Ur. 378. Erscheint täglich auSct Montags. Preis pränumerando: Viertel- jährlich z.zo Marl, moitatlich t,it> Ml., wöchentlich 2S Pfg. frei in's Haus. Einzelne Nummer d Pfg. Eonntags-Nummer mit illustr. Eonntags-Beilage„Neue Welt">0 Pfg. Post-Abonnement: s.aoMl. pro Quartal. Unter Kreuzband: Deutschland u. Oesterreich- Ungarn 2 M., für daS übrige Ausland Z Mt. pr. Monat. Sing-lr. in der Post- Zeimugs- Preisliste für lSSS unter Nr. 12. Jahrg. Insertion;- Wsbühr beträgt für Sie fünfgespaltene Petilzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- NN» Bcrsainmlungs- Anzeigen 20 Pfg. Inserate für die nächste Numnier müssen bis« Uhr nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt I,|tr. 1508. kelesrnmn» Adress«: i,?0!i>'lbem»l>rat Kerli»". VeM«er Volksbkalt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Wedaktion: 8V. 19. Weuth-Straße 2.!! Donnerstag, den 28. November 1893.!!j Spedition: 8V. 19. Wenty-Straße Z; Aus England. (Parlamentarischer Humbug, Entläuschungen und Liebesgaben für die Gefolgschaft der Konservativen. Die Auslieferung der Volksschule an die Kirche. Knackfuß in England und die öffent- liche Meinung. Sympathiebezeugungen mit Liebknecht.) London, 23. November. Wen betrügt mail hier?— Das Wort des Grafen Nlmaviva in Figaro's Hochzeit sollte als Motto auf allen Parlamenten stehen. Der Parlamentarismus ist der Betrug in Permanenz, ein ewiges Versprechen und Nichlhalten, Schieben und Verschieben. Bis die Anarchisten eine bessere und auf die Gesellschaft wie sie vorläufig noch ist, anwend- bare Methode der Behandlung der öffentlichen Angelegen- Helten ausgefunden haben werden, müssen wir uns mit der Thatsache trösten, daß es nicht nur die Arbeiter sind, die in den Parlainenten betrogen werden, sondern daß alle Klassen und Parteien abwechselnd dies Schicksal theilen. Die Reichsten und Mächtigsten sind davor so wenig ge- schützt wie die Aermstcn und Gedrucktesten. Die Geschichte des englischen Parlamentarismus ist reich au Beispielen, Ivo die Privilegirtcn im Parlament über's Ohr gehauen wurden, und speziell der gegenwärtige Premierminister kann ein Lied davon singen, wie seine Partei von ihrem eigenen Führer„in beispielloser Weise verratheu" wurde.(Worte des jetzigen Lord Sahsbnry, als Disraeli 1867 das Stimmrecht der stätischcn Arbeiter durchführte.) So ist eS denn auch durchaus natürlich, daß bald die eine, bald die andere Gruppe von Interessenten sich in den Hoffnungen, die sie ans den Rückfall der Macht an die Konservativen gesetzt, kläglich betrogen sieht. So ist es den Doppelivährnngs-Schwärmeru gegangen, so den Textil- interessenten von Lancashire hinsichtlich der Aufhebung der indischen Einfuhrzölle ans Baumwollwaaren, und so den verschiedenen Gescheidten, die vom Sieg der Tories Schutz- zölle irgend welcher Art für ihre speziellen Produkte erhofft haben. Gestern war� wieder eine solche Gruppe verschämter Schntzzöllner— die Hopfenkultivircr von Kent, Snssex«. — bei Lord Salisbury, aber die Antwort, die sie von dem- selben erhielt, war womöglich noch unbefriedigender wie die, welche der Gcwerkvereins- Deputation vom Staatssekretär des Innern zu theil geworden. Lord Salisbury hatte die größte Sympathie mit den Interessenten der Hopfenknltnr — warum sollte er auch nicht, da sie doch seiner eigenen Gesellschaftsklasse angehören?— aber ihre Hoffnung, jetzt, wo er im Amt ist, Schutzzölle für den nationalen Hopfen zu erlangen, konnte er nicht umhin als grundverfehlt zu bezeichnen. Es würde nicht ehrlich sein, meinte er, angesichts des gegenwärtigen Stärkeverhältniffes der politischen Kräfte die Aussicht ans Einführung von Schutzzöllen für irgend einen der im Lande erzeugten Artikel als günstig zu bezeichne». Die liberalen Blätter knüpfen an dieses Bekenntniß die Frage, warum man denn vor ver IZnv Evimtrvmijg; an �viedvickz Engels. Der 28. November, unseres unvergeßlichen Engels Ge- burtstag, ist wiedergekehrt. 75 Jahre, drei volle Menschen- alter, hätte er heute vollendet, den der Tod uns spät und doch all zu früh für unser Empfinden und Hoffen entriß. Doch wie die Nachricht seines Todes auch die Freunde ergriffen haben mag, die Gedanken, welche das Scheiden Friedrich Engels hervorrief, hatten nichts von der Kirchhofsbangigkeit und der demüthigen Resignation, nichts von dem Herben und Traurigen, das der Allsieger Tod sonst in den Herzen der Menschen aufregt. In lebendiger Hoffnungsfrendigkeit und Begeisterung, im Glauben an den Fortschritt und die unbegrenzte Entwickelnng, iin echten menschlichen Gatlnngsstolze hatte unser Gestorbener rastlos gewirkt und sein Leben schön vollendet. Hoch aufgerichtet, im innersten erwärmt von dem Gedanken desAllgemeiuen.spottcnd der müden Verzagtheit, die das Greisenalter der Meisten be- drückt, so steht er auch als Greis noch vor uns. Wo finden wir mnthigere, jugendlichere Worte, als in jener Einleitung zu Marx'„Klassenkämpfe in Frankreich", mit denen der 74 jährige Mentor der internationalen Sozialdemokratie von den Arbeitern Abschied nahm? Alles Werden ist auch ein Vergehen, jede Entwickelnng zugleich eine Auflösung, und so verzehrt auch das individuelle Leben sich selber. Kein Wesen kann dem Weltgesctzc sich entziehen. Doch der Tod verliert denStachel und dieResignation wird vom hoffnungsfrohen menschlichen Gattungsstolze verdrängt, wenn ein Leben in dieser Kraft und Begeisterung erlosch, wie das Leben unseres Engels. Da erscheint der Tod, wie die alten Griechen ihn dachten, als der schöne Knabe, der die sanft verlöschende Fackel des Lebens zur Erde senkt. So gedenken wir seiner auch heute. Engel's öffentliches Wirken ist von kundigen Federn nach seinemTode oft geschildert worden, und das Bild seiner Leistmigen Wahl es für ehrlich gehalten habe, solche Erwartungen zu nähren oder von den Kandidaten der Partei nähren zu lassen. Als ob diese großen Mischpartcien einen Augenblick existiren könnten, wenn sie nicht über ihre Absichten zeit- weise ein gewisses Halbdunkel obwalten ließen. Das Ab wiegen der Kräfte ist in vielen Fällen geradezu erst nach der Wahl möglich, und dann eben erfolgt jenes Schieben und Sichten, dessen Schluß der bcthlemitische Kindermord bildet, mit dem obligaten Heulen und Wehklagen. Uebrigens werden die ländlichen Grundbesitzer nicht ganz leer ausgehen. Schutzzölle verbieten sich in England nach dem Gesetz der politischen Dynamik. Für Steuer- entlastnngen und ähnliche Liebesgaben ist dagegen die Situation ziemlich günstig und schon werden allerhand dahingchörigc Projekte ruchbar. Tank der Harcourt'schcn Steuerreform, der Ablehnung der Harcourt'schcn Schankreform und den enormen Aufschwung des Spekulations- und Gründungswcsens ist der Stand der Finanzen ein unheini- lich günstiger, ist„heidenmäßig viel Geld" disponibel, und ein gut Theil der Ueberschüfse wird für Steuerentlastnng der Gemeinden benutzt werden. Neben den Landwirthen darf die Staatskirche auch Liebesgaben ans deni Staatssäckel nehmen. Sie wird jenen in der Form von Unterstützungen für die von ihr ein- gerichteten Schulen zu theil werden. Ich habe kürzlich erst an dieser Stelle gezeigt, wie viele Schulen in England noch in Händen der Religionsgemeinschaften, insbesondere der Staalskirche sind. Die Radikalen suchten diese Kirchen- schulen schrittweise in öffentliche Schulen zu verwandeln, unter die Kontrolle von gewählten Schulkollegien(„School- boards") zu stellen. Dem wird jetzt ein Riegel vorge- schoben. Die Religion wird dem Volke in der Form erhallen, daß die Schule nach Möglichkeit der Kirche ans- geliefert wird. Die Kirchengemeinschaften erhalten Sub- ventionen für ihre Schulen, um nicht gezwungen zu sein, dieselben zu gunsten von Board-Schulen aufzugeben. Da- gegen könnte selbst der jetzige Staatssekretär für das Unterrichtswesen, Sir John Horst, von dessen Schul- Programm ich in meinem vorigen Briese sprach, nichts ausrichten, sofern er etwa Neigung dazu verspürte. Es ist schon bezeichnend genug, daß während im liberalen Ministeriuni der Untcrrichtssekretär zum Kabinet— dem engeren, leitenden Rath— gehörte, derselbe im jetzigen konservativ-nnionistischen Ministeriuni den kleinen Propheten zugeschoben ist. Man hat Herrn Horst, der eine gewisse Popularität genießt, ins Ministerium nehmen müssen, aber dafür gesorgt, daß er die Flügel nicht zu üppig ausbreitet. Kauni hatte derselbe in einer Ansprache das erwähnte Schulprogramm zum besten gegeben, als Lord Salisbury ans einer 5?onfcrc>iz der konservativen Wahlagenten sein Programm zum besten gab, das da lautete, man müßte auf allen Boardschulen das bei Schaffung des Unterrichts- gesetzes geäußerte Wort als Motto setzen', dieselben würden steht klar vor unserem Auge. Ich denke nicht, das gut Ge- sagte hier zu iviederholen. Aber es möchte wohl an der Zeit sein, daß der und jener, der ihn im Leben gekannt hat, von ihm als Menschen, als liebensivürdigem, gutem Menschen, einiges erzähle, damit wie das Bild seiner Leistungen auch das Bild seiner Person uns immer ver- trauter werde und nach seinem Tode uns noch erfreue. Es ist nicht viel, was ich zu berichten hätte, da ich nur einige Monate mit ihm persönlich ver- kehren durfte, aber dies wenige war für mich von nnver- geßlicher Bedeutung; und es legt Zeugniß ab vom Wesen und persönlichen Wirken des Mannes. Als ich auf der Universität Nationalökonomie zu treiben begann, gerieth ich gleich zuerst in das Marx'sche „Kapital", das ich mit ungeheuerem Interesse, ivenn auch mit mangelhaftem Verständnisse las. Vor allem blieb mir, der ich unter dem Einfluß der Kanti- scheu Philosophie aufgewachsen war, das Wesen der „materialistischen Geschichtsauffassung" im„Kapital" und die Begründung des Sozialismus durch diese Geschichtsaussassung verborgen. Die Ockonomie- Pro- fefforen, die ich hörte, hatten erst rechr keine Ahnung von diesen, Zusammenhang, und so wurzelte sich bei mir die auch heute aus der offiziellen Literatur noch nicht ganz verschwundene Meinung ein, daß Marx den Sozialismus ans seiner Werththeorie gewissermaßen philosophisch deduzire. Durch diese Werththeorie werde die Exploitation von Mehrwerth, die Ausbeutung der Arbeiter- klaffe durch das Kapital, mithin die Ungerechtigkeit der bc- stehenden Wirthschaftsordnung und die Nothwendigkeit ihrer sozialistischen Umgestaltung bewiesen. Doktorenarbeiten über soziale Fragen zeichnen sich'gerne durch„Objektivität" ans, die bei Licht besehen meist nur naseweise SnperUugheit ist. Jedenfalls traf das bei meiner eigenen zu, ich nahm die verschiedene» Lohntheorien vor, konftruirte eine sozialistische Lohnthcorie, die ich dann mit wohlwollender Kritik widerlegte. Der die Lokalstenern höchstens ans 3 Pence pro Pfund Mieths- stenerwerth zu kosten kommen. Der Tory- Premier stellte sich an die Spitze der Reaktionsbewegnng gegen die Demo- kratisirung des Unterrichtswesens.�) Der Gegensatz zwischen Lord Salisbury und Sir John Horst wiederholt sich natürlich in den Reihen der Gefolg- schaft des gegenwärtigen Koalitionsministerinms. Ins- besondere in den Reihen der radikalen Unionisten, die sonst mit Herrn Chamberlain gehen, befinden sich viele Schirl- enthlisiasten und Gegner der StaatsNrche, und einige hervor- ragende Vertreter dieser Richtung haben auch schon ihre Stinime zum Protest erhoben. Aber sie wird machtlos ver- hallen. Selbst wenn sie im Parlament ans den Regierungs- bänken ein nennenswerthes Echo fände, eine größere Zahl von Abgeordneten radikal- oder liberal-unionistischer Kouleur gegen diese Subventionen stimmte, würde das nichts nützen. Denn dann ist zur Roth die Schutztrnppe der ultramoutanen Jrländer zur Hand, die ohne Bedenken für die Subventionen stimmen werden, nicht nur weil ein Theil davon auf die römisch-katholischen Schulen fallen wird, sondern weil sie überhaupt gegen die Volksschulen mit unsektirerischem Unterrichtsprogramm sind. Insbesondere die Grnppe, die in Herrn Tim Healy ihren Führer sieht, wird der Kirche zu Liebe in dieser Sache mil Vergnügen den Gegner» Homerule's gegen die Anhänger Homerule's beistehen. Soweit Rom dabei im Spiele ist, folgt' es seiner gewohnten Politik, aber sehr lehrreich ist es, wie dieselben Leute, welche Home- rule angeblich ob der Priesterherrschaft im katholischen Jr- land bekämpfen, mit den römischen Priestern sich ver- bänden, um die Ausbreitung nicht etwa religionsloser, sondern blas nnsektirerischer Volksschulen zu hintertreiben. Insofern trifft das Knackfnß-Bild hier in gewissen Kreisen dem Künstler seelenverwandte Verehrer. Ueber das Urthcil des nicht zu ihnen gehörenden Publikums empfiehlt es sich dagegen zu schweigen. Für den Regen von strafrechtlichen Verfolgungen und Vernrtheilungen, der sich in neuerer Zeit über die Sozial- demokratie Deutschlands ergossen hat, insbesondere für das über Liebknecht verhängte Urtheil, hat selbst ein so gemäßigtes Blatt, wie die„Wcstminfter Gazette" nur das eine Wort:„Won stons"— ungeheuerlich. Es ist leicht verständlich, daß sich für die große Masse des englischen Publikums der Geist der politischen Rechtsprechung in Deutsch- land in dem über Liebknecht verhängten Urtheit am greifbarsten veranschaulicht. Man weiß, daß über Andere höhere Strafen verhängt worden sind, aber man weiß von den Opfern dieser Strafen nichts oder wenig, und blieb daher *) Bezeichnend ist auch, daß das Hauptorgan der Tones, der „Standard", die in meinem vorigen Brief»nlgetheilte Ansprache des Ministers Hamburg an die' Geiverkschaftsdeputation nur in ganz gekürzter Fassung' gebrachi hat. Grundgedanke war jenes philosophische Vorurtheil, daß Marx den Sozialismus ans seiner Werththeorie ableite. Ich suchte nun zu zeigen, daß diese Ableitung nichl zwingend sei. Kurz, ein Kampf gegen sclbstkonstruirte Windmühlen! Nach dem Examen hatte ich Gelegenheit, auf einige Monate nach London z» gehen. Ich hoffte, dort auch Engels zu sprechen und schickte ihm, als ein ganz Un- bekannter, jene Doktorarbeit, von der ich natürlich große Stücke hielt, ein. Der damals 67jährige Engels hatte wirklich die Geduld und Liebcnsivürdigkeit, in einem aus- führlichcn Brief auf meine„Widerlegung" einzugehen, mir die Jrrthüiner nachzuweisen(fürs erste natürlich ohne Erfolg) und mich in freundlichster Weise einzuladen, ihn zu besuchen, wir würden dann über diese Fragen weiter sprechen. Was ich von London für meine weitere Ausbildung nach Hause gebracht habe, verdanke ich alles ihni. Gleich als ich zum ersten Male ihn in seiner Wohnung aufgesucht hatte, mar ich von ihm bezaubert. Nichts in ihm voil den Schwächen, die sonst mit großen Leistungen so leicht verbunden sind. Keine Spur gciehrtcr Pedanterie, von würdevoll und überlegen thuender' Zurück- Haltung, keine Spur von jener Eitelkeit, die wie der Schatten sonst dem Ruhme folgt. Lustig und angeregt kam mir der 67jährige entgegen. Daß ich trank und rauchte, schien scme gute Laune zn erhöhen. Von meiner Arbeit war nicht weiter die Rede; vom Disputiren hielt er wohl nicht viel und ließ mich ruhig meine Gedankcnwcge weiter gehen. Doch er lud mich zum Wiederkommen ein und von dieser Erlaubniß habe ich denn mit der Unverzagthcit meiner jungen Jahre Gebrauch gemacht. Alle acht oder vierzehn Tage pilgerte ich abends zu seiner Wohnung im Nordwesten hinaus. Einer Augenschwäche wegen halte ihm der Arzt das Lesen bei Licht verboten, und so durfte ich annehmen, daß wuner noch verlialtnißmaßig unberührt von der Sache. Aber seit der Vernrtheilimg Liebknechts ist die Silnalion dem Engländer wie niit einem Schlage klar geworden. Wer Liebknecht ist, weiß man, man kennt seine Vergangenheit, sein öffentliches Wirken. Man kennt die Ereignisse, die seiner jetzt für strasfällig beflindenen Rede vorhergegangen, und man kennt diese Rede selbst. Man folgert, und sicher Nicht mit Unrecht, von dem Geist, der aus dieser Ver- urtheilung spricht, ans die Natur der anderen. Und man bewundert die Festigkeit, die Entschiedenheit und die ruhige Disziplin, welche die Cozialdeinokratie diesen Maßnahmen gegenüber an den Tag legt. Liebknccht's Worte haben hier einen hnnderttansendfältigen Widerhall gefunden, und ganz spontan macht sich der Wunsch geltend, der Synipalhie mit ihm konkreten Ausdruck zu geben. In den Kreisen der Jndependent Labour Varly bereitet man die Uebersendung einer Sympathie-Adresse an Liebknecht vor, und in vielen Ver- sammlnngen dieser Organisation wie der Sozialdemo- kratischen Föderation sind Sympathie-Resolutionen an ihn und seine Leidensgenossen beschlossen worden. Aber diese direkten Btanifestationen beschränken sich durchaus nicht uns die radikale Sozialdemokratie. Die Fabian Sociely ist eine Verbindung durchaus gemäßigter und sehr auf Respektabilität Halteuder Sozialreformer, darunter arich viele Geistliche. In ihrer gestern Abend abgehaltenen Ver« sammlung nun faßte diese Vereinigung einstimmig und unter Applaus folgende, von G. B. Shaw beantragte und H. W. Macrosty unterstützte Resolution: „Resolution beschlossen am 22. November in der Sitzung der Fabian Society in Eliffords Inn. „Tie Gesellschaft der Fabianer wünscht Herrn Wilhelm Liebknecht mit beziig auf seinen jüngsten Konstikt niit der Reichsgewalt ihrer vollen Sympathie zu versichern, und ihr Erstaunen darüber auszudrücken, daß es heutzutage in Tcntschlaud möglich sein kann, ein Mitglied der Volks- Vertretung für eine Meinungsäußerung zu Gefängniß zu verurtheilen, die jedem englischen Staatsbürger erlaubt wäre." Ich will dem nichts hinzufügen. So mäßig die Worte gefaßt sind, eine um so stärkere Empfindung drücken sie aus. Dom fiichNfchctt Tmtdkoge. (Eigener Bericht.) Dresden, 26. November 1805. Der sächsische Landtag hat bei seinem Ziismninentntt wiedernm b«n Beweis seiner parlamentarischen Unfäingkeit geliefert. Die Kaitcllparleien üblen in noch schärferer Weise, als in früheren Sessionen, Bergen altignng gegen die sozialdemokratische Fraklion durch deren e i n st i m m i g e Ausschliebung von den Tepuiaiioneu. Bor zwei Jahren— es bestehen in Sachsen zweijähiige Etatsperioden— wurden die Tepiitationswahlen durch eine Ae> derung der Geschäftsordnung dem Plenum zugeiviesen, während sie früher durch die ausgeloosten Stblheilungeii vorgenommen wurden. Bei der Berathung dieser Aenderung ließ der konservative Fraktion?« redner vernehmen, daß konservative, sowie andere karlellpariei- liche Abgeordnete für die Ausnahme sozialdemokratischei Abgeordneten in die Deputationen seien. Inzwischen hat aber ein stärkerer Druck sich gegen diese Absicht gellend gemacht, so daß es eben zur einmüthigen kartellbrüderlichen Ausschließung kam. Der Abg. Geyer, der bei der Etatsberathnng diesen Umstand besprach, behauptete zu wissen, daß die Regierung den Wunsch geäußert habe, keine Sozialdemokraten n d e n D e p u l a l i o n e n sich gegenüber sehen zu wollen und dieser Wunsch sei allen„Ordnungspnrteilern" Befehl gewesen. Natürlich konnte der greisenhafte Zünfiler, Wechselprotest- Advokat und Präsident der zweiten Kammer, der ans dem Reichstag vor zwei Jahren endlich beseitigte Ackermann, nicht umhin, für diese ausschlnßgebende Miitheilung einen Ordnungsruf zu erlheilen. Aber— widerlegt wurde diese Mittheilung von keiner Seite. UebrigenS ließen es die ersten Sitzungen an weiteren Be- weisen über die Kleinlichkeit und den Niedergang kariellpartei- licher Politik nicht fehlen. I» der Etalsdeballe kam die Aus- schließungsfrage noch einmal zur Sprache. Genosse Geyer geißelte in seiner Etatsrcde die Kartellbrüder weidlich für ihren „Schwabensireich", und da zeigte sich denn, daß nunmehr die meine Besuche ihn ivenigstens in seiner Arbeit nicht stören würden. Unvergeßlich sind mir die Stunden, in denen ich ihn so am Kamin plaudern gehört habe. Immer wieder staunte ich über den Ries.nnmfang seiner Kenntnisse, von welchen er spielend jedem, der ihn hören mochte, gerne mittheilte. Politik, Geschichte, Kriegswesen, Sprachsorschnng, Gesetzgebung, Partci-Erinnerungen, Lileratnr, Nalnrwissen- schaft, Philosophie, alles berührte sein prächtiges Gespräch, und schwerbeladen mit einer Unmenge ganz neuer An- regnngen trat ich dann gegen Millernacht meinen dreistün- digen Heinimarsch an, voll Dank und Glücksgefühl. An nächsten Tage schrieb ich das wesentlichste der Gespräche nieder, und wie oft habe ich diese Notizen noch in späteren Jahren durchgelesen! Ein wunderbarer Hauch von Frische und Glück strömt noch Herne ans jenen Zeilen, die an die schöne Zeit erinnern, mir entgegen. Ich sagte schon, daß Engels über meine Arbeit nicht weiter sprach. Er hatte es auch nicht nöthig, ganz ungewollt und unbeabsichtigt machte ich unter seinem Einfluß meine sozialistische Häutung still für mich selber durch. Das Wesen der materialistischen Geschichtsauffassung wurde durch seine Gespräche in mir lebendig; ich nahm das „Kapital" von neuem durch, aber vor allem wirkte ein Büchlein, das Engels einmal aus einem ungeordneten Broschürenhanfen mir heranskramte und niit auf den Weg gab. Es ivar Engels berühmter„Anti-Tnhring", den ich, da er unter dem Sozialistengesetze in Tenlschlaud verboten war, bisher noch gar nicht in die Hand bekommen hatte. Was Engels mir über den verkehrten Standpunkt meiner Arbeit zu sagen gehabt hätte, das fand ich alles hier in klassiich-schöner Darstellung vor. Und was war ich ihm, dem er von allem so ver- schwenderisch mittheilte? Nichts weiter als ein Unbekannter, der sich für den Sozialismus interessirie. Aber er geizte nicht mit dem, was er geistig besaß, und wie Lessing streme er unbekümmert seine Saaten aus, wo nur Gelegenheit sieb bot. Wie viele junge unbekannte Leute haben gleich nur sich fragend mit Briefen an ihn gewandt, und überall, ,vo er Interesse ahnte, antwortete er eindringlich, klar, ausführlich. Immer war sein Verstand gerüstet und kommandirte die wunderbare Schaar seiner Kenntnisse mit größter Schlagfertigkeit. Was Lafargne einmal von Marx gesagt hat, daß sein Geist einem gewalligen Kriegsdampfer gleiche, der reisefertig, zu jeder noch so langen Fahrt bereit, im Hasen liege, das galt von Engels auch. Als ich London verließ, forderte er mich zu meiner Nationalliberalen diese Komödie vertheidigen, während sie vor zwei Jahren den Konservativen dies überließen. Es ist zweifellos, daß die Nationalliberalen es verstanden haben, sich mehr und mehr an die Regierung heranzudräiigelii und daß, so fest die Regierung auch auf die Unterstützuiig der Konservativen angewiesen ist, es ibr doch nicht angenchni ist, die Hofratbssamilie Acker in a n n- Mehner! berücksichtigen zu müssen, deren Hosrathsmachen- schasten im Lande immer mehr in Mißkredit kommen. Doch das sind nur Persoiiensragen, die für das Land weniger in betracht kommen. Jndeß, der Hofrathsschwiegeriohn Mehnert, sonst seiner Zunge und Beweglichkeit nicht Herr, halt sich in aufialligcr Reserve. Die Konservativen köiliicu es sich auch ganz gern gejallen lassen, wenn die reaktionären Wippchen der Mehrheit von den Nationnlliberalen vertheidigl werden. Die EtatSdebatte gab unserer Fraktion Gelegenheit, die verkehrte Finanzpolitik der Regierung vor dem Lande an- schaulich zu machen. Bor zwei Jahren ließ sich die Regierung gegen den Widerspruch der sozialdemokratischen Abgeordneten die Ermächtigung erlbeilcn, zur Einkommensteuer einen Lllproz. Zuschlag erheben zu dürfen, wenn die Matrikularbeitrnge die lieber- Weisungen nach den Angaben des Reichsetals übersteigen würden. Bekanntlich halte der Rcichsschatzsckretär den Reichsetat durch falsche Veranschlagung der Einnahmen mit einem größeren Defizit belastet. Der Reichstag korrigirte jedoch den Etat, und noch während der sächsische Landtag tagte, wurde es für Jedermann klar, daß der Reichseiat ziemlich ins Gleichgewicht gebracht und damit Höhere Malriknlarbeiträge nicht in Aussicht gestellt wurden. Trotz des Hinweises auf diese Thalsache durch den sozialdemokratischen Redner wurde doch der Zuschlag zur Einkommensteuer bewilligt. Die Regierung erhob denn auch in diesem Jahre einen Zuschlag von il) pCt. Hierfür forderte» unsere Elatredncr Rechenschaft und konstalirten, daß die Finanz- Politik der Regierung auf falschem Wege gewesen, während die Sozialdemokraten Reckt behalten haben. Jehl bestätigt auch der ordnimgspnrteiliche„Freiberger Anzeiger", daß die sozialdemokratische Fraktion in dieser Frage Recht hatte und zapft seinerseits den Finoiizniinister wegen der nnnöthigen Schrüpfuiig der Steuerzahler an. Im Landtag verlheidigte sich der Finanzminister gegenüber den Angriffen unserer Redner ohne Geschick und Glück, die auch jetzt auf die stcuervennchreude Absicht der Regierung nusmerksam machten und deshalb vor dem diesem Zwecke dienenden Plane der sogenannten Reichs-Fiiianzrefarm warnten. In der Thronrede sowohl, wie auch feilens des Finanzministers wird an diesem Plane sesl- gehalten, der das l!l und das O der Finaniipolltik sein müsse. Der Abg. Geyer wandte sich dagegen und meinte, wenn das finanzielle Berhällniß zwischen Reich und Einzelstaaieii nicht ohne neue Stenern zu regeln sei, müsse man sich dagegen wende». Tie Ursacke zu dem sich miß- licher gestaltenden siiianziellen Beihäitniß zwische» Reich und Einzelstaaten seien die steigenden Ausgaben für das Heer. Aber die Regierm gen der Einzelstaaten seien für die Heeresverinehrung, ihnen falle daher auch die Schuld an der schlimniere» Finanzlage zu Wer gegen neue Steuern sei, müsse nicht nur gegen die Miquel'sche„Fiiianzresorm", sondern auch gegen die Heeres- Vermehrung sein. Statt dessen würden schon wieder neue Foide- rungen augesagt und zu deren Teckung werde die Finanzresorm im angegebenen Sinne betrieben. Ferner wendete sich unser Redner gegen die prahlerische Hervorhebung eines„Ausschwunges" der Industrie, überhaupt des Gewerdslebens. Er konstatirte, daß die Arbeiter von dem etwas besseren Geschäftsgänge insofern keinen Vortheil haben, als die Löhne noch auf dem niedrigen Slaude sich befinden, auf den sie in de» letzten Jahren herabgedrücki wurden. Hierfür be- rief sieh der Redner aus eine ninlliche Verfügung der Amtshaupt- inamischaft Chemnitz, die die große Notb unter den Texlilarbeilern bestätigt. Der Minister stellte das unglaubliche Verlangen an den Abg Geyer, ihm diese Verfüglnig vorzulegen, was natürlich Geyer ironisch zurückwies. Auch den Widerstand der Regierung gegen geforderte Resonnen im Eisenbahnwesen unterwalfen die llledner Geyer und Stolle einer scharfen KritU. Letzterer wandle sich außerdem gegen die Ansprüche der Agrarier, denen die Thronrede Versprechungen geinacht habe, während die Regierung im stalistiscken Kalender ziffernmäßig den Nachweis führe, daß die Landwirlhsckafi in Sachsen sich in keiner Nothlage befinde. Hart wurde der Minister des Innern angegriffe» wegen der „doppelten Buchführung" hinsichtlich der Behandlung vop Arbeiterorganisationen, die durch seine Politik zerstört würden und dadurch die Lage der Arbeiter»och tiefer herabgedrückt merde. Heftig kehrte sich der Minister dagegen, wurde aber per- lönlich für diese Dinge von unseren Rednern verantwortlich ge- uivBeu Freude auf, au ihn auch weiterhin zu schreiben. Er hatte eine n.ächlig ausgedehnte Korrespondenz, war aber »nmer bereit, wenn er sich Nutzeil davon versprach, oieselbe weiter auszudehnen. So ließ er sich von mir nicht nur über nieiueu weiteren Entwickelungs- gang berichten, sondern ging auf alles, was ich vorbrachte, in dem Wunsche, zu fördern und aufzuklären, mit der größten Bereitivilligteit ein. Seine Briefe ivie sein Gespräch waren äußerst lebendig Ulid anregend, oft ivitzig und burschikos im Ausdruck. Wo irgend ein Slreben ihm ernst erschien, wußte er es merkwürdig anzuspornen und zu ermuntern. Wie viel Zeit niid Kraft er in dieser absolut selbstlosen Arbeit aufwandte, wird die Publikation seiner Korrespondenz, die wir erwarten dürfen, zeigen. Eine ungefähre Vorstelluiig davon giebt bereits der neulich in der„Leipziger Voikszeitnng" ab- gedruckte Brief, der fast drei Spaiten des Blattes füllt und in wahrhaft glänzender Weise das Wesen der materialisti- scheu Geschichtsauffassung erläutert. Man staunt, daß ein Alaun, der von der öffentlichen Tribüne zu reden gewohnt ist, so viel Kraft an die Aufklärung des einzelnen zu setzen gewillt war. Aber es war auch nicht der Ruhm und der Glanz seines Namens, wonach sein Schaffen trachtete. Er hatte im größten Maße jene Bescheidenheit, die im Wirten für die Sache aufgeht und alle Wünsche des Ehrgeizes darüber vergißt. Wo er Helsen und fördern koniiie, half und förderte er, immer erfreut, wenn er durch seine Kraft die Kräfte Anderer starken toiinte. Nur auf das Wirken, nicht darauf, daß � das Wirken seinen Namen trug, sah dieser Mann. Die schönen Worte, mit denen Sombart seine Engels- Artikel iir der„Zukunft" schloß, treffen das Wesen von Engels:„Durch alle Bitternisse hindurch war feine Per- söiitichkeit menschlich und liebenswürdig geblieben. Und das ist ihm vergolten worden. Das klassenbewußte Pro- letariat vergöttert Laffalle, im Banne seiner gtänzenden Persönlichkeit; in tiefer Ehrfurcht bewundert es Marx und blickt zu ihm auf, wie zu einem wegweisenden hellglitzernden Stern; Friedrich Engels, soweit es ihn kannte, hat es schon bei seinen Lebzeiten geliebt und ver- ehrt wie einen Freund und Vater. Das macht, er war ein guter Mensch." So wird er weiterleben in der Erinnerung des Volkes, wenn auch alle, die ihn persönlich gekannt haben und jetzt in freudiger Dankbarkeit seiner gedenken, ihm längst ins dunkle Reich hinabgefolgt sino. Sein Gedächtniß wird bleiben. C. L. macht, die ihm weitere Fehde für die Berathuiig seines RessortZ ansagten. Es ist kein Zweifel, daß unsere Fraktion den gesamtpten Gegnern einschließlich des Ministerilinls über ist, und daß die Gegner alle Hände voll zu thun haben, die begründeten An- griffe mir einigermaßen abzuwehren. Aber sie haben dabei kein Glück. politische?tcb-eNchl. Berlin, 27. November. Eine neue Haussuchung hat heute wicdernni in Berlin stattgefunden, und zwar bei dem Genossen Stefan Fritz, Vertrauensmann im 3. Berliner Neichstags-Wahl- kreise. Da Genosse Fritz auch bei der allgemeinen Haussuchung zwei Tage vorher von der Polizei be- rücksichtigt worden war, scheint die Ernenernug der Prozedur so eine Art Nachtrags- oder Ergänzungs- verfahren zu der Eeneralrazzia zu sein. Die Haussuchung wurde recht gründlich vorgenommen; es wurden die Betten durchsucht, die Möbel umgekehrt, selbst die Asche von ver- branntem Stullenpapier unter deni Küchenheerd erregte die Neugier der Vertreter von Ordnung und Gesetz: Konnte nicht in jenem Aschenhaufen vielleicht ein Rest verbrannten beschriebenen Papiers übrig geblieben sein, der gefährliche Verbiiidungen enthülllte? Aber nein, Stiillen- papier blieb Stullenpapier selbst im verkohlten Zustande. Mit der Ausbeute einiger tausend Sammelbons zogen die Beamten schließlich von dannen. Vielleicht versuchen sie ihr Glück demnächst anderswo.— Zn der Aktion der Berliner Polizei gegen die sozialdemokratischen Vereinsvorstände bemerkt die„Frei- sinnige Zeitung" zutreffend: „Diese Parngrapheii res Vcreinsgesetzes verbieten den Vor- einen, welche politische Gegenstände in Versaininlungen erörtern, Frauenspersonen, Schüler und Lehrlinge als Milglieder ausjilnchincn und mit anderenVereinen gleicher Älrt in Verbindiing zu t r e l e n. Gerade diese Bestimmung des Vereiusgesetzes, auf welche sich die Haiissiichuiigsn beziehen, ist aber längst weit über iste liberale» Parteien hi»a»s als unhaltbar anerkannt worden. Was wurde beispielewnse aus den l a i> d iv i r t h s ch a f t- ticken Vereinen, wenn der§8 des Vereiusgesetzes gegen dieselben strikt zur Anweudiing gebrückt würde? Tie landivirlhsckastlichen Vereine sind gegenwärtig der Herd politischer Agitationen, tuid alle iantwirlhickaftlichen Vereine stehen unter einander in e n g st e r Verbindung Auch ohne Haussuchungen zn veranstalten, liegen die B.weise hieriür in der Orfsentlichkeit klar zn tage. Als jüngst von einer Novelle zum V�einsgesetz die Rede war, wurde seldst von»ationaUiberaler Seiie�esürivortet, den§ 8 niit seinem Verbot der Verbindung politischli�ereine unter einander auszuheben."— Behördliche Fürsorge für die Sozialvemokran�. Unser Solinger Partei-Organ, die„Bergische Arbeiter- stimme" veröffentlicht die folgende, ausdrücklich als geheim bezeichnete Verfügung des Düsseldorfer Regierungspräsi- deuten an die Solinger Polizeiverwaltung: „Die Polizeibehörden werden hiermit aufgefordert, regel« mäßige Semesterberichte über die sozialdemokralische Bewegung zn erstatlen. Diese Berichte sollen einen klaren Ueberblick über die weitere Entwicklung der sozialdemokratischen Bewegung im dortigen Kreise gewähren. Sie sollen sich daher nicht nur auf die einzelnen Thalsachen in einzelnen Versammlungen beschränken, sontern alle Verhältnisse in die Erörterung ziehen, welche die sozialdemokratische Bewegung zn Tage iöedert. So ist die Haltung der sozialdemokratischen Presse, die Entwickelnng, das Eindringen der Sozialdemokratie in nicht politische Vereine, wie Gesang- und Turnvereiiie, ihr Vordringen in die Verwaltungen der Krankenkasse», ihre Erfolge bei allen öffentlichen Wahlen, ihr etwaiges Fortschreiten auf dem Lande u. s. w. eingehend zu erörtern. Dabei soll thunlichst den Ursachen der wichtigen Erscheinungen in der sozial, demokratischen Bewegung nachgespürt werden und sind geeigneienfalls die Mittel zur Sprache zu bringen, welche gegen etwaige bedenkliche Vorgänge für zweck- dienlich erachtet werden. Diesen Berichten soll eine be» sondere Aufmerksamkeit zugewendet werden und sind dieselben für dieses Jahr spätestens ais zum 1. Oktober, in Zukunft bis zum l. April und I. Oktober zu erstatten. Außerdem soll auch in Zukunft über Ereignisse von hervorragender aktueller Be« deulung, z. B. über wicktige Borkommnisje sozialdemokralischer und emarcküstischer(!! Die Red.) Agitation in der Presse und in Versammluilgen stets sofort berichtet werden." Das geheime Aktenstücke in letzter Zeit so häufig ver- folgende Mißgeschick brachte auch den ersten Semester- beucht des Solinger Bürgermeisters v. Thiel zur Kenntuiß der Redaktion der„Bergischen Arbeiterstimme". Er umiaßt zirka>5 Seile» Kanztei-Konzepl. lieber den Inhalt erfahren wir. daß die dekannlcn Soziatdeinokrate» Solingens, die„Träger der Bewegung" durchmeg als tüchtige und fleißige Arbeiter zu bezeichne» seien. Das Einbringen der Sozial- demokratie in die städtischen und sonstigen Verwaltungen, auch die Thäiigkeit der Beisitzer am Gen�erdegerichl gäbe„zu Bedenken keinerlei'Vulaff" Die Parleizwistigkeilen, welche naturgemäß allen unseren Gegnern die größte Freude bereite» mußten, werden in dem Bericht auch gebührend gewürdigt, nicht minder auch der durch genügsam bekannte Ursache» noch zu wünsche» übrig laiienoe Einfluß des hiesigen Partei- Organs. Rühmlichst wird anerkannt, daß in de» Geiverkschasten der Solinger Judustrie keine � sozialistische Propaganda getnebe» würde, man sich dort vielniehr ausschließlich mit den Lohn- und ArbeilZdedingniigen beiasse, zum giößien Tbeil im Einverständniß mit den Herren Fabrikanten. Auch die im letzten Jahre ansgebrocheiien gröberen Streiks bätte» mit der sozialdemokratischen Belvegung nichts gemein. Von dem im letzten Jahre gegründeten Gewert- sckaslsiarleU hielten sich die Fachvereine der in der Solinger Industrie beschäftigten Arbeiter größientheils und gruudsätz- Uch ser». Mit ausgesprochener sozialistischer Tendenz sei außer dem sozialdemokratischen Volksverein keiner am Platze und der ge« nannte Verein verfüge über keine allzugroße Mitgliederzaht. Derartige Berichte werden übrigens anderwärts schon seit längerer Zeit eingefordert. Ob sie dieselbe Objektivität zeigen, wie anscheinend der Solinger Rapport, wissen wir nicht.— Genosse Stadthogeu hat eine Verurtheilnng vor der Kaniiner Leonhard! des Landgerichts Berlin I davon- getragen. Wegen Beleidigung verschiedener Beamten- kalegorien wurde ihm die ungeheuerliche Strafe von einen» Jahr Gefäugnih znsammenaddirt. Einen ausjührlichen Bericht finden unsere Leser im Beiblatt. schriftliche Erkenntnis gegen Liebknecht lit hcnle eingetroffen. Wir werden es morgen veröfsent- lichen.— Sfnmjii'g Gerede von der beabsichtigten Scha�fmacherei hat bisher auch in der ibm intim ver- bundenen„Post" kein Denienti erfahren. Dadurch wächst die Wahrscheinlichkeit der Richtigkeit der Mit- theilung.— Eine Verhaftniig wegen Majestiitsbeleidiguiig berichtet der„Beobachter" in C h e in n i tz:„Der Vertrauensmann der Brauer, Albin Graichen, der auf der Schloßbrauerei arbeitete, ist gestern Mittag 12 Uhr, als er die Arbeit verließ, verhaftet worden. Nachmittags kam ein Schutzmann in die Bchchuuug und theilte der zu Tode erschrockenen Frau bündig die Verhaftung mit.— So weit wir über die Sache unterrichtet sind, soll Graichen die Viajestätsbeleidigung, wegen welcher er bereits in Untersuchung gezogen war, in der hiesigen Antisemiten kneipe „Deutscher K r u g" begangen haben. Graichen war nach unserem Wahlsieg am Tage der Landtagswahl mit zwei seiner Kollegen in jenes gegnerische Lokal gegangen. Er war übrigens, wie uns übereinstimmend versichert wird, angetrunken. Anwesende Antisemiten zogen die Ar- beiter in die Debatte und kaum war eine unvorsichtige Bemerkung gefallen, da liefen sie schon nach einem Schutzmann, damit ja dem Antisemitismus das Ruhmesblatt dieser That nicht entgehe. Graichen wurde zur Wache gebracht und später in Untersuchung gezogen. �etzt ist er nun gar verhaftet worden.— Wir nehmen die Gelegenheit wahr, um wiederholt die Parteigenossen auf das dringendste zu warneu, am Biertische in gegnerischen Lokalen sich zu unbedachten Aeußerungen hinreißen zu lassen. Ein Denunziant ist immer in der Nähe und die sclwere Strafe steht hernach in keinem Verhältuiß zu dem erzielten Effekt." Mannigfache Fährnisse muß die„Branden- b u r g e r Zeitung' über sich ergehen lassen. Sie be- richtet darüber:„Am Montag, den 2. Dezember findet vor dem Schöffengericht eine Verhandlung gegen unseren Re- dakteur E. Wolsgaug wegen Beleidigung der Mitglieder des Landwehr- und Reservevereiiis in Luckenwalde statt. Am folgenden Tage hat sich derselbe hier vor der Straf- kammer wegen Mojestätsbeleidignng und am 5. Dezember wieder vor dem Schöffengericht wegen Beleidigung des Lehrers Heuze in Luckenivatde zu verantworten. Nationalliberale Biedermänner. Sogar den Na- iionalliberalen dämmert allmälig die Erkeuntniß auf, daß die Majestülsbeleidigungs-Prozesse«eine sehr unerfreuliche Erscheinung' sind; sie erklären es aber für„Humbug", daß dieselben„vermöge der Verderbtheit unserer öffentlichen Zu- stände über die Sozialdemokratie hereingebrochen feien." Ter wahre Sachverhalt, wie ihn die„Nalional-Zeitung" zuerst darlegt, sei folgender: „Als im August die nationalen Gedenktage begannen, deren Feier keinerlei Herausforderung für die Sozialdemokratie ent« dielt, forderte diese ihrerseits die große Mehrheit des deutsche» Volkes durch die schmählichsten Herabwürdigungen der Thaten von 1870 und der damaligen leitenden Männer heraus. Gegen dieses Treiben richtete» sich die Reden des Kaisers. Auch wir hätten gewünscht, daß nicht die Krone, sondern ihre verantwortliche» Räihe aus den Plan getreten wären; aber eine politische Führung seitens der Regierung giebt es ja leider feil langer Zeit nicht, sondern nur eine Ressortpolltik, und das Auftreten des Kaisers war nun einmal eine Thalsache. Die Sozialdenwkratie be- antwortete es mit einer systematischen Verhöhnung des Herrschers in Wort und Schrift. Wenn gegen diese nicht eingeschritten wurde, so mußte die Anbängerschast der Herren Liebknecht und Genossen von der Ueberzeugung erfüllt werden, daß die Siaalsgeivatt gegen sie feig und ohnmächtig sei. Deshalb war das scharfe Vorgehen der Justiz nothwendig und gerechtfertigt. Das ist eine niederträchtige Fälschung der T h a t s a ch e n. Die sozialdemokratischen Orgaue haben in diesem Jahr sich über den Krieg von 1370/71, das Sedaufest u. s. w. nicht anders geäußert, als es in den letzten 24 Jahren geschehen war— ja der Ton war durchschnittlich ein milderer als in früheren Jahren, was sich aus der Länge der Zeit erklärt, die uns von jenen Ereignissen trennt. Unverschämt gelogen ist, was das national- liberale Blatt über die Hallung unserer Presse nach der Scdanrede des Kaisers sagt. Die sozialdemokratische Preffe hat sich, nach jener Rede, eine Mäßigung auferlegt, die nur aus dem Bewußtsein des Rechts und der Stärke zu erklären ist, und die von n a t i o n a l 1 i b e r a l e n und konservativen Blättern, z. B. der„Schlesischen Ztg." und dem„Hannoverschen Courier" aus provokatori- s ch e n Gründen als„schwächlich", ja„feig" verhöhnt worden ist. Jetzt wird unsere Haltung von jener Gesell- schaft als„syliematische Verhöhnung" ausgelegt. Und mit solchem— Volk muß man sich herumschlagen!— Eine offene Slgitaiion gegen das Reichsta Vi? ahlrrcht haben die Hamburger Nation liberalen begonnen. Sie hielten eine große geschlossene Versammlung ab. Ein Recktsauwalt Semmler erklärte unter donnerudeni Beifall, bei dem gegenwärtigen Wahl recht hätte das Bürgcrthum in Hamburg keine Anssicht mehr gegen die Sozialdemokratie aufzukommen. Tann wurde eine Resolution augeuommen, die sich gegen das Reichs-Wahlrecht ausspricht.— Das sind doch noch„Republikaner", die es niit preußischen Junker» an Vollsentfremdung aufuehmen können.— Stadtrath nnd Anfsichtsrath. Anläßlich der bevor- stehenden Stadtrathswahlen kommt jetzt auch das„Berliner Tageblatt" zu der ganz richtigen Ansicht, daß es sich denn dock nicht empfehle, Männer zu Berliner Stadträthen zu wachen, die zugleich Aufsichtsrälhe in der Großen Berliner Pserdeeiseubahn-Gesellschaft oder anderer mit der Stadt in Geschäftsverbindung stehenden Aktien- Gesellschaften sind. Aus Sorge um eine etwaige Gewisse nsnoth dieser Herrschaften, bei denen ein Interessen- Konflikt vorkommen könne, räth deshalb das freisinnige Organ, von einer solchen Wahl abzustehen. Bemerkenswerth ist bei dieser löblichen Sorge um das seelische Gleichgewicht der kontmunalen Beamten oder solcher, die es werden wollen, der eine Umstand, daß sie ihm erst gekommen ist, nachdem die sozialdemokratischen Stadlverordnelen und der„Vor- wärts" energisch Front gegen die offenkundigen Mißstände gemackt haben; in den Kreisen der liberalen Riehrheit, sowohl des Magistrats wie der Stadtverordneten, hat man die langen Jahre hindurch die schwierigen EewissensfrageU ohne Schaden für Leib und Seele gelöst uno sich an- scheinend nie die unbarmherzige Untersuchung zugemuthet, ob das denn auch wohl— anständig sei!— In Frankfurt a. Mai« hat sich bereits die Stadt- verordncten-Versammlung mit der Frage beschäftigt, in- wieweit das Amt eines Stadtverordneten einen Manu ab- halten muß, für seine Person oder in Vertretung einer Aktiengesellschaft in geschäftliche Beziehungen zur Stadt- Verwaltung zu treten. Der„Vossischcn Zeitung" wird darüber ans Frankfurt berichtet: „Die Stadtverordneten beriethen heute über die Frage der Zulässigkeit der Vetheiligung von Stadtverordnete» an st ä d t i f ch e n Arbeite»; sie leimien den Antrag Sonne- niann auf Erlaß besonderer Bestinimungen für Ausschreibungen ab, weil erhebliche Mißbände nicht vorgekommen feien, de- schlössen aber, daß f r e i l, ä n d i g e Begebungen an Sladt- verordnete nur mit Genehmigung der V e r s a m m- l u n g erfolgen dürfen." Biel ist also dabei nicht herausgekommen. Wichtig ist die Entscheidung nur, weil darin die Bemerkung der that- sächlichen Unzulräglichkeit der Bekleidung eines städtischen Ehrenamtes mit Geschäftsbeziehungen zu der Stadt- Verwaltung ausgedrückt ist. Und Berlin? Was werden die Berliner Stadtväter thun, die augeblich an der Spitze der bürgerlichen Intelligenz und Zivilisation in Deutschland marschiren?— Ein Mitglied der Kommune, Arthur Arn ould, ist vorigen Sonnlag in Paris gestorben. Er hatte sich in letzter Zeit pauz aus dem politischen Leben zurückgezogen und lebte von seiner Feder. Er schrieb Romane und soziale Studien, die er meist unter dem Decknamen A. Matlhey veröffentlichte. Die sozialistischen Blätter widmen ihm ehrende Nachrufe.— Die neue Heilige Allianz, für welche die jetzt eifrig verbreitete Kuacksuß'sche Zeichnung bildliche Reklame macht, hat sehr wenig Aussicht auf Verwirklichung. Die alte Heilige Allianz, die von dem au religiösem Wahnsinn leidenden Zaar Alexander von Rußland nnd seiner„Scelenbrant", der hysterischen Frau von 5krudetter erfunden wurde, scheiterte bekanntlich an dem Widerstande Englands, dessen weit- sichtiger Staatsmann Canning sich mit Abscheu von dein Plan abwandte und das Gespenst der Heiligen Allianz erfolgreich bannte. Versuche, die Heilige Allianz tvieder heraufzubeschwören, sind schon oft gemacht worden, und stets kam Fiasko. Der jüngste Versuch ist, von vornherein hoffnungslos. Er hat nicht blas in England, sondern auch in Frankreich, an das Herr Kuackfuß sich seltsamer Weise auch wandte, sowie in den meisten anderen Kulturstaateu eine verzweifelt schlechte Aufnahme gefunden. Die höflichste Notiz kann nicht ins Deutsche übersetzt werden, da sie als Majestätsbeleidignng gedeutet werden könnte. Was nun die Original-Heilige Allianz betrifft, so genügt es, die Grabschrift des„Kleinen Mayor" hierher zu setzen:„Die teilige Allianz—— machte sich zur Aufgabe, die t a a t e n nach ch r i st l i ch e n Grundsätzen zu leiten, diente aber-- nur zur Handhabe der gemeinsamen Jnterventionspolitik gegen freiheitliche Bestrebunge n." „Jnterventionspolitik," das heißt Unterdrückung mit Feuer und Schwert. Tie„freiheitlichen Bestrebungen" heißen heute„Umsturz- bestrebnngen" oder„Mächte des Umsturzes". Andere Zeiten, andere Namen. Aber der Gedanke der Heitigen Allianz ist immer der gleiche.— Auch eine Kriegserimierung. In einem ordnung parteilichen Blatte steht zu lesen: „Am 26. November 1870, also gestern vor 25 Jahren. von den Abgeordnete» Bebel und Liebknecht im Reichsiagc folgender Antrag eingebracht:„Der Reichstag wolle beschließen, den Anleihe- Entwarf abzulehnen und folgendes anzunehmen: „In Erwägung, daß der am 19. J»li von Louis Bano- parte, damals Kaiser der Franzosen, an Deutschland erklärte Krieg durch Besiegnng der französischen Heere und Gefangennahme Louis Bonaparte's und Niederwerfung des französischen Kaiserreichs thatsächlich sein Ende er- reicht hat,— in Erwägung, daß nach den eigenen Morien des Königs von Preußen, in der Thronrede und Proklamaiion an das französische Volk der Krieg der deutschen Staaten nothwendig ein Vertheidigungskrieg und keiner gegen das französische Volk sei,— in Erwägung, daß der Krieg, ivelckier trotzdem seit dem 4. September geinhrt wird, im schroffsten Widerspruche mit der königlichen Proklamation fleht, weil er nicht ein Vertheidiglings-, solider» ein Eroberungskrieg. nicht für die- Unabhängigkeit Tenlschlands, sondern die Unterdrückung der edlen französischen Nation geführt iv i r d, beschließt der Reichstag, die Bewilligung der Gelder abzulehnen und fordert de» Vundeskauzler auf, dahin zu wirke», daß unter Verzichlleislung auf jede Aniiexio» französischen Gebietes mit der frcuijösischen Republik schleuuigst Friede ge schlössen werde." Ten Chanvinisten, die diese„Reminiszenz" aus gefrischt haben, sind wir dafür sehr �dankbar.— Deutsches Reich. — Ueber die angeblich bevorstehende D i s � ziplinirnng des Hospredigers a. D. Slöcker halte die„Vos- fische Zeiiimg" Einzelheilcn inilgethcilt. Darauf wird mit folgen dem Dementi in der osfiziöse»„Berliner Korrespondenz" ge- antwortet: „Die Nummer 552 der„Vossifchen Zeilung" vom Montag, den 25. November d. I. enthält auch in andere Bläiler über- gegangene Mülheiliingen über die Slellnngnahme des Evange- lischen Ober-Kirchenraths in einer gegen den Hosprediger a. D. Slöcker angeblich eingeleitelen Disziplinarunlersuchuiig, ins- besondere über die Betheiligili'g des Evangelischen Ober- Kiichenraths an einer angeblich zu gliiisien des Ho predigersa. D. Slöcker im Unilauf befindlichen Petition. Diese Mit- theiluugen sind erfuiide n." Ja, was ist denn nun eigentlich dementirt? Bloß die Ein- Mischung des Ober-Kirchenralhs oder das Disziplinarverfahren überhaupt?— — Die Erhebungen über die Lage des Hand- werks, welche im Sommer stattgeslinden haben, sollen un- günstige Resultate ergeben haben. Unerwartet groß sei die Zahl der Handwerker, die keinen Gehilfen hallen und sozusagen nur noch Slückarbeiter seien. Die Statistik werde im Reichstage zur Sprache gebracht werden.— — Die Novelle zur S e e m a»» s o rdn un g. die im Reichsamte des Innern vorbereitet wird, soll dem Reichstage in der nächsten Session noch nickt zugehen. Man hält wohl andere Maßregeln, so solcke zur Befriedigung der Junker und zur Abwehr gegen die Arbeiterklasse für dringender als die 'Aenderiing der sehr revisionsbedürftigen Seemaiinsordnung, deren Abändernng übrigens schon vor Jahren der sozialdemo- lratische Abg. Schwartz beantragt halte.— — Ein gestrenger und schneidiger Herr ist der Sprottauer Landrath Herr v. K 1 i tz i n g. Selbiger schreibt in ">i� Genosse ausgeste mungsA�ist«._ 'wurde ZßEro Nr. 52 des„Sprottaner Kreisblattes" unter Verfügung Nr. 488„Regelung der Tanzmusiken betreffend", wörtlich folgendes: „Ich muß von den Herren Amtsvor st ehern er- warten, daß sie diese und die weitereu Bestimmungen meiner vorerwähnten Rundverfügungcn in Zukunft auf's strikteste be- achten. Anordnungen sind keine amüsante stieise- l e k t ü r e, die man liest und mit dem Verlassen des Koupee's wieder vergißt. In Zukunft werde ich einschlägliche Zuivider- Handlungen als beabsichtigt ansehen und auf's schärfste ahnden." Das ist ein treffliches Beispiel dafür, wie im Staate Preußen die sogenannte Selbsiverwallung aussieht.— — D i e Stadt D a» z i g soll sich bei ihrem Hafenort Neufahrwasser einen F r e i b e z i r k— nicht etwa einen Freihafen— herstellen wollen. Zur Verarbeitung der bort ein- treffenden Produkte(Getreide und Spiritus) darf der Bezirk nicht benutzt werden. München, 26. November.(Eig. Bericht.) Von de» neun- zehn Rednern, die noch zur Generaldiskussion über de» Militär- etat vorgemerkt waren, kamen nur mehr ein halbes Dutzend zum Wort, die anderen verzichteten, als der Präsident, ein etwas starrköpfiger Sohn der rauhen Oberpfalz, in schon vorgerückter Stunde noch keine Miene machte, den Verlagungsantrag auf- zunehmen. Dafür hat er dann das Vergnügen zu sehen, wie die Spezialdebatte weitschweifiger und langwieriger wird. Mit den Ausführungen des Genosse» Grillenberger war zweifellos der töbepuukt der Debatte überschritten. Wen» das Zentrum die bsicht halte, sich gründlich zu blamiren, so wurde ihm von seinen � heutigen Rednern der Wunsch ausgiebig erfüllt. Namens des»ltramonlane» Klubs sprachen nämlich Wörle, der vom Katbolikenlag her nicht gerade rühmlich bekannte Volks- schullehrer, ein bolsamer Gehilfe der Herren Orterer und Daller; er polemisirte ein iveniges gegen Grillenberger, wiederholte, was Schndler bereits beffer gesagt und meinte naiv zum Kriegsminister, die Volksvertreter müßten allerdings oft Angelegenheiten ver- treten, von deren Uudurchsührbarkeit sie überzeugt seien(!). Ein ganz Kleiner derselben Partei wandte sich unter an- dauernder Heiterkeit des Hauses in wundersamen Stil- Übungen gegen die unrationellen Küchengebräuche in den Kasernen und die Ossiziershunde, welche so große Ve» lästigung während der Manöver-Einquarlirung erzeuge», daß „schon einmal" ein Landmann sagte:„Wenn mir ein Offizier noch einmal einen Hund mitbringt, so schmeiße ich ihn hinaus." Ein ebenso kleiner Zentrurnsman» meinte, vei wistiaer Rücksicht auf die Religion könne die Kaserne eine Erziehungsanstalt ersten Ranges werden. Der Kriegsminister wiederholte darauf einiges aus seinen Ausführungen vom Sonnabend und beantwortete nach- träglich die Anfrage des Genossen Grillenderger, bezüglich der augeblich von der Mililärverwaltung befohlenen kirchlichen Trauungen von verheiratheten Rekruten damit, daß er erklärte. der Eintritt verheirathcter Mannschaften in das Heer sei selten und die Militärverivaltung habe nicht das geringste in der an- gedeuteten Weise verfügt. Schließlich sprachen noch Nichler (Zentr.), Schubert und Brünings(liberal), ohne etwa sonderlich Interessantes vorzubringen. Wie schon telegraphisch gemeldet, erregte das Erscheinen Boll- mar's in der heutigen Sitzung allgemeines Zlussehen. Unser Genosse sieht gesund ans und vermag mit Hilfe eines Stockes völlig ans- recht zu gehen. Die Krückstöcke sind außer Gebrauch gesetzt. Der Erfolg der Kur, welcher sich Vollmar in der Anstalt des be- rühmten Orthopäden Dir. H e s s i n g e r in G ö g g i n g e n bei Augsburg unterzieht, ist ein ganz erstaunlicher. Hessinger hat seinem Patienlen die Versicherung gegeben, ihn soweit zu bringen,„daß er wieder Schlittschuh lausen kann". Nach dem bis jetzt erreichten, erstaunlichen Resultat erscheint diese Ver« sicherung keineswegs-zu optimistisch.— Stuttgart. Zu den Gemeinderaths-Wahlen haben unser« Genossen»nt der deutschen Volksparlei eine geineinsame Liste llt. Von jeder Partei kommen drei Kandidaten ans die Riedlingen, 27. November. Der Landgerichtsrath Gröber- HMbronn wurde heule mit 3709 von 3755 abgegebene» Stimmen zum Landtags- Abgeordneten wiedergewählt. Ein Gegen- kandidat war nicht aufgestellt.-- Oesterreich. — Dem deutschen„V o l 1 s r e ch t", den, in Berlin er- scheinenden Organe der Abgeordneten Böckel und Ahlwardt wurde der Postdebit für Oeslerreich entzogen. Infolge dieser überaus kleinlichen und gehässigen Maßregel wird das antisomitilche Blältchen a» die Organe, mit denen es im Tausch steht, nur unter Kouvert versandt werden müssen. Abonnenten hat es kaum in kiesterreich. Also wieder ein Lusthieb der Reaktion.— — Gegen dasFrauenstudium sprach sich im Budget- ausschusse der Unterrichtsminister aus.— — Pfui! Aus Wien wird heute telegraphirt, daß das Abgeordnetenhaus mit 120 gegen 51 Stimme» die Auslieferung Dr. Lneger's wegen Ehrenbeleidigung beschlossen habe. Die „Auslieserung", d. h. Entziehung der parlamentarischen Unver- letzlichkeit hat das österreichische Abgeordnetenhaus, abgesehen von einem Falle, wo es sich um die Beschuldigung des betrügerischen Bankrotis handelt, stets verweigert! Dem Führer der Amisemiten gegenüber verliert der österreichische Liberalismus den letzten Rest von Scham.— Frankreich. — Die Glashütte für die Glasarbeiter. AnS der Darstellung unseres Pariser Korrespondenten in unserer vor« gestrigen Nummer kennen unsere Genossen bereits die Gründe. worum die Gründung der Carmauxer Ardeiter-Glashütle im Interesse der Gesammtheit der französischen Arbeiter erfolgt ist; sie habe» auch unsere wohlbegründete reservirte Haltung zu diesem Unternehuien kennen gelernt. Die bürgerliche Presse aller Parteien hetzt natürlich schon gegen dies Werk des französischen Proletarials; n n a n- st ä n d i g in der Angriff des Pariser llorrespondenten der „Vossifchen Zeilung", der sich nicht entblödet, folgende schmntzigen Worle zu schreiben:„Als die Führer die(gesammelten) 269 ovo Franks in ilirer Hand hatten, da stiegen ihnen Bedenken auf. Es fiel ihnen schwer, sich von dem Schatze zu trennen. Und warum sollten sie das erfreuliche eld denn auch weggeben? Es war sovielan» genehmer, es zu behalten!" Eine solche Schäbigkeit reicht an unsere französischen Genossen nicht heran, sie verdient nur ein verächtliches Abschütteln.— Serbien« — Die S kuptschina(das Parlament) wurde heute er« öffnet. Tie Thronrede schließt mit dem folgenden Satze; Da der Regierung daran liege, mit der regelrcchien Lösung der Frage der Verfassung eiuen Anfang zu macken, werde sie einen ernsten Vorschlag betreffend die Aenderung der Verfassung der Entscheidung der Skuptichina unterbreiten. Die neue Ver- fassung müsse Bürgschaften für die Dauer bieten." Das beste Mutel hierzu märe, den dicken Milan und sein junges Söhnchen ein für allemal des Landes zu verweisen und sie durch Nichtgewährung von Pensionen zur Arbeit zu zwingen.— Amerika. New-Bork, 27. November. E. C. Benedict, ein vertrauter Freund des Präsidenten Cleveland, erllärt, daß Cleveland eine neuerliche Kandiatur für den Präsidentschafts- P o st e n nicht annehmen werde. Der Präsident habe bereits den Plan einer Reise um die Welt gesaßt. Kuba. Habanuah, 27. Noveiuber. Die Insurgenten besetzen das von den Spaniern vertheidigte Fort„Güines de Miranda".— Oftasien, — Zur Durchführung des chinesisch-japa- nischen Friedensvertrages. Nach den neueste» Be- richten haben die Japaner, nachdem die Chinese» ihnen die Kriegsentschädigung mit französtsch-russischem Pumpgelde bezahlt haben, die Räumung der Halbinsel Liaotong begonnen. Sie schleifen aber vorsichtig alle Festungen, namentlich auch die vo» Port Arthur. So kommen die Russen also in ein leeres Nest, aus dem sie. im Kriegsfall, leicht wieder hinausgejagt werden können.— ».Neue Welt." Dem Beschlüsse des Breslauer Parteitags entsprechend,„wenn irgend möglich, eine Vergrößerung des Blattes „Neue Welt" eintreten zu lassen", hat der Parteivorstand beschlossen, das Unterhaltungsblatt der Partei vom 1. März löSS ab, statt wie bisher in 8 Seiten, von diesen, Termin ab 12 S e i t e n stark erscheinen zu lassen und zwar zu dem gleichen Preise, für den das Blatt bisher geliefert worden ist. Auch in bezug auf die Redaktion wird insofern eine Aenderung eintreten, als vom 1. März 1898 ab Genosse Edgar Steiger, Leipzig, dieselbe übernimmt. Da die Vergrößerung des Blattes erhebliche Mehrkosten verursacht, welche nur durch Er» höhung der Auslage wenigstens zum theil gedeckt werden können, so werden die Genossen der Orte, welche bisher ihrem Partei- blatt noch bürgerliche Unterhaltungsblätter beigelegt haben, in Zukunft wohl dafür Sorge tragen, daß die„Neue Welt" auch bei ihnen eingeführt wird. Ter Laudeövorstand der badischeu Sozialdemokratie erklärt, daß Herr Steg müller nicht, wie behauptet worden ist, der Kammersraktivn als Hospitant angehört! Vielmehr werde Slegmüller's auf dem letzten badischen Parteitag erfolgter Aus- schluß so lange aufrecht erhalten, als er nicht dem Beschlüsse des Franksurter Parteitages durch Niederlegung seines Mandats nach- gekoimnen sei. Ter Parteitag der schweizerischen Sozialdemokraten ist, wie bereits milgetheilt, für den 22. Dezember nach Bern einberufen. Die aufgestellte Tagesordnung ist eine sehr reich- haltige. Wir nennen da zunächst die Initiative für die Eisen- dahn-Verstaatlichung, den Antrag für Demokratisirung der Heeres- einrichtungen, die Stellungnahme zum Forrer'scheu Entwurf einer Kranken- und Unfallversicherung, die Initiative für Einführung der Proportionalwahl zum Nalionalralh, die Reorganisation der Partei. Anträge von den Sektionen liegen bis jetzt nur wenige vor; Basel wird voraussichtlich die Agrarfrage anschneiden, um zunächst eine Aussprache über die ländlichen Verhältnisse herbei- zuführen. Am meisten Aufsehe» macht bis jetzt der Antrag von der ländbichen Sektion Oberwynenlhal für Initiative der Ein- fü h ru v. g eines E i» h e i t s s o l d e s für Offiziere, Unter- ossiziere und Soldaten. Der Sold für das aktive Heer ist gegen- wärlig je»ach dem Grade verschieden. Dste bürgerliche Presse spöttelt über diesen Antrag und meint, daß-tMt wohl nicht ernst geineint sein könne. Sie täuscht sich; »vety«, der Antrag vorderhand auch keine praktische Bedeutung hat, so ist er doch nicht zu unterschätze», denn er ist d« Abneigung gegen das Militärgigerlthum entsprungen; raan hofft mit der Beschneidung des Osfizierssoldes diesem Ein- halt gebieten zu können; dann aber soll auch dem armen Bürger die Last des Biililärdicnstes erleichtert werden und das hofft man durch die Erhöhung des Soldes zu erreichen. Vorder- Hand freilich ist wohl an eine Realisicung dieses Wunsches nicht zu denke», die besitzende Klasse hat die„Klinke de« Gesetzgebung" noch zu fest in Händen, aber kommen wird sie früher oder später doch. Mehr Aussicht auf Verwirklichung dürfte der Antrag für Anhandnahme 'tiner Initiative zur Einsiihrung der Proportionalwahl für den Nationalrath haben, denn der„Proporz" macht allenthalben gute Forlschritte und wird wohl vor der Eidgenossenschast nicht Halt machen wolle». Nicht minder wichtig sind auch die übrigen An- träge des Parteikomitees für den Parteitag. Man kann nach alledem wohl sagen, daß dies einer der wichtigsten Parteilage sein wird, den die schweizerische Sozialdemokratie abgehalten. Er wird alle seine Vorgänger in den Schatten stellen. Polizeilich«?, Gerichtliches-c. — Genosse Kühn in Breslau hatte in einer Volks- Versammlung die Mittheilung gemacht, daß der Wirth eines be- stimmten Lokals seine» Saal de» Sozialdemokralen nicht mehr zur Verfügung stelle» werde. Es sei also Pflicht der Gewerk- schasten. auch dort keine Festlichkeiten mehr abziihallcn. Er er- hielt dafür ein Strafmandat von 30 M. und das Schöffengericht hat dasselbe bestätigt. GetuevKplszAftlicheS. Au die Arbeiter Berlins und Umgegend! Wie bereits im„Vorwärts" des öfteren»ulgelheilt worden ist, befinden sich die Sattler der M i l i t ä r e f f e k t e n- Fabrik von Scholz Nach f. in Schöneberg— 42 an der Zahl— im Streik lind zwar deshalb, nm die Akkordsätze zu erringen, die von den Berliner Militärefsekten- Fabriken bereits gezahlt werden. Der Streik dauert schon beinahe 7 Wochen. Die Situation ist den Ausständigen nach wie vor günstig, da infolge der gegenwärtigen guten Konjunktur sich dem Fabrikanten erst 3 bis 4 Ersatzlräfte zur Verfügung gestellt haben. Der Fabrikant hat bis jetzt noch nicht nachgegeben, da seines Erachtens er in seiner Fabrik die Preise zu be- stimmen habe und nicht die Arbeiter. Die Streikenden sind ihrerseits auch nicht gewillt, nachzugeben, und habe» daher be- schlössen, bis zum äußerste» zu kämpfen, um einmal einigermaßen anständige Akkordsätze zu erringe» und andererseits dem Fabrikanten zu beweisen, daß die Arbeiler auch ein Recht besitzen, bei dem Verkauf ihrer Arbeitskraft ein Wort mitzureden. Streiks koste» nun bekanntlich Geld. Die Berliner Sattler haben sich bei dem Streik bisher vollständig aus ihren eigenen Mitteln über Wasser gehalten, sie können dies auch noch für einige Wochen weiter thiin. Da aber gegenwärtig in Deutschland noch mehrere größere Streiks in der Milllürefsekten- Branche schweben, so werden die Berliner Sattler allzusehr mit Sammlungen i» Anspruch genommen, weshalb wir uns veranlaßt sehe», an die Berliner Arbeiterschaft zu appelliren, uns in diesem gerechten Kampfe so viel wie möglich auch finanziell zu unter- stütze». Sammlungen sollen nun für derartige Zwecke in Berlin nur dann vorgenomme» werden, wenn die Sammelliste» den Stempel der Gewerkschaftskommission tragen. Da ober der Streik in Scköuebelg ist, so erklärt der Ausschuß der Berliner Gewerkschaftskommission sich hierzu nicht für zuständig. Schöueberg hat aber kein Gewerkschastskarkell. Es hat sich daher die im„Vorwärts" bereits erwähnte Volks- Versammlung in Schöneberg, die am 24. cr. abgehalten wurde, mit dem Streik befaßt und ihn für vollständig berechtigt erklärt. Wir bitten nun infolge dieser Umstände, aus die Sammellisten zeichnen zu wolle», obschon sie den Stempel der Berliner Ge- werkschaftskommission nicht tragen. DieLohn- undA gi t a t i ans k o mm issi on derSattler Berlins und Umgegend. I. A.: Bruno Pörsch, Rixdorf, Steinmetzstr. 24. An die Gcwerkschafteu Berlins! Da die Abrechnung über den Streik der Lohgerber und Lederzurichter Berlins in kurzer Zeit stattfindet, werden die Gewerk- schaften, die noch im Besitz von Sammelliste» sind, aufgefordert, diese Listen an M i l l a r g, Annenstr. 16, Gewerkschaftsbureau, abzuliefern. Die Kontmission. Die Firma Silber u. Brandt ersucht uns in Beziehung auf die gestrige Bekanntmachung der Lobnkommifsion der in der Hut- und Filzmaaren-Jndustrie Berlins beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen um Aufnahme folgender Mittheilung: „In unserer Fabrik hat ein Theil der Arbeiterschaft und zwar der in der Formerei beschäftigte, einen zehnstün- d i g e n Arbeitstag gehabt, gegen den dieselbe niemals An- stand genommen hatte. Ans wirthschaftlichen Gründe», ferner um die dem Hauswirth für K r a f t b e z a h l t e M i e t h e. die von den anderen nur männlichen Slationen in der ersten Arbeitsstunde am frühen Morgen nicht ausgenutzt wurde, auszunützen, sahen wir uns gezwungen, die Arbeitszeit von 9 auf 10 Stunde» aus diesen Theil der Arbeiterschaft auszudehnen. Wir wollen dabei nicht unerwähnt lassen, daß in allen andern hiestgen Fabriken der mindestens zehnstündige Arbeitstag Gesetz ist.— Die von uns beabsichtigte Aenderung betrifft, bis aus einen einzigen jungen Menschen von l9 Jahren, der einen Wochenlohn bezieht, nur männliche Akkordarbeiter, denen dadurch ein höherer Verdienst gewährleistet ist. Es sind das im ganzen von unseren über 50 beschäftigten Personen einschließlich des oben erwähnten jungen Mannes nur 14 männliche, wir über- lassen es daher allen billig denkenden Menschen, sich ein Urtheil zu bilde», ob in diesem Falle ein Streik berechtigt ist, zumal ei» Theil der Arbeiter fast seit Anbeginn unseres"Geschäfts, zirka 12 Jahre, einzelne andere 8—10 Jahre ununterbrochen thätig waren, und dadurch den besten Beweis erbracht haben, daß der Lohn ein auskömmlicher ist." Wie wir von anderer Seite erfahren, ist die Slugelegenheit bereits beim Gcwerbegericht anhängig, das als Eimgungsamt von der Firma angerufen wurde. Tie Arbeiter haben dein zu- gestimmt. Die Verhandlung findet bereits heute statt. Beschlagnahme. In dem Zwickau er Bureau des sächsischen„Berg- und Hüttenarbeiter-Verbandes", der bekanntlich durch die behördliche Auslösung zur Liquidation gezwungen worden ist, fanden sich am Morgen des 26. November 3 Polizeibeamte ein und beschlagnahmten sämmtliche Kasse»- bücher und 1979 Belege, die dem Amtsgericht zur Einsicht vor- gelegt werden sollen. In Altona streiken die M a u r e r auf den S i e m s' scheu Baute». Ein größerer Ansstand der Bäckergefelle» Harburgs wird wahrscheinlich unvermeidlich sein. Vor einiger Zeil hatten die Meister de» Geselle» die Forderung bewilligt, dap sie eine Revision der Arbeitsräume und Schlafstellen vornehmen lassen wollten. Trotzdem verweigert nun eine ganze Anzahl Meister den Gesellen den Zutritt zu den Arbeitsräunien. Die Geselle» werden desbalb abermals den Kampf aufnehmen und ihre zuerst anerkannten Forderungen hocichaltcn. 22 Bäckermeister haben ihr Wort gehalten und gestatten die Revision; die übrigen Bäckermeister wollen nur dann eine solche bei sich dulden, ivenn ihre Geselle» sich bei der Kommission über die Arbeitern! und Schlafstellen beschivert haben.— Eine von über 1>. o Pc>.,o»en besuchte Volksv.rsammlung erklärte sich mit den Bäckergesellen solidarisch und versprach dieselben in ihrem Kampfe zu unterstützen. Aus Prag wird dem„Hamb. Korr." gen.-..... Die trager H a n d j ch u h- I» b u st r i e gerieth in eine» ernsten ohnkonstikt. Die Gehilsen traten theilweise in den Ausstand ein, weil ihnen eine Lohnerhöhung nicht bewilligt wurde, und verhängten den Boykott über einzelne Fabriken. 68 Fabrikanten beschlossen, falls die Ausständigen die Arbeit nicht sofort auf- nehmen»nd die Boykottirung" einstelle», Ende dieses Monats sämmtliche» Gehilfen— über>S0a z» kündigen. In diesem Fall würden 60 größere Hand>cy�,-.�t,len geschlossen werden. Dem Tehcrstreik in s"Pest habe» sich auch die M a f ch i» e n in e i st e r und Zerlnngsnusträgerinnen angeschlossen. Die Schließung der Rüruber�or �»»iale des T e u l f ch e» Schneider- u n v S ch n e i d e r i n n e>i• V c r b a n d e Z ist aus„grund" des Art. 19 Abs. 1 Ziffer 2 und 6 des bayerischen Vereinsgesetzes erfolgt, wonach jede Polizcistelle oder Behörde defugt ist, Vereine zu schließe», wenn diese„2. dem Artikel 16 zuivider nicht augezeigte, sohin geheime Versammlungen halten", oder„6. iven» ihre Zwecke oder Beschlüsse den Strafgesetzen zu- widcrlaufeu". Die Schließnug ist übrigens schon am 3. November durch Plenarbcschluß des Magistrats verjügt worden, während sie erst unterm 23. November bekannt gemacht wurde. In voriger Woche wurde bei dem Bevollmächtigten der Filiale eine Haussuchung vorgenommen, wobei ihm nicht gesagt worden sein soll, daß die Filiale längst geschlossen war. Die„Frank. Tagespost" koimnentirt die nelieye i-Aatmga des „freisinnigen" Nürnberger Magistrats wie folgt:„In Arbeirerkreisen zerbricht man sich schon seit der erfolgten Haussuchung die Köpfe über die ivirklichen Gründe zu den, polizeilichen Vorgehen. Manche meinen, es werde sich um eine allgemeine Hetze gegen die dem Unternchmerthnm so imangenebnien Gewerkschaften handeln. wieder andere sind der Anschauung, daß die Schneider sich wegen ihrer hygienischen Bestredungen„lästig gemacht" haben; der Wirktlichkeit näher kommen werde» wohl diejenigen, welche folgendermaßen kalkuliren: In nächster Zeit kommen im Landtag die dem Beschwerde- Ausschuß noch von voriger Session her vorliegenden Beschwerden wegen Vcr- schränkiing des Versammlungsrechts zur Verhandlung. So wenig geneigt»u» die Kammer ist, den Besuch von öffentlichen Aer- sammlungen durch Frauen als gesetzlich zulässig zu erachten, so besteht doch in ziemlich einsiußrcichcn Abgeordneten kreise»(beider Seite» des Hauses) das Bestrebe», den polizeiliche» Quälereien der Gewerkschaften ein Ende zn machen und auch den rauen das Koalitionsrecht zu sichern. Käme ein solcher eschluß zu stände, so wäre dies eine Niederlage für den Polizeuninister Herrn v. Feilitzsch, die er»eben der' Fuchs- mühler schwer verwinden könnte. Was liegt daher näher, als Material zu beschaffen, durch welches„nachgewiesen" wird, daß auch die Gewerkschaften„politische" Vereine sind. Ein solcher Nachweis ist aus grund des obcrftrichterlichen Erkennt- Nlsses vom 29. Dezember 1894 kein großes Kunststück, wenn eine gefällige Polizei einem mit etwas„Material" dabei an die Hand geht." Am Kornhaus-Brückenba» in Bern habe» s ä m m t- l i ch e Z i m>» e r l e u t e die Arbeit eingestellt, weil ihnen zu hohe Abzüge für Versicherungsprämien gemacht wurden. Zum AnSstande der Schiffsban- und Maschinenbau- Arbeiter in Belfast und am Clhdc berichtet die Londoner „A. K.":„Viele Gewerkvereiue habe den Ausständigen ihre Hilfe zugesagt. Die Unternehmer ließen gern mit sich verhandeln, wenn die Arbeiter mir die Forderung des Minimallohnes fallen ließen. Ans Belfast reisen viele von den besten Maschinenbauern nach Eng- land, wo es an Arbeil nicht mangelt In der irischen Stadt macht man sich schon darauf gefaßt, daß sich der Ausstand bis in das neue Jahr hinziehen wird. Die Belfaster Firmen bereiten sich schon vor, die Arbeit ganz einzustellen.— Der Generalsekretär des Gewerkvereins der Maschinenbauer erklärt, daß sich die Finanzen des Vereins in trefflichem Zustande befinde». Im letzten Jahre habe die Vereinskasse 141 46S Pfd. Stcrl. eingenommen und die Mitglieder- zahl habe 75 510 betragen. Die dem Gewerkverein angehöngen Ausständigen erhalten 15 Schilling wöchentlich und die Nicht- Sewerksvereinler fast ebenso viel.— Die große Maschinenbau- rma Harvie, Mc. Orme u. Co. in Glasgow hat sich von dem Verband der Unternehmer losgesagt. DaS Haus verfertigt an- geblich jedoch keine Schiffsmaschinen, sondern„fast lediglich" Maschinen für Zuckerrasfinerie». Die Unternehmer�tzbmen noch immer Bestellungen an, fordern aber höhere Preise. Gevichls-Teilung. X Die Verurtheilmig unseres Genossen Fr. Meyer in Hamburg. Wie gestern schon kurz telegraphisch gemeldet wurde, ist der Verleger und Drucker des Organs deutscher Bauarbeiter „Der Arbeiter", Genoffe Friedrich Meyer zu Hamburg-Eilbeck, vom Hamburger Landgericht zu 8 Monaten Gefängniß ver- urtheilt worden. Scheint die Strafe an sich schon recht hoch, so wird man ihre Höhe erst garnicht verstehen, ivenn man iveisi, welches das Delikt war, wegen dessen sie verhängt wurde.— In Hamburg ist laut Verordnung des Senats der 2. September ein bürgerlicher Feierlag, an dem die Bestimmungen über die Sonntagsruhe gelten. In dem Betriebe des Genossen Meyer, bei dem bekanntlich eine Anzahl Gewerkschastsblätter gedruckt werden, durfte deshalb auch nicht gearbeitet werden und daher verzögerte sich die Expedition der Sepleinbernummer„Des Arbeiter" um einen Tag. Um diese Verzögerung zu entschuldigen, wurde in aller Hast und Eile an die Spitze des Blattes eine Enlschnldiguugsnotiz gesetzt, die in einer scharfen Wendung die Erklärung des Sedantags zum bürgerlichen Feiertag tadelte. Hierin fanden der Hamburger Senat, die Staatsanwaltschaft und das Gericht eine schwere verleumderische Beleidigung des Senats und eine Verächtlichmachung einer obrigkeitlichen Anordnung, weil darin dem Senat niedrige Motive zn seiner Anordnung be- züglich des Sedantages unterschoben wurden. Der Angeklagte erklärte, daß ihm nichts ferner gelegen habe, als eine Beleidigung des Senats. Im letzten Augenblicke habe er die Notiz in Eile und Aufregung geschrieben und er sei nicht im Stande gewesen, sie bezüglich der möglichen Auslegung der Fassung durch den Staatsanwalt zu prüfen. Aber, das, was die Staatsanwaltschaft in ihr finde, habe sie nicht sagen wollen.— Der Vorsitzende, Resave-Offizier, hielt dem Angeklagten Vortrag über die Bedeutung von Schlachtenseiern und über den deutsch-sranzösischen Krieg,„in dem nicht nur Arbeiter, sondern alle Stände Schulter an Schulter ihr Blut für das Baterland vergösse» hätten". Die Notiz habe augenscheinlich nur de» Zweck gehabt, die Leser aufzuhetzen. Das gehe schon aus der ironischen Bezeichnung des Sedantages mit„St. Sedan" hervor, das eine Herabwürdigung des Sedantages bedeute.— Nach diesen Vorträgen des Herr» Landgerichtsdirektors Dr. Burchard dielt es der Staatsanwalt, wie er selbst sagte, nicht mehr für n ö t h i g, auf die geschichtliche Be- deutnng des Sedantages einzugehen. Es komme hauptsächlich auch nur auf den Wortlaut der Notiz an, und in diesem liege eine schwere Verleumdung des Senats, die durch eine Ge- fängnißstrafe von 8 Monaten zu sühnen sei. Der Ver- theidiger Dr. Suse führte an, der Angeklagte habe gewiß dem Senat nicht das unterschiebe» wollen, was der Staatsanwalt heraus- gelesen habe. Er sei deshalb freizusprechen. Ter Angeklagte selbst machte noch geltend, daß der jetzige Senat sich durch die Notiz gar nicht beleidigt fühlen könne, iveil er an dem Beschlüsse nicht inilgeivirkt habe, sondern die Senatoren, die den Beschluß damals faßten, schon lange begraben seien. Aber auch dies nutzte ihm nicht; er wurde zu der beantragten Strafe verurtheilt. In den Urtheilsgründe» heißt es, daß der jetzige Senal sich ivohl beleidigt fühlen könne, iveil der«�..Jahren gefaßte Beschluß dadurch wieder aufgefrischt sei, daß u?chch�Bürgerschast einmal ein Antrag auf Aufhebung des Beschlusses lW�ustimmung des Senats abgelehnt sei. Im Uebrigen sei die Notr�mr aus Bos- heit so geschrieben und entHalle eine niederträchtige V�«le»mdunz des Senats und die Verächtlichmachung einer obrigkeilllHtzn An- ordnung, die sehr schwer bestraft werden müsse. Wege» Anfreizung zur Gewaltthätigkeit hatte sich vo«. der 1. Strafkaulmer am Landgericht l der Kaufmann Genosse Berthold H e y m a» n zu verantworten. Im Sommer d. I. hatte derselbe in seinem Verlage eine Broschüre mit dem Titel: „Ein Paradies soll unsere Erde sein!" erscheinen lassen. Älus Veranlassung der Slaatsanwallfchaft wurde ein bedeu- tender Theil der Auflage, die auf 4000 Exemplare geplant war. beschlagnahmt, da in der Flugschrift eine Aufstachclung der Besitz- losen gegen die Besitzenden gefunden werden muffe. Der An- geklagte bestreitet dies, vor allen Dingen habe«ine derartige Absicht vollständig ferngelegen. Ihn habe bei der Herausgabe der Broschüre der Gedanke geleilet, die sozialdemokratischen Agitationsschriften des Auslandes in guler Uebersetzung dem deutschen Volke zuzuführen, von der geplanten Serie dieser Schriften sei gerade die beschlagnahmte die erste gewesen. Die- selbe rubre von dem holländischen Sozialdemokraten H. van Kool her, der sie in Holland unter dem Pseudonym Rienzi habe erscheinen lassen. Ihm sei von diesem Verfasser persönlich bekannt, daß derselbe im Gegensatz zu anderen dortigen Arbeiterführern nur aus dem gesetzlichen Wege vordringen wolle. Aus diesem Grunde habe er kein Bedenken getragen, die Uebersetzung der Schrift herauszugeben, ihm sei bei der flüchtigen Durchsicht der- selben nichts Strafwürdiges aufgefallen. Die Broschüre kam zur Verlesung. Dieselbe schildert zuerst in poetischer Weise die Schönheit und den ungeheueren Reichthuni der Erde und kritisirt dann die Ausbeutung und das Parasitenthum in der heutigen Gesellschaft, gegen das die Arbeiter ihre Kraft vereinen und um gleiche Rechte kämpfen müssen. Nach Verlesung der Schrift, die zwischen durch eine Menge statistischer Mitlheilungen enthält, überreichte der Vertheidiger des Angeklagten dem Gerichtshofe die Nummer des„Vorwärts" vom 23. November, aus dem ein kurzer Artikel zur Verlesung kam, in dem der holländische Verfasser der inkriminirten Druckschrift sich dagegen verwahrt, daß er sich den darin erwähnten Befreiungs- kämpf anders, als durchaus friedlich gedacht habe; er hoffe von der Gerechtigkeit der deutschen Richter, daß sie die Konfiskation wieder aufHeven würden. Der Staatsanwalt hielt es für sicher, daß der Angeklagte das Bewußtsein, der öffentliche Friede könne durch die Scdrifl gefährdet werden, gehabt haben müsse; er be- antragle 3 Monate Gefängniß. Der Vertheidiger plädirte auf Freisprechung; sicher habe dem Angeklagte» jede aufreizende Ab- ficht gefehlt. Ter Gerichtshof erkannte auf 200 M. Geldstrafe. VepeMen und letzte Zlucherchlen. München, 27. November. Während der Manöver wurde am 17. September d I. ein Kanonier des 4. Artillerie�Regitnents, welcher sich beim Abfeuern eines Geschosses vor der Geschütz- mnndung befand, gelövtet. Das Militärgericht vernrtheilte dieser- halb den Sekonde- Lieutenant Mayr zu 43 Tagen Festung; ein Unterosfizier. sowie ein Kanonier, die mitangeklagt waren, wurden freigesprochen. Luzern, 27. November.(B. H.) Bei einem großen Brande in dem Badeorte Leukerbad am Fuße des Geirnni wurden viele Wohnhäuser und das Hotel„zur Krone" eingeäschert und mehrere Personen verletzt. Konstantinopel, 27. November.(B. H) In Trapeznnt herrscht, nach Privatmeldungen, wiederum Aufruhr. Von ans- ständischen Arabern soll die Hauptstadt von B»meu, Sana, ge- stürmt und deren Garnison niedergemetzelt worden sein. London, 27. November.(W. T. B.) Das Fischerboot „Umbria" landete heute in Gninsby. Die aus zwölf Mann bestehende Mannschaft der deutschen Bark„Louise", die von Middlcsboro nach Tanzig unterwegs war. Dieselbe halte das Schiff in sinkendem Zustande verlassen. Ncw-Pork, 27 November.(B. H.) Ein Orkan richtete im Misstssippuhale im Umkreise von etwa 75 Meilen große Ver-> heerungen an. Verantwortlicher Redakteur: Fritz Kuucrt. Schöneberg-Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Zh. Glocke in Berlin. Tm ck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu 2 Prilagen L Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Uv. 378. Donnerstag, den 38. Uonember 1893. 13. Jahr Su den SkÄdkVerovdnekett-" SkichwÄhlen l 29. d. Mls., von morgens 9 Uhr bis abends 7 Uhr, im 17. und 27. Kommunal-Wahibezirk die Stichmahlen Am finden HHl__________......_______ ,.B zwischen de» freisinnige» Kandidaten und unseren Genossen statt. Im 27. Wahlbezirk fehlten uns bei der Hauptwahl nur einige Stimmen an der absoluten Majorität. Die Wahl des bisherigen Vertreters, Genossen Henke ist absolut sicher, wen» eifrig für rege Betheiligung an der Stichwahl gesorgt wird. Ebenso dürfen wir mit Bestimmtheit auf den Sieg im 17. Wahlbezirk, in welchem unser Genosse Börner zur Stichwahl steht, rechnen, wenn in Haus, Werkstatt und Fabrik energisch für seine Wahl agilirt wird. Es gilt am 29. d. M. diese beiden Bezirke für die Sozialdemokratie zu erobern. Die Genossen dieser Bezirke haben die Pflicht, alles aufzubieten, um den Sieg an unsere Fahne zu sesseln. Aber auch die Genossen, tvelche nicht zur Wahl berufen sind, »lüfsni fleißig bei der Agitation helfen und sich de» Wahlkomitees zur Verfügung stellen. Die Wählerlisten liegen zur Einsichtnahme für den 17. Bezirk bei Börner, Ritterstr. 1a und für den 27. Bezirk b-i Henke, Naunynslr. 27, aus. In erfolgreicher Weise können die Genossen thätig sei», wenn sie die Wohnung ihrer Arbeits genossen erfragen und diejenigen, welche im 17. und 27 Kommual Wahlbezirk ivohnen, energisch zur Erfüllung ihrer Wahlpflicht anhalte». Wir fordern alle Genossen auf, sich in den Dienst der Wahlagitation zu stellen und durch Verbreitung von Flugblättern durch energische und andauernde Agitation in Werkstatt und Fabrik sowie durch lebhaste Hausagrlation für die Wahl der sozialdemokratischen Kandidaten thätig zu sein. ;3mei SkndksMgen. Vor der 8. Strafkammer des Landgerichts I hatte sich heute wieder einmal Genosse Stadlhagen und zwar gleich wegen zweier Sachen zu verantivorten. Als Vorsitzender der Verhandlung fungirte Landgerichts- Direktor Leonhardt. Die Anklagebehörde verlrat Staatsanwalt S t r ä h l e r. Am Vertheidigertisch halte Nechtsanwalt H e r z f e l d Platz genommen. In der ersten Sache handelt es sich um ein Preßvergehen, in der zweite» um drei Versa mmluugsreden. Der Vorsitzende verkündet, daß er zunächst in der Preßsache verhandeln werde. Jnkriminirt sind zwei Artikel des..Vorwärts". In dem einen Artikel mit der Spitzmarke„Wie wird man auf den Polizeiwachen behandelt" soll der Polizeipräsident und die Berliner Polizei, in dem zweiten Artikel mit der Spitzmarke „Wozu habe» Gendarmen Revolver?" der Gendarm Klötzsch aus Reinickeudorf beleidigt sein. Stadthagen giebt zn, die be- treffende Nummer verantwortlich gezeichuet zu haben, indem er bemerkt:„In dieser Nummer bcsindei sich eine Beschwerde an den Justizminister, in der ich über Rechtsanwälte, Richter und über Rechtsbeugung uiich beschwere. Um diese zu vertreten, habe ich die ganze Nummer des„Vorwärts" verantwortlich gezeichnet. Leider ist die Beschwerde nicht unter Anklage gestellt." Die in- kriminirlcu Artikel werden verlesen; es wird darin allgemein von grausamen Mißhnirdlnugen auf Polizeiwachcr berichtet. Die Anklagebehörde sieht darin die Beleidigung des Polizeipräsidiums, dem durch diese Behauptungen indirekt der Vorwurf gemacht sei, es thäte nichts, diese Mißstände abzustellen. Angeklagter Stadthagen bestreitet, daß dieser Vorivurf in dein Artikel »nthalien sei! Zum Beweise dafür, daß thatsächlich zahlreiche grauenhasle Mißhandlungen aus de» Polizeiwachen vorgekommen, beruft er sich auf das Zeugniß von 41 Personen, die sich alle an ihn gewandt haben und über 15 verschiedene Fälle von Miß Handlungen Zeugniß ablegen würden. Allen habe e r von Be- schwerde» abgerathen, da solche in Berlin völlig aussichtslos seien. Zur Beurtheilung der gairzen Sache wäre es aber dann noch nöthig, sämmtliche in den Jahren 1894/95 polizeilich Verhafteten und zur Polizeiivache gebrachten Personen als Zeugen zu lade», damit der Gerichtshof zu prüfen in der Lage sei, ob solche Miß- Handlungen nicht gang und gäbe sind. Staatsanwall Strähler hält eine solche Beiveisausnahme für gänzlich unerheblich gegen über der Frage, ob in dem Artikel Präsidium und Beamte der Polizei beleidigt seien. Der Angeklagte hätte das Recht ge« habt, einzelne Fälle zu spczialisiren, in der Verallgemeinerung und dem Vorwurf, die höheren Beamten thäten nichts, den Miß- Handlungen zu wehre», liege die Beleidigung. Angeklagter be- streitet nochmals, diesen Vorivurf erhoben zuhaben. Die in dem Artikel behauptete Thatsache, daß gelegentlich des Polizeikrawalls am 18. Januar 1894 Polizeibeamte in Luinpen gesteckt wurden und von uniforniirten Beamten geprügelt worden seien, sei wohl gerichtsnotorisch; eventuell trete er Beweis hierfür an. Durch den zweiten Artikel unter der Ueberschrist„Wozu haben Gendarmen Revolver?" fühlt sich der Gendarm Klötzsch beleidigt. Der Angeklagte behauptet, daß derJnhalt desArtikels ans Wahrheil beruhe und beantragte eine umfangreiche Beweiserhebung. Der Gerichtshof hielt in beiden Fällen die Beweiserhebung für erheblich, und beschloß, den Anträgen mit Ausnahme derjenigen auf Ver- nehmung sämmtlicher in den Jahren 1894/95 polizeilich ver- hasteter Personen und mit Ausnahme eines Beweises über die als gerichtsnotorisch erachtete» Vorgänge vom 18. Januar 1894 Folge zu geben. Der Staatsanwalt beantragte, den neuen Termin vor dem 3. Dezember, dem Tage der Reichstags- Eröffnung, anzuberaumen. Angeklagter betont, daß ihm jeder Tag für die Anberaumung des neuen Termins Recht sei mit Ausnahme des 29. d. M., wo er in Leipzig vor das Reichsgericht geladen sei. Der Gerichtshof besckließt, die Ansetznug des neuen Termins thunlichst zn beschleunige». •* Die zweite Sache umsaßt drei selbständige Strasthaten. In- kriminirt sind eine Versammlungsrede, die Stadthagen am 15. September 1894 in Neu-Weißensee, eine zweite Rede, die er am 2. Oktober 1394 in Berlin, und eine dritteRede, die erain I. Mai 1895 bei Friedrichsberg gehalten hat. In den drei Reden soll Stadthagen de» Landrath des Kreises Nieder-Barnim, die ge- sammten Berliner Polizeibeamten und den Polizeipräsidenten, sämmtliche Offiziere und Unteroffiziere der deutschen Armee, den Landgerichts- Direktor Brausewetter, sämnitliche preußische Richter und Verwaltungsbeanite u. s. w. beleidigt habe». Vor Eintritt in die Verhandlung überreicht der Angeklagte einen Protest gegen die Zuständigkeit der Strafkammer unter Hinweis darauf, daß er sämmtliche Staatsbeamte und auch sämnitliche Richter des preußischen Staats beleidigt haben solle. Er be- an tragt, zunächst die Entscheidung des Reichsgerichts über die Znstä» digkeitssrage einziiholen. Der Gerichtshof lehnte den Autrag ab, da das Landgericht diese Frage bereits entschieden und das Kannnergericht eine Beschwerde hiergegen als unzulässig erachtet habe. In der am 15. September vorige» Jahres in Neu- Weißensee abgehaltenen Versammlung sprach der Angeklagte über das Thema„Warum erläßt der Landrath geheime Erlasse?" Ter Angeklagte bestreitet entschiede», daß er etwas anderes als das Aerhällniß der Polizei, der Verwaltung und des Gerichts dargelegt habe. Er habe gezeigt, wie die Verwaltungsbehörden nichts iveiler sind noch sein können, als Organe zur Vertretung der Interessen der herrschenden Klasse. Ferner habe er das Märchen von der Unabhängigkeit des Richters beleuchtet und zu zeigen versucht, daß diese nicht unabhängig sein können. Persönliche Angriffe habe er nicht gemacht, vielmehr vor solchen gewarnt, da nicht die Personen, sondern die Institutionen ver- antwortlich zu machen seien. Eine Ausnahme habe er nur in bezug auf den Herrn Landgerichts- Direktor Brausewetter ge malt." Hierfür trete er vollen Beweis an. Richtig sei auch, daß er in allen Reden das Spitzelthum gegeißelt und vor Lockspitzeln gewarnt habe. Das sei sein Recht, Er verwahrt sich dagegen, daß er solchen Unsinn geschwatzt habe, wie es die aus dem Zusammenhange gerissenen Sätze der Anklage andeuten. Denselben Einwand erhebt der Angeklagte bezüglich des zweiten Anklagetalles. Hier handelt es sich um eine im sozial- demokratischen Wahlverein des 4. Wahlkreises gehaltene Rede über „L u ni p e n g e s i n d e l, Polizei und B r a u s e w e t t e r" und über„geheime Erlasse". Uebrigens sei zu- treffend, daß er etwa gesagt habe:„Der Baler Fried- richs des Großen habe ciniiial in einer Randbemerkung gesagt: Leute von Kopf gehören in die Verwaltung, dumme Teufels aber in die Justiz!" Das ist gleichfalls erweis- lich wahr. Was speziell den Landgerichlsdirektor Brausemetter betreffe, so habe derselbe in dem gegeil ihn(Angekl.) seinerzeit schwebenden ehrengerichtlichen Verfahren, als es sich nin seine Entlassung ans der Recktsanwallschast handle, unter seinem Eide etwas Unrichtiges ausgesagt und er berufe sich zum Beweise dafür auf die Akte» des Ehrengerichtshofes, auf die Mitglieder des letzteren und aus die Akten in der Strafsache Falk und Ge nossen, und ans die R e ch t s a n w ä l t e M ü s e I e r und Dr. S l r a n tz. Ter dritte Anklagcpuukt bezieht sich auf eine Rede, die Stadthagen am 1. Mai d. I. in Berlin gehalten und in derer auch über die Umsturzvorlage gesprochen hat. Es soll da wiederum gegen das Spitzelthunr zu Feld gezogen sein und für das Gebäude als passcudc Inschrift empfohlen haben:„Hier werden für Lumpen jeder Art die höchsten Preise bezahlt". Ter Angeklagte behauptet, er habe über die Umsturzvorlage und besonders über den § 49 a, der eine Prämie für die Lockspitzelei aussetzte, gesprochen und gesagt, wenn dieser Paragraph angenominen iverden sollte, wenn der Reichstag so lies sinken sollte, das Spitzelthuui in besonderen Schutz zu stellen, dann empfehle er für de» Reichstag, wie er das schon für ganz andere Gebäude früher vorgeschlagen. als passende Inschrift:„Hier werden für Lumpen die höchsten Preise gezahlt." Eine Beleidigung irgend jeinands mit Ausnahme der Spitzel könne er in dieser Form nicht finden. Die Sirasanträge sind von fast fämmtlichen preußische» Ministern und dem Polizei- Präsidenten gestellt. Nachdem diese Anträge verlesen sind, wird zur Beiveisausnahme geschritten. Zeuge Gendarm Opitz hat die Versammlung in Neu- Weißensee überwacht und bestätigt fast wörtlich die Angaben der Anklage. Sladtbageu habe über die geheimen Erlasse gesprochen und sehr scharfe Ausdrücke gebraucht. Vors.: Sind denn geheime Erlaffe vorgekommen? Zeuge: Ja, ich weiß nicht, ob ich darüber aussagen darf. Vors Na, wenn es Jhneu bedenklich erscheint, lassen Sie es nur. Sie haben sich Notizen gemacht? Zeuge: Jawohl, ich habe in der Versammlung Notizen gemacht und diese dann mit meinem Kollegen Jacob am nächsten Morgen zu dem Bericht verarbeitet. Die Notizen habe ich aber möglicherweise nicht mehr. Zeuge Gendarm Jacob, der ebenfalls zur Ueberivachung kommaudirt war, macht wörtlich die gleichen Bekundunc", wie der Vorzeuge. Der Angeklagte hebt hervor, daß er das erste Mal in dieser Sache im Juni 1895, also neun Monate päter, vernommen worden sei. Er könne nicht mehr g.nau sagen, was er damals g-�edet. Er bestreite aber. solches Zeug geredet zu haben, wie ihm die Gendarmen»ach Vi Jahre» iinpnliren. Die Notizen seien aus dem Zusaminenhange geriffen, sein Vortrag habe über eine Stunde gedauert. Zwei B e l a st u» g s zeugen aus dem Zivilstande, die ebenfalls in der Versauimlung waren, ver- mögen die Angaben der Gendarmen nicht zu bestätigen. Zeuge Polizeilieutenaut F l e s cd n e r hat die Versammlung am 2. Oktober überivacht. Nach seinen Notizen, die der Zeuge abliest, ist die Anklage erhoben. Zeuge Schutzmann L e u s ch n e r bekundet, der Angeklagte habe hauptsächlich daS Richterpersonal beleidigt, auch die Beamten der Polizei. Die drille Versammlung hat Polizei- lieutenant Krohn überwacht. Er giebr eine ausführlichere, vom Angeklagten bestätigte Angabe über den Inhalt des Vortrags. Bezüglich der Aenberung über die Inschrift giebt er auf Vorhalt zu, daß die Aeußernng in dem vom Angeklagten angeführten Sinne, vielleicht noch konditioneller gefallen sein kann. Die Beweisaufnahme ist damit geschlossen. Staalsamvalt S t r ä h l e r hält den Inhalt der Anklage sür erwiesen. Ter Angeklagte habe zweifellos die Absicht gehabt, die Behörden und die Beamten zu schmähen. spreche aus den Rede» die ganze Selbstüberschätzung des Angeklagten, der über jeden zu Gericht sitze» zu können glaube und sich für de» einzigen edle» und anständigen Menschen halte. Der Angeklagte ivollte sein« Zuhörer ausiviegeln und seine Handlung streife deu Thalbestand des 8 139(Aufreizung znm Klaffen haß.) DerBeweis, obHerr Brausewetter sich bei Abgabe 'ei n es Zeugnisses geirrt habe, sei unerheblich. Es komme nicht ans den einzelnen Passus, sondern auf den ganzen Gedankengang an. Der Antrag, hier Beweis zn erheben, kommt nur auf eine Verzögerui'g der Rechtsprechung hinaus, die gerade hier besonders unangebracht wäre. Der Angeklagte hat geflissentlich die Behörden herabgesetzt, er kannte die Folgen seiner Handlungsweise genommen. Ich beantrage für leben Fall der Beteidigung neun Monate Gefängniß, die in ein Jahr sechs Monale Ge- fängniß zusamnie» zu fassen sind. Angeklagter Stadthagen: Nicht e r sei schuld, wenn die Sache erst jetzt zurVerhandlnng gelange. Es seien bei a n d e r e n Gerichten viele Sachen gegen ihn eher erledigt worden, die erst viel späterin Angriff genommen wurden. Er habe volle 9 Monate nach der ersten Versammlung von der Staatsanwaltschaft etwas vernommen. Sie habe also volle 9 Monale hindurch ohne irgend ein Hinderniß die Sache betreiben können, aber weder Anklage erhoben noch auch ihn vernommen. Dadurch sei er in erheblichster Weise in seiner Bertdcidigung beschränkt. Es sei ihm ja geradezu fast unniöglich gemacht, die horrenden Miß- Verständnisse und schiefen Auffassungen der Beamten so zu wider- legen, wie es in anderen Fällen, wo mit Erhebung der Anklagen nicht gewartet sei, ein Leichtes war. Er habe dann Bornntcrsuchung beantragt; der Antrag fei aber abgelehnt worden, weil die Staarsanivaltschaft widersprochen habe. Auf dem Beweisantrag bezüglich Brausewetter müsse er bestehe», den» gerade diese Sache, die mit seiner Entlassung aus dem Anwallstande zusammenhänge, welle er gründlich in der Oeffent- lichkeit erörtert sehen. Er beantrage weiter, den Polizeipräsidenten und de» Minister des Innern zu laden und von ihnen die Aktenstücke zu fordern, die sich auf die geheime» Erlasse gegen die Sozial- demokratie bezichen. Hierdurch wolle er beweisen, daß von dem auf Anregung des Ministers des Innern bereits während des Sozialistengesetzes erlassenen geheimen Erlaffe die Rede war. Ter Landralh habe nicht aus eigener Initiative geha> delt, sonder», wie auch von den Zivilzeugen bestätigt sei, als znm Gehorsam verpflichteter Beamter. Was geht diesen die übrigens zutreffende Charakterisirung der Gcheimerlasse a»? Außerdem beantragt er, die Aktenstücke zu erfordern, die sich auf Beivilligung von Mitteln für Spitzel und Lockspitzel beziehen. Diese Akten werden ergeben, daß vom Jahre 1873 an alljährlich außerordentlich hohe Summen für Spitzel und Lockspitzel in Preußen von offiziellem Gelde ausgezahlt worden sind. Das sei ihm mit recht gegeißelt. Der Staatsanwalt bittet sämmt- liche Anträge abzulehnen. Der Gerichtshof lehnt die Beweiserhebung ab. Beim Fall Brauseweller nimmt der Gerichtshof zu gunsten des Angeklagten an, daß er bei der Aeußernng über den Eid weder die Absicht noch Bewußtsein der Beleidigung des Direktors Brausewetter ge- habt habe. Daß gewisse Mittel für Geheimpolizei ausgegeben werden, wurde als gerichtskundig angenommen. Angeklagter Stadthagen: Ich beantrage meine Frei- sprechung. Es handelt sich, abgesehen von dem Fall Brause- wetter,. der ja nach dem letzten Beschlüsse leider auszuscheiden scheint, um Beleidigungen gegenüber einem Kollektivbegriff, einer Gesammtheit von Beamten. Höchstens der Landrath von Nieder- Barnim könnte persönlich gemeint gewesen sein, aber die Beweis- aufnähme hat ergebe», daß ich ausdrücklich von dem früheren Landrath Geh. Rath Scharnweber und dem Minister des Innern gesprochen habe. Von Brauseivetter habe ich abgesehen von der einen Aeußernng nur als Typus gesprochen. Wenn solche Kollektivbegriffe, wenn Jnüitntionen, wie alle preußischen Richter, alle Offiziere u. s.>v. abfällig kritisirl werden, so kann sich doch nicht die einzelne Person beleidigt fühlen. Ei» Kollektivbegriff ist keine Person, kann daher nicht beleidigt werden. Das gehl u. a. klar aus den Motiven zu§ 131 des Str.-G.-G. hervor. Eine Kritik, auch eine abfällige Kritik soll nur strafbar sein, ivenn wissentlich unwahre Thatsache» angeführt werden. Ohne solche Vorschrift würde inan ja jede Kritik einer Slaatsinstitution unterbinden und dem Gesetz ins Gesicht schlagen. Das Reichsgericht habe auch gegenüber Juden und Sozial- demokraten das anerkannt, gegenüber Richtern und Offizieren allerdings unberechtigter Weise Ausnahme» gemacht. Der Staatsanivalt hat es mir strafverschärfend ausgelegt, daß ich— den Thatbestand des§ 130 nicht begange» habe. Ist es wahr, daß ich alle Staatsbeamten beleidigt habe, so habe ich auch alle Richter beleidigt und Sie könnten dann als Partei nicht über mich zn Gericht sitzen. Zu solche» Konsequenzen führt die Konstruktion von Kolleltivbegriffen. Nicht mit Personen hatte ich es zn Ihm,, gegen die Institutionen Offizier, Beamter und Richter habe ich meine Angriffe gerichtet. Ueberall habe ich nur das Verhällniß der Arbeiterklasse znr Staatsmacht, der Verwaltungsbehörden zur Unternehmerklasse und des Ein- flusses der Verwaltungsbehörden auf die Gerichte beleuchtet. Die Reden sind in einer ungeheuerlichen Weise, natürlich optima ücle, entstellt und karrikirt wiedergegeben. Durch die Art der Bor- bereitimg der Anklage, durch das neunmonatliche Warten mit der S.>iittheilung,daßcine Anklage wider mich erhoben iverden solle, durch Ablehnung der Voruntersuchung ec. ist es mir unmöglich gemacht, Wort für Wort des mir Jmputirten zu widerlegen. Ein Unter- beamter, der nicht einmal stenographircn könne, könne nicht ein- mal den Gedankengang, geschweige einen Wortlaut wiedergeben. Sie haben allein in dem Bericht des letzlvernoniinene» Polizei- lieutcnants etwas der Wahrheit entsprechendes. Die Wiedergabe einer IVestüudige» Rede aber durch wirre Notizen, deren Ver- lcsung noch nicht eine Minute gedauert hat, ist ein Unding. Nichts iveiter aber liegt Ihnen vor. Die U eberzeug ung, daß, was Ihnen von dort vorliegt, der Wahrheit entspricht, kann sich nicht bilden. Ich kann nur sagen, kein Wort von deni ist richtig fm Zu- ämmeiihange ersaßt, von dem, was die Beamten hier beklinden, denn nicht die Personen, sonder» die Jiistituttonen wollte ich treffe». Dazu war ich als Staatsbürger im allgemeine», als Reichstags-Abgeordiieter des Kreises Nieder- Barnim, i» dem ich sprach, im besonderen berechtigt. Ei» Berliner Staatsanwalt hat einmal eine Broschüre über die Geschworenen- Gerichte geschrieben, in der Broschüre steht unter anderem:„Der Geschivorene pflegt während der Verhandlung zu schlafet»" mid dergl. Aber keinem einzelnen Geschworenen ist es ein- gefallen, deswegen sich beleidigt zu fühlen und zu klagen. Ich erwarte meine Freisprechung aus diesen formellen Gründen, aber auch aus matcnelleii Gründen. Ich würde mir nicht anmaßen, den Inhalt einer Rede richtig wiederzugeben, wenn ich nicht Wort für Wort stenographirt hätte. Man hätte mich gleich nach der Versammlung vorladen sollen, nicht 3/4 Jahre später. Dann ivären die Mißverständnisse anfztiklären geivesen. Aber, daß ich ans die Notizen der Beamte» vernrtheilt iverden kaiiii, halte ich für unmöglich. Sonst hätte Richelieu recht, als er sagte, 3 Worte gebt mir von einem Menschen und ich bringe ihn auls Schaffot. Ich erwarte ein freisprechendes Urtheil, das Sie fällen müssen, wenn Sie die Kritik von Justitlitionen nicht unterbinde» wollen. Höhnisch und herabsetzend habe ich von den Spitzeln gesprochen. Diese verachtmigswerrhe Sorte von Menschen wollte ich treffe», von ihr kniin ich nicht höhnisch und verletzend genilg sprechen— sollen etwa auch diese„als Beamte" geschützt werden? Staatsanwalt S t r ä h l e r: Der Angeklagte kann die Be« griffe Jnstitiilio» und die Personen, die dieser Jnstitlltion an- gehören, ivie es scheint nicht unterscheiden. Bei der politischen Slellniig des Angeklagten ist es klar, daß er bei den einfachen Leuten Haß und Ülbncignng gegen die Behörden und Besitzenden säen und die ohnehin vorhandenen Gegensätze noch verschärfen wollte. Das verlangt Strafschärfung. Angeklagter S l a d t h a g e u: Es giebt ja kein Gesetz, das den» Richter verbietet, die politische Stellung und Gesinnung des Aiigeklaglen bei der Schuldfrage»l»d der Höhe des Straf- maßes in betracht zn ziehen. In einem alle»§kammergerichts- Erkenntnis! beißt es aber mit recht: Es ziemt dem Richter nicht, solches z» thiiii. Die eigene politische Ansicht sollte ein Urtheil nicht trüben dürfe». Ter Gerichtshof zieht sich hierauf zur Berathmig zurück»»d verkündet nach kaum halbstündiger Berathmig folgendes Urlheil: Für die Schuld des Angeklagte» haben die Aussagen der Polizeibeamten eine völlig genügende Grundlage gegeben. Die Schwierigkeiten des Anfnchmens einer Rede sind � vom Angeklagten überschätzt worden. Selbst» verständlich hat der Gerichtshof die Notizen der Beamten nur für eine Blüthenlese gehalten, ohne daß die Ausdrücke aus dem Zusanimenbange gerissen waren. Der Gerichts- Hof hat alte Beamten, Ossiziere, Landräthe, Herrn Brause- wetter, speziell die überwachenden Beamten der betreffenden Versammlungen für beleidigt erachtet. Das Reichsgericht bat es ansgesproche», daß ganze Kategorien beleidigt werden könne», Wenn jemand einzelne Beamte beleidigen wollte, könnte er sich ja sonst damit helfe», daß er gleich die ganze Kategorie beleidigt. Wenn der Angeklagte sagt: sind alle Richter beleidigt, so könnten wir hier nicht verhandeln, so hat das Reichsgericht entschieden, daß wohl ei» Richter beleidigt sei» kann, sich aber nicht so verletzt z» fühlen braucht, daß eine Ablebiiuiig ivegen Befangenhnt gerechtfertigt wäre. Die Worte sind so gröblich, daß der Angeklagte sich selbst wundert, daß er sie früher ocbrancht haben könne. Diese Berwmidermig theilt der Gerichtsbos. Tie Worte des Anaeklngte» sind grobe Beschimpsnitgen. ß 103 (Wahrnehmung bereck>tigter Interessen) steht ihm schon wegen der Form nicht zur Seite. Bei der Gröblichkeit der Beleidigungen und der Tendenz des Angeklagten. zu verhetzen, waren mildernde Umstände so gut wie ausgeschlossen. Andererseils hat der Gerichtshof die Schwere der Beleidigungen abgewogen und für den ersten und zweiten Fall eine Sirase von je sechs Monaten, für den drillen Fall eine solche von 2 Monaren Ge- füngniß für angemessen erachlet. Die 14 Monate waren in ein Jahr Gefängniß zusammenzuziehen. Staatsanwalt Srrähler beantragt sofortige Verhaftung des Angeklagten. Die Höhe der Slrase begründe den Flucht- verdacht. Angekl. Stadthagen: Ich beantrage diesen Antrag abzulehnen. Ich wühle nicht, warum ich mich einer Strafe durch Flucht entziehen sollte, zumal wen» diese in einem seldslverständ- lich aufzuhebenden Urtheil ausgesprochen ist. Ich habe überdies doch zu keiner Zeit an Flucht gedacht. Borsitzendcr: Wir haben die Frage bereits erwogen; wir halten einen Fluchtverdacht bei der ganzen politischen Stellung des Angeklagten, der ja seine ganze Position verlieren würde, für nicht begründet. Der Antrag aus Verhaftung wird abgelehnt. Die Sitzung ist geschlossen. UoKales. Parteigenossen und Genossinnen, welche gewillt sind, bei der Stichwahl Freilag, den 29. Slovember, im 17. Kommunal- Wahlbezirk agitatorisch thätig zu sein, werden ersucht, sich an diesem Tage früh öVs Uhr bei Linde mann, Moritzslr. Sb, oder bei K o n z a ck, Fürstenstr. 4b, einzufinden. Das Resultat der Stadtverordncten-�tjchwahle» wird in der am Freilag Abend 8 Uhr in Niest's F?MÄen, Weber strahe 17, staltfindeuden Volksversaiumlung bekM>4 gegeben werden. Präsident des ReichsBerficherunasamtes Bodlker berief vor noch nicht gar zu lauger Zeil— es niög? einige Monate verflossen sein— die Vorsitzenden der Spruch- scnate des hohen Gerichts zusammen und verpflichtete sie, dafür zu sorgen, daß zu den Berathungen der öffentlich verhandelten Rekursklagen immer hübsch die dazu bestimmten Berathungs- zimmer benutzt werden. Den Anlaß zu dieser Aufforderung gab ein Lokalarlikel des„Vorwärts", worin gegen die Gepflogenheil Stellung genommen wurde, einzelne, den öffentlichen Verhandlungen bei- wohnende Leute, so unseren Berichlerstatter, während der Berathung auf de» Korridor zu schicken, um dem Gerichtshos die Unbequemlich keit zu ersparen, erst das mit fünf Schrillen erreichbare Be rathungszimmer aufsuchen zu müssen. Die einige Male vor jener Verfügung des Präsidenlen Dr. Bödiker gegenüber unserem etwas widerhaarigen Reporter angewandte Praxis, ihm direkl oder indirekt während der Berathung das Verweilen im Verhandlungssaal umnöglich zu macheu, hat jetzt, kaum ein halbes Jahr nach der Verfügung des Präsidenten, eine neue Auflage erfahren. Am Montag vor acht Tagen wohnte unser Vertreter der Verhandlung mehrerer Rekurssachen, die der erste Senat unter dem Vorsitz des Dr. Sarrazin erledigte, als alleiniger Gast bei. Schon nach dem Vortrage der ersten Sache, welche er anhörte, wurde er infolge einer halblauten Unterhaltung ver- schiedener Richter inne, daß man erivarlele und wünschle, er würde sich aus dem Saale entfernen. Als er dies nicht that, wurden ebenfalls halblaute, jedoch vernehniliche Uuwillensäußerungeu laut, wie:„Warum nicht hierbleiben— Publikum kann ja 'rausgehen zc." Erst als auch diese seelische Folter, und eine solche war es für den Berichterstatter, nichts fruchtete, zog man sich zur Berathung zurück. Doch blieb es nicht hierbei. Nach dem Vortrage einer der später verhandelten Re- kurse remonstrirte der im Gerichtshos sitzende Kauiniergerichlsraih Nehse laut � im ärgerlichen Tone dagegen, daß sich der Senat zurückziehen wolle, während doch der Bericht- erftatter hinausgehen könne. Dieter sah sich moralisch gezwungen, den letzte», unter Nichtbeachtung des Vorsitzenden direkt an ihn gerichteten Worten des Herrn Nehse zu folgen. Einem solchen Gebahren muß öffentlich entgegengetreten werden, denn wenn dasselbe auch, wie wir erfahren, daraus zurückzuführen ist, daß HerrN. nach mehrwöchenllichem Krankenlager noch etwas schwach auf den Beinen war, so ist es doch absolut nicht zu recht- fertigen. Konnte der Vorsitzende Dr. Sarrazin nicht die un- erquickliche Szene und ihre Einleitung durch das geschilderte Gemurmel dadurch verhindern, daß er den Reporter, der durchaus sich nicht den Unmenschen zuzählt, höfhch ersuchte, mit Rücksicht auf den augenblicklichen Gesundheits- zustand eines Mitgliedes des Senats hinauszugehen? Das war doch nicht möglich, und der Berichterstatter hätte es billig gesunden. Im übrigen muß aber jeder Versuch, den ehemaligen Gebrauch, das Publikum während der Berathung um der lieben Bequemlich- keit willen die Korridore besichtigen zu lassen, zurückgewiesen werden. Zum Schluß fei noch darauf aufmerksam gemacht, daß Rudolf v. Gneist—„der alte Gneist"— noch an Sitzungen des Ober-Verwaliungsgcrichts theilnahm, als er schon kaum mehr die Treppen zu steigen vermochte, und daß er trotz seiner Schwäche nie das Verlangen stellte, daß um seinetwillen das oft auch nur in eiueni Journalisten bestehende Publikum des geuanuten Ge- richts während der Berathung den Verhaudlungssaal. räumen sollte. Eine Rohheit, wie man sie unter gesitteten Menschen ka für möglich hallen sollte, bekundete das durch die Verschweiauu� der Sabbathschäudliugen im köuigl. Schloß und der Gnadeiikirche it f.ro. eigenartig bekannt gewordene Pastoreublatt„D e r Li e i ch s- böte". Das christliche Organ druckt das gestern von uns wredergegebene Referat über den Vortrag des Herrn Dr. Neumann ab, der bekanntlich die elende Verkümmerung derBerlinerHaliekinder behandelte, und fügt zu der Aenßerung des Vortragenden, daß durch das bürgerliche Gesetzbuch das Schicksal der unglücklichen Kinder vielleicht etwas gebessert»Verden könne, die folgende echt pfäffische Bemerkung hinzu: »Ohne Hebung der Sittlichkeit wird auch dies nicht viel helfen; denn die ineisten dieser Kinder sind doch die Geschöpfe zuchtlose r L u st. Tie Besserung der iv i r t h s ch a f t l i ch e n Verhältnisse kann daneben»nanches ändern, aber an sich kann sie ebenso zu einer»veilereu Förderin der Unsittlich- keit»Verden. Mau sollte jedenfalls auf sie, ivie es der„Vor- ivärts"»vieder l» seinein äußerlichen gehässigen Materialismus thut, nicht zuviel Hoffnung setzen, so lange der Geist des V o l k e s nicht innere Einkehr von seinen Unzuchtssünde» hält. Der„Vonvärls" kennt darin freilich nur die Sinnlichkeit des natürlichen Menschen als tonangebendes Prinzip." Es hieße dein„christlichen" Blatt zuviel Ehre anlhun, wenn man ihm die jedem Gebildeten offenkundige Thalsache durch statistische Daten vor Augen führen wollte, daß es in den weitaus meisten Fällen wirihschastliche und gesetzliche Ehehindernngs- gründe sind, welche bedingen, daß„Geschöpfe zuchtloser Lust" entstehen und verkümmern. Auch die Anrempelung unseres Blattes soll uns nicht weiter aufregen. Jedoch was die Be- schimpfung unschuldiger Kinder betrifft, so sei das Pastoreublatt doch an jemand erinnert, der nach Luc. 17 V. 2 di� folgenden Worte gerechten Zornes gesprochen hat:„Es wäre qan nützer. daß man einen Mühlstein an seinen Hals hangele, nkd würfe ihn ins Meer, denn daß er dieser Kleinen Mi n e n ärger e." Vom Zitaterich des Herr» Harde». Tie Sonntag- uunimer des„Journal des Devais" veröffentlicht folgende, durch' ihre messerscharfe Ironie hochergötzlich wirkende Abfertigung: „Herr Maximilian Harde», Herausgeber der sattsam bekannten „Zukunft" ist einer von jenen deutschen Schriftsteller», die unsere Klassiker am besten kennen und sie mit besonderer Vorliebe ziliren. Seine Kenntnisse auf diesem Gebiete sind so lies und! sellen, daß sie ihm erlaubt haben, zu gleicher Zeil sowohl' mehrere Jrrthümer richtig zu stellen, die in unserer literarischen Zeilrechnung allgemeine Verbreitung gefunden, als auch eine gänzlich unbekannt gebliebene Textstelle eines unserer berühmtesten Autoren zu entdecken. Bisher glaubte man nämlich, Bossuet sei im Jahre 1794 gestorben. Man irrte sich; denn Herr Harden veröffentlicht in der„Zukunft", anläßlich der jüngsten Ereignisse auf dem Geldmarkt, die Ansichten des großen Bischofs über die Agiotage zu John Law's Zeilen(1721). Wir reprodn- ziren, ohne ein Wort zu verändern, die Stelle, die diese kostbare Urkunde enthält: „Der gute Bossuet, der gerade(xrecisomeiit) sein„Essai d'histoire universelle" vollendete, sah, wohin immer er seine Blicke richtete, die verhängnißvollen Wirkungen der mississivpischen Seuche(EontaKion inississipienne) und brach in Schmähungen aus gegen die allgemeine Korruption... Im Juni 1721 konnte Bossuet schreiben:„Ee Jeu des actions s'ernpara de tous les esprits; on courut apr&s, cornrne les enfants couraient apres des boules(sie!) de savon, et, sans songer qu'elles se fondaient en les touchant, on etait assez dupe pour les acheter et on trouvait d'autres dupes ä qui les revendre." Das heißt auf deutsch ungefähr:„Das Aktienspiel(— das Börsenspiel) ergriff alle Köpfe; man rannte dahinter her, ivie die Kinder hinter den S e i f e n k u g e l n(Herr Harden wollte aber auf französisch sagen:„Seifenblasen!") herliefen ohne zu be- denken, daß sie zerplatzen,»venu man sie berührt, man war dumm genug sie(die Aktien) zu kaufen und fand andere Dumme, um sie denen weiter zu verkaufen." Hier haben wir also eine feststehende THatsache: Bossuet lebte im Jahre 1721. Alles in diesen Zeilen vereinigt sich, einen blinde» Glauben in die Versicherung des Herrn Harden einzuflößen. Seine Art, von dem„guten Bossuet" zu sprechen, der„gerade sei» „Essai d'histoire universelle" vollendete", deutet eine lange und intime Vertrautheit an.„Contagion inississipienne" ist dem berühmten Redner gleichsam aus dem Munde genommen. Was die zilirte Phrase anbelangt, so ist sie von einem so reine» Französisch, ihre Konstruktion ist so feftgesügt und ihr ganzes Gehaben so �edel, daß keiner außer Bossuet sie gesd»rieben haben kann. Um �' och jede Diskussion über die neue Entdeckung der deutschen ssenschaft vollkommen abzuschneiden, wird Herr Harden gut lhun, die Seite und das Werk anzugeben, denen er dieses Zilal entnommen hat. Es giebt so Übelwollende Leute!..... Soweit das Pariser Blatt. Die„Frankfurter Zeitung", in der wir diese Abfertigung wiedergegeben finden, bemerkt:„Das kleine Mißgeschick, das dem belesenen Herausgeber der„Zukunft" widerfahren, bedarf keines Kommentars. Die jüngsten Münchener Enthüllungen über die Praktiken geivisscr Bilder- sabrikanten sind a» ihm nicht spurlos vorübergegangen, und da er gerade für einen bestimmten Zweck ein klassisches Zeugniß braudzte. entwarf er selbst die Skizze davon und kritzelte in die Ecke das Zeichen hinein:„Lossuet fec," Das Erstaunen des„Journal des Tebats" über das Berliner Französisch, das der große Redner und Prosaiker plötzlich schreibt, vermögen wir nachzufühlen, denn wenn Bossuet bei Lebzeiten Seifenblase(bulle de savon) schreiben»vollte, wäre es ihm geiviß nicht im Traum eingefallen, eine Seifenkugel(doule de savon) daraus zu machen, ivie dies seinem Gespeuste 17 Jahre nach seinem Tode beliebte. Dieses reizende Adeuteuer wird vielleicht dazu beilragen, Herrn Harde», der jährlich ein Einkommen von mehreren tausend Zitaten zu verzehren hat. in der Herstellung seiner slitistischen Orunmentik fortan etwas vorsichtiger zu machen." Die Frage, wie man sämmtliche Soldaten nicht allein zu Vertqeidigern der göulidje» Weltoronuiig, sondern auch zu keuschen Kindern Gottes macht, beschäfiigt gegenwärtig das „Niilitär-Wochenblatl".„Zar sittlichen Bewahrung der jungen Soldaten, damit dieselben nidzt, mit abgestumpften Geivissen, der Lust folgend, Verführer an der noch unbezcholtenen, reinen weiblichen Jugend werden", wird in einem Aufsatz des genannten Blattes au gefordert, alle permauenleu Urlaubs- bewilligungcn in der Garnison über die gesetzliche Frist zu unterlassen und jede einzelne Urlaudsbilte zu prüfen und zu individualisiren. Außerdc l soll den Soldaten die fiei- willige Theilnahme am Gottesdienst am Sonntag Nach- mittag im'Ilusgeb-Anzng mit Mütze ausdrücklich gestattet iveiden. Aus den Soldaten- und Marschliedern sei alles sorg- sam zu entfernen, was- mehr oder minder einer Versündigung gegen das sechste Gebot Vorsdzub leiste oder die L ü st e r n- he it anrege.— Die Förderung der Keusdibeil, welche das „Militär-Wod enblatl" anstrebt, steht in merkoarem Gegensatz zu dem Rath, weichen der bekannten Paslorensdirift„Die Siitlid). keit auf dem Lande" zufolge, ein Offizier seinen Soldaten bei einer patriotischen Gelegenheit gegeben haben soll. Der Vor- schlag dieses Herrn soll bekanntlich darin gegipfelt haben, sid> in der patriotischen Nacht nur tüchtig auszuleben; doch müßten die Soldaten von den Prostiluirten fern bleiben und sich dafür an die Dienstmädchen hallen'!— Ob der permanente Kirchen- besuch und die Vcrsagung des Urlaubs die 5ke»schlzeii und die Gesiliidbeit der Soldaten fördert, erscheint uns allerdings fraglich. Auch wird es eine schivere Mühe kosten, die Soldatenlieder, die bekanntlich nicht alle aus- schließlich von Gott, König und Vaterland handeln, gehörig zu purifiziren. Ader die Männer des„Mililär-Wodienblalt" sollten frisch das Werk fördern, und wen» dann einst die sittlich be- ivatirten Soldaten ansschließlich von entsprechend bewährten Offiziere» geführt werden, dann hat Preußen- Teutschland eine Armee, die wirklich einzig in der Welt dasteht. Möge das große Werk gelinge»! Militärisches. Eine gesellige Zusammenkunft religiös-kamerudichaftlicher Tendenz fand Dienstag Abend in den Räumen zweier Wartesäle dritter Klasse im Siadlbahnhos Alexanderplatz statt. Es durften n u r U u i e r o f s i z i e r e der Berliner Garnison cveul. inrl Bräuten und Familien daran theil- nehmen. Leiter und Veranstalter dieser Versammlung ist der Divisionspfarrer Göns, der auch die Andachtsftunden in den Kaserne» eingeführt hat. Annähernd dreihunben Unteroffiziere aller Regimenter ivaren erschienen. Eine Militärkapelle spielte Choräle und lustige Stücke, während sich die Unteroffiziere dein Spiele, wie z. B Roulette, Dame, Schach, Reitersptete k. hiu- gaben. Auch Bücher religiöser, patriotischer und kriegs- geschichtlicher Art waren auf verschiedeneu Tischen aus- gelegt, so daß die Unteroffiziere init ihren Brauten und Familien auch ihren„Wiffeinchaflsdrang" befriedige» ronnten. Tivisionspfarrer Göns hielt im Laufe des Abends eine Ansprache, in welcher er die Pflichten des Soldale» und des Uiiteroifizlers im aUgeiiieineu beleuchtete und sie ermahnte, gute dmstliche Kämpfer für König uud Vaterland zu bleiben. Daß auch geiil- lrche Lieder gesiiugeii wurden, bedarf wohl keiner beiviideren Er- ivähnung. Dieie Zusammentünste für Unteroffiziere findeii wieder- Holl an den Wochentagen stall, während für die Mannschaften ein um de» anderen Soiiutag die Piorten der Wartesäle im Stadlbahnhof Alexanderplatz zu gleiche» Zivecken geöffnet sind. Od die Versammlungen auch polizeilich augemeldet sind, wiste» wir uichr. i Eine Disziplitiarnntersuchung ist gegen den Unterekfizier Lange der erue» Koinpagnie des Garde- Füsilierregiment? ein-! geleilet worden. L. war Wachthabender der Kasernenwache und, hatte sich während der Nacht ein wenig auf die Wachlpritscve l zum Ausruhen»iederaelegl, dabei war er eingeschlasen. Ter| Sekondelieulenaiit v. Heydebreck passirre die Wache und fand L. � schlafend. Sofort ließ er ihn ablösen niid meldete ihn am j ächslen Morgen dem Negimeiiisko»»na»do, welches nun eine\ Disziplinaruntersuchung gegen L. eingeleitet Hai. Eine der wunderlichsten Geldschneidereien auf Koste» der kleinen Lerne wirb alljährlich von den Feuer- versicherunas- Gesellschafleu bei den Prämieuabhebuugen geübt. Während es keinem Kauimanu einfällt, fiir die Ansslellung einer Rechnung ein besonderes Entgelt zu fordern, maßen sich die Ver-' sicherungsgesellschaften das Recht an, sich diese Arbeit mit einer Summe bezahlen zu lassen, die sowohl zu der geleisteten Arbeit als auch zu der zu zahlenden Versicherungsprämie in einem geradezu ungeheuerlichen Verhältniß steht. Wir wollen ein Beispiel unter vielen lausenden herausgreifen. Vor»Iis liegt ein Prolongationsschein der Feuerversicherungs- Gesellschaft zu B r a ii d e» b u r g a. H., die hier Charlottenstr. 23 ihr Bureau hat. Die Prämie für die Versicherungssumme von 4000 M. beträgt 1 pro Mille alio 4 M. Hierzu werden noch erhoben an „Schreibgebühr" eine Mark, sowie für Porto 39 Pf. Selbst wenn man von der im modernen Geschästsbelrieb ungeheuerlichen Vorauksetziing ausgeht, daß die Ausstellung einer kaufmännischen Rect'nung vom Publikum bezahlt werden soll, so dürfte es der Gesellschaft schwer fallen, eine Erklärung dasür zu geben, warum sie für diese Mi-be sich eine Summe fordert, die im Ver- hältniß zur aufgewandten Arbeit geradezu ungeheuerlich genannt werden muß. Ebenso steht es mit dem„Porto". Die Gesellschaft kassirt hierfür vom Veisicherleu 39 Pfennige ein und die ganze Korrespondenz, die mit ihm zu erledigen war, bestand einzig in der mit einer Dreipfennig-Marke der Packetsahrt frankirten brieflichen Anfrage wegen der Weiterversichcrung. Es ist unerklärlich, warum sich das Publikum derartige Heber- vvrlheilungen gefallen lassen muß. Von der„Deutschen Warte" berichteten wir in der Nummer vom letzten Sonnabend, daß dies Blatt seinen Verickit- erstattern für sämmtliche Berichte(wie es ausdrücklich in der belr. Versügung heißt), die nicht ausschließlich der Redaktion zugesandt werden, eine Honorarrednklion auf drei resp. zwei Pfennige pro Druckzeile zugedacht hat. I» eiiicr air uns gerichteten Zuschrift besräligt die Redaktion überflüssiger- weise diese Meldung mit dem Bemerken, daß die belr. Mit- theilnng nur einigen ihrer Bericbteistatter vom Verlag zu- gegangen sei. Die Redaktion ziehe Originalberichte vor, die sie viel höher honorire. Es ist dies ja sehr gütig von der „Deutschen Warle", aber die Thatsacke ist damit nickst aus der Welt geschafft, daß das Blatt von ihm veröffenllichle Mit- theilungen etwa um die Hälfte niedriger honorrrt, als fast sämmt- liche anderen Berliner Blätter. Leider scheint unter den Berliner Berichterstattern nicht so viel Solidarität vorhanden zn sein, um sich gegen eine derartige Lohnreduktion zur Wehre zn setzen. Ter Förderung der Sittlichkeit liegt man im bcnach- barsten Reinickendorf»ril ganz desondere n> Eifer ob. Daselbst „arbeiten" schon seil Jahren katholische Schwestern„Vom guten Hirten", deren Hanplanfgabe es ist, sich der„gefallenen Mädchen" anziinehmen, um sie„vor weitere»! Abgleiten ans der absdstissignr Bahn zur Prostitution" zn bewahren! Auf Anregung des „Evangelischen Bundes der Provinz Brandenburg", welchem die Lorbeeren des katholischen Ordens augenscheinlich keine Ruhe ließen, wird das sündige Reiiiickendorf nunmehr auch zwei evangeliscl e Diakonissinnen erhalten,»velche die gleiche siltlidsteus- -ördernde Thätigkeil eiilsalte» sollen wie die katholische» Schwestern. Infolge dieses Beschlusses ist nun bereits eine artige Preßfehde zwischen Organen beider Richtungen entbrannt. Die Katholischen belrachlen die Slationirnng von evangelischen Diakonissinnen als einen Eingriff in ihre bisherigen alleinigen Redite, während dieselbe evangelischcrseits mit der Befürchtung motivirt wird, daß durch die katholische» Schwestern ein Hinüberziehe» der evangelischen„Gefallenen" zum Katholizismus bewirkt wird. Wir werden also bald das erhebende Schauspiel erleben, daß ein regelred>tes Wettrennen der frommen Schwest>rn um die„gefallenen Mädchen" stattfindet. Wenn das nicht gut für die Sill« Hdsteil ist, dann weiß man nicht, was besser ist. In Eharlottcribiirg stehen gegenwärtig einer von der der- tigen Polizeidirekiio» veiöffentlichien Statistik zufolge 7I8ö Woh- nunge» leer gegen rund 9499 im November vorigen Jahres. Die gctvisscnlosc Ausbeutnug der Nollwagcujuuqen durch die Inhalier von Spediuonsgeschiffieii, die wir schon so häufig geißeln mußte», fällt selbst der„Kreuz-Zeitniig" ins'Auge. Das Blatt schreibt:„Tie Rollivagenjtiiigen sind bei der Kälte nbel daran. Ihr Dienst zivingl sie, in oft»»zureichender Kleidung de» Tag über bei geringer Beivegnng im Freien zu sein; namentlich auch während der recht ausgedehnten Frühstücks« pausen der Nollkutscher. Zniveilen sieht man adzt bis zehn Roll» wagen an einer„Destille" hallen. Die Kutscher sitzen drin, die Junge» friere» draußen." Neber die gelben Vriefknsteu der Gesellschaft„Privatpost" gehl uns solgeiide bedenkliche Klage zu; Die Briefkauen zeigen an der unteren Vorderseile ein Metallschild in Visitenkarten» iormat, das verstellbar ist und die Zeil der näckiste» Abholung angiebt. I» stark bcvölkerle» Gegenden kann man bald hier bald do>t an stelle des Schildes die leere OesstNing sehen. Kinder, das heißt wahisdieinlich auch„große" Kinder, habe» das Schild nach innen gestoßen, so daß kleinere Briese und Karten, sosern sie nicht auf dem Boden des Kastens liegen, sondern in deniselde» anstecht stehen, init Leichtigkeit herausgeholt werden können. Zur Wahrung des Briefgeheimnisses ist ein Biecha» nismus erforderlich, der das E»t>ve-chen von Postsache», will man nidzt Gewalt gebrauchen, ausschließt. Ter Verein Berliner Groß-Testilsetrure lielt am �on» tag bei Boltz, Alle I-kodtiraße, eine Extra-Versaunulung ab, zu »velcher auch die Vorstände der beiden groneu eaaii.iü.i.ye-oereine geladen und erschienen waren; es handelle sich um Slellnng- »ahme gegen die schweren Verluste an Fastagen und Kruken. Tie allgemeine Tiskiission ergab, daß im Gewerbe der Groß- Destillaieure eine tief eiiigeivnrzelte Unsitte sich breit mache; Es nehme jeder Kutscher au leeren Flaschen, Kruken u. s. w. so viel er nur von den Kunden bekommen köuue, un» geaeblet, ob sie Eigeuihiim der Fiema seien oder uidil; ebe-.soivenig machen sich die' Gescbäslsinhaber ein Geuässen daiaus, diese Gegenstände anznuehmeu und ii» Betrieb zu benutzen. Das neue Markenscbutz-Gesey gebe dsm Staaisainvalt aber das Recht, solches Gesdzäftsgeb ihren strafred, tlich zu verfolgen, und darum müsse hierin eine Aenderung eintreten, ehe es zu spät wird. Wie der Vorsitzende Philipp miltheilte, habe der Branereibesitzer Happoldt dem Vorstand der Destillateure einige beherzigeuswerlhi Wluke gegeben,»ach welche» letzterer nach gründlicher Erwägung de» Versammelte» folgende Reiolutio» zur Anirahme empfiehlt: In anbelrachl der großen Uebelnände, welche sich beziehe»!- lich des Rnckeinpianges der an die Kundsrhasl gelieferten Gesäße speziell Fässer, Kruken, Flaschen und Korbflaschen seit langer Zeil heraus gestellt habe», beschließt die Versammlung: a) Der Verein detheiligt sich an den von den vereinigten Brauereien Berlins unternommenen Schritte», welche dahin ziele», daß die Gerichtsvollzieher im Falle der Psändniig von Gefäßen,»velche einen Namen tragen, ange>viesen werden, vor der Auktion dem daraus bezeichueleu Eigeulhuuier rechtzeitig zu benadzrichtigen; b) eine Austauschstelle zu schaffen, durch die es ermög- licht»vird, daß alle bei der Kundschasl vorhandenen Ge- fuße der veieinigien Mitglieder in Empfang genommen und zum ordnungsiuäßigen Austausch gebracht werden können; e) der Ankauf von Gesäßen mit Namen Verl. Geiverbetreibeuder oder solcher Gefäße, bei denen ein Naine» offenbar enlfernl ist, entspricht nicht den Erforderungen eines anständigen Gcsä.äsis« betriebes und ist geeignet, das Ansehen des Standes, welchem der Verein angedörr, zu schädigen. Die Punkte a und b wurden einstimmig, dagegen o gegen 7 S i i m m e n angenommen. Die nächste Versammlung soll sich mit Vorschlägen gegen die Verluste von Zlußenständen beschäftigen. Ter Fernsprechverkehr mit Velten(Mark) ist eröffnet worden. Die Gebühr für ein gewbhniiches Gespräch bis zur Dauer von drei Minute» betrügt fünfzig Pfennig in» Verkehr zwischen Velten(Mark) einerseiis und Berlin, Charlollenbnrg. Friedenau, Frievrichsberg bei Berlin, Spandau, Steglitz, Stralau, Tegel, Tempelhof, Wannsee, Weinenses bei Berlin, Westend, Wilmersdorf bei Berlin und Zehlendorf(Kr. Teltoiv) nndemseils, eine Mark im Berkehr zwischen Velten(Mark) einer- seits und Zldlersbof, Köpenick, Friedrichshagen, Groß-Lichterielde, Grünau(Mark), Nieder-Schvniveide, Stoivawes-Nenendorf und Potsdam andererseits. Einige sorgenvolle Stunden, wie sie sonst nur die Be- wohner der Hochseeküsten heimzusuchen psiegcn, hatten jüngst die Veivohner von Kladow. Der Nebel übeifiel nämlich die von Wannsee und ans dem Grunewald aus ihren Kähnen zurück- kehrenden Forstarbeiter in solchem Maße, daß es ihnen nicht mehr möalich war, dre Richtung nach Hanse zu finden. Gegen 7 Uhr abends langten zwei Boote an, welche sich zwei Stunden mühsam am Ufer entlang nach der Pfaueninsel und von dort nach der gegenüber- liegenden Z cgelei hindurch gefunden hatten. Noch fehlten aber vier Boote niit etna zwanzig Insassen, welche ebenfalls gegen fünf Uhr von Wannsee abgefahren waren, aber aus dem hier über fünf Kilometer breiten Havelses pfadlos umherirrten. Ein xTßer Theil der Dorfbewohner, namentlich die Frauen und Kinder der auf den Booten Befindlichen, standen angst- voll harrend mit Laternen am Ufer und bemühten sich durch lautes Rufen, Blasen n>it Hörnern, starkes Klingeln, Anzünden von Reisighanfen und dergleichen den mit dem Nebel Kämpfenden die Richtung des Rückn egs kenntlich zu inachen. Als gegen 8 Uhr noch kein weiteres Boot in Sicht kam, ließ der Pretiger die Kirchenglocken eine Stunde lang mit aller Macht läuten, und dieser Maßregel war es zu danken, daß gegen 9 Uhr eins der Boote nach dem andern eintraf, nachdem sie fast fünf Stunden lang in verzweifelter Lage bei dem naß- lallen Wetter sich auf dem Wasser befunden hatten. „Vorsicht" auf Packcteu. Dieser Vermerk wird vom Publikum vielfach bei Aufgabe von Postsendungen benutzt, ob- gleich er»ach den postalischen Bestimmungen ohne die gewünschte Wirkung ist; denn die mit dem Vermerk„Vorsicht" bezeichneten geivöhnlichen Packele erfahren durchaus keine besondere vorsich. lige Behandlung. Ein Hinweis, wie man es anzustellen hat, um ein Packet vorzugsweise behandelt zu wisse», erscheint uns gerade jetzt, ,vo sich bereits der Postpacket-Verkehr für die WeihmrchtS- zeit reger gestaltet, sehr angebracht. Ter einzige Weg ist die Anflisferung unter„Einschreiben"(Gebühr 20 Pf.) oder unter „Werlhangabe"(Gebühr bis MO M. 10 Pf.). Solche Packele werden von einer zur anderen Stelle gesondert von dem großen Haufen der geivöhnlichen Packele einzeln übergeben und getrennt von diesen aufbeivahrl. Selbstmord. Weil ihr da? Leben zuwider>var, nachdem sich ihr Mann von ihr getrennt hatte, hat die Z4jährige Frau Marie H a st i sch aus der Sicmensstr. 4 durch Erhängen ihrem Leben ein Ende gemacht. Gegen den VesiNer eines Zigarrcngeschäfts in der Kurzenstraße 13 ist die Untersuchung wegen Kuppelei eingeleitet, iveil derselbe unzüchlige Handlungen dritter Personen in der hinter dem Laden belegenen Wohnung geduldet hat. Auf grund einer Denunziation wurden anfangs dieser Woche vier in der Wohnung angetroffene Personen, drei Männer und ein Mädchen, von der Kriminalpolizei verhaftet. Eine grobe Ausschreitung hat sich der wohnungslosc Arbeiter Karl Müller am Dienstag Nachmittag gegen 3 Uhr zu schulden kommen laffen. Müller war auf dem Kiesplatze von Sticler am äußersten Ende der verlängerten Schönebergerstraße beschäftigt, bis er vor einiger Zeit krank wurde und eine Anstalt «ussuchen mußte. Von dort entlassen, fand er sich am Dienstag, vor- mittags 10 Uhr, auf dem Stieler'schen Platze wieder ein, verlangte und erhielt von der Frau Stieler die Quittung über die be- zahlte» Krankeukaffendeiträge und entfernte sich wieder. Nachmittags sah Frau Slieler Müller wiederum auf den Platz kommen, während sie in der Küche des kleinen Gebäudes aus dem Platze, das die Familie bewohnt, an einem Waschiaffe beschäftigt war. Es dauerte nicht lange, so stand Müller neben ihr in der Küche und antworlele auf ihre wiederholte Frage, was er denn eigentlich wolle, das würde sie ja wohl selbst wissen. Da sich Müller außerdem beleidigender»n- flälhiger Reden bedient halte, so wies ihn Frau Stieber nach- drücklieb hinaus. Müller erwiderte:„Was, Sie wollen mich hinaus- rveisen?" ergriff ein auf dem Küchenlische liegendes Wirihschafls- messer und stürzte damit der in die nebenliegende Stube fliehenden Frau, zum Stich ausholend,»ach. Frau Stieber stieß beim Anblick des Messers gellende Hilferufe aus, worauf der Arbeiter Ferdinand MaNhis aus der Noslizstr. 29, der sich zu- fällig in der Wohnstube befand, dem Wüthrich entgegentrat und ihn aufforderte, das Messer bei Seite zu lege». In demselben Augenblick schrie aber auch Malthis auf, er Halle von Müller einen Stich in die linke Wange erhalten. Ein zweiter Stoß, den Mülle: nach dem Schenkel des Matthis führte, zerschnitt nur das Beinkleid, ohne de» Mann zu verletze». Frau Stiller und deren kleine Tochter waren, als sie des blutüberströmten Malthis an sichtig wurden, aus einem Fenster auf den Hos geflüchtet. Stiller selbst war von Hause abwesend. Während Malthis sich das Blut abwusch und die Wunde kühlte, machte sich Müllem aus dem Staube. Als aber später der Verletzte in Begleitung der Frau Stiller das Bureau des 24. Polizei Reviers i» der Scbönebergerstraße aussuchen wollte, um Anzeige zu machen, sahen sie Müller sich a» der Scdöneberger Brücke umhertreiben. Während man jedoch seine Festnahme durch einen aus der anderen Seite der Brücke stehenden Sa.utzmann ver- anlassen nollte, verschwand er wiederum von der Bildfläche. Tcr Beamte erimttelle ihn aber alsbald in dem Grünkram- keller von Kuhlmann in der Luckenivalderstr. 8 und machte ihn dingfest. Ter alte Schwindel wurde am Dienstag Nachmittag bei dem Kaufinann R in der Chausseestraße verflicht. Tort erschien gegen 4 Uhr eine Frau mit einem Zettel, auf ivelchem geschrieben stand:„Für Frau M. bitte zwei Pfund Kaffee, drei Psund Zucker und ein Pfund Backobst zu verabreichen." Der Kaufmann, der die Frau M. kannte, hatte zedoch Mißtrauen zu der Frauens- person und bemerkte, daß er das Gewünschte durch seinen Haus- diener besorgen lassen wolle. Als der Hausdiener später die Waaren der Frau M. überbrachte, stellte es sich heraus, daß sie garnichts bestellt hatte. Es sei daher vor dieser offenbaren Schwindlerin gewarnt. ZwillingSgrbnrt im Eisenbahu-Konpee. Im Eisenbahn wagen schenkte heule Morgen Frau Agnes Krieger, geb. v. Vereck aus Marianowo im Kreise Filehne eineni gesunden Zwillings! Pärchen, zwei Mädchen, das Leben. Die 31jährige Frau befand sich auf der Reise von Köln nach Kreuz und wurde, als der Zug auf dem Lehrler Bahnhofe hielt, von dem freudige» Er eigniß überrascht. Die jungen Weltbürgerinnen wurden mit samml der Mutter einem Schutzmann übergeben, der sie in ein Krankenhaus brachte. Tcr berühmte Ein- nnd Ausbrecher, ehemalige Schreiber Krüger, ist vom Zuchthaus« Waldheini, wo er sich in der Jrrenbeodachtungs- Station befand, nach der städtischen Irrenanstalt zu Herzberg transportirt worden. llnglücksfall auf der Pferdebahn. Aus eine eigene Art ist der 19jährige Bltdhauer Huldreich Stroh ans der Hagenauer straße 15 zu Schaden gekonnnen. Der junge Mann fuhr vor gestern Abend um 9 Uhr mit der Pferdebahn durch die Slraus bergerstraße. An der Ecke der Paliisadenstraße hat die Bahn eine kleine Kurve. Hier wurde der Wagen so stark geschleuderl daß Slroh, der auf der vordere» Platlsorm stand, hinabftel und mit der Hand unier ein Rad gerielh. Er wurde so schwer ver- letzt, daß er gestern ein Krankenhaus aufsuchen mußte. Polizcibericht. Am 26. d. M. wurde ein Man» in seiner Wohnung, in der Bernauerstraße, todt aufgefunden. Er hat sich anschcinnid durch Einalhmen von Kohlendinist vergiftet.— Au dem Aborte eines Grundstücks in der Köpnickerstraße versuchte ein Arbeiter, sich z» erhänge». Cr wurde jedoch noch lebend aus seiner Lage befreit und nach eineni Krankeichause ge- bracht.— Auf dein Potsdamer Bahnhofe wurde ein Maschinen- putzer durch einen einfahrenden Zug erfaßt und zur Seite g-! schleudert. Er trug sehr schwere innere Vcrletzniigen davon.— Vormittags sprang ein Mädchen in der Absicht, sich das Lebe» zu nehme», i» den Luisenslädlischen!ia»al, wurde indessen noch lebend wieder herausgezogen.— Mittags wurde eine Iran in ihrer Wohnung in der Siineonstraße erhängt vorgesunden.— Ein obt achloser Arbeiter drang»achiniltags in die Wohnung einer i» der Schönebergerstraße wohnhaften Frau, bedrohte sie mit eiilem Messer und verletzte eine» ihr zu Hilfe koinmenden Arbeiter durch einen Stich in die Backe.— In der Nacht zum 27. d. M. wurde in der Kmizbergstraße ein Arbeiter mit einer anscheinend von einem Falle herrührenden schweren Verletzung am Kopfe aufgefunden. Wittcrnngöiibcrsicht vom 27. November 4895. Wetter-Prognose für Donnerstag, den 28. November 1895. Etwas wärmeres, zeitiveise nuiklärendes, vorwiegend trübes Wetter mit geringen Niederschlägen»nd mäßige» südwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Nuttft und Miftensthuft. Bei dem nächsten Zyklus der Volksvorstellungen, die an den Sonntag Nachiniltagen im National- Theater unter der Regie von Julius Türl stattfinden, wird die Bauernkomödie von Anzengrnber„Ter G'lviffenswurm" gegeben. Tie erste Vor- stellnng findet am l. Dezember statt. Bei dieser Vorstellung wird eme junge Wiener Schauspielerin, Fräulein Anni Reißner, zum ersten Mal in Berlin auftreten; die Dame hat die Rolle der Horlachor Liest übernommen. De» Wastl spielt Herr Reßner (Gärtnerplatz- Theater in München), den Grillhofer Herr Siegsried Bruck(Stadt-Theater in Nürnberg), den Dufterer Herr Julius Türk. Alexander Dumas Uegt, schwer krank darnieoer, sodaß befürchten läßt. wie ans Paus gemelvel wird, sein Zustand das Schlimmste Ein VrimtMihtezs. „findiger" Flr.fchbeschauer. Ans Grünberg wird der„Breslauer Zeitung" geschrieben: Als hier die Untersuchung der geschlachtele» Schweine aui Trichinen eingeführt wurde, hatte einer der ernen angestellten Fleischoeschauer das Glück, in seinem Bezirke fortwährend trichinöse Schweine zu finde»; er heimste bei jedem neue» Trichinenfund die vom Kreise gewährte Prämie von 10 Mark ein und kani auch bald in den Ruf, der tüchtigste und gewissenhafteste Fleischbeschau«! unserer Stadt zu sein. Den Kollegin des„findigen" Genoffen kam die Sache jedoch bald ver- dächlig vor, nicht minder der Behörde; ganz besonders aber einem Gastwirth und einem Großfleischcr, da gerade in allen von ihnen gefütterten Schweinen sich Trichinen vorfanden. Der Finder der Schmarotzerthiere ging nämlich viel in. den Hans- Haltungen der beiden letzteren ein und aus. Ma» beobachtete den findigen Beschauer etwas genauer. Er unter- hielt einen zienilich lebhaften Hundel mit trichinösem Fleisch. Um jederzeit der nicht nnbedeuteuden Nachfrage nach trichinösem Fleisch genügen zu können, züchtete er trichinöse Natten. So nahm er hin und wieder einige Stückchen trichinösen Natten- fleisches in solche Haushaltungen seines Bezirkes mit. in welchen Schweine zum Selbstschlachlen gefüttert wurden, und wenn es ihm gelang, in die Nähe der Schweine oder des Schweinefutters zu kommen, dann hatte er sich stets die Anwartschaft auf ein Zehnmarkstück erworben. Wie aber der Krug nur so lange zum Brunnen geht, bis er bricht, ging dieser schlaue Fleischbeschauer auch nur so lange zu den Schweineställen seiner Freunde, bis die Polizeibehörde ihm kürzlich plötzlich durch Abnahme des Amtes ihm diese Art der Schweinefüttcrei verleidete. Zehn Jahre sind seit jener Zeit vergangen; in diesen zehn Jahren sind hier zusammen nicht so viel trichinöse Schweine geschlachtet worden, als damals in einem Jahre. Der Trichiiienhändler schied bald nach seiner Amtsentlassung freiwillig aus dem Leben. Aus München wird vom Dienstag berichtet: Das Fabrik- gebände der Kerzen- und Seisenfabrik von Franz Wassermann in der Fraunhoferstraße ist heute Abend vollständig niedergebrannt, doch blieb das Feuer ans seinen Heerd beschränkt. Der ent- standene Schaden ist bedeutend, die Enlstehungsursache des Feuers ist nicht bekannt. Mensche» sind nicht verletzt worden. Avbeitcmsiko. In einer der Gruben in B a r l i n bei Btthune hat sich ein s ch w e r e s U n g l ü ck ereignet. 3 Berg- leute fuhren ei», indem sie den Abstieg auf den Leitern bewerk- stclliglen. Hierbei verlor der zuletzt Einsahrende das Gleich- gewicht und riß im Fallen die beiden anderen mit sich, linier der Last der 3 Männer brach der Boden durch, ans welchen» die Leiter stand nnd alle drei stürzte» in den 119 Meier tiesc» Ab- grund. 10 Kinder»verde» hierdurch zu Waisen. Erdbeben. Ans Sofia nnrd berichtet: Gester» früh wurden in Philippopel, Stanimaka, Tscbepelare sowie überhaupt im Zentrum Süd-Bulgariens zivei Erdstöße»vahrgenommen. Eisenbahiitvcse» i»» Klcinasien. Aus Konstantinopcl wird berichlet: Tie»e»e Strecke der auaiolischen Eisenbahn von Afin»- Karahissar nach Akjchehr, eliva 100 Kilometer lang, »vird am Donnerstag eröffnet. Briefkasten der Redaktion. Wir bille» bei leder Slnsraa««ine«hissre(zwei Bnchsialxm otev eine gahil anzugeben, unter der die Antwort erthetlt werden soll. Die juristische Sprechstunde findet am Montag, Miitlvoch, Freitag nnd Sonnabend abends von 7—8 Uhr statt. C. K., Tilsiter Straffe. Nach der Erklärung unseres Berichtcrstalters ist Ihre Ansicht unzulreffiiid. Karl 1991. Sie müssen de» Kaufvertrag als Ihnen gegen- Über nngiliig durch eine neue Klage schleunigst anfechte». Die Klage hat At»ssichl aus Erfolg, weim dein Käufer„achzllweisen »st. daß er die betreffende Verpflichtung seiner Verkäuferin kannte. - A. 1999. 14 � Tage.- L. G. 9, F. N. 84, P. T., Mvabit, E. K., M. F. 18: Nein.- Otto H. Ja. Sie müssen sich schleunigst au die Strafvollstrccknngs-Behorde»mt einem dahingehenden Gesuch»vende».— N. L. 15. Für beide Schulden haslen Sie»och.— B. G. in F. l. Alles. 2. Ja. 3. Nein.— O. N. 56. Ja. Die Sleuerbehörde kann allerdings eventuell ih» deshalb besteuern.— 5E. P. Z. Borsicht. — B. N. B. Erst ist der Schuldner, dann erst sind Sie als Bürge zu verklagen.-- H. R. Tagegen geht nichts zu machen.— W. F. 1. Die Erfordernisse zur Erlangung einer Altersrente sind aussührlich»u der Nummer des„Vorwärts" vom 17. November 1895 unter„Soziale Rechtspflege" dargelegt. 2. Für eine Darlegung der Zivecke nnd Ziele des Freiinanrer- thums ist der Ran», des„Vorwärts" nicht vorhanden. Sie können sich aus irgend einer Buchhandlung Broschüren über das Freimaurerthum verschaffen.— 29 V. Ansprüche auf die Bäckerei stehen Ihnen nicht zu.— E. V. 199. 1. 14 Tage. 2. Ja.— W. Z. 117. Ja.- L.»5. Nein, nur Anspruch auf baare Auslagen.— Rcichenbergev 115. Leider ja. E. S. Lauterbcrg a. H. Da der Unfall sich nicht im Be- triebe ereignet hat. so steht Ihnen leider eine Unfallrente n l ch t zu. Anspruch ans Invalidenrente haben Sie erst, wenn Sie e»» Jahr lang krank»varen oder dauernd eriverbsnnfähig sind. £>ie näheren Angabe» hierüber finden Sie in der Beilage des . Vorwärts" vom 17. d. M.- Nordpol. Die Mädchen könne», auf Herausgabe ihres Eigenthums klage», können auch Vollmacht zu ihrer Vertretung einem andere» erlheilen. Die Frage»vegen des Pflichtiheils ist uuverständltch; sprechen Sie in der juristischen Sprechstunde gelegentlich vor.— Oberursel. Der einem Geist- lichen ausgestellte Revers, daß etrvaige Kinder der Brautleute in einer bestimmten Religion erzogen werden sollen, ist nngiltig. — M. H. 53. Wird wegen des Ehebruchs geschieden, so rst der Ehebrecher für den schuldige» Thcil zu erklären. Dann hat die Fran das Recht: ihr Vermögen voll zurück zu verlangen. nach ihrer Wahl lebenslängliche Alimente oder Vi des Vermögens ihres früheren Mannes zu begehren und endlich das »vechselseitige Testament zu»vidernifen.— A. T. 11 Soiveit zu ersehen, sind Sie erbberechtigt. Sprechen Sie gelegentlich� in Zer juristischen Sprechstunde vor.— Krankenkasse. Nicht Sie, wohl aber Ihr Arbeilgeber ist zur nachträgliche» Zahlung der Beiträge verpflichtet.— A. U. 3575. Berklagen Sie die Firma auf Erfüllung des Vertrages.— M. P. Bei den» betreffenden Regimenlskonimandeur.— L. G., Wallstr. 18. Nein. - III W. Ja.- W. M. 1577. Sie sind im Recht. Achtung!! Arbeiter!! Achtung!! 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Martin Luther, oder: Die Weihe der Kraft. Theater Unter de» Linden. Der Mikado. UeichvhaUen-Theater. Spezialitäten- Vorstellung. American» Theater. Spezialitäten- Vorstellung. Apollo- Theater. Spezialitäten-Vor- stellung. Kaufmann'« Uaristb. Spezialitäten- Vorstellu'.lg. Schiller-Theater. Dor nerstag: Das Käthchen von HeiUrislj-Bitr-8l>llil Ol Vit Rqßer, lÄ'fÄ; Empfehle allen Freunden und Be- kannten mein Weist-, Kairifch Kier und gr. Speisegefchäft. Reichhall. frühstück von 30 Ps., Mittag mir Bier 50 Pf. sowie Abendtisch ä. la carte von 30 Pf. an. 2 Vereinszimmer mit Klavier für 20—50 Personen. 32241/ H. Stramm, 9leftaurat„ Ritterstr. 123 Schlafstelle, sep., Reichenbergerstr. 127 vorn 1 Tr. 1. 15S3b Möbl. Schläfst. Manleuffelstr. 50 v. I. r. Freundl. Schlafstelle zu verm. Arndt- straße 20. Quergeb. 2 Tr. r. 155Sb Am 25. d. M. entriß mir plötzlich der unerbittliche Tod den Kaufmann Sem Albert Koppe, feit länger denn 15 Jahren mein treuer Mitarbeiter. Durch seltene Pflichttreue und Eifer zeichnete er sich aus und hat durch seinen aufrichtigen Charakter sich meine ganze Wertbschätzung erworben. Sein Andenken werde ich jederzeit in Ehren hallen. Berlin, den 27. November 1895. W. Hermann Müller. Die Beerdigung findet am Freitag, den 29. November, nachm. 3>/s Uhr, von der Leichenhalle des St. Andreas- Kirchhofes, Wilhelmsberg, aus statt. Ganz unerwartet wurde uns am 25. November unser Kollege Herr Albert Koppe durch den Tod entrissen. Seit langen Jahren war er uns allen ein lieber Freund, den wir mit großem Schmerz aus unserer Mitte scheiden sehen. Wer ihn näher kannte, wird unseren Schmerz ermessen und wird sein An- denken nie in uns erlöschen. Berlin, den 27. November 1895. Das Dcrfonal der Firma Vi. Hermann Müller. Nachruf. Am 25. November, abends 81/, Uhr, verschied nach langen schiveren Leiden unser Werkfährer Paul Dochow. Wir verliere» in demselben einen ge- wissenhaften, guten Meister. Derselbe wird uns unvergeßlich bleiben. Ehre seinem Andenken. Die Arbeiter der Mctallwaaren- Fabrik von Friedrich Kirchner. Die Beerdigung findet am Freilag, den 29. November, Nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Thomas-Kirch- Hofes aus statt. Die über die Familie Hahn ver- breiteten Unwahrheiten bedauere ich und nehme dieselbe» zurück. C. Bechlie. Möbel. gebraucht:, kauft Burow, Rosenthalerstr. 13. AckitMM. Achtung I Achtung I Klamerarbeiter! Die Kollegen der Pianomcchanik- Fabrik von 141/13 F. Langer&C0., Blnmeiistr.28, haben wegen Maßregelung die Arbeit niedergelegt. Die Werkstatt- Kontroll- Kommisston. AAullg, Alkviemheiter! Die Kollegen in der Pianowerkstelle von W. Steuer, Krautstr. 52, haben wegen Lohndiffereuzen die Arbeit niedergelegt. Die Kontrollkommisfio». MövelpoNrer. In der Werkstatt von Jerabeek, Griebenowftr. 3, haben die Kollegen ausgehört wegen Lohndifferenzen. Bitte dieses zu beachten. 145/19 Der Uorfland. Versilb. verl. Loose, Liegnitzerstr. 15. Farbigm. aus Lohn dauernd verl. 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Geüble Wafchinennährriu auf Wüsche findet dauernde Beschäftigung bei Claras, Falckensteinstr. 7. sI584b Bezieher"ME verlangt List, Köpnickerstr. 154.[1572b Tüchtige Auodreher suchen[1581b Lenschcv»& Markert, Knopf-Fabrik, Vor dem Stral. Thor 22. Tüchtige Malerinnen u. Näherinnen, auf Knöpfe geübt, suchen 1530b Lenschciw& Markert, Knopf-Fabrik, Vor dem Stral. Thor 22 Verantwortlicher Redakteur: Fritz Kunert, Schöneberg-Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. 2. Beilage zum„Vorlviirts" Berliner Bolksblatt. Nr. 278. Donnerstag, den 28. November 12. Jahrg. Die Arbrrks� und Gelzalksuerhiilknisse der Nclluev und NvNnvvinnen. Die Bernthungen der„K o m m i s s i o n f ü r A r b e i t e r- siatistik" üver die im Jahre 1393 vorgenommenen statistischen Ei Hebungen über die Arbeitsverbällnisse der oben bezeichneten Slrbeiterkatcgorien sührle» zu dem Ergebniß, daß weitere Umfragen stattzufinden hätten. Wie im Gewerbe der Bäcker, Konditoren, Müller und im Handelsgewerbe geschehen, so auch bier: die zweite Umfrage war nicht medr gerichtet an einzelne Persoilen, sonder» die Kommission forderte Gutachten ein von Bereinigungen von Prinzipalen und Angestellten, sowie auch von einer Anzahl Krankenkassen. Das so gewonnene Material ist vom kaiserlichen Statistischen Amt bearbeitet worden und liegt nun als Drucksache der Kommission, Erhebungen Nr. V vor. Befragt wurden 27 Prinzipal- und 28 Gehilfenvereinigungen. Die Frage, ob die gegenwärtig übliche Arbeitszeit nochtheilige Folgen für die Gesundheit der Kellner,(Oberkellner) Kellnerinnen und Lehrlinge hat, ist von allen Wirthcvereinigungen verneint, von allen Kellnerorganisationcn bis auf vier bejaht worden. Die Wirthe machen geltend, daß die Arbeit der Kellner überhaupt nicht so anstrengend, daß sie häufig von Ruhepansen nuterbrochen sei. Die größere Krankheilsgefahr und Sterblich- keil rühre nicht von der giößeren Anstrengung her; die „reichlich freie Zeit" werde von vielen Angestellten in einer der Gesundheit wenig zuträglichen Weise benülzt. Bon der anderen Seite wird dagegen eingeivendet, daß schon allein die lange Arbeitszeit an sich(nach de» amtlichen Er- Hebungen Tabelle IIb, S. 32 haben 83,1 pCt. 14—18 Stunden tägliche Arbeitszeit) schädlich wirke. Als Nebenumstände werden hervorgehoben: Das nächtliche Arbeiten in geschlossenen Räumen, die kurz bemessene Schlafzeit, das fortgesetzte Hetze» und Jagen, die ranchige, trockene, heiße Luft. Hervorgehoben wird noch das meist schlechte Essen, das„in der Regel in aller Hast verschlungen werden muß." Die Behauptungen der Kellnervereinigungen werden vielfach— namentlich ist das vom„Verein Berltner Gast- wirthsgehilfen" geschehen— zahlenmäßig belegt. So wird in dem Gutachten letztgenannter Vereinigung angeführt, daß, lväh- reud nach der Statistik der Krankenkassen im Deutschen Reich durchschnittlich 17 Tage aus den Erkrankungsfall kommen, bei der Orts-Krankenkasse der Berliner Gastwirlhe auf jeden Er- kranknngsfall gezählt wurden 1891: LÜVs Tage; 1892: 30>/s Tage: 1893- 30710 und 1894: 293/4 Tage. Für die Fortbildung der jugendlichen Arbeiter ist nach Angabe der Prinzipalvereine genügend gesorgt. Es sei genügend freie Zeit vorhanden und der Prinzipal nehme selbst ein ,',leb- Haftes Interesse an der Fortbildung der Lehrlinge". Auch das Familienleben leidet nach der Ausfassung der Prinzipal- Vereinigungen durchaus nicht. Die wenigen verheiralhelen An- fiestellteii„hätten Zeit genug, sich ihrer Familie zu widmen, iven» ie nur wollte»"; die Lehrlinge aber würden znr Familie des Lehrherrn gerechnet. Von den Kellnervertretungen wird hiergegen ausgeführt: Ein Familienleben kenne weder der Kellner noch der Kellner- lehrling, da sie zum Besuch der Eltern. Geschivistcr und sonstiger Verwandten keine Zeil hätten. Die Verheiralhelen bekämen ihre Frau und Kinder meist nur des Nachts zu sehen. Darunter leide die Kindererziehung und somit das Familisnleben. Hänsig müsse der Kellner die Thatsache seiner Verheiralhnng dem Prinzipal verschiveigen, wenn er nicht seine Stellung verlieren wolle.— Die N 0 t h w e n d i g k e i t und D li r ch f ü h r b a r- keit einer Regelung der Arbeitszeit wird von der übenviegendcn Mehrheit der Wirthevereinigungen ebenfalls verneint, von den Kellnervereinen allgemein bejaht.„Die Ruhe zeit— so wird von der erstbezeichnelen Richtung angeführt- fei in viele» Betrieben länger als die Arbeitszeit, in viele» Ge schäften sei an Wochentagen fast gar kein Verkehr, gleichwohl sei aber der Wirth genöthigt, ein größeres Personal zu hallen, weil ihm sonst Sonntags die Arbeitskräfte fehlen >vjü r d e n".(?) Im übrigen sorge der Wirth selbst für genügende Ruhepausen,(?) eine gesetzliche Regelung sei daher nicht»öthig. — Auch in diesem Punkt« stehen dieAnssage» der Kellnervereinigungen denen der Wirthe schroff entgegen. Die Mehrzahl der Kellner- Vereinigungen beantrage» eineMindeslruhezeit sestzusetzen; 8 Stunden n n unterbrochene Ruhezeit wird als das mindeste ge- fordert. Diejenigen Kellnervereinigungen, welche die Festsetzung einer Maximal- Arbeitszeit beantragen, wollen diese auf höchstens 14 Stunden festgesetzt wissen. Die einzige Kellnervereinignng, welche die Festsetzung einer 12ftündigen Arbeitszeit vorschlägt, der„Verein Berliner Gastwirlhsgehilsen", will den Wirthen zu- gleich die Konzession gemacht wissen, daß sie diese 12 Stunde» Arbeitszeit auf 15 Stunden vertheilen dürfen, so daß dem An- gestellten eine dreistündige Zwischenpause zusteht. Pausen unter zwei Stunden sollen aber als Arbeitszeil berechnet werden. Derselbe Verein beantragt, die Mlttagspause auf eine Stunde festzusetzen; die meisten anderen Kellnervereinigungen verlange» wenigstens eine halbe Stunde. U eberarbeit wird von einigen Kellnervereinigungen für Ausnahmefälle zugebilligt, aber nur unter der Bedingung, daß dann am nächsten Tage eine der Zahl der Ueber- stunden entsprechende längere Ruhepause einzutreten hat. Nur ein Gehilsenvereiu, der bereit- oben genannte„Verein Berliner Gastwirlhsgehilsen" lehnt die Bewilligung jeder Ueberzeilarbeit ab und begründet das wie folgt:„Kommt es zu der von uns vorgeschlagenen Regelung der Arbeitszeit lI2 Stunden Arbeits- zeit, die sich innerhalb 24 Stunden auf lö Stunden verlheilen dürfe», sodaß eine ununterdrocheue Ruhezeit von 9 Stunden verbleibt), so ist eine ausnahmsweise zuzulassende Ueberscbreituug derselbe» weder nolhwendig, noch dem Zwecke des in Aussicht stehenden Gesetzes entsprechend, der za gerade dahingeht, den gegen- wällige» Zustand zu beseitige». Hiljskräste sind stets in Masse vorhanden." Von einer Wirthevereinigung, dem„Deutschen Gastwirths- verbände"(Sitz Berlin) wird eine Mindestruhezeit von sechs Stunden als ausreichend erachtet, da im Laufe des Tages sicher noch 4 Stunden auf die Ruhezeit während des stillen Geschäftsganges zu rechnen wären. Würde noch eine einhalbstündige Mittagspause zugestanden, so blieben nur noch 13l/z Stunden Arbeitszeit,„welche im Hinblick auf die weder Körper»och Geist übermäßig anstrengende Thätigkeil gewiß nicht zu lang ist".. Die andern Wirthevereinignngen wollen zum theil eine 7 ständige Mindest-.Ruhezeit gewähren oder sie beantragen Maximal- Arbeitszeiten von 1 6. sogar 18 Stunden pro Tag. Die Arbeitszeit der Lehrlinge unter IC Jahren besonders zu regeln, liegt nach der Ansicht von 1l Wirthe- und einer Kellnervereinigung kein Grund vor, während 11 Wirthe- und 26 Kelluerverelniguugen diese Frage „im Interesse der körperlichen Entwickelung der Lehrlinge nnd geistigen Fortbildung" bejaben. Die Wirthevereinigungen, ivelche sich einer solchen Geletzesvorichrift widersetzen, behaupten, dnp der Lehrling„weniger angestrengt" arbeite als der erwachsene Gehilfe und daß es für ihn im„Interesse seiner Ausbildung' nur nützlich fei, wenn er während der ganzen Dauer des Bs triebes mitarbeite. Die Frage, ob die Nachtarbeit für jugendliche Arbeiter ganz oder theilweise zu verbieten sei, wird von 17 Wirthe- und allen Kellnervereinigungen be- jaht. Der„Verein Berliner Gastwirthsgebilsen" äußert sich darüber folgendermaßen:„Nachtarbeit sollte für Lehr- linge in vollem Umfange verboten werden. Abgesehen da von, daß die Arbeitszeit, wen» sie bis in die Nacht ausgedehnt wird, für die jugendlichen Arbeiter überhaupt eine zu lange wird, sprechen auch sittliche Bedenken gegen die Nachtarbeit der jungen Leute. Das Gaslicht, die heiße Temperatur, die ganze Umgebung(die nicht immer ganz„züchtig" verhüllten Damen bei späten Soups's, Bällen u. s. w.) wirkt auf die Sinne und Nerven des überarbeiteten, im Wachsthum befindlichen jungen Mannes dermaßen gejährlich, daß gerade hier die Ursache der meisten späteren Krankheiten bei de» Kellnern gelegt wird." Die Gewährung einer vollständigen Sonntags- r u h e a» alle» Sonntagen des Jahres wird, wie dies nicht anders zu erwarten, von allen Wirthe- und Kellnervereinigungen als undurchführbar bezeichnet. Die erstcren wollen in ihrer Mehrheit aber auch von der gesetzlichen Regelung eines Ruhetages in der Woche nichts wissen. Das Personal werde nur„zu unnölhigen»nd leichtsinnigen Geldausgaben veranlaßt" und„in den bessere» Lokalen" würden schon heule Ruhetage bewilligt. Im übrigen gehen die Vorschläge über den Umfang der zu ge- währenden Ruhezeit sehr weit auseinander. Neun Kellner- vereine und nur ein Wirtheverein sprechen sich für einen vollen freien Tag in der Woche aus, drei der elfteren beantragen, daß jeder vierte dieser freien Tage auf einen Sonntag fallen müsse Für 2 halbe Tage pro Woche spricht nur ein Wirtheverein. An- dere verlangen aller 14 Tage einen Ruhetag; einige Wirthe- vereine beantragen, daß an stelle des Sonntags zweimal in der Woche einige Stunden freigegeben werden. Von besonderem Gewicht bei einer eventuellen gesetzlichen Regelung der Arbeitszeit im Gastwirthsgeiverbe dürste das Gutachten des kaiserlichen Gesundheits a m t e s sein, das die Kommijsion für Arbeiterstaiistik von Diesem eingefordert hat. Das kaiserliche Gesundheitsamt kommt in seinem Gutachten zu dem Schluß, daß eine tägliche Mindest° Ruhezeit feslzufcyen sei, deren Datier für Erwachsene mindestens acht. für jugendliche und iv e i b l i ch e Personen wenig- st e n s z e h n S t u 11 d e n— in beiden Fällen ohne die Wege von und nach der Arbeitsstätte gerechnet— zu betragen hätte. Zur Ergänzung der statistischen Aufnahme über die Arbeits- zeit sind den einzelnen Organisationen auch Fragen vorgelegt worden über die Gehaltsverhältnisse. Außerdem haben bei den diesmaligen Erhebungen die Köche, Köchinnen, Mamsells und die Kochlehrlinge Berücksichtigung gesunden. Diese beiden letzteren Kapitel werden wir zum Gegenstand einer weiteren Be- sprechung machen müssen. Die oben angezogenen Aus- spräche der Wirthevereinigungen, aus denen allen der krasseste Egoismus hindurchblickt, der seinem Arbeitei nicht die geringste Erleichterung bewilligen will, der sich mit Gewalt gegen die geringste Beschneidung seinei Ausbeutungsgier slemmt— diese wenigen Beispiele mögen genügen, den Arbeitern im Gastwirthsgeiverbe zu zeigen, daß sie von jener Seite nichts zu erwarten haben. Nach den bisherigen Gepflogenheiten der Kommission für Arbeitcrstatistik dürfte nach dem Ziisammeutritt derselben nunmehr die mündliche Vernehmung von Vertretern beider Theile erfolgen. Ueber das Resultat dieser Verhandlungen werden wir s. Z. berichten. Soziale Llebcrltrlzl. Ter„Berei» für Leichenverbrenitting iu Miiuchett" hat an die Kammer der Abgeordnete» folgende mit einer ein- gehenden Begründung versehene Petition eingereicht: Der ge- horsamst unterzeichnete Verein für Leichenverbrennung in München richtet hiermit an die Kammer der Abgeordneten das Ersuchen, an maßgebender Stelle zu befürworten: es möge eine Ergänzung der einschlägigen Gesetzgebung in dem Sinne erfolgen, daß sin die Zuknnsl auch in Bayern neben der Beerdigung auch de» Feuerbestattiing ein gesetzliches Hindcrniß nicht mehr im Wege steht!! Tie Bäcker- und Konditorgchilfeu Münchens haben in einer öffentlichen Versammlung beschlossen, an den Reichstag eine Petition zu richten und denselben nm die Annahme eines Gesetzes zu ersuche», durch welches I. für alle Bäckerei- und Konditoreibelriebe die Arbeitszeit der in denselben beschäsliglen erwachsenen Arbeiter auf höchstens 12 bezw. 10 Stunden täglich. 2. die der Lehrlinge auf höchstens 8— 10 Stunden beschränkt wird und, soweit sie das 16. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, ein Verbot der Beschäl ligung derselben in der Zeit von 8 Uhr abends bis 4 Ilhr morgens erlassen wird, 3. auch summtliche Bäckerei- und Konditorcibetriebe der Aussicht von Fabrikinspekloren unleistellt werden. Ein Teitcnstück zum Essener Meincidöprozest. In Brüx (Böhmen) hallen 5 Bergarveiler in einem Prozesse gegen einen ihrer Genosse» eine Aeußerung beschworen, die sie vom Grasen Thun, dem Stall halier Böhmens, bei Sireikverhandlunge» gehört haben wollten. Sie wurden, da der Herr Graf diese Aeußerung in Abrede stellte, wegen Meineids vor das Schwur- geeicht gestellt und schuldig gesprochen. Der Angeklagte Sreler erhielt sechs, die anderen je zwei Monate Kerkerstrafe. Aus der Verhandlung sind einzelne Aeußeruugen des Staaisanwaltes be- merkenswerlh. Er hob hervor, daß die Aussage des Grasen Thun deshalb einen besonderen Glauben verdiene, weil er nicht annehmen könne, daß Gras Thun eine ungesetzliche Aeußerung machen könne.(!?) Es müsse ferner darauf hin- gewiesen»verde», daß die B e l a st u n g s z e u g e n gute Christen(!) seien.— Die Karriere dieses schneidigen Herrn dürste gesichert sein. Der französische Fiuanzministcr Doumcr erstattete vor einigen Tagen den Zündholz- Manusaklnren in P a n t i n und Aubervilliers einen Besuch ab. Er war ehrlich genug, zu konstatiren, daß die Arbeiislokale dieser Etablissemenls in einem höchst inangelhaften Zustande sich befünden und erllärte, daß es eine Pflicht der Menschlichkeit sei, die Verhältnisse, unter»velchen die dortigen Zündholzarbciter arbeiten müßten, zu verbessern. Nach seinem Besuche euipfiug der Minister eine Deputation der letzteren unter der Führung des oft genannten Herrn A s ch b a ch e r, Präsident des französischen Zündholz- Arbeiterbnndes, welche ihm eine Anzahl von Beschwerden der Zündholzarbeiter der Umgegend von Paris nnd der Provinz vor- lriigen. Arbcitemsiko. Aus M a d rid meldet der Telegraph: In Palma ist eine Patronensabrik durch Explosion in die Luft geflogen. Bis jetzt sind 62 Leichen ans den Trümmern hervorgeholl worden, darunter diejenigen von 37 Frauen. Alle ind schrecklich verstümmelt; von den bei der Explosion Ber- mundeten sind bereits mehrere im Hospital gestorben. GewevkschsfttiiJies. linstNche Mitthellungen von Organisationen, vor allein solche über AuSsimw« oder Aussperrungen, müssen stets den Eleinpel der betressenden Organisation tragen. Die im Handels- und Transportgewerbe beschäftigten Hilfsarbeiter Brannschweigs haben in einer stark vesuchien Versammlung eine Resolulion angenommen, durch welche die Reichsregierung aufgefordert wird, die Einbringung eines Gesetz- entwurss zur Regelung der Arbeitszeit im Handels- und Trans- portgewerbe zu beschleunigen. Ucbcr einen Lohukamps der dänischen Apothckergehilfe» wird uns geschrieben: Bis 1890 herrschte i» Dänemark der „Apothekerbnud"— eine Unternehmer- Vereinigung— nnum» schränkt und ordnete alle Verhältnisse nach seinem Wohlgefallen. Da wurde im Herbst 1890 der dänische Apotheker- gehilfe n- Verband begründet und zwar mit einer Mit- gliederzahl, die jedermann in Erstaunen setzte. Die Verhältnisse. unter denen die Gehilfen arbeiten mußten. waren aber auch der Art. daß alle sühlten, ein einiges Zusannnengehen sei eine zwingende Nothwendigkeit für sie. Die erste Frage, deren sich der Gehilfenverband annahm, war die des Kostgeldes. Der Vorstand des Apolhekerbundes hatte erklärt, man könne den Gehilfen nicht Kostgeld, statt der üblichen Verpflegung am Tisch des Apolhekenbesitzers, geben, da dies die Moral der Apothekergehilfen(beiläufig sind dies Leute von 25 bis 50 Jahren) gefährden hieße und da auch die Bedürfnisse des Publikums dadurch geschädigt würden. Diese thörichten.Ein- Wendungen schreckten den Gehilfenvcrband natürlich nicht ab und durch Einigkeit seiner Mitglieder gelang es ihm denn auch, den Kamps erfolgreich durchzuführen, indem allen den- jenigen, die dabei stellenlos werden sollten, Unterstützung zugesichert wurde. Alsdann arbeitete der Gehilfenverband eine Slaiistik über die Lohnverhältnisse aus und wandte sich auf grund der dabei zu tage tretenden trostlosen Verhältnisse an den Apothekerbnud um Abhilfe. Zeigte sich doch, daß das Dnrchschniltsgehalt nur 125 Kronen beträgt und daß viele Familienväter trotz 12stündiger Arbeitszeit nur 100—120 Kronen Gehalt beziehen, denn bei der Privilegienwirthschaft ist es für Apothekergchilfeii ja sctiwer, sich eine selbständige Stellung zu schaffen. Aber der Apothekerverband erklärte, das ginge ch» nichts an. So mußte sich der Gehilfenverband selbst helfe» und er hat in seiner letzten Generalversammlung mit 168 gegen 1 Stimme folgende Resoliitioii gefaßt:„Die Gagen werden in 4 Klassen gelheilt, zu 1500, 1800, 2100 II» d 2400 Kr. pro Jahr, und in jeder Apotheke wird nach der Größe ihres Umsatzes ein be- st i m m t e s G e h i l f e n p e r s 0 n a l f e st g e s e tz t." Hoffent« lieh gelingt es dem Verband, seine Forderungen durchzusetzen. Zum britischen Tchifföbaucv- Konflikt wird aus New- Castle berichtet: Eine zahlreich besuchte Versammlung von Arbeitgeber», ivelche der Schiffbauer- Vereiaigung der Nordost- küste angehören, hat das Vorgehen ihrer Vertreter auf der letzten Konferenz in CarliSle gebilligt und endgiltig beschlossen, sich der Vereinigung der Arbeitgeber im Schiffbaufache anzuschließen.— Eine LonDoner Depesche meldet: Die neue Vereinigung der Schiffsbaumeister wird wahrscheinlich die Arbeitgeber im Norden Englands auffordern, ihre Arbeiter Ende der Woche auszusperren. Sozisilo Mvrhtspflejze. Tic van Held'schc Theateragcntnr hatte sich am 26. No- vember vor der Kammer 7 in einem Prozeß vertreten zu lassen, welchen der Lnusbursche Buddendors angestrengt hatte. Der un- laugst erst konfirmirle Kläger war in Begleitung seiner Mutter erschienen. Er behauptete, mit einem Wochenlohn von 4 Mk. eugagirl zu sein, während der beinahe fünfwöchentlichen Thälig- ieit in der beklagen Agentur aber nur 6 Mk. bekommen zu haben, so daß ihm noch 13 Mk. zuständen. Der Vertreter ber Beklagten, Herr Boltilini, wandte ein, den Knaben ausdrücklich unter der Bedingung engagirt zu haben, daß er 4 Wochen unentgeltlich auf Probe arbeite, weil er bisher noch in kein er Theateragentur thätig gewesen s e i. Diese Antwort des Herrn erregte allgemeines Schütteln des KopfeS. Einen Lausburschen, der, wie Kläger selbst glaub- hast angab, sich den ganzen Tag auf der Straße umhertreiben mußte, eine vierwöchentliche„Lehre" durchmachen zu lassen, weil er noch in keiner Theateragentur thätig war— wunder- barer Kniff zur Ausbeutung jugendlicher Arbeitskräfte! Herr B. erklärte sich bereit, seine Angabe zu beschwören, und ließ es sich nicht nehmen, eine vom vierzehnjährigen Kläger, also einem halben 5kind e unterschriebene Quittung etwa folgenden Inhalts vorzulegen:„Bescheinige hiermit, in dem Bureau v. Held vier Wochen probeweise beschäftigt gewesen zu sein, für welche Zeit ich keine» Lohn zu fordern halte, mir aber doch drei mal 2 M. freiwillig gegeben wurden, und bescheinige, keine Forderungen an das Bureau v. Held zu haben." Diese Quittung unterzeichnet zu naben, giebl der Kläger zu, stellt aber zugleich die Be- Häuptling auf, hierzu gezwungen worden zu sein. Als ihm der Buchhalter Meier das Formular vorlegte, hätte er sich ge- weigert, die Unterschrift zu geben; darauf sei ihm Meier mit der Drohung entgegengetreten, wenn er nicht unterschreibe, würde er eingesperrt. Kläger will sich dann auf seine Mutler berufen haben, die er erst fragen müßle. Nun hätte ihn Meier dadurch zum Unterschreiben gefügig gemacht, daß er davon gesprochen habe, seine Mutter als Betrügerin a n k l a g e n zu lassen.— Der Vertreter der beklagten Firma, welcher Theilhaber derselben ist, eiklärt auf Anregung des Gerichtsvorsitzenden, sich auf die Quittung nicht berufen zu wollen. Bevor er den ihm zu- geschobenen Eid leisten konnte, niachte der Vorsitzende einen Vergleichsversuch, der auch Erfolg hatte. Boltilini verpflichtete die Firma v. Held, 6 M z» zahlen, und der Kläger verzichtete auf die Mehrsorderung. Geri-chks-Äeiknns. Das Reichsgericht und die Berliner Polizei. Wegen Beleidigung der Berliner Polizeibeamten war auf Antrag des Polizeipräsidenten von Berlin der Redakteur des„Proletariers aus dem Eulengebirge", Genosse Franz F e l d m a n n in Langenvielau, unter Anklage gestellt worden. Das Landgericht L i e g n i tz hat ihn am 3. Juli freigesprochen.-» Ans die R e- Vision des Staatsanwalts hob heute das Reichsgericht das Urlheil auf und verwies die Sache an das Landgericht zurück. Zu unrecht sei angenommen, daß eine Beleidigung nicht vorliege, weil keine beslininilen Personen genannt seien. Gerade deshalb könnten alle Polizeibeamten Berlins als beleidigt gelten und der Strafantrag sei für alle gestellt! Berliner Miethszustäude. Ein Massen-Ausstand von Miethern gegen den Wirth beschäftigte pestern das königl. Amtsgericht I. Zwischen den Beivohnern des betreffenden, in der Rüdersdoiferflraße belegenen Grundstücks und dem Haus- wirth war schon seit einigen Monaten dadurch grimmige Fehde X entstanden, daß der Eigenthümer auf dem Hofe einen Pferdestall errichten ließ. Die Mielher glaubten sich durch diesen Neubau venachtheiligt und in ihrer Ruhe geschädigt, und so kam es, daß 18 Miethspartner am L November die Zahlung der Miethe Ver- rvelgerten und den Abriß des Pferdestalles forderten. Da in Güte keine Einigung zu erzielen mar, so strengte der Wirth gegen die d,e Zahlung Verweigernden Exmissionsklage bei dem königlichen Anrtsgericht I an. Das letztere bestäligle die Exmission und so werden, wenn nicht noch im letzte» Augenblick Einigung erfolgt, 18 Miether zugleich vom Gerichtsvollzieher aus das Slraßenpflaster gesetzt werden. Eine empfindliche Strafe verhängte gestern die erste Straf« rauuner des Landgerichts I über den früheren Lokomotivheizer Friedrich S l e d z, welcher sich wegen wissentlich falscher An- schuldlgung zu verantworten hatte. Der Angeklagte hatte seinen Posten als Heizer wegen Nachlässigkeit im Dienste verloren, rmlrde dann aber auf der Station Grunewald als Putzer be- schäfligt. Aber auch diesen Dienst versah er in so wenig zu» frredenstellcnder Weise, daß er am 1. Juni d. I. vollständig enl- lasten wurde. Er führte dies auf die Beschwerden zurück, die fem nächster Vorgesetzter, der Oberputzer Frese, über ihn geführt. Bald nach seiner Entlassung richtete der Angeklagte an die Eisenbahn- Betriebs- Direktion eine Anzeige, worin er den Oberputzer Frese grober Dienstvcrletzungen, sowie der Majestätsbeleidigung beschuldigte. Frese habe ihn eines Abends während des gemeinsamen Dienstes betrunken gemacht, sodann mehrere Kollege» als Zeugen herbeigeholt und ihn am folgenden Tage angezeigt. Frese beobachte seit Jahren ein wahres Ai�sbeutungssystem seinen Untergebenen gegenüber; er lasse sich allwöchentlich von ihren, Lohne einen Tribut zahlen und wer sich nicht fügen wolle, iverde beseitigt. Die Majestätsbeleidigung habe Frese gelegentlich der Kieler Festlichkeiten ausgestoßen. Durch die angestellten Ermittelungen konnte gegen Frese nichts Belastendes zu tage gefördert werden, worauf dessen Behörde gegen de» Denunzianten Slrafantrag stellte. Zum gestrigen Termine waren viele Zeugen geladen, welche nach der Behauptung des Angeklagten die von ihm angegebenen Thatsachen bestätigen sollten. Die Beweisaufnahme ließ den Angeklagten aber in jeder Beziehung im Stich. In betreff der Majestätsbeleidigung, welche der Zeuge Frese unter vier Augen mit dem Angeklagten aus- gestoßen haben sollte, beschwor der Zeuge, daß kein wahres Wort an der Beschuldigung sei. Der Staatsanwalt hob hervor, daß die Anzeige des Angeklagten als ein gemeiner Racheakt anzusehen sei, er beaniragte eine Gefängnißstrase von drei Monaten. Der Gerichtshof ging weit über diesen Antrag hinaus, denn es wurde auf eine Gesängnißstrafe von neun Monaten erkannt. Ueber richterliche Auslegungen des Pfäudungsrechts der Hauswirthe weiß ein Berichlerftatter zu melden: Die Aus- Hebung der sogenannten Kahlpsändung, wie von den reindeultch redenden Rechlsgelehrten das frühere Retentionsrecht der Ver- miether bezeichnet wird, scheint sich nach den bisher entschiedenen Prozessen für die Miether noch günstiger zu gestalte», als dies anfänglich nach dem Gesetz vom 9. Mai vorigen Jahres zu erwarten war. In einem kürzlich zur Entscheidung gelangten Prozesse lag folgender Thatbestand zu gründe: Die Ehefrau eines Miethers verließ heimlich ihren Gatten unter Mitnahme verschiedener Sachen, namentlich eines vollständigen Bettes und der Kücheugeräthe. Der Ehemann klagte später gegen de» Haus- wirth auf Herausgabe der nöthigen Sachen in Gemäßheit des neuen Gesetzes und der Wirth wurde daraufhin verurtheilt, dem Kläger herauszugeben: ein Bett, ein Sopha, eine Uhr, einen Spiegel, einen Kücheuschrank, einen Kllchentisch und noch eine Reihe anderer Sachen: Stühle, einen Schrank u. s. w., welche letztere» der Wirth sich freiwillig herauszugeben erboten hatte. Spiegel und Uhr waren werthvolle Stücke; elfterer war auf 150 Mark taxirt. Von dem Sopha wurde richterlicherseits angenommen, taß es als nothwendiges zweites Bett diene. Der Einwand, daß ja die Frau bereits ei» Bett für sich mitgenommen habe, wurde nicht durchgreifend erachtet, da durch den Auszug der Ehefrau das Recht des verheiratheten Mannes auf zwei Betten nicht verkümmert werde. Die Sache schwebt gegenwärtig in der Berusuugs- Instanz. Sehr iuteressanl ist auch die Mittheilung eines Hauswirlhs aus dem Norden, dem sein Miether eine» bedeutenden Theil pfändbarer Garderobe und Wäsche dadurch entzog, daß er sich kurz vor der bevorstehen- den Ausübung des Zurückbehaltungsrechtes— zwei Dienstboten miethete, für welche nicht blos Bellen und Bettwäsche freigelassen werden müssen, sondern- auch zahlreiche Kleidungsstücke, welche sie als ihr Eigenthum in Anspruch nahmen, obwohl diese Stücke noch kurz vorher von der Ehefrau des Schuldners getragen worden »uKe». jr Darf ei» Sohn eines Arbeiters ungestraft von einem jt Rechtsanwalt mit einem Peitschenstiel so geschlagen werden, f daß er geisteskrank wird? Am 16. April d. I. fuhr der Rechisanivalt Remling mit seiner Haushälterin, einer Frau Rolher, die Großbeerenstraße entlang. Der achtjährige Fritz Schwager spielte vor dem Hanse seines Großvaters und warf beim Spiel mit Holzstllckchen. Eins derselben mag durch eine Radspeiche der Velozipedsahrer geworfen sein; den Fahrer» irgendwie geschadet hat es nicht. Ter Rechtsanwalt Remling stieg darauf ab, faßte das Kind, das in das Haus seines Großvaters gelaufen war, am Arin und schlug es mit dem mit Siahl eingelegten daumstarken Stiel seiner etwa IV» Meter langen Peitsche über den Rücken und über das Gesäß. Der mißhandelte Knabe hatte an Rippenfell- Eni- zünduna gelitten und litt zur Zeit der Mißhandlung nock an einem Lungenkatarrh. Mit welcher Krastanstrengung geschlagen war, ergiebt sich daraus, daß ein anderer Knabe, deni der Rechts- anwalt sein Fahrrad zum Halten übergeben hatte, durch eine unwillkürliche Berührung mit dem oberen Ende des Peilscheustocks, der auf dem Rücken des kleinen Schwager excerzirt wurde. Nalen- bluten bekam. Der Großvaterdes Gemißhaudelten eilte zur Hilfe seines Enkels herbei und entriß dem Rechtsanwalt die Peitsche. Der Gemißhandelle zitterte lange Zeit nach der Mißhandlung und sei noch heute zeilweise wie geistesabwesend, während er bis zur Mißhandlung derartige Spuren nicht zeigte. Auch schmerzt ihn noch heute die Stelle des Arms, an der der Anwalt ihn au» gesaßt hatte. Der Antrag des Vaters, den Rechtsanwalt wegen Mißhandlung unter Anklage zu stellen, wurde von der Staats- anwaltschaft mit der Begründung abgelehnt, ein öffentliches Interesse liege nicht vor. Der Vater strengte daraufhin Privat- klage wegen Beleidigung und Mißhandlung seines Kindes an. Das Schöffengericht sprach aber den A> geklagten am 19. September frei. Es nahm an, der Angeklagte habe entschuldbar zu der Ansicht gelangen können, daß ein Anrufen der Eltern seinerseits zum Schutz für ihn und zum Schutz für das radsahrende und sonstige Publikum unnütz sei und sie daher berechtigt gewesen, den Knaben zu züchtigen. Gegen dieses Urtheil, das ei» ue�es Recht der Nothwehr einiübrt, legte der Vater Berufung ein. Die Strafkammer, unter Vorsitz des Landgerickisraths C o ll m a nn, verwarf die Berufung des Vaters am I. d M. I» dem jetzt dem Vater, der selbstverständlich Revision eingelegt hat, zugestellten schriftlichen Unheil stellt der Be- rufnugsrichtcr auch feit, daß„die Schläge und der damit ver- bunde» gewesene Schreck derartig auf das Nerven- syst ein des Knaben eingewirkt haben können, daß sich zeit iv eilige Gei st es st örun gen bei ihm bemerkbar machen." Trotzdem schließt er sich de» Gründen des Schöffengerichts an und spricht den Rechtsanwalt frei. Das Urlheil fügt den Gründen des Borderrichlers noch folgende Erwägung zu:„Wollte man aber auch annehme», daß dem Angeklagten zumal als Recklskundigen die Rechlsividrigkrit seiner Handlungsweise bewußt sein mußte und bewußt war"—„so würde Angeklagter dennvch für ftrafirn zu erklä'■ gewesen sein." S enn der kleine Cchmoger habe dnrch das Wersen„ach den Radfahrern dem Rechtsanwalt seine Geringschätzung bewiesen, dadurch ihn aber beleidigt. Die Miß- Handlung sei nur eine der Beleidigung gegenüber sofort und nach§ 233 Str.-G.-B. straffrei erfolgte Erwiderung anf diese Beleidigung! Man darf gespannt sein, ob auch das Kammergericht diese neueste Konstruktion vom Begriff einer Nothwehr billigen wird, ob ferner auch dieses einen derartigen Peitschenstock für kein gefährliches Werkzeug erachtet, wenn es einem achtjährigen Kinde gegenüber wie geschehen angewendet wird. Uns ist bekannt, daß nach Z 230 St.-G.-B. auch der, der nur fahrlässigerweise die Körperverletzung eines anderen verursacht mit Gefängniß bis zu 2 Jahren oder mit Geldstrafe bis zu 800 Mark zu bestrafen ist und daß nach§ 224 dem, der einen andern— und sei dies auch ein Kind— so schlägt, daß der Mißhandelte in Geisteskrankheit verfällt, Zuchthaus bis zu fünf Jahren od er Gefängniß nicht unter einem Jahre androht. Gelten diese Bestimmungen nicht auch als Schutz für Kinders Vom Amtsrichter Ringer in Landsbcrg a. W. be- richtet ein hiesiger Berichterstatter folgende Geschichte: Am 26. November war vor dem Schöffengericht Landsberg die erste Anklagesache soeben verhandelt worden, als der Amts- richter Ringer sich plötzlich an zwei im Zuschauerraum be- findliche Zeitungsberichlerstatter wandte und sie um ihre Namen nnd die der von ihnen vertretenen Zeitungen er- suchte. Sodann wandte er sich in längerer Rede an die beiden Herren und führte aus, daß er schon öfters bemerkt habe, wie verschiedene Sachen nicht in der Presse veröffentlicht würden. Er müsse annehmen, daß da auf manche Personen zu Ungunsten anderer gewisse Rücksichten vorgewaltet hätten, und wenn das fernerhin passire, so werde er dafür Sorge tragen, daß der den Berichterstattern zugebilligte Tisch zunächst entfernt und späterhin der Presse der Zu- tritt zu den Verhandlungen verwehrt werde. Als einer der Herren bemerken wollte, daß sie selbst als Bericht- erstatter keinen Einfluß auf die Zahl der Veröffentlichungen hätten, schnitt ihm der Richter mit einem:„Es bedarf keiner Erwiderung" das Wort ab. Der Vorfall wurde zu den General- akten des Gerichts genommen. Offenbar hat der Berichlerstaltcr die Aeußerung falsch ver- standen, da keinem Amtsrichter das Recht zusteht, irgend jemanden, der sich angemessen beträgt, den Ausenthalt im Zu- schauerraum des Gerichtssaales zu verbieten. Ei»„schlagfertiger" Beamter stand, wie die„Freis. Ztg." meldet, wegen Körperverletzung kürzlich vor der Slraskaminer in Jnsterburg Der Steueraufseher und Lieutenant der Reserve Beynel ritt am 1. September noch spät abends in scharfem Trabe durch das große Dorf Szitlkehmen. Der Besitzer Neuman», welcher fürchtete, daß die noch auf der Straße befindlichen Personen leicht umgeritten werden könnten, rief dem Steueraufseher ein„Halt!" zu. Augenblicklich kehrte dieser um, hieb nun auf Neumann in unbarmherziger Weise mit der Reitpeitsche ein und drängte denselben zuletzt in einen niit Wasser ge- füllten Graben. B. sprengte nun davon, kehrte jedoch plötzlich wieder zurück und schlug noch einmal aus N. los. Diesem gelang es jetzt jedoch, dem B. die Peitsche aus der Hand zu winden und ihn vom Pferde herunterzuziehen. Nun kehrte N. den Spieß um und bearbeitete den Steuernusseher mit dessen eigener Reitpeitsche gründlich. Der Gerichtshof erklärte nun in seiner gestrigen Sitzung zwar auch den Besitzer N. der schweren Körperverletzung schuldig, sprach denselben jedoch in anbelracht der näheren Um- stände von Strafe und Kosten frei. Der Steuerausseher wurde zu 150 Mk. Geldstrafe veruriheilt. Zum Exempcl fiir Banschwindel- Unternehmer. Der Kaustnann Samuel Rosengarten, 1861 zu Warschau ge- bore» und jetzt in Berlin wohnhaft, hatte sich am Montag vor der ersten Strafkammer am Landgericht II. wegen Vergehens gegen das Krnnkenknssengesetz zu verantworten. Der Angeklagte hat mit einem Kaufmann Wahl im Jahre 1893 die Bau- Unternehmerfirma Wahl u. Co. begründet. Beide besaßen keinen Pfennig eigenes Vermögen. Sie lebte» nur von den Baugeldern, bezw. von dem Gelde, welches sie hinter sich bringen konnten, indem sie die Rechnungen der Bauhandwerker unbezahlt ließen. Sie führten zunächst einen Bau in Charlottenburg auf, wobei Rosengarten als„Geldmann",„Kassen- und Geschäfts- führer" figurirte. Den Arbeitern wurden die Beiträge für die Ortskrankenkasse pünktlich und regelmäßig abgezogen, aber keiner der beiden Konsttagnons dachte daran, die Gelder an die Kranken- kasse abzuführen. Letzlere hat 219 M. zu fordern. Die Zwangs» Vollstreckung fiel bei beiden Kompagnons fruchtlos aus. Ehe das Strafverfahren eingeleitet werden konnte, ist Wahl flüchtig geworden. Der Angeklagte Rosengarten hat die Strafverfolgung dadurch von sich abzuwenden gesucht, daß er eine Abschlagszahlung von 50 Mark leistete, doch unterließ er weitere Zahlungen aus nahe- liegenden Gründen. Vor Gericht suchte er alles Verschulde» auf den abwesenden Wahl zu wälzen, da aber die Beweisaufnahme ergab, daß dem Angeklagten allwöchentlich die Lohnzettel vor- gelegt wurden, daß er dieselben prüfte und die Klankei lassen- beitrüge vor der Auszahlung der Löhne abzog, so er- kannte der Gerichtshof folgendermaße»: Nach den Er- gebniffen der Beweisaufnahme hat der Angeklagte zivar die Beitrüge vom Loh» abgezogen, doch hat er gar keine'Absicht gehabt. dieselbe» an die Krankenkasse abznsühren. Es hieße geradezu eine Prämie setzen auf die heute herrschende Manie, ohne Geld zu baue» und aller Welt schuldig zu bleiben, selbst den Kranken- lassen, die im Dienste solcher Uuiernebmer erkrankte oder ver- unglücktc Arbeiter unterstiitzen müssen, wenn man dem Auge- klagte» mildernde Umstände zubilligen wolle. Es sei deshalb prinzipaliter auf Gefängnißstrase und zwar auf eine Woche er- kannt worden. Vevssurnnlungen. Neber die bevorstehende Stichwahl im T7. Kotumnnal- Wahlbezirk sprach am Dieiistag GiNvsse Singer in einer öfftUilia.cn Versammlung bei Niest in der W-berstraße. Am nächsten Freilag, begann der lltedner, haben Sie zu wählen zwischen dem bisherigen Vertreter dieses Bezirks, dem Genossen Henke und Herrn Perls Aus mangelndei» Versländniß haben viele Parteigenossen nicht geluigendes Interesse an den Kominunnlwahlen. Andere Städte, wie Leipzig und Halle, wo die Arbeiter unter viel schwierigere» Ver- hällnissen, als in Berlin, güustlge Erfolge errungen haben. können lins als Vorbilder dienen. Unsere Berliner Genossen haben sich in die Einpfindung hineingelebr, als könnten uns»nsre Gegner gar nichts mevr anhaben, uno als ob es gar keiner Anstren- gung mehr bedürfe: derungünstige Ausfall der Wablimlö. Bezirk ist nur dieser Lässigkeit zuzufchreiben. Tie Biassen-Hanss> chungen am Montag haben bewiese», daß die Thätigkeit der Sozial- demokratie bei uifferen Gegnern weil höher gesct.ätzl wird, als in unseren eigenen Reihen. Redner beleuchtete nun die durch die beiden zur Stichwahl stehenden Kandidaien verlreteuen Partei- richtungen und betonte, daß wir nicht die Person des Herrn Perl's, sondern das von ihm vertretene Prinzip bekämpfen. Nach einer abfälligen Kritik der in dem bekannten Flugblatt ausgesprochenen Behauptungen, sowie der Paiteii.ellung des Herrn Perls, der sich sowohl als Freund der Arbeil er, wie der Handwerker aufspiele, sich auch den Antisemiten dadurch an- nehmbar zu machen suche, daß er sich als„evangelischer Christ" vorstelle, beleucMete Singer die Aufgaben der Sozialdemokralie im rolhen Hause und führte bei Be- iprechiilig der einzelnen bekannten Forderungen unserer Vertreter i» der Kommune aus, daß es sich bei all diesen Auf- gaben»'cht um die Verwirklichung eigentlich sozialdenioiratiscber Forderungen, sondern nur darum bandele, die Juterefsen der ärmeren und n irlhschaftlich schwachen Bolksklaffe» gegenüber den B-mittellen wah> znneiwen nnd daß die Liberalen sich zwar gern, aber v.it Unrecht»h.er Verdienste auf dem Gebiet des Schulwesens, sowie der Armen- und Krankenpflege rühme»; die wenigen Verbesseriingen, die i» dieser Hinsicht zu verzeichnen seien, wären nur unserer Anregung zu danke». Tagegen seien eine ganze Reihe von Forderungen, die wir im Interesse der Arbeiter gestellt hätten, wie Regelung des Submissionswesens, Errichtung eines städtischen Arbeilsnachwenes, Herstellung von Baubuden bei Straßenarbeiten u. s. w. insolge des Widerstandes der Liberalen unerfüllt geblieben; auch hätten wir die Verlegung der Wahlen auf einen Sonntag, die eine intensivere Ausnutzung des Wahlrechts durch die Arbeiter er« »iLgliche, noch nicht durchsetzen können. Redner ging daraus zu einer Besprechnng der Aufgaben über, die in den nächsten Jahren der Gemeindevcrlretnng bevorstehen. Als solche nannte er unter anderen die Eingemeindung der Vororte, sowie die Umwandlung der Pferdebahn in elektrischen Betrieb, deren Ueber- nähme in städtische Regie, und, so lange dies nicht erreichbar, den Abschluß von Verträgen, die mehr das Interesse der Steuerzahler, als das Interesse der Aktien- gesellschaften wahrnehmen. Sollen diese Aufgaben, so schloß der Redner, zu gunsten der arbeilenden, stenerzahlenden Bevölkerung gelöst werden, und nickt im ausschließlichen Interesse der Be- sitzenden, die ja infolge der Bestimmung, daß zwer Drittel der Stadtverordneten Grundbesitzer sein müssen, schon von vornherein die Mehrheil haben, so ist es nothwendig, daß immer mehr Vertreter unserer Partei ins rothe Haus gewählt werden. Jeder Arbeiter, der sein Klasseninteresse vertreten will, kann nur einem Sozialdemokraten seine Stimme geben, darum wirkrn Sie dafür, daß der Freitag einen Sieg für uns und eine Niederlage für die Liberale» bringe. Fürchten Sie auch nicht die öffentliche Stimmabgabe, die dem eine» oder dem andern geschäftliche Nachtheile oder Verlust der Arbeit bringen könnte. Maßregelungen können nur einzeln treffen, wenn aber die Arbeiter fest zusammenhalten, sind auch diese unmöglich, denn alle Arbeiter kann der Unternehmer in seinem eigenen Geschäftsinteresse nicht maßregeln. In dieser Zeit, die an die schlimmste» Tage des Sozialistengesetzes erinnert, ist es Ehrenpflicht eines jeden Arbeiters, für seine Ueberzeugung, für seine Interessen einzutreten. Darum sorge» Sie dafür, daß uns dieser Bezirk erhalten bleibe, und daß nicht Hern: Perls, sondern unser bisheriger Vertreter Henke als Sieger ans dem Wahlkampfh ervorgehe!(Lebhafter Beifall.) Ein Gegner, Herr M a i b a u m. der sich schon während der Rede Singer's durch Zwischenrufe bemerkbar gemacht halle, »ahm nun das Wort, uni zu behaupten, daß die Erhöhung des Schulgeldes an höheren Lehranstalten, für die die Sozial- demokraten gestimmt haben, es den ärmeren Leuten unmöglich mache, ihre Kinder, falls diese befähigt, in die höheren Schulen zu schicken. Auch meinte er, daß die Verdienste, deren sich die sozialdemokratischen Stadtverordneten rühmen, den Liberalen gebührten. Ferner machte er dem Genossen Henke den Vor- wurf, er hätte als Stadtverordneter seine Pflicht vernachlässigt nnd sich auch nicht an den Kommissionsberathungen beiheiligt. Singer wachte dem Vorredner klar, daß die höheren Schulen, selbst bei billigerem Schulgeld, den Kindern der ärmeren Leute dennoch unzugänglich sind, und zwar wegen der sonst noch damit verknüpften Kosten. Andernfalls hätte» wir gewiß nicht der Erhöhung zugestimmt. Wer aber für Verbilligung des Unterrichts sei, der müsse einen Sozialdemokralen wählen, da diese auf grnnd ihres Progranims den unentgeltlichen Unterricht in allen Lehr- anstallen verlangen. Unter den gegenwärtigen Verhällnfffen hätten wir keinen Grund, den Reichen die BenutzungHder höheren Schulen zu verbilligen, zu deren Kosten die Gemeinde ohnehin pro Kopf der Schüler weit mehr beitrage. als zum Unterhalt der Volksschule. Bezüglich der weiteren Behauptungen des Gegners, betreffs der angeblichen Verdienste der Liberalen, führte Singer eine ganze Reihe von Anträgen an, die im Interesse der uiibemitlelten Bevölkerung gestellt, von den liberalen Vertretern aber abgelehnt wurden, und wies die Beschnldigung, Henke bätte seine Pflicht versäumt, entschieden zurück. Nach- dem Genosse Henke ebenfalls gegen die unbeiviesenen Anschuldigungen Maibaum's Verwahrung eingelegt halte, sprachen noch D u p o n t und Vogt; worauf der Vor- sitzende Kaiser mit einem Appell an die Arbeiter, am Freilag mit allen Kräften für die Wahl Henke's einzutreten, die Versaunnlung schloß. Ter Wahlvercin fiir den zweite» Berliner Reichstags- Wahlkreis halte zu Dienstag Abend in der Bvckbranerei ein« Versammlung veranstaltet, die in anbelracht der wichtigen Er- eigniffe der letzte» Tage nicht gerade stark besucht war. Genosse 'Richard C a l w c r hielt einen beifällig aufgenommenen und sehr lehrreichen Vortrag über„Die s o z i a l i st i s ch e n Strömungen in der heutigen Bourgeoisie". Unler dieser Bezeichnung faßte er alle jene Bewegungen zu- sammcn, die wohl einzelne Forderungen aus dem ziveilen Theile des sozialdemokratischen Parleiprogramms durchzusetzen streben, ohne doch prinzipiell mit uns zu gehen. Mit Recht hätte unsere Partei ans ihr>m Programm jene» Satz von der„einen reaklionäre» Masse unserer Gegner" gestrichen, der noch im Gothaer Programm von 1875 enthalten war. Freilich sei der Klassengegensatz ganz unverkennbar und heule so tief und so u eil, wie jemals, aber docd berrsche unter unseren Gegnern viel- f ch Feindschasl und Gehässigkeit, entspringend aus ihren ver- schiedenen Anschanunge» von wirthschaftlichen und sozialen Ver- hällnissen; das dürfe man nicht verkennen, auch wen» es in der praktischen Politik nicht immer klar hervortrete. Während nun aber die großen, feslgefüglen politischen Parteien ganz bestimmle ans ökonomischer Grundlage beruhende Klasse n intereffen verträien, seien die sozialistischen Strömungen innerbalb der hentigen Bourgeoisie ohne dieses Fiindnment; sie rekrulirten ihre Anhänger vielmebr besonders aus lenen dienst- leistenden Schichten der Be- ölkernng, die. ohne selbst z» einer besti» mten Klasse zu gehören, doch durch ihre Dienste irgend einer Klasse sich näherten: wie die Rechlsgelehrten, Aerzte, Geist« lichen, Schiiflsteller, Journalisten, Dichler n. s. f. Redner schilderle dann eingehend, wie die verschiedenen Sliömungen, als die Eglky'sche, die„ethiiche Kultur", die Friedensbewegung, die der Boden» esormer, die bürpeiliche Fraiienbewegung, die sozialistische Stndenlenbewegnng, die lilernrische.jungdeuische Bewegung zwar hie und da auch sozialistische Forderuiigeii anfslellten, aber dock im Grunde der Bourgeoisie wurzelten. Sie seien wacht- »nd kraftlos und desbnlb ohne Aussicht aus Erfolg, aber für die Zersetzung der bürgerliche» Gesellschaft bezeichnend. Das Pro- letari, t könne sie ganz links liegen lassen»nid müsse es sogar, um sich nickt von seinem Ziele, das nur durch eigene Kraft erreicht werden könne, abbringe» zu lassen. Wie wenig werth eine Biindcsgenossenschafl mit jenen Bewegnnge» wäre, das lehrten auch die brutalen Worte S t u m m' s, der sich allein mächtig genug glaube, mit diesen Leuten fertig zu werden. Also, ver- ständige Beobachlnng, aber strenge Zurückhaltung sei für das Proletariat geboten! In der TiSkussio» gab Genosse Ledebour eine Cbarak- teristik der beiden Dichter Sudermann und G e r b a r t ta u p t in a» n, deren letzterer ein ganz und gar sozialistischer ichter sei, nicht in dem Sinne, daß er das Piogramni»er Sozialdemokralie in seinen Werken propagandistisch verarbeitet habe, aber so, daß er ten K l a s s e» gegensay zwlschen den Unterdrückern und Unterdrückten und das Sehne» nach einer klassenlosen, besseren Zuknnil tief gefüblt nnd naturivabr �ar» gestellt habe Gleicl gillig sei es dabei nnd i» des Die vj Freiheit aestclll, welcben Sioff er sich«»v Veranschanlichi.ng feiner Absichten aus dem Leben beransgreife. Genosse Stadthagen erklärte sich im allaemeinen mit den Auesührnnge» des Liefe, enten einverstanden nno vervollständig'e sie in Einzelbeiteu. Er wiesdnumf bin, daß alte die bvrgerlia en Ideologen der verschiedene» Sirömungeu keine klare Poistellmig von dem Wv s?» III d dci Bedeninng der K lassei. kau p fes ha en, �aß sie ihn nicht durch iämpfe», foudun überbrücken wollten. Da» Proletariat aber habe ollen Grund, diese VerwässerunpZversuche von sich zu weisen und sich auf den Kampf gegen die bürgerliche Gesellschaft zu konzentriren. zumal in einer Zeit, wo man ihm von allen Seiren Schwierigkeiten entgegenthurme. Wenn Galwer gesagt habe, die Angst der Gegner sei unser Sieg, so sei das doch auch dahin zu vervollständigen, daß der wahnsinnige Schrecken unsere Feinde zu Ungesetzlichkeiten treibe, weil sie nicht mehr glaubten, mit gesetzlichen Mitteln den Sieges- laus des Proletariats aufhalten zu können. Von diesem Gesichts« pnnkte aus müsse man alle die polizeilichen und gerichtlichen Vorgange der letzten Zeit betrachten. Die Gegensätze spitzten sich aber trotz aller Strömungen innerhalb der Bourgeoisie zu, und das Proletariat, auf sich selbst gestellt, müsse Zur besten Verlheidigung wappnen, zum unaus- yorlichen Anstürme, indem es? die Millionen Indifferenter an sich heranziehe und so der bürgerlichen Gesellschaft schließlich «beilegen werde.>-->> Da trotz wiederholter Aufforderung die anwesenden Gegner Nicht das Wort nahmen, schloß Antrick mit einer schwung- vollen, begeisterten Ansprache die Versammlung. Er wies aus die Haussuchungen der letzten Tage hin, auf die Pläne der Regierung, die da glaube, durch Zerstörung einiger Organi- sationen uns ernsthaft schaden zu können. Aber die alte Garde, die zwöls Jahre des Ausnahmegesetzes siegreich und ungebeugt überstanden habe, sie würde auch hinfort allen Angriffen trotzen, wenn nicht mit, so ohne Organisation. Das innerliche Band der Solidarität und die todesmuihige Be- geiUerung könne kein Gericht und keine Regierung uns rauben, und wenn sie noch so scharf gegen uns vorginge». Unaufhaltsam gehe unser Siegeslauf vorwärts, jede Verfolgung sei neuer Sieg und näher nnd näher komme die Stunde, wo durch unsere un- ei schütterliche Ausdauer und durch unseren nie wankenden Muth die Freiheit herbeigeführt werde. B e g e i st e r t und jubelnd ltimnite die Versaminlung in das donnernde dreifache Hoch auf die Sozialdemokratie ein! Im Verein deutscher Schuhmacher(Filiale I.) hielt am 13. d. M. Genosse Sasse Ubach einen interessante» Vor- trag über den ehemaligen Jesuitenstaat Paraguay. Unter Vereins- angelegenheiten wurden die Kollegen B r i tz k e und Weiß auf- gefordert, ihre Vereinsbücher vom Kassirer abzuholen. Ferner wurde das Mitglied Schendel wegen Schädigung der Vereins- tntereisen ausgeschlossen. In der Zahlstelle Charlottenburg des Verbandes der Zinimerer Deutschlands hielt am 19. November Genosse M i l l a r g aus Berlin einen mit lebhaftem Beifall ausge- nominellen Vortrag. Beschloffen wurde dann, zum dritten Weihnachtsseierlag ein Vergnügen mit Kinderbescheerung im Lokal Bismarckshöhe zu veranstalten. Zum Schluß wurde fest- gestellt, daß bei den Charlottenburger Zimmerleuten die bessere Einsicht einigermaßen Platz gegriffen hat, indem sich die Mit- gliederzahl des Zentralverbandes aus SS Mitglieder erhöhte. Ter Verband der Vergolder diskulirte in seiner Monats- Versammlung am l9. November über die Werkstellen- Versamm- lungen, wobei die Fabrikordnung der Firma Metlow u. Ko. vor- gelesen wurde, die man als organisirter Arbeiter unwürdig be- zeichnete. Den in dieser Fabrik arbeitenden Kollegen wurde anheimgestellt, für die Abschaffung der erwähnten Fabrikordnung Sorge zu tragen, einen Ausschuß zu wählen und auch öfter Werkstellen-Versamnilnngen abzuhalten, die überhaupt in allen gröberen Werkstätten eingeführt werden sollen. Zum Punkt: Wahl eines Revisors zum Hauptvorstand, machte Kollege Krüger bekannt, daß auch er seine» Posten niederlege; es wurden deshalb zwei Revisoren, die Kollegen Schefsler und B e e r in a n n, gewählt. Weiler wurde beschlossen, im Januar oder Februar das Stiftungsfest abzuhalten. In das Vergnügungs- komitee wählte man die Kollegen Schnorre, Schütte, S t e l l in a ch e r, L an g n er und P. Fischer. Ersucht wurde noch, über die Matineebillels binnen 14 Tagen abzurechnen, widrigenfalls man in die Nestantenliste käme. Die Mitglieder der Filiale II des Verbandes der in Holzbcarbritnngs- Fabriken»nd ans Holzplätzen bcschäf- tigtcn Arbeiter hörten am 19. d. M einen fesselnden Vortrag des Stadtverordneten I a c o b e y. Alsdann erfolgte die Abrechnung vom Stiftungssest, die einen Ueberschuß von 9.L0 M ausivies. Der Bestand der Hauptkasse beträgt 1465,90 M., der des Agilatiousfonds 88,70 M. und der Bestand des Gemäß- regeltenfonds 26,56 M.— Arbeitsnachweis und Verkehrslokal befinden sich in Berlin, Bergstr. 12 bei Jennrich vormals Nehlitz. In einer öffentlichen Bersammlung aller Branchen der an H o l z b e a r b e i t u u g s- ivl a s ch i n e n und aus Holzplätzen beschäftigten Arbeiter, die am 24. November in T h i e l' s Lokal,' Fruchtsir. 36a, abgehalten wurde, referirte Genosse G. Wagner über„Tie heutige wirth- schaftliche Lage" und empfahl zum Schluß allen Anwesende» den Beitritt zur Organisation. Da auch eine Anzahl Berussgenossen Hirsch-Duncker'scher Richtung erschiene» waren, unternahnirn es einige Anhänger des auf dem Boden der modernen Arbeiter- beweaung stehenden Verbandes und in seinem Schlußinorie auch der Referent, den Hiisch-Tuncker'schen das Zwecklose ihrer Zu- gebörigkcit zu einer die„Harmonie" zwischen Kapital um Arbeit predigenden O'ganisation gehörig klar zu machen. Von den Hirsch-Tuncker'schen nnbm'keiner das Wort zur Entgegnung. Kjo b o l d ermahnte noch zu regem Besuch der am 9. Tezeinber bei Wilke, Andreassir. 26, stattfindeuden Versammlung der Verband- filiale, worauf eine dem Referenten zustimmende Re- solution Annahme fand. Zum Schluß ersuchte Siein um zahl- reiche Betheiligung an der am 8. Dezember vor sich gehenden Telegirtenivahl zur Generalverfummlung der Allgemeinen sfrühei Meyer'schen) Orts- Kiaukenkasse. Tie übrigen Punkte wurden vertagt. Eine öffentliche Vcrsammlnng der Kistenniacher nahm am 25. November die Abrechnung über den letzu» Streik entgegen. Den Bericht hierüber gab T s ch e r n i g. Die Abrechnung stellt sich danach wie folgt: Einnahmen: Durch Sammel- listen 1908,85. von de» Gewerkschnften durch Tschernig 742,50 von den Gewerkschaften durch Miltarg 343,75, an am- genommenen Tarlehn 826,—, durch Tcltersammluugen 54,83, diverse Einnahmen 32,—; in Summa 3912,93 Mark. Aus gaben: Streikunterstützung 2623,10. KoniNiissiousunkoiien 133.96, Drucksachen 37,50, Annoncen 54,65, Rechisauivalts- und Gerichts- konen 51,40. Schreibmaterial 9.15. Versannnlungsuukosien 11,50 Außenstände 20, zurückgezahltes Darlehn 826,—; in Summa 3317.26 Mark. Bilanz: Einnahmen 3912,93 M., Ausgaben 3817.26 M, Ueberschuß 95.67 M Tschernig erhielt Decharge. Aufgefordert wurde noch, sich mehr als bisher an den Ver- h ndlungen der Krankenkasse» zu betheiligen. Ein UnterstütziingS- gesuch der streikenden Sattler wurde abgelehnt, da sich im Besitz des Bertraueneinannes nur wenig Baarnntlel befänden. Die Pom Vcrtrattencmann der Musikitistrutuentcn- Arbeiter zum 26. d. M. einberufen gewesene öffentliche Ver- saniuilung hatte die in der Pianomeci anik-Fabrik von Langer u. Ko., Bli meiistr. 23, vorgekommene Arbeitcelnstellnng zu begutachten. Wie Arndt als Berichterstatter mittheilte, wurde seitens der Firma vor 14 Tagen ein Lohnabzug in Höhe von 6 pCt geplant, der die Figurenschneider betraf; diese wandten sich an die Werkstatt-Kontrollkoinmission zur Vertretung ihrer Interessen. Das lliesultat der Vorberathungen war, daß be- schloffen wurde, den Lohnabzug zurückzuweisen und gleichzeitig einige Forderungen zu stellen Einige Arbeiter und Arbeiterinnen wurden daraiffhin als„Aufwiegler" entlassen; die„Auf- geiviegelten" erklärte» sich aver mit ihnen soli>"msch und verließen ebenfalls die Fabrik. Die dem Fabinkanten übermittelten Forderungen sind im allgemeinen: I. Einstellung sammtlicher Ar. eiter und Arbeiterinnen in ihre früheren Stellen; Maßregelungen dürfen unter teinen Umständen statifinden. 2. Eine tägliche Arbeitszeit von 9>/2 Stunden. 8. Aenderung betreffs eines Werkmeisters. 4. Ein Lohnzuschlag von 10 pCt. Außerdem soll die Arbeitsordnung verbessert werden. Im Streik befinden sich 85 Arbeiter und 16 Arbeiterinnen, 7 haben wieder angefangen. Zu bemerken ist, daß auch einige Lehrburschen durch die Arbeitseinstellung in Mitleidenschaft gezogen sind. In der Diskussion wurden die Arbeitsverhältnisse jener Fabrik allgemein als wenig günstig bezeichnet, namentlich klagte man auch über die Arbeitsordnung; man verkannte jedoch nicht, daß die Arbeiter an solchen Zuständen meist selber die Schuld tragen, da sie leider zu wenig organisirt sind. Wie mitgetheilt wurde, sind von den Streikenden 61 organisirt. Das Resultat der langen und lebhaften Erörterungen war die einstimmige Anerkennung des Streiks als eines berechtigten und die Zusage, die Streikenden moralisch und finanziell zu unterstützen. Erwogen wurde auch die Frage, wie sich die Zusammensetzer ec. in den Klavierfabriken zu den Langer'schen Mechaniken stellen. Man machte in dieser Beziehung verschiedene Vorschläge. Ein Antrag ging dabin, daß die Zusammensetzer in den Klavierfabriken die Mechaniken von Langer u. Co. während der Dauer des Streiks nicht verarbeiten sollen. Dieser Antrag wurde indessen vor- läufig abgelehnt und die endgiltige Beschlußsaffmig hierüber einer am Donnerstag, den 28. d. M. abends abzuhaltenden allgemeine» Klavierarbeiter-Versammlung vorbehalten. Diese Versammlung soll auch die Unterstützungsfrage regeln. Zur Leitung des Streiks wählte, man eine Kommission, die aus Bloschie, Jakob, Kleinlein, Rösicke und Herr mann besteht. Die sammlnng am Donnerstag wird ebenfalls bei Keller, Koppenstr. 29, abgehalten. Ter Deutsche Metallarbeiter- Verband, der am 26. No- vember bei Fey, Brunneustraße, eine gemeinschaftliche Mitgliederversammlung aller Verwaltungs- stellen Berlins und Umgegend abhielt, beschäftigte sich mit dem Thema:„Wie stelle» wir uns in Zukunft zu den Vertrauensleuten der Metallarbeiter Berlins?" Einleitend führte B e r g e r(Verbandsmitglied) die aus den Kongressen und Ge- neralversammlungen zu Weimar, Frankfurt a. Main, Halberstadt und Altenburg gefaßten Beschlüsse an, um nachzuiveisen, daß der Berliner Verband diese, sowie auch die abgegebenen Erklärungen der Berliner Dele- girlen nicht beachtet habe. Alle, bisherigen Einigungs- versuche seien gescheitert und auf das Verhalten der Vertrauens- männer zurückzuführen. Die in der letzten Vertrauensmänner- Versammlung gemachten Vorschläge wären nach den augenblick- lichen Verhältnissen werthlos und undurchführbar. Redner empfahl dann eine vom Vorstande vorgeschlagene Resolution, welche folgendermaßen lautet: „Die heutige Versammlung der Mitglieder des Metall- arbeiter- Verbandes von Berlin und Umgegend erklärt, nur solchen Vorschlägen zustimmen zu könne», die geeignet sind, eine formelle Vereinigung der hiesigen Lokalorganisation mit dem Deutschen Metallarbeiter- Verband im Sinne des von den Berliner Delegirten auf dem Metallarbeiter- Kongreß zu Frank- fürt a. M. gegebenen Versprechens herbeizuführen. Bezüglich der Agitation hat der Deutsche Metallarbeiter- Verband vorläufig kein Jnleresse an der Aenderung des bestehenden Znstandes, da sich die bisherige Art gut bewährt hat. Ei» Zusammenarbeiten bei Streiks mir Hilfe des Vertraueiismannes der Berliner Metallarbeiter ist wünschenswerth, jedoch undurchführbar, solange der Ver- irauensmann nicht unparteiisch, sondern ein ausgesprochener Gegner des deutschen Metallarbeiter-Verbandes ist. Ans diesen Gründen kann die Versammlung keinem der in öffentlicher Werkstattvertranensmänner-Versammlung vom 10. November ge- stellten Anträge zustimmen, da diese nicht geeignet sind, eine Aenderung der bisherigen Verhältnisse herbeizuführen." S t ö r r(lokal organisirt) gab einen Ueberblick über die Eni- stehung des Instituts der Vertrauensleute und erklärte, daß diese nicht parteiisch gehandelt hätten. Wenn das trotzdem in aer letzien Zeit geschehen sein solle, so liege die Schuld lediglich an den Mitgliedern des deulschen Metallarbeiter-Verbandes, die sich an die Beschlüsse der öffentlichen Bersanimlnngen nicht gekehrt und Geldsaininlungen sowie Agitationsversammliingen eigen- mächtig, ohne die Vertraliensleute in Kennlniß zu setzen, vor- genommen hätten. Redner warnte vor der Annahme der ge- stellten Resolutio», da deren Inhalt nicht zum Wohle der arbeitenden Klasse diene. Nach einer längere» Diskussion, in der sich fast alle Rediier für die Annahuie der Llesolution aussprachen und besonders das Verhallen des Verlrancnsmannes Näthcr krinsirten, wurde die Resolution gegen I Stimme angenommen. Infolge dieses Ergebnisses der Abstimmung verließen die drei aimesenden Ver- iiniitnsleute, die zu dieser Versammlung besonders eingeladen ge- ivefen waren, den Saal, obwohl man sie zum Bleiben auf- gefordert hatte, da auch der 2. Punkt der Tagesordnung: Der Streik bei Welles, ans sie bezug häue. Dieser Punkt fand denn durch die einftiinmige Annahme einer Resolution seine Erledigung, die im wesentliche» besagt:„Tie Mitglieder des deutschen MetaUaibeiter-Verbandcs erachten es im Interesse der Organisation für ihre moralische Pfiichl, die infolge des WellcJ- ch.n Strciis noch ausgesperrten Arbeiterinnen möglichst bis zur andeiweitigen'Arbeitsgelegenheit zu unterstützen iiiid so das Verspreche» des Verlraiiensmaiines der Alelallarbeiler einzulösen, durch welctes die Arbeiterinnen erst zur Theili abnie an, Streik beivoge» ivnrden. Tie Milglieder estiminen daher, daß die von ihnen und durch sie geiannnellen Gelter zu dem Zweck, zu dem sie gesammelt, verwendet werden, ,.nd deaustragen l en Bevollmächtigten, dieselben zur Unterstiitzunp der noch ausgesperrte» Arbeiterin nc» zu verwenden.— Nach ErledigUtig einiger Verbai ds-Angeiegenheiten wurde die gut besuchte Versainmlung geschlossen. Frirdrichshage«. Am 23. November wurde hier bei Konrad eine offenilichc Ver>anii»lliing für Frauen und Plänner abgehalten, wo Fräulein Ottilie Baader die Lage der arbeitenden Frauen und Mädchen besprach. Die Rednerin forderte zum Schluß ihrer iiitereffaiiten Ausführungen die arbeitenden Frauen »nd Mädchen aus. mit den Männern genieiiisam für bessere Zu- stände zu sorgen; wen» der Staat ihnen i» ihrer Jugend den »ngenügendsten Sch»lu»tenicht habe zu tbeil werden lasten, so niöchten sie selbst sich bemühe», ihr Wissen zu bereichern. um erfolgreicher tu» die ihnen gebührenden Rechte kämpie» � zu lönnen. An der Diskussion beibeiligle sich Genosse Soiiiieuburg im Siitne der 3!efere»tin, und brachte eine Resolutiou zur Verlesung, welcke dann angenommen wurde. Ei» Redner beantragte, die Versammliing sol.e gegen die Ver- Haftung Dr Bruno Wille's protestiren. Sonne» bürg be- inerkie jedoch, daß die Arbeiter gegen jede solche Mabnabine der Behörde, gleichgiltig gegen wen sie gerichtet sei, zu protestiren däiten; in diesem Sinne wurde der Antrag dann aiigeiioilimen. Im weiteren wurde betreffs der Volks- Bade- Anstalten eine Fordcrnng an die hiesige Gemeindevertretung zur Unterschrift vorgelegt, die vom Genosse» K r a m in begründet und von der Versammlung angenominen wurde. Die erivähnle, von Sonnenburg verlesene und von der Verianim- tiing angenoinmene Resolution lautet:„Die zc. Versammliing ist mit dem Reiernt der Genossin Ottilie Baader vollständig«ni- verstanden. Die Anwesenden sind sich bewußt, daß die Frauen und Mädchen infolge der wirthschastllchen Nolblage des ar- beilenden Volkes dem Faliiilienleben iimner mehr entrissen werben»nd durch de» erbliterlei, Kampf ums Dasein gezwungen sind, in allen Zweigen des Erwerbslebens den Männern gegenüber als Konkiirreiilcn anfznireteii. Die Versammlung mach! e- dcsbalb einem jeden Parteigenossen zur Pflicht, die Frauen und Mädchen nnf die Wichtigkeit der geiverkschaftliaie»»nd politischen Organisation binzuiveiseii, ihre Thetlnahnie am onentliche» Leben zu erwecken und sie ans ihre rechiloie Stellung in wirthickattlicher und poli- tischcr Beziehung anfincrksam zu»lachen. Tie Bersanunlung erachtet die politische uiid wirihschnftliche Gleichberechtigung der Frauen mit den Männern als dringend nothwendig und ist der Ueberzengung, daß nur durch geschlossenes Zusammengehen des weibliche» und männlichen Proletariats der Befreiungskampf der Arbeiterklasse beschleunigt und von großem Einfluß sein wird auf die Unigestallung der bestehenden Gesellschaftsordnung." Kertliur Kranken-UnterftLhu»««- un» K-gräbniKver«!» für Krauen»nd Mädchen. Adressen der gahlslellen und der Vorstands- nulgtieder des Verein», woselbst BeUrUiserttärungen entgegengenommen werden, sowie jede nähere Auskunst berettwtiNgst erlhettt wird: Frau Stolle, Alerandrtnenstr. 66, Hos 3 Tr. I Frau Berger, NO., Watzinannstrahe 66, 2 Tr.; Frau Malchau, N., Eichendorfsilraße 2, 8 Tr.: Frau Feh lau er. SO., DreSdenerN'aße 13, Hos 2 Treppen: Frau Heinrich. SW., Witschinerstr. 2,«eller; Frl. Schltch ti ng. N., Prinz Eugsnstr. i,« Tr.: Frau Ntecke, so, Wrangeliir. 72, 2 Tr.: Frl. Schutz, N., Brunnen- siratze 172, s Tr.: Frau Sachse, O., Koppenstr. 57, Keller: O. Fischer, Vorsitzender, N., Panlnraße 21, i Tr.: E. Gertach, Kassirer, LO., Ma- riannen-Ufer 5, Hos pari. Krb-tter-KUd«»ovschuI-. Unterricht Donnerstag: Südo«schule. Waldemaistr. u: Deulich. S! ord sch u l e, Müllerstr. t70»! Oessenlliche Sesundbeiispsiege. Beginn abend? o Uhr, Schluß IVK Uhr. Die Schulräume sind zur V-nntzung der Biblioihet und des reichhaltigen ZsilschrisienmalertatS schon von s Uhr an geössnet......... C»r»- u. Sisknlirktub«. vonnieftag. Dtetzgen, abends Ssj Uhr, bei Schröder, Wiesens»:. 8».— Neue Zeit, abend» H Uhr, Boyenstr.»o, bei «teshott.- Süd- Oft. bei Totksdors. Sorauer- und Görlitzerfiraßen Eäe.— Klub der Freunde bei Gnadl, PutibuserNrabe 82.~ So, ialift ischer Lese- und Dt s t u t irtlub. abends Ss; Uhr. Reichenbergeriir. 167, Sitzung.— August Seid, abends s Uhr im Mesiaurant gubetl.— Lese- und Distutirilub R e i m e r, abends s>/- Nhr, bei Seidel, Gerichtsstr. 19.— Lese- und Diskuttrllub Friedrich Enge IS. Jeden Donnerstag, abends«sj Uhr, bei Ferd. Kießel. Weißenburgerstr. 58. Arbeitrr-Naucherbund Ket-ii»» und Zlingrgend. Donnerstags K o I l e g t a, bei Böcker, Raui ynär. 78.—Korea, Zorndorserstr. n bei 'ostmann.- Mehr Licht. Weißensee, Elsaßstr. 16 bei Slraßburger.- rcrJatob, Simeonstr. 28 bei Flick.„ rbrii-r Sänorrbnnd Berlins und Umgegend. Versitzender Ad. Neu- manistWasewaltersir. 8. Alle Aenderungen im Vcreinslalender sind zu richten an FrlMuch«orlum. Wonieustelsir.«9, v. 2 Tr Donnerstag. Abends 6 bis 1 1 Uhr: ilUiunpSslunde und Ausnahme neuer Mitglieder.— Sesangv. Freund- s ch a f t 1, Brunncnstr. l«s bei Fischer.— Vorwärts II, Schönhauser Allee 28 bei Kelle.— Frü b ltnaslufl, Bülowstraße 59 bei Werner.— D o r s- g t ö ck t e i n, Deutsch-WitmerSdors, Berlinerfir. 40 bei Klingenberg.— Zaget nicht, Siegtitz, Cchloßfir. 66°, Zur Börse.— Borax, Manicustelsir. 9 bei Nowack.—Harmonie I, Scinpeihof, Torsfir. 18 b. Gerih.— Steinsetzer- Sängerchor, Kaftanien-Allee 28 bei Fiebiger.— Flöter'scherG e f a n g- verein, Koppenstr. 47 bei Wilhelm Lorenz.— Sängerchor Berliner Kürschner, Weinftr. t> bei Fetndt.— Arbetter-Wesangvercin Oranienburger B orstad t, Ackerstr. 128 bei Marlens.— Ost- und W est preußisch er M än n e r- G e sau g v erein, Blumenstraße 82 bei Reich— Arbeiter-Vesangverctn Morgenroth IV, Köpenick, bei Schulz. Schönlind-rstraße 9.- Arion II. Arlonaplatz I bei Cchcrmann.- Zu tu» st III. Velten i. d.M., WUHelmftr. 19 im Hotel W. Grunnw.— LicdesEcho, Reichenbergerstr. IIS betKöppcn.— Treu»nd Fest, Pallisadenfir. 62 bei Reiser.— Sersienähre(Brauer), Blumenfir. 88 bei Wiedeinann.— Arbeiiergesangv. Bineia, Kastanien-Allee n bei Augusiin. — AlpenröStein.ßBergslrabc 60 bei Hitgenseld.— ßGesangv. O der o n, Alie Jatobstr. 6S bei Diestenbach.— Alpenrose, Forsterftr. 22 b.Tilgner. — Edelweiß III. Wolltnirslr.e2.— M o r g e n roih I, Rummetsburg, Türr- schmidlstr.68 be! Fcchner.— Gesangv. Morgengrauen, Reue Friedrichsir. 44 bei Rölltg.— Eesangv. Lyra II, Eharloltenburg, Wallsir. 102 bei Maschesli.— Gesangverein Vorwärts IX, Eharlotienburg, Wilmersdorserstr. 89,„Bis- marckShöhe".— Arbetler-Gelangvercin Span da u in Spandau, bei Radlle, Ncumeißcrstr. 5.— Glasarbeiter. Köpenick, Rosenstr. Ivl bei Troppens. - Sesangv. Feldblume, Etalitzerstr. ll7 bei Breiienseld.— Gesangverein Sängerlusi, Werder a. H., Kugelweg.— Gdelweiß III, Wollinersir. 62» Restaurant.— Männerchor Süd-Ost,«öpentckcrstr. 191 bei Foge.— „Ku mm er sch e r Gesangverein", Langestr. 65 bei Owezareck.— FreiheUStlänge III, Lucken, valde, Jllicrdogtslraße bet W.Hitze.— Lorbeerzweig, Swinemündersir.»5 bei Hübner.— Eintracht I, Nteder-Schönweide, Grüuauerftraße bei Streiter.—„Si. Urban", Naunyn- siraße 44 bei Lülie.— Fr e i h e i i S g lo ck e n, Wöriherstr. 69 bei Buchholz. — Gleichheit 2, Kremmen, Berlinerstr. 289, Rest. R. Urack.— Kreuz- de rger Harmonie, Adiniralftr 18c bet Möhring. K»»d der gcsrUigen Arbeiterverein» Kerlin««nd Zlina-gend, Alle Zuschriften den Bund beirestend sind zu richten an: P. Gent. Dresdcnerstr. m/los, 1. Eist. IV. Donnerstag! Rauchtlub Brüd er 1 ich- leii, Pücklcrstr. 49 bei Schuhmacher.— Geselliger Klub der alten M o a b t t e r, Emdenerstraße bei Schirmer. � vetang». Gurn- nnd gesellige Derrin». Donnerstag. Suchsdors- scher Wännerchor von 8—9 Uhr Notenstunde: von 9— li Uhr Uebungs- stunde bei Brüning, Rosenlhalerstr. 12.— Gesangverein Jug en dfreuden, Wännerchor. AdendS von 9—11 Uhr bei Wernau, NoseuIhalerstraHe 57.— Psropsenverein W e d d t n g, abends 8)j Uhr Sitzung beim Restaurateur Wolfs, Gcrichlslr. 44.— Vergnügungsversin Alpengrün, abends von v-ii vbr mit Tomen bei Vollinann, B.usselstiaße 82.— Äeselltger Verein Frohsinn bei Geile, Swinemündersir. 20, abend» 9 Uhr, Sitzung mit Dame»— Tambin» verein Froh-Fpet, Uebungsstunde MonlagS und Tomi-rstagS 9 Nhr bei Rausch, Hussttenslr. 9.- Geselliger Verein Hertha, abei ds 9 Uhr Sitzung Adatbcrlstr. 61.. Rauchliub Ohnelorge. AdendS 9 Uhr. bei MünSberg, Louisenuser 52. - Rauchliub Kern spitze. Abends 9 Uhr. bei A. Böhl. RüderSdorser- stiabe 8.- Rauchtlub P l e t s e n d e ck e l, Abends 8 Uhr, bei Ieralsch. Langestr. 24.- Rauchtlub Felsenfest bei H Schmidt, Köpenickerstr. t7l. — Sloillub Grand Schwarz, abend» von 9 bis U Uhr bei E. Stein, Gbriftburgerstr. 46.- Mauchllub Brüdertichlett. s-ll«hr abends, bet Taucher!, Watdemarstr. id. Verein S I k n o g r a p h e n s ch u l e, 8-1 l Uhr: Uneulgelllicher Unter- rlchi und Uebungsstunde sllr Schüler und Erwachsene, Annennraße Nr. a.— A r e n d«'scher Stenograph en-Verein„Apollobund", Seydetslr. ao, avcnd» g Uhr, Unterricht und Uebung in der ganz veretiikachten Arends scheu £tU8?chemu6 Aletchhetl, Uebungsstunden abend»» Uhr bei Nemnann. Loihrt, gersiraße los.— Ziihsrllub H e t Iii a th s l l ä n g e isos. Reue Hoch- lnaße 49(Wedding).— Geselliger Arbeiterverein Hoffnung bei Gutlsr, Maiiannenstrabe 48. Alle 14 Tage adendS 8lj Uhr.— Verginigungs- und Touristenllub Freie Brüder, abends 9 Uhr bei Moll, Adalbcrlstr. 21.— Mudilveretn Vorwärts, abend« 9 Uhr bei Cohn'«(Zur neuen Poll), B.uth- siraße 20.— Staillub Sanfter Heinrich b. H. Brandt, Retchenberger- snaßc 122.— Siaillub Süd, abends 8ü Uhr, im Lokal von Paul Müller, Gräsestr. 81.— Slaillub Grand Schwarz, abends von 9—>i Uhr bei G. Stein, Christbuigerstraße 46.— Stoltlub Grün Wenzel bei Schmtdt, Dalli orfersir. 8i.— Schwimmllub„Hecht", abends» Uhr, bet Hostmann, Reichenbergerstr. 16. (.s Oerels deConversetionFren�aise se rassernble tont wS jeudis soir ä 9 lt. dans son local.Zum Patzenliofex", Leipzlgerstr. 136. Vevmifchkes. Ei» Haberfcldtrcibcu, so wird dem„Frank. Kurier" aus München grschiieden, findet jetzt fast jeden Sonnabend im bayrischen Oderlande statt. Es sind etwa 20 Gendarmen von München nnd von der Umgegend jeden Sonnabend bei den Bezirksämtern Tölz, Miesdach und Rosenbeim zusannnen- gezogen; diese werden richtig immer an Orte dirtgirt respektive aniarrt, an denen nicht getrieben wird. Erschöpft kommt die Mauuschiift Sonntag früh nach Hause, während etwa 2—3 Stunden aiseits wiikiich ei» Haberfeldlreiben stattfand. Ties wird nun ivobl ende», da seit gestern der erste allerdings leichte Schnee im Gebirge und in den Vorbergen fiel und jetzt die Haberer wegen der verräiherische» Fußspuren ihr Treiben einstellen. Der „Oberbaiicrische Gebirgsbote" berichtet sogar über Haberer auf dein Vetoziped! Letzien Soniiadend abends 8 Uhr fuhr ein Trupp von etwa 15 Mann Haberer per Veloziped, jeder einen Havelock a». die Büchse auf dem Rücken, durch Holz- lirchen, wobei einem das Malheur passirte, zu stürzen. Ein greller Pfiff, alle spraiigen ab und warteten, bis ihr Kollege vom Haberield de» Sattel wieder bestiegen hatte; dann ging es wieder blitzschnell dahin. Sonntag früh gegen 4 Uhr zog ein Hause von etwa 30 Haberern durch Holzktrchen. Durch den Lärm und das Schießen geweckt, eilten die Leute aus Fenster und sahen die Männer mit langen Bürten, großen Hüten, Havelocks »nd die Büchse am Rücken gemüthlich nach Hause marschiren. Es sollen sogar Münchener aus Liebhaberei sich am Haberfeld- treibe» betheiligen; so meint wenigstens der„Oberbayerische Gebirgsbote", dem es auffällt, daß so viele Münchener im Winter Sonnabend Abends in der Richtung nach Tölz fahren. In Sauerlach wurde letzthin, wenn ein Bewohner ans Fenster trat, als die Haberer vorbeizogen, scharf nach den Fenstern ge- scboffen.(?) Letztere Nachricht klingt sehr nn wahrscheinlich, denn wenn irgend ein Ort. so steckt Sauerlach selbst voller Haberer. Meiifchenfreffer aus Abcralaubc». Aus Krakau wird be- richtet: BeiderrnsilscheiiOrtschafiMnltanie(Gouvernement Wjatka) wurde in einem Sumpfe eine kopflose Leiche gefunden. Die Unter- slichiiiig ergab, daß ein Greis namens Dimitriew den Rath ertheilte, daß es zum Schutze gegen Cholera und Hilngersnoth nolhivenvig sei. einen Toribettier z» tödten und ihn auf diese Weise Gott zum Ovfer zu weihen. Man wäbtte einen Bettler namens Matunlii und schnitt ihm de» Kopf ab. Die Dorbewohner tranken daraus das Blut des Eimordeten, kochten dessen Herz und Lunge und aßen sie. Die Th.iter sind säunntlich Christen. Ii» Dorf befinden sich eine Kirche und eine Schule. Die Kaiinibalen wurden verhaftet. Sollte es sich nicht um eine schlechte Erfindung handeln? Kolks Versammlung zu gunsten her Freireligiöseu Gmm&e am Freitag, den S». November 180», abends 8'�« Uhr, im großen Sanle des Cl, ausser straße 88, Vortrag von Valöeek Nanssse: Giebt es Religions- und Gewissensfreiheit in Preußen? Die Soiuitagsversammlniigen der Gemeinde finden vormittags 9 und II Uhr nach wie vor in der Rvsenthalerstraße 33 statt. loaüb I \ Donnerstag, den 28. November 1895, abends S'ja Uhr, im Lokale von Cohn, Beuthstr. 20, Oeffentliche Versammlung smiuWer in kt ElektroteAik besldiistigteu Monteure nnh Hilfömonteure. Tagesordnung: I.„vis gegsnväriigo gänstigs ssesodäitslagö nnck vis Itönnsn vir aissslde zur Erreichung günstigerer Arbeits- und Lohn- bediugungen ausnützen?" Referent; Otto Naether. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes.— Die Kollegen werden ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. Der Vertrauensmann der Berliner Hetallarbsiter, 116/14 Otto Naether, dl., Anklamerstr. 44. Achtung! Achtung! Lithographen! Konntag, de» l. Dezember t8va, vormittags lO'/a Ulzr, Oeffentliche Versammlung her Lithogropheu Berlins nuh Umgegeus im Lokale des Herrn Gründet, Brunnenstr. 183(dicht am Rosenthaler Thor). Tages-Ordnung: 1. Die Zustände in der Lilhographiebranche und wie können dieselbe» verbessert werde»? Referent: Kollege N- Schöpke. 2. Diskussion. 3. Ver- fchiedenes.— HB. Die Kollegen der Firma Al. Hageiberg, sowie die Kollegen aus sämmtlichen Privat-Lithographien sind hierzu ganz besonders eingeladen. Kollegen! In anbctracht der Wichtigkeit dieser Branchen-Versainmlung erscheint alle, Mann für Mann. 96/13 Der Einberufe»'. Achtung! BUdtmlMeilMlichtr! Achtung Sonnabend, 30. Uovemb., abends 8� Uhr, bei Sol»(fr. Feuerstein), Alte Jabobstr. 75(Karten-Saat): Große öffentliche Versammlung sämmtlicher in der Bilderrahmenbranche beschäft. Arbeiter und Arbeiterinnen. Tages-Ordnung: I. Der serners Ausbau unserer Organisation. 2. Bericht unseres Dele- girten über seine Thätigkeil zur Gewerkschafts-Kommission und Neuwahl des- selben. 3. Verschiedenes. 44/4 JIM" Es ist Pflicht und Ehrensache eines jeden, welcher in dieser Branche beschäftigt ist, an der Versammlung theilzunehmen. Der Eiuberuier. Achtung! Lederarbeiter! Achtung! An« Freitag, den S9. November, abends 8 Uhr, in de«: Fokale des Herrn ScKufo, Stettinerltralze|tr. 57, Oeffentliche Versammlung in her Lehtlsobrikotion beMigten (ats Meijz gerber, Lohgerber, Färber und Sernfogenosseu). Tages-Ordnung: I. Dortrag des Genossen Fritz Hansen. 2. Sericht über den gegentvärtigen Stand des Abwehrstreika. 3 Gewerkschaftliches. Um zahlreichen Besuch mit Eure» Frauen ersucht 107/1S Der Vertrauensmann. Allg. Arbkiter- it. ArbetttriMN- üwin Kertin» und Umgegend. Sonnabend, den 30. November, Große Frankfurterstraß« Ur. 117 (Königsbank): 5. und 6. Stiftungsfest, unter Mitwirkung der Theater-Gesellschaft Strzeiewiez und des Kayser'schen Männercliors. Festrede, gehalten von Wilh. Liebknecht. Nach dem Theater ssanz. Herren, die am Tanz theilnehmen, zahlen öv Pf. nach. Anfang abends 3 Uhr. Programme A 25 Pf. sind beim Vorstand und in den Zahlstellen des Vereins zu haben. 13/17 Oas Komitee. Achtung! Achtung! Musikinstrumenten-Arbeiter! DomitiM. den 28. Weuiber, abends 8 W: Große offen tl. Versammlung bei L. Keller, Koppeustraße 29, Tages-Ordnung: Wie stellen stch die Znsammenseizer(der Klavierbranche) zn der Verarbeitung der Langer' schen Mechaniken? Kollegen, in anbetracht dieser hochwichtigen Sache, da über hundert Streikende in Frage kommen, erscheint alle recht pünktlich! Es ist Pflicht jedes Delelgivken, recht rege für diese Versammlung zu agitiren! 142/20 Der Vertranensmautt. Achtung! Gastwirthe! Achtung! Gststlvirthe der Brauerei Pichelsdorf! Jglllltrßllg, den 28. Nbvcmber, lllihnittngs ilgllhr, km Kollegen Henke, NiMPjlr.K: Wtsammlmig sömmtliihtt Abliehmer der Bralierei Pichelsdorf. Tages-Ordnung: i. Bericht der Fünfer-Kommission über die mit der Brauerei gepflogenen Verhandlungen. 2. Welche Stellung nehmen wir gegenüber der Brauerei in Zukunft ein? 69/i Vev Einbevufev: H. Röhr, Naunynstraße 83. Freie Volksbühne. Sonnabend, den 30. November, abends S"» Uhr, in Keller's Festsaal, Koppenftrahe 20: Voksl-«. Instrurneutsl-Loueert ausgeführt von der aus vierzig Mitgliedern bestehenden Kapelle der Freien Vereinigung der Zivil-Berufsmusiker, Leitung: t>. vrass, unter freundlicher Mitwirkung der Concertsängeri» leanne Golz, der Schauspielerin Anna Reissner, des Scbanspielers S. Bruck, der Pianistin Goetz>Lehmann und des Concertsängers R. Rottmann. Hauptftnrke: Prolog, gedichtet von Franz Stahl; Largo(Händel): Ungarische Tänze(Brahms); Arie aus Samson und Dalila(St. Saens); Uonao brillant(Weber); Bild der Nacht(Kurthina»»); Gedichte von Ada Negri. Nach dem Concert: TT SinXm(Frei.) Die Mitglieder der Freien Volksbühne, die die Beitrage bis Ultimo Oktober gezahlt haben, haben freien Eintritt. Außerdem sind eine kleine Zahl Gastkarte» ü 50 Pz. ausgegeben, die von heute ab in den Zahlstellen zu haben sind. Der Vorstand der Freien Volksbühne. 229/17 I. 31.: Julius Türk, 0., Blumenstraße 21._ Äi ArliBiter-Veriielirs-Älmaflacl)'"ä"' Winter- 3luSgabe 1895/96. Mit einem Plan von Berlin. Preis S0 Pf. Enthaltend die neuesten Fahrpläne, Adressen der Organisationen u. s. w. Zu beziehen durch alle Partei-Buchhandlungen. Kolporteure und Zeitungs- pediteure, sowie vom Verlage: Rans Baake, Berlin S., City-Passage Ordentliche General- Versammlung der Delegaten der Orts-Krankenkasse der NtnvMzner «.'verwandt. Gewerbe zn Kertin. am Sonnabend, d. 30 November 1895, abends 8>/e Uhr, im Restaurant Feind, Weinstraße 11. Tages-Ordnung: 1. Verlesung der Delegirten-Präsenz- liste. 2. Bericht über den Beschluß der Generalversammlung vom 21. April 1395. 3. Antrag des Vorstandes auf eine» Znsatz zum§ 21 des Statuts. Wahl von 3 Revisoren(1 Arbeit- geber und 2 3lrbeitnehmer) zur Prüfung der Rechnungen d. I. 1395. 5. Wahl von 3 Vorstandsmitgliedern(1 3lrbeik- geber und 2 3lrbeitnehmer). 6. Ersatz- wähl für 3 Vorstandsmitglieder(1 3lr- beitgeber und 2 Arbeitnehmer). 93/3 Um pünktliches Erscheinen der Dele- girten ersucht Der Vorstand. W. F r e y e r.Bors.,Marienburgerstr.32a. Möbel-Aitsokrlilius des MödelspeicherS H«»eim.Hler.»ir. Il Wegen ganz bedeulendcr Vergräberung meincr Räumltchletten verkaufe t» inein Waaren- lager zu»och nie dagewesene» Preisen vollständig aus. 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