BERLIN Sonnabend 9. Juni 1928 Der Abend Erscheint täglich außer Sonntags. Zugleich Abendausgabe des„ Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Spätausgabe des„ Vorwärts 10 Pf. Nr. 270 B 133 45. Jahrgang. Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeile 80 Vf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Bosscheckkonto: Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Donhoff 292 bis 297 Der Prügelheld ausgeschlossen! Kommunist Golfe auf acht Tage aus dem Landtag entfernt. Regierungserklärung im Landtag. Heute Nachmittag: Rede Otto Brauns. Heute nachmittag wird im preußischen Landtag nach der Wahl des Präsidiums eine Regierungserklärung abgegeben werden. Ministerpräsident Braun wird darin einen Rückblick über die preußifche Politik der letzten Jahre geben und auf Grund des Wahlergebniffes vom 20. mai feststellen, daß diese Politik von den Wählernge billigt worden ist. Die preußische Regierung habe deshalb keinen Anlaß, zurückzutreten und werde auf dem bisher von Ihr verfolgten Weg fortfahren. Jede Partei, die sich zu den Richtlinien der preußischen Regierung bekenne und fest auf dem Boden der Republik stehe, sei zur Mitarbeit willkommen. Die preußische Regierung sei bereit, sobald dieser Wille offen und ehrlich zum Ausdrud gekommen sei, in Berhandzungen zur Erweiterung ihrer gegenwärtigen parlamentarischen Basis einzutreten. Die Debatte über die Erklärung der preußischen Regierung wird am Montag beginnen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Roalitionsparteien fich mit einer gemeinsamen Erklärung begnügen. Bor der heutigen Landtagsfizung trat der Aeltestenrat zu einer Besprechung zusammen. Wir wir erfahren, wurde bei Besprechung der Frage der Vizepräsidenten an die kommunistische Bertretung die Anfrage gestellt, ob ein von der kommunistischen Fraktion gestellter Vizepräsident die Bestimmungen der Ge= schäftsordnung gewissenhaft handhaben würde. Bekanntlich haben die Kommunisten als viertstärkste Fraktion ihrer Zahl nach Anspruch auf die Stelle des 3. Vizepräsidenten. Die Kommunisten gaben die Erklärung ab, daß im Falle die kommunistische Fraktion einen Bizepräsidenten in Vorschlag bringen würde, dies selbstverständlich die Bedeutung habe, daß der Betreffende sich an die Geschäftsordnung halten werde. Nach dieser Erklärung besteht die Wahrscheinlichkeit, daß die Kommunisten den 3. Bizepräsidenten erhalten werden, falls sie nicht selber darauf verzichten sollten. Der Aeltestenausschuß wandte sich sodann der Besprechung der geftrigen skandalösen Vorgänge zu. Als Haupttäter auf tommunistischer Seite ist inzwischen der Abg. Golfe ermittelt worden. Er war es, der als erster auf die rechte Seite hinüberschritt und dem Abg. Dr. Bonfid mit geballter Faust wuchtige Schläge ins Gesicht versetzte. Auch die tommunistischen Vertreter im Aeltestenausschuß fonnten diesen Tatbestand nicht bestreiten, sie suchten ihn nur unter Hinweis auf frühere Vorkommniffe im vergangenen Landtag abzuschwächen. Die Beratungen über Diese Angelegenheit dauern noch an. Es ist wahrscheinlich, daß gegen den Abg. Golte der Ausschluß für eine Reihe von Sigungen verhängt werden wird. Nach der Geschäftsordnung kann der Aeltestenrat einen solchen Beschluß mit Dreiviertelmehrheit fassen. Da der Landtag vor den Ferien nur noch wenige Sigungen abhalten soll, so fönnte ein Ausschluß auf mehrere Sigungstage für den Betreffenden unter Umständen bedeuten, daß er während der ganzen Dauer der Ferien Diäten und Freifahrtkarte verliert. Der Aeltestenrat hat, wie uns kurz vor Redaktionsschluß mitgeteilt wird, den Ausschluß des Abg. Gohlke auf acht Situngstage beschlossen. Ein Haus ohne Korridor. In Hamburg wurde kürzlich ein ,, Laubenganghaus", eir Stockwerkhaus mit Kleinwohnungen, errichtet, dessen Prinzip darin besteht, daß die einzelnen Wohnungen nicht von den Treppen aus zugänglich sind, sondern von Galerien, die in Stockwerfen übereinander liegen. Der Zugang zu den Galerien wird durch drei offene, feuersichere Treppenhäuser vermittelt Die Heizung des ganzen Hauses, das 133 Wohnungen enthält, erfolgt von einer Zentrale im Keller aus. Jede Wohnung ist mit einem Wärmezähler versehen. Oben: Blick auf das Laubenganghaus ,, Heidbörn" in Hamburg. Links: Blick in einen Laubengang. Von der„, Italia" sind deutliche Notsignale aufgefangen worden Der Prozeß gegen den Frauenmörder Gutowsky Berichte 2. Seite. Friedrich Bartels( Soz.) wird heute wieder zum Präsidenten des Preußischen Landtags gewählt. Müller bei Hindenburg. Auftrag zur Regierungsbildung am Dienstag. Der Reichspräsident empfing heute vormittag um 10% Uhr den Vorsitzenden der Sozialdemokratischen Partei, Hermann Müller- Franken, zur Erörterung der politischen Lage. Die Unterhaltung war nur von furzer Dauer. Genosse Hermann Müller unterrichtete den Reichspräsidenten über die Entschlossenheit der Sozialdemokratie zur Mitverantwortung und zur Führung der künftigen Regierung. Der Reichspräsident erklärte, daß er im Laufe des heutigen Tages die Führer des Zentrums, der Deutschen Volkspartei, der Demokraten und der Bayerischen Volkspartei empfangen werde und beabsichtige, Hermann Müller nach dem Rücktritt des bisherigen Kabinetts mit dem Versuch einer Neubildung der Regierung zu be. auftragen. Der Reichspräsident von Hindenburg empfing im Laufe des Sonnabendvormittag zunächst den Reichstagspräsidenten 2öbe zu einer Besprechung über die politisch- parlamentarische Lage im Zus sammenhang mit der Regierungsneubildung. Im Anschluß daran murden die Führer aller größeren Parteien mit Einschluß der Deutschnationalen empfangen. Die Sozialdemokraten waren durch den Vorsitzenden der Reichstagsfraktion, den Abgeordneten Hermann Müller, vertreten, die Deutsch nationalen durch den Parteivorsitzenden Graf West ar p. Für die Deutsche Volks= partei war der Abgeordnete Dr. Scholz erschienen. Das Zentrum hatte den Vorsitzenden der Reichstagsfraktion, von Guérard, und den Abgeordneten Stegerwald entsandt. Die Wirtschaftspartei war vertreten durch die Abgeordneten Dremiß und Mollath und die Demokraten durch den Abgeordneten Dr. KochWeser. Auch die am Sonnabend vormittag abgehaltenen Besprechungen tragen unverbindlichen Charakter. Der Lehrerinnenmörder verhaftet? Magdeburg, 9. Juni,( Eigenbericht des ,, Abend".) In dem Berdacht der Ermordung der beiden Lehrerinnen Gersbach im Feldberggebiet im badischen Schwarzwald ift in Magdeburg auf Ersuchen der Staatsanwaltschaft Freiburg der in Magde-burg wohnende, aus Freiburg stammende Bücherrevisor Karl Friedrich Schmidt verhaftet und dem Magdeburger Unterfuchungsrichter zugeführt worden. Die Helden von gestern. Und ihre Freunde von heute. Kein Die Feinde der Republik und des parlamentarischen Systems haben ihre helle Freude. Die Moskowiter haben ihnen am Freitag wieder einmal trefflich in die Hände gespielt. Wie sie sich im Preußischen Landtag aufführten, das ist schon nicht mehr Ungeschliffenheit, das ist organisiertes Rowdytum. 3weifel, daß dieselbe geheime Parole, die die Steinwürfe in die italienische Botschaft lenkte, auch die Störung der preußischen Parlamentsverhandlungen planmäßig vorbereitete. 3war tut heute das Komunistenblatt so, als ob es von der Szene überrascht worden sei. Aber das ist nur die schon landesüblich gewordene Lügen= beutelei, die von der kommunistischen Leitung zur höchsten Moral erhoben wurde. Die„ Rote Fahne" schildert den wohl vorFeierliche Landtagseröffnung. 5 Ge s Die Funkzeichen Nobiles. Besteht noch eine Rettungsmöglichkeit? Ja Es scheint sich zu bestätigen, daß es der„ ,, Citta di Milano"| 84. Grad besteht aus zerrissenem, unebenen Eis, und Flieger gestern abend um 19 Uhr tatsächlich gelungen ist, deutliche Notsignale des Luftschiffes Jtalia" aufzufangen. Als geographische Lage wurde ein Punkt angegeben, der 20 Meilen nördlich vom kap Leigh- Smith, dem östlichsten Punkt des Nordostlandes von Spitzbergen, liegt. Die Notsignale wurden gleichzeitig von der Radiostation der „ Citta" und der Station auf einem Hügel der Ringsban ver nommen. An sich hat der Kommandant in die Zuverlässigkeit dieser Signale Vertrauen, trotzdem wird von der Sendestation des Luft: schiffes zur Ergänzung das Zeichen des Radiotelegraphisten Biagi verlangt, der die Expedition Nobiles begleitet. Der Kommandant der ,, Citta" hat inzwischen den Dampfer ,, ob by" angewiesen, sich soweit wie möglich der Stelle zu nähern, wo sich die lleberlebenden des Luftschiffes zu befinden scheinen. Es soll dann sofort ein Hundeschlittengespann mit orfskundigen Führern ausgeschickt werden. Aus Rom wird berichtet, daß die Empfangsstation des Luftschiffes die große römische Station von San Paolo besser zu hören scheine als die des Dampfers„ Citta di Milano". Des. halb wurde von Rom aus fast die ganze Nacht ein Funkspruch dieses Inhalts ausgefandt:„ Um 19.23 Uhr hat der Dampfer„ Citta di Milano" Euch sehr gut gehört und Euer SOS sowie die Ortsbezeich nung empfangen. Er wird Euch alle Viertelstunde an= rufen und von Euch die Bestätigung der Stellung und das Zeichen Biagis zur Kontrolle verlangen." Nobile hat später dem Notsignal die Worte beigefügt„ Wir haben erhalten" und dabei die Stellung der geographischen Lage nochmals angegeben. Inzwischen freilich sind in Ringsban wieder 3weifel aufgekommen, ob alle diese Signale wirklich von Nobile stammen. Vermutungen tauchen auf, ob es sich nicht um einen gemeinen und niederfrächtigen„ Scherz" von Radioamateuren handelt. Weiterhin sendet die„ Citta di Milano" dauernd Nachrichten an Nobile über die Hilfsexpeditionen, die unterwegs sind, damit die Verunglückten, falls sie mit ihrem Funkgerät nicht mehr senden können, doch wenigstens Kunde von der Außenwelt erhalten. In Kingsbay erwägt man alle Möglichkeiten für die Rettung der Italia", unter der Voraussetzung, daß sie tatsächlich in der Nähe des 84. Grades nördlicher Breite niedergegangen ist. Die Landungsstelle läge dann etwa 500 Kilometer nördlich von Kingsbay, die Rettung der Verunglückten wäre mit gewal tigen Schwierigkeiten verbunden. Das Gebiet bis zum würden mit größten Schwierigkeiten bei Landung und Aufstieg zu fämpfen haben, wenn eine Landung überhaupt möglich ist. Wenn die Hilfsmaschinen nur Proviant abwerfen könnten, müßte die Mannschaft der" Italia" den Weg nach Spißbergen zu Fuß antreten. Ob die Italiener diese ungeheuren Strapazen überstehen könnten, ist leider mehr als zweifelhaft. Zudem sind die beiden Flugzeuge, die sich jetzt auf Spitzbergen befinden, nicht imstande, den 84. Grad zu erreichen. Es müßte erst eine größere Maschine herangebracht werden und das bedeutet eine weitere Verzögerung. Roald Amundsen befand sich 1925 glichfalls. auf dem 88. Grad nördlicher Breite, und seine Expedition hat volle drei Wochen gebraucht, um eine Start= bahn für die Maschine zu ebnen. Amundsen selbst hat sich gegenüber der Presse dahin geäußert, daß man die Meldungen über die funkentelegraphische Verbindung mit Nobile äußerst vorfichtig aufnehmen müsse. Er sei in dieser Hinsicht Bessimist. Kapitän Riiser Larsen ist gestern zu seinem ersten Erfundungspfluge aufgestiegen. Lühow Holm hat das nördliche Spizbergen erneut abgesucht, ohne eine Spur von der Italia" entdecken 3u fönnen. Das Wasserflugzeug S 55 hat gestern wegen des ungünstigen Wetters noch nicht von Sestro Calende starten können. Der Kommandant hofft aber, bei einigermaßen günstigem Wetter heute über den Gotthard starten zu können. In den Polargegenden ist wieder Schneewetter einge= treten. Hobby" und„ Braganza" find völlig vom Eis eingeschloffen. Das Kreuz des Südens" hat den letzten Abschnitt seines Amerika- Australien- Fluges vollendet und ist in Brisbane, von einer begeisterten Menge stürmisch begrüßt, gelandet. Man rechnet damit, daß die Flieger für die Durchführung des Unternehmens etwa eine Million Mark erhalten. Heimfahrt der Bremen" Flieger. New York, 9. Juli. Die Bremen- Flieger und ihre Angehörigen haben um Mitter: nacht mit dem Lloyd dampfer, Columbus" die Reise nac Deutschland angetreten, nachdem sie sich von den am Pier erschienenen Vertretern der deutschen Vereine New Yorks herzlichst verabschiedet hatten. Eine dicht gedrängte Menge hatte den Bier befeßt und brachte brausende Abschiedsrufe aus, als der Dampfer aus dem Dock stromabwärts geschleppt wurde. Wie verlautet, wollen die Kommunisten sich ihre Diäten durch Handarbeit verdienen! geübten Ueberfall des fommunistischen Rolltommandos auf den Abg. Ponvik in diesen scheinheiligen Säzen: ,, Es kommt zu heftigen Auseinandersetzungen, bei denen der Abg. Ponfick seine provokatorische Haltung fortsetzt, wobei es auch zu einigen handgreiflichkeiten tommt, welche dem Herrn Ponfick einige blaue Stellen einbringen. Der nationalistische Siedlungsschieber wird ver prügelt von seinen Freunden aus dem Saal geführt." Daß diese einige Handgreiflichkeiten" nur und einzig von Rommunisten nach wohlüberlegtem Plan verübt wurden, das will die„ Rote Fahne" nicht einmal ihre doch so gläubigen Leser merken lassen. So offen, wie sie sich zur Organisierung der Steinmürfe in die italieniische Botschaft bekannte, will sie doch nicht zugeben, daß die Moskauer Söldlinge im Begriff sind, auch die letzten Fenster demokratischer Freiheiten in Deutschland zu zertrümmern. Das würde selbst die kommunistische Wählerschaft nicht dulden. Deshalb die blöde Rede von einigen Handgreiflichkeiten". " 1 Frauenmörder Gutowsky. Ein früherer Schupowachtmeister vor dem Schwurgericht. Anfang August vorigen Jahres wurde in der Wohnung des Seifenhändlers Gutowsky, eines früheren Schupowachtmeisters, die Hausangestellte Desterreich tot aufgefunden. Einige Tage später stellte sich Gutowsky der Polizei. Er bestritt, dem Mädchen etwas zuleide getan zu haben. Bei seiner Bernehmung gab er aber ganz unerwartet auf Vorhalt zu, daß er am 2. Juli in einem Hotel in der Rosenthaler Straße die Prostituierte Arndt getötet habe. Wegen dieses Totschlages hat sich G. heute vor dem Landgericht I zu verantworten. Die Obduktion der Leiche der Desterreich hatte keinen Anhaltspunkt für ein Verbrechen gegeben. Die Hochschwangere hatte allem Anscheine nach sich in dieser Nacht irgendeinen inneren Sch den zugezogen, an dem sie zugrunde gegangen war. Gutows) erzählte, daß sie schon am Abend vorher von gräßlichen Schmerzen überrascht worden war, daß er ihr nachts auf ihre Bitte hin ein Glas Wasser gereicht und sie am Morgen tot vorgefunden habe. Bon Angst gepackt und, den Freilich ist den kommunistischen Burschen, die sich Abgeordnete nennen, ihr Spiel erleichtert worden durch die Angst, mit der die Deutschnationalen und die Bauern" um Ponvick die Prügelei mit ansahen. Diese feige Untätigkeit ist sogar den Rechtsblättern auf die so robusten Nerven gefallen. Die Kreuzzeitung" muß mit BeTod der Arndt auf dem Gewiffen, lief er aus seiner Wohnung, dauern" feststellen, daß die engeren Fraktionsgenossen des Miß- ließ einige Tage verstreichen und stellte sich erst der Polizei, als er handelten und die übrigen bürgerlichen Abgeordneten so gut wie in den Zeitungen las, daß man in diesem Falle doch keinen Mord vernichts taten, um schüßend einzugreifen". Die„ DA3." meint, die mute. Da war es weiter kein Wunder, daß er angesichts dieser beiden meisten bürgerlichen Abgeordneten schienen es selber ziemlich Frauenleichen nach anfänglichem Leugnen durch das Zusammentreffen gelassen hinzunehmen, daß einer der ihren, weil er einem seiner Schriftzüge mit der Schrift auf der Hotelmeldung von der kommunistischen Antrag zu widersprechen gewagt hatte, von einem Rosenthaler Straße überführt, ge ständig war, die Arndt geroten Rolltommando in Bearbeitung genommen wurde. tötet zu haben. Aber bis zuletzt blieb er dabei, nicht auch der Unverhohlene Freude über die Kaschemmenszene äußern selbst- Mörder einer anderen Hausangestellten namens Frieda Arendt zu verständlich die Hugenberg- Blätter und die Borkämpferin der fa- fein, deren zerstückelte Leiche in verschiedenen Stadtteilen aufgefunden schistischen Diktatur, die Deutsche Zeitung" des Herrn worden war. Er bestritt, einen Lustmord begangen zu haben Claß. Diese sieht schon das Ende des Parlamentarismus herauf und behauptete, bei einem Handgemenge mit der Arndt, die ihm sein dämmern und konstatiert voller Mißvergnügen, daß die bürgerlichen Geld gestohlen habe, sie unversehens erwürgt zu haben. Abgeordneten feine Galle" befäßen und hätte es lieber gesehen, Was stellt nun der 37jährige Paul Gutowsky als Mensch vor? wenn eine Anzahl abgerissener Pultdeckel auf den Köpfen der kommunistischen Angreifer zertrümmert wäre. Indessen obsiegt doch Seine Persönlichkeit ist nicht zuletzt aus seiner langen Soldatendas Bergnügen an diesen Raufbold- Szenen, weil sie geeignet sind, und Polizeilaufbahn zu verstehen. dem Bolk die Wahl von Volksvertretern zu verekeln und dem er Vorzüglicher Soldat und mustergültiger Polizeibeamter, verfor er, sehnten Diktator die Bahn freizumachen. Wir registrieren diesen unverschleierten Beifall der Bewunderer Mussolinis. Die Arbeiter, die den Kommunisten ihre Stimme gaben und die erst gestern gegen die Zuchthausurteile in Mussolinien demonstrierten, könnten, wenn sie nicht mit Blindheit geschlagen sind, daraus erkennen, in wessen Dienste diese Prügelhelden stehen, die den Namen eines Marg und eines Lenin schänden. ... Schweres Autounglück in Zehlendorf. Führer in der Dunkelheit das haltende Auto überfah und in vollem Auto vom Laftfraftwagen gerammt ein Zoter, ein Schwerverletter. Die Königstraße in Zehlendorf war in der vergangenen Nacht der Schauplatz eines folgenschweren Autounglüds, bei dem eine Person getötet wurde und eine weitere schwer verlegt ins Krankenhaus gebracht werden mußte. plöglich der Schlauch des linken Vorderrades. Da Raske nur in mäßigem Tempo fuhr, verlief dieser Unfall ohne schlimme Folgen. Die beiden Männer schoben das Auto in die Königstraße, um vor dem Grundstück Nr. 4 das Rad abzumontieren und es durch ein mitgeführtes Erfahrad auszuwechseln. In diesem Augenblick bog in die Königstraße ein Lastkraftwagen ein, dessen Tempo rammte. Der Zusammenstoß erfolgte mit so großer Heftig keit, daß das Auto völlig zertrümmert wurde. Karst geriet unter die Karosserie und konnte von zu Hilfe eilenden Automobilisten nur als Leiche geborgen werden. Raske, der Quetschungen und innere Verlegungen erlitten hatte, wurde in das Zehlendorfer Hindenburg- Krankenhaus übergeführt. Die Schuldfrage konnte nicht einwandfrei geklärt werden. Der Fabrikant Kurt Raste aus der Neuendorfer Str. 65 in Brandenburg a. 5., befand sich in Begleitung seines Chauffeurs Bei Versuchen mit einem neuen Mörser auf dem französischen Ernst Karst, aus der Blumenstr. 32 in Brandenburg a. 5., Artillerieübungsplass Bourges explodierte das Geschützrohr und auf der Rückfahrt nach Brandenburg. In Zehlendorf plastel tötete amei Mann. 1976 zum ersten Male auf eigene Füße gestellt und der äußeren Disziplin enthoben, jeden Halt und wurde nun die Beute der in ihm schlummernden gefährlichen Instinkte. Mag sein, daß jetzt seine psychopathische Konstitution zum erstenmal so recht zur Geltung gelangen fonnte. Gutowsky war nach zwölfjähriger Dienstzeit mit einer Abfindungssumme von 6000 Mart entlassen worden. Sein Seifengeschäft, das er sich eingerichtet hatte, ging schlecht. Dadurch, daß er es vernachlässigte, wurde die Sache nicht besser. Schließlich verfiel er dem Suff und hatte ständig Umgang mit Prostituierten. Auch am 2. Juli hatte er ein Straßenmädchen mit sich in ein Absteigehotel in der Rosenthaler Straße genommen. Den Wirt bat er, ihn um 7 Uhr zu wecken. Als er am Morgen erwachte, das Mädchen war schon zum Fortgehen angekleidet, merkte er, daß ihm 100 Mark fehlten. Er bat die Arndt, ihm zu erlauben, ihre Kleider zu durchsuchen. Sie wehrte sich, er griff zu, packte das Mädchen fest an, beide kamen ins Handgemenge. Er schleuderte sie aufs Bett, umflammerte ihren Hals und... als er einige Augenblicke später ihre Kleider durchsucht Was und nichts gefunden hatte, sah er, daß sie tot war. weiter geschah, fonnte mit aller Bestimmtheit nicht festgestellt werden. Am Halse des Mädchens fand man außer Würgemalen noch Spuren der Erdrosselung. Unter ihrem Körper lagen zwei lange Lakenstreifen. Gutowsky bestreitet, diese zur Erdrosselung seines Opfers benutzt zu haben. Er behauptet, daß er mit ihm in seinem ungeheuren Schreck und seiner Verzweiflung zwei Selbstmordversuche begangen habe, die beide mißlangen Dann stürzte er aus dem Hotel, trieb sich zuerst in der Stadt umher, beging im Walde einen dritten Selbstmordversuch und begab sich dann nach Hause. Fast einen Monat lang ging er seiner gewöhnlichen Beschäftigung nach, bis am 3. August ihn das Verhäng nis in der Person der Hausangestellten Desterreich ereilte. Gu towsky gibt seine Erklärungen nur stockend, mit Mühe' ein Schluchzen unterdrückend. Er macht keinen unsympathischen Eindruck. Staatsanwaltschaftsrat Nottmeyer beantragte schließlich gegen den Angeklagten Gutowski wegen Totschlag 5 Jahre Zuchthaus. Auf den Dom geflettert. Heute vormittag spielte sich am Dom ein feltenes Schauspiel Domkuppel ein Mann herumfletterte, mit Händen und Füßen ab. Plötzlich bemerkten Passanten, wie am Mauerwerk der einen berumſtrampelte und der Zuschauermenge allerlei Grimaffen schnitt. Die immer mehr anwachsende Menge verfolgte den aufregenden Vorgang mit atemloser Spannung, denn jede Minute fonnte ein Unglück eintreten, jede Minute konnte der Kletterer in die Tiefe stürzen. Vergebens war alles Winken, waren alle Zurufe der Polizisten, die den Dombesteiger aufforderten, umzukehren. Schließlich zückte die Feuerwehr an. Als die Wehr daran ging, eine mechanische Leiter anzusetzen und mehrere mit Seilen ausgerüstete Feuerwehrbeamte den wilden Kletterer herunterholen wollten, trat dieser selbst den Rückzug an. Flint und sicher wie eine Gemse kletterte er das Mauerwerk wieder hinab. Der junge Mann, ein 24jähriger Rarl Blum, wurde von den Polizei beamten in Empfang genommen. Primos Spekulantenbraut. Primo keusch um Hand und Liebe Fräulein Castellanos wirbt. Doch die Braut im Spielertriebe Durch Spekulationsgeschiebe Alle Chancen sich verdirbt. Mit dem Herzog, mit dem Grafen Dunkles Börsenspiel sie treibt, Die sie in Lokalen trafen, Wo trotz aller Paragraphen Nachbörslich man schiebt, statt kneipt. Primo, das ist nicht zu dulden, Solch ein Handel bringt Verdruß. Nächstens hat die Jungfrau Schulden, Darum mach mit deiner Hulden Vor dem Hochzeitstage Schluß. Selbst der mächtigste Diktator Kommandiert kein Eheglück. Primo schickt die Braut dem Vater Statt der Liebe plagt ihn Kater ,, Angebot storniert zurück. Jungfraun, laßt das Spekulieren, Und mit Herren gar noch mehr! Leicht kann man da mas verlieren Und die Hochzeit eskomptieren Im vorbörslichen Verkehr! Jonathan. Gaukonferenz des ZDA. Heute tritt in Berlin die Gaukonferenz des 352. zusammen, mo die politische Gestaltung in Deutschland durch die Reichstags= wahl eine Wendung nehmen wird, die für die Arbeitnehmer von größter Bedeutung sein dürfte. Die Arbeiten der gewerkschaftlichen Organisation stehen in engster Wechselbeziehung zum politischen Wollen der breiten Volkskreise, das sich im Ergebnis der Parlamentswahl ausdrückt. Der starke Ruck nach links hat die Richtung angegeben, in der in Deutschland in den nächsten Jahren gewirft werden soll. Bedeutungsvolle Aufgaben sind zu erledigen. Sozialpolitische Gesetze sind zu schaffen, die auch für die Angestellten von größtem Nutzen sein sollen. In der Wirtschaftspolitik gilt es, dem Herrenstandpunkt und dem reaktionären Wollen der Unternehmer den starken Gegenwillen der Arbeitnehmer entgegenzustellen. An allen diesen Aufgaben mitzuwirken, sind auch die Funt tionäre des 3dA. gewillt. Der Wirkungskreis steigert sich mit der Fülle der zu erledigenden Arbeiten, die im Interesse der Angestelltenbewegung zu leisten find. In der Biermillionenstadt Berlin, dem Zentrum der Arbeit, dem Brennpunkt des geistigen Lebens, treten die Delegierten zusammen, um über wichtige Fragen der Organisation zu sprechen. Wir begrüßen die Vertreter aus Brandenburg, Mecklenburg und der Grenzmark herzlichst in der Reichshauptstadt. Wir hoffen, daß sie aus dem freiheitlichen Berlin das Gefühl der engsten Ver= bundenheit mit der gesamten Arbeitnehmerschaft mitnehmen werden. Verbot des Phosgengases. Eine Kundgebung in Hamburg. Hamburg, 8. Juni. Die Sozialdemokratische Partei, die Demokratische Partei und die Jugendgruppen dieser Parteien, das Friedenskartell und verschiedene Hamburger Kulturorganisationen veranstalteten am Frei tagabend eine start besuchte Rundgebung zur Phosgen. fatastrophe. Die einstimmig angenommene Entschließung fordert unter Hinweis auf die Hamburger Ratastrophe ein inter. nationales Berbot der Kampfgafe. Die Innehaltung müsse durch internationale Kontrollinstanzen überwacht werden. Wetterbericht aus deutschen Reisegebieten. Herausgegeben von der Deffentlichen Wetterdienststelle Berlin. Nordsee. Helgoland: veränderlich. Westerland: meist trübe. Borkum: meist wolkig. Bremen: Aufheiterung. Hamburg: gestern leichte Regenfälle. Offfee. Travemünde: meist trübe. Warnemünde: öfters Regen. Saßniz: veränderlich, mit leichten Regenfällen. Swinemünde: veränderlich, mit leichten Regenfällen. Stettin: gestern leichte Regenfälle. Kolberg: veränderlich, leichte Regenfälle. Danzig- 3oppot: gestern Gewitter, nachts etwas Regen. Seebad Kranz: veränderlich, leichte Regenfälle. Harz. Schierke: Betterbefferung. Bad Harzburg: ziemlich heiter, milde Nacht. Bad Sachsa: mehrfach Regen. Broden: öfters Regen. Thüringen. Oberhof: Wetterbesserung. Eisenach: Wetterbefferung und Erwärmung. Sachsen. Dresden: nachts Aufheiterung. Fichtelberg( Erzgeb.): veränderlich. Schlesien. Breslau: öfter etwas Regen. Flinsberg: teils heiter, teils wolfig. Schreiberhau: Wetterbesserung. Schneefoppe: geſtern mehrfach Niederschläge. Bad Reinerz: teils.heiter, teils mollig, milde Nacht. Bad Landeck: teils heiter, teils wolkig, milde Nacht. Rheingebiet. Bad Aachen: öfters Regen. Wiesbaden: teils heiter, teils wolkig. Frankfurt a. M.: mehrfach leichte Regen. Feldberg( Taunus): nachts Trübung. Baden. Karlsruhe: gestern etwas Regen. Baden- Baden: öfters Regen. Freiburg: öfters Regen. Feldberg( Schwarzwald): nachts Trübung. Bayern. München: gestern mehrfach Regen. Garmisch- Parten firchen: gestern marm. Zugspize: Schneehöhe 240 Zentimeter. Berchtesgaden: gestern warm. Oberstdorf: meist wolkig. Bad Tölz: gestern warm, öfters Regen. Tegernsee: mehrfach Regen. Desterreich. Wien: nachts etwas Regen. * Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend.( Nachdr. verb.) Wolkig und ziemlich warm mit etwas Gewitterneigung, südwestliche Winde.-Für Deutschland: Ueberall ziemlich warm, in der westlichen Hälfte vielfach Gewitterneigung. Zum Gedächtnis Hermann Effigs Theater am Schiffbauerdamm:„ Der Kuhhandel". Bor zehn Jahren ist Hermann Essig zu früh, als Vierzigjähriger,| so wuchtiger Gestalter verfannt wurde und in Armut sterben mußte. gestorben. Seine dramatischen Werke sind weniger bekannt, als sie es verdienen. Als fünf Jahre nach seinem Tode die Junge Bühne" sein reifstes Drama, den„ Ueberteufel", in einer herrlichen Aufführung unter Jeßner herausbrachte, war alles erschüttert, daß ein Fränze Roloff und Viktor Schwannecke. Wenig Erfreuliches aus den Opernhäusern. " Madame Butterfly" in der Städtischen Oper. Trotz rührender Einzelheiten der Handlung, trotz außerordentlichen artistischne Qualitäten der Partitur: Madame Butterfly, unter den befannten Opern Puccinis die schwächste, als Ganzes nicht mehr leicht zu ertragen, noch schwerer ganz ernst zu nehmen er= scheint nun als Neuheit in der Städtischen Oper. Die Aufführung, nicht gerade an dem höchsten Maßstab gemeffen, an den wir in diesem Hause alljährlich während der Wintermonate gewöhnt werden, kann sich sehen und hören lassen. Violetta de Stro33i und José Riva 3, beide geben in den Hauptrollen ftimmlich- gefanglich sehr Schönes. Das Orchester, ein wenig laut stellenweise, gibt wieder, was es an Wärme und Intensität des Ausdrucks von Georg Sebastian, dem Dirigenten, empfängt. Alles, was auf der Bühne geschieht, macht den Eindruck sauberer Arbeit. Sehr fein abgestimmt ist der dekorative Rahmen, den Emil Preetorius geschaffen hat. Doch wichtiger als die Frage nach dem Wie ist diesmal die nach dem Warum der Aufführung. Lustspiele werden schneller alt als Tragödien. Das trifft cuch auf Hermann Effigs frische, in flottestem Tempo abrollende Luftspiele Frauenmut" und" Der Kuhhandel" zu. Der Handlungslern des Kuhhandels insbesondere ist uns heute ziemlich fremd. Ein Pfarrer, dem mehr an seinem Portemonnaie als am Wort Gottes liegt, hat in seinem Anwesen zwar einen Ruhstall, aber feine Ruh. Das wurmt ihm mächtig, und er scheut teine Mühe, die juristischen Unterlagen für sein vermeintliches Recht auf eine Milchkuh herbeizuschaffen. Wirklich findet er auch ein verstaubtes Aftenstück, das seinen Anspruch verbrieft. Er glaubt, vor dem Gemeinderat neben dem materiellen auch den moralischen Sieg davonzutragen. Der freigeistige Uhrmacher des Dorfes aber ist gründlicher als der Pfarrer. Er hat sich ein späteres Schriftstück verschafft, nach dem das Recht der Pfarrei auf die Kuh für immer abgelöst ist. Die Habsucht des Geistlichen bleibt unerschütterlich. Er läßt sich vom gutmütigen Gemeindevorstand eine Ruh schenken. Die Charattere erscheinen überdeutlich gezeichnet, das ganze Lustspiel daher roh und grob gezimmert. Aufgabe der Inszenierung ist es, diesen störenden Eindruck zu vermeiden. Hermann Essigs geniale Gestaltungskraft zeigt sich bei all seinen Werken gerade darin, daß er seine Figuren sich frei, nach ihrem ureigenen Triebe, ausleben läßt. Er reißt den Schleier von ihrer Seele und zeigt den Menschen, wie sie handeln würden, wenn sie ohne Hemmungen durch Aeußerlichkeiten, allein ihrem Wollen folgen würden. Damit öffnet uns der Dichter die Augen über uns selbst und unsere Umwelt. Kein Regisseur hat es daher bei Hermann Essigs Werken nötig, von sich aus zu unterstreichen. Jedes Mehr ist vom Uebel. Dagegen hat Bittor Schwannede in der gestrigen Erstaufführung im Theater am Schiffbauerdamm schwer gesündigt. Er will fomische Wirkungen um jeden Preis. Er figelt Gelächter heraus, und er schreitet nicht ein; wenn der Pfarrer( Adolf Man 3) seine Charakterfehler so überdeutlich darstellt, daß man am Berstand des Geistlichen zweifelt, oder wenn die Pfarrersfrau( Ilse Baerwa Id) statt spießig zu sein, findisch wird. Friedrich Gna ß( Uhrmacher) ist der Theaterintrigant, wie man ihn vor 20 Jahren aufgefaßt hat. Die billige Drastik, die grobe Konik der Inszenierung schadet dem Ganzen. An diesem Eindruck können famos aufgefaßte Nebenrollen( Dora Gerson, José Almas, Fränze Roloff und Sigmund Nunberg) nicht viel ändern. Der Beifall des Publikums ist start und äußerst herzlich, mit ein Verdienst der großartigen Bühnenbilder des Edward Suhr. Ernst Degner. Zehntes Sinfoniekonzert der Staatsoper. Legtes Sinfoniekonzert der Staatsoper Unter den Linden. Zugleich unwiderruflich letzter Abend im Mozart- Zyklus. Wie der sich so durch die Saison sickert, mündet er schließlich in das muntere Geplätscher einer Wiener Plauderstunde. Wien, wie es tanzt und marschiert, wie es immer fröhlich und guter Dinge ist, Wien, wie es nie gewesen ist, doch noch immer in der Borstellung argloser Menschen lebt: ein sanft vertrotteltes Phäafenländchen. Das Konzertprogramm, das gute Namen zieren, besteht fast nur aus niedlichen Zutaten. Aber wenn manches in dieser Konzertsaison der Staatsoper improvisiert wirfte, dieses Programm, bis zu den letzten beiden schwachen Straußwalzern, stand von Anfang das in fünf Jahren Erich Kleiber hier geschaffen hat. an fest, wir zweifeln nicht daran. Es ist das einzige Stück Tradition, Klaus Pringsheim. „ Ein Sommernachtstraum." Freilichttheater Jungfernheide. Während Theseus und Hippolyta ernstlich daran denken, in den Stand der heiligen Ehe zu treten, während sich die anderen Liebespaare allmählich finden und Titania zu ihrem Oberon zurückkehrt, erst ganz sacht und dann immer entMadame Butterfly, als gangbare Gebrauchsoper manchem Theaterbetrieb nützlich, gehört seit Jahren zum Repertoirebestand fängt es an zu regnen der Staatsoper. Warum nur wird sie in der Stadtoper neu herschiedener. Die Vorstellung muß abgebrochen werden. Schließlich ausgebracht? Das Berliner Opernleben hat feinen Gewinn von ist dies die Gefahr, die über jeder Freilichtaufführung schwebt. dieser ,, Novität", die nur für das Haus eine ist. Aber welches InMan spielt am Nachmittag, und die schönsten Szenen des„ Somteresse hat das Haus? Gilt es, ein junges Talent in dieser be- mernachtstraumes" sind von Shakespeare in die Nacht verlegt. Der stimmten Rolle herauszustellen? Regisseur Emil Lind weiß sich zu helfen, indem er einen großen Mond aus Pappe aufzieht und außerdem ein Schild mit der Aufschrift ,, Nacht" einmal über die Vorbühne tragen läßt. Das ist ein guter Einfall, doch diese Stilisierung will sich nicht recht mit dem Naturalismus der umgebenden Natur vertragen, ganz abgesehen davon sinkt der Stimmungsgehalt der Szenen, ihre Lyrik wird durch die Sonne herabgedrückt. Es wird überhaupt nicht auf einer Waldbühne gespielt, sondern auf einer halbkreisförmigen Borbühne, die durch eine Waldkulisse abgeschlossen ist. Auf diesem großen, ohne Dekoration, so fann das Scheinwerferlicht den einzelnen Darfreien Platz verlieren sich aber die Menschen. Spielt man im Theater steller hervorheben oder eine Gruppe zu einer Einheit zusammenschließen. Dies ist hier unmöglich. Jedes Ensemblespiel ist im Reim erstickt. Stehen hingegen die Menschen dichter zusammen, dann bleibt die Fläche unbelebt. Außerdem wirken in dem großen Raum die Besten immer winzig. Keine Freilichtbühne hat bisher dieses fünstlerische Problem lösen können und es ist scheinbar nicht zu lösen. Aber keine Rede davon; Violitto de Strozzi, ist ja nur Aushilfsgaft; vom Staat ausgeglichen, wie der Regiffeur Karl Holy. Auch in der Rolle des Konsuls übrigens, für die im Ensemble eine erste Kraft zur Verfügung steht, erscheint als Gast deffen Bekanntschaft zu machen, wir gewiß nicht bedauern: Hans Reinmar, Sänger Don Stimme, Figur und Intelligenz. Eine zusammengeborgte Vorstellung also, wie sie hier leider keine Seltenheit. Doch warum just dieses Werk, das neu gestellt werden mußte? Antwort ist die falsche Repertoirepolitit, die in diesem Theater gemacht wird, Antwort ist der Geist des Deutschen Opernhauses, dem von je der Ungeift provinzieller Mittelmäßigkeit im Gemäuer sigt. Man will eine Kassenoper" gewinnen, und„ Madame Butterfly" ist dafür bekannt. daß sie eine ist. Das ist es, was man will, nicht nötig hat, zu wollen. Ohne als Kaffenopern gestempelt zu sein, sind es zwei Dutzend Opern im Haufe der Städtischen Oper durch den außerordentlichen Rang ihrer Wiedergabe geworden. Wo sind sie ge= ordentlichen Rang ihrer Wiedergabe geworden. Wo sind sie geSlieben? Charlottenburg den Charlottenburgern. Unter neun Vorstellungen, die der zu: Stunde aushängende Wochenspielplan anzeigt, ist eine, die aus dem Arbeitsertrag der letzten drei Jahre, also der Städtischen Oper, stammt sind sieben aus der Erbschaft des Deutschen Opernhauses. Dazu, im selben Geist als achte: Madame Butterfly. Mit drei Aushilfsgästen! DER SONNTAG DER SOMMER- AUSSTELLUNG AM KAISERDAMM Von 9 bis 9 Uhr geöffnet( Einlaß bis 8 Uhr) Eintrittspreis 1.50 M., Jugendliche 0.75 M., Familienkarten( für 2 Erwachs. und 2 Jugendl. oder 3 Erwachs.) 3,50 M., Kinder- Zusatzkarte 0.25 M. Bei schönem Weiter: KONZERT in den Funkturmgärten Die Aufführung war von der Bühnengenossenschaft für engagementslose Schauspieler veranstaltet. Merkwürdigerweise befand sich unter ihnen auch Paul Hu dels. Man spielt gut und ordentlich. Am besten gelangen die Rüpelszenen. ―t. Eine Erffaufführung der Tanzpantomimen Der Dämon" von Baul Hindemith,„ Dgelala" von Erwin Schulboff und Le Boeuf sur le Toit von Darius Milhaud findet Sonntag, 11, Uhr, im Neuen Theater am 300 statt. „ ERNÄHRUNG" Der Mord des Juweliers. Ein Sensationsprozeß in Paris. 29 Eigentlich durchaus fein ungewöhnlicher Kriminalfall: ein Juwelier, dem Konkurs nahe, tötet seinen Geschäftsfreund, der auf Bezahlung eines Wechsels von 35 000 Franken drängt und raubt ihm Geld und Juwelen. Die Verhandlung dieser Sache wird zu einer großen Sensation. Das Pariser Bolf" bestürmt den Juffizpalast; selbst der für die Richter bestimmte Eingang wird nicht verschont, der Borsitzende des Schwurgerichts, der fich den Weg durch die Menge bahnen muß, erhält Prügel, seiner Frau, die ohnmächtig wird, wird das Kollier vom Hals geriffen, feinem Sohne die Brieftasche mit 1000 Franten entwendet. Und erst der Gerichtssaal! Ein wahres Theater, mit schluchzendem Angeklagten, mit Zeuginnen, die ohnmächtig werden, mit einem Publikum, das Beifall flatscht, mit Verteidigern und Nebenklägern, die fich in rhetorischen Leistungen überschlagen, mit einem Borfigenden, der fifflich empört ist und einem Staatsanwalt, der fiegeszuversichtlich einen Todesfpruch erwartet. Wir haben über diesen Fall schon furz berichtet. Am 29. Februar stieß man im Walde neben der Chauffee, die nach Barennes führte, auf einen brennenden Leichnam. Es war der Pariser Jumelier Gaston Truphème. Die Nummer des Autos, in dem die Leiche in den Wald geschafft wor den war, wurde ohne Schwierigkeit festgeftellt. Es war gelb gestrichen und trug Nummer 2128- Y- I. Diese Nummer hatte der Wagen des Pariser Juweliers Mestorino. Ihn hatte Truphème am Tage norher aufgesucht; er führte bei sich Brillanten im Werte von 150 000 Franken. Sie waren verschwunden. War Mesto. rino der Mörder? Sein Auto befand fich in der fraglichen Nacht in einer Garage in Barennes. Das bestätigte der Garagenbefizer. Es fonnte nicht Mestorinos Auto gewesen sein. Also war nicht er der Täter. Er nahm an der Beerdigung Truphèmes teil, sprach deffen Eltern sein Beileid aus, die Polizei ging anderen Spuren nach, durch ganz Frankreich fahndete man nach dem Auto des Mörders. Sowohl er als auch sein Wagen blieben unauffindbar. Dann fehrte man zur ersten Spur zurüd: zu Mestorino. Die Verdachtsmomente gegen ihn verdichteten sich. Man nahm ihn ins Gebet. Acht Stunden lang dauerte das Verhör: endlich gestand er. Mit einem metallenen Ringmaß wollte er Truphème im Streite erschlagen haben. Aus Eifersucht! Ein Roman mit der Schwefter feiner Frau habe den Anlaß zum tragischen Ereignis gebildet. Und nicht zu tun. Und doch haben er und die anderen alles miterlebt. Als sie Truphème im Rabinett schreien hörten, liefen sie zur offen stehenden Tür und fahen Mestorino über seinem Opfer liegen. Truphème bat Suzanne Charnaux, ihm doch zu helfen, er habe eine Schwester zu Hause, eben so jung wie fie; man töte doch nicht wegen 150 000 Franken, schrie er. Mestorino aber, der sich wie ein Berrüdter gebärdete, fand trotzdem für seine Angestellten eine beruhigende Erklärung: Das ist ein Dieb, sagte er. Und sie eilten dem auf dem Boden Liegenden nicht zu Hilfe. Sie schwiegen vor dem Untersuchungsrichter; auch daß Suzanne Charnaug dem Lehrmädchen Truphèmes Juwelen zur Aufbewahrung gegeben hatte, verschwieg diefe. Erst vor Gericht sprachen sie. Ihre Aussage war für Mestorino vernichtend. Als die Portierfrau sich über das lange Ver. bleiben im Bureau wunderte, sagte Suzanne: Wir wollen eine Arbeit beenden! Weshalb aber hatte der Garagenbefizer der Polizei gesagt, daß Mestorinos Auto in der fraglichen Nacht bei ihm untergestanden hatte? Ich habe ihm 12 000 Franken für sein Schweigen gegeben," beichtet Mestorino. Lügner, Bandit," schleudert ihm der Zeuge ins Gesicht. Keinen Centime habe ich von ihm befommen.". Mestorino fizt aschfahl da, kommt aus dem Schluchzen nicht heraus, fühlt, daß Mestorino Suzanne Charnaug bestätigte das. Sie hatte ihm geholfen, die Leiche in Sackleinwand zu wickeln, hatte dafür gesorgt, daß er den Toten unbemerkt die Treppe hinunterschaffen konnte. Frau Meftorino war untröstlich, zum Unglück des Verbrechens noch die Schmach der unerlaubten Beziehungen des Mannes zu ihrer Schwester. Also fein Raubmord? Totschlag aus Eifersucht? Wes halb aber die Plünderung der Leiche? Das Pariser ,, Bolt" forderte Mestorinos Kopf. Und plöglich vor dem Schwurgericht eine unerwartete Wendung! Suzanne Charnaux widerruft. Nie ist sie die Geliebte Meſtorinos gewesen, nie hat Truphème Annäherungsversuche gemacht. Sie hat gelogen, um ihren Schwager zu retten: er war immer so gut zu ihr! Also doch Raubmord? Nein, nein, ruft Mestorino! Truphème drängte auf Bezahlung des Wechsels, wollte nicht warten, wurde ausfällig, sie gerieten ins Handgemenge, ein unglücklicher Schlag mit dem Ringmaß und Truphème war tot. Woher denn aber der Tod durch Erstidung und der blutige Battebausch? fragt der Sachverständige. Der Schlag mit dem Ringmaß war nicht tödlich. Gab es denn feine Zeugen für die Tat? Doch, mehr als einen. Und das war die größte Sensation des Prozesses. Bier Zeugen gab es außer Suzanne Charnaur: die Angestellten Mestorinos. Und alle hatten geschwiegen. Niemand von ihnen hatte den Chef dem Untersuchungsrichter verraten, weder das Lehrfräulein, noch die beiden jugendlichen Angestellten, noch der Portier. Als dieser zur Polizei gehen wollte, bat ihn Suzanne Charnaug, es ja Theater, Lichtspiele usw. Sonnab., 9. 6. 28 Staats- Oper Unter d. Linden Ab.-V. 33. Anf. 18( 6) U. Die Meistersinger Staats- Oper Am Pl.d. Republ. Ab.-V. 48 Anf. 20( 8) U. Fidelio Sonnab., 9. 6. 28 Städtische Oper Bismarckstr. Turnus I Anf.1912 7( 2) U. Die lust. Weiber von Windsor Staati. Schauspielb. Am Gendarmenmarkt Ab.-V. 116 Anf. 20( 8) U. Zwischen tanzenden | Suzanne Charnaux mit ihrem Verteidiger Paffagierauto gegen Leichenauto. Gestern abend gegen 7 Uhr ereignete sich in Hohennevena dorf bei Berlin an einer Straßenbiegung der Oranienburger Chaussee ein bedauerlicher Autozusammenstoß. Ein auf der Fahrt von Hohenlychen nach Berlin befindliches Leichentransport. auto wurde von dem nach der Siedlung Niederheide verkehrenden Passagierauto angefahren. Das Leichentransportauto geriet ins Schleudern, wodurch die Tür aufsprang. Der Sarg stürzte auf das Straßenpflaster und wurde beschädigt. Auch der Mitfahrer des Leichenautos wurde durch den Anprall aus dem Wagen geschleudert. Die Leiche fiel unglücklicherweise auf das Pflaster. Es mußte erst eine Umbettung der Leiche vorgenommen werden, ehe die Fahrt nach Berlin fortgesetzt werden fonnte. Chauffeur und Mitfahrer scheinen ohne ernstliche Verletzungen davongekommen zu sein. Wen die Schuld an dem Zu fammenstoß trifft, ist bisher noch nicht geklärt. Dieses, besonders für die Hinterbliebenen bedauerliche Ereignis, mahnt wieder einmal zur größten Vorsicht für Autofahrer. Theater der Woche. Bom 10. bis 18. Juni. Bolfsbühne. Theater am Bülowplatz: Orpheus in der Unterwelt. Theater am Schiffbauerdamm: 10., 14., 15., 18. Der Kuhhandel. 11., 12., 13., 16., 17. Der Zigarettenkasten. Thalia- Theater: Dyderpotts Erben. Theater mit festem Spielplan. Deutsches Theater: Artisten. Kammerspiele: Finden Sie, daß Constance fich richtig verhält? Die Komödie: Es liegt in der Luft. Theater am Nollendorfplatz: Der Feldherrnhügel. Theater in der Königgräher Straße: Leinen aus Jrland.- Komödienhaus: Broadway. Großes Schauspielhaus: Das Dreis mäderlshaus. Theater des Westens: Was ist denn nur mit Balduin? Komische Oper: Zieh' dich aus! Luftfpielhaus: Unter Geschäftsaufsicht. Leffing- Theater: Nr. 17. Theater am Kurfürstendamm: Tempo Tausend! Berliner Theater: Der Prozeß Mary Dugan.- Kleines Theater: Galante Nacht. RenaissanceTheater: Krankheit der Jugend.-Rose- Theater: Das Paradies der Ehe. Gartenbühne: nachmittags Konzert und Bunter Teil, abends: Der fidele Bauer.- Casino- Theater: Müllers Prinzeßchen. Schloßpart- Theater Steglitz: Charleys Tante. Scala: Internationales Barieté.- Reichshallen- Theater: Stettiner Sänger. Theater am Koffbuffer Tor: Elite- Sänger. Theater mit wechselndem Spielplan. Deutsches Künstlertheater: 10., 11. Berbrechen. Ab 12. Das find ja reizende Leute. Theater in der Klosterstraße: 10., 12., 13., 14., 16., 17. Büchse der Pandora. 11. Erdgeist. 15. Republifchen. Nachmittagsvorstellungen. Boltsbühne. Theater am Bölowplatz: 17. Die rote Robe, Thalia- Theater: 10., 17. Dnterpotts Erben. Theater am Nollendorfplatz: 17. Judas.- Theater in der Klosterstraße: 10., 17. Der fröhliche Weinberg.- Schloßpart- Theater Steglitz: Charleys Tante. Scala: Internationales Varieté. Staatstheater. Staatsoper am Platz der Republif: 10., 12. Don Giovanni, 11., 16. Der schwarze Domino. 13. Der Kuß. 14. Fidelio. 15. 8. Klem sein Schicksal besiegelt ist. Der Nebenkläger wird ihm gefährlicher perer- Konzert. 17. Der Freischüß. 18. Luisa Miller. als der Staatsanwalt. Dieser deutet an, daß er auch Suzanne Charnaur wegen Begünstigung unter Anklage zu stellen beabsichtigt. Der Borsigende sagt aber zu der bald Dhnmächtigen, bald Schluchzenden: Sie werden noch Zeit haben zu weinen." Meſtorino fragt er, ob nicht die unerfättlichen Forderungen seiner Frau die Ursache seines wirtschaftlichen Niedergangs und somit seines Berbrechens geworden sind. Ganz Paris verschlingt die spaltenlangen Prozeßberichte. Niemand empfindet mit Mestorino Mitleid. Das Pariser Bolt" ist gleich leidenschaftlich in seinem Mitgefühl wie in feiner Berurteilung. Die Verhandlung endete mit der Berurteilung Mestorinos zu lebenslänglicher 3wangsarbeit. Der Prozeß hat in den Abendstunden des Freitag noch ein Nachspiel gebracht. Die Schwägerin des Verurteilten, Suzanne Charnaut, die sich bei ihren Zeugenaussagen wiederholt in schwerster Weise selbst belastet hat, ist vor dem Théatre Français auf der Straße verhaftet worden. Sie wird beschuldigt, die Leiche des ermordeten Juweliers Truphème beiseite geschafft und die entwendeten Juwelen in Berwahrung genommen zu haben. Auch gegen zwei Juweliere ist wegen Hehlerei im Zusammenhang mit der Ermordung Truphèmes Anklage erhoben worden. Deutsches Theater Theater des Westens Residenz- Theater Planetarium am Zoo Norden 12310 Heute 72 Uhr: Premiere Steinpl. 931 81/4 Uhr Täglich: Max Adalbert Artisten ,, Was ist denn Komödie v. Watters und Hopkins bearbeitet von Ossip Dymow Regie Max Reinhardt nur mit Balduin?" Kammerspiele Saltenburg- Bühnen Norden 12310 U., Ende nach 10 Zum 145. Mal Finden Sie, daß Constance sich richtig verhält? Die Komödie Dts. Künstler- Th. 81 Uhr: Verbrechen Blumenstr. 8. Täglich 8 Uhr Am Rudesheimer Schloß steht eine Linde Verläng. Joachimsthaler Straß Noll. 1578 162, 18, 19, 21 U. Der Sternhimmel der Heimat mit Loni Pyrmont Eintritt 1 M. und Krafft- Lortzing Kinder unt. 15 Jahren 0,50 M. Walhalla- Th. Weinbergsweg 19/20 Täglich 8 Uhr: sittenst. in 4 Akten. Kastanienallee 7/9. Verlorene Töchter Berliner Prater Dienstag 73 Uhr Nur Erwachsene haben Zutritt Premiere ,, Das sind ja reizende Leute... 66 Park.auch Sonntags 99 Täglich statt 4.- nur 60 Pi. Polnische Wirtschaft" Mus. v. Jean Gilbert Thalia- Theater Dresdener Str. 72-73 Täglich 8 Uhr Bismarck 2414/7516 Kleines Theater Dyckerpotts Erben 82 U. Ende 10% U. Kleidern Staatl. Schiller- Theater, Charltbg. 20( 8) Uhr: Die beiden Seehunde Es liegt in der Luft Revue von Schiffer. Täglich 8 Uhr Kaiser- Tietz Lotte Klinder in Musik v. Spoliansky Galante Nacht! Berliner Theater Lustspielhaus Charlottenstr.90/ 91.Dönh.170 Volksbühne U. Ende geg. 11 Gastspiel d. Deutschen Th. Theater am Bülowplatz Th. am Schiffbauerdamm Der Proze 8 Uhr: 8 Uhr: Der Mary Dugan Barnowsky- Bühnen Orpheus in der Unterwelt Kuhhandel Th. Königgrätz. St. CASINO- THEATER 8 Uhr Lothringer Str. 37. Müllers Prinzesschen. Ausschneiden: Gutschein 1-4 Pers. Fauteuil nur 1,10 M.. Sessel 1,60 M. Renaissance- Theater Steinplatz 901. der Jugend SUhr: Krankheit der Jugend Bergm. 2110. Jir. Or. Martin Zickel Unwiderruflich letzter Monat! 8 Uhr: Guido Thielscher in Unter Geschäftsaufsicht" Täglich 8, Uhr Rose- Theater Leinen aus Irland Komödienhaus Norden 6304. Tägl. 8 Uhr: Gr. Frankf. Str. 132 8 Uhr: Das Paradies d. Ehe Gartenbühne: 1/26 Uhr nachm.: Konzert und bunter Teil. 81 Uhr: Broadway Der fidele Bauer Broadway Außerdem: Grosse Varieté. Tanz. Kaffeekochen. Opern ( Städtische Oper) RESTAURANT Mittags o Nachmittags Abends Vorzügliche Küche Gepflegte Biere u. Weine Zum Tanztee und abends Komische 81% Uhr Oper 8%, Uhr JAMES KLEIN'S gewaltiges neues Revue- Stück: Zich Oper Unter den Linden: 10. Rosenkavalier. 11. Boheme. 12. Die Macht des Schicksals. 13. Zauberflöte. 14. Salome. 15. Fidelio 16. Boris Gudonoff. 17. Die Frau ohne Schatten. 18. Rigoletto Städtische Oper, Charlottenburg. 10. Der fliegende Holländer. 11. Troubadour. 12. und 17. Madame Butterfly, 13. Die luftigen Weiber von Windsor. 14. Der Freischüz. 15. Rigoletto. 16 Ge. schlossene Vorstellung. 18. Cavalleria Rusticana und Der Feuervogel Schauspielhaus am Gendarmenmarkt: 10., 11., 13., 18. 3milben tanzenden Kleidern. tanzenden Kleidern. 12. Zum erstenmal Kalkutta, 4. Mai. 14 Prinz Louis Ferdinand. 15., 16., 17. Kalkutta, 4. Mai. Schiller- Theater, Charlottenburg: 10., 11., 12., 13., 15., 17., 18. Die beiden Seehunde. 14. Clavigo. Erstaufführungen der Woche. Dienstag. Schauspielhaus: Kalkutta. Deutsches Künstler Theater: Das sind ja reizende Leute. Freitag. Theater in der Klosterstraße: Republifchen. abend. Komödienhaus: Ein Stüd Malheur.. Sonn„ Bolf und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, und „ Der Kinderfreund" liegen der heutigen Bostauflage bei. Berantwortlich für die Redaktion: Eugen Prager, Berlin: Anzeigen: Th. Glode. bruderei und Verlagsanstalt Baul Ginger& Co., Berlin G 68, Sinbenstraße 3 Berlin. Berlag: Borwärts Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts Buch Hierzu 1 Beilage. ,, Noch interessanter" Claire Waldoff zum 1. Mal im LUNA dich aus! PARK 200 Mitwirkende. Vorverkauf ab 10 Uhr ununterbrochen. SCALA 8 Uhr Nollendorf 7360 Herb.Williams der eigenartigste amerikanische Exzentrik- Star und die übrigen Varieté- Sensationen! Sonnabends u. Sonntags je 2 Vorstellungen: 330 u. 8 Uhr 330 zu ermäßigten Preisen das ganze Programm. ALEXANDER BEREGOWSKI Rennen zu Karlshorst Wilhelm 3737 Sonnabend, den 9. Juni, nachmittags 3 Uhr Gr. Feuerwerk WELLENBAD Das neue Sonnenbad ist eröffnet! Luna- Bier- Kabarett Das sensationelle Juni Programm müssen Sie gesehen haben. Auto- Parkplatz Reichshallen-Theater Stettiner Sänger Stuckes Pfingstfahrt Hugo Stucke: Britton Frau Stucke: Meysel Anf. 8 Uhr. Preise 60 Pf.- 2 M Donhoff- Brett' Varieté- Konzert- Tanz. Berliner lk- Trio CHARLOTTENBURG Ausgleich der Vierjährigen. Neukölln. Lahnstr.74/ 751 Elite- Sänger Theater am Kottbusser Tor. Mpl. 16077. Täglich 8 Uhr: Wie immer erstklassig. Programm, u. a. „ Ein gerissener Schwiegersohn" ( Schwank) „ Ein kleines Geschenk"( Schwank) Volkspreise. Gesellschaftshaus Tanz Fre Der brave Mann mit seiner Frau geht zum Gesellschaftshaus Grünau NEUE WELT Arnold Scholz. Hasenheide 108/14. Täglich: Großes Gartenkonzert und gr. Revue 100 Jahre Bauf und Runter. Sonntag ausverkauft! Konzert ab 6 Uhr. Kaffeeküche ab 2 Ubr. Im Garten oder Saal. tHf. (Beilage ***■■ Ix- Sonnabend, 9. Juni 1928. MA-M" « P SftÄlmAgcJße xfa tbutard Der Arbeiterpastor. Vom Kirchenchristentum zum Sozialismus. Cr war«n stiller Mann geworden in den letzten Jahren. Laut gewesen war er ja nie. Einer von denen, die ruhig ihre Arbeit tun, die sich auch äußern, wenn das Herz sie treibt, die im übrigen ruhig abwarten, bis ihnen ein Auftrag erteilt wird. Oeffentlich genannt wurde Paul(Söhre in weiteren Kreisen zuerst im Jahre 1891 durch seine Schrift:„Drei Monate Fa- brikarbeiter und 5)andwerksbursche", die gewaltiges Aufsehen erregte. Man denke: Kurz nach dem Fall des Ausnahme- gesctzes, als die Arbeiterschaft noch wie eine fremde Welt vor den Toren der bürgerlichen Kreise lag, unternahm es ein junger Mann, Pfarramtskandidat und Anhänger der christlichsozialen Partei des Hofpredigers Stöcker, die Lage dieses arbeitenden Lölkes durch eigenste Ersahrurig, durch Mitarbeit in der Fabrik und M it w o h n e n in der Mietkaserne von Grund auf kennen zu lernen. In der Zeit, von der die konser« vatioe„Kreuzzeitung" bei Besprechung des Göhrefchen Buchs schreiben konnte, daß der herrschenden Gesellschaft das Leben afrikanischer Neger st ämme besser vertraut sei als dos des eigenen Proletariats! Dos war damals eine Tat. Eine Tat auch das Buch, in dem er von feinen Erlebnissen und Beobachtungen Ncchenschast ablegte. In dem er den unerhörten Satz niederschrieb, es muffe endlich einmal oncrknnnt werden, daß Sozialdemokratie und Christentum nichts Unoerträgliches seien, daß ein Chri st Sozialdemokrat fein könne und ein Sozial- demokrat Chri st. Das war ein Schlag gegen die sorgsam gepflegte Lehre von der„Umsturzpartei", der nichts heilig sei, die nicht nur Thron und Kassenschronk, sondern auch Altar und Familie zerstören wolle. Und noch viel über leibliche und seelische Not und Aufstreben der ungekannten„Dolksgenossen", natürlich vom christ- lichen und staatserhaltenden Standpunkt seiner damaligen Partei aus ottgesehen, aber doch ausreichend, um ihn fortan in seiner könig- lich fächsischen Heimat als Pfarrer unmöglich zu machen. Er wurde Sekretär des Evangelisch-Sozialen Kongresses, der schon unter Führern wie Harnack, Baumgarten, Delbrück eine Ab- zweigung nach links von der Stöcker-Partei darstellte. Er gehörte auch da zum linken Flügel und setzte sich vornehmlich für Arbeiter- jnteressen ein. Aus dieser Tätigkeit heraus kam er dann nach Frankfurt a. d. O. als Pfarre r. Er erzählte auf dem Dresdener Parteitag, wie er dort als„A r b e i t e r p a st o r" bekannt wurde, wie den Soldaten der Garnison der B e s u ch seiner Pre- d i g t e n verboten wurde und ein Staatsanwalt sechs Wochen lang in seiner Kirche die Predigten mit anhört«, um An- klagestosf wegen Bertündung sozialistischer Irrlehren zu sainmeln! „Damals bestand schon der Erlaß des preußischen Oberkirchenrats, wonach kein Pastor in eine öffentliche Berfa mm- l u n g gehen durfte. Ich habe mich daran nicht gekehrt, wie ich mich überhaupt nicht an Autoritäten zu kehren pflege, wenn ich im Recht zu sein glaube. Ich bin in die Berfammlungen gegangen, und dem Bersammlungsbesuche folgte prompt eine Anzeige des Re- gierungspräfidenten, und es kam Rüge über Rüge. Ich bin Im Oderbruch herumgekrochen und habe die Arbeiterverhältnisse dort ge- schildert. Es kamen Disziplinaruntersuchungen, so lange, bis es nicht mehr ging, bis ich ging." Dann folgte 1896 die Gründung der Nationalsozialen Partei, in der Göhre noch einmal den Versuch machte, gemein- sam mit Männern wie Naumann und S o h m zugleich ehrlicher Sachwalter der Arbeiterschaft und Verteidiger der bestehenden Ge- sellschastsordnung zu sein. Auch hier zeigt« sich bald die Unmöglich- keit der voll Naumann so ehrlich gepredigten Vereinigung von „Demokratie und Kaisertum", der gemeinwirtschaftlich gerichteten Wirtschafts- und Sozialpolitik mit der Weltmachts- und Flotten- Politik, die Wilhelm II. unter dem Antrieb der Schwerindustrie verfocht. 1899 trat Göhre zur Sozialdemokratie über. Er war seit Jahren im öffentlichen Leben bekannt geworden, zudem der erste Geistliche, der in Deutschland der ver- femten Partei beitrat. So war das ein Ereignis für weite Parieikreise. Obwohl Göhre die Absicht gehabt hatte, jich zunächst einige Jahre stillen Studien, namentlich der Konsum- genosfenschaftsbewegung zu widmen, wnrde er durch die Genossen genötigt, vor die Oessentlichkeit zu treten. 1900 hielt er in Chemnitz einen Vortrag über seinen Entwicklungsgang, der danach gedruckt und als Schrift unter dem Titel:«Wie«in Pfarrer Sozialdemokrat wurde" in mehr als 500 000 Abzügen. verbreitet wurde. Offenbar also«ine Agitationsschrift ersten Ranges, nach der Aussage des Verlags die meiftverbreitele unserer Broschüren. Bei dem großen Wahlsieg von 1903 wurde mich Göhre in dem sächsischen Wahlkreis Mittweida-Limbach in den Reichstag gewählt. Die unerfreulichen Verhandlungen des jr�hencr Parteitags, in die auch Göhre als Mitarbeiter der Horden- fchen„Zukunft" gezogen wurde, veranlaßten ihn, noch vor Zu- sammentritt des Reichstags sein Mandat niederzulegen. Gegen eine Wiederaufstellung in dem durch Rosenows Tod erledigten erzgebir, gifchen Kreise Zschopau-Marienberg erhob der Parteivorstand Ein- spruch, so daß der Wahlkreis, der damals der Partei verloren ging, ihn erst 1910, wieder bei einer Nachwahl, in den Reichstag ent- senden konnte, dem er bis zu seinem Ende 1918 angehörte. In den letzten Jahren vorher stand er als Soldat und Offizier im Felde. Seine Arbeitsgebiet« waren merkwürdig getrennter Art. Wie es seinem früheren Beruf entsprach, lagen ihm die religiösen Fragen besonders nahe. So aufrichtig wie seine sozialistische Ueber- zeugung war sein Christentum, das er freilich nicht im Sinn der landeskirchlichen Anwälte der Klassenherrschaft, sondern im Geist seiner Stifter als innere und äußere Befreiung des bedrückten Voltes empfand. Im Lauf der Jahre entwickelte sich aber diese Haltung zu einer immer freieren Stellung gegenüber oller religiösen Ueber- lieferung. Daneben aber und mit der Zeit immer fesselte ihn die Erkenntnis der Volkswirtschaft. Neben seinen sozialen Stu- dien in Industrie- und Landarbeitergebieten waren es die mächtigen Kräfte der modernen Entwicklung im Warenhandel, denen er sein Augenmerk zuwandte. Er studierte gründlich den ganzen Betrieb des Warenhauswesens, dem er 1907 ein Buch widmete. Vor allem aber, wissenschaftlich wie sozial, ja in gewissem Sinn auch religiös, lag ihm die G« n o f s e n s ch a f t am Herzen. In gründ- licher Arbeit lernte er das innerste Getriebe des Arbeiter-Konfum- oereins in Leipzig-Plagwitz kennen, studierte nach schwer zu erlangenden Akten die verschiedenen Grundformen der proletarischen Genossenschosten in einem kümmerlichen Dereinsrückstand aus alt- väterlicher Zeit in Chemnitz und den von großem sozialen Streben durchwehten, aber nicht immer geschäftskundig geleiteten Vorläufern der Konsumgenossenschaft Berlin. Die Frucht dieser Arbeiten war sein großes, 1910 im Vorwärts-Verlag erschienenes Werk:„D i e deutschen Arbeiter-Konsumvereine". Ein eigenartiges Werk, das mit bienenfleißiger Durchforschung kleinster Einzelheiten den großen geschichtlichen Sinn für das Wesen und die Ausgaben der Arbeiterklasse verband. Es war nicht allein wirtfchaftsgefchichUich, sondern zugleich soziologisch gerichtet, indem es die konsumgenossen- schastliche Bewegung als ein Stück der Erhebung und Machteroberung der Arbeiterklasse darstellte. Diese Auffassung brachte ihn in Gegensatz zu der im Zentral- verband deutscher Konsumvereine herrschenden Richtung der Neu- tralität, die namentlich damals in unseren Kreisen vielfach als „Ueberneutralität" empfunden wurde. Göhres Stellung und sein Werk wurden von jener Seite llberschars und in recht ruppigem Ton abgeurteilt, während er in den Kreisen der ausgesprochen sozio- listischen Genossenschaftstheoretiker warme Zustimmung fand. Auf dem Parteitag 191l hat er, anknüpfend an eine Berliner Ent- schließung, seinen Standpunkt in dieser Frage kurz dargelegt. Mir scheint, daß die weitere Entwicklung in dem immer engeren Zu. sammenwachsen der verschiedenen Arbeitsgebiete der proletarischen Befreiungsbewegung ihm Recht gegeben hat. Auf jeden Fall aber bietet das Werk, das ich im„Vorwärts" 1910 eingehend gewürdigt habe, dem Erforscher der wirtschaftlichen Aufstiegsbewegung der Ar- beiterklasse aus kleinsten Anfängen eine Fundgrube sonst gar nicht mehr zu beschaffenden Stoffes. Einen Konsumverein gründete er selbst an seinem Wohnort Berlin-Zehlendorf. Die Revolution trug ihn in die Regierung, in deren Arbeiten er nicht an die Oeffentlichkeit trat. Als Staatssekretär führte er die Geschäfte des preußischen Staatsministeriums, bis er vor wenigen Jahren in den wohlverdienten Ruhestand trat. Im meck- lenburgischen Städtchen Ratzeburg hat er sein Leben beschlossen. Es war ein Leben, reich an Wechsel, reich an ernstem Streben zu guten Zielen und reich an st r e n g e r Arbeit. Einer von den Angehörigen akademischer Kreise, die ihr ganzes 5)erz in den Dienst der Arbeiterbewegung trieb, hat er dauernde Wert« geschaffen, hat ober auch, über alle vorübergehende» Meinungsverschiedenheiten hinaus, den schönsten Lohn geerntet: die liebevolle Achtung oller, die ihn aus der Nähe kannten, und das dankbare Vertrauen der Arbeiter, denen er sein Leben gewidmet hat. Simon IvaUenstein. Buchform und Buchinhalt. Das Tempo unserer Zeit läßt uns zur Besinnung kaum Muß«. Die Zeitungen werden täglich auf der Fahrt von und zu der Arbeitsstätte verschlungen. Wieviele Leser würden aber wirklich zu beschreiben wissen, wie, in welcher Austeilung, in welcher An- ordnung von Text und Ueberschristen, eine Druckseite zusammengesetzt ist? Trotzdem wird auf dieses„Satzbild" große Mühe verwanot, denn jeder Redakteur weiß, daß die Einwirkung seiner Arbeit auf den Leser, ja, die Tatsache, ob«in bestimmser Aufsatz überhaupt 4) Xjtc hfer ' e�.sindMZellwi "' oberlu-k jbaba *'-- � � � dbeeeüia ytutflbrnttaudl gelesen wird, viel von seiner richtigen Aufmachung abhängt. Was für die Zeitung gilt, trifft auch für das Buch zu. Die Original- ausgaben unserer Klassiker, zeigen ein kaum zu überbietendes Ver- ftändnis für die Notwendigkeit des Zusammenklangs von Buchform — im weitesten Sinne— und Buchinhalt. Dagegen feierte um die Wende des vorigen Jahrhunderts die Stillofigkeit in schwülstig- kitschigen Ausgaben geradezu Orgien. Heute steht das Gebrauchsbuch im Zeichen der„neuen Sachlichkeit": klarer Druck, gutes Papier, zweckmäßiger Einband ohne besondere persönliche Note sind seine Kennzeichen. Aber einzelne Künstler l)aben sich gefunden, die die besondere Eigenart jedes Buches auch in der gesamten Ausstattung betont sehen wollen:.zu diesen zählt der Graphiker und Schristkünstler Rudolf Koch. Seine Liebe gehört der gotischen Schrift. Er hat ganze Schriftenfamilien in ihrem Holzschnittstil geschaffen. Die Seiten, die er daraus zusammensetzt— meist handelt es sich um Legendenbücher und ähnliches— kann man mit tünftlerijchem Ge- nuß wie Bilder betrachten, und wie wohlangepoßte Bilder ver müteln sie dem Beschauer bereits einen Eindruck de» Inhalts. Auch lateinische Schriften schuf Rudolf Koch, klare, wohlproportionierte, zweckmäßige Buchstaben, die er hauptsächlich für Werbeschriften und Inserat« verwendet. Eine umfassende Ausstellung aus seinem Schäften wird im Berliner Buchgewerbehaus in der Dreibundstraße gezeigt, neben Schriftdrucken Holzschnitte von reli- giös-legendärer Wucht wie von japanischer Feinheit. Stille im Westen. Vom Rheinschifferstreik nach Münster. Der Kölner Pressetag verschaffte mir die langersehnte Gelegen- Heit, wieder einmal in die rheinische Metropole zu kommen: sechzehn Jahre, seit 1912, hotte ich diesen Dom und dies« Stadt nicht gesehen. An jedem der drei Aufentholtstage passierte ich mindestens zweimal die Hänge- oder die Hohenzollernbrücke, da die Presfe-Ausstellung drüben in Deutz ist. Man geht«ine ganze Weile über den Rhein und kann ihn weithin oerfolgen.'Aber es ist Rhein- fchifterstreit, kein Schleppzug und kein Frachtschiff zieht auf der Flut dahin und das bißchen Fährdienst und Personenschiffahrt kann nicht viel Leben auf den Strom zaubern. Als ein einziger Schlepp- zug unter dem Sternen- und Streifenbanner der Vereinigten Staaten von Nordamerika einherfährt, stauen sich auf der Brück« die Menschen, um dieses selten gewordene Schauspiel zu betrachten und zu besprechen. Es geschieht ohne Erregung, man ist sicher, daß es Streikbruch nicht gibt, es müsse also eine Erlaubnis der Streik- leitung für diesen einen Transport vorliegen, der übrigens ström- abwärts zieht und ziemlich leer zu sein scheint. Jedenfalls strahlt der Rhein im Sonnenglanz, den nun Rauchwolken nicht verfilfttern. So steht die Still« auf dem Strom, die ihn fast der Donau bei Wien gleichmacht, mit dem Köln sonst noch das Katholische, den Wein, das beweglichere Temperament gemein hat, in eigenartigem Gegensatz zu dem großen Verkehrsbetrieb in der festlich beflaggten Stadt. Ueberall Jahnen zum Hinweis auf die Ausstellung und auf die hier tagenden Kongresse, ausnahmslos die Flaggen der deutschen Republik, der Stadt Köln und Preußens— nirgendwo die abge- takelte Monarchistenfahne. 88000 Zentrumsstimmen, 72 000 sozial» demokratische— da bleibt nicht viel Platz für die Fürstendiener. Anders scheint es merkwürdigerweise in der westfälischen Provinzialhauplstadt, dem alten Münster zu sein, wohin uns der Weg nachher führte. Hier an vielzuvielen der schönen Giebel- und Erkerhäusern, die eine patrizisch« Vergangenheit verraten, die Farben Schwarzweißrot. Die Regierungsstadt mit ihren 110000 Einwohnern liegt mitten in großbäuerlichem Westfalenland: hat wenig Industrie, keinen Großhandel, offenbar auch kein zahlreiches Proletariat. Dafür aber ein Wehrtreiskommando der Reichswehr, dessen Inhaber all- gemein„der kommandierende General" genannt wird, was ziemlich stark nach altem Regime klingt. Reichswehrleute steht man ober tag gar nicht, � So etwas von ruhig-behäbiger Stadt habe ich schon lange nicht genossen. Außer den Autos der Behörden mit den amtlichen Wimpeln am Kühler ist kaum eines zu sehen. Wenige Leute gehen gemächlich auf den stillen Straßen. Kein Ruf, kein Radio— wie in Köln— ertönt, kein Hupen, kein Peiftchenknall und Kutscher- zuruf, nirgendwo eine Ansammlung oder gar ein Gedränge. Und doch— in dieser überruhigen Stadt haben Hitlerianer 1923 das Haus des Sozialistenblattes durch Sprengung zerstört. Wir besuchen das neue Gebäude des„Volkswillen", ein einfaches Haus in dem typisch westfälischen rotbraunen Ziegelton. Da hören wir, daß die Attentäter von ihren mehrjährigen Zuchthausstrafen recht bald durch Freilassung erlöst worden sind. Richtig, Zeitungsverkäufer auf der Straße sieht man auch nicht: wem sollten sie ihre Blätter anbieten, es kommt ja kaum jemand vorbei und der hat gewiß in westfälischer Gelassenheit seine Zeitung schon zu Haus« gelesen. Bei alledem ist aber die Stadtverwaltung unter dem Ober- bürgermeister Dr. S per l i ch ungemein rührig. Eben kauft sie den Park des Fürsten Bentheim inmitten der Stadt an: sie staut die A a, deren Hochwasser aus weitem Lehmgrund immer stehen blieb und Mücken, Bazillen und Pestilenzgerüche züchtete, zu einem See von 105 Morgen, dessen Abfluß weit« Landstrecken meliorieren wird. Um eine wichtige Straße zu verbreitern, verengt man den Schloß- graben, der unter acht Metern Wasser noch sieben Meter Schlamm und dann erst festen Grund hat: Kosten% Millionen Mark. An den verhältnismäßig neuen Univrfitätskliniken im Pavillonsystem kann man lange Zeit entlangwandeln und wenn man unsere alte Charite kennt, mit Neid darauf blicken. Ein städtischer Handelsschul- bau wird ein wahrer Koloß, und die Münsterische Stadthalle zu haben, wären viel größere— aber ärmere Slädie heilfroh. Zudem hat die Stadt durch die Fliegerschule und die Freiballonstation auch auf dem modernsten Gebiet Anziehungstraft. Es ist ein nahr- hafter und tragfähiger Untergrund für«ine Hauptstadt, dieses Sauerland. Freilich, Kohlenbergbau wie im südlichen Westfallen treibt städtisches Wachstum ganz anders an und läßt alles, von Hamm bis Düsseldorf, zu einer Stadt zusammenwachsen— aber zu einer Stadt mit ungleich mehr Nor. Elend, Ruß. Schmutz und würgenden Soziallasten des Gcmcindchaushalts, r.ba. P£R CflRg DIVQAM VON V•VWmS�nCHNUNGEN VOMADOjTfHSra 1. Fortsetzung. Während er durch die Drehtür in die jAudhalle eintrat, dachte er, was er doch für ein Glückspilz wäre. Im Besitz einer wunder- schönen Frau, die ihn liebte einer ausgezeichneten Gesundheit und eines glänzenden Geschäfts. Als der alte Cranmore gegen Ende des Krieges gestorben war, hatte er seine beiden Söhne und sein« Tochter in recht guten Verhältnissen zurückgelassen. Georg hob den Kopf vom Abendblatt auf und sagte: „Na, alter Junge, wie geht es Carmen?* „Großartig! Du mußt jetzt wirklich ein mal kommen. Wir haben dich ja seit einer Ewigkeit nicht mehr bei uns gesehen.* Der andere nickte etwas zweifelnd. „Hm— ich weiß nicht recht, ob man mich brauchen kann....* „Kamel!* begann Jim, aber Georg unterbrach ihn. „Du und Carmen, das weiß ich natürlich. Aber ich spreche von Dolores...." Dolores war Garmens Schwester und lebte mit den Cranmores zusammen. „Wieder einmal gestritten." Jim schüttelte den Kopf.„Ihr siingen Leute habt auch keine Ahnung, wie man mit jungen Mädeln umgehen muß. Schau doch mich und Carmen an. Hat es zwischen uns jemals auch nur ein ungutes Wort gegeben?!" „Als ob du da was dafür könntest! Carmen ist eine Heilige. Die könnte nicht einmal mit dem Steuerboten grob werden!...* „Soll ich dir auseinandersetzen, wie man verheiratet und doch glücklich sein kann....?* „Besser wäre es für dich, du kämst mit mir schwimmen. Und danach setzt du mich mit meinem Auto an meiner Wohnun gab. Es steht doch draußen, nicht?" „Ja, ich habe dem Chauffeur gesagt, herzukommen. Aber schwimmen kann ich nicht. Muß um halb sieben zu Hause sein, umziehen. Wir wollen heut auswärts essen und uns dann die neu« Revue anschauen....* „Hochzeitstag?" „Nein, häusliche Tragödie. Kein Dienstmädchen— Carmen warf die letzte hinaus, weil sie ihre seidenen Strümpfe trug— die Mutter von der Köchin todkrank, und das dritte Mädchen gerade Ausgang. So machten Carmen und ich aus, daß wir uns heut amüsieren wollten." „Das ist ein Gedanke. Ich kenne die neue Revue auch noch nichts. Wie wär's, wenn ich mit Dolores mitkäme," „Schon besetzt, Georg, nichts mehr zu machen, sie ißt im Rone- laghpark," sagte Jim bedauernd und fuhr nach einer kleinen Pause fort:„Weißt du, Georg, was Carmen und ich finden? Du und Dolores, ihr solltet euch heiraten und—* „Dolores würde mich ebensowenig nehmen— nüe ich sie," ant- 'wartete Georg schnell. f' 0 �„Aber es würde ihr so gut tun, zu heiraten. Du weißt ja, wie die jungen Mädels heutzutage sind.„Unabhängigkeit und sein eigenes Leben" und all den Quatsch. Aber dabei ist sie doch ein famoses Geschöpf, und ich wäre so froh, wenn sie jemand hätte, der sie glücklich macht." Georg sah seinen Bruder an und zwinkerte mit den Augen. „Wollen wir wetten, daß sie den schon hat? Und paß aus, sie wird ihn heiraten trotz allem, was du dagegen sagen magst." Jims Augen nahmen einen eigensinnigen Ausdruck an. „Meinst du diesen Quayre?" Georg nickte. „Ich weiß eigentlich nicht, was du gegen ihn hast. Nun ja, er ist ein Künstler, aber was er macht, ist gut, besonders seine Porträts. Wenn er auch noch nicht bekannt ist, wird er es schon noch werden. Und dann ist er wirklich ein anständiger Kerl und ein alter Freund von Carmen. Sie kannte ihn schon in Amerika...." „Mein lieber Georg, ich habe kein Borurteil gegen Quayre, nicht das mindest«, und so altmodisch bin ich auch nicht, sollte ich n, einen. Aber das geht doch wirklich nicht, daß ein neunzehnjähriges Mädchen alle Augenblicke von irgendeiner K'ünstleruntcrholwng in Chelsea oder da draußen um drei oder vier Uhr morgens nach Haus kommt. Und dabei blieb es nicht einmal. Als sie dann diesen Julian Quayre zu irgendeiner unmöglichen Nachtstunde ins Haus brachte, um ihm noch ein Glas Wein vorzusetzen, da wurde es mir denn doch ein wenig zu stark. So etwas tut nicht guh alter Junge. Do- lores lebt bei uns, seit sie von der Schule ist, und so laß ich mir einfach nicht kommen. Carmen ist absolut meiner Meinung. Und ich muß dir sagen, ich bin gar nicht sicher, daß sie sich aus diesem Quayre so viel macht, wenn sie ihn auch in New Bork schon gekannt hat. Sie war ganz damit einverstanden, daß ich Dolores meine Meinung über ihre künstlerischen Freunde klarmachte. Nach der letzten Geschichte ließ ich mir den Herrn Quayre kommen und schob ihn nach allen Regeln der Kunst ab. Ich sagte ihm, daß es zwischen ihm und Dolores aus sein müsse, und dasselbe erklärt« ich Dolores. Ich gebe dir ja zu, daß Quayre ein ganz netter Kerl ist, aber er hat nicht einen roten Heller, und Dolores mit all ihrer Frische und Schön- heit und was noch drum und dran hängt, kann doch andere Ansprüche machen. Ohne Mitgift wird sie auch nicht sein, wenn sie heiratet, dos habe ich Carmen versprochen. Aber gleichzeitig werde ich auch darauf sehen, daß sie einen ordentlichen Mann bekommt... Er warf einen Blick aus die Uhr und sprang auf. „Großer Gott!" rief er,„schon halb sieben. Ich darf mich eilen, wenn ich um sieben fertig sein will. Ich lasse Carmen niemals warten. Also auf Wiedersehen, alter Junge." Er winkte Georg zu und war im Augenblick draußen. In Piccad-illy tobte«in wilder Berkehr, als Jim Cranmore seinen großen Wagen mit sicherer Hand zwischen Omnibussen und Autos hindurchsteuerte. Eine seiner Hauptfreuden war, nach voll- brachtem Tagewerk zu seiner Carmen zurückzukehren. Während er rechts und links auswich, dachte er an die Jahre seiner Ehe, die ein Traum von wolkenlosem Glück gewesen waren. Niemals ein Mißverständnis, eine Meinungsverschiedenheit oder auch nur ein unfreundliches Wort zwischen ihnen. Keine Kinder freilich, aber das mochte ja mit der Zeit auch noch anders werden, und vielleicht war gerade deshalb sein« Che so vollkommen harmonisch. Ein Strom warmen Gefühls stieg in ihm auf, als er daran dachte, wie er Carmen am Morgen verlassen hatte. Er sah sie vor .. sich i» ihrem SeidevKmono, der ihr so gut stand, vor dem Toiletten, tisch sitzend, und erinnerte sich an den zärtlichen Blick, den sie ihm nachgesandt und der ihn tagsüber begleitet hatte, ob er im Getöse der Börse seine Geschäfte abwickelte oder im Klub zwischen lauter Männern saß. „Großartig.1 Du mußt jetzt mirllich einmal kommen.(Vir haben dich seit einer Ewigkeil nicht mehr bei uns gesehen." Nun war sie allein zu Hause. Seine Finger klammerten sich un- geduldig um das Steuerrod, während er immer wieder in dem tollen Gedränge die Fahrt des Wagens zu verlangsamen gezwungen war. 3. Das leere haus. Zwanzig Minuten vor sieben Uhr steckte Jim Cranmore den Hausschlüssel ins Schloß der Eingangstür von Sloane Crescecic. Auf der großen Florentinerkommode der«ichengetäfelten Holle fand er Claque und Ueberrock liegen, wie sie das Mädchen zurechtgelegt hatte, ehe sie ausging. Das Haus war ganz still. Als Cranmore Hut, Handschuhe und seinen Malaccarohrstock'abgelegt hatte, hörte er das feierliche Ticken der stattlichen Standuhr hinter den grünen Seidenoorhängen, die die Halle vom Treppenhaus abschlössen. Da er wußte, daß die Dienst- boten alle fort waren, ließ er den eigenartigen spanischen Ruf auf zwei Tönen erschallen, den Carmen ihn gelehrt hatte und den sie nur gebrauchten, wenn sie allein waren. „D... h C. arme n," rief er und wartete auf die vertraute Antwort in der weichen, zärtlichen Stimme, die sein Herz immer wieder schneller schlagen lieh:„0.. h I.. im!" Seine Stimme tönte dumpf durchs Haus. Aber keine Antwort kam. Alles blieb still, so still, daß das Ticken der Standuhr wie ein Dröhnen klang. Cranmore schob die Borhänge beiseite und sprang die Treppe hinauf. Seine Füße brachten auf den weichen Teppichen keinen Laut hervor. Im ersten Stock hielt er an und rief von neuem. Aber wieder kam keine Antwort. Im zweiten Stock befand sich das Schlafzimmer und sein An» kleideraum. Erstaunt blieb er stehen. Die Tür des Schlafzimmers stand offen, und auf den ersten Blick tonnte er sehen, daß es leer war. Das Bett war für die Nacht hergerichtet. Auf ihm lag Carmens feines, weißes Cröpe-de-Chine-Nochtgewand, und am Fuße standen ihre kleinen, blauen, gefütterten und mit weißem Pelz gesäumten Morgenschuhe. Auf der Ottomane war ihr Abendkleid ausgelegt aus silberdurchwirkter Seide, daneben Silberschuhe, grauseidene Strümps« und ein Handtäschchen aus Brokat. Cranmore blickt« kopftchüttelnd um sich. Es sah Carmen gar nicht ähnlich, sich so zu verspäten. Sie war kein Muster von Pünkt- lichkeit, und eine Viertelstunde auf oder ab machte ihr nichts aus. Aber sie wußte doch, daß die neue Revue um acht Uhr fünfzehn ansangen sollte. Der Anblick des leeren Stuhls vor ihrem mit Kleinigkeiten aus Kristall und Silber übersäten Toilettentisch ver- ursachte ihm plötzlich ein quälendes Gefühl der Einsamkeit. Wie leer das Haus schien!(Fortsetzung folgt.) u RätseI=Ecke des„Abend lUiuimiiiniiiiiiiiiiniiiiiiiiiniiuniiniiiiiittiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiinniiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiininiimiininiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiMiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiniiiiniuiiiiimiiiiiiniiiiiit Kreuzrätfel. Jede Zahl in der Figur ersetze man durch eine Silbe: es ergeben sich, richtig gefunden, dann Zusammen- setzungen folgender Bedeutung: l. 2 Bogel, 3, 4 Metall, 5, 6 Teil eines Rades, 7, 8 Stadt in Ungarn, 1, 4 Grünfläche, 2, 4 Reim- gungsgerät, 3, 2 Baum, 3, 5 deutsche Landschaft, 3, 7 wertvolles Nahrungsmittel, S. 4 allgemeine Bezeich- nung schroffen Gesteins, 6, 4 deutsche Stadt, 7, 2 eine Bezeichnung für„Nachlaß", 8, 1 weiblicher Vorname, 8, 2 deutscher Schriststeller, 8, 6 Flüssigkeit. Magisches Ooppelquadrai. Di« Buchstaben dieser Figur sind so zu ordnen, daß die einander entsprechenden sieben wagerechten und senkrechten Reihen gleich- lautende Wörter folgender Bedeutung ergeben: 1. Deutscher Freiheitskämpfer; 2. Stadt in Norddeutschland; 3. bedeutender Maler der jüngsten Vergangenheit; 4. Stadt in Sachsen; 5. Gewürz; 6. altgriechische Göttin; 7. Haustter. Schieberätsel. Die Wörter Automobil, Teplitz, Mammon, Euterpe und Ro- tation sind uMereinanderzusetzen und seitlich jo.zu oerschieben, daß zwei benachbarte Reihen, die' erste von oben nach unten, die zweite von unten nach oben gelesen, ein den Rhythmus unserer Zeit kenn- zeichnendes Wort ergeben. Rösselsprung. Verwandlung. Weis«, Geburt, Geier, Traum, Rhin, Natter, Ostern, Geister, Lager, Salat, Norden. Aus jedem dieser Hauptwörter läßt sich durch Umstellen von Buchstaben ein anderes Hauptwort bilden. Werden die so erhaltenen Wörter hierauf richtig gereiht, so nennen die Anfangsbuchstaben, nacheinander gelesen, den Namen eines berühmt« englijch-injchen Dramcutters. Strahlenratfel. 6 5 4 Aus den Buchstaben dieser Figur sollen acht Wörter gebildet werden, deren Anfangsbuchstaben, bei Zificr 1 anfangend und noch- einander gelesen, einen Wegbereiter der Arbeiterbewegung nennen. Die acht Wörter, welche sämtlich den gleichen Endbuchstaben haben. bedeuten: 1. inneres Organ; 2. deutscher Komponist: 3. deutsche Stadt; 4. Reinigungsmittel; 5. weiblicher Vorname; 6. Musikinstrument; 7. alte Waffe; 8. Waldbaum. Auflösung der Aufgaben nächsten Mittwoch. Auflösungen der Rätsel aus voriger Rummer. Königszug: Jung sein, heißt die Zukunft zwingen, Ihr bestimmte Formen geben! Mit sich selbst muß Jugend ringen, Will sie bau« ein starkes Leben! Die fehlende Silbe: Redakteur, Redoute, Referent, Re- gatta, Regensburg, Regierung, Register, Relies, Remise, Renate» Reporter, Republik, Reserve, Resonanz, Revolver(Re�-). Füllrätsel: MAR MAR MAR MAR M A M A G G A A R G R G A N N E E N E E N E Magisches Quadrat: 1. ADGB.(Allgemeiner Deutscher Gewerkschastsbund); 2. Drau; 3. Gans; 4. Busch. Buchstabenrätsel: wand, Igel, Laus, Halm, Enkel, Last. Word, Luchs, Zuge, Eber, Lall, Sern, Rein, Else, Celle, Horn. Tort. (Wilhelm Liebknecht.) Funssache Aenderung: 5. Senil. 1. Linse; 2. Niels; 3. Silen; 4. Insel; Nr. 270 45. Jahrgang Technik Sonnabend 9. Juni 1928 Das Fahrrad: Deutschlands Autoersatz Aus der Geschichte des Fahrrades- ein Gang durch die Lindcar- Werke. Das Fahrrad kann heute auf eine mehr als 100jährige Geschichte zurückblicken, wenn man davon absieht, jene Fahrzeuge des 17. Jahrhunderts, die im Innern selbst durch Menschenkraft bewegt wurden, als seine Ahnen zu betrachten. Vielleicht ist es richtiger, diese Menschenkraftwagen eher als Borläufer des Autos als des modernen Fahrrades anzusprechen. Die Laufmaschinen von Drais. Daher ist es sehr zu begrüßen, daß die deutschen Gewerkschaften| geschmirgelt hat, erhalten sie ihren höchsten Glanz in der durch die Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten" dazu übergegangen sind, eine eigene Fahrrad fabrik, die Lindcar- Werte" in Lichtenrade, in Betrieb zu nehmen. Schon im Jahre 1926 fonnten 13 000. im Jahre 1927 26 000 und bis Ende Mai dieses Jahres bereits 18 000 Räder hergestellt werden. Dabei wächst die Anforderung ständig. Die Arbeiterschaft hat begriffen, daß sie hier ein Qualitätsrad im eigenen Betriebe zu angemessenen Preisen und günstigen Zahlungsbedingungen erhalten hat. Die Belegschaft des Werkes, das nach den modernsten Gesichtspunkten, nicht nur in technischer, sondern auch in hygienischer Beziehung gebaut wurde, im Jahre 1926 140 Mann, Lackiererei. Hier wird nun nicht etwa mit dem Pinsel gearbeitet, der Malermeister ist ersetzt durch einen großen Bottich, in dem die Farbe glanzperheißend schwimmt. Mit Hilfe besonderer Vorrichtungen werden die Rahmen in diese Farbe getaucht und in automatische Trodenöfen geschickt. Das wiederholt sich dreimal und zwischen jeden Arbeitsgang wird der Lack sauber abgeschliffen. Diese Lackiererei, die mit Kacheln ausgelegt ist, ist für den Besucher neben der Bernicelei der Höhepunkt der gesamten Fabrikation. Die Vernidelei unter scheidet sich zu ihrem großen Vorteil von vielen ähnlichen Betrieben dieser Art in anderen Werken. Sie ist sauber mit Kacheln ausgelegt, Rahmenbau. Rahmenschleiferei. 1817 führte der badische Forstmeister Freiherr v. Drais, der 1785 zu Sauerbrunn geboren wurde, und 1851 zu Mannheim starb, ein seltsames Fahrzeug vor: zwei mit fleinem Zwischenraum hintereinander angeordnete Räder, die durch einen als Reitsig dienenden Steg mit einander verbunden waren. Im Berliner Postmuseum fann man eine solche Maschine sehen: recht plump anmutende hölzerne Räder, wenn man die Räder des modernen Rades als Maßstab nimmt, und zwischen ihnen ein mit Leder befleideter Sattel, auf den sich der Fahrer setzte, um dann durch Abstoßen mit den Füßen das Gefährt in immer schnellere Bewegung zu versehen. Diese Laufmaschine, die Drais später noch dadurch verbesserte, daß er das Borderradgestell, wie beim heutigen Rad lenkbar machte, erregte selbstverständlich die Heiterfeit seiner auf technischem Gebiet mehr als tonservativen Mitbürger. Eine Flut von Hohn und Spott ergoß sich über den Erfinder, niemand ahnte, daß hier der Kern zu einem der größten Produktionszweige der Welt industrie gelegt war. Erst als es Drais gelang, die Entfernung zwischen Karlsruhe und Straßburg, für die man sonst sechzehn Stunden benötigte, in dem vierten Teil der Zeit, in vier Stunden, zurüdzulegen, wurden die Spötter etwas stiller, ja sogar das Ausland wurde auf diese Erfindung aufmerksam. Drais erhielt von der badischen Regierung ein Patent, ohne es jedoch recht ausmutzen zu können. In England wurde dieses Patent einem gemiffen Johnson erteilt. Dort wurde die Laufmaschine unter dem Namen Dandy- Horse befannt. Es blieb aber nur ein Sportmittel für begüterte Kreise. Der Stand der Arbeiterschaft gestattete damals noch weniger als heute an den Errungenschaften der Technik teilzunehmen. Auf diesem Stand blieb das Fahrrad länger als ein Menschenalter. Erst 1855 fam Philipp Heinrich Fischer in Schweinfurt auf den Gedanken, die Laufmaschine mit einer Treffurbel am Vorderrade Trockenöfen in der Lackiererei. zu versehen. Unabhängig von ihm baute der Franzose Erne st Michaug in Frankreich ebenfalls eine Laufmaschine mit Kurbelantrieb. Seine Konstruktion wurde der Anlaß zur Gründung einer französischen Fahrradfabrik der Ancienne Maison de Michaux et Comp. Diese Räder waren noch vollkommen aus Holz gebaut und wurden unter dem Namen Velocipede( Schnellfüßler) in den Handel gebracht. Da die Kurbel zunächst ohne Uebersezung am Borderrad montiert war, machte man dessen Durchmesser sehr groß, um mit einer Kurbelumdrehung eine möglichst große Wegstrecke durcheilen zu können. In England kam dann später die Uebersetzung auf, die zunächst noch beim Hoch rad Verwendung fand und der Engländer Lawson schuf dann endlich das Niederrad, wie wir es heute kennen, indem er den Kettenantrieb auf das Hinterrad mirten ließ. 1869 wurde durch den Franzosen Mayer das bis da hin hölzerne Rahmengestell durch Eisen ersetzt und feit 1886 erhielt der Fahrradrahmen die Form, die wir heute gewöhnt sind. Die englische Firma Humber ging hier mit gutem Beispiel voran. Bereits 1869 aber hatte der Franzose Suviray das Kugellager in den Fahrradbau eingeführt, ohne das man sich heute ein Fahrrad überhaupt nicht mehr denken kann, und abgesehen von den vielen anderen Verbesserungen, die in der Zwischenzeit eingeführt wurden, brachte die aufblasbare Gummibereifung den wichtigsten Fortschritt in der Entwicklung des Fahrradbaues. Eine moderne Fahrradfabrik. Heute mum ist das Fahrrad weit über die Kreise der zivilisierten Belt hinaus zu einem wahren Volksbeförderungsmittel geworden. Es ersetzt im verarmten Europa und nicht zuletzt in Deutschland das Auto. Ungezählte Scharen von Arbeitern legen den Weg von und zu der Arbeitsstelle mit ihrem Fahrrad zurück oder eilen am Wochenende auf ihrem Stahlroß hinaus in die Schönheit der Natur. die verschiedenen Stromleitungen sind durch verschiedenartige freundliche Farben fenntlich gemacht und in dem ganzen Raum herrscht die größte Sauberkeit. Alle blanten Teile des Rades, Ge triebe, Lenker, Sattelstüzen usw. werden hier auf gal. vanischem Wege zunächst Derfupfert und dann mit einem starken Nickelüberzug versehen. Schwabbelscheiben gestatten in einem Nebenraum diese Nickel auf Hochglanz zu polieren. Für das Getriebe der Räder tommt besonders legierter Stahl zur Verwendung, der durch sein Gefüge die geringste Abnutzung unter richtiger Bearbeitung den leichten Lauf des Rades verbürgt. Nachdem die Getriebemontage Kettenräder und Kurbeln am Rade montiert hat, wandern sie in die Fertigmontage, Darthin fließen auch die in der RadSpannerei und in der Gummiaufzieherei fertiggemachten Räder. Beson ders wichtig ist es zu wissen, daß die Speichen dieser Räder aus nichtrostendem Stahl gebildet find, so daß man sie nicht zu vernickeln braucht. Bevor die Räder nun sauber verpackt hinauswandern in die Welt, werden sie einer sorglichen Kontrolle unterzogen. Interessant ist die Tatsache, daß die Fabrik zu einem rechten Lager bisher noch nicht gekommen ist, da durch die ständige Bergrößerung des Reges der Berkaufszentralen und die Tatsache, daß die Qualität dieses Rades für sich felbst wirbt, einen sich ständig vergrößernden Abnehmerfreis geschaffen hat. Die Arbeiterschaft kann auf diesen Betrieb stolz sein, der ein, wenn auch zunächst kleines Glied auf dem Wege zu ihren als recht erkannten Zielen iſt. Die Revisionsabteilung. sie ist 1927 auf 200 und jetzt um das Doppelte, auf 400, gestiegen. Dabei rechnet man noch mit einer weiteren wesentlichen Steigerung dieser Zahlen. Das den Werken gehörende Fabritgrundstüd bedeckt eine Fläche von 32 000 Quadratmetern, von denen erst heute 12 000 bebaut find. Für fünftige Ausbaumöglichkeit ist zunächst gesorgt. Ein Rundgang. Ein Rundgang durch die hellen freundlichen Räume beginnt im Lager. Dort kann man die zum Rahmenbau verwendeten Rohre vor ihrer Verarbeitung prüfen. Man findet tadelloses rost freies Material, das innen blant ist wie ein sauberge 30gener Gewehrlauf. Diese Rohre und die dazu gehörigen Muffen wandern nun in den Rahmenbau und werden hier nun mit Hilfe von Schablonen und anderen Vorrichtungen auf das fauberste zusammengefügt und für die Löterei fertiggemacht. Es ist ein besonderer Vorzug dieses Rades, daß der Rahmen nicht autogen geschweißt, sondern gelötet wird. In der Löterei glühen die Tauchöfen. Sie schmelzen in Behältern aus feuerfestem Graphit das Messinglot, so daß ein flüssiges Bad von einer Temperatur von 1200 Grad entsteht. In dieses Bad werden die Lötstellen des Rahmens getaucht. Das flüssige Meffinglot fließt begierig in die Fugen zwischen Rohr und Muffe und schafft ein unbedingt festes Gefüge. Nach dem Abkühlen müssen die Rahmen von dem überflüssigen Messinglot befreit werden. Die erste Säuberung wird maschinell mit Hilfe von Druckluft und Sand vorgenommen. Schon bevor man die Sandstrahlerei betritt, bemerkt man den arbeitenden Kompressor, der die Druckluft in die sechs Kammern der Sandstrahlerei treibt, die die Rahmen aufnehmen. Durch Düsen wird der Sand auf die zu reinigenden Teile geleitet und das Messing sauber und ohne zu überflüssigen Materialverlust entfernt. Es ist in diesem Betriebe selbstverständlich gesorgt, daß der bei diesem Verfahren unvermeidlich entstehende feine Sandstaub abgesaugt wird, so daß die Luft immer erträglich bleibt. Nun wandern die Rahmen in die Schleiferei, um die letzten Rückstände an den Lötstellen zu beseitigen. Und nachdem noch die Feilerei die Rahmen bis ins Kleinfte bearbeitet, nachgefeilt, gerichtet und Die Ravennabrücke. Die Höllentalbahn im Schwarzwald tonnte seit 40 Jahren auf ein besonders gut gelungenes Meisterwerf der Technit, die aus Stein gebaute Ravennabrüde, hinweisen. Aber der Betrieb ist gewachsen, die Lasten der Züge sind schwerer geworden und die Brücke selbst ist alt. Nun hat sie ausgedient. Eine neue Brücke hat man vierzig Meter südlich von ihr in elegantem Bogen um sie herumgeführt. Dabei war es notwendig, den Ravennatunnel beinahe bis zu seiner halben Länge zu öffnen. Besonders schwer waren die Fundamentierungsarbeiten der neuen Brücke. Einer der Pfeiler mußte fast 30 Meter tief durch nicht tragfähigen Boden hinabgeführt werden, ehe man auf festen, widerstandsfähigen Grund stieß. Nicht weniger als 8500 Rubikmeter Boden mußten beseitigt werden, 12 000 Kubikmeter Betonierung und Mauerwert, 1600 Kubikmeter Gewölbe und Quadern, Abdeck- und Gurtplatten waren zur Herstellung des neuen Bauwerks nötig. Außer diesen reinen Brückenarbeiten verursachten die Verlegung einer Landstraße sowie die Arbeiten am Ravennatunnel die Ausführung ganz erheblicher Bodenbewegungen und Maurerarbeiten. Ein dreiteiliger Straßenbahnwagen mit Gelenken. Die Dres bener Straßenbahn wird im Laufe der 7. Jahresschau Deutscher Arbeit„ Die technische Stadt" neuartige Straßenbahnwagen in Betrieb stellen. Es handelt sich um den sogenannten„ Gefent. wagenzug", d. i. ein Straßenbahnwagen, der etwas mehr als 21 Meter lang und in drei Teile geteilt ist, die in sich durch Gelente verbunden sind. Um die Endaufenthalte zu verfürzen und Ein- und Aussteigen schneller abzumideln, find diese Wagen aus noch mit einem breiten Mitteleinstieg verleben. B Der Abwehrkampf Im Berliner Arbeitersport. Den bundestreuen Arbeitersportlern ist mun endlich der Ge-| duldsfaden gerissen. Man muß sich wundern, daß die Nachsicht so lange gedauert hat. Denn die Tatsachen liegen jetzt so, daß die Kommunistische Partei beinahe den ganzen Organisationsapparat in Händen hat. Die KPD. 3entrale braucht nur noch auf den Knopfzubrüden, um die gesamte Berliner Arbeitersportbewegung als Filiale der Roten Sportinternatio nationale aufzuziehen. Für die Spartakiade in Mos. ta u ist ein besonderer Agitator der KPD. bestellt, der die Teilnahme der Vereine( trog Bundesverbot!) in die Wege leiten wird. Der Reichsarbeitersporttag am nächsten Sonntag wird unter Teilnahme des Roten Fronttämpferbundes und der ganzen fommunistischen Reklame vor sich gehen. Diese Vorgänge werden auch. dem legten Arbeitersportler die Augen öffnen, daß mit diesem Moskauer Theater Schluß gemacht werden muß. Dem Berliner Bolschewistenorgan ist plötzlich der Schred in die Glieder gefahren. Die„ Rote Fahne" spielt den Berfolgten. Zugegeben wird freilich, daß das Vorgehen der Arbeiter- Tennis- VerAn die Berliner Arbeiterschaft! einigung gegen die Abteilungen der Freien Turnerschaft GroßBerlin" tatisch unflug" war, man hätte die Entscheidung dem Bundesvorstand überlassen müssen! Im übrigen werden die Arbeitersportvereine aufgefordert, dem Aufruf der„ Naturfreunde" feine Folge zu leisten! ihrer fortgesetzten Sabotage. Aber jetzt ist der Stein im Rollen! Aus dem ganzen Artikel spricht die Angst vor den Folgen Der Arbeitersport in Berlin muß von der Zellenjippe gesäubert werden. An Stelle des fortgesetzten Parteigezänts in den Vereinsund Kartellfizungen muß die praktische positive Arbeit treten! Alle bundestreuen Arbeitersportler werden sich gezwungen sehen, endlich Ordnung zu schaffen, der Berliner Arbeitersport muß sein früheres Ansehen in der deutschen Arbeiterschaft wieder herstellen. Die Angst und das Gejammer der„ Roten Fahne" zeigen, daß die kommunistischen Parteisportler ihren Turm wanken sehen. Aber sie wollten den Kampf! Gut, sie sollen ihn haben! stritten von den Siegern und den Zweitplacierten der drei Ausscheidungskämpfe vom Preis vom Forsthaus vom 5. Juni. In den das Programm umrahmenden Rennen treffen bisher nur in England bekannte Hunde zusammen, die sicher einen interessanten Kampf liefern dürften. Die Rennen beginnen 20.15 Uhr. Rund um den Sport. Der Kreis Sachsen im Arbeiter- Turn- und Sportbund häft Mitte Juli in Dresden ein Kreisfest ab, das in seiner Großzügigkeit alles auf diesem Gebiete Gebotene übertreffen wird. 40 000 aftive Teilnehmer stehen in Aussicht, dazu fommt der mächtige Strom sonstiger Festbesucher aus Nah und Fern. Die Frage der Beförderung der Massen mit der Bahn spielt dabei die Hauptrolle und die Festleitung wandte sich schon im Herbst vorigen Jahres wegen Stellung von Sonderzügen an die Reichsbahn. Die Reichsbahn bot Biehwagen an; die Personenwagen würden zum Deutschen Turnfest nach Köln und zum Sängerfest nach Bien gebraucht! Alle Proteste nuzten nichts. Die Empörung darüber in den Arbeiter- Turn- und Sport- und mit ihnen sympathisierenden Kreisen ist selbstverständlich groß. Um so mehr, als es in Sachsen schon der zweite Fall fraffer unterſastedlicher Behandlung ist. Im Vorjahr wurden 3. B. die Rotfront fämpfer in Viehwagen, die Stahlhelmer in Per fonenwagen nach Berlin befördert. Von den letzteren famen amei 3üge leer zurüd. Damals versprach die Eisenbahndirektion Dresden dem Betriebsrat, daß es nicht mehr vorkommen soll- und was ist geschehen? Wir werden sehen, ob es die Reichsbahn darauf ankommen läßt, daß Viehwagen für eine Arbeiter. sport und Kulturbewegung gerade gut genug sind. nun ein„ Bruder verein die schriftlich zugesagte Mufit zum Reichsbannerbootshaus in Tegel. Leitung von der Spiel- Bereinigung 07 Meerane sieht in Hofmann Der Verband Mitteldeutscher Ballspielvereine im Deutschen Fußballbund mill in dem internationalen Spieler Hofmann aus Meerane i. Sa. einen Wunderknaben befizen. Was der sich an Unsportlichkeit beim Spiel erlaubt, ist allerdings bewunderns. wert. Im Probespiel der Olympiamannschaft gegen schottische Berufsspieler wurde er deswegen vom Plaze gewiesen, ebenso beim Olympia in Amsterdam im Spiel gegen Uruguay. Die Vereins ein Objeft, mit dem glänzende Geschäfte zu machen sind. Sie hatte seit zwei Jahren gegen einen Plauener Verein ein Rüd fpiel zu liefern. Die Meeraner Vereinsleitung setzte es durch, daß Bereinsleitung die erhöhte Forderung damit:„ Unsere Mannschaft der begründete die besitzt heute durch den Internationalen Hofmann gegen früher eine doppelte Zugkraft". Die Leute im Amateurreich des deutschen Fußballbundes verstehen sich aufs Geschäft so ausgezeichnet, daß Kaufleuten der Neid ankommen fann. Der Kampf im Berliner Arbeitersport hat eine neue Verschärfung erfahren. Nach der Lahmlegung des Tennisbetriebes der Freien Turnerschaft Groß- Berlin durch den Kommunisten Friedmann und die ihm gleichgesinnten Vereine hat Werbefest der Freien Turnerschaft Groß- Berlin am morgigen Sonntag in Treptom abgefagt. Die Mitteilung hiervon erfolgte Am Sonntag wird mit einer großen republikanischen Kundam Donnerstagabend, so daß es unmöglich ist, für die gebung das zweite Bootshaus des Reichsbanners gebung das zweite Bootshaus des Reichsbanners Maffenübungen auf der Spielwiese noch eine eingespielte Kapelle eingeweiht. Die Wassersportabteilung des Reichsbanners ist in den zu beschaffen, die in der Lage ist, die vom Bund vorgeschriebene letzten Monaten so start angewachsen, daß die Boote ihrer Mite fich im Falle der Mitwirkung Hofmanns die ursprünglich festgesette Musik zu den Freiübungen stilgerecht zu spielen. Der 3med diefer glieder nicht mehr in dem Bootshaus am Bendenschloß in Köpenid brüderlichen" Maßnahme geht ganz offensichtlich dahin, das ganze untergebracht werden konnten. Das Bootshaus bei Wendenschloß Fest lahmzulegen. Der Borstand der Freien Turnerschaft hat annähernd 100 Boote aufgenommen. In dem zweiten Heim Groß- Berlin hat sofort alles mögliche getan, um diesen neuen Schlag zu parieren. An die Arbeiterschaft Berlins und alle befreundeten Organifationen ergeht die dringende Biffe, die Freie Turnerschaft Groß- Berlins in ihrem Kampfe zu unterstützen. Wir ersuchen nicht nur um zahlreichen Besuch der sportlichen Wettkämpfe auf der Stadionwiefe, sondern auch zum Erscheinen bei dem anschließenden Gartenfest im Spree. garfen. Der Abmarsch des Festzuges erfolgt 13% Uhr von der Schule neben dem Rathaus Treptow. Nach dem Eintreffen auf der Stadionwiese machen die Kinder einen Umzug, während die Jugendlichen und Erwachsenen sofort zu den Massenübungen antreten. Dann folgen Wettläufe, Massenübungen der Kinder, Singspiele, diverse Wettspiele, humoristischer Wettlauf der Kinder und allgemeine Spiele des ganzen Bereins. Der Abmarsch erfolgt wieder in geschlossenem Zuge nach der Schule zum Umkleiden, dann Treffpunft aller im Spreegarten, wo bei Ronzert, Tanz und turnerischen Aufführungen dieser Werbetag einen würdigen Abschluß finden soll. Die Parole für morgen lautet also: Auf zur Stadionwieje in Treptow und zum Spreegarten! Ins märkische Gebirge"! Die von der Naturwissenschaftlichen Abteilung der Berliner Ortsgruppe des Touristenvereins ,, Die Naturfreunde" durchgeführten missenschaftlichen Wanderungen haben großen Anflang gefunden. Das zeigte vor allem die Gebirgswanderung" vom 29. April, die das Gebiet der Rüdersdorfer Kaltberge zum Ziel hatte. Eine zweite derartige Wanderung wird in die noch ältere Bech stein oder Perm- Periode der Entwicklung der Erde Einblicke bieten. Zu diesem Zweck veranstalten die Naturfreunde morgen Sonntag( Abfahrt morgens 6.30 Uhr vom Potsdamer Bahnhof nach 3offen) eine Fahrt in die Sperenberger Gipsbrüche. Sowohl in Geologie und Botanit ergeben sich hier wertvolle Beobachtungen. Darüber hinaus soll aber bei der Betrachtung der gerade in diesem Gebiet besonders typisch auftretenden Kundlingsdörfer und einer vorgeschichtlichen Ansiedlung Material aus der Besied. lungsgeschichte gewonnen werden. Botanisch Interessantes wird die Salzflora bieten, die sich durch den Abfluß der 1871 erbohrten Salzfole( Drummerfee und Schneidergraben) in einzigartiger Form entmidelte. Die Route der Wanderung verläuft mie folgt: 3offenNeuendorf- Dergischow- Saalom- Klausdorfer Tongruben- Fauler Gee- Gipsbrüche- Drummersee- Sperenberg- Schulzensee. Heute Windhundrennen. Die Olympia- Windhund- Renngesellschaft veranstaltet heute und morgen bei volkstümlichen Eintrittspreisen Renntage auf der DIŋmpiabahn am Königsdamm( Nähe Bahnhof Beuffelstraße). Das Brogramm sieht an beiden Tagen neben Flach- auch Hürdenrennen hinter dem elektrischen Hasen vor. Beginn 20 Uhr. Der dritte Renntag im Poft stadion heute Sonnabend verspricht insofern interessant zu werden, als nunmehr Hunde der gleichen besonderen Qualität im Rennen zusammenkommen. Im Hauptrennen des Tages, dem Preis vom Forsthaus, winken dem Sieger 500 M. sowie ein Ehrenpreis. Dieses Rennen wird be 12 der Wassersportabteilung in Tegel fönnen über 300 Boote untergestellt werden. Aus einem ehemaligen Eisschuppen ist eine ausgezeichnete Bootshalle geworden. Das neue Heim wird mit allem Komfort ausgestattet. Die meisten Sportvereine müssen, da die Uferpromenade um den Tege ler See nicht versperrt werden darf, ihre Boote vom Bootshaus über die Promenade bis an den Tegeler See tragen. Das Reichs. banner hat einen Stichtanal graben. lassen, über den mit einer Brüde die Uferpromenade fortgeführt wird. Dadurch können die Boote unmittelbar am Bootshaus ins Wasser gelassen werden. Die Einweihung des Bootshauses morgen, Sonntag, um 15 11hr wird verbunden mit einer Regatta des republikanischen Deutschen Wassersportverbandes". Schach in Neukölln. Der Deutsche Fußballbund" teilt mit, daß er die beiden deuts schen Olympiaspieler Kalb und Hofmann wegen ihrer Angriffe auf andere Fußballspieler beim Spiel Deutschland- Uruguay auf längere Zeit disqualifiziert habe. lleber den sonstigen Spielverlauf teilt der Bund dann noch mit: Der DFB. sieht sich veranlaßt, darauf hinzuweisen, daß die Behauptung, die deutsche Mannschaft habe nach Halbzeit nicht wieder antreten wollen, nicht den Tatsachen entspricht. Sechs deutsche Spieler waren nach ärztlicher Feststellung bereits bis zur Halbzeit derart verlegt, daß die beiden zur Verfügung stehenden Aerzte in der vorges fchriebenen Zeit mit der Wundversorgung nicht zu Ende tamen. Der Gedante eines Spielabbruches ist überhaupt nicht in Erwägung gezogen worden. Der italienische Mittelstürmer Chiavio murde fünf Minuten vor Schluß des Spieles Argentinien- Uruguay so hart genommen, daß er bewußtlos zusammenbrach. Demnach scheint es in Amsterdam schlimmer als auf einer bayerischen Kirchweih zuzugehen. Und das trotz des ..olympischen Eides"! Internationale Motorboot- Rennen. Die vom Deutschen Motorjacht Verband für die Tage vom 15. bis 17. Juni nach dem Templiner See bei Potsdam ausgeschriebenen internationalen Motorboot Rennen haben ein sensationelles Meldeergebnis gebracht. In der 1½- Liter. Klaffe trifft der Weltrekordmann Dr. Etchegoin Frankreich mit ,, Sadi II" auf den bekannten deutschen Motorbootfahrer Dir. Krüger.Berlin, der zwei, Boote( Sigrid IV. und V) gemeldet hat. In der 12- Liter- Klaffe ist Dr. Etchegoin ebenfalls vertreten, hier werden sich ihm der bekannte englische Automobilrennfahrer Major Segraene mit Blad Arrow", der Franzose Sigrand mit Bah Sih Fou II" und B. Zeidler- Berlin auf Barole V" entgegen. stellen. In der unbeschränkten Rennbootklasse treffen die drei por. genannten auf Frig v. Opel mit ,, Opel II". Start besetzt find die Außenbordklassen. Hierzu hat u. a. auch die amerikanische Motorbootfahrerin Miß Hentschel ihre Meldung abgegeben. " Vereinskalender. " Die Abteilung Neukölln- Nord" des Arbeiter Shah flubs veranstaltet Montag, 11. Juni, 19% Uhr, im Körnerpart Neukölln einen Massenwettkampf im Freien. Ein Kampf an 25 Brettern zwischen der Abteilung„ Süden" und NeuköllnNord" wird einen äußerst spannenden Verlauf haben. Ferner wird die neue Abteilung„ Briz" ihren ersten Wettkampf gegen die Treptower absolvieren. Parallel zu diesen Kämpfen läuft ein GästeSimultanſpiel. Unter Mitwirkung des Sportfartells Neukölln hat Simultanspiel. Unter Mitwirkung des Sportkartells Neukölln hat es die Abteilung Neukölln" fertiggebracht, eine großzügige Schach- Berein unterhält Rinder, Jugend, Frauen und Männerabteilungen für ausstellung zusammenzubringen. Die Ausstellung ist geöffnet pom 11.- 16. Juni, täglich von 10-22 Uhr. In den Ausstellungsräumen spricht am 11. Juni ein Referent über Zweck und Ziele des Schachs. " Tennis- Rot, Abteilung Lichtenberg. Nächste Mitgliederversamm. lung Dienstag, 12. Juni, bei Wergel, Friedrichsfelde, Brinzen allee 60. Das Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht. Gäste will kommen. Partei- und Gewerkschaftsbücher zur Statistik mitbringen. Morgen, Sonntag, Antreten 12 Uhr mittags in Sportkleidung mit Schlägern Sportplay Friedrichshain. Nichterscheinende Spielverbot auf acht Tage. Reichs- Arbeitersporttag. Montag, 11. Juni, und Dienstag, 12. Juni müssen die Plakate für den„ RAST." in der Geschäftsstelle, Landsberger Straße 82, abgeholt werden. Ausgabe Montag von 16-18 Uhr, Dienstag von 14-18 Uhr. Det Bander Babbler Savel" c. B. Sonntag, 10. Juni, 11 Uhr, Einweihung der Ortsgruppe Spandau am Terraffenreftaurant Oberhavel". Die Bruder vereine sowie die Freunde des Arbeitersports find herzlich eingeladen. Arbeiter- Turn- und Sportverein Jahn", Treptow- Baumschulenweg. Turnen, Leichtathletik, Spielen, Soden, Handball. Auskunft erteilen: Paul Bischof, GO 36, Elfenſtr. 37, und Herbert Dewald, GO 36, Riefholzftr. 46. Gonntag, 10. Juni, 18 Uhr, Treffpunkt Rathaus Treptow. Bir beteiligen uns gefchloffen am Werbefest der Freien Turnerschaft. Alle haben zu erscheinen. Arbeitsgemeinschaft proletarischer Boltstanzkreise. Sonntag, 10. Juni, Tanzfahrt nach Meißnershof bei Hennigsdorf. 10 Uhr Eintreffen der Gruppen. Gemeinsames Effen. 10% Uhr Abmarsch zur Badestelle, Baden bis 11% Uhr. 11-13 Uhr Mittagspause. 13-15 Uhr Singen und Spielen. 15-19 Uhr Tänze. Für gute Mufit ift gesorgt. Unkostenbeitrag 25 Pf. Einige der Arbeitsgemeinschaft angefchloffene Sanztreife treffen sich wie folgt: Boltstansfreis Tiergarten: 7 Uhr Bahnhof Butligstraße. Reuköllner Bolfstanafchar: 7 Uhr Stettiner Bahnhof. Radfahrer: 7 Uhr Hermannplag, Apotheke. Bolts. tanafreis Brenzlauer Berg: 7 Uhr Stettiner Bahnhof. Klampfen und Bhoto. fäften mitbringen. Der Tanskreis Tiergarten sucht tüchtige Gegner im Bölker. ball, Fußball und Sandball. Freie Faltbootfahrer Berlin. Donnerstag, 14. Juni, 18 Uhr, Schulhof Weinmeisterftr. 16/17, Antreten zum Merbeumzug. Baddel und Wimpel mit bringen. Anschließend Bereinsabend um 20 Uhr ebenda. Gonnabend, 16. Juni, Dahmefahrt. Abfahrt 17½ Uhr Görlizer Bahnhof bis Brand. Treffpunkt der Donaufahrer zur Abfahrt 16. Juni, 15 Uhr, Anhalter Bahnhof. Die Bereine merden aebeten, die Regatta- Cinlaßtarten für Grünau Montag, Freie Ruberer und Ranufahrer im Arbeiter- Turn- und Sportbund, 1. Kreis. 11. Juni, 17 Uhr, bei Alfred Pavlil, O 34, Ebelingstr. 6, vorn 4 Tr., abzuholen. Pfennige kostet jetzt 1 Pfund Rhabarber. Rhabarber- Flammeri von Maizena( 6 Personen). Von 12 Stängen Rhabarber werden die Blattstiele abgezogen und in recht feine Scheiben geschnitten, mit 1 Liter Wasser, 1', Pfund Zucker, der Schale einer Zitrone und mit Zimt verkocht: man nimmt die beiden letzteren dann wieder heraus und gibt unter die kochende Masse 120 Gramm in Wasser aufgelöstes Maizena", läßt ordentlich durchkochen und gibt die Masse in eine mit kaltem Wasser. ausgespülte Form. Der Flammeri wird mit einer kalten Vanillesauce serviert Ha. P.