Morgenausgabe Nr. 281 A 144 45. Jahrgang «Schentluh 85 Pfg, monatlich Z.00M. im voraus zahlbar. Postbezug 4.32 W. einschl. Bestellgeld. Auslandsabonve- ment 6.— M. pro Monat. * Der �Vorwärts" erscheint Wochentag» lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Abend*. Illustlierte Beilagen„Volk und Zeit* und.Kinderfreund*. Ferner .Unterhaltung und Wissen*,„Frauen- stimme*„Technik*..Blick in die Bücherwelt* und„Iugend-Borwärts*. V erli« er Volksblatt Soimavenv 16. Juni 1928 Groß-Äerlin 10 Pf- Auswärts 15 pf. Di» c 1 n| p a 1 1 1 0» lionpardOntll» 80 Psennia. R»Nam»,e>le 5.— Rtichs- mort..Rlriac«mtiam" da» IHtflf omiftt«ort 25 Ps-nnl,(juläfftp •c�aebnitfte fflortu, i»be» weile» Wo« 12 Pfennig. Siellenge. uche da» erit» Wo« 15 Pfennig,>ebe» weile» Won 10 Pfennig. Warle über 15 Buchstaben zählen für zwei Warle, ilrbeilsmartl Zeile SO Pfennig. Familienanzeigen mr Abannenien Zeile 10 Pfennig. Anzeiaen. annähme im Hailptgefchäli Linden. firatze z. wochentägi. von P/. bis 17 Uhr. Isntvalovgan der Sozialdemokrattschen Vaetei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecheri Döndoss LSZ— LS?. Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berli» Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto: Berlin 3? b2S.- Bankkonio: Bank der Srbetter.«ingeliellirn und Beamten Wallstr. KS. Ditkonto-Gefellschast, Depositentage Lindenstr 3 Stockende Verhandlungen. Ltm die„Gleichzeiiigkeii" der Ltmbildung in Preußen. Die Stockung in den Verhandlungen über die Regie- rungsbildung, die durch das Verlangen der Deutschen Volkspartei nach der gleichzeitigen Umbildung der preußischen Regierung entstanden ist, dauert an. Erst in den Abendstunden trat die Deutsche Volkspartei zu einer Fraktionssitzung zusammen, ging aber ohne Beschluß aus- einander. Ueber ihre Verhandlungen wird mitgeteilt, daß man nach wie vor— trotz des Eingreifens Dr. S t r e s e- manns— an der ursprünglichen Forderung bezüglich der Regierungsbildung in Preußen f e st h ä l t, aber zur Fort- setzung der Verhandlungen über die materielle Voraussetzung der Schaffung der Großen Koalition bereit sei. Selboerständ- lich hält auf der andern Seite die Sozialdemokratie an ihrer Auffassung fest, wonach das Reich und die Par- teien des Reichstags sich in die inneren Angelegenheiten Preußens nicht einzumischen haben. Wenn also jetzt die Vorstände der preußischen Koalitionsparteien sich in den nächsten Tagen mit der Frage der Umbildung des preußischen Kabinetts beschäftigen werden, so ist das ihre Sache, und wir haben abzuwarten, zu welcher Entscheidung sie gelangen werden. Da Gestosie Müller den größten Wert darauf legt, die Verhandlungen nicht völlig versumpfen zu lassew und sie trotz der Schwierigkeiten, die aus dem preußischen Problem entstanden sind, weiter zu treiben, hat er für Sonnabend vormkttag die Verhandlungskommission der für die Große Koalition in Frage kommenden Gruppen zu einer Sitzung einberufen, in der über die übrigen Fragen, deren Beant- wortung bie,sachliche Grundlage für die Regierung und ihre Arbeit bilden soll, gesprochen wird. Der Reichstag hat sich gestern vertagt. Der Präsi- dent wird ihn einberufen, sobald eine neue Regierung da ist und eine Erklärung abzugeben bereit ist. Die sozialdemokratische Reichstagsfrak- j i o n hielt gestern eine ganz kurze Sitzung ab. Die nächste ist erst wieder am Dienstagnachmittag 3 Uhr. Regierungsbildung in Bayern. Alles bleibt beim alten. München, IS. Juni.(Eigenbericht.) Am 20. Juni tritt die Regierung f) e l d zurück, das heißt sie stellt ihre Aemter dem tags daraus zusammentretenden neuen Land- tag zur Verfügung. Die Bayerische Dolksportei ist eifrig an der Arbeit, in ihren eigenen Reihen ein« Klärung herbeizuführen: die ist notwendig, weil tatsächlich in den weitesten Kreisen der Bayerischen Volkspartei starke Strömungen gegen die Wieder- aufrichtung der alten Koalition bestehen. Sie wollen zum größeren Teil eine neuerliche Zusammenarbeit mit dein Bauernbund, der seine ganze Wahlarbeit gegen die Bayerische Bolkspartei eingestellt habe und davon auch den Nutzen einer Verdoppelung seiner Mandate gezogen hat. Die politisch links stehenden Elemente der Bayerischen Volkspartei, die zahlen- mäßig allerdings nicht sehr stark sind, haben aber auch g r u n d- s ä tz l i ch e Bedenken gegen eine Wiederverbrüderung mit den Deutschnationalen, da sie einzusehen beginnen, daß die Deutsch- nationalen der böse Geist in der bayerischen Politik der letzten Jahre gewesen sind und es für die Bayerische Volkspartei im eigenen Interesse an der Zeit ist, aus der schwarzweißroten Um- klammerung herauszukommen. Diese Entwicklung ist aber noch nicht im Stadium praktischer Auswirkung. Die sogenannte Liquidationspolitit des Ministerpräsidenten Dr. Held, auf die er selbst so stolz ist, bezog sich lediglich auf ein« zeitweise Eindämmung der Hitlerei, während sich die innere Stellung zu den bayerischen Schandmethoden der Zahre 1920 bis 1923 nicht wesentlich geändert hat. Heute noch spielen maßgebende Führer der Bayersschen Volkspartei mit dem ruchlosen Gedanken, die sozialistische Arbeiter- schast durch die Schergen des bunt zusammengewürfelten Faschis- mus in Bayern niederzutreten und womöglich auszu- rotten, und Tausende von kleinen Funktionären der Held- Partei dürfen nach wie vor in den sogenannten vaterländischen Zirkeln der 1923er Politik der Kahr-Knilling huldigen. Dazu werden diese kleinen Geister noch besonders ermuntert durch die enge Fühlung und Frendschaft, die der Parteioberste Held mit dem deutschnationalen Iustizminister E L r t n e r hält, der zu seinem einstigen Bekenntnis steht: Di« Nationalsozialisten sind Fleisch vom deutschnationalen Fleisch. So sieht in Wirklichtest die Liquidation der staatsverbrecherischen Kahr-Politik aus. Unter diesen Umständen scheint, ganz abgesehen von den parti- tularistischen Tendenzen der Bayerischen Volks- parte!, die Zest noch nicht gekommen, wo diese Partei für die Sozialdemokratie in Bayern koalitionsfähig wäre. Die Bayerische Voltspartei möge ihre Ehefreuden mit den Deutschnationalen, die ihren Höhepunkt in einer »och ungesühnten hochverräterischen Staatspolitik fanden, zur vollen Neige auskosten und erst nach dieser Läuterung die Sozialdemokratie vor die Frage einer gemeinsamen Regierungs- beteiligung stellen. An eine wesentliche Aenderung der bayerischen Regierungspolitik ist für die nächste Zeit nicht zu denken. Die Tast- versuche der Bayerischen Volkspartei-Presse für eine neue Koalitions- Politik verfolgen nur den Zweck, den Deutschnationalen Angst«in- zusagen und sie für die Neubildung der Regierung und des Koa- litionsprogramms gefügiger zu machen. Für die Eharakterisierung der neuen Regierung genügt es vollauf, zu wissen, daß ihr Chef wiederum Held, und ihr Iustizminister wiederum G ü r t n e r heißen wird, derselbe Deutschnationale, der nach den Enthüllungen im parlamentarischen Untersuchungsausschuß nur durch die ihn schützend« Hand des Ministerpräsidenten der Verantwortung vor dem Staatsgerichtshof entgangen istl Sie predigen in leeren Kirchen. Aber sie fordern die christliche Schule. Die„Kreuz-Zeitung" betrachtet in ihrer gestrigen Morgenaus- gäbe die Reichstagswahlen vom kirchlichen Standpunkt. Sie muß das gleiche, was kürzlich die„Germania" für die katholischen Wähler festgestellt hat, auch für die evangelischen feststellen: sie sind den christlichen Parteien in Scharen davongelaufen.»Der Ausfall der politischen Wahlen belegt die deutschen Christen mit M ü d I g- keit und Verdrossenheit". Das christlich-tonservative Organ versucht, seine Leser aus dieser Müdigkeit und Verdrossenheit wieder emporzuheben. Es verweist auf die herrlichen Leistungen der evangelischen Oberhirten im Dienste des Glaubens, die den Kirchenmitgliodern ein Ansporn sein müssen. Da heißt es wörtlich: „Es verdient die Bewunderung aller, wie unsere evange- tischen Prediger in den leeren Sirchen Sonntag für Sonntag das Evangelium verkündigen.... Also vor leeren Kirchen predigen die Prediger der evan- gelischen.Kirche! Das ist ein wertvolles Eingeständnis, das Ge- ständnis einer immer wieder beftrsttenen Tatsache. Es gibt also nur noch ein geringes Gemeindeleben in der protestantischen Kirche. die Massen der Gemeindemitglieder haben kein Interesse mehr an den kirchlichen Veranstallungen. Wie aber verträgt sich die Leere der Kirche mit den Ansprüchen der Kirche? Christliche Ellern besuchen zugestandener- maßen die Kirchen nicht mehr: da sollen wir e» glauben, daß ihnen an einer»christlichen Erziehung" ihrer Kinder soviel liegt? Es sind nicht die Estern selbst, die für die Elternbeirats- p, a h l e n„christliche Listen" auiftellen. Alle diese Bestrebungen, Aufrufe. Ermahnungen, Kandidatenlisten gehen nicht von Eltern, sie I gehen von den Beamten der evangelischen Kirche selbst aus. Die Eltern sind gar nicht mehr die Träger des religiösen Lebens in Kirch« und Schul«, das sind die P r e d i g e r, die„Sonntag für Sonntag in ihren leeren Kirchen das Evangelium oerkündigen". Hinter all diesen Forderungen stehen nur die Pastoren und Prediger! Da» sollten die Freunde der fortschrittlichen Schule den Eltern in» Ge- dächtm» rufen, die sich von den„Christlich-Unpolitischen" einsangen lassen«ollen. Schuh vor Giftgas! Die sozialdemokratische ReichstagssrakMon hat folgende Anfrage eingebracht: »Am 20. Mai d. 3. Ist auf der Insel Pente bei Hamburg in der Lagersiatte der Müggenburg A..(0. ein mit Glststofsen gefüllter Kessel explodiert. Die sreigewordenen Gase sind nach Harburg. Wilhelmsburg gezogen und haben dort eine große Anzahl Todes- fälle und viele schwere und leichte Gaserkrankungen hervorgerufen. Zeilungsmeldungea zufolge lagern bei der Müggenburg A.-G. iowie an anderen Orten des Reiches weitere Mengen ähnlicher Gifkstofse. wir richten an die Reichsregierung die Frage: 1. welche Arte» von Giststossen waren bzw. find in Harburg-Wilhelm». bürg gelagert? 2. Aus welchen Beständen stammen diese Giftstoffe und für welchen Zweck sind sie bestimmt? 3. Sind an anderen Orten des Reiches Stoffe ähnlicher Art gelagert? 4. welche Vorkehrungen sind von der Relchsreglerung getroffen, um ähnliche Katastrophen wie In Harburg- wilhelmsburg unter allen Umständen zu verhindern? S. welche Massnahmen hat die Reichs- regierunq eingeleitet, um die von der Katastrophe mittelbar oder uomillelbar velrossenea zu« n t s ch ä d i gen?" Parteitag in Schweden. Vertrauen zur Führung.— Politik des Möglichen. Von Max Westphal. Vom 3. bis 10. Juni fand in Stockholm, in dem erst vor kurzem neu erbauten schönen„Konzerthaus", der Parteitag der Sozialdemokratie Schwedens statt. Es war der erste Parteitag nach dem Tode B r a n t i n g s und T h o r s s o n s, der beiden hervorragenden Führer der schwedischen Arbeiter- bewegung. Von der Bedeutung und Popularität namentlich Brantings können wir in Deutschland uns nur eine Vor- stellung machen, wenn wir uns der Persönlichkeit August Bebels erinnern. Mit starker innerer Bewegung lauschten die Teilnehmer an der Eröffnungsfeier des Parteitages den Worten, mit denen der Genosse Per Albin H a n s s o n der verstorbenen Führer gedachte, die der schwedischen Arbeiter- schast durch Jahrzehnte hindurch den Weg und Ziel gewiesen haben. f Die fast 400 Delegierten(einschließlich Parteioorstand und Fraktionsvertretungen) hatten eine außerordentlich um- fangreiche Tagesordnung zu erledigen, so daß trotz der sieben- tägigen Verhandlungszeit noch Spätsitzungen anberaumt wer- den mußten. Unsere schwedischen Parteigenossen halten näm- lich nur alle vier Jahre, immer kurz vor der Neuwahl der Zweiten Kammer des Reichstags, einen Parteitag ab. Die vier Jahresberichte des Parteivorstandes und der Fraktionen sind dann ein guter„Grundstock" für die Verhandlungen, zu dem die zahlreichen Anträge hinzukommen. Die Tagesorü- nung des diesjährigen Parteitags enthielt nun außer den Be- richten und Anträgen als besondere Verhandlungsgegenstände noch die Feststellung einer Richtlinie für das Verhalten der Partei zur Regierungsfrage und einige Ab- änderungsvorschläge zum allgemeinen politischen, zum Agrar- und Kommunalprogramm der Partei. Bei diesen letzteren Vorschlägen handelte es sich nicht um grundsätzliche Fragen, sondern im wesentlichen um Ergänzungen der Gegenwarts- forderungen, die durch die politische Praxis nötig geworden sind. Die Beratungen sind sehr gründlich. So werden die Be- richte zuerst einem vom Parteitag gewählten größeren Aus- schuß zur Vorprüfung überwiesen und danach erst auf der Grundlage des schriftlich vorgelegten Befundes im Plenum diskutiert. Die Anträge zum Parteitag müssen fünf Monate vor dessen Stattfinden(der Parteitag wird sieben Monate vor Stattfinden einberufen) beim Parteivorstand eingereicht sein. Die Anträge werden vom Parteivorstand beraten: er legt seine Stellungnahme zu jedem Antrag schriftlich fest und übermittelt dann die Anträge nebst seiner Meinungsäußerung drei Monate vor dem Parteitag den Ortsgruppen. Der Parteitag setzt dann die Debatte über das Für und Wider fort, wobei jeder Antrag besonders behandelt wird. Be- merkenswert ist, daß ein Antrag, den Parteitag in Zukunft alle zwei Jahre stattfinden zu lassen, mit sehr großer Mehrheit abgelehnt wurde. Diese Entscheidung muß wohl in erster Linie gewertet werden als ein Ausdruck der politischen Ge- schlossenheit der Partei. Ihre politische Linie ist nicht um- stritten. Das kam auch bei den weiteren Verhandlungen immer wieder zum Ausdruck. Aber diese Entscheidung darf auch gewertet werden als ein starkes Vertrauens- Votum für die Parteileitung: denn es gibt zwischen dem Parteitag und dem Parteivorstand keine i Zwischeninstanz, so daß dem Parteioorstand in der vier- jährigen Pause zwischen den Parteitagen die Führung der Partei und ihrer Politik allein anvertraut ist. Diese Rege- lung, die noch aus der Zeit stammt, in der die Partei wesent- lich kleiner war als sie heute ist, soll nun aber den veränderten Verhältnissen angepaßt werden. Es ist diesmal dem Partei- vorstand«in Antrag zur weiteren Bearbeitung überwiesen worden, der die Schaffung einer Zwischeninstanz, etwa in der Art unseres Parteiausschusses, wünscht. Als Uebergangs- Maßnahme wurde beschlossen, die Zahl der Parteivorstands- Mitglieder zu erhöhen, so daß jetzt 7 Vertreter aus Stockholm (bisher 5) und 22 Vertreter(bisher 16) aus den Landesorganisationen gewählt wurden. Bei der Vorstandswahl wurde Per Albin Hanfson einmütig als Nach- folger Brantigs im Amte des Vorsitzenden bestimmt. Die Jahresberichte der Partei zeigen einen außerordent- lich günstigen Stand der Bewegung. Seit Ende 1923 Hot sich die Organisation um 352 Ortsvereine und 64 828 Mitglieder vergrößert. Schwedens Sozialdemokratie musterte Anfang 1928 in 1397 Ortsvercinen 203 338 Mitglieder. Das ist in einem Lande mit einer Bevölkerung von rund 6 Millionen eine respektable Macht. Dabei ist noch zu bemerken, daß eine sozialdemokratische Jugendorganisation mit gegenwärtig 748 Ortsgruppen und 41 000 Mitgliedern(von denen etwa ein Drittel auch schon als Parteimitglieder gezählt sind) be- steht, die außerordentlich rege arbeitet und mit der Partei zu engster Kampfgemeinschaft verbunden ist. Der Landeszentrale der Gewerkschaften sind Organisationen mit zusammen 440 000 Mitgliedern angeschlossen. Außerdem gibt es noch einige Gewerkschaften, vor allem Staatsarbeiter- und Be- amtenorganisationen, die. der Landeszentrale aus tattischen, «icht aus grundsätzlichen Erwägungen nicht angeschlossen find; sie zählen zusammen 7S000 Mitglieder. Der Sozialischus i?at also in Schweden eine starke Streitmacht. Dieses fiter proletarischer Kämpfer rüstet mit Energie zu einem entscheidenden Waffenkampf mit dem Gegner. I m SeptemberdiesesIahresfiNdetdic Neuwahl der Zweiten Kammer des Reichstags statt. Die Sozioldemotrotie sieht diesem Kampfe und seinem Aus- gang mit großer Zuversicht entgegen. Die gegenwärtige liberale Regierung E k m a n n hat die Masse des werktätigen Volkes besonders durch die Ablehnung der Arbeitslosenfür- sorge erbittert: denn große Teile der Arbeiterschaft sind auf diese Fürsorge angewiesen. Die Zahl der Arbeitslosen »chwankt zwischen SO(WO in den Sommer- und 1OO OOO in den Wintcrmonaten. Außer der Arbcitslosenfürsorge werden der Achtstundentag und die Abrüstungsfrage eine Rolle im Wahl- kämpf spielen. Der A ch t st u n d c n t a g ist durch ein pro- viforisches Gesetz bis 1930 gesichert. Orn neuen Reichstag wird die Entscheidung darüber fallen müssen, ob eine end- gültige gesetzliche Regelung erfolgen oder ob das Provisorium »och weiter bestehen soll. Bei der Abrüstungsfrage handelt es sich um die Ausführung des Parlamentsbeschlusses vom Oahre 1925, wonach beim Heeres- und Marineetat 30 Mil lionen Kronen eingespart werden sollen, so daß der Gesamt' -betrag dieses Etats von 140 Millionen auf 110 Millionen Kronen vermindert wird. Die bürgerlichen Parteien suchen diesen Beschluß zu sabotieren und die Wählerschaft wird ent- scheiden müssen, ob es bei dem Beschluß von 1925 bleiben soll oder nicht. Was aber dem Wahlkamvf seine besondere Be dcutung geben wird, Ist die Tatsache, daß er für die Sozial demokratie der Kampf um die Majorität in der Zweiten Kammer sein wird. Bon den 230 Plätzen der Zweiten Kammer hält die Sozialdemokratie jetzt 105 besetzt-, die Kommunisten, die in Schweden gar keine Rolle spielen, nur 4.(Das Verhältnis in der Ersten Kammer ist: von 150 Plätzen sind 32 von Sozialdemokraten und 1 von Kow' rnunisten besetzt.l Es sind also nur wenige Sitze nötig, um der Sozialdemokratie allein oder gemeinsam mit den Kom munisten zur Mehrbeit zu verhelfen. Es ist möglich und wahrscheinlich, daß die bürgerlichen Parteien sich zu einem Block zusammenschließen, um mit vereinten Kräften der Sozialdemokratie entaegenzutretcn. Die Chancen der Partei werden jedoch dadurch nicht sonderlich beeinträchtigt werden. In Hinsicht auf den Wahlkampf kam natürlich der Be- ratung über die Stellung der Partei zum Regier» ngs- vroblem besondere Bedeutung zu. Die �Entschließung zu dieser wichtigen Frage, die einstimmig gefaßt wurde, bringt mm Ausdruck, daß das Problem im Zusammenhang mit det bisher geführten und der für die Zukunft angebahnten all- gemeinen Politik der Partei betrachtet werden muß. Zu be- rückfichtigen fei besonders, daß eine größere Stabilität der schwedischen RegieruNgspoliiit aus ollgemeinen politischen Gründen wünschenswert ist und das die normale Voraus- segung für die Regierungsbildung die Möglichkeit sein soll, «in positives, wenn auch begrenztes Programm zu verwirk- iichen. Die Prüfung der Frage, ob eine Regierungsbildung das geeignete Mittel ist. die Politik der Partei weiterzu- führen, könne natürlich nur in einer aktuellen Situation end- gültig vorgenommen werden. Der Parteitag entschied sich dastjst, die Instanzen der Partes Unter BerüstkstchtigbNg- der obenerwähnten Grundsätze die Regierungsfrägc»on Fall . zzi.Fall zu prüfen und zu entscheiden haben.-. Der Parteitag beschloß einstimmig einen Wahlaufruf,«N dem die Stellung der Partei zu allen Fragen, die im Wahl- kämpf uNd in der kommenden GesetzgebuNgsarbeit eine Roll« spielen werden, festgelegt wird. Dieser Ausruf ist zugleich ein Dokument des politischen Geistes, der die schwedische Sozial- demokratie beherrscht. Jedem Extrem abhold, hält sie sich fern von übertriebenen Dersprechungen an die Wähler. Was sie im Interesse der werktätigen Massen in Stadt und Land fordert, ist sofort erfüllbar und wird van ihr. sollte ihr die Regierungsmocht zufallen, erfüllt werden. Die Erfüllung dieser Forderungen wird zugleich neu« Möglichkeiten für weitere planmäßig in Angriff zu nehmende Berbefferungan in der Lebenslage der arbeitenden Bevölkerung schaffen. Di« schwedische Sozialdemokratie hat ihre reformierende Politik »uf lange Sicht eingestellt. Sie erstrebt ihr Ziel, in dem sie sich einig weiß mit den sozialdemokratischen Parteien aller Länder, mit sicherer Festigkeit und Beharrlichkeit. Mit dieser Politik der ruhig fortschreitenden, sich im Rahmen des M ö g- l i ch« n haltenden, aber auch jede Möglichkeit ausnutzen- den. aufbauenden Arbeit hat sich die Partei schon heute das starke Vertrauen von nahezu der Mehrheit der Bevölkerung des Landes erworben. Mit dieser Politik wird sie im kommen- den Wablkampf siegen und darüber hinaus unaufhaltsam weitere Erfolge für den Sozialismus erringen. Hoovers Botschast. - Kür Schuhzott und Marinevorlage. Schwarzdfoi-Gold. J�eichsbottnerfarben sind Zsieichsfarben. Garlitz. 15. Juni. Der bekannt,! Redner Watter Korodi.»erlin hatte sich am Freitag vor der Berusungskammer des Landgerichts Görlitz unter M Anklage der Beleidigung der R« i ch s s o r b e n zu ver- ontwsrten. Der Angeklagte KvroS! hatte in einer Lersammiung in Görlitz in Berfolg seines Kampfes gegen dos Reichsbanner fot- genden Ausspruch getan:„Wenn man all die Dinge kennt, die seit Jahr und Tag unier d«n ReichSbannorforben getrieben uitd geduldet iverden, dann muh einem doch förmlich der Abscheu packen, wenn man die Reichs b an netsarben sieht. Dies Ist eine juristisch« Haarspalterei, die mir im Augenblick gestattet sei." In erster Instanz war Korad! vom Schöffengericht Görlitz am M. April t!l23 freigesprochen worden. In der Benisungsverhand- lurtg erblickte der Vertreter der Anklage in den Ausfithrungen des Redners ein« Echmöbung der Staatssarben, die nach dem Republik- schutzgejetz zu bestrasen sei. Cr beantragt« deshalb«in« Gefängnis- strafe von SN Taften bzw. Umwandlung in ein» Geldstrafe von Zld M. Das Gericht verurtelkte den Angeklagten zn Sfy M. Geldstrafe. Das Intereb'anteste war die Urteilskegrüirbimg, in dar u. a. ausgeführt wird! Da das Reichsbanner nur mit einem einzigen Aiele gegründet worden fei. den Staat zu f-fllgen and zu schöben so seien samii dl« Farben de» Reichsbanner» mit den Farben des Staates zu tdentist. ziere«. Eine gedanklich« Trennung beider sei unmöglich. Daß der Angeklagt» selbst diese» Empfinden gehabt Hab«, Ssweise sein Roch- s o tz von der j u r i st l s ch e n Haarspalter«!. Derartige juristisch« Uebersinessen könnten vor der Endkonsequenz der Ttraie nicht bewahren. Aus dem Artieisersöngerbundesses» in h-nnoner wird am Sann- abend der preuhijche Minister Dr. Becker ich Nomen der Reich»- und Staatsregierung sprechen. kaafaä Tttq. 15. Juni. Auf dem republikanischen Partelkannent wurde heute eine Batschast hooner,»erlesen. I« welcher der republikanische prSsidentschostakaabidat dem gestern angenommenen Parteiprogramm zustimmt und erklärt, daß er, falls er im Rcwember gewählt werde, seine Wahl als einen Auftrag der Wähler betrachten werde, die Wehrmacht auszubauen, den Außenhandel zu fördern, die amerikanischen hils, quellen ,v erschließen und die amerikanischen Arbeiter. Farmer und Geschäsisleuie gegen die Konkurrenz zu schützen, die ihnen aus dem Ausland infolge der in manchen Ländern herrschenden weniger günstigen Lebe«»- bedingungen drohe. Herbert Clark Hoover. Mit Biersünstelmrhrheit hat der Nationalkonvent der Republikanischen Partei Amerikas den gegenwärtigen Staats- jekretär im Handelsdeportemcnt Herbert Clark H o o vs r als Präsidentschaftskandidat aufgestellt. Diese Normierung bildete keine Ueberraschung mehr, seitdem Präsident C o o- l i d g e eine nochmalige Kandidatur endgültig abgelehnt hatte. Die einzige noch offene Frage war die, ob Hoover gleich im ersten Wahlganq die absolute Mehrheit der Delegiertenstimmen erzielen oder ob es der Formeropposition, die mit der schroffen Schutzzollpolitik Hoovers unzufrieden ist, gelingen würde, die Entscheidung zu verzögern. Im allgemeinen gibt es auf den Konventen sowohl der Republikanischen wie der Demokratischen Partei zahlreiche Wahlgänge und oft müssen die ursprünglich aussichtsreichsten Kandidaten ganz neuen Männern weichen, so daß manchmal letzten Ende»«in Mann nominiert wird, an den.zunächst fast niemand gedacht hatte. In Kansas City ist dagegen die Sache überaus schnell und fast reibungslos verlaufen. Die überwältigende Mehr- hett für Haooer hat zu echt„amerikanischen" Beifallskund- gedungen geführt, von denen die eine nicht weniger als 23 Minuten gedauert haben soll. Hoover gehört neben Cooiidg«. Dawes, Borah und Mellon zu den prominentesten Persönlichkeiten der zur- zeit regierenden Partei in den Vereinigten Staaten. Freilich wäre es für Coolidoe ein leichtes gewesen, zum drittenmal Präsidentschaftskandidat det Republikaner zu fein: aber aus Respekt vor einer angeblichen Tradition, die «ine mehr als zweimalige Ausübung des höchsten Postens in der nordamerikanischen Republik verbietet, hat er eine Kan- didatur bereits vor Monaten abgelehnt: und trotz wieder- Holter Versuche, ihn umzustimmen, ist er bis zuletzt festgeblieben. Daß er sich vor wenigen Tagen selbst für Hoovers Kandidatur ausgesprochen hat. dürfte wesentlich dazu beigetragen haben, diesem jene crdrüctondö Vierfünftelmehrheit zu sichern. Während im allgemeinen die amerikanischen Präsident- schaftskandidaten den meisten Euroväern fast gar nicht, oder höchstens nur dem Namen noch bekannt find, ist«s bei Her- bert Hoover anders. Sein Name- ist feit Kriagsbeginn sehr oft in Europa gennannt morden, und zwar zunächst ol? Setter 'der amertkanischen Organisation stir oi« Leben smtttel- Versorgung der belgischen ZioUbeoölke- rung wahrend der deutschen Okkupation. Nach Kriegsends galt es als ganz selbstverständlich, daß der Mann, dessen Or- ganisationstolent und Energie auf diesem humanitären Ge- biet so hervorragend in Erscheinung getreten waren, auch ähnliche Unternehmungen für die notleidenden Bevölterunos- schichten Ost- und Mittelourovas leitete. Auch die deutsche Bevölkerung hat ihm und seinem Werke vieles zu verdanken. Im Gegensatz Zu den meisten prominenten Amerikanern, und insbesondere zu Coolidge, kennt Hoover Europa. Er ist ein typischer„Self made-man", ein Mann, der sich aus eigener Kraft emporgearbeitet hat. In frühester Jugend war er Waiis, lernte dann Gärtnerei, studierte Geo- logie und wurde Bergwerksingenieur in Mexiko, Amerika, England und Rußland Er ist jetzt 53 Jahre alt. Auch o s Staatssekretär im Handelsdeparrement hak er eine außer» ordentlich« Energie entfaltet, die ihm zwar viele Be» wunderer, aber auch nicht wenige erbitterte Feinde eingc» bracht hat. Die Gegnerschaft der Formar. der Lonchwine» die ihm vorwerfen, daß durch seine starre s chutzzällnc» tische Einstellung lediglich die Amerikanische Industrie g:- fördert, während die Ab satz krl�e d�e r Ag rarpro- o u k t e verschärft wird, ist bereit« �wähnt morden. Auch die während des Krieges erfolgte niedrige Festsetzung der Weizenpreise, die auf seinen Einfluß Zurückgeführt wiird. wird Ihm von den Landwirten heute noch> sehr verargt. Ein typisches Beispiel für die Rücksichtslosigkeit und zugloich Furchtlosigkeit Hoovers bot sein Verhalten wähnend de? furchtbaren Ueberschwemmung des MnsUJippf Flusses im vsraangenen Jahre, um die von einizf Kate- ftrophe bedrohte Millfonenstadt St. Louis zu wttqy. gab der mit Vollmachten ausgestattete Staatssekretär Hoainr den Befehl zur Sprengung der Dämme nberhalst �der Stadt. Damit lieferte er Tausende von Farmern dem Vlu-.n aus: aber es war das weitaus kleinere Nebel. Verzweß�lts Farmer, deren flehentliche Bitten er nicht berücksirhtigt hafte, trachteten sogar noch seinem Leben— er aber blieb ur.er- schütterlich und der Erfolg gab ihm recht. Eine so weltbewanderte, starke Persönlichkeit auf deiy Präsldentenposten, der in Amerika mit außerordentlich weil, gehenden Vollmachten ausgestattet ist, kann auf die Po!i» iif nicht nur.seines Landes, sondern dar ganzen Welt de r größten Einfluß ausüben, im guten, wie im schlechten Einstweilen ist er allerding» noch keineswegs gswckhlt. Di-i Demokratische Partei, deren Konvent nächstens nr Houston(Texas) zusammentritt, hat ihren KanDidaten noch nicht bestimmt. Sie hat in den letzten Jahren wieder stark an Boden gewonnen: eine Wiedarcroberun z des Weißen Hauses durch sie, die in den Jahren 1920 und 1924 unmöglich schien, liegt diesmal durchaus im Bereich des Möglichen, zumal nach den jüngsten Petroleum- und Justiz- skandalen, die die Republikanische Partei bis in ihre höchste!« Spitzen arg kompromittiert hoben. Gelingt es den Demokraten, einen zugkräftigen, in den eigenen Rechen allge- mein anerkannten Kandidaten zu nominieren, dann find ihre Aussichten bei der im Herbst stattfindenden Wahl durchaus günstig. Eine solche Persönlichkeit würde vor allem de? Gouverneur von New Bork A l. Smith sein, der sich be» sonders in den Staaten der atlantischen Küste größter Popu- larltät erfreut, aber katholischen Glauben» ist und daher von vielen streng-protestantischen Demokraten ent- schieden abgelehnt wird. Um ihn wird c» in Houston zweifei- lo» schwere Kämpfe geben, und so bedeutet eynstwellon dia Tatsache der fast einstimmigen Aufstellung Hpovers sie Kansas-Ciiy für die Republikaner einen wichtigen morali, fchen Trumpf. Sx'Iockey Curtis Vizepröfidentfchastskaadiöat. ....." y Sävso» Ctf* l&'&ft. 1 Der repubilkamsche Führer im Bundessenat CurtiS, W vom Republikanischen Rational konoent im erst«, Wahlgang mit 1Ö5Z Stimmen als Kandidat für die Vi.zepräsidentschost aufgestellt wurd'. gilt als das Bindeglied zwischen Hoaver und dem Menanz» Haugen-Farmerblock. Curtis ist teilweise von indianischer Ab« stammung und war früher einmal Jockey. Ueber die Nominierung de» Aizeprasidenlschastskandidateit Curtis wird noch gemeldet, daß alle anderen vorgeschlagen«, Kan, didaten außer einem zugunsten Curtis zurücktraten. Lize, Präsident Dawes erhielt, obwohl er nicht vorgeschlagen war. 13 Stimmen. Domes hatte am ZZormittag die Delegation vost Illinois verständigt, er wünsche nicht vorgeschlagen zu werden. obwohl er eine Nominierung annehmen würde, falls die M-Krhest es wünsche."''.— England bleibt streng protestantisch Endgüliige Ablehnung der Gebetbuchrevision.— Keine Anlehnung an die katholische Kirche. London. 15. Zuni.(Eigenbericht.) Nach einer mehrstündigen, teilweise sehr erregten Debatte wurde «sker» die Reolsiou de« Gebelbuche, der aagltkaat. che» Kirche vom Unterhau, abermals abgelehnt. und zwar mit 266 gegen 220 Stimmen, als» mil einer um etwa zehn Stimmen größeren Mehrheit al, vor einigen Monaten. Damit Ist die Ablehnung endgültig. In der Debatte plädierten u. a. Baldwin. Chamborloin und Churchill für die Zustimmung zur Revision, die VSn den Erzbischöfen von Canterbury und Porck betrieben wurde, well diese ein« Annäherung der anglikanischen an di« katholische Kirch« erstreben. Ander« Minister, insbesondere Johnson Hick» waren leidenschaftliche Gegner der Revision. Der RIß ging durch alle drei Fraktionen des Unterhauses, indesien waren bei den Liberalen fast all« Abgeordnete unter Führung Lloyd George gegen die Abschwöchung des protestantischen Charakters der englischenStaatStirch«, ebenso die Mehrheit der Ärbeiterpärteiler. Baldwin und Chomberlain führten weltpolitische Gründe an: es wäre für die Regierung und für dos Gefüge de» britischen Welt- reiches vorieilhafter, wenn der Gegensatz.zwischen London und Rom abgeschwachi würde. Churchill erregla iebhaslen Protest durch sein Argument, daß Man den kommenden W a h l k a m p f nicht Mit dicjein religiösen Streit belasten sollte. Auflehnung der Bischöfe gegen das Parlament? London. 15. Juni.(Eigenbericht.) In der anglikanischen Kirch« wird die durch d>, inzwischen er- folgte Verwerfung der Gebetbvchre Vision geschosssn« Log« al» überaus ernst bezeichne,, da man»n Parlament die Verwerfung nunmehr als eine endgültige betrachtet. Di« Bischöfe der. Kirch« von England werden in de» nächsten Tagen zusammentreten, um die nächsten Schritt« norzubereitan. Es verlautet aus kirchiichen Kreisen, daß eine bedeutende Mehrheit der Bischöfe nicht gesonnen sei. sich der Parlomentsemscheidung zu unter, werfen. Man beabsichtigt jetzt angeblich den Gebrauch des revidierten. Gebetbuches ohne Zustimmung des Parlaments in den Diözesen zu empfehlen. Fall» das richtig ist, und die Stellungnahme auf dem Konzil der anglikanischen Bischöse eine Mehrheit finden sollte, würden bald überaus folgenschwere politische Konsequenzen zu oerzeichnen sein. Die im)?etze blieben. Die Kapitalisten machen Gefchästchen, die Angestellten werden verurteilt. Stuttgart. 15. Iutti In der Urttllsbegrü»ll>ung im Wertipionageprozeß wurde vom Vorsitzenden zunächst betont, daß das Gericht auf Grund zwin- gender gesetzlicher Vorschriften gegen die drei Ange. klagten weiter verhandeln mußte. Stach dem Ergebnis der Verhandlung fei der Hauptangeklagte Karrer nicht der Mann, als den man ihn in der Verhandlung hingestellt habe. Die Ange- klagten Rein und Zeifang seien milder zu beurteilen, da sie durch dey Angeklagten Karrer oerführt worden seien. Gegen Karrer wurde wegen Hehlerei aus«ine Straf« von sechs Monaten und wegen Unterschlagung, di« nahe an Diebstahl grenze, auf ein« Strafe von zwei Monaten erkannt. Au» den beiden Strafen wurde eine Gesamtstrafe von sechs Monaten gebildet Nach Bekanntgabe der Urteilsbegründung betont« der Vorsitzende nochmals, daß das Gericht gar kein« andere Möglichkeit gehabt habe, als die Der ha od» lung gegen diese dvci Anaeklogten weiterzuführen. Freigciassrn hoben die Ilaliener den österreichischen Studenten K a n i 1 1 ch ei d e r. der wegen oerjehemlicher Grenzübcrschreüuvg im Hochgebirge eingesperrt worden war. Unfall des Vizepräsidenten Graes nebst wundersamer Lebensrettung. Zweimal versank der Unglückliche hilfefchreiend in den Fluten.<5rst beim dritten Auftauchen gelang es ihm, den Rettungsring zu packen, den ihm ein biederer Transportarbeiter zuwarf. Die Sozialdemokratie soll führen. Berliner Parteifunktionäre und Regierungsbildung. Di« Funktionäre&«s Bezirksverbandes Berlin der Sozial- demokratischen Partei hörten gestern abend in den Germaniasälen ein Referat de« Reichstagsabgeordneten Genossen Künstler über „die politische Lag« Nach den Wahlen und die Regierungsbildung". Ausgehend van dem Ergebnis der Reichstagswohlefi gab Genosse Künstler sin Bild von der Zusommenietzung de» neuen Reichstags: die Deutschnatianalen von ihrer Fiihmstsllung herabgestürzt, da» Zentrum aus seiner Schlillselstellung vevdrängt mit starkem Perlust gerade an Arbeiterstimmen, die liberalen Parteien äifls Suhersts ge schwächt Mit dem Todeskeim im Parteikörper. Die Kommunisten spielten im Wahlkamps die Zutreiber der Deutschnationalen und sie setze« diese.Politik" im neuen Reichstag svrt. Aus einem Härten. aber ciuiopscrunijsnalt geführten Wahltampk ist hie Sozial- demvkratie gestärkt att Mandaten und Stimmen herbor- gegangen. Sie hat die Angriff« von rechts und link«, abgeschlagen, hat es verstanden, d>e Masten zu erobern und ist.hie Partei de» arbeitenden Volkes geblieben. Wer trotz ästerfi* Zufrieden mit dm» Ausfall von Wahlen wird ni« ein Sozialdemokrat sein, bis der ebb- gültige Sieg bei unseren Fahnen ist. Aus dem Ergebnis der Wahlen ergibt sich die Frag«: Was nun? Die Sozialdemokratie Hot den Wahtkampf geführt unter der Parole: Zerschlagung des Bürgerblocks, hinaus mit der Partei Wilhelm« II. aus ver republikanischen Regierung. In allen Sitzungen der Parteiinstanzen war nicht eine Stimme, die sich gegen eine Beteiligung der Sazlaldswakrätle an der neu zu bildenden Regierung erklärte. Man war sich darüber einig, datz die Frage der Keteiligung an der Regierung nur«in« Frage der Taktik ist, die sich au, der jeweiligen polstischen Situation«gibt. Parteiausschub und Reichstagsfraktion haben sich einmütig hinter den Beschlub de« Kieler Parteitages aeskllt. der die oben gekennzeichnete Stellung einnahm. Unsere Wähler und unsere Parteimitglieder stehen einhellig aus dem Standpunkt, dab die grobe sozialdemokratische Fraktion unmöglich sagen kann:„Wir haben zwar aestegt. ab« die Regierungsbildung geht uns nichts an/' (Beifall.) Di« veutschnationalen stehen M auf einem anbsren Stand- punkt. Sie hoben erklären lassen, daß sie trotz des Ausfalls der Wahlen nicht daran denken, freiwillig aus der Regierung zu ver- schwinden. Angesichts der Drohungen faschistischer Parteigruppe» hat die Sozialdemokratie die Initiative zur Regierungsbildung ergriffen und hat B er Handlungen mit anderen Parteien ausgenommen. Genosse Künstler erwähnte dann kurz den bisherigen Perlaul d« Rsgierungsvsr Handlungen und sprach dabei den Wunsch aus. dab dit richtigen Männer aus der Partei an die richtigen Stellen kommen mögen. Als erste notwendigen Amtshandlungen der kommenden Regierung bezeichnete Künstler den Erlab eines Amnestiegesetzes unter Ausschluh d« gkm«mörd«r. Ratikizierung de« Washingtoner Abkommen-, Ausbau der sozialpotitischen Gesetz«. Fort- führung der VerwaltungsrSsorm. Wie auch gegenwärtig der Stand der Verhandlungen lein mag, soviel kann heut« schon gesagt und verlangt werden: Bei dieser neuen Regierung darf unter keinen Umständen die Sozialdemokratie nur der gebende Teil sein.(Lebhaftes Bravo!) Geht die Regierungsbildung an dem Widerstand der Volk spart«! in die Brüche, nun. so wird die Sozialdemokratie es mit der W« I m a t e r K o a l i t« v n versuchen. An den Derfassungsparteien wird e» dann liegen, ob sie unter Führung der Deutschnationalen wieder eine antirepublikanische Regierung zulassen wollen. Genosse Künstler zeigt« dann noch an den jüngsten Vortomm- Nissen im Reichstag, wie die Kommunisten die Interessen ihrer Wählerschaft und der Ärbeit«schast im allgemeinen mit Füßen treten und er zog daraus den Schluß, daß die Kommunistische Partei den Titel Arbeiterpartei längst verloren hat und dost ihre Führer in Partei und Parlament nur«inen durchsichtigen Existenzkamps um ihre nichtssagend« Person führe. Demgegenüber steht die Sozialdemokratie al» Partei der Rtasse». die sich ihrer Ausgabe bewußt ist und die da», was ihr« Wähler, schaft von ihr erwartet, such zu erfüllen trachten wird. Ein Wahlkamps ist beendet, wir stehen bereit« in einem neuen: den Kämpf um die Zusammensetzung der städtischen Körperschaften in Preußen. Auch diesen Kamps wird die Sezioldemokrati« zu be- stehen wissen im Bewußtsein ihrer Bedeutung in Reich, Stadt Und Kommune(Lebhaster. Bestall!) Die Aussprache. In der folgenden Aussprache fordert« Genasse Palm««rno durchgreifend« vemotratisieruna der Verwaltunq. Genoi!« Brendel forderte kategorisch eine Beteiligung der Part« an der Regierung. die Massen hatten das mit ihrer Stimmabgabe für hie Svzioldemv- krati« bekundet. Redner forderte besonder« die bedingungslose Fest» legung des Achtstundentages und eins AenderuNg der Schlichiungs- ordnunq. Mit der Erfüllung dieser Forderungen wird sich die Parte, die Wähler auch in Zukunft verpslichlen Genosse Ernst be- mangelte, daß Partei vorstand und Parteiausschuß ir> Köln be- schlössen haben, keine besonderen Bedingungen für di« Teilnahme an der Regierung auszustellen. Genosse Aushaus« machte daraus ausmerkiam, daß wir uns gegenwärtig In einer politischen Situatian befinden, die schwieriger denn j« Ist. Di» Beantwortung der Frag« der Soalition muß davon ausgehen, ob man von einer Machtposition aus in»Ins Regierung geht oder ob man I» sie nur so hinelnschlüpsen darf. Die neun Milliank» sozialdemokratischen Wähler lassen uns in einer Macht- Position stehen. Aushäuser betonte dann, daß alles, was von den Vorrednern dem W.. nrngen der Bolkspartei. Der Grund für die Kritik lieg, in der ungenügender. Information der Parteiaenosseistchast durch die Presse. Alles da« darf aber nicht hindern, daß di« Sostaldempkratt« ihren durch den Wahlauefall gegebenen Weg geradlinig verfolgt. Gekioss« Adolph ffoffmann meint«, In Preußen hätte man nicht soviel Über dl« Aufnahme der Valkspartei in die Regierung sprechen, sondern lieber den geeigneten Zeitpunkt dafür abwarten sollen. Genosse Erispien gab zu bedenken, daß unsere Port«! bei der Regierungeerklärung gezwungen ist, mit allen Parteien zu verhandeln, die sich zur Teilnahme an der Regierung dereit erklärt Hoden. Allerdings müssen sich die Verhandtungen ahne Störungen van außen abwickeln könneir. Aber die groß« Koalition ist noch nicht fertig, et kann sich noch allerlei andere» ergeben, und deshalb sollten unier« Unterhändler nicht durch Resolutionen festgelegt werden. Redner bat um Annahme der vorliegenden Resolution Kllnstter.AufhSuser.Liedtke! Angesichts de» Vahlergebnisse» billigen die Funktionär« der Sozioldemotrotischen Partei verlin« die Haltung de» Reichstagssraktivn In der Frage der Regierungsbildung. Sie«warten, daß die Saziuldemakratle die Führung der Regierung übernimmt, um die wirtschastlichen und sozialen Interessen der Arbpiterschast zu schützen und zu fördern. Nach einem kurzen Schiußwart Künstlers wurde die Reso lutivn mit allen gegen fünf Stimmen angenommen. „ilnser das Reich!" Der Lunisieg vor 25 Jahren. Von Friedrich Stampfer. Heiüe vor 25 Jahren gewann die deutsche Soziatdemakratie einen der stolzesten Wahlsieg« Ihrer Geschichte. Es gelang ihr, ihr« Stimmen zahl von 2 107 000 im Jahre 1898 auf 3 023 000 zu erhöhen. 36 Mandate eroberte sie im ersten Wahlgang, darunter fünf van den sechs Berlinern, 25 gewann sie in den Stichwahlen dazu: 81 Mann stark zog s!« in den Reichstag ein. lieber 22 von den 23 sächsischen Wahlkreisen wehte die rote Fahne. Diesen großen Erfolg, der von den sozialistischen Arbeitern der ganzen Weit mit Hellem Jubel, von den herrschenden Klassen mit jähem Entsetzen ausgenommen wurde, verdankte die Partei in erst« Linie ihrem Kamps gegen die Erhöhung der Lebens- m: t t e l z ö l l« durch den Tarif von 1903. Es war zugleich d« erste zähe Obstruttionekampf gewesen, den die Sozialdemo- kratie im Reichstag geführt hatte: die Partei war dabei unterlegen, ober am 1<5, Juni 1003 oerwandelte der Wille des arbeitenden Balke« diese Niederlage in einen Sieg. Der Obstrudlionskampf gegen den Zolltarif war— es ist nicht unpütz, heute Wan zu erinnern— mit rein demokratischen Argu- menten ge�kßrt worden.-Die Part-i bestritt dem überalterten, im Jahre 1�)8 gewählten, Reichstag das Recht, in der lebenswichtigen Zollfri� noch eine Enischeidung zu treffen, sie forderte vor dieser Entscheidung' N«.u.w a h l e n. Da die Gegner trotzdem daraus be- ft/ndcn. den Zalltanf noch im alten Reichstag zu verabschieden, zziiff die sozialdemokrajische Reichstagssraktion zu geschästsordnungs- mäßigen Mittelh.auN dieses Porhaben zu wnkhindern. Die Mehrheit antwortete darauf mit einem Bruch der Geschäftsvrdming, der im ganzen Land« ungeheure Empörung hervorrief. Ich habe jene geschichtlich denkwürdigen Vorgänge auf der Iour- »alistentribüne des Reichstags miterlebt, und ich muß oft an sie zurückdenken, besonders dann, wenn die Kommunisten im Reichstag zu skandalieren beginnen. Der Kampf, der damals im Reichstag tolUe, war voll dramaiischcr Spannung und wurde vom ganzen Balke mit angehaltenem Atem oerfolgt. Dennoch—- wie g e- littet ist es- däilmls zugegangen! Daß Genosse Ulrich, der spätere hessische Staatspräsident, dabei einmal«Igen Stack in den «oa! mitgebracht und mit ihm auf das Pult geschlagen habe, war das schlimmste, ums die gegnerische Presse an„Ausschreitungen" zu berichten mußte. Doch war auch das nur ein« Legende. Usbrigens würde Bebelmit solch einem Krachmacher recht übel abgefahren sein! Weiß ich dach, wie er mich herunterputzte, als er einmal im Vnvatgespräckrden Reichstag als dos Parlament der besten Manieren pries und ich die Bemerkung wagt», diese guten Ma° Nieren seien ja dach nur auf das kühle norddeiiische Temperament zwriickzilführen. Der Zolltarif war unmittelbar vor Weihnachten angenommen worden. Die Erregung über die Erhöhung der Lebensmittelzöll« und die Vergewaltigung der fazialdemakratischen Opposition rmrkt« aber viele Monate nach. Zugleich galt es, aus dein dritten Jahr- fünft der Regierung Wilhelms II. die Bilanz zu ziehen. In dieser Zeit, in di« der Chtnafeldzug, dit Kvmädie Mit dem Weltgeneralissi- MUS Wald erste und die berüchtigte tssunnenrede fällt, hatten wachsend« Volkskreise die Gefahren de« persönklchen Regiments er- könnt. Immer weiter verbreitet» sich das Gefühl, daß es nicht bleiben könne wie bisher, daß die Ding« in irgendeiner Weis» zur .Katastrophe k>intr!eZ»N Dcks Zalt bejondets auch von Preußen, wo d'» breiten BnlksiWoftich- bmb Wo stecht praktisch ausgeschlösseu waren, Junkertum und Großindustrie geradezu unumschränkt ere- gterten. Die gemottigen Spannungen, die in den Massen vorhanden waren, entluden sich nun in den Reichstags wählen am lss. Juni 1903. Dieser Tag war— was man sich heute auch nur noch schwer vorstellen kann— ein gewöhnlicher Wochentag, ein Dienstag. Die sazialdemokratifche Forderung, alle Wahle» an einem Sonntag vorzunehmen, war damals noch nicht erfüllt. Sie stieß auf geistlichen Widerstand: entscheidend aber war der Wunsch zahlreicher Arbeitgeber, am Wahltag„ihre" Leute im Betrieb und damit in der Hand zu haben. c Die Wahlhandlung spielte sich so ab. daß di« Wähler entweder eine Paus» benutzten, um zur Wahl zu gehen, oder sich dazu be- Urlauben ließen. Geschlossen wurtie um 7 Uhr abends. Frauen hatten dabei natürlich nichts zu tun, sie besaßen ja kein Wahl rächt. Listen, in die jeder sein Kreuz macht, gab t« auch nicht, e« gab ja kein Verhältniswahlrecht. Deutschland war in 397 Wahlkreise geteikst- jeder van ihnen, ob klein, ob groß, wählte einen Abgevrd- neten. Da» lief aus eine ungeheuerliche Beuar rechtung der agra- rischeN Kreise hinaus, in denen der Terror regierte. Die Stimm- zettel, di« ein vorgeschriebenes Format hatten, wurden nicht im Wahllokal ausgegeben, sondern schon dorthin mitgebracht. Gewöhn- lich nahm man sie vom StimMzettetoerteiler der Partei, der vor dem Lokal postiert war. Zum erstenmal war vorgeschrieben, daß die Wähler ihre Stimmzettel unbeobachtet, hinter einem Ber- schlag, in den amtlichen Umschlag stecken mußten. Das war ein großer Fortschritt. Die sozialdenrokratische Press« versäumte auch nicht, täglich darauf hinzuweisen, daß diesmal die Wahl frei sei, daß kein Wahler in seiner Abstimmung kontrolliert werd«» könne, keiner«ine Maßregelung zu befürchten brauche. Die Nacht vom IS. zum 17. Juni war eine wundervolle Sommernacht. Wir verbrachten sie in der Redaktion de? JBnrmärte", dessen Mitarbeiter ich schon damals war, Littdenstraße 89. Dort war auch der Parteivorstand versammelt, während draußen eine unab- sehbare Menge stand, di« jede Siegesnachricht mit Jubel begrüßte. Und es kam Siegesnochricht auf Siegesnachricht. Gegen 2 Uhr nwrgens setzt« sichKurtCisneronden Schreibtisch und schrieb senen h«ühmt«n Leitartikel, dessen vtA angefochtener Schluß folgendermaßen lautete: Wenn die Rächt vollendet, was bis Mitternacht begonnen. dann bereitet sich eine Weltwand« der deutschen Politik vor. Deutschland wird zum Lande des Sozialismus, dem unübcrwind- lich vorwärtsdrängenden, dem Befreier und Erlöser. Der Sieg des deutschen Proletariats ist der Sieg der deutschen Kultur.'. � Unser das Reich— unser die Well! Liest man den Aussatz genau, so findet man. daß er viol«her eine glänzende Ziikunstsvlsion darstellt, als tine Prophezeiung auf«Inen kurzen Termin. Dennoch wurde Sisner seinetwegen viel angegriffen: man fand, daß der Dichter, der in ihm steckt«, mit dem Politiker durchgegangen sei. Die Kritik war auf der anderen Seite»in Be- wiis dafür, daß die Partei auch im Triumph eines unerwartet großen Sieges sich die Nüchternheit bewahrt hotte. Als unten die Maichinen zu laufen begannen, verließen wir. Kurt Eisner. Anton R nnec. der tschechische Genosse, und ich als i'ftte die Redaktionsräume und unternohmen zu unserer Aiijsrischung einen Gang durch die menschenteeren Straßen Berlin» Lq hielt ein Exemplar des neueii„Vorwärts" in der Hand. Auf dem Gendarmen- markt löste sich plöblich mis dem Halbdunkel einer Mauernische eine Gestalt. Es war ein t ö n t g l i ch p r« u ß I s che r S ch u tz m a n n. der strammen Schrittes auf uns lasging. Ich gestehe, wir waren etwas mißtrauisch, denn unsere Beziehungen zur Polizei waren damals bestenfalls korrekt, aber tn keiner Weis« sreundsch.'st'ich. Wie groß war unser« Ueberraschung, al, der Mann vor un» ste-xn blieb, dir Hand an den Helm legte und in sichtlicher Ausrogunz di« Frage hervorstieß:„Bitte, wieviel haben wir?" Wir schenkten ihm uns« frischgedrucktes Blatt, das er hastig in seinem Wassenrock verbarg. Spätxr habe(ch das kleine Erlebnis in der Parteipress« erzählt. natürlich ohne den Standort des Schutzmanns zu verraten, der ia sonst in Teufe!» Küche geraten wäre. Welches Aussehe» düfe Ge schichte hervorrief, kann man sich heule kaum vorstellen. D e lon- jervotiv« Presse tobte, daß so etwas möglich sei. Ausländische Blätter werteten sie ais em höchst bemerkenswertes Szmxtom. � Und das war sie ja auch, darum ist sie auch heut« noch w«t, wiedererzählt zu werden. Fünfundzwanzig Jahr« sind eine lange Spann« im Leben de» einzelnen, in der Geschichte der Menschheit bedeuten sie nicht viel. Und doch, wieviel hat sich im Lauf diese« Pierteljahrhunderts ge- wandelt! Die Sozialdemokratie ad« ist noch immer dt« stärkste Partei— setzt in der demokratischen Republik— und kann sich mit dem vorbeer eines frisch errungenen Sieg«» schmücken. So hat Sisner doch recht gehobt, wenn er von der Weltwende schrieb, die sich vorbereite. Und mag es auch noch einmal 25 Jahr« dauern, schließlich wird er doch recht behalten mit seinem unerschütterlichen Glauben an den Sieg de» demokratischen Sozialismus, für den August Bebel. Wiiheim Liebknecht. Pauk Singer und er selber kämpften, wie auch wir es jetzt tun. Trotz olledeinz Unjer das K.lljex äu 2Uttl, i i.j Wochenende und Bäckermeister. Vor einem Kampf der Bäcker. Die Bäckermeister, und nicht nur die Berliner, haben wegen ihrer sozialreaktionären Bestrebungen schon des öfteren die Oessent- lichkeit beschäftigt. Es ist noch in frischer Erinnerung, daß es ihnen mit Hilfe des Bürgerblocks im Juli vorigen Jahres gelang, ein Gesejz über die Arbeitszeit in den Bäckereien durch- zusetzen, daß die bisherigen Arbeitszcitbestimmungen erheblich ver- l ch l e ch t e r t e. Dieses Gesetz bestimmt u. a., daß die Arbeitszeit rücht täglich 8 Stunden, sondern wöchentlich 48 Stunden betrage und einschließlich der sogenannten„Arbeits- b e r e i t sch a f t" bis auf 54 Stunden verlängert werden könne. Für das Berliner Bäckergewerbe war die Arbeitszeit tariflich auf 8 Stunden täglich festgelegt. Um nun auch den Berliner Bäckereiarbeitern die schlechteren Arbeitszeitbestimmungen des eingangs erwähnten Gesetzes aufzuzwingen, hatte der Zweck- verband der Berliner Bäckerinnungen den Manteltarif zum 3». April gekündigt. In den Verhandlungen vor dem Schlichtungsaus- schuh forderten die Unternehmer eine S4-stündige Arbeitszeit und eine Verlängerung der täglichen Arbeitszeit am Sonn- abend bis zu 12 Stunden. Wahrscheinlich, um den Bäckereiarbeitern Wochenendserien zu ermöglichen. Die Organisationsvertreter lehnten dieses Ansinnen natürlich ab, erklärten sich aber bereit, einer wöchentlichen Arbeitszeit von 48 Stunden und der Verlängerung der Arbeitszeit am Sonn- abend auf 10 Stunden zustimmen zu wollen. Da auf dieser Grund- läge eine Verständigung nicht zu erzielen war, wurde schließlich ein Schiedsspruch gefällt, der eine wöchentliche Arbeitszeit von 52 Stunden festsetzt und die Verlängerung der Arbeitszeit am Sonnabend bis zu 12 Stunden zuläßt. Da die nicht in die Arbeitszeit eingerechnete einstündige Pause wegen der Eigenart des Bäckereibetriebes keine völlige Ar- beitsruhe bedeutet, kommt dieser Schiedsspruch praktisch einer Verlängerung der wöchentlichen Arbeitszeit aus 58 Stunden gleich. Dieser Schiedsspruch wurde von den Bäckern natürlich a b g e- lehnt, von den Unternehmern aber auch, weil er ihnen noch nicht weitgehend genug war! Es besteht nunmehr seit dem 30. April für die Berliner Bäckereien kein Tarifvertrag mehr. Da es die Bäckermeister anscheinend auf eine Verschleppung der Angelegenheit angelegt haben, werden nunmehr in den ein- zelnen Betrieben von den Betriebsvertretungen die Forderungen unterbreitet werden. Da die Berliner Bäckereiarbeiter nicht gewillt sind, ihrn Achtstundentag preiszugeben und sich auch von den Unter- nehmern nicht länger an der Nase herumführen lassen wollen, ist damit zu rechnen, daß es in nächster Zeit nicht nur zu Differenzen in einzelnen Betrieben, sondern zu einem offenen Konflikt im gesamten Berliner Bäckereigewerbe kommt. Wie sich dann die Herren Bäckermeister vor der Oeffentlichkeit recht- fertigen wollen, soll ihre Sache sein. Oie Lederarbeiter-1922. Finanzielle und organisatorische Festigung. Wie aus dem Geschäftsbericht des Deutschen Lederarbeiter- n:rbandes für das Jahr 1927 hervorgeht, ist es auch in dieser Organi- sation im Vorjahr« vorwärts gegangen. Der Mitgliederbestand erhöhte sich von 36 191 am Schlüsse des Jahres 1926 auf 38 185 bis zum Ende des Berichtsjahres, also um 1994 Mitglieder oder 5,5 Proz. Von dem Mitgliedergewinn entfallen auf die Männer 1889 und aus die Frauen nur 105. In den letzten Jahren war das Verhältnis immer umgekehrt. Ob dies« Verschiebung eine rein zu- fällig« ist oder auf andere Ursachen, vielleicht auf die technische Um- stcllung der Betriebe zurückzuführen ist, läßt sich noch nicht sagen. Bedauerlich ist die in allen Gewertsä�sten noch vorhandene starke Fluktuation in der Mitgliederbewegung. Im Lederarbeiterverband stchm nn Berichtsjahre 9548 Neueintritten, Wiederaufnahmen usw. 7554 Austritte, Ausschlüsse usw. gegenüber. Der bessere Geschäftsgang hat sich auch auf die Fi- n a n z e n der Organisation vorteilhast ausgewirkt. Das Vermögen der H a u p t l a s j e stieg von 279 107 M. Ende 1926 auf 457 555 M., dcr Bestand der Lokalkasse erhöht« sich von 79 871 M. auf 119 326 M. Für Streik- und Gemaßregeltenunterstützung wurden 2l 770 M.(1926= 5601 M.) ausgeworfen, für Arbeitslosenunter- stützung 65 334 M.(336 487 M.), für Krankenunterstützung rund 101 M0 M.(95 000 M.) und für Jnvalidenunterstützung 81 925 M. (49 573 M.). Lohnbewegungen wurden im Berichtsjahr« insgesamt 157( 1926 c= 55) g«führt, an denen 84 371 Personen beteiligt, waren, und die für 50 741 Personen ein« Lohnerhöhung von 165 307 M. pro Woche brachten. Di« Zahl der Tarifverträge hat sich von 41. am Jahresschluß 1926 auf 46 erhöht, ebenso die Zahl der davon erfaßten Arbeiter und Arbeiterinnen von 40 312 aus 43 404. Alles in allem kann getagt werden, daß die Organisation im Vorjahre be- müht war, die wirtschaftliche Loge ihrer Mitglieder zu verbessern, und daß ihr das auch gelungen ist. Entlassungen in der Schuhindustrie. Weiser zahlt Feriengeld. Dom Zentralverband der Schuhmacher wird uns mitgeteill: In einer am 14. Juni zwischen der Firma Leiser, dem Ver- treter der Gewerkschaft und dem Betriebsrat geführten Verhandlung wurde festgestelkt, daß die Firma Leiser es niemals generell abgelehnt hat, den durch die teilweise Betriebseinschränkung zur Entlassung gekommenen 93 Arbeitern das Feriengeld zu gewähren. Es hotten vielmehr Verhandlungen zwischen dem Vertreter der Firma Leiser, Herrn Kocherthaler, und dem Betriebsrat stattgefunden, die als endgültig gescheitert nicht be- trachtet werden konnten, da Herr Kocherthaler dem Betriebsrat den Voischlaq machte, dem größten Teil der Arbeiter entsprechend ihrer Beschästigungsdauer oder ihrer Bedürftigkeit«in E n t g e l t für die entgangenen Ferien zuzubilligen. Da der Betriebsrat für alle Arbeiter«ine Entschädigung verlangt hatte, glaubte er, die Verhandlungen als gescheitert betrachten.zu müssen, obwohl der Inhaber der Firma, Herr Klausner, weder von dem Betriebs- rat noch von der Gewerkschaft um ein« erneute Verhandlung nach- gesucht worden war. In der Aussprache am 14. Juni ist bezüglich der Ferien- e n t s ch ä d i g u n g an die zur Entlassung gekommenen 93 Arbeiter eine zufriedenstellende Lösung für b«ide Teil« getroilen worden. Herr Klausner erklärte, daß er ein Interesie daran habe, sowohl mit der Gewerkschaft als auch mit dem Betriebsrat reibungslos zusammenzuarbeiten, um auftauchende Differenzen zur Zufriedenheit in freundschaftlicher Weise zu erledjgen, Er betonte weiter, daß mit allen Mitteln versucht werden müsie, die ausländische Einfuhr nach Deutschland ein zu- schränken Und die Betriebe technisch so zu verbesiern,-daß die Einfuhr sich nur aus einige Spezialartikel beschränken brauche. Oie Holzarbeiter im 1. Quartal. Ansehnlicher Fortschritt trotz verschlechterter Konjunktur. Di« Berliner Holzarbeiter hatten am Donnerstag im Gewerk- schaftshous ihre ordentliche Quartalsgeneralversammlung. Der Be- voll mächtig te Freydank gab zunächst den Geschäftsbericht sllr dos erste Quartal dieses Jahres, das einen wesentlich schlechte- r« n Geschäftsgang aufwies, als das vierte Quartal 1927. Während am Schluß des Vorjahre» in Berlin 4306 Holzarbeiter und Arbeiterinnen arbeitslos waren, stieg dies« Zahl bis zum 22. Februar auf 6934 und fiel bis zum Schluß des Quartals nur auf 6482 Trotz der nicht sehr günstigen Geschäftslage hat die Orgamjalion doch in einer Anzahl von Branchen und Betrieben LohnbeGexiingen geführt, deren Verlauf Freydank im einzel- i»en schildert«. In derMitgliederbewegung ist es nicht ganz so rüstig vorwällsgegangen, wie im vierten Quartal des Vorjahres. Es wurden im ersten Quartal 328 männliche, 12 weibliche und jugendlich«, insgesamt also 397 neu« Mitglieder gewonnen, so daß die Berliner Ortsverwaltung des Holzarbeiterverbandes ab 31. März d. I. 27 235 Mitglieder zählte. Der Bestand der Lokal- lasse erhöhte sich im Laufe des Quartals von 309 716 M. auf ..359 539 M., also um rund 50 000 M. Trotzdem sonst in den Generalversammlungen von den Kommu- nisten in oft stundenlanger Debatte die Tätigkeit der Ortsverwaltung in Grund und Boden verdammt wurde, regte diesmal der Wort- führer der„Opposition" Pieck an, in eine Diskussion über den Geschäftsbericht nicht einzutveten. Er begründete sein Ersuchen dahin, daß sich„die Ortsverwaltung mit Plänen trage, die eine Ver- Minderung der Mitgliedschaft bezwecken und daß diese Angelegenheit wegen ihrer Wichtigkeit vorweg erledigt werden müsse". Es wurden nur wenige Ausführungen zu dem Geschäftsbericht gemacht und dann die Wahl des Delegierten zum Gewerkschaftskongreß vorgenommen. In geheimer Abstimmung wurde der Bevollmächtigte F r e y d a n k als Delegierter gewählt. Als Angestellter der Ortsverwaltung wurde dann noch in geheimer Abstimmung von drei vorgeschlagenen Be- werbern der bisherige Schriftführer Stieffenhofer gewählt. Di« Versammlung ging dann zur Erledigung der vorliegenden Ausschluhanträge und der Anträge auf Enthebung von Ihren Funktionen einzelner kommunistischer Verwaltungs- Mitglieder ein. Dieser Tagesordnungspunkt konnte aber nicht zu Ende geführt werden, da es inzwischen Mitternacht geworden war Die Angelegenheit soll in einer außerordentlichen Generaloersamm- lung erledigt werden. Wieder ein kommunistischer Streik verloren. Die KPD. sucht Gündenböcke. In großer Aufmachung berichtet die„Rote Fahne" über das Ergebnis des Streiks bei der Mechanischen Feinweberei Adlershof. Der Streik mußte ergebnislos abgebrochen werden, wobei fast die gesamte Streikleitung auf dem Pflaster blieb. Nun sucht die KPD. nach Schuldigen. Das Rezept ist sehr ein- fach: Schuld ist„die Bureautratie des Deutschen Textilarbeiterver- bandes". Das Stalin-Blatt qprgißt, daß der 1. Vorsitzende der Berliner Ortsverwaltung des Textilarbeiterbandes, Bolz, ein treues Mitglied der KPD. ist. Dieser Volz begab sich am ersten Streiktog noch dem Betrieb und erklärte den Streikenden, daß die Organisation den Streik, da er tariswidrig sei, nicht unter- stützen könne. In der Sitzung der Ortsoerwal tung des Textilarbeiterverbandes haben sowohl der 1. wie der 2. Borsitzende, die beide Kommuni st en sind, sich im gleichen Sinne ausge- sprachen. Dementsprechend hat die Ortsoerwaltung beschlossen. Wenn dann weiter von Streikbrechern die Rede ist, die »dem Streik das Rückgrat gebrochen haben sollen, dann vergißt das kommunistische Blatt«inen gewissen R e i s ch nennen, ein Mit- g l i e d der KPD., der eine Woche nach Ausbruch des Streiks in den Betrieb hineinlief, deshalb von seinen Brüdern vom Roten Frontkämpserbund etwas unsanft behandelt wurde, trotzdem aber bei seiner Strcikbrechertätigkeit blieb. Nach den Satzungen tonnte der Streit nicht von der Organisa- tion unterstützt werden. Das mußten die organisierten Textil- arbeiter wissen und danach haben ja auch die kommunistischen Leiter der Ortsverwallung gehandell. Aber die Anhänger dieser kommunistischen Führer der Ortsverwaltung tonnten durch S a m m- l u n g e n die Streikenden unterstützen. Liest man aber das Er- g e b n i s dieser Sammlungen, dann, staunt man. Wir reden gar nicht von den Betrieben anderer Berufe, in denen die Kommunisten eine vorherrschende Stellung haben. Was soll man aber dazu sogen, wenn z. B. die Belegschaft der Firma Gebauer von etwa 500 Mann insgesamt nur 63.43 M. aufbringt: wenn die Firma Lehmann in Ricderschöneweide mit nahezu 700 Mann insgesamtnur 38,77 M. aufbringt: wenn die 350 Mann starke Belegschaft der Firma M e n g e r s nur 65,80 M. aufgebracht hat. Das alles sind Firmen, wo die Kommunisten die entschiedene Führung haben. Am meisten überraschend ist aber, daß die Belegschaft der Firma Friedmann in Weißensee, die gleichfalls zu den kommunistischen Hochburgen zählt, in der Liste überhaupt nicht verzeichnet ist. Die KPD. treibt die Arbeiter in tarifwidrige und deshalb aus- sichtslose Streiks. Ihre verantwortlichen Funktionäre lehnen eine Unterstützung des Streiks ab. Die kommunistischen Gesinnungs- genossen in den Betrieben lassen ihre Kameroden elend im Stich. Und dann schimpft man auf die„Gewerkschastsbureaukraten". auf die„reformistischen" natürlich. DReichstacif für das NaßbaggergeVerbe. Der Reichstarif für das Naßbaggergewerbe ist nach längeren Verhandlunzen«bzcschlossen und unlerze chnet worden. Ueber den Abschluß der Bezirks. ar fe wurde in den einzelnen Bezirken verhandelt. Vor dem Tarifamt wurde durch Spruch der Lohn für den Bezirk Hamburg um 7 bis 10 Pf. in den einzelnen Wirtschaflsgebieten und Gruopen erhöht, in Bezirk Märkische Wasserstraßen um 6 und 7 Pf. Beide Sprüche würben von den Dertragsparteien angenommen.— Im Stettiner Lezirk, in dem seit zwei Jahren kein Bezirkstarif böstand, halle da« Panfamt einen Spruch gefällt, der einen Stundenlohn von 74— 110 Pf. vorjay. Er ist von den Arbeitern angenommen, von den Unternehmern ab- gelehnt worden. Für den Bezirk Steltin besteht deshalb zurzeit«in tarifloser Zustand. Bei der Vergebung vop Naßbagger- arbeiten muß das von den Behörden berücksichtigt werpen. Gescheiterte Verhandlungen. Für die Angestellten im Ruhrbergbau. Die Nachoerhandlungen über den für die Ruhr- Bergbauange st eilten gefällten Schiedsspruch sind res ul- t a t l o s verlaufen. Die Vertreter des AfA-Bundes erklärten, sie seien nur dann mit der vorgeschlagenen Gehaltserhöhung um? Proz. einverstanden, wenn die Mehrarbeit an Sonn- und Feiertagen b e- zahlt werde. Das Verlangen, daß die Ruhr-Bergbauangestcllten noch immer unbezahlte Sonntagsarbeit leisten sollen, mute direkt mittelallerlich an. Die Arbeitgeber lehnten die Gehaltserhöhung um 7 Prozent ab. Zur Rechtfertigung ihres Standpunktes wiesen sie auf die angeblich mißliche Lag« des Ruhrbergbaues hin. Mit der Ablehnung der Gehalkserhöhung war es den Arbeitgebern nicht Ernst: sie glaubten, auf diese Weise die Angestellten zum Nachgeben in der Mehrarbeit zu veranlassen. Ihre Rechnung ermies sich jedoch wie der Ausgang der Verhandlungen zeigt, als falsch. Ein Antrag aus Verbindlichkeitserklärung ist nicht gestellt worden. Internationale Arbeitskonferettz. Oer Vertragsentwurf über die Mindestlöhne angenomioen. Genf, 15. Juni. Der Konoentionsentwurf über das Mindesttohnver» fahren wurde am Freitag von der Arbeitskonferenz in der Gesamt- abstimmung mit 75 gegen 27 Stimmen angeommen. Für den Entwurf stimmten die Arbeitervertreter und viele Regie- rungen, so Deutschland: gegen ihn stimmten alle Unterneh- mer und die Rezierungsvertreter von Ungarn und Jugv- s l a w i e n, während sich die Regierungen von Oesterreich, Dane» mark, Japan, Polen, und der Tschechoslowakei der Stimme eill- hielten. Vorher hotte der deutsche Bekleidungsarbeiter Stuhmer zweimal bei der Beratung der einzelnen Artikel eingegnssen, um Verschlechterungen durch die Unternehmer zurückzuweisen. So wurde ein Antrag des Syndikus des deutschen Textilarbeiterverbandes, Dr. Gärtner, in den allgemeinen Teil einen Passus über die Berücksichtigung der Konkurrenzlage und lokalen Verhältnisse für die eventuelle Festsetzung von Mindestlöhnen einzusetzen, abgelehnt.. Die Arbeitskonferenz behandelte sodann den F r a g e b o g e n und zwei Resolutionen, die die Unfallverhütungskommisnvn ausgearbeitet hatte. Arbeiter und Unternehmer haben dem Bericht der Kommission Erklärungen hinzugefügt, in denen sie Einwände gegen die einzelnen Fassungen erheben, ohne deshalb das Gesamt- rcsultat der Kommisstonsberawngen abzulehnen. Während die Un- ternehmer sich unier anderem dagegen wenden, daß die Staaten pefragt werden, wenden sich die Arbeiter dagegen, daß in diesem Zusammenhang nicht ausdrücklich auf die Gewerkschaften verwiesen wird. Der Sektreär des ADGB., Sachs, wandte sich in einer groß angelegten Rede gegen die Ignorierung der Gewerk- schastswünsche durch viele Ausschußmitglieder. Die eine Eni- schließung, von der englischen Regierung eingebracht, tritt für die Förderung der Volksausklärung über die Unfallge- fahr ein. die andere ersucht das Arbellsamt, sein Material über Unfallbekämpfung zu vervollständigen. Die Vollversammlung nahm mit 46 gegen 32 Stimmen einen Zu- saß der dänischen Regierung an, der die Staaten fragt, wie weit sie für eine Klausel eintreten würden, die den Verkauf und Ex- port ungeschützter Maschinen verbietet. Der Antrag, der von einer der wenigen Frauen der Konserenz, der dänischen Fabrik- inspektorin Frau G l o e r f e l t, begründet wurde, stützt sich ans eine Bestimmung des dänischen Fabrikgesetzes von 1913, nach der bei Unfällen an ungeschützten Maschinen Verkäuser und Hersteller der Maschine zum Schadenersatz herangezogen werden können.� Die An- regung zu dieser Bestimmung, mit der Dänemark gute Erfahrungen gemacht hat, fand die Billigung der Arbeiter und wurde von der deutschen Regierung warm unterstützt. Sie ließ darauf hinweisen, daß das in Vorbereitung befindliche deutsche Fabrikschutzgesetz eine ähnlich« Bestimmung vorsteht. Der gesamte Fragebogen wurde mit 94 gegen 5 Stimmen, die Entschließung ohne Widerspruch angenommen. Damit ist die weitere Bchandlung der Unfall- Verhütung aus der Arbeitskonferenz 1929 gesichert. Am Sonnabend werden die engdültigen Abstimmungen sowobl über das Mindestlohn- verfahren wie über den Unfallfragebogen stattfinden. Ende des Streifs der australischen Schiffsköche. London. 15. Juni. Der Streik der australischen Schiffsköche ist nach Meldungen aus Sidney nunmebr beigelegt. Der Gcwerkschastsrot der australischen Handelsmarine hat die Bedingungen der Schiffseigner angenommen und die Streikenden angewiesen, auf ihre Schiffe zurückzukehren. Der Streit hat sonnt insgesamt 14 Wochen gedauert. Stillegung der Zeche Waltrop. Wie wir erfahren, hat das zuständige Bergrevieramt die Eni- lassung von 200 Arbeitern auf der Zeche Waltrop zum 30. Juni genehmigt._ Aufgehobene Sperren. Der Zentralverband der Hotel-, Restau- null- und Cafeeangestellten teilt mit, daß die Sperren über die Lokale M a t s ch k e Grünheid«, an der Brücke, und Deutscher Garten. Treptow, Jnh. Frau Grünberg, aufgehoben sind. Die Differenzen sind beigelegt. gfeIpeie Gewerkfchasts-Iugend Groß-V??!'i Achtung, Aonlnzcig«! Connenw�ndseier dcr srcigewerkschastlich or�a.l.» siertcn Ii'gciid am Sonnabend, 23. Juni, im Frciiichithcatcr Iung.crn« hcidc. Mltm.rkcndc: Hcinrick Witte, Staa!s!l»cater: Sprech- und 2.3. wegunaschor der Volksbühne E. V., Verlin: Berliner Voiksllor. fia-x- vcrbinbunaen: Ringbahn bis Bahnhof Iungfcrnhcidc, Straßenbahn 3, 12. 55, Ct. Unkoftenbeltraa 40 Pf. Karten find bei allen freigcwerkfiiiaftlichen Jag»- funkt onären, in den Zahlstellen und Ortsvcrwaltungrn dcr Verbände, in den tzahistcll'n dcr Volksbühne, in der tzrcigewerkfä-aftlichen Iugendtentraie, Enzci- ufer 24125, Zimmer 7«, im Zigarrrngefchäft Har'ch, Engeluicr 24/23, zu haben. — Morgen. Sonntag, Einweihung der Iug'ndherbcrgc Buckow. M twirk nde und Teilnehmer treffen sich um 7M, Uhr am Vohnhof tzriedrichstraße. Scke Ecoraenstraße.— Eiidkrei,: iireisbadciahrt Eorinfce.— Süden, Siidwrsie»: Wanderung Eorinfce. Treffpunkt b'/i Uhr Etettincr Vorortbahnhof.— Wed- ding: Weddinger Landpartie nach Papcnderge. Verantwortlich fllr Politik: Victor Schiff: Wirtschaft: frischer p denn ,.sor>fch gemacht: er habe sein« Macht mißbraucht, um feine Familie Inden Tod z u hetzen; die Anwendung einer von Schwarz.abgegebenen eidesstattlichen Versicherung habe er ver» hindert und e» unterlassen, Strafanzeige gegen be stech» lich« Wohnungsbeamte, zu stellen, und schließlich seine Beamten beauftragt, mit Erpressungen und Drohungen gegen eine gewisse Frau H. in einer Weis« vorzugehen, daß dies« bettlägerig geworden sei. Mit einem Wort, der Stadtrat Eon» rad erschien in dem Briefe als schlimmster Verbrecher im Amt. Als der erste Termin stattfinden sollte, zog«« Herr Schwarz vor, zuHausezubleiben. Dafür schickte er ans Gericht ein ä r z t- liches Krantheitsattest, das ssch als gefälscht er- wies. Die Folge davon war eine vierwöchige Unter» suchungshaft. Das Nerfahren wurde niedergeschlagen, da dem Gericht nicht da» gefälschte Original, sondern nur ein« be» qlaubigte Abschrift vorgelegen hatte. Dorgeftern war aber Herr Schwarz zur Stelle, gleich ihm waren die« auch seine Zeugen. Diese, vom Vorsitzenden und dem Bertreter des Nebenklägers Stadt» rats Conrad, Rechtsanwalt Dr. Kle«, ins Verhör genonunen, versagten derart, daß Herr Schwarz sich genötigt sah, die Bermitt- bmz des Staatsanwalts in Anspruch zu nehmen, damit dieser «inen Vergleich anrege, der auch totsächlich zustand« kam. Herr Schwarz gab zu Protokoll de» Gerichts, daß er zu den schwer oer» letzenden Vorwürfen keine Deranlassunggehobt habe und sie mit dem Ausdruck de» Bedauerns und der Bitte um Verzeihung zurücknehme. Insbesondere erkläre er, daß gegen die Amtsführung des Stadtrats Conrad keinerlei irgendwie geortete Borwürfe erhoben werden können und auch in Zukunft kein« erhoben werden würden. Demgegenübsr erklärte der Stadtrat Conrad, daß er unter diesen Umständen den Strafantrag zu- rücknehme; entscheidend sei für ihn dabei auch das Gutachten des Gerichtsarztes, wonach der Angeklagt« schwer triegs- beschädigt und als pathologisch angesprochen werden müßte. Also eine zusammengebrochene Verleumdung mehri Vielleicht zieht der«ine oder der andere eine Lehre daraus. Kleingärten und Zugendpflege. Der Provinzialoerband Groß-Berkin im Reichsverbond der Klein gartcnoerein« Deutschlands hatte die Berliner Presse zu rfner De sprechung geladen, in der. der Vorsitzend« des Verbandes, R e i n h o l d, darauf hinwies, daß im vergangenen Jahre von dem Stodtparioment die langst ersehnte Borlag« über Dauerkolonien und Heimstättengartengebiet« Bsmbschiedet worden ist. Leider steht nun der Umfang des künftigen Dauergelän- des von 2l1Sll Hektar in gar keinem Verhaltiiis zu den heut« Neingärtnerisch genutzten 5749 Hektar. Es muß rnfolgedesson dahin gestrebt werden, durch eine zweite Vorlag« diese Lücken aus.zufüllen und darüber hinaus auch dafür zu sorgen, daß die Stadt den finanziellen Ausbau dieser Anlagen nicht, wie beabsichtigt, den Kleingärtnern allein ausbürdet, denn diese sind finanziell zu schwach. Stadt und Staat hätten die Ausgabe, die volksgesundheitlich io bedeutsame Kleingartenbcwegun« mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu fördern. Der Bestand eine? Nation ist m erster Linie abhängig von der Erziehung eines kräftige.« Nachwuchses, ein« Frage. die der Leipziger Arzt Dr. S ch r e b e r als erster erkannt und im.rch Schaffung von Jugendsvielplätzen mit Familiengärten in die Wirklichkeit umgesetzt hat. Trotzdem diese sogenannte Schrcber- Jugendpflege z. B. in Sachsen schon weit über S0 Jahr« alt ist, hat sie doch erst im vergangenen Jahre durch das eifrige Zu» sammenwirken aller Verbandsinstanzen hier in Berlin eingeführt werden können, weil, die Verhältnisse hier ganz anders als in «achsen und Thüringen gelagert sind. Heute treiben aber doch schon 2b»i von 830 angeschlossenen Bereinen Schreber-Jugendpflege und der Pravinzialverbond Groß-Derlin will am Sonntag, dem � d. 5., durch ein zentrales Jugendwerbefest der großen Oersentlichkeit zeigen, was die Berliner Kleingartenbewegung auf diesem Gebiet tut. Gleichzeitig soll dieses Werbefest ein Appell an alle noch Abfeitsstehenden sein, sich nunmehr auch zu dieser neuesten Aufgabe des Kleingartenwefens zu bekennen. Zum Schluß wies der Vortragende noch darauf hin. daß dies« Bewegung kein« Konkurrenz für den Sport bedeutet, wie vielfach aus Grund. oberflächlicher Betrachtung angenommen werde, sondern diese Schreber-Jugendpflege soll ja gerade dem Vport neues Menschenmaterial zuführen. Iugendwerbefeff am 17. Juni. «eziriwetfaiid TH-rl-ttenimrg.TIcra-ri-il. Sammelplatz:«ustop.Adols. FJm. I2lt!j Uf,t' TretfpunU: epUImielc Bolk-park Iungfernhe'.tze Ji.„— Sammelplätze: X. Gruppe: Land.berqer � �°e Buggenhagen: 2. Gruppe: RSdcrpIatz:». Gruppe: TSaerstratze GSe Grün, Allee;*■ Truppe: Rummel-burz, Schlicht- Allee«che LlWslrntze: 5. Gruppe: Spielplatz verein.Gut Lauch IT, Tristme-i!#. Gruppe: Lichtenberg. g-eulplatz; 7. Gruppe: Lichtenberg, Schiller. Tcke Nantstratze. Abmarsch der 1314 Uhr. Treffpunkt: Sportplatz«pnafistraße,«.ummelsburg, 144 Uhr.—«ejirlevcrband Nenli>lln. Treptow. Eommelplatz: ReuILlln Hertz. bergplatz. Abmarsch 12V, Uchr. Treffpunkt: Spielplatz Treptow. U Uhr.- -x�irtowrland Starten IT. Camnielplätze: 1 Gruppe: Ponkow, Berliner Strotz- Ecke Gsplanalx: 2. Gruppe: Riedcrs6,ijnbavs-n, Altec Marktplatz. Ab- marsch b» Gruppen 18 6*1».. 12'* Uchr. Treffpunkt: Spielplatz Berein Blanken. fell>e.Rosentbol. 1« Übe.— vezirlsoerband»einiSevtmrs. Sammelplätze: I. Wittenau, vittestratze. Busstscher«irchtzof. 2. Gruppe: R.inicken. borf-Lst, Moienplotz. 3. Gruppe: Neitiideichors-Vst, Linbauer«trage, Alte? B-Hau?. Abmarsch der Grupp-n 13 Uhr. Tresfpunki: Spielplatz in der Seidel. strotze. 1<'4 Uchr.—«ezlrlsuerbond Lchbneberg und S-jirksp-rband Steglitz. Sammelplatz: Leuthenplatz in Schäneb-Ig. Abmarsch 14 Uchr. auch für die Tellnehmer des Bezirkeuerband«« Sieglitz. Treffpunkt: Spielplatz Rüben». flratz«.— Bczirkererborb Tmnpclbof. Sammelplätze: Norbgruppe: Barutber «che Belle.Alliance.Etratz«. Abmarsch 14 Uhr. Slidgrupp«: Mariendorf, Markt. Platz. Abmarsch 14'4 Uhr. Treffpunkt: Tempelbof im Bpsepzrk, 13 Uhr.— Baz'rloocrband Trcpchw. Südost. Sammelplätze: 1. Gruppe: Babnhdf Rieder. fchpnewiide: 2. Gruppe: Adlerehpf. Marktplatz. Abmarsch b-r Gruppen 14 Uhr. Tref'punlt: Kolonie Adl-rgestell in Adlerohof. UM Uhr.— B«,!rl»»erb-nd Veddiug. Sammelplätze: 1. Gruppe: llolonicilr. II»;?. Gruppe: aolonie Schillerhllhe: 3. Gruppe: Afrikanische Ecke Swakopmunder Strotze: 4. Gruppe: Amrumer Eck« Ecestratze. Abmarsch der Gruppen 13 Uhr. Treffpunkt- Bürger. wtes», 14 Uhr.— Bezirkmierbaad Weihen see. Sammelplatz: Aieißensee, Ha». burger Platz. Abmarsch 13M Uhr. Treffpunkt: Spielplatz Dcrein JEonnen. schetn", 1314 Uhr.— Bezirkoo-rbanb WUm«r«dorf: Sammelplatz: S-idelborgir Platz. Abmarsch UM Uhr. TreffpimV: SpTklmies« Preutz-apark, 13 iz Uhr. Auf zur Elternbeiratswahl! Cfflient, kämpft für den Gchulaufbau! -Laßt euch durch kein SiegeSgeschrei der Gegner verwirren! ' Im„Lokal-Anzeiger�, dem deulschnai�>nalen Blatt, das zu der Elternbeiratswohl eifrig für d,e„Christlich» Unpolitische n� wirbt, kann man schon drei Tage vor der Wahl die„ersten Ergebnisse" lesen. Das ist möglich, weil bei der Elternbeiratswohl, wenn an einer Schule mir«in«„gültige" Kandidatenliste vorliegt, diese noch den Bestimmungen der Wahl» ordnung ohne weiteres als„gewählt" anzusehen ist, so daß hier eine Abstimmung der Wahlberechtigten überflüssig wird. Wie das genannte Blatt frohlockend zu melden weiß, ist es diesmal, nach den bisherigen Feststellungen, an 76 Volksschulen so gekommen. Von den Mandaten dieser 76 Schulen entfallen, nach den Zln- gaben des„Lokal-Anzeigers", die meisten auf die Listen der „Ehristlich-Unpolltischen". Das Blatt sagt, an den meisten dieser Schulen sei nur die Liste der„Chrisllich.Unpolitischen" eingereicht worden, an anderen Schulen habe man sich auf eine gemeinsam« Liste geeinigt oder es sei nach Zurückweisung der den Vorschriften der Wahlordnung nlcht genügenden Listen nur«ine Lifte übrig» geblieben. Wir dürfen wohl oermuten, daß die Zahl der Zurück» Weisungen von Listen wieder sehr groß gewesen ist. Dann ist es allerdings kein Kunst stück, einen„Sieg" davonzutragen. Daß bei der kampslosen Verteilung der Mandat« von 76 Schulen die„Chrisllich-Unpolitischen" so gut weggekommen sind. gibt zu denken. Wie viele dieser den„Christlich-Unpolitifchen" im voraus zugefallenen Mandate mögen dem llmstand« zu danken fein, daß all« anderen Listen vorher durch Un» gültig keitserklärung und Zurückweisung be» seitigt worden waren? Man weiß, daß solche Zurückweisungen manchmal mit den seltsamsten Begründungen zustande kommen. Durch Protest«, die schleunigst«inzureichen sind, kann Aufhebung der Ungültigkeitserklärung erlangt werden und es muß dann ein« Nachwahl folgen. Einstwellen aber gilt es, bei der am 17. Juni noch an den allermeisten Schulen zu vollziehenden Hauptwahl für die List« Schulaufbau zu kämpf« n. Laßt euch nicht von D«rbern der Gegner vorschwindeln, an«urer Schul» fehl««in« solche List«. Ihr werdet euch beizeiten über die bei euch vor» liegenden Listen vergewissert haben. Alle Eltern. denen das Wohl der Schul« und der Jugend am Herzen liegt. stimmen am 17. Juni bei d«r Elternbeiratswahk für die Liste..Schulaufbau". llebergriffe„christlicher* Wahlvorstckade. Man schreibt uns: Die schon bei der Elternbeirats wo kg 1026 geübten Praktiken christlich-unpolitischer Wahlvorstände treten auch diesmal wieder in Erscheinung, so daß es wahrscheinlich auch wieder zu zahlreichen Nachwohl«» infolg« Wohlpratestes kommen wird. Unter den fadenscheinigsten Gründen, völlig ungerechtfertigt wurden von christ- lich-unpolitischen Wahloorständen Schulaufbaulisten für un- gültig erklärt. In allen diesen Fällen muß Wahlprotest beim Provinzialschulkollegium, Berlin-Licht«rf«lde, Block 51, erhoben werden. Es grenzt an groben Unfug, daß hier aus engstirniger, parteiischer Ausübung des Wahloorstandsamtes den Eltern wie den Behörden unnötig« Arbeit verursacht wird. An der 12 4. Schul« wies der Vorsitzende di« Liste„Schul. aufbau" zurück, trotzdem 22 Unterschristen vorhanden und alle Vor» schriften erfüllt waren, well nach der Behauptung des Herrn einige der Unterzeichner„durch falsche Agitation getäuscht worden seien". Dabei trägt der Kopf der Liste in großen Buchstaben die Bezeich- nung: Schulaufbau. Bezeichnend für die Denkweise der Freunde der Bekenntnirfchule ist es auch, daß man ein katholisches Eltern» paar, dessen Kind evangelisch erzogen wird, als Kandidaten nicht anerkennt, weil die Schule„evangelisch" sei. Ebenso schließt man «inen Deutschösterreicher aus. Eine gut« Illustration für die„Tole- ranz", die in der zukünftigen Bekenntnisschule herrschen wird. Keiner Partei dienstbar? Die OemoSkierung der„Ehristlich-Llnpolitischen*. An den Berliner Anschlagsäulen verkündet ein Aufruf Berliner Pastoren,.daß die Kirche nicht nur einer Partei diene". In Flugblättern beteuert der von der Kirche organisierte Eltern- b u n d. daß er den politischen Parteien scrnstehe. Aber der große Wahlkampf der politischen Parteien hat die innige V e r b i n- dung der„Ehrl st lich. Unpolitischen" mit den Deutschnationolen misgezeigt. Noch ist unvergessen, daß der..Schulstreit in der Sonnen» burger Straße" eine groß angelegt« Wahlmache der Deutsch- nationalen war. mit deutschnatioimlen Bezirksverordneten und Lehrern als Drahtzichern. Noch fst unvergessen, daß die in den Flugblättern gepriesene„unpolitische" Straßenkundgebung eine deutschnationale Demonstration war. bei der im Dom, im Zirkus Dusch, am Lutherdenkmol deutschn'tionoleFlua- blatte r:„An die christlichen Eltern!" Wer bilft? Di« Deutsch- nationale Volkspartei!" vertritt wurden. Aber schon bei der ersten Kundgebung der Deutschnottonalen im Zirkus Busch war di« Ber» bindung deittlich geworden, so daß eine gewiß unverdächtige Zeugin. die rechtsgerichtet«„Tägliche Rundschau", in ihrer Abend- ausgab« Rr. 130 folgendes schrieb:„Das Mittellungsblatt für den Evangelischen G e s a m t- E l t e r n b u n d Groß. Berlin fordert die evangelischen Etternbünde zum Besuch einer Schulvcr- sammlung der Deutschncttionalcn Bolksportei im Zirkus Busch auf. Die Mitglieder der evangelischen Etternbünde werden sogar aufgesor- dert, sich in der Geschäftsstelle der Deutschnotionalen Voltspartei Handzettel zur Werbung für dies« Versammlung zu besorgen. Dorm Legt ein offenes Bekenntnis zur part«lpolitisch«N »erbundenheit mit der Deutschnationalen Volts- Partei l Das Mitteilungsblatt für den Evangelischen Gesamt. Ctterbund Berlin kann nicht mehr als ein p a r t et p ollti s ch neutrales Organ angesehen werden. Seine einseitige Stellung- nahm« bedeutet nicht nur den praktischen Verzicht auf jede positiv« Lösung de? Schuknot, well Zentrum und Demschnationale niemals allein imstands sein werden, ein Schulgesetz durchzudringen. sondern auch den Verkauf der g« s a m t« v a n g el i f che n Interessen an die einzelne Partei, in der Millionen und aber Millionen evangelischer Christen niemals ihre politisch- Vertretung erblicken können." Dies das llrtell der„Töglischen Rundschau", das nur bestätigt. was all- Kenner der Bsrhättnssfe sett Bestehen des Etternbünde? wissen. Der Elternbuud wie sein Ableger an den höheren Schulen, die sogenannt-„Freie R e i ch s a rb- it»g« m e i n» schaft der Elternbeiräte an HSH-ren und mittleren deutschen Schulen"(Vorsitzender- General Exzellenz v. Wrack. Letter Pfarrer Höhne) arbeiten s ü r d i e D« u t s ch n a t i o n a l e u. Denkende Ettern werden bei der Elternbeiratswahl o:n 17. Juni den„Christlich-Unpolitischen" di- Quittung geben durch. Wahl der List« Schulaufbau. Adam im Weißensee. Mscht ohne Erlaubnis und sucht Enteneier. Ein« hettere Szene spielte sich gestern am Weißen Se« ab. Der Aufseher des Fischermeisters, der den See gevachtet hat, sah schon öfter einen jungen Burschen, der im Adamskostüm im Schilf hcrumpatschte. Er stellte fest, daß er unberechtigt mit Reusen fischte und außerdem den Enten di« Eier weg- nahm. Bisher war es nicht gelungen, den Burschen zu fassen. Gestern sah der Aufseher ihn wieder und forderte ihn auf,«inmol herauszukommen. Das tot denn der„Adam" auch. Statt jedoch Auskunft über sein« Person und sein Treiben zu geben, versetzte er dem Ausseher unversehens einen Boxhieb ins Gesicht und sprang wieder ins Wasser hinein. Diesmal aber fand der Aufseher seine Kleider, nahm sie an sich und brachte sie nach der nächsten Revierwoche. Jetzt war der„Nackedei" in der Falle. Er traute sich aus dem Schilf nicht heraus, well immer mehr Leute hinzukamen, und stand betrübt da, bis der Aufseher mit«tnem Schupo von der Wache zurückkehrte, dessen Aufforderung der Adam willig folgt«. Die Kleider waren auch wieder da und so erregte auch der Gang nach der Wache kein Aufsehen. Autobus gegen Autodroschke. Gestern nachmittag ereignete sich an der Kreuzung W-Moabit und Jnvalidenstraß« ein fogenschwerer Zusammenstoß zwischen einem Autobus der Linie 11 und einer Autodroschke. Durch di« Wucht des Zusammenpralls wurde di« Droschke völlig zertrümmert Da« Konzert des Arbeitersängerchors Ostober- f ch l e s I« n, das nachmittags die Funkstunde sendet, steht unter einem unglücklichen Stern. Erkrankungen einzelner Sänger ver- hindern die Vorträge des Doppelquortetts. Dafür singt der gemischte Chor. Die Besetzung des Chors scheint geringer zu sein, als wir es m Berlin von Arbeiterchören gewöhnt sind. Vielleicht wird dieser Eindruck auch nur durch unvorteilhaste Aufstellung des Chors>m Senderaum hervorgerufen. Der Chor ist sehr gut geschult, besonders im Piauosingen, im Schwellen und Dämpfen der Töne. Es ge- lingen scharfe Ueberaänge und daneben stark« Steigerungen. Gerade durch diese dynamische Auffassung, durch dieses Betonen der Gegen- sätze wirkt der Chor in Fortcstcllen mächtiger, als man es erwartet. Auch im Rhythmischen arbeitet der Dirigent Birkner mit sicherem Gefühl. Ganz ausgeprägt tritt dieses Moment in dem Bolksved „Das Wandern ist des Müllers Lust" in die Erscheinung. Nur die Tempi könnten manchmal beschleunigter genommen werden.— Abends eine technisch einwandsreic Uebertrogung des„Fidelis" aus der Etaarsoper. Es kommt kaum zu Tonüberlügerungen. Orchester und Sänger decken einander nicht mehr zu. Das Orchester klingt prachtvoll und ist vollkommen klar in den Figuren. Sogar eine für die Uebertrogung schwierig« Szene, wie der Gefangenenchor im ersten Akt. bleibt ohne jede Verzerrung. Allerdings ist das große Crescendo zu stark für die Mikrophone. Ausgezeichnet die Sanaer. nur Schützendorfs Pizarro hinterläßt keinen Eindruck. Warum legt man übrigens zwischen den ersten und zweiten Akt eine Paus« van 45 Minuten? F.©. und der Chauffeur, der AZsährige Friedrich Droge au» der Elsässer Straße 5. schwer verletzt. Der Verunglückte fand im Moabtter Krankenhau» Aufnahme. Auch dar Autobus wurde bei dem Zusammenstoß so schwer beschädigt, daß er abgeschleppt werden wußte. Die Fahrgäste dos Autobus kamen, obgleich zahtteich« Scheiben zertrümmert wurden. mit dem Schrecken davon._ Abermals ein Eisenbahnunglück. Zusammenstoß zweier Lokomotiven. Laudsberg a. d. W 15.?vni. Am Endflellwert d« Bahnhofs bei Soldin(Neumark) stieß heute eine aus e-rodsberg a. d. w. kommende neue Lokomo- kloe. die eine Probefahrt machte, mit eine? ans dem Bahnhof fahrenden Bangierlokomolioc zusammen, ver Zusammenprall mar so heftig, daß die Brobelakomotive an, dem Gleis gehoben wurde und vmstürzle. Ein Reichsbahobau. t a t und ein Heizer ans candsbeeg wurden schwer verletz l. Der zweite Heizer erlitt leichtere Verletzungen. Beide Lokomotiven wurden stark beschädigt. Die Strecken Landsberg— Soldiu und Soldio— pyrih waren vorübergehend gesperrt. VW Schuldsrage ist noch nicht geklärt._ Sowjei-Eksvrecher fährt nach Spitzbergen. Amundsen vor der Abfahrt. Leningrad, 15. Juni. Heute morgen ist der Eisbrecher„K ras sin", der ein Flugzeug au Bord führt, von hier noch Kingsbaq ausgelaufen. mn sich an den Arbeiten zur Bergung Nobiles zu beteiligen Er wird voraussichtlich am 25. d. M. Spitzbergen erreichen. Die Leitung der Expedition liegt in Hinden von Prof. Samoilowitisch. An Bord des Schiffes befinden sich auch Derttcter der italwnifchen, der norwegischen und der Sowjctpresse. Oslo. 15. Juni. Heber seine Pläne zur Nettung Nobiles erklärt« R o o l d Amundsen, daß er versuchen werde, so weit wir irgend möglich noch Norden vorzudringen. Morgen abend werde er nachBerg« n abreisen. Wenn das Flugzeug genügend Benzin an Bord ge- nommen hat, werde er noch Tromsoe fliegen, wo der Proviant ver- vollständigt und Betriebsstoff nachgefüllt werden soll. Bon Bromsoe gehe dann der Flug noch Kirwcban. Wenn wir auch, so erklärte Amundsen. vom Wetter abhängig sind, so werden wir doch so ball» als möglich von Ktngsbay, unserer Operationsbasi, auf Spitzbergen, ausbrechen, um Nobile zu suchen. Wir sind nicht imstande, auf dein Eis« zu landen, aber wenn wir Menschen in der Näh« vom offenen Wasser finden, werden wir sie an Bord nehmen: andernfalls werden wir Proviant und di« von Nobile verlangten Ausrüstunpsgegenstände abwerfen. Der groß? Aktionsradius der französischen Moschin: wird un» die Möglichkeit geben, eine östliche Flugroute zu verfolgen, um einen Teil der verunglückten„Jtalia" zu suchen. Di« Ausrüstung». gegenstände werden in Oslo beschafft werden. Leumant Dietrichson wird uns bis Spitzbergen begleiten. Kenner sahri's von weitem schon, lockres Haar durch Ufte Jim grünen Strand derSpree finden jetzt Teusende Berliner Erholung und neue Kraft nach des Tages Last und Mühe durch die anregende und erfrischende Berlins rn eisigem u chte 4�8 Cigaretfe Pie Bitte Eurer Kinder: Konsum hat 5 Mitlionen Maiumsah. 40 proz. llmsahsteigerong gegen das Vorjahr. Der M a i u m s a jz der Konsumgenossenschaft Berlin reicht« nahe- zu an 5 Millionen Mark heran. Er betrug Mark, was gegenüber dem Mai vorigen Jahres— 3 476fWi!,37 Mark— eine Steigerung um 1418 282,46 Mark— 40,8 Proz. bedeutet. Di« Warcnhousabteilung, für sich allein betrachtet, Hot ein« Umsatzsteigerung von 224 Proz.. bei den F l« i s cha b g a b« stellen beträgt sie 56.7 Proz. In Weißenjee, Buschalle«, am Platz 80, wurde eine neue Lebensmittelabgabestelle eröffnet. Der Zufluß neuer Mitglieder hielt unvermindert an; 2029 t)aushallung:n traten der Genossenschast bei, wodurch sich der Mitgliederbestand auf 136 330 erhöhte. Innerhalb der 11 Monat« des 29. Geschäftsjahres sind bereits 26 647 neue Zlusnahmen erfolgt. Der Bestand an Spareinlagen belies sich am Ende des Monats auf 24 111 603,36 Mark. Den Einzahlungen in chöhe von 1 223110,62 Mark standen nur 364 174,77 Mark Auszahlungen gegenüber: demnach betrug der Zugang 638 933,86 Mark. Großfeuer auf einer Zeche. Nehme 1000 Tonnen Kohle verbrannt. Kassel. 16. Juni. Die Gewerkschaft Trielendors. die werwollste und größte Zeche der mitteldeutschen Braunkohlenindustrie, ist am Don- nerxrog abend von einem verhängnisvollen Feuer heimgesucht worden. Durch Selbstentzündung geriet das Braunkohlenlager in Flammen. Durch den heftigen Sturm hotte das Feuer in über- rafchenü kurzer Zeit einen Umfang non 260bIs3S0Mete? B r e i t e u n d 28 Meter chöfjc angenommen. Trotz Einsetzung aller versugbaren Mannschasien der Gewerkschaft und der Orts- feuerwehr ist man den Clement«» gegenüber machtlos gewesen. Mit sämtlichen verfügbaren Schlau äileitungen. die eine Länge von 1800 Meter hotten, wurde gegen den Brand- Herd vorgegangen. Zeitweise war man mit 18 bis 26 Rohren tätig. parteinachfichten.��fürGroß-Rerliu oiuseuSiuu,«,«r tchle Sinöril(UK«et, oa tms®«jlr!»ItftOorio» eerlia Saas. Liud»»str»tz. 3, l&gjar 2-»Of,* a«p.»a tfcw*«. Achtung! Elternbeiratswahlen! T1«* Zontrallnahlbnreau ist am Tonntag, 17. Juni. in- Tchulc. Tanziger Str. 23. Telephon: Bineta 77S. Geöfs�rt ab morgens 8 Uhr. 3.£r;< JtuogBcig. D« SazUmreas fSi die aiirtafcciratapaU befind� sich i*l Hoehlte, Bcrqmaiutftt.»9. Ta«rlu»l- ilwt«är»«lld(ff. ch 74«. fftaU- rewll-t. a, an. gebe-. Schulen, an denen leine Wahl statzlindet, wollen den Namen box Lifte und die Rainen der gewählten Parteigenossen mitteilen. 14. RtcU Kcideln. Die Rarfrn zur Dampferfahrt erm Dienstag, 10, SinH, sind ausoerkaufl. 17, Jltci» Lichtenberg, ftteie Schnlgemeinde. 9111c Mitglieder finden stch Sonn. tag. 17. Juni, zur Wadlarbcii in ihren Scholen ein. Alle Mitglieder find oetpflichiel, sich an der Wahl zu beteiligen. heute, Sonnabend. 16. Juni: ». Abt. �kugblaltoerbreitung zur Elternbeioatsomhl 18 llhr bei Dodrohlaw, Swinewiinder Str. 11. Sonntag, 17. Zuni, treffen sich die Genossen zur Wahlhilfe ebendort. 7«. Abt. Das Material fttr die Slternbeiratmvahlen ist abzuholen bei Pinn er, ? resckowfvt. i!S. 91.«hl. TcnlöSn. Flugblallverbreitung 18 Uhr bei Rifchl«, Winzbener Straße LS. Jeder Dezirl muß vertreten fein. Am Sonntag, 17. Zuni, stellt sich iedrr Genosse zur Giternlteiratswahl dem Ahteilungsvorsiand zur Beifügung, gentralwahflokal bei Stahmann, MUniftener E-le Reuterstraße. Ptterodag-n.?a Uhr im Lokal MagcT, Dorfsiraße. Mo uatsoerfammiung, Tages- Ordnung: 1. Rilchdlich m-f die sialtgeiundenen Wahlen. 2. Humoristischer Abend.' Deranstallung der SA?. Lichtbildervortrag'.„Wilhelm Dufch." Sn dieser Veranstaltung(Sinlritt frei) sind alle Freunde und Anhänger- i Ireundlichst eingeladen. Morgen, Sonntag, 17. Juni: 1. Übt. Di- G-mossinn-n und Genossen treffen sich zur Wahiaribeit SV. Uhr bei Spiegel. Ackerstr. 1. X«fit. Su den SI ter nbeirat mvahlev werden noch dringend eine Anzahl Genassen als Helfer gebraucht. Treffpunll früh 7V4 Uhr bei Krüger,(Engel. Ufer LS. Die Dezirlsführrr wollen die Agliationeeoerbedriefe umgehend vorn Abteilungsleiier abholen. II. Vtt Die Genossen treffen sich zur Gllernbeiratswabl um 710 Uhr morgens l>e> Laurißeu, Putbnsser Str. 11. Die Genossen, die sich an dem Umzug der 102. Adr. Danmichulenweg beteiligen, treffen sich um 12 Uhr bei Gott. rlnlame Fehrf aller stillen nach dem Gruniwald. Trefkpunkt S~ U-z TS jlndugraejl�ihot Bergstraße. SaO«a*. Vortrage, Vereine und Versammlungen. Reichsbauaer„Schwarz-Rok-Gold". ! k t s st» 1 1»: Berlin S. 14, Sebastianstr. 87/88. Hof Z Tr. _.WW.. Schstdenhau».— Antreten 1218 llhr mit Musik WM jJTicP Neoköllu.Brih, Jeden Sonnabend 18 Uhr Treffen 4»»« Sonutaq, 17. Zuoi Frtedrichshatu: Antreten 121 und Fahnen auf den Sanuneiplähen der Samerdschaften. Nachzügler 18 Uhr Bahnhof Baumsehulenweg. Fahrgeld 80 Bf. Tcwpelhof: 14d« Uhr Bahnhof Mariendorf mit Musik und Fahnen zur Veranstaltung in Mahlow. Baum- mlenwegi Treffpunkt 1814 Uhr. Abmarsch 14 Uhr Baumschulen straße Ecke Bpeoicker Landstraße nach der Sdniasheide. Biesdorf, Die Kameraden dt- teiligen fich rollzahlig an de» Borarbeiien zum republckanifchen Sag. Ummarfch ''44 Uhr. Mitte: Antreten zur BflkutvercniNaltunq von Biesdorf 14>4 Uhr airnhof Biesdorf. Lichten bera, Antreten 1414 Uhr Bahnhof Biesdorf. Ponton,! Radfahrer, die nach Liefienwalde fahren wallen, treffen sich 714 Uhr Marktplaß Pankow. Nenlällu.Briß! Antreten mit Fahnen tZ'/i Uhr Raumfchulenmeg, Köpenicker Landstraße Ecke Baumfchulenstraße. Für die 1. Kameradschaft Bflichl. antreten.— Montag, 18. Zuui SlenkellK-Brih! I. Kameradschaft!. 3ua 20 Uhr Versammlung fiet Dflke. Reutersir. 47. 2. Kameradschaft 1. Rüg 20 Uhr Ber- ' mmlung bei Schafietko, Neichf-lstr. 5. Referent Dr. Kämmerer:„Die Polizei r neuen Slaak." 4. Kameradschaft Versammlung 1«>4 Uhr. für Angehörige und Gaste 201, Uhr. Bartrag des Kameraden Abter Über„Deutschland und Frankreich— ein poNtifchrr Ausflug/-«dlerahof, Feden Monfag 111 Uhr ufammenkunft im Zugendheim Roonstraße. «rfioiter�fperontofiued. Sämtliche Arbeiter-Efperantisten Groß. Berlins firteilfgen sich Sonntag. 17. Zuni. am Rast im Stadion. Trekipunkt: Shrenhof an der Ausstellung FralraligiZfe Clcraeirde. Sonntag 11 Udr Pappelallee II. Portrag he« Herrn Dr. 38. Brie:„Die Ehe norn religidfen und rnoralifdien Standpunkt." Harmonium:„Du bist Orplrd(Wolf) Gäste u illkowmen. Berliner Esperanteoeieinigzing. Dienstag, Ist. Zuni, 20 Uhr, im Restaurant „Alter Askanirr', Anha'titr. 11, Portraa de» Barsitrenden der Eioeranto-Bank. facharuppe, Herrn Kart Fifäur:„Das Geld des Reisenden(Kreditbriefe, Reife- fchecks u'w.l• Gäste willkommen. Bereioiguoo für Schal, und Erzichnngafragen, Berlin- Treptow. Freitag, l. Zirni. 20 Uhr, Aimmer»8 der 8. Treptower. Gemeindefchule, Wildenbruch- Sonnenwend-Feier am Sonnabend, 23. JunJ, 22 Uhr, in den Oosener Bergen(nahe Restaurant„Berliner Schweiz*) Piwramra: FäCkelrug, Eröffnunfslieck, Spreebcheir, Jugondchor, Petita tion. Sprechchor. SchfuBlieo.— Eintritt frei.— Fahnergindunr: Eisenhahn dt» Bhf Eichwalde oder bis Bhf. Grünau, dann mit StraBanhahn bis Endhai«ostall«. Soziailstischo Arkell«;2usend aroa«Berlln. straß-« n, Sottoo�;„Sexuelle Erziehung und Aufklärung." Referentin Frau Bereinigung der Frau ade oo« Religio» and Pessker friede». Estuosse Pfarrer Bleier spricht am kommenden Sonntag. 17. Zuni. 10 Uhr. rw Rahmen eurer religiösen Feierstunde ist der Trinttatiokirehe, Eharlottenburg, über das Thema: .Zst Besiß heilig" �.. B»»b Bereiniguug freiheitNche- Dkadeuiiker e. B. Donn-roiag, A. Zun:. 7g Uhr. im Plenaefaal des Reichswirtichaftsrats Boriragsabend des HomMirger Strafrechlsiehrer, Prof. Dr. Morit, Liepmann Über da- neue Strafgefeßbu». l.sdorlstsl Ido llnioco Internaciono.(inipo Berlin. Genna Idisli partoprenos al derrionstro okazionc„Rasf'-dio. Nl renkontros sundio yc 17-a junio 8.30 kl. Wittenberg placo. Rennen ju Karlshorst am Jreifog. dem 15. Zuni. 1. Rennen. 1. Lichtstrahl(»isimaifi, 2. Marchei- CFinn�e), Siual'ii(«tiluUeä) Toto; IS: 10. Pias: 1», 13, 2:4:10. Ferner liefen; Kerf, Die Irene, Lieferet, Burg fmk. �oiine, Silbertatze, Raute. 2. Renne». 1. Parsiial(o. Reibiritz), 2. Eintracht II svuaM. 3. Srondmcilter(» Borrfo. low: 102:10. BloJ; 22. 13, 17: 10. Feiner liefen: Borgia. Ratalie. Bnl.innicitB, Caewr II. May. 8. R e n n e n. 1. Rheinfand iDolffl. 2. Pommer Hnnfferf. 3. Rorbieo i'.Gfuet). low: 19:10. Pias: U, 30:10. Ferner liefen: Fateider, Stattliche, sillederwald. 4. Renn«». 1. Fünf Uhr(n. Simnf'off). 2. Diwan(Dvast), Z. Jrkuit fstaudinger). low: 87:10. Blatz: 15, 22, 1Z: 10. Ferner liefen: Möro«, Älmeido, Sonnenkönig, Fairy. 5 Rennen. 1. flfitenib Mousseur'TchieF. 2. Cmbroenlion(SSolft), 1 Cctaolfi(Schnißeri low: 51: 10. Plaß: 15. 53,12: 10. Ferner liefen: Wchkatze. Parades, Rückgrat. Paska, Eutck. Kraphit, Dolga 11. ».Rennen 1. klöteilung. 1. SlatmS iWerman'». 2 Memnon lHeldt), 3. Äyon(Murpanl. low: 20:10. Motz: lS. 13. 16:10. Ferner liefen: Caro Bube. Liliniiee, Verwechsinng. Sawafch, Äölluö, Venezianerm. 2. Zlbteilung. 1. Mulalte tBödlkef. 2. San Marco(Faetel). 3. Aade- wttt lAurzawal. Zww: 28:10. Hlah: ,6. 44. 16:10. Ferner Uesen: Piatkt, lläsarea, Vellznnde, Trtanon. OrejleZ. Anlenor. 7. Rennen. 1. Ersws äs Ilentfi» lBidmark), 2. lad Lied fMcrih), 3€'V«it iSiitnIieS) low: 57 10. Platz: 12. 18. 11! 10. Fctntr liefern Srllcniz II, ZlnciLa, Schlehbiüw. Itnmpi König. Moidi, Narrinzei�, Mataja. Volk s buh ne Theatu am Bülnwjiat'l'tt. am SdiiffbiDariamm Uhr 8", Uhr Orpheos In derDer Zigarettsa- Unterwelt| kästen veMttüiM Norden 12510 ■iU. Ende gegen II Arlfslen Rh ii Max Reinhardt Kammerspiele Norden 12310 81/2ljhr. Ende 101' Vorletzh igffibrung! Finden Sie. das Cnnstance sich riditii verhält? Montag, 13 Juni, 8 Uhr Zum I..Malet Viertägiges Gast- Spiel des nieittre dn aym- nase. Paris Le Secret fDas Geheimnis) Die Komödie lismarck 24] t/7,M' lt U. Ende io>/4 i Es liegl in der Luft Revue von Schiffer. »lusik», Spoliansk} »eriiflär Tneeter '.ajrijtteuh.JJ/SI.Cjjii.tir 5V, U Ende geg. 11 jaslsjiaid.DeijIsdunTh. Der Proreh Mary vZiSsv •'Mollendor fsbc J€erto.'Wiili v Ernst Davldsohn nelst Tran% w 4> » «. preußische ZeuirMadischafi zu Verlin. Nachdem bet bis zum 13 Juni 1928 von uns zur getchnung aufgelegte Teilbetrag von GM. SOOOOOO.— 8% igen reichSmündelsichere» Goldpfandbriesen der preußischen Zenttalstadtfchast, Reche 19 vorkaust ist, legen wir Hiermit writere GM. S 000 00V.— dieser Koldpfanddriefe zum Vorznqszeichnunaskors von 97*1» 2(710,—»28. Lieferung der die Herzlichsten Slüchwüusch« zur V sUdernen Hochzeit. P Kameradschaft Seneiclderp'atz.... Reichsb. Schwarz-Rot-Gold � lilerlinerll&ii-fl'iO| Neukölln, Uliastr.74.7äi[' (letzter Berliner BSrsrnlurS 98°/,) zur Zeichnung aul. (Stückelung: 100.-. 200-, 300.—, 1000.-. Smcke: So! ort ipeseniret goickinungssrist: vom 18. Juni bis 9. Zuli 1928. Borzeitiger Zeichnungsschlutz bleibt vorbehalten. Die»olbpiortbbrieic der Preußischen ZmtraidoMfdiaft sind auf Feingold gestellt,»ie ihnen zugrunde liegenden Deckungsdypolhelen find Fewgolbhiivothefen und halten fich, fameil es sich nicht um Neutaulen handelt, in der Siegel innerhalb 2ä°. des Bortriegsdeieihunge- wertes der Hausgrunditücke. Die(Kolbpinndbrie'e werden zum Goldmarkpreife verzinn und zum(Soldmarkpreife eingelöst. Eine Goidmar! emipricht dem Feingoldgewicht von'Irm kg Feingold. Die Auslosung der Goidaianddrleie erfolgt zu 190 V» Die»oldpsanddrief« der Preußischen genlraliiadtlchast sind reichsmündelstcher und gesichert durch; 1. eritsielligo Feingoldhypoihelen, - das eigene Bermogeu der Zenrralftadtschaft und der ihr angeschlossenen 8 Stadl- sdiaften. 3. die Darantle der beteiligten S preußischen Provinzen, dl« anteilig und in»oller Höhe hai.en. Die von der Zeniralstod'schait ausgegedenrn»oldpianddrieie sind bei der Neichsdanl in -M« deieihdar. dem für die Reihe 19 beretts gestellten Antrag wird im Lause des Monats Juni 1925 Naltgegeden werden Zeichnungen weiden von allen Banken. Bankiers, Sparkassen. Stadtschasten sowie der unlerzeichnelen Äörporichast entgegengenommen. Preußische Zentralstadtschaft »örperichasi de» SffenNichea»««hl» Verlin W 10, Biktoriastraße Nr. 10. AernsprechanichkAfse t «kursvrst B U ösS-öST» und 5S48 Zelegrainmadress«; ä-tadljchast, Berlin. 7lr, 281» 45. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 16. Juni 1928 Der schwedische Kreugertrust. Seine neuere Entwicklung— Das weltwirischastliche Milieu desRormaffandals. Das Allerneueste vom schwedisch-angloomerikanischsn Kreuzer- jrust haben wir im Zusammenhang mit dem sensationellen Aus« gang des Stuttgarter Prozesses in den letzten Tagen ausführlich behandelt. Unsere heutige Darstellung gibt einen Einblick in die Entwicklung, die der weltumspannende Kreugertrust in den letzten Monaten genommen hat. Seine Expansion in der wellzündholzindnslrie dürste bald beendet sein, da sein Monopol sast vollständig ist. In soft allen Ländern beherrscht der Kreugertrust jetzt Produktion und Vertrieb der Streichhölzer, keine Regierung wagt den Kamps gegen ihn aufzunehmen, hinter dem eine Kapitalmacht von vielen Milliarden steht. Die Erweiterungen seiner Interessensphäre, die noch von Zeit zu Zeit gemeldet werden, dienen mehr der Ab- rundung oder Rationalisierung der Organisation, als großen Expan- sionsplänen: denn nur in Frankreich und in Rußland existiert noch eine vollständig freie Zündholzindustrie und dort unternimmt der Trust kein« planmäßigen Eroberungsoersuche, sondern verläßt sich auf die Ausnützung günstiger Gelegenheiten. Solche Gelegenheiten hoben sich noch kürzlich in Ungarn, Lettland und Italien geboten, wo der Trust gegen Zündholzintercssen Anleihen vermittelte bzw. Aktienpakete erwarb. Aber Ivar Kreuger ruht deshalb nicht. Der Zündholz- trust ist ja nur ein Teil jenes gigantischen Konzerngebildes, das der schwedische Ingenieur ausgebaut hat und dessen Umsang nicht ein- mal genau feststeht. Erst zu Beginn dieses Jahres wurde eine wich- tige Verbindmig offenbar, von der gerüchtweise schon lange gesprochen worden war, nämlich die zwischen dem Kreugertrust und dem Eleklroluxkonzern. Ein von Lee, chigginson u. Co., der Lon- doner Bankverbindung Kreuzers, geleitetes Konsortium, das die Aktien der Svcnska Kugellagersabriken A. G. in England eino«, führt hatte, nahm sich auch der Elektroluxaktien an. Der große Konzern der Skaubsauger. und källemaschinensabriken wird fort- während erweitert und Hot auch in Deutschland vor fünf Wochen eine Aktiengesellschaft mit vier Millionen Mark Kapital gegründet, die seine Interessen im Reich zusammenfasien soll. Nicht weniger regsam zeigt sich jene Abteilung des Trustes, die über vierzig Prozent der Äugellagerproduktiov der Erde beherrscht. Aus kaum einem anderen Gebiete läßt sich so leicht«in Trust errichten, wie gerade auf diesem: denn die Ersparnisic, die durch die Masienfabrikation der über tausend verschiedenen Sorten von Stahlkugeln erzielt werden können, sind sehr hoch. Die Kugel- lagerinteressen des Schwedentrustes sind in der oben genannten Göteborger Gesellschaft konzentriert. In ihrer General- Versammlung wurde am 19. Januar d. I. die Ausgabe von 14 Mill. Kronen neuer Aktien beschlossen, mit deren Erlös westeuropäische Kugellagerfabriken ausgekaust wurden, darunter die der Eompognie d'Applicätions meconiques mit einer Tagesproduktion von IS 009 Lagern, was etwa der gesamten täglichen Erzeugung der deutschen Fabriken der Branche entspricht. Wie das bei den Gesellschaften des Kreugertrust«? üblich ist, wurden die sür das Ausland bestimmten Aktien nur mit einem tausendstel Stimmrecht versehen. Unterstützt durch die schwedisch« Gesetzgebung, übt die Verwaltung des Trustes mit einer kapitalmäßigen Minderheit aus diese Weise«ine sast absolute Herrschest über alle von ihm abhängi- gen Unternehmungen aus, während der größte Teil der eingebrach- ten Kapitalien sich in amerikanischen und eng- Irschen Händen befindet. Das geht natürlich nur solang« ohne Unzuträglichkeiten, als reichlich« Dividenden für die aus- ländischen Aktionäre abfallen. Erfreuen sich diese, wie jetzt, auch noch hoher Kursgewinne, so finden sie erst recht keinen Grund zur Klage.— In neuester Zeit hat sich Kreuzer einen starken Einflusz auf den Eisenerzmarkt verschasft. Die Gerücht«, die von einem Plan zur Errichtung eines Erztrustes sprechen, behaupten nichts Unmägliches. In der Der- bindung Groengesberg— Gute-Hoftnungs-Hütte(Krupp— Hösch— Vereinigte Stahlwerke) Müller-Kroeller-Konzern ist«in« Grundlage bereits vorhanden. Die Trafik A.-G. Graengesberg in Oxelöjund wird vom Kreugertrust beherrscht und hat in Schweden Gruben, in denen mehr als 500 000 Tonnen monatlich gefördert wurden. Die Gesellschaft ist ein wichtiger Lieferant für die deutsche Schwerindustrie. Für 1927 verteilte sie nicht weniger als 17 Proz. Dividende, und das trotz hoher Rückstellungen, die wegen de? Ausfalls vorgenommen werden mußten, den der schwe- dische Grubenarbeiterstreik— besten Berechtigung die A-G. Graen- gesberg mit ihren 20,38 Millionen Kronen Reingewinn dartut— im neuen Iah» hervorrief. Das Aktienporteseuille der Gesellschaft steht mit der stattlichen Summe von 132 Millionen Kronen(— 148 Mill. Mark) zu Buch. Darunter befinden sich Mehrheitsbeteiligungen an den Grubengesellschaften Luossavara-Kirunavara A.-G., Stora Koppor- bcrg und A. G. Hämatit. Die letztere besitzt umsangreiche Gruben- selber in Nordafrika, die früher als Eigentum der Erzgefell- schoft Quenza bekannt waren: sie wurde vor einigen Monaten von der Graengesberg-Gesellschost gegründet: dies« übernahm zwei Drittel des Kapitals, während sich mit dem Rest der Müller-Kroel- ler-Konzern beteiligte. Ist dadurch schon die Verbindung zwischen der h o l l ä n d i- scheu Gruppe, die etwa dreißig über die ganze Erde oerstreute Bergbau- und Schiffahrtszefellschaften umfaßt, und dem Kreuger- tonzern offenbar, sv besteht sie ein zweites Mal über die deutsche Schwerindustrie. Die Gutehoffnungshütte. Krupp und Hösch beteilig- ten sich im vorigen Herbst an der Sanierung des Müller-Kroeller- Konzerns, indem sie die Bergbauunternehmung Dulcaans durch Kauf der Aktienmajorität gemeinsam erwarben. Die Gutehofsnungshütte hat auch noch anderweitig? Beziehungen zu der R. V. Wm. H. Müller u. Co.'s Allgemeene Mynbow-Maatfchappy im Haag: sie besitzt mit dieser zusammen chilenische Eisenerzgruben. Da Krupp, Hösch und die Gutehofsnungshütte andererseits den V e r- einigten Stahlwerken nicht fernstehen, wäre die Grund- lag« zu einem Erztrust gegeben. Man muß mit besonderer Sorg- sali ine weiteren Transaktionen Kreuzers auf diesem Gebiete beob- achten: es erscheint nicht ausgeschlossen, daß die Schwerindustrie eines Tages die Forderung höherer Eisenpreise mit einer Preissteizerung der Eisenerze begründet, an der sie selbst auf Grund ihres Zusammenarbeitens mit Müller-Kroeller und der Graenges- berg-Gesellschoft beteiligt ist. Die großen Holdinggesellschaften de» Sreugertrustes haben für 1927 mit außerordentlich günstigen Abschlüssen aufwarten können. Die Aktionäre von Kreuger u. Toll erhalten neben 25 Proz. Dividende Gratisaktien, die den Kurs des Papiere? an der Stockholmer Börse von 755 Proz. im Januar auf 1000 Proz. Mitte Mai trieben. Diese kurz« Darstellung der letzten Entwicklung des Kreuger- trustes zeizt die große Aktivität, mit der der Trust vorgeht. Sie läßt aber auch die Schwierigkeiten erkennen, die Ausdehnung der Trustinteresten zu bestimmen. Einfache Massenprodukte, die überall gebraucht oder hergestellt werden müssen, von vornherein flnanzkapitaltstisch im Weltmaßstab zu ersasten und zu behekrschen, mit der für finanzkapitalistisch« Methoden immer natürlichen Folge des Monopol st rebens und dem Zweck, die durch Beteiligungen gesichert« Herrschaft über die Märkte sür h o h e Gewinne auszubeuten, das ist das Wesen des Kreugerschen Trusts. Diesem Ziele stellen heute amerikanisch«, englische, hollän- dische, aber auch deutsche Kapitalisten unbegrenzte Summen zur Bersügung. Nolkswirtschaftliche Interessen ein- z einer Länder spielen dabei keine Roll«, wie sich im Falle Norma-Riebe gezeigt hat. Die Vernachlässigung der ge- samtwirtschaftlichen Interessen Deutschlands, wie sie im Falle Normo durch den Reichsverband der deutschen Industrie er- folgt ist, ist deshalb auch der schwere Vorwurf, der dem Verband gemacht werden muß. Was kostete das Mebe-Werk? Wir haben gestern berichtet, daß das an die Nonna verkauft? Riebe-Werk in Weißensc« für SIL Mill. Mark der Kugellager-Kon- ventivn überantwortet wurde. Das„Berliner Tageblatt' meldet eine Summe von 6)6 Millionen. Herr Richard Kahn läßt er- klären, der Kaufpreis müsse geheim bleiben. Also wird es an- nähernd stimmen. Das Aktienkapital beträgt nur 1,4 Mill., und für das Jahr 1926 war noch ein Verlust von 45 000 M. vorhanden. Der Verkaufspreis ist also ganz außergewöhnlich hoch. Die Deutschs Äugellager-Konvention, damit der schwedische Kreugertrust, hat tatsächlich mit den Riebe-Werken in Weißens«« den letzten Außenseiter aufgekauft, der in Deutschland noch vorhanden war. Die Schulden der deuffchen Studie. Mit illvgesaini 2,7 Milliarden nur 29 proz. derVorlriegSzeit Der Deutsch« Städtetag hat seine verdienstvollen Erhebungen über die Anleiheverschuldung der deutschen Städte nach dem Stande vom 31. März 1928 ergänzt. Für alle Städte über 25 000 Einwohner— ohne Hansastädte— einschließlich oller städtischen Betriebe und Unternehimingen bestand zum 31. März 1928 eine Anleiheschuld von 2,01 Milliarden Mark. Pro Kopf der Einwohnerschaft dieser Städte ergibt sich eine Anleiheschuld von 89,38 Mk. Unter der Derschließung der ausländischen Kapitalmärkte haben die Großstädte am meisten gelitten, so daß im Gegensatz zur Vorkriegszeit pro Kopf der Großstadtbevöl- kerung sich heut» die geringst« Anleiheverschuldmrg ergibt. Di« 2,01 Milliarden Mark verteilen sich auf 1397,5 MiMonen Inlandsanleihen und 614,7 Millionen Ausländsanleihen. Don den Auslandsanleihen kommen auf Städte mit mehr als 2 000 000 Einwohnern 46.4 Proz. Di« Hauptoerwendungs- zwecke der Inlandsanleihen sind Wohnungsbau und Siedlung?- wesen mit 28,2, Bersorgungs- und Verkehrsbetriebe mit 17,7, Kairo- lisotion und Schulwesen mit je 4.6. allgemeine Lerwaltungszwecke und Sonstige» mit 19,2 Prozent. Bei den letzteren bildet der Grund- «rwerb den Hauptposten. Don den Ausländsanleihen sind nicht weniger als 93,9 Proz. Versorgungsbetrieben und Derkehrs- unternehmungen zugeführt worden, auf die Elettrizitätswerle ent- sallen allein 51,4 Proz. Da aus den Vorkriegsschulden— ohne Hypotheken und Grundschulden— 691,7 Millionen Goldmark übrig geblieben sind, ergidt pch eine gesamte Anleiheschuld der deutschen Städte über 25 000 Ciltwohner von rund 2,7 Milliarden Mark oder r u n d 1 2 0 M a r k p r o K o p s. Die Kaustrastoerschiebung gegen- über der Vorkriegszeit zugrunde gelegt, bestand in der Vorkriegszeit für dieselben Städte eine Verschuldung von 9,3 Milliarden oder 450 M. pro Kopf. Die heutige Verschuldung der deutschen Städte beträgt also der Summe nach 29 und dem Kopfbetrag nach 27 Proz. Di« Zinsenlast hat sich allerdings durch die Steigerung des Zins- Niveaus kaum verringert. Reben den langfristigen Schulden wurden zum 31. März 664,7 Millionen kurzfristige Schulden festgestellt: außerdem hatten die Städte zur Vorwegnähme bald folgender Einnahmen 146,6 Mill. Kassenkredit« in Anspruch genommen. Gegenüber der Erhebung vom 1. November 1927 ist hier bis Ende Mörz nur ein« leichte Zunahme um 4,7 Proz. zu verzeichnen. Gruppen- oder Kerngas. Hamburger Verhandlungen- Südwestdeutsche uad sächsische Tteubilduugen. Auf der Hamburger Hauptoersammlung des Vereins deut» scher Gas» und Wasserfachmänner wurde gegenüber der Dortrieszeit ein« Steigerung der Gasausbeute bei den Gas- werken um 50 Prozent festgestellt. Die hauptsächlich gas- und wassertcchnischen Fragen gewidmete Tagung behandelte im Gegensatz zur Kasseler Tagung des Vorjahres die Ferngas- frage nicht als Hauptthema. Doch wurde sie gestreift. Direktor Müller der Hamburger Gaswecke bekannt« sich noch wie vor füx die regional« G ryppenfernverjo rgong«n Gegensatz zu den Bestrebungen der Ruhrzechen. Drei Fünftel Deutschlands seien für da» Ruhrprojett ungeeignet, weil die Bevölkerungsdichte zu gering sei. Für die Gruppengasversorgung tän.en in Frage: Rheiiiland-Westfalen, Sachsen-Thüringen, Baden und Württemberg. Bon besonderem Interesse war eine Bemerkung des Prof. R. Starke, des früheren Leiters der an die Ruhrgas-A.-G. inzwischen verkauften Ferngosabteilung des Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerkes. Er teilte mit, daß die verkauften RWE.-Leiwngen gegenwärtig mit einem Druck von 4 Atmosphären noch arbeiten, daß der Druck aber demnächst auf 8— 10 Atmosphären gesteigert werden soll. Aus diesen Mitteilungen von Prof. Starte wird also die stüheve Behauptung, die RWE.-Leitungen seien unbrauchbar, von neuem und besonders beweiskräftig widerlegt. « Der Zlisammenschluß von südwestdeutschen Städten und Ländern zur Durchführung einer einheitlichen Gasversorgung hat weitere Fortschritte gen, acht. Es wird eine Interessengemeinschaft, die „Südwe st deutsch« Gasgemeinschast' angestrebt, der zunächst die Stadt Stuttgart, die Frankfurter Gasgesellschaft, die Stadt Mannheim und die Südwestdeutsche Gas-A.-G. umfassen soll. In nicht serner Zeit wird der Zusaminenschluß aller führenden Städte Südwestdeutschlands in der Gasgemeinschast erwartet. Nach dem Vertragsentwurs verpflichten sich die Städte mit der Ruhrgos- A.-G., Essen, nur ge in einsam zu verhandeln und alle Ein- zelverhandlungen, die besonders Esten anstrebt, abzulehnen. Liefe» rungsbedingungen und Preise für eventuell von der Ruhr zu be- ziehendes Zusatzgas müsten für alle an der Gemeinschaft beteiligten Städte gleich sein. Angestrebt wird der gemeinsame Kohlen- e i n k a u f in der ganzen Interessengemeinschaft.— Die„Landes- versorgungSachsenA.- G.', eine gemeinsame Untcrnehn'Ulig der staatlichen En«rgie-A.-G. Leipzig und der staatlichen Elektro- A.-G. in Dresden ist mit dem Sitz in Leipzig jetzt endgültig ge- gründet worden. Preußenanleihe 80 Millionen! Nicht 50 wie gestern gemeldet. Der Amtlich« Preußische Pressedienst teilt mit, daß die von uns gestern angekündigte 50-Millionen-Anl«iht in der Zeit vom 21. bis 30. Juni zu einem Kurs von 93 Proz. zur öffentlichen Zeich- nung aufgelegt werden. Da die Auslosung der 6proz. Anleihe m i t 110 Proz. erfolgt, ist durch den entstehenden Kapitalgewinn die Verzinsung sehr hoch. Die Zeichner sollen bis 10. bzw. 30. Juli je 30 Proz. und 40 Proz. am 15. August einzahlen. Ueberraschend ist die Mitteilung, daß di« 50 Millionen nur ein Teilbetrog einer Gesamtonleihe sind. Weiler« 30 Millionen Mark werden nämlich direkt von den Deutschen Sparkassen gezeichnet. Der Erlös der Anleihe soll zur endgültigen Finanzierung von teilweise bereits durchgeführten Landverbesterunge», Hafen- und Bergwerksaus- bauten verwendet werden. Ein schlechter Amerikakunde. Große Verluste in der schlesischen Leinenindustrie. Trotz sehr guter Beschäftigung, die zum erstenmal wieder soft die Vortriegsproduttton erreichte, hat die A.-G. sür s ch l« s i s ch e Leinenindustri« in Freiburg in Schlesien einen V« r l u st von rund 600 000 Mark erlitten. Dieser Berlust muß um so mehr überraschen, da die Gesellschaft außer der Steigerung der Pn»- duktion auch eine erfolgreiche Einkoufspolitik durchführen konnte. So hatte sie sich in Voraussicht einer schlechten Flachsernte schon zu Beginn des Jahres 1927 mit Rohstoffen auf weit« Sicht eingedeckt, für die sie nur d i e H ä l f t e des am Jahresende notierten Welt- Marktpreises zu zahlen hatte. Wie der Verwaltungsbericht sagt, ist der große Verlust Haupt- sächllch aus den Zujammenbrucheines amerikanischen Großkäusers zurückzuführen, der sich kurz vor dem Abschluß erst als endgültig herausgestellt hat. Durch völlige Abschreibung ihrer Forderungen an diesen Kunden Hot die Gesellschaft den Der- lust auf dos Geschäftsjahr übernommen und außerdem noch die für die amerikanische Gesellsiiiast bereits angefertigten Waren stark unter- bewertet. Schließlich ist das Ergebnis noch durch die uin niehr als 300 000 Mark erhöhten Zinslasten, die der Auffüllung der Rohstvfflager entsprangen, beeinslußt worden. Trotz des Verlustes ist die Lage des Unternehmens nicht schlecht: zwar ist wegen der undurchsichtigen Lage auf dem Flachsmarkt die Freiburger Spinnerei vorübergehend geschlossen worden, doch sind di« W? b« r e i b e t r i e b« für di« nächsten Monat« noch gut beschäftigt. In der Bilanz erscheinen fast 580 000 Mark Neu- anlagen, die mit langfristigen Krediten bezahlt wurden. Außer den 5,1 Millionen Mark festen Darlehen werden noch 4,1 Millionen Mark laufende Schulden ausgewiesen, denen 2,8 Millionen Mark Forderung»« enigegenstehen. Im neuen Jahre konnte aber ein Teil der Vorräte, die mit 7,6 Millionen Mark bewertet sind, bereits flüssig gemacht werden. Di« Verwaltung vertritt den Stmidpunkt, daß zur Gesundung der Leinenindustri« ein Zusammenschluß erfolgen muß, damit endlich eine durchgreifende Rationalisierung in der Fabri- kation und Lagerhaltung. stattfindet. weiteres, aber geringere» Sinken der Roheisenerzeugung im Mai. Die Leistungen der deutschen Hochöfen im Mai holten sich mit der Gesamtziffer von 1 044 046 Tonnen auf der Höhe des Vormonats. Die arbeitstägliche Gewinnung weist sedoch bei 31 Arbeits- tagen im Mai gegen 30 Avbeitstoo« im April mit 33 679 Tonnen eine Senkung um 3,7 Proz. auf. Da di« arbeitstäglichen Leistungen im April sich gegen März um 7.7 Proz. gesenkt hatten, hat sich die Abwärtsbewegung also im Mai verlangsamt. Allerdings ist im Vergleich zum Vorjahr die Maiproduktion um mehr als 8 Proz. gesunken. Di« preußische Zeutralstadlschaft Berlin, die die von ihr besorgten Gelder dem städtischen Wohnungsbau zuführt, legt nach einem Inserat in dieser Nummer weitere drei Millionen achtprozentige Goldpfandbrief« zum Vorzugskurs von 97 Proz. in der Zeit vom 18. Juni bis 9. Juli zur öffentlichen Zeich- nung auf. Der Umlauf an Goldpfandbriesen beträgt bei der Preußischen Zentralstadtschaft gegenwärtig bereits 171 Milli«. n« n M a r k. Ein faschistischer Großindastriellenkongreß findet am 22. und 23. Juni in R o m statt. Es ist der erste Kongreß der faschistischen Großindustriellenvereinigung Italiens. Herr Mussolini wird auf diesem Kongreß selbst ein« Rede von„großer Bedeutung' Hollen. Man darf gespannt sein, wer die deutschen Unternehmer, von denen so mancher jehnjuchttg nach Italien blickt, c vertreten gnirt� ous diesem Kongreß Landsberg entlarvt die Amnestie-Oemagogen. In der R« I ch s t a g s f i tz u n g am gestrigen FreNagnach- mittag 3 Uhr teilte Präsident Lobe zunächst mit, daß Abg. Graes- Thüringen(Dntl.) die Wahl zum 3. Vizepräsidenten angenommen t. Er gibt dann das Ergebnis der Schriftsührer-Wahl bekannt, s wir bereits gestern gemeldet haben. Der Antrag der Wirtschaftspartei auf Einstellung eines Privat- Nageverfahrens gegen den Abg. Lücke(W. P.) geht an den Ge- jchästsordnungsausfchuß. Auf der Tagesordnung stehen■i. die Amnestieanträge der Kommunisten, der Deutschnationalen und der Nationalsozialisten. Der kommunistische Antrag fordert Amnestie für all« Straf- taten, die aus politischen Beweggründen begangen worden sind. Ausgenommen sollen nur Personen sein, die sich an den Mord- taten oder Mordverschwörungen der schwarzen Reichswehr, der Organisationen Consul, Roßbach, der Bayerischen Einwohnerwehr und ihren Reben- und Hilfsorganisationen als Töter, Anstifter, Geldgeber oder Gehilfen beteiligt haben. Di« Anträge der Deutschnationalen und der Hitlerianer wollen von der Straffreiheit Personen ausschließen, die wegen Landes- verrats oder wegen Verrats militärischer Geheim- nisse verurteilt sind, wenn in den Urteils gründen Eigennutz oder gewinnsücktige Absicht festgestellt ist. Der deutslynationale Antrag unterscheidet sich vom national- sozialistischen nur dadurch, daß er auch die Tilgung der Vermerke über die nach diesem Gesetz erlassenen Strafen im Strasregister verlangt. Abg. Höllein(Komm.) begründet den kommunistischen Antrag: Die Sozialdemokraten hätten bisher die Amnestierung der prole- tarischen politischen Gefangenen verhindert. Um den Sozialdemo- traten die Möglichkeit zum Ausweichen zu nehmen, nehme der Kommunistenantrag ausdrücklich die Fememörder aus. Jetzt müßten die Sozialdemokraten zeigen, ob sie ihr Versprechen halten wollen durch Annahme des tommunistischen Antrags. Abg. Dr. Eoerling(Dntl.) empfiehlt den Antrag seiner Partei. Dahinter stehe das ganze nationale Deutschland.(Widerspruch links.) „Sie haben dock die Stimm« des Stahlhelms vernommen." (Gelächter links.) Aus den Feststellungen des Stettiner Gerichts im Klapproth-Prozeß ergebe sich, daß von Fememord nicht ge- sprachen werden könne, sondern nur von nationaler Notwehr gegen Verräter.* Die Zllilglieder der Arbellskommando, seien Soldaten gewesen. Der Femehetze gegen Reichswehr, Justiz und nationale Verbände würden die Deutschnationalen sich entgegenstellen: Mir ist es ein« Ehrenpflicht, am 16. Juni, dem Tage, an dem unser letzt- regierender Kaiser...(Lachen links.) Ein Mitglied der so- ialdemokratischen Regierung Braun, der Kullusminister Dr. Becker, at seinerzeit erklärt:„Deutschland und der Kaiser sind eins!"(Hört! hört! rechts: Zurufe.) Wir gedenken in Liebe und Verehrung un- (eres Kaisers.(Händeklatschen rechts, Unruh« links: Abg. Kuhnt (Soz.) ruft Fürstenknecht! Ordnungsruf.) Abg. Dr. Arlck(Nat.-Soz.): Durch die Schuld der Sozialdemo- traten und des bürgerlichen Schleims der Mitte ist die Amnestie bisher verhindert worden.(Ruf links: Da hat wohl Höllein sein Manu- stript liegen lassen!— Heiterkeit.) Die Stahlhelm-Mitglieder Wunderlich und Kulenkampi von der Deutschen Dotkspartei haben ihre Kameraden im Stich gelassen.(Zuruf: Drei Tage Mittel- arrest!) Die Wort« der Deutschnationalen stimmen nicht überein mit den Taten ihres deutschnationalen Justizministers H e rg t. Wäre Hergt. ein,. Mann und nicht bloß eine Bureaumaschine, dann hätte er längst die nationalen Männer freilasien müssen, die wegen der Unschädlichmachung von Verrätern im Gefängnis sitzen. Dies« Feme- hetze ist nur der Ausdruck des infernalischen Hasses gegen den F r o n t g e i st.(Zuruf links: Das sagt so ein E t a p p e n h e n g st l) Abg. Landsberg(Soz.): Zwischen den beiden deutschnationalen Anträgen vom März und setzt liegt das Ersuchen des Reichsinnemninisters v onKeudellan die Länderregierungen, ein Verbot des Rotfrontkämpfer- b u n d e s herbeizuführen. Damit verlangen sie die Unterdrückung von Organisationen, die man für politische Straftaten verandwortli_ machen zu können glaubt.(Zuruf des Abg. Eoerling.) Herr Dr. Eoerling, Sie haben gwar den Assessor gemacht, aber von Jurisvru- denz scheinen Sie kein« Ahnung zu haben.(Heiterkeit.— Abg. Straffer sNat.-Soz.s: Unverschämter Judenlümmell— Ordnungsruf.) Besser als durch die Einbringung des radikalen Amnestie- ontrages nach diesem Ersuchen Keudells hätten die Deutschnationalen nicht dartun können, daß ihr Ersuchen auf ein Verbot des Rotfront- kämpferbundes nichts anderes gewesen ist als W a h l m a ch«.(Sehr wahr! links.) Höllein hat heute seine Rode vom März hier wieder gehalten. Ich nehme ihm das nicht übel, schließlich sind ja all« sein« Reden immer nur eine Wiederholung der ersten. Er warf uns Sozialdemokraten vor, daß an uns die Amnestie gescheitert sei. Den- selben Vorwurf machten uns dann auch Eoerling und Frick. Die Herren hätten sich die Arbeit ersparen können, wenn einer von ihnen die Vollmacht für alle gehabt hätte.(Heiterkeit.) Das Amnestiegesetz ist im März allerdings an der Sozialdemokratiegescheitert, denn wir wollten nicht Männer amnestieren, die für uns Mörder sind, näm- lich die Fernemörder, wir wollten aber auch nicht die Mörder von Gar eis und Erzberger begnadigen.(Zuruf rechts: Und Friedrich Adler?) Selbstverständlich hat Adler einen Mord begangen, aber Adler hat nie für sich Amnestie gefordert. Eoerling hat nach dem Fall dieses Gesetzes geschrieben, es habe das erste Stahlhelmgesetz werden sollen. Die Kommunisten sind in ihren Plakaten für die Begnadigung der oberschlefischen Mörder ein- getreten: jetzt haben sie in ihrem Antrage selbst die Ausnahme zu- Ungunsten der Fememörder gemacht.(Abg. Höllein sKomm.j: Schwindel!— Ordnungsrufe für Höllein und ebenso für einen zweiten Kommunisten, der gerufen hatte: Das ist aber parlamentarischer Schwindel!) Unser Standpunkt zur Frage der Amnestie ist genau der gleiche wie im März. Wir sind der Ansicht, daß von Gesetzes wegen ein Strich gezogen werden soll unter eine Periode des Granens, die beinahe jede Ausschreitung erklärt, unter die Periode der I n s l a- t i o n s z e i t. Wir sind so sicher der Tatsache, daß diese Zustände nicht wiederkehren, daß wir bereit sind, einen Strich unter diese Zeit zu machen.(Zuruf bei den Nat.-Soz.: Abwarten.) Wenn Sie(zu den Nat.-Soz.) ans Ruder kommen sollten, dann könnten freilich solche Zustände wiederkehren. Ein Ende mit all den Verfolgungen au» der Inflationszeit her! Aber eine Ausnahme für Mord und Totschlag! Wir können den Meuchelmord nicht begnadigen. Wir können auch hier Gnade üben, wenn wir der Ueberzeugung wären, daß auch diese Taten Erscheinungen der Inflationszeit gewesen seien. Aber auch in diesem Wahlkampf haben Parteigenossen von mir dos bloß« Aussprechen ihrer politischen Ueberzeugung mit dem Tod« büßen müssen. Di« Ausfuhrungen Everlingz waren doch geradezu «ine Verherrlichung der Fememörder, allerdings eine Derherr- lichung mit unzureichenden Mitteln.(Eoerling: Haben Sie Ihren Assessor gemacht?— Heiterkeit) Eine leichtherzige Begnadigung bei den denkbar fchwersten Verbrechen muß zur Begehung neuer gleich- ortiger Taten anstacheln. Wir wollen nicht die Verantwortung tragen für neue Taten, die wir Fememorde nennen. Wir werden genau so wie für die politischen Verbrecher auch für diejenigen Verbrecher sorgen, die durch die Not zum Straucheln gekommen sind: bie Kam- munisten wollen dos n i ch t. Wir sind mit Ueberweifung der Anträge an den Rechtsausschuß einverstanden und hoffen, daß er die Ange- legenheit zum Nutzen des gesamten deutschen Polkes regelt.(Beifall der Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Wendhaufen(Chr.-Not. Vauernp.) stimmt dem natio- nalsozialistischen Antrag zu und dankt den Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften der alten königlich preußischen Armee, die ISIS das Vaterland gerettet hätten. Damit schließt die Aussprache. Reichsjustizminister Hergt weist in persönlicher Bemerkung die Angriffe des Abg. Dr. Frick zurück und erklärt, er habe niemals ent- gegen der Willensmeinung des Reichspräsidenten die Ablehnung einer Begnadigung empfohlen. Die Anträge werden dem Rechtsausschuß überwiesen. Abg. Sloecker(Komm.) ersucht den Rechtsousschuß, schon morgen zusammenzutreten. Präsident Lobe erwidert, die Ausschüsse könnten erst zusammen- treten, wenn die Fraktionen die Mitglieder benannt haben. Eine Beschleunigung sei freilich wünschenswert. Abg. Esser(Z.) begründet hierauf einen Zentrumsantrag, ange- sichts der Notlage in den westlichen und östlichen Grenzgebieten die sofortige Auszahlung der im Grenzsonds für 1S2« bereitgestellten Mittel zu veranlassen, die durch die Grenzziehung entstandenen Schäden baldigst abzugelten und weitere Hilfsmaßnahmen vorzu- bereiten. Abg. Dr. David(Soz.) beantragt lleberweisung des Antrags an den Haushaltsausschuß. Abg. Dr. v. vryonder(Dnat.) beantragt Vorlegung einer Regie- rungsdenkschrift über die Besatzungssvlgen für den Herbst zu fordern. Abg. ZNaslowfki(Komm.) wirst dem Zentrum wiederholt Heuchelei vor und erhält zwei Ordnungsruf«. Staatssekretär Schmiol bittet, die Anträge den zuständigen Au«- üssen zu überweisen. Von den zur Verfügung stehenden Iii Mit- lionen Mark sei bereits«in größerer Betrag den Ländern überwiesen worden. Von der Geldsei t« her bestehe keine Hemmung für schleunig« Hilfe. Die Regierung sei bereit, in ihrer Denkschrift auch die von Dr. Dryonder berührten Fragen zu behandeln. Abg. v. Rheinbaben(D. Vp.) beantragt die Ausstellung eines Programms zur wirft chasttichen und kulturellen Sicherung der ge- fährdeten Ostmark. Nach weiteren„Anregungen", die den Wählern Taten vor- spiegeln sollen, werden sämtliche Anträge dem Houshaltsousschuß überwiesen. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Zur Geschäftsordnung beantragt Abg. Arau Dr. Lllders (Dem.), der Verkehrsausschuß möge sich schleunigst mit dem fkanda. lösen Verhalten beschäftigen, da» der Kontrolleur de» Schlafwagen» bei der Fürther Eisenbahntata- st r o p h e gezeigt habe. Den fürchterlich Verwundeten fei die Unter- bringung in die Schlafwagen verweigert worden,(hörl! hört!) Präsident Löbe fpricht den Wunsch aus, daß der Verkehrsau,- schuß möglichst bald zusammentreten möge. Um 6� Uhr erbittet und erhäll der Präsident die Ermächtigung, die nächste Sitzung anzube- räumen, wenn die neue Regierung gebildet ist. * Der Reichsbegnadigungsausschuß ist zur Beratung der Ange- legenheit Max H ö l z vom Vorsitzenden Abg. Dr. Moses(Sog.) auf Donnerstag«inberufen. W Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Serliu Olntadmu« für Mtft TteSrfl mnmM Zoseudsetrewriat, Zfcrftn®3B 69,.CinftoiflraBc 1 »et fiioatni« trifft lich morgen, Sonntag, o> Schl-sischen Bahnhof(vor der Eperre de» Wriezencr Buckow. pünktlich 7% Uhr am lhnsteigs) zur Fahrt nach Sonnadeud, 23. Inn!, 22 Uhr, Sonnenwendfeiererbinduog: Eisenbahn bis Eichwalde»der bis ldrünan und dann mit der Strahenbahn bis Endhaltestelle.) D Keut», Sonnabend, pünktlich IlltZ Uhr. \■ pankarafen" in Karow, Pankorafenstr. 2. Die Stairttenlänfer treffen sich am Montag, 18. Juni, zwischen 18 und ISVi Uhr oot dem Eingang de» Sportplatzes im Fricdrichshain. Handballspieler sür Dortmund! Spielen. Treffpunkt im Lokal„3um Bankgrasen Aus der Partei. Oas Londoner Parteihaus. Bor kurzem eröffnete Ramsay Macdonald das neue Ge- bäude des Gewerkschaftskongresses und der Labour Party im Transport Hause, Smith Square, London S.W. 1. Es waren u. a. anwesend für die Arbeiterpartei Abg. George Lansbury, Vor- fitzender des Reichsparteioorstandes, Abg. Arthur Henderson, George H i ck s und Abg. Margaret D o n d f i e l d: für den Ge- werkjchaftsbund Ben Turner, Vorsitzender des Gewerkschafts- kongresses, dessen Sekretär Walter C i t r i n e, sowie Abg. Harry G o s l i n g, der Vorsitzende, und Ernest Benin, der Sekretär der Transportgewcrkschaft, der das Transporthaus gehört. Bei der Eröffnung wurde Ramsay Macdonald, der mit Be- geisterung begrüßt wurde, von einem der Architekten ein Gedenk- schlüssel übergeben. Ramsay Macdonald sagte, daß«r in seinem Leben vielen Feiern beigewohnt habe, keiner aber mit größerer Freude als dieser. Er beglückwünschte die Transportarbeitergewerk- schaft, die Architekten und die Arbeiter, die die Errichtung des Ge- bäudes ermöglicht haben. Er betonte, daß ein so schönes, würdi- ges und erhebendes Haus nur durch Einigkeit enfttehen .tonnte und. seine Errichtung die Einheit der beidey Teile der Arbeiterbewegung, des gewerkschaftlichen und des politischen, sym- bolisiere. Ben Turner gab der Freude der Gewerkschafts- bewegung über den großen Erfolg, den die Errichtung von Transport Hause bedeutet, Ausdruck. Ernst Benin antwortete im Name» der Transportgewertjchaft und wies auf die Treue seiner Kollegen hin. Das Gebäude wurde zu einer Zell errichtet, da die Gewerkschaft ein Defizit von 229 000 Pfund hatte, und der Ent- schluß, mit der Arbeit fortzufahren, war nur dem Mut der Exeku- ttvmitglieder zu verdanken. Er Hofs«, daß das Gebäude ein Zen- trum der kulturellen Entwicklung werde. Walter Citrine enthüllte eine Gedenktafel mit dem Datum der Eröffnung und sprach seine Genugtuung darüber aus, daß alle bei dem Bau beschäftigten Bauarbeiter gewerkschaftlich organisiert waren und daß ihr« Gewerkschaften so freudig bei der roschen Vollendung des Werkes mithalsen. Da» Lied der Arbeit ist nun 60 Jahr« alt. So lange singen«s die Sozialdemokraten in Oesterreich, nicht nur in dem Gebiet, das heute so heißt, sondern überall zwischen Lodenbach und der Adria, vom Böhmerwald bis in die Bukowina. Als anonyiner Einwurf wurde der Text 1863 im Briefkasten des damals einzigen Arbeiter- bildungsoereios in Wien gefunden. Josef Scheu komponiert« die volksgesangmäßig einfach« Melodie darauf, und erst als dos Lied schon mehrfach seine begeisterte Wirkung getan, gab sich der Zlsährige Arbeiter Zapf als der Dichter zu erkennen. Zwar ftt es kein Marschlied, aber noch heute und sicher noch lange ertönt es in den Derfammlungen und Feiern der Partei und selbst auf ihren Märschen und klingt aus: Und wie einst Galilei rief Als rings die Well im Irrtum schlief: „Und sie bewegt sich doch!" So ruft:„Des Kapitales Joch, Di« freie Arbeit bricht es noch! Die Arbeit hoch, die Arbeit hoch!" heule, Sonnabend, 16. Juni, 19� Uhr: II: Fatzrt nach Bokodam. Dreffpunlt K lllir Cchiinhauf«« All««.— Weißen!»«:'Heim Bartstr. 36. Wont>erfük»r«rkurs»s.— Zstviow. fitirnaVni) im Kinderhort. Anschließend Rachtsalirt.— Renkolln VI: Sitzung des Biidnngs» und Werbeausschukses. Ferner Probe des Sannenncrdspirls. Trefkpuntt 18Vj Uhr Hcrtzbergplatz l-ritung-k asl).— Schönhauser Vorstadt: Fahrt nach Brieselang, üreffpunrt IS Uhr Bahnhof Schönhauser Allee. W«rbeb«zirk Prenzlauer B«rg: Heim Danzigcr Str. 62, Baracke 7..Fest- ansschußsitzung pünktlich 19 Uhr. Sämtliche Eruppen müssen vertreten sein. Serbebezirk Westen: Wochenendveranstaiiung Iuaendherberge Rüdercdors. Tresspunkt 20 Uhr Bahnhol Eharlottenburg, Laupte:ngang. Die Mitglieder der Iugendkommission der SPD. sind hierzu eingeladen. Serbebezirk vberipre«: Heim Riederschöncweide, Schule Berliner Str. 31. Wcrbebezirksvorstandssitzung pünktlich 19 Uhr. Morgen, Sonnlag. 17. Juni: Köllnis-ber Pari: Beteiligung an der Dampsersahrt von„®itte*.— Tempel. Hos-Rariendors: Die Helfer zur Elternl'eiratswahl treffen sich pünktlich 8'« Uhr im Lakai„Zur Linde", Fricdrich-Karl- Ecke Wcrdcrstraße. Alle anderen S'noise* treffen sich um 7 Uhr zur Fabrt am Bahnhof Temoelhok.— Lichterselde: Fahrr Stahnsdorf. Treffpunkt 8 Uhr Bahnhof Lichterfelde-Ost.— Schönhauser Bor, seabt: 19ZH Uhr Heimabend Schule Schönflicßcr Straße. Musikinstrumente sind mitzubringen. Werbe bezirk Schänebera: Achtung! Die Montag, 18. Juni, 191ß Uhr, im Heim der Er Uppen sind hierzu eingeladen. >ii Derhebe-irksnorstandssitzuna Hauptstr. 18 statt. Die Wandi findet crleiter weikerbericht der iffenllichen welkerdienstfkclle Serlin nvd Umgegend f??achdr. verb.). Teils heiler, teils wollig und ziemlich kübl, etwas bö;-e westliche bis nordwestliche Winde, keine nennenswerten Niederschläge— Jür veutschlond. Im Südwesten am Tage wieder elwaS wärmer, sonst ziemlich kühl, im Norden noch vereinzelt leichte Regenschauer. Am>3. schwerem! Bäcker suni entschlief nach kurzem. ieiden uniet Mitglied, der Otto Gebhardt im 52. Lebensjahre. Wir betrauern in dem Dahin- gegangenen einen treuen und Pflicht- bewußten Mitarbeiter. Wir werden ihm stets ein gutes Andenlen dt- wahren. verlin- Kelnlcßeoäorfer klrotfndrill Eesellichait mit beschr Hastung Berlln-Relnldcendort. Biileftraße 63 Der Vorstand Die Einäscherung findet Monto«. den 18. Juni, nachmittag» s Uhr, im Krematormm SerichtsNaße statt. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgange meines lieben Manne», unsere« guten Baters �uxust Leip sagen wir hierdurch allen denen, die den teuren Entschlaseneu das letzte Seleit gaben, insbesondere den Bcr- tretern. Beamten und Kollegen de« Bezlrt»amte« Tempelhof. der Kre'»- und Aoteilungsvertretung der EBD.- der Sewerlschalt der Kommunal- deamten. der Ortokranlenlasi», dem Notwärl»-Berlag, sowie der Kamerad- schaft de» Reichsbanner» Schwarz- Rot-Eold und dem Redner de« Frei- denkcrbnnde» für seine trollmchen Worte unfern ausrlchtigen Dank. Ww. Sabina Lclp neb»! Kindern. Auch bis zu IS jffonaisralen J2addats,&€9i ���0«r1�nj£i£z�er�StrU2JZ�� Verkäufe Kochherde, eiserne. Gas, Kohle, jeder Art. Größe, Siedlung, Haushalt, Rc- ftauratiou lGelegenheiien). billtg« Bade. »inrichtung, Teilzahlung, Eislchränkc. Wafchkesiel, Ofentüren. Oefen aller Art. Die alte Spezialladrik Semmler v. Bleybcrg A-S., Dresdener Str. 98—99. iieitj?iit!liiq!.5stit>e. 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Dann hob er die Honigwabe wieder in den Korb und streift« ein paar zutrauliche Tiere ab, die ihm auf die Hand- schuhe gekrochen waren. Seine Tochter kam am Eingang de« Dienenschauers vorbei. Das hieß, daß es Zeit war, zum Mittagessen zu kommen. Sie nickte kurz hinüber.„Wird das Jahr was?� fragt« sie. Der W« rechnete nach und wiegte schmunzelltb den Kops. Er war immer in guter Stimmung, wenn er bei seinen Völkern zu tun hatte.„Das gibt drei Stiiiuel Wolle für Strümpfe und ein Ferkel für'n Stall, und'n Hut für dich!� Er konnte nicht lassen, ssch zu loben..La,'n schmucken Hut für meine kleine Deern, daß alle Jungkerls hinter dir drein laufen." Das Mädchen oerstand wohl nicht, wie er es meint«. Ihre ?lugen flackerten auf! mit einem bösen Blick wandte sie sich und war hinterm Wachholder, eh« der Alte sie noch einmal anrufen kannte. Jeß Jessen bückte sich wieder zu den Tieren. Er rauchte nicht mehr, er schob schweigend«in paar Stein« um die Körbe zurecht. Der Blick seiner Tochter verfolgt« ihn noch. Immer, wenn er mit seiner guten behaglichen Laune ein Wort von anderen Iungkerls suchte, sah er das Dunkle hinter ihren Augen, das sie nicht los wurde, das an ihr hastete, feit der Knecht ausgeblieben war. Der Alte wollt« zum Bienenstand hinaus. Er klopfte die Vieife aus und vergrub ihre Funken sorgfältig unterm Sand. Dann stopft« er sie in die Rocktasche zwischen Schnupftuch und Futter, schob den Hut tiefer in den Nacken und wollte schon ansetzen und dem Mädchen nachrufen, auf ihn zu warten. Aber er ließ es bleiben, er mochte heut nickst mit ihr reden, es war besser, fünfzig Schritt hinterdrein zu tappen. Der Imker wußte, er konnte sein« Zunge nicht immer einhalten. Er schalt am End« wieder auf die Zeit,— ja, auch auf den wort- brüchigen Knecht, den die große Stadt gefangen hielt. Nein, er konnte seine Zunge nicht iminer einhalten. Zwischen den beiden Menschen, die fern von der Welt einsam in der Bienenheide lebten, log etwas, woran sie nicht rührten, dos jeder für sich tragen mußte,— so war es wohl auch am besten. Ein« Nein« graue Wolke flog vor der Sonn« entlang. Der Imker stapfte murrend schwer durch dos Kraut, er sah den Sckialien näher kommen. Wie eine Kühle zog er über die sonncnbeschienene Weite. Einmal schien es wie das Gesicht des Knechts, der irgendwo aus der Grauheit aufsah. Jeß Jessen grinste die Erscheinung an. Er wußte wohf, was er zu tun hatte, wenn der Wortbrüchig« ein- mal in Wahrheit wiederkäme. Fast wünschte er es sich, um mit ihm abzurechnen. Das Mädchen war vor dem Imker in die Tür der Kate«in- getreten, der Hund winselte und riß an seiner Kette. Der Alt« hätte jetzt wohl hinterdrein gehen sollen, gewiß setzte die Tochter - jetzt das Essen auf den Tisch. Aber es mar noch, als hätte er *' Furcht vor ihrem Leid oder vor ihren aufflackernden Augen. Jeß Jessen hielt sich lieber noch am Wagen und an den beiden Rädern auf, die er seit dem Frühling neu schlagen wollte. Es war ohnehin etwas Unbehagliches in der Luft. Der Schatten überm Hofplatz war da. der nickst wich, so hell das Land rundum lag, Zorn auf den Knecht, den er nicht los wurde, und Aerger auch über das Mädchen, das nicht vergaß, was einmal gewesen war. Der Alt« hämmerte die Speichen aus dem Rad, daß das Holz flog. Eistmal ging fein Kind vorbei, aber sie sah nicht zu ihm hinüber, tat immer, als hätte sie eine Zeitlang zu maulen, wenn er einmal Scherze über andere Iungkerls mochte. Als sie zurückkam, ries er sie an:„Deern!" '„Dadder?" Die Wort« blieben ihm im Hals. Jeß Iesien hämmerte stärker. Er wußte gor nicht, was er hatte sagen wollen. Er wollte ja auch aar nichts von ihr. Nein, einen anderen hätte er nah haben wollen, um abzurechnen. Die Sonne flog wieder übers Reetdoch: der Rauch, der unter der Tür herausquoll, leuchtete bläulich. Wenn die Hammerschläge nerkkangen, war es wunderlich still rundum. Kein Wind fuhr, kein Tier summte in der Mittagsstunde. Nur ein Lamm blökte mitunter von der Heid«, oder aus der Tür kam wieder das Klirren einer Kette vom Herd. Und einmal kam ein Schritt. Der Alle hatte sich umgewandt. Sein« Hand spannte sich jäh härter um den Hammerlttel, sein Nacken reckte sich vor. Wie zum Sprung gebückt stand er da, mattend, ob er Gespenst oder Wirk- lichkcit vor sich hatte. „Du.— wat wullt hier?" Der Knecht drüben am Weg rührte sich nicht: er antwortet« auch nicht, er versuchte mir, mit den Augen ins Tor zu dttvgen. Breit, die beiden Hände auf den Stock gestützt, wartete er dem Alten gegenüber. Der trat«in paar Schritte vor. Er wog den Hammer noch In der Faust, er wollte wohl den Weg sperren.„Wat wullt hier?" droht' er wieder. ,Lt teem mal so lang!" Der Mann sah den Imker nicht an, er horchte zum Tor. ,.Ik ge.h ok wetcher* Lane-jam richtet« er sich auf und wandte den Fuß sckuwr, breit zum Weg zurück. Mitten in der Bewegung zöaett« er, seufzt« halb zurück, ohne auszusehen ,„H umweh harr'k maol!" Er wartete einen Atemzug lang, ob Antwort kam. suchte schon zum Tor zurückzuschauen und beugte sich wieder zum Gehen. Der Alle war stehengeblieben. Er iolgte dem Mann nicht mehr. Heimweh? Es war ihm der Begriff von etwas unerbittlich Dunklem. Er dachte au ein Gitter oder ein schwarzes Gewirr von Steinen in Lärm und Regen. Der Hammer schwankte in seiner Haistz. Heimweh? Was hieß«?, Nitz dieser mit Heimweh kam? Der Imker suchte nach einem Fluch. Ihm war«?. als sähe er sein Kind, das über da? Heimweh de? aitbe-en selig war. Sein« . Hände hingen vornüber. Er sah di, ruhlasen Augen des Mädchens, er sah sich selbst in seiner Freudlosigkeit, und tjve die Sonne über den.<ü>f glitt, toste sich etwa? in ihm zu Mitteiden. „Horst Heimweh. Hinnerk?" „Ja. Ool. dat kummt denn toD Es dauert« eine Weile.„Middag. Hinnerk. laat di wat gewen!" Das Auge des Allen folgt« noch starr dem Knecht, der zur Tür der Kate stapft«, aber seine Ohren lauschten schon hennlich »ergebend auf da» erste Wort der beiden, �___: Was ist Oin? Oeuffche Industrie-Aonnung. Normung! Noch vor zehn Iahren haben wir kaum gewußt, was das ist. Heute gibt es in allen Industriestaaten bereits Nor- mungsausschüsse, die aus Wissenfchastiern, Industriellen, Konsu- menten und Händlern zusammengesetzt sind und eine Dereinheit- lichtung der industriellen Produktion anstreben. Normung, das ist, wenn der Deckel auf den Topf paßt. Heute ist es eben so, daß es zu jeder Schreibmaschine eine andere Färb- handbreite gibt, und wenn man in den Laden geht, ein Farbband zu taufen, stellt man mit Erstaunen fest, daß es zwei Dutzend ver- schieden« Farbbänder gibt, und wenn man selbst die zwei Dutzend kaufen würde, würde man an der Schreibmaschine feststellen, daß für diese das 25. das passendste ist. Wenn alle Schreibmaschinen das gleiche Farbband haben, und nicht eines einen Zentimeter, eines zwei, und eines anderthalb Zentimeter breit ist, das ist Normung. Wenn heute zum Kochtops ein Deckel zerbricht, so darf man durch 13 Haushaltungsgeschäfte laufen, um einen passenden zu. finden. Wenn es nur eine ganz bestimmte Anzahl verschiedener Kochtöpfe gibt, die noch dazu numeriert sind, so daß man jeden Ersatzteil noch einmal lausen kann, so ist das Normung. Was so vom Haushalt und täglichen Leben gilt, gilt in sehr viel höherem Maße von der Industrie. Jeder Londwitt weiß da- von ein Lied zu singen, wie schwierig es ist, Ersatztelle für land- wirtschaftliche Maschinen zu erhalten, niemand außer der her- stellenden Fabrik kann einen passenden Ersatzteil liefern, und die Fabrik sehr häufig auch nicht mehr, weil sie gerade diesen Typ von Maschinen seit zwei Iahren nicht mehr baut. Noch viel schlimmer ist es im Automobilwesen, ja die Zersplitterung geht so weit, daß in den meisten Fällen die Schraubenmutter oft nicht auf die Schraube paßt, und daß man oft in einem ganzen Ort vergeblich sucht, die passende Schraubenmutter aufzutreiben. Die Nachteile dieser Zersplitterung für die Gesamtwirtschaft sind ohne weiteres einleuchtend und klar. Eine ungeheure Menge von Zeit und Ar- beitsleistung geht durch diese Zersplitterung, die ein ewiges Suchen und Probieren zur Folge hat, verloren. Die Ersatzteile müssen hin und her transportiert werden, Fracht und Verladung verteuern die Preise. Der deutsche Industrie-Normenausschuß hat z. B. ausgerechnet. daß bei der nunmehr durchgeführten Normierung der Schraubenmutter in Deutschland pro Jahr 30 000 Kilometer Gewinde erspart werden. Diese Länge entspricht dem doppellen Aequotorumfang, und die Ersparnis beträgt in Arbeitszeit ausge- drückt, KS voll« Arbeitsjahre. Dazu kommt«ine Frachters par.ii?, die bei einer durchschnittlichen Transpottentfernung von 250 Kilo- meiern 100 000 Mark beträgt. Zu ollem kommt noch der Dorteil der leichteren Produktion. der Serienherstellung auch beim kleinsten Artikel. Die Industrie kann selbstverständlich billiger produzieren, wenn sie nicht ISS ver- schieden« Herdplatten zu drei Löchern herstellen muß, sondern ihre maschinenmäßige Fabrikation auf einige festgelegte Typen ein- stellen kann. Der Normenausschuß der deutschen Industrie hat deshalb zur Beseitigung der Planlosigkeit mehrere tausend Normenblätter her- ausgegeben, die sich auf alle Gebiete der Industrie und Technik er- strecken. Für den Krastfahrzeugbau wie für die Hauswirlschast, für den Bergbau wie für da»- Bureauwesen, für die Elektrotechnik wie für die Landwirtschaft, für das Kino wie für das Flugzeug. Ohne Frage birgt die Normung in sich auch«ine große Gefahr, di« Gefahr der Uniformierung, aber wir müssen heute diele Gefahr in Kauf nehmen, da unsere allzu starke Betonung der Individuali- sierung«ine solche Fülle von zwecklosen Variationen hervorgebracht hat, daß die Gefahr, in diesen Variationen zu ersticken, die Gefahr der Desorganisation sehr viel'größer ist, als di« der Uniformierung. Es hat gar keinen Zweck zu leugnen, daß die Normung bis zu einem gewissen Grade mit Uniformung identisch ist. Das Aluminium- geschirr wird künftig in allen Hausholtungen gleich aussehen. Es wird nicht vierhundert verschiedene Einmachegläser, sondern eben nur zehn Sorten geben. Wir werden mit diesen zehn uniformierten glücklicher sein, als mit den vierhundert Dariationen. Man kann uns nicht bange machen mit dem Schreckensgespenst der Unifor- mierung, dieses Zeitalter der Individualität wird bestimmt di« Grenze zu finden wissen, an der die Normung in eine sinnwidrige Uniformierung umschlägt. Wir sind die allerletzten, uns Formen aufzwingen zu lassen, die eine wirkliche Einengung unserer persön- lichen Bequemlichkeit bedeuten. Lorläufig werden wir mit Der- gnügen zusehen, wenn man uns künftig Federhalter und Fadern liefert, die zueinander passen, wenn wir uns nicht mit mehreren tausend Arten von Briefumschlägen und Schreibpapier herumzu- schlagen brauchen, und wenn es sich nicht mehr als unmöglich her- ausstellen wird, zu einem vorhandenen Knopf das fehlende Gegen- stück aufzutreiben. Wie die Völker beten. Seltsame Gebctssitten herrschen bei manchen Völkern. Zentralasien und Tibet hat man das Land der Gebetsmühlen genannt. Wo immer die Beter sich oersammeln, herrscht ein be- ständiges Gemurmel„Gm Mani Padrne Hum"(0 Juwel in der Lotosblume), während zahlreiche Borrichtungen die mündlichen Ge- bete ergänzen, sagt ein Bericht der Nationalen Geographischen Ge- sellschoft zu Washington. Die Gebetsmühle ist bei den Buddhisten jener Gebiete seit langer Zeit ein beliebter Gegenstand. Aus den Landstraßen und in den Dörfern haben die Getreuen ein Handmodell bek sich, das aus einer drehbaren Trommel mit einem Holzgriff besteht. Beim Gehen oder Reiten drehen sie die Walze, aus der das Gebet mehrere hundert- mal geschrieben steht. Jede Umdrehung des einzelnen Gebetes bil- det ein Gebet für sich. Aus diese Weise lassen sich im Augenblick Taufende von Gebeten herunterleiern. Größere Räder, von denen manche zwei Meter hoch sind, stehen in den Tempeln und an den Wagen zu heiligen Stätten unter Schutzdächern. Geht ein Pilger vorüber, so gibt er dem Rade einen kräftigen Schwung. Unter den Buddhisten gibt es ebensogut faule Brüder, wie in anderen Religionsgemeinschaften. Der Eigentümer eines Grund- stücks an einem Bache richtet zuweilen eine vom Wasser getrieben« Nkühle ein. Er legt ein Brett von einem Ufer zum andern und steckt einen Pfahl durch ein Loch. An dem oberen Ende ist die Ge- betstrommel befestigt, während sich unten eine Att Schaufelrad be- findet, so daß der Bach Pfahl und Zylinder dreht und ständig Ge- bete mahll. Zuweilen gewahrt der Reisende über oder neben einem Strom eine öffentliche Gebetsmühle, die beim ersten Blick einer kleinen Kornmühle des Abendlandes gleicht. Im Lande der Naschi an der tibetanischen Grenze wall- fahrten die Eingeborenen in hellroten Mänteln und mit Trommel- schlag und Schellengeklingel zu ihren heiligen Stätten. An den be- schwerlichen Pfaden finden sich hier und da eine Gebetspyramide oder Steinhausen von verschiedener Höhe. Auch Gebetsfahnen spie- len eine wichtige Rolle im Leben des Naschi-Dolkes. Fast jedes Dorf hat eine Gebetssahnenstange, di« selten ohne ein flatterndes Stück Tuch oder Fell ist. Jede Fahne trägt wenigstens ein Gebet, und jedes Flattern ist so gut wie ein gesprochenes Wott. Oft bindet der fromme Buddhist hunderte dieser Fahnen an ein Seil, das er an einer zugigen Stell« aufspannt, so daß der Wind wahre Gebets- schauer aufsteigen läßt. Die Mohammedaner sind konservativer als ihre buddhistischen Nachbarn. Gebetsteppiche. non denen manche wunderbare Muster und Farben aufweisen, bilden ein wi6?ttges Gebetszubehör. Wo immer der Muselmann gerade sein mag. ob im Laden oder auf der Straße— zur Betzeit breitet er seinen Teppich aus, legt die Schuh- ob, und das Gesicht gen Mekka gewandt führt er die vorgeschrie- denen G-betshandlungen aus. Einige mnhammedanilebe Sekten brauchen Gcbetsziegel. Sie bestehen aus gebackcnem Lehm aus Mekka, Medina oder sonst einer heiligen Stätte. Sie werden so ge- legt, daß die Stirn des betenden Muselmannes sie berührt, anstatt di« Erde. Verliert er den Gebetsstein, so tut es auch ein Stück grünes Papier oder die Blätter irgendeiner Pflanze, die keine Frücht« trägt. Die Gebetsroketen der Eingeborenen im nördlichen Siom obneln unseren Feuerwerkskörpern. Das Faß wird mit Pulver gefüllt und di« Rakete auf einer erhöhten Plattforni angebracht. Während des Gottesdienstes wird sie dann abgefeuert. Di« Ein- geborenen sind zwar tavier, doch Koben sie vor den Geistern ihrer Toten Angst. Die Rakete soll die Bösewichter nerscheueben. Wenn die Kei-Insulaner in den Krieg ziehen, stellen die Weiber Körbe voll Steine und Früchte auf ein Brett und beten, daß di« Äugeln der Zeind« pon ihren Männern und Brüdern ab- i prallen mögen wie Regentropfen von ihren Opfergaben, wen» � dies« mit Oel eingerieben wären. Die Eingeborenen aus Celebes schlachten einen Hahn und ein Schwein, legen sie Seite an Seite und beten:„O Götter über und unter uns, wenn ihr Erbarmen habt und wollt, daß wir essen sollen, gebt un« Regen!" Wenn die Malayen um eine gute Reis- ernte beten, bringen sie einen Liter Reis zur Moschee. Einige Nebraska-Indianer gebrauchten Gebetspfeifen. Anstatt die Indianergebete herunterzuleiern, suchten die Stommesleute einen stillen Ott aus, wo sie ihre Gebetspfeifen rauchten. Oer Triumph des Wikingerschiffes. Die kürzlich erfolgte Entdeckung eines Schiffes aus der Wikinger- zeit an der Westküste von Schweden hat neue Aufschlüsse über di« Bauart dieser Fohrzeug« gemocht, durch die die Wikinger die erste seefahrende Nation der neueren Zeit wurden. Der Archäologe Dr. Arthur Norden hat über den Bau dieser Wik ingerschiffe genaue Untersuchungen angestellt. Im Jahre 1893 segelte eine genau« Nach- ahmung des bekannten, in Norwegen gefundenen Gokstadschiffes über den Atlantischen Ozean zur Weltausstellung in Chicago. Das Schiff war 24 Meter lang und 5 Meter breit, und die Planken waren nicht genagelt, sondern durch Weidenruten an den Rippen des Schiffes festgebunden. Dadurch wurde der Rumpf so elastisch, daß er den Wogen des Meeres mit viel größerer Nachgiebigkeit sich an- paßte und widerstand, als das bei modernen Schiffen der Fall ist. Zu gleicher Zeit waren die Wikingerschiffe so leicht, daß sie an die Küste gezogen und ohne Kraftaufwendung im Wasser gehandhobt werden konnten. Die Schnelligkeit dieser Fahrzeuge war bedeutend und steigerte sich bis zu 11 Knoten: sie übertraf bei weitem die Ge- schwindigkeit der Schisse späterer Zeiten. Zu der gleichen Gelegen- hcit hatte Spanien eine Nachahmung des Flaggschisies van Eolum- bus, der„Santa Anna", nach Chicago geschickt: aber dies Schüf erreichte trog des viel größeren Umfanges nur wenig mehr als di« Hälfte der Schnelligkeit des Wikingerbootes. Die Angaben der Wikinger über ihre Reisen bestätigen die Ueberlegenheit ihrer Schüfe über alle späteren. Norden kommt zu dem Ergebnis, daß schon dieses neue Wikingerschiff, das im 4. oder 5. Jahrhundert n. Chr. gebaut fein muß, jedem anderen Seefahrzeug überlegen war. das bis zum 13. Jahrhundert gebaut wurde. Eine Slottstik der Sowjetyressi!. Di« Zahl der Zeitungen, di« gegenwättia in Rußland erscheinen, betrögt nach einer in der..Lite- rariichen Welt" r-eroisentlichten Statistik 5 5 6, di« eine Gekamtous- lagc von 7 663 747 Exemplaren hoben. Mehr ol? die Halst? dieser Blätter erlcheinen in Moskau. Nach ihrem Inholt werden sie in folgende Gruppen eingeteilt: sieben soaenonitt«„führende Blätter", wie„Prnmdo", Iswestija" usw., 107 Bauernzeitungen, 58 Arbeiterzeitungen. 6 Donlsvardblätter, 201 Zeitungen tx-r nationalen Minderheiten. Die Zeitungen erscheinen in 43 Sprachen und besitzen dank der„Arbeiter- und Banern-Korrespondenten" 335 448 Berichterstotter an den verschiedenen Orten Rußlands. Die Zahl der Zeit- f ch r i f t c n beträgt 1231 mit einer Gesamtauflage von 8 403 540 Stück. Suayolsen als neuer Honsustus. Ein Antrag der chinesischen National Partei, der an die Regierung gestellt worden ist, fordert die Erhebung des verfrorbenen Präsidenten Sunyalsen zu derselben Stellung, wie sie der uralte Gesetzoeber Konfuzius ,n d»r chinesischen Kultur besitzt. Die Tausende non Tempeln, die diesem Weisen und Religionestüler gewidmet sind, sollen Gedenktosesn erholten, in denen zugleich die Perebruna Sunya.ttens verkündet und fem Wirken neben das d--? Konfuzius gestellt wird. Der Körper des Präsidenten, der vor drei Jahren'»orb, ruht jetzt in einem Gewölbe des Tempels der„Himmelblauen Wolken" in der Umgebung vrn Peking, und«in große, Mausoleum für ihn wird in Nanking erttchtet, dos zugsäich zum Ratio»alheiligttm, werden soll,, holsteinische Küste. Was kcnnen wir— bte Schlcswig-.�olste!nrr virllclcht wis- gonommen— im allgemeinen non deutschen Ostfceinsclu? Usedom. Wollin, Rügen und dann noch Hiddensee, das ist alles. Dast auch die holsteinische Lstsecinjel Zehmann den Besuch lohnt, wissen nur wenige. Wo ist Fehmarn? Die Landkarte zeigt einen un- scheinbaren grünen Fleck an der Nordspitze Holsteins, nur durch den wenig mehr als einen Kilometer breiten Fehmarnsund, den eine moderne Fähre überbrückt, vom Festland getrennt. Man kommt mit der Bahn von Lübeck oder mit dem Damp- fcr von Kiel oder Travemünde: mit dem Dampfer ist es am schönsten. Die blaue Ostsee umfängt das Schiff, man atmet frisch« Seelust, sieht das Festland entschwinden, da taucht aus der See ein flaches, grünes, langgestrecktes Eiland auf. In dem kleinen, vsr- träumten Hafen liegen Segelboote und schwarze Kutter. Ein mäch- tiger Silo reckt sich in die Lust: man merkt, Fehmarn ist nicht, wie manche andere Insel, nur Fremdenverkehrsland. Dieser Silo ist Wahrzeichen der fast unbegrenzten Fruchtbarkeit der Insel. Durch olle Iobrhunderte, von den frühesten Wendenzeiten an, wurde sie als Kornkammer von den Oftseevölkern begehrt. Den„Schwarzbrot- knust- nannte man sie. Fehmarn gehört zu den Erzeugern der besten deutschen G-treidesorten. Dom ersten Schritt an empfindet der Großstädter die wohltuende Weite der endlosen Ackerfluren, den Reiz der Wälder, die da hinein- gestreut sind, der zahllosen idyllischen Teiche, in denen sich alte Pappeln wohlgefällig spiegeln. Durch stille Dörfer und Dörfchen und Höfe in-t weihen strohgedeckten Häusern, mit frischen, gesunden Menschen führen die Wege. Auf den Meiden vollführen braune Fohlen und scheckige Kälb- eben lustige Sprünge. In den Wäldern bei Staberhut konzertieren Tausende von Singvögeln. Mächtige Felsblöcke liegen wie Riesen- spiel zeug auf dem weißen Strand, über den sich eindrucksvoll die Steilküste hoch emporhebt. Bon der Marineleuchtc an der Nordküstc sieht man bei gutem Wetter bis hinüber nach Laland. Die Westküste ragt stellenweise bis zu zwanzig Meter empor. Reizend ist der Blick auf den Sund mit feinem lebhaften Schisssverkehr und auf das Bogel- schutzgebiet Wallnau, in dem viele seltene Wasservögel vor der Flinte des Jägers bewahrt werden. Und dann Butg. die Inselstadt. Keine Prachthotels, aber hübsche kleine Häuser und Miniaturhotels, in denen der Wirt selber seine Gäste umsorgt, sind da. Fein die Kirche aus dem 1Z. Jahrhundert mit ihrem massige, i Turm und dem stillen, baumüberdachten Fried- Hof. Daneben das Heimatmuseum mit wertvollen Altertüincni aus früheren Tagen. Steinzeitfunde sind fast alltäglich. Auch die neue St. Jürgenskapelle und die all« Kirche in Petersdorf muß man sich ansehen. Bon Burg ist es nicht weit zu dem noch im Ausbau be- griffcncn Badestrand, dem einzigen Südstrond eines deutschen Ost- seebades. Hier liegen die Reste der alten Burg Elambcck, der ein- zigsn Burgruine aus dem Frühmitteialtcr, die Schleswig-Holstein besitzt. Seit dem vergangenen Jahre huldigt Fehmarn auch der edlen Tanzkunst. Berschicdenc deutsche Gymnastikschulen übe» hier geineinsam. Vielerlei Interessantes gäbe es noch zu erzählen über diese Insel und ihre Schönheiten ideeller und materieller Natur. Und über die prächtigen gastfreundlichen Menschen, die sie bewohnen. Hzlsieinische Schweiz. Wenn man von Lübeck aus eins Cr- kundigungsfahrt in die Hoisteinischs Schweiz unternimmt, so kommt man zuerst in das von herrlichen Buchenwalduugen umgebene Bad Schwartau, und wenn man sich nichk vorgenommen hätte, die Holsteinische Schweiz zu erkunden, so würde man wahrscheinlich, zu mindesten einige Tage, in diesem wunderbar schönen Städtchen ver- weilen, dos nicht nur ei» Lust- und Woldkurort ersten Ranges ist, sondern das durch seine starke jodhaltig« Sole eine Ausnahmestellung unter allen norddeutschen Bädern einnimmt. Man oerläßt die Fern- bahn Lübeck— Kiel in Eutin, dem Eingangstor der Holsteinischen Schweiz. Die freundliche sauber« Roienstadt am großen Eiitiner See bietet des Schönen und Guten so vi»!, daß man sich nur schwer zum Weiterwandern entschließen kann. Der Weg führt bald an den Kellcrsec, d«n großen Landsee im Lcmdesteil Lübeck und über die Sommerfrische Sielbek zum Uglei-See, besten eigentümliche Schönheit zu den Haiiptschenswürdigkeiten der Holsteinischen Schweiz gehört. Wer Wosserfohrt liebt, überquert den Kellersee mit Motorboot und erreicht so den Mittelpunkt des Fremdenverkehrs, den Luftkurort Malente-Gremsmühien, der, an herrlichen Laubwatdungen zwischen dem Kcllcrsee und Dieksee gelegen, mit seinen freundlichen Dillen, Pensionshäusern und Hotels zum Bleiben auffordert. Kudoiva. Schlagartig hat die Saison in Bad Kudowa eingesetzt. Seit Pfingsten steigt' die'Besucherkurve von Tag zu Tag steiler in die Höbe und hat am 6. Juni die vorjährige Zahl bereits um 372 Kurgäste überschritten, so daß mit einer guten Saison gerechnet werben kann. Abgesehen von dem vorzüglichen Ruf Kudowas als Heilbad und Erholungsort, tragen die wesentlich besser gewordenen Berkehrsverbindungcn zweifellos zu dieser Steigerung des Besuches bei. Liudav. die Jnselftodt am Bodensee, zieht immer mehr Kurzäste und Touristen tn ihren Bann. War der Besuch bisher schon ein oorzüglicher, so werden die» in nächster Zeit eintreffenden Sonder- zöge(5. Juli 1. Feriensondcrzu� Berlin— Lindau) noch einen aus- gedehnten Fremdeustrom nach Lindau lenken. Der städtische Auto- avsslugsocrkehr ist in vollem Umfange wieder oufzenommen und führt nußer in die nähere Umgebung(Bad Schachen, Hoyerbero), nach Schafshausen(Rheinfall), St. Gallen, an den Pfänder, ins Bayerische Allgäu mit feinen Könizsschlössern usw. Eine Weskprenßen-Mappe. Der Berliner Kunstmaler Hermann Schcfflcr hat kürzlich eine Mappe herausgegeben, die zehn Rcprodiiktioncn nach Original- Mdf uarellen von me ft preußischen Städten enthält. Man kennt auch in Berlin eine Reihe von Ausnahmen, Radierungen und Gemälden, die die Marienburg von der Nogatseite porträtieren, es ist immer dasselbe Motiv, um jo erfreulicher, daß Schefsler den Mut sindet, die Burg aus einer neuen Perspektive zu selben, vom Marktplatz der Stadt aus. Die Burg zeigt sich hier nicht als der fein gegliederte, gotische Bau, sondern als kompakter Gebäudekomplex, der durch seine Monumentalität beinahe erdrückend wird. Auch das Or» ens- schloß m Marienwerdcr zeigt«in neues Gesicht. Schefsler zeichnet es in U uterstcht init starker Betonung des Wehrganges. Aber dies alles ist bekannt: das Houptverdienst Schefflers liegt darin, daß er die Schönheiten der kleinen, von der EtUwickiung vergessenen Städte entdeckt, daß er die Aufmerksamkeit auf kleine, verträumte Land- slecksn, wie Stuhm. Rosenberg. Freystadt oder Bischosswerder. lenkt. Es ist eine herbe Landschaft, und in dieser Landschaft leben schwer- blutigere Menschen, als im Süden, auch die Architektur zeigt weniger Eleganz und Glätte, und doch ist dieses Land m semer Verschlossen- heit schön, und vielleicht trägt diese Mappe dazu lxsi. daß sich dos Interesse des reisenden Publikums auch diesen Gegenden emmal zuwendet. M itarzfeurg (jebirgsluttkurort u. Solbad. Natflr- lichc So p, echte Fichtennadel- und Kohlensäurebäder. Kochsalztrinkauel ie„Krodo". leichte Homburger und KissingerWItkung. Mod. Inhalatorium. Idealster Mochenendp'atr. M lanlerfö« n?« Alter. Luft- und Wasserheilbad Kneipp- Kurort Freischwitnmbad i. 32 Morgen großen Gebirgssee. Prospekte durch die Badeverwaltung. BCfflS!£Öi€nSi'2l0 � Der Kurort fflr Ueberarbeitete. (Station der Halberstaat— 234 tn miltl. Höbe ___________ i— Blbg.Bahn) Luftkurort, entzückend g.legen. Herrliche waldreiche Umgebung. Ausgangspunkt für alle Harztouren. Wander. z. 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Jasssstadf Saasig"«.„PreBssea" FAHRPLÄNE, FAHRKARTEN und NÄHERE AUSKUNFT durch den Norddoutochan Lloyd, Abteilung Inländisches Verkehrswesen Bremen die Stettiner Dampfschiffs-Qeaellechaft J. F. Braeunlich, G. m. b. H., Stettin, deren Vertretungen sowie durch alle Reisebureaus und Eisenbahn-Fahrkarten- auefiaben, lo Berlin: Norddeutscher Lloyd, Agentur Berlin S. m. b. H.�Berlin W 8, Unter den Unden 1(Hotel Adlon), Zentrum 12230, 12231 und 12230 ,».ht1-SS'