Morgenausgabe Nr. 240 A 423 45. Jahrgang Wöchentlich 85 Pfg� monatlich 3,60311 im voraus zahlbar, Postbezug<32 M. einschl. Bestellgelb, Auslanbsabonne- ment 6,— M. pro Monat. * Der„Bonvarts� erscheint wochentäg. lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel �Der Abend" Illustrierte Deilaaen„Volt und Zeit" und �Kindersreuno". Ferner „Unterhaltung und Wissen".„Frauen- stimme"„Technik"„Blick in die Vücherwelt"und„Jugend-Borwärts". p> Wsrliner Sowsblatt Mittwoch 23. Mai 1928 Groß-Äerlin M pf. Auswärts 15 pf. Sie e l» I p a> I> g e 9ionpui(il>jclte 80 Pfennig. Reklam«geile 5.— Zieiibs» mark..Kleine Anzeigen" da- jeilze- oeuitt» Wort 2S Pfennig lzuliissig zwei eNgedrnckte Borte), jedes weitere Won >2 Pfennig. Stellengefuche das erlie Wort lS Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte Oder 18 Duchftobcn zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Helle 60 Pfennig. Famllienanzeiqen für AbonnentenZeile 40 Pfennig. Anzeigen. annahm« im 5iauptgefchäit Linden. llrabed. wochentägi. oon b'/z bis 1? ilhr. Isnieawvsmt des Gozialdemosvattschen Oaetei Deutlchlanss Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 ffcrnfprechtr: Dönhoff 292—297 Telegraimn.Adr.i Sozialdemokrat©erlHt Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto: Berlin 97 LSK.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten vnd Beamten Wallstr. KS. DiSkonto-Gesellschaft, Depolitenkalle Lindenslr. S Die Internationale der Reaktion. Frankreichs Nechispresse über den deuischen WahlausfaU entsetzt.— Die Links- presse für außenpolitisches Entgegenkommen. Paris, 22. Mai.(Eigenbericht.) Wie schnell und glatt die Internationale herReat. tion funktioniert, zeigt in schlagendster Weis« die Haltung der französischen Rechtspresse zum Ausfall der Reichstagsroahlen. Hugen- borg und Westarp konnten sich keinen besseren Helfer wünschen. Was man heute in der Pariser Rechtspresse an Lügen t»nd Gemeinheiten gegen die Sozialdemokratie lesen kann, übersteigt alle Grenzen des politischen Anstands. Sie beginnt mit der Behauptung, daß die Sozialdemokratie überhaupt keinen Sieg davongetragen habe, sondern nur von der allgemeinen wirtschaftlichen Unzufriedenheit profitiert hätte. Weiter wird be- hauptet, daß sie keine Sozialisten: sondern nationasoziali- ftische Militaristen und Alldeutsche seien! Schlimmer als die Deutschnationalen, würden sie jetzt wieder Dersöhnungs. c> r i e n singen und mit um so deutlicherer Unverfrorenheit die Rheinlandräumung, Revision des Dersailler Vertrages und die Reform des Dawes-Planes verlangen. Ja, sogar die Be- hauptung kann man lesen, daß die Mark wieder ent- wertet(!) werde, sobald die Sozialdemokraten die Regierung übernehmen würden. In allen vernünftigen ernsten Kreisen wird man sich dagegen über die groß« Bedeutung des sozialdemokratischen Wahlsieges immer klarer. Es besteht für keinen kritischen Beobachter in Paris cm Zweifel, daß min die Sozialdemokratie die Regierungsbildung übernehmen müsse. Sauerwein im„Matin* glaubt ankündigen zu können, daß die Zeit vielleicht gekommen sei, um den deutsckfen Ein- heitsstaat wirklich m die Tat umzusetzen. Einig« bürgerliche Blätter befürchten, daß die Regierungsbildung im neuen Reichstag nur mit schwerer Mühe vor sich gehen könne, denn der Sieg der Sozialdemokratie sei zu groß. er habe das Gleichgewicht der Kräfte zwischen ihr und den bürger- lichen Linksparteien, die als Koalitionsgenosien in Frage kämen, zerstört. Im übrigen aber ist man über die künftige Richtung der deut- scheu Außenpolitik vollkommen beruhigt und man bestätigt, daß .franfreich alles tun mäste, um Deutschland in der Versöhnung ent- rrmmzukommen. Der„Rlatin" glaubt zu willen, daß die deutsch« Außenpolitik greifbare Resultate erreichen müsie, die dem deutschen Boll besonders am Herzen lägen. Die Linkspresie erklärt klar und deutlich, daß ein vorwand gegen die sofortige bedingungslose Rheinland- räumung nicht mehr bestehe, denn um das Wort B l u m s zu gebrauchen, habe mit dem Soziasts- MUS auch die Sache des Friedens einen entscheidenden Sieg davon getragen. Saubere Äundesgenoffen! Paris, 22. Mai.(Eigenbericht.) Die Pariser faschistisch-nationalistische„2 i 6 e r t e" scheut sich nicht, am Dienstag ganz offen in ein« Art Bundesgcnosienschaft mit den niedergerittenen Deutschnationalen einzutreten. Das Blatt r ä t den deutschen Kapitalisten angesichts der Wahlerfolge der Sozialdemokratie, es ihren französischen Brüdern nachzutun und schleunigst ihre Kapitalien ins Ausland zu verschieben, cbe sie von der sozialdemokratischen Steuerpolitik erfaßt werdcn! Andere Blätter der Rechten geben in bewegten Tönen zu verstehen, daß die Sozialdemokraten ebenso wie die Rechten für den A n- schluß Oesterreichs an Deutschland, die Revision und die Be- seitigung des Korridors seien. Sie Hütten sich selbst gerühmt, noch viel mehr erreichen zu können als die Deutschnationalen. Die Hauptursache der Erregung im französischen reaktiv» n ä r e n Lager ergibt sich aus der Rückenstärkung der früheren Kartellparteien durch die deutschen Wahlen. Diese Rückwirkung wird in der Tat eine entschiedene Be- l e b u n g der vom Kartell eingeleiteten Annäherungspolitik zur Folge haben. Die allgemeine Auffasiung geht hier dahin, daß man einer deutschen Linksregierung gewisse Konzessionen machen könne, die einem Kabinett unter Einschluß der Deutschnatio» n a l e n versagt werden mußten., Polens Nationalisten ebenfalls enttäuscht. Warschau, 22. Mai.(Eigenbericht.) In der, polnischen Presse wird das Ergebnis der deutschen Wahlen mit uneingeschränkter Befriedigung nur von den v e r st ä n d l g u n g s f r e u n d l i'ch e n Organen der Linken begrüßt. Der sozialistische„R o b o t n i f* weist auf die Festigung der deutschen Republik hin und erklärt'den Kurswechsel im Reich auch außenpolitisch für überaus bedeutsam. Die Locarnopolistk würde jetzt von Berlin aus nicht mehr sabotiert werden. Mit Polen werde Deutschland setzt hoffentlich bald zu einem Handelsver- trag kommen. Auch die allgemein politischen Beziehungen zwischen den beiden Nachbarländern würden jetzt hoffentlich durch gegen- seitiges Vertrauen geregelt werden können. Di« nationalistischen Blätter sind dagegen wenig ent- zückt von der N i e d e r l a g e d e r D e u t s ch n a t i o n a I e n. Die nationalistischen Organe.Kurier Wa'rszäwski�,„G'azeta War- s z a w s k a* bemühen sich um den Nachweis, daß die deutsche Linke außenpolitisch nicht wenkger gr fähr sich sei als die deutsche Rechte. Der Krakauer„K u r j e r Illustrowany" erklärt sogar, die deutschen Linkspartelen seien noch gefährlicher als die Deutschnationalen, da sie sich außenpolitisch nur nach Westen hin von der Rechten unterscheiden, gegenüber Polen aber ebenfalls agrefstve(!) Tendenzen verfolgten.— Die Regierungsorgane halten sich bisher zurück: sie sprechen nur die Hoffnung aus, daß der Kurswechsel in Deutschland die Handelsvertragsverhandlungen er- leichtern möge. England grüßt das republikanische Deutschland. London, 22. Mai.(Eigenbericht.) Die englische Presse begrüßt mit ungewöhnlicher Wärme das Ergebnis der Reichstagswahlen als einen endgültigen Sieg der Republik und der VerständigungspoNM. „Deiilschland find« sich selbst-—.Das verschwinden der hohen- zollern-—.Gesunder Menschenverstand In Deutschland-— und ähnliche Ueberschriften zu den Kommentaren findet man zu Dutzenden in den Blättern. Es scheine, daß Deutschland sich endgültig der Republik zugewandt habe..Times- hebt vor allem die Niederlage der Deutschnationalen hervor und schlußfolgert daraus, daß das deutsche Volk kein« Neigung mehr habe, nach militärischen Grundsätzen behandelt und im Osten oder Westen zu neuen mllitärlschen Abenteuern geführt zu werden. Die ..Dolly New?- nennen das Wahlergebnis eine Entscheidung für Frieden und Demokrat�, eine unmißverständlich« Willenskundgebung gegen die Rückkehr ded allen misilaristischcn Rattonalismu». Veränderungen im Zenirum. Nichtwiedergewählte und Neugewählte für den Reichstag Der Zentrumsfraktion des neuen Reichstags werden manche Mitglieder angehören, die der allen Fraktion nicht angehörten. Am bemerkenswertesten ist die Wahl des Regierung?- direktors Dr. H e p, der früher nur Mitglied des Landtags war und dort im Zentrum an führender Stelle stand. Auch der bisherige Finanzminister Dr. K ö h l e r ist jetzt Mitglied der Zentrums- fraktion. Neugewählt sind außerdem Reichsminister a.D. Dr.Her- m e s, Präsident der Handwerkskammer Münster Bielefeld, Landwirt Dr. Johannes Drees, Derbandsvorsttzender F ehren- dach- Düsieldorf. Dr. F ö h r- Freiburg, Kaufmann Hartwig- Oppeln, Bäckermeister Nauheim- Esten, Arbeitersekretär R i e- jener- Gladbach und Studienrat Warnte- Schneidemühl. Nicht wiedergewählt wurden: Oberpostinspektor Allekotte, Gfschäftssührer Joha-i«z Groß- Stuttgart, Dr. Krone, der Ge- sehästssührer des Rcichsverbandes des deutschen Windthorftbundes. Regierungsrat Wilhelm K n o l l- Darmstadt, Direktor S o nu er- Baden, Senatspräsident Echetter-Köln und Senatspräsideut Schulte- Breslau. Zentrum nur 64, Bayerische Volkspartei 4 1 Mandate Der in der Pfalz gewählte Abg. Bayersdörfer ist, wie das Nachrichtenbureau des BDI. erfährt, nicht dem Zentrum zu- zurechnen, wie es die erst« amiliche Meldung tat, sondern der Bayerischen Bolkspartei. Damit ermäßig« sich die Zahl der Zenlrumsmandake im neuen Reichslog von 62 auf 61, während sich die Zahl der vayerischen Volksparteiler von 16 auf 17 erhöht. * Don den bisherigen demokratischen Reichstagsabgeordneten ist Dr. TH.Heuß nicht wiedergewählt worden. Wahleinspruch. Die Boltsrechtpartei und die R a- tionalsozialisten beabsichtigen gegen die Zuteilung der Sitz« für den W ü v t t e m b e r g i s ch e n Landtag Einspruch zu erheben. weil der Artikel 20 des Landeswahlgeseges der Reichsocr- fastung widerspreche. Sie haben in Württemberg kein Mandat erhatten. Demokratie und Diktatur. Im Lichte der Wahlen vom 20. Mai. Der Streit, ob der Weg zur Herrschaft der Arbesterklasse und zum Siege des Sozialismus über die Diktatur oder die Demokratie führt, tobt in der Arbeiterbewegung seit Jahren. Er wurde in Rußland im Sinne der Diktatur entschieden— mit welchem Erfolg ist hier nicht weiter aus- zuführen— und seitdem ist die Arbeiterbewegung in der ganzen Welt gespalten. Im letzten Wahlkampf hat sich die Energie der kommunistischen Diktaturanhänger so gut wie ausschließlich im Kampf gegen den demokratischen Sozialismus erschöpft. Auch die Sozialdemokratie hat infolge- dessen einen guten Teil ihrer Kraft in der Abwehr kom- munistischer Angriffe verbrauchen müssen. Leider ist der Kampf nicht nur mit geistigen Waffen geführt worden, es ist Blut geflossen, wir haben Todesopfer zu be- klagen. Verwundete liegen in den Krankenhäusern und daheim. Der Ausgang des Kampfes war für beid« Parteien befriedigend, soweit es sich um zahlenmäßige Gewinne handelt, er war für sie unbefriedigend, soweit es um die Machtverteilung zwischen beiden ging. Keine von beiden ist in dieser Beziehung um einen Schritt weitergekommen. Wir betrachten es als ein Verhängnis, daß noch immer e i n Viertel der sozialistifch-proletarifchen Wähler der Perole einer Partei folgt, die keine andere Aufgabe kennt als die, uns zu bekämpfen. Die Kommunisten aber sehen mit stillem Ingrimm, daß der Wall einer Dreiviertelmehrheit innerhalb der sozialistischen Wählerschaft ungebrochen ihren Bestrebungen entgegensteht. Haben die Kommunisten Aussicht, dieses für sie hoff- nungslose Kräfteverhältnis zu ihren Gunsten zu verändern? Wir verneinen diese Frage aufs entschiedenste. Denn gerade dieser Wahlausfall hat ihre antidemokratische Stellung auf das allerschwerste erschüttert, er hat den Beweis dafür geliefert, daß wir auf dem richtigen Wege sind. Die Kommunisten verkünden die Lehre, daß das Proletariat im 4) ü r g e r k r i e g die Macht an sich reißen und sie mit Mitteln des Terrors behaupten müsse. In der Zeit dieser Gewaltanwendung, der Diktaturperiode, sei die Umstellung der Wirtschaft vom Kapitalismus zum Sozialis- mus durchzuführen. Diese Lehre wäre noch verständlich, wenn bewiesen wäre, daß das sozialistische Proletariat mit demokratischen Mitteln nicht zur Macht im Staate gelangen kann. Sie verliert jeden Sinn, wenn dieser Beweis nicht zu erbringen ist, ja. wenn sich herausstellt, daß das sozialistische Proletariat mit der demokratischen Methode sehr wohl die Staatsmacht erobern kann. Im kommenden Reichstag werden 42,1 Proz. aller Plätze von Sozialdemokraten und Kommunisten besetzt sein, das heißt von Abgeordneten, die von Wählern mit s o z i a- l i st i s ch e m Willen ins Parlament geschickt worden sind. Damit ist der bisherige Höchststand von 43,9 Proz.— in der Nationalversammlung— beinahe schon wieder erreicht. Sozialdemokraten und Kommunisten haben zusammen 36 Sitze neu erobert. Ein neuer Linksruck bei einer nächsten Gelegenheit brauchte nicht viel größer sein, um ihnen beiden zusammen dieMehrheit und damit den legalen Anspruch auf gemeinsame Machtausübung zu bringen. Daß ein solcher neuer Linksruck möglich ist, da in der Wählerschaft der bürgerlichen Parteien noch gewaltige proletarische Reserven stecken, wird kein Sozialdemokrat und auch kein Kommunist bestreiten. Die Wahlen vom 2 6. Mai haben den Be- weis erbracht, daß die Eroberung der Staatsmacht durch die Arbeiterklasse mit den Mitteln der Demokratie eine nahe- liegende Möglichkeit ist. Damit aber füllt die grundsätzliche Stellung der Kommunisten vollkommen in sich zusammen. Der Beweis, daß die Arbeiterklasse auf unblutigem legalen Wege zu Macht kommen kann, ist erbracht. Der Beweis, daß sie durch bewaffnete Aufstände zu dem gleichen Ziel kommen kann, ist noch zu erbringen. Die Er- oberung der Macht durch die Bollchewiki im Oktober-Rovem- der 1917 ist kein Beweis, denn Zustände, wie sie damals in Rußland herrschten, sind in Deutschland nicht vorhanden. Auch die Kommunisten erklären ja jetzt, daß der Kapitalis- mus im Stadium der„relativen Stabilisierung" sei. und daß man sich in einem„Wellental der Weltrevolution" befinde. Mit anderen Worten: in absehbarer Zeit ist mit Gewalt nichts zu machen. Soll da nicht der Versuch erlaubt sein, in dieser Zeit, die auch nach kommunistischer Auffassung recht lange dauern kann, mit den Mitteln der Demokratie vor- wärts zu kommen? Es wird dabei ganz davon abgesehen, daß es eine un- geheure Frivolität wäre, sich auf den Weg der blimoen Gewalt zu versteifen, wo der Weg der unblutigen Macht- crcberung sichibar offenliegl. Es soll auch nicht ausführlich die Rede sein, von dem befannien Einwand: Ja, wenn das Proletariat die Macht legal erobert, wird die Bourgeoisie fich das nicht gefallen laffen, sondern felber zur Gewalt greifen." In diesem Fall würde sich eben die Bourgeoisie in die Rolle des Rechts. brechers begeben und das Proletariat fönnte ihren rechtswidrigen Angriff mit den Mitteln der Staats. gewalt abwehren, bie im andern Fall, wenn das Proletariat felbft illegal vorginge, in der Hand der Bourgeoisie mären. Die Arbeiterklasse ist in Deutschland auf dem Wege zur Macht. In ihrem Fortschritt wird sie aber durch den Kom munismus nicht gefördert, sondern im Gegenteil auf das allerschmerste gehemmt. 206 sozialistische Abgeordnete, die fest zusammenstehen, wären in einem Reichstag von 489 Mann eine ganz andere Macht als 152 Sozialdemokraten und 54 Kommunisten. Ob sie gemeinsam in der Regierung oder gemeinsam in der Opposition wären, sie fönnten für prat tische Arbeiterinteressen ganz anders wirken als zwei Frat tionen, die sich gegenseitig erbittert bekämpfen. Bei den Hamburger Bürgerschaftswahlen errangen die Sozialdemokraten 60, die Kommunisten 27 pon insgesamt 180 Mandaten. Die Kommunisten aber verzich teten darauf, mit den Sozialdemokraten prattische Arbeiter. politik zu treiben, fie zogen es vor, die Gozialdemokratie meiter zu befämpfen. Sie fonnten wohl auch nicht anders, ohne ihr eigenes Wesen aufzugeben: denn die Kommunisten find eben dazu da, nicht den Arbeitern zu nügen sondern ben Sozialdemokraten zu schaden. Ein ganz ähnliches Schauspiel wird sich bei den nächsten Wahlen in Sachsen entmideln. Schon am 20. Mai mar eine sozialdemokratisch- kommunistische Mehrheit vorhanden, nur wurde eben nicht zugleich für den Landtag gewählt. Lange wird sich bie Selbt Regierung, die von den Wählern verlassen ist, nicht mehr halten, dann wird es auch in Sachsen zum Klappen fommen. Wieder wird sich zeigen, daß die Kommunisten meder den Willen noch die Fähigkeit befigen, der Sozialdemokratie bei ihrer positiven Arbeit zu helfen, sondern daß sie in dem aussichtslosen Bersuch, die Sozialdemokratie umzurennen, ihre ganze Kraft verbrauchen. Man denke an die zahlreichen industriellen Großgemeinden! Hier könnte eine einheitliche sozia. listische Arbeiterpartei leicht auf legalem Wege die Macht gewinnen und Aufbauarbeit verrichten, die die schöpferische Kraft des Sozialismus beweist und meit hinaus propagandistisch wirkt. Aber Spaltung und Bänkerei zwischen den Arbeitervertretern lähmt alles. Wie hat Berlin gewählt? Uebersicht über die Reichstagswahl nach Verwaltungsbezirken. Das Statistische Amt der Stadt Berlin gibt nach dem borläufigen Ergebnis der Reichstagswahl eine Uebersicht über den Wahlausfall nach Berwaltungsbezirken heraus, die wir unter Vernachlässigung der Splitterparteien, soweit es sich nicht um Absplitterungen von den Sozialdemokraten oder den Kommunisten handelt, nachstehend wiedergeben: Verwaltungsbezirk Kreuzberg. Wedding O 9 9 Friedrichshain Prenzlauer Berg 1 Mitte 9 9 ° 4 . Tiergarten Charlottenburg. Neuföln Schöneberg Lichtenberg Wilmersdorf Steglin Spandau Pantow • • . Reialdendorf. Trepiom Tempelhof Köpenic weißensee. Zehlendorf 4 P 9 記 Bon den abgegebenen gültigen Stimmen entfielen auf den Wahlvorschlag: Zahl der abgegebene gültigen Stimmen 96 9 10 11 12 13 Berhältnis zahlen in Taufend 73 28 54 82 131 65 655 39 023 8 039 3527 2 449 90 657 78 331 46 371 14 036 2 3 5 Grund zahlen 233 349 83 014 58 816 40 445 14 972 12 016] 7742 5 703 4005) 769 377 225 4 219 578 74 579 88 650 24 129 9 801 5713 5 663 4 594 1 742 668 363 125 204 487 70 668 71 156 25 532 10 943 6 228 6 697 5 377 2439 768 484 162 196 922 73 650 9 56 261 29 752 12 413 6.890 6 163 4718 2343 645 247 170 169 922 53 189 43.959 30 478 14 667 8426 6 285 4 434 3 069 609 261 173 167 437 50 395 34 017 36 149 15 274 11 744 7 291 3810 2 898 516 222 169 199 584 57 254 30 872 42 777 25 127 18 672 7 314 4449 3.961 813 9 197 269 186 758 75 238 57 553 21 050 9 617 7 435 4 500 4 473 2145 692 266 131 139 994 37 957 17 950 36 990 16 694 14 009 5 087 3 482 2961 349 115 166 125 121 44 619 36 993 17 851 6574 5 813 4 068 3 722 1 875 146 278 142 . 105 626 24 890 . 8 747 29 889 16 237 13 391 3 721 2 434 2 231 300 B 86 126 103 612 23 702 11 648 27 518 9 218 17 233 3546 3122 3 021 247 122 161 68 204 28 017 11 705 12 238 3 501 5 004 2 462 2185 1555 291 75 75 65 038 21 841 13 451 13 996 5 005 4 281 1 617 2 173 851 288 90 79 72 449 24 722 20 243 9 735 4 428 4 748 2 918 2 762 914 238 92 91 63 519 22 172 17 702 9570 4 062 3775 2011 1905 604 231 85 46 45 282 15 701 7 736 9 437 4 134 3 959 1 814 1 185 822 111 20 23 47 294 15 547 11 317 8 429 2 769 2 906 980 3 144 726 145 27 69 34 843 11 102 10 715 5 456 1 743 2 107 1 175 1 288 324 140 55 34 29 249 6 771 1689 8795 3 050 5 417 1 077 695 537 Zusammen am 20. 5. 28 am 7.12. 24 2 478 773 815 029 611 190 440 216 190 229 159 767 2 299 758 697 281 375 038 549 266 249 983 149 316 1000 356 252 173 64 52 33 25 17 1000 340 404 110 45 26 26 21 8 1000 346 348 125 54 30 33 26 12 1000 375 287 . 152 63 35 31 24 12 1000 313 259 179 86 50 37 26 18 1000 301 203 216 91 70 44 23 17 1000 287 155 214 126 94 37 22 20 1000 403 9 308 113 2A 51 40 24 24 11 1 1 1000 271 128 264 119 100 36 25 21 1.1 0 1000 357 296 143 53 46 33 30 15 1 2 1 1000 235 83 283 154 127 35 23 21 1000 229 112 266 89 166 34 30 29 12 1000 411 172 179 51 73 36 32 23 1000 336 207 215 77 66 25 33 13 1000 341 280 134 61 66 40 38 13 Treptow Tempelhof. Köpenic Weißenfee. Zehlendorf 1000 349 279 151 64 59 32 30 10 1 1 1000 339 167 204 89 86 39 26 18 2 0 1 . 1000 329 239 178 59 61 21 67 15 1 1 100 B 五 1000 319 308 158 50 60 34 37 9 4 e 1000 231 58 301 104 185 37 24 18 Zusammen am 20.5.28 1000 329 247 178 77 64 33 27 16 1 am Z. 12.24 1000 303 163 239 109 65 39 34 20 Und warum? Warum? Weil die Führer des Kommunismus nicht den Mut haben, ihren Irrtum zu befennen. Weil das raditale Schlagwort, die schmetternbe Phrase, die immer wieder prolongierte weltrevolutionäre Areuzberg. Illusion sie der Unbequemlichkeit entheben, sich mit den wirtlichen, ernsten und schwierigen Bros blemen der sozialistischen Arbeiterpolitit auseinanderzusehen! Auf diese Weise wird zum Schaden der Arbeiterklasse das Leben einer Partei aufrechterhalten, die als parlamentarische Partei, die sie ist, und als revolutionäre, die sie scheinen möchte, gleich impotent ist. Alles in allem: der Weg zur Machteroberung durch die Demokratie ist gangbar, das beweist der Ausfall der Wahl. Er beweist aber auch, daß auf diesem Wege ein Hindernis liegt: die Kommunistische Partei. Die Sozialdemokratie wird auch damit fertig merben! 9 P • • Wedding Friedrichshain Prenzlauer Berg Mitte Tiergarten 9. Charlottenburg Reukölln Schöneberg. Lichtenberg Wilmersdorf Steglig. Spandan Bankow Die Glückwünsche der Internationale. Reinidendorf. Kopenhagen, 22. Mai Die Sozialdemokratische Partel Dänemarts fendet herzlichsten Glückwunsch zu dem glänzenden Wahlerfolg. Es lebe die fiegende deutsche Sozialdemokratie im Kampfe für Frieden und Sozialismus! Budapest, 22. Mai. Aufrichtigen Herzens jenden wir euch die Glückwünsche des ungarischen Proletariats su eurem mächtigen und vielverheißenden wohlverdienten Sieg. Sozialdemokratische Partei Ungarns Belgrad, 22. Mai. In aufrichtiger Freude beglüdwünschen wir die glänzenden Wahlresultate der brüderlichen Partei, die einen enormen Schriff auf dem Wege des vollkommenen Sieges der Demokratie, des Meltfriedens und des Sozialismus bedeuten. Sozialistische Partel Jugoslawiens. Hoffnungsbotschaft der italienischen Sozialisten. Bon der Sozialistischen Bartel Staflens, die ihren Siz in Baris hat aufschlagen müssen, nachdem sie im eigenen Bande von Mussolini unterdrlickt und verfolgt wurde, erhielt ber Barteivorstand nadytehendes Glückwunschtelegramm: Nach eurem Siege blühen wieder Hoffnungen auf bei allen vom Faschismus Unterdrüdten, vom Imperialismus Bedrohten und Gefofferten. Ein dreifaches Hoch!" der deutschen Sozialdemokratie. gez. Modigliani, Sefreför des Borffandes der Sozialistischen Arbeiterpartei 3taflens. Friedrich Brühne. Totenfeier in Frankfurt. Frankfurt a. M., 22, Mai.( Eigenbericht.) Der Leib Friedrich Brühnes war heute unter der flegreichen roten Fahne im Krematorium aufgebahrt; ihn bedten Kränge, gewidmet von den vielen Organisationen, für deren Ziele das Leben des Berstorbenen restlos aufgegangen ist. Für den Parteivorstand sprach Otte Beis herrliche und tief bewegende Borte des Dantes und der Anerkennung für das unendlich mühevolle und fegensreiche Lebenswert Friedrich Brühnes, der das Ideal eines sozialistischen Kämpfers war, herausragend aus der Zeit des Sozialistengefeges und nie erlahmend bis in unsere Tage. Im Namen der Partel gab Bets Zeugnis von der Treue und Selbstlosigkeit des Toten und feiner Lebensgefährtin, die ihm allezeit sorgend und hilfsbereit zur Seite stand und ihn jetzt zur letzten Ruhe begleitete. Im Auftrage der Kontrollkommission sprach Brey Worte ber Trauer und bes Dantes. Bürgermeister Gräf Frankfurt rief dem Taten ben legten Gruß der Bezirksorganisation nach. Gewerkschaften, Berufsorganisationen, Bereine und Rorporationen fäften dann einander ab, um sich mit Worten und Kränzen von dem Toten zu verabschieden. Urbeiter fangen vom Sohn des Boltes, und bann neigten sich die Fahnen. Was fterblich war von Friedrich Brühne, fant in bie • Die Stimmen der Frauen. Eine Statistit der getrennten Abstimmungen. Wie in Berlin, murbe u. a. auch in Magdeburg, Hagen, Darm stadt, Eisenach und Jena nach Frauen und Männern ge. trennt abgestimmt. Der Demokratische Zeitungsdienst berichtet darüber: 222121 334343 443 1 1 I 0 1 1 1 112 Im übrigen hat die Boltsrechtpartei in Darmstadt gegenüber 1924 einen Stimmenrüdgang von insgesamt 2000 Stimmen zu ver zeichnen. In Jena ergab sich im wesentlichen dasselbe Bild. Hier er hielt insbesondere von den Splitterparteien die Aufwertungspartei eine weitaus größere Anzahl Frauen als Männerftimmen. In Jena stimmten für die Boltsrechtpartei 352 Frauen und 223 Männer. Neue Führergarnitur der KPD. Die Wandlung der Reichstagsfraktion. Im Dezember 1924 zogen 45 Kommunisten in den Reichstag ein. Von ihnen sind nur 22 wiedergelehrt. 32 find neugewählt, darunter nur zwei bekannte Köpfe: Bied und Paul Frölich 15 Mitglieder der kommunistischen Frattion, unter ihnen Rosenberg, Sholem, Ruth Fisher, Urbahns. Rorld, Ras. waren teils ausgeschieden, teils ausgeschlossen worden. Aber nicht mur fie fehren nicht wieder, fondern auch a cht andere, die bis zu lezt als Mitglieder der offiziellen Fraktion zeichneten, sind ver schwunden, so Creußburg, Rebbermeyer und Rosen. In Magdeburg gab es rund 17 000 mahlberechtigte Frauen mehr als Männer. Von den Richtwählern waren in Magdeburg 21 000 Frauen und 14 000 Männer. Für die Deutschnatio. nalen stimmten hier 10 166 Frauen und 7199 Männer, für das Sentrum 1962 Frauen und 1308 Männer, für die Bolts. partei 15 006 Frauen und 12 017 Männer. In Magdeburg hatten entgegen dem Ergebnis aus anderen Orten auch die Sozial. be motraten mehr Frauenstimmen als Männerstimmen zu vers zeichnen, und zwar stimmten für die Sozialdemokraten 42 229 Frauen und 38 930 Männer. Für die Demotraten ftimmten 7583 Frauen und 7218 Männer, für die Wirtschaftspartet 4145 Frauen und 3849 Männer. Für den Völkisch- nationalen Blod stimmten 1007 Frauen und 986 Männer. Für die Kommunisten bagegen mur 8334 Frauen und 10 430 Männer. Bei einer Ber hältnisberechnung ergibt sich, daß in Magdeburg bei den Deutschbaum. nationalen und bei der Deutschen Boltspartei die Frauenstimmen die Männerstimmen prozentual erheblich überwogen. Bei der Spalaldemokratie hielt sich der Sumachs ungefähr in dem Verhältnis des llebergewichts der wahlberechtigten Frauen über die Männer. In Hagen war das Bild ähnlich. Hier kam das Frauenmahlrecht den Deutschnationalen und besonders dem Zentrum zugute. Die Deutschnationalen erhielten 2081 Männer und 2381 Frauenstimmen, auch die Volkspartei vermochte 218 Frauenstimmen mehr als Männerftimmen zu erlangen. Besonders aber konnte das 3entrum Nutzen aus dem Frauenwahlrecht ziehen. Für diese Partei fttimmten 3372 Männer und 4882 Frauen. In Darmstadt erhielten die Deutschnationalen 1738 Männer. ftimmen und 2041 Frauenstimmen, das Sentrum 1225 Männerund 2921 Frauenstimmen. Die Demokraten zählten 1851 Männer. und 1915 Frauenstimmen. Wenig beliebt waren in Darmstadt wie überall die Kommunisten und die Nationalsozialisten bei den Frauen. Die Kommunisten erhielten 1362 Männer und 857 Frauenftimmen, 869 Männer stimmten für die Nationalsozialisten, und nur 560 Frauen wählien die gleiche Liste. Charakteristisch ist bie Borliebe der Frauen für die Splitterparteien, die sich in Darmstadt, dadurch auswies, daß die Boltsrechtpartei mur 1019 Männerstimmen, bagegen 1515 Frauenftimmen aufweisen fonnte. Stadtverordnetenwahlen. Das Ergebnis in Breslau und Frankfurt a. M. Bie in Dortmund wurden auch in Breslau und Frankfurt a. M. infolge der neuen Eingemeindungen zusammen mit den Reichstagswahlen Stadtverordnetenwahlen vorgenommen. Die Wahl in Breslau ergab: So3. 38(+ 7). Dntl. 16 (-4), 3tr. 11( 1), DBp. 5(-1), KPD. 5(+ 1), Dem. 4(-1). Wirtsch. P. 2(+ 1), Bölt. 1(-3), Dt.- Goz. 2( unverändert), Mieterliste 4( vorher unvertreten), Bodenreformer 1(-3). In Frankfurt a. M.: S03. 29(+ 10). Dntl. 7(- 3), Dep. 9(+ 3), ABD. 11(+ 3), Dem. 7( unverändert), Wirtsch.- P. 4( unverändert), Nat.- Soz. 4( unverändert), Arbeitnehmer 3(-1). 3tr. 9(+ 1), Aufwertler und Engl. Bergg. je 1 neues Mandat, die Unabhäng. Soz. verloren thr Mandat. Eine Regierungsfrise in Griechenland ist ausgebrochen. Man rechnet mit Barlamentsauflösung und Neuwahlen oder Staats. streich! Der Tod durch Phosgen. vie Zinna Stoltenberg, die das Sistgasunglück in Hamburg verursachte, war Lieferantin der SowjeMlnton und errichtete in den Layren 1923—26 die Sistgasfabrik �Sersol" in Trozk(Souv. Samara). Oer Seist von Moskau: ,Ietzt verde ich fo tun, als ob ich mich über die Herstellung von GistgaS entrüste.� Ein polnisches Echreckensurieil. Zuchihausrekord im Hromada-Prozeß. Zw Prozeß gegen MtgNeder de» Weißrussenverbandes der »Hromada*. darunter mehrere Abgeordnete, wurde Dienstag mittag nach fast dreimonatiger Verhandlung das Urteil gefällt. Von den SS Angeklagten wurden die hauplangektagten. und zwar die bisherigen Sejmabgeordneten Taraszkiewicz. Rak-Wichaslowlkl. Miotta und woloszyn, zu je 12 Z ahren Zuchthaus verurteilt, von den übrigen SZ Angeklagten wurden zwei zu je S Sahren. acht AageNagke zu je 6 Jahren, neun zu je 5 Jahren. zehn zu je 4 Jahren und vier zu je Z Jahren Zuchthaus ver- urteilt. Die übrigen 19 Angeklagten wurden freigesprochen. Nach verkündung des Urteils stimmten die verurteilten ein weih- russische» vesreiungstied an. Die Polizei entfernte sie los ort au» dem Saal. Die Anvape hat behauptet, daß die Angeklagten im Ein» Verständnis mtt Moskau eine Verschwörung gebildet hätten, mn Polnisch-Weißrußland mit der angrenzenden weißruMchen Sowjetrepublik(Hauptstadt Minsk) zu vereinigen; auch sollen sie für Sowjetrußlaich spioniert haben. Hauptzeugen waren Lockspitzel der„Defensive" genanntem polnischen Staatspolizei, einer davon ist während des Progesies das Opfer eines Attentats geworden. Polen behandelt seine flämischen Minderheiten im Osten sehr hart, wenn auch seit der Uebernahme des Ostreferats im Außenministerimn durch den früheren sozialistischen Sejmabg. H o l u f k o Anfänge einer Milderung nicht zu verkennen sind. Noch bei den Partamentswahlen vor wenigen Monaten sind die OftpAker durch Listenftreichung und nackten Wahlterror um einen großen Teil ihrer parlamentarischen Vertretung be- stöhlen worden. Ihr Schulwesen hat man in starkem Maße polonisiert, ihre Genossenschaften und Vereine aufgelöst. Ob- wohl die Polen in ihrer Republik unbestritten die Mehrheit darstellen, suchst man die Weißrussen und Ukrainer zu Polen zu machen. Keine Erinnerung an die Knechtung des Polentums durch die Kaisermächte Rußland und Preußen-Deutschland hält das befreite Polen von so üblen Methoden ab, keine Erinne- rung an die selbst durchlitten« Schreckensjustiz verhindert ihre Anwendung gegen andere; aus den Lehren der Geschichte, die Entnationalisierungspolitik mit dem Verderben des Unter- drückerlandes straft, will das herrschende Polentum nicht lernen. Neben den Bauern im Osten, die man immer noch auf die verfassungsmäßig verheißene Bodenreform warten läßt und die man als Bürger zweiter Klasse behandelt, leben ihre Volks- genossen in eigener Staatlichkeit und als Besitzer des früheren HerreNlandes; wie sollte da nicht die Irredenta bestehen? Ein solcher SckMibeweis für verbotene Beziehungen mit ge- walttätigen Zielen, daß er vor jedem unparteiischen, nicht vor- eingenommenen Gericht bestehen könnte, ist in Wilna nicht erbracht worden. Polnische Richter, in dem gewaltsam be- setzten und einverleibten Wilno zumal, werden in Sachen der Irredenta nur zu leicht Richter in eigener Sache seins Sabotierung der deutschen Minderheitsschule. kialtowih. 22. Mai. Der„Statt. Ztg." ist zu entnehmen, daß die Anmeldungen für die deutsche Minderheitsvolksschul« sich nur unter Schwierig- leiten vollziehen. So meidet dos Blatt, daß gestern in der kurzen zur Verfügung stehenden Zeit von 110 Anmeldungen nur 30 bis höchstens 36 entgegengenommen wurden. Die Anmeldenden mußten stundenlang stehen, bis ste an der Reihe waren, und dann auch wurden ihnen zumeist noch Schwierigkeiten gemacht. So konnten in Drzczie von 21 Erziehungsberechtigten nur ganze sechs ihre Kinder vorschriftsmäßig anmelden. Ksiae Patentlösung. Oos Pressevorfpiel zur Regierungsbildung. Die Deutschnaticmalen waren bisher sehr„staatsbürger- lich" und für den..Ordnungsstaat". Nach dem 20. Mai sind sie Anarchisten geworden. Sie haben die größte Angst, daß eine neue Regierung zustande kommen könnte. Einst haben sie den Ausspruch Luthers„irgendwie muß doch Deutschland regiert werden", mtt heiterem Beifall begrüßt. Heute sehen sie diese Notwendigkeit nicht ein. Sie geben zu, daß sie nicht weiter mitregieren können. Sie bezweifeln nicht, daß die Führung bei der Regierungs- bildung auf die Sozialdemokratie übergegangen ist. Aber sie wollen um alles in der Welt nicht, dag diese Regierungsbildung gelingt. Darum versehen sie die Mittel- Parteien mit allen möglichen komischen Rezepten, wie man sie verhindern könnt«. Sie versichern den M i t t e l p a r t e i e n. die Sozial- demokratie werde ihnen, falls sie sich mit ihr einließen, den Ring durch die Rase ziehen und sie täglich zweimal durch ein kaudinisches Joch schicken. Sie wurden an die Wand gequetscht werden, daß sie quietschten, sie würden nach der Pfeife der Marxisten tanzen und wie die Juden für ägyptische Königspaläste für den Bau des sozialistischen Zukunstsstaates Ziegel brennen müssen. Genau dasselbe— nur umgekehrt— sagen die Kommunisten den Sozialdemokraten voraus. Sie würden als Rsgierungspgrtei sich in sklavischer Abhängigfett von der Bourgeoisie befinden, deren Agenten sie ja ohnehin schon längst seien, sie würden für ein paar Mmistersesfel die Arbeiterschaft verraten usw. Bei all diesen Erörterungen geht man von der Daraus» setzung aus, daß die Große Koalition die einzig gegebene Möglichkett sei. Sie ist für Deutschnationale und Kommunisten die einzige Gefahr, wie sie für die demo�ra- tische Presse die einzige Hoffnung ist. Nimmt man diese Voraussetzung als richtig an. dann hängt es von der Deut» schen V o l k s p a r t e i ab, ob eine Regierung zustande kommt oder nicht. Aber diese Voraussetzung ist falsch. Die Sozialdemokratie, die aus den Wahlen als Siegerin hervorgegangen ist. kann und will deswegen keine Diktatur ausüben. Eins politische Arbeitsgemeinschaft kann nur auf freiwilliger Verst-änd'lgung und beiderseitiger Esn- ficht beruhen. Noch weniger aber als der siegreichen Sozialdemokratie kann man der geschwächten Volkspartei eine Rolle zu- schreiben, in der sie über Sein und Nichtsein der Regierung. des Reichstags und am Ende des parlamentarischen System» nach Belieben zu entscheiden hat. Die Volkspartei kann ver- � nünftigerweise eine fptchc Rolle nicht spielen wollen, und es liegt auch nicht im Interesse des Zentrums und der Demo- traten, sie ihr zuzuschieben. Es ist verständlich, daß die Deutschnattonalen die Große Koalition für die ein z.i g e Möglichkeit erklären. Sie tun das in der Hoffnung, die Volkspartei durch Druck und Drohung von dieser Koalition abzuhalten, um dann erklären zu können, mit dem neuen Reichstag, und der Führung durch die Sozial» demokratie und mtt dem parlamentarischen System sei es Mathäi am letzten. Dabei wissen sie freilich für den Fall eines Mißlingens der Regierungsbildung keinen anderen Rat als Auflösung und Neuwahlen. 42,1 Proz.„Marxisten" sind ihnen offenbar noch nicht genug. Weniger verständlich ist es. daß die demokratische Presse sich von vornherein auf die Große Koalttion als die einzige Möglichkett festlegt und damit die Vorstellung erweckt, als hätte eine einzige Partei, eben die Vollsparte«, den Schlüssel zur Situation rn der Hand. W i r halten es— um es noch einmal, noch d e u t- l i ch e r, zu �sagen— in diesem Stadium für müßig, Patent- lösungen für die neue Regierungsbildung zu erfinden und öffsntliH anzupreisen. Roch sind die Fraktionen nicht zu- sammengetreten, noch ist niemand mit der Regierungsbildung betraut. Die Regierungsbildung ist eine politische Handlung und nicht ein bloßes Additionsexempel, und eine neue Regierung bleibt, solange ihr nicht der Reichstag durch Beschluß das Vertrauen entzieht, im Amt. Man übe sich also ein wenig in der Tugend der Geduld und spiele nicht das Spiel der neuen Anarchisten, die überhaupt keine neue Regierung wollen und sich kindischfroh die Hände reiben, wenn alles drüber und drunter geht! « Das Nachrichtenbureau des Vereins Deutscher Zeitung»- Verleger veröffentlicht folgendes: Nachdem sich als Ergebnis der Reichstagswahlen vom 20. Mai herausgestellt hat, daß weder ein« rein bürgerliche Regierung, wie sie bisher bestand, noch die sogenannte Weimarer Koalition sich auf eine parlamentarische Mehrheit stützen könnten(? Red. de» „Vorwärts"), erörtert man in parlamentarischen Kreisen lebhaft die Möglichkeit der sogenannten Großen Koalition. Wie das Nnchrichtenbureau des Vereins Deutscher Zeihrngsverieger von maßgebender volkspartcllicher Seite hört, würde diese Partei sich zu Verhandlungen über die Große Koalition bereiterklären, falls die Sozialdemokraten mit einem solchen Dorschlag an ste herantreten. Ob diese Verhandlungen zu einem Erfolg führen, würde von den Sicherungen abhängen, die die Sozialdemokratie der Deutsche» V o l k s p a r t e i zuzugestehen bereit wäre. Und welche„Sicherungen" wird die Volkspartei der Sozialdemokratie zugestehen? Im übrigen: siehe oben! Ver schärfer Kampf in der Rheinschiffahrt. Ergebnislose Verhandlungen vor dem Schlichter. Köln. 22. Mal.(Eigenbericht.) vom Zentralverbaud der Maschlnislm und Heizer wird uns mit- geteilt: vom RHelnlandschllchker Dr. Zöllen in Köln waren die Ar- beitgeber für die vinnensch'.ffahrt und der Z-nlralverband her Ma- schinisten und Heizer sowie der Deuksche Verkehrsbund zu einer an. verbindlichen Aussprache nath Köln geladen. Die vesprechung nahm den ganzen Dienstag in Anspruch. Droh großer Bemühungen de» Schlichters tonnte keine Einigung erzielt werden, da die Arbeilgeber nach wie vor am Lohnabbau scsihielten. Das Verhallen der Unternehmer fordert somit zum 'o l(�schärf sie n Kampf heraus. Da»«echt Ist uusirÄsig auf feilen der Arbeiter, die unter den nunmehr gegebenen llmflanden. gestützt ans ihre Organisakionen, den Kampf bis Zw m Saßersien. durchfechten werden. (Siehe auch nächste Seite.) 11. August— Naiioualfeiertag. Der SeschLftsordnungsaosschuß des Reichsrats stimmte am Dienstag dem preußischen Antrag zur Erhebung de» Ver- fassungsloge» zum Nationalfeiertag zu. Die voll- Versammlung des Reichsrais dürste den Antrag nunmehr am Vonnerstag endgültig verabschieden. In einer seiner ersten Sihvngen wird sich dann der neue Reichstag mit der Frage zu be- fassen haben._ plumpe Mörder-Ausreden. Zu dem Totschlag an Genossen Paris. In Hamburg wurden bekanntlich je ein Reichsbannermonn von den Kommunisten und von den Hakenkreuzlern erschossen. Die «Rote Fahne" schrieb darauf prompt, es hätte ein Reichsbanner. Überfall auf Kommunisten stattgefunden, und dabei sei ein Reichs- bannermltglied von seinen eigenen Kameraden getötet worden. Am Sonnabend ist in Glauchau im Laufe einer Wahldemon- stration der Sozialdemokratischen Partei der Stadtverordnet« Ge. noss« Pari» durch«inen Messerstich hinterrücks ermordet worden. Darüber meldet die«lllot« Fahne" am Dienstag: «Da dt» Relchebarmerkauts schwer bewaffnet waren, Wo RFBi�Kameradtn aber ohne Waffen, ist anzunehmen, daß auch in Glauchau der SP v.-Mann Pari» von seinen eigenen Ge- Nossen s« Tumult erstochen wurde." „Auch in Glauchau I" Das soll wohl heißen„ebenso wie in Hamburg"? Di« erst« schamlos« Lüge über den Himmelfahrt»- choffchlag scheint alst» der..Rften Fahne' so gut zu gefallen, daß st« M Hedenkerllps eine Wiederholung im FVlle Glauchau keiften zu können glaubt. Dabei wußte die„Rote Fahne", daß der Mordbube von Glauchau, der Wjährige Roffrontkämpfer Gretzsch au» Germ- doch i. Thür, der sofort oerhastet werden konnte, nach ansängUchem Leugnen noch in der Rächt zum Sonntag ein Geständnis ab» gelegt hatte, Trotzdem kein Wort des Bedauerns, kein Wort des Slbrücksns—- sondern nur eine ebenso plumpe wie dreiste Lüge:„Der SPD.» Mann von seinen eigenen Genossen erstochen." Ein« sauber« Partei, die KPD., ein« saubere Zeitung, die«Rat« Fahne"! Wendung im Prozeß Braun. Rechtsanwalt Samter als Verteidiger nicht mehr zugelassen. Das Verfahren gegen Semmelmann abgesondert. Leipzig, 22. Mai.(Eigenbericht.) Am Dienstag verkündete der vierte Strafsenat des Reichsgerichts den Beschluß, den Zeugen Rechtsanwalt Dr. Samter wegen Der- dachte der Mittäterschaft nicht zu vereidigen. Dos Protokoll, dos Im mitteleuropäischen Bureau der Internationalen Roten Hilse gefunden sei, lasse den Schluß zu, daß der Zeug« der B e 1 h i l f« dringend verdächtig sei, zum mindestens der Beihilfe an der Verhinderung der Vollstreckung von strafrechtlichen Urteilen. Der Vertreter der Reichsanwoltschaft beantragte deshalb, dem Rechts- anmalt Dr. Samter sein« Berteidigerbesugnis für diesen Prozeß abzusprechen und ihn als Verteidiger nicht wieder zu» zulassen. Es entspräche nicht der Würde des deutschen Slnwalt- standes, wenn«in Verteidiger weiter fungier«, der vom Gericht wegen dringenden Milläterverdachts zum Eid« nicht zugelassen werde. Rechtsanwalt Dr. B a r b a s ch und Dr. Fiedler wandten sich gegen dies« Ausführungen. Der Reichsanwalt habe seit min- besten« Dreiolerteljahr Kenntnis von der Tätigkeit Dr. Samters. Eine Anklageerhebung sei aber bisher nicht erfolgt, es sei noch nicht einmal ein E.rmItTiung»v»rfahren eingeleitet worden. Das Gericht beschloß. Rechtsauwalt Dr. Samker iN diesem Prozeß als Verteidiger nicht mehr zuzulassen. Da der Angeklagte Scmmelmona nunmehr ohne Verteidiger ist. wird das Verfahren gegen lh» abgelten ul._____ � Der Streif in den Rheinhäfen. Gescheiterte Einigungsverhandlungen. Die Bersammlung der streifenden Kranführer und Hafenarbeiter| weilige Verfügung des Vorsitzenden, Amtsgerichtsrat Dr. am 21. Mai nahm den Bericht über die Gesamtstreiflage entgegen. Roegel, bestätigte. Wenn auch damit zu rechnen ist, daß das Sander berichtete zunächst, daß die Kampffront am ganzen Landesarbeitsgericht dieses unmögliche Urteil aufheben wird, so Rheinstrom außerordentlich gut und unerschütterlich sei. Er besteht doch die Gefahr, daß das Fehlurteil bei anderen Gerichten habe selbst Gelegenheit gehabt, sich in allen Orten am ganzen Rhein- Schule macht und ängstliche Gemüter sich veranlaßt sehen, das rechtsstrom persönlich davon zu überzeugen und habe zu den Bersammelten am Oberrhein gesprochen. Streifbrecher seien fast gar nicht widrige Verbot zu beachten. zu verzeichnen. Die Räder am Rhein ständen vollständig still. Im Streit stehen außer den Rheinschiffern und dem Maschinenpersonal die Hafenstädte: Mannheim, Mainz, Worms, Bingen, Köln, Düsseldorf, Neuß, Duisburg, Orson und Uerdingen. In Duisburg liegen die gesamten Ripperanlagen still. Der Referent protestierte gegen die Einmischung Un. berufener in den Kampf, indem dieselben Sammellisten einführen wollten. Die Diskussion deckte sich im wesentlichen mit den Ausführungen des Referenten. In der einstimmig angenommenen Entschließung wird der Organisations wie der Streitleitung das vollste Vertrauen ausgesprochen, dann heißt es: Weiter nehmen die Versammelten davon Kenntnis, daß von umberufener Seite Sammellisten herausgegeben find und nach außenhin den Anschein erweden, als wenn die momentane große Bewegung der Rheinschiffer und Hafenarbeiter unter Finanzschwierigkeiten leide. Die Versammelten erklären in aller Deffentlichkeit, daß sie niemanden beauftragt haben, für sie bei der Gefchäftsmelt in Duisburg sowie bei der Arbeiter. fchaft zu sammeln, und verwerfen solche Maßnahmen, welche geeignet sind, die einheitliche Rampffront zu zerstören. Die Versammelten erklären einmütig, daß sie gewillt sind, mit ihrer bisherigen Streitunterstügung, deren Höhe zufriedenstellend ist, den Kampf bis zum Siege auszuhalten. Sie fordern die Streif sowie die Organisationsleitung auf, gegen diese wilden Sammlungen in aller Oeffentlichkeit zu protestieren. Bon welcher Seite diese Sammlungen ausgehen, ist ohne weiteres far. Die unverbindlichen Schlichtungsverhandlun. gen am Dienstag in Köln unter Borsiz des Schlichters für Rhein land, Dr. Jötten, zwischen den Unternehmern und Arbeitern in der Rheinschiffahrt sind ergebnistos verlaufen. Reine der Parteien hat ihren Standpunkt verlassen. Die Rotterdamer Steintohlen handelsper. einigung hat infolge des Konfliktes in der deutschen Rheinschifffahrt von ihrer 1450 Mann starten Belegschaft 700 Hafenarbeiter entlassen, da nur noch ein Fünftel der in normalen Zeiten angeführten Kohlenmenge verarbeitet wird. Materiell ist nach der heutigen Rechtsprechung der ordentlichen Gerichte, insbesondere der Oberlandesgerichte und des Reichs. gerichts, der Streit, das Aufstellen von Streit posten und jede nicht gesetzwidrige Handlung zur Durchführung des Streits erlaubt. Das Oberlandesgericht Dresden hat 8. B. vor allem in der Frage des Streits und der Streitposten in einem Beschluß vom 5. März 1921 die in Betracht kommenden Rechtsgrundsäge behandelt. Danach liegen die Dinge folgendermaßen: Der Streit ist ein erlaubtes Drud mittel zur Durch. fegung von Forderungen hinsichtlich des Arbeitslohnes. Das Auf stellen von Streitposten ist nicht widerrechtlich und ver stößt nicht gegen die guten Sitten. Die Aufstellung von Streifposten tann selbst dann in feinem Falle verboten werden, auch gegenüber folchen Personen der Streifleitung, die die Streifposten angewiesen haben, gefeßwidrige Mittel gegen Arbeitswilligen anzumenden. Für den Fall, aber auch nur für den Fall, daß Mitglieder des Streitfomitees Streitposten angewiesen haben, widerrechtliche Mittel anzuwenden, ist eine einstweilige Verfügung mur gegen diese mit glieder des Streiffomitees, nicht etwa auch gegen solche, die eine folche Anweisung nicht gegeben haben, zulässig und die einstweilige Verfügung fann mur darauf gerichtet werden, daß die betreffenden Mitglieder des Streitkomitees fich enthalten, die Streitposten zur Anwendung widerrechtlicher Mittel anzuhalten. Wenn diese klar und unzweideutig zum Ausdruck gebrachten Grundfäße beachtet und bei den Arbeitsgerichten, insbesondere auch von den Arbeiterbeifizern, hervorgehoben werden, dann find Verfügungen wie die des Duisburger Arbeitsgerichts unmöglich. Ferner ist im Interesse der Arbeiter darauf Gewicht zu legen, daß auch die prozeßrechtliche Voraussehung zum Erlaß einer einftweiligen Berfügung aufs sorgfältigste geprüft wird. Es muß durch desondere eidesstattliche Versicherungen in jedem Falle glaubhaft gemacht sein, daß die Personen, gegen die sich die einstweilige Verfügung richtet, gefeßwidrige Handlungen veranlaßt oder schuldhaft gefördert haben. Es besteht nämlich die Gefahr, daß an die Glaubhaftmachung zu geringe Anforderungen ge stellt werden. die Ausführungen des Kommentars zum Arbettsgerichtsgeseh vow Schyminte- Sell zu§ 71 in Anmertung 3 hin: ,, Als Inhalt des§ 71 bleibt nur übrig, daß die Betriebsvertres tung, die die Klage beim Arbeitsgericht erhoben hatte, auch befugt ist, Berufung einzulegen und das Verfahren vor dem Landesarbeitsgericht zu betreiben. Eine Berechtigung des Arbeita nehmers, an feiner Stelle selbst fristgemäß Be= rufung einzulegen, wenn sie es unterläßt oder wieder zurüdnimmt, fann weder aus dem Wortlaut des§ 71, noch aus der Begründung entnommen werden. Daß fich der Ausschluß des Gefündigten von der Prozeßführung, der durch die Klageerhebung seitens des Gruppenrates nach dem iegt allein maßgebenden Wortlaut des§ 86 BRG. eintritt, mir auf einen Teil des Verfahrens, nämlich die unterste Instanz beziehen foll, ist nicht erkennbar und hätte des ausdrücklichen Ausspruchs in Gefeß selbst bedurft." Bisher lagen über diese Fragen feine gerichtlichen Entscheidungen vor. Das Landesarbeitsgericht Berlin hat nunmehr die Frage, ab der Arbeiter an Stelle der in erster Instanz flagenden Arbeiterschaft Berufung einlegen tann, mit folgenden Gründen bejaht: ,, Das Landesarbeitsgericht hat die Einlegung der Berufung feitens des Arbeiters M. für rechtlich unbedenklich gehalten. Die Wahrung der sich aus dem Kündigungseinspruch eines Arbeitnehmers nach Maßgabe der§§ 84 ff BRG. ergebenden Rechte steht an fich dem Arbeitnehmer zu. Daneben kann die Arbeitnehmerschaft die Entscheidung des Gerichts anrufen(§§ 86 Abs. 1 BNG. 10. AGG.). Solange sie davon Gebrauch macht, muß das Recht des Arbeitnehmers als ruhend betrachtet werden, weil es nicht angängig ist, daß gleichzeitig in zwei verschiedenen Prozessen der gleiche Anfprudy geltend gemacht wird. Sobald aber die Arbeitnehmerschaft ihre Parteistellung fraft Amtes durch einen Entschluß, von der Weiterbetreibung Abstand zu nehmen, aufgegeben hat, ist tein Grund ersichtlich, wes halb nicht der Arbeitnehmer selbst, um dessen Intereffen es sich vorwiegend zweifelsfrei handelt, zur Fortführung für befugt erachtet werden müßte."( Dersch- Volkmar 3. Auflage Seite 263.) Tagung der Bergbau- und Knappschaftsangestellten. tralverband der Angestellten organisierten faufmänni Kürzlich tagte in Berlin der Reichsfachausschuß der im 3en= ichen Bergbauangestellten. Da im Vordergrund der Beratungen wichtige Knappschaftsfragen standen, waren zu der Tagung auch Bertreter des Reichsfachausschusses der Knappschaftsangestellten geladen. Nach Begrüßungsworten des Vorstandsmitgliedes Brente folgte ein Vortrag von Brillte über Knappschaftsfragen. Er schilderte darin nach einem historischen Rückblick die gegenwärtige Situation der Knappschaftsversicherung und legte dar, in welcher Weise versucht werden muß, der Angestellten- Pensionskaffe zur Sanierung zu verhelfen. In der anschließenden ausgiebigen Debatte wurde immer wieder betont, daß der Solidaritätsgedante die wichtigste Grundlage dieser Berufsversicherung sei. Den Borschlägen des Referenten wurde einmütig zugestimmt. Es folgte ein Bericht des Kollegen Klein über die tariflichen Eine einstweilige Verfügung, die ungefeglich st und des Angelegenheiten der Bergbauangestellten, an den sich gleichfalls eine halb in der höheren Instanz aufgehoben werden muß, braucht rege Diskussion anschloß. Alle Redner stimmten in der grundsä trotz der Strafanordnungen nicht beachtet zu werden, weil bei Auflichen Stellungnahine zu den einzelnen Tariffragen wie MehrRheinschiffahrtskonflikt und Streifrecht. hebung der einstweiligen Berfügung in der Berufungsinstanz auch Das Duisburger Fehlurteil. Ausgerechnet ein Arbeitsgericht, nämlich das von Duis burg hat im Konflikt der Rheinschiffahrt ein Fehlurteil er laffen, das in gefeßwidriger Weise das Streitrecht für die Arbeit nehmer illusorisch macht. Es hat auf Antrag des Arbeitgeberverbandes die Aufstellung von Streit posten unter Androhung hoher Strafen verboten, indem es eine dahingehende ein st Schiedssprüche im Bergbau. Lohnerhöhung von 7 bis 9 Prozent in Oberschlesien. Gleiwik, 22. Mai. In den Verhandlungen vor dem oberschlesischen Schlichter, Profeffor Brahn, wurden heute vormittag für den oberschlesischen Bergbau drei Schiedssprüche gefällt. Der Schiedsspruch für den kohlenbergbau fieht eine Erhöhung fämtlicher Löhne um 7 Pro3. vor. Die Löhne für die Arbeiter in den Kotereien werden denen für die Grubenarbeiter gleich gestellt. Der Schiedsspruch für den Erzbergbau erhöht die Löhne der Uebertagearbeiter von 50 auf 56 bzw. von 40 auf 45 Pf. Für die Arbeiterinnen unter 20 Jahren wird eine Cohnerhöhung von 3 Pf. pro Stunde, für die über 20 Jahre alten eine folche von 5 Pf. pro Stunde eintreten. Die Löhne im Erzbergbau unter Tage werden um 9 Proz. erhöht. Der drifte Schiedsfpruch für die Gedingearbeiter ändert die Lohnordnung mit der Bestimmung, daß die Gedingearbeiter in Zukunft als Mindestlohn den tatsächlichen Schichtlohn erhalten. Die Beftimmung für die Gedingearbeiter gilt für den Kohlen- und für den Erzbergbau. Sämtliche Erhöhungen gelten ab 1. Juni 1928 und find bis 31. Mai 1929 unfündbar. Wie verlautet, dürften die Schiedssprüche in der auf Pfingstfonntag angesetzten Konferenz der in Frage tommenden Arbeiterverbände angenommen werden. Der Gehaltsstreit in den Brauereien. Ein sonderbarer Schiedsspruch. die eventuell auf Grund der Verfügung verhängten Strafen in Begfall tommen. Eme Streifleitung, der also die Aufstellung von Streitposten oder sonstige nicht gefegwidrige Handlungen durch einstweilige Verfügungen verboten werden, wird sich um eine folche rechtswidrige Berfügung wenig fümmern und sich ihr gutes Recht, den Streit mit allen gefeßlich erlaubten Mitteln weiterzuführen, nicht nehmen lassen. Der weitere Verlauf des Stonfliktes in der Rheinschiffahrt wird das zeigen. hälter angenfcheinlich nicht erreicht werden könne. Daß die Brauereien durchaus in der Lage find, höhere Gehälter zu zahlen, wird nicht bestritten und fann auch nicht bestritten werden. Die Angestellten der Brauereien Berlins werden jetzt zu entftellten, ob sie sich diese empörende Behandlung und glatte Ablehnung scheiden haben, schreibt uns dazu der Zentralverband der Ange ihrer berechtigten Forderungen gefallen lassen wollen. Am 1. Juni foll eine öffentliche Bersammlung und Protestfundgebung der Angestellten der Brauereien Berlins und der Umgegend in den Arminhallen, Kommandantenstraße 58/59, stattfinden. Der Verein der Brauereien Berlins und der Umgegend hat einer Weifung der Bereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände entsprechend, jede Erhöhung abgelehnt. Solidarisch mit den übrigen Arbeitgeberver. bänden hat er die wirtschaftliche Lage der Angestellten in unerträgficher Weise nachteilig beeinflußt. Aufgabe aller Brauereiangestellten Berlins und der Umgegend muß es sein, durch Stärkung des Einfluffes der Berufsorganisationen und durch Zusammenschluß und weitestgehende Solidarität mit den organisierten Kollegen den vereinigten Unternehmern zu zeigen, daß ein neues Gehaltsabkommen auf der Grundlage höherer und angemessener Gehälter er. reicht werden muß. Darum, auf zur Protestfundgebung und hinein in die zuständige Arbeitnehmerorganisation, den Zentralverband der Angestellten, S. 61, Belle- Alliance- Straße 7-10. Das Klagerecht des Arbeiters. Eine Entscheidung des Landesarbeitsgerichts Berlin. Der Arbeiterrat der Firma 2. hatte für einen bei dieser Firma angestellten Schloffer Klage auf Weiterbeschäftigung und Entschädigung bei dem Arbeitsgericht erhoben, weil er den Standpunkt vertrat, daß der Motorschlosser M. unberechtigterweise fristlos ent laffen war. Die Klage war beim Arbeitsgericht aus fachlichen Gründen abgewiesen worden. den abgewiesen worden. Der Arbeiterrat der Firma legte feine Berufung ein. Im Gehaltsstreit der Angestelltenverbände gegen den Berein der Brauereien Berlins und der Umgegend hat der Schlichtungsaus. schuß folgenden Schiedsspruch gefällt:„ Das feit September 1927 bis 31. März 1928 geltende Gehaltsabkommen bleibt unders ändert und wird um ein weiteres halbes Jahr bis September 1928 verlängert. Erklärungsfrist Sonnabend, den 2. Juni 1928." Begründend führte der Vorsitzende dazu aus, daß unter den Die Beklagte machte nunmehr geltend, daß M. nicht berech heutigen Verhältnissen und bei der Einstellung des Arbeitgeber.tigt sei, in einem Brozeffe, ben der Arbeiterrat verbandes ein neues Abkommen auf der Grundlage höherer Ge angestrengt habe, Berufung einzulegen. Er wies auf Der Motorschlosser M. selber erhob mun Berufung gegen dieses Urteil, mit dem Antrage, ihm das Armenrecht zu bewilligen und ihm einen Armenanwalt beizuordnen. arbeitsregelung, Erhöhung des Gehaltniveaus ufw. überein. Die Kollegen aus den verschiedenen Bergbaugebieten des Reiches Schillicherweise verschiedentlich von organisatorischen Forfschritten zu be derten anregend ihre praktischen Erfahrungen und mußten erfreurichten. Der Reichsfachgruppenleitung wurden von den Funktionären wichtige Anregungen für die weitere Tätigkeit gegeben. Die von bestem Geiste getragene Tagung fand mit einem Schlußwort des Kollegen Brente ihr Ende. Sie hat den ehren wie hauptamtlichen Funktionären des 3d2. neue Impulse für ihre fünftige Arbeit verliehen. Die Lohnbewegung in der Zementindustrie. Für die Schleswig- Holsteinische Sementindu strie ist in freier Vereinbarung eine Einigung in der Lohnfrage erzielt worden. Danach erhalten die Arbeiter eine Lohnerhöhung von 12 Pf. die Stunde, und zwar 10 Pf. vom die Zeit vom 1. April 1928 bis zum 30. April 1929. 1. April und 2 Pf. vom 1. Oftober an. Die Neuregelung gilt für mentindustrie ist von beiden Seiten abgelehnt worden. Der Lohnschiedsspruch für die thüringische SeEr brachte nur eine Lohnerhöhung von 5 Pf. und feinen Ausgleich für die Verkürzung der Arbeitszeit. Der Schiedsspruch zur Neuregelung des Manteltarifs, der einige Berbesserungen bringt, wurde von den Arbeitern angenommen, von den Unternehmern abgelehnt. Freie Gewerkschafts- Jugend Groß- Berlin Neu Baumschulen weg: Gruppenheim Jugendheim Ernststr. 16. Ziederabend. Süden, Cübwesten: Gruppenheim Städt. Jugendheim Vordstr. 11 ( Fabrikgebäude). Vortrag: Erste Hilfe bei Unglüdsfällen." föln: Gruppenheim Jugendheim Bergstr. 29( Sof). Lichtbildervortrag:„ Schönheiten der Mart." Beißensee: Gruppenheim Weißensee, Partstr. 36. KampfTieberabend. Zentrum: Gruppenheim Jugendheim Zehdenider Str. 24-25. Fahrtenvorfreude Heiterkeit und Scherz. Außenspielabenbe ab 18 Uhr: Oftkreis: Sportplag Friedrichshain; Wedding und Zeppelinplag: Große Wiese im Schillerpart. Jugendgruppe des Zentralverbandes der Angestellten. Heute, Mittwoch, 19% Uhr, finden folgende Beranstaltungen statt: Often: Jugendheim der Schule Litauer Str. 18. Vorbereitung zum Reichsjugendtag in Frankfurt a. M. Lichtenberg: Jugendheim der Schule Goßlerstr. 61. Vorbereitung zum Reichsjugendtag in Frankfurt a. M. Neukölln: Jugendheim Böhmische Str. 1-4. Unsere Reise nach Frankfurt a. M., Borbereitung. Rorbweft: Realgymnasium Schleswiger Ufer 14. Vorberei tung zum Reichsjugendtag in Frankfurt a. M. Spandan: Jugendheim Lindenufer 1. Borbereitung zum Reichsjugendtag in Frankfurt a. M. Webbing- Gesundbrunnen: Jugendheim Schönstedtstr. 1( Ledigenheim). Borbereitung zum Reichsjugendtag in Frankfurt a. M. " Bolier, Bert und Schachtmeisterbund. Seute, Mittwoch, 19 Uhr, in den Gophien- Gälen, Sophienste. 17-18, Monatsversammlung. Die Aufgaben des Bezirksvereins Groß- Berlin im Jahre 1928." Referent Otto Fäsler. Wahl der Delegierten zu dem Gruppentag am 24. Mai. Berantwortlich für Politik: Dr. Curt Geyer; Wirtschaft: 6. Klingelhöfer; Gewerkschaftsbewegung: J. Steiner; Feuilleton: K. S. Döscher; Lokales und Sonstiges: Frig Karstadt: Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin, Drud: Vorwärts- Budbruderet und Berlagsanstalt Baul Singer u Co., Berlin SW 68. Lindenstraße 3. Sieran 2 Beilaaen unb Unterhaltung und Wifen febenskünftlerinnen sollten eigentlich alle Hausfrauen sein, d. h., sie sollten es verstehen, Geld, Zeit und Arbeit zu sparen, um frei zu sein für frohe Stunden oder für Neigungen und Beschäftigungen der eigenen Persönlichkeit. Das Geheimnis ist einfach: es besteht in richtiger Zeiteinteilung und praktischen Einrichtungen in Küche und Haus. Als zu verlässige und praktische Helfer in der Küche gelten von jeher Dr. Oetker's beliebte Fabrikate, wie Backin- Backpulver, Puddingpulver, VanillinZucker, Gustin usw., die in allen Geschäften stets frisch zu haben sind. Viele neue Anregungen zum Backen und zur Bereitung von Süßspeisen bietet Ihnen das neue farb. Illustr. Rezeptbuch, Ausgabe F, das in allen Geschäften zum Preise von 15 Pfg. erhältlich ist. In völlig neuer Bearbeitung ist Dr. Oetker's Schulkochbuch, Ausg. C wieder erschienen, das mit seinen ca. 500 Koch-, Back- und Einmache- Rezepten für jede Hausfrau und besonders für die angehenden ein guter Ratgeber in der gesamten Haushaltführung sein will. Es berücksichtigt die veränderten wirtschaftl. Verhältnisse, sowie die neuen Forschungsergebnisse in der Ernährungswissenschaft. Das 150 Selten starke Buch ist, wo nicht vorrätig, gegen Einsendung von 30 Pfg. in Marken von mir portofrei zu beziehen. Dr. August Oetker, Bielefeld. Dfor. 240* 45. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 23. Mai 1928 Die Berliner Ferienfonderzüge. �>Ü! Reichsbahndircktion Berlin gibt nunnichr bis endgültigen Derkehrstage und Abfahrzciten der Fcriensonderzüge so- wie die zu den einzelnen Zügen aufgelegten Fahrkarten bekannt. Dabei ist zu beachten, daß die Bestellungen(Bestellkarten) für die im Juni verkehrenden Sonderzüge frühestens zum 30. Mai. für die im Juli und 21 u g u st verkehrenden Sonderzüge frühestens zum 9. Juni einzureichen sind. Bor dem 30. Mai bzw. 9. Juni eingehende Bestellungen müssen zur Vermeidung von Benachteiligungen der richtig bestellenden Reisenden unbeantwortet und u n- berücksichtigt bleiben. Die Besteller erhalten Bescheid, ob ihrer Bestellung entsprochen werden konnte oder nicht. Die Fahrkarten können in Berlin nur schriftlich durch 2lusfüllung der beson- dcrs hierfür vorgesehenen Bestellkarten mit Rückantwort, die bei sämtlichen Berliner Fahrkartenausgaben kostenlos abgegeben werden, bestellt werden. Die Deskcllkarken sind nur durch die Post an die in den amtlichen Aushängen und im Ueberstchtsheft bei jedem Sonderzuge angegebene Fahrkartenausgabe einzusenden. Bestell- karte und Slntwortkarte sind mit Anschrift und Freimarke zu oer- sehen. Es werden Sonderzüge nach der Ostsee, der Nordsee, nach den Harz, nach.Thüringen, der Sächsischen Schweiz, nach Oberbayern, Württemberg, den Schwarzwald, Riesen- und Jsergebirge, Glatzer- gcbirge, Ostpreußen und dem Rheinland gefahren. 1. Nach der Ostsee: Nach Käslln'Misdroy von Charlottenburg am 30. Juni, am 2., 3., S., 6. und 7. Juli, jedesmal um 10.50 Uhr: vom Stettiner Bahnhof am 4., 5., 6., 7. und 14. Juli und am 11. August, jedesmal um 11.47 Uhr.— Fahrkarten werden ausgegeben noch Horst oder R e w a h l, nach Deep, nach K o l b e r g 18 M., noch Henken. bogen oder Timmenhagen oder A l t- B a n z i n oder G ü d e n h a g e n oder K ö s l i n 20,60 M., nach M i s dr o y 16,30 M. und nach D i e v e n o w oder Heidebrink 17,30 M. Nach Swinemünde ab Charlottenburg am 3., 4., 5.. 6. und 7. Juli, jedesmal um 9.50 Uhr: vom Stettiner Bahnhof am 23 Juni, am 4., 5., 7. und 14. Juli, am 11. August, jedesmal um 9.33 Uhr.— Fahrkarten werden ausgegeben nach Swinemünde 14,90 M., nach Heringsdorf Seebad oder 2l h l b e ck Seebad oder Bansin Seebad 16,20 M., nach U« ck e r i tz oder Kölpinsee oder Koserow oder Zempin oder Carlshagen Trossen- Heide, nach Z i n n o w i tz 18 M. Zu dem Sonderzuge vom Stettiner Bahnhof nach Swinemünde am 5. Juli werden auch Fahrkarten nach Zoppot, Pillau und Königsberg ausgegeben, die ab Swine- münde nur über den Seeweg gelten. Die Preise betragen nach Zoppot 27,60 M., nach Pillau 29,60 M., nach Königsberg(Pr.) 34,40 M. Noch Saßnitz/Putbus von Charlottenburg am 4. Juli um 10.30 Uhr: vom Stettin«? Bahnhof am 3. und 5. Juli. Abfahrt der Sonderzüge vom Stettiner Bahnhof am 3. Juli um 11.40 und 12.30, am 5. Juli um 12.30 Uhr. Fahrkorten werden ausgegeben nach G r e i f s w a l d, nach Ludwin 18,20 M., nach S t r a l- s u n d, nach Zingst oder P r e r o w, nach H i d d e n s e c 20,70 M., nach Bergen oder Putbus oder Lauterbach oder Sagard 17,60 M., nach Saßnitz oder Binz oder Sellin oder Baabe oder Göhren 21,30 M. Nach Warnemünde am 3. Juli um 15 Uhr, am 4. und 7. Juli um 11 Uhr. Die Sonderzüge verkehren vom Stettiner Bahnhof.— Fahrkarten werden ausgegeben nach Warnemünde oder Bad Doberan oder Heiligendamm oder Brunshaupten oder Ost- seebad A r« n d s e e oder R i b n i tz oder Kröpelin oder Rövershagen zum Preise von 16,40 M. lNach Stettin am 4. Juli, Stettiner Bahnhof ab um 7.10 Uhr. Zu diesem Sonderzuge werden nur Fahrkarten ausgegeben, die von Stettin auch nach den nachstehenden Ostseebädern nur über den Wasserweg gelten. Auf der Rückfahrt kann entweder der Landweg oder wiederum der Wasserweg benutzt werden. Als Zielstattonen sind vorgesehen: Swinemünde 14,90 M., 5ieringsdorf Seebad oder Ahlbcck Seebad oder Bansin Seebad 16,20 M., Zinnowitz 18 M?, Saßnitz oder Linz oder Sellin oder Göhren 21,30 M., Misdroy 16,50 M., Dieoenow oder Heidcbrink 17,30 M. Nach Lauenburg(Pom.) am 4. und 5. Juli, Abfahrt ab Stettiner Bahnhof 10.25 Uhr. Fahrkarten werden ausgegeben nach Kolberg 21,40 M, nach Köslin oder Henken Hagen oder Timmenhagen oder Güdcnhagen oder Alt-Banzin 21,60 M., nach Rügenwaldc oder Stolpmünde 25,40 M. und nach dem Ostseebad L e b a 30,40 M. Auf den Strecken, die der Sonderzug nicht bc- rührt, können fahrplanmäßige Züge benutzt werden. 2. Nach der Nordfee: Nach Hamburg am 3., 4. und 5. Juli(Nachtzüge), Abfahrt Lehrter Bahnhof ob 22.20 Uhr, Ankunft in Hamburg um 5 Uhr am folgenden Morgen. Nach Hamburg/Westerland am 4., 5., 6. und 7. Juli(Tages- züge). Abfahrt Lehrter Bahnhof um 7.05 Uhr, Ankunft in Hamburg um 12.20 Uhr, in Westerland um 18,21 Uhr. Fahrkarten werden ausgegeben nach Hamburg 19,60 M., nach B ü f u m, nach Husum, Garding und nach den nordsriesischcn Bädern W y k(Fähr) 41,30 M., nach Amrum 46,70 M. und nach Westerland(Sylt) 39,30 M. Femer werden in Berlin auch noch folgende' Anschlußkarten ab Hamburg ausgegeben: Nach Cuxhaven, Eutin, Eckernförd«, Kiel, Lübeck, Flensburg, Niendorf(Ostsee), Malente-Gremsmühlen, Travemünde. Nach Vremen/Norddeich am 3., 4. und 5. Juki. Abfahrt Lehrter Bahnhof um 23 Uhr. Fahrkarten werden ausgegeben nach Bremen 22,80 M., nach Wilhelmshaven, nach Emden Außenhafen, nach Norddeich. Außerdem werden durchgehende Fahrkarten noch den ostfriestschen Inseln: Nach Borkum 45 M., nach I u i st 44 M, nach Langeoog 41,20 M., nach Norderney 40,10 M., nach Spiekeroog 40,10 M. und noch Wangerooge 40,60 M. aus- gegeben. 3. Nach Oberbayern: Am 16., 17., 23., 24. und 30. Juni, am 1., 2., 3, 4., 5., 6., 7., 14., 15., 16., 28. und 30. Juli, am 11. und 12. August. Die Sonderzüge fahren über Nürnberg oder über Hof-Regensburg bis München. Von da ab können noch den über München hinaus ge- legenen Zielstationen fahrplanmäßige Züge benutzt werden. An allen obengenannten Togen verkehren die Sonderzüge vom An- Halter Bahnhof um 16.48 Uhr. An den Tagen, an denen mehrere Züge vorgesehen sind, verkehren diese um 13.25, 19.19 oder 21.10 Uhr. Die am Nachmittag abfahrenden Sonderzüge kommen so zeitig in München an, daß sie die von München ins Gebirge fahrenden Frühzüge erreichen. Die Fahrkarte nach München kostet 43,80 M. Die über München hinaus aufliegenden Fahrkarten ge- statten unter Berücksichtigung der Wairdermöglichkeiten und der Eisenbahnoerbindungen eine ausgedehnte Wahlfreiheit. Versuchsweise werden in diesem Jahre drei Ferien- sonderzüge ohne Berührung von München bis ins Gebirge durchgeführt werden, und zwar am 3. Juli nach P a ff a u- Berchtesgaden, Fahrkarten nach Regensburg, nach Plattling, nach Paffau, nach Berchtesgaden oder Salzburg: am 4. Juli nach Oberstdorf/Lindau, Fahrkorten nach Augsburg, nach Füssen oder Pfronten-Steinach oder Oberstaufen, nach Lindau-Stadt oder Oberstdorf oder Pfronten-Steinach: am 5. Juli nach Garmisch- Partenkirchen, Fahrkarten nach Augsburg, nach Murnau, nach Garmisch-Partenkirchen, nach Mittenwatd oder Griesen(Obb.) oder Oberammergau. Auf der Rückfahrt gewähren die Fahrkarten die gleiche Wahl- freiheit wie die entsprechenden Karten, die zu den Sonderzügen nach München ausgegeben werden. Reisende mit Feriensonderzugkarten noch Salzburg oder Passou erhalten gegen dercnGVorzeigung an den österreichischen Fahrkartenschaltern in Salzburg und Passau um 25 Proz. ermäßigte Anschlußrücksahrkarten 3. Klasse nach Wien-Westbahnhos über Linz. 4. Nach dem Rheinlande: Nach Köln am 3. 4. und 13. Juli, am 6. und 11. August. Ab- fahrt der Sonderzüge im Juli und am 11. August vom Potsdamer Bahnhof um 19.10 Uhr, des Sondcrzuges am 6. August um 8.50 Uh? vom Bahnhof Friedrichstrahe. Fahrkarten werden ausgegeben nach Brilon Wald oder Bestwig, nach Hägen oder Schwerte 31,80 M., nach Elberfeld oder Barmen 34 M.. nach Köln 38,80 M. Ueber Köln hinaus werden Fahrkorten nach Bonn zum Preise von 41,90 und nach Trier zum Preise von 52,40 M. ausgegeben. Die Fahrkarte nach Bonn gilt auch nach Godesberg oder Mehlem oder Königswintor oder Honnef. Auf der Rückfahrt können von Bonn bis Köln mit der Fahrkarte auch Personenschisse auf dem Rhein benutzt werden. Mit der Fahr- karte nach Köln kann die Rückfahrt auch von Mainz aus über Frankfurt(Main) angetreten werden. Zu den Sonderzügen am 13. Juli und am 6. August werden nur Fahrkarten nach Köln ausgegeben. 5. Nach Ostpreußen: Nach Sönigsberg/Znstertmrg über Marixnburg am 23., 24. und 30. Juni, am 2., 3., 4., 6., 8., 14. und 15. Juli, am 3. und 4. August. Abfahrt der Sonderzüge vom Stadtbahnhof Friedrichstrahe um 20.02 Uhr, der Sonderzüge am 2. und 4. Juli um 15.50 Uhr. Der Sonderzug am 2. Juli führt durchgehende Wagen nach Cranz, der Sonderzug am 4. Juli führt durchgehend« Wagen nach Warnicken, � wohin auch Fahrkarten ausgegeben werden. Nach Jnsterburg werden zu diesen beiden Zügen keine Fahrkarten ausgegeben. Nach Jnsterburg über Deutsch-Eylau am 1., 5., 7. und 9. Juli, am 5. August. Abfahrt der Sonderzüge vom Stadtbahnhof Friedrich- straße 20.02 Uhr. Zu den Sonderzügen über Marienburg werden Fahrkarten ausgegeben nach Marienburg 23,10 M., nach Elbing, noch Braunsberg, nach Königsberg 30,50 M. und noch Jnsterburg 34,90 M.: am 2. Juli auch nach Cranz 31,65 M., am 4. Juli, auch nach Warnicken 32,60 M. Zu den Zügen über Deutsch- Eylau werden Fahrkarten ausgegeben nach Deutsch-Eylau 24,70 M., nach Allenftein, nach Korschen und noch Jnsterburg 35,10 M. Für diese Fahrkarten wird eine Fahrpreisermäßigung von 50 Proz. gewährt. 6. Nach dem Harz: Nach dem Nordharz(Goslar. Thale) an: 3., 4. und 7. Juli, am 4. August. Abfahrt ab Potsdamer Bahnhof um 9 Uhr. Fahrkorten werden ausgegeben nach Halberftadt 13,60 M., nach Ouedlin- bürg oder Thal«, noch Alerisbad, nach Blankenburg 15,60 M., nach Elbingerode oder R ü b e l a n d, nach Tanne, nach W e r n i g e- rode oder Jlsenburg, nach Bad Harzburg oder Goslar 16,80 M., nach Schierke oder Elend oder Drei-Annen-Hohne 17,70 M., nach Benneckenstein oder Sorge und nach Braunlage. Nach dem Südharz< Seesen Quedlinburg) am 4. und 5. Juli, Abfahrt ab Friedrichstraße um 7.10 Uhr. Fahrkarten werden aus- gegeben nach Berga. Kelbra 15,20 M.. nach Nordhausen, nach Walkenried oder Bad Sachsa, nach Scharzfeld oder Herzberg, nach Osterode oder Gittelde oder Seesen, nach Ballenstedt Ost oder West oder Gernrade oder Bad Suderode oder Ouedlin- bürg 13,20 M. und nach Braunlage. ' 2. Nach Thüringen: Nach Schwarzburg am 4. Juli, Anhalter Bahnhof ab 6.55 Uhr. Fahrkarten werden ausgegeben nach Bad Köfcn 14,40 M., nach Rudolstadt oder Saalfeld oder Bad Blankenburg unh nach Schwarzburg oder Sitzendorf 20,60 M. Nach Eifenach am 5., 6. und 7. Juli. Abfahrt Anhalter Bahnhof ob 6.55 Uhr. Fahrkarten werden ausgegeben nach Naumburg oder Bad Köfcn oder Bad Sulza 14,40 M.. nach Gotha, nach Weimar, noch Eifenach oder Ilmenau oder Oberhof oder F r i e- d ri chro da oder Tambach-Dietharz 21,60 M. 8. Nach der Sächsischen Schweiz: Nach Bad Schandau am 4. und 7. Juli, Abfahrt Anhalter Bahnhof um 11.40 Uhr. Fahrkarten werden ausgegeben nach Pirna, nach Oberoogelgefang oder Vötzfcha-Wehlen oder Rathen 14,20 M., nach Königstein oder Bad Schandau oder Kipsdorf 14,80 M. %d London: W vlfsblUt. Dritter Teil. 1. Die Feuermacher. Ganz plötzlich machte das Wölflein eine neue Entdeckung. Es war einst ganz sorglos aus der Höhle zum Bach hinunter- gelaufen, um zu trinken, vielleicht war es noch schlaftrunken, denn es war die ganze Nacht auf Raub ausgewesen und eben erst aufgewacht: auch hatte es den Weg zum Bache so oft ge- macht, daß es ihn genau kannte, und niemals war ihm dort irgend etwas passiert. So war es an der umgefallenen Tanne vorbeigekommen, dann quer über den freien Platz und unter die Bäume getrabt. Dann witterte und erblickte es das Neue im nämlichen Augenblick. Vor ihm auf der Erde saßen fünf lebende Wesen, wie es ähnliche nie im Leben gesehen hatte. Es waren die ersten Menschen, die es erblickte. Die Fünfe sprangen jedoch bei seiner Annäherung nicht auf, auch wiesen sie nicht knurrend die Zähne: unbeweglich, schwei- gend, unheimlich saßen sie da. Auch das Wölflein regte sich nicht. Alle Instinkte seiner Natur trieben es an, fortzurennen, doch zum erstenmal regte sich in ihm ein anderer, entgegengesetzter Trieb. Eine Art geheimnisvoller Ehrfurcht überkam es: ein Gefühl der eigenen Schwäche und Unbedeutcnheit drückte es nieder. Hier, fühlte es, war Herrschast und Macht, etwas viel, viel Größeres als es selber. Das Wölflein hatte zwar nie Menschen gesehen, aber dem Instinkt nach kannte es sie. Unklar erkannte es in ihnen das Tier, das über alle andern herrscht. Nicht bloß mit eige- nen Augen, sondern auch mit denen seiner Vorfahren blickte es jetzt auf den Menschen— mit Augen, die in der Dunkel- heit sich um zahllose Lagerfeuer gedrängt, die aus dem Dickicht aus sicherer Entfernung auf das seltsame, zweibeinige Ge- schöpf geschaut hatten, das Herr über die lebenden Wesen war. Der Bann seines Erbteils lag auf ihm, die Furcht, der Re- spekt, den ein jahrhundertelanger Kampf und die gesammelte Erfahrung ganzer Generationen erzeugt hatten. Dies Erb- teil war für einen so jungen Wolf zu mächtig. Wäre er er- wachsen gewesen, so wäre er weggelaufen: jetzt kauerte er in lähmender Furcht nieder und brachte ihnen die Unter- werfung dar, die sein Geschlecht zum erstenmal den Menschen dargebracht hatte, als ein Wolf herangekommen war, um sich da-aevral te&aa Feuer zu wärmen, Einer der Indianer stand auf, ging zu ihm hin und bückte sich zu ihm herab. Das Wölflein duckte sich tiefer. Das Unbekannte, das Wirklichkeit, ja Fleisch und Blut geworden war, beugte sich über es und wollte es packen. Unwillkürlich richtete sich sein Haar empor, seine Lippen zogen sich zurück und entblößten die kleinen Zähne. Die Hand, die wie das Verhängnis über ihm schwebte, zögerte, und der Mann sagte lachend:„Seht doch die weißen Zähne!" Die andern Indianer lachten laut und drängten den Mann, das Wölflein emporzuheben. Wie die Hand ihm näher kam, stritten sich widerstrebende Empfindungen in ihm. Es hatte das Verlangen, nachzugeben, und der Wunsch, sich zu wehren, und das Resultat war, daß es beides tat. Es ließ es geschehen, daß die Hand ihn fast berührte, dann schnappte es blitzschnell danach. Im nächsten Augenblick be- kam es eine Ohrfeige, die ihn umwarf. Nun war ihm dte Streitlust vergangen. Seine große Jugend und der Instinkt der Unterwerfung gewannen die Oberhand, es setzte sich auf- recht und winselte kläglich. Allein der Mann, den es in die Hand gebissen hatte, war ärgerlich. Das Wölflein erhielt noch eine Ohrfeige auf die andere Seite, worauf es noch kläglicher schrie. Die andern Indianer lachten laut, und selbst der Ge- bissene stimmte ein. Sie standen rings um das Wölflein und lachten, während es in feinem Jammer und in seiner Angst laut winselte. Da hörte es einen wohlbekannten Ton. Auch die Indianer lauschten, ober das Wölflein wußte, was es war, und nachdem es noch einmal laut aufgejammert hatte, schwieg es und wartete auf die Ankunft der Mutter, seiner wilden, unbezwinglichen Mutter, die mit allem kämpfte, was da lebte, und es tötete und Furcht nicht kannte. Sie kam knurrend herangestürmt. Sie hatte den Ruf ihres Jungen gehört und stürzte herbei, um es zu retten. Sie sprang mitten.unter die Männer, und ihre mütterliche Angst und ihre wilde Kampfbereitschaft machten sie furchtbar. Aber dem Wölflein gefiel ihr rasender Zorn: das verhieß ihm Schutz. Es stieß einen schwachen Freudenschrei aus und sprang ihr entgegen, während die Männer eiligst ein paar Schritte zurückwichen. Die Wölfin stellte sich mit gesträubtem Haar vor ihr Junges, und ein tiefes, grollendes Knurren stieg aus ihrer Brust empor. Ihre Züge waren drohend verzerrt, die Nase von der Spitze bis zu den Augen voller Falten, und ihr Knurren klang boshaft. Auf einmal schrie einer der Indianer:„Kische!" Es lag Erstaunen in dem Ruf. Das Wölflein fühlte, wie die Mutter bei dem Ruf zustnnmenzuckte. ,Lische!" rief der Mann noch einmal, diesmal scharf und gebietend, und nun sah das Wölflein, wie seine sonst so un- bändige Mutter sich duckte, bis sie fast den Boden berührte, und winselnd und schweifwedelnd um Frieden bat. Es konnte sie nicht verstehen, und es war entsetzt. Angst und Grauen vor den Menschen übermannte ihn. Sein Instinkt hatte also recht gehabt, auch die Mutter bestätigte es, denn auch sie unterwarf sich den Menschen. Der Mann, der so gesprochen hatte, näherte sich ihr. Er legte ihr die Hand auf den Kopf, und sie duckte sich noch tiefer. Sie schnappte nicht zu oder drohte, es zu tun. Auch die andern kamen näher, stellten sich um sie, betasteten und streichelten sie, was sie sich geduldig gefallen ließ. Sie waren alle sehr aufgeregt und machten seltsame Töne mit dem Munde. Diese Töne bekundeten jedoch keine Gefahr, das sah das Wölflein ein, als es zur Mutter herankroch, und wenn auch fein Haar sich emporrichtete, doch, so gut es konnte, seine Unterwerfung bezeigte. „Es ist nicht zu oerwundern," sagte einer der Indianer. „Ihr Vater war ein Wolf, wenn auch die Mutter eine Hündin war. Allein mein Bruder band diese in der Paa- rungszeit oft nachts im Walde an. Darum war Kisches Vater ein Wolf." „Ist es nicht ein Jahr her. Grauer Biber," sagte ein anderer Indianer,„seitdem sie weglies?" „Das ist kein Wunder," antwortete der Graue Biber. „Es war eine knappe Zeit, und es gab kein Fleisch für die Hunde." „Sie hat bei den Wölfen gelebt," sagte ein dritter. „So scheint es. Drei Adler," antwortete der Graue Biber und legte die Hand auf den jungen Wolf,„und das ist das Resultat davon." Das Wölflein knurrte ein bißchen bei der Berührung Sofort wurde die Hand zurückgezogen, um ihm eine Ohrfeige zu geben. Darauf wies es nicht mehr die Zähne, sondern legte sich unterwürfig nieder, während die Hand ihm am Kopfe kraute und ihm den Rücken streichelte. „Ja, das ist das Resultat davon," fuhr der Graue Biber fort.„Es ist klar, daß Kifche seine Mutter ist. Aber der Vater ist ein Wolf. Darum ist wenig vom Hunde und viel vom Wolfe in ihm, und„Wolfsblut" soll sein Name sein. Ich habe gesprochen. Es ist mein Hund. War nicht Kische meines Bruders Hund? Und ist nicht mein Bruder tot?!", �.(Zortjetzung folzt.) j 9. Nach Württemberg: Am 3., 7., 15. und 19. Juli. Abfahrt Berlin Anhalter Bahnhof 14.57 Uhr. Fahrkarten werden ausgegeben nach Heilbronn, Stuttgart 43,60 m. nach Ulm oder Freudenstadt und nach Frie drichshafen 57,90 m., zurück auch von Schaffhausen oder Konstanz oder Lindau. 10. Nach dem Schwarzwald: Am 16. und 30. Juni, am 3., 4., 5., 6., 7., 8., 14., 28. und 30. Juli, am 11. Auguft. Die Sonderzüge am 16. und 30. Juni, am 14., 28. und 30. Juli und am 11. August verkehren vom Anhalter Bahnhof, Abfahrt 14.57 1hr, die übrigen Sonderzüge verfehren vom Potsdamer Bahnhof, Abfahrt 15.05. Fahrkarten werden ausgegeben nach Heidelberg oder Mannheim 42 M., nach Neuſtadt( Haardt) 45,40 m. Von Heidelberg bis Neustadt gilt die Fahr farte für fahrplanmäßige Züge. Nach Karlsruhe, nach Baden- Baden oder Wildbad 48 M., nach Offenburg, nach Freiburg( Breisg.) oder Trieberg 54,80 M., nach Neustadt( Schwarzwald) oder Titisee, nach Müllheim oder Donaueschingen 57,90 M., nach Basel 59,30 M., nach Konstanz 63,30 M. Die Fahrkarte nach Basel gilt zurück auch von Schaffhausen oder Konstanz oder Friedrichshafen oder Lindau, die Fahrkarte nach Konstanz zurück auch von Basel oder Schaff haufen oder Friedrichshafen oder Lindau. am Knaben und Mädchen auf gemeinsamer Schulbant. Eine Forderung der Berliner Stadtverordnetenversammlung. Die Nachwehen der Wahlarbeit machten sich gestern in der Stadtverordnetenversammlung bemerkbar. Man war müde und schon nach anderthalb Stunden ging man wieder auseinander. Zu einer längeren Aussprache fam es nur bei der Beratung des seit zwei Monaten vorliegenden Kommunistenden Prozeß Kranz anknüpfte und anfrages, der an gegenüber den Serualnöten der Jugend die Hilfe der Schule forderte. Die Hauptforderung des Antrages, ge= meinsame Erziehung und gemeinsamen Unter richt von Knaben und Mädchen in den städtischen Unterrichts und Erziehungsanstalten planmäßig durchzuführen, wurde auch von der sozialdemokratischen Fraktion unterstützt. Die Deutschnationalen lehnen alles ab. Gibt es denn in den Dörfern des ostelbischen Junkerparadieses nicht mehr den gemeinsamen Unterricht von Knaben und Mädchen? Das einzige, was Dorfschulen vor den Schulen der Großstädte immer voraus hatten, soll jetzt plötzlich erziehungsschädlich sein? Die Linke der Stadtverordnetenversamm lung Kommunisten, Sozialdemokraten und mit ihnen auch die Demokraten erhob die Hauptforderung zum Beschluß. Der Vorschlag einer schon bei den fechsjährigen Schulkindern beginnenden Belehrung über alle Fragen des Geschlechtslebens wird gegen die Stimmen der Kommunisten abgelehnt. 11. Nach dem Riefen- und 3fergebirge: Stach Oberschreiberhau/ Krummhübel, Bad Flinsberg; 16. Juni, am 3., 4., 5., 7. und 14. Juli, am 11. Auguft. Görliger Bahnhof ab 11.25 Uhr, am 4. Juli auch ab 9.02 Uhr, am 7. Juli nur um 9.02 Uhr. Außerdem verfehrt am 7. Juli ein Sonderzug rom Stadtbahnhof Friedrichstraße nach Oberschreiberhau/ Krumm hübel, Bad Flinsberg, Friedrichstraße ab 9.22 Uhr. Fahrkarten Bor Eintritt in die Tagesordnung brachte der Vorsteher Genosse werden ausgegeben nach Hirschberg, nach Bad Flinsberg, nach Haß eine Anfrage der sozialdemokratischen Frat Warmbrunn oder Hermsdorf oder Petersdorf, nach Obertion zur Kenntnis. Sie verlangte Auskunft darüber, wie weit der fchreiberbau 21,20 m., nach Krummhübel 22,20 m. und Ankauf des Sanatoriums Buchholz geregelt ist, damit die Räume Schmiedeberg 20,40 m. 12. Nach dem Glatzer Gebirge: Nach Glaẞ cm 5. Juli, Abfahrt Friedrichstraße ab 8.05 Uhr. Fahrkarten werden ausgegeben nach Glaz 25,60 M., nach Altheide oder Reinerz oder Kudowa- Sadisch 27,80 m, nach Landeck oder Seitenberg 27,60 M. und nach Langenau Bed oder Ebersdorf oder Mittelwalde 27,80 m. nd Es werden zu den Zügen nur Rückfahrkarten mit einer Geltungsdauer von zwei Monaten, vom Abfahrtstage an gerechnet, ausgegeben. Die Ermäßigung beträgt 33% Proz., die auch für die Fahrkarten gewährt wird, die über die Zielstation oder eine Unterwegsstation der Sonderzüge hinaus ausgegebeir merden. Die Karten berechtigen auf der Hinfahrt nur zu dem Sonderzuge, zu dem sie gelöst find, und sofern Karten über die Zielstation oder eine Unterwegsstation hinaus ausgegeben werden, von dieser ab zu allen Zügen des allgemeinen Verkehrs. Bei Benutzung von zuschlagpflichtigen Zügen ist jedoch der tarifmäßige Zuschlag zu zahlen. Auf der Rückfahrt gelten die Sonderzuglarten für alle fahrplanmäßigen Eil- und Personenzüge. Jedem Reisenden wird bei Abholung der Fahrkarten das Abteil bezeichnet, in dem er im Sonderzug auf der Hinfahrt Blaz zu nehmen hat. Die amtlichen Bekanntmachungen über die Feriensonderzüge, die die weiteren Fahrpläne und Fahrpreise sowie die Richtlinien für das schriftliche Bestellverfahren und die weiteren allgemeinen Bestimmungen über den Ferienfonderzugverfehr enthalten, hängen in fämtlichen Berliner Bahnhöfen aus. Uebersichts) hefte mit fämtlichen Angaben werden bei den Fahrkarten us gaben der Fernbahnhöfe für 20 Pf. abgegeben. Die Gaunerin am Hafen. Billige Lebensmittel vom Spreefahn * midza fisches Kapital beteiligt. Der Bau soll in Jahresfrist vollendet sein. Mit der Errichtung eines Holzgerüsts, zum Abriß des alten Hauses, dessen Pläne schon der Baupolizei vorliegen, wird in diesen Tagen begonnen werden. Ueber die endgültige Höhe des Hauses laufen noch Berhandlungen. Es ist auch nicht ausgeschlossen, daß der Bau durch Erwerbung von Nachbargrundstücken eine erhebliche Erweiterung erfährt. Die Ausführung des Baus ist der Firma Erich Mendelsohn übertragen worden. Neuer Polflug der„ Italia". Zwei Mann sollen auf dem Pot gelandet werden. | Ginoße, betten des Nikolaus- Bürgerhospitals in der Frankfurter Straße, dessen Insassen nach Buchholz verlegt werden sollen, für die Gesund heitsfürsorge im Bezirk Friedrichshain bald frci gemacht werden können. Die Anfrage wird geschäftsordnungsmäßig beantwortet werden. Die in der letzten Sitzung der Stadtverordneten vertagte Debatte über einen Antrag der Kommunisten, der die Einführung eines Schulunterrichts in Hygiene verlangt, ging weiter. Den Standpunkt unserer Fraktion vertraten die Genossen Hädicke und Dr. Käthe Frankenthal. Die deutschnatio= Magistrat verlangt, daß die gemeinsame ame bung und nale Frau Wetzel lehnte den Antrag ab. Der gemeinsame Unterricht von Knaben und Mädchen planmäßig durchgeführt wird. Vom ersten Schuljahre ab, foll ein obligatorischer Unterricht in Hygiene eingeführt werden, wobei auch eine fortlaufende Belehrung über das Geschlechtsleben stattzufinden habe. Der Antrag wurde nur in seinem ersten Absatz an genommen, im übrigen aber abgelehnt. Die Vorlage des Magistrats betreffend die Berlängerung der Hochbahn über„ Nordring" hinaus wurde ohne Aussprache angenommen. Die Linie wird zunächst bis Pankow, Binzstraße, fortgeführt. Ein aus dem Monat Februar stammender Antrag der Kommunisten wegen einer Interstugung der damals ftreifenden Mitteldeutschen Metallarbeiter diente dem Kommunisten Wiecznewski zum Anlaß, gegen die Sozialdemokraten loszugehen. Der Antrag war natürlich überholt. Eine ganze Reihe Vorlagen und Anträge wurde debattelos verabschiedet. Um 20 Uhr pertagte sich die Versammlung, Qad thou Besonders konstruierte Tische, Flaschen und Gläserhalter sorgen für sicheren Stand der Dinge. Bei einem Rundflug über Berlin ſtellte sich den geladenen Gästen der neue fliegende Speisewagen" vor. diso d _med_dad Lieferschein und Wiegeschein. Der verschwundene Kots. Auf der Anklagebant fihen der Geschäftsführer eines großen Kohlen- und Rotsplatzes, der Expedient und der Trattorführer. Alle drei haben sich wegen Betruges zu verantworten. Statt 118 3entner Kots waren etwa 88 Zentner geliefert worden. Die Kleinigkeit von 30 3entnern hatte gefehlt. Auf dem Lieferschein standen aber 118 Zentner. Alle drei bestreiten ihre Schuld.jomedi It ma Wie der Berichterstatter der Berlinste Tidende" aus Spihbergen berichtet, soll der nächste Flug der Italia" direkt zum Nordpol gehen. Die Fahrt wird 30 bis Der Kohlenwagen hatte eben erst den Kohlenplatz verlassen 40 Stunden in Anspruch nehmen. Auf dem Pol sollen 3 wei als ein Kontrolleur der Brennstoff- lleberwachungsstelle Berlin an Mann der Bejahung, vermutlich der schwedische den Traktorführer herantrat und ihn um den LieferungsMeteorologe Molmgren und ein italienischer 3nge- chein bat. Statt deffen wies er ihm den Wiegeschein vor. nieur in einem Gummiboot gelandet werden. Der Er lautete auf 88 3 entner Kots. Der Kontrolleur sah sich den Aufenthalt auf dem Pol soll einige Stunden dauern, während Wagen an, stellte auf Grund feines Augenmaßes fest, daß es die Landung und die Wiederanbordnahme im ganzen etwa 88 3entner wohl sein tönnten und ließ den Traktorführer seines zweieinhalb Stunden in Anspruch nehmen werde. Während Weges ziehen. Der Ordnung halber überzeugte fich aber der Kondieser Zeit soll die ,, Italia" über dem Pol vor Anker liegen. trolleur auf der Lieferstelle von der abzuliefernden Menge Kofs. Auf dem Lieferschein stand schwarz auf weiß: 118 3entner. Die Vorbereitungen zu der neuen Expedition find jetzt so gut Drei Tage später wurde der Koks nachgewogen und es ergab sich, wie abgeschlossen und Nobile wartet nur noch auf das Eintreffen daß tatsächlich nur etwa 88 Bentner geliefert worden waren. Die günstiger Witterung, um den Flug zu unternehmen. Falls die Wind Folge war eine Strafanzeige wegen Betruges. Der Geschäftsführer verhältnisse die Fahrt unmöglich machen sollten, wird die Italia" weiß von nichts. Der Expedient will den Lieferschein ordnungsgemäß an Stelle dessen einen Flug an die Nordküste von Grönland auf 118 3entner Kohlen ausgestellt haben: nicht weniger als diese unternehmen. Die Zeitung National Tidende" veröffentlicht einen Menge, fei auf dem Bagen geschüttet worden, behauptet er. Wieso hatte aber der Traktorführer dem Kontrolleur einen Wiegeschein durch die Radiostation San Paolo übermittelten Bericht Nobiles, aus dem u. a. hervorgeht, daß das bisher von noch niemand gesichtefe über 88 Bentner vorgelegt. Aus Bersehen," sagte dieser. Er habe dem u. a. hervorgeht, daß das bisher von noch niemand gesichtete furz vorher von dem anderen Kohlenplatz einen Wagen Kots herGillis- Land tatsächlich gar nicht existiert. Ncbile erklärt, daß er von habe zufällig vergessen, den richtigen Wiegefchein mitzunehmen beigeschafft und den Wiegefchein zufällig bei sich behalten. Er und habe in seiner Berlegenheit dem Kontrolleur den falschen vorgewiesen. Weshalb er aber diesen, von dem Kontrolleur mit einem Kontrollstempel versehenen Wiegeschein hinterher zerrissen habe? Aus Furcht, er würde gegen Vorweifung des falfchen Wiegefcheines von seiner Firma entlassen werden. Der Sadyverständige, der Ge der Brennstoff- leberwachungsgesell= fchäftsführer schaft ist aus seiner Erfahrung heraus anderer Anficht. Die Betrügereien bei Rots- und Kohlenlieferungen feien von der lleberwachungsstelle 63 Anzeigen gemacht worden. hätten überhand genommen. Allein in der letzten Zeit Es sei ein üblicher Trick der Traktorführer, einen falschen Wiegefchein vorzuzeigen und den richtigen zu verheimlichen. Natürlich stecken sie in der Regel mit den Expedienten unter einer Decke. Man spare zentnerweise den Koks ab, um ihn eventuell hinterher zu verfaufen, wenn nicht gar auch der Blazbefizer selbst mit von der Bartic ist. Der Staatsanwalt hielt den Traktorführer für überführt und beantragte gegen ihn zwei Monate Gefängnis. Das Gericht erkannte jedoch auf diese Strafe fowohl gegen den Traktorführer als auch gegen den Expedienten. Es fagte sich mit Recht: was sollte der Traktorführer mit 30 Zentnern Rots gemacht haben? Unterwegs beiseite geschafft hat er sie bestimmt nicht. Er fonnte nur im Einverständnis mit dem Expedienten gehandelt haben. Also, müssen beide schuldig sein. Die Verurteilten werden beide Berufung einlegen. Eine Gaunerin, die mit einen Sondertrick arbeitete, trieb seit Jahresfrist namentlich in Berlin ihr Unwesen und erbeutete im Laufe der Zeit ansehnliche Geldsummen. Eine einfach aber fauber gelleidete Frau besuchte Geschäftsleute, bei denen sie eine Kleinig- Cap Nord aus das Gebiet des fagenhaften Landes überflogen, jedoch keit kaufte, Schneiderinnen, denen sie Aufträge für die Aussteuer ihrer Tochter gab, auch Zahnärzte usw., und ließ im Laufe der Unterhaltung durchblicken, daß sie mit ihrem Kahn in Berz Iin liege und Lebens und Genußmittel, affee, Rafae, Tée, Buder usw. verhältnismäßig billig abgeben fönne. Man glaubte ihr gern. Gie schlug vor, daß ein Bote mit dem nötigen Geld, oft 100 bis 200 m., fie begleiten folle. Kurz vor der Stelle, wo der Kahn liegen follte, machte die Besizerin die Begleiter darauf aufmertjam, daß sie den Kahn nicht mitbetreten dürften, weil von ihm qus nicht gehandelt werden dürfe und weil die Wasserpolizei darauf achte. Sie nahm den Leuten das Geld ab, ging allein auf den Kahn und verschwand, indem sie über andere Rähne wieder an Land ging. Natürlich mußte sie sich jedesmal vorher eine paisende Stelle ausjuchen, die ihr die Flucht ermöglichte. Im Laufe des Jahres gingen bei der Berliner Kriminalpolizei über 100 Anzeigen ein. Die Schwindlerin war aber nie zu fallen. Festgestellt wurde sie nach Lichtbildern. die man Betrogenen vorlegte, ais eine 45 Jahre alte gewerbsmäßige Gaunerin Elfriede Behnfch. Die Kri minalpolizei benachrichtigte alle deutschen Binnenhäfen. Es zeigte fich, daß die Gaunerin ihren Trick auch in vielen anderen Städten mie Eberswalde, Magdeburg, Breslau, Köln a Rh. ufw. mit Erfolg geübt hatte. Kein größerer Ort an der Spree, der Oder, der Elbe und am Rhein war vor ihr sicher. Stets aber fehrte fie nach einer gewissen Pause nach Berlin zurüd. So war fie por gestern aus Köln wieder in Berlin eingetroffen. Gestern wollte fie sich einen geeigneten Kahn im Westhafen aussuchen. Der Pförtner, der ebenfalls mit ihrem Lichtbild versehen war, erkannte sie und hielt sie fest, obwohl sie versicherte, daß sie Schiffs. eignerin sei und ihr Fahrzeug warte. Auch eine Drohung mit Anzeige bei der Hafendirektion nühte ihr nichts. Ein Kriminalbeamter, der auf die Meldung des Pförtners alsbald fam, nahm die Ertappte in Empfang und brachte sie nach dem Polizeipräsidium. Hier gab fie alles zu. Die Zahl der Geschädigten in Berlin allein ist mit hundert sicherlich noch nicht erschöpft, mian dnad Das Hochhaus am Potsdamer Platz, Wie erinnerlich, wurde vor wenigen Monaten die Genehmigung Wie erinnerlich, wurde vor wenigen Monaten die Genehmigung zur Errichtung eines Hochhauses am Potsdamer Platz erteilt. Es handelt sich um die Ecke Bellevue- und Friedrich- Ebert Straße, wo jekt das sehr ramponierte Bellevue- Hotel nicht gerade zur Verschönerung dient. Die Besitzerin des Grundstückes, das etwa einen Wert von 15 000 000 m. hat, ist die sogenannte „ Canada Land Co.". Die Gesellschaft, an der verschiedene bekannte Firmen wiederum Anteilscheine haben, ist schon seit drei Jahren Eigentümerin des Grundstücks. Sie hat es damals sehr preiswert erworben, und konnte es ruhig mitansehen, dieses Gebäude ver wahrlosen zu lassen und keine Einnahmen daraus zu ziehen. Nach dem viele Projekte aufgetaucht sind, haben die Verhandlungen end lich zu einem Abschluß geführt. Der Pariser Warenhauskonzern „ Galerie Lajaette" hat, wie bereits mitgeteilt, eine neue Attien gesellschaft zur Errichtung eines Warenhauses am Potsdamer Play gegründet. Es ist aber verfehrt, von einem franzöfifchen Waren haus" zu sprechen. An der Gründung ist nur ein Fünftet franzömoodoo ad to ph nur fompattes Eis gesichtet habe. Auch zwischen der Injelgruppe Franz- Joseph- Land und Nikolaus- II.- Land jei in einer Ausdehnung von nahezu 60 anglijchen Quadratmeilen fein Festland vorhanden. Andererseits müsse man annehmen, das Nikolaus- II.- Land aller Wahrscheinlichkeit nach viel größer fei, als bisher geglaubt wurde. Als die, Italia" sich diesem Gebiet genähert habe, sei die Beobachtung gemacht worden, daß das Packeis dort von langen, frummen Kanälen durchbrochen ist. Stellenweise habe man auch offenes Waffer gesehen, das augenscheinlich aus nordöstlicher Richtung seinen Bufluß erhalte. Die balia" sei bis zu einem Bunft vorgedrungen, der etwa 60 bis 80 Meilen von der Ostküste des Landes entfernt ist. Weitere Beobachtungen habe man über Nikolaus- II.- Land nicht anstellen können, da man durch eine dichte Nebelbank vollkommen be hindert worden sei. Ein starker Nordwind habe das Luftschiff um etwa 85 Grad von seinem Kurs abgetrieben und zur Rückkehr ge35 zwungen. Auf dem Rückflug habe man Spitzbergen von Nordosten nach Nordwesten überquert und dabei im Innern des Landes gewaltige Berge gefichtet, u. a. habe man einen Butkan entdeckt, der 1900 eing mindestens 5000 Fuß hoch sein müffe. ng besat sid adds malgut din fulm) Der fliegende Speisewagen. Die elektrische Küche in der Luft. end juchtsaftentat. Den Gegner niedergeschossen. 09123 1007: 0 mi Von der Maschine totgequetscht. Der sommerliche Lufterpreßverkehr der Lufthansa, der bereits Auf dem Grundstück Schwedter Straße 5 spielte sich die Linien Berlin- Frankfurt a. Main, Berlin- Paris( 5 Stunden) gestern abend gegen 20 Uhr eine ich were Schießerei ab. und Berlin Zürich( 5 Stunden) befliegt, soll jetzt um eine neue Der 38jährige Händler Paul Puchaicet aus der Schwedter Expreßlmie Berlin Wien( ohne Zwischenlandung) als An- Straße 5 geriet auf dem Hof mit dem 45jährigen Gasarbeiter schluß an die Strecke Wien- Venedig- Rom bereichert werden. Emil Scherste in einen Streit, in dessen Verlauf B. eine Mehr Damit wird die Tagesflugverbindung Berlin- Rom hergestellt. bladepistole hervorzog und auf seinen Gegner mehrere Schüffe abDiese neue Linie wird von der Deutschen Lufthansa in Be- gab. Sch. fant, von einer Kugel in die linke Brustseite getroffen, triebsgemeinschaft mit der Desterreichischen Luftverkehrsgesellschaft schwerverletzt zu Boden. Er wurde nach dem Krankenhaus am und der Italienischen Transadriatica Societa Anoyma Friedrichshain transportiert, wo er hoffnungslos da durchgeführt und wird den Namen Adria- Expreß- Linie" niederliegt. Der Täter wurde von Hausbewohnern festgehalten und tragen. Bei dieser Expreßluftverbindung sollen nun auch die Rei der Kriminalpolizei übergeben. Der Grund zu dem Revolverattentat fenden verpflegt werden, und der Expreßluftreisende wird in Buist noch unbekannt. Wahrscheinlich handelt es sich um ein Eiferfunft durch die Mitropa mit einer vollständigen Mahlzeit verfehen. Bei derartigen. Durchflugverbindungen müssen natürlich wegen der notwendigkeit, einen erhöhten Brennstoffvorrat mitzunehmen, mehrmotorige Grosflugzeuge eingeſent werden. Auf der neuen Expreßstrecke Berlin- Wien wird von der Deutschen Lufthansa das größte deutsche Landflugzeuger mann Köhl eingefeht. Es handelt sich um ein Ganzmetall flugzeug vom Typ der Sunters G. 31 mit drei fuftgekühlten Jupitermotoren zu 450 PS, befördert 15 luggäste und drei Mann Bejagung. Außer dem Führerraum, der Passagier tabine und Fracht- und Gepäckräumen befißt das neue Flugzeug auch eine für sich abgeschloffene Funttabine. Der Fluggastraum zeichnet sich durch besondere Größe und Bequemlichkeit qus. Die Size fönnen in Lagerstätten umgewandelt werden, Neben dem Funtraum wurden Borratsschränke und Käften aus Leichtmetall eingebaut Kühlräume, Thermosbehälter, ein elektrischer Rocher, Ab watchbeckent, Borratsraum für Geschirr und Bäsche sind vorhanden. Anrichteplatten und Bestecke bestehen aus versilbertem Leichtmetall. sellos mogul mood not biose id desire t R Bei der Firma Glashütte in Alt- Stralau 63 ereignete ficj gestern ein entfeblicher Unfall. Der 40jährige Schloffer Karl Kirsch aus der Urhanstraße 70, der mit dem Auflegen eines neuen Treibriemens beschäftigt war, geriet mit seinen Kleidern ins Betriebe und wurde in die Maschine gezogen. Der Verunglückte erlitt fo schwere Verlegungen, daß er, als er von Kollegen aus seiner furchtbaren Lage befreit wurde, bereits verstorben war. Die Leiche wurde beschlagnahmit und in das Schauhaus gebracht. Gautag des Neichsbanners! 2nd Das Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold, Gau Berlin- Branden burg, veranstaltet Pfingsten fein diesjähriges Gautreffen im tausendjährigen Brandenburg an der Havel. Wit sind das jüngste GrossunterneKmen der Welt-CigarcitenrndustHc! REEMTSMA A.-6. 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Louis Ferdinand Deutsches Theater Norden 12310 3 Uhr, Ende nach 10 Pygmalion von Bernard Shaw dtsch. v. Siegfr. Trebitsch Kammerspiele Norden 12310 3, U., Ende nach 11 Zum 128. Mal Finden Sie, daß Constance sich richtig verhält? Die Komödie Bismarck 2414/7516 8 Uhr Es liegt in der Luft Revue von Schiffer. Musik v. Spoliansky Staatl. Schiller- Theater, Charltbg. Berliner Theater 20( 8) Uhr: CLAVIGO Charlottenstr.90/ 91.Dönh.170 81, U. Ende geg. 11 Gastspiel d. Deutschen Th, Der Prozek Volksbühne Mary Dugan Theater am Bülowplatz| Th. am Schiffbauerdamm 8 Uhr: Was ihr wollt De 8 Uhr Kleines Theater Der Zigaretten- Täglich 8% Uhr: kasten SCALA 8 Uhr Nollendorf 7360 Paul Lincke sowie das Internat. Varieté- Programm Renaissance- Theater Steinplatz 901. Ope Dern ( Städtische Oper) RESTAURANT Mktags Nachmittags Abends Vorzügliche Küche Gepflegte Biere u. Weine Zum Tanztee und abends Kapelle: ALEXANDER BEREGOWSK! 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Bezirk), ſeit 1906 Mitglied der Partei, zum 75. Geburtstage nachträglich die herzlichften Glückwünsche. 92. Abteilung, Neukölln. Deutscher Metallarbeiter- Verband Todes- Anzeigen. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Rollege, der Schloffer Alfred Kirsch geb. 30. Mai 1887 in Langwis am 20. Mai gestorben ist. Die Einäscherung findet Donnerstag, den 24. Mai, 13 Uhr, im Krematorium Wilmersdorf statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Am 18. Mai starb unser Rollege, der Werkzeugmacher Reinhold Eichbaum geb. 6. Januar 1886 in 8gierz Ehre ihrem Andenken! Die Ortsverwaltung. Nicht alle find tot, deren Hügel sich hebt, Was wir geliebt, das lebt, das lebt, Bis uns selber das Leben zerrinnt, Nicht alle sind tot, die begraben find. Heute vor einem Jahr starb mein unvergeßlicher Mann Richard Merbold Jm Gedenken Marie Merbold nebst Sohn Walter Berlin, Bastianstraße 8. Deutscher Metallarbeiter- Verband Uchtung! Bureauihluß Achtung! Ab 1. Juni find unsere Bureauräume Sonnabends nur bis 1 Uhr geöffnet. Dafür werden Freitags alle Bureau räume für unsere Mitglieder bis 7 Uhr abends offen gehalten. Wir bitten, dies zu beachten. Freitag, 25. mai, abends 7 Uhr, im Gewertschaftshaus, Engelufer 24/25 Versammlung aller in den Spritgußbetrieben Beschäftigten. Tagesordnung: Bericht von den Lohnverhandlungen Die Ortsverwaltung. MB3 D Verkauf auch bis zu jeder Art- in allen Preislagen EPPICHE 12 Monats Raten Raddatz& Co. Läufer, Diwan- u. Steppdecken zahlbar in 10 Monatsraten, liefert Agay& Glück, Frankfurt a. M. B2 Größt Teppichversandhaus Deutschlands Schreiben Sie sofort. Lessing- Theater Norden 12798 Sommerspielzeit Künstlerische Leitung Emil Lind Täglich 8 Uhr " Nr. 17" Lustspielhaus Jir. Dr. Martin Zickel 8 Uhr: Guido Thielscher in„ Unter v. Jefferson Farjeon Geschäftsaufsicht" Regie: Hans Lotz Walhalla- Th. Weinbergsweg 19/20 Täglich 8, Uhr: Berlin Leipziger Str. 122-123. Saltenburg- Bühnen Dts. Künstler- Th. 81, Uhr Theater des Westens Steinpl. 931 81 Uhr Max Adalbert Verbrechen Das Ekel ( Crime") CIRCUS Verlorene Tochter Planetarium am Zoo BVSCH oder Das Mädchen aus Verläng. Joachimsthaler Straße Noll. 1578 dem Freudenhaus 162 und 1912 Uhr Rennen zu Karlshorst hills Schmidt Mittwoch, den 23. Mai, nachmittags 3 Ubr Täglich 8 Uhr Jagdrennen der Vierjährigen Hopfenraths Erben Dyckerpotts Erben Woch. 1.M. 15. 34.- 21.www. Beachten Sie! Ein Sittenstück in 4 Akten Der Sternhimmel 3. Juni Schluß! Vorletzte Woche! der Heimat von Nur Erwachsene haben Zutritt Park.auch Sonntags statt 4,- nur 00 P. Im Reiche der M. 15.50 Woch. 1.3.85 10.90 0.50 1.- M ohne Aufschlag auf Tellzahlung 1.- M. Liebermann 18 und 21 Uhr. Dr. R. Friedeberg ( früher Berlin) Mitternachtssonne praktiziert wieder Eintritt 1 M. inder unt. 15 Jahren 0.50 m. Bad Kudowa M. Woch. 2.ML. 49.- 58.- 9. Hackescher Markt 1 1 Minute vom Bahnhof Börse. 14 Nr. 240 45. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 23. Mai 1928 Die Bilanz der Reichsbahn. Fehler im Steinkohlengutachten. Weber Tariferhöhungen noch feine Entscheidung. Uebergroße Erweiterungen im vergangenen Jahr. Das noch amtierende Reichskabinett hat seine Entscheidung zu der von der Reichsbahn beantragten Tariferhöhung vertagt. Es hat zunächst noch bestimmte Auskünfte von der Reichsbahn verlangt. Wahrscheinlich wird das alte Reichskabinett die Entscheidung überhaupt der neuen Regierung überlassen und vorher die Einsetzung einer Sachverständigenkommission zur Prüfung der Reichsbahn wünsche vorschlagen. Die jetzt von der Reichsbahngesellschaft der deutschen Deffentlichkeit übergebene Bilanz für das Jahr 1927 gewährt aber für die Beurteilung der Tariferhöhung einige bemerkensmerte Einblicke. Am interessantesten ist der sogenannte Betriebsabschlug, in dem die Einnahmen der Reichsbahn den Ausgaben für den Be= trieb gegenübergestellt sind. Die Einnahmen sind von 4,54 auf 5,04 Milliarden, also um 500 Millionen, gestiegen, die Gesamt ausgaben für den Betrieb zugleich von 3,68 auf 4,16 Milliarden, also um genau die gleiche Summe, um die sich die Einnahmen im vergangenen Jahre erhöht haben. Dabei sind die persönlichen Ausgaben im Verhältnis zu den Sachausgaben nur wenig er= höht, nämlich von 2011 auf 2089 Millionen Mart. Das ist be greiflich angesichts der Tatsache, daß das Personal wieder um 3600 Personen verringert worden ist. Dagegen sind die Ausgaben für die Unterhaltung der Reichsbahn von 1213 auf 1348 Millionen, also um 135 und für Erneuerung und Erweiterung von 457 auf 720, aljo um 264 Millionen Mart gegenüber dem Vorjahr gestiegen. 400 mil, lionen Mark, das sind vier Fünftel aller Mehrein nahmen der Reichsbahn aus dem Konjunkturjahr 1927, wurden infolgedessen zur Unterhaltung. Erneuerung und Erweiterung des Betriebes sofort wieder verwendet. In der Gewinn- und Verlustrechnung ist der Ueberschuß der Betriebsrechnung mit 880 Millionen um den 1926er Vortrag von 168 Millionen zu einem Gesamtrohgewinn von 1048 mit lionen ergänzt. Davon werden rund 590 Millionen einschließlich 36% Millionen erstmalige Tilgungsrate für die Reparationsschuld der Reichsbahn, 2,12 Millionen für Reichsdarlehenzinsen, 100,78 mil lionen gesetzliche Zuweisung zur Ausgleichsrücklage und 120 mil lionen Abschreibungen in Abzug gebracht, so daß sich ein Reingewinn von 234,83 Millionen Mark ergibt. 61,66 Millionen kommen daraus als Vorzugsdividende auf die Borzugsaktien zur Verteilung, so daß für das Jahr 1928 ein Gewinnvortrag von 173,17 Millionen übrigbleibt( 167,7 Millionen im Jahre 1926). In der Bilanz hat sich zum erstenmal entsprechend der Verringerung der Reichsbahnreparationsschuld das sogenannte Betriebsrecht am Reichsbahnvermögen etwas verringert. Der Anlagezuwachs ist von 646 auf 995 Millionen gestiegen. Betriebsvorräte werden mit 408 gegen 439 Millionen nicht unerheblich niedriger und sehr vorsichtig bewertet angegeben. Bei den flüssigen Mitteln der Reichsbahn ist durch das Abkommen mit der Reichsbant über die Verwaltung der Reichsbahngelder eine erhebliche Beränderung eingetreten. Der Bestand an Bertpapieren, in denen jetzt die gesetzliche Ausgleichsrücklage angelegt ist, hat sich von 38 auf 171 Millionen Mark erhöht, dagegen ist der Wechselbestand, in dem die Reichsbahn früher freie Gelder anlegen konnte, von rund 125 Millionen auf faft 1 Million zusammengeschmolzen. Insgesamt hatte die Reichsbahn am 31. Dezember 613 Millionen flüssige Mittel gegenüber rund 704 Millionen Ende 1926. Unter den Passiven fallen zwei Posten auf: die Abschreibungen auf das Betriebsrecht sind statt um 70 diesmal um 120 auf 340 Millionen Mark erhöht, der 100- Millionen Reichskredit erscheint als Schuld gegenüber dem Reiche nur mehr mit 80 Millionen, weil das Reich darum gebeten hat, auf den Restbetrag von 20 Millionen zugunsten der Reichsfaffe zu verzichten. Die Reichsbahn selbst ist mit ihrer Bilanz für 1927 zufrieden und hat auch allen Grund dazu. Wir glauben aber im Gegensatz zur Reichsbahn nicht, daß der von ihr festgestellte Rückgang der flüssigen Mittel als Mahnung zur Vorsicht aufzufassen ist, sofern diese Vorsicht die Tariferhöhung rechtfertigen soll. Für Ende 1926 hatte die Reichsbahn die damaligen flüssigen Mittel von 704 Millionen als aus unerwarteten Einnahmen besonders günstig geworden bezeichnet, so daß der Rückgang auf 613 Milfionen feineswegs zur Vorsicht zu mahnen braucht. Im übrigen hat die Reichsbahn zugegeben, daß fie heute noch rund 600 Millionen flüssige Mittel habe. Das ist für die kassenhaltung ein sehr hoher Betrag. II. Bon Steiger Halbfell. Daß die Vermögenssteuer von der Kommission als zu den Betriebskosten gehörig anerkannt wurde, ist unverständlich, da hiermit die Abwälzbarkeit der Vermögenssteuer anerkannt wird. Die Vermögenssteuer soll aber ein Eingriff in das Vermögen und nicht eine Belastung des Konsums sein. Ob das wirtschaftlich richtig ist, war bisher nicht zu entscheiden. Man muß m. E. bei solchen Untersuchungen den Willen des Gesetzgebers beachten, der ja aus= drücklich das Vermögen besteuern will. Die Kommission stellt dann die Behauptung auf, daß die Er= folge der Rationalisierung den Unternehmungen überhaupt nicht zugeflossen wären. Diese Behauptung, für welche nicht einmal der Beweis versucht wird, zeigt, daß die Meinung der Kommission von den Unternehmermitgliedern und-gutachtern völlig be= herrscht war. Der wesentlichste Streitpunkt bleibt die Abschreibungsfrage. Hierbei ist zunächst die Frage aufzuwerfen, von welchen Werten und nach welchen Grundsägen abgeschrieben werden soll. Ich halte mit der Kommission die lineare Abschreibung( gleichbleibende Raten) gegenüber der aggressiven( abfallende Raten) für den Bergbau für die geeignetere. Grundsätzlich ist anzuerkennen, daß das für die Anlage aufgewendete Kapital abgeschrieben werden muß, nicht aber wie die Kommission es tut, der volkswirtschaftliche Wert des Unternehmens. Wenn solche Methoden auf die gesamte Wirtschaft umgelegt würden, so würde das bedeuten, daß ein Werk nicht nur sein Anlagekapital, sondern entsprechend dem Fortschreiten der Technik höhere Summen abschreiben müßte. Es fann natürlich auch hier eine umfassende Stellungnahme nicht erfolgen, weshalb nur die wesentlichsten Bunkte herausgegriffen werden. = Bei den Abschreibungen fällt zuerst die Abschreibung der Berechtsame auf. Anzuerkennen ist, daß die zur Erwerbung der Berechtsame aufgewandten Kosten abgeschrieben werden müssen. Das Gutachten geht aber von dem Wert verkaufter aufge schlossener Berechtsamen aus, deren Wert ja nach ganz anderen Grundfäßen ermittelt ist. An Unfosten zur Erwerbung der Berecht same entstehen aber im allgemeinen nur solche für Schürfen und Muten. Diese Rosten sind jedoch ganz minimal. Der Grundbesitz ist für den Norden des Ruhrgebiets, und nur dort kommen ja Neuanlagen in Frage, zu hoch im Preise eingesetzt. Die Größe des Grundstüces einer Anlage ist mit 300 Hektar übergroß angenommen, auch wenn man für Arbeiterwohnungen die offene Bauweise annimmt. Auch die von Dr. Baade angenommene Fläche für den Betrieb ist zu groß eingesetzt. Grundfählich gehören Wohnungen überhaupt nicht in die Betriebsunkosten. Die Tendenz, die Anlagen teuer erscheinen zu lassen, ergibt sich vor allen Dingen auch aus der Einschätzung der Un= kosten für eine Neuanlage, wie sie in der Tabelle 11 der öffentlichung enthalten sind. Alle technischen Einrichtungen sind vergroß angenommen, und die Grube, von 500 000 oder eine Million Tonnen, die nach den Ausmaßen und Unkosten der Tabelle gebaut würde, wäre nicht nur ein Märchenbild an technischer Vollkommenheit", sondern darüber hinaus ein solches an technischer Ueberfapazität, so daß an eine Rentabilität nicht gedacht werden könnte. Als Beispiel sei angeführt, daß einer der besten Sachkenner der technischen Einrichtungen und Notwendigkeiten des Ruhrbergbaues, Dr.- Ing. H. Müller, der durch seine Untersuchungen und Vorträge über das Kraftwesen der Bergwerke bekannt geworden ist, für eine Anlage von 1,35 Mill. Tonnen Förderung mit einer Refselheizfläche von 2000 Quadratmeter auskommt, während das Gutachten für 0,5 Millionen Tonnen Förderung 2800 Quadratmeter annimmt. Die Unkosten für die Kesselanlage sind nach dem Gutachten für 0,5 Millionen Tonnen 1,7 Mill. Mark, nach Müller Anfang 1927 für 1,35 Mill. Tonnen nur 1,1 Mill. Mark. Die Kosten für Kompressoren scheinen im Gutachten ebenfalls sehr hoch angesetzt zu sein. Das Gutachten nimmt für einen Turbopompe on 8000 Rubitmeter 460 000 mm, 1 toitentney, Sul girer pressor von 8000 Rubikmeter 460 000 M. Baukosten an; nach Müiler kosteten Anfang 1927 zwei Turbokompressoren von je 35 000 Kubikmeter- Stunden nur 330 000 M. Nach dem Gutachten tosten zmei Turbogeneratoren von 2000 b3m. 1700 kW. 550 000 m., nach Müller fosteten zwei Turbogeneratoren von 2200 kW 440 000. Die Preßluftleitungen sind bei einem Durchschnittskostensatz von 16,60 m. je meter mit einem durchschnittlichen Durchmesser von etwa 170 Millimeter eingesetzt. Wer in der Praxis solch ein Rohrnetz benötigte, tönnte als Bergmann nicht bestehen. Es sei noch erwähnt, daß nach dem Gutachten für die 500 000- Tonnen- Anlage drei Eisenbahnlokomotiven, neun Fahrdraht- und vier Akkumulatorenlokomotiven, 50 Stapelförbe usw. benötigt werden So fann man wohl sämtliche Bosten durchgehen, um bei den meisten festzustellen, daß übergroße und überteure Anlagen vorgesehen sind, so daß die Tendenz, zu hohen Abschreibungen zu fommen, an allen Ecken und Enden durchblickt. Mit Schmalenbach- Abschreibungen in 25 Jahren völlig neuer Ruhrbergbau. Bei der eingesetzten Lebensdauer hat sich nun die Kommiffion nicht auf die Erfahrungen, die im Ruhrbergbau bisher gemacht worden sind, gestützt, sondern sie hat völlig neue Begriffe über die Lebensdauer von Maschinen usw. angenommen, so daß in Verbindung mit den zu hohen Kosten eine Abschreibungsquote zustande fam, die auch unter Berücksichtigung der geänderten Verhältnisse und der in der Vortriegszeit in den Abschreibungen enthaltenen großen Rückstellungen, aus denen der Ruhrbergbau bekanntlich zum erheblichen Teil gewachsen ist, als viel zu hoch anerkannt werden muß. Trotzdem soll die Frage hier besprochen werden, weil auch sie zeigt, in welcher Art das Gutachten zustande kam. Bei einer Anlage von 500 000 Tonnen absatzfähige Förderung sind an Anlage fosten für Wohnungen 4,94 Mill. Mark eingesetzt, bei einer Anlage von 1 Mill. Tonnen aber 12,3 Mill. Mart. An Grunderwerbsschreibungssag ist im Gutachten durchschnittlich mit 1,74 m. antosten sind in beiden Fällen 4,5 mill. Mark eingesetzt. Sicherlich sind dieses Zahlen, die man ohne Kommentar nicht versteht. Bei zurzeit im Norden des Ruhrgebietes vorgenommenen größeren Woh nungsneubauten stellen sich die Kosten je Wohnung auf etwa 6000 Mark ohne Grundstücke, die ja auch hier gesondert angeführt sind. Es würden sich also bei der Anlage von 500 000 Tonnen unter zu grundelegung dieses. Betrages 823 Wohnungen, bei der Anlage von 1 Million Tonnen sogar 2050 Wohnungen ergeben. Ist die Anlage, wie an anderer Stelle des Gutachtens angenommen mit 80 Broz. ausgenutzt, so ergibt sich für die 500 000 Tonnen Anlage eine Rohförderung von 490 000 Tonnen jährlich oder 1650 Tonnen arbeitstäglich. Das ergibt sich auch noch aus folgender Betrachtung. Der Abgenommen unter der Voraussetzung, daß die Durchschnittszeche 700 000 Tonnen Koble absetzt. Rechnet man für den gesamten Ruhrbergbau mit dem Absatz des vorigen Jahres der nach der berichtigten Ziffer auf Seite 32 rund 114 Mill. Tonnen beträgt, so würde sich die Abschreibung pro Jahr auf 198 Mill. Mart belaufen. Nach Seite 44 des Gutachtens hat die Kommission den mirklichen Anlagewert mit 30 m. je Tonne angenommen, den ich, mie ja obenstehend ausführlich erklärt, für zu hoch halte. Man würde 163 Gruben von 700 000 Tonnen brauchen um 114 Mill. abfagfähige Förderung zu liefern. Aus den 198 Mill. Mark Abschreibungen könnte man jährlich 6,6 Gruben, einschließlich aus reichender Arbeitermohnungen völlig neu bauen, oder in nicht ganz 25 Jahren tönnte ein völlig neuer Ruhrbergbau entstehen, ohne daß der Kapitalmarttin liftisches Luftschloß, wie es herrlicher nicht zu bauen ist. Bei einem angenommenen Förderteil von 1,3 Tonnen mären also etwa 1280 Arbeiter notwendig. Für die eine Million Tonnen Anlage wären nach der gleichen Art gerechnet 2500 Arbeiter not- 2nspruch genommen zu werden brauchte. Ein lepitawendig, so daß die angenommenen Wohnungen im ersten Fall nicht ganz, im zweiten Fall aber mehr als ausreichend sind, um alle Arbeiter unterzubringen, denn die Belegung der Werkswohnungen ist ja meit stärker als ein Arbeiter je Wohnung. Abgesehen davon, daß sich schon hieraus das Bestreben, die Abschreibungen hoch erscheinen zu lassen, ergibt, muß noch betont werden, daß etwa die Hälfte der Ruhrbergarbeiter nicht in Werkswohnungen, sondern in Privatwohnungen wohnt, mas das Gutachten auch selbst betont. 3ur Tariferhöhung der Reichsbahn ergeben sich aus Diesen Feststellungen einige wichtige Momente. Wenn die 500 Millionen Mehreinnahmen des Jahres 1927 sofort zu fast gleich hohen Mehrinvestitionen verwandt worden sind und das in einem Jahre der Hochkonjunktur, so war das weder volkswirtschaftlich sinnvoll, noch reichsbahnwirtschaftlich vernünftig, wenn man für das Jahr 1927 beträchtlich erhöhte Ausgaben zu erwarten hatte. Es wirft auch heute fein gutes Licht auf die Politik der Reichsbahn, wenn fie angesichts dieser Mehraufwendungen von 400 Millionen für ihre Tariferhöhungswünsche sofort das schwere Geschütz auffährt, die Sicherheit auf der Reichsbahn sei ohne Mehreinnahmen nicht mehr zu gewährleisten. Die 400 Millionen haben doch sicher die Wirtschaftlichkeit und Leistungsfähigkeit der Reichsbahn erhöht. Troß dieser Mehraufwendungen aus laufenden Einnahmen merden überflüssigerweise noch aus dem Reingewinn von 1927 die Abschreibungen um 50 Millionen höher eingesetzt als im Vorjahre. Um ebensoviel tönnten die Mittel der Reichsbahn im Jahre 1928 größer sein. Mit 600 Millionen Mart flüssigen Mitteln zu einem Im ganzen zeigt auch die Reichsbahnbilanz, daß die allgeZeitpunkt, wo die Reichsbahn nicht scharf genug eine Tariferhöhung meine Ablehnung der Tariserhöhungswünsche doch gerecht verlangen fann, wird die Berechtigung dieser Wünsche doch rechtfertigt zu sein scheint, und daß die Reichsbahn schneller geschossen zweifelhaft. Die Ueberschüsse aus dem laufenden Jahre 1928 müssen hat, als es erforderlich sein dürfte. fehr groß gewesen sein, wenn die Behauptung der Reichsbahn richtig fein soll, daß sie im Jahre 1928 schon sehr viel verbaut habe und der Erlös der 200- Millionen- Anleihe noch nicht voll eingegangen fei. Gegen die neuerliche Erhöhung der Ausgleichsrücklage von über 100 Millionen Mart tann die Reichsbahn zwar nichts machen, weil sie gefeßlich erfolgen muß, man sollte aber doch überlegen, ob eine derartige Kürzung der Ueberschüsse für die Ausgleichsrück lage gegen Berluftgefahren heute noch erforderlich ist. Aehnliche Ausführungen fann man auch für die Koferei neubauten und abschreibungen machen, wobei ein besonderer Passus dem volkswirtschaftlich unsinnigen Quotentam pf innerhalb der Syndikate zu widmen wäre. Zu einer ganzen Reihe weiterer im Gutachten behandelter Fragen und Zahlen wäre ebenfalls noch ein Wörtlein zu reden, wenn nicht schon hieraus und aus vielen anderen Presseveröffentlichungen hervorginge, daß das Gutachten als einwandfrei nicht anerkannt werden kann. Schwächerer Außenhandel im April. Gesamtumfang um 153 Millionen niedriger- Cinfuhr überschuß um 43 Millionen größer. Der Monat April hat zum erstenmal in diesem Jahre eine fühlbare Verringerung des deutschen Warenverfehrs über die Grenze ergeben. Einfuhr und Ausfuhr zusammen sind gegenüber März von 2252 auf 2099 Millionen, also um rund 153 Millionen zurückge= gangen. Gleichzeitig ist die Gesamteinfuhr von 1230 auf 1175 Mlionen, die Gesamtausfuhr von 1022 auf 924 gefunfen. Die gegen über der Mindereinfuhr mehr als verdoppelte Minderausfuhr hat MARKE MANDER ZU PFINGSTEN SALAMANDER DAS ERZEUGNIS DER GRÖSSTEN DEUTSCHEN DEUTSCHEN SCHUH FABRIK ben Einfuhrüberschuß gegenüber März von 208 auf 251 millionen erhöht, womit für 1928 zum erstenmal wieder eine Steigerung des Einfuhrüberschusses zu verzeichnen ist. Gegenüber Januar 1928 ist der Einfuhrüberschuß aber immer noch um 245 Millionen niedriger. Warengruppen 1. Lebende Tiere Einfuhr 1928 Ausfuhr 1928 März Jan.- Apr. April März Jan- Apr in 1000 m. nach Gegenwartswerten 12 768 49.565 1581 48 194 April 11 159 2. Lebensmittel und Getränke 338 662 335 155 1442 323 993 48 998 3. Rohstoffe und halbfertige Waren. 609 824 4. Fertige Waren 215 057 641 071 240 361 2 606 931 909 319 Reiner Warenverkehr 1174702 1229 355 5 008 138 191 694 682 295 923 764 127554 39425 201 825 2057 210 851 760 799 1021 644 2360 . 1 302 256 1 268 780 5 209 963 5. Gold und Gilber Zusammen 4347 176 403 803 663 2765 193 3749 606 8721 925 821 1024 004 3.758 327 Die Ein- und Ausfuhrbilanz der Lebensmittel ist mit 338 bzw.. 48 Millionen gegenüber unverändert. Rohstoffe wurden mit rund 610 milio Millionen und Fertigwaren mit etma rund 215 Millionen etwa 25 Millionen Mart weniger eingeführt als im März. Am auffälligsten ist natürlich der Rückgang der Ausfuhr, der mit rund 19 Millionen auf Rohstoffe und mit rund 82 Millionen auf Fertigwaren entfällt. In erster Linie ist die Kohlenausfuhr um 7,2 Millionen Mark zurückgegangen. Bei den Fertig waren ergibt sich eine ziemlich beträchtliche Senkung für Textilfabrikate um 25,5 Millionen nach großer Zunahme im März für chemische Erzeugnisse um 14,5 millionen, für Eisenwaren und Walzwerkserzeugniſſe ſowie für Wasserfahrzeuge. Der Rückgang bei Textilien dürfte faisonmäßige Gründe haben. Die Ausfuhr von Stab- und Formeisen sowie Blechen und Draht ist noch leicht gestiegen, ebenso weist die Ausfuhr von Maschinen nur teilweise einen Rückgang auf. Der Vergleich mit früheren Jahren zeigt, daß besonders in der Rohstoff- und Fertigwarenausfuhr im Monat April ein Rückschlag eintritt. Man wird also die meitere Entwicklung der deutschen Ausfuhr abwarten müssen, um Schlüsse ziehen zu können. Daß der Gefamtumfang des deutschen Außenhandels beträchtlich gesunken ist, förte theoretisch für eine Besserung der Inlandskonjunktur sprechen, und zwar um so mehr, als die Beschäftigung bis Ende April sehr Aus der Partei. Emma Adler, die Lebensgefährtin unseres unvergeßlichen Bittor Adler, ist eben 70 Jahre alt geworden. Neben ihrem Mann hat fie jahrzehntelang für die Bewegung gewirkt, besonders als hochgebildete und begabte Schriftstellerin, als vielsprachige llebersetzerin und als Redakteurin. Jetzt wohnt sie mit der Witwe von Viktor Adlers Jugendfreund, und Kampfgefährten Engelbert Perner storter zusammen. Auch wir wünschen Emma Adler in Ver= ehrung einen glücklichen Lebensabend. Bei einem Lebensrettungsversuch ertrunken ist Genosse Frant T. Johns, der 1924 Präsidentschaftskandidat der nordamerikanischen Sozialisten war, als er einen Knaben vom Ertrinfungsiod retten wollte. Sport. Rennen zu Hoppegarten am Dienstag, dem 22. Mai. 1. Rennen. 1. Dta( Gehrte), 2. Bint( Bielle), 3. Nilotin( Böhlte). Toto: 31: 10. Blab: 14, 57, 13:10. Ferner liefen: Concordia, Fervida, Artane, Tasna, Poliflet, Araber, Muja, Narrenzeit, Reichstag. Toto: 11:10. a: 11, 13, 28:10. Gerner liejen: Lobelia, Hadrian, 2. ennen. 1. Silo( Grabsch), 2. Minna( Vifel), 3. Estimo( Bicifte). Stolzer Kämpfer, Steincibe. 3. Rennen. 1. Sandoval( Böhlke), 2. Szeged( Behmisch), 3. Limanova ( Barga). Toto: 58: 10. Blat: 24, 37, 19:10. Ferner liefen: Dalberg, Mansbach, Sigelgahela, Montalto, Moloch, Munin, Sanatia, Tite Life. 4. ennen. 1. Farn( Grabjch), 2. Narzis( M. Schmidt), 3. Lieder: 1. Alerander der Große( Grahl), 2. Caprivi( Hahnes), 5. Rennen. 6. Rennen. Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik find Berlin SB 68, Lindenstraße 3. für Groß- Berlin ftets an das Bezirksjefretariat 2. Hof, 2 Trep. rechts, zu richten. 8. Abt. Mittwoch 19% Uhr Mitgliederversammlung, Nationalhof, BillowReferent ftraße 37. Thema:" Die politische Lage nach den Wahlen." Michael Hirschberg. 136. Abt. Reinidendorf- Oft. Die Maimarken und die Wahllisten find beim Genoffen Meiser, Schönholzer Weg 1, am Freitag restlos abzurechnen. Frauenveranstaltungen. 7. Abt. Freitag, 25. Mai, 20 Uhr, in Cornis Festsälen, Gartenstr. 6, Aus spracheabend; anschließend gemütliches Beisammensein. Vortragender Ge noffe Hosemann. Alle Genosfinnen sind hierzu eingeladen. Gäste will. tommen. 121. Abt. Karlshorst. Heute, Mittwoch, 23, Mai, 20 Uhr, im Deutschen Haus, Alle Ge Trestowallee, Frauenabend mit unterhaltendem Programm. noffinnen, jung und alt, find hierzu eingeladen. 136. Abt. Reinickendorf- Oft. Donnerstag, 24. Mai, 19½ Uhr, in der Barade Lindauer Straße, Frauenabend. Bortrag des Genossen Ad. Hoffmann ilber Die viel umworbene Frau." Alle Genossinnen find hierzu einge laben. Es wird gebeten, die Dampferbilletts möglichst sofort von den Genossinnen Meifer, Schönewert und Scheibe abzuholen. Kinderfreunde Groß- Berlin. Groß- Berlin: Wir erinnern nochmals an die wichtige Helferversammlung am Mittwoch, 23. Mai, im Zimmer 109 des Rathauses, Rönigstraße( Eingang lange zur Verfügung ich Oberschön Jüdenstraße). Beginn pünktlich 19% Uhr, da uns der Raum nicht so sehr Kreis Ereptoto, Bezirk Oberschöneweibe: Mittwoch, den 23. Mai, um 20 Uhr, im Jugendheim Oberschöneweide, Laufener Str. 2, Elternabend. Tagesord nung: Lichtbildervortrag: Unser Beltlager", Verschiedenes. Für die Pfingst fahrt ist 1 M. bis zum 23. Mai an den Genossen Erich Hendrichs, Klarastr. 2, zu zahlen: es ist dies der letzte Termin. " Auch Pfingsten muß es Kuchen geben und bei den Kindern sind Plätzchen, Kränzchen, gefüllte Taschen oder die goldbraunen, knusperigen Banille- S befonders beliebt. Die Herstellung solchen Kleingebäds, das sich auch zur Mitnahme bei Ausflügen fehr gut eignet, macht heute der Hausfrau teine große Sorge mehr, denn in Dr. Detters neuem farbig illustrierten Rezeptbuch finden fich viele schöne Rezepte, nach denen es fich finderleicht, schnell und auch preiswert baden läßt. Wie bekannt, ist das Buch, Ausgabe F, überall zu haben, wo Dr. Detters beliebte Fabrikate geführt werden. trang( atras." Zoto: 12:10. Blas: 11, 18:10. Ferner lief: Fürſtenruf 3. Maravedis( Tarras). Toto: 41: 10. Plag: 13, 11: 10. Ferner liefen: Certosina, Stadewitt, Hochachtungsvoll. 1. Lotos( Tarras), 2. Mousme( Behmisch), 3. Sylafte ( Grabsch). Toto: 66: 10. Platz: 15, 14, 12: 10. Ferner liefen: Zeyde, Otis, Nostra, Die Linde, Bantomime. 7. Rennen. ne Abteilung. 1. Freier Wille( Blume), 2. Fritjof II ( Jaekel), 3. Marconi( Saydit). Toto: 89:10. Blab: 25, 17, 58:10. Ferner liefen: Edler von Lorch, halde, Offensive, Leichte label, Minnelied, Achtung. 2. Abteilung. 1. Immortelle( D. Schmidt), 2. Bernhard ( Ebert), 3. Himmelsgeist( Haynes). Toto: 24: 10. Blab: 12, 14, 20: 10. Ferner liefen: Bindspiel, Liebestraum, Tartar, Fortrott, Seelabelt, Berg wie Tradition und moderner Geschäftsgeist eine vorbildliche Verkaufsstätte meister, Falkenfeder. Der sehenswerteste Plag Berlins ist zurzeit der Aleranderplaß! Das Bild der Straße hat sich dort verändert. Viele alte Häuser find der Spithade zum Opfer gefallen. Hierzu gehört auch das historische Haus zum goldenen Hirsch, im Bolksmund das Haus mit den 99 Schafstöpfen genannt, wo fich feit über 80 Jahren das Papierhaus 2. Juergens befand, das jest eine Ede weiter, in der Neuen Königstraße 43, neue Räume inne hat. Dort tann man sehen, gefchaffen haben, Fachinger Waffer. Störungen im Nervensystem, die asthmatische Anfälle zur Folge haben( sogenanntes nervöses Asthma), werden durch regelmäßigen start zugenommen hat. Aber auch in diesem Punkte wird man die Vorträge, Vereine und Bersammlungen. Gebrauch des Fachinger Waſſers gemildert. weitere Entwicklung des deutschen Außenhandels, die im ganzen bisher für 1928 sehr günstig war, abwarten müssen. Braunkohlenintereffen der AEG. Grube Leopold ohne Dividende. Wenn die Grube Leopold in Köthen, eines der führenden Braunkohlenunternehmen Mitteldeutsch lands, wie im vorigen Jahre wiederum feine Dividende zahlt, so bedeutet das noch nicht fehlende Rentabilität. Da die erzielten Geschäftsgewinne von rund 2,6 Millionen Mark annähernd so hoch find wie im Jahre 1925 1926 hate besondere Verhältnisse in dem 6 Proz. Dividende verteilt wurden, müssen für die Dividendenlofigfeit andere Gründe vorliegen, wie dem Geschäftsbericht zu entnehmen ist, befand sich der größte Teil der Anlagen zur Braunfohlenverschwelung noch im Bau, so daß diese erst knapp zur Hälfte ausgenutzt werden konnten. Ferner geht aus den beträchtlich erhöhten Abschreibungen von 804 000 m. fowie den Neuinvestitionen von 1,4 Millionen Mark hervor, daß die Gesellschaft es vorgezogen zu stecken oder für Abſchreibungen zurückzuſtellen. Die Brobuftionsziffern lassen einen weiteren Aufschwung des von der AEG. heute beherrschten Unternehmens erkennen. Stromerzeugung und Brifettfabrikation erhöhten sich, wenn auch nicht wesentlich, dagegen stieg die Kohlenförderung um etwa 6,3 Proz. Einen gemissen lleberblick über die Leistungsfähigkeit der neuen Verschwelungsanlagen geben bereits die mit 14 000 Tonnen mehr als verdreifachte Kotsproduktion und die auf 4500 Tonnen erhöhte Teererzeugung. In den ersten Monaten des laufenden Jahres hat sich Förderung, Produffion und Abfaz weiterhin erhöht. Teve 10- Millionen- Dollaranleihe für AEG. Wie berichtet wird, hat die AEG. mit einem New- Yorter Banthaus eine neue 20 Jahre laufende Dollaranleihe zu einem Zinssatz von 6 Broz. und zu einem Zeichnungskurs von 94,5 Pro3. abgeschlossen. Es handelt sich zunächst um 10 Millionen Dollar 5 Millionen Dollar fommen pielleicht später noch dazu die die AEG. zur Stärkung ihrer Betriebsmittel und zur Finanzierung bereits vorliegender großer Geschäfte verwenden will. Das ist die dritte große Dollaranleihe der AEG, die mit den neuen 10 Mill. Dollar unter Berücksichtigung der bereits getilgten Beträge bald 130 Millionen Mart amerikanisches Rapital in ihrem Konzern arbeiten lassen wird. 2 Millionen Rundfunkhörer, genau 2234 732, meldet die Reichspoft zum Schluß ihres Geschäftsjahres am 31. März 1928. Das Kalenderjahr 1927 brachte die rechtskräftige Verurteilung von 2836 Schwarzhörern( gegen 1938 im Jahre 1926). STAATL Natürliches Mineralwasser FACHINGEN Leopold Altbewährt bei Arterienverkalkung und erhöhtem Blutdruck Fachinger Versandstelle, Berlin SW 11 Schöneberger Str. 16a. Tel. Lützow 8260-61 Bund Berlin für Einheitsturzschrift. Uebung in allen Geschwindigkeiten jeden Freitag von 20-22 Uhr im Französischen Gymnasium, Reichstagsufer 6, am Reichstagsgebäude, und jeden Dienstag von 20-22 Uhr im Schulhause Utrechter Str. 50-31. Anfängerkurse sowie Aufnahme neuer Mitglieder zu jeder Zeit. Auskunft erteilt Friz Plauschinn, Berlin- Zehlendorf, Waldemar. Straße 8. Ortsverein Berlin im Verband Bollsgesundheit. Jugendgruppe Osten: Freitag, 25. Mai, 19 Uhr, im Jugendheim Coğlerstr. 61, Gruppenabend. Lichtbildervortrag: Wandern und Schauen. Jugendgruppe Süben: Freitag, 25. Mai, 19 Uhr, im Jugendheim Neukölln, Schierkeftr. 44, Gruppenabend. Vortrag: Und sie erkannten, daß sie nackend waren." Referent Genoffe Baul Scholz. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend ( Nachdr. verb.). Wechselnd bewölkt ohne ei hebliche Regenfälle, Temperaturen Für Deutschland: Nur im äußersten Westen ziemlich wenig verändert. fühl und meist stärker bewölkt, mit einzelnen Niederschlägen, im übrigen Reiche teils heiter, teils wolkig, bei etwas höheren Tagestemperaturen, strichmeise etwas Gewitterneigung. Funkwinket Dr. Adolf Grabomiti, Dozent an der Deutschen Hochschule für Politik, behandelte in seinem Zyklus ,, Die großen Mächte in ihren weltpolitischen und weltwirtschaftlichen Beziehungen" die Vereinig ten Staaten von Amerika. Klar und fachlich verstand es der Vortragende, die Linien der amerikanischen Polititführung aufzuzeigen. Gerade das Beispiel Amerita macht es deutlich, daß Staatenpolitik und wirtschaft nicht nur im engsten Zusammenhange stehen, sondern daß sie sich oft geradezu decken. Die amerikanischen Waffenliefe rungen an die Entente und Ameritas Eintritt in den Weltkrieg fonnten faum ehrlicher und gleichzeitig gerechter begründet werden als durch den Hinweis des Vortragenden, daß Amerika für seine Industrie riesige Abfaßgebiete brauchte, die sie bei den friegführenden Staaten fand und zwar nur bei denen, die am offenen Ozean lagen. Das herrschende Wirtschaftssystem diftierte also auch hier Kriegsbegeisterung und Kriegsbeteiligung. Das letzte Kapitel seiner Vortragsreihe ,, Die soziale Frage, ein Produktions- und Ber teilungsproblem" gab Dr. D. Stillich unter dem Thema„ Das Lohnproblem". Er zeigte, daß die Lohnfrage von vier Faktoren abhängt. Von der Größe des Kapitals, der Arbeiterzahl, der Größe der Produktion, sowie der Macht von Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Der schlechteste Lohn wird aber nicht in Ländern der verhältnismäßig geringsten Produktion gezahlt, wie etwa auf dem Balkan, sondern dort, wo außerordentlich leistungsfähige und intelligente, aber besonders zahlreiche Arbeitskräfte vorhanden sind: in Japan und vor allem in China. Der fulturelle Aufstieg eines Landes hängt davon ab, daß es gelingt, bei guter Produktion die Gewinnanteile des Kapitals zu vermindern und die rbeiterlöhne zu erhöhen. In der Novellenstunde am Nachmittag las Leo Greiner altdeutsche Novellen, die er in sympathisch schlichtem Stil nacherzählt hatte. Der Wagner- Abend unter Bruno Seidler- Winkler verhalf dem Funforchester und feinem Dirigenten, ebenso dem Soliften Cornelis Brons ge e ft sicherlich zu weiterer Popularität. adiel 2 Das Haus für grosse Weifen Morgenröcke! KÖNIG Gadiel STR.22-26 Gadi Auch wer im Hause bleibt, kann sich eine Festfreude durch einen schönen Morgenrocla machen. 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Und von dem gesteigerten Tempo der Produktion droht nun eine Veränderung auch im Wesenhaften, ein« Veränderung der Aufgaben und Ziele. Das Wefm der Schallplatte ist: der Flüchtig- keit des Musikgeschehens Dauer und Festigkeit, dem Augenblick Bestand zu geben. Daraus, sollte man meinm, folgt mit zwingen- der Logik, daß nur solche Musik auf die Platt« geworfen wird, die wert ist, festgehalten zu werden; man sollte meinm, wer Schall- platten erwirbt, der sammelt, wie der Bücherfreund, bleibende Wert«. Mehr und mehr sehen wir das Gegenteil geschehen. Die zunehmende Leichtigketi des Produzierens— da handelt sich's auch um Fortschritt der Aufnahme- und Reproduktionstechnik—, das immer lebhaftere Tempo des Absatzes verführt den Produzenten, mehr und mehr für dm Tag zu produzierm; nicht künstlerische Dauerwerte— Tageswerte, der Nachfrage des Tages angepaßt, sind die Porole. Denn auch im Platten kaufenden Publikum scheint dos Bedürfnis, den Besitz an bleibmd-wertvoller Musik ständig zu vermehren, zurückzutretm hinter dem Bedürfnis, dm Besitz an rasch abnützbarer Gebrauchsmusik fortwährend zu wechseln. Es ist, mit einem Wort,«ine Entwicklung, ähnlich jener vom Buch zur Zeitung, die sich auf dem Gebiet der Schallplatte m überraschend kurzer Zert vollzieht— oder wenigstms sich ankündigt. Die Aktualitäts-Kom- ponmt« der Schallplatte, nicht imr gerade im musikalischen Bereich, birgt gewiß für die Zukunft noch bedeutende Möglichkeiten: doch gerade ift puncto Musik wünschten wir als Grundgesetz der Produd- tion: nur was bleibenden Kunstwert Hot, ist wert, festzehaltm zu werden. Oper. Zur Stunde Vktual iiätsi nteress e, doch für die Nochwelt doku, mentarischm Wert besitzm Aufnahmen von der Art, wie El.*) sie in letzter Zeit gemacht hat: Platten, die bruchstückweise oeritabl« Aufführungen der Berliner Staatsoper wiedergebm: von „Boheme* und von„Aida*. Der künstlerische Eindruck wird unter so erschwerendm Ausnohmebedingungm freilich nur teilweise be- friedigend. Ungetrübter ist die Freude bei Elisabeth Rethberg, die, sehr schön, die Hallenari« aus.Tannhäuser* und Elsas Er- Zählung aus dem ersten„ßohengrin'-Zlkt singt. Dazu die von Fritz Zweig dirigierte Stcatska pelle mit wundervollem Geigenklang. War es aber lohnend, den Zeitgewinn von drei Taktm Mit einem musikalisch indiskuwblm.Strich* zu erkaufen? Die Pein- lichkeit gewaltsamen Zusammenziehens fällt noch mehr in der Wotan-Szene aus dem zweitm Akt der.Walküre* auf..Wotan erzählt vom Ring* steht auf der Platt«, aber die Erzählung ist so verkürzt, daß vom Ring kein Wort stehmgebliebm ist. Das passiert im Rahmen eines groß angelegten, mit ausgezeichNetm Kräften — unter ihnen Friedrich Scharr als Wotan— durchgeführten Unternehmens, in einer Folge von Platten'sozusagen die ganze .Walküre* zusammengefaßt. Doch eben nur.sozusagen*. Und warum unter wechselnde»(übrigens ungleichen) Dirigenten und mit wechselnder Besetzung innerhalb einer Rolle? Und den Luxus, den freilich kein Operntheater sich leisten kann, in der Walküren- Szene des dritten Aktes alle acht Walküren mit Stimmen von ent- sprechendem Format zu besetzen, sollte die Schallplatte sich und uns nicht versagen. Doch als Ganzes eine wertvolle Bereicherung der Plattenbibliothek.(EI.) Weitere Opernneuheiten: Die große Arie der.Traviata*, von Gitta Alpar mit beträchtlichem Können gesungen(H.): ein Duett aus Bellinis.Nachtwandlerin*, in italienischer Sprache, Muster italienischen Kunstgesanges(L.): zwei Tenorarien aus.Don Juan" und.Cosi fan tutte*, m denen Helge Roswae nge sehr glück- lich als Mozart-Sänger besteht(L.): Fragmente aus.Tiefland*, unter Leitung des Komponisten dÄlbert, mit dem klar artiku- lierenden Totthels Pisior als Pedro(L.): die Barcarvle aus „Hofftnanns Erzählungen*, mit Elisabeth van Enderts schön ge- sührtem, sicher führendem Sopran: Chorstücke aus.Fra Diavolo* und.Macht des Schicksals*, unter Leo Blech, Glanzleistungen des *) Abkürzungen: A.— Artiphon. El.= Electrola. D. G. — Deutsche Grammophon. Sj.— Homocotd. L.— Lindström. Tr.— Triergon. Etaatsopernchor»«ruf der Platte wie auf der Bühne. Was ist dos aber für ein«.Tarantella*, die man da mit in Kauf be- kommt? Orchester. L. setzt die dankenswerte Reproduktion der Ersten Brahms- Sinfonie unter Klemperer fort der zweite Satz kcnnmt besonders schön zur Geltung. Webers.Aufforderung zum Tanz*, als Konzert- nummer ein wenig aus der Mode, wird in der Wiedergabe des Philadelphia- Sinfonie-Orchesters ein Effektstück von Rang. (El.) Aber ein« Effektnummer seltenen Grades: Tschoikowskys Ouvertüre.1812*, mit großem Orchester(dem Philharmonischen), Glocken, Chören, eine Platte von überwältigender Tonfülle.(D. G.) Und weiter bei D. G. Ouvertüren in reicher Auswahs: von Mozart zur.Entführung* und zu.Cosi fan tutte"(Dirigent: A. v. Zern- l i n s k y), diese außerordentlich fein im Klang des städtischen Opernorchesters: und Rossinis noch muner hörenswerte Ouvertüre zur.Diebischen Elster*(Dirigent: Osker Fried). Die bringt auch Tr. ein wenig steif im Rhythmus. Oper und Operette herrscht vor auch in der Orchesterproduktion. Da gibt es noch eine Phantasie über Motive aus Wilhelm K i e n z l s„Evangelimann". (21.) Und ein.Potpourri"— sowas fft sehr beliebt— aus Zelters .Bogelhändler* ist gar von L. und Tr. hergestellt worden. Znstrvmentalisten. Nicht ollzrwiel des ernstlich Wertvollen. Der Cellfft Gaspar Cassado spielt edel in Ton und Ausdruck Händels mit gutem Grund berühmtes Largo.(L.) Und ein Geiger, von dem nicht gar viel Aufhebens gemacht wird, zwei kleine Stücke von Bach: Air und Sarabande(mit Orgelbegleitunz). Wer Savasate, Geigenvirtuose auch im Komponieren, kommt mit spanischen Tänzen durch Mourits van den Berg(Tr.), mit den.Zigeunerweisen* durch Karl Steiner(A.) in die Kollektion von Platten, die zumindest dem Studierenden gut« Dienst« zu leisten oermögen: die salon- violimstischen Vorträge, mit denen Ad off Kaufmann auf- wartet(A.), dürften für solchen Zweck weniqer in Betracht kommen. Auch an Pianisten ist in diesem Monat deine große Auswahl. Für Chopins �.s-Dur-Ztzalzer hat Rosa E l k i n viel technische Fertigkeit und beweist st« auf einer seltsam rauschenden Tr.-Platte. Es ist zu hoffen, daß es gelingt, diesen öfters wahrzunehmenden Defekt des Tr.-Verfahren« ganz zu überwinden: seine Vorzüge, Klarheit und Füll« des reproduzierten Tons— sie zeigen sich besonders auch bei Sprechplatten— würden uns dann reinere Freude bereiten. Dies nebenbei: aber zu sagen ist noch daß alles weitere an kammer- musikalischer und instrumentalsolistrscher Produktion sich der Gattung des Unterhalhingskttsches nähert: Abraten und Empfehlen: beides erscheint nicht ratsam. Volkslied und Volkschor. X-cappella-Soloquartett: viel Schute, Kultur, Tradition ist nötig, um in diesem heikelsten oller Bezirke gegen jeden Einwand zu bestehen. Das„B olkslieder- Quartett*, das auf H.-Platten zu hören ist, besteht trotz Bläserhilfe noch nicht be- dingungslos. Auch das Doppelquartett des Berliner Lehrer- g e f a n g v e r« i n s, das sich als.Konzertoereinigunz" betätigt (21.), ist bei weitem nicht auf der Höhe des Gesamtkörpers, dem es angehört, und dem, unter seinem Leiter, Professor Hugo Rüdel, wir eine ausgezeichnet« L.-Platte verdanken.„Lorelei" und„Ab- schied* in sehr schön nuanciertem Dortrag. Aber da ist mm also auch der Chor der U r a l- K o s a k e n(D. G.) und stellt sich in ukrainischen Liedern heiteren Charakters, die er, rhychmisch-e lastisch und mit charaktervoller Dynamik, zu unerhört lebendiger Wirkung bringt, sogleich in die Reihe der bekannten russischen Polks-Kunst- chöre. Doch da fft auch noch unser von Heinz Tiesse n geleiteter „Junger Chor*, dessen Lefftung durch reichen, vollen Stimm- klang auffällt.(Nicht durch gelegentliche Jntvnvtionsschwankungen.) Es ist ein schönes Lied aus dem Russischen, das er singt: und der „Weckruf", der aus der Marseillais« genommen ist— gewiß, das verdient reproduffert zu werden. 2lber da wir mm einmal so arm sind an deutschen Chorliedern proletarisch-revolutionären Geistes: es sollte sich doch einmal ein Arbeiterchor und ein Orchester und eine Produktivlnsgesellschost zusammentun und aus Oskar Frieds— Dehmels—„Erntelied* eine Schallplatte machen: das wäre eine Sache, wert, festgehalten zu werden. Mittwoch 23. Mai 1928 Das Haus. Groteske von Zacobus Schnellpfeffer. (Schluß.) In diesem Augenblick wurden fast alle Fenster des ersten Stockes hell, das bis dahin in tiesstem Dunkel verharrt hatte, lieber- all zeigten sich Gestalten: männliche und weibliche, alle im Nacht- habit. Auch hier ging ein Fenster auf, und ein« klagende Stimme wimmerte in den Lärm:„Mein Gott, mein Gottl Was ist denn eigentlich los? Was ist denn nur passiert, um Gottes willen?* „Ihr Haus fft verrückt geworden!* antwortete mit sonorer Stimm« mein Freund Karl, der lange den erstaunten Zuhörer ge» macht hatte, ganz verblüfft über die ungeahnte Wirkung seines alkoholischen Appells an den nächtlichen Geistesarbeiter. „Sie selbst sind verrückt!* schrie der Student, dem wohl jetzt erst alle Unannehmlichkeiten zum Bewußtsein kamen, die seiner warteten. Aber gleich darauf hatte er es wieder mit seiner Zimmer- mirtin zu tun, die er mit den schimpflichsten, ehrabschneidensten Bciworten belegte, die ihm einfallen wollten. Worauf dies« mit einer Flut von Lästerungen antwortete, so daß der polternde Bah unter der Dachrinne und das Jammern und Winseln der weiblichen Stimmen im ersten Stock nur eine untergeordnete Begleitung zur eigentlichen Melodie bildeten. An den hin. und herhuschenden Ge- stalten hinter den Fenstern sah Karl, in welch wilder Aufregung man sich befand. Wieder war ein Fenster des dritten Stockwerks hell geworden. Ein Riegel Nirrte, eine Scheibe blendete, und eine hohe männliche Stimme ließ sich vernehmen:„Gott Strambach, da heert sich nach- gerade alle Gemiedlichkeet uff. Ist denn wieder mal keen Schutz- mann da?* „Sie sind wohl ein Sachse?* rief ihm Karl zu. Mit dieser Frage schien der neue Mann endgültig mundtot ge- macht zu sein, denn es erfolgte keine Antwort. Doch dieser Not- schrei nach einer Hilfskrast zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung veranlaßte den Urheber des nächtlichen Scharmützels, ängstlich nach allen Seiten auszuspähen. Tief hätte es ihn ge- schmerzt, wenn der in bester Entwicklung befindliche Akt auf seinem d'-amatischen Höhepunkt verständnislos abgebrochen worden wäre. 2lb«r die Straße blieb menschenleer, so weit das Auge reichte. Un- gestört nahm das Stück feinen Fortgang. Mein Freund Karl fühlte sich als Autor und Regisseur zugleich. Ja, mehr als das. Wie ein Feldherr dirigierte er die tobende Schlacht. Da, wo die Angriffs- lust, die Ausdauer der Kämpfenden nachzulassen und zu erlahmen schien, da warf er ein passendes anfeuerndes Wort dazwischen, und sogleich belebte sich das Gefecht von neuem. Er goß, wie man zu sagen pflegt, unaufhörlich Oel in das Feuer. Nun geschah das, was noch gefehlt hatte. Auch eines der drei zu ebener Erde befindlichen Fenster— denn das mächtige Haustor nahm die Hälfte der ganzen Front ein— wurde hell. Dann öffnete sich ein daneben befindliches, aber dunkelgebliebenes Fenster, und ei« weiße Gestalt mit weißer Nachtmütze erschien in seinem Rahmen. Hier ertönte die einzige Stimme, die in unverfälschtem Bayrisch schimpfte:„So a Sauerei, so a Gemeinheit is mir no net vorkemma— Kruzitürken no omoalü* Und nun brach er hemmungslos über seine Ufer, der Strom ibajuoarischer Entrüstung. Freund Karl war entzückt, ganz nahe an den Spreche? herangetreten, dem er unmittelbar in das runzlige, vor Wut ganz verzerrte Gesicht blicken konnte, denn die Zimmerdiele lag kaum höber alh der Gehsteig. „Oalle schmeiß i raus, oalle, dö ganze Saubande mnaß rausl* polterte der Geist in der Zipfelmütze, der sich damit als der Haus- cigentümcr entpuppte. Mit lächelnder Miene, jedes seiner Worte in sich einsaugend, stand Freund Karl vor dem Schimpfenden. Dem wurde endlich das fortgesetzt grinsende Gesicht seines Gegenübers lästig, und er wandte sich diesem stummen Angreiser zu. Da raffte der unverbesserliche Nordländer alles zusammen, was er je an bayerischen Worten aufgeschnappt hatte, und präsentierte das rasch zusammengemengte Ragout dem alten Hausgespenst mit theatra- lischem Aplomb. „Was moanst, oalter Gloifi, elendiger? Gescheerter Hamini, gescheerter?* Sprachlos vor Empörung hüpfte der Alte ein paarmal in die Höhe. ..Gengan S' baden, Sö geselchte Meerkatze, Sö ausgeschämte! Sö schlampetes Mistvieh, Sö Mauerer vom dritten fflriist, Sö!" Jetzt fand der 2llte die Sprache wieder, und er legte los. bis ihm der Atem ausging. Da griff Karl, der unterdessen angestrengt nachgedacht hatte, wieder ein:„Du drecketes, ausgefranstes Gefäß, du! Du ausgeluffchte Wollwurst, verfilzte!' Und zum letzten Schlage ausholend:„Du Loabidoag, du!" Und dann noch, sich in seiner Lag« ganz sicher fühlend:„Komm doch raus, Jeremias, komm doch rausl* Da wollte der Gefolterte über die Fensterbrüstung springen, ober trotz seines alle Sinne benebelnden Zornes mochte es ihm ein« fallen, daß er in seinem Nachtkostüme den kürzeren ziehen könnte. Nun trommelte er in blinder Wut Mit beiden Fäusten auf die Fenstcrbrüstung: die Sprache war ihm wieder ausgegangen. Der Geifer floß ihm an den Wundwinkeln herab. Das schien meinem Freunde Karl der nicht zu überbietende Höhepunkt. Cr trat vom Gehsteig herunter auf den Fcchrdamm, daß er das Haus in ganzer Front vor sich hatte. Festlich erleuchtet stand es da, vom Erdgeschoß bis zum Dach. Und es tönte und klang. Mit feierlicher Geste zog er seinen Hut und schwenkte ihn in weitausholender Bewegung gegen dos gesamte Schauspielerpersonal. Dann machte er eine tiefe, tief« Verbeugung. Langsam wandte er sich, um den Heimweg anzutreten.— Da, wo im ersten Morgendämmern die grünen Baumkronen des Friedhofs aufzuleuchten begannen, am Ende der selben Straße, an deren Anfang das wahnsinnig gewordene Haus lag, da winkte, in tiefe Stille eingebettet, seine eigene Behausung. Sie lockte, sie rief ihn. In acht Minuten konnte er im Bett sein. Und langsam, in der Mitte des Fahrdamms, schritt er die einsame Straße hinab, zurückhorchend auf das unentwegt weiter. tobende Wortgefecht in seinem Rücken. Nach hundert Schritten drehte er sich noch einmal um. Da strahlten noch all« Fenster, und Stimmen waren noch lebendig. Ob noch eine Seele dieses Hauses schlafen gehen würde? Was mochte der morgige Tag ihnen alles bescheren? Und befriedigt lächelnd, ungehindert, ohne Klage um den nicht genossenen Wein, schritt mein Freund Karl, langsam und bedächtig, der wohlverdienteu Ruhe za. Makarts Brautwerbung. Bon Karl Alexander pmsz. Der bekannte Maler Makart, der„Meister des Rockten", war einer der größten Schweiger, die je gelebt haben. Paul von Schönthan hat einmal launig erzählt, wie Makart um seine zweite Frau, Berta Linda, warb. Anfang der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts fand in Wien ein Künstlerseft statt. Makart hatte die damals an der Hos- oper als erste Ballerina tätige und sehr gefeierte Berta Linda zur Nachbarin. Ungefähr um Mitternacht glaubte Fräulein Linda einige Worte aus Makarts Mund« vernommen zu haben. Sie horchte verwundert hin, es war aber alles ruhig. Als man um �3 Uhr nachts Anstalten zum Aufbruch machte und Berta Linda mit einem ihrer begeisterten Verehrer plauderte, stand plötzlich Makart vor ihr. Er sah sie bedeutungsvoll an und seine Lippen öffneten sich. „Hand!" sagte er. Die Ballerina blickte den seltsamen, kleinen Mann verwundert an. „Hand!" wiederHolle Makart. Fräulein Linda verstand ihn nicht. Sie sah ihre Hände an. doch war nichts Auffälliges zu bemerken. Makart wandte sich grollend ob. Zwei Jahre vergingen. Auf einem glänzenden Wiener Opern- ball traf Makart und Berta Linda wieder zusammen. Der Maler wich diesen Abend nicht mehr von der Seite der schönen Tänzerin. Um Mitternacht machte Makert eine stumme Verbeugung und sagte wieder sein rätselhaftes: „Hand!" Fräulein Linda verstand wieder nicht, was er damit wollte. Um drei Uhr früh wicocrhalte Makart nochmals:„Hand!" und setzte dann hinzu:„Glücklich machen!" Fräulein Linda hauchte:„Sprechen Sie mit meiner Mutter!" Die Zumutung„Sprechen Sie* brachte den Künstler aus der Fassung. Er wandte der Tänzerin den Rücken und ging verzweifelt ab. Berta Linda, die für den interessanten Maler schon längst ge- schwärmt hatte, war trostlos: Freunde sahnen nach, wie zu Helsen sei, und einer verfiel auf einen glücklichen'Gedanken. Er setzte ein Schreiben auf, in welchem der Künstler bei der Mutter um die Hand der Geliebten anhielt, und Makart unterzeichnete es. Und acht Tage später erhielt der Pfarrer der Kirche, in welcher die Trauung stattfinbey sollte, folgendes Schreiben: _„Bezüglich meiner übermorgen stattfindenden Trauung mit Fräulein Berta Linda bitte ich hiermit mein„Ja" als gegeben zu betrachten, da ich kein Freund vom vielen Reden bim _ Hans Makart." Heuschrecken, die Mäuse fressen. Der Riese unter den vielen Arten von Heuschrecken ist die säst fünf Zoll lange Jagdheuschrecke, die in Westafrika im Gebiet des Kongo heimisch ist. Diese Heuschrecke, die ein"paar gewaltige Kauwerkzeuge besitzt und selbst unter ihren ge- fräßigen Artgenossen sich durch wilde Gier auszeichnet, begnügt sich nicht wie die anderen Heuschrecken mit Pflanzennahrung, sondern macht Jagd auf kleine Tiere, so aus Mäuse und auf die Jungen in den Bogelnestern, die in der Nähe des Erdbodens angebracht sind. Sie ist zwar nicht der kühnste Springer: das ist die Köniqshcuschrecke, die mit einem einzigen Sprung das Hundertfache ihrer Länge zurücklegt. Zlber auch sie kann aus beträchtlicher Enffernung ihr Opfer an- springem Die Hauptnahrung der Jagdheuschrecke ist eine große tro- pische Spinne, die die Größe einer Tarantel hat. Die Heuschrecken sind ja besonders gefürchtet wegen ihre) überaus schnellen Ber- mehrung und ihrer Gefräßigkeit, durch die sie im Stande sind, weite grüne Strecken in kürzester Zeit vollkommen kahl zu fressen. Die surchtbarc Gefahr, die sie für die Ernte darstellen, ist bekannt: aber die groß« Iagdheuschreckc fft wohl die einzige Art, die auch Nutzen anstiftet, indem sie vieles Ungegiefer vertagt. SONDER- ANGEBOTE Zum Pfingsfest Strumpf waren Damen- Strümpfe Seidenflor künstliche Waschseide, mod. Farb. 1 Hartie- Seide, fein.künstl. 95 Damen- Strümpfe Watch side, mod. Farb. 3 Herren- Socken gute qualitate....... moderne Jacquardmuster, 95. Fantasiesocken in neuen eleganten Dessins 1,95, Pf. Damen Kleidung 90 Handschuhe aus gut. bedr. Stoff, zierl. Blamenmaster, 90 Waschkleidig m. lg. Aermeln, geschmackv. Verarbeitung Modernes Voilekleid mit langen Aermeln, in neuem Bordürenmuster, gut verarbeitet... Frauen- Kleid Waschkunstreide Façonné, mit Crêpe de Chine- Garnierung, auch in grossen Weiten vorrätig.. lenciennes- Spitzen reich verarbeitet... 1250 Handschuhe Handschuhe für Damen, Leinen imit,„ Spezial- 95 qualität Hertie", 2 Druckknöpfe für Damen, künstl. Waschseide.eleg. 390 Aufnaht u. 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