübt« Diktatur über die öffentlichen Auslandsanleihen unter volks- wirtschaftlich« Gesichtspunkt« als in hohem Maße schädlich gekenn- zeichnet. Wir haben auf dl« Tatsach« hingewiesen, daß im Ausland Dutzend« von Klrchenonleihen ohne jede Kontrolle auf. gmommen werden können, während Hunderttausend« von Woh- nungsuchenden, die aus Kellerwohnung« und Hinterhaus- barock« herausmöcht«. durch die Köhler-Schachtsche Anleihediktatur, die Ausländsanleihen für den Wohnungsbau verhindert, auf jede Verbesserung ihrer Elendslag« verzichten müssen. Unsere Betrachtung« wendeten sich nicht in erster Linie gegen die Kirchenanleihen als solche, sondern gegen da» Volkswirt- schaftlich dumme und schädliche System, da» hinter der Anleihedittawr Kähler-Schacht steht. Es wurd« nänilich an Kirchmanleihen im Auslande auf- genommen: im Jahre 1923 mindestens g,■ 11,2 Millionen Mark ., 1926,... 48,3 m m 1927„••• 10,2„ M und 1928 bis Ende April wind 20,6.„ zusammen also mladefieu» 90.3 Million« Matt Wir sag« mindesten«, denn über die ausländischen Kirchen- anleih« gibt es merkwürdigerweise keinerlei amtliche Statistik. Hundert Millionen ausländische Kirchenanleihen zu schätzen, ist nicht zuviel. Für 100 Million« Mark hätten aber etwa 12000 Woh- nungsproleten an Lust und Sonne gebracht werd« kömien. Es ist aber auch falsch, wenn die.Germama' meint.« Handel« stch nur um kleine Anleih«. Ebenso weiß die Oeffenllichkeit nicht, wieviel Kirchenonleihen im Ausland ausgenommen wurden. Eo sind nämlich nicht mehr' und nicht weniger al» annähernd 300 Stück! Dle Bettöge einzelner Anleihen sind außerdem aber sehr respektabel. Dafür einig« Beispiele. Anleihen von über 1 Mil- lion Mark wurden uns folgend« bekannt: Katholische Gemeind« Düsseldorf Jull 1923. 1.1 Mill. Mark Katholische Kirche Bayern Iull 192S... 4.8„. Bistum Speyer Dezember 1923.... 1,0,. Deutscher Carttasverband 1926.... 12,6,, Bayerisch« Diözesen März 1926.... 21.0.. Inn. Miss.«, Kirche November 1926.. 10,S.. Deutscher Caritasverband 1928.... 12.6»» Priester v. heil. Herz. Jesu Düsseld. Mai 1928 M.. Es ist also nichts mit den klein« Beträgen. Es handelt sich um sehr große Anleihen, die in den einzeln« Fällen im Ausland aufgenommen ward« sind, und e« ist den HuiGerttausenden von Wohnungsuchend« in Deutschland wahrlich nicht damit geholfen, daß da» Zentralorgan der Zentrum« parte! Her« Relchssinanzimnister Dr. Köhler durch die Dehauptung zu decken sucht, er hob« keine aus- reichende Macht. Seine Macht reicht« aus, um auslän» dische Wohuuagsbauanlaihen zu verhindern! Ltngansche Gchreckensjustiz. Drei heimgekehrte Emigranten zu 53 Jahren Zuchthaus verurteilt. Als 1920 die serbischen Trupp« die innerhalb der kamaiig« Demarkationslinie gelegene ungarische Stadt Pees(deutsch: Mus- kirch«, serbisch: Baranyo) besetzt hielt«, wurd« in einer öffenllicheu Volksversammlung ein« Resolution angenommen, die— ossendar unter dem Einfluß der serbischen Besetzung und der gegnerevo- lutlonären Ereignisse in Ungarn— d« Anschluß von Pars an Jugoslawien forderte. Als später die serbische Besatzung die Stadt geräumt hatte, wurde ein« groß« Anzahl Person« wegen Teilnahm« an dieser Versammlung zu schweren Freiheitsstrafen ver- urteilt. Obwohl der Frieden von Trianon derartige Bestrafungen un- zweideuttg verbietet, kümmerte sich keine der.Signatarmächte" um diese armen Opfer der Rachcjustiz. Drei Führer der Pöcscr Arbeiter- bewegung. nämlich Josef Magyar, Josef Pees und Joses Kooz.cz flüchteten ins Ausland, oerbrachten einige Jahre in der Emigration und kehrt« später— im Bewußtsein ihrer Schuldlosigkeit— nach Pöc» zurück. Kaum waren sie daheim, wurd« sie ver- hostet und wegen Landesverrats unter Anklage gestellt. Der Gerichtshof erster Instanz verurteilte sie zu je zwölfjähriger Zuchthausstrafe, 10 Jahren Amts- und Rechtsoerlujt. Dieser Tage änderte die Perser Gerichtstafel das Urteil dahin ab, daß sie die über Josef Pees und Josef Magyar verhängte Strafe von 12 auflSIahre.die über Joses Koväcs verhängte Strafe aber von zwei auf IV Jahre Zuchthaus erhöhte! Mt den in ihrer Abwesenheit bereits früher über sie verhängten Strafen zu- stimmen beträgt derzeit da» Sestunlstrafausmaß gegen Zosef Magyar 25 Jahre, gegen Joses Pees 20 Jahre und gegen Josef fiooäes 13 Jahre Zuchthaus. Dieses Urteil bringt die Tatsache in Erinnerung, daß von jenem gegenrevolutionären Mob, der seinerzeit die i» die Hauptstadt Budapest einziehenden rumänischen Desatzungstruppen mit Jubelgeheul und Tücherschwenk« empfangen hatte, niemand wegen Landesverrat» angeklagt, geschweige denn verurteilt worden ist. Zapan und der Pekinger Protest. Hier bm ich, hier blech ich. Peking. 19. Mal. Der sapoaische Gesandle überrelcht« die Anttvortnole Japan» auf die vorletzte protesinole der pettnzer Regierung: darin heißt es. daß Japan solange seine Truppen in China werde hall« m Ssfcn. bis der Bürgerkrieg erloschen sei. Dle Ttole betont. dle Zlotwendigkeil. Frieden zwischen dem Nord« und dem Süd« herbttznlghv«. um dem Blulnergieß« endlich«in Ende Z» be- reiten. ksnnderl joponssche Familien Hab« Peking verlassen. Sämtliche japanisch« Geschäsle wurden geschlossen. GROSSER PFINGST VERKAUF DAMENKLEIDUNG UND-HUTE KINDERKLEIDUNG Wanderkleid___ Indanthren gefärbt kariert WZO Stoff m. einfarbig. Besatz Oam Sportkleid 1:75 Waschrips m. färb. Besetz Vsatap Mantel.... aus vorzOgllchem vCtUO Harrenstoff mit Passe£■ sj/mm Kleid vorzOgl. bedruckt Voll- volle, nie langen Armein bedruckter reinseidener Crdpe de Chine Strickkleid (Französische)f. Damen Reinwolle mit Bordüre, Pullover und Rock, zus. Mädchenkleid 1 M bleu Zephir, kariert R&ck- Q40 ehen(Steig. 0.40) Lg. 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Nur für die Hinterlegung von Aktien zur Teil- nähme an Generalversammlungen, sofern es sich um den letzten Tag der Hinterlegungsfrist handelt, und für Wechselzahlungen wird im Hauptgeschäft ein Schalter von 10—12 Uhr vormittags geöffnet sein. Berlin, den 20. Mai 1928. Berliner Handels-Gesellsctiaft S. Bleichröder Commerz- und Privat-Bank A.-6. Darmstädter und Nationaibank K. a. A. Delbrück, Sebickler& Co. Deutsche Bank Direction der Oisconto-Besellschaft Dresdner Bank J. Dreytus& Co. Hardy& Co. G. m. b, H. Mendelssohn& Co. Mitteidsutscbe Creditbank BESTE MUSIK DURCH EiEtmom GERINGSTE ANZAHLUNG KLEINSTE MONATSRATEN WflRUN LÄNGER WIEN? Wohnungen aller Gröben durch Westverlag, Potsdamer Strafe 48. Filiale: Oranienstr. 49(Moritzpi.) Prospekt, Verlreterbetuch kostenlos. Kurfürst 6054—6059. A ELECTPOLA GES. M. B. H. 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Freiheit und Recht und den sozialen Ausbau der deutschen Republik wirken wollen, zu ihrem Teil dafür zu sorgen, daß Schluß gemacht wird mit dem. was un» der Bürgerblock— in welcher Form auch immer— beschert hat. E» geht darum, daß die R e- a k t i o n nicht noch einmal a n die Macht kommt. damit sie die Zölle erhöhe und da» Brot verteuere, damit sie für Luxusausgaben Geld verschwende und für hungernde Sinder nicht» übrig habe, damit sie den Industriellen die Tasche« fülle und die sozialen Aufgaben vernachlässige; * Gewiß, heute ist Sonntag. Es ist Mai. Du willst heraus aus Berlin, au» der dumpfen Weltstadt, in der du läglich acht bis neun Stunden arbeiten mußt Du willst hinaus mit deiner Frau und deinen Kindern, in die Natur, um den einen Tag, den dir die Woche schenkt, draußen im Wald« oder am See zu genießen. Keiner kann e» dir verdenken. Aber vorher mußt du heute deine Pflicht tun. Auch deine Frau muß mitkommen, auch Jungen und Mädel, soweit sie wahlberechtigt sind, müssen ihre Pflicht erfüllen, um ihre Stimme abzugeben für die Partei, die kämpft um ein besseres Los für olle Angehörigen des Arbeiterstandes, um die Freiheit des Proletariats Sie müssen an die Urne treten. damit sie ihren Zettel abgeben mit dem kreuz neben Liste l. der Liste der deutschen Sozialdemokralle. Gerade die Arbeiterfrauen sollen sich daran erinnern, daß es die Sozialdemokratie war, die ihnen das Wahlrecht gab. Mögen sie bei August Bebel nachlesen, was er fdjon vor Jahrzehnten über die politisch« Aufgabe der Frau geschrieben hat. Gewiß, heute ist Sonnlag. Es ist Mai. Die Laubengärten warten, gcrad? jetzt ist viel zu tun. Am liebsten möchtest du, deutscher Wähler, schon vor dcn Hühnern ausstehen, um da draußen zu ackern und zu graben. Du sollst«». denn auch der kleinste Acker will bestellt werden. Aber vorher muß ein onderer Acker bestellt werden: der große Acker des deutschen Paterkandes und de» deutschen Volkes. Dazu ist heute der Tag. Ehe du in dein« Laube gehst, muht du mit deiner Frau und deinen Kindern, wenn sie da» wohlfähige Alter erreicht hoben, in dein Wahllokal gehen. Denn so, wie es bisher war. darf es nicht bleiben. Deine Klosse stellt die Mehrzahl der Wähler. Du hast die Macht über Steuern, Zölle und Pflichten und Recht« de» Bürgers, wenn du, wenn dein« Klosie in Einigkeit die Pflicht erfüllen. Es gibt nur ein« Einigkeit, da» ist die List« t dcr Sozioldemo- tratischen Partei. Willst du für Zersplitterung sorgen, willst du, daß für da» Proletariat nur geredet und nichts getan wird, dam, wähle eine de-r verschiedenen kommunistischen Listen oder versteige dich sogar zu den sogenannten Nationalsozialisten. Die richtige Parole ist: Vor der Arbeit in den Laubwgärten wird Liste 1 gewählt! Heute zählt deine Stimme. Wir hotten früher ein Reichstagswahlrecht, das zwar allgemein, direkt und geheim war. das aber nach Bismorckschem Raffinement— und der Kanzler des Sozialistengesetzes war gewiß kein Dummkopf— Wahlkreise hatte, die ein« gerechte Entscheidung unmöglich machten. In Ostpreußen, in Pommern, in Mecklenburg und in Westfalen wählten wenige Tousendo den konservativen Abgeordneten, in Berlin und in den Industriebezirken des Ruhr- gebiets mußten hunderttausend Stimmen aufgebracht werden, um einen Sozialdemokraten, einen Bebel, einen Singer, einen chue in das deutsche Parlament zu schicken. In Preußen logen die Dinge ja noch viel toller. Preußen hatte nach der Verfassungsurkunde vom 31. Januar 1350 einen Schein- Parlamentarismus, de? auf den Westeuropäer albern wirkte. Da war das jzerrcnhaus, das aus den großjährigen Pri}» jeH' des könUlchin Hauses, CeüUn also wie dem Oelscr Sechs- tagerenncnfreund und Eitel-Schieberich, sobald sie 18 Jahre alt geworden waren,'dem.ksaupte des Fürstlich chohenzollernschen Hauses von Sigmaringen, 103'Vertretern des Adels mit erblicher Borechti- gung, den Inhabern der vier großen Hosämter, 45 aus besondercin Vertrauen— es waren natürlich fast innner nur streng konservative Herren— und 170 auf Präsentation von S. M. berufenen Mitgliedern bestand. Zur Präsentation aber waren de- rechtigt die drei Domsttfter, neun Universitäten, acht Grasen, die In Rittergütern angesessen waren, 12 adelige Fomilienverbände, 48 Städte und 90 Verbände des alten und befestigten Grundbesitze»! Heut« möchte man lachen über diese» Parlament. Aber es sind noch kein« zehn Jahre vergangen, seitdem die Sozialdemokratie mit diesem Unfug oufräuntt«. Der Preußische Landtag aber setzte sich zusammen auf Grund des Wahlsystems, dos auf dem Artikel 71 der berüchtigten Derfaffung vom Jahrs 1850 beruhte. Die Höchst- besteuerten eines Bezirks, die das erste Drittel der Gcsanttsteucrn aufbringen, stellten die erste, die danach 5)öchstbesteuerten, auf die dos zweite Drittel entfiel, die zweite, und alle übrigen— mochten sie Steuern zahl«, oder nicht— die dritte 5Aasse. Auf Grund diejes un- geheuerlichen Wahlsystems fetzte sich dann das Parlament zusammen: es entschied natürlich immer mit rechtsbürgerlicher Mehrheit f ü r die Interessen des Monarchen und der Adels- und Finanz- koste, gegen die Interessen de» arbeitenden Volkes. Das find gewiß„olle Kamellen", und die Alten unter unseren Parteigenossen hoben Jahr für Jahr im Kampfe gegen die Staatsgewalt der hery- fchenden Hohenzollern gegen da» Schondwahlrecht demonstriert und gekämpft. Manch wackerer Genosse ist auf der Strecke geblieben im Ringen für die Befreiung seiner Klaffe. Aber gerade«im 20. Mai 1928 wollen wir uns daran erinnern. Denn heut« liegen die Dinge anders. Heute ist jede Stimme entscheidend, jede Stimme zählt, nicht eine geht vcr- lyren. Di« Sozialdemokratie hat dem Volte das gleiche Wahl- recht gesichert, der ausschlaggebende Faktor im politischen Leben ist das Parlament, sind die Vertreter, die du, Wähler, hie du, Wählerin, bestimmt hast. Kein« Steuer, kein-Zolt?�eln Gesetz ohne Zustimmung der berufenen Volksvertreter! Wenn du nach draußen fährst in den Wald, wenn dn in deinen Laubengarten tzelsii, ohne vorher deine wichtig st e und höchste Pflicht erfüllt zu haben, ohne vorher mit deinen Angehörigen an die W a h l u r n-« gegangen zu sein, dann hast du Schuld, wenn in den nächsten vier Iahren im Reichstag und in Preußen eine Politik getrieben wird, die deinen und den Intereffen deines Standes vis Glied des schaffen- den Volkes ins Gesicht schlägt. Heran an die Urne- heute ist(?ntschcidung»t«g; Wer seine Pflicht erkannt hat, geht hin und wählt« Liste 1, die Liste der Sozialdemokratie. Jack London: ��Solf�blUt. Es schritt breitbeinig zwischen den Büschen dahin, als es einen scharfen, drohenden Schrei vernahm. Etwas Gelb- liches schoß blitzschnell an seinen Augen vorüber, und es sah ein Wiesel hinwegspringen. Da es nur ein kleines Geschöpf war. so Haie es keine Furcht. Dann erblickte es dicht vor seinen Füßen ein noch viel kleineres Wiesel, ein nur einige Zoll langes Junges, das ebenso ungehorsam wie das Wölflem auch auf Abenteuer ausgegangen war. Es versuchte zu fliehen, und der junge Wolf drehte es mit der Pfote um und um. Es gab drollige, schrille Töne von sich, als abermals der gelbliche Blitz vor den Augen des Wölfleins vorüberschoß. Abermals hörte es den drohenden Schrei, empfing zu gleicher Zeit einen heftigen Schlag am Halse und fühlte die scharfen Zähne der Wieselmutter in seinem Fleische. Das Wölflein schrie gellend auf und kroch rückwärts, während es sah, wie das Wiesel auf das Junge zusprang und im nahen Dickicht verschwand. Der Biß am Halse schmerzte, aber tiefer noch war es in seinen Gefühlen verletzt, und es setzte sich hin und winselte kläglich. Das Wiesel war doch nur so klein, und dennoch war es so wild. Das Wölflein hatte noch zu lernen, daß ein Wiesel trotz seiner Kleinheit und seines geringen Gewichte» der blutdürstigste, rachsüchtigste und schrecklichste Mörder der Wildnis ist; und diese Er- kenntnis sollte ihm bald zuteil werden. Es winselte noch, al» die Wieselmutter wieder erschien. Sie schoß diesmal auf den Feind los, da ihr Junges in Sicherheit war. Sie näherte sich ihm vorsichtig, und dos Wölflein hatte Zeit, den dünnen, schlangenartigen Leib und den hacherhobenen spitzen, ebenfalls schlangenhaften Kopf zu betrachten. Das durchdringende, drohende Geschrei des Wiesels machte, daß dem Wölflein das Haar zu Berge stand, und«» knurrte warnend. Aber das Wiesel kam immer näher, endlich machte e» einen Satz, schneller als das ungeübt« Auge de» Wölfleins demselben folgen konnte, und der dünne. 8elb« Körper, der einen Augenblick seinen Augen entschwun- en war, hing im nächsten ihm an der Kehle, wo die Zähne desselben sich durch sein Fell tief ins Fleisch bohrten. Zuerst knurrte das Wölflein und setzt« sich zur Wehr, aber es war noch sehr jung, und dies war sein erster Tag draußen in der Welt, und so wurde das Knurren zum Ge- winsel, und der Kampf endigte in einem Fluchtversuch. Doch da» Diesel ließ nicht locker-, es hielt fest und mühte sich, mit den Zähnen die große Schlagader zu erreichen, wo dos Lebensblut kreiste. Denn es sog ja den Tieren das Blut aus, und am liebsten tat es ihnen dos bei lebendigen: Leibe, und so wäre es mit der Geschichte des grauen Wölfleins aus ge- wesen, wenn nicht die Wölfin durch das Gebüsch herbeige- sprungen wäre. Da ließ das Wiesel die Beute los und schoß blitzschnell der Wölfin an die Kehle. Aber der Sprung ging fehl und traf nur auf den Kinnbacken. Da schlenkerte die Wölfin mit dem Kopf hin und her. wie man mit der Peitsche tut. wenn man knallen will, und schleuderte dabei das Wiesel boch in die Luft. Dann fing sie es auf, und ihre Kinnladen schlössen sich über dem dünnen, gelben Körper, und unter ihren zermalmenden Zähnen hauchte das Wiesel sein Leben aus. Nun spielte sich eine Szene voll überquellender Zärtlich- keit zwischen der Wölfin und dem grauen Jungen ab. Die Freude der Mutter, ihr Kind wiederzufinden, war vielleicht noch größer, als die des Wölfleins. Sic liebkoste es mit der Schnauze und leckte ihm die Wunden, welche die Zähne des Wiesels ihin beigebracht hatten. Dann oerzehrten sie zu- sammen den Blutsauger und gingen darauf zur 5iöhle, um dort zu schlafen. 5. Das Recht auf Fleisch. Das Wölflein entwickelte sich schnell. Es ruhte sich. zwei Tage aus, dann wagte es sich wieder aus der Höhle. Bei diesem Abenteuer fand es das jung« Wiesel wieder, dessen Mutter es mitoerzehrt hatte, und es sorgte dafür, daß das Junge der Mutter nachfolgte. Diesmal aber verirrte es sich nicht. Als es müde war, trat es den Rückzug zur Höhle an, um zu schlafen, und jeden Tag machte es sich nun auf Aben- teuer aus und wagte sich immer weiter hinaus. Es fing an. seine Stärke gegen seine Schwäche genau ab- zuwägen und zu wissen, wann es kühn und wann es vorsichtig sein müßte. E» fand ratsam, immer vorsichtig zu sein, bis auf die seltenen Augenblicke, wo c» aus die eigene Uner- schrockenheit sicher bauen konnte, um sich Wutanfällen oder Begierden hinzugeben. Immer gebärdetc es sich wie ein kleiner Teufel, wenn es ein verirrte» Schnsehubn antraf, und stets ontwarteto es wütend auf das Geschnatter des Eichhörnchens, das es zuerst an der zerschmetterten Tanne getroffen hatte. Der Anblick eines Hähers versetzte es fast immer in die wildeste Wut, denn nie vergaß es den Schnabelhieb, den es von dem ersten Vogel dieser Gattung auf die Nase erhalten hatte. Allein es gab Zeiten, wo selbst ein solcher Bogel es nicht aufregen konnte. und das war. wenn es sich vor einem lauernden Feind in Ge- fahr glaubte. Nie vergaß es den Habicht, und ein beweglicher Schatten trieb es ins nächste Dickicht, wo es niederkauerte. Es schritt nicht länger breitbeinig und ungeschickt einher, son- den» nahm allmählich den schleichenden,»»erstohlenen Gang der Mutter a», indem es scheinbar ohne Anstrengung mit un- berechenbarer Schnelligkeit dahinglitt. Aber nur am Anfang hatte es bei der Jagd auf Raub Glück gehabt. Die sieben Küchlein des Schneehuhns und das junge Wiesel waren lange alles, was es getötet hatte. Mit jedem Tage jedoch wuchs fein Verlange zu töten, und hungrig und ehrgeizig verlangte es nach dem Eichhörnchen. das so geläufig schnatterte und alle wilden Geschöpfe vor der Annäherung des Wölfleins warnte. Aber wie die Vögel in die Luft aufflogen, so konnten die Eichhörnchen auf Bäume klettern, und das Wölflein konnte nur versuchen, das Eich- Hörnchen unbeobachtet zu beschleichen, wenn es auf dem Boden war. Es hatte großen Respekt vor der Mutter. Ging sie auf Raub aus, so brachte sie ihm stets seinen Anteil daran heim-, auch hatte sie vor nichts Angst. Es kam ihm nicht in den Sinn, daß diese Furchtlosigkeit auf pirsichruug beruhte, es machte ihm den Eindruck von Macht. Die Mutter stellte ihm die Macht vor, und es fühlte dieselbe, als es älter wurde, in der härter strafenden Pfote, in dem scharfen Biß der Zähne, der gegen den sanften Stoß der Nase vertauscht wurde. Des- halb hatte es vor ihr Respekt, denn sie zwang ihn zum Ge- horsam, und je älter es wurde, desto leichter wurde sie böse. Abermals brach eine Hungersnot aus, und das Wölflein erfuhr vor neuem, und diesmal mit klarem Bewußtsein, die Pein des nagenden Hungers. Die Wölfin magerte aus Mangel an Nahrung ab. Sie blieb kaum mehr in der Höhle, sie verbrachte die meiste Zeit auf der Suche und immer ohne Erfolg. Diese Hungersnot dauerte zwar nicht lange, war aber sehr heftig. Das Wölflein fand keine Milch mehr in der Mutterbrust, auch bekam es nicht einen Bissen Fleisch. Früher hatte es zum Scherz gejagt, �um bloßen Zeitvertreib, jetzt war es bitterer Ernst damit und dennoch fand es nichts. Dach dieser Mißerfolg entwickelte seine Fähigkeiten. Es studierte die Gewohnheiten des Eichhörnchens sorgfältiger und bemühte sich, dasselbe mit größerer Schlauheit zu beschleichen.. Es studierte auch die Waldmäuse und versuchte, sie aus ihren Löchern herouszugraben: es lernte die Gewohnheiien der Spechte und anderer Vögel kennen. Dann kam ein Tag, wo der Schatten des Habichts es nicht mehr ins Gebüsch und ins Versteck trieb. E» wurde stärker, klüger, zuversichtlicher! auch war es in Berzweiflung, So saß es ganz offenkundig in der Lichtung und forderte den Habicht in den Lüften heraus- Denn es wußte, daß dort über ihm im Blauen Speise sei, w� nach sein Magen so beharrlich verlangte. Allein der Habicht wollte nicht Herabkommen, um zu kämpfen, und das Wölflem kroch ins Dickicht zurück und winselte vor Enttäuschung und Hunger, (Fortsetzung folgt.) j „Doktor Mabuse" gefaßt. Wilde Zagd im KarlShorfier Laubengelände. Seil mehreren Wochen war die Kriminalpolizei hinter dem berüchtigten Schwerverbrecher, dem 26 Zahre alten Friedrich Bergemann. her. der in seinen Kreisen .Dr. Mabuse" genannt wird. Schon dreimal war es ihm gelungen, aus Zuchthäusern zu entweichen, dos letztemal im Oktober v. I. aus Branden- bürg a. d. Havel. Außer einer ganzen Reihe schwerer Wohnunzs- einbräche fallen ihm auch verschiedene Schwindeleien zur Last, die er erfolgreich mit Hilfe einer gestohlenen amerikanischen Detektiv- marke ausführte. Dieser Ausweis legitimierte ihn auch beim Verkauf der„Sore". Schon Anfang Mai war man ihm dicht auf den Fersen. Seine zahlreichen Freund« ermöglichten ihm aber ein Ent- schlüpfen, indem sie das Ueberfallkommondo alarmierten. Durch den entstehenden Auflauf wurde Bergemann rechtzeitig gewarnt. Gestern früh hatten nun Beamte der Dienststelle B. 1 sein neues Bersteck in einem großen Laubengelände an der Salz- mannstraße zu Karlshorst entdeckt. Die Kolonie wurde eingekreist. Frau Bergemann, die gerade ihren Mann besuchte, wurde auf die Beamten aufmerksam und warnte den in der Laube Schlafenden. Bergemann ergriff die Flucht und es begann eine wilde Jagd über Beete, Hecken ztnd Zäun«. Der Kommissar konnte dem Fliehenden den Weg abschneiden und erreichte ihn als erster am Bahndamm der Vorortstrecke. Auf den Zuruf„Hände hoch!" gab Bergeinoem den Widerstand aus und lieh sich fesseln. In der Laube fand man 2 0 leere Sekt- und fünf ebenso ll s leere Kognakflaschen."Juch für diesen Fund gab es bald eine Erklärung. Bergemann, der sich in Berlin nicht mehr sicher fühlt«, hatte am Freitag abend alle seine Kumpane zu einem Abschiedsfest eingeladen und wollte in der folgenden Nacht mit seinem Fahrrad nach Leipzig verschwinden. Verzweiflungstat eines Alten. Llm das lehte Geld betrogen! Bor dem Schwurgericht des Landgerichts l gab es einen Prozeß, der menschlich erschütterte: Bor der Schranke stand ein alter un- vorbestrafter Mann unter der schweren Anklage des ver- suchten Mordes. Der Graveur P. hat in seinem Leben viel Kummer und Aerger durchgemacht. Unglücklich verheiratet, ist er vor der eigenen Frau nach Amerika geflüchtet, später hat er sich wieder mit ihr zusammengetan und sie mit Geld unterstützt, dann aber war sie es, die ihn von neuem verließ. Nach Deutschland zurückgekehrt, hat er sein letztes Geld, den Rest des mühsam Ersparten, ganze 2000 Mark, in das Geschäft eines Bäcker meisters gesteckt, der ihn mit großen Versprechungen betört hatte. Bald war das Geld weg, und da packten de» alten Mann, der um olles betrogen war, Wut und Haß. Er wollte und mußte sich rächen an dem, der ihm sein Letztes nahm, und an oll dem Leid, das er ein schweres Leben lang durchgemacht hatte. Er lauerte dem, der ihn geprellt hatte, mit der Waffe auf, er s ch o ß, und als er fehlte, zog er einen Stockdegen und st a ch unter dem Rufe:„Jetzt, Hund, fährst du in die Hölle!" Der Bäckermeister erhielt dreileichteStiche in den zur Abwehr erhobenen Oberarm. Darum stand nun der alte, müde und zer- mürbte P. wegen versuchten Mordes vor den Richtern. Seinem Gegner ist gerichtlich auch eine Verurteilung zu sechs Monaten Gefängnis bescheinigt, wes Geistes Kind er ist. Wohl niemad empfand Sympathie für das Opfer des Attentats. Der alte Mann, klein und zusammengeschrumpft, hatte die Zuneigung aller. Aber er hat gesagt, daß er den anderen zwar nicht töten wollte, jedoch mit der Möglichkeit gerechnet und ihr Emtreten nicht bedauert hätte. So mußte es denn zur V e r u r t e i- l u n g kommen: Das Gericht erkannte auf vier Monate und eine Woche Gefängnis unter Zubilligung von Bewäh- rungsfrist. Der Verurteilte verließ den Gerichtssaai, lmd voll Mitgefühl folgten ihm die Blicke aller Anwesenden. Dem in Wahrheit moralisch Berurteilten, dem Hauptbelastungszeugen, dem durch die Messerstiche Verletzten, stand nion weniger freundlich gegen- über..... Eiu neuer Schülerselbstmord. Während der Abwesenheit seiner Eltern verübte gestern der ISjährige Oberrealschüler Hermann Votteler in der elterlichen Wohnung, Albrechtstr. IIa in Potsdam, Selbstmord. Er drehte in der Wche sämtliche G a s h ä h n e auf und legte sich dann platt auf den Fußboden. Der Beweggrund zu dem Selbstmord ist bisher unbekannt. Der Verstorben« galt als einer der b e st e n Schüler. Ei« Schrecken der Radfahrer. Die zahllosen Fahrradräubereien des Gärtners Jakob H i p p m a n n, die von Juli bis gegen Weihnachten 1927 zu einer allgemeinen Beunruhigung geführt hatten, gelangten vor dem Schöffengericht zur Aburteilung. Mit Hippmann waren seine Hehler angeklagt: Der Fahrradhändler Emil Surma aus der Petristraße, der erwerbslose Kaufmann Martin N o a ck und der Kutscher Otto Türpe. Die drei zuerst genannten Angeklagten hatten zusammen etwa 50 Vor st rasen aufzuweisen, von denen allein 20 auf H i p p m a n n entfielen. Hippmann ist ein schwerer Junge und war Ansang Juli aus der Strafanstalt in Plötzensee entwichen. Es werden Am Abend vor der Wahl. Roke Fackeln leuchten! Die Sozialdemokratie hat am gestrigen Vorabend der großen Wahlschlachl in vielen Bezirken Berlins Werbeumzüge mit Fackeln und Musik veranstallel. um noch einmal, in letzter Stunde, dem schaffen- den Volke zu sagen, was morgen die Pflicht verlangt. Eins leuchtet aus allen Meldungen, die uns zugehen, hervor: Die Beteiligung war überall glänzend, die Bevölkerung zeigte der Sozialdemokratie ihre Sympathie durch freudige Zurufe. Wir sehen dem heutigen Tage mit Zuversicht entgegen. Es ist natürlich unmöglich, über alle Veranstaltungen zu be- richten. Erwähnt sei, daß im Wedding der Fackelzug unserer Genossen besonders imposant verlief. Hier werden wir morgen einen schönen Erfolg buchen können—" allen kommunistischen Sabotierungsversuchen zum Trotz! Die Kampfesart der Moskowiter zeigte sich auch bei dem glänzenden Umzug unserer Genossen in Neukölln: Unsere Frauen waren es, die mit Unflätigkeiten aus Kaschemmen beschimpft wurden. Ein wahrer Bolksumzug war die Demonstration in Baumschulenweg, und in Schöneberg war es nicht anders. Auch in allen anderen Stadtteilen nahmen unsere Kundgebungen einen großartigen Verlauf. Die Sozialdemokraten Berlins und alle ihre Freunde und An- Hänger werden sicher mit dem Erfolg ihrer treuen Arbeit für die Partei zufrieden sein dürfen. * Die andern, die Reaktionäre, freilich haben scheinbar den K u r- fürstendamm gepachtet. Die Straße der„Damen" und „Elegants" glich gestern einem Makulaturladen zertrampelter Größen. Bismarck, der alte Fritz und alle übrigen Protektoren nationalistisch schlagender Wählerherren liegen, mit Straßenstaub in Form von Stieselabsätzen beschmutzt, in wüsten Hausen am Boden herum. Immer neue Ladungen gedruckter kategorischer Imperative durchslattern die Lust und landen im Dreck. Kleine und kleinste Erdenbürger, deren Wahlinteresse mindestens ein Jahrzehnt vor- datiert ist, schwingen spielerisch Fähnlein, die ihre häuslichen Be- fehlshaber ihnen ins Händchen drückten.... Eine kleine Episode. Wir erhalten diese hübsche Zuschrift einer Leserin:„Heute er- lebte ich eine kleine Episode, die so erheiternd war, daß ich sie nicht für mich behalten möchte. Mit meinen beiden Kindern, einem 2�- jährigen Knaben, einem äjährigen Mädel und einer jungen Be- kannten bestieg ich auf dem Bahnhof Köpenick das Abteil eines Stadtbahnzuges, um nach Charlottenburg zu fahren. Zu uns kamen noch zwei ältere Damen, die, einander fremd, bald in ein Gespräch kamen, dessen Gegenstand mein« Kinder waren. Beide sind gesund, gepflegt und gut erzogen, so daß eine der Damen nicht genug bewundern, sich freuen und anerkennen konnte. Mein Instinkt warnte mich vor der Frau, und ich beschränkte mich, um nicht direkt unfreundlich zu sein, auf ein verbindliches Lächeln. Sie sah nämlich aus, wie einer Wahlversammlung des „Vaterländischen Frauenvereins" entsprungen, und sie kam auch gleich von der Kindererziehung ckuf die„h e i l i g st e n Güter der Nation" zu sprechen, die nach ihren Worten in Gottesfurcht und deutschnationaler Gesinnung gipfelten. In nicht endenwollendem Fluß entströmten die abgeklapperten Phrasen ihrem Munde. Es war eine Blütenlese, bei der weder die Be- schimpfung der sozialistischen Arbeiter, die Glorifizierung„unseres Generalfsldmarschalls", das Märchen vom„Dolchstoß"— noch die Erinnerung an die herrlichen Zeiten unter der„geheiligten Person unseres Kaisers" fehlten. Auch ohne ihr Bekenntnis. Mitglied der Deuffchnationalen Partei zu sein, hatten sie ihre Ausführungen zur Genüge klassifiziert. Di« Anwesenheit meiner beiden kleinen Kinder sowie die offen- sichtliche Lächerlichkeit dieser Frau bewegten mich, passiv zu bleiben und nur unauffällig diesen Ergüssen zu lauschen. Der Zug fuhr nur bis zum Schlesifchen Bahnhof: dann mußten wir um- steigen. Während ich meinen Kindern beim Aussteigen behilflich war, stand diese Frau, dadurch aufgehalten, neben mir und sah uns vor Wohlwollen und Selbstzufriedenheit strahlend an. Da mochte ich nicht länger an mich halten, und ich sagte ihr mit Liebenswürdig- keit:„Ja, sehen Sie sich die Kleinen nur an, denn es sind Kinder v o n S o z i a l i st e n." Ich kann mich nicht erinnern, jemals ein so bestürztes und er- stauntes Gesicht gesehen zu haben. Ihre Entgegnung, nachdem sie sich etwas erholt hatte:„Das ist ja n i ch t m ö g l i ch! Sie sind wirklich Sozialistin? Wie schade!" deckte sich denn auch mit ihrem Gesichtsausdruck. Da bestätigte ich ihr stolz und herzlich lachend:„Ja gewiß, i ch bin S o z i a l i st i n und bereits seit meinem 16. Lebensiahre." Oer Gipfelpunkt? Gestern morgen berichteten wir unter der Ueberfchrift„Ca- p i t o l ärgert sich" über die Anmaßung einer Grund- stücksverwaltungsgesellschaft, die es einem Mieter verbieten will, ein Transparent mit einer Propaganda für die Sozialdemokratische Partei an seinem Balkon zu befestigen. Bei Nichtentfernung wurde mit der Räumungsklage gedroht. Der Mieter aber war klug genug, es darauf ankommen zu lasten, und er hat inzwischen ein Schreiben bekommen, das die Richtigkeit un- serer im gestrigen Morgenblatt wiedergegebenen Vermutungen b e- stätigt. Dieser Brief ist so originell, daß wir ihn im Wortlaut wiedergeben: „Trotz unserer Aufforderung vom 16. Mai cr. und der münd- lichen an Sie gerichteten Aufforderungen durch unseren Ver- walter, Herrn...... haben Sie das Transparent an unserem Hause nicht entfernt. Wir teilen Ihnen deshalb mit, daß wir nunmehr unseren Rechtsanwalt mit der Einreichung der Räum- ungstlage beauftragen. Es kann uns nicht zugemutet wer- den, zu dulden, daß unser Grundstück für die Wahlpropoganda benutzt wird. Dies umso weniger, als wir der Partei, für welche Sie Propaganda machen« nicht angehöre n." Do haben wir es! Das ist der Gipfelpunkt der Unverfroren- heit! Keine sachlichen Gründe veranlaßten die Grundstücksoer- waltungsgesellschoft Capitol dazu, gegen ihren Mieter vorzugehen. Der allgewaltige Hausbesitzer wollte den„schwachen Mieter", in- dem er ihm das Messer der angedrohten Räumungsklage auf die Brust setzte, verhindern, von der Ausübung seiner g e- währlei st eten verfassungsmäßigen Rechte Ge- brauch zu machen.„Wir gehören der Sozialdemokratie nicht an, deshalb dürfen Sie, Herr Mieter, für die Sozialdemokratie keine Propaganda machen," das war des Pudels Kern! Zu erwarten steht, daß die Herren vom Capitol mit ihrer Räumungsklage gründlich hereinfallen. Es wird ihnen u n- möglich gemacht werden müssen, auf ungesetzlicher Grund- läge die Macht des Stärkeren herauszubeißen, und hoffentlich gibt es ein M i e t e i n i g u n g s a m t i n N eu totln, das diesen Herren auf die Finger klopft und sie in die gebührenden Grenzen verweist. Vlelüer Stimmzettel für das Reich.— Roter Stimmzettel für Preußen. Beide müßt ihr ausfüllen und in beiden den Kreis der Liste 1 ankreuzen. ihm etwa 8 0 Fälle von Fahrraddiebstählen nachgewiesen. Er arbeitete mit einem besonderen Trick. Meist führte er einen großen Hund an der Lein« und gab diesen den jungen Leuten, aus deren Fahrrad er es abgesehen hatte, zum Halten, während er ihnen auf dem Rade einige Kunststück« vorführen wollte. In vielen Fällen hatte er auch unbewacht stehende Räder gestohlen. Hippmann war g e st ä n d i g. Das Schöffengericht verurteilt« Hippmann zu drei Jahren Zuchthaus, 300 Mark Geldstrafe oder weiteren 30 Tagen Gefängnis und 5 Jahren Ehrverlust, Surma zu 1 Jahr 6 Monaten Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust, Noack zu 6 Monaten Gefängnis, Türpe zu 3 Monaten Ge- f ä n g n i s. Zwei tödliche Unfälle. Auf dem Lehrter Güterbahnhof ereignete sich gestern ein folgenschwerer Betriebsunfall. Der Güterarbeitcr H« n s e l über- hörte einen heranrollcnden Güterzug und wurde von der Lokomotive gegen die Mauer eines Speichers gedrückt. H. erlitt schwere innere Verletzungen und wurde in das Urbankrankenhaus übergeführt, wo er einige Stunden nach seiner Einlieferung starb.— Vor dem Hause Chaussee st raße 63 wurde gestern der 58jährige Schneider Friedrich Masche aus der Acker st raße 63 beim Ueberschreiten des Fahrdammes von einem Privatauto über- fahren und schwer verletzt. Der Verunglückte wurde zur nächsten Rettungswache gebracht, wo der Arzt jedoch nur noch den inzwischen eingetretenen Tod infolge doppelten Schädelbruches feststellen konnte._ Äerlin-potsdam elektrisch. Gestern suhr der erste elektrisch« Probezug von Grüne- w a l d nach Potsdam. Der Zug, bestehend aus drei Trieb- und drei Beiwagen ist ganz aus Metall gefertigt und in leuchtenden Farbtönen gehalten. Die Wagen der 3. Klasse sind oben gelb, unten rot, die der 2. Klasse sind zum Unterschied oben blau, unten rot gestrichen. Bequeme Schiebetüren sind ähnlich denen der neuen Hochbahnwagen, zum Schutz gegen das Einklemmen der Finger mit Gummifalzen versehen. Die Sitzbänke bieten bequeme Sitzgelegen- heit und sind in der 2. Klasse mit blaugrauem Plüsch bezogen. Der Führerstand ist von dem Raum für Fahrgäste durch ein« Schiebetür getrennt. Sämtliche Schalter, Werkzeuge, sowie ein Handfcuer- löschcr befinden sich im Führerabteil. Nach einer sanften Anfahrt steigt die Zugsgeschwindigkeit sofort aus volle Fahrt, die etwa 50 Kilometer pro Stund« betragen dürfte. Der elektrisch betriebene Zug erreichte sein Ziel Potsdam in etwas kürzerer Zeit als sein von der Dampflokomotive gezogener Bruder. In allernächster Zeit soll der Zug seiner praktischen Bestimmung übergeben werden. Todesstnrz einer Neunjährigen. Auf tragische Weise kam gestern mittag die neunjährige Hilde Schwarze aus der Geygerstraße 5 zu Neukölln ums Leben. Das Mädchen spielte mit gleichaltrigen Kameraden auf dem Treppenflur des Hauses Geygerstraße 4. Die Kinder machten sich am Geländer zu schaffen und plötzlich verlor iiilde Schwarze den Hall und stürzte aus der Höh« des ersten Stockwerks kopfüber in d e n Treppenschacht hinab. Das Kind erlitt einen doppelten Schädelbruch und starb noch ehe der zu Hilfe gerusene Arzt an der Unfallstelle erschien. ßankdettsteNe zusammenklappbar, mit grauem, I testen)(.elnenbazug ..10: 90 Polsterbettsteüe zusammenklappbar» yi -v3 S75 izug Jutestoff...... v— J Msngenabgabe vorbehalten. [Sebr-icTk-i�n-Stn� pmegtorferStr. Lpn der Ri �marck-Str: Kinder Klappwagen (Verkauf nur Prinzen�r. Ecke SebaatfanstraBe) mit Sitz- und-d Q__ Rückenpolster. iVr.aO laut Abbildung, helle Parben, mit Verdeck, Ledertuch-FuB- eack und Gummi- Ofl'„ rüdern......"/ Schlafdecke Streifenkanta grau, mit 12.75 Steppdecke � � aaitig, divers« Farben..... Daunendecke KoS prima französischer Daunen- perkal, Blumenmuster, 1« Daunen, ca. 155X205...vJUMiU Ueberlaken guter Wüschestoft mit hand- 7 Qer gezog. Hohlsäumen, 150X250» Kissenbezug zum Ueberlaken passend, zum 9 ar Knüpfen, 80x80...... Garderobenschrank weiD lackiert, mit Hut-—. boden u. Stange, bügel- r|A tief. 192 cm hoch.... 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Die Tätigkeit der Polizei am Wahltag besteht vor allem in der S i ch e- r un g der einzelnen Wahllokale sowie in der Ausrechtcrhaltung eines umfangreichen Streifen- und Patrouillendienstes, um Zusammenstöße zwischen Anhängern der verschiedenen politischen Richtungen zu verhindern. Putrouillenautvs werden den ganzen Tag über, wie auch in den Abendstunden, wenn die Berkllndung der Wahlresultate beginnt, die Hauptverkehrsstraßen durchstreifen, ebenso stehen sie auch für die Außenbezirke der Stadtgemeinde Berlin zur Verfügung, damit im Notfall auch in die Gegenden, die weniger stark mit Polizei besetzt sind, schnell Berstärkungen geworfen werden können. Wie immer bei derartigen Anlässen stehen in den Polizeiuntcrkünften auch die Bereitschaften alarm- fertig. * 5m Südosten, an der Ecke Wrangel- und Skalitzer Straße kam es gestern abend gegen 20 Uhr zu schweren Straßen- ausschrcitungen. Ein etwa 400 Mann starker Demonstrationszug der KPD. wurde von Mitgliedern der N a t i o n o l j o z i a l i st i s ch e n deutschen Arbeiterpartei, die in mehreren Lastkraftwagen vorüber- fuhren, beschimpft und mit Steinen beworfen. Es entstand eine Schlägerei, in deren Verlauf mehrere Schüsse sielen. Polizeibeamte eines Begleitautos griffen ein und mußten, um die Ordnung wiederherzustellen, Schreckschüsse abgeben und vom Gummiknüppel Gebrauch machen. Em Polizeibeamter erhielt im Handgemenge von einem Nationalsozialisten mit einem Schlagring einen Hieb ins Gesicht, wobei ihm das Nasenbein zer- t r ü m m e r t wurde. Drei Zivilpersonen erlitten Verletzungen durch Schläge mit dem Gummiknüppel. Sie wurden zur nahe- liegenden Rettungsstelle 4 gebracht, von wo sie nach ärztlicher Be- Handlung und Anlegung von Notverbänden wieder entlassen werden konnten. Vier Personen wurden zwangsgestellt und der Abteilung I A im Polizeipräsidium zugeführt. Die Verhasteten behaupteten bei chrer Vernehmung, keiner politischen Partei anzu- gehören. llmboL am I�ingbahnhof Frankfurter Allee. Für die Untergrundbahn st recke Alexanderpla tz— Lichtenberg wird am Ringbahnhof Frankfurter Allee unter der Eisenbahnbrücke eine Halte st elle angelegt, deren Verbindung mst dem Bahnsteig der Ringbahn beabsichtigt ist. Der Bau des Untergrundbahntunnels erfordert den Abbruch der Ring- bahnbrücke, und im übrigen ist auch wegen des ständig zunehmenden Straßenverkehrs die Beseitigung der längst zu engen Straßenunter- führung zu wünschen. Bei dem geplanten Neubau der Ring- bahnbrücke soll die Frankfurter Allee in ihrer vollen Breite von 43 Meter unter der Brücke durchge- führt werden. Die zwischen den Straßenbahngleisen angeordnete Stützenreihe der Ringbahnbrücke wird den Untergrundbohntunnel durchdringen und unter ihm ihr Fundament haben. Die Straße wird unter der Brücke um 54 Zentimeter gesenkt. Mit 2 Millionen Mark, wovon die Hochbahngescllschaft 1 Million tragen soll, hofft man die Umbaukosten decken zu können. Nach dieser Erklärung drehte sich Frau Schober um und rollte stolz aus dem Saat, den verdutzt dreinblickenden Richter mit der Klägerin zurücklassend. Der nächste Termin wird nun zeigen, wer über einen Wiener Bäckermeister mehr Gewalt hat: ein preußisches Arbeitsgericht oder eine ihm angetraute Gattin. Die Motorbraut. Oas„Pupperlhuffchen" vor dem Arbeitsgericht. Jeder Fachmann wird bestätigen, daß das Wichtigste an einem Motorrad die„Motorbraut" ist, das„Pupperlhutschen", wie der Wiener so poesievoll sagt. Nun ist es aber natürlich auch klar, daß der glückliche Besitzer eines Kleinkraftrades nicht etwa ein Pupper!- hutschen im Gewicht von 3 Zentner gebrauchen kann. Darunter würde das Fahrrad zu sehr leiden und außerdem würde ein solches Gewicht im Zeitalter der schlanken Linie das Vergnügen beein? trächtigen. Das etwa mögen die Gedankengänge von Herrn Schober gewesen sein, der, ein gebürtiger Wiener, vor einiger Zeit in Berlin eine gutgehende Bäckerei nebst einer drei Zentner schweren Gattin geehelicht hatte. Herr Schober hatte sich anläßlich der zwei- ten Wiederkehr seines Hochzeitstages eins der begehrten Motorräder zugelegt und machte damit Fahrten, die ihn in die schöne Umgebung der Reichshauptstadt führten. Als Pupperlhutschen nahm er seine erst« Verkäuferin mit. Eimnal war das ein« gebürtige Ber- lincrin und torurte so den noch immer etwas landfremden Herrn Schober richtig führen und sodann mußte natürlich auch Frau Schober im Geschäft bleiben, denn ein gewissenhafter Geschäfts- mann darf seinen Laden nicht nur fremden Personen überlassen. Daß Frau Schober außerdem noch drei Zentner wog, siel eben- falls bei der Wahl des Pupperlhutschens stark ins Gewicht. Anfangs ging es gut. Dann aber dehnten sich die Motorausflüge des Herrn Schober immer mehr und mehr aus und häufig kam er am gleichen Abend nicht mehr nach Hause, denn in der Nacht zu fahren, schien ihm zu waghalsig. Und mit ihm blieb die Verkäuferin fort. Das paßte aber Frau Schober nicht. Und wie das immer so ist, eines schönen Tages„flog" die B e r k ä u f e r i n. Nicht vom Motor- rad, sondern aus der Bäckerei hinaus. Der Rest war eine Klage vor dem Arbeitsgers cht. Fräulein Gretchen, wie sich das Pupperlhutschen höchst unzestgemäß nannte, klagte auf Zahlung des Lohnes bis zum Tage einer ord- nungsgemäßen Kündigung. Eine solche war nach Ansicht der Klä- gerin überhaupt nicht ausgesprochen, denn Herr Schober hatte nicht gekündigt, ganz im Gegenteil, die Kündigung von Frau Scho- ber erkannte sie nicht an, denn sie war nicht die Geschäftsinhaberin. Trotzdem war die Frau Schober vor Gericht erschienen, nicht der beklagte Ehemann. Der Richter aber hatte ein großes Interesse daran, den beklagten Herrn Schober persönlich kennenzulenen und deshalb vertagte er und ordnete an, daß zum nächsten Termin der Beklagte selbst erscheinen müßte. Aber da erklärte Frau Schober: „Mein Mann kommt nicht!" „Weshalb nicht?" fragt« höchst erstaunt der Borsitzende. „Weil ich nicht erlaube, daß er noch mal mit der Person zu- sammentrifft!" war die Antwort der Frau Schober. „Wenn wir das persönliche Erscheinen Ihres Mannes anord- nen, dann muß er kommen!" „Und wenn ich es nicht erlaube, dann kommt er nicht!" Weißenberg- Aberglaube. Di« meisten Kinder müssen sich mit der Eintragung ihrer Geburt in das Stondesregister begnügen— wer aber dereinst zur Weißenberg-Sekte sich zählen will, hat es besonders eilig, sich von einem Abgesandten dieser Vereinigung taufen zu lasten, denn bei den Weißenberg-Anhängern grassiert vielfach der Aber- glaube, daß ein Kind erst dann an die Luft kommen dürfe, nachdem es getauft sei. Wenn nun auch das dies- jährige Frühlingswetter nicht dazu angetan war, Neugeborene ständig ins Frei« zu führen, so ist doch ein solcher Aberglaube so recht charakteristisch für den geistigen Zustand der Anhänger des „göttlichen Meisters". Daß dieser Aberglaube aber den Leuten auch noch besondere Opfer auserlegt, hat sich jüngst bei einem in der Umgegend vorgefallenen Beispiel gezeigt. Da die gute Stadt Zossen, einst von Weißenbergs Mannen auch berannt, seit einiger Zeit solch« Fortschritte in der Ausklärung aufzuweisen hat, daß die Sendboten diesen Ort meiden, müssen die wenigen Anhänger nach dem 10 Kilometer entfernten Sperenberg pilgern, um den Misch- masch von Frömmigkeit und Wahnwitz zu genießen, den die„Geistes- redner" produzieren und den man mit Schaudern über den sich auf- tuenden Abgrund menschlichen Vcrrantseins nachher in der„Wahr- heit"(?), dem Organ des Propheten, lesen kann. Da nun ein Hin- bringen des zu taufenden Kindes per Bahn wegen des geschilderten Aberglaubens nicht möglich ist, muß ein geschlossenes Auto genommen werden, was natürlich nicht gerade billig ist. Die Rück- kehr des getauften Kindes kann dann aber im Eisenbahnabteil erfolgen. O heilige Einfall! Richtiger wäre es doch, das Wetter allein über den Aufenthalt von Neugeborenen im Freien entscheiden zu lassen._ Die Farben des Vereins sind fchwarzrotgold. Während die Kommunisten vor den Berliner Berufs- schulen seit Wochen ihren„Roten Feierabend" gratis verteilen, werden den Berliner Berufsschülern und ihren Lehrern Einladungen und Flugschriften des Deutschnationalen Handlungsgehilsen-Berban- des ins Haue geschicki. Die Berliner Berufsschüler sind nun auf diese Werbungen die Antwort nicht schuldig geblieben. Wie aus Nr. 3(2. Jahrgang) der„Nordstern-Blätter", der von den Schülern selbst herausgegebenen, zurzeit größten Schülerzeitschrift, hervorgeht, haben diese ihre Satzungen in einer außerordentlichen Generalversammlung wie folgt abgeändert:§ 3:„Die Farben des Vereins sind schwarzrotgold mit einem grünen Stern auf schwarzem Felde." Wir können der Berufsschuljugend zu ihrem gesunden Ent- jchluß nur gratulieren. Die Sladlverordvelen haben in dieser Woche ihre Sitzung am Dienstag um IL Uhr. Beranwiortlich für Politik:?r. Curt Geyer: Wirtschaft:<8. Sliogelhöscr: GemcttldiofloBcmcfluiiß: 3. Steiner: Feuilleton: lt. 8. Döscher: Lokole» und Eonftioeo: ffri* ltarstädt: Anzeiaen: Ich. Glocke: sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlag© m. b. H.. Verlin Druck: Vorwärts-Buchdruckeret Ulli Perlaiisanstalt Paul Singer u Co.. Berlin Sffl 68. Linde nktrah« 8. Hierin 5 Beiladen und„Anterdaltuna und Wiften*. im. 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Nun müssen die Sozialreaktionäre zu ihrem Schmerze erleben, daß der B ü r g« r b l o ck, um sich der Arbeiter- schaft für die Wahlen zu empfehlen, der von der Sozialdemokratie immer wieder geforderten Aufbesserung der Sozialrentner, wenn auch in unzulänglichem Ausmaße, zugestimmt hat. Die„Soziallast' ist damit um IlXI Millionen Mark erhöht worden. Di« Sozialbelastung der deutschen Wirtschaft wird sür 1327 folgendermaßen geschätzt(die Rechnungsergebnisse liegen noch nicht vor): Millionen Mark Krankenversicherung 1 Sö0 dazu Nelchszuschüsie 25 Knappschastsversicherung 240 Unfalloersicherung ZS0 Invalidenversicherung 750 dazu Reichszufchüsse 270 Angestelltenversicherung 260 Erwerbslosenversicherung 600 dazu aus öfsentlichen Mitteln,,. 340 4 385 Mit besorgter Miene weisen die Unternehmerverbänd« darauf hin. daß die Aufwendungen für die Sozialversicherung vor dem Kriege nur 122V Millionen betrugen. Dabei wird jedoch nicht bedacht, daß die Ausgaben für Arbeitslosenversicherung und Krisenfürsorge und ein Teil der Aufwendungen sür Sozialrentner vor dem Krieg« im Armenetot der Gemeinden. ober auch der privaten Wohlfahrtspflege erschienen. Außerdem muß eine 40prozentige Geldentwertung abgezogen werden. So betrachtet. ergibt sich eine Steigerung der Aufwendungen um rund 85 Proz. Eigentlich sollte e» eine Selbstverständlichkeit sein, daß die Republik sür die soziale Fürsorg« der Arbeiterschaft mehr übrig hat al» da» kaiserliche Deutschland. Geht man ober den Ursachen der Ausgaben- steigerung nach, so zeigt sich, daß sie viel weniger durch Erweiterung und Verbesserung der Leistungen als durch die wirlfchastllche» und sozialen Auswlrfangeu der Krieg»->n»d Nachkriegszeit hervorgerufen worden sind. Da» Slend dieser Jahre hat Zehntausende frühzeitig invalide werde» lasse«,»«der« Zehntausend« find durch die Rationalisierung der Produkt ionSmethoden au» dem Erwerbsleben gestoßen und so gewaltsam z« Invalidenrentner» verurteilt worden. Daher schwillt die Zahl der Invalidenrentner gewaltig an. die Laste« der Invalidenversicherung steige». So erklärt sich auch größtenteils der stark gestiegen« Mehr- aufwand der Krankeuverfichernng. Trotz Abnahme der Bevölkerungsziffer ist die Zahl der Krankenversicherten von 16 Mil- lionen im Jahre 1914 auf 20 Millionen sin Jahr» 1926— also um 25 Proz.— gestiegen. Allein dieser Umstand erklärt eine Steigerung der Ausgaben um 25 Proz. Da» Entscheidende aber ist der wesentlich der- schlechterte Gesundheitszustand der arbeitend«» Mafien. Gewiß, so elend wie 1918 oder 1023 ist da» Volk nicht. Aber diese Jahre haben ihr« tiefgreifenden Nachwirkungen. Vor dem Kriege waren durchschnittlich 3 Proz. der Kafsenmitglieder jeweils arbelts- unfähig krank. Gegenwärtig sind es rund 4M Proz. Wie wenig widerstandsfähig das deutsch« Volk ist. zeigen die regelmäßig jede» Frühjahr wiederkehrenden Grippeepidemien. Dann steigt die Zahl der Ardeitsunfähigen auf 7, 8. ja 10 Proz der Mitglieder. Trotz Besserung der Ernährungslage stieg die Zahl der arbelts- unfähig Kranken von 1923 zu 192« von 6,1 Millionen a u f 9,4 Millionen. Die durchschnittliche Krankheit» d a u« r ver- längert« sich von 20,4 Tagen auf 26,1 Tage. Allein von 1925 zu 1926 stiegen die Ausgaben für ärztliche Behandlung um 18 Mil- lionen Mark, für Arznei um 16 Millionen Mark, für Krankenhaus- pflege um 26 Millionen Mark. Diese Steigerung wurde ausgeglichen durch Herabsetzung der Kranken- geldbeträge. Di« Ausgabkv hierfür sanken nämlich in der gleichen Zeit um 26 Millionen Mark. Auch gewiss» Erweiterungen der Leistungen sind eingetreten. Ser Wahltag gehört derpartei! Alle Genossinnen und Genossen leisten die ihnen von der Ab- leilungsleitung zugewiesene Arbeit, wer in der Ablellung keine Wohlarbeit zu verrichten hat oder wer ip der Abteilung an der Mit- arbeit behindert ist. meldet sich im Zentralwahllokal seine» kreise«. Die parteigenössischen Radfahrer stellen sich ebenfall« in ihren Abteilungen zur Verfügung. Zur Unlerstühung von kranken und alten wahlberechtigten hat der Arbeiter-Samariler-Sund in allen Sladlleilen wachen einge- richtet, die au anderer Stelle im..vorwärts' bekanntgegeben sind. Die Zentrale der Samariter befindet sich Große Hamburger Straße 20.-- Norden 3340. Die Zentralwahlleitung befindet sich im Bezirk»« sekretariat, Lindenstraße 3. Telephon: Dönhoff 30««, 3087, 3088. Zentralwahllokale der Kreise: 1. Kreis Mitte: Sommer, Neue Frledrichflr. 71. Norden 8173. 2. Kreis Tiergarten: Schmidt, Wiclefstraße 16. Hansa 663. 3. Kreis Wedding: Schade. Sösliner Straße 9. Moabit 9781. t. Kreis Prenzlauer Berg: M. klug, Danzlger Straße 71. vineta 725. 5. Kreis Friedrichshain: Eomenius ZestsSIe, Maneler Str. 67. SSnigstadt 1075. «. Kreis Kreuzberg: Krüger, Grimmstraße 1. Bänvald 7036. 7. Kreis Charlottenburg: Eden-Palast. Kaiser-Friedrich- Straße 24. Wilhelm 3599. 8. Kreis Spandau: Restaurant„Am Mühlcngraben', Spandan, Morihstraße Ecke Viktoriaoser. Spandan 3912. S. Kreis Wilmersdorf: Kraiß, h ilsleinische Straße 60. Pfalzburg 1103. 1V. Kreis Zehlendorf: wilh. Schnorre, Potsdamer Straße 3. Zehlendorf 1486. 11. Kreis Schöneberg: will. Marsin- Luther- Straße 69. Stephan 4049. 12.«reis Steglitz, Schellhase. Ahornstraße 15». Steglitz 3815. 13. Kreis Tempelhof: Niendorf. Mariendorf, Ehausseestrahe 19 Ecke Strelihstrahe. Südring 1548. 14. Kreis Neukölln: Zdealkasino. Weichselstraße 8. Neukölln 406. 13. Kreis Treptow: Thiel, Niederschöneweide, Bersiaer Str. 38. Oberschänewelde 3252. 16. Kreis Köpenick: Stadttheater. Köpenick. Friedrichstraße 6. Köpenick 360. 17. Kreis Lichtenberg: Selpke. Sronprinzenstraße 47. Andreas 1220. 18. Kreis Weißensee: Galla». Lehderstraße. weihensee 877. IS. KreiS Pankow: Türkisch« Zelt. Pankow, Brette Straße 14. Pankow 266. 20. KreiS Reinickendorf: volkshaa». Reinickendorf- West. Scharuweberstraße 114. Reinickendorf 3621. Das wahlrefullal der elnzelue« Ssimmbezlrkc wird in den Abteilungen zusammengestellt und dann auf dem schnellsten Wege dem Vezlrkssekretariat und dem Kreise übermittelt. Teilresultate und Resultate der etnzetnen Ssimmbezirke find wersios. Nur das Gesamtresultat der Abteilung kann bei der verössenllichuug Verwendung finden. Da bei dieser Wahl zweimal gewählt werden muß. genügt zunächst da« Resultat der Reichstagswahl. Da» Resultat der Landtagswahl kann später nachgeliefert werden. Oer Bezirksvorstand. Hier ist vor allem die Gewährung freier ärztlicher Be- Handlung für nichhmsicherte Angehörige zu nennen, die jetzt von fast ollen Kassen durchgeführt wird, vor dem Kriege aber nur bei etwa der Hälfte der Kassen bestand. Außerdem ist die Familienwochenhilf«. Ausdehnung und Verbesserung der Leistungen für versicherte Frauen(Geburtshilfe, Stillgeld usw.) hin- zugekommen mit 63,5 Millionen Mark 1926. Trotzdem geht der Geburtenüberschuß in Teutschland — anscheinend nnanshaltsaM— zurück. Das ist bei 2 Millionen Arbeitslosen und 900 000 fehlenden Wohnungen«igentlich selbstverständlich. E» macht sich daher ganz nett, wenn die deutschnationale Reichstagsftaktion ein« Interpellation einbringt, in der die Bekämpfung des Geburtenrückganges als wichtigste Staatsoufgabe bezeichnet und eine gesunde und wirksame Bevölkerungspolitit gefordert wird. Das sind die gleichen Leute, die in allen Tonarten über die hohen sozialen Lasten jammern. deren Gefolgsleute die Wochenhilje bei den Landkrankenkassen unter die gesetzlichen Mindestleistungen herunterdrücken und de« Abbau der Sozialpolitik oerlangen., Vor allem wollen sie damit die Ort» krank e n t a s s e» treffen. In ihnen erblicken sie eine wichtige Stütze der Sozial- demokrasi«. Es ist das alte Lied, das schon der selige Reichsverband zur Bekämpfung der Sozialdemokratie fang, Das neueste Schlagwort ist die angeblich von dem „sozialdemokratischen" Hanptverbnnd deutscher Kran- kenkafien betriebene kalte Tozialisierung der Heil- berufe. Die Errichtung von Genesungsheimen, Selbstabgabestellen, Zahn» kliniken, Badeanstalten. Lichtbehandlungsstätten, vor ollen» aber der Bau von Verwaltungsgebäuden, liegt den Herrschaften schwer im Magen. Die Nel»baut«n von Verrooltungsgebäuden sind leider notwendig. Der Publikumsverkehr bei den Kassen hat sich nämlich fett 1913 verdreifacht. Di» Raumnot ist vielfach geradezu zu einer gesundheitlichen Gefahr für Mitglieder, Arbeitgeber und An» gestellte geworden. Warum regt man sich nicht über die Bauten der Berufsgenossenschaften. Versicherungsanstalten, Handelskammer« und anderer öffentlicher Einrichtungen auf? Anständige Räume, auch architektonisch der jetzigen Stilrichtung angepaßt, sind wohl ssir die Proleten zu schade? Wie da» Schlagwort von den zu hohen soziale»» Lasten auch den Arbeitermassen nähergebracht werden soll, dafür zivei Beispiele. Der Reichsbürgerrat hat alles, was feit zwei Jahren in der reaktionären Presse an Anwürfen gegen die Krankenkassen zu» sammengetragen wurde— selbst offensichtlich« Unwahr- Helten— in einer dicken Broschüre zusammentragen lassen. Diese Broschüre wird jetzt gratis in den Betrieben oerteilt. Stimmung«- mache! Die„Deutsche Bergwertszeitung' schrieb: „Es soll ohne»veiteres zugegeben werden: Di« Löhn« bzw. der Lohnbettag. den der einzelne Arbeiter nach allen Abzüge« nach Haus« bringt, sind nicht zu hoch. Ist der Unternehmer daran schuld? Rein! Schuld daran ist die Gefühlsduselei, die sich»»ehr und mehr in Deutschland breit macht. Die Sozialversuherung ist schuld daran. Die Sozialversicherung, die in einer Republik über- Haupt keine Berechtigung hat. Der frühere Staat war ein Obrigkeitsstaat. Dieser war verpflichtet, für seine Unter- tauen zu sorgen. In der Republik ist eine« der Hauptmotive: Freie Bahn dem Tüchtigen. Weg mit allen Hemmungen und Schnurrpfeiserelen. Was hat denn der Arbeiter von der Sozial- Versicherung? Zum Leben zu wenig. Wenn jeder Arbeiter die Betträg«, die er für soziale Zwecke aufbringen muß, selbst ver- walten könnte, so würden sehr viele— wie in früheren Jahren— sich ein eigene» Anwesen schassen.' .■mwnar C» ist nur gut. daß diese Gemütsathleten ihren Unstnn fo dick austragen, daß er nicht wttkt. Die Soziallast in Deutschland ist hoch, aber nicht so hoch. um unsere Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt gegenüber den vergleichbaren Ländern. England und Dereinigte Staaten, zu de- «influssen. Sie wird aber noch steigen. Die Generation, die in den Jahren 1916 bis 1923 aufgetoachsen ist und jetzt rn das Erwerbs» leben«insttömt, ist in höchstem Maße gesundheitlich ge- fährdet. Seit dem Krieg« schleppt die Sozialverstcherung ein Millionenheer von Erwerbsbeschränkten und gesundheitlich An- brüchigen durch. Soll asso diese Soziallast nicht in» Ungeheuerliche wachsen, so muß Gesundheitsfürsorge in verstärktem Ausmaße gettieben werden. Rationalisierung und Intensivierung der Krankenfürsorge und der Kroniheitsverhütung ist das Gebot der Stunde. Energisch müssen all« Versuche reaktionärer Kreise, die Sozialverstcherung wegen ihrer hohen Aufwendungen zu verdächtigen und MIßttauen bei der versicherten Bevölkerung zu erregen. zurückgewiesen v>erden. Die Ausgaben für die Sozialverstcherung find kein« Last, sonder« eine knltnrelle Pflicht des Staates gegenüber der Arbeiterschaft, ei» geringer Tribut des Kapitalismus für die von ihm ver- ursachte« sozialen Schäden, Selbstschutz eines Judnstrir- Volkes vor der Berelendung. Juwelen-Belmonte-Uhren Kilbarwaren. OröBtc Auswahl. Höchste Qualität Billigste Preise. Golöwaren B Wahlhilfe für Kranke. Die Arbeiter« Samariter am Werk. Um Gehbehinderte und Krank« zu ihrem Wahlrecht zu verhelfen, richtet die Kolonne am Toze der Wahl über Groß- 'Berlin nachstehende Wachen«in. Die Transport« find l o st e n l o s. Mitte: Lcibniz-Gymnasium, Mariannenplatz, Tel. Moritz- platz 7608.— Tiergarten: Lokal Lausch, Bredow- Ecke Wiclef- stroße, Tel. Moabit 7367.— Wedding: Lokal Bellin, Schul- stroße 12, Tel. Moabit 165.— Prenzlauer Berg: Lokal Zundel, Kastanienallee 29/30, Tel. Vineta 590.— Friedrichs- Hain: Lokal Groß, Palisadenstraße 77.— Kreuzberg: Lokal Buhr, Blücherstraße 38, Tel. Hasenheide 8734.— Charlotten- bürg: Jugendheim, Rosincnstrnße 4.— Spandau: Lokal Supke, Lutherplatz, Tel. Spandau 2435.— Schöneberg: Lokal Rosenthal, Ebersstraße 66, Tel. Stephan 2932.— Steglitz: Lokal Schmidt, Roonstraße 39, Lichterfelde-West, Tel. Breitenbach 0524.— Tempelhof: Lokal Lindisch, Mariendorf, König- strafte 44, Tel. Südring 175.— Neukölln: Lokal Schilling, Kirchhosstraßc 41, Tel. Neuk.? 2(1607).— Treptow: Lokal Themann, Wildcubruch- Ecke Graetzstraße, 6£el. Moritzplatz 12 898. — A d l c r s h o s: Lokal Ziege, Bismarckstr. 29, Tel. Sldlershos 196. — Köpenick: Lokal Stippekohl, Schönerlinder Straße 5, Tel. Köpenick 607.— Friedrichshagen: Lokal Hoppe, Friedrich- strafte 121. Tel. Friedrichshogen 404.— Lichtenberg: Lokal Heers, Weserstraße 20, Tel. Andreas 3372.— Pankow: Lokal Czylka, Berliner Straße 118/119.— Reinickendorf: Sportplatz, Rcinickendors-West, Scharmveberstr., Tel. Reinickendorf 3468: Fichteplatz am Schäsersee, Tel. Reinickendorf 594.— H e r m s- d o r f: Turnhalle, Roonstraße, Tel. Tegel 3076.— Weißen- s e e: Lokal Stärke, Charlottenburger Straße Ecke Tafsostrahe, Tel. Wcißcnsee 377. KUiIcuduuken für diese Rubrit find Verl!« S W Lind-uftrige S, pariemachrichtenj��fürGroß-Bertin stet» an da««eiirk»s«tretariat 2. 5 af,: Set)), recht», zu richte«. II. Keet» Echöneberq FriedeNBii. Alle nicht zur SBaMcrbelt»ingeteillen®e. noffinncn und Genossen melden sich im gentralwahllokal bei Will, Martin. Lutber-Strasse b9, um!i Ussr. 14. Kreia Reutolln. Montag, Lt. Mai, Ig'-- Uhr, Fraklionssstzung im Rathaus. 17.«trei« Lichtenberg und Äuhenbezirte, Mittwoch, 2z. Mai, ptinktlich lg'. Uhr, in der.Schnle, Scharnwcbcrstr. IS, Versammlnag aller so,. Lehrer und tlfcrn. Jede Abteilung nno Schule muh nnbebingt»ertreten sein. Thema: .dlternbeiratswahlen'. Mitgliedsbuch legitimiert. II. Ilrc!» Panio». Montag. Ll. Mai, ffraktionsützimg Mit den SZiirger- deputierten im Rathaus Pankow, gimmer 17. heuke, Sonntag. 20. Mai: L Abt. Alle Genossianen und Genossen tressen sich»nr Wahlhilf,»argen» 7 Uhr(nicht wie irrtiimlich angegeben, 1» Uhr) im Lokal Brandis, Stralauer Str. 1». 5. Abt. Alle Mitglieder treffen sich zur Wahlhilfe Uhr bei Mathiao, Linionsirahe. 7. Abi. Alle Genossinnen und Genossen tressen sich zur Wahlarbeit im a.eiitrolburcau, Arndt, Echröderslr. 2. Dort ist auch Material abzubolen. S. Abt. Von 7 Uhr ab befindet sich da» Lentralmahlburoau im National» Hof, Blltowsic.!7,.eiurfiirst S4. 24. Abt. Die Bczirlofllbrct werden erkncht, die Eanmiellisten bis spStesten« Dienstag, SL. Mai, bei ihren Eruppenfiihrern abzurechnen. Die Gruppen» fiiluer rechnen spätcsiena 23. Mai beim Abteilungslassierer ab. 28. Abt. Allc Mitglieder stelle» sich ihren Bezirksfiihrrrn zur Wahiarbeit»nr Verfügung. Treffpunkt TA Uhr. 42. Abt. gentrolwahllokal ist bei SSHlle, Bergmonnstr.«S, BIrioalb HKS. Alle noch»ickt«ingeteilten Genosse» melden sich dort»on Sib Uhr ad, 48. Abt. Ciimtliche Genossinnen»nd Senossen, die von ihre» Bezirksfllhrern »och nicht zur Wahiarbeit eingeteilt sind, treffen sich 10 Uhr bei Keller, Klirstenstr. l, zur Wohlarbeit. 87. AM. Grunewalo. Wahllokal: Babnhofsrestanrant Grm�roald, Uhland SdSg.— 8». Abt. valeufee. Lokal Wolter, Westfälische Llr.«3. Pfalzburg 7932.— 89. Abt. Wilmersdorf. Bruno Rüge, UHIandstr. 108/109, Psalz» bürg 1067.— 70. Abt. Wilmersdorf. Wraner, Holsteinische Str. 17, Uhla:' 128.— 71. Abt. Wilmersdorl. Jonas, Durlacher Str. 8, Pfalzburg 731. 72.«it. Wilmersdorf. Schäfer, Augnstassr. Sl, Uhland 1779.— 72.»dt. Cchmarxendorf. Bahr, Breile Str. 23. Pfalzburg 1070. 78. Abt. Echöneberg. Um 10 Uhr treklen sich alle noch nickt»ingeteikten Ge- noiicn in, 1. Bezirl: Wandlke, Bahnfrr. 23: 2. Bezirk: Schmidt, Grüne» waldstrasic 18.— 3. u. 4. Dezirk: Nofenihul, Gbersflr. 00. Zentralwahl- lolal ist bei Rosenthal, Ebersstr. 08. 81. Abt. ssrirdeuau. Wahlbureau ab 711 Uht bei Klabe, Handiernstr. 00/81. Alle Mitglieder müssen sich unbedingt ftllhzeiiig zur Wablhili» melden. Abends gemütliches Beisammensein und Bekanntgabe des Resultats durch Radiolautsprecher. 88. Abt. Trmnelhss. DI« Genossen treffen sich 7(4 Uhr in den Bezirksschlepp. lokalen. Nicht eingeteilt« Genossen melden sich im Lokal Primus, Werder-, Ecke Friedrich-Karl-Strasie. Neukölln. 91. Abt. tzentralwahllokal ist bei Balewski, Boddinstrasi», Ecke Jfarstrasie. Jeder Genosse, der noch nicht zur Wahlarbeit einacleikt ist, ist verpslichlei. sich dem Ableilungsvorstand den Tag über zur Verfügung zu stellen.—»4. Abt. tzentralwahllolal ist bei Schröder, Cteinmehstr. 82. Alle Genossen, die noch nicht»ur Wahlarbeit«ingeteilt sind, melden sich dort.— 93. Abt. Allc Genossen beteiligen sich a» der Wahlarbeit i» ihren Bezirken. Wahlburcau ist bei Keil, Prinz-Handjern-Strahe 88. Alle überflüssigen Kräfte müssen sich bort melden. Abends dort Bekanntgabe des Wahlresultats.—»7. Abt. Alle Genossen, die noch nicht zur Wahl- arbeit eingeteilt sind, treffen sich bei Rohr, Sicgfriedstr. 28/29. 141. Abt. Treptow. Alle Genossinnen und Genossen, die sich an der Wahl- arbeit beteiligen, treffen sich beute um 7«- Uhr in der Spedition Graeh. 1l>0. straft- 50. Icker Gcncsse mich sich zur Mitarbeit zur Berftiguna stellen. Abt. ZohannUthal. Wahllokal ist bei Boiha, Ctnbenranchstrane. AN« nickt eingeldUei: Genossen weiden ersjicht, sich dort zur Wahlhilfe«in- ,„finden. 128., 1.10. Abt. Pankow. 8>4 Uhr treffen sich die Genossen zur Morgenagitation in ihren Dezirlslokalen. Da, Propaqandaauto fährt um 7(4 Uhr ab. Nicht»ingeteiltc Mitglieder melden sich zur Wahlarbeit im Türkischen Seit, Breite Sir. 14, Pankow 206. 114. Abt. Llchlcnbrrq. Die nicht eingeteilten Genossen finden sich zur Wahl. otbeit ei» bei Schwarzer, Gadriel-Mar-Etrah« 17. 188. Abt. Rcinickenbors.Osl. Die Dezirksführer treffe» sich 7(4 Uhr bei Hergt, Rcfidcnzstr. 9. 188. Abt. H-rmsdorf. Zcntralwahllokal ist bei Okrent, Derliner», Ecke Bahn. hoffirasie. Miiglieder, die noch kein« Funktion haben, müssen sich dort um 7(4 Uhr einfinden. Reilkölln. 91., 91., 93., 98., 97. Abt. Funktisnäe«. Elternbeiräte, Mitglieder der Freien Schulqcfellichafl und Eltern der schulen: Thomas- strosic, Weifestrasse, Mahlower Strasse. Schillerpromenade, Boddinstrasse. Priiaz.Handieru Strasse, L-ffingstrahe(weltlichl nnd Silfsschnl« Kopf. strasse N»d die sozialistische» Lehrer werden gebeten, am Dienstag, 22. Mai, 19(4 Uhr. im Lolal Schröder, St-inwcssstr-sse 82, Ecke Schiller. Promenade, zu erscheinen zwecks wichtiger Besprechung zu den Eltern- beiratswahlen. isf fürJhren tuert vollen Uläschevorral gerade guf genügt Oos schnelle und zefbsttöhge Woschmiffel 223. Gemeindeschnle(weltliche), Pnthnsse, Str. 8. Genossen und Sympathisierende, nach de, Elternnersaarmlnng am Montag, tl. Mai. findet in unserer Schule eine Konferenz statt. Erscheiaen ist unbedingt erforderlich. und K-mpf.«ckmle!«w Dienstag. fammlnnq. Anschliessend ll« restloses Erfchetnen Achtung! Kölnische» 22. Mai, 20 Uhr, in der Schnlaula Eltrranersammlni Aufstellung der Kandidaten zum Elternbeirat ersucht drr SPD.. Elternbeirat. F rauenveranskaltungeo. l./8. Abt. Achwng, Genossinnen! Uirser Frauenabend am Montag, 21. Mai, fällt aus. 88. Abt. Montag, A. Mai. 19(4 Uhr, bei Bar tusch, Friedenstr. 88, Vortrag der Genossin Fohrenwald über Jß Jahre Parteiarbeit". Um reg« Be- trilignna wird gebeten. 89. Abt. Montag, 21. Mai, 19(4 Uhr, in der Juristischen Sprechstunde. Lindensir..8. Vortrag de» Genossen Hans Kamm sidrr„AU-Berliner Humor." Allc Genossinnen sind hierzu eingeloben. 42. Abt. Montag, 21. Mai, 19(4 Uhr, bei Höhlie, Betgmannftr. 09, Frauen. ''"--------------— hawdM abend. Um vollzähliges Erscheinen wird dringend gebeten. Es handelt sich um eine wichtige Besprechung, die alle angeht. 40. Abt. Montag, 23. Mai, 19(4 Uhr. bei Adam, Särlisser Ecke Lübbener Strasse, Bortrag des Genossen Dr. Franz Woluga über»Die Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten." Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten. Gäste willkommen._ 82. Abt. Steglisi. Achtung, Genossinnen! Drr Frauenabend fällt im Monat Mai aus. 90. Abt. Neukölln. Montag. 2l. Mai. I9'4 Uhr. im Iu.gendheim Nogatstr. 88 Fraucnobend. Vortrag der Genossin Bartel. Allc Genossinnen sind hierzu eingeladen. 101. Abt. Treptow. Montag, 21. Mai, 191» Ubr, bei Zanke. Kiefholzstr. 21. Vortrag drr Genossin Hertha Gotlhelf über»Heimknltur." Alle Ge- nossinnen sind bicrzn eingeladen.„Borwärts"-Seser und Snmpothisierrnde sind ebenfalls willkommen. 108. Abt. Ob-rschöncweide. Montag. 21. Mai, 19'- Uhr, bei Winkler, Wilhel- minenhoksir. 82, Heiterer Abend. Bortragender Genosse Hofemann. An- schlirsscnd gemütliches Deifammenfein. Um recht reg- Beteiligung wird gebeten. 100. Abt. Johannistbal. Montag, 21. Mai. 19'.7 Uhr. bei Botba, Swbenrauch. ftrasse 12/18. Frauenabcnd. Ernstes und Heiteres. Vortragender Genosse Heinz Barihel. Alle Genossinnen sowie ,Vorwä?ti"-Lcser und Snmpathi» siertnde sind hierzu erigeladen. 110. Abi. Grünau. Unser Fraurnabend fällt in diesem Monat aus und nutet am 15. Juni statt. Näheres wird noch bekanntgeaeben. 180. Abt. Reivickenbvjrf.chft. Donnerstag, 24. Mai, 20 Ubr, in der Baracke Liudouer Strasse Fe nrnabend. Vortrag des Genossen Ad. Holfmann über �Die viel umworbene Frau." Die Funktionärinnen laben �umgehend ein. Die Dampferbilletts müssen möglichst sofort von den Genossinnen Mcifrr, Schönewerk und Scheibe abgeholt wctdcn. Jungsozialisten. Srnppe Reinickendorf.Ost. Monto.a, A. 20 Ahr, im Jugendheim, „Ecebod". Residenzstr. 40, Gruppenabend....... Groß-Berttn. Sonnabend, 9. und Sonntag, 19. Juni, Schulung s7urüv« iiir die Funktionäre in der Jugendherberge Ziefenfee lvxmlengrund):»Aufgaben und Methoden der praktischen Bilbungsarbeil". Referent Aler Stein. Inter- essierte Genossen sind hierzu eingeladen. Die Gruppenleiter teilen umgehend die Teilnchmer�ahl Gen. Hans ZSaldmann. Berlin-Wittenau, Hauptstr. 17, mtt. Gruppe Wilmersdorf. Montag, 21. Mai, 29 Uhr, im Iugendl)cun, Spiel» abend und Diskussion über die Wahlergabnisse. Gäste willkommen. Vereinigung sozialdemokratischer Studierender. Dlenstaa. 22. Mo!, 20 Uhr: Mitgliederversammlung der Sektion Uninetft. tät. Diskussion:„Unsere Stellung zum Staat. Koalition oder nicht Koalrtio»? Referenten: Will Koenemann, Josef Dünner, Kurt Berlowiss.— Mittwoch, 28. Mai, 20 Ubr: Theoretische Arbeitsgemeinschaft. Leitung: Alcrander Stein. Thema:.Die Eoschichtsauf-assung des Marxismus." Referent: Heinrich Iacu- bowicz.— Donneesiag, 24. Mai, 20 Uhr: Wirtschaftspolitische Arbeitsgemeinschaft. Leitung: Georg Decker. Wellwirtschoftlichc Problem«.«Dogmen- geschickte der Handelspolitik."— Freitag, 28. Mai, 20 Uhr: Juristisch« Arbeit«. gemeinfchaft. Leitung: Dr. Lickwig Bcndix.„Di« sozial« Funktion der.Rechts- instiluie." Referent: Heinz Brinisser.— Rontaq, 4. Inn!, 20(- Uhr: Arbeits- gtmefnschaft«Psychologie und Mnoxf-inns." Le'tttugr Dr. Siegtri-d Bcrnfeld. Mätristisch-psyckologischc Probleme.— Donnerstag, 7. In»!. 20 Uhr: Aussen. politische Arbeitsgemeinschaft...Der amerikanische Imperialismus." Referent: Ivo Br-nte-Schweid« lBnenos-Aires).— Sämtliche Veranstaltungen in unser«» Ränm-n Albrechtstc. 11, Gartenhaus 2 Tr. Arbeitsgemeinschaft der Sinderfreund«. Krei» Lichtenberg. Montag, 21. Mai, 19(4 Uhr, Eltern versa wrnkun« im Jugendheim, Kontstrasse. Referent Hans Weinberger. Achtung Kreisloiter! Es haben noch nicht alle Kreis« da» Material für die Heller usw. abgeholt. Wir bitten daher, dies am Montag, 21. Mai, nach- mittags, zu tu». Da» Burea» ist von 15—19 Uhr geöffnet. Mittwoch, 23. Mai, um 19(4 Uhr, im Rathaus Königstraß«, gimmer 109 sEingang Ziidcnstrassc) außerordentliche Helserverfamwlvnq, auf drr niemand fehlen darf. In dieser Sitzung erhält jeder unser Monatsprogramm, da» auch oo» jedem Helfer unbedingt innegehalten werden muß. Krei» Tiergarten. Montag. 2l. Mai, Treflen der Roten Falken um 17 Uhr Waldenser-, Ecke Waldstrasse. Dienstag, 22. Mai, 17—19 Uhr, Jung. falken-Heiiuabend„Siug-Saug". Mittwoch, 23. Mai, 17— l9 Uhr. Gruppe August Bebel und Kille» im Heim. Waldenser Strasse. Donnerstag. 24. Mai, 18—20 Uhr, Spielen aller Gruppe» anf dem Sportpla», Bremer Strasse. Sonnabend, 20. Mai, treffen sich die Teilnehmer on der Pfingslsahrt «rn 14ssi Uhr im Kleinen Tiergarten(Denkmal). »reis Eharlottenbnrq. Unlere Helfersissung kann besonderer Gründe wegen am Montag nicht stattfinde». Benachrichtigung Uber geit und Ort der nächsten Sissung erfolgt noch. Unser« Epielnachmittage sind: Dienstag, Donnerstag und Sonnabend pon 18 Uhr ab. Mittwoch, 28. Mai, Heimabend der Rot. und Iungfalkcn in drr Rosincnstr. 4 um ITH Uhr. Krei» Lichtenberg. Montag, 21. Mar, Elternverfammlun« mn 19(4 Uhr im Iugcndbcim, Lichtenberg, Honffftrassc(Sportplass). Thema:«Unser gelt. laatt". Referent Genosse Hans Weinberger. Wir bitten um regen Besuch der wichtigen Ausspräche wegen. � Reinickendors.Oft. Abt 1*. Montag, 21. Mo,, Elteritabend im Zugend. ' a:»Unsere Fahrten". Wir bitten um Er» beim, Lindauer Strasse. Thema: scheinen aller Elteru. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Serlln Einsen dun gen für dies« Bvdrst mn an da» ZvgendsekertottoO Berstn SW 08, TindensiraOe 3 Wahlarbeit leistel jede Genossin und jeder Genosse henle in der znfiSndigen parielabteilung. heule, Sonntag, 20. Mai: Huwaunplatz: Tresspunkt der Radfahrer pünktlich 8(4 Ubr«Sozialiften. — Norden: Sänitiichc Genossinnen und Genossen stellen sich ab S!4 Uhr der Parte! zur Verfügung.— Rosenthaler Borstadt: Wir stellen uns der Porte: zur Wahiarbeit zur Bertsigung.— Falkplag II: Wahlarbeit. 19(4 Uhr Heimabend.— Humannplag: Treffminkt 9 Uhr Hclmhoitzolass zur Wahiarbeit.— Schöneberg III: Trefspunkt 8 Uhr«WP. zur Wahiarbeit.— Z«M»«lbos: Wabl- arbeit. Abends Heim.— Westen I nnd II: Treffpunkt zur Wahlarbeit 7 Uhr. gcntrolwahllokal im„Rationolbof", Bülowstrasse.— Treptow: Alle» trifft sich INN 8(4 Uhr in der„Vocroätis". Spedition. Keiner fehlt!— Neukölln IX; Die Genossen, die sich an der Pfingstfahrt beteiligen, müssen bis Sonntag 8 W. bei d-m Genosicn Waller Dalicha», Neukölln« Erkftr. 18. anzahlen, da letzt-r Tag.— Südwesten: 7(1 Uhr Wahlhilfe bei Lehmann, Hallefches Ufer 14. All» Rodfahrer müssen erscheinen. Vorbesprechung der Pfingslsahrt. Schulanla Koch» strasse 18, 19 Uhr Kein Teilnehmer dar! fehlen.— Zehlenborf: Alle Genossen, die nicht bereits durch den Dezirksführer der Partei zur Wahlarbeit aufgefordert sind, treffe» sich um 7% Uhr bei Echnorrc, Potsdamer Strasse. Wer ein Rad tat. muß es mitbringen.— Lichtenberg-Rord: Treffpunkt 9 Uhr im Lokal Tempel, Gudrunstrasse, zur Wobiarbeit.— Wedbing-Rord: Trcl-ounkt 8 Uhr Eee- Ecke Togostrosse bei Lcrpandowsli zur Wahiarbeit.— Neukölln VI; Treff» punkt zur Wahlarbeit 7(4 Uhr Herssbrrgplatz. Nachzügler gentrolwahllofal der Partei, Inn» Ecke Isarstrasse._.. Berbe bezirk Schöneberg: Treffpunkt aller Mitglieder des Werbebezirks 8 Uhr im Hanptwabllokal der Partei, Will, gegenüber dem neuen Rathau». Fahr- räder sin» mitzubringen. Werbe bezirk W-dding: All« Genossen ohne Wahlarbeit treffen sich im gen. tralwohllokol, KösUucr Str. 9. Morgen, Movkag. Zt. Mai. i9l4 Uhr: Frankfurter Biortel: Hei» Litauer Str. 18. wir währrirb de» Dahl- Sport. Ecke" goltsager Rennen zu Karlshorst am Sonnabend, dem t?. Mal. 1. Ren« e«. 1. MeneIa-0(Schatz), 2. Heiliger Narr(Aeitz). Z. Anika (Scharf). Toto: 17:10. Platz: 10, 10: 1». Ferner liefen: Fahncnwacht, Probefahrt, Gcri. 2. Rennen. 1. Dorn II(Lentn. v. Metzfch), 2. vrandmeistcr (». Borcke), 3. Phyllill(Leutn. o. Götz). Toto: 15: 10. Z. Rennen. 1. Felsenfest(Wölfl), 2. Eintracht N(Schnitzer), 3. Irenaus(Edler). Toio:1S:t0. Platz: 13, 27, 13: 10. Ferner li-jen: Atout König, Greif, DaZ Lied, Ritornell, Helgoländer. «.Rennen, t. Mäftofo(Thiel). S. Boppard(Franzke), S. Namen (Schnitzer). Toto: 11: 1». 5. R e n n e n. 1. Jiiade(BiSmark), 2. Patriotin(Franztc), 3. Silber' katze(Kränzlein). Toto: 17: 10. Platz: II, 11: 10. Ferner lief: Launig «. Rennen. 1. Menmon(Quast). 2. Alexander der Grosse(Schnitzer). 3. Lichtelfe(o. Keller). Toto: 35:10. Platz: 17. 18. 17:10. Ferner liefen: Finstcraarborn, Toftor, Tanntönlg, Champagner,'Siegreich, Labor-, Easter Lity, Marinka, PrunuStochter. 7. R e n n e n. 1. Sonnenkönig(Besitzer), 2. Harzreiseot Lust, sich neue Sommerkleidung anzuschaffen.— Dazu dielet der«Gtotze Pfingsto:rkanf" de» dekauuien Warenhauses H. Joseph n. Co., Neukölln, Berliner Sir. 5Ich5. die ollerbeste Gelegenheit!— Welch« Freud-, wenn Sie d,e entzückendsten Neuheiten der tonangebenden Mode in Stoffen und fertiger Kleidung besehen!— Welch' preiswerte Angebote!— Welch' enorme Ausw-.il ist dort zu finden.— Besonders dir bedeutend vergrössertrn Abteilungen Domen» und Herrenkleidiina, Putz und Schuliwaren de» Hauses H. Joseph n. 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Tomporowskl Schneidermatr- Dreibund, traße 47, Laden und L Etage (aAfrBbfJCreuzherg) RIECENAU9WAHL AUCH—.CREDIT B1C �J/lnONÄTE ■/— N. v, 24", a i CQftlmAu&rnM! Cerlna« Ansahlnng. Nr. 236* 45. Jahrgang 3. Beilage des Vorwärts Sonntag, 20. Mai 4S2S Chinas Kampf um Gtaatseinheit. Weltwirischastliche Ltmschau. Es geHort zum Wesen de? internationalen Sozialismus, daß er sede Form der Ausbeutung bekämpft. Doppeft schwer wiegt die Ausbeutung, wenn sie von einer Fremdherrschaft ausgeübt wird. So begegnet der Befreiungskampf der chinesischen Bevölkerung gegen ihre eigenen ausländischen Ausbeuter den größten Sympathien des europäischen Proletariats. Indessen herrschen nicht immer die richtigen Vorstellungen darüber, um was es in dem großen Kampf in China geht. Insbesondere macht man sich sellen eine deutliche Vorstellung davon, wie bedeutungsvoll die Schaffung des chinesischen Einheitsstaates als Erfolg des chinesischen Befreiungskampfes vom weltwirtschaftlichen Gesichtspunkt wäre und wieviel davon auch für die Lebensintercssen des europäischen Proletariats abhängt. Simylltsens Traum. Will man die Beweggründe des chinesischen Emanzipations- kampfes erkennen, so ist es nötig, auf die Ideen des 1923 vor- storbenen großen chinesischen Führers und Staatsmannes Sunyatfen einzugehen, der diese Ideen in seiner Person gleichsam verkörpert bat. Wenn dos Andenken dieses großen Staatsmannes in Moskau gefeiert wird, so bedeutet dies nicht im geringsten, daß Sunyatfen etwa Bolschewik gewesen wäre. Sunyatsen war ein Revobitionär, was er um so mehr sein mußte, weil die Befreiung seines Landes ohne eine revolutionäre Bewegung unmöglich war. Mit Sowjet- rußland war er jedoch nur außenpolitisch verknüpft. Sunyatsens Idee war die Schoftung des chinesischen Ein- h e i t s st a a t e s. Von den vielen Provinzen, die jede für sich lebten, keine geordnete Verwaltung besaßen und der Spielball für machthungrige chinesische Generale waren, wollte Sunyatsen zur Staotseinheit. Er sah, daß die Entsaftung der Produktivkräfte unter der Herrschaft der zahllosen einander befehdenden Generale und bei den andauernden Bürgerkriegen unmöglich sei. daß daher das chinesische Volk zu ewiger Armut verurteilt sei, solange nicht eine staatliche Zentralgewolt entstehen könne. Die europäischen Großmächte haben aber die Schaffung des chinesischen Eiicheitsstaatcz mit allen Mitteln hintangehaftcn. .Hot doch die Zersplitterung Chinas das imperialistische Aardringen erleichtert durch zollfreie Einfuhr europäischer Waren, Besitz- argreifung von Eisenbahnen und Naturschätzen und Ausbeutung der Kinder und Jugendlichen. So war es nur selbstverständlich, daß sich Sunyatsens Kampf in erster Linie gegen den Imperialismus der Großmächte wenden mußte, zumal diese ihm, dem Präsidenten Südchinas, die Zolleinkünfte, woraus er die Verwattungsausgaben bätte bestreiten können, vorenthaften haben. Doch wollte er in erster Linie den Wohlstand des chinesischen Volkes heben. Seine großzügigen Pläne für den Ausbau der Transportmittel standen im Dienste dieses Zweckes. Er hat die notwendige Agrarreform angestrebt, in die Industrie aber wollte er die Elemente der europäischen Sozialpolitik über- pflanzen, vor allen Dingen wollte er den Zusammenschluß der Ar- bester in Gewerkschaften fördern. Die furchtbare Armut. Erschütternd sind die Berichte, die yirs von der ungeheuerlichen Armut in China erzählen. China ist ein Agrarland mit Bauernwirtschajten. Die Bcschafsenheit des Bodens ist aber nicht günstig, es gibt keine Viehwirtschaft in China, keine Düngemittel. Dürren und Ueberschwemmungen erschweren die landwirtschaftliche Produktion. Auf der anderen Seite ist die Bevölkerungszunahme zum Teil auch aus religiösen Gründen sehr groß, der Nohrungsmittelspielraum infolgedessen außerordentlich eng. Der Bodenertrag reicht kaum für die Befriedigung des dürfttgsten Lebensunterhalts aus. Daher die nicht zu überbietende Anspruchslosigkeit des chinesischen Bauern, die noch größer ist, als die des chinesischen Industriearbeiters. Wenn nun vollends schlechte Ernten hinzukommen oder aber, wie seit vielen Jahren, Bürgerkriege die Produktion hemmen, so treten Hngersnöte aus. Die dauernden Bürgerkriege hindern die Bauern an der Instandhaltung der zok>l- losen Staudämme und an der Berieselung. Ihre kargen Vorräte werden durch die Soldaten und die Räuber— diese beiden Kategorien gehen in China häufig ineinander über— geplündert. Verschärft wird die Lage der Agrarbevölkerung durch den Groß- grundbesitz von Kausleuten und Beamten. Die Bauern müssen«inen großen Teil ihrer dürstigen Enste als Pachtzins an den Eigentümer abführen; der Rest reicht für den Lebensunterhalt nicht aus. Der Nebenverdienst der Dauern aus Heimarbeit wird aber durch das Eindringen der kapitalistischen Produktion immer mehr ein- geengt, auch dies trägt zur Steigerung des Elends bei. Bei Hungers- nöten richtet sich die Auswanderung vorwiegend nach der dünn be- »ölkerten Mandschurei, die in den letzten Iahren drei bis vier Millionen, im laufenden Jahr mindestens eine weitere Million Chinesen aufgenommen hat. Zehntausende von Wanderern, Frauen. Greise und Kinder, gehen auf der Strecke zugrunde. Ein anderer Teil der Bevölkerung strömt in die Städte, wo sich sest dem Krieg eine großkapitalistische I n d u st r i e, zum Teil im Besitz chinesischer, zum Test japanischer und englischer Unternehmer, entwickelte, die das junge Industrieproletariat mst unmenschlichen Arbeitszeiten bis zu 16 Stunden und mehr, auch für Frauen und Kinder, ohne Ruhe- tage bei niedrigsten Löhnen ausbeuten. Der japanische Imperialismus auf dem Vormarsch. Während die Vereinigten Staaten in der Nachkriegszeit mit friedlichen Mitteln in China vordringen und die Politik der„offenen Tür" vertreten, ja sogar der englische Imperialismus seine Er- oberungspläne im Innern Chinas in letzter Zest auszugeben und sich auf die Vertretung seiner Interessen in den Hafenstädten zu be- schränken scheint, haben die imperialistischen Bestrebungen Japans in China mst der Zeit an Stärke gewonnen. In Japan herrscht der Großgrundbesitz und das Pachtsystem vor: der japanische Dauer ist sehr arm, wenn auch nicht so wie der chinesische, er kann aus dem ihm verbleibenden Bodenertrog seinen Lebensunterhaft nur schwer gewinnen. Der Bevölkerungsuberschuß Japans ist gewattig. Die Zunahme der Geburten beträgt jährlick etwa 700 000. im ver- gangenen Jahr sogar eine Million Menschen. In Japan herrscht großer R o h st o f f m a n g e l: Kohle. Eisen. Oel und die verschiedensten Lebensmittel fehlen. Eine große moderne Industrie ist nun entstanden, eng mst Großgrundbesitz verbunden, oon Trust» und Kartellen beherrscht, die bereit« als Export- industrie gegründet wurde, da der innere Markt infolge der gs> ringen Kaufkraft der Bevölkerung die im Inland erzeugten Industrie- Produkt« nicht auszunehmen vermag. Alle diese Momente drängen nach einer imperialistischen Ausdehnung. Die in den letzten steoen Iahren dauernd herrschende Wirtschaftskrise, die Geld- entwertung, der Preissturz der Rohseide— des hauptsächlichsten Ausfuhrartikels Japans—, die zunehmenden Absatzschwierigkeiten aus dem Weltmarkt, insbesondere der Baumwollwarenausfuhr in Indien und Cl)ino, haben jene imperialistischen Tendenzen sehr verschärst. Die gegenwärtige Regierung T o n a k a vertritt das Prinzip der„st a r k e n Hand" gegenüber China. Etwa ein Viertel der japanischen Ausjuhr, vornehmlich von Baumwollwaren, richtet sich nach China. In der chinesischen In- dustrie ist japanisches Kapital stark beteiligt. Die japanische Politik Seht aber davon ans, wichtige Teile Chinas zum japanischen Herr- chaftsgebiet zu machen. Im Weltkrieg hat Iavan in Schontung Fuß gefaßt, oon den deutschen Rechten an Eisenbahnen. Kohlen- und Eisenseldern Besitz ergriffen, 191? die berüchtigten 21 Forde- rungen an China gestellt, deren Erfüllung China zu einem Vasallen- staat Japans gemacht hätte. Unter dem Druck der Bereinigten Staaten mußte Japan 1921 Schantting räumen. So wichtig auch für Japan der Einfluß in Schonwng sein mag, an dessen Industrie japanisches Kapstal stark beteiligt ist, so richten sich seine Erobennigsabsichten doch vornehmlich aus die Mandschurei und die Mongolei. Die Mandschurei ist dünn besiedett, hat nur 22 Millionen Einwohner, verfügt über große Naturschätze und über eine erhebliche landwirtschaftliche Ausfuhr. Hier wmken dem japanischen Kapital große Gewinne, dem japani- schen Bevölkerungsüberschuß Möglichkesten der Auswanderung. Die sudmandschurische Eisenbahn steht berests in japanischem Besitz. Die Eisenbahn hat eigene Verwallung, eigene Kohlen- und Erzberg- werke, eigene Polizei und Gerichtsbarkeit auf dem Gebiet der Bahn- lirrie. Die Industrie der Mandschurei steht in japanischem Besitz und beschäftigt japanische Angestellte. Die Arbeiter sind Chinesen. Dieje Mochtpositionen bieten Japan die Handhabe für das weitere Vordringen in der Mandschurei. Die amerikanische Re- gicrung schien sich diesen Bestrebungen nicht zu widersetzen: daraus deutete die Tatsache hin, daß die südmondschurische Eisenbahn kürzlich eine 40-Millionen-Dollar-Anleihe von der Morgangruppe erhielt. Bor nicht langer Zeit Hot Japan seine Ansprüche auch aus die nördliche Mandschurei und die Mongolei in nicht mißverständlicher Weise angekündigt. Der äsinesisch«'Machthaber der Mandschurei, Tschangtsolin, hat den japanischen Machtbestrcbungen lange Zeit keinen Widerstand entgegengestellt, da er i» seinem Kamps gegen Südchina bzw. die nationalistische Armee auf japanisch« Waffen und Geldhilfe angewiesen war. Doch gingen zuletzt die japanischen Forderungen allzu weit und als er sich weigerte, sie zu erfüllen, fiel er bei der japanischen Regierung in Ungnade. Was nun unter solchen Umständen dos japanische Bordringen in Schantung, die Besetzung der Schantungbahn und das UUima- tum an China, 10 Kilometer Breite zu beiden Seiten der Schon- tungbahnstrecke zu räumen, bedeutet, kann nicht eindeutig beantwortet werden. Es kann dem Zweck dienen, die Südarmee m ihrem Vormarsch aufzuhatten— was Japan anscheinend noch nicht ge- glückt ist— die Eroberung Pekings, die Verbindimg der Südarmee mst der Mandschurei hintanzuhallen und die Schaffung des Ein- heitsstaates zu verhindern. Doch ist eine andere Annahme nicht von der Hand zn weisen, daß Japan diesmal Schantung nur aus dem Grunde beletzt hat, um mst der südchinesischen Armee unter dem Druck der Besetzung über die Zölle und die japanischen Vor- rechte in der Mandschurei zu verbandeln. Die Besetzung hätte als Erprcsiungsmsttel dienen sollen. Erst die Ereignisse der kommenden Wochen werden eine Antwort auf diese Fragen geben. China in der Weltwirkschaft. Während China zu einem imperialistischen Ausbeuwngsobjekt geworden ist, blieb seine Rolle in der Weltwirtschaft trotzdem außer- ordentlich gering. China hat heute die weitaus geringste Kops- quote im Außenhandel in der ganzen Welt. Wäbrend aus den Kopf der deutschen Bevölkerung im Jahre 192S eine Außen- hondelsquote von etwa 338,20 Mark enfticl, betrug die chinesische Kopfquote 13,94 Mark, d. h. das Vierhundertmillionenvolt ist für den Welthandel so gut wie ausgeschaltet. Eine auch nur geringe Hebung der chinesischen Kaufkraft würde eine große Zunahme der Ein- und Ausfuhr Chinas zur Folge haben. Doch können die Lebensgewohnheitcn sich nicht ändern, solange die chinesische Kauf- kraft auf ihrem heutigen Tiefstand bleibt. Die europäischen Industrieländer leiden unter Absatzschwierig- feiten. China könnte der europäischen Industrieaussuhr schier unermeßliche Möglichkeiten eröffnen und gleichzeitig Europa mit wich- tigen Rohstoffen versehen. Die Schaffung des chinesischen Ein- h e i t s st a a t e s ist jedoch die Voraussetzung für diese Eni- wicklung. Deshalb ist sie auch von größter Bedeutung für die Weltwirtschaft. A. H. Aach dem Tode von Kelix Deutsch. Schärferer Kurs im SlSG- Konzern? Heber den Tod und die Nachfolgerschaft von Konzernführern denkt die Arbeiters chaft notwendig anders als das kapitalistifche Bürgertum. Felix Deutsch, der verstorbene Generaldirektor, hat im AGG.- Konzern und für die, die auf dessen Aufträge und Gewinn« wandten, große Verdienste. Cr hat als erster Gehilfe von Emil Rachcnou, 13 Jahr« über dessen Tod hinaus, die riesige Konzernmacht aufgebaut, die äußere und innere Berkaufsorganisation war sein ausschließliches Werk, als Finanz- und tüchtiger Kaufmann hat er weder feine Kreditgeber, noch die Aktionäre enttäuscht. Unter den Industrie- führern stand er in vorderster Reihe. Mit der Idee der horizontalen Zusammenfassung, mit seiner Feindschaft gegen inflationistische Sach- werthäusung gab er im Gegensatz zu Stinnes schon frühzeitig aufmerksamen Unternehmerkollegen lukrative Fingerzeig«. Er hat ge- lehrt, die deutsch-französische Bcrständigung sowohl als auch die russische Sowjetrevolution kaufmännisch fruchtbar zu machen. In allen diesen Dingen hatte Felix Deutsch Format und einen sicheren Blick. Das kapitalistische Jndustrieführertum konnte und mußte ihn feiern, denn er hat ihm sehr viel genützt. Hier hinterläßt er auch eine groß« Lücke. Daß Deutsch Jude war, Charakter hatte, aus einem Musiker- hause stammte und olles schließlich eigener Arbeft verdankte, hin- derte ihn persönlich, ein ausgeprägter Chauvinist oder Scharfmacher zu sein, wie die meisten seiner Kollegen. Die gleichen Gründe hin- derten Ihn aber auch, über die Eigenschaften eines großzügigen kapftolistifchen Kaufmannes hinouszuwachsen. für den dos Ver- dienen groß geschrieben war. Wahrscheinlich hat innerhalb des AEG.-Konzerns sein Dasein an vielen Stellen, im Gegensatz etwa zu Siemens, Exzesse der Scharfmacher«! oerhütet: die Neigung dazu war im AEG.-Konzern immer stark. Aber schon im Verband Berliner Metall>ndusttieller, in der Vereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände, im Reich»- verband der deutschen Industrie merkte man nichts mehr von seinem mäßigenden Einfluß. Da mit dem Tod« von Generaldirektor Deutsch die letzten Hemmungen weggefallen sind, wird die Belegschaft des AEG.- Konzerns mit einem noch schärferen Kurs gegen die Arbeiterschaft rechnen müssen. Dem wirtschostlichen wird auch der„sozialpolitische Wettbewerb" mit Siemens folgen. Das ist die Lehre, die mit dem Tode von Felix Deutsch sür die Arbeiterschaft mahrscheinlich zunächst prakttjch wird. Lindcars Aufstieg. 26 000 Fahrräder im letzten 3ahre.— LeistvngSfähigkeit 600 Fahrräder täglich. Daß die organisierte Arbeiterschaft aus ihr« eigenen Wirtschaft- lichen Unternehmungen mit immer größerem Stolze blicken darf, dazu hat auch im letzten Jahre die vom ADGB. und Verbänden der freien Gewerkschaften beherrschte Lindcar-Fohrradwerk A.-G. in Berlin-Lichtenrade wieder erfreulich beigetrogen. Der Geschäfts- bericht für 1927 liegt uns heute vor. Die F a hrr a d p r od u kt i o n ist im vergangenen Jahre auf 26 000 Stück gegenüber 16 000 Stück im Jahre 1926 gestiegen, ein Zeichen, daß nicht nur die Leistungsfähigkeft groß ist, sondern auch dos Dertrauen bei den Käufern. Obwohl in der übrigen Fohrradindustri« in den letzten Monaten«ine außerordentliche Flaute herrschte, wasür zahlreiche Arbeiterentlossungen sprechen. konnte die Lindcor-Produltion bis Ende M a i 1928 fast den gesamten Absatz des ganzen Jahres 1927 mit 20 000 Stück be- reits erreichen. In Berlin wurden in der kurzen Zeit, in der das Werk der Arbeiterschaft gehört, allein 23 000 Fahrräder abgesetzt, und wie außerordentlich stark Vertrauen mtb Kauflust der Berliner Arbeiterschaft sind, beweist die Tatsache, daß die erst am 10. Februar d. I. eingerichtete Fabrikniederlage in der Oronienstraße 127 bis zum 19. Mai schon rund 3000 Fahrräder verkauft Hot. Es bestehen gegenwärtig Fabrikniederlagcn in Bei- liv, Breslau, Hannooer, Magdeburg, Bremen, Bochum und Mün- che», außerdem an 23 Orten Verkaufsstellen. Dieser starken Auswärtsentwicklung konnten die bisherigen Fa» brikräume und Fabrikationseinrichtungen in Lichtenrade nicht ge- nügen. Im Herbst 192? wurde mit dem Neubau von drei großen Fabrik hallen und dem Umbau der allen Fabrik- gebäude begonnen. Gegenwärtig sind die Neubauten fertiggcstelli. Das bedeutend erweiterte Werk ist mit einer Belegschaft von 400 Mann voll im Betrieb. Durch dieje Erweiterung hat sich die tag- liche Leistungsfähigkeit des Werkes auf 600 Fahrrader erhöht. Zur teilweise» Finanzierung dieser Erweiterung wurde im November des vergangenen Jahres das Kapital von 10ö000 M. aus 503 000 Mark erhöht, mehrere Zentralverbände haben sich bei dieser Kopitalerhöhung neu an dem Werk beteiligt, gleich- zeitig wurde das Fabrikgrundstück, für dos bisher eine Pacht zu zahlen war, käuflich erworben. Beim Vollbetrieb, d. h. voraus- sichtlich im Sommer 1928. werden rund 500 Mann beschäftigt sein, d. i. gegenüber der Höchstbeschöstigung des Vorjahres von 220 Mann mehr als das Doppelte. Es ist selbstverständlich, daß zum Unterschied von den meisten privaten Fahrradfabriken der Acht- stundentag in den Lindcar-Werken scharf durchgeführt wird. Gewinnrechnung und Bilanz sind naturgemäß recht günstig. Es ist erfreulich, daß die Verwallung Gewinnrechnung. Bilanz und Geschäftsbericht in diesem Jahre sehr viel aus- f ü h r l i ch e r gestattet hat, wenn der Bcrgleich mit dem Vorjahr deshalb auch etwas erschwert ist. Einem Rohertrag von 2,16 Millionen werden in vier Posten die Produktionskosten mit 1,59 Millionen und in weiteren fünf Posten die Handlungs- ynkosten mit 0,41 Millionen gegenübergestellt. Die Zllsschreibittigcn betrage» 77 800 Mark gegenüber 61 300 Mark im Vorjahr, der R e i n ü b e r s ch u ß hat sich van 22 861 Mark auf 81 293 Mark erhöht. In der Bilanz sind die Außenstände von 0,79 auf 1,32 Mil- Uonen Mark, die Verpflichtungen von 0,90 auf 1,58 Millionen Mark gesttegen. Die Waren- und Materialvorräte sind mit nur 511 000 Mark bewertet und dürften erhebliche stille Reserven enthalten. Der Gewinn von 81 300 Mark wird zu einer lOprozenti- gen„Dividende" auf dos frühere Kapital von 105 000 Mark und für ein halbes Jahr auf das neue Kapital von 400 000 Mark verwendet. Die Reserven werden um rund 38 000 Mark auf rund 60000 Mark. d. i. mehr als 10 Prozent des Kapitals, erhöht. Wie immer bei den eigenen Unternehmungen der Arbeiterschaft, deren Kapitalanteile sich in den Händen der Gewerkschaften befinden. kommt auch die Lindcor-Dividende ebenso der Stärkung der Ge- werkschastskassen zugute, wie die Belieferung mit Lindcor-Fahr- rädern fast nur an Gewerkschastsmitglieder erfolgt. Der Fahrrad- käuser zahlt den sogenannten Gewinn letztlich also in die eigene Tasche, womit es selbstverständlich seine volle Richtigkeit hat. Der Reichsbankausweis für Mitte Mai zeigt einen erheblichen Rückgang der Inanspruchnahme der Reichsbonkgelder sür Wirtschaft- liche Kredite. Die Wechselbeständc sind um 294,4 auf 1985,9 Mil- lionen gesunken und haben mit Ausnahme von Mitte Februar da- mit seit September v. I. für die jeweilig« Mitte der einzelnen Monate den niedrigsten Stand. Wie gewöynlich, habe» die Lombardbeständc zur Monatsmitte zugenommen, und zwar um 20,5 Millionen auf 59,7 Millionen Mark. Die Gelder auf Giro- konto sind um 3,0 aus 463,5 Millionen angewachsen. Der Um- laus an Reichsbanknoten hat sich entsprechend stark, d. h. um 251,8 auf 3987,1 Millionen, verringert. Rentenbanksck>«i.>e waren am 15. Mai 565,5 Millionen Mark im Umlauf. Die Gold» bestände sind mit 2040,8 Millionen fast unverändert, die Bestände an deckungsföhigen Devisen haben sich um 15,37 ani 212,9 Millionen erhöht. Reichsschatzwechsel werden zum 15. Mai nur für 600 000 M. ausgewiesen, so daß gegenüber der Vorwoche 700 000 Nt. Reichsschatzwechsel abgegeben worden sind. 28 Millionen Kapital der Deutschen Bau- und Bodcnbank. Di« schon lange vorgesehene Kapitalerhöhung der Deutsäien Vau- und Vödenbank A.-G. Berlin, der Wohnungsbaubank des Reiches, ist jetzt durch Generalversammlungsbeschluß ersolgt. Das Kapital wird u m 15,2 auf 28 Millionen Mark erhöht: bis aus 24,3 Millin- nen Mark soll sofort erhöht werden. Die restlichen 3,7 Millionen sollen der Vorstand und Aufsichtsrat bis zum 3l. Dezember 1928 unterbringen. Der Zweck der Kapitalerhöhung ist die Beschaffung sofort greis barer Mittel zur Ausnutzung der Bausais an. � Das Reich übernimmt 10 Millionen Mark der jungen Aktien und bleibt damit der Hauptoktionär. Mit einem kleinen Betrage hat sich auch der bayerische Staat beteiligt 1250 000 Mark), ddr sich bisher von diesem Reichsinstttut offenbar aus paliti- schon Gründen serngehaftcn hatte. ver«Sroßhandelslndex steigt weiter. Zum 16. Mai hat sich gegenüber der Borwoche der amtliche Großhandelsindex um 0 4 auf 141,0 Proz. erhöht. Agrarstofs- und Kolonialworeninber sind je um 0.7 Proz. gestiegen, die Merkziffern sür industrielle Rohstosse. Halb waren und Fertigwaren haben um 0,2 Pro.z. angezogen. Die konserea, der polnischen sozialistischen Partei in Kattowitz hat am 18. Mai erneut idc Einheitsfront mit den deutschen Sozialisten gebilligt und in einer Entschließung von de» Partei- stellen verlangt, daß mit alle» Mittel» die Beilegung des deutsch-polni! che» Wirtschaftskrieges erzwun- gen werden solle, da die Arbetterschast und das Wirtschaftsleben in Ostaberschtesteu schwer darunter zu leiden haben. Verhandlungen in derlBertinerMetallindustrie Äeber die Erneuerung des Manteliarifvsrtrags. Tm V'ttwocki büginnim die Bschonhfunam zwischen hcm Verbind Berliner Metallind�istrieller und dem Metolllartell über den ?!«uobschlu� b«? Munteltarisnerlroqcz. der auf Beschluß der Funktio- niire der B7elollarbeit«r zum 81. Mai gekündigt wurde. Das Wetollkartell hat dem BBM?. bereits einen Vertrags- rntwurf uliermittelt, der zwar höchst sewjwerstöndtiche Farde- rangen enthalt, die aber nach den bisherigen Erfahrungen mit den 'Berliner Metatlindustriellen. besonders was das Aopilel Zlrbeitzzelt �ernfft, dem hestsgsten?Didcrstand der Unternehmer beginnen dürften. Gefordert wirji zunächst, daß der Dar!! neriraa nur i ü r v e yt r a g s rech enden Organ!» Mitglied e.r der >ationcn gelten soll. Die wöchentliche Arbeitszeit Ml oon 4H auf 4 6!» ötjinSen herobgescßt und die Leistung von U e b e r st>rP d« n a�er gelegentlicher Sonn- und �teiertagearbe� mit dech Arheiterrat vereinbart werden. Ueberstiiyden sollen nur dann angeordnet werden tonnen, wenn sie airsn�chni-weise zur Ausreckiterhaltung des Betriebe? oder chr Verbutiueö der Unterbrechuna eines Arde>lenrazess«z notwendig �e5 bisherigen Ueberstundenzuschlages von 1? Proz. (oD*n y-titifnftiq 25 Pro,, gezahlt werden. Nachtarbeit von III IlHx abends bis 5 Uhr morgens soll ebenfalls mit einem Au- schlag bon 25 Proz. bezahlt werden. Wie schon bei den Verhandlungen im Vorjahre wird verlangt, -daß sür alle im fließenden Arbeitsprozeß Vchchastigten eine Peiüsc von 10 Minuten se Arbeitsstunde ge- währt wird, die in die tägl'che?lrbeitszelt eingerechnet und bezahlt werden muß. Ein besonderes Vcwicht Jird in dem Entwurf auf bessere Urlaubsbestimmungen gelegt. Während bisher mir der Arbeiter drei Tog« Urlaub erhielt, d-m vom 1. Oktober bis zum 1.?lpril, also mindestens sechs Mangle im Betrieb be- schäsligt und 20 Jahre alt war, soll zukünjtig jeder übgr 18 Jal>ra oll« Arbeiter nach dreimonatiger Beschäftigung drei Vage Urlaub erhalten, Gefordert wird weiter eine Zlendcrung der lhlaubs- siaffcl bei gleichzeitiger cheraussetzung der Urlaubztage. vo soll zum Beispiel ein über 1t) Iabre im Betneb tätiger ArbeiKr nicht mehr acht, sondern 18 Vage Urlaub erhalten. Die Lehrzeit oder die Beschftästig-.'ng im Betri-be vo>' dem 18. CefSrntjoH**« soll aus den Urlaubsanspruch angerechnet werden. f�ür die Akkordalbeiter wird verlangt, daß der Preis sür das Ztrbeitsstück aus dem Akkordzettel nicht, wie es heute viel» Zur Bewegung öer Kellerarbsiier. Di« im Deutschen Verkehrsbund organisierten Arbeiter ans den Weingroßlaondlungcn und Likörbe.'rieben werden morgen, Montag. im Dresdener Garten zu dem vom Schlichtungsausschiiß Groß-Berlin gefällten Schiedsspruch, der uns eine ganze Mark Lohn- crhohung�oam 4. Mai bringt uno eine weitere Mark vom 14. Sep- tember. Stellung nehmen und ihre endgültige Entscheidung tressen. Die beiden bei dem Nahrungsmittel- und Getränkearveitervcr- band organisierten Betriebe Kohlbaum und Raethor u. 'Lempevski haben am Sonnabend früh die?lrbeit»ingestellt, da der Schiedsspruch in keiner Weise den berechtigten Zlnspruchen der Zlrbeitnehmer entspricht. Da die Arbeitgeber die Vetbindlichkeij des Schiedsspruches de- antragt haben und darüber barcils am Montag mittag eine Ver- Handlung beim Schlichter angeielzt ist, wird sich hier zeigen, ob die Arbeltgeber weiter so zugeknöpft bleiben. Der Zustand, daß die Ööhty�jjflerade bei den teuersten Getränken am niedrigsten bleiben sollen, ist unerträglich und ist nicht aufrechtzuerhalten.— Alle Betriebe müssen vertreten sein, ertcheinf in Masken. Deutscher Verkehrsbund, Sektion l, Gruppe: Weine und Liköre. Vrauereikapital gegen die Angestellien. Dom Zentralverband der Angestellten, der führenden An- gistelltcnorganjsation im Berliner Braugewerbe, wird uns ge- schrieben: Die von den Verbanden de? AfA-Bundes einberufene Ver- f-immlung der Angestellten der Berliner Brauereien hat den V«r- gleichsvorschlag des Schlichtuiigsousschusses, der eine Zprozenuge Gehaltserhöhung, geltend bis zum 31. März 132!), vorsah, als völlig ungenügend und unzureichend abgelehnt. Die Versammlung forderte eine angemessene Erhöhung des Gchalls- tarifes niit einer Laufdaucr bis Ende September 13'28 und sprach sich ganz entschieden gegen ein Durchbrechen des Varifpertrogcs durch Gewährung von bejondercn Funktionszulagen im(Einzelfalle aus. Mit größter Empörung und Entrüstung lzaben die'Angestellten davon Kenntnis genommen, daß die Unternehmer nicht nur jede Erhöhung der Gehälter glatt ablehnen, saiidsrn mich eine Verlängerung des feit Oktober 1!)27 geltenden Gehaltsab- kommen» bis 31. März 1929 fordern. Die Aiigesteb'tenqehälter im Berliner Braugewerbe blieben seit Oktober 1927 unverändert. Während andere Angestelltengruppen in der Zwischenzeit nicht un- bedeutende Gehaltserhöhungen erzielten, erklärten die Vertreter der Brauereien Berlins, daß eine generelle Erhöhung der Ge- hälter vollkommen un diskutabel und untragbar sei.— Gerade dos Braugewerbe hätte alle Veranlassung, auf dem Gebiete der Lohn- und Gehaltspolitik vorbildlich zu wirken. Das Braukapital versteift es ausgezeichnet sehr erhebliche Betriebs- gewinn« auf Kosten der Allgemeinheit zu machen, verlangt aber von seinen Llngestellten weitestgehenden Verzicht aus die alleruotwen- digsten Kultur- und Lebensbedürfnisse. Die Hoilptsache sind fette Dividenden und Aufsichtsratstanriemen. Die Gehälter der kaus- niännischen Angestellten können aus dem vom Trebcroerkauf erzielten Betrage gedeckt werden. Die Angestellten waren put genug, während des Kampfes der Brauereigewaltigen gegen das Gemeinde- bcstimmnngsrecht zentnerweise Flugschriften und Agitationsmaterial zu perteilen. Sie sollen setzt den verdienten Fußtritt bekommen. Es wird Aufgabe der Berliner Brauereiangestellten sein, aus der hartnäckigen Haltung der Unternehmer die notwendigen Konse- gueuzen zu ziehen und sich gegen diese empörende Mißachtung der Angestellten mit aller Energie zur Wehr zu setzen. (?luskunft über den weiteren Verlaus der Gehaltsbcwcgung er« keilt bereitwilligst der Zenftalverband der Angestellten. Delle» ?klliance-Str. 7/10. Telephon: Bergmann 5425. Sprechstunden: Montags und Freitags von 5 bis 7 Uhr nachmittogs.) „Sanierung" der Schill-Veirlebe. Auf Kosten der AngesteÜten. Nachdem die Schill-Betrieb« ob gewirtschaft st hatten, wurden sie von den Firmen Essig-Kühne und Schnaps-Meier übernommen. Die leitenden Herren, Dr. Warschauer und Gerber, Hotelbesitzer in Woriiemünde, wollten Goldgruben daraus machen und verpachteten die Betriebe an„Oekonamen". Die Pachtverträge brachten dieft Oekanamen von vornherein in«ine schwierige Lage, so daß einer noch d«n anderen ging und neue kamen. Schließlich suchte man die Betriebe durch Abbau der sozialen Errungenschaften des Personals zu holten. In dem Betrieb« Neue K ö n i g st r a ß e 61/54 kam es deswegen am Sonnabend nachmittag zur?l r b e i t»«! n st e l lu n g. Der Oekonom Walter Franke, der im Eastwirts.gewcrbe wie in den Rechtsverhält- foch ichlich ist, in Siemensnaark. AEG.-Groschen usw. sondern in R e i 6)? in a r l nerzoichnet wird und daß den'klttord- arbeltern bei längeren Akkorden ein Abschkagslohn von etwa 90 Pro.z.(b'shcr 75 Proz.) des bisherigen Akkord- Verdienstes gezahlt wird. Ein« auch schon im Vorjahre erhobene Forderung ist. daß olle Ardeiten im sliehenden Arbeitsprozeß sowie solche, die wegen ihrer Eigenart init Lcbensgetabr verbunden sind, im Zeitlohn und nicht im Akkord verrichtet werden sollen. Neu ausgenommen ist in dem Bertragsentwurs ein Abjchnitt, in dem die Bezahlung der Arbeiter bei unverschuldeter?lrbcits. Versäumnis<§ 616 BGB) geregelt werden soll. Ebensalls neu ausaenommen ist ein Abschnitt, in dem die Lehrzeit, Arbeitszeit und Schulzeit der Lehrtinge sowie der Urlaub geregelt wird. Die Berliner Mctallarbeiier haben in den letzten Labren Forderungen zurückstellen müssen, die schon längst ersüllt sein müßten. Die aus der gesamten Arbeiterschaft lastende anhaltende Wirtschaftskrise, nicht zuletzt aber auch das mangelhaft« Orgam- sations«rhoItnis zwangen sie da.zii, ibr« Forderungen aus einen nünstiaeren Zeitpunkt aufzuschieben. Dieser Zeitpunkt ist jetzt ge. kommen. Die Unternehmer können sich jetzt nicht mehr dahinter ver- schanzen, daß e« ihnen wirtschastlich so überaus schlecht gehe. Auch die noch so kunstgerecht frisierten Bilanzen her Unternehmer der Berliner Metallindustr's vermögen ihr« ungeheuren Gewinn« nicht zu nerschleiern. Die Berliner Metallindustrie ist sehr wohl in der Lag«, all« die ausgestellten Forderungen zu he willigen, ohne auch nur den geringsten Schaden zu erleiden. 7luk der anderen Seite steht jetzt aber auch eine organisatorisch ni-l stärkere Metmlarbi-iterschast als noch vor ein«« oder gor zwei Lahre». Einen Beweis dafür, daß in organisatorischer Hinsicht bei den Berliner Metallarbeiter« vtek«? ander» und besser gewarden ist. haben vor noch nicht zu langer Zeit di« Werkzeugmacher gebracht. Ledentalls find sich die Berliner Metallarbeiter, gestützt auf ihr« Organisation, dessen bewußt, daß ein besserer Manteltarif als der bi-cheriue schwerlich am Verhandlungstisch, landein wahrschein- lich erst nach einem offenen Kamps« zustande komme» wird. Darum muß auch der letz,« Metallarbeiter, d-m seiner Organisation immer nach fernsteht, ihr jetzt endlich beitreten. iiräteii, einheitliche gewerkschaftliche Organisation aller Hand- und __ Kopfaroeiter bedeutet Macht, Uncinlpkeit und Zerrissenheit dagegen Bruderkampf und Ohnmacht— Die KPD. hat ihre Existenz von vorherain auf Zeilenbildung und Spaltung aufgebaut, die Einigkeit unterwühlt und unsere organisatorische Geschlossenheit»esprengt Diese Partei bildet das Hindernis der notwendigen Wiedervereinigung. Denkt daran, stimmtf Qr die sozialdemokratische Liste, das ist cSi@ Liste 1! niiien wohl nicht recht Bescheid weiß, glaubte, die Polizei könne ihm l)e!sen, den Streik zu verhindern. Mvrgen nacht nach Gejchäjlsj-Hluß werden die eingestellten der übrige» Schill-Belrlebe in einer Ver- jammluitg bei Friedet, Elsässer Straße 3, sich mit der Sktuation be» schäftigen._ im Lndiffereniismus versunken. Der Weg der Spartakisten. Aus Johannisthal wird uns geschrieben: „Als früherer Anhänger der Unabhängigen Sozialdemokratie ging ich bei der Spaltung 1920 mit einigen Gleichgesinnten zur Kommunistischen Partei über. ÜJicrcitchoA Jahre bis zu der Präsi- dontenwahl 192S Hobe ich als lommunistischer Funktionär sowohl im 15. Bezirk als am Ort und auch in Gewerkschaften und in Betrieben den kommunistischen Rummel mitgemacht. Das Ist mir als Anhänger der Richtung Brandter-Thalheimar nicht immer leicht geworden, besonders nach dem. Verhalten der Kommuiiistijd)en Part« im Jahre 1923. Heute ist es mir wie eine Erlöstiirg, daß ich nun seit mehr als drei Jahren die Ehre habe, der deutschen Arbeiterpartei, der Sozialdemokratie, anzugehören. Wie sieht-es aber hier bei uns am Ort mit den K o m in u« i st« n aus? Die ehemaligen Gründer de» Spartakusbunde»— 18 Personen— gehören samt und sonder» nicht mehr zur kommunistischen Pariel. Wir ehemaligen Unabhängigen sind unserer sieben wieder in die Reihen der Sozial- demokratie zurückgekehrt. Alle übrigen sind im llndlsfcrenlismus versunken. Heute besteht in Johannistl/al zwar ein« kommunistisch« Parteigruppe aus höchstens 40 Mitgliedern(die sozialdemokratische Ortsgruppe zählt 247!). Unter den 40 befindet sich aber nicht einmal ein halbes Dutzend jener Kommunisten aus den Jahren von 1920 bis 1925. Was noch vorhanden ist, das sind ganz junge Leute, die durch den Frontkämpferrummel angelockt sind oder Ortsiremde, die kommen wie gehe», ahn« Spuren zu hinterlassen. In den Jahren von 1920 bis jetzt sind bei der komnmnistischen Ortsgruppe nicht weniger als elfmal Unterschla- g u n g e n größerer Beträge vorgekommen. Heute höre ich aus zuverlässiger Quell«, daßdosDntzendderFällegeradevoll geworden ist. Die Versammlungen der Kommunisten sind meistens so schwach besucht, daß neulich ein Redner wieder fortging, weil noch nicht einmal 20 Menschen zusammengekommen waren. Die Sozial- demokratie aber hat prachtvoll« Kundgebungen am Orte veranstaltet und sieht dem 20. Mai mit Siegesz'.wersicht entgegen." Llrabstimmung der Lithographen und Gteindrueker. iidtv den Stnigungsvorfchlag zum Tarlfabfchluß. Die Rekchstarifosrhandlungen Im Lithographie» und Stelndruck- gewerbe, die dieser Tage zwischen den Haiden Parteien In Berlin zum Abschluß gebrocht wurden, führten w freier Berefttiqung zu folgendem Einigungsvorschlag: Erhöhung der Löhne ab 1. Jum für die Ausgelernten um 3 M. aus 39 M-, sür die Arhester big 21 Jahre auf 45 M.(Mindestsatz) und für die im Alter von 21 bl» 24 Jahren auf 50 M.(ebenfalls Mindestsatz). All, über 24 Iobre alten Arbeiter erhalten bei etnem Lohn bis zu 56 M. 3 M. Zulage urfc die mit einem Lohn von 57 M. bis 68 M. 2 M Zulage. Die Lohnerhöhung beträgt für etwa 12000 Beteiligte pro Woche ungefähr 29 000 bis 30 000 Di. Die Erklärung». fr ist sür beide Parteien läuft bis zum. 30. Mal. Der Ein!- zungsoorschlag wird setzt den Mitgliedern des Verbandes zur U r- abstimmung vorgelegt. Zu diesem Zwecke finden in der nächsten Wodze im ganzen Reich Versammlungen statt. Der Einigungsvor- lchlag stellt gegenüber der bisherigen Lohnregclung alles In allem einen gewissen Fortschritt dar. Oer Zndustrieschutzveröand. »Nationalisierung der Sozialpolitik". Der Deutsche Jndustrieschutzverband Dresden hielt am 19. Mai in Leipzig seine Generaloerjaminkung ab. Dem Geschäftsbericht für da? Äabr 1927. erstattet von Generaldirektor Grützner-Freital. mar zi» entnehmen, daß die Mitgllederzahl ün Berichtsjahr um 171 neue Mitglieder und 2 Arbeitgeberoerbände, in den ersten pier Monaten des lausenden Jahres um 211 netic Mitglieder und sechs Zlrbeitgebcrverbände zugenommen Hot. Der Nerbond gewährte 1927 655 von Streiks betroffenen oder an Au sf p e r- r u n g e n beteiligten Mitgliedern Entschädigung gen(gegenüber 564 192!fi). Für 1928 dürften die Entschädsgungsanforderun- gen infolge der neuerlichen allgemeinen Lohnbewegung b?- sonders hoch werden. Der Redner wies auf die Notwendigkeit de» weiteren?kusboues der Entschädigimgseinrichtimg hin. Der Direktor des Weltwirtschaftsinstititts der Handekshoch- schule Leipzig, Pros. Dr. Schultz«, üdte Kritik an dem gegenwärtigen Tarif, und Schlichtungswesen, das sich einem Punkte nähere, wo die von einem s re l wi lligen S chlick- lungswesen ausgehenden Wirkungen kaum»vo» zu beobachten seien. Sonst würde wohl kaum die gegen- märtig« misgesprochene Neigung zu Lohnkämpsen be stehen. Obgleich die Löhne der gelernten wie der ungelernten Ar- beiter in den letzten Jahren schneller gestiegen seien, als die Lebenshaltungskosten. Die Sozialpolitik, die vorwiegend eine Ab- beiterfürsorge geworden sei. ohne den übrigen Volksschichten dia nötige Beachtung zu schenken, beleg« die deutsche Dolksnurtichatt mit untragbaren Lasten und schädige dabei die Volksschichten, denen sie dienen möchte. Nachdem die'.siatmnalisieciing der Industriellen Produktion energisch durchgeführt sei. lasse sich ein« Ration all sie- rung der Sozialpolitik, wie auch die der Aerwaltung nicht ungestraft weiter aufschiebe«. Jr. einer Entschließung wird vom künftigen Reichstag». a. gefordert: Unterlassung aller weiteren Belastungen der Wirtschaft durch Lozlolversicheriing und arbeitsrechtliche Bestimmuiigen. Pesei- tigung der Allgemeinverbindlichkeitserklärungen und des staatlichen Schlichtungswesens. Vom Kampf in der Meinschiffahrt. Auf den deutschen Rhein schiffen in Holland haben die Dssatzungen ebenfalls die Arbeit niedergelegt. Die Reeder srrdern Ausweisung der deutschen Seeleute. die in die Streikleitungen genüchlt wurden. Die Behörden haben aber bisher darauf nicht reagiert. Auch der Holländische Transportorbeiterver. band fordert Berbefferung der Arbeitsbedingungen in der Rheinschisfahrt. Zur Crringung solcher für das Personal auf den Schlcppschifjen, hat der Verband ein« Zlewegung eingeleitet. Er ver- langt hauptsächlich Lohnerhöhung, mehr Rul>ewge. Ferien und eine Verbesserung der Arbeitszeitbedingungen, soweit sie sich auf die Tage der Ankunft und Zlbreise eine» Schisses bezichen. Lohnbewegung in der Zementindusirie. In der We stdeutf che» Zamentindustrie wurde bei de» Vev- Handlungen in Düsseldorf von dem Schlichter B r! e s cd den Parteien ein Einigungsvorichlog uifterbrellet, der für die Ar« deiter eine Lobnerhöhung um 12 Pf. und für die Handwerker eine solche um 13 P s. bringt. Dieser Eirrigurrgsvor- schlag für die Zcnrentiirdustrie Rheimand-Westsalens ist a it« genommen worden. Nach der Deveinbarung stellt sich der Tarif- stundenlohn für die Handwerker in Gruppe 1» auf 86 Pf.» für die Facharbeiter in den Gruppen I und Häuf 7? und 75 Pf.» für dm Ungelernten in Gruppe III auf 75 Pf. Der vor kurzen� gefällte Schiedssprnd) sah nur eine Erhöhung von 6 Ps. vor. Das Arbeitsverhältnis gilt als nicht unterbrochen! Maßregelungen sin- den nicht statt. Die neuen Abmachungen haben Geltung vom 15. Mai 1928 bis zum 30. April 1929.„„. Bei den Verhandlungen für die Schleswig-Holstei- nifche Zementindustrie war«in Schiedsspruch gefällt, der v- der Hauptsache«ine Erhöhung von 12 Pf. für die Ungetentten und IS Pf. für die Gelernten vorsieht. Die Arbeiter haben diesen Schiedsspruch angenommen und Verbindllchkettserklä- rung verlangt: sie ist jedoch nicht ausgesprochan worden. Am nächsten Montag sind im Reichsarbeftsminlsterium neue Partei- Verhandlungen für Schleswig-Holstein. Der Ausgang dieser Ver- Handlungen wird mich die Neuregelung der Löhne der Zement- industri« des Bezirks Stade bestimmen, wo der Schiedsspruch mit 5 Pf. Erhöhung von den Arbeitern abgelehnt wurde. Die Unternehmer haben Berbindlichkeltserklänmg beantragt. Auch in Thüringen ist der Schiedsspruch sehr unzureichend aus» gefallen: er sieht nur«ine Zulage von 5 Pf. vor. Die Neuregelung der Zementarbeiterlöhne ist deshalb schwierig. weil leider in manchen Bezirken die Arbeiterschaft noch immer nichr den Wert und die Bedeutung dar Organisation begriffen hat. Ausgchobenc Sperre. Wie un» der Zentvalverband der Hotel-, Restaurant- und Eaf �angestellten mitteilt, ist die Sperr« über den Betrieb Restaurant Kutulla, Brückenstraße 5. aufgehoben. Die Disferenzen sind beigelegt. Genosse Sienhuii. der Borsitzende des N iederlSnöifchen Gewerkschaftsbundes. Hot wegen Invalidität um Eni- Hebung von seinem Pesten nachgesucht. Ms Nachfolger wjrd der Lorsitzende des Niederländischen Transportarbeiterverbandes Bräutigam genannt. Stenhuis legte in den Limburger Kohlengruben den Grundstock für die niederländische Bergarbeiterorganisation. Später wurde er Vorsitzender des Fabrikarbetterverbandes und schließlich Sekretär der.Fabritarbeiter-Jnternationale. Im Jahre 1919 iibenahm Stenhuis als Nachfolger von Ondcgeest den Vorsitz im Niederländischen Gewerkfchoftsbund. Er redigierte auch dos Wochenblatt des Bunde,„De Strijd". Die Anbahnung eines engeren Ver- hältnisies zwischen Partei und Gewerkschaften in Holland war vor allem fein Werk._ � GewerkscbaffSrIuaenK Groß, Verlin M Ochtm� Ret' rmtijrn lo atmen nur die Z�ohnMe Balinhsl in Betracht. Nardt«!»: Spottvlotz wies« Nr. 6. F-tiiOeiter der PNiteitwanderanftev!'Anmefdesristen der n beachten. Leturr Termi» tllr«nmeldima der Psinastwandt- lienrtag, 2z. Mai 1925. AI?«hlabrtdabnhilf, der St»dtbal>ir Iuaendaruvve des ZentralverSandes der Anaestellten. rtalatz ttzahnhot K *&,■// beule. Sonntag aormittaa, tdortlir:» USucneen avf htm Soortotatz in Neukölln. Di, Ditlmtjm-r treffen sich ailnltltch SU Uhr I Nrukklkn.— Morgen, Montag, lallen die Kewtadend« der Äe IrnpelSof und adarfottenbur» au». Alle»etelNaen sich an der tverfawmlsng d», Sugendtoeeteilnetmer. d-» utn R tm Noten Saar de» Ort-dureau» ilelle.Ail'ance.Stt. 7/10, ltat! findet. Riemand darf lehIM! r? werden wichtige Siirzelheiten tllr den NelchijuzenHtaz und lllr dir Zih»t«r«isr drfprechen. Meldefrist lst adzelaufen. Die «idtnug. Be«»,«»« Seestrak«: An, Montag 15 IlZr tri UtreSiter Sek»»etmiasdorfer Strotze, Derlammluilg eXiet C.T S«ru>tlen. Dar Zraetionaoorpand. Sfranckeanerfammtun,, der AalltchuhneatSee. Vn HSonfa*. 21 Met, fß Uhr, Lokal Lanze Etc. 10».)!e»tral>»e,t>«n» her Schvdoeochee. Die Liauchenleilung. Herren- und Damen-Garderobe 'ALlf \ s«UI MI I»WWM"' W � I mm M T Oll T5I rill inflf • �-•■'tv#■'•-.■■;-■;••,•• Zum Pflngstfe»! TRAURINGE I RIns DuWatengold(900 gest.| rem Reklamepreis von.... 'Y1 Oedlegen und modere.... Schwere A«5führung........ » Ring(885 gest.) Oeditgen und modern.... MJ<,|J,— Preisliste-Schwere Ausführung..... Mk. 18,— smÄ 8 karat. Rings v. Mk. 4�- bis TU— p. Stück. 6 Orevieren gratis zum Mimehmen. 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Id> otebt durch KompromUae genötigt werde, es genr anders m mad.en. Wenn da» geschieht, dann pflegen die Wähler In den GntrOuungtraf euezubrechen: Nun zlnd wir wieder dlz Lackierten(oder die Elngeeelften oder dl* Galetanien). Haben St«»her. meine Damen und Haren, lern at» gebort da 5 II«rufen worden wäre, Nun etnd wir dl* Kubdrallen f Mit nlchlen I Lad,. Seife. Ulm teOnnHe»ni. l&Jächen. Küktrol enttäusch! nie! Kukirolen �iel Pozu broudien Sie amflehet da». vtelmtllonenbcb bewährte Kutrtrel.Hahoerougec-Füester. des Sie In 2 J von Ihrtn Qqeltn und In ganz fcurzej lall eich«, ad ungefährlich und nnbluftg von allen unliebsamen__ fiugelela und allen tenscndlad: verdammten Hornhäuten t freit Ee Ist gen» dünn und drüdd deshalb nicht vt* dl* U> neuerer Zeit engebolenen Hühneraugen-Rfng*. Fuftschmerzen.Brennen.V/undlaufen und Müdigkeit In den Füflen beeefügl des Kuklrol-Fuibei Baden Sit Ihr» Füg« 2 bis 5 mal wöchentlich In dem wohltuenden Koldrol-Fubbod und reiben Sie Sic lüchttg mit den» erfrtsdienddb Kuldrol-Streupuder ein. Sie werden den» «tuadenlang gebe werden De» Kuld r_ben und stehen kennen, ohne-- K'ildrol-Fu&bad»thrW dl* Fübe ond macht sie wieder frisch und leistungsfähig, h'lna Sperpaciuna Kuktrok Tubbad für 5 Bede- c•-reichend kostet nur l Hart '' den ff- JIÄ-f-rc 1.-l-r-c-f-lrn Drogerie oder A■ i.--fr-in• k'r:, i--J• nln-o'ifita-Fflastcr für 85 Pfg-, oder noch besser, eine geeec Kukfrol-FubpflcgeJtar für H. US KaUiol'Fabrlk Kart Krtop. Bad SaUrimaa. usfeaTOHmzuM fest ÖCHLAF'SPEISE« «ERßPHZIMMEß. SOWIE KÖCHEN, KLUß-UND eiHZELMÖBEEU AUF» mtZUSJAHRSS® A MWR WNGSSm* EVTL, OHNE ANZAHLUNQW kiAMWsüLß» SmNEHSÜm WU»OraoisMweTar_.aaJ» invalid. rutf. zMM □m von 60 Pf. an c». 400 Bat)- und l�nd-Pärr-cllen neu erschlossen gm Bahnhof anfangend. 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Abgesehen von der ollgemein herrschenden schlechten Lage am Arbeilsmarkt sind viele ältere Angestellte vom Existenzkamps eigentlich so gut wie ausgeschlossen, da die Nachfrage nach Arbeitskräften sich fast ausschließlich aus jüngere, möglichst ganz junge Personen erstreckt. Bei den Angestellten und Arbeitern geistiger Beruse wird die Altersgrenze besonder» scharf gezogen, und so kommt es. daß heute ollein aus dieser Berusskategorie im ganzen Reich schätzungsweise über ZOOdOll Menschen st e l l u n g s- l o» sind. Dabei besteht wonig oder gar keine Möglichkeit für sie, wieder eine Stellung zu erlangen. Diese oft lange und außerdem unabsehbare Arbeitslosigkeit Hot außer dem wirtschaftlichen Nieder- gang auch eine völlige Zerriitung der moralischen und seelischen Kräfte im Gefolge. Aus dieser Erkenntnis heraus hat sich eine ,Notgemeinschast� gebilidet, die nersuchen will, den Menschen, die in der Mehrzahl noch im Bollbesitz ihrer geistigen und körperlichen Zkräste sind, die Mög- lichkeit wiederzugeben, in den Kreis der Berussanwörter eingereiht zu werben. Seit ungefähr einem halben Jahr« besteht die Ge- schäftsstelle der..Notgemeinschaft der älteren Ange- stellten, Kousleute und Arbeiter geistiger Be- r u s e e. B.", Neue F r i c d r i ch st r. S/R. hier arbeiten zehi«> Männer und 2 Frauen ehrenamtlich am Ausbau der Gcmeinschast. Einzig aus den kleinen Mitgliedsbeiträgen von wöchentlich lOPs. pro Kopf— die Mitgliederzahl beträgt gegen 3M0, doch erfolgt die Beitragsleistung erklärlicherweise auch nicht immer allzu regelmäßig— wurde die ganze Sache ins Leben gerufen. Zuerst ar- bettet« man in einem einzigen kleinen Raum, später wurden dann di« jetzigen Räum« für eine billige Miete von der Stadt erstanden, ebenso gab e»«inen einmaligen Zuschuß von 500 M. Natürlich befindet sich das Haus in einem mehr als antiken Zustand, und es muh viel gearbeitet werden, um di« Räume einigermaßen zu restau- rieren. Dabei stellt sich alles gern in den Dienst der guten Sache, außerdem finden sich auch Wohltäter, di« durch Spenden zur Ber- nollständigung des Inventars beitragen. Jedes der Mitglieder Hilst, wo es eben kann. Der eine durch manuell« Arbeitsleistung, der andere sieht, was er an kleineren Einrichtungsstücken irgendwie entbehren kann. Teilweise sind die Bureauräume schon recht wohn- lich eingerichtet und der Geschäftsbetrieb ist mit mehr oder weniger Bequemlichkeit bereits im vollen Gange. Der Geschäftsstelle der Notgenieinschaft, die ja eigentlich mehr ein« ideelle Angelegenheit ist, indein sie für die Lebensrechte der allzufrüh vom Beruf Ausgeschlossenen ein« Lanze brechen will, sind mehrere praktisch arbeitende Abteilungen ange- gliedert. So die Bereinigung der A u s s i ch t s b e a mt e n, Kassierer und Kontrolleure, d. i. eine Vermittlung von turzsristigen B e s ch ä f ti g u n g s m ö g l i ch k e i t en in obi- ger Eigenschaft bei sportlichen oder anderen Veranstaltungen. Eine andere Abteilung, der Wirtschostsvcrcin, verschafft den Mitgliedern durch Fürsprache bei verschiedenen Firmen billige Lebensmittel auf Kredit, außerdem will diese Abteilung im Hause selbst eine Küche einrichten. Dann gibt es ein Bureau für Wohnungsangelegenheiten, eine j u r i st i s ch e Beratungsstelle, serner ist die Einrichtung mehrerer Arbeits- bzw. Wohnräume zu ganz billigen Preisen für die Mitglieder geplant. Welche Not und Verzweiflung unter den Menschen herrscht, die hier ein- und ausgehen, kann man sich ungefähr vorstellen: es handelt sich in der Hauptsache doch um Familienväter, die lange Zeit, oft jahrelang ohne Stellung sind und von der wöchentlichen Erwerbslosenunterstützung von 17,50 M. Frtlu, Kinder und sich selbst erhalten müssen. Tagtäglich melden sich neue verzweifelte. nieist Menschen, die früher bessere Tage gesehen haben, oft sogar in„großen" Stellungen waren. Krieg, Inflation und zum Schluß Verlust der Stellung, ohne jede Aussicht auf ein« neue, haben diese Unglücklichen an den Rand der Verzweiflung gebracht. Erschütternde Kapitel sind es, die man hier von den Abteilungsleitern— selbst Menschen, denen es nicht viel besser geht— aus ihrer täglichen Praxis.zu hören bekommt. Ein Kaufmann, der in der Inflation ein ziemlich großes Vermögen verlor, sitzt heute in einem Kellerloch-, seine Kinder mußte er weggeben, weil er sie nicht ernähren �kann. Einer älteren Kollegin verschafft« man die Verteilung von Pro- spekten-, infolge llitterernähning brach sie plötzlich zu- s a ni m e n. Später stellten sich Lähmungserscheinungen«in und heute ist iy« Aermste vollständig erwerbsunfähig. Ein anderer, Kriegsbeschädigter mit Frau und zwei Kindern, verlor ein Kind durch Unterernährung, das zweite ist nun bald ebenso weit und die Frau ist durch diese SchicksalsschlSge völlig zusammengebrochen. Täglich, fast stündlich ereignen sich hier solch' tieftraurige Bekennt- nisse. Man versucht natürlich, soviel als möglich Hilfe zu bringen: aber mehr als ganz kleine Darlehen zu geben, und auch diese notür- lich nur in den allerdringendsten Fällen, ist die Notgemeinschaft auch nicht imstande. Nun hofft man von der neuen Gesetzgebung, daß die Rechte aus Arbeit und Existenz, die in der Weimarer Verfassung für jeden Deutschen verankert sind, auch in die Tat umgesetzt werden. Am 20. Mai, heute, muß es so weit kommen, daß ein Parlament zusammentritt mit dem festen Willen, im Rahmen der staatlichen Mög- lichkciten olles auch für die Alten zu tun, die bitter« Not leiden. Sie werden in den letzten Jahren begriffen haben, wer ihnen nach besten Kräften zur Seite steht, und wenn sie zur Urne schreiten, geben sie ihre Slimmc der Liste 1, der Liste der Sozialdemokratie! Verräterische Goldstücke. Zwei Familien wegen Diebstahls verhaftet. Um ihr ganze» Varvermögen von lZ 000 Mark in Papier- geld, ZZO Mark in Goldstücken und zwei goldene Trauring« mit Brillanten wurde vor vier Machen eine Händlerin auf dem Wochenmarkt in der Spreestrafie zu Charloltenburg betrogen. Di« Frau hatte eine Ledertaschc, die den großen Schatz enthielt, bei Beginn des Marktes in eine Kiste zu Füßen ihres Tisches gestellt und entdeckte bei Gsschäftsschluß, daß diese Tasche ver- schwunden war. Niemond in ihrer gangen Umgebung hatte etwas gemerkt. Durch umfassende Ermittlungen ist es jetzt gelungen, b i e Diebe zu ermitteln und mit ihrem ganzen Anhang hinter Schloß und Riegel zu bringen. Zwei 17 Jahre alte Burschen, Kurt B. und Paul L., waren die Täter. Vor vier Wochen sahen die Burschen, daß di« Standinhaberin ihre Tasche in die Kiste steckte, und stahlen sie, weil sie darin viel Geld vermuteten. Ganz.„zufällig", wie sie sagen, waren auch die beiden Mütter aus dem Markt. Die Frauen stellten sofort ihre Einkäufe ein, begaben sich mit den beiden Jungen noch der B.'schen Wohnung und teilten dort dos Papiergeld und die Goldstücke. Wohl nie wäre ein Der- dacht auf sie gefallen, wenn die Familien nicht sehr bald ihren Reich- tum zur Schau getrogen hätten. Die Familie B. räumte alsbald ihr« 2-Zimmer-Wohnung mit Küche aus, verkaufte die alten Sachen und schaffte sich neue an. Die Familie L. blieb zwar bei ihrer alten Einrichtung, verriet sich aber durch ihren Aufwand nicht minder. Sie führte ein so flottes Leben, gab für Essen und Trinken im Gegensatz zu der bisherigen Lebenshaltung so viel Geld aus, daß es auffallen mußte. Mit dem Rest des.gefundenen" Vermögens kaufte Frau L. noch ein Laubengrundstück mit lebendem Inventar, Schweinen, Hühnern und Tauben. Beide Frauen waren so vorsichtig gewesen, bei ihren Einkäufen nur mit Papier zu bezahlen und die alten Gold- stücke in der Tasche zu behalten. Der Mann der einen jedoch beging den Fehler, seiner Frau di« Goldstück« zu stehtcn, um sie in Alkohol umzusetzen. Ein Zwanzigmarkstück folgte so dem an-deren. Gerade das ober sprach sich bald herum und eines schönen Tages wurdeq beide Familien verhaftet. Die beiden Burschen legten endlich ein Geständnis ab. Die Mütter ober wollen sich immer noch damit herausreden, daß sie ihren Söhnen den„Fund" geglaubt hätten. Alles vorhandene Besitztum wurde beschlagnahmt. Die Uhren und die Ringe waren allerdings schon wieder versetzt und di« neuen Möbel in der Charlottenburger Wohnung auch zum Teil schon verpfändet. Die Freude hotte also nicht lange gedauert. Aufbewahren! Wegen Tarifbruch und Nichtbennfinng des öffentlichen Arbeitsnachweises werden hierdurch fOr Mitglieder unseres Verbandes folgende Gastwlrts- bctriebe gesperrt: F.rkncr:„BDrgergarten", Inh. Wilhelm Schröder WolteiMsdorfer Schleuse; Restaurant ,Zum Kranich sberg". Inh. H. Günther Grünbeldc: Cafe und Restaurant Matsehke(an der Brücke). nui* ilHeif- Sctuilie Lido- Sandalen bUu,rot, beige und grau.... Bei�e- rose.cht �bevr.suck m. Biockabs. 1950 t A£bJ Tro Sektsarben moderne Trotteursdiuh 50 Rosenbolz oxblood und belgc-xos�, mit Cr�pcgumml- •ohle.. 50 Herren- Halb schuhe braun, echt rahmengenäht.... Lido-Sandalen weiM und befge, prina Leinen, mit ferb. Leder- beMtx,d. feedie Sommer- 6 50 Beige-rose SpanKenidiuhe,ni. apart. Lochvcnler., In modern. apttzer Form.LoulJ-XV-, muh amerlk. Absatz... 9 90 Gymnastikscbuhe schwarz Scgeliuch, Cbroni'U. 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Heute starb unerwartet infolge eines Herzschlages zwei Tage nach Vollendung des 70. Lebensjahres Felix Deutsch Berlin, den 19. Mai 1928. Im Namen aller Hinterbliebenen Lili Deutsch o Wir bitten herzlichst, von Beileidskundgebungen und Blumenspenden abzusehen. Die Einäscherung findet im engsten Familienkreise statt. Vor wenigen Tagen durften wir unsere Liebe und Verehrung dem Vorsitzenden unseres Direktoriums, Herrn Geh. Kommerzienrat Dr.-Ing. E. h. Dr. rer. pol. h. c. Felix Deutsch zu seinem 70, Geburtstag bezeugen. Heute früh hat ihn der Tod uns entrissen. Wir verlieren in dem Verstorbenen einen gütigen, allezeit auf das Wohl seiner Mitarbeiter bedachten Vorgesetzten, Seine ganz in den Dienst unserer Gesellschaft gestellte, nie ermüdende Arbeitskraft war uns immer ein leuchtendes Vorbild. Sein Andenken wird stets in uns fortleben. Berlin, den 19. Mai 1928. Die Beamten der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft. Der Vorsitzende unseres Direktoriums, Herr Geheimer Kommerzienrat Dr.-Ing. E. h. Dr. rer. pol. h. c. Felix Deutsch ' ist heute früh, wenige Tage, nachdem er von aller Welt geehrt und gefeiert das 70. Lebensjahr in völliger Frische vollendet hat, einem Herzschlage erlegen. Dieser unerwartete Verlust trifft uns und unsere Gesellschaft auf das tiefste. Die erfolgreiche Arbeit seines ganzen Lebens war der AEG. gewidmet; uns war er der Führer und ein unvergeßlicher Freund. Berlin, den 19. Mai 1928. Aufsichtsrat und Vorstand der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft. Tief erschüttert stehen wir an der Bahre des Vorsitzenden des Direktoriums der Allgemeinen Elektrizitäts- Gesellschaft, Herrn Geh. Kommerzienrat Dr.-Ing. E. h. Dr. rer. pol. h. c. Felix Deutsch den heute früh allen unerwartet ein Herzschlag mitten aus Schaffen und Planen für sein Lebenswerk heraus- riss. Er war uns Führer und Vorbild und wird von uns nie vergessen werden. 19. Mai 1928. Verein der Beamten der AE crletzungen. Wir verlieren in ihm einen unserer ältesten u.treuesten Mitarbeiter, der bereits vor und während des Krieges in der Fliegerei tätig war. Auch nach dem Kriege blieb er seinem gewählten Berufe treu und hat in steter Pflichterfüllung sein hohes fliegerisches Können und seine umfassenden Erfahrungen in den Dienst.der deutschen Luftfahrt gestellt. Deutstfie Luft-Hansa A.G. Die Beerdigung erfolgt am Montag, dem 21. Mai, 16 Uhr. auf dem Zwölf- Apostel- Kirchhof in Schöneberg. Nach fdimtrrm Seiben verschieb am 16.SIai meine liebe Frau u.gule Mutier Erna Mahnkopf geb. Mertens In liefet Steuer Willy Mahnkopf unb Tochter Erika. Einäscherung: Montag. 2i. Mai. nachm. 4 Uhr, Krem. Serichlstrahe. Statt Karten. Ein kräftiger Junge angekommen! Landgeriditsdireki. Ernst Ruhen u. Frau Johanna, geb. Holt freier Berlin W Q, Kothen er Straße Oeatidier Hetallarbeiter-VerliaDi] Todesanxelge Den Mltglieber» für Nachricht, bah unser Kolleg«, der Klempner Albert Neumann (geb. 15. Dezember 1871) am 16. Mai gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung sin bei am Montag bem 21. Mai. 17 Uhr. im Krematorium Serichtstratze statt. Rege Beteiligung wird erwartet. vi« Otlao«ta>a(futifl. Slumenspenden cber Art tetett o t et s m e cl Paul Golletz. vorm. Hobeh Kwot Mariannenstraße 3, Ede Naunynstrahe Ami Moriavt. 103 03 r. R. Friedeberg (früher Berlin) praktiziert wieder lad Kodowa mmmmammmmk Am 16. Mai starb unsere Genossin Wldelmme Krasse Brig. Ehausseestr. 92. Die Einäscherung findet statt am Dienstag, dem 22. Mai. 15>t, Uhr. im Krematorium Baumschulenweg. Rege Beteiligung erbitten VI« Bezirke 3, 5 u. 6 der 99. Abt. Metallbetten 12«« Schlafcbaiselongues 26— Plüschsofas 50 M., Ratenzahlung Berlin, Pappelallee 12 Pankow, Schmidtstr.I «Öhr Elsn-.Sr.BeKen.U.ls Stahlmatratzen. AflnttM u Priv. KiUMSh. BlsenmöbeiiaoriK«nhiiThfin. Bekanntmachung. Die Nerfieigerung der In den Monaten Oltober, November und Dezember 1927 versehten und nicht eingelästen PILnber findet am Donnerstag, dem 7. Juni 1928, 9 Uhr nvrmittnas, im Rathause Berlin- NeutiMn gegen sosrrlige Barzahlung statt. ®;rl n- Neukölln, den 2. Mai 1928. Städtisch, s Leihamt in BerUn-Nenkälln. Von«er«eise zurfldt. Dr. Sussmann Augenarzt. Ckarlottenburs, Berliner Str. ISO. Im Mona! Mai macht Euch frei. Wollt Ihr gute Auswahl sehen Müht Ihr zu Fritz Hamburg gehen. �rltx Hamburg Ate« A wTiutt dar DEUTSCHEN Bekleidungs-Industrie Grfihles Spezialhaus für fertige Herrenkleidung vom Kopte bis zum Fufee Refdisbanner ftieidond nmiiiimtmiMMiiiiiiiitiMiuitiiiiimiiimimxxiMHiinMiini Windiacke.... M. 19.— Hose....... 13.— Stutzen..,.. 3. Koppel...... S.— Mützen„ 4.80 Cvifv Hamhurci Berlin-Steglitz, W»»M» W W CR III Ii# AI I AI y Sdilohstr. 102-103, pari. u. 1 Tr. zur Miete WSO.Ansbacherstr.l Mensch! Du hast wohl das große Los gewonnen? Nee, das nicht, aber meine Hühneraugen bin ich los durch„Lebewohl*". *) Gemeint ist natürlich das berühmte, von vielen Aerzlen empfohlene HOhneraugea-Lebewohl und Lebe« wohl• Ballensctaelben. Blechdose(8 Pflaster) 75 Pfg., Lebewohl.FuBbud gegen empfindliche Füße und Fußschweiß, Schachtel(2 Bäder) 50 Pfg., erhältlich in Apotheken und Drogerien. Wenn Sie keine Emtäuschungen erleben wollen, verlangen Sie ausdrücklich das echte Lebewohl In Blechdosen und weisen andere, angeblich.ebenso gute* Mittel zurück, Sonntag 20. Mai 1925 Unterhaltung unö ÄAissen Beilage des Vorwärts pagliatti. Von Edward Stilgebauer. Bei Hillbrich in der Leipziger Straße erwartete Graf Lothar von Felsenberg seine bildhübsche Kusine, die Baronesse Gabriele Bonaventura. Er erwartete sie heute zum letztenmal. Beide waren sich darüber vollkommen klar. Beim Wintersport in St. Moritz, in den des Abends strahlend erleuchteten Sälen des Grandhotels, hatte die für beide Teile im Grunde genommen recht verzweifelte Sache ihren Anfang genommen. Denn durch einen Zufall hatte Lothar damals Gabriele, um die�r sich sein Lebtag nicht gekümmert hatte, eigentlich erst kennengelernt. Lothars und Gabrieles Mütter waren Schwestern. Bor zwanzig Iahren hatte der damalige Gesandtschaftsattache bei der italienischen Botschaft in Berlin die reizende jüngste Lübbenou-Waldstein als seine Gemahlin in die römische Gesellschaft verpflanzt. Am Ufer des Tiber hatte Gabriele das Licht der Welt erblickt. Dann war sie nach dem Tode ihrer beiden Eltern, die in jungen Iahren und rasch hintereinander starben, in einem schweizerischen Pensionat erzogen worden. Die Hinterlassenschaft Bonaventuras und die Mitgift der jüngsten Lübbenau-Waldftein hatte gerade gelangt, um Gabriele eine ausgezeichnete Erziehung und eine kleine Rente zu sichern, mit der eine alleinstehende Dame in Berlin oder noch besser in einem Berliner Vororte bescheiden leben konnte. Und Lothar von Felsenberg war jetzt 40 Jahre alt. Er hatte beim Gardedukorps in Potsdam gestanden. Er sah sich gezwungen, seinen Abschied zu nehmen, um das durch den Tod seines Baters er- ledigte Majorat in Schlesien anzutreten. Es war eine verteufelt dumme Geschichte, dieses Majorat und dieses letzte Rendezvous mit Gabriele bei Hillbrich, zu dem die anfangs so harmlos erscheinende Geschichte in St. Moritz geführt hatte. Ja, damals im vorigen Winter, in dem tiefverschneiten Tale der Engadiner Berge, da hatte das alles einen anderen Anschein gehabt. Im Kasino in Potsdam und in Berlins vornehmen Lokalen hatte er mit den adligen Kameraden, unter denen sich auch mancher veritable Millionärssohn befand, so recht in den Tag hineingehaust. Der Vater war noch am Leben gewesen, der hatte regelmäßig, wenn auch manchmal mit bedenklichen Zukunftsprophezeiungen in seinen Briefen, den monatlichen Zuschuß von K00 Mark geschickt. Wieviel auf den Gütern lastete, wieviel herausgewirtschostet wurde, das war des Vaters Sache gewesen. Aber jetzt!... jetzt war das ganz an- ders. Der reiche Bankier Anspacher in der Behrenstraße, wo er schon des öfteren den ihm- vom Vater eingesandten Scheck in blaue Scheine und goldene Füchse verwandelt, hatte ihn freilich getröstet. Der hatte ihm gesagt, daß die Lage doch nicht so verzweifelt sei, wie sie ihm beim ersten Anblick erschienen, daß es recht wohl möglich sei, noch eine Hypothek von 30 000, ja auch 50 000 Mark aus Beatenhof anzubringen und daß er sich mit diesem Gelde zunächst über Wasser halten könne. Freilich, was dann geschehen sollte.., Anspacher war ein Mann von nahezu 15 Millionen, wenn man einen Schluß aus seiner Selbsteinschätzung ziehen durfte. Der hatte gelächelt und dann gesagt: „Ich denke mir, ein Mann wie Sie, Graf und Majoratsherr, der sollte schon Mittel und Wege finden, um die gewiß nicht allzu schwierigen Verhältnisse zu ordnen." Und einige Wochen später war Graf Lothar zum erstenmal in der Anspacherschen Villa zu Gast gewesen und hatte die neunzehn- jährige Tochter Rahel, des Bankiers einzige Tochter, kennengelernt. Er hatte den Damen natürlich vor und nach dieser Einladung seine Besuche gemacht. Der Zufall hatte es gewollt, daß man sich zuerst in der Oper und dann im Deutschen Theater traf. Es waren miserable Regenabende gewesen, und die Damen Anspacher. in deren Loge Lothar während der großen Pause erschien, hatten es sich nicht nehmen lassen, den Grafen in ihrem elektrischen Auto nach dem Wannseebahnhof zu bringen. Es war ja für sie nur ein kleiner Umweg von höchstens drei Minuten, hatte Frau Anspacher gemeint. So war es gekommen. Am nächsten Dienstag war Fasching und großer Hausball bei Anspachers. Er war fest entschlossen. Darum erwartete er Gabriele heute zum letztenmal. Schon hatte er sich den zweiten„Schwarzen" bestellt. Da öffnete sich die Tür und Gabriele trat ein. Himmlisch sah sie wieder aus. Wo das Mädel nur den Schick hernahm? Das war eben an- geboren, von den Lübbenau-Waldsteins her und dem italienischen Vater, der einst einer der elegantesten Kavaliere im Quirinal ge- wesen."; j Er erhob sich und ging auf sie zu.■>■ „Ich dachte schon, liebe Gabriele.« „Du dachtest doch nicht, mein bester Lothar, daß ich dich bei dem mit einem so feierlichen Brief eingeleiteten letzten Rendezvous versetze?" Gabrieles dunkelbraune Augen blitzten ihm entgegen, und ein Lächeln flog um ihren klassisch schönen Mund, das ihm in diesem Augenblick Scherz, Spott, Verachtung und Mitleid in sich zu fassen schien. „Willst du nicht ablegen, beste Gabriele? Es ist reichlich warm hier. Nimmst du eine Schokolade, eine Portion Eis oder Zitronen- wasser, für das du doch eine Vorliebe hast?" „Zitronenwasser, wie immtr, lieber Lothar," sagte sie, nachdem sie sich des eleganten Pelzjacketts entledigt und an seinem Tisch Platz genommen hatte. „Zitronenwasser hat so etwas Beruhigendes, Philiströses an sich, findest du nicht auch, so etwas, was wir beide jetzt sehr gut ge- brauchen können!" „Wenn du meinst, liebe Gabriele!" „Du hattest mir etwas ganz Bestimmtes zu sagen, lieber Lothar." nahm nun Gabriele das Gespräch auf. „Ich meine, bester Lothar, das heutige Rendezvous hat doch wohl einen anderen Zweck als die früheren, die dann bei Adlon oder im Kaiserhof endeten und wo wir so von ganzer Seele glück- lich waren!" „Ach ja, Gabriele!" Er versuchte ihre Hand zu fassen. Sie ließ ihn ober nicht. „Bei diesem letzten Rendezvous dürfte das doch nicht mehr an- gebracht sein." Einen Moment geriet er in Verlegenheit. Eine weiche, sentimentale Stimmung, die er von Grund aus haßte, drohte sich seiner zu bemächtigen, und aus ihr heraus sagte er: „Das waren herrliche, unvergeßliche Wochen in St. Moritz." „Ja, das waren sie, Lothar! Und ich werde sie nie in meinem Leben vergessen! Das verspreche ich dir!" „Das versprichst du mir. Gabriele?" Wie der Jubel entfliehenden Glücks waren diese Worte aus Lothars Munde gekommen. Kulturbilder aus Montevideo. Sonderbericht von Max Winter. Die Parts. Monkevideo hat eine ganz« Reihe großer, schöner Parks. In einem dieser, im jüngsten, im Prado, wurde voriges Jahr auch eine Beethoven-Büste aufgestellt, so wie in der brasilianischen Stadt Porto Alegre, die ihren für öffentliche Sitzkonzerte bestimmten Platz vor dem Regierungsgebäude mit einer Beethoven-Büste schmückte. In diesen Parks gibt es Naturwunder zu schauen, wie längs der herrlichen Küstenstraße, die nach Carasco hinausführt. dem größten Strandbad und Spielerhotel Montevideos. In Buenos Aires gab es früher auch die Roulette. Aber seit dort das Glücksspiel untersagt ist, kommen die Söhn« und Väter des reichen Buenos Aires und all« anderen, die einmal ihr Glück mit der rollenden Kugel versuchen wollen, gern nach Montevideo hinüber. ein wenig vom Glücksspiel zu naschen. Für diese ist freilich die Naturschönheit nur ein Rahmen, den sie kaum sehen. Was scheren diese Menschen die Trompetenbäume, die Cedrons, die Pfeifen- sträuche und Glycinien, was-machen die sich aus dem fast heiligen Baum der Uruguayaner und Argentinier, aus dem großen, mächttgen Schattenbaum Ombu, was aus den Eukalyptuswäldern, was aus den mächtigen Phylodren, die ihre Luftwurzeln zur Erde senden, aus den vielen herrlichen Akazien und Mimosenarten und aus all den seltsamen Bäumen und Früchten, deren eine den Namen Negerohr führt, welcher Name auch auf den Baum übergegangen ist. Oer schönste Badestrand der Welt. Es ist eine andere Welt, die Welt des betäubenden Genusses, die sich in Carasco ein Stelldichein gibt. Wenigen von diesen Menschen gilt selbst der Strand etwas, dieser schönst« und größte Badestrand der Welt, den man sich denken kann. Mächtig breit ist er der See vorgelagert und so dicht geschlagen sst der feine Sand vom Wasser, daß die Autos diesen Strand als herrlichste, staubfrei« Straße nützen, die sich dreißig Kilometer weit dehnt, einmal freilich von einem zufließenden Wasserlauf unterbrochen. Aber die Frauen und Kinder der Reichen, sie nützen diese Gelegenheit. Sie lassen sich im Auto irgendwo hinausführen in diese Strairdeinsamkeit und wandeln dann das Auto in die Badehlltte oder sie fahren schon von der Stadt im Badeanzug weg und genießen nicht weit ab von der Stadt das Strandleben. Wer weniger Zeit hat und wer sich dos Auto nicht leisten kann, der findet— und das sind sehr segens- reiche Einrichtungen der Stadt— zwanzig Minuten vom Mittel- punkt aus im eleganten Autobus erreichbar, zwei andere große Strandbäder, die denn auch an kflrn heißen Januar- und Februar- abenden von Tausenden und aber Tausenden bevölkert sind. Be- sonders die Kinder finden hier ihr Paradies. Die Bäder sind frei. Es kann jeder hineingehen, der will und den Strand nützen. Das ist besonders für die Kinder eine herrliche Gelegenheit zu-gesunden. Ueberhaupt die Kinder! Denen geht es gut, soweit nur überhaupt die Eltern lialbwegs in der Lag« sind, für ihr« Ernährung zu sorgen. Diesen Kindern ist ungebundene Freiheit geschenkt. In den Parks gibt es für sie die Ausnahm«, daß sie den„heiligen Rasen" betreten und auf ihm spielen dürfen, auf den Spielplätzen gibt es Schaukeln und Turngeräte und auch im Bad oder auf dem Strand ist für allerlei Kurzweil gesorgt. Irgendwo Hab« ich in einem Seebad auch Schaukeln über dem Wasser gesehen, von denen aus in weitem Bogen ins Wasser zu fliegen, ein besonderer Genuß sein muß— zumal dann, wenn es Tag um Tag feine 30 Gmd Celsius im Schatten hat. Freilustschulen. Uruguay hat einen aus der Opposition hervorgegangenen sehr jungen Unterrichtsminister. Herr Henriqu« Rodriguez Fabrigat zählt erst dreiunddreihig Jahre. Er war früher Lehrer und wurde dann Journalist und Politiker. Er ist ernstlich bemüht, die schlimmste Krankheit des Landes, den Analphabetismus, zu bekämpfen und den Kindern zu dienen, nicht nur durch Errichtung guter und schöner Schulen. Wir gehen auch in einen Kindergarten, der nun nach der Methode Montessori umgewandelt werden soll. Schon ist projektiert, die Bänke zu entfernen und jedem Kinde mit Tisch und Sesselchen die so notwendige Bewegungsfreiheit zu schenken. Hassent- lich läßt der jung« Minister nicht auch die Projektkrankheit Herr über sich werden, hoffentlich wird ihn hier dieselbe Tatkraft be- gleiten und beseelen wie bei den Freilufsschulen, für die die Re- gierung wunderbare alte Parks mietet oder erwirbt, in denen dann ein Kinderhundert ein herrliches Leben ungebundener Freiheit führen kann. In einer solchen Waldschule, mitten in der Stadt, halten wir Einkehr. Die Kinder kommen um 9 Uhr morgens. Das erste ist, daß ihnen frisch« Milch kredenzt wird. Mittags können sie Fuhren auflegen von nahrhaften und guten Speisen. Suppe, ein« Teigwarenspeise, Fleisch und Gemüse und eine Sllßig- keit. Alles in reicher Menge. Nach dem Essen bezieht jedes Kind seinen Liegestuhl und dann gibt es wieder Spiel und Lustbarkeit, Duschbäder, Erzählstunden und Lehrgänge durch den Garten und die nötigen Unterrichtsstunden im Freien, aus einem herrlichen Platze unter alten Schattenbämnen. Die Kinder gedeihen groß- artig. Abends fahren sie wieder mit der Straßenbahn heim. Für alles das kommt die Regierung kostenlos auf, und die Einnahmen aus den Spielerträgnissen sind es, die hier, wie bei der Erhaltung der Spitäler, Verwendung finden. Gewehr bei Fuß gegen den Sozialismus. In Uruguay ist viel von Freiheit die Rede und doch werden vor dem 1. Mai Jahr um Jahr die Straßen mit Sand bestreut, auf daß die Pferde der in d«n Kasernen in Bereitschaft stehenden Soldaten auf dem Asphaltpslaster bei Attacken nicht stürzen mögen, und so weit geht die Sorge um die Freiheit, daß zum Beispiel eine sozialistische Protestversammlung auf dem Theaterplatz, die dem Ministerium des Aeußern unbequem war, verboten wurde, weil vom Besitzer des Platzes— der Theaterdirektion— nicht eine Bescheinigung beigebracht werden konnte, daß er die Erlaubnis zur Abhaltung der Versammlung auf„seinem" Platze gebe. Die Trennung der Kirche vom Staate ist so streng durchgeführt, daß man auch einige Dinge beobachten kann, die lustig anmuten. Auf dem Hauptplatz der Stadt steht«ine Kirche, deren Uhr steht. Warum wird sie nicht ausgezogen? Sie müßte repariert werden. Die Kirche gehört der Religionsgemeinschast, die Uhr aber der Stadt. Diese will die Uhr der Kirche nicht schenken und die Kirche läßt die Uhr nicht reparieren, wenn sie ihr nicht geschenkt wird. So wissen die Montevideer wenigstens auf diesem Platze nickt, wieviel es geschlagen hat, dieselben Montevideer, die sonst ein so fortschrittlich einfaches und nachahmenswertes Zeitzeichen eingeführt haben. Um 8 Uhr abends wird täglich das elektrische Licht in der Stadt ein« Sekunde lang schwächer. Jeder richtet sich dann seine Uhr. Das ist amerikanisch praktisch und sollt« überall nachgeahmt werden. Wie Staat und Kirche zueinander stehen, dasür gibt es auch auf dem Friedhof der Reichen«ine seltsame Sache. Einst gab es dort eine Kapelle. Heute ist an diesem Eigentum der Stadt kein Kreuzeszeichen zu sehen und der Bau dient auch nicht mehr als Kapelle. Aber die Kraft, ein Krematorium zu errichten, mutete sich die Stadt noch nicht zu. n- Soll man nach Uruguay auswandern? Alle diese Zeichen noch unvollendeter Entwicklung, diese Zeichen eines sozialen und kulturellen Gärungsprozesses, muß mau auch sehen, wenn man jemanden gewissenhaft beraten soll können, ob er nach Uruguay auswandern soll oder nicht. Die Regierung scheint sich heute noch nicht sonderlich um die Einwanderung zu bekümmern, sonst hätte sie dem Beispiel Buenos Aires und der Blumeninsel in Rio de Janeiro folgend, das alte, schmutzige, feuergefährliche Ein- wandererhotel von Montevideo längst schon durch das projektierte neu« ersetzen müssen. Im Arbeitsministerium war man nicht gerade entzückt darüber, als man hörte, daß ich das schlechte Ein- wandererhotel schon gesehen hätte. Aber vorbeiführcn an solchen Dingen kann man doch den Fremden nicht, der ins Land kommt, um zu sehen, ob schon soviel Kultur dort heimisch ist, daß sich auch europäische Arbeiter wohl fühlen könnten. Wer die Kraft hat. sich durch böse Widrigkeiten durchzukämpfen, und wer etwa als Hand- werker(vielleicht auch als Gemüsegärtner) sein Glück versuchen will, der versuche es immerhin. Für Handlungsgehilsen und geistige Arbeiter aller Art ist mir dann an dem schönen Strande Platz, wenn sie hingerufen werden oder wenn sie ihre Stellung� schon früher durch Vertrag gesichert haben. Leichter wird es Frauen gemacht, zumal wenn sie gelernte Hausgehilfinnen, besonders wenn sie gute Köchinnen sind, und auch Ehepaaren, denen es nicht fetten möglich ist, im Hausgehilsinnenzimmer der Frau zusammenwohnen zu dürfen. Dadurch sparen sie fürs erste die Miete und können langsam in die neue Heimat hineinwachsen, die Uruguay vielen taufenden Europäern bereits geworden ist und täglich von neuem wird. „Ja, das verspreche ich dir! Aber siehst du. St. Moritz ist eben nicht die Welt. St. Moritz ist ein Ding für sich. Das kommt mir immer so vor, Lothar, dieses St. Moritz, wie wenn man in einem Luftschiff fährt. Hoch über allen Kanten und Ecken des Lebens sieht man dieses Leben gar nicht mehr, oder sieht man es doch anders, wie vom Luftschiff aus die Berge und die Täler und die Flüsse und die Städte nur noch Linien und Punkte werden, man hat das eigent- liche Maß für die Dinge verloren, und das hatten wir beide auch in St. Moritz getan." „Das mag wohl der Fall gewesen sein!" „Komme doch nun auf den Kern deiner Mitteilungen, ach ja, bitte! Meine Limonade ist bald zu Ende, und ich möchte mir in der Tat keine zweite bestellen. Einesteils wegen der schlechten Lage von Beatenhof und dann, das viele Zitronenwasser macht blutarm, und ich werde jetzt mein Blut notwendig haben." „Wenn du es wünschst, liebe Gabriele.. „Am nächsten Dienstag ist Hausball bei Anspacher. Ich bin geladen, ich habe angenommen." „Gratuliere! Aber reizend trifft sich das doch. Da können wir noch einen wundervollen Fasching vor dem großen Aschermittwoch unseres Lebens seiern. Ich bin nämlich auch geladen, auch ich habe zugesagt." „Du kennst Anspachers? Das wußte ich gar nicht!" „Na, so flüchtig. Du host mir doch selbst den Rat erteilt, meine paar Kröten bei der Deutschen Bant zu kündigen und sie bei Anspacher anzulegen, weil der Mann solid ist und ein halbes Pro- zent mehr gibt." „Richtig, daran habe ich gar nicht mehr gedacht." „Habe ich dir denn das gar nicht erzählt?" _-v..... „Am Ende hatte das seine besondere Bewandtnis, daß ich mich immer scheute, dir davon zu sprechen. Aber, da du auf den Faschings- ball zu Anspachers gehst.-. übrigens nett, höchst schick, Rahel Gräfin von Felsenberg, geborene Anspacher, entzückend..." „Habe ich deinen Spott verdient?" „Ich spotte ja gar nicht. Ich habe auch gar kein Recht, darüber zu spotten. Meine Besuche auf der Bank des Herrn Anspacher verbieten mir das. Wie gefällt dir der junge Siegfried Anspacher?" „Wenn die Dinge so stehen, dann kommt deine Frage wohl etwas post kestum, liebe Gabriele." „Aufrichtig?" „Na. er gefällt mir nicht schlecht. Er ist aber zu sehr. �. na..- wie soll ich sagen... zu sehr Anspacher!" „Aber!" „Ich weiß, was du sagen willst. Nach unseren Insormationen ist er der einzige, und sein Vater versteuert fünfzehn Millionen!" „Das wollte ich allerdings sagen!" „Na warte mal... da Rahel die Hälfte zusteht.,. zu fünf Prozent... das wären nach dem Tod des Alten... dreimal- hunderttausend Mark Jahreseinkommen. Dafür kann man schon den Namen Anspacher gegen Bonaventura vertauschen. Es klingt ja beides recht international! Uebrigens hat er..." „Deine Witze sind nicht schlecht! Er hat heute um meine Hand angehalten! Darum hatte ich mich verspätet!" „Und du hast Ja gesagt?" „Ich bat um ein paar Tage Ueberlegung. Ich mußte dich erst sprechen. Am Faschingsball wird er feine Frage wiederholen." „Herr Ober, zahlen!" Er half ihr in das elegante Pelzjackett. Dann verloren sie sich beide in dem Menschenstrom der Leipziger Straße. Fünfundzwanzig Lahre. Wahlagitation im Oorf. Von einer Wöhlervsrsammlunq komme ich mit dem legten Auge müde und abgehetzt in mein Heimatdorf. Hier will ich über- nachten. Morgen ist Sonntag. In.zwölf Stunden soll die Rund- reise neu beginnen. Drei Referate an einem Tage. Schön kühlt die Nachtlust, der Himmel ist blau und sternbesät, und die Kastanien blühen. T>as Dorf ist wie ausgestorben Langsam schleppe ich mich durch die Stratze. Aus dem Schatten der gegenüberliegenden Häuserfront tönt ein leiser Psisf. Ich bleibe stehen und seh« zwei Leute aus nrich zukommen. Herzliche Begrühung. Es sind zwei alte Parteifreunde, zwei Arbeiter, die ich seit meiner srühestcn Jugend kenne. linier den Annen tragen sie bunte Papierstreifen. Ich bin zu müde, um zu fragen, und weise nur stumm mit dem Kopse auf die grünen und roten Rollen.„Plakate," sagt der alte Fischer.„Die werden heut« nacht noch angeklebt. Am Montag abend haben wir unsere erste Versammlung. Die Kommunisten wollten uns schon vor acht Tagen das Wasser abgraben. Sie sind aber schwer hcrcingefallen. Deren Narrenkram kann doch keiner mitmachen. Mit ihrem Geschrei stoßen sie dem Wähler vor den Kops. Was ist kenn init ihnen los? Sie versauen uns mir die Arbeit. In der (Bemeindeoertretung schlagen sie alles kaputt, und hinterher hoben wir unsere Mühe und Not, die Scherben wieder zusammenzuleimen. Im Kriege haben ihre Wortführer noch feste Kaisers- geburtstag gefeiert, und heute ist ihnen alles nicht radikal genug, und uns schimpfen sie Verräter! Damals, als es noch oc- föhrlich war, hat sich keiner von ihnen bei uns blicken lassen. Da haben sie uns noch bekämpft. Heute machen sie es wieder genau so, nur von der anderen Seite aus!" So erzählen mir die beiden und sch fen sich an, ein rotes Plakat an dos Tor zu kleistern. Das leuchtet jetzt in die Nacht. Da erinnern mir uns, als die großen Lettern in das schlafend« Dorf sprechen, an 1903, jünfundzwanzig Jahre zurück. Damals waren Dorf und Umgegend noch bäuerlicher. Zeittrum und Na- tionallibcrale dominierten und oersuchten, uns den Wahlkreis streitig zu machen. Kein Gastwirt wagte es, uns einen Saal für eine sozialdemokratische Aersommlung zur Bersügung zu stellen. Die Proben des Arbeitergesangoereins mußten in einer Schneiderwerk- statte stattstnden. Aber eines Tages hatten wir doch einen großen Triumph. August Bebel sprach in der Stadt. In einer Nacht zum Sonntag, grad wie heut«, schlugen wir die Plakate an.„August Bebel spricht!" Wir halten eine Letter bei uikd und klebten die Bersamnrlilngsanzeigen hoch an die Giebelsront der Häuser, damit man sie nicht so leicht abreißen konnte. Drei Tage später war der groß« Tag. Mit achtzig Mann und sechs Nachen sind wir nach- mittags um drei Uhr über den Fluß gerudeit. Um halb vier Uhr saßen wir schon im Saale und vertrieben uns die Zeit mit Karten- spielen. Um sünf Uhr war bereits der Saal gefüllt, und immer mehr Menschen kamen, und es wurde immer voller. Um sieben Uhr begann man, die Fenster auszuhängen, weil schon die Massen im Garten standen und auf den Bäumen saßen. Um halb acht Uhr wurden die Ziegel vom Saaldach abgedeckt, damit die Dachhocker durch die SparrenhSrunter in den Versammlungsraum sehen konnten. Donn endlich kam August Bebel, brausend begrüßt und beju-belt. Noch tagelang später sprach man in der ganzen Umgegend nur von dieser Versammlung. Dreihundert Wähler bekamen wir allein in unserem schwarzen Dorfe. Das war ein Triumph! Bei den preußischen Dreiklasscnwahlen allerdings, mit der öffentlichen Stimmabgabe, konnten wir nur achtundsechzig Sozialdemokraten mustern. Ja. wenn der Pfarrer nicht gewesen wäre und die Fabri- kanten, der Bürgermeister und die Eisenbahndirektion! 1907, bei den Faschingswahlen, bekamen wir immer noch keinen Saal für unsere Versammlungen. Damals sprachen unsere Redner im Hofe vor der Schnciderbudc. Es war Januar. Der Schnee lag einen tzMßen Meter hoch, und trotzdem standen wir um den Redner länger als«ine Stunde und spülten doch keine Kälte. ' Seit der Revolution vom November 1918 ist die Sache anders. Das Zentrum wagt sich kaum»och heraus. Die mache» ihre Wahl im stillen und vor allem bei den Frauen. Bekämpft und beschmutzt werden wir durch die Kommunisten. Räuber und Mörder werden nicht so hingestellt wie wir. Man muß sich vor dem Bürgertum schämen� daß einem so etwas von eigenen Arbeitskollegen zugefügt wird. Sieht man sich aber um, dann bemerkt man unter diesen Keutigen„Revolutionären" nicht einen einzigen, der 199Z oder 1997 oder 1912 bei uns gewesen wäre. Damals haben sie alles uns überlassen. Heute müssen wir es auch wieder allein machen. Wenn wir die gewähren ließen, bekäme die.Sache der Arbeiter kein« zweibundsrt Wähler. Das Zentrum und die Rechtsparteien wären noch dreimal stärker als damals, obwohl die Gemeinde viel größer geworden ist, und obwohl es hier kaum noch Bauern oder Hand- werker gibt. „Und trotz dem Kriege von 1914 bis 1918," warf der Begleiter des Fischers«in. „Gute Nacht." sagen die beiden und suchen«in neues Tor für ein neues Plakat. Meine Müdigkeit ist oergangen. Seit fünfundzwanzig Jahren kenne ich die beiden und alle die anderen, die immer noch ungc- Woher stammen die Sternschnuppen? Von.Hermann A. Hahne, Sternwarte Sonneberg in Thüringen. Hier und da, in allen Himmelsrichtungen, Nord, Ost, Süd und West, kann man in einer klaren Nacht Sternschnupen aufleuchten sehen. Abergläubische Menschen knüpfen ihre Wünsche daran, wenn sie eine Sternschnuppe fallen sehen: vielleicht weil sie denken, daß es eine seltene Erscheinung gewesen ist. Das ist aber gar nicht so. Viele Sternschnuppen sollen in jeder Nacht, häufen sich gegen Morgen, und in bestimmten Monaten— so im Juli, August und im November— tauchen alljährlich an bestimmten Himmelsgegenden unaufhörlich Steinschnuppen auf, die als Sternschnuppenschwänne bezeichnet werden. Der berühmte Alexander von Humboldt be- obachtete am 12. November 1799 auf seiner südamerikanischen Reise einen derartigen mächtigen Sternschnuppenfall, von dem er berichtet, daß„Tausend« von Feuerkugeln und Sternschnuppen stundenlang hintereinander fielen".— Manchmal kann man auch ein großes Meteor beobachten, das in dunkler Nacht die Landschaft blitzartig erhellt, oft schön intensiv grün erscheint und funkensprühend wieder verlöscht. Sternschnuppen und Feuerkugeln sind nun an sich dunkle Korper, die sich durch den Weltenraum bewegen, meist regellos, hier und da auch in ganzen Schwärmen. Gelangen sie in den Bereich der irdischen Anziehungskraft, so fallen sie auf die Erde nieder, durch- fliegen den Lustmantel der Erde und erhitzen sich bei ihrer großen Geschwindigkeit durch die Reibung an der irdischen Lufthülle, werden glühend, flammen auf und verbrennen. Je größer die Masse des Körpers ist, desto Heller ist die LeuÄterscheinung. Die großen Körper bezeichnen wir als Meteore. Oft verbrennen diese nicht restlos, der verschlackt« Rest fällt auf die Erde nieder, wühlt sich in den Erdbaden wie eine Sprcnggronot« ein oder zersplittert, wenn er aus hartes Gestein oder Stroßenpflaster trifft. Ein Säge- werkbesitzer im Muldental in Sachsen fand 1929 beim Zersägen einer 99sähr!gen Eiche einen faustgroßen Meteorstein, der mindestens 50 Jahre in dem Baum gesessen hatte und ganz umwachsen war. Der erste Forscher, der sich eingehender mit dem kosmischen Ursprung der Sternschnuppen befaßte, war der italienische Astronom G. V. Schiaparelli, Direktor der Mailänder Sternwarte, der später durch die Entdeckung der Marstanälc berühmt geworden ist. brachen die Arbeit leisten. Partei, Gewerkschosten. Gemeindever- trewng, Versammlungen, Hausagilation. Flugblätter, Arbeiter- gesangverein, Abonnentenwerbuno, Abend für Abend, Straße für Straße, Haus für Haus, treppruf, treppab. Sie sind genau so arm geblieben, wie sie vorher waren. Sie haben die gleiche Mühe und die. gleiche Not des täglichen Lebens. Immer Kamps und immer Kcmaps. Dabei immer belagert von noch Aermeren und Müh- seligeren, für die es gilt. Cesuch« zu schreiben. Rat zu geben, zu Helsen und immer wieder zn �Helsen. Und der Lohn: die Freude und Genugtuung, wenn die Sozialdemokratie am 29. Mai statt neunhundert Stiininen eintausend buchen kann. Aber sie wissen, warum! Und ihre Freude: das Bewußtsein. daß es vorwärts geht, daß man uns im Dorfe nicht mehr die Säle verweigert, daß sieh die arbeitenden Klassen Recht und Macht errungen haben, daß sie ihr Recht und ihre Macht erweitern werden, und daß es weiter vorangehen wird, trotz alledem, bis zum Siege! Binko. Zwei Menschen und eine Sprache. Mit der Rettung der spärlichen Reste einer ehedem weilver- breiteten Sprache wurde von der New-Yorker„Gesellschaft zum Studium der Idiome der amerikanischen Indioner" Dr. Speck von der Pennsyloania-Universstät in Philadelphia betraut. Es handelt sich um die Sprache der Eatowbas, die heute nur noch von zwei alten Indianerfrauen gesprochen wird. Dr. Speck hat sich zu den erforderlichen Studien länger« Zeit in der Reservation der Cataw- basindianer in Südkarolina ausgehalten, wo er nach den Mitteilun- gen der beiden Indianerinnen eine große Zahl von Dolkslegenden, Fabeln, Medizin- und Zaubersprüchen ausgezeichnet hat. Er ist jegt damit beschäftigt, das Material sprochwissenschastlich zu bearbeiten. Die Eatambas sind ein zur Familie der Sioux oder Dakota gehöriger Indianerstamm, dessen 5)crrschVoeIieaproKrsmm des Berliner Rundfunks. Som+a*. An 2C. ma 1928. 9z MotxtMtt. UJSt TvakamCmet— üebertrwon« Orot« Sebutpici- «,,,15. U: rrrnkheinwUnera» SotgaUjadc. II: Korzschrtft. 1UR: Für des tsedvlrt. l«.TO: Di« destocbe Leftsde ta Poesie und Miuft. 17: Unter. «iitauucsassik. 19: Stsade de» Josrniltttoe. UJt: DI« lenetzUcbea Be- Mimmuntan der Ancettelltesrerxicbeus«»»od den neneitoi Stüde. 20; Unter Arabers ond Bednüies. 20.30: Solree h> einem Alt-Wiener Bürgcr- kasne. Anschürt ead t Wahlergttaitte bi» 3 Uhr tnorcenv Zwischen dnreh Orcbeaterkongert. Montag, den 21. Mal 1928. It.«: Htanrlrtadbaftticto A»sMMangtftaga. 16: Technische Wochen- pUsderel. IT: Toctmulk. tSM: Der SeeflngTenrfthrer nd»ein« AsabiUsng. Ifl.lOi M«*i Arbeitapiati. I9jf: Wender der Medizin. 20.06: Die Crtwlck- inng de» KtmiUvamelns. 2030: Vortrag. 21: Koneertabend aus der hebräischen MusiUtterator. 1630: Kernobst im Kleingarten. Dienstag, den 22. Mal 1928. 1230: Die Viertelstnnde I6r den Landwirt. 1530: CrlefcnisM eines 'deutschen Mnsikcrs im Kavkasns. 16: Scbachstunde. 1630: Stunde mit Büchern. IT: Unterbaltnngsmnsik. IS: Altdeutsche Novellen. 10: Die FaB- ball-Olympisde. 1035: Das Lohnproblem. 19.55: Die groSen Mächte in ihren weltpolitischen nad weltwlxtschaitüchea Beziehungen. 2030: Wagner-Abend. Mittwoch, den 23. Mai 1928. 1530: DI«„ameiilranisehe" Ehe. 16; Als Schüftarst auf großer Fahrt 1630: Städtebilder„Bern". 17; Unterbaltungsmusilc. 10: Zum 90. Geburtstage Otto Lilienthals, de» Vaters des Elugwesens. 1035;. Der ständige internationale Gerichtshof im Haag. 1035: Die proletarische Weltanschauung. 2030: Sächsisch-thüringische Stadt- aod Orlsmusik. 22.30: Mein Berlin"— Lieder- and Mnsikvortrtge. Es wäre besonder» dankenswert gewesen, wenn dieser letzte Tag vor den Wahlen noch einmal gründlich benutzt worden wäre, um auch Im Rundfunk daraus hinzuweisen, daß Wahlrecht— Wahlpflicht ist. Aber das Programm dieses Tages ist ganz unaktuell. Das Hörspiel„Zwei Bund Schlüssel' von Karl Bchr war eine klein« amüsante Belanglosigkeit mit farblosem Schluß, die ober mit großem Verständnis für die Wirkungsmöglichkcit eines Hörspiels mif gemacht war. Die ganze Handlung wurde durch Telephongespräch« gegeben, die sich geschickt, ohne modern gewollte Verkrampfungen überschnitten. Alfred Braun sorgte für das richtige Tempo und blieb unaufdringlich.— Arnim T. Wegner zeigt« in seinem Vortragszyklus„Am Kreuzweg der Welten', wie die moderne Technik sich auch Persien bereits erobert hat, so daß in seltsamen Gegensätzen hier märchenhafte, beschauliche Vergangenheit und rekordbesessen« Gegenwart aufeinandertreffen. Und was das Erstaunliche ist: beide vertragen sich recht gut zusammen. Da» Flugzeug, besten Siegeszug in diesem Lande des Ostens der Vor- tragende schilderte, befördert nicht etwa nur europäisch« Reisende und besonder» modern« Einheimische, sondern fromme Pilgerscharcn und Geistlich« machen von dieser bequemen Reisemöglichkeit Gebrauch. Zu Orten, die früher nur mühevoll in mehreren Tagereisen mit Komelkarawonen erreicht werden konnten, gelangt man jetzt in sechs Stunden. Selbst Leichen, die an heiligen Wallfahrtsstätten �gesetzt werben solle«, weiden bisweilen per Flugzeug trans- ton tiT rt. i, i.__________.i. rtdd� Donnerstag, den 24. Mai 1928. 1230: Die Viertelstunde für den Landwirt 1530: Die Aoslietik der Landschaft. 16: Pfingsten im Volksbranch. 1630: Ein Kapitel an» der Filmaaf- nahmetechnik. 17: Musikalische Stande. 10.10: Aua der Praxis der Arbeit»» gerlchtsbarkeil. 10.40: Uebertragun* Plennrs»»! Reichstag Hondertiahrleier der Qesellscbatt lür Erdkunde. 2030; Sintoniekonzert 2230; Taoannsit Freitag, den 25. Mal 1928. 1530: Die Sehnsucht nach Besinilichkeft. 16-, Verschiedene Arten der Gefühle. 16.30; Wanderungen durch die Mark. 17: Tanzleemusik. 1835: Italienisch. 10.10: Bau- und Verkehrsprojekte. 19.40: Der Pesshnasmtia in seinen Grund. richlungen. 20.10: Sendespiele;„Der Zigeanerprhnas", Operette vo» Katevan. Sonnabend, den 26. Mal 1928. 15.30; Recht, Ordnung und Polizei ha alten Berlin. I«: MedleMach- hygienische Plauderei. 16.30; Vom richtigen Pflzesammeln. 17: Unterhaltungsmusik. 19: Neue Dichter von Weltgeltung. 19.30: Das deutsch-französische Saar- Abkommen. 20: Das Deutsche Traber-Derby. 2030; Zur UnterhaltmiK; Lieder» und Masikvorträge. 2230: Hinaua in die Natur. Lieder- and Musik- vorträgt. Königswusterhausen. Sonntag, den 20. Mal 1928. Ab 0: Ucbertragnng ans Berlin. IS: Winke fftr Uebbaberpbotographen. Ab 1530: Uehertragnng aas Berlin. 18: Atlantis und die Schätze von Ycrubn Benin. 18.30: Der Mensch und das Meer. 10: Das Berliner Schloß. Ab 20: Ucbcrtragnog ans Berlin. Montag, den 21. Mal 1928. 16: LngDsch(kuiturkondlloh-literarische Stunde). 1630: Goethe» Ehe. 17- Ucbertragnng aus Berlin. 18; Gustav Schüler. 1830: Engliedi lür Anfänger. 18.55: Zweckmäßige Handhabung der Heuernte, 1930: Technischer An- länger-Einlfihningsknrsa» für Facharbeiter und Werkmeister. Ab 2030: Lieber- tragung ans Breslau. Dienstag, den 22. Mai 1928. 16: Sciralkundlichc Fragen. 16.30: Anpassangserschclnnngen im Pflanzenreich. 17: Ueber tragung aus Leipzig. 18; BtHmenkuost im Wandel der Zeiten- 1830: Französisch für Anfänger. 18.55: Australiens Natur. Ab 2030: Ucbertragung aus Berlin. Mittwoch, den 23. Mal 1928. 16; Psyche der weiblichen Jugend. 1630: Das Zeitalter der Romantik. 17; Ucbertragung aus Hamburg. 18: Deutsche Wirtschaftsvertretangea im Aaslande. 1830: Französisch für Fortgeschritten«. 1835: Technischer Lehrgang für Facharbeiter und Werkmeister. 1930: EfofOhreng in das Verstehen von Mn»lk. Ab 2030: Ucbertragung aus Berlin, Donnerstag, den 24. Mai 1928. 16; Ergiehungsberalnng. 1630: Enropäisdier Geist„Voftalne". IT: Uebez- fragung ans Berlin. 18: Das dentsebe Buch in den Nordländern, 18.30; Spanisch für Fortgeschrittene. 18.55: Die Erhöhung der Milcherzeugung und ihre Bedeutung zur Gesundheit von Mensch und Tier. 19.20: Uebertragung Festsitzung Hundertlahrfeier der Gesellschaft für Erdkunde(Plenarsaal Reichstag). Ab 2030: Ueberrragrmg an» Berlin. Freitag, den 25. Mai 1928. 16: Di« Pkotograpbin und Kinematographm. 1630: Pflm und Filmindustrie. IT: Uebertragung aas Leipzig. 15: Autor echt 1830: Englisch für Fortgeschrittene. 1835: Technischer Lehrgang für Facharbeiter und Werkmeister. 19,20: Wissenschaftlicher Vortrag für Tierärzte. 20; Das heutige Australien. 21: Jugendarbeit in aller Zeit. 2130: Zelten, Zeltlager und Zeltlagergcmcinschaft. Sonnabend, den 26. Mai 1938. 16: Das Neueste aus der pädagogischen Zeitscbriftcniitcratur. 1630: Die beamtenrechtUche Geseirgtbongsarbeit des Reichstage» 1924—1928. 17: Ueber- tragang aas Hamberg. 18: Das FChrerprobiera im Arfaeitagctriebe. 1830: Tuntoch ttr AMbgar. 1036: Pfiogstlelei, Ab 203»: Unberttng—»«n» Brafl«. Kleinkrieg mit den privaten Handelsschulen, die teilweise in der Ausstellung von Zeugnisten etwas großzügiger sind als die Landes- arbeitsämter und die ftädttschen Handelsschulen. Aus den Arbeits- gerichten kann man oft genug hären, daß Arbeitgeber«inen An- gestellten fristlos entlasten mußten, weil dieset volligunbrauch- dar ist. Der Arbeitnehmer aber kann in derartigen Fällen m e i st ein glänzendes Handelsschulzeugnis vorlegen. Es ist daher von Wichtigkeit, daß das Landesarbeitsamt bei der Vennitt- lung von Personal, das gerade eine Handelsschule verlassen hat, den Vewerber selbst prüft und notfalls eine erneute Handelsschulaus- bildung.anordnet. Dabei soll nicht verkannt werden, daß es eine Anzahl größter Handelsschulen gibt, die sich eines so guten Rufes erfreuen, daß sie schon aus diesem Grund streng darauf achten, oah die Zeugniste nach den wirklichen Leistungen ausgestellt werden. Die städtischen Arbeitsnachweise werden nicht von Bureau- traten geleitet oder hohen Beamten mit langatmigen Titeln, sondern von Personen, die aus der Angestelltenbewegung hervorgegangen sind und die Dedürsnisse des Handels und der Industrie gründlich kennen. Leiter des Landesarbeitsamtes ist der Präsident Brühl, der frühere Berliner Stadtrot. Es liegt im Intereste der Arbeitgeber, wenn sie von der neuen Einrichtung, zu deren Unterhaltungskosten sie stark herangezogen werden, auch aus- giebig Gebrauch machen. Oer anonyme Brief. Ein städtischer Arbeitnehmer hatte in einem anonymen Schreiben an die Direktion des Betriebes, in dem er beschäftigt wurde, einen Kollegen beschuldigt, uoberechtigterweise Lebensmittel, die verdorben und nicht zur Nahrung geeignet waren, entwendet und verkauft zu haben. Der Absender dieses anonymen Briefe» wurde ermittett. Die eingeleitete Untersuchung ergab, daß die Anschuldigungen haltlos waren und der Brief- schreiber wurde daraufhin fristlos entlassen. Da er mit .der Entlastung nicht einverstanden war, kam der Fall vor das Arbeitsgericht. Der Kläger verlangte Weiterbeschäf- t i g u n g oder Zahlung einer Entschädigung in Höhe von 125 II M. gemäß§ 84 Betriebsrätegesetz. Er führte aus. daß in seiner Entlassung eine unbillige Härte zu erblicken sei, da er einmal durch seine Entlassung seine Ruhegehaltsansprüche verlieren würde, er sei ferner verheiratet, 45 Jahre alt und Vater von schulpflichtigen Kindern. Das Arbeitsgericht führte im Urteil aus, daß es das Verhallen des Kläger» in keiner Richtung hin entschuldigen könnet daß die Denunziation vielmehr zu verwerfen und u n« sittlich sei. insbesondere bei der Eigenart de» Betriebes, daß aber andererseits das Gericht nicht die soziale Lage des Klägers un- berücksichtigt lassen dürfe. Mit Rücksicht auf die soziale Logs bejaht« dos Arbeitsgericht dos Vorliegen einer unbilligen Härte und verurteilte die Beklagte antragsgemäß. Gegen dieses Urteil legte die Beklagte Berufung beim Landesarbeitsgericht ein. Dieses hob das erstinstanzliche Urteil auf und wies den Kläger mit seinen Ansprüchen ob. Die Verhandlung vor der Berufungs- tammer hatte ergeben, daß sich der Kläger bei seinem Vorgebcir gegen de» Kollegen keineswegs von Gesichtspunkten hatte leiten lassen, die im Interesse de« Arbeitgebers oder der Allgemeinheit lagen, sondern daß es sich mn ein«, Racheakt handelte, da er mit dem betreffenden Kollegen schon seit längerer Zeit ständig Differenzen hatte. Hinzu kamen noch familiäre Streitig- teiten. Die AnschulÄgung entbehrte seder Grundlage und da» Landesarbeitsamt kam zu der Auffassung, das ganze Verhalle»» des Klägers sei derartig gewesen, daß die fristlose Entlassung f» rechtigt war. Zigeuuerweisheit...■ j Mit„Gesundbeten" machen zwei Ziaeunerweiber im Südwesten der Stadt wieder gute Beut«. Wie üblichz führen sie sich als Händl«.- rinnen ein, schwatzen den mchr al, harmlosen Frauen irgendeine Krankheit aus und erbieten sich, sie zu heilen. Me immer, verlangen sie da» GetdihrerOpser, da«, in Papier eingewickelt, beiseite gelegt wird und gesprochen" werden soll. Erst nach einer be- stimmten Zeit darf das Päckchen geöffnet werden, sonst wird„der Zauber gebrochen". Eine Frau in der Köniagrätzer Straße gab gestern zu dem Hokuspokus nicht weniger als 510 Mark hin. und fand,' nachdem die Weiber verschwunden waren, in dem Päckchen natürlich nur Papierschnitzel wieder. Die eigentliche„Gesundbeterin" ist etwa 40 Jahre alt und 1,60 Meter groß, hat ein rundes Gesicht und trug «inen graubraunen Mantel. Do» zweite Weib, da« sich mehr draußen- hielt, ist untersetzt, hat schwarzes Haar, ein gebräuntes Gesicht und trug dunkelblauen Hut und graues Jackenkleid.> Oer �Vorwärts" ist das Vlatt der Kopf« und Handarbeiter! Abonniert den„Vorwärts"! 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