Morgenausgabe Nr. 263 A 135 45.Jahrgang Böchentlich 85 Big., monatlich 3,60 m. im voraus zahlbar, Poftbezug 4,32 m. einschl. Bestellgeld, Auslandsabonne ment 6.-M. pro Monat. * Der Borwärts" erscheint wochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Der Abend", Illustrierte Beilagen Volk und Zeit“ und„ Kinderfreund". Ferner Unterhaltung und Wiffen", Grauen Stimme", Technif", Blid in die Bücherwelt" und Jugend- Borwärts". sinu Isqqünlin Mit Mittwoch Vorwärts Berliner Boltsblatt 6. Juni 1928 Groß- Berlin 10. Auswärts 15 Pf. Die etn paige Ronpareillezetle 80 Pfennig. Reflamegeile 5- Reichs mart. Kleine Anzeigen" das iettge orudte Wort 25 Pfennig( guläffig zwei fettgebrudte Morte), ebes weitere Bort 12 Bfennig. Stellengesuche das erste Bort 15 Brennig, ebes weitere Bort 10 Pfennig. Borte über 18 Buchstaben ählen für zwei Borte. Arbeitsmarti Belle 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen annahme im Hauptgeschäft Linden Straße 3. wochentagl. von 8 bis 17 Uhr. Zentralorgan der Gozialdemokratischen Bartei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoft 292-297 Telegramm- Adr.: Soztaldemokrat Berlin Vorwärts- Verlag G. m. b. H. Bostichedkonto: Berlin 37 536 Banffonto: Banf der Arbetter. Angestellten und Beamten Wallstr. 65. Diskonto- Gesellschaft, Depofitentaffe Lindenstr. 3 Südtruppen in Defing. Das Attentat von Mukden Schanghai, 5. Juni. Nach Meldungen, die aus japanischen Quellen in Beting stammen, ist die Vorhut der SchansiArmee unter dem Kommando des Generals Tianh. fuilling heute um 6 Uhr nachmittags in Beting eingerüdt. Dies sind die ersten Truppen der Süd. armee, die in die Hauptstadt einmarschiert sind. London, 5. Juni.( Eigenbericht.) Die Truppen des Generals Ben Hii Shan, des Militärgouverneurs der Provinz Schanfung, der sich im vergangenen Jahre den Südchinesen angefchloffen, haben am Dienstag die Vorstädte Pekings erreicht. Das Staatsdepartement der Vereinigten Staaten veröffentlicht eine Note, welche die Mächte, die in China Sonderrechte genießen, an die Generale Tfchiangtaischet, Feng Bu Hsiang und Ben Hi Schan und an das Parteikomitee der Kuomintang in Shanghai gefandt haben. Diese Note erfucht die Machthaber, das Verbleiben des Nordgenerals Pao mit feinen Truppen in Beting Jolange zu geffaffen, bis die Südtruppen in der Lage seien, die Sicherheit der Stadt zu gewährleisten; hierauf könnten sich die Truppen Paos auf Grund von besonderen Abmachungen, für deren Durchfechtung die Mächte sorgen würden, friedlich zurückziehen. Die Role, in einer gemeinsamen Sigung der diplomatischen Vertrefer entworfen, betont ausdrücklich, daß die in China lebenden Ausländer fich in die militärischen Auseinandersehungen zwischen den Chinesen feineswegs einzumifchen wünschen. Geheimnis um Tschangtsolin? London, 5. Juni. Die von der japanischen Zeitung Dschi Dschi Shimbun" ver. Bffentlichte Meldung vom Tode Tschangtfolins wird aus andern pri Daten Quellen bestätigt. Ein Reuterbericht aus Tofio besagt. - noch fein sicherer Weberblick. daß alle Anstrengungen gemacht werden, um den Tod Tschangtfolins geheimzuhalten. Nach einem anderen Bericht ist bei dem Attentat außer dem General Bu chang Seng, dem Gouverneur der Proving Heilung- Kiang, der von Tschangsolin zum Minister präsidenten in Benfing ernannte Pan Fu ums Leben getommen. Aus Muf den wird gemeldet, daß die Verwaltung der Südmandschurischen Eisenbahn die Nachricht vom Ableben Tschang. tfolins bestätigte. Tokio, 5. Junt. Das japanische Außenministerium teilt zu den Gerüchten vom Ableben Tschangtfolins mit, es sei zurzeit noch nicht in der Lage, irgendwelche Erklärungen hierzu abzugeben. Die letzte Berlaut barung der Aerzte des Marschalls besage, daß die Bermundung Romplitationen nach fich gezogen habe. Die Aerzte befänden fich im Schloß und seien von der Außenwelt abgeschlossen. Brückensprengung im Norden. London, 5. Sunt. Reuter verbreitet eine Schanghaier Meldung, wonach 20 000 Mann der Truppen, die bisher einen Teil der Norbarmee bildeten, durch Intrigen und Bestechungen veranlaßt worden seien, bie Eisenbahnbrüde in Vangifun in der Nähe von Tientsin in die Luft zu sprengen. Dadurch sei die Zurückziehung zweier mandschurischer Rorps nach Murden aufgehalten worben. Sicherheitsausschuß in Defing. Peting, 5. Juni. Ausschuß zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit ein, der Der frühere Ministerpräsident Bangichichen letzte einen die Leitung der Polizei und der hier verbliebenen 1500 Mann nordchinesischer Truppen übernommen hat. Kammerpräsident Bouisson. Der Sozialist im ersten Wahlgang gewählt. Paris, 5. Juni.( Eigenbericht.) Die Kammer wählte mit 327 gegen 244 Stimmen den fozialistischen Abg. Ferdinand Bouisson zum Präsidenten wieder. Gegen Bouiffon, der während der letzten Legislaturperiode feit dem Beginn des Ministeriums Poincaré Rammerpräsident war und wegen feiner flugen und gewandten Geschäftsführung allge mein geschäzt wird, war nur der früher radikalfoziale Gründer der neuen unionistischen Gruppe Franklin Bouillon als Randidat aufgetreten. Sodann wurden zu Bizepräsidenten gewählt: der Führer der unabhängigen Linfen Henry Baté, der Radikale Leo Bouyssou, der Abgeordnete der radifalen Linten Bouillour- Lafont. Wegen der Befehung des vierten Bizepräsidentenpostens muß eine Stichwahl stattfinden. Hierauf vertagte sich die Rammer auf morgen nachmittag, um die noch ausstehenden Stichwahlen für ihr Präsidium vorzunehmen. Der Ausfall der heutigen Wahlen zum Rammerpräsidium wird In parlamentarischen Kreisen als ein Ereignis von großer polifischer Bedeutung bewertet. Die lintsstehenden Gruppen hatten den Erfolg zu verzeichnen, daß nicht nur der bisherige Jozialistische Rammerpräsident Bouisson trotz der scharfen Agitation Franklin- Bouillons im ersten Wahlgang gewählt wurde, fondern, daß auch die drei heute wählten Bizepräsidenten sowie sieben von acht Sekretären und zwei von drei Quaestoren Kandidaten der Linten sind. Poincarés Regierungserklärung. Differenzen über die Stabilisierungsfrage. nur einige Worte gewidmet. In bezug auf das Elsaß soll die Erklärung die erneute Buficherung der Aufrechterhaltung seiner Sondergefeßgebung enthalten. Die Regierung dementiert am Dienstag energisch die umlaufenden Gerüchte über die Demission des Leiters der Bant von Frankreich, Moreau. In den Kreifen der Bank felbft dementiert man in vorsichtiger Form und gibt jedenfalls zu erkennen, daß zwischen den Auffassungen ihres Leiters und denen des Finanzminifteriums Differenzen bestehen. Die Gozialisten gegen das Rolmarurteil. Paris, 5. Juni.( Eigenbericht.) Die sozialistische Kammerfrattion hat befchloffen, die Anträge des Abg. Walther auf Amnestie und fofortige Freilaffung der elfäffischen Abgeordneten Roffé und Ridlin zu unterstügen. Abg. Grumbach wird in der Kammer dafür eintreten. Poincaré und die Rechte. Wachsende Entfremdung.- Vor einer plötzlichen Franken ftabilisierung? Paris, 4. Juni.( Eigenbericht.) Die Freunde Poincarés nerfichern, daß er dem Wahlausfall zum Trop die Hoffnung nicht aufgegeben habe, das Rabinett dem entscheidenden Einfluß des recht en Flügels feiner Mehrheit zu entziehen. Die Leute von der Marin Partei, die nach wie vor behaupten, fie feien als die eigentlichen Führer aus dem Wahlkampf hervorgegangen, zeigen sich darüber sehr erbost, wagen es jedoch nicht, ihren Born allzu offen zum Ausdruck zu bringen. Nur Emil Buré brummt im„ Avenir" ziemlich unverhohlen über die unwürdige Stellung, in die man Land und Poincaré die schlimmsten Ueberraschungen für den bie Siegerpartei" hineinzudrängen suche und prophezeit.dem. Fall, daß der gegenwärtige Ministerpräsident nicht den Mut haben sollte,„ eine dem Wahlausfall entsprechende Regierung zu bilden". Nun scheint Poincaré tatsächlich teine Lust zu haben, der Marin- Partei, in der die Kerntruppen des ehemaligen nationalen Blocs versammelt sind, einen größeren Einfluß innerhalb der Regierung zu gewähren, als er ihr durch die Anwesenheit Louis Marins im Pensionsministerium gesichert wird. Das Anfinnen, einem Mitglied der UDR.( Union démocratique républicaine), die von Marin geführt wird. das Arbeitsministerium anzuvertrauen, hat Poincaré ziemlich schroff abgelehnt. Die Wahl Louis Louceurs jum Nachfolger des bei dem Bohlen durchgefallenen Arbeitsministers Falliéres hat Dieser Ablehnung noch einen besonderen Charatter gegeben, da Loucheur zu jenen Großbourgeois" gehört, die sich einer be= fenderen Feindschaft im Lager der Rechten erfreuen und diesen felbst vom soziclen Standpunkt aus als einen hödyft unsicheren Rantonisten" betrachten irerden. Db Poincarés Un'ehen ge= infolgedessen entstandene Misstimmung zu überwinden, nügen wird, um die auf dem rechten Flügel seiner Mehrheit wird sich erst im Laufe der fommenden Wochen zeigen. Der erste Sontaft zwischen der Regierung und der Kammer, der sich auf die etwas außergewöhnliche Anwesenheit des ge= famten Rabinetts in der Eröffnungsfizung beschränkte, hat sich dadurch charakterisiert, daß es zu feinerlei Rundge bungen fam, die sich irgendwie als Ausdrud, sei es der Begeisterung der Alten", sei es der Dankbarkeit der„ Jungen", dem Regierungschef gegenüber bewerten laffen. Diese Tatsache ist in den Wandelgängen der Ramuner viel rüdsichtsloser diskutiert worden als in der bürgerlichen Presse, die im allgemeinen Boincaré sehr ergeben ist. ,, Eine Kammer noll innerer Hemmungen, die fich sucht und die von ziemlichem Mißtrauen erfüllt ist, eine Kammer, die allerlei Ueberraschungen bringen fann und deren erftes Auftreten in nichts an den nationalen Enthusiasmus von 1919 oder an die aufgepeitschten republitanischen Leidenschaften von 1924 erinnert": also charatterisierte eines der bekanntesten Regierungsmitglieder das neue Barlament nach der Eröffnungsfißung, in der das von dem Alterspräsidenten Sibille den Berdiensten Boinarés gefungene Lob fast stillschweigend angehört wurde, ohne das der magere Höflichkeitsbeifall irgendwie den Charakter einer Rundgebung annahm. Der tiefere Grund für diese zurüdhaltung der einen und der anderen liegt wohl in der Unsicherheit, die auf dem Gebiet des Franfen besteht. Wird Poincaré die Stabilisierung plöglich, etma gar noch vor dem 15. Juli, durchführen, wie es einige Auguren, die versichern, ganz besonders gut unterrichtet zu sein, behaupten? Und welches werden die wirtschaftlichen Folgen einer unter den gegenwärtigen Umständen und ungefähr zum gegenwärtigen Kurs durchgeführten herrschen die Gespräche zwischen den führenden Politikern aller Parteien. Tariferhöhung der Reichsbahn abgelehnt Stabilisierung fein? Diele beiden wesentlichen Fragen beEinstimmiger Beschluß des Rabinetts. Die Don ber Deutschen Reichsbahn- Gesellschaft beantragte er. gehöhung der Güter- und Perfonentarife wurde geftern vom Reichstabinett einstimmig abgelehnt. Die Reichsbahn hatte ihren Antrag damit begründet, daß die finfende Konjunktur auch die Einnahmen aus dem Gilter- und Personenverfehr verringern würde, fo daß die Summen für notwendige Neuinvestitionen nicht aus den erwarteten Ueberschüssen aufgebracht werden könnten. Der Reichs. perfehrsminister hat diese pessimistische Auffassung der Reichs bahnverwaltung von vornherein nicht geteilt und hat, wie der geftrige Beschluß der Regierung zeigt, das Rabinett auf seiner Seite. Paris, 5. Juni.( Eigenbericht.) Ministerpräsident Boincaré gab im Laufe des Ministerrats em Dienstag feinen Kollegen von dem Iegt der Regie.. rungserflärung Kenntnis, die er am Donnerstag in der Rammer zu verlesen beabsichtigt. Wie verlautet, fehlt tatsächlich in der Erklärung jede präzisierte Angabe über seine Absichten als Finanzminister in der Stabilisierungsfrage. Ein fahr breiter Raum ist dagegen Projekten sozialer Reformen und Blänen zum Ausbau der Verkehrsmittel des Landes gewidmet. Poincaré bird dagegen über die Absichten der Regierung in der Reparations und interalliierten Schuldenfrage Frankreichs nichts veriauten laffen. Auch der deutsch französischen Annäherung sind Im übrigen hat sich die Reichsregierung bereit erklärt. den Antrag der Reichsbahn nochmals zu prüfen, fobald fich die Gesamteinnahmen des abgelaufenen Betriebsjahres übersehen ließen. Außerdem weift die Regierung auf den Weg der Krebit. beschaffung hin, wobei offensichtlich an den Berkauf von Vor zugsaktien der Reichsbahn gedacht ist. Die im Bufammenhang mit der bevorstehenden Kabinettsentscheidung aufgetauchten Gerüchte, daß der Reparationsagent Barter Gilbert sich für die Bewilligung der Tariferhöhung eingeseht habe, ist völlig aus der Luft gegriffen. Herr raiche Stabilisierung zu brängen, indem sie Die Bant von Frantretch scheint auf eine auf die steigende Papierfrankenmasse hinweist, die sie zu bruden gezwungen ist, dadurch, daß sie alle ausländischen Devisen auffaufen muß, um ein Steigen des Franken zu verhindern.( Soll doch allein in der letzten Woche die Bant von Frankreich für nicht meniger als eine Milliarde ausländischer Devisen getauft haben.) Poincaré, der noch in der Rede von Carcassonne, die er unmittelbar vor den Wahlen hielt, angekündigt hatte, daß er mindestens vier Jahre brauchen werde, um die Stabilisierung durchzuführen, scheint heute einer raschen Stabilisierung nicht mehr so ablehnend gegenüberzustehen. Dagegen machen fich innerhalb der Marin- Partei, bie ihren Anhängern fo etwas wie ein Bollrevalorisierung ver sprochen hatte, widerstände sowohl finanzieller als politischer Natur bemerkbar. Und das bildet wohl die größte Sorgenquelle für Poincaré an der Schwelle der neuen Legislaturperiode. Die sozialistische Rammerfrattion, die in ihrer ersten Sigung befchloffen hat, eine Generalinter= pellation einzubringen, wird der Regierung und den hinter ihr stehenden Bartelen jo rajch als es das Rammerreglement erlaubt, Gelegenheit verschaffen, ihre Stellungnahme zu dem Problem der Stabilisierung zu präzisieren. Mie sie es vor den Wahlen getan hat, wird die Sozialistische Bartei auch jetzt für eine rasche Stabilisierung eintreten, menn auch für andere Methoden als bie jenigen, die bisher pon Boincaré angewandt worden find und von denen sie befürchtet, daß fie eine neue Teuerungs melle und ein nochmaliges Anziehen der Steuerschraube zur Felge haben merden. Muffolinis Außenpolitik. Eine Rebe im Senat. Mussolini hat gestern im Senat eine sehr lange, außen politische Programmrede gehalten, in der er zunächst betonte, daß Jialien heute eine Beltmacht sei, denn seine Intereffen dehnten sich auf alle Erdbelle aus. Diese großfpurige Behauptung belegte er insbesondere mit einem Hinweis auf Kriegsmateriallieferungen an Amanullah und auf den Freundschaftsvertrag mit dem emen! Bezüglich Europas erklärte er, daß die Freundschaft mit England die Grundlage feiner Außenpolitik bilde. Mit Sowjet rusland sei der Warenaustausch bescheiden, weil Rußland auf Kredit taufen müsse. Verhandlungen über einen politischen Baft Rom- Mostau jelen nicht über Präliminarbesprechungen hinausgegangen. Mussolini rühmte sodann die Herzlichkeit der Beziehungen mit Litauen. Hinsichtlich der Beziehungen Italiens zu Deutschland erflärte Mussolini, diese seien herzlich. „ Es besteht ein Handelsvertrag, dessen Vorteile allerdings nicht voll gewürdigt werden konnten, so lange die italienische Währung nicht ftabil war, ferner ein Bergleichs- und Schiedsgerichtsabkommen. Die Beziehungen zwischen den beiden Bölfern tönn ten unendlich viel beffer fein, wenn die Sympathie, die in früheren Zeiten zwischen ihnen herrschte und die sozusagen naturgegeben war, heute nicht eine Einbuße erlitten hätte durch die Handlungsweise gewiffer unperantwortlicher Kreise, die den grotesken Anspruch erheben, fich in innerpolitische Fragen Italiens einmischen zu wollen.( Gemeint ist damit das Intereffe, das das ganze deutsche Bolt für das traurige Schicksal der Deutschfüdtiroler geigt! Red. d. B.") Wenn diese Wolfen, wie ich wünsche, zerstreut sein werden, dann könnte die Zusammenarbeit zwischen zwei Böltern von so imposanter Größe schon allein auf wirtschaft lichem Gebiete ausgezeichnete Ergebnisse zeitigen. Wie ich hinzu fügen möchte, haben sich die Beziehungen in den letzten Monaten gebeffert. Der Empfang, der General Nobile in Stolp und in ganz Deutschland zuteil murde, hat in der öffentlichen Meinung Italiens den herzlichsten Widerhall gefunden." Schließlich verbreitete sich der Diftator über das Berhältnis Italiens zu Frankreich. Er nannte die Geschichte diefer Beziehungen reichlich bewegt", seitdem in Versailles die fran zösischen Staatslenter die Forderungen Italiens nicht unterstützt hätten. Indessen seien die Beziehungen zurzeit gebessert, tros hes jugoslawisch französischen Defensinbündnisses und bes albani ttalienischen Bertrags. Gegenwärtig merde mit Frankreich über einen umfaffenden potuifchen Freundschaftspertrag Jamie über Langer, die Lage der Stallener in Tunis und eine Grenzberichtigung von Tripolis perhandelt. Er hoffe auf einen glüdlichen Abschluß dieser Berhandlungen. Minderheitsvölker- Maul halten! Griechische Rechtslehre in Genf. Genf, 5. Juni.( Eigenbericht.) Der Bölferbundsrat nahm in öffentlicher Sigung Kenntnis davon, daß den Mitgliedern des Haager Gerichtshofes von Holland diplomatische Freiheiten eingeräumt worben find. Nach Erledigung meiterer Berichte brachte die Behandlung des albanisch- griechischen Minderheitenkonfittis den ersten fcharfen Wortwechfel der Tagung mit einer Rede bes Griechen Politis, von Beruf Völker rechtslehrer! Der Albaner beschwerte sich unter Anführung einiger sehr ernst aussehender Einzelfälle über Enteignung albanischer Bauern und Berhinderung des albanischen Unterrichts durch Griechenland. Bolitis bezeichnete diese Be schwerde als ungerechtfertigt und ging zu einem scharfen Angriff auf die Minderheiten im allgemeinen über. Die direkte Anrufung des Rats in Minderheitenfragen fönne für alle Staaten mit Minderheitsländern gefährlich werden. Das Beschmerberecht werde von den Minderheiten zu alloyalität, Feindlich keit und Widerstand gegen ihre Regierungen mißbraucht. Bolitis lehnte eine Prüfung des fachlichen Inhalts her albanischen Beschwerde ab, felbft auf die direkte Frage des Albaners hin, ob Griechenland in Nordepirus auch nur eine einzige albanische Schule geschaffen habe. Chamberlain gegen Litauen. Genf, 5. Juni.( Elgenbericht.) Chamberlain teilte in einer Preffebesprechung mit, daß er feinen diesmaligen Aufenthalt in Genf dazu benutze, um sich mit dem Vertreter Frankreichs, Paul Boucaut, über die Meinungsverschiedenheiten zwischen Frankreich und England in der Abrüftungsfrage zu unterhalten. In derselben Befprechung nennt Chamberlain die Berfassungsänderung Cifquens eine Berrücktheit und befont, daß er bei aller Sympathie für die kleinen Staaten das Auftreten in der Miluaangelegenheit für durchaus unrichtig und dem Geiste des BölkerBundes midersprechend halte. Er betonte, daß man von Litauen diefelben Opfer verlangen tönne mie fie das große Deutschland nach Friedensschluß freiwillig gebracht habe. In Paris drängt man auf Erledigung. Paris, 5. Juni.( Eigenbericht.) Die französische Bresse nimmt die bevorstehende Behandlung des litauisch- polnischen Konflitis fawie den polnischen Broteft gegen die Erklärung Bilnas zur litauischen Hauptstadt zum Anlaß. energich auf eine endgültige Erledigung der An gelegenheit durch den Wölferbund zu bringen. Der Temps 5e streiter entschieden jebe Möglichkeit einer Bedrohung der Unahhängigkeit Litauens in irgendeiner Form. Gummifnüppel und Vizepräsident. Erklärung des Polizeipräsidenten über die Gonnabendvorgänge. In Ergänzung früherer Darlegungen über die Susammenstöße| fannt morben ist, Bei der auf beiden Seiben berrichenben auberim Bezirk Friedrichshain, bei henen auch Polizeipizepräsident ordentlich starten Erregung ist es dem Eingreifen des VolizeinizeDr. Weiß mit dem Gummitnippel Bekanntschaft machte, läßt der präsidenten Dr. Weiß zu danken, daß bie Ruhe sehr schnell wieber Belizeipräsident munmehr folgendes der Breffe mitteilen: Die bebauerlichen Borfälts, ble fich am Sonnabend in der Frankfurter Alle: ereignet haben, sind Gegenstand eingehender Unterfuchungen und Erörterungen gewesen. Dabei murde zunächſt festgestellt, daß die polizeilichen Maßnahmen sich im üblichen Rahmen gehalten haben, daß aber unter besonterer Berücksichi gung des Antalfes und der ganzen Lage ben Bolizeibeamten ausbrüdlich die größtmögliche Belonnenheit und Suridhaltung zur un bedingten Pflicht gemacht worden ist. Es wurde aber auch weiter von allen Beteiligten übereinstimmend festgestellt, daß die Stim mung der Demonstranten und vor allen Dingen ber mit läufer überous erregt geweefn ist. Während jedoch auf der einen Seite die Jugteilnehmer im allgemeinen Disziplin gewahrt hergestellt worden ist." Jin Anschluß an die Untersuchungen und Besprechungen in Balizeipräsidium hat der Polizeipräsident ein Schreiben en bas Rommanbo ber Schuppolizei gerichtet, in dem es u. a. heißt: Mit Rüdsicht auf die verschiedenen in legter Zeit erfolgten Zufammenstöße politischer Demonstranten mit der Schuspolizei lege ich Wert darauf, bei der Beamtenschaft nicht das Gefühl auftommen zu lassen, es würden ihr durch einengende Bestimmungen bei diesen Susammenstößen die Hände gebunden, oder sie fände in Fällen, in denen sich der Gebrauch der Waffen nicht vermeiden läßt, bei mir nicht den erforderlichen Schutz. Wie ich es bisher stets getan habe, so merde ich auch in Zukunft für bie mir unterstellten Beamten poll und ganz eintreten. Das fann aber nur dann gefchehen, wenn jeder einzelne Beamte und insbesondere der verant wortliche Führer sich vor Augen hält, daß in feinem Falle bas erforderliche Maß der polizeilichen Notwendigkeiten überschritten merben barf. Schmähende Zurufe und Beleidigungen werden, Jumal wenn sie gegen die Polizei im allgemeinen und nicht gegen einzelne Beamte gerichtet sind, oder wenn sie einer gewiffen erregten Stimmung entspringen, mit überlegener Ruhe hingenommen werden. Bei grober Unbotmäßigkeit, bei Widerstand, aber auch bei Angriffen gegen die Polizei wird in jedem Falle zu prüfen sein, ob nicht schon die Anwendung der geringften polizeilichen Machtmittel zum gemünjaten Ziele führt. Ist der beabsichtigte 3wed erreicht, so ist der Gebrauch der Waffen unverzüglich einzuhaben, ließ sich die Menge der Mitläufer zu fchweren Be impfungen und Beleidigungen der Polizeibeamten und fam es bereits auf dem Wege zum Friedhof, wie amtlich mitgeteilt schließlich sogar zu schweren Ausschreitungen hinreißen. So wurde, zu Angriffen auf die Polizeibeamten, bei denen Beamte ver legt wurden. Als auf dem Rüd marsch vom Friedhof die Mitläufer und radauluftigen Elemente immer härteren Buzug erhielten, wurde es notwendig, an der Ede der Frankfurter Allee und Warten bergstraße die Menge in die Seitenstraßen abzudrängen, um dem Berkehr freie Durchfahrt und dem Demonstrationszug felbft die Möglichkeit des Weiterinariches zu verfchaffen. Dabei wurden die Beamten sofort mit Steinen bombardiert und zum Teil erheblich verlegt. Auf Grund dieser Angriffe waren die Bestellen. Unter allen Umständen muß auch der geringste Anschein veramten gezwungen, pom Gunumifnüppel Gebrauch zu machen, um den Widerstand zu brechen und die Menge zu zerstreuen. Bebauerlicher meile haben in der menschlich durchaus verständlichen Erregung über bie wüsten Beschimpfungen und Angriffe, die sie zu erdulden hatten, einige Bolizeibeamte das Maß der notwendigen Abwehr überschritten, mas zu dem durchaus berechtigten und notwendigen Einschreiten bes die polizeilichen Maßnahmen beobachtenden Bolizeivizepräsidenten Dr. Weiß geführt hat. Dieser Erregung ist es auch nach ber eige nen Ansicht des Polizeivizepräsidenten zuzufchrei ben, daß er bei seinem Eingreifen von den Beamten nicht er *** Bayern vor dem Lebergang. Die Geschlagenen an der Strippe. München, 5. Juni.( Eigenbericht.) Nach den am Dienstag erfolgten endgültigen Feststellungen des Landeswahlausschusses ändert sich an der bisher nur provisorisch betannten 3usammensehung des neuen Landtags nichts mehr. Dieser besteht also aus 46 Bayerischen Volksparteilern( gleich geblieben), Sozialdemokraten 34( plus 9), Bayerischer Bauernbund 17 ( plus 5), Deutschnationale 13( plus 1), Nationalsozialisten 9( plus 3), Stommunisten 5( mimus 2) und Deutsche Bolkspartet 4( plus 2). Nach der persönlichen Seite hin haben die Deutschnationalen den schwersten Berluft erlitten, da der Sandbundführer und Borsigende ber Bagerifchen Landesbauerntammern, Brieger, nicht mehr gemählt murbe, und auch the bayerischer Parteiporsigenber De Hilpert glänzend durchgefallen ist, der als das Haupt der bayerischen Reaktion der letzten acht Jahre angelprechen werden muß. Ciner der beiden tommt allerdings noch unit Landesmandat in den Landtag. Seine Bahl bietet aber erhebliche Schwierigteiten, da die Landbündler mit ihrer Smelbrittelmajorität innerhalb ber banerischen Deutfcnationalen Bartet auf ihren Ranbibaten Brieger beftehen. Die Frage ber fünftigen Regierungstoalition in Bayern befindet sich immer noch auf dem alten Fled. Sie wird auch erst nach der Klärung der Verhältnisse im Reich in Fluß lommen. Die Bayerische Volkspartei findet ihr befonderes Bergnügen barin, ihre deutschnationalen Freunde nach wie vor in ungewiffer Bein hängen zu lassen. Mit einiger Sicherheit fanm indes damit gerechnet werden, daß die Bayerische Balfspartei wiederum den Ministerpräsidenten stellt und für diesen Basten den Dr. Helb von neuem präsentiert. Es soll ihm damit Gelegenheit geboten werden, im Laufe eines Jahres wenigstens einen Teil feiner großen Beriprechungen zur Staatsvereinfachung einzulösen. Dem neuen Minifte rium Held wird aber allgemein nur der Charakter eines Ueber. gangsministeriums beigelegt. Der Landtag in Württemberg konstituiert. Stuttgart, 5. Juni.( Eigenbericht.) Der Württembergische Landtag wurde am Dienstag nachmittag durch den deutschdemokratischen Alterspräsidenten Dr. Hieber eröffnet. Bon 80 Abgeordneten waren 78 an wesenb. 3um 1. Präsidenten wurde der sozialdemokratische Abge ordnete Pflüger mit 53 Stimmen gewählt. Die aus den Deutsch nationalen und dem Bauernbund bestehende Graftion der Rechten hatte weiße Settel abgegeben. Sum 1. Bizepräsidenten wurde der wählt. Infolge des Berhaltens der Rechten bei der Wahl des Bräft deutschnationale Abgeordnete Hermann Hiller mit 45 Stimmen ge denten gaben diesmal bie Sozialdemokraten und einige Demokraten meiße Bettel ab. Zum 2. Bizepräsidenten wurde der Zentrums abgeordnete Andre mit 64 Stimmen gewählt. Die Wahl bes Staats präsidenten wurde auf Antrag des Sentrums von der Tagesordnung abgesetzt, da dieser Bunft, wie der Vorsitzende der Zentrumsfraktion unter verständnisinniger Heiterfeit sagte, noch nicht genügend vorbereitet sei". Die nächste Sihung wurde auf seinen Vorschlag auf Freitag nachmittag anberqumt. Fortschritte bei Kreiswahlen. mieben werden, als pb bie Polizei in einer gewiffen, menn auch vielleicht menschlich verständlichen Erregung sich nicht nur von polizeilichen Gesichtspunkten leiten laffen, sondern darüber hinaus auch Bergeltung für erlittene Berunglimpfungen üben soll, Ich ersuche das Kommando, den Wortlaut diefes Schreibens allen Bolizeibeamten befanntaugeben, darüber hinaus sind die in diesem Schreiben niedergelegten Grundsäge im polizeiligen Unterricht zum Gegenstand immer erneuter eindringlicher Belehrung zu machen." es auf elf Mandate. Die bürgerlichen Parteien hatten sich vollständig zusammengeschlossen und erzielten 13 Mandate. Die Bauernpartei, die politisch mit der Sozialdemokratie geht, erreichte 2 Mandate, fo daß in diesem Kreis jegt eine sozialdemokratische mehr. heit besteht. Ihre Majestät... Hofberichte anno 1928. Es ist bekannt, daß Bad Homburg Ihre Majestät, die Kaiserin Hermine" für sich in Anspruch nimmt. Nimmt sie bort Aufenthalt, so wird im Ton der alten Hofberichte danon Kenntnis genommen, als habe sich seit 1918 nichts verändert. Hamburg hat eine Konkurrens belommen. Ihre Majestät haben geruht, in Bad Kissingen abzufteigen. Und siehe ba, basfelbe Theater polla eht sich nun auch dort. Die Herren Hofphotographen pojaimen in alle Welt, daß sie die Ehre gehabt haben, von Ihrer Majestät“ nebst Anhang einen lufrativen Besuch erhalten zu haben, ble Lieferan ten rühren fich und die Riffinger Saale- eitung", zu gleich amiliches Publikationsorgan, erstattet einen Hofbericht über den anderen, daß einem por Rührung die Tränen tommen ober auch was anderes. auch was anderes. Als Kostprobe den Abschiebebaricht: Ihre Majestät Kaiserin Hermine verließ, mie schon furs be richtet, gestern mittag 12.30 Uhr nach fast piermöchigem Aufent balt Bad Kissingen. Schon beim ersten hierfein im August 1927 hat Ihre Majeftät sich allgemein größte Liebe und Ver= ehrung erworben durch gewinnende Liebens würdigkeit und Herzensgüte, durch ihre offene Freude an Riffingens Schönheiten, durch warmes Intereffe an fernen Bewohnern und durch rege Anteilnahme am Kur Leben. Ueberall, wo die Kaiferin erschien, wurde fie Gegenstand ehrerbietiger Begrüßung. Sie war heimisch in unferem Badeort und äußerte immer wieder, wie wohl sie sich hier fühle. Bon all den vielen Fürstlichkeiten, die im Laufe der Jahrzehnte Riffingen aufsuchten, ist wohl feine in so enge Beziehungen zu unserem Babe getreten, so schnell und so sehr mit ihm perwachsen, wie Kaiserin Hermine, die mit ihrem Scheiden eine fühlbare Lüde hinterläßt. Die große Berehrung, die dieser seltenen Frau entgegengebracht wurde, fand in einer unbeschreiblichen Fülle herrlichster Blumen ihren Ausdrud. Thr Bimmer glid einem Blumengarten, der täglich schöner wurde. möchten auch diesmal unfere Quellen der Kaijerin Stär fung, Erholung und Gesundheit schenken und Kissingen seinen hohen Kurgaft im nächsten Jahre wieder grüßen dürfen. Monarchistenüberschwenglichkeit? Auf den letzten Sag foimmt es an! Da kommt die furchtbare Lücke" zum Borschein, bern Geschäft ift Geschäft, und schon in der Bibel heißt es: denn „ Auf dem Bauche sollst du triedhjen.. Aber nicht nur in der deutschen Republif mira mandherorts eine derartige Liebedienerei vor Fürstlichkeiten beliebt. In ben Bereinigten Staaten ist es nicht beffer. Unb bie Sowlet Union feiert wenigftens Amanullah! Der ist doch noch ein richtiger amtlerender Röntg. Hermine aber ist bloß die zweite Frau eines Abgesetzten! Preffetagung in Köln. Reichsverband und internationaler Bund. geschäftsführender Die Bertreterversammlung des Reichsverbandes der deutschen Breffe, über deren große öffentliche Rundgebung wir berichtet haben, 3m Kreise Dels fozialdemokratische Mehrheit! war ganz Berufsangelegenheiten gewidmet und ermies ihren ge Mit einer kommunistischen Niederlage haben bie Kreistagswertschaftlichen Charakter u. a. auch durch den Beschluß auf Breslau hat die Sozialdemokratie, tragbem eine Reihe wichtiger Bernhard Berlin( an Stelle des zurückgetretenen Raul Baeckerwahlen in Mittelschlesien geendet. 3m Bandtreis Beitragserhöhung und Schaffung einer zentralen Unterstügungstaffe. Zu Borfizenden des Reichsverbandes wurden gewählt: Georg Industrieorte durch die Eingemeindung meggefallen finb, ihren Befis Berlin). Cajeton Freund. München stand mit zwölf Mandaten vollständig gehalten. Die Deutschnationalen Direttor Gustaf Richter, zum Schriftführer Franz Klühs. erhalten fleben, die Sentrumspartei vier Manbate. Die Deutsche Bauernpartei hat ein Manbat erobert. Die Rommuni ften waren bund, dem die Fachverbände fast aller Länder angehören. Burzelt togt in Köln der Internationale Journalistenso schwach, daß sie überhaupt faine ifte aufstellen fonnten. Im Kreise Neumarkt hat ble Sozialbemstratie ben bürger Lichen Barteien ein Mandat abgenommen und zählt jetzt acht Size. Die Deutschnationalen erhielten sieben Mandate, das Zentrum fünf, die Bauernpartei zwei, bis Liste des unpolitischen Mittelstandes bret Mentate, die Kommunisten feins. Im Kreise Dels nahm die Sozialdemokratie den Kom munisten ihr einziges manbat ebenfalls ab und brachte Die nationale Sammlungsbewegung, die zur Abhilfe gegen dauernde In Dänisch- Nordschleswig besteht fett einiger Zeit eine übernationale Sammlungsbewegung, die zur Abhilfe gegen dauernde Wirtschaftsnot auch eigene Broninzialverwaltung fordert. Zeitung der nie sehr ernst genommenen dänischen Sonder strömung Cornelius fordert nun von jedem Leser zwei Kronen, ba es sonst eingehen müsse. Lei, Führer der übernationalen Sammlungsbewegung, unterstützt diesen Hilferuf. Oer Aufstieg der Arbeiterkinder Sine nützliche Untersuchung. Z>as Dirdung'privileg ist auch haut« nach nicht gabrochen. Auch heute nach ist der Besuch höherer Lehranstalten zum guten Teil «Ine Seldsrage. Den Kindern d«? Miicherbemittelten bleibt, mögen sie noch so begabt sein, im Durchschnitt der Weg zum Aufstieg ver, sperrt. Leiber sehsen iontrete Zahlen, die da, deutlich machen.« gering« Zahl der Kinder aus unteren Schichten nicht der gesetllchostlichsn Bedeutung der großen Schicht der Arbeiterschaft in einer Stadt wie Mainz«nt- spricht.. Derartig« Untersuchungen sollten auch andernorts und auf mög- lichst breiter Grundlage vorgenommen werden. Gewiß verändern Statistiken die Tatsachen nicht, aber es ist schon nützlich, Uebelstäkch« deutlich vor Augen zu führen. Mag auch da» Aerhältni» nicht überall so sein wie bei dem vorliegenden Beispiel, so steht doch das «in« fest, daß unter dem bestehenden System viel« Tausend« verkümmern müssen, die nach ihrer Begabung da steh«n müßten. wo heut« Minderbegabt« amtieren, die keinen anderen Borzug haben als den. Kinder wohlhabend«? Ellern zu sein. Solange dieser Zustand herrscht, ist es«ine Stoatsnotwendigkeit, dem Tüchtigen freie Bahn zu schaffen, gleichgültig, ob«» seine» Eltern gelang, das Bildungzprivileg zu durchbrechen oder nicht. Fürsorgemaßnahmen der preußischen Regierung. Die preußisch« Regierung richtet seit Jahren ihr Augenmerk darauf. so gut es bei den zur Verfügung stehenden Mitteln geht, da» Bil» dungsprloileg der wirtschaftlich Starken zu brechen. Eine besondere Rolle spielte dabei die Durchsührung des Programms, da« durch Schalung der neuen Sckzukform, der Ausbauschule. fl«st»llt worden war. Dies« Schulsorm. die die Jugend nach dem Durchlaufen der Volksschule erfaßt und sie in sechs Jahren zur Reifeprüfung führt, hat sich in den letzten Jahre» vollkommen durch- gesetzt. Es bestehen.zurzeit 89 staatlich«, 18 städtische und 2 private Ausbouschulcn mit zusammen I2 49ä Schülern und Schülerinnen snmd drei Dkertel Knaben, ein Viertel Mädchen). Neben der Schaffung der Ausbauschillen waren weiter« Maß. rtchmen in den Dienst der Ausgab« gestellt, den Zugang minder» bemittelter begabter Schüler zu den höheven Schul«» sicherzustellen. Hierher gehören zunächst die Schulgeldmaßnahmen Preußens während der l-tztan Lahre. Denn es auch nicht zu ver» meiden war. das Schulgeld auf jährlich 200 M. hinaufzusehen, so ist«s doch gelungen, dem vereintsn Drängen der Finanzoerwal- tung und der Gemeinden der weiter geforderten«rhebliäte» Er- höhung des Schulgelde« Widerstand.zu leisten und da» Schulgeld in Grenzen zu hallen, die unter Berücksichtigung der Notlage der Wirt- schast'md der öffentlichen Körperschaften als erträglich bezeichnet werben müssen. Das Schulgeld deckt heute wie vor dem Kriege etwa«in Drittel der Kosten de» einzelnen Schülers: die Versuch«, einen größeren Teil der Kosten den Erziehungsberechttgten aufzubürden, sind vergeblich geblieben. Dazu komml. daß«ine Reihe von verbesiorvag««ingeführl wurden, die bi» zur Ktaatsumwälzung fehlleo: Bereitstellung eines bestimmten Hundertsatzes des Schulgeldauftom» mens, mindestens 20 Proz. zur Gewährung nicht nur der schon früher üblichen Freistellen und Schulgeldermö ßi» gungen. sondern auch zur Ausstattung von Hllssbüch«, reien, au» denen minderbemittellen Schillern Schulbücher leih- weis« zur Verfügung gestellt werden, und zur Gewährung von Er- zishungsbeihilfen für besonders begabt« minderbemitteU« Schüler. Außerdem ist an den öffentlichen höheren Schulen Preußen« die Maßnahme durchgesührt. daß da» 2. Kind des gleichen Er. ziehungsberechtigton ein um 25 Proz., das 3. Kind«in um 30 Proz. ermäßigtes Schulgeld zahll, und daß das 4. und weiter« Kinder schulgeldsret sind. Für solche vwgünstigungen ist zurzeit an sämtlichen öffentlichen höheren Schulen Preußen« aus öffentlichen Mitteln«in jährlicher Gesamtbetrag von mindesten« rund 15 400 000 Mark gewährleistet. Außer den Beträgen, die au» dein Schulgeldauskamm en zu diesem Zweck den einzelnen Schulen gewährt werden, hat die preußische Unterricht-verwaltung au? den vom Reich zur Verfügung gestellten Mitteln seit Ostern 1924 insgesamt 532938 M. an einzeln« von Schulen und Schulverwallungsbehörden sorgfältig hierfür ausg«, wählte Schüler und Schülerinnen verteilt. Dabei sind die Auf- bauschulen tn erster Lini« berücksichtigt worden. Es ist so gelungen, einer größeren An�ihl hochbegabter minder- bemittelter Schüler, denen sonst die höhere Schul« verschlossen ge- nxsen wäre, ihren Besuch zu ermöglichen. Zinanzministerkrise in Prag. Oifferenzen mit den Agrariern. Prag. S. Juni.(Eigenbericht.) Der Finonzminister Dr. Englisch, der als Fachmann dem Kabinett angehört, Hot um seine Entlassung gebet«". Die Ursachen liegen in schweren D'sserenzen zwischen ihm und den Koalitionsparteien, namentlich den tschechischen Agrariern. Englisch ist der Schöpfer des Demeindefinanzgesetze«. da» die Selb st verwaltungskörper vielsoch schon setzt zum sinan- zicllen Zusammenbruch treibt. Selbst die Koalttionsparteien sehen die Notwendigkeit einer Neuerung de, Gesetze» ein. stoßen dabei ober auf den Widerspruch des Finanzminifters. Nach einer anderen glaubhesten B-rsian weigert« sich Engtisch, bei den jetzt slattiindenden Beratungen über ba» nächstjährige Budget den übertriebenen Forderungen de» Verteidigung»- Ministerium» und de» Landwirtschaftsminist«» ge««» oachzugeb«. L( Herhaupt diszipki- narisch zu ahnden sei. nachdem das Gencht ihn freigesprochm hat. E» werden deshalb die Auslagen«iner Reihe von Zeugen aus dem Gerichtsverfahren und das Gerichtsurteil selbst verlösen. Bekanntlich war die zweit, Instanz au» objektiven wie subsektlven Gründen zum Freispruch Kußrncnns gelangt. Im Urteil hieß es u. a.. daß Snoll»l» HUfsarbeil«, Sußmoun» .zu bei rächten gewesen sei und daß er deshalb tvs Vernehmung»- Protokoll Oyonel Isaak» zum Einblick Hab« erhalten können. Knall hatte, wie erinnerlich, ansang««rktört. daß er getagentllch seiner Be« suche im Amtszimmer Kußmanns verschiedene Abschriften gemacht habe. Durch die Verlesung he« Urteils wird man an die skandalöse Szene erinnert, wie der Staatsanwalt und ietzige Richter P e l tz« r mit der A b s I ch t dl« Toilette eines Restaurants auf- suchte, um dem knoll di« Grleaenhell zu nebe», der ffaaUanwast. llttzen Aktenmappe di» Kchrlfistücke de? Aeckmungshose» zu«nk- nehme». Zum Punkte Unwahrhastigkeif Kuß'uann»«nähr» man aus der Aussage Dr. Tetzlass». Kußmann Hobe e, verheimlicht, daß Hauptmann g. D. knall und Dr. ksvar et»»»h diasefbe Persönlich, kei» war. Er hatte ihm überhwrpt nicht gesagt, daß Knoll der Ge- währemann sei. sondern«rtlärt. daß«r idn„nur zufällig' treffe. 2« übrige» sei«» sämAiche Barmat-Dezernstte, Aiadarhalt ermahnt worden, die Untersuchung streng geheim zu halten. Das gleiche erfährt man aus der Bekundung d«» Staats- anwalts Höltz. Als er nach der Veröffentlichung des vouer-Briese» it. a. auch Kußmann gefragt habe, ob nicht er ihn vielleicht tn di« Presse lanciert habe, Hobe Dr. Kußmann erklärt, daß«r mit der Presse ein für allemal nichts zu tun haben wolle. Petzloff hat weiter ausgesagt, daß Kußmann nach seinen eigenen Angaben nicht in ollen Teilen die Wahrheit geloat habe. Erssrfert wird noch Kußmanns Beziehllpmn zum R.-A. Pilllttr im Pkauaner.. St re fem a n n.-.P r o z e ß. Kußmann hstte dem. Recht-anwalt Müller, gegen den Strefemowi«in«n Beleidigung»- Prozeß führt«,«ine Reihe von Tatsachen mitgeteilt. Er hatte ihm ferner di« Bekanntschaft mit dem Freiherr» v. Medgm vom Hugenberaverlag vermittelt. Tatsächlich hat eine Zusammen- kunst von Press»» rtr«fern und Parkamentanerp im Hoi« Errelswr stattgefunden.— Die Disziplinarperhondsiwg geht morgen weiter. Polens Mmderheiten-Lluterdrückuug. Rassen, Aochthiwsurteile gegen Weißrusse«. Varscho«.?. Juni.(Eigenbericht.) Am Montag ist in A i o ln st o k der Prozeß gegen ltzsi Mit- gsieder her Kommuntstischen Partei Weißrußlands zu Ende gegangen, denen staatsfeindliche Tätigkeit zum Vorwurf gemacht wurde. Von den Angeklagten, die über Lohre in Unter- suchung»hast gesessen haben, sind 59 zu schwer«» Zuchthau,. strafen van einem bis acht Jahren verurteilt worden. Es ist die« bereits der dritte Prozeß, der im Laufe einer kurze» Zeit von den polnischen Behörden gegen die srelheiflichen Pe- wegungeu der slawischen Minderheiten angestrengt worden ist. Im Prozeß gegen die«eißrussische Hromado(über WO Angeklagte) sind bekanntlich auch mehrere Sesmabgeordnete zu schweren Zucht- hausftrasen verurteilt morde, i. und auch in dem Prozeß von Luck betrug die Zahl der Angeklagten über 100. Di« DeHörden suchen di« freiheitlichen Bewegungen der Minderheiten, die im Grunde genommen den Staat keineswegs bedrohen, sondern nur auf Er- letchterung der pMjschen und kulturellen Bedingungen hinausgehen. zu unterdrücken, indem sie die Führer schwer bestrafen, ohne zu bedenken, baß ein solche, Vorgehen nur die Gegensätze tnnerhald der gesamten Bevölkerung»«rschärsen kann. Die Folgen dieser Minderheitenpolitit lassen aus ssch auch Nicht warten. So ist beispielsweise auch dersenlg, Teil der Ukrainer, der bisher auf dem Bpden der loyal»« Zusammenarbeit gestanden dat. in da« Lager der prinzipiellen Opposition übergegangen, wie das bei den gegenwärtigen Parlamentsdebatten über das Budget unzweideutig zum Ausdruck kommt. � Roi drängt schwarz zurück. Auch in Holland. Amsterdam, ö. Juni(Eigenbericht.) Der niederländisch» Katholikentag in Mastricht gewann dadurch«n« gewisse Bedeutung, daß au» den wichtigsten Beden deutlich di« Furcht vor dem unaufhaltsamen Vor- dringen der Sozialdemokratischen Arbetterpar- t e i in den südlichen Provinzen hervorklang. die bisher als vneinge- schränkte Hochburg der im rechten Flügel de? deutschen Zentrum» entsprechenden Röinisch-Katholischen Staatspartei gegotte» hatten. Elp Herr Koste«4 sang«n bewegliches Klagelied Über den Rückgang des tathalischm Einflüsse», da bereit» der neunte Test der katholischen Wähler nicht mehr katholisch stimm«. SO 000 Menschen in und um Rotterdom seien binnen 8 Jahren zu dauernden Lesern einer sozioli st Ischen Tageszeitung gemocht. In Ratterdap' Kien schon 30 rnn. in Amsterdam gar 30060 und im Haag 20000 Katholiken, k!« da, Osterfest nicht mehr durch di» Übliche Kommunion begingen. Hie Zahl der gemischten Eh«» nehme erschreckend zu. Ein Professor Nolet klagte üb«? die der katholisch«» weit überlegen« sozialistische Literatur. Unsere Genossen können solch« Klnflelieder mit Recht als rnilUororoen« stusr-TV-in lxituchrt». Erfolge der Hutarbeiter 1927. Die Berlufte der Krisenzeit wieder wettgemacht. Der Hutarbeiterverband hat, wie aus seinem Geschäftsbericht für das Jahr 1927 heroorgeht, im Vorjahre fast den gesamten Boden wiebergewonnen, den ihm die Krisenzeit 1925/26 entriß. Das Be richtsjahr 1927 schließt mit einer 3unahme von 961 mit. gliebern ab, so daß die Organisation am Schlusse des Borjahres wieder 6579 männliche und 11 599 weibliche, insgesamt 18 178 Mitglieder musterte. Diefer agitatorische Erfolg ist um so höher zu bewerten, als troß der allgemein guten Wirtschaftslage während des Borjahres die Arbeitslosigkeit und Rurzarbeit in der Hutindustrie immer noch verhältnis mäßig groß war. Im Jahresdurchschnitt waren 23 Broz. der Mitglieder arbeitslos und 6,3 Proz. Kurzarbeiter gegen 30,6 Proz Arbeitslose und 25,4 Broz. Rurzarbeiter im Durchschnitt des Jahres 1926. Bedauerlich ist die starte Fluttuation in der Mitgliederbewegung, unter der aber leider alle Organisationen zu leiden haben, Die überwiegend weibliche Mitglieder haben. Im Hutarbeiterverband standen im Vorjahre 4598 Neueintritten und Uebertritten 3424 Austritte gegenüber. Die Finanzen der Organisation haben sich im Berichtsjahre gut entwickelt. Während im Krisenjahr 1926 die Ausgaben höher waren als die Einnahmen, brachte das Jahr 1927 dem Verbande eine Mehreinnahme von 121 872 M. Der Bestand der Lokalkassen erhöhte sich im Laufe des Berichtsjahres von 28 086 m. auf 47 359 M. Durch insgesamt 21 Lohn- und Manteltarifbewegungen, an denen 48 860 Arbeiter und Arbeiterinnen beteiligt und die fämtlich erfolgreich waren, gelang es der Organisation, nicht nur die in der Krisenzeit erlittenen Scharten wieder auszuwegen, sondern darüber hinaus noch ganz beträchtliche Berbesserungen der Lohn- und Arbeitsbedingungen ganz beträchtliche Berbesserungen der Lohn- und Arbeitsbedingungen durchzusehen. Alles in allem fann mit gutem Recht gesagt werden, daß es auch im Deutschen Hutarbeiterverband nach den schweren Sturm und Drangjahren zwar langsam, aber stetig wieder vorwärts geht. Der Leiter der Reichsfachgruppe, Brente, sprach sodann über die ,, Dienst und Besoldungsverhältnisse der Sozialversicherungsan gestellten". Er schilderte den jahrzehntelangen, Kampf des Zentral verbandes der Angestellten um die Gestaltung eines zeitgemäßen Dienstrechts. Die Rechtsprechung habe völlig versagt, deswegen sei eine gesetzgeberische Lösung bringend erforderlich. Eine Berbeamtung lehnen die im 302. Organisierten ab. Sie fordern ein einheit. liches Dienstrecht für die Angestellten aller Versicherungsträger, bie gleichberechtigte Mitwirkung der Angestellten bei der Gestaltung ihrer Arbeits- und Besoldungsbedingungen, die Ausgeftaltung des Genehmigungsrechts der Aufsichtsbehörden in Fragen des Dienstrechts, Ruhegehaltsberechtigung und Hinterbliebenenfür forge sowie ausreichende Sicherung gegen Ründigung unter WahBersuch auseinander, die§§ 40 bis 42 des neuen Reichsbesoldungsrung wohlerworbener Rechte. Scharf setzte sich der Redner mit dem gesetzes auf die Sozialversicherungsangestellten anzuwenden. Nach kurzer Debatte nahm die Reichskonferenz einstimmig zwei Entschließungen an, die die Grundgedanken des Referats zu. sammenfaßten. In den Nachmittagsstunden gab Brillte den Arbeits bericht der Reichsfachgruppe. Er behandelte in gedrängter Form die Fülle der Fragen, die die Reichsfachgruppe in der legten Beit zu lösen hatte: Neuverhandlung sämtlicher Reichstarifverträge, neue zu lösen hatte: Neuverhandlung fämtlicher Reichstarifverträge, neue Besoldungsregelungen, Einführung neuer Dienstordnungen, das Prüfungswesen, die fachliche Aus- und Fortbildung usw. Die dem Bericht folgende Distuffion brachte ihre Zustimmung zu der Arbeit der Reichsfachgruppenleitung einmütig zum Ausdrud. Die Konferenz war von etwa 200 Teilnehmern aus allen Teilen Deutschlands besucht. Sie hat nicht nur die Wege für die kommende gewerkschaftliche Arbeit des 3d2. in der Sozialversicherung gezeigt; sie war auch eine machtvolle Rundgebung dafür, daß die überwiegende Mehrheit der deutschen Sozialversicherungsangestellten ihren Dienst im freigewerkschaftlichen Geiste erfüllen und daß sie mit dem Zentralverband der Angestellten ihren Kampf um den wirtGozialversicherung und ihre Angestellten schaftlichen und sozialen Aufstieg führen wollen. Reichstonferenz des 3dA. Am 3. Juni tagte in Eisenach die 5. Reichstonferenz der Angestellten der Sozialversicherungsträger, die im Zentralverbande der Angestellten zusammengefaßt find. Dieser Konferenz gingen Tagungen der Reichsfachausschüsse der Krankenkassenangestellten, Berufsgenossenschaftsangestellten und Knappschaftsangestellten voraus. Als erster Referent behandelte Ministerialdirektor Dr. Grieser Dom Reichsarbeitsministerium die Butunft der Sozialver ficherung". Er gab in fesselnder Weise einen Ueberblick über die Brobleme und Triebträfte in der Entwicklung der Sozialversicherung. Man fönne die Sozialversicherung mit einem Strom vergleichen. Die Versicherungsträger seien die Fahrzeuge. Die Bemannung feien die Sozialversicherungsangestellten. Ihr Dienstrecht müßte neu geregelt werden. Es sei die Auffassung des Reichsarbeitsministeriums, daß dem Tarifvertrage der Borrang vor der Dienstordnung gebühre. Eine scharfe Kritit übte Griefer an dem Schlagwort der sozialen Lasten", mit dem die Gegner der Sozialversicherung häufig Miß. brauch trieben. Der Redner schloß mit einem Dank an die Sozialversicherungsangestellten für ihre Pflichttreue und hingebungsvolle Arbeit. Berliner Buchdrucker gegen KPD.- Terror. Das Berhalten der Kommunisten bei der diesjährigen Maifeier hat bei einem großen Teil der Gewerkschaftsmitglieder berechtigten Unwillen hervorgerufen. Einige von uns in den letzten Wochen veröffentlichte Buschriften wandten sich gegen die tommunistische Wahlpropaganda bei der Maifeier und besonders gegen die zur Beschimpfung der Sozialdemokratischen Partei bereitgestellten Kindersprechchöre. Die Mitgliederversammlungen der Berliner Buchdruder am Montag beschäftigten sich u. a. auch mit dieser Frage. Allgemein Marsches nach der Treptower Spielwiese und auf dem Blak selbst wurde das anmaßende Auftreten der Kommunisten während des scharf verurteilt. Es wurde darauf hingewiesen, daß das fommunistische Schalmeientonzert troß Aufforderung vieler Teilnehmer während der Ansprache des Genoffen Ortmann nicht eingestellt, sondern um so lärmender fortgesetzt wurde. Durch diesen groben Unfug war es einem großen Teil der Buchdrucker nicht möglich, der Bestansprache zu folgen. Auch sonst versuchten die Rommunisten, der ganzen Maifeier einen fommunistischen Anstrich zu geben. Aus diesem Grunde menden sich die Buchdruder als eine der stärksten Gewerkschaftsorganisationen ganz entschieden gegen das gewertschaftliche Berhalten ber Rommunisten bet der Maifeier. In mehreren Bezirken wurde ein Antrag angenommen, der vom Ausschuß des ADGB. geeignete Maßnahmen fordert, um derartige Ausschreitungen fünftig zu verhindern. Konflikt in der AEG. Treptow beigelegt. Bekanntlich hatten die Dreherinnen in der AEG.- Treptow bie Forderung gestellt, ihre Berdienste zu erhöhen. Da eine Einigung nicht erzielt wurde, traten die Dreherinnen in den Streit. Darauf beschloß die AEG., das gesamte Berk Treptow stillzulegen. In einer erneut geführten Verhandlung wurde eine Verständigung er zielt. Auf Grund dieser Berständigung beschlossen die streifenden Dreherinnen, die Arbeit wieder aufzunehmen. Droffelung der Produktion. Nach den Staatszechen auch Mannesmann. Düffeldorf, 5. Junt. Die Mannesmann- Röhrenwerke, Abteilung Steinkohlenbergbau, beabsichtigen auf der Schachtanlage Unfer Frih" die Entlaffung von 1000 Bergarbeitern und 50 Angestellten. Wie verlautet, sollen die entsprechenden Berhandlungen mit dem Demoblimachungskommissar bereits eingeleitet worden sein. Die Nachverhandlungen über die Berbindlichkeitserklärung des Schiedsspruchs für die Wasserbauarbeiter finden am M moch vormittag im Reichsarbeitsministerium statt. Wrd in diesen Tagen noch die Lohnfrage geregelt, dann beginnen in der nächſten Woche die Rahmentarifverhandlungen. Deutscher Baugewerksbund, Baugewerkschaft Berlin, Fachgruppe Betonban. Seute, Mittwoch, 19 Uhr, ist im Gewerkschaftshaus, Eaal 5, eine Bersammlung aller in den Steinbeckenbetrieben beschäftigten Wölber, Träger und Einschaler. Erscheinen aller Kollegen ist Pflicht. Die Fachgruppenleitung. 3. A.: Rudert. Freie Gewerkschafts- Jugend Groß- Berlin Heute 19% Uhr tagen die Gruppen: Baumfäulenweg: Gruppenheim Jugendheim Ernststr. 16. Heimbesprechung. Berbandsbücher und heimJugendheim Bordstr. 11( Fabrikgebäude). Seimbesprechung ausweise mitbringen. Süben, Südwesten: Gruppenheim Etädt. Kampflieder abend. Heimausweise und Verbandsbücher mitbringen. Reutolla: Gruppen. heim Jugendheim Bergstr. 29( Sof). Heimbesprechung Liederabend. Ohne Verbandsbuch und Heimausweis fein Zutritt. Weißensee: Gruppenheim Weißenfee, Partstr. 36. Heimbesprechung. Die Musiker bringen ihre Instru mente mit. Seimausweise und Verbandsbücher nicht vergessen. 8entrum: Gruppenheim Jugendheim Rehbenider Str. 24-25. Seimtbesprechung. Berbands budkontrolle. Wagenspielabenb ab 18 Uhr: Reppelinplag und Webbing: Spielen auf der großen Wiese im Schillerpart. Ostkreis: Spielabend auf dem Sportplay Friedrichshain fällt aus. Jugendgruppe des Zentralverbandes der Angefiellten. Seute, Mittwoch, 19½ Uhr, find folgende Veranstaltungen: Den: Jugendheim der Schule Litauer Str. 18. Gruppenabend. Listen berg II: Jugendheim ber Schule Goßlerstr. 61. Heimabend. Rentoun: Jugendheim Böhmische Str. 1-4. Heinrich- Heine- Abend. Wedding- Geinad. brunnen: Jugendheim Schönstedtstr. 1( Ledigenheim 5 Tr.). Bebels Seben." Nordwest: Realgymnasium Schleswiger Ufer 14. Heimbesprechung, anschließend Unterhaltung. Spandan: Jugendheim Lindenufer 1. Gruppenbesprechung. Bere atwortlich für Politik: Dr. Curt Geyer; Wirtschaft: G. Klingelhöfer: Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lokales and Sonstiges: Frig Karstadt: Anzeigen: Th. Glode, sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Budbruderet und Berlagsanstalt Baul Ginger u Co.. Berlin SW 68. Lindenstraße 3. Sierzu 1 Beilage und Unterhaltung und Biffen". Für Reise und Sport Garantie- Bügelkoffer aus echter genarbter Vulkanfibreplatte, mit 2 messingplattierten Vexierschlössern, lederbezogenen kräftigen Metallgriffen, herumgehendem messingplattierten Deckelrand. 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Juni-lS2S Schnellbahn u Zwei Verkehrsprojette v D«n Deutfchnationolen der Stadtverordneienversamm- lmig ist es gestern gelungen, die Entscheidung über die von der Stadl geplante Weitersührung der Dahlemer U-Bahn zu verschleppen. Weil ihnen die Richtung Zehlendorf-West nicht paßte, forderten sie Ausschußüberweisung, und als diese abgelehnt wurde, verhinderten sie die sofortige zweite Beratung. Sachliche Gründe brachte ihr Redner nicht vor, ober man hätte, meint« er, das Bezirksamt Zehlendorf nicht übergehen dürfen, das sich gegen die Richtung Zehlendors-West erklärt hat. Auch ein Grund, die In- ongriffnahm« eines notwendigen Derkehrsprojektcs zu verzögern! Bei der neuen Vorlage über die Unterbringung der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt auf Britzer Land wollten die D e u t s ch n a t i o n a l e n die alte Vorlage wiederher- stellen, die den Lusthasen östlich der Rudower Chaussee plante. Es gelang ihnen nicht, und die neue Vorlage wurde dann angenommen. Die K o m m u n i st e n hatten gegen das neue Projekt ihren Stadt- verordneten Lange vorgeschickt, der vor kurzem als Lobrednsr des Königs Amanulluh durch feine eigenartige Logik aufgefallen ist. Es klang sehr„radikal", als er die gesamte Luftfahrt wie eme Vorbereitung auf einen neuen Krieg schilderte. Aber mit derselben Begründung könnte man auch jede Förderung des Eisenbahn- und Autoverkehrs ablehnen... ♦ Vor Eintritt in die Tagesordnung teilte der Vorsteher Genosse tiaß den Tod de» früheren langjährigen Stadtschulrotes Dr. Fischer mit. Der Verstorbert« habe dos Gemeindeschul wesen vorbildlich geleitet und sich besonders durch die Fürsorge aller Art um Schulkinder verdient gemacht. Eine Anfrage der Kommunisten wegen der llazulSngNchkelt der 30. Gemeindeschule in der Rüdersdorfer Straße beantworter« der Gtodtfchulvat Genosse Rydahl dahin, daß die genannte Schule der Neuzeit nicht mehr ent» spräche. Man wolle versuchen, die Kinder der Schul« umzuschulen und die Gebäude anderen Zwecken dienstbar zu machen. Stadtv. Genosse kreußiger dezeichnete den Zustand des Schulgsbäudes als unhaltbar. Besonders die Dienstwohnung des Schulhous- meifters müsse bald geräumt werden, da sie keine menschenwürdige Behausung sei. Für die Erklärung des Stadtschutrats sei die sozial» dmokratische Fraktion dankbar.— Für einen Antrag der kommu. r.istischen Fraktion, der sich gegen die technische Rokhilse wendet, stimmten mit den Aniraostellern unser« Genossen. Der Antrag ver- langt, daß irgendwelche etwa noch bestehenden Verbindungen der Stadt mit der Technischen Nothilfe gelöst werden und daß städtisch« Beamte, Angestellte und Arbeiter dienstlich zu keiner Veranstaltung dieser Organisation geladen werden dürfen. Ebensalls soll jede Propaganda unterbleiben.— Bei der Beratung der Magiftrotsoor- läge wegen der Verlängerung der Oahlemer Schnellbahn. erhob, der Deutfchnationale Dr. Steiniger Protest gegen die Linien- führuny. Bezirksam: und Bezirksvcrsainmlung Zehleiüiorf hätten die Strecke bis zum Reichsbahnhos Zehlendnrs-Mtlte befürwortet, während die zentralen Stellen die Bahn bis Zehlendors-West legen wollen. An die Strecke bis noch„West" hätte nur eine Siedlunas- gelellschaft und die— Gehag Interesse. Der Redner beantragte die Verweisung an einen Ausschuß. Die Mehrheit der Versammlung lehnt« diesen Antrag ob, worauf die Deutschnationalen, um die Sache auf alle Fälle zu verschleppen, eine zweite Lesung beantragten, die erst in der nächsten Sitzung stattfinden kann.— Nachdem im März die Verlegung der Versuchsanstatt für Lustfahrt auf ein nahe der Großsiedluirg Britz gelegenes Gelände von der Stadtverordnetenversammlung abgelehnt worden war, hatte der Magistrat nach entsprechenden Verhandlmrgen eine neue Vor- läge uMerbrestet lmitgeteilt im„Vorwärts" vom Sonntags, die der Versuchsanstalt Gelände w e st l i ch der Chaussee anweist. gd Fluganstalt. >r dem Siadiparlament. Ms Bertragskontrahent tritt nunmehr auch nicht mehr die Versuchsanstalt, sondern das Reich durch das Verkehrsministe- rium aus. Genosse Äutichmidt berichtete aus dem Ausschuß, daß die neue Vorlage wohl höhere Ausgaben verursache, daß aber ange- nommen werde, daß auf dem neu anzuweisenden Gelände die mit der D e r s u ch s a n st a l t in Verbindung stehende Industrie bessere Anstedlungsmöglichkeiten finden werde. Der Redner empfahl die Annahme der Vorlage. Die Deutschnationalen waren gegen die Vorlage imd beantragten die Verlegung der Versuchsanstalt ö st l i ch der Chaussee, also in die Nähe der Großsiedlung, so wie es im März die Mehrheit der Versainnilung, zu der auch die Sozialdemokraten gehörten, ablehnte. In der Aussprache erklärte Genosse Dr. L o e w y die Zustimmung der Sozialdemokraten zu der Vorlag«, während Stadw. Deter(Komm.) meint«, die etwaige Ab- Wanderung der Versuchsanstalt noch Stuttgart sei nicht so tragisch, da der in Frage kommende Kreis der Arbeiter nicht so groß sei(I). Pfarrer Koch von den Deutschnationalen nagelte fturrn Deter sofort auf dies« Aeußerung sest und tat so, als wenn die Deutschnationalen auch für die kleinste Arbesterschicht einträte. Die Stadtverordneten Koch und Longe, letzterer von den Kommunisten, krakeelten sich dann noch gegenseitig ein bißchen an, so daß erst nach 21 Uhr die Abstimmung vorgenommen werden konnte. Der Antrag der Deutsch- nationalen wurde gegen ihr« Stimmen abgelehnt. Mit Mehrheit stimmte dann die Versammlung der Vorlage zu, so daß die Ver- suchsanstolt Gelände westlich der Chousfe« ange- wiesen erhasten wird. Gtudentenkrawalle vor der Llm'verfiiäi. Parade der„Allgemeinen" Studentenschaft. lieber unerhörte Vorgänge, die sich gestern in den Mittagsstunden vor der Berliner Universität abspielte«, geht uns von einem Augenzeugen folgender Bericht zu: Mittag? um 1 Uhr begann auf dem Opernplatz die sest Togen angekündigte völkisch« Studentenversommlung mit Milstämusik und Parademärschen, die ein Lautsprecher von der Grammophonplatte der etwa 2000 Menschen umfassenden Versammlung übermittelte. Eine kleine Kommunistengruppe hatte sich mit ihren Fahnen nahe dem Lautsprecher ausgebaut. Als im Laufe der Versammlung der konnnunistische Redner das Wort ergriff, bemächtigte sich der Versammlung eine starke Unruhe, die schließlich in Pfeifen und Johlen ausartete, so daß der Redner abtreten mußte. Ms die .Kommunisten zum Protest die Internationale onftimmten, wurde von den zahlreich avwesendeu Nalionalsozioliflen ein Krawall inszeniert, der sich bis ms Universitätsgebäud« fortpflanzte und dort zu groben Augrissen gegen kommunistische«od auch gegeu jüdische aussehende Studierende führte. Es bedurste erst des nach geraumer Zest erfolgenden postzeisichen Engreifens, um den geradezu progromartigen Vorgängen«in End« zu bereiten. k Aus Kreisen der sozialistischen Studentcnbewegung werden die bedauerlichen Ereignisse uns durch nachstehende Einzel- heilen kommentiert-. Nachdem die reaktionär« Mehrheit der preu« ßischen Studeutenschasten im vergangenen Winter das Fortbestehen einer studentischen Selbstverwaltung durch Ablehnung einer den verfassungsmäßigen Grundsätzen entsprechenden Neuregelung ihrer Statuten abgelehnt hatte, blieb nur noch eine staatlich nicht aner» kannte privat« völkische Vereinigung übrig, deren Berliner Ortsorganisation sich irresührenderweise den Titel.All- gemeine Studentenschaft" beilegten. Diese sogenannte„allgs- meine" Studentenschaft veranstaltet zurzeit die Wahl einer Ver- einsleitung, die sie bemüht ist. gewissermaßen als osfiziäse Stüde ntcn- vertretung zu maskieren. In Wahrheit ist die gesamte nichtvöltische Studentenschaft der Organisation nicht beigetreten, sondern findet zum größten Teile im.Deutschen Studentenverband" ihre wirtschaftliche Vertretung, während in allgemein- Jack London: QSoIf�blUt. Dies Abenteuer erhöhte Wolfsbluts Selbstvertrauen und seinen Stolz. Festeren Schrittes ging er fortan unter den großen Hunden umher, feine ganze Haltung war nicht mehr demütig. Nicht daß er Streit suchte, aber er verlangte Achtung. Er wollte unbelästigt seines Weges gehen und vor keinem Hunde beiseite treten: kurz: man sollte Rücksicht auf ihn nehmen. Er wollt« nicht mehr übersehen werden, wie es den jungen Hunden, selbst den Genossen seines Gespannes, erging. Sie drückten sich vor den großen zur Seite und gaben auch wohl notgedrungen ihren Anteil am Fleisch hin. Aber Wolfsblut, der ungesellig, einsam und verdrossen kaum nach rechts oder links blickte, wurde, fremd und zurückhaltend wie er war, von den erwachsenen Hunden als ihresgleichen bo- handelt. Nach wenigen erbitterten Zusammenstößen fanden sie e« wünschenswert, ihn in Ruhe zu lassen und wagten weder feindselige Angriffe, noch freundschaftliche Annähe- runaen, und so tat er dasselbe. Um die Sommersonnenwende erlebte Wolfsblut etwas Merkwürdiges. Als er lautlos um einen neuen Wigwam strich der am Ende des Dorfes aufgerichtet worden, während er mit den Jägern auf der Elchjagd gewesen war. stieß er plötzlich auf Kische. Er blieb stehen und blickte sie an. Er erinnerte sich ihrer, wenn auch dunkel, doch das war mehr, als man von ihr sagen konnte. Drohend wies sie mit dem wohlbekannten Knurren ihm die Zähne, und damit wurde die Erinnerung noch deutlicher. Seine vergessene Kindheit. alles was mit diesem Knurren zusammenhing, kam ihm wieder in den Sinn. Bevor er die Menschen gekannt hatte, war sie für ihn der Mittelpunkt der Welt gewesen. lue alten, vertrauten Gefühle jener Zeit stiegen in ihm«Ulf. Er verstand das nicht und zog sich verwirrt zurück. Allein Kisch? war nicht zu tadeln. Eine Wölfin ist nicht so beschaffen, daß sie sich ihrer ftüheren Kinder erinnern sollte. Also war Wolfsblut für sie ein Fremder, ern Ein- dringling, und ihre jetzigen Jungen gaben Ihr das Recht, feine Zudringlichkeit übel zu vermerken. Eines der Kleinen kam auf Wolfsblut zugewackelt. Sie waren ja, ohne es zu wissen, Halbbrüder. Wolfsblut beroch das Hündchen neugierig. worauf Kische auf ihn lossprang und ihn abermals biß. Er mich weiter zurück. Die alten Erinnerungen kehrten wieder ro hie Trust zurück, aus der sie erstanden waren Er sah zu, wie Kische das Junge leckte und dann und wann inne hiell, um ihn anzuknurren. Sie war ihm nichts mehr, er hatte auch ohne sie fertig werden müssen. Was sie ihm gewesen. war dahin: in seinem Leben hatte sie keine Stelle mehr, noch er in dem ihrigen. Er stand noch immer verblüfft da und wunderte sich. was das alles eigentlich bedeutete, als sie ihn zum dritten Male forttrieb. Er ließ es geschehen, war sie ja eme Hündin, die er nicht angreifen durste. Er wußte nicht aus Erfahrung, daß es Gesetz sei, daß die Geschlechter sich nicht bekämpfen dürfen, aber ein geheimer Trieb sagte es ihm, ein Instinkt wie der, welcher chn zwang, nachts den Mond und die Sterne anzuheulen und den Tod und das Unbekannte zu fürchten. Die Monate vergingen. Wolfsblut nahm an Stärke, Ge- wicht und Breite zu, und sein Charakter entwickette sich nach dem Gesetz der Vererbung und dem der Umgebung. Was ihm angeboren, war gleichsam der Lehm, aus dem er geformt war. und dieser konnte tn verschiedenen Formen geknetet werden, ihm aber besondere Gestalt zu geben, dazu diente die Umgebung. Wäre Wolfsblut nie zum Feuer der Menschen gekommen, so hätte die Wildnis einen echten Wolf aus ihm gemacht. Nun hatten die Menschen ihm eine andere Um- gebung gegeben, und er war zum Hunde geworden, der zwar etwas Wölfisches hatte, aber immerhin mehr Hund als Wolf war. Also nahm durch die Beschaffenheit seiner Natur und durch den Drang der Umstände sein Charakter immer be- stimmtere Formen an. Dem war nicht abzuhelfen. Er wurde immer mürrischer, ungeselliger, einsamer, jähzorniger, und die Hund« sahen bald ein, daß es besser wäre, mit ihm in Frieden als im Strest zu leben, während der Graue Biber anfing, ihn von Tag zu Tag höher zu schätzen. Nur eine Schwachheit tonnte er nicht loswerden: er konnte es nicht oertragen, von den Menschen ausgelacht zu werden. Mochten sie unter sich über alles mögliche lachen, das war ihm gleichgültig, nur nicht über ihn. Das machte ihn wütend. Ernst, würdevoll und düster wie er war, brachte das Gelächter ihn bis an den Rand der Tollheit. Es be- leidigte und regte ihn so sehr auf, daß er stoch stundenlang nachher sich wie ein Besessener gebärdete. Wehe dem Hunde, der ihm alsdann in die Quere kam! An dem Grauen Biber, das wußte er, durfte er sich nicht rächen, der hatte einen Knüttel und seine höhere Macht hinter sich. Aber die Hund« pulitischeu und kultnr-politischen Fragen zwischen den verschiedenen Gruppen der organisierten nichtvölkischen Studentenschaft, deren stärkst« Organisation heute mit rund 3500 Mitgliedern den Verband sozialistischer Studentengruppen Deutschlands und Oesterreichs dar- stellt, gleichfalls eine ständige Fühlungnahme und Zusammenarbeit von Fall zu Fall stattfindet. Eine Ausnahme machen nur die Kommunisten, deren Häuflein sich, wie der„Vorwärts" bereits früher berichtete, dem völkischen verein freiwillig angeschlossen hat. Sie konkurrieren mit den Schwerindustriellen und werden durch die Herren Hugenberg, Vogler und andere Kreise, die aus den traurigen Wiener Schlägereien sattsam bekannt find, über Wasser gehalten. Daß das nicht immer leicht ist, haben die dutzendweise gehäusten und bis in die allerletzte Zeit reichenden Assären bewiesen, die zeigten, in welch weite Taschen die Gelder der oft recht unfreiwilligen Geldgeber(in Bayern und Württemberg wird der Verein noch offiziell aner-' kannt) geflossen sind. Wenn bei der diesmaligen Kundgebung die Kommunisten für ihre Mitarbeit eine wenig angenehme Rechnung präsentiert erholten haben, so wird ihnen vielleicht dies« allzu kräftig quittierte Rechnung ein Denkzettel dafür sein, daß die Koalition mit völkischen Kreisen, die schon einst Ruth Fischer propa- gierte, ihre gehörigen Schottenseiten hat. Mit welchen Leuten man es bei der Veranstaltung auf dem Opernplatz zu tun hatte, geht schon daraus hervor, daß einer der Hauptredner der von zahlreichen Hitlcr-Jüngern besuchten Versammlung ein einst recht bekannter deutschvölkischer Hochschulagitator war, derauf den seiner italienischen Heimat gemäßen urteutonischen Namen Silvio Conti hört. Bon diesem Herrn, dessen Demagogie älteren Semestern noch in heiterer Erinnerung ist und von anderen gleichwertigen Führern ausgc- peitscht, haben die mehr oder weniger schmissigen Herren ihren kommentmäßigen Radau aus die Straße getragen, und es ist fast zu bedauern, daß durch das Einschreiten der Polizei dem Spektakeltum ein schnelles End« gemacht wurde. Mehrere solcher Frellichtoufsührungei, und jeder, der es noch nicht wußte, wird er- kennen, weiche Geister sich in der„Allgemeinen Studentenschaft" zusammengefunden haben. Der Geist der Wissenschast ist es de- stimmt nicht, der sie erleuchtet. Dem werktätigen Deutschland und aller aufmerkenden Außenwelt aber gilt es, zu zeigen, daß die Herren vom Paukboden und vom Kleinkaliberschießständ nicht dos ernst«, arbeitsame imd zukunstsfreudig« junge Deutschland repräsentieren. Die Vereinigung sozialdemokratischer Studierender, die es ob- lehnt, sich der allzu schlagenden Argument« ihrer Gegner zu be- dienen, hat sich der Rgdauveranstalwng ferngehalten und darauf beschränkt, in einem Flugblatt den Versammlungsteilnehmern in ruhiger und sachlicher Weise ihren ablehnenden Standpunkt deutlich darzutun. Feuer bei der AEG. Lieber 150 000 Mark Schaden. Von einem Großfeuer wurde gestern dieTenacitfabrik der AEG. in Hennigsdorf heimgesucht. Trotz sofortigen Ein- greifen? der Fabrikwehr brannte die Mischerei vollständig aus. Das Feuer war erst bemerkt worden, als bereits ein, Teil des langgestreckten Fabrikgebäudes lichterloh brannte. Die Flanmicu fanden an' deii ke i ch tb r e n N b a r e n Materialien und Flüssigkeiten reiche Nahrung und' dehnten sich ans d�e gesamte Mischerei aus. Die Fnbrikwehr setzte sofort zahlreiche Schlauchleitungen in Tätigkeit. Es konnte jedoch nicht verhindert werden, daß das Feuer auch noch aus den D a ch st u h l der an- grenzenden Novotext-Fabrik übergriff itrtd diesen zum Teil vernichtete. Erst nach stundenlangen Löscharbeiten konnte die Gefahr als beseitigt gelten. Die Ursache des Brandes ist noch unbekannt. Der Schaden beträgt nach einer vorläufigen Schätzung etwa 150000 Mark, ist aber durch Versicherung gedeckt. Eine Vetriebsunterbre ch-u n g findet, wie uns von der Direktion der AEG. mitgeteilt wird, nicht statt. In den S p i n n st o s s w e r k e n zu Schönow bei Zehlen- darf entstand infolge Kurzschlusses in einer Schalttafel ein Kabelbrand. Die Feuerwehr löschte den Brand nach kurzer Zeit. Durch eine heroorschießende Stichflamme wurde der 24jährige Monteur Lehmann aus Stahnsdorf leben s- hatten das nicht, und so flohen sie, wenn Wolfsblut, durch das Gelächter toll gemacht, auf der Bildfläche erschien. Im dritten Jahr seines Lebens brach über die Indianer am Mackenzie eine Hungersnot herein. Im Sommer waren die Fische knapp gewesen, und im Winter verließen die Renn- tiere ihr gewöhnliches Standquartier. Die Elche wurden selten, die Kanizichen verschwanden fast. ganz, und die Raub- tiere starben oder fielen übereinander her. Rur die Starken blieben am Leben. Die Indianer waren von jeher nur Jäger gewesen, also starben die Alten und Schwachen vor Hunger. Es war viel Jammer und Wehklagen im Dorfe, denn die Frauen und Kinder hungerten, damit das Wenige, was noch da war. den hagern, hohläugigen Männern zugute käme, die vergeblich in die Wälder auf Jagd auszogen. So groß war die Rot, daß die Menschen das weiche Leder ihrer Mokassins und Handschuhe verzehrten, während die Hunde sich über die Riemen und selbst über Peitschenschnüre her- machten. Auch fraßen die Hunde einander auf, und die Menschen aßen die Hunde. Die Schwächsten und Wertlosesten von ihnen wurden dann zuerst verzehrt. Die Übriggebliebe- neu Hunde sahen das und verstanden es. Einige der kühnsten und klügsten verließen die Feuer des Lagers, das zur Schlachtbant geworden war, und flohen in den Wald, wo sie jedoch entweder verhungerten oder von den Wölfen zerrissen wurden. In dieser Zeit des Elends schlich auch Wolfsblut fort in die Wälder. Er war durch seine erste Kindheit besser als die andern Hunde für dies Leben vorbereitet. Er war be- sonders geschickt, die kleinen Lebewesen zu überfallen. Er pflegte stundenlang im Derborgenen zu liegen, um jede Be- weaung eines argwöhnischen Eichhörnchens mit einer Ge- duld zu verfolgen, die nur mit dem ihn peinigenden Hunger sich messen konnte. Selbst wenn das Eichhörnchen sich auf den Boden wagte, war Wolfsblut noch nicht voreilig, sondern er wartete, bis jenem der Rückzug auf einen Baum abge- schnitten war. Dann erst sprang er wie ein Blitz aus seinem Bersteck hervor und verfehlte auch nie das Ziel. So viel Erfolg er auch mit diesen Tierchen hatte, so war es doch nicht zum«attwerden, denn es waren ihrer zu wenig« da. Also stellte er noch kleineren Tieren nach. Sein Hunger war so groß, daß er es nicht verschmähte, die Waldmäuse aus ihren Löchern im Boden auszugraben, ebenso wie er es auch nicht unter seiner Würde hielt, mit irgendeinem hungrige» Wiesel, das»och blutdürstiger als er selber war, zu kämpfe»- ___________________-—-,(Fortjctzung folgt Ji j gefährlich verbrannt. Der Berunglüdte fand im Bingen frantenhaus Aufnahme. Auf dem Grundstück Hermannstraße 199 brannte gestern eine Autoreparaturwertstatt nieder. 3ehn Motor räder und ein Auto wurden ein Raub der Flammen. Das Feuer ist vermutlich durch Unvorsichtigtelt entstanden. Doppelluftmord im Schwarzwald. 3wei Lehrerinnen als Opfer. Freiburg. 5. Juni Zwei Lehrerinnen im Alter von 25 und 35 Jahren, die beide in Mannheim angestellt waren, wurden heufe vormittag ober. halb Breitna u gegen die Weißtannenhütte mit durchschnittenem Halle tot aufgefunden. Die Ceichen lagen etwa 70 meter voneinander entfernt. Der Befund läßt bei beiden auf einen Luftmord schließen. Nach den Ermittlungen sind es zwei kusinen namens Gersbach. Sie wollten auf dem Höhenweg nach dem Feldberg, wo sie erwartet wurden. Auf die Meldung von ihrem Ausbleiben begab fich fofort ein größeres Aufgebot der Freiburger Bereitschaftspolizei in das in Frage kommende Gebiet und fand nach längerem Suchen die beiden Leichen an der oben bezeichneten Stelle auf. Irgend welche Anhaltspunkte über den oder die Täter hat man noch nicht. Die Nachforschungen werden mit aller Energie fortgefeht. Die Er regung über die scheußliche Tat ift naturgemäß außerordentlich groß. Das Kreuz des Südens. Der größte Ozeanflug geglückt! Wie aus Suva auf den Fidschi- Inseln gedrahtet wird, ist das australische Flugzeug Southern Croß" dorf um 10 Uhr 20 Minuten nadh New Yorker Zeit gelandet. 50 Damit ist den beiden Australiern der größte unter den bisherigen Flügen über das freie Meer gelungen. Vorgestern waren fie in Honolulu( Hawai) aufgestiegen; in 35% Stunden haben sie die Entfernung von Hawai bis zu den Fidschi- Inseln, die 3150 eng lische Meilen beträgt, zurüdgelegt. Beitweise war man auch über das Schicksal biefer beiden Piloten in ernster Sorge. In den letzten Stunden ihrer Fahrt tobie ein furchtbarer tropischer Wirbelsturm, der das Flug zeug aus der Fahrtrichtung nach Westen verschlug und das Fahrt. tempo auf 50 Knoten herabdrückte. Ihr letter Funffpruch das Flugzeug stand dauernd mit dem Festland in Funkverbindung besagt, daß sie nur noch wenig Brennstoff hätten, und daß es aweifelhaft sei, ob sie die Fidschi- Inseln erreichen würden. Die angeblichen SOS- Rufe der ,, Italia". -Die Nachrichten über vom Cuffschiff Italia" ausgefandte, und angeblich in verschiedenen Teilen Nordeuropas aufgefangene Radio. depejchen sind mit größtem Borbehalt aufzunehmen. Das Luftschiff war mit einer Sendestation von 500 Watt Energie ausgestafet. Diese Station wurde durch einen Hilfspropeller betrieben, der nur dann etbeifen fann, wenn das Cuffschiff durch seine eigenen Motoren an. getrieben fliegt. Wie aus den früheren Berichten ersichtlich und auch höchft wahrscheinlich ist, hat die Italia bei der Rüdtehr vom Nordpol alle Betriebsffoffe verbraucht. Botausgefelt aber, daß die Jfalla in der Luft vom Winde als Ballon getrieben wird, können der Hilfs propeller und die Sendestation nicht arbeiten. Ruppeld legt Berufung ein. Der am Sonnabend vom Schöffengericht Charlottenburg zu 3 Jahren Gefängnis und 5 Jahren Ehrverlust verurteilte Nachlaßpfleger Ruppold hat Be rufung gegen das Urteil eingelegt. Die kommunistischen Arbeitersportler veranstalteten gestern abend eine Rundgebung gegen die vom Oberbürgermeister Böß abgehaltene Turn- und Sportwoche. In den einzelnen Bezirken trafen fich die Sportabteilungen und marschierten in geschlossenen Zügen zum Gendarmenmarkt. Auf dem Plag waren ungefähr 1500 Sportler versammelt, die sich eine Herede des fommunistischen Bandtagsabgeordneten Selfheim anhörten und bann m'eber höchst befriedigt abrüdten. Die Polizei war sehr zurückhaltend. Billige Fifchtage. Bon Mittwoch, den 6. Juni 1928 und folgende Tage finden billige Fischtage statt. Es tommen zum Bertauf frische Mafrelen pro Pfund 25 bis 30 Pf. Die Bertaufsstellen werden durch Platate tenntlich gemacht. Eltern, deren Kinder die Luise Otto Petersschule besuchen, werden gebeten, ihre Adresse sofort, noch vor der Elternnerfammlung am 7. Juni bei Genoffen Hünewald, Berlin, RO. 18, Baßmann- Str. 11 II, abzugeben. Geeignete Elternbei ratstandidaten sind ebendort namhaft zu machen. Das Reich- Cander- Problem stellt die Deutsche Hochschule für Bolitik in den Mittelpunkt einer Borlesungsreihe ihrer Akademischen Abteilung im Sommersemester 1928. An der Vortragsreihe über prattische Einzelfragen der Reichsreform find beteiligt u. a Ministerialrat Dr. Badt, Ministerialdirektor Dr. Brecht, Landesrat Dr. Riz, Reichsminister a. D. Roch, Ministerial direktor a. D. Präsident Dr. Mulert, Staatssekretär Dr. Bünder und Staatsminister a. D. Dr. Schall. Beginn Mittwoch, den 6. Juni, 20 Uhr, mit anschließender Aussprache. Karten im Sefre tariat der Hochschule, Berlin W. 56, Schinkelplay 6. A Die Männerchöre des 6. und 8. Bezirks des Gaues Berlin werden in einem gemeinfamen Stonzert am Mittwoch im großen Saal der Neuen Belt die in Hannover zu fingenden Chöre zum Vortrag bringen. Die mufitalische Leitung baben die Herren Heid, Knöchel und Bütte. Befungen werden die Chöre von Walden, Baum, Knöchel, Lendvai, Schubert unb Nicolé. Einlay 7 Ubr, Anfang 8 Uhr. Ginlaßlarten zu 1.-M. ein fchließlich Liederterte an der Staffe. SAJ Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Ginsendungen für diefe Rubrif nur an bas Jugendfefretariat Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Die Ausscheibungslämpfe für den Dortmunder Jugendtag finden Sonntag, 10. Juni, 8-12 Uhr, im Lichtenberger Stadion, Serzbergstraße, statt. Treff puntt ber Teilnehmer 7% Uhr Bahnhof Lichtenberg- Friedrichsfelbe unb Endhaltestelle ber ginie 68. Abteilungstaffierer! Seute, Mittwoch, zwischen 17 und 19 Uhr Abrechnung her Beiträge, Ausgabe der Arbeiter- Jugend und des Jugend voran" fülr Suni. Abteilungsmitgliederversammlungen heute 19% Uhr: Gesundbrunnen II: Schule Chriftianiaftr. 38. Webbing: Helm Gee., de Buriner Straße. Baltenplag: Seim Silter Str. 4-5. Friebrichshain: Seim Diesteĭmenerstr. 5-6. Charlottenburg- Nord: Heim Oberstraße. Spanbau: Seim Lindenufer 1. Tempelhof: Seim Germaniaftr. 4-6. Faltenberg: AI. Eaalbau ber Gartenftoht Friebe chsfelbe: Heim Schloß, Ede Berliner Straße. Raulsdorf: Schule Adolfstraße. Lichtenberg- Nord: Baraden Rathausstraße, funktionärsizung 19 Uhr; Mitgliederversammlung 20 Uhz. Sumannplak: olshaus, Cantianstraße. Bericht über die Pfingst fahrt." Rottbuffer Soe: Aula Forster, Ede Reichenberger Straße. Filmoo führung: Unfer Jugendtag." Eintritt 80 PL Reichenberger Biertel: Deffent ficher Filmabend. Güden: Seim Dordtstr. 11. Lichtbildervortrag: Unser Jugendtag." Ren- Zichtenberg: Seim Hauffftraße( Sportplak). Das beutfche Suntertum, Werbebeşirt Mitte: Borständekonferenz in ber Schule Gipsstr. 3. Db manner, Werbebezirksfunktionäre und Jugendbeiräte milffen erfcheinen, Ba ginn 18 uz Werbebezirk Brenzlauer Berg: Total Bookmann, Gleimstr. 10, am felt. sich engere Berbebeşirtsvorstandssigung. Der„ Raubmörder" von Zehdenick Ein verpfuschtes Dasein! Sieht man den 25jährigen Hugo Dilefch, der viel jünger ausfieht, vor sich, wie er mit schmerzerfülltem Gesicht in schwergebrückter Haltung dasteht, hört man feine weiche, baritonale Stimme leise, aber mit guter Betonung, furze, präzise Antworten geben, so denkt man unwilltürlich an bie Borte bes menschlichen Bräsidenten des Straßvollzugsamts Dr. Fintelburg, daß die Mörder oft die sympa thischsten Gefangenen sind. Was tann es bezeichnenderes geben, als daß ein Mörder von fich sagt: Ich bin froh, daß es endlich heraus ist, nun habe ich eben tommen, bagegen tann er nicht, er muß die Folgen tragen. Ruhe. Was ihn jetzt erwartet, beunruhigt ihn weniger; das muß Als er sich im April in 3offen wegen Diebstählen meldete, von denen hoffte er im Gefängnis untertauchen zu fönnen und zum andern fein Mensch ahnte, tat er es wohl aus zwei Gründen: einmal mußte er sich stellen, da er nach vollbrachter Tat in der Freiheit doch feine Ruhe gefunden hätte. Er fand sie aber auch im Gefängnis nicht. Immer wieder brachte er das Gespräch auf den Zehdenicker Mord. Selbst den Gefängniswachtmeister fragte er wiederholt, auf wohl finden würde, und wenn diefer sagte, er glaube das die Gefahr hin, sich verdächtig zu machen, ob man den Mörder bestimmt, bann, erzitterte er innerlich, gab sich aber trotzdem ber vergeblichen Hoffnung hin, daß man auf ihn doch nicht tommen würde. Er arbeitete übermäßig, um an seine Tat nicht denken zu müssen und racerte sich ab, um nachts Schlaf zu finden. Als dann ber Kriminalbeamte in 3offen erschien, mußte er, daß es um ihn gefchehen fei. Er leugnete aber feine Tat beharrlich, denn jetzt begriff er gar nicht mehr, wie er fie vollbringen fonnte; nun mat fie für ihn bereits etwas Fremdes. Er legte ein Geständnis ab, als er fah, daß er doch überführt sei. Jetzt ist er froh, daß er mit den Beamten frei über seine Tat sprechen fann, das schafft ihm Er Augen, ein etwas freieres Mienenspiel und dann wieder wie ge leichterung Nur für einen Augenblid: ein furzes Aufleuchten der lähmt und in sich gefehrt von einem inneren Leid. Ein verpfusch lähmt und in sich gefehrt von einem inneren Leid. Ein verpfusch tes Leben steht hier vor dem Abgrund des Zuchthauses, wenn nicht vor seinem Ende! Das ist es eben: Dieser Mensch, der ein Menschenleben auf seinem Tragen die Umstände die Schulb baran, er felbft, die Erziehung? Gewissen hat, hat das volle Bewußtsein seines verpfuschten Lebens. nach Frankfurt a. M. mohin sein Vater zusammen mit der 2 ist Berliner, einziges Kind eines Metallarbeiters. Früh tam er Fabrit übersiedelte. Im Alter von 13% Jahren beendigte er die Boltsschule und trat zu einem Schloffermeister in die Lehre. Beging hier eine Dummheit, mußte die Stelle verlassen, wurde mehrmals Dom Bater in der Fabrit angestellt, hielt es niemals lange aus und Parteinachrichten Einfendungen für diese Rubrik find Berlin G 68. Lindenstraße 3. für Groß- Berlin ftets an bas Bezirksjefrezartat 2. Hof. 2 Trep. cedits. au richten 6. Kreis Krenzberg. Freitag, 8. Suni, 19% Uhr, bei Krüger, Grimmste. 1, Sigung des erweiterten Kreisvorstandes. 7. Kreis Charlottenburg. Freitag, 8. Juni, 20 Uhr, im Boltshaus, Fofinen. ftraße 4, Sigung der Beitungskommission. Die Spebiteure und fämiliche Beitungstommiffionsmitglieder mitffen anwesend fein. 14. Rreis Rentälln. Donnerstag, 7. Juni, sürtil d 18% Uhr, Vorstands fgung im Parteibureau, Redarfir. 2. Aufließerb pünktlich 20 Uhr er. weiterte Kreisvorstandsfigung an betannter Stelle. Anmeldungen aur Jugendweihe werben in ben Borwärts Speditionen Redarfte, 2 und Sieg friebstr. 28-29 angenommen. Walther Unterrichtsbeginn bemnäcft, Rathenan Sule: Sente, Mittwo, 6. Sunt, 20 Uhr pünktlich, in ber Aula der Scule Elternveriammlung. Wahl bes Wahlvorstandes für die Eltern beiratswahlen. Tintilides Ersteinen oller Genoffen und der Anhänger ber Liste Eulaufbau unbedingt erforderlich. 18. Krets Beißensee. Heute, Mittwoch, 6. Juni, 20 Uhr. bei Gallas, wichtige Sreisfunktionärfizung. Erscheinen dringend erforderlich. 20. Areis Reinider bort. Tonnerstag, 7. Juni, 20 Uhr, bei Fochaus, Reiniden. borf- Oft, Resibenzstraße, Ede Echönholzer Weg, Gigung des Bildungsausschusses. Heute Mittwoch, den 6. Juni: uno 41. Abt. Achtung! Abteilungsleiter ist fett Richard Betnared, Berlin 23. 29, Friesenfit. 23. Ale Sufchriften, die die Abteilung betreffen, sind dorthin au richten. 74. bt. Behler bort. 19 Uhr bei Midley, Totsbamer Straße, Funktionäre fgung. Erfdjeinen allet funktionäre ist Pflicht 82. bt. Steplig. 20 Uhr Abteilungsversammlung im total Bernice, Ber linide Ede Rugestraße. Vortrag: 8med unb Biele der Cosialbemo tratie. Referent Josef Dünnet. Morgen Donnerstag, den 7. Juni: 17. t. 20 Uhr holen bie Funktionäre Material eb von Ludwalb, Sprengel. ftraße 45. Gigung bes Abteilungsvorstandes ebenbort. 28. Abt. 19% Uhr bei Seiles wichtige funtt onärfizung. 33. bt. 20 Uhr bei Lofad, Benmeftr. 8, Funktionärhikung. Alle Bezirksführer rechnen Beiträge, Cammelliften usw. mit bem Raffierer ab. 48. Abt. 20 Uhr bei Sübner, Gitschiner Str. 17, Funktionärsigung. Stellung nahme aur Rerwahl des Abteilungsleiters. 67. Abt. Grunewalb. 20 Uhr im Lotal Wurzbacher Vorstandssigung. Bollzähliges Erscheinen dringend erforderlich. 114. Abt. Lichtenberg. 19% Uhr bei Schwarzer, Gabriel- Mag- Str. 17, Funt tionärsigung. 139. Wt. Segel. 20 Uhr bei Christensen, Schlieperftt. 69, wichtige Funktionär. fizung. Niemand darf fehlen. Urbeiterwohlfahrt. 6. Kre's Kreuzberg. Freitag, 8. Juni, 20 Uhr, bei Belf, Gräfeftraße, Sigung aller Seifer und Selferinnen. Um nouzähliges, pünktliches Erscheinen wird gebeten. 7. Kreis Charlottenburg. Freitag, 8. Sunt, um 19 Uhr pünktlich, Atten besprechung im Pathaus Charlottenburg, Simmer 141. Bollzähliges Er. fcheinen ist erforderlich. Funkwinkel.z fam schließlich in die Fürsorge. Von hier gab ihn der Baier qu einem Bauer auf's Land. Das war seit jeher der sehnlichste Wunsch des Jungen. Aber auch hier machte er Dummheiten. Gemeinsamt mit einem er Fahrrad und -G Der Diebstahl brachte ihm brei Wochen Gefangnis ein, für 3eit, im Winter wanderte er durch das Land, geriet in schlechte Ge die er Bewährungsfrist erhielt. Dann arbeitete er wieder einige fellschaft, beging mehrere Diebstähle und stellte fich fchließlich felbst, weil er alles erledigt haben wollte. Eine Gesamtstrafe von 13 Monaten verbüßte er im Gefängnis der Hausvogtei. über bei einem Bauern, um sich dann erneut auf die Landstraße zu Im April v. J. gewann er die Freiheit wieder, arbeitete im Sommer begeben. In 3 eh den id ereilte ihn das Schicksal der Mord Schon früher hatte er einmal einen Schlafgenossen bestohlen. Menschen. Bald versuchte er ein geordnetes Leben zu führen, balb Jmmer war aber so was, wie eine innere Unruhe in diesem traten wieder Rückschläge ein. Er heiratete, trennte fich aber von der Frau, darüber aber spricht er ungern. Im Jahre 1926 liegt er im Birchow- Krankenhaus und unternimmt einen mißlungenen Tier auf und schweigt. Einmal versucht er, sich im Gefängnis zu Selbstmord durch Salzsäure. Beshalb? Er blidt wie ein geheztes erhängen. Ja, was hatte er benn vom Leben. Seine Mutter? Die schickte ihm noch mitunter Geld, wenn er sich in Not befand. Bis der Bater es ihr verbot. Dieser hatte sich schon längst von seinem Sohn losgesagt, für ihn war er der verlorene Sohn; und als ihm von der Kriminalpolizei schonend mitgeteilt wird, wessen ein Sohn beschuldigt wird, zeigt er feine Verwunderung. Ob die Eltern seine Tat sehr schmerzen wird? Die Mutter vielleicht, fagt der Mörder. Er war doch der einzige Sohn.... Mörder...! War es Mord oder Totschlag? Abends zuvor hatte er den Kurzwarenhändler Wilhelm Winkler Geld zählen sehen. Er hatte sich ihm angeschlossen, obgleich er seine Papiere bereits in der Herberge abgegeben hatte. Zusammen gingen sie erst zum Bahnhof, in der Hoffnung, hier ein Nachtlager zu finden. Zufammen fanden sie eins auf der Heumiete. Hatte er sich schon damals mit dem Gedanken getragen, Winkler zu bestehlen oder gar zu töten? Als er nachts erwachte, machte er sich aber über ihn mit geballten Fäusten her. Erst als der Angefallene schrie und Gefahr drohte, auf frischer Tat gefaßt zu werden, schlug er mit der Latte zu. Was war der ursprüngliche Plan, zu stehlen oder zu töten? Das zu ent fcheiden, wird Aufgabe des Gerichts fein. lnb schließlich ist auch Mord oft nicht mehr als ein Unglüc für beide, für das Opfer, wie für den Mörder. 17. Streis Lichtenberg. Donnerstag, 7, Juni, 19 Uhr pinttrich, im Rathaus Lichtenberg, Oblentekonferenz. Bollzähliges Erscheinen wird erwartet. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Rre's Reutu. Seute, Mittwoch, 6. Juni, von 17 bis 18 Uhr Sprech ftunde in der Zarade Ganghoferstraße. Ale Genossen müssen unbedingt ver treten fein. Die Sigung des Faltenrats findet am Donnerstag, 7. Juni, 17 Uhr, im Jugendheim Steinmegstr. 114, Saben, statt. Sterbetafel der Groß Berliner Partei Organisation 29. Abt. Am Conntag verlieb unfer langjähriger Genoffe August muhlisch, Edhliemannftr. 1. Ehre feinem Andenten! Cinäscherung Fret tag, 8. Juni, 17 Uhr, Krematorium Gerichtstraße. Bir bitten um rege Be telligung. 30. Abt. Den Mitgliedern zur Renntnis, daß unser Genoffe The Int Buplat verstorben ist. Ehre seinem Anbenten! Einäfcherung am Freitag, 8. Juni, 18% Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. Rege Beteiligung erwartet bie Abteilungsleitung. 38. Abt. Unfer Genpfe Gowans ift am 1. Mat verstorben. Chre feinem Andenken! Einäscherung heute, Mittwoch, 6. Juni, 20 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. Wir bitten um rege Beteiligung. 41. Abt. Unfer Genoffe Wilhelm hormahlen, Colmsite. 52, ist am 2. Junt verstorben. Ehre feinem Andenken! Einäscherung am Donners tag, 7. Juni, 2014 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. Wir bitten um rege Beteiligung. Schöneber 77. Abt. Schöneberg. Unfer Genoffe, der Tifchler 2ebret Serter, Frankenstr. 8, ift verstorben. Chre feinem Andenken! Einäscherung ak Donnerstag, 7. Suni, 18% Uhr, im Krematorium Bilmersdorf, Berliner Straße 101-108. Biz bitten um rege Beteiligung. Vorträge, Vereine und Bersammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". 99 Gefätts ftelle: Berlin G 14. Sebaftianfte 37/38. Sot 2£ 2. Mittwoch, 6. Juni. Kreuzberg, 8ug 8: 20 Uhr Bersammlung, bet Stebentopf, Mustauer Str. 85. Rowawes: Rameradschaftsabend mit Frauen 20 Uhr Eisenbahnhotel. Republikaner als Gäste wiltommen. Bor ftandsmitglieder pünktlich 19 Uhr. Schöneberg, Rameradschaft Friebenau: 20 Uhr Kamerabschaftsversammlung Ede Born- und Büsingstraße. Wichtige Tagesordnung. Donnerstag, 7. Juni. Areis Westen: Gemeinsamer Uebungsabend fämtlicher Epielleute des Kreises. Treffpunkt Bhf. Beuffelstraße. Nachzüg ler Pferbemartt Olympiarabrennbahn. Beginn 20 Uhr. intersportabt.: 20 Uhr Kartenleseturfus im Gaubureau, Tiergarten: Der frühere Ramerabschaftsführer von Sanfa, Ram. Paul Serrmann, ist feinem schweren Leiben erlegen. Cine äfcherung 16 Uhr Arematorium Gerichtstraße. Rege Beteiligung erwünscht. Kreuzberg: Ram. Wilhelm Thormählen, Colmsftr. 52, ift verstorben. Ein äfcherung findet um 20% Uhr im Srematorium Gerichtstraße statt. Bahlreiche Beteiligung erbeten. Freitag, 8. Juni. Hermsdorf: KamerabschaftsversammTung 20 Uhr bei Ofren, Lotal Scharfe Ede. Erscheinen Pflicht. Sportplak Friedrichsfelbe: Laut Beschluß der Gesamtvorstände, auf die Dauer von vier Wochen Arbeitsdienst ab täglich 18 Uhr bis zur endgültigen Fertigstellung bes Blazes. Pflichtbeteiligung aller Ortsvereine. Dienstags Arbeitsdienft für Bichtenberg, 18 Uhr; ab Gonnabend, 9. Juni, erster Arbeitsdienst für Mitte, 15 Uhr. Dentfirer Esperanto- Bund, Ortsgruppe Berlin. Freitag, 8. Juni, 20 Uhr, Ronditorei Dobrin, Sadefcher Martt, Uebungs- und Konversationsabend. Gäste willkommen. Vereinigung für Soul- und Erziehungsfragen, Berlin- Treptom. Freitag, 8. Suni, 20 Uhr, im Rimmer 93 ber 6. Treptower Gemeindefchle, Wildenbruche straße 58 II.( pricht Dr. Richard Müller- Freienfels über„ Moral und Religion der Jugendlichen Sport. Das Rentenverfahren in der Angeftelltenversicherung" behandelte sehr eingehend und allgemeinverständlich Friz Schmo= linfty. Er schilderte die Wege, die eingeschlagen werden mussen, Rennen zu Karlshorst am Dienstag, dem 5. Juni. eine Rente nach vollendetem 65. Lebensjahre oder auch früher zu erhalten, wenn durch unheilbare Erkrankungen oder Gebrechen die Arbeitsunfähigkeit um mehr als die Hälfte herabgesezt ist Wertvoll maren vor allem die Angaben, welche Einspruchsmöglichkeiten der Versicherte hat, wenn er glaubt, daß die Entscheidung der Ber- Heideland. Sempronia, Seraflea, Minute. ficherungsanstalt nicht seinen berechtigten Ansprüchen entspricht. Der Bortragende hob hervor, daß häufig die begutachtenden Aerzte den Fehler begeben, eine wesentliche Herablegung der Arbeitsfähigkeit nur dann zu fonstatieren, wenn wirkliche Invalidität besteht. Da. burch werden schwere Ungerechtigkeiten begangen. Ein bejahrter Raffierer 3. B., der wegen geistiger Schwäche seinen Beruf nicht mehr ausüben fann, von dem Arzt der Reichsversicherung gegenüber jedoch für 55 bis 60 Broz. arbeitsfähig, also nicht rentenberechtigt erklärt worden ist, ist völlig mittellos. Denn da er infolge feines Leidens dauernd unfähig ist, feinen Beruf auszuüben, erhält er auch teine Erwerbstojenunterstügung. Ueber Kunst und Technit" sprach Hellmuth Krommer der durch seine Zeichnungen und Radierungen aus dem Reich der Technit bekannt ist. Er gab einen umfassenden anschaulichen Ueberblid über den Zusammenhang von Kunst und Technit. Unter dem Titel Was bieten die deutschen Städte?" schilderte Direttor Weber non der Reichsbahnzentrale für deutschen Reiseverkehr, die Veranstaltungen und Sehenswürdig feiten zahlreicher deutscher Städte. Ein netter volfstümlicher Abend bot Rezitationen, Gefang und Manbolinenvorträge. Les. 1. Mennen. 1. Husdent( Pfister), 2. Leander( Ditermann), 3. fie Toto: 53: 10. Bab: 17, 14, 17: 10. Ferner liefen: Efilos, Heiliger Narr, Treubers, Siegreich. Marinta, Medina. 2. Rennen. 1. Beilt engrund( Kaifer), 2. Wiesbaden( öhlfe), 3. Robja( Eajdit). Toto: 88: 10. Play: 15, 11, 12: 10. Ferner liefen: & Rennen. 1. Brandmeister( s. Borde), 2. Bommer( Schniker). Zoto: 27:10. Blag: 16, 14: 10. Ferner liefen: Whyllis, Kritischer Zag. 4. Rennen. 1. Pospero( Morig), 2. Mutatis mutandis( b. Göt), 3. Riferiti II( Bismart). Toto: 49:10. Blab: 18, 27, 14: 10. Ferner liefen: Flamin, Mannestreue, Merfur, Battle Cruiser, Dpar, Coeur d'Almee, Imperator. 5. Rennen. 1. Ta'm II( Persie), 2. Credulite( Staudinger), 3. Baltazar( v. Horn). Toto: 46: 10. Blaz: 21, 23: 10. Ferner liefen: Niederwald, Stummer. 6. Rennen. 3. Romulus( Lewidi). Toto: 59:10. Blab: 19, 42, 14: 10. 1. Helgolander( Derlug), 2. Eonnentinb( Gorsler), Ferner liefen: bitbub. Ballabio, Brünne, Laurus, Tuim Else, Mohrenglüd, Trumpf König, Gunthrada. 7. Sennen. 1. Marika( Bismart), 2. Lanz( Echuller), 3. Lucrezia aufer). Zoto: 16: 10 Blaz: 12, 13:10. Ferner liefen: gliade, Cichlate nachbr. verb.). Bechfelno bemöllt und ziemlich fibl, ohne wesentliche Wetterbericht der öffentlichen Wetterdiensfelle Berlin und Umgegend nieberfchläge, mäßige Best. Bis Norbweltwinde. Jür Deutschland. Im Süden noch ziemlich mild mit Gewittern, fonft wedienb bemölties, meist trodenes Better, ohne wesentlichen Zemperaturanstieg. CA T OAT Worin unterscheidet sich die beste Cigarette von einer guten Cigarette? ЕСЯТИЗИМНЯЯ Grin Kontrolle Durch die Sicherheit der Halt aerometrischer Durch die in klimatischen Anlagen Durch die Geschmacksharmo Durch die bessere Bekömmlichkeit wegen grösserer Ma terialceinheit nie der besseren Vermischung Durch die garantierte Gleichthe md al sit mässigkeit der veröffentlich. ten Rezepte 1860 180 118 Durch das feinere Aroma der edleren Tabake U binol bow P V- o st thomox 1916 800 jd 19188 Das sind die Vorzüge der 18-3208 emmoil REEMTSMA CIGARETTEN usb 19159 2012 sid atzWash vatsed? 193 260 OVA Araber Poronat ma MemebioИ d sib Nians natiadisxuid sadu inddauA seolusta Pf. snazi ult 100 2 MAJ espin ang # 1212u6 ITTS MAN rasaosni M Berband der Gemeinde- und Staatsarbetter. Filiale Berlin. Jueltag, den 8. Juni 1928, 19 Uhr, im Seal 4 bes Gewertschaftshauses, Engelufer 24-25, Außerordentliche Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zum Berbandstag( Statutenberatung). 2. Berbandsangelegenheiten. Bollzähliges und pünktliches Erscheinen ist notwendig! Mitgliedsbuch und Delegiertenlarte legitimlert! Gegr. 1907 Die Detsverwaltung. BRUNNENSTR.33 RAHE INVALIDENSTRASSE. Driha ELSASSERSTR- 37 AMORANIENBURGER TOR FABRIKGEBÄUDE CHAUSSEESTR- 59 MOBEL ohne 2Jahre Kredit Anzahlung Unser System: wie bequem und angenehm! Mittwoch, den 6. Juni Barnowsky- Bühnen Königgrätz. Theater, Lichtspiele usw. Deutsches Theater. Komiterate. S. Mittwoch, 6.6 28 Staats- Oper Unter d. Linden Ab.-V. 31. Ant19 7( 2) U Mittwoch, 6.0.28 Städtische Oper Bismarckstr. Turnus I Anf. 20( 8) U. Othello Tiefland Staats- Oper Am Pl.d. Republ. Res.-S. 103. Ant. 19%( 7) U. Staati. Schauspielh. Am Gendarmenmark Ab.-V. 114 Anf. 20( 8) U Louis Freischütz Ferdinand Staatl. 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Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unfer Rollege, der Bauanschläger Richard Uthke geb. 28. Januar 1868 zu Berlin, am 3. d. M. geftorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung findet am Donners tag, dem 7. Juni 15 Uhr, im Rrematorium Gerichtstraße statt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Nach langer, schwerer Krankheit ist unser lieber Sohn, mein lieber Bruder Paul Herrmann im faft vollenbeten 25. Lebensjahre am Sonntag, dem 3 Juni 1928, gestorben. Dies zeigen tiefbetrübt an Gustav Herrmann, Emma Herrmann, geb. Claußen, Brust Herrmann. Die Einäscherung erfolgt am Don nerstag, bem 7. Junt, 16 Uhr, im Krematorium Gerichtstr. Am 8. Juni verschied nach furzem schweren Leiden mein lieber Mann, unser lieber Bater August Mühlich im Alter von 56 Jahren. Wir werden ihn nie vergessen! Anna Mühlich und Rinder Die Belfegung findet am Freitag, bem 8 Juni, 17 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße 37/38 ftatt. Statt Karten! Am 2 Juni verschieb nach kurzem. fchwerem Leiden mein lieber Pflege Dater, der Maurer Ernst Baum int 70. Bebensjahre. Um ftilles Beileib bitten Richard Tews und Frau Rolnische Allee 181-82. Die Einäscherung findet am Donnerstag. Dem 7. Juni 1928. 18 Uhr im Krematorium Baumschutenweg statt • Bettenverlauf! Neue! 9,751 15,-, 19,50! 32,-1 Jugend. Fabelhafte neue Gaalbekoration. Brachtvolle 27.501 Bauernbetten Davnige 37,50! Rinderbetten Geldverkehr 8,751 Bettwäsche! Inletts! fpottbillig Höchstbeleihung, Gold, Silberfachen. und gut! Reine Lombardwaren. Leih- Bfänderverkauf. Lange, Moripplag, haus. Brunnenstraße 47. Aschingerhaus. Benig getragene Jadettanzüge, teils auf Geibe, 18,-, Emotinganalige, Baud Vermietungen anzüge, Taillenmäntel, Baletots, ftau nend billig. Gelegenheitstäufe in heuer Serrengarderobe. Leihhaus Rosenthaler Tor, Linienstraße 203-204, Ede Rosen. thalerstraße. Reine Lombardware. Möbel Batentmatragen. Brimissima" Metall. betten, Auflegematragen, Chaiselongues. 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Gin ausgemergelter, halbnackter Arbeiter kommt dabei in den Vordergrund des Bildes, und der Erklärer des Films unterbricht feine rein technischen Er- ärterungen mit den Worten„Beachten Sie bitte die Brust des Arbellers, er trägt dos Bildnis des ehemaligen Kaiferpaares in die Haut eingezeichnet". Ich habe die Bilder der„hohen Herrschaften" nicht erkennen können, aber es ging mir die symbolische Bedeutung der Szene blitzartig auf. Wieviele Proletarier gibt es noch immer, die Erinnerungen an die„gute alte Zeit" nur allzu sichtbar herumtragen? Wieviele Arbeiter hoben Arme und Beine, Gesundheit und Arbeitskraft für das System geopfert, dessen Ver> treter„das ehemalige Kaiscrpoar" gewesen ist? Und wie viele Proletarier sind nicht so verblendet, trotz aller Rot und allen Elends, das sich dessen rühmen und sich auch am liebsten noch zur Schau stellten mit ihren„glorreichen" Erinnerungen, anstatt das neue Reich zu bauen, anstatt die neue Freiheit zu schaffen, anstatt zu kämpfen für die Zukunft des Sozialismus! * Wissen Sie. was Sperrfeuer ist? Wer einmal darin war, in der Holle, die der Frontsoldat so nannte, und wer dann das Glück hafte, mit dem Leben davon zu kommen, der weih was„Sperr- fever" ist. Sperrfeuer ist aber auch noch etwas anderes, wenigstens für eine rheinische Schnopsbrennerei: die nennt nämlich so einen ihrer Schnapse! Und der biedere Spießbürger denkt mit der alles hinterher so verklärenden romantischen Gefühlsduselei an die „große Zeit" und schüttet sich einen hinter die Binde! Sperrfeuer! Wenn die„große Zeit" nochmals käme, würden sie sie ebenso begeistert wieder mitmachen wie lSl4, denn wenn eine geschäfts- tüchtige Firma mit dieser Geschmocklosigkeft noch Reklame machen kann, dann haben ihre Kunden jetzt schon vergesien, wie ihnen damals im„Sperrfeuer" der Tod auf den Fersen saß. Wer kennt nicht die malerischen Produtte junger Bengels, die ihre politische Unreife durch Anpinseln von Hakenkreuzen an ollen möglichen Stellen bekunden? Auf einem Ausflugsort in der Rühe von Koblenz fand ich in einem gewiffen, nur Herren zugänglichen Lokal, neben anderen sinnigen Sprüchen und Malereien auch ein riesiges Hakenkreuz, dos. mit wahrer Liebe und Genauigkeit auf "Sfitz; Wand gezeichnet war. Darunter aber hafte ein schlag- feyMrr- Mann mit sicherer Hand die kurzen Worte gesetzt:„Alles an'einem Platz!" Daß die Generalanzeiger-Presse im Grunde reaktionär ein- gestellt ist, vermag manches Blaft dieser Art seinem polftisch un- gebildeten Leserkreis geschickt zu verbergen. Manchmal kommt aber doch der Pferdefuß heraus. So schrieb zum Beispiel der General- onzeiger für Bonn und Umgegend anläßlich der Auflösung des Reichstags, daß auf den Berliner Bahnhöfen eine Unmenge von Erster-Klassc-Wagen bcreft ständen, weil in einem früheren Falle die in die Ferien reisenden Abgeordneten Skandalszenen verursacht hätten, da nicht genügend Abteile erster Klasse zur Verfügung stan- den. So wird langsam, tropfenweise das reaktionäre Gift den ahnungslosen Abonnenten eingeflößt und so versucht man Schrift für Schritt gegen den Parlamentarismus und die Demokratie Stimmung zu machen. * Roch etwas zu dem Thema„Generalanzeiger". Nor einiger Zeit fiel mir zufällig bei einer Ferienreise eine Nummer der „Ncuwieder Zeitung" in die Hönde. Darin stand unter anderem die ossenbar an olle Tageszeitungen versandte Zuschrift eines Bundes für Volkshygiene, in der vor allzu überftiebencm Gemiß non Süßigkeiten, zu schweren Mahlzeiten usw.. gewarnt wurde. Dieselbe Zuschrist sand ich bald darauf in der„Rheinischen Warte", dem Koblenzer Arbeiterblatt. Und hierin stand noch ein weiterer Absatz, der auch vor den Gefahren übermäßigen Alkoholgenusses warnte. Den Abschnitt hatte das bürgerliche Blaft seinen Lesern unterschlagen. Warum? Ein Blick in den Anzeigenteil zeigte den Grund deutlich genug!_ Kraulem, bitte Dampfer„Columbus"! OaS Telephon auf dem Ozeandampfer. Wenn man von Berlin nach New Jork, von Berlin nach Buenos Aires oder nach Tokio telegraphieren kann, f» ist dos Tclephongespräch mft dem auf der Fahrt befindlichen Ozc anrissen natürlich kein wissenschaftliches Problem mehr, sondern höchstens noch ein Problem der technischen Durchführung. Die Meldung von den Versuchen der Reichspofk.«inen Telephonoerkehr mit den Ozeandampfern einzurichten, kann deshalb keineswegs überraschen. Unsere Ozeandampfer besitzen, wie ja zum Teil schon unser« Flugzeuge, sämtlich Funkeinrichtungen, die ihnen eine Verständigung mit dem Festlonde oder untereinander, oder auch vom Flugzeug zum Dampfer und umgekehrt ermöglichen. Schon seit längerer Zeit wird dieser Funkverkehr teilweis« als richtiger Fernsprechverkehr durchgeführt. Also nicht mit Morsesignalen, sondern durch direkte Uebertragung der menschlichen Stimme. Die Houptschwierigkeit bestand bisher nur noch darin, daß der Aktionsradius der Sendestationen, die auf den Schissen vorhanden waren, nicht groß genug mar. um einen regelmäßigen Fernsprechverkehr auf drahtlosem Wege zu ermöglichen. Auch die an der Küste gelegenen Aufnahmestationen waren bisher auf einen solchen regelmäßigen Telephonverkehr nicht eingerichtet, erst die Ein- führung der kurzen Wellen, die wir vor allem dem Grafen Arco verdanken, und die ein« genaue Fernsteuerung der Wellen gestatten, haben einen Fortschrftt ermöglicht. Die Reichspost Hot mit verschiedenen Ozeandampfern Bersuche zur Uebermittclung von Telephongesprächen zwischen dein Fest an de imd dem Dampfer vor genommen, di« einen vollen Erfolg gezeitigt haben. Besonders wurden mft dem Dampfer„Columbus vom Norddeutschen Lloyd solch- Versuche gemocht, wobei telephonische Unterhaltungen nicht nur von dem Schiff zum Fostimde, sondern auch von Schiff zu Schiff vorgenommen wurden. Dabei ergab sich selbst aus eine Entfernimg von 4000 Kilometer ein« ausgezeichnete telepchonische Berstora-giMg. Da dies« zwar sehr große Entfernung, die aber doch dem e-eemeg der Graf de Galas Krankheit. Bo» Gosta Gegecranh. Wenn man vom Opernplatz in Paris noch links abbiegt und in die viel besungene Rue de lo Po ix eintritt, bleibt man bald ganz bezaubert vor der Firma Lalique mit ihrer großen Auslage von Perlen und Juwelen stehen. Es tut einem fast weh in den Augen von oll den funkelnden Schätzen, die dem Fremden aus dem grauen Samt entgegenstrahlen. Smaragde, grün wie Kotzenaugen, Rubinen. die an Blutstropfen erinnern, nachtschwarze Onyxsteine mit Brillanten— man fängt wohl gleichzeitig einen Blick aus lachenden Mädchen- äugen auf und zieht unwillkürlich einen Vergleich— Diamanten, klar wie Waflertropfen— oll das findet sich im Schaufenster der Maffon Lalique. Nicht aber sieht man die modernen Sicherheitsvor- richtungen im Laden und außerhalb. Du siehst nicht, daß die Pffosterstein«, auf denen du stehst, bei einem leisen Druck auf einen Knopf unter dem Ladentisch plötzlich unter deinen Füßen verschwinden können, wobei du selbst unversehens in«ine vergitterte Grube hinab- fällst und wie der Fuchs in der Falle gefangen bist. Auch wäre es nicht ratsam, bei den Glasfchaukästcn eilten Eingriffsversuch zu machen— zehnfache geniale Sicherungen warten begehrlich auf die Herren Iuwelendiebe. All dos wußte Gras Raou! de Sala und deshalb bediente er sich der List und nicht der Gewalt. Bor kurzem geschah folgendes. Eines Tages um 2 Uhr nachmittags, als der Berkehr auf der Straße der Juwelen und Moden wie ein aufgewühltes Meer braust«, sauste eine elegante Limousine am Hause Lalique vor. Der Chef wirst einen Blick durchs Fenster und beobachtet, wie ein sunger Aenlleman in untadeligem Prince-as-Woles-Dreß hellen Gamaschen, Monokel— aus dem Kupee steigt. Der distinguierte junge Mann studiert einige Sekunden long die Schätze des Schaufensters, dann nähert er sich der Tür des Iuwclierladens: auf einen Wink von M. Lalique fliegt sie auf. Er wiid von der jüngsten und schönsten Derkäuserin des Hauses empfangen— M. Lalique weiß aus Erfahrung, daß die jungen Pariser Dandys bedeutend lieber ihr« Geldtasche öffnen, wenn sie von Mademoisell« Voonne bedient werden. Monsieur wünscht? Monsieur läßt sich blasiert in einen Fauteull siicken. Mit müder Geste steckt er die eine Hand nach Mademoisell« aus. Mein Manschettenknopf ist entzwei gegangen. Ich möchte... schon ein Fach herausgezogen, die teuersten Knäpse werden vor ihm ausgebreftet. Monsieur lacht— ein Lachen, das Aet�o müde ist wie sein« ganze Erscheinung. Wählen Sie selbst, Petit«, sagt er und kneift Poonne scherzhaft ins Ohrläppchen. Mademoifelle zeigt ihm das teuerste Paar— 6000 Franken— klein« Perlen in Platip— Monsieur nickt, und die junge Der- käuferin befreit ihn mit leisen streichelnden Handbewegungen von dem.Tranken" Knopf und steckt die neuen Knöpfe ein. Voili, rnonsieurl Ihr Mund ist kirschrot, lockend, halb offen. dlerci, rnadeinoiselle. Monsieur erhebt sich vom Stuhl— lassen Sie bitte die alten reparieren, vielleicht tonn ich sie morgen holen, rvenn ich vorbeifahre? Uebermavgen—- biev! Er zieht das Taschen- buch heraus, Ptodemoifelle und M. Lalique, dieser heimlich, beob- achten, daß es mit Taufend-Franken�vcheinen gespickt ist, und dann bezahlt Monsieur die 6000 und legt eine Visitenkarte auf den Tisch: l-e comte Raoul de Sala, 114 Champs Eiysdes Yvonnes Lachen wird noch süßer, M. Laliques Rücken noch krummer. Danke, Herr Graf! Tausend Dank Herr Graf. Sollen wir Ihnen di« Knöpfe wirklich nicht ins Haus schicken?— So ja— au revoir, rnonsieur le comte. Der Gras tritt durch«ine Flut von Lachen und Verbeugungen auf di« Straße. Das wappengeschmückt« Auto verschwindet. Zwei Stunden später hält eine charmant« Viktoria, mft zwei schneidigen Dollblut-Berbern bespannt, vor der Mäison Lalique. Der Diener auf dem Bock springt herab und hilft ehrerbietig einer allen weißhaarigen Dame aus dem Wagen. Auf einen Ebenholzstock gestützt, tritt sie in den Laden. In höchster Erregung bfttet sie, den Chef der Firma sprechen zu dürfen— unter vier Augen! Monsieur Lalique bittet sie ebenso höflich wie neugierig, in«in Privatzimmer zu treten. Hier wirft sich die alle Dame in einen Stuhl, sie ficht aus, als könnte st jeden Augenblick einen hysterischen Anfall betommeu— M. Lalique klingelt nach Riechsolz— endlich kommt sie mit ihrem Anliegen heraus: Was hat er gestohlen?— O, Monsieur, mein Sohn— Gras de Sala— ich weiß, er war um 2 Uhr hier, nahm er etwas mit? Ich bin die Gräfin de Sala. seine unglückliche Mutter. Wissen Sie, Monsieur, mein Sohn leidet an Kleptomanie — unheilbarer Kleptomanie. M. Lalique stürzt in den Laden. Zusammen mit seiner ersten Kraft stellt er eine peinlich« Untersuchung an. Nein— nichts fehlt— l« i d er,, denkt der Juwelier. Die Gräfin verneigt sich— Gott sei Dank— aber wenn— falls der junge Graf Mittwoch wiederkommt, wenn er dann etwas nehmen sollte, so möchte doch W. Lalique um des Himmels willen keinen Skandal erregen; sie, die Mutter, Gräfin de Sola, würde natürlich gern sofort alles ersetzen, was sich der Graf Raoul unter Umständen aneignen würde!-- Monsieur Lalique lächelt. Er versteht den Fall sehr gut— wer kennt nicht das Bermögen der Familie de Sala— denkt er. O, Sie ahnen nicht, wie durchtrieben mein Sohn ist, erklärte die Gräfin, er ist geschickter als-- als-- st schluchzt; tonnen Sic sich das denken, Monsieur, feine Kleptomanie ist vollkommen sinnlos; gestern nahm er bei einem Diner ein Paar silberne Gabeln— und vor einigen Tagen verbrannt« er den neuen Hut seiner Derlobten -- ganz sinnlos, Monstur-- und leider unheilbor-- Der Juwelier tröstet sie nach bestem Vermögen, begleitet st aus den Fußsteig, versichert, daß Sie nichts zu befürchten brauche-- Am Mittwoch herrscht große Spannung in dem eleganten Juwelierloden. Am Tage vorher hat Monsieur Lalique di« wert- vollsten Auskünfte über Mutter und Sohn de Sala eingezogen. Und das Auskunftsbureou hat ihm mitgeteilt, daß die Mutter den Palast an den Champs Elysees besitzt, außerdem drei Schlösser in der Provinz und«in Vermögen-- o la la! Monsieur Lalique hat den Empfang des Grasen Raoul schon vorbereitet, und eine Kollektion der teuersten Schmuckstücke liegt zur Hand. Daß die Bc- dienung, das heißt die erste Kraft und Mademorselle Uvonne in- strmert sind, versteht sich von selbst Monsieur Lalique reibt sich die Hände— möchte der junge Graf jetzt nur ordentlich zugreifenl denkt er. Kurz vor 5 Uhr langt Gras de Sala an. Im selben Auw wie zuletzt. Und zusammen mit ihm Witt«ine junge bezaubernde Dome in den Loden. Nonchalant sinken sie beide in di« violetten Fouteuils. Nachdem der Graf di« reparierten Manschettenknöpfe eingesteckt hat, wünscht er einige Colliers anzusehen. Er möchte seiner Derlobten ei» Geschenk machen: heut« sei ihr Geburtstag. M. Lalique stahlt und legt die teuersten Perlenhalsbänder vor, die dos Haus chefitzt. Schließlich entscheidet sich der Graf für eine Kette matter Perlen im Werte von 450000 Franken. Die Braut steckt dos Etui in ihre Tasche» und Graf Raou! de Sala schreibt einen Scheck auf den Bettag aus. M. Lalique ist im siebenten Himmel. Er hat sich schon altern telephonisch vergewissert, daß dl. le comte ein Konto von 4 Millwne» im Crädit Lyonnais hat— und der Scheck trägt auch den Namen. dieser Bank. Das junge Paar geht, blasiert, mit herablassendem Ricke». Es ist doch verflucht schade, daß er nichts geklemmt hat! sagte der Juwelier zu seinem ersten Verkäufer. Nichts geklemmt! brach dieser erstaunt aus. Gewiß hat er dos! Haben Sie denn nicht gesehen, M. Lalique, daß er übrigens sehr geschickt, ein Zigarettenetui aus Gold aus dem Glaskosten dort kleptomaniertel Wirklich! Sie hoben doch schärfer« Augen als ich, Albert. Ich möchte doch dieser Bagatelle wegen nicht die Mutter belästigen— nicht wahr. Albert— wir verdienen doch 200 000 am Collier— und dann--- übrigens tut mir di« alte Dame leid— sie sah sehr fein und vornehm aus.--- Leider sind wir nicht im Loden der Moison Lalique gewesen, als der Inhaber am nächsten Dormittog entdeckte, daß der Scheck aus die 4S0000 Franken gefälscht war! In den Champs Elysäes 14 existierte freilich eine steinreiche Gräfin de Sala mit ihrem Sohn, ober st selbst befand sich an der Riolera und der Graf Raoul hatte niemals an Kleptomanie gelitten� er mochte gerade eine Fuchsjagd in Schottland mit, und sein Namenszug hatte ein« ganz anders aus- sehend« Schnörkelei und zwei Punkt« als der des falschen Grafen de Sala oder des Herrn, der eines Tages im März den berühmten Juwelier mit seinem Besuch beehrte. lÄuwriliertt Utßechagjma von Heinrich©ociel-) meisten Ozeandampfer noch nicht voll entspricht, für eine ständig« Telephonverb indunq für die Dauer der ganzen Fahrt noch nicht aus- reicht, so wird man die Stationen entsprechend verstärken. Etwa 30 Ozoanliampicr sind heute mit solchen Sendestationen für Telephon- aesprochc ausgerüstet. Die Reichspost beschäftigt sich zurzeit in der Hauptsache noch mit der weiteren Ausbildung der Empfangsstationen an den Küsten, wozu allerdings noch eine gewisse Zeit notwendig � sein wird. Die Schiffe untereinander verständigen sich heute längst tclepho- uisch. Auch unsere Flugzeuge üben, soweit sie mit Funkeinrichtungen versehen sind, die Praxis des Telcphonverkehrs untereinander und mit den meteorologischen Stationen. Allerdings erklären die Funker auf den Flugzeugen immer wieder, daß ihnen die Sendung von Morsezeichen angenehmer ist, als dos Telephon gefpröch. Di« geringe Modulationsfähigkeft der menschlichen Stimme ersehwert bei dem starken Motorengeräusch die Verständigung, während die rhythmischen Zeichen des Morsealphabetes ungleich leichter verstanden werden. Der Verkehr vom Schiff bis zur Küstcntation funktioniert schon heute ohne jede Schwierigkeit. Dos Hauptproblem liegt in der Ueberleitung des droh Losen TelephongesprSchs auf dos Ortsnetz. kurzum, die Schwierigkeiten sind genau dieselben, die beim Telephon- gespräch zwischen London— New Port und Berlin— Buenos-Aires bestehen. Bisher ist diese Apparatur noch außerordenllich umständlich, da die Empfangsstation mit der Sendestation nicht identisch sein kann, und das Telephonqcfpräch infolgedessen für länger« Zeit Immer nur ein einseitiges ist bis dann eine kompliziert« Umschaltung dos Gogengespröch ermöglicht. Zur Beseitigimg dieser Schwierigkeiten werden zurzeit an den Küsten besondere Stationen errichtet, die in der Hauptsache dem Verkehr mit den Ozeandampfern dienen sollen. Diese Stationen werden ein« automatisch« und schnelle Umschaltung ermöglichen, so daß dos Gespräch ohne Störungen und Verzögerungen durchgeführt werden kann. Noch den fiisljcnacn Berechnungen des illeichspostn in isters«erden die Kosten für ein Drei.MinutewGskpräch mit einem auf hoher See befindlichen Ozeandampfer etwa 20 Mark betrafen. Es werden noch manche Versuche und Abänderungen not- menÄig sein, bis auch dieser Telephonoerkehr reibungslos funktioniert. Die Reichspost hat deshalb einen besonderen Dampfer.Höxten" in Dienst gestellt, der.zu Bersuchen der telephonischen Ucbennittlunq zwischen den Küstenstationen und dem Schiffe dient. Man hofft, daß es im Laufe des Jahres gelingen wird, den Ausbau des Systems soweit zu fördern, daß etwa Ende dieses Jahres die Ausnahme eines regelmäßigen Telephonverkehrs mit den deutschen Dompferlinien er- folgen kann. Dr. R. P. Wieviel Radio»» wird gewonnen? Produktionen, die mit Hunderttausenden von Tonnen rechnen, sind nicht selten. Ein« ge- wisse Berwunderung erweckt aber sicher eine Produktion, die nur wenige hundert Gramni beträgt. Diese erstaunlich geringe Produk- tian meist das Radium auf. In zwanzig Iahren, von lllOO bis 1920, wurden gerade 100 Gramm des seltenen Stoffes gewonnen. Auf das Jahr entfielen also im Durchschnitt 10 Gramm, und wenn auch in den letzten Jahren die Erzeugung wesentlich zugenommen haben soll, wie Sachverständige versichern, so dürste dies« Zunahme bestimmt nur wenige, vielleicht nicht einmal ein Gramm für dos Jahr betragen. Der Hauptanteil an der zwanzigjährigen Produktion von 200 Gramm entfällt auf die Vereinigten Staaten von Nordamerika. Sie produzierten nämlich nicht weniger als 80 Proz. von dielen 200 Gramm, also lM Gramm. An zweiter Stell« steht die Tschecho- slowokei mft 25 Gramm und an drftter Stelle Portugal mit 10 Gramm. Eine Produktion von 3. Gramm entfällt aus Großbritan- nie». Die restlichen 2 Gramm kommen auf die übrige Erde. I« ihnen ist auch der Anteil, der au! Deutschland entjöllt,«nthaftei». Man sieht daraus, wie gering er ist Allerdings besitzt Deutschland in Sachsen einige bedeutende Radiumjundstellen. so in Brambach im oberen Vogtland und in Oberschlema im»estkichen Erzgebirge, der« Ausbeute erst in de« Anfangs stodien steht. Konjunlturstillsiand- Konjunkturpolitik. Oie Diagnose der Wirtschaststage— die Prognose der Wirischastspoliiik! Das Institut für Konjunkturforschung legt jetzt einen neuen Diertcljahrsbericht vor, der die Entwicklung der Wirtschaftslage bis zum April dieses Jahres behandelt. Das Institut kommt zusammen- fassend zu dem Ergebnis, dah die gegenwärtig« Wirt» schoftslage zwar durch die jahreszeitlich übliche Besserung, die immer in den Frühjahrsmonaten einzutreten pflegt, im ganzen noch günstig ist, daß aber die Aufwärtsbewegung der Kon- junktur, die noch fast bis zur Jahreswende trotz mancher Anzeichen eines bevorstehenden Umschwungs festzustellen war, vorläufig i h r End« erreicht hat. Für die Zukunft sei nicht mit einer nennens- werien Besserung zu rechnen; wohl aber besteh« die Möglichkeit, dah sich ein schärferer Rückschlag vermeiden last«. Im Einklang mit den bisher von dem Institut angewandten Untcrsuchungsmethoden steht es, daß auch diesmal wiederum zwar die tatsächliche Entwicklung in ihrem Ablauf geschildert, aber über die Gründe der Entwicklung nichts ausgesagt wird, soweit sich dies überhaupt vermeiden läßt. Als wichtigster Grund der jetzigen Stockung werden die übertriebenen optimistischen Dispositionen des chandels angeführt, der die Absatzmöglichkeiten überschätzt und daher übermäßige Lagerbestäride angelegt habe. Der Abbau dleser Bestände uich eine wiederum leicht übertriebene Korrektur des bis- herigen Optimismus führe zu einem Rückgang der Bestellungen des chandels bei der Industrie und damit zu einer Verminderung des industriellen Beschäftigungsgrades/ die nur zu einem Teil durch die Ausstihrstelgerung kompensiert«erden könne. Außerdem betont das Institut mit besonderem Nachdruck die im Verhältnis zum Vorjahr geringere Belebung des Bau- Marktes, die es zutreffend auf Finonzicrunggschwierlgkeiten zurückführt. Damit berührt es den Kernpunkt des Problems der deutschen Konjunkturentwicklung, ohne natürlich offen auszusprechen, worum es sich eigentlich Handell Die Finanzierungsschwierigkeiten am Bmimarkt hoben eine einzig« deutlich erkennbare und unbestreitbar« Ursache. Di« an dieser Stelle oft genug kritisierle Politik des Rcichsbaukpräsidenten. die die gegenwärtig« Regierung sich schließlich voll und ganz zu«igen gemacht hat. hat es verhindert, daß dem Baumarkt im vorigen und in diesem Jahr die notwendigen lang- fristige ii Mittel aus dem Ausland zugeführt wurden, Hai ferner dazu geführt, daß die Bauwirlfchaft auf einer höchst unsicheren Kreditgrundiage finanziert wurde und daß jetzt, wo niemand mehr Lust hat, immer weiter Bauvorhaben mit kurzfristigen Krediten zu finanzieren, die Bauiätigkeit um etwa 10 Proz. hinter der des Vor- jahres zurückbleib i. Wie ein roter Faden zieht sich durch den ganzen Vierteljahrs- bericht, soweit er die allgemeinen Grundlagen der gegenwärtigen Konjunktur behandelt, der Hinweis auf die Vorgänge am Geld« und Kapitalmarkt, die das Inftitul für Konjunkturforschung als gegebene Tatsachen behandelt, wenngleich es längst deutlich ist, daß sie zu einem großen Teil nur der Ausfluß einer launischen, unwissenschaftlichen und wirtschaftsseindlichen persönlichen Poli- tik der- jetzigen Reichsboukpräsidenten sind. Leider geht ober die.Objektivität"' des Aonsuntwrinstituts ge- legentlich auch soweit» daß die Bedeutung der.Anleihepolitik" Dr. Schachte für die wirtschaftlich« Entwicklung völlig ver- k a n n t wird. Dies gilt insbesondere von der folgenden B«> houptung:..Der Zufluß von au-Sändischen Krediten hat die deutsch« Konjunktur dagegen nicht entscheidend beeinflußt, wenn auch eine gewiss« Einwirkung nicht zu verkennen ist. Daher ist auch anzu- nehmen, daß dieser Zufluß, wie er gegenwärtig zu beobachten ist, der deutschen Wirtschaft zwar eine gewiss« Erleichterung bringt, ober doch keine entscheidende Entspannung." Mit der Silbenstecherei zwischen.entscheideichen" und.gewissen" Wirkungen, deren theoretischer Wert uns nicht recht verständlich ist und mit der wir nicht viel ansangen können, will das Institut wohl nur die Unsicherheit des eigenen Urteils zum Ausdruck bringen. Aber der Kern dieser Sätze ist falsch. Dem völligen Stocken der Zufuhr van Ausländsanleihen in der Mitte des Jahres 1025 folgte die schwere Krise von 1925/215. Als dann ein reichlicher Zufluß von Auslandsmitteln 19Ai erfolgt war, begann der neue große Wirt- schaftsausschwung des Vorjahres. Dem neuen Kreditboykoit, den Schacht und Parker Gilbert im Herbst vorigen Jahres über die deutsche Wirtschaft oerhängten— der eine mit der Bochumer Red«, der ander« mit seinem Brief an den Reichssinonzminister—, folgt das Ende des Konjunkturairstiegs, der jetzt zur Stagnation ge- führt hat. Die künstliche Verknappung der Sapitalverforgung Deutschlands ist bisher immer von größtem Einfluß auf die deutsche Konjunktur gewesen. Aber dos Institut für Konjunkturforschung hat wiederum Recht, wenn«s behauptet, daß der gegenwärtige Zufluß von Aus- landskapital keine«ntscheidende Entspannung bringen kann. Dies liegt aber nicht daran, daß der Zufluß von Auslondskopitol nicht an- regend auf die Konjunktur wirkt«, sondern es hat seinen Grund darin, daß der Zufluß von Auslandskapital k e in st« t i g e r, dem wirklichen Bedarf sich anpassender ist. sondern von der Willkür eines Mannes abhängt, so daß eben psychologisch die entspannend« Wirkung für die Wirtschaft, die sich sonst aus reickssicherer Kapitalversorgung ergeben würden, nicht eintreten kann. Wie«in Damoklesschwert hängt die Kreditdiktatur des Reichsbankpräsidenten über der deutschen Wirtschaft und lähmt ihren Aufstieg, weil jedermann befürchten muh, daß es plötzlich und unerwartet vernichtend niederfallen könnte. An anderer Stelle findet sich der gleiche Irrtum, daß Fehler der Kreditpolitit sozusagen automatisch einträten und natür- liche Entwicklungssymptome seien. Das Institut glaubt als normal feststellen zu können, daß bei rückgängigem Privatbankkredit der Notmbankkrcdit steigen und bei steigendem Rotenbankkredit der Privatbankkredit sinken müßte. Tatsächlich ist diese„Regel" eine Folge falscher Roten- bankpolitik. Ist der Reichsbonldiskontsotz zu medrjg, so zeigt sich, daß die Reichs- dank immer stärker, die Privatbanken immer weniger in Anspruch genommen werden. Ist der Reichsbankdiskontsatz zu hoch, so geht der Rotenbankkredit zurück und der Privatbankkredit steigt. Der erste Fall war im Vorjahr gegeben, als Dr. Schacht, aus Angst, die Reichsbank könnte nicht genug verdienen, den Reichsbant- diskoMsotz viel zu lang« auf 2 Proz. sesthielt, während dieser Satz dem Marktsatz längst nicht mehr entsprach. Da war es für jeder- mann wie in der Inslation verlockend, auf den Reichsbankkredit zurückzugreifen. Der zweite Fall ist heut« gegeben. Die Reichs- dank drängt dem Markt soviel Reichsschatzwcchsel wir irgend möglich auf, damit die Zinssätze des freien Marktes nicht ihrer Tendenz entsprechend tief unier den Reichsbanksatz sinken und sie nicht zu einer Diskontsenkung zu schreiten braucht. Im Vorjahr ergab sich daraus eine überflüssige Anregung der Spekulation, die man dann mit völlig verkehrten Mitteln abzubauen suchte. In diesem Jahre ergibt sich umgekehrt«in« Drosselung der Konjunktur, die ohne schweren Schaden nicht mehr lange fortgesetzt werden darf. Dos Institut für Konjunkturforschung aber registriert die Fehler der Notenbankpolitik als normal, weil sie auch in der Borkriegszeit schon üblich waren, und versperrt damit seinen Lesern den Ausblick auf wichtig« Ursachen der Konjunkturentwicklung. Die Mängel der Theorie des Konjunkturinstiiuts sind für die Arbeiterschaft von besonderer Bedeutung. Denn seine Unter- suchuirgen versagen gerade dort, wo der Gegensatz zwischen der Kon» junkturpoliiik der bisherigen und der der neuen Regierung wahrscheinlich am deutlichsten sein wird. Die Regierung des Bürger- blocks hat die Anleihepolistk Dr. Schachts geduldet und unterstützt. Ostpreuße» war noch vor kurzem ihr letzte» Opfer. Sie hat in den letzten Monaten seine Politik der Krediiverknappung dadurch gefördert. daß sie ohne Bedorf an flüssigen Mitteln und unter finanzieller Belastung der Reichskasi« zur Verknappung des Geldmarktes der Reichsbank Schatzwechsel de» Reichs in Höh« von etwa 120 Mill. Mark zur Verfügung gestellt hat. Sie Hot ihre Ein- willigung dazu gegeben, daß dem deutschen Baugewerbe der Zu- ström ausländischen Kapitals abgeschnitten wurde. Will man Deutschland nicht einer neuen Krise mit Arbeitslosigkeit und Massenelend entgegentreiben lassen, so muß alles getan werden, um voil der unheilvollen Tradition der letzten Jahre, in denen Dr. Schacht zum eiirflußreichsten Wirtjchaftspolitiker Deutschlands geworden ist, loszukommen. Die deutsch? Arbeiterschaft muß eine Anleihepolitik und ein« Kreditpolilik fordern, deren Ziel die möglichste Verbilligung, nicht die künstliche Verteuerung des Kredits ist. Stolpernde Wirischastspolitik. Glossen über„Politik und Wirsschast". Bor nicht allzu longer Zeit hat der„Deutsche Volkswirt" seinen Lesern auseinandergesetzt, daß die Löhne in Deutsch. landzu hoch seien und daher die Cxportfähigkeit der deutschen Industrie beeinträchtigten. Aber in seiner neuesten Nummer stellt das Blatt mit dem Handelsamt der Vereinigten Staaten von Amerika fest, daß die deutschen elektrotechnischen Erzeugnisse wogen der niedrigeren deutschen Löhne billiger verkauft werden könnten als die amerikanischen Produkte und daß daher die deutsche elektrotechnische Industrie wieder dieFührungimExport von elektrotechnischen Artikeln erlangt habe. Tatsachen, die der„Volks- mirt" mitteilt, und Meinungen, die er vertritt, geraten miteinander in auffälligen Widerspruch. e- In der gleichen Nummer wird dargelegt, daß deursche General- diretioren eigentlich 400 000 bis 800 000 Mark jährlich verdienen müßten. Denn dos Einkommen des a m« r i ka n i s ch e n Stahltru st Präsidenten Gary, das allein an normalen Bezügen l,7 Mill. Mark betragen hat, fei gar nicht so hoch gewesen, obwohl er darüber Hinaue wahrscheinlich noch erhebliche Agiogewinne aus billig erworbenen Stahttrustaktien erzielen konnte. Der„Volks- wirt" würde es für richtig holten, daß in Deutschland die Direktorengehälter sich in angemessener Relation dazu bewegten, entsprechend den Arbeiterlöhnen und dm Gehältern der kleinerm Angestellten, also etwa ein Viertel bis«in Halb des Einkommens Garys betrügen. Cr entzieht sich dabei aber der unausbleiblichen Konfe- quenz, daß dann die Gehälter höherer Beamter in Reich, Ländern und Geineinden eine entsprechend« Aufwertung erfahren müßten, um überhaupt noch einigermaßen sähig« Leute im ösfent- lichen Dienst zu halten. Denn er predigt ja dos Ideal der Sparsamkeit der öffentlichen Wirtschaft; aber die private soll vor ollem niedriger« Üöhne und höhere Direkiorengehälter zahlen. Auch eine Sparsamkeitslchre! * In der gleichen Nummer behauptet der Herausgeber des„Volks- wirt". Dr. Stolper, daß die Sozialdemokratie an dein Dogma festhalte, das jede indirekte Steuer, also auch Altoholsteuer. verwerfe, obwohl ihm bekannt ist, daß erst unsere Genossen Dr. Baad« und Dr. Bloch die Aufmerksamkeit der deutschen Ocssont- lichkeit darauf gelenkt haben, daß die deutschen Alkoholsteuern großen- teil zu niedrig sind, obwohl ihm bekannt ist, daß die Sozialdcmo- kratische Partei der Aufhebung der Gemeindeqetränkesteuer Wider- stand geleistet hat, und obwohl er sich leicht hätte vergewissern törman, dah die Erhöhung der Branntweinsteuer vor einem Jahre, die erst die Smkung der Zuckersteuer ermöglicht«, nicht zuletzt sozialdemokratischer Initiative zu'verdanken war. ch- Die Widerlegung der eigenen Behauptung, daß die deutschen Löhne die deutsche Exportsähi gleit hemmten, die Forderung höherer Direkiowngehälter bei gleichzeitiger Proklamierung größter Spar- samkeit und möglichsten Lohndrucks, die wahrheitswidrige Behaup- iung, daß d!« Sozialdemokratie einer vernünsttgen Umschichtung der Steuerlast durch erhöht« Alkoholsteuern bei gleichzeitiger Senkung anderer Mossmsteuern Widerstand leiste, all dies zufammenge- nommen, ergibt ein anschauliches Bild von dem Mangel wissen- schaftlicher Sorgsalt und Konsequenz, der in dem Organ Dr. Siolpers neuerdings üblich geworden ist. Dieser Schatz von Wirtschaft und Politik brauchte wirklich nicht aus dem tiefen Schacht gehoben zu werden in dem er vor der Gründung des„Deutschen Volkswirts" ruht«. Oer ostdeutsche Waggonirust. Verschmelzung Linke-Hofmann- Busch-Werdau genehmigt. Die von uns bereite eingehend besprochene Verschmelzung der drei östlichen Waggonwerk« Linte-Hofmann- Breslau, Busch- Bautzen und der Waggonfabrik Werdau wurde gestern von den Generalversammlungen der drei Gesellschaften genehmigt. Di« Dcrschmekzung wird derart durchgeführt, daß d!« beiden Gesellschaften in Bautzen und Werdau von Linte-Hosmann aufgenommen und durch Hergab« von Aktien der neuen Fusionsgesellschast bezahlt werden. Das Kopital der neuen Gesellschaft, die d«n Namen Linke- Hofmann-Busch-Waggon-Fabrik A.-G. führen wird, ist aus 30 Millionen Mark festgesetzt, während das Gesamtkapital der drei Gesellschaften zurzeit 31,7 Millionen Mark beträgt. D«r EinslußderGroßaktionärehate« also verhindern tön«», ! daß«fer nennenswerter Einschnitt w das Kapital erfolgte, obwcchk alle drei Werke in den letzten Iahren unrentabel gearbeitet hatten, und bei Fusionen erfahrungsgemäß hohe Sonderab schrei- Hungen auf die Werksanlagen erforderlich werden. Es kommt noch hinzu, daß auch sämtlich« Maschinenbetriebe von Linke-Hofmann und Busch in das neue Unternehmen mit übernommen werden, und daß der bedeutend« Lokomottvbau in Breslau für Linke-Hofmann schon seit Iahren ein schwerer Stein am Bein ist. Inwieweit die neue Gesellschaft durch ihre Kapitvlspolitlk sich ihr« künftige Rentabilität selbst beschnitten hat. muß das erst« volle Betriebsjahr lehren. Ein« Lebensfrage für die Arbeiter und Angestellten der drei verschmolzenen Werke ist die künstige Organisation der Be- triebe. Natürlich wurde auf allen drei Generalversammlungen dieser wichtig« Punkt nicht berührt, da ja hier auch nur Interessen der Belegschasten und nicht der Aktionäre auf dem Spiele stehen. Do nicht anzunehmen ist, daß nach der Fusion all« drei Werke in ihren Waggon- und Maschinenbeirieben in derselben Form wie bisher nebeneinander weiterarbeiten werden, so liegt es auf der Hand, daß Betriebs- und Bureau- Zusammenlegungen erfolgen müssen und durch die Umstellung an der einen und anderen Stell« Arbeitskräfte freigesetzt werden. Es ist sicher, daß die Verwaltung sich über die beabsichtigte Bctricbsumstellung bereits im klaren ist. Um so unverständlicher mittet daher ihr« Ge- heimniskrömerei an. Die Vertreter der Arbeiter und Angestellten haben daher allen Grund, in den nächsten Wochen Auge und Ohr osfen zu hallen, um unnötigen Rationalisierungshärten rechtzeittg begegnen zu können.__ Hilfe für die Kleingeschädigien. Können die«Sparkassen nicht eingeschaltet werden? Wir haben kürzlich zu dem Angebot der Banken an die Ver- bände der Kriegs, und Liquidationsgeschädigten Stellung genom- wen. das die Mobilisierung der im Reichsschuldbuch eingetragenen Geschädigtenforderungen durch das Finanzkapttal vorsieht. Abge- sehen davon, daß dieser Borschlag der Banken nicht im Jnteresse der Geschädigten liegt, da sie die Zwischengewinne für die Banken natürlich von ihren Forderungen an das Reich zu bezahlen häiten, kommt dieser Bankenvorschlag auch fast ausschließlich nur den Groß- und Mittelgeschädigten zugute. Die Lage der verarmten und entwurzellen Kleingeschä- d igten erfordert aber zu allererst ein« schnelle Durchfichning des Cntschädigungsgefetzes. Daß diese rasche Abwicklung bei dem RetchsentschSdigungsamt schlecht aufgehoben ist, zeigt ein. Vorfall, der uns jetzt bekannt wird. Ein Kreisvorstand wallte den armen Verdrängten dadurch helfen, daß die K r e i s s p a r k a s s e ihre Forderungen 6 e Ii eh. Er wandte sich daher an das Reichsentschädigungsamt mit der dringenden Bitte dafür zu sorgen, dah die für die Kleingeschädigten eingetragenen Reichsschuldbuch- sorderungen derartig mobilisiert werden, dah diese für Sparkassen beleihungssähig werden. Ein außerordentlich vernünftiger und sicher nicht schwer durchführbarer Vorschlag, um den„Kleinen" zu helfen. Das Reichsentschädigungsamt aber hat es nach mehreren Wochen noch nicht für nötig erachtet, diese dringende Anfrage zu beantworten.— In einem anderen Falle ist es einem Kreise nur möglich ge- wesen. durch Hergabe von Wohlfahrtsmitteln dia Zwangsversteigerung von Haus und Hos bei einem ordentlichen Manne zu vermeiden. pieser Wann besitzt eine Schukdbuch! orderung von 9 820 Mk. an}, das Reich, der-Nur an- nähernd 4000 Mk. Schulden gegenüberslicheir Dieser Wann märe sofort aus allen Schwierigkeiten herausgekommen, wenn er die Mag- lichkest gehabt hatte, seine Forderungen an das Reich beleihen zu lassen. In diesem Falle war es nur der Menschlichkeit des Amtsrichters zu oerdanken, der den Versteigerungstermin zweimal auf eigene Verantwortung hinausschob, daß von dieser Familie der Ruin abgewendet werden konnte. Dies« beiden Fälle zeigen, wie dringend erforderlich eine rasche Abwicklung besonders der Kleingeschädigtenforderuiigen ist Gegenüber den Kleingeschädiglen wiegt die F ü r s o r g e p s l i ch t des Staates, die eine sofortige Lösung verlangt, fast noch{chivercr als der Rechtsanspruch gegen den Staat. Steigende V raunkohle ndividenden. Die zur Perscheck. Gruppe gehörenden Braun kohlenwerke Borna A.-G. bei Leipzig haben ihr« Dioidende, die schon im vorigen Jahr von 2 auf 8 Proz. herausgesetzt wurde, für 1927 auf 7 Proz. erhöht. Obwohl die Kohlenförderung von 1.3 aus 1,42 Millionen Tonnen und die Brikett- fabrikation von 0,24 auf 0,59 Millionen Tonnen stieg, konnten die Unkosten mit 1.28 Mill. Mark noch etwas gesenkt werden. Wie der Geschästsbericht erwähnt, wird die Mechanisierung der Abbaubeiriebe zur weiteren Verringerung der Gestehungskosten fortgesetzt.— Wie olle anderen bisher veröfsentlichten Abschlüsse des mitteldeutschen Braunkohlenbergbaus zeigt auch das Ergebnis bei dieser Gesellschaft, daß die Lohnerhöhung im vergangenen Herbst trotz aller gegenteiligen Behauptungen der Unternehmer die Renta- bilität im Braunkoylenbau nicht im geringsten beeiniräch- tigt hat. konkralle prioaker vausparkassen. Der Reichsoerband der Woh- nungsfürsorgegesellschaften wird gemeinsam mtt namhaften Fach- leitten einen Gesetzentwurf ausarbeiten, der dem baulustigen Publi- tum gegenüber den in den letzten Jahren zahlreich entstanden priva- ten Bauspaskassen und Bauspargenossenschaften einen gewissen Schutz gewähren soll. Es soll damij endlich eine Klärung der juristischen Stellung dieser Organisationen herbeigesührt werden und vor allem eine Regelung des Revisionswesens und der Publizitätspslicht erzielt werden. Die weiter« Behandlung dieses Gesetzentwurfes liegt beim Reichstarbeitsministerium. Flotter kallabsah Im ZNat Der Absatz des Deutschen Kalisyn- dikots betrug im letzten Monat 837 489 Doppelzentner Reinkali gegen 430 481 Doppelzentner im Mai vergangenen Jahre». Für den starken Bedarf und auch die Kaufkraft der Landwirtschast spricht es, daß in den ersten fünf Monaten dieses Jahres bereits 7,03 Millionen Doopelzentnir gegen 6,3 Millionen Doppelzentner Reinkali in der entsprechenden Zeit des Vorjahres abgesetzt wurden. 8 Proz. Dividende der Dessaver Gas-Gesellschafk. Die Deuische Continentol-Gas-Gestllschoft in Dessau wird nach dem Beschluß des Aussichtsrats aus das von 80 aus 75 Millionen Mark herauf- gesetzte Aktienkapital wiederum 8 Proz. Dividende, wie im Vor- jähr, zahlen. Der Reingewinn Hot sich um mehr als eine Mil- lion auf 8,4 Millionen Mark erhöbt. Im letzten Jahr hat das Unternehmen über 400 Städte und Kommunen mit Gas und Elektrizität versorgt KUdsivSttr» bei Störungen der Verdauungs- und Narnorgane und bei Stoffwechselkrankheiten Faefilngsr Versandstelle, Berlin SW. 11, SohSnebergerStr. 18«. T.lObew 8260/81