Morgenausgabe Nr. 283 A 145 45.Zahrgang WSchentllch 85 Pfg� monatlich 8.S0M. im voraus zahlbar. Postbezug<32 M. einschl. Bestellgeld. Auslandsabonne- ment 6,— M. pro Monat. * Der.Vorwärts" erscheint wochentäg» lich zweimal. Sonntags und Montag» einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit oem Titel.Der Abend". Illustrierte Beilagen.Volt und Zeit" und.Kind erfreund". Ferner .Unterhaltung und Wissen"..Frauen- stimme"..Technik"..Blick in dt« Bücherwelt" und.Iugend-Dorwärts". ir ♦». NerUner vowsblatt Sonntag 11. Juni 1928 Groß'Äerlin IS Pf. Auswärts 20 pf. Sie e i n| p o 1 1 1 q e'DonoarelUejcilt 80 Pfennig. KefIome,}etle 3.— Zieich»- raart»Kleine Anzeigen' de- ietue- ocuittc®ort 23 Pienniz(jnleftc zwei »Ngedruckte Worte), lebte weitere Morl 12 Pfennig. Siellengemche bae eriie Wort 13 Pfennig.:ebe» weitere Wort 10 Pfennig. Worte Ober 13 Buchstoben zählen für zwei Worte. Arbeilemorkt Zeile 80 Pfennig. Familienonzeigen für Abonnenten Zeile<0 Pfennig. Anzeigen- «nnohme im chauptgeichöst Linben- straßeä. wochentägl. von Li/, di» 17 Uhr. J-entvalovgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstrobe 3 Fernsprecher: Dönhoff 292—297 Telegramin-Sdr.: Sozialdemokrat verlw Vorwäris-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto: Berlin 37 SSS.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellte» und Beamten Wallstr. KS. Dtikomo-Gesellschost, Deposttenkasse Lindenstr 3 Die Verhandlungen im Reichstag Man will am Oienstag früh fertig sein. Der„Soz. Presiedienst" meldet: Am Sonnabend vormittag traten die Beauftragten der Sozialdemokratie, des Zentrums, der Deutschen Volkspartei, der Demokraten und der Bayerischen Volkspartei unter dem Vorsitz des Abgeordneten Hermann Müller- Franken zur Fortsetzung der Besprechungen über die materiellen Grundlagen des Regierungsprogramms zu- sammen. Die Wirtschastspartei war zu diesen Ver- Handlungen nicht hinzugezogen. Die Aussprache begann mit der Erörterung p o l i t i- scher Fragen. In der Außenpolitik ist eine wesent- liche Uebereinstimmung der Parteien vorhanden. Das gleiche gilt von dem Problem der W a h l r e f o r m, das alle Par- teien als dringlich ansehen. Völlig übereinstimmend wurde das Festhalten an den Grundsätzen der Verhältniswahl be- tont. Dagegen will man die Nachteile der Listenwahl be- fettigen und ein engeres Vertrauensverhältnis zwischen Wählern und Gewählten herstellen. Ob das eine Verkleine- rung der Wahlkreise bedingt, ist strittig. Die Auffassungen in der Frage der Reichsvereinheitlichung und der Verwaltungsreform gingen naturgemäß ausein- ander. Es besteht jedoch die Hoffnung, daß gemeinsame Grundlagen für die Regierungstätigkeit in dieser Frage ge- funden werden. Eine längere Aussprache verursachte die Schulfrage. Zentrum und Bayerische Volkspartei wün- fchen, daß sie in der Regierungserklärung erwähnt wird. Ueber den Inhalt einer entsprechenden Erklärung waren die Meinungen geteilt, so daß sich die Vorstände der Fraktionen m den nächsten Tagen mit der Schulfrage noch beschäftigen werden. Die Aussprache über die Einführung eines Ver- fafsungstages am 11. August führte ebenfalls zu keinem abschließenden Ergebnis. Während Sozialdemo- traten und Demokraten dem vom Reichsrat beschlossenen Gesetzentwurf vollkommen zustimmten, erklärten die Zentrums- Vertreter nur ihre grundsätzliche Zustimmung; auch die Vertreter der Deutschen Volkspartei äußerten gewisse Be- denken. Die Notwendigkeit der Einführung einer Höchst- grenze für Pensionen wurde dagegen anerkannt. Die Frage soll im Zusammenhang mit der Vorlegung eines Ministerpensionsgesetzes geregelt werden, und zwar bei einer gleichzeitigen Regelung in den Ländern und Gemeinden. Auch hier wurde kein abschließendes Ergebnis erzielt. Das gleiche gilt von dem Erlaß einer Amnestie und der Abschaffung der T o d e s st r a f e. Die Erörterungen über diese Fragen werden fortgesetzt. Die sozialpolitischen, die wirtschaftspolitischen und die finanzpolitischen Fragen, für die am Sonnabend nur Formu- lierungen der Sozialdemokratie vorlagen, sollen am M o n- t a g vormittag erörtert werden. Wünsche der Wirifchastspartei. Am Sonnabend vormittag hat der Wg. Drewitz dem Abg. Hermann Müller-Franken Forderungen der W i r t s ch a f t s- Partei zur Regierungsbildung überreicht. Sie bewegen sich auf der bisherigen Linie der Politik der Wirtschaftspartei und dienen in der Hauptsache dem Ziel der Beseitigung des Mieter- schutzes und der behördlichen Wohnungsregelung. Selbstverständlich fehlt auch die Forderung nach dem Abbau der Betriebe der össentlichen Hand in diesem Porgromm nicht. Da der Abg. Drewitz am Sonnabend nicht in Berlin weilte, wird eins Besprechung zwischen ihm und Hermann Müller erst am Montag nachmittag stattsinden. Englischer Kurier in Mailand überfallen Von faschistischen Polizisten. London, 16. Juni.(Eigenbericht.) vor wenigen lagen ist ein diplomakischer Kurier der englischen Regierung in Mailand von faschistischen Polizisten in Aivii mißhandelt worden. Alz sich der Kurler nach der Feslstcllung seiner Personalien und der seiner Angreifer aus der Polizei ins Hotel begeben wollte, wurde er n o ch- m a i s. und zwar von einer ganzen faschistischen Bande angegriffen und erheblich verlehl. Der erst jetzt bekanui ge. wordene Vorfall erregt in London großes Aussehen. Phosgen in Genf. Die Bomben in den See versenkt. Genf. 16. Juni.(Eigenbericht.) In einer in Konkurs befindlichen Fabrik bei Bernier in der Nähe von Genf wurden vor einiger Zeit bei einer Jnventurauf- nähme des Konkursoerwalters 83 Fliegerbomben entdeckt, die mit Phosgen gefüllt waren. Sie waren gegen Ende des Krieges von Frankreich nach der Schweiz gebracht worden, angeblich, um der Fabrikation von Verona! zu diecken. Der Schweizer Ge- sundheitsdienst entschied, daß die Bomben, deren Eigentümer nicht mehr festzustellen waren, in den Genfer See versenkt werden. Die Versenkung erfolgte am Sonnabend in aller Frühe ohne Zwischenfall. Zyromskis Kritik an Boncour. Für allgemeine Abrüstung. Paris, 16. Juni.(Eigenbericht.) Der Führer des sinken Flügels der französischen Sozialisten, Z y r o m s k i, wendet sich in der Sonnabendausgab« des „P o p u l a i r gegen die Haltung der f r a n z ö s i s ch en R«- gierung in der Entwaffnungsfrag« sowie gegen die Der- tretung dieser Haltung durch«inen Sozialisten in Genf. Zyromski kommt in seinem klar und kurz gefaßten Artikel zu der Feststellung, daß alle Regierungen in den letzten Jahren durch Rüstungs fragen viel mehr als durch die Abrüstung in An. spruch genommen waren und fordert, daß man unverzüglich die allgemeine Abrüstung betreiben müsse, statt wie bisher nur auf der Abrüstung der Besiegten zu bestehen. Die allge» Eltern! Geht heute zurWahll meine und gleichzeitige Abrüstung, so heißt es weiter, setze aber ein« allgemeine Kontrolle voraus. Natürlich wird hier die Souveränität der Staaten eingeschränkt, aber„es gibt keinen internationalen Fortschritt ohne die Unterordnung der nationalen Souveränitäten unter ein« übernationale Souveränität". Auch die von pcnil Boncout vertretene Forderung Frankreichs„Erst Sicherheit, dann Abrüstung" sei unhaltbar, denn sie verzögere die Abrüstung und damit die Sicherheit. Allein die vereinigte Kraft des internationalen Proletariats sei in der Lag«, di« internationale Sicherheit zu garantieren Der Völkerbund, wie er heute sei. Interessiere das Proletariat lediglich als Kampfmittel. Er müsse demokratisiert, in einen wirklichen Bund der Völker umgestaltet werden. Die Außenpolitik Frankreichs begünstige geradezu das faschistische Italien und habe sich in der Angelegenheit des ungarischen Waffen- schmuggels ohnmächtig gezeigt. Daher, so schließt Zyromski, sei es unbedingt erforderlich, daß der V o r st a n d der Sozialistischen Partei sich mit der Abrüstung entschieden befasse und er nicht mehr einen Sozialisten autorisiere, die französisch« Regierung zu ver- treten, solang« sie ihre gegenwärtig« Politik betreibe. Bor der Hastenilassung Nicklins und Nossös? Nachdem der Wahlprüfungsausschuß der französischen Kammer die Wahlen der Abgeordneten Ricklin und Rossö als o r d n u n g s- mäßig anerkannt und das Kamm«rplenum dies« Anerkennung bestätigt hat, hoben die beiden nach dem Kolmorer Urteils- spruch im Gefängnis sitzenden Abgeordneten einen Antrag auf provisorisch« Haftentlassung gesteM. Angesichts der Stimmung in der Kammer hat der elsässische Abgeordnete Wolther, der ein« parlamentarische Aktion für die Freilassung seiner beiden Kollegen durchführen wollte, darauf ve r z i ch t e t, seinen Antrag, den er zunächst bis zu der Beschlußfasiung des Ausschusies zurück- gestellt hatte, wieder zur Debatte stellen zu lassen. Das hat zweifet« los zur Entspannung der Lage beigetragen, an deren Ver« schSrfung auch Polncarck nichts gelegen fein konnte, und man darf damit rechnen, daß Anfang nächster Woche die Hastentlassung der beiden Abgeordneten verfügt werden wird. Miregieren- Stärker werden! Die neue Lernzeit der Arbeiterbewegung. Da nach dem neuen bolschewistischen Weltprogramm mindestens der Ausbruch eines neuen Weltkrieges abgewar- tet werden muß, bevor für den Sieg des Proletariats End- gültiges getan werden kann, ergibt sich von selbst die rzrage, womit die Zeit bis dahin ausgefüllt werden soll. Rot- frontparaden, Prügeleien im Parlament und Reden von Emil Höllein reichen dazu doch nicht ganz aus. Das Volk will leben, lieber schlecht als gar nicht, aber womöglich etwas besser. Not ist im Lande mehr als Kraft, sie zu be- kämpfen, aber sie zu lindern ist schon eine Aufgabe, des Schweißes der Edelsten wert. Darum ist es nicht gleich- gültig, ob Zölle und Steuern, die die Massen belasten, um ein paar Mark höher oder niedriger sind. Es ist ferner nictit gleich- gültig, ob die soziale Fürsorge von Staats wegen als Kern und Stern der Politik oder nur als lästiger Ballast kapitalistischer Aufstiegsmöglichkeiten behandelt wird. Es ist drittens auch nicht gleichgültig, ob in der R e p u b l i k, deren Bestand durch die Arbeit des„verräterischen Reformismus" leidlich gesichert ist, der Einfluß der großen Arbeite rorganisatio- nen wächst, oder ob Scharsmacher, Faschisten, Diktatur- apostel und Kriegshetzer über den Lauf der Stacitsmaschine entscheiden. Das bringt uns auf einen vierten Punkt: Es ist auch nicht gleichgültig, od die deutsche Republik den Kurs auf den Frieden und die Völkerverföhnung nimmt oder ob sie durch eine Politik der Phrase und des diplomatischen Abenteuers die in Europa oorhandepen Kriegsgefahren noch vermehren hilft. Aus all diesen Gründen ist die s o z i a l d e m o k r a- tische Reichstagsfraktion der Meinung, daß der Versuch gemacht werden nutß, durch Teilnahme an der politischen Macht für den Ausstieg der Arbeiterklosse etwas zu erreichen. Diese Meinung wird von unseren Partei- genossen im Lände so gut wie ei'mütig geteilt Die Bcr- liner Genossen haben sich am letzten Freitag mit ein- deutiger Klarheit zu ihr bekannt. »- Wenn wir auch mit unserer Arbeit nicht warten wollen, bis der nächste Weltkrieg ausgebrochen und durch einen sieg» reichen Bürgerkrieg beendet ist, so teilen wir doch d l e Auf- fassung der Kommunisten, daß der Weg zum Sozialismus noch r e ch t w e i r ist und daß viele Gefahren auf ihm liegen. Wenn wir von der Großen Koalition erwarteten, sie werde die Kapitalisten enteignen und die sozialistische Repu- blik proklamieren, so wären wir Narren.(Wobei außer- dem noch bedacht werden muß. daß es sehr zweierlei ist. die sozialistische Republik zu„proklamieren" und sie wirklich zu organisieren.) Auch die neue kommunistische Theorie von der Möglichkeit eines Sieges des Sozialismus in einem Lande— eine bedenkliche„rechte Abweichung" von der Lehre Lenins— scheint uns nicht»''anfechtbar. Eine sozialistische Wirtschaft, die dem ausländischen Kapital zins- pflichtig ist, bleibt in unseren Augen immer noch ein refor- mistisches Zwittergebilde. Gleichviel, von Illusionen sind wir frei. Wir sehen ganz nüchtern und praktisch, daß das, was wir als Regierungspartei bestenfalls erreichen können, nur eine be- scheidene Abschlagszahlung sein kann auf die großen Forde- rungen, die wir an die Zukunft stellen. Auch vor den G e- fahren, denen wir entgegengehen, dürfen wir nicht die Augen verschließen. Schon der laute Ruf der Deutschnatio- nalen, man solle nur uns die Verantwortung überlassen, müßt« uns auf sie aufmerksam machen. Diese guten Leute meinen, wir müßten uns in der Regierung ebenso dumm benehmen wie sie, und darauf setzen sie ihre ganze Hoffnung. Wir dagegen denken: die Dummheiten der Gegner sind dazu da, daß man aus ihnen lernt. m Als der Bürgerblock im Werden war, sagte man einem bekannten Politiker der Mitte das Wort nach, man müsse jetzt„wie einen jungen Hund mit der Schnauze in den Dreck" die Deutschnationalen in die Verantwortung stoßen. Daß man an manchen Stellen gegen uns gleich freundliche Absichten hegt, ist uns nicht ganz unbekannt. Doch bleibt zwischen den Deutschnationalen und uns neben vielem anderen auch der Unterschied, daß die Deutschnationalen bei ihrer bekannten grundsätzlichen Einstellung zur Repu- blik und zur Außenpolitik nicht Regierungspartei werden konnten, ohne ihre ganze Vergangenheit zu verleug- nen. Insoweit ist unsere Lage weit günstiger. Auf der anderen Seite verkennen wir keinen Augenblick, daß die Zu- sammenarbelt einer sozialistischen Ar» beiterpartei mit bürgerlichen Parteien bis zur Volkspartei hinüber viele Gefahren in sich birgt. Verantwortet werden kann sie nur, wenn sie der einzige offengebliebene Weg ist und wenn durch sie praktische Teil- resultate im Sinne unserer Auffassungen- erreicht werden. Die Zusammenarbeit ist aber heute der einzig offen ge- bliebene Weg. Die Arbeiterbewegung ist in Deutsch- Etahlhelmführer vor Gericht. Gelbie wegen Beschimpfung der Republik zu S00 Mark Geldstrafe verurieüi. Der Reichsbimdführer des Stahlhelms, der Mac�eburger Seltersfabrikant Seldte, und sein Knapp«, der ehemalige Schriftleiter des„Stahlhelms', jetzt Mitarbeiter dar �)on, burger Nachrichten', Dertinger, standen gestern vor dem Schöffen gericht Berlin-Mitte. Die Anklage lautet«: Vergehen gegen das Republikschutzgesetz, Beschimpfung der Republik und der Reichsfarben. Seldte hielt in Oldenburg im September twrigen Lohres eine Wahlrede, in der es nach dem vom.Stahlhelm' veröffentlichten Stenogramm hieß: Schwarzweißrot werde stets die Farbe des „Stahlhelms' bleiben. Mit dieser„Finna'— damit war die Repu- blik gemeint— zilsammenzuarbeiten. zwinge nur die Rotwendig» keit, denn „mit diesen Leuten, die die Firma deutsch« Republik grün- deten, die in Wirklichkeit ein Abbruchgesckäft oder eine gewisse Art Alteisen- und Schrotthandlung ist, gäbe es kein Paktieren.... Und da könnt ihr verstehen, daß wir nicht unser Schwarzwoißrot auf die Parteifahne und chausslagg« Sch wa r z rot g o ld eintauschen wollen, auf W« Fahne, die uns zuerst von der feindlichen Propa- (janda, von den Ueberläusern und den bezahlten Spionen gezeigt wurde...' Seldte erklärte vor Gericht, es habe ihm ferngetegen, die Republik oder deren Farben zu beschimpfen. Als Redner des Stahl- Helms dürfe er dies auch gar nicht, da für Stahlhelmer. drei ein für allemal festgelegte Grundsätze maßgebend seien: das«he- malig« herrschende 5)aus aus dem Spiel zu lassen, nicht die Frag« Monarchie oder Republik aufzuwerfen und nicht das religiös« Problem, evangelisch oder katholisch, anzu-- schneiden. Wenn er von.diesen Leuten' gesprochen Hobe, so habe er damit die Arbeiter- und Soldatenräte gemeint, die sich i�seresgut angeeignet und es veräußert haben. Und wenn er von der feindlichen Propaganda, den Ueberläusern und den bezahlten Spionen gesprochen habe, so wisse ja ein jeder gut gewlg, daß während de, Krieges im neutralen Auslande immer wieder Flugblätter und Broschüren mit Schwarzdotgelb den Deutschen in die chand gedrückl wurden. Im übrigen stehe der.Stahlhelm" auf dem Boden der Bertassimg. Das habe er auch durch seine Ameilnahme an den Wahlen bewiesen. Dertinger hatte dem nichts hinzuzufügen und erklärte sich bereit, die Verantwortung für die Rede zu tragen, wenn er auch durch den Abdruck der Rede nur den Befehl seines Führers befolgt habe. Der Staatsanwalt beantragt« gegen den Angeklagten Seldte an Stelle einer an sich verwirkten Gefangmsstrase von sechs Wochen ein« Gewstrafe in der chöhe von 1000 Mark und für den Angesagten Dertinger an Stelle einer Gefängnisstrafe von einem Monat eine Geldstrafe von 600 Mark. Das Gericht verurteilte Seldte an Stelle der an sich ver- wirkten Gefängnisstrafe von drei Wochen zu 800 Mark Geld- strafe und Dertinger zu zehn Tagen Gefängnis bzw. 2ö0 Mark Geldstrafe. Die Platten, die zur Herstellung de» inkriminierten Artikels gedient hoben, find unbrauchbar zu machen. In der Urteilsbegründung stellte der Vorsitzende fest, daß die Beschimpfung der Republik und ihrer Farben besonders gröblich gewesen und bewußt vorgenommen worden sei. land zu stark, als daß gegen st- regiert werden kSnnte, ste ist nach nicht stark genug, um allein regieren zu können. Darum ist vor einer Woche hier gesagt worden:.„Die Sozialdemo- kratie tritt mit dem Versuch, den sie jetzt unternimmt» in ein Entwicklungsstadium ein. das sie nicht überspringen kann.' ♦ Ja, es ist ein Entwicklungsstadium und es ist eine Lern- zeit. Keine Entwicklung ohne Wachstumsschmerzen, keine Lernzeit ohne Lehrgeld! Wollen die Kommunisten diese Wahrheit bestreiten, dann mögen sie in ihr russisches Vaterland hinüberblicken! In Rußland sind diese Schmerzen von den Arbeitern selbst getragen, ist das Lehrgeld von ibnon bezahlt worden. In Deutschland wird vielleicht d i e Partei tragen und zahlen müssen. Aber den Arbeitern wird es bestimmt nicht schlechter gehen, well statt deutschnatio- naler Minister sozialdemokratische in der Regierung sitzen. Schließlich, wenn die Partei der Arbeiter Schaden leidet, wird das auch zum Schaden für die Arbeiter selbst. Und darum sind wir verpflichtet, nach Kräften Schaden von der Partei abzuwehren. Soll das geschehen, so muß A u s t l ä- rung in die Massen getragen werden über die guten Gründe, von denen sich die Partei und die Reichstagsfraktion in ihrer gegenwärtigen Haltung bestimmen läßt. Wie wollen in der Partei keinen Kadavergehorsam, aber wir appellieren an die Einsicht der Genossen, daß Disziplin und Erziehung zum politischen Denken heute notwendiger sind denn je. Je mehr sich eine sozialistische Arbeiterpartei der Regierungsmacht nähert, desto schwieriger wird für sie das Problem der Disziplin. Die Bolschewiti haben dieses Problem ent- sprechend den Ueberlieferungen ihrer Heimat gelöst, indem sie alle Meinungsfreiheit gewaltsam unterdrückten. Mit den Grundsätzen und Traditionen einer westeuropäischen Arbester- partei ist ein solches Vorgehen unvereinbar. Disziplin kann hier nur auf Einsicht und freiem Willen beruhen— aber sie darf nicht fehlen! Der Weg. den die Sozialdemokratie jetzt geht, ist ihr durch die Entwicklung der politischen und sozialen Derhäu» insse Deutschlands vorgeschrieben. Sie betritt ihn ohne Illu- sionen aber auch ohne Furcht und im Bewußtsein ihrer Stärke. Von unfern Parteigenossen, die in die Regierung gehen sollen, erwarten wir keine Versprechungen, aber Taten, die der Republik, dem Frieden und dem sozialen Fortschritt dienen. Heute schon müssen wir an die Aufgabe denken, die eines Tages vor uns stehen wird: nach einer Periode der Teilnahme an der Reichsregierung st ä r k e r asts neuen Wahlen hervorzugehen. Das vermag, wie die Erfahrung lehrt, sonst keine Partei: Die Sozialdemo- kratie muß es schaffen! Die Mit der Mitte. Oemotratifches Wirtschastsprogramm- Verhandlungen mit Noltspartei. Die Wehlniederlage der Demokraten hat ein« stürmisch« Er- Neuerungsbewegung bei ihnen ausgelöst. 3f>r Parteivorstand hat „als erste und notwendigste Pflicht erkannt, daß jetzt olles daraus .inkommtz den Parteibestand zu festigen und zu stärken'. Für den FrühherKir»urde«in« Orzonisationztagung einberufen, um die Reorganisation der Partei durchzuführen. Ei» Ausschuß soll— hoch dem Musier der englischen Liberalen— die Reugestaltung eines d smokratifch en WUrtschastsprogramme» vornehmen.&o entgegengesetzt« Richtungen wie die des TOsachen Apffichtsratsvor sitzenden Dr. Fischer und des Ge- merkschaftsführers Lemmer sind darin vertreten, dazu Professor Bonn und Chefredakteur Bernhard, stavi« Gustav Stolper. der Herausgeber des QoUswirtes. Versucht es die Demokratische Partei, sich zu erneuern und sich klar von rechts und link» zu scheiden, so finden andererseits doch Bersuche statt, die Mitte zu konsolidiere» und sich mit der Bolkspartei enger ins Einvernehmen zu fetzen. Gestern vormittag fand zwischen Koch-Weser und Scholz eine längere Be- sprechung statt,„die im allgemeinen«inen günstigen Eindruck hinterließ'. Die die„Tägliche Rundschau' hört,„trat dabei in einer Reih« von wichttgen Fragen, namentlich wirtschaftlicher und finanzieller Rawr, ein« westgehende Uebereinsttmmung zwischen den Ansichten der beiden Frakttonsvorsitzenden zutage'. Die Volkspartei selbst hat den Angriff des Stahlhelms auf ihr« parlamentarische Selbständigkeit siegreich abgeschlagen. Di« „politische Vertretung des Stahlhelms', unterzelchnet Brau- meiler— das ist der Mann, der den Stahlhelm nie an der Front, sondern nur am Schreibtisch trug— bittet den oolkspartei- lichen Abgeordneten. Kaufmann Dr. Kulenkampf. den.Herren Äameradcn in der Reichstags- und Landtagsfraktion folgend« Mit- teilung zu machen: Die Bundesfühning des Stahlheims denkt selbstverständlich nicht daran, die Kameraden Abgeordneten in der freienAus- Übung ihres Mandats entsprechend dem Artikel ZI der Reichs- »«rfassung zu behindern. Aber ste nimmt für sich da« Recht in Anspruch, zu den politischen Boroängen Stellung zu nehmen. In dem gegenwärtigen Zeitpunkt Höst ste für notwendig, vor einer Politik zu warnen,«elche der Sozialdemokratie die Verantwortung abnimmt. Die„Nationalliberal« Korrespondenz' bemerkt dazu nur: „Ob«s im gegenwärtigen Zeitpunkt richtig ist, der Sozial- demokratie allein die Macht zu überlassen oder nicht, unterliegt der pflichtgemäßen Verantwortung der Parlamentsmstglieder. Die Auffassung, daß es richtiger sei, die Plätze des Reichstabmetts � der Sozialdemokratie ollein zu überlassen, wird auch in den weitesten Stahlhelmtreisen nicht geteilt.' So versucht die Demokratische Partei sich zu konsolidieren und die Volkspartei strebt danach, sich von bündischen Bindungen zu befreien. Beide Parteien möchten gerne die geschlagene Mitte er- neuern—. und beide veranstalten ein Wettrennen darum, wer nun die Mitte der Mitte darstellen soll. Dabei liegt die Demokratische Partei zurzeit vorne im Rennen. Ja. ihre Sehnsüchte nach Wiederaufstieg greifen über die Landesgrenzen hinaus: Die Demokraten des Kontinents werden am 5. bis 8 Juli bei Lloyd George weilen, um von ihm zu lernen. wie man die entgegengesetzten Interessen auf eine gemeinsame Programmformel bringt. Denn es geht, wie die„Vossische Zettung' begeistert schreibt, darum, daß der„Entscheiduiigskampf, der in den Nächsten Iahren um die Mitte geschlagen werden wird, nicht mehr aus die einzelnen Staaten beschränkt ist; er ist eine europäische Sache geworden, die europäisch behandest werden muß!" Daß die Demokraten sich jetzt sogar international verständigen wollen, ist«in schönes Zeichen dafür, daß die„Erneuerung der Mitte' das Kielwasser der internationalen Sozialdemokratie zum �.urs nimmt. Zum deutschcu Konsul in Odessa ernannt ist der Gesaiidtschaftsrat Dr. Roth, bisher in der Presseabteilung der Reichsregierung Re- , ferent für die Ostabteilung. Sei« Nachfolger m diesem Amt Wird der Koustit Dr. vo» Saucke». �Anklage aus dem Zuchthaus." (Sine Hilfsaktion für die Fememörder. Der deutschnationalen Presse liegen Prospekte bei, in denen zum Eintritt in einen Verein„Nationale N o t h i l f«' und zur Zahlung von Beiträgen an diesen Verein aufgefordert wird. Der Gründer und Vorsitzende der.Nationalen Rothilf«' ist ein Wil- Helm von Oppen auf Haus Tornow bei Buckow. Als Ziel der Bewegung wird die Befreiung und Versorgung der wegen Feme» mords zu Zuchthaus Verurteilten angegeben. Um die Notwendig- best der Aktton darzutun, wird von der deutschnationalen Press« ein Bettelbrief des Schulz aus dem Zuchthaus Münster i. W. veröffentlicht, in dem es heißt: Nun wollen Sie, sehr verehrter Herr v. Oppen, gern wissen, wie es mir geht. Ich habe wohl eine der schlechtesten Zuchthaus- «irnituren an, die dieses Institut in seinem Bestand« hat. Meine �>ells ist ein kleines enges Loch, das ein Bew«en er- schwert. Dieses Loch verlasse ich nur auf ein« Stunde, um Luft zu schnappen. Dies« Freistunde ist so ein« Art Spießruten. laufen. Am ersten Tage hörte ich den Kosenamen.Fememörder', zugerufen von einem Zigeuner, der höchst eigenhändig einen Schutzpolizisten erschlug..Sauhund' und ander? Bezeichnungen seien nur nebenbei erwähnt.' Daß ich das Beobachnmasabiekt dir Insassen bisse» Institutes hin. ist wohl einleuchtend. Mit Argusaogsa wachs» sie darauf, daß ich genau so wie sie behandelt werde. Ich Hab« natürlich lange nicht die Dergünsftgungz� ins die Gefangenen der so- genannten Zwesten und dritten Stufe haben, Seit mernam Hiersein «sie ich mit Todesverachtung trockam Boot und trinke«in Gebrühe, welches man Kaffee notra. M«5ne Beschäftigung besticht in bet Herstellung von©chrurr» bürsten. Daß diese ganze Bebardlimg für wich die Höh« se»> lischer Marter darstellt, ist wohl auch für d« begreiflich, der dieses Milieu nur vom Hörensagen kennt. Die.Deutsche Zeitung' nennt dos Schreiben.erschütternd' und ein«.Anklage aus dem Zuchthaus'. Das ist ein- Empftndsamkest, die man im Blatt des Herrn Claß vergeblich gesucht hat, als die Mannen um Claß Schießerlasse gegen Republikauer ausarbeiteten. Schulz kann für sich keine ander« Behandlung ver- langen, als die anderen Zuchthäusler auch Soll man das Schreiben des Schulz wirtlich als ei?« erschütternde Anklage aus dem Zuchthaus betrachten, so tarn es sich nur um das System und nicht um den Einzelfall handeln. Daß die preußische Justiz an einer Besserung des Strafvollzugs arbeitet, und daß heute schon vieles bedeutend besser ist als zu jenen Zeiten, als die Freund« und Hinter» männer des Schulz am Ruder waren, ist bekannt. Aber dafflr haben die Schulz kein Derstänimis, wie der Verurteilte selbst drasttsch beweist, wenn er an einer anderen Stelle seines Schreibens ver acht- lich sogt:„Der moderne humane Strafvollzug will dtaErziehuug des Verbrechers; wozu sollen ich und mein« Kameraden erzogen werden?' Als es sich darum handelte. Menschenleben um die Ecke zu bringen, da waren Schuh und feine Kameraden gar nicht zimperlich Der humane Strafvollzug ist ihnen gleich gültig, sowest es die anderen angeht, empfindlich werden sie erst. wenn es sich um ihre eigene Person handelt. Arbettersänger-Vundesfefi. Oer erste Tag des Festes in Hannover. (Bon unserem Sonderberichterstatter.) Mst eine: würdigen Begrüßungsfeier im Beeil) ov en f a o I der S t a d t h a l l« wurde gestern nachmittag 2 Uhr da» Erste deutsch« Arbeitersänger-Bundesfest in Hannover offiziell eröffnet. Kultusminister Becker begrüßte die Festteilnehmer namens de: Staatsregierung und gab in einer län- geren gedankenreichen Rede, auf die noch zurückzukomme? sei-? wird, ein« zusammengefaßte Darstellung des Problems der musi- kolischen Volkserziehung als einer Aufgabe des demokratischen Staat». Eine Reihe von Rednern überbrachten den Arbeiter- songern und Sängerinnen die Grüße und Wünsche der von ihnen vertretenen Organisationen, unter ihnen ein tschechoslowakischer R-dner als Abgesandter der A r beit« rs ä n g e r»2nt« r n a ti o- nale und ein Vertreter des Arbeitersängerbundes der V-r» einigten Staaten von Nordamerika, sowie bestnders herzliche Worte der Reichstagsabgeordnetq. Genosse B r- y im Auf- trage der Sozialdemokratischen Partei-Deutsch. lands und der örtlichen Parteioertretungen. Der Nachmittag brachte zwei große Begrüßungskonzerte, in denen vor allen Dmgen Hannover zu Worte, d. h. zum Singen kam, und abends gab es«ine Fülle von Konzerten in allen Sälen der Stadt. Darunter Handels Oratorium„Salomo', eine imposant» Dar» bietung der Chorgruppe- Thüringen. Die jüirzst in Berlin erprobte und ausführlich gewürdigte Wiedergab« von Belli az „F au st» Verdammung' als repräsentative Leismnz der Chorgruppe Berlin machte aus die 4000 Zuhörer sichtlich tiefen Eindruck,& P Aehnttch ist es rnst den Kreisen, die der.Nationalen Hilfe' nahe stehen. Für die Unmenschlichkeiten eines Klapp- r o t h s fouden sie keinen Tadel, den Mordbuben von Arens- berg feierten fl« wie einen Heiden, die Ermordung Rathenaus u??d Erzbergers feierten sie heimlich, das brutale Lairdsknechts- buch Sillingers ist ihre Lektüre, und die Justiz kann ihnen gar nicht hart genug sein, wem? es sich um Opfer der Not handelt. Aber wem? die Fememörder ihre Bestialstöt so büßen sollen wie andere. Verbrecher auch, dann schreien sie über die Hartherzigkeit anderer. Versailles und Inierparlameniarifches. Haadelskongreß ohne Oeolfche. Vom IS. Juni ab tagt in Versailles der International« Parlo- mentarlsche Handelskongreß. Die Deuts chnationalen?md Herr Hermes vom Zentrum erklärten, sie könnten»licht hillgehen, denn die Konferenz tage im Spiegelsaal, o» der Friedensvertrag unterzeichnet wurde.(In Wirklichkeit tagt sie in einem anderen Saal.) Der an den Haaren herbeigezerrte Streit würbe jedoch gegenstandslos durch die Tatsache, daß die deutschen Abgeordneten jetzt wegen der Rsgierungsbstdung tu Berlin bleiben müssen. Ge- noff? H Z b« hat die Franzosen in einem liebenswürdigen Brief pon dieser Tatsache unterrichtet. Gotteslästerung? Oer Fall des Gchulrats Or. Kmz. Di« Rechtspresse ging wahrend der Wahle« mit baa Fall de» Schulrats Kurz krebsen, der angeblrch vor Schulkinder« gotte»- lästerlich« Leußerungen getan haben sollte. Tatsache ist, daß Schulrat Kurz— er ist Sozialdemokrat— im Oktober vorige« Jahres bei der Teilnahme an dem Religion». Unterricht im Dorf Groß-Bresa die für das religiöse Thema nicht gerade sehr interessierten Kinder zu fesseln versuchte, indem er in der Sprache der Dörfler redend, die Geschichte des Jesuskindes i« das Milieu des Dorfes oerlegt«. Durch Awischentrögereien de» Lehrers und einen vergröberten Bericht des Pfarrers wurde der inter- essante Versuch zu einer Gotteslästerung umgestempelt. Die Unter- fuchurig der Breslauer Regierung vom 15. Februar stellte darauf fest, daß von Gotteslästerung kein« Rede sein kann, glaubte aber in dem Versuch eim«?„groben methodischen Miß- griff' sehen zu müssen, der mst einem Verweis zu bestrafen sei. Nim hat sich auch est? evangelischer Geistlicher. Superintendent Reymann, mst dem Fall beschäftigt, den er im„Evangelischen Kirche»?blott für Schlesien' veröffentlicht?mö in dem er von sich aus ausdrücklich feststellt, daß sich Genosse Kurz„nicht in der Herabsetzung der Person Jesu ergangen' hat. Das übliche End« einer deutschnationalen Dahllüge! Ein halt- loser Dorfklatsch genügt, um ihoe Giftsedern in Bewegung zu setzen. Zum Fall HSlz. Leipzig. 16. Zum.(Eigenbericht.) Im Fall Hilz fand am Sonnabend eine Besprechung des Se?ntts- Präsidenten Lore?« vom 4. Senat des Reichsgerichts mst den Der- teidigern von HSlz, Dr. Apfel und Dr. Kurt Rosenfeld, statt. Erörtert wurde vor allem der Antrag der Verteidigung, die»eitere Vollstreckung de» Zuchthausurteil» gegen Max Höft sofort zu unterbrechen. Senatsprösident Lorenz jagte«ine schleunige Behandlung dieses Antrages zu. Sie chargieren m'chi mehr! Wir berichteten über die Berliner„Swdentenrvahlen'. die die Schwarziveißroten und Lolschewssten in feindbrüderlicher trauter Alltanz vollzogen. Eine Bedeutung haben die Wahlen mcht, denn die Srudersteisschofl«? sind in Preichen wie in anderen Läl?dern keine öffentlich anerkarmten Körperschaften mehr. Das„neu- gewählte Studentenparlament, wie es eine bürgerlich« Zeitung tauft, ist nun zu einer Sitzung zusammengetreten u??d hat folgenden erschröcklichen Beschluß gefaßt: „Für die Dauer der Nichtanerkennung der Allgenwi«** Studentenschaft der Friedrich-Wilhelm-Universttät Berlin seitens der Universität wird die Studentenschaft in Zukunft an offi» ziellen festlichen Veranstaltungen nicht teil- nehmen, und die Korporationen werden nicht chargieren.' Berlin wird»»einen, daß es künftig den Mummenschanz eist- behren muß. und die Behörden»»erden ihre ganze Kraft zu- sammenehinen müssen, um den Verlust zu tragen! Da» Lustige an der Geschichl« ist. daß außer den Schwarz weiß- roten auch die vier„revolutionären Sozialisten'-7. so nennen sich die für Moskau begeisterten Studenten— an der Sitzung teilnahmen und— gegen den Bzfchluß ftstnmtenl Sie wolle» also chargieren? Revolutionär? Revolutionär! Arbeit im Reichsenischadigungsami. Eine Darstellung des Präsideuten. Seit der Annahme des Kriegsschädenschluhgesctzes ist fast ein Dieneljahr oerstrichen, ohne dost das Reichseivfchädigungs- arat auf die vielfachen gegen es gerichteten Angriffe reagiert hattiv <>egt aber hat der Präsident des Amtes. Dr. Karpins! i, einer Anzahl Vertretern der Presse eine Darstellung über die von seiner Behörde bisher geleistete Arbeit gegeben. Das Amt steht vor einem neuen Arbeitsabschnitt: zur Erlcdi- gung stehen man' auch alle Entschädigiingssölle mit Forderungen über AtOOO M.. die sich noch durch die Forderungen jener Großgeschädigten(über 200 000 M.) erweitern, die ein Anrecht auf den„Wieder- ausbauznschlag" haben. Das Arbeitsgebiet des Amtes teilt sich in drei Gruppen� Abwicklung der Fälle aus derSchlußentschädi- g u n g> Erledigung der �ärtefondsanträge und die Erledi- gung der noch nicht schlußentfchädigungsreifen Fälle, die bisher 2iV> Vergleiche, 3181 Spruchtammersachen und 4700 Beschwerden aufweisen. Dazu kämen täglich viele Akten vom Ansgleichsamt herübgn, die jetzt ans das Entschädigungsverfahren übertragen wer- den. Außerdem gebe es«ine große Zahl von Fällen, in denen früher einmal Anträge gestellt worden sind- Die Zahl der aus der Schluhentschädigung hervorgegangenen Fälle beträgt ISO 000. von denen 110 000 durch Barzahlung und 40 000 durch Schnldbucheintragungen zu erledigen sind. Von den„Gläubigern", die mit ihren Forderungen unter 20 000 M. liegen, kamen 12 631 Fälle mit einem Betrage von 31,2 Millionen Mark zur Er- ledigung: däoon sind 4668 Fälle mit einem Betrage von 13,2 Mil- lionen Mark bereits zur Auszahlung gekommen. Zur e n d g ü I t i- gen Erledigung gelangen tägliih 30 0 Falle. Wer von den Geschädigten auf eine Beschwerde gegen den Schlußentschädigungs- bescheid verzichtet, erhält die ihm bewilligte Entschädigung-summc umgeljend ausgezahlt! ein Verfahren, von dem die Geschädigten mehr und mehr Gebrauch machen. Der Präsident gab des weiteren Erklärungen über den Per- s o na l bestand des Amtes. In seinem Arbeitsbereich werden S93 Personen gezählt, eine Zahl, in die sämtliche Hilfskräfte(z. B. Scheuerfrauen) einbezogen sind. Für die eigentliche Arbeit kommen tatsächlich nur 171 Referenten und 132 Erpedienten in Frage. Für den Härtesonds stehen dem Präsidenten nach dem Gesetz 34 Mil- lionen Mark zur Verfügung bisher sind 27 000 Anträge gestellt worden, die sich bis zum Ablauf der Anmeldefrist am 31. Juni schätzungsweise aus SO 000 bis 60 000 erhöhen werden. Die Zahl der einlaufenden Postsachen ist eine ungeheure: bei ZS Arbeitstagen im Mai waren 132 821 Eingänge zu erledigen, pro Dag also 4913. Die Zahl der einlaufenden Postsendungen steigt dabei dauernd. Die neuerrichtete Auskunft? stelle wurde vom 1. bis 13. Juni von 1695 Besuchern in Anspruch genommen. Mit der Ausführung der Durchführungsbestimmungen aller Entschädi- gungsansprüchc, die über 20 000 M. liegen, wird in der nächsten Woche begonnen. Man hofft, daß das Personal, das nach den Worten des Präsidenten bis zur Erschöpfung ausgenutzt wird, durch Usberweisung von Kräften ans der Abgabenverwaltung verstärkt werden kann..... Dia. Erklärungen des Präsidenten schloffen mit der Persicherung, daß er lediglich die Interesien der Geschädigten verfolge und daß seiner von keinen bureaukratischen Regeln eingeengten Tätigkeit nur durch das �Gesetz Grenzen gezogen sind. Beschlüsse des Reichswirischastsrats. ms* Achtstvodentag»ad ZSerufstraoth-itea. J5Ä Sozialpalktifche 2lo»fchuß des BorlSusigev Rsichswirtschoftsrats nahm in feinen Sitzungen am 18. und 14. Juni zunächst den Bericht des Arbeitsausschusses zur Perotung de» Eni- Nwrf»-Ines Derzeichniffe» zum Z 7 der ArbsttszeitoerordnuNg (AZL) über die Anwendung des 8 7 der ÄZB. auf Betriebe der metallverarbeitenden Industrie und der In- dustrie der Maschinen, Instrumente und Apparate entgegen.,_.. Nach kurzem Bericht des Berichterstatter» kam der Sozial- politische Ausschuß einstimmig zu dem Ergebnis, folgende Ar beitergrupven dem 8 7 zu unterstellen: Metall beizereien: Die Arbefter an der Gelbbrenne: die anderen Arbeiter dann, wenn das Gelbbrennen nicht in einem abgeschlossenen Raum stattfindet und die anderen Arbeiter durch die aus der Gelbbrenne austretenden Dämpf« belästigt werden. Metallschleifereien: Die Metallschleifer und Polierer. Auf Antrag können von den Gewerbeinspektionen hiervon Betriebe widerruflich ausgenommen werden, wenn diese Betriebe so einge- richtet sind, daß eine Gefährdung der Arbeiter ausgeschlossen ist. Eisengießereien, Stahlgießereien, Metall- gießereien, einschließlich Gußputzereien: /�. Die Arbeiter an der Sandaus be reitung, wenn sie den Über- wiegenden Teil ihrer Schicht mit dieser Arbeit befaßt sind. L. Die Lauskranführer im Führerkorb, wenn sie den über- wiegenden Teil ihrer Schicht mft dem Transport und Nergießcn flüssigen Eisen» oder mit dem Ausstoßen der Formen besaßt sind. C. Di« Schmelzer: a) in Stahlgießereien an kontinuierlichen und Tiegelöfen:- b) in' Metallgießereien an Tiegelöfen. Die sonsti gen Arbefter der Metallgießereien werden unterstellt, wenn sich der Ti»gelofen in dem Gießraum befindet, v. Die Arbeiter in Guß» putzerelen.. E. Die Arbeiter am Sandfreistrahlg« blase und am Rotationstischgebläse. In Kettenschmiedereien: Die Arbefter, die mft der Herstellung von Schiffstetten befaßt sind. Emaillierwerke: Die Brenner an den Brennöfen, die mft dem Auftragen der Masse beschäftigten Arbefter, wenn die Ar beften in angewärmten Arbeftsstücken(Tanks) verrichtet werden. In Schriftgießereien: Di« Arbefter an Schrift- gießmaschinen. In B u ch d r u ck e r ei e n: Die Stereotypeure und deren Hilfs- arbefter, die Maschinensetzer, die Arbefter an den Tiefdruckpressen. Alle diese Arbeiter nur dann, wenn nicht zweckentsprechende Ab- sauge- bzw. Entlüftungsonlagen vorhanden sind, für die Maschinen- setzer überdies nur. wenn mft Gas geheizt wird: die Arbeiter an Tiefdruckpresien dann nicht, wenn Druckfarben verwendet werden. die nicht mft Benzol oder desien Derivaten gelost sind. Den Be- trieben soll eine angemessene Frist zur Einführung der Schutzmaß- nahmen gegeben werden. In Anlagen zur Herstellung elektrischer Akkumulatoren aus Blei oder Bleiverbindungen: Die Bleigießer, die Arbefter. welch« die Füllmasse mahlen, sieben, mischen und einstreichen, die Löter. Der Sozialpolitische Ausschuß faßte nach längerer Beratung folgende Beschlüsse über die Ausdehnung der U n fa l lv e r s i ch e- rung auf gewerblich« Berufskrankheiten: Der Sozialpolitische Ausschuß des Vorläufigen Reichswirtschafts- rat» empfiehlt der Reichsregierung, in die Verordnung vom 12. Mai ISZS über Ausdehnung der Unfallversicherung auf gewerbliche Be- rufskrankheiten neu auszunehmen: Erkrankungen an Staublunge(auch in Verbindung mit Tuberkulose) in der Sandsteinindustrie, dem Bergbau und in der Metallindustrie bei Schleifern. Polierern, Gußputzeru ustn, Die Volkspartei vor der preußentür. »Verflixt— jetzt Hab ich die Tür von draußen zugeschlagen und keinen Schlüssel." .Aufmachen?" „Auf— ma-chea???" »Stemmeisen her!" »An weh!" »Ob ich mal höflich anklopfe...?" Aaukmg wird Hauptstadt. Die Ranking Regierung hat telegraphisch de» fremden Ge- sandten in Peking die Awtsübarnahme durch Dr. Wang als Minister des Aeußeren mitgeteilt, womit die Verlegung des Auswärtigen Amt«? nach Nanking ausgedruckt sein soll. Die Nanking-Regierung rst bemüht, den Zentralregierungs- opparat in Peking abzubauen und in Nanking auszubauen und hat ohne Rücksicht auf das in Washington mft den Konferenz- möchten getroffene Po st abkommen mit telegrafischer An- Weisung die GeneraKnrektion der P o st v e r w a ltung von Pe- king nach Nanking verlegt. Der französisch« General- direktor ist nach Nanking abgereist,, um ein für die fremden Mächte befriedigendes Arrangement zu oersuchen. Auch die Der wo ltung der Salz st euer dürfte, wie es heißt. nach Nanking übersiedeln. Chinesischer Klaggenwechsel in Berlin. Wie in den Hauptstädten anderer Länder, so hat auch in Berlin die diplomatische Vertretung China» auf Anweisimg der Nationalregierung von Nanking die Na»ionalflagg« ge- hißt, eine rote Fahne mit blauer Gösch und in der Mitte einer weißen Kugel, umgeben von weißen Sternen. Damit betont die Nanking-Regierung den Ländern, mit denen st« in diplo- matischem Verkehr steht, gegenüber, daß sie sich in aller Form m den Besitz der politischen Macht setzt und sich al« die Vertreterin der Interessen Chmaz gegenüber dem Ausland« legitimiert. AOatog. 1«. dum. Tut* Nankmg-Nagierupg erklärt at einet Kundgebung, daß die Einigung Ehina» vollzogen sei. p« neue ZUgletMg wünsch« dem chinesischen Volk die Segnungen persönlicher und stoat- nch« Freiheit und dem Land internationalen Frieden auf der Basi» der Gleichheit. Jede militaristisch« R�ierungsform werde beseitigt werden, die Kommunisten werde man nicht dulden. Man soll« sofort mft Verhandlungen zum Abschluß neuer internationaler Bertrage beginnen aus der Grundlage gleicher Rechte und gegenseitiger Achtung der staatliche» Hoheit. Japan will Tsingtou-Tsinanfu behatte«? Peking. 16. Juni. Der japanisch« Generalkonsul in T singtau hat den chinesi- schen Zivilgouverneur unter Hinweis auf die Zwischenfälle in Tstnanfu daraus aufmerksam gemacht, daß die neutralen Zonen der Schantung-Eisenbahn zwischen Tsingtau und Tsinanfu unbedingt ge» achtet Verden müssen und daß das Hissendersüdchinesi schen Flagg«nicht erlaubt sei. Der Generalkonsul verlangt Ab- schluß eines Abkommens über die Errichtung eines Stadtrates in Tsingtau und die Einsetzung einer Hafenkommisston. Nach einer Tokioter Reuter-Meldung fordert Japan Ent- schädigungen für die Ermordung seiner Staatsangehörigen sowie für die Verlust« der Japaner durch die Plünderungen und Bestrafung aller Schuldigen. Bis zur Annahm« dieser Forde- rungen worden die Japaner in Tsimmfu bleiben. Braunkohlenindustrie verteilt Orden. 1350 silberne, 11 goldene Medaillen. Auf der gestrigen Tagung der Brauntohlenindustrie iu Kassel wurde die für die Braunkohlenbelegschast sicher Interessant« Tatsache bekannt, daß der Brauntohlenindustrieverein für 2Sjährig« treu« Dienste in einem Braunkohlenunternehmen 1530 silberne Denk- münzen und für SOjährige treue Dienste in einem Braunkohlenunter- nehmen 11 golden« Denkmünzen verteilt hat. Wir wissen nicht, wie schwer und wertvoll die Silber- und Goldmünzen de? Braunkohlenindustrievereins sind und um wieviel dadurch die S« l b st k o st« n der Braunkohlenuidustti« erhöht werden. Wir wissen auch nicht, wer die schönen Orden der Braun- kohlenunternehmer erhallen hat. Sind es Arbeiter, so ist es sicher, daß dies« Ordensverleihung billiger ist als die Verschwendung riesiger Summen für Gelbe und Stahlhevnleifte. Die Kvrruptionsmethoden im Braunkichlengebiet wären jetzt also auch rationalisiert worden. was immerhin erfreulich ist. Ob dieser Ordenssegen aber mehr nutzen wird al« di« kost- spielige Treibhauszucht von. Gelben mft«cht nationaler Gesinnung? Wir fürchten, damit treiben die Braunkohlenherren die Hasen auch nicht in ihren Stall. Wer schlecht zahlt, kann noch so viel Orden verteilen. Orden machen nicht sättl Zu einer neue« Note der Sowjetregierung an Pole» bezeichnet Tschitscherin die von der polnischen Regierung getroffenen Maßnahmen gegen die Tätigkeit der weißgardistischen Flüchtlinge in Polen al? unzureichend und legt der polnischen Regierung di« Verantwortung für die Sicherheft der Sowjetvertreter in Warschau auf. Züudholzirust kaust Ungarn. ZüadHohmonopol für Anleihe verkaust. Budapest. 16. IimL Finanzminister Lud teilte mit, daß es der Regierung gelunge» sei. die soft langem offenstehende Frag« der Finanzierungder Bodenreform zu lösen. Die Regierung hat mit dem schwe- disch-a me ri k a n i sch e n Zündholztrust ein Abtvmmen abgeschlossen, wonach der Trust Ungarn ein« Anleihe von 36 Mil- lionen Dollar, Ausgabekurs 92 Proz., Zinssatz 5% Froz. gewährt. Di« Regierung muß bis zum 15. Juli ein Gesetz zur Annahm« bringen, wonach der schwedisch-amerikanische Trust da» ungarische Zündholzmonopol erhält- Zusammen mit der Völkerbunds- anleih« steht der Regierung damft«in Betrag von 600 Missionen Mark für Anlagezwecke zur Verfügung. Miliz in Amerika. Oas Berufsheer bildet die Zivilisten für dea Krieg aus. N Washington. 1«. Juni. MehralsdieHälfteder regulären Armee der Dereinigten Staaten nUrd in diesem Sommer damft beschöftigt sein. Aivlliste» misitärisch auszubilden. Nahezu 273 000 Personen sSien in Rc- krutenlagern untergebracht. 3450 Offizier« und 47 900 Mann der rsgulären Armee werten als Instrukteure verwendet. Der Unterricht wird sich erstrecken aus den Dienst in der Infanterie. Kavallerie. Feldartillerie, Luftflotte, im Pionierlorps, Signalkorp», Nachrichten- dienst und in der chemischen Kriegführung.(!) NACH DEM ERÖFFNUNGS- VERKAUF IN DEN ERWEITERTEN LAGERN RESTE ABSCHNITTE WOLLSTOFFE SEIDENSTOFFE WASCHSTOFFE HERRENSTOFFE UNTER DEN REGULÄREN PREISEN 50 % Gardinen- u. Möbelstoff- Reste 50% des regulären Preises BERLIN C 2 SPANDAUER -KÜCHEN roh emailliert 55 M. 90M. Küche Lottchen. Küche Christine m.Anrichte85 M. 135 M RIESENAUSWAHL rcher, lack erter, lasierter Küchen einzelner Kielder- und Küchenschränke in ca 135 Mustern. HIMMEL Hauptgeschäft Lothringer Str.22 Schönhaus.Tor Fia e Billige Schuhwoche bei Stiefelkönig Friedrichstr. 131c, an d. Karlstr. Tung 100, Oranienburg, Berliner NJSRAEL DAMEN KLEIDUNG Jumperbluse naturfarb. Bastseide, reich mit Fältchen und Knöpfen Kleid bedruckter 875 Vollvolle, 1250 mit langen Aermeln Kleid bedruckter Crêpe de 2900 Chine, jugendl. 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Juni 1Y2» Dem Berliner darf man, wenn man ihn nach der Begeisterung und dem Ileih mißt, die er für seine Wohn- f u l t n r aufwendet, einen besonderen Ehrenpreis erteilen. Irühjahr und Kommer bringt ihm Sorgen, die wirklich nicht alltäglicher Zlatur sind, sie gelten dem.Balkon". dem.dritten Zimmer", das die enge Behausung erweitert. Das Heiligtum— der Balkon. Der Balkon ist noch immer des Großstädters ch eiligtum. chier weitet sich seine Seele bei einem Blick noch oben, wo die blauen Wolken segein, hier kam er auch die lange Straßenzeile entlang blicken. Hier auf dem Balkon ist Ruhe und Erholung nach der Werktogsorbeit in Fabrik oder Bureau, wem nicht der Straßen- lärm zu ihm heraufdringt. Hier ist gute Luft, soweit man von guter Luft im Häusermeer der Großstadt sprechen kann. Man sitzt mitten im„Grünen", m einem selbstgezogenen Görtchen, das sich, in Holzkästen verwurzelt, an Spalieren hinaufrairkt, aber manchmal ist das Grün mir die echte Farbe an den Holzstäben, weil dos Balkongärtchen trotz aller Pflege im Schatten nicht gedeihen will. D-eie Bescheidenheit an dürftigem Glück hat etwas Rührendes, und dach möchte man dem emsigen Balkonfreunde zurufen: Mensch, raff« dich auf! Du hast Anspruch auf die ganze und groß« Natur, wie jedes Geschöpf, das sie erzeugt hat. Begnüg« dich nicht mit armseligem Ersatz! Fordere dein Recht! Fordere Er- Weiterung der Stadtsiedelung, fordere Grünstächen, dein eigenes Görtchen am eigenen Haufe! Oer Balkon als Luftkurort. Aber kehren mir von diestan Ausflug in das Zukunftsland zu- rück zur nüchternen Gegenwart. Der Balkon hat zweifellos feine erzieherische Seit«, sein Gutes. Wem er auch nur klein ist und eigentlich nichts weiter bedeutet, als dos Aushängeschild des Bauunternehmers„Wohnung mit Balkon und allem Komfort", so baben die meisten Großstadtmenschen doch hier die einzige Gelegen- beik, ihre Liebe zur Natur zu betätigen. Freilich gibt es auch Familien, die diesen Zweck entwürdigen, die ihre Wäsche auf dem Balkon trocknen, ihn zum Holzplotz und Rumpelstall degra- Jade London: WvlfsblUt. Die Hunde waren getrennt, aber die Dogge strebte mit oller Macht vorwärts. „Nehmen Sie den Hund weg," gebot Scott, und Tim Kecman zog Cherokee in den Kreis der Zuschauer zurück. Wolfsblut machte einige fruchtlose Anstrengungen, sich auf die Füße zu stellen, aber die Beine waren zu schwach, ihn zu tragen, und er sank lang am auf den Schnee zurück. Seine Augen waren halb geschlo sen und glasig, das Maul stand offen und die Zunge hing chlaff aus dem Halse heraus. Er sah wie erwürgt aus. Matt untersuchte ihn. „Er ist nähe dran gewesen," verkündete er.„Aber er atmet noch ganz regelrecht." Der schöne Schmitt hotte sich erhoben und kam heran, um nach Wolfsblut zu sehen. „M�t, wieviel ist ein guter Schlittenhund wert?" fragte Scott. Der Hundetrolber, immer noch auf den Knien, bückte sich über Wolf und rechnete einen Augenblick.„Dreihundert Dol- lar," antwortete er dann. „Und wie viel einer, der so zerrissen und zerfleischt ist. wie der da?" fragte Scott, indem er Wolfsblut mit der Fuß- spitze berührte. „Die Hälfte." lautete die Antwort des Hundetreibers.— Scott wandte sich an Schmitt. „Heben Sie gehört. Herr— Bestie? Ich nehme Ihnen den Hund ab und gebe Ihnen hundertundfünfzig Dollar da- für." Dabei öffnete er sein Taschenbuch und zählte die Scheine ob. Schmitt legte die Hände aus den Rücken zum Zeichen, daß er dos Geld nicht nehmen wolle. ..Ich verkaufe ihn ober nicht," entgegnete er. ,L)och! Weil ich ihn kaufe," versetzte der andere.„Hier ist das Geld. Der Hund gehört mir." Schmitt machte mit den Händen auf dem Rücken einige Schritte nach rückwärts. Scott sprang auf chn zu und hoste zum Schlage aus. Der andere bückte sich, um ihn zu oer- meiden. „Ich habe doch ein Recht auf chn," rief er weinerlich aus. „Sic haben sich Ihres Rechtes auf den Hund verlustig gemacht," war die Entgegnung.„Wollen Sie das Geld neh- men ah er fall ich—" imd Scott erhob«t'ermals die Hand zum Schlags dieren oder gar K a n in che n st ä ll« auf ihn placieren, ober dos sind Ausnahmen. So mancher Familienvater verwendet sei.ie ganze Freiheit dazu, am Balkan herumzubasteln, um ein Schmuck- k ä st ch e n aus ihm zu machen, das oll« Armut des Daseins überdecken soll. Oft wird bei diesem Bastelsleih über das Ziel hinaus- geschossen, indem man den Balkon vollständig in einer Laube « i n b a u t, zu der weder Sonne noch Lust Zutritt haben, was doch der eigentliche Zweck des Balkons ist. Wohl ihm, wenn die Sonne bei seiner Anlage zu Hilfe kommt und Pflanzen und Blumen gedeihen läßt! Es ist ja hinreichend bekannt, daß man zum Psanzenziehen«ine„glückliche" Hand haben muß, daß bei dem einen alles wächst, was er nur anrührt, und bei dem anderen nichts gedeihen will, wie große Mühe und Pflege er auch anwendet. Kunst und Natur. Meist liegen da Fehler vor, die der mit dem„Sinn" Begabte nicht begeht: nur mit den Jahren erlernen die schwierigen„Balkon- londwirte" die richtigen Kunstkniffe. Sprechen wir voy der Herstellung des Balkonausbaus, so zeigt schon ein Rundganz durch die Straßen, welche Hausgenossen den Balkon richtig oder falsch angelegt haben. Im Norden und Osten Berlins sieht man so recht die verquaste häßliche und lieblose Art, mit der die Bolkonc der Architekt bedacht hat.„Schwalbennester" nennt der Berliner diese an die sloche, geistlos auszesührte Fossode angeklebten Borsprünge, die kaum so breit und lang sind, daß ein einfaches Ruhebett darauf aufgeschlagen werden kann. Doch man be° gegne dieser Straße im Hochsommer wieder, welchen ungemein reizvollen Anblick bietet sie dann durch den Schmuck von Blumen und rankendem Grün, der die Bolkone überzieht. Ganz« Lauben sind über der Balkanumkleidung errichtet, an denen Bohnen und andere rankende Pflanzen sich emporklommern und ein äußerst praktisches Sonnendach bilden. Dieses Sonnendach ist jedenfalls auch wesentlich billiger als die Markise, die sich über die Bai- kone des bessergestellten Bürgers spannt. In der Wrißbach- st r a ß e hat sogar ein Begeisterter ein ganzes Teppichmuster in Holz ausgesägt und auf den Balkon ausgestellt: der Mann besitzt wohl Kunstsinn, aber keinen Naturstnn. Für Schatten» bepflanzung wäre Efeu anzuraten, der sehr genügsam ist, da» zwischen als Bedeckung der Bolkonkästen Immergrün. Die richtige Bepflanzung. Mancherlei Kunstschler sind da, wo die Pflanzen nicht wachsen wollen, zu vermerken: man acht« daraus, daß die Bolkonkästen auf ihrem Boden Abzuglöcher für das Wasser haben, wie sie jeder Blumentopf besitzt. Würde das Wasser bei vielem Gießen nicht abziehen können, so müssen die Wurzeln jaulen und die Psion- zea verkümmern, lleherhaupt das Gieß e.1,, auch dieses will gelernt werden! Man gieß«� nie bei praller Sonne,' nur sehr' früh morgens und abends in der Dämmerung! Auch für ein Ab- spritzen des Staubes am frühen Morgen sind die Pflanzen fchr donkbar. Da sich die Balkonerde schnell auslaugt und ver- braucht, sollte man jedes Jahr frisch« Erde geben, wenn man sein Görtchen aus der Höhe halten will. Es ist ja Nicht so wie draußen auf dem Acker, wo ein Reservoir an Kraft den Boden ständig erneuert. Auch darf man nicht übermätzigdüngen, da die Verteilung der Stickstoffmengen und Salze sich aus kleinem Raum nicht so günstig vollzieht wie draußen im Garten und Feld. Manche Pflanze geht da an Brand ein, wo es doch gut gemeint war. Gute Gartenerde, mit Hornspänen vermischt, sichert immer den Erfolg. Bei der Aus wohl der Pflanzen sollte man auch etwas Kenntnis ihrer Eigenschaften besitzen. Man kann nicht „Schon gut," versetzte Schmitt mit einer Raschheit, die nur aus Furcht entspringen tonnte.„Aber ich nehme das Geld nur unter Protest.— Der Hund ist eine Goldgrube," fügte er hinzu,„und ich werde mich nicht berauben lassen. Jedem das Seine." „Da hoben Sie recht," antwortete Scott, indem er ihm das Geld hinreichte..Jedem Menschen das Seine. Aber Sie sind kein Mensch, Sie sind eine Bestie." „Warten� Sie nur, bis ich nach Dawson komme, dann verklage ich Sie," drohte Schmitt. „Wenn Sie auch nur den Mund ouftun, wenn Sie nach Dawson kommen, so lasse ich sie aus der Stadt jagen. Ver- standen?" Schmitt brummte eine Erwiderung. „Verstanden?" donnerte der andere ihn an. „Ja," brummte Schmitt zurückweichend. „Ja— weiter?" „Ja wohl, Herr," entgegnete Schmitt, indem er ihm höhnisch die Zähne wies. „Nehmen Sie sich in acht! Der beißt noch!" rief jemand unter den Zuschauern, worauf ein schallendes Gelächter er- tönte. Scott kehrte sich um und trat an den Hundetreiber heran, der um Wolf beschäftigt mar, um ihm zu helfen. EiniD Leute machten sich auf den Heimweg, andere standen m Gruppen, gafften und schwatzten. Tim Keenan gesellte sich zu einer der Gruppen. „Wer ist denn das Großmaul?" fragte er. „Weedon Scott," antwortete einer. „Und wer, zum Henker, ist Weedon Scott?" ftogte der Hasardspieler. ,Ach, einer von den allerersten Minenexperten. Er steht sich mft all den großen Tieren da gut. Wenn Sie nicht in Un- gelegenheiten kommen wollen, so kommen Sie dem nicht in den Weg, dos rote ich Ihnen. Er Hot olle Beamte in der Tasche. Der Gouverneur ist ein Duzfreund von ihm." „Ich dachte gleich, es müßte was besandergs mit ihm los fein," versetzte der Hasordspieler.„Dorum hielt ich mich von Anfang an meine Finger von ihm fern." 5. Unzähmbar. „Es ist hoffnungslos." erklärte Weedon Scott,„ganz hoffnungslos." Er faß auf den Treppenstufen des Blockhauses und schaute den Hondetrekber an, der ebenfalls wie hoffnungslos mit den Achseln zuckte. Dabei bückten beide nach Woljsblut Tomaten und wilden Wein zusammen in Kästen pflanzen, weil jede Pflanze einen bestimmten Platz für ihre Wurzeln beansprucht und sich auch die Kraft in der Erde nicht von anderen wuchernden Pflanzen entziehen lassen will. Zu eng gepflanzte Blumen sühren einen Existenzkampf miteinander, wie zweibeinige Lebe- wesen: die. robusteren Pflanzen werden die Zartlinge bald ver- drängen und zum Absterben bringen. Dankbar- Balkonblüher sind die Petunien in ihren vielen Farben, blau, weiß, rosa und bunt. Die Geranien mit ihrem starken Rot und Rasa sind ebenfalls zu empfelsien, schön wirken von außen die Hänge- geranien, von denen nur der Balkoninhaber im Inneren nicht- sieht. Es gibt auch schöne H L n g e n e l k e n, die als Zwischen- Pflanzung sehr dekorativ sind. Hängende Fuchsi-n trifft man ebenfalls an, die nur den Fehler haben, daß sie schwer zu über- wintern sind. Bunte Kresse gibt nur einige Wochen hindurch dem Balkon ein blühendes und duftendes Dasein, sie blüht schnell ab. Wer den strengen Rhythmus liebt und«infarbigen Aalkon- schmuck bevorzugt, ohne rankende Pflanzen, dem seien Begonien und Lobelien empfohlen, jene mit zart rosa Blüten im hellen Grün, diese mit dunklerem dichten Laub und blauen, veilchenartigen Blüten. Von rankenden Pflanzen ist an erster Stelle unsere be- kannte Feuerbohne zu nennen, die ein ziemlich dichtes Spalier bildet. Sie klettert ebenso gern an Bindfaden wie an Draht oder Halzstäben und erreicht ein« ungeheure Höhe, je nachdem die Kraft im Boden sie beflügelt. Rur sollte man sie nicht an der Hoch- a n t e n n e zum Dach hinaus wachsen lassen— wie man häusig Lauben auf dem Balkon hinüber, der mit gesträubtem Haar und zähnefletschend wild an der Kette zerrte. Matt hatte den Schlittenhunden ver- schiedene, von einem Stock unterstützte Lektionen erteilt, und sie hatten begriffen, daß sie Wolfsblut in Ruhe lassen müßten. Sie hatten sich in einiger Entfernung niedergelegt und schein- bar seine Existenz vergessen. 4 „Er ist ein Wolf, und da hilft kein Zähmen," erklärte Scott weiter. „Das weiß ich doch nicht so genau," warf Matt ein. „Bei alledem scheint mir, ist doch ckn gut Teil vom Hunde in ihm.— Aber eines weiß ich ganz sicher, und das läßt sich nicht wegleugnen." Der Hundetreiber machte eine Pause und nickte vertrau- lich nach den Bergen hinüber. „So tun Sie doch nicht so geheimnisvoll mit dem, was Sie wissen," erwiderte Scott gereizt, nachdem er eine Zeit- lang gewartet hatte.„Was ist es? Heraus damit!" Der Hundetreiber deutete mit dem Daumen über die Schulter nach Wolfsblut hin. „Wolf oder Hund,— das ist ganz gleich, aber gezähmt ist er schon." „Nein." „Ich sage ja. Und er ist auch schon angespannt morden. Schauen Sie sich ihn nur genauer an. Sehen Sie nicht die Spuren auf der Brust?" „Sie hoben recht, Matt. Er ist ein Schlittenhund ge- wesen, bevor der schöne Schmitt ihn in die Klauen bekam." „Und warum sollte er nicht wieder ein Schlittenhund werden?" „Meinen Sie?" fragte Scott eifrig. Aber die Hoffnung verschwand sogleich wieder, und er fügte kopfschüttelnd hinzu. „Wir haben ihn nun schon vierzehn' Tage, und er ist noch ebenso wild, wenn nicht gor noch wilder wie am ersten Tage" „Hoben Sie nur Geduld," beschwichtigte Matt.„Lassen Sie ihn einmal eine Weile los." Der andere schaute ihn zweifelnd an. „Ich weiß," ftihx Matt fort,„ich weiß, daß Sie es ver sucht haben. Aber damals nahmen Sie auch keinen Stock mit." „Dann versuchen Sie es."' Der Hundetreiber ergriff einen Knüttel und ging zu Wolfsblut hin. Dieser behielt, wie ein Löwe im Käfig die Peitsche dos Tierbändigers nicht aus den Augen läßt, de» Knüttel im Auge.* _____"..._(Fortsetzung f Beobachten fann, die Pflange erbet" gewiffermaßen und leitet die Wellen ab. Die Bohne, wie auch jede andere ranfende Pflanze, möchte besonders auf zugigen Balfonen vor Wind geschüßt sein, her sie hin und her wirft. Zu den schönen ranfenden Baltonpflanzen zählen dann no Iradescantia, der alte Gun bermann, Glechoma, Cobea, weißgrüner Hopfen und bunte Widen. Diese haben immer etwas Lustiges und erinnern an Kinderspiel und Tändelei. Unter den Balfonzüchtern gibt es alte Braftiter, die als Künstler in ihrem Metier anzuspre hen sind. Sie schaffen eine feine Ede, die so idyllisch ist, daß man hier am weißgedeckten Kaffeetisch und mit einem guten Buch sich wirklich wie in ein Paradies perfezt fühlt. D: chideen, hängende, seltene Blumen schaufelt da in Ampeln, Kafteen wetteifern in Blüte und bizarren Formen out extra hergerichteten Tischchen. Für solche Liebhaberei aber muß mar viel Zeit und viel Gebulb aufbringen. Welch' schönes Zeichen von sinnvoller Einfühlung in die Naturvorgänge und spri ht non tieferen Empfinden und Berständnis für edle Lebensformen, wenn folche Liebe zu Pflanzen bei einfachen Menschen, bei schlich ten Arbeitern, anzutreffen ist! Heute mußt du wählen! An den Anschlagsäulen Berlins sah man am Sonnabend ein Plakat, das auf die am heutigen Sonntag. 17. Juni, zu vollziehende Elternbeiratswahl hinmies und eindringlich mahnte: Du mußt wählen! Die Christlich- Unpolitischen" maren es, die sich so den Müttern und Bätern noch einmal in empfehlende Erinnerung bringen mollten. Das muß eine Mahnung auch für diejenigen sein, die in den Christlich Unpolitischen" und ihren deutsch nationalen Hintermännern eine schwere Gefahr für die Schule erkennen. Wenn du diese Gefahr abwehren willst, so tu am heutigen Sonntag bei der Elternbeiratswahl deine Pflicht. Heute mußt du wählen, aber du wählst die Liste Schulauf ba it. Bann wird heute gewählt? Für die Elternbeiratswahl ist in Berlin leider eine einheitliche Wahlzeif festgelegt. Es wird lediglich die Bestimmung des Ministerialerlaffes beachtet, die eine min beft mahlzeit von fünf Stunden vorfdyreibt. So ist an vielen Schulen die Mahlzeit ganz verschieben angeordnet worden, auch ant Schulen, die in demjelben Hause liegen. In der Regel dürfte es die Zeit non 9 1hr vormittags bis 3 Uhr nachmittags fein. Jeder erfundige fich also nach der Wahlzeit, die für feine Goule gilt. Eltern, die Kinder in verschiedenen Schulen haben, dürfen an jeder dieser Schulen wählen. Bon der Behörde aber muß man ermarten, daß fie fünftig für Berlin eine einheitliche Bahlzeit von fünf oder fechs Stunden, von 9-15 11hr, feftfeßt, da. mit dem Birrwarr bei der Elternbeiratswahl ein Ende gemacht wird. 2Ue Mütter und Bäter aber gehen zur Wahl und helfen die riftlich- unpofitische Schulreaftion schlagen durch Werbung und Stimmabgabe für die Liste Schulqufbau. 3m 3eichen republikanischer Schulpolitik". Oft, Gubener Str. 53, herricht In Elternkreisen der 1. Mädchen mittelschule, Berlin. schreibt man uns Empörung darüber, daß der Mittelschullehrer Berndt anläßlich des Flaggenstreites der Berliner Hotels in Gegenwart verschiedener Mitglieder des Kollegiums unsere Reichsfahne als Mostridiahne bezeichnet hat. Dieser Herr bemies auch sonst in mancher Weise seine Republifgegnerschaft. Als ein Mittelschullehrer, der die Kühnheit hatte, sich in diesem fast nur deutsch nationalen Kollegium zur sozialdemokratischen Partei zu bekennen, nom Bezirksamt Friedrichshain zum Konrektor gemählt wurde, war Herr Berndt dreift genug, wieder in Gegenwart von Kollegiumsmitgliedern zu sagen:„ Wenn uns die sozialdemoPretische Partei einen Mann hierher jetzt, so haben wir uns dagegen 34 wehren." In der folge murde gegen diesen Genossen, der als Pädagoge und Mensch untadelig dasteht, ein Kampf der Kleinlich feiten und Lächerlichkeiten eröffnet und ihm mit allen Kräften das Leben schwer gemacht. Die antirepublikanischen Austaffungen des Zwei Jahre Gefängnis für den Raiferfurier. In dem Prozeß gegen den früheren Opernregiffeur und Kaiserfurier Joachim v. Reichel wurde gestern abend das Urteil gefällt. Es lautete wegen vollendeten Betruges in zehn Fällen, wegen versuchten Betruges in zwei Fällen und wegen Untreue in einem Falle auf insgesamt 3 wei Jahre Gefängnis unter Anrechnung von acht monaten Untersuchungshaft. Hatte die künstlerische Laufbahn des Regiffeurs und Dramaturgen Joachim v. Reichel bereits im Jahre 1923 endgültig ihr Ende genommen, so ist mit diesem Urteil sein Strafregister be ftimmt noch nicht abgeschlossen, eine Reihe von Verfahren fdmebt ja noch gegen ihn im Ausland. Sozial wie psychologisch stellt dieser Sproß oftpreußischen Adels ein interessantes, aber durch aus tein schwer lösbares Problem dar. Sein ganzes Leben war nichts mehr als die Verwirklichung eines Wunschtraumes. Schon als Knabe benutzte er das ganze Dorf für seine Inszenierungen. Solange er ungestraft, begünstigt von dem dekorativen Dasein der feudalen Kreise, zu denen er selbst gehörte, Theater spielen durfte, ging alles gut. Nichts konnte ihn passieren, solange er sich auf der wirklichen Bühne als Opernregiffeur ausleben durfte. Die Bühne der Wirklichkeit wurde ihm aber im reifen Mannesalter zum Berhängnis, als er nun sein Jugendspiel unter ganz veränderten Verhältnissen fortzusetzen gedachte. Der Großpapa war tot; die Bro teftionen und eigenartigen Bindungen, die ihm vor dem Kriege gestatteten, über das Parkett des Daseins zu gleiten, hatten ihre stüßende hand von ihm gezogen. Blieb nur ein haltloser, genuß süchtiger, fnabenhafter, im Leben unbeholfener Mensch übrig, der Berndt sind sämtlich durch Aussagen von zwei bezm. drei Damen crhärtet und werden unter Cid geftelt. Nun hat der rechtsgerichtete Amtmann des Provinzialschulkollegiums, der die Sache untersuchen foute, ein paar geringfügige Widersprüche entdedi und den Bor. schlag gemacht, daß das Verfahren niedergeschlagen wird, da eine Bestrafung des Berndt den guten Frieden im Kollegium stören würde". Was sagt der Unterrichtsminister dazu, der bei der Was sagt der Unterrichtsminister dazu, der bei der legten Ruftusdebatte im Landtag feierlich erflärte, unsere Schulpolitik in Breußen fönne nur eine republi. tanische sein? Die Eltern mögen das Ihrige dazu tun, daß folchen Antirepublikanern in den Lehrertolle. gien 3ügel angelegt werden. Bei der heutigen Eltern beiratswahl haben die Eltern eine Gelegenheit, burch Wahl der Liste Schulaufbau dem Treiben der sich„ hristlich- unpolitisch" nennenden Antirepublitaner entgegenzutreten. Dachstuhlbrand in Schöneberg. Bermutlich Brandstiftung. Durch ein Großfeuer wurde gestern abend der Dach. ftuhl des Borderhauses Gotenstraße 39 in Schöneberg vollständig zerstört. Gegen 21 1hr bemertien Baffanten auf dem Dach des Hauses einen starten Feuerschein. Non mehreren Seiten wurde die Feuer mehr alarmiert, die mit pier Löschzügen anrüdte. Als bie Behren turz nacheinander an der Brandffelle eintrafen, ftand der Dachstuhl in feiner ganzen Ausdehnung bereits in Flammen. Weber mehrere mechanische Leitern und über die völlig verqualmien Trep penhäuser wurde das Feuermeer mit sechs Schlauchleitungen großen Kalibers angegriffen. Zum Glück hielten die Brandmauern der zu beiden Seiten angrenzenden Häuser stand, so daß es gelang, nach einstündigem starken Wassergeben den Brandherd zu lokalisieren. Die Aufräumungsarbeiten dauerten bis lange nach Mitter nacht. Unter 3urüdlaffung einer Brandwache rückten die Wehren dann wieder ab. Nach den bisherigen Ermittlungen scheinen verbrecherische ände das Feuer gelegt zu haben. Bor nicht allzu langer Zeit wurden, wie erinnerlich, an einem Sonntagnachmittag in demselben Häuferblod mehrere Dachstühle durch ein Großfeuer vernichtet. Schon damals wurde Brandstiftung vermutet, doch hatte das Feuer mit solcher Macht gewütet, daß alle Spuren, die eine Bestätigung des Berdachtes hätten geben tönnen, verwischt waren. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen. nur das eine gelernt hatte Geld auszugeben. Die Szenerien, die er nun errichtete, stürzten eine nach der anderen ein. Für diesen Mann war das Kaiserreich zu früh zusammengebrochen. Wie leicht haben es ihm doch all die Geschädigten gemacht, fie 311 schädigen. Es genügte, daß er in einem Großlaufhaus seine Visiten farte vorzeigte, etwas von seiner Bekanntschaft mit der Frau des Chefs erzählte, daß man ihm als angeblichen Kunsthistorifer aus Darmstadt für mehr als.2500 Mart Baren auf Kredit aushändigte. Ein Kunsthändler fiel mieder auf feine elegant eingerichtete Wohnung und auf seine Steuerfarte hinein. Eine Möbelfirma ließ sich in ähnlicher Weise beschwagen. In einer Weinhandlung holte er fich Litöre, Beine und Nahrungsmittel als zukünftiger Redakteur auf Strebit. Einem Spediteur, dem er von seiner Billa in Hamburg er. zählte, blieb er mehr als 300 Mart schuldig. Eine Kunsthändlerin in Weimar sollte an seine Frankfurter Billa glauben. Sie fiel aber nicht darauf hinein. Ebensowenig ein Architekt, dem er bereits im Jahre 1920 25 000 art als Darlehen abgenommen hatte. Die Sachen verpfändete er oder nahm für sie beim Auktionator Geld auf, um für dieses Geld Auslandsreifen zu machen. Das war Joachim v. Reichel.... Der Oberregiffeur Engel sprach non den zweifellosen fünfilerischen Fähigkeiten dieses Mannes. Er nannte ihn einen Optimisten und Phantasten. Aehnlich schätzten ihn die medizinischen Sachver ftändigen Dr. Leppmann und Dr. Emers ein. Interessanter als psychologisch ist dieser Joachim v. Reichel aber fozial betrachtet. In den Meabiter Gerichtsfälen wird er wohl noch mehr als einmal der einstmals herrschenden Klasse, dessen Abbild er ist, den Spiegel norhalten. Fackelzug der Maffen. Aufruf des Magiftrats für den Bolksfeiertag am 11. Auguſt Der Berliner Magiftrat erläßt nachstehenden Aufruf: Die Bevölkerung der Reichshauptstadt hat im Vorjahre durch rege Beteiligung an den im Anschluß an die gemeinsame Verfassungsfeier von Reich, Staat und Stadt stattgefundenen Fadelzug ein beredfes Zeugnis für den republikanischen Gedanken abgelegt. Auch in diesem Jahre soll sich an die große Verfassungsfeier ein Fadelzug aufchließen. Der genaue Weg des Zuges ist noch nicht feftgelegt. Es ist beabsichtigt, ihn in mehreren Abteilungen durch verfchiedene Stadtteile zu führen. Un die Verbände, die fich im Vorjahre fo bereifwillig zur Verfügung ffellfen, aber auch an jene, die damals noch fernblieben, ergeht hierdurch die Aufforderung, möglichst bald ihre Teilnahme am Fadelzug anzumelden. Der 11. Auguft 1928 muß im 3eichen diefer gewalti. Berliner Bevölkerung gen undgebung der ffeben! Anmeldungen von Gewerkschaften, Verbänden und Bereinen bitten wir unter Angabe der voraussichtlichen Teilnehmerzahl möglichst bald an den Magistrat, Generalbureau 18, Rathaus, 1. Stod, Simmer 37e zu richten. Diese Stelle nimmt auch telephonische Unmeldungen( Anruf: Magiftrat 200, 459, Stadtoberinfpetfor Wolff) entgegen. Nobile treibt nach Nordwesten. Die Bilfsexpeditionen. Wie aus kingsban gemeldet wird, ist die hobby, wie fie drahtlos mitteilt, in eisfreies Waffer geraten. Sie beabsichtigt, der Braganza" zu folgen, die sich angeblich in der Brandybucht befindet. Die Hobby" hat in der Wahlenbucht eine Expedifion von Hundeschlitten gelandet. Mobile berichtet, daß er auf dem Eise etwa einen Kilometer in nordwestlicher Richtung während der lehten 24 Stunden getrieben ist. Die Auffindung von drei Ceufen der Italia"-Besatzung ist zmar noch nicht bestätigt, gilt jedoch als wahrscheinlich. * Stockholm, 16. Jund. Der italienische Fliegermajor Benzo landeie 4 1hr nach mittags im hiesigen Marineflughafen mit feinem Dornier mal- Wasserflugzeug. Er beabsichtigt, morgen früh 5 Uhr über Lulea nach Badfoe feinen Flug fortzusetzen. Bettfedern ... par Plund Graue Federn..95 Pf. Weiße Federn M. 2.30 Weiße Halbdaun.M. 5.60 Schleißfedern.. M. 1.90 Daunen M. 5.75 Fertige Betten Graurot Inlett mit grauen Federn M. 7.40 Oberbett Unterbett..... M.6.20 Kissen..***. M. 2.65 Die ideale Bettfüllung: Echt chines.( gesetzl.geschützt) Monopoldaunen 3-4Pfund zum Oberbett.Pfund M. 850 Mit Zagtedermatratze, weiß oder schwarz, 80X185 13.75 Bettfedern Gustav Weil Fabrik Lustig über 42 Jahre Erfahrung die Firma zu besonderen Leistungen befähigen. Tausende von Anerkennungen die hervorragende Qualität beweisen. rößtes Spezialhaus Deutschlands Prinzen Str. 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Sie liegt meist zwischen 9 u. 15 Uhr. Wählt Liste„ Schulaufbau" Bir wollen arbeiten! Die Schlafwagenschaffner von D47 Rachmittags zwifchen 5 und 7 am Kurfürstendamm. Hochbetrieb der Straßenbummler. Die Frauen mit der ewigen Jugend" in furzgeschürzten Rödchen, fnallig bemalter Fassade, das Hütchen ver megen aufs Haupt gedrückt. Schön wollen sie sein, jung wollen fie fcheinen, begehrenswert um jeden Preis.. Um jeden Preis, denn Der Markt ist ein ungeheuerer...... Dazwischen flanieren die männlichen Schönheiten: Valentino- Typ oder auch Menjou- Maste, auch sie haben ihre modische Uniform. Beinkleider, deren Weite an Frauenröcke gemahnt, darüber ein enganliegendes Jakett, ein flatternder, bunter Binder und ein weich- verträumtes Gesicht. Mitten im Gedränge all diefer Talmi- Eleganz steht ein junger Menfch. Einfach, aber fauber gefleidet, barhäuptig, Schillerfragen, ein Gesicht, daraus ein paar fluge Augen zuversichtlich in die Belt gucken. Neben sich hat er eine große Tafel stehen: Jede Art Don Arbeit wird geleistet! Fußbodenpflege, Fensterpuzen, Krantenpflege, Borlesen, Nachhilfestunden, Botengänge usw. Eine Schar Müßiggänger bestaunt sich dies Kuriofum, das sich da so mitten in ihr dolce far niente hineinmagt. Man weiß nicht recht, was man aus dieser ganzen Angelegenheit da machen soll. Es ist tein Bettler, es ist aber auch kein Anreißer, er ist bescheiden aber nicht fervil, unternehmend, aber nicht aufdringlich. Er lentt bloß die Aufmerksamkeit des Publikums, das mit der Hände Arbeit nichts nder taum etwas zu tun hat, auf sich und ein Häuslein anderer junger Beute, die arbeiten wollen, um ein gestedtes Ziel erreichen zu können. In der Hauptsache sind es werkstudenten, die fich auf diesem Wege die Mittel zum Studieren beschaffen wollen, Der junge Mann am Kurfürstendamm verteilt an die wenigen Intereffierten Zettel mit dem Motto: Wir verrichten jede Arbeit zu jeder Tages- und Nachtzeit! Meist mandert das Stück Papier, flüchtig gelesen, den Weg zum Kehrichthaufen. Man friegt ja allzuniel Offerten tagsüber in die hand gedrückt. Fünf Schritte weiter murmelt ein Bettler seinen Kehrreim. Er hat doch immer noch das cinträglichere Gewerbe. Umsteigebahnhof West. 3wei Rolltreppen zwischen den Bahnsteigen. Die Untersuchung im Gange. A Bei der Eisenbahnfatastrophe bei Siegelsdorf haben, wie durch Beschwerden und durch eine Anfrage im Reichstag bekannt wird, die Schlafwagenschaffner die Unterbringung der Ber wundeten in den Schlafwagen und die Benutzung der Bettdecken usw. zu Verbandszmecken angeblich abgelehnt und verhindert. Wie die Direktion der Mitropa hierzu mitteilt, ist sofort eine Untersuchung eingeleitet worden, um festzustellen, ob die Schlafwagenschaffner tatsächlich auf Grund der sonst bestehenden Borschriften, die aber bei einem berartigen Unglüd fofort außer Kraft treten, die nötigen Hilfsmaßnahmen für die Berwundeten abgelehnt haben. Ein derartiges Verhalten der Beamten werde in feiner eise gebilligt, fondern es bestehe vielmehr die Anweisung, daß bei Unglüdsfällen sofort Hilfe zu leisten ist und die Beamten die Schlafwagen für die Unterbringung der Berletzten freizumachen haben. Die Direktion der Mitropa erklärte im einzelnen folgen des:„ Eine Anweisung, daß in Notfällen aus den Schlafwagen nichts herausgenommen werden dürfe, besteht selbstverständlich nicht. Es besteht im Gegenteil die Anweisung, daß der Schlafwagen. affner in folchen Fällen allen Anordnungen Eisenbahnbeamten zu der ihm vorgefeg ten folgen hat, auch wenn sie mit feinen regelmäßigen Dienstoor fchriften im Widerspruch stehen. Abgesehen jedoch von allen AnRämpfen entsandt, son denen die am Nachmittag veranstalteten Der Ausscheidungstämpfe großes Intereffe erregten. Sportplatz, auf dem die Fahnen der Stadt Berlin und die schwarzrotgoldenen Reichsfahnen gehißt waren, bot durch den bunten und Tyrellen Bechiel der Dorbietungen oft fesselnde Momente. Besonde ren Beifall errangen die Schüler der Luisenstädtischen Oberrealschule mit ihren gymnastis hen llebungen, die sie zu den Klängen eines Orchesters ausführten. Letztere Schule batte Dauch die beste Kampfmannschaft gestellt, so daß an sie der vom Be sirtsamt mitte gestiftete anderpreis fiel. Bemerkenswert waren auch die sportlichen Leistungen der Gemeindefhulen, von denen die Knabenschulen an zweiter, dritter und vier. ter Stelle gelangten, und die Mädchenschulen die erste und zweite Stelle einnahmen. Die Preisverteilung, die Austeilung der Ehremurkunden und Abzeichen nahm am Schluß der Berdn staltung Stadtrat Hermann vor, der auch den Gruß des Bezirksamts an die Jugend übermittelte. Der neue Umsteigebahnhof Best in Charlottenburg, der den 1lebergang von den Borortbahnen nad) Grunewald und Spandau zur Ringbahn und umgefehrt vermittelt, geht seiner Bollendung entgegen. Das Enipfangsgebäud: ist fertiggestellt, und surzeit wird auch an der Herstellung des neuen Bahnsteigs für die Sobald die BollBollring Bersonengleise gearbeitet. ringzüge die neuen Gleise an diesem Bahnsteig bemugen fönnen, wird die Arbeit an den beiden Bahnsteigen für den Bororiverfehr auf genommen werden. Den Uebergang von den unten gelegenen Borortbahnsteigen zum Vollring- Bahnsteig werden zwei Rolltreppen vermitteln, die je 6 Meter hoch sind und für eine StundenIstung von 8000 und mehr Perfonen eingerichtet werden. Milte Auguft sollen sämtliche Bauarbeiten an diesem Bahnhof beendet sein und der Bahnhof einschließlich der Rolltreppen dem Betrieb übergeben werden. Auto verlegt vier Passanten. Im Nordosten Berlins, in der Straße 27, die durch die gestern abend ein schweres Verkehrsunglüd, bei dem vier Paj, anten Berlegungen erlitten. Sturz noch 19 Uhr bog ein Privatauto non der Laftdsberger Allee in die Straße 27 ein. In diesem Augenblick geriet cin Radfahrer, der aus der entgegengesetzten Richtung tam, in Die Fahrbahn des Autos. Der Führer ris, um den Mann nicht zu überfahren, die Lentung scharf nach rechts herum. Hierbei geriet der Wagen auf den Bürgersteig und prallte gegen einen Straßen bahr maſt, der wie Glas wegbrach. Bier Personen, die gerade hie linfaustelle passierten, wurden von dem Auto und dem umstürzen. Deir Mast zu Boden gerissen und verletzt. Die Verunglückten, der Lehrling Bruno Brust aus der Landsberger Allee 104, eine 25jäh rige Frau Emma Stern aus der Landsberger Allee 105, deren nierjähriges Kind Rudolf und eine 51jährige Frau Enmma Nae mich aus der Löwestraße 25, wurden mit Schädelbrüchen durch die alarmierte, Feuerwehr in das Krankenhaus am Friedrichs hain übergeführt. Laubentolonie Feldschlößchen" führt, ereignete fich Ein Obdachlosenashl für Neukölln. Der var mehreren Jahren für Berlin aufgestellte Blan einer Reform des stabtlichen D5bahmefens fiebt auch eine Dezentralisation vor. Um die zufammenballung der Db dachlosen an einer Stelle zu vermeiden, sollen mehretz Oh= dachloseninle geschaffen merden. Schon 1926 murde die Anstalt des Berliner Asylvereins auf dem Wedding, die einige Zeit geichloffen gewesen war, durch die Stadt gemietet und mit Db. dachlosen belegt. Sodann ging man in Charlottenburg daran, das Obdachlosenafnl in der Sophie Charlotte- Straße auszubauen. Jekt foll der im vorigen Jahr gefaßte Beschluß, auch in Neukölln ein 2in1 zu schaffet, ausgeführt werden. Mit dieser 2stalt, die auf dem städishen Grundstüd Teupiger Straße, Ede Köllnisches Uljer, untergebracht werden soll, wird man Räume für eine städtische Zentralfüche verbinden. Die Gesamtkosten sind auf 1% Mil lionen Mark peranschlagt. Schülersportfest im Bezirk Mitte. Im Zusammenhang mit der vergangenen Berliner Turn- und Sportwoche" begingen die Shulen des Bezirksamtes Mitte den Lag der Schulen" turd ein gelingenes Sportfeft. Tros des falten und regnerischer Wetters wohnten gestern über drei. tausend Schüler und Schülerinnen den Wettkämpfen bei, die auf dem Grüß macher" in der Chauffeestraße qusgetragen wurden. 22 Schulen hatten 240 Knaben und Mädchen zu den Der Rafetenkonflikt. | weisungen, ist es die selbstverständliche Menschenpflicht jedes Schlafwagenfchaffners bei solchen Unglüdsfällen, persönlich und mit allen ihm zur Verfügung stehenden Material seines Schlafmagens fich an der Rettung der Berunglückten und der Linderung der Schmerzen der Berlegten zu beteiligen. Es wird noch in Erinnerung fein, daß bei dem Leiferder Unglück das geschichte und opfermütige Berhalten des Schlafwagenfchaffners in der Bresse rühmend hervorgehoben worden ist. Bei Siegelsdorf haben die beiden Schlafwagenfchaffner sich dahin verständigt, daß der eine die Soree für die Reisenden der beiden Wagen übernahm, die gleichfalls dringend der Beruhigung bedurften, während der andere sofort an der Bergung der Berunglüdten sich beteiligte. Die verfügbaren Kannen mit Wasser aus den Schlafwagen sind sofort herausgeholt worden und haben auch Berwendung gefunden. Sie sind erst gestern wieder zur Gesellschaft zurückgelommen. Die beiden Schlafwagen sind, nachdem der eine von dem vorherlaufenden entgleisten Wagen getrennt worden mar, mit dem ersten Hilfszug etwa 1% Stunden nach dem Unglück von der Unglüdsstelle entfernt und nach Nürnberg zurüdgebracht worden. Eine Unterbringung von Berlebten in den Schlafwagen hat nicht stattgefunden. Sie ist weder von den leitenden Eisenbahnbeamten noch von den Aerzten für tunlich befunden worden; wahr scheinlich weil der Transport durch die engen Türen und Gänge der Bagen eher eine Qual für die Berlegten gewesen wäre. sei auf die menig befannte Tatsache verwiesen, daß die Junkers Werke bereits über eine mehrmotorige Höhenmaschine verfügen, die ebenfalls feinen mittleren Motor besitzt. Ein neues Altersheim in Charlottenburg. 25 Mart Monatsmiete für 3weizimmerwohnung. Die fürsorgerische Betreuung der Armen und Alten ist in den legten Jahren immer mehr eine Aufgabe der Kommunalverwaltungen geworden. In den Jahren vor dem Kriege wurde diese Arbeit mehr den Wohlfahrtsvereinen überlassen. Der Krieg und die Inflations zeit, die Verarmung des Mittelstandes und die bittere Not in den Arbeiterfamilien haben immer eindringlicher darauf hingewiesen, daß die Hilfe für diese Verstoßenen nicht der Privatinitiative überlafsen bleiben darf. Auch in den Bezirken mit weniger profetarischen Bevölkerung sind in den letzten Jahren unter Mitarbeit der fozialdemokratischen Bezirtsamtsmitglieber eine Reihe Einrichtungen entstanden, die sehr gut in der Lage sind, we nigstens einem Teil der Bedürftigen zu helfen. Am Freitag zeigte das Bezirtsamt Charlottenburg den Vertretern der Berliner Bresse die in den letzten Jahren entstandenen Fürsorgeeinrichtungen des Bezirtes Zuerst wurde unter Führung des Stadtrats Genaffen Horliß das Altersheim in der Ulmenallee besichtigt. Das Hein ist in den letzten Wochen bezogen worden. 27 Familien, die verarmt sind und die hohe Miete ihrer Wohnung nicht mehr aufbringen fönnen, fanden in dem Heim eine Wohnung. Jede Familie, aber auch alleinstehende Frauen und Männer fönnen für billigen Mietzins dort ein oder zwei Zimmer in Anspruch nehmen. Für ein Zimmer mit fleiner Stochnische beträgt die Miete 16 M., für zwei Zimmer 25 M. im Monat. Im Hause felbft find Bad erings um das Heim gestatten den Aufenthalt im Freien. Bom Altersheim wurde die Fahrt nach dem Schwimmbad 28 estend angetreten. Das Schwimmbad und die nahebei gelegenen Sportanlagen sind in den letzten Monaten weiter ausgebaut worden. Beide Anlagen werden von der Charlottenburger Einwohnerschaft zur Erholung gern aufgesucht. Zum Abschluß wurde der Wolfspart Jungfernheide besucht, über den an dieser Stelle schon ausführlich berichtet wurde. Inmitten der herrlichen Anlagen zeigten in einem Gartentheater Mitglieder der Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger in einem Gastspiel Die perfunfene Glode" ausgezeichnete Leistungen. Diese Freiluftaufführungen find Bruch zwischen Frih v. Opel und Raab Kahenstein. Die Ralleler Raab agentein Flugzeugmerte informierten gesternt bie Preise über die Vorgänge, die zwischen thnen und Friß v. Opel zum Bruch geführt haben. Bekanntlich bestand zwischen beiden seit dem 30. April ein Bertrag, nach dem die Kasseler Flugzeugwerfe einen Doppeldecker bauen sollten, mit dem die ersten Rafetenflugzeuge geplant waren. Diesem ersten Versuchsflugzeug sollte ein zweites folgen, mit dem man Stundenfilometergeschwindigkeiten von 800 bis 1000 zu erreichen hoffte. In dem Vertrag war ausgemacht, daß teine der beiden Seitenanlagen in genügender Bahl eingebaut. Gärtnerische Anlagen irgendwelche Meldungen lancieren und ferner mit anderen Unternehmungen feine Berträge ähnlicher Art geschlossen werden dürften. Die Raab- Ragenstein- Flugzeugmerte erbliden einen Vertrauens brud Frizz v. Opels darin, daß er sich außer mit ihnen auch mit der Rhön- Rofitten- Segelflug Gesellschaft in Berbindung gesetzt hat, daß er ferner die in der Bresse bisher erschienen zum größtenteil sensationell übertriebenen Berichte ver anlaßt haben soll. Eigenartig ist ferner, daß der Erfinder der Raketenmaschine, Balier, acht Tage vor den Bersuchen mit dem Ratctenwagen auf der Anusbahn von Fris n. Opel entlaffen wurde. Raab Nachbem alle Berfuche fehlgeschlagen find, mit Fris v. Opel bas Bertragsverhältnis aufrechtzuerhalten, planen die Rabenstein- Flugzeugmerte, nachdem sie mit Balter einen Vertrag abgeschlossen haben, die Raketenflugzeugperfuche auf eigene Fauft weiterzuführen und hoffen, schon in furzer 3eit den ersten Flug unternehmen zu können. # 4 Während der Streit um das Rafetenflugzeug immer heftiger tobt, werden in aller Stille Borbereitungen getroffen, um nicht mit der Rakete, sondern mit Motorenfraft den Borstoß in die Stratosphäre zu wagen. Wie wir erfahren, mird zurzeit von der Rotgemeinschaft der deutschen Wissenschaft und der Deutschen Bersuchsanstalt für Luftfahrt bzw. dem hinter ihr stehenden Reichsverkehrsministerium mit den Junters Berten in Dessau über den Bau eines mehrmotorigen Spezialflugzeuges verhandelt, mit dem möglichst noch in diesem Jahr Flüge bis zu einer Höhe von 13 bis 20 Kilometer, also bis weit in die Stratosphäre hinein unternommen werden sollen. Geplant ist der Bau eines Metalleinbeders ber befannten Junkersschen Bauart, der in seinen Tragflächen zwei oder vier Motoren von ungefähr der bei den Berkehrsflugzeugen üblichen Stärke tragen soll. Der vordere Teil des Rumpfes, die sogenannte Kanzel, foll dagegen nicht, wie dies bei den mehrmotorigen Berkehrsmaschinen der Fall ist, mit einem mittleren Motor ausgerüstet werden, sondern für Beobachtungszwede frei bleiben. In diesem Zusammenhang 50 000 Freifarten für die Ernährung". Das Ausstellungs, Messe- und Fremdenverkehrsamt der Stadt Berlin hat von der fommenden Woche ab der Zentrale der städtischen Arbeitsnachweise farten und außerdem den Wohlfahrtsämtern insgesamt 10 000 während der Dauer der Ausstellung wöchentlich 5000 FreiFreifarten zur entsprechenden Berteilung zur Verfügung ge stellt. Durch diese Maßnahme wird insgesamt 50 000 Berfonen ein tostenfreier Besuch der Ernährungsausstellung ermöglicht. 3m Refidenztheater hat fich für den Sommer die Direktion Mar Sam ft niedergelassen. Sie führte sich mit dem Singspiel Am Rüdersheimer Schloß steht eine Linde" ein, einem modern zurechtgeftugten Ableger des Alt- Heidelberg- Ge mächles. Das Publitum freut sich rechtschaffen an dem Spiel, zumal die Aufhebung der Standesunterschiede hier die Heirat zwischen Bürgerlichen und Adligen möglich macht und einem Fappy End" also nichts im Wege steht. Loni Pyrmont, eine symphatische Soubrette mit einem netten Stimmchen, und Albert Krafftgorging fehen sich erfolgreich für die Hauptrollen ein. Viel belacht wurde die manchmal freilich reichlich dramatische Komik Emma Kleins und Gaston Brieses. Einen Ertra beifall holte fich Mag Sam ft jr. für seine flotte musikalische Leitung. Berantwortlich für Politit: Bictor Schiff; Wirtschaft: G. Klingelhöfer; Gebertschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Chilowski; Sotoles and Conftiges: Frig Karstadt: Anzeigen: Sh. Glode; sämtlich in Berlin. Drud: Bormärts- Budidruderet und Berlagsanstalt Paul Ginger u Co., Berlin G 68. Lindenstraße& Berlag: Borwärts- Berlag 6. m. b. S., Berlin, Sierzu 3 Beilagen und Unterhaltung und Bisen". vom 18-23. 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Die Generaldebatte flang in einen Appell an die Deffentlichkeit aus, mitzuhelfen, die Gefahren der Arbeit zu bekämpfen. Die Ausschußberatungen ergaben ein anderes Bild. Wir Arbeitervertreter haben wiederholt feststellen müssen, daß der Gruppe der Unternehmer, unterstützt von einem Teil der Regierungsbertreter, eine Mitwirtung der Gewerkschaften auf dem Gebiet der Unfallverhütung unerwünscht war. Bei der Beratung des Frage bogens find alle Anträge der Arbeitergruppe, bie Gewerkschaften auf dem Gebiet der Unfallverhütung direkt zu be teiligen, abgelehnt worden. Durch die Ausschußbeschlüsse hat man die Gewerkschaften als die unmittelbar Intereffierten, von der künftigen Mitarbeit ferngehalten. Durch die Ablehnung unserer Anträge werben sie die Gemertschaften nicht beseitigen. Ebensowenig werden dadurch unsere For derungen hinfällig. Wir werden unsere Anstrengungen verdoppeln, um früher oder später doch zu dem uns gesteckten Ziel zu kommen. Es ist sonderbar, daß im Rahmen einer internationalen Arbeitsfonferenz, beren Arbeiterbelegierte die Bertreter der organisierten Arbeiterschaft aller Länder sind, ein Fragebogen über UnfallDerhütung aufgestellt wird, aus dem mit Fleiß und Geschick jebes Bort entfernt worden ist, aus dem eine Mitwirkung der Gewerf. schaften auf dem Gebiet der Unfallverhütung hergeleitet werden fönnte. Nicht nur die Ausschaltung der Gewerkschaffen mar bas Sief eines Teils ber Ausschußmitglieder. Noch andere Absichten traten hervor. Was würde von der Unfallverhütung noch übrig bleiben, wenn den Wünschen der Unternehmergruppe Rechnung getragen worden wäre, die Frage über die Note menbigfeit eines gefeglichen Mindestschubes zu streichen? Das haben mir verhindern fönnen. Wir halten ben ge feglichen Mindestschuß für eine Notwendigkeit, die fein Unternehmer als brüdend empfinden könnte, wenn er Verständnis für die Sicherheit der bei ihm beschäftigten Arbeiter befäße. Die Unfall. berhütung fann nur auf der Grundlage gleichberechtigter Mitwirtung aller Beteiligten erfolgreich gestaltet werden. In Deutschland beginnt die erstrebte Mitwirkung der Gewerkschaften sich durchzusetzen. Das ist ein Beweis, daß man bei genügend gutem Billen zur Zusammenarbeit 3u pofitiven Ergebnissen kommen fann. Die Behauptung, daß ein Arbeiter über zu geringe Kenntnisse verfüge und nicht die erforderliche Eignung als Arbeitsaufsichtsbeamter besige, hat sich als unbegründet erwiesen. Wenn der Vertreter der deutschen Unternehmer diese Behauptung wieder aufgestellt hat, so muß ich hier erflären, daß sie nicht den tatsächlichen Berhältnissen entspricht. Wir deutschen Gewerkschaftler werben unserem Ziel, der Arbeiterschaft und den Gewerkschaften einen größeren Einfluß zu verschaffen, mit aller Zähigkeit zustreben. Die Internationale Arbeitskonferenz follte am Sonnabend nicht geschlossen werden, ohne daß die Unternehmer durch zwei von vornherein aussichtslose Abänderungsanträge zum Minimallohnabkommen thre Sabotageabsichten gegenüber diesen Maßnahmen für die Wermsten der Armen noch einmal zeigten. Der belgische Unternehmer verlangte Erschwerungen für das 3nfrafttreten der Konvention und der Engländer eine Erleichterung der Kündigungsklausel. Arbeiter und Regierungsvertreter wiesen einstimmig diese Verschlechterungen in legter Stunde ab, nachdem der belgische Regierungsvertreter und der belgische Gewerkschafter Mertens die Gefährlichkeit diefer Abenderungen aufgezeigt hatten. In den endgültigen Abstimmungen gelangte die minimallohm tonvention mit 76 Stimmen gegen 21 Unternehmer, ber Unfallverhütungsfragebogen mit 123 gegen 0, ber Fragebogen für den Hafenarbeiterfug mit 121 gegen 0 Stimmen zur Annahme. Der Präsident der Konferenz, der frühere argentinische Justiz minifter Saavreba Bamas, schloß. Die Tagung mit einer Rebe, die eine hymne auf die Demokratie und die inter. nationale Zusammenarbeit war. Waffenstillstand aber kein Friede. Schiedsspruch in der Rheinschiffahrt verbindlich. Der Schiedsspruch für die Rheinschiffahrt ist Dom Reichsarbeitsminister für verbindlich erklärt worden, um -so heißt es in der amtlichen Mitteilung- den nunmehr 7 Wochen ant Kampf Beteiligten selbst, sondern auch die gesamte deutsche Bolks währenden Arbeitstampf in ber Rheinschiffahrt, der nicht mur die wirtschaft aufs schwerste schädigt, zu beenden. wirtschaft aufs schwerste schädigt, zu beenden. Das Reichsarbeitsministerium hat sich durch die Marmrufe über den Zusammenbruch der Rheinschiffahrt ins Badshorn jagen lassen. Die Krise in der Rheinschiffahrt ist nichts Neues; sie ist schon seit Jahren vorhanden. Ihre Hauptursache ist bekannt: zu viel Frachte raum und zu wenig Frachtangebot. Aber die Arbeiterschaft lehnt Die vielbesprochenen C& A BRENNINKMEYER Preise r 2012-191e01 qol- W a machen's 00.0 00.0 00.2 00.5 acr 21.8 00. 00. 20.0' 21.1 20.0 Ihnen leicht! Modern und elegant gekleidet zu gehen, schön undjugendlich auszusehen, ist Traum und Wunsch jeder Frau. Was hindert Sie noch angesichts solcher Preise für so herrlich schöne Kleidung, Ihren Traum wahr werden zu lassen, Ihre schönsten Wünsche in Erfüllung zu bringen! Kommen Sie zu uns! C& A BRENNINKMEYER 2002 es. 00. 00. in den kleid spalin Sonntag, 17. Juni 1928 es mit Recht ab, daß jahrelange Versäumnisse nun einseitig auf ihre Kosten wieder gut gemacht werden sollen. Der Versuch der Reeder, die Krise durch einen scharfen Lohnabbau zu beheben, ist gescheitert. Der Schiedsspruch läßt den bisherigen Lohnstand. Die Abwehr des Lohnabbaues durch das geschlossene Auftreten des Rheinschiffahrtspersonals ist ein Erfolg; denn es ging im Kampf in erster Linie um die Abwehr des Lohnabbaues. Wer das nicht versteht, hat kein Augenmaß für die wirklichen Verhältnisse in der Rheinschiffahrt. Troßdem bleibt natürlich die Verbindlichkeitserklärung eine bedauerliche Tatsache; denn es ist nun einmal für das Rheinschiffahrtspersonal nicht leicht, in einer Zeit der Lohnsteigerung und der Preissteigerung aus einer Bewegung ohne einen Pfennig Lohnerhöhung herauszugehen. Die Lohnverbesserung tann nicht bis zum St. Rimmerleinstag aufgeschoben werden. Das mußte auch dem Reichsarbeitsministerium flar sein. Seine Entscheidung bringt daher keine Lösung des Problems und feine Klärung der Situation. Der Kampf ist, wenn er wirklich jetzt zu Ende sein sollte was ja infolge der noch offenen Lohnfrage der Hafenarbeiter noch gar nicht ausgemacht ist höchstens bis zum Herbst vertagi. Eine rasche Wiederaufnahme der Arbeit in der Rheinschiffahrt ist nicht möglich. Man muß sich vergegenwärtigen, daß viel Schiffs personal, dessen Fahrzeuge irgendwo am Niederrhein oder in Holland liegen, in seine Heimat am Oberrhein, im Odenwald oder im Speffart zurückgekehrt ist; dieses Bersonal muß erst wieder an Ort und Stelle sein. In den Häfen, wo die Hafenarbeiterlohnfrage noch nicht in Ordnung ist, fann von einer Wiederaufnahme der Arbeit überhaupt noch nicht die Rede sein. Aber auch wenn der Lohnstreit der Hafenarbeiter sehr schnell geregelt werden sollte, dann haben wir es in der Rheinschiffahrt zunächst mur mit einem Waffen stillstand, mit einer Art Atempause zu tun. In der Zwischenzeit glaubt nun das Reichsarbeitsministerium mit Hilfe einer Kommission zur Untersuchung der wirtschaftArbeitnehmer einen Ausweg aus der Sadgaffe zu finden. Wie verlichen Lage der Rheinschiffahrt und der sozialen Verhältnisse ihrer lautet, hat sich der von beiden Seiten gewählte Vorsitzende, UniDerfitätsprofeffor Dr. Harms Riel, zur Uebernahme des Amtes grundfäßlich bereit erklärt. Wird diese Kommission wirklich einen Ausweg bahnen? Die Erfahrungen, die mit ähnlichen Kommiffionen, z. B. vor furzem erst mit der Schmalenbach- Rommiffion im Ruhrbergbau gemacht wurden, stimmen wenig hoffnungsvoll. Es handelt sich im Rheinschiffahrtstonflitt auch weniger um eine wissenschaftliche Frage als um eine Machtfrage, und deshalb tut das Rheinschifffahrtspersonal gut daran, wenn es sich schon jetzt auf den Herbst organisatorisch vorbereitet. Vor allem Stärkung der für das Rheinschiffahrtspersonal in Frage kommenden freigewerkschaftlichen Organisationen! Im Rheinschiffahrtskonflikt steht für die Hafenarbeiter in Mannheim, Köln, Düsseldorf und Duisburg die Lohnfrage noch offen. In Mannheim wurde der Schiedsspruch vom Verfebrsbund angenommen, von den Arbeitgebern abgelehnt, ebenso in Köln. In Düsseldorf sind neue Verhandlungen notwendig. Für Duisburg finden anfangs nächster Woche Schlichtungsverhandlungen statt. Entzückend das duftige Voile- Kleid samen moder nen Mustern, Jugendliches sehr fesches Sportkleid aus der gu ten Papillon weiß geputzt, Epingle Ware auch in grossen Weiten. Bis Größe 50 nür. mit hochmo derner Tup fen- Stickerei Der moderne Reise- Mantel, Raglanschnitt, apart kariert, aufgesetzte Taschen. Kra gen, Revers, Stulpen, Gürtel gesteppt Dervornehme Herren stoff Mantel, beige grau, in- sich kariert mit zartem Überkarou.Kunstseiden passe Größen42.54 9 50 nür. 75 19 13 00 00 50 285 A7 Oranienstr. 40 Am Oranienplatz Chausseest.113 Königstr. 33 Beim Stettiner Bahnhof Am Bhf. Alexanderplats Nachdruck von Wort und Bild verboten! Die obigen Angebote stehen Ihnen ab Montag zur Verfügung!-Schriftliche Bestellungen können nicht berücksichtigt werden) Verbandstag der Friseurgehilfen. Ein Rückblick. Der Arbeitnehmerverband des Friseur- und Haargewerbes blidt auf eine fast vier Jahrzehnte lange Wirksamkeit zurück. Er hat ein überaus schweres Feld zu beackern. Bei der Berufszählung 1925 wurden 45 688 männliche und 14 243 weibliche Gehilfen und Lehrlinge gezählt, insgesamt also nahezu 60 000 Befchäftigte. Da die Zahl der Lehrlinge auf 22 330 geschätzt werden fann, wovon 5348 meibliche, bleiben 37 600 Gehilfen und Gehilfinnen, von denen am Schlusse des Jahres 1927 rund 3900 organisiert waren. Dabei hatte der Verband in den letzten drei Jahren insgesamt 7272 Aufnahmen neuer Mitglieder zu verzeichnen, jährlich 2424. Er muß also Jahr für Jahr zwei Drittel feines Mitgliederbestandes vollständig erneuern. Die Fluktuation ist nicht etwa eine vorübergehende Erscheinung. Die älteren Gehilfen machen sich bei erstbester Gelegenheit selbständig oder wechseln den Beruf, die Gehilfinnen verheiraten sich. Die Konjunktur im Friseurgewerbe ist dank der Verbreitung der zopflosen Frauenhaartracht recht günstig. Dennoch wirkt sich jedes Anschwellen der allgemeinen Arbeitslosigkeit auch im Friseurgewerbe aus, wo noch hunderte von Gehilfen arbeitslos sind. Die Arbeitsvermittlung ist start zersplittert und vielfach noch ausschließlich in den Händen der Meister. Bei der jüngsten Betriebszählung wurden zum ersten Male mehr Arbeiter als Selbständige gezählt. Rund 48 000 von den 60 000 Arbeitern und Arbeiterinnen hat der Verband die vollständige Sonntagsruhe ver schafft. Die Arbeitszeit an Wochentagen ist für 24 000 Beschäftigte mit dem Verbande tariflich geregelt und der verschwommene Begriff der Arbeitsbereitschaft" ausgeschaltet. Die Arbeitszeit beträgt allerdings noch meist 54 und 55 Stunden. Der Urlaub ist in allen Tarifverträgen festgelegt, beträgt jedoch nur zwei bis fünf Tage. Von 181 Lohnbewegungen, die der Berband in der Berichtszeit geführt hat, waren 146 erfolgreich. Arbeitseinstellung erfolgte nur bei einer Bewegung und auch hier nur teilweise. Ende 1927 verzeichnete der Verband 36 Tarif= verträge für 24 833 Beschäftigte, wovon 7438 weiblich, darunter 3319 männliche und 378 weibliche Verbandsmitglieder. Die Einnahmen des Verbandes betrugen in der Berichtszeit 390 450 Mart, die Ausgaben 376 801 Marf. " Zusammenschluß der Eisenbahner. Zum Verbandstag des Einheitsverbandes. In der Woche vom 17. bis 24. Juni tagt in Frankfurt a. M. die 2. ordentliche Generalversammlung des Einheitsverbandes der Eisenbahner. Der Verband wurde im Jahre 1925 gegründet durch den Zusammenschluß des Deutschen Eisenbahnerverbandes" und der Reichsgewerkschaft der Eisenbahnbeamten". Was mit dem Beschluß des Kölner Verbandstages erstrebt wurde, ist nicht ganz erreicht, da es einige Fachgruppen gab, in denen der Berufsgeist der Beamten stärker war als die Erkenntnis von der Notwendigkeit gewerkschaftlichen Zusammenschlusses. " Die Entwicklung des Verbandes ist eine stetige, wenn auch die sprungmeise Steigerung der Mitgliederzahl aus den Jahren nach der Revolution nicht beibehalten werden konnte. Die Mitglieder= zahl stieg vom ersten Quartal 1926 mit 202 167 auf 240 797 im ersten Quartal 1928. Die Kassenverhältnisse sind als gut zu bezeichnen, wenn auch die Kämpfe mit der reaktionären Reichsbahngesellschaft viel Geld verschlangen. Die fünftige Taffif bei Lohnfämpfen wird einen breiten Raum in den Verhandlungen des Verbandstages| Die Gehaltssäge werden mit Birkung ab 1. September um 5 Pro einnehmen, denn das Lebensniveau vieler Eisenbahner liegt hart an zent erhöht. Kündigungsfrist monatlich, und zwar erstmalig zum 31. März 1929. Erklärungsfrist 23. Juni." der Grenze des Eristenzminimums. Die Generalversammlung der Eisenbahner wird außer den 167 Delegierten, den Mitgliedern des Borstandes und der verschiedenen Kommissionen auch zahlreiche ausländische Gäste von Bruderorganisationen begrüßen können. Die Tagesordnung umfaßt 15 Punkte und bringt außer den allgemeinen Berichten folgende Referate: Wirtschaft und Verkehr: Professor Mölting;„ Das Arbeitsrecht in der Praxis": 2. Breunig- Berlin; = ,, Cohntarifvertrag und Gedingewesen": = Fr. Apißsch- Berlin. Den Beamtenfragen ist ein beson derer Tagesordnungspunkt gewidmet, der zwei Referate bringt über a) Beamtenrecht" und Beamtenbesoldung" mit E. Prawitz- Berlin und P. Kramer Berlin als Referenten. Der ungeheure Machtzuwachs der Reichsbahngesellschaft, die heute als selbständige Unternehmerin auch durch parlamentarischen Druck nicht zu Zugeſtändnissen gezwungen werden kann, zwingt auch die Eisenbahnarbeiter und-beamten zu einer weiteren Konzentration der Kräfte. Der Punkt 9 der Tagesordnung behandelt die Frage der Schaffung eines . Industrieverbandes für das gesamte Verkehrsgewerbe. Die Angestellten der Getränkeindustrie und verwandter Ge merbe merden in einer öffentlichen Versammlung am Mittwoch, dem 20. Juni, 20 Uhr, im hadespecht", Mauerstraße 89, I zu dem Schiedsspruch Stellung nehmen. Ausdehnung des griechischen Tabafarbeiter- Streifs. Nach Meldungen aus Athen hat sich der Streit der Tabakarbeiter auch auf die bis jeẞt unbeteiligten mazedonischen Gebiete ausgedehnt. In mehreren Städten kam es zu neuen schweren Unruhen. Dabei erlitten sowohl die Streifenden wie die Regierungspolizei und Kavallerie, die zur Verstärkung aufgeboten werden mußte, erhebliche Verluste. Berliner Gewerkschaftsschule! Vom Montag, dem 18. Juni ab, fallen die Lehrerbe= ratungs- Sprechstunden der Berliner Gewerkschaftsschule bis Ende Auguſt aus. Der Neubeginn wird rechtzeitig bekanntgegeben. Der neue Herbst- Lehrplan der Schule wird Anfang Sepfember erscheinen. In der Zeit vom 18. Juni bis 16. Juli werden alle Angelegenheiten der Gewerkschaftsschule im Bureau des Ortsausschusses des ADGB., Engelufer 24/25, 3immer 13, während der regelmäßigen Bureaustunden von 8 bis 4 Uhr erledigt. Achtung, Arbeiter- und Angestelltenräte! Hoffentlich zeigen sich die Delegierten dieser großen Forderung gewachsen. Die aus der verschärften Lage erwachsende Tattit bei Lohn- und Gehaltsbewegungen soll in einer ge= schlossenen Sigung behandelt werden. Für die beiden letzten biesmal ausnahmsweise bereits am Montag, 18. Juni, 19 Uhr, statt, und zwar Punkte ist der erste Vorsitzende Scheffel der Referent. Die„ Lufthansa" muß zahlen. Der Schiedsspruch für verbindlich erklärt. Am 24. Mai wurde für die bei der Deutschen Lufthansa" beschäftigten Arbeiter ein einstimmiger Schiedsspruch gefällt, der eine Lohnerhöhung von sieben Pfennig je Stunde festlegte. Auf Veranlassung des Reichsverkehrsministeriums lehnte die Lufthansa diesen Schiedsspruch ab, was bei der Arbeiterschaft eine solche Empörung auslöfte, daß mit der Stillegung des gesamten Luftverkehrs gerechnet werden mußte. Von den Interessenvertretungen der Arbeiterschaft, dem Verkehrsbund und dem Metallarbeiterver band, war die Berbindlichkeitserklärung dieses Schiedsspruches beantragt worden. Am Mittwoch waren nun im Reichsarbeitsministerium Berhandlungen, in denen aber noch keine Entscheidung über den Schiedsspruch fiel. Gestern ist nun vom Reichsarbeitsminister der Schieds= pruch für verbindlich erklärt worden, so daß der Konflift beigelegt ist. Es ist zu erwarten, daß die Lufthansa ihren Arbeitern nunmehr auch das zahlt, was ihnen von der höchsten gefeßlichen Schlichtungsinstanz zugesprochen worden ist. Schiedsspruch für die Getränkeindustrie. Gehaltserhöhung erst ab 1. September. Der nächste Arbeitsrechtliche Informationsabend für Betriebsräte findet im Unterichtsraum der Berliner Gewerkschaftsschule, Engelufer 24/25, 2. Sof 1 Treppe rechts. Leiter des Abends ist der Genoffe Dr. Bröder vom Borstand bes ADGB. Der Besuch ist lostenlos. Alle Arbeiter und Angestellten- Betriebs. räte werben um rege Beteiligung gebeten. Lithographen, Steinbruder und verwandte Berufe. Bollversammlung aller Genoffen am 20. Juni, um 17 Uhr, im Deutschen Hof, Musensaal, Ludauer Str. 15. Bollzähliges Erscheinen notwendig. Sentralverband der Schuhmacher. Branchenversammlung der Ballschuh macher am Montag, 18. Juni, 18 Uhr, im Lotal Lange Str. 108. Deutscher Holzarbeiterverband, Drtsverwaltung Berlin. Morgen, Montag. 18. Juni, 19 Uhr, in den Residensfälen, Landsberger Str. 31, Fortsegung der Generalversammlung vom 14. Juni. Jeder Delegierte muß erscheinen. Baugewerkschaft, Fachgruppe Glaser. Montag, 18. Juni, 19 Uhr, im Ge werkschaftshaus, Saal 1, Mitgliederversammlung. Bericht über die BerhandIungen beim Schlichter. Alle Rollegen müssen erscheinen. Freie Gewerkschafts- Jugend Groß- Berlin Heute, Sonntag, Einweihung der Jugendherberge Budow. Treffpunkt der Mitwirkenden und Teilnehmer um 7 Uhr morgens am Bahnhof Friedrichstraße, Ede Georgenstraße. Morgen, Montag, find folgende Beranstaltungen: Kursus für Körperschulung um 19 Uhr in den Räumen Außenspielabend Nordkreis: der Laban- Schule, Berlin N 24, Elfaffer Str. 26. Ab 18 Uhr Spiel und Sportabend auf dem Sportplaz Cantianstraße, Blag 4 H, an der Schönhauser Allee. Boltstanzkursus Weißensee: In der Turnhalle ( Bumpstation) in der Pistoriusstraße. Jugendgruppe des Zentralverbandes der Angestellten. Morgen, Montag, 19% Uhr, sind folgende Beranstaltungen: Norbeu: Tempel Jugendheim Rastanienallee 81. Wir lefen Bub und Mäbel". Charlotten 3um 31. Mai ist das Gehaltsabkommen für die Ange= hof: Jugendheim der Schule Germaniaftr. 4/6. Bunter Abend. Die Jugendmitglieder stellten der Berliner Getränkeindustrie gekündigt burg: Jugendheim Rosinenftr. 4. Heiterer Abend. des Bezirks Nordwest spielen ab 6 Uhr auf dem Sportplatz Bremer Straße. und eine Erhöhung der Gehälter um 12 Prozent beantragt worden. Da die Unternehmer jede Erhöhung ablehnten, wurde der Schlichtungsausschuß angerufen, der am 13. Juni nach längerer Verhand Zur Ausstellung, Die Ernährung" Haft 1,50 11. für lung folgenden Schiedsspruch fällte:„ Das bisherige Ge haltsabkommen wird bis zum 31. August verlängert. find Eintrittstarten 1,- m. pro Gtlid in fämtlichen Gewerkschaftsbureaus und im Bigarrengeschäft von Paul Horsch, Engelufer 24/25( Gewerkschaftshaus) zu haben. Wenn die fonne fchein K B Sofis G Voile- Kleider gemust. bis Gr. 44 18.50 11.90 6.75 Voile- Kleiderm. m.reichbestickt. Rock 34.00 29.75 . 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Juni: 6.30: Frühkonzert. 9: Morgenfeier. 11.30: Vormittagsunterhaltung. 13.05: Kurzschrift. 13.30: Für den Landwirt. 15.05; Uebertragung Grünau: Große Berliner Regatta. 17: Blasorchesterkonzert. 18.50: Stunde des Journalisten. 19.25: Uebertragung des 1. deutschen Arbeiter- Sängerbundesfestes aus der Stadthalle Hannover. 22.30: Tanzmusik. Montag, 18. Juni: 9.15: Jahresversammlung des Verbandes Deutscher Elektrotechniker. 15.30: Erfahrungen mit Vorträgen vor Schulkindern. 16: Technische Wochenplauderei. 16.30: Schülerwandern. 17: Musikvorträge. 18.10: Vier Klavierstücke. 18.45: Führerpersönlichkeiten der deutschen Bühne. 19.10: Arbeit und Kultur. 19.35: Rings um das Kunstausstellungswesen. 20: Völker und Kulturen der Vorzeit. 20.30; Uebertragung Wien: Musikvorträge. Dienstag, 19. Juni: 12.30: Die Viertelstunde für den Landwirt. 15.30: Von Minnesang und Minnesängern. 16: Stunde mit Büchern. 16.30: Das Reifen des Menschen zum Meister des Schicksals. 17: Uebertragung Kurmusik Heringsdorf 18.45: Wie stelle ich meine Ansprüche in der Invalidenversicherung sicher? 19.10: Unbekannte Erholungsorte in Deutschland. 19.40: Die großen Mächte in ihren weltpolitischen und weltwirtschaftlichen Beziehungen. 20.10: Sendespiele: ,, Eva", Operette von Lehár. Mittwoch, 20. Juni: 18.30: Die nervöse Frau im Beruf. 16: Seuchenbekämpfung im Wandel der Zeiten. 16.30: Städtebilder 17: 3. Kinderfest. 18.45: Rundschau für Blumenund Gartenfreunde. 19.10; Das Bühnenbild und seine Meister. 19.35: Volkserziehung durch Namenkunde. 20: Berliner Fußballsport. 20.30: Lieder verschiedener Nationen. 21.10; Kammermusik. 22.30: Meeresrauschen( Lieder, Musikvorträge). Donnerstag, 21. Juni: 12.30: Die Viertelstunde für den Landwirt. 16: Der Messingkäfer als neuer Großschädling. 16.30: Der Wille im Denken. 17: Konzert. 18.45: Fremdsprachliche Vorträge: Französisch. 19.10: Spritzguß als neuzeitliches Gießverfahren für Massenfertigung. 19.35: Dichtung und Gegenwart. 20: Die wirtschaftliche und soziale Lage der Berliner Angestellten. 20.30: Deutsche Handwerksburschenlieder. 21.30: Funk- Wochenschau. 22.30: Tanzmusik. Freitag, 22. Juni: 15.30: Die moderne Fraz. 16: Im Lager der Schammar- Araber. 16.30: Die Sportschau des Monats. 17: Paul Morgan liest aus seinem Buch ,, Stiefkind der Grazien". 17.30: Unterhaltungsmusik. 19: Italienisch. 19.30; Probleme des neuen Berlins. 20: In die Neumark. 20.30: Vortrag. 21: In den Bergen ( Lieder, Musikvorträge). Sonnabend, 23. Juni: 16: Medizinisch- hygienische Plauderel. 16.30: Kunst von 1928. 17: Tanzteemusik. 18.45: Ferienkolonien. 19.10: Georg Wilhelm Friedrich Hegel. 19.35: als Freund und Feind des Menschen. 19.45: Wissenschaftlicher Vortrag für Aerzte. Ab 20.30: Uebertragung aus Berlin. Dienstag, 19. Juni: 16: Das Schulwesen Südamerikas. 16.30: Einführung in die moderne Musik. 17: Uebertragung aus Leipzig. 18: Bühnenkunst im Wandel der Zeiten. 18.30: Französisch für Anfänger. 18.55: Einführung in das Verstehen von Plastiken. Ab 20.10: Uebertragung aus Berlin. Mittwoch, 20. Juni: 16: Schulkundliche Fragen. 16.30: Walter Bloem zem 60. Geburtstag. 17: Uebertragung aus Hamburg. 18: Die Tarifpolitik der deutschen Reichspost. 18.30: Französisch für Fortgeschrittene. 18.55: Technischer Lehrgang für Facharbeiter und Werkmeister. 19.20: Einführung in das Verstehen von Musik. Ab 20.30: Uebertragung aus Berlin. Donnerstag, 21. Juni: 16: Erziehungsberatung. 16.30: Anpassungserscheinungen im Tierreich. 17: Uebertragung aus Berlin. 18: Die Bedeutung der kirchlichen Arbeit für die Erhaltung des Deutschtums, im Auslande. 18.30: Spanisch für Fortgeschrittene. 18.55: Erhöhung der Wirtschaftsverträge durch sachgemäße Behandlung und Verwendung des Stalldüngers. 19.20: Verträge im Geschäftsverkehr des Kaufmannes. Freitag, 22. Juni: 16: Der Beruf des Zimmerers. 16.30: Das junge Deutschland. 17: Uebertragung aus Leipzig. 18: Die Landwirtschaftsabhängigkeit der Industrie. 18.30: Funkwinkel. Den etwas pathetischen Titel„ Ehrt die deutsche Muttersprache" führt eine Vortragsreihe, die von Prof. Dr. Dstar Streicher mit einem Vortrag über Sprachhilfe" eröffnet murde. Durch Sprachhilfe" soll der Kampf aufgenommen werden gegen das fürchterliche Amtsdeutsch, das häufig Verordnungen und Gesetze für alle nöllig unverständlich macht, die sie befolgen sollen. Wie gat die Berdeutschung der juristischen Amtssprache gelingt, wenn ausdrucksgewandte Laien zu Rate gezogen werden, beweist die Reichsversiche= rungsordnung vom Jahre 1909, die durch die Klarheit ihres' Ausdrucks jedem normal begabten Menschen ohne weiteres verständlich ist. Bei der Formulierung dieser Geseze wurde zum erstenmal Sprachhilfe in größerem Maße in Anspruch genommen. Künftig Das Denken in der Volkswirtschaft. 20: Die aktuellen Fragen der Reichs- dürfte sie wohl bei allen neuen Gesezeserlassen herangezogen werden. bahnwirtschaft. 20.30: ,, Der Clown wider Willen", Rundfunkkomödie von Maril. 22.30; Schlager von einst und jetzt. Königswusterhausen. Sonntag, 17. Juni: Ab 6.30: Uebertragung aus Berlin. 18.30: Deutscher Dichtersommer. 19: Die Gestalt des Arminius in Ueberlieferung und Dichtung. 19.25: Uebertragung aus Hamburg. Anschließend Uebertragung aus Frankfurt. Anschließend Uebertragung aus Berlin. Montag, 18, Juni: 16: Englisch( kulturkundlich- literarische Stunde). 16.30: Künstlerschicksale im 19. Jahrhundert. 17: Uebertragung aus Berlin. 18: Vom Zauber des Johannestages in der Dichtung. 18.30: Englisch für Anfänger. 18.55: Die Gefährdung und Erhaltung des Waldes im Ruhrkohlenbezirk. 19.20: Das Wasser " Die Berdeutschungssehnsucht braucht dabei allerdings nicht so weit zu gehen, daß, wie Professor Streicher es z. B. wünschte, der naturwissenschaftliche Begriff Plasma" mit den ausdruckslosen und umständlichen Worten ,, gallertartige Masse" übersetzt wird. Dr. Mar Apel gab einen furzen, ausführlichen Ueberblick über die ,, Schellingsche Naturphilosophie". Dr. Paul Kaßler legte in seinem Vortrag über Besik und Eigentum" die wirtschaftliche und sozialpolitische Notwendigkeit einer Bodenreform dar. Eine Abendveranstaltung wurde unter dem Titel„ Quodlibet gebracht. Die musikalischen Scherze, teils recht harmloser Art, wie in den„ Maschinenbauern von Berlin", teils voll luftiger Satire, wie die Brennertsche ,, Salome"-Parodie, ließen wohl alle hörer auf ihre Rechnung fommen. Gefchickt märe es allerdings gewesen, menn für diese Veranstaltung die erläuternden Texte etwas amüsanter formuliert worden wären. Les. Englisch für Fortgeschrittene. 18.55: Energiewirtschaft in Mitteleuropa. 19 20: Wissenschaftlicher Vortrag für Tierärzte. 20: Wie entsteht eine Rundfunktzeitschrift. 20.30: Der kommende transozeanische Luftverkehr. 21: Die Anfänge der Arbeiterbewegung in Europa. 21.30: Die Wunder der Unterwelt. Aschließend Uebertragung aus Berlin. Ab 22.30: Uebertragung aus Königsberg. Sonnabend, 23. Juni: 16: Das Ringen um die neue deutsche Körperkulttr. 16.30: Mitarbeit der Beamtenschaft an der Verwaltungsreform. 17: Uebertragung aus Hamburg. 18: Kommunale Fürsorge in Wien. 18.30: Spanisch für Anfänger. 18.55; Chormusik. 19.20: Weingärtners Südtiroler Silhouetten. Ab 20.30: Uebertragung aus Berlin. Wefferbericht der öffentlichen Wetterdienfisielle Berlin und Umgegend. ( Nachdr. verb.). Teils heiter, teils wollig, vereinzelte Regenschauer. Stübl und mäßige aber immer noch böige westliche Winde. Für Deutschland. Im Norden weiterhin veränderlich, im Süden Befferung des Wetters und tagsüber etwas wärmer. Unternehmen der Gewerkschaften ENDCAR Ohne Anzahlung 3. Mk. Wochenrate Monatsrate 12. Mk. Zu beziehen durch samtliche freigewerkschaftlichen Organisationen od direkt durch INDCAR- FAHRRADWERK Aktiengesellschaft Berlin Lichtenrade Fabrik- Niederlage: Berlin, Oranienstraße 127 Verkaufszeit: Werktäglich von 9-7 Uhr. Reparatur- Werkstatt. Billign Kinine Jagn Jedes Kind erhält min Auto!! 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Wenn dann dem anerkannten Fachmann, dem sachkundigsten Berater.. dén tiefste Liebe mit seinem Berufe verband, in so reichem Maße Gerechtigkeitssinn und Mitempfinden eigen ist, wie unserm lieben Heimgegangenen, dann muß er und seine Arbeit in uns weiterleben und uns in Dankbarkeit unvergessen bleiben. Wer so wie er war, des Leben muß köstlich gewesen sein, denn es war Mühe und Arbeit. Die Angestellten und das Betriebspersonal Berliner Straßenbahn- Betriebs- G.m. b. H. Am Freitag, dem 15. d. M., verschied nach kurzem, schwerem Leiden im 68. Lebensjahre Herr Generalinspektor Robert Krause Der Verblichene hat dem Straßenbahnunternehmen 40 Jahre hindurch treu gedient. Seine großen Verdienste um die Entwicklung des Berliner Straßenbahnverkehrs wer len stets unvergessen bleiben. Berlin, den 16. Juni 1928. Aufsichtsrat and Vorstand der Berliner Straßenhahn- Betriebs- G.m.b.H. Die Trauerfeier findet am Dienstag, dem 19. d. M., naohm. 2 Uhr, auf dem Straßenbahnhof in der Belziger Straße, Berlin- Schöneberg, statt, im Anschluß daran die Beisetzung auf dem alten Schöneberger Kirchhof, Hauptstraße 46. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Klempner Paul Selke geboren ben 19. Januar 1869, am 14. Juni gestorben ift. Chee feinem Andenken! Die Einäfcherung findet am Diens tag, bem 19. Junt, 19%, Uhr, im Krematorium Gerichtstraße ftatt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die uns beim Sinfcheiden meines geliebten Mannes, unferes Blumenspenden uten unvergeßlichen Baters, eteber Art tetett o teismeri Paul Golletz. borut. Robert Meyer Mariannenstraße 3, Ede Naunynstraße Amt Morikol, 108 09 wiesené Teilnahme fagen wir allen Freunden und Bekannten, fowie den Rollegen unseren herzlichsten Dank. Frau Alwine Pritzkow und Kinder. Silberne Hochzeit. Unferem Bezirksflihrer Heinrich Poppe und feiner lieben Ehefrau Maria bringt zum heutigen Tage bie herzlichsten Glüdwünsche dar der 6. Bezirk in Tempelhof. 999006666ese KLEINE NZEIGEN In der Gesamtauflage des Vorwärts sind besonders wirksam und trotzdem sehr billig! Möbel Fabrik Schefflan Rosenthaler Str. 56 Speise275 an Krause- Pianos Herrenzur Miete W50, Ansbacherstr.1 von 275 an SchlafZimmer von 360.- an BILLIGE NORDLAND REISEN MIT > MONTE OLIVIA