BERLIN Sonnabend 2. Juni 1928 10 Pf. Der Abend™ Erfcheint täglich außer Sonntags. Zugleich Abendausgabe des„ Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Erpedition: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Spätausgabe des„ Vorwärts " 127 45. Jahrgang. Anzeigenpreis: Die einfpaltige Nonpareillegeile 80 Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Postschecktonte: Vorwärts- Verlag G. m. b. Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Donboff 292 bis 297 Wieder Grippe in Berlin? Ursache: Das wechselnde Wetter. In den lehten Tagen häufen sich in Berlin de Meldungen, daß ganze Familien an Grippe Der Kulturskandal Der Kulturskandal der Todesstrafe. zu Bett liegen. In einzelnen Stadtbezirken, besonders im Westen, sind die Erkrankungserscheinungen so häufig, daß Geschäfte, die sonst sechs bis acht Personen beschäftigen, sich mit ein bis zwei Verkäufern behelfen müffen, die anderen find frank geschrieben. Einzelne Theater, wie z. B. die Staatsoper, mußten Umstellungen in der Rollenbejehung und im Spielplan vornehmen. Die von uns befragten medizinischen Stellen führen die Häufigfeit der Grippeertranfungen auf das abnorme Wetter zurück. Der schnelle Umschlag von falt auf warm und umgekehrt, der sich besonders in den letzten Tagen zeigte, hat zu einer starken Vermehrung der Erkrankungen geführt. Im allgemeinen gilt freilich der Monat Februar für Erkältungen als besonders fritisch, während in den Sommermonaten, pon Juni bis August, nur ein Minimum pon derart gelagerten Krankheitsfällen zu verzeichnen ist. Uebereinftimmend wird uns mitgeteilt, daß gerade in den letzten Tagen die Zahl der Grippetranten gestiegen ist. Von einer Epidemie fann freilich zurzeit noch nicht gesprochen werden. Die Gesundheitsämter in den Bezirken halten sich dauernd auf dem laufenden. Wie man uns mitteilt, find die Berliner Krankenhäuser zur Zeit ziemlich start befeßt. Man zählt annähernd 12 000 Patienten. Allgemein ist aufgefallen, daß die Zahl der an Erkältungen und Halsentzündungen Leidenden besonders hoch ift. Das Hauptgesundheitsamt ist gleichfalls der Ansicht, daß die Schuld auf das wechselnde Better zurüdzuführen ist. Heute Regen, morgen Sonnenschein, das ift für die physische Verfassung des Körpers eines Großstadtmenschen schymer tragbar. Im Vergleich zu früheren Jahren ist die Zahl der Erkrankten in diesem Monat deshalb besonders hoch. Es sei aber ausdrücklich betont, daß im Augenblid zu Befürchtungen fein Anlaß Dorliegt. Zumeist handelt es sich um leichte Fälle und um Patienten, die sich durch ihren Beruf nicht genügend vor den Gefahren der Witterung schützen fönnen. Die gewohnten Begleiterscheinungen der Krankheit hohe Temperatur, Neigung zum Erbrechen, Ermattung und Betlemmungen auf dem Magen und auf der Brust geben feinen Anlaß zu besonderer Besorgnis. Erkrankungen ernsterer Natur sind bisher nicht festgestellt worden. Bei den Ortstrantenfassen sind nach den letzten uns vorliegenden Ziffern 27 000 Mitglieder trant gemeldet, d. h. gemessen an der Mitgliederzahl, etwa 5% Proz. Diese Ziffer ist über das ganze Jahr 1928 gleichmäßig geblieben. Auch weiterhin ist die Erkältungsepidemie Gegenstand besonderer Aufmerksamkeit der Gesundheitsbehörden. Es sei erwähnt, daß an den Litfaßsäulen ein Anschlag der Staatsoper am Platz der Republik angebracht ist, auf dem zu lesen steht: Wegen mehrfacher Erkrankungen wird an Stelle der, Luisa Miller" der Freischüß" aufgeführt. In den städtischen Schulen sind verschiedene Fälle von Diphtherie zu verzeichnen. Hier ist die Kontrolle im Augenblick besonders fchwierig, weil ja die Schulen zurzeit wegen der Pfingstferien ge= schloffen sind. Aber auch hier sind Fälle, die zu besonderer Besorgnis Veranlaffung geben, bisher nicht bekannt geworden. Man darf annehmen, daß beim Vorschreiten der sommerlichen Witterung die Krankheitsziffern sehr bald zurückgehen werden. Serbenfeindschaft in Venedig. Studentendemonstration gegen serbischen Dampfer. Benedig, 2. Juni. Bei der Ankunft des füdslawischen Dampfers Cosovo", der den regelmäßigen Berkehr zwischen Dalmatien und Venedig versieht, kam es troß des umfassenden Sicherheitsdienstes zu stürmischen Kundgebungen. Der Zugang zum Hafen war durch Infanterie, Miliz und Zollwachen abgesperrt. 200 Studenten drangen jedoch auf einem Umwege durch eine Fabrik in den Hafen ein. Sie trugen eine dalmatinische Fahne mit sich und versuchten an Bord des Dampfers zu gelangen, was ihnen jedoch wegen der scharfen Bewachung des Schiffes durch Truppen nicht gelang. Auf Anordnung der Behörden mußte der Dampfer schließlich in einer gewissen Entfer nung vom Ufer Anfer werfen. Die Studenten bestiegen dann ein kleines Dampfboot, um zu dem Dampfer zu gelangen, aber auch dieser Plan wurde durch Zollkutter und Polizisten vereitelt. Später veranstalteten die Studenten eine Protesttundgebung auf dem Martusplay. Wir haben eine Reihe von Artikeln veröffentlicht, in denen der Kultursfandal der Todesstrafe behandelt wurde. Daß auch heute noch in..zivilifierten Ländern mittelalterliche Zustände herrschen, zeigt unser Bild: Bor dem Gefängnis in Pentonville( England) wartete vor einigen Tagen eine riefige Menge auf den Schlag der Glode, die ihr ankündigte, daß ein Todeskandidat gehängt worden sei. Am Justizmord vorbei! Der Fall des Maurers Leister in Eisenach. Am Justizmord vorbei. Bom 4. bis zum 6. Juni findet vor dem Landgericht in Eisenach die Wiederaufnahmeverhandlung in Sachen des Maurers Johann Ceifter statt. Das Landgericht in Eisenach hatte ihn im März zum Tode verurteilt. Auf dem Gnadenwege ift dieje Strafe in lebenslängliches Zuchthaus umgewandelt worden. Der glüdliche Zufall fügte es, daß ein Juftizirrtum nicht zu einem Juffizmord wurde. Ein Zivilgerichtsverfahren war es, dem es zu verdanken ist, daß es überhaupt zu einem Wiederaufnahmeverfahren kommen wird, dessen Endergebnis bereits in diesem Augenblick nicht zweifelhaft sein fann: es wird zu einem Freispruch führen. In aller Kürze der Sachverhalt: Am 30. August 1922 wurde der Maurer Johann Leifter, der mit Bruder, Frau und drei Kindern ein Häuschen in Bremen, einem Dorfe in der Rhön, wohnte, von Schreien seiner Frau aus dem Schlaf gewedt. Als er die Treppe hinunterstürmte, um nach der Ursache ihres Schreiens zu schauen, sah er, wie ein Mann zum Hause hinaussprang. Auch einen zweiten Mann glaubte er davonlaufen zu sehen. Er versuchte, die beiden einzuholen, gab aber sein Vorhaben als zwedlos auf, fehrte zum Hause zurück und fand hier seine Frau blutend in ihrem Bette liegen. Auch fein Bruder, den er schon früher gemedt hatte, befand sich bereits am Bette feiner Frau.. Kurz darauf starb sie. Die Bernehmung der Hausbewohner und der Nachbarn führte zur Berhaftung Leifters. Die Hauptbelastungsmomente gegen ihn waren erstens, daß die Nachbarn nur Leister selbst aus dem Hause hatten laufen sehen, ferner, daß er mit einer Frau 2. Beziehungen unterhalten hatte, und man annehmen konnte, daß cr fich feiner Frau habe entledigen wollen, um diese zu heiraten. Troß diefer Belastungsmomente beantragte der Staatsanwalt, ihn außer Berfolgung zu feßen. Die Straffammer erklärte sich damit nicht einverstanden, sondern eröffnete gegen Leister das Hauptverfahren wegen Mordes. In der Hauptverhandlung wurden in der Hauptsache zwei Me mente gegen ihn verhängnisvoll. Es ergab sich, daß er in dem Scheidungsprozeß der Eheleute Lindner unter seinem Eide den Geschlechtsverkehr mit der Frau Lindner geleugnet hatte, während diese in der Verhandlung gegen Leister den Geschlechtsverkehr zugab und zweitens, daß er in Wirklichkeit eine Armee pistole besessen hatte, während er den Befig einer Baffe beftritten hatte. Nun schienen dem Gericht auch seine übrigen Angaben unglaubwürdig. Es kam zu einem Schuldig und Johann Leister wurde zum Tode verurteilt. In der Urteilsbegründung wurde sowohl die besondere Unmenschlichkeit und die furchtbare Roheit der Gesinnung unterstrichen, die noch dadurch erhöht werde, daß die Tat in Gegenwart des achtjährigen Töchterleins geschehen konnte, die mit der Mutter in einem 3immer schlief, als auch der Umstand, daß er feine Spur von Scham und Reue gezeigt habe. Dieses Urteil wurde von drei Berufsrichtern gefät. die auf Grund der Emmingerischen Sparverordnung an Stelle des alten Schwurgerichts getreten waren Das neue ,, Schwurgericht" aus drei Berufsrichtern und sechs Laien begann erst im April 1924 feine Tätigkeit. Sowohl Revision als Wiederauf nahmeantrag blieben erfolglos., Das einzige, was erreicht werden fonnte, war die Begnadigung zu lebenslänglichem Zucht. haus. Ganz unerwartet tam aber den Bemühungen der Berteidigung, ein Wiederaufnahmeverfahren herbeizuführen, die Erbunmur. digteitstlage, die die minderjährigen Rinder gegen ihren Vater im Streite wegen des Erbteils der Mutter angestrengt hatten: wer den Erblasser vorsätzlich tötet, kann ihn nicht beerben. Dar aber Leister der Mörder seiner Ehefrau? Das Landgericht hatte im März 19Z4 dies« Frage mit einem klaren Ja beantwortet. Leister leugnete ober nach wie vor, die Tat be- gangen zu haben. So oersuchte er durch seinen Verteidiger vor dem Zivilgericht den Beweis seiner Unschuld zu führen. Der Versuch mißlang, seine Klage wurde abgewiesen. Gegen dieses Urteil wurde vor dem Oberlandesgericht Jena Berufung eingelegt. Der Zufall wollte es, daß der Vor- sitzende des Senats ein Mann war, der mit einer Gründlichkeit an die Prüfung der von der Verteidigung gestellten Beweisanträge her- anging, wie man sie nur in jedem ähnlich liegenden Falle wünschen könnte. Er bestellte beide Beisitzer zu Berichterstattern des Senats, beauftragte den Einzelrichter mit einer Augenscheinnahme am Tatort und vernahm sämtliche Zeugen, die nur im ent- jerntesten in Betracht kamen. Die Hauptzeugen und der Angeklagte wurden dann von dem Senat selbst vernommen. Und so kam es, daß im Gegensah zu dem vom Landgericht gefällten Todesurteil das Oberlandesgericht Jena zum Ergebnis kam. daß Leister der Mord nicht nachgewiesen sei. Die Erbunwürdigkeitsklage der Kinder müsse daher abgewiesen wer- den. Diese Entscheidung erging am 31. Januar 1323. Seil der ver- hängnisvollen Rächt waren bereits hVa Zahre vergangen, seit dem Todesurteil fast volle vier Zahre. Das Obcrlandesgericht hatte durch die Beweisaufnahme fest- gestellt, daß zum Zeitpunkt der Tat die Beziehungen zwischen Leister und der Frau L. um derentwillen er den Mord begangen haben sollte, bereits ziemlich kühl gewesen waren. Ferner, daß entgegen den Aussagen der Machbarslcute ein IZjähriger Junge einen Schuß hatte fallen hören und hinterher zwei Männer die Leistersche Wohnung hatte verlassen sehen. Diese seine Beobachtung hatte der Junge sofort seiner Stiefschwester mitgeteilt. Die Strafkammer wollte jedoch dieser Aussage keine besondere Be- deutung beimessen. Und schließlich fand auch die Tatsache, daß Leister seinerzeit den Besitz der Armeepistole geleugnet hatte, eine harmlose Erklärung: er hotte befürchtet, daß man ihn der- Tat ver- dächtigen würde, wenn man bei ihm eine Waffe fände. Die Entscheidung des Oberlandesgerichts machte nun die Stellung eines neuen Wiederaufnaymeantrages zu einer Selbstverständlichkeit. Jetzt konnte das Landgericht sich nicht mehr diesem Antrage gegenüber verschließen. Es mußte ihm statt- geben: ja, die Staatsanwaltschaft beantragte sogar ihrer- seit? die sofortige Freisprechung Leisters unter Um- gehung einer neuen Haupwerhandlung. Sie zweifelte nicht mehr daran, daß es sich in diesem Falle um einen schweren Justizirrtum handle und daß Leister vier Jahre unschuldig im Zuchthaus besessen habe. Leister wurde auch aus dem Zuchthaus«nt- lassen. Das Landgericht Eisenach gab jedoch nicht dem Antrage, ohne Hauptverhandlung die Angelegenheit Leister zu erledigen, statt, beraumte jedoch die Wiederaufnahmeverhandlung für den 4. und b. Juni vor dem Landgericht in Eisenach an. Leister wird zweifelsohne freigesprochen werden. Die Tatsache des Justizirrtums, das nur durch einen Zufall nicht ein Justizmord geworden ist, bleibt jedoch bestehen. Bestehen bleibt auch das andere: daß alle Bemühungen der Verteidigung, ein Wiederaus- nahmeverfahren in die Wege zu leiten, vergeblich gewesen sind: ohne die Erbunwürdigkeitsklage wäre wohl das Wiederaufnahmeverfahren auch heute noch nicht zustande gekommen und Leister säße nach wie vor unschuldig im Zuchthaus. Der Fall Leister bedeutet eine neue Mahnung, endlich einmal mit der Todesstrafe ein Ende zu machen, eine neue Mahnung an die Richter, sich von ihrem Unfehlbarkeitsdünkel loszusagen. Ludendorff der Goi. Womit er sich die Zeit vertreibt. Unter der Ueberschrist„Betrogene Goim und freie Deutsch«� gibt General Ludendorff in seiner„Deutschen Wochenschau" folgende tabellarische„Ucbersicht über dos Wesen der Parteien in Deutsch- land": I. Die Höngen Solparteien. Geheime Leitung: Altprcußische Logen Jüdisch-freim. Leitung der Protest. Kirche Jüdisch-jesuitische Leitung der kathol. Kirche Partei Deutschnat. Volkspartei Dt. Bauernpartei Christl.-Nat. Bauernp. Altpreußisch« Logen Humanitäre Logen Jüdisch-freimour. Leitung der Protest. Kirch« Humanitäre Logen Odd Felloworden Dt. Volkspartei Demokraten Freimourerbund zur aufgehenden Sonne J.oge an et Travail Weltbund-Loge Odd Felloworden Sozialdcmokr. Partei Unabhängige SPD. Schwarze Logen Kommunisten Linkskommumsten Jesuiten und jesuitische Geistlich« Zentrum Bayr. Volkspartei Logen aller Art Wirtschaftspartei und Splitterparteien II. Die Kampfparieien gegen die Geheimleitung Kampffronten und freigelassene Cinfallstore. Kampf gegen Juden Kein Kampf gegen die Jesuiten Kein Kampf gegen die jüdisch-jesuitische Leitung der katholischen Kirche Kein Kampf gegen die jüdifch-freimaur. Leitung der protestantischen Kirche Kein Kampf gegen die jüdischen Lehren des Christentums Kampf gegen die Freimaurerei Rationalsoz. Deutsche Arbeiterpartei Volk..Nationaler Block Deutschsoziale Partei Kampf gegen Juden Kampf gegen Jesuiten Kampf gegen, die jesuitisch-jüdische Leitung der katholischen Kirche Kamps gegen die jüdifch-freimaur. Leitung der protestantischen Kirche Kein Kampf gegen die jüdischen Lehren des Christentums Kampf gegen die Freimaurerei Wir haben es längst aufgegeben, uns mit dem Aberwitz zu be- fassen, den der General Ludendorsf in seinem Blättchen produziert. Von Zeit zu Zeit aber ist es doch nicht unnütz, zu berichten, womit sich der Mann, der'im Wellkrieg der eigentliche Alleinherrscher D e u t j ch! a n d s war. jetzt die Zeit vertreibt Veruntreuungen«.-Rachlaßpflegers Paul l�uppold vor dem Schöffengericht Charlottenburg. In hundert Fällen war Anzeige erstattet worden, tzö stehen zur Anklage: 300333 M. sollen unterschlagen worden sein. Neben großen Erbschaften hat der Nachlaßpfleger Ruppold auch klein« und kleinste nicht oerschont. In der Voruntersuchung war er im großen und ganzen geständig: er bestritt nicht seine Schuld. Heute nun will er das Opfer anderer geworden sein, in erster Linie der Magistratsbeamtcn, die die Nachlaßpflegschaften zu verteilen hatten. Er verspricht, sensationelle Enthüllungen zu machen. Die Erörterung der Mißstände soll erst in einem späteren Stadium des Prozesses erfolgen. Der Vorsitzende erklärte aber schon gleich im Anfang der Verhandlung, es soll in dieser Hinsicht nichts ver- tuscht werden. Die Tätigkeit der Magistratsbeamten muß in aller Ausführlichkeit behandelt werden. Vorläufig wird aber Herr Ruppold zur Person und über seine eigene Arbeit als Nachiaßpfleger gehört. Der jetzt im 38. Lebensjahr« stehende Angeklagte hatte bis zum Jahre 1913 kleinere Stellungen inne. 1919 begann seine Tätig- keit beim Magistrat Berlin und gleich damals wurde er mit einer Nachlaßpslegfchaft betraut, die er zur Zufriedenheit seiner Vorgesetzten erledigte. Die Zahl der Pslegschaflen wuchs von Jahr zu Jahr, im ganzen sind es ungefähr 400 gewesen, die er während der neun Jahre zu bearbeiten hatte. Er wußte den Nachlaß ver- walten, die Erben ermitteln, die Sachen abwickeln und die Beträge ordnungsgemäß auf die Konten des Erbnachlaffcs hinterlegen. Seit der Stabilisierung der Mark wurde aber an Stelle der vielen Konten em einziges Konto eingeführt, das auf Ruppolds Namen ging und über das er frei verfügen konnte. In welcher Weise er aber mit diesem Konto wirtschaftete, erwies sich im Jahre 1927, als er trotz wiederholter Aufforderung die Abrechnung im Erbnachlaß Täufer. der 15k 003 M. ausmachte, verweigerte. Statt der teiegraphsschen Anordnung, nach Berlin zu kommen, Folge zu leisten, begab er sich aus Binz, wo er sich damals aufhielt, nach Paris, Zürich, Hamburg usw., um erst drei Monate später, im Oktober vorigen Jahres, nach Berlin zurückzukehren und sich zu stellen. Von dem Erbnach- laß Täufer sind ober im ganzen nur 7000 AI. übrig geblieben. Ruppold hat in der Voruntersuchung zugegeben, �doß er das Geld bei den teuren'Auslandsreisen, die er mit seiner Frau machte, und durch Spielen verbraucht habe. Heute erklärt er aber, die Ver- untreuungen seien in erster Linie durch die Darlehen gekommen, die er dem Iustizmspektor Schneider gegeben habe. Wenn er früher sich selbst bezichtigt habe, so sei dies nur aus dem Grunde geschehen. um Schneider und die übrigen Beamten zu decken. Schneider sei aber nun tot und er wolle die Wahrhell sagen. Bei dieser Vekun- düng bleibt er auch, als ihm vorgehalten wird, daß er sich auch nach dem Tode Schneiders bezichtigt habe. Ruppold erzählt, daß bereits im Jahre 192-5 Schneider an ihn nrit der Bitte herangetreten sei, ihm ein Darlehen von 433 M. für sein Grundstück zu gewähren. Diese Ersuchen hätten sich immer wiederholl und so sei die Dar- lehnssumme ollmählich bis auf 35 000 AI. gestiegen. Als er nun nicht mehr ein und aus gewußt habe, sei Schneider an ihn mit dem Vorschlag herangetreten, ihm 50 000 M. zu geben, da er mit Hilfe eines bekannten Bankiers so viel zu verdienen hoffe, daß die fehlende Summe gedeckt werden würde. Aber auch diese Summe ging verloren. In der Voruntersuchung hatte aber Ruppold von sich selbst gesagt, daß er 73 003 M. ins Ausland mibgenonunen habe, in der Hoffnung, dort beim Spielen die fehlend« Summe zu gewinnen. Es feien aber nur 6303 M. davon übrig geblieben. Justizoberinspektor Schneider hat sich in feiner Laube in Klein-Mochnow erhängt. In einem von ihm hinterlasscnen Briefe heißt es:„Wenn ich gefehlt Hobe, so nur durch Dumm hell, nicht, weil ich schlecht war. Ich habe nienKmid betrogen oder geschädigt." Reben dem Angeklagten Ruppold hat sich auch der Justiz- inspektor Reichelt wegen passiver Bestechung und Urkunden- sälschung zu verantworten. Er hat eine Anzeige, die gegen Ruppold eingelaufen war, aus den Generalakten gerissen und sie Ruppold ausgehändigt. R. wird voin Rechlsanwalt Dr. Auerbach verteidigt. Den Vorsitz führt Landgerichtsdirektor Bode. Als Sachverständiger ist Medizinalrat Dr. Dyrenfurth anwesend. Der Donezprozeß in Moskau. Ganz wie bei uns: Die Angeklagten Nekrassow und der deutsche Techniker itaier(dahinter) werden aus der„grünen Minna" in das Gerichts gebäude geführt. Sott der Zoo verlegt werden? Eine unterirdische Autostrasie. Es scheint in der Tot, als ob die Frage, fall der Zoo- verlegt werden, in letzter Zeil einige Gemüter bewegt. Bei den gestrigen Veranstaltungen im Zoologischen Garten aus Anlaß der 43fährigen Dienstzeit des ollen Zoodirektors Professor Dr. Heck wurde auch das Projekt einer Verlegung des Zoo erwähnt. Man hört eigentlich zum erstenmal davon. Es sollen nach dieser Richtung bestimmte Absichten bestehen,, die angeblich von Der- kehrsrücksichtcn diktiert werden. Die Verbindung zwischen Pots- damer Platz und Äurfürstendanrm soll den Bedürfnissen nicht mehr genüge» und man hat daran gedacht, den Zoo zu planieren, um eine neue breite verkehrsslraße schassen zu können. Natürlich sind die Widerstände gegen diesen Plan berechligtcrweise sehr groß und so ist ein neuer Plan aufgetaucht, der auch den Wünschen der Ver- kehrsbehörd? entsprechen würde. Man will eine unterirdische A u t o st r a ß e anlegen, die das Zoogclmrde und Gcdächtniskirche unterläuft und die ersehnte Verbindung schafft. Das ganze ist aller- dings ein Projekt, das noch in sehr weiter Ferne liegt und dessen Finanzierung sich vorläufig kaum verwirklichen lassen dürste. Dr. Ludwig Heck empfing gestern aus Anlaß seines Jubiläums eine große Reihe von Ehrungen und Glückwünschen. Als erster sprach der Aufsichtsrot durch den Vorsitzenden, Wirklichen Geheimen Rat Futsch, unter Ucbcrrcichung einer Adresse seine Glückwünsche aus. Der Staatskommissar des Zoologischen Gartens, Ministerialrat Zacharioe, gratulierte mi Namen des preußischen Finanzministe- rwms. Für die Stadt Berlin überbrachte Bürgermeister Scholtz einen Rosenstrauß in den Farben de? Stadt Berlin, rot und weiß, und eine Glückwunschodreis« der Deputation für Kunst und Bildungs- wesen, wobei er betonte, daß er den Donk aller Berliner, der Jungen und Allen, dem Manne ausspreche, der nicht nur der Wissenschaft diene, sondern auch das Großstadtbild Berlins durch die mustergültigen Einrichtungen des Zoologischen Gartens wesentlich bereichert habe. Darauf oereinigten sich der Vorstand, die Angestellten und die Arbeiterschaft des Zoologischen Gartens' zu einer schlichten Jubi- läumsfeier, die insolge der langjährigen Zusammenarbeit des Jubilars mit vielen Angestellten familiären Charakter gewann. Der Derein Berliner Journalisten, dessen Mitglied Geheimrat Heck seit 1907 ist, ernannte ihn in Anerkennung feiner literarijchen Leistungen auf dem Gebiet volkstümlicher Tierkunde zum Ehrenmitglied. Auch die auswärtigen Zoologischen Gärten überbrachte» ihre Glückwünsche durch Direktor Grabowsky(Breslau) in Vertre- tung des Vorsitzenden der Bereinigung der Direktoren der Zoolo- gischen Gärten Deutschlands, im Beisein der Zoodirekwren von Halle, Königsberg, München u. a. Am Nachmittag gab? einen Kinderzug Großseuer bei der ACG. Ein Neubau völlig vernichtet. Auf einem Neubau der AEG. iu der Hussiienstraßc entstand heute vormittag gegen 10 Uhr Feuer, da» sich in kurzer Zeit zu einem Großseuer entwickelte. Ein etwa 40 Meter breite» und 25 bi, 33 Meter hohes Gerüst wurde ein Raub der Flammen. Die Feuerwehr war mit sechs Lösch- zügen unter Leitung de» Branddirektors Mende znrstelle. Durch starkes wassergeben au» elf Schlauchleitungen größten Kalibers wurde das Feuer in anstrengender zweistündiger Tätigkeit niedergekämpft. Von der G u st a v- M e y e r- A l l e e bis fast zur V o l t a- st r a tz e erstreckt sich innerhalb des umfangreichen Fabrikkomplexes der AEG. eine 233 Meter lange und 25 Meter hohe Montagehalle, das sogenannte Turbinenhaus. Diese Halle soll um 43 Meter ver- längert werden und seit vielen Monaten sind hierzu die Vorarbeiten im Gange. Ein großes, etwa 43 Meter breites Gerüst, wurde errichtet, auf dem zahlreiche Arbeiter, Maurer, Schlosser, Schweißer usw. arbeiteten. In der Höhe des fünften Stockwerkes wurden heute früh auf dem Gerüst mehrere eiserne T-Träger mit Schweißapparoten zerschnitten. Vermutlich durch herumfliegende glühende Eisenteilchen wurde eine hölzerne Trennung?- wand in Brand gesetzt. Sofortige Löschversuche der Arbeiter hatten keinen Erfolg und als die Fobrikwehr der AEG. anrückte. stand bereits der gesamt« Oberteil des Baugerüstes in hellen Flammen. Di« Arbeiter hatten inzwischen in größter Eile die Ge- fahrenzone verlassen und die Feuerwehr alarmiert, die mit sechs Löschzügen an die Brandstätte eille. Wegen der außerordentlichen Gefährlichkeit des Feuers, das die angrenzende Riesenhalle bedrohte, mußten elf Schlauchleitungen in Tätigkeit gesetzt werden. Die Lösch- Mannschaften maßten sich in einiger Entfernung von dem brennen- den Gerüst halten, da immerfort brennende Holzteile und schwere Eisenträger krachend in die Tiefe stürzten. Die gewaltige Rauch- und Feuersäule, die weithin bis ins Jen- trum der Stadt sichtbar war, hatte eine große Schar Neugieriger angelockt. Ein Aiiio in eine Arbeiierkolonne. Llnsicherer Herrenfahrer. Ein schwerer Autounfall ereignete sich heute morgen in der Nähe von Potsdam. Gegen 6 Uhr'kamen ein Kaufmann Winkler vom Steinplatz in Charlottenburg und ein Fräulein Langner aus Berlin mit dem französischen Wagen 85 X 28 die Chaussee 31 e l t o w— Potsdam in der Richtung nach Berlin zu gefahren. In der Kurve am Südpark fuhr das Auto in eine Kolonne von Arbeitern hinein, die nach ihrer Arbeitsstelle radellen. Zwei Mann wurden umgerissen. Der eine konnte sich im letzten Augenblick noch in Sicherheit bringen, indem er beiseite sprang. Der Zimmermann Stolp erlitt einen Nervenschock. Der Führer des Kraftwagens, Winkler, w»rde nun so nervös, daß er in die P f e r d e des Schlächtermeisters Dcutzner, der ihm mit seinem Fuhrwerk begegnete, hineinfuhr. Eines der Pferde wurde so schwer ver- letzt, daß es getötet werden mußte. Jetzt verlor Winkle? ganz und gor die Macht über den Wagen, der infolgedessen gegen einen Chausseebaum rannte. Winkle? und Fräulein Langner er- litten dabei so erhebliche Verletzungen, daß sie sich im Krankenhaus Potsdam verbinden lassen mußten, Richtigstellung. In dem Leitartikel der heutigen Frühausgobe des„Vorwärts" über das Berliner Wahlergebnis wurde an einer wichtigen Stelle ein Satz verstümmelt. Es muß heißen: Wenn wir seitdem zu einer Zwischenstation für die Kommunisten geworden wären, dann müßten unsere Gewinne doch größer oder geringer sein, wo die Deutschnationalen stärker oder weniger stark verloren haben. Dieser Zusammenhang läßt sich aber nicht feststellen. Das Restaurant„Zur Bärenhöhle" in Rahnsdorf ist nicht gesperrt. Wie uns voin Zentrolverband der Hotel-, Restaurant- und Eafe?Angestellten milgetcitt wird, ist die Sperrnotiz aus«inen be- dauerlichen Irrtum zurückzusührcn.__..., ,■ i Offenbach auf der Volksbühne. „Orpheus in der Llnterwelt." Man hatte gehofft,«in sehr fröhliches Pofsenspiel zu sehen, und dazu wäre noch die Musik des Cancans gekommen, die uns allen "unvergeßlich durch die Nerven prickelt. Gewünscht hatte man, daß ein Mann von Geistesgaben heute den alten Text herrlich verzieren und umdichten würde. Ihr seligen Spottgötter Ofsenbachs, ihr habt ja soviel Anlagen zur Lächerlichkeit! Wenn man nun die Uhr auf 1928 gedreht hätte, es brauchte nicht ganz und gar garstig-politisch zu sein, es könnte auch nur die Kulturprotzen oder Niggeranbeter und ähnliches Gesippe und Gesindel am Ohrläppchen ziehen. Man hätte nicht gleich Phosgen ins Theater spritzen müssen. Doch so allerhand hätte sich sagen lassen, hätte sich beseirigen, bekritteln, be- geifern, begaffen, beloben, belämmern lassen. Gewiß, es gibt nicht viele helle Köpfe, die in Deutschland pariserisch« Grazie ins Wicne- risch« oder sogar ins Verlinerrsche übersetzen und den alten Sekt mit neuem Mousfeux durchquirlen könnteir. Doch ausgerechnet cherr Günther Bibo— nein, der paßte nicht für diese hübsche Arbeit. Man beauftragt einen Kabarettisten, der vielleicht Meriten Hot, aber keine Augen, um in unsere Zeit zu sehen; man ruft einen Ka- barcttljten, der die Freiheitsschmissigkeit mit kleinen Conferencier- Frechheiten verwechselt; man lädt einen talentierten Wortemauschler «in, der ein bißche» die Sprichwörter verdreht, doch niemal» die Welt auf den Kopf stellt. Ein solcher Konjunkturkabarettist vom Witz des Nachtlokals ist nicht der rechte Mann, um den schon klassisch geweihten Unsinn für unsere Zeit wiederzusinden und da? Gallische in deutsche Galle, vielleicht auch in deutschen Geist zu verwandeln. Der neue Text ist weder gemütlich, noch rebellisch, sondern nur Hausmannskost ftir anspruchsloses Spießerkabarett. Die Volksbühne braucht anderes. Es bleibt die Musik, die Kapellmeister M a ck e b e n tells konserviert, teils für Jazzohren repariert hat. Frau Agnes Straub spielt die öffentliche Meinung und spricht melodramatisch, manchmal mit Wärme, meist ohne Fröhlichkeit ihren matten Text wie eine expressionistische- Litanei. Charlotte Börner und Werner Heidcmann wurden von der Ope- rette ausgeborgt, und die Dame sang und tanzte zum Genüsse der Ohren und Augen, und auch Herr Heidemann ist ein liebenswürdiger Künstler. Jupiter, der Ueberlebemann des Olymp, wird durch Herrn Josef Plaut in einen trockenen Schmachtlappen verwandelt. Da sind Naul Lange, Leo Peukert und Armin Schweizer schon lustiger, weil sie wenigstens gute Posienfiguren mache». Doch Sünde der Sünde: Der Regisseur Fritz Holl fühlte das Unzulängliche seines Textes nicht. Er ließ sich dies ungepfefferte Geschmuse gefallen und mußte es daher trotz seines Fleißes, trotz der Mitarbeit feines erfindungsreichen Bühnenbildners Edward S u h r und des geschmackvollen Tanzmeisters Trojanowski dulden, daß an dem häuslichen Beifall auch Trillerpfeifer teilnahmen. dlax Hochdorf. W srner Heidemann und Agnes Strauh in „Orpheus in der Unterwelt'. Zwei urgemütliche Premieren. Theater am Nollendorfploh:„Oer Feldherrnhügel'. Der uralte Ulk von Roda-Roda und Karl Rößler „Der Feldherrnhügel" feiert in der Sommerspielzeit des Theaters am Nollendorfplatz eine lustige Auferstehung. Bor zwei Jahrzehnten ist er ein starker Theaterersolg gewesen. Es gab-damals sogar eine Parodie auf die Parodie mit dem Titel„Der Feldivebelhügcl". Damals gehörte noch Mut dazu, mit dieser frechen Sorglosigkeit das allmächtige Militär, den blöden Kommiß und die Vertreter der Monarchie zu verhohnepipeln. Das gab einen be- sonderen Reiz. Heute wirkt die theatralische Buntheit der Uniform an sich schon lächerlich. Di« Schnurre ist natürlich etwas angestaubt. Aber der Humor ist echt und darum lebendig geblieben. Wir lachen von Herzen, wenn der Oberst absichtlich Fehler beim Manöver macht, um seine Pensionierung zu erzwingen, und wcun dann Königliche Hoheit, die von Strategie keine Ahnung hat, den Obersten zu feiner großartigen Taktik beglückwünscht. Diesen Obersten spielt Leopold Kramer mit der sonnigen Gemütlichkeit des liebens- würdigen Oestcrreichcrs. Als Regisieur sorgt er für flottes Tempo. Eine Reihe glänzender Darsteller steht ihm zur Seite.. Sie werden alle unsere Freunde: der leichtsinnige Rittmeister Anton P o i n t n« r, der galante Fähnrich Franz Leder er mit seiner strahlenden Jugend, die Regimentsarzttype Fritz Schrecker, der großmächtige Feldwebel Fritz Kampers und der ver- ängstigte tschechische Muschkote Heinz Greif. Herrlich heraus- gearbeitet ist der Gegensatz zwischen der Wiener Gemütlichkeit und dem preußischen Schneid des Oskar Sima und des Werner Holl mann. Sima. liebenswürdig, charmant und blöd, das Ur- bild einer Königlichen Hoheit, Hollmann der lebendig gewordene Schnarrton des preußischen Leutnants. Der Hauskomponist Edmund M eiset hat die pathetische Militärmusik in wahrhast genialer Komposition verulkt. Uraufführung im Theater am Kurfürstendamm. Die Nachtvorstellung ist von den Veranstaltern sehr ernst gemeint. Es wurde aber ebenso gemütlich wie am Nollendorfplatz, obgleich es sich am Kurfürstendamm um kolossale Tragik handelte. Das Kollektiv„D i e S t u f e" des russischen Regisseurs Dyk Rudensti inszeniert ein Stück von Walter Mcckauer,„Spuk", kein Schauspiel, kein Werk, ein„Schauwert", wie der Verfasser feine Dichtung nennt. Der Autor, der offenbar von seinem Drama etwas hält, legt auf die Feststellung Wert, daß er allein dafür oerant- wortlich ist. Er nimmt seinen„Spuk" ernster als das Publikum, das dem Gestammel auf der Bühne mit beachtenswerter Nachsicht und Geduld zuhört. Bon der Milte des Schauwerks an breitet sich im Parkett eine urgemütliche Stimmung aus: man ermuntert die jungen Schauspieler durch Zurufe, die im Augenblick mehr Geist und Witz entwickeln, als man von der Bühne zu hören bekommt. Meckauec versucht, tiessinnige Psychologie zu treiben, in der oerdrängte Kam- plexe, gequetschte Erotik, Mordsehnsucht, Reueabsicht und überhaupt die Psychoanalyse eine Rolle spielen. Auch wird mit Hilse von Re- ooloern und anderen Mordinstrumenten in Tragik gemacht. Um dem Ganzen einen tissgründigen Sinn unterzuschieben, läßt er Traum und Wirklichkeit ineinanderfließen(nach Pirandello oder„Der Traum ein Leben" oder„Dos Leben ein Traum" und so). Die Darstellerschaft besteht aus unbekannten jungen Schauspielern, die sich unter Rudenski zu einer Wertgemeinschast zusammengeschlossen haben. Nach der gestern abgelegten Probe seiner Kunstauffassung kann ich den jungen Leuten nur raten, sich schleunigst nach einem anderen Führer umzusehen. Ernst Dcgner. Kitsch im Staatstheater. Carl Häßler:„Die beiden Seehunde'. Carl Rößlers Lustspiel„Die beiden Seehunde" ist ein handfester Theaterkitsch, der mit seinem sanften liberalen Schim- mer dos Herz jedes Durchschnittsbürgers erwärmt. Der vertrottelte, ach so gütige Kurfürst Christian der XVlI. geht alz Dienstmann unerkannt wie Harun al Raschid unter sein Volk, um die„Wahr- heit" zu hören. In hellseherischer Erkenntnis, die bei dem Grad« seiner Dertrottelung besonders verblüfft, weiß er die Spreu vom Weizen zu sondern. Fühlt darum endlich„in des Thrones Glanz die hohe Wonnegans, Liebling des Volks zu sein" wie es so schön hieß. Sogar der aufrechte, da gibt's nichts zu kichern, mannhafte 5?erausgeber des„Dolkswillen" schließt Freundschaft mit dem siebzehnten Christian, nachdem dieser auf sein Blatt abonniert hat und— bitte ohne Gegenleistung— ihm sämtliche Druckausträge der Stadt versprochen. Aber kommt ein ganz wilder, radikaler Re« publikaner etwa nicht auf seine Kosten? Ist Ehristian etwa nicht vertrottelt? Bestätigt er zum Schluß etwa nicht seinem Doppel- gänger, dem echten Dienstmann Nr. 6, daß«in Dienstmann leichter Kursürst als«in Kurfürst Dienstmann sein kann? Ei warum? Ei, darum natürlich hat dos Staatliche Schiliertheater dieses verstaubte, massiv gezimmert« Lustspiel wieder ans Tageslicht ge« brächt, und wer's nicht glaubt, zahlt einen Taler, der ihm aber wieder zurückgegeben wird, weil das Schillertheater das Geld eines Unzufriedenen nicht nötig hat. Denn die Zufriedenen werden's bringen. Mit den„beiden Seehunden" wird ein ausgezeichnetes Ge- schäft gemacht«erden. Das ist eine Prophezeiung. Was will also der Nörgler eigentlich? Nur noch feststellen, daß ein sauberes Ensomblespiel geboten wurde. Nichts weiter. Wirklich nichts weiter. _ Tes. Hans Hyan. Zn seinem 60. Geburtstage. Hans Hyan wurde am 2. Juni 1868 in Berlin in der Lands- berger Straße geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums kam er mit dem Einjährigenzeugnis in«ine Kaufmannslehre, später wurde er Reisender. Ohne inneren Beruf für den Kaufmannsstand hat«r sich überall in der Welt herumgetrieben und sich schon seit semer frühesten Jugend literarisch und dichterisch betätigt. Sein Herz ge- hörte von jeher den Annen und Niedrigen und in seinen Sturm- und Drongjahren hat er genug Eleitd am eigenen Leibe erfahren, so daß er wußte, wie denen zu Mute ist, die nichts zu essen und kein Obdach haben. Was war natürlicher, als daß er die Objekte für seine Schrerbckunst unker diesen Leuten suchte? Erst im Jahre 1896 trat er mit einer Novelle, die„Der E i n b r u ch" hieß, an die Oesfentlichkeit. Man kann wohl sagen, daß Hyan in Deuffchland der erste Literat war, der mit der herkömmlichen Kriminalgeschichte brach und den Verbrecher aus feiner Anlage und seiner Umwelt erklären wollte. Das war zu Ende des vorigen Jahrhunderts nicht so leicht wie heute. Man nannte ihn den„Verherrlicher des Verbrechens" und die bürger- liche Presse lehnt« feine Arbeiten lange Zeit ob. Noch 1912, als sein Roman„Die Verführten" erschien, in dem er den Werdegang des Schwerverbrechers und der Dirne schilderte, entspann sich ein erbitterter Kampf zwischen ihm und der preußischen Justiz um dieses Buch. Man bekam es fertig, den Aussehen erregenden Roman mit dem berüchtigten Unzuchtparagraphen totzuschlagen, weil hier ein unerschrockener Mann die überlebten Anschauungen von Verbrechen und Straf« über den Haufen warf. Seitdem hat Hyan manchen Artikel uird manches Buch geschrieben. Der Krieg mit seinen Folgen hat ihn hart getrosfen, doch nicht entmutigt. Hoffentlich wird er uns noch manches schreiben und sich, wie bisher, durch keine Rücksichten abhalten lassen, da? zu sagen, was er für recht hält. Shaws Testament. Bernard Shaw hat gelegentlich seines 71. Geburtstages sein Testament gemocht. Einem neuzierigen Journalisten hat er«ins der Legate im Vertrauen mitgeteilt: er hat „Der Menschheit das Eoangclimn des Sozialismus" vermacht. Der.Volkschor Osten", M.d.D. A.S.B, gibt bekannt daß die Leitung iti Chores seit dem I.Mai d. I. der Chormcisler Wilhelm Knöchel übernommen hat. Alle sangeSsreudigen Damen und Herren werden ,um Ausbau eineS gl aßen leistungsfähigen„Gemilchten Chores' um talträstige Unterstützung gebeten. Jugendliche unter 18 Jahren zahlen den halben Beitrag. UebungSftunde: jeden Dienstag von 8—10 Uhr abends in der Schul-Aula, Frankfurter Allee 37. (Borti-Jder in Moskau. Im Moskauer Ld-rnhauz hat eine Riesen- Versammlung zu Ehren GorkiS ftattgesunden. Lunatscharlki begrüßte Görke namens der Eowjeliegierung und feierte ihn«IS den glößten plolctarischen Schriftsteller. Zahlreiche Redner sprachen die Hoffnung ouS, daß er in der Sowjetunion bleiben werde. Salsworthy spricht in Deutschland. John Ealsworlhst bält am IS. Juni, abends 8 Uhr, in der Hamburger Kunftgefcllschaft eine» Bortrag in englischer Spräche:„Chs Faith of a Xo vollst". Pros. Ludwig Eanecceru» ist, 85 Jahre alt, in Marburg gestorben. Länger al§ SlZ Jahre gehörte er als Lehrer des römischen und bürgerliche» Rechtes der Marburger Universität an. Durch seine Mitarbeit am Bürger- lichen Gesetzbuch und seine langjährige parlamentarische Tätigkeit als national» liberaler RcichStagSabgeordneter, ist er weiteren Kreisen bekannt geworden. Theodor Glockes Jubiläum. Dem Jubilar, der für die Sozialdemokratische Partei und die deutsch« Arbeiterschaft nunmehr vierzig Jahre am„Vorwärts" tätig ist, dem alten Kämpfer und Arbeiter Theodor Glocke, gratu- lierten gestern im Gewerkschastshaus die Parteigenossen, die mit ihm schritten und schreiten. Das Ebert-Mans- Quartett trug die Kampslieder der Partei vor und fügte nach- her, als der Uhrzeiger vorgerückt war, Volksweisen von Lebens- lust und Lebensfreude an. Manche Rede ward geHallen, aber den Gipfelpunkt bildeten die Dankesworte des Gefeierten, der berichtete von den Jahren des Sozialistengesetzes, der Sturm- und Drang- Periode der deutschen Sozialdemokratie. Franz Künstler und Otto Meier feierten Theodor Glocke, Arthur Crispien dankte der Ehefrau. Launige Verse von Otto Meier wurden mit stürmt- schem Beifall begrüßt. Die letzte Strophe seines Gedichtes sei wieder gegeben: So wie sich all' die Jahre runden Zu vier Jahrzehnten, wie im Flug, Mit schweren und auch heitern Stunden� Dir war dein Schassen Lohn genug. Wenn heut' der Arbeit Heere stehen Gerüstet alle, Mann an Mann: Dein Werk ist's mit, das tticht vergehen Und auch für dich mit zeugey kann. v3-" Ktavierfabrikanten reden große Töne. Sieben Wochen Kampf noch lange nicht genug. Der Schlichter von Berlin hatte die Berhandlungskommission der Berliner Älavierarbeithr und die Vertreter der Fabritanten zu Donnerstag vormittag geladen, um zu oersuchen, eine Einigung in dem nunmehr schon sieben Wochen dauernden Kamps herbeizuführen. Die Unternehmer hossten anscheinend, den Schlichter und die Unterhändler der Holzarbeiter dadurch beeinflussen zu können, daß sie erklärten, an der Beilegung des Konfliktes noch gar kein Interesse zu haben und daß sie zu den Verhandlungen überhaupt nur erschienen wären, um keine Versäumnisstrafe zu be- kommen. Sie lehnten es rundweg ab, auf die Forderungen der streitenden und ausgesperrten Klavierarbeiter einzugehen. Die Vertreter der Klaoierarbeiter erwiderten, daß sich die Organisation und die Klaoierarbeiter aus einen lang- wierigen Kampf vorbereitet haben und ihn nicht eher abbrechen würden, bis die Unternehmer bereit seien, von ihrem hohen Roh herabzukommen. Ein Versuch des Schlichters, durch getrennte Verhandlungen zu einer Annäherung zu gelangen, schlug ebenfalls fehl. Der Schlichter erklärte schließlich, daß nach seiner Ausfassung noch nicht der Zeitpunkt für erfolgversprechende Schlichtungsverhandlun- gen gekommen sei und brach die„Verhandlungen" ergebnislos ab. In einer von etwa 3000 streikenden und ausgesperrten Klavier- arbeitern besuchten Versammlung am Freitag abend in den Kammer- sälen berichtete der Bevollmächtigte des Holzarbeiterverbandes B o e s e über diese Verhandlungen. Die Versammelten gaben ihr E i n o e r st ä n d n i s mit der Haltung ihrer Berhandlungskommission durch die Annahme eines Antrages kund, in dem verlangt wurde. von jeder Diskussion Abstand zu nehmen. Da» Vertrauen zur Or- ganisation wurde in einer einstimmig angenommenen Entschließung zum Ausdruck gebracht. .Volk und Zeil", unsere Mustrierte Wochenschrift, liegt ver yeutigen Postausloge bei. 005«an EIN SCHONER TAG sagt jeder, der Berlins größte Ausstellung DIE ERNÄHRUNG sah— und er hat recht damit— fand er doch nützliche BELEHRUNG für die Verlängerung und Verschönerung seines Lebens und boten die schönen Ausstellungsgärten neben dem Funkturm in der Frühlingssonne doch so schöne ERHOLUNG— Auch Sie werden überrascht und erfreut sein über die vielen Reize eines Besuches der Ernährungsschau 5 IN DEN FUNKTURMGÄRTEN: GROSSES KONZERT Fleisch aus Holz. Der„ Kohleverflüffiger" im Berein deutscher Chemifer. Bon unserem Sonderberichterstatter. Dresden, 2. Juni. Dresden über Fabrikspionage und Geheimnis. Derrat. Er hält die rechtlichen Bestimmungen im allgemeinen für ausreichend, wenn sie auch einiger Ergänzungen fähig sind. Aber die Schwierigkeiten, welche sich der Verfolgung unzulässiger Spionage entgegenstellen, liegen nicht sowohl auf rechtlichem Gebiet als auf dem der Beweisführung. Deshalb tommt in erster Linie Selbsthilfe in Betracht, und zwar durch gemeinsamen offenen Kampf von Arbeitder Spionage zeigt. Schauspielhaus am Gendarmenmartt: 3., 4., 7., 9., 11. Zwischen tanzenden Kleidern. 5. Die Weber. 6. Louis Ferdinand. 8. und 10. Calcutta, 4. Mai. Schiller- Theater Charlottenburg: 3., 4. und 7. bis 11. Die beiden Seehunde. 5. Amphytrion. 6. Clavigo. Theater mit festem Spielplan. Deutsches Theater: Pygmalion. Kammerspiele: Finden Sie, Piscator- Bühne: Der Feldherrnhügel. Königgräher Straße: Leinen aus Irland. Das größte Interesse auf der Dresdener Tagung ermedte der gebern und Arbeitnehmern gegen die niedrige Gesinnung, die sich in daß Constance sich richtig verhält? Die Komödie: Es liegt in der Für die deutsche Sprache. Franto- belgischer Arbeiterantrag in Genf. bt. Genf, 2. Juni.( Eigenbericht.) Der franzöfifche Arbeitervertreter 3ouhaug und der Belgier Mertens haben der Arbeitskonferenz einen Antrag auf Erflärung der deutschen Sprache zur offiziellen Berhandlungssprache überreicht. Der Antrag dürfte wahrschein. lich abgelehnt werden. Bortrag des bekannten Rohleverflüffigers, Generaldirektor Ber gius Heidelberg, über Holz und Kohle", den er als ,, chemische und wirtschaftliche Betrachtungen" bezeichnete. Die soge= nannte Kohleverflüssigung, richtiger die Gewinnung von Delen aus Rohle, beruht auf der Anreicherung der Kohle mit Wasserstoff, die durch Erhizung unter hohem Drud erfolgt. Mit diesem Arbeitsgebiet verwandt ist ein zweites, mit dem Bergius sich seit etwa zehn Jahren intensiv beschäftigt hat, nämlich die chemische Aus wertung des Holzes. Während die Infohlungsreaktion tief in die Struktur der holzbildenden Substanz eingreift, ist es auf anderem Bege möglich, das chemische Stelett der Zellulose schonend zu behandeln und schließlich in Rohlehydrate überzuführen, die vom tierischen Mechanismus aufgenommen und verdaut und zum Aufbau Des Rörpers benugt werden. Da in Deutschland fast die Hälfte der jährlich zuwachsenden Holzmenge in den Ofen wandert, ist es ein Broblem von hoher wirtschaftlicher Bedeutung, das Brennholz durchlungen Rohle bzw. aus der Kohle gewonnene gafige oder flüssige Brennstoffe zu ersetzen und die im Brennholz enthaltene Zellulose in ver dauliche Rohlehydrate überzuführen und zur Viehzucht zu verwenden. Wir führen ja in Deutschland verdauliche Rohlehydrate in Form von Gerste und Mais im Wert von über 700 Millionen Mark jährlich ein, die fast völlig erspart werden könnten. Auch für unsere Fleisch produktion muß die Herstellung von Kohlehydratfuttermitteln, deren Ausgangsstoff das Holz ist, von der allergrößten Bedeutung werden. Bedeutsam war ferner der Vortrag des Direktors Dr. A. Mittasch Ludwigshafen über„ Eisencarbonyl und Car bonyleisen". Das Eisencarbonyl ist schon im Jahre 1891 dargestellt worden, doch nur in sehr geringen Mengen. Es erwies fich als ein glänzendes Antiflopfmittel und wird daher heute den flopfenden" Benzinen für den Gebrauch in Motoren zugefügt. Auch findet es bei der Herstellung einer besonders wertvollen Mineralfarbe Verwendung. Aber von ganz besonderer Bedeutung ist die Darstellung von Eisen aus dem Eisencarbonyl; denn dieses Eisen, das sogenannte Carbonyleisen ist von einer sehr hohen Reinheit und wird daher überall, wo es auf eine solche Reinheit antommt, technische Verwendung finden, besonders auch bei chemischen Reaktionen als sogenanntes Katalysator, das ist ein Stoff, der ohne an der Reaktion teilzunehmen, doch zugegen sein muß, damit sie überhaupt in Gang tommt. In der chemischen Technic spielen die Ratalysatoren also dieselbe Rolle, wie im deutschen Boltsmärchen die Heinzelmännchen, mit denen man sie auch vergleicht. Von den überaus zahlreichen Borträgen in den einzelnen Fachgruppen dürften gerade gegenwärtig ein aktuelles Interesse beanspruchen die Ausführungen des Geheimen Justizrat Degen dric dr monitis mstadt Hochwasser in Schlesien Anhaltende Regengüsse in Nieder- und Mittelschlesien haben dort Hochwasser verursacht. Die Peile und die Weistritz haben Aecker und Wiesen in Seen verwandelt und viele Dörfer überschwemmt. Unser Bild zeigt die Flut in einer schlesischen Dorfstraße. Theater, Lichtspiele usw. Sonnab., 2. 6. 28 Staats- Oper Unter d. Linden Ab.-V. 28. Anf.19%( 72) U. Othello Staats- Oper Am Pl.d. Republ. Res.-S. 106. Anf. 20( 8) U. Luisa Miller Sonnab., 2. 6. 28 Städtische Oper Bismarckstr. Geschl. Vorstellung Anf. 19½( 72) U. Jonny spielt auf Staati. Schauspielh. Am Gendarmenmark Ab.-V. 111 Anf. 20( 8) U. Zwischen tanzenden Kleidern Staatl. Schiller- Theater, Charitbg. 20( 8) Uhr: Die beiden Seehunde Deutsches Theater Norden 12,310 Uhr, Ende nach 10 Pygmalion von Bernard Shaw itsch. v. Siegfr. Trebitsch arnowsky- dühnen Th. Königgrätz. St. Bergm. 2110 Täglich 7 Uhr Leinen aus Irland Kammerspiele Komödienhaus Norden 12310 U., Ende nach 11 Zum 138, Mal Finden Sie, daß Constance sich richtig Norden 6304. Tägi. Uhr Broadway Theater des Westens Deutsch- polnische Verhandlungen. In Warschau ist eine deutsche Delegation zu Berhandüber Sozialversicherungen eingetroffen. Die Delegation zählt acht Mitglieder unter dem Vorsiz des Ministerialdirektors Dr. Grie= fer. Nach der am 25. Mai erfolgten Paraphierung eines d utschpolnischen Abkommens über Sozialversicherungen sind die Besprechungen im polnischen Arbeitsministerium fortgesetzt worden. Sie betreffen Vermögensverrechnungen zwischen Bolen und DeutschStelle die Spolka Brada in Tarnowiz getreten ist. land hinsichtlich des Oberschlesischen Knappschaftsvereins, an deffen Theater der Woche. Bom 3. bis 11. Juni. Bolfsbühne. Theater am Bülowplah: Orpheus in der Unterwelt. Theater am Schiffbauerdamm: 3., 4., 5., 11. Der Zigarettenfasten. 6. bis 10. Der Ruhhandel. Thalia- Theater: Dyderpotts Erben. Piscator- Bühne: Der Feldherrnhügel. Staatstheater. Oper Unter den Linden: 3. Boris Godunom. 4. Die Frau ohne Schatten. 5. Figaros Hochzeit. 6. Othello. 7. Die Macht des Schidfals. 8. Behntes Sinfoniekonzert. 9. Meistersinger. 10. Rosentavalier. 11. Boheme. Oper am Platz der Republik: 3. und 6. Freischüß. 4. Der Kuß. 5. und 11. Der schwarze Domino. 7. Luisa Miller. 8. Der Mantel. Schwester Angelika. Gianni Schicchi. 9. Fidelio. 10. Don Giovanni. Städtische Oper: 3. Die Jüdin. 4. Tosca. 5. Der Freischüß. 6. Tiefland. 7. Rigoletto. 8. Madame Butterfly. 9. Die lustigen Weiber von Windsor. 10. Der fliegende Holländer. 11. Troubadour. Walhalla- Th. Rose- Theater Weinbergsweg 19/20 Gr. Frankt, Str. 132 Heute und morgen 844 Uhr: 14 Uhr: Doppelvorstellung zu einfachen Preis. Das Paradies d. Ehe Gartenbühne: 1/26 Uhr nachm. Verlorene Tochter Konzert und banter Teil Sittenst. in 4 Akten. 814 Uhr: Das Sonnenbad Der fidele Bauer Lustspiel in 3 Akten Planetarium am Zoo von Balewski Nur Erwachsene haben Zutritt Verläng. Joachimsthaler Straß Park.auch Sonntags Noll. 1578 statt 4.- nur 60 Pl. 16, 18, 19, 21 U. verhält? Steinpl. 931 8, Uhr Thalia Theater Der Sternhimmel Max Adalbert Dresdener Str. 72-73 Täglich 8 Uhr Die Komödie Das Ekel Dyckerpotts Erben Bismarck 2414/7516 8 Uhr Es liegt in der Luft Revue von Schiffer. Musik v. Spoliansky Berliner Theater harlottenstr.90/ 81. Danh 176 31, U. Ende geg. 11 Gastspiel d. Deutschen Th Volksbühne Der Prozen Theater am Bülowplatz| Th. am Schiffbauerdamm 8 Uhr: Mary Dugan 8 Uhr Kleines Theater kasten Orpheus in der Der Zigaretten- Taglich 8, Uhr Unterwelt Renaissance- Theater Steinplatz 901. SUhr Krankheit der Jugend CASINO- THEATER Uhr Rosa Valetti, Eugen Rex in Die Großschnauze altenberg- Bühnen Jts. Künstler- In. 4 Uhr Lustspielhaus Jr. Martin Licke Unwiderruflich letzter Monat! 8 Uhr: Guldo Thielscher 179 Unter Geschäftsaufsicht" der Heimat Eintritt 1 M. Kinder ant. 15 Jahren 0.50 Komische 81, Uhr Oper 81%, Uhr JAMES KLEIN'S gewaltiges neues Revue Stück: Zich' dich aus! 200 Mitwirkende. Vorverkaut ab 10 Uhr ununterbrochen. NEUE WELT SCALA Arnold Scholz. Hasenheide 108/14. Täglich: Gr. Gartenkonzert u. gr. Revue 100 Jahre Rauf und Runter Dienstag, Donnerstg., sonnab.. Sonntg. Tanz unter Paimen. Im Garten oder Saal Sommerspielzeit. Künstlerische Leitg. Konzert ab 6 Uhr. Emil Lind Theater am Nollendorfplatz 4 Berliner Prater Kurfürst 2091 Täglich 8, Uhr Kastanienallee 7/9. Täg ich: Der Feldherrnhügel ..Polnische Wirtschaft" Lessing- Theater Mus. v. Jean Gilbert Norden 12798 Außerdem: Grosse Vari té. Müllers Prinzesschen. Verbrechen Täglich 8, Uhr Tanz. Kaffeekochen. Lothringer Str. 37. Ausschneiden Gutschein 1-4 Pers. Fauteuil nur 1,10 M., Sessel 1,60 M. (" Crime") Nr. 17" Uhr Nollendor 7360 Herb.Williams der eigenartigste amerikanische Excentrik- Star und die übrigen Varieté- Sensationen! Sonnabends u. Sonntags se 2 Vorstellungen: 330 u. 8 Uhr- 30 zu ermäßigten Preisen das ganze Programm. Waldschänke Sadowa Ausflugslokal mitten im Wald a. d. Bahn gelegen. Herrlicher Garten, 3000 Personen fassend. Saal für Vereine, auch Sonntags kostenlos. Inhaber: Otto Thöldte Kegelbahn Vorzügliche Küche Luft. wan. -O Theater in der Komödienhaus: BroadKomische Oper: Zieh' dich aus! Luftspielhaus: Unter Geschäftsaufsicht. Berliner Theater: Der Leffing- Theater: Nr. 17. Prozeß Mary Dugan. Die Tribüne: Spiel im Schloß.- Kleines Theater: Die Großschnauze. Renaiffance- Theater: Krankheit der Jugend. Walhalla- Theater: Verlorene Töchter, dazu das Sonnenbad. Rose- Theater: Das Paradies der Ehe.- Kafino- Theater: Müllers Prinzeßchen. Scala: Internationales Barieté. Reichshallen- Theater: Stettiner Sänger.- Theater am Kottbuffer Tor: Elite- Sänger. Theater mit wechselndem Spielplan. Theater des Westens: Bis 6. Das Etel. Ab 7. Was ist denn nur mit Balduin.- Deutsches Künstler- Theater: Bis 8. Verbrechen. Ab 9. Das sind ja reizende Leute. Theater in der Klosterstraße: 3., 5., 6., 8., 9., 10. Büchse der Pandora. 4., 7., 11. Erdgeist.Schloßpart- Theater Steglitz: 3. Der Herer. 4. bis 9. Charleys Tante. Nachmittagsvorstellungen. Bolfsbühne: 3. Die rote Robe. Thalia- Theater: 3. Dyder potts Erben. Rofe- Theater. Gartenbühne: 17% Uhr Konzert und bunter Teil. 2014 Uhr Der fidele Bauer. Theater in der Klosterftraße: 3., 10. Der fröhliche Weinberg. Schloßpart- Theater Steglig: 3. Der Herer. Scala: 3., 9., 10. Internationales Barieté. Erstaufführungen der Woche. Mittw. Th. am Schiffs bauerbam m:„ Der Kuhhandel." Donerst. Th. des " Bestens: Was ist denn mit Balduin?" Freif. Schauspiel haus: Raltutta, 4. Mai." Städt. Oper: Madame Butterfly." Sonnab. Deutsches Künstler Th.:„ Das sind ja reizende Leute." Wetterbericht aus deutschen Reisegebieten. Herausgegeben von der Deffentlichen Wetterdienststelle Berlin. Nordsee. Bremen: abnehmende Bewölkung. Hamburg: heiter. Offfee. Warnemünde: meist woltig. Saßniz: meist heiter. Swinemünde: heiter aber fühl. Stettin: wechselnde Bewölkung. Kolberg: Betterbesserung, aber fühl. Danzig- 3oppot: wechselnd be wölft. Seebad Kranz: Regenfälle und sehr fühl, Wassertemperatur 7 Grad. Harz. Schierfe: fühle Nacht, Better beffer geworden. Harzburg: fühl, Aufheiterung. Bad Sachsa: heiter, fühle Nacht. Brocken: heute morgen Aufheiterung. Thüringen. Erfurt: abnehmende Bewölkung. Inselsberg: gestern Aufheiterung. Oberhof: fühle Nacht, Wetter besser geworden. Hessen. Kaffel: gestern Bewölkungsabnahme. Wasserkuppe ( Rhön):) Aufheiterung. Sachsen. Dresden: meist molfig. Annaberg: Better beffer geworden, aber fühl. Fichtelberg( Erzgeb.): allmähliche Aufheiterung. Schandau: Wetterbesserung, aber fühl. Zittau: Wetterbesserung, aber fühl. Schlesien. Breslau: abnehmende Bewölkung. leichter Nachtfrost. Flinsbera: Better besser geworden, aber sehr fühl. Schreiberhau: Wetterbesserung, aber sehr fühl. Schneekoppe: Wetterbesserung. Bad Reinerz: teils heiter, teils wolfia, fehr fühle Nacht. Bad Landed: teils heiter, teils wolfig, fehr fühle Nacht. Rheingebiet. Bad Aachen: nachts auftlarend. Köln: meist heiter, aber ziemlich fühl. Koblenz: teils heiter, teils wolfig, fühle Nacht. Wiesbaden: teils heiter, teils wolfig, ziemlich fühl. Frankfurt a. M.: nachts aufklarend. Feldberg( Taunus): Aufheiterung. Baden. Karlsruhe: nachts aufflarend. Freiburg: teils heiter, teils wolkig. Feldberg( Schwarzwald) Trübung. Württemberg. Stuttgart: ziemlich heiter. wechselnde Bewölkung. Friedrichshafen: Garmisch- PartenBayern. München: vorwiegend bewölkt. firchen: regnerisch. Berchtesgaden: regnerisch. Oberstdorf: meist trübe. Bad Tölz: veränderlich mit Schauern. Tegernsee: neblig. * Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend.( Nachdr. rerb.) Teils wolkig, teils heiter, im ganzen noch ziemlich fühl bei mäßigen nordwestlichen Winden. Für Deutschland: Im größeren Teil des Reiches ziemlich heiteres Wetter, nur im Nordosten start wolfig; überall für die Jahreszeit fühl. Berantwortlich für die Redaktion: Eugen Prager, Berlin: Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag: Borwärts Berlag Gm b. H., Berlin. Drud: Borwärts Buch. bruderei und Berlagsanstalt Baul Ginger& Co., Berlin GW 68, Lindenstraße 3. Sierzu 1 Beilage. Elite- Sänger Schiller- Garten Theater am Kottbusser Tor. Mpl. 16077. Täglich 8 Uhr: Wie immer erstklassig. Programm, u. a. Ein gerissener Schwiegersohn" ( Schwank) Ein kleines Geschenk"( Schwank) Volkspreise. Reichshallen Theater vorm. Friedrichwilhelmstädt.Garten Inh O. Rutz, Chausseestr. 30/31 Täglich großes Orchester- Konzert 17 Mann. Anfang Wochentags 5 Uhr, Sonntags 4 Uhr. Spezial- Kindlausschank. Gute billige Küche. HALLO Stettiner Sänger hier Welle Zum Schluß: Stuckes Pfingstfahrt urleske von Me sel. Anfang 8 Uhr. Jonnott- Brett': Saal u. Garten. Variete, Tanz. Kapelle Wilhe m Frenke Opern ( Städtische Oper) RESTAURANT Pittags Nachmittags Abends Vorzügliche Küche Gepflegte Blere u. Weins Zum Tanztec and abends Kapelle: ALEXANDER BEREGOWSK Wilhelm 3737 CHARLOTTENBURG Gutgepflegteblers Berliner ik- Trio Neukölln, Lahnstr.74/ 751 Grünau! Stimmung ist das Losungswort! Tanzen scheucht die Sorgen fort! Jung wirst Du, ob blond ob grau, im Gesellschaftshaus Grünau. Regatta am Sonntag: Plätze sichern. Die gute Küche..Das Tanzparadies. In alter Frische Gustav Steinmeier. Befffedern Adolf Pohl Dresdener Straße 15 ( Fabriкgebäude) Teppiche ohne Anzahlung zahlbar in 10 Monatsraten, liefert Teppich- Vertrieb Berlin NW 7. Ia Referenzen: föellage Sonnabend, 2. Juni 1928 SprftbmiD SfiölauHfaße. Ja\bfuhis4i SMe hellen und dunklen Stahlen. Sin neuer Führer durch die Weltstadt'.Berlin. 5m Jahre 1912 fand der Verfasser in den Buchläden der Stadt Kassel einen„Reformführer" durch die Stadt. Bei Durchsicht ergab sich, daß der Führer wesentlich von den bisher bekannten abwich. Er stellte nicht mehr wie die Führer alter Art die Baulichkeiten, die Museen mit ihren Bildern, Skulpturen und anderen Samm- lungen in den Vordergrund, sondern versuchte das gesamte moderne Leben einer Großstadt einzufangen und zu spiegeln. Er berücksichtigte vornehmlich die bedeutenden kommunalen und privaten Sozial- und Wohlfahrtseinrich- t u n g« n, die Parks und öffentlichen Anlagen, die Spiel- und Sportstätten, die Verkehrseinrichtungen, und, worüber alle Führer mit einer gewissen Verlegenheit hinweggleiten, den Dirtschaftscharakter einer Stadt, ihre Industrie und deren Besonderheiten, ihren Handel und Verkehr, ihr Handwerk und Ge- werbe. Aus diese Weise erwuchs in dem Führer aus moderner und alter Stadt das Gesamtbild. Merkwürdig genug, daß die privaten Verleger in Berlin nicht auf den Gedanken kamen, einen ähnlichen Führer herauszubringen. Nun ist ihnen wieder einmal eine kommunale Einrichtung zuvor- gekommen. Im Auftrag des Ausstellungs-, Messe- und Fremdenverkehrsamtes der Stadt Berlin hat Chefredakteur Karl VettSr einen Offiziellen Führer für Berlin und Umgebung herausgebracht, der sehr wohl als Reformführer in dem � oben angedeuteten Sinn angesprochen werden kann. Keineswegs ist darin das alte Berlin vergessen. Wir finden Abschnitte wie diese: Historisches Berlin— Vergessene und verschwiegene Sehenswürdigkeiten— Theaterstadt Berlin— Der Musikfreund in Berlin. Aber dann gibt es, alles in sehr hübscher plaudernder Form, auch Stücke wie diese: Was zeigt Berlin dem politisch Interessierten?— Berlin in Zahlen— Berlin als Wirt- fchaftsstodt— Berlin als Hafenstadt— Der Ingenieur in Berlin— Was zeigt Berlin dem Arzt— Berlin als Sportstadt— Eine Frau in Berlin. Man sieht also, eine ganz andere Anlage als in den bisher bekannten Führern. Was die Zahlen berichten. Unsere Zeit schwärmt für Zahlen und für Statistik. Zwei bemerkenswerte Beiträge kommen dieser Einstellung entgegen. Dr. Erich Busch, unterstützt vom ObermogistratSrat Dr. Kür- t e n, zeigt uns Berlin in Zahlen. Wer das Staunen noch nicht verlernt hat, der kann es jetzt ausüben. Berlin mif seinen jetzt 4,2 Millionen Einwohnern beansprucht einen Flächenraum von 889 Quadratkilometern. Das Weichbild, die Grenze Berlins ist 225 Kilometer lang. Wer täglich 8 Stunden zu je 4 Kilometern geht, hätte 8 Tage von Sonntag zu Sonntag zu wandern. Ein Fünftel der Gesamtfläche ist Wald, ein weiteres Fünftel besteht aus Gärten, Wiesen und Acckern, ein ferneres Zehntel entfällt auf sonstige Grünflächen. 58 Millionen Quadratmeter— 5800 Hektar— 23 200 preußische Morgen werden von 180 000 Kleingärten bedeckt. 11,8 Millionen Quadratmeter sind Parkslächen, 7,5 Mil- lionen Quadratmeter beanspruchen die mehr als 300 Spiel- und Sportplätze. Die Stadt hat 28 eigene Güter mit 240 Quadratkilo- So sieht der Photograph das Brandenburger Tor- tneltr Dodenfläche. Dazu 212 Quadratkilometer Waldbesitz machen diese Stadt zu einem der größten Grundbesitzer. Don den 4,2 Mil- lionen Einwohnern gehören rund 1700 000, also etwa zwei Fünftel, der Arbeiterklasse an, ein Fünftel sind Angestellte oder Beamte. Auf der anderen Seit«: Berlin hat 530 Millionäre und die Ein- wohner der Stadt versteuern insgesamt 1Z5 Milliarden Vermögen. Berlin, die größte Handelsstadt. Die Spartasse der Stadt Berlin hat 400 000 Spar- bücher ausgestellt, die insgesamt 180 Millionen Spargelder auf- weisen. Reichsbank, Postscheckamt und Berliner Kassenverein, die Abrechnungsstelle der Berliner Banken setzen täglich fast l�L Milliarden Mark um. Durch 232 Postämter, 83 Rohrpostämter, Auch der Konditor-Dom kann im Bild gut wirken. 155 Paketannahmestellcn und rund 5000 Briefkästen strömen täg- lich mehr als 12,5 Millionen Briefsendungen, 130 000 Pakete und 10 000 Rohrpostsachen. Täglich kommen und gehen 26 000 Tele- gramme und täglich werden etwa VA Millionen Telephongespräche geführt. 60 Berliner Güterbahnhöfe nehmen täglich 210 Güterzüge mit etwa 10 000 Waggons und 35 Millionen Kilogramm Fracht aus. In den Berliner Binnenhäsen laufen täglich 90 Schiffe mit 16 Millionen Kilogramm Ladung ein, die an Kais von einer Länge von 25 Kilometern auf 350 000 Quadratmetern Ladefläche gelöscht werden. Mit diesem Verkehr und seinen 17 000 Großhandels- niederlasiungen ist Berlin tatsächlich die größte Handels- stadt des europäischen Fe st lande s. Die Bevölkerung dieser Stadt hat einen täglichen Fleischverbrauch von 700 000 Kilo- grarnrn. Daneben bilden ll4 Millionen Kilogramm Mehl, 1,5 Mil- lionen Brote, 1,4 Millionen Kilogramm Kartoffeln und 1 Million Liter Milch die Hauptbestandteile des täglichen Berliner Lebens- � mittelverbrauchs. Zahlen der Not und der Trauer. Wenn man diese Zahlen als die hellen, die Zahlen des Lebens, bezeichnen möchte, so muß man die. von Dr. Carl Sonnenschein in seinem Dcitrpg: Zahlen in Bildern ge- nannten als die dunklen hervorheben, die Zahlen der Not und der Trauer. Im August 1927 wurden 123 000 Menschen, Sozialrentner und Kleinrentner und sonstige Bedürftige lausend unter- stützt. Insgesamt aber gibt es 272 900 Unterstützte. So groß ist Magdeburg oder Königsberg i. Pr. Für 1926/28 gab die Stadt als Winterbeihilfe 3 Millionen Zentner Kohlen an Bedürftige. Das bedeutet einen Eisenbahnzug van 80 Kilometern Länge. Die Jugendwohlfahrt betreut 21 000 Krüppelkinder, 53 000 Mündel, 16 000 Hortkinder, 9000 Fürsorgezöglinge, 16 000 Pflegekinder, zusammen 115 000 gefährdete Jugendliche. Bon den 53 000 Mündelkindcrn sind nicht weniger als 50 000 unehelich, also eine Armee schwerstgefährdeter Kinder und junger Menschen. Dazu die Folgen des Krieges: Die Stadt Hot 19 000 Schwerkriegs- beschädigte und 88 700 Krieaerhinterbliebene zu betreuen. Bon de» letzteren sind 3400 Vollwaisen, 48 000 Halbwaisen, 2300 Eltern- paare und 35 000 Witwen. Rechnet man zu den 50 000 Unehe- lichcn, deren Väter sich selten um ihre Kinder kümmern, noch die 48 000 Halbwaisen, dcuen der Dater im Krieg genommen worden ist, so hat man nahezu 100 000 junge Menschen, die ohne die er- zieherische, helfende und sorgende Aussicht der Väter heranwachsen. Man wundert sich dann, daß die Verwahrlosung und die Kriminali- tat der Jugendlichen so groß ist. Dr. Sonnenschein weiß noch, daß täglich 300 Menschen aus den Berliner Gefängnissen entlassen werden, jährlich 110 000. Der Kronkensürsorge dienen insgesamt 195 Krankenkassen mit 1342 000 Mitgliedern. Im Jahre 1925 gab es 46 000 Geburten und 46 700' Todesfälle. Also 700 Tote mehr als Neugeborene. Dazu sagt Dr. Sonnenschein:„Berlin ist eine sterbende Stadl". War das zu sagen nötig? Berlin stirbt nicht. Den Rhythmus und den Stil unserer Zeit aber hat wohl am besten Egon Iakobsohn erfaßt. Die hundert-, die tausend- fachen Sensationen und Sensatiönchen, die Berlin dem Aufmerk- samen bietet, rafft er zusammen und webt daraus einen in allen Farben sprühenden Teppich. Da heißt es:„Derbringen Sie einen Abend unter dem phantastischen Sternenhimmel des Planetari- ums......! Sind Sie schon einmal durch den schlummernden trubelfernen Hain der Psaueninsel gewandelt? Haben Sie scho« einmal eine freie Stunde im Neu-Westender Park am Sachsenplatz oerbracht? Ahnst du, o Landsmann, daß wir über 50 Seen be- sitzen......? Bestaune die älteste märkische Akazie im Britzer Schloßpark! Durchstöbere die letzten Ueberreste des Scheunen- Viertels zwischen Volksbühne und Alexanderplatz. Setz dtch einen schönen Nachmittag lang auf die Restaurant-Terrasse des Flug- Hafens Tempelhos und laß dir die Luftzüge aus aller Herren Länder um die Mokkatasse schwirren. Belausch das melodiöse Glockenspiel der Parochialkirche in der so stummen Klosterstraße. Belächle im Tiergarten das Denkmal Fontanes, weil der große Neuruppiner seinen Rock nach Frauenart links zugeknöpft hat. Belächle den Ritter von Plotho,«ine der Begleitfiguren Heinrichs des Kindes in der Siegesallee, zu der M e i st e r Zille einst Modell ge- standen. Und hast du dich schon je knapp vor 8 Uhr morgens auf dem Potsdamer Platz ausgestellt, stumm den Aufmarsch der Hundert» tausend in ihre Waren- und Geschäftshäuser belauscht?" Das ist in der Tat das Tempo unserer Zeit. Immer slott, immer eilig, immer ein wenig ironisch, ein wenig sarkastisch. Und das alles deckt im Grunde genommen einen strengeren größeren Ernst, als wie man ihn aus früheren Schilderungen langatmiger und sentimentaler Art kennt. Was in dem Führer noch fehlt. Daneben gibt es aber in dem Führer auch das eine und das andere, was einem nicht gefällt. So schreibt«in bekannter Wirt- schastler an sich sehr anschaulich über Berlin als Wirtschasts« stadt. Eine bekannte populäre Weinsirma, ein ebenso populäres Bierquellenunternehmen, ein Zeitungshaus werden namentlich ge- nannt, aber den Namen einer so gewaltigen Verteilerorganisation zu nennen, wie sie die Konsumgenossenschaft Berlin ist, wird Unterlasten. Herr Kurt Doerry bringt es sodann in seinem Beitrag über Berlin als Sportstadt nicht fertig, wiewohl er von Volkssport spricht, den bedeutsamen Arbeitersport auch nur zu erwähnen. Eine solche Unterlassung ist unverzeihlich und wird bei einer Neuauflage am besten durch einen anderen objektiven Verfasser ausgeglichen werden. Daß es sehr wohl möglich ist. auf einem so neutralen Boden wie es ein Städtefllhrer sein soll, allen bedeutsamen Erscheinungsformen der Weltstadt gerecht zu werden. beweist Klaus Pringsheim, der in dem Beitrag: Der Musikfreund in Berlin auch den Arbeiter-SSnger» b u n d gebührend erwähnt. Max Osborn wird den neuen Großsiedlungen und ihrem Architekten Bruno Taut gerecht. Es soll auch nicht unerwähnt bleiben, daß eine gute Karte und vorzügliche und reichliche Abbildungen im Tiefdruckversahren das Werkchen schmücken, das nun endlich eine lange vorhandene Lücke ausfüllt. So strotzt dieses kleine handliche Buch von Leben, von demselben Leben, das Tag und Nacht um uns ist. Und wenn man als Berliner nun ein bißchen boshaft zu dem Berliner sein wollte, könnte man sagen, daß die Berliner aus diesem Führer ihr Berlin erst mal richtig kennen lernen können. Die Fremden werden das ohne weiteres tun. W. T. Die neue Damenmode. Ein weißes CrSpe-d e- Ch me- Kleid, farbig abgesetzt, das mit dem modernen Knüpf Luch gehagen wird. Der erste Fh Eine tcdmisch-phanfastischc Erzählung von 1. Fortsetzung. „Ihr mißt, ich war auf dem dritten Schiff, das nicht verschwand, weit es zurückbleiben mußte. Ich will euch erzählen, warum ich weiß, daß die Schiffe in die Luft geflogen sind und nun samt Mannschaft auf dem Grund des Meeres liegen.� Man rückte näher zusammen, und Ionny dämpfte die Stimme. „Es waren zwei leichte Kreuzer der englischen Marine. Das dritte Schiff, das, auf dem ich fuhr, war eins der neuen, mit elektrischem Antrieb. Jim. mein Freund, war Funker. Wir satzen abends in der Freizeit oft beisammen in der Koje. Eines Abends kam er später.— Er war erregt und nicht so wie immer.„Ich weiß nicht," sagte er, „es liegt zu Zeiten so ein Summen in den Funkgeräten. UnHeim- lrch anschwellend, summend und singend. Wenn es verschwunden ist, dann liegt es noch wie ein Zittern in den Spulen. Es lauert etwas Unheimliches in der Luft!" Es war drei Tage noch dem Abend, an dem mir Jim feine schlimmen Gedanken erzählt«. Ich war im Maschinenraum und beobachtete die Drehz�hlanzeiger. Es lag ein Druck auf dem ganzen Schiff. Vor zwei Stunden waren die Motoren heulend auf höhere Drehzahlen gesprungen. Ohne Anlaß und ohne unseren Willen, van selbst— geheimnisvoll. Sie rasten minutenlang in diesem Tempo, und dann kehrten sie, nach einigen Schwankungen, wieder auf nor- male Drehzahl zurück. Man holte mich zum Kapitän. Als ich an der Funkbude vorbei» kam, rief mich Jim an; er war ganz weiß im Gesicht.„Sie funken! — Es geht los.— Wir haben nur noch M Meilen bis Zentren—.* Der Kopiton stand an seinem Tisch, Er hielt«in Schreiben in den Händen. Ein entsiegelt«? Umschlag lag daneben. Als ich eintrat, hauchte er mich an:„Was treiben Sie mit den Maschinen, Mensch?" Aber er schien es selbst nicht zu glauben, daß ich daran schuld wäre. Man nrußt« dem Schiff von Zentron aus schon„Halt" und Warnung gefunkt haben. Denn als ich auf ihn zutrat und sagte:„Herr, glauben Sie nur, es kommt von Zentron," sagte er mir mit halblauter Stimme:„Gehen Sie an die Maschinen, Mann!" Was dann kam, ging rasch vor sich. Die Motoren rückten plötzlich wieder wie toll an und h-ulten auf. Die Drehzähler sprangen über den roten Strich. Dann sprangen«in paar Funken- garbcn auf, und dann— stand das Schiff still. Man hatte die Motoren von Zentron aus mit Storkstrom über- lagert, die Spannung in die Höhe getrieben, und nun waren eben die Motoren beim Teufel. Das war es auch, was Jim und ich schon lange gefürchtet hotten. Als die Schraube ihre letzten zitternden Schläge getan, stand ich schon zur Meldung beim Kapitän auf dem Verdeck. Es war Nacht geworden. Unsere ganze Beleuchtung war natürlich auch durch. Auch von den beiden Kreuzern war kein Schimmer zu sehen. Der Kapitän brüllt«:„Rotlichter an!" Aber man war nicht vorbereitet. Da blinkten von den Kreuzern die kleinen Azetylen- signalwerfer auf. Lang— kurz— lang.—„Was ist mit euch?— Unsere elektrische Einrichtung beim Teufel-- Bleibt zurück— Wir sind klar zum Gefecht!--" Das war das letzte, was man von den beiden Kreuzern sah. Einige hoben behauptet, daß sie nach einer Stuirde dumpf« Deto- Nationen gehört hätten. Und ich glaube, daß sie recht gehört hatten. Jim«rzähtte mir am Abend die ganze Tragödie des Unterganges, als wenn er selbst dabei gewesen wäre. Er war blaß und erregt. Kein Wunder, er hat ja alles an seinen Instrumenten miterlebt. Seine Augen glühten, als er zu sprechen begann. Ich pfeif' ihnen auf das Dienstgeheimnis, den ehrgeizigen Hunden. Dreihundert brave Kerls sind jetzt am Meeresgrund. Ich werde den Mund nicht halten. Um 16 Uhr funkten fi« schon von Zentron:-- Holt— haltet an— haltet. Dann fuhr wieder dos Heulen in die Geräte. Ich schaltete die Spannungszeiger um. Fünfhundert Volt waren es, womit fi« uns von Zentron beglückten, und Ampvre, soviel wir eben auffangen kannten. Die Storkstromwellen verschwanden. Sie funkten immer wieder. Der Kapitän zuckte nur mit don Schultern. Als uns die Strom bündel das zweitemal trafen, waren wir nahe genug, und damit waren eben die Motoren hin. Aber nun begann erst der Tanz. Sie merkten, daß die Kreuzer weiter fuhren, näher und näher an die Insel heran. Sie funkten wie verrückt:„-- Halt, ihr Männer—, haltet.— Ihr geht in den Tod—. Nicht für euch und nicht für uns—. Haltet an!"— Und dann kam es von Zentron immer schneller, aufgeregter:„Haltet an-- haltet an— haltet!" Plötzlich wurde es still, unheimlich still. Ich wußte, was nun kommen sollt«, kommen mußt«! Aus- zudenken wagte ich es nicht. Wieder trafen uns die Stromstöße. Di« Kreuzer fuhren ja auf einer geraden Linie zwischen Zentron und unserem Schiff. So trafen auch uns die Streugarben von der Insel. Aber nun kletterten die Vottzahlen schwindelnd in die Höhe: zehntausend— fünfzigtausend— hunderttausend— und dann schwoll langsam auch die Stromstärke an." Jim krallte sich in meinem Arm.„Weißt du, wie sie starben, Jonny? Langsam sprangen min Fünkchen, sprangen Funken an allen Metallteilen der Kreuzer. Sie tanzten die Gewehrläufe auf und ab. sie glitten an den Geschützrohren entlang— bis mit einem scharfen Schlag die erste Parlonentasche in die Luft geht. Nun rattert es an allen Ecken und Enden. Dazwischen dröhnen die dumpfen Detonationen der explodierenden Pulverkammern. Das Schiff neigt sich zur Seite—. Niemand ist mehr so lebendig, um über Bord springen zu können. Sttll, ohne Schrei und Laut, versinken die beiden Kreuzer in der Wosserwüste." „So desertierten eure Kameraden!" schreit Jonny in die bleichen Gesichter, die ihm beim Schein der Kojenlampe cntgegeustorren. „Darum ist Jim verrückt geworden, er sprach zuviel. Und ich, ich wußte eben zu schweigen." „He." sagt da einer,„wenn du olles dos schon wußtest, als wir anmusterten, worum bist du dann auf diesem verfluchten Kasten und als Freijoittig«?" „Ja, ich bin nun trotzdem Funker," lächelt Jonny.„Aber wir würden auch nie sterben, wenn es so ginge, wie die Admiralität es sich denkt. Es sind diesmal nur zwei Schiffe, aber— wir haben Gas- aewehre ohne Patronen. Wir haben Rohgummi an den Sttefeln Alle Griffe sind isoliert, sind überzogen. Di« Torpedokammern liegen unter dem Wasser, und dort hört die Macht der Strahlen auf.— Ha, freut euch! Was kann uns noch passieren? Die Admiralität ist klug, aber— die auf Zentron sind eben gescheiter.<» Sic habe» noch einen dritten Trumpf, der zugleich ihr schleck- lichster ist. Als ich gestern am Funkgerät saß, kam wieder das ig zum Mars Kurl Delta/ Zeichnungen von A.Florath Strahlenbündel von Zentron, das uns oll« Tage abtastet. Sie prüfen wie im Spiel ihre Apparat«, ob sie uns schon erreichen könnten. Zuerst fünfhundert Boll, dann sechshundert Polt, dann wieder fünfhundert—. Noch einiger Zeit kamen sie wieder—. Zehntausend Bolt— fünfzigtausend— hunderttausend, dann wieder „-- Sit wissen zuviel, Herr Funler l" fünfzigtausend. Jim hatte recht, dachte ich, als mein Auge über die Zahlenscheiben der neu eingebauten Apparate glitt. Auch diese Wellenbündel verschwanden— Und nun kam es wieder und gegen das kann uns die Admiralität nicht schützen!" Jonny sprang auf.„Könnt ihr schweigen über das, was ich jetzt erzähle und— halten wir zusammen, so werden wir uns im Augenblick dcr Rot zu retten wissen!"(Fortsetzung folgt.) Gilbensuchrätsel. Heinrich: Halma: Schmachtriemen: Parkeingong: Gelbrot: Elektro: Albert: Samariter: Hammeltalg: Diebstahl: Möhn«: Ahrens- bürg: Nachtdienst: Streikleitung: Broterwerb: Schätzung: Stendal: Nicht«: Knoten: Wenningstedt: Dienstvorschrift: Kneifzange: Tugend: Landenge: Beichte: Nihilist: Bierzehneitder: Währung: Grenze.— Diese Wörter einhalten eine besonders lesenswerte Spruchweisheit unseres Arbeiterdichters Preczang. Die zur Wortbildung benötigten Silben find den Wörtern ohne Rücksicht auf Stlbcnttennung und ohne Abänderung der Reihenfolge zu entnehmen. KombinationSräisel. 2 4 Di« Buchstaben dieser Figur sind so zu ordnen, daß die wage- rechten Reihen Wörter folgender Bedeutung ergeben: 1. Vokal: 2. altnordische Gottheit: 3. deutsche Funkstatinn: 4. Staat der nord- amerikanischen Union: 5. erotisches Tier: 6. 5)afenstadt im ehe- inaligen Detitsch-Ostafrika: 7. Handelsstadt am Bottnischen Meer- busen: 8. Konsonant.— Sind die Wörter richtig gefunden, so nennen die Buchstabe» der fettumrandeten Außenselder, bei Zisser 1 an- sangend und nacheinander gelesen, eine Arbeiteroerbindung. Charade. Di« erste Silbe frißt, Die andere ißt, Die dritte wird gesressen, Dos Ganze wird gegessen. Visitenkartenrätsel. Aus obenstehender Karte ist durch Umstellen der Buchstaben die jetzige Tätigkeit des Herrn zu ermitteln. Anagramm. 1. Mol«: 2. Rand:>3. Rab«: 4. Held: s. Kelter: 6. Jduna: 7. Rest: 8. Treue: 9. Neiße: 10. Seimn: 11. Largo.— Durch Umstellen der Buchstaben ist aus jedem der obigen Worte nach dem Hinzufügen je eines Lautes ein neues Wort zu bilden. Die Wörter bedeuten: 1. Nebenfluß des Rhein»: 2. germanische Gottheit: Z. exotisches Tier: 4. Stadt in Indien: s. Oper: 6. Stadt am Bodenjee: 7. Steril- Oer alte Bärenjäger Moy. Es sind mancherlei Hilfsexpeditionen für Nobile in Borde- reitung: große und kleinere. Zu den kleineren gehört folgendes Projekt: Man will mit zwei Pelzjägern, die dieses Jahr aüs der Amsterdam-Jnsel überwintert haben, Fühlung nehmen und ihnen austragen, nach Wijde Bay aufzubrechen. Dort, in Wijde Bay, nördlich Spitzbergens, hält sich ein gewisser Moy, Bärenjäger seincC. Zeichens, mit einigen Eskimos auf. Diesen Moy will man be- stimmen, das Eis bis zur Moffeninsel nach Spuren Nobiles und seiner„Jtalia" zu durchforschen. Hoffentlich hat er Glück. Hoffent-. lich stöbert er die Verschollenen auf. Die Well wartet auf Nachricht. Es wäre interessant zu erfahren, was alles die„Jtalia" durchgemacht hat: sicherlich mancherlei Phantastisches. Aber ist nicht phantastischer als alles, was die„Jtal>a"besatzu»g erlebt hoben könnte, die Tat- fache,'daß man gelegentlich ihres Mißgeschicks so beiläufig erfährt, daß, so um den 82. Grad nördlicher Breite herum, auf dcr Amster- dam-Jnsel zwei Menschen überwintert haben...(Warum haben sie es getan? Wie haben sie gelebt?), das nördlich von ihnen ein noch vorgeschobener Vorposten des Menschengeschlechts haust: der alte Bärenjäger Moy? Als Nobile stch polwärts wandte, war er von de» Segens- wünschen des Oberhauptes der katholischen Kirche und des italie- nischen Staates begleitet, hatte er moderne Apparate und«in wo- Vernes(wenn auch, wie sich gezeigt hat, nicht genügend modernes) Luftschiff zu seiner Verfügung. Es war vorgesehen, daß er einige Tage über der Arktis kreuzte-- und hätte er feine Aufgabe gelöst gehabt, wäre ihm der Jubel der Welt und ein pomphafter Empfang in Rom sicher gewesen. Es war ein großes Spiel, das Nobile wagte. Cr fetzt« viel ein und konnte viel gewinnen. Was aber kann der Bärenjäger Moy gewinnen? Da lebt also ein menschliches Wesen in Gemeinschaft weniger Eskimos, jahraus, fahr- ein in Eis, Schnee und Stürmen, ist abgeschnitten von alle» Freuden des Lebens, von allen Bequemlichkeiten der Zivilisation... Nie noch hat man von ihm gehört. Jetzt zum ersten Male, wo die Menschheit ihn braucht, wo sie sich seiner zu bedienen gedenkt, taucht sein Name auf. Ein südliches Volk, von dem er vielleicht noch nie gehört hat, hat ein Luftschiff, ein Ding, wofür sich in seinem Be- grisfsschatz bestimmt kein Wort findet, gen Norden fliegen lassen. Er soll jetzt mal ein bißchen Umschau halten... Das Ding könnte in seiner Nähe niedergegangen sein. Noch ein paar hundert Kilo- meter norwärts a)so, Bärenjäger Moy, noch ein Stück tiefer hinein in Eis und Schncewinde, noch ein Stück näher heran an ihn, den Gewaltigen, Unheimlichen, an den Pol... Es müssen nun mal die Kleinen heran, wenn die Großen etwas verpatzt haben. Das wird unterhalb des 80. Breitengrades so gehandhabt und oberhalb des 80. hat man sich diesen Spielregeln zu fügen. Seltsam, seltsam! Dcr Geist dcr Menschheit feiert einen Triumph. Er stößt mit einem Produkt des modernsten Fortschrittes gegen den Pol vor. Aber gerade in diesem Augenblick muß et sich, unterstützungsbedürftig, hilfesuchend, an einen der Primitivsten der Pri- mitiven wenden, an den, wie es heißt, mehr tier- als menschen- ähnlichen Bärenjäger Moy, Wijde Bay(wie die genaue und für den Postverkehc' ausreichende Adresie heißt). Il»as L»uer. bild: 8. Schiffstcil: S. Stadt in Sachsen: 10. biblischer Name: 11. Stadt am Harz.— Bei richtiger Lösung nennen die neu hinzu- gefügten Buchstaben dieser Wörter, nacheinander gelesen, eine Ge- scllschaftslehrc. Kreuzrätsel. 3 18 4 5 8 Die Buchstaben dieser Figur lassen sich so ordne», daß die Reihen 1— 5 eine Person des Alten Testaments. 2— 8 ein Sternbild, 3—7 einen Galt der alten semilischen Völker, 4—8«in wert- volles Nahrungsmittel ncnnen. Wird hieraus an Stelle des Frage- Zeichens ein b-stimiMer Buchstabe gesetzt, so verwandeln sich die Wörter 1— S in eine russische Halbinlel, 2—6 in einen Teil des Ge- sichts, 3—7 in eine Bezeichnung für„obgeschmackt", 4—8 in ein« Benennung einer Zahlenreihe im dekadischen System. Scherzfrage. Wie kann man eine Lampe am einfachsten für das Schlaf» zimmer umbauen? Verkürzungsrätsel. Nimm von dem Land, Das Schnee und Eis dir wies, . Di« Hälfte fort Und schaff' ein Paradies.» Auflösung der Aufgaben nächsten Mittwoch. Auflösungen der Rätsel aus voriger Nummer. Sreuzworlrälsel. Wagerecht: I.Ado: 4. Inn: 6. Habitus: 9. Rmn: 11. Leu: 12. All: 14. Rabbi: 16. flau: 18. Elis: 20. Ries: 21. Idar: 22. Laus: 24. Saal: 25. Rares: 26. Ufo: 28. wer; 30. Dementi: 32. Cw«: 33. Rot.— Senkrecht: 1. Ahr: 2. Ohm: 3. Sieb: 4. Jsa: 5. Nil: 7. Blau: 8. Tub«: 10. Uffilas: 13. Lassallc: 14. Rasur: 15. Jlios: 17. Leo: 19. Ida: 23. Saum: 24. Sein: 26. Ute: 27. Ode: 28. wir; 29. Rot: 31. es. Silbenrätsel: 1, Deckel: 2. Emilie: 3. Sechsundsechzig: 4. Akistel: 5. Edelweiß: 6. Neger: 7. Sandalen: 8 Ehrsstian: 9. Elefant: 10. Nase: 11. Gutenberg: 12. Eisenbahn: 13. Meißner: 14. tichtland.— Des Menschen Gemüt ist sein Geschick Zahlenreimspiel: Brei, bereit, breit(2=4 e). Anagramm: 1. Warenkunde: 2. Oberammergau-, 3." Lazarus: 4. Lettland: 5. Efchweiler: 6. Nordhausen: 7. Baptisten: 8. Esperanto: 9. Fortuna: 10. Robespierre: 11. Eisenbahn; 12. Jsergebirg«: 13. Theodor.— Wollen befreit! Aufbau: Ei. Lei. Leid. Kleid. Magisches Quadrat: 1. Whist: 2. Herta: 3. Jraisj 4. Stint: 5. Taste, Nr. 258 45. Jahrgang Technik Sonnabend 2. Juni 1928: 50 Jahre im Tale der Uhren. Das Zentrum der deutschen Uhrmacherschaft. Der im Leben und in der Tätigkeit stehende Mensch ist nicht So eng an die Zeiteinteilung gefetiet, daß er genötigt wäre, mit Bruchteilen von Sekunden oder überhaupt nur mit Sekunden zu rechnen. Es genügt ihm, wenn er in der Tasche oder an der Wand jene Maschine tiden hört, die ihm die grobe Einteilung der Zeit nach Kräften vermittelt. Er wird faum davon berührt, wenn dieses Instrument in einer Boche fünf oder gar zehn Minuten vor oder nach geht. Nach einigen Tagen nimmt er die notwendige Regulierung vor und ist beruhigt in dem Gedanken, Daß er jetzt wieder nach der richtigen Zeit" leben kann. Für den Wissenschaftler, den Astronomen, den Seemann und noch für so manch anderen ist eine Maschine, die dermaßen ungenau den Lauf der Zeit registriert, völlig ungenügend, und er be= darf der Meisterwerke der Uhrenkunst, um ,, auf dem laufenden" zu bieiben. Seine Uhr muß so genau den Lauf der Zeit verfolgen, daß in einer Woche faum eine Zehntelsekunde Abweichung eintritt. Ja, es wird sogar gefordert, daß diese Abweichung noch nicht eine Hundertstelsekunde beträgt. Uhren dieser Art werden für den Handel in Einzelfällen hergestellt, es sind Meisterwerke der Präzisionsmechanit, . mit den wenig einträglichen Arbeiten der von Prof. Förster gegründeten Gesellschaft für Chronometrie mühsam über Wasser hielt. In späteren Jahren, und zwar erst nach dem Kriege, in der Inflationszeit, erhielt die Schule staatliche Unterstützung, und sie fonnte Die Uhrmacherschule in Glashütte. 14 die nur von durchgebildeten Künstlern vom Fach hergestellt werden können. Und der Nachwuchs ist recht fümmerlich. Das liegt daran, weil heute faſt alle Uhren, die im täglichen Verkehr gebraucht werden, der Uhrenindustrie, also der Massenherstellung| fich ein eigenes, schönes Haus bauen, das heute im Mittelpunkt des entstammen; brauchbare, tüchtige Instrumente, billig und haltbar, vollständig dem 3wed genügend, aber nicht Uhren im Sinne des Fachmannes. Es gibt in einem der erzgebirgischen Täler nun jene Präzi sionsuhrenindustrie, die wie eine tostbare Pflanze gedeiht. Sie K G Modell einer Zylinderhemmung. wird gehegt und gepflegt, da nach ihrem Schwinden kaum jemand in der Lage wäre, eine so föstliche Blüte der Uhrenmechanik wieder neu zu beleben. Die zwei großen Werkstätten, die sich vor Jahr zehnten hier niedergelassen haben, sind für die Uhrenherstellung in der Welt an und für sich ohne Bedeutung, aber daß aus ihnen jenes Institut entstanden ist, das dem ganzen Erdball die besten Uhrmacher liefert, das verdient einmal festgehalten zu werden. Es handelt sich um die deutsche Uhrmacherschule in Glas hütte, die in diesem Jahre ihr 50jähriges Jubiläum feiern fonnte und deshalb wohl Anlaß bietet, etwas über ihre Existenz zu sagen. Die Gründungsgeschichte fleinen Städtchens alle Augen auf sich zieht. Die Schule ist nur flein, sie ist beileibe nicht zu vergleichen mit großen technischen Instituten anderer Art, und nicht allzu viele Schüler finden sich in ihren Räumen zusammen. Sie ist glänzend eingerichtet und enthält neben einem sehr interessanten Museum ein Arsenal der feinsten Werkzeuge, die in diesen feinen Dingen steckt. Meist wird er gar nicht in der Lage sein, das zu beurteilen, und nur an einem Beispiel ist es möglich, zu zeigen, was als Selbstverständlichkeit hier von jedem der Teilnehmer verlangt wird. So ist 3. B. jeder Schüler gehalten, fich aus dem Rohmaterial, das er sich selbst beschaffen muß, eine Uhr selbst herzustellen. An solch einer Uhr, die z. B. für eine Taschenuhr wohl das höchste an Präzision darstellt, arbeitet der Schüler ein oder auch zwei Jahre. Der Preis, der von Liebhabern für diese Taschenuhren gezahlt wird, die oft das sogenannte fliegende Drehgestell" ents hält( eine Vorrichtung, um jede Abweichung im Gang zu verhindern), ist etwa 2000 bis 3000 mark. Aber die Schüler wollen sich meist von diesen Werken nicht trennen. Prüfungsarbeiten, die sehr gern ge leistet werden, find auch die Seechronometer, mit der auf das genaueste ausgearbeiteten Anfer hemmung. Ein derartiges Instrument, an dem jedes Pleinste Teilchen mit der Hand gearbeitet ist, reprä= sentiert natürlich einen Wert, der sich gar nicht schätzen läßt. Es ist vielleicht bei dieser Gelegenheit interessant, zu erfahren, daß die Politur der. inneren Teile einer Uhr, also das Blizzblante, nicht nur da ist, um die Augen des Beschauers zu erfreuen, sondern daß dieser Glanz notwendig ist, um das Gangwert vor jeder Oxydation zu schützen. Je fostbarer eine Uhr ist, je besser sind ihre inneren Teile poliert. Als Kuriosum mag angeführt werden, daß das Pendel einer Präzisionsmanduhr, die 3. B. genauer geht, als es die astronomische Zeiteinteilung vermag, an Herstellungskosten 2000 Mark erfordert( d. h. mur der Bendelstab mit dem Gewicht daran). die in der Uhrmacherkunst und in der Feinmechani! Berwendung finden. Das sind Dinge, von denen sich der Laie taum einen Begriff machen kann. Instrumente, in denen jede Abweichung vom Hundertstelmillimeter auf das genaueste registriert wird, und es ist natürlich klar, daß die Apparate, die zur Herstellung dieser feinmechanischen Dinge dienen, noch um vieles genauer gearbeitet sein müssen. Man paßt natürlich das Ziel der Ausbildung der Schüler den Arbeitsbedingungen der ganzen Welt an. Die Feinmechaniker gebrauchen vorwiegend eine rein maschinelle Ausbildung, die auf Reihen und Massenanfertigung abgestimmt ist. In der Uhrmacherei ist dagegen die Grundlage auch heute noch die allerbeste Handarbeit. Man geht dabei von dem Grundgedanken aus, daß das Kaliber unserer Anferuhren heute ein derartiges ist, daß eine solche ihr vollständig in jeder gut ausgerüsteten Uhrmachermerkstatt hergestellt werden könnte. Da sich das Bedürfnis nach Technikern für die Taschenuhrfabri fation in letzter Zeit besonders geltend machte, dehnt die Schule ihren Unterricht auch auf die Konstruktionslehre und auf genaue Kenntnis der Werkzeugmaschinen aus, so daß sie Dollwertige Techniker für ihre Fabrikation und Feinmechanik ins Leben schickt. Jeder Schüler soll hier, wenn er in die Welt tritt, ein Kraftzentrum sein, von dem wieder Kenntnisse und Fertigkeiten ausstrahlen. Wer die Erzeugnisse der Werkstätten der Schule sieht, wird erstaunt sein über die Unsumme von Arbeit, 11 12 5 diefes einzigartigen Instituts fällt in die Zeit nach dem DeutschFranzösischen Krieg. Es ging damals, wie immer nach einem Scheinaufschwung, hoch und leichtsinnig her, auch im Handwerklichen. Durch die Beschleunigung des Umwandlungsprozesses von der handwerksmäßigen zur fabrikmäßigen Herstellungsweise wurden unter den Industrierittern die ungesundesten Ideen gezüchtet. Das Verständnis für Wertarbeit nahm ernstlichen Schaden, und die gute handwerkliche Kunst wurde als überflüssig beseite geschoben. Auf allen Gebieten machte sich dieses bemerkbar, an allen Bauten, an allen Einrichtungs- und Gebrauchsgegenständen. Es war die schlimmste und beschämendste Epoche des deutschen Handwerks. ,, Billig und schlecht" mar damals tatsächlich das Leitmotin jeden Gewerbes. Auf keinem anderen Gebiet machte sich diese Qualitätsfentung so bemerkbar, wie auf dem der Feinmechanit, und im besonderen der Uhrenherstellung. Das führte einfichtige Leute des deutschen Uhrmachergemerbes auf den Gedanken, in dem erzgebirgischen Städtchen, das bis zu jener Zeit die beften Uhren geliefert hatte, eine Stätte der Tradition und der Ausbildung zu gründen, die die fast verlorene Stunft mit alter Gründlichkeit weiter. betrieb. 1878 murde die erste Uhrmacherschule von Moriz Großmann begründet und im Laufe der nächsten Jahrzehnte auch mit Erfolg fortgeführt. In späteren Jahren fam dann noch ein Mann hinzu, Ludwig Strasser, der als eine der hervorragendsten Persönlichkeiten der deutschen Uhrmacherschaft heute noch gilt. In dieser Schule wurde nur die vornehmste Kunst der Präzision gelehrt und streng alles, was an Massenherstellung erinnerte, verbannt. Man drängte damals, um die Finanzen der Uhrenindustrie in Glashütte zu heben, auf den Bau einer sogenannten„ Serienuhr". Der Verfuch murde gemacht, aber bald wieder aufgegeben. Massenmurts" perlegte die Künstlerehre diejer tüchtigen Handwerkerschar, die sich die die Lehrerschaft der Uhrmacherschule anfertigte. www Eine Weltzeituhr, Kro . eh Modell einer Grohemhemmung. aicbitni whoisg So füllt diese Schule im Winkel des Erzgebirges einen wichtigen Platz in der Uhrenindustrie der ganzen Welt aus. Wie ihr fluger Leiter, Oberstudienrat Direktor Dr. Giebel, türzlich erzählte, sieht man auf die Maffenuhren durchaus nicht mit der Geringschäzung herab, wie es von den Gelehrten eines solchen Insti tuts vielleicht angenommen werden könnte. Er führte dabei das darstellende Beispiel an, daß eine übliche Weckeruhr zum Preise von 3 Mart, in die Ecke geworfen, in den meisten Fällen wieder weitergeht ein Experiment, das man sich mit den Qualitätsuhren des Instituts bestimmt nicht erlauben darf.. Neue Bücher. Dr.- Ing. Steinitz: Neue Fortschritte in Fahrradtechnik und verkehr. Von Dr.- Ing. Steinig, herausgegeben vom e. V. Fortschrittliche Verkehrstechnik, Berlin SW, Bergmannstr. 51. Taschenbuchformat, 64 Seiten mit Illustrationen, Preis 75 Pf. Biele Fahrradbücher, die jedem Schüler geläufige Einzelheiten wiederholen, interessieren kaum noch. Diese Schrift des bekannten Berkehrstechnikers bietet jedoch überraschend viel Neues und Bahn brechendes in flarer und schmackhafter Form. Sie besteht aus einer Reihe von Auffäßen, von denen manche, wie z. B. Fahrräder mit Rotorantrieb" und" Fliegende und springende Fahrräder", noch in der Entwicklung befindliche Probleme von sportlichem Reiz behandeln, während andere auf dem festen Boden bereits bewährter Fortschritte stehen, wie die Aufsätze über mehrgang- Naben" und die von größter Sachkenntnis zeugende Abhand lung über die neueste Entwicklung der Fahrradfabrikation. Aus dem reichhaltigen Inhalte seien noch die Artikel Neue Rahmenformen",„ Das Fahrrad des Rennfahrers" und der Schlußaufsatz, der Anregungen für die Organisation des großstädtischen Ausflugverkehrs enthält, erwähnt. Nicht nur alte und junge Radfahrer werden das Büchlein gern lesen, sondern auch der Fachmann wird aus ihm manche Anregung schöpfen. Der Berliner Bezirksverein Deutscher Ingenieure hält am 6. Juni in der Technischen Hochschule in Charlottenburg seine Monatsversammlung ab. Herr Walter Angermund spricht über Neuzeitliche Berkehrsflugzeuge und ihre meitere Entwidlung. Der Luftverkehr von heute und morgen", Anschließenb Filme Der Groß- Luftmeg Berlin- Dabrid. d�yr/Lnc/c/hikl Sport überall. R e n n s p o r t: Die letzte Etappe auf dem Wege zum Derby stellt das Union-Rennen in Hoppegarten(40 500 ZZ», 2200 Meter) dar. Farinelli oder Farn heißt hier die Frage, wer wird zum Derbyfavoriten avancieren? In Frankfurt a. M., Halle, Breslau, Hör st- Em scher und Bremen wechseln Flach- und Hindernisrennen in bunter Folge, an allen Plätzen steht inter- essanter Sport in Aussicht. Die Wiener Freudenau ist der Schauplatz des Oesterreichischen Derbys. Radsport: Biel Abwechslung verspricht da- Programm der Rütt-Arena. Linari unternimmt einen Weltrekordversuch über 4000 Meter, das 100-Kilometer-Mannschastsfahren sieht u. a. Linari- de Martini, Charlier-Duray, Goossens-Stockelynckx, Spears-Lorenz, Louet-Knappe und Mithe-Bufchenhagen am Ablauf. Große Fliegerrennen unter Teilnahme von Michard, Engel, Oszmella, Moeskops, Kaufmann, Fricke, Ruit, Schamberg usw. finden auch in Köln statt. Das Goldene Rad von Dresden vereint Thollembeek, Sawall, Krewer, Snoek, Leddy und Schmidt in Wettbewerb, den Großen Bayernpreis in Nürnberg bestreiten Maronnier, Suter, Storm, Ro- sellen und Röschlein. Dauerrennen finden auch in Bremen statt. Erich Möller hat es beim„Großen Preis von Europa" in Paris in erster Linie mit Linart, Grassin, Schleebaum, Paillard und Sausin zu tun. Von den vielen Straßenrennen ist„Rund um Schwaben" in Schweinfurt den Berufsfahrern reserviert. Tennis: Die Allgemeinen Turniere in Breslau, Kassel und Aachen sind durchweg gut besetzt, in München treten Dr. Büß und Siedhoff gegen die Philippinos Jngayo und Arragon sowie die Spa- nier Flaquer und Morales in Konkurrenz, in Paris werden Frank- reichs Meisterschaften beendet. Berliner Turn- und Sportwoche: Der erste Tag der Berliner Turn- und Sportwoche bringt zahlreiche bedeuwngs- volle Veranstaltungen, so vormittags die Industrie- und die Hochschul- staffel, nachmittags findet im Poststadion ein Bolkssporttag statt, in dessen Rahmen zahlreiche Städtekämpfe vor sich gehen, so Leipzig— Berlin im Handball, Magdeburg— Berlin im Wasserballspiel, Hau- nover— Berlin im Rugbyspicl und Kopenhagen— Berlin im Ringen. VoHcszporttag im Poststadion. Als Auftakt zur Berliner Turn- und Sport woche, die vom 3. bis 10. Juni stattfindet, veranstaltet der„Bund Ber- liner Sport- Verbände" am Sonntag. 3. Juni, 15 Ahr, im Poststadion, Lehrter Straße 57a, einen Volkssporttag, der zum ersten Male sämtliche großen Berliner Sportverbände in gemeinsamer Arbeit zusammen sieht und bestimmt ein großes Sport- ereignis zu werden verspricht. Nicht weniger als 1000 Teilnehmer bedeuten eine stattliche Zahl. Sämtliche Sportarten sind vertreten, so daß ein jeder Besucher auf seine Kosten kommt. Die Fußballer bestreiten ein großes Verbandsspiel: im Handball findet ein Städte- kämpf Leipzig gegen Berlin statt. Der Schwerathletitoerband ver- anstaltet im Ringen einen Städtekampf Kopenhagen gegen Berlin. Im weiteren Verlauf des Festes werden Boxer, Schwimmer, Tennisspieler, Leichtathleten und Radfahrer ihre Sportarten ver- treten. Ein Riesenfeuerwerk bildet den Abschluß der Veranstaltung. Der Vorverkauf bei den Sporthäusern Kohlmey, Kalstr.-, Ka- zurky, Linienstr. 2: Steide!, Rosenthaler Str. 34: Berg, Neukölln, Kottbusser Damm: A. Wertheim: Passage, Laden 30: Sporthaus Rau, Memeckestr. 2» Rochlitz, Joachimsthaler Str. 6: Sport-Peters, Wilmersdorfer Str. 152 und alle» einschlägigen Geschäften ist bereits in vollem Gange. Eintrittspreise 50 Pf. bis 2 M., Arbeitslose und Schüler 30 Pf. Vorverkauf ermäßigte Preise. Hunderennen, Hunderennen! Im P o st st a d i o n in der Lehrter Straße ist nun glücklich auch die zweite Hunderennbahn Berlins eröffnet worden. Sie ist technisch entschieden besser ausgestattet wie die auf der Olympia-Radrennbahn. Die englische Gesellschaft, die mit allen Mitteln den Hunderennbetrieb in Berlin einführen und populär machen will, hält in den neugebauten Ställen 93 Hunde bereit, die schon eifrig trainiert wurden und im allgemeinen eine gute Form zeigten. Allerdings konnte man auch im Poststadion die langen Pausen nicht vermeiden, die schon in Plötzensee draußen die Rennen so langweilig machten, daß die Besucher allgemein zu gähnen an- fingen. Wie wir hören, soll in Tempelhof auf dem Preußen-Sport- platz eine dritte Hunderennbahn angelegt werden, so daß die Berliner es wirklich nicht zu weit haben werden, wenn sie sich den elektrischen Hasen ansehen wollen. Vielleicht wird man uns schließlich doch noch einreden, daß eigentlich aus einen jeden Sportplatz eine Hundcrennbahn gehört. � Vom Boxsport. Rudi W a g en e r trifft am 4. Juni mit dem Dampfer„Berlin" in Bremerhaven ein. Der Amerikafahrer wird sich am 10. Juni in der Dortmunder Westfalenhalle anläßlich des Entscheidungskampfes um die Schwergewichtsmeisterschaft zwischen Ludwig Haymann und Franz Diener der rheinisch-westfölischen Sportgemeinde vorstellen.— Nach dem deutschen Leichtgewichtsmeister Paul Czirfon, der am 5. Juni in Paris mit Frankreichs Meister Raphael durch die Seile klettern wird, kämpft auch Hans Breiten st räter in der franzö- fischen Hauptstadt, und zwar am 23. Juni. Sein Gegner ist der neue französische Halbschwergewichtsmeistcr B o u q u i l l o n. Französische Nennungen für Baden-Baden. Die traditionelle internationale Rennwoche in Baden-Baden wird in diesem Jahre in bczug auf die Beteiligung der französischen Rennställe den Vorkriegszustand annähernd erreichen. Der Neu- nungsschluß für die drei größten Ereignisse der Daden-Badener Woche siel bei der Meldestelle in Paris außerordentlich befriedigend aus. Das den Dreijährigen oorbehaltene Fürstenberg-Rennen(29 000 Mark, 2200 Meter) und das Zukunfts-Rennen für Zweijährige (29 000 M., 1200 Meter) erhielten je elf, der Große Preis von Baden (64 000 M., 2400 Meter) sogar 25 Unterschriften französischer Ställe. Unter den genannten Vollblütern findet man viele, mit denen bereits eine Expedition zu der Internationalen Berliner Renn» woche geplant ist. Die beste Klasse im Fürstenberg-Rennen ver- treten Falko, Mondovi, Tape a l'Oeil und Rais de Coeur. Die drei Erstgenannten finden sich auch im Großen Preis vor, für den u. a. noch so gute Pferde wie Brumeux, Leopardus, Saxophone und Winnipeg genannt wurden. Die FTGB. ruft! Zum Sportwerbefest in Treptow. Am 10. Juni um 14 Uhr veranstaltet die Freie Turner- schaft Groß-Berlin ein großes Sport- und S p i e l f e st auf der Stadionwiese in Treptow. Nachdem findet ein Garten- fest im Spreegarten statt. Alle tmndestreuen Sportvereine und sozialistischen Organisationen werden um Unterstützung dieser Per- anstaltunz gebeten. Die Abteilungen der FTGB. richten sich nach den Bekanntmachungen im Juni-Mitteilungsblatt. Eintrittskarten und Propagandamatsrial abholen von der Geschäftsstelle. Für die technischen Leiter aller Bezirke wichtige Sitzung: 4. Juni Geschäfts- stelle 19,30 Uhr.___ Regatta unier Schwarzrotgold. Der Deutsche Wassersportoerband e. B., der alle sich zu Schwarzrotgold bekennenden Vereine umfaßt, ver- anstaltet am Sonntag, 10. Juni, auf dem TegelerSee seine erste offene Verbandsregatta. Vormittags 10 Uhr findet eine Segelregatta statt, an welcher sich unter Führung des Saatwinkeler Sezelklubs Odin e. V. die Vereine Wassersportvereinigung Stralau e. V. und der Sportverein der Berliner Brennftoffgesellschaft be- teiligen. Nachmittags ab 2 Uhr werden die anderen Rennen aus- getragen, und zwar 6 Ruderrennen und 5 Kajakrennen, an welchen alle Verbandsvereine und einige Gaftboote beteiligt sind. Die zahlreichen Meldungen und dos ausgezeichnete Boots- Material lassen gute Sportleistungen erwarten, die dadurch ein« be- sondere Note erhalten, daß zum erstenmal eine Regatta unter dem schwarzrotgoldenen Stander gefahren wird. Zportfeste am Sonntag. Der 15. Kartellbezirk veranstaltet auf dem städtischen Sport- platz Sadowa(an der Oberspree neben dem Freibad Oberschöne- weide), Straße an der Wuhlheide, ein großangelegtes Werbe- s p o r t f e st. Leichtathletik, Fußball, Handball, Radfahren und Schwerathletik werden in bunter Reihenfolge wechseln. Ein großer Demonstrationszug setzt sich um 14 Uhr vom Bahnhof Niederschöneweide in Bewegung und durchzieht die Brückenstraße, Wilhelminenhofstraße, Straße an der Wuhlheide. Das Sportfest selbst beginnt um 15 Uhr. Die angeschlossenen Vereine aus Treptow, Ober- und Niederschöneweide, Johannisthal, Adlershof und Alt- Glienicke treten mit ihren besten Kräften an, so daß auf dem Sport- platz«in recht anschauliches Bild von der Leistungsfähigkeit der Arbeitersportverein« gegeben werden wird. Die Tagung der Arbeiterathletcn. Vom 7. bis 9. Juli tagt in Dresden der Deutsche Arbeiter- athletenbund. Den Mittelpunkt der Tagung werden die Geschäfts- berichte bilden, die auf ein befriedigendes Leben im Bunde hin- deuten. 6000 neue Mitglieder wurden im letzten Berichts- jähr gewonnen und das Bundesgeschäft entwickelte sich gut. Zur besseren Unterstützung von Lehrkursen in eigener Schule wird eine Beitragserhöhung die Delegierten beschäftigen. Der letzte Bundestag beschloß d-e Selbständigkeit der Artisten- und Iiu-Iitsu-Sparte. Sie beftnden sich ebenso wie die Gewichtheber-, Ringer- und Boxersparte in einem guten Entwicklungsstadium. Bin internationaler Kursus. Einen Turn- und Gymnastikkursus wird zum ersten- mal die Sozialistische Arbeitersportinternadionale vom 20. bis 25. August an der Bundesschule des Arbeiter-Turn- und Sportbundes in Leipzig durchführen. Teilnehmer haben bis jetzt folgende Landes- verbände gemeldet: Finnland, Polen(jüdischer Verband), Schweiz, Oesterreich, Tschechoslowakei(Außiger Verband), Lettland, Deutschland, Elsaß-Lothringen. Da sich die Landesverbände an die verschiedensten Gymnastik� Methoden halten, bedurfte es sorgfältiger Auswahl des Lehrmaterials. Als Grundlagen des Lehrganges find vorgesehen: 1. Allgemeine körperliche Gymnastik für Männer und Frauen. 2. Festfreüibungz- gymnostik und die Ausgestaltung proletarischer Turn- und Sport- feste. 3. Das Turnen an den Geräten für Märmer und Frauen. 4. Wertung bei den internationalen Turnwettkämpfen. 5. Sektions- oder Vereinsturnen. Daneben werden noch Vorträg« und Vor- führungen auf dem Gebiet« der nenzeillichen Körperbildung den Kursusteilnehmern neue Anregungen zur Ausgestaltung ihrer Uebungsweisen geben._ Der Rast in Teltow. Am 10. Juni findet in Stahnsdorf der Reichsarbeitersporttag des Arbeiter-Sport-Kartells Teltow und Umgegend statt, verbunden mit der Einweihung des neuen Ge- mcinde- Sportplatzes. Die Arbeitersportler des Kreises Teltow werden um UnterfWzung gebeten. Besonder« Bitte an die Spiel- leute der einzelnen Verein«. Fahrtoerbindung: Von Lichterfelde-Ost mit der Straßenbahnlinie 100 bis Stahnsdorf. Antreten zum Fest- zug 1 Uhr 45 Minuten vor befti Restaurant Franz G r o t h e, Stahnsdorf-Klein-Machnow. Freie Turnerfchaft Charlottenburg. Sonnabend, 2. Juni, 18 Uhr. Technikerausschußsitzung bei Zippel, Grün-, Ecke Kirschstraße. Sonn- tag, 3. Juni, 9 Uhr, Training für Sportfest auf Westend.— Abt. Tennis: Sonntag, 3. Juni, 14 Uhr, Serienspiele: Charlotten- bürg— Tennis-Rot, U-Mannschaften, Tennisplatze Westend, an der Jugendherberge.... Der Volkslanzkreis Prenzlauer Berg veranstaltet morgen. Sonn- tag, von 19— 22 Uhr im Altersheim Danziger Str. 62 einen Volks- tanzabend. Jugendliche Freunde und Gäste find herzlich willkommen. voraussagen für hoppegarten: 1. Goldstrom— Silo: 2. Dominica— Rosenlippe: 3. Mirim— Marconi: 4. Oberwinter— Löwen- herz II; 5. Farn— Farinelli: 6. Peritus— Maharadja: 7. Modewelt— Mondnacht. Olympischer Fußball. Italien-Spanien 1:1= Vor Deutschland-Uruguay. Dos Stadion in Amsterdam. Von der Gleichwertigkeit der in Amsterdam kämpfenden National- Mannschaften zeugt der Kampf Italien— Spanien, der am Freirag die Spiclserie der zweiten Runde eröffnete. Mit nicht zu beschreibender Energie kämpften beide Mannschaften, besonders die Spanier, die das Pech hatten, in der Mitte der ersten Halbzeit ihren Miitelläuser durch eine Verletzung zu verlieren. Dieser wilckte zwar noch der Pause wieder mit, ohne jedoch merklich in die Erscheinung zu treten. Mit voller Mannschaft erzielte Spanien nach etwa 20 Minuten das Führungstor, dann aber rollte ein Angriff der Italiener nach dem anderen vor das gegnerische Tor, der Ausgleich fiel endlich eine Viertelstunde nach dem Seitenwechsel. Trotz an- haltender Ueberlegenheit der Italiener blieb es bis zum Schluß der regulären Spielzeit beim Stande von 1: 1, zum ersten Male im olympischen Turnier mußte eine Verlängerung eintreten. Auch in der Verlängerung von zweimal 15 Minuten kam es zu keiner Eni- scheidung. Der Kampf mußte schließlich nach 120 Minuten Spiel- dauer abgebrochen werden: er wird am Montag wiederholt. Allem Anschein nach wird das Spiel Deutschland gegen Uruguay am Sonntag nicht weniger interessieren, als das Spiel zwischen Holland und den Südmnerikanern. Als am Donnerstag der Vorverkauf eröffnet wurde, sammelten sich so viele Menschen an, daß di« Post.zei kurzen Prozeß machte und den Vorverkauf einfach verbor. da jeder Verkehr in der Nähe der Geschäftsstelle des Niederländischen Olympischen Komitees einfach unterbunden war. Das Komitee hat nunmehr zu dem Ausweg gegriffen, den Vorverkauf in das Stadion zu verlegen, so daß die Kauslustigen gezwungen sind, sich zu dem außerhalb der Stadt liegenden Stadion zu begeben, wo die Anfamm- lungen allerdings den Verkehr in keiner Weise behindern. Auch in dem so nahe gelegenen Westdeutschland ist dos Interesse ganz außer- ordentlich. Der Sonderzug des Düsseldorfer Mittag ist schon am Donnerstag ausverkauft gewesen, so daß noch ein zweiter arran- giert wurde. Die Eisenbahnverwaltung läßt außerdem zehn Minuten vor jedem nach Holland abgehenden Schnellzug« emen Extrazug ver» kehren.