BERLIN Sienstag 5. Zum 1928 W PI. Nr. 262 B 129 45. Iahizang. Er« ch e i n t täglich au�erSonntazs. Aialeich Abcndausgabe de«.Vorwärts". Bczugsxrrls beide Äusgabcn 8S Pf. rro Woche. 3.«iM.rro Monat. Redaktion undErrcdition: BcrlinSWkS.Lindcnjir.I ff m nieigenorei«: Die etnfraltige Nonrareillejeil« 80 Pf., Reklamejeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. oftscheckkonlo: Vorwarrs-Derlag G. m. d. H., Berlin Nr. 37536. Fernforecher: Dönhoff 292 bi« 2W Dem Bombenanschlag auf der Ktucht nach Mulden erlegen. Die tödliche Bombe.! Peking, 5. Zun». Tschanglsolin, der oberste Kriegsherr der Mandschurei, ist den Verletzungen erlegen, die er durch den Bombenwurf auf der Flucht von Peking nach Mukden erlitten hat. Tokio, 5. Juni. Zwei hiesige Zeitungen geben eine Nachricht aus Mulden wieder, wonach der Marschall Tschanglsolin seinen Verletzungen er- legen ist. Die Agentur„Toho" will eine Bestätigung dieser Nach- rjcht erhalten haben und führt aus, daß die amtliche Bekannt- machung noch nicht erfolgt fei, weil man politischen Verwicklungen vorbeugen wolle. Der Sohn Tschangtsolins, der sich in Tientsin befand, hat sich mit einem Flugzeug noch Mukden begeben. Von chinesischer Seite ist eine Bestätigung dieser Nachricht noch nicht er» folgt. Sie ist somit noch mit einer gewissen Vorsicht auszunehmen. Tokio. 5. Juni. Die erste amtliche Bestätigung des Bombenanschlages auf Tschangtsolin besogt, daß chinesische Soldaten tn'Zivil- k l e i d u n g kurz vor der Einfahrt in Mukden Bomben auf den �onderzug warfen. Der Sonderzug Tschangtsolins bestand aus 22 Salonwagen. Die von oben auf den Zug geworfen« Bombe sprengte den 11. Wagen in die Luft und setzte die nächsten vier in Feuer, die völlig ausbrannten. Nach dem Attentat wurde ein« Der Vormarsch auf Peking. Marschall Tschangtsolin{in der Mitte) Anzahl verdächtiger Personen verhaftet, und zwei von ihnen wurden erschossen. Auch mehrere höhere Beamte in Mukden sollen im Zu- sammenhang mit dem Bombenanschlag oerhaftet worden sein. Noch japanischer Ansicht sind die zu dem Anschlag benutzten Bomben russischer cherkunft. In TieMsin sind am gestrigen Montag mehrere Bomben explodiert, durch die unter der Bevölk«. rung eine Panik hervorgerufen wurde. Japanisches Militär«nt- deckte unter anderem Bomben in den städtischen Wasserwerken. » Mit Tschangtsolin ist der größte der chinesischen Söldner- Senerale gestorben. Er war ursprünglich Führer einer täuberbanoe, aber glücklicher und geschickter als seine vielen Lerufskollegen. kämpfte er sich in den chinesischen Wirren bis zum Herrn über Provinzen empor. Seine militärische Schulung erhielt er im russisch-japanischen Krieg, den er auf feiten der Japaner mrtfocht. Er trat dann i« die chinesische Armee ein und wurde 1911 Gouverneur einer mandschuri- schen Provinz. Im Laufe des nächsten Jahrzehnts unterwarf (Fortsetzung auf der 2. Seite.) Truppen der nationalistischen Armee während der gast auf einem Eisenbahntransport. Dieses Bild ist auf drahtlosem fV ege übertragen worden. Signale von der„Italia". Kopenhagen. 5. Zuni. Am heutigen Morgen liegen wiederum zahlreiche Meldungen aus dea verschiedensten Orten der Skandinavischen Halbinsel vor, nach denen Radioamateure angeblich Funksprüche der„Ztalia" oder drahtlose Mitteilungen russischer Stationen über die.Ulalia" gehört haben wollen. Ein Kurzwellenamateur in Malmberg in Nordschweden teilte mit, er habe in der letzten Nacht Verbindung mit einem russischen Amateursender mit dem Rufzeichen„lö R. A." gehabt, der ihm mitteilte, daß er die Signale von der„J t a l i a" bekommen und eine Verbindung mit dem Lustschiff gehabt Hab«. Auf der Radio st ation hermösand hat man im Lause des gestrigen Nachmittags eine kräftige Kurzwellenstation gehört, die sortgesetzt das Luftschiff„Italia" anrief. Die Station sendete auf einer Wellenlänge von ZZ bis 37 Meter Mitteilungen, die auf Französisch gegeben wurden und die in Uebersetzung lauten: „Wir haben Mitteilung erhalten, daß Sie aus Franz-Josephs-Land sind." Das Telegramm wurde mehrmals gegeben. Das Rufzeichen war immer„Italia". Andere Hörer, so in Nordschonen, einige in der Umgebung'von Stockholm und in der Nähe von Gesle wollen in den letzten Tagen Radiosignale von der„Italia" ausgenommen haben. In verschiedenen Orten Schwedens hat man russische Radio- signale aufgenommen, die darauf hindeuten, daß die„I t o l i a" Notsignal« aussendet. Wie weit diese Mitteilungen authentisch sind, kann naturgemäß nicht festgestellt werden. Immerhin scheint die Möglichkeit vorhanden zu sein, daß das Luftschiff Notsignal« gibt. Die Station Trelleborg fing auf 900 Meter Wellenlänge den Funkspruch auf:» l I o, H al I o, Italia Nobile S. O. S., la cornmission ronie, Kingsbay, invisible radio Bordeaux." Auch in Kreisen de, russischen Hilfskomitees für Nobile wird die Mög- lichkeit nicht bestritten, daß die �Italia" auf Franz-Josephs-Land niedergegangen ist. Das Zkttungswerk. Oslo, 5. Juni. Die„Hobby" ist am Montag um 6 Uhr morgens in Kingsbay eingetroffen und soll sobald wie möglich ihr« Fahrt nach Norden fortsetzen. Das erste Ziel ist die Dirgo-Bucht, von wo aus Lützow- Holm noch Mjdebay zu fliegen gedenkt, um das dortige Küsten- gebiet abzusuchen. Man glaubt, daß es möglich sein wird, das Wrack der„Italia" vom Flugzeug aus zu sehen, da es lange nicht mehr geschneit hat. Der norwegische Flieger hat di« Absicht, mehrere Flüge nach dem Inneren des Landes zu unter« nehmen und hofft, bald feststellen zu können, ob das Luftschiff auf Spitzbergen gescheitert ist. Wie die Presse von der„Citta di Milano" berichtet, sendet das Hilfsfahrzeug Tag und Stacht alle halb« Stunde Funk- spräche aus, die Nobile, falls er noch über«inen Empfänger ver- fügen sollt«, über alle Hilfsmaßnahmen unterrichten soll. Di« Stimmung der Italiener ist sehr bedrückt, doch geben sie die hoff-. nung auf eine Errettung der„Italia"-Mannschast noch keines- wegs aus. Mlttelsen- hielt sich 3 Jahre in der Eiswüste Der bekannte französische Polarforscher Kommandant C h a c o t sprach vor der Akademie der Wissenschaften in Paris über die Möglichkeiten zur Rettung der„3talia"-Be- fatzung, wobei er sagte, daß, vorausgesetzt, daß' die Besatzung nicht etwa bei einer Explosion des Lustschisses oder bei einer ver- unglückten Landung umgekommen fsi, sie lange aus dem Eis aus- halten könnte. Selbst am Pol könne ein Mensch, wenner ein Messer und Zündhölzer besitze, nicht als ver- loren betrachtet werden. So sei der Forscher Mikkelsen nach drei Jahren noch in der Eiswüste aufgefunden worden.[ Tschangisolins Tod. (Fortsctzu'iz von der 1. Seite.) er den Rest der Mandschurei und errichtete eine nur noch der Form nach zu China gehörende, behördlich aber selb- ständige Herrschaft. 1926, erklomm er den Höhepunkt seiner Macht. Er eroberte Pekirtg und teilte sich mit Wupeifu in den Besitz des nördlichen China. Als die Nationalarmee Wupeifu schlug, blieb er unumschränkter Herr Nordchinas. Erst der neue Vormarsch der südchinesischen Freiheitsberoe- gung vertrieb ihn wieder nach der Mandschurei. Auf der Flucht in seine alte Residenz Mukden ereilte ihn der Tod: eine geschickt gezielte Bombe auf seinen D-Zug, der ihn und seine Schätze nach Norden entführen sollte, verletzte ihn, wie es sich nun herausstellt, tödlich. Während es bisher so aussah, als ob sich die Nanking- regierung mit der Einigung des eigentlichen China begnügen würde, eröffnet der Tod Tschangisolins ganz neue Aussichten für den weiteren Verlauf der Geschehmffe in Ostasien. Tschangtsolin war von Japan gestützt, das durch ihn die Mandschurei wirtschaftlich ausnutzen konnte. Der Tod des alten Condottiere überliefert nun auch die Mandschurei der Anarchie und macht es möglich, daß die Nationalarmee die Herrschaft des neuen China auch über diese halb verlorene Provinz wiedergewinnt. Das aber würde den blutigen Zu- sammenstoß Chinas mit Japan bedeuten, den Japan bisher doch immer wieder noch im letzten Augenblick zu vermeiden gewußt hat. Peking fürchtet Plünderung. Oer Streit der Generale um den Siegespreis. Peking, 5. Juni. Das Komitee für öffentliche Sicherheit hat die Generale Pen und Feng tclcgraphifch aufgefordert, ihre Zustimmung zu geben, daß die für die Sicherheit und Ordnung in Peking verantwortliche vierte Mukdcner Brigade Tschangisolins bis zur Ankunft der Siidtruppen in der Hauptstadt verbleiben kann. Die Befehlshaber der Süd- armce sollen sich verpflichten, die Brigade nicht zu entwaffnen, son- dern ihren Abzug aus der Hauptstadt mit allen militärischen Ehren zu erlauben. Der Leiter der Pekinger Polizei hat eine Proklamation ver- öffentlicht, in der die Todes st rase gegen Plünderer an- gedroht wird. Die Wachen an allen Stadttoren sind verstärkt war- den und die Passanten werden nach Einbruch der Dunkelheit einer gründlichen Durchsuchung unterzogen. Die Nankinger Regierung hat offiziell General Pen den Befehl über Peking übertragen. Eine Mitteilung der Chinesischen Nachrichtenagentur in Schang- Hai berichtet dazu, daß die Bcfehlsgewalt General Jens durch Be- schluß des Ministerrats auf das Kommando in Peking und T i e n t s i n eingeschränkt wird. Man sieht hierin einen Versuch, die Bedeutung der Stellung General Pens als Machthaber in Peking zu vermindern, ohne daß die Nankinger Regierung jedoch in der Lage wäre, Pens Anspruch hierauf zu übergehen. Tatsächlich wird General Pen der Leiter einer regionalen Regierung für die Pro- vinzen Schansi, Tschili und drei weitere mit dem Hauptquartier in Peking sein. General Fengs ehrgeizige Ziele werden offenbar hier- durch beeinträchtigt. Oer Vorfall in der Frankfurter Allee. Notwendige Vorkehrungen für die Zukunft. Nach der Rückkehr des Bizepolizeipräsidcntcn Weiß aus Köln haben im Polizeipräsidium sofort Vernehmungen der verantwortlichen Beamten über die Lorfälle in der Frankfurter Alle« am Sonnabend begonnen. D.ie Ergebnisse dieser ersten Untersuchung dürsten im Laufe des heutigen Tages der Oeffentlichkeit bekanntgegeben werden. Nach den uns inzwischen zugegangenen Mitteilungen stellt sich der Sachverhalt so dar: Es wird auch von kommunistischer Seite nicht bestritten, daß die Schutzpolizei sich sowohl bei der Zusammenkunft der Demonstranten auf der Weberwiese, wie auch während des Marsches nach Friedrichs- felde und auf dem Friedhof während der Beerdigung einwandfrei verhalten hat. Die Polizei beobachtete große Zurückhaltung, trotzdem wurde sie mit Schimpfwortcn wie„Bluthunde",„Arbeitermörder", „Sauhunde" begrüßt. Unterwegs kam es zu den ersten Zusammen- stößen, vier Polizeibeanue wurden nicht von Teilnehmern des Zuges, wohl aber von der ihn begleitenden Menge tätlich angegriffen. Als die Verletzten von ihren Kameraden auf ein Polizeiauto genommen wurden, gab die Menge ihrer Befriedigung über den Zustand der Beamten durch Händeklatschen und lebhaften Zurufen Ausdruck. Alles das muß auch von der Führung der kommunistischen Demonstration anerkannt werden. Man wird dort auch die Tatsache be- stätfgen müssen, daß der in Zivil auf dem Friedhof anwesende Oberst- leutnant Hellriegel dem kommunistischen Landtagsabgeordneten Golk« erklärt hatte, die Polizei fei zur größten Zurückhaltung ver- pflichtet, worauf er die Antwort bekam, die Demonstroiionsführung habe die außerordenllich erregten Massen nicht mehr in der Hand. Nun kommt aber der verhängnisvolle Zusainmenstoh beini Rückmarsch in der Frankfurter Allee. Hier scheint die Erregung der die Demonstranten begleiicnden Menge aus die Polizeibeamicii übergesprungen zu sein. Als ihrer Anmeistiiig, sür den normalen Verkehr«ine Gasse zu lassen, nicht sofort Folge gegeben wurde, haben sie die Gummiknüppel gezogen und wohllos auf Beteiligt» und Un- b«telligt« dreingeschlagen. Einzelne Poliz«ibeami« sollen sogar noch die zurückflutenden Menschen mit dem Gummiknüppel oerfolgt haben. Bei dieser Gelegenheit hat dann auch der Polizeivizepräsidcnt sein Teil abbekommen. Selbst wenn zugegeben wird, daß sich manche Polizeibeaniten über die ihnen zugerufenen Schimpfwort« geärgert hoben. s«löst wenn man ihnen zugute hält, daß sie über die ihren Kameraden zu- gefügten Verletzungen erregt waren, so dürft« doch diese Stimmung niemals dahin führen, daß die Polizei ihre Selbstbeherrschung ver- lor. Denn gerade im republikanischen, im demokratischen Staate- wesen besteht die schönste Aufgabe der Polizei darin, die politischen Freiheiten zu schützen und auch dann noch nicht sofort Gewalt an- zuwenden, wenn diese Freiheiten von unreifen oder irregeleiteten Menschen mißbraucht werden. Es wird also notwendig sein, daß die Erziehung der Polizei für diese Aufgabe in beschleunigtem Maße fortgesetzt und daß seder Beamte entfernt wird, der sich für solchen Dienst nicht eignet. Aber auch noch bessere Zusammenarbeit zwischen Lürgerschofi und Polizei tut not. Erfreulicherweise konnte man schrei am Sonnabend wisderholt beobachten, daß Rote Frontkämpfer und kommunistische Ordner die Polizeibeamten bei ihrer Arbeit unterstützten. Künftig werden schon vor Beginn der Demonstrationen feste Bereinbaruiegen zwischen Demonstrationsleitung und Polizei- Caspari- Kußmann- peltzer. Ein juristisches Kleeblatt vor Gen'chi. Vor dem kleinen Diszipttnarsenat d«s Kammergerichts, besetzt von sieben Richtern, stand heute morgen unter Vorsitz des Senats- Präsidenten Pveiser die Disziplinarixrhandlung an gegen die frühe- ren Staatsanwaltsassessoren Dr. K u ß m a n n und Dr. C o s p a r i und den früheren Staatsanwaltschaftsrat, jetzigen Landgerichtsrat Dr. P e l tz« r. Sie alle haben sich zu verantworten wegen ihrer direkten und indirekten Begünstigung der Varmat-Hetz«, die zu einer der verlogensten Hetzkampagne gegen die Sozialdemokratie sich aus- wuchs. Kußmann ist nicht erschienen. hat es auch nicht nötig gesunden, sein« Abwesenheit schriftlich zu entschuldigen, er umsegelt eben die Welt auf seiner Pacht„Vision" und wird von dem Recht sairoxilt Dr. Rätter vertreten. Der setzige Landzerichtsrot Dr. Peltzer wird durch ein Schreiben des Land- gerichtspräsidenten entschuldigt: Der Herr Landgerichtsrat sei dienstlich dringend beschäftigt und würde erst später erscheinen. Dr. Caspari ist zur Stelle und wird von Rechtsanwalt Dr. T h e m a l verteidigt. Der Lorsitzende eröffnet« die Disziplinarverhandlung mit der Erklärung daß die Anschuldigungspuntt« durchaus nicht bedeuteten, daß den Angeklagten alle diese Disziplinar- vergehen bereits nachgewiesen seien. Die Anllag« erhebt gegen all« drei Angeschuldigtcm den Vorwurf der unzulässigen Verbindung mir der Presse und mit Parlamen- t a r i e r n— im Falle Müller-Plauen— bei dem es sich um den bekannten Be5eidigungsprozeß Stresemanns gegen den Rechtsanwalt Müller handelte. Kußmann und Easpari wird vorgeworfen� Die verflogenen Staatsanwälte Ln die Lüste empor fliegt ränkeschmiedend Caspar»- — doch nach gebogenem Jftecht fliegt man zum Tempel hinaus— unzulässig« Verbindung mit der Press« und Parlamentariern iii den Fällen Barmat und Kutisker und Aushändigung des Isaak, Protokolls an Knoll: Kußmaim und Peltzer wird außerdem Un. Wahrhaftigkeit bei dienstlichen Vernehmungen, K u ß m a n u allein unzulässige Zuziehung des Kaufmanns Knoll in der Sache Barmat und sein Verhalten gegenüber dem Ehepaar W.— Ehebruch, Zusammenstoß mit dem Ehemann W., Widerklage auf Erstattung von Reisekosten, die er mit der Frau des betrogenen Ehemannes hatte, und nötigungsähnliches Verhalten gegen den Ehe» mann: Caspari allein wird vorgeworfen, unpassende Eingaben an den Iustizminister, unpassendes Verhalten gegenüber dem Ober» ftaatsanwalt Seths. Aushang eines Zeitungsartikels gegen Justizrat Werthauer im Dienstzimmer: schließlich lautet gegen Peltzer ollein die Anschuldigung auf Aushändi» zung des Berichtes des Rechnungshofes an Knoll. Aus dem Bericht des Berichterstatters erfährt man, daß Caspari 35 Jahre alt ist und im Jahre 1924 Hilfsarbeiter der Staatsanwalt- schaff I wurde. Als solcher erhielt er den Auftrag, die Strafsache Kutisker zu bearbeiten. Dieses Kommissorium wurde mehrmals verlängert und ihm am 30. Juni 1925 entzogen. Die Beurteilung der Tätigkeit des Staatsanwalts Caspari durch seine Borgesetzten ist günstig. Augenblicklich arbeitet er bei der Staatsanwaltschaft in Köpenick. In einem Schreiben des Kammergerichlzpräsidenken an das Justizministerium wird im Jahre 1926 ausführlich auseinandergesetzt, daß Caspari und Peltzer durch die Betrauung des Kaufmanns Knoll mit Recherchen sich nichts vergeben hätten! Es sei auch sonst üblich gewesen, Privatpersonen mit Recherchen zu beauftragen und ihnen Einblick in die Akten zu gewähren.« Aus einer seitenlangen Eingabe des Angeschuldigten Caspari an das Justizministerium geht in Verbindung mit dem ihm entzogenen Auftrage in der Sache Kutisker hervor, daß Dr. Caspari sich in höchstem Maße verletzt gefühlt habe und die Verdächtigung ausgc- sprachen habe, daß gewissermaßen dunkle Kräfte bei der Maßnohme des Justizministeriums mitgespielt hätten. Die Eingabe strotzt direkt von scharfen Ausdrücken und schließt mit dein Ersuchen um Einleitung eines Disziplinarverfahrens. Auf Vorhalt des Lorsigenden muß Easpari schließlich zugeben, daß sein« Aus- drücke doch„nicht passend" gewesen seien. Er habe sie damals in seiner Erregung gebraucht. Der Berichterstatter verliest vier Artikel aus der„Börsenzeitung". die van dem deutschnationalen Abgeordneten Leopold und dem Herausgeber der„Bsrgifch-Märkischen Zeitung", Herrn B a c- meister. unterschrieben und teilweise als Zuschriften bezeichnet sind. Die Artikel beschäftigen sich in der Hauptsache mit der Zurückziehung der Aufträge Cosparis und Kußmanns in Sachen Kutisker und Barmat. Leopold und Bacmeifter setzten sich bei dieser Gelegenheit in erster Linie mit dem„Vorwärts" auseinander. Caspari gibt zu, daß er mehrmals mit Leopold und Lacmeister Zusaminentünfte gehabt habe, ebenso wie mit einer Reihe ander.'? Parlamentarier, die er gewissermaßen um Schutz gegen das Justiz- Ministerium gebeten habe. Es sei nicht seine Absicht gewesen, Material sür Presseartikel zu liefern. Er habe aber nichts getan, um das Erscheinen der Artikel zu oerhindern. Der Dorsitzends fragt, ob Caspari glaube, daß solche Zusammen- künfte mit Personen, die derartig« schwere Angriffe gegen die vor- gesetzte Behörde veröffentlichten, mit den Pflichten eines Be- a m t e n zu vereinbaren feien. Der Angeklagt« beruft sich selbst auf die durch die Verfassung gewährleistete freie Meinungsäußerung, muß aber schließlich zugeben, daß er nicht pflichtgemäß gc- handelt habe. Verwaltung zu treffen sein, um die Wiederholung solcher für Polizei und Bevölkerung unerwünschten Vorfälle endlich zu verhindern. * Sä)ad«nfrcude ist die reinste Freude, denkt die„Rote Fahne" und so läßt sie ihrer Phantasie über dos Mißgeschick, dos den Poli- zeivizeprösidcnten betroffen hat, die Zügel schießen. Heute berichtet sie gar, daß„der Polizeipräsident Weiß" auf einer Rasenfläche ge- legen und laut un> Hilfe geschrien habe, während er von seinen eigenen Beamten verprügelt wurde. Wenn dos so weiter geht, dann wird man in dem Blatte morgen wohl lesen können, daß Weiß totgeschlagen worden sei. Vom preußischen Landtag. Die sozialdemokratisch« Landtagssraktion Preußens ist jii einer Sitzung am Donnerstag, 7. Juni, vormittags 10 Uhr, einberufen worden. Freitag, lk Uhr, findet die E r ö f f n u n g s- sitzung des Landtags statt. Der Gesundheitszustand des Genossen Friedrich Bartels ist in den letzten Tagen in verschiedenen Blättern als ungünstig dargestellt worden. Erfreulicherweise entspricht dies« Darstellung nicht den Tat. fachen. Genosse Bartels ist von seiner Kranklzeit wieder völlig her- gestellt. Schnett fertig mit dem Leben. Eine neue Kindertrogödie. Auf dem Lporlplah an der Hindcnbvrgslraß« in Ueriia.HUlmersdors erschoß sich heute früh um fünf Uhr der zwolseinhalbjährige Schüler Herbert Kaja aus drr Augustastr. SZ. Reben dem Sportplatz in der H i n d e n b u r g st r o ß e liegt ein ungepflegtes Stuck Obstlond. Da stehen vor einer kleinen vir- tiefung des Bodens zwei weinende Frauen— neben ihnen ein Schupo, und vor ihnen liegt die Leiche des Sohne« und Enkels, de» Mittelschülers Herbert Kaja. Weinend kniet die Mutter immer wieder nieder, um dem Jungen die bleichen, kalten Hände zu streicheln.„Mein Herbert, mein guter Junge— umsoeindum- m e s Wort.. Und schließlich erzählt der Schupo, erzählen Mitschüler die Geschichte des armen Jungen, der da mit dem bösen, don Pulverrauch geschwärzten Loch in der Schläfe liegt. Herbort Kaja besuchte die M i t t e l s ch u l« in der Eieselerstraße, aber er war ein Junge, der selbst für den Glanz der roten Schü- lermütze arbeiten mußte. An den Nachmittagen hatte er eine Laufjungen stelle, die neun Mark in der Woche einbrachte — und alle neun Mark mußte er abliefern. Nun gab er am Sonn- abend nur sieben Mark ab— wo er die zwei Mark gelassen hotte, wollte er nicht sagen. Da wurde ihm vom Pater mit Schlägen gedroht, und der Junge entfernt« sich aus der Wohnung der Eitern mit den Worten, lebend würde man ihn nicht wieder- sehen. Montag«»statteten sie Anzeige über das Verschwinden des Jungen... und in der Nacht hörten die Anwohner der Straße. die an dem unbebauten Gelände entlang führt, schon den Schuß, mit dem der arme Junge seinem Leben«in End« machte. Er soll den Revolver schon vor einer Woche seinen Schulkameraden mit der Aeueßrung gezeigt haben:„Er wolle nur die Ferien noch mit- nehnien..." Die letzten Ferien... Gasiragödie auf dem Wedding. Mit der Freundin in den Tod. Im Hause A d o l s st r a ß e 4 aus dem W e d d i n g hat ssch in der vergangenen Nacht eine Gastragödie abgespielt, der zwei sunge Menschen zum Opfer sielen. In ihrer gemeinsamen Wohnung wurden die 24jährige Ida Bethge und deren 28iähr!ge Freun- din Dora Platow durch Gas vergiftet aufgefunden. Hausbewohner, die kurz vor Mitternacht b-imkehrten. bemerkten auf dem Treppenflur einen starken Gasgeruch, der aus der Woh- nunq der beiden Mädchen drang. Man benachrichtigte den Ber« wolter des Hauses, der auf Klopsen jedoch keinen Einlaß erhielt. Man rief Polizei und Feuerwehr, die die Wohnungstür gewalt- som öffneten. Die eintretenden Beamten fanden das Freundinnen- paar in dem g a s g e f ü l l t e n Schlafzimmer, in den Betten liegend, regungslos auf. Wiederbelebungsversuche der Feuerwehr waren ohne Erfolg und der hinzugerufene Arzt der Rettungswache konnte nur noch den Tod feststellen, der erst kurz« Zeit vor Entdeckung der Tragödie eingetreten sein konnte. Auf dem Tisch wurden mehrere Abschiedsbriefs vor» gefunden, in denen die beiden Mädchen ihren Angehörigen mit- tetlten, daß sie beschlossen hätten, gemeinsam aus dem Leben zu scheiden, lieber die Gründe zu dem Vcrzweifiungsschrltt verlautet sonderbarerweise nichts. Die Leichen wurden beschlagnahmt und in» I Schauheus gebracht. Der„Kaiserliche" Klub. Endlich ein klarer Refehl des Wehrministers. Reichswehrminister Grocncr hat eine Verfügung erlassen, nach her alle Angehörigen der Reichswehr und der Reichsmarine, die bis- her dem„Kaiserlichen 3 a ch f- S I u b* in Kiel angehörten, bis Mitte dieses Monats den Austritt aus dem Klub zu vollziehen haben. Die Verfügung ist erlassen worden, nachdem der Klub es abgelehnt hatte, sich in Zukunft„Deutscher Jacht- Klub" zu nennen. Seit jeher ist der„Kaiserliche" Klub ein Hort der Reaktion gc- wesen. Dort geben sich die Monarchisten auch nach Errichtung der Republik ein Stelldichein. Das jetzige Vorgehen des Reichswehr- Ministeriums ist daher durchaus zu begrüßen. Mshr Radsahrwege! Berlin von der Provinz weit übertroffen Zu einem Jnformations- und Ausspracheabend hatte gestern der Berliner Verein für Radfahrerwege E. V. die Ver- treter der Berliner Behörden und der Presse eingeladen. Vorsitzen- der Max Trunz gab einen lleberblid! über die vom Berein ge- leistete Arbeit. Der Verein bemüht sich ständig, den Radfahrern in der Weltstadt ein Plätzchen freizuhalten, d. h., Radfahrer- wegc zu schaffen. Alle Behörden werden in diesem Sinne bearbeitet und die bisher erzielten Erfolge lassen den Schluß zu, daß die maßgebenden Instanzen längst den großen Wert der Rad- fahrerwege erkannt haben. Doch ist immerhin noch ein großes Stück Arbeit zu erledigen. Leider haben es die großen Sport- verbände bis jetzt an Unterstützung fehlen lassen. Nur der Arbeiter-Radfahrcrbund„Solidorilät" hat am gemein- nützigen Werke des Berliner Vereins für Radfahrerwege tatkräftig mitgeschafsl! An Beispielen mannigfacher Art konnte dann der Redner nachweisen, daß es gerade die Provinz ist, die für Der„eiserne Gustav" und sein treues Pferd. Radfahrerwege großes Interesse aufbringe. Insbesondere Magde- bürg ragte hierbei bedeutend hervor. Hot es doch für seine 138 000 Radfahrer etwa 320 Kilometer Radfahrerwege geschaffen. In Hannover, wo doch sehr viel das Rad benutzt wird, sind 12 Fahr- radwachen eingerichtet worden, bei denen man das Rad unter- stellen kann. Kriegsbeschädigte verwalten diese Wachen. Die Forderung des Vereins geht dahin, bei Neuanlegungen oder Umbauten von Straßen dem Radfahrer einen Fahr- streifen sreizuhalten, was sich im übrigen oft ohne Kosten er- mögliche» läßt. Redner erinnerte an die Reitwege in Berlin, die breit genug sind, um einen Streifen für den Radfahrer zu opfern. Stellt man Reitwege und Radfahrerwege gegenüber, so ergibt sich solgendes Bild: Berlin l)at zwar viele Reitwege, die aber im höchst- falle von 570 Pferden benutzt werden, denn es gibt in Berlin nur SOO Leihpferde und 70 Pferd« im eigenen Besitz: da- für sind aber 300 000 Radfahrer auf wenige Radfahrerwege an» gewiesen, hier muß natürlich zum Schutze der Radfahrer etwas getan werden. Deshalb ist es erforderlich, daß sich jeder Radfahrer und auch die Sportverbände im Berliner Verein organisieren. Zu der Frage der Fahrrad st euer erklärte Trunz, daß darüber noch nichts bekannt ist. Ein Vertreter des Polizeipräsidiums teilte dann noch mit. daß auch von einem Plan einer neuen Ver- k e h r s o r d n u n g— es sollte darin ein Passus entholten sein, der den Radsahrern das Befahren der Straßen 1. Ordnung ver- bietet_ nichts bekannt ist. Ein Lichtbildervortrag, der recht hübsche Radfahrerwege aus der Provinz zeigte, beschloß nach kurzen Mitteilungen der Behördenvertreter den Ausspracheabend, der die Behörden und den Berliner Derein im Interesse der gemeinsamen Arbeit wieder etwas näher zusammengebracht hoben dürste. Der Verein hat seine Geschästsstelle in halcnsee, Zoachim-Friedrich- Straße 21(Tel. Uhland S182). Vier Sckzicferbrucharbeiter verschüttet. Wie aus Probstzella in Thüringen gemeldet wird, wurden auf dem Schieferbruch„Gabe Gottes" oberhalb Marktgölitz orn Montag nachmittag durch Einsturz eines Swllsns vier Schief«rbrucharbeiter verschüttet. Unter Aufbietung aller Kraft arbeitet man an der Freilegung des Stollens. Klopf- zeichen werden vernommen, so daß die Hoffnung besteht, die Berjchütletai noch zu rettea. Altes und neues Wien. Gchnitzlers„Therese".— Roths„Zipper und sein Vater". Ist es dieselbe Stadt? Kaum. Bei Roth knattern Automobil- I motore, steigen und fallen Devisen. Gewesene Offizeve und gut« Bürgerssöhn« verschieben allerlei Verbotenes, gründen Konzerne und Filmgesellschaften ohne Kapital, ohne fundiertan Kredit. Wo bleibt der melancholische und dabei lebensbejahende Dreiviertel- takt des Walzers, der sonst Wen charokteröfiert? Die Stadt gleicht Berlin, Dairzig oder ähnlichen Spekulation-- zontren der Jnflations- zeit, die Menschen haben nichts mehr mit einem Anowl, mit einem Stefan van Sola und anderen Wiener Typen gemein. Sie sind ohne schönfärbe,«de Brille gesehen, Roth gestaltet nur das Ge- mein«, dos Niedrige, Streberische, das Lächerliche und Groteske in diesen Menschen und dazu in einem Stil jenseits van haß und Liebe. D'e Sache ollein domir-iert, Roth dringt nicht tiefer in die Seelen ein, er beschreibt die.Haltung, die Gest«, dos Aussehen, und da die äußere Haltung Ausdruck seelischer Vorgänge ist, so gibt Roth auch indirekt die Seele dieser merkwürdigen Geschöpfe, die aus der Atmosphäre einer lebensprühenden aber auch mit Energie wenig belasteten Stadt stammen und die zu zerbrechlich, zu angefressen sind, um aus dem Kampf ums Dosein als Sieger hervor- zugehen. Und so wird der junge Zipper schließlich Groteskclown, nach- dem er die Sttifenlciier der Lächerlichkeit hinauf- und hinunter- geklettert ist, ein Mann, zum Zuschauer, zum Kiebitz des Lebens verdammt, ohne Ziel und ohne Ideal, einer der Lauen und Gleich- gilligen, die nach einem Wort des Eoangclisteu Johannis aus Gottes Munde ausgespien werden. Dies der Ton des Romans„Zip- per und sein Vater,"(Curt Wolfs Verlag), der trotz fernes sachlichen Stils so merkwürdig unzeitgemäß anmutet, vielleicht weil wir die Inflation bereits- vergessen haben und weil hier eine vor- übergehende Zeiterschcinung als etwas Absolutes gesetzt wird. Dieser Roman Joses Roths erschien vor ein paar Wochen und gleichzeitig mit ihm im Fischer Verlag„Theres e," der zweite Roman Arthur S ch n i tz l e r s, des bekannten Wiener Dich- ters. Man kam, kaum glauben, daß Schnitzlcr dieses Werk im Jahre 1028 publiziert IM. Es will hier die Atmosphäre des „Anatol," der„Frau Berta Garlan" oder des„Wegs ins Freie". Die alte Stadt wird lebendig das Wien der Borkriegszeit mit Fiakern und Prater, die Menschen sind keine Sportsetischisten, fem nen keine Boxkämpfe, kein Radio, keinen Film, sie rasen nicht mit Autogeschwindigkeit durch das Leben, die Droschke genügt ihnen. Es gibt Unisorinen und militärische Hebungen, es ist alles wie in den früheren Novellen und Dramen. Zum ersten Male ist es Schnitzler, dein alternden Schiritzler gelungen, einen geschlossenen, abgerun- beten Ronian zu schaffen. Sein„Weg ms Freie" war«her eine Novellensamnrlung und mag„Therese", damit verglichen, die Foc- benfreudigkeit, die glitzernde, viebri-enende Spmche fehlen, mag vieles grau in grau gemalt sein, so ist auch alles Episodische ausge- schaltet, alle Vorgänge auf Theres« konzentriert, auch Therese ist die Erzieherin in der alten Stadt Wien, der Stadt der Operette, des heurigen und der Liebe. Was Schnitzler sonst in seinen Novellen als einnroliges Erlebnis, als Katastrophe gestattet, ist hier einge- ordnet in den Ablauf dieses stillen und unpathetischen Lebens, eines Alltagslebens, das durch die künstlerische Fonnung Gewickst und Bedeutung erhält. Therese ist Erzieherin in vielen Wiener Häusern und durch die kurze, beinah« skizzenhafte Schilderung dieser Familien erweitert sich das Werk zu einem Roman der Stadt, einer Stadt, wie sie ehemals war. Und hier geschieht etwas Sonderbares. Man nennt Schnitzler einen Impressionisten, einen Stimmungsmsnschen und rümpft in der Zeit der Sachlichkeit über ihn die Nase, und doch wirken seine Menschen, wirkt seine Stadt lebendiger, echter, er- greifender als die Offenbarungen der sogenannten Sachlichkeits- opostel. Nein, Schnitzler porträtiert nicht das Wirklichkeitsbild, er dringt nicht vom Aeußeven zur Seele, er geht den umgekehrten Weg und erfaßt dadurch das Leben intensiver uitd impulsiver. Im- mer waren seine Menschen müde, milde Skeptiker, glaubten Draht- zieher zu sein und erkannten schließlich ihr Marionettendasein, und stellten die Frage nach dein Zweck des Lebens. Auch Therese fragt kurz vor ihrem Tode nach dem Warum. Und diese Frage wird ebenfalls bei Roth gestellt aber aus einer Äaterstinunung heraus, es fehlt die Melancholie, die stille Trauer, d'e Resignation. Rolhs Menschen wollen überhaupt nichts, ff« sind leer, ausgebrannt, und so leer ist auch die Stadt. Wien wird mit herben Umrissen gezeichnet, scheinbar absolut sachlich betrachtet und es unterscheidet sich wenig von Berlin. Roth kennt keine Liebe Dingen und Menschen gegenüber, während Schnitzler noch die An- tisemiten objektiv gestaltet. Roth schreibt eine glänzende Reportage, ober schließlich erscheint Schmtzler als der sachlichere Schilderer, der die Menschen nicht nur aus enger Perspektive betrachtet, der jeden Typ in seiner Bedingtheit erkennt. Das Bild der Stadt mit ihren Bewohnern und ihrer ganzen Atmosphäre ist von zwei entgegengesetzten Blickpunkten ausgenom- men und von zwei grundverschiedenen Temperamenten gesehen worden. Ein anderer Rhythmus bei Roth als bei Schnitzlsr. Ge» gensatz der Generattonen, Gegensatz der Weltanschauung, Gegensatz des künstlerischen Wollenz, und wer will entscheiden, wo das Recht liegt? Schnitzler hat seine reise Künstlerschaft gewonnen. Roth be- deutet noch einen Anfang. Relix Lclicrrct. Fahrt ins flache Land. Don der Mark zur Altmark. Vom Lehrter Bahnhos abzufahren, ist wahrlich kein Vergnügen. Die Züge schleppen sich durch dos Fabrikquartier des Nordwestens, zuweilen einen Blick auf wenig erfreulich« Wasserflächen gestattend. Es ist sonderbar, daß das spätere Verlin au» seiner Lage am Fluß so wenig Malerisches herausgeholt Hot. Verglichen mit der Fahrt über Spandau, bietet der Antritt einer Reife nach dem Westen auf den Stationen der Stadtbahn ein viel fröhlicheres Bild. Da wechseln Land und Wasser, Seen und Forsten und an Niederlassun- gen fehlt es nicht. Aber über Spandau hinaus zeigt unser« Strecke weites Luchland. Jetzt, wo die Baumblüte unter den schweren Regentropfen dahinschwand, kann man noch seststellen, wie selten von der Möglichkeit, an den Chausseen Obstbäume anzupflanzen, Gebrauch gemacht worden ist. Die letzten drängenden Arbeiten der so späten Frühjahrsbestellung sind im Gange: Kartoffeln werben noch gelegt uird künstlicher Dünger gestreut. Merkwürdig— oder ist es nicht eine natürliche Folg« der jahrhundertelangen Mißachtung ihrer menschlichen Würde?—, wie ungeschickt dies« Arbeit aus- geführt wird. Da gehen zw« Landarbeiter dicht nebeneinander, in der Schürze haben sie dos weiße Pulver— sie werfen es im Schwung« über dem Boden aus, natürlich treibt der Wind den sich erhebettden feinen Staub ins Gesicht des einen. N e n n h a u s e n. ein kleines Idyll in dieser grünen Wüste — einst Sitz des Dichters Fouquä, der mit seiner Gattin nach dem Freiheitskriege die literarischen Bedürfnisse der vornehmen Berliner Welt befriedigte.—, Rathenow, Stadt der Brillen, hier ist schon mehr Forst vorhanden, Schönhausen, Geburtsort Bismarcks. Als wir vor Jahrzehnten hier fuhren, hielt der damalig« schnellste Zug Berlin— Hannover unprogrammäßig an dieser kleinen Station, und den erstaunten Reifenden wurde die Aufklärung zuteil, daß her- bert Bismarck, damals noch in voller Glorie tätig, geruhe, hier auszusteigen. Di« planmäßig haltenden Personenzüge genügten für die Arbeitslast dieses zweiten Heros der Vicmarck-Famili« nicht. Bold ist die Elb« erreicht. Links Blick auf das historisch und architektonisch so bedeutsam« Tangermünde, leider mir aus Nebenbahnwegen erreichbar. Mit seinen Türmen und Schorn- steinen hebt es sich in der feuchten Abendluft gespensterhaft vom Horizont ab. Es macht, über die weite Ebene hin gesel>en, den gleichen Eindruck, den der im holsteinischen Wattenmeer zwischen den Halligen Fahrende hat: die erhöht liegenden einzelnen Gehöfte scheinen aus dem Wasser zu schwimmen. So auch hier, die grüne Fläche, über die der Wind weht, fft der Wasserwüste gut vergleich- bar. Gleich sind wir in Stendal, dem Kenner als Gcburtsstadt des„Erforschers und beredten Verkünders der Kunst des Alter- tums" Winkelmann bekannt. Die Bedeutung des Maares, die die hier zitterten Worte des Stendoler Denkmals zeigen, hat den aus- gezeichneten französischen Romanschriftsteller Henri Bcyle, einen Zeitgenossen Napoleons I., dazu geführt, sein« Werk« unter dem Pseudonym Stendhal zu veröffentlichen. Noch ist unser« Fahrt nicht beendet— wieder weiter, aber- mal« Land mit dem unvermeidlichen schwarzweißen Rindvieh, das uns von Spandau an begleitet hat. Wr sind in der Altmark: das ist jenes Gebiet, wo die Bauern nur aus Gewohnheit, nicht aus Not klagen. Ihr Land trägt Zuckerrüben und am Endpunkt unserer Fahrt, in dem altertümlichen S a l z w e d e l. haben sie ihre Zucker- sabrik, die die Kleinigkeit von 2)4 Millionen Zentner Rüben im Jahr verarbeitet. Mst dem Erlös dieser Ernte lassen sich schon die Steuern bezahlen...._ P.®- Volksbühne. Segen Erkrankung eine« Hauptbarsteller« muß die KrO, aufsührung von Eisig» Lustspiel»Der Kutlband«!' im Theater am Schiff- bäum dämm aus Freitag, den 8. Juni, verlegt werden. Henry Grabmavn gibt am 7., 20 Uhr, einen Tanzabend im Schmechten- Saal. Karten bei Bote u. Bock, Wertheim mid an der Abendkasse. Die bereit» pm 19.«at gelöste» Karten behalte» ihr» Gültigkeit. Tempo Tausend. Theater am Kurfürstendamm. Zwei Dutzend Szenen, jede von höchstens fünf Minuten Spiel- dcmer, dazwischen eine herrliche Jazzmusik der S i d Kays Fcllows. Der Titel„Tempo Tausend" fft gerechtfertigt, denn alles" ist auf Presto gestellt. Der Verfasser mit dem Pseudonym klingenden Namen Dell versteht es, den Extrakt einer Szene zu geben, und gehört außerdem zu den wenigen Deutschen, die den Mut zum Witz haben und die sich auch über die heiligsten Güter der Nation wie den Herrn von Doorn, Piscotor, die Reichsregierung oder den Kommunismus zu amüsieren wagen. Selbst der Mond, den zwei Ratetenschiffer, charaktervoll schwarzweißrot gestreift, wie die Ozeanflicger, erreichen, wird für den armen Verbannten rc- klannert. Aber die Revue ist nicht nur politisch gefärbt, sie bc- müht sich, eine Samlung von allerlei Modedummheiten zu sein, Film, Theater, Modenschau und Rekordenthusiasmus werden geist- reich parodiert. Selbstverständlich laufen auch matte Szenen dem Verfasser unter und Szenen, die heute bereits überholt sind. An den„schwarzen Börscnfreitag" erinnern sich nur noch die leidtragenden Hinterbliebenen, und auch der Film„Spione" ist zu den Akten gepackt worden. Ueberhaupt liegt für jede Revue, die sich nicht im Stil der James Kleinfchen Produlte allein auf mehr oder minder bekleidete Girls festlegt, eine Gefahr darin, daß sie leicht Vo- tina ansetzt. Ferner erscheint der Kreis zu eng umgrenzt. Den künstlerischen Reiz und den Witz einer Parodie beispielsweise auf das jiidffche akademische Theater kann nur derjenige empfinden, der die Originolausführung gesehen hat, oder wenigstens mit der Akrobatik des modernen russischen Theaters vertraut ist, und ähn» lich verhält es sich mit der letzten Szene, die die Deteklivkomodien persifliert. Trotz Witt und Konzentration kann„Tempo Tausend" noch nicht als ein Musterspiel für die politisch-literarifche Revue gewertet werden. Immerhin zeigt es verheißungsvolle Ansätze. Die Aufführung hat viel Schmiß, das Ensemble ist aufeinander ein- gespielt. Prachtvoll Kurt G e r r o n mit seinem breiten Phlegma und seinem trockenen, beißenden Witz.— t Hoffmannscher„Liederkranz". Spandauer Männerchor in Berlin. Unter dem Ehrenprokektorat des Berliner Oberbürgermeisters und seines Spandauer Kollegen produziert sich der hoffmannsche „L i e d e r k r a n z 1 85 9" im Konzertsaal der Hochschule. Als Bereinsmitglied des Deutschen und Berliner Sängerbundes: mit der Berliner Musikwelt, auch der des Arbeiters, verknüpft durch die Per- stm seines jungen Chormcffters Georg Oskar Schumann, der im reichshauptstädtischcn Arbeitermusikleben als einer der be» gabtesten in der Arbeit erfolgreichsten Chorleiter schon seinen Platz Hot. Das Programm gilt der Berliner Gegenwart: das Wort frei- lich nicht im engeren Sinne von„Modernität" verstanden.„Werke lebender Berliner Komponisten", lesen wir: richtiger wäre: Werks in Berlin lebender Komponisten. Dom 67jährigen Reznicek bis Paul hindemith: diese beiden, ebenso wie der jüngst verstorbene Emil Bahnk«, freilich mm mit Instrumentalwerken, die die Reihe der Chordarbietungen unterbrechen, gespielt von Sinfried Wolf, dem in Berlin schon vorteilhaft bekannten Pianisten und dem Bratschisten Reinhard Wolf. Mit je einer Reihe sehr sangbarer Ehorkomposi- tionen sind Paul Ertel und Hugo Kaun vertreten. Dieser ein wenig in äußerlich-effektvoller Liedertofelmamer: treffender, tiefer im Aus- druck Ertel. Und da sind noch Chorstücke von Bausznern, Steincck, Draeger, zum größten Teil dem„Liederkranz" und seinem Dir!» genten gewidmet, und endlich als Erstaufführung Martin Graberts „Im Bergwerk", ein Chorlied in kräftig-volkstllmlichem Ton, das der Aufmerksamkeit unserer Arbeitersänger zu empfehlen ist. , ii. in,,:! KUu® Pringslieim. Wiederaufnahmeprozeß Leister. Der zum Tode Verurteilte vor Gericht. In Bremen bei Geisa in der Rhön begann die| 2indner aus Jena, um deretwillen er nach dem Urteil des ersten Biederaufnahmeverhandlung gegen den Maurer Leifter, Gerichts seine Mordtat begangen haben soll, berichten. Er erflärt, der im Jahre 1924 wegen mordes an feiner Frau 3 um daß die Beziehungen zu dieser Frau zuletzt rein freundschaft Tode verurteilt wurde. Die Gerichtsverhandlung findet licher Natur gewesen seien und daß, wenn er auch mit anderen in dem Zimmer eines örtlichen Gasthauses statt, das in einen Frauen efwas zu tun gehabt habe, weil er auswärts zu arbeiten geGerichtssaal verwandelt, aber viel zu klein ist, um alle Prozeß- zwungen war, das Verhältnis zu seiner Frau trotzdem har= beteiligten und außerdem noch die Zuhörer zu fassen. monisch gewesen sei. Wie Leister in der Mordnacht um 1 Uhr Dem Angeklagten stehen als Verteidiger der Rechtsanwalt man durch die Hilferufe seiner Frau plötzlich aus dem Schlafe geweckt worden war und den beiden Männern nach geeilt ist, weiß man aus Jena, dessen Bemühungen die Wiederaufnahme zu verdanken ist, und Justizrat Spener aus Eisenach, Leisters Verteidiger ja schon. Er holte auch selbst einen Arzt, dem aber nichts anderes aus dem ersten Prozeß, zur Verfügung. Unter den 35 3eugen übrigblieb, als festzustellen, daß ein Schuß die Halsschlagader der befinden sich auch die Geschwister und auch der älteste Sohn des Frau durchbohrt hatte. Das achtjährige Löchterchen schilderte, mie Angeklagten. Die Verhandlung beginnt mit einer Ueberraschung. Justizrat Speyer lehnt den Amtsgerichtsrat Dr. Schein wegen Befürchtung der Befangenheit ab. Dr. Schein hat im Jahre 1924 zusammen mit den beiden anderen Berufsrichtern das Todesurteil gefällt. Dem schriftlichen Ablehnungsantrage, der bereits vor der Berhand lung eingereicht worden war, ist nicht stattgegeben worden. Amis gerichtsrat Schein hält sich nicht für befangen. Justizrat Speŋer führt aber Gründe an, deren zwingendem Charakter man sich nicht verschließen fann: Amtsgerichtsrat Schein habe selbst den Wunsch geäußert, der Gerichtsverhandlung nicht beiwohnen zu müssen und gewiffermaßen angedeutet, daß er abgelehnt zu werden wünsche; er habe für Leifter nichts übrig und sei nach wie vor von seiner Schuld überzeugt. Demgemäß habe Dr. Schein auch nach dem OberLandgerichtsverfahren neben dem Urteilstert, nach dem Leifters Täter: Ichaft nicht erwiesen sei, Notizen gemacht, aus denen zu schließen fei, daß er nach wie vor das Todesurteil als zu Rechtertannt erachte. Aus all dem ergebe sich Dr. Scheins vorgefaßte Meinung. Das Gericht gab diesmal dem Ablehnungsantrag der Verteidigung statt und ersetzte Dr. Schein durch einen anderen Amtsgerichtsrat. Nun fonnte die eigentliche Gerichtsterhandlung beginnen. Der Angeklagte Leister muß ausführlich über seine Be ziehungen zu seiner Frau und auch zu der Frau Ernster Konflift bei der Lufthansa. Der Arbeiter minister gegen die Arbeiter. Am 3. Juni berichteten wir im ,, Borwärts" über die Ablehnung eines für die Wasserbauarbeiter gefällten Schiedsspruches durch das Reichsverkehrsministerium. In der antifozialen Einstel= lung dieses Ministeriums scheint System zu liegen. Der deutschnationale Minister Koch, dessen Partei bei den Wahlen eine so gründliche Abfuhr erlitten hatte, versucht in den letzten Tagen seiner Amtstätigkeit noch alles, um durch sozialreaktionäre Maßnahmen feine Auftraggeber zu befriedigen. ein Mann im Tischtasten gewühlt und dann auf die schreiende Mutter losgestürzt fei. Die Kleine habe sich noch unter der Bettdecke versteckt. Tatsächlich soll auch der Tischfasten aufgezogen worden sein und die Haustüre Spuren eines Stemmeisens getragen haben. Berdächtig schien es dem ersten Gericht, daß der Hund, der 14 Tage nach der Tat verendete, nicht angeschlagen hat. Nicht weniger verdächtig erschien es damals, daß der Angeflagte den Besig einer Pistole leugnete. Er erklärt nun, daß er sie vom Schwager zum Verkauf erhalten habe, später habe Anfangs hatte er vergessen, daß er sie befize, dann aber sich gefürchtet, ihren Besitz zuzugeben. Es wird festgestellt, daß der töd. liche Schuß nicht aus dieser Pistole abgegeben sein fonnte. Ein zwischendurch abgehaltener Lofaltermin ergibt, daß die Nachbarn, die die Leister belastenden Aussagen gemacht hatten, nur schmer beobachten fonnten, was in seinem Hause vorging. Das Gericht sieht sich genau diefes Haus an, wie auch das andere, aus dem der damals 13jährige Knabe Roth zwei Männer hatte flüchten sehen. Die Gerichtsverhandlung wird voraussichtlich drei Tage dauern. Der Angeflagte gibt auf alle Fragen klare und ruhige Antworten. Man hat den Eindruck, als sähe er noch heute alles vor sich und als halte er mit der Wahrheit nicht zurück. Auslese zu halten und unter eine scharfe Kontrolle zu nehmen, wenn das Verkehrsministerium nicht meiterhin eine Domäne deutschnationaler Partei- und reaktionärer Wirtschaftspolitit bleiben soll. Tagung der Betriebskrankenkassen. Intereffenvertretung der Unternehmer. Karlsruhe, 4. Juni.( Eigenbericht.) In Karlsruhe begann am Montag die 16. ordentliche Hauptpersammlung des Verbandes zur Wahrung der Interessen der deutschen Betriebstrantenfassen. Am Vormittag fand eine Vorbesprechung der Versichertenvertreter statt, der als Gast u. a. Dr. Broeder als Vertreter des ADGB. beiwohnte. Die Bor. beschrechung war von 810 Versichertenvertretern beschickt. Den Jahres Ara 24. Mai wurde durch einen einstimmigen Schieds. spruch für die bei der Lufthansa beschäftigten Arbeiter eine Lohn erhöhung von fieben Biennisie Stunde festgelegt. Das Reichsverfehrsministerium, Arm in Arm mit dem Spar" tommiffar, hat die Lufthansa aufgefordert, diesen Schiedsspruch abzulehnen. Der Berkehrsbericht gab Müller- Berlin. bund und der Metallarbeiterverbend haben, nachdem die Arbeiterschaft den Schiedsspruch angenommen hatte, beim Reichsarbeitsminister seine Verbindlich feitsertiärung bean tragt. Sollte der Reichsarbeitsminister der gleichen Ansicht sein wie sein deutsch nationaler Kollege vom Reichsverkehrsministerium, so ist mit der Stillegung der wichtigsten Streden des Luftverkehrs in der nächsten Woche zu rechnen. Bielleicht führt dann eine solche Maßnahme dazu, daß die Frage des deutschen Luftverkehrs und der deutschen Luftpolitif einer schärferen kontrolle als bisher unterworfen werde. Die neue Reichsregierung wird aber gut daran tun, unter den Luftfahrtreferenten des Reichsverkehrsministeriums gründlich Er fritisierte hauptsächlich die reaktionären Bestrebungen der Arbeitgeberverbände, die sich besonders auch in den Betriebskrankentassen auswirken, wo sie das Uebergewicht haben. Die Arbeiterschaft verlangt aber auch das ihr zustehende Recht in den Betriebskrankenfaffen. Die jetzige Regelung: ein Drittel Unternehmer, ein Drittel Geschäftsführer und ein Drittel Arbeiter entspreche in feiner Weise den Wünschen der Arbeiter. Der Reichstag habe die Aufgabe, sich auch mit dieser Frage zu befassen. An den christlichen Arbeiter vertretern liege es, auf die Fraktion des Zentrums entsprechend einzuwirken. wurde eine Entschließung angenommen, in der verlangt wird, 1. daß bei der bevorstehenden Aenderung des zweiten Punktes der Reichsversicherungsordnung endlich auch den Versichertenvertretern in den Organen der Betriebskrankenkassen das volle Selbst= verwaltungsrecht übertragen und somit der bestehende Ausnahmezustand der Betriebskrankenkassen gegenüber den anderen Raffenarten beseitigt wird, 2. daß der§ 414 der Reichsversicherungsordnung dahingehend geändert wird, daß die Organe der Kaffenvereinigungen im Sinne des Krankenversicherungsrechts( zwei Drittel Versicherte und ein Drittel Arbeitgeber) zusammengesetzt sein müssen. Andernfalls sind diese Bereinigungen für den Verkehr mit der Be Tödlicher Autounfall des Polariorschers Nordenskiöld. Prof.Dr. Otto Freiherr v. Nordenskiöld, der bedeutende Polarforscher, istin Götaborg einem Autounfall zum Opfer gefallen. Er wurde als Neffe des großen Polarforschers Adolf v. Nordenskiöld 1869 geboren, hat sich als Leiter der schwedischen Südpolarexpedition 1901-03 einen Namen gemacht, kam 1905 als Professor der Geographie an die Universität Götaborg und gab eine Anzahl wichtiger Werke heraus. hörde auszuschalten, da die bisherige Zusammensetzung nur als eine einseitige Interessenvertretung der Unternehmer zu betrachten und demnach nach Berfassung und Gesetz zu verbieten sind. Bei den Neuwahlen wurde die vorgeschlagene Lifte als Ergebnis der Beratungen der einzelnen Bezirke genehmigt. Die 15 Geschäftsführer und die Zentraltommffion mit dem Sitz in Berlin wurden wiedergewählt. Ein Erfolg der Oberlausitzer Granitschleifer. Lohnerhöhung um 7 Prozent. Der Streif der Oberlaufizer Granitschleifer, der 14 Wochen dauerte, ist nach äußerst hartem Kampf erfolgreich für die Arbeiterschaft beendet worden. Durch Schiedsspruch, dem fich beide Parteien vor der Berkündung unterwarfen, erhöht sich der Mindestlohn der Hilfsarbeiter von 56 auf 65 Pf.; die übrigen Löhne erfahren eine Erhöhung von 7 Pro 3. Der Streit gilt nicht als Unterbrechung des Arbeitsverhältnisses; ebenso wollen diese Bedingung nicht erfüllen. Es sind also Arbeitsfind sämtliche Arbeitsfräfte wieder einzustellen. Einige Unternehmer angebote von Steinarbeitern nach der Oberlaufig zunächst noch zurüd zu halten. Achtung, Rundfunkhörer! Heute, Dienstag, abend 8 Uhr, spricht der Geschäftsführer des Bezirks X des Deutschen WertmeisterVerbandes, Georg Jäger, durch den Berliner Rundfunk über das Thema„ Die Dauerkrise auf dem Arbeitsmarkt der Angestellten. Wie fann geholfen werden? Forderungen an Staat und Wirts Den Kassenbericht gab Ball Berlin. Nach längerer Diskussion schaft". Engelhardt- Caramel- Malzbier nahrhaft, wohlschmeckend, bekömmlich, erfrischend! Aerztlich empfohlen für Kinder, junge Mütter, Erholungsbedürftige, Sportleute Auf der Ausstellung: DIE ERNAHRUNG Halle 2, Stand 131 Küchen Anna- Küche noch zu meinen alten Preisen roh emailliert 43 75 M. Anrichte- Küche, Hanna' 88 118 M. Anrichte Küche, Louise' 108 155 M. Anrichte- Küche, Lübeck' 135 185 M. Kleiderspind, 92 cm. 43 55 M. Ausstellung feiner Rheinischer Küchen Küchenmöbel- Haus Laserstein, Luckauer Str. 1 Ecke Oranienstr.naheMoritzplatz Theater, Lichtspiele usw. Volksbühne Dienstag, 5. 7.28 Staats- Oper Unter d. Linden Ab.-V. 30. Anf.19% 7( 2) U. Die Hochzeit des Figaro Staats- Oper Am Pl.d. Republ. Res.-S. 108. Anf. 20( 8) U. Dienstag, 5.7.28 Städtische Oper Bismarckstr. Turnus i Ant. 19½( 7) U. Freischütz Staatl. Schauspielh. Am Gendarmenmark Ab.-V. 113 Anf. 20( 8) U. Der schwarze Die Weber Domino Staatl. Schiller- Theater, Charitbg. 20( 8) Uhr: Amphitryon arnowsky- sühner Th. Königgrätz. St. Bergm. 2110 Täglich 72 Uhr Leinen aus Irland Komödienhaus Norden 6304. Tägl.* Uhr Broadway Theater des Westens Rose- Theater Planetarium am Zoo Gr Frankt. Str. 132 ferläng. Joachimsthaler Straß Noll. 1578 * Uhr Das Paradies d. Ehe 16, 18, 19, 21 U. Gartenbühne 1,6 Uhr nachm. Konzert and banter Teil 84 Uhr: Der fidele Bauer Walhalla- Th. Weinbergsweg 19/20 Sternhimmel und Kalender Eintritt 1 M. Kinder unt. 15 Jahren 0,50 Heute 8% Uhr Berliner Prater Doppelvorstellung Kastanienallee 7/9. Steinpl. 931 8 Uhr Verlorene Töchter Polnische Wirtschaft" Täg ich: Max Adalbert zu einfachen Preis. Sittenst in 4 Akten." „ Das Ekel" Das Sonnenbad Saltenburg- Bühnen Dts. Künstler- Th. 44 Uhr Deutsches Theater Verbrechen Norden 12316 Uhr, Ende nach 1 Letzte Aufführungen Pygmalion Sonnabend 7 U. Premiere Das sind ja von Bernard Shaw reizende Leute.. itsch. v. Siegfr. Trehitsch Kammerspiele Norden 12310 Kicines Theater U., Ende nach 11 Täglich 8 Uhr Zum 141. Mal Finden Sie, daß Rosa Valetti, Eugen Rex in Die onstance sich richtig Großschnauze verhält? Die Komödie Lustspielhaus Bismarck 2414/ 751/ 8 Uhr Es liegt in der Luft Revue von Schiffer. Ausik v. Spoliansky Berliner Theater Theater am Bülowplatz| Th. m Schiffbanerdamm CASINO- THEATER 8 Uhr arlattenstr.30/ 91. John.17 8 Uhr: 814 Uhr kasten Lothringer Str. 37. 31, U. Ende geg. 11 Jr. Martin Zicke Uxwiderruflich letzter Monat! 8 Uhr raido Thielsener „ Unter eschäftsaufsicht Thalla- Theater Täglich 8 Uhr Orpheus in der Der Zigaretten- Müllers Prinzesschen. Gastspiel d. Deutschen Th. Dresdener Str. 72-1. Ausschneiden! Gutschein 1-4 Pers. Der Proze Unterwelt Fauteuil nur 1,10 M., Sessel 1,60 M Mary Dugan Dyckerpatts Erben Lustspiel in 3 Akten von Balewski Mus. v. Jean Gilbert Außerdem: Grosse Varieté. Nur Erwachsene haben Zutritt Tanz. Kaffeekochen. Park.auch Sonntags statt 4.- nur 60 Pi. SCALA Uhr vollengor 7360 Herb.Williams der eigenartigste amerikanische Exzentrik- Star und die übrigen Varieté- Sensationen! 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Mai verloren wir durch Unfall unseren Genossen Paul Hörl im besten Mannesalter von 31 Jahren Treu und unermudlich hat er zu uns gehalten, schnell und unerwartet riß ihn der Tod aus unseren Rethen Wir werden ihn ein bleibendes Gedenken bewahren! Arbeit.- Turn- a. Sport- Verein Pankowe.V. Die Beerdigung findet am Mittwoch, dem 6 Juni, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des Städtischen Friedhofes Reinickendorf, Sumboldtstraße. aus statt Auf Teilzahlung Kinderwagen Kleine Anzahlung! * Bequeme Abzahlung: CAMNITZER Schönhauser Allee 82, I am Hochbahnhof Nordring NEUE WELT Arnold Scholz. Hasenheide 108/ 1+. Täglich: Großes Gartenkonzert und gr. Revue 100 Jahre Banf und Runter. Dienst., Donnerst., sonnab. u. Sonnt. Tanz unter Palmen. Konzert ab 6 Uhr. Kaffeeküche ab 2 Dhr. Im Garten oder Saal. Eden- Palast Charlottenburg, Kaiser- Friedrich- Str. 24 Heute Rundtanz RB.- Kameraden, Parteigenoss. Eintr frei. Rennen zu Karlshorst Dienstag, den 5. Juni, nachmittags 3 Uhr Gr. Berliner Hürdenrennen. !®el,a*e SprMpnd Dienstag, 5. Juni 1928 Jedem Kinde eine Erholungsreise i Die Eltern sollen wissen: Die Jagendämter helfen. r 20 Prozent, in den Arbeitervierteln sogar 40 Prozent der Ber- liner Schulkinder sind nach den Untersuchungen der Schulärzte unter- ernährt oder im Wachstum zurückgeblieben. Aber auch die übrigen Kinder unserer Großstadt bedürfen einer Erholungsreise im Jahre dringend. Der hohe gesundheitliche Wert einer mehrwöchigen klimatischen Veränderung sür die Entwicklung des Kindes bedarf keiner näheren Begründung. Ist doch der körperliche, geistige und seelische Erfolg einer Erholungsreise nur allzu deutlich sichtbar. Kinder, die einige Wochen an der See. im Gebirge oder auf dem Lande in vernünftiger Weise verbracht haben, zeigen sich nicht nur körperlich gekräftigt, sondern auch geistig reger und aufnahmefähiger als vorher. Die entstandene Schulversäumnis haben sie im allge- meinen sehr schnell wieder ausgeholt. Aber die Frage ist: wie kommt das Kind zu seiner Erholungsreise? Das Landesjugendamt und die 20 Bezirtsjugendämter Berlins bemühen sich fest Jahren nach Kräften, so viel wie möglich Kinder an die See, ins Gebirge oder aufs Land zur Erholung zu schicken. Im vorigen Jahre wurde 60 000 Kindern diese Wohltat zuteil, das sind, da im Mai vorigen Jahres Berlin 380 400 Schulkinder zählte, 15,8 Proz. aller Kinder. Gegenüber der Vorkriegszeit ein schöner Fortschritt! Freilich genügt er nicht. Berlin, das im vorigen Jahre 908 000 M. für die Verschickung von Kindern ausgegeben und in diesem Jahre bisher nur 643 000 M. bereitgestellt hat, muß bedeutend mehr Mittel für diese vorbeugende Fürsorge im besten Sinne auf- zieherische Wert, der in dem Zusammenleben der Kinder unter pädagogischer Leitung liegt. In den Bauernhaushalten können sich die Pflegeeltern nur in sehr sellenen Ausnahmefällen der besonderen Aufmerksamkeit des fremden Kindes widmen. Ueber- Haupt passen in das Milieu eines Bauernhauses nur körperlich, geistig und seelisch robuste Kinder hinein. Die Großstadtkinder sind aber im allgemeinen sehr sensibel oeranlagt. Die Landarbeit, zu der die Kinder gewöhnlich herangezogen werden, ist ihrer allseitigen Entwicklung durchaus nicht dienlich. Aus allen diesen Gründen wer- den von den Jugendämtern nur noch wenige geeignete Landpflege- stellen beschickt. Vom gesundheitlichen und pädagogischen Gesichts- punkte aus betrachtet ist der Unterbringung der Kinder in einem guten Kinderheim selbst gegenüber einer Reise mit den Eltern der Vorzug zu geben. Wenn alle betelligten Faktoren: Jugendämter, soziale Versiche- rungsanstalten und Elternschaft zusammenwirken, dürfte das er- strebenswerte Ziel zu erreichen sein: Jedem Linde im Jahre eine Erholungsreise! Glückliches Ende und Geschichte. Der Direktor des Moskauer Künstlertheatcrs. Dantschenko, hielt kürzlich nach der Rückkehr von seiner amerikanischen Studienreise in Moskau einen Vortrag, in dem er über seine Erlebnisse und Er- fahrungen in Hollywood berichtete. Wie bekannt, wollen die amerika- nischen Filmhersteller von dem tragischen Ausgang eines Films nichts wissen, halten vielmehr darauf, daß die Dinge zur Genug- tuung der Zuschauer gut ausgehen. Hierüber teilte Dantschenko einen typischen Fall mit. Man war dabei, einen Film zu drehen, der das abenteuerliche Leben des berühmten Aufrührers Pugatschew zum Gegenstand der Handlung hatte. Als man zu der Szene ge- kommen war, in der Pugatschew in einem eisernen Käfig auf den Richtplag transportiert wird, um dort exekutiert zu werden, pro- testierten die Produktionsleiter energisch gegen diese historische Dar» stellung und forderten, daß Pugatschew nicht hingerichtet werde, sondern daß er vielmehr die Gunst der Kaiserin Katharina II. er- ringen und als deren rechtmäßiger Gatte sein Leben beschließen solle.„Die Geschichte stellt die Dinge zwar wesentlich anders dar/ bemerkte Dantschenko,„aber nach der Theorie der Amerikaner braucht sich der Film um die historische Wahrhest nicht zu kümmern: es sei vielmehr sein gutes Recht, die Geschichte zu korrigieren im Sinn« eines befriedigenden und den Zuschauer in guter Stimmung ent- lassenden Ausganges." Jugendrepublik„Rote Wacht". Berliner Kinder im Ostseebad Carlshagen. wenden. Mehrere tausend Kinder mußten im vorigen Jahre zurück- bleiben, weil die Eltern keinen Beitrag zu den Verschickungskosten leisten konnten. Und das traf gerade die bedürftigsten der Kinder. Die hierfür ausgegebenen Mittel werden Ersparnisse in der Gesund- heitssürsorge erwirken. Das sollten sich aber auch die Eltern sagen! Was sie für die Verschickung ihrer Kinder an Mitteln auswenden, werden sie, viel- leicht noch darüber hinaus, an Arzt- und Arzneikosten ersparen können. Denn es hat sich, man kann fast sagen, in jedem einzelnen Falle gezeigt, daß Kinder, die vorher oft kränkelten, nach einer Er- holungsreise auf Monate hinaus von einer Krankheit verschont blieben. Auch die sozialen Versicherungsanstalten, insbesondere die Krankenkassen, sollten im eigenen Interesse das von den Jugend- ämtern eingeleitete Verschickungswerk nach Kräften unterstützen. Es ist eine kurzsichtige Politik, die einzelne, besonders die kleineren Kassen betreiben, wenn sie die Leistung eines Beitrags zur Ver- schickung von Kindern ihrer Mitglieder ablehnen. Die Jugendämter verschicken in erster Linie die von den S ch u l- ä r z t e n ausgewählten Kinder. Sie übernehmen ober auch gern die Vermittlung der Verschickung der übrigen Kinder. Eltern, deren Kinder Nicht. von den Schulärzten vorgeschlagen sind, aber deren Verschickung doch gewünscht wird, sollten sich an des Zugendamt ihres Bezirks wenden. bevor sie ihre Kinder anderweitig unterbringen. Auch in diesen Fällen ist vorher der Arzt zu hören, um das der Natur des Kindes entsprechende Klima auszuwählen. Kindern unbemittelter Eltern gewährt die Reichsbahn bedeutende Fahrpreisermäßi- g u n g e n. Anträge sind an das zuständige Jugendamt zu richten. Wir haben in Deutschland zahlreiche Kinderheime, die eine gute Verpflegung und Betreuung der Kinder gewährleisten. Daneben gibt es aber auch Unternehmungen, die aus rein privatkapitalistischem Erholungsheim für Berliner Kinder in der Schweiz (Weißenburg, Berner Oberland.) Prinzip aufgebaut sind. Die Ellern sollten ihre Kinder nur in die von den Jugendämtern empfohlenen Heime schicken. Diese, die der Kontrolle der Jugendämter unterstehen, schließen sowohl eine Aus- Nutzung der Eltern wie auch eine schlechte Pflege der Kinder aus. Dein guten Kinderheim ist gegenüber der Einzelpflegestells der Vor- Zug zu geben. Denn in den gutgeleiteten Heimen ist alles auf die natürlichen Bedürfnisse der Kinder eingestellt.. Hier erhallen sie euch«im besonder« Körperpflege. Kazu kommt noch der hohe er» Ueber di« dunklen Wipfeln des Waldes bei Pctcrsdors leuchtet weit hin sichtbar eine große rote Fahne. Der Wanderer, der an einem der Pfingstfeiertagc die feste Straße von Fürstenwalde zum Scharmützelsee oder aus einsamen schönen Wegen durch di« Rauenschen Berge nach Petersdorf wanderte, sah sie lustig im Winde flattern. Die Blicke der Insassen der zahllosen Autos, die in das teuere märkische Bad Saarow fahren, lenkte sie auf sich: überoll wo man stand, sah man nur die große rote Fahne. Die Soziali st ischc Arbeiterjugend Groß- Berlin hat hier ihr erstes Zeltlager errichtet und die Fahne am langen Mast ist Mittelpunkt des Lagers. Am Freitag vor Pfingsten wird es auf dem freien Platz zwischen Soldatenbergcn und Petersdorser See lebendig. Ein Lost- wagen bahnt sich mühsam den Weg zum Platz. Zwanzig kräftige Hände packen zu und bald liegen die Wohnungen sür dreihundert junge Menschen über den Plag verteilt. Schnell werden die Plätze der Zelle gekennzeichnet und dann beginnt der Aufbau. Schon am Abend, als ein seiner Regen einsetzt, steht der größte Teil der Zelte. Der Rest wird am andern Morgen aufgebaut, der Fahnenmast wird errichtet, das Transparent am Eingang ausgestellt. Inzwischen Bei der Proviantausgabe. ist auch der Lieferwagen des Konsumvereins Fürstenwolde ange- kommen und Brot, Butter, Wurst, Käs«, Marmelade, Bananen und Apfelsinen werden ins Proviant, zell gebracht. Am Nachmittag ist das Lager fertig. Einunddreißig Zelte stehen im Rechteck um den hohen Fahnenmast und warten auf ihre Be- wohner. Gegen Abend kommen sie mit fliegenden Fahnen angerückt. Am Eingang werden sie vom Arbeitskommando empfangen und der Zug geht hinein ins Lager, im Kreis um den Fahnenmast herum, an dem zum Gruß die rote Fahne emporsteigt. Jeden Abend zur „Polizeistunde" wird sie eingeholt, um am andern Morgen beim Klang der Fanfaren, die die Schläfer wecken, wieder aufgezogen zu werden. Dann geht olles hinunter zum See waschen. Danach ist Proviantau-gabe. Nach dem Frühstück herrscht im Lager und aus dem Sportplatz daneben ein buntes Leben. Hier sitzt ein Kreis und singt bei Lautenbegleitung froh« Wanderlieder oder diskutiert, dort werden Wettspiele durchgeführt, Speer geworfen und gesprun- gen. Andere Gruppen führen Wanderungen in die nähere Um- gebung durch oder gehen zu den in der Nähe liegenden Braun- fohlengruben, bis die Fanfarenbläser di« Mittagszeit ansagen. Dann formiert sich ein langer Zug, der im Gleichschritt mit Musik, die mit Eßlöffeln auf den Näpfen Hervorgerufen wird, zum Dorf zieht zur Ellenausgabe. Der Nochmittag bleibt wieder für die Gruppen frei und am Abend findet eine kleine Feierstunde am Fahnenwall statt, die mit einem gemeinsamen Lied und dem Niederholen der Fahne endet. So vergehen di« Feiertage im Fluge, und der Abend des zwei- ten Feiertages naht heran, an dem die Teilnehmer, begleitet von den Glücklichen, die noch einen Tag länger bleiben dürsen, noch Fürstenwald« zur Bahn zurückmarschieren. Am dritten Feiertag wird das Lager abgebaut und wieder auf das Auto verladen, das die „Häuser" nach Berlin zurückbringt. Iugendrcpublik„Rote Wacht" wurde dieses Lager genannt. Der Zweck des Lagers war nicht nur, dreihundert Jugend- lichen die Möglichkeit zu geben, einige Tage bei herrlichem Wetter frei ur der Natur zu verbringen. Die braunen oder auch roten Ge. sichter. di« beim Schluß des Lagers nur ungern wieder in die Stadt zogen, verband noch etwas anderes. Der Wille zum gemeinsamen Schaffen wurde lebendiger bei allen Teilnehmern. Gemeinsam hotte man das Lager aufgebaut, gemeinsam in voller Harmonie ohne jeden Gesamtansicht des Zeltlagers. Mißton die Tage zusammen gelebt, gemeinsam das Lager wieder abgerissen. Solche Tage der Freiheit müssen wir uns, der Jugend, mehr erringen, das war der Wille aller, und die Worte eines jugendlichen Redners bei einer Abendfeier:„Die Anker hoch! Auf an die Arbeit!" wurden zum Gelöbnis aller Teilnehmer, die zurück in die Stadt an die Arbeit gingen. L i n d st ä d t. Revolution in Duggendorf Pfarrer, Kircfaenchor und fleischfarbene Strümpfe. Diese Geschichte hat den Vorzug, unpolitisch zu sein, wenn auch ihr Held, soweit es sich um Sozialistenfresserei handelt, in höchstem Maße politisch ist. Lauerer heißt dieser Held. Er venrcibt sich die freie Zeit damit, an die Gastwirte Schreibebriefe zu schreiben, in denen er vor Vergebung der Säle an Sozialdemokraten warnt. Pfarrer ist er obendrein. Und zwar in Duggendorf in der Oberpfaiz. Dieser Pfarrer überraschte seine Gemeinde eines Tages mit folgendem Utas: Pom Pfarramte Duggendorf Post Pielenhofen(Ops.). Abschrift. Es ist ollgemein bekannt und wiederholt von der Kanzel aus betont worden, daß die Vorschriften der deutschen Bischöfe hin- sichtlich der Mode im Gewissen verpflichten. Trotzdem werden sündhafterweise die kirchlichen Gebote übertreten, sogar von solchen, welche als Chorsängerinnen bei kirchlichen Ver- rjchtungen, Leichen, Prozessionen usw. direkt mitwirken. Das gilt auch von der Kleidung, den kurzen Rocken, den fleischfarbigen Strümpfen, durchsichtigen Kleidern. von heute mittag an will ich solche nicht mehr sehen. Wer sich nicht anders kleiden will, betritt den Singchor nie mehr. Entweder gilt uns die Kirche und der Bischof etwas oder nicht. Für den katholischen Christen ist nicht die Mode maßgebend, sondern Reli- gion und Sittlichkeit. Gegen Schulpflichtige werde ich mit Strafen einschreiten, gegen die anderen wird es auch noch Mittel geben. Wer die Kirche nicht hört, der sei wie ein Heide, sagt der Apostel. Davon werden hiermit alle Chorsängerinnen gegen Unterschrift verständigt. Dabei wird auch hingewiesen, wie schon bekannt ist. daß. wer öffentliche Tänze besucht, also Bursche». bekanntschaft hat. aus dem Ehor nichts mehr zu suchen hat. Duggendorf, den 17. Mai 1928. Das Kath. Pfarramt Duggendorf. gez. Lauerer, Pf Der Erfolg? Anders als ihn sich Ehrwürden vorzestell: hat. Die Sängerinnen schickten den Ukaz ohne Unterschrift postwendend zurück und traten kurz entschlossen in den— Streik. Ob der . Pfarrer darauf mit dem großen Kirchenbann antwortete, ist nicht be» taimt geworden. Der erste Flug zum Mars Eine tcdmisch-phantasHschc Erzählung von Kurt Delta/ Zeichnungen von A.Florath 3. Fortsetzung Cr wälzt sich aus dem federnden Gehänge. Er kriecht und schiebt sich über den Boden. Dort drüben am Schaltbrett ist der Hebel. Drei Zoll von der Hand Lord Merimeers. Aber dessen Lider liegen bleiern über den Augäpfeln. Das 8. O. S. des Senders war nicht in seine versunken« Gedankenwelt gedrungen. Da ist Ionnq an der Wand. Zweimal versucht er sich aufzurichten, zweimal drückt es ihn wieder zusammen. Da zieht er sich Zoll für Zoll an Mcrimcer empor, tastet sich an dessen gestütztem Arm hinüber zum Hebel. Er erfaßt ihn, und zusamensinkend reiht er ihn aus den Klemmen. ★ Ionny riof sich den Schlaf aus den Augen.— Er mußt: wohl einige Zeit so gelegen haben. Die gleichmäßigen Atemzüge von Lord und Lady Merimeer sogen ihm, daß ihre Ohnmacht einem stärken- den Schlaf gewichen ist. Mit einigen leichten Bewegungen hatte er Merimeer aus dem Fedcrgehänge gehoben und auf«in Lederpolster gelegt. Nun hielt er auch die Lady in seinem Arni. Es ist ihm, als hätte er sie eben vom Kreuz abgenommen. Wie bleich sie ist—. Während er sie in den Armen hält, bringt der Blutstrom ihr wieder das Hellrot- braun der Abhärtung durch Wüstenwind und Gletfchersonne. Wie sie atmet. Sie schläft ganz leicht. Wie schön sie ist—. Li«,--wie-er sein Weib will. Und er darf sie küssen, er hat sie ja gerettet!— Du— da ist es ihm, als hätten sich ihre Augen ge- öffnet. Aber sie schläft doch wieder wie zuvor? Er hat ein Gefühl. als wäre er klein, ein Schuljunge«-und- hätte-irgendw«- Kirschen gestohlen. Er ließ sie aus das Polster gleiten und war nnt einigen raschen Schritten am Taster:— Hier Ionny— Haben Triebkraft gestoppt— Alle« in Ordnung und gesund— Auch die Lady—. « .Auch die Lady," brummte der Empfangsoffizier auf Zentron. Dabei blickte er mit ein paar komischen Falten im Gesicht auf seinen Kollegen.„Na, über den Berg sind sie, das sahen wir schon vor einer halben Stunde an der gleichmäßigen Geschwindigkeit der Rakete. Du kannst melden, daß nach Funkspruch olles in Ord- nung ist."— Dann blickte er um sich und sprach leise weiter, so, als wenn er einen Lauscher furchte.„Kamerad, Lord Merimeer ist, unter uns gesagt,«in Esel. Ja, hier unten— er, der berühmte, reiche und all- mächtige Gelehrte. Aber dort oben in der Rakete— sie, die lebens- hungrige, geistreich? Frau und Ionny— der Held— Wie der Schmetterling aus einer grauen Puppe kriecht, so ist dieser Ionny in den Sonnenschein der Welt geflattert." » Der Telegraph arbeitete fieberhast—. Di« Zeitungen über- schwemmten das Land mit Extraausgaben. Di« Zeitungsjungen riefen die fettgedruckten Aufschriften durch die Straßen.— Die Rakete ist gestortet— Die Mitglieder der ersten Expedition sind ge- rettet— An deren Stelle siegen als zweite Bemannung Lord und Lady Merimeer und Ionny Hellar,«in Funker der Marine der Liga. Und nun erzählten die Zeitungen in vielen engen Spalten die Ereignisse der letzten Stunden. Das wuchtig« Geschehnis hatte nun die verschleierten Zensurmaßnahmen der Liga hinweggefegt. Man erlebt« jetzt erst in aufregenden Worten den Kampf der Flotte gegen die Macht auf Zentron. Andere Blätter brachten die Bilder der Merimeer? und Ionny Hellors. In persönlichem und persönlichstem wurde geforscht und gebohrt. Lord Merimeer war bekannt als der eiserne Mann der For- schung. Polarexpcditionen, Flüge zur Erforschung der Erdhlllle hatte Merimeer mit seinen Millionen finanziert.> Immer saß der Unermüdliche als die Seele der Expeditionen in der Gondel der Flug- schiffe. Er las die Instrunrentc, stellte Zahlen neben Zahlen, und nie zittert» seine Hand. Man brachte Anekdote» von dieser Sicherheit im Arbeiten. Als sein Flugzeug mit gefrorenen Motoren in der Eiswüste lag, wurde es, ein Wunder, in letzter Minute durch ein Hilfsflugschiff gerettet. Da trat Lord Merimeer mit tiefliegenden Augen, aber leise lächelnd zum Kapitän des rettenden Schisses und sagte nur:.An n'ght, fahren wir zurück. Ich habe die Papiere, und die Berechnungen sind fertig— Lady Merimeer war das Gegenleil ihres in der Formel auf- gehenden Mannes. Exzentrisch, launisch, tollkühn war sie.— Aber das war nicht immer so. Sie war eine puritanisch und welt- abgeschieden erzogene Tochter gewesen, als sie Merimeer in sein Haus als Gattin jührte. Sie dachte sich dies als«inen Schritt zur Freiheit. Sie wollte mitleben und mitkämpfen an der Seit« ihres Mannes. Sie wollte seine Gefährtin iuri Forschung und Arbeit sein. Der Lord aber wies sie liebenswürdig, aber bestimmt immer wieder zurück. Wie Archimedes dackste er: Stört mir mein« Kreise nicht! Merimeer hatte Prinzipien. Fraum und wissenschaftliche Arbeit, da kommt manchmal etwas Interessantes, aber sicher nie etwas Genaues heraus! Eine Frau kann Märtyrer, Prophet, Trommler einer Idee sein, aber nüchterner Forscher? Lord Merimeers Prin- zip war die Berechnung, nicht das Experiment. Wenn er dachte, daß sie seine Zahlen und Zeichen verstehen und lieben lernen sollte, dann lächelte«r. Aber als sie wieder zu ihm kam. brachte er einen letzten Trunips, den er für sehr gut hielt. „Gewiß." sagte er.„es gibt Frauen, die zugleich Gelehrte sind." „Und warum sollte ich keine solche Ausnahme werden?" lächelt sie schüchtern.„Oh. das ist eine einfache Sache," sagt er, und streicht ihr leise über die Hände.„Weißt du, solche Gelehrte heiraten sich nicht." Und nun sucht er sie abzulenken, so wie man ein Kind beruhigt. „Es steht eine Segeljacht für dich im Hafen. Nimm Urlaub—. Meine letzten Berechnungen muß ich nochmals am Pol selbst--* Do wurde Lady Merimeer über Nacht zu dem, was sie heute ist: exzentrisch und tollkühn! Sie hielt Höhenrekord« im Flugzeug. Sie war die kühne Führer!» der Atlantisexpedition im Tauchboot. Nun hatte die Ero- welt sie zum Begleiter ihres Gatten im Projektil gewählt. Und Ionny Hellar? Niemand hotte den Namen in der Welt der Wissenschaft gehört. Niemand kannte seine Vergangenheit. Eine deutsche Zeitung, die behauptete, unterrichtet zu sein, erzählte reich. lich geheimnisvoll etwas von einem Ingenieur und Journalisten. Doch— wer er auch war, jetzt war der Name Ionny Hellar auf ollen Lippen. Jeder kannte dse Geschichte von„Ionny, dem Funker"!„Väter und Mülter, er hat eure Söhne vor dem Wahnsinn gerettet!" schrie der„Worker" mit fetten Buchstaben in die Massen. Der„Demokrat" bringt es in Riesenlettern wie ein Fanal: Hätte„Ionny der Fun- fcr" nicht bei Nacht und Nebel die Rakete durch die Flotte der Liga geschleppt, so wären die Millionen umsonst gebracht, die Pioniere der Idee wären umsonst gefallen! Der Jubel der Straße aber wurde zum gemeinsamen Wtll«n. Ionny führt das Projektil. Ionny, der unbekannte Pionier. Er trägt unseren Willen in seiner Tat.— Es ist unser Ionny! Und— er wurde nötig, dieser gemeinsame Gedanke und Wille. Kalt und fremd fielen in die freudige Flut die Bekonirtmachungen der Dölkerliga.— Unsere Flotte hat Zentron ohne Verluste besetzt.— Di« Deserteure sind interniert.— Das Präfidimn der Erowelt hat sich unserem Urteil unterstellt. Es wird sich vor der Bollversamm- lung der Liga zu perantworten haben. Joimy Hellar, bekannt unter dem Namen„Ionny der Funker", hat sich unseren Organen durch Flucht in der Ratete entzogen. Wir werden die in unseren Händen befindlichen Geißeln der Erowelt dazu verwenden, Ionny Hellar der Gerechtigkeit zuzuführen. Mit weithin schallender Stimme, die zeitweise vor Erregung überschlug, verlas irgendeiner, auf dem Steinsockel des Denkmals stehend, di« Proklamationen. Der glückliche Jubel der Massen war einer lähmenden Stille gewichen. Der oben ani Sockel hatte ge- endet. Er stand vornübergebeugt, hatte die Arme schlaff herab- hängen und starrte so auf die Menge, die noch immer Kops an Sh'pf gedrängt stand. Da schrie es eine heisere Stimme:„Zum Bundeshaus!" Und wiewohl dieser Ruf keinen tönenden Widerholl fand, setzte sich doch die dunkle Masse in Bewegung, unheimlich lautlos, langsam und drohend. * Bor vollbesetztem Hause eröffnete der Präsident der Liga die Sitzung. Draußen stand die Meng« zu dichten Massen geballt, vom Bundeshaus mit einem vierfachen Polizeikordon abgesperrt. Abwartend, schweigend standen sie, aber mitten unter ihnen saß geduckt ein rotes Tigcrtier. Auch in den Sitzungssaal war dieses abwartende Schweige?» gedrungen. Bor der Präsidententribüne der Liga saßen di« Ver, ontworllichen der Ero welt. Noch saßen ficjvie freie Männer. Abey an den Eingängen des Saales standen Soldaten mit Maschinen» pistolen. Als ersten Punkt der Tagesordnung fordert das Präsidium das Vertrauen der Ligaoertreter. Es erklärt, ohne Aussprach« zu? Abstimmung schreiten zu mllsien, da sofort Maßnahmen in dieser Situation ergriffen werden müßten. Mit Kirchhossruhe wird dieser Beschluß aufgenommen. Der Abstimmungsvorgang in der Liga ist einfach. Pneumatisch werden die weißen Ja-Zettel und die roten Nein-Zettel zum Präsidententisch befördert. Mit zischend geflüsterten, erregten Worten erwartet« man dos Resultat. Da erhob sich der Präsident. Seine Stimme klang hart und höhnisch.„Es sind hundertundsicbzig rote und hundertundsechzig weiße Zettel abgegeben worden. Da der Rat der Liga zu dieser Zeit nur dreihundert Mitglieder umfaßt, sind dreißig Zettel zuviel. Wir werden untersuchen, wer die roten Zettel in die Abstimmungs- Vorrichtungen geschmuggelt Di« übrigen Worte des Präsidenten gingen in einein allgemeinen Getöse unter. Abgeordnete in den vorderen Reihen schrien:„Sic sind von dir, die weißen Zettel. Herunter mit dir, du Schurke!" Der Präsident erhob den Arm. Ein Leutnant begann mit seinem Zug gegen die Abgeordneten vorzudringen, um sie von den Sitzen zu reißen. Es fielen Schüsse--- Diese Augenblicke nützte der Leiter der Erowelt. Er war mit einigen Sprüngen auf der Präsidentenbühne, eilte über sie hinweg und stieß die Türe zum Balkon des Bundeshauses auf. Hochanf- atmend stand er jetzt am Geländer, und die harrende Meng« grüßte ihn mit brausendem Jubel! So schnell war dies alles geschehen, daß ihm niemand in den Weg getreten war. Der Präsident der Liga zitterte vor Zorn. Er wollte eben einen Offizier zu sich rufen, da stürzte ein« Ordonnanz auf ihn zu. Keuchend meldete dieser:„Geheimkurier— Meldung der Admiralität." Der Präsident riß die Nachricht aus der Hülle und entfaltete sie. Langsam wird er bleich. Starr hängen seine Augen an den wenigen Worte».— Mannschaften üben passiven Widerstand.— Konnte desertierte Mannschaft nicht Internieren, da entsandte Formationen nicht zurückkehrten.— Kreuzer„Diamant". das Führerschiis der Deserteure, ist gestern Nacht mit unbekanntem Ziel abgedampft.— (Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT, nimiiiniiinniniiiiiinmiiiiniiiuiiiinnMiHiiiiiiniinmiiniimiiiiiiiiniiiiiiiiiiininimiitiiininnnnniniiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiHiiiiiitRiiiiiiillüniniiiiiiiiiiiuiiminiluinnnwmninni Die Produktion an Gesetzen. In der Zeit von 1871 bis 1927 wurden im Reichsgejetzblatt etwa 19 600 Gesetze, Verordnungen und B e k a n nt- machungen veröfsentticht und damit rechtskräftig. In diesem Zeitraum hat die gesetzgeberische Tätigkeit des Reiches stark zuge- nommen. Im Jahre 1882 wurden mir 27 neue Gesetze gezählt. 1923 jedoch 1029, das find die modrigsten und höchsten Zahlen in der ganzen Zeit. Die Entwicklung ist mit ziemlicher Stetigkeit vor sich gegangen. Schaltet man die außergewöhnlichen Jahre aus der Be- lrachtung aus(1923), so ergibt sich ungefähr folgendes Bild: 1873 wurden im Reich 27 Gesetze, 17 Verordnungen und 18 Bekannt- mochungen erlösten: 1926 140 Gesetze, 144 Verordnungen und 174 Bekanntmachungen. Dies« Zunahm« der Produktion an Geieizen -m Reich kommt zum Teil daher, daß das Reich den Ländern einen großen Teil ihrer früheren Befugnisse abgenommen hat. Aber viel wichtiger ist, daß in den letzten Jahrzehnten die Wirtschaft lind die Sozialpolitik in viel höherem Grade als früher von der staatlichen Gesetzgebung ersaßt werden. Stellt man ursprüngliche staatsrecht- liehe Gesetze den Gesetzen gegenüber, die auf die„Wirtschast" im weiteren Sinne Bezug haben, so verhalten sich die beiden Gruppen zueinander in der Zeit von 1871 bis 1879 wie 1; 1,25, van 18S0 bis 1889 wie 1: 3,6, von 1890 bis 1899 wie 1:5.2, von 1900 bis 1909 wie 1: 6,1, von 1910 bis 1919 wie 1: 10,8, von 1925 bis 1925 wie 1: 14,1. Der Airteil der eigentlichen„politischen" Gesetze an der gesamten Gesetzgebimg. der in der Zeit von 1871 bis 1879 noch säst 50 Prnz. beanspruchte, ist ollmählich auf 7 Pro;, gesunken. Dies« Statistik zeigt, daß der frei« Ablauf der Wirtschaft in zunehmendem Maße einer staatlichen Regelung unterworfen wird. Amtsgerichtsrat Pignol. Die Wohlschlacht hat unter anderem auch einen biederen Amts- gerichtsrat von Mühlhausen i. Th. namens Pingol offensichtlich aus dem Gleichgewicht gebracht. Er stimmt in einer Zuschrift an dos dortige sozialdemokratische Blatt erst recht folgende Lobeshymne auf Wilhelm, dem Ausreißer, an: „Ein Kaiser und König, der noch 1918 vom Zentrum und von der Demokratie gepriesen wurde, kann nicht gutseinHeerund s o i n>i d r i g e s Volk(!) im Stich gelassen haben, und sein« Rück- kehr mit und zucken Treuen hätte den Bürgerkrieg herbeigeführt(?) und damit den Einmarsch der Feinde und noch di« äußere Vernich- tung des Vaterlandes. Visier öffnen! Stein vom Herzen! Hand- schlag! Saulns, bald Paulus! Pignol." Was soll man dazu sagen? Zwangsjacke her! Die neue Wohnung. „Für dos enge Loch wollen Sie 150 Mark Monatsmiete haben? Da gehen ja nicht einmal die nötigsten Möbel hinein!" „Na also! Denken Sie bloß, was Sie da an Möbeln sparen!" „Wahrer Jakob." Der„mechanische" Verkehr. Im„Groß-Berliner Aerzteblatt" gibt es u. a. einen medizinisch- juristischen Büchertisch. Dort schreibt der Iustizrat Eschenbach über Van de Veldes„Vollkommene Ehe" wie folgt: „Der Jurist wird allerdings zu dem Werke teilweise sich ganz außerordentlich kritisch verhalten, und zwar� weil in demselben eine Ausfassung über dos rein Mechanische des Verkehrs der Geschlechter in der Ehe zum Ausdruck komnit, welche jeder erfahrene Jurist zum allergrößten Teil wird ablehnen müssen." Gut gebrüllt, Löwe! Der„Jurist" tut immer da?„Gegenteil" und wenn er sich noch so blamiert! Der angriffslustige Schwan. In Bromley in der Grafschaft Kent(England) badete ein Manu in einem See. als er plötzlich von einem Schwan angegriffen wurde. Der«chwau schlug dem Schwimmer mit den Flügeln um die Ohren. daß ihm Hören und Sehen verging, und gebrauchte auch seinen Schnabel so kräftig, daß da? arme Opfer laut um Hilfe schrie. Er konnte sich der Gesahr des Ertränktwerdens nur dadurch entziehen, daß er mif dem Rücken schwamm und mit den Füßen nach dem Schwein schlug. Halb bewußtlos wurde der Mann aus dem Master gezogen. Allem Anschein nach handelte es sich um«inen weiblichen Schwan, der seine Brut gefährdet glaubt«. Das Baden im Keston- See ist bis auf weiteres verboten worden. Ein neuer Vogelflieger. Mr. George R. Wh ite, ein früherer amerikanischer Armee flieger-Instnikteor aus St, Augustine, Florida, hat sein sechstes Vogelfiugzeog gebaut damit Versuchst'Jüge gemocht, ~ Sportund Spiel~ Die Kommunisten demaskieren sich! Arbeit für den Bundestag. Die Kommunisten arbeiten in Berlin zielbewußt auf neue Provokationen hin. Man versucht vorläufig in einer fleineren Gruppe Absprengungen und wartet ab, was der Bund zu der Angelegenheit sagen wird. Man will vorläufig nur die Borgänge in der jungen Tennisbewegung zur Krise steigern. Die letzte Technikerjigung der Arbeiter- Tennis- Bereinigung bestärkt in dieser Auffassung. Die Zur Debatte stand das bundesoffene Arbeitertennisturnier. Der Oberkommunist Friedmann feierte einleitend seinen Sieg als Bundestagsdelegierter. Bei dieser Gelegenheit erklärte er, daß nur die Sportler aus den Kafferndörfern" der Provinz fozialistisch gewähit hätten. Die Bundesmitglieder der Provinz werden sich über diese wahrhaft bundesgenössische Bezeich. nung des Vorsitzenden der Spielerfparte des 1. Kreises besonders freuen. Sie fönnen aber beruhigt sein, denn die Berliner Sozia listen werden von diesem Herrn noch viel schöner betitelt. tommunistische M. 3." behauptet wohl, daß Friedmann über amei Jahrzehnte in der Arbeitersportbewegung tätig sei, fie scheint aber einen anderen Friedmann zu meinen, denn der Borsitzende der Spielersparte namens Friedmann ist vortnapp zwei bis drei Jahren plöglich in Berlin auf getaucht. Vor zwei Jahrzehnten drückte er noch als ABC.Schüße die Schulbant, und später war er friegsfreiwilliger unga rischer Offizier, und zwar nationalistisch bis auf die Knochen. Wo er noch landen wird, das kann man heute noch nicht sagen. Daß dieser Mann überhaupt im Berliner Arbeiter sport eine Rolle, und zwar eine sehr verhängnisvolle Rolle spielen tann, ist bestimmt kein Ruhmesblatt für den ehemals so stolzen 1. Kreis. Bei der Besprechung der Meldungen zum bundesoffenen Turnier meldete Tennis- Rot" auch drei Spieler der von der ArbeiterTennis- Bereinigung abgelehnten Lichtenberger Abteilung. Fried " mann wandte sich scharf gegen die Teilnahme dieser drei Bundesmit glieder. Als ihm entgegengehalten wurde, daß nach den Ausschreibungen alle Bundesmitglieder an dem Turnier teilnehmen fönnten, erflärte er, daß er sich auf juristische Spitfindigkeiten nicht einlaffe". Bei der Abstimmung lehnten die Barteifreunde und Mit läufer von Friedmann die Teilnahme der Lichtenberger am Turnier ab. Der Obmann von Tennis- Rot" gab hierauf die Erklärung ab, daß Tennis- Rot nunmehr mit seinen sämtlichen Abteilungen auf die Teilnahme am Turnier verzichte. Diese Erklärung veranlaßte nunmehr den langjährig bewährten" Friedmann zu der Feststellung, daß er mit seiner Abteilung es ablehnen würde, gegen Tennis- Rot in den Serienspielen anzutreten. Die zu ihm stehenden Abteilungen würde er im gleichen Sinne beeinflussen. Er führte weiter aus, daß er schon dafür sorgen werde, daß eine trodene Spaltung" gegenüber Tennis- Rot zur Durch führung kommen werde. = Im Verlauf der weiteren Diskussion erklärte er, daß er als Kommunist verpflichtet sei, hundertprozentig im Ar= beiter Turn- und Sportbund nach den Richtlinien seiner Partei zu arbeiten. Bei einer reinfchen Scheidung jei der Kommunistischen Partei diese Agitationsmöglichkeit genommen. So sieht die kommunistische Phrase von der„ Einheitsfront" in Wirklichkeit aus. Der kommende Bundestag steht vor einer großen und grundsätzlichen Entscheidung. Die Mehrheit des jetzigen Bundestages ist noch eine sozialistische, die entschieden die kommunistische Wühlarbeit ablehnt. Eins steht aber fest: die bundestreuen Delegierten müssen handeln, bevor es zu spät ist; sie müssen handeln, um noch größere Schädigungen zu verhindern. Auch im 1. Kreise muß endlich wieder Bundesarbeit geleistet werden nach Jahren gehässigster und fd; muzigster Parteifämpfe, angezettelt durch gewissenlose fommunistische Hetzer und berufsmäßige Spalter. wurde Dugree, das Ans 1: 0 Stollberg bei Aachen noch das Spiel, wenn auch nur fnapp, für sich entscheiden konnte, spricht für seine Spielstärke. Das Spiel endete 4: 4 Matches, 10: 8 Sägen, 80:75 Spielen für Tennis- Rot. Spieler geba nisse Männer Einzel: Dr. Deutschtron- Bezzin 6: 1 6: 1, A. Noack- Reinfe I 1: 6 0: 6, Dekkert- Reinke II 1: 6 8: 6 1: 6, Kohn- Bastoff 2: 6 2: 6; Frauen Einzel: F. Kohler- Schnee 6: 2 6: 1, E. Noad- Hellmerstädt 6: 3 6: 1; Männer Doppel: Dr. Deutschfron- A. Noack Gebrüder Reinte 6: 34: 6, 7: 9; Gemischtes Doppel: F. Kohler- Dr. Deutschkron Reinke ISchnee 6: 2 6: 4. = Die ersten Freiwasserkämpfe der Schwimmer Anläßlich der Einweihung des neuen städtischen Schwimmbades in Wittenberge an der Elbe hatte der dort ansässige Arbeiterschwimmverein„ Neptun" eine stattliche Anzahl Meldungen von den Bereinen aus Rathenow, Perleberg, Schwerin und Berlin- Vorwärts, Freiheit, Charlottenburg erhalten. Bei sonnigem Weiter und einer Wassertemperatur von 18 Grad Celsius wickelten sich die Wettkämpfe vor einer tausendköpfigen Zuschauermenge rasch ab. Die Startenden tamen fast nur aus der B- Klasse. Im Programm befanden sich noch Rettungsvorführungen und ein Schauspringen. Das dicht an der Elbe gelegene Bad hat ein Bassin von 100 mal 18 Meter und einen Sprungturm mit 1,3- und 5- MeterBrettern. Sechs Startblöcke stehen den Wettkämpfern zur Ver fügung. Die Wettkämpfe ergaben folgende Resultate: Männerlagenstafette 4x100 meter: 1. Borwärts- Berlin 5.52, 2. Freiheit 6,05. Männliches Jugendfreistilschwimmen 100 Meter: 1. Grilhn- Charlottenburg 1.16%, 2. Krämer- Charlottenburg 1.24% Männer- Rüdenschwimmen 100 Meter: 1. Trester- Freiheit 1.31%, 2. Houst- Vorwärts 1.32%. MännerBrustschwimmen 100 Meter: 1. Schindler- Bormärts 1.32%, 2. StubbenhagenWittenberge 1.34%. Frauen- Brustschwimmen 100 Meter: 1. Hesse- Charlotten burg 1.51%, 2. Rippert- Charlottenburg 1.544. Jugend- Bruststafette 3 × 100 Meter: 1. Wittenberge 5.14%, 2. Rathenow. Männer- Benfiftafette 3 × 100 Meter: 1. Freiheit 4.57%, 2. Vorwärts 4.58%. Männer- Freistilsaimimmen 100 Meter: 1. Serger- Rathenow 1.18%, 2. Senrich- Vorwärts 1.21. Wasserball- Muhrkampf; Weitwurf beidarmig, Zielwurf, 50- Meter- Dribbeln: 1. Wittenberge 44% Bunkte, 2. Borwärts 46 Punkte. Wasserballspiele: Jugend Vorwärts gegen Freiheit 2: 2. Kombiniert Wittenberge und Schwerin gegen Freiheit 1: 4, Bezirkssportfest in Weißensee. Am kommenden Sonnabend und Sonntag findet in Weißensee das Bezirksfest des 2. Bezirks im 1. Kreis des ArbeiterTurn- und Sportbundes statt. lleber 1000 Turner und Sportler sind aus allen Orten des 2. Bezirks als Teilnehmer gemeldet, so daß schon durch diesen Massenaufmarsch der Arbeitersportler das Bezirksfest zu einer gewaltigen Demonstration zu werden ver spricht. Aber nicht nur dies. Die besten technischen Kräfte, die sich vornehmlich in diesem Bezirk des Arbeiter- Turn- und Sportbundes befinden, geben sich in Weißensee ein Stelldichein. Wir wollen nur anführen, daß sich der Bundesfußballmeister Adler 08 und der Wasserballmeister, der Weißenseer Arbeiter,, Froh, Frei, Stark, Treu!" batte Fleron bei Lüttich zu Gast, man trennte fich 0: 0. Favorit ſchwimmberein„ Neptun", neben den guten turneriſchen und leicht Bootstaufe der Freien Turnerschaft. Die Kamiabteilung der Freien Turnerschaft Groß Berlin hatte am Sonntag ihren großen Tag. Sie fonnte zwei Tauffeiern veranstalten. Das vor furzem errichtete Bootshaus wurde am Sonntag offiziell eröffnet. Im alten Dörfchen Rahnsdorf in der Dorfstraße hat das Bootshaus einen guten Platz be= kommen. Wie notwendig das neue Haus war, beweist die Tatsache, daß der große Bootslagerschuppen schon fast vollständig mit Booten besetzt ist. Die eigentliche Tauffeier, zu der in Hunderten von Booten aus allen Arbeitersportvereinen am Müggelfee zahlreiche Gäste erschienen waren, galt dem neuen Kanu Boots vierer. Die kurze Feier begann auf dem festlich geschmückten Bootsplatz mit dem Gesangsvortrag Lord Folejon". Damn begrüßte der Vorsitzende des Kanubezirks der FLGB., Kind, die Festgäste. Dann taufte der Sparten vorsitzende su mann den prächtigen Vierer auf den Wahlspruch des Arbeiter- Turn- und Sportbundes: Froh, Frei, Start, Treu." Zwei Paddelboote, die in dem Bootsbaulehrgang des Bezirksamtes Friedrichshain gebaut worden sind, erhielten die Namen„ Bürgermeister Mielig" und Fahrigenoß". Nach der Taufe nahm der Vorsitzende der Freien Turnerschaft Groß- Berlin, Kosel, das Wort zu einer Ansprache, in der er auf die Bedeutung der Arbeitersportverbände hinwies. Für das Be. zirksamt Friedrichshain sprach Jugendpfleger Rohler. Unter dem Kreuzfeuer der Photographen machten die Boote ihre erste Fahrt. Spiele im Arbeitersport. Handball- Meisterschaften: Hennigsdorf- Leipzig Auf dem Urbanplag fanden die Schlußspiele der Männer und Frauen um die Kreismeisterschaft im Arbeiter Handball statt. Bei den Männern gelang es Fichte- Nord die Adlers: hofer Elf mit 7: 2( 3: 2) zu schlagen. Nord hatte ein flüssiges Spiel, mobei besonders die gute Zusammenarbeit in Lauf und Verteidigung, sowie Lauf und Sturm hervorstach. Durch gute Kombination erzielte Nord in der dritten und siebenten Minute je ein Tor, dem bis Halbzeit ein drittes folgte, welchem Adlershof durch blizschnell vorgetragenen Angriff zwei Tore entgegensette. Die beffere Deckungsarbeit und das gute Stellungsspiel Nords brachten den Sieg, woran aber der schlecht arbeitende Tormann don Adlershof nicht ganz unschuldig ist. Bon Adlershof hat man noch nie ein derart aufgeregtes und zufammen hanglojes Spiel gesehen. Während die Läufer zeitweise zu meit aufrüdten, fonnten die Stürmer weter Baßipiel noch Kombination bringen, zeigten überhaupt eine ermüdete Spielweise. Die tedynisch besser arbeitende Nord- Mannschaft hat verdient gewonnen. Im Ausscheidungsspiel der Jugendmannschaften Fichte. Nord gegen Köpenid gewann Nord mit 5: 1( 3: 0). Nord hatte das beffere Stellungsspiel und Ballbehandlung, wogegen bei Köpe: nid Fangunsicherheit und wenig Kombination zu sehen war. Bei den Frauen wurde Groß Berlin Wedding Kreismeister durch einen beftechend vorgetragenen Angriff des rechten Stürmers. Hennigsdorf I- Leipzig- Eutritzsch 1: 4. Hennigsdorf hatte am Sonntag Leipzig- Eutrigich zu Gaste und spielte um 16 Uhr mit großem Eifer um den Sieg. Doch durch Zerfahrenheit im Sturm, schlechtes Freistellen und mangelhafte Berbindungsarbeit im Lauf sowie große Eigensinnigkeit des Mittelstürmers fonnten sie nur ein Tor erzielen. Leipzig spielte im Sturm auseinandergezogen mit guter Kombination und Durch schlagskraft, der Lauf und die Verteidigung waren gut auf dem Boften. Internationaler Fußball. ,, Vorwäris".Rheydt nahm in Belgien an einem Biererturnier teil und verlor gegen FC. Dugree 1: 3. Die belgischen Mannschaften FC. Ans und FC. Tilleur spielten 3: 1. Das Spiel der beiden Unterlegenen Rheydt und Tilleur endete mit 1: 1. Tur ner Sportvereinigung Wien siegte über Jena Ost verdient 3: 1. Favorit Germania Wien spielte gegen VfL. Minden in sehr guter Form und gewann 2: 0. Wien Siebenhirten weil zurzeit in Schlesien. Die Mannschaft bot gegen Lauban glänzende Leistungen. Ergebnis 8: 3 für Wien. Olympia- Wien spielte in Westdeutschland und gewann gegen Barop 96 3: 0, trennte sich von Gelsenkirchen 23 0: 0 und verlor gegen Düsseldorf- Elle 3: 1. Faltenau( Tsche che i) verlor in Sachsen beide Spiele, und zwar gegen Aue 2: 5, gegen Lößnig 4: 5. Sportwerbefest der FTGB. Am 10. Juni in Treptow. Die Freie Turnerschaft Groß- Berlin veranstaltet Sonntag, 10. Juni, ein groß angelegtes Sport- und Spiel. werbefest auf der Stadionwieje in Treptow. Die Abteilungen aller Bezirke sammeln sich zu einem Fest zug, der um 13,30 Ühr vom Rathaus Treptow zur großen Wiese abmarschiert. Dort werden Massenfreiübungen von Frauen, Männern und Kindern vorgeführt. Dann folgen sportliche Wettkämpfe und gleichzeitig Handball-, Schlagball, Fauftball- und Trommelballspiele. Im Anschluß daran findet ein Gartenfest im Spreegarten statt. Alle bundestreuen Sportvereine und sozialistischen Organisationen werden um Teilnahme gebeten. Ulkige Kommunisten. Schweineschinken mit Schalmeienkonzert. Die Abteilung Wedding des Arbeiterschüßenbundes, die ebenso wie die anderen Berliner Abteilungen nur Kommunisten zu Mitgliedern zählt, veranstaltete am Sonntag ein Stiftungsfest, das in seiner Aufmachung dem Klassenbewußtsein dieser Mitglieder alle Ehre machte. athletischen Kräften des 2. Bezirks an dem Bezirkssportfest beteiligen. Ferner sei darauf hingewiesen, daß in Verbindung mit dem Bezirksfest auch die Feier des 30jährigen Bestehens des ArbeiterTurn- und Sportvereins Weißensee abgehalten wird. Der Sonnabend sieht die Vorkämpfe auf der Rennbahn und im Stadion am Faulen See. Spiele aller Sportarten werden ausgetragen. Um 18 Uhr wird dann im Schloßparf eine große Feier, wobei der Arbeitermännerchor Weißensee mitwirft, veranstaltet. Im Seebad werden die Schwimmer einen großen Lampionreigen mit 80 Mitwirkenden zur Vorführung bringen. Am Sonntag Bormittag ist die Fortsetzung der Borkämpfe und dann Nachmittags, eingeleitet durch einen Festzug durch Weißensee, im Stadion am Faulen See die Hauptveranstaltung. Die Maffenaufführungen und das Treffen des Bundesmeisters Adler 08 im Städte fußballspiel gegen Leipzig feien erwähnt. In den Harz! Zu der am Sonntag, 10. Juni, beginnenden Ferienreise in den Harz, die das Reisebureau des Touristenvereins Die Naturfreunde" veranstaltet, fönnen sich noch einige Teilnehmer melden und zwar bis Donnerstag, 7. Juni, von 18-20 Uhr, im Reisebureau der Naturfreunde, Berlin N. 24, Johannisstr. 14/15. Auch können sich noch Teilnehmer melden, die nur an der Fahrt teilnehmen wollen. Heute, Dienstag, 20 Uhr, Teilnehmer zusammenkunft mit Lichtbildervortrag über den Harz int Reisebureau. Windhundrennen auf Olympia. Die Eintrittspreise für die letzten Hunderennen waren erheblich herabgesetzt, zudem war ein bißchen mehr Schwung in die Abmidelung gebracht worden. Der Sonnabend und der Sonntag hatten einen verhältnismäßig guten Besuch, wodurch die Stimmung eine gehobenere mar. Am Sonnabend verunglückte der elektrische Hase bei der Vorprobe zum Hürdenrennen. Er wurde schnell durch einen Ersatzhasen abgelöst. Dieser mußte auch am Sonntag einspringen, weil der dienstbuende elektrische Hase von einem Hund erwischt wurde, der ihm das Fell über die Ohren zog. Auch das fünfte Rennen Zu der Fahnenweihe wurde ein tüchtiges Preisschießen veranstaltet, das selbstverständlich der Veranstaltung erst die richtige Weihe gab. Als Preise hatte man bei allerlei Firmen des Berliner Nordens recht schöne Sachen zusammengeschnorrt. So konnte man Roffer mit Toiletteartikeln( besonders geeignet fürs Arbeiterwochen- ging futsch, denn den Hunden war es wichtiger, Raushändel unterdurch einen Schuß ins Schwarze eine moderne Wanduhr, einen ende), ein paar Damenschuhe oder eine blaue Müze gewinnen. Als Clou war ein bratfertiger Schweineschinten und sechs Flaschen Wein ausgeschrieben, die man unter Benutzung von ebenfalls zu gewinnenden Bratpfannen und Kochtöpfen zu Schinken ebenfalls zu gewinnenden Bratpfannen und Kochtöpfen zu Schinken in Burgunder verwandeln konnte. Eine Rotfrontschalmeientapelle nicht. Die spendenden Privatfirmen( Arbeiterunternehmen waren machte schließlich die Tafelmusik dazu. Medaillen gab es leider nicht dabei!) hatte man auf dem Programm zur gefälligen Berüc fichtigung empfohlen. Ariegervereine! Die Kommunisten sind eigentlich sehr gelehrige Schüler der Tennis- Rot 2 schlägt FT. Charlottenburg 2. einander auszutragen, als die Jagd nach dem Hasen aufzunehmen. Das Rennen wurde deshalb noch einmal gelaufen, doch war bei der Wiederholung derselbe Hund siegreich. Solche Verzögerungen nimmt das Publikum nicht übel, weil es dann während der unfreiwilligen Bausen wengigstens etwas zu sehen bekommt; lähmend langweilig hingegen wirft eine zulange leergelassene Bahn. www Tennis- Rot Friedrichshain. Heute Dienstag, ab 16 Uhr A.- Serie Donnerstag, 7. Juni, um 20 Uhr, Sportplag Friedrichshain. Abteilungsversammlung im Bereinslokal, Landsberger Allee 156. Alle Mitglieder müssen erscheinen. Freie Ruderer und Kanufahrer im 1. Kreise. Spartenausschußsigung heute Dienstag, 19 Uhr, Landsberger Str. 82. Vereinskalender. Touristenverein Die Naturfreunde", 8entrale Wien. Toranzeige: Sonn tarten 50 f., Jugendliche 30 Bf., bei den Funktionären.. bt. Sichtenberg: Donnerstag, 7. Juni, 20 Uhr, Scharnweberstr. 20. Geschäftliches, Gingfang. Abt. Prenzlauer Berg: Donnerstag, 7. Juni, 20 Uhr, Christburger Str. 14. Abt. Tiergarten: Donnerstag, 7. Juni, 20 Uhr, Geschäftliches, Liederabend. gehrter Str. 18/19. Disfuffioneabend. Abt. Schöneberg: Donnerstag, 7. Juni, 20 Uhr, Hauptstr. 15. Reue Wege zur Forstkultur." Abt. Südwest: Donnerstag, 7. Juni, fällt der Abendspaziergang aus. Dafür alle zur Werbe. Naturwissenschaftliche Abt.: veranstaltung nach Tempelhof, Germaniaſtraße.. Donnerstag, 7. Suni, 20 Uhr, Johannisstr. 15. Musik und Gesang. Am vergangenen Sonntag stonden sich auf den Plätzen in Charlottenburg in der B.- Serie Tennis- Rot2 und F. Charlottenburg 2 gegenüber. Obwohl Tennis- Rot in doppelter Hinficht benachteiligt war( es mußte auf fremden Blaz und außerdem abend, 30, Juni, unb Conntag, 1. Juli, Sonnenmende am Ueber Gee. Cinlag mit zwei Erjagleuten antreten), fonnte es auch dieses Mannschaftsspiel für sich entscheiden; es dürfte das schwerste der B.- Serie gewesen sein. Besondere Leistungen fonnte man leider nur selten beobachten, eine Tatsache, die zum Teil auf die Fehlentscheidungen gänzlich ungeeigneter Schiedsrichter zurückzuführen ist. Solche Serienspiele wie dieses sind ohne werbende Kraft. Auseinander segungen auf dem Plaz müssen unterbleiben und vor allen Dingen muß vom Charlottenburger Vereinspublikum verlangt werden, daß es sich aller Eingriffe in das Spiel durch sehr unangebrachte Aeußerungen enthält. Ein Serienspiel ist nun einmal feine Sigung der ATB., wo gehässige Redensarten und Verleumdungen politisch Andergefinnter an der Tagesordnung find. Daß Tamis Rot boch Freie Faltbootfahrer Berlin. Sufammenkunft Donnerstag, 7. Juli, Schule Weinmeisterstr. 16/17. Tagesordnung: Unsere Vereinsregatta". Am 9. und muhle aufbauen. Spielgeräte mitbringen. 10. Juni Vereinstreffen am Bößfee. Bis Strausberg fahren, Eggersdorfer Sandballspieler und Schiedsrichter vom 1. Bezirk. Bergeßt nicht den Handballschiedsrichterlehrgang am Mittwoch, 6. Juni, 19% Uhr, bei Ruges, NeuFölln, Teupiger Str. 95, zu befchiden bam, felbst au besuchen. Fahrverbindung bis Bahnhof Kaiser- Friedrich- Straße, Der Kampf der Rheinschiffer. Eine Versammlung streikender Rheinschiffer.- Die Streikenden sind entschlossen, den Kampf bis zum erfolgreichen Ende durchzuführen. Täglich 516 Fernzüge von und nach Berlin. Bahnhof Friedrichstraße an der Spike. Nach dem neuen Sommerfahrplan der Reichsbahn dienen im kommenden Sommer zur Bewältigung des Berliner Personenverkehrs täglich insgesamt 516 3üge, und zwar 257 a bahrende und 259 ankommende, davon allein 171 D- 3üge. Unter Berücksichtigung, daß über die Stadtbahn die Fernzüge nach zwei Richtungen geleitet werden, haben die Fernbahnhöfe der Stadtbahn den stärksten Verkehr. So werden auf dem Bahnhof Friedrichstraße täglich je 35 von und nach dem Osten antommende bzw. abfahrende sowie 26 nach dem Westen abfahrende und 27 aus dem Westen ankommende Züge, das sind insgesamt täglich 123 3üge, abgefertigt. Unter diesen Zügen befindet sich Gewerkschaften und Wahlresultat. Sozialpolitische Forderungen. Das Wochenblatt des Deutschen Baugewerksbundes," Der Grundstein", macht in seiner Betrachtung über den Ausfall des jüngsten Wahlergebnisses folgende Forderungen geltend, die zweifellos von allen Gewerkschaften erhoben werden, zumal sie ,, reformistisch" und keineswegs neu sind. Artikel 157 der Reichsverfassung, daß die Arbeitskraft unter dem beZunächst handelt es sich um die Erfüllung der Zusicherung im sonderen Schutz des Reiches steht und das Reich deshalb ein einheitliches Arbeitsrecht schafft. An zweiter Stelle und eben in enger Verbindung mit der Berwirklichung dieser ebenso berechtigten wie notwendigen Forderung steht die auf Ausbau des Selbstverwaltungsrechts bzw. Ausdehnung der in der Sozialversicherung, in der Abeitsvermittlung und offene Türen ein. Sie will besagen, daß ein neuer, besserer Entwurf einzubringen ist, unter Berücksichtigung des Washingtoner Adhiftundetagabkommens wie des Genfer Uebereinkommens zum gesetzlichen Verbot der Nachtarbeit in den Bäckereien. Auch an die endlicha Schaffung des Jugendschutzgesetzes wird erinnert. Die Vereinheitlichung des sozialen Rechts, der Ausbau des Selbstverwaltungsrechts bei Vereinfachung der Verwaltung, sowie das Mitbestimmungsrecht, wird von der Einigkeit" natürlich ebenfalls gefordert. Die Gewerkschaften werden auch ihrerseits zur rascheren Ber wirklichung dieser Forderungen beitragen, indem sie die immer noch unorganisierten Arbeiter und Angestellten, die bei den Wahlen ihren Willen zum Ausdruck brachten bessere Berhältnisse zu schaffen, erneut einladen, in ihre Reihen einzutreten und so an der Erreichung dieses Ziels mitzuwirken. Wetterbericht aus deutschen Reisegebieten. Herausgegeben von der Deffentlichen Wetterdienststelle Berlin. Nordsee. Westerland: veränderlich und fühl Hamburg: meist bewölkt. Offfee, Warnemünde: veränderlich. Saßniz: meist trübe, fühl. Swinemünde: tühl und meist trübe. Stettin: wechselnd bewölkt. Kolberg: veränderlich. Danzig- 3oppot: meist wolkig. Seebad Kranz: fühl und regnerisch. Harz. Schierte: veränderlich, plögliche Abfühlung. Harzburg: fühle Nacht. Bad Sachsa: gestern schwül, dann Abkühlung. Broden: nachts Gewitter mit starker Abkühlung. Heffen. Waffertuppe( Rhön): Trübung. Sachsen. Dresden: nachts etwas Regen. Bad Elfter: teils wolfig, teils heiter. Fichtelberg( Erzgeb.): nachts Regen und Abfühlung. Schandau: teils heiter, teils woltig. Zittau: teils heiter, teils wolfig. Schlesien. Breslau: nachts Trübung. Flinsberg: gestern war mer Tag. Schreiberhau: nach warmem Tag Wetterverschlechterung. Schneekoppe: meist bewölkt. Bad Reinerz: teils heiter, teils wolkig, gestern warm. Bad Landeck: gestern warm. Rheingebiet: Köln: teils heiter, teils wolfig, gestern warm. Bad Aachen: meist woltig. Koblenz: meist trübe. Wiesbaden: meist trübe, gestern schwül. Feldberg( Taunus): Trübung. Frankfurt a. M.: nachmittags Gewitter, nachts etwas Regen. Baden. Karlsruhe: nachmittags Gewitter, nachts Regen. Freis burg: Better schlechter geworden. Feldberg( Schwarzwald): nachts Regen. Württemberg. Freudenstadt: Wetter schlechter geworden. Friedrichshafen: nachmittags und nachts Regen. Bayern. München: nachts Regen. Zugspiße: nachts leichter Berchtesgaden: regnerisch. Oberstdorf: veränderlich mit Schauern. Schneefall. Garmisch- Partenkirchen: veränderlich mit Schauern. Bad Tölz: regnerisch. Tegernsee: regnerisch. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend.( Nachdr. verb.) Wechselnd bewölkt ohne wesentliche Niederschläge. Winde aus westlichen Richtungen. Für Deutschland: Im Süden noch vielfach regnerisch. Im übrigen Reiche wechselnd bewölkt auch der einzige Berlin berührende Luguszug der Nordexpreß Arbeitslosenversicherung bereits bestehenden Selbstverwaltung auf ohne erhebliche Regenfälle. Ueberall für die Jahreszeit ziemlich fühl. Paris Barschau. An zweiter Stelle Bahnhof, der auch den größten Anteil an der Personenbeförde= rung hat, mit täglich 119 abfahrenden und ankommenden Zügen, während der Anhalter Bahnhof mit 104 Zügen den dritten Plag einnimmt. Dafür hat der Anhalter Bahnhof aber mit 57 abfahrenden und ankommenden D- 3ügen die weitaus höchste Zahl aller von und nach Berlin verkehrenden Schnellzüge. Die nächsten Blaze nehmen der Görlizer Bahnhof mit 50, der Lehrter Bahnhof mit 47 Zügen ein, während noch vor dem Bots: damer Bahnhof, den täglich 36 Züge passieren, der Wrie= zener Bahnhof mit 37 Zügen steht; diese hohe Zahl erklärt sich daraus, daß der Briezener Bahnhof auch einen beträchtlichen Teil Nahverkehr zu bewältigen hat, da es bekanntlich auf der Wriezener Strecke teinen Borortverkehr gibt. Die hohe Zahl der Schnellzüge im Anhalter Bahnhof gegenüber den übrigen Bahnhöfen( Friedrichstraße 52, Stettiner Bahnhof 24, Lehrter Bahnhof 20, Potsdamer Bahnhof 16, Görlitzer Bahnhof 2) erklärt sich daraus, daß viele Züge des internationalen Reiseverkehrs nach Italien, nach der Schweiz und zum Teil auch nach Desterreich von diesem Bahnhof abgehen. Karten für die Ausstellung„ Die Ernährung" zum verbilligten Breise von 1 M.( statt 1,50 m.) sind in allen Gewerkschaftsbureaus fowie im Bigarrengeschäft von Horsch, Engelufer 24/25( Gewerkjchaftshaus) zu haben. PROGRAMM für die Zeit vom 5. bis 7. Juni BTL Potsdamer Straße 38 Frauenarzt Dr. Schäfer mit Evelyn Holt Rivalen der Wildnis Rheinstraße 14 Spione, 10 spannende Akte. Nach dem Roman von Thea v. Harbou Odeon, Potsdamer Str. 75 Mein Leben für das Deine Pat und Patachon auf hoher See Turmstraße 12 Verlängert! Harry Piel in Mann gegen Mann Alexanderstraße 39-40 ( Passage) Verlängert! Das Mädchen der Straße mit Carmen Boni Präriebanditen Súdwesten Film- Palast Kammersåle Teltower Straße 1-4 Kuß mich noch einmal Marys großes Geheimnis = alle sozialen Einrichtungen. Damit auch in der Arbeitsaufficht, die im Entwurf eines Arbeitsschutzgesetzes vorgesehen ist. Der Ausbau des Mitbestimmungsrechts ist lange genug verfchleppt werden, um noch länger aufgeschoben zu werden. Die Unternehmer wirtschaften nach wie vor in ihren Kammern", Handwerfs-, Handels- und Landwirtschaftskammern, in denen die Arbeiter und Angestellten nichts zu sagen haben, während wir immer noch auf die Schaffung von Bezirkswirtschaftsverbänden warten. ,, Der Proletarier", das Organ des Verbandes der Fabrikeinheitlichung des sozialen Rechts, den Ausbau des Selbstverwalarbeiter Deutschlands, legt ebenfalls das Hauptgewicht auf die Ber tungsrechts und den Ausbau des Mitbestimmungsrechts. Die Einigte it", das Organ des Verbandes der Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter, fordert in einer Betrachtung die fo. nit e ms als vordringlich. Auch wir sind der Meinung, daß der fortige Beseitigung des ungerechten SteuerZustand auf die Dauer unerträglich ist, daß die Arbeiterschaft durch systems Steuer und die Belastung durch indirekte Steuern den weitaus die Abgabe des gemilderten Zehnten von ihrem Lohn als direkte größten Teil der Steuern aufbringt, während die Besigenden und Schwerverdiener die Sabotage des Steuerzahlens zu einem raffinierten System ausgebildet haben und dabei noch obendrein bei jeder Glegenheit über zu große Belastung schreien. Die weitere Forderung: Verschwinden des Regierungsentwurfs zum Arbeitsschußgesetz rennt formell Berantwortlich für die Redaktion: Eugen Brager, Berlin: Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag: Borwärts Berlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts Buch bruderei und Berlagsanstalt Paul Ginger& Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Hierzu 1 Beilage. D. Baer, Generaldirektor der Kleiderwerke Baer Sohn A.-G. in Berlin, wurde heute 65 Jahre alt. KINO TAFEL Süden Th. am Moritzplatz Beg. W. 6.15, 9. S. ab 4 Uhr. Der Fremdenlegionär mit G. Fröhlich Pat und Patachon als Müller Luisen- Theater Reichenberger Straße 34 Fräulein, bitte Anschluß Der Held von Sonora Bühnenschau Neukölln Passage- Lichtspiele Neukölln, Bergstraße 151-152 Lotte Neumann in Er geht rechts Sie geht links Sensationsfilm: Der sprechende Affe Bühnenschau Tempelhof Tivoli- Lichtspiele Tempelhof, Berliner Str. 97 Die Sandgräfin Der Piccolo vom ,, Goldenen Löwen" Bühnenschau Jugendliche haben Zutritt Osten Kolibri- Lichtspiele Lichtenberg, Lückstraße 70-73 Kosmos- Lichtspiele Belle- Alliance- Platz 2 Tragödie im Zirkus Royal Louise von Coburg Die Geliebte seiner Hoheit Der Brandstifter von Texas Bühne: Um 6 Uhr früh: = Schwarzer Adler Frankfurter Allee 99 Charlie Chaplin, Jackie Coogan in The Kid Herbstzeit am Rhein Bühnenschau Jugendliche haben Zutritt Viktoria- Lichtbild- Th. Frankfurter Allee 48 Charlie Chaplin, Jackle Coogan in The Kid Herbstzeit am Rhein Bühnenschau Jugendliche haben Zutritt Concordia- Palast Andreasstraße 64 Der Bund der großen Tat Frühreife Jugend Große Bühnenschau Friedrichsfelde Kammerlichtspiele Friedrichsfelde, Berliner Straße 18 Die Achtzehnjährigen mit E. Verebes Menschenleben in Gefahr mit Albertini LSP Norden Lichtspiele am Senefelderplatz Marys großes Geheimnis Uebers Meer geheizt( Abent- Film) Metro- Palast Chausseestraße 30 Frau Sorge v. Sudermann Beiprogramm Bühnenschau Ballschmieder- Lichtsp. Badstraße 16 PROGRAMM für die Zeit vom 5. bis 7. Juni Charlottenburg Die Liebe vom Zigeuner stammt Schlüter- Theater Der Sohn der Hagar Große Bühnenschau Skala- Lichtspiele Humboldt- Theater Schönhauser Allee 80. Du sollst der Kaiser meiner Seele sein Prärlebanditen Große Bühne Badstraße 19 Aloma, die Blume der Südsee Der geheimnisvolle Spiegel Große Bühnenschau Kristall- Palast Pharus- Lichtspiele Prinzenallee 1Müllerstr. 142 Moskau, wie es weint und lacht Gutes Beiprogramm Weißensee Schloßpark Film- Sohne Berliner Allee 205-210 Laura La Plante: Seine Witwe Wegen Einbau der Wurlitzer Wunderorgel bis Donnerstag geschlossen. Pankow Schlüterstr. 17 W. 7, 9.15, S. ab 4 Uhr Der gelbe Paß( Kontrollmädchen) Die Würflerin Faun- Lichtspiele Krumme Str. 37, gegenüb.Trinitatiskirche Sechs Mädchen suchen Nachtquartier Tom Mix die gr. Zirkusnummer Emelka- Palast Tivoli- Lichtspiel- Th. Kurfürstendamm 68 Berliner Straße 27 H. Liedtke in Wochenendzauber Bühne: Kammers, Parotti und 3 Erics Der Ueberfall auf den Südexpreß Palast- Theater ( Gibson) Nordwesten Welt- Kino Alt- Moabit 99 Harold Lloyd: Ausgerechnet Wolkenkratzer Das große weiße Schweigen Gesundbrunnen ,, Alhambra" Alhambra Müllerstr. Badstraße 58 Pech muß der Mensch haben Auf der Bühne die große Revue: Liebe, Lenz und Mädchenbeine Die Kleine aus Amerika( C.deVogt) 50 000 Dollar Belohnung Große Bühnenschau Breite Straße 21 a Die Apachen von Paris Das große Belprogramm Reinickendorf- Ost Bürgergarten- Lichtsp. Hauptstr. 51 und Lindauer Straße Opfer mit Iwan Mosjukin Der brave Soldat Schwejk Bühne Nieder- Schönhausen Film- Palast Blankenburger Str.+ Ben Hur Jugendliche haben Zutritt Uraufführung: Küsse, die... töten ( Ein Film von verheiml. Sünden) Schöneberg früher Titania( uta Schöneberg) Hauptstraße 49 6.30, 9, S. 3.15, 5, 7, 9 U. Aloma, die Blume der Südsee Ein Mädel von Heute Steglits Titania- Palast Schloßstr. 5, Ecke Gutsmuthsstr Zweite Woche verlängert! Chikago Auf der Bühne: Franko Piper, der Banjokönig