Morgenausgabe Nr. 267 � A157 ��-�hrgang Wich«tlich 85 Pfz, mooofläii) S.SOIt im voraus zahlbar. Postbezug<32 M. einschl. Bestellgeld, Äuslondsadonne» ment S,— M. pro Monat. -i- Der.BormSrt»� erscheint wochentZg. lich zweimal, Sonntag, und Montag, einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Adend", Illustrierte Beilagen.Boll und Zeit' und.Kindenreund". Ferner .Unterhaltung und Wissen',.Frauen- stimm«',.Technik'..Blick w die Luch erweit'und.Jugead-Lorwilrt»'. Berliner Vottsblatt Kreiiag 8. Zum 1928 Groß-Äerlin pf. Auswärts i5 pf. Die c i n i p a 1 1 1 g e Nonpareivezeile 80 Pfennig. Retlamezeile 5.— Reichsmark.»Kleine Anzeigen" das fettge- oruckte Wort 25 Pfennig lzulässig zwei ettaedruckte Worte), iedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkl Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. 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Am Schluß sprach er über das Elsaß, dessen Bevölkerung überzeugt sein könne, daß das Parlament ihre Interessen und Empfindungen stets respektieren würde. Allerdings müßten die Elsässer auch nicht vergessen, daß sie Bürger einer einigen und vor- teilbaren Republik geworden seien. Sodann verlas Poincar6 die sehr ausführliche Regierungserklärung. Die Erklärung trägt in ihrer Gesamtheit einen ausgesprochen nüchternen und sachlichen Charakter. Indessen läßt sie erkennen. daß die Regierung nicht daran denkt, wirklich tiefgreifende Reformen vorzunehmen. Poincarö hielt es für nötig, gleich am Anfang fein Verlangen nach geregelter Zusammenarbeit zwischen Parlament und Regierung vorzubringen. Er wünscht, daß ihm die Kammer getreulich Folge leistet. Die einzelnen Abschnitte seiner Er- klärung sind fast sämtlich von diesem autoritären Geiste er- süllt. In bezug auf die Behandlung der Beamtensrage be- merkte Poincarö, es sei unzulässig, daß Beamte, die dem Staate gegenüber bestimmte Verpflichtungen übernommen hätten, st r e i t- ten oder auch nur durch ungeordnete Manisestationen ihre Stellung kompromittieren. Die mit Spannung erwarteten «nssührungen über die währungssrage enthielten zunächst einmal eine Mahnung an die Kammer, das B u d- g e t zu bewilligen und nicht fem Gleichgewicht zu zerstören. Wenn der Ministerpräsident von der.baldigen uuerschütter- lichen Gesundheit- sprach, die der französischen Währung zu- rückgegeben werden soll«, so geschah dies in der von ihm beliebten Weise seiner Anwendung der Sanierung als Lockmittel: Erst sagte Poincare, er werde stabilisieren, wenn er eine ihm er- gebene Mehrheit habe, dann erklärte er ungefähr, er werde stabili- sieren, wenn die Kammer das Budget nach Wunsch der Regierung erledigt habe. Die Reformen, die von der Regierung ins Auge gefaßt worden sind, bewegen sich auf st e u e r p o l i t i f ch e m und sozio- l e m Gebiet. Das Steuersystem soll elastischer gestaltet und den Bedürfnissen des einzelnen mehr angepaßt werden. Die Regierung will bei dem Ausbau des neuen Zolltarifs und der in seiner Folge noch mit fremden Mächten sich anschließenden Zollab- kommen stets die Interessen des französischen Außenhandels för- dern. Sie will nach Kräften an der Hebung der jranzösischen Produktion arbeiten. Was endlich die„sozialen Reformen- anbetrifft, so versteht die Regierung darunter, abgesehen von dem Gesetze über die Soziawersicherungen. dessen Vollendung nun endlich der neuen Kommer obliegen soll, vor ollem die Bbseitigung der Wohnungsnot sowie umfassende hygienische Maßnahmen zur Bekämpfung der Tuberkulose usw. Die außenpolitischen Ausführungen der Regierungs- erklärungen enthalten ein allgemeines Bekenntnis zum Frieden und zur Annäherung der Völker. die angesichts der die Menschen einander näher bringenden Fort- schritte der Technik notwendig sei, ohne daß die Existenz der einzel- nen Länder deswegen zu verneinen wäre. Die d e u t s ch- f r a n- zö fischen Beziehungen werden im besonderen nicht berührt, ebenso wenig wurde die Reparationssrogc erwähnt. In innenpolitischer Hinsicht gab der Ministerpräsident die von den E l s ä s s e r n erbetene Erklärung über die Ausrecht- erhaltung der Schulgesetzgebung ab und bekundete die Absicht der Regierung, die konsessionellen Schulen im Elsaß un- bedingt aufrecht zu erhalten. Die Regierungserklärung fand an einzelnen Stellen lebhaften, aber keinen einheitlichen Beifall. So begrüßte die Linke das Bekenntnis zur Laiengesetzgebung, die Rechte die gegen Revolution und Umsturz gerichteten Stellen. Im Anschluß an die Erklärung fand eine lebhafte Debatte über den Antrag auf Freilassung der kommunisti- schcn Abgeordneten statt. Es sprachen der sozialistische Abg. Vincent-Aurlol. der Kam- munist Berthon und der Elsässer Tvalther für die s o s o rt i g e Beratung der Freilasiungsanträgc. Als Walther das Wort ergriff, entstand große Unruhe, so daß die Sitzung unterbrochen wer- den mußt«. Nach Wiederaufnahm« erklärte wolther. daß über die Tätigkeit der Abgeordneten Dr. Ricklin und Rossö nur in deren Gegenwart verhandelt werden könne. Das gesamte Elsaß erwarte, daß man den vom Schwurgericht Verurteilten dies zu- billig«, da es einer Tradition der Kammer entspreche. Die Abstimmung ergab die Vertagung der Erörterung der An- träge der Abgeordneten Walcher und Uhry ans kommenden Donner»- lag mit 427 gegen 129 Stimmen. Die Regierungserklärung zur auswärtigen Politik' Nach einem Pariser WTB.-Dericht hat die Stelle der Programmrede Poincarss über die auswärtige Politik fol- genden Wortlaut: „Der Krieg ist v/>rb«l. Wir sind als Sieger, aber hart mitgenommen daraus hervorgegangen. Nach jedem blutigen Konflikt ist es Sache der Sieger, den Besiegten die Hand zu reichen, wenn diese bereit sind, ehrlich die Verträge zu beob- achten und wenn sie nicht die peinliche Erinnerung an die Feindseligkeiten verewigen wollen. Aber außerdem fft es Sache sämtlicher geprüften Völker, der Sieger wie der Besiegten, ja sogar der Neutralen, einzusehen, daß keines von ihnen sich voll- kommen wieder erheben kann, wenn nicht alle sich gegenseitig durch eine progressive wirtschastliche, intellektuelle und moralische Ver- sländigung Helsen. Frankreich hat keine Gelegenheit vorübergehen lassen, zu zeigen, daß es den gewaltsamen Lösungen die schiedsgerichtliche Lösung vorzieht, und daß«s außerdem zu jeder Annäherung bereit ist. vorausgesetzt, daß kein Hintergedanke an eine Revision der Verträge die Rückkehr zu freundschaftlichen Be- reichen Fragen internationalen Interesses, die noch austreten können, anderen Wunsch, als in her-zlichem Vertrauen die zahlreichen Fragen internationalen Interesses, die no chaujtreten können, zu studieren, sei es im Völkerbund, sei es nn Verlauf täglicher Aussprachen zwischen den Regierungen der gesamten Welt. Frankreich oerlangt von niemand etwas, es sei denn die Einhaltung der ihm gegenüber eingegangenen Verpflichtungen.- Es hält die- jentgen, die es selbst übernommen hat, ein und wird sie einhotten und wünscht,' daß man ihm gegenüber sich in gleicher Weise verhält, nichts mehr. Wir haben immer bei allen Gelegenheiten und erst noch jüngst anläßlich der Verhandlungen über die Tangerfragc bewiesen, daß wir zu einer wohlwollenden Prüfung und entgegenkommenden Lösung bereit sind, wenn man von uns nichts verlangt, was unsere Sicherheit oder miser Recht auf Reparationen berührt. Dieser Geist hat die ganze Re- gierung fortwährend beseelt, und in diesem Geist wird sie morgen wie gestern die diplomatischen Probleme, die die an- deren Rationen uns noch unterbreiten könnten, behandeln.- Man merkt es dieser sorgfältig abgewogenen Erklärung an, daß sie das Ergebnis einer gemeinsamen Stili- s i e r u n g durch P o i n c a r 6 und B r i a n d darstellt. Die schwungvollen allgemeinen Wendungen stammen vom Außenminister, die juristischen Vorbehalte vom Minister- Präsidenten. Das Motto der„Einhaltung der Berträge" kommt in diesen wenigen Zeilen nicht weniger als dreimal vor. Es hat sogar den Anschein, als ob die ausdrückliche Zurückweisung des Gedankens einer Friedens- r e v i s i o n in letzter Stunde eingeschaltet wurde, und zwar als Echo auf die Rede Mussolinis. Andererseits beweist gerade die Erwähnung der Neu- regelung der Tanger-Frage, daß die französische Regierung einer Nachprüfung bestehender Verträge nicht grundsätzlich abgeneigt ist. Bei dieser Gelegenheit hat Poincar6 genau die gleiche Formel gebraucht wie schon in seiner Rede von Carcassonne: vorbehält- lich der Sicherheit Frankreichs und seines Rechtes auf Repa- rationen. Die Bereitschaft zu Verhandlungen über die künftigen großen außenpolitischen Probleme ist in der Erklärung ausdrücklich betont worden. Der nächste Schritt wird darin bestehen müssen, daß man so schnell wie möglich in Deutschland jene v e r h a n d l u n g s f ä h i g e Regierung bildet, die uns seit drei Monaten fehlt. Bruch in Württemberg. Die Bürgerblockverhandlungen gescheitert. Stuttgart, 7. Zum sEigenberichlj Die Verhandlungen der bürgerlichen Parteien Württembergs über die Reubildung einer Regierung sind an der hol- tung der Volkspartei gegen den bisherigen Staatspräsidenten B a- zille als Kultusminister gescheitert: Da die Deulschnotionalen daran sesthaltev, daß der bisherige Staatspräsident wenigsten» als Kultusminister erhalten bleibt, besteht vorläufig keine Aussicht, daß die Verhandlungen wieder aufgenommen werden. E» ist nicht ans- geschlossen, daß man jetzt versuchen wird, eine Regierung aus an- derer Basis, als sie anfänglich erstrebt wurde, zustandezubringen. Die für Freitag in Aussicht genommene Wahl des Staats- Präsidenten dürfte in Anbetrocht der ungeklärten Verhältnisse voraussichtlich nochmals vertagt werden und erst zum Be- ginn der kommenden Woche stallfinden. Gerichtete Staatsanwälte. Dienstentlassung für Kußmann, Verweis für Easpary und peltzer. In der Disziplinarverhandlung gegen die Staatöanwaltschastsassessoren Dr. Kustmann» Dr. Casparh und Landgerichtsrat Peltzer ver- kündet der Vorsitzende gegen 6,43 Uhr abends folgendes Urteil: Dr. Caspary und Landgerichts- rat Pcltzer erhalten einen Verweis; gegen Dr. Kußmann wird auf Dienstentlassung erkannt. Einer der blamabelsten Skandale der Staatsanwaltschaft hat mit dem Urteil des Disziplinarhofs einen vorläufigen Abschluß gefunden. Man merkte bereits in den VerHand- lungen, noch stärker in den Anklagereden, am stärksten aber in der Urteilsbegründung das ängstliche Bestreben, die öffentliche Bedeutung des Skandals, feinen Umfang und seine Hintergründe nach Möglichkeit abzuschwächen. Deshalb beginnt auch— ganz im Stil der verurteilten Angeklagten— die Urteilsbegründung mit einer ausfallen- den und erregten Polemik gegen die„haltlosen" Pressean- griffe. Offenbar ist dem Disziplinarhof ganz aus dem Es- dächtnis gekommen, daß überhaupt er st durch die Presse, namentlich durch den„Vorwärts", die Verfehlungen des Herrn Kußmann aufgedeckt worden sind, wegen derer jetzt seine Dienstentlassung erfolgt ist. Ohne den „Vorwärts" würde auch heute die Welt noch nichts wissen von jenen Zusammenhängen, die zwischen den Staatsanwäl- ten Kußmann und Peltzcr einerseits, dem von den Deutsch- nationalen Leopold und Bacmeister finanzierten S p i o- nagebureau Knoll andererseits bestanden haben. Ohne d e n„V o r w ä r t s" wäre bis heutigen Tages nicht bekannt der seltsame Toilettengang des Staatsanwalts Pcltzer, der die Aushändigung einer streng geheimen Denkschrift an Knoll ermöglichte. Ohne den„Vorwärts" wäre nichts be- kannt geworden über die durch Kußmann vermittelte Geld- hergäbe an Schlichting zur Beschaffung unsauberen Materials gegen Severing und vieles andere. Daß bei der Aufdeckung einer so ä n g st l i ch geheim gehaltenen Beziehung wie der zwischen Kußmann und Änoll einzelne Unrichtigkeiten unterliefen, ändert nichts an der Tatsache, daß das im„Borwärts" gegebene Bild dieser Beziehungen durch die Disziplinarverhandlung in allen wesentlichen Punkten als r i ch t i g erwiesen wurde. Wir möchten einmal umgekehrt an den Disziplinarhof die Frage stellen, welches Material zur Dienstentlassung des Herrn Kuß- mann ohne die Aufklärungsarbeit des„Vorwärts" über- Haupt vorhanden gewesen wäre?! Freilich geht die Urteilsbegründung, wo sie von den Be- Ziehungen zwischen Kußmann und Knoll spricht, ä n g st l i ch umdenKern derSacheherum. Sic verurteilt nur, daß Kußmann diese Beziehungen seinen Vorgesetzten ver- schwiegen hat, zumal es sich um seinen intimen Freund handelte. Daß der„Vertrauensmann" der Staatsanwalt- schaft gleichzeitig der Vertrauensmann und Materiallieferant der Deutschnationalen Partei und Presse war, das erscheint dem Disziplinarhof offenbar so unwesentlich, daß er hiervon in den Urteilsgründen gar nicht redet. Uns erscheint dieser Punkt nach wie vor der Kernpunkt der ganzen Ange- legenheit. Für uns schafft keine Dialektik die Tatsache aus der Welt, daß die schuldigen Staatsanwälte im Fall Barmat ihre Tätigkeit nicht im Dienste des Rechts, sondern im Dienste der deutschnationalen Hetzpropaganda gegen die Sozialdemokratie ausgeübt haben. Wenn der Vertreter der Anklage, Oberstaatsanwalt Dr. Schönfeld, als seinen Eindruck bezeichnete, daß„nicht so sehr Knoll Hilfs- arbeiter der Staatsanwälte, als vielmehr die S t a a t s a n-> w ä lte die Hilfsarbeiter Knolls gewesen seien", so trifft diese Bemerkung ins Schwarze. K u ß m a n n ist nun allerdings erledigt. Für diesen ehe- maligen Schützling rührt sich selbst im deutschnationalen Lager kaum noch eine Hand. Wobei übrigens daran erinnert wer- den soll, daß es ehemals nicht nur die deutschnationole, son- dern ganz hervorragend auch die k o m m u n i st i s ch e Presse war, die sich schützend vorKußmann stellte und den„Vorwärts" wegen seiner Enthüllungstätigkeit in allen Tonarten anpöbelte. Welch Glück für die„Rote Fahne" und..Welt am Abend", daß ihre Leser ein so kurzes Gedächt- nis haben! P e l tz e r und C a f p a r y dagegen find sehr, sehr milde davongekommen. Herrn Caspary mag zugestanden werden, daß er dem skrupellosen Größenwahn eines Kußmann innerlich erlegen ist. Immerhin: ein Assessor, der sich unter dem alten System derartige Dreistigkeiten gegen sein Mini- sterium herausgenommen hätte, wäre glatt geschwenkt worden! Weit ernster aber als der Fall dieses überheblichen jungen Mannes liegt der des an Dienstjahren viel älteren Staats- anwaltschaftsrats Peltzer. Es darf nicht vergessen werden, welche Rolle Peltzer im Fall H ö f l e gespielt hat. Wie er dort sich als Vertreter der korrektesten Korrekthest geriert, wegen eines formalen Versehens sofort mit einep Meineidsanklage über den bereits oSllia zusammenge- brochenen Höfl�hergefallen ist, wie er grundlose Haussuchun gen veranstaltete und als lechzender Spürhund hinter dem Angeklagten lag. Er, der damals die Splitterchen im Auge des Angeklagten zählte, genierte sich nicht, ein wichtige» Geheimdokument an eine ihm angeblich nur ganz ober flächlich bekannte Persönlichkeit auszuliefern; ihm ver- schlug es nichts, diese Auslieferung in der be zeichnenden und blamablen Art zu vollziehen, daß er auf ein verschwiegenes Oertchen ging, damit der andere inzwischen die zurückgelassene Aktentasche durchsuchte und plünderte. Cr, der Meineidsspürer, verschwieg ineiner eidlichen Aussage vor dem Oberstaatsanwalt Tetzlaff bewußt sowohl diese Artenauslieferung wie auch einen zweiten ähnlichen Fall,„um nicht selber in ein Strafverfahren verwickelt zu werden". Soll wirklich ein solcher Mann mit einem milden„Der- weis" abgefunden, noch befähigt fein, aufdemRichter- st u h l Ansehen und Autorität der Rechtspflege zu verkörpern? Solange das möglich ist, wird die Vertrauenskrise der Rechts- pflege nicht beendet werden. Als Wichtigstes aber bleibt die Frage: stellen die Kuß- mann, Caspary, Peltzer Einzelfälle dar? Wir fürchten, daß auch heute noch diese Frage verneint werden muß. Auch unter den heutigen Staatsanwälten dürste es noch manchen geben, der nicht begriffen hat, daß er ein Organ der objektiven Rechtspflege ist, daß er feine Lorbeeren nicht durch einen theatralischen Amateur-Detektivismus, nicht durch Jagdeifer gegen den jeweiligen Angeklagten, sondern durch unbeirrbares Streben nach dem wirklichen Recht, nach der wahren Gerechtigkeit zu suchen hat. Wir erkennen gern an, daß das preußische Justiz- Ministerium den Nachwuchs in besserem Geist zu erziehen bemüht ist. Aber damit diese Bemühungen Frucht tragen, wird es noch weit sorgfältigerer Auslese und einer sehr energischen Beeinflussung von oben bedürfen. Daß ein Kuß- mann, dem jetzt im Urteil moralische Haltlosigkeit und Mangel jeglichen Empfindens für seine unmoralische Handlungsweise bescheinigt wer- den.— daß ein solcher Mann lange Zeit die Rolle des „glänzenden" und„schneidigen" Anklägers in Moabit spielen konnte,'gibt schwer zu denken, denn dieser Umstand zeigt, daß sehr wohl eine staatsanwaltschaftliche Laufbahn auf der Grundlage innerer Strupellosigkeit möglich war und vielleicht heute noch ist. Eine solche Laufbahn im Einzelfall mit verhindtert zu haben, betrachten wir als großen Dienst an der Rechtspflege. Sie in allen Fällen zu verhindern wird Aufgabe einer besonders sorgfältigen Per- sonalpolitik des Justizministers sein. Die Llrieilsbegründung. In der eingehenden Urteilsbegründung führt« der Vor- sitzende Senatspräsidcnt Dr. P r e i s e r u. a. aus: Der Senat hat mit großer innerer Anteilnahm« die Verhandlung gegen die drei hoffnungsvollen(?!) Beamten verfolgt. Er hat feststellen müssen, daß der größte Teil der Angriffe, die in der Press« gegen sie erhoben wurden, sich als völlig haltlos herausgestellt haben, daß sie größten- teils als Frühschoppcngerüchte zu betrachten oder als Be- kundungen minderwertiger Persönlichkeiten kritiklos hingenommen worden waren. Diese lange Dauer des Verfahrens hat die Festellung ermöglicht, daß der schwerste Vorwurf— und das konstatiert der Senat mit Befriedigung—, als hätten sich die Angeschuldigten bei Erfüllung ihrer Pflichten durch materielle Borteil« leiten lassen, völlig unhaltbar sei und auf kümmer- lichen, ja erbärmlichen Grundlagen beruhe. Dagegen mußten die drei Staatsanwälte in anderen Punkten für schuldig erkannt werden. Peltzer der bewußten Unwahrheit dem Oberstaatsanwalt Teßlaff gegenüber in der Voruntersuchung gegen Knoll und Kußmann, indem er sowohl die Beziehungen ftnolls zur Staatsanwaltschaft als auch die durch ihn selbst erfolgte Uebergab« der Denkschrift des Rechnungshofs an Knoll verschwiegen hat. Es ist zu berücksichtigen, daß die Herren in dem Glauben be- fangen waren, daß ihnen von ihren Vorgesetzten bei der Untersuchung Schwierigkeiten gemacht werden würden(?!) und sie deshalb diese nach Möglichkeit im Dunkeln ließen. Dr. Peltzer war sich be- wüßt, daß er die Denkschrift nicht übergeben dürfe; daher der merkwürdige Weg der Uebergabc. deshalb auch sein Schweigen darüber dem Oberstaatsanwalt Tetzlaff gegenüber. Der Staatsanwalt Caspary hat sich in dreiFällen schuldig gemacht. Erstens im Falle Werthauer durch die Aushängung des Werthaucr beschimpfenden Artikels aus dem„Fridericus". Zweitens durch feine Eingabe an den preußischen Justizminster, die durch ihre Form durchaus ungehörig war und dl» bei dem jungen Assessor in bedauerlichem Maße eine Einstellung vermissen ließ, die der höchsten Behörde gegenüber bei ihm hätte obwalten müssen. Der auffallende Ion der Eingab« kann durch nichts gerechtfertigt werden. Dritten, hat sich Caspary in unzulässiger Weise an Presseangrisfen gröbster Art gegen seine vorgesetzte Dienstbehörde beteiligt. Es Ist dabei nicht zu verkennen. daß er sich Angriffen ausgesetzt glaubt, und er sich in seiner Arbeit schwer gekränkt fühlte. Wae den Staatsanwalt Dr. Kußmann betrifft, so hat er sich schuldig gemacht In verschiedenen anderen Punkten. Er ist an den Schmöhariikeln gegen die höchste Behörde in gleicher Weise beteiligt wie Caspary. Er Hot bereits nach de? Uebernahnie der Barmat-Sache durch die Staatsanwalt« de» Kammergerichts die Aushändigung de» Jsaak-Proto- k o l l» an Knoll berichtet und dabei d«m Oberstaatsanwalt Lind« vorgetäuscht, als handle es sich um die Abwicklung einer alten Sache. Er hat sich drittens der Unwahrhaftigkiit d«m Oberstaatsanwalt Tetzlaff gegenüber schuldig gemocht, indem er sein verhällnis zu Knall und die Aushändigung des Isaak- Prolokoll» verschwieg. Ungebührlich war Kußmanns Verhallen gegenüber dem Polizeidirektor Weiß. Noch schwerer wiegend als all« bis jetzt genannton dienstlichen Verfehlungen war aber die Hinzuziehung Knoll» ohne Genehmigung der oorgesehlen Behörde. Es war feine Pflicht, diese über die Rolle diese» Hauptakteure genau ins Bild zu fetzen, um so mehr, als Knoll fein guter Freund war. Kußmann hat ober bewußt seine Beziehungen zu Saoll verdunkelk und ist sogar soweit g«gang«n, ihn dem Oberstaatsanwatt Lind« als Dr. kluge vorzustellen. Wenn auch die Tätigkeit Knvlls als Wer- trauenemann Kußmorms bis jetzt kein« schlimmen Folgen gehabt hat(?!), so hätten aber daraus unermeßlich schwere Folgen ent- stehen können. Noch schlimmer sind aber die Versehlungen Kußmanns in seine« P ri v a t lebe« und e» ist bedauerlich, daß«in Mau«, der von Landtagsbeginn in Preußen. Alterspräsident posadowsky.— Bis Sonnabend Regierungserklärung. Die sozialdemokratische Fraktion des Preu- ßischen Landtags, die am Domierstagvormittag zu ihrer ersten Sitzung zusammentrat, befaßt« sich in ejner längeren Debatte mit der gegenwärtigen politischen Lage. Die Fraktion war einmütig der Auffassung, daß die preußische Regierung in ihrer jetzigen Zusammensetzung im Amte bleiben und die bisher betrieben« Politik fortsetzen soll. Am Freitag, nachmittag um 4 Uhr tritt der Preußische Landtag zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Die To- gung wird von dem 83jShrigen Abg. Posadowsti als Alters- Präsident eröffnet werden. Anschließend erfolgt die Wahl des Land- tagsprästdenten, der von d«r Sozialdemokratie als der stärksten Fraktion des Preußischen Landtag«» gestellt werden wird. Die Entscheidung über den Kandidaten der sozialdemokratischen Frok- tion fällt am Freitag vormittag in einer Fraktionssitzung. Nach der Wahl de» Londtagspräsidenten vertagt sich das Plenum auf Sonn- abend. Am Sonnabend wird sich die preußische Regierung mit einer kurzen Erklärung d«m Landtag vorstellen. Das Kabinett ist ein- stimmig der Auffassung, daß nach dem vorliegenden Wahlergebnis «in Anlaß zum Rücktritt nicht vorliegt und die Fortsetzung der bisherigen Politik dem Wunsche der preußischen Wählerschaft entspricht. In diesem Sinne dürste auch die Regierungs- erklärung geholten sein. Am Montag und Dienstag soll die Debatt« über die Er- kkärung des preußischen Kabinetts vor ssch gehen. Sie dürste mit der Annahme eines positiven Vertrauensvotums für die Regierung Broun enden, da» von den Koalitionsparteien eingebracht werden wird. Di« Kommunisten beabsichtigen zunächst ein Miß- trauensootum«inzubringen. Bei der Abstimmung darüber werden sie sich wieder einmal in trauter Gemeinschaft mit den Deuffchnotionalen befinden. Die Deutsche Volkspartei wird sich bei den Abstimmungen mit Rücksicht aus ihre Pläne im Reich und in Preußen voraussichtlich der Stimme enthalten. Sachsen-Thüringen. Beratung über eine Verwaliungsgemeinschast der Länder. Das Land Thüringen befindet sich seit längerer Zell in finanziellen Schwierigkeiten, di« durch die Berwal- ttingspmxis der Bürgerblockregierung und durch die Steuerpolitik der Bürgerblockparteien zu einer Katastrophe zu führen drohen. Aus dem Zwang dieser Verhältnisse heraus ist die thüringische Re- gierung schon vor längerer Zeit an die sächsische Regierung mit den, Vorschlag gemeinsamer Derhandlungen zur Bildung einer Verwaltungsgemeinschaft herangetreten. Die Derhand- lungen sind auch tatsächlich zustande gekommen, lieber ihren Erfolg gab der sächsische Ministerpräsident mff ein« sozialdemokratische An- frage hin eine Regierungserklärung ab, in der es heißt: „Die Bestrebungen nach Verbilligung und Verbesserung der Verwaltung dürfen nicht an den L a nd e s g r en z« n halt- machen. Durch die Begründung von Verwaltungsgemeinschaften kann unter Derminderuiig der Kosten ein hoher Nutzen der öffent- lichen Verwaltung erzielt werden, mich ohne daß die Länder die ihnen nach der Reichsverfassung verbleibenden Hoheitsrechte äuf- geben müssen. Die auf diesem Wege zu erreichend« Annäherimg wird die Vereinheitlichung des Rechtes in Deuffchland fördern und kann di« Einheit des Reiches stärken. Solche Verwaltungsgemeinschaften werden besonders dort ohne Schwierig- leiten durchgeführt werden können, wo di« Gemeinsamkeit der wirtschaftlichen und kulturellen Interessen die Zusammenarbeit der öffentlichen Behörden zweckmästig erscheinen läßt. Da» ist im Ver- hältms zwischen Sachsen und Thüringen der Fall. Decken ssch auch nicht die Grenzen beider Länder mit dem wirtschaftsgeogvaphischen Gebiete Mitteldeutschlands, so wird doch schon viel ge- wonnen, wenn die überaus zahlreichen gemeinsamen Wirtschaft. lichen Interessen beider Länder noch vorheriger Verständi- gung ganz gemeinsam vertreten werden. Gleiches gilt von den kulturellen Interessen. Die Kommissar« beider Regierungen stt» nach längeren Erörterungen und Verhandlungen ain letzten Sonntag mm dazu gelangt, sich über die Vorschläge zu einigen, die fis ihren Regierungen unterbreiten wollen. Zwischen der thüringischen nnd sächsischen Regierung besteht bereit» heute lleberelnstlmmung dar- über, daß die beiden Kabinelte in nächster Zeit zu einer Aussprache über diese Vorschläge zusammentreten werden. Di« sächsische Regie- rung würde es begrüßen, wenn dies« Aussprach« zu einer Verständigung führen würde, da sie der Ueberzeugung ist, daß durch ein« Verwaltungsgemeinschoft zwischen Sachsen und Thü- ringen die innere Organffation des Reiches oerbleibt, die«nt- sprechend im unitarischen Sinne gefördert mG dabei die Gefahr des dem deutschen Wirtschafts- und Kulturleben schäd- lichen Zentralismus vermieden wird. Sobald in der geplanten Aussprach««ine Timgung über den Umfang der abzuschließenden Verwaltungsgemeinschaften gefunden sein wird, werde die sächsische Regierung dem Landtag eine entsprechende Vorlag« unterbreiten." sich selbst behauptet, der Korruption an die Gurgel grei- sen zu wollen, sich als moralisch völlig haltloser Mensch erwiesen hat. Der Senat steht auf dem Standpunkt, daß der Ehe- bruch eines Veomten grundsätzlich disziplinarffch zu verfolgen sei; er verkennt nicht, daß es Fälle geben kann, die so leicht liegen, daß ein Disziplinarverfahren in Fortsall kommen kann. Hier liegt aber ein derartiger Fall nicht vor. Kußmanns Ehebruch war besonders erschwerend. Wenn Kußmann überhaupt noch ol» Ehrenmann gelten wollte, so hätte er, vom Ehemann zur Rede gestellt, sein« Der- fehlungen zugeben müssen, um wenigstens dadurch einen öffenttichen Skandal zu vermeiden. Kußmann besitzt aber überhaupt kein Gefühl für die Schwere seiner moralischen ver- fehlungen. Er hat versucht, den Ehemann durch Drohungen zu veranlassen, seine Person aus dem Ehescheidungsprozeß auszuschalten. Daß Kußmann jedes Empfinden für feine unmoralische Handlungsweise abgeht, be- weist sein Verhalten während des Ehescheidungsprozesse». Aus all diesen Gründen waren die Angeklagten zu den oben ge- nannten Strafen verurteilt._ Parität! Aber nicht nur für ZenirumSleute! In den kaiserlichen Zeiten, al» in Preußen di« Konservativen den Ton angaben, beschwerte sich das Zentrum bitter über die Benachteiligung der Katholiken auf allen Gebieten der Verwaltung und des öffentlichen Lebens.„Parität für di« Katholiken" war damals ein« ihrer Hauptforderungen. Seit Preußen unter dem maßgebenden Einfluß der Sozialdemokratie steht, ist das anders geworden. Die Katholiken haben die Parität erreicht, und manche sind sogar der Ansicht, daß st« mehr als das erreicht haben. Trotzdem begegnet man auch heute noch in gewissen Zentrums- kreisen einer nicht ganz verständlichen Furcht davor, die Parität könne gefährdet oder,.wie man sich auch auszudrücken beliebt, man könne als Anhängsel der Sozialdemokratie betrachtet werden. Als ob di« Sozialdemokratie In den langen Iahmn der Zusammenarbeit in Preußen nicht bewiesen hätte, daß sie ein anständig«» Spiel be- treibt! Vielleicht war sie sogar mitunter zu maßvoll und bescheiden, und hat auch dort geschwiegen, wo die Parität von der anderen Seitenicht immer beachtet wurde. Aon Bayern. Württem- berg und dem Saorgebiet soll in diesem Zusammenhang gar nicht die Red« sein. Wenn man da anfangen wollte,«in« Beschwerde- liste auszuführen, so käme bald«in anständiger Katalog zusammen. Aber wie ist e» denn in den katholischen Gebieten Preußens? Wir wollen uns mit einigen Veffpielen begnügen, die die Lage illustrieren. Da findet man unter dem ö. Juni in der.Kölnischen Volkszeitung" die Ausschreibung für den Leiter einer Ltadffpartass« am Rand« des rhetnisch-westsälischen Industriegebietes. Vordedin- gung: katholisch« Konfession. Oder das katholisch« Kirchen. dlatt de» niederrheinischen Dorfe» Seislar schließt den Bericht blatt de» niederrheinischen Dorfes Geislar schließt den Bericht „Und doch am Abend stellte es sich heraus, daß sehr viele <117 S o z. und 1v Kom.) mit ihrem Stimmzettel dem „wahren Christentum"«Ken Dolchstoß gaben und „Krettdige ich»" riefen. �Hen; sie wissen nicht, was s* tuat" Als dritte» Beispiel der Brief eines koiholffchen Pfarrers an Angehörige seiner Gemeinde: Kakbolische» Pfarramt Misburg Misburg, 21. Mai 1S2L. bei Hannover, verelnsstrotze 13. Polljcheck-Konio: Hnvr lZü 82 Herr»..... Misburg. (Kath. Kirchentasse Misburg) Fernruf: Hannover 8 0S IS Es ist dem Vorstand« des Katholischen Männerverein» di« Mit« tellung zugegang«», daß Sie am Sonnabend an dem D e m o n- strationszug der Sozialdemokratischen Part,ei teilgenommen haben. Da eine solche Teilnahme sich mit den Grundsätzen des Männervereins nicht verträgt, bitten wir um Aeußerung Ihrerseits, ob die Wahrnehmung zutrifft. Gleich- zeitig ersuchen wir Sie um die Mitteilung, ob Sie' Ihr« öfter- liche Kommunion geholten haben; Ihre Ausweiskarte ist nicht eingegangen. Um Antwort bitten wir bis spätestens Ende dieser Woche, damit wir weiter Stellung dazu nehmen können. Der Vorstand des K. M-V. gez.: Andres, Pastor. Präses." Au« derartigen Aeußerungen spricht der Geist emer hetzerischen Unduldsamkeit, der mit den Grundsätzen der Parität nicht vereinbar ist. Man könnt« Fälle wie die vorliegenden al» Entgleisungen betrachten, wenn derselbe Geist nicht auch an höheren Stellen künstlich genährt würde. Die Sozialdemokratie hat dem demokratischen und paritären Prinzip in Preußen zum Siege verHolsen. Das Zentrum weih, daß e» ohne die Sozialdemokratie noch lange auf die Gleichberechtigung hätte warten können. Es sollte«» als Ehrenpflicht betrachten, für Aufklärung zu sorgen, wo Aufklärung nottut._ Austritt aus der KpO. Der Führer der sächsischen Arbeitsinvaliden. Meißen, ö. Juni.(Eigenbericht.) Der Leiter des Zentral verbände» der Arbeitsin- validen und Witwen Deutschlands innerhalb Sachsens. Kurt Gabler, fft aus der Kommuni st ifchen Partei aus- getreten, weil die KPD. den Verband während des Wahlkampses in der übelsten Weise verleumdete, um den Hauptvorstand, Reichs- tagsabgeordneten Gen. Karsten, unmöglich und die Mitglieder ab- spenstig zu machen. In dem Schreiben an die KPD.-Leltung, in dem er diese Gründe anführt, heißt es weiter: aber nicht nur allein das war ausschlaggebend für mich, die satiorisch« Verbindung mit der KPD. fallen zu lassen, son- dein auch die Einstellung der Partei im Wahlkampf gegenüber der SPD. Fast die gesamte Wahlpropäganda der KPD. richtet sich g e g e n die Bruderpartei, und zwar mit einer Niedertrach- tigkeit und Berlogenheit, die nicht mehr zu überbieten war. Die Wirkung eines solchen Austreten« muß natürlicherweise sein, daß dl» unheilvoll« Zersplitterung der Arbeiter- klosse weiter verewigt wird. Weiter zeigt aber auch diese Hand- lungsweise, daß Euer Ruf nach einer„Einheitsfront" nur eine Phrase ist. Da ich mich persönlich nicht mitschuldig machen will, an einer weiteren Zerreißung der proletarischen Kampj«,sront, sehe ich mich genötigt, au» der Partei auszutreten. Kurt Gabler hat sich der So ialzdemakratischen Partei angeschlo�n. Demokratie hilf! wsm Man nehme Reis... Ernte auf dem feuchten Reisfeld. Ein Nahrungsmittel, das von nahezu der Hälft« aller Menschen als hwiptsachlichste Quelle zur Befriedigung des Ernährungsbedllrf. nisses angesehen wird, muß seine großen Vorzüge hoben. In der Tat ist der Reis— um dies« auch bei un» populär geworden« Speise handelt es sich— hinsichtlich des Nährwertes auf höchster Stufe unter den kohlehydratereichen Lebensmitteln stehend: in 100 Gramm sind bei einem Gesamtnährwert von 83,01 Gramm an Kohlehydrate 76,23 Gramm vorhanden. Da diese Menge 343 Kalorien enthält, so stellt sich der Preis für den Tagesbe- darf von 2000 Kalorien auf durchschnittlich 26 Pf. Man sieht hieraus, daß der von Reis lebende Zlstate ein Minimum zur Aufrecht er Haltung seines Daseins gebraucht. Da also der Reis eine Reihe der für die Speisung der Menschen wichtigen und zu- träglichen Bestandteile enthält, durste er auf der Ausstellung.Er- nährung- nicht fehlen, und die von den Hamburg-Bremer Reis- wühlen aufgebaute, unseren Lesern bereits im Bild« bekanntge- wordene„Reispagode" nebst Reiskochherd und Probiertisch übt auf alt und jung eine starke Anziehungskraft aus. Wo Reis gebaut wird. Seit 5000 Iahren in China heimisch, hat der Reis sich die für sein Wachstum so geeigneten Länder de» östlichen und südlichen Asiens frühzeitig erobert: in Europa ist er erst durch die Züge Alexander des Großen bekanntgeworden: damals wurden auch in Mesopotamien Reisfelder angelegt. Später brachten die Araber die Kultur an den Nil und nach Spanien: Jahrhunderte darauf folgt die norditalienische Ebene und vom Beginn des 18. Jahrhundert» an auch Nord- und Südamerika. Mit Ausnahme von Australien hat sich somit der Reis in ollen Erdteilen helmisch gemacht. Aber wenn es auch einen.Bergreis- gibt, der im Himalaja in ziemlicher Höhe noä) zufriedenstellende Erträge gibt, so haben doch Versuche, im nördlichen Europa, u. a. in England, Reis anzubauen, zu keinem Resultat geführt. vas beistand, das 30 Millionen Tonnen erzeugt und— restlos für sich gebraucht— dann aber die für den Export wichtigen Länder: Britisch- Indien tZS Millionen Tonnen), Japan, Korea, Formosa nie. Rasch im Angriff— und ver- fehlte er den, ebcmo rash im Rückzug— besaß er in hohem Grade die Abneigung des Wolfes. Leib an Leib zu kämpfen. Er konnte eine längere Berührung seines Körpers mit einem andern nicht ertragen: das machte ihn toll. Er mußte frei dastehen, auf den eigenen Füßen, ohne daß ein lebendes Wesen ihn berührt«. Das war noch die Wildnis, die sich in ihm behauptete, und dies Gefühl war durch das Leben, das er in der Jugend als Ausgestoßener geführt hatte, noch ver- stärkt worden. In der Berührung lauerte Gefahr; sie war eine Falle, und die Furcht davor war seinem Wesen tief ein- Seimpft. Die Folge war, daß fremde Hunde ihm nichts an- aben konnten. Er wich ihren Zähnen aus. Er besiegte sie oder machte sich aus dem Staube und blieb in jedem Falle unverletzt. Natürlich kam es auch vor, daß mehrere Hunde zusammen über ihn herfielen, bevor er weglaufen konnte, oder daß ein einzelner ihm tiefe Wunden beibrachte, allein das war eine Ausnahme. In der Regel war er so geschickt, daß er unverletzt davonkam. Er befaß den großen Vorteil, Zeit und Entfernung richtig abzumessen. Das geschah- unbewußt und ganz mecha- nisch. Seine Äugen sahen richtig, und seine Nerven ver- mtttelten das Gesehene ebenso richtig dem Gehirn. All seine Anlagen waren feiner und besser als die des gewöhnlichen Hundes: alles ging glatter und ruhiger bei ihm vonstatten. Nerven, Hirn und Muskeln arbeiteten besser zusammen. Wenn die Augen dem Gehirn das Bild einer Handlung über- brachten, so wußte dieses ohne bewußte Anstrengung, welcher Zeitraum zur Vollendung derselben erforderlich wäre. So konnte er den Sprung oder den Biß eines Hundes ver- meiden, und zugleich die unendlich kleine Spanne Zeit sick) ausersehen, in der er selber angreifen konnte. Körper und Gehirn waren bei ihm ein vollkommener Mechanismus. Nicht daß ihm dafür Lob gebührt hätte, aber die Natur war ihm gegenüber freigebiger als gegen die andern gewesen. Es war Sommer, als Wolfsblut in Fort Dukon ankam. Der Graue Biber hatte im Winter vorher die große Wasser- scheide zwischen dem Mackenzie und dem Dukon überschritten und den Frühling über in den Ausläufern des Felsengebirge» gejagt. Dann hatte er. als das Eis geschmolzen war. ein Boot gebaut und war den Porcupinefluß hinabgerudert bis dahin, wo er sich gerade unter dem Polarkreise mit dem Buton vereinigt. Hier stand da» alte Fort der Hudsonboy- Gesellschaft, und hier hatten sich viele Indianer versammelt. es gab eine Menge Nahrungsmittel, und es herrschte eine ungeheure Aufregung. Es war der Sommer des Jahres 18S8, und Tausende von Goldsuchern zogen den Bukon hinauf nach Dawson und Klondike. Sie waren noch Hunderte von Meilen von ihrem Ziele entfernt, dennoch waren viele schon ein Jahr lang unterwecjs gewesen, und die meisten hatten bereits fünftausend englische Meilen zurückgelegt und waren von der andern Seite der Welt gekommen. ..(Fortsetzung folgt.) j Die Lichterfelder Ammoniakexplosion. Alle fünf Verletzten außer Gefahr. Das Explosionsunglüd in den Kühlanlagen der Fleischerei von Weidemüller in Lichterfelde- West, Elisabethstr. 17, über das wir bereits im„ Abend" berichteten, hielt die Feuerwehr noch bis in die Nachmittagsstunden hinein an der Unglücksstelle bechäftigt. Die Feuerwehrleute konnten, da die Kellerräume durch das ausströmende Ammoniak starf vergaft waren, nur mit Gasmasten an die Aufräumungsarbeiten herangehen. Erft gegen 16 Uhr war auch für die Hausbewohner jede Gasgefahr beseitigt. Der Sachschaden ist außerordentlich groß. Die gejamte Kühlanlage ist vollständig zerstört. Der durch die Explosion hervorgerufene Luftdrud war so start, daß mehrere massive Wände zum Einsturz gebracht wurden. Der Zaden, der unmittelbar über dem Explosionsherd liegt, wurde chwer verwüstet. Die Splitter der zertrümmerten Ladencheibe wurden bis zur gegenüberliegenden Hausfront geschleudert. Auch im Treppenhaus, dessen Wände starte Riffe aufweisen, find Die Spuren der Explosion deutlich sichtbar. Vor dem ersten Lombardprozeß. Die Anklage gegen Bergmann und Jakobi I. Die verschiedentlichen Combardskandale, die im Frühjahr so großes Aufsehen erregten, ffehen jetzt vor ihrer gerichtlichen Erledigung. Die Anklageschrift gegen Sally Paul Bergmann, Staatsanwaltschaftsrat Jacoby I und Genoffen ist fertiggestellt. Der Verfasser der Anklageschrift ift Staatsanwaltschaftsrat Sie umfaßt einen stattlichen Band von 120 Schumacher. Schreibmaschinenseiten. Der mitangeklagte Staatsan waltschaftsrat Dr. Walter Jacoby I, bisher bei der Staatsanwaltschaft des Landgerichts I, wird megen fortgesetzter gemeinschaftlich mit Bergmann begangener Betrugshandlungen unter Anklage gestellt. Seine Mittäterschaft erblickt die Anflage in der Erteilung der günstigen Ausfünfte über Bergmann und dessen Lomvon einer Sonderabteilung des Schöffengerichts unter Borsiz von Amtsgerichtsrat Dr. Wartenberger verhandelt werden. Inzwischen hat auch Rechtsanwalt Dr. S. Feblowicz eine Untersuchung Bergmanns auf feinen Geistes 3 u stand veranlaßt. Der Gerichtsarzt Prof. Dr. Strauch hat Bergmann bereits mehrBor der Hauptvermals im Untersuchungsgefängnis aufgesucht. handlung wird der Sachverständige ein schriftliches Gutachten zu den Atten geben. Ein verhängnisvoller Fund. Der einsame Koffer auf nächtlicher Straße. Heimwege in einer frillen abgelegenen Straße einsam und verlassen leistung durch Feuerwehrsamariter selbst in privatärztliche Behand denfälschung, begangen durch gefälschte Wechsel und Lom: 3ur Sicherung des Fundes den Koffer mit in seine Wohnung. Nun ung begeben. der Die Verletzten, der Schlächtermeister Weidemüller, feine bardhausunternehmen, die wider befferes wiffen erteilt fein sollen, Frau und zwei Kundinnen, die im Augenblick der Explosion gerade kontursverbrechens beschuldigt, das in der Beiseiteschaf Der Hauptangeklagte Sally Paul Bergmann wird des m Verkaufsraum standen, eine Frau Schaftschneider aus der Elisabethstr. 28 und eine Frau Scholz aus der Elisabethstr. 27, fung von Werten und in der llebertragung von Werten auf andere onnten sich nach Anlegung von Notverbänden oder erster Hilfe- Konten erblickt wird, ferner des Konkursvergehens wegen des von ihm betriebenen übermäßigen Aufwandes, der Urfunbardscheine, und des Betruges. Im ganzen sind zehn Personen angeklagt, außer Bergmann und Dr. Jacoby das Ehepaar Wuftrom, Kraatz, Salinger, Ohnstein und drei weitere Personen aus dem Geschäftsbetrieb Bergmanns, die aber nur eine untergeordnete Rolle in dem Strafpferfahren spielen. Die Zustellung der Antlagefchrift an die Beteiligten wird noch in diesem Monat erfolgen, ob aber die Hauptverhandlung noch in den Gerichtsferien möglich sein wird, erscheint zweifelhaft. sie Explosion erfolgte, gerade im Keller befand und schwerer verletzt wurde, mußte in das Vinzenz- Krantenhaus gebracht werden. Der Verunglückte befindet sich jedoch außer Lebens gefahr. Sofort nach Bekanntwerden des Unglücks wurden polizeiliche Erhebungen über die Ursache angestellt, die bisher aber noch fein Ergebnis hatten. Es wird vermutet, daß der Kessel, der durch Gas angeheizt wird, infolge Ueberdruckes in die Luft geflogen ist. Der Tod des Pfleglings Stockmann. Eine Besprechung mit dem Bauern Höride. Der Tod des 20 Jahre alten 3öglings Stodmann, über den bereits berichtet wurde, ist noch nicht völlig geklärt. Die Sektion der Leiche, die gestern vorgenommen wurde, ergab als unmittelbare Todesursache Lungenentzündung in Berbindung mit Herzschwäche. Ueber die Hautverlegungen, die der Körper noch aufwies, fonnte der Arzt fich tein sicheres Urteil bilden. Sie können sowohl von Schlägen als vom Scheuern eines Strides herrühren. Bon anderer Seite erfahren wir, daß Direktor Mehler, der Leiter der Anstalt Tannenhof" sich nach Glauchom begeben hatte, um den Mühlenbesizer, bei dem Stodmann beschäftigt mar, perfönlich aufzusuchen. Ohne ihnen von dem Ableben des jungen Mannes Mitteilung zu machen, erfundigte sich der Direktor, wie Stockmann sich als Arbeiter und Hütejunge angelassen habe. Er erfuhr, daß er vier Kühe zu beaufsichtigen hatte. Der Junge, der den besten Willen hatte, war förperlich so schwächlich, daß er beim Hüten wiederholt einschlief und so die Herrschaft über die Tiere verlor. Mühlenbefizer Höride war wiederholt genötigt, feine Kühe aus fremden Saatfeldern herunterzuholen. In den letzten Atem" hatte und des öfteren Blut fpudte. Auf Frogen erwiderte der junge Mann, daß er das schon früher gehabt habe und daß das nicht gefährlich fei. Höride bestreitet ganz entschieden, den ihm Anvertrauten geschlagen oder sonstwie gezüchtigt zu haben. Als ihnen jegt vom Tode Stodmanns Mitteilung gemacht wurde, bezeigten Höride und seine Frau Schreck und Bedauern, die nach Ansicht des Direktors Mehler ungeheuchelt waren. Die Rechtsanwälte Dr. S. Feblomicz, Dr. Klee, Dr. Pindar und Dr. Fren haben mit Rücksicht auf den großen Umfang des Attenmaterials die Bewilligung einer reichlich bemesse nen Erklärungsfrist beantragt, die erst nach Zustellung der Anklageschrift in Kraft treten tann. In dieser Zeit müssen die Verteidiger ihr Entlastungsmaterial zusammentragen. Erst dann wird die Straftammer, etwa Anfang Juli, über die Eröffnung des Hauptverfahrens Beschluß fassen tönnen. Die Berteidigung ist jedoch bei Oberstaatsanwalt Binder vorstellig geworden, das Strafverfahren gegen Bergmann und Genossen als Haftsache vor einer Ferienabteilung des Schöffengerichts Mitte zur Verhandlung zu bringen. Der Strafprozeß wird ohnehin Der 22jährige Schlächter Bergmann sah eines nachts auf dem einen Koffer mitten auf dem Straßendamm liegen. Weit und breit war niemand zu sehen. In seiner Besorgnis, daß der Koffer in unrechte Hände fommen fönnte, stellte er sich daneben und hielt treue Wacht. Es tam aber niemand. Schließlich nahm er mollte er aber wissen, wem er den Fund zustellen müsse und öffnete den Koffer. Neben anderen Sachen war darin auch ein Scheck= buch, das auf den„ ehrlichen" Finder zu verlockend wirkte. Er befand sich in Geldschwierigkeiten und glaubte, sich mit Hilfe von einigen Blättern aus dem Heft aus der Patsche ziehen zu können. So harmlos schilderte dieser Angeklagte vor Gericht, vor dem er sich wegen Fundunterschlagung, Urkundenfälschung und Betruges zu verantworten hatte, die Vorgänge. B. hatte die Scheckblätter mit Unterschriften eines Großhändlers, bei dem er geschäftlich tätig war, versehen und in dessen Namen Schweine gekauft, für die er sich den Betrag in dem Geschäft gutschreiben ließ. Als die Vertäufer die Scheds bei der Bank in Zahlung gaben, stellte sich heraus, daß auf den unterschriebenen Namen gar fein Bankfonto vorhanden war. Wie der Angeflagte zu dem Roffer getommen ist, fonnte vor Gericht nicht ganz aufgeklärt werden. Der Koffer ist auf der Fahrt vom Stettiner Bahnhof nach dem Westen abhanden gekommen, entweder ist er aus dem Auto herausgefallen oder vielleicht auch schon am Bahnhof beim Aufladen des Gepäcks gestohlen worden. Das Schöffengericht verurteilte B. zu einer Gesamtstrafe von sechs Monaten Gefängnis, die der Angeklagte auch sofort annahm. wandten Beleuchtungsbranchen eine großzügige Reflame ein. Das Böz geplante Lichtfest soll das gesamte Stadtbild mit allen Außenbezirken erfassen. Eine Reihe von Lichtbildern zeigte das bisherige Schaffen auf dem Gebiete der Lichtreklame. im Oktober unter dem Protektorat des Oberbürgermeisters Bos Explosion in Filmstadt Hollywood. " Ich werde wohlfahrtsbepflegt..." Wir erhalten folgende Zuschrift: Lagen war dem Manne aufgefallen, daß Stodmann einen furzenich über ein Jahr lang feine Unterstützung beansprucht, denn ich Seit Jahr und Tag bin ich stellungslos. Gleichwohl habe stehe auf dem Standpunkt, daß es unsozial ist, sich helfen zu laffen, so lange man sich noch selber helfen fann. Es gibt genug Erwerbsbeschränkte, die dazu nicht in der Lage sind. Ihnen müssen wir Arbeitsfähigen nach Möglichkeit bei den Arbeitsnachweisen, bei Erwerbslosenhilfe und Wohlfahrtspflege Raum lassen. Mit diesen Feststellungen ist aber die Untersuchung noch nicht abtretungen in Bureaus, durch Nachhilfestunden, durch Verpfändung geschlossen. Das Material wird der Staatsanwaltschaft zugeleitet und die Anschuldigungen werden von den zuständigen Behörden auf ihre Stichhaltigkeit nachgeprüft werden. Erst so wird man ein endgültiges Urteil fällen fönnen. Die Familie Höride hat übrigens schon früher Kinder aus Berlin in Pflege gehabt. Dem Jugendamt war bisher nie eine Klage über diese Pflegestelle zu Ohren gekommen. Die dort untergebrachten Kinder waren gut gehalten worden. Kommunalpolitik und Presse. Die deutschen Gemeinden und Großstädte werben neuerdings darum, mehr Beachtung für ihre Tätigkeit in der breiten Deffentlichkeit zu finden mit Recht! Sind doch manche Irrtümer in der Staatspolitik aus einer Verkennung der großen Aufgaben entstanden, die die Selbstverwaltung der Gemeinden zu lösen hat. In interessanter und übersichtlicher Weise sind die Wechselbeziehungen zwischen Kommunalpolitik und Breffe in einem Sonderheft der Zeitschrift Der Städtetag" dargestellt, das anläßlich der Bressa" erschienen ist. Eine Reihe von Fachleuten der Gemeindewirtschaft und der Presse hat hier das Wort genommen, um den engen Zusammenhang der Gemeindetätigkeit mit der Pressearbeit zu würdigen. Darüber hinaus( werden die Einrichtungen geschildert, die die Städte ihrerseits getroffen haben, um die Presse über die Wie ich mich durchgeschlagen habe? Mit Urlaubsvermeiner letzten Habseligkeiten, mit Kofferschleppen, mit Aushilfsarbeit in einem Hotel, mit Kohlenschippen! Manchmal ist mir das verflucht fauer geworden. Denn man muß allerlei um- und zulernen, um aus einem radikal- reaktionär aufgezogenen Atademifer ein brauchbarer Rumpel zu werden. Diese Einleitung ist notwendig, um darzutun, daß ich, wenn ich von meinen Erlebnissen in Berlin schreibe, dies doch nicht für mich tue, sondern für Tausende, denen es zwar ebenso schlecht geht mie mir oder sogar noch schlechter, die sich aber nicht so zu wehren verstehen. " Zur Sache: Vor vielen Wochen landete ich in Berlin. Als ich, noch unbekannt mit den hiesigen Möglichkeiten, zwei Tage gehun gert, zwei Nächte auf Barkbänken gefroren hatte, ging ich zum ersten Male in meinem Leben Unterstübung erbitten. Nach Ueberwindung vieler bureaukratischer Schwierigkeiten befam ich fie auch. Gleichzeitig aber begann, was man taum anders als Schifane" nennen kann. Obwohl ich stempeln gehe, heißt es beim Wohlfahrtspfleger alle Augenblice: Sie haben ja Arbeit. Mir ist es aus sicherer Quelle zugetragen worden." Widerspricht nichts mehr." Ehe es das nächste Geld gibt, muß man eine Beman, so heißt es: Werden Sie nicht feß, sonst gibt es überhaupt scheinigung dieser oder jener Firma beibringen, daß man bei ihr nichts verdient. Ein andermal heißt es:„ Wir sind teine Pensionsanstalt." Und wenn man um Mietunterstützung einfommen will, muß man sich sagen lassen:„ Aber wieso denn? Sie bekommen doch 12 Mart die Woche von uns!" Erstes Gebot abgetan werden kann. Ich habe mir ganz ruhig folche Redensarten verbeten und erklärt: ,, Sie wissen, daß ich auf diese Unterstützung Anspruch habe. Sie wissen auch, daß ich mich bei jeder Quittung zur späteren Rückzahlung verpflichte. Es handelt sich hier also nicht um Gnadengeschente, sondern um ein Darlehen." Zunächst half das. Aber man tann nicht immer dieselbe Leier herbeten. Bei der dritten dummen Redensart habe ich, abermals ganz ruhig, erklärt:„ Wenn Sie diese Redensarten, für die Herr B. und Herr S. ja 3euge sind, nicht endlich unterlassen, muß ich mich zu meinem Bedauern über Sie beschweren." Das half schon sehr viel nachhaltiger. Jetzt habe ich mich doch beschweren müssen. 24 Stunden später bekam ich mit höflichen Worten die mir vorenthaltene Riesensumme von 3 Mart. Probleme der Kommunalpolitik laufend zu unterrichten und ihre Kritik anzuregen. Weitere Aufsätze tragen zu den im Ausland erworbenen Erfahrungen auf diesem Gebiete bei. Wenn etwas an dem sonst sehr lehrreichen Seft zu bemängeln ist, so ist es das, daß sozial- ist: Selber ruhig bleiben, damit man nicht als„ Krakehler" demokratische Kommunalpolitiker durchaus nicht in dem Verhältnis zur Mitarbeit herangezogen worden sind, wie es dem starken Einfluß und der führenden Tätigkeit der Sozialdemokratie in der gemeindlichen Selbstverwaltung entspricht. " 1 Uebrigens haben sowohl der deutsche Städtetag wie die städtischen Nachrichtenämter auch auf der Pressa" in Köln durch eigene Ausstellungen recht eindringlich und anschaulich das Verhältnis der Presse zur Kommunalpolitik beleuchtet. Berlin im Licht. Der Verband deutscher Reklame fachleute Berlin plant für den Oktober eine großangelegte Lichtreklame unter der Devise Berlin im Licht". In Form von festlichen Beranstaltungen ( Lichtballett in der Städtischen Oper, Flugveranstaltungen), durch besonders wirkungsvolle Beleuchtung der Schaufenster und öffentlichen Gebäude, soll die große wirtschaftliche Bedeutung der Licht refíame sowie der bedeutende Fortschritt auf dem Gebiete der Lichttechnik dargetan werden. Im BDJ.- Hause, Friedrich- Ebert- Straße, hielt Hans Wrede, der Organisationsleiter der Arbeitsgemeinschaft Berlin im Licht", einen instruktiven Bortrag über das Werden der Lichtreklame in Berlin, die mit der im Jahre 1925 erfolgten Lichthaus- Eröffnung erst richtig in den Dienst der großen Allge= meinheit trat. Die Lichttechnik auf dem Gebiete der Lichtreklame besteht seit ungefähr fünf Jahren; der einzige Lehrstuhl für diesen Zweig der Technik befindet sich an der Technischen Hochschule in Karlsruhe. Mit den im Jahre 1926 beginnenden Schaufensterwett bewerben in Berlin, in Königsberg und Frankfurt a. M. setzte unter Führung der Städtischen Elektrizitätsmerte, des Berbandes deutscher Retlanejadheute, der Schaufensterbetonateure und der per Energische aber anständig ruhige Zurüd meifung aller Flegeleien, und 3eugen mitnehmen. Nur so fann fich ein Wohlfahrtsbepflegter helfen! Berbotene An- und Abmärsche. Der Bolizeipräsident teilt mit: Auf Grund des Artikels 123 Abſaz 2 der Reichsverfassung hat der Polizeipräsident geschlossene An- und Abmärsche aus Anlaß der am Freitag, dem 8. Juni 1928, im Sport palast, Potsdamer Straße, stattfindenden Amnesti efund. gebung, sowie sonstige, mit der Kundgebung in Berbindung stehende Umzüge und Bersammlungen unter freiem Himmel wegen unmittelbarer Gefahr für die öffentliche Sicherheit nerbotenz 10 Personen verleht. Hollywood( Bereinigte Staaten), 7. Juni. Das in der Nähe des Filmviertels gelegene und von bekannteit Filmkünstlern vielbesuchte Café zum russischen Adler ist heute durch eine schwere Explosion zerstört worden. Im Anschluß an die Explosion ging das Erdgeschoß des Gebäudes it Flammen auf. 3ehn Personen wurden verlegt, davon zwei lebensgefährlich. Zur Zeit des Unglücs waren zahlreiche rühmtheiten der Filmwelt, darunter auch Chaplin in dem Lokal anwesend, konnten sich aber in Sicherheit bringen. Generalstreif will er machen. Die linten Kommunisten veranstalteten am Donnerstag abend im Karlsgartenrestaurant in Neukölln eine Kundgebung, in der Urbans über das Gebot der Stunde referierte. Nach der glänzenden Niederlage des Lenin- Bundes scheint auch Herr Urbans etwas betrübt und vor allem scheint ihm seine Plattform etwas verrutscht zu sein. Er redete viel und fagte wenig. Stürmisches Gelächter löfte er aus, als er aktuelle Tagesfragen behandelte. Als er gefragt wurde, wie er sich die politische Interessen= pertretung der Arbeiterschaft vorstellt, wußte er nur zu sagen, daß man einen Generalstreit machen müsse. Die Polizei würde er, um ähnliche Vorfälle wie in der letzten Woche zu nerhindern, ganz abschaffen. Selbstverständlich schwärmt er davon, einen bewaffneten Aufstand zu machen. In der Diskussion ant wortete ihm ein Vertreter der KAP., der einige Wahrheiten über die als die Bustände in Rußland verriet. So jei nach seiner Meinung des faschistische Sowietregime schlimmer Demokratie. Während des Referates von Urbans erschien der Leminist Scholem, der, als er den Gaal betrat, von einigen Arnicht mehr zu den„ Größen" des Lenin- Bundes gehört. beitern etwas hart angefaßt wurde. Es scheint, als ob Scholem 3ufahrente für Kriegsbeschädigte und Hinterbliebene In der mit Wirkung vom 1. April in Kraft getretenen neuen Fassung der Zufahrentenbestimmungen ist vom Reichsarbeitsminifterium angeordnet worden, daß die Zusa grente nur dann entzogen werden darf, wenn das Einkommen eines im Haushalt lebenden Kindes die Grenzen überschreitet, die für einen Kriegsbeschädigten selbst die Gewährung der Zusatzrente nicht mehr zu lassen würden. Diese Grenzen betragen je nach der Drisklasse 105 bis 120 m. monatlich. Die Zufahrente darf aber erst dann entzogen werden, wenn das über diese Beträge hinausgehende Einfonimen die für die Beschädigten und Hinterbliebenen zum Abzug der Zufahrente ſelbſt vorgeschriebenen Einkommensgrenzen überschreitet. Demnach fällt die Zufahrente fort, wenn ein Kind einer Kriegermitme ein Gesamteinkommen von 201 M. in der Sonderfür ländliche Verhältnisse gegenüber der früheren Regelung eine flasse oder 176 m. in der Klasse D. hat. Diese Regelung ist besonders Verbesserung. Es haben sich aber unter den Berufsverhältnissen in Städten und in Industriegebieten daraus doch Benachteiligungen deshalb ergeben, weil bei Anwendung dieser neuen Vorschrift die Zufairente von Kriegerwitwen gefürzt oder ganz entzogen wurde, obwohl nach den früheren Bestimmungen bei gleichen Einkommensverhältnissen die volle Zusagrente zahlbar war. Das Reichsarbeitsministerium hat nunmehr auf Vorstellung des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten angeordnet, daß stets die günstigere Regelung anzuwenden ist. Zuungunsten des Versorgungsberechtigten darf also auf die frühere Regelung nicht zurückgegriffen werden. Witwen und Beschädigten, die vor dem.1. April Zufahrente bezogen haben, ist diese in der alten Höhe weiter zu zahlen. Haemorrhoiden DAS VON DER ÄRZTLICHEN WISSENSCHAFT ANERKANNTE Salbe RM, 1.75 Zapfchen RM. 2.65 Festerisan Sozialistische Gewerbetreibende. Der zweite Verbandstag. Der Einheitsverband sozialistischer Handel und Gewerbetreibender hielt am Sonnabend und Sonntag seinen zweiten Verbandstag in Hannover ab. Aus dem Geschäftsbericht, der von dem Vorsitzenden des Verbandes, Krause, er= stattet wurde, geht hervor, daß sich die Mitgliederzahl innerhalb Jahresfrist verdoppelt hat. Auch sei es den bestehenden Fachgruppen gelungen, ſich Einfluß auf die wirtschaftlichen Körperschaften zu er fämpfen. Die Fachgruppe für Gastwirte in Leipzig hat auch bereits einen Tarifvertrag mit den entsprechenden Arbeitnehmerorgani sationen abgeschlossen und damit bestätigt, daß der Verband eine tariffähige Organisation ist. Der Verbandstag beschäftigte sich u. a. eingehend mit der Frage der Zwangsinnungen. In diesem Zusammenhang murde lebhaft darüber geflagt, daß die aus Mitgliederbeiträgen stammenden Mittel der Zwangsinnung zur Bekämpfung der Sozialdemokratie verwendet würden. Die Tagung nahm dann die neuen Satzungen des Verbandes nach einem vom Vorstand ausgearbeiteten Entwurf an. Die Juden im Offen. 11. Spielplah planterwald: Berlin: Dieffenbachstr. 60, 21fte Jatobstr. 127, Wilmsstr. 10, Briger Str. 17, Reichenberger Str. 131, Görliger Str. 51, Köpenicker Str. 2; Baumschulenweg: Kiefholzstraße 274; Treptow: Riefholzstr. 46; Mariendorf: Ecke Kurfürstenstraße; Tempelhof: Bahnhof( Nordseite). 12. Spielplatz Dahlem: Steglig: Gymnasium Heejestr. 15, Arndtstraße( Baulsen- Realgymnasium); Lichterfelde- Best: Richardstraße, Händelplaz; Lichterfelde- Ost: Schule 12, Kastanienstr. 7; Lontwig: Realgymnasium Kaulbachstraße. Schwere Gasexplosion in Prag. Wie aus Prag gemeldet wird, wurde der ganze zweite Bezirk durch eine Reihe rasch aufeinanderfolgender schwerer Explo sionen erschüttert. Wie sich herausstellete, mar an verschiedenen Stellen das Gas in den Abflußtanälen erplodiert. Das Erdreich war weithin aufgerissen, die Kanaldeckel heraus= geschleudert. In einem Falle durchschlug ein Dedel das Dach eines vier Stockwerte hohen Edhauses. Die ganze Straße war mit Glassplittern bedeckt, Fensterscheiben und Auslagen zertrümmert. Wie durch ein Wunder ist niemand ernstlich verlegt worden. Gescheiterte Rettungsaktion für Nobile. Der norwegische Flieger Dietrichson, der im Auftrage Amundsens nach Berlin gekommen war, um ein deutsches Flugboot für die Rettungsexpedition für Nobile zu beschaffen, ist nach Oslo zurüdgelehrt. Seine in Berlin geführten Verhandlungen mit der Deutschen Lufthansa zwecks Charterung eines Dornier- Wals sind erfolglos geblieben, weil Amundsen anscheinend die von der Lufthansa gestellten Bedingungen nicht akzeptiert hat. Auch die Dornier- Werke hatte, führten zu feinem Ergebnis, da die zurzeit Besprechungen, die Dietrichson mit der hiesigen Vertretung der in Friedrichshafen zur Verfügung stehenden Flugboote vom Typ Bal und Supermal nicht den Dornier- Werken, sondern der Verund fehrsfliegerschule der italienischen Luftverkehrsgesellschaft Sana" gehören, die Dornier- Werke also von sich aus nicht über die beiden Maschinen verfügen können. Der italienischen Regierung, die ja über das internationale Hilfswerk für Nobile informiert ist, wäre es zweifellos möglich gemesen, durch ihre Intervention den für Italien bestimmten Dornier- Supermal für Amundsen zur BerSüben: Seute, Freitag, 20 Uhr, im Jugendheim Jordftr. 11, Simmer 3, Fort. fegung der Aussprache: Staat und Revolution". Gonnabend und Sonntag Beteiligung am Wochenendturfus in der Jugendherberge Tiefensee. Treffpunkt Gonnabend 17 Uhr und Sonntag 6% Uhr auf dem Wriegener Bahnsteig. Gruppe Wedding- Gesundbrunnen: Heute 20 Uhr im Jugendheim Orthstraße, am Brunnenplas, spricht der Genoffe. Dr. Editte über das Thema„ Marris mus und Sozialdemokratie". Die Mitglieder sind verpflichtet, bestimmt zu er scheinen. Freunde und Gäste find willkommen. Kinderfreunde. Areis Tiergarten: De Rote Falten und Jung- Fallen fahren at Gann abend, 9. Juni, nach Königsmusterhausen. Quartier in Rallinden am Bogener Gee. Da wir am Conntag draußen Beltlagerfragen besprechen wollen, ist diese Fahrt für die Zeltlagerteilnehmer Pflichtfahrt. Fahrgeld: 1.20 m. Schlaf deden mitbringen. Treffen Sonnabend 15 Uhr kleiner Tiergarten( Denkmal). Geburtstage, Jubiläen etc. 39. Abt. Unserem lieben Genossen Gustav Sebermehl zu seinen heutigen 60. Geburtstage beste Glückwünsche von der Abteilung. 54. Abt. Charlottenburg. Unserem alten Rämpfer, dem Genoffen Fris Groß, Selmholzstr. 39 I, zu seinem heutigen 60. Geburtstage die herzlichsten Glüdwünsche. Sterbetafel der Groß Berliner Partei Organisation g : 25. Abt. Die Beisegung der Asche unserer verstorbenen Genoffin II a Fielifch findet am Connabend, 9. Juni, 15% Uhr, auf dem Friedhof in Friedrichsfelde statt. Wir bitten um rege Beteiligung. SEJ Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Einsendungen für diese Rubrit nur an bas Jugendfefretariat Berlin G 68, Lindenstraße 3 Monatsprogramme für Juli sofort abliefern! Die Ausscheidungstämpfe für den Dortmunder Jugendtag finden Sonntag, 10. Juni, 8-12 Uhr, im Lichtenberger Etadion, Herzbergstraße, statt. Treff. punkt der Teilnehmer 7 Uhr Bahnhof Lichtenberg- Friedrichsfelde und Endhaltestelle der Linie 68. Der Singkreis übt am Montag, 11. Juni, pünktlich 19% Uhr, im Heim Lindenstr. 4. Abrechnung der Beiträge, Ausgabe der Arbeiter- Jugend" und des„ Jugend voran". Heute, Freitag, 19% Uhr: Zen. Foll Der Aufbaugedanke des jüdischen Wirtschaftslebens in Rußland, der durch die ,, Ort" bewegung greifbare Formen angenommen hat, ist wieder einen Schritt vorwärts gekommen. Bei der Verbandsfizung der Abteilung Deutschland im Kaiserhof konnte Dr. Lvo vitsch über einen mit der Sowjetregierung am 22. Mai d. J. ab geschlossenen Vertrag berichten, der die zollfreie Einfuhr von Maschinen, Werkzeugen und Rohstoffen nach Rußland im Gesamtwerte von 1½ Millionen Dollar gewährleistet. Dieser Bertrag eröffnet große Möglichkeiten, die ungeheure 3ahl der Deklassierten ebenfalls der Produktion zuzuführen. Auf diese Weise hofft man, der großen Not der jüdischen Handwerker zu steuern, deren geringes Einkommen auf einem allzu geringen Abfazgebiet beruht; dieses wieder hat seinen Grund in der durch mangelhaftes Handwerkzeug hervorgerufenen geringen Qualität der geleisteten Arbeit. Außerdem macht sich ein Mangel an qualifiziertem fügung stellen zu lassen; sie hat jedoch in dieser Richtung nichts auptfte. 15( Thüringenzimmer). Barum bin ich in der SAJ.?" Char. Nachwuchs deutlich fühlbar und die Ortgesellschaft" erstrebt durch Unterhaltung von Fachausbildungsschulen, Abendkursen für Erwach sene usw. die Heranbildung tüchtiger Arbeitskräfte. Der private Handel ist in Rußland, beinahe verschwunden, der Eingliederung der Juden in die große Industrie stellen sich mannigfaltige Schwierig teiten entgegen und so bietet sich der jüdischen städtischen Bevölke= rung als einzige Existenzmöglichkeit die Betätigung im Handwerk und in der Heimindustrie. Auf Grund des neuen Vertrages wird es jedem Deflafsierten, der im Auslande Freunde oder Verwandte besitzt, möglich, eine Maschine zoll- und abgabenfrei zu erhalten; er muß nur nachweisen, daß er selbst auf dieser Maschine arbeiten will. Es haben sich in geunternommen. In der Staatsoper am Platz der Republit wird heute Freitag an Stelle des angekündigten Puccini Abends„ Gianni Ehicchi" und„ Der Geizige gegeben. 3m Staatlichen Schauspielhause wird heute an Stelle der angekündigten Premiere Kalluita, 4. Mai" außer Abonnement Zwischen tanzenden Kleidern" gegeben. Die für die Premiere bereits gelösten Eintrittskarten behalten ihre Gültigkeit für die auf Dienstag, den 12., verlegte Erstauf führung Staltutta, 4. Mai"; fie werden auch täglich an der Vormittagsfaffe des Staatlichen Schauspielbaujes und am Tage der Borstellung an der Bormittags- und Abendkasse bis zum Beginn der Vorstellung zum Kaffenpreise zurüdgenommen. Eine spätere Zurüdnahme ist ausgeschlossen. letzter Zeit zahlreiche Genossenschaften früherer Deklassierter zu se Parteinachrichten meinschaftlicher Arbeit, besonders im Stridereifach, gebildet. Drt" tann munmehr auch diese Genossenschaften mit Maschinen versorgen, und zwar aus eigenen Mitteln, da die Genossenschaften feine Verwandten im Ausland besitzen können. Auf diese Weise wird die gesellschaftliche Wiederaufbauarbeit mit der Verwandtenhilfe in einem gemeinsamen System untergebracht werden. Man hofft, daß in Zukunft auch für Polen, Litauen, Rumänien, Palästina usm. jolche Reorganisationen geschaffen werden können. Ferienspiele auf den Außenspielplätzen. Die diesjährigen Ferienspiele für die Berliner Schulkinder finden in der üblichen Weise an den Wochentagen vom 5. Juli bis einschließlich 1. August auf den Außenspielplägen Grunemald, Dahlem, Jungfernheide, Tegel, Blankenfelde, Buch, Wartenberg, Pferdebucht, Wuhlheide, Königsheide und Plänterwald statt. Die Kinder werden unter zuverlässiger Aufsicht von morgens bis abends auf den Spielplätzen untergebracht und verpflegt. Für die Spiele stehen Spielgeräte zur Verfügung. Zu den Kosten müssen von den Eltern geringe Beiträge. erhoben werden; sie betragen wie im vergangenen Jahre 30 f. täglich für das erste Kind und 15 Pf. für das zweite Kind einer Familie. Bei Entnahme einer Wochenfarte ermäßigt sich der Betrag auf 1,50 M. für das erste und 75 Pf. für das zweite Kind. Alle weiteren Kinder derfelben Familie sind beitragsfrei. Die Kinder erhalten dafür freie Hin und Rückfahrt, auf den Spielplägen ein Morgengetränk ( Kaffee, Katao oder Suppe), Mittagessen und Nachmittagskaffee mit reichlichem Gebäd. Die Wochenbeiträge werden von den Kindern am Montag jeder Woche, die Tagesbeiträge täglich auf den Sammelstellen vor dem Abmarsch erhoben. Das Sammeln der Kinder geschieht täglich um 7,30 Uhr auf Schulhöfen, die in den Schulen bekanntgegeben werden. Es ist notwendig, daß sich die Kinder gerade am ersten Ferienspieltage recht frühzeitig auf den Sammelhöfen einfinden. Trinkgefäße aus Glas oder Porzellan dürfen auf die Spielplätze nicht mitgebracht werden. Sammelplätze der Kinder find folgende Schulhöfe: 1. Spielplatz Grunewald: Berlin: Levezomstr. 26, Derfflingerstraße 18a, Culmstr. 15, Tempelhofer Ufer 20, Gneisenaustr. 7; Schöneberg: Feurigstr. 57( Ede Ebersstr.); Friedenau: Albeftr. 31/32; Spandau: Mauerstr. 10. 2. Spielplatz Jungfernheide: Charlottenburg: Wiebestr. 53/58, Kirchhofstr. 5, Joachimsthaler Str. 31/32, Spreestr. 29, Kamminer Straße 17/18, Schloßstr. 2, Wiglebenstr. 34/35, Hallerstr. 3/4; Siemensstadt: Gemeindeschule. 3. Spielplatz Tegel: Berlin: Turmstr. 75, Bremer Str. 13/17, Alt- Moabit 23, Stephanstr. 3, Müllerstr. 158, Schulstr. 99, Ostender Straße 39, Müllerstr. 48. Schöningstr. 17; Reinickendorf: Lindauer Straße, Eichbornstraße, Banfomer Allee. 4. Spielplatz Blankenfelde I: Berlin: Keibelstr. 31, Prenzlauer Allee 227, Pasteurstr. 5, Senefelderstr. 6, Greifenhagener Str. 20; Bankow: Grunomstr. 17, KaiserFriedrich- Str. 58; Nordend: Rosenthaler Weg Ecke Kaiser- Wilhelm- Straße. 5. Spielplatz Blankenfelde II: Berlin: Gipsstr. 23a, Stralsunder Straße 54, Christianiastr. 36, Sonnenburger Str. 20, Dderberger Straße 57, Driesener Str. 22; Rosenthal: Kastanienallee( Bolksschule). 6. Spielplah Buch: Berlin: Hannoversche Str. 20, Kesselstr. 3/4, Gartenstr. 107a, Demminer Str. 27, Pantstr. 17, Prinzenallee 8. 7. Spielplatz Wartenberg: Berlin: Fruchtstr. 38, Friedenstr. 31, Olivaer Str. 19, Straßmannstr. 6, Petersburger Str. 4, Hausburg straße 20, Samariterſtr. 20; Weißensee: Wörthstr.; Lichtenberg: Roederplatz. 8. Spielplatz Pferdebucht: Berlin: Goßlerstr. 61( Schulhof); Lichtenberg: Holteiftr.( Schulhof); Grünau: am Bahnhof Grünau; Friedrichshagen: Kurpart; Altglienicke- Adlershof: Süßer Grund am Bahnhof Adlershof: Köpenid: Borgmannstr.( Volksschule), Glienicker Straße 3/4( Volksschule), Amtsstr. 1/2( Boltsschule); Friedrichsfelde: Schule Friedrichstraße am Bahnhof Lichtenberg- Friedrichsfelde; Karlshorst: Stolzenfelsstr. Ede Andernacher Straße. 9. Spielplah Wuhlheide: Berlin: Köpenider Str. 125, Marian nenufer 1a, Lange Str. 76, Markusstr. 49, Niederwallstr. 6/7; Oberschöneweide: Frischenstr.( Schulhof). 10. Spielplatz Königsheide: Neukölln: Boddinplay, Barthestraße Ecke Hermannstr., Emser Str. Ede Bergstr., Herzbergplay: Briz: Bufchfrug; Niederschöneweide: Am Bahnhof Niederschöneweide Johannisthal( Ausgang Johannisthal). Einsendungen für diese Rubrik find Berlin SW 68, Lindeustraße 3, für Groß- Berlin ftets an bas Bezirkssekretariat 2. Sof. 2 Trep. rechts, zu richten. Rosenthaler Borstadt: Heim Zehdenider Str. 25. Marim Gorki." trum: Heim Landsberger Str. 50. Unser Jugendtag in Fortmund." plas II: Edule Sonnenburger Str. 20. Körperpflege und Radtfultur." Barkstr. 38. Lichtbilder: Die Beser und ihre Berge." Rorboften: Heim Danziger Str. 62. Aus Bebels Leben." Weißensee: Heim Wörther Plag: Schule Saftanienallee 81. Der Klaffenkampf in der Gewerffchaft. Barsauer Biertel: Heim Litauer Str. 81. Die Reichstagswahlen was nun?" Süben: Scim Bordite. 11. Lachendes Folk." Schöneberg I: Seim HauptStraße 15. Die Entwicklung der faschistischen Bewegung." Besten 1: Heim lottenburg: Heim Rosinenftr. 4. Die Entstehung unserer Ortsgruppe." Salensee: Schule Joachim- Friedrich- Str. 35-36. Die Wahlen in ihrer Folge." Tempel. hof: Seim Mariendorf, Dorffit. 7. Ronstituierende Mitgliederversammlung. Brik( Siedlung): Beteiligung an der B.- B.- Mitgliederversammlung. Treffpunkt 19% Uhr Brichkrug. Bohnsbort: Heim Wachtelstr. 1.„ Unsere Beab." Köpenid: Heim Grünauer Str. 5. Lichthilder:„ Der Teutoburger megina. 44 Bonmschulenwea: Heim Ernststr. 18. Mitaliedernersammlung. Rieberschöneweide: Echule Berliner Etr. 31. Wollen und Wirken der SAT." Reiniden. Trevtom: Heim Elsenstr. 3. Lichtbilder: Auf effebards Spuren." barf- Weft: Seim auf dem Außenspielplak Tenel, Scharnweherstraße. Die Ge. Lichtenberg Nord: Treffpunkt zum Spielen Fischerstraße 19 Uhr Bhf. Richtenberg- Friedrichsfelde. Werbebezirk Tergarten: In der Schule Waldenserstr. 20 W.- B.- Mitgliederverfammlung. fchichte der Arbeiterjugendbewegung." Werbebezirk Webbing: 19 Uhr int Ledigenheim Echönstedtstr. 1 Treffen der 20 Uhr Dortmund- Bertrauensleute und Wanderleifer zu einer Besprechung. daselbst W.-.- Forstondssigung. Werbebezirk Reukölln: Werbehegirlsmitgliederversammlung im Heim Sanner Ericheinen Straße. Tagesordnung: Die Aufgaben nach der Reichskonferenz. aller Genoffen und Genoffinnen ist Bflict. Achtung! Die Fahrt nach Mittenwalde am Eonntaa. 10. Juni, findet nidt ftatt. Werbebezirk Lichtenberg: Die Handballspieler treffen fich 18% Uhr Sportplak Pürftrake. Werbebezirk Weiten: Morgen, Connabend, W.- B.- Borstandssigung im Heim Charlottenburg, Rosinenstr. 4. 3. Areis Wedding. Es wird erwartet, daß sich die Abteilungen nach Möglich Leit an der Bannerweihe der 131. Abt. Niederschönhaufen am Sonntag, 10. Juni, beteiligen. Näheres fiehe Bormärts"-Rotiz unter 131. Abteilung. Sämtliche Abteilungen holen die ihnen zustehenden Jahrbücher vom Beob zirksverband ab. 7. Rreis Charlottenburg. Sonnabend, 9. Juni, 19½ Uhr, im Jugendheim Rosinenstr. 4, Gigung der Jugendkommission. Jede Abteilung muß ver. treten sein. Heute, Freitag, den 8. Juni: 1. Abt. Achtung, Bezirksführer! Einladungen für die Mitgliederversammlung find heute zwischen 18 und 19 Uhr von Spiegel, Aderstr. 1, umgehend ab zuholen. 81. Abt. Friebenau. 20 Uhr bei Alabe, Sandjernstr. 60-61, Funktionärßigung. Ausgabe des Mitteilungsblattes. Erscheinen aller Funktionäre dringend erforderlich. 124. Abt. Mahlsdorf. 20 Uhr bei Anders, Bahnhofstr. 37, Funktionärsgung. Erscheinen aller unbedingt erforderlich. Morgen, Sonnabend, den 9. Juni: 25. Abt. 19% Uhr im Werneuchener Schloß, Elbinger Str. 87, Gigung der Bezirksführer nach den alten Bezirken mit den Kreisdelegierten. 18% Uhr ebendort Gigung des Abteilungsvorstandes. 31. Abt. 20 Uhr bei Goldschmidt, Stolpische Str. 36, Funktionärsigung. Er. fcheinen unbedingt erforderlich. 119. Abt. Lichtenberg. 19% Uhr bei Bark. Möllendorf, Ede Rittergutstraße, Funktionärsigung. Es wird dringend gebeten, daß jeder Funktionär et scheint, da auch noch die ausstehenden Gammellisten abgerechnet werden müffen. 131. Abt. Rieberschönhausen. 20 Uhr zahlabend der Kleingärtner Blankenfelde Rosenthal im Bereinshaus. Erscheinen unbedingt erforderlich. Bereinsleitung. 131. Abt. Niederschönhausen. Sonntag, 10. Juni, Bannerweihe um 14 Uhr auf dem Marktplay in Riederschönhausen. Mitwirkende: Devtfher Mufiterverband, Reichsbanner, Arbeiterfänger, Arbeitersportler, Spechgemeinschaft Niederschönhausen n. a. m. Rachfeier in den Gesamt. räumen des Lotals Causfouci, Niederschönhausen- Nordenb. Alle Ge. noffinnen und Genoffen, auch die anderer Abteilungen, sowie Sympa thifiierende find dazu herzlichst eingeladen. Frauenveranstaltungen. Die 25. Abt. Die Beisekung der Urne unferer verstorbenen Genoffin Ella Fielisch findet am Connabend, 9. Juni, um 15% Uhr in Lichtenberg- Friedrichsfelde statt. Um recht rege Beteiligung wird gebeten. 48. Abt. Montag, 11. Juni, 19% Uhr, im Alexandriner, Alexandrinen. ftraße 37a, Frauenabend. Vortrag des Genossen Gauswindt über Sypnose und Suggestion". Alle Genoffinnen find hierzu eingeladen. 103. Abt. Oberschöneweibe. Conntag, 10. Juni, Ausflug aller Genossen und Genoffinnen nebst Jugend und Kinderfreunden nach dem Restaurant Cans fouci( bei Pferdebucht). Treffpunkt 13 Uhr pünktlich bei der evangelifchen Kirche Oberschöneweide. Jungfozialisten. Gruppe Schöneberg: Heute, Freitag, 20 Uhr, im Jugendheim Hauptstr. 15, Vortrag: Demokratie im Alaffenstaat". Referent Hans Geigewasser. Gruppe Funkwinkel. Bratichenspiel und Rudolf Schmidts Klavierspiel fügte sich in der Geschmackvolle Musik brachte der Nachmittag. Hans Mahlkes tünstlerischen Linie einheitlich zusammen. Den gutgewählten Programm der beiden Musiker ging ein japanischer Liederzyklus von Camillo Hildebrand voraus, den Henny Hildebrand- Linkenbach mit schönem Sopran sang. Am Abend wurde Karl Röslers geschickt aufgebautes Lustspiel Die fünf Frankfurter" aufgeführt. Aus der auch sonst recht glücklichen Besetzung ragte Frieda Richards durch ihre milde Güte und prägnante Sprechform als alte jüdische Frau Gudula hervor. Oberregierungsrat Dr. Berger behandelte Unhygienische Gewohnheiten im Alltagsleben". Der Vortragende zeigte, daß oft Gedankenlosigkeit oder Nachläffigkeit die Ursachen für schwere Gesundheitsstörungen werden können. Auch die Scheu vor dem Arzt, die besonders bei Frauen noch immer nicht pöllig ausgerottet ist, bedeutet eine solche unhygienische Gewohn heit". In Deutschland sterben jährlich etwa 65 000 Menschen an Krebs, obwohl der größte Teil gerettet werden fönnie, wenn er bei Auftreten der ersten Krankheitssymptome einen Arzt aufgesucht hätte. Nicht viel anders liegen die Verhältnisse bei der Tuberkulose, menn auch hier die wirtschaftliche Lage der Erkrankten als mesentficher Sattor hinzukommt, Ies. Sport. Rennen zu Grunewald am Donnerstag, dem 7. Juni. 1. Renuen. 1. Barade( Bisef), 2. Krönung( Wohlgemuth), 3. Gta ( Gehrke). Tofo: 66: 10. Blas: 17, 22, 14: 10. Ferner licien: Friedrichs= bajen, Adaminus. Crtensichester, Atlantis, int, Prosigt, Türfenbund, Statius, Muia, Formofita, Rossini. 2. Rennen. 1. Eiefta( Grabsch), 2. Sergius( Varga), 3. Judica ( Kaiser). Toto: 18:10. Plak: 11, 14: 10. Ferner liefen: Lust und Leid, Dalie, Heliodor. 3. Rennen. Zasna( Grabsch), 2. Edler v. Lorch( Schönfisch), 3) Lag fein( Huguenin). Toto: 118: 10. Tlak: 38, 35, 30: 10. Ferner liefen: Pergola, Gladiator, Freier Wille, Eldon, Meton, Weglinde, Signora. 4. Rennen. 1. Ansbund D. Schmidt), 2. Impressionist( Haynes), 3. Silberjajan( M. Schmidt). Toto: 14:10. Blag: 11, 10: 10. Ferner lief: Gute Sitte. 5. Rennen. Goldalma( Ladendorff), Melkart( G. Sanel), 3. Fürstenruf( Sahnes). Soto: 207: 10. Plag: 17, 12, 10:10. Ferner liefen: Oberon II, vedon, Heidelerche, Maraviglia. 6. Renne 17. 1. Efalde( G. Janet), 2. Altenberg( H. Blume), 3. Curacao( Haynes). Toto: 28: 10. Plak: 16, 19, 30: 10. Ferner liefen: Et. Robert, Palamedes, Malatesta, Mousme. 7. Mennen. 1. Nutria( Grabsch), 2. Logarithmus( Huguenin), Ferner 3. Eisläufer( Hahnes). Toto: 65: 10. Plat: 26, 22, 23: 10. liefen: Andovera, Faroid, Tannhelm, Quo vadis, Torrone, Die Afrikanerin, Fuge, Prüm, Christinchen, Aase. www Der Pelz im Sommer. Seit ein findiger Geist das Heer der folgjamen Modejüngerinnen von der Notwendigkeit des wärmenden Sommerpeizes überzeugt hat, haben die Begriffe Belzmantel und Winter nichts mehr miteinander gemein. Der Pelzmantel geleitet seine Trägerin durch das ganze Jahr. Und flettert das Thermometer auch noch so hoch: Rin in den Pelz! Da unter der Quantität aber bekanntlich meist die Qualität zu leiden hat und das Heer der Modebeflissenen sich nicht ausschließlich aus Rothschilds und Banderbilts zusammengefekt auch ist als notwendige Folgeerscheinung der Modegeschmad ein viel anspruchsloferer geworden so beherrschen naturgemäß beileibe keine Edelpelze das modische Bild. Not macht erfinderisch, und um die Modeträume aller erfüllen zu fönnen, ließ man das Fell all unserer braven Rugtiere, wie Kalb, Lamm, Schaf usw., durch gejdhidte Färbung und Präparation zu den eigenartigsten Pelzgattungen verarbeiten. Auf der lekten Modenschau der Bera liner Belzindustrie gab es sehr hübsche Modelle. Geschorenes Lammfell, gefärbt und gepreßt, dient als Breitschwanzersay, Perfianerflauen werden, verschiedenartig gefärbt, zu Mänteln ver= arbeitet, Gazelle, Kalb, Fohlen bieten ebenfalls beliebtes Material zu Mänteln. Der Kragen wird meist aus Fuchs gearbeitet, der in abgestimmten Farbtönen gleichzeitig eine wirkungsvolle Garnierung darstellt. Als Saisonneuheit wird der Kidpattmantel, ein weiches, astrachanähnliches Fell, favorisiert. Die kommende Wintermode be= vorzugt dunkle Belze; Persianer für die großen, Persianerpfoten für die kleineren Modedamen, desgleichen Seal vom Bisam oder Seal vom braven heimischen Karnickel. Wo es zu feinem echten Nerzmantel reicht, da springen Murmel, Hamster oder Schuppen in die Bresche. immer wieder erzielt hat, beruhen barauf, daß die im Rufete" enthaltenen Die glänzenden Erfolge, die man in der Säuglingsernährung mit Rufele" Nährstoffe für die Verdauung vorbereitet sind, die Milch leichter verdaulich maden und der Gehalt an Mineral- und Eiweißstoffen auch die Knochen und Mustelbildung ausgezeichnet fördert. Was ist Togal? Togal Tabletten sind ein hervorragendes Mittel gegen Rheuma, Gicht, Ischias, Grippe, Nerven und Kopfschmerz, Erkältungskrankheiten! Schädigen Sie sich nicht durch minderwertige Mittel! Ueber 5000 Aerzte anerkennen die hervorragende Wirkung des Togal. Fragen Sie Ihren Arzt. In allen Apotheken, Preis Mr. 1.40. 0,46 Chin. 12,6 Lith. 74,3 Acid. acet. sal. ad 100 Amyl. Theater, Lichtspiele usw. Freitag, 8. 6. 28 Staats- Oper Unter d. Linden 12 Uhr: SinfonieMittagskonzert Ant. 20( 8: U, 10. Sinf.- Konzert Staats- Oper Am Pl.d. Republ. Ab.-V. 47 Ani. 20( 8) U. Gianni Schicchi. Der Geizige. Freitag, 8. 6. 28 Städtische Oper Bismarckstr. Turnus I Anf.19% 7( 2) U. Madame Butterfly Staati. Schauspielh. Am Gendarmenmarkt Res.-S. 47 Anf. 20( 8) U. Zwischen tanzenden Kleidern Staatl. Schiller- Theater, Charitbg. 20( 8) Uhr: Die beiden Sechunde Deutsches Theater Norden 12310 Heute geschlossen! Morgen 7 Uhr abends Zum 1. Male: Artisten Regie Max Reinhardt Kammerspiele Norden 12310 3, U., Ende nach 10 Zum 144, Mal Finden Sie, daß Constance sich richtig verhält? Die Komödie Bismarck 2414/7516 314 U. Ende 101 U. Zum 25. Male: Es liegt in der Luft Revue von Schiffer. Musik v. Spoliansky Berliner Theater Charlottenstr.90/ 91.Dbnb.170 84 U. Ende geg. 11 Volksbühneastspiel d. Deutschen Th. Theater am Blowplatz Th. am Schiffbauardamm 8 Uhr: 8 Uhr Orpheus in der zum 1. Male: Unterwelt Der Kuhhandel SCALA Uhr Nollendorf 7360 Herb. Williams der eigenartigste amerikanische Exzentrik- Star und die übrigen Varieté- Sensationen! Sonnabends u. Sonntags te 2 Vorstellungen: 330 u. 8 Uhr-3 zu ermäßigten Preisen das manze Programm. Komische 31% Uhr Oper 8%, Uhr. JAMES KLEIN'S gewaltiges neues Revue Stück: Zich' dich aus! 200 Mitwirkende. Vorverkaut ab 10 Uhr ununterbrochen. Der Prozek Mary Dugan Lustspielhaus ir. Dr. Martin Zickel Unwiderruflich letzter Monat! 8 Uhr: Guido Thielscher in„ Unter Geschäftsaufsicht" Kleines Theater 81 Uhr Rosa Valetti, Eugen Rex in Die Großschnauze Ab Morgen: Täglich 8 Uhr Galante Nacht! Jarnowsky- Bahpen Th. Königgrätz. St. Bergm, 2110, Täglich 8 Uhr Leinen aus Irland Komödienhaus Norden 6304. Tägl. 8, Uhr Broadway Theater des Westens Steinpl. 931 81% Uhr Täglich: Max Adalbert ,, Was ist denn nur mit Balduin?" Walhalla- Th. CASINO- THEATER 8 Uhr Weinbergsweg 19/26 Lothringer Str. 37. Täglich 8, Uhr: Müllers Prinzesschen. Verlorene Töchter Ausschneiden Gutschein 1-4 Pers. Fauteuil nur 1.10 M.. Sessel 1,60 M. Reichshallen-Theater Stettiner Sänger Stuckes Pfingstfahrt Hugo Stucke: Britton Frau Stucke: Meysel Ant. 8 Uhr. Preise 60 Pf.- 2 M Donhoff Brett'i Varieté- Konzert- Tanz Renaissance Theater Steinplatz 901. 8 Uhr: Krankheit der Jugend Elite- Sänger Theater am Kottbusser Tor. Mpl. 16077. Täglich 8 Uhr: Wie immer erstklassig. Programm, u.a. „ Ein gerissener Schwiegersohn" ( Schwank) Ein kleines Geschenk"( Schwank) Volkspreise. NEUE WELT Arnold Scholz Hasenheide 108/14. Täglich; Großes Gartenkonzert und gr. Revne 100 Jahre Rauf und Runter. Sonntag ausverkauft! Kaffeeküche ab 2 Uhr. Konzert ab 6 Uhr. 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Neben den sozialen Baubetrieben besteht bekanntlich die Deutsche Wohnungsfürsorqe A.-G. für Beamte, Angestellte und Arbeiter (Dewog), die als Bauherrenorganisation auftritt und erst den Bau von Wohnungen auf gemeiimütziger Grundlage durch Finanzierung, Beschaffung von Baugelände, zweckmäßige Baupläne und andere wichtige Vorarbeiten möglich macht. Die Dewog hat ein« Reihe Untergesellschaften, wovon die„Gehag" die bedeutendste und bekannteste ist. Was die„Gehag" m Berlin zu leisten vermochte, ist allgemein bekannt. Weniger bekannt, weil abseits vom großen Strom«, dürfte die Tätigkeit einer anderen Untergesellschaft, der„Märkischen W o h n u n g s b a u G. m.. b. f).", sein, die jetzt ihren Geschäfts- bericht für die Jahre 1S26/27 der Oeffentlichkeit übergibt. Eine bemerkenswerte Publikation, die allgemein Beachtung finden dürft«. Geschäftsführer der Gesellschaft ist der Genosse Paul Fromm. Der „Märtische Wohnungsbau" wurde im Sommer 1926 gegründet, tonnte aber erst im Jahr« 1927 seine volle Tätigkeit aufnehmen. Er übernahm einige von der Gehag eingeleitete Bauvorhaben in der Provinz, führte diese zu Ende und begann inzwischen mit seiner eigenen systematisch aufgezogenen Tätigkeit. Daß dabei allerhand Schwierigkeiten zu überwinden sind, zumal«ine solche Bearbeitung des stachen Landes ohne Beispiel ist, dürste erklärlich sein. Im Ge- schäftsbcricht heißt es u. a.:„Für den gemeimvirtschastlichen ge- nossenschoftlichen Wohnungsbau stellte überhaupt das Gebiet der Mark Brandenburg einen Arbeitsbereich dar, der erst vollkommen neu erschlossen und erobert werden mußte." In der Mark Brandenburg waren die für den Wohnungsbau bereitstehenden öffentlichen Mittel bis dahin zum allergrößten Teil den privaten Bauherren und Bauunternehmern zugeflossen. Es mußte nunmehr der Versuch gemacht werden, für den gemeinwirt- schaftlichen Kleimvohnungsbau öffentliche und private Geldmittel flüssig zu machen. Das ist dem„Märkischen Wohnungsbau" in der kurzen Zeit seines Bestehens in einem be- trächstichen Umfang gelungen. Von den im Jahre 1926 genehmigten 2b17 wrhnnngsbauten werden durch die dem„Märkischen Wahouagsbau" angeschlossenen örtlichen wohnungsbaugenossen. schaften nicht weniger als IISS oder 45 Pro;, gebaul. Der„Märkische Wohnungsbau" selbst ist eine Spitzenorganiso- »ion i neben dem Mohnungsbau auf eigene Rechnung übernimmt er hauptsächlich die Finanzierung, die Geldbesorgung, Projettbearbei- tung..Ausschließung von Baugelände und überhaupt die geschäftliche Abwicklung der Bauten der örtlichen gemeinnützigen Wohnungsbau- gcnosfenschaflen, die i» 32 Ortschaften gegründet sind und den einheitlichen Ramen„G e w o b a" tragen. Was der„Märkische Wohnungsbau" zu leisten vermochte, gel/t aus nachstehenden Angaben hervor: Am Schluß des Jahres 1927 betrug die Zahl der bezugsfertig hergestellten Wohnungen 415 mit einem Bauwert von rund 3,5 Millionen Mark. Die Zahl der 1928 bereits begonnenen Wohnungsbauten, für welche die Finan- zierung aus öffentlichen Mitteln, Eigenkapilal und erststelligen Beleihungen gesichert ist, beläuft sich auf 1186. Der Gesamt- wert dieser Wohnungen beträgt rund 10 Millionen Mark. Das ist eine Leistung, die um so schwerer wiegt, wenn man berücksichtigt, daß diese Wohnungen in zahlreichen weit voneinander getrennten Orten cistellt werden mußten, Berhandlungen über Finanzierung, Pro- jckticruiig, Baugrund usw. mit unzähligen Behörden und sonstigen Stellen zu führen waren und die Gesellschaft erst kurze Zeil besteht. Unter den Geldgebern für er st st ellige Hypotheken nimmt die„B o l k s f ü r s o r g«", gewerkschaftliche genossenschaft- liche BcisicherungsÄ.-G„ die erste Stelle ein. An der Zwischen- finanzicrung ist die Arbeiterbank erheblich beteiligt. Der „Märkische Wohnungsbau" hat jedenfalls gezeigt, was bei einer systematisch aufgezogenen Arbeit und Konzentration aller Wirtschaft- lichcn Kräfte durch den gemeinwirtschaftlichen Wohnungsbau für die Minderbemittelten selbst in der Provinz und unter den heutigen schwierigen Verhältnissen möglich ist. Das muß rückhaltslos aner- kann! werden. Der Geschäftsbericht ist reich an Bildermaterial, das dem Leser die Tätigkeit der Gesellschaft auch bildlich vor Augen führt. Eine Reihe guter Statistiken und Grundrisie vermitteln weiteren Ausschluß und beleben den Text. Die Grundrisse zeigen«ine vor- zügiiche Raumausnutzung, namentlich der kleinen Wohnungen. Sämtliche, auch die kleinen aus zwei Zimmer und Küche bestehenden Wohnungen sind mit einem Badezimmer versehcn. Die Wirischastslage im Mai. Keine Verschlechterung der Konjunktur. Wie das Institut für Konjunkturforschung in seinem Wochenbericht ausführt, hat sich zwar bei«inigen Industrien auch im Mai ein leichter Rückgang der Beschäftigung eingestellt, doch ist dcw' zu rechnen, daß die aus der Frühjohrssaison zu erwartende Umfatz-rhöhung diesen Rückgang ausgleichen kann. Dl« Industrien, die erfahrungsgemäß besonderen Saisonschwankungen unterliegen (Baugewerbe, Baustoff- und Textilindustrie), die rund ein Viertel der gesamten gewerblich tätigen Bevölkerung umfassen, kommen für die erwartete Umsatzsteigerung besonders in Betrocht. Setzt sich die saisonmäßige Zunahme der Beschäftigung in diesen Industriezweigen in annähernd dem gleichen Umfang« durch, wie in den letzten beiden Iahren, so ist in diesen Industrien mit einer weiteren Zu- nahm« der Beschäftigung um 7 bis 9 Proz. zu rechnen. Dies würde ausreichen, um eine etwa 3prozentigc Verringerung der Beschäftigung in den anderen Industrien auszugleichen. Es kann also in nächster Zeit in der Gesamtwirtschast immer noch mit einem verhältnismäßig hohen Stand der Leschäsiigung gerechnet werden. Da die Kreditwge in Handel und Industrie noch wie vor gespannt ist, so wird die künftige Konjunkturentwicklung wesentlich davon beeinflußt werden, in welchem Grade ein« Dermin- derung der hohen Lagerbestöndc zur Erholtung der Liquidität der Wirtschaft und damit zur weiteren Umsatzbelebung beiträgt. Eisenindusirie gut beschäftigt. Wie der Stahlwertsverband, die Spitzenorganisation der deutschen Eisenoerbände, mitteilt, hat die günstige Loge der Eisen- industrie im Mai angeholten, und sich zum Teil sogar verbessert. So ist der Absatz von Halbzeug im Inland gestiegen und die Weltmarktpreise zogen bei gutem Auslandsgeschäft weiterhin an. Im Absatz von Eisenbahnoberbaustofte ist der Apriltiesstond über- wunden, da die Reichsbahn wieder mit neuen Abrufen eingesetzt hat. Auch die Stab- und Band«isenoerbände meiden lebhasten Inlandsabsatz und gleichfalls steigende Preise im Auslandsgeschäft. Die Gr obbl echwerk« hoben nenerdings umfangreiche In- und Uustandsaufträge, besonder« für Schiffsbauteil, erhalten. Das Ende der freien Wirtschast. Aus neuen Wegen. Frei nennt man eine Wirtschaft, wenn der einzelne, der in ihr als Eigentümer eines Gewerbebetriebes tätig ist, keinerlei Bindun- gen unterworfen ist. Die Zünfte des Mittelalters, freie, aber durch gegenseitige Vereinbarung, Tradition, zum Teil auch durch fürstliche Anerkennungen gefestigte Bereinigungen selbständiger Handwertsmeister bestimmten, wer ein Gewerbe ausüben durfte. Als das Gewerbe nicht mehr die Bürger der Stadt versorgte, der Geschäftsverkehr über die Grenzen der Stadt, de» kleinen Fürsten- tums, ja über die Grenzen des erstarkten Reiches, sogar des Kon- tinentes hinaus sich ausdehnte, der Handwerksbetrieb mit einem Gesellen und zwei Lehrlingen sich zum Fabrikbetrieb mit Hunderten von Lohnarbeitern sich auswuchs, war es mit den Zünften zu Ende. Die revolutionäre Befreiung des Bürgers von Untertanfefleln in Frankreich und in Nachwirkung davon die auf gesetzmäßigem Wege erfolgt« freiheitliche Städteversasiung und Bauernbefreiung durch Stein und Hardenberg in Preußen führte zum PrinzipderGe- Werbefreiheit, dos durch Bismarck Gesetz wurde. Bon ge- wisien Beschränkungen zum Schutz allgemeiner Interessen abgesehen, kann jeder ein Gewerbe beginnen und betreiben. Die damit gewährleistet« freie Wirtschaft war praktisch nur ob- hängig von dem Verkaufspreis, der seinerzest nur durch Angebot und Nachfrage bestimmt wird. Schlagwort:„Laisser fair«, laisscz aller" und„das freie Spiel der Kräfte". Wer so billig erzeugen und einkaufen kann, daß die Spanne zwischen Selbstkosten und Verkaufs- preis den Betrieb und seinen Eigentümer erhält und darüber hinaus die Kosten der Erneuerung und Erweiterung ansammeln läßt, wird bestehen ohne jede Rechnungslegung der Verwendung dieser Ge- winnspanne vor der Allgemeinheit, wer es nicht kann, wird geschäft- lich untergehen, ohne von irgendeiner Seite eine Entschädigung erwarten zu dürfen. Diese Wirtschaftsform gewährleistet die Freiheit des einzelnen und führt— jedenfalls theoretisch— durch den gegenseitigen Kampf der Konkurrenten zur Auswahl der Tüchtigen. Aber auch zum ge- setzliehen Schutz des Rücksichtslosen, Verantwortungslosen, zur schrankenlosen Ausbeutung des wirtschaftlich Schwachen durch den wirtschaftlich Starken. Die Begabtenauslese, welche wie gesagt, durch das „freie Spiel der Kräfte" theoretisch denkbar wäre, wird aber wieder ausgeschlossen durch das Eigentums- und Erbrecht des gel- tenden Privotrechts(vom lateinischen: privare= berauben), welche» auch dem Unfähigsten und Rücksichtslosesten das gesetzliche Monopol- recht des Eigentümers noch Belieben ausnutzen läßt. Mit der freien Wirtschaft geht es auch in Deutschland zu Ende. In Rußland zerschlug eine ebenfall« blutige Revolution der Ent- rechteten die politischen und die wirtschaftlichen Formen und setzte ohne Uebergang etwas theoretisch Erdachtes an die Stelle des Ge- wordenen. Auch diese ungeheure Umwälzung von Form und In- hast muß und wird zunächst in den Nachbarländern von Nachwir- kungen begleitet werden. Es ist zu hoffen, daß auch bei uns wieder eine starke Begabung sich finden wird, um auf gesetzmäßigem Wege für neue Anschauungen neue Formen zu gestalten, welche nicht der heranwogenden Welle gefahrbringende Dämme entgegensetzen, son- dern dem Wasser Gräben ziehen will, um die neuen Pflanzungen der Gemeinschaftsarbeit zu Blüten und Früchten zu verhelfen. Das ist der tiefere Grund, daß, wie Schwalenbach auf einer Wiener Tagung der Betriebswissenfchastler festgestellt hat, die Zeit der freien Wirtschaft auch für Deutschland unwiderbringlich vorübergeht. Die betriebswissenjchaftlich zweifellos richtig beobachtete Er- scheinung, daß die fixen K o st« n des Betriebes besonders gegen- über den proportionalen Kosten, aber auch absolut, ge- stiegen sind, ist eines der Erkenntnismittel, au» denen der Ueber- gang der freien in die gebunden« Wirtschaft geschlossen werden kann, ist aber keine Begründung für diesen Uebergang, sondern nur eine Folgeerscheinung. Will man auf betriebswissenschaftlichem Wege den Ursachen nachgehen, dann wird man erkennen, daß nicht die Kosten- frage das Entscheidende ist, sondern das Mißverhältnis von Pro- duktionsnotwendigteit und Absatzmöglichkeit. Die Steigerung der fixen Kosten könnte auch ohne weiteres ausgeglichen werden durch die Schnelligkeit des Umsatzes. Diese betriebswirtschaftlich unbestreitbare Erscheinung geht aber wieder zurück auf die Wirtschaftspoiftt der rechtlich verantwortungs- losen Truste. Kartelle und Syndikate. In diesen letzten Auswüchsen der freien Wirtschast sieht Schwalenbach die Kennzeichen der neuen gebundenen Wirtschaft. Das sind sie aber nicht. Denn Verabredungen der durch die Rechtsordnung Privilegierten, um durch Preisbindungen die wirtschaftlich abhängigen Rachverarbeiter und die Konsumenten auszubeuten und das Arbeitsentgelt niederzu- hasten, sind Erscheinungen noch der freien, nicht einer neuen ge- bundenen Wirtschaft. Will man ein« Begründung geben, welche gleichzeitig den Weg zeigt, um einer neuen Entwicklung brauchbare Gestaltung zu weisen, so liegt diese Begründung in der allgemein gewordenen Erkenntnis, daß die Staatsgewast als Vertreterin auch der wirtschaftlich Schwachen die Ausgabe hat, Gestalwngen zu fördern, welche die wirtschaftlich« Aufgabt und Kraft haben dahin zu wirken, daß trotz Steuern und Kapitalzins Betriebsüberschüsse wachsen, daß aber gleichzeitig nur«in gewisser Teil davon die Unternehmerrente ver« mehrt, der größere Teil aber zu Preissenkungen und Arbeitsentgeltserhöhungen verwendet«erden muß, um durch Erhöhung der inneren Kaufkraft den Umsatz zu be- schleunigen. Besserung bei der �aiffeisenbank. Das zweite Jahr des Wiederaufbaus. Wie der Abschluß für 1927 zeigt, hat die Deutsch« R a i f f- e i s e n b a n k A.-G., die Bank der mehr als 8600 Raiffeifen- Genossenschaften, ihre Sanierung fortgesetzt. Wie man sich er- innert, wurde für die Raifseisen-Bank vor zwei Jahren eine Stützungsaktion notwendig, da sie durch eine Geschäftspolitik, die weit über den Rahmen einer Genossenschaftsbank hinausging, schwere Berluste erlitten hatte. Diese Stützungsaktion wurde seiner- zeit nur durch das Eingreifen der Preußenkasse ermöglicht, die der Raiffeisenbank 40 Millionen kurzfristige Schulden bis 1938 stundete. 1 Im ersten Jahr der Wiederaufbaus wurde von einem Rein- gewinn von 0,47 Mill. Mark der Berluftvortrag von 1925 in Höhe von 0,42 Mill. Mark getilgt und für den„U«berbrückungs"kredit der Preußenkasse rund 52 800 M. in einem Anfammlungskonto zurück- gestellt. Nach Zahlung von 2.3 Mill. Mark Zinsen für den Kredit der Preußenkasse und nach Bildung einer Reserve von 500 000 M., sowie nach Abzug von 0,61 Mill. Mark Abschreibungen wurde im letzten Jahr«in mit 1,0 Mill. Mark mehr als verdoppelter Reingewinn erzielt. Dieser Gewinn wird geschlossen dem An- sammlungssonds zur Deckung der Preußenkassen-Kredite zugeführt, der sich somit auf 1,07 Will. Mark erhöht. Obwohl der Berwastungsbericht betont, daß die umfassenden Rationalisierungsmaßnahmen sich erst im laufenden Jahr auswirken werden, zeigt sich in der weiteren Senkung der General- Unkosten ein Fortschritt. Der durchgeführte Abbau von Zahl- und Geschäftsstellen hat die Generalunkosten von 7,4 Mill. Mark im Jahre 1925 und 4,5 Mill. Mark im Vorjahr weiterhin aus 3,9 Mill. Mark heruntergedrückt, obwohl der Umsatz mit 6.7 Mil- liarden noch etwas stieg.. In der B i l a n z sind die Außenstände von 200 auf 178,8 Mill. Mark zurückgegangen, was die Verwastung auf den Abbau der Privatkredite zurückführt. Unter diesen Außenständen sind auch in dem sogenannten„Abwicklungskonto" alle die Forderungen zu- fammengefaht, die aus früheren Geschäften stammen und zum großen Teil gefährdet sind. Di« Bewertung dieser gefährdeten Außen- stände mit 50,2 Mill. Mark, also in doppelter Höhe de» Aktien- kopitals, muß als sehr hoch bezeichnet werden und kann nur als Schätzung, nicht ober als tatsächlicher Wert gelten. Bon den Gläubigern gingen die Bankkredite gleichfalls durch Abwicklungen von Rentenbankkredsten von 169,1 auf 140,0 Mill. Mark zurück, da- gegen erhöhten sich die Einlagen der Genossenschaften von 40 auf 46,5 Mill. Mark. Die Anzahl der in der Raiffeisenorganisation zusammengeschlosie- nen Genossenschaften betrug im letzten Jahr 8609 mit 950 000 Mit- gliedern. Die Einlagen der Genossenschaften betrugen etwa 250 Mil- lionen bei einer Milliarde Einlagen sämtlicher Genossenschaften. Aenderung in der Leitung der Arbeiterbank. Au» dem Borstand de» Bankinstituts der freien Gewerkschaften, der Bank der Arbeiter, Ange st«llten und Beamten A.- G., ist Direktor Bern Meyer wegen sachlicher Differenzen aus- geschieden. Direktor Meyer gehörte der Bank bzw. ihrer Vor- gängerin, der Deutschen Kapitalverwertung« G. m. b. H., seit ihrer Gründung im' März 1923 an. 10 Proz. Dividende bei Leonhard Tieft. In der gestrigen Auf- sichtsratssitzung der Leonhard Tietz A.-G. in Köln wurde beschlossen. die Dividend« für 1927>»n6auf10Proz.zu erhöhen. Stinne, zahlt 7 proz. Dividende. Stillegungsabsichten. Das Rumpfunternehmen des früheren Stinnes-Konzerns, der M ü l- heimer Bergwerksverein, wird wie im Borjahr wiederum 7 Proz. Dividende»erteilen. Di« Verwaltung hat beschlossen, die Zeche Hogenbeck, die ein« Belegschaft von 1700 Mann ausweist, � stillzulegen und hat den Antrag beim Demobilmachungskom- missar bereits eingereicht. Die tägliche Förderleistung dieser Zeche betrug 1800 Tonnen. Wie die Benvaltung erklärt, sei die Still- legung durch die hohen Bergschäden in dieser Grube, deren Abbaurevier unter dem dichtestbevölkerten Stadtteil von Essen liegt, notwendig geworden. Auch habe die letzte Lohnerhöhung für die Bergarbeiter(I) zu diesem Entschluß beigetragen. Wir ver- muten, daß der letzte Grund für die Herren der Stinnes-Berwalwng ausschlaggebend gewesen ist, und daß diese Betriebseinstellung, wie auch die anderen im Ruhrbergbau beabsichtigten Zechenftillegungen als Druckmittel gegen die öfsentliche Meinung aufzufassen sind. Wie die Verwaltung erklärt, weil sie versuchen, die Belegschaften ander- weitig unterzubringen. Man wird abwarten, inwieweit die Stinnes- direktion diese Worte in die Tat umsetzen wird. Der Farbentrust verstärkt seineu Braunkohleabesift. Das sehr rentable Brauntohlenwerk K a r o l i n e bei Magdeburg, das in den letzten vier Jahren je 12 Proz. Dividende verteilen tonnte, ist jetzt in die Hände des Forbentrusts übergegangen. Auf der kürzlich abgehaltenen Generalversammlung wurden dementsprechend drei Mitglieder des Farbentrusts in den Aufsichtsrat gewählt. Auch die Kohlenbasis für das Leunawerk, das bisher von den Ribeckfchen Montanwerken mit Braunkohle versorgt wurde, hat sich für den steigenden Bedarf des Leunawerkes als zu schmal erwiesen. Der Farbentrust wird daher auch die im Ammendorfer Bezirk ge- legenen Kohlenquellen und ferner die Wallendorfer Kohlen- werte, die zurzeit noch stilliegen, zur Lieferung für das Leunawerk mit heranziehen, und beabsichtigt zu diesem Zweck den Bau einer eigenen Kohlenbahn von Ammendorf über Kötzschen nach Leuna. Linoleumkonjunktur und Korkindustrie. Die in viele klein« Ein.zelunternehmen zersplitterte Korkindustrie spiest im Rahmen der deutschen Wirtschaft nur ein« sehr untergeordnete Roll«. Um so mehr muß daher die Gründung der Vereinigte Kork- industrie A.-G. in Berlin überraschen, die jetzt ihr« Tätigkeit mit einem Kapital von WA Millionen Mark aufnehmen will. Da unter den Gründern mehrer« ausländische Banksirmen und vermut- lich auch Rohkorkinteressenten sind, so liegt die Vermutung nahe, daß diese Gründung der erste Schritt zu einer Zusammen- fassung und Vertrustung der deutschen Korkfabri- k a t i o n ist. Da das Hauptverwendungsgebiet für Kork in. der Linoleumindustrie liegt, wird auch der internationale Linoleum- t r u st an dieser Großgründung sehr interessiert sein. Die Schaffung von 500 000 M. Vorzugsaktien mit achtfachem Stimmrecht bei der neuen Gesellschaft deutet schon daraus hin, daß sie einer etwa be- obsichtigten Aufsaugung durch den Linoleumtrust von vornherein einen Riegel vorschieben will. vi« Mühlenindustrie kann auch ander». Die Mühlenindustrie hatte mit Recht kürzlich gegen den Unfug der deutschen Getreide- export« nach Polen und der Tschechei protestiert und auf den volkswirtschaftlichen Schaden hingewiesen, der durch das System der Ei»fuhr sch eine entstände. Aber die Mühlenindustrie kann auch anders, und wenn es um die eigenen Intereflen geht, ist das Gemeinwohl schnell vergessen. So findet sich im Geschäftsbericht der Rheinmühlenwerke A.-G. in Mannheim die Bemerkung, daß die Erhöhung des Einfuhrzolls auf Mehl die aus- ländischen Fabrikate zwar verringert habe, daß aber auch der er- höhte Zoll als ungenügend bekämpft und ein Einfuhrverbot gefordert werden müßte.— Mit derart unsinnigen und egoistisch-kurzsichtigen Forderungen macht sich die Mühlenindustrie zu einem schlechten Anwalt volkswirtschaftlicher Interessen, den sie m der Frage der Getreideexporte sei» wollt«. Nur nebenbei sei erwähnt, daß dies« Gesellschöst m den letzten beide« Jahren je 10 Proz. Dividexde gatzohtt hat. Moskau als Muster. Wie in Sowjetrußland Arbeitslose behandelt werden. Moskau. 6. Juni. Die Zustände an den Arbeitsbörsen in Moskau veranlassen den Volkskommissar Schmidt. Leiter des Arbeitzkommissariats, zur Der- öffentlichung eines Artikels in der..Prawda", m dem er schonim�s- lose Kritik übt Die Arbeitsbörsen seien ihrer Aufgabe durchaus nicht gewachsen und die großen Massen von Arbeitslosen, die sich dort ansammeln, ohne Arbeit zu erhalten, seien in unglaublicher Weise verwildert, so daß die Arbeitsbörsen mehr und mehr Kneipen und an- riichigen Lokalen zu ähneln beginnen. Als besonders bedenklich bezeichnet es der Kommissar, daß die Unzufriedenheit der Arbeitslosen auch zu Tumulten und Schlägereien sührt. Die Tewerkschaften kümmerten sich um die Arbeitslosen so gut wie gar nicht, die in ihrer Verelendung dem Einfluß verschiedener Hetzer unterliegen. Es sollen jetzt strenge Maßnahmen zur Wieder- Herstellung geordneter Zustände an den Arbeitsbörsen ergrifsen werden und andererseits ist eine Erschwerung der Zuwanderung nach Moskau in» Auge gefaßt. Wie man den Arbeitslosen jetzt dort zu helfen gedenkt, darüber unterrichtet eine weitere Meldung de» Ost-Expreß vom 7. Juni. Kampf gegen die Arbeitslosigkeit in Moskau. Für den Sowjet von Moskau bildet der Kampf gegen die Ar» beitslosigkett zurzeit das aktuellst« Problem. Um weiteren An- sammlungen von Arbeitslosen in Moskau entgegen- zutreten, hat der Sowjet jetzt die Abschiebung größerer Gruppen in ihre Heimatorte m Angriff genommen. Gestern wurden 2000 Arbeitslose abtransportiert. Sie er- hielten freie Fahrt und eine Geldunterstützung, um sich unterwegs beköstigen zu können. Vis zum 20. Juni sollen täglich 500 Arbeitslose abgeschoben werden. An den Ar- beitsbörsen, deren Mißstände dieser Tage den Arbeitskommisiar Schmidt zu einer scharfen Kritik in der Presse veranlaßt haben, sollen neue Arbeitsmethoden eingeführt werden, die vor allem eine schnellere Erledigung der Angelegenheiten der Arbeitslosen mit sich bringen.(Soll wohl heißen:„eine schnellere Entledigung der Arbeitslosen.) Llrwahlen bei den graphischen Hilfsarbeitern. Sieg der Amsterdamer- Niederlage der Kommunisten. Das Stalin-Blatt stimmt ein Triumphgeschrei an, wefl bei der Delegiertenwahl zum Verbandstag der graphischen Hilfsarbeiter auch drei Kommunisten gewählt wurden— allerdings mit bedeutend geringeren Stimmenzahken als die drei) Amsterdamer. Damit das Brlschewistenblatt nochmals von einem großen Sieg' schreiben kann, wollen wir das Ergebnis von Berlin mitteilen. Hier hatten die Kommunisten von vornherxin sich bescheiden auf vier Kandidaten konzentriert, in der Hoffnung, daß durch die Stimmenzersplitterung unter den Amsterdamern und durch die große Toleranz der Mitglieder, die vier auf Stalin Verpflichteten gewählt würden. Und das wäre wieder ein großer„Sieg" gewesen. In Wirklichkeit ist das Vorgehen der Moskauer«in Armu-t»- zeugni« und ein weiterer Beweis dafür, daß die KPD. sich vor- nehmlich auf„revolutionär Unorganisierte" stützt, auf Drücke- b c r g e r, wenn es sich darum handelt, Beiträge zu zahlen, denen aber die anderen nie revolutionär genug sind. Wa» war min das Ergebnis dieser Taktik, im trüben zu fischen?— Kein einziger Kommunist wurde gewählt, vielmehr nur Kandidaten der Amsterdamer Richtung. Do» Er. gebuis fleht so aus: Gustav Grohmann 4394, Willi Grohmonn 4295, Max Blankenburg 4199, Oskar Stäche 3961, Max Hofmann 3938, Bich. Günther 3934, Oskar Schäfer 3777, Karl Pohl 3697, Ad. Strahlendorff 3658, Horm. Klaus 3665, Wilhslmine Runge 3627,, Rich. Arnold 3534, Paul Ritz 3424, Hans Doh 3395 Stimmen. Auch Zement wirb gebrochen. Man muß nur das richtige Werkzeug ansehen. Für die Zementindustrie im Bezirk Stade ist nach schwie- rigen Verhandlungen aus Antrag der beiden Parteien vom Schlichter ein Schiedsspruch gefällt und für verbindlich erklärt worden, der im wesentlichen eine sofortige Lohnerhöhung von 10 Pf. und ab 1. Oktober eine weiter« Erhöhung von 2 Pf. pro Stunde bringt. Bei den Verhandlungen hatten die Unternehmer große Anstrengungen gemacht, um eine Verlängerung der Arbeitszeit her- beizuführen � es blieb jedoch bei der 48-Stund«n-Woche und bei einem Ueberstundenmnß von höchstens 54 Stunden. Der lieber- stundenzuschlag beträgt 15 Pf., an Sonn- und Festtagen 30 bzw. 50 Proz. Das Drei-Schichten-System wurde neu oer- ankert. Trotz des Widerstandes der Unternehmer gelang es also, die Regelung für Stade der von Schlesmig-Holstein anzupassen. Für Porto-Union im Mindcner Bezirk wurde ein Schiedsspruch gefällt, der eine sofortige Lohnerhöhung von 9 P f. vorsieht. Don Untcrnehmerseite wurde daraufhin den Ar- beitern eine sofortige Lohnerhöhung von 5 Pf. und«ine weitere von 2 Pf. ab 1. Oktober angeboten, und zwar mit der Drohung, daß diejenigen, die diesen Satz nicht annehmen wollen, nicht weiter- zuarbeiten brauchen. Für die Arbeiter ist selbstverständlich ein der-' artiges Angebot, bei dem ihnen gleich die Pistole auf die Brust gesetzt wird, völlig unannehmbar. Sie haben Verbindlich- k«i t s e r k l är u n g des Schiedsspruches beantragt, der sie in der Lohnregelung im wesentlichen der 2. westfälischen Lohnklasse leichstellt. Der Versuch der Unternehmer, über den Kops der rganisationen hinweg direkte und natürlich schlechtere Lohn- abmachungen von den einzelnen Arbeitern zu erpressen, ist so gut wie aussichtslos, was sich bei den neuen Verhandlungen bald zeigen dürft«. Zur Neuregelung der Löhne der T h ü r i n g i s ch« n Zement- industrie finden am 8. Juni Verhandlungen im Reichsarbcits- Ministerium statt._ Schwerkriegs- und Schwerunfallbefchädlgie. Sie unterstehen denselben Schvhbestimmungen. Ein« wichtige Entscheidung für Schwerbeschädigte hat das Arbeitsgericht Siegen in einer Entschädigungsklage getroffen. Der Kläger war in einem Betrieb vor Jahren schwer ver- unglückt und wurde deshalb seit dem Jahre 1917 als Wiege- meister beschäftigt. Als der Betrieb zu Anfang dieses Jahres rationalisiert wurde, sollt« der Kläger als Wächter zu einem ge» ringeren Lohn und wesentlich anderen Arbeitsbedingungen weiter be- schäftigt werden. Das Arbeitsgericht verurteilte jedoch die Firma zur Zahlung des Differenzbetrages zwischen dem früher ge- zahlten und dem jetzigen Lohn, well di« Bestimmungen de» G e- setze» zum Schutze der Schwerbeschädigten nicht nur auf Schwerkriegsbeschädigte, sondern auch auf Schwerunfall- verletzte Anwendung finden. Eigentlich eine Sclbstverstandlichkciti Warum sollen die Opser des Schleich» selbes der Arbeit schlechter gestellt werden als die Kriegskrüppel? gl O Die Vergarbetter holen auf. VermSgenszunahme"1650000 Mark. Der freigewerkschoftliche Deutsche Bergarbeiterver- band kann, wie aus seinem Geschäftsbericht für das Jahr 1927 hervorgeht, eine kräftige Steigerung der Mitgliederzahl und der Beitragseinnahmen feststellen. Die Bermögensübersicht zeigt fol- gendes Bild: Grundstückskonto: 793 163 Tl., Hypotheken, Darlehen, Beteiligungen: 1857 608,17 M.. Effekten: 344 427,75 M.. Banken und Sparkassen: 2 635 796,51 M., Bestand in den Bezirkstasien: 740 693,04 M. und Bestand in den Ortskassen: 128 693,89 M. Das find insgesamt 6 500 292,36 M. Also gegenüber dem Vorjahre (4859197,97 M.) ein beträchtlicher Aufschwung von rund 1650 000 Mark. Die Einnahme an Beiträgen im Jahr« 1927 hat sich gegenüber dem Borjahre um über 600 000 M. gesteigert: 1926 betrug die Bei- tragseinnahme 4151 284 M. und 1927: 4 760 502 M. Der Verband hat also gute Fortschritte gemacht. Besonders erfreulich ist, daß im Berichtsjahr nicht nur Mitgliederzahl und Beitragseinnahme stiegen, sondern auch die Zahl der Beitragszahler innerhalb der Organisa- tion überhaupt. Die Einnahmen aus Eintrittsgeldern stiegen von 27596 auf 43 426. Die Gesamtausgabe für Unter st ützungszwecke hat sich durch den Rückgang der Ausgaben für Arbeitslosenunterstützung um rund 300 900 M. vermindert: 1926: 1875 443,17 M. und 1927: 1 553 377,47 M. oder 3? Proz. der Beitragseinnahme. Die Arbeits- losenunterftützung betrug im Berichtsjahr 310 746,57 M. Dieser Posten zeigt deutlich, daß für den Verband noch immer eine Arbeits- losigkeit besteht, wie sie der Bergbau in der Vorkriegszeit nicht ge- kannt hat. Erheblich gestiegen ist die Ausgabe an Kranken» Unterstützung. Sie betrug 1926: 691 971 M., im Berichtsjahr dagegen 838 450 M. oder ungefähr 25 Proz. mehr. Die Mehraus- gab« ist auf die Erhöhung der Unterstützungssätze zurückzuführen. Die Finanzen des Deutschen Dergarbetterverbandes sind gesund. Die finanzielle Gesundheit ist ein Ausdruck der Organifations- und Werbekraft des Verbandes. Transportarbeikerstreik in Köln. Zu dem Rheinschiffahrtskonslikt ist in Köln noch ein Lohnkampf der Landtransportarbeiter hinzugekommen. Der Kölner Spediteurverein hat den Spruch des Schlichtungsausschusses, der eine iiebenprozeutige Lohnerhöhung vorsah, abgelehnt. Die Blner Transportgewerbevereinigung, die hauptsächlich für das Schwerfuhrwerk in Frage kommt, hat chn angenommen. Da jedoch die Verbindlichkeitserklärung vom Schlichter abgelehnt worden ist, mußten die Arbeiter, wenn ste yicht vollständig leer ausgehen wollten, zur Arbeitseinstellung greifen. Seit Samstag stehen nun die Transportarbeiter in Köln, zunächst bei den zwei größten Firmen, Im Ausstand._ Lohnerhöhung in der ffchechoslowakifcheo Metallindustrie. Die seit vier Wochen geführten Verhandlungen über die Reu- regelung der Arbeits- und Lohnverhältnisse zwischen dem tschecho- slowakischen Metallindustriellenverband und den Arbeiterorgani- sationen sind durch ein Abkommen abgeschloffen worden, durch das sämtliche Tages- und Akkordlöhn« generell um 5 Proz. erhöht werden. Weiter sieht das Abkommen eine Neuregelung der Minimal- löhne(Grundlöhne) vor, die um etwa 12 Proz. erhöht werden, ferner eine einmalig« Aushilfe an die Arbeiterschaft durch einen dreiprozentigen effektiven Lohnzuschlag. Durch das Abkommen wer- den die Löhne von 40 000 Metallarbeitern neu geregelt. Seemannsstreik in Japan. Kode. 6. Juni. 50 000 Seeleute stehen hier zurzeit im Streik. 1300 japanische Dampfer sind dadurch zum Stilliegen verurteilt. Die Seeleute fordern die Festsetzung eines Mindestlohnes. Aus der Partei. Anläßlich der Brünner Jubiläumsausstellung ist ein fozialdemo- krattfches Ausstellungskomitee eingerichtet worden, um ollen nach Brünn reffenden Parteikorporationen und Genossen durch Führung, Kartenoertrieb und Auskunftserteilung den Ausstellungsbesuch zu er- leichtern und auf bequem« und vor allem möglichst wenig kostspielige Weise den Besuch des M o g o ch a- Karstgebietes zu ermöglichen. Anmeldungen, Anfragen. Wünsche an Sozialdemokratisches Kreis- fekretariat Brünn, Französischestraße 24. Ausstellungskarten werden vom Sekretariat gegen Voreinsendung des Betrages durch die Post zugesendet und ermöglichen die Inanspruchnahme der 33prozentigcn Fahrpreisermäßigung. �was sagt der Bär? •• verbreitet zu sein, ist der Stolz dieser Cigapetie! Zu ihr greifen täglich fein- nervige und örb eitsgevsoh nie Hände des schaffenden Berliners, weil sie Anregung und Entspann ung bringt und darum in der Gunst der Raucher an erster Stelle slehl: mf Berlins meistgerauchte 4S Cigarette Freitag ». 3um 192« Unterhaltung unö IIlssen Beilage des Vorwärts Lüne. Von Hermann Sssig. -- Nachdem fiucie dos Äittb geboren hotte, log sie elend auf dem Bette. Sie sah hinüber auf die Kommode, wo der Jung« ohne Leben lag. Ohne Leben, noch vor einer kleinen Weile hotte er sie mit den Iüßchen gestohen. dajj sie laut aufschrie vor Schmerz.®tn paar trübe Tränen standen in ihren glanzlosen Lugen. Es erfüllte sie mit Angst, dofl durch den Knaben, auf den sie immer gehofft hatte, das feste Band zwischen ihr und dem Geliebten nun doch nicht geknüpft war. Sie schluchzte auf und versank in die Tiefe des Kiffens. Endlich kamen rasche Schritt« ihrem Bette nüher. — Das war er. Oh. er wollte seinen Buben anpacken und als seinen Besitz, ihr stolzes Geschenk, empfangen. Sie wogte nicht, sich zu rühren.— Er trat«in mit dem Arzt und der Hobamme. Sie horchte gefpannl. waz er zu dem Jungen sagte. Sie hört« kein Wort, sondern fühlte, wie sich der Mann, ein unwägbares Se- wicht, zu ihr aufs Bett fetzte, feine Finger über ihre Wongen strei- chelnd hingleiten lieft. Eine Weile stockte ihr Atem, dann heult« sie wild die letzten Ge- burtswehen hinaus.-- Die nächsten Tage oergingen durch viel SefchwStz der Hebamme, die den Jungen mit müheloser Unterholtsamteit unter die Erde auf sein stille» Plätzchen, draußen auf dem St. MatthSi-Frietchos, plan- derte. Für die Wöchnerin kam es vor allem darauf an, wieder ein schönes Weib zu werden, das den Mann entzückt, darum sagte die weise Frau:„damit er Ihnen nicht davonläuft." und schnürrte und wickelte ihren Leib. Es war herb, einen Mau» zu hoben, wie den Zigeunerbaron. In den Maientogen summte es sich so leicht und füft:„Der Mond und die Störche, die haben uns getraut." Aber jetzt, wo kein Junge da war, schien es zum Verzweifeln. Wenn er sie genug hatte?! Auch lief ihr Gatt« mit ernster Stinte und trotzigen Bocken herum. Es schien, daß er nur gezwungen zum Bette kam, als scheut« er sich, den leisesten Geruch von ihr zu bekommen. AeußerLch verlies das Wochenbett ganz sorgenlos. Was die junge Frau mir wünscht«, war da. Außer ihm. Nie fand er Zeit für sie, und dann, wenn er kam. saß er nicht länger ol, fünf Minuten neben dem Bett«. Was sprach er dann. Er rodete von dem Jungen, von dem kleinen Grob, welche, er noch feinem Geschmack schmückte. Do der Knabe zum Namen nicht mehr gekommen war. die Zange hatte ihm den Halswirb«! gebrochen, so konnte man ihm keinen Grob. stein errichten. Aber einen Baum pflanzt« ihm sei» Dater. Einen Gowregen mit kräftigem Stamm und guten Aussichten in den Zweigen. Was sollte es bedeute«, daß er einen Goldregen auf ein Grab "'�oShttet?-...... Wohl, er wird fchän blühen im Frühling. Den« niemals war der weichhmzige Wann so hart, daß er da» Fehlen de« Kinde» einem Goldregen vergleichen wollte. Oder vielleicht doch? Die Matter br- sann sich darüber heftig. Wenn der Umstand, daß sie für kein Kind zu sorgen hatte, einem Goldregen gleich kam. dann wußte sie. hatte er die Absicht, sie jetzt im Stich zu iassen. Lucie fieberten die Schlafen. Was hatte sie für«ine Zutuast vor sich, wenn da» glänzende Leben mit diesem Manne«in Ende nahm. Sie wäre nur gerne rasch aufgestanden, nw durch die Schönheit ihrer Erscheinung ihn wieder zu sefseln. Sie fühlte e», er strebte fort, wenn er von dem Gräblein draußen so versunken redete. E» war gowiß, daß er die ganze Kraft ferner Liebe mit dem Baum an dem Kindergrab eimvurzelle. Ihr mit großem wirren Haar umbauschtes Haupt brannte. Sie mußte wissen, ob er sie noch liebte. Am heutigen Abend frug sie ihn, sobald er nur so nah« bei ihr war. daß sie sich an ihn hängen und ihn zu sich herabziehen konnte. Mit diesem festen Dorsatz erwartete sie den Abend. Der Abend kam langsam und schleichend. Sie lag in der Däm. merung in einem schneeweißen Bette, dos sich fahl aus dem Dunkel I>«raushob wie leuchtender Phosphor. Und nichts rührt« sich im Zimmer. Schon die kleine Arbeit, am elektrischen Knaps drehen, um Licht im Zimmer zu haben, war zu viel Ablenkung von der Erwartung. Dos grelle Abbild des Fensters durch die Straßenlaternen oben an der Decke war die einzige betäubende Helle. Sonst blieb es dunkel und wurde finster« Rächt, bis er kam. Als sie ihn endlich vom Flur eintreten hörte, zitterten ihre Finger. als suchten sie mit irgendeinem Dinge Beschäftigung. Ihr Blut wurde aufgeregt, mit scharfen Augen lauerte sie gegen die Türöffnung des Rebenzimmer». Sie machte sich fertig für fein« Umarmung, die sie ganz im Dunkeln hoben wollte. Sie stellt« sich vor, daß sie Ihn hierbei gleich fragen konnte, ob er sie noch wirNich lieb habe. Es waren schon ewige Wochen seit der Entbindung verstrichen und sie fühlte die Kraft in ihren langen Armmuskeln. Wenn er die Worte in sein Ohr geflüstert bekam, so mußten sich seine Gedanken wi'.d vor ihr aufbäumen, dann zog sie ihn herab. Wie er jetzt unter der Türfüllung in schwarzem, großem Umriß' sichtbar wurde, fühlt« sie«ine ihr Blut anhaltend« Angst, ihr Plan würde mißlingen und es überkam sie«in« Scheu, den Mann nach seiner Liebe zu fragen. Auch schritt er gleich aus den Kontakt zur Lampe los, setzte»wen Gegenstand auf das Bett. Di« entstandene Helle blendete ihre Alicen, und oanz fad gestaltete sich die Ankunft de« Gellebten. __#(Schluß folgt.) Aus dem Liebesleben Victor Hugos. Von Loses Mich«. Zu den in Deutschland bekanntesten Bortretern der alteren franzosischen Literatur gehört noch immer Victor Hugo. Wer von un, bereits im Schwabenalter sich befindlichen erinnert sich nicht noch der frohen Zeiten, wo er seine jugendlich« Phantasie bei dem berühmten.Glöckner von Rotve Dame" spazieren führte und so«tn farbenbuntes Gemälde aus dem Pari, von 1482 in sich aufnahm. Der spätere soziale Romancier Hugo ist bei un» leider viel weniger bekannt geworden und auch von dem Politiker Hugo war in den deutschen Uebersetzuugen soft nie die Rede. Und doch hat es diesen einmal gegeben. Mit aller hohen Leidenschast sogar. Acht Jahr- zehnte sind jetzt vergangen, seit der Dichter im internationalen Sturm- jähr 1848 als Wortführer der demokratifch-sozialen Partei o«g-n dos damalige herrschende Regime seine spitzen Psale schoß. Schoß und Oer Palast des Mmos. Kutturblüie eines verschollenen Volkes. Seit der deutsche Archäologe Heinrich Schtiemmm da» alte Troja und die Märchenschätze von Mykene hob, hat die Archäologie einige weitere hochbedeutfame Ausgrabungen hinter sich gebracht. Wir denken dabei genau so an den Orient(ägyptische Königsgräber, Grabungen in Palästina) wie au die fesselnden Ergebnisse der russi- schon Forschung in der Mongolei und an anderen Orten Asiens. Nunmehr hat auch durch den Engländer Sir Arthur Evans dos „Rätsel von Kreta" seine teilweise Awfklärung gefimden— allerdings nur teilrodfel Denn von dem vorgeschichtlichen Volk der Minoaner auf der Insel Kreta(etwa 200 v. Chr.) sehen wir nur den äußeren Glanz, die architektonisch« und künstlerische Lei- stung, die Blüte de» Jngeneeurwefens. Bon dem Geist dieses Volke« wissen wir nichts, noch nichts. Kreta ist der Schauplatz der alten griechischen Fabel vom Minotauro», jenem Ungetüm, halb Mensch, halb Stier, das w einem Labyrinth lebte, cm» dem niemand herauszufinden ver. mochte, der einmal eindrang. Mit Hilf« der Königstochter Ariadne und des von ihr zugesteckten Wollfadens drang der Athener Thesens in das Gängegewirr vor und erschlug das Ungeheuer, das bis dahin alljährlich von seinem Heimatstaate sieben Jungfrauen und sieben Jünglinge als Tribut gefordert und erhalt«! hatte. Die Sage hatte(wie fast all« Sagen) einen wahren Kern. Die Ausgrabungen des Sir Evans förderten in Knofios einen riefen» haften Palast— die Residenz des Königs Mino», Vaters der Ariadne— zutage, der labyrmch artige Anlagen aufweist. U eberall finden sich Abbildungen des Stier»; Trinkgesäße sind da, die wie ein Stierkopf geformt sind: Fresken an den Mauern zeigen uns die Minoaner in einer dem Altertum sonst nicht eigentümlichen Sportart:„Stiervingkampf" möchte man diesen Sport nennen. Der Abdruck eines Tonstegels läßt auch einen Minotaur erkennen, also eines der oben beschriebenen Zwittergeschöpfe. Di« vorgefchicht- lichen Bewohner Kreta, scheinen in der Stieroerchrung Besonderes geleistet zu haben. Natürlich finden sich Inschriften. Sie sind aber noch nicht ent- zkffert, und so muß dies« un» unbekannte, auf hoher Kulturstufe stehende Bukt durch feine Bauten und seine Kunst zu uns sprechen. Der von Evans freigelegte Palast des Königs Minos von Kreta hat einen großen Zentralhof, ein prachtvoll angelegtes Treppen« Hans. Wandmalev�en überall, eine Unmasse von Korridoren, Gän- den und Zimmern und außerdem— moderne Abzugskanälel Etwa im zweiten Viertel des IS. Jahrhunderts v. Ehr. zerstörte «in Erdbeben den Palast. Er ward wieder aufgebaut, womöglich noch herrlicher als zuvor. Di« Kretenser ließen es sich nicht nehmen, ihr lebendiges Interesse an der Tier- und Pflanzemvelt ihrer Heimatinsel bildlich darzustellen. Eine der hübschen Fresken stellt ein blaues Aeffchen dar, das über Felsen klettert, auf denen blü- hende Papyrusstauden, Zwerglilien, Krokus und heiliger Efeu wachsen. Auf einem anderen Gemälde steigt zwischen Klatschrosen, Wicken und Schwertlilien hinter einem Steinblock ein blaugrüner Vogel mit roten Tupfen auf der Brust auf Di« Kleidung der Minoaner läßt sich erraten aus der Figur des.�krugträgers" auf dem gleichnamigen Fresko. Der jung« Mann mit dem silbernen Gefäß trögt einen großkarierten kurzen Rock(etwa wie die Schott enröckchen), dazu«inen eng schließenden Gürtel und silberne Armspangen. Das Haar hängt ihm lose über den Rücken. Die Frauen scheinen sich dagegen mit langen, oolcmt- besetzten Röcken, einem engen Schnürleib und stark ausgeschnittenem Mieder betleidet zu haben. Daß vorgeschichtliche Verbindungen zwischen Kreta und Aegypten bestanden, ist bekannt. Der kretensische Hafen für das Nildelta scheint Komo gewesen zu sein, denn dorthin führte eine sehr gut gepflasterte Straß«. Ein Riesenviadukt zeugt von den Ingenieur- fähigkeiten des verlorenen minoanifchen Volkes. Rasthäuser(Kara- wansereien, wie man im Orient sagt) finden sich in Abständen an der Straße: am Kopfende des Ueberlandweges steht ein großes Gebäude nnt vielen Räumlichkeiten. Man findet da einen Pavillon, Stallungen zu ebener Eibe, ein Bad mit Steinfliesen für Fuß- Waschungen, einen Bade räum mit Tonbadewannen und eine unter- irdische Kammer, in der«ine Quelle entspringt. Man ist versucht, sich in dieser Kammer einen Jünger des Pfarrers Kneipp bei seinen Wasserkuren vorzustellen. Das Ganze ist zweifellos ein Hotel gewesen, und zudem ein sehr modern anmutendes Hotel. Abgesehen von anderen Annehmstchkeiien und einem hohen Komfort, weisen die Zimmer zementierte Böden auf, die leicht zu reinigen sind. Der Pavillon diente ohne Frage als Speisesaal für den wegmüden kretenfischen Geschäftsmann und den Ankömmling aus Aegypten. In diesem Speisesaal befindet sich ein Wandfrios, der einen heute noch als Leckerbissen geschätzten Vogel darstellt: das Rebhuhn. Und außerdem ist es absolut sicher, daß damals— von 3500 Iahren— die Bäder dieser Gast- und Rofistätben der Minoaner mit Heiß- Wasserversorgung eingerichtet waren! Leiber wissen wir noch nichts von dem staatlichen Leben und der gesellschaftlichen Struktur auf der Insel des Sagenkönigs Minos, der Ariadcke und des Zwitterfabelwefens, des Minotauros. K.W. traf und auch verwundete und— drei Jahre später wegen solcher Dinge gar in die Verbannung aeben mußte. Indes soll nun in diesen Zellen weniger von dem Dichter und Politiker die Rede sein, vielmehr soll«in bißchen ans dem tnter- effanten und reizvollen Liebesleben des genialen Franzosen ge- plaudert werben. Ein bunter Kreis schöner und kluger Frauen rankt sich um da« Leben Victor Hugo». Begleitet seinen literarischen und gesellschast- lichen Aufstieg und besonnte die Jahre seines Alters. Freilich, an- fangs war der Dichter nach dieser Seite hin recht unzugänglich. So verfichrerisch das Paris der damaligen Jahre für die Literaten und Künstler von Rang auch war, Hugo kehrt« stets den korrekten Ehe- mann heraus. Bereits mit siebzehn Iahren hatte er sich mit der hübsche» Adele Foucher verlobt, einem Mädchen, dos zwar von dem Schaffen des Dichters wenig verstand, das dieser jedoch verschiedener anderer Vorzüge wegen schätzt«. Dos ging bis zum einunddreißigstsn Lebensjahre: bis zu dem Tage, an dem sich sein Herz an dem Feuer der Schauspielerin Julielte Drouet entzündete. Die Drouet, die. nach einer Aeußerung Thöophile Gautiers, die schönste Frau von Paris gewesen sein soll, war ihrer- seits zum Angriff auf das sittenstrenge Herz Hugos übergegangen. und man weiß nicht, was sie dabei mehr zog, ob die menschliche Persönlichkeit oder der damals schon vorhandene Ruhm des Dichters. Genug, die schöne Schauspielerin wurde die Freundin Hugos und beide haben in diesem gegenseittgen Verhältnis eine Reihe von Iahren ungetrübtes Glück gefunden. Auch später, als der Rausch der Leidenschaft verflogen war. blieb eine reine Freundschaft zurück, die bis ins hohe Alter andauerte. Zehn Jahre lang hatte der Dichter an der Drouet sein« volle Befriedigung gesunden. Bis er dann 1844 die blonde, erst vierund- zwanzig Lenze zählende Frau Biard kennenlernte. Diese war die Frau eines Pariser Malers, von dem in jenen Jahren häufig die Rede war und der mit seiner Gattin In den gleichen Kreisen wie Hugo verkehrte. Auch dieses Verhältnis ging eine Anzahl Jahre. Freilich, welche von den beiden letztgenannten Frauen innerlich dem Dichter am meisten zugetan war. ist unklar. Tatsache aber ist, daß, als Hugo 1851 wegen seiner politischen Besehdung des dritten Ra- poleon Paris verlassen und ins Ausland gehen mußte, nicht Frau Biard ihn begleitete, sondern die noch immer nicht vergessen« Madame Drouet. Nicht uninteressant ist übrigens, daß auch die Kammerzofe der Drouet ebenso wie ihre Herrin lebhaft für den Dichter und seine Dichtungen schwärmte und daß auch zu dieser, Blanche Marie geheißen, der Romantiker der Literatur zu einem Romantiker der Liebe wurde. Fast zwanzig Jahre mußt« Victor Hugo tm Exil verbringen, eh« er im Herbst 1870 wieder nach Pari» zurückkehren durste. Die politischen Verhältnisse hatten sich inzwischen gewandelt: der durch seinen Staatsstreich neunzehn Jahr« zuvor herausgekommene Napo- leon war jetzt am Ende seiner.Herrlichkeit und sett«wer Woche Kriegsgefangener der preußischen Truppen. Am politischen Horizont wetterte und krachte es. Und als dann das äußere und auch das innere kriegerische Geschchen vorbei und Frankreich ein für allemal Republik geworden«or, da bekleidete auch der tnzwffchen aller West bekannt gewordene Dichter wieder hohe politische Aemter: er, der als Haupt der romantischen Dichterschule galt, ward zum Senator gewählt. Indes, Aller, Ehren und Würden hoben den Vielgefeierten nicht abgehallen, auch zukünftig bei schönen und jungen Frauen sein Glück zu suchen, sein« Mußestunden zu verbringen. Und neben mancherlei Zwischenspielen ward dann seine letzte Liebe eine Frau, die wie er nnter dem politischen Regime zu leiden gehabt hatte. Sie hieß Madame Gorreau, war die Witwe eines standrechtlich erschossenen Kommunisten und erst achtzehn Jahre alt. Hilfesuchend war sie zu dem Dichter gekommen und der, längst über siebzig, sehnte sich nach diesem frischen feurigen Weibe mit dem gleichen Gefühl wie der alternde Goeche noch der jugendllchen Ulrike von Levetzow. Diese Fra» Gorreau hat mit ihrer Liebe die letzten Lebensjahre des am 22. Mai 1885 dreiundachtzigjährig gestorbenen Dichters verschönt. Und sie selbst hat ihre seelische Erfüllung in diesem Ver-. linltni» gesunden...Victor Hugo verherrlicht« alle», was mein oer, storbener Mann und ich so überaus geschätzt hatten: Freiheit, Menschlichkeit und politischen Umsturz...* So hat sie später von ihm gesprochen. �Kannst du ein Buch empfehlen?" Ergebnisse eines Preisausschreibens. Im Ämi 1927 erließ der Börsenoeretn ein Preisausschreiben an die höheren Schulen und die Mädchenberufsschuten:.Latmst du ein Buch empfehlen?" Die Schuloer Wallungen von Preußen, Württemberg, Sachsen, Thüringen. Mecklenburg-Schwerin. Hessen-Darmstadt. Anhalt, Oldenburg, Braunschweig, Lippe und Lübeck hatten den Aufruf genehmigt, und so wurde er an nahezu 3000 Schulen bekannt- gemacht. Seit kurzem liegen mm die Ergebnisse vor. die außerordentlich interessant und charakteristisch sind. Etwa 16 Proz. aller Schüler und Schülerinnen, die sich aus 437 Schulen verteilen, haben sich an dem Preisausschreiben beteiligt. Die höhere Beteiligung der Mädchen lag vom 10. bis 15. Lebensjahr, während und nach der Pubertät, vom 16. bis 20. Lebensjahr, die stärkeren geistigen Interessen bei den Knaben sich offenbarten. Die Preisverteilung— Gutscheine für Bücher im Gesamtwert von 3000 Mark— ging von dem Gesichtspunkt aus, ob die Begründung der Buchwahl Sinn für literarische Werte und tiefergehendes Interesse für Bücher erkennen ließ, und ob die sprachliche Formgebung der Beantwortung einigermaßen gut genannt werden konnte. Di« Ergebnisse sind vor allem deshalb bemerkenswert, weil sie einen Einblick in das Milieu und in die Erziehungssphäre der Jugend- lichen der höheren Schulen vermitteln. Zunächst bei den Mädchen. Hier herrscht durchschnittlich noch das senttmentale, wirklichkeitsfremd« Mädchen büch, der Backfischroman. Kaum, daß einmal ein Buch aus einer anderen Jnteressenzone, etwas Naturwissenschaftliches oder Kulturgeschichtliches, genannt wird. Dieses traurig« Ergebnis läßt nur zu deullich die geistige Vorblldung der Mütter, der älteren Schwestern, der Freundinnen dieser gutbürgerlichen Jugend ahnen. Hier erwächst der sozialistischen, fortschrittlich gesinnten Frau, deren Kind das Lyzeum besucht, ein weites, noch vollkommen unbebautes Betätigungsfeld. Sie wird dafür Sorge tragen müssen, daß ihre eigene Tochter die Verlogenheit und Kitschigkeit dieser typischen bür- gerlichen Backfischliteratur rechtzeitig«rkennt, und sie wird auch auf gleichaltrige Gespielinnen werbend und aufklärend wirken können, wenn sie selbst sich bemüht, verständnisvoll und krittsch das Veraltete und lieberlebte, das Sentimentale und Unfruchtbare von dem Wert- vollen, Zeitgemäßen, geistig Anregenden auf dem Gebiet der Jugend- bücher zu sondern. Jede sozialistische Buchhandlung wird ihr bei diesem Bestreben gern helfen und ihr jederzeit kostenlos einen Einblick in die Iugendlektüre gewähren. Etwas erfreulicher ist immerhin das Bild, das sich bei den höheren Knabenschulen offenbart. Hier herrscht vom 10. bis 15. Jahr das Tierbuch, der Abenteuerroman, die Reiselektüre, und m dieser Vorliebe zeigt sich ein ausgeprägter Sinn für das Leben des For- schers,' des Entdeckers, des Abenteurers. Auf der anderen Seite allerdings sind gerade bei 13- bis 16jährigen sehr stark betonte natto- nalistischc Züge vorhanden, die dos allgeinein-polittsche Milieu der Höheren Schul« verraten. So schreibt ein 13jähriger u. a. von „Monnestreue und Führertreue" in einem Stil, der stark an Stahl- Helm- und Werwolsausruse erinnert, und ein anderer jugendlicher Gymnasiast preist in begeisterten Tönen die verlorenen deutschen Kolonien und fordert zu ihrer Rückgewinnung-ms. Wenn diese Sehn- sucht auch der gleichen Lust am Fremden, Abenteuerlichen entsprungen sein mag, aus der heraus seine jüngeren Kameraden sich in Reise- bücher vertieften, so zeigt sich hier doch bereits, doß dein Jungen Niemand.zur Seite steht, der ihn über weltpolitische Zusammenhänge, über Fragen der modernen Politik aufklärt. Es zeigt sich ferner, daß nicht mir das Elternhaus, sondern auch die Schule selbst, die häufig genug Bücher dieser Art in ihren Schülerbibliotheken ausleiht, voll- kommen versagt, indem sie dem Schüler, der ein solches Buch in die Hand bekommt, nicht das geringste kritflch« Rüstzeug mitgibt. ver fliegende Cowboy. Die Romantik des reitenden Eowboy wird durch das Flugzeug zerstört. In den großen Renntierpferchcn vdn Alaska und Rardkanada werden neuerdings Flugzeuge ver- wendet, um die Herden zu überwachen, die viel schneller und„übevc sichtlicher" arbeiten als oi« reitenden Cowboys. Vorträge, Vereine und Bersammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Geschäftsstelle: Berlin 6. 14, Sebastianftr. 37/38, Sof 2 Tr. Freitag, 8. Juni. Areuzberg, 8ug 1: 20% Uhr Bersammlung bei Geehat, Willibald- Aleris- Str. 5. Bug 6: 20 Uhr Bersammlung bei Mendler, Dieffenbachstr. 54. Amtsbezirk Schöneiche: 20 Uhr MonatsversammYung im Restaurant Lindenhof, Fichtenau, Hauptstr. 45. Wichtige Tagesord nung. Vortrag des Kam. Rodrian. Erscheinen Pflicht. Reinickendorf- West: 20 Uhr Mitgliederversammlung bei Frieschütz, Scharnweberftr. 50. 19 Uhr Vorstandssigung. Gruppenführer laden ein. Sonnabend, 9. Juni. Waffersport. abteilung: 20 Uhr Kommers, Strandschloß Tegel. Charlottenburg: Rameradschaftsversammlung Wittenberg im Rollendorf- Rafino, Aleiftstr. 41, 20 Uhr. Referent Ram. Abter: Was lehren die Wahlen?" Reukölln- Brig: 18 Uhr Treffen Schützenhaus. Mitte: 14 Uhr Arbeitsdienst Sportplag Rarlshorst. Nachrichtenzug Versammlung 20 Uhr Brunnenstr. 4. Hennigsdorf: 19.47 Uhr Abfahrt nach Tegel, am 10. Juni 13.17 Uhr. Sonntag, 10. Juni. Waffer. sportabte lung: Antreten 10 Uhr der Gesamtabteilung Bootshaus Tegel. Pflichtveranstaltung, Fahrtensperre. Ruberriege: Antreten 8 Uhr Bootshaus Tegel, Ruderdreß, Klubanzug. Wintersportabteilung: 7 Uhr Treffen Borhalle Sebeter Bahnhof( Fernbahnhof). Banderung und Teilnahme an der Boots hauseinweihung Tegel. Bedding: 12 Uhr treten die Rameraden in den Ab teilungslokalen an. 13.15 Uhr müssen die Abteilungen am Bhf. Tegel stehen. Prenzlauer Berg: Treffpunkt Bhf. Tegel 13 Uhr mit Musik und Fahnen. Bflichtveranstaltung. Charlottenburg: Republikanertag und Bootshausweihe in Tegel. Antreten fämtlicher Rameradschaften 12 Uhr vor dem Bhf. Jungfernheide. Treffpunkt für Angehörige Geepavillon. Röpenid, Ortsverein: 8ufammenkunft der Kameraden in Wilhelmshof von 9-12 Uhr. Weißensee: Pflichtveranstaltung Tegel. Antreten Antonplag 12 Uhr Linde 63 mit Musik und Fahnen. Pankow: Antreten 12% Uhr vor dem Türkischen Zelt mit Musik und Fahnen die Kameradschaften Nord, Eüd und Niederschönhausen, Bflichtveranstaltung; Rarom 12 Uhr Bhf. Pankow. Nachzügler 13% Uhr Tegel, Dorfaue, Hauptstraße. Reinickendorf, Ortsverein: Antreten 13 Uhr Dorfaue Tegel, Pflichtveranstaltung. Reinidendorf- Weft: Pflichtveranstaltung Tegel, Antreten 13 Uhr Frieschütz. Tempelhof: Kameraden, die an der Veranstaltung in Tegel teilnehmen, treffen sich am Bhf. Tempelhof um 12 Uhr. Zeltow: 8 Uhr Fahrradausfahrt zu einer Landkameradschaft. Friedrichsfelde: Unser Bläserkorps übt wieder jeden Freitag 20 Uhr in den Comenius- Sälen, Memeler Straße 67. Bläser sämtlicher Instrumente, die Idealisten find, herzlich willtommen. Bankow: Freitag, 8. Juni, 18% Uhr, Antreten der Sportler bei Meeß, Lindenpromenade. Sonnabend, 9. Juni, Veranstaltung der Rameradschaft Tegel 20 Uhr Strandschloß, freiwillige Beteiligung. Bereinigung ber Freunde für Religion und Bältertrieben. Genoffe Blaze Meier spricht am Freitag, 8. Juni, 20 Uhr, in der Trinitatiskirche, Charlotten burg, Karl- August- Blag, anläßlich einer Wochenendfeier über das Thema„ Das Recht auf eine Wochenendfeier". Sonn Berein sozialistischer Lebensreformer im Verband Boltsgesundheit. tag, 10. Juni, Fahrt nach dem Gelände in Hönom am Mittelfee. Treffpunkt 7 Uhr Schles. Bhf., Haupteingang. Fahrgeld 40 Pf. Die Ausscheidungstämpfe für den Dortmunder Jugendtag finden Sonntag, 10. Juni, 8-12 Uhr, im Lichtenberger Stadion, Herzbergstraße, statt. Treffpunkt der Teilnehmer 7 Uhr Bahnhof Lichtenberg- Friedrichsfelde und Ende haltestelle der Linie 68. Der Singkreis übt am Montag, 11. Juni, pünktlich 19% Uhr, im Seim Lindenstr. 4. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend. ( Nachdr. verb.). Nach gewitterartigen Regenfällen ein wenig fühler und ziemlich fart bewölkt bei füdlichen bis südwestlichen Winden. Für Deutschland. Im Nordosten noch vielfach trübe mit Regenfällen, im übrigen Reiche mäßig warm und Nachlassen der Regenfälle, doch gewitterartige Störungen wahrscheinlich. TIETZ Billige Heute Ziehung der ebensmittel Heimgerkstätten- Lotterle Leipziger Strasse* Alexanderplatz Frankfurter Allee* Belle- Alliance- Strasse* Brunnenstrasse* Kottbuser Damm* Andreasstrasse* Chausseestrasse Wolgahühner Pfd. von 1,05 frisch Pfd. Suppenhühner P. von an 1,10 an Junge Gänse Pfund von 1,30 an Junge Tauben Stck. von 75Pf. an Rehblätter Pfund 1,20 Seifches Sleisch Pa. Schweinebauch ohne Beilage, Pid. 88P. Pa. Schweineschinken .Pfand 1,06 Pa. Kassler mild gesalzen........ Pfund 1,20 Pa. Rückenfett bratfertig, o. Schw., Pfd. 78Pt. Pa. Eisbein o.Spitzb., mild gepök., Pfund 48Pf. Pa. Schmerfleisch Keule o. Knochen, Ptd. 1,24 Pa. Suppenfleisch Pfund von Kaibskamm ohne Beilage...... Pa. Schabefleisch Pa. Kalbschnitzel.. Kalbsnierenbraten Pa. Hammelvorderfleisch. Pa. Rinderbacken.. an 78Pt. 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Nichts wirkt| fich fatastrophaler aus als der Mangel an Einsicht in die wirtschaftlichen Zusammenhänge des Gebietes, dem der jeweilige Betrieb an gehört. Daher ist es außerordentlich zu begrüßen, daß gerade auch Betriebe, die der öffentlichen Hand gehören, eine weitschauende Bigeleisen Staubsauger Brotröster Waschmaschinen Kaffeemaschinen Ventilatoren Heizapparate Grills Heizkissen 100% Cleveland Berlin beginnt ein steiler Aufstieg von 21,5 Prog. auf 43,4 Broz, und diese fteile Kurve wird in der nächsten Zeit noch anhalten. Chitago aber hatte den gleichen Elettrizitätsperbrauch bereits im Jahre 1918. Hier tonnten sich die mesentlich besseren wirtschaftlichen Verhältnisse zugunsten der Bevölkerung früher auswirten. Nimmt aber der Elektrizitätsverbrauch Berlins im gleichen Tempo mie feit 1924 zu, so dürfte es den neunjährigen Vorsprung Chitagos bereits in fünf bis sechs Jahren eingeholt haben. Wilmersdorf Wedding. Interessant ist die Tatsache, daß die Zahl der elektrifizierten Wohnungen in den minderbemittelben Stadtteilen erschreckend gering ist. Figur 2 zeigt die Ueberlegenheit von Wilmersdorf gegenüber dem Wedding. Folgende Tabelle gibt diese graphische Darstellung in Zahlen wieder: Bezirksamt Wilmersdorf. • Charlottenburg Tiergarten. Bankow. • " Mitte . Neukölln Nach diesem Vertrage stehen vom 1. März bis 31. Dtto ber der Bewag 60 000 Rilowatt und vom 1. November bis 28. februar, also der Zeit der Hauptbeanspruchung, 80 000 Rilom att zur Verfügung. Für diese Mehrleistung in den Wintermonaten ist nur der Leistungspreis für vier Monate zu bezahlen. Gesamtzahl der Wohnungen gleich 100% gesetzt. I Mit Elektrizität versorgle Wohnungen in% der Gesamtzahl. Chicago % 100 80 60 • 64,36 Proz 43,8 29,32 " 27,3 " 40 22,51 17,5 16,6 20 20 10,7 Berlin % 100 80 60 00 40 Nähmaschinenmotoren Waffeleisen Kühlschränke VD 1928 Sättigung der Haushalte mit elektrischen BEWAG Geräten Fig. 1. 891 Bolitit treiben und sich auf die in der Zukunft zu erwartenden Leistungen einrichten. Zu diesen Betrieben gehört die Bewag, Berliner Elektrizitätswerte A.-G. Unter ungeheuren Schwierig feiten und mit zäher Energie ist es der Berwaltung gelungen, die Stets steigenden Ansprüche der Stromverbraucher zu befriedigen. Und es wird immer ein Ehrentitel in der Geschichte der Stadt Berlin bleiben, daß sie in schwerfter Zeit, als die Wirtschaftslage völlig angellärt war, als die Gelbwerte unter den Fingern zerrannen, fich entschloß, das Großfraftmert Klingenberg zu errichten und Dabei auch an dessen zukünftige Bergrößerung um das Doppelte zu Denten. Es ist aber auch begrüßenswert, daß die Leitung der Werte in strenger wissenschaftlicher Arbeit sich einen flaren Einblid über Den Elektrizitätsverbrauch verschafft hat, den sie in Kürze in der größten Stadt der deutschen Republik erwartet. Deutschland- Amerika. Durch Bergleiche mit anderen Städten und Ländern, in denen ber Elettrizitätsverbrauch in ständiger Zunahme begriffen ist, laffen fich Schlüsse ziehen auf die Entwicklung, die wir auch in Berlin zu erwarten haben. Die Zahl der elektrisch versorgten Wohnungen geht aus Figur 1 hervor. Die schwarzen Striche tennzeichnen die mit Elettrizität versorgten Wohnungen im Prozent der Gesamtzahl. Schon ein Blick genügt, um zu sehen, daß Chitago fast 100 Broz. im Jahre 1927 erreichte( genau 93,8 Broz.), während Berlin no ay nicht die Hälfte feiner Wohnungen elettrisch perjorgt hat. Die beiden graphischen Darstellungen zeigen weiter, daß sich der Elektrizitätsverbrauch in Berlin bis zum Jahre 1922 faum merflich gehoben hat. In der Kriegszeit, von 1914 bis 1918, war nur eine Steigerung von 5,5 auf 6,6 Proz. der mit Elektrizität versorgten Wohnungen zu verspüren. 1924 aber, nach Den Ueberwindungen der größten wirtschaftlichen Schwierigteiten, WilSüdwest Charlottenburg Tiergarten Pankow 06 Mitte 20. Neukölln Prenzlauer Berg Wedding Prenzlauer Berg Bedding . Elettrische Geräte im Haushalt. Eine ganz erhebliche Steigerung erwartet man durch die Annehmlichkeiten, die die elektrischen Apparate im Haushalt bieten. Sicherlich ist das Kochen auf Gas 3. B. heute noch teurer als das Bereiten von Speifen auf dem gewöhnlichen, mit Roblen geheizten Herd. Aber die Borteile der Gasbenutzung sind doch so groß, daß die meisten Verbraucher fie dem einfachen Herdfeuer vorziehen. Der Borteil der elektrischen Küche aber liegt in ihrer großen hygiene, der Sauberteit bei der Speifenzubereitung. Und diese Annehmlichkeit, die man in Amerifa und anderen stärker als Deutschland elektrifizierten Ländern schon längst schäben gelernt hat, wird auch bei uns dafür sorgen, daß die Glektrizität sich auch dieses wird auch bei uns dafür sorgen, daß die Geftrizität sich auch dieses Gebiet nach und nach erobern mird. Figur 3 läßt an den schwarzen Strichen erkennen, wieweit die Benuzung der einzelnen efeftrischen Geräte in Berlin fortgeschritten ist. Im Gegensatz dazu aber erfennt man, welchen Gebrauch die Clene land in Amerita von den einzelnen Geräten gemacht wird. Brot. röster und Waschmaschinen, die dort drüben z. B. in mehr als der Hälfte aller Haushaltungen benutzt werden, gibt es in Berlin überhaupt nicht. Ebenso gering ift der Anteil von Grills, Nähmaschinenmotoren, 23 affeleisen und Rühl. ichränten, auf 100 Wohnungen gerechnet, in Berlin. Die folgenbe Tabelle gibt die Bergleichsziffern, die in Figur 3 graphisch dargestellt sind, in Zahlen wieder: Gerät Bügeleisen Staubsauger AHD Brotrofter Waschmaschinen Kaffeemaschinen Ventilatoren Heizapparate Grills Heizkissen Nähmaschinenmotoren Waffeleisen Kühlschränke . Berlin Cleveland 48 97 22 84 68 52 45 39 34 28 21 21 21 1 2222 In Berlin wächst vor allem der Bedarf an Lichtstrom. Für diesen muß daher in erster Linie Sorge getragen werden. Diese ganzen Bahlen aber find zugleich ein Mahstab für die geringe wirtschaftliche Kraft der Berliner Bevölkerung im Berhältnis zu der Ameritas. Sie zeigen, daß noch viel zu tun übrig bleibt, bevor es gelingt, die Kauffraft des inneren deutschen 100% Marites wesentlich zu erhöhen. nado 1997 Berlins Fernstrom. Durch den Bau des Großfraftwertes Klingenberg, das mit seinen modernen technischen Einrichtungen wesentlich billigerer Strom zu liefern vermag, als die zur Fernversorgung Berlins her Tangezogenen Elektrowerke ist ein ständiges Sinten des Fernstrombedarfes eingetreten. Nur für die Spitzenleistungen spielt es heute noch eine gewichtige Rolle. Dadurch haben * sich Aenderungen in den Tarifpreisen, die die Elektromerte verlangten, notwendig gemacht. Figur 4 zeigt das Stromnetz der Elettromerte. Die beiden Großkraftwerke Golpa: chornewig und Trattendorf liefern eine gleichbleibende Grundbelastung von 60 000 Kilowatt über zwei Doppelleitungen von etwa 130 Kilometer Länge nach Berlin. Bei Abschluß des Fernstromlieferungsvertrages im Jahre 1922 waren die damaligen Breise angemessen. Inzwischen haben Berhandlungen den Abschluß eines neuen Vertrages ergeben, bei dem eine wesentliche Berbilligung der Preise unter Anerkennung der veränderten technischen Berhältnisse der Elektrizitätsversorgung erreicht wurde. Bedeutsam ist aber auch, daß der neue Bertrag den für die Bewag technisch immer noch sehr vorteilhaften Fernstrom zur Erreichung der Spizenleiftung mit annehmbaren Breifen festgesetzt hat. Elektrifizierte Wohnungen Berlins in Prozenten der BEWAG Gesamtwohnungszahl Cantarial soch Bezirkadatore) VD 1928 * 5.0 Fig. 2. 893 Hst. 1928 0 1910 15 1920 25 1910 15 1920 25 Entwicklung der Versorgung von Wohnungen mit Elektrizität. Fig. 3. 20 20 0 BEWAG 2029 Ferner liefern die Elektrowerke vom 15. november bis 8. Januar jedes Jahres von 7.30 Uhr bis 9 Uhr und von 15.30 bis 19 Uhr weitere 14000 Kilowatt und in der Zeit vom 30. November bis 23. Dezember von 15,30 bis 19 Uhr weitere 16000 kilowatt, to daß insgesamt 110 000 Rilowatt zur Verfügung stehen, von denen 30 000 Rilomatt ohne Berechnung eines Leistungs= preises zu einem erhöhten, jedoch wirtschaftlich günstigerem Feft preis geliefert werden. Diese Lieferung erfolgt auf den beiden Doppelleitungen zwischen Tichornewit und Traftendorf einerseits und Friedrichsfelde andererseits, und die Stromübergabe wird im Kraftwert Moabit erfolgen. Daneben werden über eine dritte Doppelleitung nach Spandau 8000 Kilomati geliefert. Die Leistung steigt jährlich um 3000 Kilowatt bis auf 20 000 Kilowatt im Jahre 1932. Der Gesamtumfang der Fernstromlieferung wird dann 130 000 Stiiomat: betragen. Der Bertrag, der mit dem 1. Januar 1928 beginnt, läuft bis zum 31. März 1943 und sichert demnach die Fernstromversorgung Berlins für die nächsten 15 Jahre. Eine vierte Leitung der Elektrowerke, die von Trattendorf über Spandau nach Charlottenburg führen wird, ist zurzeit im Bau. Sie wird vor allen Dingen Strom für den elektrischen Betrieb der Reichsbahn liefern. Die Stromlieferung an die Reichsbahn ist so geregelt, daß für die öftlichen Strecken die Berliner Elektrizitätswerke, und für die westlichen Strecken die Elektrowerke die benötigten Mengen liefern werden. Die Tatsache, das Berlin in Deuticians mit bie billigsten Strompreise hat und daß die in der Zwischenzeit erfolgten Lohn- und Gehaltserhöhungen ohne Herauffezung der Tarife möglich waren, ist zu einem großen Teil den verbesserten technischen Einrichtungen in den Berliner Werfen und dem günstigen Tarif für den Fernstrombezug zu danken. M. M. 2 BERLIN 7 GOLPA ZSCHORNEWITZ Bitterfeld 6- May Leipzig Bonde THERINGISCHE STAATEN لدعوية P 0 LE 17 LAUTA TRATTEN DORE Schl VD 1928 Leitungsnetz der Elektrowerke Fig. 4. BEWAG 2191 O, diese Kinder! Milch lassen sie stehen, aber meine Milchflammeris reichen nie aus! Wissen Sie, woher das kommt, liebe Leserin? Natürlich! Weil ihnen Mutter die Flammeris aus Mondamin bereitet!( 6 gestrichene Eẞlöffel voll, mit 6 Löffeln kalter Milch angerührt, auf 12 Liter Milch). Da können sie nie genug bekommen. Na, ich weiß ja, daß es kein Luxus ist, wenn ich ihnen Tag für Tag solch einen bekömmlichen Neben Mondamin gibt es jetzt auch Puddingpulver aus echtem Mondamin zu 10, 15 und 25 Pfennig. Mondamin- Flammeri auftische. Für den Aufbau des jungen Körpers kann ich nichts Besseres tun. Kurz und gut: Diese vielgeliebten Milchspeisen machen meinen kleinen Topfleckern immer eine Riesenfreude, mir aber herzlich wenig Arbeit. Darum: Kein Flammeri ohne Mondamin! Eine von den Millionen, die auf Mondamin schwören. 2 Berlin baut Schulen. Die Einheitsschule am Tempelhofer Feld. Es ist eigentlich keine Einheitsschule, die am Mittwoch in der neuen Stadt am Tempelhofer Feld eingeweiht wurde. Aber es ist die erste Schule, wie der Regierungsdirektor Dr. Brezel vom Provinzial schulkollegium ausführte, die in demselben Gebäude Boltsschule und Gymnasium gemeinsam beherbergt. Es ist auch erst das Hauptgebäude der neuen Sdyule, das gestern eingeweiht murde. Die beiden Seitenflügel sollen in diesem Jahre gebaut werden und im nächsten Frühjahr bezugsfertig sein. Das Hauptgebäude allein toftet rund 1350 000 mr. Sie sind dringend notwendig. Denn obwohl es sich um eine neue Schule handelt, ist sie heute schon unzureichend. 3mei Klassen der Volksschule müssen jetzt schon wieder in Holzbaraden untergebracht werden. Dieses Provisorium dauert nun schon lange Jahre. Zweifellos wäre es nicht zu der Schulfatastrophe am Tempel hofer Feld gekommen, wenn die Bezirksverwaltung von Tempelhof vorausgesehen hätte, daß in einer Siedlung auch schulpflichtige Kinder vorhanden sind, und dementsprechend nicht erst im Jahre 1925 an die zentrale Schuldeputation den Antrag auf Errichtung einer neuen Schule am Tempelhofer Feld gestellt hätte. Das neue Schulgebäude stellt sich äußerlich einfach, schmucklos und doch gefällig und wuchtig dar. Es entsagt bewußt allem falschen Zierart, aller Bertleisterung und will nichts anderes scheinen, als es ift. Die Innenausstattung und die gesamte Anlage der Schule entspricht den höchsten Anforderungen. Sie ist so zweckmäßig und wohldurchdacht, daß man dem Erbauer, dem Stadtbaurat Bräuning, mur das höchste Lob spenden fann. Erfreulich an der gestrigen Einweihungsfeier waren auch die Reden, die Dr. Brekel, Dom Magistratsoberschulrat Dr. Fischer, vom Reftor Gabbert und dem Direktor Hausmann gehalten wurden. Sie alle atmeten einen neuen Geist und legten Zeugnis dafür ab, daß im Berliner Schulmesen zielbewußt und erfolgreich an der Republilanifierung und Modernisierung des Schulmejens gearbeitet wird, Unhaltbare Zustände in der Hasenheide. Ein sozialdemokratischer Antrag. Mehrere Punkte der legten Bezirksversammlung des 14. Bezirks Neukölln sind für die Deffentlichkeit von Interesse. Zunächst stellte die sozialdemokratische Bezirksfraktion folgenden Antrag: Auf den Friedhöfen in der Hermannstraße( Thomas- und Jerusalemer Friedhof) merden fortmährend Berbrennungen von Kranzüberresten und sonstigem Gestrüpp vorgenommen, und durch die hierdurch entstehenden starten Raudyjchmaden die umliegenden Anwohner start belästigt und beeinträchtigt. Wir fragen hiermit, mas das Bezirksamt zu tun gedenkt, um diese Belästigungen von den Anwohnern der Friedhöfe fernzuhalten?" Der Antrag wird vom Genossen Aschenbrenner begründet und von dem Bezirksamtsvertreter dahin beantwortet, daß die Polizei auf Ersuchen des Bezirksamts die nötigen Maßnahmen zur Beseitigung des gerügten Mißstandes getroffen habe. Darauf nahm die Bezirksversammlung mit den Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten folgenden Antrag unserer Fraktion an: Das Bezirksamt wird ersucht, beim Magistrat der Stadt Berlin dahin zu wirken, daß dem Arbeitersportfartell Neukölln ein Betrag von 2000 m. als Beihilfe für die Dom 10. bis 16. Juni stattfindende Bezirkssportmerbewoche gewährt wird. Sollte der Betrag aus allgemeinen Mitteln nicht zur Verfügung stehen, so ersucht die Bezirksversammlung, den Betrag aus den dem Stadtamt für Leibesübungen zur Verfügung stehenden Fonds zur Unterstügung von Bereinen zu entnehmen." Dagegen stimmte die Rechte und die bürgerliche Mitte, weil die übrigen bürgerlichen Sportvereinigungen feine besondere Beihilfe erhalten sollen. Eine längere Aussprache entspann fich um den jezigen unhaltbaren 3ustand der Hasenheide. Alle Frattionen ließen erflären, daß verlangt merden müsse, alle Mittel gegen die zum großen Teil unangemessenen Forderungen der Anlieger anzuwenden, um endlich auch den südlichen Teil der Hafenheide durch teilweise Beseitigung der Borgärten nach den aufgestellten Plänen zu regulieren. Das Bezirksamt ließ erklären, daß es bisher an nichts habe fehlen lassen, um diesen Straßenzug endlich vollständig herzurichten; indes sei bisher die Erledigung besonders an den meitaus übertriebenen Forderungen der für die Hergabe von Borgärtengelände in Frage kommenden Anlieger gescheitert. Die städtischen Parts in Tempelhof. Dem Wunsche aus Kreisen erholungsbedürftiger Einwohner folgend hat das Bezirksamt angeordnet, daß zunächst versuchsweise die städtischen Parts in Tempelhof( Alter, Kleiner, Neuer und France- Park) früher geöffnet und später geschlossen werden, als dies in früheren Jahren der Fall war. Die Lore der Parts merden jezt bereits um 5 Uhr morgens aufgemacht und erst nach Eintritt völliger Dunkelheit geschlossen. Die Schlußzeit wird durch besondere Tafeln an den Parkeingängen fenntlich gemacht werden. Außerdem wird nach wie vor das Schließen der Tore durch Klingelzeichen hörbar gemacht. Hoffentlich machen viele Mitbürger von der verlängerten Benußbarkeit der Bartanlagen Ge brauch, damit sich auch die dafür aufgewendeten Mehrkosten lohnen. Es ist also jezt den hiesigen Einwohnern, welche vor Antritt ihrer Beschäftigung einen Morgenspaziergang machen oder von 7 bis 10 Uhr vormittags eine Brunnentur durchführen wollen( FranceBarf), dazu Gelegenheit geboten, ebenso denjenigen, melche fich an heißen Sommertagen noch in der abendlichen Kühle des Parts ergehen wollen. Kraftfahrer und Alkohol. Fahrzeuglenter zur Ausübung seines verantwortlichen Berufes Fahrzeuglenker zur Ausübung seines verantwortlichen Berufes| Trettin gewünschten von Rudolf Straß und Rudolf Herzog müßten bedarf." In einen Rundschreiben des Regierungspräsidenten in Düssel dorf wird festgestellt, daß ein großer Teil der Verkehrsunfälle durch Alkoholgenuß des Wagenführers verursacht ist, der in diesem Zustand zu schnell fuhr oder seinen Wagen nicht mehr in der Gewalt hatte. Es wird als Pflicht des Führers bezeichnet, nach der geringsten Menge Alkohol sich ernsthaft zu prüfen, ob er noch imstande ist, den Wagen sicher zu führen, jedenfalls aber ganz vorsichtig und langsam zu fahren.„ Am besten ist es, wenn jeder, der einen Kraftwagen führen will, fich des Altohlgenuffes gänzlich enthält, bevor er sich ans Steuer fet." Für Angefrumfenheit beim Fahren wird halbjährige, für Verursachung eines Unfalls in diesem Zustand dauernde Entziehung der Fahrerlaubnis angedroht. Noch entschiedener ist eine Verfügung, die für die Kraftfahrer im Dienst der Stadt Freiburg i. Br. erlassen worden ist. Ihnen wird von der Stadtverwaltung der Genuß alkoholischer Getränke irgendwelcher Art( Bier, Wein, Branntwein, Obstwein u. a.) tags: über, während des Dienstes und während der Pausen, insbesondere auch bei Auswärtsfahrten, streng und mit Androhung der Entlassung verboten. Bekanntlich haben felbft Brauereien für ihre Kraftfahrer solche Verbote erlassen. Angesichts der sich häufenden Kraftwagenunfälle und er unleugbaren Gefahren selbst des mäßigen Alkoholgenuffes sollte die Zeit eines allgemeinen gesetzlichen Altohol verbots für Kraftwagenführer jeder Art, mie auch für Lokomotiv, Zugführer und Stationsbeamte gekommen sein. Ein feiner Volfserzieher. Deutschnationaler Lehrer gegen Bolfsbildung. Die letzte Bezirksversammlung des Bezirks Friedrichshain stimmte einer ganzen Reihe Vorlagen betr. Grundstüdsan täufe im Bezirk einmütig zu. Die neuen Grundstücke werden der Erweiterung der Schulhöfe in den Volksschulen Petersburger Str. 4 und Friedenstr. 31 sowie der Weiterführung der Jostnstraße zum Büschingplatz dienen. Annahme fand auch die Vorlage auf Ausgestaltung des Warschauer Plages mit Grün anlagen. Bei der Besprechung der einmaligen Anforderungen für die Bedarfsübersicht 1929 wurden die Anfäße für die Sozial hygiene, für den Bau eines zweiten Stadtbades im Bezirk und die Errichtung einer unterirdischen Bedürfnisanstalt am Landsberger Platz bedeutend verstärkt resp. neu eingesetzt. Im übigen wurde den Ansätzen des Bezirksamts zugestimmt. Dasselbe geschah mit der Vorlage zum Bau einer Gemeindewald schule. Bei der Besprechung der anzufordernden Mittel für die Wolfsbüchereien brach der deutschnationale Lehrer Trettin eine Lanze für die gute alte 3eit mit ihren literarischen Erzeugnissen. Er hielt den Ausbau der Boltsbüchereien für überflüssig, da dadurch nur die soziale Not verdeckt werde. Bürgermeister Genosse Mielig betonte, daß das Bezirksamt feinen Anlaß habe, die vorhandene soziale Not zu verdecken. Es nehme aber auch die Gelegenheit in jedem Falle wahr, die Ursachen und Urheber dieser Not festzustellen. Nach Uebernahme der Volksbüchereien seien mehrere Zentner an Büchern ausgeschieden worden, weil es sich hierbei um üblen Kitsch handelte. Eine große Zahl von Hohenzollernverherrlichungen mußten aus fortiert werden, weil man in einer solchen Bücherei mur objektive Geschichtswerke dulden fönne. Selbstverständlich werde alles Bert volle bei der Ergänzung berücksichtigt. Das gilt vor allem auch für die in manchen Bibliothefen noch zu wenig vorhandenen Klassiker. Genosse Theet stellte fest, daß sich der deutschnationale Herr Trettin als Lehrer gegen den Ausbau der Bil dungstätigkeit wende. Das sei bezeichnend für die Ein stellung deutschnationaler Kreise. Schundwerte mie die von Herrn Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, von dem Ableben des Buyers Karl Pritzkow Renntnis zu geben. Der Verstorbene, zu dem der Tod als Frennd und Erlöser getommen ist, hat als Vorftands- und Ausschußmitglied ftets die Intereffen der Kaffe und der Versicherten vertreten. Für fein reges Intereffe an ber Rasse und und seine treue Mitarbeit werden wir ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Der Vorstand der Ortskrankenkasse für das Maurergewerbe zu Berlin. Beerdigung Sonnabend, d. 9. Juni, 1512( 32) Uhr, von der Rapelle des St Nicolai- und St. Marien- Friedhofs Prenzlauer Allee 7 aus. Am 5. Juni verstarb unser Kollege, der Dreher Josef Arlt infolge Herzschlages auf der Arbeitsstelle im Alter von 64 Jahren. Wir verlieren in ihm einen freuen Rollegen und Mitarbeiter und werden ihm ein dauerndes Andenken bewahren Die Arbeiter und Angestellten der Firma R. Gradenwitz G. m. b. H. Berlin S. Dresdener Str 38. Danksagung Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Hinscheiden meines lieben Mannes Julius Schulz sage ich allen Freunden und Befannten, besonders dem Vorstand und den Angestellten der Ortstrankenkasse der Tischler Berlins, meinen herzlich ften Dant. Für die Hinterbliebenen Witwe Minna Schulz SpezialBehandl, Dar für Ischias in Hüft., Gesäß und Bein, wenn ärztl. festgestellt. In 15 Tagen sind Bestätigung und Referenzen, ärztl. empfohlen. Invalidenstraße 106. 9-11. 1-4. Sonntag 10-12. Jacoin Die ständig zunehmenden Kraftfahrzeugunfälle veranlassen die Behörden, in wachsendem Maße dazu Stellung zu nehmen und um Abhilfe besorgt zu sein. Daß dabei die besondere Alkoholgefahr schwere Fälle beseitigt worden. Unantastbare Heilerfolge. gerade auf diesem Gebiet zur Sprache tommt, ist natürlich und als Anfang der Besserung zu begrüßen. So hat der preußische Minister für Handel und Gewerbe in einem Erlaß, der bessere Erziehung der Wagenführer zur Straßendisziplin bezweckt, die Behörden ersucht, auch auf die schädlichen Folgen des Alkoholgenuffes vor und während der Fahrt hinzuweisen. Die Dienstporschriften für die Kraftfahrzeuge der Reichspost bestimmen, daß die Führer sich im Genuß alkoholischer Getränke die größte Mäßigkeit, im Dienst aber völlige.Enthaltsamkeit aufzuerlegen haben". Das Kreisamt in Gera erklärt, daß die leichte Alkoholisierung des Führers viel häufiger und oft ebenso gefährlich sei wie die selteneren Fälle völliger Betrunkenheit. Gerade geringe Mengen Alkohol, oft schon ein einziges Glas Bier meden llebermut, Forschheit, Draufgängertum und lassen entgegenstehende Gefahren übersehen oder unterschäzen. Darum ergeht an alle Kraftfahrzeugführer die Aufforderung, vor und während der Fahrt jeglichen Alkohol zu meiden und statt dessen alkoholfreie Getränke zu sich zu nehmen. In gleichem, Sinn sollen Arbeitgeber und Fahrgäste wie auch die Wirte wirfen. Der Polizeipräsident von Bochum- GelsenPirchen teilt mit, daß mehreren Fahrern wegen Fahrens in trunkenem Zustand der Führerschein entzogen werden mußte, und bemerkt dazu: Erfahrungsgemäß genügt schon eine sehr geringe Menge geistiger Getränke, oft eine, die bei sehr vielen Menschen feine äußerlich wahr nehmbare Wirkung erzeugt, um diejenige Schnelle, Sicherheit und Schärfe der Beobachtung und des Entschlujes zuheben, denen der Lederwaren auch bis 22 12. MONATS RATEN f Raddatz C Berlin, Leipzigerste 122-125 unter allen Umständen aus den Arbeiterbezirken verschwinden. Er münschte vor allem die Beschaffung der wertvollen Gegenwarts literatur. An wertvollen Geschichtswerfen aus den Kreisen der Deutschnationalen aber empfiehlt der Redner noch die Anschaffung Mar Maurenbrecher, die„ Hohenzollernlegende". des Berkes von Ein Antrag der Arbeitsgemeinschaft der Mitte auf Berbesserung der Berkehrsregelung an der Straßenkreuzung Weidenweg, Borndorfer, Richthofen- und Friedenstraße wegen der dort auftretenden großen Gefahren für das Publikum wurde einstimmig angenommen. Einstimmige Annahme fand auch ein Dringlichkeitsantrag unserer Fraf tion auf Befierung der skandalösen Verhältnisse im Krankenhaus Friedrichshain bei der Untersuchung non chirurgischen Kranten, Kindern, Krüppeln und Geschlechtsfranfen in einem Raum. Die Genossen John und Stadtrat Günther fennzeichneten mit scharfen Worten diesen beispiellosen Zustand Wir werden noch auf diese Verhältnisse zurückommen. Ebenso fand auch ein Antrag der Kommunisten auf strenge Unter= suchung der Zusammenstöße in der Frankfurter Allee, bei welcher Gelegenheit sich der kommunistische Redner eine Anpöbelung des" Borwärts" und der Sozialdemokratie leistete, einstimmige Annahme. Der Architekt im Dienste der Bauwirtschaft. Der Bund deutscher Architetten hatte in der Deut schen Gesellschaft 1914" zu einem Empfangsabend eingeladen. Der Vorsitzende, Professor Tessenow, führte in seinen einleitenden Worten aus: Je stärker wir uns heute um die Baukunst bemühen, um so mehr müssen wir Freunde suchen, die uns helfen. Dieses Leitmotiv spann Friedrich Paulsen in seinem Vortrag" Der Architekt im Dienste der Bauwirtschaft" weiter aus. Die uns überkommene Bauweise ging von der Voraussetzung aus, daß ein sehr großer Teil aller zu errichtenden Häuser auf mehrere Menschenalter ohne wesentliche Veränderung brauchbar sei. Bei niederem 3insfuß fonnte es daher zweckmäßig sein, die Häuser von vornherein auf eine Bemuzung durch drei oder vier Menschenalter einzurichten, auch wenn die einmaligen Anlagekosten dadurch etwas gegenüber einer Eenutzungsdauer von wenigen Jahrzehnten gesteigert wurden. In einer tapitalarmen 3eit, in der der Zinsfuß sehr hoch ist, fann es aber mirtschaftlich durchaus begründet sein, daß man Kapital spart, auch wenn damit eine baldige Erneuerung des Hauses notwendig wird. Die Zinseszinsrechnung ergibt hierüber das Nähere. Dazu tommt, daß mit einem raschen Beralten sonst wohlerhaltener Häuser geeinem namhaften Teil der Hausbestandteile. Aber den größten Teil rechnet werden muß. Die Industrialisierung ist technisch möglich bei unseres Volkes ist der Industrialisierung des Häuserbaues ein Riegel vorgeschoben: den Bewohnern der Mittelstädte und des Landes. hier werden handwerkliche Betriebe, auch größere, die Ausführenden sein müssen. Die Art der Gütererzeugung auch dieser handwerk. lichen Betriebe wird namhafte Teile des industriellen Berfahrens übernehmen müssen, wenn nicht der Bedarf an Häusern für diese drei Biertel unseres Bolfes uns in unzufäffigem Maße wirtschaftlich belasten soll. Stadtbaurat Bruno Taut führte in seinem Bortrag„ Die Polarität des Architektenberufes" aus, daß es viele Formen gibt, in denen sich das Persönliche und das Kollektive so vereinigen läßt, daß die Kraft der Persönlichkeit der Gesamtheit dient und ihr wirflich hift. Seine Forderungen, auf Berlin angewendet, find folgende: Die bloße Erfüllung von Tagesaufgaben genügt nicht; diese Aufgaben müffen unter einem großen Gefichtspunkt, der sie zufammenfaßt und deshalb zur Gesamtgestaltung führt, zusammengehalten sein, und zwar nicht nur im geistigen Sinne, sondern durchaus im Sinne der großen Dimension. Das Kleinliche darf in Berlin feinen Blaz haben, wenn der Riese eine Gestalt haben soll KONSUM GENOSSENSCHAFT BERLIN U UMGEGEND E. G. M. B. H. ALUMINIUMSPORTARTIKEL Wanderkocher. 6.90, 5.25, 4.50, 3.90 Brenner, einzeln, Messing. 9 • 1.50, 0.95 0.35, 0.30 Kaffeebüchsen Fleischbüchsen Butterbüchsen mit Glaseinsatz Butterbüchsen ohne Stullenbüchsen Essenträger. Salzstreuer • Zitronenpressen Wanderbecher • B • E Wanderbecher klappbar " 6 1.05 Pfd. 0.65 Pfd. 0.98 Pfd. 0.35 Pfd. 0.50 b P 1.15, 0.75 1.30, 1.10 0.28 0.28, 0.20 • 0.45, 0.35 0.35, 0.25 Spiritusflaschen., 1.00, 0.85, 0.70, 0.55 Feldflaschen mit Bezug. Seifendosen. 12 Spirituskocher Wanderbestecke aka Wanderbestecke mit Messer Isolierflaschen/ Liter Isolierflaschen/ Liter S 3.25, 2.90, 2.75 0.40, 0.30, 0.28 5.75, 4.75, 4.50 . 0.50, 0.45 1.10 1.95, 0.95 3.25, 1.75 3.75, 2.25 Isolierflaschen 1 Liter Südosten: Am Oranienplatz Norden: Reinickendorfer Straße 21 Charlottenburg: Rosinenstraße 4