BERLIN Freitag, 15. Zum 1928 10 Pf. Nr. 280 B 138 45. Jahrgang. xugl-ich Ab"nd-u-g?b! d�s C) ff J#./\/. ff beide Auszaben 85 Pf. pro Woche, 3MM. pro Monat.\h fj dTt i! kfiSf Un jiük UCfr+ilWl A*dk?' ���"ngenna.J T-nf. StcbafttDn unl>€;eebttion; 35cr[iiig2B68,£inbtn!tr.3 M26 ffVVTWUWÖ Z°° Schmukiae Wäsche dm Gwßindustne. Ein abgebremster Skandal.- Händeschütteln für 6% Millionen. Augen auf! Llm das Schicksal der Niebe-Belegschast in Weißensee. Der Hohnenkampk in Stuttgart ist zu Ende. Die beiden Kampf- Hähne Normo und Kahn- Riebe sind in dem Augenblick getrennt worden, als sie sich nach längerem Geplänkel Wunden beibrachten, die ihnen nicht mehr allein wchtatcn. Sobald die Aussagen der Piozeßgegner weitere Industriekreise und das kapitalistisch« System überhaupt auf dos schwerste belasteten und zu einem öffentlichen Skandal auszuwochscn drohlcn, wurde hinter den Kulissen von noch mächtigeren Kreisen die Vier- radbremse angesetzt und die Ausbreitung des Skandals noch im letzten Augenblick abgebremst. Es ist nicht entscheidend, daß in dem Werkspianageprozetz der schwedischen Kugellagersabrik Normo in Stuttgart gegen Riebe, Verlin, kein Urteil gefällt wurde. Was die aufhorchende Oeffcnt- lichkrit von der Tätigkeit der Kartelle zu hören bekam, wie sich die großen„Industrieführer* gegenseitig belasteten und einer an dem anderen kein gutes 5)aar ließ, genügte vollkommen, um dem Volk zu zeigcir, mit welchen skrupellosen Mitteln in den Geheinikabinetten der Großindustrie gearbeitet wird. Es war gut, daß hier einmal den„großeri Persönlichkeiten", der Wirtschast von ihren feindlichen Brüdern die Maske vom Gesicht, gerissen wurde, denn was'.sich da offenbarte, sah so aus: Der General- dircktor B ä n i n g c r von den Normawerkcn, den der Rechts- onwalt Alsberg seh? treffend„shcrrn Hose" nannte, weil er gänz- lich naiv von nichts wissen wollte, hat als guter Deutscher l?19 aus geschäftlichen und steuerlichen Gründen die schwedische Staatsangehörigkeit erworben, hat also seine Ratio- nolität aus reinem Prositintcresse gewechselt, wie man ein Hemd zu wechseln pflegt. Unter der Leitung dieses Generaldirektors haben die Stuttgarter Normawerke Propagandaschriften herausgegeben, in denen deutscher Stahl in. jeder Hinsicht als minder- w e r t i g und schwedischer Stahl als einzig brauchbar bc- zeichnet wurde. Ferner gaben die Normawerke ohne jede Bedenken in ihrer Propaganda Photographien der Kruppschen Werke in Essen als eigene Werksphotographicn heraus. Natürlich hatte Herr Vöninger von diesen„Mißgriffen unter- geordneter Beamter" keine Ahnung!... Dieser Mann, der zu den rücksichtslosesten Scharfmachern im Kugellagerkartell gehört, der nicht eher ruht, als bis der letzte „Preisdrllcker" in der Kugollagerinduftrie �zur Strecke ge- bracht ist, hat es verstanden, die württembergisck)« Justiz zum Handlanger seiner Interessen zu machen. Der ganze von der Normo angestrengte Prozeß hotte letzten Ende? nur ein Ziel, den Außen- seiter Rieb«, ganz gleich mit� welchen Mitteln, knockout z u schlagen. Nicht zu begreifen ist daher die Rolle der Swtt- garter Siaatsanwaltschast, die sich die Eröffnung des Verfahrens von Böninger sozusagen vorschreiben ließ, noch ist zu verstehen, daß der Vorfitzende nicht zwei Schöffen, die in Geschäftsbeziehungen mit der Norma standen(!!), ivexen Befangenheit ablehnte. Böninger hat sein Ziel erreicht. In dem Augenblick, als eine Zeugenvernehmung bevrrftand, die den Generaldirektor der Normo einer falschen Aussag« unter Eid wenigstens stark ver- dächtig gemacht hätte, wirkte stch die feit Togen eifrig betriebene Arbeit hinter den Kulissen aus. Der große Drahtzieher, der im Interesse des Wirtschastsfriedens(!) im Dunkeln arbeitete, war Dr. Kraemer vom Reichsverband der Deutschen I n d u st r i e. Dieser Direktor Kraemer, der stch vor der Oeffent- lichkeit gern ein nationales Mäntelchen umhängt, griff mit seinem ganzen Einfluß durch, als die Lage für Böninger und damit für den Schwedcntrust«in« katastrophale Wendung nahm. Kraemer hatte dafür ai�ch seine guten Gründe, denn er ist durch seine geschäftliche Tätigkeit auf das engste mit Herrn Krcuger, dem milliardenschweren Leiter des Echwcdcntrusts, verknüpft. Jetzt nahmen die Ding« einen raschen Lauf. Böninger b o t eine Summe vdn ßX Millionen für die Riebe- Werke und Kahn schlug dieses glänzende Geschäft'nicht aus! In diesem Fall härte also in Geldsachen die Gemütlichkeit nicht auf, sondern fing gerade an. Die gestern noch erbitterten Gegner schütteln sich befriedigt die Hände, Kahn hat seine Millionen, Böninger die Riebe-Derke> die ihm jahrelang ein Dorn im Auge waren, und die beteiligten Arbeiter haben, wieder einmal das Nachsehen. Die kleinen Sünder, die Ingenieure K a r r e r und Rein, haben zum Schoden auch noch den Spott zu tragen. Die Direktoren Kahn und Rosenthal, die zu Beginn des rPozeß'es sehr mutig erklärten, daß sicfürallesein st ünden.wasinihren Betrieben gzo r gegangen sei, gaben jetzt die jehr bezeichnende Erklärung ab, Die vier Gewinner. Untere Reihe: Genera'direktor Böninger(Norma), Kahn und Rosenthal(Riebe), hinter Böninger RA. Alsberg — al e nach dem Vergleich, der die Hauptangeklaeten straffrei machte, ihre Angestellten und Arbeiter auf der Anklagebank läßt, das Berliner Riebewerk jür 6,5 Millionen der Norma verkauft und sein, n 1200 Arbeitskräften die Stillegung bringen kann. Auf Nobiles Spuren. Drei Mann der Aobite-Expediiion angeblich gesunden. Aach einer bisher noch unbestätigten Meldung des Berichterstatters der Zeitung..Politiken" soll die von der ..Hobby" ausgesetzte Hundeschlitten-Hilfsexpedition die aus drei Mann bestehende Malmgreen-Gruppe. die sich nach dem Schiffbruch der..Ztalia" in südlicher Richtung in Marsch geseht halte, gefunden haben. Wie aus K i n g s b a y gemeldet wird, hat die„Citta di Milano" erneut Verbindung mit der„Jtalia"-Mannschast gehabt. In feinem Funkspruch erklärte N o b i l e, daß er und die Seinigen sich sicher fühlten. Man weiß nicht, ob man daraus folgern kann, daß es ihm gelungen ist, so weit in die Nähe der Küste vorzudringen, daß er Hoffnung hat, das Land zu erreichen, oder ob Nobile mir damit andeuten will, daß er mit baldiger Hilfe rechne. Seit der Strandunz daß irgendwelche Entwendung von Betriebsgeheimnissen nie mit ihrem Willen und Wissen ersolgt sei.' Sie würden es bedauern, wenn etwa untergeordnete Angestellte in übertriebenem Geschäfts«!?« zu derartigen Mitteln gegriffen hätten. Also auch die Riebedirektoren versäumen nicht, alle Schuld auf die untergeord- neten Stellen abzuwälzen. Ein Fall für viele. Man muh Groß- betrieb« kennen, in denen kein Brief ohne Unterzeichnung eines„Ver- antwortlichen" hinausgeht, um dies« Preisgabe der Auge- st e l l t e n richtig zu würdigen. Der Aall Riebe-Rormo ist mit dem Prozeß für die Allgemeinheit zu Ende, für die Riebebelegschast in Weißensee aber beginnt er erst jetzt. Das Schicksal von 1200 Menschen mit ihren Familien hängt von der Entscheidung eines Böninger ab. Die Praxis der Kugellager- konvention«eist schon viele Spuren willkürlich stillgelegter Betriebe auf. Im Rheinland, in Hessen und zuletzt in Berlin» Wittenau sind blühende Betriebe abgedrossell worden, um die P r e i s d i k t a t u r der Konvention nicht zu stören. Die Bertreter der Riebebelegschast haben in den nächsten Wochen Augen und Ohren ofsenzuhalten, um jeder etwaigen Willkür rechtzeitig begegnen zu können. Rolk ßathe. der„Italia" hat Nobile die beiden anderen Gruppen nicht mehr ge« sehen. Die Sachverständigen sprechen sich dahin aus, daß der Teil der Besatzung des Luftschiffes, der mit der„Italia"� abgetrieben wurde, möglicherweise sehr weit nach Osten verschlagen worden ist und sich in der Gegend des König-Karl-X II.-Landes befindet. Die „Braganza" hat am Donncrstagmorgen auf der Fahrt nach Nord- often die Norwczerinsel passiert. Nördlich der Moffengruppe hat das Schiff st a r k e s Eis gefunden und macht jetzt den Versuch. die Eismassen zu durchbrechen. Der russisthe Eisbrecher steuert direkt auf Kap Smyth zu. Riiser Larsen hat gemeldet, daß er ein Hunde- gespann mit zwei Begleitern an Land gesetzt habe. Sie sollen durch dos Nordostlond vordringen und dort Depots auslegen. Rom, 15. Juni. Am Donnerstag abend war. die Bei bindung mit Nobile schlecht und seine Mitteilungen wurden von der„Citta di Milano" nur schwach gehört. Der General gab die neue Lage mit 80 Grad 28 nördlicher Breite und 27 Grad 49 östlicher Länge an. Seine Gruppe ist somit infolge des Westwindes jetzt sieben Meilen östlicher gelegen als am lZ. Juni. Man hofft jedoch, daß sie nicht weiter nach Osten getrieben werden, da der Wind jetzt wieder von Osten weht.— Der Dampfer„H o b b y" ist nach dem N o r d k a p unterwegs. Die von ihm in der Valenbergbucht in der Hinlopen- strnße ausgesetzten Hundegespanne sollen die Küste des Nordoftlandes gegenüber der Insel Scoresbi erreicht haben, um dort die Dreier« gnippe Malmqreen-Mariano-Eappi abzuwarten. Sobald das Wetter sich bessert, wird auch Riser Larsen zum Aufsuchen dieser Gruppe starten.„Die„Braganza" ist nach der„Hobby" unterwegs, um Lützow Holm die von Nobile gewünschten Sachen zu bringen, damit er sie an Ort und Stelle abwerfen kann. Oslo. 15. Zunl. Die Gruppe Nobile, die augenblicklich nach Nördweste« getrieben wird, hat die änsel Foyn überholt und besindel sich nach den letzten Meldungen 15 Kilometer östlich der Karl- Xkl- Insel. Sie hat Flinten verlangt, da Eisbären in ihre Nähe gekommen sind. Hermann Müllers Mission. Neue Besprechungen im Reichstag. Abgeordneter Hermann Müller-Franken hatte heute vormittag eine längere Aussprache mit dem Zentrumsführcr v. G u ä r a r d. Darauf trat das Zentrum zu einer Fraktionssibung zusammen. Auch die Bayerische Volkspartei hält eine Fraktionssitzung ab. Inzwischen soll Stresemann eine Aussprache mit dem Vorsitzenden der volksparteilichen Fraktion. Abg. Scholz» gehabt haben. Man nimmt an, daß Stresemann auch an der heute nachmittag stattfindenden Fraktions- fitzung der Volksprtei teilnehmen wird. 60000 Meiallarbeiier ausgesperrt. Falls Schlichtungsinstanzen den Unternehmern nicht helfen MTB. meldet aus Hagen: Der Lohnkampf in der Lüden» fchcider Metallindustrie hält unvermindert an. Wie von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, mutz, sall« e» der �»chlichlungsbehorde nicht baldigst gelingt, die Beendigung des Kampfes herbeizuführen, damit gerechnet werden, datz die ge» famte südweftfälische Eisen» und Metallindustrie zur Unterstützung des Lüdenfcheider Kampfes die Gcfamtaussperrung be» s ch l i e h e n wird. In Betracht kommen etwa 60 000 Metallarbeiter. * Diese Zumutung der Unternehmer ist der Gipfel der Unverschämtheit. Also die Schlichtungsbehörden sollen Büttel- dienste für die Unternehmer verrichten, sonst wird aus- gesverrt! Diese Herausforderung dürfte die gegen- t e l l i g e der beabsichtigen Wirkung erzielen. Ob die Unter- nehmer aber mit ihrer Aussperrung gut fahren werden, kann man in aller Ruhe abwarten. Oer Konfliki in der Arbeiterbank. Eine gemeinsame Erklärung. Gegenüber den zahlreichen irreführenden Darstellungen über den Dircktionswechsel in der Arbeitcrbank erklären der Vorsitzend« des Aufsichtsrates, Theodor L e i p a r t. und Direktor Bern Meyer gemeinsam: Direktor Bern Meyer ist auf Grund eines freund- fchoftlichen Uebereinkommens aus der Bant aus- geschieden. Der Aussichtsrat hat sich nur schwer zu diesem Schritt entschlossen und bedauert es sehr, auf die weitere Mitarbeit Meyers, dessen grotze Verdienste um die Arbeitsrbant von keiner Seite bestrittelt werden, verzichten zu müssen. Weder politische Meinungsverschiedenheiten noch Dis- , ferenzen über die Grundsätze, nach denen die Arbeiterbank � wirken soll, sind die Ursache für das Ausscheiden Direktor Meyers. Die in den Statuten der Bank und in den Richtlinien des Aus- sichbrctes und seines Finanzausschusses festgelegten Grundsätze haben in der Frage des Direktionswechsels nie zur Dis- kussion gestanden und werden selbstverständlich auch durch den erfolgten Rücktritt Meyers in keiner Weise berührt. Ledigliä) über einige praktische Fragen der Geschäft«- Politik der Arbciterbank haben zwischen den beiden leitenden Direktoren, Bern Meyer und Geheimrat Bachem, Meinungsver- schiedenheiten bestanden. Bedauerlicherweise haben diese Meinungs- Verschiedenheiten zu persönlichen Zerwürs nissen g«. führt, die es im Interesse der Bank erforderlich erscheinen ließen, daß einer der beiden Direktoren ausschied. gez. Theodor L e i p a r t gez. Bern Meyer. Damit dürfte die keineswegs erfreuliche Angelegenheit Wenigstens für die Oeffentlichkeit zunächst erledigt sein. Girasaniräge im Norma-Prozeß. Stuttgart, 15. Juni. In der heutigen Sitzung kamen.zuerst die Angeklagten Ä'a r r e r, Rhein und Sei fang nochmals zu Wort, brachten ober nichts neues vor. Darauf begann Staatsanwalt Wechsler als seinem Plädoyer. Er führte aus, daß bei Rhein und Seisang je ein fortgesetztes, teilweise gemeinschaftliches Bergehcn des Dieb- stahls in Frage kommen könne, da es sich bei"den entwendeten Sachen unzweifelhaft um das Eigentum der Rorma lzondcln wird. Bei Karrer komme ein« fortgesetzte erschwerte Unterschlagung in Betracht: denn das Vorgeben des Angeklagten, er Hab« nicht gewußt, daß sich die Sachen noch in seinem Besitz befinden, könnte ihm unter keinen Umständen geglaubt werden. Dagegen habe die Beweisauf- "ahme nichts ergeben, was für die Tatbestandsmerkmale einer ge- werbsmäßigen Hehlerei sprechen wllrhe. Es verbleibe somit nur eine einfach Hehlerei in Tateinheit mit Anstiftung zum Diebstahl. Wenn auch der Prozeß eine andere Wendung ge- nommcn habe, dürfe man die Schwere der Tat nicht unberücksichtigt lassen? denn es waren viele dieser Sachen an eine ausländische Firma gelangt. Für karrer wurde sodann eine Gesamtgefängnis- strafe von 9 Monaten beantragt. Der Anrechnung der ganzen Untersuchungshast von 9 Monaten trat der Staatsanwalt nicht entgegen. Bei Rhein wurde eine Gefängnisstrafe von S Wochen und be! Sei fang eine solche von 4 Wochen, bei Anrechnung der jeweils erlittenen Untersuchungshaft, beantragt. Das Urteil ist am Laufe des Nachmittags zu erwarten. Hoover gewinnt das Nennen. Als republikanischer prädentschastskandibat aufgestellt. Wem A o r k, 15. Zum. Auf dem republikanischen Parteitag wurde h o o v e r im ersten Wahlgange mi« riesiger Mehrheit(4: 1) zum präsidenlschasls» kandldaten aufgestellt. 25 Minuten lang dauerte der ohrenbetäubende Vcisallslärm, als Delegierte, Zuschauer und Musikkapellen hoover eine Ovation darbrachten. Der demokratische Parteitag beginnt in vierzehn Tagen. * Kansas Eity. 15. Juni. Hier spielte sich in unmittelbarer Nähe des Hauptquartiers der Republikaner ein ausregender Vorfall ab. Sechs Banditen über- fielen den Kassenraum einer großen Bank und flüchteten mit etwa 249 099 M. In der Straße, in der die Bank liegt, herrschte zur Zeit des Ucbcrsalles starker Verkehr. Ihren Rückzug deckten die Banditen mit einer heftigen Schießerei: zwei Polizisten und ein Fußjünger wurden schwer verletzt, Kommumstische Schwanktaktik. Oeutschnationale presse gegen deuischnaiionale Führung. Die Deutschnationale Fraktion hatte, nach der Geschäfts- ordnung, als zweitgrößte Fraktion den Anspruch auf den e r st e n Vizepräsidenten im Reichstag. Ihre eigene Politik hat ihr den ersten und den zweiten Platz im Präsidium gekostet. Nicht nur hat sie sich gestern im Parlament eine schwere Blamage geholt, heute schreibt ihr die eigene Presse öffentlich einen Tadel ins Klassenbuch. Die„Deutsche Tages- zeitung" sagt: Die Fraktion konnte keinen Zweifel daran haben, daß der Reichstagspräsident Löbe, wie immer man vom deutschnationalen Vizepräsideni Graes. „Als proletarische Partei haben wir Kommunisten dafür gesorgt, daß auch ein Hausknecht(der Reaktion) ins Präsidium gelangt ist." Standpunkt aus zu seiner Geschäftsführung im einzelnen stehen mag, eine sichere Mehrheit hinter sich hatte. Weshalb sie angesichts dieser Sachlage durch eine wirkungslose Demo» st ratio» die Sozialdemokraten zu einer wirkungsvollen provozierten, und sich selber mit Grazie aus der ihnen zustehenden Bertretung im Präsidium ausschalteten, um schließlich mit dem dritten Vizeprä- sidentenposten so etwas wie einen Mitleidserfolg entgegenzunehmen, ist einigermaßen unverständlich.,, Es erscheint uns dringend wünschenswert, daß fürderhin die deutschnationale Fraktion taklisch sicherer und besser zusammengefaßt und geführt wird, als es in diesem ersten Fall geschehen zu sein scheint. Daß der deutschnationale Vizepräsident als Vertreter der zweitstärksten Fraktion sein Amt erst in einem zweiten Wahlgang gegen die Kandidatin einer aus- gesprochenen Splitterpartei, wie die Demokraten sie darstellen. erhalten konnte, war ein Schauspiel, auf das stolz zu sein die Rechte keinerlei Anlaß hat. Wohlweislich unterläßt es das Blatt, hinzuzufügen, daß auch dieser klägliche Erfolg nur dadurch zustande kam. daß die Kommunisten Graes in den Sattel hoben. Auch der„Lokal-Anzeiger" schweigt von der kommunstti- scheu Stichwahlhilfe für den Deutschnationalen.� Doch er kritisiert die Parteiführung, die„seltsam taktiert habe: Wenn man ein Prinzip— sagt er über Lobes Anspruch verläßt, darf man nicht erwarten, daß der Gegner es respektiere. Wenn den Deutschnationalen aber an einer Demonstration gelegen war. warum benannten sie nicht gleich im ersten Wohlgang als Gegenkandidaten Herrn Graes?-- Die deutschnationale Fraktion wird von ihrer eigenen Presse kritisiert. Die kommunistische hat es leichter. Ihr Organ tobt gegen die Sozialdemokratie— um über die eigene Pleitetaktik schweigen zu können. Die Kommunisten haben folgendermaßen gestimmt: Präsident: gegen Löbe, Löbe trotzdem gewählt. 1. Vizepräsident: 1. Wahlgang gegen Esser, sür Thälmann, Stichwohl enthalten. 2. Vizepräsident: für Thälmann. Kardorsf trotzdem gewählt. 3. Dizcpräsident: 1. Wahlgang sür Geschke. 2. Wahlgang weiße Zettel, die Demotratm jaKt deshalb gegen den Deutschnationalen durch. Hoch lebt die konsequente und sieggckrönte revolutionäre Taktik der KPD! O Was die Regierungsverhandlungen angeht, so erklärt die „Rote Fahne" die„vollständige Kapitulation der sozialdemokratischen Führerschaft vor der Bourgeoisie, um nur ja die Große Koalition zustande zu bringen und nicht wieder um die ersehnten Minister- pöslchen zu kommen." Das ist der sogenannte Humor von links... Damit aber auch auf der äußersten Rechten der Humor nicht fehle, überschreibt die„Deutsche Zeitung" ihre erste Seite mit dem dicken Balken: 1888— IS. Juni— 1928 Dem Kaiser! Vierzig Jahre sind vergangen seit dem Tage, an dem der 29iährige Kronprinz Wilhelm als Wilhelm ll., Deutscher Kaiser und König von Preußen, den Thron seiner Dater bestieg... Der Artikel schließt: Wir aber, die wir in königstreuer Gesinnung als wahre Monarchisten während der Rcgierungszeit des Kaisers oft zu „Seiner Majestät allergetreuester Opposition" gehört haben, stellen uns heute wie gestern vor Kaiser Wilhelm II., der, wie kein Deutscher bestreiten kann, das Beste für sein Boll gewollt hat. Heil dem Kaiser! Hochschuljubiläum in Hannover. Taktlosigkeit bei der Jestvorstellung. Hannover, 15. Juni.(Eigenbericht.) In Gegenwart der Vertreter fast sämtlicher deutscher llniversi- töten und Hochschulen beging die älteste deutsche Schule für Tier- arzneikunde, die Ti erärztliche Hochschule in Hannooer, ihre 159-Iahr-Feicr. Zu dieser Feier war als Vertreter des preußischen Ministeriums der Landwirtschaftsminister Steiger erschienen, der in der großen Festrede daraus hinwies, wie die preußische Staatsregierung sich stets der Pflicht bewußt gewesen sei, für das Wohl der ihr anvertrauten Hochschule zu sorgen und die materiellen Grundlagen für ein« erfolgreiche Tätigkeit zu schaffen. In welchem Umfange das gcfcheljcn ist, möge daraus erhellen, daß der preußische Staat im Jahr« 1866 die damalige Tierarzneischule mit einem Etat von 6999 Talern(18 999 M.) angenommen hat, während im diesjährigen Etat der Hochschul« im Ordinarium 944 999 M.. im außerordenttichen Etat noch 260 000 M., zusammen also rund 1,2 Millionen Mark ausgeworfen worden sind. In Gegen- wart des Ministers wurde auch die Grundsteinlegung zu mehreren Neubauten der tierärztlichen Hochschule vollzogen, so daß«in Auf- schwimg dieses Instituts in Hannover in weitem Maße für die Zukunft zu erwarten ist. * Aus Anlaß der Jubelfeier fand auch eine Fe st Vorstellung lm Städtischen Opernhause statt. Man führte die alte Operette„Fatinitza" auf. Der Tenor Huxdorf spielte die Rolle des Zeitungsreporters auf dem russischen Kriegsschauplatz. Huxdorf hatte sich eine Reihe Witze zurechtgelegt, die besonders auf die Tierärzte mid ihre Gesinnung zugeschnitten waren(ob mit oder ohne Zusammenarbeit mit dem Festausschuß sei dahingestellt). Offen- bar um der monarchistischen Gesinnung eines Teiles dieser Herren eine besondere Konzession zu machen, zitierte er mit lausbubenhafter Bergnüglichkeit einen Vers, den wir schon früher bei der Lessing- Affäre von rechtsgerichteten Studenten gehört haben: Mit dem Hute in der Hand kommt man durch das ganze Land. Mit der Mütze ins Genicke kommt man durch die Republike. Wir würden dieses Vorkommnis nicht registriert haben, wenn es nicht durch besonderen Beifall aus dem Publikum auf offener Szene unterstrichen worden wäre und wenn nicht in diesem Theater lediglich Festgäste der Hochschule anwesend gewesen wären. Im ersten Rang saßen nicht etwa aktive Korpsstudenten des bekannten Schlages. Der erste Rang war nur besetzt mit Hochschulprofessoren aller Art. mit den Rektoren der deutschen Universitäten, die aus An- laß des Jubiläums zu Besuch weilten, und ihre goldenen Amts- und Ehrenketten angelegt hatten. Außerdem saßen dort Vertreter der Staats- und Kommunalbehörden und zwei Reichswehrgenerale in Uniform. In ihrer Mitte weilten als Vertreter der preußischen Staatsregierung der Landwirtschaftsminister Steiger, sowie der j Obcrpräsidcnt und der Regierungspräsident von Hannover. Trotzdem mußt« man es erleben, daß gerade im ersten Rang unter diesen auserwählten Leuten solchem blöden Witz Beifall gerufen und applaudiert wurde. Wir erwähnen das auch darum, weil ausdrücklich bei den offiziellen Iubelveranftaltungen die weitestgehende Hilf« des republikanischen Preußens für die Forschung in den deutschen Hoch- schulen betont wurde. Tod auf der Fluchi. Bei der Flucht durchs Fenster abgestürzt! Gestern früh sollte der 54jährige Schneider Otto Führer in seiner Wohnung in der Schlicmannstraße von Beamten der Kriminalpolizei verhaftet werden. Führer, der vor einiger Zeit wegen eines Vergehens vom De- richt zu zwei Monaden Gefängnis verurteilt worden war, erhielt mehrmals Aufforderung, sich zur Vcrbüßung der Strafe im Strafgefängnis T e g e l zu stellen. Der Verurteitte war jedoch keines- wegs gewillt, freiwillig zu kommen, und so wurde schließlich die Kriminalpolizei zu seiner Verhaftung ausgebolen. Gegen 5 Uhr früh erschienen mehrere Beamte vor der Wohnung Führers und be- gehrten Einlaß. Trotz wiederholten Klopfens öffnete zunächst niemand. Als die Beamten drohten, sich gewaltsam Einlaß zu verschaffen, ertönte In der Wohnung ein kurzer heftiger Wortwechsel, dem unmittelbar daraus der Austchrei einer Frau erfolgte. Die Tür wurde aufgerissen und mit den Worten:„M ein Mann ist s o- eben aus dem Fenster gestürzt." lieh Frau F. die Be- amten eintreten. Der Flüchtige hatte zwei Laken zusammengeknotet, diese am Fenstertreuz befestigt und sich daran aus dem zweiten Stock- werk hinabgelassen, um seiner Verhaftung zu entgehen. Das Laken hielt der Belastung jedoch nicht stand und riß mitten durch. F. stürzte auf den Hof hinab und blieb schwerverletzt liegen. Er wurde in das Krankenhaus am Friedrichshain gebracht, starb aber kurze Zeit nach seiner Einlieserung. Nach der Verjüngungskur. Festnahme einer alten Taschendiebin. Trotz einer umfassenden„Verjüngungskur" wurde eine Taschen- diebin wiedererkannt und auf frischer Tat verhaftet. Einem Be- amten der Sonderstreife fiel eine„Dame" auf, die sich an den Zlutobushallestellen am Kurfür st endamm und den Reben» straßen auffällig an die Fahrgäste herandrängte. Sie kam ihm bekannt vor, er wußte sie jedoch zunächst nicht recht unterzubringen. Endlich gewann«r die Gewißheit, es mit einer 39 Jahr« alten Elise R o ß m a n n aus der Fruchtstrahe zu tun zu haben, einer sehr geschickten gewerbsmäßigen Taschcndiebin, die erst vor kurzem aus dem Gelängnis gekommen ist. Elise sah ober jetzt ganz anders aus als früher. Mit einem erheblichen Aufwand von kosmetischen Mitteln oller Art hatte sie sich„verjüngt", Kunst und Technik. Eine Ausstellung im Kolkwengmuseum zu Essen. Zum ersten Male stand eine Tagung von Fachleuten, von Ingenieuren, im Zeictjen von Kunst und Technik. Anläßlich der Hauptversammlung der Deutschen Ingenieure wurde im Folkwengmuseum zu Essen eine Ausstellung von Bildern aller Art und Plastiken gezeigt. Tie ist ausschließlich von Kunst. lern beschickt, die ihre Motive dem Reich der Technik entnommen haben. Darüber hinaus aber stand die Hauptversammlung der deutsclien Ingenieure selbst im Zeichen von Kunst und Technik. Pros. R. Riemerschmidt behandelte in längeren Aussührungen die Zusammen- hänge, die zwischen den beiden Gebieten bestehen. Die große, in ihrer Art einzige Ausstellung im Folkwengmuseum will dem Beschauer Technik und Industrie so zeigen, wie sie dem Künstler erscheinen. Hier tritt der Künstler oft als Lehrmeister des Ingenieurs aus. Er lehrt ihn, daß seine aus der Zweckmäßigkeit geborenen, nach den Gesetzen der Mechanik und der Mathematik geformten Schöpfungen eigene malerische Schönheiten enthalten. Er lehrt ihn weiter, daß es nicht darauf ankommt, alle Jngenieurwerke technisch absolut richtig zu sehen. Der Künstler will und braucht auch keine Konstruktionszeichnung, keine Ansichtsskizze zu liefern, nach der man das technische Werk kopieren könnte, er will das Farbenspiel, die Schönheit von Licht und Schatten, den Reiz der Gegensätze, den Eindruck der Kraft, des Monumentalen verwirklichen. Er will aber auch den Menschen zeigen, wie er sich im Dienst der Technik müht, wie er gefangen ist von den Werken, die den Hirnen der Ingenieure entsprangen und die er in die Wirklichkeit übersetzt. Di« Ausstellung gliedert sich in drei Abteilungen. Die erste zeigt Technik und Industrie, gesehen durch das Auge des Künstlers. Zunächst Darstellungen aus der Dergangenheit, Gemälde, Graphik, illustrierte Handschriften, Druckwerke und Plastiken. Der Kern dieser Abteilung ist zweifellos die Tafel vom Bergmannsaltar der S t. A n- nenkirche zu Anneberg. Ein unbekannter Künstler hat diese Arbeit um 1520 vollendet, die Darstellungen aus dem Silberbergbau des 1k. Jahrhunderts wiedergibt. Das Stiück ist kostbar seines Alters und seiner realistischen Treue wegen. Die ganze primitive Technik der Dergangenheit wird in den vielen Darstellungen bekannter und unbekannter Künstler lebendig. Aber das größte Erlebnis ist doch der ungeheure Unterschied in der Ausfassung technischer Werk« gegen- über den Schöpfungen moderner Meister. In der Dergangenheit treue Wiedergabe der Einzelheiten. Der Künstler fühlt sich auch als Techniker. Heutes freies Rachschaffen, eigenes Form- und Farben- gefühl, die Technik oft nur«in äußerlicher Anlaß zur künstlerischen Schöpfung. Das tritt z. B. bei den zahlreichen Arbeiten Robert (Von unserem SonderheTichterstatfer?) Sterls klar hervor: seine technischen Gemälde sind eigenes Leben. Sein„Kohlenfahrer" wirkt allein durch Farbe und Komposition, das Technische verschwindet zu ihren Gunsten. Oder seine Daggerer. seine Steinorbeiter, überhaupt seine Arbeitertypcn, sie alle sind in ein Meer von lichten Farben getaucht, und trog aller Freude empfindet man die Last der Leistung, die sie im Dienste der Technik vollbringen. Oder Sandrocks Maschinen. Sie sind nicht immer technisch ein- wandfrei. Aber sie wirken ungeheuerlich durch die wundervolle Der- teilung von Licht und Schatten. B a l u s ch e ck bleibt dagegen, trotz oller Farben, der getreue Diener der Technik. Er zeigt nickst nur die technisch richtige Maschine, er zeigt auch den Arbeiter, der sein schweres Tagewerk in der Industrie vollbringt. Er ist ein Künstler nach dem Herzen der Techniker, er ist aber auch der Anwalt des Arbeiters. Er läßt das schwere Lo» des Proletariers mitempfinden. Techniker von Beruf» Maler von Geburt ist H e i n r i ch K l e y. Er verbindet gründliches- technisches Können mit meisterhafler Le- herrschung der Farbe. Seine Werke atmen ruhige Sachlichkeit, ohne irgendwie Pedanterie zu verraten. Dabei ist er voll Erfindungs» gäbe und guter Einfälle. Seine technischen Grotesken: der„Brücken- schreck", der„Baum des Ingenieurs" usw. sind etwas ganz Eigenes, etwas, was nur der vom technischen und künstlerischen Geiste Be- sessene hervorbringen kann. Aus der großen Zahl der Künstler möge noch der Berliner Ernest Neuschul genannt werden Sein Bild„An der Drehbank" fällt völlig aus dem Rahmen aller anderen Darstellungen heraus. Es ist absolut sachlich. Aber der gespannte Ausdruck im Gesicht des Drehers, der den Ablauf der Arbeit verfolgt. und die Tongebung sind so eigenartig und so ergreifend, daß man diesen Künstler unter die ersten einreihen muß. Der Anblick dieses Bildes vermittelt außerordentlich stark das Gefühl der Einheit von Mensch und Maschine. Es ist unmöglich, die vielen Künstler, dercq Werke die Ausstellung zeigt, und die oft weit über dem guten Durch- schnitt stehen, zu nennen. Das ist auch gar nicht der Zweck der Ausstellung. Auch die hier erwähnten Künstler sollten nicht über die vielen anderen gestellt werden. Es galt nur, die Tendenz, die die Ausstellung beherrscht, an ihren Werken zu kennzeichnen. Die Ausstellung soll einen Gesamteindruck geben, sie soll den Zusammen- hang zwischen Kunst und Technik zeigen, sie soll die mannigfaltigsten Auffassung vermitteln. Und dieser Zweck ist in der erwähnten Ab- teilung erreicht worden. Die beiden anderen Abteilungen enthalten Bildnisse bedeutender Männer der Technik und zeigen Ehrengoben zu Gedenktagen. Hier ist Sicherheit und Gebrauchskunst vor- herrschend. Hier ist die„Technik" das Primäre. Die Kunst tritt zu Gunsten des Handwerks zurück. W. Modus. Epp, der Beleidigte.» 3000 M. Geldstrafe gegen die„Jt. F.". ZNüachen, 15. Juni.(Eigenbericht.) Die verantwortliche Schriftleiterin der„Roten Fahne" in Berlin, Frau Irmgard Rasch, wurde am Freitag vom Amtsgericht München wegen Beleidigung dos Generals Epp, des nationalsozialistischen Reichstagsabgeordncten, unter Versagung des Schutzes des§ 193(Wahrung berechtigter Interessen) zu einer Geld st rase von 3990 Mark bzw. 39 Tagen Gefängnis ver- urteilt. Gegenstand der Klage war ein Arttkel in Rr. 193 der „Roten Fahne" vom 3. Mai, worin in Zusammenhang mit der sogenannten Befreiung Münchens von der roten Herrschaft der nationalsozialistischen Spitzenkandidat für das rechtsrheinische Bayern, General Epp,„Arbeiterschlächtcr" genannt wurde. In einem anderen Satz des Artikels hieß es, daß 519 Arbeiter, die im Mai 1919 in München erschossen, erschlagen und zum Tode ge- martert wurden, das Opfer der„weihen Mordbestie Epp" geworden seien. Der Kalt Boncour. Parteivorstandsdebatte über seine Dölkerbundsvertretung. Paris, 15. Juni(Eigenbericht). In der gestrigen Dorstandssitzung der Sozialistischen Partei Frankreichs kam es zu einer Diskussion über den„Fall Bon- cour". Die Führer des linken Parteiflügels Brak« und Zy- r o m s k i verlangten, daß jedem Sozialisten die Dertretung einer bürgerlichen Regierung im Dölterbund in Genf verboten werde. Außerdem forderten sie, daß über ihre Entschließung noch vor dem Internationalen Sozialistischen Kongreß in Brüssel eine Ent- scheidung gefällt werde. Die Abstimmung über den Antrag wurde jedoch nach einer heftigen Debatte vertagt. Wieder daheim. „Tiee, Herr Pastor, det schöne Wort:„Volte«! Stimme ist Iottes Stimme", det hat nur früher mal jejolten, als wir noch mit de Stimmzettel mogeln dursten!" . Tschangtsolin lebi wieder auf? Totgesagt, dementiert, endgültig tot, und wieder lebendig! Londo«, 15. Juni. Ein japanischer Bericht aus Mulden besagt, daß Tschangtsolin offenbar doch noch am Leben sei. Tschangtsolin habe den Führer seiner ihm verbliebenen Truppenteile unterrichtet, daß sein« Verletzungen nicht so ernsthaft seien, wie berichtet würde. Sein Gesundheitszustand verbessere sich gradweis«. * Das Dombenattentat auf Tschangsolin fand am 5. Juni statt. Seitdem hat ein« Bestätigung seines Todes die andere gejagt: erst vorgestern erklärte das japanische Kriegsministerium amtlich, er sei seinen Verletzungen erlegen. Seit 19 Tagen tot und nun doch wieder lebendig— so etwas bekommt doch nur ein Chinese fertig! Umbau des Bahnhofs«.Kottbusser Tor.* Di« Untergrundbahn Neukölln— Gesundbrunnen macht einen Umbau des Hochbahnhofes„Kottbuser Tor" not- wendig, weil Hochbahn und Untergrundbahn in un- mittelbare Verbindung miteinander gebracht werden müssen. Damit der Umsteigeoerkehr sich ohne Zettverlust vollziehen kann, wird der Hochbahnhof soweit noch Westen ver- legt, daß er dann genau über dem Untergrundbahnhof steht. Während der Umbauarbeiten müssen, da der Hochbahnbetrieb nichi unterbrochen werden darf, die Hochbahnzüge um die Bau- stelle beiderseits herumgeleitet werden. Die über den beiderseitigen Sttaßendämmen auf besonderen Stützen angelegten N o t g l e i s e, an deren Fertigstellung seit vielen Wochen gearbettet wurde, sind heute in Benutzung genommen worden. Oer Wettbewerb der Schüler. Bor«inigen Tagen gaben wir die Zeichnung eines Schülers wieder, die bei einem Preisausschreiben für die besten Plakat« zur Vermeidung von Verkehrsunfällen ausgezeichnet worden war. Wie uns von Herrn Rektor W i t t b r o d t mitgeteilt wird, stammt dies« Zeichnung nicht, wie von uns angegeben worden war, von dem Schüler Zipkes in Grunewald, sondern von dem Schüler E. H i r s ch f e l d, 13 Jahre alt, aus der ersten Klosse der 31.(weltlichen) Schul« Neu- 5plln. RütUstraße, Urformen der Kunst. Wunder der Pflanzenwelt. Eine Ausstellung, deren Desuch man jedem empfehlen möchte, die aber besonders zahlreich von Schulen besucht werden sollte, findet augenblicklich in den Dereinigten Staatsschulen für freie und an- gewandte Kunst in der Hardenberg st r. 33 statt. Der Titel der Ausstellung„Urformen der Kunst" scheint zwar aus«in Fachgebiet hinzuweisen und könnte daher manchen dafür Uninteressierten abschrecken. Aber man kann, je noch seiner Einstellung und Begabung, au« dieser Ausstellung Naturwissenschaft- liche sowohl wie künstlerische Anregungen in reichem Maße mit heim- nehmen. Pros. Karl L l o ß f e l d t stellt hier photographische Der- grötzerungen kleiner und kleinster Pflonzenteile aus. Stengel, Blätter, Blüten, Ranken, einzelne Querschnitte von Pslanzenteilen, alles in Wirklichkeit unscheinbar klein, steht hier— in natürlichen Photographien— in riesenhaften Formen vor dem Beschauer und ist nun auch für den ein atemraubendes Wunder geworden, der nicht die Fähigkeit besitzt, das Wunder im kleinen zu schauen. Diese unerhört feinen Fältelungen von Pflanzenknospen, die viel- fachen Entwicklungsonlogen in winzigen Zweigspitzen, der kunstvolle Bau eine« Grosstenzels, einer Ranke sind von dem Photogrophen mit unendlicher Lieb« studiert und aufgenommen worden. Jedes Blatt ofsenbort so ein Stück der charakteristischen Eigenart der Pflanze, im künstlerischen Sinne wie im naturwissenschostlichen. Alle Sttlarten der Kunst sind in diesen Pflanzenformen verborgen. Man lernt in dieser Ausstellung etwas von dem tiefen, aus dem Uranfang stammenden Zusammenhang von Natur und Kunst begreifen. Man kommt aber hier auch in fröhlich staunendem Erkennen den täglichen Wundern in der Natur näher. Die Ausstellung ist wochentags von 9 bis ZI Uhr geöffnet. Die Besichtigung ist unentgeltlich. Te». Ein neuer Pühnenverein. Nach längeren Vorbereitungen ist jetzt eine„Freie»er- einigung Deutscher Bühnen" gegründet worden, als deren Zweck in den Satzungen die Wahrung der ideellen und wirt- schaftlichen Interessen unabhängiger deutscherBühnen- l e i t e r bezeichnet wird. Der verein will, wie sein« Gründer in einer Zuschrift uns mit- teilen,„sich nicht in einen Gegensatz zu dem Deutschen Dühnenverein stellen, sondern neben ihm«ine notwendige, den gegenwärtigen Zeitoerholtnissen entsprechende Ergänzung für die unabhängigen, diso weder durch Rücksicht auf Zwangskonoentionen, noch aus staatliche oder städtische Subventionen eingeengten Bühnen bilden. Die neue Bereinigung will, gestützt auf die Unabhängigkeit ihrer Mit- glieder, Maßnahmen einerseits gegen drückende Steuerbelastung und behördliche Hemmungen, andererseits gegen die au» veralteter Zwangskartellierung erwachsene Monopolgefahr im deutschen Theaterwesen«rgreisen. Sein Ziel ist Freiheit der deutschen Bühnen in künstlerischer und materieller Beziehung, vor allem auch Freiheit in ihrem Derhäitnis zu Künstlern und Autoren in einer der Würde und Unabhängigkeit beider Teile entsprechenden Werse." Der Vorsitz der Dereinigung ist Max Reinhardt über- tragen. Zum stellvertretenden Vorsitzenden wurde Iustizrat Dr. L u b s z y n s k i ernannt. Zu Schriftführern sind Direktor Barnowsky und Eugen Robert, zum Schatzmeister Direktor Edmund Reinhardt gewähll. Dem vstdeulschev taudesihcaler, der Vandildübne de« Verbandes der Deutsch« ii VoltSbühnenvereine. ist vom Drci-MaSkcn- vertag die Erilaussührung der neuen SiuSwanderer-Komödle von W. S. Maugbam.Da» Üand der Berdeitzung" in seinen brandenburg- pommer'chen Epielortcn Lberlasscn worden. Tie Aussllhrung ist für Oltoier angesetzt. Ein Revuefilm. primuS-palast. Die große Mode der Revue scheint sich glücklich ihrem Ende zu nähern. Kein Sinn scheint eher satt zu werden an Prunk und Aus- stattung ol« dos Aug«. Darum ist es fraglich, ob die Wiederbelebung der Reoucattraktionen durch den Film dieser ganzen Unterhaltung noch länger« Dauer gewähren wird.„Die Königin der Revue" gibt umschlossen von einer ziemlich dürftigen und trotzdem gestreckten Rohmenhandlung, in dem der Ausstieg eines kleinen Mädchens zum Revuestor gegeben wird, einen Auszug aus dem Re- pertoire der bekanntesten Pariser Revuetheater„Moulin Rouge". „Folies Bergcre",„Palast-Theater". Die Beine, die Nacktheiten und der Ausstattungszauber feiern Triumphe, die Farbigkeit kommt dem Film zu Hilfe, Jofefine Baker tobt ihr« Tanzorgien aus und die Tiller-Girls zwitschern ihre Beinrhythmen. Obwohl die Musik sich kräftig bemüht, uns in das Milieu des Revuetheaters zu versetzen, wird die Schau auf die Dauer doch etwas ermüdend, wie es ja auch bei der Originalrevuc der Fall ist. Helene Halter hat alles und zeigt alles, was man billigerweis« von einem Revuegirl erworicn kann..— r. Riesenorgel. Eine Riesenorgel mit 4143 Stimmen wurde der Presse und interessierten Fachkreisen im Clou vorgeführt. Ein bunt zusammen- gesetztes Programm zeigte die Verwendungsmöglichkeiten dieses gi» gantischen Instrumentes, das den Namen„C h r i st i e- O r g e l" führt. Prof. Dr. Tootell-London spielte klassische und moderne Musik. Auch als Bcgleitinstrument für Sänger und Instrumental- solisten wie zur Unterstützung eines Orchesters zeigte sich die Orgel außerordentlich geeignet. E» besteht bei ihr selbstverständlich wie bei allen Konzertorgeln die Möglichkeit für jede Form des An- schlages— während die Kirchenorgel nur ein streng gebundenes Spiel zuläßt. Allerdings dürfte ein sehr gründliches Studium nötig fein, wenn der Organist mit einiger Sicherheit die drei übereinander- liegenden Doppeltastaturen(jede hat die Normalform mit weihen und schwarzen Tasten) und die zahlreichen Register der Ehristie- Orgel beherrschen will. Ueber Einzelheiten der Technik und der Be- dienung sagt« der Organist Horst Feld, der einen kurzen Dortrag über„die Möglichkeiten der Christie-Orgel" hielt, leider nichts. Sehr interessant waren die Demonstrationen, die seinen Vortrag begleiteten. Er skizzierte eine ereignisreiche Groteske, die durch Spiel auf der Christie-Orgel außerordentlich amüsant illu« striert wurde. Damit wollte der Vortragende zeigen, daß auch als Orchestcrerfatz im Kino diese Orgel eine große Zukunft haben dürfte. Ob das allerdings der Fall fein wird, ist fraglich. Sie wird in großen Kino» vielleicht bald eine erfreuliche Bereicherung des Orchesters be- deuten. Für kleinere Lichtspieltheater dürften die Anschaffung?- kosten des Instrumentes und das Honorar für den virtuosen Orga- nisten zu hoch sein. Sr. Der verbrauch an Briefmarken. Der Weltpostverein hat eine Statistik über die Anzahl der im Jahre 1926 m verschiedenen Ländern verbrauchten Briefmarken veröffentlicht. An der Spitze stehen die Vereinigten Staaten von Amerika mit 22 Milliarden Briefmarken im Wert« von 2,7 Milliarden Schweizer Goldfranken. Unmittelbar darauf folgt Großbritannien mit einem Verbrauch von 349 Millionen Goldstanken und Deusschland mit einem solchen von 762 Millionen Goldfranken. Weiter folgen Frankreich, Italien, Japan, Oesterreich, Schweiz, Holland und Spanien. Die Türkei tonnt« für 1925 an Einnahmen au» dem Briefmarkenoerschleih bloß 4 196 999 Schweizer Goldstanken ver- zeich>»en, also weniger als der Freistaat Danzig, der im Verzeichnis mit 4 215 999 Goldstanlen ausgewiesen ist. Vremleren- Verlegung. Die Prcmicre von Marcellus Schiffer« GrotcSk.Schxank»Ein Stück Malheur" muh auf den lS., IS'/, 41hr, verlegt«erden. Die für Sonnabmd gelösten Karten behalten»tUtigkeit. Sozialdemokratinnen im Landtag. Von links noch rechts sitzend: l. Hildegard Wegscheider( Liegnitz), 2. Minna Bollmann(Magdeburg), 3. Elfriede Ryneck(Potsdam l), 4. Helene Schmitz(Berlin). Stehend, I.Sofie Christ mann(Düsseid.- Ost), 2. Rosa Helfers(Hannover-Süd). 3. Karoline Kunert(Breslau), 4. Anna Oventrupp(Westfalen-Süd), S.Auguste Walterf Westfalen-Nord), 6. Annemarie O estreicher(Ostpreußen), 7. Toni Wohlgemath (Ostpreußen), 8. Berta Kröger (Hannover-Ost), 9. HedwigWachen- heim(Frankfurt a. d. O), 10. Elisabeth Kirschmann(Köln-Aachen), //. Berta Jurdan(Hessen-Nassau), 12. Alwine Wellmann( Weser-Ems). Es fehlen Gertrud Hanna und Toni Jensen. Aufstieg der Berliner Gewerkschafien. plenarversammlung des AOGB.-Ortsausschusses. Der umfangreiche Jahresbericht des Ortsausschusses lag den Delegierten der Plenarversammlung am Donnerstag im Druck vor. <3 o b o t h hatte daher nur notwendig, in kurzen Zügen mündlich den Bericht zu ergänzen. Die Arbeiterunternehmungen haben in Berlin wesentliche Fortschritte gemacht. Di« Gewerkschafts» schule konnte ebenfalls über außerordentliche Erfolge berichten. Di« Iugendzentrale hat, trotzdem sie oft von anderen Fugendorganisationen angefeindet wird. Hervorragendes geleistet. Der Ortsausschuß hat sich mit allen Fragen, die Arbeiterinteressen l-erühren, beschäftigt. Es ist zu wünschen, daß auch im kommenden Fohre die gewerkschaftlichen Organisationen sich weiter gut ent- wickeln. Vom Vorstand lag ein Antrag vor, die Gruppe 12, Theater und Musik, zu streichen und sie wie früher der Gruppe 7, Lebens, und Genußmittelindustrie, anzugliedern. Weiter lag ein« Resolution des Tabakarbeitcrverbandes betr. Gewerkschaftstage im Lunapark vor. Lutzmonn begründete diese Resolution und erklärte, daß die Tabakarbeiter es für falsch holten, daß Veranstaltungen im Lunapark stattfinden, weil dadurch die Arbeiter vom Klassenkamps abgelenkt würden. Bredow stellt fest, daß auch die„Welt am Abend" mit dem Lunapark Veranstaltungen vereinbart hat, daß außerdem auch ohne Abmachungen Tausende von Arbeitern den Lunapark besuchen, es daher zweckmäßig fei, ein Abkommen zu treffen, das für die Mit- glieder der Gewerkschaften wesentliche Vorteile mit sich bringt. U r i ch wünschte, daß die gemeinnützigen Siedlungsunter. nehmungen noch mehr als bisher Wohnungen für die Arbeiterschaft herstellen. Es sei ganz selbstverständlich, daß die Gewerkschaften die Arbeiterunternchmungen zu unterstützen und zu fördern haben. Es dürfe jedoch nicht vorkommen, daß Arbeiterunternehmungen zum Spielball eines früheren Staatsanwalts gemacht werden, wie es jetzt bei der Arbeiterbank zu verzeichnen sei. Die Gewerkschaften müßten 'ofort Protest dagegen erheben, daß man zur Aufklärung irgend- welcher Dinge die politische Polizei zur Hilfe hole, wie dies bei der Arbeiterbank geschehen sei. Bisher war es üblich, daß demriige Vorkommnisse durch die Gewerkschaften selbst aufgeklärt wurden. Urich spricht weiter den Wunsch aus, daß die Jugendbewegung«in- heitlich zusammengefaßt werde. S ch i e m e n tz, Musikeroerband, wünschte, daß Vorkehrungen getroffen werden, um Vorkommnisie, wie sie sich am 1. Mai ab- gespielt haben, zu oerhindern. Die freien Gewerkschaften haben keine Veranlassung, sich von Mitgliedern der KPD. in einer Weise, wie es am 1. Mai geschehen ist, beschimpfen zu lasten. Ortmann erklärte zu den Vorgängen in der Arbeiterbank, daß die Ortsverwaltungen Stellung zu nehmen haben, damit ihre Hauptoorftände, die ja zum Teil den Auifichtsrat der Arbeiterbank bilden, sich mit der Angelegenheit beschästigen. Würden die Dinge nicht zur Zufriedenheit erledigt, müßten die Gewerkschaften zur Selbsthilfe greifen. Gericke-Funke vom Musikerverband bat, den Antrag, die Industriegrupp« 12 zu streichen, abzulehnen. In seinem Schlußwort erklärte Sabath, daß es nicht zweck- mäßig sei, daß in der Frage der Arbeiterbank die Ortsausschüsse irgendwelche Beschlüsse fassen, sondern die einzelnen Organisationen müßten wegen dieser Angelegenheit mit ihren Hauptvorständen Rücksprache nehmen. In der Frage der Siedlungsvnternehmungen wies Sabath darauf hin, daß z. B. die Gehag mit außerordent- lichen Schwierigkeiten bei Behörden und sonstigen Körperschaften zu kämpfen habe. Für eine Vereinheitlichung der Jugend- bewegung seien alle. Im Augenblick dürfte es jedoch kaum mög- lich sein, dieses Ziel durchzuführen. Mit der Frage der Vorgänge am 1. Mai werde sich der neue Vorstand beschästigen und ver- suchen, Maßnahmen zu ergreisen, die eine Wiederholung der- artiger Dinge unmöglich machen. Der Antrag, die Industriegrupp« 12 zu streichen, wird ange- nommcn. Die Protestresolution des Tabokarbeiterverbandes wurde gegen 3 Stimmen abgelehnt. Als Sekretäre wurden Sabath, Siegle, Sprung, Zippel und Bredow wiedergewählt. O r t m a n n erklärte im Auftrage des Vorstandes, daß der Vorstand sich in nächster Zeit mit der Frage des Nachfolgers f ü r Ap b a t h beschäftigen werde, um in dem Augenblick, wo die ErsaMage gelöst ist, Sabath von der Führung der Geschäfte zu entbinden. Ortmann begründet schließlich eine Resolution, den K-Uhr-Lodenschluß beireffend, die einstimmig angenommen wurde. Raumfahrt. Aeginn der berliner planetarimusobende. 2m Berliner Planetarium hat sein neuer Leiter Robert henseling sogenannte Planetariumsabende eingerichtet, an denen allgemeinbildende Vorträge stattfinden. die mit den unmittelbaren Aufgaben des Planetariums nur 4 in losem Zusammenhang stehen; so soll Gras Arco im herbst über Rundfunk und Wcllenraum sprechen. Der erste derartige Abend war der„Raumfahrt einst und jetzt" gewidmet. Henseling ließ in raschem Fluge einige Phantasien über die Erhebung von der Erde zum Himmel und zu anderen Weltkörpern vorüberziehen, die sich zu allen Zeiten und bei allen Völkern finden. Sie entsprangen, wie er meint, teils dem Traumerlebnis des Schwebens, teils der Beobachtung des Fliegens bei den Vögeln, teils auch der Abenteuerlust und dem Forscherdrang. Auch kommt der Gedanke von der Einheit der Welt in der naiven Form darin zum Ausdruck, daß Himmel und Erde doch eben ein und dasselbe seien. Auch im Mittel- alter und im 19. Jahrhundert finden wir zahlreiche derartige phantastisch« Erzählungen, nameMlich gab die Entdeckung der rätsel- haften Erscheinungen aus dem Planeten Mars, seine sogenannten Kanäle, Anlaß zu vielen Schilderungen seiner mit übermenschlicher Intelligenz begabten Bewohner. Wesentlich anders sind die R a u m f a h r t i d e e n unserer Tage. Man beschäftigt sich jetzt ernsthast mit der technischen Durch. führbarkeit des Problems, die Erdschwer« zu überwinden, mit einein Fahrzeug über die Lusthülle der Erde weg in den Weltenraum vor- zudringen, andere Weltkörper zu besuchen und durch unmittelbar« Anschauung zu erforschen, und dann wieder zur Erde zurückzuge- langen. In dem Prinzip des Raketenfahrzeuges sieht Henseling die grundsätzliche Möglichkeit zur technischen Lösung und praktischen Durchführung des Problems gegeben, denn die gewöhnlich dagegen erhobenen Einwände, daß die Schwere der Erde«in sich Entfernen von ihr verhindere, daß der menschliche Organismus die notwendigen Geschwindigkeiten nicht ertragen könne, daß der Mangel an Luft im Weltenroum ein Fahren und Steuern unmöglich mache, seien nicht stichhaltig und beweisen nur, daß die, die solche Einwände erheben, sich mit der Sache nicht genügend beschäftigt hoben. Ein wirkliches Hindernis sei allerdings die Notwendigkeit, daß das Raum- schiff den Betriebsstoff zur Erzeugung der notwendigen Kraft mit sich führen muß. Das ergibt eine so ungeheure Belastung des Raum- schiftes, daß die Raumfahrt auch heute noch als Utopie bezeichnet werden muß. Freilich find nach den Anschauungen der Physiker in den kleinsten Teilen der Körper, ihren Molekülen und Atomen, ganz ungeheure Mengen an Energie aufgespeichert. In einem Gramm soviel, wie die Verbrennung von 3000 Tonnen Kohle ergibt. Vorläufig besteht aber gar keine Aussicht, diese Energie- mengen nutzbor zu machen. Gelingt das einmal, so könMe auch die Raumfahrt aus der grundsätzlichen Möglichkeit praktische Möglichkeit werden. Vorläufig ober wird man sich begnügen müsten, sich mit Raketenflugzeugen in die höchsten Schichten der Luit zu erheben, um sie zu erforschen, und die Entfernungen der Festländer auf der Erde in schnellem Fluge von vielleicht einer Stund« zu überbrücken. Auch die Lösung dieser Aufgabe wird noch viel Mühe und Arbeit erfordern und hoffentlich nicht zu schwere und schmerzliche Opfer. Bt. 40 000 M. für die Znkernationale Rennwoche! Im Stadtncr- ordnetenbcricht im heutigen Margen-„Vorwärts" wird gesagt, daß gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten die geforderten 40 000 M. für Rcnnpreise abgelehnt wurden. Es muß selbswerständlich heißen: durch die Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten abgelehnt! LrranNoortlich für die Redaktion: Enocn Praqer. Berlin:«nzeiaen: Th. Slutfe, Berlin. Bcrlag: Borwiirto Verlag S. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch- druckerei und Berlagsanstalt Paul Einger& So.. Berlin 633 68, Lindenitraße Z. Sicr»» I Beilage. Volksbühne Tti. am Sdiilfbaoentamiii 8 zu ermäßigten Prtlsen das ganzs Programm. Theater am Kottbosser Tor. Mpl. 16077. Täglich 8 Uhn Wie iinnier erstlilassig. Programm, u.a. (Schwank) '„Ein kleines Gesdienk"(Schwank) Volkspreise. Komische nv, Ohr Oper nv, öhrj JAMES KLEIN'S gewaltiges neues Acvue-Stück: Zieh' didi aus! 200 HUiriiKende. Vorverkaul ab 10 Uhr ununterbrochen. Berltaer lllk-TrlO Neukölln» w Lahußtr. 74/781 Reichshallen•Theater Stettiner Sänger Stuckes Pfingsttahrt Hugo Stucke: Britton Frau Stucke: Meyaal «Hl. e Hill. Pmisenopf.-a ii D ö n h of f■ Brett'l Variete— Konzert— Tanz- CASINO-THEATER s Uhr Lothringer Str. 37. Müllers Prinzesschen. Aoasdinclden I Gutschein I— 4 Per». Fauteuil nur 1,10 M., Sessel 1.60 M. Renaissance- Theater Steinpiatz 901. -Uhr: Krankheit der Jugend UND SCHLANK AM SICHERSTEN DURCH ZWECKMÄSSIGE B B ERNAHRUNG SIEH BERLINS SOMMERSCHAU AM KAISERDAMM Täglich; 9 bis 8 Uhr(Einlass bis 7 Uhr). Sonnabend und Sonntag: 9 bis 9 Uhr(Einlaß bis 8 Uhr). Eintritt: 1.50 Mk� Jugendliche 0.76 MIc. Familienkarten für 2 Erwachsene und 2 Jugendliche oder 3 Erwachsene nur 3.60 Mk., Zusatz* Kinderkarte 0.26 Mk. Die Komödie dismarck e4l4/7älr Vit U. Ende 10»,, U. Es IIa der Rerue ton Schiffer. .Musik T.SpoUaojk} egt in Luft BerliDer löeater uriotttastr.91'9 1. OtBb.l U ZV« u. Ende geg. 11 Gastspiel OeutsdienTli. Der ProzeS Hary Dunau iieutsdies ffieaier Norden 12310 iL). Ende gegen II Artisten Iqi, Max Reinhardt iilteDtirj-Ubaea ütl. Künstler- fh. «>/, L'hr JasjiBdja reiienile Laute..." Kannnerspiele Norden 12 310 S'/jUhr. Ende 10',, Leiste AuffOhrungen nur noch bis inkl. Sonntag Fmdej Sit, da» Coutance sidi ridiHi vertiilt? Montag, 18. Juni, 8 Uhr Zum 1. Male: Viertägiges Gastspiel des Theatre da fiym- nnse, Paris Le Secrel (Das Geheimnis) Lostsplelhaas kr. Dr. Mutii Zidnl Unwiderruflich letzter Monat 8V, Uhn Unldo Thielscher m„Unter Gestifhanisidir immtHilnn Tb. Könlggrälz. Sl, Bergm.2110. Täglich SV, Uhr Leinen ans Irland KomAdlenh«» Norden 6304. Tägl. 8V, Uhr Broadway Residem-Theatet Blumenstr. 8. Täglich 8»/, Uhr Sdiioi steht eine linde Loni Pyrmont Krafft-Lortzing Gaston Briese Emma Klein Parkett auch Sonnt. Statt 4.— BDT l,— M. Walhaila-m. Weinbergsweg 10/20 Täglich 8V, Uhr: Verlorene Töditer Sittcnst in 4 Akten. Nur Enradnine haben Zutritt Park-auch Sonntags statt 4.— M. nur 60 P7. Tballa-Tlieater Dresdener Str. 72-7, Täglich 8 Uhr Dytteroons Wz Theater des Westens Steinpl. 931 8V,Uhr Täglich: Max Adalbert „Was ist denn nur mit Balduin 7" Kleines T&eater Täglich 8'/, Uhr Halser-Tlelz Lotte ülifider Galante Nacht! Rose-Theater Gr. Frankf. Str. 132 8V, Uhr Da: Paradies d. Ehe Gartenbohne: V,6 Uhr nachm.: tlintti Süd bagtH Teil SV, Uhr Oerfldele Bauer Berliner Prater Kastanienallee 7/9. 7V, Täglich 7V, „PolnisdieWirtsdiatt" Außerdem: Konzert, Variete. Anf.5 U, Sonnt. 4 U. Tanz. Kaffeekochen. Planetannm an Zoo 'irlins. ludiiashuln Sinti Noll. 1378 16 Uhr: Der Sternhimmel der Heimat 18 Uhr: Erde nnd ieltenraon 20 unr- Oer EintloB d. Gestirns eintritt I ont. H.sr 4. zur Miete WSO.Ar.sbachersir.l McQviM Arnold Scholz. Hasenneide loä/i-i. Täglich; ioo]aiire Baal nna Bnnter Dienst., Donner«., sonnab. u. Sonnt. Tnna unter Palmen. Rggzgrt ab 6 Ohr. Raffeihädie ab 2 öbr. Im Garten oder Saal. älellage Freitag, 15. Juni 1928. LprÄbnid SfiaJau±0aJ& des ioi�uxLri& Vom Schreinergesellen zum Arzt Die Heilang der Rauschgiftkranken. Nach dem Kriege ist die Zahl der S ü ch t i g e n, die dem Mar- phium, Heroin, Kokain— und wie all die Rauschgifte noch heißen mögen— versallen sind, in allen Ländern bedrohlich ange- schwollen. Angehörige aller Berufe, besonders Kriegsbeschädigte, leben unter dem Damoklesschwert ihrer Sucht, die sie mit Sicherheit innerhalb weniger Jahre ihrer Arbeitskrast beraubt und unfehlbar zugnmde gehen läßt, was um so fürchterlicher ist, als es sich rechr oft um sähigste, begabteste Menschen handelt. Die letzten fünfzig Jahre, in denen man auf verschicdentlichste Art versucht hat, den Morphinismus zu heilen, zeigen die ganze Machtlosigkeit, mit der bisher die Wissenschast dieser Erkrankung gegenüber stand. Denn daß es sich hier um eine Erkrankung ,m wahren Sinne des Wortes handelt und nicht, wie viele Laien fälschlich meinen, nur um ein„Laster", geht daraus hervor, daß die Süchtigen. dÄien man die Rouschmittei mit Gewalt plötzlich ent- zieht, in beträchtlicher Zahl entweder an Herzschlag sterben, geistes- kvMrk werden oder Selbstmord begehen. Wie groß die Machtlosigkeit gegenüber dem Fluch, der diesen sonst soviel Segen spendenen Arzneimitteln anhaftet, ist, ergibt sich auch daraus, daß man in England und Amerika zwangs- mäßige, plötzliche Entziehungen hinter Gefängnis- mauern vornimmt, ganz gleich, ob der Betreffende zugrunde geht oder nicht. Welche grauenvollen Szenen sich dabei abspielen, ist für die Laien unvorstellbar. Die bei uns übliche langsame Entwöhnung besteht darin, daß man Tag für Tag oder Woche für Woche die Menge Morphium, die sich der Süchtige einverleiben muß, um einen kleinen Bruchteil vermindert. Die sogenannten Aussallserscheinungen, die dann auftreten, sind fast genau so stürmisch, wie bei plötzlicher Entziehung: qualvolle Herzangst und Herzschmerzen, Atemnot, unaufhörliches Erbrechen, Durchfälle, Schwitzen des ganzen Körpers, ollgemeine aufs höchste gesteigert« Unruhe und Erregung. Man versucht diesem bedrohlichen Zustand durch große Gaben schwerster Schlasmittel zu begegnen, wodurch jedoch die objektiven Gefahren gar nicht, die subjektiven Beschwerden nur sehr, unvollkommen beseitigt werden, und wodurch, was in bezug auf Erfolg der gesamten Kur noch viel schlimmer ist, ein neuer Gewöhnungszustand an Be- täubungsnrittel anderer Art geschaffen wird. Sin neues Heilverfahren. Einen Menschen vom Morphinismus befreien, heißt: ihm nicht nur das Morphium entziehen, sondern ihn vor allem von seiner Sucht zu heilen. Der Kölner Forscher und Arzt Dr. H u b e r t K a h l e hat auf .n dieser Erkenntnis als erster ein Heilverfahren ausgebaut. Dr. Ripke, der leitend« Arzt des Krankenhauses zu Schrei- b e r h a u, hat darüber für die Fachwelt ausführlich in der„Deut- sehen Medizinischen Wochenschrift" berichtet. Dr. Kahle geht von der allgemeinen ärztlichen Erfahrung aus, baß es Menschen gibt, denen man zu Heilzwecken monatelang Opiate in größeren Mengen zuführen kann, ohne daß sie süchtig werden, mährend andere schon nach wenigen Gaben Morphinisten werden. Es besteht also eine Disposition für das Opium, deren Wesen Dr. Kahle als«inen Reizzustand des sogenannten sym- pathischen Nervensystems erkennt. Solcher Art disponierte Menschen sind kenntlich an übergroßen Pupillen, abnorm leicht veränder- lichcm Rhythmus der Pulse und Atemzüge, erhöhter Tätigkeit der refften Drüsen, gesteigertem Geicblechtstrieb usw. Dieses alles wird durch das Opium oder eines der in ihm enthaltoren Alkoloide, wie Morphium, Heroin, Codein, Eukodal u. a. m., ausgeglichen, wodurch sich der Betreffende mit seiner mehr oder weniger gestörten All- gemeinempsindung plötzlich unzeahnt„harmonisch" fühlt. Hieraus erklärt sich einerieits die Sucht: das sympathische Nerven- s y st e m, aus das weder unser Wille, noch unsere Bernunft irgend- welchen Cinsluß ausüben kann, fordert, nachdem es einmal das Opium als Mittel des Spannungsausgleiches kennengelernt hat, dieses Mittel mit zumindest gleich großer elementarer Gewalt, wie der Berhungernd« zum Essen, der Verdurstend« zum Trinken ge- trieben wird. Andererseits sind nun auch die oben beschriebenen Ausfallserscheinungen bei pltzlicher oder allmählicher Entziehung ver- ständlich, denn in dem Augenblick, wo das benihigsnd« Opiat mehr oder weniger weggelassen wird, gerät das sympathische Nerven- jystem in lebensgesährli che Uebererregung. Das Bewußtsein muß ausgeschaltet werden. Dr. Kahles kühner Gedankengang ist nun folgender: Der Gegen- pol des sympathische» Nervensystems ist das sogenannte para- sympathisch« Nervensystem, dos auf alle Organ«, denen durch das sympathische Nervensystem beschleunigend« bzw. hem- wende Impulse zuteil werden, im Gegensatz hierzu henimend bzw. bescMunigcnd einwirkt. Wenn es nun gelingt, das parasympathische Nervensystem in den gleich großen Erregungszustand zu versetzen. den das sympathische Nervensystem durch plötzlichen Fortsall des Rauschgiftes annimmt, so entsteht ei» verhältnismäßiges Gleich- gewicht und die Lebensgefahr ist beseitigt. Dies allein genügt jedoch noch nicht, um Morphinismus erfolgreich behandeln zu können, da die außerordenlliche Ueberreizunz lebenswichtigster Nerven- fystem«, auch wenn sie sich dabei im verhältnismäßigen Gleichgewicht befiirden, zu sehr großen subjektiven Beschwerden der betresferiden Kranken' führen würde, um so mehr, als dieser Zustand über fünf Tage und Nächte durchgehalten werden muß, weil es nach Dr. Kahles Untersuchungen durchschnittlich einhundertzehn Stunden dauert, bis der letzte Rest des Opiums den Körper verlasien Hot. Zu diesem Zweck muß das Bewußtsein des Patienten inehr oder weniger ousgescholten werden. Dr. Kahle hat nach jahrelangen Studien und Versuchen die notwendigen Mittel nicht nur zur Reizung des parasympathische» Nervensystem», sondern auch zur Ausschaltung des Bewußtse ns ge- prüden und damit das Problem des Morphinismus gelöst. Was der Patient selbst bei Anwendung der Dr. Kahleschen Methode erlebt, hat Dr. Ripke am eigenen Leibe erfahre», als er |m Anschluß an im Kriege erworbener, schmerzhafter Ischias und �ratendjter Kieierhöhleneiterung dem Morphium jo weit verfallen war, daß er zuletzt auch die geringe ärztliche Tätigkeit, die ihm infolge seiner Sucht noch oblag, selbst bei äußerster Anstrengung kaum mehr auszuüben �vermochte. Oer„Schlaftrunk". Als Dr. Ripke, wie er in der„Deutschen Medizinischen Wochen- schrist" berichtet, zu Dr. Kahle kam, erhielt er einen„Schlaf- trun k", gegen dessen Wirkung er sich aber aus dem Mißtrauen. das jeden Opiumsüchtigen beherrscht, und aus ärztlichem Interesse mit aller Kraft wehrte. Trotzdem ist er, wie ihm später berichtet wurde, binnen kurzem eingeschlafen. Als er erwachte, glaubt« er, es seien zwei Stunden vergongen: es waren jedoch schon— sechsundzwanzig. Er bekam etwas Suppe und erwachte während der nächsten vier Tage dann und wann in einer Art Halbbewußtsein für eine kurze Zeit, um etwas Nahrung zu sich zu nehmen und die natürlichen Bedürsnche zu verrichten. Nach insgesamt einhundert- fünfzehn Stunden wurde er daim zum erstenmal wieder völlig wach und klar. Dr. Kohle stand mit gefüllter Spritz« vor ihm und bot ihm Morphium an, was er jedoch ablehnte, da er zu seiner eigenen größten Berwnnlderunz überhaupt kein Interesse mehr daran hatte. Kein« Spur von Sucht, aber auch nicht etwa Ekel oder Widerwillen erfüllte ihn, sondern er fühlte sich so völlig neutral, daß eine eigentliche„Entscheidung", ob er Morphium nehme oder nicht, ebensowenig in Betracht kam, wie es etwa keiner Entscheidung bedarf, ob man Kieselsteine ißt oder nicht. Sein körperlicher Zustand war dabei nur in den allerersten Stunden von leichten nervösen Beschwerden gestört, was keinerlei Rolle gegenüber dem unbeschreiblichen Erstaunen, plötzlich von einer für unheilbar gehaltenen Sucht befreit zu sein, spielte und ihn ». B. m keiner Weise hinderte, noch am gleichen Abend in Dr. Kahles Begleitung«in Restaurant aufzusuchen. Das einzige, was ihn etwas belästigte, war, daß er die nächsten Nächte schlaflos oerbrachte. Dies änderte sich jedoch von dem Augenblick an, als sich am zehnten Tage nach Beginn der Kur«in elementarer Hunger bemerkbar machte, der sich binnen kurzem zum denkbar stärksten Heißhunger steigerte, so daß er alle fünf Mahlzeiten m drei- und vierfacher Menge atz. Damit begann eine stürmische Regeneration des ganzen Körpers. Er nahm, nachdem er durch den Morphinis- mus sehr heruntergekommen war, in kurzer Zeit zweiunddveißig Pfund an Körpergewicht zu und strotzte bald, wie man zu sagen pslegt, von Gesundheit. Damit war eine seelische Wiedergeburt ver- bunden, was nur der verstehen kann, der es erlebt hat: Er fühlte sich um zehn, zwanzig Jahre verjüngt, war von unbändiger Lebens- freude und einem überschäumenden Glücksgefühl erfüllt, der grau- samen Geißel des Morphinismus für immer entronnen zu fein; alle überschüssigen geistigen Schaffenskräfte, die durch die Sucht er. loschen waren, erwachten zu vollster Aktivität und steigerten die Lcbensenerzie zu einer Höhe, die er früher niemals für möglich gehalten hätte. Am ochtundzwanzigsten Tage verließ er Köln gesund und ar» beitskräfrig wie nie zuvor. lleber 24V Patienten bisher geheilt. Insgesamt hat Dr. Kahle in den sieben Jahren, während denen er sein Verfahren praktisch anwandte, über zweihundert- vierzig Patienten geheilt: niemals hat er irgendwelche Schädigungen oder gar Todesfälle erlebt, trotzdem ein großer Teil der Kranken in fast aussichtslosem Zustand zu ihm kam. Rückfällig sind nur zwei geworden, was durch die ganz besonders unglücklichen Umstände erklärlich ist: In einem Fall wurde die Kur aus Per- zweiflung über den Tod der Gattin während der ersten Tag« ab- gebrochen: im zweiten Fall erlag der geheitt« Patient der systema- tischen Berfühnmg durch sein« morphinistische Frau, die unbehandelt zu Haus geblieben war und alles daran setzte, ihn wieder zu Fall zu bringen. Welche Mittel Dr. Kahle bei der Behandlung anwendet, gibt er heute noch nicht bekannt. Dies liegt zum Teil an seiner«igen- artigen und eigenwilligen, stiller Zurückgezogenheit zuneigenden Per- sönlichkeit, zum Teil an seinem Lebensweg: Er ist ein Mann, der sich unter unendlichen Mühen und Entbehrungen vom Schreiner- gesellen zum Bolksschullehrer und endlich zum freien Forscher und Arzt hindurch gearbeitet hat. Vor allein aber bestimmen ihn wirtschaftlich« Gründe, denn die von ihm eittdeckle Methode ist sein einzigstes Erwerbsmittel. Die Tragweite des Dr. Kahleschen Versahrens Heute schon ab- zuschätzen, ist kaum möglich. Man stelle sich den unendlichen Segen vor, daß jeder Rauschgistkranke vor dem ihm unerbittlich Drohen- den mit relativ geringen Kosten in kurzer Zeit gerettet und zu einem tatkräftigen Mitglied der menschlichen Gesellschaft gemacht werden kann, wodurch nicht zuletzt auch volkswirtschaftlich große Werte ge- wonnen werden. Dr. A. K. Wie man bei der Reichsbahn ißt. Die Entwicklung von 1918 bis 1928. Nach dem Kriege wurden bei den großen Reichs- und Staats- behörden, in denen ohne größere Mittagspause durchgearbeitet wird, Mittagsküchcn, Kasinos eingerichtet, in denen für billiges Geld ein einfaches Mittagessen an die Beamten und Angestellten abge- geben wird. Auch bei der Deutschen Reichsbahn find der- artige Kasinos eingerichtet. Im damaligen Reichsverkehrsministerium in der Voßstraße wurde in den Erdgeschoßräumen in einfacher Auf- machung eine Mittagsküche mit einem gemeinsamen Eßraum eingc- richtet. Damals ging ein Zug namentlich durch die Ministerien, der die allzu starke Betonung des dienstlichen und persönlichen Abstandcs wenigstens innerhalb der Diensträumc etwas in den Hinter- g r u n d treten ließ. Damals konnte man Ministerialräte und Staatssekretär in diesen Kasinos antreffen, die im selben Räume, am selben Tisch neben den Beamten aus den mittleren und unteren Besoldungsgruppen das Essen einnahmen. Eßgeschirr und Gericht waren für alle gleich. Das war einmal, als man in Deutschland für sauer verdiente Geldscheine und gegen Fett- und Brotmarken kein vernünftiges Mittagessen haben konnte.' Nachdem die Deutsche Reichsbahn A.-G. gegründet war und man Direktoren schuf mit Direktorengehalt und Leistungsprämien, da ließ die Frequenz im Kasino noch. 5zeute speist„man" außerhalb, wo- hin die anderen wegen der dienstlichen Gebundenheit und der wirt- schaftlichen Unmöglichkeit nicht folgen könne. So bei der Hauptver- waltung der Deutschen Reichsbahn A.-G. und auch beim Reichsbahn- zentrolamt— bis man eines Tages in den Tageszeitungen sich über Dinge des Zentralamtes unterhielt. Das Kasino des Zentrolamts erhielt plötzlich neues Leben: viele Herren aus den oberen Besol- dungsgruppen fanden den Weg zum Kasino zurück. Dach nun fand man das Zusammensein mit den andern nicht mehr schön, es braucht ja auch jetzt, von lbl8 bis 1928 sind zehn Jahre, nicht mehr zu sein. Im Zentralamt wird ausgestockt und bei dieser Gelegenheit sollte das Kasino»ach neuzeitlichen und bei der Industrie vielfach anzu- treffenden privatwirtjchastlichen Gesichtspunkten neu ge- schaffen werden. Durch keinerlei Dienstvorschriften ist angeordnet, daß die höhern akademischen Beamten mit den anderen in einem Raum geineinsam mit gleichem Geschirr das Essen einnehmen müssen. Wenn man schon dienstlich die Bureaubcamten in großen Arbeits- sälcn mit über 4V Mann Belegschaft zusammenpfercht und den Herren Räten. Oberräte» und Direktoren, auch solche, die es noch werden wollen, den Stiften, komfortabele, jedem Rang entsprechende Direktorenz im ni er zuweist, dann braucht dieser endlich wieder erreichte Abstand im Kasino nicht ausgegeben zu werden. Vor wenigen Tagen ist das nach diesen neuzeitlichen Gesichts- punkten eingerichtete Kasino im Zentralamt, das auch gleichzeitig das Versuchsamt der Reichsbahn ist, in Benutzung genommen worden. Verschwunden ist der g.'meinjame Spciseraum, der gemeinsam« Marken- und Essenampfang. Dem R a n g d c r R ä t« u n d S t i s t e ongepaM, ist ein komfortabel eingerichtetes reserviertes Etz- z i m ni e r mit vollkommen getrenntem Zugang und Kleiderablage geschossen. Hier kann die Speisezeit Erholung und Ausspannung sein. Geschmackvolle Tapeten mit Ausmalung der Fensternischen, vollkommen neue, im Stil gleichgehalten« Möbel mit Polsterstühlen, Tafelsilber und moderne Deckenbeleuchtung tragen zur Behaglichkeit bei, besonders deshalb auch, weil man„unter sich" ist. Im Gegensatz hierzu ist der Eßsaal für die anderen kalt und nüchtern gehalten. Nicht einmal gleiche Möbel hat man hineingesctzt. Tische, die man irgendwo ausfindig gemacht hat, sind ohne gegen- fettige Harmonie hineingestellt. Die Möbel und das Kasino-Eßgeschirr allein brauchen das Mittagessen nicktt zu vergällen: aber die Betonung der Rang- unterschiede hat die Gemüter der Bureaubcamten mit Recht verärgert. Man stelle sich die Empfindungen eines mittleren Beamten als Bater vor, der den Unterhalt seines Herrn Sohnes, des Stiftes, bestreitet. Zur Abwechselung möge man auch einmal in das Herz des Sohnes schauen. Eine derartige Rangstusenbetonung von oben nach unten wirkt viel zerstörender als ein Klassenkampf mit unzulänglichen Mitteln von unten nach oben. Vielleicht nimmt der Generaldirektor Dr. Dorpmüller Gelegenheit, diese Blüte seiner Direktoren und Dezernenten sich einmal genauer anzusehen. Einen automatischen Zettelverteiler hat zum ersten Male eine Berliner Firma aufgestellt, der durch seine originelle Aufmachung viel Publicum anlockt. Der Eiffelturm steht fest! Schon vor zwanzig Jahren hatte man behauptet, der Pariser Eisfelturm stehe nicht mehr fest aus den Füßen, doch es war bloßes Gerede. Auch die jüngst umlaufenden Gerüchte, daß sich Verschie- bungcn im Fundament gezeigt hätten, wurden durch eine genaue Uebcrwachung und Untersuchung einer Pariser Sachverständigen- tommission widerlegt.\ QgR GgLB£ PrmK) travwuSI�SalNÜr�NWMÄD�nfrocra S. Fortsetzung. „cfn paar," sagte Cramnore. ,�ornfe Dingwall zum Beispiel ist Mitglied van meinem Klub, und meine Schwagerin. Mi� Drircol, die bei uns wohnt, hat Bekannt« unter dem Thelsea» Kreis. Aber ich verstehe nicht recht.. „Geduld, mon smi. chatte Madam« die Gewohnheit, Atelier- besuche zu machen?" „Die Gewohnheit— nein! Ein paarmal find wir bei Dingwall gewesen..." „Wör's nicht möglich, daß st« heute nachmittag in einem Atelier gewesen ist?" „Carmen— meine Frau erzählte mir von all ihren Bar- abredungen. Ei« hatte auch wenig gesellschaftlichen Dertehr und nur«in paar intime Freund«. Wir gingen fast immer zusammen aus. Wenn sie wirklill) heute nachmittag einen Atelierbesuch gemacht hat, so kann's nur ein« plötzliche telephonisch« Verabredung gsmesen sein. Aber ich halte es für äußerst unwahrscheinlich. Mir hat sie jedenfalls nichts davon gesagt." „Aber haben Sie unter Ihren Bekannten nicht vielleicht einen Maler, mit dem Madam« so stand, daß er sie hätte anrufen und zu einem Desuch auffordern können?" „Nein!" sagt« Cranmar«.„Außer Dingwall, und van ihm weiß ich zufällig, daß er auf dem Wege nach Südamerika ist. Aber wozu alle diese Fragen wegen einem Atelier?" Der Franzose rieb sich bedächtig die Nase. Mandcrton, der sich ein« Pfeif« angezündet hatte, beobachtet« ihn scharf. „Was Sie auch sagen mögen, mon»mi, wäre es nicht doch möglich, daß Madame heute«in Atelier ahne Ihr Wissen besucht hat?" Cranmoro schüttest« ein wenig gereizt den Kaps. Seine Nerven begannen nachzugeben. „Möglich schon," antwortet« er,„aber da« würde doch heißen, daß meine Frau jemand besucht hat, von dem i6) keine Kenntnis hätte..." Boulot stützte die Arme auf und lehnte sich über den Tisch. „Lieber Freund," sagte er osf«n,„vielleicht ist das so.. Aber Cranmnre macht« heftig ein« verneinend« Gebärd«. „Ah, jetzt weiß ich. mo Sie hinauswollen," rief er.„Und da mächt« ich Ihnen gleich lagen, Boulot, und Ihnen, Manderton, daß meine Frau keinen Geliebten hatte. Unsere Ehe ist— war— vollkommen glücklich. Und noch etwcs anderes will ich Ihnen sagen. Ich werde es nicht zugeben, daß das Andenken meiner armen toten Carmen da drin besudelt wird. Merken Sie sich das! Sie. Beulot, sehen als Franzose solche Dinge vielleicht in einem anderen Licht als wir.. Eine große, rot« chand legte sich auf sein« Schulter. „Nur ruhig Blut," sagte Mandcrton.„Wir müssen jede Möglichkeit ins Auge fassen, wie Sie wissen..." Cranmor« zuckte die Achseln. „Diese Möglichkeit bitte ich Heiseste*ti lassen!" „Ich wollte Sie nicht kränken," siel Boulot ein,„und l iste Sie um Entschuldigung, mon eher. Aber abgesehen von dieser Möglich- keit— wissen Sie von jemand, der irgend etwas- gegen Madant« hatte?" „Nein," entgegnete Cramar« bestimmt.„Nein! Ausgeschlossen! Nejne Frau hatte keinen Feind auf der Welt!" „Also haben Sie kein« Erklärung?" fragt« Mandcrton. „Keine. Ich bin einfach wie vor den Kops geschlagen. Ich kann mir nur vorstellen, daß irgendein Wahnsinniger..." Mandertan betraäztete aufmerksam die Spitzen seiner glänzend schwarzen Stiesel. „Die erwähnten norhin," bemerkt« er.„daß Ihr« Schwägerin Bekannte unter dem Ehelsea-Kreis hat. chatte sie die Gewohnheit, Ateliers zu besuchen?" „Früher einmal. Aber da Hab« ich einen Riegel vorgeschoben. Um ganz vssen zu sein: ich verbot, ihr den Verkehr..." „So." sagte Manderton in geschäftsmäßigem Tone.„Und ner- boten Sie ihr den Berkehr mit irgendeinem bestimmten cherrn?" Eranmore blickt« den Inspektor an und rieb nervös seine chände aneinander „Sie wissen, daß ich Ihnen in allem Helsen möchte,"«rtlärt« er,„aber ich w'll keinen ungerechten Verdacht auf jemand werfen. Sie haben mich eben gefragt, Boulot, ob es«inen Menschen gebe, der vielleicht etwa» gegen meine Frau gehabt haben könnte. Mr. Manderton» Frage erinnert mich, daß e» mit einem jungen Maler einen Verdruß gab, weil er, nach Ansicht meiner Frau und meiner eigenen, sich zuviel mit Dolores, meiner Schwagerin, de- schäftigt«. Ich war gezwungen, ihm da» chauz zu verbieten. Vielleicht hat er sich darüber besonders gekränkt, weil er Carmen schon vor meiner Zeit in New Dork gekannt hatte..." Eranmore blickte auf und sah, wie ihn die beiden Polizisten gespannt anstarrten. „Ich möchte ihn aber auch nicht«inen Augenblick zu diesem grauenhaften Verbrecben in Beziehung bringen," fügte er hastig hinzu.„Der junge Quayr« ist absolut unfähig, eine solche..." „Wie war der Name?" Manderton hatte sein Taschenbuch herausgezogen. Sein Benehmen war mit einem Male streng amtlich geworden. Eranmore starrt« ihn fassungslos an. „Sie glauben doch nicht.. begann er.„Mein Gott!..." „Bitte um Namen und Adresse!" wiederholt« Manderton. „Sein Name ist Julian Quayr«. Aber seine Sldresse ist mit keider nicht bekannt. Ich weiß, daß er irgendwo in London ein Atelier hat. Dort gewesen bin ich nie. Im Adreßbuch.. Mit einem schüchternen chusten erhob sich Mr. Nuddik aus seinem Winkel. Die drei Männer erschraken fast, so vollständig hatten sie feine Anwesenheit vergessen. „Was zum Henker wollen denn Sie?!" fuhr ihn Mandcrton an. „Nur wegen der Adresse vom Mr. Quayre," stotterte der Drogist.„Er ist nämlich gewissermaßen ein Kunde von mir. Noch vor e>n paar Tagen Hab ich«ine Tube Zahnpaste.." .himmelherrgott!" stieß Manderton hervor,„sagen Sie doch endlich, wo er wohnt?!" „Auf dem Brokeplatz, hier am End« der Straße," sagte Mr. �uddick. 6. Dolores. Die dramatisch« Erklärung war noch kaum aus dem Munde Mr. Nuddicks, als das Geklingel der Ladenglockc hörbar wurde. Im Zwielicht stand ein junges, schlankes Mädchen auf der Schwelle mit dunklen Augen, die aus einem totenblassen Gesicht hervor- sahen. Boulot reit seinem eindrucksfähigen französischen Tempeva- ment vermochte einen leisen Ausruf der Ueberrafchung nicht zurück- zuhalten, denn es war, als wäre die Tot« aus dem Hinterzimmer wieder zum Leben erwacht. Als das Mädchen in den Lichtkreis der Gaslamp« trat, he- merkte er, wie sehr sie der Ermordeten glich. Ihr« Schönheit war ihrem Aster entsprechend weniger reis, und der Teint war anders, aber sie hatte dieselben feingcmeiheltcn Gesichtszüge, den gleichen ..Vyr ruhig Blut", sagte Manderlnn. klaren, lieblichen Ausdruck, den er auf dem stillen Antlitz der anderen wahrgenommen hatte. Durch die Wangen des Mädchens jedoch pulst« die Wärm« des Ledens Und ihr dunkles Haar war ehe? braun als schwarz, so daß ihr« Schönheit alles in allem nicht denselben klassischen Eindruck macht«, wie die von Mrs. Eranmore. Sie kam eilig in den Laden, hielt aber plötzlich an, als ihr Blick auf Boulot fiel. Der Franzose stand im vollen Licht, aber i das Mädchen sah nicht auf ihn, sondern mit entsetzten Augen auf das lange Messer, mit dem seine plumpen Hönde spielten. Ein j solche» Grauen drück!« sich in ihrer ganzen Haltung aus, daß allck Anwesenden im Augenblick keiner Bewegung fähig waren: die beiden Polizisten nebeneinander an dem Ladentisch: Nuddick mit offenem Mund in seinem Winkel; Eranmore mit seinein gram- verzerrten Gesicht hinter Boulot, und die beiden Kriminaler, die in ihren dunklen Anzügen wie zwei Schatten aussahen. Boulat legt« das Messer auf den Tisch, und der Klang de» Metalls schien den Zauber zu brechen. Das Mädchen trat auf Cranmor« zu und sagt« stammelnd: „Carmen...?" Eranmore; Lippen waren fest zusammengepreßt, während e? nickt«. „Ist es denn wahr?" In der Stimme des Mädchens zitterte ein verzweifelter Schmerz. „Ich kam gerade vom Nanelagh nach Haus... von einer Zeitung telcphonierten sie an... es war schrecklich... niemand zu Hause... wie ist es nur geschehen? Ich kann's nicht glauben! Ich wills nicht glauben! Wie konnte nur jemand unsere arme, lieb« Carmen umbringen?!" Ein Schluchzen unterbrach die wild hervorgestoßenen Satz«. Eranmore streichelte sanft ihr« Hände. Er vermochte kein Wort herauszubringen. „Jim." rief sie und sah ihm in die Zlugen,„draußen sagen sie. daß sie hier liegt, tot. erstochen, vh, laß sie mich sehen... laß mich zu ihr gehen...!" Eranmore warf Manderton einen fragenden Blick zu. Der Polizist schüttelt« den Kops. I.Wozu? sagt« der Makler.„Es würde dich nur noch trauriger machen, liebe Dolores. Vielleicht morgen.. Er sprach langsam, und die Worte kamen schwer und mühsam aus seinem Mund. Die ganze Energie des Mannes, der erst vor wenigen Stunden seinen Wagen so geschickt durch das Gedräng« von Piccadilly gesteuert hatte, schien verschwunden. Es war. als hätte er merklich gealtert, seit er das Haus des Todes betreten hatte. Seine veränderte Haltung schien auch dem Mädchen aittzusaller. „Wie furchtbar elend du aussiehst. Jim," flüsterte sie zärtlich. „Komm doch mit mir nach Hause." Die mächtige Gestalt Mandertons schob sich in den Vordergrund. „Ist das Miß Driscol?" fragte er und fuhr, zu ihr gewendet. fort, ohne ein- Antwgrt abzuwarten:„Hat Mrs. Eranmore den Mr. Quayr« heut« nachmittag besucht?" Die Wirkung dieser Frag« aus das Mädchen war merkwürdig. Sie fuhr zusammen wie ein« Mondsüchtig«, die plötzlich aus dem Schlaf geschreckt wird. Dann schien sie mit einem Ruck zu sich lelbst zu kommen.(Fortsetzung folgt.t WAS DER 7 Freunde der Proleten. Literaten sind nach einem Artikel in der„Weltbühne" imum, gängliche Naturnotwendigkeiten zum Fortschritt« der Menschheit. Die Arbeiterbewegung hat viel« Freunde unter diesen„Naturnotwendigkeiten", aber manchmal kann man doch den Stoßseufzer nicht unterdrücken: Der Himmel bewahre mich vor meinen Freunden! so umreißt Herr Franz Lefchniger in der„Weltbühne" seine Stellung zur Arbeiterschaft folgendermaßen: „Für den Proletarier sterben, mit den Höchstkultivierten leben!" Siehst du, Prolet, da hast du'»: sterben tut man schon allen- falls für dich, aber im übrigen hält man sich lieber fern von deinen kinderüberfüllten. lichtlosen Wohnungen und zieht deinem Umgang den Umgang mit.�Höchstkultivierten" vor. Erheiternder ist es schon, wenn Stefan Großmann im „Tagebuch" feststellt, daß„die Sozialdemokratie immerhin ihr Kraftzentrum beim Arbeiter hat". Kleiner Schäker! Das hoben wir noch gar nicht gewußt! Aber ganz fröhlich wird die Angelegenheit erst, wenn Kurt H i l l e r, der vor den Wahlen die KPD. als die einzig annehmbare Partei pries, nach den Wahlen in der„Weltbühne" feststellt:„Mon gehe link» endlich ab von dem Brauch, als„Verräter" zu beträhen, wer bloß der bessere Derwirklichcr ist. Hysterisch aufkreischen, wenn nur das Wort.Koalition" fällt, hat nichts Imposantes: ist schiefer Radikalismus." Na also, das finden wir ja auch schon lange und somit find wir holt wieder einmal einig miteinander! „Drüben an der badischen Seite.. Unser gestriger Artikel„Quer durch den Schwarzwald" hat uns mehrere Zuschriften eingetragen, die gegen die Behauptung protestieren, daß Friedrichshafen„drüben an der badischen Seite" liege. Nein, dies« Stadt ist württembergisch! Ferner wird folgen- des festgestellt: Der deutsche Teil des Bodensees gehört drei „Staaten", Baden, Württemberg und Bayern. Bom Schiff au» sieht man in Richtung Bregenz(Oesterreich) nicht die Schwetzer Dorberg«. solchem„Dorarlberg", das stockreaktionäre Bezirksland der Republik Oesterreich. Grenzpfähle mit„Königreich Bayern" und auch„Kön'greich Württemberg" gibt e» massenhaft. Nur das badisch«„Musterlandle" kennt ein«„Republik Baden". Man sieht also aus dieser Richigstellunz. daß die Zeitungsschreiber durch- aus nicht allwissend sind.... Eine sinnige Grabschrift. Für den im Kriege gefallenen Dichter Walter F lex wurde dieser Tage auf Ocsel ein Grabtreuz errichtet. Professor H o s ä u S hat es entwerfen, die Inschrift lautet: Wer auf die preußische Fahne schwört, Hat nichts mehr, was ihm selber gehört. Wi« verlautet, haben eine Anzahl echtpreuhischer Rittergut», besitzer und Ruhrindustrieller Kopien dieses Kreuzes für ihre eigenen Grabdenkmäler anfertigen lassen. Das böse Wort„gehorchen". Die Episkopalkirche in Schottland hat in der für Trauungen gebräuchlichen Formel das Dort„gehorchen" ersetzt durch da, Wort „pflegen", d. h. die Frau erklärt vor dem Priester nicht mehr, sie AG BRINGT. nmnmnmiimmmiiiiimmiminiiwiiintiiMiiiininiiniiimiiiiiwiiiiiiiiiiuiiniiiiimiiiiiii wolle ihrem Mann« gehorchen, sondern„ihn l?egen und pflegen". Die sieben Bischöse der Episkopalsynode haben dieler Aenderunq zugestimmt, sie ist damit gültig. Die schotttschen Frauen kann n sich also später auf die Traulormel berufen, wenn es ihnen nich� paßt, ihrem Mann«„zu gehorchen". Kein Geld für Advokaten. Seit vielen Monaten tobt zwischen Konada und den Bereinigten Staaten ein« diplomatisch« Auseinandersetzung. Es handelt sich um die drei an ihrer Grenze liegenden mächtigen Seen: den Obersec. den Michigan- und den Husonsce. Der Wasserstand dieser drei Seen ist natürlich im Lause der letzten Jahr« hinuntergegangen. Die Amerikaner behaupten, es handele sich um geologische Erscheinungen, an denen sie keine Schuld trügen: die Kanadier hingegen erklären, Chikago verbrauche für sein« Bevölkerung derartige Wassermengen, daß die Schiffahrt auf dem St. Lawrenee-Strom— an dessen Ende übrigens liegt die von der„Bremen" her bekannte Greenly-Jnsel— gestört und die Wasserversorgung der kanadischen Landwirtschast unterbunden werde. Bis jetzt hat man sich noch nicht einigen können: immerhin besteht zwischen den beiden Nachbarländern keinerlei Kriegsgefahr: dos ganz« Seengebiet ist ja auch seit einem Jahr- hundert entmilitarisiert. Aber man beginnt auch allmählich ein- zusehen, daß ein langwieriger Prozeß um die Wasserrechte beiden Partei mehr Schaden als Nutzen bringen würde. So hat der, jetzt für die Präsidentschaft kandidierend« Ernahrungsminister Hoover er- klärt:„Wir sollten unser Geld, statt für ReHtsanwöltc, lieber für Eisen und Beton ausgeben." So sieht es denn so aus, als ob die beiden amerikanischen Nachbarstaaten, statt anscheinend um ihre ver- meintlichen Rechte zu kämpfen, sich zusaminentun werden, um ge- meinschaftlich neue Stromwerke aufzubauen. Was Filmstars verdienen. Ein amerikanische» Filmblatt veröffentlicht einige'interessante Zahlen über die Einkommen der Liebling« der Kinobesucher. An der Spitze dieser Statistik steht HnraldLoyd, der jährlich durch- schnittlich 3 Millionen Dollar verdient. Ihm folgt C h a r?i« Chaplin mit einem Iahreeeinkommen von ungesöhr Millionen Dollar. Allerdings, Chaplins Jahreseinkommen und ebenso das von Douglas Fairbant und Mary Pickford laßt sich nicht genau ermitteln, da sie auch an dem Reinertrag ihrer Film« interessiert sind. Nun kommen die Filmstars mit einer testen Gage an die Reihe. L> l i a n$5 i s h und Olaria S v a n s o n erhalteii am Ende einer i-den Woche 10 000 Dollar. Gloria Soansem bekammt überdies Prozentsätze au» den Erträgnissen.der Filme, in denen sie mitspielt. Normo Talmogde bezieht sogar wöchentlich 1Z 000 Dollar, während John D a r y n o r« sich mit„nur" 100 000 Dollar jährlich begnügen muß. Constance Talmagd«, Normas Schwester, erhält an jedem Sametag nur<000 Dollar, und da dies anschemend zu wenig ist, geht sie von Zeit zu Zeit auf Larietä-Tournees. Corin« Grsssith beklagt sich bitter, daß sie nur ZOOO Dollar wöchentliches Gehatt hat. Virgin« Belli niuß sich wöchentlich mit?000 Dollar begnügen. Unlängst hatte sie aber mit einer zehnwöchigen Darietä-Tourne« die rund« Summe von 100 000 Dollar verdient. Die Ungarin B i l m a B a n k y hat, als sie nach Anfängerin war, einen schlechtbezahlten, langjährigen Kon- trakt geschlossen und so kommt es, daß sie noch drei Jahre hindurch sich mit 8000 Dollar monatlich zufriedengeben muß. Und neben diesen wenigen Glücklichen gibt es in Hollywood 30 000 namenlose Statisten, die«inen harten Kampf um das tägliche trockene Brot führen müssen! Bund der Arbeiiersportler. Zum Bundestag in Leipzig. Der Arbeiter. Turn- und Sporibund, der kürzlich da» Jejf seines ZSjährigen Bestehens feiern konnte, hält vom 23. bis 26. Juni seinen Bundestag in Leipzig ab. Die Bedeutung des Arbeiter-Turn°und Sportbundes ergibt sich am klarsten aus seiner Stellung in der Oeffentlichkeit. Bor wenigen Jahren noch verfemt, hat er sich heute durchgesetzt. Zwar stehen ihm gewisse Reichsbehördcn, u. o. das Reichswehrministerium, immer noch offen feindlich gegenüber; andererseits wird aber die Arbeit des Bundes von vielen anderen amtlichen Stellen anerkannt. Auch das Verhältnis des Bundes zu den Arbeiterorganisationen hat sich gebessert. So wird mit den Gewerkschaften in neuerer Zeit hauptsächlich in der Frage des Werksportes Hand in Hand gearbeitet. Lobend erkennt der Bericht auch die für den Arbeiter- spart geleistete Tätigkeit der Sozialdemokratie in den einzelnen Parlamenten an, während die KPD. oft nicht im Interesse der Bewegung gehandelt hat. Erfreulich ist auch die innere, organisiert« Stärkung de» Bundes. Die Stagnation von 192S ist überwunden. Der ATSB. zählte Anfang 1926 691 473 Angehörige, am 1. Januar 1927 736969 und am 1. Januar 1928 752 931 Vundesangehörige in 6817 Bereinen. Don diesen rund% Millionen Bundesangehörigen waren 182 999 Kinder, 471 999 männliche und 98 999 weibliche Mit- glieder. 26 Proz. der Mitglieder sind 14- bis 18jährig: 18 Proz. sind 18- bis 29jährig und 56 Proz. aller Mitglieder sind älter als 29 Jahre. Der Sporteneinteilung noch entfallen auf die Turner 396 999— 69 Proz.; auf die Fußballer 115 999— 29 Proz. und auf die Wassersportler 57 999— 19 Proz. aller über 14 Jahre alten Bundesmitglieder. Mit diesem Wachsen der Mitgliederzahl hat auch dos Tempo der wirtschaftlichen Kraft der Organisation Schritt gehalten. Der Bund besitzt heute rund 1799 Turnhallen. Dereinshäuscr usw.. die mit den Spielplötzen einen Wert von rund 29 Mill. Mark darstellen. Der Arbeiter-Turnverlag, dessen Umsatz im letzten Jahr rund 1� Mill'-men Mark betrug, weist einen Besitz von 2,4 Millionen Mark aus. Das alles sind selbstgeschosfene wirtschaftliche Werte, auf deren Besitz die gesamte Arbeiterbewegung stolz sein kann. Eine wesentliche Ausgestaltung haben die Dundeszeitungen er- fahren. Die Bundespresse erscheint jetzt illustriert und hat eine Ge- famtauslage von rund 159 999 Exemplaren, die in eigener Druckerei durch eine neubeschafsene Bilderdruck-Rotationsmaschine heraus- gebracht werden. Die Bundes schule veranstaltete u. a. 46 Lehrgänge mit 1399 Teilnehmern in Leipzig und 91 Lehrgänge mit 2499 Teil- uehmern im Bundesgebiet. Insgesamt verausgabte die Bundes- schule für ihre Aufgaben im Jahre 1927 rund 269 999 M. Das technische Leben des Bundes hat in den beiden Berichtsjahren inhalt- lich einen guten Aufschwung genommen. Alle Sparten bestreben sich neuerdings, die körperliche Gymnastik mehr und mehr zur allgemeinen Grundlage ihrer Arbeit zu machen, um so die Be- wegung der wahren Körperkultur näherzubringen. Don der Turnersporte im Dundesgebiet wurden im letzten Jahre nicht weniger als 5999 Lehrstunden, Kurse, Feste und Wetturnen mit weit über 399 999 Teilnehmern durchgesührt. Rund 349 999 Turn- stunden oereinigten über 5,2 Millionen Teilnehmer. In fast 5999 Vereinen wird die Leichtathletik getrieben; 1927 beteiligten sich an rund 135 009 Trainingstunden etwa 2 Blillionen Mitglieder. Geradezu außerordentlich ist der Ausschwung der Handball- spart«. In einzelnen Bezirken und teilweise in ganzen Kreisen hat das Hanballspiel das Fußballspiel in der Mannschoftszahl und in der Spielbeteiligung bei weitem überholt. Insgesamt fanden im letzten Jahre 88 999 Serien, und Freundschaftsspiel« von 15 999 Mannschaften und über 1,5 Millionen Spielern statt. Die Wasser» s p o r t s p a r t e veranstaltete 38 999 Uebungsstunden mit iL Mil- lionen aktiven Teilnehmern. Etwa 159 Dereine mit 7999 Mit- gliedern betreiben bereits dos Rudern und Kanufahren. Die Fuß- ballsport« hat gleichfalls einen zahlenmäßigen Aufschwung ge- nommen; sie erhofft noch einen großen weiteren Erfolg, da über die Hälfte der Turnverein« des Bunde» noch kein« Fußballabteilungen besitzt. Auf rund 2299 Spielplätzen wurden im vergangenen Jahre von 8999 Mannschaften insgesamt 183 999 Spiele ausgetrogen. In den beiden Berichtsjahren wurden 629 internationale Spiele veranstaltet, davon 175 im Ausland. Bon den Dereinen wurden neben dem regulären Spielbetrieb 146 999 Uebungsstunden mit fast 2'/i Millionen Teilnehmern abgehalten. Eine gewaltig« Ar- beit leistet« der Bund auch für die g e i st i g e Erfassung der Mitglieder, besonders der Bundesjugend. Hier wurde vor allem die Erziehungsarbeit vertieft, was dem Bunde reiche Aner- kennung einbracht«. Trotz der großen Erfolge in der Arbeit des Bundes bleibt noch außen und nach innen noch viel zu schaffen, stehen noch große Auf- gaben bevor. Bor allem werden die Zeitungs- und die S p a r t« n- frage den diesjährigen Bundestag zu beschäftigen hoben. Die Lösung aller Fragen wäre leichter, wenn der Bund nicht immer noch unter der Zersetzungsarbeit der Kommuni st en zu leiden hätte. Könnte die ganze Kraft der Organisation auf die Werbung und Gewinnung neuer Organisationen und Einzclmitglieder gerichtet werden, dann wäre es dem Bundesvorstand sicher möglich gewesen, ein noch günstigeres Bild vom Stand der Bewegung zu geben. So aber wird der Bundestag und die Ein- ficht der b u n de s t r« u« n M i t g l i«d e r S org e t r e f f e n müssen, daß die Bewegung in Zukunft vor Zer- setzungserscheinungen bewahrt bleibt und sich im Interesse der Gesamtarbeiterbewegung so ausdehnen kann, wie es der Tätigkeitsbericht über die letztvevgangencn Jahre für die ferne Zukunft ahnen läßt. Abrechnung im Rathaus. Kommunistische Demagogen am Pranger. In der gestern abgehaltenen Sitzung der Berliner Stadt- perordneten war, wie wir bereits im heutigen Morgen- „Vorwärts" kurz mitgeteilt haben, wieder einer der unvermeidlichen kommunistischen Sportanträge auf der Tagesordnung. Dies- mal hatten die Kommunisten es auf das Stadtamt für Leibes- Übungen und auf die bürgerlichen Sportverbände insgesamt ab- gesehen, sie beantragten nicht mehr und nicht weniger, als daß das Stadtamt alle Beziehungen zu den bürger- lichen Sportverbänden abzubrechen habe! lieber die Degründungs-.,Rede" des Stadtverordneten S e l l h e i m, des Machers im Berlin-DraNdenburger Kreise des Arbeiter-Athleten- bundes ist nichts zu berichten, es sei denn, man gäbe die Schimpfereien gegen die Sozialdemokraten wieder. Die Aus- führungen, die der sozialdemokratische Stadtverordnete Fechner in Erwiderung der kommunistischen Angriffe mochte. dürft«» aber den bundestreuen Arbeitersportlern in Berlin manchen rverwollen Hinweis bei der 2lbwehr kommunistischer Beschuldigungen geben. Fechner stellte u. a. fest, daß die Kommunisten in einer Deputationssitzung. in der der Etat des Stadtamtcs für Leibes- Übungen aufgestellt wurde, absolut nichts zu sagen wußten, daß sie im Gegenteil die Balancierung des Etats, die Verteilung der Mittel an die verschiedenen Sportverbände und das Stelleu von Anträgen dazu den Sozialdemokraten über- ließen. In dieser Deputationssitzung fanden sie auch kein Wort gegen die damals wieder geplante Turn- und Sportwoche. Erst als im Haushallsausschuß der Stadtverordnetenversammlung der ge- sarnte Berliner Etat zur Beratung stand, machten die Moskauer auf. kamen dann aber auch gleich mit einer Flut völlig undurchführbarer Antröge. Sie»vußten selbst, daß es Demonstrationsanträge waren, die um so weniger Aussicht auf Annahme hatten, als ja die Kommunisten den Etat immer ablehnen. Die sozial- demokratischen Stadtverordneten K a w e r a u und K r e u z i g e r haben damals schon betont, daß die Sozialdemokratie mit der Art der Durchführung der Turn- und Sport- mache nicht einverstanden ist. Sie forderten die Umwand- lung in eine städtische Sportwerbewoche, die vom Stadt- omt für Leibesübungen durchzuführen sei und an der alle Sport- verbände, also auch die Arbeiiersportler gleichmäßig zu beteiligen seien. Die Kommunisten haben es mit ihrer Hetze gegen die Sozial- demotraten und ihre Vorschläge erreicht, daß die Arbeitersportler Berlins sich auch in diesem Jahre bei der Sportwerbewoche wieder isolierten. Wenn auch jetzt noch Sellhcim wieder das abgeleierte Argument von der„gemeinsamen Teilnahme der bürgerlichen und der Arbeitersportler" vorbringt, so ist damit eben der Beweis erbracht daß die kommunistische Demagogie nicht totzukriegen ist. Niemond im Rathouse hat an eine Verbindung beider Sportspitzen. verbände gedacht. Der sozialdemokratische Redner stellte dann noch einmal in aller Oeffentlichkeit fest, daß nur durch die Hilfe der Sozialdemokraten die A r b e i t e r s P o r t l e r die- selben geldlichen Zuwendungen erhielten wie d i e b ü r g e r l i ch e n. Die Kommunisten hatten dabei allerdings nichts weiter zu tun, als für die sozialdemokratischen Anträge zu stimmen. Den zu? Beratung stehenden Antrag lehnte Fechner namens der sozialdemokratischen Fraktion ab. Er betonte dabei nochmals den Willen, die Turn, und Sportwoche des Ober- jbürgermcisters in eine städtische Werbewoche Umzubilden, erklärte aber gleichzeitig, daß diese Bereitschaft dazu jühren könne, die bürgerlichen Sxorwerbände von der Vertretung im Stadtamt für Leibesübungen völlig auszuschließen. Sache der Arbeitersportler und ihrer Vertreter im Stadtamt sei e» vielmehr, mit Argumenten zu operieren, denen sich auch die anderen nicht verschließen könnten! Vorn Arbeiter-Samariter-Bund. ' Auf dem internationalen Sportkongreß der Sozialistischen Arbeitersport-Internationale wurde dem Deutschen Arbeiter. Samariter-Bund der Austrag erteilt, ein Information s- b u r e a u für das internationale Arbeiterfamariierwesen zu errichten. Der Deutsche Arbeiter-Somariter-Bund hat sich gern dieser Auf- gab« unterzogen. Das Bureau setzt sich zusammen aus dem Vor- sitzenden und technischen Leiter des Deutschen Arbeiter-Samariter- Bunde« u»»d dem technischen Leiter des Oesterveichischen Arbeiter. Samariter-Bundes. Die Fühlungnahme mit den Sportverbonden aller Länder ist bereits erfolgt und sind auch Erfolge zu verzeichnen, u. a. hat sich der ffchechoflowakifche Zlrbeiterturnverbartd in Prag ent- lchlofsen, in seinen Dereinen Arbeitersamariter ausbilden zu lasten. Im Arbeiter-Turn- und Sportoerband der Tschechoslowakei, Sitz Aussig, bestehen schon heute starke Arbeiter-Samariterabteilungen, auch in der Schweiz bestehen schon eine Anzahl Arbeitersamariter- kolonnen, die jedoch zu ihrer Weiterentwicklung die unbedingte Mit- arbeit der Sportorganijoliolien benötigen. Mit oerjchiedenen anderen Ländern hat das International« Jnformationsbureau Der- bindung zwecks Gründung von Arbeitersanmriterkolonnen aufge- nommen. Da» Internationale Informoffonsbureau richtet an die Sport« organisationen aller Länder das Ersuchen, Arbeitersam a- riterkolonnen zu gründen. Bei allen Veranstaltungen der Arbeiterschaft in ollen Ländern müssen Arbeitersamariter vorhanden sein. Die Veranstaltungen müssen frei sein von bürgerlichen Bei- Mischungen. Nähere Au s k u n f t über die Ausbildung, Gründung von Kolonnen usw. erteilt das Internationale Jnformationsbureau für das Arbeitersamariterwesen in Chemnitz, Dresdener Str. 49. Bandball— knßball. Heute, Freitag, stehen sich auf dem Herzbcrgplatz Neukölln. 1. Abt. und 2. Abt. gegenüber, und zwar spielen die Frauenmann- schaften um 18 Uhr und die Mannermannschaften um 19.19 Uhr. Am Sonnabend spielen auf dem Plag an der Schönhauser Allee Fichte 16 2. Männer gegen Lichtenberg 2. Abt. 1 um 18'/2 Uhr und Fichte-Nordost 1 gegen Pankow um 191» Uhr. Weiter spielen noch Fichte 2. Abt. 1 gegen Neukölln 1. Abt. 2 um 19 Uhr in Baum- schulenweg. Siemensstadt 1 gegen Spandau 3 um 18V4 Uhr in Siemensstadt. Fichte 13. Abt. 1 gegen Fichte 9. Abt. 2 um 18 Uhr im Treptower Park, Wiese 6, und Bohnsdorf(Jugend) gegen Fichte 19. Abt. um 19 Uhr in Bohnsdorf, Schulzendorfer Straße. Das wichtigste Spiel des Sonntags ist die Reise der Städte- Mannschaft nach Halle, uni gegen die dortige Städtemann- schaff ein Spiel auszutragen. Ein Sieg Berlins wird bei der Spiel- stärke der mitteldeutschen Handballer wohl schwer sein, ober doch nicht allzu hoch wird die Niederlage sein.— Don den Handball- mannschaften der Freien Turnerschaft fahren Osten, Mitte, Friedenau und Lichtenberg-Frauen nach Brandenburg zur dortigen 59-Iahr-Feier. Im Kreisgebiet findet nur noch ein Spiel statt und zwar stehen sich um 18 Uhr in Velten, Germcndorfer Straße, Hennigsdorf und Erkner gegenüber. Zum Rast ist in diesem Jahr kein Spielverbot für Fuß- b a l l e r erlassen. Einige Vereine haben deshalb Gesellschaftsspiele vereinbart. In Brandenburg o. d. H. spielen zur 59-Jahr- Feier der Freien Turncrschaft der Treptower Ballspielklub und der Jubilar. Beide Vereine stellen die stärkste Mannschaft, die zur Der- fügung steht.— In Luckenwalde spielt die 1. Abt. gegen Trebbin. Werder erhält den Besuch von Nowawes. Potsdam erwartet die Iohannisthalcr auf dem Bornstedier Feld. In Schöne- berg, Dominicusplatz, stehen sich Vorwärts 29 und Schöneberg gegen- über. Lichtenberg III und Rüstig-Vorwärts tresfen sich aus dem Kartellplatz in Friedrichsfelde. �fcistarsdiatten der DRU. Nachdem die Ortsgruppe Berlin der Deutschen Rod- fahrerunion zweimal ihr« Veranstaltung wegen Regen oer- schieben mußte, konnte sie gestern die Rennen auf der Rütt-Arena zum Austrag bringen. Es ging um die Meisterschaften der DRU. Im Iugendrennen über 1 Kilometer sicherte sich Burger-Berlin vor Blumenstein und Horn-Berlin den ersten Platz. Dicsctbe Placierung ergab sich im 6-Kilometer-Rennen! Bei den Junioren war es Urbon-Berlin, der den Sieg im I-Kilometer-Rennen davon- trug. Den zweiten Platz belegte Pöschke-Berlin vor Schuler-Manu- heim. Die große Strecke über 19 Kilometer bildete eine sichere An- gelegcnheit des Berliners Evert. Leichert-Mannhsim und Knöfel- Breslau waren die nächsten, die durchs Ziel gingen. Den Abschluß bildet« ein 6 9. Kilometer- Mannschaftsfahren. Trotz vieler Vorstöße gab es keine Ueberrundung. Sieger: M. Franke- Brinkmann(Berlin) in 1:9:52,4, 24 Punkte; 2. Evert-Urban(Berlin) 13 Punkte. „Solidarüäi" macht nicht mit! Di« 2. Abteilung des Arbeiterradfahrerbundes„Soli- darität" schließt sich dem Aufruf der Naturfreunde an und be- teiligt sich nicht am Reichsarbeitersporttaa. Da- für am Sonntag früh 6 Uhr Tour nach dem Krossinjce. Statt Dieffenbochslr. 36 bei Rohde. .?Tohanni»slr. 14— lS, Ordnersitzung. Jede Abtei. lung muft vertreten fein.— Abt. charlottenburg: Freitag, ld. Juni, 20 Uhr, Tpreeftr. HO,„Jugend und Seiualiliit".— Am. Südost: Freitag, Jj. Juni, 20 Uhr, Driher Ctr. 27, politischer Abend.— Abt. Treiitot»! Freitag, i.i. Juni, 20 Uhr. Elsenstr. S, Uichtbildernortrag:„Ferieniahri der Winlersportler nach tvorolberg.— Mallunftgemeinschast: grestaa. Ib. Juni, 20 Ubr, Iahannisstr. l.7, „Ueber Baumichlag und Landlchait".— PHatogemeinichoIt: Mautag, 18. Juni, 30 Uhr. Ebertnstr. 12,„Wie Kleinaufnahmrn wirksam gemacht werden.— Abt. Britz: Montag,>8. Juni, 20 Uhr. Jugendheim Rathaus. Fahetenbeeichte, neue Wanderlieder.— Faltbootabteiiuna: Nieplitz-Nuthe-Fahrt. Abfahrt Bhf. Char- lvttrnburg 16.3S Uhr bis Beelitz-Seilsiiitten.(bäste willkommen. Arb«iter-Turn> und Sportverein Pankow, e. 93. Die Fugeudabteilung turnt leben Dienet»« Platz Heineesdorf. die MSnnerabteilung Freitaas Turnbollo Saiser-Frledrich�strah«. Freitag, lö. Juni, Futzdallobieiluug: Autzerordeutliche Generalversammlung, Uhr, Pereiualokal. Sicuwahlen. hin neuer Rettungsapparat. Ein Berliner Erfinder Hat eine interestante Wurf- Rettungsoorrichtung konstruiert, mit der zurzeit auf den Berliner Gewässern Versuche unternommen werden. Es Handelt sich dabei um einen Beutel, der weit fottgeschleudert werden kann und sich auf dem Wasser von selbst aufbläht. Das Rettungsfloß bietet dann vielen Personen Platz und soll völlig unkenterbor sein. Die Vertiefungen zwischen den einzelnen Zellen sowie zahlreiche Halteschnüre verhindern ein Abgleiten der auf dem Floß befindlichen Personen. Ofsenbor arbeitet der Erfinder nach einem bereits be- kannten System: der R«ttungs„sock" ist mit Chemikolien gefüllt, die, mit Wasser in Verbindung gebrocht. Gas entwickeln, wodurch dann ein Floß aus dem Sack entsteht. Man kennt bereits derartige Rettungswesten, die sich durchaus bewahrten und den damit Der- sehenLn die Möglichkeit boten, sich über Wasser zu hatten. Einheitstarif für Autos. Die Forderungen der Orofchtenunternehmer. Man schreibt uns aus Kreisen des Droschkcn�ewerbee: Die Besprechung, die kürzlich im Polizeipräsi- d i u m zwischen dem Herrn Polizeipräsidenten und den Vertretern des Droschkengewerbes stattfand, hat noch keine Klärung gebracht. Festzustellen und zu begrüßen ist, daß der Polizeipräsident sich grundsätzlich bereit erklärt hat, einen Einheitstarif zu schaffen. Di« Voraussetzungen für einen Einheitstarif sind gegeben, denn nicht der Einheitswagen bringt den Einheitstarif, sondern umge- kehrt�d« r Einheitstarif einen Einheitswagen. Was den Tarif selbst anbelangt, so muß gesagt werden, daß er immer nur einer Rentabilitätsberechnung zugrunde gelegt werden kann, und, wenn die Rentabilitätsberechnung von den Vertretern der Droschkenoertretung den maßgeblichen Stellen im Präsidium sowie im Magistrat überreicht ist, so müssen diese Stellen die Berechnung genauestens prüfen, danach handeln und einen Tarif einführen, der allen Teilen gerecht wird. Großer Umsatz, kleiner Nutzen muß maßgebend sein, davon ließen sich auch die Vertreter des Droschken- gewcrbes leiten, denn der Fahrpreis muß möglichst niedrig ge- halten werden, um weiten Teilen der Bevölkerung das Droschken- automobil nutzbar zu machen. Der Gegenvorschlag des Herrn Polizeipräsidenten wird aber für uns nicht tragbar sein, denn das bedeutet nach dem jetzt geltenden Kleintarif eine wesentliche Herab- setzung des Fahrpreises. Äi« Rentabilität wird dadurch nicht ge- steigert, und Lecrkilometer werden nur verhältnismäßig ganz wenig herabgedrückt. Schuld an diesem Zustand trägt die Abteilung II des Präsidiums, die alle Wagen gattungen zuließ und in Betrieb setzte, ohne daß genügend geprüft wurde, ob für alle zugelassenen Wogen auch Arbeit vorhanden war, und dies hat sich auch sehr zum Schoden der Arbeitnehmerschaft ausgewirkt. Die Führer müssen zwöls und oft mehr Stunden täglich im Be- trieb sein, um nur ihr Leben fristen zu können. Für die ehemals verkehrte Politik der Magazinstraße dürfen nicht die Besitzer von Kraftdroschken und die Führer leiden. Wenn nur für SVOtz Wagen Arbeit vorhanden ist, dann hätte man nicht 3800 Wagen zulassen dürfen. Diese verkehrte Politik rächt sich jetzt. Zum Teil wird das Publikum die Zeche mitbezahlen sollen. Man darf bei den Verhandlungen nicht vergessen, daß nicht nur alle Bedarfsartikel des Automobils gestiegen sind, sondern auch die Lebenshaltung. Auch muß der Droschkentarif so bemessen sein, daß wir als Droschkenuntcrnehmer in der Lage sind, unseren Droschkenführern einen anständigen Lohn bezahlen zu können, und der Führer hat ein Recht dazu, menschenwürdig entlohnt zu werden bei dem aufregenden, strengen Dienst im Straßengewirr Berlins. Als Kraftdroschkcnbesitzer kann ich nur sagen, daß der in Vor- schlag gebrachte Droschkeneinheitstarif nur gerecht ist und vom Präsidium akzeptiert werden sollte. Maßgebende Persön- lichkeiten, auch der Technischen Hochschule zu Berlin, die die Renta- bilitätsberechnung der Droschkcnvcrtreter prüften, haben sie an- erkannt, und auf Grund dieser Prüfung müßte es möglich fein, einen Tarif zu schaffen, der das fahrend« Publikum vor zu teuren Tarifen schützt, dem Halter und Führer des Fahrzeuges aber die Gewähr gibt, leben zu können. Sin Arembenverkchr.Svrsus wird im Sommersemester 1328 an der Handelshochschule Berlin abgehalten werden. In dem Kursus wird die Bedeutung des fZrcmdenoerkehrS für die deutsche Wirttchaft dargelegt werden. An der Veranstaltung und neben der Handelshochschule Berlin die S t a d t Berlin und die Industrie- und Handelskammer zur Berlin beteiligt. Mit dem Kursus, der am Montag, dem 18. Juni, 18 Uhr, mit einem EinsührungSvortrag von Oberbürgermeister Bog eröffnet wird, soll der beschlossene stärkere Ausbau der vcrtcbrswislenlchastlichcn Vorlesungen an der Handelshochschule Berlin eingeleitet werden. Sämtliche Vorträge beginnen einheitlich 18 Uhr. Preis der Teilnehmerkarte für den Einzel- Vortrag 2 M., iür den acsamtcn Kursus 25 M. Die Karten sind von 10 bis 14 Uhr