BERLIN Montag 4. Juni 1928 mi Der Abend Ericheint täglich außer Sonntag.s. Zugleich Abendausgabe des„ Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Erpedition: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Spätausgabe des„ Vorwärts 66 10 Pf. Nr. 260 B 128 45. Jahrgang. Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeile 80 Vf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Voßscheck konto: Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Donhoff 292 bis 297 Die Zusammenstöße mit der Polizei. Sollen die Polizeibeamten als„ Bluthunde" beschimpft werden? Der ,, eiserne Gustav" in Paris. Der französische Schupo weist den Weg. Der Berliner Droschfenfutscher Gustav Hartmann, genannt „ der eiserne Gustav", der am 2. April auf seiner Tage Berlin verlaffen hat, wird heute nachmittag nach der Dauerfahrt über die deutschen und französischen Landstraßen in Paris erwartet. Für seine Ankunft ist bereits ein großes Festprogramm entwickelt worden. Er wird zunächst von den alten Pariser Kutschern und dem Festausschuß des Quartier Latin empfangen und begrüßt werden. Sein Zug durch Paris foll um 18.15 Uhr am Place de la Madeleine, wo er von einem Pariser Redakteur begrüßt wird, sein Ende finden. Um 20 Uhr wird Hartmann von Studenten der Sorbonne ein Bankett gegeben. " Es soll nicht gesagt werden, daß das Originalformat des rich tigen Tippelbruders ausgestorben wäre. Aber er hat einen moder nen Zeitgenossen erhalten in Gestalt des Kilometerfressers, der am Kutschbock, zu Pferd oder zu Fuß unter allerlei Erschwerungen die augenblickliche Konjunttur in förperlichen Refordleistungen aus zunügen versucht. Der wadere Droschfenfutscher Hart mann alias„ eiserner Gustav" oder, wie sie ihn drüben in Frankreid titulieren, Gustave de fer", hat den Weg hinter sich, und sein getreuer Pferdekumpan„ Grasmus" ist froh und munter von Meh über Berdun, Clermont en Argonne in Paris, der Stadt feiner sportlichen Träume, eingetroffen. Gustav, der über eine genügende Dosis heimischen Mutterwizes verfügt und drüben überall Freunde erwirbt, stärkt die deutsch- französische Verständigung, sofern sie sich nicht etwa auf Konversation bezieht; aber da hilft ihm ebenfalls die drastische Geste. Die zwei Genf Pilger im Frad haben auch bereits ihr Ziel erreicht, und eine der legten Expeditionen" dieser Art, zwei Globetrotter mit Handwagen, sind in voller Fahrt" und schildern in beredter Weise, was ihnen so unterwegs alles begegnet. Kinder der Landstraße, ob sie es nun aus mirtlicher Not oder bloß einer ulfigen Idee wegen wurden, sind nun einmal nicht immer auf Rofen gebettet. Nicht jeder hat das nötige humorige Berständnis dafür, und mit der allezeit offenen Hand für ein paar müde, verstaubte und vor allem hungrige Wanderburschen ist es auch nicht allzuweit her. Auch Petrus hat natürlich nicht das Einsehen, was für Wetter man für solche Erfurfionen benötigt, und was die Sonne bas eine Mal zu heiß auf den Buckel brennt, das feuchtet ein strömender Regen das andere Mal allzu sehr durch. Und was man da fo an mehr oder weniger fröhlichen Weggenossen begegnet. Da ist der Wanderzirfus, der heute schon wirklich nicht mehr leben und sterben kann, seit das unfelige, alleinfeligmachende Rino polypenartig bis ins fleinste Nest seine Arme recte. Was gab's da früher für ein Hallo, wenn der Zirkusdirektor in höchsteigener Berson vom fahrenden Bodium zum Bolke sprach und das Bersonal gleichzeitig eine Gratisreflamevorstellung absolvierte; wenn die Zirkusmutter, 150. die arme Seele, die kochen, waschen, flicken, an der Kasse sizzen und während der Vorstellung noch allerlei tofettes Getänzel zu voll führen hatte, dann mit dem„ Teller" ging, da flimperte fast überall ein Nickel aus der Tasche. Aber heute klagen diese kleinsten Unter nehmer mit ihren großen Kollegen um die Wette. Dann kommt auch wieder einmal ein Lichtblick, wenn die stramme Bauersfrau einen Topf Milch und ein paar handfeste Butterbrote verabfolgt, weil den armen Menschen da vor ihr ja doch der Hunger aus allen Knopflöchern guckt. Eine der größten Sorgen ist und bleibt natürlich das Nachtquartier. Die Heuschoberepoche ist jetzt, am Sommeranfang, noch nicht da, und dann ist da auch fein völlig ungehinderter Einund Ausgang wie in früheren, guten Zeiten. Die Wirte haben ihrerseits für Bennbrüber natürlich recht wenig Verständnis, und die Arrestzellen, mit denen man, der Not gehorchend, recht gern vorlieb nehmen möchte, sind entweder anderweitig" besetzt oder werden zumindest für diese Zwecke bereitgehalten. Ach, und dann fangen auch noch die Stiefel an, den Weg alles Irdischen zu gehen. Wo bleibt die hilfreiche Hand, die da Ersatz bietet? Ja, ja, die Straße ist hart, und am härtesten da, wo der Dreck am weichsten ist. Aber was ein Tippelbruder von Format ist, der noch dazu aus purem Ehrgeiz die Wut der Elemente entfesselte, der darf so leicht nicht verzagen." It's a long way..."( es ist ein langer Weg) meint der Engländer. Die Abreise der Polflieger von Berlin. Die beiden Nordpolflieger Wilkins und Eielson haben heute 10 Uhr vormittags Berlin mit dem fahrplanmäßigen Flugzeug der Deutschen Luft- Hansa verlassen, um sich nach Amsterdam zu begeben. Zum Abschied hatte sich auf dem Flughafen Tempelhof ein größerer Freundeskreis eingefunden. Der Raubmord von Zehdenick aufgeklärt. Zwei nächtliche Großfeuer. Die Rolle des Gummifnüppels In den Sonntagblättern ist bereits über den Zusammenstoß berichtet worden, den Berliner Polizeibeamte in der Gegend der Frankfurter Allee mit demonstrierenden Kommunisten hatten. In der Roten Fahne" war dazu noch mitgeteilt worden, daß der Vizepolizeipräsident Weiß bei diesem Zusammenstoß die Anweisung gegeben habe, die Gummiknüppel wieder einzustecken. Darauf seien die Polizisten von den Wagen gesprungen, und sie hätten dann auf Weiß mit dem Gummifnüppel eingeschlagen. Weiß habe wiederholt gerufen, er sei der Bizepolizeipräsident, aber das habe ihm nichts geholfen. Mittlerweile sei der Polizeipräsident Börgiebel selbst hinzugekommen. Er habe Weiß noch scharfmachen wollen, dem sei das zu dumm gewesen, und er habe Zörgiebel den Rüden gedreht. " Wir brauchten dieser kommunistischen Darstellung nur einen ge= ringen Wert beizulegen, wenn nicht inzwischen ein weit verbreitetes demokratisches Blatt, die Berliner Montagspost", die kommunistifchen Behauptungen aufgegriffen und durch angebliche eigene Erhebungen und Nachfragen bestätigt hätte. Das Blatt sagt dazu noch, daß es unter Grzesinski anders gewesen sei, damals habe man den Grundsatz betätigt, die Polizei unsichtbar zu machen. Dafür sei fie stets zur Stelle gewesen, wenn die Sicherheit des Staatsbürgers sie verlangte. Schließlich macht das Blatt noch folgende Ausführungen: Die Polizei ist der Staat. Die Macht und Autorität des Staates ist derart stabilisiert, daß sie der ständigen Offenbarung durch die Gummifnüppel nicht bedarf. Die Polizei hat bei der= artigen Massenaufmärschen die Pflicht, die unbeteiligten Passanten zu schüßen und den Verkehr, soweit angängig, sicherzustellen. Dieser Aufgabe dient sie nicht, wenn sie selbst mervös wird und sich dadurch mit den Demonstranten auf die gleiche Stufe stellt. Kritif, aber feine Gensation. Selbstverständlich hat die Montagspost" das Recht zur Kriti an der Tätigkeit der Polizei. Aber skandalös und nur auf Sensation berechnet ist es, wenn sie die Vorgänge in der Frankfurter Allee in Busammenhang bringt mit einem anderen Zusammenstoß, der sich in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag in der Münzstraße zugetragen hat. Die Montagsausgabe der„ Roten Fahne" berichtet selbst über diesen Vorfall: Nach Mitternacht kam eine Arbeiterkapelle des Vereins Berolina, bestehend aus sechs bis sieben Personen, zum Teil musizierend, aus der Rosenthaler Ecke Weinmeisterstraße zur Münzstraße. Der Schupoposten versuchte den Tambour festzunehmen, wurde aber durch die Kapelle daran ge= hindert. Eine Streife Verstärkung traf ein und versuchte den Tambour und noch ein anderes Mitglied, den Schlagzeugspieler der Kapelle, festzunehmen. Da der Tambour gegen die überfallsartige Festnahme sich verwahrte, fam es zu einer großen Menschenansammlung, die ihrer Empörung gegen das brutale zugreifen der Polizei in lauten Zurufen Ausdruck gab." Im weiteren Verlauf dieses Tumults ist dann wieder scharf ge= schossen worden. Dabei wurde der mehrmals vorbestrafte Karl Eckwert von einer tödlichen Kugel getroffen, der Bäcker Willi Sandring erlitt eine Verlegung am Bein. Selbst nach der Darstellung des kommunistischen Blattes ergibt sich also folgender Sachverhalt: Lange nach Mitternacht zieht eine Kapelle mufizierend durch eine der Hauptstraßen der inneren Stadt. Ist die Polizei nicht ver= pflichtet, solchen Lärm zu verhindern? Wohin sollte es führen, wenn sich auch die anderen drei Millionen Erwachsenen Groß- Berlins das Recht herausnehmen, zwischen 12 und 1 des Nachts mufizierend durch die Straßen zu ziehen? Wir sehen dabei noch davon ab, daß von anderer Seite behauptet wird, es sei in der Münzstraße nicht musiziert, sondern anderer Unfug getrieben worden. Es habe sich eine Menschenmenge angesammelt, die nicht zu den besten Elementen zähle, diese habe gegen die einschreitenden Polizeibeamten Stellung genommen, einige Schupoleute seine angegriffen und schwer verletzt worden und daraufhin erst, also in der Abwehr, seien die verhängnisvollen Schüsse gefallen. Der Vorfall in der Frankfurter Allee. Nun wieder zu den Vorfällen in der Frankfurter Allee, bei denen übrigens der Polizeipräsident nicht zugegen mar, also auch nicht scharfgemacht hat. Auch wir haben ,, Erhebungen bei Unbeteiligten" angestellt, und die ergeben folgendes Bild: Schon am Friedhof hat der Oberstleutnant Hellriegel dem fommunistischen Landtagsabgeordneten Golfe versichert, daß die Poder Demonstration möge also auch von ihrer Seite das Notwendige tun, damit die Ruhe nicht gestört werde. Herr Golfe erklärte jedoch, Zusammenbruch der Rheinschiffahrt tizei fich bie allergrößte zurückhaltung auferlegen werde; bie Leitung ( Berichte im Innern des Blattes.) dc.ß die Menge auherordentlich erregt sei und daß die Führer die Massen nicht mehr in der Hand haben. Als die Demonstranten nun durch die Frankfurter Allee zogen, entstand an einer Straßeneck« eine Stauung. Die Polizei wollte dem normalen Verkehr einen Durchlaß schaffen, und nun wurden die Polizei- beamten von einzelnen Demonstranten mit Zurufen wie„Bluthunde", „Arbeitermörder" usw. belegt. Daraus entwickelte sich erst der weitere Tumult, in dessen Verlaus die Beamten von ihren Gumnii- knüppeln Gebrauch machten. Daß es dabei nicht ganz zart zuge- gangen ist, kann man begreifen, und nachtraglich wird sich schwer feststellen lassen, wer eher die Nerven verloren hat, die Polizei oder die Demonstranten. Die„Montagspost" verlangt von der Polizei, daß sie die unbeteiligten Passanten schützen und den Verkehr sicher- stellen soll. Wie soll die Polizei das machen, wenn sie daran ge- hindert wird? Schießen soll sie nicht, aber der Gummiknüppel soll auch nicht in Tätigkeit treten? Sind die Polizeibeamten„Älutbunde'? Ganz allgemein wäre zu diesen Lorfällen noch folgendes zu sagen: Wir sind gewiß nicht mit allen polizeilichen Maßnahmen ein- rerstanden, und wir wissen, daß sich unter den Polizeiofsizieren noch manche Leute befinden, die die Aufgabe, die sie im republikanischen Staatswesen zu leisten haben, noch nicht recht begreifen konnren. Es gibt sicherlich auch höhere Polizeibeamte, deren politische Net- gung mehr der Rechten als der Linken zugewandt ist. Von den unteren Polizeibeamten gilt das im allgemeinen nicht. Wir wollen doch niemals vergessen, daß auch die Schutzpolizisten Pro- l e t a r i e r sind, daß sie aus derselben Klasse kommen, der die Arbeiter und Ange st eilten angehören. Sie haben einen ungeheuer schweren Dienst zu verrichten: es geht nicht an, sie den Beschimpfungen und Tätigchkeiten solcher Leute auszusetzen, die in jedem Polizeibeamten den„Bluthund" und den„Arbeiter- mörder" sehen. Wir erwarten eine strenge, aber doch objektive Untersuchung der bedauerlichen Zusammenstöße in der letzten Zeit. Aber wir wenden uns mit Entschiedenheit dagegen, daß von einem demokratischen Blatt Behauptungen nachgesprochen werden, die nicht dadurch glaubhafter erscheinen, daß sie zuerst in der kommunistischen Presse abgedruckt wurden. Das Ziecht auf die Straße. Schließlich noch eins: Di« Sozialdemokratie hat schon lange vor dem Kriege für das Recht auf die Straße gekämpft. Ihr ist es zu danken, daß wir jetzt die Möglichkeit zu politischen Denronstrotionen auf der Straß« haben. Diests Recht auf die Straße darf aber nicht dahin ausarten, daß eine kleine Minderheit die große Mehrheit der Bevölkerung terrorisiert. Dos lassen sich die Kommunisten in dem Lande, wo sie selbst die Herrschaft haben, nicht im geringsten gefallen. Vor einigen Togen meldete ein anderes Ullstein-Blatt, die„Vossisch« Zeitung", daß es vor der Bauarbeiter- börse in M o s t a u zu schweren Zusammenstößen zwischen mehreren taufenden arbeitslosen Arbeitern und der Miliz gekommen sei. Auch dort gab es Verletzte, eine größere Zahl von Demonstranten wurde in Haft genommen. Was die Berliner Vorgänge betrifft, so steht selbst nach der „Roten Fahne" fest, daß der oberste Polizei beamte, der dabei zugegen war, der Polizeioizepräsident Dr. Weiß, auf die Beamten im Sinne der Mäßigung und Besonnenheit einzuwirken versucht hat. Der Polizeipräsident selbst war ober, wie gesagt, gor nicht anwesend, die Beschuldigung, er hätte anders als sein Stell- Vertreter gehandelt, fällt damit in sich zusammen. Zu den stärksten Bedenken würde es jedoch Anlaß geben, wenn sich als wahr heraus- stellen sollte, daß dem Vizepräsidenten der ihm unterstellte Apparat aus der Hand geglitten ist. Stimmt das, dann muß natürlich sofort das Nötige getan werden, um ein reibungslos sicheres Funktionieren der B e f e h l s g e w a l t bei der Polizei sicherzustellen. «- Ein abschließendes Urteil über den Vorfall in der Frankfurter Allee wird erst gefällt werden können, wenn der Polizei-Dize- Präsident Dr. Weiß vom Kölner Polizeikongreß zurückgekehrt ist, wo er heute einen Dortrag hält. Morgen früh wird Dr. Weiß in Berlin zurückerwartet, dann wird er selbst dienstlich gehört werden, so daß erst morgen mit einer amtlichen Verlautbarung des Polizeipräsidiums zu rechnen ist. Die Fraktion der'tST. Die sozialdemokratische Fraktion des Reichstags ist zum Mon- tag, dem 11. Juni, zu ihrer konstituierenden Sitzung einberufen, in der natürlich auch die Frage der Regierungsbildung zur Beratung kommen wird. Rüstung zur Eliernbeiratswahl. Der Pfingstferien wegen finden in dieser Woche noch an vielen Schulen die zweiten amtlichen Elternversammlungen statt, in denen bestimmungsgemäß der Wahlvorstand gewählt wer- den muß. Bei der Eltcrnbeiratswahl 1926 hatten die Christlich- Unpolitischen vielfach allein oder mit Mehrheit den Wahlvorstand besetzt. Sie wendeten dann in vielen Fällen, wie damals der„Bor- wärts" öffentlich festnageln konnte, das Verfahren an, alle Gegen- listen unter fadenscheinigen Gründen für ungültig zu erklären, so daß die christlich-unpolitische Liste ohne Wahl als gewählt erklärt wurde. Dadurch wurde den Christlich-Unpolitischen ein Vorsprung gesichert und es entstand der Eindruck eines großen„Sieges". Diese Dinge müssen diesmal verhindert werden. Es ist nötig, daß die Freunde des.Schulaufbaue s" auch in jedem W a h l- vorstand in genügender Stärke vertreten sind. An allen Schulen muß die Liste„S ch u l o u f b a u" vorhanden sein. Die presse in der Demokratie. Eine Pressetagung in Köln. Neuer Streit um Wilna. polen gegen die litauische Verfassung. Warschau, 1. Juni. Im Zusammenhang mit der Derösfentlichung der neuen litau- ischen Berfassung, in der Wilna als die Hauptstadt Litauens proklamiert wird, hat der polnische Außenminister Zaleski am 31. Mai dem litauischen Mimsterprästdenten Doldemarqs eine Rote überreichen lassen, in der er erklärt: Die polnisch« Re- gierung sieht in dieser Erklärung«ine inhaltlose, jeder rechtlichen Bedeutung und praktischer Folgen bore Demonstration. Sie kann die gegenwärtig zwischen Polen und Litauen geführten Ber- Handlungen nur erschweren. Die von der polnischen Regierung über- nommsnbn Verpflichtungen, die Unantastbarkeit der litauischen Re- publik zu achten, legen der polnischen Regierung die Pflicht auf, ihr vorgehen dießn» Grundsatz anzupassen. Der vorkrag des sozialdemokratischen Landkagsabgeordneken Otto Weier über das Thema„Ein Arbeitstag im Parlament" findet heute abend 19,10 Uhr(7,19) im R u n d s u n l statt. Köln, 4. Juni. Der Reichsverband der deutschen Presse, die Reichsorganisation der deutschen Redakteure, veranstaltete im Rahmen seiner dies- jährigen Bertreteroersommlung ein« öffentliche Kundgebung in der großen Messehalle, die unter dem Leitwort„Presse und Volks. st a a l" stand. Kultusminister Dr. Becker begrüßte namens der preußischen Staotsregierung den Reichsverband zu seiner Tagung „im Rahmen dieser einzigartigen Ausstellung am Ufer unseres heiligen Stromes" und führte dann weiter aus: In der Fülle der Anregungen, die uns die Pressa vermittelt, finden wir immer er- neuten Anlaß, rückwärts zu schauen und uns des Wandels der Ding« zu freuen. Besonders deutlich wird uns dabei die Entwicklung des Verhältnisses zwischen Staat und Press«. Mit der Schaffung des demokratischen Staates ist sie aus der Rolle des Aschenbrödels in die Rolle einer schicksalsbestimmenden Macht hinein- gewachsen. Ihre Berantwortung Hot sich unabsehbar gesteigert. Im demokratischen Staat kommt auch der schöpferische Führer nicht um die Aufgabe herum, erst einmal die öffentliche Meinung zu schassen, von der er sich nachher leiten läßt. Da die schöpferischen Kräfte aber nicht immer mit amtlicher Stellung verbunden sind, wird häufig der nichtbeamtet« Wortsührer der öffentlichen Meinung wegweisend — nichts zu machen in Hamburg für den leitenden Staatsmann. Hierdurch wird dem Journalisten eine einzigartige Stellung verliehen und das Schrifttum neben Wissenschaft, Kunst und Technik in die Ebene der geistigen Urproduktion eingeordnet. In der Politik ist der führend« Iourna- list nur noch selten Vertreter einer individuellen Meinung, er vertritt zumeist ein« Weltanschauung,«ine Partei, die Ansicht irgendeiner Mehrheit von Personen. Daraus ergibt sich ein« früher unbekannte Zusammenarbeit mit dem Staat, d. h. mit der Re- gicrung, eine Kollektivverantwortlichkeit, die über all« Parteischronken hinweg Staat und Presse nicht nur in äußerer Schicksalsgemeinschaft, sondern auch in einer bewußten geistigen Haltung gegenüber dem gemeinsamen Dienst am Volksganzen ver, bindet. Chefredakteur Dr. D o v i f a t zeichnete die Entwicklung des rheinischen Journalismus. Er zeigt eindrucksvoll den Erfolg großer und starker Persönlichkeiten: Josef G ö r r e s, der die journalistischen Grundsätze zweier Jahrhunderte vorschauend festgelegt habe, Karl Marx, der Redakteur an der„Rheinischen Zeitung" war, die als ein« der ersten Tageszeitungen die soziale Betrachtung der Dinge einführte. Josef Brüggemann und Josef Dum ont. die in der„Kölnischen Zeitung" die Standarte des rheinischen Libero- lis mus trugen, Josef und Julius Bachem, die in der„Köl- nischen Bolkszeitung" ihre Weltanschauung im sogenannten Kultur- kämpfe verfochten. Und doch überragt die Leistung am Schluß dieser Entwicklung alle Persönlichkeitsleistungen bei weitem. Sie ist«ine Kollektivleistung sondergleichen. Ich meine die Haltung der rhei- nischen und westfälischen Press« in der Zeit nach dem Kriegsende vor ollem im schweren Jahre 1924. Wir gedenken in dieser Stunde aller derer, die in diesem Kampfe Leben und Gut in die Schanze ge» schlagen und in den Tag für Tag sich häufenden Schwierigkeiten die große Linie der deutschen Politik behauptet haben. Der preußisch« Minister für Wissenschaft, Kunst und Bolls- bildung teilte mit, daß er den Chefredakteur Dr. D o v i s a t auf den neugegründeten Lehrstuhl für Zeitungswissenschaft an der Berliner Universität berufen habe. »Süss, Hein, da fährt se den Stahlhelm aw!* Eine kaukasiche Schweiz. llnabhängigkeitsfeier der Armenier. Der 28. Mai, der Tag, an dem vor zehn Iahren die Unabhängig, keit Armeniens proklamiert wurde, ist der Nationalfeiertag de« Armenier. Die armenische Kolonie in Berlin und die hiesige Gruppe der sozialistischen Partei Armeniens beging ihn mit einem Festabend. zu dem sich zahlreiche Freunde Armeniens, darunter auch eine ganz« Reihe Deutscher eingefunden hatten. In ihren Reden brachten alle zum Ausdruck, wie berechtigt und politisch notwendig die Selb, ständigkeitsbestrebungen der transkaukasischen Böller sind. Heute sind leider olle Bersprechungen Rußlands aus dem Jahre 1918 von der Sowjetregierung vergessen und Armenien, Georgien und Azur- beidjan sind von Rußland wisder ebenso vergewaltigt und unter- jocht wie unter der zarischen Regierung. Der Vertreter Georgiens gebrauchte in feinen Darlegungen die schöne Wendung, daß es eine „kaukasische S ch w e i z" zu begründen gelte. Rur dadurch kann diesen Randstaaten die notwendige kulturelle und wirtschaftliche Eni» Wicklungsmöglichkeit geboten werden. Der greise Eduard Bern- stein, der an der Veranstaltung aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen konnte, schickte ihr seine Grüße und besten Wünsche. Mit Vorführungen von Nationaltänzen, Rezitationen und Theateraus- führungen wurde der Festabend beschlossen. Oer Marschall mit reinem Gewissen. Tschangtsolin verläßt Peking.— Ein Attentat. London, 4. Juni.(Eigenbericht.) Marscholl Tschangtsolin hat in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag Peking oerlassen und auf seinem Wege nach der Mandschurei Tientsin passiert. In einem vor seiner Abreise er- lassenen Manifest spricht er die Hoffnung aus, daß China im Ge- folge seiner Führung der Staotsgeschäfte nicht der Zerstörung an- heimfallen, und daß der Bolschewismus, den er unterdrückt habe, nicht wieder sein Haupt erheben werde. Der abdankende Mar- schall erklärt, daß er sich unschuldig an dem Derlauf der Ereignisse fühl« und daß sein Gewissen vor der Welt und vor zukünftigen Generationen rein dastehe. Am Sonntag nachmittag hatte der größte Teil der Truppen Tschanztsolins Peking verlassen. Irgendwelche Zwischenfälle haben sich bei der Zurücknahme der Truppen nicht ereignet. Peking ist ruhig und die Straßen werden von Polizei und Gendarmen patrouilliert. In Peking selbst wurde«ine provisorische Re- g i e r u n g gebildet, die bis zur Ankunft der nationalistischen Truppen die Regierungsgeschäfte führen wird. Wie aus den letzten Tele- grammen aus Peking hervorgeht, besteht die Hoffnung, daß der Rückzug der Nordtruppen und die Besitzergreifung der Hauptstadt durch die nationalistischen Truppen sich ohne Blutoergießen voll- ziehen wird. Tokio. 4. Juni. Wie offiziell berichtet wird, wurde auf Tschangtsolin ein Bo m- b e n a t t e n t a t verübt, während er sich aus der Fahrt von Peking nach Mukden befand. Tschangtsolin erlitt leichte Verletzungen, während mehrere Herren seines Gefolges getötet oder verwundet wurden. Feldgottesdienst des Stahlhelm. Hamburger Bundestag. Hamburg, 4. Juni. Hier ging der Stahlhelmtog ohne ernstere Zwischenfälle zu Ende. Ei sollen 125 900 Stahlhelmer daran teilgenommen haben. In der Rocht zum Sonntag kam es an verschiedenen Stellen zu Rempeleien Acht Personen wurden verhaftet. Reichsinnenminister p. K e u d e l l, Gros Westarp und vier Hohenzollernsprossen nahmen daran teil. In den Arbeiterquartieren hingen viele rote Fahnen. Sonntag vor- mittag fand ein„Feldgottesdienst" statt. Naubüberfall aus eine Händlerin. Durch Geistesgegenwart der Frau vereitelt. Ein bewaffneter Räuber wurde heute vormittag in der Pestalozzistraße in Charlottenburg auf frischer Tai fest- genommen. In einem Zigarren laden in dem Haus« Nr. 28 erschien gegen 11 llhr ein junger Mann und verlangte einig« Zigaretten. Als er sah. daß die Geschästsinhaberin, eine Frau St.. nach dem Weggang anderer Kunden allein da war, zog er, nach- dem er zum Schein sich Zigaretten und Tobak angesehen hatte, Plötz- lich ein einschüssiges Xerzerol, schlug auf die Frau mit dem Rufe „Hände hoch! Die Kasse her!" an und verlangte die Herausgabe des vorhandenen Geldes. Die bedrohte Frau behielt jedoch die Geistes- gegenwart und lief hilferufend an dem Burschen vorbei aus die Straß« hinaus. Der„Kunde" eilte hinter ihr her und versuchte jetzt sein Heil in der Flucht. Passanten nahmen ober sofort die Ber- folgung auf, holten den Flüchtigen ein und übergaben ihn der Polizei. Die Kriminalpolizei stellte ihn fest als einen 20 Jahre alten Hand- lungsgehilfen Hans Stender, einen Wanderburschenaus Homburg, der erst feit fünf Tagen, wie er behauptet, in Berlin weilt. Er kam aus der Hafenstadt, teils zu Fuß, teils auf Last- wogen, hierher, angeblich, um Arbeit zu suchen.'Als er keine fand und ihm dos Geld ausging, faßte er den Plan, sich mit Gewalt neue Mittel zu verschaffen. Lleberfall auf ein Postamt. Ein frecher Ueberfall wurde auf ein Postamt in Neubabels. b e r g verübt. Ein junger Bursche stürmte in den Schalterraum. hielt dem allein anwesenden Beamten einen Revolver entgegen und forderte Geld von ihm. Der Beamte verlor die Geistesgegenwart nicht, schlug dos Schalterfenster zu und rief um Hilfe. Darauf er- griff der Räuber die Flucht, wurde jedoch nach einer wilden Jagd durch den Park in einem Friseurladcn in Rowawes, in den er ge- flüchtet war. von Schutzpolizisten sestgenommen. Der Täter, ein 20 Jahre alter stellungsloser Kaufmann, behauptet aus Rot ge- handelt zu haben._ Die Stenotypistin Berta König aus Berlin wurde vom Reichs- gericht wegen versuchten Landesverrates zu zwei Iahren Gefängnis verurteilt. Die 14 Monate der Untersuchungshaft wurden ihr an- gerechnet, da sie sich in großer Notlage befand. * Der englische Farbcnindustricllc Mond wurde zum Lord ernannt. �h» Mittwoch beginnen wir mit dem Abdruck der Erzählung Der gelbe Diwan von E. Williams. Diese Erzählung gehö/l zu den besten Erzeugnissen der kriminalistischen Darstellungskunst, Die spannenden Vorgänge fesselin die Aufmerksamkeit vom Anfang bis zum Ende. JVir sind sicher, daß auch diese leichtere literarische Kost den Beifall anserer Leser finden wird, Das verbotene Duzen. In Frankreich ist das Duzen ja überhaupt sehr viel seltener als bei uns, indem das selten«„tu" nur in besonderen Fällen an die Stelle des allgemein oerwendeten„vous" tritt. Aber aus einein Erlaß der Direktion der französischen Krankenkassen erfährt man mit Erstaunen, daß das Duzen augenscheinlich häufig vor Aerzten den Patienten gegenüber verwendet wird. Es wird nämlich den Aerzten der Pariser Krankenhäuser streng verboten, zu den Kranken in der zweiten Person des Singulars zu sprechen. Das Du ist in Frankreich nicht nur zwischen Liebenden und Ehegatten üblich, sondern auch die kleinen Kinder werden von den Eltern geduzt, während die erwachsenen Sprößlinge sich das bereits verbitten. Das„tu" hat nämlich nicht nur den Klang der Liebe und Vertrau- lichkeit, sondern daneben auch den einer Ueberlegenheit und sogar Verachtung. Der Ossizier, der mit seinen Leuten auf gutem Fuß steht, wird sie duzen, wenn er sie besonders kameradschaftlich bc- handeln will, aber er wird auch den Singular in der Anrede ver- wenden, wenn er einem Soldaten sein Mißfallen ausdrücken will, und das„tu" hat dann jene herrische Note, die dei Grandseizneurs des 18. Jahrhunderts ihm im Verkehr mit ihren Bediensteten und Beuern aufgedrückt haben. Dieser herrische und verächtliche Bei» geschmack des Duzens ist es nun, der das Du der Aerzte den Patien- ten gegenüber als unpassend empfinden läßt. Di« Verordnung bc- tont denn auch, daß sie den Wunsch der Aerzte anerkennt, durch dos Duzen zu ihren Kranken in eine freundliche und herzliche Be- ziehung zu treten. Aber unter den gegenwärtigen sozialen Der- hültnissen müsse diese Methode als ungeeignet bezeichnet werden, denn die meisten Patienten erblicken darin eine ungehörige Ver- trauiichkeit und eine Beleidigung ihrer Würde; deshalb ist es den Aerzten der Krankenkasse von nun an auss strengste oerboten, einen Patienten mit Du anzureden. Zaristische Verbannungsmeihoden. Don der Sowjetregierung angewandt gegen Sozial- demokraten.— In der sibirischen Wüste. Die Auslandsdelegation der Russischen Sozialdemokratischen Ar- beiterpartei erhält aus Sowjetrußlond folgende Mitteilungen: 1. Die Ermordung eines Sozialisten in dem Gefängnis zu Chiwa, Turkestan: In der Stadt Chiwa in Turkestan befinden sich einige Dutzend politische Verbannte aus dem europäische» Rußland, darunter eine größere Anzahl von jüdischen Zionisten verschiedener Schottierungen. Anfangs Februar d. I. sind 11 Verbannte verhaftet worden unter der Beschuldigung, Propaganda unter den Eingeborenen ge- trieben zu haben, was ein Unding ist, da die Verbannten die Sprache der Eingeborenen gar nicht beherrschen und das tticdrige kulturelle Niveau der Eingeborenen eine dortige Propaganda unmöglich macht. Am 17. Februar, als die Gefangenen auf dem Gesängnishof spazieren gingen, erschoß nun der diensttuende Wächter meuchlings durch einen Schuß in den Hinterkopf den Ge- sangenen Samuel Bronn st ein aus Odessa, Mitglied der zio- rnstisch-sozialistischen Partei. Dies geschah ohne jeglichen Grund und Anlaß. Die Mitgefangenen Genossen erklärten sofort einen Tschangtsolin gibt Peking preis. Blick auf eine der Hauplsliaßen von Peking. Die Generale Tschang. Tschung Pschang{oben links), Tschanglsohn{oben rechts), Tschiankaischek{unten links), und Yan Hsi Srhan{unten rechts). Hungerstreik und verlangten 1. die gerichtliche Obduktion der Leiche: 2. die Herausgabe der Leiche zur Beerdigung durch die Ge- nassen: 3- die Bestrafung des Mörders und des Vizedirektors des Gefängniffes, der die Gefangenen systematisch körperlich mißhondelle. Die ersten zwei Forderungen wurden bewilligt, die Schul- digen jedoch blieben unbestraft und das abscheuliche Verbrechen an einem Wehrlosen ungesühnt. Und so sind noch heut« die Verbannten und Gefangenen in Chiwa vollkommen der Wllkür der verbrecherischen Ortsgewaltigen ausgeliefert. 2. Der Verbannungsort Turuchansk und das Schicksal des Ehepaares Petrenko: Unter denjenigen Genosten, die seit 1324 ununterbrochen im Ge- fängnis und in der Verbannung geholten werben, befinden sich auch Genosse P. Petrenko und seine Frau Helene, beide alt« Genossen, die seit einem Vre rt e l j a h r h u n d e r t in der Partei tätig sind.(Genosse Petrenko ist noch der Märzrevolution Vizebürgermeister der Stadt Rostow a. Don gewesen, als Vertreter der dortigen Arbeiterschaft.) Nun sollen die beiden Genossen, die schon so viele bolschewistische Gefängnisse durchgemacht haben, nach T u r u- chansk für neue drei Jahre verbannt werden. Dies ist offenbar die Amnestie, die die Sowjetregierung so seier- lich zu ihrem zehnjährigen Jubiläum verkündete.... Um zu ermessen, welche Niedertracht dazu gehört, um Leute, die durch eine jahrelange Gefängnisstrafe geschwächt sind, einer der- artigen Strafe zu unterwerfen, sei gesagt, daß Turuchochk zu den ollerschlimmsten Verbannungsorten des zaristi- schen Rußlands gehörte. Dies war der Ort. in dem Mar- t o w vor mehr als 30 Jahre» seine Verbannungsfrist abbüste. Seitdem ist es in Turuchansk nicht bester, sondern viel schlimmer ge- worden.. Das ungeheure Gebiet von Turuchansk ist eine Taiga, m der alle 30 bis 60 Kilometer kleine primitive Siedlungen aus 3 bis 13 elenden Hütten verstreut sind. Di« Bevölkerung besteht aus Tun- gusen, Samojeden und andere» Eingeborenen. Die klimatischen Be- dingu'ngen find denkbar schlecht. Der Winter dauert zirka acht * Monate an unter sehr strenger Kälte bis zu 33 Grad Celsius. Es wächst dort weder Getreide noch Gemüse noch irgendeine andere Nutzpflanze. Wenn man bedenkt, daß Turuchansk im nördlichen Sibirien, dicht am Polarkreis, in der Entfernung von zirka 1300 Kilometern von der nächsten Eisenbahnstation Krasnojarsk liegt: daß der Dampferoerkehr am Ienissej nur während des kurzen Polar- sommers möglich ist: daß in dem ganzen Gebiet kein einziger Arzt vorhanden ist: daß die Post im Frühling und im Herbst zwei bis drei Monat« lang überhaupt nicht funktioniert: daß Lebensmittel sehr rar und teuer sind und daß die Verbannten, denen jede Er- werbstätigkeit untersagt ist, zirka ö Rubel pro Monat„Rcgierungs-- unterstützung" erhalten, so wird klar, daß die Verbannung nach Turuchansk' nur eine verschleierte Form der Todes- strafe ist. Die Verbannten sollen dort langsam hinsiechen, physisch und moralisch der Willkür der brutaien und unehrlichen Adnüni- stration ausgeliefert, die aus sehr zweifelhaften Elementen besteht. die von der zentralen Behörde nicht einmal kontrolliert werden können._ OerZusammenbruch der�heinschiffahri Auf weniger als ein Siebentel zurückgegangen. Heule wird im Reich sarbeilsministerium der versuch gemacht. den Kampf in der Rheinschisfahrl. der wegen des ver> suchten Lohnabbaus entbrannt ist, beizulegen. Wie der Kampf sich wirtschaftlich auswirkt, darüber unterrichten die Zahlen, die so- eben von der niederrheinischen Industrie, und Handelskammer über die R h e« n s ch i s f a h r t i m Rl a i veröffentlicht werden. Während der mittlere Umschlag im April 450 000 Tonnen betrug, davon Zig 000 Tonnen Sohlen, ging der Umschlag im Wal ständig zurück. bis auf 61 000 Tonnen, davon 10 000 Tonnen kohlen, in der Woche vom 20. bis 26. Mai. Dieser Rückgang, der in Wirklichkeit einem völligen Zu- sammenbruch gleichkommt, wird sich noch verschärfen, da am Sonnabend auch das Personal der drei hauptsächlichsten h o l l ä n d i- scheu Rheinreedereiea in Rotterdam gleichfalls in den Ssteik getreten ijl. Pfaffen und Gegenpfaffen. Der anstößige Katholik Mozart. Uns wird geschrieben: Unter dieser Spitzmarke erschien im„Abend" vom 1. Juni«ine Auslassung von Dr. A. G u t t m a n n über angebliche Unduldsam- keit bei einer Bestattungsfeier des Freidenker-Verbandes.— Den Fall selbst auf den tatsächlichen Vorgang zurückzuführen, muß dem genannten Verband überlassen bleiben. Mir seien in dieser Sache einige Worte gestattet, die hoffentlich dem Einsender des Artikels -vom 1. Juni Klarheit darüber verschaffen, daß jedes Ding zwei Seiten hat und daß von verschiedenen Standpunkten eine Gegend oft verschieden aussieht. Das Ave verum besteht aus Text und Vertonung. Für den Freidenker scheidet von vornherein die Musik aus und nur der unter- legte Text, der gesungen werden sollte, kommt in Frage. Dieser Text ist für eine Freidenkerfeier unmöglich. Wie man ihn drehen mag, er bleibt ein hohes Lied auf den Opfertod Christi.— Weltanschauungen hoben naturgemäß Grenzen, wo sie sich scheiden, und Freidenkerfeiern mit solcher Begleitung würden sofort an das Wort erinnern: Vom Erhabenen zum Lächerlichen ist nur ein Schritt. Wenn Mozart«in noch zehnmal größeres musikalisches Genie gewesen wäre, als er es war, so wäre die Ablehnung seines unterlegten Textes berechtigt gewesen. Jedes Kirchenlied mit schöner Vertonung müßte schließlich, um nur ja keinen Anstoß zu erregen, in Kauf genommen werden, das wäre die logische Folge. Es muß Kopfschlltteln hervorrufen, daß Arbeiterchör« solche Werke auf ihr Programm setzen, und ganz unbegreiflich ist mir persönlich, daß das Ave verum am Grabe Rofa Luxemburgs gesungen worden ist. Rosa Luxemburg war tot. Sie konnte keinen Einspruch erheben, aber ich glaube, daß sie ihn erhoben Hütt«, wenn ihr der Text bekannt ge- wese» wäre und etwa ein Verwandter von ihr wäre beerdigt worden. Bei solcher Einstellung der Beteiligten darf man sich nicht mehr darüber wundern, wenn von 12 Millionen proletarischer Wähler im Reich nur 114 Millionen Konfessionslose gezählt werden. Die spe- ziellen Eigenschaften, die man im Ausland dem Deutschen nachrühmt, treten hier grell in die Erscheinung. Für den Freidenker liegt der kritisierte Fall sehr einfach. Ent- weder, ich bin Freidenker, oder ich bin es nicht. Die Konsequenzen muß man tragen. Mozart, der sich, wenn man sich Dr. Guttmanns Entrüstung zu eigen macht, sicher im Grabe umgedreht hotte, wird nun wohl wieder richtig liegen, nachdem er weiß, daß nur der Text und nicht seine Musik Streitfrage war. Und um den Mangel an kulturell hochstehenden Personen im Freidenkerverbond gründlich und mit einem Schlag« zu beseitigen, wäre das beste Mittel, Dr. G. trist als Mitglied dem Verband« bei.(Kirchenaustritt Bedingung!) Wie bald würde er dann dahinter kommen, daß die Duldsam- keit des Verbandes und seiner legitimierten Vertreter gegenüber den versteckten und offenen Anmaßungen kirchlich eingestellter Kreise oft viel zu weit geht und daß von Engherzigkeit und Gegenpfaffen nur der reden kann, der die Dinge falsch sieht. Ich gebe Dr. G. ein Wort von Lessing mst auf den Weg, das wohl die Situation ins rechte Licht stellt: Ein Richter war, der sah nicht wohl. Ein Färber kommt, der schwören soll. Der Färber hebt die blaue Hand— Da ruft der Richter:„Unverstand! Wer schwärt im Handschuh? Handschuh aus!" „Rein," ruft der Färber,.Brill' heraus!" Fr. G. Träger. Aus der Geschichie der Rakete. Die Rakete ist nach der glücklichen Fahrt des Raketenautos und nach den weitschweifenden Hoffnungen auf einen Vorstoß in den Welstaum in«in neues Stadium ihrer Verwendung getreten. Sie ist aber uralt und dürft« im Orient entstanden sein, wo ja die Chinesen und Inder schon in fernen Zeiten tüchtige Feuerwerker ge- wesen find. Die erste Kunde von den Raketen kam im 9. Jahrhundert nach dem Abendland, als man von den Wundern der byzantinischen Feuerwerkstechnit und von dem berühmten„griechischen Feuer" hört«. Aber durch das Aufkommen der Feuerwaffen geriet sie bei uns in Vergessenheit, und erst die Engländer lernten bei ihren Kämpfen in Ostindien im 18. Jahrhundert die Brandraketen als ein gefährliches Kampfmittel in den Händen der Eingeborenen kennen. Der indische Fürst Haidar-Ali hatte«in Korps von 1200 Raketen- werfern, die den englischen Truppen viel zu schaffen machten. Aus diese Erfahrungen hin brachten die Engländer die Kriegsraketen auch nach Europa. Der General W. Congreve konstruierte 1804 eine Brandrakete, die sich vorzüglich als Zerstörungsmitiel bewährte und bei dem Bombardement von Kopenhagen 1807 großes Aufsehen erregte. Seitdem wurde die Brandrakete in verschiedenen europäischen Heeren eingeführt und nicht nur zur Erzeugung von Bränden, son- dern auch als Wurfgeschütz ausgebildet. An ihrer Spitze wurde«in Sprenggeschoß befestigt, und solche„Bombenraketen" haben z. B. im griechisch-türkischen Befreiungskrieg eine Roll« gespielt. Der Nord- amerikaner William Hale erfand dann 1846 die sog.„Rotations- ratete" ohne Stab, die besonders im Gebirgs- und im Festungs- krieg« weitgehende Verwendung fand. Die Raketenbatterien, die im österreichischen Heer eingerichtet wurden, leisteten auch da noch gute Dienste, wo Geschütze nicht hingebracht werden konnten, denn die Rakete brauchte zum Abfeuern nur auf ein leicht transportierbares hölzernes Gestell gelegt zu werden. In Preußen wurde ein be- sonderer Truppenteil, die Feuerwerksabteilung gegründet, die die Leuchtrakete immer vollkommener ausbildete. Aber nicht nur im Kriege war der Rakete ein großes Ver- wendungsgebiet beschieden, sondern auch auf einem friedlichen Felde, nämsich bei der Rettung Schiffbrüchiger. Es wurden Raketenapparote geschaffen, Wurfmaschinen, mit denen man eine Leine über ein in der Nähe der Küste gestrandetes Schiff schießen konnte: an d«r Rqket« befand sich am Ende seines Stabes«in Kettenftück, an dem eine lange Leine befestigt war, und mit Hilfe dieser L«ine konnte die Verbindung mit der Mannschaft hergestellt werden. Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger hat mit Hilf« dieser Raketen, die«ine Schußweite von über 400 Meter hatten, vielen Menschen das Leben gerettet. Nunmehr hat die Rakete als Motor aufs neue eine noch nicht abzusehende Bedeutung in der Geschichte der Menschheit gewonnen. Die INSnnerchtire de» 6. vod 8. Sezlrt» hn Save» Berlin werden In einem gemkinlamen Koiizert am Mittwoch im groben Saal der Neuen Welt die in Hannover*u fingenden Gfiore zum Vortrag brinoen. Die nmfikalische Leitung haben die Herren Heid, Nnöchel und Reiche. Keiungen weiden Cböle von Walde». Taum, Knöchel, Lendvai. Schubert und Nicole. Einlaß 7 Uhr. Ansang 8 Uhr. Emlatzkarten zu 1.— MI. einjchliegllch Lied er- texte an der Kasse. Holz als Viehfutter. Frisdrich Bergius, der Erfinder des nach ihm benannten Bergin- Bemhrens, durch das auf künstliche Weise Petroleum durch Ver- flüssigung von Braunkohle hergestellt werden kann, hat, nach eigenem Bericht, wieder ein« neue große Entdeckung gemacht. Auf der dies- jährigen Tagung des Vereins deutscher Chemiker be- richtet« der Heidelberger Professor über Versuche, die er in seinem Laboratorium angestellt hatte. Ausgehend von der Theorie der Entstehung von Braun- und Steinkohle aus Holzbeständen früherer Erdperioden, die durch geologische Verlagerungen von der Luft ab- geschmtlen wurden und unter hohem Druck kamen, versuchte Bergius diesen Prozeß aus chemisch-physikalischem Wege im Laboratorium in kürzester Zeit durchzuführen. Diese Versuche hotten vollen Er- folg. Es ist Bergius gelungen, Holz nicht nur in Braunkohl« zu verwandeln, sondern auf diesem künstlichen Wege sogar Anthrazit, die hochwertigste Steinkohle, darzustellen. Diese Kohl« entsteht im chemischen Lobovatorium der Natur nur dann, wenn sich über die früheren Urwaldgegonden mächtige Gebirge gelagert haben, und daher findet sich Anthrazit auch heute nur in sehr großen Tiefen. Um diesen ungeheuren Gebirgsdruck künstlich zu erreichen, mußte Bergius mit einem mechanischen Druck von 6000 Kilogramm auf einen Kubikzentimeter Holz arbeiten. Aber diese Versuche konnten nur Vorarbeiten sür Bergius fein. Denn die Holcheftände sind nicht zahlreich genug, und das Verfahren der„Inkohlung"— wie dieses Prozeß wissenschaftlich heißt— ist zu kostspielig, als daß man auf-.. diese Weis« künstliche Steinkohle erzeugen würde.>zUv Nun bestehen die hauptsächiichsten Nahrungsmittel für Mensch und Tier aus Kohlehydraten d. h. Verbindungen von Kohlenstoff und Wasierftoff. Ist es möglich, aus Holz Kohle zu erzeugen, so inuß es sich auch ermöglichen lassen, daß aus Holz diese chemischen Verbindungen hergestellt werden, die ja zum Teil schon aus Kohle selbst hergestellt werden. Denn während bisher etwa nur Kunst- Honig, Margarine und ähnliches aus Kohle hergestellt wurde, soll es nach dem neuen Bergin-Lerfahren möglich sein, aus Holz sozusagen Ersatz für sämtliche menschliche Nahrung und alles tierische Futter herzustellen. Zwar wind die künstliche Produktion menschlicher Nahrungsmittel aus Holz noch einige Zeit auf sich warten lassen; doch auf dem Wege zur Erzeugung von Tierfusterstoffen im chemi- schen Prozeß scheint der �Heidelberger Gelehrte bereits die entschei- deüden Schritt« getan zu haben., Allerdings weiß man vom Bevgin-Verfahren für Verflüssigung der Kohl« her, daß es nach der experimen talwissenschaftlichen Fertigstellung eines Verfahrens oft noch Jahr« dauert, bevor die neue Methode in der Praxis durchgeführt werden kann. Denn es gibt ja viele neue Erfindungen, die Wege gezeigt haben, auf denen alte Stoff« wesentlich verbessert hergestellt werden können, ohne daß doch diese Methode np ratische Anwendung finden können» da der tünst- liche Produktionsprozeß so viel kostspieliger ist als der bisherige Weg der Beschajfimg, daß diese Preisspanne in keinem Verhältnis steht zu der verbesserten Qualität des Endprodukts. So wird es auch sicher noch manch« Jahre dauern, bevor die neue wissenschafttiche Entdeckung von ökonomischer Bedeutung werden kann. Doch schon heute kann man daraus hinweisen, welche ungeheure Folgen in allen wirtschastlichen und wirtschastspolitischen Verhältnissen das neue Verfahren haben dürste. Länder mit großen Waldbeständen würden zu Mehexportgegenden und, da ja gerade die nördlichen Regionen wegen ihrer starken Bewaldung und geringen Fnichtanbaufähigkeit heut« nur schwach besiedelt sind, würde sich durch das neue Bergius- Verfahren die Möglichkeit ergeben, gerade diese Gegenden dicht mit Stödten und Dörfern zu besetzen. Gelingt es erst, auch noch auf künstlichem Wege die menschliche Nahrung chemisch darzustellen, so wird in oinein ganz andere» Maße die Menschheit losgelöst von der Scholle,_ Die Bedeutung roter Blutkörperchen. Auf dem Physiologen- kongreß in Moskau entwickelte Professor Z b a r s k i in einem aus- führlichen Referat eine ganz neue Ansicht über die Rolle der roten Blutkörperchen(Erytbroez-tben) Im Stoffwechsel. Nach zahlreichen Experimenten ist Prof. Zborski zur Ueberzeugung gelangt, daß die roten Blutkörperchen, die den Geweben durch Atmung Sauer- stosf zuführen, daneben ollen Körperzellen die durch die Gedärme aufgenommenen Eiweißnahrungsstosfe übermitteln. Im Verlauf der Diskussion, die sich an dos Referat schloß, ergriff Prof. Abderhalden (Deutschland) das Wort, um die große Bedeutung der Feststellungen Prof. Zbarskis hervorzuheben. Ausstellung SchSaleber Menrer. Die Preußische Akademie der Künste veranstaltet im Erdaelchotz de» AkademiegebäudeS am Pariser Platz eine kleine Ausstellung von Aquarellen und Zeichnungen ihre» verstorbenen Mit- gliede» Prosessoi Gustav Schönleber und de» gleichsall» verstorbenen Prosessor» Moritz R eurer. Meurer war von 1871—1883 al» Lebrer am Kunstgewerbemuseum in verlin tätig und lebte seit 188» ständig in Rom, wo er sich eingehend mit ornamentalen Pflanzenstudien beschüstigte. vee Zngendprei» Deutscher Erzähler, der dem Bei bände Deuiicher Er- zäbler von der Deulichen Buch-Gemeirischasl S-rlin in Höbe von 10000 Mark alljährlich geftistet und im Einvernehmen mit dem Preußischen Kultus- Ministerium erteilt wird, wurde sür den Roman.Die Bücher de» Kaiser» Lut-l" von Waller Meckauer verliehen. OP Raubmord bei Zehdenick aufgeklärt Der Täter überführt und geständig. Ermordet und beraubt wurde am 8. April d. 3. der| Beschäftigung mehr nachgegangen, sondern hat sich auf Landstraßen 24 Jahre alte Kurzwarenhändler Wilhelm Wintler aus umhergetrieben. Nach dem Geständnis, dessen Einzelheiten noch der Holsteinischen Straße 10 in einer Strohmiete bei geprüft werden, wurde Ollesch in das Polizeigefängnis gebracht. Zehdenid aufgefunden. Außer der Barschaft waren dem Ermordeten auch die goldene Uhr, seine Handelswaren und fast fämtliche Kleidungsstüde geraubt worden. Jetzt ist es gelungen, den Täter in der Person des 25 Jahre alten Arbeiters Hugo Ollesch zu ermitteln und festzunehmen. Er ist geständig. Bei den Nachforschungen der Kriminalpolizei zeigte es sich bald, baß ein sehr großer Personentreis berüdsichtigt werden mußte, nämlich alle diejenigen, die als sogenannte„ Sonnenbrüder" das ganze Reich durchwandern und in den Herbergen zu nächtigen pflegen. In Zehdenick waren zu der Zeit, als Winkler sich dort aufhielt, etwa 20 Leute in der Herberge gewesen, mittlerweile aber weitergewandert und in allen Gegenden Deutschlands verstreut. Durch zahlreiche Depeschen wurden alle Polizeistationen auf jeden einzelnen dieser Wanderburschen aufmertfam gemacht, da alle als mehr oder minder wichtige Zeugen in Betracht famen. Nach und nach wurden denn auch 12 von ihnen aufgegriffen und die Angaben, die sie machten, bis ins einzelne nachgeprüft. Reiner hatte mit dem Morde etwas zu tun. Unter den restlichen 8 Personen befand sich nun auch ein Mann namens Nize, nach dem ebenfalls gesucht wurde. Es ergab sich, daß dieser Nize Hafenarbeiter in Hamburg war. Er erbrachte alsbald den einwandfreien Beweis, daß er zur Zeit des Mordes in Hamburg in Arbeit gestanden hatte, berichtete aber gleichzeitig, daß etma 4 Wochen vor dem Mord ein Bekannter von ihm, Hugo Ollesch, ihn besucht, bei ihm genächtigt und ihm bei dieser Gelegenheit die Papiere gestohlen habe. Es handelte sich jetzt darum, diesen Ollesch ausfindig zu machen. Da stellte sich am vergangenen Donnerstag bei dem Amtsgericht in 3offen ein Mann, der sich Nize nannte und erklärte, daß er auf seinen Wanderungen eine Reihe von Diebstählen verübt habe, wegen derer er sich der Polizei zur Verfügung stellen wolle. Seine Behauptungen erwiesen sich als richtig; da inzwischen aber der Diebstahl der Papiere des Nike bekannt geworden war, so benachrichtigte man die Mordkommission des Berliner Polizeipräsidiums. Den Diebstahl der Papiere und die Diebereien auf der Wanderschaft gab der als Ollesch Entlarvte ohne weiteres zu, von dem Mord an Winkler wollte er aber nicht das geringste wissen. Stundenlang währten die Verhöre. Es gab aber auch ein Beweisstück gegen den Berhafteten. Eine elettrische Taschenlampe, deren Herkunftsort Hamburg war und von der man wußte, daß fie Ollesch gehörte. Als der Verbrecher diese Lampe, die er neben der Leiche seines Opfers hatte liegen lassen, erblickte, tam es zu einer dramatischen Szene. Todesblässe bedeckte das Gesicht des Mannes, er rang nach Selbstbeherrschung und war teines Wortes mehr mächtig. Endlich raffte er sich zusammen und bekannte nun die Tat und schilderte alle Einzelheiten. Wie er sagt, waren in der Herberge am Abend des 3. April alle Betten schon vergeben, und der Händler Winkler, der eben. falls dort übernachten wollte, fonnte feines mehr bekommen. Da er nicht auf Stroh schlafen wollte und ein Logis im Gasthaus ihm als sehr sparsamen Mann zu teuer mar, so entschloß er sich, im Freien in einer Strohmiete einen Schlafplatz zu suchen. Ollesch schloß sich ihm an. Gegen 11 Uhr hatten sie denn auch eine geeignete Miete gefunden, warfen einige Bunde herab und richteten fich oben im Stroh häuslich ein. Gegen 1½ Uhr erwachte Ollesch, sah den friedlich schlafenden Händler neben sich und faßte den Entschluß, den Ahnungslosen zu ermorden und zu berauben. Er richtete sich auf und versezte Winkler, der auf der Seite lag, mit der geballten Faust mehrere wuchtige Hiebe auf die Schläfe, die ihn betäubten. Dann warf er den Mann von der Miete herab und sprang ihm nach. Winkler war inzwischen wieder zu sich ge= tommen und schrie. Jetzt packte Ollesch eine 3aunlatte, die er vorher am Wege aufgerafft hatte und schlug damit folange auf den Schädel feines Opfers ein, bis dieses verstummte. Fast wäre er auf frischer Tat von einem Radfahrer, der des Weges fam, überrascht worden. Der Radler wurde durch die Schreie Winklers aufmerksam und leuchtete mit seiner Karbidlampe nach der Miete herüber. Um jeden Hilferuf zu erstiden, warf sich Ollesch über sein Opfer und erstickte mit seinem Körpergewicht jeden Ruf. Der Radler fuhr denn auch weiter. Als der Mörder sich überzeugt hätte, daß Winkler tot war, plünderte er ihn aus. Außer der goldenen Uhr fielen ihm 220 Mart bares Geld in die Hände, denn der Händler hatte fast alle seine Waren schon verkauft und trug den Erlös bei sich. Ollesch gibt an, daß ihn schon auf dem Zehdenicker Bahn hof alle Leute wegen seiner bejubelten Sachen angesehen hätten, aber niemand tam auf den Gedanken, daß er der Mörder des Händlers sein könne. Er ist seit Jahren schon feiner regelmäßigen Theater, Lichtspiele usw. Montag, 3. 7. 28 Staats- Oper Unter d. Linden Ab.-V. 29. Anf.18%( 62) U. Die Frau ohne Schatten Staats- Oper Am Pl.d. Republ. Res.-S. 107. Anf. 20( 8) U. Der Kuß Montag, 3. 7. 28 Städtische Oper Bismarckstr. Turnus I Anf. 20( 8) U. Tosca Staati. Schauspielh. Am Gendarmenmark Res.-S. 45 Anf. 20( 8) U. Zwischen tanzenden Kleidern Staatl. Schiller- Theater, Charltby. 20( 8) Uhr: Die beiden Scehunde LASINO- THEATER Lothringer Str. 37 Uhr Müllers Prinzesschen. Ausschneiten: Gutschein 1-4 Pers. Fauteuil nur 1,10 M., Sessel 1,60 M Volksbühne heater am Bülowplatz Th. am Schiffbauerdamm 8 Uhr: 81 Uhr Zwei nächtliche Großfeuer. Zwei Feuerwehrleute schwer verletzt. Durch ein Großfeuer wurde in der vergangenen Nacht das Dachgeschoß und der Dachstuhl des bekannten Partrestaurants Südende, Stegliger Str. 13/14, völlig eingeäschert. Die Wehren waren bis in die heutigen Bormittagsstunden hinein mit den Aufräumungsarbeiten beschäftigt. Bei einem zweiten Großbrand in Friedrichshagen wurden leider zwei Feuerwehrleute schwer verletzt. Das Feuer in Südende ist vermutlich durch glühende Rohle. stückchen entstanden, die aus dem Ofen in einer Manjardenwohnung gefallen waren. Als es gegen 1 Uhr bemerkt wurde, stand die ohnung in ihrer ganzen Ausdehnung in hellen Das Feuer hatte bereits Teile des Dachstuhles erFlammen. faßt. Die Feuerwehr traf auf den Alarm„ Großfeuer" mit sechs Löschzügen unter Leitung des Oberbaurates Stiepelday an der Brandstätte ein. In der Zwischenzeit hatte sich das Feuer auf den gesamten, über dreißig Meter langen Dachstuhl ausgedehnt. Es mußten zahlreiche Schlauchleitungen eingesetzt werden. Erst gegen 5 Uhr früh wurde die Macht des Brandes gebrochen. Der Schaden ist sehr erheblich, da auch in den unter dem Brandherb gelegenen Räumen durch die Wassermassen, die in das Feuermeer geschleudert wurden, Verwüstungen angerichtet wurden. Der zweite Großfeueralarm fam aus der Julius= Hart Str. 43/44 in Friedrichshagen. Dort war in dem Werkstattgebäude einer Holzbearbeitungsfabrit furz nach Der neue Bubikopf. Miss Francis Sterne, eine in London lebende Irin, nennt dieses 150 cm lange Haar stolz ihr eigen. Das Haar, das in blonden Wellen herabhängt, reicht fast bis zur Erde arnowsky- Bühner Th. Königgrätz. Bergm. 2110 Täglich 7, Uhr Orpheus in der Der Zigaretten- Leinen aus Unterwelt kasten Deutsches Theater Die Komödie Norden 12 310 Uhr, Ende nach 10 Pygmalion von Bernard Shaw Bismarck 2414/751 81 Uhr Es liegt in Irland Komödienhaus Norden 6304 rägl. 1, Uhr Broadway Kleines Theater Walhalla- Th. Täglich 814 Uhr Rosa Valetti, Eugen Rex in Die Großschnauze Saltenburg- Bühnen Ots. Künstler- Th 211, Uhr Weinbergsweg 19/20 Heute 8, Uhr Berliner Prater Doppelvorstellung zu einfachen Preis. Kastanienallee 7/9. Täg ich: Verlorene Tochter Polnische Wirtschaft" Sittenst. in 4 Akten.» Das Sonnenbad Lustspiel in 3 Akten von Balewski Mus. v. Jean Gilbert Außerdem: Grosse Varieté. Nur Erwachsene naben Zutritt Tanz. Kaffeekochen. Park.auch Sonntags der Luft Theater des Westens Verbrechen tatt nur 60 P1. dtsch. v. Siegfr, Trebitsch Revue von Schiffer. Kammerspiele Norden 12310 Musik v. Spoliansky Steinpl. 931 81, Uhr Max Adalbert ( ,, Crime") Soda Berliner Theater Das Ekel Rose- Theater SCALA U., Ende nach 11 Zum 140. Mal Finden Sie, daß Charlottenstr.90/ 91.08nh.170 81, U. Ende geg. 11 99 Gr Frankt. Str 13 844 Uhr: Gastspiel d. Deutschen Th. Lustspielhaus Das Paradies d. Ehe Constance sich richtig Der Prozek verhält? Mary Dugan Elite- Sänger Theater am Kottbusser Tor. Mpl. 160 77. Täglich 8 Uhr: Wie immer rstklassig. Programm, u. a r. Dr. Martin Zick Unwiderruflich letzter Monat! 8 Uhr: iuido Thielscher „ Unter eschäftsaufsicht Gartenbühne: 16 Uhr nachm. Konzert und banter Teil 814 Uhr: Der fidele Bauer Uhr Nallendor 7360 Herb.Williams der eigenartigste amerikanische Exzentrik- Star und die übrigen Varieté- Sensationen! Planetarium am Zoe Renaissance- Theater in. Joachimsthaler Straß Noll. 1578 „ Ein gerissener Schwiegersohn" Thalia- Theater 10, 18, 19, 21 U. ( Schwank) Ein kleines Geschenk"( Schwank) Volkspreise. Dresdener Str. 72-7. Sternhimmel und Täglich 8 Uhr Kalender 1 h steinplat Krankheit der Jugend Mitternacht der Dachstuhl in Brand geraten. Als die zur Hilfe gerufenen Wehren von Niederschönemeide, Friedrichshagen, Köpenick und Adlershof an der Brandstelle eintrafen, waren die Flammen auf die angrenzende Tischlerei und zwei Schuppen übergesprungen. In stundenlanger anstrengender Löscharbeit konnte die Hauptgefahr um 4 Uhr früh als beseitigt gelten. Leider sind auch zwei Wehrleute bei den Arbeiten Der Oberfeuerwehrman.t ich mer zu Schaden gekommen. Wichmann und der Feuerwehrmann Furcher von der Friedrichshagener Feuerwehr erlitten schwere Verbrennungen und mußten in das Krantenhaus gebracht werden. Allem Anschein nach liegt Brandstiftung vor. Legien- Promenade. Der Luisenstadtfanal als Grünfläche. Mit der Zuschüttung des in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gebauten Luisenstädtischen Kanals, der wegen seiner geringen Breite schon lange nicht mehr dem anspruchsvolleren Schiffs= verfehr des 20. Jahrhunderts dienen konnte, wurde vor zwei Jahren begonnen. Dabei bot sich die willkommene Gelegenheit, die beim Bau der U- Bahn Gesundbrunnen- Neukölln ausgehobenen Erdmaffen bequem auf dem nahegelegenen Ranclgelände unterzubringen. Der Plan, das Ranalgelände in eine Grünfläche um zuwandeln, soll jetzt ausgeführt werden. Die Entwürfe der Tiefbaudeputation und der Parkdeputation liegen vor, und der Magistrat ersucht die Stadtverordnetenversammlung um ihre Zustimmung. Auf dem zwei Kilometer langen Gelände werden Spielpläge für Kinder und Jugendliche und Erholungspläge für Erwachsene und Alte sich aneinanderreihen. Nötig wird auch eine Aenderung der bisherigen Uferstraßen, die auf beiden Seiten des Kanals liegen. Die Vorgärten sollen beseitigt werden und die Stadt wird das Vorgartenland erwerben, um die Fahrdämme verbreitern zu können. Die Gesamtkosten der tiefgreifenden Umgestaltung sind auf 3 400 000 Mart veranschlagt, wovon allein 1 000 000 m. durch die Herstellung der Grünanlage mit ihren Plätzen und Wegen gefordert werden. Die Arbeiten werden sich auf mehrere Jahre verteilen, ihre Ausführung ist als Notstandsarbeit vorgesehen. Zunächst wird man daran gehen, die Brüden abzubrechen und die Rampen zu beseitigen. Die Einebnung der auf dem Ranalgelände lagernden Sandmassen wird von der in den Uferstraßen wohnenden Bevölkerung, die lange genug unter der Staubentwicklung gelitten hat, mit Freude begrüßt merden. Wenn die Anlage einmal fertig ist, wird sie dem Stadtteil, der an Grünflächen wirklich nicht reich ist, zur 3ierde gereichen. Für den ganzen, vom Landwehrkanal bis zur Spree reichenden Straßenzug, an dem auch das Gewerkschaftshaus steht, ist der Name Legien Promenade" vorgeschlagen worden. uns: Gegen die Verlängerung der Lehrzeit. Lehrlingsausbeutung bei Fleischern und Bäckern. Der Verband der Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter schreibt In feinem Berufe dürfte die Lehrlingszüchterei und Ausbeutung ärger sein als im Fleischer- und Bäckergewerbe. Die Ueberfüllung mit Arbeitsfräften ist in beiden Gewerben gleich groß. Gleich ungünstig steht's aber auch mit dem Selbständigwerden. Die Löhne find mit die niedrigsten. Wenn nicht noch in den Großbetrieben und Betrieben der Konsumvereine ältere nd verhiratete Gesellen beschäftigt werden, in den Kleinbetrieben stellt man nur junge Gesellen ein, die billig und willig sind. Auf billige Arbeitskräfte kommt es den Kleinmeistern an, deshalb wird auch für überreichlich viel Nachwuchs gesorgt. In Rücksicht auf die große Arbeitslosigkeit bestehen für beide Berufe Verordnungen über die Lehrlingshaltung. Mehr als zwei Lehrlinge darf kein Fleischer- oder Bäckermeister halten. Längst aber halten auch diejenigen Meister Lehrlinge, die sich früher gar nicht damit befaßten. Die Lehrzeit ist in beiden Berufen eine dreijährige. Das Arbeitszeitgefeß, der Jugendschutz und die Fortbil dungsschulen hindern die noch größere Ausbeutung der jungen Arbeitskräfte. Was liegt da wohl näher als die Lehrzeit zu ver längern, um ein halbes oder ein ganzes Jahr? In den Innungen, auf Bezirks- und Verbandstagen werden Beschlüsse gefaßt, die Lehrzeit zu verlängern. Bielerorts hat man wohlwollend die Genehmigung der Aufsichtsbehörden erhalten. Der Appetit kommt bekanntlich beim Essen. Andere Handwerksmeister machen es bereits den Fleischer- und Bäckermeistern nach. So z. B. die Böttchermeister, die ihren Zunftkollegen vom Fleischklotz und Backtrog nichts nachgeben wollen. Nicht wenig sind die Eltern der Lehrlinge mit schuld an dieser Ausbeutung ihrer Kinder. Alle Eltern sollten gegen diese Ausbeutung mit Protest erheben und fein Lehrverhältnis mit mehr als dreijähriger Lehrzeit abschließen. In dieser Zeit muß jeder Lehrling foviel gelernt haben, wie er als Junggeselle zu seinem Forttommen mindestens ebenso sehr fümmert wie um die Ausbeutung. Aus benötigt, vorausgesetzt, daß sich der Lehrmeister um die Ausbildung tünfte erhalten die Eltern in unseren Ortsgruppen. Komische 8 Uhr Oper 81%, Uhr JAMES KLEIN'S gewaltiges neues evue- Stück: Zich' dich aus! 200 Mitwirkende. Vorverkau ab 10 Uh ununterbrochen. Reichshallen- Theater EisuStettiner Sänger Zum Schluß: Stuckes Pfingstfahrt ,, Noch interessanter" LUNA PARK Voller Betrieb Gr. Feuerwerk Das neue SONNENBAD ist eröffnet Schiller- Garten arteske van Me- sel. mfano 8 Uhr. vorm. Friedrichwilhelmstädt.Garten Inb O. Rutz, Chausseestr. 30/31 onhot- Brett': aa. Garten. Variete, Tanz. Täglich großes Orchester- Konzert Yanell With m Frerk MetallBerliner Ulk- Trio Bellen, KinderDyckerpotts Erben. 15 Jahren 0,50 m. Neukölln, Stahlmatratzen, günstig an Priv. Kat.2049 fr. Lahnstr. 74/76 Eisenmöbelfabrik Sub!( Thür). 17 Mann. Anfang Wochentags 5 Uhr. Sonntags 4 Uhr. Spezial- Kindlausschank. Gute billige Küche, (Beilage Montag, 4. Juni 1928 Sm'MimA SfuUaukQajße xlei(�rtOtzW» Tragödien im Polareis. 5n Unruhe und Spannung wartet die Welt auf Nachricht über das Schicksal der„Italia". Werden General Nobile und seine Leute noch einmal wiederkehren, harren sie noch der Erlösung oder sind sie schon der Uebermacht feindlicher Naturgewalten im Polargcbiet zum Opfer gefallen— wie so viele vor ihnen? Jahrtausende alt ist ja der Drang der Menschheit nach dem „Ende der Welt", seit dem ersten Vorstoß der Phönizier auf ihren Hochschnäbeligen Schiffen bis zu den britischen Inseln und seit Pythias von Marsilia, der im Zeit- alter Alexanders bei dem geheim- nisvollen Lande Thüle an den Chetlandsinseln umkehrte, weil Nebel und Schneesturm und das .geronnene Meer" ihm Halt ge- boten. Seicher wetteiferten immer wie- der die seefahrenden Nationen auf dem Wege zur Antarktis, die Nor- -mannen gründeten auf ihren Wikingerfahrten ihre Siedlungen auf Grönland, irische Glaubens- boten trugen das Kreuz bis in den hohen Norden, Beutelust und Tatenwille trieben allerlei Aben- teuervolk bis ins Polargebiet, und unzählige Opfer fielen den Stür- men, der Kälte und dem Hunger in unwirtlicher Eiswüste onheim. Im 16. Jahrhundert ist der Hol- lönder Barents mit seiner Ex- pedition als erster genötigt, zu überwintern, sein Schiff geht oer- loren, die Rückfahrt aus den Schrecken der Polarnacht muß in offenen Schaluppen angetreten werden, Barents selbst stirbt auf der Heimfahrt, aber 12 seiner Ge- fährten kommen mit dem Hilfs- schiff des Cornelius Rijp glücklich zurück und werden in ihrer Hei- mat als Helden gefeiert. Eine echte Eroberernatur, eigenwillig und zäh, aber vielleicht gerade wegen seiner persönlichen Eigenschaften glücklos und ewig um den Erfolg betrogen, ist der Engländer Hudson, den es immer wieder seit dem Jahre 1607 zurücktreibt in Sturm und Eis, trotz des Widerstandes der Mannschaft, die ihn wiederholt zur Umkehr zwingt, bis er schließlich nach harter Ueberwinterung von den Meuterern mit seinem Sohn und wenigen Getreuen im offenen Boote ausge- setzt wird und für immer den Augen der Mitwelt entschwindet, um fortan als Sagengestalt in der Phantasie der Seefahrer fortzuleben. Ein besonderes schauerliches Kapitel in der Geschichte der Polar- fahrten ist der Rückmarsch der Expedition Franklin von der Eoronation-Bucht nach Fort Providence(1819). Die Rückwanderer, zu Tode erschöpft und von rasendem Hunger gepeinigt, nähren sich von Tierkadavern, sie saugen das verfaulte Mark aus den Tier- skeletten, ein indianischer Jäger tötet heimlich seine Gefährten und bringt ihr Fleisch als Wolfsfleisch zurück, die Mannschaften sind zu schwach, um die Kanus weiterzuschleppen, die kostbaren Fahrzeuge werden als Brennholz verseuert, von 29 Mann, die den Rückmarsch angetreten haben, kommen nur 7 ans Ziel. Das hindert aber den kühnen Führer nicht, anderthalb Jahrzehnte später im Alter von fast 60 Jahren noch einmal nordwärts zu ziehen— um niemals wiederzukehren. Expedition auf Expedition wird ihm fortan nach- gesandt, hohe Preise werden von der englischen Regierung und von noch 1878 auf King-Willams-Land von der stolzen und wohlgerüsteten Expedition aufgefunden wird. Im gleichen Jahre verschwindet N o r d e n s t j ö l d mit der „Wega", er kommt zurück: aber das Hilfsschiff„Jeanette" geht ver- loren. der Kapitän de Long erreicht mit seinen Leuten auf Hunde- schlitten übers Eis das Festland, mit Booten kommt er bis zur Lena- Mündung, dort werden sie von wütenden Stürmen auseinander- Moß*Uk> trooo»oä r' i m r rr n• gejagt, ein Boot oerschwindet, das zweite unter Ingenieur Melville rettet sich, de Longs eigenes Boot läuft auf, zwei seiner Matrosen stoßen zu Melville, man versucht, den unglücklichen Führer und seine übrigen Begleiter zu retten. Ihre Leichen sind in Schneewehen be- graben, bei de Long findet man ein Tagebuch, dessen letzte Seiten ein erschütterndes Wahrzeichen menschlichen Heldentums, mensch- lichen Leidens sind. Einer der Gefährten nach dem anderen erliegt den unerhörten Anstrengungen und Entbehrungen: zuletzt haben sie nur noch Glyzerin mit heißem Wasser, dann Tee aus Weidenzweigen zu trinken, nähren sich vom Leder ihrer Stiefel und verschneiden das Zelt, das ihren letzten Schutz gegen Sturm und Kälte bildet, um daraus Schuhe zu fertigen. Dies sind die letzten Aufzeichnungen, wie sie H. Houben in seiner ausgezeichneten Geschichte der Polar- fahrten„Der Ruf des Nordens" wiedergibt: Freitag, 21. Oktober: 131. Marschtag: Um Mitternacht log Ka- merad Kaach tot zwischen dem Doktor und mir. Sonnabend, 22. Oktober: 132. Tag: Der Doktor Collins und ich tragen Lee und Kaach bis zum Hügelrand, dann wurde ich ohnmächtig. Wir können die Leichen nicht mehr bis aufs Eis schaffen. Sonntag, 23. Oktober:. 133. Tag: Alle immer schwächer. Suchten vor Dunkelheit noch etwas Holz, ich las ein Stück Sonntags- andacht vor, leiden alle entsetzlich an den Füßen, keine Schuhe. Montag, 24. Oktober: 134. Tag: Furchtbare Nacht. Dienstag, 2S. Oktober: 133. Tag: Trostlos. Mittwoch, 26. Oktober: 136. Tag: Kälte, Hunger, krank. Donnerstag, 27. Oktober: 137. Tag: Jverson ganz kraftlos. Freitag, 28. Oktober: 138. Tag: Jverson starb in der Frühe. Sonnabend, 29. Oktober: 139. Tag: Heute starb Dreßlev. Sonntag, 39. Oktober: 149. Tag: Boyd und Goertz sind in der Nacht gestorben. Collins liegt im Sterben. Damit schließt das Tagebuch. Grausig sind auch die Leiden des Leutnants Greely und seiner Leute, die im Juni 1884 von Kapitän Schley auf der Insel Pim aufgefunden werden. Sie hatten die Anlage einer amerikani- schen Beobachtungsstation an der Lady-Franklin-Bucht übernommen, ein Trupp von Soldaten, die bei strengstem Drill wie in der Ka- ferne lebten: aber die Ablösung blieb zwei Jahre aus, der Proviant ging auf die Neige, die Not stieg, die erzwungene Disziplin ließ nach, man riß sich um die kärglichen Lebensmittel, der Expeditions- arzt gab das übelste Beispiel: er wurde dabei ertappt, wie er die kärglichen Brocken veruntreute, die die Soldaten sich für ihren Kameraden Elison absparten, der sich Hände und Füße abgefroren hatte: das Lebensmitteldepot wurde heimlich erbrochen, ein Offizier erzählt, daß er wie ein Hund eine Stelle aufkratzte, wo man ver- schimmeltes Hundebrot vergraben hatte. Als die Retter über Schnee- gräber und unbegroben« Leichen in das Zelt eindrangen, fanden sie neben der Tür einen Sterbenden in der Agonie, dem der Unterkiefer herabhing, die Augen starrten ihnen glasig entgegen, daneben lag Elison ohne Hände und Füße, an seinen Armstumpf war ein Löffel gebunden, Greely lag auf Händen und Knien mit langem verfilzten Bart und sunkelte sie mit düsteren irren Blicken an. Bon den Leichen waren Fleischstücke heruntergeschnitten. Aber diese Männer, die so Unsagbares ertragen hotten, besaßen einen eisernen Willen: Greely selbst hat noch lange gelebt und hat es in seinem Vaterlande selbst zu hohen Ehren gebracht. So ist auch die Hoffnung auf die Wiederkunft des Ge- nerals Nobile mit seiner Mannschaft noch nicht verloren: und auch im anderen Falle wird sein Schicksal so wenig wie das seiner Vorgänger ehrgeizige Forscher und Abenteurernaturen wohl nicht davon zurückschrecken, aufs neue den Weg zum Pol anzutreten— mag auch der Menschheit letzten Endes daraus kaum noch ein nennens- werter Nutzen, eine neue ernsthafte Erkenntnis erwachsen! Karl Blanck. Der Freiheitskampf in Birma. BarenU-Hülte. Hohsehnitl nach einer zeitgenössischen Zeichnimg. der Gattin des Verschollenen ausgesetzt, endlich nach fünf Jahren stößt man aus die ersten Spuren der Vermißten, ein Winterlager wird entdeckt, sonst aber scheinen alle Anzeichen über ihren Verbleib verwischt. Erst nach weiteren fünf Jahren findet man auf der Montreal- insel Bootsteile, Instrumente und Totcngebein, und die erste un- mittelbare Nachricht von Franklin und seinen Offizieren wird erst 1838 am Kap Victory gefunden: Franklin selbst ist 1847 gestorben. das Schiff mußte aufgegeben werden: sonst nichts. Verschwunden »lle Aufzeichnungen, unsichere Angaben der Eskimos über tote und sterbende Männer, denen sie begegnet sind, menschliches Gebein» Jiniformreste, Münzen und verstreute Gerät«— das ist alles, was 3n der Nummer vom Donnerstag der vorigen Woche brachten wir einen kurzen Aufsah:„Die letzten Sklaven von Birma." Franz lloses Furtwängler. dessen au». gezeichnetes Buch„Das werktägige Indien" wir in den nächsten Tagen besprechen werden, sendet uns nun folgende Mitteilungen: Jener Aufsatz berichtet, wie in Birma, der nordöstlichen Grenz- provin; Britisch-Jndiens, englische Expeditionstruppen seit 1927 wiederholt Kreuzzüge unternehmen, um eine angeblich im Landes- inner« herrschende Sklaverei zu unterdrücken. Leider richtet diese— von Ihnen sicher in gutem Glauben aufgenommene— Schilderung sich in Wirklichkeit in ihrer Rechtfertigung der„Strafexpedition" gegen eine Bewegung, die unsere ganze Sympathie und Unterstützung ver- dient, nämlich gegen die antiimperialistische Bewegung im dir- manischen Volke. Denn diese, inid nicht eine sagenhafte Sklaverei, sollte durch die militärischen Expeditionen unterdrückt werden. Die Bewohner von Birma— blutmäßig stark mit den Süd- chinesen vermischt— sind kulturell aufs engste mit dem Jndertum verbunden. Von den 13 Millionen Landesbewohnern bekennen 11 Millionen sich zu einer Form des Buddhismus, die als die reinste und kultivierteste Form dieses Glaubensbekenntnisses zu bezeichnen ist. Unter den britisch-indischcn Provinzen hat Birma— das erst 1883 von China weggenommen wurde und sich bisher eine hohe Eigenkultur bewahren konnte— eine der höchsten Schulbildung?- zifscrn. Do bei diesem Volke die Sklaverei dominieren soll, überlege ich mir vergebens. Hat doch Indien, unter dessen Herrschern Birma schon vor Jahrhunderten einmal stand, die Sklaverei in seiner ganzen von uns übersehbaren Geschichte nie gekannt. Als ich übrigens vor Jahresfrist die Legende zum erstenmal hörte, hieß es, daß es sich um Sklaverei im chinesisch-tibetanischen Grenzgebiete handle. Tatsächlich waren die„Strasexpedirioncn" nur der Vorwand zur D c r st ä r k u n g der englischen Militärmacht in Birma, als die Bevölkerung dieser Grenzprovinz aufbegehrte gegen den mit Eifer betriebenen Bau strategischer Eisenbahnen, auf denen indische Truppen trocknen Weges gegen Südchino befördert werden sollten. Der„Vorwärts"(„Forward"), das große indische Freiheitsblatt von Kalkutta, der die Birmaner auf die ihrer Heimat zuge- dachte Rolle als militärisches Aufmarschgelände gegen China in einem Leiartikel ausmerksam machte, wurde daraufhin für ganz Birma verbalen, viefe Bewandtnis hat es mit dem Kreuzzug ge- ! gen die Sklaverei! So sentimental ist das imperialistische England wirklich nicht, um entlegene„Wildnisse" unter Lebensgefahr für ganze Truppenkörper nach Formen etwaiger Menschenbedrückung zu durchforschen. Braucht es ja auch garnicht! Die in Kalkutta vesidie- rende„Vereinigung englischer Teepslanzer"— brave Etonboys und Oxfordstudenten christlich-puritanischen Glaubens— beschäftigt in den Gebirgen Asiams und Bengalens eine Million Sklaven: Männer. Frauen, Kinder, die von ausgedienten Soldaten und betrunkenen Feldwebeln zur Arbeit getrieben, mit Hunden gehetzt, mit Leder- peitschen traktiert werden. Die Teekuli arbeiten für 33 Pfennig täglich, um die Reichtümer christlicher Sklavenhalter zu türmen. Keine Militärexpedition wäre nötig, dies„recruitinx s/stem" ab- zufchaffen. Es besteht dennoch und wird sogar von Regierunge- behörden verteidigt, da es ja gar keine Sklaverei sei: der Kuli, der weder lesen noch schreiben kann, drückt nämlich seinen gefärbten Daumen auf ein bedrucktes Blatt Papier, ehe er sich und seine Fa- milie damit lebenslänglicher Zwangsarbeit ausliefert. Es handelt sich also um einen„freien Arbeitsvertrag" Auch ist — würden die Verteidiger z. B. dem Völkerbund gegenüber er- klären— die Zwangsarbeit> nicht lebenslänglich, sondern dauert nur je fünf Jahre. Nur sind eben die Existenzbedingungen der ein- mal Eingesangenen und die Entfernungen der Plantagen von der übrigen menschlichen Gesellschaft derart, daß kaum einer der Un- glücklichen je wieder aus den seligen Gefilden dieses„freftn Ar- beitsvertrages" zurückkehrt. Wie harmlos muß neben dieser Masten- schinderei durch ein christliches Volk die sagenhafte„Sklaverei" irgendwo in einem tibetanischen Grenzstreifen sein, mir der die europäische Oeffentlichkeit über militärische Unternehmungen irre- geführt wird! Aber es ist immer so: je weiter die Entfernung zwischen den Fabrikanten solchen Humbugs und den Objekten der Verleumdung, desto länger die Stelzbeine der Lüge. Wie wäre es sonst möglich, daß man heute noch, wenn man in Indien erzählt, deutscher Feldsoldat im Kriege gewesen zu sein, von harmlosen braunen Geschöpfen gefragt wird, ob denn die aus Leichen fabri- zierte Margarine nicht recht garstig schmecke? In all diesem Northclisse- und Bottomley-Humbug steckt aber auch für uns eine sehr ernste Lehre: wollen die international orga- nisierten Arbeiter der Welt den wirklichen Frieden und die gegen- seitige Achtung der Völker erstreben, so werden sie— koste es was es wolle— sich bald dazu ausschwingen müssen, ihren eigenen Nachrichtendien st in den großen Reibungsgebieten des Im- perialismus von heute zu organisieren. Wohl denen, die bei diesem Wert« mit Helsen! Franz Jost! Furtwängler. Der erste Flug zum Mars Eine techmsch-phantastischc Erzählung von Kurt Delta/ Zeichnungen von A.Florath 2. Fortsetzung. Älso gebt acht! Di« Strahlenbündcl kamen wieder. Zu«rst standen die Instrumente zitternd auf hunderttausend still. Ader dann kletterten die Zeiger— erst langsam, dann immer schneller. Si« schlugen über die letzte Zahl! Die Apparate vibrierten und sangen. In meinem Korper war zuerst«in leises Prickeln: dann, langsam legte es sich wie Druck auf meinen Rücken und auf mein Gehirn. Immer entsetzlicher, immer schwerer lag es auf mir. Es war, als legte eine riesige eklige Schlange Ring um Ring sich um meine Brust. Mein Atem war glühend, mein« Füge waren Eisklnmpen. Sie hafteten mit den Sohlen wie ein paar bleierne Gewicht? am - Boden. Lichtströme zogen vor m:inc Augen, und dabei wurden die Bilder um mich verschwommen und dunkele. Ich hörte Stinimen, Trompeten, Sirenen-- Geheul---. Da riß ich mit der letzten Kraft den Antennenschalter heraus. Mir war, als wäre ich einer Irrenhausmaschine entsprungen.— Das ist ihr dritter Trumpf! Sie schicken uns den Wahnsinn." ★ neues?" sagt« der Kommandant, in die Funkbude tretend. Dabei drehte er nervös an den Knöpfen seiner Uniform. Wortlos reichte ihm Jonny die letzten Streifen aus dem Empfänger. In Strichen und Punkten stand auf jedem Streifen dasselbe: Zentron hier— Haltet— Holtet an— Haltet—. Der Kapitän brauste auf:„Ich habe Ihnen gesogt, Funker, Drohungen und Warnungen von Zentron will ich nicht m?hr sehen. Sie machen damit nur die alten Weiber, die unter uns sind, scheu!" Jonny senkte den Kopf. Eben begann der Empfänger wieder zu klopfen. Beide hörten gespannt auf das Geräusch: Zentron hier — Haltet an, ihr Männer— Ihr geht in den Tod— Nicht für euch und nicht für uns— Haltet an—. Der Kommandant drehte wieder nervös an den Knöpfen. Jonny war bleich geworden.„Herr Kapitän," begann er, in seiner Stimme war kein Klang,„das ist ihr letztes Signal, es war auch damals> ihr letztes, ehe die beiden Kreuzer in die Luft flogen." Auch der Kapitän war weih wie ein Stück Kalk geworden. Es war Zorn, der ihm aufstieg. „In die Luft geflogen," schrie er.„desertiert sind si«! Aber diesmal wird keine Möglichkeit für euch Schufte fein, den ersten werde ich in Eisen—" „Kapitän," unterbrach ihn Jonny erregt und mit rauher Stimme, „die Admiralität wußte es, und ich weiß es auch, daß wir gegen diese Katastrophe gesichert sind,—> aber ich weiß auch, daß die Erowelt noch Trümpfe hat, die uns das Leben kosten werden." Jonny hatte den Kapitän im Eifer seiner Rede an den Aennel- aufschlägen gepackt. Doch—, das Bewußtsein, daß es nun zu hau- dein galt, gab diesem die überlegen« Ruhe zurück. Er riß sich los, ein schriller Triller fuhr aus seiner Pfeife.„Was Sie olles wissen wollen, Sie wissen zuviel, Herr Funker!" Ein Sergeant mit zwei Matrosen trat eben in die Türe. Der Kapitän machte ein« Handbewegung.„Legen Sie den in Eisen," sagte er. Nachdem may Jonny über das Verdeck geführt hatte, bildeten sich überall in den Winkeln erregte Gruppen.„Wenn es soweit ist, jeder Zug seinen Vorgesetzten!" zischte einer.„Der Kapitän sitzt im Funkraum, und zwei Gasreoolver liegen vor ihm auf dem Tisch," flüstert ein anderer,„und wir, uns gab man keine Munition, sie wußten, warum." Kleine bläuliche Funken begonnen auf ollen Metallteilen zu tanzen. Die Spannung in der Mannschaft war aufs höchste gestiegen. Eine dumpfe Ruhe lag im Schiff. Da, ein Schrei gellt« über das Wasser. Der, der ihn aus- gestoßen, stand wie eine Säule auf dem Verdeck. Sein steif er- hobener Arm zeigte zum Begleitschiff, das fünfhundert Meter feit- wärts lag. Der Kreuzer strahlte in einem grüngelben Licht und— dunkle Striche sprangen in immer kürzeren Zeiträumen über die Bordwand. Es waren die Mannschaften, die sich ins Meer stürzten. „Sie kommen, der Wahnsinn kommt!" keuchte einer.-Ein Matrose sprang auf eine Lafette. Seine Stimme übertönte alle: ..Dersicherr euch der Offiziere, dann jeder an seinen Platz! Macht Jonny frei!" Doch da stürmte dieser schon über das Verdeck. Laut gellte feine Stimme:„Sechs Mann mit mir!" Dann rasten sie die Treppen hinauf zum Funkraum. Jonny riß die Tür auf. Ein Singen und Summen erfüllte den Raum. Der Kapitän hing mit verquollenen Augen in den Geräten. Die Hereinstürmenden begrüßte er nur mit einem blöden Lochen. „Habt ihr Wasser, viel Wasser?" flüstert er. Jonny war nnt einem Satz am Taster.— Do» Klingen und Singen überfällt auch ihn. Doch während sich sein Geist zu verwirren droht, funkt er in rasendem Tempo:— Hier Flaggschiff der Liga— Haltet— Haltet ein— Schiff in Gewalt der Mannschaft— Stehen euch zur Der- sügung— Nehmen Kurs auf Zentron—. Auf der Kommandobrücke des„Diamant", des Flaggschiffes der Liga, stand der Steuermann mit zwei Matrosen.„Es sind zwei Schiff« vor Zentron an Anker," fagle der eine,„Jonny, nimm dein Glas." Der holt das Fernrohr, richtet es— zuckt zusammen— uinnnt es ab, richtet es wieder—.„Verdammt will ich sein," mur- melt er,„wenn das nicht die beiden Kreuzer sind. Können die auf Zentron auch Tote auferstehen lassen?" Da ward es auf den Kreuzern schon lebendig. Flaggensignale stiegen an den Seilen:„Kameraden, wir grüßen euch!— Will- kommen— Willkommen—" Neben den beiden Kreuzern legt« sich der„Diamant" vor Anter. Ein Hurra klang von den Schiffen! Schon lagen die Dampfpinassen am„Diamant". Freudig schüttelt man sich die Hände.„Teufel, wie seid ihr aus der Hölle gekommen?" fragt Jonny die Matrosen vom Kreuzer. Do erzählt man Es war ganz so. wie es Jim geschildert hatte. L>s zum Platzen der ersten Patronengurte—. Der Mut der Verzweiflung stieg da in die Mannschaft. Dann funkte man nach Zentron: Haltet — Macht in Händen der Mannschaft— Nehmen Kurs auf Zentron. So wurden die beiden Kreuzer gerettet — Da, eben tauchen die Rauchschwaden eines Schiffes am Horizont auf. Der Empfänger im Funkraum des Diamant arbeitet. Degleitfchiff„Korund" reiht sich mit hundertundzwei Ueberlebenden in die Flott« von Zentron«in! * Jonny stand als Sprecher der Flotte vor dem Präsidenten der Erowelt. Dieser reichte ihm eben schlicht die Hand.„Ich danke Ihnen und Ihren Kameroden im Namen der Erowelt. Glauben Si« mir, auch die Liga muß es Ihnen einst danken. Noch ist nichts ver- loren. Unser„Wal" ist mit dem gestürzten Projektil in Verbindung. Es treibt unter A4 Grad nördlicher Breite und 149 Grad westlicher Läng« im Ozean. Ich darf Ihnen nun den Auftrag geben, mit dem „Diamant" die Rakete in aller Stille einzuschleppen." *■ Das Projektil stand mm auf dem neuen Betonfundament Zen- trons. Fieberhaft wurde gearbeitet. Schon meldeten die Fern- - SOS und w'ichst SOS— hrülll ihn an SOS— sucher das Kommen von Kreuzern und U-Booten. Man hatte dies- mal«in« Kett« um die Insel geschlossen, di« keinem Fisch erlaubte, durchzubrechen. Die Nacht des Starts war herangekommen. Der Präsident hatte di« Sender der Startstrombündel abstellen lassen. Dabei hotte er leise gelächelt. Langsam schoben sich die Flotteneinheiten an die Insel heran. Alle ihre Scheinwerfer lagen auf dem Gipfel von Zentron. Dorj stand das Betonfundament, und so kam es, daß das graue Projektil wie beim ersten Start in einem Kreispunkt von Lichtern log. Nicht die Massen der Zuschauer umsäumten diesmal das Fundament. Kein Lichtsignol zeigte die Minute der Abfahrt an. Nur die Mannschaften der desertierten Flotte und die Mitglieder der Erowelt harrten mit gespannten Sinnen auf den«ntscheidungsvollen Augenblick. Da ertönte das wuchtige Fauchen der Raketenanparaie. Eins viergliedrige blaue Säule stand senkrecht am Himmel und— schien sich auch in die Ewigkeit hinaus fortzusetzen. Jubelnd warf der Riesensender auf Zentron sein« Funksprüche in den Raum hinaus: Hier Zentron— Hier Erowelt— An das Präsidium der Völkerliga!— An olle— alle— olle—. Das Projektil ist eben— Um-wanzig Uhr, sieben Minuten, zehn Sekunden. gestartet.— Es ist noch in Funkverbindung mit uns—. Die Formel stimmt. * Im Senderaum auf Zentron saß der Funkoffizier über den Taster gebeugt. In gleichmäßigen Abständen bcsendet er di« Rakete: Hallo, seid ihr wohl?— Hallo, seid ihr wohl? In den Zwischenräumen sendet er die- Frage, die zwischen den stereotypen Antworten der Rakete liegen. Alle fünf Minuten kommt es aus dem Weltenraum: Wir fliegen noch mit Vollgas. Immer noch fünf Minuten wieder dasselbe: Wir fliegen noch mit Dollgas. Mit rascher Gebärde trat ein Zweiter in den Funkraum. Hastig kommen seine abgehackten Sätze.„Die Rakete muß unbedingt Trieb- apparate ausschalten. Unmöglich können sie mehr zurück, wenn sie den Triebstosf so verpulvern! Was funkt die Rakete?"„Eigentlich gar nichts," sagt der Funker ruhig.„Außer der regelmäßigen Ant- wort des Automatensenders keinen Ton. Unheimlich klingt dieses ewige: Wir fahren noch mit Vollgas."„Man sieht es auch an den Beobachtungsgeräten, daß sie fahren, als wenn sie in die Ewigkeit wollten," sagt der ander«.„Wenn sie jetzt nicht erwachen, so sind sie verloren. Kamerd, wir müssen all« Künste des Funkens ver, suchen!"— * S. O. S.— S. O. S.— Schiff in Not.— Diese Zeichen wirken auf«inen Funker, wie Rum auf einen Halberfrorenen wirkt. Immer wieder und immer hastiger klang das Ticken durch den Hauptraum der Rakete. Langsam hob Jonny die bleischweren Augenlider. Es lag ihm ein Klingen im Kopf: 8. O. 8.— S. O 8.—. Träge sieht er an oll den Hebeln und Schaltern vorüber. 8. O S.— 8. 0. 8. Er empfindet ein leise wachsendes Unbehagen. Was kann es sein? Er beginnt nachzudenken—. Was klopft dort an der Wand so regel- mäßig? Ich will Ruhe, viel Ruhe, denkt er sich. Seine Lider senken sich wieder über die' Augen. Es ist ein Sender, sinnt er, ehe ihm die Sinne wieder schwinden wollen. Aber das Wort hat ihn gepackt, der Gedankenkreis„Sender" hält ihn fest.— Ein Sender, grübelt er weiter. Was will er denn? Er horcht auf gleichmäßig, rhyth- misch klopfendes Geräusch. Es ist«in O, ein 8. Was wilder damit. 8 und O und 8, O 8— OS--. Da schreit es plötzlich in einem Winkel seines Gehirns auf: 8. O. 8. und wächst 8. 0. 8— brüllt ihn an 8. O. S. und reißt ihm den Kopf hoch. Schiff in Not—. Ströme von neuer Lebensenergie jagen durch seinen Körper. Schiff in Not, die Rakete in Not! Es ist die Beschleunigung, die uns wie Quaderstein zermalmen will! Ich muß die Triebapparote stoppen! Stoppen— stoppen, das ist sein einziger Gedanke, und er wächst zu übermenschlichem Wollen. (Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. niiinnfinniinnMiiiiiiiiiMiiitiiniiiiniiniinNiiniininnininuniiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiniiiJiMiMiiiifimiiniiiHiiiiiiinuiiniMiiiiiiiiiiiininiiiiiiiiiiiiiiinniiiniiitiiiiniiiiiiiiiiinininiira Um Nobile, Vor dem Postschalrer ist ein gewaltiger Andrang. Wie immer, wenn zahlreich« Menschen längere Zeit wartend zusammen stehen, ist die Stimmung sehr gereizt. Ein kleiner, dicker Mann, der nervös von einem Bein auf das andere tritt, bricht das neroenzermürbende Schweigen. „Los, los!" brüllt er noch vorn,„das ist ja«ine Sauwirffchoft. Bis man hier abgefertigt wird, kann man gestorben sein. So was märe früher nicht vorgekommen." Sein Hintermann nickt beifällig. „Wissen Sie, unsere Beamten heute...." „Ja," sagt der kleine Dicke und stampft ärgerlich auf,„Steuern soll man zahlen, bis man schwarz wird. Und dann behandeln sie «inen so. Wir Kaufleute überhaupt.... Na, ich sage Ihnen, ich habe Wirtschastspartei gewählt...." Etwas weiter hinten gibt es auf einmal Krach. „Treten Sie mir bitte nicht auf die Füße, Herr! Stehen Sie gefälligst auf eigenen Beinen!! Unverschämtheit!!!" „Regen Sie sich doch nicht so auf. Mann! Sind doch nicht aus Marzipan, was? Wohl'n Stück von der Verzierung abgestoßen, hm?- Wenn wir alle so empfindlich wären!—" „Ach," meint jetzt der nervöse kleine Dicke und gähnt,„ein langweiliges Leben ist das! Steuern zahlen und sich auf der Post herumschlagen. Immer dieselbe Leier...." Und gähnt nochmals. „Glauben Sie wirklich, daß Nobile umgekommen ist?" sagt plötzlich der Hintermann ganz unvermittelt. „Wer soll das wissen?" erwidert der kleine Dicke und zucki die Achseln,„jedenfalls...."p Ein Dritter mischt sich in das Gespräch.„Glauben Sie nur nicht das, was die Zeitungen darüber schreiben. Alles Schwindel, mein« Herren, das ist ein Reklometrick! Verabredete Sache! Nach ein paar Wochen taucht er schon wieder auf, dieser Nobile, warten Sie nur! Eine Filmgesellschaft soll da übrigens ihre Hand im Spiele hoben...." „Nein," sagt« der Hintermann ungläubig,„ich glaube schon, daß er tot ist!" „Jedenfalls," gibt jetzt der kleine Dicke mit würdevollem Ernst seine Ansicht kund,„ein schöner Tod ist das jedenfalls! So für sein Vaterland gleichsam, wissen Sie.... Vor den Augen der ganzen Welt....! Himmelkreuz, oeht denn das da vorn gor nicht weiter?" Nein, meine Herren," sagt noch einem kurzen Schweigen der Dritte,„so schnell stirbt sich nicht. Ich glaube schon, daß da eine Filmgesellschaft ist. Man munkelt doch allerhand.... Heutzutage..." „Er wird schon umgekommen sein," murmelt der Hintermann. „Na endlich," sagt der kleine Dicke,„das dauert ober lange. bis man bei Ihnen abgefertigt wird." Er steht jetzt am Schalter. „20 Marken ä 15, bitte." Und nach rückwärts gewandt zu dem Hintermann: „Ein schöner Tod, auf jeden Fall. Wissen Sie, es hat schon feine Reize.— Na danke!" Und geht.— K. K.-B). Kopfweh. „Was denkst Du, was mir gestern passiert ist! Ich fahre mit dem Rade in die Sladt und steige vor einer Apotheke ab. um mir ein Mittel gegen Kopfweh zu holen. Kaum war ich wieder aus der Straß«, da war es weg!" „Das Kopfweh?" „Nein, das Rad!"(Der Wahr« Jacob.) Wahre Geschichte. Ein 97jähriger Vater wollte mit seinem 74sährigen Sohn zu Fuß ein benachbartes Dorf besuchen. Als er unterwegs zu rasten genötigt war, weil der Sohn müde wurde, rief er unmutig aus: „Dos kommt davon, wenn man solchen Jungen mit über Land nimmt!"(Der Wahre Jacob.) Ein Zuchthäusler als Philantrop. Natürlich spielt die Geschichte in Amerika. Es handelt sich aber um einen ganz besonderen Philanthropen— besonders sowohl durch seine Persönlichkeit als auch dadurch, welcher Art von Menschen er hilft... Persendorfcr, ehemaliger vielfacher Millionär. hatte vor 25 Iahren seinen Schwiegervater während eines Stveites getötet. Sein Vermögen wurde konfisziert, er selbst zum Tode verurteilt. Die Presse hatte sich aber des Falles angenommen: der Mörder wurde begnadigt, das heißt anstatt auf dem elektrischen Stuhle sterben zu müssen, sollte er sein Leben lang im Kerker sitzen. Im Gefängnis erlernte er das Tischlerhandwerk. Aus Lieb- haberei betrieb er aber Elektromechanik und machte zwei Er- sindungen. Er ließ sie palentieren und erhielt für eine davon 50 000 Dollar. Das Geld wurde von der Fabrik für ihn auf einev Bank hinterlegt. Hier lag es, bis für Persendorfcr die Stunde der Befreiung schlug. Er hatte 20 Jahre hinter Kerkermauern ver- bracht, als er unter die frei schaffenden Menschen zurückkehren durfte. Mit den 50 000 Dollar, die unterdes reichlich Zins- und Zinseszins getragen hatten, eröffnete er eine große Tischlerei. Als Arbeiter stellte er jedoch nur sein« früheren Leidensgefährten, ent- lassen« Strafgefangene, ein, d'e sonst nur schwer Arbeit bekamen und daher leicht in die Bahn des Derbrechens zurückgleiten konnten. Mehr als einer fand so den Weg ins Leben zurück. Vor kurzem hat Persendorfer eine neue Fabrik erworben, auf der einige hundert Arbeiter beschäftigt sind— nur entlassene Strafgefangenen. Ein Photogranh von einem Elefanten getötet. Wie aus Nairobi in Indien gemeldet wird, ist dort ein junger Engländer, Chemiker von Beruf, durch eine Elefantenkuh an- gegriffen und getötet worden. Der junge Mann stand im Begriff. fünf Elefanten, die friedlich dahintrabtcn, zu Photographie««, als er von einer Elefantenkuh von hinten mit dem Rüssel erfaßt wurde. Das wütende Tier schmi-llerte sein Opfer mit voller Wucht gegen «inen Baum, der mitten durchbrach! Doch das Tier ließ nicht ab und schleuderte sein Opfer noch mehrere Male gegen den Baum- stumpf, bis es sich nicht mehr rührte. Freunde fanden ihn zwer Stunden später und trugen ihn 120 Kilometer weit zum Krankenhau» in Kampala, wo er starb. Die Berliner Sportwoche. Volkssport im Poststadium. Der vom Bund Berliner Sportverbände im Poststadion veranstaltete Boltssporttag nahm einen nicht ganz befriedigen den Verlauf. Etwa 12 000-20 000 Zuschauer, unter denen man aud) Oberbürgermeister Böß bemerkte, folgten den Wettkämpfen und Vorführungen mit Interesse. Der Handballkampf Berlin- 2eipzig endete mit 6: 5 ( 4: 3) für Berlin. Im Gewichtheben vollbrachten Kohl, Schliebner und Rieger die besten Leistungen. Den Olympia- Ausscheidungskampf im Bogen gewann Ziglarski gegen Moehl nach Punkten, der Kampf wird aber wiederholt. Ein 3000- Meter- Mana schaftslaufen entschied die AEG. in 9: 30,4 vor der Post zu ihren Gunsten. Im Amateurringen Kopenhagen- Berlin siegten die Berliner Bauer( Bantam) und Rutkowski( Leicht) über die Dänen Nielsen bzw. Andersen. Das Fußballspiel zweier repräsentativer Mannschaften sah die B- Mannschaft mit 3: 1 im Vorteil. Im Schwimmbecken des Poststadions fand ein Wasser ballkampf Magdeburg- Berlin statt. Wenn auch die Absicht des Veranstalters, ein reichhaltiges und buntes Programm vorzuführen, anzuerkennen ist, war es doch zu piel des Guten. Der Zuschauer ermüdet und kann schließlich den Vorgängen auf dem Rasen und auf der Matte einfach nicht mehr folgen. Auch an der Organisation ließe sich noch vieles bemängeln. Hoffentlich hat der Veranstalter diese Mängel selbst erkannt und wird für die Zukunft daraus seine Lehren ziehen. Als Auftakt für die Berliner Turn- und Sportmode murde gestern zum fünften Male die Große Berliner Industrie= staffel ausgetragen. Die Strede ging vom Rathaus in der Königstraße, mo um 9 Uhr der Start erfolgte, durch die Linden, am Reichstagsgebäude vorbei, dort übernahmen Schwimmer den Stab und gaben ihn dann In den Zelten an Radfahrer ab. Diese fuhren von der Heerstraße in den Grunewald, trafen am Großen Fenster, in der Nähe des Freibades Wannsee auf Ruderer in Gigmierern, die den Stab bis Echildhorn brachten, wo er wiederum durch Schwimmer ans Land zu Radfahrern gebracht wurde. Die Heer, Bismarckstraße und die Charlottenburger Chaussee war ihre Kein Weltrekord bei Rütt. Weil zu viel Wind! Walter Rütt konnte mit dem Besuch bei der gestrigen Veranstaltung zufrieden sein. Es regnete jogar nicht einmal. so Der Weltrekordversuch des Italieners Pietro Linari blieb nur ein Versuch. In Anbetracht des starken Windes" teilte der Sprecher, nachdem nach einem 3meirundenspurt der Italiener das Rad verlassen hatte, mit, hat sich Linari entschlossen, nur zwei Runden zu fahren". Er fuhr die 500 Meter in 32% Sefunden. Für geschlossene Bahnen beträgt der Reford 32% Sekunden, während für offene Bahnen über 500 Meter fein Reford besteht. Mithin bleibt der Schweizer Oskar Egg weiter In haber seines am 18. Juni 1917 auf der Bahn in Mailand mit 1 Minute 8/10 Sekunden aufgestellten Kilometerrekords! Zwei Vorläufe zum Fliegerkampf Deutschland gegen Ausland leiteten das Programm ein. Den ersten Vorlauf bestritten die Deutschen Beinert, Buschenhagen, Knappe und Lorenz. Ihn zu gewinnen blieb Buschenhagen überlassen, der Knappe um Handbreite schlug. Das Ausland, vertreten durch Charlier- Belgien, Goffens- Belgien, Louet- Frankreich und Spears- Australien, trug den zweiten Borlauf aus. Hier war Louet seines Sieges absolut sicher, als er am Ziel von Spears regelrecht und bravourös abgefangen wurde! Buschenhagen, Knappe, Spears und Louet bestritten dann später ihren Endlauf, den wieder Spears überraschend vor Louet, Buschenhagen und Knappe gewann. Das Gesamtklassement des Länderkampfes ergab Punktgleichheit 18: 18. Da jedoch die Ausländer im Endlauf der Ersten und Zweiten die beiden ersten Pläge belegt hatten, erhielten sie den Sieg zuge sprochen. = Im Armbinden Rennen war der Inhaber De MartiniItalien durch Schüler- Stuttgart herausgefordert worden. Der Italiener fonnte die Binde siegend verteidigen. Den Abschluß des Programms bildete ein international besetztes 100 Kilometer=| Mannschaftsrennen nach Sechstageart, zu dem 13 MannDie Industriestaffel. Strecke. Am Brandenburger Tor jezte dann noch einmal eine Läuferstaffel ein. Das Ziel war am Schloß im Lustgarten. Beteiligt waren die Sportvereine vieler industrieller und kommerzieller Betriebe, ferner die Werksportvereine der Verkehrsbetriebe, der kommunalen Werke und einiger Beziksämter. Die Hauptstaffei brachte Siemens vor der Deutschen Bank und den Elektrizitätswerken nach Hause. ,, Industriestaffel!" Die gestern als Einleitung für die Berliner Turn- und Sportwoche gelaufene ,, Große Industriestaffel" war eine Angelegenheit der Berliner Werksportvereine, die reiche Unterstützung durch ihre Firmen fanden. Eine Anzahl Lastautos, alle schön mit entsprechender Reklame behangen, brachten Mannschaften, Begleitpersonen und Pfleger an die Wechselstellen, die Herren Direktoren überwachten in eleganten Personenwagen die Leistungen, ihrer Schüßlinge. Schließlich fann man für das aufgewendete Geld auch etwas verlangen, wenn es sich auch durch die freiwillige Reflame der Sportler an sich schon amortisiert. Eine große Glühlampen= fabrit im Osten Berlins hat den bei ihr beschäftigten Sportlern Freizeit für Training schon ab 9 Uhr vormittags gewährt. Die Läufer wurden per Auto zu den Sportplägen gefahren, dort auf Kosten der Firma verpflegt und schließlich erhielten sie noch neue Sportkleidung und 2 Mart pro Tag bares Geld dazu. Bei soviel Sportbegeisterung haben es sich die Wertsportler denn auch nicht nehmen lassen, das letzte an Kraft herzugeben. hoffentlich lassen die Firmen ihre Sportler auch einmal ein Rennen um Lohnerhöhungen gewinnen. Die bürgerlichen Sportverbände haben ihre Solidarität mit den gehätschelten Werksportvereinen dadurch zum Ausdrud gebracht, daß sie ihren Mitgliedern gestatteten, für die Werksportvereine des Betriebes, in denen sie beschäftigt sind, zu starten. Bedauerlich bleibt nur, daß die Arbeitersportler eine getrennte Beteiligung an der Berliner Turn- und Sportwoche ablehnten. Sie haben damit eine Gelegenheit ausgeschlagen, zeigen zu können, was der Arbeitersport aus eigener förperlicher und finanzieller Kraft leisten kann! schaften antraten und das mit dem Siege der belgischen Mannschaft Goossens Stocelynd endete. Nach harter Verteidigung mußte sich das Feld von den Belgiern überrunden lassen, die dann auch die Spitze bis zum Schluß behielten. Sportfest im Berliner Westen. Der Berliner Westen war am gestrigen Sonntag der Schauplak des Arbeiter Sportfestes des 4. Bezirks. Im Festzug von nahezu 900 Teilnehmern marschierten außer den Vereinen GroßBerlins die Arbeitervereine Luckenwalde, Trebbin, Ruhlsdorf, Sperenberg, Treuenbrigen, Jüterbog, Kummersdorf, Klausdorf, Teltow unter Vorantritt von 130 Spielleuten und Musikern. Im feinen Westen" erregte diese Kundgebung berechtigtes Aufsehen. Nach dem Eintreffen auf dem Dominikus- Sportplatz zeugten gut vorgeführte Massenfreiübungen von der Gelentigkeit und Geschmeidigkeit der Turner und Turnerinnen. In ferniger Ansprache wies Bezirksturnwart Conrad auf die Bedeutung von Turnen und Sport gerade für die Arbeiterschaft hin. Dann folgten in bunter Reihe die sportlichen Endkämpfe, zu denen bereits seit morgens 9 Uhr die Ausscheidungskämpfe im Gange waren. Auf den Spielfeldern fesselten Handball, Faustball- und Fußball- sowie Hockey- Wettspiele die zahlreich erschienenen Zuschauer. Die Entscheidungskämpfe im Hochsprung, Weitsprung, Rugelstoßen, Distuswerfen, Stabhochsprung, Schleuderball- Weitwerfen brachten in scharfen Konkurrenzen nennenswerte Resultate. Die Staffetten- und Hürdenläufe der Männer, Jugend und Frauen veranlaßte die Zuschauer zu wiederholtem Beifall. So wurden auf dem Dominitus- Sportplag die interessantesten Gebiete des Arbeitersportes wirkungsvoll gezeigt, während die Schwimmer im Schwimmbad Südende dem Wassersport huldigten. Resultate: 1500 Meter Männer: 1. Suwe- Ruhlsdorf 4: 26,3; 2. Radünz- Schöneberg 4: 31,3. 5000 Meter Männer: 1. Romenat- Schöneberg 16: 49,1. 3000 Meter Männer: 1. Hume- Ruhlsdorf 9: 42,9; 2. Benzel- Fichte 11 10: 21,4. 4 × 100 Meter Männer: 1. Schöneberg 46,7 Set.; 2. FTGB..Wedding 47,3 Set. 4 × 100 Meter Frauen: 1. Echöneberg 58,2 Get.; 2. Fichte 3 58,7 Get. 4 × 100 Meter Alte Herren: 1. Ludenwalde 52,2 Get.; 2. Luckenwalde 55,4 Get. 100 Meter Jugend: 1. Sped- FTGB. 13,1 Gef.; 2. Fichte 12 14,1 Get. 60 Meter Süder Jugend: 1. Schütte- Schöneberg 10,2 Gef.; 2. Fled- Schöneberg 10,3 Get. Gieben. fampf Jugend: 1. Enzenbach- Schöneberg 177% Buntte; 2. Baner- Schöneberg 165% Punkte. Siebenkampf Frauen: 1. Schillig- Fichte 12 175% Punkte; 2. Wienadt- Fichte 12 159 Punkte. Siebenkampf Männer- Mittelstufe: 1. Stubich- Ber lin XII 145% Punkte; 2. Thiem FTGB.- Süden 143 Punkte. Siebenkampf Man ner- Oberstufe: 1. Bollmann- Fichte 9 184 Punkte; 2. Blank- Fichte 2 172 Punkte. Vierkampf Jugend- Mittelstufe: 1. Förster- FTGB. 127 Punkte; 2. Thäle- Marienfelde 127 Punkte. Bierkampf Frauen- Oberstufe: 1. Romer- Fichte 12 128 Punkte; 2. Schwahe- Fichte 8 123 Punkte. Vierkampf Männer- Mittelstufe: 1. StubichBerlin 1 130 Punkte; 2. Faustmann- Treuenbriegen 123 Punkte. Speerwerfen Frauen: 1. Noad- FTGB. 24,31 Meter; 2. Rau- FTGB. 24,06 Meter. Speerwerfen Jugend: 1. Feste- Schöneberg 33,82 Meter; 2. Speck- FTGB. 33,80 Meter, Schleuderball Männer: 1. Hagen- Luckenwalde 44,59 Meter; 2. Zapfe- Schöneberg 43,90 Meter. Diskus Männer 08/09: 1. Feste- Schöneberg 27,90 Meter; 2. Piesnad- 3offen 24,78 Meter. Distus Jugend: 1. Böhmann- Sperenberg 33,55 Mieter; 2. Krüger II- Schöneberg 33,52 Meter. Kugelstoßen Frauen 12/14: 1. StubichBerlin XII 7,05 Meter. Kugelstoßen Frauen 11 und älter: 1. Spig- Fichte 16 6,71 Meter. Kugelstoßen Männer: 1. Kanig- Schöneberg 10,45 Meter. Kugelstoßen Alte Herren: 1. Teichmann- Fichte 12 8,70 Meter. Hochsprung Jugend: 1. Barnach- Fichte 1,57 Meter. Sochsprung Frauen 12/14: 1. Römlinger- Teltow 1,14 Meter. Hochsprung Männer: 1. Ringel- Teltom 1,64 Meter. Weitsprung Männer 08/09: 1 Kriegel- Fichte 5,56 Meter. Weitsprung Turner: 1. KnöpferFichte 5,76 Meter; 2. Hermann- FTGB. 5,41 Meter. Trommelball Frauen: Luckenwalde gegen 3offen 63: 82. Das Spiel der Klassen. Im Arbeiterfußball. Nur spärlich waren die Zuschauer erschienen, um dem Aus wahlspiel der ersten gegen die zweite Klasse zuzusehen. Es fonnte festgestellt werden, daß die II. Klasse gar nicht so spielschwach ist, wie allgemein angenommen wird. In der ersten Halbzeit schafften die Zweitklassigen weit mehr heikle Momente vor des Gegners Tor als die Ersten. Doch gelang es ihnen nicht, erfolgreich zu sein. Torlos geht es in die Pause. Dann macht sich das bessere Kombinationsvermögen der I. Klasse bemerkbar. Der erste Treffer wurde vom Halbrechten erzielt, der eine gute Borlage des Mittelstürmers aus nächster Nähe einsandte. Trotzdem die II. Klasse jezt manchmal beängstigend brüdte, gelang es ihr nicht, den Torwart zu überwinden. Wenige Minuten vor Schluß fonnte wiederum der Halbrechte den zweiten Erfolg für die I. Klaffe. buchen. Bei den Serienspielen gab es eine Riesenüberraschung. Alemannia, mehrmaliger Meister, fonnte seinen Gegner FichteGesundbrunnen hoch und sicher mit 8: 0 schlagen. Lichtenberg I ge wann gegen Stralau 4: 2. Neukölln schlug Britannia 8: 2. Vorwärts 20 gegen Kaulsdorf 7: 3. Turnverein Pankow gegen Boruffia 2: 3. " Freie Turnerschaft Groß- Berlin." Bezirk Norden III. Allen Mitgliedern der Männerabteilung zur Kenntnis, daß die am 5. Juni, 21% Uhr, festgesetzte Vorstandssitung der wichtigen Tagesordnung wegen in Form einer Abteilungsversammlung stattfindet. Pichelsberger Rudergesellschaft 1914 E. V." Dienstag, 5. Juni, 20 Uhr, Sigung im Bootshaus. Deutschland ex im Fußball! Keilerei statt Fußball in Amsterdam. Deutschland hat im olympischen Fußballturnier ausgespielt, Uruguay schlug die deutsche Mannschaft gestern 1: 4( 0: 2). Bedauerlicherweise aber in einem Spiele, das alles andere als einwandfrei verlief. Durch Verschulden auf beiden Seiten fam es zu Szenen, die eines sportlichen Wettkampfes nicht würdig sind. Schon in der Mitte der ersten Halbzeit ließ sich der Nürn= berger Kalb zu Handgreiflichkeiten hinreißen und wurde vom Plaze verwiesen, so daß die deutsche Mannschaft mit zehn Leuten weiterspielen mußte. Die verbissene Wut, mit der die Südamerikaner in der zweiten Hälfte den Kampf austrugen,' hatte wiederholt Rempeleien zur Folge, so daß schließlich kurz vor Beendigung auch noch Hofmann- Meerane und der Südamerikaner Najazzi den Blaz verlassen mußten. Das Spiel hatte zum Schluß teine Aehnlichkeit mehr mit einem sportlichen Rampfe und artete in eine Rauferei aus. Die Grünauer Regatta. Der Berliner Regatta- Berein eröffnete die Rennruder- Sport faison mit seiner Frühjahrs- Regatta auf dem Langen See bei Grünau. Nachdem die 1000- Meter- Ede abgetragen ist, bietet die Strecke eine einwandfreie Gerade von 2000 Meter Länge. Der Sonntag war den kleineren Vereinen und schwächeren Mannschaften reserviert, die hier ihre ersten Lorbeeren zu erringen versuchten. Es wurde in allen Rennen mit großer Hingabe gefämpft und, was an genehm überraschte, auch verhältnismäßig wenig versteuert. Bes Greiling- Auslese zu 58 Grailing Auclafs BEZIGNAL FREN Die Zigarette, die sich ihren Platz durch ihre Güte verdient hat. Offizielle Statistiken- zeigen, daß heute mehr GreilingAuslese geraucht werden als je zuvor. Dies ist das beste Lob, das je einer Zigarette gespendet worden ist. Wenn alle Zigaretten so gut wären wie die Greiling- Zigaretten, würden Sie nichts mehr höcen über patentierte Verfahren bei der Tabakbehandlung und besonders gute Tabakeinkäufe. Nichts kann die sorgfältige Auswahl der Tabake ecsetzen. fonders zu erwähnen ist der Sieg des Hellenen Michaelis im Jungmann- Einer. Michaelis, der bereits am Vortage sein Vorrennen mit mehreren 100 Metern Vorsprung beendete, konnte auch in der Entscheidung mit fast einem Dutzend Längen siegreich bleiben. Ergebnisse: Jungmann- Achter: 1. RV. Friesen 7: 42; 2. ARC. Grünau 7: 45,6. Bierer: 1. Jahn- Neukölln 8: 27,8; 2. RC. Elektra 8:37. Jungmann- Einer: 1. Michaelis ( RC. Hellas) 9: 30,2; 2. Urbach( Sport- Borussia) 10:01. Zweier o. St.: 1. Bittoria( Seifert- Urbschat) 9: 36,4; 2. Spindlersfelder RV. 9: 48,6. Leichter Vierer: 1. RV. Siemens 8:34; 2. Berliner RG. 84 8: 44,4. Bierer: 1. RK. am Wannsee 8: 32,8; 2. Normannia 8: 40,6. Jungmann- Bierer: 1. ATV.Berlin 8: 32,6; 2. Markomannia- Berlin 8: 35,4. Achter: 1. Friesen- Oberschöne weide 7: 21,6; 2. Röpenider RC. 7: 34,2. Bierer: 1. Jahn- Neukölln 8: 26,6; 2. Teutonia- Berlin 8: 30,4. Doppelzweier: Arconia- Berlin( John- Budcnnski) 8: 27,4; 2: Wiking- Berlin 8: 47,2. Achter: 1. Normannia- Berlin 7:11; 2. Berliner RV. 1876 7: 12,6.. Das ,, Berliner Derby". Eine Ueberraschung in Hoppegarten. Hoppegarten hatte am Tage des„ Berliner Derbys" wieder großen Besuch zu verzeichnen. Mit fieberhafter Spannung fah man allgemein der Entscheidung des Union Rennens entgegen, versprach doch das erstmalige Zusammentreffen von Farn mit den Weinbergern Audax und Farinelli einen fesselnden Kampf, follte doch hier geklärt werden, welcher Dreijähriger die erste Anwartschaft auf das„, Blaue Band" hat. Zur allgemeinen Ueberraschung versagte der Haniel'sche Derbycrack Farn vollkommen, war nie im Biide, aber auch die Weinberger fanden einen Bezwinger, und zwar in dem Staret'schen Lupus. 26:10. Ignorant Rennen. 1. Gilo( Grabsch), 2. Goldstrom, 3. Assuan. Toto: Blag: 12, 13, 16:10. Ferner liefen: Filigran, Sanssouci, Alerta, Schneeball, Pjotr, Olymp, Goldoni. Laurin- Rennen. 1. Dominica( G. Janek), 2. Rosenlippe, 3. Dolores. Toto: 14:10. Drei liefen. Adonis- Rennen. 1. Griland( Haynes), 2. Alsterblümchen, 3. Ferne. Toto: 29:10. Blag: 16, 48, 18: 10. Ferner liefen: Ernani, Mirim, Marconi, Tartar, Gerald. Goldene Peitsche. 1. Oberwinter( Tarras), 2. Löwenherz II, 3. Palu. Toto: 18:10. Blag: 13, 16: 10. Ferner liefen: Dominikus, Gondwana. Union- Rennen. 1. Lupus( Haynes), 2. Audar, 3. Farinelli. Toto: 174: 10. Blaz: 23, 14, 16: 10. Ferner liefen: Narciß, Normanne, Farn, Askari, Gawan, Irländer. Taucher- Rennen. 1. Avitus( D. Schmidt), 2. Blanker Sans( als 1. dist.), 3. Holdrio. Toto: 24: 10. Plag: 16, 47: 10. Ferner liefen: Maharadja, Egmont, Frontsoldat. Gastfreund- Rennen. 1. Modewelt( Williams), 2. Chriftinchen, 3. Osiris. Toto: 64: 10. Plag: 23, 26, 24: 10. Ferner liefen: Paroid, Golondrina, Tarnhelm, Wipizzo, Torrone, Podargos, Fuge, Aase, Mondnacht. Ein Ausbeuter der Arbeitslosen. Es ist ihm das Handwerk gelegt worden. Den jahrlangen energischen Bemühungen des Zentralverbandes der Hotel, Restaurant- und Café- Angestellten ist es endlich gelungen, einem Aussauger der Arbeitslosen das Handwerk zu legen. Der Gewerkschaft ging vom Bezirksarbeitsamt Berlin- Mitte folgender Bescheid zu: Bum Schreiben vom 24. d. M. teilen wir mit, daß wir die seitens Ihrer Organisation gemeldete Stelle weiter verfolgt haben und in den verschiedensten Fällen auch eine Bestrafung des ge= werbsmäßigen Stellenvermittlers Thierfeld erreicht haben. In allen Fällen war es leider nicht möglich, da die angegebenen Zeugen ihre Behauptungen vor Gericht nicht aufrecht erhielten. Zum Beispiel fonnte der Fall Liese nicht zur Bestrafung gelangen. In den Fällen Born und Den st hat Verurtei lung erst nach langjährigen Verhandlungen durch eine Beschwerde zum Erfolg geführt. Im Fall Knaat und Scherf ist eine verurteilung zu 100 Mart Geldstrafe er folgt. Die Angelegenheit wegen Betrieb einer Gastwirtschaft ,, Hotel Reichshof" hat auch zur Berurteilung geführt( 100 Mart Geldstrafe). Th. ist außerdem in anderen Fällen wegen Nichteintragung von Bermittlungen, Beschäftigung einer Hilfskraft ohne Genehmigung zu 30 m. Geldstrafe verurteilt. Im Monat September 1927 ist nun auf Grund der Verurteilungen seitens des Polizeipräfidenten Klage beim Bezirtsausschuß auf Rüd nahme der Konzession erhoben und in der Verhandlung am 4. Mai d. J. ist die Erlaubnis zum Betrieb einer Stellenvermittlung zurüdgenommen. Es muß aber abgewartet werden, ob Th. von dem Rechtsmittel Gebrauch macht oder nicht. Inzwischen sind gegen Th. weitere Strafbefehle erlassen. Inwieweit die früheren Bestrafungen des Th. wegen Handels mit Lebensmitteln und schwerer Urkundenfälschung im Jahre 1923 mit der Ausübung seines Gewerbes als Stellenvermittler in Zusammenhang stehen, fonnte nicht festgestellt werden. Th. war inzwischen nach dem Bezirk Kreuzberg verzogen und hat seinen Betrieb im Monat August 1927 wieder in unseren Bezirk Derlegt." Derartige Stellenvermittler" fönnten feinen Tag mit ihrem ,, Betrieb" existieren, wenn die Arbeitslosen nicht zu ihnen hinliefen, anstatt sich an ihren Facharbeiternachweis zu halten. Bei Arbeitsangel fönnen auch diese zweifelhaften Menschenfreunde keine Arbandsbeitrag scheuen und dann das Mehrfache den gewerbsmäßigen Stellenvermittlern als„ Gebühren" zahlen. Ein neuer Sportplatz in Zehlendorf. Das Gartenamt von Zehlendorf unter Leitung des sozialdemofratischen Stadtrats Matern hat der vorbildlichen Sportplatz- beitsstellen freimachen. Meist sind es unorganisierte, die den Beranlage in Wannsee eine zweite in Zehlendorf hinzugefügt. Immer wieder mußten die Arbeiten unterbrochen werden, gar oft blieben die Mittel aus aber jetzt ist der Sportplatz fertiggestellt und wird nächstens der Deffentlichkeit übergeben werden. Trotzdem die vorhandenen Geldmittel nicht ausreichten, um alle Pläne auszuführen, trotzdem man sich im Gartenamt damit tröstet, daß diese Anlage als Trainingsplatz gedacht ist und das Zehlendorfer große Kampfstadion ja erst noch aus der Asche entstehen soll, trotzdem ist doch etwas Schönes geschaffen worden. Eine Aschenbahn( 350 Meter), zwei Rasenspielflächen, eine 3uSchauertribüne für nahezu 1000 Personen sowie ausreichende Garderobenräume harren der Benutzung. Nach der offiziellen Einweihung werden 24. Juni die Zehlendorfer Arbeiter sportler den Play einweihen. Berlin und die Provinz haben ihre Unterstützung zugesagt, so daß am 24. Juni Zehlendorf im Zeichen des Arbeitersports stehen wird. am Vorschau auf Karlshorst. Das mit 12 000 m. ausgestattete Große Berliner Hür denrennen bildet den Mittelpunkt der Geschehnisse am Dienstag in Karlshorst. Prospero trägt in diesem über 3000 Meter führenden Ausgleich das Höchstgewicht, ist aber nach seinem letzten großen Laufen selbst unter 74 Kilogramm noch durchaus chancenvoll. Ein sehr reeller Bewerber ist Kikeriki, weiterhin werden wohl Mannestreue, Opar, Flämin, Imperator, Mutatis mutandis, Coeur d'Almee und Merkur II am Ablauf erscheinen. Voraussagen: 1. Leander Wiesbaden; 3. Pommer Husdent; 2. Kopja Kritischer Tag; 4. Riferifi II- Merkur II; 5. Niederwald Daim II; Spizbub Helgoländer; 7. Lichtstrahl II- Mariza. QUALITATSEIER ENGELHARDT Der Kenner trinkt das vorzüglich nach Pilsner Art gebraute Engelhardt Spezial Hell Auch in Flaschen überall erhältlich Fahrt in den Spreewald! Der proletarische Fährmannverein in Altzauche im. Spreewald wendet sich an die Gewerkschaften und Parteigenossen, die in den Ferien nach dem Spreewald fahren, die proletarischen Fährmänner bei den Bootsausflügen durch den Spreewald zu bevorzugen. Das Spreewaldgebiet ist sehr schnell und ohne große Kosten für die Berliner zu erreichen. Mit seinem herrlichen Erienhochwald und mit seinen vielen Wasserläufen ist das Gebiet um Altzauche für größere Ausflüge sehr geeignet. Von Altzauche aus fann man das ganze Spreewaldgebiet im Kahn durchstreifen. Kanomühle, Lehde und Lübbenau sind in einigen Stunden Wasserfahrt zu erreichen. Altzauche eignet sich für Spreewaldfahrer als Stand quartier. Unterkunftsmöglichkeiten zu äußerst günstigen Preisen sind genügend vorhanden. Der Fährmannverein bittet die Berliner Arbeiterschaft, bei Rahnpartien im Spreewald die proletarischen Fährmänner, die hart um ihre Existenz fämpfen müssen, zu unterstüzen. Auch auf der Reise kann der Arbeiter Solidarität üben und seinen bedrängten Arbeitsgenossen Hilfe bringen. Das„ Pupperlhutsch'n. Wir brachten vor kurzem einen Prozeß, in dem von einer Motorbraut die Rede war, die die„ Pupperlhutschen" genannt war. Dazu teilt uns eine Wienerin folgendes mit: " Das Pupperl( Puppchen) ist die Motor braut, das Motor rad ist die Hutschen"( Schaufel), und weil sich das" Pupper!" darauf schaukelt oder hutscht, so ist es eine Pupperlhutsch'n( Buppchenschaukel). Das Rad, wohlgemerkt, nicht das Pupper l. Also Bupperl bleibt Pupperl, und das Motorrad, auf dem es sich hutscht( schaufelt), ist eine Pupperlhutsch'n." Pumpen, Röhren, Filter, Ersatzteile isliste gratis Hoblank Pumpenfabrik Berlin N 65, Reinickendorfer Str. 95 Wanderkarten af L- Juergens Alexanderplatz Neue Königstr. Nettle gegen Haarausfall Krause- Pianos ärztlich verordnet und empfohlen. Vom Leipziger Schulamt beglaubigtej Urkunde. 20 000 Dankschreiben. In Kliniken und Krankenhäusern nur mit Erfolg angewendet. Nettle beseitigt jeden Haarausfall sofort, wenn nach Gebrauchsanweisung verwendet wird. Flasche 2, 3 und 4 Mk. Erhältlich in alien Kaufhäusern Hermann Tietz. zur Miete W50, Ansbacherstr.1 Sinalco halt Ermattung nieder, stärkt Schaffenden die muden Glieder. Sinalco ist stärkend, erfrischend, bekömmlich, da aus bestem Zucker und naturreinen Fruchtaromen hergestellt. Ueberall zu haben! Generalvertr. Starick& Krüger G. m. b. H., Landsberger Allee 6-7. Alexander 4703/ Königst. 1666 Wetterbericht aus deutschen Reisegebieten. Herausgegeben von der Oeffentlichen Wetterdienststelle Berlin. Nordsee. Westerland: wechselnde Bewölkung. Hamburg: meist bewölkt. Bewölkung und kühl. Swinemünde: veränderliche Bewölkung und Oitfee. Warnemünde: meistt bewölkt. Saßnig: veränderliche fühl. Stettin: meist bewölkt. Seebad Kranz: meist heiter. Harz. Schierke: meist heiter. Harzburg: meist heiter. Bad Sachsa: meist heiter. Brocken: ziemlich heiter. Hessen. Wasserkuppe( Röhn): ziemlich heiter. Sachsen. Dresden: wechselnd bewölkt. Annaberg: fühle Nacht, Wetterbesserung. Fichtelberg( Erzgeb.): ziemlich heiter. Schandau: kühle Nacht, Wetterbesserung. Zittau: fühle Nacht, Wetterbesserung. Schlesien. Breslau: heiter. Schneekoppe: Aufheiterung. Rheingebiet. Bad Aachen: ziemlich heiter. Koblenz: meist heiter. Wiesbaden: meist heiter. Frankfurt a. M.: vorwiegend heiter. Baden. Karlsruhe: heiter. Baden- Baden: meist heiter. Feldberg( Schwarzw.): heiter Württemberg. Stuttgart: meist heiter. Freudenstadt: meist heiter. Bayern. München: heiter. Garmisch- Partenkirchen: meist heiter. Bugspige: heiter. Berchtesgaden: teils heiter, teils wolkig. Oberstdorf: meist heiter. Bad Tölz: meist heiter. Tegernsee: meist heiter. * Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend.( Nachdr. verb.) Meist bewölkt mit Neigung zu einzelnen leichten Niederschlägen, ohne stärkere Temperaturänderung. Für Deutschland: Im Südosten und Süden vielfach heiter, im übrigen Reiche wolkig, im Südwesten Gewitterneigung, in Nordwest- und Mitteldeutschland strichweise Niederschläge. Nirgends stärkere Tem peraturänderungen. Berantwortlich für die Redaktion: Eugen Prager, Berlin: Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts Bud druckerei und Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Hierzu 1 Beilage. Unternehmen der Gewerkschaften LINDCAR Ohne Anzahlung Wochenrate 3. Mk. Monatsrate 12.- Mk. 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