BERLIN Sonnabend 26. Mi 1928 A 1 I i Erscheint täglich außer Sonntag«. Zugleich Abendausgabe des„Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berliu SW68,Liudcnstr.3 10 Pf. Nr. 247 B122 45. Jahrgang. Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeile 80 Pf., Reklamczeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Posischeckkonto: Vorwärts-Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 207 Klugzeugführer und 2 Personen verbrannt. Düsseldorf. Zö. Mal. heute morgen gegen S.1S Uhr ist das Verkehrsflugzeug Dortmund— Frankfurt a. M. bei dem Dorfe Eich in der Nähe von Elberfeld- Barmen abgestürzt. Der Aufschlag auf bergiges Gelände brachte den Apparat zum Brennen. Der Flugzeugführer hoffmanu und zwei männliche Fahrgäste verbrannten. Ein männlicher Fluggast wurde leicht verletzt und ein weiblicher Fluggast kam mit dem bloßen Schrecken davon. Die Ursache des Unglücks ist noch ungeklärt. Nach in Berlin eingetroffenen Nachrichten sind die Namen der bei dem Flugzeugabsturz bei Elberfeld tödlich Verunglückten folgende: Pilot hosfmann, Herr Llppert, Dortmund, Herr Runge, Dortmund. Der verletzte Passagier ist ein Herr h i m m e r e i ch, Essen. * Bei dem abgestürzten Flugzeug D 583 handelt es sich um ein kleines einmotoriges Junkers-Flugzeug, das bereits seit längerer Zeit auf der Strecke Dortmund— Frankfurt am Main ge- flogen wird. Der Apparat startete pünktlich um 7.40 Uhr aus dem Dortmunder Flugplog und war außer dem Piloten hosfmann mit vier Passagieren besetzt. Der Start ging glatt vonstatten. Aus bis- her noch völlig ungeklärter Ursache mutzte der Pilot südöstlich von Barmen-Elberfeld notlanden. Die Notlandung mihlang jedoch, das Flugzeug schlug mit ungeheurer Wucht auf den Erdboden auf und geriet in Brand. Bis zur Stunde war es noch nicht möglich, die Ursache der Notlandung mit ihren furchtbaren Folgen zu klären. Von dem Apparat sind nur einige kümmerliche Neste übriggeblieben.— Der Pilot Wilhelm hoffmann steht seit mehreren Jahren im Dienst der Deutschen Lusthansa, galt als vorzüglicher Flieger und hat sich in jeder Beziehung bewährt. Seine Ausbildung hat er in der Deutschen Verkehrsfliegerschule erfahren. Die Reihe der Klugzeugunfälle. Mit der furchtbaren Dortmunder Flugzeugkatastrophe ist ein trauriger Rekord in der Unfallchronik der Derkehrsfliegcrei auf dem Kontinent aufgestellt: In knapp acht Tagen haben sich nicht weniger als fünf A b st ü r z e bzw. Notlandungen ereignet, die IZMenschendasLeben kosteten. Am Mittwoch stürzte das französische Verkehrs- flugzeug Poris— Berlin bei Köln brennend ab. Drei Tot« waren als Opfer zu beklagen. In Ungarn stürzte ebenfalls ein Apparat derselben Type ab, wobei zwei Personen den Tod fanden. Ueber Wiborg(Finnland) stießen zwei Apparate in der Lust zusammen. Einer stürzte brennend aus«in« Straße im Zentrum der Stadt. Der Führer, der Monteur und«ine Frau wurden getötet. In Tempelhof kam der Pilot Steckhan bei einer Not- landung im Laubenland ums Leben. Die Opfer der phosgenvergistung. Mehrere Menschen noch in Lebensgefahr. Hamburg, 26. Mai. In den östlichen Krankenhäusern Hamburgs lagen am Freitag noch 82 Kranke(am Donnerstag noch 120), von denen zwei noch immer bedenklich krank sind. Im städtischen Krankenhaus in Harburg und Wilhelmsburg sind Freitag noch zwei an Gasvergiftung Erkrankte eingeliefert worden, so daß die Gesamtzahl der in diese Krankenhäuser Eingelieferten jetzt 100 erreicht hat. Hiervon sind zwei verstorben und 32 entlassen worden. Opfer eines Lteberfalles. Wer war der Täter? In der vergangenen Nacht wurde ein 35 Jahre alter Arbeiter Max I.. der in der Laubenkolonie.Blau-Weitz' bei Spandau wohnt, an der Ecke der Moltkestraße und des Askanier- ringes mit blutenden Verletzungen am Mund und am Hinterkopf« bewußtlos aufgefunden. Er war so schwer verletzt, datz er nach dem Spandauer Kranckenhause gebracht werden mußte. I. hatte vor einigen Togen einen Streit mit einem 19jährigen Burschen. Man vermutet, datz dieser ihm auf seinem Heimwege«mjgeiwtert und ihn an» Zfahe WwtznWeu fd»edergeWagin» hat,' i, Eisgangunglück in Norwegen. Das erste Bild von dem furchtbarsten Eisgangunglück, das Norwegen je betrotten hat. Die weit über die Ufer des Glommen getragenen riesenhaften Eismassen rissen Tausende von Bauernhäusern mit sich und töteten eine Anzahl Menschen und viel Vieh. Links müßt ihr steuern...! Die Bedeutung des Wahlergebnisses für die Politik der Arbeiterschaft. Die heule erschienene Rummer 21 der„Gewerk- s ch a s t» z e i t u n g", des Organs des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, bringt einen programmatischen Aussah. der den Ausgang der Wahlen in seiner Bedeutung für die volitik der Arbeiterschaft würdigt, wir bringen daraus die wesentlichen Gedankengänge. Die Würdigung, die der ADGB. in der„Gewerkschafts- Zeitung" dem Wahlergebnis zuteil werden läßt, geht von dem Charakter des Wahlkampfes aus. Sie erinnert an das Wort Westarps, die Entscheidung falle zwischen der Sozialdemo- kratie und den Deutschnationalen. Diese Entscheidung ist ge- fallen im Sinne eines Sieges der Sozialdemo- kratie und einer Niederlage der Partei Westarps, die einer politischen Katastrophe bedenklich nahekommt. Im Reichstag besteht, wenn man den Parteien der Weimarer Koalition die Deutsche Bauernpartei hinzufügt, eine Mehrheit der sicheren Freunde der Republik. Sie verfügen über 247 von 489 Mandaten. Rechnet man die 44 Sitze der Deutschen Volkspartei hinzu, so erhöht sich die Mehrheit auf 291 Mandate, innerhalb deren die Sozialdemokratie mit 152 Sitzen mehr als die Hälfte der Stimmen hat. Der Sinn der widerspruchsvollen Politik der Deutsch- nationalen in der Rechtsregierung war es, selbst unter größten Opfern der Gesinnung ihre Stellung in der Re- gierung zu befestigen, sich in der Berwaltung festzusetzen und schließlich das republikanische Staatswesen Dle Uaila versdioiicn! Erdbeben in Gclsenkirdien. Berichte asi der 2, Seite. einseitig im Sinne oft elbischer Traditionen zu beherrschen. Zentrum und Deutsche Bolkspartei wurden durch das Uebergewicht der Deutschnationalen in dieser Rich- tung nach rechts gedrängt und trugen dazu bei, die Absichten der Deutschnationalen zu fördern, indem sie die deutschnatio- nale Vormacht duldeten. Die Herrschaft des Großgrund- besitzes und des Großkapitals war das Ziel, wie es schon die auf dem Kieler Parteitag übernommene Resolution aus- sprach. Wortlich fährt die„Gewerkschaftszeitung" fort: Diese Herrschast der Großgrundbesitzes und des Großkapitals ist aber für die Arbeiterschaft auf die Dauer gefährlich st e unter allen denkbaren Formen politischer Machtbildungen. Proben ihres Wirkens haben wir während des letzten Jahres zu spüren bekommen in Gestalt der den Besitz befreienden und das Arbeitseinkommen be- lastenden Finanz- und Wirtschaftspolitik des Bürgerblocks. Auf die Dauer würde eine solche Politik jeden gewerkschaftlichen Erfolg illusorisch machen. Sic würde jede Lohnerhöhung wegsteuern oder durch Er- höhungen der Lebensmittelpreise ausheben, jede Befestigung gewerk- schaftlicher Erfolge durch die sozialpolitische Gesetzgebung verhindern. Dorum muß der Wiederkehr eines solchen oder verwandten Re- gimes ein Riegel vorgeschoben werden. Der Kampf um die Bildung der Regierungskoalition ist stets begleitet von einem Ringen innerhalb der Mittelparteien: besonders im Zentrum mit seinem starken Arbeiterelement ist der Unwille über die Rechtspolitik dieser Partei groß. Infolge der Kämpfe, die deshalb statt- gefunden haben, verzeichnet das Zentrum den großen Stimmenverlust. Die Losreißung der in den bürgerlichen Parteien verbliebenen Arbeiterschichten, die der Sozialdemo- kratie als Ziel vorschwebt, ist in diesem Wahlkampf nicht gelungen. Aber man darf die mobilen politischen Kräfte der Zentrmnsmcheiterjchast nicht unbenutzt latze«. sonder» noch sich mit ihnen zu gemeinsamem politischen Wirken verbinden und diese in der gleichen Weise für eine Politik des sozialen Fortschritts gewinnen, wie sich die Deutsch- nationalen des rechten Zentrumsflügels für ihre reaktionären Zwecke bedient haben. Es wird Aufgabe der Sozialdemo- kratie sein, den Einfluß des linken Flügels in den Mittelparteien zu stärken. Die Demotraten können eine Regierungsfront gegen rechts wirksam kräftigen, während auf die K o m m u n i st e n bei der Verfolgung real- politischer Ziele zum Vorteil der Arbeiterschaft nicht zu rechnen ist. Der Aufsatz schließt wörtlich: Dcis ist es, was wir wollen: Eine Regierungsmehr- h e i t, die— unter Führung der nach dem Wahlergebnis hier- zu berufenen Sozialdemokratie— bewußt und entschlossen 1 danach strebt, die politische Geltung der, in immer schwächeren Wellen, bis in die Mitte des hohen Hauses am Platz der Republik in Berlin vordringenden großkapitalistischen, altpreußisch-bureau- kratischen und ostelbisch-monarchistischen Reaktion auf ein Nichts zu beschränken: eine Regierungsmehrheit, di« ein stetiges republikanisches Regime einleitet und die Entwicklung zum sozialen Dolksstaat eine Strecke voranführt. Das Wahlergebnis hat die Voraussetzungen hierfür geschaffen. Hier gilt nicht das Wort des Kommunistischen Manifestes: „Die Organisation der Proletarier als Klaffe... erzwingt die Anerkennung einzelner Interessen der Arbeiter in Gesetzes- form, indem sie die Spaltungen der Bourgeoisie unter sich benutzt." Die äußeren Mittel, mit denen die Sozialisten diese Weisung Wirklichkeit werden lassen, werden bestimmt durch die Zeitumstände und die wechselitben Formen des politischen Lobens. In unserer Zeit gelten die Formen und Gesetz« der Demokratie und des Parlamentarismus. Unter ihrer Herrschaft ist es der Zweck der politisch sinnvollen Opposition, die Regierunzs- Mehrheit von heute in die(möglichst machtlose) Minderheit von morgen zu verwandeln und selbst an ihre Stelle als regierende Macht zu treten. Es ist der Zeitpunkt gekommen, an dem ein anderer Teil der Kieler Entschließung aktuelle Bedeutung erlangen muß: „Die Beteiligung der Sozialdemokratie an der Reichsregie- rung hängt allein von der Prüfung der Fmge ab, ob die Stärke der Sozialdemokratie im Volke und im Reichstag die Ge- währ gibt, durch Teilnahme an der Regierung in einer gegebenen Situation bestimmte, im Interesse der Arbeiterbewe- gungqelegeneZielezu erreichen und reaktionäre Gefahren abzuwehren. Die Entscheidung über di« Teilnahme an der Re- gierung ist eine taktische Frage, deren Beantwortung nicht durch bestimmte Formeln ein für allemal festgelegt werden kann." Wir wünschen der Leitung der Sozialdemokratischen Partei bei der Wahl ihrer Taktik eine glückliche 5)and. Es ist selbstverständlich, daß die Auffassung der Sozial- demokratischen Partei sowohl dem Programm wie der Taktik nach sich mit den Forderungen der gewerkschaftlich organisier- ten Arbeiterschaft decken. Am Telephon mit Argentinien. Oer„Vorwärts" vom Gespräch ausgeschlossen. Die Telefunkcn-Gesellschaft hat am Freitag abend Vertreter der Presse eingeladen, um vorzusühren, wie die Telephonverbindung npch Argentinien funktioniert. Es soll über die Verbindung von über 12 000 Kilometer jedes Wort klar und deutlich zu verstehen gewesen sein,„ohne daß man lauter zu sprechen brchuchte als bei einer Ortsverbindung". So berichten wenigstens die Zeitungen und Bureaus, die Telefunken einzuladen für gut befanden. Es wird aber unsere Leserschaft interessineren. zu erfahren, daß das Zentralorgan der deutschen Sozialdemokratie zu dieser Vorführung nicht eingeladen worden ist. Soll das eine absichtlich« Brüs- kierung der Berliner Arbeiterschaft darstellen? Soll ihre Presse ausgeschlossen werden von der Teilnahme an dem internationalen Telcphonverkehr, der die Kontinent« verbindet? Oder sind sich die Herren, die eine solche Brüskierung unternehmen, nun nicht klar darüber, daß es die arbeitende Bevölkerung ist, die ihnen die überwiegende Meng« ihrer Radioerzeugnisse abnimmt, oder sind sie so ahnungslos, daß sie die stark entwickelte Gewerkschafts- bewegung und Arbeiterpress« Argentiniens nicht kennen? Wir er- warten, dag die Tclejunkengeselljchast schleunigst dafür sorgt, daß die Arbeiterpresse ihre gleichberechtigte Stellung erhält und es ihr ebensogut wie der Presse anderer Parteien und Interessen ermöglicht wird, mit dem argentinischen Bruderblatt und Bruderorganisationen zu sprechen. Bauarbeiterstreik in Norwegen. Oslo. ZK. Mai. 3n Oslo und in anderen norwegischen Großstädten sind die Bauhondwerker in einen Prote st streik gegen den Lohn- schiedsspruch des Schiedsgerichts eingetreten, der eine Lohnherabseßung vorsieht. Der Schiedsspruch ist bindend und unanfechtbar, und der Gewerkschaftskongreß sowie der Vollzugsrat der Gewerkschaften der Bauhandwerker haben ihr« Mitglieder vor den Folgen eines ungesetzlichen Streikes gewarnt. Die Regierung erließ eine Erklärung. in der gesagt wird, die Regierung werde jeden Arbeitswilligen schützen. Sie droht den Streikenden damit, daß wilde Streits mit Gcsöngnis bis zu drei Monaten und Geldstrafe bis ZS000 Kronen belegt werden. Vk Regierung dürste dann aber auch nicht zulassen, daß durch Lohnkürzungen wilde Streiks provoziert werden. Erdbeben in Gelsenkirchen. Am Freitag wurde in dem nördlichen Ortsteil Büls« eine etwa zwei Minuten dauernde Erderschütterung verspürt, die so heftig war, daß sichdieBilderandcnWänden bewegten und die Türen der Schränke aufsprangen. Die Bewohner verließen panikartig ihre Wohnungen und liefen auf die Straße. Man vermutet, daß der Erdstoß durch eine Verlagerung des Gebirges im Bergbau hervorgerufen wurde. Das erste Nakeienstugzeug. Mien. 26. Mai. Di« Ssgelfliegeroereinigung der Technischen Hochschule führte gestern im Ueberschwemmungsgebiet der Donau den Probeflug eines 80 Zentimeter großen Raketenslugzeugmobells vor. Es gelang nach anfänglichen Schwierigkeiten ein schöner Geradeslug des Modells mit 150 Kilomet-er Stundengeschwindigkeit. Die Vorführungen werden unter Verwertung der bisher gemachten Erfahrungen nach dem Bau eines neuen Modells fortgesetzt. Ltalia im Schneesturm verschollen Keine Funkmeldung mehr. s i n g s b a y. 26. Mai. Ttad) einem offiziellen Funkspruch der..E i kl o d i M i l a n o" von 0,15 Uhr ist seit Freitag morgens 10,27 Uhr von dar„Z t a l i a" keine Funkmeldung mehr eingelaufen, und es ist auch nicht bekannt, welche Richtung das Luftschiff eingeschlagen hat. Das Hilfsschiff ist augenblicklich eifrig dabei, den Kohlenvorrat zu ergänzen. um für eine hilfsexpcdition gerüstet zu fein. Wenn auch der Funkspruch der„Eitta di Milano" betont, daß vorläufig noch kein Grund zur Besorgnis vorhanden ist. so geht doch aus den Maßnahmen des Expeditionsschiffes hervor, daß mit einer Rollandung der„Jtalia" gerechnet wird, da das Luftschiff nur beschränkte Benzinvorräte an Bord hat und bereits bei Eintreffen der letzten Funkmeldung um 10,27 Uhr 14 Stunden überfällig war. Oie lehten Signale. Die Radiostation des Dampfers„Citta di Milano" forscht un- unterbrochen nach Lebenszeichen des Luslschiffes„Zlalia" und sendet von Zeit zu Zeit Funksprüche aus des Inhalts:„Wir haben euch feit Freitag morgen nicht mehr gehört. Antwort auf Wellenlänge von 30 bis 30, je nach der Entfernung." Das Schweigen des Gene- rals Nobile beunruhigt immer mehr. Auf Grund der letzten Funk- fprüche des Generals sucht man die Stelle zu erreichen, an der sich die„Jtalia" befand, als Freitag gegen f�ll Uhr die Funkstation mit dem Senden aufhörte. Freitag morgen 3U> Uhr hatte General Nobile berechnet, noch 100 Meilen von der Jnfel Moffen entfernt zu fein, die sich ungefähr auf dem 80. Breitengrade im Norden von Spitzbergen befindet. Daß die Fahrt immer schwieriger wurde, be- wiesen die lakonischer werdenden Funksprüche No- b i l e s, die dringend empfahlen, unbedingt jede halbe Stunde von der„Citta di Milano" sunkentelegraphisch Signale zur Korrektur des Kurses abzugeben. Die letzten Funksprüche ließen deutlich erkennen, daß das Luftschiff immer noch nach Osten abgetrieben wurde. Jeden- falls herrschte am Freitag auch an der Kingsbay sehr starker Westwind. Man tröstet sich mit dem Gedanken der Möglichkeit einer Notlandung des Luftschiffes aus Nordostlond von Spitzbergen und der Tatsache, daß die Expedition jedenfalls für eine Not- landung im Polargebiet ausgerüstet und mit Lebens- Mitteln für einen Monat versehen ist. Die„fürstliche" Kolomalabfindung Geheimraispolitik in der Kolonialabieilung. So sehr das Auswärtige Amt es zu bestreiten sucht, die Tatsache bleibt bestehen, daß bei der Abfindung der Liquidationsgefchödigien mit zweierlei Maß gemessen wurde. Es ist und bleibt unverftänd- sich, warum dem Prinzen Löwen st ein-Wertheim- Freu- d e n b c r g für seine Kameruner Pslanzungsgesellschaft eine Eni- schädigung zugebilligt wurde, die in ihrer Höhe weit über das Kriegsfchädenschlußgefetz hinausgeht— während auf der anderen Seite zahlreiche Kleingeschädigte noch der Erfüllung ihrer berechtigten Ansprüche harren. Der„A b e n d" hat auf dieses schreiende Miß- Verhältnis bereits wiederholt hingewiesen. Es ist notwendig, noch einmal darauf zurückzukommen, da die amtlichen und privaten Dementis mehr zur Verschleierung als zur Ausklärung des Sach- Verhalts beigetragen haben. Es handelt sich aber um höchst bedenkliche Vorgänge, die ver- mutlich auch den neuen Reichstag beschäftigen werden. Der 22. Aus- schuß des Reichstages, der in dieser Angelegenheit zuständig ist, hat von der ganzen Affäre bisher nur gehört, daß das Reich 1924 zunächst TA Millionen Mark für den Rückkauf der deut- fchen Pflanzungcn in Westafrika, im engtischen Mandatsteil Kameruns gegeben hat. und daß später Summen als Darlehen vermittelt wurden, über deren tatsächliche Höh« die Angaben des Auswärtigen Amtes selbst keine Klarheit gebracht haben: nach den amtlichen Mitteilungen soll die Summe 14 Millionen Mark betragen hoben und„jedenfalls.nicht über 16 Millionen Mark" hinausgehen. Wenn ein Geheimrat schon diese Differenz von zwei Millionen Mark als„rein gar nichts" abzutun suchte, dann hat die Oeffentlichkcit darauf zu antworten: Mit diesem„rein gar nichts" konnten allein fast 70 Existenzen von der Art des verzweifelten L a n g k o o p, der 30 000 M. zu fordern hatte, befriedigt werden. Die Kolonial- abtciiung des Auswärtigen Amtes hat gerade die Gesellschaft des Prinzen Löwenstein-Wcrtheim-Freudcnberg nochmals m i t 2,3 M i l- lionen. die dieser zuviel erhalten hat, nicht aus sachlichen, sondern aus persönlichen Gründen bevorzugt. Die Kameruner Pflanzungs- gesellschast Victoria hat diese bessere Chance gegenüber den anderen afrikanischen Darlehsnehmern— auch im Vergleich mit den oft- afrikanischen Pflanzern, die besonders maßig abgeschnitten haben— erhalten, aus keinem anderen Grunde als den des Besitzes der Aktienmehrheit durch den Prinzen Löwenstein, der dem Geheimrat Brückner und seiner Abteilung in dieser Eigenschaft als Prinz Oer„Meister" Kommunist. (In der Fabrik Iarzewo war jeder neu eintretende Arbeiter gezwungen, 30-50 Mark Schmiergelder zu zahlen.) �3 „Was, du willst bei mir anfangen zu arbeiien? Was kannst du dcnn?"-„Hier sind meine Zeugnisse."- »Gut, du bist eingestellt!" eines millionenschweren Fürstenhauses gefallen hat und dem er gefällig fein wollte. Arbeiterregierung und Kolomalfchäden. Dabei war die gute Kauffituation im Jahre 1924 nicht etwa durch Bemühungen des Auswärtigen Amtes oder gerade der prinz- lichen Gesellschaft geschaffen worden, sondern ergab sich aus der Arbeit der Regierung Mocdonald, die eine Versteigerung der Pflanzungen unter Zulassung deutscher Mitbieter anberaumte, nach- dem eine Versteigerung unter Ausschluß der deutschen und unter ihrer Regierungsvorgängerin nicht zu einem befriedigenden Er- gebnis für die englische Regierung gcsllhrt hatte. Die Kausleute konnten daraufhin dann die Pflanzungen, die einen Wert von 80 Millionen Mark darstellen, für 7 Millionen Mark zurückerwerben. Oer Prinz und sein Wiederaufbau. Die ganze Arbeit, die der Prinz L ö w e n st c i n in dieser Sacko für seine Gesellschaft geleistet hat, besteht darin, daß er 1923 einen A u t o m o b i l a u s f l u g an der Goldtüste absolviert hat, der ihn auch durch die Pflanzungen seiner Gesellschast führte. Diese Handlung wird in einem„Berichtigungs"-Schreiben der West- afrikanischen Pslonzungsgcsellschast Victoria, dessen Wortlaut von' der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes cbensnlls beeinflußt worden ist, als besondere Großtat gewertet. Die Reisekosten hol der Prinz Im übrigen auch mit Reichsgeldcrn. eben den schon erwähnten besonderen Darlehen bestritten, die für den Wiederausbau der heruntergekommenen Pflanzungen bestimmt waren. Die Slbwirtschaftung der Pflanzungen während des Kriege» allein rechtfertigt vielleicht eine teilweise Entschädigung der Pslan- zungsgcsellschasten. Aber weshalb werden diese überhaupt vom Auswärtigen Amt und vom Reichscntschädigungsamt als L i q u i d a° tionsgeschädigte gcwertct. Gewiß waren sie enteixiw« worden. Sie haben dann aber doch ihre vollen Vermögenswerte hundertprozentig wiedererhalten! Wenn das Reich sie ihnen für TA Millionen Mark in die tyinu drücken konnte, so ändert das nichts an der Tatsache, daß sie W e r l e von 80 Millionen erhalten haben. Diese Gesellschaften mußten also nicht nur die Darlehen bis zur Gesamthöhc von lk Millionen, sondern auch den größten Teil der TA Millionen für den Wiederaufbau ihrer Werte zurückzahlen und ständen dann immer noch unendlich viel besser da als alle anderen Liquidations- geschädigten, die ja nur geringe Bruchteile ihrer Schäden zurück- vergütet erhalten und sich mit vollem Risiko neu aufbauen müssen, während die Prinzengesellschaft schon erheblichen Nutzen trotz ver- schwenderischer Ausgabenwirtschaft sllr Prinzenreisen und andere persönliche Konten abwirst! Das sind Gedankengänge, die den Herren von der Kolonial- abteilung des Auswärtigen Amtes ebensolls geläufig sein müßten und ihnen jedenfalls von ihrem Minister vorgehalten würden, wenn der über die Einzelheiten dieser Dinge genau unterrichtet wäre. Wir lenken dos Augenmerk des Ministers aber auch auf die Gegenleistung des Prinzen Löwen st ein an die Geheimräte für seine unerhörte Bevorzugung! Ter Direktor Kemncr liest in Uebereinstimmung mit der Kolonialabteilung in llamcrun vor wenigen Monaten einen Propagandafilm drehen, der beweisen sott, wie sehr sich die Schwarzen nach der deutschen Verwaltung zurücksehnen und wie wichtig deshalb der Wiedcrerwcrb von Kolonien sei. In dieser kolonialen Gehcimratspoliiik und diesem startbereiten Film erblicken wir eine schwere Gefährdung öiner ver- nünftigen Außenpolitik, um so mehr als gegen die Filmerei auf Pflanzungen selbst bei ben europäischen Assistenten große Erbitterung herrscht. Diese mästen mit ansehen, daß die Schwarzen als„begeisterte" Anhänger ihrer alten Herren gefeiert werden, während nicht einmal die europäischen Assistenten mit ihren Aussichtsräten zufrieden sind, sondern sich— das trifft namentlich für die Ekona-Gesellschaft in Kamerun zu— auf dos schwerste benachteiligt fühlen. Alle hier gekennzeichneten Vorgänge müssen öffentlich klar- gestellt und dle Verletzung der ösfentlichen Interessen zugunsten einiger Bevorzugter wieder gut gemacht werde». Ewige �ebetlion in Mexiko. MexikoElty. 26. Mai.(Eigenbericht.) Ver hosen von Manzonillo wurde nach einem schweren sünf- zehnstündigen Kampf der Bundestruppen von einer starten Re- bellengruppc entseht. Die Verluste der Rebellen sind äußerst groß. Eine genaue Zlsser darüber liegt bisher nicht vor. Die Zahl der Sesaagenen ist ebensalls sehr hoch. Maximinus Ernst. 2Im 27. Mo, feiert in Münch«» Moximinus Ernst seinen £0. Geburtstag. Er wird einer der ältesten, wenn nicht der älteste Genosse in München sein, wohin er im Jahr« 1869 als Buchdrucker kam. Mit der Geschichte der Münchener Partei ist er auss innigste verwachsen. Hier gründete er anlählich der großen Buchdrucker- aussperrung 1878 gemeinsam mit dem damaligen Fachoerein den Presseoerein, die gemeinsam den.Leitgeist" Herausgaben. Die Ge- nossenschaftsdruckerei, die sich hieraus entwickelte, wurde auf Be- treiben des berüchtigten Geret Mich! als politischer Verein erklärt und ausgelöst. Ernst wurde mit den anderen Vorstondsmilgliedern zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Aus Grund des oogiolist«n> Gesetzes wurde der.Leitgeist" dann dauernd verboten. Ernst wan- derte wiederholt in« Gefängnis, und eröffnete dann eine neue Druckerei, in der die„Süddeutsche Post" erschien. Viereck, Morgenstern, Dr. Schönlank, Ignoz Auer waren Mitarbeiter. 1882 wurde der„Süddeutsche P o st i l l o n" gegründet, der sich zu einem der besten satirischen Witzblätter der Partei entwickelte und von Ernst 2S Jahre geführt wurde, bi» er in den„Wahren Jacob" aufging. Lang« Jahre hat Genosse Ernst auch die„Münchener Post" gedruckt, bis ste ihren eigenen Betrieb gründete. Genosse Ernst ist bis zum Jahre 1926 auch im Münchener Gemeindekollegium und Magistrat tätig gewesen. Er ist da» einzig« noch lebende Gründungs- Mitglied des Ortsvereins München im Verbände Deutscher Buch- drucker. Da er sich seine stoische Ruhe und seinen Humor durch alle Fährnisse hindurch bewahrt hat, wird er auch dem hohen Alter noch manche Freude abgewinnen. �Zwischen ianzenden Meidern." EtaatStheater. Das Trauerspiel oder die Komödie der russischen Emigranten sind noch nicht geschrieben. Es wäre da viel Edelmut. Verrücktheit, Eitelkeit, Elend und Armut zu fassen. Man bedenke doch: Jussuppass, der dem Zauberer Rasputin den Fangschuh gab, fabriziert heute in Paris Damenkleider duftigster und teuerster Qualität. In allen Hauptstädten Europas treiben sich echte oder falsche Großsürsten lind ihr weiblicher Anhang als Chauffeure, Heilige, Wucherer, Kellner oder Balalcikavirtuosen umher. In dem Schauspiel des Sizilianers Rosso di San Secondo ist die heimatlose Fürstin Anna Orlowa auch zur Schneiderin geworden, allerding» zu einer höchst vornehmen und talentierten, zu einer Fürstin der Garderobcn- kunst und zu einer Missionarin des guten Geschmack» und des gütigen Herzen». So bleibt es nicht au», daß man sie In der faschistischen Aristokratie vergöttert und mit Austrägen überhäuft. Sie oerdient soviel Geld, daß sie einem tugendhasten jungen Mäd- ichen einen Bräutigam kaufen kann. Sie verdient es aber nicht, daß Hochstapler eine falsche Fürstin heranschleppen, um der echten dl« kostbaren Juwelen und den Rest ihrer Titel und Tugenden weg- zunehmen. Gott Hilst aber den wahren Grohsürstinnen und nicht der armen Anastasia, deren schauriges Schicksal kürzlich ollen deutsch- nationalen Kaffeefchwestern und ihrem Reportertrupp das Herz gebrochen hat. Durch da» Schauspiel des Italienischen Dramatikers wird unser Staatstheater mit einem vollendeten Schund beglückt, der nicht weiter zu diskutieren ist. Nur Frau Höflich, Märtyrerin dieses Schauspiels, ober auch Meisterin großartigster cinsachster Mensch- lichkeit, verschleiert da» absolut Lächerliche, bösartig Schmalzige und Verlogene de» Schauspiel». Frau Höflich und Frau Lina Lossen spielen in dem Stück als echte und falsche Fürstin gegeneinander. Frau Lossen charakterisiert wundervoll ein hilfloses Weib, das in die Herrschaft hochstapelnder Hypnotiseure geraten ist und nun langsam wieder zur Wirklichkeit erwacht. Durch die beiden großen Künstlerinnen wird die unfreiwillige Komik des tragischen Momentes überwunden. Frau P o t e g g führt als tränenreiche Mutter ein Tochterpaar, eine Messalina(Fräulein K l o ck o w) und ein Aschen- brödel(Fräulein B e r h a r d) über die Bühne. Frau Else Wazner regiert als knallige Direktrice die Mannequins des großsürstlichen Modesalons, den Pirchan mit aller Eleganz der Großkonsettion dirigierte. An der kriminalistischen Kolportage sind di« Herren von Ledebur und B i l d t mit großer, komödiantischer Geste beteiligt. >5. N. Karl Hein; INoelln wurde von der Volltbüdne üeipflichtet. den .Lebenden L c i ch n o m" zu inlicnieren. der anläßlich de? 1 00. Gc> burtjtoge» von Leo T-llmi o!«"'•»« Stück her Solktbijhne mit H-mrich George und Agne« Ttrmib al*.Fchjo* und.LH«" In Szene geht." veulche« lheater In Varl». Der deutsche Mozart-ZlitluS in Pari» bat Freitag abend mit de«.Ton Giovanni' unter der Leitung von vcuno Walter begonnen. E« werden weiter.Figaro» Hochzeit'.„Oooi k»n Witt«-,.Die(tnllilbrung-u» dem«crotl* und.Die Z-ubersl»««' gegeben werden, teil» in deutscher, teil» in sranzösilcher und italienischer Sprache. Tie gestrige Vorstellung ist al»«in« Hdchslleistung bezeichnet worden. Zn der ftflnfllettolonU A»cov« am Logo maggiore ist der Vau de» Theater»«an Materno und der neuen Charlotte-Baro-Schiü» vollendet, deren«chikasischer Leiter Lame» Simon» diese« Sommer. Ferienkurse Tragödie eines Manuskripts. Amanullah, die Moskauer Großkopfeien und die schwerindustrielle Lügenzeutrale Amanulloh, der Reisetönig von Afghanistan, liebte es während seines Moskauer Aufenthalts, nach horter Togesarbeit, Empfängen auf Rosen und Perserteppichen und ähnlichen Strapazen, sich abends mit seinen Moskauer Freunden im vertrauten Kreis auszusprechen. Aus einem dieser Abende geruhte Amanullah Geschichten über seinen Aufenthalt in Berlin zu erzählen, die bei den russischen Würden- träger» lebhaften Anklang fanden. Die Oeffentlichkeit Hot bisher von diesen intimen Erzählungen Amanullahs nichts erfahren. Die ersten authentischen Nachrichten über dies« intimen Unterholtungen oerdanken wir Herrn Dr. R« i ß a u f, dem früheren Moskauer Be- richtcrftatter der„Deutschen Bergwertszeitung". Dieser veröfsent- licht einige Geschichtchen, die Amanullah den Russen in seiner Gegen- wart vorgetrogen hat. Dr. Reihauf ist auch ein so gewisienhaster Journalist, daß er den Eindruck dieser Geschichten auf dt« kommu- nistischen Großkopseten mit photogrophischer Treu« wiedergibt, wo- für wir ihm lebhaften Dank zollen. Noch seinen Berichten sprach Amanulloh zu den russischen Kommunisten«örtlich also: I. „Auf Schritt und Tritt merkt man in Deutschland," so erzählte der König,„daß man im.verbotenen Lande' ist. Wöhrend meine» Aufenthaltes in Berlin war in dem Gefandtschastsgebäud« meines Landes irgendein Defekt entstanden, der schnell behoben werden mußte. Als der Hausmeister abends um 6 Uhr einen Klempner- meifter und ein paar Gesellen anrief, wurde ihm gesagt:„Nee, Männeken, det seht»ich, Sie wissen woll noch»ich, det in Deutschland det Arbeiten vaboten is, wot? Nach fünse is nischt mehr zu wollen. Da missen Sie ihren Defett schon früher einrichten, al» uff'n Abend, vastehn Se!" Die Moskowiter rieben sich— so vermerkt Dr. Reißauf— vergnügt die Hände:„Die Sache geht in Ordnung. So werden di« Leutchen ehsten» wieder auf einen grünen Ast kommen." II. „Im Duisburger Hafen habe im mich über die vielen Feiernden gewundert, und ich dachte schon, die hätten zur Feier meiner An- Wesenheit blau gemacht."„Nee, Herr Kernig, dot is«in schwerer Irrtum," sagten sie mir,„wir ham von Montag bis Freitag schon so vill« Jeld verdient, bat der Tariflohn raus i»."„Na," meinte ich,„da könntet Ihr doch am Sonnabend noch rasch einen kleinen Zuschuß in die Lohntüte verdienen."„Nee, Herr Äeenig, det is ein schwerer Irrtum," erklärten sie mir,„da kann kern Minister wat dran machen und ooch der liebe Jott nich. Mr mechten schon, ober dat is Gewerkschastsdiszivlin." Di« Moskowiter gössen— so erklärt Dr. Reißauf— noch einen Wodka auf:„Das Geschäft ist richtig, die Sache geht in Ordnung." III. „Im Reichsorbeitsministerium traf ich einen Juristen, der war selig: Er werde von seiner Dienststelle mit halbjährlichem Urlaub nach Spanien geschickt. Ich solle mal raten, mit welchem Austrag. Na. bin ich auf die Frage eingegangen, vielleicht um Apfelsinen zu zählen? Beinahe richtig, sagte der Mann, aber um— die Landwirtschaft zu studieren. Aber, fragt« ich ihn, verstehen Sie denn al» Jurist im Arbeit»- gericht»wesen etwa» von Landwirtschaft? Keine blasse Ahnung, sagte der juristische Landwirt in!pe, bloß daß di« Landwirtschast au» der Erde herauskommt." Die Moskowiter ließen eine neue Lag« auffahren:„Die Sache ist völlig in Ordnung." IV. „Im Ruhrbergbau hat es ja eine fette Lohnzulage gegeben," plauderte der König weiter. „Fett?!" ereiferten sich di« Moskowiter.„Bloß 83 Millionen jährlich." „Ein Heidengetd, muß ich sagen," hielt Amanullah voll...da lönnen ganze Vvltcrstämmc von leben. Aber wißt Ihr auch, was der Schlichter vor der Revolution gewesen ist?" „???" „Nun, daß könnt Ihr auch nicht raten, Maurer und Matrose ist er gewesen." „Majestät belieben zu scherzen," da blieb selbst den Moskowitern die Spucke weg, wie der Berliner sogt,„Majestät erzählen Reise- lotein aus Deutschland." Amanullah beschwor di« Sache beim Barte sämtlicher Propheten, ober die Moskowiter wollten sich totlachen:„Dos ist der bcste Witz, den Majestät aus Deutschland mitgebracht hoben." Soweit der wörtliche Bericht des Dr. Reißaus in der„Deutschen Bergwertszeitung". Da wir zunächst an der journalistischen Gewissenhaftigkeit des Dr. Reißauf zweifelten, beauftragten wir unseren Reporter Anton Findig mit der Feststellung des Tatbestandes. Es gelang ihm auch nach Ueberwindung monnigsaltiger Klippen der afghanischen Diplomatie das afghanische Auswärtige Amt ausfindig z» machen, von dem er noch Darlegung des Sachverhaltes folgenden Bescheid erhielt: Auswärtiges Amt Zlfghanistan. 25. Mai 1928. Abteilung für Dementis. Sehr werter Herr Findig! Bezugnehmend auf die Mitteilungen des Dr. Reißaus in der „Deutschen Bergwerkszeitung" müssen wir Ihnen mitteilen, daß selbige auf einer betrüblichen Verwechslung beruht. Auf Grund unserer eingehenden Nachforschungen ergibt sich folgen- der Sachverhalt: Bei dem Aufenthalt unseres großmächtigcn Königs Amanullah in Essen a. d. Ruhr besuchte dieser auch die Propagandazcntrale der Nordwestlichen Gruppe, die Ihnen ja hoffentlich als Vertretung der großen Jndustrieherren in Rheinland und Westfalen bekannt sein dürfte. Die Herren des Instituts überreichten dem König damals einige für den König besonders angefertigten Schriftstücke, aus denen die Art ihrer Tätigkeit zu ersehen sein sollte Zwecks späteren Studiums wurden diese Schriftsätze ordnungsgemäß oer- packt. Wie es dann weiter gekommen ist, kann nicht genau recherchiert werden: jedenfalls hat unser grohmächtigcr König Amanulloh das Manuskript einer Rede, die wir in Moskau halten mußten, mit den Essener Manuskripten verwechselt, wodurch sich die Mitteilung des Dr. Reißaus erklären. Es ist, wie sie sehen, eine betrübliche Verwechslung, und wir hoffen, daß Sie für diese Angelegenheit— der Wodka in Moskau ist gut, aber auch stark— Verzeihung geben werden. Hochachtungsvoll(Unterschrift). Die Geschichte hat damit noch kein Ende. Wie wir weiter er- fahren, ist Herrn Dr. Reißauf, der inzwischen seinen Aufenthalt von Moskau nach Essen verlegt hat, folgendes Schreiben zugegangen: Auswärtiges Kommissariat Abteilung Deutschland. 131. Unterabteilung. Pflege von kommunistischer Gesinnung in Deutschland. Werter Herr! Aus der„Deutschen Bergwerts-Zeitung" vom 17. Mai 1928 haben wir von Ihren Indiskretionen Kenntnis genommen. Wir gratulieren Ihnen, daß Sie bereits in Deutschland sind, andernfalls wäre Ihnen ein Prozeß wegen Sabotage des kommu- nistischen Wirtschaftsausbaues sicher. Indem wir nach langer guter Zusammenarbeit Ihren Ver- trauensbruch doppelt bedauern, sollten Sic wissen, daß Mit- teilungen, wie Sie sie in der„Deutschen Bergwerks-Zeitung" ver- ösfentlichtcn, nichts für unsere kommunistischen Gläubigen in Deutschland sind. Sie haben durch Ihre Jndiskrediiion gezeigt, daß Sie de» Ihnen bisher von uns geschenkten Vertrauens nicht würdig sind, weshalb sich irgendein Gesuch Ihrerseits um Einreise nach Äußland in Zukunft erübrigt. Muschki. Damit schließt die Geschichte fürs erste! Moskau, den 26. Mai 1928. Gchaljapin-Gastspiel. .von Quichotte" ia der Krolloper. .Don Quichotte", lyrische Oper in fünf Alten von Jules Masse. n e t. Eigentlich nur: fünf Bildern: der zweit« und der fünft« Akt hat nur j««ine Szene. Alles In diescm höchst undramotischen Werk ist nur Beiwerk und Hintergrund für die Hauptfigur. Die Oper ist nur für den Darsteller der Rolle da. nach dem sie heißt. Nur sür einen Scholjapin kann sie geschrieben worden fein. In der Tat, Schaksapin ist. 1916 in Monte Carlo, der erst« Don Quichotte ge- wesen. Massenet, damals, kurz vor seinem Tod, fast siebzigjährig, hat In diesem Werk nichts Ursprüngliche» mehr zu sogen. Seine Musik, immer mit Delikatesse, doch nun schon mit der Routin« seines persönlichen St», gemacht, ist bedenklich unüberzeugend, untief geworden: vberslächiich.mvndän wie schlagwortmäßig der Ort der Uraufführung. Massenet, Monte Cario— jede Vorstellung, die der Zusammen- klang dieser Namen«eckt, ist von der Bühne geweht, kaum da» Scholjapin sie als Don Quichotte betritt—, richtiger: der Schimmel sie betritt, der die phantastische Figur dieses Ritter» von der u». widerftehlich traurigen Gestalt trägt. Welch ein Mensch, welch ein Künstler, der mi» dem nur angedeuteten Opernhelden etwas so hin- reißend, bezaubernd, erschütternd Menschliche« zu machen weiß! Und welch imerhörte Meisterung einer unerhört verseinerten Pech- mk, die auf solche Art Menschlichste» vollkommen in Theat«rwirkung umzusetzen versteht! Scholjapin al» Bari, Godunosf war ein« russisch-nationale. Scholjapin al» Don Quichotte ein« international«, doch wcthrhast übernotionol« Kunstosfenbarung. Ein« sronzösischi Oper Im spanischen Milieu, aus einer deutschen Bühne von einem rufstschen Ensemble dargestellt, es kann nicht» Internationaleres geben. Uebrigens haben diese Russen Gewissen und Kultur, das sranzösijche Werk in sranzösischer Sprache zu geben. Aber Schal- japin» Don Quichotte wächst au» ollen nationalen Bedingtheften der Rolle und des eigenen Blute» hoch in« ganz groß Menschliche. Klaus k'rinssheim. Die ozeanographische Konferenz. für er-- Rudolf. jioch-VusslcUung Rudoli Koch, der deutslbe Schreibmeister. zeigt im Berliner Auckgemerbciaal. Berlin SW. ei. Treibundslraße S, eine au»i)eipät)ltc choinmlune au» feinem gropbilchen Schaisen. Die?tu«ftellunz ist wochentags»on 9 bi« 18 Uhr laufer Sonnabend») und Sonntag, den 10. und 3*. Juni, von 10 bi» 13 Uhr geöffnet. v« BetNner Gastspiel der Comtdl« Zraoeotle. Aus Vorschlag de» UnterrichtSmintster» Herrlot beschloß der Ministerrat, die Genehmigung zu einem Gastspiel der Eomödl« Franeatle in verlin zu geben.«ahrschelnNch «erden in erster Linie Komödien von Nolitr, zur Aufführung gelangen. vl« ting.Vtademie tritt vien»tag ihre Konzertreise nach Baden-Boden. Railand und vieddaden an. Unter Leitung ihre» Direktors Georg Schumann kommt»ach;.tt-�IolI-Refk' mid. Händels.Israel tu Aegypten' zur Im Anschluß on di« Hundertjahr-Feier der Gesellschaft EiHkund« wurde am Freitag die Ozeanographische Konserenz öffnet. Der Berliner Geograph D e f a n t sprach über die systematische Erforschung de» Weltmeeres, wie sie zum ersten Maie durch das Forschungsschiff Meteor bei einem großen Teil des Attanttschen Meere» unternommen wurde, wodurch diese Expedition vorbildlich sür die Zukunft geworden ist. Aber immerhin ist auch durch frühere Expeditianen soviel Material zusammengetragen worden, daß man ein Bild über die wichtigsten Strömungen in den Weltmeeren ge- Winnen kann. Es zeigt sich, daß di« Ozeane ebenso wie unsere Lufthülle eine Schicht starker Bewegungen haben, die Troposphäre, die aus einer dünnen Störung»zone mit heftigen unregelmäßigen Bewegungen und einer viel dickeren Schicht mit starken regclinähi- gen Strömungen besteht. Im Ozean folgt dann nach unten die viel ausgedehntere Stratosphäre mit ihrem„Kaltwosser", dessen bedeutend langsamere Strömungen vielleicht noch wichtiger sind als die„Worniwasserströmungen" der übergelagerten Troposphäre. Dann sprach der berühmte Chemiker Prof. Haber- Berlin über da»„Gold im Meere", das er aus 168S Wasserproben, d'e ihm das Schiff„Meteor" überfondt hatte, zu erhalten suchte. An- gereizt wurde er zu diesen Untersuchunzen durch die früheren Mit- teilungen, wonach sich im Durchschnitt mindestens drei Zetusendstel Milligramm im Liter Meereswasser vorfinden, dessen Gewinnung namentlich für Deutschland angesichts der ihm auferlegten Repara- tionslast von 132 Milliarden Mark oder 50 Tonnen Gold lohnen würde. Leider zeigten dl« sehr genauen Analysen, daß di« älteren Forscher Täuschungen unterlogen. Spuren Gold sind ungemein weit verbreitet, und so werden durch die Apparatur soft immer Goldspuren hinzugebracht, ohne daß die Untersuchenden sich dessen bewußt sind— man denke z. B. an die Verwandlung von Quecksilber in Gold, die vor einiger Zeit soviel Aussehen erregte, wobei aber «ich das Gold durch die Apparatur hinzugebracht wurde. Schließt man alle Fehlerquellen sorgfältig au», so sind die Goldspuren so winzig, mir wenige tausendmillionstel Milligramm im Liter, daß di« Hoffnung auf Nutzbarmachung dieser Goldquelle nichtig ist. Dann sprach der Norweger He l l a n d- Hansen über Meeres- forschung mit kleinen Forschungsschiffen, die den großen wegen der weit geringeren Kosten vorzuziehen sind und bei den nächsten Expe- ditlonen. über die die Norweger H j o r t und Soerdrup und der Niederländer van Niel sprachen, wohl ausschließlich Verwendung finden werden. Am Nachmittag und am Sonnabend wurden Bericht« über die Ergebnisse der ,.Meteor"-Erpedition auf den einzelnen Arbeits- gebieten(biologische, chemische, mineralogisch« usw.) entgegen- sßaatataea und erörtert, Mit Ladung gesunken. Ein LaslLcthn mil 200 Tonnen Ladung versank durch Rammung eines Schleppers auf dem Span daner Schiffahrtskanal. Die Familie des Schiffers konnte sich retten. „Im Taumel von Paris." Filmaufführung im Capilol. „La Sarrozine" heißt der Roman, nach dem der Film gedreht ist, der leider von Anfang bis zu Ende Roman bleibt. Zudem begeht der Manuftriptbeorbeiter den schweren Fehler, zweimal dasselbe Sujet zu benutzen. Noonne, die gefeierte Sängerin, verläßt ihren Gatten, einen schottischen Lord, weil sie dos Theater nicht entbehren kann, und sie verläßt ihren Freund und Paris, weil die Welt des Theaters ihr auch nicht auf die Dauer zusagt. In den Bergen finden Mann und Freund die Verschollene. Sie kehrt nach Paris zurück, erliegt wieder dein Taumel des Theaterlebens, fährt aber nach kurzem Rausch nach Schottland und sitzt dort in irgendeinem Schloß gcmüt- lich mit ihrein Mann am Kamin. Diese Gemütlichkeit aber über- zeugt nicht, im Gegenteil, man hat das Gefühl, in 14 Tagen geht der Tanz von neuem los. Ucberdies kann uns das ganze Problein, das im Bürgertum von voigestern einmal aktuell war, beim aller- besten Willen nicht interessieren. Der Regisseur Julien Duvivier weiß, daß hochdramatichc Szenen der ganzen Wirkungsart einer Lil Da g o v c r nicht besonders liegen: dennoch brauchte er ihr nicht so offensichtlich zu chilfe kommen. Er verzichtet einfach auf ihr Spiel, wälzt die ganze Arbeit auf den äußerst befähigten Photographcn ob, und der ersetzt es durch wild taumelnde Bilder. Lil Dagooers Schönheit feiert der Regisseur, in- deni er die Darstellerin als Mannequin verbraucht. Bei der Uraufführung spielte dos Publikum Theater. Lil Da- gover zeigte sich auf der Bühne, wobei sich in den ortsüblichen Bei- fallssturm recht schrille Pfiffe mit nachfolgender lebhafter Ausein- andersetzung mischten. e. b. Die treulose Lotte. Abenteuer einer Hausangestellten. Als eine chausfrau in der Steglitzer Straße an einem der letzten Tage des Februar in das Zimmer ihrer Hausangestellten kam, lag auf dem Tisch ein Zettel mit zwei Worten:„Ich verreise". Bald stellte die Hausfrau fest, was es mit der Reise aus sich hatte. Die neue Hausangestellte hatte nicht nur 17ll Mark bares Geld und einen wertvollen Ring, sondern auch allerlei Klcidungs- stücke und Wäsche in einem Koffer, den sie vom Boden geholt, mit- genommen, im ganzen für 21100 Mark. Die Kriminal- polizei stellte fest, daß es Charlotte in diesem Falle besonders auf gute Kleidung angekommen war. Geld hatte sie bei verschiedenen Diebstählen vorher genügend zusammengebracht. Wohin die Reise gegangen war, blieb rätselhaft, bis die Diebin jetzt bei einem neuen Versuch in einer Familie in München festgenommen wurde. Sie war, wie man nunmehr erfuhr, von Berlin gleich nach Dresden gefahren. Dort saß ihr Freund im Gefängnis, um eine längere Strafe zu verbüßen. Sie teilte ihm ihre Ankunft schriftlich mit und er erreichte es durch einen Vorwand, daß er auf zwei Tage beurlaubt wurde. Das Pärchen lebte herrlich und in Freuden und machte Ausflüge in die schöne Umgebung. Der Freund überschritt den Urlaub ganz erheblich und kehrte erst ins Gefängnis zurück, als das Geld zu Ende gegangen war. Charlotte Mielke nahm eine neue Stellung in Leipzig an und erbeutete dort so viel, daß sie über München nach Partenkirchen fahren konnte. Dort spielte sie die Tochter eines Rittergutsbesitzers. Als sie merkte, daß sie sich mit ihren Schwindeleien festfahren würde, verschwand sie nach München, wo das Geschick sie ereilte. Von dem Gelde ist natürlich nichts mehr da, die Kleider sind ab- getragen. Den kostbaren Smaragdring will Charlotte verloren haben. Theater der Woche. Vom 27. Mai Iunk. Volksbühne. Theater am vülowplah: Bis 31. Was ihr wollt. Ab I. Orpheus' in der Unterwelt.„ Theater am Schiffbauer dämm: Der Zigarettenkasten. Thalia-Theater: Dyckerpotts Erben. Staatstheater. Oper Unter den Lindetf. 27., 4. Die Frau ohne Schaven 28. Rigoletlo. 28. Boheme. 30. Figaros Hvchzeit. 31. Tmubatour. 1. Erstes Sinfoniekonzert(12 und 20 Uhr). 2. Othello. 3. Schasta. pin-Kaftspiel: Boris Godnnoff.•i±ru Oper am Platz der Republik: 27.. 31.. 3. Der Fvestchutz. 28. Don Giovanni. 29., 1. Der schwarze Domtno. 30. Strawlnjkl» Abend. 2. Luisa Miller. 4. Der Kuß. Städtische Oper, Charlottenburg. 27.,%. itlgaros Hochzeit. 28. Der Barbier von Sevilla. 29. Götterdämmerung. 30. Rigoletto. 31. Lohengrin. 2. Geschlossene Vorstellung. 3. Die Jüdin. 4. Tosen. Schauspielhaus am Gendarmenmarkt: 27., 29, t. bis 4. Zwischen tanzenden Älcidem. 28. Louis Ferdinand. 30. Musik. 31. Die Weber.__,,.., Schiller Theater: 27. bis 30. Clavigo. 31. Peer Gynt. 1. bis 4. Die beiden Seehunde. Theater mil festem Spielplan. Deutsches Theater: Pygmalion.— Sommerspieler Finden Sie, daß Constance sich richtig verhält??— Die komodie: Es liegt rn der Luft.— Theater in der königgrätzer Straße: Lemen aus Irland.— Somödieuhaus: Broadway.- Großes Schavsp,elhaus: Das Dre.- mäderlhaus.— Theater des Westens: Das Ekel— komische Oper: Zieh' dich aus.— Deutsches Künstler-Thealer: Verbrechen.— Cust- spielhous: Unter Geschöftsaufs-ck-t.— cesi.og-T�ater: Rr. 17.— Berliner Theater: Der Prozeß Mary Dugan.— Die Trrbune:«picl im Schloß.- Renaissance- Theater: Krankheü der Jugend. 23� Uhr Nachtvorstellung: Tempo Tausend.— Walhalla-Theater: Verlorene Töchter.— Rose-Theater: Das Paradies der Eh«.— Schlotawtt- Theater Steglitz: Der Hexer.— Scala: Internationales Dariebe.— Reichs hallen-Theater: Stettiner Sänger.— Theater am kottdusier Tor: Elite-Sänger. Theater mit wechselndem Spielplan. Theater am Rollendorfplatz: Bis 31. Marlborough zieht bn den Krieq. Ab 1. Der Feldherrnhügel.— kleines Theater: Bis 25. Frau Käthe läßt sich verführen. Ab 2k. Die Großlchn-ru.ze.— Cayno. Theater: Bis 29. Die schwebende Jungfrau. Ab 30. Mullers Prin. zeßchen.— Theater in der klosierstraße: 27., 29., 31. Erdgeist. 28, 30., 1, 2, 3. Büchse der Pandora. Nachmittagsvorstellungen. Volksbühne. Theoler am Bülowplah: 3. Die rode Rotze. Theater am Schisfbauerdamm: 27. Der Zigarettenkasten. Thali«. Theater: 27, 28, 3. Dyckerpotts Erben.— Komische Oper: 27, 238. Zieh' dich aus.— Walhallo-Theater: 27. Tischlein deck dich. 28. Die Puppensee.— Theater in der Klosterstraße: 27. Liebe. 28, 3. xer fröhliche Weinberg.— Schloßpark-Iheater Steglitz: 27, 28. Der Hexer. Erstaufführungen der Woche. Freitag: Volksbühne: Orpheus in der Unterwellt. Schill er-Theater: Die beiden Seehunde. Theater am Nollendorfplatz: Feldherrnhügel. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Um- gegend.(Nachdr. verb.) Teils heiter, teils wolkig, ohne Nieder- fchläge, etwas wärmer, abflauende nordöstliche Winde.— Für Deutschland: Iiü größten Teile Deutschlands Wetterbesserung und im allgemeinen etwas wärmer. Im Südosten nachlassende Nieder» schlüge, nur in Süddeutschlond noch ziemlich regnerisch. oieria l Beil»»«. Linden ftrage 3. MsÄWlM VsorajpnaonoMnTaooociCTi «XXJOMJ i u Sonnab..26. 5.2« Staats-Oper Unter d. Linden Ab.-V. 22. Anf. I9'/3(7«(,)U. Uditiies Söiidtsals Staals-Oper AmPl.d. Repubi. Res.-S. 101. Anf. 20(h) U. Filio Sonnab.,26. 5. 28 Städtiidie Oper Bismarcks tr. Turnus III Anf. 20(8) U. Cavallerfa ruslicana- DerFenerrode! Staatl. Steplelh. Im Gtndarmenmartt Ab.-V. 105 Anf. 20(8j U. Louis Ferdinand Staatl. Sdiiller-Tiiealer.üiaritlig. 20(8) Uhr: CLAVIGO zum Volks büh ne ihiatu am lilavplali 8 Uhr: Tt. im sv!lll>a«tilai»»i 8>/, Uhr Der Zigarettenkasten Planetariuni am Zoe hrltag. JudinnAaln Stnl> Noll. 1578 16V,, 18, 10'/» 21 U. Der Sternbimmel der Heimat Eintritt I M. K'-öft unt. IS taiim O.Sil Salteniiirg-SOiiaoii Ots. Künstler-Th. «V, Uhr Verbrechen („Crime") Walhaiia-Th. Weinbergsweg 19/20 Täglich 8V, Uhr Verlorefle Töditer oder Das Mädchen aus demFreudenbaos Kar EraadKiM habt, Zalrti Park.auch Sonntags statt 4.- nur 60 PI. Am I.Feiertag 4 Uhr TUdaleia deck didi 2. Feiertag 4 Uhr Die Pappcnfee Parkett». 30 PI. an. CASINO-THEATER» uur Lothringer Str. 37. Die schwebende Jungfrau Ab 30. Mai Nfll.ert Priiizeitdien. AoucbaeidcBi Gutschein 1—4 Fers. Fauteuil nur 1,10 M, Sessel 1.60 M. Oeattdiesltieatet Norden 12310 ' Uhr, Fnde nach 1( 50 .Haie Pygmalion von Bernard Shaw -Jtsch. v. Siwfr. TntöMi Hatnmerspiele Norden 12310 l'/aU, Endenach 11 Zum 131. Mal Fimfeg Sie, dal) 'oirctance sidi riditip verhält? Die Komödie Bismarck 2414/7511 8V. Uhr Es liegt in der Luft Revue von Schiffer. Musik v. Spoliansky BeriiDir ItißatBt iharWtmlT.SO'll.iJtoh.lllI S'/aU. Ende geg. Ii Gsstsiiiil i.BnlsdniiTli. Der Prozelt Hary Dugan Lessing-Theater Norden 12798 Sommerspielzell KäiullfmiSi Uitang Eni! Ulf Täglich 8V, Uhr „Hr. 17" vjefferson Farjeon Regie: Hans Lötz Lastspielhaas lir. Dr. Martin fiditi SV, Uhr iuldo Thielscber üesiiiäftsaolsidir Kleines Theater Heute 8«/, Uhr Premiere Rosa Valetti, Eugen Rex in Die Großsdmauze Vorzeiger halb« Kassenpreisc. itfiomay-lölmer Ch.Känigzräti. Sl. Bergm.IllOL Täglich 7'/, Uhr Leinen ans Irland Komddienhaa« Norden 6304. Tägl. 8'/, Uhr Broadway PiscatorbUhne Theater am Nollendorfplatz Kurfürst 2091/93 Täglich 8'/. Uhr Malboroagb zieht in den Krieg von Marcell Achard Insz. Erwin Kaiser Theater des Westens Steinpl.931 8'/, Uhr Max Adalbert „Das M" Thalia-Theater Dresdener Str. 1Z-1? Täglich 8 Uhr Dytkerpotts Erheii Rose-Theater Gr. Frank!. Str. 132 8'/, Uhr: DasPataiiieslElie Theater am Kottbusser Tor Kottbaoaer StraBe O. Tel. Mpl. 16077 Täglich 8 Uhr / Phanfasicn im f�BrcmerRatsKellcr ■Bfa Genrebild von Max Horst IV Unsere Käthe Posse von Oskar Klein Dazu das Mai- Solo- Programm. Renaissance- Theater Steinplatz 901. �r Krankheit der Jugend Slelnmeier, Berlin Fricdrfchstrahe Hallo! Hier Welle Grünau! Der brave Mann mit seiner Frau geht zum Gesellschaftshaus Grünau Pfingsten Frflhkonzert 2 Kapellen. Die gute Küthe. BtiORSwEif? Arnold Sdtolz Hosenheide 108.114 Pfingsten Eröffnung der Sommersaison An beiden Peiertascn: Or. Früh-Konzert u. die gr. Revue 100 Jahre Rauf u. Runter Einlaß früh 4 Uhr > Voranzeige!, Nachm. 3 Uhr Täglich ab 6 Uhr: Konzert.— 8 Uhr: Die gr. Revue Außerdem Dienstags, Donnerstags, Sonnab. u. Sonntags- TANZ UNTCR PALMEN Waldschänke Sadowa Ausflugslokal mitten im Wald a.d. Bahn gelegen. Herrlicher Garten, 3000 Personen fassend. Saal für Vereine, auch Sonntags kostenlos. Inhaber: Otto Thüldte Kegelbahn Vorzügliche Küche GutgepllegteBlere Berliner Prater Kastanienallee 7«9 Pfingsten d. grolle BrSfftiiuigtproiir. foluische Wirtschaft �Giib°?r. Außerdem: GROSSES VARIETE An beiden Pfingsrfeiertagen: Frühkonzert u. Vorstellung Tanzbelustigung, all. Art— Kaffeekochen Rcichshallen•Theater Ibendsailtir. an beiden Piiertajeo nadniJ Ohr Stettiner Sänger „ttnotes Pungftlalur Nachmittags halbe Preise Dönhoff» Brett'ii ilui•. Gvtn). Variete, Tanz. Kapelle Wilhelm Frentel SCAltÄ 8 Uhr Nollendort 7360 Paul Lincke sowie das Internat. Varleli-Programm M.D.ao leiden Feiertagea ie 2 TortteUnnDen; ä30 u.• Uhr— 1 B ze ermäßigten Preisen das ganze Programm. Voranzeige An beiden Pflngsfeieriaden nilllll Grotes Frühkonzerl limm Anfang 6 Uhr. Sdilller-fiaricn vorni. Friedridivilbiliiiitiiltisdiir Garten Inh.: O. Rutz, Chausseestr. 30-31 täglich Großes Orchesterkonzert uuiimiuiniiin 17 M a n n nmiimimiuiii Anf.: Wochent 5, Sonntags 4 Uhr Spezial- Kindl-Ausschank Gute billige Küche Hant-Bleiehkrem Jetzt ist es Zeit, Sommersprolsen, Leberflecke, gelbe Flecke im ®e|iOWW»S PflBW DER SPRUNC UBER DEN SCHATTEN VON KARL SCHRÖDER- ZEICHNUNGEN VON PAUL THESING Copyright»21 by.Der Bücherkral* G. 20. Fortsetzung. Die beiden Mädchen lassen dich tausendmal grüßen; sie ver- dienen immer ein bißchen zu. Lena ist«in bißchen schmal, aber sie sind ganz froh und sagen, sie tun es gern für dich. Ich bin so sroh, daß alle meine Kinder ordentlich sind. Ich will schließen, mein liebes Kind. Du bist gewiß angestrengt und müde. Sei nicht böse, aber ich kann nicht anders, manchmal muß ich meinen Kindern das Herz aus- schütten." Diesen Brief hatte ich am Mittag nur ganz mechanisch über- flogen.„Auch dos noch," hatte ich gedacht; dann war es zurück- gedrängt worden von dem anderen. Jetzt aber, während ich schlaf- los lag, überfiel er mich mit quälender Gewalt:„Helfen wolltest du, damit sie es leichter haben; und jetzt frißt du ihnen das Leben weg!" Ich wälzte mich ruhelos umher und schreckte auf vor meinem eigenen Stöhnen. Gegen Morgen überwand mich der Schlaf, und ich hatte einen Traum. Mir träumte, ich saß in einem engen, dunklen Raum. Dämmer Und Nebel erfüllten ihn. Ich war zum Tode verurteilt und sollte in einer Stund? auf dem Block hingerichtet werden. Die Tür ging auf, und meine Mutter kam herein. Sie weinte wortlos. Ich ober tröstete sie und sagte, sie dürfe sich nicht ängstigen. Ich hätte keine Furcht, weil ich keine Schuld hätte. Mir wurde dabei sroh und leicht zumut. Die Mutter ging und ich hörte Schritt« auf dem Flur. „Jetzt holen sie dich," dachte ich, und im gleichen Augenblick packten mich Entsetzen und grausige Angst. Ich wollte schreien, aber es kam kein Ton. Ich stieß gegen die Tür. Sie siel auf. Ich flog hin- aus und eilte durch einen halbdunklen, schräg abfallenden, mit breiten braunen Steinplatten gepflasterten Torweg. Auf den Platten standen Lachen schinierig-zähcn, schwarzroten Blutes. Ich glitt hin- aus auf einen dämmrigen Hof, erstieg leicht einen Holzstapel und schwebte von hier, in der Luft schaukelnd, über eine Mauer. Ganz in der Ferne sah ich die Sonne aufgehen. Ich flog und flog, und auf einmal stand ich auf einer Wies« voll duftender Heuhaufen. Hilde- gard Junker stand neben mir. Ich riß eine Handvoll Heu aus einem Haufen und hielt sie uns beiden vors Gesicht. Hildegard hielt meine Hand fest und sah mich oerlangend an. Ich wollte sie umarmen; sie wehrte sich nicht, aber da sah ich, daß es gar nicht Hildegard Junker war, sondern meine Schwester Lena. Ich schämte mich, lief ein Stück weiter über die Wiese, und wieder begann ich über dem Boden zu schweben. Bor mir erhob sich ein mächtiges graues Schloß mit Zacken und Zinnen. Ich schwebte über eine breite, aufwärts- führende Steintreppe durch eine schwere Tür, die sich sofort hinter mir schloß. Es war Dämmer innen. Wie Schleier wogte es durch den Raum, und ein leises Grauen kroch über meinen Rücken. Ich sah von einer Galerie aus in einen weiten, völlig leeren Saal. Jetzt schwebten in wagerechter Loge Menschenschatten hindurch. Ich sah näher hin und stellt« fest, daß es mumienartige Leichen waren. Bon Schauern geschüttelt drängte ich mich an die Rückwand; sie wich hinter mir zurück und ich rutschte in ein kleines Kabinett, das nur hoch oben an der Decke eine schmale Lichtäsfnung hatte. Ich saß auf einem Schemel vor einem Schreibtisch und sah auf meine Füße. Da bemerkte ich, daß es gar nicht meine Füße waren, sondern daß eine uralte Zigeunerin dort saß. Sie griff nach meiner Hand, sah scharf auf die Linien. Sic schwieg, und auch ich schwieg. Trotzdem wußte ich, daß sie gesagt hotte:„Was du jetzt wünschst, wird in Erfüllung gehen." Ich hatte nichts gewünscht, aber mir war gerade der Name„Bebel" eingefallen. Ich hatte ihn auf Plakaten gesehen. Ich wollte jetzt sprechen, da zog es mir den Kopf zur Seite, und, während mich Schauer des Grauens überrieselte, sah ich auf der Tisch- kante meinen eigenen Kopf. Nur den Kopf. Der starrte mich an, neigte sich und begann auf mich zuzurollen. Ich schrie, schrie wie ein Wahnsinniger:„Unteroffizier Schwiderski, zu Hilfe, zu Hilfe!!" Dann öffnete ich die Augen, noch völlig wirr, und sah, daß Schwiderski an meinem Bett stand und mich rüttelte. Es war Zeit zum Aufstehen. Er sah mich prüfend an und ging ohne ein Wort. Nach unserer Rückkehr vom Uebungsplatz in die Stadt schloß ich mich mehr und mehr ob von Brunnck« und Wiedmann; fing wieder an zu lesen, was ich beinahe ganz aufgegeben hotte und markierte nach außen hin den gereiften Zyniker. Einmal fuhr ich zu Dautkvs noch Westend. Der aber war verzogen. Der einzige, mit dem ich mich jetzt öfter traf, war Schwiderski. Auch während des Herbstmanövers hielten wir uns möglichst zusammen. Wir gehörten beide zu jener Art Soldaten, die erst dann anfangen in der Kolonne zu reden, wenn die Strapazen das gewöhn- liche Maß übersteigen. Eines Morgens rückten wir noch in der Dunkelheit ob. Dann stolpern die Leute. Einzelne schreiten steif mit fast geschlossenen Augen. Hin und wieder rückt einer an seinem Zeuge. So geht e» eine halbe Stunde; nur leises, vereinzeltes Murren hört man. Dann aber wird es lebendiger. „Gottverdomm' mich, da hat wieder einer geschissen!" Der widerliche Gestank— die ständige Quelle morgendlicher Truppen- schimpfereien— trieb die Gruppen entlang. „Dos ist wieder die Sau, der Frohböse!" „Halt's Maul!" Heftig drehte sich der Genannte um. Ein langes, blasses Gesicht mit hellroten Lippen und scharfen, grauen Augen. Cr sieht verbittert aus; am Koppel trägt er den „Bataillonsschlüssel", die große stählerne Spitzhacke. Bei jedem Schritt schlägt sie hart gegen sein hageres Bein. Mir war dieser Mann schon öfter aufgefallen. Er hatte nie eine Zigarette von den Einjährigen genommen; war ihnen eher aus dem Wege gegangen. Ich hatte ihn ein paarmal angesprochen, aber er war sehr schweig- sam geblieben. Der Abend im Biwak war kalt, die meisten lagen schon unter den Zelten. Ich schlicj schlecht und saß noch am Wachfeuer. Schwi- dcrski kam und setzt« sich neben mich. „Wenn das blaß erst«in End« hat. Schwiderski, ich besauf« mich, daß ich hinfalle. Diese ewige Schimpferei! Zum Kotzen!" „Nicht so laut, Feblow! Sie wissen doch— der Feldwebel ist ein richtiger Horcher.— Aber sehen Sie mal, was soll ich da sagen? Noch siebeneinhalb Jahre. Ich mag gar nicht daran denken." Er starrte trübsinnig ins Feuer. „Können Sie denn gor nichts anderes anfangen? In Ihrem Alter?" „Ja, was? Was!? Man hat doch nichts gelernt. Wenn man kapituliert, dann malen sie einem alles in den schönsten Farben aus und nachher? Wenn die zwölf Jahre vorbei sind? Die Knochen kaputt. Was muß man sich alles als erwachsener Mensch bieten lassen! Ich kann nicht so r�mschmusen wie Enders. Is ja'n fircr Kerl, aber immer wimmelt er m» dm Hauptmann tum, Sa geht» J dann natürlich: Cnders vorn und Cnders hinten. Unsereins kriegt all« schlechten Kommandos und hat Undank obendrein. Aeh! mich sriert. Nehmen wir einen!" Er zog eine schmale Kognakflasche heraus, trank und gab sie dann mir. Das Feuer knackte, und aus den Zelten drang ab und zu ein Laut des Zorne». „Ich meine aber," nahm ich unser Gespräch wieder auf,„der „— Diese verdammlen Schweine" sagte der Feldwebel „Faul die Luder, viel fressen, wenig arbeiten." Hauptmann ist ein ganz gerechter Mann; der einzige Offizier, der mir wirklich gefällt." „Ja, ja, das ist schon wahr, aber man kommt doch nicht an ihn ran. Das ist überhaupt so beim Militär, von außen sieht alles groß- artig aus: Uniformen, Musik, Wachtparade; aber wieviel Gemein» heit steckt dahinter. Don oben bis unten ist«in langer Weg; an uns Unteroffizieren aber bleibt alles hängen; alles triezt uns. Ich Hobe nie einen Menschen angefaßt, ober hier— man wird ja direkt ge- zwungen dazu. Kennen Sie den Frohböse? Ja? Na sehen Sie, d. H." Berlin 5 Vit. 9 der tut mir einfach leid. Alles hackt auf ihm rum. Wache auf Wach»— warum? Er soll Sozi sein. Wissen Sie, Fehlow,"— Schwiderski beugte sich ganz dicht zu mir und sprach noch leiser als zuvor—„Ihnen kann ich es wohl sagen, Sie oerraten mich nicht: Wenn ich frei wäre, ich wäre auch dabei!" Ich wiegte überlegen den Kopf.„Ja, ich weiß doch nicht. Ich lese auch öfter den„Vorwärts", aber die übertreiben auch wieder. Ich bin kuriert von allem. Leben und leben lassen." „Das kann man nur nicht." „Warum nicht? Schmeißen Sie doch einfach den ganzen Krempel hin!" „Möcht ich schon, ober dann?" „Na. dann fangen Sie von vorn« an." Schwiderski antwortete nicht mehr. Wir tranken. Er war Pole, und die Polen wurden beschimpft, ich sagte es schon; die Rekruten vor allem.„Polnische Edelsou" war dos mindeste, was sie täglich zu hören kriegten. Schwiderski litt schwer darunter, aber der Mund war ihm verschlossen.— Im Krieg ist er dann für Deutsch- land gefallen.— Eines Tages, kurz nach den großen Herbstmanövern, war in der Kaserne olles in größter Aufregung. Niemand durfte heraus. Scharfe Munition wurde verteilt. Tuscheln, Schreien. Eilen, Schnauzen.— Arbeiterkrawolle, Streiks, Demonstrationen; da irgendwo im Norden. „Diese verdammten Schweine," sagte der Feldwebel,„faul? Luder; viel fressen, wenig arbeiten. Bedankt euch bei denen für den Extradienst!" Zufällig sah ich auf Frohböse. Ich beobachtete ihn. Aber Frohbös« tat nichts Besonderes. Er sah verbissen und scharf wie immer aus; reinigte wie alle sein Gewehr. Soll ich schießen? dachte ich. Ich malte mir lang und breit einen Gewissenskonflikt aus, kam aber— in unbewußter Absicknlich- keit natürlich— zu keinem Ende. So viel ober erkannte ich Die meisten würden fröhlich losziehen wie zu einer Hosenjagd. Wir saßen in der Kantin«. Es gab ein Faß Gratisbier Es wurde unmäßig gesoffen. Woran ich mich später entsann, war�dies: Ein stark betrunkener Unteroffizier Schab«,«in notorischer Säuier mit rotem Schnurrbart, war immer wieder aufgestanden, obwohl ihn verschiedene andere herunterziehen wollt«», und hatte geschrien: „Kinder, immer gemütlich, mit die Luders werden wir ollen pr»ußi- schen Kommißsoldaten schon fertig werd«n. Dienst is Dienst, und wenn Boter und Mutter, und wenn---." „Halts Maul, du besoffene» Schwein," hotte Schwiderski ihn unterbrochen, und dann hatte es allgemeinen heftigen Streit gegeben. Die Einjährigen waren zum Teil zu Unteroffizieren befördert worden und nahmen am sogenannten Offiziersunterricht teil. Schärfer noch als vorher sah ich das widerwärtige Treiben vieler, die Heuchelei, den Neid, die Eifersucht. Ich konnte nichts tun, mich einzuschmeicheln, aber als der Hauptmann mich plötzlich fragte, ob ich bereit wäre, nach späteren Uebungen im Regiment als Reserv:- offizier zu verbleiben, gab ich zwar unter Hinweis auf meine Loge eine ausweichende Antwort, freute mich aber über die Anfrage. Das Dienstjahr ging zu Ende. Di« Quellen glucksten, die März- veilchen blühten, die Märzkater auch, und die Menschen atmeten tiefer. Ich saß— acht Tag« vor dem Abgang— in meinem Zimmer und grübelte. Grübelte über das, was kommen würde. Da klopfte es leise, und meine Wirtin, Frau Krüger, kam herein, nach dem Licht zu sehen. Ich sprang etwas verwirrt auf. (Fortsetzung folgt.) 66 Rätsel-Ecke des„Abend liiitinniiiiiiiniimniniiminiiiMiiiiiiMiinniiitutniniiiiiniimmiinnmininmnntiiiiiiniHnmiiminnimiinHiinHHiiiiimtiiNiittiuttitimiMiHnimmimmimiiHiniiiiiiiiiiHiniiniiin! Kreuzworträtsel. W a g e r e cht: 3. englischer männlicher Vorname; 6. mensch«',. fressende» Seetier; 8. Großvater; 9. Singstinnne; 17. Schweizer Ur- kanton; 18. Treubllndnie; 19. Augendeckel; 20. 5?ymno»: 21. Ber- hältniswort; 22. persönliches Fürwort. Senkrecht: 1. Halteruf(engl.); 2. Klebmass«; 4. Berg bei Nördlingen; 5. Monat; 6. Hain; 7. Bindewort; 11. festlicher Ver- sammlungosaal; 12. Harn; 13. Ort in Slawonien nahe der Donau; 14. männlicher Vorname; 15. süddeutscher frommer Maler; IS. Gil- lmg eines Segels. Außerdem ergeben die beiden wagerechten Mittelreihen 10 und 11 zusammen eine zurzeit viel besprochene fröhliche Unternehmung. Silbenrätsel. al an bahn ber där de de dent di e gel gen hau» hard in kom kra tun le li log mo mo na na na na nas nei ner ni no o o pen prä re schau s« si so w ter ter tt tt to um un vo za zi. Aus diesen 62 Silben sind 13 Wörter mit nachstehender Bedeu- tung zu bilden, deren erste Buchstaben von oben noch unt«n und deren letzt« von unten nach oben gelesen den Refrain eines be- kannten Arbeiterliedes ergeben. Die Wörter bedeuten: 1. Selbst- gespräch; 2. Organisation der Arbeiterschaft; 3. Borname(Kurzform!; 4. Englische» Parlament; 5. Kacholische Sekte(Kriegsgegner); 6. Sieger am 20. Mai; 7. Männlicher Vorname(selten): 8. Frucht; 9. Klein- oder Nebenbahn; 10. Blick aus der Höhe; 11. Hoher Der- waltungsbeamter; 12. Kirchengesang: 13. Handbuch oder Leitfaden. Abstrichrätsel. Silbe, Gera, Anode, Rhin, Flieder, Gelage. Rot, Imst. Maler, Taa. Stttf. Sl-. Sahne, He» SM, zssh» Steooi,— s» hlches Wörtern streiche man je zwei aufeinanderfolgende Buchstaben. Die Rumpswörter oder übrigbletbent»« Einzelbuchstaben, nacheinander gelesen, nennen«inen merkenswerten Kampfspruch des Dichters Richard Dehmel. Kapselrätsel. Prothese, Verletzung, Parität, Seradella, Wellenschlag, Ueber- läufer, Wunder, Türverschluß, Freiheit, Honig, Beteuerung, Strauch. Obigen 12 Wörtern sind je drei, dem letzten Worte zwei aufein- and'erfolgende Buchstaben zu entnehmen, die im Zusammenhang ge- lesen, ein beherzigenswert«; Mahnwort von Karl Marx nennen. Zahlenrätsel. 123456789921 2 Z 6 2 9 3 12 9 2 4 5 3 9 8 S 8 9 k 8 « 3 2 7 2 9 7 2 4 5 2 1 8 8 4 5 2 9 9 8 17 2 9 8 4 5 2 9 2 6 6 2 9 1 2 3 5 2 1 Republikanischer Schutzverband Metall Weiblicher Vorname Asiatisches Reich Alter deutscher Kaufmannsbund Zahl Trinkgefäß Stadt im Rheinland Rest einer Verletzung Kahn Stadt im Ruhrgebiet Vogel Auflösungen der Rätsel aus voriger Rummer. Kreuzworträtsel: Wogerecht: 1. Eh, 3. Don. 5. im, 7. Aroma, 9. Aale«, 10. Paris, 11. Blitz, 12. Tat. 13. Tot, 14. Boz. 15. Ney. 17. Ida, 20. Bos, 22. Ulm. 24. der. 25. Lebus, 27. Nelke. 28. Knute, 29. Islam, 30. am. 31. Ede, 32. an.— Senkrechr: 1. Erato, 2. Horaz, 3. das, 4. Nab, Ilion, 6. Mette, 8. mit, 14. Bai, 16. Yar. 18. Dueno, 19. Album, 20. Bella, 21. Orkan, 23. Mut. 24. das. 26. See, 27 ni«. Silbenrätsel: 1. leeabend; 2. Ilaemi: 3. Osmone; 4. Ear- low; 5. havana; 6. Siwah; 7. Erzeuger; 8. tenbach; 9. Tabelle; 10. Nicolai; 11. Eissport; 13. Rinaldini; 13. Ulohnhau»; 14. Edelmut: 15. Rabe; 16. Eboli; 17. Sieben: 18. Giftgas; 19. Alme; 20. Tadel: 21. Vernunft; 22.(Eich«; 23. Rüben; 24. Dänemark; 25. Adler; 26. Apsala; 27. Tabo. Di« Wahrheit ist ein selten Kraut, Roch seltner, wer e» gut verdaut. Schieberätsel: Feld, Erde, Kupfer, Wasser, Zebra, höh, Hafer, Hut, Tann«, Insel, Planet, Damm. Kolibri, Eis, Moppe, Hof, Dampfer, Ente.— Der Wahrheit die Ehre! Die fehlende erste Silbe: Ko.— Kokain, Korinthen, Koserow, Karolle, Kokarde, Kosaken, Kolonne. Korea, Kobold«, -■------ tOlöSjfc > Der große Dichteringenieur Max Eyth hielt vor mehr ol» zwei Jahrzehnten einen Vortrag über Poesie und Technik. Er be- klagte sich bitter darüber, daß die schöne Literatur in ihren besten uivb größten Werken das fruchtbare Gebiet der modernen Technik in auffallender Weise vernachlässige. Fast jeder ander« Beruf könne stolz auf ein Buch oder eine Reihe von Büchern hinweisen, die ihn dem allgemeinen und menschlichen Empfinden nahebringen und dadurch ihn und sich selbst oerherrlichen. Rur die Ingenieure, die Techniker, seien leer ausgegangen. Seitdem ist eine große Literatur entstanden, die modern« Werke der Technik oder auch das Leben und Schaffen von Technikern zu ihren Gegenständen zählt. Wir besitzen viele Gedichte, die sich mit Max Eyth den Toten der Technik befassen, es gibt Romane, Novellen, Er> Zählungen, die den Geist der Technik dem menschlichen Empfinden sehr wohl nahezubringen wissen. Aus der großen Zahl der Dichter, die Werke der Technik seelisch erfaßten, sollen heute zwei herausgehoben werden: Max Eyth und Max Maria v. Weber.— Mar Eyth, der so beweglich über die Vernachlässigung der Technik in der schönen Literatur klagte, hat selbst als Pionier auf diesem Gebiete gewirkt. Er war nicht nur Techniker, sondern auch ein Künder, ein Dichter der Technik. Ganz im Gegensatz zu Heinrich Seidel, dem ousge- zeichneten Ingenieur, der den Hallenbau des Anhalter Bahnhofs schuf, in seiner Freizeit aber die Technik vergaß, um als Dichter „2 e b e r e ch t H ü n ch e n", die„V o r st a d t g e s ch i ch t e n" und ähnliches zu schreiben, blieb Max Eyth der Technik auch in seinem schriftstellerischen und dichterischen Schaffen treu. Sein Leben er- scheint so als eine vollkommene Einheit. Er lebte und webte in der Technik. Ihr war fein ganzes Sein gewidmet. Eyth ist ein Kind des Schwabenlandes. In K i r ch h e i m u. T. stand fein« Wiege. Hier wurde er am ß. Mai 1836 geboren. Er studierte am Polytech- nikum zu Stuttgart, arbeitete kurze Zeit in Deutschland und zog dann ZSjöhng hinaus in die Welt. In der Rooellensamm- lung.Hinter Pflug und Schraubstock" schildert er in seiner munder. vollen Art, wie er als blinder Passagier die Uebersahrt von Ant- werpen nach London erlebt« und wie er in einem seltsamen Ehrlich- keitsfanatismus versucht«, später seine Passagierkosten zu bezahlen. Dann begann in dem fremden Land«, dessen Sprache er nur mühsam verstand, der Kamps ums Dasein. Trotz der schönsten Empfehlung?- schreiben werden Stellengesuche abschlägig b«schieden, es gilt sich zurechtzufinden und neue Wege zu suchen. „Willst du hinaus in die weite Welt, So laß die Sorgen dahinten. Nimm nicht zuviel, doch ein wenig Geld, Dos weitere solltest du finden." So sang Eyth in seinen„Wanderkbensregeln". Getreulich hat er es so geholten. Zunächst war selbst das Finden des nötigsten Lebensunterhalt«? sehr schwer. Nach langem Suchen endlich glückte es ihm, bei der weltberühmten Dampspflugfabrik von Fowler in Leeds einen Schraubstock zu erhalten. Von der Picke auf muhte er beginnen. Dann erkennt man seine Fähigkeiten: er verbessert Fowlers Dampfpflüge. Fowler macht ihn zum Montageingenieur. Er soll hinaus in die Welt. Zunächst soll er in Indien Dompfpflüge montieren und vorführen. Ganz nebenbei erhält«r den Auftrag, auch auf d«n Besitzungen des Prinzen Halim Pascha in Aegypten noch dem Rechten zu sehen. Dort wollten die Dampf- pflüge in dem schweren Boden nicht so recht vorwärts kommen. So kam Eyth denn noch Aegypten, dem Traumland seiner Jugend. Seine Tatlrost, sein Konstruktionstolent und sein menschliche» Wesen lassen ihn zum Chefingenieur Halim Paschas werden. Hier, in der Nachbarschaft der Pyramid«n, unter der ägyptischen Sonne entsteht der Plan zu dem umsangreichcn, scharf- sinnigen und anregenden Roman„Der Kampf um die Eheops-Pyramid c". Di« politischen Wirren in Aegypten, der Zusammenbruch Halim Paschas ließen Eyth zu Fowler zurück- kehren. In seinen Diensten bereiste er tatsächlich die ganze Welt. Mit frischen Strichen, mit echt«m Humor, der Lust und Leid er- kennen läßt, schildert Eyth, wi« er in Amerika den Dompspflug ein- führte. Eine ungeheure Spannung liegt gerade in diesem Bericht, der fast anmutet wie ein glänzend erfundener Roman. Eyth ist der geborene Reiseingenieur, der Mann, der es lernt, sich in allen Lebenslagen zurückzufinden. Uebcr ein Menschenalter widmet er Fowler seine Dienste. Dann gibt es in England Differenzen. Eyth kehrt nach Deutschland zurück, reich an Erfahrungen, an Energie und Tatkraft. 1882 betritt er deutschen Boden, um für immer hier zu wohnen. Er gründet die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft. Fünfzehn Jahre hindurch ist er ihr umsichtiger Leiter. Dann zieht er sich von der Togesarbeit zurück. In seinem Heim auf dem Michelsberg bei Ulm widmet er sich feinen schriftstellerischen Arbeiten: der Ingenieur verwandelt sich restlos in den Dichter. Er durchforscht die Ulmer Archive. Das Ergebnis dieser Arbeit ist der „Schneider von Ulm", eine wunderbor nachempfundene Schilderung des phantasiebegabten Schneiders Berblinger, ja mehr als da« eine Ehrenrettung dieses unglücklichen Segelfliegers. Mit welcher Innigkeit hat Eyth den Mcnschheitstraum des Fliegens geschildert. Wer diese« Werk gelesen Hot, der bedauert, daß Verblin- ger auch heute noch in Ulm nichts mehr als eine Spottfigur ist. Die guten Ulmer und vor allem die rührigen Geschäftsleute dieser Stadt sollten dem Berblinger danken und ihn im Sinne der Eythschen Auffassung ehren. In den Reisebriefen, die, gesammelt, unter dem Titel„Im Strome unserer Zeit" erscheinen. Hot Eyth sich selbst und seiner Lebensarbeit ein Denkmal gesetzt. Gerode Eyths Schriften zeigen, daß der Ingenieur trotz aller Technik Mensch ist ja, daß die Technik im höchsten Grade menschlich ist. Im Jahre 1gi)6 starb Eyth«inen sanften Tod. Durch sein dichterisches Werk ist er vielen Tausenden ein lieber Freund geworden. �Nax Moria v. Weber ist der Sohn des großen Kom- ponisten Ka r l M a r i a v. W e b e r. Er wurde am 2Z. April 1822 in Dresden geboren. Er ist nicht nur Ingenieur und Dichter, er fft auch«in Vorkämpfer für die Anerkennung der Technik und des Technikers in Deutschland. Gerade jetzt ist im V.-d.-I.-Verlag ein zweiter Band der Werk« Max Maria v. Webers Werke erschienen. Er gibt unter anderem zahlreiche Aussprüche über Technik und Techniker, Ingenieurerziehung, Kunst, Natur, Mensch usw. wieder. Diese geschickte Auswahl läßt Weber geradezu als einen Agitator der Technik erscheinen, als einen, der vom heiligen Geist be- scssen ist, und der berufen ist, im Sinne der von ihm selbst gesteckten Ziel« zu wirken. Einige Aussprüche mögen dos beweisen: „Es kann eben niemand ein ganzer Techniker sein, der nicht ein ganzer Mensch ist. Zum praktischen Wirken in einem Fach gehört nicht bloß das Wissen und Können, sondern«ine umfassende universelle Bildung.— Der Techniker, der nach einem Muster sich richtet, bleibt bald hinter seiner Zeit zurück, und Zurück- bleiben ist in der Technik gleichbedeutend mit nutzlos oder schädlich werden.— Noch ist die Technik nicht salonfähig in der guten Ge- sellschost, noch ist die gute Erziehung nicht verpflichtet, von ihr Notiz zu nehmen." Diese und ähnlich« Aussprüche zeigen zur Genüge, in welcher Weise Weber immer und immer wieder agitatorisch und erzieherisch, Eyth» Geburtshau» in Kirchheim unter Eect aufmunternd und anfeuernd zu wirken bemüht war. Am Ende de» er- wähnten oomV.-D.-Ä.-V«rlag herausgedrachten Werkes ist das bekannte Zwiegespräch über die Frage„Wo steht der deutsche Techniker" zu finden. Schärfer und ironischer ist wohl nie die Dekadenz de» Bureau- kvoiismu» und der sogenannten oberen Schichten auf dem Gebiet der Technik gekennzeichnet worden. Wenn auch heute in diesen Dingen ein« wesentlich« Acnderuiig zu spüren ist, so ist dennoch die Zahl derjenigen, die der Technik fremd gegenüberstehen, trotz. dem sie sich ihrer täglich, ja stündlich bedienen, riesengroß. Diesen allen wäre die Bekanntschaft mit den literarischen Arbeiten eine gut« Lehre. Webers Schwiegersohn, Ernst v. Wildenbruch, der zu seinem wunderbaren Erzählungsbuch«„Aus der Welt der Arbeit" da« Borwort schrieb, hat mit vollem Recht von diesem großen Dichteringenieur gesagt, daß aus seinen Werken ein Mann zu den Lesern spreche, dem es sich verlohnt, zuzuhören. In seinen Erzählungen und Novellen hat es Weber immer wieder verstanden, Mensch und Maschin« als Einheit auszuzeigen. Schon sein erster Rovellcnband„Werte und Tage" läßt diese Meisterschaft erkennen. Alle» ist vom Leben, vom Erleben durch- glüht. Seine späteren Werke„Schaffen und Schauen" und Max Maria v, Weber vor allem seine Eisenbahngeschichten„Vom rollenden Flügel- r a d" verstärken den Eindruck der künstlerischen Meisterschaft. Max Maria o. Weber erhielt seine theoretisch« technisch« Aus- bildung in D r e s d e n. In Berlin solgten Umversilätsstudien und praktische Arbeit bei Bors ig. 1845 finden wir ihn im Dienst der sächsischen Eisenbahn. Hier, im Staatsdienst, hatte er Gelegenheit, zu erkennen, daß der Ingenieur ein Fremdkörper in der bureau- kratischen Verwaltung war. Gerade in dem erwähnten Zwiegespräch bringt er das in hervorragender Weise zum Ausdruck. Mißmutig oerläßt er seinen Dienst, um bei der österreichischen Elsenbahn zu arbeiten und hier das gleiche Schicksat zu finden. Cr kehrt nach Deutschland zurück. Im preußischen Handelsministerium erhält er eine Referentenstelle. Hier soll er Pläne für den Ausbau der deut- schen Wasserstraßen entwerfen. Cr reist zu Studienzwecken noch Amerika. Die Wasserstraßen der neuen Welt sollen Anregungen geben für eigene Arbeiten. Angefüllt mit neuen technischen Plänen kehrt er heim. Da überrascht ihn der Tod, als er am Schreibtisch schafft: mitten in der vollsten Tätigkeit war ein wertvolles Menschen- leben auegelöscht. Willy M ö b u«. Neue Bücher. Handbuch für Lehrlinge der allgemein«, Feinmechanik. Heraus- gegeben von der Robert Bosch A.-G., Stuttgart. V. D. I. Verlag. Verlin RW. Pros. Dr.Ong. 3. Megg: Dlesel motoren. 278 Seiten,«in Bild Diesel«. 355 Abbildungen und ö Tafeln. Pr«l» 26 Mark. Dr.-Ing. Friedrich Miinzinger: Kess«lanlag»n für Großkrast- werk«. 176 Seiten, 282 Abbildungen Im Text und 8 Zahlentasiln. L. D. I Verlag, Berlin NW., 7. Prof. k. Goklwein: Kühlen und Schmieren bei der Metallbearbet- tung. 83 Seiten, 7» Abbildungen, 1 Zohlentasel und 1 Taset. Preis broschiert 6 Mark. Jahrbuch der Deutschen Gesellschosl für vauingenlcurwesen. 271 Selten, 41 Abbildungen, 5 Tafeln. V. D. 2. Verlag, Berlin NW. 7. Dipi.'Jng. Eonrad Siran: Der Elektromotor.«) Gleichstrommotoren. 126 Seiten, 44 Abbildungen trn Text und 113 Ausgaben nebst Lösungen. C. L. Krddsls Verlag, München. 3ng. Eduard Pfeisser: Die Technik des Hauehaltes. 148 Selten. 163 Abbildungen. Preis geh. 2,75 Mark. Verlag Di eck u. Eo., Stuttgart. Dr. 0. Zelliaek: Dos Holz in der Technik. 78 Seiten, 29 Ab- bildimgen im Text. Geheftet 1,86 Mark. Verlag Di eck u. Co., Stuttgart. Hans Günther und Dr. Paul Hirsch: Der praktische Modellslieger. 325 Seiten, 366 Bilder im Text. Prei» in Ganzleinen gebunden 18 Mark. Hans Günther: Aus der Technik Wunderwelk. Technische Plaudereien. 168 Selten, 66 Bilder im Text und aus Tafeln. Roscher u. Cie. A.-G. Verlag, Zürich und Leipzig. (Die Besprechung der angekündigten Bücher bleibt vorbehalten. Die Redaktion.) UflOr/änc/. Es folgen dicht aufeinander: Westend I(341:), Ostkap I(33'-), Weißensee I(33), Charlottenburg II(2814) und Norden I(28). Die C-Gruppe bracht« besonders spannende Kämpf«. Die junge, aber kampfstarke Mannschaft Neukölln Nord I gewann sämtliche Spiele und mit 48)4 Punkten den ersten Platz. Osten II folgt mir 42)4 Punkten vor Gesundbrunnen II(3514) und Süden III(35). Reinickendorf Ost I belegt« den ersten Platz in der v- G r u p p e mit 3914 Punkten vor Lichtenberg II(39). In der R- Gruppe gewann Memel I vollkommen überlegen mit 64 Punkten vor Neu- kölln Nord(51)._ Meisterschaftskämpfe im FKBD. Die Klubmeisterschaftskämpse der Gaue I und II Berlin ftn Freien Keglerbund, bei denen jeder Kegler 150 Kugeln mit Zwangsaufsatz über 5 Bahnen zu schieben hatte und wovon die 5 Besten eines jeden Klubs gewertet wurden, haben folgende Resultate ergeben: Gau I Gruppe A: Meisterklub„SKK. Alter Stamm 13� mit 5575 Holz: Gruppe B: Siegerklub„KA. der S. V. Gaswerke'' mit 5312 Holz; Gruppe C; Siegerklub„Ewn." mit 5190 Holz. G a u 1 1 Gruppe A: Meisterklub„SKK. Bötzow 1919" mit 5553 Holz; Gruppe B: Siegerlub„SKK. Lustige Brüder-Tegel" mit 5276 Holz: Truppe C: Siegerklub„SKK. Rand oder Sand-Neu- kölln" mit 5165 Holz. Bester Kegler Fritz W o h t g e(Osten 1922) mit 1131 Holz. Durch ihren Sieg haben sich„Alter Stamm 13" und „Bötzow 1919" für die Anfang September d. I. stattfindenden Bundeskämpfe qualifiziert. Die Kämpfe um die E i n z e l m e i st c r- schaften auf ollen Bahnarten und um die Seniorenmeister- schaften nehmen am 3. Juni d. I. im Keglerheim„Parkrestaurant Südende" ihren Ansang. FcicrfagS'Handballspiele. Auch die Arbeiterhondballer haben während der Pfingstfeiertag« geringen Sportbetrieb. In Berlin findet kein einziges 5)andboll- spiel statt. Am 2. Feiertag befindet sich nur eine auswärtige Mannschaft hier, und zwar Chemnitz-Gablenz, die in Hennigsdorf, Waldplatz, um 16 Uhr gegen Borwärts-Hennigsdorf spielt. Pots- dam empfängt um 15 Uhr auf deni Sportplatz Luftschiffhafen Kauls- darf I. Auf Reifen befinden sich auch nur wenige Mannschaften. Fichte-Süd fährt nach Dessau, uin die Rückspiele von den Öfter- seiertogen zu absolvieren. Fichte-Nord Jugend fährt nach Halle und spielt am 1. Feiertag gegen Trotha. Groß-Berlin-Wedding Jugend nützt die Ferien noch den Feiertagen aus und verbindet die R h e i n- reise mit Spielen. Die Gegner sind: Schonungen, Schweiirsurt, Isenburg bei Frankfurt a. M., Mainz-Kostheim und Köln. Zugendherbergen in Deutschland. Der Verband für Deutsche Jugendherbergen Hot im Jahre 1927 in seinen 26 Gauen mit über 87 000 Mitgliedern 49 Neubauten von Jugendherbergen aufgeführt und 12 Häuser für Herbergszwecke aufgekauft, so daß der Verband jetzt über 206 Eigenheime oerfügt. Insgesamt wurden 1927 2383 Jugendherbergen in Deutschland benutzt, und zwar durch etwa 2li Millionen Uebernachtungen. Der Haushalt des Der- bandes hat 1927 mit einem Umsatz von 463 761 M. abgeschlossen, der Voranschlag für 1928 beläust sich aus 492 000 Mark. VereinsIraleiMter. Xtri* fit XnilirpttMtut tinb Erziehung, gnicr SS-p«>luUurir«i» Srnt). btte: Iktnn Conntaz Treffen auf dem Seländc am Tonsee bei Mo»en. Ieben Tonnerstag Spielen auf der Spielwiese in Treptow, ab 18 Uhr. Jeden Dien». tag Srimnastik in der Schule Ädolf Koch.— Plan der Sonderlehrganzet Fricdrichstr. 218. Montag», M Uhr, Psychologie:„Da» Seelenleben de» Kinde»." Referent Kehrte. Dienstag», 20 Uhr. Soziologische Betrachtungen. Referent tzr. Weigelt. Mittwoch», I» Uhr, Psychologie. 2t Uhr Änatomie. Referent Dr. Besser. Donnerstags, 10 Uhr, Maflageabteilung I. 21 uhc Methodik. Referent Adolf Noch. Freitags, l» Uhr, Änatomic filr Massage. 21 Uhr Massageabteilnngen ll und III. Sonnabend. lS>z Uhr, Fardenzeichnen 18'� Uhr Angewandte Psychologie. Referent Franz Karlewij. 20'. Uhr Freie Aussprachen:„Leibesbindungcn." Referent Adolf«och Solckenstrlnstr. MaritzplaU 8197 Ali OfecmanniirMte»" aii.Arei PflnSstfeiertaieii und weiter täglich Dampferculrafahrten Woltersdorfer Schleuse Hin u. zurfick 2.— M., Wochentags 1.50, Kinder die Hälfte. fMV�r) Men-Herinflsdor! Hin u. zurück 1.50 M., Wochentags 1.—, Kinder die Hälfte. U Dienstag, 29. Mal, tägl.91Jhr frütasauB.Sonnab.u. Sonnt) oadi Grünheide h» Hin und zurück 2.— M., Kinder M. ■ runsaticaci mvgw«ci.ci leieauanudunpl..Calnmuar Schwielowsee Ferner; An allen drei PtHldltteierlAdeil und weiter tägl. auß. Sonnab. m.BleseolujtttMlaBlJ"' m Ferch Hin- u. zurück 3.— M., Wochentags 2.— M. Freitags 1-50. Abfahrt 9»/, Uhr früh nur ab Charlottcnburg, Tegeler Weg (nahe Landgericht III, zwischen Stadtbahnhof Jungfern- _ beide und der Schlogbrücke) Billige Dampferfahrien PttntsUeUrta, T 3 9 I 1 C Ii v ZUggs$0111�611(1$ Abfahrt 8.30 Uhr vormittags von der MoabiterBärenbrücke(BabnbofBellevne) Moabiter Bierhallen, Kirchatr. 13 durch die herrlichen Havelseen rund um Potsdam nach der beliebt ea Ätn Frenndscbaftsinsel am Götzer Wald, zwlachen Ketzin und Brandenburg a. d. H. Fahrpreis hin o. zurück: Wocbeatag» 1 M.. Sonntag» S M., Kinder die HUtle. Die Dampfer kSnnen bei scblecbteia Wetter sofort geschlossen und erwärmt werden. Pretkonzert an Bord.-«■ Reederei XlempioftSeel, Rn der StralanerBrfieke 7. idbroiiu zosz. Karten im Vorverkauf bei der Reederei u. Rest Genzke, Bärenbrflcke, Kirchstr. Ii � mm Haillongs-.lUbaU- g.Rekltmemarken gegen Nachahmung gesetzl. gesch. fertigt seit 4S Jahr. als Spczlailllt Conrad Müller Leipzig- Schkeuditz Miw zur Niete WSO.Antbaebcrstr.l Pfingstausflug mit Motorboot noch Marienlust Direkter Aufstieg nach den Müggelbergen Täglich ab Schillingbrüdcc an der Köpenicker Strafee Vormittags 8, 10, 12 Uhr, nachm. 2, 4, 6 Uhr zurück. Fahrpreis hin und zurück Mk. I.JO. Einfache Fahrt Mk. 1,—. Kinder die Hälfte. Für Mondtdiclnfabrien und Tagctpartten stehen t groge Säle sowie Motorboote und Dampfer gegen kulante Bedingungen zur Verfügung. Telephon: Köpenick 56 P3Ul POlZifl Telephon: Köpenick 36 Nettle neuen Haarausfall ärztlich verordnet und empfohlen. Vom Leipziger Schulamt beglaubigte Ürkunde. 20 000 Dankschreiben, in Kliniken und Krankenhäusern nur mit Erfolg angewendet Nettle beseitigt jeden Haarausfall sofort, wenn nach Gebrauchsanweisung verwendet wird.— Flasche 2. 3 und 4 Mk. 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