BERLIN Donnerstag 31. Mai 1928 Der Abend Erscheint täglich außer Sonntag s. Zugleich Abendausgabe des„ Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Erpedition: Berlin SW68, Lindenstr. 3 A Spätausgabe des„ Vorwärts 10 Pf. Nr. 254 B 125 45. Jahrgang. Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeile 80 Vf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Voffcheck konto: Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37 536. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Die Suche nach der ,, Italia" Unbestätigte Nachrichten- Morgen Abflug der ersten Hilfsexpedition kingsbay, 31. Mai.( 2 Uhr früh.)| Bis zur Stunde ist hier noch keine Nachricht von der „ Jtalia" eingetroffen. Es herrscht Nordwind und Schneefall. Seattle( Washington), 31. Mai. Nach einer drahtlosen Nachricht einer Radiostation in Alaska ist dort gehört worden, daß die ,, Citta di Milano" eine private Nachricht nach Rom gegeben habe, die von Nobile unterzeichnet set. Die Station in Alasta berichtet, die Meldung befage, daß die ,, Italia" aufgefunden sei. Wie aus Rom auf Anfrage mitgeteilt wird/ war dort eine Bestätigung der Nachricht bisher nicht zu erhalten. Die Station in Alaska, die die Meldung über das Auffinden der Italia" funkte, ist die drahtlose Marinestation in Cordova. Es wird jedoch angenommen, daß die Meldung von dem Auffangen drahtloser Nachrichten der„ Citta di Milano" an Rom auf einem Aufnahmefehler beruht. Anscheinend stammen die Meldun Ben von Robiles Bruber und nicht, wie zuerst angenommen wurde, von dem italienischen Forscher selbst. Stocholm, 31, Mai. Außer der gestern von der norwegischen Regierung beschlossenen Hilfsaktion für die Italia" durch den bekannten Nordpolflieger Rijsser Larsen hat nun auch die schwedische Re= gierung endgültig beschlossen, eine Hilfsexpedition nach Spitzbergen zu entfenden, und zwar unter der Leitung des Marinefliegers Rapitän Thornberg, der sich gestern in Oslo aufhielt, um mit Rijffer Larsen zu verhandeln. Die schwedische Expedition foll bereits am morgigen Freitag starten. Die Maschine, die Thornberg benutzen will, hat einen Aktionsradius von 1300 Kilometer. # Wie aus Oslo weiter berichtet wird, hat die deutsche Flugzeugfabrif Dornier Wal eines ihrer fräftigsten Dornier Wal- Flugzeuge zur Verfügung der norwegischen Regierung gestellt. Die Maschine liegt zurzeit in Friedrichshafen am Bodensee flar zum Abflug. Wenn die norwegische Expedition und die schwedische Expedition sich als nicht hinreichend erweisen sollten, wird die Dornier- Maschine direkt von Friedrichshafen nach Spit bergen fliegen. Nächtliche Selbstmorde. Auf dem Dachboden erhängt.- Vor dem Autobus. Einen grausigen Fund machte heute früh ein Mieter auf dem Boden des Hauses Kaiser Friedrich- Str. 170 in Neukölln. An der Dachluke hing mit einer Schlinge um den Hals die Leiche eines älteren Mannes. Der entsetzte Mieter benachrichtigte sofort die Polizei, die in dem Toten den 55jährigen Kunstmaler Paul Kessel feststellte. K., der im zweiten Stockwerf des Hauses wohnte, hatte sich bereits am Montag aus seiner Wohmung entfernt und war seitdem verschwunden. Heute fand man ihn als Leiche auf. Die Beweggründe für den Selbstmord find noch unbekannt. Ein aufregender Borfall spielte sich in der vergangenen Nacht im Tiergarten an der Ecke der Charlottenburger Chauffee und dem Krollsteg ab. Ein unbekannter. etwa 25. bis 30jähriger Mann lief plötzlich auf den Fahrdamm und warf sich vor einen in Richtung Charlottenburg fahrenden Autobus der Linie 9. Der Führer des in voller Fahrt befindlichen Autobusses fonnte nicht mehr rechtzeitig halten, und die Räder gingen über den Oberförper des Selbstmörders hinweg. Mit schweren inneren Verlegungen wurde der Lebensmüde nach der Charité ge= bracht, wo er heute morgen, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben, starb. Der Tote ist 1,65 groß, hat blondes Haar und ein bartloses Gesicht. Er trug einen graubraunen Anzug, ein rötlich gestreiftes Oberhemd mit steifem Kragen, einen schwarzen Selbstbinder und gelbe Halbschuhe. Bauunfall am Kurfürstendamm. Zwei Arbeiter verletzt. Auf dem Grundstüc Kurfürstendamm 202, Ede nesebedstraße, wo zurzeit Bauarbeiten ausgeführt werden, stürzte heute mittag ein Gerüft zusammen. Zwei Arbeiter, der 33jährige Gustav Appelt aus der Markelstraße 2 in Steglitz und der 22jährige Mathias Steinmann aus der Holsteinischen Straße 55 wurden mit in die Tiefe geriffen und verleht. Die Verunglückten wurden durch Wagen des Städtischen Rettungsamtes in das Wilmersdorfer Krankenhaus in der Achenbach 1 straße gebracht. Die Nordpolflieger in Berlin. Wilkins und Eyelson mit dem amerikanischen Botschafter Shurmann. Enthüllungen bei der Ufa. Das Strafverfahren gegen Direktor Jacob. In der Angelegenheit des Ufa- Direktors Jacob war, mie bereits berichtet, schon vor einigen Wochen beim Landgericht I eine Boruntersuchung eingeleitet worden, da ihm der Vorwurf ge= macht wird, daß er als Leiter der Verleihabteilung der Ufa vor Uebernahme dieses Unternehmens durch den HugenbergKonzern unlautere Provisionen bezogen habe. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft I ist die von Landgerichtsrat Stäckel geführte Boruntersuchung dieser Tage ergänzt worden. Auf Grund einer Anzeige der neuen Ufa- Leitung hat die Staatsanwaltschaft die Ergänzung der Boruntersuchung nach der Richtung hin beantragt, daß Direktor Jacob die Ufa in nachteiliger Weise in das amerikanische Geschäft verstridt habe und daß dabei für ihn wesentliche Vorteile herausgesprungen seien. Es wird Direktor Jacob u. a. auch Untreue vorgeworfen. Der Angeschuldigte Jacob behauptet dagegen, daß die von ihm geleitete Verleihabteilung am vorteilhaftesten gearbeitet habe und daß seine Geschäftspolitik die richtige gewesen sei. Seine Handlungen seien durch Aufsichtsratsbeschlüsse gedeckt worden, insbeson dere auch durch die Delegierten der Deutschen Bank. Jacob vertritt die Ansicht, daß alle Vorwürfe ungerechtfertigt seien und lediglich zur Unterstützung des von der Ufa gegen ihn angestrengten Zivilprozesses in Höhe von 1,6 Millionen Mark dienen sollen. In eingeweihten Kreisen rechnet man bei Durchführung des Prozesses mit außerordentlichen Enthüllungen. Direk tor Jacob will sich mit allen Mitteln dagegen wehren, daß er als alleiniger Sündenbock hingestellt werde. Die Gerüchte von einer Haussuchung bei Jacob find nicht zutreffend. Ebenso ist es nicht richtig, daß der Untersuchungsrichter bereits Haftmaßnahmen in Erwägung gezogen hat. Er will vielmehr erst den weiteren Gang der Ermittlungen abwarten. In dem Zivilprozeß der Ufa gegen Direktor Jacob steht am 18. Juni Verhandlungstermin beim Landgericht an. 18 Arbeiter verletzt. Budapest, 31. Mai. Vorschläge zur Kriegsverhütung. Belgische Kritik am deutschen Entwurf. Das Sicherheitskomitee des Bölkerbundes hatte auf seiner letzten Tagung den Bertreter Belgiens beauftragt, der nächsten Sizung ein Referat über die fünf Kriegsverhütungsvorschläge Deutschlands zu erstatten. Dieses Referat liegt nunmehr vor. Der Belgier urteilt bei aller prinzipiellen Zustimmung steptisch über die praktische Durchführbarkeit und Wirksamkeit der deutschen Anträge. Zum ersten Vorschlag, der die Unterlassung aller Maßnahmen, die eine Verschlimmerung eines Staatenkonfliktes herbeiführen könnten, bis zur Entscheidung des Völkerbunds rates vorsieht, wünscht der Belgier eine Präzisierung dieser Maßnahmen, da seiner Ansicht nach nur wenige Staaten sich auf eine allgemeine Formel verpflichten würden. Der zweite deutsche Vorschlag verlangt die Unterlassung der Mobilisierung. Hier erachtet der Belgier eine internationale Kontrolle für nötig. Sehr ausgiebig behandelt der Referent den weiteren Vorschlag, bei schon ausgebrochenen Feindseligkeiten einen Waffen still stand zu gebieten. Er meint, daß ein Staat mit dem Willen zum Krieg auf diesen Waffenstillstand nicht eingehen würde. Ein solcher Waffenstillstand müsse auch die Zurückziehung der Truppen aus demilitarisierten Zonen des eigenen Landes in fich schließen. Andererseits gebe diese Forderung dem at eine Handhabe, den Angreifer und Kriegswilligen zu erkennen. Sehr fraglich erscheint dem Referenten, ob die von Deutschland geforderte Einstimmigkeit des Rates für diese Sonderfälle gut und nach dem Bölkerbundspattvertrag möglich sei. In einer Dampfwäscherei in der Königsgaffe ist heute ein Die Einsponngeschäfte vor Gericht. Benzinfaß infolge unvorsichtiger Handhabung explodiert. Dabei wurden 18 Arbeiter verletzt, von denen drei mit lebensgefährlichen Brandwunden ins Krankenhaus gebracht wurden. Todesurteil gegen Journalisten. Berichte 2. Seite. Eisumschläge her! Jeden Tag ein neuer sozialdemokratischer„Verrat". Die von uns gestern wiedergegebene Meldung, daß der Reichs- Präsident— zurzeit von Gnaden des Transportarbeiters Thälmann der frühere Generalfeldmorschall chindenburg— durch den Empfang des Reichstagspräsidenten Löbe in der parlamentarisch üblichen Form die Verhandlungen über die Regierungsbildung eröffnet habe, ist von der Presse verschiedenartig kommentiert worden. Die deutsch- nationalen Blätter geben der Befürchtung Ausdruck, daß in einem Kabinett, in dem die Sozialdemokraten die Führung haben, für das Bürgertum nicht viel zu holen sei. So die„Kreuz-Zeitung": „3n der Großen Koalition, auf welche Dolksportei und Zentrum schon vor den Wahlen hingearbeitet haben, würden die bürgerlichen Parteien, auch wenn sich die Demokraten noch zu denselben rechnen sollten, nicht viel zu sagen haben, denn die Sozialdemokraten haben ja die Mehrheit." Der„Tag" sieht noch viel schlimmere Dinge voraus. Es heißt dort: „Die Taktik der Sozialdemokratie ist setzten Endes darauf gerichtet, trotz aller grundsätzlichen Bereitschaft die Der- Handlungen im Reich scheitern zu lassen, eine andere Regierung?- kombination zu ermöglichen und von der preußischen Bastion her für kommend« Neuwahlen dem Soziaiismus noch günstigere Voraussetzungen für einen entscheidenden Wahlsieg zu schaffen." Die„Deutsche Tageszeitung" wiederum will es besonders schlau anstellen, indem sie eben diese preußische Bastion zu erobern gedenkt. Dort wirbt der dcutschnationale Abg. Graes- Antlam um die Seele des Zentrums: „Es würde an sich in der Richtung der traditionellen politi schen Klugheit des Zentrums liegen, gerade wenn es im Reiche eine societas leonina(Löwengesellschaft) mit der Sozial- demokrati« eingehen muß, diesmal in Preußen mit den anderen bürgerlichen Parteien zusommcnzu- gehen... Sicher würden die Fragen der preußischen Per- sonalpolitik den Deutschnationalen auch Opser auf- erlegen, aber sie werden noch schwerer sein, wenn die Partei in der Opposition bleibt. Der deutschnationale Fuchs will also„Opfer" bringen, aber auch das wird ihn: nichts nützen: die preußischen Trauben hängen doch zu hoch. Nun die andere Seite der gleichen Medaille: Die k o ni m u» nistisch« Press«. Man merkt es den Rechtsblättern an, daß sie für die besitzenden Klassen das schlimmste erwarten, wenn die Sozialdemokraten in der künftigen Regierung die ihrem Wahlsieg entsprechende Stellung einnimmt. Die„Rote Fahne" aber verkündet neuen Verrat:„die korrupte Clique der sozialdemokratischen Führer. schost" will angeblich ihr Koalitionsregime gegen die Arbeiter be treiben! Die Walze ist sehr eintönig: Jeder Tag ein neuer sozial. demokratischer„Verrat". Was die Sozialdemokratie auch denkt, tut oder unterläßt, immer ist es ein„Verrat". Neun Millionen Wähler haben das noch nicht begriffen, ober die Moskowiter in der„Roten Fahne" wissen es ganz genau. Es wird nachgerade Zeit, daß ein tüchtiger Wasserdoktor in der Redaktton des kommu- niftischen Blattes einen Besuch abstattet. Eisbeutel tun dort zur Linderung der Fieberhitze not, denn was soll sonst werden, wenn erst die richtigen Hundstage da sind? , Vorsichtäge. Seine Besprechung bei Hindenburg. In der„V. Z. am Mittag" wird heute ein Artikel mit der Ueberschrift:„Löbe empfiehlt Hindenburg die große Koalition" ab- gedruckt. Dazu ist festzustellen, daß die Zeitung schon gedruckt und verkauft war, ehe die Besprechung zwischen dem Reichspräsidenten und dem Reichstagspräsidenten stattfand. wie wir hören, hat der Reichstagspräsident Löbe im Gegenteil den Reichspräsidenten aus die Möglichkeit der Bildung einer weima- rer Koalition unter Hinzuziehung der Deutschen Bauernpartei oder der Bayerischen Voltspartei aufmerksam gemacht. Wie Roßbach gen Osten zog. Am deutschen Wesen— wird die Welt genesen--- Roßbach, übel bekannt aus dem Notjahr 1323 und noch be- kannter aus den letzten Femeprozessen, veröffentlicht in einer deutsch- nationalen Zeitschrift, der„Deutschen Illustrierten", seine Erinne- rungen. Er nimmt, wie all diese Schwadroneure, dabei den Mund recht voll und verkündet stolz: „Ich habe mich entschlossen, sowohl den Kampf- g e d a n k e n, also das Vermächtnis der Front aus dem großen Kriege, wie auch den staatspolitischen Willen in die Iugendbcwc- gung hineinzutragen." Wie man so was auf echt teutsche Art macht? Nun, ganz einfach: „Um die Stimmung meiner Leute kennen zu lernen, ver- anstaltetr ich einen Bierabend, an dem die Leute in vor- gerückter Stunde nur noch vaterländische und alte deutsche Lieder sangen. Jetzt wußte ich, daß ich mit meiner Truppe arbeiten könne. Nach vier Tagen ließ ich wieder Dienst tun, Gesechtschießen abhalten und aus dem Markt flotte alte Sol- datenlieder singen!" Die böse Revolution hat nach Roßbach die Menschheit arg de- moralisiert, weshalb er erklärt: „Es galt also, zunächst der Truppe wieder die Empfindung beizubringen, daß es e i n G u t u n d B ö s e g i b t. und daß man Mein und Dein scharf unterscheiden muß." Roßbach lebenswandclt also hinfort höchst ethisch, und wenn er z. B. Löhne für seine Leute braucht, verfährt er folgendermaßen: „Der Kommandeur von Graudenz hatte mir den Auftrag ae- geben: Löhnung muht du dir selbst besorgen. Und Weihnachten stand vor der Tür. Meine Leute mußten an diesen Tagen merken, daß jemand für sie sorgte, also zogen wir nach polen, gingen In die Grenzstädte und beschlagnahmten die Stadtkafsen. Eigentlich böse kamen uns die Polen damals noch nicht entgegen, für gute, Geld kauften die polnischen Soldaten von der einen Gruppe meines Freikorps die Maschinengewehre. Dieselben Gewehre wurden den polen einige hundert Meter weiter von einer anderen Gruppe wieder abgenommen. Aus diese weise bekam ich die Löhnung für einen Monat zusammen..." Wenn Roßbach diese sauberen Erinnerungen schon vor dem 20. Mai veröffentlicht hätte, wäre vielleicht doch noch in manchem verdunkelten Gehirn ein Licht aufgegangen. Jedenfalls zeigen schon diese Proben, welche Sympathien die Roßbach-Banden bei den pol- Nischen Nachbarn im Baltikum und überhaupt in der Welt für das deutsche Volk erworben haben. Diese berufsmäßigen Raufhändler, die sich nachträglich noch des Diebstahls und des Betruges rühmen sind allerdings Schützlinge der ganzen Deutschnationalen Part eil Die Einsponngeschäste vor Gericht Oer Angeklagte Balson erzählt. Der Einsponnprozeß fehle heute morgen sofort mit eiuem Forlissimo ein: her B a l s o n, der sich zu seiner Person und zum ersten Einsponnfall zu äußern halte, begann seine Ver- keidigung mik einem Angriff: niemand sei ihm zum Opfer ge- fallen, er allein sei Opser des Untersuchungsrichters und der Anklagebehörde. Also Herr B a l s o n erzählt über stch. Einst war er wohlhaben- der Kaufmann in Riga. Die Boschewicki nahmen ihm alles fort. Er arbeitete ober weiter in seiner Schuhbranche und rappette sich wieder heraus: mitSOOllenglischenPfund— ein hübsches Sümmchen!— kam er nach Deutschland und begann hier Geschäfte zu machen, angeblich reelle Kaufnionnsgeschäfte. hier gerät der Angeklagte in Erregung. Er protestiere, ruft er empört in seinem schwerverständlichen Kauderwelsch, gegen die Bor- würfe der Anklage. Er habe in 23 Fällen an verschiedene Leute Ware geliefert, sich aber nie dabei etwas zuschulden kommen lassen. Trotzdem stelle man ihn als Führer einer Band« hin. Er wisse nicht, was Einsponngeschäfte seien. Wenn man ihn hier belaste, so tue man ihm Unrecht. Die Angeklagten hätten gegen ihn in der Borunter- suchung nur ausgesagt, weil der Untersuchungsrichter sie sonst zu verhasten gedroht habe. In diesem Augenblick unterbricht der Landgerichtsdirektor Dr. T ö l t e die erregten Ausführungen des Angeklagten und erklärt: „Ich will hier ein für allemal feststellen. Die Angeklagten er- heben hier gegen den llnkersuchungsrichler Beschuldigungen, wie man sie gegen Iustizbeamten schwerer nicht erheben kann. Ich warne die Angeklagten. Ihnen steht nicht der Begriff der Wahrung berechtigter Interessen zur Seite. Sie laufen Gefahr, sich einer strafrechtlichen Bersolguug auszusetzen. Jedenfalls wird der Unter- fuchungsrichter hier gehört werden müssen. Nun greift der Rechtsanwalt Dr. L ö w e n t h a l ein, es sei unter allen Umständen erforderlich, die Vorurteile zu zerstören, die durch die Anklageschrist gegen Balson entstanden und weiter ver- breitet sind. Auch Rechtsauwalt Dr. Fuchs nutzt die Gelegenheit, um für seinen Klienten, den Engländer Marckwalt, eine Laiize zu brechen. Es sei nicht wahr, erklärte er, daß Marckwalt zu den Haupttätern gehöre, er sei mehr Künstler als Kaufmann. In diesem Fall« aber bloß Opfer. Jetzt tonn der Angeklagte Balson über seine Teilnahme an dem ihm zur Last gelegten Fall bekunden. Er erzählt, daß der An- geklagte Werst zu ihm eines Tages gekommen fei und ihn ge- beten habe, ob er ihm nicht irgendwelche Ware besorgen könne. Er habe ihm Gummierapparate zur Verfügung gestellt, 20 Pf. pro Stück. Auf seine Bitte sei eine Faktura ausgeschrieben worden, laut der Werst 40 Pf. pro Gummierapparat gezahlt hoben soll. Hierbei kommt es wieder zu einer erregten Auseinandersetzung zwischen Vorsitzenden und Verteidiger. Der erstere ist der Ansicht. daß die Ausstellung einer derartigen Faktura ganz gemeiner Betrug sei, der Verteidiger will einen Sachverständigen der Handelskammer zum Beweis dasür laden lassen, daß die Ausstellung von derartigen Rech- nungcn unter Geschöstsleuten zu den alltäglichsten Dingen gehört. Was es aber mit diesen Gummierapparaten für ein« Bewandtnis hatte, erfährt man erst richtig aus den Bekundungen des Ange- kloglen Werst. Von Beruf Mechaniker, hatte er es zu einem selb- ständigen Geschäft gebracht, später aber alles verloren und war nun gezwungen, stch auf Geschäfte zu verlegen. Durch ein Inserat suchte c? einen Geldmann, fand ihn in einem gewissen B o l l o, besorgte sich bei Balson die Gummierapparate, ließ sich die falsche Faktura ausstellen, erklärte Herrn Bollo, daß er für die Gummier- apparote bereits einen Käufer in der Kolonial- und Export« G. m. b. h. des Herrn Zarzycki— auch ein Angeklagter— gefunden habe, ihm jedoch nur das Geld fehle, um die Ware bei Herrn Balson miszulösen, 2W> Mark habe er bereits angezahlt. Herr Z a r z y ck i bestätigt? schriftlich und mündlich, daß er die Gummierapparote für 50 Ps. pro Stück gekauft Hobe, Herr Bollo zahlt« die 2640 Mark, die Kolonial- und Export-G. m. b. 5?. nahm die Ware aber mangels Geld nicht ob. Herr Balson erklärt, daß er vollwertige Ware ver- kauft habe, daß ihn die Schuld an der Nichtabnahme der Ware nicht trefse, und die Herren Werst und Zarzycki behaupten auch ihrerseits, daß hier allein Kauf mannspech. nicht aber Betrug vorgelegen habe. Bollo hatte zwar seinerzeit Strafanzeige erstattet, das Verfahren wurde aber eingestellt, well man damals die Einsponngeschäsie noch nicht durchschaute. Einbruch im volksparieilichen Bureau. Die Geschäftsräume der Deutschen Volks- Partei in der Karthäuserstraße waren in der vergangenen Nacht der Schauplatz eines Verbrechens Etwa gegen 4 Uhr morgens be- merkte ein Schugpolizeibeamter, daß aus den Fenstern der Geschäfts- räume Rauch ausströmte. Der Beamte alarmierte sofort die Feuerwehr und drang dann in die Räume ein. Dabei stellte er fest, daß nach Zertrümmerung einer Fensterscheibe bisher noch unbe- kannte Leute von der Gartenseite aus in die Geschäftsräume einge- drungen waren und sämtliche Behältnisse erbrochen hatten._ Vierzig Jahre Zoodirektor. Morgen werden es 40 Jahre, daß Prof. Dr. Heck Direktor des heute populärsten Berliner Instituts, des Zoologischen Gartens, wurde. Ludwig Heck wurde am 11. August 1860 in Darmstadt geboren, besuchte die Universitäten in Strahburg, Gießen, Berlin und Leipzig, wo er Chemie, Physik, Botanik und Zoologie studierte. Bon 1886 bis 1888 war Dr. Ludwig Heck Direktor des Zoologisckzcn Gartens zu Köln. Am 1. Juni 1888 trat Dr. Heck auf Grund der an ihn ergangenen Berufung den Posten des Direktors des Zoologischen Gartens zu Berlin als Nachfolger des Direktors Schmidt an. Unter seiner Leitung, nach seinen Zlnregungen und Ideen entstanden im Berliner Zoo im Lause der vier Jahrzehnte die wissenschaftlich zweckmäßigen und künstlerisch bedeutungsvollen Tierhäufer. Der erste größere Bau war 1833 dos Vogelhaus. 1896 folgten ver- schieden« Hirschhäuser, das Stelzvogelhaus, die Bauten für Kamele, Büffel und Rinder. Am bekanntesten sind das in Form einer indischen Pagode gehaltene Elephantenhaus, das im ägyptischen Stil aufgeführte Straußenhaus und als letzt« Schöffung dieser Art dos große Affenpalmenhaus. Auch auf den Bau der Raubvogel- anlag«, der Fasanerie, der Einhuferhäuser, der Schweineanlagen und des Ibishauses hat Dr. Heck großen Wert gelegt. Der Tier- bestand des Zoo erfuhr unier seiner Leitung eine Vermehrung auf 1300 Arten. Große Ersolge hatte die von Dr. Heck«betriebene eigene Rachzucht des Zoologischen Gartens; sie wurde zum erstenmal vom Bleßbock, von der Kaama-Kuhantilope, vom Ameisenigel, vom Schimpansen und vom Orang-Utan erzielt. Auch viel» Vogelarten, die sonst nicht leicht gezüchtet werden, haben sich im Berliner Zoo fortgepflanzt, z. B. Argus und Entenoögel. 1906 wurde Dr. Ludwig Heck der Professortitel verliehen. Er hat es mit Fleiß und Energie verstanden, den Berliner Zoo zur populärsten Schaustätte der Reichshauptstadt zu machen und ihn noch den Stürmen des Krieges und der Inflation wieder auf feine frühere wissenschastliche hölje zu bringen. Oer prager Mordprozeß. Ein Todesurieil, vieljährige Kerkerstrafen. Prag, 31. Mai.(Eigenbericht des„Abend".) vom Prager Schwurgericht wurde gestern im INordprozeß ZNargil vörösmarky gegen die drei tschechoslowakischen Journalisten das Urteil gefällt. Die Geschworenen bejahten die ersten drei Hauptsragen aus Mord bei Jan M i ch a l t o mit 12 Stimmen, bei Zan K l e p e t a r mit g Stimmen und bei Rikolaus S i k o r f k y mit 12 Stimmen. Der Stoatsamoolt beaMrogte bei Michalko die Todes- strafe, bei Klepetar mit Rücksicht auf seine Unbescholtenheit und des erleichternden Motivs der Anstiftung durch Michalko lebens- länglichen Kerker, bei S i k o r s t y mit Rücksicht auf das Geständnis, mögliche Besserungssähigteib und die Alimentationspflicht gegen sein Kind IS Jahre Kerker. Die Verteidiger Michalko» und Sikorsty» mochten Eingaben aus«in« Herabsetzung des Strafmaßes. Der Verteidiger Klepetar» erklärte: Mit Rücksicht darauf, daß mein Appell ungehört verhallte, deantrage ich für meinen Klienten nicht das herabgesetzte Strafmaß von lebenslänglichem Kerker, wie es der Herr Staatsanwalt beantragt hat, sondern daß die Todesstrafe im Sinne des Gesetzes vollzogen werde. Nach längerer Beratung verkündete der Dorsitzende um mo Uhr abend das Urteil. Jan Michalko wurde zum Tode, Dr. Jan Klepetar zulebenslänglichem Kerker und in Rücksicht der akademischen Würde Nikolaus Sitorsky zu 15 Iahren schweren Kerter verurteilt. Die Verteidiger Michaltos und Klepetars meldeten die Nichtigkeitsbeschwerde an, der Ver- teidiger Sitorskys behielt sich drei Tag« Bedenkzeit vor. Drei bürgerliche Journalisten standen unter der Anklage des gemeinschaftlichen Mordes vor den Schranken des Ge- richts. Ganz Prag sprach von nichts anderem als dem Mordprozeß Michalko-Klepetar-Sikorsky... 1926 verschwand die ungarische Amerikanerin Margit Vörö- smarty. Vier Wochen später bekam ihre Mutter einen Brief mit fingierter Unterschrift, noch dem dos junge Mädchen nach Amerika zurückgekehrt fei. Aber man schöpft« Verdacht. Bei Dr. Klepetar fand man den Koffer der Vöröfmarty. man forschte weiter, und ein Jahr nach dem Verschwinden des Mädchens mußten die drei Journalisten gestehen, die Börösmarty, Sitorsky» Schwägerin, ermordet zu habem Sikorsty hotte Michalko mit seiner Schwägerin bekanntgemacht. Ihre Absicht war, die reiche Amerikanerin um ihr Geld zu prellen. Michalko berichtet« von seinen Reichtümern und ver- sprach, sie zu heiraten, Margit Börösmarty ober drängt« nun auf die Ehe. Eine Komödie wurde inszeniert. Dr. Klepetar fungierte als Trauungsbeamter. Aber Michalko gestand seiner„Ehefrau" bald darauf den Betrug. Nun verlangte da» Mädchen eine kirchlich« Trauung. Jetzt mochte Michalko seinen Freunden den grausigen Borschlag des Mordes. Man fuhr ins Tatragebirg«, hier schüttete Dr. Klepetra der Börösmarty Gift ins Glos, dorm erdrosselte Michalko das Madchem Man verscharrte den nackten Leichnam, Klepetar sprach einen Segen. Schmuck und Geld der Toten nahm man an sich, um damit zum Bergniigen nach Paris zu fahren. Michalko ist früherer Offizier und MllitärgeMicher. Sikorsty ehemaliger Beamter, Dr. Klepetar Schriftsteller. Alle drei waren an Prager bürgerlichen Blättern als Redakteur« oder Mitarbeiter tätig. Der amerikanische Senat hat sich vertagt, ohne da» neue Flotten- geseg angenommen zu haben. Di« reaktionäre Presi« bedauert, daß der Ersatz veralteter Kreuzer dadurch hinausgefchoden wurde.' Theodor Glocke. Bu seinem 40jährigen Geschäftsjubiläum. In diesen Spalten wird täglich von allen Dingen auf dem Erdenrund gesprochen, insonderheit von denen, die mit dem großen welthistorischen Ringen der Arbeiterklasse zusammenhängen. Bon den Personen aber, die hinter dem Vorhang der Anonymität der Presse für das Blatt schreiben und schaffen, ist gemeinhin nicht die Rede. Syeute machen wir eine Ausnahme von der Regel: der Geschäfts: führer des Borwärts- Berlages, Genoffe Theodor Glode, blidt am 1. Juni auf eine ununterbrochene Dienstzeit von vier Jahrzehnten im Verlag unseres Blattes zurüd. Seit langen Jahren steht er als Geschäftsführer an der Spitze der Berlags. leitung, der er vorher schon als Expedient wertvolle Dienste geleistet hate. Tonkünstlerfest in Schwerin. „ Opernabend." Schluß und Schlüffe. Als Theodor Glocke am 1. Juni 1888, damals noch unter dem Sozialistengeset, in die Expedition des Berliner Boltsblattes" berufen wurde, war das öffentliche Eintreten für die Sozial- Kreise des( jüngeren) Ernst Krenek angeschlossen, doch Stürmer ohne demokratie immer ein Wagnis. Die Bismarck Buttkamerschen Bolizeimethoden mit ihrer Ausweisungspragis bedrohten jeben öffentlich tätigen Sozialisten mit bösartigsten Schikanen. Auch der Holzarbeiter Glocke war dem Spigelheer nicht unverdächtig. Aber man tam nicht an ihn heran. So fonnte er sich der Arbeit für das damals ach noch so eine- Parteigeschäft widmen, das in einem winzigen Laden in der Zimmerstraße 90 untergebracht war. Das„ Berliner Volfsblatt" hatte zu jener Zeit etwa 7000 bis 8000 Abonnenten, angesichts der polizeilichen und richterlichen, gesetzlichen und ungefeßlichen Verfolgungen immer noch ein respektabler Stand. Als bann 1890 das Sozialistengeset fiel und auch der fozialistischen Presse der Boden des gemeinen Rechts" offen stand, entwickelte sich das Parteiblatt seit 1891 unter dem Namen Borwärts, Berliner Volksblatt" Zentralorgan der Partei in erfreulicher Weise. Theodor Glocke hat an der inneren Entwicklung des Berlages stets regen Anteil gehabt, wenn er auch in seiner sprichwörtlichen Bescheidenheit davon wenig Aufhebens zu machen pflegt. Neben seiner Arbeit für das Parteigeschäft hat unser Jubilar jahrzehntelang als Vertrauensmann feiner Gemertschaft, der Holzarbeiter, gewirft. Gerade die ihm durch feine Tätigkeit im Parteiperlag gewährleistete Unabhängigkeit vom Unternehmertum tam der aufblühenden gewerbschaftlichen Bewegung seines Berufes zustatten. Die sonst übliche Maßregelung der Bertreter fämpfender Arbeiter fonnte bei ihm nicht Platz greifen. So hat er von 1895 bis zum Jahre 1919 als Bevollmächtigter an Der Spiße der Berliner Ortsverwaltung des Holzarbeiterverbandes gestanden und in manchen Kämpfen sich als hervorragender Führer bewährt. Auch als Stadtverordneter blidt Glode auf eine nunmehr 28jährige Tätigkeit zurüd. Ein sehr wesentliches Stüd Parteigeschichte, besonders der Geschichte der Berliner Arbeiterbewegung ist in den vier Jahrzehnten umschloffen. Unser Glode hat sie nicht nur schauend, sondern handelnd miterlebt und sie vielfach entscheidend mitbeeinflußt. Bir dürfen die Bewegung beglückwünschen, daß sie von so schlichten und ausdauernden Genossen getragen wurde und wird. Unserm Jubilar aber, der in diesem Herbst das 69. Lebensjahr vollendet, wünschen wir, sicher auch im Sinne unserer Leser und Freunde, daß er noch manches Jahr den stetigen Aufstieg der Sozialdemokratie miterlebe und daß ihm die Freude an Kämpfen und Siegen erhalten bleibe, die thm bis heute Begleiterin war. Streiferfolg der Oberlausitzer Granitschleifer. Nach einer Streitbauer von 14 Wochen ist am Tage vor Pfingsten der Streit der Oberlausitzer Granitschleifer beendet worden. Mit einer geradezu vorbildlichen Disziplin haben die Stein arbeiter den Kampf geführt, nicht ein Facharbeiter ist abtrünnig ge= worden. Genau so geschlossen, wie die Arbeiterschaft in den Streit getreten ist, nimmt sie die Arbeit wieder auf. Nichts hat die Steinarbeiter erschüttern tönnen, auch nicht die Drohung, daß bei einer langen Dauer des Streits unter Um ständen eine schwere Krise im Granitfchleifergewerbe zu erwarten fet, fie fämpften um gerechte Forderungen und haben einen Ers folg erzielt. Der Mindestlohn der Hilfsarbeiter erhöht sich von 56 auf 65 Pfennige, die übrigen Löhne erfahren eine Erhöhung am 7 Prozent. Der Schiedsspruch, der am Freitag vor Pfingsten gefällt wurde, und dem sich beide Parteien vor seiner Ber fündung unterwarfen, sieht außerdem vor, daß der Streit feine Unterbrechung des Arbeitsverhältnisses bedeutet, und daß alle Arbeitskräfte wieder eingestellt werden müssen. Da sich einige Unternehmer weigern, alle Arbeiter wiedereinzustellen, sind Arbeitsangebote von Steinarbeitern nach der Oberlausiß zunächst noch zu rückzuhalten. Zwischen Rom und Angora wurde ein Neutralitäts- und Schieds gerichtsvertrag abgeschlossen. Damit sind die Beziehungen zwischen Italien und der Türkei wieder normal geworden. 1911 hatten die beiden Staaten über Tripolis Krieg geführt, während des Welt. frieges waren sie in entgegengesetzten Lagern. Auch seit dem Frieden von Lausanne sind die Beziehungen nie gut gewesen, da die Türkei italienische Vorstöße auf Kleinasien argwöhnte. Position unerschütterlich; er ist sozusagen der Klassifer der radikalen Jugend. Das ist zur Stunde nicht mehr neu, und auch über sein Bratschenkonzert( Kammermufit Nr. 5 für Solobratsche und größeres Kammerorchester"), bas er nun in Schwerin gespielt und das wir schon von einem Klemperer- Konzert her fennen, ist nichts Neues zu sagen. Aber da ist noch der peinliche Fall des Kompo nisten Baul Amadeus Pist, deffen Hymnus an die Liebe", nach Borten aus„ Childe Harold" von Byron, für Koloratursopran und Allerdings, die Aufführung war burch eine so groteste Häufung Drchester gesetzt, dem Hörer beträchtliche Berlegenheit bereitet. feindlicher Zufälle beeinträchtigt, daß es unbillig wäre, danach einen Künstler richten zu wollen. Der bewährte Musiker, dessen Verdienste um das Wiener Arbeiter- Musikleben bekannt sind, wird, so dürfen wir erwarten, glüdlichere Gelegenheit finden, seine Bedürfen wir erwarten, glücklichere Gelegenheit finden, seine Begabung und fein Können zu erweisen. Inftrumentalen, brachten die legten Tage wenig Neues. Ein Streich Auf kammermuusikalischem Gebiet, menigstens im Bereich des quintett in Fis- Moll zeigt den jungen Günther Raphael auf dem Weg, auf dem wir ihn in Berliner Konzerten schon öfters ge troffen haben: von Brahms und Reger behutsam, nicht ohne mufifantisches Gefchid, vorwärtstaſtend. Doch stredenweise dieses. magnerselige Drauflosmufizieren, durchaus ungewöhnlich im strengen Stil der fammermusikalischen Polyphonie einmal ist es, wörtlich entlehnt, eine Parsifal- Wendung, die ihn als ewige Sequenz verfolgt: dies verrät eine Wahl- und Kritiflosigkeit, die bei einem Leipziger Konservatoriumslehrer( nicht etwa: schüler) immerhin erstaunlich ist. Mehr vom akademischen Lehrer, übrigens ohne es zu sein, hat der Berliner Mag Butting; er scheint geschaffen zum Theoretiker des Fortschritts, seine Arbeiten sind Schulbeispiele der Modernität, feine Kompofitionen bestehen sozusagen nur aus ihrer eigenen Analyse. Er versucht nicht zu überzeugen; er er läutert. Doch dies auf glaubhafte Art, weil ehrlichsten Willens und nach bestem Wissen und Gewissen. So auch der Eindruck von vier Klavierstücken, die er spielen läßt. Ein Opernabend" unterbrach die Reihe der Konzerte; er brachte Zeichen diefer opernarmen 3eit feine Oper; sondern: ein Tanzipiel; vorher ein melodramatisiertes Märchen. Das Märchen heißt„ Die arme Mutter und der Tod", es nennt sich ein Wintermärchenspiel in drei Bildern", der Schweizer Hans Reinhart hat es nach Andersen gedichtet. Fehlt es schon dieser Dichtung, die sich, nüchternen Geistes und in frodener Sprache, von Allegorie zu Allegorie fchleppt, an echter Märchennaivität, noch mehr Betyret, wir kennen ihn aus den Jahren, die er, baid nach dem Kriege, in Berlin verbracht hat, ein radikaler Stürmer damals, dem inneren Sturm, ohne Kraft und Elan. Der Radikalismus ist überwunden, und wir erleben die nun schon typische Enttäuschung: das persönliche Gesicht des Mufiters, nicht mehr durch richtungs fämpferische Gebärde entſtellt, erweist sich als schlechthin nicht: vorhanden. Diese Märchenpartitur, wohl der schwächste Einbrud einer fünftägigen Musifschau, hört sich an wie die Arbeit eines unbegabten Humperdind- Epigonen. Danach wirkt August Reu' troffen romantische Ballettpantomime Glasbläfer und Dogareffa" angenehm und erfrischend. Dieser Siebenundfünfzigjährige, tein Moderner" selbstverständlich, schreibt Mufit, wie er fie vor zwei, brei Jahrzehnten schrieb, er fam aus der ,, Münchener Schule", deren Haupt Ludwig Thuille war, und deren gemäßigter Fortschritt um die Jahrhundertwende gewissermaßen tonangebend war in Deutsch land; man hat sich seither in der bayerischen Hauptstadt nicht wesentlich ,, neu- orientiert", und es ist da sich's nun einmal um Musik und nicht um Bolitit handelt heutige Münchener Luft, die uns aus dem freundlich unterhaltsamen Spiel in aller Arglofigkeit entgegenweht. Immerhin, das ist ein Stil", wir wollen und müssen ihn gelten lassen, wenn er, wie hier, von einem charaktervollen, der eigenen Vergangenheit treuen Musiker natürlich und sicher beherrscht wird. Es wurden Stimmen laut, daß ein Wert wie dieses teine Sache für fortschrittliche Tonfünftlerfeste sei; jebenfalls aber wird es eine für den Gebrauch des Tanztheaters sein, vielen Opernbühnen zur Abrundung eines Einalterabends willkommen. Der Schweriner Aufführung gab Carl Janete, in Berlin vom Deutschen Theater her bekannt, im Tänzerischen etwas wie großstädtisches Niveau; die Wiedergabe des Märchens auch die Wiedergabe hielt sich auf bescheidener Stufe der Unvollkommenheit. Die letzten Konzerte. Dem Geist jener Bergangenheit, von der Weltkrieg, Umfturz und einiges andere den heutigen Menschen, auch den heutigen Künstler scheidet, wird durch die letzte Nummer des letzten Konzerts gehuldigt: Passacaglia für großes Orchester von Karl Brohasta. Der Allgemeine Deutsche Musikverein ehrt mit dieser Aufführung das Gedächtnis eines jüngst Berstorbenen, der zu den repräsentativen Musikern Desterreichs zählte, und er verföhnt in fegter Biertelstunde Die Gemüter der braven, teblich sich mühenden Schweriner, die an diesem Abend allzuviel des Problematischen über sich ergehen lassen mußten und für ein wirkungsvolles Stüd leicht zu faffender, gut flingender, solide und durchsichtig gearbeiteter Musit, Mufit eben nach dem Herzen eines mittelstädtischen Bürgerpublikums, doppelt dankbar sind. Den Anfang des Abends macht Berthold Gold. schmidts Partita in vier Gägen, op. 9. Sehr rhythmisch, sehr energisch, sehr polyphon, sehr miklautend, sehr begabt. Nur nicht begabt in der Richtung des Innerlich- Gefühlsmäßigen, wie das Adagio unerbittlich enthüllt. Unzweifelhaft aber verrät sich am Pult des selbst dirigierenden Komponisten- er war vor ein paar Jahren, zugleich Schrefer- Schüler, Korrepetitor an der Berliner Staatsoper tapellmeisterliche Begabung; der Fünfundzwanzig. tapellmeisterliche Begabung; der Fünfundzwanzig jährige ist gut beraten, daß er sie nicht in der Berliner nicht in der Berliner Philharmonie zugrunde richtet, sondern im Darmstädter Landestheater reifen läßt. Adagiogefühl, Adagioton flingt, überraschend beinahe denn man war auf dergleichen taum noch gefaßt aus dem„ Tripel tonzert" von Hermann Reutter( für Klavier, Bioline und Cello mit Orchester). Wir fannten ihn, und erkennen ihn am Flügel mieder, als feinen Pianisten; auch schon als formgewandten Komponisten von eigenem Profil. Nun offenbart er sich als weicher Schwärmer, zart, liebenswürdig, ja, mit einer leidhien Reigung zum Gefälligen( die ihm hoffentlich nicht gefährlich wird). Die Gene ration, der auch er angehört, ist durch die schärfere, härtere, hellere Art Goldschmidts typischer vertreten. Auch dieser Reutter, 1900 ge boren, hat den Strieg als schichjal. und charakterbildendes Jugend erlebnis mitbekommen. Sein Fall, eben meil er nicht typisch ist, ist um so bemerkenswerter; doch bemerkenswert auch schon, absolut ge. mertet, ein Beitrag zur Produktion der Gegenwart. Als deren stärkster Repräsentant steht Paul Hindemith in überragender Die freudlose Gaffe." Zu den Filmen, die in den letzten Jahren die stärsten Eindrücke hinterließen, gehörte in erster Reihe die Freudlose Gaffe", jene Schilderung des in Not und Laster sterbenden Wiens der Inflationszeit. Freilich die Inflationszeit ist überwunden und die Erin nerung daran wirft nur noch wie ein furchtbarer Alp, aber was G. W. Ba 5 st aus dem Manufript von Willi a as geschaffen hat, hat fast die Bedeutung eines historischen Dokuments und ist zugleich ein Meisterwerk der Regieleistung und der Photographie. Es ist barum außerordentlich zu begrüßen, daß die auf Reprisen eingestellte ,, a mera" Unter den Linden, den Film aufs neue heraus: bringt. Bieber sind wir aufs schmerzlichste ergriffen von dieser Zeit. in der das fapitalistische Brinzip, alles zur Ware zu machen, bia zum Aeußersten ausgebaut wurde und alles unter seine Räder brachte. Wieder paden uns die starten darstellerischen Beistungen Don Greta Garbo, die ja bann dem deutschen Film verloren ging, Afta Nielsen, Agnes Esterhazo, Zamara, sowie Cinar anjon, Robert Garrison und Werner Kraus. Nicht zu pergeffen auch der an die Karikatur grenzende Beitrag der Balesta Gert. Dieser Film, der Zeitgeschichte schrieb, ist noch immer lebendig und noch immer vorbildlich. 7. Prof. Wilhelm Nowad, früher ordentlicher Professor der Theologie an der univerfitat Ctragburg, der in Leipzig lebte und auch an der bortigen Universität Borlesungen hielt, ist im Alter von 78 Jahren verstorben. gemelber wirb, hat Gorti auf bet Tagung der Eilenbabner eine Ansprache Ehreneisenbahner der Sowjetunion. Wie aus Moskau gehalten, in der er feiner Freude über die Rüdfehr nach der Sowjetunión Ausdrud gab. Gorki wurde zum Ehrenelfenbahner der Sowjetunion gewählt. Magim Gorki L Eine moderne Spezialität, eine sehr zukunftsvolle ohne Zweifel, fam noch im letzten Kammerkonzert zu besonderen Ehren: der Rammerchor.( Repräsentiert durch Dr. Holles ausgezeichnet disziplinierte, mit schönen Stimmen gefegnete Stuttgarter madrigal Bereinigung.) Drei Kammerchorwerfe standen auf dem Programm, dessen größeren, wertvolleren Teil sie ausmachten. Wilhelm Weismanns ,, Lieder und Madrigale für dreibis sechsstimmigen gemischten Chor nach Terten von Walther von der Bogelweide" und Hugo Herrmanns A- cappella Chorjuite für Dier bis achtftimmigen Kammerchor nach Tegten aus dem dreizehnten und vierzehnten Jahrhundert" und vierzehnten Jahrhundert" beide Kompofitionen umspielen, beide Komponisten umwerben dasselbe Thema.„ Minne" nannte man es, dichterisch, in jenen fernen Jahrhunderten, und es ist freilich ein wenig seltsam, daß sich heute man ist versucht, zu sagen: aus= gerechnet heute zwei junge Künstler finden, die sich mit soviel mittelalterlicher Umständlichkeit, keuscher Bartheit, so unschuldig- naiv, unendlich fern aller„ neuen Sachlichkeit", um die Verklärung eines, nun ja, zentralen Lebensproblems bemühen. Bei Weismann ist es, volksliebartig, durchaus der Ton von damals; faft unpersönlich, doch, gewiß, persönlich gefühlt und erfüllt; und übrigens mit reinlichem können durchgeführt und mit sicherem Stilinstinkt durchgehalten. Bei Herrmann ist der Satz reicher, die Form höher entwickelt, die Schreibweise kunstvoller( ein wenig auch: fünftlicher), der Ton mehr an Heutiges antlingend, doch auch persönlicher. Jedem von beiden zu begegnen ist eine Freude. Und der dritte, dessen Bekanntschaft Bereicherung bedeutet, heißt Karl Marg, und seine, achtstimmig gesetzte, Motette Werkleute sind wir", nach Worten aus dem Stundenbuch von Rainer Maria Rilfe, ist, zumal in ihrem ersten Teil, ein fleines Meisterwerk, durchaus votal inspiriert und zu langwirfungen fich steigernd, die von seltener Beherrschung des wahrhaft diffizilen A- cappella- Apparats zeugen. Hier ist, was als gesuchtes Reiseziel seit Jahren von sich reden macht: Neuland.( Auch wenn es zum Teil nur neu besiedeltes Altland ist.) " Ergebnisse. Vielleicht das wichtigste Ergebnis war eine Resolution. Die Sektion Deutschland der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik", Hüterin und Berfechterin jener Neuen Mufit"( und bislang eifersüchtig auf die Hut, ihrer Hüterrechte bedacht), foll nun, das ist der Sinn jener Resolution, mit dem Allgemeinen Deutschen Musikverein verschmolzen werden, und dieser soll als Sektion Deutschland in die Internationale Gesellschaft einziehen. Und damit befennt der Verein sich von neuem zu der Aufgabe, die jahrelang die fingere Gesellschaft ihm streitig gemacht, und er tnüpft zugleich nach einer Periode nationaler Isolierung an die internationale Tradition an, die ihm sein Gründer, Franz Liszt, sozusagen als Erbe seines Bluts mit auf den Weg gegeben. Klaus Pringsheim. Die Hauptversammlung des Bereins Deutscher Chemiker, der etwa 80 Prozent aller an Hochschulen und in der Industrie tätigen Chemiker umfaßt, wurde Mittwoch abend in den städtischen Ausstellungshallen in Dresden eröffnet. Bon den 9000 Mitglieder: 1 waren saft 2000 der Einladung gefolgt. Sie wurden von dem fächſischen Wirtschaftsminister, von einem Vertreter der Stadt sowie von zahlreichen befreundeten Bereinen begrüßt. Auch das Reichswirlschaftsministerium hatte einen Vertreter entfandt. Die wissenschaftlichen, zum Teil beruflichen Verhandlungen beginnen am heutigen Donnerstag. Bögel unter Völkerbundschutz. Das Internationale Komitee für Vogelschutz in Genf hat beschlossen, die Staaten des Bölferbundes zu einer gemeinsamen Aktion zu veranlassen. Die Vogelschußzonen follen vermehrt, das Sammeln von Eiern seltener Rassen verboten. und die Jagd mit Hilfe von elektrischen Lampen überall untersagt werden. Besondere Geseze sollen zum Schuße der Zugvögel erlassen werden. Jm Theater am Schiffbauerdamm ist die Erstaufführung des Lustspiels Der Kubbandel bon germann Essig und Emil Rosenow auf den 6. Juni festgelegt. Die Preußische Akademie der Künfte veranstaltet vom 2. Juni ab eine Kleine Ausstellung von Aquarellen und Zeichnungen ihres verstorbenen Mitgliedes Prof. Guftao conleber und des verstorbenen Prof. Moriz Meurer. Diele Sonderausstellung findet im Erdgeschoß des Akademie. täglich von 10-17 Uhr zugänglich. gebäudes, Bariser Blat 4, ftatt und ist ebenso wie die Frühjahrsausstellung Meteorologenfongreh. Im Londoner Luftverkehrsministerium traten bie bessen Aufgabe es ist, bas Zusammenwirten der Staaten auf dem Gebiet Bertreter von rund 20 Staaten zu einem Meteorologentongreß zufammen, der Betterborausfage zu berbessern. Deutschland ist durch den damaligen Bizcadmiral Dominit vertreten. Stimmung! +10 1940 Geschäfts- Anzeiger Friedrichshagener E.G. M.B.H. Bezirk Norden- Often. Verkehrslokal Baugenossenschaft Heinlein& Richter der Partei und Gewerkschaften von Weißensee Fleisch Hoch- u. Tiefbau Fernruf: Friedrichshagen 524 und 1138 [ G. 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Mai Arbeiterzüge gesehen, zuerst Laub am Hut, dann die rote Nelke und ein blinkendes Abzeichen am Rod. Schon hatte ich auch öfter das Arbeiterwigblatt Glühlichter", die ,, Arbeiter- Zeitung" und die„ Bolfstribüne" gelesen. Da beschlossen meine Eltern, Verwandte in Russisch- Polen zu besuchen, auf deren Hochzeit ich als Einjähriger der jüngste Gast gewesen war, der auf dem Fußboden gesessen und die Großen am Kleidersaum gezupft hatte. Das Paßvisum des Kaiserlich Russischen Generalkonsulats bekam mein Vater als Kaufmann ohne allzugroße Schwierigkeiten. Mutter und Schwester fuhren voraus, wir beide erst mit dem billigen Sommersonderzug zur Gewerbeausstellung nach Berlin ( hin und zurück 20 M.!). Von der 14stündigen Fahrt erinnere ich mich noch, daß hinter Dresden feiner Flugsand hereindrang, den wir von früheren Reisen im bergigen und waldigen Desterreich nicht fannten; und daß in Jüterbog einige Mitreisende fich glänzend über ,, Jüdenbock" amüsierten. Der Geist der Zeit" scheint damals schon gelebt zu haben. " Nach erledigtem Berlin samt Treptow, wo die Ausstellung mar und wo wir aus dem Gartenkonzert einer Marinekapelle immer wieder militärische Signale heraushörten, und nach einer Woche Sächsische Schweiz gings dann ganz durch Böhmen, Mähren und Schlesien nach Kratau, wo mitten in der Stadt die Burg Wawel thront, ein zugedeckter Weichselarm mit grünen Holzpfählen dem Darüberfahren wehrt, die Tuchhallen in schattiger Kühle eine Ahnung von Orientbasar geben und auf dem Kasimjersch Kaftanjuden mit Schläfenlocken wimmelten. Dann nahmen wir einen Fiater an die Grenze; weiter durfte er nicht, denn er hatte einen Paß weder für sich, noch für die Pferde: A bes tego jest zakasane( die 3 als f ausgesprochen, heißt das: und ohne das, ist es verboten"). Auf der guten Straße nach Warschau waren wir bald in Michalowice, wo der Schlagbaum die Straße sperrte. Im russischen Grenzhaus Kontrolle. Die Beamten sprachen russisch, taten als ob sie polnisch nicht verstünden, obwohl beide Sprachen sehr verwandt sind. 3wei harmlose, ganz unpolitische Reklambüchlein nahmen sie uns ab, indem sie was Don Zensura jeneralgubernator warschawa" murmelten. waren im Russischen Reich. Klägliche Bauernfuhrmerke, die 18 Jahre später als„ Panjewagen" in den deutschen Sprachschatz übergingen, standen da. Wir wollten unsere Berwandten überraschen, hatten uns nicht angemeldet, waren darum nicht abgeholt worden. Also auf die Streu im Wägelchen! Wir Bis Slomnifi ging's auf der guten Straße weiter; aber dann bogen wir rechts in einen schwarzen Feldweg ein. Die Räder bis zur Achse im Schlamm ging's im Schnecentempo weiter. Endlich trafen wir in Raclawice ein dem historischen Schlachtort, auf dem Polen seine Freiheit und Held Roscinsto sein Leben verloren hat. Ein Berg erhebt sich da aus der Ebene, ein großes Holzkreuz stand oben das einzige Erinnerungszeichen an den Kampf, das vom Sieger Barismus erlaubt war. Im Speisesaal des Gutshofes aber sah man doch noch an der Wand den eintöpfigen weißen Adler im grünen Feld Bolens Wappen. In dem nahen Städtchen Dzialoszyce im Krieg an die Bahn angeschlossen saben wir einen Bult( Regiment) russischer Reiterei in weißen Blusen, die auf Manöverritt waren. Auf heiternd war dieser Anblick für uns Wiener Kinder, die in der Furcht vor dem unausbleiblichen Krieg mit einem übermächtigen Rußland aufgewachsen waren, gerade nicht. Und niederdrückend war es, wenn wir so oft von den Verwandten hören mußten, daß wir nur ja nirgendwo und nichts über Rußland, Polen, Desterreich reden sollten, es sei zu gefährlich. Nach ein paar Wochen fuhren wir zurüd; da machten wir unseren gepreßten Herzen Luft, indem wie den sonst gar nicht geschätzten f. und t. Doppeladler, als wir ihn zuerst wieder sahen, mit großem Hochgeschrei begrüßten, damit die russischen Grenzbeamten und-soldaten da hinten sich recht ärgerten! Die ausgleichende Gerechtigkeit schuf Beruhigung: hatten die Russen uns Reklambüchel weggenommen, so mußte Papa jetzt Zoll für den Tee zahlen, den die Verwandten uns geschenkt hatten. Die Jahre gingen, ich war Student. Und als 1903 oder 1904 der Zarismus die finnischen Sonderrechte aufhob und neue Greuelfunde aus Rußland uns erregte, machten wir in Wien eine Demonstrationsversammlung. Referenten waren Abg. Dr. Ellen= bogen und für die Studenten ich. In der Versammlung waren viel Ruffen, Polen, Utrainer, Armenier, Georgier usw. Die zogen nachher zur nahen Barenbotschaft und die Polizei fonnte nicht hindern, daß Flüche und Kampflieder hinaufschollen. Es war die Zeit, wo auf eine Interpellation Daszynskis der Innenminister, ein Graf, im Parlament erklärte, die Regierung werde selbst. verständlich dafür sorgen, daß politische Flüchtlinge in Galizien ( dem Grenzland gegen Rußland, das der Minister natürlich nicht nannte), das Asylrecht unverkürzt genießen.. Mir aber sagte jemand noch Jahre später: Lassen Sie sich nicht einfallen, etwa nach Rußland zu fahren Sie stehen wegen einer Wiener Versammlung auf der schwarzen Liste!" r. bn. Die letzten Sklaven von Birma. Zwischen Bengalen, Tibet, China und Siam liegt diese feltfame Provinz des indischen Kaiserreiches, die im Innern noch zahlreiche unerforschte Gebirge und Urwälder birgt. Gewaltige Pe= troleumlager liegen unter der Erde, und wenn es der Chemie erst gelungen sein wird, die dortigen Schweröle zu brauchbarem Triebmaterial für Schiffsmotoren zu verarbeiten, dann werden diese Bodenschätze, die schon lange die Aufmerksamkeit der Erdölmagnaten auf sich gelenkt haben, der Flottenbafis Singapur doppelte Bedeutung verleihen. 3war refidiert ein stellvertretender Gouverneur in der Hauptstadt Rangun am Irawadifluß, die berühmten Sägemühlen der Umgebung benußen für den Holztransport schon lange statt der ebenso berühmten Elefanten die billigeren Maschinen, die grandiose Shwe- Dagon- Pagode, die in ihrem heiligen Schrein acht Haare vom Haupte des Buddha birgt, ist im Nebenamt provisorische Festung für den Fall von Aufständen. Aber tief im Lande drinnen ist noch der alte Orient, und der Dienst in der Grenzpolizei spielt fich fern von den Schreibstuben unter oft recht abenteuerlichen Be gleitumständen ab. Bis in die letzten Jahre hinein bestand im Innern In wenigen Tagen wird der größte Teil der Berliner Stadt-| Tagen der erste Ausbau der Elektrisierung zum Abund Ringbahn elektrisch betrieben werden. Die fauchenden Dampfschluß gelangen wird. lokomotiven werden nach und nach ihren Betrieb ein stellen und die Züge werden sich so geräuschlos und leicht in Bewegung setzen, wie der Berliner das auf seiner H- und U- Bahn schäßen gelernt hat. Als elektrisches System wurde Gleichstrom von 750 Volt Spannung mit 3. Schiene gewählt, ebenso wie bei der Hoch- und Untergrundbahn und bei der Hamburger Hochbahn. Der Strom wird von den Elettromerten bezogen, deren Das ungemein rasche Emporwachsen Berlins hatte zur Folge, Zentralen auf der mitteldeutschen Braunkohle errichtet sind; sie stellen daß die Berkehrszunahme bei weitem die Bevölkerungszunahme das Werk Trattendorf zur Verfügung. Die Berliner städtischen ElekEiner der neuen elektrischen Züge Stromes erfolgt in einem westlichen und einem östlichen Knotenpunft, in Halensee und Markgrafendamm, in Form von 50periodigem Drehstrom von 30 000 Bolt Spannung. Von dort aus laufen im Bahndamm verlegte Kabel zu den einzelnen längs der Bahn verteilten Unterwerfen, in welchen der Drehstrom auf Gleichstrom umgeformt überholte. Während vom Jahre 1875 bis 1920 die Einwohnerzahl| trizitätswerke speisen aus dem bekannten, von der AEG. gebauten Berlins von eineinviertel Millionen auf vier Millionen stieg, Klingenberg- Wert in Rummelsburg. Die Abnahme des steigerte sich die Zahl der jährlichen städtischen Fahrten von 32 auf 1424 Millionen. So erwuchsen dem hauptsächlichsten Verkehrsmittel, den Stadt-, Ring- und Vorortbahnen jüngere Geschwister, die elektrische Straßenbahn, die hoch und Untergrundbahn, der Omnibus, die mehr und mehr den Verkehr an sich zogen. Während der Inflation gewann allerdings die Stadtbahn wieder große Beliebtheit, da sie als ftaatliche Unternehmung sich der Geldentwertung in der Tarifpolitit nicht so rasch anpassen fonnte, wie die anderen, damals noch privaten Verkehrsgesellschaften. Im Jahre 1923 beförderten die Stadtbahnen annähernd 60 Proz. des gesamten Groß- Berliner Verkehrs. aber die Ziffer fant mit der Stabilisierung der Wirtschaft und betrug Ende 1927 mur mehr etwa 20 Pro3. Die Stadtbahn war technisch überaltert, mit den unvermeidlichen Nachteilen des Dampfbetriebes behaftet und im Vergleich mit den neuen Verkehrsmitteln nicht mehr wettbewerbsfähig. Der Dampfbetrieb hatte die Grenze seiner Leistungsfähigkeit erreicht, es gab nur einen Ausweg: Elektrisierung. Bereits 1903 hatte die Union- Elektrizitätsgesellschaft, die später in der AEG. aufging, den elektrischen Betrieb auf der Strecke nach Lichterfelde- Ost eingerichtet und 1914 lagen Pläne und Probeausführungen für das Wagen der Holzklasse ganze System vor. Der Krieg zerschlug die Projekte, die Inflation wälzte neue Schuttmassen über die Trümmer, und erst die letzten Jahre brachten einen neuen und endgültigen Plan, in dessen Ausführung wir nun stehen. Auf den Nordstrecken( Bernau, Oranienburg, Belten) ist der elektrische Betrieb bereits im Gang, auf der Stadt- und Ringbahn sind die Arbeiten beendet, so daß in diesen Wagen der Polsterklasse und der Bahn zugeführt wird. Als Fahrleitung dient, wie bei der Untergrundbahn, eine seitlich vom Fahrgleis etwas erhöht angeordnete, in isolierenden Porzellanblöden gelagerte dritte Schiene. Für den elektrischen Betrieb wird gänzlich neues Wagen material verwendet werden. Jeder Wagen hat auf jeder Längfeite vier breite Schiebetüren und faßt insgesamt einschließlich der Stehpläge bequem 200 Reisende. Die kleinste Zugeinheit, der Viertel szug, wird aus einem Trieb und einem Anhängerwagen bestehen; in Stunden stärkeren Verkehrs werden zwei oder vier solcher Einheiten zu einem Halbzug bzw. Vollzug zusammengesetzt, deren letzterer 1600 Personen zu befördern vermag. Die Verfürzung der Fahrzeiten gegenüber dem jetzigen Dampfbetrieb um rund 25 Proz. wird gewährleistet durch das schnellere Anfahren und durch die höhere Fahrgeschwindigkeit. Ferner wird man mehr Züge fahren fönnen. Die fürzeste Zugfolge, jett 2 Minuten auf der Stadtbahn und 5 Minuten auf der Ringbahn, wird auf 1% Minuten bzw. 2½ Minuten reduziert werden. Der Verbesserung des Betriebes wird sich die Verbilligung zugefellen; man spart an Kohle, an Personal, an Kosten für das Rohmaterial. Die Elektrisierung der Berliner Stadt-, Ring- und Vorortbahnen bringt somit die Lösung des wichtigsten Verkehrsproblems von Groß- Berlin. immer noch das Kennzeichen orientalischer Wirtschaftsformen, die| fäffig wird, obwohl in britisch Indien den Eingeborenen im allSlavere i; die Engländer hatten sie natürlich längst offiziell ab gemeinen der Besitz von Feuerwaffen verboten ist; indes, der geschafft, und es gab darüber sehr überzeugende Dekrete, die mit Dschungel fann auch ohne Feuerwaffen tödlich werden. Jetzt ist die vielen anderen Papieren das Schicksal teilten, Papier zu sein und dritte Expedition zurückgekehrt, die die Grenzpolizei zur„, endgülPapier zu bleiben. Es blieb schließlich nichts anderes übrig, als tigen" Befreiung der Sklaven ausgeschickt hatte, und ihr Führer, durch eine Strafexpedition die Sklavenhalter zu Räson zu bringen. J. T. Barmard, versichert, daß es nur noch freie" Birmaneser Die erste Expedition verlief ohne besondere Zwischenfälle, aber die gebe. Das klingt um so tröstlicher, als die Sache 400 000 Goldmark zweite, die im Jahre darauf, 1927, abgeschickt wurde, wurde auf gekostet hat, soweit allein die Barentschädigungen für die dem Gebiete des Stammes der Lahpai in einen Hinterhalt gelockt früheren Herren der Sklaven in Frage kommen. Aber Barmard und verlor einen englischen Offizier. Die Zahl der Sklaven betrug gibt selbst zu, daß zahlreiche Stämme sich sehr feindlich und hinterhier fast zehn Prozent der Gesamtbevölkerung, und es ist klar, daß hältig gezeigt hätten, und der Verdacht ist nicht von der Hand zu die Abschaffung der Sklaverei erhebliche Störungen des Wirtschafts-| weisen, daß die Entschädigungssummen in vielen Fällen umsonst gefüges mit sich bringen mußte, mochte es auch noch so primitiv sein. bezahlt worden sind. Birma hat ein paar papierne Defrete mehr, Und mit einer Bevölkerung von 40 000 Menschen soviel waren und im nächsten Jahre wird die Grenzpolizei wohl wieder einen be es in diesem Distrikt ist nicht zu spaßen, wenn sie einmal auf- waffneten Spaziergang in die wilden Bergwälder unternehmen. DER IRRUNG UBER DEN SCHATTEN VON KARL SCHRÖDER- ZEICHNUNGEN VON PAUL THESING 23. Fortsetzung.(Schluß) Als ich abends!m Bett lag, konnte ich nicht einschlafen. Wieder begann eine rastlose Unruhe mich zu quälen. Noch einmal war«s. als wallten die grauen Nebel von unten herauf. Stundenlang grübelte ich in düsterer Betäubung: Konnte wirklich«in Studierter und ein Kanalarbeiter das gleiche Wahlrecht haben? Aber wie, wenn man warten wollte, bis alle.so weit wäraT? Unsinn; das würde der Nimmermehrstag sein. Ofenbar war das Problem so überhaupt nicht zu lösen. Und schließlich: Ist denn der Arbeiter dummer als du? Ganz und gar nicht. Ungebildeter— das ist möglich, sogar gewiß—, aber darum nicht dummer. Was ist denn dies«„Bildung" überhaupt? Was kann ich? Was weiß ich? Was beherrsche ich wirklich? Bin ich persönlich allen Quellen nachge- gangen? chabe ich überhaupt ernsthast geprüft? Habe ich nicht alles nur so auf Treu und Glauben hingenommen? Lag nicht gerade alles, was ich wirklich gedacht hatte, außerhalb der gehörten, auf- geschnappten und dann mit Hartnäckigkeit verteidigten Lehren und Ideen? Auf einmal aber war alles Grübeln wieder weg. Don neuem kam mit ungestümer Gewalt dieses helle Licht über mich, das wie der Glanz starker Scheinwerfer und auch wieder wie die Sprühsterne geplatzter Raketen das Dunkel ringsum erleuchtete. Auf einmal erkannte ich, daß ich gerade das bisher übersehen hatte, worauf es offenbar ankam. Niemals zuvor hatte ich gefragt nach den Zu» sammenhängen zwischen den Wirklichkeiten und Tatsächlichkeiten meines Lebens und meinen Vorstellungen, Gedanken, Wünschen, Ideen. Wieviel von allen diesen Ideen war angelernt, ousge- schnappt: fremdes Handwerkszeug, das ich bald annahm, bald wieder verwarf: das mir heute nützte und morgen seine Schneide gegen mich richtete? Und nun erst die Fülle aller herrschenden Ideen der Gesellschaft! Wie waren die verwurzelt in dem Boden der„Wirk- lichkeit"? Waren sie nicht eine untrennbare Einheit mit all den horten Kämpfen und Notdürften des täglichen Daseins? Wie ent- stehen Ideen? Wie lange bestehen sie? Warum wandeln sie sich? Wie wandeln sie sich? Warum haben die Ideen von„Gott" und „Ewigkeit" ein anderes Gesicht zu anderen Zeiten? Woher kommen sie überhaupt? Und auf einmal erfaßte ich„von innen heraus", wie es war, und sah, daß wir in eine narrende Zweiheit von Körper und Geist das zerrissen hoben, was nur werdende, sich ständig wandelnde Ein» heit ist: Das Leben der Menschen; das Leben gesellschaftlicher Wesen, die kämpfend der Natur ihren Lebensunterhalt abringen müssen. Gleichzeitig sah ich mich selbst, wie ich gleich Faust das Gebiet der Wissenschaften durchjagte,„Weltanschauungen" schlürfte, sie an mich raffte als Eigentum, als Privateigentum, um dann nach Be- lieben damit zu schalten; gewiß: auch anderen davon abzugeben, ober doch nur aus dem Bewußtsein des errafften Besitzes heraus. Ganz deutlich sah ich, wie auf diesem Boden der„Märtyrer" wuchs, der Mann, der sich ans Kreuz schlagen ließ; aber der Märtyrer aus Selbstsucht, der„Märtyrer" seines Privateigentums. So gewaltsam hatte mich der Rausch dieses Damaskus gepackt, daß ich aufsprang, ohne es zu wissen und ins Freie stürmte. Dann aber kain langsam ein tiefer Frieds über mich. Es gab nur eins: Tätiges Dosein im Dienste des„Wir"; eines„Wir", das endgültig danach strebt«, sich zu lösen vom Privateigentum. Ich weiß es jetzt,— es ist ein schwerer Weg, der Weg von» „Himmel" zurück auf die Erde. Er führt durch die Hölle. Eine Gräberstraße ist es, die du wandein muht. Mit eigenen Händen mußt du sie graben und Stück um Stück des gefährlichen„Ich" deiner Vergangenheit einerden. Aber am Ende der Totenollee grünt neues Leben; und die jungen Maien des„Wir" strecken jubelnd ihre sehnenden Blüten in die Lichtströme neu aufgehender Sonne. Kamerad, Freund, Genosse Towarisch, geh ihn, diesen Weg; dann bist du wahrhost über den Schatten gesprungen... Ein Wort zum Schluß. Die Aufzeichnungen Heinrich Fehlow?— wenigstens soweit sie den geschlossenen Charakter eines Bekenntnisses oder auch einer Art Selbstoerständigung haben— brechen hier ab. Was ihn verhindert hat, sie fortzusetzen— vielleicht rein äußerliche Umstände—, weiß ich nicht. Natürlich ist das sehr zu bedauern, wenn andererseits auch ziemlich klar wird, welchen Weg er weitergegangen ist und die von mir eingangs erzählten Tatsachen eine deutliche Sprache reden. Immerhin bin auch ich heute weiter, als ich im Anfang des Krieges war— damals nach unserem ersten Gefecht in der ostpreußischen Scheune— und auch in den ersten Stürmen der Nachkriegsrevo- lution. So ist mir denn heute— wenn ich an all unsere Gespräche zurückdenke— gewiß, daß auch Heinrich Fehlow, bei aller damaligen Ueberlegenheit über mich, doch selbst noch nicht„am Ende" roar; sondern— wie er selbst sagt— erst am Anfang stand. Auf einem von ihm hinterlassenen Zettel steht ein klares Bekenntnis: „Auch unter den Proletariern von heute gibt es Unternehmer und Händler mit geistigem Eigentum. Ich niuß mich hüten, die Proletarier— womöglich noch gegen ihren Willen— zu glorifizieren. Mach ich auch„sie" schon wieder zu meinem Eigentum? Nicht Götter siird die Proletarier— nein, Menschen unserer Zeit; Menschen auch mit all den Fehlern und Vorzügen einer Klasse, die ein Jahrhundert und mehr in Ketten liegt. Aber doch sind sie die einzig möglichen Pioniere einer gesunden Zukunft." Das letzte„Fegefeuer", durch das Fehlow dann gegangen zu sein scheint, hängt wieder auf das engste zusammen mit seinen Ge- danken über„Privateigentum". Es ist ja das Kernstück, um das dieser Geist in immer neuen Windungen kreiste; und zweifellos— dos ist auch meine Auffassung— ist die tiefste Kenntnis und Er- kenntnis dieses Problems von überagender Bedeutung. Trotz allem wird natürlich mancher Veranlassung haben, hier, das heißt bei Fehlows Darlegungen, vor Uebertreibungen zu warnen. Wir lasten dahingestellt, ob das berechtigt ist. Da Fehlow selbst tot ist, so wollen wir uns begnügen zu bekennen, daß mehr oder weniger jedes Einzelleben— das unruhvoll im Kern ist— um eine besonder« Achse kreist, die auch im längsten Leben durch keine andere ersetzt wird; und auch wohl nicht ersetzt werden kann. Was nun aber dieses letzte Fegefeuer betrifft, so handelt es sich offensichtlich um Erlebnisse Fehiows innerhalb der Arbeiterbewegung, die immer wieder gemacht werden, und aus denen sich eine sehr wichtige Lehre ziehen läßt. Als Fehlow eine klare und natürliche, praktische Haltung in der Arbeiterbewegung gewonnen hate, und als er im vollen Zuge war, alte»„geistges Eigentum" über Bach zu werft» und von unten w 61. kenntnisreichen Mann, den sie sogar um sein Wissen beneideten und jedenfalls von ihm forderten, ihnen davon abzugeben. Sie begriffen nicht— da sie selbst kleinbürgerlich angesteckt waren—, daß Fehlow gerade das von ihnen Gewünschte wegwerfen wollte, wegwerfen mußte, wollte er seinen Weg zu Ende gehen. Es ist leider wahr, daß die Arbeiter allzu leicht ihr Vertrauen dem„Gebildeten" schenken, ja, daß sie ihn in ihrer Verblendung drängen,„Führer" zu sein, ehe sein Geist gereinigt ist und geschwellt von neuem Bewußtsein, wie es nur aus neuem praktischen Leben heraus entbunden werden kann. Es ist leicht mit einzusehen, daß hier eine mächtige Verlockung für den immerhin noch jungen Heinrich Fehlow vorlag. Es ist gut, daß er ihr widerstanden hat. Und hier ist es nun doch eben wieder feine Einsicht in die Gefährlichkeit des„Eigentumdenkens"— wie ich sagen möchte—, die ihn gerettet hat. Gerettet— denn etwas anderes hätte bei dieser Natur doch nur zum Zusammenbruch geführt. Damit bin ich eigentlich am Ende mit dem, was ich noch zu sagen hatte. Aber mir ist doch so, als müßte ich noch ein« Frage beantworten: eine Frage, die vielen Lesern kommen wird, und die auch mich überkam, gleich, als ich die Nachricht vom Tode dieses Mannes erhielt. Und diese Frage, die uns wie«ine plötzliche Lähmung überfallen kann, ist ganz einfach die:„Ist das nicht sinnlos?" Nun, wir olle, oder doch die Mehrzahl von uns, stecken noch so tief im„individualistischen" Denken, oder sogen wir schon: im Eigentumsdenken, daß uns der Tod von Millionen und ober Millionen Menschen auf der ganzen Erde unter Umständen geradezu kühl lassen kann, oder daß wir ihm einen„Sinn" unterschieben: daß uns aber der Tod eines„Angehörigen" oder Freunfces vor die Frage nach der„Sinnlosigkeit" des Daseins treibt. Und umgekehrt verführt uns dies Denken zu einein solchen absurden, in sich wider- spruchsvollen Auffchrci wie jenem während des Krieges:„Ich nicht ein einziges Menschenleben„wertvoller" als die ganze Kathedrale von Reims?" Ich möchte diese Frage nach Sinn oder Sinnlosigkeit nicht persönlich beantworten, aber ich möchte am Schluß ein paar Worte niederschreiben, die ich ebenfalls unter den Zettelauffchriften Fehlows gefunden habe: „Der Einzelmensch wird dos Leben— und das ist sein Leben— überschätzen, oder er wird es als siimlos wegwerfen. Eine Gefell- schaft, die die Menschen zu Massen häuft, aber sie gleichzeitig in Der- einzelung und Einsamkeit treibt, macht Leben zur Sinnlosigkeit. Eine solche Gesellschaft mästen wir unbedingt und um jeden Preis um- stürzen, um an die Quelle wirklichen, sinnvollen Lebens vorzudringen." WAS DER TAG BRINGT. ntinmmimmimnmnnminnnmmnnnniiminminnnnnmnmimHnniininuminmiiumiimmimiinminiimiimimnminimmmmiMminnmiiimuimnnniimminimmnnnm Umgekehrte Entwicklung. Im»Linksrheinischen Anzeiger" konnte man das Folgende lesen: „Am 2. Februar wurde die Witwe Frau Kastel, hier, 98 Jahre alt. Sie ist geistig noch rückständig, aber schon längere Zeit ans Bett gefesselt." Nur Geduld! Wenn die alte Dame noch 2l> Jahre älter ist, wird sie schon geistig voll aus der Höhe sein! Ehesorgen. Der„Kölnischen Zeitung" scheinen die Sorgen um die Kölner Gasversorgung den Verstand getrübt zu haben. Einen Bericht über die Gasversorgung zieren die folgenden Sätze: „Die Kölner Gasversorgung. Wie steht's um die Ehe Frankfurt-Köln? Von unserem Redaktionsmitglied. — Frankfurt drückt auf Köln. Diese Ehe Frankfurt-Köln scheint sich unter häßlichen Begleit- erscheinungen abzuwickeln. Eine frühreite Begabung. Mein kleiner Freund Fritz, der echter Berliner geworden ist, trotzdem er noch immer sächselt, erzählt mir, daß seine Tante aus Gatterstedt zu Besuch gekommen sei:„Mitgebracht hat se mir auch was..."—„So..."— ,La,'ne Kinderzahnpflege— willst'se mal sehen?"— Er holt ein Kästchen mit kleiner Zahnbürste, Tube und Glas:„Kost' ne Mark fufzig."—„Es steht doch aber 1,70 drauf." Darauf er:„Na, um die paar Graschen woll'n wir uns mal nich haben. Un denn ham se's ja auch im Geschäfte." Schade, daß man den Ton der Geringschätzung, der in diesen Worten lag, nicht der Nachwelt überliesern kann. Sofie. Der Nachiass des Bettlers. Bisweilen stirbt ein Bettler, der keiner ist. Im Sparstrumpf oder in der Zigarrenkiste, im Ofenloch oder— aber seltener— auf der Bank hat der teure Devblichene eine Summe, die zu einem be- haglichen Leben reichte— wenn es sich eben nicht um einen Sander» ling handelte, der zu verhungern fiirchtete, wenn er sein Geld an« griffe, oder der, so seltsam es klingt, Angst hätte, beraubt zu werden, wenn sein Reichtum an den Tag käme, und dann in Wirklichkeit so arm zu sein, wie er vorzugeben für nötig hält. Das sind also die Bettler, die wissen, daß sie keine sind. Sehr oft sterben Bettler, die wirklich welche sind. Jetzt ist in London einer gestorben, de? keiner war, ohne daß er es wußte. Nach dem Kriege tauchte er in Whitechapel auf, in dem Stadtteil, in dem wahrhaftig keine feinen Leute wohnen. Er war Ende dreißig. Trotz seiner Jugend ein komischer Kautz, hatte eine tiefe Narbe am Kopf und sagte, er sei im Kriege verwundet worden. Das konnte frimmen. Er be- hauptete ferner, er hieße anders, als in seinen Papieren stände, aber wie er eigentlich heiße, das wisse er nicht mehr. Eines Tages hatte er auch keine Papiere mehr. Bielleicht hatte er sie verimen, viel- leicht waren sie ihm gestohlen worden, denn er schlief meist«ms Neubauten, hatte kein« Bleibe, lebte vom Bettel und wahrscheinlich vom Gelegenheitsdiebstahl. Immer wieder pflegte er zu erzählen, er sei im Grunde reich, l)abe Geld auf der Bank, nur wisse er nicht wo. Man lachte darüber, hänselte ihn. Er blieb bei seinem Märchen. Run ist er tot, und kurz danach brachte einer der niederträchtigen Kifälle, die dos menschliche Leben zur tvogffchea Farce machen, de». Epilog: der Mann hotte in der Tat seckyigtausend Pfund auf der Bank. Er hatte sein Konto unter seinem vergessenen Namen, die Summe wuchs und wuchs, ihr Besitzer, der Mann ohne Vergangen- heit, vegetierte im tiefsten Sumpf des Elends, bis er darin erstickte. Dann mochte das Schicksal eine winzige Fingerbewegung, ein Neffe und ein Anwalt traten auf den Plan, und jetzt hoben die sechzig- taufend Pfund wieder ihren Besitzer, einen Besitzer, der hoffentlich nicht dos Pech hat, einmal am Kopfe verwundet zu werden. Ge- nauer: dos Geld hat jetzt zwei Besitzer. Der Reff« will mit dem Rest, den ihm der Anwalt gelassen hat, ein eigenes Geschäft auf« machen— falls es dazu reicht..., Die alles und die nichts haben. In England gibt es S62 Menschen, die man zu den Millionären zählen darf. Von diesen S62 hoben 138 Einkommen von jährlich 100 000 Pfund Sterling oder mehr im Jahre, also über 2 Millionen Mark! Es gibt immerhin noch 22 000 Einwohner in Großbritannien, die jährlich zwischen 2000 und 2300 Pfund Sterling oerdienen, also noch recht wohlhabend sind. Hingegen verzeichnet die Statistik 1578071 Personen, die im vergangenen Jahre aus Wohlfahrtsein- richtungen Unterstützungen bezogen habenl Wo ist Dr. Dahlke? Das Buddhistische Haus in Berlin-Frohnau ist verwaist. Dr. Dahlke, der Führer der deutschen Buddhisten ist nach Angabe seiner Jünger gestorben. Doch kein Außenstehender weiß, wann und wo der eigenartige Prophet gestorben ist. Seine Jünger geben nicht einmal über die Stätte, wo der Führer begraben Hegt, Ansianjt, 35 Jahre Arbeiter- Turn- u. Sportbund 1893-1928. Die Entwicklung des deutschen Turnens ist in mehrfacher Hin-| ficht interessant, weil sie einen Einblick in die politischen Zeitstrōmungen gibt. Anfangs des vorigen Jahrhunderts propagierte Jahn mit seinen Turnern den ,, Einheitsstaat". Da das den vielen Potentaten nicht gefiel, mußte Jahn für 6 Jahre auf Festung, für die Folge blieb er unter Polizeiaufsicht. 1819 murde verordnet ,,, daß es Sr. Majestät ernstlicher Wille wäre, daß das Turnwesen ganz lich aufhöre". So blieb es einige Jahrzehnte, bis 1842 eine neue Kabinettsordre herausfam,„ daß die Leibesübungen als ein notwendiger und unentbehrlicher Bestandteil der männlichen Erziehung anerkannt werden müssen". T Als das Sozialistengeseg die deutsche Arbeiterschaft in Fesseln schlug, ging die Deutsche Turnerschaft vollends zur Reaktion HA Die Bundesschule. über. Der Vorsitzende Dr. Goetz wandte sich gegen die Ver fürzung der Arbeitszeit und all die gebratenen Tauben, auf die die Faulen mit offenem Munde warteten". Dafür wurde fleißig die Pflege vaterländischer Gesinnung" propagiert. Eine neue Epoche bahnte sich nach dem Fall des Sozialisten gefeges an. 1892 fand die erste Zusammenkunft von„ freien Turnern" in der Stadt Brandenburg statt. Am 21. und 22. Mai 1893, vor nunmehr 35 Jahren, wurde in Gera die Gründung des Arbeiter Turnerbundes Deutschlands beschlossen mit 1600 Mitgliedern. Hier wurde auch gleichzeitig die Herausgabe der Arbeiter- Turnzeitung" beschlossen, die demnach gleichfalls auf ein 35jähriges Bestehen zurückblicken fann. 1905 hatte der Bund bereits über 80 000 Angehörige. In dieser Zeit setzte der Kampf der preußischen Behörden gegen das Jugend- und Kinderturnen ein; es war das zweite Sozialistengeset", das ebenso wie das erste mit einer Niederlage der Reaktion endete. 1910 maren bereits 154 000, 1914 rund 200 000 Bundesangehörige vorhanden. In der Nachkriegszeit sind die Sparten der Leichtathleten, Turnspieler, Schwimmer, Ruderer und Fußballspieler in den Sportbetrieb aufgenommen worden und haben sich zu hoher Blüte entwickelt. In Leipzig, dem Siz des Bundes, wurde das„ Bundeshaus" mit Turnhalle, Sportplatz und Bundesschule errichtet. zu halten, dann war es geschehen. Nach glänzendem Zuspiel fandte Urdinaran zum zweiten Male unhaltbar ein, der Jußball- Weltmeister von Paris 1924 hatte damit seinen vorerst schwersten Gegner niedergerungen. Die erste Runde des Olympiaturniers ist beendet. Ausgeschieden find Chile, Frankreich, Holland, Jugoslawien, Luxemburg, Merito, Nordamerika, die Schweiz und die Türkei. Für die Entschei dungstämpfe bleiben noch die Mannschaften von Aegypten, Argentinien, Belgien, Deutschland, Italien, Portugal, Spanien und Uruguaŋ. Deutschland hat bei der Auslosung für die zweite Runde das Los mit dem Hollandbezwinger Uruguay gezogen. Der große Kampf steigt Sonntag, 3. Juni, um 16 Uhr im Olympischen Stadion. Schluß bei ,, Rot- Weiß". v. Kehrling und Miß Ryan Einzelsieger. Am Schlußtage des Berliner Rot- Weiß" Tennistur. niers war das Interesse des Publikums wesentlich abgeflaut, obAllfonntäglich kommen große Scharen von Bundesmitgliedern, um wohl am Nachmittag eine so wichtige Konkurrenz wie das Herrendie mustergültigen Einrichtungen zu besichtigen. Nach den Verfolgungen in der Borkriegszeit ist es erklärlich, daß die Arbeitersportler die junge deutsche Republik freudig begrüßt haben. Die Mitgliederzahl ging bis auf 700 000 in die Höhe, so daß der vorhandene Funktionärapparat faum ausreichte. Seit Jahren werden dauernd Lehrkurse abgehalten, die vom Bund finanziert werden. Die Arbeitersportler müssen sich aber auch dessen bewußt sein, daß diese junge Republit noch fester Stütze bedarf. Der in großen Verbänden organisierte Arbeiter sport ist zu einem Machtfaftor geworden, der gemeinsam mit der Sozialdemokratie und den freien Gemertschaften den Fels bilden muß, auf dem die deutsche Republik ruht. Aus fleinem Anfang ist ein großes Wert entstanden. Größer soll es noch werden zum Wohle der deutschen Arbeiterschaft. Die sporttreibende Jugend soll den Begriff der Solidarität erfassen, Arbeitersportler gliedern sich ein in die große sozialistische Front der Werktäfigen! Jungen und Mädel sollen über den eigentlichen Sportbetrieb hinaus zu Kämpfern für die sozialistischen Ideale merden. In diesem Sinne begrüßen wir den Arbeiter- Turn- und Sportbund zu seinem 35jährigen Bestehen und wünschen ihm weitere gute Entwicklung! Fußball in Amsterdam. Uruguay- Holland 2: 0= Jetzt UruguayDeutschland. Seit Tagen war in Amsterdam von nichts anderem die Rede als dem großen Fußballmatch Holland- Uruguay, das allgemein als Vorentscheidung des Olympischen Turniers betrachtet wurde. Gleich nach Bekanntwerden der Auslosung von Holland mit Uruguan sette ein Sturm auf die Kassen ein und im Nu waren alle verfügbaren Pläge im Stadion vergriffen. Selbst für teures Geld war kein Billett mehr zu haben. Lange vor Beginn des großen Kampfes, der auf 7 Uhr festgesetzt war, jaßen die 40 000 Menschen, die im Stadion Unterkunft fanden. auf ihren Plätzen, draußen aber harrten Tausende und aber Tausende der Dinge, die sich auf dem grünen Rasen abspielen sollten. Biele Zuschauer hatten sich mit Lärminstrumenten versehen und machten einen Höllenspektakel, wenn es galt, ihre Mannschaft anzufeuern. Die Holländer gingen sofort zum Angriff über und machten dadurch ihren Gegner etwas stubig. Uruguays Läufer Andrade fand sich noch gar nicht zurecht und verschuldete schon nach fünf Minuten nicht weniger als drei Eden für Holland, die aber nichts einbrachten. Die Südamerikaner fanden sich dann bald und kombinierten mit allen Finessen, jeder Spieler war ein Meister auf dem Feld. Die Angriffe Uruguays steigerten sich ständig und führten schließlich in der 16. Minute zum ersten Tor. Halbzeit 1: 0 für Uruguay. Nach dem Seitenwechsel hielt der Kampf mit unverminderter Schärfe an. Bis zur 39. Minute vermochten die Einheimischen den Stand von 1: 0 | Einzelspiel zu Ende geführt wurde. Die Entscheidung im DamenDoppelspiel mar bereits am Vormittag gefallen. Die Favoriten Friedleben Ryan siegten in der Vorschlußrunde über Partridge- Mieth mit phantastischer Ueberlegenheit 6: 1, 6: 0 und im Endspiel über Ledig- Schomburgf 6: 0, 6: 2. Im Finale des Damen- Einzelspiels um die Meisterschaft von Berlin ging Schomburgt- Leipzig mit der taktisch richtigen. Einstellung vor, Ryan durch placierte Langlinien- und Querbälle zu ermüden. Durch wirkungsvolles Kurz- Langspiel lockte sie ferner die Kalifornierin mehrfach ans Neß, um durch Baffierschläge oder Ueberlobben wertvolle Punkte zu gewinnen. Diese Taktik gelang der Leipzigerin allerdings nur im Rahmen ihres technischen Könnens. Frau Schomburgt gewann das erste Spiel und verlor nach 2: 2 den ersten Say 3: 6. Im zweiten Sag lag sie bereits 3: 1 in Führung, dann jetzte sich das harte Spiel der robusten Amerikanerin gegen die sichtlich ermüdende Deutsche durch; mit dem gleichen Resultat 6: 3 stellt Miß Ryan ihren Sieg sicher. Im Herren Einzelspiel feierte der Ungar v. Kehrling zunächst einen leichten Sieg mit 6: 2, 6: 2 über den Engländer Hughes und dann stieg das Schlußspiel zwischen v. Kehrling und Prenn, das der Ungar mit 6: 3, 7: 5, 4: 6, 6: 2 gemann. Im ersten Sazz stand der Kampf 3: 3, dann sicherte sich v. Kehrling durch variiertes und äußerst schnelles Spiel den Satz 6: 3. Im zweiten Satz führte Brenn bereits mit 5: 3 und hatte die große Chance, den Satz zu gewinnen. Er beging aber den taktischen Fehler, nicht an das Netz zu gehen. So holte der raffige Ungar auf und gewann auch diesen Sah. Den dritten Satz gab der ermüdete v. Kehrling 4: 6 ab, nach der Bause war er aber wieder vollkommen frisch und schlug Brenn nach taktisch und technisch überlegenem Spiele ziemlich leicht. Damit setzte sich v. Kehrling in den Besitz des Wanderpreises, den er bereits 1923, 1924 und 1926 gewonnen hatte. Vorschau auf Hoppegarten. Die ersten Zweijährigenrennen lenten am Freitag die Aufmerksamkeit auf sich. Im Versuchsrennen der Stuten sowohl wie in dem der Hengste greifen die großen Ställe mit einigen Youngsters ein, die in der Arbeit schon ziemlich weit vorgeschritten sind. Vor allem ist dies bei den Vertretern der Ställe Weinberg, Altefeld und Oppenheim der Fall. Die wertvollste Nummer des Programms ift allerdings das Gradiz- Rennen über 2200 Meter, das Ausbund, Im pressionist und Patrizier unter sich ausmachen sollten. Voraus fagen: 1. Ingraban Pergola; 2. Bostenkette Frankonia; 3. Ausnahme Dominica; 4. Ausbund Impressionist; 5. Mark Metrodorus; 6. Wanderlust Gestüt Mydlinghoven; 7. Beluga- Assuan. graf Im Union- Rennen, das am tommenden Sonntag in Hoppegarten zur Entscheidung gelangt, soll nach bisherigen Dispositionen der Ställe folgendes Feld zum Kampf um die 40 500 Mark an den 2200- meter- Start gehen: Farinelli( D. Schmidt), Audar( X), Narciß( M. Schmidt), Normane( Brezner), Askari ( G. Janet), Metfart( Huguenin), Gawan( Barga), Lupus( Haynes) und Farn( Grabsch). Stettiner Fleisch Dachdeckungs- Geschäft [ G. 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Wie in den Urteilsgründen gesagt wird, hat das Gericht durch Zeugenvernehmungen festgestellt, daß die Lehrlingsausbildung" bei J. E. Degner im großen und ganzen so vor sich geht: Im ersten Lehrjahr hat der Lehrling in der Hauptsache das Musterlager in Ordnung zu halten, die Fächer aus= 3ufegen, bei Transportierung der Ware in den Räumen behilflich zu sein und Botengänge zu machen, d. h. ein- bis zweimal täglich zur Post zu gehen. Im zweiten und dritten Lehrjahr kommt der Lehrling in die verschiedensten Abteilungen der Firma. Er lernt das Auszeichnen der Waren, arbeitet auch zum Teil im Bureau, wo er Die für Freitag, den 1. Juni, angefegte Sigung der Mittleren Orfsverwaltung fällt aus. Die Ortsverwaltung. Theater, Lichtspiele usw. Donnstg.. 31.5.28 Donnstg., 31.5.28 Staats- Oper Unter d. Linden Ab.-V. 27. Anf.1912( 72) U. Städtische Oper Bismarckstr. Turnus IV Anf. 182( 62) U. Troubadour Lohengrin Staats- Oper Am Pl.d. Republ. Res.-S. 93. Anf. 192( 72) U. Staatl. Schauspielh. Am Gendarmenmarkt Ab.-V. 109 Anf. 20( 8) U. Freischütz Die Weber Staatl. Schiller- Theater, Charltbg. 20( 8) Uhr: PEER GYNT heater am Bülowplatz| Th. am Schiffbauerdamm 814 Uhr & Uhr: Ropierbücher registriert und Rechnungen ab Volksbühne schreibt. An die Buchhaltung heranzukommen haben die Lehrlinge feine Gelegenheit, weil hierzu besondere Angestellte da sind. Nur wenn die Lehrlinge im Musterzimmer sind oder in den Läden beschäftigt werden, lernen sie, die Kunden zu expedieren. Der Kläger selbst war in den letzten drei Monaten im Bureau und hat die Rechnungskontrolle für Berlin geführt, d. h. eine rein schematische, vergleichende Deutsches Theater Kleines Theater Tätigteit ausgeübt." Weiter heißt es in den Urteilsgründen: ,, Diese Ausbildung von Lehrlingen mag vor 30 Jahren üblich und ausreichend gewesen sein. In der heutigen Zeit kann sie, vor allem angesichts der ungeheuren Konkurrenz der Arbeitnehmer, nicht mehr als ausreichend bezeichnet werden... Daß ein kaufmännischer Lehrling selbst im dritten Jahr seiner Aus bildung noch mit teiner nennenswerten tauf= männischen Tätigkeit vertraut gemacht worden ist, weber einen Wechsel tennt, noch Einblid in die Buchführung erhalten hat, muß als mangelhafte Ausbildung angesehen werden. Die Kritik des Klägers war daher vollauf berechtigt." Hoffentlich gelingt es dem jungen Manne, sich in einer neuen Lehrstelle genügende kaufmännische Kenntnisse zu erwerben, nachdem er bei J. E. Degner in untergeordneten Handlangerdiensten ,, ausgebildet" worden ist. Urabstimmung der Holzarbeiter. Ueber die Einführung der Invalidenunterstützung. In der Zeit vom 15. bis 28. Juli sollen die Mitglieder des deutschen Holzarbeiterverbandes sich durch Urabstimmung für oder gegen die Einführung der Invalidenunterstügung auf Grund eines vorliegenden Entwurfs entscheiden. Die Holzarbeiter- 3eitung" weist darauf hin, daß in Kürze in 14 Verbänden mit rund 2 850 000 Mitgliedern, das sind zwei Drittel aller Mitglieder des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, die Invalidenunterstützung durchgeführt sein wird, die der Buchdruckerverband längst eingeführt hat. Die allgemeine Einführung der Invalidenunterstützung in den Gewerkschaften wird tatsächlich immer dringlicher. Die staatliche Unterstützung reicht samt der Sozialrentnerunterstützung zum Lebensunterhalt bei weitem nicht aus. Bis fie soweit ausgebaut ist, daß fich vor dem langsamen aber sicheren Berhungern schüßt, wird noch geraume Zeit vergehen. Der heutige Industriearbeiter muß seine Kräfte vorzeitig aufreiben. Scheidet er aus dem Produktionsprozeß als Invalide aus, dann nüßt ihm auch seine vorherige Mitgliedschaft in der Organisation nichts mehr, solange die Gewerkschaften keine Einrichtungen haben, ihm einen nennenswerten Zuschuß zu seiner Rente bieten zu können. Die Holzarbeiter- Zeitung" empfiehlt daher den Verbandsmitgliedern mit Recht, für die Einführung der Invaliden unterstügung in ihrem Verbande zu stimmen. Was ihr wollt Der ZigarettenNorden 12310 8 Uhr, Ende nach 10 kasten Täglich 84 Uhr: Rosa Valetti, Eugen Rex in Die Pygmalion von Bernard Shaw dtsch. v. Sienfr. Trebitsch Großschnauze Kammerspiele Planetarium am Zoo Norden 12310 U., Ende nach 11 Zum 136. Mar Finden Sie, daß Constance sich richtig verhält? Verläng. Joachimsthaler Straße Noll. 1578 162 und 1912 Uhr: Der Sternhimmel der Heimat 18 und 21 Uhr: Im Reiche der Die Komödie Mitternachtssonne Bismarck 2414/751 8 Uhr Es liegt in der Luft Revue von Schiffer. Musik v. Spoliansky Eintritt 1 M. finder unt. 15 Jahren 0.50 M. Saltenburg- Bühnen Dts. Künstler- Th. 81 Uhr Berliner Theater Verbrechen Charlottenstr.90/ 91. Denh.170 81, U. Ende geg. 11 ( ,, Crime") Gastspiel d. Deutschen Th Lessing- Theater Der Prozeß Mary Dugan Th. Königgrätz. St. Bergm. 2110 Täglich 7 Uhr Leinen aus parnowsky- Bühnen Irland Komödienhaus Norden 6304. Tägl. 8, Uhr: Broadway Norden 12798 Sommerspielzeit Künstlerische Leitung Emil Lind Täglich 8 Uhr ,, Nr. 17" v. Jefferson Farjeon Regie: Hans Lotz Lustspielhaus Jir. Dr. Martin Zickel 8 Uhr: juido Thielscher in „ Unter Geschäftsaufsicht" Piscatorbühne Rose- Theater Gr. Frankf. Str. 132 84 Uhr: Theater am Nollendorfplatz Kurfürst 2091/93 Das Paradies d. Ehe Heute letzte Vorstellung! Gartenbühne: 1/26 Uhr nachm.. Malborough zieht Konzert und bunter Teil. in den Krieg! 84 Uhr: Ab Morgen Der fidele Bauer Sommerspielzeit. Künstlerische Leitg. Emil Lind 7 Premiere 7 Der Feldherrnhügel Berliner Prater Theater des Westens Kastanienallee 7/9. Steinpl. 931 8, Uhr Max Adalbert „ Das Ekel" Heute grosser Volkstag Polnische Wirtschaft" Mus. v. Jean Gilbert Außerdem: Grosse Varieté. Tanz. Kaffeekochen. Auf allen Plätzen Preußen schenkt ein Schloß an Holland. In unserer Mittwochnummer brachten wir das Bild eines Schlosses, das die preußische Regierung der holländischen in Anerkennung ihrer Berdienste um die deutsche Kinderfürsorge zum Geschent gemacht hat. Es soll darin ein Kinderheim untergebracht werden. Dazu schreibt uns aber ein gebürtiger Dietzer: Das Bild stellt in Wirklichkeit das bei Dietz a. d. Lahn gelegene Thalia- Theater Schloß Oranienstein dar. Es ist etwa 20 bis 25 Minuten Dresdener Str. 72-73 50 Pfg. außer Loge. von Dieg entfernt. Es hat nie als Zuchthaus gedient, sondern beTäglich 8 Uhr herbergte bis zum Kriege eine Kadettenanstalt. Es gibt in Diez nody Dyckerpotts Erben ein anderes Schloß und dieses dient heute noch als Strafanstalt. Dieses Schloß liegt hoch über der Lahn auf einem steilen Felsen, der CASINO- THEATER 8 Uhr fich mitten in der Stadt erhebt. Es ist das alte Stammschloß der Grafen von Nassau- Dieß von denen die Könige von Holland abstammen. Aber auch das Schloß Oranienstein gehörte ursprünglich einmal dem Hause Nassau- Diez. Oranienstein würde in der Tat ein ideales Kindererholungsheim darstellen. Dagegen wäre das alte Buchthaus dazu gar nicht geeignet. noch Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend.( Nachdr. verb.) Wechselnd, meist start bewölkt, ohne erhebliche Niederschläge. Etwas fühler, bei nördlichen Winden. Für Deutschland: In Norddeutschland ziemlich fühl und bewölkt, im Nordosten leichte Niederschläge. Auch im Südwesten und Süden Abkühlung, vielfach von Gewittern begleitet. Groß- Berliner Parteinachrichten. 20. Bezirk( ausschließlich Reinidendorf- Dst.) Die sozialistische Elternschaft der 9. weltlichen Schule Reinickendorf- West wird hiermit zu einer Besprechung heute, Donnerstag, 20 Uhr, im Boltshaus Reinickendorf- West, Scharnweberstraße, herzlichst eingeladen. In Anbetracht der bevorstehenden Elternbeiratswahlen ist das Erscheinen der Elternschaft unbedingt erforderlich. Berantwortlich für die Redaktion: Eugen Prager, Berlin: Anzeigen: Th. Glode. Berlin. Berlag: Borwärts Berlag G. m. b. S.. Berlin. Drud: Borwärts Buch bruderei und Berlagsanstalt Baul Ginger& Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Sierzu 1 Beilage. Lothringer Str. 37. Müllers Prinzesschen. Ausschneiden! Gutschein 1-4 Pers. Renaissance Theater Uhr: Krankheit der Jugend Elife- Sänger Fauteuil nur 1,10 M.. Sessel 1,60 M. Steinplatz 901. Theater am Kottbusser Tor. Mpl. 160 77. Täglich 8 Uhr: Das grosse Sensations- Programm Versäumen Sie es nicht! Reichshallen- Theater Stettiner Sänger Zum Schluß: Stuckes Pfingstfahrt Purleske von Mevsel. Anfang 8 Uhr. Donhott- Brett'i: ( Saal u. Garten). Varieté, Tanz. Kapelle Wilhelm Frenkel Freude am Einkauf durch elegante, gediegene und billige Kleidung! Blindes M Vertrauen Dönnen Sie zu мив давни! Chitalität u. Daroubritung sind Plaffig. Paßform verbürgt aut. Fragen Sie Ihre Femundeg die unseen Kleidung Anagnu! 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