Morgenausgabe Nr.242 A 124 45.Jahrgang Böchentlich 85 Bfg., monatlich 3,60 m. im voraus zahlbar, Postbezug 4,32 m. einschl. Bestellgeld, Auslandsabonne ment 6,-M. pro Monat. * Der Borwärts" erscheint wochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Der Abend", Illustrierte Beilagen Bolk und Zeit“ und„ Kinderfreund". Ferner Unterhaltung und Wissen"," Frauenftimme", Technit", Blid in die Bücherwelt" und Jugend- Borwärts". Vorwärts Berliner Boltsblatt Donnerstag 24. maí 1928 Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Die ein paltige Nonpareilbezeile 80 Pfennig. Reflamezeile 5.- Reichs mart. Kleine Anzeigen" das fettge orudte Wort 25 Pfennig( zulässig zwei fettgebrudte Borte), jebes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Port 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Beile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Linden Straße 3, wochentägl. von 8/2 bis 17 Uhr. Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts- Verlag G. m. b. H. Bostscheckkonto: Berlin 37 536. Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten Wallstr. 65. Diskonto- Gesellschaft, Depofitentasse Lindenstr. 3 Bombenanschlag in Buenos Aires. Locarno oder das andere...?! Folgenschwere Explosion im italienischen Konsulat. Buenos Aires, 23. Mai. Im dichtgefüllten Wartezimmer der Bahabteilung des italienischen Konsulats explodierte mittags eine Bombe mit furchtbarer Zerstörungskraft. Neun Tote find bereits zu beklagen. Die Zahl der Verletzten beträgt 41. Die Bombe explodierte in einem Wand. schrank und riß ein 6 Fuß großes Loch in die Mauer. Man nimmt an, daß die Explosion auf Antifaschisten zurückzuführen ist. Von den Attentätern hat man eine Spur noch nicht gefunden. Zur Zeit der Explosion befanden sich im italienischen Konsulat 200 Personen, doch war Generalkonsul Capani abwesend. Mehrere in der Nähe des Wandschranks befindliche Personen wurden buchstäblich in Stüde gerissen. Infolge der Explosion stürzte ein an der Außenseite befindliches Baugerüst zusammen und begrub mehrere Personen unter sich. Wenige Minuten nach der Explosion brach an dem Unglücksort Feuer aus, so daß die Rettungsarbeiten sich überaus schwierig gestalteten. Da infolge Chauffeurstreiks nicht ge. nügend Krankenwagen zur Stelle waren, wurde das Rettungswerk weiter behindert. Der Wahnsinn dieses Attentats ist flar: es hat höchst wahrscheinlich Unschuldige gemordet, vielleicht sogar über zeugte Antifaschisten und neuer Faschistenterror in Italien mird die Antwort sein. Stellt man die alte Frage: Cui prodest Wem nüßt es?, so müßte man annehmen, daß nur Faschisten diesen Anschlag verübt haben fönnten. Aber anarchistische und sonstige Terroristen fönnen es auch gewesen sein. Die Antifaschisten fordern die Republik. Paris, 23. Mai.( Eigenbericht.) Die Bereinigung der antifaschiffifchen Parteien in Paris fündigt auch der italienischen Monarchie den Kampf an. Ein Aufruf an alle freiheitlich gefinnten Italiener erklärt, daß die Monarchie in Italien sich der Berfaffungsverlegung schuldig gemacht habe durch die glatte Annahme der„ Parlamentsreform" Mussolinis; es beginne eine neue Phase im Kampf für die Freiheit Italiens, trafischen Republit enden tönne. die nur in dem Sieg der Freiheit und der Errichtung einer demoDer frühere Außenminister Graf Sforza äußert sich in der Der frühere Außenminister Graf Sforza äußert sich in der Presse, er sei außerordentlich ft o 13 darauf, daß bei der Abstimmung über diese Parlamentsreform im Senat fo viele feiner Kollegen gegen den Faschismus und für die Freiheit demonstriert haben. Das gäbe ihm die fefte Ueberzeugung, daß das italienische Bolt das faschistische Joch abschütteln werde, denn gerade durch feinen Terror habe der Faschismus der übergroßen Mehrheit der Italiener die unbedingte Notwendigkeit der Freiheit bewiesen. Die Greifin im Kerfer, weil ihre Göhne desertierten! Junsbrud, 23. mai. In Wittertolang im Pustertal wurde die 72jährige Witwe Maria Dorner verhaftet und ins Kreisgericht Brigen gebracht. In der Wohnung der Witwe wurden ffundenlange Hausfuchungen vorgenommen. Die beiden Söhne der Frau find fürzlich defertiert. Anständige Blätter verboten. Italiengrenze, 23. Mai.( Eigenbericht.) Das Innenministerium hat eine Verordnung erlaffen, die neben anderen ausländischen Blättern die Einfuhr des Blattes der britischen Arbeiterpartei, Daily Herald", sowie des liberalen manefter Guardian" nach Italien verbietet. Ein schweizerischer Faschistenknecht. Im Großen Kantonsrat zu Bellinzona, beantwortete der Chef des Polizeidepartements eine sozialistische Interpellation über die Auslieferung zweier italienischen Deserteure. In der Antwort wird dargetan, daß die llebergabe der beiden Deserteure eine Berlegung des schweizerischen Rechts war und im Gegensatz zu den landesüblichen Gebräuchen steht. Die Verantwor= tung fällt auf den Polizeikommandanten Ferrario, der infolge. deffen für einen Monat(!) vom Dienst suspendiert wurde und auch für diese Zeit kein Gehalt erhält. Die neue Landtagsfraktion. Die neugewählte Fraktion der preußischen Sozialdemokratie zählt folgende 136 Mitglieder( die neugewählten sind gesperrt gedruckt): Wahlkreis 1, Ostpreußen: Dr. h. c. Otto Braun, Ferdinand Mertins, Antonie Wohlgemuth, Wilhelm Weidemann, Frau Annemarie Desterreicher, Franz Rudnigti. Wahlkreis 2, Berlin: Paul Hirsch, Gertrud Hanna, Otto Meier, Erich Kuttner, Gustav Sabath, Adolph Hoffmann, Eduard Bachert, Helene Schmitz, Georg Maderholz, Karl Weiner. Wahlkreis 3, Potsdam II: Friedrich Bartels, Hermann Harnisch, Luise Kähler, Georg Klaußner, August heitmann, Willi Drüge müller, Mar Fechner. Wahlkreis 4, Potsdam I: Wilhelm Giering, Elfriede Ryned, Wilhelm Krüger, Emil Stahl, Emil Saillat, Johann Bauer, Christoph König, Adolf Muschid. Wahlkreis 5, Frankfurt a. d. D.: Emil Faber, Wilhelm Baezel, Ernst Heilmann, Eugen Brüdner, Wilhelm Schadow, Hedwig Wachenheim, Karl Freter. Wahlkreis 6, Pommern: Theodor Hartwig, Aleg Runge, Richard Schallot, Karl Kirchmann, Wilte, Chriftian König, Richard Oswald. Hermann Wahlkreis 7, Breslau: Wilhelm Winzer; Adolf Thiele, Dr. Ernst Hamburger, Josef Lang, Gerhard Jalotta, Grögner, Karoline Kunert, Heinrich Rösler, August August Kleinert. Wahlkreis 8, Liegnih: Hugo Gberle, Otto Fritsch, Dr. Hildegard Wegscheider, Mar Simon, Paul Lehmann. Wahlkreis 9, Oppeln: Julius Franz, Emanuel Nowad. Wahlkreis 10, Magdeburg: Minna Bollmann, Julius Roch, Ernst Brandenburg, Ernst Wittmaad, Hermann Kasten, Karl Blum, Karl Müller. Wahlkreis 11, Merseburg: Paul Frante, Wilhelm Wilhelm Christange, Reinhold Drescher, Aleg Möller. Wahlkreis 12, Erfurt: Johannes Kleinspehn, Heinrich Mehrhof. Wahlkreis 13, Schleswig- Holstein: Wilhelm Brecour, Thomafine Jensen, Paul Bugdahn, Jürgen Jürgensen, Hermann Beters, Gehro Riders. Wahlkreis 14, Weser- Ems: Walter Bubert, Alwine Bellmann. Wahlkreis 15, Osthannover: Karl Gehrmann, Wilhelm Brandes, Berta Kröger, Karl Helfenberger. Wahlkreis 16, Südhannover: Robert Leinert, Rosa Helfers, Rarl Stephan, Albert Behrends, Johannes Lau, Karl Schröder, Karl Müller, Bernhard Boelder. Wahlkreis 17, Westfalen- Nord: Karl Severing, Willi Michel, August Meyer, Friz Doht, Math. Jakobs, Frau Walter. Wahlkreis 18, Westfalen- Süd: Franz Klupsch, Karl Otter, Anna Oventrop, Nikolaus Ofterroth, Julius Bräuter, Friz Kahl, Frizz Fries, Karl Grabe, Wilhelm Hansmann. Wahlkreis 19, Heffen- Naffau: Hans Mardwald, Albert Grzesinsti, Baul Röhle, Otto Haese, Valentin Traubt, Richard Wiet, Dr. Nölting, Berta Jordan, Karl Kraft. Wahlkreis 20, Köln- Aachen: August Haas, Frau KirschmannRöhl, Philipp Fries, Emil Forst. Wahlkreis 21, Koblenz- Trier: Josef Kleinmeyer, Math. Nonn. Wahlkreis 22, Düsseldorf- Ost: Hermann Meyer, Frau Christ mann, Beter Berten, Wilhelm Enz, Karl Obermeyer. Wahlkreis 23, Düffeldorf- West: Wilhelm Schluchtmann, Friedrich Lewereng, Ernst Müller. Landesliste: Otto Hörfing, Siegfried Rosenfeld, Benno Chajes, Richard Lohmann. Preußen gegen die Standesherren. Berufung beim Oberlandesgericht eingelegt. Gegen die drei Urteile des Landgerichts Münster im Prozeß der Standesherren Herzog von Arenberg, Fürst Salm Salm und Fürst Salm Horstmar um Aufwertung ihrer Rentenan und Fürst Salm Horstmar um Aufwertung ihrer Rentenan sprüche aus den Jahren 1920 bis einschließlich 1923 ist vom preußischen Fistus Berufung bei dem Oberlandesgericht Hamm eingelegt worden. Die Urteilssprüche gestanden den drei Standes. herren 40 Broz. ihrer Rentenansprüche zu. Für den preußischen Staat bedeutet das, daß allein in diesen drei Einzelfällen insgesamt 250 000 Mart zu zahlen find. Bemerkungen zum Colmarer Prozeß. Bon Hermann Wendel. Die fünfzehn in Colmar angeklagten Autonomisten geriießen den Vorteil, nicht wie in deutscher Zeit ähnlichen Vergehens Beschuldigte von den roten Roben des Reichsgerichts, sondern von Geschworenen, also von Laien und Landsleuten, abgeurteilt zu werden. Es ist schwer vorstellbar, daß der alemannisch gesunde Menschenverstand der Jury nicht zu glattem Freispruch kommen sollte, denn fläglicher ist selten eine politische Anklage zusammengebrochen als diese. Mitläufer der autonomistischen Bewegung im Elsaß, waren Die Ridlin und Genossen, zum Teil Führer, zum Teil einer Verschwörung gegen die innere Sicherheit des Staates angeklagt. In der dreiwöchigen Verhandlung erwiesen sich die einzelnen als alles mögliche, als Starrtöpfe, als Higlöpfe, als Querköpfe; auf der Hand lag, daß sie gegen eine oft unfähige Verwaltung redlich geraunzt, geschimpft und gespuckt hatten; auch hob sich der flerikale Kern der ganzen Bewegung zum Greifen deutlich hervor. Aber noch von dem verbissensten dieser Unzufriedenen gilt höchstens Schillers: ,, Kühn war das Wort, weil es die Tat nicht war!" Für eine Verschwörung, ein Komplott blieb auch der winzigste Beweis aus. Trotz seiner Selbstsicherheit steckte der Staatsanwalt in feiner guten Haut, da ihn seine Belastungszeugen bis auf die Knochen bloßstellten. Neben Polizeibütteln, die, auf Nr. 00 geflemmt, Autonomistenversammlungen belauschten, von ,, autonomistischer Malerei" fabelten, Albrecht Dürer für einen Untertanen Hindenburgs hielten und auch sonst wie orientalische Märchenerzähler wirkten, trat ein freiwilliger Lockspigel Namens Riehl auf, der ungefähr das verächtlichste Eremplar dieser verächtlichen Menschengattung darstellt. Indem er Frankreich im Gossenton anpöbelte, Gelder für autonomistische Blätter hergab, zu Gewalttaten aufputschte, hatte er die Autonomisten ans Messer liefern wollen; aber auch sein Eifer und Geifer war umsonst verschwendet. 1 War die Verhandlungsleitung feineswegs einwandfrei, so unterschied sie sich doch zuweilen vorteilhaft von der mancher politischer Prozesse in Deutschland. Da einer der Angeklagten betonte, er fei ein guter Franzose, aber vor allem Pazifist, fiel der Präsident lebhaft ein: ,, Alle guten Franzosen sind es mit Ihnen!" Wann wäre je an deutschem Richtertisch ein solches Bekenntnis erflungen? Aber dieses Wort liefert zugleich den Schlüssel zum Verständnis der psychologischen Hintergründe des Prozesses. Die Justiz steht hier nicht im Dienst der überkommenen zentralistischen Staatsauffassung Frankreichs, die auch durch eine Nabelschnur mit dem demokratischen Gedanken verbunden ist, denn wie die große Revolution den Zentralismus schuf, fo Dermummten sich alle gegenrevolutionären Borstöße seitdem föderalistisch, regionalistisch, autonomistisch; noch 1871 während der Kämpfe gegen die Kommune lautete das beliebteste Schlagwort der Versailler Reaktion, man müsse Paris décapiter et décapitaliser, enthaupten und enthauptstadten. Aber ebensoviel an gesundem Pazifismus lebt in der Abwehr des Autonomismus, weil in Frankreich jedermann und gerade der Linksgerichtete, der Demokrat, der Radikale, der Sozialist, fürchtet, daß durch jene Bewegung das Elsaß aufs neue zum Herd werde, an dem sich ein deutsch- franzö fischer, ein europäischer, ein Weltkrieg entzündet. In der Tat müssen einem Franzosen eigentümliche Gedanken kommen, wenn zweitausend frühere Korpsstudenten auf ihrem Berliner Kommers fingen: 0 Straßburg, o Straßburg, dir schwör'n wir in den Tod: Bald weht auf deinen Zinnen die Fahne schwarzweißrot!" oder wenn vor acht Tagen ein deutschnationaler Hauptmann, der Geheimrat Qua az, von der Hoffnung quaaßte, daß einmal wieder die deutsche Flagge vom Turm des Straßburger Münsters weht!" Daß die autonomistische Bewegung aus Deutschland moralische und materielle Unterstützung erfahren habe, ist im Colmarer Prozeß nicht bewiesen worden und bleibt auch um so unwahrscheinlicher, als die Angeklagten glaubhaft beteuerten, daß niemand unter ihnen an eine Lostrennung des Elsasses von Frankreich auch nur gedacht habe, und daß sie samt und sonders Franzosen von ganzem Herzen" seien. Aber schon der bei einem von ihnen aufgefundene Brief, in dem ein Berliner Direktor der Hugenbergschen ,, Telegraphen Union" Ratschläge für die Gründung eines autonomistischen Blattes erteilt, ist ein vollgültiger Beweis, daß in Deutschland allerhand Volk schmuzige Finger in die elsässischen Dinge hinzustecken versucht. Hierzulande gedeihen Blätter und Vereine, meist dem Firmenschild nach ,, unpolitische", zum Teil von deutschvölkischen" Elsässern geleitet, die planmäßig den Revanchegedanken schüren, indem sie das Elsaß als ein von Frankreich schnöde vergewaltigtes und seine Befreiung durch Deutschland ersehnendes Land hinstellen. Das Wissenschaftliche Institut für ElsaßLothringen" in Frankfurt fördert solche Bestrebungen, wenn es etwa alle einstigen Studenten der Universität Straßburg zu einer ficher nicht pazififtischen Gedent- Rundgebung zufammenfaßt. Ein böseres Raliber sind die Heimatstimmen" des Elsässers Dr. Robert Ernst in Berlin, die das elsässische Problem jeden Monat vom Standpunkt eines hoffnungslos verbohrten Deutschnationalen abhandeln. Diese Leute als harmlose Prahlhänse und Wichtigmacher abzutun, wie es die Frankfurter Zeitung" möchte, geht nicht an. Als Zuflüsterer und Einpeitscher der gesamten deutschen Rechten für die elsässische Frage sind sie eine ernste Ge= fahr, eine um so ernstere, als ihren Unternehmungen auch öffentliche Gelder zufließen. Eine wesentliche Aufgabe des neuen Reichstags wird es sein, diesem Treiben einen Riegel vorzuschieben und allen Stellen zu bedeuten, daß es nur eins von beiden gibt: Entweder Locarno oder das andere! Bon einem Elsässer und einem Deutschen stammen zwei denkwürdige Erklärungen des Colmarer Prozesses. Als Zeuge tat der Domherr, Universitätsprofessor und Senator Müller aus Straßburg dar, daß das Elsaß die Brücke ein zwischen Frankreich und Deutschland, Bindestrich und fein Schüßengraben sein müsse. Ebenfalls als Zeuge gab der Freiherr von Gemmingen, in deutscher Zeit einer der verständnisvollsten Verwaltungsbeamten des Reichslandes, zulegt Bezirkspräsident von Lothringen, zu Protokoll, daß für ihn die elsässische Frage eine inner= französische Frage sei, in die er sich als Deutscher nicht einzumischen habe. Das Elsaß wird desto eher die Brücke zwischen beiden Nachbarländern schlagen, die Müller und mit ihm wir alle erfehnen, je schneller alle Deutschen denken lernen wie emmingen. Für rasche Regierungsbildung. Eine Stimme aus dem Zentrum. Dem ,, Reichsdienst der deutschen Presse" wird aus politisch- parlamentarischen Kreisen geschrieben: Was wird in Württemberg? Das Zentrum will abwarten.- Die Haltung der Die Haltung der Sozialdemokratie. Stuttgart, 23. Mai.( Eigenbericht.) In der Erörterung über die Bildung der neuen Regierung legen fich die Parteien bisher große Zurückhaltung auf. Mehrfach wird daruf verwiesen, daß die Entscheidung darüber beim 3entrum liegt, das ja rein ziffernmäßig für jede Form der Koalitionsbildung unentbehrlich ist. Sein Organ vermoist jedoch demgegenüber am Mittwoch darauf, daß die Bildung einer Roalition feine mathematische Aufgabe sei, sondern abhängig wäre von der Einigung der in Betracht kommenden Parteien über einfach liches Programm" und über die Stabilität in der Führung der Regierungsgeschäfte". Es sei daher nicht Sache des Zentrums, irgend eine Meinung zu äußern, bevor die anderen Barteien sich fachlich über ein fünftiges Regierungsprogramm ausgesprochen haben: ,, Wer die Entscheidung zu fällen, wer zu prüfen hat, auf melcher Grundlage die anderen etma zur Berantwortung berufenen und geeigneten Parteien die fünftige Regierungspolitit aufbauen wollen, der hat nicht die Pflicht, als erster das Wort zu nehmen." Für die Sozialdemokratie nimmt Abg. Wilhelm Keil in der Schwäbischen Tagwacht" das Wort. In grundfäßlicher Beziehung stellt er fest, daß der Wahlausfall ein Berdammungsurteil" für die Deutschnationalen und ihre Politik bedeute. Will man der Logit dieses Urteils feinen 3mang 50,3 Prozent! Die Braunschweiger Sozialdemokratie hat die Mehrheit der Wähler hinter sich! und dem Willen des Volkes feine Gewalt antun, so muß bid Partei, der ein klares Vertrauensvotum Don den Wählern ausgestellt wurde, die führende Beteiligung an der Regierung verlangen... Die Sozialdemokratie ist eine staatsbejahende Partei und wird nicht freiwillig vera 3ichten auf die Ansprüche, die sie auf Grund des Wahlergebnisses zu stellen hat." In bezug auf die besondere Lage in Württem berg schreibt Keil: ,, Es ist nicht ausgeschlossen, daß der geschlagene Staatspräsi bent sich an sein Amt flammert und alle Hebel in Bewegung seßt, um die vom Volf verurteilte Rechtsregierung zu halten. Die Entscheidung liegt beim Zentrum und bei der Deutschen Volkspartei. Um eine lebensfähige Rechtsregierung neu zu bilden, müßten fie auch den Christlichen Boltsdienst an sich ziehen. Man wird abzuwarten haben, wie diese neue Gruppe den„ Bolts" dienst auffaßt, ob sie sich mit dem Odium belasten will, ben bankrotten Deutschnationalen Hilfe zu leisten. Wir sehen den Dingen mit Ruhe entgegen. Eine Verweigerung des der Sozialdemokratie zustehenden Landtagspräsidiums und eine Erneuerung des Rechts blods würde im Bolle nicht zu unseren Ungunsten wirken." Eine Klärung der Situation ist vor Pfingsten wohl kaum zu era warten. Der Zusammentritt des Landtags erfolgt in der zweiten Woche nach Pfingsten. Als Alterspräsident wird zunächst der frühere demokratische Staatspräsident Dr. Hieber die Ges schäfte zu leiten haben. Bommern" feinem ehemaligen Wahlkreis. Allüberall hatte Wilh. Schmidt stärkste„ Erfolge zu verzeichnen". Wenn nun der nationale Gedanke" eine solche Schlappe ers litten hat, so doch offenbar nur deshalb, weil man solche Kräfte nicht zu schäzen wußte, der Einfluß des DHB. in der Deutschverband der Vaterländischen. Herr Schmidt flagt: Uns wird geschrieben: Das Ergebnis der Reichstagsnationalen Boltspartei größer ist als der der Gelben im Reichs mahlen in Braunschweig übertrifft alle Erwartungen. Im wahlen in Braunschweig übertrifft alle Erwartungen. Im Bergleich zu den Landtagswahlen vom November hat die Sozialdemokratie ihre Stimmenzahl um mehr als 13 500 erhöht. Sie erlebt seit 1924 einen fortgesetzten Aufstieg: 9 83 590 Stimmen 104 726 9 128 193 . 141 743 Der Beschluß der Reichsregierung, erst unmittelbar vor dem Zusammentritt des Reichstages zu demissionieren, bringt für die Bildung der neuen Regierung mancherlei Gefahren mit sich. Wenn naturgemäß auch Berhandlungen über die Regierungsbildung nicht möglich sind, ehe nicht das endgültige Wahlergebnis feststeht, so entstehen doch bei einer längeren Berzögerung der Verhandlungen besonders dann schwere Gefahren, wenn einzelne Paf teien glauben, ihren Standpunkt zur Frage der Regierungsbildung in offiziellen Rommuniqués darlegen zu müssen. Werden erst einmal programmatijdje Forderungen in aller Deffentlichkeit von den Parteien aufgestellt, so ist die Berhandlung naturgemäß außerordentlich erschmert, mie das bei früheren Regierungsbildungen sich ja ohne weiteres gezeigt hat. Man wird deshalb erwarten müssen, daß die verantwortlichen Stellen zurückhaltung sich auferlegen und daß andererseits die Berhandlungen über die Regierungsbildung so schnell wie möglich eingeleitet werden, wobei daran erinnert sein mag, daß der Artikel 53 der Verfassung lautet:„ Der Reichskanzler und auf seinen Borschlag die Reichsminister werden vom Reichspräsidenten ernannt und entlassen", daß mithin in der Verfassung nicht etwa ein Borschlagsrecht der Frattionen vorgesehen ist, wie es gelegentlich der letzten Regierungsbildung von den Deutschnationalen ausgeübt wurde. Gerade nach den Erfahrungen, die man bei den letzten Rabinettswechseln gemacht hat, sollte man zu der leberzeugung fommen, daß eine neue Regierung noch schwerer zu bilden ift, wenn erst einmal der Reichstag persammelt ist. Eine ähnliche Auffaffung vertritt Ernst Feder im trauenspotum der braunschweigischen Bevölkerung für die ,, Berliner Tageblatt". Klaffenscheidung! Wirth über die Vertrauenstrife der Mittelparteien. Frankfurt a. M., 23. Mai.( Eigenbericht.) Die neueste Nummer der„ Republit" enthält cinen Artikel Don Joseph Birth, in dem es unter dem Titel„ Die Kundgebung des Bolkes" u. a. heißt: ..Die preußische Regierungspolitit ift in ihrer Ge famttendenz durch das Botum der preußischen Wähler bestätigt worden. Die vorherrschende Bartei hat hier ein Bertrauensvotum erhalten genau sowie die vorherrschende Partei in der Reichsregie rung, die Deutschnationale Bolkspartei, mit einem Mißtrauensvotum deutlichster Art belastet worden ist. Die drei bürgerlichen Barteien der Mitte müssen einen Berlust von 7 plus 7 plus 7 man daten im Reichstag beklagen. Das ist bei der Bolkspartei und dem Zentrum etwas ganz neues. Offenbar bricht in der Mitte das wirtschaftliche Interesse durch, es fünden sich Scheidungen an, die nach der ganz einfachen Alternative zu verlaufen scheinen: Hier mirtfchaftspolitischer Konservatismus und Individualismus, hier sozin wirtschaftlicher Fortschritt! Das Jdeenmäßige tritt zurüd, nicht einmal der mit Herrn Dr. Stresemann getriebene Personenfult reichte aus, um der Ideologie des volksparteilichen Liberalismus den erhofften Auftrieb zu geben. Auch die„ liberale" Haltung der Deutschen Bolfspartei im Schulfampf vermochte feinerlei Zuwachs an Stimmen zu bringen. Hier steht die Deutsche Volkspartei por derselben Enttäuschung, wie mit ihr die Demokraten und auf der anderen Seite das Zentrum. Diese Ergebnisse sind überaus intereffant. Die klaffenscheidung bricht in die Weltanschauungsparteien ..mit sichtbarem Borstoß" ein. Die Kölnische Bolkszeitung" glaubt sich in ihrer Besprechung des Wahlergebnisses damit trösten zu können, daß nicht nur das Sentrum, sondern auch die anderen Mittelparteien Wahlverluste zu verzeichnen hätten. Nur scheint, daß dieser Trost sehr mager ist, denn in der Zentrumsgeschichte steht es einzig da, daß die Bartei von einer Wahl zur anderen in ihren Hochburgen über 12. Broz. der Stimmen verliert und... daß die gesamte Mitte, ob sie zur Opposition gehört oder nicht, so starte Verluste hatte, die selbst fritische Gedanken tiefer greifen lassen. Die Mitte steht offenbarin einem starten Eristenztampf. Die Demokratische Partei hat ihn begonnen, in das Zentrum hat er übergegriffen. Wie weit insbesondere das Zentrum ihn bestehen wird, hängt davon ab, ob es ihm mit seiner fommenden Politik gelingen wird, verlorenes Bertrauen zurückzugewinnen, das heute bei der Sozialdemofratie Unterschlupf gesucht hat. Die Herausstellung des parteipolitischen Ideengehalts allein wird, wie das Bersagen des Gefühlsmotins beweist, menig nußen, menn nicht die praktische Politif mitwerbend nachhilft. Sie fann sich in dem kommenden Reichstag nicht fämpferisch nach links einstellen, sondern muß vielmehr links für die kommenden Aufgaben die Bundesgenossen suchen oder sich gar unter die Führung der Sozialdemokratie begeben." Wahleinspruch auch in Bayern. Wie die Bayerische Bauern. bunds- Correspondenz hört, wird die Wirtschaftspartei gegen das banerische Wahlsystem Einspruch beim Staatsgerichtshof für das Reich erheben. um ,, Die vaterländischen Parteien sind heute den größten Schreiern und auch den größten Geldsäcken ausgeliefert, sie müssen„ hören“ und gehorchen". Der nicht wieder zur Wahl zugelassene vormalige MdL, rächt sich an seinen Gegnern, indem er die Frage aufwirft: Aber wo sind nun die großen Gefolgschaften der Gewerkschaften? die wohl Parteien dezimieren, aber nicht erhalten fönnen. Wo find die bei den Kandidatenaufstellungen vorgezeigten Hunderttausende von Anhängern"? Wo ist der DHB. mit seinen angeblich 200.000 Mitgliedern und ihrem Anhang rechtsgerichteter" Anschauung? 0 ift Hamburg, Berlin, Westdeutschland, Hannover usw. Wo sind Wo Die Massen?" Reichstagswahl Mai 1924.. Reichstagswahl Dezember 1924. Landtagswahl November 1927 Reichstagswahl mai 1928.. Danach ist die Stimmenzahl der Sozialdemokratie seit Mai 1924 71,7 Broz, feit Dezember 1924 um 35,2 Proz. gestiegen. Aehnlich ist die Entwidlung in der Stadt Braunschweig. Nun, beim RvA. find sie gewiß nicht, obwohl Herr Schmidt aus Dort wurden bei der Reichstagswahl im Dezember 1924 insgesamt den Wahlergebnissen das Fazit zieht, daß da, wo die verft.. 31 524 Stimmen, bei der letzten Landtagswahl 43 845 Stimmen, gelben Nefter" find, überall gut national gewählt worden ist. bei der Stadtverordnetenwahl im Februar dieses Jahres 44 798 Einen Trost hat Herr Schmidt in seinem Kandidatenpechy! Wiedemann und Giese sind unterlegen!" bedeutet, daß die Sozialdemokratie ftatt 46 Proz. aller Wähler- Straube, ist gewählt, und wird als einzige gelbe Säule den Stimmen und bei der Reichstagswahl 48 582 Stimmen erzielt. Das Sein beamteter Obmann für Oberschlesien aber, Fridolin ftimmen bei den Landtagswahlen jeht 50,3 Bros. der abgegebenen 2andtag aieren. Stimmen auf sich vereinigt hat. Dieser erfreuliche Erfolg bedeutet gleichzeitig ein Berfozialistische Regierung. Er ist ein Beweis dafür, daß es der Arbeiterschaft möglich ist, auf bem friedlichen Bege des demokratischen Parlamentarismus die Macht zu erringen. Wie wählt die Frau? Deutschnationale und Zentrum sind nach Württemberger Zählungen Frauenparteien. Stuttgart, 23. Mai.( Eigenbericht.) In den Städten Stuttgart, Ulm und Heilbronn maren Borkehrungen für die gesonderte Zählung der von den weib lichen Wählern abgegebenen Stimmen getroffen. Daraus ergibt sich eine interessante Stufenleiter für die Gunst, in welcher die einzelnen Parteien beim weiblichen Geschlecht stehen. Von den in diesen drei Städten zusammen abgegebenen Stimmen entfielen auf die weiblichen Wähler bei den einzelnen Parteien: Christlicher Volksdienst Zentrum Deutschnationale Bolfsrechtspartei. Bauernbund. Deutsche Volkspartei A 67,1 Proz. • n K A 9 61,9 59,5 58,1 56,8 53,9 Deutschdemokraten.* 51,2 Wirtschaftspartei, 50,0 Sozialdemokratie 46,8 " Not- Soz. Arbeiterpartei*** Kommunisten 42,3 " 40,7 " Rußland und die Reichstagswahlen. Wie die„ Prawda" es sieht. Das Mostauer Hauptorgan der Bolschemiti, die Bramba, mürdigt den Ausgang der deutschen Reichstagswahlen in einem Beitartikel, der an Blumpheit beinahe noch die deutschen tomuu nistischen Aeußerungen übertrifft. Als Hauptergebnis der Mahlem wird die Tatsache bezeichnet ,,, daß nun der linte Flügel bes Bürgertums, die deutsche Sozialdemokratie", auf die Szene tritt. Auf den Röder der reformistischen Wahlparolem sei der bürgerliche Wähler hineingefallen, und die Folge davon fei die Umgruppierung der Stimmen im bürgerlichen Lager zugunsten der Sozialdemokratie. Einen grundfäßlich anderen Cha rafter habe der Erfolg der Kommunistischen Partei, die die Refordzahl von 1924 fast erreicht habe. Dreieinhalb Millionen deutscher Proletarier hätten trotz des ,, wilden antikommunistischen Tera rors" sich als geschworene Feinde der Weimarer Republik und als Rämpfer für die profetarische Diktatur erklärt. Das bedeute eine neue repolutionäre Welle. Während die Sozialdemo fratische Partei ihre soziale Basis nach rechts verschiebe, bedränge die Kommunistische Partei als einzige Klaffenpartei des Proletariats die Sozialdemokratie. Sowohl in Deutschland mie auch in ganz Europa befinde fid) somit die Arbeiterbewegung auf einer aufsteigenden revolutionären Linie. " アト Die deutschen sozialdemokratischen Wähler werden mit Heiter feit vernehmen, daß sie, durch die bolschweftische Brille gesehen, feine Arbeiter und feine Proletarier, sondern Bürger sind Man hat in der Redaktion der Prawda" sehr fomische Vorstellungen von der deutschen Sozialstatistik. Während diese lehrt, daß 60 bis 70 Broz. aller Wähler zu den proletarischen und halbproletarischen Eristenzen zu rechnen sind, entdeckt die Bramba" in Deutschland nur ein auf 3,5 Millionen zu berechnendes Proletariat, das natürBeltrepolution vorbereitet. Darüber, daß eine so kleine Minderheit niemals Weltrevolution machen kann, macht sich die Prawda" nicht die allergeringsten Sorgen. Es genügt ihr, ihren Refern Märchen zu erzählen, die ja innerhalb Rußlands, dank der dort herrschenden Zustände, ohne Widerspruch bleiben müssen. Diese Statiftit zeigt, daß der Christliche Boltsdienst seine Existenz als Partei lediglich dem Frauenmahlrecht zu verdanken hat. Das wäre noch deutlicher geworden, wenn auch in den Landlich dann unter bolschewistischen Fahnen marschiert und den Sieg der bezirken die weiblichen Stimmen gesondert gezählt worden wären. Auch Zentrum und Deutsch nationale würden ohne das Frauenwahlrecht nicht nur erheblich geschwächt worden sein, sondern die Partei Bazille hätte ohne dieses Wahlrecht vermutlich gar nicht die gefeßlichen Voraussetzungen für ihre Berücksichtigung bei der Austeilung der Mandate erfüllen tönnen. Schlüffiger als durch dieses Faktum kann der ganz katastrophale Zusammenbruch dieser Partei in Württemberg wohl kaum nachgewiesen werden. Katzenjammer bei den Gelben. Das Drgan des Reichsverbandes vaterländischer Arbeitervereine feiert die Niederlage des nationalen Gedankens" bei den Wahlen, zu denen der Herr Bundesvorsitzende Wilh. Schmidt, diesmal nicht mehr kandidieren durfte. Bon einer ausschlaggebenden Persönlichkeit der Deutschnationalen Bolkspartei und Landtagsfraktion" hat der Mann unterm 19. April 1928 ein Schreiben erhalten, woraus er zur Illustration germanischen Treuempfindens und Dankbarkeit von heute" folgende Stelle zitiert: daß es unmöglich für die Partei ist, einen Herrn auf feine Lifte zu sehen, dessen Person gleichgültig ob mit Recht oder Unrecht, ob mit oder ohne seine Schuld nun einmal in letzter Zeit so viel Staub aufgewirbelt hat." Damit war der Herr Bundesvorsitzende für die Partei erledigt, in der er ununterbrochen rund 25 Jahre in vorbildlicher Opferfreudigkeit gewirkt hatte, Trotzdem folgte er dem Rufe, seine Kraft und glänzende Rede gabe im Rampf gegen Margismus und Sozialismus einzusetzen", in Nieder und Oberschlesien und er versagte sich selbst nicht für " In diesem Zusammenhang machte sich besonders grotest, daß die„ Prawda" von einem„ wilden antikommunistischen Terror" in Deutschland spricht. Die ruffischen Sozialdemokraten, Sozialrevolutionäre und Trogfisten würden sich in einem Paradies fühlen, wenn sie auch nur einen Teil der staatsbürgerlichen Rechte befäßen, die in der geschmähten Weimar Republik den Kommunisten ganz selbstverständlicherweise zustehen. Eigentumsansprüche in Kanada. 23 Millionen Dollar für Deutschland. . Der Vorsitzende der Kommission, die die fanadischen Ansprüche auf Reparationszahlungen untersuchte, hat dem kanadischen Unterhaus einen Bericht vorgelegt, nach dem tanadischen Staatsange= hörigen Reparationsforderungen in Höhe von 6 289 000 Dollar zu gebilligt wurden, gegenüber 1928 deutschen Forderungen, die einen Gesamtbetrag von 23 Millionen Dollar erreichen. Der reaktionäre Innenminister Japans, Sufidi, ist durch Mochisicki ersetzt, d. h. der Parlamentsmehrheit geopfert worden. Die Räumung Haitis von den nordamerikanischen Truppen ist zum Jahre 1930 versprochen, dann sollen Wahlen sein. Die Wahl und ihre Wirkung. Lehren und Folgerungen. Schnell fertig ist die Feder mit dem Wort. Schon am Abend nach der Wahl tonnte man in Berliner Plättern lesen, wie die neue Regierung gebildet werden muß. Je kleiner der Einflußkreis auf Wählermassen ist, desto größeren Anspruch auf politische Fuhrerrollen wird da erhoben. Außerhalb Ber- lins urteilt man. über die Dinge wesentlich ruhiger und— kritischer. Das sollte auch in Berlin und in den Parteien be- achtet werden. Besonders die sozialdemokratischen Zeitungen bringen, so froh sie ob des Erfolges ihrer Arbeit sind, durchaus nicht die llnbekümmertheit gewisser Berliner Allerweltsblätter auf. Sie suchen vor allem den gesellschaftlichen Untergrund klarzu- legen, aus dem die Niederlage nicht nur der Deutfchnatw- nalen, sondern auch der bürgerlich-republikanischen Parteien, des Z e n t r u m s und der Demokraten, entsprang. Und von dieser Art der Betrachtung ausgehend, kommen sie zu wesentlich nüchterner Austastung zukünftiger Regierungs- Möglichkeiten, als das besonders bei unseren Demokraten deZ Fall ist. Die„Leipziger Volkszeitung* erinnert daran, daß die Demokraten so gut wie bei jeder politischen Wahl Verluste erlitten haben. Sie lehnt deshalb Ratschläge der demokrati- schen Presse rundweg ab: Der starke Erfolg der Sozialdemokratie gibt ihr die Gewißheit, daß sie mit der Politik der scharfen Opposition gegen die Parteien der Bourgeoisie auf dem richtigen Wege ist.... Die 9 100 00 sozialdemokratischen und die 3 200 000 kommunistischen Stimmen sind im heftigsten Kampf gegen die Bourgeoisie und alle chre Parteien errungen worden. Hinter den Stimmen stchen fast 12H Millionen Proletarier in der Front gegen die Bour- geoisie bereit, ihren reaktionäre» Plänen Widerstand zu leisten. Wenn auch die Kampfkraft der proletarischen Front durch dieHetzederKommunisten gegen die Sozialdemokratie g e- schwächt ist, so muß doch die Sozialdemokratische Partei bei den von ihr zu treffenden politischen und taktischen Entscheidungen das st a r t e Gewicht der 1214 Millionen einsetzen. Ganz ähnlich äußert sich die„Chemnitzer Volksstimme"', die den 3 Millionen kommunistischer Wähler besondere Aufmerksamkeit widmet: Wie wird es möglich sein, diesen 3,2 Millionen das Bewußtsein beizubringen, daß sie eine verlorene Partie spielen? Oder besser gesagt, daß ihre Hoffnung, in absehbarer Zeit die geschichtliche Mission der Sozialdemokratie zu übernehmen und führende prole» tarische Partei in Deuffchland zu werden, durch den Ausfall dieser Wahl nun wirklich von Grund auf zerstört worden ist? Zwar ist es eine ebenso gefährliche Illusion, zu glauben, man könne die kommunistische Parteileitung von ihrem ver- hängnisoollen Wege abziehen und mit der kommunistischen Reichs- tagsfraktion ein Stück Weges zusammengehen, hier entscheidet der Mille von Moskau, der von anderen Motiven geleitet wird als der Rücksicht auf das deustche Proletariat. Und was ihre Filialen in Poris und Berlin jetzt getan haben, das zeigt uns, mit welcher Ekrvpellosigkeit der Kreml arbeitet. „Im Ringen um die Seele des Proletariats", heißt es weiter,„müssen w i r Sieger bleiben... Können wir nicht die 18.5 Millionen proletarischer Stimmen jetzt schon nutzbar machen, so gilt es, zunächst unsere eigene Kraft in den Kampf zu stellen." __ Das„Sächsische Voltsblatt"«Zwickau wendet sich mit besonderer Schärfe gegen etwaige Pläne einer„großen Koa» lition": De? Kampf geht um den Inhakt anserer Nepubltk. Und bei diesem Kampf sind die Interessen und die Aufgaben der Sozialdemokratie denen der bürgerkichen Parteien und vor allem denen der da» Großkapital vertretenden Deutschen B o l k»- parter vollkommen entgegengesetzt. Angesichts dieser Tatsache könnte bei dem Übergewicht der bürgerlichen Parteien im Reichstag und damit in der Koalition und angesichts der Schwächung der Sozialdemokratie durch das Da« sein der Kommunisten«ine Koalition mit der Deutschen Bolkspartei nur auf Kosten der proletarischen Forderungen, auf Kosten der Sozialdemokratie gehen. So schroff lehnen eine Koalitionspolitik freilich nicht alle Parteiblätter ab. Die„M annheimer Dolksstimme* zum Beispiel ist der Ansicht, daß das deustche Volk heute eine Linksregierung sehen wolle, und glaubt, die Sozial- Demokratie werde sich diesem Volksauftrag nicht ent- ziehen: Freilich zum Spielball für die Listen und die Tücken. Manöver und Intrigen von Parteien und Parteiführern, denen«s nicht ebenso ehrlich wie uns darum zu tun ist. eine grundlegend« Neuorientierung unserer Innenpoiilik lierbeizuführen, die lediglich nach einem Vorwand suchen, um der Notwendigkeit dieser Umorientierung aus dem Wege zu gehen und die Verantwortung dafür abzuschieben— zum Spielball für solche Machinationen, wird sich die große, heute noch wesentlich ver- stärkte Sozialdemokratie diesmal noch wenigeralsje hergeben. Die„Schwöb. Tagwacht" in Stuttgart ist ähnlicher Meinung: ..Mit s a chl i che m Er nst hat die Partei vor der Wählerschaft .Kritik geübt und ihre Ziel« verkündet. Mit demselben sachlichen Ernst wird sie in den Parlamenten ihre Arbeit neu aufnehmen, bereit, zu kraftvoller, sozialer und politischer Reformarbeit, entschlossen aber auch zu schärf st em Kampfe, wenn die Reaktion aus? neue versuchen sollte, auf Kosten der schaffenden Bolksmassen ein« Politik gegen die Arbeitermassc. gegen die Republik, gegen den Völkestrieden zu betreiben* Noch deutlicher sagt die„Rheinische Zeitung", welche Lehren die Wahl für die Sozialdemokratie nach ihrer Meinung gebe: Wir wollen schon in den«stten Stunden unseres Sieges sagen: Er muß politisch ausgewertet werden. Eine Partei von nahezu zehn Millionen Stimmen kann nicht im Schmollwinkel sitzen. Das deustche Boll hat klar und deutlich dem Bürgerblock, hat noch deutlicher den Deustchnationalen ein Mißtrauens- votum erteilt. Es hak nicht minder deutlich nach einer Führung durch die Sozialdemokratie gerufen. Der Daltsfpruch lautet ein- deutig: Gegen Keudell!— Für Severing! Es kann und darf nicht an uns liegen, wenn der klare Voltsspruch sich nicht ebenso klar bei der Regierungsbildung auswirken sollte. Nur sollen nun die bürgerlichen Mittelparteien ge- warnt sein. E» darf noch einem solchen Wahlergebnis nicht antisozial regier« werden. Nicht mehr die politischen Staats- Probleme, die sozialen Volksprobleme stehen vor uns. Die Monorchie ist so gründlich erledigt wie nur möglich. Es geht um den sozialen Ausbau der Republik. In dieser Hinsicht, meint die„Rheinische Zeitung". sollte das Zentrum feine eigenen Wablziffern studieren. Es hat verloren, weil es sich hatte zu«nzozia ler Politik perleiten laste»...„«....-- �' Die edelmütigen Oeuifchnationaten. ,Hier die neue Patentlösung: Wir Oeutschnationalen sind bereit, von neuem das Opfer der Regierungsbildung zu übernehmen!" Glückwünsche von überall. Das Echo des sozialdemokratischen Wahlsieges. Londou. Die Landesexekutive der britischen Arbeiterpartei sendet den deutschen Genossen herzlich« Glückwünsch« zmn Wahlsieg. Lansbury. Hendeston mtd Macdonald. Prag. Die deustche Arbeiterschaft der Tschechoslowakei hat mit Spannung den heroischen Kampf unserer deutschen Genossen im letzten Wahlkampf verfolgt. Hellen Jubel löste die Nachricht von dem herrlichen Sieg aus."Der Porteioosttand der deustchen So- zialdemokratie in der Tschechoslowakei übermittelt euch aus diesem Anlaß die herzlichsten Glückwünsche. Czech, Taub. Prag. Zum herrlichen Sieg im Wahlkampf vom 20. Mai be- glückwünschen wir die deutsche Partei im Namen der tschechoslowa- tischen Sozialdemokratie. Hampl, Obmann. Dundr, Sekretär. Marschlw. Herzlich« Glückwünsch« zum herrliche» Sieg. Diamond, Obmann des Generalrat««, PPS. Riga. Herzliche Glückwünsch« zum eroberten Sieg. Sozio ldemokratstche Partei Lötlland«. Madrid. Die spamsch« Sozialdemokrati« beglückwünscht die d«ustch«n G«nossen zu ihrem glänzenden Dahlsieg. Vesteiro, Vizepräsident. Sabmckt. Sekretär. Konnw. Beglückwünschen glänzeMten Wahlsieg. Zionsozialsttisch« Partei. Jugend Litauen«. Podebrad? l Böhmen). Begrüßen eure außerordentlichen Er- folge al» Sieg der Weltdemokratie. llkroinifche Sozialdemokratie. Mazepa. Bezpalka. Herzliche Grüße zum glänzenden Wahlsieg der deustchen Bruderpartei. Der unaufhaltsame Ausstieg des deustchen Proletariats zur Macht in der Demokratie wird eine gewaltige Ermunte- ning für unsere Genossen in Rußland fem. Auslandsvertretung sozialdemokratischer Arbeiterpartei Rußlands. Dan. Abram»witsch. Paul Boncour über �Sicherheiten". Ein angebliches„Gaulois�-Interview. Nach einer Meldung der TU. soll Paul Boncour einem Vertreter des ultranationalistische»„Gaulois* gegenüber zum Aus- fall der deutsche» Wahlen erklärt haben, die Eindrücke, die sich auf Grund der Zahlen ergeben, seien sür die Erhaltung de« Frieden» zweifellos gunstig. Die Sozialdemokraten aber seien auch Patrioten. Er selbst sei einige Male ihren An- griffen ausgesetzt gewesen, da sie wissen, daß auch er die Räu- mung des Rheinlandes nicht in Betracht ziehen lasse, ohne b e- rcchtigte Kompensationen und Garantien sür die Sicherheit zu erhalten. Die Regierungen würden sich w Deutschland und auch in Frankreich veränderten Positionen gegenüber schen. Die Atmosphäre der Enstpannung würde sicherlich die Lösung der schwebenden Fragen günstig beeinflussen und auf alle Fälle bei den Verhandlungspartnern den Willen, zu einem Ergchni» zu gelangen, kräftigen. Man müsse den Ausgang der deustchen Reichstagswahlen mit der Absicht begrüßen, aus ihnen alle Vorteil« für Europa und die Welt zu ziehen. Ohne chre ouberordentllch« Be- deutung und die Wohltoten, die sie bringen können, verringern zu wollen, sollte man doch nicht vergessen, daß bedeutend« Schwierigkeiten weiter bestehen und größte Vorsicht im Interesse beider Länder notwendig sei. Einige Rechtsblätter stürzen sich auf diese Meldung, wobei sie jedoch erstens den nicht in chr Konzept passenden Satz über die Dater- landsliebe der deustchen Sozialdemokraten unterschlagen und zwei- tens verschweigen, daß Paul Boncour in der Sozialistischen Partei Frankreichs mit seinen Auffassungen so gut wie allein steht. Wo» uns betrifft, möchten wir zunächst eine weitere Polemik gegen chn unterlassen, da un» der nationaltststche„Gaulois* kein zuverlässige« Vermittlungsorgan für die Ansichten eines Sozialisten zu sein scheint. Wir beschränken uns auf die berichtigende Bemerkung, daß wir die Räumungsfrage vom Standpunkt nicht eines einseitigen nationalen Interesses, sondern vielmehr eines gemeinsamen, deutsch sran- zösischen Interesses aus betrachten, das eine rasche Lösung dieser Frage verlangt, und daß wir uns mit dieser Auffassung in voller Uebereinstimmung mit der Sozialistischen Partei Frankreichs be- finden, die die Räumung weder von Reparations- noch von sog«- nannten Cicherungsfragsu abhängig machen will, Die Grenzen müssen verschwinden. Oer belgische Sozialist de Arouckire über die Minderheiten Köln. 23. Dtoi. Auf Einladung des Verbandes sozialistischer Studentcngruppen sprach in der hiesigen Universität der belgische sozialistische Senator de Brouckerc, Professor an der Universität Brüssel, über«uro- päische Minderheitsfragen. Er ging aus von den engen Beziehungen zwischen Nationen und Sozialismus, wobei er den Begriff der Ration unter Anlehnung der verschiedenen Theorien geschichtlicher und kultureller Bedingtheit als Willenskundgebung der Menschen zum Zusamnicnleben formulierte. Jedem Volke, das auf dem Gebiete eines anderen wohne, sei ein gewisses Recht durch den Schutz einer überstaatlichen Organisation, des Völkerbundes, zu sichern. Als selbstverständliche Forderung des Minderheitenrecht» sei die Gewährung gleicher staatebürgerlicher Rechte und freie Aus- Übung des religiösen Kults anzusehen. Schwieriger sei es jedoch, den Minderheiten ihre wirtschaftlichen Rechte zu sichern, die gewöhn- lich nicht durch Gesetze, sondern durch einzeli; Maßnahmen von DeHörden bedroht werden. Im Minderheitsschulwesen müsse die stärkere umfassende Kultur der eigene» vorgezogen werden. Do« Hab« sich sowohl in Oberschlesien wie auch bei den Flamen in Belgien gezeigt. Die Gerechtigkeit müsse überoll in der Well aus gemeinsamem Haß gegen den Krieg organisiert werden, nicht um die Grenzen zu verschieben, was die Gefahr neuer Kriege heroistbe- schwör«, sondern um durch wirksamen internationalen Schutz d>« Grenzen unsichtbar zu machen. England und das Hamburgerphosgen. Ehamberlain zieht Berichte ein. eondoa. 23. Mai. stlnteichaus.) Staatssekretär Ehamberlain beantwortete ein« Anfrage, ob angesichts der Verfailler Bestimmungen ge, plant sei, hinsichtlich der Gistgaskatastrophe in Hamburg bei der deutschen Regierung Vorstellungen zu erheben. Ehamberlain sagte: es fei ihm bis jetzt nicht mehr über diese Sache bekannt, al« was die Zeitungen«nthallen. Er fei deshalb nicht in der Lage, zu sagen, ob auf Grund des Dersailler Vertrags Vorstellungen bei der deustchen Regierung erhoben würden. Ramsden fragte, ob Ehamberlain der Ansicht sei, daß Deutschland die Bestimmungen über die Herstellung und Verwendung von Kriegsmaterial von 1927 durchführe, serner ob der Staatssekretär den Völkerbund auf- fordern werde, die Explosionsangelegenheit zu untersuchen. Ehamberlain antwortete, es wäre verfrüht, über den Kurs, den die Regierung in dieser Angelegenheit einschlagen werde, eine Mei- nung zu äußern. Die Frage von Vorstellungen oder Anrufung des Völkerbundes könne erst oustchieden werden, wenn er ausführliche Informationen habe; er sei im Begriff, Schritte zur Erlangung dieser Informationen zu tun. Auf eine Anfrag« Hardt)», ob es sich bei dem fraglichen Gas nicht um eine Gassort« handele, die gewöhnlich zur Herstellung bestimmter Waren Produkte benutzt werde, erfolgte keine Antwort. Die verhafteten Polen. Heute vor dem Schnellrichter. Die 26 polnischen Kommunisten, die bei einer Versammlung ver- haftet wurden, sollen am heutigen Donnerstag vom Schnell- r i ch t« r im Polizeiprääsidium abgeurteilt werden. Zur Lost liegt den meisten vorläufig nur die Führung falscher Pässe oder die Ein- reise ohne Erlaubnis. Sie können ausgewiesen werden. Die be schlagnahmten Papiere in polnischer Sprache sind noch nicht voll kommen gesichtet. Soweit man bisher erkennen kann, sollt« sich di ausgehobene Versammlung lediglich mit innerpolnischen Fragen beschäftigen, und Berlin war nur als Zusommenkunftsvrt gewählt worden, weil die Teilnehmer nicht in die Hände der pol nischcn Polizei fallen wollten. In Polen wird nämlich schon die bloße Mitgliedschaft der KP., ja, jede Acußerung einer Sympathie für sie, auf das Härteste vestolgtl der vorgefundene Begrüßungs- aufruf an die deutschen Kommunisten ist nicht» weiter, al»«ine Glück- wunschadresse. Die gefälschten Pässe haben die Verhafteten offenbar von einer ausländischen Paßfälscherzentrale erhalten, über die Herkunft der Papiere verweigern sie aber nähere Anskiinffb. Zwei 5aar.Londesrotinitglieder tommunststjcher Poricirichtsng sind wegen Aufreizung einer Demonstranteninengc zu Gejöngni» verurteilt worden. Die Regierungskommission hat da» Verlange» des Landesrats, den Strafvollzug für die Tagung? zeik zu unterlassen, «bgeleha-t. Aus der Berliner Metallindustrie. Weitere Verhandlungen über den Manteltarif. Die gestern nachmittag mit dem Verband Berliner Metall- liche Regelung der Lehrlingsfragen lehnte er industrieller geführten Verhandlungen über den Neuabschluß des mit den schon bei früheren Gelegenheiten ins Manteltarifvertrages endeten nach etwa dreistündiger Dauer damit, Feld geführten Argumenten ab. daß die Parteien sich dahingehend verständigten, eine aus je brei Bertretern der Metallindustriellen und der Tariforganisationen der Metallarbeiter bestehende Kommission zu bilden, die zunächst die Berhandlungen weiterführen soll. Erst wenn sich diese Kommission über die wichtigsten Forderungen eingehend ausgesprochen und verständigt hat, sollen die Berhandlungen mit den gesamten Vertretern des Metallkartells und des BBMJ. wieder aufgenommen werden. Weniger ablehnend äußerte er sich zu den Forderungen nach der tariflichen Regelung des Kolonnenaffords, der Berechnung des Durchschnittsverdienstes der Affordarbeiter, der genaueren Bezeich nung des Affordpreises auf den Affordzetteln und den übrigen Forderungen, die im Vorwärts" bereits furz skizziert worden sind. Nach den ersten Ausführungen des Syndikus hatte es den Anschein, als ob die Verhandlungen nur noch von kurzer Dauer sein würden und ergebnislos abgebrochen werden müßten. Genosse Urich antwortete deshalb nur in kurzer Gegenrede, in der er betonte, daß das Metallkartell gerade an den Forderungen festhalten müsse. die die Unternehmer als undistutabel bezeichnen und daß sich nach den Ausführungen des Rechts. anwalts Oppenheimer eigentlich jede weiteren Berhandlungen erübrigen. Zu Beginn der gestrigen Verhandlungen einigten sich beide Parteien zunächst dahin, daß der zum 31. Mai gekündigte Mantel tarif um vier Wochen, längstens aber bis zum Abschluß eines neuen Tarifes verlängert wird, da eine Beendigung der Verhandlungen vor dem Monatsende unmöglich erscheint. Dann gab der Syndikus des BBMI., Rechtsanwalt Oppenheimer, den Standpunkt bekannt, den der BBMI. gegenüber dem neuen Bertragsentwurf des Metallkartells einnimmt. Da in diesem Entwurf zumeist schon wiederholt aufgestellte Forderungen enthalten sind, beschränkte sich der Unternehmeranwalt nur auf wenige beftimmte Erklärungen. Eine herabsetzung der wöchent lichen Arbeitszeit von 48 auf 46% Stunden, eine Erweiterung der Rechte der Betriebsvertre= tung bei der Festsetzung von Ueberstunden, eine bessere Regelung des Urlaubs und die tarif- weiterzuführen. Die Bergarbeiter Internationale. Bu ihrer Pfingsttagung. 3um 28. Male tritt zu Pfingsten der Internationale Bergarbeiterfongreß zusammen, diesmal in Nimes, Südfrankreich. Schon 1926 sollte dieser Kongreß tagen, doch wurde er wegen des englischen Großtampfes aufgehoben. Die Einladung nach Krafau war vom Internationalen Komitee angenommen worden, die politisch unsicheren Verhältnisse in Polen ließen es jedoch nicht ratsam erscheinen, den Kongreß dort abzuhalten. Seitdem 1924 der Rongreß in Prag abgehalten wurde, hat sich die Bage im internationalen Bergbau wenig geändert. Die Welt tohlenproduktion überstieg den Bedarf, die Produt tionsmöglichkeit war noch viel größer. England und Deutschland litten unter der Beltohlenlage am meisten, machten fich auch gegenseitig am meisten Konkurrenz. Der englische Rohlenbergbau arbeitete mit zunehmendem Verlust, die 1925/26 gewährten staatlichen Zuschüsse erwiesen sich als das, was sie in der Regel sind: Prämien auf die technische Faulheit. Sie förderten nicht die Rationalisierung des englischen Bergbaues, sondern schoben nur den Kampf zwischen Unternehmern und Arbeitern um ein Jahr hinaus. Der große Kampf endete mit einer Niederlage der Bergarbeiter, mit Arbeitszeitverlängerung und Lohnfürzung. Db die erstere nicht vermieden werden fonnte, ist eine strittige Frage. Unfere internationale Bergarbeiterorganisation betrachtet selbst perständlich den Schuß der Lebenshaltung der Bergleute, Die Gorge für ihre Gesundheit und ihr Leben als ihre vornehmste Aufgabe. In der Erkenntnis, daß Klarheit über die Lage der internationalen Bergbauindustrie, über die Lohn- und Arbeitszeitbedingungen der Bergleute in den verschiedenen Ländern Boraussetzung für die Wahl der zu ergreifenden Mittel ist, um die Bustände zu beffern, hat die Internationale alles getan, um zu dieser Klarheit zu tommen. Eine bedeutungsvolle Arbeit von dauerndem Wert hat auf Antrag unferes Internationalen Komitees das Internationale Arbeitsamt durchgeführt: die Erhebung über Arbeits zeit und Lohn im internationalen Bergbau. Der beutsche Bericht über diese Untersuchung wird mitte Mai erscheinen. Unter dem neuen provisorischen Setretär, Delattre, belgischen Abgeordneten und Gefretär der belgischen Bergarbeiter. organisation, ist außerordentlich viel eigene Erhebungs. arbeit geleistet worden, so daß dem Kongreß ein reichhaltiges Material über die verschiedensten für den Bergbau wichtigen Fragen vorliegt. Das internationale Kohlenproblem wird in einem Referat des internationalen Sekretärs behandelt werden. Für das Thema: Internationale Organisatoin der Produktion" stellen Frankreich und die Vereinigten Staaten Referenten. Andere Referate sind zugewiesen: Belgien:„ Die Ratifitation des Washingtoner blommens"; Desterreich: Urlaub für Bergarbeiter"; Tschechoslowatei: Sozialisierung der Bergwerte"; Deutschland: Bergarbeiterschuh"; Holland: Bensionen für Bergarbeiter"; Polen: Soziale Bersicherung"; Frankreich: Der Kampf gegen den Rrieg". Dem Kongreß wird eine Sigung des Exekutivkomitees vorauf gehen, die sich besonders auch damit beschäftigen wird, die Herausgabe eines regelmäßig erscheinenden Mitteilungsblattes vorzubereiten. Anscheinend hatte sich der Syndikus aber bei der Wahl seiner Berhandlungstonart etwas starf vergriffen, so daß sich der Berhandlungsleiter Direttor Kremmener bemüßigt sah, die in der ersten halben Stunde entstandene Kluft zu überbrücken. Er betonte, daß durchaus die Möglichkeit bestünde, sich über den größten Teil der Forderungen zu verständigen, worauf man sich dann schließlich einigte, die weiteren Verhandlungen, wie eingangs schon erwähnt, zunächst in einem kleineren Kreise mit reger, tätiger, verantwortlicher Teilnahme der Arbeitnehmer schaft kann dies Wirtschaftsproblem gelöst und damit auch die Bölferverständigung gefördert werden. Dieser Arbeit, diesem Ziel soll der Kongreß in Nimes dienen. Die Kurzarbeiterunterstützung. Gie muß bleiben! Die Kurzarbeiterunterstützung soll in ihrem jeßigen Umfange nur noch bis zum 2. Juni gelten. Soll sie dann einfach verschwinden? Allem Amschein nach möchte das Reichsarbeitsminifterium die Kurzarbeiterunterſtügung auffliegen laffen. Dagegen muß rechtzeitig und mit aller Entschiedenheit Front gemacht werden. Die Entwicklung Kurzarbeit rechtfertigt nicht die Beseitigung der Kurzarbeiterunterſtügung. Dang im Gegenteil: währen nämlich Ganz die Arbeitslosenziffern im allgemeinen einen Rückgang aufweisen, steigt die Kurzarbeit oder sie ist in den Berufen, in denen ein leichter Rückgang festzustellen ist, nach wie vor außerordentlich hoch. Die Kurzarbeit betrug nach der Statistik der freien Gewerkschaften Ende März 3,6 Proz, im April 4,1 Proz. Das ist an sich noch feine fatastrophale Steigerung, aber die Steigerung bei einzelnen wichtigen Industriezweigen gibt immerhin zu denken. Bei den Metallarbeitern betrug die Kurzarbeit Ende März 1,8 Proz. den Metallarbeitern betrug die Kurzarbeit Ende März 1,8 Proz. und Ende April 2,7 Broz, bei den Tertilarbeitern Ende März 10,7 Broz., Ende April 14,8 Proz, bei den Buchbindern lauten die entsprechenden Ziffern 10 Broz. und 10,2 Pro 3, bei den Lederarbeitern 17,6 Broz. und 15,6 Broa, bei den Schuh madern 31,3 Proz und 34 Broz, bei den Hutarbeitern 20,9 Proz. und 15,9 Proz. Bon den Kurzarbeitern hatten eine Berfürzung von mehr als zwei Tagen( 16 Stunden) bei den Metall. arbeitern 9 Proz., Textilarbeitern 21 Proz., Buchbindern 36 Broz, Schuhmachern 25 Proz. und Hutmachern 28 Proz Diese Ziffern geben wahrhaftig feinen Anlaß, in der Kurz arbeiterfrage die Dinge auf die leichte Schulter zu nehmen. Die Arbeiterschaft fordert vom Reichsarbeitsminister, daß die Rurz arbeiterunterstützung auch weiterhin bleibt. Oder will das Reichsarbeitsministerium vielleicht jetzt nach den Wahlen, deren Ergebnis doch wahrhaftig deutlich genug für feine sozialere Handhabung der Arbeiterfragen spricht, das neue Regiment aus gerechnet mit einem Abbau der Kurzarbeiterunterſtügung einleiten? Das wäre doch ein etwas sehr seltsames Beginnen. Herr Reichsdie Kurzarbeiterunterstüßung muß arbeitsminister, bleiben. im Die Lohnfrage der Wasserbauarbeiter. Heute Verhandlungen im Reichsarbeitsministerium. Am Donnerstag erfolgen Schlichtungsverhandlungen Reichsarbeitsministerium zur Neuregelung der Löhne der WasserApril verhandelt wird, ist noch immer offen. Der noch amtierende bauarbeiter. Die Lohnfrage der Wafferbauarbeiter, über die seit April verhandelt wird, ist noch immer offen. Der noch amtierende Reichsverkehrsminister, Dr. Koch, hat es nicht über sich gebracht, den Forderungen der Organisation soweit entgegenzufommen, daß eine Einigung möglich wurde. Die Lohnfrage für die Reichs- und Staatsarbeiter ist längst geregelt, nur mit dem Reichsverkehrsministerium, an dessen Spitze ein allerdings deutsch nationaler Arbeitervertreter steht, war bis jetzt noch fein Abschluß möglich. Auch das Reichsarbeitsministerium scheint ein Gefühl für das Unmögliche dieses Zustandes gehabt zu haben; denn es hat sehr rasch die schließlich notwendig gewordenen Schlichtungsverhandlungen anberaumt. vorstand demnächst bekanntgegeben werden. Nach der ersten Wahl zum Hauptbetriebsrat tann an den Dienststellen, wo nach dem Betriebsrätegese feine Betriebsvertretungen zu bilden sind, bestimmt werden, daß für solche Behörden eine gemeinsame Betriebsvertretung gebildet wird. Damit ist ein lang gehegter Wunsch der Arbeitnehmer im Be= reiche des Reichswehrministeriums endlich in Erfüllung gegangen. " Der junge Deuta- Prolet." Am Tage vor der Wahl wurde vor dem Betrieb der DeutaWeite, Berlin GD. 36, ein Flugblatt mit vorstehender Ueberschrift verbreitet, das nach der üblichen Beschimpfung der SPD., die als Arbeiterpartei nicht mehr in Frage" fomme, und der ,, Gewerkschaftsbonzen", die als Mitglieder der SPD. die Wirtschaftskämpfe abwürgten, sich auch mit den Betriebsangelegenheiten befaßt. Hierzu teilt uns der Arbeiterrat, gez. Angres und Wehnert, mit, daß sämtliche Lohnregelungen bis jetzt vom Arbeiterrat mit der Geschäftsleitung vereinbart wurden, die Löhne der jugendlichen Arbeiter also nicht von der Willfür einzelner Meister abhängig sind, wie die KPD. behauptet. Bezüglich der bemängelten hygienischen Zustände im dritten Stock und in der Packerei verweist der Arbeiterrat auf den eigentlichen Waschraum im Keller in der Männergarderobe. Zutreffend ist, daß uns fein Extra- Speiseraum zur Verfügung steht, aber daß wir deshalb bis zu den Knödeln im Schmug watend unser Frühstück verzehren müssen, ist eine dreiste Lüge, die jeder tatsächlichen Grundlage entbehrt. Was die in dem Flugblatt erwähnte Toilettenfrage anbetrifft, find wir in der Lage, genaue Auskunft zu geben, verzichten jedoch zugunsten unserer jugendlichen Kollegen darauf, um sie vor Weiterungen mit der Direktion zu schützen. leifteten Ueberstundenarbeit insofern, als einige Kollegen selbst die Weiter wehrt sich der Arbeiterrat gegen den Vorwurf der geDirektion aufmerksam gemacht haben, daß sie gern Ueberstunden ausgeführt hätten, jedoch vom Arbeiterrat daran behindert worden sind." Der Arbeiterrat der Deuta- Werte ist offenbar an die tommunistischen ,, Betriebszeitungen" noch nicht gewöhnt, sonst würde er der Nummer 1" wohl taum einen Wert beigelegt haben. Der KPL. tommt es ja weniger auf die Wahrheit als auf die verhetende Wirkung an. Zum Streif der Böttcher. Der Verband der Nahrungsmittel- und Getränfearbeiter, Ortsgruppe Berlin, teilt mit, daß im Laufe der letzten Woche die Unternehmer die Aussperrung der noch nicht herausgezogenen Betriebe beschlossen haben. Diesem Beschluß, der noch in der Faßgewerbezeitung mit großem Tamtam verkündet wurde, find jedoch mur wenige Kleinmeister nachgefommen. Größere Betriebe, u. a. auch die bekannte Effig- und Mostrichfabrit R. Rühne, Berlin, Brunnenstraße, denten gar nicht daran, den Aussperrungsbeschluß auszuführen. Der Kampf der Gesellen geht daher mit unverminderter Schärfe gegen die hochmütigen Unternehmer fort. Der Kampf in Württembergs Textilindustrie. Zehntausend Arbeiter und Arbeiterinnen in 40 Betrieben der württembergischen Textilindustrie haben wie schon gemeldet gekündigt. Am 21. Mai trat der Schlichtungsausschuß von Amts wegen zusammen, lehnte es jedoch ab, dem Verlangen der Unternehmervertreter nachzugeben, je einen fachkundigen Beisitzer zum Schlichtungsausschuß aus den Reihen der Parteien zu bestimmen. Der Unternehmerverband flagt, daß der Vorsitzende des Schlichtungsausschusses, Amtsgerichtsdirektor Dr. Rallee, miederholt Anträge der Unternehmer in dieser Richtung abgelehnt habe. ,, Unter diesen Umständen hat sich der Arbeitgeberverband veranfaßt gesehen, sich an diefem Schlichtungsverfahren nicht zu befeiligen und den Gewertschaften vorgeschlagen, mit ihm über die Regelung der ganzen Streitfache sofort in dirette Verhandlungen einzutreten, und zwar unter Hinzuziehung zweier Mittelspersonen, nämlich eines an der Streitfache unbeteiligten Arbeitgebers und eines unbeteiligten Arbeit. nehmers." Die Gewertschaften haben diesen Borfchlag abgelehnt Weshalb, das ist in der vorliegenden Meldung nicht gefagt, doch haben die Arbeiter zweifellos ihre guten Gründe dafür. Berlorene Beitragsmarken. Am Mittwoch, dem 23. Mai, in der Zeit von 5 bis 6 Uhr, hat eine Bertrauensperson 193 Beitragsmarten des Tabatarbeiterverbandes verloren. Wir bitten den Finder, dieje Marten im Bureau des Tabakarbeiterverbandes, Berlin, An der Stralauer Brücke 6, abzuliefern. Achtung! Betriebstrantenfaffen- Tagung! Die Versichertenvertreter, die an der Generalversammlung des Betriebskrankentassenverbandes vom 4. bis 7. Juni in Karlsruhe teilnehmen und die gemeinsame Fahrt zu verbilligtem Preise mitmachen wollen, müssen dies bis spätestens Dienstag, den 29. Mai, dem Kollegen Friß Ball, Neukölln, Herzbergstr. 21, mitteilen. Gleichzeitig mit der Mitteilung ist eine Anzahlung auf das Fahrgeld in Höhe von 10 M. einzusenden. Die Abfahrt erfolgt am Sonnabend, dem 2. Juni, 22 Uhr, vom Anhalter Bahnhof. Treffpunkt 21 Uhr 30 min. an der Bahnsteigsperre. Die Zentralfommission. Freie Gewerkschafts- Jugend Groß- Berlin Ein Betriebsrat im Reichswehrminifterium." Tempelhof: Gruppenheim Jugendheim Enzeum Germaniaftr. 6 Der Hauptbetriebsrat im Reichswehrministerium ist nach jahrelangen Verhandlungen des Berbandes der Gemeinde und Staatsarbeiter endlich auf Grund des Die dazu § 61 des Betriebsrätegesetzes gesichert worden. nötigen Verordnungen sind bereits im Heeresverordnungsblatt Nr. 13 Dom 19. Mai 1928 erschienen. Danach wird also für die Zukunft neben den örtlichen Betriebsräten und Betriebsobleuten ein Hauptbetriebsrat mit dem Siz in Berlin gebildet. Erfaßt werden fämtliche Dienststellen, an denen Einzelbetriebsvertretungen gewählt schaftlichen Betriebe, die Marinewerft in Wilhelmshaven und das Marinearsenal in Kiel. Wie in der Industrie im allgemeinen, so drängen in der Bergbauindustrie die Fragen der gesteigerten Produktion und ihrer Anpassung an den Bedarf zu einer Lösung. Ob die Bunehmende technische Industriemagnaten wollen oder nicht: Revolution macht immer mehr Arbeitskräfte über flüssig. Da gibt es auf die Dauer nur eine Wahl: Mitschleppen eines Millionenheeres von Arbeitslofen unter steter Gefahr, daß ein solch verzweifeltes Heer eines Tages alles auf den Kopf stellt, oder aber die Verwerden, ausgenommen die Remonteämter, die land- und forstwirtbesserung der Arbeitsbedingungen, Berkürzung der Arbeitszeit, um die Kauftraft der breiten Massen zu stärken, so Anreiz zur Produktionsvermehrung und-verbilligung zu geben und die Arbeitslosen wieder in die Gütererzeugung einzuschalten. National allein ist diese Frage nicht zu lösen, auch international nur durch die Kapitalisten fann und wird sie nicht gelöst werden. Nur M.Schulmeisfer Berfin Herren Knaber Fleidung Der Hauptbetriebsrat besteht aus neun Mitgliedern. Wahlberechtigt find erstmalig alle Arbeitnehmer, die an Dienststellen beschäftigt sind, für die Einzelbetriebsräte gewählt werden. Die Wahl findet im Juli 1928 statt. Der endgültige Termin wird von dem bereits bestimmten WahlDer fesche fertige Sommer- Anzug 39.50 49.- 59.- 69.- 79.- 89.- 98.-M. Regenmäntel von 17.50 M. an. Heute, Donnerstag, 19% Uhr, tagen die Gruppen: Lichtenberg: Jugendheim Doffeftr. 22. Vortrag: Das Dinta- Institut Jeine Aufgaben und Ziele." Frankfurter Allee: Gruppenheim Städt. Jugendheim Litauer Str. 18, 8immer 3. Spiel- und Tanzabend. Köpenid: Gruppenheim Jugendheim Grünauer Str. 5. Literarischer Abend: Aus Jack Londons Werten. Schöneweide: Gruppenheim Jugendheim Niederschöneweide, Ber liner Str. 31. Ausspracheabend. Südosten: Gruppenheim Jugendheim Reichen. berger Str. 66( Feuerwehrhaus). Bortrag: Organisierbarkeit der Landarbeiter. Bortrag: Bom Wandern und Schauen." Charlottenburg: Gruppenheim Jugendheim Spreeftr. 30. Bortrag: Wirtschaftsdemokratie und Arbeiterschaft." Moabit: Gruppenheim Städt. Jugendheim Lehrter Str. 18-19. Bortrag: Wie baut sich die FG3, auf?" Spandau: Grupperheim Städt. Jugendheim Lindenufer 1. Fahrtbesprechung Spielabend. Humboldt: Gruppenheim Jugendheim Graun, Ede Lorgingstraße. Bir rüften für die große Fahrt." Gesundbrunnen: Gruppenheim Jugendheim Rote Schule, Gotenburger Straße. Distuffionsabend. Außenspiele ab 18 Uhr: Neukölln: Boltspart Hasenheide; Treptow: Treptower Spielwiese Nr. 8. 1 Jugendgruppe des Zentralverbandes der Angestellten. Heute, Donnerstag, 19% Uhr, folgende Veranstaltungen: Südost. Treptow: Jugendheim Wrangelftr. 128. Borbereitung zum Reichsjugendtag in Frankfurt a. M. Schöneberg: Jugendheim Hauptstr. 15( Thüringen. zimmer). Vorbereitung zum Reichsjugendtag in Frankfurt a. M. Berantwortlich für Politit: Dr. Curt Gener: Wirtschaft: G. Klingelhöfer; Gewertschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: K. S. Döscher; Lokales und Sonstiges: Frig Karstädt: Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Verlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Budbruderet und Berlagsanstalt Baul Ginger u Co., Berlin SW 68. Lindenstraße 3. Sieran 2 Beilagen und Unterhaltuna unb Wiffen". M. Schulmeister Kottbuser Tor Jlr. 242* 43. Jahrgang ± Beilage des Vorwärts Donnerstag, 24. Mai 4923 Das Oold des Volkes. Die Kartoiieln werden sortiert. Der Kartoffel, die als sin« der wichtigsten Ernährung?- «quellen anzusehen ist, hat auf der Ausstellung„Ernährung" auf dem Berliner Messegelände die Kartoffelbaugesellschast einen stattlichen Raum gewidmet, der mit Dioramen, Photographien, Modellen und graphischen Darstellungen versehen ist, während nebenan eine Kopie des bekannten Kartoffeldenkmals aus dem Harz aus- «Westellt ist. Die Dioramen zeigen die Arbeiten des Landmannes, die der Kartoffelbau, auf die Monate verteilt, erfordert. Von den Photographien geben wir eine wieder, die zeigt, dah es wohl möglich ist, auch auf dem landwirtschaftlichen Gebiet« einige Rücksicht auf Erleichterung der Arbeit zu nehmen; den Frauen, die die Arbeit des Kartoffelauslesens ausführen, wird durch die Anbringung eines Auslefetisches die Vornahme der Arbeit in bequemer Körperhaltung ermöglicht. Von den neuerdings mit Recht so beliebten graphischen Darstellungen mit Ergänzung durch künstlerische Wiedergabe der Hauplmomente hat die Zerlegung der Kartoffelernte nach ihrer Ver- Wendung eine auch den Laien interessierende Bedeutung: mit einem gewissen Erstaunen wird man erfahren, daß Zl) Proz. wieder als Saatkartoffeln in den Boden kommen. Da es nun aber nicht gut ist, miederholt seine eigenen Kartoffeln als Saatgut zu benutzen, so muß auch der Kartoffelanbauer von Zeit zu Zeit in den Geldbeutel greifen, um eine neue Sorte oder Kartoffeln seiner bisherigen Sorte aus einer anderen Gegend zu erwerben. Wie das Verteilungsbild zeigt, kommen ZSProz. derErnteolsSpeisekartoffeln. 3 3 Proz. als T i e r f u tt er. 7 Proz. für technische Ilm- Wandlung in Spiritus, Stärke, Trocknung zur Verwendung. während ein„Schwund" von S Proz. als Folge der langen Dauer der Aufbewahrung— bis in den Juli des nächsten Jahres hinein— zu verzeichnen ist. Die �GDldgi-öbern'. So lautet eine Inschrift der Ausstellung, den Wert der Kartoffel ober dach wohl etwas zu sehr betonend. Die Wissenschaft dieser „Goldgräberei" hat nun in den letzten Jahren, zum großen Teil durch deutsche Forschung—(von ZYKartoffelzüchtern sind 15 deutsche— leider verschweigt die Ausstellung deren Namen)— einen sehr beträchtlichen Aufschwung genommen: über Sortenftagen, über das richtige Düngungskapitel, über die Bodenbearbeitung, über Fnihkartnffelzüchtung, Aufbewahrung(Einmietung, Einsäue- rung, Trocknung) der Vorräte usw. hat die von der Theorie bcein- flußic Praxis reiche Aufklärung gegeben. Wenn trotzdem Deutsch- land in dem Ertrage nach dem Hektar(131,6 Doppelzentner) hinter FUTTERKAßTOffTU SPlRim-STARyf-TOXX'' nunc' fflANZfN KAßTOFfFl den fünf Staaten Belgien(187,3 Doppelzentner), Niederlande, Sow wegen Großbritannien und Dänemark(138,8 Doppelzentner) rangiert, so ist gewiß das den genannten Ländern zukommende feuchte See- klima für den Mehrertrag in hohem Maße von Bedeutung, aber es wäre falsch, diese natürlich« Quelle der Mehrleistung als die einzelne anzusehen. Denn Sortenoersuche der deutschen Kartofselkulturstatio« haben ergeben, daß der Durchschnitt ihrer Resultate z. B. im Söhre 1926 mehr als das Doppelte des Reichsdurchfchnikts darstellt (241 Doppelzentner je Hektar gegen 108,8 Do�elzentner). Und der gewöhnliche Durchschnittsertrag ist auch im Osten, in Mitteldeutschland. im Westen und im Süden sehr verschieden: für 1921 bis 1927 waren die betr. Zahlen: 129 Doppelzentner, 131,8 Doppelzentner. 132,1 Doppelzentner, 106,6 Doppelzentner. Die Gesamtfläche ist fest Iahren ziemlich gleich geblieben: 2,7 bis 2,8 Millionen Hektar; sie beträgt in den genannten Gebieten 13,9, 13,9, 11,7 und 14 Proz. der Gesamtackerbaufläche. Die Ernten waren 1922 40,6— 1923 32,6— 1914 36,4— 1925 41,7— 1926 30,0— 1927 37,5 Millionen Tonnen. Die Beemflusiung der Ernte durch Schäden, die ungünstige Witterung hervorruft, ist hier namentlich bei 1926 zu spüren; eine solche Einbuße ist etwa alle sechs Jahre zu verzeichnen Import und Export. Nicht allgemein bekannt wird fein, daß bei den SpeisekartoffelN ei?« Preiserhöhung für weiße, rot« und gelb� f l« i s ch i g« K o r t o f f« l n sich in den letzten Iahren als notwendig ergeben hat.(Oktober 1927 2,71— 3,04— 3,52 M.) Die gelb- fleifchigen Kartoffeln sind im Westen beliebt, doch wird neben der Einfuhr aus Holland für de« Bedarf de» Industriegebietes durch den bereits bestehenden Anbau gelbfleischiger Kartoffeln in dem Gebiete von Mecklenburg über Pommern bis zur Grenzmark gesorgt, so daß eine Vermehrung der Anbaufläche nicht empfohlen wird. Als Fehler dieser Sorten fft anzunehmen, daß ihr Kraut den Boden nicht so bedeckt wie die weißfleischigen Kartoffeln, die Reinigung resp. Reinhaltung des Bodens vom Unkraut also nicht so günstig ist. Der Gesamtimport von Kartoffeln betrug 1927 639,133 Tonnen? außer den Niederlanden(268,630 Tonnen) waren Belgien ,<100,540 Tonnen) und Italien(120,462 Tonnen) die Hauptliefe- ranten. Deutscher Export nach dem Auslande(auch Saargebiet) war 1927 69,034 Tonnen. Eine Vergrößerung wird nicht leicht sein, da eigentlich nur England, Schweiz und Oesterreich als europäische importbedürftig« Länder in Bettacht kommen. Zu be- achten ist ober— weil es die von uns hier schon immer empfohlene Standardierung und Verkaufsorganisierung der landwirtschaftlichen Produktion bestätigt—, daß von autoritativer Seite als Ueberlegen- heitsmomente der Einfuhr aus Holland angesehen werden: 1. schnellste Anlieferung, 2. durch Zertifikat eines offizielle« Exe portkontrollbureaus gesicherte einwandfreie Beschaffenheit der Ware. Diese„absolute Sicherheit" fehlt bei den deutschen Lieferungen. » Im Hinblick auf die verschiedenen hier nur gestreiften Fragen, die der Kartoffelbou hervorruft, wird man wohl zu der Ansicht kommen müssen, daß die Zeit vorbei ist, in der„die dümmste» Bauern die dicksten Kartoffeln hatten". Raubmord auf der Landstraße. Einer schweren B l u t t a t ist der Kutscher Paul K o l l u s ch, der bei der Olex-Petroleum-Gesellschaft in Oppeln angestellt war, zum Opfer gefallen. Als er mit seinem Gespann am Sonnabend abend auf der Chaussee Iellowa-Königshuld in Echlesie« entlang fuhr, versperrte ihm ein Radfahrer den Weg. In go-- brochenem Deutsch forderte der Unbekannte den Kuffcher zum Holten auf und gab mehrere Schüsse aus ihn, so daß Kollusch vom Bock herunter auf die Landstraße stürzte. Der Raubmörder entriß ihm dann die Geldtasche, in der sich etwa 500 Reichsmart befanden und entkam auf feinem, Rade. Der sterbende Kutscher wurde später von Vorüberkommenden gesunden. Soweit er nach angeben konnte, Jack Lenden: W vlfsblUt. Das junge Tier, das so einen Namen erhalten hatte, lag wartend da. Eine Welle noch machten die Männer ihren Lärm mit dem Munde, dann nahm der Graue Biber ein Messer aus einer Scheide, die er am Halse trug, ging in das Dickicht und schnitt einen Stock ab. Wolf beobachtete ihn. Er kerbte den Stock oben und unten ein und befestigte Nie- men von ungegerbtem Leder in die Kerbschnitte. Den einen Riemen band er um Kisches Hals, dann führte er sie zu einer jungen Tanne, um welche er den andern Riemen befestigte. Wolfsblut folgte und legte sich neben ihr nieder. Lachs- zunge streckte die Hand aus und rollte ihn auf den Rücken. Kifche sah ängsllich zu. Wolfsblut fühlte, wie die Angst wieder in ihm emporstieg. Er konnte ein Knurren nicht ganz unterdrücken, aber er machte nicht Miene, zu beißen. Die Hand mit den gespreizten und gekrümmten Fingern rieb ihm spielend den Bauch und rollte ihn non einer Seite auf die ondere. Es war lächerlich und häßlich, so auf dem Rücken zu liegen und die Beine in die Luft zu strecken. Auch war os eine so äußerst hilflose Stellung, daß Wolfsbluts Natur sich dagegen empörte. Er konnte nichts tun, um sich zu ver- leidigen. Wenn der Mann Böses im Schilde führte, so wußte er. daß er dem nicht entrinnen würde. Wie konnte er, wenn er seine vier Beine in die Luft streckte, aufspringen? Doch bezwang er unterwürfig seine Furcht und knurrte nur leise. Dies konnte er nicht unterdrücken, und der Mann nahm es auch nicht übel und gab ihm keinen Schlag an den Kopf. Allein das Seltsamste war, daß Wolfsblut, wie die Hand ihn hin und her rollte, ein unerklärliches Bcrgnügen empfand. Wurde er zur Seite gerollt, so hörte er zu knurren auf. und wenn die Finger ihn am Kopfe krauten, so wuchs die angenehme Empfindung, und als der Mann nach einem letzten Streicheln und Krauen ihn losließ, war alle Furcht m ihm verschwunden. Zwar sollte er noch oftmals in feinem Umgang mit den Menschen vor ihnen Furcht empfinden, doch bereitete sich schon jetzt der furchtlose Verkehr mit ihnen vor. Nach einer Weile hörte Wolfsblut den Ton fremder Stimmen, die näher kamen. Er erkannte sogleich, daß es der Lärm fei, den die Menschen mit dem Munde machten. Einige Minuten später erschien der Rest des Stammes in langer Marschlinie. Es gab noch mehr Männer und viele Frauen und Kinder, im ganzen etwa vierzig Personen, alle mit Lager- und Haus- gerat schwer beladen. Auch viele Hunde waren dabei, und Kiese waren mit Ausnahme der noch nicht erwachsenen eben- falls beladen. Sie trugen auf dem Rücken in Säcken, die ihnen umgeschnallt waren, ein Gewicht von zwanzig bis fünfzig Pfund. Wolfsblut hatte noch nie zuvor Hunde gesehen, aber bei ihrem Anblick wußte er, daß sie, wenn auch ein wenig ver- schieden, doch zu seiner Gattung gehörten. Allein sie unter- schieden sich nicht sehr von Wölfen, als sie Wolfsblut und seine Mutter erblickten. Sie stürzten auf die beiden los. Wolfbluts Haar richtete sich empor, und er knurrte und schnappte zu, als die Schar Hunde mit offenem Maule heran- kam. Doch er wurde um und um geworfen, kam unter ihre Füße und fühfte ihre scharfen Zähne an seinen Körper, während er selber ihnen in die Beine und in den Bauch biß. Es war ein großer Spektakel. Er hörte Kisches Knurren, sah, wie sie für ihn kämpfte, hörte die Rufe der Menschen, den Ton der Knüttel, wenn die Hunde geschlagen wurden, und das klägliche Geschrei der also Geschlagenen. Ein paar Minuten später stand er wieder auf den Beinen. Er sah nun die Menschen, wie sie die Hunde mit Knütteln und Steinwürfen verjagten, wie sie ihn verteidigten und vor den wilden Zähnen seiner Gattung erretteten, die doch auch wieder nicht ganz seinesgleichen war. Wenn auch in seinem Hirn keine ganz klare Vorstellung van der Idee der Gerechtigkeit vorhanden war, so fühlte er in seiner Weise doch den Gerechtigkeitssinn der Menschen, und er lernte sie als das kennen, was sie allein waren, nämlich Gesetzgeber und Wächter des Gesetzes. Zluch lernte er die Macht, womit sie das Gesetz handhabten, schätzen. Ungleich allen andern Geschöpfen, die er bisher angetroffen hatte, bissen sie nicht, auch kratzten sie nicht. Sie unterstützten jedoch ihre lebendige Stärke durch leblose Dinge, die ihr Geheiß ausführen mußten. So sprangen Stöcke und Steine von diesen seltsamen Wesen gelenkt, wie lebende Dinge durch die Lust und brachten den Hunden Schmerz und Pem. Das war eine seiner Meinung nach ungewöhnliche und unbegreifliche Macht, die übernatürlich und darum gatt- ähnlich war. Wolfsblut konnte seiner Natur nach nichts non Göttern wisien, höchstens kannte er Dinge, die unbegreiflich waren, aber die staunende Ehrfurcht, die er vor den Menschen empfand, glich in mancher Beziehung den Empfindungen. die der Mensch beim Anblick eines himmlischen Wesens haben würde, das von einer Bergesspitze Blitz und Donner auf die staunende Welt schleudert. Der letzte Hund war zurückgetrieben. Der tolle Lärm erstarb, und Wolfsblut leckte sich die Wunde» und dachte über seine erste Bekanntschast mit der Grausamkeit eines Rudels nach. Er hatte es sich nie träumen lassen, daß seine eigene Gattung aus mehr als. Eiwmge, der. Mutter und ihm selber bestehen könne. Diese hatten eine Gattung für sich gebildet, und jetzt hatte er plötzlich noch viele ähnliche Ge- schöpfe erblickt. Er fühlte sich unwillkürlich verletzt, daß diese Verwandten gleich beim ersten Anblick über ihn i?er- gestürzt waren und versucht hatten, ihn zu vernichten. Auch nahm er es übel, daß die Mutter angebunden war, wenn es auch durch die höheren Wesen, die Menschen geschehen war- Es schmeckte noch einer Falle, nach Knechtschaft, wenn er auch von solchen Dingen noch nichts wußte. Frei umher- zuschweifen oder sich hinzulegen, wo und wann er wollte, das war sein Erbteil gewesen, und das war ihm nun verwehrt. Die freie Bewegung der Mutter war durch den Stock, an den sie gebunden war, beschränkt, und so war es auch die seine, denn er bedurfte noch der mütterlichen Räbe. Diese Sache gefiel ihm nicht; es gefiel ihm auch nicht, daß, als die Menschen sich erhoben und den Marsch fortsetzten, ein winziges Menschlein den Stock in die Hand nahm und Kische als Gefangene hinter sich herführte. Wolfsblut folgte ihr, aber durch das neue Abenteuer verstört und geängstigt. Sie gingen das Flußtal entlang und weiter, als er sick) je gewagt hatte, und kamen an die Stelle, wo dos Flüßchcn in den großen Mackenzicfluß mündete. Hier waren Boote hoch in der Luft an Stangen befestigt und Vorrichtungen zum Trocknen der Fische aufgestellt, und hier wurde das Lager aufgeschlagen, und Wolssblut schaute verwunderten Auges zu. Die Ueberlegenheit der Menschen flöhte ihm von Augenblick zu Aligenblick größere Ehrfurcht ein. Welche Macht übten sie nicht über die bissigen Hunde aus! Aber noch größer war seiner Meinung nach ihre Macht über die leblosen Dinge, denen sie Bewegung oerlichen, und mit denen sie das Aussehen der Welt oeränderten. Dies be- sonders setzte ihn m Erstaunen. Hatteu schon die hohen Gerüste aus Latten und Stangen seine Blicke auf sich ge- zogen, so war das noch nichts dos Merkwürdigste, was diese Geschöpfe, die Stöcke und Steine in große Entfernungen schleuderten, machen tonnten. Erst als diese Gerüste, indem sie mit Fellen und Geweben bekleidet wurden, sich in Zelte verwandelten, da kannte Wolfsbluts Erstaunen keine Gren« zen. Vor allem machte der ungeheure Umfang der Zelte Eindruck auf ihn. Sie stiegen auf allen Sellen um chn herum empor, wie mächtige, schnell wachsende Formen des Lebens- Sie erstreckten sich, soweit er sehen konnte, und er fürchtete sich davor. Sie sahen unheimlich auf ihn herab, und wenn der Wind sie schaukelnd hin und her bewegte, so duckte er sicfo und ließ sie nicht aus den Augen, immer bereit, fort» zuspringen, sollt«» fte narjnchen, sich aus ihn zu stürzen. ___(Fortsetzung folgt* nrufj bar Raubmörder ein Pol« sein.«r war etwa 1,6S bis 1�68 Meter groß und etwa 28 bis 30 Jahre alt. Die Per» liner Mordinspektion A de« Polizeipräsidiums, die benachrichtigt wurde, hat die Nachforschungen in die Wege geleitet. Alfs doch! Ein; 6v-MiHion«n-.Aa«eihe der Siadt Nerlin. Die Siad! Dcrlin hak. soeben mit einem amerikanischen BaalZenkonssriium unter Führung des bekannley Hauses Brown Brothers vnd(bo. in New Zork eine Vuslandsanleihe iibcr ld Millionen Dollar abgeschlossen. Die Tatsache dieser Anleihe wie ihre V e- dzsvguvgen sind gleichermaßen inleressaat. Sie bcflstigen w vollstem Umfange das, was wir hier übex den Anleihebcdaef und die Anleihe- Möglichkeiten der Reichshauptsiadt von jeher ver- treten haben. ZZskannMch bedurfte es eines fast cinjährigcn Druckes unserer Presse und der Dessen t.lichkeit, um die Be< latungsstekle für Ausländsanleihen zur Freigabe einer Berliner An. leihe zu veranlassen. Die Genehmigung ist izun endlich erteilt, aller- dings in einer Beschränkung, die de« grasten Kapitalbedarf des so schnell wachsenden Torlins in keiner Weise gerecht, wird. Was sind die 60 Millionen im Vergleich zu dem über ZOO Millionen betragenden Bedarf? Aber immerhin— der Anfang ist gemacht, die erste Bresche in die Mauer, mit der sich die Se� ratungestelle und der Herr Reichebankpräsident umgeben hatten, ist geschlagen.<£§ hal sich gezeigt, dah auch eln Aelchsbankprttfldent aus die Daner flch dem Druck der östentllchea Meinung nicht wider- teste» kann— um so weniger, wenn er einsehen must, dast die Tage der ihn stützenden Bürgerblockregierung gezählt sind. Unsere Auf. gäbe wird es sein, den Druck nunmehr zu verstärken und auf die Freigabe weiterer Anleihen zu drängen. Da» ist um so leichter geworden, als der Erfolg der ersten Anleiheverhandlungen seit Jahresfrist auch optimistische Hoffnungen mett übertrifft. ver Kredit der Beichshaupffladi mit ihrer verantwortungsdewustten Kommunalpolitik unter Führung der Sozialdemokratie ist auch im Auslände so grast wie nie zuvor. Ja. wir dürfen sagen:«r ist gerade durch den sozial. demokratischen Einfluß innerhalb aller ausschlaggebenden Ge- biete der Verwaltung so groß geworden. Auch da» Ausland sieht, wo» hier in Berlin auf den Gebieten der städtischen Werke und Lerkehrs untern ehirm ngen an mustergültlger kommu. naler Arbeit geleistet wird und hat daher ein Uneingeschränktes Bortrauen in die gesunden Grundtagen der städtischen Verwaltung. Die neu««O-Millkonen-Antelhe stellt die günstigste deutsche Anleihe dar. die jemals in Amerika seit dem Krieg« von irgend- einer Kommune oder auch von einem industriellen Konzern abge- schlössen worden ist. Di« Anleihe ist zu 6 Proz. verzinslich und in SOJahren zu tilgen. Zins- und Tllgungsbeträg« stnd erst »cht Tage vor Fälligkeit zu überweisen. Die sogenannte Marge, die Spanne zwischen Auszahlungskur» und Enrisstvnskurs beträgt nur Z'A Proz.; der Auszahlungskur» ist OZMt Proz. bei einem"'EWsionskurse von 9S Proz. Bei einer höheren' EmWizn erhält die Stadt die Hälfte dies erzielt en Gewinns. Sind schon diese Bedingungen als austerordentlich günstig zu bezeichnen, so gestalten sich die Einzelheiten für die Stadt noch norteilhoster. Sämtliche Kosten der Auslegung der Anleihe einschließlich Druck- und Anwaltskosten trägt das Bankenkonsortium— eine Bedingung, die bisher niemals zu erreichen schien. Desgleichen ist es gelungen— im Gegensatz zu früheren Anleihen— die Gel. tung des deutschen Rechte» für die Anleihebedingungen durch- zusetzen. Die effektiv« Verzinsung stellt flch für die Stadt auf 6,74 Proz. Die Anleihe wird je zur Hälft« für die Schnellbahnbauten und die Erweiterungsbauten der E l e k t r i z l- t ä t» w e r k« Derwendung finden. Ein Teilbetrag von 10 Mil- lirrnen ist für den Ausbau der Kanalisation in Aussicht ge- nommen. Farmer Langlopp freigelassen. Die Affäre de? Farmer» Heinrich Langtopp, her wegen des Höllenmaschinenattentats im Reichsentschädigungs- amt in Untersuchungshast genommen worden war, hat heute eine überraschende Wendung erhalten. Bekanntlich sollte Langkopp gegen eine Sicherheitsleistung von 20 000 Mark sreigelassen werden, vermochte aber diesen Betrag nicht auszubringen. Nachdem vorgestern der wegen Beihilfe in Untersuchung gezogen« Kaufmann L o o f gegen 1000 Mark Kaution entlassen worden war, hatte gestern früh Rechtsanwalt Dr. Frey einen erneuten Hastentlassungsantraa gestellt, dem ober der Vertreter der Anklage, Staatsamvaltschafts- osteffor G ö h r ck e entschieden widersprach. Auf eine sofort«inge- legte Beschwerde mußte der Untersuchungsrichter, Landgerichtsrat Blanck. die Entscheidung der Straskammer de» Landgericht» II anrufen, die mittags unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Linde zusammentrat. Die Strafkammer entschied die Haftentlassung Lang- kopps gegen ein« von Rechtsonvolt Dr. Frey angebotene Sicher. heitsleistung von 2000 Mark. Nachdem dieser Betrag bei der Gerichtskass« hinterlegt worden war, wurde Langtopp im Laufe des gestrigen Nachmittags au» dem Untersuchung s- gefängnis entlassen. Die. Voruntersuchung in der Bomben- assäve geht weiter. Demnächst wird Langkopp von einem gericht- lichen Sachverständigen über den Grad des Erkegungs- zustand««, in dem er sich zur Zeit der Tat befand, untersucht «erden. Der Sachverständige ist bisher vom Gericht noch nicht er- nannt worden. Erst nach Eingang des Gutachtens kann die Bor- Untersuchung abgeschlossen werden. Die Akten werden dann zur Erhebung der Anklage au die Staatsanwaltschaft abgegeben werden. Der Vorsitzende des Krantz-Prozesses. Der bisherige Stellvertretende Präsident des Landgerichts II, Landgerichtsdirektor Dust, der bereits nach Beendigung des K r a n tz- Prozesses wegen Ueberarbeitung den Vorsitz des Schwur. aerichts abgegeben hat, Ist nunmehr auch von den Prösidialgeschästen und der Leitung der veschlußkammer de« Landgerichts entbunden worden. Er hat einen längeren Urlaub angetreten. Me wir er- fahren, wird er nicht mehr nach Moabit zurückkehren. sondern zum Vorsitzenden einer Zivilkammer ernannt werden. Die Anfang Juni beginnende Cchwurgerichtsperiod« wird Vertretung*. Gewitter über Berlin. Zahlreiche Blitzschläge.— Eine Krau vom Blitz erschlagen. Heber Groß-Verliu und Vororte gingen gestern uachmll- tag kurz hintereinander zwei schwere Gewitter nieder, die von zahlreichen elektrischen Entladungen begleitet waren. Da» llnweller table sich besonders über Spandau, dem Süden und Südwesten Berlins mit nnerl)ör'Zäpse, sitzt aus der Anklagebank. Ihr Berbrechen hat aber nichts mit dem Gretchen» zu- schaffen; sie hatte die Rolle mit Marth« oertauscht: im Eröffnungsbeschluß steht Kuppelei. Und doch sieht ihr niemand die Kupplerin an. So rührend zart ist ihr Stimmchcn, so naiv bescheiden ihr Augencmf- und»Niederschlag, si» zierlich das Figürchen... Sie hatte einen Mann— jetzt ist sie geschmackvoll in schwarz gehüllt, der Mann ist vor vier Wochen gestorben—, einst Bremer Kaufmann, dann in leitenden Stellungen bei fremden Firmen und schließlich stellungslos. Da erlernte sie Manieur«, zog nach Berlin, eröffnete hier ein Manicureinstittit und ernährte auf diese Weise sich und den Mann. Aus Geschäftsgründen gab sie dem Institut einen adligen Namen und das zog tatsächlich. Das Inserat in einem Ber- liner Mittagsblatt brachte männliche und weidliche Klienten: jene ließen sich rnanicuren, diese manicurten. Die Sitzung tostet« 20 M. Ein wenig viel, doch das Manicuren war auch danach. Das Geld wurde geteilt... Wie es aber einmal schon in den Mietshäusern ist: kleinlich« Nachbarn nahmen Anstoß am Manicureinstiwt. Ins Polizeipräsi- dium flogen anonyme Briefe und als eines schönen Tages die Polizei In den beiden eleganten Zimmern erschien, wurde ein Pärchen noch schnell in ein dunkles Zimmer hinter einer Tapetentür oersteckt. Die Polizei fand es aber doch. Das Geschäft blühte trotz- dem: das Manicureinstitut verzog in die Lützowstraße In eine Sechs- .Die proletarische Weltanschauung" schilderte Dr. Karl Schrö- der im Zyklus.Weltanschauungen der Gegenwart". Der Bor- tragende betonte, daß die proletaeische Weltanschauung nicht ein von einzelnen erklügeltes System sei, sondern daß es vielmehr das Welt- bild der proletarischen Masse darstelle, wie es sich fest der Mitte des vorigen Jahrhunderts etwa gesonnt hat. Bon Männern wie Marx und Engels wurde es nur auf klare, übersichtlich« Formeln ge- bracht. Der Kern der proletarischen Weltanschauung ist ein über- zeugter Materialismus— aber kein Mechanismus, wie häufig an- genommen wird. Indem der Proletarier den Klassenkampf führt, kämpft er für«ine Verbesserung der Welt, also für e'ne höhere Gerechtigkeit.— Pros. Dr. Erich Kaufmann. Mitglied der Deutschen Liga für Bölkerbund, unterrichtete Ober die Arbeitsbereich« und Wirtungsmöglichkeiten des„Ständigen Internationalen Ge- richtshofes im Haag".—.Sächsische, thüringisch« Stadt, und Orts- musik" aus vergangenen Jahrhunderten wurde am Abend gesandt. Unter den einfachen, für Blechbläser, bisweilen auch für eine Sing- s limine gesetzten Mus kstückchen war manches, das auch einen Funk- Hörer erfreuen tonnte, der auf musikalischem Gebiet durchaus nicht geschichtlich interessiert ist. Doch anderthalb Stunden hindurch kann der harmlose Durchschnittsmensch derartig« Musik nicht ertragen. Die naive Einfalt dieses fleißigen Musik Handwerks geht ihm schließ- lich aus die Nerven. Weshalb werden die im Prinzip durchaus de- grüßenswerten Darbietungen solcher alten Volksmusiken nicht im Rahmen eine» Vortragszyklus gesandt, wo sie sicherlich weit besser zur Wirkung kämen? Tes. zimmerwohimng. Aber auch hier warf die böse Polizei ein Auge auf die harmlosen Manicurerinnen. Als eines Tages ein Regie- rungsasiessor vom Polizeipräsidium und ein Medizinalrat in der Wohnung erschienen, um sich zu überzeugen, ob nicht unerlaubter- weise Heilmassage getrieben werde, stellte man ihnen drei Damen bloß mit dem Vornamen vor und«rklärts ihnen, daß man zwar keine Heilmassage ausführe, jedoch zu leichter Massage gern bereit sei. Die Herren vom Polizeipräsidium berichteten an ihre Vor- gesetzten von einem„bordellartigen Betrieb". Dann folgte ein Bc- such der Sittenpolizei. Diese faßte die Sache ganz raffiniert an. Zwei Beamte begaben sich über die Bordertreppe zur Woh meng,«in dritter über die Hintertreppe: letzterer beirat die Wohnung, bevor jene geläutet hatten und konnte beobachten, wie sein« Kollegen erst hineingelassen wurden, nachdem ein Herr schnell aus dem Zimmer befördert wurde:. Dt-.zierliche Kküifmnnnzftav trm man aber nur mit sehr wenigem- beklechet iym; nnd-oußcr ihr noch einig« andere Damm. Der Ehemann war natürlich im Bilde. Was sollte er machen? Er war ja stellungslos und das„Mänicure- Institut" ernährte ihn. Also steht das Gretchen vor Gericht. Sie ist so halb und halb geständig: auch eines von den sungen Mädchen bestreitet nicht unter dem Eid«, von Manicuren nichts zu verstehen; in der Vorunter- snchung wurde alles glatt bestritten: Mamaire und sonst nichts. Der Staatsanwalt beantragte wegen Kuppelei drei Wochen Gefängnis. Das Gericht erkannte auf diese Strafe, wandelt? sie jedoch in eine Geldstrafe in Höhe von 210 Marl um. ZUs der Vorsitzende über Dorschubleistung von Unzucht sprach und für das Treiben in dem Manicureinstitut ernste Worte fand, schlug die Kaufmannsfrau ehrlich-sittsam die Augen nieder und als sie si« wieder aufschlug, waren sie faucht. Wenn ihr Papa, ein Förster, wüßte. wodurch sein schönes Töchterlein in Berlin sich und dm Mann er- nährte... Der Kindesmord im Kronkenhause. Niemand hatte etwas bemerkt. In einem Krankenhau« in der Näh« von Berlin fft di« 2Ziäbriao Anna Sä», als Hausangestellte beschäftigt. Sie weiß, daß sie in der ollernächsten Zeit ein Kind zu erwarten hat— die Frucht einer flüchtigen Bekanntschaft. Sie ist in diesen Dingen nicht mehr ganz unerfahren. Ihr erstes uneheliches Kind— ein braver Reichswehr« soldat zahlt pünktlich seine Alimente— befindet sich bei der Tante in Pflege.„Wenn du mir mit einem zweiten Kind« kommst,«r- hältst du auch das erste zurück," hatte diese gesagt... Im Krankenhaus bemerkte niemand dm Zustand de» Mäd- chens. Weder die Aerzte noch die Oberschwester noch di« übrigen Krankenschwestern Selbst ihr« Kollegin, mit der si« das. Zimmer teilte, ahnte nichts. Eines Mchts aber wurde sie von gräßlichen Schmerzen erfaßt: Sie lief von einer Eck« des Zimmers.zur an- deren, weinte, stöhnte, sagte aber chrer Zimmergenossin, sie habe sich wohl erkältet. Am nächsten Morgen ließ sie jedoch die Ober- schwester holen und sich dos Fieberthermometer einlegen. Kurz da- nach erfolgt« die Geburt,. In.Ihrer Verzweistung, Furcht und ochmerz ergriff sie das Küchen messer, das sich in d«r Schublade des NachUijches befand, und tötete das Neugeborene. Dann versteckte sie das Messer unter der Matrafte. wickelte das Kind in Wäsche und legte es in den Schrank. Dann holte sie einm Eimer Wasser, wischt« dm Loden auf und sägte zur Oberschwester, daß sie eine Fehlgeburt gehabt habe. Dann ging sie an die Arbeit. Ihre Tat aber blieb nicht oerborgen. Das Mädchen war ohne weiteres geständig. Nun stand sie vor dem Gericht. Ei» unförmiges, dralles Landmädchm. Man wundert sich beinahe, nicht, daß die medizinische Umgebung von threm Zustand nicht gemerkt hat. Der Berteidiger Dr. Fritz L 3 we n t h a l bat, die Angeklagt« aus lhrm Geisteszustand zu untersuchen. Da, Gericht tebnt� da» ab. Er beantragte, ihr wenigstens ans einen Teil der Strafe Bewährungsfrist zu geben. Diesem Ersuchen gab das Gericht statt: es oerurteilt« die Sch. zu zwei Iahren Gefängnis;, noch Verbüßung von drei Monaten soll ihr auf den Rest Bewährungs- fnst zu gebilligt werden!, SsX(IrSaHi gCa�ee Kaa.ist bassar S'S.ill? Schweres Flugzeugunglück in Köln # Eine Berlinerin unter den Toten. Der verunglüdte franzöfifche Bilot Charpentier, der erst vor einigen Tagen mit der gleichen Maschine eine glatt verlaufene Notlandung in Berlin- Dahlem vorgenommen hatte, war schon das ganze vergangene Jahr über auf der Strede Paris- Berlin tätig und galt als sehr befähigter Flieger, der auch bei seinen deutschen Kollegen im Zentralflughafen Tempelhof fich allgemeiner Wertschätzung ers freut. Merkwürdigerweise weigert sich der Berliner Farman- Ber treter den Namen des mit ihm ums Leben gefommenen französischen Bordmonteurs, der auch schon lange mit Charpentier flog, befannt zu geben. Es handelt sich, wie mir hören, um den Monteur Dumont Schweres Straßenbahnunglück. Ein schweres Flugzeuunglüd, bei dem drei Personen den| Ursachen des Unfalles vorderhand noch nicht geflärt find, fieß die Tod gefunden haben, ereignete fich am Mittwoch mittag furs Staatsanwaltschaft die Leichen und die Refte des Flugzeuges beschlagnach 1 Uhr in der Nähe des Kölner Flugplatzes. Wenige Minu- nahmen. ten nach seinem Start stürzte das französische Bertehrsflugzeug etwa 2 Silometer hinter dem Flugfeld auf einen Ader. Die Maschine ging sofort in Flammen auf. Die drei Infaffen, der Pilot Charpentier, der Bordmonteur, dessen Personalien noch nicht festgestellt sind, und der einzige Fluggast, eine Frau Marg aus Berlin, verbrannten, ohne daß ihnen Hilfe gebracht werden konnte. Ueber das Unglüd erfahren wir folgende Einzelheiten: Um 9.35 Uhr war das Farman Flugzeug in Paris gestartet und ordnungsmäßig um 12.35 Uhr in Köln gelandet. Um 13.05 Uhr startete das Flugzeug, das bis dahin feinerlei Störungen gezeigt hatte, da der Führer feine dahingehenden Mitteilungen ge macht hatte. Nach einer großen Runde über dem Blag ging die Goliath wie gewohnt in äftlicher Richtung davon. Es fiel jedoch auf, daß das Flugzeug, das mit zwei Motoren ausgerüstet ist, nicht in größere Höhe ging, sondern sich etwa 100 Meter über dem Boden hielt. Plötzlich setzte die Maschine zu einem sehr fteilen Gleifflug an und landete außerordentlich hart auf einem Ge treidefeld. Dabei muß die Benzinleitung gebrochen sein und der Brennstoff hat sich offenbar an den heißen Motoren entzündet, denn im nächsten Augenblid stand die Maschine bereits in helfen Flammen. Bewohner eines nahegelegenen Ortes eilten zur Hilfe und auch vom Flugplak Köln wurden sämtliche verfügbaren Mannschaften in Autos nach der Unfallstelle entsandt. Bei ihrer Anfunft fanden sie die Maschine, die bekanntlich nicht aus Metall besteht, sondern nur aus Holz und Die Leinemand. fast vollfommen verbrannf nor. Insassen, der Führer Charpentier, der Bordmonteur und die einzige Infaffin, die aus Berlin stammt und die Battin eines Kaufmanns aus der Düsseldorfer Straße ist, waren verbrannt. Da die Hyänen der Elendsquartiere. Groß, allzugroß ist die Gemeinschaft derer, die Nof und Elend aus allen Winkeln der Großstadt zusammenwirft, man müßte meinen, gemeinsames, großes Ceid machte sie zu Brüdern und Schwestern, die einig fämpfen gegen den großen, unbesiegbaren Feind, ihre verlorene Welt. Aber fle haben fogar Feinde in ihren eigenen Reihen; folche, die, am Ende jeden Menschlichkeitsgefühls angelangt, nicht davor zurückschrecken, des Elendsgefährten Allerletztes zu rauben. Gin Frauenheim der Heilsarmee. Zwei haben einen gemeinsamen Schrank. Zwei Mädchen, die hier zusammenhausen, befreunden sich. Die eine muß ganz plöglich ins Krankenhaus; die andere besucht sie faft täglich, zeigt großes Mitgefühl. Als der Ter min der Entlassung fommt, macht sie sich erbötig, die Rekonvaleszentin zu einer bestimmten Stunde aus dein Krankenhaus abzuholen und ihr gleichzeitig Kleidung und Wäsche mitzubringen. Am Morgen foll die Patientin das Krankenhaus verlassen und gleichzeitig wird ihr Bett für eine neue Krante zurechtgemacht. Es wird Mittag, es mird Nachmittag, niemand läßt sich sehen. Der Arzt läßt das zweifelte Mädchen noch die Nacht über da. Am nächsten Morgen tommt ein Mädchen aus dem Heim mit der Nachricht, die andere wäre verschwunden und der gemeinsame Schrant ganz leer. Nun muß sich die Wermste, um überhaupt aus dem Krantenhaus zu fönnen, von allen Seiten die notdürftigsten Kleidungsstücke zusammenbetteln. Das Küchenmädchen im Krankenhaus schenkt ihr ein paar alte Schuhe, eine andere ein Hemd usw. Nun steht sie wieder im Heim, ohne Arbeit, ohne Geld auch dieses hat ihr die Freundin" gestohlen und auch ihre letzten paar Habseligkeiten find weg. Sogar die vorausbezahlten Schlaftage im Heim hat sich die andere, angeblich in ihrem Auftrag, aus. bezahlen lassen. Als man der Diebin später habhaft wird, auch gesteht sie ohne weiteres alles ein und wandert seelenruhig nicht das erstemal ins Gefängnis. Die grausam Bestohlene muß sich nun ihre Kleidungsstüde gegen ziemlich hohes Pfand an den verschiedensten Orten, in Leihgeschäften, in Blättereien usw. Stück für Stück zurückaufen. Tage lang hungerte sie und jetzt, wo sie endlich wieder Arbeit hat, gehen ihre fauer verdienten Groschen dafür hin, ihr bißchen Hab und Gut zurückzuerobern. Bo bleibt hier die amtliche Beschlagnahme gestohlenen Gutes und Wiedergabe an den rechtmäßigen Befizer? Bagatellen sind es natürlich, deren Wiederbeschaffung einer Amtshandlung taum mert sind. Hier ein Paar Schuhe, dort ein Kleid, an dritter Stelle ein Schirm usw. und doch der ganze, not wendige Besiz eines Menschen, um den er tämpfen und darben muß. Sprechchor für proletarische Feierstunden. Heute, Donnerstag, abends 7% Uhr, llebungsstunde im Gesangsfaal der Sophienschule, Weinmeisterstraße 16/17. Gefälschte Bilder. Eine Fälscherwerfftatt in Frankfurt a. M. ausgehoben. Die Kriminalpolizei in Frankfurt a. M. hat dieser Tage eine große Fälscherwertstätte entdeckt, aus der eine ganze Anzahl angeblich wertvoller Gemälde, meift alter Meister, hervorgegangen ist. Schon nach den ersten Berkäufen, die zu guten Breifen erfolgten, entstand der Berdacht, daß es sich um gesáidte Fälschungen handeln müsse. Nach längeren Ermittlungen der haftete die Kriminalpolizei einen fleinen Kunst- und Antiquitätenhändler, der die Fälschungen vertrieben hat. Die Blider wurden von einem Frankfurter Maler hergestellt und mit falscher Signatur versehen. Eine ganze Anzahl von Persönlichkeiten, die zum Teil 3wei Zote zehn Verletzte. Gelsenkirchen- Buer, 23. Mat. Heute nachmittag, furz nach 4 Uhr, fuhr ein von Herten tommender Straßenbahnzug der Beslischen Klelnbahn in fchmetter Fahrt auf einen die Straßenfreuzung passierenden a ft ftaftwagen einer Baufirma auf. Durch den heftigen Anprall wurde das Oberteil des Motormagens von dem Fahrgestell a b gerissen und legte sich quer über die Straße. Sämtliche Fahrgäfte im Wagen erlitten schwere Berlegungen. Ein Mann fonnte nur als eiche unter den Trümmern hervorgeholt werden. Ein 65jähriger Bergmann starb auf dem Transport 3um& rantenhaus. Die Zahl der Berlegten beträgt 16, darunter sind 3 wolf Schwerverlette. Die Fahrgäste des Anhängers tamen mit dem Schreden davon. Die Phosgenfatastrophe in Hamburg. Reue Erfranfungen. BR Hamburg, 23. Mai Bet ben Hamburger Boltzelbehörben sind heute Giftgas. fachverständige aus dem ganzen Reich zufammengetreten, um die Frage der Unfchädlichmachung des noch lagernden Phosgens zu prüfen. Es wurde beschlossen, die auf der Bebbel noch vorhandenen hosgenvorräte so rajch wie möglich auf chemischem Wege an Ort und Stelle zu vernichten. In Harburg Bil. helmsburg liegen zurzeit 84 Rrante, von denen eine ganze Anzahl in der letzten Nacht neu eingeliefert wurde, darunter eine Reihe recht schwerer Fälle. Bei der Hamburger Bürgerschaft liegt neben der demokratischen und der sozialdemokratischen Anfrage zu der Katastrophe jetzt auch eine Anfrage der Kommu niften vor, die sich besonders mit der Frage des Schaden erfages befchäftigt Post- Abonnenten D amit die regelmäßige Zustellung des Vorwärts im nächsten Monat teine unliebfame Unterbrechung er leidet, bitten wir unsere Post- Abonnenten, das Abonnement für den kommenden Monat sofort zu erneuern, falls die Past das Bezugsgeld noch nicht eingezogen haben sollte. Vorwärts- Verlag G.m.b. H. Parteinachrichten, Clusendungen für diese Rubrik find Berlin B68, Lindenstraße 3, bestimmt enmefenb feln. Im glet den Solat um 19 Uhr Sigung der Ges fayäftsleitung. 7. Kreis Charlottenburg. Bildungsausschuß am Freitag, 25. Mai 20 Uhr, im Jugendheim Rofinenste. 4. Genofsinnen und Genoffen, die bereit sind, im Intereffe der Elternbeiratswahlen die Wählerlisten abzuschreiben, wer den dringend gebeten, sich bei Hinrichsen, Bayreuther Str. 25a, Fernruf von 9-16 Uhr Dönhoff 716-717, au melden gweds Material und näherer Information. 18. Kreis Beißensee. Sente, Donnerstag, 24. Mai, 20 Uhr, bei Gallas, engere Borstandssigung. Heule, Donnerstag, 24. mai: 38. Abt. 20 Uhr bei Bartufch, Friedenstr. 88, turze, aber wichtige Funktionär figung der Bezirksführer. Auch alle sozialdemokratischen Elternbeirats. nbleute der Schulen innerhalb der Abteilung sind eingeladen. 101. Abt. Treptow. 19 Uhr in der Spedition Graekstr. 50 Bildungsausschußfigung. Alle Mitglieder des Ausschusses müssen anwesend fein. Morgen, Freitag, 25. mai: 6. Abt. 20 Uhr Funktionärsigung bei Dobroblaw, Swinemünder Str. 11. Aufstellung der Listen zur Elternbeiratswahl. 48. Abt. Die Abrechnung findet am Freitag 18 Uhr bei Keller, Fürstenstr. 1 statt. Auch die Gammellisten und Maimarten find abzurechnen. Alle Bc. girlsfilhrer werden uni pünktliches Erscheinen dringend gebeten. 85. Abt. Tempelhof. 20 Uhr in der Linde", Friedrich Karl, Ede Werderstraße, Funktionärligung. Elfernbeiräte mollen miterscheinen. Vortrag des Genoffen Gerlach über Die Bedeutung der Elternbeiratswahlen. 111. Abt. Bohnsdorf. 20 Uhr bei Heimann, Waltersdorfer Str. 100, wichtige Borsbandssigung. Frauenveranstaltungen: 40. bt. Mittmod), 30. Mai, findet eine Besichtigung des Mammutofens der Ronfumgenossenschaft in Tempelhof ftatt; anschließend Kaffeetafel mit einem Vortrag ber Genoffin Gertrud Lohbaht. Alle interessierten Genoffinnen find hierzu eingeladen und werden gebeten, fich entweder beim, Genoffen Schymilemti, 107. Berkaufsstelle der Ronsumgenossenschaft in der Bordste. 70, oder bei der Genoffin Meyer, Hagelberger Str. 20a, anz melben. 58. Abt. Charlottenburg. Seute, Donnerstag, 24. Mai, Frauenleseabend bei Biersch, Rantstr. 62. Vortrag des Genoffen Behner über„ Der Mensch ist gut. 1. Teil des Buches von Leonhard Frant. Bollzähliges Erscheinen erwünscht. Gäste willkommen. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt: 20. Areis Reinidendorf. Die Genoffinnen werden gebeten, die Wohlfahrts. marlen fofort bei der Genoffin Schönewerd, Brovinzftr. 48, abzurechnen. Jungfozialisten: Gruppe Reinidenborf- West: Seute, Donnerstag, 20 Uhr, im Jugendheim Gelbelfte. 1. Bortrag des Genossen Sans Balhmann. SAJ. und Gäste find Gruppe Weißensee: Am Sonnabend, 26. Mai, Pfingstfahrt nac) willtommen. Soachimsthal. Treffpunkt Stettiner Bahnhof 17% Uhr. Sterbetafel der Groß Berliner Partei Organisation 25. bt. Unfere Genoffin EIIa Fielifch, Allensteiner Str. 30, ist am 18. Mai tödlich verunglückt. Chre threm Andenken! Einäfcherung am Frei tag, 25. mai, 10 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße Rege Beteiligung ift erwünscht. Banner ist mitzubringen. Sport. Rennen zu Karlshorst am Mittwoch, dem 23. mai. Mabuse( Leutn. v. Reibnit). Toto: 27:10. Blag: 14, 18, 27: 10. liefen: Brunustochter, Escorial, Albana, Rudgrat, Golondrina, Siegreich, 1. Rennen. 1. Lucresia( Freienbrint), 2. Lall( Bittner), 3. Dottor Ferner Sternberg. 2. Rennen. 1. Eritönig II( Balter Heuer), 2. Schlehblüte( Scholz), 3. Sonechilde( Kränzlein). Toto: 22:10. Plat: 15, 21:10. Ferner liefen: Marinta, Karola, Bommerlund. 3. Rennen. 1. Mannestreue( Schuler), 2. Prospero( Moris), 8. Mariza( Bismar). Toto: 54:10. Blag: 22, 13: 10. Ferner liefen: Flämin, Marchesa, tlantic. 4. Rennen. 1. Niedermalb( Leutn. b. Gög), 2. Strifischer Tag ( Befizer),& Daubenton( b. Borde). Toto: 25: 10. Plak: 13, 19, 19: 10. Ferner liefen: Daim IL Barfuß, Grille, Per mala, Baltazar, Stummer Zeufel 5. Rennen. 1. Turmalin( Frangle), 2. Lotte( Bismart), 3. Bodens Lopf( Scholz). Koto: 15: 10. Blab: 10, 10: 10. Ferner lief: Irenaus. 6. Rennen. 1. Borgia( Schnizer), 2. Allah( Leutn. v. Mickich), 8. Cafar II( Leutn. b. Göß). Zoto: 32: 10. Play: 17, 27: 10. Ferner liefen: Barfifal, Sonnentonig, Myron 7. Rennen 1. Forelle( M. Schildt), 2. Roft( Grabsch), 3. Starofte ( Zarras). Toto: 157: 10. Blaz: 38, 23, 19: 10. Ferner liefen: Parad Ludwig Thoma, Goldlachs, Gladiator, Patron, Rosenherzog, Scheil. F Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend ( Nachdr. verb.). Ziemlich fühl und meist wolfig, mit einzelnen Niederschlägen Für Deutschland. Jm Südwesten und im Süden teilweise heiter und etwas warmer, im übrigen Reiche unbeständig, tühl, mit einzelnen Regenfällen. Am Freitag, dem 25. Mai 1928, eröffnet ber Schillergarten, frither Friedrich Wilhelmstädtischer Garten, Chauffeeftr. 30-31, Inhaber D. Rug, feinen gaftlichen Naturgarten, jeder Berliner Familie als angenehmer Erholungsaufenthalt be tannt. Das Personal ist restlos gewerkschaftlich organisiert. Ausschant des guten Berliner Rindl- Bieres. Gute, billige Rildhe. Es tongertiert unter Leitung des Dirigenten Gips( früher Neue Welt) eine 17 Mann starte Rapelle, Burzeit wird die große Rheinland- Lotterie zur Sebung des Weinbaues an Rhein, Nahe, Mofel, Ruwer, Saar und Ahr ausgespielt. Es bietet sich unseren für Groß- Berlin Befern eine befonders günstige Gelegenheit, außer ben- zahlreichen anderen Gestets an das Bezirkssekretariat' 2. Hof, 2 Trep. rechts, zu richten. Achtung, Elternbeiratswahl! Wahlvorschlagsformulare der Liste Schulaufbau und Sammelmaterial find ab Freitag, den 25. Mai, mittags, im Bezirksfefretariat, Cindenftr. 3, Bureau Fischer, 3immer 4, abzuholen. Achtung, Elternbeiräte! Genosse Richard Schröter wohnt nicht mehr Goldaper Straße, sondern R. 58, Danziger Str. 23. Anfragen find dorthin au richten. Mündliche Auskünfte in der Sprechstunde Montags und Donners tags 17-19 Uhr. 2. Kreis Tiergarten. Freitag, 25. Mai, 20 Uhr, erweiterte Rreisvorstands figung bei Krüger, Butligstr. 10. Die Obleute der Kommissionen müssen Deutscher Metallarheiter- Verband Achtung! Außenmonteure Achtung! An den Bingftfeiertagen findet eine Konferenz aller auf Montage be findlichen Kollegen nicht statt. Achtung! Berwaltungsmitglieder! Freitag, den 25. Mai, abends 7 Uhr Sigung der Mittleren Berwaltung. Die Ortsverwaltung. flüchtig sind, scheinen in die Angelegenheit, die nach verschiedenen Im Rittergutsgelände Bollensdorf Großstädten, u. a. nach Köln und München hinüberspielt, verwidelt Bu fein. Mit weiteren Berhaftungen ist in aller Stürze zu rechnen. Der Tod in der Grube. 3wei neue Bergwerfsfataftrophen in Amerika. New Bort, 23. Mai. In Bluefield, Weffoirginia, ereignete fich eine Minenexplosion, durch die vier Bergleute getötet wurden. Auch in Elfa Bevada wurden vier Bergleute durch Mneneinffurz getötet. Zu dem furchtbaren Grubenunglüd in Pennsylvanten befagen ergänzende Meldungen aus New York, daß von den bei. dem Grubenunglüd auf den Mather- Kohlenbergwerten in Pennsylvanien eingeschlossenen Bergleufen nunmehr 155 Celchen geborgen find. Man erwartet, bis zum morgigen Tagesanbruch noch weitere 35 Leichen an die Oberfläche bringen zu können. bei Neuenhagen( Ostbahn) sind Siedlungs- Parzellen in jeder Größe zu günstigen Zahlungsbedingungen zu verkaufen. Wilhelm Waltking'sche Verwaltung Berlin W. 8 Friedrichstr. 62. Fernspr.: Merkur 6545 Sommer- Wohnungen mit und ohne Küche Hodhwald- Grundstück Waldesfrieden" bel Fredersdorf ( Ostbahn) Vorortzug bis Petersha en 25 Min.zu Fuß 99 99 99 S " Fredersdorf 40 Züge 12 u. 1625 ab Schles. 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Post- und Lustintcressen des Reiches absieht. Die zum Zt. Mörz 1!>28 fertiggestellte und jetzt der Oefsentlichkeit üdcr- gebenc Bilanz- und Gewinnrechnung ist nicht geeignet, den privat- lopitolistischen Lodenhüter von der Unfähigkeit öffentlicher Wirtschaftsführung aktueller oder ziitressender zu machen. Die Renta- l'ilitat der vom Reich« voll beherrschten oder durch Beteiligungen beeinslutzten 21 Unternehmungen der Bankwirtschast, Elektro-, Wummium-, Stickstoff- und Maschinenindustrie hat sich auch im Jahre 1NZ7 in günstiger Weise entwickelt. Man sollte deshalb ein- sehen, daß das Schielen nach d«m Wohlwollen des Prioatkapitals deshalb, well man ein öffentliches Großunternehmen ist, heut« überstüssiger ist als je. Wir sind der Ansicht, daß die neu im Aufsichtsrot vertretenen Bankhäuser, Berliner Handelsgesellschaft und Mendelssohn u. Co., mit der»Viag" mit d«m größten Vergnügen auch dann Geschäfte machen, wenn sie im Aul- fichtsrot nicht oertreten find. Die Politik und die Wirtschaftstätigkeit des Reiches sind keineswegs so weit von einander entfernt, daß die politischen Machtverhältnisse im Deutschen Reich auf die Verteilung des Einflusses im Aussichtsrat der»Viag" ohne Einfluß zu bleiben brauchen. Daß da, gute Konjunkturjohr 1927 von den Konzernuntcrnehmun- gen der.Viag" mit E r f o l g ausgenutzt werden konnte, z«igt die zu- sammenfolsend« Bilanz d«r Dachgesellschaft recht deutlich. Die Be- teiligungen sind gegenüber dem Vorjahre von 148,89 aus 172,72 M'l- lionen Mark gestiegen. Di« Erhöhung stammt aus 19 Mil- lionen neuen Aktien der Reichskrcdit A.-G., 4 Millionen der Span- dauer Industriewerke, aus der neuen Beteiligung von 3.34 Mil. lionen an den privaten Metalltonzern Lerg-Heckmann-Selv« und 1 Million RWE.-Akti«n, die von der Reichstredit A.-G. der.Viag" übertragen wurden. Gleichzettig sind die Forderungen der Viag an die Konzerngesellsckiastsn durch die gute Konjunktur von 58,93 auf 37,43 Millionen und die Verbindlichkeiten von 14,84 auf 8,78 Millionen gesunken. Die Verring«rung des Bankguthabens von 18.80 auf 9,87 Millionen bedeutet keine eigenlliche Verringerung der flüssigen Mittel, sondern nur den Verbrauch von früher beschafften Anleihegeldern durch Sonzernwerk«. So konnte trotz der bedeutenden Steigerung der Beteiligungen um rund 24 Millionen die Bilanzsumme noch von 224 auf rund 220 Millionen zurückgehen. In den Beteiligungen, die einem Nominalwert von etwa 230 Millionen entsprechen und nur mit rund 173 Millionen ausgewiesen sind, stecken natürlich g e- «altige Reserven, die für die Zukunft noch große Möglich- keilen zur Anleihebeschoffung offen lasten. Eine erhebliche Bilanz- Verbesserung wurde auch dadurch erzielt, daß man den Rest der vor zwei Iahren noch 4,1 Millionen betragenden Anleihekursdisserenzen mit 1,72 Millionen ebenfall» getilgt und die Anleiheschuld von 1925 durch Tilgung von 24,57 aus 23,94 Millionen weiter gesenkt hat. In- und Auslandsonleihen werden jetzt noch im Gesamtbetrag von 09,14 Millionen Mark ausgewiesen. Die Gcwinnrechnung zeigt ein« Erhöhung der Divide n- deneinnahmen o»» den Beteiligungen von 11,60 auf 14,55 Millionen. Die Unkosten sind leicht von 0,50 auf 0,51, die Zins- Zahlungen Infolge der vollen Jahresraten van 1,16 auf 2,38 erhöht, so daß sich nach der schon genannten Abschreibung von 1,72 Mil- lionen auf Anleihekursdifferenzen ein Reingewinn 1926/27 von 10,12 Millionen Mark ergibt. Gegenüber dein Borjahr mit 7.64 Millionen bedeutet das eine Erhöhung des Reingewinns um 30 Proz. Aus diesem Reingewinn wird die vorjährige Dividende von 6 zugunsten des Reiches auf 7 Proz. für das 120 Millionen be- trogende Aktienkapital erhöht. 1 Million Mark wird als außer- ordentlich« Rücklage in Reseroe gestellt, und nachdem der Aussicht»- rat rund 400 000 M. erhalten hat, bleibt ein von 0,17 auf 0,32 Millionen fast verdoppelter Dortrag für dcis Geschäftsjahr 1927/28. Die wieder beigefügte Liste der Beteiligungen zeigt bei keiner der 21 beherrschten oder beeinflußten Unternehmungen einen Dividenden- rückgang, sechs Gesellschaften haben ihre Dividenden erhöht, vvn den ehemaligen Deutschen Werken Hot auch die Schreibmaschinen- firma AEG.— Deutsch« Werke A.-G. mit 6 Proz. die Dividenden- Zahlung wieder aufgenommen und nur die übrigen V-W«rke, der private Metalltrust Berg-Heckmann-Seloe und die Bayerische Lloyd- Schissahrt A.-G. bleiben dividendenlos. Erfreulich, daß auch der GeschSstsbericht der„Viag" melden kann, daß die Zusammenarbeit der Jnduftriennlernehmungen des Reiches mit denen der Länder im vergangenen Jahre flotter in Gang gekommen ist als bisher. Wenn man sich bei der„Biaq" und ihren großen Bank- und Elektrounternehmungen auch in der Zutunst bewußt bleibt, daß leistungsfähige öffentlich« Werte es nicht nötig haben, um die schönen Augen der Privatwirt- schalt besorgt zu sein, so kann diese Zusammenarbeit auch in der Zukunft zum Wohl der Bolksgesamtheit, die ja schließlich selbst der Unternehmer ist, nur gewinnen. 420 Millionen AEG.-Llmsah. Geschäftsgeheimnisse, die vor dem Anstand gelüstet werden. Der Dessentlichkeit gegenüber sind die deutschen Unternehmer immer sehr schweigjam, wenn sie oerraten sollen, wie sich ihr Umsatz entwickelt hat. Der Steuersiskus, die Arbeiterschaft, eventuell auch die Konturrenz könnten sonst daraus Aorteil ziehen wollen. Man weis noch immer nicht, daß Geschästsgeheimniste entweder kein© e- h e i m n i s oder aber kein Geschäft sind. Wo die deutschen Unternehmer aber Geld pumpen, da müssen sie sprechen, teils weil der Geldgeber es verlangt, teils weil die Avleihebedingungen dadurch günstiger werden können. Das hat sich schon beim Sicmens-Konzern gezeigt, das zeigt sich auch jetzt beim AEG..Konz«rn. wo trotz der theoretischen Begeisterung für die Publizität auch für dos letzte Jahr in der Generaloersammlung die Umsatzziffern ausdrücklich oer- schwiegen wurden. Wie wir gestern meldeten, Hot die AEG. sich in New Dort neue 10 Millionen Dollar besorgt, und die Anleihe wurde auch sofort hoch überzeichnet. Den amerikanischen Zeichnern wurde dabei!m Anleiheprospckt aber auch bekanntgegeben, boH b?« AEG. im Jahre 1927 einen Umso« von 100 Millionen Dollar oder 420 NillionenMark erzielt habe, daß dieser Umsatz ein R e k o r d- n»satz war und daß 1924 nur 54 Millionen Dollar und in den Rumäniens Wirffchast. Hintergründe der letzten Bauernbewegung.- Arbeitsverhältnisse in der Industrie Aus einem Staate mit einem Gebiet von 137 903 Quadrat» kstomcter und 7,5 Millionen Einwohnern ist Rumänien seit dem Weltkriege zu einem Großstaat mit 304 244 Quadrat- kilomcter Fläche und über 17 Millionen Einwohnern(1927) ge- worden. Allein, trotz der Annexion namentlich des industriell«nt- wickelten Siebenbürgens, ist es doch in erster Linie Agrarstaat geblieben, in dem etwa 75 Proz. der Gesamtbevölkerung auch heute noch aus dem flachen Land« leben. In diesem Agrarstaate, vor allem in Altrumänien, herrschte seit jeher eine große Ungleichheit des Bodenbesitzes: etwas über 5000 Großgrundbesitzer nannten fast die Hälft«(genauer 48,6 Proz.) des gesamten nutzbaren Bodens ihr eigen, während viele Zwergbaucrn sich mit 3 Hektar begnügen mußten, was bei der extensiven Landwirtschaft Rumäniens nicht genügte. Bereits vor dem Kriege begann daher die Regierung, angeregt insbesondere durch die Agrarpolitik Stolypins in Rußland, mit ograrrefor- merifchen Verbuchen. Allein zu einer wirtlichen Agrarreform wurden dies« erst nach den gewaltigen sozialen Erschütterungen des Weltkrieg« sowie nach wiederholten Aufständen der Bauern selbst. Dos Gesetz vom 16. Dezember 1918 enteignete von den Krongütern und vom Großgrundbesitz(der in Grohrumänien 3,8 Millionen Hektar beherrschte) zugunsten der Bauern 2 Millionen Hektar: das Gesetz vom 14. Juli 1924 setzte das Maximum des bei den Großgvund- besigern verbleibenden Badens je nach der Gegend auf 100 bis 500 Hektar fest. Bis 1925 wurden in allen Landesteilen 5,8 Mil- lionen Hektar enteignet. Die größte Verschiebung zeigt hierbei Ast- rumänien, wo heut« nur 6 bis 8 Proz. des gesamten Nutzbodens dem Großgrundbesitz gehören. Die Aolgeu der Agrarreform waren indeisen keineswegs günstig. Bon 1919 bis 1924 zeigt« die Getreidefläche«ine 2lir bau Verminderung von über 1 Mil- lion Hektar. Das erklärt sich vor allem dadurch, daß de? selbständig gewordene Bauer keine Arbeit mehr auf den Restgütern der Groß. grundbesitzer leistete: ihm selbst aber standen nur höchst primitive Betriebsmittel zur Verfügung, so daß auch die Bodenerträg« sanken. Keimzeichnend ist es übrigens, daß die Berminderung vor allem Weizen und Roggen betraf, dagegen die Gerste gepflegt wurde, weil die Bierbrauerei im Lande sich kräftig entwickelte. Die Lage der Neusiedler— vielfach rumänische Soldatm— mar auch sür die letzte revolutionär« Bewegung von großer Be- dentung. Di« Siedler litten zwar das parzelliert« Land zu sehr billigen Preisen erhalten. Aber die herrschende Liberale Partei verstand es nicht, die reichen Bodenschätz« des Landes ausreichend zu verwerten, die Geldnot wurde immer größer und dadurch auch die Kreditaktion des Staates für die Neusiedler ganz unzulänglich. Die meisten leben noch in drückenden Verhält- nissen. E» mangelt ihnen an dem notwendigen geringen Betriebs- kapital zur vollen Ausnutzung ihrer Parzellen, und es fehlt völlig an Mitteln zum Ausbau menschenwürdiger Wohnstätten. Sporen ist praktisch nicht möglich, der Eparwille durch die schwankende Wäl>- rung ertötet. Erheblich besser ist die Lag« in Siebenbürgen und im Danat, wo sich ein mittelbäuerlicher, nie ist deutscher Besitz er- halten hat. Industrialisierung in Rumänien. Nach dem Weltkriege begann ein« stärkere I n d u st r i a l i s! e- rung Rumäniens: vor allem durch die Erwerbung des gewerblich entwickelten Siebenbürgens. In Altrumänien gab es 1919 1114 In- dustriewerke mit einem Kapital von 1406 Millionen Lei(zu 81 Pf. oder 1 sranz. Goldfranken), einer Motorkrast von 189 776 Pferde- stärken und 63 326 Arbeitern: in Siebenbürgen: 1024 Betriebe mit einem Kapital von 811 Millionen Lei, einer Motorkraft von 194 433 Pferdestärken und 52 211 Arbeitern. Don 1919 bis End« 1926 kann der Fortschritt der Industrialisierung in ganz Rumänien durch die folgende Ausstellung veranschaulicht werden:, 1919 1926 Zahl d»r Betrieb« ,,» 2610 ..» 3445 Biotorkrast in PS. 343 000 384 000 »eschittiisi« Urbeiter 154 800 191428 Sehr wichtig ist die Kohlenproduktion, die sich auf das Alt- reich, Siebenbürgen und den ehemals ungarischen Banat verteilt. wobei aber. Siebenbürgen ungefähr dreimal soviel Kohle ergibt, als Altrumänien und Banat zusammen. Da» Vorhandensein von Kohle, Erdöl(Rumänien ist das viertgrößte Erdölgebiet der Weit) und Holz sichert dem Lande— zumal, wenn das heutige Regime poli- tischer und wirtschaftlich«? Oligarchie fällt— weitere Industrialisierung und damit weitere, Anwachsen der Arbeiterschaft und ihrer Bedeutung. W' ''T Heute aber geht«» der rumänischen Arbeiterschaft noch schlecht. Ihr« Entlohnung und demgemäß ihr« Kaufkraft stehen unter dem Lebensnotwendigen. Das Gesetz von 1920 jährte in Rumänien ein eigenes Arbestsminifterium ein. Aber kennzeichnend für die bei der Oberfchicht herrschenden Anschauungen ist es, daß in einem erst voriges Jahre erschienenen Werke(»Le» iorces economigues de la Rournanie", herausgegeben von de?„Cultura Nationala") stolz erklärt wird, das geltende Recht betrachte die Arbeiterstreik»„nicht ol» Verbrechende.) Im übrigen schreibt aber das Gesetz obli- gat arische Beilegung(conciliation) aller Konflikte vor, an denen mehr als 10 Arbeiter teilnehmen, ferner obligatorische Schiedsgerichtsbarkeit in allen Stoatsuntenrehmungen. Streik?, die ohne den Versuch solcher Beilegung geführt werden, bedsoht.ho-- Gesetz mit Strafe, ebenso Sabotage und Akte gegen Streikbrecher. Schließlich wird den Arbeitergewerkschasten ourdrücklich sede-Ver- folgung politischer Ziel« verboten... E.H— z, Jahren von 1910 bis 1914 im Durchschnitt 85 Millionen Dollar von der AEG. umgesetzt wurden. Rotürlidi wird man annehmen dürfen, daß es sich hier nur um die Umsätze der AEG. selbst, nicht aber des gesamten AEG.- Konzerns handelt. Auch über die B i l a n- zieru» gs Methoden wird eine interessante Tatsache mitgeteilt. In der AEG.-Bilanz erscheinen die Maschinen mit einem Wert von 5.5 Millionen Dollar oder 23,10 Millionen Mark. Der Neuanschaffungswert wird im Anleiheprospett ober auf 50 Millionen Dollar oder 210 Millionen Mark angegeben. So lüsten sich allmählich die Schleier, die die deutschen Unter- nehmer überflüssigerweise aber bewußt über die Entwicklung ihrer Geschäfte breiten. Gut sür die deutsche Oefsentlichkeit, daß man wenigstens auf ausländische Kapitalgeber Rücksicht nehmen muß. Kapitalisten unter sich. Eine Ohrfeige für den Linoleumtrufi. In einer vertrusteten Industrie ist im allgemeinen die Lage von Außenseitern nicht beneidenswert, denn im kapitalistischen System endet der Kampf der Kleinen gegen die Großen meistens so, daß der Kleine aufgefressen wird, wenn er sich nicht rechtzeitig unter- wirst. In dieser Lag« befinden sich aber die Rheinischen L i n o l e u m w e r k e in Bedburg nicht, denen es als einziges Werk in Deutschland gelang, der Zlussnugung durch den Linoleumtnist zu entgehen. Daß diese Gesellschaft alle Ursache hat. sich in ihrer Außen. seiter st ellung wohl zufühle n. geht aus dem letzten Jahresabfchluß für 1927 deutlich hervor. Das Unternehmen hat seine Betriebsgewinne mit mehr als einer Million rund ver- doppelt und in der lOprozentigen Dividend« an die Aktionäre erscheint nur ein Bruchteil der Reingewinne, die durch hohe Sonderrücklagcn und herausgesetzte Abschreibungen befchnitten wurden. Außerdem wurden noch 150 000 M. aus neue Rechnung vorgetrogen, die einer weiteren Dividende von 6 Proz. entsprechen. Was für inlerefsante Dinge herauskommen, wenn feindliche Brüder unter den Kapitalisten einander die Wahrheit sagen, zeigt die Rede des Borsitzenden auf der Generalversammlung der Bedburger Gesellsckiast. Die Bildung de» deutschen und des inter- nationalen Linoleumtrusts, die unter dem Deckmantel der Rationali- sierung durchgeführt wäre, sei nichts anderes, als ein kapitalistischer Zusammenballungsprazeß. Mehr und mehr müsse der Typ des Fabrikanten dem Typ des Finanziers weichen. Run rühm« sich der Trust einer zweimaligen Ermäßigung der Preise. Die Wahr- heit aber sei. daß die erste Senkung nur«in Abbau des Händ- leroufschlages gewesen sei, der den Händlern vorher diktatorisch aufgezwungen war. Di« zweite Senkung sei gleichfalls nicht der Gemeinnützigkeit des Trusts entsprungen, sondern nur«ine Folge der von der Bedburger Gesellschost vorher durchgeführten Preisermäßigung gewesen und hätte sich im übrigen nur auf Behörden und den Großkonsum erstreckt. Da d>/ Bedburger Linoleumwerke durch eigene Rohstoffverarbeitung in ihrer Oelmühle und Jutespinnerei sich völlig unabhängig fühlen, käme auch künstig ein Anschluß an den Trust nicht in Frage. Wenn die Ansicht dieses Unternehmers auch vom eigenen kapita- listischen Interesse diktiert war, so ist bei dieser Gelegenheit die„ge- meinnützigc" Tätigkeit des Trusts immerhin so weit aufgedeckt worden, daß wir der hier gegebenen Aufklärung nichts hinzufügen brauchen. Jubiläum im Konsum. Heinrich Kaufmann 25 Lahre an der Spitze des Zentral- verbavndes. Die Konsumverein« sind neben der Sozialdemolratischen Parte! und den freien Gewerkschaften die dritte Säule der modernen Arbeiterbewegung. Ihren gewaltigen Ausstieg in Deutschland konnten wir kürzlich an dem Jahresbericht der Großeinkaussgesell- fchaft Deutscher Konsumvereine, Hamburg, t>es Gehirns der deutschen Konsumoereinsbewegung, dartun. Am 18. Mai konnten der Vorstand, der Ausschuß und Generalrat des Zentralverbandes Deutscher Konsumverein« anläßlich des 25jöhrigen Bestehens des Zentraloerbandes Heinrich Kaufmann, einen der Meister der Bewegung, ehren. Heinrich Kausmann stand am 18. Mai 25 Jahre lang an der Spitze des Zentraloerbandes Deutscher Konsumvereine. Sein« Bedeutung ist nur mit der ganzen 25jährig«n Geschichte des Zentralverbondes und der heutigen gewaltigen Bedeutung der Konsumverein« für ein Millionenheer organisierter Verbraucher richtig zu umschreiben. Was der Zentralverbond Deutscher Konsum- verein«, was die GEG. heute geworden sind, ist mit der Person und der Arbeit von Heinrich Kaufmann aufs engste verknüpft. Den nach Selbständigkeit und Anerkennung drängenden Konjumgenossen- fchaften hat er im Jahre 1903 bei der Gründung des Zentralver- bandes programmatisch Grundsätze und Ziele gewiesen. Als Schriftsteller der Zentraloerbandsorgane, als Herausgeber des an- erkannt unübertroffenen Jahrbuches der Konsumvereine, als Organisator hat er in einer Zeit, in der di« deutsche Konsumvereins- bewegung sich gegen ungeheure Widerstände politisch und wirtjchosi- sich durchzusetzen hatte, großes geleistet. Snippengasverforgung in Ostpreußen. Zwischen den Städten Gumbinnen, Stallupönen und Eydt- kühnen schweben Verhandlungen über die Errichtung einer Gruppen- gasversorgung, die voraussichtlich von dem Gumbinner Werk ans erfolgen soll. Für die Finanzierung der Rohrleitungen ist die Gründung einer GmbH, beabsichtigt. Schade— ein Dement« Di«„Deutsche Allgemeine Zeitung" und die„Frankfurter Zeitung" hatten die Meldung gebracht, daß die Reichsbank der bayerischen, sächsischen, badischcn und Württemberg!- schcn Notenbant Barangebote gemacht habe, damit diese vier immer noch mit dem Recht zurNotenausgobe ausgestatteten Staatsbanken auf dieses Recht perzichden. Wir hätten ein solches Angebot im höchsten Maß« vernünftig gefunden, da einmal die Notenausgabe durch diese Banken ein längst überflüssig gewordener und jedem Notettbesitzer bei der Verwendung von Noten der Einzel- staaten höchst peinlicher Zopf sind und weil andererseits klingende Münze das beste Argument ist, wo der Iustamentsstandpuntt zu Dummheiten geworden« Rechtsansprüche verewigen will. Leider will nun die Reichsbank diese Aktion nicht wahr haben und weist daraus hin, daß nur früher auf Anregung der Prioatnotenbanken gelegentlich entsprechende Verhandlungen stattgefunden hätten. Die Reichsbant war also nicht so klug, wie man im öfsenllichen Interesse es hätte wünschen können, oder di« privaten Notenbanken sind noch immer nicht klüger geworden ol» sie bisher waren. Die Reichsbank hat jetzt ein« an sich erfreuliche Meldung leider als falsch dementiert, ober et wäre doch recht schön, wenn sie es bald mit dem guten Argument der klingenden Münze bei den Notenbanken der Länder versuchen wollte. SEJ Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Finfendungen für diese Rubrif nur an das Jugendfetretariat. Berlin G 68, Lindenstraße 3 Zeltlagerteilnehmer! Treffpunkt zur Abfahrt der 1. Gruppe am Sonnabend pünktlich 17% Uhr Schlefischer Bahnhof, Südseite; 2. Gruppe 19% Uhr am gleichen Drt. Heute, Donnerstag, 19% Uhr: Röllnischer Bart: Heim Engelufer 24-25, Bimmer 6. Proletarische Jugend und Kirche." Schönhauser Vorstadt: Schule Driesener Str. 22. 10- MinutenReferate. Rottbuffer Tor: Heim Briger Str. 27-30. Führer und Masse." Südwesten: Heim Lindenstr. 4. Aufgaben der Parlamente. Schöneberg III: Heim Hauptstr. 15. Unsere Pfingstfahrt." 2ankwiz: Heim Schulstraße. Matteotti und die italienische Arbeiterbewegung bis heute." Wittenau: Seim Rosenthaler Str. 15.„ Sport in der SAJ." 1 Werbebezirk Müggelsee:" W.- B.- Delegiertenkonferenz in Röpenid, Schloßftraße 27, vorn 1 Tr. p Vorträge, Vereine und Versammlungen. Bebbing: Rabfahterabteilung und Remeraben mit Röbern, die nag Bramben Reichsbanner„ Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin S. 14. Sebastianstr. 37/38, Sof 2 Tr. Donnerstag, 24. Mai. Neukölln- Brig, 1. Kameradschaft: 20 Uhr Zufammenkunft aller Brandenburg- Fahrer bei Wilte, Reuterstr. 47. Teltow: 20 Uhr Monatsversammlung im Weißen Schwan". Charlottenburg: Uebung aller Sportler für Brandenburg in der Turnhalle Schillerstr. 26. Freitag, 25. Mai. Tempelhof: 20 Uhr alle Brandenburg- Fahrer bei Pommerening, Berliner Str. 100. Fahrpreis 2,50 M Pankow( Ortsverein): 20 Uhr Ausgabe der Fahrkarten nach Brandenburg im Türkischen Belt, Breite Straße. Raulsdorf: 20 Uhr Versammlung bei Hübner, Bahnhofstraße. Lichtenberg nebst Kameradschaften: 15% Uhr Einäscherung des Ram. Heinrich Fromm, wohnhaft Biesdorf, Wilhelmstr. 28, im Krematorium Baumschulen weg. Rege Beteiligung Bflicht. Sonnabend, 26. Mai. Tiergarten: Brandenburg- Fahrer 18 Uhr Botsdamer Bahnhof, Abfahrt 18 Uhr. Gonntag- Rückfahrkarte 2,60 M. Feftplatette 50 Bf. Sempelhof: 17 Uhr Antrefen zur Brandenburg- Fahrt am Hafen mit Spielmannszug und Fahnen. Köpenick( Ortsverein): 16% Uhr ab Bhf. Köpenick, ab Potsd. Bhf. 18 Uhr. Schlafdecken mitbringen. Sonntag, 27. Mai, 4% Uhr Bhf. Köpenick, Abfahrt Potsd. Bhf. 6.55 Uhr nach Brandenburg. Beige SCALA 650 8 Uhr Nollendor 7360 Paul Lincke sowie das internat. Varieté- Programm CASINO- THEATER 8 Uhr Lothringer Str. 37. Die schwebende Jungfraud Ab 30. Mai: Müllers Prinzesschen. Ausschneiden! Gutschein 1-4 Pers. Fauteuil nur 1.10 M.. Sessel 1,60 M. Schönes Haar Jedes Jahr! nach burg wollen, sofort bei Müller, 12. Abfahrt Gonn abend, 26. Mai, 18 Uhr, von Bondtke, Schulstr. 74, Ede Chriftianiastraße. Friedrichshain: Achtung, Brandenburg- Fahrer! Die Fahrt findet nicht mit dem Auto, sondern mit der Bahn statt. Antreten Sonntag, 27. Mai, 5% Uhr, Küftriner Plaz. Plaketten sind bis Gonnabend, 26. Mai, beim Raffierer, Blumenstr. 61, abzuholen. Preis 50 Pf. Schöneberg- Friedenau: Brandenburgfahrer! Abfahrt Connabend, 26. Mai, 19.50 Uhr Potsd. Bhf. Treffpunkt 19 Uhr Bhf. Schöneberg. Eonntagsrüdfahrkarte 2,60. Fahrgeld bis spätestens Freitagmittag Belziger Straße abliefern. Nowawes: Sonntag, 27. Mai ( 1. Pfingstfeiertag), Abfahrt 7.22 Uhr Bhf. Potsdam, ab Nowawes 6.39 oder 7.14 Uhr. Gonntagsrüdfahrkarte ab Potsdam 1,60. Diefelben können schon ab Freitagmittag beforgt werden. Ab Brandenburg 22.40 Uhr. Reichsbund Deutscher Mieter, e. B., Berband Berlin, Bezirk Schöneberg. Deffentliche Versammlung am Donnerstag, 24. Mai, 20 Uhr, im Gesellschafts. haus des Westens, Berlin- Schöneberg, Hauptstr. 30, 2. Hof( Festsaal). Warum Mietsteigerung, Ermission, Wohnungsnot, Obdachlosigkeit u. a. m.?" Referent Verbandsvorsitzender O. Thäle.p Stiefelkönig FRIEDRICH- STR. 131c AN DER KARL STR. Theater, Lichtspiele usw. Donnst., 24. 5. 28 Staats- Oper Unter d. Linden Ab.-V. 20. Anf. 19( 7) U. Donnst., 24. 5. 28 Städtische Oper Bismarckstr. Turnus III Anf.19( 72) U. Deutsches Theater Norden 12310 8 Uhr, Ende nach 10 Pygmalion von Bernard Shaw dtsch. v. Siegfr. Trebitsch Komische M 81, Uhr Oper 81%, Ubr JAMES KLEIN'S gewaltiges neues Revue- Stück: Zich' dich aus! 200 Mitwirkende. Vorverkauf ab 10 Uhr ununterbrochen. Rosen- Die Jüdin Hammerspiele Eden- Palast kavalier Staats- Oper Am Pl.d. Republ. Res.-S. 8% Anf. 20( 8) U. Staatl. Schauspielh. Am Gendarmenmarkt Ab.-V. 104 Anf. 20( 8) U. 31%, U., Ende nach 11 Charlottenburg, Kaiser- Friedrich- Str. 24 Zum 129. Mal Finden Sie, daß Constance sich richtig verhält? Freischütz Die Weber Die Komödie Staatl. Schiller- Theater, Charltbg. 20( 8) Uhr: PEER GYNT Bismarck 2414/7516 8 Uhr Es liegt in der Luft Revue von Schiffer. Musik v. Spoliansky Berliner Theater Volksbühne Charlottenstr.90/ 91.06nh.170 Theater am Bülowplatz| Th. am Schiffbauerdamm 8, U. Ende geg. 11 8 Uhr: 81 Uhr: Gastspiel d. Deutschen Th, llt Der Zigaretten- Der Prozes kasten Was ihr wollt Det Mary Dugan Thalia- Theater Renaissance- Theater Dresdener Str. 72-73 Steinplatz 901. Täglich 8 Uhr 8 Uhr: Krankheit der Jugend Dyckerpotts Erben NEUE WELT Arnold Scholz Hasenheide 108-114 Pfingsten Erc.inung der Sommersaison An belden Feiertagen: Gr. Früh- Konzert u. die gr. Revue 100 Jahre Rauf u. Runter Einlaß früh 4 Uhr Voranzeige! Täglich ab 6 Uhr: Konzert. Nachm. 3 Uhr 8 Uhr: Die gr. Revue Außerdem Dienstags, Donnerstags, Sonnab. u. Sonntags: TANZ UNTER PALMEN Heute Rundtanz RB.- Kameraden, Parteigenoss. Eintr. frei. 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Hauptgewinn: Ein Maybachwagen im Werte von 30 000 Mark oder 27 000 Mark in bar Einzellose zu 1.-M., Glücksbriefe zu 5.- M.( 5 sortierte Lose) empfehlen und versenden: Außer in den bekannten Loseverkaufsstellen sind dic Lose auch in allen 10 Häusern des Kaufhauses Lotterie- Büro Karl Rothschild Berlin W 30, Motzstraße 65. Postscheckkonto 7977 Berlin. Hermann Tietz crhallid. crhältlich. Staatl. Lott.- Einn. Emil Haase Charlottenburg, Berliner Str. 95 Postscheckkonto 16 638 Berlin Donnerstag 24. Kot 1925 nterhaltung unö Beilage des Vorwärts Zerstörer Sand. Eine Fahrt aus dem Guezkanal. Ich oerstehe von Technik so gut wie nichts, wenn in meiner Wohnung eine Klingelleitung entzwei ist, stehe ich hilflos. Vor einiger Zeit hat man mir mit Mühe beigebracht, weshalb man, wenn es kalt ist, den Kühler eines Autos mit einem Tuch bedecken muh. Ich glaubte, einem Kühler könne es gar nicht kalt genug fein, wenn er sich wohl fühlen solle. chier im Suezkanal bin ich erstaunt, ich begreife, doh der Bau dieses Kanals eine große technische Leistung war und daß Lesseps sein Standbild auf der Brechwassermauer in Port Said verdient hat. Emen heimtückischeren Feind als den Sand kann man sich gar nicht denke»! man kann in diesem Tand noch so tief graben, es dauert nicht lange und die nivellierende Kraft, die in der Tiefe des Geriefels ruht, hat die Arbeit vernichtet. Wenn Sisyphus im Sande gebuddelt batte, wäre er.sich der Nutzlosigkeit seiner Bemühungen noch schneller bewußt geworden. An den Rändern des Kanals bröckelt es, manch- mal, wenn«in dicker Klumpen in das Wasser patscht, sieht man von Bord aus, wie ein feiner gelber Strom nachflieht. An manchen Stellen hat das Gcbröckel solche Fortschritte gemacht, dah rote Bojen den Schissen anzeigen, wie weit man fahren darf. Wenn an irgendeiner Stelle die Einfassung des Kanals ins Fliehen gekommen ist, reiht die Well«, die die Schiffe beim Vorbei- fahren erzeugen, das Loch weiter auf. Sie zieht in der Enge des Kanals mit den Schiffen mit, und greift wie eine Hand auf die Dünen hinauf, bis sie erreicht hat, was sie will: das unheimliche, unmerkliche Werk der Zerstörung beginnt. Wenn einmal ein Jahr lang nur die Reparaturarbeiten stockten, wcmi die Gesellschaft einmal ein Jahr lang die Hände in den Schoß legte und sich nur darauf beschränkte, die fetten Dividendan einzu- ziehen, fiel« das' Werk so großer Erfindungskrast und so mannig. facher Anstrengung in sich zusammen. Kolonnen von Baggern, die von fern den grotesken Schwimm- tieren aus Gummi gleichen, wie man sie auf den Badebildern von Florida steht, sind klappernd tätig, dicke Schmutz- und Schlamm- ladungen werden aus dem Grund gehoben. Als wir in Ismailia ankommen, etwa die Hälfte des Kanals haben wir hinter uns, sind wir mitten in den Erneuerungsarbeiten drin. Mein Steward, der sich offensichtlich für mein geistiges Wohl und meine Belehrung interessiert, kommt stolpernd in meine Kam- mer gestürzt, außer Atem teilt er mir mit, ich müsse sofort an Deck steigen. Ich folge ihm langsam, die blendend brennende Sonne zwingt mich, die Hand vor die Augen zu halten. Wie eine wxihe weite Glasfläch« liegt die Wüste da, langsam unterscheidet man ver- schiedene Farben, ein rötlicher Ton, der über die kleinen Dünenberge und-wellen zieht, beiht sich in das Auge fest. In dem verschlungenen Geäder, m tausend Treppen und Treppchen des Sandes nistet es graw. und, bläulich, als ob hier Kolonien von seltsamen Pilzen wüchsen. Rechts von mir ist einer von den vielen Kanalbahnhösen, die in regelmäßigen Abständen vorbeigleiten. Auf einem weißen Schild, das kerzengrade dasteht wie ein beturbanter Harems- Wächter, kann ich die Buchstaben„Gare de Thousium" unterscheiden. Links, erhöht auf dem Kanaldamm, stehen einige zu Ismailia ge- hörig« flache Häufer mit der typischen rundherumlaufenden Veranda. Vor mir. mit der Hand greifbar, arbeiten etwa Hundert Kamele mit ihren Treibern: sie tragen die Sandbröckel, die über die Böschung in den Kanal gefallen sind und von riesigen Sudannegern in Kisten geschaufelt werden, in die Wüste zurück, dorthin, wie sie herkamen und hingehören. Die Kisten hängen links und rechts an den Rücken der Kamele in ledernen Gurten, die Treiber schreien und stoßen den Tieren mit spitzen Stöcken in die Weichen. Merkwürdig schwerfällig und gespreizt ist dieser Kamelsgang, durch keinen Stock, keine Peitsche, kein heiseres Brüllen zu beschleunigen. Hundert Meter weiter, es eilt alles an uns vorbei wie ein Filmband, liegt ein« verlassene Feldbahn: offenbar traut man der Tragfähigkeit der Tiere mehr als einer Technik, die die sudanesischen Dickschädel zum Nachdenken zwingen könnte. Aber auch ohnedies wäre die Bahn hier kaum zu gebrauchen, da jedes Sandkorn ein Feind ihrer Schnelligkeit ist. Hin und wieder sieht man auf dem Wüstendamm ein Auto vorbeiflitzen, es kommt von Kairo und fährt nach Suez. Wer weiß, ob nicht eines Tages das Kamel auch wieder über das Auto siegt, das jetzt selbst hier einen so rapiden Fortschritt zu oerzeichnen hat. Ich empfinde heute das Feindselige des Sandes stärker als sonst. Natürlich ist der Kanal ein großes Wunder, aber dieses Wunder verursacht nur den Herren Freude, die die Dividenden einstreichen: die Kulis, die ich in der Sonne arbeiten sah, machten ein verdrieß- liches Gesicht. Wenn eines Tages einmal die Anschauung durch- dringen sollte, dah das Glück des einzelnen Menschen wichtiger ist als die Dividenden, wären die Herren, die die Aktien der Gesellschaft besitzen, übel dran. Augenblicklich freilich geht es ihnen glänzend: jedesmal, wenn Ich in Port Said das pompöse Gebäude der Kanalgesellschast auf- tauchen sehe, fällt mir ein, daß man vierzig Prozent Zinsen be- kommt, wenn man Besitzer eines Shares ist. Zwei Shares genügen zu einein sorgenfreien Leben. Im Kriege waren die Herren der Gesellschaft eindeutig für die Entente, obwohl die Satzung Neu- tralität vorschreibt. Die deutschen Lotsen, die im Kanal arbeiteten, wurden hinausgesetzt und in die glühenden Konzentrationslager Aegyptens gebracht. Heute prozessieren sie von Deutschland aus ohnmächtig um ihre Pension. Mit der Generosität der Herren ist es nicht allzuweit her, aber wie sollten sie auch die Zeit haben, während sie sich von den Stra- pazen ihrer Aussichtsrotssitzungen an der Rioiera erholen, das Schicksal ihrer Angestellten zu überdenken? Um so lumpige Einzel- Helten ihres Betriebes kümmern sie sich nicht. Während ich hierüber nachdenke, fällt mir die Geschichte unseres früheren Kapitäns ein, ein Schicksal, wie es die Seefahrt, die Arbeit in fremden Ländern und auf fremden Meeren täglich mit sich bringt. Seinem Dampfer begegnete im Kanal ein italienisches Schiff, das mit größerer Schnelligkeit fuhr, als es an dieser Stelle fahren durfte. Ein Zusanimenstoß wurde mühsam verhindert, das italienische Schiff stieß aber mit dem Heck gegen die Steine des Uferrandes. Später, bei der Untersuchung im Dock stellte sich heraus, daß ein Teil des Schisssbodens aufgerissen worden war. Nach einem halben Jahr bekam die deutsche Gesellschaft von der italienischen eine Schadenersatzklage über dreihigtausend Pfund Sterling, eine Summe, die die Tüchtigkeit eines Kapitäns, und wenn sie noch jo groß ist, nicht auswiegen kann. Bei dem Kapitän handelte es sich um Sein und Nichtsein. Das heißt, es Handell sich immer noch um Sein und Nichtsein, denn die Verhandlung, die über seine Zukunft entscheiden wird, hat noch nicht stattgefunden. Wichtig ist nur, zu wissen, daß die Gesellschaft den Kapitän entlassen wird, wenn der Prozeß ungünstig für sie ausläuft, obwohl sie weiß, daß er unschuldig ist. Sechshunderttausend Mark sind, wie die Sache auch stehen mag, in diesem Falle die Existenz eines Men- schen nicht wert: eine Prozeßniederlage würde schon aus Prestige- gründen die Entlassung des Kapitäns herbeiführen. Di« Verhandlung über den Zusammenstoß findet vor einem internationalen Seegericht in Suez statt und der Zufall will es, daß der Kapitän, dem das Unglück passierte, und die Anwälte, die sich die Gesellschaft für den schwierigen Fall ausgesucht hat, auf unserem Schiff fahren. Sie reisen nach Suez und wollen sich dabei beim Passieren des Kanals die Stelle, wo sich der Italiener den Boden aufriß, noch einmal genau ansehen. Der alte Kapitän hat sein Schiff einem jüngeren abtreten müssen, er sticht manchmal neben ihm auf der Kommandobrücke, obwohl er dort nichts mehr zu sagen hat. Die Rechtsanwälte, zwei fett« Italiener, beteiligen sich in französischer Sprache an der Unterhaltung, sie sehen nicht sehr vertrauenswürdig aus. Einer der Advokaten hat einen großen runden Hut wie ein spanischer Torero. Als ich einem Offizier des Schiffes das sage, be- schwört er mich, diesen Mann nicht zu bewitzeln, da er der Gesell- schaft aus der Patsche helfen müsse. Was geschehen wird, weiß kein Mensch, wir sind alle mif der Seite des alten Kapitäns, der so wehmütig auf der Kommandobrücke steht und aus die Sondwüste hinaussieht. Ich suche nach«inam Zu- sammenhang zwischen dem feindseligen Gcriesel der Wüste und dem zerbröckelnden Leben-dieses Greises. Wenn man dergleichen beob- achtet, könnte man an die Wahrheit einer Banalität glauben: bleibe zu Haus und nähre dich redlich. Um wieviel besser als er hat es dagegen die Tochter des Kohlen-. königs, die mit ihrer Mutter als Luxuspassagierin bei uns an Bord ist. Neulich ist sie mit Mama bei den Pyranüden gewesen und hat auf einem Kamel gesessen. Davon müssen wir nun den ganzen Tag lange Geschichten über uns ergchen lassen. Später hat man von Kairo aus eine Autofahrt in. die Wüste gemacht.„Denken Sie sich das nur einmal, meine Herren." Ich denke mir das und bekomme «inen gnädigen Blick und das ist die höchste Auszeichnung, die einem hier zuteil werden kann. „Und was meinen Sie, wieweit man heute schon ist, auf halbem Wege kam uns ein Kfichenwagen von Cook entgegen und brachte uns zu trinken und zu essen." Ich beteilige mich höflich an der postHumen Freude über den Cookschen Küchcnwgacn. � � Folgt die Erzählung eines Picknicks in der Wüste. Man erhält Aufklärung darüber, daß die Zeiten, wo verirrte Menschen in der Wüste einer Fato Morgan« nachrannten und verschmachten mußten, endgültig vorbei seien. Man trage einen kleinen Funkapparat in der Tasche und, wenn man Hunger habe, rufe man den Eookschen Re- freshment-Car an, der sofort gehorsamst durch die Wüste herbei- geeilt kommt. Zukunftsmusik? Nein, Gegenwartswirklichkeit. Nach dem ereignisreichen Tage, der mir die arbeitenden Kamele bei Thoussum zeigte, sitzen wir im Rouchsalon des Schiffes zu- sammen und besprechen, was wir erlebten. Es erhebt sich ein Streit darüber, ob Zivilisation oder Natur das Gegebene und Notwen- dige sei. Wenn ich dergleichen höre, fällt mir immer der Streit ein, was besser sei, eine Wurst oder ein Beeflteak: wir müssen uns mit beidem abfinden und wir befinden uns wohl dabei. Ein Belgier, der mit Frau und drei Kindern dem Tanganjika- see zustrebt, erkennt die Natur als das„einzig Wahre" an, will diese Ansicht aber nicht übertrieben haben, er bekennt sich zur Mäßigkeit. Er schimpft auf die Jäger, die zum Beispiel am Kongo, den er kenne wie seine Westentasche, bis zum Bauch im Wasser stehen mühten, wenn sie auch nur eine Schnepfe schießen wollten. Ich sehe ihn fragend an, weil ich zwischen seinen Bemerkungen und Ansichten keinen logischen Zusammenhang entdecken kann: viel- leicht bin ich aber auch nur zu müde: denn der Tag war sehr an- strengend. Ein portugiesischer Arzt meint, wenn man die Jagd nicht als Sport betreibe, habe sie überhaupt keinen Sinn. Ich höre nur noch mit einem halben Ohr auf das, was er pathetisch vorbringt. Der Mann kann nickst genau sagen, was er unter sportlich be- trieben« Jagd versteht. Niemand verlangt von ihm eine ernsthafte Erklärung, es ist schwül im Raum, die Ventilatoren surren, und wir sitzen lässig, an unseren Coctails saugend. Gegen Mitternacht gehe ich noch einmal aufs Deck und sehe mir den Kanal an, links flimmern schon die Licht« von Suez. In der Dunkelheit passieren wir einen Bagger, auf dem Fellachen sitzen. Ich höre„Bakschisch"— und noch einmal in der Ferne ver- klingend„Bakschisch". Richard Huelsenbeck. Ein Geheimnis. Von Erik Iuel. Autorisierte Lebersehung von David Luschnat. Auf dem Salontisch von Frau Professor siegt ein schmaler Ge- dichtband. Aus alter Gewohnheit verbringt der Professor täglich zehn Mi- nuten nach dem Mittagessen in der Gesellschaft seiner Frau. Sonst sind die beiden einander entfremdet. Ob« die Schuld trägt oder sie oder beide, soll außer Betracht bleiben. Der Professor sitzt und blättert in dem Buch. Scheint er besonders interessiert, so nähert sich sein« Frau, als wollte sie sehen, an welchem Gedicht seine Augen haften bleiben. Er erhebt sich und küßt ihre Hand. Die Patienten erwar- ten ihn. Vornehme Ruhe beherrscht dos kinderlose Heim. Der schmale Band ist anonym herausgekommen. Der Name der Verfasserin ist Geheimnis, nur zweien bekannt, ihr selbst und dem Verleger. Die Gedichte sprechen von Liebe. Von Lieb«, die kam und hin- ging, von Sehnsucht und Einsamkeit. Ein Verlangen nach Verständ- «l» ist darin._..■ i___... Jetzt hat der Professor sich selbst«in Exemplar der Gedicht- sammlung gekauft. Es ist etwas darin, das ihn fesselt. Er sieht wohl die Mängel der Verse, aber sein Gesst wird von ihnen berührt, zersprungene Saiten erneuern sich, werden ange- spannt und klingen. Es ist, als wache er aus. Die klein« Sammlung verfolgt ihn, es find Verse, die«r.nicht vergessen kann. Sie halten ihn wach auf eine wunderlich« Art. So meldet sich die Sehnsucht nach dem, was einmal war, das entschwand, nach Erneuerung. Dann schreibt er. An wen?— An die Unbekannte, an die anonyme Verfasserin d« kleinen Liebesgedichte. Dank für das, was sie ihm gegeben hat, und da die Gedichte eine Sehnsucht in ihm geweckt haben, auch Vitt« um Antwort. Der Professor ist einer der allgemein bekannten Männer des Landes. Er darf seinen Namen nicht preisgeben, darf nicht ver- raten, daß einige kleine Liebesgedichte fein Herz in Aufruhr ver- setzten. Wie die Verfasserin will auch er sich verberzen, will sein Geheimnis bewahren. Er nennt sich„Der Einsame", verstellt sein« Handschrift und schickt den Brief an den Verlag mit der Bitte um Weiterbeförderung. « Als der Professor wie gewöhnlich den Salon seiner Frau be- tritt, sitzt sie mit einem Brief in der Hand. Sie erhebt sich hastig und versteckt ihn. Er setzt sich, wie er es zu tun pflegt, und sie wechseln ein paar Worte. Di« wenigen Minuten erscheinen beiden lang. Ritterlich küßt «r ihre Hand. Sobald sie allein sst, holt sie den Brief hervor. Sie liest ihn. Ist es denn möglich? Einen Fremden, einen un- bekannten Mann hat sie mit ihren Gedichten bewegt. Einen, der einsam ist, wie sie. Sie schreibt eine Antwort, nur einen Dank für sein Verständnis. Postfach und ein« Nummer, mehr weiß sie nicht von dem, dessen Herz sie berührt hat. Arich'fle verstellt ,ihre Handschrist, sie ist die Frau Vrnl�'Zr und muß Rücksicht nehmen. Was würde ihr Mann wohl jagen, wenn er wüßte!— Nein, sie muß ihr Geheimnis bewahren. Endlich hat das Leben der Frau Professor Inhalt. Wie viel bedeuten ihr diese Briese! Sie erwartet sie täglich. Tagaus tagein empfängt und liest sie sie mit klopfendem Herzen und täglich muß sie die Bitte des unbe- kannten Einsamen um eine Zusammenkunft abschlägig bescheiden. Der Professor hat geschrieben, er sei gebunden, er habe Rück- ficht zu nehmen, und dennoch wolle er jede Schranke zerbrechen, wenn es sein sollte. Aber sie bewahrt ihr Geheimnis. Es füllt sie ganz aus, es g«. nügt ihr wohl. Jhxe Wangen haben Farbe bekommen, ihre Augen Glanz, es sst, als blühe sie wieder auf. -i- Der Professor verbringt wie gewöhnlich einen Augenblick im Salon seiner Frau. Doch kürzt er dieses Zusammensein mehr und mehr ab. Seine Hand zittert nervhs, wenn er in der kNichji�Ge-»»> dichssamMung blättert, und wenn er zum Abschied ihre Hand kllßtf.'" bemerkt er nicht ihren abwesenden Blick, der weit in die Ferne schwesst. * Vornehme Ruhe beherrscht das Heim des Professors. Frau Professor hat sich wirklich verjüngt: gute Beobachter ver- muten, sie sei verliebt. Aber in wen? Niemarrd kann den Betreffenden ausfindig machen, so gern man es möchte. Ein wenig mißvergnügt muß man sich mit der Feststellung zufriedengeben, daß Frau Professor eine bewundcrns- würdige Fähigkeit hat, ihr Geheimnis zu verbergen. Was fliegt noch über den Ozean? Nur wenige wissen, daß die Bremen-Flieaer den Ruhm, den Ozean von Ost nach West überquert zu haben, mrt drei Möwen teilen müssen. Am 30. Juni 1324 beringte man an der schottischen Küste einige Dreizehenmöwen. Eine davon wurde 19ZS auf Labrador abgeschossen. Zwei ebenfalls beringte deutsche Lachmöwen flogen auch über den Ozean und wurden am Golf von Mexiko gcschen. Das dürften aber ziemlich seltene Ausnahmen sein. Dagegen konnte schon östers festgestellt werden, dah gewisse Möwenarten den Flug van West nach Ost unternommen haben. So bestätigen auch die Beobachtungen des Vogelflugs die Erfahrung, daß die Ueberquerung von West nach Ost leichter ist als umgekehrt, da über dem Atlantik fast ständig Windweste vorherrschen. Aus dem Berliner Vogelmarkt wurde einmal eine von Amerika herübergeslogene Wanderdrossel feil- geboten. Natürlich handelt es sich dabei nicht um planmäßige Vogel- züge, da ja der Flug in dieser Richtung keinen Klimawechsel bringen würde. Solche zu uns verschlagenen Vögel sind vielmehr Irrgäste, die durch Sturm oder Nebel von ihrer richtigen Bahn abgetrieben worden sind. Sind es Wasseroögcl, so ist der Atlantilflug nicht so schlimm, wie es zunächst scheinen möchte. Alle Möwenarten haben die Fähigkeit, sich bei einigermaßen ruhigem Wasser schwimmend auszuruhen und etwas Nahrung aufzunehmen. Ebenso bieten die Ueberseedampfer Ausruhepunkte. Oft umkreisen ganze Scharen das Schiff und lassen sich auf ihm nieder. Haben sie frische Kräfte ge- sammelt, so fliegen sie wieder auf, auch wenn kein Land in Sicht ist. Es sind aber nicht nur �Wasservögel bei uns gesehen worden. Gelegentlich wurden auch amerikanische Eisvögel und Rohrdommeln beobachtet. Hierbei wird von den Bogelforschern allgemein ange- nommen, daß es sich nicht um einen Flug über das Wasser handelt, sondern daß diese Vögel auf dem Landweg zu uns kämen. Sie über- querten die schmale Beringstraße und zogen dann durch Sibirien immer nach Westen fliegend weiter bis noch Nordeuropa. Allgemein geht in unseren Tagen durch das ganze Menschengeschlecht und Tier- reich ein starker Zug nach Westen, nach Amerika, und Dr. K. Flörike glaubt in seinem Buche„Vögel aus Reisen", daß man dies vielleicht mit der Erdrotation in Verbindung bringen könne. Die„Sixlir.ische Kapelle der llrkunst". Die Höhlen der spa- Nischen Provinz Santander und besonders die Grotte von A l t a- mira sind berühmt wegen der großartigen vorgeschichtlichen Höhlenzeichnungen, die hier im Jahre 1868 durch einen Jäger zu- fällig entdeckt wurden und seitdem von der vorgeschichtlichen For- schung als die schönsten Denkmäler der Urkunft gepriese» worden sind. Diese Höhlen werden nun durch eine besondere Kommission den Reisenden zugänglich gemacht, und die Grotte � von Altamira wird so zur„Sixtinischen Kapelle der Urkunft" ausgestalet, wie sich die Madrider Zeitung ABC ausdrückt. Eine Viertelmillion Mark ist darauf verwendet worden, um eine gute Automobilstraße bis zu dem Eingang der Grotte am Abhang des Gebirges zu führen, und die Grotte selbst wird durch eine elektrische Lichtanlage prachtvoll beleuchtet. Am Eingang der Felshöhle ist ein kleines Museum er- richtet worden, in dem die zahlreichen Gegenstände untergebracht sind, die bei den letzten Ausgrabungen an dieser Hauptfundstätte vorgeschichtlicher Kunst ans Licht gezogen wurden,_ AUTOHAUS WERTHEIM ul AUTOMOBIL- GES. Berlin W9, Friedrich- Ebert- Str. 14 OnDe Opel n.S.U. Chrysler n.A.G. Protos Essex Chevrolet Presto Steyc Delage Hansa- Lloyd Krupp Magicus Reparaturwerkstatt: Cicerostraße 17 Deutscher Metallarbeiter- Verband Todes- Anzeigen. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Rollege, der Berkzeugfchloffer Gustav Karioth geboren am 20 April 1877 in Stitten, am 19. Mai gestorben ist. Die Einäscherung findet am Donners tag. dem 24. Mai. 15%, Uhr, im Rrematorium Bumschulenweg statt. Am 22. Mai ftarb unser Rollege, ber Metallarbeiter Alexander Kleemann geboren am 27. Dft. 1872 in Gollmütz. Die Einäscherung findet am Sonnabend, dem 26. mai, 13 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Am 19. Mai starb unser Rollege, der Fräser Fritz Kipp geb. am 19. Dez. 1864 in Stargard. Die Einäfcherung findet am Sonnabend, bent 26 Mai, 21 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße stai. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung wird erwartet. Die Ortsverwaltung. Rach langem, schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden verschied am 22. Mai unsere ebe Mutter, Schmieger- und Großmutter Frau Auguste Köhler geb. Hoffmann im Alter von 60 Jahren. In tiefer Trauer Georg Köhler Willy Köhler Margarete Köhler, geb. Ströblinger Georg Nack Margarete Nack, geb. Köhler Heinz Köhler als Enkel Bankow, Lindenpromenade 24. Die Einäscherung findet am Gonn abend, bem 26. Dai, 122 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Am 18. Mai verschied plöglich burch Unglüdsfall meine einzige, inniggeliebte Tochter Ella Fielisch Jn tiefer Trquer die Mutter. Einäscherung: Freitag, den 25. Mai, 22( abends 10) Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. Werbe- Wochen Juergens Große Preisherabsetzung Verkauf direkt vom Faß- Kostproben gratis Erstkl. fertige Bowle, süß, 18% Ltr. 0.95 Feinst.Johannisbeerw., süß, 13% Ltr. 0.90 Echter Tarragona, süb, 16% Ltr. 1.25 99 Malaga la, stb, 16% Ltr. 1.45 Feinster Pfälzer Weißwein Ltr. 1.20 99 Dürkheimer Rotwein Ltr. 1.20 Echter Talelaquavit, Inselfrei..Ltr. 2.95 Weinbrand Versch.3*** Ltr. 3.20 募 99 Disch. Weinbrand 3 *** Ltr. 4.20 Feinste Edelliköre bis 38%... Ltr. 4.45 Feinste Erdbeerbowle .Ltr. 1.13 Feinster Apfelwein, herb Ltr.-. 50 Apfelwein, süß, 13% Ltr.-. 75 Dessert- Obstwein, süß, 14% Ltr.-. 95 Ltr. 1.05 Kirsch- und Erdbeerwein Ltr. 1.45 Spezial- Obstwein, sub, 14% Echter Griechen- Süßwein, ca. 18%... Wermuthwein, süß, 18% Medizinalwein, für Kranke. 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